Lippische Post. (Früher Sonntagspost.) Oraan der liberalen Volks- und Fortschrittspartei in Lippe. Erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends mit Zugabe des Illustrirt. Sonntagsblattes“.— Kostet bei den ReichsPostanstalten, in der Expedition und bei unsern Kolvorteuren in Detmold. Lage und Blomberg 1 Mk. KK 107. Leingo, Donnerstag, 10. Septbr. 1885. Anzeigen werden mit 10 Pfg. die 4=gesp. Zeile berechnet. Für das Blatt bestimmte Anzeigen werden außer in der Expedition in Lemgo auch von den bekannten Kolporteuren in Detmold Lage und Blomberg entgegengenommen. Zur Tagesfrage. Die Ruhe und Würde, welche von der deutschen Reichsregierung und von der gesamten deutschen Presse bisher gegenüber den deutschfeindlichen Demonstrationen im Vaterlande des edlen Riters Don Quixote bewahrt wurden, sind auch durch den skandalösen Zwischenfall vom Freitag nicht erschüttert worden. Die„Nordd. Allgem. Zig., das Sprachrohr der Reichsregierung, hatte bis dahin in auf die Karolinenfrage die größte Zurückhaltung gezeigt; beim Eintreffen der Nachricht, daß in Madrid das deutsche Gesandtschaftshotel vom Pöbel angegriffen, das Reichswappen herabgerissen und zertrümmert wurde, erschien in dem genannten Blatte eine Note, welche zeigt, daß auch jetzt noch die deutschen leitenden Kreise den Ausschreitungen in Spanien„kühl bis ans Herz hinan“ gegenüberstehen. Die Exzesse werden zwar bedauert, aber zugleich wird nur die Hoffnung ausgesprochen, daß die gerichtliche Untersuchung alles klären werde. (Siehe Politisches)... am 4—5— m..:.. Nun, wenn sich auch die Madrider Polizei bei dem erwähnten Pöbelexzeß schwach gezeigt hat, so thut doch die Regierung des Herrn Canovas del Castillo jetzt das Ihre, um den begangenen Fehler gut zu machen. Es wurden wegen der Demonstration vor dem deutschen Gesandtschaftshotel 200 Verhaftungen vorgenommen und Deutschland darf über zeugt sein, daß die Schmach, die seinem Wappen angethan wurde, vor den spanischen Cerichten gesühnt wird. Damit ist allerdings die eigentliche Streitfrage noch gar nicht berührt; die Erbitterung der Spanier wird nur noch verstärkt. Die liberalen Blätter Spaniens fordern die Kriegserklärung an Deutschland; es ist das ein Beweis für die Unüberlegtheit und nationale Ueberhebung, wie sie sich selten lächerlicher äußern. Diesen Eindruck machte die Nachricht nicht nur in Deutschland, sondern auch in England und sogar in Frankreich. Die dem jetzigen französischen Ministerium Brisson nahestehenden Blätter haben den Spaniern in unzweidentigster Weise zu erkennen gegeben, daß Spanien im Kriegsfalle auf Frankreich nicht rechnen dürfe Spanien könnte einen Krieg gegen Deutschland nur durch Seeräuberei führen, d. h. dadurch, daß es seinen Kriegs= und Handelsschiffen Freiheit gäbe Ein rätselhaftes Verschwinden. Amerikanischer Roman frei in's Deutsche übertragen Von Heury Per.. Fortsetzung. Und ohne ein Wort der Erwiederung abzuwarten, eilte sie die Stiege hinab und öffnete unten angelangt eine Thür, welche in dieselbe Stube führn, di ich vor etwa zwei Stunden verlassen hatte. Alles schien darauf hinzudeuten, daß die beiden unheimlichen Männergestalten, welche schweigend dasaßen, der eine den Aus gana rechts, der andere jenen links bewachend, nicht die Absicht hatten, diese Nacht mit Schlafen hinzubringen. Die alte eiserne Uhr in dem wuimstichigen Kasten schlug gerade die Mitternachtsstund: und auf dem Herde war frisches Feuer angemacht worden und die heruntergebrannten Lichter hatten neue ersetzt. All dieses waren wohl an und für sich geringfügige und sicherlich nicht beunruhigende Anzeichen, allein ich glaubte bei meinem Eintreten auf dem Gesichte jener Männer einen Entschluß zu lesen, der mich auf der Stelle überzeugle, daß Lucretia wahr gesprochen und mein Leben in diesem Hause wirklich gefährdet sei. Während sich mir diese Ueberzeugung mit der Schnelligkeit des Gedankens aufgedrängt hatte, war das Mädchen nicht von meiner Seite gewichen. Da stand es knapp bei mir und mit solch' einer Entschlossenheit und Furchtlosigkeit in Blick und Haltung, daß seine Gegenwart für mich hinreichte, jede Besorgnis zu verscheuchen. Wurde diese Willenskraft in meinem Dienste geübt, so deutsche Kauffahrer abzufangen. Damit ware es aber auch schon am Ende seiner kriegerischen Aktion; ohne irgendwelche nationale Ueberhebung, einfach unter dem Hinweis auf die vorhandenen Marinekräfte, darf gesagt werden, daß Deutschlands Kriegsflotte der spanischen weit überlegen ist; die spanischen Küsten sind ungeschützt; die spanischen Kolonien haben nur einen äußerst losen Zusammenhang mit dem Mutterlande; Kuba, die„Perle der Antillen“, befindet sich fast ununterbrochen im Aufstande gegen die Spanier; Portoriko gäbe kein übles Faustpfand ab, wenn Spanien wirklich Kaper ausrüstete. Aber an einen Krieg ist gar nicht zu denken. Keine spanische Regierung, ob es nun eine monarchische, eine neue republikanische oder gar eine sozialistische sei, würde dem eigenen Lande gegenüber die kolossale Verantwortung einer Kriegserklärung an Deutschland übernehmen wollen. Aber auch die Begründung des„guten Rechts“ der Spanier auf die Karolinen steht auf den denkbar schwächsten Füßen. Alle Angaben und