der deutschsprachigen Presse e. Nummer 20 18. Mai 1934 An den heiligen Romm. Ieiliger Geist erfüll mein Aerz. Du reines Ilerzens lichter Schein, Entzünd mir deine Minne. Glänz meiner finstern Klause. Dein Süßigkeit verkilg den Schmerz. Du edler Srost rieh in mich ein, Erleucht mir Seel und Sinne. Mlein Flerr dien dir zum Fause. Wünder des R#iugsten Von Erwin Spang In Glanz und Blütenschimmer erstrahlt uns das Fest der Pfingsten. Verschwenderisch hat eine gütige Natur ihren Segen über die Fluren gestreut. Es ist, als wäre das Pfingstwunder der Schrift, dies plötzliche Aufblühen aller Kräfte, dies Aufspringen verborgener Quellen, mit siegender Gewalt über uns hereingebrochen, hätte Bindungen gelockert und eine gefangene Natur erlüst Noch liegt ein Ring von Nichtverstehen und Feindschaft um unser Land. Aber ist es nicht, als wollte die Natur selbst uns entschädigen, uns Ersatz bieten für solche Fesseln? Als wollte sie dies tapfere, starke deutsche Volk belohnen für Kraft und Mut, die es in einem Jahr unerhörter Anstrengungen bewiesen hat? Immer wieder kehren die Gedanken zu den Worten der Schrift zurück, die von dem unfaßbaren Wunder des Pfingstfestes reden. Wie heißt es doch da, in der Apostelgeschichte? Als die Versammelten, Menschen aller Völker, plötzlich die Apostel„in anderen Zungen“ predigen hören, als sie, die sich nie untereinander hatten verständigen können, nun durch den Mund dieser zwölf Männer, die alle einem Volk angehörten, das Wunder dieses Tages vernahmen? Wie von selbst legt sich diesen frommen Worten der tiefe Sinn unter, den das Geschehen unserer Tage ihnen zu geben vermag. Auch wir haben bisher aneinander vorbeigeredet, haben Worte gebraucht, die der andere nicht verstehen konnte, weil er anderen Sinn darin suchte. Auch wir waren in die Völkerschaften der Klassen, der Stände, der Stämme zerrissen, aufgespalten, uneinig und ohne Verständnis für die Not des Leibes und der Seele des Nebenmannes. Und ist nicht dennoch auch zu uns dies Wunder gekommen, daß wir, gestern noch einander fremd, heute alle die gleiche Sprache verstehen? Nämlich die einfache, natürliche Sprache unseres Velkes, die ohne künstlichen Zierat, ohne bewußt dunkle Sinngebung plötzlich klar und verständlich an unser Ohr dringt. Als wären es wirklich neue Laute, neue Worte und Begriffe! Aus der Vielheit der Klassen und Stände ist die Nation geworden, aus der wesenlosen Masse entstand das Volk. Alle aber werden zusammengefügt durch das Wunder dieser Zeit, das eine neue Sprache schuf, wenn sie auch bisweilen nicht das Ohr erreicht, sondern nur leise im Herzen schwingen mag So betrachtet, darf der Vergleich zwischen dem uralten, urewigen Schriftwort und dem lebendigen Heute wohl gezogen werden, ohne daß das eine den Gedankenkreis des anderen stört. Keiner ist in deutschen Landen, der sich dem großen Geschehen hätte entziehen können. Auch der nicht mehr, und er braucht nicht zum schlechten Teil dieses Volkskörpers zugehören, der anfangs beiseite stand, zögernd und tastend an diese unerhört neuen Dinge herantrat, die ihn verwirrten, weil sie manchen ihm liebgewordenen Begriff besseite schoben. Vielleicht hat er lange In dir ist Fried und Sonn allein. In dir ruht das Gemüke: In mich auch Frieden gieß hinein Durch deine Gottesgüte. Sei, edler Geist, bei mir zu Gast Mit deinen sieben Gaben. Im Ierren mir sind Ruh und Rast. Dir lebend dich zu laben. ringen müssen, zur Klarheit zu kommen, bis auch ihm plötzlich die Vielheit der Erscheinungen zu einer sinnvollen Gesamtschau sich ordnete. Bis auch ihm die neue Sprache verständlich wurde und er sich ihrer, wiederum zögernd und tastend zuerst, denn noch mißtraute er der eigenen Kraft, zu bedienen begann. So gibt es heute keinen— er wäre denn nicht wert, Volksgenosse zu heißen—, der sich widerwillig ausschließt. Die Gemeinschaft der Nation umfaßt wieder alle und jeden einzelnen, gibt dem einzelnen und zugleich ihnen allen frische Kraft, den Heldenweg des deutschen Volkes zu Ende zu gehen. Unter furchtbarsten Entbehrungen ist es durch Not und Tod eines Weltenkrieges dahingeschritten, hat mehr ertragen, als je einem Volke zugemutet wurde. Weit über ein Jahrzehnt schien es, als wollte dieser Weg, trotz Heldenmut und Opfergeist, im Nichts, im uferlosen Abgrund enden. Bis die Wende kam. Bis eine Entwicklung, die rasend schnell zur Katastrophe drängte, aufgehalten wurde, ihre Bewegung langsam erst, dann immer gleichmäßiger sich umkehrte, bis sie nun in wohltätigen, geordneten Bahnen neuen Zielen zustreben kann. Es entspricht nicht dem Geist dieser Zeit, denen, die solche Umkehr erzwangen, vorzeitig, noch mitten in harter Arbeit, Jubelhymnen zu singen. Es hieße diese Männer arg verkennen, ihr innerstes Wesen empfindlich mißdeuten, wollte man ihnen die Dankbarkeit eines ganzen Volkes nur in klingenden Redensarten bezeugen. Ihnen dankt die stumme Tatbereitschaft des schaffenden Volkes, der gläubige Einsatz der Jugend besser, als es Worte je vermöchten. Und jeder einzelne, der nach innerem Ringen die letzten Zweifel über Bord wirft, die letzten Hemmungen kraftvoll beiseite schiebt und sich selbst einreiht in die große Gemeinde der namenlosen Arbeiter am Volk, ist selbst ein Stück dieses Dankes der Nation geworden. So wird für uns alle Pfingsten zum Fest eines beglückenden Wunders. Trotz aller Sorgen, trotz Feindschaft und manchmal auch wohl Haß um uns, trotzdem bei weitem noch nicht alle Hindernisse überwunden sind, wollen wir uns aufgeschlossen solchem Erleben hingeben. Unser Volk hat bewiesen, daß es gewaltige Kräfte aufraffen kann zum alles überwindenden Sturm in die Freiheit. Nun darf es einen Tag innehalten, einen freudigen Blick um sich tun, dem Frühling in das strahlende, lachende Antlitz blicken