krofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e. Nummer 4 26. Januar 1934 Vollweedung der knasse Ein Erinnerungsblatt an den Regierungsantritt Adolf Hitlers * Noch vermag man das unfaßbare Wuner nicht zu glauben, daß zwei Jahrtausende eutscher Zwietracht überwunden sein sollen. Hroß ist die deutsche Geschichte an heroischen Leistungen für Land und Menschen— groß iber auch an kleinlichem Hader, an Neid, Mißgunst und Bruderkampf. Wo einer das chwere Werk anpackte, Menschen zum Volk, Länder zum Reich zusammenzuschmieden, stets war auch einer da, der den Judas spielte und das große Geschehen verriet. * Zwei Jahrtausende sind so vergangen. Nun, kurz ehe das dritte beginnt, soll es anders werden? Sollen nicht mehr Deutsche gegen Deutsche, Länder gegen das Reich, engherzige Bedenken gegen kühnen Gedankenflug stehen? Aus der Masse soll wirklich das Volk, die eine, einzige Nation geworden sein? Noch ist es wenig mehr als ein Jahr her, daß ganze Serien von Wahlschlachten die Grundstützen des Reiches erschütterten, die Wirtschaft in Unruhe brachten und doch das eine nicht erreichten: hungernde Menschen satt zu machen, feiernden Händen Arbeit zu geben und erkaltete Essen zum Rauchen zu bringen. Wahlschlachten, in denen das Volk in Dutzende von Richtungen aufgespalten war, die sich grimmiger bekämpften, als wenn sie gemeinsamen Feinden zu Leibe gegangen wären. Und doch gab es für sie alle einen gemeinsamen Gegner: den Hunger und die Not! So stand in Deutschland Mann gegen Mann, Stand gegen Stand, Klasse gegen Klasse; Menschen, die unter gleicher Not litten, suchten einander zu vernichten. Vergessen war, daß sie alle ein Land ihr Vaterland nannten, das ihnen allen die gleichen Schönheiten dieses Landes wunderbar und gewaltig erschienen, daß sie alle die gleichen Lieder sangen... Dies alles war vergessen und mehr noch: daß sie gleichen Blutes waren! Bis einer kam, der ihnen Halt gebot. Der die künstlichen Schranken der Stände und Klassen hinwegfegte, der den vormals feindlichen Scharen gemeinsame Symbole gab, der sie endlich alle, alle zu gemeinsamem Handeln zusammenführte und aus der Masse das Volk schuf. * Die Masse— das war jener große Hausen, der in Wahlkämpfen die Säle füllte, der heute hoch und morgen nieder schrie und auseinander lief, wenn der Stimmzettel in der Urne lag. Das waren trotz der Vielzahl immer einzelne, die nichts wußten von den starken Bindungen des Blutes und der Volksgemeinschaft, nichts von der Verpflichtung, die dem einzelnen gegenüber der Gesamtheit auferlegt ist. Das Volk aber, das sind die gleichen Menschen, nur anderen Der Führer! unzuunupmppnnnpngnusmmngseusunsunghun Geistes, voller Glauben an sich selbst und ihres Reiches Zukunft. Der Glanz einer großen Erfüllung liegt über ihnen. Sie wissen, daß sie nie mehr ganz einsam sein werden, daß immer andere bei ihnen stehen werden, die gleichen Geistes, gleicher Hoffnung, gleicher Sehnsucht sind. Sie wissen auch, daß die Welt heute anders auf sie schaut als vordem— und dies Wissen macht sie stolz und frei und groß. Die gleichen Menschen sind es, und doch andere. Einig sind sie in dem unerschütterlichen Willen, dem zu folgen, der sie hierher führte. Einig auch in dem blinden Glauben, daß der Weg in die Freiheit einer besseren Zukunft, eines schöneren Lebens, eines stolzeren Reiches gehen wird. Einig sind alle, die noch vor wenigen Monaten sich als Feinde gegenüber standen. Der dies Wunder vollbrachte, ist in Wahrheit der Führer des Volkes. Deutschland kennt keine Parteiführer mehr, keine Wirtschafts= und keine Arbeiterführer, nur noch den Führer. Ihm gilt der Gruß des Volkes, ihm der Dank der deutschen Menschen. Mit seinem Namen auf den Lippen gingen Arbeiter und Gelehrte, Kinder und Greise, bewußt in den Tod, damit die Masse endlich zum Volk erlöst wurde. Jungen, noch fast Kinder, starben für ihn mit der gleichen ruhigen Zuversicht wie die kampfgestählten Männer des großen Krieges. Für den Führer senkten sich die Fahnen über offene Gräber, weil der Führer hier für Deutschland und sein Volk stand... Zu einem gewaltigen Zug ist die früher wesenlose Masse zusammengefügt worden. Hart ist ihr Tritt, einfach ihre Sprache. Aber ein Geist beseelt alle, die sich dem endlosen Zuge anschließen. Und das muß jeder, ob er freudig und aufgeschlossen oder noch voll letzter Hemmungen mitmarschiert. Es gibt keinen anderen Weg als den, den der Führer dem Zug des deutschen Volkes voranschreitet. Deutschland müßte im Abgrund zerschellen und die Jahrtausende seiner Geschichte wären für ewige Zeiten ausgelöscht, wollte es heute einen anderen Weg wählen. * Die Masse ist überwunden, so wie ihr politischer Willensausdruck wirkungslos geworden ist. Vorbei sind die Zeiten, in denen die anonyme Wahl„Führer“ an die Spitze stellte, die oft genug in keiner engeren Beziehung zu den Geführten standen, die aber an der Führung blieben, weil eben diese Masse sie dort hingestellt hatte und sie nicht wieder abberufen konnte. Wie ganz anders war dagegen das Bild der gigantischen Volksabstimmung vom 12. November! Hier gab ein ganzes Volk, und jeder Volksgenosse im Bewußtsein der Verantwortung, seine Stimme ab, um der Führung die Bestätigung ihrer Arbeit zu schaffen. Der Welt brachte diese Entscheidung den Beweis, daß sie nie wieder aus der deutschen Zwietracht, aus Standesdünkel und Klassenhaß Vorteile ziehen kann, nie wieder deutsche Parteien wie Schachfiguren gegeneinander ausspielen darf. Es gibt keine„proletarische“, keine„bürgerliche“. Kultur mehr, nur noch die eine deutsche, an der Arbeiter und Kaufmann, Bauer und Gelehrter in gleicher Weise teilhaben. Auch hier Ueberwindung der Masse, Zusammenschluß zum Volk mit gleichen Idealen, gleichen Symbolen, gleicher Flagge. Nicht mehr Parteifahnen wehen von den Häusern, wenn Deutschland seine nationalen Feiertage festlich begeht: die Flagge des Reiches kündet von allen Dächern, daß sie das einigende Band eines Volkes geworden ist. * Nun haben zwei Jahrtausende ihre Krönung gefunden. Hader und Bruderkampf sind beendet. Aus dem Zwiespalt wurde das Reich, aus der gesichtslosen Masse endlich das einigende Volk. Ein neues Jahrtausend öffnet sich vor diesem Volk... Heinz Halter. der deutschsprachigen Presse e. Nür der Reuusalu des Lelens Roman von KLARA SCHMEHLIK (11. Fortsetzung.) Das junge Mädchen neben ihr sah sie fest an.