Amtliches Verkündungsblatt der Kreise Paderborn, Büren und Warburg Im Verlage: Eichsfelder Volksblatt, Der 7. Tag Erscheint läglich außer Sonntags. Bezugspreis: Postbezug trei Haus 2.46 RM einschl. 84 Pf. Post- Paderborn Schriftleitung u. Verlag: Paderborn, Rosenstraße. Fernruf: S.-Nr. 3 gebühren, abgeholt 2.10 RM einschl. 48 Pf. Postgebühren. Durch Boten oder Vertreter 2.35RM Mittwoch, 4. Oktober 1939 blatt Paderborn. Postscheckkonto: Hannover 3504. Erfüllungsort u □ □ 60 ∆ * 50 1 * 1 □ * X * e □ * Die neue Wirklichkeit Im Osten haben die letzten sechs Wochen eine neue Wirklichkeit geschaffen. Der Versailler Unruhefaktor Polen ist durch einen einzigartig schnellen und erfolgreichen Feldzug ausgeschaltet. Vorbei ist die Zeit, da die westlichen Demokratien versuchen konnten, die Staaten des Ostens und Südostens zu Figuren auf ihrem Schachbrett zu machen, die sie dann hin und her schieben und notfalls opfern konnten. Die Fronten, die im Namen der Demokratien willkürlich kreuz und quer durch den alten Kontinent gezogen waren, sind mit dem Zerfall der Staaten Benesch, Beck und Konsorten verschwunden. Deutschland und Sowjetrußland haben in einem umfassenden Uebereinkommen die Neuordnung Osteuropas übernommen. Es wird eine dauerhafte Neuordnung sein. Sie wird auf die wahren Interessen der in diesen Gebieten ansässigen Völkerschaften voll und ganz Rücksicht nehmen. Wie ganz anders hatten die westlichen Gegner Deutschlands sich alles vorgestellt! Ihr Ziel war, Deutschland einzukreisen und ihm dann einen Kriea mit sicherer Niederlage aufzuzwingen. Zumindest sollte es für Deutschland ein Krieg nach zwei Fronken werden. Als Rußland sich hierfür nicht mißbrauchen ließ, als, ganz im Gegenteil, ein freundschaftliches und herzliches Einvernehmen zwischen Sowjetrußland und dem Reich Tatsache wurde, da mußte nach dem Willen von London und Paris Polen die zweite Kriegsfront gegen Deutschland abgeben. Aber diese Front ist von der deutschen Wehrmacht durch wuchtige und rasche Schläge in Stücke geschlagen worden, bevor noch die andere zum Eingreifen gekommen ist. Im Westen besteht deshalb die neue Wirklichkeit darin, daß sich zwei euroväische Kulturnationen mit der dritten in Kriegszustand befinden, ohne daß sie einen echten Kriegsgrund haben. Vorwand zum Kriege war für die Westmächte ein Polen, das in dieser Art im Interesse des europäischen Friedens nie hätte existieren sollen. Heute existiert dieses Polen nicht mehr. Damit ist auch der Vorwand zum Kriege gefallen. Deutschland und Sowjetrußland haben daraus die Schlußfolgerung gezogen, den Engländern und der Welt den Frieden zu erklären. Die moralische Position der Kriegstreiber zan der Themse ist also genau so schlecht und verzweifelt wie die strategische. Diese aber ist dadurch gekennzeichnet, daß Deutschland keinen Zweifrontenkrieg zu führen braucht. Das deutsche Heer, Luftwafe und Seestreitkräfte stehen zum Einsatz mit geballter Kraft im Westen bereit. Das deutsch=russische Verhältnis ist endgültig geklärt. Die Achse hat, wie Graf Cianos Besuch in Berlin beweist, von ihrer Lebenskraft nichts eingebüßt. Ueber den Stimmungsumschwung in zahlreichen neutralen Ländern klagen die Londoner Blätter. Ein Monat kriegerischen und politischen Geschehens hat die Stellung Deutschlands ebenso gestärkt wie er die Stellung der Westmächte geschwächt hat. Nie zuvor hat England einen Krieg unter schlechteren Vorzeichen angefangen. Wollen die Engländer trotzdem noch den Krieg? Sind den politischen Spekulanten in London und Paris noch nicht die Augen geöffnet worden durch die Opfer, die das deutsche Volk in diesen Wochen gebracht hat? Geben sie sich noch einer Täuschung hin über die Bereitschaft des deutschen Volkes, auch für den Endsieg alle nötigen Opfer zu bringen, und darüber, daß die Fortsetzung des Krieges in Wirklichkeit erst den richtigen Beginn des Krieges bedeuten würde? Unser Schaden wird es nicht sein, wenn man in Westeuropa auch in diesen entscheidungsschweren Tagen noch die Augen vor der neuen Wirklichkeit verschließt. Die Friedensoffensive, in deren Zeichen diese Tage stehen, ist nicht die Angelegenheit eines Volkes, sondern eine Sache ganz Europas, ja der ganzen Menschheit. Die Menschheit aber wünscht von dem englischen Krieg verschont zu werden und so rasch als möglich wieder die Segnungen des Friedens zu genießen. An Deutschland liegt es nicht, wenn dieser Wunsch nicht erfüllt werden sollte. Niemand in der Welt wird mehr darüber irre zu führen sein, wo die Kriegsverlängerer sitzen, die zugleich die Kriegsurheber sind. Auch das ist eines der charakteristischen Merkmale der neuen Wirklichkeit. Umfangreiches Kriegsmaterial erbeutet Der Bericht des Wehrmacht=Oberkommandos Berlin, 3. Okt. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Im Laufe des 2. Oktober rückten weitere deutsche Truppen in die Festung Warschau ein. Die Zählung der Gefangenen sowie der in Warschau und Modlin erbeuteten umfangreichen Bestande an Waffen und sonstigem Kriegsgerät dauert noch an. Im Westen nur geringe Artillerie= und Flugzeugtätigkeit. Große Verdienste der Reichsbahn Brauchitsch dankt den Eisenbahnern für ihre Leistungen beim Feldzug gegen Polen Berlin, 3. Okt. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, hat in einem besonderen, an den Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller gerichteten Handschreiben den deutschen Eisenbahnern und der Deutschen Reichsbahn den Dank des Oberkommandos des Heeres für ihre Leistungen im Dienste der Einleitung und Durchführung des Feldzuges in Polen ausgesprochen. Die Leistungen, die hierbei erzielt worden seien, und die Zusammenarbeit der Reichsbahn mit den Kräften des Heeres haben wesentlich dazu beigetragen, daß die Operationen durch die Führung in der gewollten Form und mit der erforderlichen Schnelligkeit durchgeführt worden seien. Beflaggung vom 4. bis 10. Oktober Zum siegreichen Abschluß des Polen=Feldzuges Berlin, 3. Okt. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gibt bekannt: Die aus Anlaß des siegreichen Abschlusses des PolenFeldzuges angeordnete siebentägige Beflaggung beginnt am Mittwoch, dem 4. Oktober, und endet Dienstag, den 10. Oktober abends. * Preßburg, 3. Okt. Der beginnende Einzug der siegreichen deutschen Truppen in Warschau und die Beendigung des polnischen Feldzuges haben auch das gesamte Deutschtum der Slowakei mit tiefer Freude über die ruhmreichen Waffentaten der großdeutschen Wehrmacht erfüllt. Die deutsche Bevölkerung hat daher gleich ihren Brüdern im Reich geflaggt, aber auch von zahlreichen slowakischen Gebäuden wehen zum Zeichen der treuen Verbundenheit zwischen dem Reich und der Slowakei die Fahnen. Graf Ciano berichtet dem Duce Die Westdemokratien haben das Wort Rom, 3. Okt. Außenminister Graf Ciano kehrte heute um 10.50 Uhr im Sonderzug von Berlin nach Rom zurück. Er begab sich sofort in den Palazzo Venezia, um dem Duce über seine Besprechungen mit dem Führer zu berichten. Zum Empfang des italienischen Außenministers hatten sich zahlreiche hohe Beamte des Außenministeriums mit Staatssekretär Bastianini an der Spitze, ferner der deutsche Geschäftsträger von Plessen, der Militärattaché und der Ortsgruppenleiter der AO. der NSDAP. sowie der ungarische Gesandte auf dem Bahnsteig eingefundn, die von Graf Ciano überaus herzlich begrüßt wurden. Die Berliner Reise Graf Cianos beherrscht auch das Bild der Morgen= und Mittagsblätter, die die lebhaften Kundgebungen der Berliner Bevölkerung für den Duce und Graf Ciano sowie seine überaus herzliche Verabschiedung von Reichsaußenminister von Ribbentropp unterstreichen. Bei Wiedergabe des Auslandsechos finden die deutschen Kommentare, in denen die deutsch=italienische Freundschaft und die von Mussolini zur Vermeidung einer allgemeinen Katastrophe unternommenen Bemühungen betont und gewürdigt werden, besondere Beachtung. Was die Haltung der Westdemokratien anbelangt, so weisen die Pariser und Londoner Korrespondenten vor allem auf den Unterschied zwischen der in der dortigen Presse zur Schau getragenen Intransigenz und der wahren Cinstellung der Bevölkerung hin. Zur neuen Entscheidung bereit Der Besuch des italienischen Außenministers Ciano in Berlin ist weiter der Hauptgegenstand der norditalienischen Presseerörterungen:„Corriere della Sera" erklärt, in Berlin betone man, daß Deutschland, nachdem es in einem Monat den ihm von den Westmächten aufgezwungenen Krieg siegreich zu Ende geführt habe, jetzt in der Lage sei, den Feinden erneut die Entscheidungsfrage„Krieg oder Frieden“ vorzulegen. Deutschland sei sich bewußt, seinerseits alles für den Frieden getan zu haben und tun zu wollen, aber auch militärisch jeder feindlichen Herausforderung die Stirn zu bieten, wenn die Gegenseite den Krieg wolle. In Erinnerung an den 2. Oktober 1935, an dem die italienischen Heere die Grenzen Abessiniens überschritten, schreibt der„Corriere della Sera“, heute sei die Lage gegenüber damals anders, aber der Geist des italienischen Volkes sei der gleiche. Wenn der Duce es für nötig halten sollte, das Volk Italiens zu einem neuen Avvell aufzurufen, dann würde es ihm mit nicht geringerem Eifer und noch größerer Siegeszuversicht folgen. Die italienischen Vermittlungsbemühungen Zur Deutschlandreise Graf Cianos schreibt das„Regime Fascista“, die Zusammenkunft von Berlin sei geeignet, allen denen Enttäuschungen zu bereiten, Juden, Freimaurern und denen, die sich so sehr darum bemühten, die Nachricht auszustreuen, daß Italien mit Sack und Pack in das gegnerische Lager hinübergewechselt sei. Die italienische Politik sei geradlinig. Mussolini habe eine besondere Stellung eingenommen, die ihm ermöglichte, Vermittlungsversuche in England und Frankreich zu unternehmen. Aber wenn diese Bemühungen Italiens nach der Berliner Zusammenkunft vergeblich blieben, dann wurden Regierungen und Völker vor Gott und der Geschichte die Verantwortung tragen. Noch glaube man an den Frieden, wenn auch nicht übermäßig. Israel arbeite zu eifrig gegen die Menschheit und die Zivilisation. Deshalb habe Italiens Jugend die Pflicht, die Geister soweit wie möglich zu mobilisieren und die Waffen in Reichweite zu halten. Reichsarbeitsführer Hierl in den befreiten Gebieten. Am Schluß seiner Besichtigungsreise zum Reichsarbeitsdienst in Westpreußen und im besetzten polnischen Gebiet nahm Reichsarbeitsführer Hierl Gelegenheit, sich vom Einsatz des männlichen und weiblichen Arbeitsdienstes in Ostpreußen, insbesondere beim Ernteeinsatz unter den augenblicklichen Verhältnissen, zu informieren. In einer Besprechung in Gilgenburg betonte der Reichsarbeitsführer noch einmal den besonderen Aufgabenkreis, der dem Reichsarbeitsdienst zufällt, soweit er nicht in Baukompanien oder auf anderen lebenswichtigen Gebieten eingesetzt ist. Ganz besonders der weibliche Arbeitsdienst habe sich in erhöhtem Maße der Frauen und Mütter anzunehmen, deren Aufgabenkreis dadurch bedeutend erweiter wurde, daß die Männer heute als Soldaten ihre Pflicht erfüllen. Links: Außenminister Clano beim Führer. Der italienische Außen minister, Oraf Ciano, beim Führer in der Neuen Reichshanzlei. Rechts Außenminister v. Ribbentrop.(Presse-Hoffm. Startbereit standen die polnischen Flugzeuge auf dem Flugplatz Okasciec, als sie der überraschende und vernichtende Bombenhagel der deutschen Luftwaffe traf.(PK.-Amphlett, Associated-Pres, Z. M. K.) Mit den Rugen der anderen Berlin, 3. Okt. Die Amerikaner wollen diesmal doch nicht so ohne weiteres uns so ganz hemmungslos, wie Heer Roosevelt und seine jüdische Kamarilla es gerne sähen, sich auf den Krieg an der Seite Englands festlegen. Ein Merkmal dessen ist u. a. die Rede, in welcher der Senator Boray sich im Plenum des Senats gegen die von Roosevelt geforderte fhebung des Verbots der Waffenlieferung an Kriegführende wendete. Senator Borah sieht Amerika auf schiefer Ebene von dem Augenblick an, da es das Waffenausfuhrverbot aufhebe. Er sieht nicht ein, wie es dann nicht auch zur Ausfuhr amerikanischer Divisionen für die englische Kriegsführung kommen' sollte. Die Forderung Roosevelts und seiner jüdischen Einbläser„enthalte nichts, was zur Friedenssache beitrage, im Gegenteil... steure man damit rapide auf eine Kriegsbeteiligung zu.“ Profite machen werde dabei nur der— natürlich jüdische Munitionsfabrikant. Die Kosten aber werde der amerikanische Steuerzahler zu tragen haben, denn— höre England!— man habe es„mit Nationen zu tun, die nicht einmal die Zinsen, geschweige denn das Milliardenkapital der im letzten Krieg gemachten Schulden" zurückgezahlt hätten.— Sache der amerikanischen Steuerzahler, sich das zu überlegen und danach zu entscheiden, ob Präsident William Green von der amerikanischen Facharbeitergewerkschaft nicht doch schon ziemlich weit auf der schiefen Ebene abgerutscht ist, wenn er erklärt, er und seine Leute würden für die Aufhebung des Waffenausfuhrverbotes stimmen,„vorausgesetzt, daß Amerika dadurch nicht in den Krieg verwickelt werde". Ja, ist diese Voraussetzung nach Herrn Vorah nicht schon jetzt hinfällig? Die englischen U-Bootfallen Die eingestandenermaßen schon seit zwei Jahren für ihre Bewaffnung vorbereiteten englischen Handelsschiffe,— das müssen wir uns für alle Fälle merken,— werden von den amerikanischen Völkerrechtssachverständigen heute jedenfalls für so völkerrechtswidrig erklärt, daß sie sich nach Ansicht dieser Sachverständigen vor der deutschen U=Bootführung von vornherein rechtlos machen. Dr. Edwin Borchard, Professor für internationales Recht an der Universität Yale sowie Professor Charles Cheney Hyde von der ColumbiaUniversität unterstützen in öffentlichen Erklärungen die Auffassung ihres Kollegen Moore, daß bewaffnete Handelsschiffe Kriegsschiffen gleichzuachten seien. Borchard verlangt demgemäß, daß den bewaffneten Handelsschiffen das Anlaufen amerikanischer Häfen verboten werde. Es bestehe die Gefahr, daß Amerika in den Krieg verwickelt werde, falls England seine Weltkriegspraxis wieder aufnehme und die amerikanische Flagge mißbrauchen, wie es zugegebenermaßen getan habe, um deutsche U=Boote irrezuführen; auch die„Lusitania“ habe ja auf ihrer vorletzten Fahrt sich unter der Flagge der Vereinigten Staaten getarnt. Wenn England seine Handelsschiffe bewaffne, müsse es auch bereit sein, das Risiko einer Versenkung ohne Warnung zu übernehmen. Hyde erklärt ausdrücklich, daß auch ein„nur für Defensivzwecke" bewaffneter Handelsdampfer über Angriffe ohne vorherige Warnung sich nicht beklagen dürfe.— Wie gesagt, amerikanische Sachverständige. So sehr die englisch=jüdische Scharfmacherpresse sich bemüht, stehe. Es habe zu wählen rieden. Die Verantwortung die englische Regierung auf Krieg bis zum Weißbluten„gegen den Hitlerismus“ festzulegen, so werden doch Stimmen laut, die beweisen, daß es den Engländern dabei nicht sehr wohl zumute ist. So gibt der„Daily Expreß“ zu verstehen, daß angesichts der deutsch=russisch=italienischen Friedensoffensive England vor einer schweren Verantwortung zwischen Krieg und „ für das Schicksal der Welt ist damit England zugeschoben, und jeder Engländer sei berechtigt, sich den Fall genau zu überlegen. Zu solcher Ueberlegung fordert gerade auch den nicht zur Plutokratie der verjudeten Führerschicht gehörenden Engländer „die tiefe Bestürzung über die zerschmetternde Wirkung der Steuererhöhung" auf, von welcher u. a. der„Spectator“ spricht. Sie bedeute, so schreibt das Blatt,„für alle Familien des Mittelstandes eine harte Herabsetzung der Lebenshaltung, die ja schon durch die Preissteigerung bedroht" sei. Die Drahtzieher des Krieges versprachen von diesem Beschäftigung auch für den letzten Arbeitslosen,— welch ein Argument!