Dokumente, welche Herr Canovas del Castillo bisher hat machen bezw hervorsuchen lassen, sind fadenscheinigster Natur Die Reichsregierung legt auf den Besitz der Karo linen schwerlich einen so hohen Wert, daß sie die selben nicht wieder herausgeben sollte, falls Spanien seine„besseren Anrechte" begründen könnte. Das letztere ist aber thatsächlich nicht der Fall und die Pöbelexzesse in Spanien sind für uns keine Gründe, um auf ein Besitztum zu verzichten, das nicht nur durch das Aufhissen der deutschen Flagge, sondern durch jahrelange Kulturarbeit deutscher Firmen unser eigen geworden ist. Die Langmut Deutschlands gegenüber dem spanischen Trubel hat ihren Grund einesteils in dem Bewußtsein des von der Macht getragenen Rechts, andererseits aber auch in der Rücksicht gegen einen jungen Monarchen, der ein naher Verwandter des österreichischen Kaiserhauses ist, und dessen ohnehin schwierige Lage man nicht noch unnötiger Weise verschlimmern möchte. Kann sich König Alfons gegenüber der drohenden Haltung der spanischen Republikaner auf seinem Throne behaupten, dann wird sich auch endlich die Erregung der Massen seines Volkes legen und die Karolinenfrage kann alsdann fein säuberlich von den Herren Diplomaten, statt durch Pulver und Blei gelöst werden. mußte ich als Sieger aus der mich bedrohenden Gefahr hervorgehen. Von diesem Bewußtsein getragen, schwang ich meine Reisetasche über die Schulter und that einen Schritt gegen die unbewegliche Gestalt meines Wirtes und somit gleichzeitig gegen den Ausgang. Rasch erfaßte das Mädchen meine Hand und stellte sich vor mich hin.„Bleiben Sie hier steben!" sagte Lucrctia und gegen thren Bruder gewendet, welcher vor der entgegengesetzten Thür saß, fuhr sie fort:„Karl, öffne die Tdür, vor welcher dein Vater sitzt und lasse den Herin hinaus, er hält das Haus bei diesem Sturm für unsicher und wünscht zu gehen. Sofort, hörst Du! setzte sie in noch entschlossenerem Tone hinzu, als er keine Anstalten traf, ihrem Befehle— denn ein solcher war es ihrem Tone nach— zu willfahren. Politische Uebersicht. Deutschland. Der Kaiser begab sich am Montag Vormittag auf das Manöverterrain des Gardekorps bei Buch und kehrte nachmittags nach Berlin zurück. Mittwoch Abend sollte die Abreise des Monarchen nach Baden=Baden erfolgen, wohin ihm die Kaiserin bereits am Montag vorausgereist ist. — In der nächsten Woche wird in Braunschweig der Landtagsausschuß zur Besprechung der Thronfolgefrage zusammentreten; bald darauf wiro auch der Landtag einberufen werden. — Durch die Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Statthalter der Reichslande wird der deutsche Botschafterposten in Paris frei. Für denselben ist Herr v. Radowitz, bisher Botschafter in Konstantinopel, bestimmt. — Zeitungsnachrichten wollen wissen, daß der Reichslag gar schon Mitte Oktober zusammen; berufen werden möchte. Welchen thatsächlichen Anhalt diese Mitteilung hat, ist uns unbekannt; indessen hat die Angabe wenig Wahrscheinlichkeit für sich, da nicht anzunehmen ist, daß eine Berufung des Reichstages vor Beendigung bezw. Feststellung des Ergebnisses der Wahlen zum preußischen Landtage erfolgen möchte. Andererseits sind auch die Vorarbeiten für die geplanten Vorlagen für den nächsten Reichstag noch ziemlich weit im Rückstande, selbst die Etatsarbeiten bedürfen noch geraumer Zeit zu ihrem Abschluß. Es darf angenommen werden, daß sich namentlich die Vorbereitungen für den Militär=Etat durch die Verhandlungen zwischen den Bundesstaaten recht umfangreich gestalten. — Bei Gelegenheit der Katholikenversammlung in Münster tagten auch dort die katholischen Studentenverbindungen. Hier hat nun Windthorst in einer Ansprache sich u. A. wie folgt geäußert:„Ich werde hier an eine wunde Stelle erinnert, an den Frühschoppen. Meine Bekämpfung des Frühschoppens werde ich mit meinem Freunde Reichensperger weiterführen. Ich bin zwar zum Frühschoppen beim Reichskanzler gewesen, da wurde aber Champagner getrunken; der kann nicht so gefährlich werden, namentlich wenn dafür 100 pCt. und noch etwas darüber Zoll bezahlt werden. Wenn Der Mann zögerte nicht allein, sondern er setzte sich noch knapper vor den Ausgang und brummte blos: „Ein Narr, der bei solchem Wetter hinaus will, und eine Närrin, die ihn dazu ermutigt.“ „Oeffne, ich habe selten eine Bitte an Dich, erfülle mir diese, hörst Du?“ „Du hast wohl auch die Absicht, den Gentleman zu begleiten? Das aber leide ich bei diesem Wetter, Deiner Gesundheit willen nicht, Lucretia, verstehst Du?“ Bei diesem Gespräche hatte sich der Alte von seinem Sitze erhoben und so aufgestellt, daß er mit seinem breiten Rücken die Ausgangsthür vollständig deckte, allein in die Unterredung mischte er sich nicht. Lucretia schien indeß die letzten Worte ihres Brudes überhört zu haben, denn sie wiederholte ihre Frage:„Willst Du die Ausgangsthür öffnen? Ja, oder Nein?" dabei machte sie einen Schritt gegen das Herdfeuer und zog, meine Hand erfassend, mich mit. „Nein, ich will nicht!“ lautete die Antwort„das Hausthor ist für die Nacht geschlossen, und es fällt mir nicht ein, heute noch einmal zu öffnen.