und dabei ganz deutlich, ohne Schranken, die Kräfte spüren, die das Wunder des Pfingstfestes frei werden läßt Weit ist der Weg von jenem ersten Pfingsten der Schrift mit seiner Offenbarung eines bis dahin nie gekannten Geistes bis auf unsere Zeit. Noch werden unzählige Jahre in gleichem Ablauf vorüberrollen und jedes wird aufs neue diese Offenbarung einer umwälzenden, geistig=religiösen Bewegung mit sich bringen. Aber es will uns scheinen, als hätten wir diesmal besondere Ursache, dankbar uns dieses herrlichen Festes zu erfreuen. Weil es wirklich— nehmt alles nur in allem— den Geist des Wunders atmet O komm, mein Aell und Seligkeit. Durch deinen heiligen Namen. Daß nechts mich nimmer von dir scheid Aier und dort oben. Amen. Heinrich von Laufenberg(um 1400) der deutschsprachigen Presse e.V. (4. Fortsetzung.) (Urheberschutz durch Deutscher Presse-Verlag, Berlin SW 68) „Dann wollte ich nicht gern in dieser Zeit leben“, sagte sie und lächelte.„Wollen wir hinaufgehen und den Brief holen? Ich will gern schlafen gehen, ich bin sehr müde nach der langen Reise.“ Sie ließen den Wagen stehen und gingen zurück. In ihrem Zimmer machte Stella Licht und suchte den Brief hervor. Er war mit der Adresse versehen und alles war in Ordnung. Elton steckte ihn in die Tasche.„Es trifft sich gut, daß ich gerade in der Gegend des Bahnhofs zu tun habe“, sagte er.„Sie können sicher sein, daß der Brief noch heute nacht nach dem Norden geht.“ Er stand eine Weile und sah vor sich hin.„Wenn Sie etwas zum Lesen haben wollen, so ist neben dem Gartenzimmer eine ganze Bibliothek. Miß Constance verschlingt die ganze moderne Literatur und hat eine Menge illustrierter Blätter abonniert.“ „Danke.“ Stella begleitete ihn an die Tür. Jetzt, wo sie allein war, fühlte sie erst, wie müde sie war. Die vielen Eindrücke der letzten Tage hatten sie verwirrt. Vielleicht konnte sie noch ein Buch lesen, bis der Schlaf kam. Sie ging hinaus und versuchte, den Weg zur Bibliothek zu finden. Aber die„Summer=joy“ war keine gewöhnliche Villa, sondern das Landhaus einer verwöhnten Millionärsfrau, und es kostete Zeit, den Weg durch die verschiedenen Flure und Zimmer zu finden. Aber endlich gelangte sie zum Gartenzimmer. Sie blieb beim Flügel stehen. Eine brennende Lust zu spielen ergriff sie. Aber sie ging in die Bibliothek und suchte sich ein Buch aus. Nun galt es, wieder in ihre eigenen Zimmer zurückzukommen. Sie wollte die Dienerschaft ungern behelligen. Aber es zeigte sich noch schwieriger, wieder hinaufzufinden. Sie ging wirklich irre. Als sie glaubte, auf dem richtigen Wege zu sein, ging sie rasch durch einen schmalen Flur. Dann blieb sie stehen. Eine Tür stand ein wenig offen, und sie hörte Cecils langsame Stimme.„Du mußt doch von ihm gehört haben. Ich habe nicht mehr als für gut eine Woche, und ich weiß nicht, was werden soll, wenn ich nicht mehr bekomme. Wenn es nur Spekulation von dem Schuft ist, um den Preis in die Höhe zu treiben, so gib ihm das Geld. Wenn ich nur etwas bekomme, so ist mir alles andere gleichgültig. Du weißt ja, daß ich besonders viel haben muß, wenn ich diesen Motor fertigbekommen soll.“ „Ich habe dreimal geschrieben, und ich habe auf die gewöhnliche Art telegraphiert“, nun war es Elton, welcher sprach,„und er antwortete, daß wir ganz ruhig sein könnten; vor Ablauf der Frist sollten wir mehr als reichlich haben. Aber es wäre etwas passiert, das ihn zwänge, diesmal besonders vorsichtig zu sein. Er hat uns übrigens noch nie in Stich gelassen.“ „Nein, allerdings“, Cecils Stimme klang müde und ergeben.„Jetzt wollen wir heute aufhören. Wollen wir in den Klub gehen und uns amüsieren?“ „Glänzende Idee“, sagte Elton begeistert.„Ich ziehe mich in einem Augenblick um. Dann könnten wir den Oberkellner an den Burschen telegraphieren lassen.“ „Ich hätte wohl Lust gehabt, Cynthia mitzunehmen. Sie hätte da etwas sehen können. Sie würde sich im Klub sicher gut unterhalten haben.“ Cecils Stimme bekam einen stärkeren Klang. „Bist du toll!“ Eltons Stimme klang ganz entsetzt. „Bedenke doch, sie ist eine Mischung von einem Gotteswort vom Lande und einer wirklichen Dame. Was glaubst du, was sie sagt, wenn sie sehen würde, was ein Verbotsland an Alkohol hervorbringen kann!“ Cecil lachte trocken und kurzatmig, es klang wie das Quarren eines Frosches. Stella suchte eilig fortzukommen. Sie wollte nicht lauschen, besonders nicht, wenn man über sie sprach. Aber sie konnte nicht umhin, ein wenig darüber zu grübeln, worüber die beiden gesprochen hatten. Nun, es war wohl irgend etwas, was sie für den Motor gebrauchen sollten, von dem sie gesprochen hatten. Sie fand endlich den richtigen Weg und ging zur Ruhe. Glücklicherweise kam der Schlaf schneller, als sie erwartet hatte. Sie drehte das Licht aus und legte das Buch weg. Dann streckte sie sich in dem bequemen Bett. Das war nun doch etwas anderes, als in der Koje des Schlafwagens zu liegen. Sie träumte am allerwenigsten davon, daß Mrs. Ellinor in einem der mondänen Hotels wie ein junger, übermütiger Backfisch tanzte und flirtete, und daß Cecil und Elton im Klub Sekt tranken. Der Brief, den Elton besorgen wollte, steckte in der Tasche seines Smokings, und es sollte lange dauern, bis er ihn wiederfand. Constance war mit einigen Bekannten ausgegangen, welche sie eifrig über die ungezähmte Kusine aus Texas ausgefragt hatten.„Sie ist nicht wild“, sagte sie abweisend „sie ist nur langweilig, deshalb nahm ich sie nicht mit.