E 2 bgES #rS 23 * 8 8 * 2 2 8 2.#s *#□ S #s 985 83ag 2792 9 Ts * 22 27 ** 5 □ 8 S8 8 8 DETPg #.* 8 9 99 Seog S S 8— 9 S S SSS 9. 2 S SE e S• 9 5 8 80 *# 85 FeiS S: ##: * S: S 7 2 9 S 5 GCIST• S S 83 S#nss G##n! a C S EK # 6 7E" 5 düär yiserne Riutkes, un hiät sik, ase syin Johr rümme was, imme Duarpe nit wier saihn loten; hai was verstuawwen un verflugggen. Bo se’ne awer het, do konnt se sik fröggen. —.— Dat Duell op Mettwörste. In Dingeskerken hadden se fröiher son dullen Chemiker, dem de Spaßvoggel ut allen Knoopslöckern keek. Diiese Chemiter— he schreef sick Schluckop— hadde sick ganz assunners de kleinen Leitnants un Refrendärkes op et Korn nommen. Na, we en kannte, de nahm ehm de Spijölkes nich üewel. Ower et giest jo bekanntlick ok Lüe, de keinen Spaß verstoht, un wann he noch so godd meint is. To diesen Lien horte ok de Refrendar Kükenbieter. Kükenbieter waß ut de Grootstadt in dat kleine Dingeskerken versatt woren un woll nn de Dingeskerkenschen en Lecht öwer de höggere Bildung un öner de niggesten Moden opstecken. Vüell Glück hadde he domet nich, am wenigsten bie Schluckop. As Kükenbieter tom ersten Mol met Schluckop tesammen kam,— et waß in de Erholung, wo sick de Honerazioren alle Owends drapen—, stallte he sick met den Worden vör:„Mein Name ist Kükenbieter, Rrrreferendar=Leutnant der Rrrreserrrve!" Dobie mok he piekfeine Verbeugung, so as je in Dingeskerken noch nich seihn hadden. Schluckop mok en Elefantenknix un sagg:„Sehr angenehm; Schluckop, Chemiker=Mitglied des Landsturrrrms ohne Wassen; Garrrrnison Castrrrrop!“ Hm— de Referendar rümpen de Nase. Düet waß jo en ganzen Ekel! Jösses, wat de Lüe in Dingeskerken doch ungebildt sien könnt! Un he leit den Chemiker links liggen. Ret so nem Kalf van Kerl woll he nix te dauhn hewwen. Kükenbieter hadde, as ick schon sagg, ümmer de niggesten Moden. Wann in Paris wat Apartes rutkam, hadde dat Refrendärken drei Wecken later et erste Modell dovan. Men blos in eenem Punkt mok he keine Moden met. In düesem Punkt bleef he ümmer biem Ollen. Un dat bedrap de Behauptung, as he sik utdrücken. Kükenbieter waß de Ansicht, dat en Mann van Bildung nix anneres öwer de Blesse stülpen droff, as en Zerlinner. De Tschackoklapp waß dorüm bie ehm Drump un bleef Drump. In Dingeskerken, wo de Pohlbörgers mehrst Kappen draugen un wo se höchstens biem Gräfnis, bie de Kinndöipe oder bie de Hochtiet en Angstsröhr opsatten, foll Küfenbieter met sienem Zerlinner natürlick wahne op. Et waß also ok nich te verwünnern, dat Schluckop de Sake siene Opmerksamkeit schenken. As Kükenbieter eenes Owends wier in de Erholung kam, gaff dat en Getuschele un en Gelächsel, as wann wat assunnerlickes im Werke west wör. Wenn de Refrendar den Rüggen drahen, staken de Dingeskerkenschen de Köppe bineen. Antleßte fraug Kükenbieter sienen Fründ Leierkamp, den Afteker, wat de Völker eegentlich hädden. „O.“ sagg Leierkamp,„de dulle Chemikus het wier eenen van siene fulen Witze vertallt.“ „So, so“, gaff Kükenbieter trügge,„da wird wohl nicht viel Rares dran sein.“ „Et hannelt sick üm en Rätsel.“ „Hm...“ „Schluckop het frogt, wat en Zerlinner is.“ „Müßige Frage. Da möchte ich doch wissen, wo da der Witz steckt.“ „Schluckop seggt:„Ein Zilynder ist die gradlinige Verlängerung eines hohlen Raumes.“ Leierkamp wuß nich, wat sienem Fründ ankam. De Referendar sprung, as wann nee Wieppsche stocken hädde, van sienem Stauhl iop un reip:„So eine Insamie! Na warte, das will ich dem Kerl eintränken.