“ Ihr blasses Gesicht wurde noch bleicher, als sie sich gegen ihren Vater wendete und in scharfem eindringlichem Tone zu ihm sagte:„Einer von Euch beiden muß das Thor öffnen. Hört Ihr? dieser Gentleman hat für gut befunden, das Haus zu verlassen und seinem Willen muß Folge geleistet werden. Noch einmal, öffnet das Thor oder ich öffne es.“ Mit einer zornigen Geberde stürzte sich der Alte auf seine Tochter. Ich warf mich zwischen die und suchte durch meinen ausgestreckten Arm den Leib des Mädchens zu decken. Allein schon stand Lucretia aufgerichtet und ihr furchtloser Blia, der mein Auge gleich einer weißen Flamme traf, zwang mich den Arm sinken zu lassen.„Keinen Schritt weiter,“ rief sie dem Alten mit even so großer Ruhe als Entschlossenheit zu.„Keinen einzigen Schritt, oder ich werfe das in die Flamme des Herdes, um dessentwillen Ihr, ich zuvor gehört, nicht ansteht, das Heil Eurer Seele und Euren Hals zu wagen.“ Und sie zog ein Päckchen Banknoten aus ihrem Busen und hielt es über die Flamme. „Du!“ war alles, was der alte Mann, dessen Auge mit trunkener Gier auf dem Gelde haftete, hervorzubringen imstande war. Jor kennt mich, ich mache nicht viel unnötige Worte,“ fuhr das Mädchen in überlegen befehlendem Tone fort.„Ob Ihr mich hinterher würgt oder 15tet, das Bier entsprechend höher besteuert wird, gebe ich auch meine Opposition gegen den Frühschoppen auf. Ich werde also bei der nächsten Zolldebatte auf eine vermehrte Erhöhung der Steuer auf Bier dringen(Oho, oho!)— sofern es des Morgens getrunken wird; des Abends soll es vollständig von Zoll frei sein.“(Bravo!) — Gegenüber den Mitteilungen vom Abbruch der Handelsbeziehungen mit Deutschland seitens spanischer Kaufleute wurde schon aus Breslau, von wo ein starker Spiritusexport nach Spanien stattfindet, geschrieben, daß dort nichts von einem solchen Abbruch bekannt sei. Vor einigen Tagen schreibt der„Nat.=Ztg.“ eine Berliner Firma: „Mein beständiger Verkehr mit Spanien veranlaßt mich, diese wenigen Zeilen an Sie zu richten. Nach Zeitungsberichten sollen von Spanien aus Ordres annulliert, Zahlungen unterblieben sein 2c. Ich habe nun in dieser letzten Zeit ziemlich lebhafte Korrespondenzen mit meinen Freunden in Spanien gehabt; es sind Häuser ersten Ranges, größere Firmen der Textilbranche und Bankiers. In keinem einzigen der von dort erhaltenen Briese ist die Karolinenfrage auch nur mit einem Worte erwähnt. Es fällt mir nun auf, daß blos mei ie Freunde der Karolinenfrage so gleichgültig gegenüber stehen sollen und nicht, wie angeblich andere spanische Kaufleute, diese Zeit benutzen, um mir Schwierigkeiten zu bereiten. Ich glaube daher, daß die erwähnten Berichte sehr übertrieben sind, oder nur auf solche spanische Kaufleute zutreffen, die auch in regulären Zeiten Chikanen machen. Der anständige spanische Kaufmann, und dies ist die überwiegend große Majorität, bewährt sich gerade in solchen scheinbar kritischen Zeiten(denn auch in Spanien glaubt, meiner Meinung nach, kein vernünftiger Mensch an eine ernste Verwickelung mit uns) sowie erst recht in wirklich kritischer Zeit als der solide gediegene Kaufmann, der seinen Verpflichtungen aufs pünktlichste nachkommt. Ich habe eine ziemlich große Erfahrung hierin, denn seit 1862 bin ich in engster Beziehung mit Spanien gewesen und geblieben; ich habe in dieser Zeit die verschiedensten Wandelungen mit erlebt, der Kaufmann hat sich durch die politischen Ereignisse nie berühren lassen, weil er eben zu sehr Kaufmann ist, der vor Allem auch sehr viel auf seine kaufmännische Ehre hält.“ — Die Ausschreitungen des von Franzosen aufaehetzten Madrider Pöbels gegen die deutsche Gesandtschaft werden von den deutschen Blättern mit angemessener Ruhe behandelt. So schreibt die„Norod. Allg. Ztg.“:„Es kann kaum ausbleiben, daß die Nachrichten, welche auf telegraphischem Wege über die Scenen nach Deutsch land gelangt sind, deren Schauplatz am Freitag Abend die Hauptstadt Spaniens, und deren Ziel punkt namentlich das Gebäude der deutschen Gesandtschaft und dessen unmittelbarste Umgebung gewesen ist, eine gewisse Erregung in dem Geiste der deutschen Leser hervorrufen werden; vor Allem dürfte ein hoher Grad von Verwunderung greifen, da in den Augen jedes Unbefangenen der ganze Verlauf der Karolinenangelegenheit bisher kein Moment geboten hat, aus welchem das zügellose Treiben der Madrider Tumultuanten sich erklären ließe. Aber solche Vorgänge wollen nicht nach den ersten Eindrücken beurteilt werden. Es giebt im Leben der Völker Augenblicke, in denen selbst eine kräftige Regierung, wie z. B. die preußische, sich vorübergehend außer Stande sehen könnte, uesen hn eche. schädigung, zu verhüten. Im vorliegenden Falle wird hoffentlich, wenn nicht auf anderem Wege, doch jedenfalls durch die gerichtliche Untersuchung, klar gestellt werden, was für Leute es waren und von welchen Impulsen geleitet, die zu jedem Mittel greifen, um Feindschaft zwischen Deutschland und Spanien zu stiften.“ Eine Norrespondenz in der„Freisinnigen Zeitung" betreffend. In Nr. 5 der„Freis. Ztg.