„Kennst du unseren Vater so genau? Ich glaube, er könnte der Mutter keinen Wunsch abschlagen, auch wenn————“ Sie vollendete den Satz nicht. Nach einer Weile fuhr sie fort:„Zwei große Bauten, die Vater leitete, wurden erst vor vierzehn Tagen stillgelegt. Verschiedene Aufträge wurden zurückgezogen. Es fällt auch auf, daß Vater jetzt oft vom Geschäft spricht, das hat er zu Hause fast nie getan.“ Sie hatten das Heidehaus Krogmann bald erreicht. Johanna versuchte, ein anderes Thema anzuschlagen. Es war ihr schmerzlich, dieses Gespräch weiterzuführen. Sie wußte selbst nicht, warum. Die Mittagssonne brannte schon heiß. Der Himmel wurde glasig. Irgendwo ein fernes Mittagsläuten, als die beiden im Heidehäuschen hungrig und müde anlangten, von Frau Krogmann herzlich empfangen. Johanna sann noch lange diesem Tage nach. Mochte Georg äußerlich noch so hart sein, sie liebte ihn dennoch! Sie glaubte an den guten Kern in der rauhen Schale! * Das Luftschiff„Zeppelin“ befand sich auf der Heimfahrt über dem Atlantischen Ozean. Herr und Frau Kuhnert hatten, ermüdet von den unruhigen Tagen in New York, einige Stunden geschlafen. Jetzt blickten sie durch ein kleines Fenster des Speiseraumes in den Abend hinaus. Georg hatte längst den Groll über die Reise vergessen. Sie schwärmten noch in Erinnerungen. „Es war einfach herrlich, Liebster. Du hast auch so viele neue Eindrücke empfangen.“ Herr Kuhnert pflichtete seiner Gattin bei. Sie sahen in das Wolkengebräu hinaus. Es dampfte und brodelte um das Schiff. Das Wetter war der Heimfahrt nicht günstig. Kein Stern am Himmel! Immer neue Wolkenmassen schoben sich ineinander. „Wir bekommen schlechtes Wetter“, meldete der Führer. Durch ein etwas geöffnetes Fenster hörten sie das Pfeifen des Nordwindes. Lydia klammerte sich an den Arm des Gatten.„Ob wir gut hinüberkommen?“ Ehe Georg antworten konnte, flog alles durcheinander. Die Motoren arbeiteten mit aller Kraft. Herr Kuhnert legte seinen Arm um das zitternde Weib.„Sei ruhig. Das Schiff wird schon die Schwierigkeiten überwinden. Du wolltest ja etwas Romantisches erleben! Die Hinfahrt war dir doch zu glatt und ruhig.“ Endlich war das Schiff wieder in glatter Fahrtrichtung. Die Motoren surrten ununterbrochen. Das Meer donnerte in der Tiefe. Es schien Sturmflut zu sein. In der anderen Ecke der Gondel saß ein Herr und hatte den Blick fest auf Frau Kuhnert gerichtet. Er beobachtete sie schon lange. Es war der Sänger Boris, einstmals ein guter Freund von Frau Kuhnert. Eine Laune der schönen Frau hatte ihn, durch kleine Veranlassungen gereizt, aus ihrer Nähe verbannt. Seitdem haßte Boris Frau Kuhnert. Jetzt stand er auf und begrüßte das Ehepaar mit erheuchelter Freundlichkeit.„Ist das ein Glück, daß wir uns hier oben zwischen Himmel und Erde wiedersehen!" Er merkte, Lydia war verblüfft. Aber sie faßte sich schnell. Georg wußte nicht viel von den Differenzen und begrüßte den Sänger nachlässig. „Wohl auf einer Vergnügungsfahrt?“ lächelte Boris. „Man sieht, wo noch Geld ist, obgleich von der Firma Kuhnert nichts Gutes erzählt wird.“ Er weidete sich haßerfüllt an dem Erstaunen der Frau, die offenbar nichts wußte. Georg war blaß geworden.„Herr Boris, ich verbitte mir diese gänzlich grundlose Bemerkung! Meine Firma ist gut fundiert und erfreut sich bester Aufträge.“ Er wußte, daß er seiner Frau zuliebe die Unwahrheit sagte. Der Sänger umfaßte die vor ihm stehende Frauengestalt mit lauerndem Blick. Hier konnte sie ihm nicht entweichen.„Nun, nun, nichts für ungut, Herr Kuhnert, es war nicht bös gemeint. Ich habe vielleicht falsche Nachrichten gehört. Die Bank, an der Ihr Neffe, Herr Braun, tätig ist, steht allerdings auch sehr auf der Kippe.“. Er sah Lydias Entsetzen. Der Sänger ahnte längst Lydias Hoffnung, Peter Braun werde Georgs Schwiegersohn werden. „Dieses Gerede wird genau so unwahr sein“, erwiderte Lydia kurz. Herr Boris schüttelte schmunzelnd den Kopf.„Wir Künstler haben fast alle mit der Bank gearbeitet; aber wir wollen unsere Konten kündigen. Das Ausland bietet uns jetzt mehr Sicherheit.“ Herr Kuhnert hatte sich an einen Tisch gesetzt und studierte die Landkarte. Das Geschwätz des Sängers war ihm zuwider. Lydia hätte auch gern die Unterhaltung abgebrochen, aber sie dachte an Peter. Sie wurde freundlicher gegen den Sänger und versuchte, die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpfen. Lydia wußte, daß Herr Boris und seine Freunde hohe Gagen erhielten und eine kleinere Bank gut stützen konnten. Der schlaue Künstler ließ sich nur langsam wiedergewinnen. Die Stunden vergingen schnell. Die Nacht war längst hereingebrochen, als sich alle zur Ruhe begaben. Aber an schlafen war nicht zu denken. Der Sturm heulte um die Gondel und riß an den Tauen. Der Regen peitschte ununterbrochen an die Fenster. „Ob das unsere Todesfahrt wird, Georg?“ Herzklopfend sah Lydia ihren Gatten an. „Ich schlug dir vor, mit dem Schiff zurückzufahren, aber du hattest nicht gewollt.