“ Domet gong he af un leit sienen Fründ Leierkamp ganz verplext trügge. An dem Owend leit sik Kükenbieter nich meh in de Erholung seihn. Am annern Morgen in alle Herrgottsfröihe stolpert he die dem Chemiker int Laberatorium rin. „Na,“ seggt Schluckop,„was bringen Sie mir denn Gutes? Sie sind wohl mit dem verkehrten Bein aus dem Bett gesprungen?" Kükenbieter lagg sienen Zerlinner op den Stauhl un mok en Gesichte, so kolt as en Isberg. „Als ich gestern abend in der Erholung war, wurde mir von befreundeter Seite von einem Rätsel erzählt, das Sie den Herren aufgegeben und selbst in mehr als merkwürdiger Weise beantwortet haben."(Schluß folgt.) Hunorstische Ecke. 6389 er. * Modern. Sie:„Ich möchte mich wirklich mal verändern!... Soll ich nun die Wohnung wechseln, das Diensipersonal.. oder soll ich mich scheiden lassen?“ * Schlauberger. Sie sind überwiesen, nächtlich in der Apotheke einen Einbruch verübt zu haben!... Was können Sie zu Ihrer. Rechtfertigung vorbringen?"—„Ich— ich wollt' mer vergiften wejen unglückliche Liebe!" * Auch ein Grund.„Warum haben Sie Ihr braves Dienstnädchen entlassen?"—„Mir gefiel mein PorzellanService nicht mehr und die Person zerschlug ja nichts!" * Aus dem Gerichtssaal. Angeklagter Einbrecher(vor Beginn der Verhandlung):„Bitte gehorsamst, die Oeffentlichkeit auszuschließen.... das Publikum erfährt sonst alle meine Tricks!" * Verdächtig. Dame:„Ist der Rotwein echt?“— Wirt: „So echt wie Ihre roten Wangen, mein Fräulein!"— Dame (verlegen):„Schicken Sie mir ein Glas Bier.“ * Unter Dienstmädchen. Berta(die eine neue Stellung angetreten hat, zu ihrer Freundin):„... und die feinen, seidenen Strümpfe von meiner Madame solltest du sehen, die habe ich mich zuerst gar nicht getraut, anzuziehen!“ Die Dreizehn. A.: Frau Lehmann ist sehr nervös, daß dreizehn Leute zu Tisch kommen!“— B.:„Hat sie Angst, daß etwas Unangenehmes passiert?"—„A.:„Ja! Sie hat nur zwölf Messer und Gabeln!" * Ersatz. Chef(zum Buchhalter):„'s ist mir unmöglich, Ihnen jetzt drei Wochen Urlaub geben zu können!" Buchhalter:„Ach, Herr Chef, dann bitte ich um einen Vorschuß, damit ich wenigstens meine Alte auf ein paar Wochen fortschicken kann!" * Nie verlegen.„Hier haben Sie ganz frische Eier!“ —„Die sind aber furchtbar klein!"—„Ja, wenn Sie's nicht so eilig gehabt hätten...!“. ##es Rätsel=Ecke. 689 r. Buchstabenrätsel. Einst mächt'ge Herrscherin, jetzt ganz in Staub zerfallen, N zu, als Humorist erweck' ich viel Gefallen, Ein andrer Laut, stolz sah als Kaiser man mich wallen. Homonym. Ich lebe im Wasser, ich leb’ auf dem Land, Es hat mich der Geiger beim Spiel in der Hand. Wenn ich mich bewege mit sprühendem Schein, Kann ich dich erschrecken, wer mag ich wohl sein. Lösungen in nächster Nummer. Lösungen aus voriger Nummer. Logogriph. Schale— Schule. Kryptogramm. Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Laumer, Halver. Druck und Verlag: Kösters Buchdruckerei und Verlag Wilh. Laumer, Halver. S 25— 50 S S B 5S Nr. 14 1908 Grätis-Beiläge zür Sulalnsmühler Irilung # Etwas Heimatsgeschichte. Aus„Westfalen. Land und Leute in Wort und Bild" von Dr. Otto Weddigen. Aus der Urgeschichte Westfalens. Westfalens Ureinwohner sind in unbekannten Zeiträumen, die, wer weiß, viele Jahrhunderte über die Entdeckung des Landes durch die Römer hinaufreichen, wahrscheinlich aus Asien eingewandert und haben die Celten aufgerieben oder zu Leibeigenen gemacht. Sie