“ befindet sich eine mit„Aus dem Fürstentum Lippe= vorgezeichnete, Thronfolgefrage in Lippe betr. Korrespondenz,— auch aufgenommen in Nr. 106 der„Lipp. Post“. Wer über eine so wichtige Sache berichtet, der muß über dieselbe auch gehörig informiert sein, damit Unrichtigkeiten vermieden werden. Dem Korrespondenten scheint indes die nötige Kenntnis über die betr. Vorgänge zu fehlen,— oder sollte demselben nur die Absicht vorgeschwebt haben, dem mutmaßlichen Nachfolger in der Regierung des hiesigen Landes eine rosige Zukunft in Aussicht zu stellen?— Ueber derartige Mutmaßungen hinweggeheno, will der Unterzeichnete sich nur gestatten, die nötigen Berichtigungen zu machen und an das Ganze dann einige Bemerkungen zu knüpfen. Die Angabe das Domanium sei nach dem Vertrage von 1868 Privat=Eigentum der jetzt regierenden fürstlichen Familie geworden, muß als unrichtig bezeichnet werden. Nach dem betr. Vertrage ist das Domanium glücklicher Weise nur Fideikommisgut der regierenden Familie georieven.— Dasselbe darf ohne Genehmigung des Landtags nicht verkleinert noch verändert werden;— doch ist damit für das Land der große Nachteil entstanden, daß das Domanium von den bis dahin darauf ruhenden Regierungslasten befreit, und das Land mit einer ungenügenden Entschädigung abgefunden ist. Wenn das Domanium, wie hier der Fall war, in erster Linie die Regierungslasten zu tragen hatte, so mußte es notwendig in diesem Verhältnis zum Staate bleiben,— weil die fortwährend steigenden Staatsausgaben durch die ebenfalls steigenden Domanial=Einkünfte ausgeglichen wurden. Durch das 1868 vollzogene Domanial=Abkommen müssen aber die von da an bedeutend gestiegenen Staatsbedürfnisse allein durch erhöhte Steuern aufgebracht werden, während die gleichfalls wachsenden Einkünfte aus dem Domanium in die fürstlichen Kassen fließen.— Infolge davon wird der Nutznießer des Domaniums nun immer reicher— und das Land, dem der Anteil an den zunehmenden Domanial=Einkünften entzogen ist,— immer ärmer!— abgesehen von den Schädigungen, welche noch die notwendige Folge sind. Der damals zu stande gekommene, nur von einer geringen Mehrheit des Landtags genehmigte Vertrag war ein offenbar unglücklicher, so daß den Veranlassern kein Segen daraus ersprießen kann. Unterzeichneter nannte ihn damals unvorsichtig eine Beraubung des Landes und hat diese unvorsichtige Acußerung mit zwei Monat Festungshaft büßen müssen;— umsomehr würde es ihn freuen,— wenn das gilt mir gleich. Allein dieser Herr muß auf der Stelle unbehindert das Haus verlassen oder ich vernichte diese Summe mit einer einzigen Handbewegung.= „Du!“ stammelte der Alte noch einmal mit bebender Lippe,„Du!“ wiederholte er drohend, rührte sich jedoch nicht vom Platze. Anders der Jüngere: wie ein verwundeter Tieger war er von seinem Sitze emporgefahren und stand nun mit einem Satze vor seiner Schwester— eine Sekunde noch und der Strolch hätte ihr das Geld mit roher Gewalt entrissen— wenn ich ihm nicht auch schon einen Stoß mit der Faust versetzt hätte, welcher ihn sofort zu den Füßen des Mädchens streckte. Lucretia gab keinen Laut von sich, allein in dem selben Augenblick glitt eine Banknote in die Glut des Herdfeuers und im Nu war das Wertpapier zu Asche umgewandelt. Mit dem Aufschrei eines wilden Tieres, das man an seiner empfindlichsten Stelle verwundet, folgte des Alten Auge dem entschwindenden Gelde. Wülend stampfte er den Boden und schrie ein dröhnendes: „Halt ein, ich öffne!“ Die Hand aber, welche das Geld hielt, blieb so lange über das Feuer gestreckt, bis jenes Versprechen auch wirklich vollzogen war. „So,“ kreischte der Alte, nachdem er die Thür ge öffnet,„jetzt gehe, Närrin, und möge Dich der Blitz unterwegs erschlagen, aber voiher das Geld her!“ „Entferne Dich von dem Ausgang," befahl das heldenmütige Mädchen, den Fluch des Alten nicht beachtend,„und lasse Karl dieses Licht anstecken,“ dabi griff sie nach einer Laterne, welche über dem Herde hing,„Du aber halte ihn, bis wir draußen sind.“ Der Anblick des brennenden Geldes hatte Wunder gewirkt, sofort war der Ausgang frei und die Laterne angezündet. Wir schickten uns zum Fortgehen an.„Eilen Sie voran, ich felge Ihnen,“ deutete mir das Mädchen. Diesmal bestand ich jedoch auf meinem Willen und wir gingen neben einander. „Das Geld— her mit dem Gelde!“ krächzte der Alte. „Bei meiner Rückkehr sollst Du es haben,“ erwiderte das Mädchen und wir verließen das Haus. Zwölftes Kapitel. Die Liebe eines Weibes. So lange ich lebe, wird mir die nun folgende Stunde unvergeßlich bleiben. Kaum hatte man uns das Thor geöffnet und die Freiheit gegeben, als der strömende Regen, vom Sturme gepeitscht, uns auch schon in eine undurchdringliche Wolke von Nässe hüllte und die herrschende Finsternis womöglich noch vermehren half. Nichtsdestoweniger rieselte ein elckirischer Strom durch meine Adern, als mich die jugendliche Heloin bei der Hand nahm und mit erstaunlicher Sicherheit durch die Schwärze jener Nacht geleitete Es war nicht so sehr des Mädchens Schönheit, als seine Willenskraft, welche mich ausübte. Der Sturm selbst schien sich ihrem Willen zu beugen und der Wind blos da, ihren Fuß zu beflügeln. Sobald wir uns auf der offenen Landstraße befanden, blieb Lucretia und sah zurück. Nur mit Müße vermochte sie einen Angstschrei zu unterdrücken:„Sie verfolgen uns wußt ich's doch!