— bis jetzt aber habe der Krieg„im Gegenteil viel Arbeitslosigkeit" und die„Gefahr des Ruins zahlloser Geschäfte“ gebracht. Eine Situation, die auch den alten Lloyd George alarmiert, der in einem Artikel im„Journal American“ über die durch die Moskauer Abmachungen geschaffene, von der englischen Judenpresse vergebens bagatellisierte„völlig neue Lage", dieses„außerordentlich schwere Ereignis“, grob herausbekennt, daß„der deutsche Diktator dabei zum vierten oder fünften Mal England völlig ausmanövriert habe“, und daß„die Führer der westlichen Demokratien von ihm an Tüchtigkeit und Mut völlig erklassifiziert und disqualifizert“ worden seien. Das ist ein brutaler Strich durch die englischen Bemühungen, so zu tun, als ob die Moskauer Abmachungen England kaum berührten. Mag Herr Chamberlain Herrn Lloyd George für einen Narren halten. Immerhin hat „dieser Narr“ einmal geleistet, was Herr Chamberlain im Kriegsfall noch zu leisten hätte: er hat England vor der Niederlage bewahrt. Uebrigens sagen Kinder und Narren die Wahrheit, und so mögen die Regierenden in London mit Herrn Lloyd George ausmachen, wieviel Wahrheit daran ist, wenn er von den durch ihre„ganz besondere Dummheit hoffnungslos verpfuschten Verhandlungen mit Rußland“ spricht, und von dem lächerlichen Schauspiel, das sie geben, indem sie als„mittelmäßige Staatsmänner einem Manne von höchstem Genie und höchster Künheit gegenüberstehen". Auch Lloyd George sieht auf die Schulter dieser mittelmäßigen Staatsmänner durch den Mann vom höchsten Genie„eine schreckliche Verantwortung geladen" und kann nur„ernstlich hoffen, daß sie nicht die Unbesonnenheiten wiederholen, mit denen sie sich in die Garantie für Polen gestürzt haben". Die englische Regierung am Scheideweg Chamberlain im Unterhaus Berlin, 8. Okt. Der englische Ministerpräsident Chamberlain hielt am Dienstag im Unterhaus eine Rede, der er u. a. folgendes erklärte: in “ I n d e n l e t z t e n W o c h e n s i n d E r e i g n i s s e v o n g r o ß e r Bedeutung eingetreten: Am 26. September begab sich der deutsche Außenminister nach Moskau, und am 28. September wurde der Erfolg dieses Besuches bekanntgegeben. Als Ergebnis hebt Chamberlain hervor, die Erklärung der deutschen und der Sowjetregierung über die endgültige Regelung der aus dem polnischen Zusammenbruch sich ergebenden Fragen und die Schaffung einer soliden Grundlage für einen dauernden Frieden in Osteuropa; ferner ein wirtschaftliches Abkommen zwischen Deutschland und Rußland, kraft dessen Rußland Rohstoffe an Deutschland und Deutschland Industriewaren an Rußland auf lange Zeit hinaus liefern werde. In diesem Abkommen, so erklärte der englische Ministerpräsident, gebe es nichts, was England veranlassen könnte, etwas anderes zu tun als das, was es jetzt tue, nämlich die gesamten Hilfskräfte des britischen Empire zu mobilisieren. Denn Polen sei zwar„die direkte Gelegenheit zum Kriege gewesen, jedoch nicht die fundamentale Ursache dazu". Zu den deutsch=russischen Erklärungen über die Liquidation des Krieges meinte Chamberlain, er könne nicht voraussehen, welcher Art der deutsch=russische VorDie brutale Willkür der Seeräuberregierung schlag sein könnte. Jedenfalls würde das Ziel, für das England kämpfe,„nicht unter Drohungen“ preisgegeben. Auch könnten „nicht mehr bloße Versicherungen“, angenommen werden. So wenig man den Krieg unnötigerweise verlängern wolle, so könne er in der letzten Entwicklung doch nichts finden, was England dazu bringen könnte, seine Haltung zu ändern. Wenn Vorschläge gemacht würden, so würde die englische Regierung sie prüfen, und zwar„im Lichte dessen, was ich gerade gesagt habe.“ Chamberlain verbreitete sich dann in großen Zügen über die Kriegsereignisse, glaubte von„weiteren französischen Fortschritten“ sprechen zu können und fand mit Bezug auf den Transport der britischen Armee nach Frankreich, daß man auf die Gründlichkeit stolz sein könne, mit der diese komplizierte Bewegung ausgeführt worden sei“. Er ging dann auf den deutschen U=Boot=Krieg ein, behauptete, daß die U=Boot=Bekämpfung Fortschritte mache, gab aber zu, daß deutsche U=Boote immer noch an den englischen Küsten tätig seien. Die Beunruhigung wegen eines deutschen Angriffs auf englische Schiffe im Südatlantik versuchte Chamberlain dadurch zu beschwichtigen, daß„gegen diese neue Gefahr entsprechend vorher festgelegten Plänen vorgegangen würde.“ Mit Pathos sprach der britische Ministerpräsident dann von der„großartigen Hilfe“, die aus zwei Teilen des Empire komme, nämlich aus— Neufundland und Südrhodesien. In Neufundland„würden Vorkehrungen zur Aushebung von Rekruten getroffen, wofür bereits 100 Mann der Fischerflotte zur Verfügung ständen" und Südrhodesien stelle Offiziere und Mannschaften auch für den Dienst außerhalb des Landes".(Vermutlich wird diese dünn bevölkerte Kolonie zwei Dutzend Soldaten stellen können. Anmerk. der Redaktion.) Stellungnahme in Panama gefordert Santiago de Chile, 3. Okt. Außenminister Ortega gab gestern der Zeitung„El Chileno“ ein Interview, in dem er u. a. ausführte: Die Kriegskonterbande muß sich ausschließlich auf Artikel beschränken, die speziell für kriegerische Operationen verwendet werden. Chile kann die Erweiterung der Konterbande auf andere Waren nicht annehmen, denn das widerspricht jedem Recht und jeder Billigkeit und zwingt die Neutralen zur Teilnahme am Wirtschaftskrieg. Chile beharrt fest auf dieser Auffassung und hat entsprechende Schritte in Panama unternommen. Der chilenische Außenminister wendet sich dann heftig gegen die schwarzen Listen Englands, die er als eine Einmischung in die Souveränität bezeichnet, und erinnert an die Proteste aus den USA, Peru und Mexiko gegen die schwarzen Listen des Weltkrieges. Die Panama=Konferenz müsse, so sagte Minister Ortega abschließend, in dieser Hinsicht eine gemeinsame Stellungnahme festlegen. Auch Brasilien protestiert Rio de Janeiro, 3. Okt. Der Chefredakteur des„Correio Da Manha", Costa Rego, schreibt zur Panamakonferenz, die Frage einer Sicherheitszone im Atlantik und Pazifik sei nicht das tüchtigste Problem der Konferenz gewesen. Viel wichtiger sei das Problem des Handels mit Uebersee, der durch die— bekantnlich von England ausgehende— willkürliche Ausdehnung der Auffassung von Konterbande selbst auf für die Zivilbevölkerung bestimmte Verbrauchsgüter praktisch unterbunden sei. Auch die ebenfalls in Rio erscheinende„Nota“ erklärt für besonders wichtig, das Recht zu fordern, mit jedem Kriegführenden Handel treiben zu können. Brasilien müsse sich dagegen wenden, daß seine nicht für Kriegszwecke bestimmte Erzeugung willkürlich zu Konterbande gestempelt werde von ausländischen Regierungen, die als ihr Ziel die wirtschaftliche, handelspolitische und finanzielle Vernichtung eines Volkes offen erklärt hätten. An dessen Ruin mitzuarbeiten könne jedoch niemand Brasilien zwingen.— In der Debatte ersuchte Lloyd George die Regierung, nicht zu voreilig über Friedensvorschläge Beschluß zu fassen. Vorschläge, die etwa von einer neutralen Regierung kämen, würden nicht allein vom Worte einer einzigen Regierung abhängen.„Man habe zuviel übereilte Entschlüsse gefaßt". Das Schicksal des Krieges, so meinte Lloyd George, hänge nicht von Deutschland, Frankreich oder England allein, sondern von den Neutralen, unter denen er Rußland, Italien und die Vereinigten Staaten nannte, ab,„die freundlich oder feindlich neutral sein könnten". In seiner Antwort erklärte Chamberlain noch einmal,„daß es nicht gut wäre, zu sagen, was die Regierung unter Umständen, die noch nicht vorliegen, tun würde. Die Voreiligkeit der„Garantie“ an Polen versuchte er damit zu rechtfertigen, daß„die Sache sehr brenzelig war“, aber jetzt handele es sich um eine ganz andere Sache, die sorgfältig geprüft werden müsse. Zum Schluß kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Lloyd George und Duff Cooper, der dem ehemaligen Ministerpräsidenten„Defaitismus“ vorwarf. Gespräche mit einem Ia Ein Regiment wirft sich Divisionen entgegen Von unserem in Polen wellenden Sonderberichterstatter Dr. Rudolf Vogel ...„ 27. 9. 39.(P. K.) Der General verabschiedet soeben die Regimentskommandeure. Der Sturm auf Warschau liegt in allen Einzelheiten fest. Für eine Stunde können sich jetzt la und le des Divisionsstabes des Wortberichters annehmen. An der Brust des la leuchtet das Eiserne Kreuz mit Spange. Ich weiß, daß er selbst jenes Unternehmen des Infanterieregiments mitgemacht hat, das für immer in der Geschichte des Feldzuges in Polen einen Sonderrang einnehmen wird. Tage vorher, mitten in den Stunden schwerster Entscheidungen hatte er mir den Marsch des Regiments bereits auf der Karte festgelegt. Die Division stand beinahe vor einer tollkühnen Aufgabe. Und trotzdem mußte sie den Versuch unternehmen, mit einem Regiment auch die letzte noch freie Straße von der Mündung der Bzura über Modlin nach Warschau abzuriegeln. „Wir haben uns daran gewöhnt, Entschlüsse zu fassen, die bei Manöverübungen als Irrsinn abgelehnt worden waren". Der Bleistift des la zieht auf meiner Karte die Frontlinie rings um Warschau.„Mit nur zwei Regimentern hielten wir die polnischen Divisionen in Warschau auf unserer Seite tagelang auf. Ein Regiment auf eine Frontlänge von 14 Kilometer verteilt! Die Division hatte gegen alle Regeln der Kriegslehre zeitweilig überhaupt keine Reserven. Unsere Infanterie hat es geschafft, trotzdem die Polen aus Warschau fortgesetzt angriffen.“ Der le bittet, nicht die unerhörten Marschleistungen dieser Division nicht zu vergessen, die zuerst vor Warschau anlangte und mit einem Tagesdurchschnitt von 25 Kilometer Marschleistung beinahe ebenso schnell durch Polen auf Warschau vorstieß wie die motorisierten Divisionen.„Und trotzdem waren unsere Ausfälle durch Krankheiten so normal wie bei heimatlichen Manövern.“ Der Erkundungsdienst hatte während der großen polnischen Durchbruchsschlachten bei Sochaczew an der Bzura festgestellt, daß größere polnische Einheiten an der Mündung der Bzura den Fluß überschritten und sich auf Warschau bewegten. Die Kräfte der bei Sochaczew eingesetzten Divisionen reichten nicht aus, die Infanteriedivision muß um jeden Preis versuchen, noch Einheiten für diese Abriegelung freizumachen. Sie entblößte sich aller Reserven und entsandte ein Infanterie=Regiment von Zaborow an der nördlichen Ausfallstraße von Warschau zum Vorstoß durch die Wälder am Weichselbogen in Richtung Polesie und Wilkow. Auf den polnischen Karten stehen die weiten Wälder und Sumpfdistrikte des Weichselbogens als„Puszcza von Kamvinos" verzeichnet. Grundlose Wege, undurchdringliches Unterholz, tiefe Gräben bereiten der Truppe unendliche Schwierigkeiten. Der Regimentskommandeur befiehlt das erste Bataillon von Cisowe auf den Marsch auf Polesie. Er selbst übernimmt die Führung. Es gelingt ihn, sich durchzuschlagen. Aber als die anderen beiden Bataillone ihm nachfolgen wollen, um die Straße längs der Weichsel zu sperren, werden sie aus den Wäldern so heftig angegriffen, daß sie wieder zurück auf die weite Lichtung zwischen den Waldregionen des Weichselbogens müssen. Die auf Warschau vorstoßenden polnischen Divisionen kämpfen mit dem Mute der Verzweiflung. Angriff folgt auf Angriff. In dieser Lage faßt der la der Division den Entschluß, sich selbst von der Lage des Regiments ein Bild zu machen. Er hat diesen Einsatz vorbereitet. Es hält ihn nicht in dieser verzweifelten Sitution in der kühlen Atmosphäre des Divisionsstabes. Der alte Frontkämpfer des Weltkrieges will in dieser Stunde vorn an der Front bei der Truppe sein. Und so wird daraus ein zweites„Unternehmen Michael". Der la geht an die bedrohte Stelle an der Front. Inzwischen ist das Regiment vollkommen abgeschnitten worden. Die polnischen Divisionen hatten sich einen Weg südlich des Regiments durch die Wälder gebahnt. In wenigen hundert Meter Entfernung zogen die polnischen und deutschen Kompanien einander vorbei, ohne es zu wissen, aber häufig genug auch, ohne es hindern zu können. Der la gelangt zum ersten und zweiten Bataillon. Nach einer kurzen Besprechung der Lage wird ein letzter Versuch unternommen, noch einmal durch den nördlichen Waldstreifen durchzustoßen, um Verbindung mit dem ersten Bataillon zu erhalten, das tollkommen abgeschnitten sich heldenmütig seiner Haut wehrt. Es war in dieser Lage für die kämpfende Truppe auch moralisch von höchster Bedeutung, daß die Luftwaffe sie fortlaufend durch Abwurf von Lebensmitteln und ver allem Munition versorgte und dadurch überhaupt diesen Kampf ermöglichte. Das Regiment wußte, daß es nicht vergessen worden war. Der la selbst war gekommen, sein Schicksal in diesen härtesten Stunden der Bewährung zu teilen. Der Bleistift auf der Karte machte einen Strich nordwärts.„Auf diesen Waldschneisen mühten wir uns durch den tiefen Sand nordwärts. Der lang auseinander gezogenen Kolonne stießen die Polen in die Flanke. Die Batterie erhält Nahfeuer. Die Kanoniere greifen zu Karabiner und Handgranate und können sich nur unter schwersten Verlusten den Feind vom Halse halten.“ Vom Bataillonskommandeur bis zur letzten Ordonanz lag alles in diesen kritischen Stunden zusammen mit dem la im Unterholz. Ein heinahe ununterbrochener Nahkampf auf 30—40 Meter Distanz entspann sich. In der Nacht wurde die Lage derart schwierig, daß die Bataillone sich erneut zum Rückzug aus dem Wald entschlossen. „Wir stellten an Hand der Gefangenen nicht weniger als drei Divisionen auf der Gegenseite fest.“ Dann müssen ja ganz erhebliche Kräfte der Polen an der Bzura entkommen sein?" frage ich zurück, denn ich hatte selbst wenige Tage später in den Gefechten bei Laskie und bei Wolka=Weglowa erlebt, wie erbittert und mit welch starkem Einsatz hier die bei Polesie durchgekommenen Polen ese letzte Barriere bei Warschau zu durchstoßen versuchten. Zur gleichen Zeit unternahm die Warschauer Garnison in gleicher Richtung einen toilkühnen Ausfall, der aber bald abgefangen werden konnte, nachdem die erste deutsche Linie durchstoßen worden war. „Sie können die Bedeutung dieser Kämpfe vielleicht am besten an der Zahl der Gefangenen übersehen. Wir haben allein bei der Durchkämmung der Wälder der Pusccza von Kampinos bis jetzt 7000 Gefangene gemacht. Dabei hatten die Polen sehr schwere Verluste." Der Oberstleutnant fährt fort:„Es gelang uns schließlich, die beiden südlich sich verteidigenden Bataillone durch den Einsatz einer neuen Division zu entsetzen und sie aus der Umzingelung zu befreien. Das Armee=Kommando hatte sich inzwischen von der drohenden Gefahr des Durchbruchs zu starker polnischer Verbände nach Warschau überzeugt. Aber erst Tage später gelang es auch durch einen Vorstoß motorisierter Einheiten längs der Weichsel von der Bzuramündung her, das immer noch isolierte erste Bataillon zu befreien.“ „Wenn ich auf der Karte den Gesamteinsatz überschaue, dann hat also dieses Infanterie=Regiment, an dessen Kämpfen Sie selbst an den schwersten Tagen teilnahmen, wie ein Wellenbrecher allein dem Stoß der Masse der polnischen Divisionen standgehalten?