“ Georg blickte jetzt auch sorgenvoll in das Wetter hinaus. Seine Frau schlief endlich übermüdet ein. Georg dachte an die Kinder. Die Worte des Sängers sielen Herrn Kuhnert wieder ein. Es hatte sich also schon herumgesprochen, daß seine Firma schlecht stand. Vielleicht war es am besten, hier in den dunklen Tiefen den Tod zu finden! Aber nein, die Kinder! Sie brauchten ihren Vater. Und Lydia! Er sah auf das schlafende Weib. Sie wollte noch leben! Georg schüttelte sich. Warum verfolgten ihn diese Gedanken auch hier? Sie liefen ihm immer wieder wie schwarze Hunde nach. Mit Sonnenaufgang wurde es ruhiger. Endlich fand auch Georg einige Stunden Schlaf. * Ruth und Inge hatten die Eltern von Staaken abgeholt und fuhren mit dem Auto heim. Bei herrlichem Wetter war die Landung glatt vonstatten gegangen. Inge war mit dem Morgenzug aus Hamburg gekommen. Es war ihr aufgefallen, daß Ruth sehr still war. Sie behauptete aber, ihr fehle nichts. Es gab nun viel zu erzählen. Die Mädchen wollten von der Zeppelinfahrt alles ganz genau wissen. Der Vater war im stillen froh, mit seiner Frau von der stürmischen Fahrt gut heimgekehrt zu sein. Es fiel ihm auch auf, daß seine älteste Tochter sehr schweigsam war. Sie hatte eine nervöse Unruhe an sich. „Ruth, du siehst nicht gut aus. Fühlst du dich nicht wohl?“ fragte er. Die Tochter ärgerte sich, daß auch dem Vater ihr verändertes Wesen auffiel. Sie versuchte, zu scherzen:„Warum Winteridyll aus dem Herzen Londons soll mir etwas fehlen? Sonst bin ich euch zu lebhaft; wenn ich nun ruhiger bin, wird gleich Krankheit vermutet.“ Sie wechselte mit der Mutter heimlich einen Blick. Lydia lächelte. Beide schienen sich verstanden zu haben. Nachdem sich die Eltern zu Hause etwas ausgeruht hatten, sollte das Abendbrot eingenommen werden. Ruths bemächtigte sich eine immer größere Unruhe. Sie war als erste unten im Wohnzimmer und empfing den eintretenden Vater mit den Worten:„Vater, ich muß dir etwas sehr Wichtiges mitteilen.“ Vater und Tochter waren noch allein. Georg sah seine Tochter erstaunt an. Ein unbehagliches Gefühl beschlich ihn. „Ich habe mich verlobt!“ Ruth atmete auf. Nun war es herausgesagt. Georg mußte sich erst sammeln. Er begriff die Worte seiner Tochter gar nicht so schnell. „Mit wem?“ fragte er endlich. Das vor ihm stehende Mädchen versuchte zu scherzen. „Das errätst du doch, Väterchen!“ „Nein, wie kann ich das! Also mit———?“ Ruth preßte die Lippen zusammen, als dürfe der Name ihnen nicht entschlüpfen. Endlich sah sie den Vater fast trotzig an.„Mit Peter Braun.“ Georg saß einen Augenblick wie versteinert. Ruth sah entsetzt, daß er erbleichte. Dann fuhr er auf und trat hart an seine Tochter heran.„Ruth, daraus wird nichts. Schlag dir diese Dummheit aus dem Kopf, verstanden?“ Lydia war leise eingetreten. Sie hörte Ruth aufweinen.„Warum, Vater?" Die Mutter wußte schon alles, hatte es schon auf der Reise gewußt, daß sich Ruth während ihrer Abwesenheit verloben würde. Damit erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch der Mutter. Wie unangenehm waren ihr daher die Bemerkungen über das Bankgeschäft von Herrn Boris im Luftschiff gewesen! Noch ehe sie in das Gespräch eingreifen konnte, verwies sie ihr Gatte streng.„Laß uns allein. Ich habe mit meiner Tochter allein zu reden.“ Mit meiner Tochter? Das sagte er sonst nie! Alle Einwendungen nützten nichts. So ging Lydia, um die Situation nicht noch zu verschlimmern. Dann begann Georg ruhig und fest, nachdem er die aufgeregte Tochter gezwungen hatte, ihm gegenüber Platz zu nehmen.„Du liebst diesen leichtsinnigen Menschen, weil er hübsch ist und dir, wie ich mir vorstellen kann, eine glänzende Zukunft versprochen hat.“ Ruth nickte und wollte den Vater unterbrechen. „Jetzt rede ich und du schweigst", wehrte der Vater ab. „Peter Braun wird dir nichts von seinen finanziellen Schwierigkeiten erzählt haben. Seine Bank steht sehr schlecht. Es ist fraglich, ob sie noch gestützt werden kann. Der junge Mann ist selbst sehr anspruchsvoll, er kann kaum mit seinem Gehalt allein auskommen, wie mir Mutter oft erzählt hat. Kannst du dir nun also vorstellen, daß er dich wird ernähren können?" Die Tochter sah den Vater stolz und trotzig an.„Wie mein Verlobter gestellt ist, werde ich wohl am besten wissen, Vater. Er hätte sich nicht mit mir verlobt, wenn er nicht ein gutes Einkommen hätte. Seit wann bist du (Urheberschutz durch Deutscher Presse-Verlag. Berlin SWes so genau über die Bank orientiert, du hast dich doch sonst nie um Peter gekümmert?“ Zornig fuhr Georg auf.„Ruth, ich verbitte mir diesen Ton. Du scheinst zu vergessen, mit wem du sprichst! Du bist ein dummes Kind, das keine Ahnung vom heutigen Existenzkampf hat, weil dir alle Wünsche bis jetzt erfüllt wurden. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr, du oder Inge, heiraten wollt. Aber der Mann muß euch ernähren können. Eine Verlobung mit so einem Windhund wie Peter Braun werde ich niemals zugeben!“ „Und ich werde niemals von Peter lassen, Vater!“ Georg sah seine Tochter finster an.„Ruth, das willst du mir, deinem Vater antun? Ich habe wahrhaftig genug Sorgen, willst auch du mir noch Kummer machen?“ Ruth schwieg eine Weile. Selbstbewußt warf sie den Kopf in den Nacken.„Wenn dir ein Bankbeamter nicht gut genug ist, wird mein Verlobter auch gern bereit sein, in deine Firma einzutreten. Er sprach schon neulich davon.“ Jetzt lachte der Vater auf.„Das kann ich mir denken. Das ist ja heute so üblich, sich vom Schwiegervater ernähren zu lassen. Ihr unerfahrenen, jungen Menschen nehmt wohl an, daß ein Baugeschäft heute eine Goldgrube ist? Du solltest allerdings besser unterrichtet sein, Ruth, du hörst hier in deinem Elternhause oft genug, mit wieviel Schwierigkeiten ich heute zu kämpfen habe.“ „Ich lasse nicht von Peter. Wenn du nicht deine Einwilligung gibst, dann heiraten wir eben ohne deine Zustimmung.“ * Herr Kuhnert schüttelte den Kopf.