Gelsenkirchener Zei Amtliches Kreisblatt für Gelsenkirchen Einzelnummer 19 R.=Pfg. täglich. Bezugspreis durch Boten zugestellt für den halden Monat 1.00 R.=Mark. Illustrierte Beilage:„Heimat und Welt“ monatlich 15 R.=Pfg. Anterstützung bei jedem tödlichen Unfall innerhalb und außerhald des Berufer nach Maßgabe besonderer Bestimmungen. Beilagen:„Für den Sonntag“——„An Herdseuer“—„Heim und Welt“ Im Falle von höherer Gewalt, Streik, Aussperrung, Betriedsstörung, Erscheinungsverbot hat der Bezieher keinen Anstruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Berlag und Druck von Chr. Müustermann KG. in Gelsenkirchen. Hokscheck=Konto Essen Nr. 131 46. lleine Anzeigen nicht geschäftlicher Art fl. bpeit)-— Stadt=Anzeiger für Gelsenkirchen Anzeigenpreis für 1 Mill. 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Es liegen keine Anzeichen dafür vor, daß die Länderregierungen, besonders die Kabinette in Bayern und Baden, geneigt sind, von sich aus die erlassenen Verbote aufzuheben. Mit Bestimmtheit ist daher zu rechnen, daß vielleicht noch Ende der Woche oder spätestens Anfang nächster Woche eine neue politische Notverordnung erlassen wird, worin die Rechte der Länder in bezug auf das Verbot des Uniformtragens und der Demonstration wesentlich eingeschränkt werden. Die Regierungen in München und Karlsruhe werden es auf jeden Fall ablehnen, freiwillig die Schritte zu tun, die die Reichsregierung von ihnen fordert. Diese beiden Regierungen sind umso eher zu ihrem Festhalten an ihrer bisher eingenommenen Haltung berechtigt, als Reichsinnenninister von Garl bei der bekannten Aussprache mit den Ländervertretern durchaus kein Hehl daraus gemacht hat, daß juristisch gegen die Haltung der süddeutschen Länder nichts einzuwenden sei, daß vielmehr aus schließlich politische Gründe maßgebend seien. Die Reichsregierung hat demnach die Absicht, ein neues Reichsrecht zu schaffen, das den politischen Ansprüchen der Nationalsozialisten entgegenkommt und darüber hinaus ein deutlicher Beweis dafür ist, daß die Reig,s regierung dem Drängen der Nationalsozialisten wiederum nach gibt und voraussichtlich noch manches Mal nachgeben muß. Der Hoover=Abrüstungsvorschlag Internationales Ereignis, aber geteilte Aufnahme Das Weltecho schallt Die Regierungen Bayerns und Badens haben nicht die Absicht, die Diktatur der Nationalsozialisten von sich aus durch freiwilliges Nachgeben zu unterstützen. Sie werden den vom Reich angekündigten Zwang abwarten, der darin bestehen wird, daß die neue Notverordnung das Uniform= und Demonstrationsverbot ganz allgemein aufheben wird. Vielleicht enthält die neue Notverordnung auch eine gewisse Einschränkung insofern, daß die rechtzeitige Anmeldung bei den Polizeibehörden vorgeschrieben wird, um dadurch die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen im geeigneten Augenblick treffen zu können. Die Reichsregierung nimmt mit der Beseitigung der bestehenden Länderverbote eine schwere Verantwortung auf sich. Die Vorgänge der letzten Tage in Breslau, Berlin und zahlreichen anderen Orten, auch im Westen und Süden, müßten eigentlich dazu angetan sein, die Reichsregierung hellhörig zu machen. Die Zusicherungen an die Nationalsozialisten scheinen jedoch bindender zu sein, da die Erhaltung der Ruhe und Ordnung für geringer erachtet wird. * Die Zentrumsfrarrion des Preußischen Landtags glaubt nach reiflicher Ueberlegung dem Abg. Baumhoff, der am Mittwoch zum 2. Vizepräsidenten des Landtages gewählt wurde, die Annahme empfehlen zu sollen. Diese Stellungnahme der Fraktion dürfte hauptsächlich darauf zurückzuführen sein, daß das Zentrum glaubt, ein reines Rechtspräsidium sei weniger zweckmäßig als ein rechtsgerichtetes Präsidium mit Zentrumseinschlag. Wenn einige Blätter die Behauptung aufgestellt haben, die Wahl des Abg. Baumhoff zum Vizepräsidenten bedeute eine Rechtsschwenkung des Zentrum=, so ist das selbstverständlich barer Unsinn. Das Zentrum läßt sich weder nach rechts noch nach links festlegen. Aufschluß über die Beweggründe des Abg. Baumhoff zur Annahme seiner Wahl, die übrigens vollkommen regelrecht zustandegekommen ist, gibt ein Brief, den er an den Landtagspräsidenten Kerrl gerichtet hat. Dieser Brief hat folgenden Wortlaut: Die Zusammensetzung des gestern gewählten Präsidiums ist nicht so erfolgt, wie es einem alten, klugen und bewährten parlamentarischen Brauch entspricht. Ich bin der Ueberzeugung, daß ein Präsidium seine Aufgabe, die Geschäfte eines Landtags ordnungsmäßig. gerecht und unparteiisch zu führen, dann am besten lösen kann, wenn die größten Fraktionen, soweit sie Wert darauf legen, in ihm vertreten sind. Da dies nicht der Fall ist und dadurch leicht der Eindruck entstehen oder erwogen werden kann, daß das Präsidium ein Kampfpräsidium sei, wird es mir nicht leicht, meine Wahl zum 2. Vizepräsidenten anzunehmen. Nur die Erwägung, daß eine Weigerung jenen Eindruck noch erheblich verstärken könnte, bestimmt mich, meine Bedenken zurückzustellen und die Wahl anzunehmen.“ * Je gewaltiger die Fortschritte der Technik auf allen Gebieten sind, umso ernster sieht auch der Techniker die Gefahr, daß die Maschine den Menschen verdrängt, daß sie ihn in Arbeitslosigkeit und Elend stürzt. Generaldirektor Haeffner in Frankfurt a. M. hat dieser Tage wieder eindrucksvolle len für diese Entwicklung beigebracht. Er stellte fest, daß in der Elektrotechnik vor 1919 ein Arbeiter 25 elektrische Birnen pro Tag fertigte. Heute stellt eine Maschine 75000 Stück täglich her. Eine einzige Maschine ersetzt also 994 Mann. In der RasierklingenIndustrie verfertigt heuts ein Mann 32.000 Klingen. Vor 2 Jahren wurden 500 Mann dazu gebraucht. In der Textil=Industrie sind Maschinen konstruiert worden, die in 8 Stunden 20000 Meter Ware mit vier Leuten herstellen. An der Jahrhunderwende brauchte man für die gleiche Arbeitsleistung 61 Personen und einen großen Maschinenpark. Die Frage liegt nahe: Wie soll das weiter gehen? Soll noch mehr gearbeitet werden oder soll man die Arbeitszeit im Verhältnis zu der durch die Maschine ersparten Menschenkraft verkürzen? Die Meinungen stehen sich wie Feuer und Wasser gegenüber. Jeder sieht das Problem. Richtig zu lösen vermag es keiner. Frankreich sagt: Wahlmanöver r#r Paris, 23. Juni 1932. Der Abrüstungsvorschlag Hoovers hat in Paris wie eine Bombe gewirkt und mit einem Schlag das Interesse an den Genfer Verhandlungen wieder aufleben lassen. Die allgemeine Auffassung der großen Pariser Blätter ist die, daß es sich um ein reines Wahlmanöver des amerikanischen Staatspräsidenten handele. Abgesehen von einigen Linksblättern wird der Hooversche Plan auf schärfste abgelehnt, umsomehr, als er keine Versprechungen darüber enthalte, daß Amerika sich nach seiner Annahme zu Zugeständnissen in der Schuldenfrage bereiterklären werde. Pertinax bezeichnet im„Echo de Paris“ die Vorschläge als Wahldemagogie. Hoover stürze alles um, was in den jahrelangen Verhandlungen der Sachverständigen aufgebaut worden sei. Seine Initiative könne daher nur als eine egoistische Anstrengung gewertet werden, einmal gegebene Versprechungen wieder zurückzuziehen. Der„Petit Parisien“" erklärt, die Vorschläge seien derart, daß man ihnen gegenüber nur das äußerste Erstaunen zum Ausdruck bringen könne. Ihr Hauptfehler liege darin, daß sie jede Gorantie und Sicherheit vermissen ließen, ebenso wie jede Kontroll= möglichkeit. Sie lehnten außerdem das einzig vernünftige Mittel einer Herabsetzung der Rüstungen ab, das in einer Verminderung der Heereshaushalte der einzelnen Staaten liege. Das„Journal“ schreibt, der erste Eindruck, den man in Genf gehabt habe, sei der, daß nur die unruhestiftenden Mächte(!) sich den amerikanischen Vorschlägen angeschlossen hätten. Diese Tatsache allein müsse genügen, um sich über ihren Wert klar zu werden. Die„Journale Industrielle" ironisiert den ganzen Plan und erklärt, diese Methoden dürften die in Genf und Lausanne eingenommene Stellung Frankreichs in nichts ändern. „Oeuvre“ sucht vergeblich in den Vorschlägen Hoovers eine Andeutung auf die internationalen Schulden und glaubt nicht daran, daß Amerika sich zu Zugeständnissen bereiterklären werde, selbst wenn Frankreich den amerikanischen Plan annehme. Leon Blum ist von den Vorschlägen begeistert. „Mit aller Kraft“, so schreibt er im„Populair“, „schreien wir den Männern, die Frankreich vertreten zu: Seid nicht länger halsstarrig! Sagt ja!" Starker Eindruck in England □ London, 23. Juni 1932. Die Abrüstungsvorschläge Hoovers haben in London einen starken Eindruck gemacht, der in der Presse offen zum Ausdruck kommt. Die„Times“ sagt: Dieser eingehende und weitgehende Plan ist großzügiger als alle anderen, die in Genf von verantwortlicher Seite bisher vorgelegt worden sind. Die Einzelheiten über die Frage, wieweit und bis zu welchem Umfange eine Armee nur Polizeizwecken dient, werden allerdings noch zu verwickelten Erörterungen führen. England kann den im Hoovervorschlag enthaltenen Verpflichtungen ins Gesicht sehen, soweit die Landrüstungen in Frage kommen. Die Vorschläge über die Abrüstung zur See berühren England am meisten und müssen daher einer eingehenden Nachprüfung unterzogen werden. Für den Hoover=Plan spricht sehr stark, daß durch ihn eine Verletzung des Kellogg=Paktes sogut wie unmöglich gemacht wird. „Daily Telegraph" beurteilt den HooverPlan sehr günstig und erklärt, daß England ihn voll und ganz unterstützen müsse. Die„Morningpost“ äußert ihre Zweifel, ob eine Abrüstung Europas die Amerikaner zu einem Schuldenerlaß geneigter machen werde. Die Anwendung des„Zollstockes“ habe den Nachteil, daß er die Sonderverhältnisse eines Landes nicht genügend berücksichtige. Es sei klar, daß nun Frankreich, so saat„News Chronicle", seinen Anteil zur Rettung der Welt von dem Fluche der Rüstungslasten beitragen müsse. Herriot solle sich dessen erinnern, daß die französische Bevölkerung bei den letzten Wahlen sich gegen den Krieg ausgesprochen habe. Wenn Frankreich den Plan annehme, so werde es eine Sicherheit gewinnen, die ihm keine Armee geben könne. Die Unterhausopposition ... London, 23. Juni 1932. Der Führer der Opposition im Unterhaus, Lansbury, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Frage, ob die Vorschläge, die Rüstungen um ein Drittel zu vermindern, auch auf Deutschland anwendbar sein sollten. Die Alliierten, so sagte er, haben Deutschland eine Entwaffnung auferlegt, die es, soweit Rüstungen in Frage kommen, wehrlos ließ. Die deutsche Lage sei in der Tat der Kern der Situation. Die Alliierten hätten ihr Versprechen nicht gehalten. Hätten sie dies getan, so wären die Rüstungen der Welt auf den Stand herabgesetzt worden, auf den Deutschland im Versailler Diktat gebracht wurde. Alle, die für Abrüstung gearbeitet haben, sind der Ansicht, daß das Wenigste, was wir auf dieser Konferenz erreichen sollten, darin bestehen müsse, daß alle großen Staaten auf denselben Stand wie Deutschland kommen. Die gegenwärtige Lage der Dinge enthält weder Gerechtigkeit noch Billigkeit. Vor einer endgültigen Beurteilung des letzten Vorschlages Hoovers möchte ich wissen, was hinsichtlich der deutschen Forderung nach Gleichheit beabsichtigt wird. Auch hier findet die Stellung Deutschlands in bezug auf die neuen Vorschläge besondere BeachWas wird aus der Tributkonferenz? Frankreich nach wie vor das Hindernis Englands Vorschläge Schluß mit dem Tributwahnsinn &a Lausanne, 23. Juni 1932. Wie aus Kreisen der englischen Delegation verlautet, soll das englische Memorandum zur Reparationsfrage u. a. folgende Ansichten enthalten: Großbrikannien wünscht nach wie vor eine endgültige Regelung der Reparationsfrage, um das Vertrauen der Weltöffentlichkeit wiederherzustellen und um so der Weltwirtschaft einen neuen Antrieb zu geben. Ferner soll in dem Memorandum festgestellt werden, daß Deutschland augenblicklich nicht in der Lage sei, zu zahlen. Das Memorandum lasse die Frage einer späteren Zahlungsfähigkeit Deutschlands offen, wünscht aber, daß die jetzige Lösung der Frage derart sei, daß die wirtschaftliche Wiederherstellung Deutschlands nicht gehemmt werde: Großbrikannien sei absolut dagegen, Deutschland jetzt derartig zu überlasten, daß die deutsche Wirtschaft sich nicht erholen könnte. Die englischen Vorschläge sehen aus, als ob sie die Grundlage eines Kompromisses zwischen der deutschen und der französischen Auffassung bilden wollen. In diesem Sinne ist auch die Erwähnung einer späteren Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu verstehen. Vier Punkte Zu dem englischen Memorandum über die Reparationsfrage werden folgende Einzelheiten bekannt: Das Memorandum soll in vier Teile gegliedert werden, die „in jeden zukünftigen Vertrag übernommen werden müssen“. Die vier Punkte sollen folgendermaßen lauten: 1. Die Jrage der Endgültigkeit, d. h. der ganze grundsätzliche Iragenkomplex muß auf dieser Konferenz entschieden werden, da auf keinen Fall Iragen von grundsätzlicher Bedeutung anderen Konferenzen zur Regelung vorbehalten bleiben sollen. 2. Wenn Deutschland irgendwelche Zahlungen in der Zukunft leisten soll, dürfen diese Zahlungen die wirtschaftlichen und anderen Beziehungeng der Nationen untereinander nicht hemiten. 3. Die Zeitspanne, während welcher Deutschland Jahlungen leistet, dars Deutschlands wirtschaftliche Erholung und Wiederaufbau auf keinen Jall beeinträchtigen. 4 behandelt die deutsche Jahlungsfähigkeit. Frankreich verlangt 7 Millarden Soldmark Abschlußzahlung Die privaten Besprechungen in Lausanne wurden heute auf der Reparationskonserenz weiter fortgesetzt, ohne daß bisher ein Anfang sachlich klärender Beratungen oder ein Abschluß der Konferenz zu sehen ist. Die französischen Vorschläge bewegen sich nach allen Mitteilungen jetzt in der Linie, daß der vollständige Jahlungsaufschub für Deutschland drei Jahre dauern und dann die Abschlußzahlung Deutschlands durch einen internationalen Sachverständigenausschuß festgesetzt werden soll. Von französischer Seite wird hierfür immer noch ein Betrag von sieben Milliarden Goldmark genannt. Es braucht nicht mehr betont zu werden, daß die deutsche Regierung nach wie vor alle derartigen Kompromißvorschläge ablehnt. Englands Vermittlung beendet? Direkte deutsch-französische Verhandlungen. # Lausanne, 23. Juni. Der französische Ministerpräsident Herriot stattete am Donnerstagnachmittag dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald einen längeren Besuch ab. Nach Abschluß der Unterredung wurde von englischer Seite folgende amtliche Mitteilung verbreitet:„Die Besprechungen zwischen den englischen und französischen Ministern wurtung und man betonte, daß diese Fragen sorgfältiger Erwägung bedürfen. Die Aufnahme in Amerika Washingion, 23. Juni 1932. Die Aufnahme der Botschaft Hoovers in Kongreßkreisen ist im allgemeinen gunstig. Alle Morgenblätter sprechen die Befürchtung aus, daß der Vorschlag auf großen Widerstand stoßen werde, sie betonen jedoch, daß er Anpassungen und Zugeständnisse nicht ausschließe. Wie hier erklärt wird, hat Präsident Hoover den Vorschlag selbst entworfen. Es verlautet, die Vereinigten Staaten würden, falls der Vorschlag abgelehnt werde, gegen eine Vertagung keinen Widerstand leisten, die natürlich nicht eine Vertagung auf unbestimmte Zeit sein dürfte. Die diplomatischen Kreise neigen zu der Annahme, daß der Vorschlag Hoovers ein Mittel sei. die Vereinigten Staaten für den Fall einer Ablehnung und eines Mißerfolges der Konferenz von jeder Verantwortung zu befreien. Sie sind auch der Meinung, daß bei einem Mißerfolg der Konferenz die Vereinigten Staaten in der Lage sein würden. jede Streichung der Schulden abzulehnen, weil in diesem Falle die Mächte sich geweigert haben würden, wirtschaftliche Heilmittel abzuwenden. Japan ist skeptisch Tokio, 23. Juni. Die Militärbehörden halten den Vorschlag für evenso undurchführbar, wie den Sowjetvorschlag der Abschaffung aller Rüstungen. Sie sind geneigt, die Aufrichtigkeit Hoovers zu bezweifeln, der nach ihnen in erster Linie an den Beifall seiner Wähler gedacht hätte. Auffassung der deutschen Delegation in Lausanne 6 Lausanne, 23. Juni 1932. Zu der amerikanischen Initiative in Genf, die auch in Lausanne lebhaft erörtert wird, verlautet aus Kreisen der deutschen Delegation, daß die Initiative Hoovers auf eine großzügige und zielbewußte Maßnahme sehr warm begrüßt wird. Zwar ist man der Auffassung, daß die amerikanischen Forderungen nicht hundertprozentig den Notwendigkeiten gerecht werden, die Deutschland in der Abrüstungsfrage bisher vertreten hat und weiter vertritt. Man glaubt aber hoffen zu dürfen, daß die Konferenz selbst, auch wenn die Auseinandersetzungen unter dem Eindruck einer gewissen Ueberraschung noch kein klares Bild erbracht haben, sich die Zielsetzung des amerikanischen Präsidenten zu eigen machen und in einigen Punkten noch darüber hinausgehen wird. Jedenfalls herrscht hier der Eindruck vor, daß die amerikanische Maßnahme geeignet ist, die Erörterungen dieses wichtigen Problems wieder in das Kernproblem zurückzuführen. den heute in einer freundschaftlichen Weise fortgesetzt und zunächst unterbrochen, um den französischen Ministern die Möglichkeit von Besprechungen mit den deutschen Ministern zu geben.