“ Die Armee weiß, was sie der heldenhaften Zähigkeit dieses einen Regiments verdankt. Es hat schwer in diesen Kämpfen gelitten. Die besten polnischen Regimenter griffen es an. Und sie kämpfte nmit einer Erbitterung ohnegleichen", schließt der la. Vor ihm liegt die große Stadtkarte der Festung Warschau. Es ist sicher, daß ohne jene Kämpfe am Weichselbogen viel stärkere polnische Kräfte nach Warschau durchgekommen wären. Nr. 232 Jahrgang 1939 Aus der Heimat Mittwoch, 4. Oktober Stadt Paderborn Werbung tut auch jetzt not! In Zeiten schwächeren Umsatzes war dem Einzelhändler die Werbung besonders wertvoll. Und da wir jetzt in Kriegszeiten allenthalben diesen schwächeren Umsatz am eigenen Leibe verspüren, ist für den Kaufmann die Werbung um so wichtiger, damit er einmal— im Rahmen der zur Verfügung stehenden Waren— den Anteil am Gesamtumsatz behält, anderseits aber als vorsorglicher Kaufmann danach strebt, daß ihm die Kundschaft treu bleibt. Denn vielleicht schon sehr bald können sich die Wirtschaftsverhältnisse grundlegend ändern! Dann wird der Geschäftsmann den Vorteil haben, der stets den Kontakt mit seiner Kundschaft aufrecht erhielt. Werbung soll also nicht allein augenblicklichen Mehrumsatz, sondern sie soll gleichzeitig die Bedeutung und Leistung des Unternehmens herausstellen. Wer dies nicht beherzigt, wird im Wirtschaftsleben schnell vergessen! Der kluge Kaufmann beugt vor:„Er inseriert auch in dieser Notzeit weiter, damit ihm seine Kundschaft treu bleibt.“ Wiederaufnahme des FO=Zugverkehrs Berlin-Köln = Am 4. Oktober, also heute, wird der FD=Zugverkehr zwischen Berlin und Köln wieder ausgenommen werden. Der FD=Zug 22 verläßt Berlin Schlesischer Bahnhof um 15.34 Uhr, Friedrichstraße um 15.47 Uhr, hat Aufenthalt in Hannover von 18.33 Uhr bis 18.40 Uhr und trifft in Köln um 22.27 Uhr ein. Der Gegenzug(FD 21) verkehrt erstmalig am 5. Oktober mit den Abfahrtzeiten um 11.28 Uhr in Köln, Aufenthalt in Hannover von 15.21 bis 15.28 Uhr und Ankunft in Berlin riedrichstraße um 18.11 Uhr bzw. Berlin Schlesischer Bahnhof um 18.24 Uhr. Es bleibt bei Semmeln und Brötchen = Viele Hausfrauen haben sich nach Empfang der neuen Brotkarte gefragt, ob es auch weiterhin Semmeln oder Brötchen gibt. Diese Frage kann bejaht werden. Für Brötchen muß die Hausfrau die Abschnitte der Brotkarte abgeben. Wer nicht soviel Brot braucht, wie ihm auf die jeweils für eine Woche gültigen und mit den Nummern 1—8 bezeichneten „Brot“=Abschnitte seiner Karte zusteht, kann anstelle des Brotes Brötchen nehmen. Er kann also beispielsweise für den Abschnitt 1, der für 1000 Gramm Brot gilt, ein 2=PfundBrot(800 Gramm) kaufen und für die restlichen 200 Gramm Brötchen mitnehmen. In erster Linie sind aber für den Brötchenkauf die kleinen mit a und b bezeichneten Abschnitte der Brotkarte geeignet, die für 4 Wochen gelten. Jeder dieser Abschnitte berechtigt zum Kauf von 50 Gramm Brot. Nun ist das Gewicht der Brötchen, Semmel, Knüppel, oder wie sie genannt werden, in den verschiedenen Gegenden Deutschlands sehr verschieden. Es schwankt etwa zwischen 30 und 60 Gr. In allen Fällen tritt bei der Herstellung ein Ausbackverlust ein, der bei 50 Gramm etwa 4—5 Gramm beträgt. Daher kann die Hausfrau auf den 50=Gramm=Abschnitt nur Brötchen im Gewicht bis zu 46 Gramm erhalten. Um den Einkauf zu erleichtern und den Hausfrauen einen Ueberblick zu geben, wieviel Brötchen sie für die einzelnen Abschnitte erhalten, ist aber eine Vereinheitlichung der Brötchengewichte zu erwarten, ebenso wie noch bestimmt werden wird, welche Gewichte andere Kleingebäckwaren wie Knüppel, Milchwecken usw. künftig erhalten. Die Ausnahmen vom Arbeitsschutz = Nach dem Vorspruch der Kriegswirtschaftsverordnung ist es selbstverständliche Pflicht jedes Volksgenossen in der Heimat, alle seine Kräfte Volk und Reich zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich sind auch Ausnahmen vom Arbeitsschutz unvermeidbar. Zu diesen Ausnahmen macht der Sachbearbeiter des Reichsarbeitsministeriums, Gewerberat Schmidt, im Reichsarbeitsblatt ergänzende Ausführungen. Er weist darauf hin, daß der Betriebsschutz nur in geringem Umfange betroffen wird, denn der Schutz der Gefolgschaftsmitglieder gegen Unfälle und gegen Einwirkung schädlicher Stoffe dürfe auch im Kriege nicht herabgesetzt werden. Der verstärkte Einsatz von Frauen, die Einführung neuer Arbeitsverfahren, die Verdunkelung usw. machten sogar eine verstärkte Tätigkeit für den Betriebsschutz notwendig. Anders sei es mit dem Arbeitszeitschutz. Da der Volksgenosse in der Heimat seine ganze Kraft für die Reichsverteidigung zur Verfügung stellen müsse, sei eine Auflockerung des Arbeitszeitschutzes bis zu den durch Gesundheitsrücksichten gezogenen äußersten Grenzen erforderlich. Der Referent verweist auf die Aufhebung der Zuschläge für Mehrarbeit, Feiertagsarbeit und Nachtarbeit, auf die Außerkraftsetzung der Urlaubsbestimmungen, die auch die des Jugendschutzgesetzes umfassen. Diese Regelung schließe indessen nicht aus, daß einzelne Betriebsführer ihren Gefolgschaftsmitgliedern weiterhin einen Urlaub im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten gewähren. Der Referent weist weiter darauf hin, daß, abgesehen von der besonderen Regelung für Frauen und Jugendliche, der Betriebsführer bei der Festsetzung der Dauer der Arbeitszeit bei männlichen erwachsenen Gefolgschaftsmitgliedern an keine gesetzlichen Schranken mehr gebunden sei. Auch tarifliche Bestimmungen ständen nicht entgegen. Diese Freigabe dürfe indessen nicht zu einer unangemessenen Ausnutzung der Arbeitskraft führen. Die Schwere der Arbeit und die Leistungsfähigkeit des Gesolgschaftsmitgliedes müßten bei der Regelung der Arbeitszeit vom Betriebsführer berücksichtigt werden. Dem Gewerbeaufsichtsrat stehe ein Nachprüfungsrecht zu. Die Vorschriften über arbeitsfreie Zeiten und Ruhepausen seien nicht außer Kraft getreten. Den männlichen Gefolgschaftsmitgliedern bleibe daher nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von elf, in einigen Gewerbezweigen von zehn Stunden gesichert. Gemeine Erpressungen am Verführer Vor der Großen Strafkammer in Paderborn mußte sich der 24 Jahre alte Meinolf Striewe aus Busch verantworten, dem zur Last lag, im Frühjahr dieses Jahres an seinem früheren Vormund in Busch, der bereits wegen Verführung des Striewe zur Unzucht abgeurteilt worden ist, gemeinste Erpressungen verübt zu haben. Striewe, der außerhalb seiner Heimat in Süddeutschland zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe wegen Vergehens gegen § 175 RStGB. verurteilt werden mußte, nutzte die Kenntnis von dem Treiben seines früheren Vormundes und Verführers aus, um an Geld zu kommen. Durch freche und zynische Drohbriefe an den Mann, durch deren gemeinen und niederträchtigen Inhalt er die völlige Zerrüttung und seelische Kämpfe in dem Mann erzielte, brachte er es fertig, in wenigen Monaten 550 RM von ihm zu erhalten. Der Mann, ein kleiner Kötter, mußte sich das Geld zusammenpumpen, um der ständigen Drohung des Burschen mit Anzeige und Zuchthaus zu entgehen. Als die Verbrechen des älteren Mannes dann doch herauskamen, erhielt er die verdiente Zuchthausstrafe. Der Angeklagte Striewe, dessen Erpressungen kaum minder häßlich waren, konnte nicht zu Zuchthaus verurteilt werden, erhielt aber die immerhin noch empfindliche Gefängnisstrafe von 1 Jahr.— Wegen verschiedener Handlungen gegen§ 175 RStGB. wandte die Strafkammer die im Laufe der Jahre ergangenen Amnestieverordnungen an, so daß deswegen keine Bestrafung erfolgte. Alter besonderen Rüstigkeit erfreut, nimmt noch regen Anteil an den täglichen Geschehnissen. Kriegsfreiwillig machte er den Feldzug 1914/18 als Hauptmann mit. Wir wünschen ihm noch einen langen Lebensabend. Neuer Pfarrer. Die Erzbischöfliche Behörde hat zum Pfarrer an der Jesuitenkirche den bisherigen Generalsekretär am Bonifatiusverein Dr. Friedrich M. Rintelen ernannt. Pfarrer Rintelen war in früheren Jahren als Vikar in Egeln(bei Halberstadt) und in Halle a. d. S. tätig. Mittelmarkt. Auftrieb: 161 Schweine, 86 Kälber, 49 Schafe, 65 Rinder, darunter 17 Bullen, 18 Kühe, 30 Färsen. Preise: Bullen: a) 43.5; b) 36,5—39.5; c) 34.5. Kühe: a) 40.5 bis 43,5; b) 32,5—39,5; c) 30—31; d) 22. Färsen: a) 43—44,5; b) 37,5—40,5; c) 27,5—34,5. Kälber: a) 60—63; b) 52—57; c) 44 bis 48; d) 37. Schweine: a) 59.5; b1) 58.5; be) 57,5; c) 53,.5; d) 50.5; Specksauen 55—58,5; andere Sauen 48—50; Altschneider 575. Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk. In der Mütterschule, Albinstraße 18a, beginnt Mittwoch, 4. 10., um 15 Uhr ein Kurzkursus für zeitgemäßes Kochen. Alle Frauen und Mädchen sind herzlich dazu eingeladen. Der Kursus dauert 6 Nachmittage und findet einmal in der Woche statt. Die Gesamtgebühr beträgt 1,80 RM. Dazu kommt jedesmal ein geringes Kochgeld für das Essen. Für die Berufstätigen beginnt Donnerstag um 20 Uhr ein Kochkursus, der 10 Abende umfaßt. Die Ehestandsdarlehenbewerberinnen werden besonders auf diesen Kursus hingewiesen. 89 Jahre alt. Heute begeht Reichsbahn=Betriebsingenieur a. D. Anton Vonderbeck, Detmolder Straße 21, seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar, der sich noch einer für sein Eine Serie von DHIF.=Rppellen im Paderborner Land Seit dem Beginn dieser Woche führt die Deutsche Arbeitsfront in Paderborn und im Paderborner Land eine Serie von Betriebsappellen durch. Sie dienen der Ausrichtung des deutschen Schaffenden auf seine Aufgaben an der inneren Front. In diesem Sinne behandeln die Redner arbeits= und lohnpolitische Maßnahmen, weisen auf die besondere Einsatzpflicht des Schaffenden hin, gehen auch auf jene allgemeinen Fragen des täglichen Lebens ein, die uns heute alle, vor allem die Hausfrauen, beherrschen, als da sind die Lebensmittelkarten, das Hamstern, die Unterbindung der Gerüchtemacherei. Kurz es wird alles das in verständnisvoller Weise behandelt, was dazu dienen kann und muß, den Wehrwillen in der Heimat zu fördern und zu stärken. Wir alle wissen heute zur Genüge, daß wir an der inneren Front nicht minder große und wichtige Aufgaben zu erfüllen haben als unsere Soldaten an der Front, wenn auch ein geringener Einsatz von uns verlangt wird. Uns nun auch in jeder Einzelheit mit diesen Aufgaben auf das innigste vertraut zu machen, dazu sollen diese Betriebsappelle mithelfen. Als Reoner sind für die Appelle eingesetzt worden: Pg. Wilde. Leiter der Gauschule Senne lI. Kreisobmann Pg. Thiede, Kreissozialwalter Pg. Meckes und Kreisschulungswalter Pg. Holtkamp. Die ersten Appelle wurden am Montag bei den folgenden Paderborner Firmen abgehalten: Pötz, Klingenthal, Schnitz, Westfälisches Vokksblatt, Püttmann und Verlag F. Schöningb. Gestern waren Appelle bei Wiese, Paderborn, Westfälische Möbelfabrik, Westenholz, Leverken, Delbrück, für die Delbrucker Betriebe in der Wirtschaft Menneken in Delbrück und bei den Werken Atlas und Ilse in Paderborn. Heute geht die Serie weiter beim Städtischen Fuhrpark, Dornbusch, Bonifacius=Druckerei, Welle, sämtlich Paderborn, und bei Henrichsmeier in Hövelhof. Und am Donnerstag werden die abschließenden Appelle beim Sägewerk Spohn, bei Evers& Co., Burania und Bredt& Co., sämtlich in Büren, stattfinden. s. Oktober beginnt die Theaterspielzeit Wohl bringt der Krieg es ganz automatisch mit sich, daß das kulturelle Leben eingeschränkt wird, dennoch bringen auch die kriegsnotwendigen Maßnahmen es in Deutschland nicht entfernt in einem derartigen Ausmaß zum Erliegen, wie das in England und Frankreich der Fall ist, wo ja auch sonst die Lähmungserscheinungen im öffentlichen Leben in keiner Weise mit der Ruhe und selbstverständlichen Disziplin bei uns zu vergleichen sind. Zu den wichtigsten kulturellen Veranstallungen, die auch in diesem Winter der Stadt Paderborn erhalten bleiben, ist das Theater zu rechnen. Nach wie vor wird auch in diesem Jahre das Westfälische Landestheater seine Aufführungen in unserer Stadt durchführen, und diese Aufführungen werden wiederum im großen Saal des Bürgervereins vor sich gehen. Schon sieht man in der Stadt die Plakate mit der Ankündigung der Eröffnungsvorstellung: Am 5. Oktober wird das Lustspiel „Die Dame Kobold“ von Calderon aufgeführt werden, ein gewiß Paderborns Zoologischer Garten entsteht Trotz des Krieges wird heute in unserer Stadt ein Projekt in Angriff genommen, das für unsere Stadt zumindest den Reiz der Eigenart hat, wenn man nicht sogar darin ein erhebliches kulturelles Projekt sehen kann. Unseren Lesern ist bereits bekannt, daß in Paderborn ein Zvo entstehen soll. Seinerzeit sind die Einzelheiten vom Bürgermeister den Gemeinderäten vorgetragen worden. Wir erinnern noch einmal kurz an die wichtigsten Punkte dieses Planes. In Paderborn lebt ein TierLändler, Konrad Finke, Weberstraße 3, von dem bisher wohl die wenigsten Paderborner gewußt haben, obwohl sein Tierhandel einen sehr beachtlichen Umfang hat. Er beliefert sämtliche zoollegischen Gärten Eurovas mit exotischen und heimischen Tieren, er hat Verbindung mit Tierfängern in aller Welt, er steht in Beziehungen zu den verschiedensten Kolonialministerien, über die ja heute die Tierausfuhr geht, seitdem durch die strengen Jagdgesetze Tierfangexpeditionen nicht mehr zugelassen sind. Und was alles durch seine Hände geht, das umspannt die ganze Soala aus unseres Herrgotts großem Tiergarten vom mächtigen Elefanten und wilden Tiger bis zur unscheinbaren Schlange und dem seltenen Vogel. Bisher hat Konrad Finke, der aus Antwerpen, wo seine Tante ein solches Geschäft und eine zoolegische Schau betrieb, im Jahre 1920 nach Paderborn kam, weil im Paderborner Land, und zwar in Delbrück, seit Jahrhunderten seine Ahnen gesessen haben, diejenigen Tiere, die er nicht sogleich an ihren Käufer weiterleitete, an den verschiedensten Stellen untergebracht gehabt. So befinden sich gerade in Boke bei seinen Schwiegereltern zwei persische Lervarden eingestellt. Es ist selbstverständlich, daß es für irn günstig ist, wenn er seine Tiere alle zentrat an seinem Wohnort unterbringen kann. Diese Möglichkeit hat ihm nun die Stadt Paderborn verschafft, indem sie ihm bei den Was koche ieh morgen? Morgens: Deutscher Tee, Vollkornbrot mit Marmelade.— Mittags: Eintopf: Weiße und grüne Bohnen, Möhren und Kartoffeln mit Speck.