“ flüsterte sie mir mit zitternder Stimme zu und mit Blitzesschnelle zog sie mich nach dem Gebüsche von der offenen Landstraße hinweg. Zu er die Anullierung des, so viele und noch fortdauernde Unzufriedenheit verursachten Vertrags erlebte! Da beim Ableben des jetzt regierenden Fürsten auch wohl die Regierungsnachfolge in der fürstlichen Familie erlischt, so kann der durch die— gelinde ausgedrückt— unglückliche Handlungsweise der betr. Abgeordneten zu stande gekommene Vertrag glücklicherweise wieder aufgehoben werden, wenn die Landesvertretung eine entschieden liberale ist und— auf das gute Recht des Landes fußend— darauf besteht. Nur unter der Bedingung, daß das Domanium ein unter die Verwaltung des Landes gestelltes Staatsgut wird, und daß der gegenwärtige großartige Regierungs=Apparat aufhört, darf die Landesvertretung in den Fortbestand der Selbständigkeit des Landes willigen, weil die Fortdauer der jetzigen Uebelstände, wie auch der Kurzsichtigste einsehen kann, zum Ruin des Landes führen muß! Der betreffende Regierungs=Nachfolger wird dies, als mutmaßlich verständiger Herr, auch leicht einsehen und unter der vorbemerkten Wandelung und Feststellung einer Zivilliste für ihn, die Regentschaft über das Fürstentum Lippe gewiß gern antreten. — Im Falle derselbe aber, wider Erwarten, auf die angedeuteten notwendigen Aenderungen des jetzigen unnatürlichen Zustandes nicht eingehen sollte,— so muß die Landesvertretung das Aufhören der Selbständigkeit des Landes und die Umwandlung in Reichsland oder in eine preußische Provinz erstreben. Das Land würde dadurch, auch bei voller Auszahlung der rechtlichen Ansprüche der Nebenlinien des fürstlichen Hauses— wie die jetzige preußische Provinz Hannover zeigt— in jeder Beziehung bedeutend gewinnen. Es würde nicht wie ein Knochengerippe, sondern in seinem vollen Bestande so wohl genährt dastehen, daß es von jeder Seite mit offenen Armen aufgenommen werden und ihm, gleich der jetzigen Provinz Hannover, ein beträchtlicher Provinzialsonds gewährt würde. Tritt nach dem Aufhören der jetzt regierenden Linie der erbberechtigte Nachfolger unter den vorbemerkten Voraussetzungen die Regierung an und führt er sie in dem steten Bewußtsein, daß das Land und dessen Bevölkerung nicht seinetwegen, sondern umgekehrt,— der Fürst oder Regent der Bevölkerung wegen da sei,— so ist damit das Wohl und Glück des Landes gesichert!— Sollte aber die angeregte Wandelung eintreten müssen,— so wird sie zur großen Befriedigung aller einsichtigen und gefühlvollen Bewohner gereichen, welchen die vom Jahre 1853 an dem Lande widerfahrene Behandlung auf geistigem und materiellem Gebiete bekannt ist! W. Bärten. Mitteilungen aus Rah und Fern. Lemgo. Aus der Sitzung unserer Stadtverordneten am Dienstag Abend teilen wir folgende Beschlüsse mit dem Bemerken mit, daß wir auf dieselben, nachdem sie die gemeinschaftliche Sitzung passiert haben, näher zurückkommen werden: Dem Antrage, 2 eiserne Gaskandelaber an der neuerbauten Tanzhaustreppe anzulegen, stimmte die Sitzung mit der Bedingung zu, daß vorher Riß und Kostenanschlag darüber eingereicht wird. Betreffs Verstaatlichung unseres Gymnasiums lagen verschiedene Reskripte Fürstl. Regierung vor. Dieselben wurden verlesen und soll darüber in gemeinschaftlicher Sitzung beraten werden. meinem maßlosen Erstaunen fand ich daselbst mein vollkommen gesatteltes Pferd. Mit großer Behendigkeit band meine Führerin das Tier los, hing die brennende Laterne an dem Sattelknopf auf und versetzte dem ohnehin schon ungeduldigen Pferde einen tüchtigen Hieb in die Flanken. Dieses stutzte, bäumte sich, gab ein unzufriedenes Wiehern kund und jagte die Landstraße entlang von dannen. Stille,“ wisperte Lucretia,„wir warten hier!“ als man auch schon ganz deutlich Schritte vernahm. Ihr Vater und Bruder rannte an unserem Versteck vorüber. „Sie sind zu gütig,“ sagte ich gerührt, sobald mich unsere Lage erst zu Worten kommen ließ.„Weshalb setzen Sie sich solcher Gefahr eines Fremden willen aus?“ Sie antwortete nicht, aber ihre Hand umschloß die meinige fester und fort ging's einen, wie es schien schmalen, beständig von Gestrüpp eingeengten Weg abwärts. Von Zeit zu Zeit erhob sich ein neuer wütender Windstoß, der uns das Athmen bis zur Unträglichkeit erschwerte. Der Mut und Ausdaver meiner zarten Gefährtin beseelten jedoch meine Kraft immer von neuem. Als wir uns noch ungefähr eine weitere halbe Meile Weges außer Atem gerannt hatten, blieb sie stehen und sagte, sobald sie ausgeruht war, um sprechen zu können:„Wissen Sie, daß der Weg, welchen wir socben zurückgelegt, an einem schaurigen Abhange vorbeiführt und noch eine Vietelmeile lang unsicher und gefährlich bleibt? Auch ist es keine Seltenheit, daß hier ein Reisender samt seinem Pferde verunglückt, zumal in einer finsteren Sturmesnacht wie diese—“ (Fortsetzung folgt.) den 1orund and sern lkeund ige zur ühlihre auf ordBeben, siert der die Riß ums vor in rein digdie verinen imte agte hm. steck nich halb len loß hien abrien von albe sie cen chen inge und daß zuLemgo. Für die Obsternte, welche nun beginnt, wird den Besitzern von Gärten in der„M. L.“ ein auter Rat erteilt: Leider werden viele Aepfel und Birnen von den Obstbäumen abgeschütelt, abgeschlagen oder mit einem sog. Obstpflückerabgerissen. Wer das thut, bedenkt nicht, wie verkehrt er seine behandelt und wie er sich selbst schadet für das nächste Jahr.