“ Auch ihre Begleiter schienen nicht zu ahnen, daß ein Alkoholverbot im Lande existierte. Sie amüsierten sich, und dann unternahmen sie eine Mondscheinpartie und landeten kurz nach Mitternacht in Miami. Constance hatte dort gute Freunde, und man veranstaltete einen Ball mit Ueberraschungen. Ein kleinerer Saal eines Hotels diente als Tanzsaal. Ein Regerorchester wurde schnell herbeigeschafft, und nun begann man sich zu amüsieren. Aber der Tanz machte den Hals trocken. Einer der Kavaliere zog den Inspektor zur Seite. Es dauerte nicht lange, bis einige Flaschen Limonade da waren, die so vorzüglich hergestellt waren, daß sie in Geschmack und Duft täuschend französischem Sekt glich. Ja, das unschuldige Getränk war sogar so gut nachgeahmt, daß die jungen Tänzer überaus lustig wurden. Constance, die vom Tanz heiß geworden war, ging auf die Terrasse des Hotels hinaus. Vor ihr lag wie ein glänzender Silberspiegel das Meer. Weit draußen sah man die Lichter eines großen Dampfers, und die Signale von der Key=West=Bahn leuchteten wie kleine goldene Perlen über das Wasser. Plötzlich fuhr Constance zusammen. Sie holte tief Atem und ihr Herz hämmerte. Dort unten am Strand hatte sie eine hohe, schlanke Gestalt in hellem, enganliegendem Anzug erblickt. Sie vergaß alles andere und eilte hinunter.„Mr. Carrington!“ sagte sie, und ihre Augen bekamen einen schmachtenden Ausdruck. Er wandte sich schnell um, und dann lächelte er ihr zu. Aber jeder andere als gerade ein verliebtes Mädchen würde bemerkt haben, daß sie in höchstem Grade ungelegen kam. „Wie freue ich mich, Sie zu treffen“, sagte sie.„Ich wußte gar nicht, daß Sie hier sind. Sagen Sie mir, Sie hatten doch wohl die Absicht, uns zu besuchen. Erinnern Sie sich, daß Sie es mir versprachen, als ich Sie das letzte Mal sah?“ „Sie baten mich darum“, seine Stimme war tief und männlich, aber sie klang nicht gerade begeistert,„aber ich glaube nicht, daß ich Ihnen etwas Bestimmtes versprochen habe.“ „Aber jetzt, wo Sie ohnehin hier sind, werden Sie mich nicht enttäuschen, nicht wahr?“ Sie sah ihn bittend an. Er antwortete nicht, sondern begann zum Hotel hinaufzugehen. Er ging um das große Gebäude herum. und sie begleitete ihn. Dann stand er still.„Ich will Ihnen gerne einen Besuch abstatten, wenn ich nach Key=West omme“, sagte er plötzlich,„aber ich will am liebsten unvorbereitet kommen. Sie wissen, daß nicht alle gern mit mir zu tun haben mögen. Ich streife viel umher, weil es mir gefällt, und deshalb werde ich mit Mißtrauen betrachtet.“ „Nicht von mir!“ Constances Stimme hatte einen ärtlichen Klang, dann reichte sie ihm die Hand.„Ich reue mich darauf, Sie bei uns zu sehen.“ Er nahm ihre Hand. und einen Augenblick nachher war er fort. Er blieb an der Ecke des Hauses im Dunkeln stehen und sah sie hineingehen.„Sie hätte beinahe alles verderben können", sagte er bei sich selbst. Dann wurde er aufmerksam. Ein Motorrad kam in schneller Fahrt angesaust. Der Fahrer war mit Staub bedeckt, und man konnte die überhitzte Maschine riechen. Der Mann, den Constance Mr. Carrington genannt hatte, trat ins Helle. Der Motorradfahrer sah ihn unsicher an. Es war ein ganz junger Bursche.„Hotel Astor?“ fragte er. „Das ist hier", lautete die Antwort.„Wo kommen Sie her? Pine=Islands?“ „Jawohl. Ich sollte einen Brief abgeben.“ „An Hamilton Curle, nicht wahr?“ Carrington lächelte ihm freundlich zu.„Antwort ist nicht nötig. Sagen Sie nur, daß alles in Ordnung ist.“ Er reichte dem Mann ein paar Dollar. „Vielen Dank“, der Bote gab ihm einen Brief. „Sie sind wohl schnell gefahren?“ sagte Carrington freundlich. „Ja, mehr als doppelt über das Erlaubte.“ Der junge Bursche lachte.„Aber es ist wohl auch ein Mann, der es bezahlen kann.“ Er startete das Motorrad wieder und einen Augenblick später war er verschwunden. Mr. Carrington stand eine Weile, dann öffnete er ohne weiteres den Brief. Er las, was darin stand: „Denken Sie an die Verabredung. Binnen einer Woche. Cecil N.“ Er nahm einen gewöhnlichen Briefumschlag aus der Tasche und steckte den Brief hinein. Im Schreibzimmer des Hotels schrieb er mit der Schreibmaschine Hamilton Curles Namen auf den Umschlag, dann rief er einen der Diener.„Bringen Sie Mr. Curle diesen Brief, der eben von Pine=Islands gekommen ist. Es scheint eilig zu sein.“ Er dämpfte die Stimme.„Sie sind sich darüber klar, daß sie den Brief direkt vom Boten bekommen haben und daß sonst keiner ihn bemerkt hat. Sie verstehen mich.“ Der Diener nickte und warf einen scheuen Blick auf Carrington, dessen Stimme nicht gerade zum Widerspruch reizte. Er eilte davon und Carrington ging die Treppe hinab. Als er an der Tür des Saales vorbeikam, wo das Orchester lärmte, trug ein Diener gerade ein Tablett hinein, und er sah einen Schimmer von Constance, die vorbeitanzte. Ein schwacher Anflug eines spöttischen Lächelns kräuselte seinen Mund, während er schnell weiterging. Draußen hielt zwischen den anderen Wagen ein kleines, schnelles Rennauto, das er startete, worauf er in schneller Fahrt in der Richtung nach Pine=Islands verschwand. 4. Constance mocht eine Entdeckung Es war eine Woche seit jenen. Abend verflossen, an dem Stella Zeuge des Gesprächs zwischen Cecil und Elton geworden war. Das junge Mädchen fühlte sich über die Rolle, die sie spielen mußte, immer unglücklicher. Mrs. Robertson behandelte sie wohl mit größter Liebenswürdigkeit und versicherte ihr jeden Tag mehrere Male, wie froh sie über ihren Besuch wäre.„Du bist viel besser als meine eigene Tochter", erklärte sie.„Ich wünschte, daß du für immer hier bliebest. Ich halte so viel von dir.