“ Die Verhandlungen zwischen der englischen und französischen Regierung über die Tributfrage scheinen damit vorläufig abgeschlossen zu sein. Jetzt beginnen die unmittelbaren Auseinandersetzungen der französischen Vertreker mit der deutschen Regierung. Herriot wird entweder Donnerstag abend oder Freitag vormittag die erste direkte Besprechung mit dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister führen. Die plötzliche Unterbrechung der englisch=französischen Verhandlungen am Donnerstagabend wurde in Lausanne lebhaft erörtert. Die krisenhafte Lage der Konferenz, die praktisch vom ersten Tage an bestand, hat sich somit weiter verschärft. Die bisherige französische Hoffnung, daß die neue deutsche Regierung in der Tributfrage Zugeständnisse machen wird, sind jetzt auch auf französischer Seite aufgegeben worden. Man erklärt, daß die deutsche Regierung trotz der allgemein hervorgehobenen liebenswürdigen Verhandlungsform den sachlichen deutschen Standpunkt mit großem Ernst# und Entschiedenheit uneingeschränkt aufrecht erhalten hat. Die verschiedensten Pläne tauchen jetzt auf, auf welche Weise ein„offizieller" Zusammenbruch der Konferenz vermieden werden kann. Auf englischer Seite wird stark dafür Stimmung gemacht, daß im Herbst zunächst eine europäische Wirtschaftskonferenz in Lausanne und sodann anschließend in London eine Weltwirtschaftskonferenz abgehalten werden soll, jedoch nur unter der Voraussetzung einer vorherigen Regelung der Tributfrage. Der Gedanke einer Vertagung durch„Permanenzerklärung“ der Konferenz und Einsetzung von Sachverständigenausschüssen gewinnt an Boden. Der jetzt auf Freitag vormittag festgesetzten Unterredung zwischen Herriot und dem Reichskanzler sieht man überall mit Spannung entgegen, obwohl über die Aussichtslosigkeit der deutsch=französischen Besprechung keinerlei Zweifel herrschen. In französischen Kreisen wird heute offen zugegeben, daß sich die innenpolitische Lage für das Kabinett Herriot in den letzten Tagen wesentlich verschlechtert habe. Europas Völker wollen Taten sehen Ein Strich durch die Rechnung des Krieges Der Reichskanzler spricht in Lausanne Lausanne, 23. Juni 1932. Bei einem Empfang, den die deutsche Kolonie in Lausanne zu Ehren der deutschen Delegation veranstaltete. führte der Reichskanzler von Papen u. a. aus: Es geht in Lausanne nicht darum, die Ursachen zu suchen, die die Weltwirtschaft in Unordnung gebracht haben. Diese sind zur Genüge bekannt und von allen Sachverständigen der Welt überzeugend und übereinstimmend oft genug darcelegt worden. Heute gilt es, die bekannten Fehlerquellen zu beseitigen. Die Zeit der halben Maßnahmen ist vorbei. Die Völker Europas und der Welt wollen Taten sehen. Ich kann nicht daran glauben, daß die Welt zu einer solchen positiven Arbeit noch nicht reif ist. Die Geißel der Arbeitslosigkeit lastet schwer auf Deutschland. Die Hoffnung der Jugend ist fast geschwunden. Das wirtschaftliche Leben gleicht einem Kirchhof. Mehr noch als das materielle Elend lastet auf uns das niederdrückende Bewußtsein, zu einer Nation minderen Rechtes degradiert zu sein. Kann man sich wundern, wenn ein Volk mit einer so stolzen Geschichte wie das deutsche sich mit allen Fasern seines Herzens gegen den Zustand aufbäumt, der sein seelisches Gleichgewicht in dem empfindlichsten Punkte zerstören muß? Die Welt muß sich darüber klar sein, daß das materielle Unglück, unter dem Deutschland so besonders schwer leidet, nicht an den Grenzen eines Landes Halt macht, und auch darüber, daß die seelischen Spannungen Gegenwirkungen erzeugen müssen, die das soziale Gleichgewicht Europas auf das ernsteste bedroben. Leider sind die Ansätze zu einer Besserung, die verschiedentlich gemacht wurden, nicht mit der Energie verfolgt worden, die nötig gewesen wäre. Ich denke bier in erster Linie an die weitschauende Initiative, die Präsident Hoover vor einem Jahre unternommen hat. Nicht minder hat die gestrige Botschaft des Präsidenten Hoover der Welt erneut bewiesen, mit welchem Ernst die große amerikanische Nation auch ihrerseits dem Weltübel an die Wurzel zu greifen gewillt ist. Die Frage nach dem Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise ist klar und einfach zu beantworten. Man muß sich entschließen, endlich einen endgültigen Strich unter die tragische Rechnung des Krieges zu machen. Auf den Schultern der hier versammelten Staatsmänner ruht daher eine ungeheure Verantwortung. Ich habe den Glauben, daß sie frei von voreingenommener öffentlicher Meinung sich der Größe des geschichtlichen Augenblicks bewußt sein werden und Lösungen finden, die der Gesamtlage Eurovas Rechnung tragen. Deutschland will den Frieden in Ebren, weil es den Frieden der Welt will. Kulturdebatte im preußenparlament Eine Flut von Anträgen 7 Ein sozialdemokratischer Mißbilligungsantrag abgelehnt Berlin, 23. Juni 1932. Anträge Bei Beginn der Plenarsitzung bringt Abg. Grohé(Nat.=Soz.) Anträge seiner Fraktion ein, die sich gegen die Schließung des Kölner Parteihauses der NSDAP. wenden, dessen Wiedereröffnung fordern und sich im übrigen mit Zwischenfällen in Köln beschäftigen, bei denen von der Kölner Polizei National= sozialisten und andere Bürger verletzt worden seien. Die Anträge wenden sich gegen den Kölner Polizeipräsidenten Bauknecht, dessen Polizei zu einer Gefahr für die öffentliche Ordnung geworden sei. Es wird die sofortige Entlassung des Polizeipräsidenten Bauknecht und die Bestrasung auch der beteiligten Polizeioffiziere gefordert. Die nationalsozialistischen Anträge gehen debattelos an den Hauptausschuß. Zentrumsanträge zur Verwaltungsreform und auf Behebung der Arbeitslosigkeit im Sauerland gehen an den Handelsausschuß, Abg. Borck(DRVP.) gibt außerhalb der Tagesordnung namens seiner Fraktion folgende Erklärung ab: „Der deutschnationale Antrag, die Wahl des Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung zu setzen, ist gegen die Stimmen der Deutschnationalen Volksvartei, der Deutschen Volkspartei und der Kommunisten abgelehnt worden. Dadurch ist ein unerträglicher Zustand geschaffen. Die Na##tionalsozialisten als stärkste Fraktion haben erklärt, daß sie an der Wahl des Ministervräsidenten kein Interesse haben, solange nicht die Geschäftsordnung eine Wahlmöglichkeit vorsehe, wie sie die Geschäftsordnung für die früheren Landtage vor deren Aenderung enthalten habe. Aus dieser Eklärung ergibt sich, daß dieser Landtag einen neuen Ministerpräsidenten nicht wählen wird, da keine Aussicht besteht, die gewünschte Geschäftsordnungsbestimmung infolge des Verhaltens der Linken und des Zentrums zu schaffen, es sei denn, daß Parteien, die die Mehrheit bilden könnten, sich doch noch nach Feststellung ihrer Wahlziffern bei der Reichstagswahl einigen wollen. Die Deutschnationale Fraktion legt Wert darauf, diesen eigenartigen Zustand vor aller Oeffentlichkeit festzulegen, damit nicht in späterer Zeit die Verantwortung für die wegen der im Amte befindlichen Regierung Braun mit allen wirtschaftlichen und politischen Folgen falschen Faktoren aufgebürdet wird. Dann verweist das Haus kommunistische Anträge über das Grubenunglück auf der Schachtanlage„Dorstfeld“ und über die beabsichtigte Stillegung von Zechen und auf Befreiung der Bergarbeiter von der Beitragspflicht zur Erwerbslosenversicherung debattelos an den Handelsausschuß, Mitteilungen über Zinsbeihilfen zur Erhaltung des Waldstandes im Ruhrkohlenbezirk gehen an den Hauptausschuß. Es folgt die Beratung des sozialdemokratischen Urantrages über das Verhalten des Landtagspräsidenten bei Unterrichtung der Presse über seinen Brief an den stellvertretenden Ministerpräsidenten. Der Antrag mißbilligt, daß Präsident Kerrl zu dieser innerdeutschen Angelegenheit auch die auslandische Presse eingeladen habe. Nach kurzer Debatte, wobei die Geister von rechts und links auseinander platzen, wird der sozialdemokratische Antrag gegen die Antragsteller abgelehnt Abg. Dr. Freisler(Nat.=Soz.) bringt einen Antrag ein, den 28. Juni, den Tag der Annahme des Versailler Diktate, zum voltischen Trauertag zu erklären. Der sofortigen Behandlung dieses Antrages wird von den Sozialdemokraten widersprochen Das Haus geht dann über zur Beratung von Anträgen des Hauptausschusses über Arbeitsbeschaffung und Aushebung von Unterstützungskürzungen Abg. Dr. Klein(Nat.=Soz.) fordert entschlossene Abkehr der Volkswirtschaft vom kapitalistischen Denken. Der Staat müsse aus den gierigen Klauen von Interessentenhausen befreit werden. Erst dann sei es möglich, mit Erfolg ein umfassendes Arbeitsbeschaffungsprogramm durchzuführen. Der Aufhebung der Kurzungen an den Unterstützungen stimmten die Nationalsozialisten zu. Abg. Frau Hanna(Soz.) sagt u. a., die SPD. wende sich gegen die nationalsozialistischen Währungspläne, die eine neue Inflation bedeuteten. Die Arbeitsdienstpflicht werde von der SPD. abgelehnt, zumal sie eine Art Wehrpflicht nach nationalsozialistischen Wünschen werden solle. Dagegen würden die Sozialdemokraten den Anträgen auf Arbeitsbeschaffung und auch dem nationalsozialistischen Antrag auf Beseitigung der anonnmen Kapitalgesellschaften und auf staatliche Kontrolle des Bank= und Börsenwesens zustimmen. Abg. Dr. von Waldthausen(D. N.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit der Beschaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten. Erreicht werden könne das Ziel aber erst, wenn die marxistischen Einflüsse beseitigt seien. Der Redner wendet sich gegen den nationalsozialistischen Antrag auf Beseitigung der anonymen Kapitalsgesellschaften, die doch für die Arbeitsbeschaffung gerade in Frage kämen. Was nottue, sei die Befreiung der deutschen Wirtschaft von allen Hemmnissen, die ihr auferlegt worden seien, damit sie wieder aufblühen könne. Die Wegsteuerung aller Einkommen über 12000 Mk. lehnten die Deutschnationalen ab, Abg. Frau Wachenheim(Soz.) legt einen Entschließungsantrag ihrer Fraktion vor, der den Rentenempfängern tatsächliche Hilfe bringe. Die Abstimmungen werden auf Freitag vertagt. Es beginnt die gemeinsame Beratung zahlreicher Kultur= und Schulanträge Abg. Kerff(Komm.) begründet die kommunistischen Anträge, in denen u. a. die Aufhebung der Staatsverträge mit dem Heiligen Stuhl und den evangelischen Kirchen gefordert wird. Aba. Oelze(D. N.) weiß in Begründung der Anträge seiner Fraktion darauf hin, daß die Arbeit in den Schulen seit der Revolution durch varteivolitische Beeinflussung erbeblich gestört worden sei. Es sei höchste Zeit, daß die weltliche Schule beseitigt werde, die im übrigen auch gegen die Reichsversassung verstoße. Abg. Dr. Haupt(Nat.=Soz.) erklärt u. a., der Nationalsozialismus habe mit liberalistischem Geiste nichts zu schaffen. er sei mit dem Worte„Begeisterung“ verwandt. Am Ende des bürgerlichen Liberalismus stehe die nihilistische und kommunistische Bewegung. Das Zentrum sei schuldig an der Zerreißung des deutschen Lebens. Zentrumsführer wie Wirth und Erzberger hätten sehr viel Aebnlichkeit mit Rathenau und dem ungläubigen Stresemann.(Erregte Protestrufe.) Abg. Stendel(D. V.) bringt einen Protest gegen die Staatsrat und Einspruch gegen die Amne Berlin, 23. Juni 1932. Der Preußische Staatsrat beschäftigte sich heute mit dem vom Landtag am 16. Juni beschlossenen Gesetz über die Gewährung von Straffreiheit für Vergehen aus wirtschaftlicher Not. Entsprechend dem Antrag des Verfassungsausschusses wurde mit 42 gegen 25 Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten beschlossen, gegen dieses Gesetz Einspruch zu erheben. In der Begründung für den Einspruch teilte der Berichterstatter des Verfassungsausschusses, Dr. Caspari=Brlin, mit. daß das Gesetz der für die praktische Anwendung unbedingt erforderlichen Bestimmtheit seines Inhaltes entbehre. Es würden unter das Gesetz nicht nur Vergehen gegen des Eigentum, sondern auch solche gegen Leib und Leben fallen, und diese Ausdehnung des Straferlasses gehe dem Staatsrat zu weit. Die einschränkenden Bestimmungen, daß der Straferlaß davon abhängig sei, daß der Täter„nicht erheblich vorbestraft“ und die Tat nicht von„besonderer“ Roheit zeuge, seien zu unbestimmt. Sie würden dem Ermessen der zur Entscheidung berufenen Behörde einen Spielraum geben, der die Gefahr einer ungleichmäßigen Handhebung des Gesetzes notwendig mit sich bringe. Außerdem fehle es an einem Stichtage, der den Umfang der von dem Gesetz erjaßten Straftaten zeitlich beschränkt. Der Berichterstatter betonte, daß somit der Einspruch des Versassungsausschusses auf formellen und materiellen Gründen beruht. Nach der preußischen Verfassung müssen Gesetze, gegen die der Staatsrat Enspruch erhoben hat. vom Landtag dann mit Zweidrittelmehrheit angenommen werden. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß eine solche Mehrheit gegen Stresemann gerichteten Ausführungen des Abg. Dr. Haupt zum Ausdruck. Unter großer Unrube bei den Nationalsozialisten erklärt er, er lehne es ab, sich auf das tiefe Niveau eines Dr. Haupt herunterzulassen. Dann wird die Weiterberatung auf Freitag vertagt. * Baumhoff nimmt die Wahl zum 2. Vorsitzenden an. = Berlin, 23. Juni. Der bei der endgültigen Wahl des Präsidiums des Preußischen Landtags zum 2. Vizepräsidenten gewählte Zentrumsabgeordnete Baumhoff, der sich die Annahme der Wahl vorbehalten hatte, hat nunmehr an den Landtagspräsidenten Kerrl ein Schreiben gerichtet. in dem er zunächst darauf hinweist, daß bei der Wahl des Präsidiums der alte parlamentarische Brauch, nach dem im Präsidium alle stärkeren Fraktionen, wenn sie Wert darauf legten, vertreten sein müßten, verlassen worden sei. Um nun diesen Eindruck nicht noch durch seine Weigerung zu verstärken, habe er sich entschlossen, die Wahl zum 2. Vizepräsidenten anzunehmen. tie für Vergehen aus Not für eine Amnestie für Straftaten aus wirtschaftlicher Not im Landtage zustande kommt. Der Staatsrat beschloß zur Erledigung des volitischen Amnestiegesetzes am Freitag. den 1. Juli, eine Vollsitzung abzuhalten. * Protestschreiben des Präsidenten des Preußischen Staatsrats . Berlin, 23. Juni 1932. Der Präsident des Preußischen Staatsrats. Dr. Adenauer, hat an den Landtagspräsidenten Kerrl ein Schreiben gerichtet, in dem Dr. Adenauer erklärt. er habe auf seine Bitte von Minister Hirtsiefer die Abschrift eines Briefes des Landtagspräsidenten an Minister Hirtsiefer erhalten, in dem der Landtagspräsident folgende Sätze gebraucht habe:„Die Frage der Neubildung der Regierung ist ein Akt der Legislative, deren einzig berusener Vertreter ich zur Zeit bin. Bei dieser Gelegenheit bitte ich Sie, mir den Aufenthalt des geschäftsführenden Ministervräsidenten mitteilen zu wollen, da ich als der einzige legitimierte Vertreter des DreierAusschusses diesen einzuberusen beabsichtige.