Lippische (Früher Sonntagspost.) der liberalen Volks- und Fortschrittspartei in Lippe. Erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends mit Zugabe des „Illustrirt. Sonntagsblattes".— Kostet bei den Reichs. Postanstalten, in der Expedition und bei unsern Kolpor: euten in Deimold, Lage und Blombeig 1 Mk. 25 Pfg. S 140. Leingo, Sonnabend, I. Dezember 1883. Angeigen werden mit 10 Pfg. die 4=gesp. Zeile berechnet. Für das Blatt bestimmte Anzeigen werden außer in der Expedition in Lemgo auch von den bekannten Kolporteuren in Detmol 5 Lage und Blomberg entgegengenommen Politische Uebersicht. Der Kaiser empfing am Dienstage das Präsidium des Abgeordnetenhauses. Er unterhielt sich in gewohnter Frische mit demselben zunächst ausführlich über die Lage des Staatshaushalts und sprach seine besondere Befriedigung darüber aus, daß es nach langen Jahren zum ersten Male gelungen sei, einen Etat ohne Oefizit und mit erheblichen Ueberschüssen vorzulegen. Dann auf die auswärtige Lage übergehend, versicherte der Kaiser auf das Bestimmteste, daß uns zur Zeit die Erbaltung des Friedens vollkommen gesichert sei, und daß namentlich die Verhältnisse zu Rußland sich zu seiner großen Freude in der glücklichsten Weise gestaltet haben. — Nach einer Mitteilung der„Frankf. Zeitung" sind die Herren Geheimrat Bödicker und Geheimrat Gamp aus dem Handelsministerium mit der neuen Redaktion des Unfallgesetzes betraut worden und die Zeit wird lehren, ob diese beiden Herren mehr Glück mit ihrer Aufgabe haben, wie ihre Vorgänger. Was Herrn Bödicker anlangt, so wird von Neuem per sichert, daß er, dem sein Erfolg bei der Gewerbenovelle Mut gemacht hat, sich selbst zur Nachfolgerschaft des Herrn Lohmann gedrängt habe. Kaum war der Letztere von der Ausarbeitung zurückgetreten, so erschien Herr Bödicker mit einem fir und fertig ausgearbeiteten Entwurf, man behauptet, dem Werke einer Nacht, das zwar nicht sofort an maßgebender Stelle Gnade fand, dem eifrigen Autor aber den gewünschten Auftrag zur Ausarbeitung des Gesetzes eintrug. Herr Gamp verdankt die Ehre, zur Mitarbeiterschaft berufen worden zu sein, einigen ganz im Sinne des Reichskanzlers gehaltenen staatssozialistischen Publikationen, auf Grund deren er vor nicht langer Zeit als Assessor zum Hilfsarbeiter ins Handelsministerium berufen worden ist. So ist denn die praktische Ausarbeitung der sozialpolitischen Ideen des Reichskanzlers glücklich bis in die Hände der jüngsten Geheimräte gelangt. Es gehört eben jugendlicher Ehrgeiz und Mut dazu, um an der Möglichkeit eines Zusammenwirkens mit dem Gewaltigen auf diesem Gebiete nicht zu verzweifeln. Der„Lohmann'sche Zwischenfall“ hat übrigens wieder einmal gezeigt, was von der Wahrheitsliebe der offiziösen Presse zu halten ist, die bis vor 24 Stunden frischweg die Thatsache eines Zerwürfnisses zwischen dem Reichskanzler und seinem erprobten Mitarbeiter auf sozialpolitischem Gebiet bestritten hat. Der Domherr. Novelle von Adolf Berger. (Fortsetzung.) „Er ist so gut, so jung und schön“, sagte sie zu ihrem Gemahl.„Alles, was das Leben Erstrebenswertes umschließt, hat sich vereint. Adalbert auf die Sonnen. höhe des Glückes zu heben und er wählt den dunklen Rock des Prieiters, das kalte Kleid der Entsagung, das ihn den Reihen der Lebenden entreißt.