“ Die vergnügungssüchtige und oberflächliche Frau meinte es ehrlich. Stellas Wesen hatte ihr ganzes Herz gewonnen. Zu Anfang war es Mitgefühl gewesen, was Stella bewogen hatte, für Mrs. Robertson alles zu tun, was sie vermochte. Sie war eines Vormittags nach dem Frühstück mit ihr allein im Gartenzimmer gewesen. Mrs. Robertson war die halbe Nacht bei einer Tanzerei gewesen. Sie sah müde und alt aus, und Stella hatte sie plötzlich so gesehen, wie sie in Wirklichkeit war— eine enttäuschte und alternde Frau, die sich mit der Kraft der Verzweiflung an die Reste der verschwundenen Jugend klammert und sie künstlich festzuhalten sucht. Ellinor Robertson hatte in ihrer frühesten Jugend eine große und bittere Enttäuschung erlebt. Sie hatte später Jacob P. Robertson geheiratet, weil sie meinte, daß sein Reichtum ihr alles verschaffen könnte, was ihr fehlte und was sie selber als Inbegriff des Glückes ansah. Aber sie hatte bald eingesehen, daß Glück nicht für Gold zu kaufen ist. Deshalb hatte sie versucht, die Enttäuschungen ihrer Seele in einem Meer kostbarer Vergnügungen zu ertränken, die nichts anderes bewirkt hatten, als sie aufzureiben. Sie sehnte sich nach wirklicher, echter Sympathie, und die hatte sie bei dem jungen, hübschen Mädchen gefunden, das immer so lieb und rücksichtsvoll gegen sie war. Sie fühlte das Bedürfnis, ihr zu zeigen, daß sie ihr gern eine Freude machen wollte. Deshalb hatte sie sich entschlossen, zu Ehren ihrer Nichte ein Fest zu geben.„Ich habe einen Teil meiner Freunde für heute Abend eingeladen“, sagte sie.„Constance hätte es schon längst tun müssen, aber sie denkt nur an sich selbst. Ich glaube, sie kann dich nicht ausstehen und fürchtet, daß du sie in den Schatten stellst. Das ist ihr noch nie passiert.“ „Dann solltest du doch besser kein Fest für mich veranstalten“, sagte Stella.„Ich möchte Constance nicht kränken.“ „Du bist viel zu rücksichtsvoll, mein liebes Mädchen“, eiferte Mrs. Robertson. Sie war selber auf ihre Tochter eifersüchtig, aber sie war auch gewillt, dem jungen Mädchen eine Freude zu machen. Sie hatte mit Cecil gesprochen, der sogleich Feuer und Flamme war, als sie ihn bat, eine prachtvolle Illumination zu veranstalten. Cecil hatte mit Elton Kriegsrat gehalten und das Ergebnis wurde großartig. Ein ganzer Stab von Helfern wurde in Tätigkeit gesetzt. Es spielte ja keine Rolle, was es kostete. Tausende von bunten, elektrischen Lampen wurden in den Bäumen angebracht. Eine große römische Galeere wurde vor der flachen Terrasse im Wasser aufgebaut, und das ganze schöne Haus wurde mit kleinen Lampen in den strahlendsten Farben besetzt. Constance war in schlechter Stimmung, aber plötzlich wurde sie aufgeräumt. Sie war in Miami gewesen und hatte Carrington getroffen, der ihr versprochen hatte, an dem Feste teilzunehmen. Jetzt machte ihr alles andere keinen Kummer mehr. Sie hatte sich in New York telegraphisch ein neues Kleid bestellt, das mit einem Flugzeug angekommen war, und lud selbst eine ganze Schar ihrer Bekannten ein. Stella dagegen war verzweifelt. Ihr schien, daß sie kein Recht habe, alle diese Freundlichkeiten anzunehmen. Sie fühlte sich wie eine Betrügerin. Wenn es nicht Cynthias wegen gewesen wäre, hätte sie alles erzählt. Sie fühlte sich so elend und so klein. Den ganzen Nachmittag schloß sie sich in ihr Zimmer ein und weinte. Aber dann nahm sie sich zusammen. Sie war ja gezwungen, ihre Rolle bis zu Ende zu spielen. Sie wußte nicht, wie bezaubernd sie aussah, als sie am Abend in das große Gartenzimmer eintrat, wo ein Teil der Gäste bereits anwesend war. Mrs. Robertson hatte ihre Kammerzofe und ihre Masseuse mehrere Stunden lang beschäftigt, und das Ergebnis war überwältigend. Sie glich einem ganz jungen Mädchen. Sie hatte ein paar Cocktails zu sich genommen und es war ihr geglückt, in Feststimmung zu kommen. Cecil war im Smoking. Er sah bleich und interessant aus, fast zu weiblich. Aber seine gewöhnliche Schlaffheit war wie fortgeblasen. Er hatte die letzte Dosis Kokain genommen. Aber er sah der Zukunft mit Ruhe entgegen, denn er hatte von Hamilton Curle Bescheid bekommen, daß eine reichliche Sendung bereit sei, die er im Laufe des Abends bekommen würde. Wie das geschehen sollte, ahnten weder er noch Elton. Aber Hamilton Curle, der den größten Teil der mondänen Welt mit dem gefährlichsten, verbotenen Gift versorgte, hatte seine besonderen heimlichen Wege. Es galt, der Polizei auszuweichen, die immer auf dem Posten war und überall ihre Spione hatte. (Fortsetzung folgt) MIIKTOTIING““ der deutschsprachigen Presse e.V Reust uid Beden Eine Artikelfolge von Heinz Halter (6. Fortsetzung) (Urheberschutz durch Deutscher Presse-Verlag. Berlin SW6S) Kein Geistlicher soll in den Reichsrat oder in den Rat der Gemeinden einziehen dürfen, denn„weltliche Ehr verhindert sie am Dienste Gottes“. Die Zölle, die bei geistichen und weltlichen Fürsten aufgekommen sind,„wodurch aller Kaufmannshandel beschwert wird“, sollen fallen. Aber was zu gemeinem Nutzen notwendig, bleibt! Freie Straßen für Handel und Verkehr, gerechte Münzen nach gleichem Maß und Gewicht, alles Gold und Silber gehört zu festem Preis der Münzkammer des Reiches. Die Gesellschaften wie die Fugger und Welser werden aufgelöst, und kein Handelsvermögen darf 10000 Gulden überschreiten. „„Alle Bündnisse aber“, und hier steigert sich Friedrich Weigand, Rentmeister zu Miltenberg, aus den Sorgen des kleinen Mannes zum kühnen Gedankenflug des Staatslenkers,„alle Bündnisse der Fürsten, Herren und Städte sollen abgetan und allein kaiserlicher Schutz und Fried gehalten werden“. Wie ein grandioser Schlußstein steht das„Amen“ eines gottesfürchtigen Mannes unter diesen schweren Sätzen. Das ist die Reichsreform, für die der„arme, brave Mann“ aufstand, weil er sah, daß sie nur noch von ihm, nicht aber von den Herren gebracht werden könnte. Das ist die Reichsreform, für die Zehntausende in den Tod gingen, für die ein Alrich von Hutten fern der Heimat starb, ein Franz von Sickingen durch eine tückische Kugel getötet wurde, ein Florian Geyer den Tod durch Verräterhand fand. Die zu bekämpfen der Truchseß von Waldburg, Feldherr des Schwäbischen Bundes, in diesem großen Ringen allein an die 25000 Bauern abschlachten ließ... Das