“ Dr. Adenauer erklärt in seinem Brief, er mache mit allem Nachdruck darauf aufmerksam, daß diese Sätze mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringen seien. Der Präsident des Staatsrates sei gleichberechtigtes Mitglied des in Artikel 14 der Versassung vorgesehenen Dreimänner=Ausschusses und könne wie jedes der Mitglieder den Zusammentritt des Ausschusses auch seinerseits verlangen. Dr. Adenauer betont, er wisse sich in der Zurückweisung der von Landtagspräsident Kerrl vertretenen Rechtsauffassung mit dem gesamten Staatsrat einig. Deutscher Flottenbesuch in Danzig Kein deutsch=polnisch er Besuchsaustausch Zur 500-Jahrfeier des Seemannshospitals Danzig, 23. Juni 1932. Das deutsche Linienschin„Schlesien“ ist am Mittwochabend um 22.20 Uhr auf der Danziger Reede eingetrossen, wo es vor Anker ging. Heute früh trafen noch die beiden Torvedoboote„T 190“ und„G 10“ in Danzig ein. Um 9 Uhr begab sich der deutsche Generalkonsul Dr. Freiberr von Thermann zur Begrüßung an Bord der„Schlesien". Das Linienschiff feuerte den Salut von 15 Schüssen. Darauf machte der Admiral in Begleitung seiner Flaggenleutnants an Land Besuche beim Danziger Senatspräsidenten Dr. Ziehm. beim Danziger Völkerbundskommissar Grasen Gravina und bei dem Präsidenten des Hasenausschusses Dr. Benziger. Am Nachmittag sanden dann die Gegenbesuche statt. Da die volnische Regierung durch ihren Berliner Gesandten ausdrücklich hat erklären lassen, daß sie den Besuch der deutschen Marine in Danzig nicht für angebracht erachtete und sich auch an den Veranstaltungen nicht beteiligen werde. so fand der sonst übliche Austausch von Besuchen zwischen dem deutschen Admiral und dem polnischen divlomatischen Vertreter in Danzig zum erstenmal nicht statt. Am Donnerstagabend gab die Regierung der Stad: Danzig den Offizieren der deutschen Kriegsschiffe ein Essen Der Präsident des Senats, Dr. Ziehm, hieß die Schisie der deutschen Kriegsmarine und ihre Offiziere und Mannschaften herzlich willkommen. Namens der Oftiziere der deutschen Kriegsschiffe erwiderte Konteradmiral Förster. * Luftschutzübung in Ostpreußen Allenstein, 23. Juni 19.32. Am Donnerstagmittag begann die ostvreußische Luftschutzübung. die von dem Präsidenten Pactsch vom preu ßischen Innenministerium geleitet wird und die sich bis zum 25. Juni hinzieht. Aus Berlin sind noch zahlreiche Teilnehmer der zuständigen Ressorte. Vertreter aller Innenministerien der Länder, Vertreter der Kommunalverwaltungen, der Industrie, der Wirtschaft. der Verbände und Vereine und der Presse aus gans Ostvreußen und dem Reich vertreten. Die Teilnehmerzahl der Gäste bezissert sich auf einige hundert. Am ersten Tage fanden Besichtigungen der Warnzentrale. Flugwachen, Feuerwehren. Entlüftungstrupps usw. statt. Das Roman von Hans Possendort verkorene Feullieton-Vertrieb durch A. F. Rohrbacher-Verlag Berlin-Charlottenburg.(Nachdruck verboten.) Lied (19. Fortsetzung.) Wortlos wies Lore nach einem goldenen Medaillon, das an seiner Uhrkette hing. Da leuchtete das Glück in seinen großen, grauen Augen auf: Sie war eifersüchtig auf ein vermeintliches Bild? Also liebte sie ihn! Vielleicht hatte sie schon lange dieses Medaillon mit mißtrauischen Blikken betrachtet. Und bemüht, sich bitterernst zu stellen, erwiderte Joachim:„Das Bild hier ist mir sehr lieb. Ich werde mich nie davon trennen! Aber ich will es Ihnen gern zeigen.“ „Ich will es nicht sehen!“ Fast trotzig wandte sie den Kopf ab. Da löste er hinter ihrem Rücken das Medaillon von der Kette, öffnete es und hielt es ihr vor die Augen. Ein süßes Kindergesicht mit großen, dunklen Augen blickte Lore daraus entgegen. „Das ist Ruth! Nicht wahr?“ rief sie erleichtert aus, indem Glück und Beschämung ihre zarten Wangen färbten.„Welch süßes Kind! Wie muß sie an Ihnen gehangen haben! Und werden Sie denn die Kleine nicht wiedersehen? Sehnen Sie sich nicht nach ihr?“ „O doch! In spätestens einem Jahre; wenn ich mir genug gespart habe, um wieder für mich arbeiten zu können, will ich nach der Schweiz gehen, an einen kleinen, stillen Ort. Und da hoffe ich, wird Ruth mich wohl besuchen dürfen.“ „Und wenn Sie in Europa bann auch Ihre— die Frau Ihres Bruders zufällig wiedersehen sollten? Sind Sie so sicher, daß Ihre Liebe nicht wieder erwachen würde?“ „Warum fragen Sie mich das?“ Tief und erwartungsvoll blickte er ihr in die Augen. Und was er da in dem glutübergossenen Mädchenantlitz las, das gab ihm die ersehnte, beseligende Antwort auf all die bangen Fragen, die sein Herz seit Wochen bewegten. Und mit einem Jubelruf breitete er die Arme aus: „Lore, meine süße, geliebte Lo! Weißt Du denn nicht, wie ich mir nach Dir verzehre, daß Du nur, Du allein meines Lebens Glück und Inhalt bist?“ Da sank sie selig an seine Brust, ihre Lippen flüsterten:„Und Du, Joachim, meines Lebens Glück und Stolz für immer— und vom ersten Augenblick an, da ich Dich sah—“ Dreizehntes Kapitel Es war am Montagmorgen, und die wöchentliche Konferenz der Standard=Film=Company war in vollem Gange. „Nun also zu unserem Odysseusfilm,“ sagte der Präsident, nachdem eine Reihe anderer Fragen erledigt waren.„Wie steht es mit den Aufnahmen, Herr Formont?“ „Die erste bis dritte Szenenreihe ist fertig aufgenommen.“ „Wann kann ich sie sehen?“ „Die Filme werden eben entwickelt und sind übermorgen vorführungsfertig,“ erwiderte der Leiter der photographischen Werkstatt. „Und wie steht es mit der Circeszene?“ „Die Reigen sind fertig eingeübt.“ „Und die wilden Bestien? Man muß wohl gar Waffen mitbringen, wenn man zusehen will bei den Proben?“ „Die Tiere benehmen sich so gesittet wie geübte Filmschauspieler. Uebrigens haben wir um den ganzen Aufnahmeplatz Gitter gelegt.“ „Haben Sie denn nun endlich für die Rolle der Circe eine geeignete Vertreterin gefunden?" fragte der Präsident weiter. „Ich glaube, endlich die Richtige gefunden zu haben. Heute nachmittag soll die erste Probe stattfinden. Wenn alles klappt, können wir gleich danach aufnehmen. Ich würde allerdings erst gern Ihr Urteil hören, Mister Gudden, ehe wir aufnehmen und ehe ich mit der Dame Kontrakt mache.“ „Schön, ich komme selbst hinaus,“ entschied Gudden.„Wann ist die Probe angesetzt?“ „Um vier Uhr.“ „Sehr schön.“ Der Präsident sann einen Augenblick nach. Dann sagte er:„Warten Sie mal, ich möchte doch erst Herrn John Stanford benachrichtigen. Er interessiert sich ganz besonders für diesen Film Vielleicht kommt er auch mit.“ Sofort ließ sich der Präsident von seinem Platz aus mit dem Stanfordschen Palais verbinden. Stephan Gudden bekam zur Antwort, daß Herr John Stanford selbst mit ihm zu sprechen wünsche; der Präsident möge sich einen Augenblick gedulden. Nervös trommelte Gudden mit den Fingern auf der Tischplatte. Er war nicht gewöhnt, am Telephon zu warten. Aber hier half es ihm nichts. John Stanford war der Höhere von beiden: er besaß dreißigmal so viel Vermögen als der„Jilmkönig". Aber endlich kamn der hohe Herr an den Apparat.“ Nach kurzem Gespräch hing Gudden befriedigt den örer ab.„Also heute nachmittag, Herr Formont! le Herren Stanford und Sohn kommen mit zur Probe. Hoffentlich legen wir Ehre ein mit Ihrer neuen Filmdiva!“ „Wenn ihr Spiel sich als ebenso anziehend erweist wie ihr Aeußeres, dann sicher,“ schmunzelte vielsagend der Hauptregisseur. „Nun, wir werden ja sehen. Hat noch einer der Herren etwas vorzutragen?“ Niemand meldete sich. „Dann also: Schluß der Sitzung!“ Stephan Gudden erhob sich, verließ eiligen Schrittes den Konferenzsaal und begab sich mit dem Expreßlist zum zwanzigsten Stockwerk in sein Privatkontor. Kaum hatte er sich an dem Schreibtisch niedergelassen und zu arbeiten begonnen, als sich die Tür öffnete und seine Tochter eintrat. „Du Lore?“ fragte er aufblickend.„Nun, was gibt es Neues?“ „Nichts Besonderes. Ich habe nur eben gegenüber im Warenhaus Einkäufe gemacht und wollte mal nach Dir sehen.“ Lore Gudden liebte besonders in der letzten Zeit diese kleinen Gelegenheitsbesuche im Standard=Buil= ding. Hatte sie doch stets die leise Hoffnung, hier dem Geliebten zufällig zu begegnen. „Das trifft sich ja gut,“ fuhr Gudden fort.„Soeben wollte ich Dich nämlich anrufen. Teddy und sein Vater kommen gegen zwei Uhr zum Frühstück zu uns, und wir fahren dann zusammen hinaus in den Atelierpark, um einer Probe zu einer Odysseusfilmszene beizuwohnen. Du kannst Bill, wenn Du nach Hause kommst, doch gleich wegen des Frühstücks Bescheid sagen. Und dann soll Iim außer unserem kleinen Wagen auch den großen Viersitzer bereithalten. Vielleicht wollen Stanfords mit uns zusammen fahren.“ „Gut, ich werde alles ausrichten. Aber dann will ich Dich nicht länger aufhalten.“ Lore erhob sich und verabschiedete sich darauf. * Als der abwärtsfahrende Lift im sechzehnten Stockwerk hielt, konnte Lore der Versuchung nicht widerstehen, auszusteigen. Schnell huschte sie zu Joachims Arbeitszimmer, legte einen Augenblick das Ohr lauschend an die Tür, und da sie keine Stimmen vernahm, drückte sie schnell und entschlossen auf die Klinke und schlüpfte hinein „Lo! Liebste Du?“ Er eilte ihr entgegen.„Aber sage, ist das nicht leichtsinnig von Dir?“ fügte er etwas besorgt hinzu „Ich muß Dich sehen, Joachim! Sollte ich bei Dir vorbeifahren? Ich komme eben aus Papas Kontor.“ „Oh, wie glücklich bin ich über diese unverhoffte Ueberraschung. Und ich habe Dir so viel zu erzählen. Alles scheint gut zu gehen! Aber was sagen wir denn, wenn jemand kommt? Es kann jeden Augenblick hier jemand eintreten.“ „Oh, was macht denn das? Ich hole mir hier einfach ein paar Noten bei dem Herrn Musikabteilungschef. Das ist doch eine sehr harmlose Sache“ Nun, das mit den Noten soll keine Lüge sein!" rief Joachim vergnügt und nahm ein Blatt vom Flügel.„Hier sind schon die Noten, die Du Dir zu holen kommst: Ich habe Dir gestern das verlorene Lied aufgeschrieben. Du wolltest es ja so gerne haben.“ „Wie lieb von Dir! Nun kann ich es auch für mich allein spielen und singen, wenn ich mich nach Dir sehne.“ „Also, laß mich mal schnell erzählen,“ sagte Joachim eifrig. Ich habe gestern mit Mister Wood gesprochen und ihm vorgespiett. Du weißt doch, er ist der größte Konzertunternehmer in Amerika, und er hat mir fest zugesagt, daß er mir eine ganze Konzertreise zusammenstellen will.“ „Dann mußt Du von Chikago fortgehen?" fragte Lore enttäuscht. „Aber, Liebste, es geht doch nicht anders. Sieh mal, diesen Zustand ertrage ich nicht länger Oder ich spreche heute noch mit Deinem Vater.“ „Nein, nein, Joachim,“ erwiderte Lore ängstlich. „Das geht nicht. Du mußt es mir überlassen, den geeigneten Augenblick zu finden. Papa wird sich mit allen Kräften widersetzen.“ (Fortsetzung folgt.) . D E Gelsenkirchener Zeitung Nr. 174(Zweites Blatt) Freitag, den 24. Juni 1932 68. Jahrgang Gelsenkirchens Etat verabschiedet Die Gelsenkirchener Stadtverordneten in der Zwangslage Das Reich muß helfen! Neue Hoffnung in der Randsiedlungsfrage# Löchterheide erledigt 7 Eine unruhige Sitzung 7 Drei Ausschlüsse Polizei im Sitzungssaal Der stürmische Auftakt den die gestrige Sitzung der Stadtverordneten im Buerschen Rathause fand, ließ für die Erledigung der Tagesordnung allerhand befürchten. Nach Eröffnung unternahm die kommunistische Fraktion mit lärmvollen Begleitgeräuschen eine Protestaktion gegen das Eingreifen der Polizei bei einigen Ansammlungen vor dem Rathause. Sie erging sich dabei in so wüsten Angriffen gegen Verwaltung, Polizei und„Faschismus“, wobei es an Anspielungen auf den in Uniform erschienenen Stadt. Sauer(Natsoz.) nicht fehlte, daß sich der Stadtv. Quednau in kürzester Zeit zwei Ordnungsrufe und die Entziehung des Wortes zuzog. Unter weiterem riesigen Lärm der Kommunisten wurde die Sitzung für zehn Minuten unterbrochen damit Quednau den Saal verlasse. Erst als sich drei Polizeibeamte zum Platze Quednaus bemüht hatten, fühlte er sich veranlaßt, den Saal zu verlassen. Das gleiche Schicksal ereilte nach kurzer Zeit seinen Frak tionskollegen Koch, als er sich nach der Ablehnung des kommunistischen Antrags auf Behandlung der Wohlfahrtsarbeiterangelegenheit in unsachlichen und beschimpfenden Ausführungen erging, obwohl er dreimal vom Oberbürgermeister zur Ordnung gerufen worden war. Diese Maßregelung wurde von der KPD. abermals mit großem Lärm begleitet. Dann war die Ruhe für einige Zeit wieder eingekehrt, bis die kommunistische Stadtverordnete Dittmar bei irgendeiner Angelegenheit wieder auf die Behandlung der kommunistischen Anträge zurückkam und sich dabei in der gleichen maßlosen Weise gegen die Geschäftsführung des Oberbürgermeisters wandte. Nachdem auch sie die„parlamentarischen Bestimmungen“ erfüllt hatte, wurde sie aufgefordert, den Saal zu verlassen. Dann beschränkte sich die Tätigkeit der Kommunisten nur noch auf Unsachlichkeit oder störende Zwischenrufe An rednerischem Effekt suchte es der Nationalsozialist Sauer mit ihnen aufzunehmen, wobei er ebenfalls einigemale zur Sache und zur Ordnung gerufen wurde. Er fand bei den Stadtverordneten der Rechten ebensowenig Zustimmung wie bei den Kommunisten, denen er einen großen Teil ihrer Sprüche, nur mit nationalsozialistischem Vorzeichen versehen, nachbetete. Der einzige zustimmende Ruf kam von der Zuschauertribüne, als dem Oberbürgermeister ein Schimpfwort zugerufen wurde. Dessen Aufforderung an den Rufer, sich zu melden, andernfalls die Tribüne geräumt würde, wurde mit einem lakonischen„ist schon weg!" beantwortet. Die beleidigenden Anwürfe der Frau Dittmar gegen die Presse wurden vom Oberbürgermeister sehr bedauert und mit einem Ordnungsruf für Frau Dittmar quittiert. Die Randsiedlungsfrage ist durch das inzwischen erfolgte Angebot der Westfälischen Heimstättensiedlung in einen anderen Blickpunkt gerückt worden. Wenn auch bei der erneuten Besprechung keine Mehrheit für eine endgültige Erledigung zustande kam, so ist doch ein gewisser Erfolg zu verzeichnen, als die Angelegenheit zur erneuten Prüfung dem Ausschuß übergeben wurde, sodaß doch noch damit zu rechnen ist, daß das Randsiedlungsproblem in irgendeiner Form zur Ausführung kommt. Der Haushaltsplan Die den Hauptteil bildende Beratung des Haushaltsplans und des Deckungsvorschlags wurde so erledigt, wie es zu erwarten war. In den Ausschüssen — allein der Hauptausschuß hat sich in drei#ingen Sitzungen mit dem Etat befaßt— wurden der Haushaltsplan und die geringen Möglichkeiten der Abänderung in den letzten Wochen ebenso eingehend besprochen wie an dieser Stelle. Angesichts der Tatsache, daß durch die Zwangsläufigkeit der Ausgaben und durch die Unmöglichkeit, das Defizit durch eigene Kraft zu decken, das Bild in Gelsenkirchen das gleiche ist, wie in den anderen deutschen Großstädten ähnlicher Struktur, hatte der Oberbürgermeister davon abgesehen, die sonst übliche große Einführungsrede zu halten. Er ließ jedoch die Gelegenheit nicht vorübergehen, ohne auf die ungeheure Benachteiligung der Industriestädte durch das Reich hinzuweisen. Im übrigen wies er darauf hin, daß die Stadtverwaltung, was ihre eigene Veranimi##tl#chkeit betreffe, ein gutes Gewissen haben dürfe.— Einem großen Teil der Diskussionsredner muß man Sachlichkeit und Verantwortungsgefühl bei der Behandlung des Themas nachrühmen. Stadtv. Reifenrath, der Fraktionsführer des Gelsenkirchener Zentrums, verstand es, die Lage durch kurze treffende Nemerkungen darzustellen und die praktischen Konsequenzen aus der Verwaltungsvorlage aufzuzeigen. In ausgezeichneter rednerischer Form befand sich der Stadtverordnete Brüntink, dessen von Einsicht und Verständigungsbereitschaft geleitete Ausführungen auch bei anderen Parteien beifällig aufgenommen wurden. Zu der Aufforderung des Stadtverordneten Schumacher, sich mit gegenseitigem Verständnis für die sozialen Nöte zusammenzuschließen, standen seine Ausführungen zum Schulwesen in einigem Widerspruch. Leider machte es die vorzeitige Schließung der Debatte dem Zentrum unmöglich, seine Darlegungen zur angeblichen Imparität im Gelsenkirchener Schulwesen zu widerlegen. Diese Behauptungen sind jedoch nicht neu. In den Ausschüssen und an dieser Stelle wurden sie schon wiederholt richtiggestellt. Die Sprecher der Kommunisten ergingen sich in wilden Anklagen gegen Dinge, die mit dem Gelsenkirchener Haushalt nichts zu tun haben. Auch der Nationalsozialist Sauer pflückte sich einige wenige Posten aus dem Etat heraus, um an ihnen Kritik zu üben, und beschränkte sich im übrigen auf allgemein gehaltene Vorwürfe gegen das System. Interessant war das Streiflicht, das er durch die Behauptung, ein früherer Arbeiter eigne sich nicht zum Leiter des GWE.