— Es sitzt nämlich, wie jeder leicht sehen kann, an der Spitze des kleinen Zweiges, an welchem ein Apfel oder Birne gewachsen ist, schon jetzt die Blütenknosve für den nächsten Sommer. Wer diese Knospe nun gleich mit abreißt, abschlägt oder abschätelt, der erntet gleich für nächstes Jahr mit. Die Landleute meinen, ein Obstbaum trage nur alle 2 Jahre. Ob das wohl daher kommt, daß so viele Blütenknospen zerstört werden? Ein vernünftiger Obstzüchter pflückt jeden Apfel vorsichtig mit der Hand ab und läßt die Blütenknospen sitzen für das nächste Jahr. Lemgo. Das Fahrkartenwesen der preußischen Staatseisenbahnen wird mit Beginn des nächsten Jahres eine vollständige Umwandlung erleiden. Die Karten der 1. Klasse werden gelb, der 2. grün, der 3. braun, der 4. und die Arbeiterkarten grau sein, analog der Farbe der betreffenden Bo#####.## Retourkarten werden außerdem auf der Vorderseite mit weißen Längsstreifen versehen und die karten quer geteilt, halb braun, halb weiß. Die Schnell=Personenzugs= und Retour=Billette erhalten einen durch einen Strich abgeteilten Abschnitt behufs Verwendung als Kinderkarten, welche zum halben Fahrpreise abgegeben werden. Die Arbeiterkarten haben auf der Rückseite für jeden Wochentag einen Abschnitt zum Abreißen bei der Rückfahrt. Herford. Das Wasser der Werre, schreibt man der„Rh.=W. Zig.“, ist jetzt wieder ziemlich klar; Herr Hoffmann wird also doch eingesehen haben, daß er in der alten ungenierten Weise die Abwässer seines Etablissements nicht mehr laufen lassen darf. Der Ausfall des Prozesses kann für die Stadt Herford nur günstig ausfallen, da über die Schuldfrage kein Zweifel mehr obwaltet, nachdem die Sachverständigen ihr Urteil abgegeben haben. Alles, was Herr Hoffmann erreichen wird, wird Muße sein, seine Einrichtungen zu treffen.— In Sachen unseres schiefen Turmes, der bedenklich aus dem Loth gewichen, hat man das Gutachten eines Sachverständigen eingeholt, und soll sich derselbe für Abtragung des Turmes ausgesprochen haben, denn die Spitze ist bedenklich gewichen und das Mauerwerk gesunken. Ob eine starke Verankerung imstande sein wird, den jetzigen Zustand noch länger zu erhalten, ist fraglich. Arolsen. Auf eine schreckliche Art ist in dem Flecken Rhenegge ein Obstdieb zu Tode gekommen. Mehrere von der Grube heimkehrende Bergleute aus dem westfälischen Nachbarorte Borntosten gingen des Nachts über die Grenze und plünderten die Obstgärten in Rhenegge. Die Schleichwächter mit einem Hunde kamen aber herbei, als die Obstdiebe in der besten Arbeit begriffen waren. Die Bergleute, kräftige junge Männer, suchten rasch das Weite und entkamen auch glücklich, nur einer, ein seit kurzem verheirateter Mann, mußte zurückbleiben, da er hoch in den Aesten saß und die Bäume geschüttelt hatte, während die anderen das Auflesen besorgten. Um seinen Verfolgern nun zu entgehen, sprang er zur Seite vom Baume herab, aber so unglücklich, daß er sich auf den Pfahl des Gartenzaunes im buchstäblichen Sinne des Wortes aufspießte, der spitze Pfahl drang ihm durch den Mastdarm fast einen Fuß in den Leib hinein. Das Jammergeschrei des Unglücklichen war gräßlich, im Nu war das ganze Dorf auf den Beinen, doch gelang es nicht, ihn aus seiner Lage zu befreien, der Pfahl mußte abgesägt werden. Der telegraphisch berufene Arzt erklärte, der Tod sei unvermeidlich, ärztliche Kunst vermöge hier nichts zu thun. Siegen. Der Attentäter, von dessen Verhaftung wir kürzlich berichteten, der(verheiratete) Bergmann Wilhelm Klein aus Struthütten, hat nicht weniger als dreizehn unsittliche Attentate auf verschiedene Frauenspersonen begangen; bei seiner Konfrontierung mit den überfallenen Mädchen leugnete der Verbrecher zwar, wurde jedoch von fast allen sofort wiedererkannt. In fast allen Fällen hat der Verbrecher ein und dieselbe Methode benutzt, seinen Opfern ver mittelst eines Strickes den Hals zuzuziehen. Der Verbrecher wird vor das Schwurgericht in Neuwied gestellt werden. Braunschweig. Von hier aus sind kürzlich einige Tausend Harzer Kanarienhähnchen nach Rumä nien gesandt worden. Die kleinen Sänger beanspruchten zu ihrer Beförderung einen großen Packwagen, welcher von oben bis unten, nur einen kleinen Gang für die Wärter übrig lassend, mit Käfigen besetzt wurde. Die Kararienvögelzucht ist in diesem Jahre keineswegs lohnend gewesen. Im Frühjahr sind viele junge Tierchen eingegangen, und die wirklich groß gezogenen Hähne kosten kaum 3 Mk. das Stück, so daß die Produktionskosten nicht gedeckt werden. Die Bewohner des Harzes und der angrenzenden Distrikte haben in ihren diesjährigen Einnahmen dadurch einen ganz erheblichen Ausfall. Verschiedenes. — Erderschütterung. Man schreibt aus dem Ort Harff a. d. Erft im Reg.