große Sterben... Durch Süddeutschland ging der Aufruhr. Aus Dörfern und Gemeinden, von den Höhen der Alpen, aus den Tälern des Frankenwaldes strömten die Bauernhaufen herbei. Bauern waren ihre Führer. Gestern noch hinter dem Pflug, heute Strategen und Feldherren, die den Rittern und Fürsten auf der anderen Seite schwer zu schaffen machten. Unter ihnen der Ritter Florian Geyer mit seinem „schwarzen Haufen". Vielleicht hatte er gehofft, die Ritterschaft mitreißen zu können. Anfangs folgten ihm einige, so Götz von Berlichingen. Bald stand er wieder allein. Als einziger blieb er dem Eide treu, den er der Sache der Bauern, und sie war seine und des Reiches Sache, geschworen hatte. Bis des Mörders Dolch ihn in den Rücken Mord und Brand auch auf seiten der Bauern. Ihre Sache bedarf der Schönfärberei nicht. Zu groß war der Druck gewesen, als daß menschliche Leidenschaften sich im Augenblick des Sieges bändigen ließen. Tausendmal mehr Schuld bei ihren Bedrückern. In jeder eroberten Stadt, jedem genommenen Dorf wütete der Henker. Flammen und Rauchsäulen wiesen den Weg, den das bündische Heer genommen; Geköpfte und Gehängte blieben auf Straßen und Plätzen zurück. Tag für Tag in diesen Jahren des Bauernsterbens endete mit Mord und Brand. Bände könnte man füllen mit der nackten Aufzählung all der Greuel, die Deutschland sehen mußte. Bände auch mit den Beispielen tapferen, furchtlosen Sterbens. Fünftausend erschlagene Bauern deckten den Berg bei Frankenhausen. Achtzehntausend waren es in Zabern, die, auf fürstliches Wort bauend, die Waffen niederlegten. Nicht einer entkam dem Blutbad, das die lothringischen Landsknechte anrichteten. Deutsch, französisch, italienisch klangen die Kommandos, die eine entmenschte Soldateska auf die Wehrlosen hetzten. Fünftausend blieben bei Scherweiler. Angeworbene Griechen und Albanesen metzelten sie Mann für Mann nieder. Zum Schluß hing Anton der Gute, Herzog von Lothringen, die letzten dreihundert auf, die man aus Zabern mitgenommen hatte. Ein Dokument, verzeichnet in einer alten Chronik, stehe hier für viele. Es spricht von dem Strafgericht, das Markgraf Kasimir in der kleinen Stadt Kitzingen bei Würzburg hielt.„Item“, so heißt es da,„am Freitag nach Pfingsten befahl mein gnädiger Herr, den Nachbenannten die Augen auszustechen. Das tat Meister Augustin bei Hansen Marckarts Behausung.“ Folgen die Namen von 57 Bauern und Bürgern. „Diesen obengenannten Personen“, schließt der furchtbate Bericht,„sind ihre Augen ausgestochen an einem Tag, und was sie bei sich hatten im Gefängnis: Zinnkannen, Taschen oder Geld, behielt alles Meister Augustin. Darum eilte er desto heftiger mit ihnen, auf daß ihm nichts entging.“ * Totenstille war in Deutschland. Zersprengt war das Bauernheer. Von 300000 zogen 200000 heim. Die anderen moderten irgendwo. Gefangen, getötet die Führer. Der letzte, Michael Gaismeier, zog mit 600 Mann fechtend über die Alpen. Er gab die Sache nicht verloren. In Zürich hielt er später die Fäden zusammen, die sich um die evangelischen Stände Deutschlands spannen. Nun, nachdem die Bauern geschlagen, gingen Kaiser und katholische Fürsten auch denen zu Leibe, die zuvor mit ihnen in einer Front gegen den kleinen Mann gestanden. Das Stichwort hatte Luther selbst gegeben, als er im Bauernkrieg schrieb:„Es wäre von Nöten, daß ein solch wild ungezogen Volk, als die Deutschen sind, noch weniger Freiheit hätte, als es hat..“ Das evangelische Deutschland mußte sich wehren gegen den Kaiser, der sich auf Worte des evangelischen Führers berufen konnte! Selten hat Deutschland so große Wirrnis gesehen wie in diesen Jahren zwischen 1520 und 1530. In Zürich schmiedete Michael Gaismeier den Ring. Ein Preis stand, vom Kaiser ausgesetzt, auf sein Haupt. Zwei spanische Agenten verdienten sich den Mordlohn. * Eine Revolte aufsässiger Bauern, die keine Obrigkeit anerkennen wollten, hat eine spätere Geschichtsschreibung diese wahrhaft echte, schicksalbedingte Revolution genannt. Man lese die Artikel der Bauern. Man studiere Weigands Reichsreform— und man wird mit Schauder diese Lüge erkennen! Und nicht die Revolte hungernder Proleten war dieser Kampf. Gewiß hungerten sie, gewiß konnten sie kaum den Kopf heben vor Bedrückung. Größer aber war der Hunger ihrer Seelen. Kaum einer konnte lesen und schreiben. Aber sie sahen weiter als ihre Herren, als Gelehrte und Priester. Sie wußten, daß der Weg Deutschlands nur nach oben gehen konnte, wenn es dem Verrat an der Scholle endlich ein Ende setzte. Geld und römisches Recht, das eine stark durch das andere, gegen Blut und Scholle. Das, und nichts anderes, war die Frontstellung dieses Bauernkrieges. Noch siegten Geld und fremdes Recht. Aber wie ein Fanal klang das Lied der Bauernkämpfer durch Deutschlands dunkelste Nacht: „Geschlagen ziehen wir nach Haus. Unsere Enkel fechten's besser aus.“ 6. Der Bauer zahlt die Zeche! Dreißig Jahre Krieg— dreißig Jahre Bauernnot Eine altertümliche Landkarte aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts liegt vor uns. Sie zeigt eine hessische Grafschaft, mit Städten und Dörfern. Dicht besiedelt ist das Land. Vergleicht man sie aber mit einer neueren Karte, dann sucht man bald diesen, bald jenen Ort vergebens. Bis man mit Entsetzen feststellt: Die Hälfte aller Dörfer ist seitdem verschwunden. Einfach von der Karte ausgelöscht. Der dreißigjährige Krieg vollbrachte dies Vernichtungswerk. Städte wurden zerstört und niedergebrannt. Aber wenigstens ihre Trümmer blieben liegen, aus denen ein neuer Ort erstehen konnte. Die Dörfer aber verschwanden spurlos. Ihre Bewohner flohen, wenn sie nicht heute von den Kaiserlichen gemartert, morgen von den Schweden totgeschlagen wurden. In Dornenverstecken in den Wäldern lebten sie, verwilderten, nährten