waren vom edlen germanischen Volksstamm, und die Germanen gehörten zur großen arischen oder indogermanischen Völkergemeinde. Ihre Einwanderung wird wahrscheinlich eine Völkerwanderung gewesen sein, die sich über Deutschland, die Schweiz, die Niederlande, England, Schweden und Norwegen erstreckte. Den Charakter ihrer Einheit mit äußeren und inneren Eigenschaften oder doch eine große Achnlichkeit derselben findet man bei allen germanischen Stämmen. Zeugen hiervon sind z. B. die Gleichheit des Körperbaues, der Sprache, der Verfassung und der Sitten, die diesseits und jenseits der Weser bis zur Nord= und Ostsee und noch weiter angetrofsen wird. Es ist mehr Grund anzunehmen, daß die Ureinwohner aus Gegenden kamen, wo die rohen Anfänge des Feldbaues schon in Uebung waren, als sie als Wilde und Nomaden einzuführen. Für ein Hirtenvolk taugt ein Boden nicht, der unter einem Himmel, wie der damalige Germaniens, liegt. Noch jetzt, wo er milder als ansangs ist, müssen Haustiere, die des Sommers grasen, die Hälfte des Jahres mit dürrem Futter unterhalten werden. Den Bewohner Westfalens— ein geographischer Bezirk, in dem der Hauptsitz der Germanen lag— verband wohl von jeher Ackerbau und Viehzucht. Er hatte feste Wohnsitze zum Aufenthalte für sich und sein Vieh. Nicht von den Galliern oder gar von Römern haben unsere Vorfahren den Feidbau gelernt. Haben doch unsere gewöhnlichen Getreidearten, wie die unentbehrlichen Werkzeuge des Ackerbaues, Namen, die ursprünglich deutsch sind. Nicht auf einmal, sondern nach und nach, nicht in Kolonien, sondern in einzelnen Familien sind höchstwahrscheinlich die ersten Einwohner Westfalens in das Land gezogen. Langsam und allmählich haben sie, sobald als ihre Anzahl wuchs, sich vorwärts bis an den Rhein und seitwärts ausgebreitet, den Boden zwischen dem Niederrhein und der Weser besetzt und zu dem ihrigen gemacht. In jeder Gegend, welche durch Tal, Bach oder Wald einlud, war eine Hütte die erste und blieb so lange die einzige Anlage, bis ihre Söhne herangewachsen waren, die dann von ihr aus und in der Nachbarschaft der gemeinschaftlichen Stammhütte sich niederließen und neue Hütten bauten. Um jede Wohnstätte her wurde Boden urbar gemacht. Langsam und mühsam mag es dabei hergegangen sein, und die Armut der Ureinwohner verrichtete die Arbeit selber. Der Boden war nicht gleich Erbe. Der ausgebaute Acker beim Hause, die Huse, wurde erst später Sondergut; der unangebaute, die Mark, war Gesamtgut der in ihr Wohnenden. Gleichheit der ersten Ansiedler in Westfalen. Alle Grundbesitzer oder Erben waren untereinander gleich; denn sie gehörten zu einer Familie, die durch gemeinschaftliche Abkunft und Wechselheiraten verbunden war. Es war nur natürlich, daß die älteste Hütte in jeder Gegend von jeher im Besitze gewisser Vorzüge war. Aus ihr stammten die Nachbarn um sie her; von ihr aus waren sie anfangs unterstützt worden; in ihr hatte der gemeinschaftliche Stammvater gewöhnt, bei dem sie sich zu versammeln und Rat zu holen pflegten und von dem sie ihre Streitigkeiten hatten schlichten lassen. Woran der Mensch sich einmal gewöhnt hat, dabei mag er gern bleiben; er hält desto fester an Herkommen und Gebrauch, je weniger er sich von der Natur entfernt hat. Darum blieben der Stammhütte ihre Vorzüge unbeneidet und unentrissen die Reihe der Zeiten herab u. gingen mit ihr an die jedesmaligen Besitzer über. Immer waren diese unter den Gleichen die ersten. Späterhin