=Werkes, auf den Arbeitercharakter seiner Partei warf! Sehr aufschlußreich war auch sein Einspruch gegen den Posten„Vortragsgemeinschaften" im Kulturetat mit der Begründung, daß diese nur der Interessenpolitik der konfessionellen Vereine diene! Das ist der religionsfreundliche Nationalsozialismus! Nach vierstündiger Sitzungsdauer waren Etat und Deckungsvorschlag dann endlich reif zur Abstimmung. Die Annahme erfolgte ebenfalls mit dem vorauszusehenden Mehrheitsverhältnis. Die Ablehnung der Bürgersteuer möge unsere Leser nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie aller Voraussicht nach nichts weiter als eine verständliche, aber erfolglose Geste bleiben wird! erörtert werden soll. Eine Beratung wäre ohne die Zustimmung des Kollegiums nicht möglich, oder aber es müsse sich eine Zweidrittelmehrheit für die Beratung der Angelegenheit finden. Oberbürgermeister Zimmermann erklärt, daß in diesem Fall nur die einfache Mehrheit genüge, um die Sache noch einmal zur Sprache zu bringen. Stadtv. Sauer(Nat.=Soz.) erhebt Protest gegen die beleidigenden Ausführungen der Stadtv. Frau Dittmar, die ihn obendrein lächerlich gemacht habe, weil er in Uniform erschienen sei. Stadtv. Börngen(Komm.) protestiert dagegen, daß man den Stadtv. Quednau des Saales verwiesen habe. der sich lediglich für die Belange der Werktätigen eingesetzt habe, und verlangt die Wiederzulassung Quednaus. was vom Oberbürgermeister abgelehnt wird. Es folgt dann eine Erganzungswahl zum Schulausschuß. An Stelle des verstorbenen Pfarrers Hülsey wird Pfarrer Rosen gewählt. Hierauf gibt es erneuten Lärm bei den Kommunisten. die wiederum darauf drängen, daß ihre Anträge verhandelt werden. Der Oberbürgermeister tritt dem entgegen. Mit 32 gegen 32 Stimmen und mit der Stimme des Oberbürgermeisters wird dann beschlossen, nochmals die Angelegenheit der Stadtrandsiedlungen Sitzungsbericht Kurz nach 5 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Zimmermann die Sitzung und entschuldigt das Fernbleiben der Stadtverordneten Hohn, Weiser und Büsch. Er macht dann eine Reihe von Anträgen bekannt. die noch oor der Etatberatung bebandelt werden sollen. Unter anderm lagen kommunistische Anträge bezüglich der Maßregelung der streikenden Wohlfahrtsarbeiter vor; fernerhin sollte die Frage der Randsiedlungen nochmals eröriert werden, da sich neue Momente ergeben hätten, damit ihm vom Reichssiedlungskommissar nicht der Vorwurf gemacht werden tönne, daß die Ablehnung dieser Vorlage in der letzten Sitzung lediglich einer Zufallsmehrheit zu verdanken gewesen ware. Stadtv. Börngen(Komm.) protestiert gegen den „Polizeiterror“. Stadtverordnete besonders der kommunistischen Fraktion seien verprügelt worden, weil sie die werktätige Bevölkerung hätten aufklären wollen. Stadtv. Frau Dittmar(Komm.) bekräftigt diesen Protest und erklärt, daß man sogar den Fraktionsführer verhaftet, ihn dann aber wieder freigelassen habe. Dann schimpft sie auf die anwesenden Pressevertreter. die nicht die Interessen der Werktätigen verträten, sondern Lakeienschreiber einer kapitalistischen Presse seien. Stadtv. Quednau(Komm.) spricht dann in erregten Worten von der„Gummiknüppelpolitik“ der Stadtverwaltung. die alles unterbinde, was zum Wohle der Proletarier vorgesehen sei. Im weiteren Verlauf kommt es zu wüsten Schimpfkanonaden der Kommunisten, die ihre Anträge behandelt haben wollen. Vor allem tut sich hier der kommunistische Stadtverordnete Quednau hervor, der vom Oberbürermeister dreimal zur Ordnung gerufen, immer weiter redet. Darauf schließt der Oberbürgermeister ihn aus und unterbricht die Sitzung auf zehn Minuten, da Quednau keine Anstalten macht, den Saal zu verlassen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung ist Quednau immer noch im Saal. auf die wiederhalte Aufforderung des Oberbürgermeisters, den Saal zu verlassen, bleibt er dennoch sitzen. Drei Polizeibeamte erscheinen im Saal, die Quednau auffordern, den Saal zu verlassen. Erst jetzt gibt Quednau nach und verläßt die Sitzung mit einem Rot=Front, das von den Kommunisten erwidert wird. Damit ist die Ruhe im Hause aber noch nicht eingekehrt. Die Kommunisten schlagen nach wie vor großen Lärm. Stadtv. Dr. Holfmann(WP.) erhebt Einspruch dagegen, daß das Projekt der Randsiedlungen nochmals zu besprechen. Stadtv. Thalacker(DRBP.) beautragt, daß in eine weitere Diskussion nicht eingetreten werde, daß man lediglich eine Abstimmung vornehme. Stadtv. Dittmar(Komm.) beantragt eine Spezialdebatte hierüber; denn die Sache sei wichtig genug. die nichts anderes bedeute als eine Vergrößerung des Elends der Massen, da den Erwerbslosen doch bei Uebernahme der Siedlungen die Unterstützung genommen werde. Oberbürgermeister Zimmermann erklärt, daß die Errichtung der Siedlung von der Westfälischen Wohnungsfürsorge ausgehe, daß aber die Westfälische Heimsiedlung die Bürgschaft für die ganze Geschichte übernommen habe, sodaß die Stadt selbst mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun habe. Stadtv. Sauer(Natsoz.) wirft der Verwaltung vor, daß sie die ganze Angelegenheit sabotiert habe. Er stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß diese Siedlungen in dieser Form ein Unding seien. Oberbürgermeister Zimmermann protestiert gegen den Vorwurf. als habe er die Angelegenheit sabotiert. Er habe seine Pflicht in dieser Sache getan, habe die Siedlungsfrage in den Ausschüssen behandeln lassen und dann auch noch im Stadtverordnetenkollegium zur Sprache gebracht. Die ganze Siedlungsfrage gehe vom Reich aus, das Reich stelle die Mittel zur Verfügung. Würde man von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen, so hätte man nicht gelinde Nackenschläge zu erwarten. Zum Schluß gibt er eine Erklärung ab. weshalb er sich bei der letzten Sitzung der Stimme enthalten habe. Stadtv. Göller(Ztr. Gels.) stellt den Antrag auf Schluß der Debatte und Abstimmung. Stadtv. Thalacker(D.N.V.P.) beantragt Spezialdebatte. Er sei zwar grundsätzlich nicht gegen die Stadtrandsiedlungen, aber in der Form, wie sie hier in Gelsenkirchen durchgeführt werden sollen, könne er nicht das richtige erblicken. Stadtv. Hohendahl(D.P.P.) beantragt Schluß der Debatte. Die Angelegenheit müsse nach den neueren Insormationen doch gelegentlich noch einmal zur Sprache gebracht werden. Oberbürgermeister Zimmermann weist nochmals darauf hin, daß die Stadt an sich mit der ganzen Geschichte nichts zu tun habe. Daher könne die Westfälische Heimstättensiedlung auch bei Ablebnung der Vorlage machen, was sie wolle. Stadtv. Reisenrath(Ztr. Gels.) ist für die Errichtung der Siedlungen. wendet sich aber dagegen, daß die Errichtung von der Westfälischen Heimstätte unternommen werden soll. Allerdings würde er zustimmen. wenn der Hauszinssteuerausschuß eine Art Ausführungsbestimmungen erlassen würde. Stadtv. Hübscher(Wirtschv.) beantragt, da sich bisher noch kein Mensch ein klares Bild habe machen können. Vertagung der Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung. Stadtv. Thalacker(D.N.V.P.) tritt dafür ein, daß die Siedlungsfrage erst noch einmal im Hauptausschuß durchgesprochen wird, da ja neue Momente in die ganze Angelegenheit gekommen seien. Dann könne eine spätere Debatte nochmals im Stadtverordnetenkollegium erfolgen. Stadtv. Brüntink(Soz.) gibt eine Erklärung für die neuerliche Einbringung der Vorlage ab. Von allen Seiten der Bevölkerung sei man bestürmt worden, dafür Sorge zu tragen, daß die Stadtrandsiedlungen genehmigt würden. Es liege also hier ein starkes Bedürfnis vor von Menschen, die glauben, sich durch Erwerb einer derartigen Siedlung glücklich zu machen. Außerdem kämen 300000 Mark der Oeffentlichkeit zugute, während sie sonst anderen Städten gegeben würden, die mit Kußhand danach greifen würden. Bezüglich der Ausführung könne man allerdings etwas anderer Meinung sein. Aber hier könne ja der Fachausschuß sein Wort in die Waagschale werfen. Stodtv. Börngen(Komm.) erklärt, daß seine Fraktion der Ecrichtung der Randsiedlungen unter keinen Umständen zustimmen könne. In einer ziemlich komplizierten Abstimmung wurde schließlich der Vertagungsantrag mit 33 gegen 32 Stimmen angenommen. Oberbürgermeister Zimmermann verliest dann eine Erklärung der Presse. in der diese gegen die beleidigenden Aeußerungen der kommunistischen Stadtverordneten Dittmar Protest erhebt und den Oberbürgermeister ersucht, die Presse gegen derartige Beleidigungen in Schutz zu nehmen. Die Erklärung wird von den Kommunisten mit Hohngelächter beantwortet Der Oberbürgermeister gibt seinem Bedauern über den Vorfall Ausdruck und erklärt, daß er diese Aeußerungen der Frau Dittmar überhört habe. Er ruft daraufhin Frau Dittmar zum zweiten Male zur Ordnung. Stadtv. Börngen(Komm.) beantragt. nochmals die kommunistischen Anträge zu verhandeln. Die Abstimmung ergibt Ablehnung der Beratung gegen die Stimmen der Kommunisten und des Nationalsozialisten. Stadtv. Koch(Komm.) hält dann eine wüste Hetrede gegen das„kapitalistische System" und zieht sich dabei drei Ordnungsruse des Oberbürgermeisters zu. Als er dann noch weiter redet, wird er des Saales verwiesen, den er mit Not=Front=Rufen verläßt. Die K.P.D. protestiert abermals gegen die Verweisung. Hierauf kommt noch einmal die Uebersinanzierung der zur Sprache. Stadtv. Sauer(Natsoz.) nennt diesen Skandal nur ein Glied in der Kette der zahlreichen Korruptionsfälle. wie sie sich heute überall absvielen, ohne daß sich irgend jemand darum kümmere. U. a. glaubt er Anlaß zu haben. auf das Wohlfahrtsministerium zu schimpfen. Oberbürgermeister Zimmermann bittet Sauer, sich in seiner Ausdrucksweise etwas zu mäßigen, worauf Sauer erklärt, die Stadtverwaltung lebe in einem„Korruptionssaustall“. Die Fachleute, die sich um die Regelung der Dinge gekümmert hätten, würden an die Wand gedrückt, damit nur nicht die Oeffentlichkeit etwas von den Dingen erfahre. Stadtv. Thalacke:(D.N.V.P.) ist der Meinung, daß die Bewertung der Grundstücke viel zu hoch ausgefallen sei, wenn man die Preise von damals und heute vergleiche. Stadtv. Reisenrath(Ztr. Gels.) erklärt, die Vorlage an sich befriedige zwar nicht, aber es handele sich darum, die Stadt vor noch größerem Schaden zu bewahren. Die Bürgschaft der Stadtverwaltung werde jedoch von 2.5 Millionen Mark um 460000 Mark verringert. Unter diesen Umständen trete er für die Vorlage ein. Stadtv. Hoffmann(DVP.) glaubt, daß für die Stadt daraus kein Nutzen entstehe. Es handele sich hier doch lediglich um eine Umbuchung. Für den gesamten Betrag müsse die Stadt nach wie vor gerade stehen. Stadtv. Reisenrath(Ztr. Gels.) erwidert, daß die Stadt um 460000 Mark entlastet werde. Die gesamte Bürgschaft würde um diese Summe gesenkt. Und wenn man die Stadt von einer Schuld entlasten könne, dann brauche man sich das doch nicht lange zu überlegen. Es liege hier keine Umbuchung vor. sondern dieser Betrag wird der Stadt direkt gutgeschrieben. 60000 Mark seien dabei als nicht gezahlte Hauszinssteuer zu berechnen. Außerdem kommen in Frage 200000 Mart als wegenwert für den Rückkauf der Grundstücke. Die restlichen 200 000 Mark seien die Ersparnisse aus der Herabsetzung der Zinsen um 2½ Prozent für das Darleben. das von der Arbeiterbank gegeben worden ist. Er handelt sich also lediglich nun darum. die Interessen der Stadt zu vertreten, wenn der Vorlage zugestimmt wird. Stadtv. Hoffmann(DVP.) wendet sich dagegen. daß nunmehr diese Summe von 460000 Mark auf der Feingoldbasis verrechnet wird. Oberbürgermeister Zimmermann erklärt, daß die ganze Angelegenheit so klar sei. daß man ihr im Interesse der Stadt doch wohl ohne weiteres zustimmen könne. Man habe in der ganzen Sache die Pflicht bis zuletzt getan und sei es daher wohl kaum zu verstehen, wenn man, was wohl nicht im Interesse der Stadt liege. die Vorlage ablehne und den Schlußstrich verweigere. Stadtv. Hoffmann(DVP.) bittet dann um Vertagung der Angelegenheit. Stadtv. Frau Dittmar(Komm.) zieht sich bei einer neuerlichen Rede, in der sie wiederholt beleid'gende Aeußerungen fallen läßt, den dritten Ordnungsruf zu. Der Oberbürgermeister fordert sie auf. den Saal zu verlassen. Da Frau Dittmar der Aufforderung nicht sofort Folge leistet, unterbricht der Oberbürgermeister wiederum die Sitzung auf fünf Minuten. Während dieser Zeit hat sich Frau Ditmar unter Rot=Front=Rufen entfernt. Nach Wiedereröffnung der Sitzung protestiert auch der Stadtv Berger(Komm.) und zieht sich dabei zwei Ordnungsrufe zu. Stadtv. Börngen(Komm.) erklärt, der Vergleich. der zwischen der Stadt, der Gebau und dem Wohlfahrtsministerium geschlossen worden sei, sei für die Stadt recht saul, da die Gebau die Stadt dauernd in der Hand habe, ohne daß die Stadt selbst etwas unternehmen könne. Stadtv. Schuh(Wirtschv.): Die Stadt sei im ganzen um etwa eine Million geschädigt worden, da die Gebau nur allein zu bestimmen gehabt habe. Er stimmt der Vorlage zu unter der Bedingung. daß die Stadtverwaltung von der Gebau noch einige Millionen zurückfordere. Darauf wird die Vorlage gegen die Kommunisten angenommen. CLUB geraucht hat, mag alle anderen Marken probieren- erwird doch zu CLUB zurückkehren, denn die CLUn-Mischung kann weder durch Reklame noch durch„Zugaben“ ersetzt werden. Die Beratung Oberbürgermeister Zimmermann weist darauf bin, daß sich in diesem Jahre die Beratung eigentlich erübrige, da man nur der Form halber den Deckungsbeschluß zu fassen habe. Den größten Posten im Erat nehmen in diesem Jahre die Wohlfahrtslasten mit 21.5 Millionen Mark ein. Die Stadt ist nicht II. P#en Etat aus eigenen Mitteln zu balancieren und diese Kosten aufzubringen. Seit Jahren versucht die Stadt, die Lage zu bessern; aber die Wohlfahrtslasten verschlingen, da der größte Teil der Bevölkerung erwerbslos ist. eine ungeheure Summe, sodaß es nunmehr bald Aufgabe des Reiches sein muß, helsend einzugreisen und den Gemeinden die notwendigen Zuschüsse zur Verfügung zu stellen. Der Zeitpunkt, da man aus eigenen Mitteln den Fehlbetrag hätte ausgleichen können, ist noch nicht da gewesen und wird auch in Anbetracht der großen Wohlfahrtslasten nicht kommen. Die Lage verschlimmert sich mehr und mehr. Schon bei der Vereinigung war der Etat nicht ausgeglichen. Man rechnete von Jahr zu Jahr mit einer Besserung, um den Fehlbetrag jeweils aus der Welt schaffen zu konnen. Aber die Verschlechterung hat weitere Fortschritte genommen. Schon 1930 war der Fehlbetrag kaum tragbar und damals zeigte sich keine Möglichkeit mehr zu einer Beseitigung. Heute, da die Wohlfahrtslasten allein schon 21.5 Millionen ausmachen, ist an eine Besserung überhaupt nicht mehr zu denken. Zu dieser Summe kommen noch die großen Steuerausfälle, die den Fehlbetrag weiterhin erhöhen. Eine Selbsthilfe ist nicht möglich. Eine Aenderung kann lediglich durch einen gesunden Finanzausgleich eintreten. Durch die neue Notverordnung wird allerdings die Lage der Gemeinden in etwa gebessert. Aber wenn man berücksichtigt, daß die Ausgaben höher werden, so kann man sich ausrechnen, daß die Zuschüsse recht bald ausgezehrt sind. Die Dinge können nur geändert werden, wenn eine fundamentale Umwälzung eintritt. Es ist nicht richtig, wenn man glaubt, das Reich müsse auf unsere Stadt, wie überhaupt auf die Industriestädte, die doch am meisten von der Not betroffen sind. Rücksicht nehmen. Die Schlüsselung in der Zuwendung ist so. daß sie für die Industriestädte sich am schlechtesten auswirkt. Sicherlich würde vorgeschlagen werden, an der einen oder anderen Position Abstriche vorzunehmen. aber die Meinungen hierüber sind sehr geteilt. Man soll jedenfalls auch hier recht vorsichtig sein, um nicht noch weitere Beunruhigung in die Bevölkerung zu bringen. Zum Schluß bittet der Oberbürgermeister um möglichst schnelle Verabschiedung des Etats. Stadtv. Reisenrath(Ztr. Gelsenk.) erklärt, es habe zwar in der Bürgerschaft verschiedentlich die Meinung geherrscht, es sei zwecklos, sich mit dem Etat zu beschäftigen. Der Hauptausschuß hat sich drei Tage lang mit ihm beschäftigt und alle Positionen genau bearbeitet. An sich wäre ja zu dem Etat. der nicht mehr gekürzt werden kann, wenig zu sagen. An den verschiedenen Positionen sind noch einige Aenderungen eingetreten, die den Fehlbetrag um 198000 Mark erböht hätten. Dem Deckungsvorschlag will er seine Zustimmung geben unter der Voraussetzung, daß nicht das Dreieinhalbjache des Landessatzes der Bürgersteuer erhoben wird, sondern höchstens das Eineinhalbsache. Ferner müsse eine Heraufsetzung der Berufsschulbeiträge unter allen Umständen vermieden werden. Denn es sei doch ein Unding. die Gewerbetreibenden unserer Stadt schlechter zu stellen, als die in anderen Städten, wo die Beiträge mit der Gewerbesteuer verquickt würden. Stadtv. Schuh(Wirtschv.): Die Steuerkraft in unserer Stadt wäre nie so weit zurückgegangen, wenn man für die Not der Betriebe ein gerechtes Verständnis gehabt hätte und danach Erleichterungen bewilligt hätte. Die Schwere der Zeit hat bewiesen, daß alle Kleinbetriebe widerstandsfähiger sind wie sämtliche Großgebilde, die von allen Seiten mit besonderer Liebe und Entgegenkommen behandelt worden sind. Schwer belastet wird jeder Betrieb durch die vielen Steuerarten, in denen sich selbst ein Steuerkundiger nicht mehr Auskennt“ Unbedingter sofortiger Wandel tut hier not. Schluß muß gemacht werden mit diesem Wust, damit die erste Grundbedingung einer jeden Steuervolitik erreicht wird. Stadtv. Sauer(Nat.