sich von Wurzeln und Rinde. Menschen und Tiere verzehrten das gleiche Aas; Gottesdienst gab es nicht mehr, Zucht und Ordnung waren dahin. Die Trümmer der eingeäscherten Höfe aber überwucherte bald Gestrüpp und Unkraut. Ein Dorf nach dem anderen verschwand, als wäre es nie dagewesen. Und endlich griffen diese gepeinigten Bauern zur Selbsthilfe. Als es keinen Landesherren mehr gab, der sie schützen konnte, wehrten sie sich selbst. In Rotten zogen sie aus, die Nachzügler der Heere abzufangen. Sie hingen sie auf, bereiteten ihnen die gleichen Qualen, die jeder einzelne von ihnen in diesen dreißig furchtbaren Jahren hatte durchmachen müssen. Entsetzliches erdachte die menschliche Phantasie, und mit Schauder nur kann man die blutrünstigen Berichte aus diesen Zeiten lesen. (Fortsetzung folgt) Die Charité von Paris Um ein Krankenhaus wird jetzt in der Pariser Stadtverwaltung arg gekämpft. Um die Charité! Man will das Gebäude abreißen, um Platz zu schaffen für Privathäuser. Die traditionelle Partei dagegen stimmt energisch dafür, es zu erhalten. Verkörpert doch die Charité ein bemerkenswertes Denkmal des alten Paris. Im Jahre 1602 wurde es von der Fürstin Marie von Medici gegründet. Das neue an diesem Krankenhaus war die Tatsache, daß jeder Kranke sein eigenes Bett bekam. Der Garten war die pharmazeutische Fabrik für ganz Paris. Die Kräuter, die hier wuchsen, fanden ihre Verwendung in sämtlichen Krankenhäusern von Paris. Stets genossen die Aerzte der Charité einen ganz besonders guten Ruf. Sie waren vor allem als Chirurgen außerordentlich geschätzt. Und das will schon etwas heißen, wenn man sich überlegt, daß es sich um die Zeit handelte, da bestimmte Operationen nur zu bestimmten Zeiten vorgenommen werden durften! Schriftsteller in Rußland Einer der gefeiertsten Schriftsteller der Sowjetunion, Jakob Gansburg, wurde als ganz gemeiner Schwindler und Plagiator entlarvt. Er hatte seine Werke und seinen Geist gestohlen. Und zwar niederträchtigerweise einem armen, aus der Zarenzeit zurückgebliebenem Schriftsteller. Schon die erste Novelle, die Gansburg ihm für eine Flasche Wodka abkaufte, hatte einen durchschlagenden Erfolg. Gansburg wurde übermäßig geehrt und sofort in den— sonst sehr exklusiven— Klub der roten Schriftsteller aufgenommen. Jahre hindurch ging es sehr gut. Jedes Wort aus der Feder des gefeierten Schriftstellers wurde gelesen und gekauft. Bis der alte Schriftsteller eines Tages nichts mehr wußte und einfach einen seiner alten Romane„auf neu“ überarbeitete. Das wurde gemerkt und auch der ganze übrige Schwindel kam ans Tageslicht. Der falsche Schriftsteller wanderte ins Gefängnis und der wahre Autor soll das gesamte Honorar nachgezahlt bekommen! Arbeitslos unter dem eigenen System Auf den Straßen von Greenwich, Connecticut, geht heute ein Mann spazieren, der durchaus ein besseres Los verdient hätte. Mr. Frank Vanderhoof ist heute einer in der großen Armee der amerikanischen Arbeitslosen. Aber Vanderhoof ist auch der Vater des American National Recovery Act, des großen amerikanischen Wiederaufbauplans. Anfang 1932 hatte dieser ideenreiche Mann dem damaligen Präsidenten Hoover seinen großen Organisationsplan vorgelegt. Hoover soll auch den Plan Vanderhoofs der Reconstruction Finance Corporation vorgelegt haben, wo er wahrscheinlich noch heute ruht. Vanderhoof hatte aber glücklicherweise damals auch die gute Idee, eine Kopie seines Briefes an Hoover Mr. Franklin D. Roosevelt zuzuschicken, der damals Gouverneur von New York war. Von Roosevelt bekam Mr. Vanderhoof eines Tages auch eine begeisterte Antwort. Roosevelt erklärte, den Brief Vanderhoofs mit größtem Interesse gelesen zu haben. Hat sich später Roosevelt, nach der Uebernahme der Präsidentschaft, mit fremden Federn geschmückt? Die Frage bleibt offen. Tatsache ist jedenfalls, daß der Vater des National Recovery Act, eben dieser Mr. Frank Vanderhoof, gegenwärtig arbeitslos ist. Arbeitslos unter einem System, das eigentlich er selbst erfunden hat. Die weiße Indianerin In dem Indianerreservat von Kiowa in Oklahoma starb im Alter von 70 Jahren eine weiße Frau, die ein höchst merkwürdiges Schicksal gehabt hat. Als vierjähriges Kind wurde sie von den Rothäuten entführt. 66 Jahre lebte sie also unter Indianern. Erst im Jahre 1930 erfuhr sie durch Zufall von ihrer Herkunft. Aber zu diesem Zeitpunkt lag ja ihr Leben schon abgeschlossen hinter ihr. Sie blieb bei den Rothäuten und ließ sich von ihnen weiterhin San Tah Oodie Goombi nennen. Eigentlich hieß diese„weiße Indianerin“ Millie Durgan. Sie lebte mit ihren Eltern irgendwo im Texas— bis zu dem Tage, an dem sie von Indianern fortgeschleppt wurde. Durch einen unglücklichen Zufall vergaßen später die Rothäute ganz darauf. das weiße Kind wieder freizulassen. So wuchs Millie Durgan in dem Indianerreservat heran, verheiratete sich dreimal mit Indianern und fühlte sich anscheinend ganz wohl. Aus Versehen in der Zwangsjacke Sanitäter kommen in eine Wohnung, eine Frau im Hauskleid macht ihnen auf und zeigt sich nicht sehr erfreut über den Besuch. Die Männer drängen sie einfach beiseite, sie wehrt sich, will die Tür wieder schließen, man überwältigt sie, steckt sie in die Zwangsjacke und transportiert sie ab! Das ist nicht die Geschichte eines Verbrechens, sondern der Bericht von der Inhaftierung einer als geisteskrank bei einer Londoner Ambulanz gemeldeten Frau, die ins Irrenhaus gebracht werden sollte. Leider hatte man sich in der Adresse geirrt und die falsche Frau erwischt. Mit 15000 Mark Schadenersatz mußte der Londoner Magistrat den Irrtum bezahlen! Das Kochmuseum von Frankfurt Es ist sicher nicht allgemein bekannt, daß die Goethestadt Frankfurt das einzige Kochkunstmuseum der Welt besitzt. Vor 25 Jahren, am 19. Januar 