— Abends: Obstsuppe, Vollkornbrot mit verschiedenem Quargaufstrich. Fischteichen ein etwa 40 Morgen großes, für einen Zoo bestens geeignetes Gelände zur Verfügung gestellt hat mit der Bedingung, daß er hier seine Tiere auch der Oeffentlichkeit zugänglich macht. Auf diese Weise hat sich die Stadt Paderborn gleich einen Zoologischen Garten gesichert, dessen Attvaktionswert wohl ebenso unbestritten sein dürfte wie sein Bildungswert für die Jugend des gesamten Paderborner Landes. Heute vormittag wird mit den ersten Arbeiten für die Herrichtung des neuen zoologischen Gartens begonnen werden. Es versteht sich, daß hier nicht sogleich etwas Fertiges geschaffen werden kann, sondern daß erst einmal der Anfang gemacht wird, auf dem dann schrittweise aufgebaut werden kann. Zunächst sind auch erst wenige Tiere eingetroffen. Gestern sind auf dem Paderborner Güterbahnhof angekommen: ein junger fünf Monate alter Wisent, ein männlicher Löwe aus DeutschOstafrika. eine Löwin aus Deutsch=Südwestafrika. eine gestreifte Hyäne und fünf. Schakale, ebenfalls von dort, und vier KavGänse. Ein Mähnenschafbock vom Atlasgebirge ist schon seit längerer Zeit hier. Der Zoo übernimmt weiter den Rotwildbestand des Lippspringer Tieraartens, insgesamt sieben Stück Rotwild. Und am Sonnabend wird ein besonderes Prachtstück in unserer Stadt eintreffen, ein 12 Jahre alter. gewaltiger, reckenhafter Wisentbulle. Für den nächsten Frühling werden, soweit man in dieser Zeit vorausrechnen kann. Zebras, Guanacos und Lamas kommen, und schon in nächster Zeit aus einem russischen Tiertransport ein Maral=Bär, zwei Eisbären, im Dezember ein Elch, sechs bis acht Kamele, ein Vielfraß und elf Stück der sehr seltenen Rothalsgänse aus Ostsibirien. So wird also in gar nicht langer Zeit ein höchst beachtlicher Grundstock für den Paderborner Zoo gelegt werden. Rechnet man noch hinzu, daß die ja mit viel weniger Schwierigkeiten zu beschaffenden heimischen Tiere hinzukommen werden, so dürfte der Tiergarten schon in Kürze zu einem recht stattlichen Umfang anwachsen. Die Anlage des Zoologischen Gartens ist so gedacht, daß in der Nähe des Dubeloharabens die heimische Tierwelt ihre Gehege finden. Ein Teich inmitten des Geländes wird den Vögeln wie Schwänen, Gänsen, Enten, Flamingos und dergleichen eine schöne Heimstatt werden, während in dem stadtseitig gelegenen Teil des Gartens die exotischen Tiere untergebracht werden. R D. bemerkenswerter Auftakt der unter dem Motto„Deutschland— Italien— Spanien" stehenden neuen Spielzeit. Es wird nun gar mancher sein, der auch in diesem Jahre nicht auf den Theaterbesuch verzichten möchte, der aber doch wohl von vielerlei Bedenken geplagt wird, ob denn der Theaterbesuch für ihn auch wirklich möglich sei. Wir haben Verdunklung, wir müssen gewärtig sein, daß Fliegeralarm gegeben wird. Ja, können wir uns denn da von Hause wegtrauen. Es muß selbstverständlich jedermann überlassen bleiben, ob er sich zu gehen getraut oder nicht. Wer nicht gerade kleine Kinder zu Hause hat, braucht aber unserer Auffassung nach derartige Bedenken kaum zu haben. Jedenfalls ist durch die verantwortlichen Stellen dafür Sorge getragen worden, daß der Theaterbesucher auch im Bürgervereinssaal genau so seine Sicherung gegen Luftangriffe findet wie zu Hause auch. Im Keller des Hauses wird ein etwa hundert Personen fassender Luftschutzraum ausgebaut werden, der in erster Linie für Frauen gedacht ist, sowie auch für solche Theaterbesucher, die körperbehindert sind. Für alle anderen befindet sich ein ausreichender Luftschutzraum ganz in der Nähe, nämlich in der Schule am Kasseler Tor. Bei Fliegeralarm ist genug Zeit, um den kurzen Weg dorthin zu gehen. Im Saal selbst wird dafür gesorgt, daß er bei Alarm in kürzester Frist und völlig reibungslos geräumt werden kann. Der Saal hat zwei breite Ausgänge, außerdem wird durch ausreichende Sicherheitsmannschaft die Gewähr gegeben, daß sich eine Räumung in Ruhe und ohne Panikerscheinungen vollziehen läßt. Man sieht, es kann eigentlich kaum noch Bedenken geben, daß man auch in diesem Winter getrost ins Theater gehen kann. die Spielzeit bringt Das Westfälische Landestheater hat für das neue Jahr eine Folge von Bühnenwerken ausgenommen, die die kulturelle Nachbarschaft der drei miteinander befreundeten und weltanschaulich gleich gerichteten Nationen Deutschland. Spanien und Italien berücksichtigt. Ein erster Blick auf den Spielplan möge, kurz andeuten, in welcher Weise die Auswahl der Bühnenstücke diesem Gedanken nachkommt. Da begeanen wir Hanns Gobschs packendem Schauspiel„Thron zwischen Erdteilen", das uns in das alte Rußland der Zarin Elisabeth führt. Die junge Macht Preußens, die im Hintergrunde dieses Dramas wetterleuchtet, entwickelt in Burtes Drama„Katte“ ihren soldatischen Geist einer unbeugsamen Diszivlin, die gepaart ist mit einer edlen Opferbereitschaft und beldischen Kameradschaft. Kluckes Schauspiel„Kämpfer und Träumer“ zeigt das gleiche Preußen in jenem Zeitpunkt, in dem es die Keimzelle des größeren deutschen Reiches werden will. Was bei Burte und Klucke sich zum Ernst gestaltet, lockert sich in Lessinas Lustspiel„Minna von Barnhelm" zu einem lebendigen Zeitbild. Zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Bühnendichtung betritt hier der preußische Soldat mit seinen besten und charakteristischen Eigenschaften die Bühne des Lustspiels Schauen wir zu den kommenden Bühnenwerken spanischer Dichter hinüber, so begrüßen wir in Molina, dem Autor des heiterbeschwingten Lustspiels„Don Gil von den grünen Hosen", zugleich jenen ersten Bearbeiter der spanischen Don=Juan=Sage, die später Mozart zu seiner gleichnamigen Oper schöpferisch anreate und also frühe spanisch=deutsche Fäden knüpfte. In der Komödie um„Don Gil" feiert das stolze Kavaliertum Alt=Spaniens seine Auferstehung. Wie die Begriffe„Ehre" und Liebe schon seit alters im spanischen Volkslied die bewegenden Mächte sind, treffen wir sie auch im Spiegel der spanischen Bühne. In Calderons„Dame Kobold“ blitzen ebenso die schnell bereiten Floretts, wie die leicht enthrennbaren Herzen des Südens dem aalanten Spanier bunte und romantische Abenteuer bescheren. Uralt sind auch die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien; wenn wir im kommenden Spielvlan des Westfälischen Landestheaters beispielsweise ein fröhliches, lebhaftes Werk von Goldoni.„Die kluge Wirtin". antreffen, so werden wir uns daran exinnern, daß schon Lessina sich häufig mit Goldonis Werken beschäftigte und Goethe sie einst in Weimar aufführte. Naturfrische Anmut. Schlaafertigkeit und Beweglichkeit sind auch die Eigenschaften jenes prächtigen Mädchens, das in dem heiteren italienischen Lustspiel von Niccodemi„Scampolo“ sein vergnügliches Temperament entwickelt. Wie in diesen Bühnenwerken zumal auch das lebenslustige und unterhaltsame Element aleichseitia in den Vordergrund gerückt wurde, finden wir in der diesjährigen Aufstellung auch das Beisviel des fesselnden, bühnenwirksamen Kriminalstückes, wie es in Arel Ivers Schauspiel„Parkstraße 13“ so spannend und anschaulich verkörvert ist. Alles in allem ergibt sich also ein Spielplan, der unter besonderer Berücksichtigung des kulturellen Aufagbenkreises, der Auswahl guter und gepflegter Bühnenwerke, der Forderung nach Vielfalt und Spannuna. Lebensbejabung und fröhlicher Unterhaltsamkeit, eine Reihe von Werken bietet, die weiträumige kulturelle Aktivität des Dritten Reiches dem Bewußtsein des Volkes näherzubringen vermag. Aus dem Paderborner Land Stukenbrock. Wildschweine brechen in die Maisfelder ein. Ueberall in unserer Gemeinde, wo durch die Landwirte Mais angebaut worden ist, mehren sich zu der Zeit der Maisernte die Klagen darüber, daß Wildschweine in die reifen Maisfelder eindringen und sich an den schmackhaften Kolben schadlos halten. An einzelnen Stellen ist der Schaden besonders groß. Für eine Mästung auf diese Art und Weise haben die davon betroffenen Landwirte kein Verständnis, da die vielen Mühen des Jahres vergeblich waren. Da die Beschwerden bereits der zuständigen Stelle zugeleitet worden sind, kann damit gerechnet werden, daß diese Räuber in Kürze eins auf die Schwarte gebrannt bekommen. Warburg. Personelles. Mit der vertretungsweisen Verwaltung der Schulaufsichtskreise Hörter=Warburg für die Dauer der Einberufung der Schulräte Kruchten und Dr. Pabelick ist der Schulrat a. D. Andre in Brakel vom Regierungspräsidenten in Minden mit sofortiger Wirkung beaufbein Porzellan dei Wieseler tragt worden. Die Postsekretärin Maria Rodekurt wurde zur Oberpostsekretärin, der Postfacharbeiter Willi Schröder zum Postschaffner ernannt. Der Oberpostschaffner Dierkes trat am 1. Oktober in den Ruhestand.— Die Damenschneider=Innung des Kreises Warburg hat einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Dreizehn Mitglieder haben ihre Meisterprüfung vor der Handelskammer in Bielefeld bestanden. Es sind dies: Aenne Vonderlage, Warburg, Therese Beineke, Gehrden, Anna Beine, Warburg, Bönnunghausen, Warburg, Johanna Dürdoth, Muddenhagen, Agnes Ernst, Willebadessen, Auguste Güthoff, Dössel, Elisabetb Hengst, Daseburg, Frieda Jacobi, Rimbeck, Agnes Mellwich, Scherfede, Maria Nutt, Eissen, Maria Scheideler, Borgholz, Klara Schnückel, Scherfede. Warburg. Viehmarkt. Der sonst so gut beschickte Warburger Vihmarkt war schlecht beschickt und der Handel schleppend. Insgesamt waren nur 448 Schweine, etwa die Hälfte der sonst üblichen Zahl, aufgetrieben. Gezahlt wurden für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 12—15 RM, für 8—10 Wochen alte Ferkel 15—18 RM. von Haar und Hellweg Geseke. Gesellenvrüfung bestanden. Nach beendeter Lehrzeit und Besuch eines 6wöchigem Lehrgang an der Lehrwerkstätte der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie in Hamm in Westfalen bestanden folgende Lehrlinge der Firma Hans und Lenze Geseke ihre Gesellenprüfung als Betonfacharbeiter: Franz Kramer, Franz Döring und Heinrich Röttgen, sämtlich aus Geseke. Aus dem Sauerland Brilon. 70 Jahrealt. Der weit über die Grenzen unserer Stadt bekannte Schieferdeckermeister Bernhard Schulte, Hoppeckerstraße, wurde 70 Jahre alt. Er ist für sein Alter noch sehr rüstig und leitet sein Unternehmen noch immer selbst. Möge ihm diese Rüstigkeit auch weiterhin beschieden sein. Antfeld. Goldenes Dienstjubiläum. Der Invalide Karl Rosenkranz von hier steht seit 50 Jahren im Dienste der von Papenschen Gutsverwaltung. In seltener Treue und vorbildlichem Pflichtgefühl hat er seine Obliegenheiten erfüllt. Dem Achtzigjährigen ist auch heute noch kein Wetter zu schlecht, um seine Arbeiten in Wiese und Feld zu verrichten. Auch unseren herzlichen Glückwunsch. Niedermarsberg. An der Front ausgezeichnet. Leutnant Willi Krekeler von hier wurde bei den Kämpfen in Polen verwundet. Für seine besondere Tapferkeit vor dem Feinde— er gehört einem Panzerabwehrverband an— erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Wir gratulieren und wünschen baldige Genesung. Nachbarschaft und Provinz Blomberg. Tödlicher Unfall auf der Landstraße. Am Dienstag gegen Mittag fuhr eine Frau auf dem Fahrrad zum Kartoffelaufgraben aufs Feld. Sie führte einen Korb und einen Aufgräber in der Hand mit sich. In der Nähe der Stuhlfabrik Ramm wurde sie von einem Lastzug überholt. Vermutlich ist die Frau durch die Gegenstände im Lenken des Rades behindert gewesen. Jedenfalls fuhr sie näher und näher an den Lastzug heran und wurde von dem Anhänger überfahren. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Das Fahrrad der Verunglückten lag unbeschädigt an der Seite. General der Artillerie von Kluge zum Generalobersten befördert Am 2. Oktober sprach der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht eine Reihe von Beförderungen aus. Der frühere Kommandierende General des VI. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis VI. General der Artillerie von Kluge, der im polnischen Feldzug eine Armee in der Nordgruppe führte, wurde zum Generaloberst befördert.(Scherl Bilderd., Zander-Multipl.-K.) Bielefeld und Minden=Kavensberger Land Bielefelder Stadttheater: „Der Vetter aus Dingsda“. Am Sonntagabend machte auf unserer Operettenbühne der„Letter aus Dingsda“ wieder seine Aufwartung. Unter Hugo Würtenbergers einfallreicher Spielleitung und mit Dr. Adam Rauh am Dirigentenpult tollte das fröhliche Spiel beschwingt und lustig ab. Lotte Loeffel(als Julia) und Trude Rudorf(als schnippisch muntere Freundin Hannchen) vereinigten sich zu einem charmanten, eleganten Jungmädelpaar. Josef Kreuzer als der falsche Vetter aus Dingsda erfreute mit dem Wohlklang seiner Stimme ebenso wie durch die naturburschig herzhafte, Frische seines Spiels. Und als echter Vetter stellte sich Herbert Steiniger sehr liebenswürdig und heiter vor. Hans Hermann Joest spielte den ewigen Freier mit den„Kindern Floras“ mit erfreulicher Angeblödeltheit, ohne auzu sehr ins Groteske zu übertreiben. Das putzige Dienerpaar Herwig Walter(Karl) und Philivv Essinger(Hans) trug viel zur launigen Heiterkeit bei. Und Erna Friederichs(Tante Wimpel) mit Otto Mrazek(den erbschleicherischen, ewig hungrigen Onkel) waren wirklich die Verwandten, die man nach Trude Rudorfs Connlet am liebsten von hinten sieht. Es wurde viel— und meistens grotesk— getanzt, gesteppt und gesprungen. Kein Wunder, daß oftmals zwei= und dreimalige Wiederholungen erzwungen wurden. Ein unterhaltsamer, fröhlicher Abend mit Beifallsstürmen und köstlichen Blumenangebinden für die Darsteller! Alfred Hausknecht. Umschulung auf Kriegswirtschaft Bielefeld. Das Berufserziehungswerk Bielefeld wendet sich jetzt auch der Umschulung auf die kriegswichtigen Arbeitsplätze und zum Ersatz von Einberufenen zu, die in erster Linie durch sogenannte„Schneuunterweisungen" vorgenommen wird, und zwar in ständiger Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern. Die Schulunterweisungen werden sich in Bielefeld voraussichtlich vor allem auf Maschinenschreiben, Kurzschrift, Buchhaltung und Steuerfragen erstrecken; daneben werden für die Metallberufe und andere Berufszweige Kurse abgehalten, so etwa im Fachzeichnen, Fachrechnen, Werkstattpflege und Werkstattkunde. Der normale Betrieb des Berufserziehungswerkes läuft selbstverständlich ebenfalls weiter. Es ist daran gedacht, ihn noch durch Tagesunterricht für die Elementarfächer zu erganzen. Die praktische Umschulung wird in den Fachschulen und Betrieben vorgenommen. Lehrküche im Dienst der Ernährung Bielefeld. Die Lehrküche der Stadtwerke Bielefeld im „Haus der Technik“ hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, auch unter den kriegswirtschaftlichen Verhältnissen die Hausfrauen tatkräftig zu unterstützen. Sie will den Hausfrauen, den berufstätigen Frauen und Mädchen, den Hausgehilfinnen, Bräuten, Lehrerinnen usw. Anleitung und Richtlinien vermitteln, die der täglichen Hausarbeit auf Grund der neuen Lage Rechnung tragen. Sie will in Zusammenarbeit mit der NS.=Frauenschaft, dem Deutschen Frauenwerk (Abteilung Volkswirtschaft) und der Deutschen Arbeitsfront in den neuen Kursen Aufklärungen vermitteln, wie auch bei sparsamer Wirtschaft eine ausreichende und richtige Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen ist. Bielefeld. Goldene Hochzeit. Der im Ruhestand lebende Bäckermeister Heinrich Siebrasse und seine Gattin, Anna geb. Kuhlmann, Hakenort 18, feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Siebrasse ist Mitbegründer der Bäckerinnung und der Großeinkaufsgenossenschaft. Bielefeld. Was bringt das 2. Städt. SinfonieKonzert? Im ersten Teil des 2. Städt. Sinfonie=Konzertes werden zwei Instrumentalkonzerte gespielt. Vielseitigen Anregungen und Wünschen entsprechend wird ein Orgelkonzert(auf der herrlichen Oetkerhallen=Orgel) aufgeführt, und zwar eines der bedeutendsten Orgelkonzerte unseres Großmeisters G. F. Händel. Es wird von dem hiesigen Organisten Adalbert Schütz(einem Schüler von Prof. Ramin) gespielt. Prof. Metzmacher spielt das berühmte Cellokonzert von Hayon (zum ersten Mal in der Originalfassung). Die heroische Sinfonie von Beethoven bildet den zweiten Teil dieses klassischen Konzertes. Bielefeld. Tiefland— Zweite Operninszenitrung der Spielzeit. Nach längerer Pause wird d A l b e r t s w i r k s a m s t e O p e r T i e f l a n d i n e i n e r v ö l l i g e n N e u e i n studierung am Donnerstag in den Bühnenbildern F. Hosenfeldts, erstmals in Szene gehen. Bielefeld. Abschied von Leo Falk. Für den aus reichem Schaffen durch den Tod abgerufenen Opernsänger und Spielleiter Leo Falk fand im Stadttheater eine Trauerfeier statt, bei der Intendant Dr. Alfred Kruchen den Verstorbenen als Künstler und Menschen würdigte. Bielefeld. Hitlerjungen im Feuerwehrdienst. Unter Leitung der Feuerlöschpolizei Bielefeld findet hier zur Zeit der erste HI.=Ausbildungskursus im Feuerlöschdienst statt. Es neimen 36 Hitlerjungen aus verschiedenen Orten Minden=Ravensbergs teil. Wieviel Lebensmittel gibt es vom 2. bis 8. Oktober? Allgemeine Erläuterungen: 1. Nicht verwendete Abschnitte dürfen von den Verkaufsstellen nicht entwertet oder abgeschnitten werden. 2. Beim Eintritt in den Militärdienst usw. sind die Bezugskarten sofort dem Bürgermeister oder zuständigen Ernährungsamt zurückzugeben. 