hat sich daraus ebenso natürlich und von selbst alles entwickelt, in dessen unveränderlichem Besitz der westfälische Haupt= und Oberhof einst war und nach mehr denn paar Jahrtausenden noch ist. — Unfreiwillig Naturmensch. Humoreske von Eugen Isolani. —(Nachdruck verboten.) Ich kann die allzu gefälligen, dienstsertigen Leute nicht leiden. Es gibt Menschen, die, wenn man sie auf der Straße um Feuer zur Zigarre bittet, einem gleich vor lauter Liebenswürdigkeit nicht nur ein Streichholz hinreichen, sondern gleich dabei über die Gesundheitsgefährlichkeit des Rauchens einen Vortrag halten und am Ende ihrer Rede mit einer Lebensversicherungspolize herausrücken. Solche Dienstfertigkeit ist mir zuwider. Ich habe eine Probe dieser Art Gefälligkeit jüngst erfahren, und die hat mir viel Unannehmlichkeiten bereitet. Ich befand mich auf einer Vortragsreise in L. und mußte mit dem Nachtzuge noch weiter nach B. reisen. Da ich meinen Vortrag um 11 Uhr beendet hatte, um 11½ Uhr aber der Zug abging, stürzte ich, wie ich ging und stand vom Rednerpult in die Garderobe, zog über meinen Frack meinen Paletot an, ergriff meinen Handkoffer und warf mich in die Droschke, nach dem Bahnhof zu fahren, wo auch bereits der Zug zur Abfahrt bereit stand. Ich hatte gerade noch Zeit, in ein Kupee zu springen und warf mich atemlos auf einen Polstersitz. Da ging auch schon der Zug los, und als ich etwas zur Besinnung kam, fuhren wir bereits auf und davon. Jetzt erst sah ich, daß ich nicht allein war, daß noch ein Herr in demselben Kupee saß. ein Mein Fahrgenosse machte einen sehr freundlichen Eindruck, und da er mich, nachdem ich meinen Poletot aufgeknöpft hatte und er mich in meiner Festtoilette betrachten konnte, immerfort mit neugierigen Blicken ansah, hielt ich es für angebracht, ihm eine Erklärung meiner ungewöhnlichen Reisetoilette zu geben. „Aber das muß Ihnen doch recht unbequem sein, meinte mein Kupeegenosse,„so im Frack zu fahren; gewiß werden Sie sich doch nachher auch ein wenig in die Ecke zum Schlafen hinlegen wollen!" „Gewiß will ich das, und freilich ist mir der Frack unbequem. Und wenn Sie es gestatten würden und ein paar Minuten den Blick auf jene Seite richten wollten, bin ich so frei, mich hier umzukleiden!" „Aber gewiß, mein Herr“, lautete die freundliche Antwort. „Sie brauchen sich vor mir nicht zu genieren. Ich bitte Sie, Herren unter sich! Das hat gar nichts auf sich. Tun Sie sich durchaus meinetwegen keinen Zwang an!“ Na, das tat ich denn auch nicht! Ich legte zunächst den Paletot ab, entnahm meinem Reisekoffer meinen Reiseanzug, zog den Frack aus, dann die Weste, legte die weiße Kravatte und den Kragen ab, zog die Beinkleider aus und wollte nun eben in umgekehrter Reihenfolge den Reiseanzug anlegen, da fuhr der Zug in einen Bahnhof, und ich zog daher schnell, in der Furcht, es könnte jemand in unser Kupee einsteigen, den ziemlich langen Paletot über meine Blößen. „M. zwei Minuten Aufenthalt!“ rief der Schaffner. „Halt!“ sage ich zu meinem Kupeegenossen,„da trinke ich schnell eine Tasse Kaffee! Ich halte es nicht aus, so trocken ist mir die Kehle. So kann ich doch ganz gut hinaus! Ich bin völlig bedeckt!" Mit diesen Worten will ich die Kupeetür öffnen, aber mein gefälliger Reisegefährte wirft sich mir in diesem Augenblick mit größter Dienstfertigkeit in den Weg und ruft aus:„Nein, mein Herr, das leide ich nicht! Sie könnten sich erkälten! Auf den Tod erkälten, eine Lungenentzündung zuziehen! Sie sind noch ein junger, unerfahrener Mann! Vertrauen Sie meiner Lebenskenntnis! Das gebe ich unter keinen Umständen zu!