„Ihr Vorschlag, den Sie mir machten, war nicht sehr korrekt, Herr Katte. Ich bin bis jetzt ein ehrlicher Mensch gewesen und will es bleiben.“ Der Prokurist lachte auf.„Und dem Staat alles in den Rachen werfen! Wahrscheinlich wird er Ihnen einstmals dafür ein Denkmal setzen! Nein, mir würde meine Familie mehr am Herzen liegen als das Wohl des Staates. Mein Vorschlag befleckt übrigens keineswegs Ihre Ehrlichkeit. Er ist nichts weiter als ein geschickter Kunstgriff in der Steuertechnik. Ein so künstlerischer Architekt wie Sie, der erst neulich den ersten Preis für den Entwurf zum Bau einer Kirche bekommen hat, braucht nicht alles der Steuer hinzuwerfen.“ Der Chef saß regungslos. Herr Katte beobachtete ihn. Er dachte bei sich, wie alt er aussieht! Der kleine Herr beugte sich über den Tisch und flüsterte:„Habe ich Sie nicht vor einem Jahr gut beraten, als Sie Ihr Fräulein Tochter aussteuern wellten? Sind uns neulich nicht durch meine geschickte##be bei der Steuerbehörde die Zahlungen erleichtert worden?“ Ueber Georgs scharfgeschnittene Züge ging ein Schatten, wie immer, wenn er an die Hochzeit seiner Tochter erinnert wurde. Dann ließ Abendsonnenleuchten die tief eingegrabenen Linien in seinem Gesicht hart hervortreten. „Wenn Sie meinen, daß es keinen anderen Weg gibt, die Gewerbesteuer herabzusetzen, handeln Sie so, Herr Katte, wie Sie es verantworten können. Aber hüten Sie sich, mich in Schwierigkeiten zu bringen.“ Bei den letzten Worten hatte sich Georg hoch augferichtet und sah seinen Prokuristen fest an. Die kleine Gestalt ihm gegenüber kroch noch mehr in sich zusammen.„Herr Kuhnert, ich bin Ihnen doch nicht nur ein fremder Angestellter. Sie wissen genau, daß unsere Freundschaftsbeziehungen durch Ihre Frau Gemahlin Ihre Interessen zu den meinen gemacht haben.“ Das Telephon klingelte. Der Hörer fiel Herrn Kuhnert nach kurzem Gespräch schwer aus der Hand.„Unsere Bank hat ihre Schalter geschlossen!“ Erschöpft sank er in sich zusammen. Der Prokurist überlegte: sein Bleiben würde hier höchstens noch ein Jahr sein. Gut, daß er sein Vermögen in der Schweiz angelegt hatte. Endlich fand er eine Antwort, auf die Herr Kuhnert schon zu warten schien. „Das ist schlimm, aber nicht gleich verzagen, Herr Kuhnert. Unser Holzlieferant hatte jetzt große Abschlüsse gemacht, wie ich hörte. Vielleicht gibt er uns eine Hypothek, dann haben wir flüssiges Kapital.“ „Und belasten uns noch mehr“, setzte Herr Kuhnert bitter hinzu. „Er wird nicht auf Zahlung der Zinsen dringen. Er weiß, daß wir ein guter Kunde von ihm sind. Ich werde das Geld beschaffen. Ueberlassen Sie es mir“, grinste der Prokurist. Georg seufzte.„Versuchen Sie es, Herr Katte.“ Es war dunkel geworden im Zimmer. Das fahle Dämmerlicht erhellte nur noch die beiden Köpfe der Männer am Fenster. Es markierte scharf die unruhigen Konturen des schlauen Fuchsgesichtes des einen und ließ die erschlafften Gesichtszüge des anderen nur noch schattenhaft erkennen. Katte dachte bei sich:„Warte, Freundchen, du hast die längste Zeit mit deiner schönen Frau in deiner Villa gesessen!“ In den Wäldern an der Havel träumte der Frühling. Sein zarter Hauch hing zwischen den Bäumen. Er warb in heimlicher Liebe um die quellenden Knospen, daß sie sich öffnen möchten, mit ihm die Auferstehung zu feiern. Ein graugrüner Schimmer lag über der Landschaft. In Olivgrün, Gelbgrün und Schwarzgrün schoben sich Büsche und Bäume durcheinander. Die beiden unzertrennlichen Brüder, Licht und Schatten, tauchten den Waldessaum in einen eigenartigen Glanz und setzten ihr neckisches Spiel auf dem blauen Wasserspiegel fort. (Fortsetzung folgt.) der deutschsprachigen Presse e. „Eiust liesten sie Feuenöeder!? Die letzten Soldaten des großen Krieges— die ersten Soldaten des dritten Reichs Eine Erinnerung an die Freikorpskämpfer von Curt Corrinth (1. Fortsetzung., Aber bald darauf erstand es von neuem, und zwar auf Befehl des Generals von Lettow=Vorbeck. Heines übernahm eine Kompagnie im Lockstedter Lager. Der Abruf kam— Abruf ins rote Ruhrgebiet, wo die Kommunisten für ihren Rätegedanken kämpften und mordeten, plündernde und erpressende Banden ihr Unwesen trieben, sogenannte„Spione der Regierungstruppen“. in Massen erschossen wurden... wofür die deutsche Republik später eine umfangreiche Amnestie erließ, denn ihr lag daran, den„roten Brüdern“ nicht weh zu tun, während sie keinerlei Skrupel kannte, jene Männer möglichst aufs Schafott zu bringen, die sie damals vor den „roten Brüdern“ gerettet hatten. Als Retter kamen im Verein mit der Reichswehr die Roßbacher. Am Osterdienstag, dem 7. April 1920, zog das Freikorps Roßbach in Essen ein, vom Jubel der Bevölkerung begrüßt. Drei Wochen, so sagt später der Hauptverteidiger des „Fememörders“, Heines, Rechtsanwalt Professor Dr. Grimm=Essen, in einem seiner Plädoyers aus, hatten wir Terror und Anarchie unter der Räteherrschaft ertragen. Wer die Schreckenstage im Ruhrgebiet erlebt hat, der vermag das Glücksgefühl zu ermessen, das uns überkam, als wir die schmucken, wohldisziplinierten Soldaten einmarschieren sahen. Tagelang war Essen eine umlagerte Stadt, man hörte den Kanonendonner, den Donner der Handgranaten und das Maschinengewehrfeuer.— Die rote Armee entkam ins bergische Land, sie wurde nicht aufgelöst und nahm ihre Waffen mit. Die Freikorps durften die Ruhr nicht überschreiten, und sie wurden vorzeitig zurückgerufen, weil deutsche Abgeordnete der Linken in Koblenz gewesen waren, und der Entente die gegen den Friedensvertrag von Versailles verstoßende Anwesenheit dieser Freikorps im Industriegebiet denunziert hatten! Man mußte die Truppen schleunigst aus dem Aufstandsgebiet zurückziehen. Schon im Mai lag das Freikorps Roßbach in Güstrow und wurde hier abermals offiziell aufgelöst. Aufgelöst? In Wirklichkeit blieb es, mit Wissen und voller Genehmigung der verantwortlichen Stellen, denen die Truppe immer noch unterstand, als militärische Geheimformation zusammen und wurde auf die pommerschen Güter verteilt — hier als Kolonne bei der Strombauverwaltung, dort als Gartenarbeiter, da im Torfmoor, als Hilfsgärtner, als Landleute...