=Soz.) geht ausführlich auf die Wohlfahrtslasten ein und spricht dann von der haltlosen. Pumpwirtschaft der Gemeinde, die soviel Geld gekostet habe. Die heutigen Schulden bedrohten die Sicherheit der Stadt, die jetzt nicht mehr ein noch aus wüßte. Auch der Oberbürgermeister müsse dafür Sorge tragen, daß Anständigkeit und Sauberkeit weder im deutschen Staate einkehre. Redner beschäftigt sich dann mit den einzelnen Positionen und beirittelt besonders den Kulturetat, wo der Interessenpolitik der konsessionellen Vereine weiter Svielraum gelassen wäre. Er schimpft dann auf die „Mißwirtschaft“, bei den GWE.=Werken. Es wäre ein Unding. an die Stelle des Direktors nunmehr einen Mann zu setzen. der früher Arbeiter gewesen wäre und von den Dingen gar nichts verstände. Dann wirft er dem Oberbürgermeister vor, daß er bei der Regierung wegen Gehaltszulage vorstellig geworden sei. Die Bürgerschaft wünsche schon lange eine derartige Verwaltung zum Teufel. Als hierbe auf der Tribüne Zustimmungsruse laut werden, sordert der Oberbürgermeister den Zurufer auf. die Tibüne zu verlassen, andernfalls er die ganze Tribüne räumen müsse. Auf die Vorwürfe Sauers erwidert der Oberbürgermeister, daß alles das. was Sauer vorgetragen habe, erlogen sei. Er sei weder bei der Regierung um Gehaltsaufbesserung vorstellig geworden. noch beziehe er von der Straßenbahn Tantiemen. Aber bei der Sorge und Mühe. die er heute habe, dürfe er wohl glauben, daß er noch Anspruch auf das Gehalt habe, was er heute beziehe und das gegen früher um 50 Prozent ermäßigt worden sei. Auch Beigeordneter Schumacher. der gleichfolls vom Stadtv. Sauer dieserhalb angezapft worden war. weist diese Vorwürse entschieden zurück. Er sei gleichfalls nie bei der Regierung um Gehaltserhöhung vorstellig geworden. Stadtv. Börngen(Komm.) spricht von einem Hungeretat, bei dem man für die Erwerdslosen nichts übrig habe. 141 Anträge habe seine Fraktion eingebracht. die sich u. a. mit den Zuschüssen zum Hans=Sachs=Haus. zu den höheren Schulen. Gehältern usw. befaßten. Der einzig richtige Weg sei eine stärkere Besteuerung der Besitzenden und Heranziehung der Riesenvermögen der Kirchen, die heute noch unangetastet seien. Im übrigen versuchte der Redner sich aus dem Gebiete der großen Politik mit der nötigen Provaganda für Rußland. Stadtv. Schumacher(Ev. Ver.) verwahrt sich gegen den Vorwurf. als besitze die evangelische Kirche ungeheure Vermögen. Es ist richtig, daß der Haushaltsvlan ein sehr mageres Bild bietet. Welches Ausmaß die Wohlfahrtolasten angenommen haben, zeigt sich am besten daran, daß die Einsparungsmöglichkeit an Gehältern ungefähr eine Million beträgt, während sich die Wohlfahrtslasten auf 21 Millionen belausen. Im Haushalt der Kommunen muß dieselbe Sparsamkeit Platz greisen, wie sie auch im persönlichen Leben des einzelnen zu fordern ist. Wir müssen wieder zu der Lebenshaltung zurückfinden, wie sie vor 50 Jahren bestanden. Zum Schuletat bringt der Redner einzelne Wünsche vor, da er die Parität zwischen den beiden Konsessionen nicht fur durchgeführt hält. Seine Fraktion werde für die Erbebung der Bürgersteuer im Betrage von dem 1½fachen des Landessatzes stimmen. Er schließt mit einer Aufforderung zum Zusammenschluß aller sozialen Kräfte. Seine Forderung nach Durchführung der Parität im Schulwesen wird vom Stadtverordneten Reisenrath mit einem nachdrücklichen„Sehr richtig“ quittiert. Oberbürgermeister Zimmermann rerliest einen Zeitungsartikel, nach dem die leitenden Posten in der „Roten Arbeiterhilfe“ mit erstaunlich hoben Gehältern dotiert sind. Seine Mitteilungen werden mit größtem Interesse entgegengenommen, vom Stadtv. Börntgen (Komm.) aber dabingehend beantwortet, daß es sich hierbei vermutlich um Leute aus dem bürgerlichen Lager handle. die der„Roten Arbeiterhilse" als Ehrenmitglieder angehörten! Eine Antwort. die von der Versammlung mit entsprechender Heiterkeit aufgenommen wind. Stadtv. Merz(Itr. Buer): Ich bedauere, daß der Schuldezernent nicht anwesend ist, um die Ausführungen des Stadtv. Schumacher zur Paritätsfrage zu widerlegen. Der Schuletat und die Paritätsfrage ist im Ausschuß besprochen worden, und wir hatten die Ueberzeugung, daß der evangelische Volksteil keine Ursach. zu Klagen hat. Zum Etat ist ja nicht viel zu sagen. Das Bild hat sich gegen früher gewaltig geändert. Wenn früher die Steuern zur Deckung des Finanzbedarfs nicht genügten, dann mußte eben nach neuen Quellen gesucht werden. Heute sind wir mit dieser Weisheit am Schluß. Die Ausgaben sind zwangsläufig geworden, und es ist unsere Pflicht. Abstriche zu machen, wo sie irgend möglich sind. Die Zuschüsse zu den beiden Verkehrsvereinen stehen in einem Mißverhältnis. Man darf die Zuschußbewilligung für den Buerschen Verein nicht von einer Aenderung seiner Firma abhängig machen. Der Stadtteil Buer muß auch da einen Anspruch auf Gleichstellung erheben. Leider sieht es so aus. als ob das alles planmäßig sei. man braucht nur an die Verlegung der Verwaltungsbücherei nach Gelsentirchen zu denken, oder an die Polizeiamtsverlegung, die ja Tatsache zu werden verspricht. Diese Vorkommnisse sind bedauerlich. Das Gewerbe, das ohnehin an den Rand des Ruins gebracht ist, darf nicht noch durch Sonderbelastungen benachteiligt werden. Ebenfalls fordern wir. daß sämtliche Regiebetriebe, die Zuschüsse erfordern, abgebaut werden. Auch beim Kulturetat bitten wir um angemessene Berücksichtigung Buers. Daß die Verzinsung unserer Schuldenlast allein 7 Millionen erfordert, ist ungeheuerlich. Wir werden unsere Zustimmung zum Deckungsvorschlag davon abhängig machen, daß unsere einzelnen Wünsche berücksichtigt werden. Stadtv. Thalaaer(D.N.V.P.): Auch wir fordern. daß im Schulwesen, namentlich bei den künftigen Abbaumaßnahmen. die Parität gewahrt bleibt. Wir sind von jeher für Sparsamkeit in der Verwaltung gewesen. Warum sind die Abstriche, zu denen man heute gezwungen ist. nicht in früheren Jahren möglich gewesen? Es ist dringend notwendig, daß eine fundamentale Aenderung in der Struktur unserer Erwerbslosenfürsorge erfolgt. Erneut müssen wir die Verwaltung auch auf die Notwendigkeit sparsamster Wirtschaftsführung hinweisen. Man soll das Gute, das das Eicke=Gutachten enthielt, beachten und nutzbar machen. Im übrigen müssen wir uns versagen, zum Deckungsvorschlag Stellung zu nehmen. Stadtv. Berger(Komm.) macht längere volitische Ausführungen, bei denen er vom Oberbrügermeister zur Sache gerufen wird. Er kritisiert namentlich die Besckneidung der Ausgaben für die Lehr= und Lernmittel. Ein von Stadtv. Reisenrath(Itr. Gels.) eingebrachter Antrag auf Schluß der Debatte wird mit der Maßgabe angenommen, daß noch die Vertreter der Sozialdemokraten und der Deutschen Volkspartei sprechen dürfen. Stadtv. Brüntink(Soz.): Es ist höchste Zeit, daß wir uns von den Methoden der Demagogie abwenden. Wir Deutschen haben es uns zur Gewohnheit gemacht. Regierung und Verwaltung für alles verantwortlich zu machen, was in Wirklichkeit durch andere Dinge verschuldet ist. Schuld an oer Erwerbslosigkeit in Deutschland ist angeblich der Marxismus. Vielleicht macht diese Leute, die diese Behauptung ausstellen, doch die Tatsache stutzig. daß wir heute in Amerika. wo der Marxismus überhaupt keine Rolle spielt. 10 Millionen Arbeitslose zu verzeichnen haben. Die Wahrheit ist eben, daß sich Deutschland ebensowenig wie andere Länder den Folgen der Weltwirschaftskrise entziehen kann. Es ist gesagt worden, daß die Arbeitslosigkeit durch die immer stärker werdende Anziehung der Steuerschraube verursacht sei. Umgekehrt darf man behaupten, daß die immer größer werdende Arbeitslosigkeit ein verstärktes Anziehen der Steuerschraube verursacht hat. And die Erwerbslosigkeit wurde verursacht durch die Nationalisierung der Betriebe. Heute ist in der Privatwirtschaft schon längst eine Götterdämmerung eingetreten. Durch die ohne Rücksicht auf die Gesamtwirtschaft vorgenommene Rationalisierung wurden die Massen auf die Straße geworfen, und nun stößt man den Hilferuf aus: Die sozialen Lasten erdrücken uns.— Das sind die Zusammenhänge, die man aufzeigen muß. Das kann man ohne Gehässigkeit tun. Es ist in der Allgemeinheit noch viel zu wenig bekannt, daß die Gemeinden vor dem Kriege eine Schuldenlast von 13 Milliarden hatten, und dabei wurde für soziale Anlagen lange nicht soviel ausgegeben wie heute. Allerdings waren die Zinsen niedriger als heute, sodaß wir heute für eine geringe Gesamtverschuldung mehr Zinsen zahlen müssen als damals. Heute wissen wir, daß wir die Gesamtwirtschaftslage nach dem Kriege falsch eingeschätzt haben. Wir haben bei den Ausgaben die Fehler der Vorkriegszeit übernommen, aber ich schäme mich nicht, daß wir das Geld ausgegeben haben für Straßenbauten. Sportplatzanlagen. Grünanlagen und das Hans=Sachs=Haus. Das Verhängnis ist, daß wir uns über die wirtschaftliche Belastung ebenso geirrt haben, wie es die Industrie bei ihren Anlagen getan hat. Die Gehaltsbelastung ist, wenn man ein Durchschnittsgehalt von 3800 Mark feststellt, für eine bankerotte Gemeinde zu hoch. Aber der Beamte hat recht. wenn er seine durch die Gesetze gewährleisteten Rechte in Anspruch nimmt. Aber untragbar ist es, wenn Pensionen gezahlt werden, die das Gehalt im Dienste tätiger Beamten erheblich überschreiten.(Zuruf des Stadtv. Sauer: Parteibuchbeamter!) Stadtv. Brüntink: Unter Parteibuchbeamten verstehen Sie die, die nicht Ihr Parteibuch haben.(Heiterkeit.) Wir warnen vor einer Sparsamkeit am falschen Orte. Wir verzichten darauf. unsere dahingehenden Anträge erneut zu stellen. Hoffentlich findet sich bald im politischen Leben eine Mehrheit, die fern von aller Demagogie die Tatsächlichkeit der politischen Verhältnisse zum Ausgangspunkt ihres Handelns nimmt. (Zustimmung bei der Mehrheit der Versammlung.) Stadtv. Hoffmann(D.V.P.): Selbst wenn alle Ausgaben für die Wohlfahrtslasten gestrichen werden. bleiben immer noch 5 Millionen zu decken übrig. Man darf nicht darüber hinwegseben, daß die Steuerquellen außerordentlich stark geschwächt sind. Sicherlich hat auch die Wirtschaft Febler gemacht. Aber schließlich war die Rationalisierung eine Folge der Forderung der sozialistischen Parteien. Es wäre bedauerlich, wenn der dem Verkehrsverein Buer gewährte Zuschuß für eine Sonderbündelei ausgenutzt werden sollte. Die beiden Verkehrsvereine dürsen nicht nur mit dem Maßstabe der Bevölkerungszahlen gemessen werden. Es sind in den Aufgaben der beiden Büros auch noch andere Unterschiede da. Wenn diese Buerschen Kreise aber eine Lostrennung Buers von Gelsenkirchen wollen, dann sind wir unter der Voraussetzung, daß sie ihr eingebrachtes Paket Schulden wieder mitnehmen, gern damit einverstanden. Wenn immer von zwangsläufigen Ausgaben geredet wird, so muß man doch fragen, wie diese zwangsläufigen Ausgaben entstanden sind. Wir müssen anerkennen, daß die Stadtverwaltung bemübt gewesen ist. Abstriche zu machen, wo es eben möglich war. Die politische Gesamtentwicklung wird vielleicht die Gemeinden vor ganz andere Verhältnisse stellen. Da praktisch die Stadt bankerott ist, müssen wir uns darauf beschränken, das, was noch vorhanden ist, zu erhalten. Dem Deckungsvorschlag der Verwaltung können wir unsere Zustimmung nicht geben. Die Abstimmung Der von der Wirtschaftsvartei eingebrachte Antrag auf Erhöhung des Schulgeldes wird vom Oberbürgermeister dahingehend kommentier", daß eine Erhöhung des Schulgeldes über eine gewisse Grenze hinaus nicht moglich sei. Bei der Abstimmung finden sich nur vereinzelte Stimmen für den Antrag. Der Antrag Merz, den Zuschuß für den Verkehrsverein Buer nicht von einer Namensänderung des Vereins abhängig zu machen, findet seine Erledigung durch die Bemerkung des Oberlürgermeisters, daß ein solcher Zusatz in der Verwaltungsvorlage nicht vorhanden sei. Weiteres sei dem Hauptausschuß überlassen. Der Haushaltsvoranschlag wird darauf mit den Stimmen der Mitte und der Sozialdemokraten angenommen. Zum Deckungsvorschlage bemerkte der Oberbürgermeister, daß eine Beschlußfassung zur Erhebung der Bürgersteuer nur eine Demonstration bedeuten würde. Es sei noch nicht entschieden, ob die Gemeinden das Recht zur Erhebung der Bürgersteuer behalten würden. Für die Erhelung der Bürgersteuer in Höhe des dreieinhalbfachen Betrages der Landessätze werden nur 3 Simmen abgegeben. Ebenfalls verfällt der Antrag Reifenrath, den anderthalbfachen Betrag einzusetzen, der Ablehnung. Damit ist die Bürgersteuer allgemein abgelehnt. Der Einspruch gegen die Erhöhung der gesondert zu leistenden Berufoschulbeiträge sand Zustimmung. Ebenso wurde die Sonderbesteuerung des Wirtegewerbes nicht gebilligt. Beide Beschlüsse sollen durch den Oberkürgermeister der Regierung mitgegeben werden. In der Gesamtabstimmung wurde der Deckungsvorschlag mit Mehrheit angenommen. Schluß der Sitzung 9.20 Uhr. Eine geheime Sitzung schloß sich an. Neuregelung der Bedürftigkeitsprüfung in der Arbeitslosen- und Krisenfürsorge Durch die neue Notverordnung der Reichsregierung vom 14. Juni 1932 ist zwar den Gemeinden ein Betrag von 672 Millionen RM zur Erleichterung ihrer Wohlfahrtslasten zur Verfügung gestellt, formell ist aber die alte Dreiteilung der Arbeitslosenhilfe: Arbeitslosenrersicherung, Krisenfürsorge und Wahlfahrtsunterstützung aufrechterhalten geblieben. Die Forderungen der Gemeinden nach einer einheitlichen gesetzlichen Zusammenfassung der gesamten Arbeitslosenhilfe sind also nicht erfüllt worden. Allerdings sind einige bemerkenswerte Bestimmungen getroffen worden, wodurch die Gemeinden auch auf die Regelung der Unterstützung für Empfänger von Arbeitslosenunterstützung und Krisenfürsorge Einfluß gewonnen haben. Bekanntlich ist neben einer 2prozentigen Senkung der Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung auch die Prüfung der Hilfsbedürftigkeit nach sechswöchiger Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung eingeführt worden, die insgesamt eine Ersparnis von 188 Millionen RM. bringen soll. In der Krisenfürsorge ist unbeschränkt die Prüfung der Hilfsbedürftigkeit durchgeführt worden mit einer Kürzung der Unterstützungsleistung von 10 Prozent, wodurch sich eine Ersparnis von 117 Millionen RM. ergeben soll. Durch die neue Notverordnung ist nun bestimmt, daß. wo das Gesetz die Unterstützung von der Hilfobedürftigkeit abhängig macht, diese Hilfsbedürftigkeit in Zukunft nur von den Gemeinden bzw. Gemeindeverbänden geprüft werden soll. Damit ist für die Krisenunterstützung eine alte Forderung der Gemeinden erfüllt worden. Gegen das Gutachten der Gemeinden oder des Gemeindeverbundes bei der Feststellung der Hilfsbedürftigkeit bzw. ihrer Ablehnung kann der Arbeitslose Einspruch einlegen. Alles Nähere hierüber wird von den Landesbehörden in Ausführungsbestimmungen noch bestimmt werden müssen. Ausdrücklich ist aber vorgeschrieben, daß der Vorsitzende des Arbeitcamtes an die Entscheidung der Gemeinden gebunden ist, soweit die Hillebedurktigkeit bejaht wird Irgend eine Entschädigung für die Prutungetätigkeit bei der Feststellung der Hillebedurttigkeit wird den Gemeinden nicht gewährt Auberdem kann vom Reichspräsidenten der Reichsanstalt der Arbeitslosenversicherung den Gemeinden und Gemeindeverbanden auper der Prüsung der Hilfsbedurftigkeit auch die ganze Durchfuhrung der Reisenfürsorge übertragen werden. Ist eine Gemeinde damit nicht einverstanden, so kann die Gemeindeaussichtsbehörde ihre Zustimmung zu dieler Uebertragung an Stelle der Gemeinde erteilen. Stadtteil Gelsenkirchen Helft uns helfen! „Ja. heft uns helfen!