“ „Aber was wollen Sie denn?“ rief ich ganz ärgerlich aus, „über die Baby=Jahre bin ich ganz gewaltig hinaus! weiß schon selbst, was ich tun und lassen darf!" Damit zerrte ich ihn mit Gewalt von der Kupeetür hinweg, riß diese auf und eilte, indessen jener hinter mir her räsonnierte, hinaus, den Zug entlang, in die Bahnhofsrestauration, wo ich in dem Augenblick, da ich in eine der bereitstehenden Tassen Kaffee, Sahne und Zucker hineingetan hatte, merkte, daß ich kein Portemonnaie bei mir hatte. Das war nämlich in meinen Hosen geblieben. So mußte ich ohne Kaffee wieder zurück. Und als ich eben den Bahnsteig betrat, riefen die Schaffner auch schon wieder: einsteigen! Ich lief den Zug entlang, um zu meinem Kupee 1237 zu gelangen, aber der Zug war entsetzlich lang, die Schaffner riefen:„Schnell, schnell!“ Und endlich sagte einer derselben:„Wenn Sie mitkommen wollen, so springen Sie hier hinein!“ Damit öffnete er das erste beste Kupee und stieß mich hinein. Dann ging der Zug weiter. Na, ich saß nun als unfreiwilliger Naturmensch in einem dichtgefüllten Kupee dritter Klasse. Niederlegen konnte ich mich nicht, da ich als mittelster auf einer Bank hatte Platz nehmen müssen. Angstvoll hielt ich meinen Paletot fest um die Lenden geschlossen, damit er ja meine Blöße deckte, was beim Sitzen, wie ich fürchten mußte, nicht vollkommen der Fall war, und es schien mir, als ob alle meine Kupeegenossen unaufhörlich auf meine unbekleideten Beine sahen. Dabei hatte ich vollkommen Zeit, über die übel angebrachte Gefälligkeit allzu diensteifriger Menschenfreunde nachzudenken. Hätte sich mein früherer Reisegenosse nicht so menscheinfreundlich meiner jugendlichen Unerfahrenheit angenommen, hätte mir dies Malheur wahrlich nicht passieren können. Freilich war dieses nur das kleine Vorspiel zu meinen durch jenen gefälligen Menschen herbeigeführten Unannehmlichkeiten. Dann, als der Zug nach etwa zweistündiger, für mich qualvoller Fahrt wieder in eine Station einfuhr, und die Schaffner riefen:„P. fünf Minuten Aufenthalt!“ sprang ich natürlich sofort aus dem Kupee und suchte das meinige, Nr. 1237, auf. Und als ich die Tür öffnete, lag da mein gefälliger Menschenfreund auf einer Seite und schlief, aber von meinen Sachen sah ich nichts. Ich rüttelte ihn wach und rief:„Sie, mein Herr! sind denn hier meine Sachen geblieben? Wer hat meine Sachen genommen? Zum Donnerwetter, so wachen Sie doch auf! Geben Sie doch Antwort!" Er blickte mich wie entgeistert an.„Ja, wo bin ich denn eigentlich? Wie lange hab' ich denn geschlafen?“, antwortete er in Fragen. „Sie sind in P. und können höchstens zwei Stunden geschlafen haben! Aber, Sie sollen mir sagen, wo meine Sachen geblieben sind, die hier lagen?“ Inzwischen hatten sich, da ich sehr erregt und laut meine Fragen stellte, aus den benachbarten Kupees die Insassen eingefunden; auch ein paar Schaffner stellten sich dazu, um zu hören, was es eigentlich bei uns gäbe. Aber der gefällige Menschenfreund schien immer noch nicht vollständig zum Bewußtsein gekommen zu sein.„Sind Sie nicht der Herr, der in L. einen Vortrag gehalten hat?“ „Derselbe!“ rief ich. „Und der sich dann hier im Kupee umzukleiden begann, als—“ „Derselbe, derselbe!" unterbrach ich ihn ungeduldig. „— als wir in M. einfuhren", setzte er in seiner Rede ruhig fort,„und er trotz meiner Ermahnungen nur mit einem Paletot bekleidet, den Zug verließ!