“ Doch alle Vorstellungen, Klagen und Thränen glitten machtlos ab an dem Panzer der Ueberzeugung, in den Adalbert sich gehüllt. Sein ganzes ungeheures Vermögen vermachte er der Kirche, um dann arm in das Kapitel des Erzbischofs Feodor, seines Obeims zu treten. Vier Jahre waren seitdem verflossen. Die warme sonnige Freundlichkeit ihrer Sommer, die frische, stählende Kälte ihrer Winter war spurlos an Adalbert vorübergeglitten, der Tag und Nächte über Bücher verbracht, um das glänzende Rüstzeug des Wissens sich zu eigen zu machen und um sich das Schwert der Beredsamkeit zu schleifen. Als er dann zum ersten Male eine Kanzel betrat und seine glühende Rede auch in seinen schwärmerischen Augen einen überzeugenden Ausdruck fand, da hatte sich, wie auf Sturmesflügeln der Ruf von ihm weit umher verbreitet. Ale bald darauf ein greiser Domherr gestorben, de war ihm einstimmig die erledigte Würde zuerkannt, und mit den braunen Haaren der Jugend saß er in der Mitte der greisen Erfahrung. Der Man würde die Wahrheit auch jetzt noch nicht erfahren hoben, wenn nicht der„Westf Merkur" behauptet hätte, der Reichskanzler habe nachgegeben. Das war zu viel, der Reichskanzler sollte Jemandem nachgegeben haben, das durfte nicht einen Tag unwidersprochen bleiben. Flugs mußte die„Norddeutsche“ her und konstatieren, daß der Reichskanzler nicht nachgegeben hat, sondern daß Herr Lobmann zurückgetreten und durch zwei jüngere Kräfte ersetzt worden ist, die nicht verlangen, daß der Herr Reichskanzler nachgebe, sondern, wenn schon Jemand nachgeben muß, das Talent dazu in sich selbst verspüren. — Wie's scheint, hat der Besuch des Kronprinzen in Spauien in sofern Propaganda gemacht, als auch, wie verlautet, der Kronprinz von Oesterreich und im Dezember sogar Präsident Grevy Madrid besuchen wird. Am Sonntage besuchte der Kronprinz mit dem Könige von Spanien die internationale metallurgische Ausstellung und empfing hierauf das diplomatische Korps. Nach dem Galadiner im königlichen Schlosse wurde von sämtlichen Musikkorps der Garnison im Schloßhofe der große Zapfenstreich ausgeführt, der mit der preußischen Volkshyane begann. Mehrere tausend Fackelträger waren im Viereck um den Schloßhof aufgestellt, am Waffenmuseum, an der hinteren Seite des Schloßhofs, strahlte in glänzendem Lichte in großen Buchstaben das Wort: Willkommen. Der Hof wohnte dem außerordentlich glänzenden Schauspiele vom Balkon des Schlosses aus bei. — Ohne Stiergefechte kann man in Spanien keine große Festlichkeiten feiern, und vaher hat auch der junge König Alfons seinem hohen Gaste, unserm Kronprinzen zu Ehren eine jener nationalen Lustbarkeiten in das Festprogramm aufgenommen. Ueber den Verlauf des großen Stiergefechts wird berichtet: Das Stiergefecht in dem mächtigen, vor den Thoren Madrids gelegenen Circus begann Nachmittags um 2 Uhr und zog sich bis zu eintretender Dunkelheit hin. Es bot das echt und unverfälschte Bild eines spanischen Volksfestes. Der Circus, der 15,000 Plätze umfaßt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Hofloge sah man mit dem Kronprinzen die ganze königliche Familie. Mit leidenschaftlicher Teilnahme folgte das Publikum den einzelnen Kämpfen, durch Händeklatschen und Freudenrufe den geschickten Kämpfer belohnend, durch Pfeisen sein Mißfallen zu Liebling aller, gab neidlos jeder zu, daß ihm die höchsten Würden der Christenheit nicht unerreichbare Ziele scien. Seit dem Tage, an