=Bez. Köln unterm 5. Sept.: Gestern Abeno 11 Uhr 16. Min. Ortszeit erfolgte hier ein sehr heftiger Erdstoß, sodaß Thüren und Fenster anschlugen; es schien, als ob der Stoß von unten nach oben gerichtet sei. Die Bewegung, welche von lautem Getöse begleitet war, kann ca. 5 Sekunden angedauert haben. Heute Morgen gegen 74 Uhr erfolgten mit kurzen Zwischenpausen nochmals zwei Stöße, aber bei weitem nicht so stark wie nachts. — Für die Jetztzeit dürfte es jedenfalls interessant sein, die Aeußerungen zusammenzustellen, welche die brandenburgisch=preußischen Herrscher gelegentlich von Streitigkeiten zwischen Orthodoxen und auch sonst geihan und damit ihrem Lande den Charakter der Glaubensund Gewissensfreiheit zu wahren gesucht, oder der Herrschsucht der Priester entgegen getreten sind. So heißt es in der„Visitations- und Konsistorial=Ordnung Joachims II. von 1573“ im„Abschnitt von den Pfarrern“: Sie sollen nicht einen Fuß auf dem Predigtstuhl, den andern aber auf dem Rathause haben wollen, denn solches ist nicht ihres Amtes.“— Friedrich Wilhelm I. aber, der„Soldaten König“ sagt in einem Schreiben an den Berliner Propst Roloff, welcher den Reformierten den Mitgebrauch der lutherischen Kirche in Friedrichsfelde nicht gestatten wollte:„Der Unterschied zwischen unseren beiden evangelischen Religionen ist wahrlich ein Pfaffengezänk; denn äußerlich ist ein großer Unterschied, wenn man es aber examiniret, so ist es derselbe Glaube in allen Stücken, sowohl der Gnadenwahl als heiligen Abendmahl. Nur auf der Kanzel, da machen sie eine Sauce, die eine saurer, als die andere; Gott verzeihe allen Pfaffen, denn die werden Rechenschaft geben am Gericht Gottes, daß sie Schulratzen aufwiegeln, das wahre Werk Gottes in Uneinigkeit zu bringen; was aber wahrhaft geistliche Prediger seien, die sagen, daß man sich soll einer den anderen dulden und nur Christi Ruhm vermehren, die werden gewiß selig, aber es wird nicht heißen, bist du lutherisch, bist du reformiert? Es wird heißen: hast du meine Gebote gehalten oder bist Du ein guter Disputator gewesen? Es wird heißen: weg mit dem letzten zum Teufel ins Feuer, die meine Gebote halten, kommt zu mir in mein Reich, Gott gebe uns allen seine Gnade und gebe allen seinen evangelischen Kindern, daß sie mögen seine Gebote halten und daß Gott möge zum Teufel schicken alle, so Uneinigkeit verursachen. Friedrich Wilhelm Rer“— Man sieht also Friedrich Wilhelm I. kannte seine Leute ganz genau und verstand auch wie den Krückstock die Federn zu führen. Sein Beispiel hat denn wohl auch seinen großen Sohn dahin beeinflußt, daß in dessen Staaten„Jeder nach seiner Facon selig werden“ konnte, und auch sein Reff:, Friedrich Wilhelm III., hat der Freiheit der Wissenschaft nicht entgegen treten lassen.„Wäre er ein Dieb oder Räuber, sagte er zu denen, welche die Berufung Fichte's an die neue Universität in Berlin mut dem Hinweis auf dessen„Gottlosigkeit“ zu hintertreiben suchten,„dann würde ich ion ja wehl fassen können, hat er sich aber mit dem lieben Gott gezankt, so mag er zusehen, wie er sich damit vor seinem Gewissen abfindet.“ Und endlich der Prinzregent am 8. November 1858:„In der evangelischen Kirche, wir können es nicht leugnen, ist eine Orthodorie eingekehrt, die mit ihrer Grundauschauung nicht verträglich ist und die sofort in ihrem Gefolge die Heuchelei hat. Diese Orthodorie ist dem segensreichen Wirken der evangelischen Kirche ohnehin in den Weg getreten, und wir sind nahe daran gewesen, sie zerfallen zu sehen. Alle Heuchelei, Scheinheiligkeit, kurzum alles Kirchenwesen als Mittel zu egoistischen Zwecken ist zu entlarven, wo es nur möglich ist. Die wahre Religiösität zeigt sich im ganzen Verhalten des Menschen; dies ist immer ins Auge zu fassen und vom äußern Gebahren und Schaustellungen zu unterscheiden.“— Und heute nach abermals 26 Jahren? Hosprediger mit falschen Zeugnissen, aber echtem wahren Glauben und einer Fähigkeit zum Hetzen, wie sie das Mittelalter nicht besser gesehen hat. wir r..„Volks Ztg.“ — Was den Russen ihr Kaiserhaus kostet, kann man aus folgender Zusammenstellung ersehen: 1) die Personen männlichen Geschlechtes erhalten bis zu ihrer Volljährigkeit einen Jahresgehalt in Geld, vom Taze der Volljährigkeits=Erklärung ab und für ihr ganzes Leben jährliche Geldeinkünfte oder eine Apanage. Die Söhne eines Kaisers erhalten bis zu ihrer Volljährigkeit jährlich 100000 Rub.l(1 Rubel= zum sten 2 Mark), von der Volljährigkeit ab jährlich 500000 Rubel, ihre Gemahlinnen 60000 Rubel; die Enkel: bis zur Volljährigkeit 50000 Rubel, von der Volljährigkeit ab je 500000 Rubel; die Urenkel: bis zur Volljährigkeit je 30000 Rubel, von der Volljährigkeit ab je 450000 Rubel; die Ur=Urenkel: erst nach der Volljährigkeit je 100000 Rubel jährlich; die Fürsten kaiserlichen Blutes erst von der Volljährigkeit ab je 50000 Rubel jährlich. 2) Die Personen weiblichen Geschlechtes erhalten bis zu ihrer Verheiratung einen Jahresgehalt und bei ihrer Verheiratung ein= für allemal eine Mitgift aus der Staatskasse, und zwar erhalten die Töchter und Enkelinnen des Kaisers je eine Million Rubel, die Urenkelinnen und Ur=Urenkelinnen je 300000 Rubel, die weiteren absteigenden Nachkommen weiblichen Geschlechtes je 100000 Rubel. 