— insgesamt als eine Art Bereitschaftstruppe, für den Fall, daß nach Ausbruch neuer bolschewistischer Unruhen der Staat das bewährte Freikorps wieder nötig hätte. In Pommern Die Bolschewistengefahr war und blieb so ernst wie später nie wieder. Das wußte Berlin so gut wie die Reichswehr und die Roßbacher. Wenn jemals der Begriff des „Staatsnotstandes“ gegeben war, dann damals. Es galt, das Reich und die letzte Wehrhaftigkeit des Reiches zu retten sowohl vor den Roten wie vor der Schnüffelei der Entente. Hier setzte die Arbeit der„getarnten“ Roßbacher ein. Hatten sie tagsüber ihren„Zivildienst“ getan, so kamen abends und nachts Lastwagen, beladen mit Waffen, die vor dem Zugriff der Roten und der Entente gerettet und verborgen werden mußten. Man grub sie ein. Im Morgengrauen war meist, nach schlimmer Schufterei, alles vollendet, vergeblich kamen die Feindbundkommissare und suchten nach Waffen, vergeblich recherchierte die Polizei in den Häusern und Scheunen. Offiziell bestand überhaupt keinerlei Verbindung und Beziehung zwischen der Reichswehr und den harmlosen Landarbeitern; inoffiziell dagegen kannte man sich sehr wohl, und es konnte sogar geschehen, daß bei Sport= oder ähnlichen Festen Roßbacher und Reichswehrsoldaten gleich auf gleich miteinander verkehrten und wirkten. Es ist wichtig, zu betonen, was im späteren Prozeß der preußische Offizier, Oberförster a. D. v. Bodungen als Zeuge und Sachverständiger offen heraus erklärte: „Die Roßbacher, damals Landarbeiter, waren Soldaten. Die Organisation stand der Landesverteidigung zur Verfügung. Mobilmachungsbefehle für die Roßbacher kamen von der Reichswehr.“ Diesen Punkt hat nämlich später das System schroff geleugnet; und die Roßbacher, die man als„Fememörder“ vor die Gerichte zerrte, hatten einen verzweifelten Kampf durchzustehen für die Anerkennung ihrer damaligen Soldateneigenschaft und für die Tatsache, daß nachfolgender inoffizieller Befehl des Reichswehr=Gruppenkommandos also auch für sie Geltung hatte: „Verrat ist mit allen Mitteln zu verhindern! Schwätzer sind zu beseitigen!“ Die Iat Monatelang geht in Pommern das Hin und Her zwischen Reichswehr und Roßbachern. Die einen bringen nachts die Waffen— die anderen vergraben sie nachts und pflegen sie von Zeit zu Zeit. Man wartet immer noch auf die von Osten heranbrandende russische Welle. Ist Polen überrannt, dann sollen diese geretteten Waffen dazu helfen, das deutsche Vaterland vor dem Schlimmsten, dem Letzten, vor dem Absturz ins Rote Meer des Mordes, der endgültigen Vernichtung zu bewahren Um diese Zeit meldet sich ein gewisser Landarbeiter Schmidt freiwillig zu den Roßbachern. Eine kleine Weile macht er mit, mehr beobachtend als tätig. Dann streikt er plötzlich. Hat keine Lust mehr. Fordert seine Papiere, erhält sie und zieht ab. Er eilt in die nahe Kreisstadt. Sitzt in einer Kneipe. Läßt sich mit einem Unbekannten ins Gespräch ein und offenbart ihm alsbald, daß er demnächst„Geld wie Heu“ haben werde: er wisse nämlich, wo das„Roßbach=Gesindel“ die Waffen, die man von der Reichswehr übernommen, versteckt und vergraben halte; er werde jetzt hingehen und dieses sein Wissen nutzbringend verkaufen; nur sei er sich noch nicht klar darüber, ob er nach Stettin zu der Ententekommission oder zu den Kommunisten gehen werde; es käme aber nur darauf an, wer mehr Geld springen lasse; dann sei er aus allem Mist heraus, und das Leben beginne für ihn, horrido, prost Bruderherz! Landarbeiter Schmidt hat Pech, ganz verteufeltes Pech. Das„Bruderherz“, dem er sich so offen entdeckt hat, ist ein Roßbacher, der den offiziellen Auftrag bekommen hat, ihn zu beobachten... man traute dem Herrn Schmidt, der allzu schnell abgemustert, nicht recht über den Weg— und hatte recht damit! Kurze Zeit nach diesem inhaltsvollen Kneipengespräch, das der Roßbacher sofort pflichtgemäß seinen Vorgesetzten meldet, taucht der selbstsichere Landarbeiter Schmidt abermals in dem Lager der Roßbacher auf. Aber er verbirgt sich auf einem Heuboden. Man sucht ihn. Man findet ihn. Schmidt mußte wissen, was einem Verräter bevorstand. Jedenfalls hat er seinen verdienten Lohn erhalten. Man hörte nichts mehr von ihm. Was war geschehen? Zu Ende Juli 1920 wurde im Wald von Liebenow in Pommern der Landarbeiter Schmidt erschlagen und erschossen, so, wie er es hundertfach verdiente. Das ist der nackte Tatbestand des„Fememordes", der von Leutnant Edmund. Heines und seinen Kameraden verübt wurde. Man vergegenwärtige sich dabei die Tatsache, daß die Waffen, die man damals vor Verrat rettete, im Mai 1921 ausgegraben wurden, und daß das Freikorps Roßbach, nunmehr drei Bataillone stark, mit ihnen in Oberschlesien den Kreis Kreuzburg gegen die polnischen Insurgentenhorden schützte. Leutnant Heines war auch hier dabei. Mancher Roßbacher gab dort Leben und Gesundheit hin. Damals waren sie plötzlich wieder Soldaten, denen die Regierung Löhnung zahlte. Später verweigerte man den zu Krüppel Geschossenen die Rente— nunmehr waren sie für die Regierung plötzlich wieder keine Soldaten— Bäumchen, verwechsel dich... Jedenfalls hat nach dem Landarbeiter Schmidt sieben Jahre lang kein Hahn gekräht. Erst sieben Jahre später hielt man die Angelegenheit für gut genug, die empörte Oeffentlichkeit abzulenken von dem Korruptionssumpf der roten Bonzen, von der Bestechlichkeit, dem Volksbetrug, dem Landesverrat jeglicher Form, der sich an allen Ecken und Enden des famosen Systems frech und skrupellos betätigte. Da ward