welchem Graf Ferdinand und seine Gemahlin ihm zum Abschiede den Segenekuß auf die Stirne gedrückt, hatten sie ihren Neffen nicht wieder gesehen. Hatte er das Glück wirklich gefunden, oder war der Beruf. dem er sein Leben geweiht, aus der glänzenden Träumerei der Phantasie in der Wirklichkeit zu einem kalten Schatten erblichen? Lange noch gaukelten solche Vorstellungen vor ihrem Geiste, als sie schlafsuchend auf ihren Betten lagen, und erst in früher Morgenstunde nahm sie der Schlafgott in seine Arme auf, um sie über die Zeit bis zur Ankunft Adalberts hinwegzutäuschen. III. Der Reisewagen hielt vor dem Schloßportale.— Gräfin Hermine stand mit hochgersieten Wangen in der geöffneten Terrassenthür, während Graf Ferdinand die breite Freitreppe hinuntereilte, um den sehnsüchtig Erwarteten in freudiger Erregung in die Arme zu schließen. Als die hochgehenden Fluten der Freude eines ersten Wiedersehens nach langer, schmerzlicher Trennung sich ein wenig geebnet und Adaldert durch ein ersrischendes Bad und ein Wechseln der Kleider sich von dem Staube und der Ermüdung der Reise befreit, erinnerte man sich des Imbisses, welcher für den lieben Gast bereitet war. Wie ein liebliches Märchen aus ferner, längst vererkennen gebend. Es war für das deutsche Auge kein angenehmer Anblick, die Stiere langsam zu Tode martern zu sehen, auf deren blutüberströmten Körpern noch Raketen losbrannten, weiche das Thier in die höchste Wut versetzten. Sieben Mal wiederholte sich das Schauspiel, zu denen die drei besten Matacore Spaniens eingetroffen waren. Ihre Kraft und Gewandtheit waren staunenswert. Frenetischer Jubel ertönte, sobald ein Stier unter ihrem wuchtigen Stiche zusammenbrach. Nach Landessitte wurde jeder Stier Jemandem geweiht, so der erste dem Könige, den Einwohnern von Madrid und allen Fremden. Als bei Beginn des zweiten Kampfes der Matador rief: „Dem Könige, dem deutschen Kronprinzen und dem Volke Spaniens!“ brach alles in hellen Jubel aus. Der Kronprinz ließ sich zum Schlusse die drei Maiadore vorstellen und nahm als Andenken das Band an, mit welchem sein Stier in die Arena getreten war. — Leider wird die Fesistimmung in Spanien durch eine von den Philippinen kommende Nachricht eiwas getrübt. Nach einer Meldung Madrider Blätter ist dort nämlich eine gegen die spanische Regierung gerichtete Verschwörung entdeckt worden, es sollen gegen 20 Personen verhaftet und bei denselben compromittierende Schriftstücke mit Beschlag belegt worden sein, unter den Verhafteten befinden sich 3 einVorrne Offiziere. 3 Advokaten und 2 Priester. Die offiziellen Journale erklären dagegen die Nachricht von einer in Manilla entdeckten Verschwörung für unbegründet mit dem Bemerken, es sei kein Grund zu der Besorguis vorhanden, daß die Ruhe auf den Philippinen gestort werde. Frankreich. Ferry hatte der Kammer in Aussicht gestellt, bis zum 25. d. die Einnahme von Bacnieh melden zu können. Nun sind aver seit dem 17. d. jegliche Nachrichten vom tonkinesischen Kriegsschouplatze ausgeblieben; infolgedessen herrscht in Paris große Bestürzung. In der Kammer dürfte es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. — Rouher, der einsi vielgenannte, jetzt fast vergessene„Bizekaiser“, ist schwer erkrankt; er ist noch nicht ganz 70 Jahre alt. England. Ueber das Pulverkomplot gegen das deutsche Botschaftshotel fließen die