3. Für Reisen können die Brot=, Fleisch= und Fettkarten gegen Reisekarten umgetauscht werden. Bemerkungen „Fieuchskonlerenz“. Das„Journal American“ hat einen auf englisch Artikel Llyod Georges zur politischen Lage verbreitet, der alles andere denn rosige Prognosen für England oder Schmeicheleien für seine Regierung enthält. Im übrigen aber proklamiert Llyod George den Kampf gegen den„universalen Despotismus". Wie man gegen Philipp II. von Spanien, Ludwig XV., Napoleon und den Kaiser erfolgreich gewesen sei, müsse man nun auch die„Frage zwischen Diktatur und Demokratie" ausfechten. Auch der Erzbischof von York hat in seiner Rede, die er am Montag vor dem britischen Rundfunk gehalten hat, als den Wunsch seines fromemn Herzens erkennen lassen, daß kein„Friede mit Hitler oder mit denen, die seine Helfershelfer garesen sind“ geschlossen werde,„aber, so fährt der Kirchenfürst fort, Friede mit dem deutschen Volk, geführt von einer vertrauenswürdigen Regierung.“ Wir hören in beiden Fällen das alte Lied. England kämpft nicht gegen das deutsche Volk, sondern nur gegen den Nazismus. Lloyd George und der Erzbischof von York meinen nämlich, das sei zweierlei. Mit einer„vertrauenswürdigen" deutschen Regierung will der Erzbischof von York eine große Friedenskonferenz abhalten, auf der dann einfach alles geregelt wird, Grenzfragen, Kolonien. Zolltarif usw. und auf der man„auch selbst zu Opfern bereit" sein müsse. Nun, wir wissen seit 1918 aufs Haar genau, wie die Regierungen aussehen, die den Engländern„vertrauenswürdig" vorkommen. Der Führer hat es in Danzig auch noch einmal mit aller Deutlichkeit ausgesprochen: Es sind von den Engländern ausgehaltene Regierungen. Es sind Lumpen und Verräter, die sich dazu hergeben, vor ihrem Volke Sachwalter einer fremden Macht zu sein. Mit ihnen will man verhandeln, d. h. man will mit sich selbst verhandeln. Daß dieses Diktat noch schlimmer sein soll als das Diktat ron Versailles haben uns nun wieder andere Engländer mit Offenheit versichert. Die Herren scheinen es noch immer nicht begreifen zu wollen, sie begreifen diesmal überhaupt schwer, daß derlei Sirenenklänge bei uns kein Gehör mehr finden.— Heckenschützen zur See Der britische Marineminister Winston Churchill hat dieser Tage im Unterhause die Verschärfung des Seekrieges angekündigt, soweit er sich als Handelskrieg abspielt. Er hat nach seinen eigenen Angaben angeordnet, daß die britischen Handelsschiffe bewaffnet sind und ausgebildete Artilleristen an Bord haben. Churchill behauptet in heuchlerischer Weise, daß die Bewaffnung der Abwehr dienen solle. In Wirklichkeit ist sie dazu bestimmt, angriffsweise angewandt zu werden. Das ist bereits durch mehrere Vorfälle der letzten Zeit bewiesen. Wie England zugibt, soll durch diese Maßnahmen die Tätigkeit der deutschen U=Boote erschwert werden. Die U=Boote haben sich bisher streng an die Prisenordnung gehalten. Sie haben jedes Handelsschiff auf seine Herkunft und über seine Ladung untersucht, sie haben dafür gesorgt, daß die Besatzung vorher in Sicherheit gebracht wurde, sofern eine Versenkung des Schiffes erforderlich war. Diese Haltung wird durch die Bestückung britischer Handelsdampfer stark erschwert. Es ist durch Vorfälle aus dem Weltkrieg als britische Methode erwiesen, daß die bewaffneten Dampfer das Feuer auf das U=Bot eröfnen, sobald dieses mit der Unteruchung beginnen will. Die Engländer haben im Weltkriege ogar die berüchtigten U=Boot=Fallen organisiert, ie als getarnte Handelsdampfer erschienen und eigens dazu bestimmt waren, Unterseeboote anzulocken und zu vernichten. Da die U=Boote nur ein leichtes Geschütz mitführen, während die Dampfer mit schweren Kalibern bestückt sind, kann ein Unterseeboot leicht verloren gehen, wenn es sich auf die unmoralischen englischen Listen einläßt. Ein großer Dampfer ist außerdem in der Lage, ein Unterseeboot zu rammen, wanrend dieses mit seiner leichten Bauart ein empfindliches Instrument darstellt. Nach deutscher Auffassung ist ein bewaffneter Dampfer als Kriegsschiff zu behandeln. Dasselbe gilt, wenn sich Dampfer feindlicher Herkunft der ordnungsmäßigen Untersuchung entziehen wollen. Der Verschärfung des Handelskrieges, wie sie von England in die Wege geleitet ist, wird die deutsche Kriegsmarine alle Mittel entgegensetzen. In Ermangelung großer kriegerischer Taten schildert die englische Presse die Idylle der nach Frankreich gebrachten zahlreichen Tommies(Tommy ist der volkstümliche Spitzname des englischen Soldaten) und beschreibt das Lagerleben in der Etappe. Nun hat aber der französische Generalstab Wert darauf gelegt, daß die englischen Soldaten genau so verpflegt werden wie die Poilus (Spitzname für den französischen Soldaten), weshalb auch die Engländer in Frankreich nicht ihr berühmtes englisches Frühstück, sondern das französische Frühstück erhalten. Hier ist nun ein Unterschied wie in den Frühstücksgewohnheiten Süddeutschlands. Auch der Norddeutsche legt durch Einsatz von Eiern, Sprck und Wurst vielmehr„Grund“ beim ersten Frühstück als der Süddeutsche, der vielfach nur eine trockene Semmel zum Kaffee ißt, aber dafür durch die etwas spätere Pause entschädigt wird. Das englische Frühstück ist nun noch sehr viel üppiger als in Norddeutschland. Es umfaßt eine Hafersuppe, gebratenen Fisch oder Eier auf Speck und schließlich Butterbrot mit Marmelade und dazu ein entsprechendes Getränk. Man kann sich nun unschwer vorstellen, daß sich der Tommy die Augen wischt, wenn er auf das lange französische Stangenbrot zuzüglich des in Frankreich meist„schwarz“ getrunkenen Kaffees gesetzt wird. Bezeichnend ist, daß die englischen Soldaten überaus heftig nach Zigaretten schreien, die bekanntlich etwas trösten, wenn die Verpflegung nicht allzu reichlich ist. So heißt es in einem Feldpostbrief:„Wir murren zwar nicht, aber ihr könntet uns wirklich etwas mehr Zigaretten schicken". Es ist schon durchaus verständlich, daß es den braven Tommies auf die Dauer nicht gefällt,„auf französische Ration“ gesetzt zu werden. Denn im Gegensatz zu der „feinen französischen Küche“ ist die französische Hausmannskost sehr bescheiden. Das normale Abendessen eines Franzosen der mittleren Klasse besteht lediglich aus Käse, Stangenbrot und etwa einem Viertelliter Wein, das Mittagessen aus Suppe, Gemüse mit Fleischbeilage, wiederum etwas Wein einem Täßchen schwarzen Kaffees. Die FrühstücksKonkurrenz Rapider Devisenschwund in Dänemark. Der Netto=Devisenbestand der dänischen Nationalbank hat sich im September um nicht weniger als 57.4 Millionen Kronen vermindert und ist damit von 68,9 Millionen Kronen im August auf 11,5 Millionen Kronen Anfang Oktober gesunken. Cholera=Bazillenträger auf japanischen Schiffen. Wie Domei meldet, wurden auf den Dampfern„Haruna Maru“ und„Katori Maru“ der Nippon Yusen Kaischa sechs CholeraBazillenträger entdeckt, worauf die Quarantäne für alle in Kobe aus Schanghai und Hongkong eintreffenden Schiffe angeordnet wurde. Die Polizei ist bemüht, die bereits gelandeten Fahrgäste der beiden Dampfer wieder ausfindig zu machen, um sie einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Schweres Bergwerksunglück in Mexiko. In einem Bergwerk bei Palau im Staate Coahuila ereignete sich am Sonntag eine schwere Schlagwetterexplosion. 69 Tote, zwei Schwerverletzte und zwei Vermißte wurden bisher gezählt. 60 weitere Bergleute sind noch verschüttet. Die Rettungsarbeiten, die sich in vollem Gange befinden, gestalten sich sehr schwierig. Die lügenhafte Begründung der Kriegshetzer „Wonn England jetzt den Krieg weiter führt.. Oslo, 8. Okt. Der Berliner Korrespondent von„Aftenposten“ meldet in einem längeren Bericht, daß die Friedensaktion Deutschlands und Rußlands durch Ribbentrops Aeußerungen in Moskau bereits eingeleitet ist. Wenn England den Krieg jetzt noch weiter führen will, so tut es das ausschließlich um des britischen Prestiges willen. England behauptet, den Krieg gegen die nationalsozialistische Führung Deutschlands führen zu wollen, nicht gegen das deutsche Volk, sondern zu dessen Besten. Was würden die Engländer wohl sagen, wenn das Ausland aus Liebe zum englischen Volk Krieg gegen dessen Königshaus und das Parlament predigen würde? Ein jedes große Volk verschafft sich die Regierung, welche es selbst wünscht. Also ist ein Krieg gegen diese Regierung ein Krieg gegen das Volk und bis zum letzten Mann dieses Volkes. Die Masse ohne Sprachrohr Stockholm. In einem Artikel über die Friedensmöglichkeiten erklärt die Stockholmer Zeitung„Aftonbladet". in den beiden Westmächten gebe es starke Kräfte, die am Kriege festhielten, vor allem die Regierungen selbst. Einflußreiche Kreise arbeiteten unter der Parole„Prestige“ in der gleichen Richtung. Es gebe auch noch andere ähnlich geGesandter Dr. h. c. Sahm verstorben Oslo. 3. Okt. Der deutsche Gesandte Dr. h. c. Heinri Sahm ist heute abend nach kurzer, schwerer Krankheit i 63. Lebensjahre verstorben. sinnte Kräfte, und das seien die in diesen Ländern mächtigen Juden. Die Gefahr liege darin, daß deren nationale Gefühle nicht dieselben Wurzeln hätten wie die der einheimischen Berölkerung.„Die jüdischen Weltinteressen", schreibt das Blatt wörtlich,„arbeiten unaufhörlich und rücksichtslos für einen Krieg. Auf der anderen Seite gibt es aber auch machtige finanzielle Interessen,„die gegen eine katastrolhale Entwicklung sind. Auch gibt es eine öffentliche Meinung, die skeptisch gegenüber der Entwickelung eingestellt ist.“ Diese Masse habe jedoch kein Sprachrohr. Die Machthaber suchten die Lage so lange wie möglich zu vertuschen. Die Zenfur arbeite ununterbrochen und verhindere, daß sich die große Oeffentlichkeit ein objektives Urteil bilde. Massenhafte Zuschriften an englische Zeitungen fragen nach dem Sinn einer Fortsetzung des Krieges Amsterdam. Auch die emsigste Agitation des britischen Reklameministeriums hat nicht verhindern können, daß die englische Oeffentlichkeit sich heute fragt, um was dieser Krieg eigentlich noch geführt wird und warum man ihn weiter fortsetzen soll. Die Zeitschrift„Statesman and Nation“ gesteht offen ein, daß sie nicht als einzige Zeitung mit Zuschriften überschwemmt werde, in denen vor allem gesagt werde, das alte Polen könne doch unter keinen Umständen wiederhergestellt werden. Es werde in diesen Zuschriften dann die Frage aufgeworfen, für welche Ziele England und Frankreich jetzt eigentlich noch kämpften. In jedem Lande sei die Stimmung gegen einen Krieg. Es sei jetzt ein kritischer Augenblick gekommen. Volksstimmung in England und Frankreich ist für Frieden Kopenhagen. Die Kopenhagener Zeitungen beschäftigen sich im Anschluß an den Berliner Besuch des italienischen Außenministers weiterhin mit den Bemühungen, nach dem Zusammenbruch Polens den Frieden herbeizuführen. Die Blätter erörtern nochmals Sinn und Bedeutung der Moskauer Erklärung und beleuchten alle Möglichkeiten. London und Paris von ihren Kriegsplänen abzubringen. Der italienischen Stellung in der Front der den Frieden anstrebenden Mächte wird dabei große Beachtung geschenkt, wobei auch Hinweise auf die militärische Stärke der beiden Achsenpartner nicht fehlen. Betonung findet der Gedanke, daß die Volksstimmung in England und Frankreich im Gegensatz zu der Clique der gegenwärtig regierenden Politiker und ihrer Presse den umgehenden Abschluß des Krieges verlange, weshalb man auch deutscherseits die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, daß sich der europäische Friede trotz allem wieder aufrichten lasse. Friedenssehnsucht in Belgien Brüssel. Auch die belgischen Abendblätter stehen im Zeichen der Friedenssehnsucht. Im Laufe dieser Woche, so wird gemeldet, würden nachhaltige Anstrengungen gemacht werden. Man veröffentlicht in großer Aufmachung Meldungen aus Berlin, Rom, London und Paris. Im übrigen enthalten sich die Blätter vorläufig jeden Kommentars gegenüber etwaigen Friedensmöglichkeiten. Churchill rühmt sich der Kanonen Die„Times“ stellt fest: Geschütze auf allen englischen Handelsschiffen! Amsterdam. 3. Okt. Ueber die fortschreitende und nahezu vollendete Bewaffnung der englischen Handelsschiffe mit Geschützen gibt der Flottenkorrespondent der„Times“ Auskunft. Er verweist dabei auch auf Churchill, der im Parlament erklärt habe, daß es nun möglich geworden sei, wirksam gegen U=Boote vorzugehen. Die Arbeiten dazu seien bereits vor zwei Jahren in Angriff genommen worden. Die Handelsschiffe seien schon so vorbereitet, daß sie jetzt ohne weiteres Geschütze tragen könnten. Auch die militärische Ausbildung der Ossiziere und Mannschaften sei vollendet. * Diese Ausführungen sind ein neuerlicher wertvoller Beweis dafür, daß England seine Handelsflotte mit Kanonen gespickt und die Mannschaften der Handelsschiffe militärisch ausgebildet hat. England will demzufolge seine ganze„Handels"=Flotte aktiv gegen die deutschen U=Boote einsetzen, um diese durch Beschießung und Versenkung an der Durchführung prisenrechtlicher Maßnahmen zu verhindern. Die deutschen U=Boote haben bisher gegenüber unbewaffneten englischen Schiffen so ritterliche Methoden gezeigt, daß die Presse aller Erdteile darüber nur höchstes Lob zu spenden vermochte. Selbst Blätter, die seit Jahren dem deutschen Volke ablehnend gegenüber standen, haben geradezu begeisterte Schilderungen über das Entgegenkommen deutscher U=Boot=Kommandanten veröffentlicht. Diese ritterliche Haltung darf jedoch niemanden zur Annahme verleiten, daß die deutschen U=Boote unter allen Umständen bereit wären, dieses Vorgehen auch dann beizubehalten, wenn sie sich der Gefahr gegenübersehen, von den Kanonen bewaffneter Handelsschiffe bewaffneten Widerstand leisten oder sogar angreifen(und welchen anderen Zweck sollen Kanonen verfolgen?), dann sind die zur Bekämpfung des englischen Handelskrieges eingesetzten deutschen Kriegsschiffe nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, jeden Widerstand rechtzeitig und mit allen Mitteln zu brechen. Washingtoner Erklärung gegen Londons„Schwarze=Listen"=Politik Washington, 3. Okt. Der Unterstaatssekretär im Wirtschaftsministerium, Edward Noble, erklärte heute, die Vereinigten Staaten würden sich jedem britischen Versuch einer Einmischung in Nordamerikas Handel mit ibero=amerikanischen oder anderen in neutralen Ländern domizilierten Firmen widersetzen, die England wegen ihrer Sympathien für oder wegen ihrer Geschäftsverbindungen mit Deutschland auf die schwarze Liste setzte. Noble erklärte nach einer Konferenz mit am ibero=amerikanischen Handel interessierten USA=Geschäftsleuten weiter, daß nach Ansicht der Konferenzteilnehmer jeder Versuch irgendeiner europäischen Macht. dem USA=Handel im Warenverkehr mit neutralen Häfen Vorschriften zu machen, auf scharfen Widerstand stoßen werde. Die britische schwarze Liste sei jedoch bisher den Vereinigten Staaten noch nicht amtlich zur Kenntnis gebracht worden. London befürchtet Schließung der Dardanellen Die türkisch-russischen Verhandlungen fahren den Engländern in den Magen Mailand, 4. Okt. Das lange Hinausziehen der Verhandlungen zwischen Rußland und der Türkei löst in London, der„Gazetta del Popolo“ zufolge, ernstliche Besorgnisse aus. Die aus Moskau in der britischen Hauptstadt eintreffenden Nachrichten, so schreibt das Blatt, hätten ziemliche Perplexität hervorgerufen, und auch die optimistischsten Engländer müßten zugeben, daß diese Verlängerung der Besprechungen zwischen dem türkischen Außenminister und dem Kreml darauf hinweise, daß Rußland noch nicht das letzte Wort gesprochen habe. Es sei möglich, daß Rußland der Türkei eine absolute Neutralität auferlege, die die Dardanellen vollständig wirksam schließen würde. Man würde so einen gewaltigen Block von Neutralen schaffen, die von einer Seite von Rußland und von der anderen durch Italien begrenzt und über den Balkan reichen würde, und der so vollständig die beabsichtigte Einkreisung Deutschlands auf den Kopf stellen würde. Diplomatische Aktivität im Moskau, 3. Okt. Der sowjetische Regierungschef und Außenkommissar Molotow empfing Dienstag abend den bulgarischen Oberst Boideff, der in den letzten Tagen Verhandlungen über eine Luftkonrention zwischen Bulgarien und der Sowietunion und über die Herstellung einer Flugverbindung Moskau—Sofia geführt hatte. Wie verlautet, ist der Abschluß der Luftkonvention zwischen der Sowjetunion und Bulgarien demnächst zu erwarten.