3) Die verwittweten Kaiserinnen, Großfürstinnen und Fürstinnen kaiserlichen Blutes erhalten eine lebenslängliche Geldpension. Die Kaiserin bezieht als Wittwe denselben Jahresbetrag, wie zu Lebzeiten des Kaisers, ihres Gemahls: 600000 Rubel jährlich und den Unterhalt ihres Hofes; wenn sie ins Ausland reist, die Hälfte. Die verwittwete Gemahlin des Thronfolgers erhält jähr: lich 300000 Rubel und den Unterhalt des Hofes; wenn sie Rußland verläßt, bezieht sie die Hälfte. Die Gemahlinnen der Söhne und Enkel erhalten 60000 Rubel Pension, der Urenkel 30000 Rubel, der Ur=Urenkel 15000 Rubel, der Prinzen kaiserlichen Blutes 10000 Rubel; die Wittwen von Großfürsten und Prinzen kaiserlichen Blutes erhalten, wenn sie Rußland verlassen, nur ein Dritteil ihrer Pension, und wenn sie eine neue Ehe eingehen, verlieren sie dieselbe ganz. Eine weitere Versorgung der Angehörigen des Kaiserhauses hängt von dem Ermessen des Kaisers und dem Stande der Apanagen ab. Durch die neue Rangordnung sollen nun einige der Herrschaften in ihren Einnahmen etwas beschränkt werden. Auszug aus dem Standesamte Lemgo. pro Monat August 1885. 1. Geburten. Ein Sohn: dem Ziegler Heinrich Sturhahn, dem Bürgermeister Hans Adalbert König, dem Gerber Fritz Stock, dem Buchdruckereibesitzer Friedrich Leopold Wagener(Zwillinge), dem Lakirer Karl Baumann, dem Kaufmann Emil Schmidt, dem Arbeiter Simon Schlömer, dem Schuhmacher Karl Corvey, dem Schuhmacher August Beckmann. Eine Tochter: dem Ziegler Konrad Jasper, dem Drechslermeister Bernhard Tille, dem Tagelöhner Fritz Brinkmann, dem Zigarrenmacher Franz Gieshoff, dem Tagelöhner Ernst Sander, dem Wagenbauer Ernst Pohl, dem Ziegler Johannes Sassenberg, dem Ziegler Friedrich Girse, dem Bürstenmacher Herman Reese, dem Ackerbürger Friedrich Arnsmeier, dem Zigarrenmacher August Langenberg, dem Wirt und Bäcker Heinrich Volland. 2. Heiraten: 1. Schuhmachermeister Heinrich Stratemeier aus Lemgo und Marie Wilhelmine Elise Ostmeier aus Horn. 2. Ackerbürger Hermann Heinrich Breitenbach und die Witwe Luise Wilhelmine Schäfer geb. Stellbrink. 3. Sterbefälle. Der unverheiratete Bäcker Christian August Ladwig Hasselmeier 49 J. alt, der Ackerbürger Johann Friedrich Halle 87 J. alt, Johanne Holthaus aus Pottenhausen fast 12 J. alt, der Bürger und Schmied Hermann Friedrich Anton Köhne 70 J. alt, bornes Kind des Zieglers Hermann Pohl, Alwine Dorothee Linne 1 J. 6 M. alt, die unverehelichte Wilhelmine Auguste Voat 20 J. alt, der Müller Philipp Heinrich Ludwig Meyer aus Brake 73 J. alt, die Luise Holste 1 J. 1 M. alt, August Hankemeier 6 W. alt, der Bürger und Tabakspinner Friedrich Hopfe 52 J. alt, die Henriette Luise Amalie Drexhage fast 87 J. Marktberichte. Berlin, 7. Septb. Weizen, per Sept.=Oktb. 151,75 April=Mai 164,75 M. Gek. 18,000 Ztr. Roggen, per Sept.=Oktb. 135,50, April.=Mai1 45,—M. Gek. 38,000 Ztr. Hafer per Sept.=Okt. 124,25 M. April=Mai 132, — M. Gek. 2000 Ztr. Rüböl, loko mit Faß 44,80, ohne Faß 44,30, per Sept.=Okt. 44,60 M., April=Mai 47,80 M Gek. 1600 Ztr. Spiritus, loko 41,80, per Sept.Okt. 41,20, Nev.=Dezb. 41,20, April=Mai 42,40 M. Gek. 280,000 I. Petroleum, loko 23,90, per Sept.=Okt. 23,70 Oktbr.=Nov.—.—, Mk. Gek.— Ztt. Neuß, 7. Septb. Weizen a 100 Kilo 1. Qualität 16,60, 2. Qualität 15,60. Landroggen a 100 Kilo 1. Qualität 14,60, 2. Qualität gerste a 100 Kilo 13.—, Sommergerste a 100 Kilo —.—. Buchweizen a 100 Kilo 1. Qualität—.—, M. 2. Qualität——. Dafer a 100 13.—, 2. Qualität—.—. Rübsen(Aveel) a 100 Kilo 20,40. Raps 22,50. Kartoffeln a 100 Kilo 4,—. Heu a 50 Kilo 3.—. Roggenstroh a 600 Kilo Die Grundeigentümer werden hiermit aufgefordert, die durch die Truppenübungen hier etwa entstandenen Flurschäden spätestens Donnerstag, 10. September d. J. nachmittags 3 bis 6 Uhr auf dem Rathause anzumelden. Lemgo, 9. September 1885. Der Magistrat. Theater in Lemgo. Freitag: Schwank in 3 Akten von Moser. Der landw. Zweig-Verein für die Nemter Brake, Schötmar etc. etc. versammelt sich am Sonnabend, den 12. d. M., nachmittags 3½ Uhr, im Deutschen Hause in Lage und werden die Vereinsmitglieder zu dieser Versammlung hiermit ergebenst eingeladen. Tagesordnung. 1. Vortrag des Herrn Dr. Schleh über die Exkursion nach Anderbeck. 2. Besprechung der diesjährigen Ernte. Der Vorstand. Landwirtschaftlicher Verein Barntrup. Sonntag, 13. d. M. nachmittags 3 Uhr Sitzung in Barntrup. Wahl des Präsidenten. Freiw. Versteigerung. Am Donnerstag, 17. d. M. vormittags 10 Uhr anfangend, werde ich auf dem Hofe der Frau Rittergutsbesitzer v. 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Indem ich prompte und reelle Bedienung bei allen in meinem Fach vorkommenden Arbeiten zusichere, halte ich mich bestens empfohlen. Lemgo im Septbr. 1885. A. H. Sauerländer. Meine Wohnung befindet sich bei Herrn Tischlermstr. Brakhage, Mittelstraße. E. Richardt, Langestraße 3 Detmold, Hornertdor empfiehlt sein vollständiges Lager aller Sorten Handschuhe für Herren, Damen und Kinder zu billigen Preisen. Aufträge von außerhalb werden umgehend besorgt. Tuche, Buckskins und Paletotstoffe in großer Auswahl zu billigsten Preisen empfiehlt H. Borchard. Anzüge nach Maß werden in kürzester Zeit unter Garantie des guten Sitzens angefertigt. 4 0 2(0 Amerikanische Patentwäsche empfiehlt Richardt, Detmold. Prrußische Konsols. Der Umtausch gegen 4% Stücke beginnt den 21. er. Wir nehmen selbige von heute ab in Lemao an unserer Kasse, " Detmold durch Herrn C. Wittenstein zur billigsten Besorgung an. Lemgo, 2. September 1885. B. Lenzberg& Sohn, Bankgeschäft. 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