Nachrichten nur spärlich. Es wird indes nunmehr als gewiß erachtet, daß die im Hause Wolffs vorgefundenen„Hölklungener Zeit mutete es Adalbert an, als er das hohe geräumize Familienzimmer betrat, in welchem er so manche Stunde seiner sorglos heiteren Jugend froh verlebt. Die Wände deckten noch die alten kostbaren Gobelins, in welche anmutige Bilder aus der Rokokozeit kunstvoll eingraviert waren: Die lustige Gesellschaft vornehmer Kavaliere und Edelfrauen, die, in einer waldigen Landschaft gelagert, allerlei Kuizweil treiben, der junge Page, der in seidenem Wamse vor einer schönen Schäferin kuiet, die, auf ihren Hirtenstock gelehnt, lächelnd seinen Worten lauscht, sie alle waren Freunde und Vertraute des Knaben gewesen, und dem Manne wurde es weich und warm um's Herz, als seine Blicke darauf hafteien. Auf dem Simse des Kamins stand noch wie ehedem die kostbare, vergoldete Rokoko=Uhr, die eben eine jener süß einschmeichelnden Melodien zu spielen begann, nach denen gewiß schon viele, viele reizende Mädchen mit weitgebauschten Reifröcken, kurzen Miedern und hochaufgebauten Frisuren zierlich und kokett die Menuett getanzt. Und als gar seine Augen sich auf die herzlich geliebten Züge der teuten Verwandten richteten, die nicht anders geworden, als sie zu jener Zeit gewesen, in der sie mit dem Kinde und Jüngling scherzten und spielten, da trat in dem Genüte Adalberts die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit zurück, um jener sonnigen, unschuldvollen Auffassung von Welt und Menschen zu weichen, in der er als Kind so glücklich gewesen. (Fortsetzung folgt.) kenmaschinen“ am Sonnabend abend gegen die äußere Facade des deutschen Botschaftshotel in Anwendung gebrattzt worden wären, wenn die Polizei das Komplot nicht rechtzeitig entdeckt hätte.— Die sozialdemokratischen Klubs in London leugnen jegliche Gemeinschaft mit dem wahnsinnigen Unterfangen und behaupten nach wie vor, das Ganze wäre von einigen Polizisten angezettelt. Dreußischer Landtag. Das Abgeordnetenhaus setzte am Dienstag die erste Beratung des Etat fort. Abg. v. Zedlitz Neukirch rechtfertigte die Wirtschafts= und Steuerpolitik der Regierung gegenüber den Angriffen Rickerts unter Hinweis darauf, daß Deutschland gegenwärtig auf dem Weltmarkte eine Stellung einnehme, wie nie zuvor. Er erklärte siy für eine Reform der Branntweinsteuer ohne Schädigung des Brennereigewerbes und besonders für eine Besteuerung des Bieres. Abg. Büchtemann bezeichnete die Finanzpolitik, welche Preußen mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse immer auf das Reich verweise, als eine falsche und behauptete, daß die ganze Politik darauf hinausgehe: neue Reichssteuern. Mit großer Aufmerksamkeit folgt das Haus der hierauf folgenden Rede des Abg. Dr Wagner, welcher für das Eisenbahn=Verstaatlichungs. system eintrat, dem man hauptsächlich die günstigere Lage des Etat zu danken habe. Auch dieser Redner erklärt sich für die Branntwein=, Zucker= und vor allem die Biersteuer. Aba. Windthorst trat den Ausführungen Wagners scharf entgegen, dessen Aeußerungen über die Eisenbahnverstaatlichung er einen Ausfluß des Fanatismus der Verstaatlichung nannte. Nach einer Schlußrede des Finanzministers wurde die ziemlich erregte Diskussion endlich geschlossen. Darauf wurden einzelne Teile des Etat an die Budgetkommission gewiesen, während bezüglich