“ „Derselbe, derselbe!“ schrie ich nun in höchster Ungeduld, „aber wollen Sie mir nicht endlich sagen, wo meine Sachen geblieben sind?“ „Die habe ich,“ antwortete der gefällige Menschenfreund, „als der Zug sich in M. in Bewegung setzte,— aus dem Kupeefenster geworfen, da ich annahm, daß Sie den Zug nicht mehr erreicht hatten. Solche kleinen Gefälligkeiten ist man doch seinen Mitmenschen, die Pech haben, schuldig! Daß Sie in dem Aufzuge, in welchem Sie sich befinden, in ein anderes Kupee steigen würden, konnte ich doch nicht annehmen!" Und während ich aufbrauste:„Mensch, wie können Sie sich erlauben, sich in meine Angelegenheiten hineinzumischen!“ und wütend auf den gefälligen Menschen zusprang, um ihm an die Gurgel zu fahren, brachen alle Umstehenden in ein lautes Gelächter aus, während die Schaffner mich packten, damit ich mein offenbares Vorhaben, den Diensteifrigen zu erwürgen, nicht ausführe. „Ja, aber was fange ich denn nun an?“ rief ich ärgerlich aus. „Warten Sie hier im Bahnhofsrestaurant auf den nächsten Zug, der um 10 Uhr vormittags durchkommt und telegraphieren Sie nach Ihren Sachen nach M.!“ sagte einer der Schaffner. „Aber ich habe kein Geld bei mir, mein Portemannaie steckt in den Hosen!" „Na, bis Ihre Sachen kommen, stundet man Ihnen wohl gern hier, was Sie verzehren, und die Depesche geht als DienstTelegramm unentgeltlich!“ erklärte der Schaffner. „Aber ich muß morgen abend in B. einen Vortrag halten, und ich komme mit dem Zehn=Uhrzuge kaum noch zur Zeit hin!“ jammerte ich. „So halten Sie den Vortrag doch als Naturmensch!“ riet mir einer der Umstehenden, denen meine verzweifelte Lage vielleicht noch länger Vergnügen gemacht hätte, wenn jetzt nicht die Schaffner zum Einsteigen aufgefordert hätten. Und während ich noch unschlüssig dastand und meine Lage überdachte, setzte sich der Zug in Bewegung. Mein gefälliger Menschenfreund aber lehnte sich zum Kupeefenster hinaus und rief mir, während der Zug schon davonfuhr, zu:„Machen Sie doch, daß Sie ins Wartezimmer kommen, sonst erkälten Sie sich noch ganz gewiß, Sie unerfahrener junger Mann! Und wenn Sie einmal nach R. kommen, zwei Stunden mit der Post von K. entfernt, so bitte, besuchen Sie mich. Ich kann Ihnen vielleicht nützlich sein! Vergessen Sie's nicht; denken Sie an mich!" Na, ich werde noch lange an den Mann denken! Seinen Namen habe ich glücklicherweise vergessen. —— Das Geheimnis, mit allen Menschen in Frieden zu leben, besteht in der Kunst, jeden seiner Individualität nach zu verstehen.(Friedrich Ludwig Jahn.) Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen (Schabenhauer.) De Buernstand.“) —4* Wi häfft de äöllsten Brew' in't Land, Wi Buern sind hier wassen. Wat is dat Land aohn' Buernstand? En Wagen aohne Assen. De Diessel, de löpp stolt vörut, De Riäder gaoht verwiägen, De Rinksen häfft ne graute Snut: De Assen de mött't driägen. Wi häfft dat Land in Müh und Naut Met usen Schweet beguotten, Nu wäß dat Braut für klein un graut Up use Hüöw' un Kuotten. Ji denkt: de Buer hät taohen Bast Un hät en sturen Nacken, Wi willt em alle Drächt un Last Up sinen Nacken packen. De Buer ist stark, jedoch man kann Den stärksten Mann verdiärben— Un gripp man so de Wuottel an, Dann mott de Baum auk stiärben. Us Braut is sur, wi willt jä gähn Met weinig us begnögen. Gaoht Jue Wiäge, blieft us fähn Un laot't us ruhig plögen! Augustin Wibbelt.