— * Heute nachmittag um 17.30 Uhr Ortszeit traf der litauische Außenminister Urbsys auf dem Moskauer Flughafen ein. Zur Reise bringt die litauische Presse in Leitaufsätzen zusammenfassende Betrachtungen über die litauisch=sowjetrussischen Beziehungen seit der Gründung des litauischen Staates. Der halbamtliche„Lietuvos Aidas" verweist dabei auf die Bedeutung Moskaus und bebt die besonders freundliche Art hervor, mit der der litauische Außenminister nach Moskau eingeladen worden sei. e Am Montagabend fand eine zweistündige Besprechung zwischen Außenkommissar Molotow und dem lettischen Außenminister Munters statt. Der Besprechung wohnten die Herren Stalin, der stellvertretende Außenkommissar Potemkin sowie der Sowjetgesandte in Lettland. Zotow. und der lettische Gesandte in Moskau, Kocins, bei. Wie verlautet, ist der lettische Außenminister Munters heute nachmittag um 18 Uhr zum zweiten Male vom Regierungschef und Außenkommissar Molotow im Kreml empfangen worden. * Reval, 3. Okt. In einer am Montagabend stattgefundenen Sitzung der estnischen Regierung hat Staatspräsident Paets den zwischen Estland und Sowjetrußland abgeschlossenen gegenseitigen Beistandspakt ratifiziert und gleichzeitig seine Veröffentlichung angeordnet. Kraftfahrzeuge des Protektorats führen des Nationalitätszeichen. Der Reichsverkehrsminister weist darauf hin, daß die Kraftfahrzeuge des Protektorats Böhmen und Mähren das Nationalitätszeichen„ führen. Die Führung des ehemaligen Nationalitätszeichens„CS“ ist verboten. Der endlose Zug der 100000 Gefangenen Nur noch für 24 Stunden Munikion in Warschau— Wie die eingeschlossene polnische Armee belogen wurde— Offiziere, die sich bei Luftangriffen im Keller versteckten Vor Warschau, 8. Okt.(PK) Nun schweigen die Kanonen, aber immer noch leuchtet nachts blutrot der Himmel vom Widerschein der brennenden Gebäude in der ehemaligen volnischen Hauptstadt. Seit Tagen haben endlose Kolonnen gefangener Polen Warschau verlassen, die weiter zurück in die Kriegsgefangenenlager gebracht werden. Die polnischen Unterhändler hatten in ihren Uebergabeverhandlungen darum gebeten, daß der Abtransport nachts vor sich gehen sollte; sie wollten sich die Schande vor den Augen der draußen wartenden Polen ersparen. Die deutschen Offiziere hatten dem zugestimmt. Aber noch bevor der allgemeine Abtransport vor sich gehen sollte, marschierten zahlreiche einzelne Trupps los, sie wollten nichts mehr mit ihren Offizieren zu tun haben, von denen sie auf so unmenschliche Art belogen und betrogen wurden. Wir erlebten den Abmarsch der geschlagenen und gefangenen Polen um Mitternacht auf der Straße vom Vorort Okecie nach Warschau. Da kamen die endlosen Züge heran, die zu gleicher Zeit aus allen Stadtteilen und in allen Himmelsrichtungen hinausgeführt wurden unter Bedeckung durch deutsche Soldaten. Auf den großen Plätzen in Warschau hatten sie ihre Waffen abgegeben. Hoch türmten sich die Gewehre und Maschinengewehre, aber nur wenig Munition wurde abgegeben, sie hätten kaum noch für 24 Stunden gereicht. „Wann kommen wir nach Hause? Wir sind alles Bauern, haben unsere Höfe verlassen müssen und wurden in der ersten Septemberwoche nach Warschau verlegt— wir müssen auf unsere Höfe zurück, bitte, bitte, schicken sie uns doch bald zurück und nach Hause.“ Ob sie gediente Soldaten sino:—„Nein, wir sind in ein paar Tagen ausgebildet worden, und ich bin überhaupt Volksdeutscher, ich komme aus Ostoberschlesien, uns Deutschen wurden dann sofort wieder die Waffen abgenommen!" berichtet ein großer stämmiger Bauer, der uns nun als Dolmetscher dient. Ein Offizier war unter diesem Gefangenentransport, er stürzte auf mih zu, fragte mich:„Ja, aber meine Herren, lesen Sie denn keine Zeitungen? Wir haben Warschau ja nur auf Drängen der Zivilbevölkerung übergeben und deswegen, weil unsere Munition knapp wurde... Die Engländer haben doch schon Danzig besetzt, und unsere Truppen werden bald mit den Franzosen bei Berlin zusammentreffen...— Und als wir ihm dann erklärten, daß bis heute noch kein Engländer und noch kein Franzose und noch lange kein polnischer Soldat deutschen Boden betreten hat, da wollte er das einfach nicht fassen, die Tränen traten ihm in die Augen, er ging still zurück und mischte sich wieder unter die anderen Gefangenen. Was haben nun eigentlich die polnischen Offiziere ihren Soldaten gesagt, als unsere deutschen Kampfflugzeuge die militärischen Ziele in Warschau so ungeheuer wirksam bombardierten?„Sie haben uns erzählt, daß diese Flugzeuge polnische Maschinen seien, die„geübt“ hätten. Sie haben uns dann berichtet, daß die Deutschen eigentlich nur über die in der Tschechei erbeuteten Flugzeuge verfügten. Und die Zeitungen schrieben jeden Tag, daß rund 80 deutsche Flugzeuge täglich bei Warschau abgeschossen werden.. Bis zum letzten Montag erschienen die volnischen Zeitungen, dann hörte das auf und gleichzeitig funktionierte auch unser letzter Warschauer Sender nicht mehr. Da aynten wir, wie sich die Lage wirklich geändert hatte. Ich bin Korporal. als ich einmal über die furchtbaren Bombardierungen durch die deutschen Flugzeuge mit meinen Kameraden sprach. wurde ich entwaffnet und erhielt Sprechverbot. Die Zivilbevölkerung wollte schon längst, daß Warschau übergeben würde, aber man hat uns mit der Pistole in der Wuno gezwungen, in den Feuerstellungen zu bleiben. Ja, elektrisches Licht gab es schon lange nicht mehr. Wir hatten kein Wasser, und das war am schlimmsten, wir hatetn kaum Verbandszeug. Die Feuerwehr konnte die zahlreichen Brände nicht mehr löschen, denn das Wasser fehlte ja, nur in der Nähe der Weichsel gelang es, einige Brände zu bekämpfen. Die anderen Brände mußten eben weiterwüten, denn die Versuche, mit Sand die Großfeuer zu ersticken, sind natürlich gescheitert.“ Und wie war es mit der Verpflegung?„Wir haben in den letzten Tagen für vier Mann ein Brot bekommen, das mußte für drei Tage reichen. Dazu gab es manchmal Graupen, alber wir mußten sie ungekocht essen...“ „Dann kam einmal die Nachricht, daß Rußland mobil gemacht hätte", berichtete ein anderer.„Uns hat man dazu erzählt, daß sich Polen mit Rußland verbündet hätte und daß nun Deutschland in ganz kurzer Zeit erobert sein würde, und dann würde der Krieg aus sein und Polen würde seine neuen Grenzen bis Berlin erhalten und Ostpreußen, Schlesien und selbstverständlich auch Danzig würden polnisches Land werden.“ Der Gefangenentrupp mußte sich fertig machen, die Schwerverwundeten wurden auf deutsche Lastwagen verladen und in ein weiter zurückliegendes Feldlazarett transportiert, während der endlose Zug der Gefangenen weiterging. Ein Pole kam zurück, rannte rasch auf mich zu und schrie mir etwas ins Gesicht, der Dolmetscher übersetzte mir noch einmal:„Wissen Sie, was unsere Offiziere getan haben?“ Die Stimme des polnischen Soldaten überschlug sich fast vor Wut.„Wenn die Bombenangriffe der Deutschen erfolgten, sind unsere Offiziere weggerannt, haben uns im Stich gelassen und sich in den Kellern verkrochen, und erst als die Angriffe voruber waren, ließen sie sich wieder blicken und schrien uns an, warum wir nicht besser geschossen hätten. Und dabei haben wir getan, was wir konnten, aber mit unserer kurzen Ausbildung konnten wir nicht schneller mit unseren Flakkanonen feuern, und die deutschen Kampfflugzeuge waren ja viel zu schnell...“ Weiter zog der endlose Zug der polnischen Gefangenen über die nächtliche Landstraße, während immer neue deutsche Truppentransporte, motorisierte Regimenter heranrückten und nun auf den Einmarsch in die ehemalige polnische Hauptstadt warten. Moseickl in der Bern, 3. Okt. Der Bundesrat gab seine Genehmigung für den Uebertritt des früheren Präsidenten der polnischen Republik, Moscicki, und seiner Familie nach der Schweiz. Moscicki, der sich gegenwärtig noch in Bukarest befindet, ist übrigens seit 1908 Schweizer Bürger einer Gemeinde im Kanton Freiburg und wird sich auch in Freiburg niederlassen.— Die Millionen von Polen, die er ins Unglück führte, besitzen allerdings kein neutrales Bürgerrecht, das sie jetzt schützt. * Belgrad, 2. Okt. Der frühere Warschauer Vertreter der „Politika“ schildert ausführlich, welch verheerende Wirkung die feige Flucht der ehemaligen polnischen Machthaber auf die Bevölkerung Warschaus hatte. Das einfache Volk habe am 16. September mit Ingrimm festgestellt, daß sich „die eleganten Frauen der Minister und Direktoren samt ihrem Anhange aus dem Staube gemacht" hätten, die Aermsten aber nun für sie zahlen müßten. Während der kleine Mann gehungert und gekämpft habe, sei die polnische„Elite" mit allem, was sie noch in ihre Koffer raffen konnte, über die Grenze geflohen. Auf allen Seiten sei dieses Verhalten schärfstens kritisiert worden, und man wende sich heute mit Abscheu von denen ab, die Polen in den Krieg trieben. Zusammentreffen des rumänischen mit dem türkischen Außenminister. Wie verlautet, wird sich Außenminister Gafencu nach Konstanza begeben und dort mit dem türkischen Außenminister Saracoglu auf dessen Rückreise von Moskau eine Besprechung haben. Schanghai, 3. Okt. Nach hier eingetroffenen Meldungen haben 50000 indische Arbeiter aus 82 der insgesamt 80 industriellen Betriebe von Bombay am Montag einen 24stündigen Proteststreit gegen die Hineinziehung Indiens in den europäischen Krieg durchgeführt. Dieser Streik gegen die Ausbeuter Indiens und ihren verbrecherischen Krieg gewinnt noch größere Bedeutung im Lichte einer öffentlichen Erklärung des Sprechers der gesetzgebenden Versammlung von Madras, der kürzlich u. a. folgendes erklärte: „Die gesamte Bevölkerung Indiens ist gegen Teilnahme am europäischen Krieg. Indien hat seine eigenen Probleme zu losen. Die Teilnahme an einem europäischen Krieg kann dem indischen Land und Volk keine Vorteile bringen. Es wäre daher in höchstem Grade absurd, wenn Inder an die europäische Front gehen. Sollte die englische Regierung dies befehlen, werden nur sehr wenige Folge leisten.“ * Die englische Zeitschrift„Statesman and Nation" versucht in einem langen Artikel, eine Entschuldigung für die Art und Weise zu finden, in der England Indien in diesem Kriege mißbraucht. Die Zeitschrift stellt u. a. fest, daß die britische Regierung in der gegenwärtigen Krise bewußt die öffentliche Meinung Indiens ignoriert hat, England habe ohne dessen Englands Hungerblockade bedroht allein die Neutralen Dringender norwegischer Abwehrappell Oslo, 3. Okt. Die Zeitung„Nationen“ schreibt heute in ihrem Leitartikel, selbst die erbittertsten Gegner müßten heute zugestehen, daß die Einkreisung Deutschlands, die die Westmächte zustande zu bringen versuchten, mißglückt und auch der Plan einer wirtschaftlichen Blockade durch das deutsch=russische Abkommen ernstlich geschwächt worden sei. Möge der britische Seekrieg noch so wirkungsvoll sein, so würde es Jahre dauern, ehe Deutschland überhaupt vielleicht geschädigt werde. In manchen neutralen Ländern aber, und gerade in Norwegen, würden schon in wenigen Wochen die notwendigsten Dinge fehlen. Auch die anderen nordischen Länder würden die Blockade viel schwerer zu spüren bekommen als die Macht, die England eigentlich treffen wolle. Das Blatt richtet dann einen driugenden Appell an die neutralen Länder, die in größerer Gefahr schwebten als die Kriegführenden selbst, sich zu einem energischen Vorstoß zugunsten eines Friedensschlusses zu sammeln. Der Krieg, so heißt es, droht mit gegenseitiger Vernichtung, aber lange bevor England oder Deutschland ernstlich bedroht sind werden die kleinen Staaten schon längst zusammengebrochen sein. Jetzt ist die letzte Gelegenheit zur Rettung aller vorhanden. Wer wagt es, die Indien nicht der Verbündete Englands 50 000 indische Arbeiter streiken gegen Englands verbrecherischen Krieg Verantwortung dafür zu übernehmen, daß man sie verstreichen ließe? Im„Tidens Tegn" erklärt Außenminister Koht, die norwegische Regierung befasse sich gegenwärtig mit der Frage, wie einer weiteren Erschwerung des neutvalen Handels zu begegnen sei. Vielleicht könne in Gemeinschaft mit den anderen nordischen Staaten eine Lösung gefunden werden. Holländische Küstenfischerei eingestellt Amsterdam, 3. Okt. Die britischen Blockademaßnahmen haben jetzt dazu geführt, daß auch die holländische Küstenfischerei, die bisher, wenn auch in bescheidenem Umfange, Holland mit Fischen versorgte, ihren Betrieb eingestellt hat. Die holländische Hochseefischerei ist bekanntlich schon seit längerer Zeit völlig ausgefallen. Wie aus Scheveningen hierzu gemeldet wird, sind die Reeder zu diesem für die holländische Ernährung einschneidenden Entschluß gekommen, weil die Brennstorrpreise wegen der durch die Engländer abgeschnittenen Zufuhren so stark gestiegen sind, daß die Küstenfischerei wirtschaftlich nicht mehr tragbar erscheint. Daneben ist durch das massenhafte Auftreten von englischen Treibminen die Risikoversicherung in einem solchen Umfange gestiegen, daß sich die Fischer außerstande sehen, sie zu bezahlen. Zustimmung Indien zu einem kriegführenden Staat proklamiert. Es habe Kriegsgesetze erlassen und wichtige Maßnahmen getroffen, um den Vollmachten und die Betätigung der indischen Provinzialregierungen einzuschränken. Unter dieser Erfahrung leidend, habe die Kongreßpartei England jetzt vor scharf definierte Alternativen gestellt. Wenn der gegenwärtige Krieg zur Verteidigung der imperialistischen Besitzungen. Kolonien und Interessen geführt werde, dann könne Indien nichts mit ihm zu tun haben. Die Probe für die Inder sei einfach.„Freiheit", wie sie sie sähen, sei unteilbar", und Indien sei das entscheidende Problem, da Indien das beste Beispiel des modernen Imperialismus sei. Daraus ziehe man die logischen Folgerungen. Das indische Manifest endet mit der Forderung, daß England seine Kriegsziele bezüglich Demokratie und Imperialismus und der Schaffung einer neuen Weltordnung bekannt geben und gleichzeitig, wie diese Ziele auf Indien angewendet werden sollten. Dieses Manifest, so gesteht„Statesman and Nation", habe„durch irgend welche unglücklichen Umstände“ die Tagespresse nicht erreicht. Das indische Manifest enthalte eine Warnung, die England nur auf eigene Gefahr übersehen könne. Durch Entschlüsse in White Hall habe man Indien in diesen Krieg getrieben und zu einem kriegführenden Staat gemacht. Indien aber lasse England jetzt seinen eigenen Willen erkennen: Indien sei nicht der Verbündete Englands. Merkiafel für die Heimatfroni Neue Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge Berlin, 3. Okt. Auf Anordnung des Führers werden die Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge mit sofortiger Wirkung weiter herabaesetzt. Sie betragen nunmehr: Innerhalb geschlossener Ortschaften: für Kraftfahrzeuge aller Art 40 Kilometer je Stunde, außerhalb geschlossener Ortschaften und auf den Reichsautobahnen: für Personenkraftwagen sowie für Krafträder mit und ohne Beiwagen 80 Kilometer je Stunde, für Lastkraftwagen. Omnibusse und alle übrigen Kraftfahrzeuge 60 Kilometer je Stunde. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß es sich um Höchstgeschwindigkeiten handelt, daß also noch wesentlich langsamer gefahren werden muß, wenn die jeweilige Verkehrlage dies erfordert. Gegen Ueberschreitungen der höchstzulässigen Fahrgeschwindigkeit wird schärfstens eingeschritten werden, erforderlichenfalls mit Entziehung der Fahrerlaubnis und Einziehung des Kraftfahrzeugscheins. Die Verordnung tritt mit dem 4. Oktober 1939 in Kraft. Die Nachwuchslenkung wird fortgesetzt Berlin, 8. Okt. Wir dürfen nicht wieder in den früher häufig vegangenen Fehler verfallen, daß man unter dem Druck brennender Tagesfragen glaubte, die Sorge für die Jugendlichen zurückstellen zu können, wobei man übersah, daß die Nachwuchsfrage von heute die Facharbeiterfrage von morgen ist. Deshalb wendet sich der Sachbearbeiter für die Nachwuchslenkung der Arbetisämter Dr. Stets im„Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe" entschieden gegen die hier und da schon vertetene Ansicht, daß die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung wil rend des Kriegszustandes überflüssig geworden sei. Sowohl das Reichswirtschaftsministerium als auch die Reichswirtschaftskammer würden im gegevenen Falle alles daran setzen, das Berufsbildungswerk zu erhalten. Daraus ergebe sich für die Berufsnachwuchslenkung die Notwendigkeit besonderer Aufmerksamkeit für die Verteilung des jugendlichen Nachwuchses. Darüber hinaus müsse alles getan werden, um die in der Berufsausbildung befindlichen Jugendlichen zu einem ordnungsmäßigen Abschluß zu führen. Für den Schulentlaß=Jahrgang 1939 haben die Arbeitsämter erstmalig Richtlinien für eine gerechte Verteilung des Nachwuchses auf die Berufe entsprechend ihrer staatspolitischen Bedeutung erhalten. Dieser Grundsatz muß auch in der Kriegswirtschaft aufrecht erhalten bleiben. Allerdings wird die staatspolitische Bedeutung der einzelnen Berufe eine gewisse Verschiebung zugunsten der wehrwirtschaftlich wichtigen Berufe erfahren. Der Referent hebt für die Nachwuchslenkung der männlichen Berufe folgende Punkte hervor: Erster Grundsatz ist, daß die Jugendlichen besonders gelernten und angelernten Berufen zugeführt werden sollen. Den angelernten Berufen ist dabei besondere Beachtung zu schenken, weil sie in den letzten Jalhren an sich schon in den Vordergrund gestellt worden sind und weil weiter der Bedarf an in kürzerer Ausbildung herangebildeten Spezialarbeitern in Kriegszeiten besonders steigt. Beruflich gesehen kommt die gleiche Bedeutung der Sicherung des landwirtschaftlichen Nachwuchses zu. Entscheidend aber ist, daß der Bedarf der wehrwirtschaftlichen Berufe gedeckt wird, und zwar nicht allein industrieller Betriebe, sondern auch handwerklicher. Im übrigen ist zu beachten, daß jeder Beruf auch über die Kriegswirtschaft hinaus seine besondere Aufgabe hat und daß deshalb alle Berufe Nachwuchs erhalten mussen, nachdem die Anforderungen der wehrwichtigen Berufe gedeckt sind. Es darf kein ganzliches Abstoppen des Nachwuchses für die einzelnen Berufe erfolgen. Für weibliche Jugendliche steht in beruflicher Hinsicht an erster Stelle die Sicherung des Kräftebedarfes der Landwirtschaft. Daneben stehen die Anforderungen kriegswichtiger Betriebe und Einrichtungen. Zur Durchführung der Nachwuchslenkung wird die Meldepflicht der Schulentlassenen aufrecht erhalten. Einsatz der Studentin für die Volksgemeinschaft Berlin, 8. Okt. Die Leiterin des Amtes Studentinnen in der Reichsstudentenführung veröffentlicht einen Aufruf an die deutschen Studentinnen, in dem es heißt, daß die Arbeitsgemeinschaft ihre Erziehungsaufgabe auch unter den neuen Verhältnissen behalte. Die Studentinnengruppen sollen mindestens einmal in der Woche einen gemeinsamen Schulungsabend durchführen. Neben der politischen Schulung stehe der praktische Einsatz der deutschen Studentin für die Volksgemeinschaft. Der Aufruf appelliert an die Gruppen der örtlichen Hochschulen, sich während des Semesters den Ortsgruppen der NS.=Frauenschaft zur sozialen, politischen und kulturellen Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie soll insbesondere teilnehmen an den gemeinsamen Abenden der NS.=Frauenschaft, möglichst aber auch an der praktischen Arbeit. Soweit die Studentinnen für diese Mitarbeit nicht eingesetzt werden, sollen sie sich dem Frauenamt der DAF. für soziale Betreuungsarbeit zur Verfügung stellen. Hunderte von Studentinnen kommen heute ihren Verpflichtungen im Roten Kreuz, im Luftschutzbund und in den Fabriken nach, auch von der Studentin an der Hochschule wird in ihrer Freizeit bedingungslose und uneingeschränkte Mitarbeit erwartet. Islamische Welt erhofft günstige Auswirkungen Mailand, 8. Okt. Der Korrespondent der Turiner „Stampa“ in Kairo weiß zu berichten, daß starke Strömungen in der öffentlichen Meinung der orientalischen Völker vorhanden seien, die günstige Auswirkungen eines allgemeinen europäischen Krieges für die islamische Welt erhoffen. Allgemein höre man die Ansicht, daß das Unglück der großen westeuropäischen Kolonialmächte für den Orient von Vorteil sei. Vor allem die Araber glaubten in der gegenwärtigen europäischen Situation klare Anzeichen eines Verfalles und des Endes der westlichen Zivilisation zu erblicken. Die ägyptische Zeitung„Misr El Fattat“, das Organ der „Jungen Aegypter“, hofft, daß die Stunde gekommen sei, sich von dem Druck der britischen Sklaverei zu befreien. Dieser Ausdruck des ägyptischen Nationalismus, so erklärt die„Stampa“, müßte vor allem die Engländer mit Besorgnis erfüllen, aber zunächst schienen diese derartige Bestrebungen eher unterstützen zu wollen. Man spreche von gebietsmäßigen Kompensationen für Aegypten nach einer„siegreichen Beendigung des Krieges durch England". Aber gerade hierüber bestünden bei den islamischen Völkern erhebliche Zweifel. Aegyptens Politik defensiv Kairo, 3. Okt. Eine Erklärung des ägyptischen Regierungschefs, daß die Politik der Regierung defensiv und nicht offensiv sei und daß Aegypten keine Risiken eingehen wolle, wird von der gesamten Presse stark beachtet. Das ägyptische Blatt„Misr El Fattat“ erklärt, daß der Krieg die Aufmerksamkeit der islamischen Welt nicht von der PalästinaFrage ablenken könne. Es sei notwendig, daß England endlich seine den Arabern gemachten Versprechungen halte, die Verbannten in Freiheit setze und die Rechte der Araber anerkenne. Korvettenkapitän Puttkammer vom Führer zu seinem Adjutanten ernannt. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat den Korvettenkapitän von Puttkammer mit Wirkung vom 1. Oktober 1939 zu seinem Adjutanten der Wehrmacht(Kriegsmarine) ernannt. Internationale Verkehrsausstellung 1940 vertagt. Wie der Vorsitzende des Vereins zur Veranstaltung der Internationalen Verkehrsausstellung Köln 1940 mitteilt, kann die Ausstellung im Jahre 1940 nicht durchgeführt werden. Die weitere Vorbereitung der Ausstellung ruht zunächst. Die Festsetzung eines neuen Termins bleibt vorbehalten. Die echte Amati Von Max Ebel Onkel Leopold lebte in sehr dürftigen Verhältnissen, er war durch die Inflation um fast alles gekommen. Er war gewiß nicht der einzige, so wie ihm ging es vielen alten Leuten. Aber das ist kein Trost, wenn man nahe am Verhungern und noch dazu hilflos ist. Es mußte etwas geschehen. Das sahen sogar die Verwandten ein, und deshalb kamen sie zusammen, um im Familienrat darauf zu sinnen, wie man ihm helfen könnte. „Warum trennt er sich eigentlich nicht von der alten Amati?“ fragte der praktische Fritz.„Sie ist ein Vermögen wert. Mit einem Schlage wäre ihm geholfen.“ „Onkel würde das niemals tun, das weißt du doch!“ sagte jemand. „Wenn er wenigstens spielen würde!" witzelte. der ewig spottlustige Ewald. Dorit begann zu kichern. Die Vorstellung von einem geigespielenden Onkel Leopold hatte etwas überwältigend komisches für sie. „Bleiben wir bei der Sache“, meinte Fritz.„Wir sitzen hier und streiten um des Kaisers Bart. Wissen wir denn genau, ob die Amati echt ist? Man müßte zumindest das Urteil eines Fachmannes einholen.“ Ein Sturm der Entrüstung brach los. Onkel Leopolds Amati nicht echt!! Bei des Onkels berühmter Kunstkennerschaft. Jedem, dem der Zutritt zu seinem Allerheiligsten gewährt hatte, war die alte Geige unvergeßlich geblieben. Die vielen Flickarbeiten an den in jahrzehntelangem Gebrauch beschädigten Teilen, die abgenutzte Politur, die verblichene Schrift auf dem vergilbten Reparaturenzettel im Resonanzkasten, dessen Innenseite der Staub von Jahrhunderten bedeckte, übten auf jedermann einen besonderen Reiz aus. Mußte man denn unbedingt ein Fachmann sein, um zu sehen, daß man ein uraltes Instrument vor sich hatte. Die Echtheit der Cremoneser anzuzweifeln, grenzte an Blasphemie! Als der Sturm sich gelegt hatte, meldete Tante Adele sich zum Wort und verkündete in das ehrfurchtsvolle Schweigen der anderen mit ihrer sattsam bekannten tiefen, energischen Stimme, die keinen Widerspruch duldete:„Für die Prüfung der Geige durch einen Fachmann sorge ich. In der nächsten Woche beschaffe ich mir von Leopold unter einem Vorwand seinen Wohnungsschlüssel, werde selber die Geige abholen und zu einem Fachmann bringen. Eure Aufgabe ist es, den Onkel aus der Wohnung fortzulotsen und ihn während dieser Zeit fernzuhalten.“ Acht Tage später stand Tante Adele einem Musikalienhändler gegenüber, der ihr von Bekannten empfohlen worden war. „Ich bringe Ihnen eine Geige“, sagte sie und setzte den Kasten auf den Ladentisch.„Ein sehr altes, wertvolles Instrument. Eine Amati....“ „Vyl“ sagte der Händler lächelnd und öffnete den Verschluß des Kastens. Dir wird das Lächeln schon vergehen, dachte Tante Adele erbost, weil sie in dem erwartungsvollen Ausruf des anderen ein wenig Unaufrichtigkeit zu hören glaubte. Vorsichtig hob der Händler das Instrument heraus, trat damit ans Fenster und begann, es sorgfältig mit der Lupe zu untersuchen. Nach überraschend kurzer Zeit schon kehrte er wieder hinter den Ladentisch zurück. „Nun“, fragte Tante Adele,„was ist sie nach Ihrer Schätzung wert?“ „Nichts", erwiderte der Händler lächelnd,„oder vielmehr so gut wie nichts!" Tante Adele sah ihn einen Augenblick entgeistert an. „Was soll das heißen?" fragte sie ungläubig. „Das soll heißen.... Aber, bitte, gnädige Frau, wollen Sie sich nicht setzen?" Tante Adele aber winkte entschieden ab, da blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterzusprechen: „Eine Frage: ist die Geige Ihr Eigentum?“ Tante Adele schüttelte den Kopf.„Sie gehört einem Verwandten von mir. Aber was soll das?" „Die Geige ist eine Fälschung, gnädige Frau!“ „Unmöglich!" rief Tante Adele.„Leopold ist kein Betrüger!" „Bitte— so meine ich das auch nicht. Der Herr ist das Opfer einer allerdings sehr geschickt durchgeführten Fälschung geworden.“ „Er ist aber ein guter Kenner alter Kunstgegenstände!" protestierte Tante Adele. „Ich sagte bereits: eine sehr geschickt ausgeführte Fälschung. Das sieht man hier an den Flickarbeiten, die genau wie bei den echten Instrumenten da angebracht sind, wo der Druck der Saitenspannung die Decke am meisten beschädigt.“ „Aber das Holz!“ rief Tante Adele.„Die alte Holzfarbe „Die erhält man durch Kaffee= oder Nußschalenextrakt.“ Tante Adele gab sich jedoch durchaus nicht geschlagen. Sie wies auf die Politur.„Und diese abgenutzten Stellen...!“ „.... sind mit Sandpapier abgeschliffen.. Kopfschüttelnd beugte Tante Adele sich über das Instrument und blickte in den Resonanzkasten.„Aber dieser Staub auf dem Resonanzboden— der ist doch Jahrhunderte alt?!“ Der Händler lächelte.„Der Boden ist mit feinstem Kolophoniumpulver bestreut, damit der später darüber geschüttelte Staub daran haften bleibt!" Da fiel Tante Adeles Blick auf den alten vergilbten Zettel im Innern. Verzweifelt griff sie nach diesem letzten Rettungsanker.„Ist dieser Zettel etwa auch eine Fälschung?" „Er ist vielleicht das einzig Echte an der ganzen Geige", erklärte der Händler schmunzelno.„Ich meine das Papier. Es stammt tatsächlich aus einem sehr alten Buch. Die Schrift hinwiederum ist ebenfalls gefälscht. Etwas Chlorwasser verleiht der Tinte sehr rasch das verblichene Aussehen.“ Kleine Dame, Von Josef Rob Erich war übergesiedelt; seine neue Wohnung lag in einem anderen Stadtteil, in dem er nun wie in einer fremden Stadt herumwanderte. Er machte sozusagen Entdeckungen. Dabei führte ihn sein Weg täglich durch eine Parkanlage. Dort fiel ihm ein schönes Mädchen auf, das fast täglich auf einer der Bänke zu sitzen pflegte und meist in einem Buche las. Neben ihr saß ein kleines aufgewecktes Mädchen von etwa sieben, acht Jahren. Bisweilen wandte sich die kleine Dame an die große Dame, die dann freundlich mit dem Kinde plauderte. Schon am dritten Tage blinzelte Erich der Kleinen zu. Das Mädchen hob stets das Händchen und winkte freundlich zurück. Dann wandte es sich an die große Begleiterin, die vom Buche aufblickte und lächelnd nickte. Erich trieb dieses Spiel eine Woche lang; es gefiel ihm und es machte auch dem kleinen Mädchen Vergnügen. Daß es dabei Erich nicht um das Mädchen, sondern um die schöne Begleiterin ging, das gestand er sich selbst. Und da er zu dieser Zeit, wie soll man sagen, ohne ein geliebtes weibliches Objekt lebte, faßte er den Entschluß, auf dem Umwege über die kleine Dame die große Dame näher kennen zu lernen. Diesen Weg hatten schon Millionen Männer vor ihm eingeschlagen, um Bekanntschaften zu schließen. Warum sollte er origineller sein, da doch dieser alte Weg Erfolg versprach? Die schöne Unbekannte hatte sein Nicken, das er ihr über die Kleine bestimmte, bereits mehrmals freundlich erwidert. Die Kleine mußte ihm weiter helfen. Eines Tages nun blieb er vor dem Mädchen stehen und sagte: „Weil du immer so artig neben dem Fräulein sitzt und so freundlich lächelst, wenn ich dich grüße, sollst du belohnt werden, du braves Kind!" Er reichte mit diesen Worten der Kleinen eine Tüte Bonbons. „Danke, mein Herr!" erwiderte mit altkluger Stimme das Mädchen.„Ich esse keine Bonbons! Darf ich sie Hilde geben!“ „Natürlich darfst du, liebes Kind!" war mut Fraedrich? 36 Roman von Arno Alexander Copyright by Max Seyfert Verlag. Dresden Sie schmiegte sich an ihn— und er sah sie lange an. Dann sagte er mit ruhiger Stimme: „Ich habe morgen in der Klinik zwei schwere Fälle. Es kann also Abend werden. Ich bin bereit. Wenn du deinen Entschluß änderst, so gib mir bis morgen mittag Bescheid. Ueberleg es dir gut— du weißt, was auf dem Spiel steht. Und ich will versuchen, nur Arzt zu sein... Gute Nacht. Annemarie!“ „Hans, gute Nacht.“ Und Dank für alles.“ Braumüller begleitete seine Frau bis zur Dür ihres Zimmers. Dann kehrte er in sein Arbeitszimmer zurück. Er brannte sich jetzt die vorhin weggelegte Zigarre an und sank in den Sessel am Schreibtisch. Achtlos schob er ein Mikroskop zur Seite. Objektträger mit wichtigen Schnitten fielen zu Boden. Er bückte sich nicht danach. Die Ellenbogen breit aufgestützt saß er da und starrte vor sich hin. Die Zigarre in seiner Hand verbrannte zu weißlicher Asche. Er merkte es nicht. Viertelstunde um Viertelstunde verrann. Endlich stand er auf. Mit müden Bewegungen ordnete er die Dinge auf dem Schreibtisch. Vieles tat er in den Papierkorb. Einige Aufzeichnungen und Präparate verwahrte er sorgfältig in dem großen Wandtresor. Annemaries Bild? Sollte er es mitnehmen? Wozu? Es war in seine Seele unauslöschlich eingegraben. So ein kleines Stück Papier konnte zu ungelegener Zeit die Wunde immer von neuem aufreißen. Er nahm es aus dem Rahmen und legte es zu den übrigen Dingen im Schrank. Mehrere Geldscheine tat er in seine Brieftasche. Dann ging er in sein Schlafzimmer. Dort stand immer ein kleiner Koffer mit dem Notwendigsten bereit. Er ergriff ihn und nahm Mantel und Hut aus dem Schrank. Einen letzten Blick noch warf er in sein Arbeitszimmer— dann verließ er leise das Haus. Fröstelnd ging er durch den nächtlichen Park. Der herbstliche Nebel hing in den Büschen— ungewiß waren alle Umrisse. Ungewiß wie seine Zukunft? Nein, Dr. Braumüller wußte, was er zu tun hatte. 