der übrigen Teile die zweite Beratung im Plenum be schlossen wurde. Am Mittwoch beschäftigte sich das Abgeordnetenhaus mit der ersten Beratung der neuen Eisenbahnverstaatlichungsvorlage. Von den Gegnern des Staatsbahnsystems, Abgg. Meyer=Breslau u. Büchtemann, wurde die Vorlage bekämpft; der erstere gab aber zu, daß man vor einer vollendeten Thatsache stehe, deshalb werde er sich der Abstimmung enthalten. Die Behauptung der Anhänger der Verstaatli chung, daß diese sich bereits vollkommen bewährt habe, komme ihm vor, als wenn jemand von seiner 14tägigen Ehe spreche, die noch durch keinen Schatten getrübt sei. Dem gegenüber wies Minister Maybach durch Mitteilung einer Reihe von Zahlen nach, welche Resuliate die Eisenbahnverstaatlichung erzielt habe und wie sie bemüht gewesen sei, den Bedürfnissen des Verkehrs in jeder Beziehung gerecht zu werden. Er sprach babei die Ueberzeugung aus, daß das Land von den Resultaten der Staatsver: waltung befriedigt werde und hob hervor, daß auch bei den vorliegenden Verträgen der Grundsatz befolgt sei: Billigkeit gegen die Aktionäre unter Wahrung der Interessen des States. Nachdem die Abgg. v WedellMalchow, v Tiedemann-Bomst und Dr. Hammacher ihre volle Anerkennung über die bisherige Verstaatlichung ausgesprochen und die Annahme der Vorlage befürwortet, wurde dieselbe an eine Kommission von 21 Mitgliedern zur Vorberatung gewiesen.— Die Vorlage wegen Haftung der Versicherungsgelder für Hypothekengläubiger im Bezirke des ehemaligen Apellhofes zu Köln wurde nach kurzer Diskussion der Justizkommission zugewiesen. Lemao. An den letzten Abenden war am nordwestlichen Horizont ein prachtvoller Lichtschein sichtbar. Ueberall im westlichen Deutschland ist diese Erscheinung beobachtet worden. Die„Köln. Zig.“ nimmt an, daß es ein Nordlicht gewesen ist und schreibt darüber: Ein Nordlicht von großer Ausdehnung und erheblicher Lichtintensität wurde gestern Abeno gegen 5 Uhr beobachtet In Köln erschien der westliche Himmel in feuerroter Färbung und zwar erstreckte sich dieselbe zeiwweise bis fast zum Zenith. Da eine eigentliche Strahlung fehlte, so machte das Ganze den Eindruck einer entfernten Feuersbrunst; vom Observatorium aus zeigte sich der westliche Himmel bis gegen den Horizont hin in seu rigem Glanze. Nach unten war die Helligkeit durch eine schiefergraue wolkige Wand abgeschnitten, obgleich im übrigen keine Wolken am Himmel sichtbar waren. — Der„M. Zig.“ wird dagegen geschrieben: Die Lichterscheinungen der letzten drei Abende am westlichen Himmel werden wohl keine Nordlichte gewesen sein. Wenigstens am gestrigen Abend habe ich die Entwickelung genau beobachtet. Etwa eine Stunde nach Sonnen: untergang wurde ein Cirrus=Gewölk, welches hoch über andern leichten Wolken stand, von der Sonne rosarrot beleuchtet. Die Dunstmasse senkte sich tiefer zum Horizont und baloleuchtete der ganze westliche Himmel im orangefarbigen Licht, welches zu allerletzt gegen 6 Uhr in Dunkelrot überging.— Heute Morgen nun um halb sieben Uhr, erstrahlte der ganze östliche Himmel, fast bis zum Zenit, in orangesfarbigem Lichte, welche Erscheinung einen herrlichen Anblick gewährte und wohl schon eine Stunde lang sichtbar gewesen war. Dabei war der Himmel wolkenlos, nur leichter Dunstflor war gegen Osten bemerkbar.