“ *) Aus dem westfälischen Volkskalender„De Kiepenkerl“. Verlag von Fredebeul& Koenen in Essen(Ruhr). —— Schnapphännes. „Sauaarme ase de Wiäg, sau barwes ase’ne Gaus, awer sau ehrlik ase de Sunne,“ saggte Schnapphännes und stahl as en Rawe. Hai konn briuken alles, bat nagellaus was, un hutte't in syinen allmächtigen Schnappsack; de Goise oppem Tyike un de Hauner op der Miste wören füär jämme nit siker, kein Nagel in der Plaug, und kein Lüns füär'm Wagen. Kam hai byi der Mühle ropp un soh de Aenten sik puddeln, wasken un kemmen, dann rauk hai all van feeringes den Sundagesbroon, wahrte alle Riutkes an der Mühle, un lait sik nit Mühler, nit Knecht saihn, bups! gaffte hai dem gröttesten Aenterk met syinem Prickelstock Ennen op de Nase un lait’ne in syinen Ranzen spazäiern, verdräggede de Augen, ase wann haid al andächtigste Vaterunser biätte, un mümelde, wann hai der Strooten rop kam, in syinen Bart:„Sau arme ase de Wiäg, sau barwes ase’ne Gaus, awer sau ehrlik ase de Sunne." Muargens verschlaipen sik alle Luie imme Duarpe, denn Hahnens gaffte't imme ganzen Dinge nit mehr, ase ments dem Köster syinen; bo de andern bliewen wören, dat wußte Hännes. Wann hai Himeder oppem Tiune hangen soh, dann was et jämmne all äin Daun, batter füär Namens anne stönnen, dat beste was gutt genaug un mochte in syinen Sack. Woorte im Duarpe backen, un Hännes rauk den frisken Brandgerük, dann krumelde hai sau lange ümme't Backes rümme un doh, ase wanne Knnacken= un alt Yisern söchte, bit de Bäcker mol affsyit was, dann worte de schoinste Plaß oder Britze vamme Häller gamset, un kam de Bäcker wier, dann buselde Hännes all längest wier in der Spoon=Eeere no Niägeln un Knuacken, oder schlaug syine Augen gin Hiäwen un söchtede: „Och Gott! wann doch alle Luie wören ase ik: sau arme ase de Wiäg, sau barwes ase’ne Gans, awer sau ehrlik ase de Sunne!“ Un woorten Krengels un Stiuten backen, dai mochte Hännes auk un dachte:„met Krengels kannste Braud sparen," un de Bäckers tallten ümmer wenniger Stiuten iutem Uawen, ase derinn. Te Spyikermann awer was klaäker ase de andern; diäm fehlte byi syinem Gebäck mol'ne ganze Ryige Stiuten, un Schnapphännes nüskelde oppem Huawe rümme; hai myi nit bloi un saggte:„Hännes, ik betahle dyi füärt Punt Yisern drei Pännige mehr, ase Jiuden Meier, loot saihn, biu viel hiäste in dyime Sacke?" un sau rätt hai diäm Hännes den Buil iut der Hand un taug syine Stiuten herfüär.„Bat Duiker, Hännes? kannst diu Stiuten iut der Spoon=Eere krumeln? dann kannste mehr ase andere Luie; syi sau gut un gif myi düse, myi fehlt grade so viele, ase diu do hiäst.“ Geeren! siet de Bure, wann hai mott, un sau saggte Hännes auk:„Awer Spyikermann! datt kannste my gloiwen: sau aarme ase de Wiäg, sau barwes ase’ne Gaus, awer sau ehrlik ase de Sunne," un kloppede sik andächtig op de Buast un machte en Gesichte sau fruamm as' en Kauersänger. In Christions Huse hadden se schlachtet, de Mette worte hacket, un de Wuastebänne drägget. Dem Hännes prickelde all füär de Düähr dai kräftige Gerük in der Nase, Zyipeln, schwarten Piäpper un Niägelkes=Piäpper, un hai dachte:„din hiäst kein Schwyin un schlachtest kein Schwyin, andere Luie mottet füär Hännes metschlachten.