Herr Schmidt zum Märtyrer, Leutnant Heines mit seinen Kameraden zum„Mordgesindel", zur„blutrünstigen Bestie“— und was dergleichen Ehrentitel mehr gewesen sind... auf Grund eines Tatbestandes, dem— weil die Verhinderung eines Verrats die bald danach bitter notwendigen Waffen rettete— viele deutsche Familien Freiheit und Leben verdanken; der provoziert ward durch die Befehlsausgabe der Reichswehr:„Schwätzer sind zu beseitigen“; und der wahrlich nicht zur Vollendung kam aus Mordgier, nicht einmal aus übereifriger Ueberschreitung von Befugnissen durch einen Führer, sondern lediglich aus heißer Liebe fürs Vaterland... .u Prozeß, Rechtslage und Urteil 1927 kommt der Heines=Prozeß zu Stettin ins Rollen. Als„Täter“ bekennen sich frei und offen Leutnant a. D. Edmund Heines und Vizefeldwebel a. D. Karl Ottow; als Helfer kommen in Betracht Ewald Fräbel und Kurt Bär; mitangeklagt sind die Roßbacher Bergfeld, Krüger, Vogt und Bandemer. Das erste Urteil diktiert Heines 15 Jahre Zuchthaus zu, während der Oberstaatsanwalt Saß, der mit bemerkenswerter„Schneidigkeit“ sich gegen die„organisierten Roßbac=Verbrecher(!)“ stellt, forsch die Todesstrafe beantragt hatte; Feldwebel Ottow erhält wegen Beihilfe zum Totschlag vier Jahre Zuchthaus, der Roßbacher Fräbel mit der gleichen Begründung drei Jahre Zuchthaus; die übrigen Angeklagten werden freigesprochen. Dies Urteil erregte wegen seiner„Milde“ Aufsehen; man war aus den Prozessen gegen den Oberleutnant Schulz— vom„Fall Schulz“ werden wir noch zu sprechen haben!— die schneidigen Todesurteile zu sehr gewöhnt, um nicht ob dieser„gelinden Strafen“ zu erstaunen und sich zu entrüsten. Noch größer wurde die Entrüstung, als das Jahr 1929 in Stettin eine Neuaufrollung dieses Prozesses sah und das Gericht zu folgendem Verdikt kam: „Der Angeklagte Heines wird wegen Totschlags zu 5 Jahren Gefängnis, der Angeklagte Ottow wegen Totschlags zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis, der Angeklagte Fräbel wegen Beihilfe zum Totschlag zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und der Angeklagte Bär wegen Beihilfe zum Totschlag zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten Vogt und Krüger werden freigesprochen. Der Haftentlassungsantrag von Heines wird abgelehnt. Die Untersuchungshaft wird allen Angeklagten voll angerechnet.“ Der schon einmal genannte Oberleutnant Schulz hat einmal in einem Brief aus dem Zuchthaus an den preußischen Innenminister folgendes geschrieben: „Es ist nicht ehrenvoll für eine Nation und für einen Staat, die Leute aus Dankbarkeit in das Zuchthaus zu werfen, deren Hilfe er in seiner Geburtsstunde flehentlich erbat und die ihm fünfeinhalb Jahre in selbstloser Weise zuteil wurde.“ (Fortsetzung folgt.) Cesiken kür jeder###l So wehrt man sich In der Türkei hat die Berufstätigkeit der Frau erheblich zugenommen. Und ist— wie neulich ein Bürovorsteher einer Abteilung, in der besonders viel Damen beschäftigt waren, erklärte— die Arbeitsleistung ganz enorm zurückgegangen. Die jungen Türkinnen sahen eben so ablenkend aus, daß es wirklich schwierig war, in ihrer Gegenwart an trockenen Zahlen, an Debet und Kredit zu denken. Die Firma gab also eine Verfügung heraus, daß jede Angestellte bei der Arbeit ein schwarzes Gewand zu tragen hätte, das die Firma liefern würde. Es hatte lange Aermel, ging bis zu den Knöcheln und ließ nur einen sehr bescheidenen Ausschnitt frei. Die Arbeitsleistung soll sich um 50 Prozent gehoben haben! zylinderlose Oellampen für die Beleuchtung von Innenräumen. Und vielzählige Kronleuchter mit knisternden Wachskerzen hingen friedlich neben den kunstvollen Oellampen aus Zinn oder Silber. Zur Renaissancezeit wurden in Süddeutschland besondere Lüster hergestellt. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts verfertigten geschickte Künstler sogenannte Lüster= oder Leuchterweibchen, holzgeschnitzte Frauengestalten, die den Kronleuchter trugen. Als Lichtträger konnte man die abenteuerlichsten Gestalten sehen: Nixen und Dianen, edle Frauengestalten und Heilige. Die Figuren waren meistens bunt und golden bemalt und gehörten zum Schmuck einer schönen Wohnung Die vergiftete Nadel von 1934 In einem ganz winzigen Balkannest erschien eine Varietékünstlerin zu einem Gastspiel. Zwei Stunden befand sie sich im Ort, als bei der hohen Regierungsvertretung ein anonymer Brief einlief, man solle auf die Künstlerin ein wachsames Auge haben, in ihrem Gepäck befände sich eine vergiftete Nadel, mit der sie eine Dame der Gesellschaft aus dem Wege zu räumen gedächte.— Große Bestürzung— aber schließlich entschloß man sich doch zur Untersuchung. Und siehe da, die vergiftete Nadel fand sich. Allerdings zugleich eine Erklärung, deren Glaubwürdigkeit bis heute noch nicht bewiesen ist. Sie spricht von einem Racheakt eines verlassenen Liebhabers. Ob der nun seine erfüllte Nache darin sieht, daß er sie in Begleitung der Nadel reisen weiß, ist noch nicht geklärt, oder ob die heißblütige Südländerin nicht vielleicht doch mit dieser unangenehmen Nadel gegen einen unbequemen Zeitgenossen vorgehen wollte Die Lichterweibchen Die Beleuchtung im Altertum und Mittelalter war nicht eben hervorragend. War die Dunkelheit hereingebrochen, so mußte man die Hände in den Schoß legen. Das Wort„Feierabend“ hatte noch seine ursprüngliche Bedeutung. Früh traten schon verschiedene Brennstoffe, feste und flüssige, nebeneinander auf. Wachs, Talg. Harz und fette Oele, Beleuchtung durch Kerzen und Lampen aller Art waren durchaus üblich. Der Gebrauch der Kerzen soll der Erfindung der Lampen vorausgegangen sein. Die ersten Lichter waren aus Wachs oder Talg mit dem Mark einer Binse als Docht. Im römischen Kaiserreich der Antike bestand bereits eine Zunft der Lichtzieher. Von da an gab es kaum etwas anderes als Fröhliche Statistik Eine kanadische Statistik wird in diesen Wochen veröffentlicht, die gleichsam die gedrängte Uebersicht über all die fröhlichen Stunden darstellt, die das Volk verlebte. Alle Festlichkeiten, die im vergangenen Jahr abgehalten wurden, sind hier vermerkt: Von April bis Mitte November fanden 403 größere Feste statt. Darunter waren 77 Schützenfeste, 40 Flugveranstaltungen. 