“ so ruft das Deutsche Rote Kreuz unentwegt angesichts der sich überall breit machenden Not. Es möchter gern allen Notleidenden und Bedrängten beistehen, denn Das Rote Kreuz. vor Not und Tod Euch zu schützen sich erbot. Es ist aber leider nicht im Besitze der dazu erforderlichen Glücksgüter und muß sich bittend an eden wenden. der es hierin unterstützen kann. Darum werden wir am nächsten Sonntag seine Sendboten im Straßenbild mit verkäuflichen Rotkreuzblumen. Fähnchen. Losen, Zündholznävschen und einladenden Sammelbüchsen erblicken. Stecke sich dann jeder ein Blümchen ins Knopfloch und trage das Seine zur Füllung der Büchsen mit klingender Münze bei. Viele kleine Beträge ergeben schließlich ein Großes Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß im Ueckendorfer Südvark wiederum wie in den Vorjahren ein Kinder=Blumenkorso mit Konzert vorgesehen ist Eine Musikkapelle und ein Männergesangverein haben sich auch diesmal in den Dienst der guten Sache gestellt. Beweis für den großen Beifall. den diese Veranstaltung im vorigen Jahre gefunden hat, sind die große Beteiligung und die zahlreichen Zuschauer gewesen sowie der Umstand. daß in der Rotkreuzzeitschrift„Unsere Arbeit“ 1932. Nr. 5. S. 75 Einzelheiten aus dem damaligen reizenden Festzuge im Bilde festgehalten waren. Kinder, die nächsten Sonntag 11 Uhr mit Sportwagen. Kinderwagen. Holländern. Schiebkarren u. dgl. den Zug mitmachen wollen, mögen sich Anweisung und Blumen und Fähnchen zum Ausschmücken der Fuhrwerke bei Frau Tümmers. Ueckendorferstraße 68. oder Frau Heitger. Markgrasenstraße 5. holen. Dort werden auch Anmeldungen von freiwilligen Sammlerinnen erbeten wie auch bei den Vorsitzenden der anderen Ortsgruppen des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz. * Familienchronik und Jubilöen = Meistervrüfung. Herr Walterauvel. Sohn des Malermeisters Heinrich Aubel. Gelsenkirchen. Wanner= straße 117, bestand vor der Handwerkskammer in Münster seine Meistervrüfung im Bäckerhandwerk mit Erfolg. Sprachlehrer Harold vermißt. Der engl. Sprachlehrer Adam Harold, der in Manchester in England geboren ist, wird seit dem 17. Juni vermißt. Der 28jähr. Mann hat an diesem Tage am hiesigen städt. Lyzeum privaten englischen Sprachunterricht erteilt und ist seit dieser Zeit nicht in seine Wohnung in Duisburg„Am Berg=Acker 46“ zurückgekehrt. Der Vermißte ist 1.60 Meter groß. schlank, hat schwarzes Haar ohne Scheitel. Bei seinem Weggange war er ohne Kopfbedeckung. Auf der rechten Seite im Munde sehlen einige Zähne. Er trug einen braunen Anzug und braune Schube. Mitteilungen über den Aufenthalt des Vermißten nehmen sämtliche Polizeidienststellen, nsbesondere die Kriminalvolizei. Wildenbruchstr. 11 z. sowie die Provinzial=Nachrichten= sammelstelle bei Polizeipräsidium Recklinghausen entgegen. Volks ohl=Lotterie. Die Gewinnliste erscheint am 30. Juni. = Versteigerung im Leihamt. Das städtische Leihamt im Ortsteil Gelsenkirchen, Oststraße 1. hält am 6. und 20. Juli Versteigerungen der in der Zeit vom 17. Dez. 1931 bis 15. Januar 1932 beliehenen, bisher nicht eingelösten Pfänder ab. Näheres ist aus einer amtlichen Bekanntmachung in unserer heutigen Ausgabe zu ersehen. 0 Jugendlicher Radler verursacht Verkehrsunfall. In den Abendstunden des Mittwochs ereignete sich auf der Hohenzollernstraße, in der Nähe der Vereinigten Stahlwerke, ein folgenschwerer Unglücksfall. Ein jugendlicher Radler, der in wildem Tempo aus der Wildenbruchstraße in die Hohenzollernstraße einbog, sah sich plötzlich einem aus der Richtung Wannerstraße kommenden Motorradfahrer gegenüber, dem er auszuweichen versuchte. Der Kraftfahrer, der die gejährliche Situation gleich erkannt hatte, bremste seine Maschine fast auf der Stelle. Infolge des starken Bremsens geriet das Kraftrad ins Schleudern und der Fahrer kam mit großer Wucht zu Fall. Bei diesem unglücklichen Sturz hat sich der Fahrer vollkommen mit seiner Maschine überschlagen. Er blieb regungslos liegen. Erhebliche Verletzungen am Kopf, an den Händen sowie Beinen hatte der Fahrer davon getragen. Während sich der Radfahrer rechtzeitig aus dem Staube machte, schaffte man den Verletzten zu einem Arzt. * Dem Verletzten Schläge angeboten. Auf der Alleestraße wurde Donnerstag der jugendliche Radler E. K. von einem Motorrad angefahren und erheblich verletzt. Der Radler, der sich vorschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite fortbewegte, wurde in dem Augenblick, als der Motorradfahrer in die Rheinelbestraße einbiegen wollte, von diesem erfaßt und mit großer Wucht zu Boden geschleudert. Nach diesem Unfall bot der Kraftfahrer dem Verletzten noch Schläge an, der sich mühselig von der Straße erhoben hatte und seine Wunden notdürftig verbinden wollte Hierauf sprangen einige beherzte Männer zu, die den rauhen Fahrer schnell zur Vernunft brachten und seine Personalien feststellten. = Nur weil die Autowache am Amtsgericht fehlt... Unser gestriger Hinweis auf die Notwendigkeit der Einrichtung der heute noch immer fehlenden Autowache am Amtsgericht in Gelsenkirchen ist nur zu berechtigt gewesen. Donnerstag mittag wurde nun ein Fahrraddiebstahl in einer Weise ausgeführt, der böse Befürchtungen für die Zukunft in Aussicht stellt. Ein Erwerbsloser. der im Amtsgericht zu tun hatte, hatte sein Fahrrad mit einer schmiedeeisernen Kette und Vorhängeschloß an das Gitter des Vorgartens angeschlossen. Nach wenigen Augenblicken war das Rad mitsamt Kette und Schloß gestohlen. Der Bestohlene ist äußerst empfindlich getrossen worden, denn das Rad hatte er sich von seinem Bruder geliehen, der das Rad zur Fahrt zur Arbeitsstelle benutzte. Wäre die Autowache vorhanden, hätte der dreiste Fahrradmarder nicht die Gelegenheit gesunden, das Schloß unter den Augen des Wachmannes auszubrechen. ist der Schnellverbend„Honseplest elastisch“ Er trägt ein desinfizierendes Mullkissen au elsstischem Hahpllester-Stofl. Drdurch schmiegt er sich jeder Körverstelle feltenlo: en; er gestattet jede Bewegung ohne zu zerren oder zu verrutschen. Er schütrt die Wunde, wirkt blutstillend und verträgt such eine gelegentliche Durchleuchtung. In Heusepotheken, in der Werksialt, euf Wenderumgen, beim Sport sollte er steis zur Hend sein. in Apstheken, Dregesien und Bendegengeschätten erhaltlich. DER DEALE SCHNELIVERBAND K. AOAAbade Das heißt: Nie mu nassem Körper in die Sonne, und sters vorher einreiben mit NIVEA-CREME- NIVEA-ÖL Das gibt wundervoll gebräunte Haut! Gleichzeitig vermindern Sie die Gefahr des Sonnenbrandes An heißen Tagen wirkt Nivea-Creme angenehm kuhlend; bei unfreundlicher Witterung hingegen schützt Sie Nivea-Ol vor zu starker Abkühlung Ersetzen können Sie Nivea-Creme und Nivea-Ol nicht, weder durch„Luxuscremes“, noch durch „Wundercremes“, noch durch„Nachahmungen“, die Ihnen als„ebensogut“ empfohlen werden sollten. Denn es gibt auf der ganzen Welt keine anderen Hautpflegemittel, die das hautverwandte Euzerit enthalten, und gerade derauf beruht die überraschend wohltuende Wirkung. Nivca-Creme RM o.13—1.00# Nivca-Ol RM 1.00 u. 1.60 un 4 Zeitung Nr. 174(Drittes Blatt) 68. Jahrgang 9 Kolonnen und 333 aktive Sanitäter Die Jahresarbeit der Freiwilligen sanitätskolonnen vom Roten Kreuz Groß=Geisenkirchen Erste Hilse und Wachen Das Ausbildungswesen Neue Pläne (gi) Bevor im folgenden ein allgemeiner Rückblick über das freiwillige Sanitätskolonnenwesen der Gesamtstadt Gelsenkirchen im Geschäftsjahre 1931 gegeben wird besteht Anlaß, auf Organisation und Charakter des Kolonnenwesens überhaupt hinzuweisen. In vielen Kreisen scheint es noch nicht bekannt zu sein, daß die deutschen freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz ein Glied der großen internationalen Organisation des Roten Kreuzes sind, dessen Teile in den einzelnen Ländern jeweils der Aussicht des Innenministeriums unterstehen. In ihrer Eigenschaft als Reichs= bzw. Landesorganisation einer internationalen Institution sind die freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz politisch und konfessionell neutral. Ueber ihren eigentlichen Aufgabenrahmen hinaus pflegen die freiwilligen Sanitätskolonnen eine enge Zusammenarbeit mit den vaterländischen Frauenvereinen vom Roten Kreuz, mit den allerorts bestehenden freiwilligen und Berufsfeuerwehren, mit den Polizeiorganen und mit den verschiedenen sonstigen Behörden, soweit sie irgendwie mit Aufgaben beschäftigt sind. die in das Arbeitsgebier der freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz fallen oder dieses berühren. Organisatorisch ist der Kreisverein Gelsenkirchen, der die Kolonnen der Gesamtstadt Gelsenkirchen umfaßt. nach oben hin wie folgt gegliedert: Provinzialverein Westfalen. Preußischer Landesverein, Deutsches Rotes Kreuz. Ueber die Arbeit in den Groß=Gelsenkirchener Kolonnen im Geschäftsjahre 1931 (1. April 1931 bis 31. März 1932) geben folgende Zeilen Auskunft: Der Kolonnenausschuß des Kreisvereins Gelsenkirchen besteht aus folgenden neun Kolonnen: Gelsenkirchen 55. Rotthausen 43. Horst 36, Buer=Resse 33. BuerHugo. Buer=Scholven, Buer=Hassel und Buer=Erle. Die Zahl der aktiven Mitglieder beträgt zur Zeit in Gelsenkirchen 55. Rotthausen 43. Horst 36. Buer=Rsse 33, BuerMitte 49. Buer=Hugo 27. Buer=Scholven 29. Buer=Hassel 33. Buer=Erle 28. zusammen 333 aktive Mannschaften. Die Mannschaften sind sämtlich uniformiert und vollständig ausgerüstet. Die Tätigkeit der neun Kolonnen und ihrer Mannschaften erstreckte sich hauptsächlich auf die erste Hilfeleistung; diese wurde im verflossenen Geschäftsjahre insgesamt in 5268 Fällen gewährt, das sind täglich im Durchschnitt 14 Fälle von erster Hilfeleistung bei Unglücksfällen. Verletzungen usw. Eine zweifellos stattliche Ziffer. die für die rege Inanspruchnahme der freiwilligen Sanitätskolonnen und ihrer Mannschaften in der Gesamtstadt Gelsenkirchen spricht. In der gleichen Zeit(Avril 1931 bis März 1932) wurden insgesamt über 8000 Wachen gestellt, die bekanntlich auf Anforderung Behörden. Vereinen und auch Privaten bei größeren Veranstaltungen, die eine Sanitätswache erheischen, zur Verfügung stehen. Insgesamt verfügen die neun Kolonnen der Gesamtstadt zur Zeit über 59 Tragbahren, die in dieser Anzahl zum Abtransvort von Kranken oder Verletzten unbedingt erforderlich sind. An dem Hause eines jeden Mitgliedes sämtlicher neun Kolonnen ist ein Erkennungsschild mit rotem Kreuz auf weißem Grunde angebracht, sodaß jeder Hilfesuchende leicht einen solchen Sanitäter finden kann. Außerdem bestehen in verschiedenen Straßen der einzelnen Stadtteile besondere Unfallmeldestellen der freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz. und zwar im Gebiet der Kolonne Gelsenkirchen 13. in Rotthausen 6. in Horst 7. in Buer=Resse 5. in Buer=Mitte 7. in Buer=Hugo(wegen der Größe des Bezirks) 10. in Buer=Hassel 8. in BuerScholven(gleichfalls wegen der Ausdehnung des Bezirks) 10. in Buer=Erle 8. zusammen also 74 Unfallmeldestellen. Ueber die ganze Stadt ist also entsprechend der räumlichen Ausdehnung der Bezirke ein sorgfältig ausgebautes Unfallmeldesystem ausgebreitet, das zur erheblichen Erhöhung der dauernden Bereitschaft der Kolonnenmannschaften beiträgt. Besonders hervorgetreten sind die freiwilligen Sanitätskolonnen im verflossenen Geschäftsjahre auch durch ihre Mitwirkung bei den Sammlungen zur Winterhilfe. An den Kleider= und Warensammlungen nahmen sämtliche Kolonnen regen Anteil. Etwa 180 bis 200 freiwillige Sanitäter wurden für die Sammeltätigkeit wiederholt zur Verfügung gestellt. Unter Verwendung von Fahrzeugen verschiedenster Arl suchten die freiwilligen Sanitäter nach entsorechender Ankündigung durch Hornsignale in den einzelnen Straßenbezirken der ganzen Stadt die Häuser aus, um die Gaben der zahlreichen Svender einzusammeln. Auch an den Geldsammlungen der Winterhilfsaktion haben sich die freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz wesentlich beteiligt. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die zusammen mit dem Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz im Juni vorigen Jahres anläßlich des Rotkreuztages durchgeführten Geldsammlungen gleichfalls ein gutes Ergebnis gebracht haben. Ein Hauptaugenmerk richtete sich natürlich auch auf das Ausbildungswesen. Sämtliche Mitglieder der einzelnen Kolonnen befinden sich in ständiger Ausbildung. sowohl unter freiem Himmel wie in geschlossenen Räumen. Es finden lausend folgende Doppelstunden im Ausbildungswesen unter freiem Himmel statt(in Klammern die Doppelstunden an Ausbildun. in geschlossenen Räumen): In Gelsenkirchen 14(10). in Rotthausen 10(11). in Horst 9(8). in Buer=Resse 5(20). in Buer=Mitte 9(14). in Buer=Hugo 13(15), in BuerHassel 12(11), in Buer=Scholven 8(40). in Buer=Erle 9(11). Neuerdings beschäftigen sich die Kolonnen der Gesamtstadt auch mit der Ausbildung von Mannschaften im Gasschutzdienst. Es wurden im Gasschutzdienst ausgebildet im verflossenen Geschäftsjahre in Gelsenkirchen 10 Mannschaften. in Rotthausen 11. in Horst 1. in BuerResse 1. in Buer=Mitte 2. Weiterhin haben im Lause des vergangenen Geschäftsjahres besondere Mannschaftskurse im Rettungsschwimmen stattgefunden. die durch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft durchgeführt wurden. Insgesamt konnten 12 Mannschaften das Divlom als staatlich geprüfte Rettungsschwimmer bekommen. Für die Kolonnen der Stadtteile Buer und Horst wurden im Sektionskrankenhaus„Bergmannsheil“, besondere Hilfskrankenpflegerkurse eingerichtet, die von allen Buerschen Kolonnen gut beschickt waren. 31 Mannschaften haben auf Grund dieser Kurse ihre Prüfung als Hilfskrankenpfleger bestanden. Weiterhin ist noch hervorzuheben, daß die Kolonnen sämtlich mit Gasschutzgeräten ausgerüstet worden sind, und zwar mit Draeger=Schlauchgeräten mit Kalivatrone, wovon jede Kolonne zwei besitzt. Zu den sonstigen Ausrüstungsgegenständen der Kolonnen gehören zehn Scheinwerfer(zwei für die Kolonnen Gelsenkirchen, je einer für die übrigen acht Kolonnen) und zahlreiche Brustlampen. Besonders noch sei darauf hingewiesen, daß die Mannschaften der freiwilligen Sanitätskolonnen durch eine Binde mit rotem Kreuz auf weißem Felde zu erkennen sind, während zum wesentlichen Unterschied hiervon z. B. die Arbeitersamariter ein weißes Kreuz auf rotem Felde tragen. Für das neue Geschäftsjahr 1932 sind bereits verschiedene neue Pläne vorgesehen. U. a. sollen mit allen neun Kolonnen Gasschutzlehrgänge durchgeführt werden. Die Ausbildung in der ersten Hilfe und in der Hilfskrankenpflege wird weiter fortgeführt; die letztere noch ausgebaut. Die in Verbindung mit dem Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz im vergangenen Jahre durch die Kolonnen Buer=Mitte erstmals durchgeführte Ausbildung von Samariterinnen, die sich sehr gut angelassen hat und besonders reges Interesse fand, soll auf die übrigen Kolonnen ausgedehnt werden. Und so werden denn auch im Jahre 1932 die Groß=Gelsenkirchener Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz ihre Tätigkeit im Dienste der Nächstenliebe unter ständiger Hilfsbereitschaft fortzusetzen wissen, indem sie sich dazu noch jederzeit besonderen Erfordernissen der allgemeinen Entwicklung(Hilfskrankenpflege und Gasschutz z. B.) mitgehend und sich ständig vervollkommnend anzupassen wissen. Wengehende Wohlfahrtsanträge vom Wanne=Eickeler Stadtparlament angenommen Neuwahl der Ausschüsse wieder vertagt Das Schulgeld der höheren Lehranstalten Lange Debatten über die Wohljahrtsanträge der Linken Trotz ernster Mahnworte des Oberbürgermeisters werden die Wohlfahrtsanträge sämtlich angenommen s Nach einer Spanne von 5 Monaten hatte die WanneEickeler Stadtverwaltung gestern eine Stadtverordnetensitzung einberufen, die im Zeichen der Wahlen und zahlreicher Dringlichkeitsanträge der Linken stand, sodaß der Zuschauerraum dicht gefüllt war. Zu Beginn der Stadtverordnetensitzung gab Oberbürgermeister Kiwit noch einen Dringlichkeitsantrag der SPD. auf Gewährung von Kleidergeld. das nach der Stärke der Familie gestaffelt werden sollte, ferner der KPD. auf kostenlose Ueberlassung städtischer Svortvlätze. Turnhallen usw. an die proletarischen Organisationen bekannt. Als Sprecher der Kommunisten brachte Stadtv. Schulz ferner einen Antrag auf Sprengung der chaussierten Straßen als Dringlichkeitsantrag ein. Die Dringlichkeit der KPD.