— Wir haben einen sehr hohen Barometerstand; dabei werden sich die Dunstmassen, namentlich das Cirrus=Gewölk, zu außerordentliche Höhe erheben; diese werden wohl in der Höbe von der Sonne noch spät nach ihrem Untergang beleuchtet, teils direkt, hauptsächlich aber wohl durch eine außergewohnlich starke Brechung der Sonnenstrahlen, und daher mögen wohl die späten Lichterscheinungen am westlichen Himmel kommen. Detmold, 29. November. Das beteiligte Publikum ist beim herannahenden Jahresschlusse darauf aufmerksam zu machen, daß die Verjährung einer Forverung nicht mehr wie vor Einführung der Reichsjustizgesetze durch Anmeldung des Klazeanspruchs bei Gericht vor Ablauf desjenigen Jahres, mit dessen Schlusse die Verjährung eingetreten wäre, sondern nur dann unterbrochen wird, wenn vor Ablauf des fraglichen Jahres dem Schuldner eine Klage oder ein Zuhlungsbefehl auf Höhe des Anspruchs zugestellt wird. Wer also über Forderungen, die mit Ablauf dieses Jahres verjähren wurden, ver fügt, wird nicht mehr lange mit Echebung der Klage resp. dem Antrage auf Erlaß eines Zahlungs befehls zögern dürfen.— Gestern Abend hat der hier seit Sonntag weilende General=Lieutenant v. Witzendorf unsere Stadt wieder verlassen und ist mit dem Zuge 7 Uhr 46 Minuten nach Münster zurück gefahren. Die im hiesigen Walde auf Schwarz= wild, resp. am Biesterberge bei Lemgo, sowie Horn und Meinberg auf Rehe, Hasen und Füchse abgehaltene Hofjagd ist dem Vernehmen nach sehr aut ausgefallen und wir sahen, daß fuderweise Hasen und Rehe in unsere Stadt gebracht wurden.— Schon seit dem gestrigen Tage herrscht reges Leben und Treiben auf der Langenstraße hienger Stadt. Der Andreasmarkt ist herangenaht und erst morgen ist der eigentliche Markttag. Zahlreiche größere und kleinere Buden haben Aufstellung genommen und wir werden gewiß nicht zu hoch greifen, wenn wir die Zahl der kleineren Buden auf 150—200 veranschlagen. Ein Karrousselbesitzer ist nicht erschienen und somit der Jugend diese Freude zu früh versagt. Der Sonnlag wird den Schluß der Messe bilden. Laae. 28. November.(Der Delegierteutag des Lippischen Kriegerbundes) fand am 25. d. M., wie bereits kürzlich angemeldet, hier Statt, und waren von den dem Bunde angehörigen Vereinen 15 vertreten, während die sehr weit wohnenden Vereinsvorstände unvertreten geblieben waren. Außer den Delegierten hatten sich auch sonst noch mehrere Vereinsmitglieder einiger Vereine eingefunden, sodaß sich die Gesammtzahl der Erschienenen auf ca. 60 Personen stellte. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vereinspräses Herrn Gy nnasiallehrer und Reservelieutenant Naber aus Detmold begrüßte und bewillkommte zunächst der Präses des Kriegervereins Lage, Herr Baumeister Hanke, die Anwesenden, worauf der Delegiertentag folgende Adresse an Se. Durchlaucht den regierenden Landesfürsten „Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht bezeugen aller „unterthänigst die zum außerordentlichen Delegier vtentage versammelten Abgeordneten der Lippi „schen Krieger= und Landwehrvereine ihre treu „gehorsamste Ehrerbietung“ beschloß und telegraphisch übermitteln ließ. Hierauf brachte der Herr Bundespräses ein Hoch auf das Durchlauchtigste Fürstenpaar aus Anlaß der jüngst gefeierten Silberhochzeit aus, nachdem derselbe den Delegierten von der Seitens des Kriegerbundes dem durchlauchtigsten Herrscherpaare überreichten Glückwunschadresse zur silbernen