1909, wurde das Museum, das der kulinarischen Forschungsarbeit gewidmet ist, in Betrieb genommen. Eine Fachbibliothek von mehreren tausend Bänden legt davon Zeugnis ab, daß man es in der Goethestadt mit der Kochkunst sehr genau nimmt. Längst hat man sich in Frankfurt und anderswo die kritischen Bemerkungen darüber abgewöhnt. daß ausgerechnet die Stadt, die das Andenken des größten deutschen Richters besonders in Ehren hält, auch ein Museum besitzt, das der materiellsten aller Künste geweiht ist. Kneifer vor 3000 Jahren In der höfischen Welt des Rokoko war das Lorgnon ein unerläßliches Requisit der großen Dame wie des Mannes von Welt. Zwar enthielt es in vielen Fällen nur reines Fensterglas, aber es wurde doch als Hilfsmittel geistvoller Konversation gern benutzt. Aber sicher hat man damals ebensowenig wie heute gewußt, daß das Bemühen, die geschwundene Sehkraft zu korrigieren, den Entwicklungsgang der Menschheit seit Jahrtausenden begleitet hat. Jüngst wurden in der alten Totenstadt von Karthago fünf Glaslinsen gefunden, die in der Tat die ältesten bisher bekannten Brillen darstellen. Sicher sind diese Augengläser, die eine Schärfe von 5,5 Dioptrien besitzen, schon damals so teuer gewesen, daß sie einer weiteren Volksschicht nicht zugänglich waren. Sie wurden auch hier ausnahmslos in den Särgen hochstehender Personen gefunden. Man weiß, daß sich bei den Phöniziern bereits eine optische Industrie entwickelt hatte, die geschliffene Linsen herstellte und sie in der ganzen damals bekannten Welt, also rund um das Mittelmeer, vertrieb. Zu allererst ist man etwa um 1800 v. Chr. darauf gestoßen, daß geschliffener Bergkristall die Fähigkeit habe, die Sehschärfe des Auges zu beeinflussen. Daraus entwickelte sich dann die Kunst, den Kristall nach bestimmten Gesetzen so zu schleifen, daß er dem jeweiligen Augenfehler angepaßt werden konnte. Auch unsere heutige Bezeichnung Brille stammt ja aus dieser Zeit, denn sie bedeutet nichts anderes als eine lautgetreue Uebersetzung des lateinischen Wortes Beryllus, das Edelstein heißt. NIIKTUTNNG der deutschsprachigen Presse e.V. sonoeemt Vetter Fritz als Riese Goliath Kleine Späße mit der Kamera... Wer im glücklichen Besitz eines Knipskastens ist, kann sich manchen netten Scherz damit erlauben. Manchmal wird es allerdings ein unfreiwilliger— und Vetter Fritz war ein solcher—, aber ein solches Bild gibt vielleicht mehr nette Erinnerung, als eine vorschriftsmäßige Aufnahme. Hübsche Bilder könnt ihr zum Beispiel mit Bleisoldaten machen, wenn ihr sie draußen aufnehmt. Baut sie einmal zwischen Sand und Steinen auf, achtet darauf, daß keine Grashalme mit aufs Bild kommen, die ja durch ihren Maßstab die wahre Größe der Figürchen verraten würden, und ihr werdet sehen, daß man mit solchem harmlosen Trick einen ausgezeichneten lebensechten Eindruck hervorrufen kann. Allzu große Bildschärfe wäre dabei nur vom Uebel, und damit ist der Mangel unserer billigen, kleinen Kamera hier nur ein Vorzug. Schneidet auch einmal einige Kamele mit Reitern aus festem Karton aus, knipst sie in einer Reihe hintereinander gegen den Himmel(lichthoffreier Film!) und ihr werdet das malerische Bild einer dahinziehenden Karawane bekommen, wenn ihr eure Sache geschickt macht. Verdorbene Platten kann man oft noch zu Scherzzwecken gebrauchen. Legt einmal die feuchte Platte oder den Film in die heiße Sonne, seht dann zu, daß die Schicht gerade ins Laufen gerät, kühlt dann im Wasser ab und laßt im Schatten trocknen— das Ergebnis der verlaufenden Porträts, Gruppen oder Gebäude wird oft genug überwältigend komisch sein. Aber auch ohne Kamera könnt ihr nette Bilder herstellen, ihr braucht dann nur eine Platte dazu. Legt ihr beispielsweise auf diese Platte in der Dunkelkammer einen feinen Grashalm, eine schöne Aehre oder eine zierliche Blüte, preßt darauf eine klare Glasplatte und bringt ihr nun das Ganze für einen Augenblick ans helle Licht, dann habt ihr eine schöne schwarz=weiße Aufnahme ohne Objektiv. Ihr könnt die Platte nun wie üblich entwickeln und erhaltet bei den Abzügen Schattenrisse, die ihr ausgezeichnet auf Postkarten kopieren könnt. Weiße Bilder auf schwarzem Grunde entstehen, wenn ihr den Gegenstand eurer Aufnahme nicht auf die Platte, sondern direkt auf das Papier bringt. Die Stoßkraft der Meereswellen. Der Druck, den die bewegte Wassermasse des Meeres als Welle auf Steilküsten oder Bauwerke ausübt, wurde zum ersten Male von Scot Russel berechnet. Es ergab sich, daß eine neun Meter hohe Welle in der Richtung ihres Fortschreitens einen Druck von 10000 Kilogramm auf jedes Quadratmeter ausübt. Thamas Stevenson ersann dann ein Ozeandynamometer mit einer senkrecht stehenden, federnden Scheibe, deren Ausschläge sich selbsttätiz eufzeichneten. Durch diesen Apparat ließ sich die Stoßkraft der Wellen bei schweren Stürmen an der Nordseeküste Englands auf 3000 bis 4000 Kilogramm für das Quadratmeter bestimmen; doch ließ sich auch gelegentlich ein Druck von 7000 Kilogramm beobachten. An den dem freien Ozean zugekehrten Küsten wurde sogar infolge der unbehinderten Wellenentwicklung ein Druck von 10 000 bis 13.000 Kilogramm gemessen. Selbst in der Ostsee steigt die Preßkraft zuweilen auf 10 000 Kilogramm. Welche ungeheure Stoßkraft mitunter die Wellen zu entsalten vermögen, erhellt aus einer Reihe von Beobachtungen an Felsblöcken und Strandbauten. Die östlichen Vorposten der Shetlandgruppe bilden die Bound Skerries, kahle Gneisklippen von etwa fünfundzwanzig Meter Höhe. Sieben Meter über dem Wasser fanden nun Stevenson und der Geologe Murchison nach einem Südsturm einen Gneisblock von 7500 Kilogramm Gewicht, der, wie die Schrammen auf dem Boden bewiesen, von seiner früheren Lagerstätte durch die brandenden Wellen