= Anträge wurde angenommen und beschlossen, sie als Punkt 13 auf die Tagesordnung zu setzen. Der SPD.= Antrag soll unter Punkt 12 behandelt werden. Da die KPD. wieder Neuwahl der Ausschüsse nach der Verhältniswahl beantragte, stellte Stadtv. Westhoff(Ztr.) den Antrag auf Vertagung dieses Punktes. um die Verhandlungen nicht verschlepven zu lassen. Die Mehrheit stimmte diesem Antrag zu. Die übrigen Wahlangelegenheiten. Wahl von Vertrauensmännern zum Ausschuß der Schöffen und Geschworenen. Ersatzwahl zum Sparkassenvorstand. zum Schulausschuß der höheren Lehranstalten. zum Stadtausschuß, zur Emschergenossenschaft, sowie Wahl eines Bezirkspflegers für den 5. Bezirk wurde nach der Vorlage debattelos angenommen. Zur Weiterführung der Ruhegehalts. und Hinterbliebenenversorgung für die Angestellten der Westf. Straßenbahn schlug Oberbürgermeister Kiwit vor, die auf die Stadt WanneEickel entfallende Zahlung von rund 200 RM. monatlich zu bewillgen. Stadtv. Behrens(Stadtblock) warnte vor der Uebernahme zu weitgehender Verpflichtungen, damit den Angestellten der Westsälischen Straßenbahn nicht auf Kosten der öffentlichen Hand zu große Vorteile erwüchsen. die über die Pensionen der Knappschaft und anderer Kassen hinausgingen. Vor allem warnte er davor, den Betrag v.n 171000 RM. an die Pensionskasse in Goldmark zu übernehmen. Oberbürgermeister Kiwit erklärte diese Befürchtungen für unbegründet. überhaupt nicht auszuführen, nahm Oberbürgermeister Kiwit kurz Stellung. Zur Notverordnung könne noch keine Stellung genommen werden, da sie im Text noch nicht vorliege. Sobald der Differenzbetrag zwischen Wohlfahrts= und Krisenunterstützung über 2 Mark betragen habe, sei er bereits ausgezahlt worden. Im übrigen müsse sich die Verwaltung streng an die Richtlinien halten, von denen eine Gewährung von Sonderzuschüssen abhängig gemacht werde. Die Miete für Exmittierte sei bereits von der Stadtverwaltung übernommen worden, wenn der Betreffende unverschuldet mit der Miete im Rückstand geblieben sei. Da die Stadt nur noch Heilkuren durchführen könne, habe das nur für Heilkuren in Frage kommende Kinderheim Kappenberg aus finanziellen Gründen geschlossen werden müssen. Stadtv. Schulz(K. P. D.) gab eine eingehende Begründung der Wohlfahrtsanträge. Wenn die Not so weiter ansteige, werde Deutschland in kurzer Zeit ein Blutbad sein und die Selbstmordstatistik erschreckend anschwellen. Stadtv. Schwartze(Stadtblock) gab namens des Stadtblocks einen Entschließungsantrag bekannt, in dem von der Reichsregierung eine Aenderung der Notverordnung, die eine untragbare Belastung der Wohlfahrtsempfänger bringe, gefordert wird. Stadtv. Westhoff(Zentr.) erklärte namens der Zentrumsfraktion, daß diese nach reiflicher Ueberlegung beschlossen habe, allen nestellten Wohlfahrtsanträgen zuzustimmen. Stadtv. Kavalla(S. P. D.) volemisierte gegen die Papen=Regierung. die von den Nationalsozialisten unterstutzt werde und mit ihrer neuen Notverordnung nicht nur die Not, sondern geradezu den Hunger verordnet habe. Stadtv. Rimbach(Kriegs= und Arbeitsopfer) beantragte, den ersten Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion zum Punkt 12 der Vorlage hinzuzunehmen. Hiernach soll die Stadtverordnetenversammlung gegen die Herabsetzung der Renten für kinderlose Leichtkriegsbeschädigte protestieren, da diese in erster Linie aus dem Arbeitsprozeß entlassen und auf Wohlfahrts= bzw. Krisenunterstützung angewiesen seien. Die Forderungen der Kriegsopfer seien voll und ganz berechtigt, aber bisher noch von keiner Regierung voll berücksichtigt worden. Es sei eine große Ungerechtigkeit, daß die Waisen=Renten, die bis zum 18. Lebensjahre gesetzlich garantiert seien, jetzt nur bis zum 15. Jahre gezahlt werden sollten. Der Waisenrentenbezug führe bei den Kriegsrentnerhinterbliebenen zu furchtbarer Not. Es sei unbegreiflich, daß der Staat, der so oft der Helden des Weltkrieges gedenke, heute die Kriegsrentner mit Bettelpfennigen abspeisen und in die Wohlfahrt bringen wolle. Stadtv. Buchholz(S. P. D.) begründete die Kleiderunterstützungsvorlage seiner Fraltion, anschließend unterstrichen noch mehrere Redner der Linken die Bedeutung der Anträge. Der Oberbürgermeister warnte vor der Annahme der Dringlichkeitsanträge, da er die laufenden Unterstützungssätze nicht einmal ohne besondere Staatszuschüsse zahlen könne. Trotz der ernsten Mahnworte des Oberbürgermeisters wurden aber sämtliche Dringlichkeitsanträge mit starker Mehrheit angenommen. Anschließend fand eine geheime Sitzung statt. Mit den Stimmen des Zentrum und der S. P. D. wurde, wie wir hören, gegen die Stimmen dei Rechten die Wahl des Studienrats Wigge zum Direktor des Oberlyzeums beschlossen. Stadtv. Schulz(KPD.) wandte sich mit Schärfe gegen die Auffassung des Sprechers der Rechten, der ungerechtfertigt den armen Straßenbahnarbeitern die Blutvsennige beschneiden wolle. Als er die Auffassung des Stadtv. Behrens als„Frechheit" bezeichnete, erteilte ihm der Oberbürgermeister einen Ordnungsruf und entzog ihm schließlich das Wort. Stadtv. Kavalla(SPD.) erklärte, daß die Zahlungen aus der Pensionskasse zweisellos keine phantastischen Beträge annehmen würden. Die Zurückerstattung ersparter Beträge der Arbeiterschaft sei eine moralische Pflicht Der Vorschlag der Stadtverwaltung wurde in der Abstimmung fast einnimmig angenommen. Baurat Detering begründete die Vorlagen über eine Uebereignung von Baugrundstücken Am Aschebrock als Reichsheimstätten an Mitgleder des Bauvereins Deutsche Heimat, sowie über den Grunderwerb zur Straße Auf der Wenge von Wwe. Fr. Hülsmann.— Beide Vorlagen wurden debattelos angenommen. Zur Festsetzung des Schulgeldes für höhere Lehranstalten führte der Schuldezernent, Beig. Schumacher, aus, daß der Schulausschuß dem Verwaltungsvorschlag, das Schulgeld an den hiesigen höheren Schulen entsprechend den an den Staatsanstalten geltenden Sätzen für das Rechnungsjahr 1932/33 für Einheimische auf 240 Mark und für Auswärtige auf 300 Mark festzusetzen, zugestimmt habe. Die Bestimmungen über Gewährung von Freistellen, Geschwisterermäßigungen u. a m. sollten weitgehende Anwendung finden. Es seien bereits zahlreiche Freistellen im Laufe des Jahres ausgegeben worden und noch weitere vorgesehen. Nach kurzer Debatte erklärte Oberbürgermeister Kiwit, daß das Interesse der Kinder bedürftiger Familien genügend gewahrt sei, sodaß wegen der Vergebung von Freistellen nur an qualifizierte Schüler sogar noch eine Reihe von Freistellen überhaupt nicht ausgenutzt werden Zu den Wohlfahrtsanträgen der R. P. D., die durch die Papen=Regierung verhängte Notverordnung Stadt Wanne=Eickel 30 Jahre Männergesangverein„Unser Fritz“ s Am Sonntag feiert der im Juli 1902 von 35 Sängern im Lokal des Gastwirts Hagemann unter Führung der Sangesbrüder H. Bolzenkötter. Hagemann und Schmitz gegründete M.=G.=V.„Unser=Fritz“ sein 30jähriges Bestehen. Der erste Dirigent. Lehrer Oberndorser=Gelsenkirchen nahm am 16. Juli 1902 seine Tätigkeit auf. wurde jedoch bereits Ende des Jahres durch Lehrer Sievmann=Gelsenkirchen abgelöst. der den Verein bis 1914 betreute. Die Kriegsjahre brachten die Vereinstätigkeit zum Erliegen. 1919 nahm Rektor Bonnemann den Dirigentenstab auf. und unter ihm und seinen Nachfolgern. den Chorleitern Ritter. Mönkehaus und Spittler=Gelsenkirchen, hat sich das musikalische Leben des Vereins rege entwickelt, dessen Vorsitz bis 1920 vom Kaufmann Bolzenkötter, seitdem vom Sangesbruder Janzen geführt wird (s) Wichtige Straßenbauarbeiten in Holsterhausen hat die Stadtverwaltung gegenwärtig in der Hiberniastraße begonnen, deren Kurve bei der Einmündung in die Holsterhausenerstraße begradigt wird. Zugleich mußte das Holsterhausener Kriegerdenkmal, dessen Standort diese Kurve verursachte, abgetragen und der Eckhügel, auf dem das Denkmal bisher stand. eingeebnet werden. Sachgemäß wurde das Denkmal auseinandergenommen und zu einer Rasenfläche zwischen dem Melanchthonhaus und der evangelischen Kirche geschafft, wo das Monument gestern wieder zusammengesetzt und aufgebaut wurde. Die Beseitigung der gefährlichen Kurve an der Ecke Holsterhausener= und Hiberniastraße liegt im Interesse des starken Durchgangsverkehrs der Holsterhausenerstraße. s Opfer des Verkehrs. Der 4jährige Franz R. der von einem Personenwagen angefahren und schwer verletzt wurde, ist im St.=Anna=Hospital seinen Verletzungen erlegen. Dortmund Gelsenkirchen Kaufen Sie Ihren nächsten Anzug und Mantel lieber direkt. Keine überflässigen Zwischenkosten Unsere Ladenverkaufspreise sind nach Neucinführung unserer Werbe-Preise folgende: 15.- 1850 23.28.- 32.- 48.- 58.für Anzüge und Mäntel Außerdem besonderes Angebot in Hosen Herren-Hosen sehr strapazierfähige Qualitäten 4.50, 3.75, 2.75 Tennis-Kosen Ein Posten in grau und beige, nur moderne Parben 7.50, 5.50. 150 M 3.75 Knickerbocker-Hosen moderne Farben, starke Qualitäten, mit doppeltem Gesäß 4.75, 3.75 Ein Posten Nächste Fabrik-Verkautsstelle: Gelsenkirchen, Bahnhoistraße 86 s Einen schweren Betriebsunfall erlitt der Schlosser Wilhelm K. aus einer Montage in Duisburg, wo er beim Gerüstbau abstürzte und mit einem Arm= und Beinbruch sowie inneren Verletzungen dem Krankenhause zugeführt werden mußte. s Verkehrsunfälle. An der gefährlichen S=Kurve in der Dorstenerstraße unweit der Lstraße stießen zwei Automobile zusammen. Während die Wagen schwer beschädigt wurden. kam einer der Führer ohne Verletzungen davon; der zweite aus Herne stammende Wagenführer erlitt durch Glassplitter Verletzungen an der Hand und im Gesicht. — Auf der Dorstenerstraße geriet in den gestrigen Mittagsstunden ein Motorradfahrer in eine Gruppe von acht Radfahrern, die die ganze Straße für sich, beanspruchten und die Signale des Motorradfahrers unbeachtet ließen. Drei Radfahrer wurden leicht verletzt, ein Rad. über das der Motorradfahrer hinwegfuhr, vollständig zertrümmert. s Diebstahl. Aus einem an der Straßenkreuzung Hindenburg= und Overhoffstraße stehenden Personenwagen wurden am 21. Juni zwischen 13 und 14.30 Uhr ein brauner 70 mal 40 mal 15 Zentimeter großer Pappmachékoffer und ein 60 mal 60 mal 10 Zentimeter großer Pappkarton mit Musterkollektionen gestohlen. Der Schaden beträgt etwa 250 Mark. Die Tür des Wagens ist mit Nachschlüsseln geöffnet worden. Zwei übelwollende„Wohltäter“. Eine komplizierte Angelegenheit vor dem Buerschen Schöffengericht 2 Selsenkirchen=Buer, 23. Juni 1932. Das Schöffengericht in Buer befaßte sich am Donnerstag mit folgender Angelegenheit. Der Arbeiter Johann Sch. und dessen Bruder Bruno kehrten am 22. März von einer angeblichen Hamsterfahrt zurück, als sie in der Nähe der Wirtschaft Grümmer in Buer=Hassel Halt machten, um ihre stark abgenutzten Fahrräder nachzusehen und gleichzeitig einen Augenblick auszuruhen. Beide verharrten einen Augenblick in Stillschweigen, als ihnen plötzlich Geräusche zu Ohren kamen und schon wurden ihnen von unbekannten Personen die Rucksäcke geöffnet und zum größten Erstaunen der Gebrüder 8 Flaschen Wein hineingesteckt. Sichtlich erfreut über dieses unerwartete Geschenk. von dem 6 Flaschen an Bruno und 2 an Johann sielen. schnürten beide wieder die Rucksäcke zu. Mit den Worten:„Schweigt und macht, daß ihr verschwindet!“ ergriffen die unbekannten Wohltäter das Hasenvanier. Schon hatte sich Johann auf sein Rad geschwungen und war davongefahren Bruno folgte. Die Sache war nun die, daß Einbrecher. die in der Wirtschaft überrascht worden waren. von dem Diebesgut den beiden Hamsterern 8 Flaschen Wein zugesteckt und so den Verdacht auf diese gelenkt hatten. Die Brüder langten schließlich in Buer=Erle an. wo sie ein Polizeibeamter auf Grund ihres verdächtigen Aussehens zur Wache brachte Hier erzählte Bruno. daß die Weinflaschen von der Wirtschaft Grümmer, wo unbekannte Versonen einen Einbruch verübt hatten, herrührten. Weiter gab er die Richtung an. in der sich die Personen entfernt hatten. Die Beamten schenkten diesen Aussagen zuers: keinen Glauben. So wurde Bruno vorläufig in Haft gehalten. Aus Wut über diesen unfreiwilligen Aufenthalt verweigerte er jede weitere Aussage. Jodann wurde freigelassen. Unterdessen fahndete die Erler Kriminalvolizei nach einem mit erheblichen Vorstrafen belasteten Arbeiter G. aus Buer, dessen sie bald habhaft werden konnte. G. gestand mehrere bisher unaufgeklärte Diebstähle zu und bezichtigte den schon vorbestraften Arbeiter August L des bezichtigte den schon vor n Arb Diebstahls bei Grümmer. wo L. 66 Flaschen Wein, 22 Flaschen Sekt und 25 Flaschen Branntwein gestohlen habe. Obendrein soll L. noch 100 Liter Bier haben auslaufen lassen. Insgesamt entstand dem Wirt dadurch ein Schaden von über 400 Mark. Weiter bezichtigte G. die Brüder Johann und Bruno Sch. und zuletzt sich selbst eines Diebstahls bei dem Landwirt B. in Buer=Hassel. wobei er den Diebstahl bis zu den kleinsten Vorgängen baargenau schilderte. Ein Aufgebot von insgesamt 25 Zeugen konnte in diese dunkle Angelegenheit vorerst keine Klarheit schaffen, da einige Angeklagten ihr Alibi nachweisen konnten. Soweit nach über sechsstündiger Verhandlung festgestellt werden konnte ist den Aussagen des G. nicht immer voller Glauben zu schenken, da sie sich zum Teil in Widersprüche mit den Zeugenaussagen verwickeln. Inwieweit seine Aussagen den Tatsachen entsprechen, muß kommenden Verhandlungen überlassen bleiben. Fest steht bisher, daß die Erler Polizei einem gemeingefährlichen Dieb auf die Spur gekommen ist, der sicher noch weitere Diebstähle eingestehen wird. Vorläufig wurden August L. und ein gewisser S., den G. ebenfalls der Hehlerei beschuldigte auf freien Fuß gesetzt. Gegen G. selbst der sich eines Diebstahls mit den Brüder Sch. beim Landwirt B beschuldigte. beantragte der Staatsanwalt 7 Monate Gefängnis. Johann und Bruno Sch. wurden wegen Hehlerei, da sie wußten, daß der Wein Diebesgut war und ihn trotzdem mitnahmen, zu je 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Kreuz und quer Aurch die Welt „Eintracht, Friede walten hier. Von Heinz Lorenz=Lambrecht. Wollen Sie bitte die Uhr verschenken.. Ich hörte gestern abend Radio. Ich muß meine Gesundheit und meine materiellen Verhältnisse berücksichtigen. aber besonders die materiellen Verhältnisse. Nun und das Programm war gerade auch nicht schlecht. Sogar fabelhaft. Jazzband. Erstklassige Jazzband. Temperamentvolle Musik, übermütig bis zur Fessellosigkeit. Das war fortreißender Rhothmus, sprühendes, kribbelndes Leben. nur ab und zu gedämpft durch seltene glühende Klänge, die wie aus einem afrikanischen sonnendurchsickerten Palmenhain zu dringen schienen. Ich war begeistert. Restlos. Bin Fortschrittler. Und hier pfefferte man endlich veraltete Musiktraditionen, die nicht mehr in unserer Zeit passen, mit einem respektablen Fußtritt vor die Tür... adio! Kurz und gut: man kann sich mit einem Radiohörer oft glänzend mokieren über die eigene Jahrtausende alte Kultur. Gerade vlumpste und schluchzte ein Saxophon mit nilvferdartigen, schwerfälligen Synkoven noch alte Niggersongs und schon verulkte sorunghaft in einer anderen Oktave eine Klarinette die soeben gespielten Songs mit den witzigsten Kapriolen— da höre ich eine Klingel, und hat verblüfsende Klangähnlichkeit mit meiner elektrischen Wohnungsklingel. Richtig, sie ist es auch. Gerade jetzt. Aergerlich. Ich öffne die Tür. Und vor mir erkenne ich Herrn Hans Dörr vom vierten Stock. Kriegsinvalide. Angeblich bettelt er irgendwo, aber man hat ihn noch nie dabei gesehen. Und ich hätte mich bestimmt nicht mehr gewundert, wenn der neue tschechische Scharfrichter mich besucht hätte. Auch sehe ich den alten Dörr zum ersten Male so richtig knapp vor mir. Abgesehen von den blauen Augen erscheint sein zusammengeknissenes Gesicht häßlich, sehr häßlich sogar. aber seine Augen sind sonderlich klar erkennbar und leuchten. Also so sieht der Bettler Hans Dörr aus. Er steht vor mir und ist scheinbar verlegen wie ich. Und im Stiegenhaus ist es schon dunkel und still. und der Alte stammelt etwas, scheint einen Wunsch zu haben. der sich aber nicht so leicht mitteilen läßt.