26 Turnfeste, 34 Athletikfeste, 41 Pferderennen, 35 Sängerfeste, 27 Musikfeste, 12 Wassersportfeste usw. Jugendfeste, Jahrmärkte und Wohltätigkeitsveranstaltungen sind hier noch nicht erwähnt. 440 Gartenfeste und ähnliche Veranstaltungen wären ebenfalls noch dazu zu rechnen Billard stärkt das Gemüt Ein bekannter Psychiater setzt sich jetzt für das fast vergessene Billardspiel wieder ein. Er behauptet nämlich, daß dieses Spiel, das fast ausschließlich von ideellen Interessen geleitet wird, als besonders guter Heilsaktor zu schätzen ist. Gemüts= und Nervenkranke können sich trotz aller de gebotenen Ablenkungen nicht immer von ihrem inneren Druck befreien. Brettspiele, musikalische Unterhaltungen oder Spaziergänge nehmen ihre Kräfte nicht soweit in Anspruch, daß sie Geist und Körper gleichzeitig beschäftigen. Das Billardspiel, das zu Großvaters Zeiten eins der beliebtesten und gepflegtesten Gesellschaftsspiele war, soll am meisten zur Ruhigstellung und Entspannung des Gesamtzustandes beitragen, weshalb es besonders den Geistesarbeitern empfohlen wird, die tagsüber angestrengk tätig sein müssen, ohne sich eine Pause der körperlichen Ausspannung gönnen zu können. Für manchen ist das Billardspiel schon zum Sport geworden, zum Helfer gegen Not und Trübsal. der deutschsprachigen Presse e.V. Speielnlatr des lucend Reste werden verwendet... Kleine Handarbeiten aus Wolle und Seide Von den Weihnachtshandarbeiten sind wieder allerlei kleine Reste übrig geblieben, die beim langen Aufbewahren doch nur unansehnlich werden— also entschließen wir uns und verarbeian den gemütlichen langen Abenden zu kleinen praktischen Dingen, die sich bei gegebener Gelegenheit dankbar als Geschenkartikel zur Verfügung stellen... Ein Bastkörbchen— auch ohne die Teilung innen— gibt einen warmen Eierbehälter. Wir behäkeln ihn mit festen Maschen die innen zur Wärme und am äußeren Rande zur Zier ein Schlingenmuster bekommen. Diese Schlingen entstehen, wenn wir einen Bleistift zur Hand nehmen und bei jeder festen Masche einmal den Faden um den Stift legen. Probiert den Stich erst einmal aus, ehe ihr ihn anwendet. Die Schlingen dürfen sich nicht aufziehen lassen. Jeder Eierbecher soll nach Möglichkeit ein anderes Kleidchen bekommen. Es besteht in seiner Grundform aus festen Maschen, kann aber mit verschiedenen Farben aufwarten, schmückt sich mit Stickerei oder Teneriffasternchen, bekommt vielleicht auch einen Pompon. Die Verzierungen können aus Seide sein, während das Kleidchen selbst am besten aus Wolle sein wird. Der Teewärmer nimmt mit den buntesten Resten von Wolle sowohl wie von Seide vorlieb. Ihr könnt euch die Arbeit leicht machen und ihn aus Stäbchen häkeln, in der Mitte macht sich ein Streifen aus einigen Reihen„Muscheln“ sehr hübsch. Die„Muscheln“, auch Muschen genannt, entstehen, indem ihr Stäbchen(auch Doppelstäbchen könnt ihr dazu häkeln) bis zu fünf Stück in einem Stäbchen der darunterliegenden Reihe verankert, dann soviel Stäbchen überspringt, wie ihr Stäbchen in der Muschel habt, und die nächste Muschel beginnt. Die darüberliegnde Reihe von Muscheln verankert sich dann immer gerade zwischen zwei ihrer unter ihr liegenden Schwestern— ihr könnt das auf der Abbildung genau erkennen. Einige Reihen unter dem oberen Rande wird der Teewärmer mit einer gehäkelten Schnur zugezogen. Oeffnungen für Griff und Schnäuzchen werden rechtzeitig ausgespart, indem man einige Touren anstatt rundum einfach hin und her häkelt Die Anzahl der Maschen für alle diese Vorlagen richtet sich ganz nach dem Material und den vorhandenen Gegenständen Ich empfehle euch recht häufige Anproben und ein wenig Geduld— dann wird es schon werden... Das Erbe der sieben Kinder Ein Mann hatte sieben Kinder und ein Vermögen von 4900 Talern. Da gingen ihn die jüngeren Kinder öfters an. eine Verordnung darüber zu machen, damit sie in der Teilung nach seinem Absterben mehr bekommen sollten als die älteren. Das kam dem guten Vater hart an, weil er eines von seinen Kindern liebte wie das andere und weil er glaubte, Gott werde den jüngeren, wenn sie fleißig und gut gesinnet seien, nach seinem Tode helfen, wie er den älteren bei seinen Lebzeiten geholfen habe. Weil sie ihm aber keine Ruhe ließen, und die älteren Brüder es auch zufrieden waren, so machte er folgende Verordnung: Der älteste Sohn sollte von dem ganzen Vermögen 100 Taler voraus haben und von dem übrigen den achten Teil. Der zweite Sohn sollte alsdann 200 Taler wegnehmen und von dem übrigen wieder den achten Teil. Der drikte soll 300 Taler vor dem nachfolgenden Sohn haben und auch wieder den achten Teil vom Rest. Und so soll jeder folgende 100 Taler mehr haben als der Vorhergehende und vom übrigen Geld ein Achtel erhalten, und der letzte erhält was übrig bleibt. Damit waren die Kinder zufrieden. Nach dem Tode des Vaters wurde sein letzter Wille vollzogen, und es ist nun auszurechnen, wieviel ein jedes der Kinder erhielt. Allerlei Musik Es gibt ein paar ganz einfache Vorrichtungen, mit denen man richtige Musik hervorzaubern kann— eine davon schläft in der Wasserleitung, zwei andere in Weingläsern... Um mit der Wasserleitung Musik zu machen, legt ihr zwei vierkantige hölzerne Stäbe in einiger Entfernung über das Becken und über diese wieder zwei gewöhnliche Messer, mit den Schneiden nach unten. Quer über die Messerschneiden, also