21. Ein Schlüssel drehte sich im Schloß. Fraedrich, der auf seiner Pritsche saß, fuhr aus dem Grübeln auf. Schon Essenszeit? Nein, Blümel stand in der Tür. „Kommen S' doch bitte mit zum Verhör.“ „Schon wieder?" Seufzend erhob sich Claus Fraedrich und folgte dem Mann. So, dachte er, als er in das Zimmer des Kommissars trat, diesmal werden sie mich wieder tüchtig quälen— dieser Hellberg ist auch da— zwei gegen einen, der sich nicht wehren kann, nicht wehren darf... Lotzin war an dem großen Aktenschrank beschäftigt, dessen Türen weit offen standen. Er drehte sich bei Fraedrichs Eintritt auch nicht um. „Setzen Sie sich, Herr Fraedrich, na, und wie ist es heute mit Ihnen? Was Neues? Können Sie uns erzählen.. Fraedrich schüttelte den Kopf. „Ich muß Sie wieder enttäuschen, Herr Kommissar. Alles Grübeln ist zwecklos. Ich zermartere meinen armen Kopf — und komme doch nicht weiter. Mein Erinnerungsvermögen versagt... nichts ist da... alles ist wie hinter einem Schleier verborgen.“ Lotzin machte eine ungeduldige Handbewegung und drehte sich auf dem Absatz herum. „Hören Sie bloß mit dem Schleier auf. Die Geschichte kennen wir nun schon. Mann, ich kann Ihnen nur immer wieder den guten Rat geben, lüften Sie diesen Schleier... das ist der einzige Weg, der zum Ziel führen kann.“ „Herr Kommissar, glauben Sie mir doch bitte, daß keinem Menschen mehr an der Aufklärung der ganzen Angelegenheit liegen kann, als gerade mir in meiner jetzigen Lage. Aber ich kann doch nicht zum Lügner werden... kann Ihnen doch nicht einfach irgendwelche ausgedachten Geschichten erzählen.“ „Das möchte ich mir auch sehr verbitten!" Lotzin schien wirklich sehr ärgerlich zu sein. „Herr Fraedrich, nicht den Mut verlieren.“ Hellberg sah voller Mitleid auf den Mann.„Es gibt noch eine Möglichkeit, Ihnen zu helfen...“ „Entschuldigen Sie, Herr Kollege, ich denke, es ist wohl angebrachter, wenn ich selbst mit Herrn Fraedrich darüber Tante Adele bedankte sich und verließ, ehernen Gesichts und anscheinend völlig ruhig, den Laden. Sie war ratlos. Was nun? Leopold durfte von dem eben Gehörten kein Wort erfahren. Das war einfach selbstverständlich. Leopold war ein Weichling. Der Schlag würde Leopold rühren, wenn er erfuhr, daß seine Amati nicht echt sei. Aber ebenso sicher war, daß ihm irgendwie geholfen werden mußte.— Sie brachte den Geigenkasten in Onkel Leopolds Wohnung zurück; er war noch immer abwesend und inzwischen von seinen Neffen unter Alkohol gesetzt worden; sie wollten ihn ein wenig aufputschen, was ihnen sehr gut gelungen war. Denn als Tante Adele wenig später das Zimmer ihrer eigenen Wohnung betrat, wo die Herren gemütlich beisammen saßen, sprang er auf und krähte vergnügt: „Weißt du was. Adele, ich habe mich eben entschlossen, die alte Amati zu verkaufen...“ Der Blick, den Tante Adele ihm zuwarf, ließ ihn augenblicks verstummen.„Du bist verrückt, Leopold", sagte die Tante.„Du bist verrückt, Leopold, würde ich sagen, wenn mein nie trügender Geruchssinn mir nicht verraten würde, daß du getrunken hast. Schäme dich!!!" Worauf Onkel Leopold sich wieder in das gewohnte Häuflein Unglück zurückverwandelte und mit klagender Stimme fragte:„Aber warum denn nicht, Adele?“ Sieh mal.. Hier unterbrach Tante Adele ihn und erklärte mit ihrer sattsam bekannten tiefen, energischen Stimme, die keinen Widerspruch duldete:„Die Geige wird nicht verkauft. Ich werde sie zu einem entsprechenden Preise übernehmen. Und damit sie mit der profanen Welt da draußen niemals in Berührung kommt, bestimme ich, daß sie nach meinem Tode Familienbesitz bleibt, der nicht veräußert werden darf!" „Sela“, murmelte der ewig spottlustige Ewald. Und Onkel Leopold nannte Tante Adele ab nun den „Engel in Menschengestalt". Copyrigth by: Carl Duncker Verlag. Berlin W 33 große Dame ert Harrer „Hilde ist nämlich auch ein braves Kind!“ sagte sie und gab die Bonbons ihrer schönen Begleiterin. „Ein merkwürdiges Mädchen“, sagte Erich.„Noch nie sind mir Kinder untergekommen, die nicht nach Bonbons greifen wie, wie—“ „Wie wir es selbst als Kinder getan haben, wollen Sie sagen, nicht wahr?“ meinte lächelnd die schöne Dame. Erich nickte und trat näher. „Würden Sie mir erlauben, daß ich Sie in Ihrer Lektüre ein wenig störe? Darf ich mich ein paar Minuten zu Ihnen setzen?“ „O bitte!“ sagte die Kleine und rückte zur Seite. „Naseweiser Fratz!" dachte Erich; laut aber sagte er: „Da werden wir wohl das Fräulein selbst fragen müssen!" „Nicht nötig! Hilde tut alles, was ich will!" erwiderte die Kleine. Hilde, die errötet war, nickte, während Erich die Altklugheit des kleinen Mädchens unangenehm empfand. Aber er strich mit einem gezwungenen Lächeln der Kleinen über die Haare und sagte mit wohlwollendem Ernst: „Denk jetzt einmal nach, ob Kinder wirklich immer so viel reden dürfen. Schau nur. wie sich die große Dame für dich schämt, weil du vorlaut warst!" Aber da kam Erich schön an. Die Kleine rief entrüstet: „Und dennoch tut Hilde immer, was ich will! Nicht wahr, Hilde?“ Das war Erich zu viel. Er rief: „Dir gehört einmal tüchtig der Popo verhauen!" „Waaas? Mir gehört—? Hast du gehört, Hilde?" „Aber reg dich nur nicht auf, Mama! Ich bitte dich!" sagte die Dame. Erich stand starr. Hatte er recht gehört? Mama? Das kleine siebenjährige Mädchen war die Mutter der großen Dame? War er vielleicht gar in die Gesellschaft von Narren geraten? Da sagte Hilde: #Ich verstehe Ihr Erstaunen! Das kleine Mädchen ist nämlich die berühmte Liliputanerin, die im Exzelsiorvarieté auftritt. Und ich bin ihre Tochter!" spreche. Es entsteht sonst leicht der Eindruck, als ob ich immer nur schlecht mit dem Verhafteten meine, während Sie es meisterhaft verstehen, immer gerade dann zur Stelle zu sein, wenn Sie die Rolle eines— was weiß ich— eines rettenden Engels etwa übernehmen können.“ In Hellbergs Augen blitzte es gefährlich auf, aber er schwieg. „Also. Herr Fraedrich, was wir tun können, Ihnen zu helfen, soll selbstverständlich geschehen.“ Lotzin sprach mit einem gewissen Pathos, das Hellberg sehr komisch fand. „Wir können Ihnen noch eine Chance geben— und wir wollen sie Ihnen geben. Aber— nützen Sie sie gut. Es gibt keinen anderen Ausweg für Sie!" Was mag jetzt nur kommen? Voller Spannung blickte Fraedrich auf den Kommissar. „Ich habe für heute abend einen Lokaltermin angesetzt. Verstehen Sie, wir werden die Ereignisse der Mordnacht, soweit sie bekannt sind, darstellen— und Sie. Sie sollen versuchen, ob für Sie unter den bekannten Umständen die Vergangenheit lebendig wird!" Das haben Sie aber fein gesagt— hätte Hellberg beinahe gesagt und sah zu Fraedrich hin. Aber der zuckte mutlos die Achseln. „Ich fürchte, Sie bemühen sich umsonst, Herr Kommissar. Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihr Entgegenkommen— nur, an einen Erfolg dieses Lokaltermins glaube ich nicht.“ „Dann hätten wir uns also wieder einmal nichts mehr zu sagen. Herr Fraedrich. Sie können gehen... aber nochmals: Dieser Lokaltermin ist für Sie auf jeden Fall— hören Sie, auf jeden Fall— von ausschlaggebender Bedeutung.“ Fraedrich erhob sich. „Augenblick mal. Sagen Sie, kennen Sie Sepp Wurzinger?“ Hellberg sah Fraedrich fragend an. „Nein. Herr Kommissar Hellberg, den Namen höre ich eben zum ersten Mal.“ „Hm...“ Hellberg starrte einen Moment auf seine Fingerspitzen.„Der Mann ist keine Schönheit, Herr Fracdrich. Er ist kräftig, hat rötliches Haar, starke Backenknochen. helle Augen, deren Ränder leicht entzündet sind, und eine tüchtige Narbe über der Nase.“ Er sprach die Worte leise und eindringlich.(Fortsetzung folgt.) Möbel Ein liebes. teures Mutterherz „Hat aufgehört zu schlagen. Wir fühlen es mit tiefem Schmerz. Was wir verloren haben. Der Herr über Leben und Tod nahm heute mittag um 13 Uhr meine innigstgeliebte Prau, unsere gute. treusorgende Mutter. Schwiegermutter. Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katbarina Schälers geb. Kaskordt nach einem arbeitsreichen Leben zu sich in den Himmel. Sie starb nach einem langen, schweren, mit größter Geduld ertragenen Leiden, versehen mit den Cnadenmitteln der heiligen Kirche, im Alter von fast 64 Jahren. In tiefem Schmerz bitten wir um ein andächtiges Gebet: Die trauernden Angehörigen Sande, Elsen. Paderborn. Neuhaus, den 2. Oktober 1939. bei Wessel Paderb, Ruf 3537 Bleichstraße 18 Bieleleld Die Beerdigung ist Preitag, den 6. Oktober. 7¼ Uhr in Sande, danach das feierliche Seelenamt. schnellstens bei Th. Miüller Stempelfabrik Straße der SA. 22 Teleion 2336 Ae Gut möbl. Zimmer zu vermieten. Paderborn, Jalnplatz 3 l. Kleines möbl. Zimmer Nähe Bahnhof Westerntor sofort zu vermiet. Näh. Wstf. Vbl., Padb. Heute 4. 10., 20-22½ B., Pr. I1 Rheinsberg Schauspiel v. Forster-Burggrat Do., 5. 10., 20-22 1/ C., Preise III Neueinstudierung Tielland Oper von d’Albert Fr., 6. 10., 20-22½. NS.-Gemeinschaft KdF. 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Oktober 1939. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 3 Uhr vom St. Rochus-Hospital aus statt. Das feierliche Seelenamt ist Donnerstag morgen um 7.10 Uhr. „ ErWohn= u. Schill Uhren-I Zimmer Donarattien Reparaturen zuverlässig bei Hermann Ritter Paderborn Westernstr. 8 Geräumiges Wohn= u. Schlafin besser. Hause, mögl. Nähe Weterntor, gesucht. Ang. unter 9472 Wstf. Vbl., Padb. liefert schnell C. Dunstheimer Ikenberg 1 Möbl. Zimmer mit Zentralheiz. u. evtl. fließend. Wasser f. sofort o. später gesucht. Ang. u. 574/340 Wstf. Vbl., Padb. Prestne In ein. u. mehr. farbiger Ausführung druckt Westfälisches Volksblatt A-G. Herr sucht möbl. Zimmer Deutliche Schrift Im AnzeigenManuskript hilft Fehler und Verzögerungen vermeiden! Rudol-Oelher-Halle Freitag, den 6. Oktober 1939, 20¼ Uhr: 2. Sinlionie-Konzert des verstärkten Städtischen Orchesters Leitung: Dr. Hans Hoffmann Solisten: Prol. Rud. Metzmacher(Violoncello) Adalbert Schütz(Orgel) Händel" Haydn" Beethoven Karten 1.- bis 3.- RM an der Theaterkasse, Fischer, Niemeyer, Pfefter Möbl. heizb. Zimmer zu sof. in besser. F.## u. weiza. Hause gesucht. Mögl. mit Pens. Ang. u. 561/269 Ang. u. 569/376 Astf. Vbl., Padb. Vbl., Padb., Behagl. Wohnund Schlafmit Theo Lingen- Grete Weiser- Gusti Huber- Hans Holt- Herm. Thimig- Rich. Romanowski Franz Schafheitlin Hierzu: Neuester Wochenschaubericht Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Warburg Betr.: Einberufung zur Wehrmacht zur Erfüllung der zweijährigen Dienstpflicht 1. Die Mitgliedschaft erlischt in diesen Fällen mit der Einberufung. 2. Meldung dazu auf dem gewöhnlichen Abmeldevordruck (dopvelt). 3. Soweit bereits in diesen Fällen mit dem Sondervordruck für Einberufung zur Wehrmacht lediglich diese der Kasse gemeldet wurde, muß die Abmeldung ausnahmslos nachgeholt werden. Der Leiter. mit fl. Wasser o. Bad u. Heiza. Jagdpatronen kaufen Sie stets frisch im Fachgeschäft Waifen-Helbig Esservor, HNEEENELE Bekr.: Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine für Margarine usw. Die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine für die Monate Oktober, November und Dezember 1939 erfolgt nach folgendem Plan: Donnerstag, den 5. 10. 39 für die Buchstahen A—F Freitag, den 6. 10. 39 für die Buchstaben 6—J Sonnabend, den 7. 10. 39 für die Buchstaben K—N Montag, den 9. 10. 39 für die Buchstaben 0—S Dienstag, den 10. 10. 39 für die Buchstaben T—8 Donnerstag. den 12. 10. 39 für die Nachzügler. Für die Klein= und Sozialrentner findet die Ausgabe vom 5.—7. Oktober 1939 statt. I 72127.— 1 Ausweiskarten, Nettoverdienstbescheinigung vom letzten Monat und Familienstammbuch sind mitzubringen. Schwer= und Schwerstarbeiter haben sich als solche auszuweisen. Die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine erfolgt im Verwaltungsgebäude Kamv Nr. 47. Der Bürgermeister. Bekanntmachung Auf dem am Donnerstag, dem 5. d. M., in Hövelhof stattfindenden Viehmarkt dürfen„Schweine wegen der Gefahr des Weiterverbreitens der zur Zeit herrschenden Schweinepest nicht aufgetrieben werden. Der Auftrieb von Rindvieh und Pferden ist nur aus seuchenfreien Gebieten gestattet. Neuhaus, den 3. 10, 1939. Der Amtsbürgermeister. Biehseuchenpolizeiliche Anordt ung Nachdem in den Schweinebeständen des Stellmachers Heinr. Hansmann. Neuhaus, Sertürnerstraße 10, des Milchhändlers Heinrich Stiene, Neuhaus, Busestraße 19, des Eisenbahnpensionärs Konrad Bokel, Neuhaus, Kirchstr. 21, des Viehverteilers Konrad Thombansen, Neuhaus, Residenzstraße 4, des Landwirts Konrad Brechmann, Neuhaus, Marienloher Straße 65, des Schweinemästers Heinrich Jakobs, Neuhaus, Marienloher Straße 72. amtstierärztlich Schweinepest festgestellt worden ist, wird zum Schutze gegen diese Seuche auf Grund der§§ 18ff. des Viehseuchengesetzes und der§§ 265 ff. P. A. V.G. auf Anordnung des Herrn Landrats in Paderborn folgendes bestimmt: 1. Ueber vorbezeichnete Gehöfte wird die Sperre verhängt. 2, Räumlichkeiten, in denen sich seuchenkranke oder seuchenverdächtige Schweine befinden, dürfen. abgesehen von Notfällen. ohne ortspolizeiliche Genehmigung nur von dem Besitzer der Tiere, von dessen Vertreter, von den mit der Wartung und Pflege betrauten Personen und von Tierärzten betreten werden. 3. Der Weidegang der Schweine im Gehöft der vorbenannten Liehbesitzer ist verboten. Neuhaus. den 2. Oktober 1989. Der Amtsbürgermeister. Zimmer Kammerläger Lobinat mit 1 od. 2 Bett. zu vermiet. Näh Wstf. Pelziache aus Bielefeld kommt wieder und vernichtet Ratten, Mäuse, Wan=(grau) fast neu, zen, Schwaben usw. z. verkauf Preis Bestellungen erbitte unter Lobi= 75 RM, Näheres Vbl., Padb. nat sofort an diese=Zeitung oder Mstf, Phl., Padb „Bielefeld, Niedermühlenhof 10. 1asuf. Vbl., Badb. Zimmer mit 2 Betten u. fließend. Wasser frei. Näheres Wstf. Vbl., Padb. Ruf 6935.— Ganze„Gemeinden Reschniedrige Preise. Welche edeldenk. 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Linnemann, im Norden vom Gunnebach, im Osten von dem Grenzweg von der Altengänger Mühle bis zur Straße Gesseln— Bentfeld. im Süden von der Straße Gesseln—Bentfeld bis zur Abzweigung der Straße Gesseln—Sande. 2. Die Ausfuhr von Schweinen aus diesem Sperrbezirk darf nur mit Genehmigung des Amtsbürgermeisters und nur zur sofortigen Schlachtung erfolgen. Die Schlachtung darf nur im städt. Schlachthof in Paderborn stattfinden. 8. Die Einfuhr von Schweinen in den vorbezeichneten Sperrbezirk ist verboten. Die Einfuhr) kann mit der Maßgabe gestattet fl. der Nuch# werden, daß die neueingeführten Ungef. 100 am Schweine als der Ansteckung ver- größ, preisw. dächtig zu behandeln sind..[verm. Näher bei 4. Der Weidegang der Schweine Sommer, Padb., im Sverrbezirk ist verboten. 5. Räumlichkeiten, in denen sich seuchenkranke oder seuchenverdächtige Schweine befinden, dürfen, abgesehen von Notfällen. ohne ortspolizeiliche Genehmigung nur von dem Besitzer der Tiere, von dessen Vertreter, von den mit der Wartung und Pflege betrauten Personen und von Tierärzten betreten werden, Neuhaus, den 2. Oktober 1939. Der Amtsbürgermeister. Wohnung etwa 5 Z., wom. mit Garten, gesucht Ang. u. 556/217 Wstf. Vbl., Padb. Alles Kücheninventar amilie gibt an rem interesse dei Flüchtlinge einen Bewerbungen au Herd eptl. auch e. nuum soemi chenschrank ab? rufügen. Auf sämtin Ang. u. 562/276 lichem BewerMstf. Vbl., Padb. dungsmaterial, wie Zeugnisabschriften Lichtbilder u. dergl. ist die Anschrift des Bewerbers zu vermerken. wird durch AI rein und klar! 1256 C39 GEzzanzranze Zur Eintragung in die Kundenlisse Lagerhaus Rosenstr. 4. wollen sich unsere Mitglieder(auch Pensionäre u. Witwen) umgehend in unseren Geschäftsstellen Wollmarktstr. 8 für Paderborn=Hbf. und Hermann=Kirchhoffstr. f. 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