zweiundzwanzig Meter weit fortgewälzt worden war. Eine noch viel gewaltigere Kraftentwicklung aber zeigte der Wellengang bei einem Oststurm, der im Dezember 1872 die nördliche Nordsee durchraste. Den Kopf des damals neu erbauten Wellenbrechers in Wick in Schottland bildeten über dem Fundament zunächst drei Betonklötze von je 8000 bis 10000 Kilogramm Gewicht. Ueber diesen drei Klötzen und mit ihnen durch eiserne Klammern verbunden lagerte ein Einzelblock von 8 Meter Höhe, 13,7 Meter Länge und 3,3 Meter Breite. Er hatte ein Gewicht von mehr als 80 000 Kilogramm. Durch die Brandung wurde nun der Einzelblock mit den drei kleineren Klötzen von dem Fundament abgerissen und auf der Innenseite des Dammes ins Hafenbecken geworfen. Tauchversuche, die man mehrere Tage später anstellte, ergaben, daß der Einzelblock noch mit den drei Klötzen durch die Eisenklammern zusammenhing. Die Wellen hatten demnach ein Gewicht von rund 100 000 Kilogramm von der Stelle fortbewegt, und zwar, wie eine Messung zeigte, auf eine Entfernung von 15 Meter. Wetten wir mar tachen! Müllers haben sechs Kinder. In diesen Tagen wird noch ein kleiner Junge geboren und die Wärterin zeigt den übrigen Geschwistern das neue Brüderchen. Fritz besieht es genau und sagt dann enttäuscht: „Aber das ist ja gar kein Chinese...!“ „Warum soll es denn ein Chinese sein?“ fragt die erstaunte Wärterin. „Aber der Lehrer hat doch gesagt, jeder siebente Mensch ist ein Chinese!" erwidert Fritz empört. * „Dingsda erzählte neulich, er hätte einen Hafen mit fünf Beinen geschossen— unglaublich!“ „Der Treffer oder die fünf Beine?“ Schachaufgabe Ernst Marwitz b d 1* Matt in drei Zügen 8 7 6 5 4 3 2 1 Kontrollstellung. Weiß: König c 7, Springer e 7. g 8. Turm f 6. Läufer c 2. Bauer d 2. g 2. h 4.— Schwarz: König e 5. Bauer u 4. e b. g 3. Das Ei in der Flasche Onkel Kurt, der ständig voller lustiger Streiche steckt, unterhält die Gesellschaft mit einem netten Zaubertrick. Er läßt sich ein rohes Ei bringen, dazu eine Karaffe oder Vase mit engem Hals. Mit großer Vorsicht gelang es Onkel Kurt, das Ei durch den engen Hals in den Bauch der Karaffe gleiten zu lassen.„Wer versteht es nun, das Ei wieder herauszuholen, ohne die Karaffe umzukippen oder ein Werkzeug zu benutzen?“ fragt er lachend. Man bemüht sich lebhaft. Die Damen konnten die Hand zwar in den Flaschenhals zwängen und das Ei mit den Fingerspitzen fassen, doch gelang es keiner, die Hand mit dem Ei durch die allzu enge Oeffnung zurückzuziehen. Da hat jemand einen guten Einfall. Er bringt einen Krug mit Wasser und läßt vorsichtig die Flasche bis zum Rand damit füllen. Zufällig ist das Ei nicht vollkommen frisch und enthält am stumpfen Ende unter der Schale soviel Luft, daß es sich im Wasser auf die Spitze stellt. Immerhin ist es noch schwerer als Wasser und steigt nicht bis zur Oberfläche auf. Wie brachte man das Ei bis an die Oberfläche, wo man es leicht fassen konnte, ohne irgendein Werkzeug zu benutzen? Waagerecht: 1. alkoholisches Getränk, 3. junger Wein, 5. Empfangszimmer, 7. altgermanischer Wurfspieß. 2. Farbenbehälter, 11. Brettspiel. 13. Bodenerhebung, 15. Holzmaß. 17. Papageienart, 18 Stadt in Italien, 19. Ueberlieferung. 20. Gemütserregung. Senkrecht: 1. Körperflüssigkeit, 2. Wut, Zorn, 3. Verbrechen, 4. Spitzenformation, 6. französischer Komponist, 8. Singvogel, 10. chemischer Grundstoff, 12. Baumteil, 13. Singstimme, 14. Geschenk, 15. Speisenwürze, 16. Untergang. Silbenrätse! a— 0— ar— au— ba— cho— da— da — de— de— der— di— dor— eh— el— en— ent— ger— goe— har— hi— ho — i— il— in— in— ka— lein— lis— lun— man— men— mo— ni— ni— nid — 00g— preis— ra— rak— ral— rau— re— ren— rin— sa— sin— ste— tar— ten — the— ti— ti— tu— tur— ven— wan— zieh sind 20 Wörter zu bilden, deren Anfangs= und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein altdeutsches Sprichwort ergeben. 1. deutscher Dichter* 2. Pflanze 3. asiatisches Reich 4. Musikinstrument 5. ostfriesische Insel 6. Stadt in Thüringen 7. Else, Märchengestalt 8. biblischer Prophet 9. Nebenfluß des Main 10. Warenbestandsaufnahme 11. Kirchgang 12. Zierstrauch 13. zauberhaftes Schutzmittel 14. gereinigter Talg 15. alkoholisches Getränk 16. englisches Königshaus 17. Stadt in China 18. Stadt in Brasilien 19. Befehl des Sultans 20. Spottgedicht Auflösungen aus voriger Nummer Schachaufgabe Lösung: Läufer c 1— g 5 Wenn Schwarz f 6 X Lg 5, dann Dame h 4— h 8 matt. Wenn Schwarz Sh3XLg5, dann Dame h 4— f 4 matt. Wenn Schwarz Lb 6— e 3, dann Dame h 4— e 4 matt. Wenn Schwarz Lb 6— d 8. dann d 3 — 0 4 matt. Wenn Schwarz f 6— f 5, dann Lg 3 X f 6 matt. Der Inoizienbeweis, den der Kriminalbeamte führte, bezog sich auf das starke Parfüm, das die elegante junge Dame benutzte. Er öffnete ihre Handtasche, roch hinein und verglich den Duft mit dem Geruch, der an dem Fünfzigmarkschein haftete. Der Geldschein zeigte noch einen Hauch des gleichen Duftes wie Täschchen und Taschentuch. Der Dieb gestand das Vergehen ein. Kreuzworträtse! Waagerecht: 1. Frankfurt, 8. Nei, 9. Noe, 10. Information, 14. Leine, 15. Ente, 16. Nana, 17. immun, 20. Schneiderei, 23. Ana, 24. ego, 25. Stradella. Senkrecht: 2. Reif, 3. Niere, 4. Fasan. 5. Reni. 6. universal, 7. Sensation, 11. Olein, 12. Miami, 13. Tenne, 18. Medea, 19. Udine, 21. Hast. 22. rea! Geographisches Silbenrätsel 1. Barna, 2. Iller, 3. Erebus, 4. Lauenburg, 5. Girgenti, 6. Edinburg, 7. Biarritz, 8. Eifel, 9. Neuguinea, 10. Tarnopol, 11. Ukerewe. 12. Toledo, 13. Sardinien, 14. Nienburg, 15. Ingolstadt, 16. Chester, 17. Hunte.— Viel geben tut's nicht, sondern gern geben. Der sparsame Schotte Die leere Dose trug einen schottischen Firmenaufdruck, so daß man leicht aus der Besetzung des Zuges den Schuidigen an Hand dieses Indizienbeweises feststellen konnte.