Hochzeit Höchstderselben Kenntnis gegeben und die phoiographische Aufnahme derselben in Circulation gesetzt hatte. Das Hoch wurde von den gesammten Anwesenden begeistert aufgenommen. Sodann wurden die neu entworfenen Bundesstatuten beraten und mit geringen Abänderungen genehmigt, worauf der Delegiertentag beschloß, daß diese Statuten sofort in Kraft treten und Hochfürstlicher Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden sollten. Während der Verhandlungen traf ein Telegramm Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht des Fürsten Woldemar als Antwort auf das abgesandte Begrüßungsielegramm folgenden Inhalts: „Besten Dank für Ihren freundlichen Gruß, den ich von Herzen erwiedere. Woldemar, Fürst zur Lippe.“ ein, welches Veranlassung gab, die Verhandlungen kurz abzubrechen und ein dreifaches Hoch auf den hohen Absender auszubringen. Mit einem Hoch auf Se. Majestät den allerhöchsten Kriegsherrn wurde die Sitzung geschlossen, worauf dann noch der Vereinspräses Lage dem Bundes präses namens der Delegierten den Dank für die umsichtige Leitung der Verhandlungen aussprach und die Anwesenden zu einem Hoch auf denselben aufforderte, welcher Aufforderung ungeteilte Annahme folgte. Die Kameraden verblieben dann noch einige Stunden in Gemütlichkeit beisammen und trennten sich in dem Bewußtsein, einem ersprießlich gewesenen Delegiertentage angewohnt zu haben. Hoffentlich werden auch die dem Bunde noch nicht beigetretenen Vereine in nächster Zeit Fühlung mit demselben nehmen und an dem im nächsten Jahre in Lage stattfindenden Bundesfeste sich lebhaft beteiligen. Aus dem Fürstentum Lippe. Auf den 5. Dezember ist der Landtag einberufen, und den Herren Abgeordneten der Erat für 1884 durch die Regierung zugestellt. Ein solcher mit dem Etat von 1883 verbunden, hat dem Landtage ohne wesentliche Abänderungen schon im vorigen Jadre vorgelegen, ist aber durch Beschluß des Landtags unbewilligt geblieben. Außer dem Etat werden dem Landtage aller Wahrscheinlichkeit nach, auch diesmal weitere Vorlagen von einiger Erheblichkeit nicht zugehen, und hätte dieser Landtag nach seiner vierjährigen Dauer weiter nichts geleistet, als der Regierung die Mittel bewilligt, und einige neue Beamtenstellen geschaffen. Auch im vorliegenden Erat verlangt die Regierung abermals Shaffung neuer Beamtenstellen, und fordert für einen Kabinest=Rat und einen Regierungs=Rat, nicht weniger als 9500 Mk. wieder mehr, so daß die Lande sverwaltung die ansehnliche Summe von 150,000 für sich allein in Ansprach nimmt, und fallen hiervon auf das Kabinets=Ministerium(ohne Wohnung u. s. w.) 16350 Mk. Wahrlich eine kostipielige ein: köpfige Behörde, von der der Herr Abgeordnete Bürten mal äußerte, daß sich das Land diesen Lurus nicht erlauben dürfe. Aber dieses allein ist es nicht, was uns aus dem vorliegenden Etat auffällt, sondern noch mehr muß es auffallen, daß dem, in das letzte Jahr seiner Legislaturperiode tretenden Landtage, nicht zwei der notwendigsten Gesetze(Gemeindeordnung und Abänderung des Wahlgesetzes) zugegangen sind. Wie notwendig und der Gerechtigkeit entsprechend diese beiden Gesetze sind, braucht wohl nicht weiter auseinandergesetzt werden, da beide, die Gemeindeorduung und Abänderung des Wahlgesetzes schon auf der Tagesordnung des Landtages vom Jahre 1877/80 gestanden und dem Lande große Ausgaben