“ Ase de Christiönske tem tweddenmole tallte, fehlten drei Mettwüäste un äine Näiernwuast; datt gaffte Flauken un Dunnerwjähr, Hännes awer genk unner'm Hiuse runn, druchte de Hand fruamm an't Hiärte un köggelde syinen allen Sprük. Am andern Muargen, ase de Blaut= un Liäwwerwüäste imme Kiätel kuacket worten, machte sik Hännes düt un dat op der Diälle te dann un lusterde ter Küken rinn. De Christiönske stont byim Fuier un stippede met der Notel in de Wüästo; sai harr’ all ümmer saggt:„ik trugge diäm Keerel nit,“ un dachte:„ik well nin wieten, bo gistern myine laiwen Mettwüäste bliewen sind," kräig den Kuarf, sträik det Messer op der Trappen un genk dermet in de Stuawe, ase wann sai Tuffeln schellen wöll, un Hännes dachte:„niu is et Tyit,“ sprank in ter Küken, taug de lengeste Liäwerwugst un de dickeste Blautwuast iuter Vrögge, un fix dermet in syinen Schnappsak. De Christiönste awer stont all lengest wier hinner jämme, un ase hai sick ümmedräggede un fixe den Sprük van syiner Sunnen=Ehrlikkeit in de Tiänne nahm, saggte sai:„Joh, Hännes, ehrlik ase de Sunne! awer bat mäkeste dann byi diäm Kitel?"—„Oh. oh, nir! ik woll ments suargen, dat ug dai Wüäste nit kuartkuackenden. Allerdings, myintwiägen können sai kuartkuacken alltehaupe; näi, sau aarme ase de Wiäg, awer ik könn doch keine Wuast jätten füär nau sau viell all dat Gehacksel un Geschräppsel! näi, gatt myi wiäg! un wann ik je ok möchte, un wann ok fuffzig Mettwüäste hyi oppem Difke läggten, un hundert Blautwüäste imme Kitel, ik nehme nix, bat myi nit taukeme, wann ik ok sau op der Stiee des läidigen Hungers stiärwen söll! Yi wietet jo wuall, Cristiönske, sau ehrlik ase de Sunne!"—„Recht sau, Hännes, do halt dir an! awer gitzunders könnst diu myi wuall'ne Augenblick oppet Fuier passen un stuacken, ick mott jäwen myine Tuffeln tem Enne schellen.“—„Joh, gatt ments in Guatts Namen!" saggte Hännes un lachede ächten im Halse üwer syine laiwe Ehrlikeit; un sai was kium ter Düähr riut, do sprank wier ene Blautwuast in syinen Sack. Dat durte awer nit sau lange, ase men de Hand ümmedrägget, do stönnen de Christiönske un iäre Christion, un de Kleinknecht un de Grautknecht richtopp in der Küke un kloppeden jämme op de Schuller.„Suiste nit, Hännes? det Fett syipet dyi jo düär den Buil! bat hiäste füär fette Knuacken derinne?"—„Oh— oh— oh— nir Apartes! sau aarme ase de Wiäg, sau barwes ase’ne Gaus, awer sau ehrlik ase....“—„Joh, sau ehrlik ase Schinderhännes!“ raipen de andern;„diu Wuasthännes! diu Schnapphännes; sauglyik gif us mol de Wüäste riat!“—„Nu, nu! wann yi se wier hewwen wellt, dann kritt se ug un terryitet se met Gesundheit! Adjüs!“—„Nä, nachte nau'ne wennig, diu sast Gesellskopp hewwen! Pulzei un Schandarme sind sau foorts hyi.“—„Jömmers Kinners! yi weert doch wual emme ehrliken Mensken sau keinen Schmoot nit andaun? lotet mik gohn! ik well ug ok alles wiergiewen! de Mettwüäste well ik brengen, ugen Hahnen well ik ug betahlen, Aenten well ik stiällen un giewen ug de uggen dervan wier, dat Yisern well ik van Maiern wierhalen, et sall ug kein Lüns amme Wagen fehlen— awer lotet myi dai Kerels vamme Balge, dai twäierlei Wand amme Rocke het!“—„Ah sau, Vügelken! in dyinem äigenen Woorde verräste dik? aner suih, dai Kerels met diäm rauen Kragen sind do! Glück oppen Patt!“ Hännes kräig yiserne Hansken an, Pulzei un Schandarme gengen ter Zierort rechts un links, sau genk et düär't Duarp runner, un alle Blagen, dai Biäne hadden, laipen hinnerhiär, joilten un floitten un raipen:„Sau aarme ase de Wiäg, sau barwes ase’ne Gaus, awer sau ehrlik ase de Sunne!" Am andern Tage kuckede Schnapphännes te Bryilen imme Rooise