in gleicher Richtung mit den Holzstäben, kommt nun noch ein mäßig dünner Stahlstab. Wenn die Propfen der Wasserleitung diesen Stahlstab treffen, beginnt er zu klingen. Mit Weingläsern aber lassen sich richtige Melodienfolgen abspielen. Wir stellen acht gleiche Gläser— wenn möglich solche aus Kristall, da diese einen ganz besonders reinen und schönen Klang haben— in einer Reihe auf und stimmen sie untereinander zu einer Tonleiter ab. Wie ihr wohl wißt, besteht die Tonleiter aus Grundton, Sekunde, Terz, Quart. Quinte, Sexte, Septime und Oktave. Diese Töne heißen auch. was vielleicht bekannter ist: c. d. e, f. g. a. h. c oder: do, re. mi. fa, sol, la, si. do Wir müssen also unsere Weingläser entsprechend untereinander abstimmen, d. h. eine Tonleiter bilden. Das erreichen wir sehr einfach badurch, daß wir sie verschieden voll mit Wasser füllen. Damit können wir die Höhe des Tones, den wir erhalten, wenn wir das Glas mit einem Hämmerchen oder Stäbchen anschlagen, beliebig ändern. Den musikalisch Veranlagten unter euch wird es nicht schwer fallen— eventuell mit Hilfe eines anderen Instrumentes—, die Weingläser richtig abzustimmen, um dann damit ein kleines Konzert zu veranstalten Auch können wir die Weingläser in anderer Weise musikalisch auswerten. Versucht einmal, mit dem angefeuchteten Finger zangsam und gleichmäßig leicht den Rand entlang zu fahren nach 10 bis 15 Runden wird sich ein seiner heller Ton erheben. den man wie beim vorigen Versuch abstimmen kann. Mehrere musikalische Freunde, deren jeder ein bis zwei Gläser derartig bedient, können ein richtiges Lied spielen, dessen Töne von auffallend zarter und doch durchdringender Schönheit sind. Nun noch ein kleiner Versuch— wißt ihr, wie man täuschend Glockentöne nachahmen kann? Man nimmt einen Feuerhaken, schlingt einen Bindfaden um seinen Griff, wickelt die langen Enden des Fadens um die Zeigefinger und steckt sie in die Ohren. Schwingt nun der Feuerhaken hin und her und schlägt dabei regelmäßig gegen einen harten Gegenstand, s# glaubt der Betreffende Glocken zu hören. Könnt ihr zeichnen? Für unsere Kleinen Ihr meint, eine Ente kommt aus einem Ei? Da könnt ihr euch aber irren! Hier diese Ente kommt aus einem gezeichneten offenen Oval, kriegt dann einen Kopf, Schnabel, Schwanz und Füße, zuletzt die Augen. Seht einmal den Hund und das Kaninchen an und versucht die beiden auch so einfach und lustig wiederzugeben, wie sie da auf dem Papier stehen. Und dann findet ihr vielleicht Vergnügen dran und denkt euch selbst neue Formen aus. Wetten wie mar tacken? „Du hälst dich nicht gut und solltest orthopädischen Unterricht nehmen“, meint er,„ich werde dir die Adresse von einem solchen Institut geben...“ „Aber, Herr Direktor“, begehrt Max auf,„in der Schule habe ich doch in Rechtschreibung immer eine gute Nummer gehabt!“ HEIMSPORTDES SONNTAGS 8 7 6 5 4 2 1 Schachaufgabe lans Neuberg Matt in drei Zügen Selisame Person unleserlicher Adresse an. Die angegebene Straße kann nach der Meinung des einen Beamten Gellert=, nach anderen Gutachten Goethe=, Geibel= und sogar Grillparzerstraße heißen. Darüber gehen die Anschauungen auseinander. Bis endlich einer ein„y“ in dem Wort zu entdecken glaubt und seine Kollegen davon überzeugt. Damit ist für den Literaturkundigen das Rätsel gelöst. Wie heißt die Straße? Silbenrätsel Aus den Silben bo— de— dech— den—e— ehr— ei— fla — 90— ge— 90— g0— il— kan— kum— lek— lu— me— ment— min— ni— on — ra— ki— sa— sa— se— si— sit— so— sta— sta— stik— ta— tät— te— ter — ti— ti— tich— tro— u— va— wür— sind 14 Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen. ein Sprichwort ergeben. 1. absichtliches Verderben von Betriebsmitteln Wer ist sie? Sieben Fuß mißt sie, Doch täglich schrumpft sie um einen ein Erst hat sie mit Sonne und Mond sich verglichen, Dann brachen die Zeiten des Dienstes herein, And kaum war sie mitten auf ihrem Wege. Da kamen des Schicksals Donnerschläge: Drauf ward sie frei, doch hat sie gefastet Und endlich gerastet— Da ist sie des seligen Todes verblichen Wer ist sie? Denksportaufgabe In dem Postbestellbezirk einer Großstadt, Straßen ohne Ausnahme nach deutschen nd, kommt ein Bsief mit dessen E Bichhern 2. Einziges, Seltenes 3. ehrende Bezeichnung eines Geistlichen 4. Graupe aus Palmenmarr 5. Papageienart 6. Reptil 7. zahlenmäßige Nachweisung 8. Gasmesser 9. Täuschung. Trug 10. Vogel 11. letztwillige Verfügung 12. Herrschaft des Papstes 13. Pol eines galvanisch. Elemente......... 14. Seltenhest Waagerecht: 1. Gewinnanteil, 5. griechische mythologische Gestalt, 7. Nebenfluß der Donau, 8. Ansiedlung, 10. Stadtkreis im Bez. Aurich, 11. Arbeitseinheit, 12. Nordwesteuropäer, 13. erzählende Dichtungsart, 16. nicht lebend. Senkrecht: 1. Nebenfluß der Themse, 2. Gesottenes, 3. Abtrünniger, 4. Sternschnuppe, 6. Nähutensil, 7. Knäuel, 9. warmes Getränk, 14. Senkblei, 15. Merkmal. Auflösungen aus voriger Nummer Schachaufgabe Lösung: Dame f 1— a 6 Wenn Schwarz b7XDat, dann L d 7 — ec matt. Wenn Schwara Sb6Xg 4, dann Dat Abymtt Wenn Schwarz beliebig, dann DabXbT matt. Mit Bleistift und Ueberlegung Silbenrätse! 1. Retorte, 2. Dmitrow, 3. Exporteur. 4. Najade, 5. Nehrung, 6. Italien, 7. Etage, 8. Zineraria, 9. Engerling, 10. Insterburg, 11. Tripoli, 12. Humus, 13. Ananas, 14. Bagatelle, 15. Efeu, 16. Nahum.— Muessigggenger werden nie Zeit haben Rätselhafte Würfe! Man dreht den Würfel mit der 9 um und gewinnt eine 6. Die Ziffer 826 ist durch 7 teilbar und ergibt 118 Kreuzworträtse! Waagerecht: 3. Aland, 5. Gram, 6. Inri, 7. eine, 10. Abonnent, 11. Falu, 13. Jost, 16. Dienstag. 19. Eden, 20. nein, 21. Ober, 22. Deneb Senkrecht: 1. Brief, 2. Tribuene, 3 Amen. 4. Uhne, 5. Gral, 8. Indianer, 9. Enns. 12. Arie, 14 Oger, 15. Tanne, 17. Eden, 18. Snob.