verursacht haben. Aber fragen wir! Was veranlaßt die Fürstliche Rezierung, diese von der Regierung selbst, anerkannre(Schaffung einer neuen Gemeindeordnung und Ybänderung des Wahlgesetzes) daß sie damit nicht an den Landtag kommt? Diese Antwort hoffen wir, werden unsere Herren Verireter bei dem Wiederzusammentritt des Landtag es von der Regierung unnachsichtig fordern, denn das ist ein Akt der Notwendigkeit und Gerechtigkeit. Aus dem Hann overschen, 20. November. Ein eigentämlicher Fall spielte sich jüngst, wie die „S. Zig.“ mitteilt, auf dem Standesamte Wüstrow bei Lüchow ab. Ein junges Brautpaar aus Blüttlingen stand zur bürgerlichen Eheschließung vor dem Standesbeamten und bejahte auch die gestellten Fragen, wonach beide zur Unterschrift ins standesamtliche Register aufgefordert wurden. Der Bräutigam unterschrieb, die Braut dazegen weigerte sich ganz entschieden, den Namen des ersteren als ihren eige nen zu schreiben und ihren bisherigen Familiennamen als„geborene" dahinter zu setzen.„Frau bin ich noch nicht, sondern erst dann, wenn der Pastor uns getraut hat.“ Dabei blieb sie und alles Zureden half nichts; sie ging vom Standesamte weg, ohne unterschrieben zu haben. Am andern Tag vollzog der Pastor die Trauung, und es wurde die Hochzeit geseiert. Es dürfte hieraus noch ein interessanter Rechtsfall entstehen.(Westf. Blreb. Verschiedene s. — Eine neue Erfindung. Ein Deutsch=Amerikaner soll einen Geldschrank erfunden haben, der, sobald ein Einbrecher daran rührt, nicht blos eine elektrische Klingel ertönen läßt, son dern auch mit einem Strahl elektrischen Lichts die Gesichtszüge des Diebes derart beleuchtet, daß dieser von einem am Geldschrank befindlichen photographischen Apparat abkonterfeit wird!! — Eine sonderbare Grabschrift findet sich auf einem Pariser Kirchhofe. Dort ist zu lesen:„Hier ruht Monsieur Aler, betrauert von einem Teile seiner Familie.“ — Elternglück.„Nun, wie befindet sich Ihre Tochter, die junge Frau Gräfin?“—„O, ich und mein Gemahl sind sehr glücklich über diese Partie. Sie können sich gar keinen Begriff machen, wie der Graf unsere Tochter liebt; was er ihr kann absehen an den Augen, das müssen wir ihr kaufen. — Schrecklich! A.:„Denken Sie sich moine Herren, daß heute morgen die Polizei wieder einen Mann aus der Gosse aufgehoben hat, welcher 17 Schnitte im Leibe hatte!“ T.:„O, der Aermste! Er war doch wohl tot?“ A.:„Nein, aber total betrunken!“ — Am Mittwoch nachmittag brach in einer Tuchfabrik in Reubeix, welche gegen 1500 Arbeiter beschäftigt, Feuer aus, das sich auf eine benachbarte bedeutende Fabrik verbreitete und das ganze Stadtviertel bedrohte, und erst nach ungeheuren Anstrengungen gelöscht werden konnte. Der angerichtete Schaden wird auf mehrere Millionen Frank geschätzt. Klassensteuer= Ka: taster für 1884 liegt auf der Ratsstube vom 1. Dezember d. J. ab 14 Tage lang zu Jedermanns Einsicht aus. Beschwerden über die stattgehabte Einschätzung sind innerhalb 6 Wochen vom Tage der Ausgabe des Amtsblattes, welches diese Bekanntmachung enthält, gerechnet, bei dem Schätzungsausschusse anzubringen. Lemgo, 30 November 1883. Der Schätzungsausschuss König. Forstrevier Sternberg. Aus dem Schutzbezirk Steinegge und zwar aus den Forstd. Fichtenbusch, Kalköfen und Teufelskämpe sollen am Mittwoch, den 5. Dezemb. 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