„Entschuldigen Sie. Herr!“ sagt er.„Entschuldigen Sie... Ich wollte nur...“ Und er zeigt mir etwas, das er in der verkrüppelten Hand hält und stammelt weiter:„Eine Uhr ... Eine alte Tischuhr...“ Ich sehe ihn verständnislos an. Da saßt er Mut und belehrt mich: „Diese Tischuhr gehört mir, ich habe aber noch eine andere! Wollen Sie vielleicht bitte die Uhr verschenken. ich brauche sie nicht mehr... und... kenne aber niemand...“ Und er drückte mir einfach die Uhr in die Hand und raschelt zurück in den vierten Stock.„Gute Nacht!“ hatte er mir noch zugerufen. Nicht wahr. Sie werden wohl verstehen, daß ich nun nicht mehr so einfach Radio hören konnte. Trotz der fabelhaften Jazzband. Denn meine Verblüffung wollte sich noch immer nicht lösen. Im Gegenteil. Und ich beschaute mir eingehend die Uhr. Es war eine wirklich schwere schöne Tischuhr. Der Mechanismus in weißem Marmor eingelassen. Mit geschliffenem Glas. Gut über siebzig Jahre alt und auch noch mehr. Mit zwei blanken Zeigern. dessen größerer dem kleinen wie mit Spinnenbeinen davonzulaufen versuchte. Und die Uhr tickte. Tickte. Eine halbe Stunde später lag ich zu Bett. Natürlich tickte die Uhr noch immer. Aber nun auf dem Nachtischchen und ich habe dazu nachgedacht. Ueber Hans Dorr. Den sonderbaren alten Hans Dörr. Genau so lange wie ich wohnt Hans Dörr schon im Haus. Mutterseelenallein im vierten Stock. Spricht mit niemand. Er muß einmal im Leben erwas gewaltig krumm genommen haben: mag sein, daß ihn doch vielleicht einer irgendwo gesehen hat und ihn so unwissentlich aus dem Gleichgewicht brachte. oder seinen durchaus begründeten Kriegerstolz an empfindlicher Stelle, die ja jeder besitzt. verletzte. Auch grüßt er nicht. Denn man vergaß seinen Gruß zu erwidern. Mein Gott. was wollen Sie. ein Bettler...! Der Regen klapverte gegen die Fenster. Die Augenlider wurden mir schwer. Was geht mich auch schließlich der schrullenhafte Alte an. Ausreichender Nachtschlaf ist gesünder und wichtiger. Die Uhr tickte um die Wette mit dem Regen und ich schlief ein. Das war gestern abend. Heute früh wurde ich geweckt. Sonst weckt mich niemand. Von einer Melodie wurde ich geweckt: eine Melodie wie aus den Träumen meiner Kindheit herausgezogen. Sonnenstrahlenhaft. Himmlische Erschrockenheit stürzte in mein Herz. Oder war es wirklich meine Kindheit?.... Ueb' im.. mer Treu und Red... lich.. keit, bis an dein küb.. les Grab..“— Aber meine Mutter. meine liebe, liebste Mutter— ach, die, die saß doch nicht neben mir. Sondern die Quelle der Melodie floß aus der Uhr auf meinem Nachttisch#en. Ich wurde verschüttet von kristallenen Tönen, von seidigen Noten. weich und schwingend wie kleine Schmetterlinge. Da waren die klaren Abende in Westfalen, die Märchen meiner, Mutter, die abgewonnenen Tonkügelchen meiner Freunde, mein Vater, der in den großen Krieg zog... wie Dörr— O. alter Hans Dörr im vierten Stock, was hast du mir für eine Uhr geschenkt! Und warum nur? Warum?!— Und nun sagen Sie selbst, ist es nicht sonderbar genug. daß es Menschen gibt, die über zehn Jahre in ein und demselben Haus wohnen, ohne im vierten Stock gewesen zu sein?! Daß es Menschen gibt, die nur durch ein Stockwerk getrennt sind und doch zehn Jahre hindurch noch kein Wort gewechselt haben?! Ich schäme mich.— —— Soeben erzählt mir meine Schwester, der Schnorrer über uns müsse erkrankt sein: der Arzt aus unserer Gasse sei zu ihm hinaufgegangen. Und so bin auch ich jetzt herauf in den vierten Stock und muß meinen Besucher von gestern abend besuchen. Wilhelm Auffermann. Vera und Philivv pflegen die Sommermonate in ihrem kleinen Häuschen außerhalb der Stadt zu verbringen. Die Vorbereitungen zum Umzug. der im Juni stattfindet, sind stets mit einer Menge Aufregung verknüpft. und man wagt erst ein wenig aufuzatmen, wenn man mit Kisten. Koffern und Schachteln, mit dem Mädchen und dem Sprößling in der Vorortbahn sitzt. Natürlich sieht man häufig Besuch in dem kleinen Häuschen— wer so ein hübsches Häuschen mit Garten. Laube. Loggia und allen: andern hat. braucht nicht darum besorgt zu sein.— In diesem Jahr meldet sich gleich für den ersten Sonntag Gustav an. Weder Vera noch Philipp können ihn besonders leiden. und daber erbeischt es die Höflichkeit, daß man sich seiner besonders freundlich annimmt. „Platzen soll er vor Neid. wenn er unser kleines Paradies sieht!“ sagt Philivv. und Vera setzt hinzu:... und unser barmonisches Zusammenleben.“ Worauf Philipp mit einem zärtlichen Blick auf seine kleine Frau:„Das sowieso!“ Gustav kommt und bringt einige verwelkte Blumen mit.„Oh. wie aufmerksam von dir. Gustav!" ruft Vera entzückt und denkt: Ausgerechnet Blumen! Als ob wir die hier gar nicht hätten!— Der Gast bekommt das Haus und alle zugehörigen Sehenswürdigten gezeigt. er lobt mehr als zu loben ist. Philipp sagt zum Schluß:„Ich habe ein Schild bestellt:„Wanderer, laß sagen dir— Eintracht. Friede herrschen hier!"— Das kommt über die Tür. Hübsch. nicht? Statt herrschen ist vielleicht walten besser: berrschen, das klingt so... so diktatorisch. Was meinst du?“ Gustav sieht mit unenträtselbarem Gesicht auf das Ehevaar. das in demonstrativer Umschlingung vor ihm steht:„Ja.“ sagt er.„das ist ein wunderbarer Spruch.. Eintracht. Friede walten hier! Du bist ein großer Dichter. Philivv.“ „Na. so für den Hausgebrauch.“ sagt Philivv bescheiden und dann wohlgelaunt:„Jetzt wollen wir aber eine Flasche Wein trinken. Wir setzen uns in die Loggia. auf daß sich der Duft des Gartens mit dem Duft des Weines mische. Erdnäbe! Wir wollen Erdnähe haben! Erdverbunden wollen wir sein, lieber Gustav.— Bitte. Schatzi, sei doch mal so lieb und hol den Korkzieher, indes ich den eingefangenen Sonnenschein aus dem Keller ans Tageslicht ziebe.“ Die Flasche steht auf dem Tisch. Philipv und Gustav sitzen davor und Philipp sagt:„Ja. lieber Freund, es ist doch kein leerer Wahn um die vollkommene Ehe. Siehst du. da weiß man doch, wozu man da ist. Für Weib und Kind arbeiten! Da bekommt das Leben erst Sinn. Ich kann heute nicht mehr verstehen, daß ich so lange Junggeselle geblieben bin. Für dich wäre es auch an der Zeit. wenn du endlich...“ Da kommt Vera zurück:„Ich kann den Korkzieher im Schubfach nicht finden.“ „Nun, dann wird er vielleicht auf einem Regal oder in einem Schrankfach liegen.“ sagt Philivo mild.„Sieh nur einmal genau nach. Liebling!“ Vera geht. Die Freunde unterhalten sich. Der eingefangene Sonnenschein kommt mit dem freien Sonnenschein in Berührung und erwärmt sich sachte. Eine Viertelstunde vergeht. Dann erhebt sich Philivv:„Ich muß doch einmal nachsehen, wo das Kleinchen solange bleibt.“ Als er in die Küche tritt, ist sein erster Gedanke, daß Einbrecher hier waren. Alle Schubsächer sind ausgerissen. alle Schranktüren stehen offen der Boden ist bestreut mit einem heillosen Durcheinander von Gegenständen. Vera kniet vor dem Küchenschrank und hat den Kovf tief in einem Fach. „Was ist denn hier los?“ Vera zieht den Kovf zurück. Ihr Gesicht ist rot und ihr blondes Haar zerzaust.„Ich kann ihn nicht finden.“ schnaubt sie. „Aber Kind...!“ Mit leisem Vorwurf:„Das kommt aber davon. wenn man die Sachen nicht sofort an den ihnen zustehenden Platz tut. Doch Ordnung lehrt auch Zeit gewinnen! Merk dir das!— Die Feuerzange an den Herd. den Eimer zur Wasserleitung und den Korkzieher ins Messerkördchen. Da müßte er also drin sein.“ „Aber er ist nicht drin.“ „Dann hast du ihn jedenfalls vergessen einzupacken.“ „Ich?! Aber den Korkzieher mitzunehmen, wäre doch deine Sache gewesen. Der Herr des Hauses ist verantwortlich für Zigarren und Getränke und was dazu gehört.“ „Aber ich habe dir eigens gesagt: nimm den Korkzieher mit!" „Du hast mir das gesagt? Davon weiß ich kein Wort.“ „Natürlich nicht. Weil du deine Gedanken wieder wo anders hattest.“ „Also bitte, mach mal keine Vorwürse! Hilf lieber suchen!“ Philivv sieht sich in dem Chaos der Haushaltungsgegenstände um und sagt ironisch:„Wenn du ihn bis jetzt nicht gefunden hast, so wird er wohl auch nicht da sein. Die einzige Möglichkeit ist, daß er sich noch in einer der Schachteln oder Koffer befindet.“ Sie rusen Gustav. der geduldig auf der Loggia sitzt. „einen Augenblick noch. lieber Freund!" zu und steigen eine Art Hühnertrevve zum Boden hinauf. Jeder Koffer. jede Schachtel wird umgedreht. aber es fällt nichts mehr heraus. Die Gatten sind hochrot. Schweiß läuft ihnen übers Gesicht „Er ist nicht da.“ sagt Vera schließlich resigniert.„Du hast ihn eben vergessen.“ „Ich habe ihn vergessen? Habe ich dir nicht eigens gesagt, daß...“ Mitten im Wort hält Philivv inne. „Uebrigens hast du nicht gestern abend die Essigflasche damit ausgezogen?“ Erleuchtung geht über Veras Gesicht.„Natürlich! Natürlich habe ich!“ „Also muß er doch auch da sein. Ich habe doch gleich gewußt, daß ich ihn nicht vergessen habe. Wahrscheinlich ist er noch am Pfrovsen der Flasche.“ Mit frischem Mut steigen sie hinab und holen die Essigflasche aus der Vorratskammer. Es ist kein Pfropfen drauf. „Ja. wo hast du denn in aller Welt den Pfrovfen bingetan?“ Vera denkt nach, dann:„Ich habe ihn fortgeworfen. weil er beim Herauszieben kaputt ging.“ „Fortgeworsen? Natürlich hast du ihn dann mitsamt dem Korkzieber fortgeworfen.“ „Du bist wohl...! Also für so... für derart töricht hälst du mich. Ich soll den Korken mitsamt dem Korkzieher fortgeworfen haben! Ueberhaupt war der Korken kaputt, und in einem kaputten Korken bleibt kein Korkziehere stecken.“ „Bei dir ist alles möglich!— Den Essig offen stehen lassen! Den Korkzieher fortwersen! Und wie das hier aussieht in der Küche! Du bist von einer... von einer... Also ich möchte blaß wissen, warum ich.. „Schrei doch nicht so! Was soll denn Gustav...“ „Wer schreit? Ich schreie?— Du schreist!—... warum ich dich geheiratet habe!“ „Das ist emvörend. Das halte ich nicht aus.“ In diesem Augenblick tritt Gustav ein und sagt freundlich:„Was ist denn los. Kinder? Seid doch einträchtig und friedlich. Ich habe ja die Flasche schon längst aufgezogen.“ Die beiden Gatten sehen erst Gustav. dann sich gegenseitig an. Endlich Vera:„Siehst du, ich wußte doch, daß ich ihn nicht fortgeworsen habe.“ Sie geben selbdritt in die Loggia. Die Flasche steht entkorkt auf dem Tisch, der Pfropfen liegt daneben. Vera schenkt ein. Sie trinken. Vera und Philipp viel zu hastig natürlich, während Gustav nur nippt. denn der Wein ist inzwischen auf hohe Temveratur gestiegen und ungenießbar. Ein Gespräch will nicht recht in Fluß kommen. Die Gatten sehen aneinander vorbei. Vera svielt mit dem Pfrovsen. Plötzlich betrachtet sie ihn kritisch und sagt: „Aber der ist ja gar nicht mir unserem Korkzieher herausgezogen. Das sehe ich am Loch.“ Philivr sieht Gustav mit einem um Entschuldigung bittenden Lächeln an. als wolle er sagen: Verzeih ihr. sie weiß nicht, was sie sagt!— Dann zu seiner Frau. beruhigend wie zu einer Nervenkranken:„Liebes Kind. ich bitte dich! Ein Korkzieher ist doch wie der andere. Alle machen dieselben Löcher.“ Aber da fällt Gustav ein:„Entschuldige. Philipp. deine Frau hat recht. Ich habe die Flasche mit dem Korkzieher meines Taschenmessers aufgezogen.“ Die Gatten verharren einen Augenblick in Entgeisterung. Dann sagt Philivv bebend vor Entrüstung:„Das hast du getan? Du hast unseren Wein mit deinem Korkzieber aufgezogen?" Als ob das ein Verbrechen wäre. Und Vera. beglückt. in die Kerbe ihres Mannes hauen zu können:„Das muß ich auch sagen!— Ich dachte, du hättest ihn mir unserem Korkzieher aufgezogen.“ Gustav kleinlaut:„Aber da Philipp ihn doch vergessen hatte mitzunehmen..“ „Was geht denn dich an. was mein Mann vergessen hat! Außerdem hat er ihn ja gar nicht vergessen.“ „.. oder du ihn mit dem Essigflaschenpfropfen fortgeworfen hast.“ Philivv erhebt sich empört.„Nun erlaube mal! Wie kommst du denn dazu, meiner Frau Vorwürfe zu machen über das, was sie fortwirft und was sie nicht fortwirft?" Gustav retiriert langsam gegen die Gartentür:„Ich wollte euch doch nur.. Philipn:„Ach was! Was du wolltest, ist uns ja ganz wurscht! Jedenfalls steht es dir nicht zu, unseren Wein...“ Gustav:„... aushelfen. indem ich euren Wein...“ Vera:„... mit deinem Taschenmesser aufzuziehen.“ Gustav„... mit meinem Korkzieher aufzog.“ Er ist mittlerweile an der Gartentür angelangt. Vera holt seinen Hut und seinen Stock und wirft beides über den Zaun auf die Straße.„Hausfriedensbrecher!" ruft sie. und Philipv noch einmal heroisch:„Deinen Korkzieher kannst du dir an den Hut stecken, gefälligst!" Indes Gustav betrübt dem Bahnhof zugeht. wenden sich die beiden Gatten einander zu. Das eheliche Gewitter ist in stillschweigender Uebereinstimmung glücklich auf den Dritten abgelenkt worden. „Gottseidank sind wir ihn los. den Kerl!“ atmet Philipv auf. „Vera, indem sie sich an ihn schmiegt, lächelt:„Insofern war es doch gut, daß du den Korkzieher vergessen hast.“ Philivvs Aufatmen wurde etwas zerdrückt.„Nun. nun, da du die Essigflasche damit aufgezogen hast, so wirst doch wohl du ihn...“ Es ist ein wahres Glück, daß in diesem kritischen Augenblick das Mädchen mit dem Sprößling die Gartentür hereinkommt. Der Sprößling hat einen Hollunderstock in der Faust. und oben hinein ist der Korkzieher gebohrt. Das Mädchen erklärt stolz: Soo klug ist unser kleiner Mann schon! Er wollte absolut einen Spazierstock haben. Er hat den Korkzieher mitgenommen, ich mußte ihm einen Hollunderstock abschneiden, und als Griff hat er dann den...“ Die beiden Gatten winken ab. Dann sagt Vera mit feuchtem Blick:„Es wäre gut, wenn du möglichst bald den Spruch anbringen würdest, damit man ihn immer vor Augen hat.“ Schicksale am Meer Von Haus Bethge. Der Tote. Das Meer hat einen Toten an den Strand gespült. Heute nachmittag sah ich das Begräbnis auf dem Friedhof der Heimatlosen. Die Leiche hat während der Nacht in einem Schuppen gelegen. Sie wurde auf einem rasselnden Bauernwagen an den Friedhof gefahren, wo eine Grube gegraben war und sich ein paar Hundert neugieriger Menschen versammelt hatten. Herren in Strandschuhen, weißen Anzügen und bunten Mützen. Damen in Tenniskostümen. hellen Hüten und roten Sonnenschirmen. Darüber ein jubelnder Sommertag mit strahlendem Himmel. Wer es aus der Ferne sah. hätte meinen können, daß es sich um irgendein Fest im Freien handele. Und ein Fest war es auch. Denn es ist immer ein Fest, wenn einer in die Erde geschoben wird.— für den nämlich, der in dem Kasten liegt. Es ist das Fest der Vollendung. der Sieg über die Erde. die große Befreiung. Einige Photographen waren auch anwesend. die das Begebnis im Bilde festhalten und am nächsten Tage für einige Groschen verkaufen wollten. Der schwarz gestrichene. mehr als einfache Sarg. auf dem einige Kränze und Heideblumen lagen. wurde an Stricken in die Grube gelassen. Ein Choral wurde intoniert. Aber nur wenige sangen mit. Die Leute hielten es nicht für vornehm. öffentlich auf einem Kirchhof ein geistliches Lied zu singen. Es war ihnen veinlich, sie hätten während des Gesanges am liebsten nicht anwesend sein mögen. Sie sahen verlegen hierhin und dorthin und schwiegen.— Ein paar Kinder mit hellen Stimmchen sangen desto tapferer, ebenso einige alte Herren und alte Damen: auch die Leute vom Dors. die zugegen waren. stimmten ausnahmslos ein. Nachdem der Pfarrer ein vaar gute Worte gesprochen hatte, fielen die Erdschollen. Kein Freund. kein Bruder. nicht einer, der diesen Toten liebte, war zugegen. Nichts als fremde Menschen. Fremd die Erde. in die er gebettet wurde. Fremd der Himmel. der über seine Stätte zog. Ein Heimatloser. Milde Hände streuten eine Fülle kostbarer Rosen auf den frischen Hügel und legten Kränze darauf. Nach kurzer Weile lag das Grab allein. Es wird nicht das letzte sein an diesem düsteren Platz. Man wird einst eine Grube daneben graben. Wen wird sie bergen? Dich? Mich? Die zwei Alten. In einem Strandkorb, unweit von mir, sitzt ein altes Mütterchen. Sie hat sich in ein Plaid gemummt und blickt über das schäumende Meer. Ihre Wangen sind von der frischen Luft sanft gerötet. Ihre Augen glücklich und voll seliger Ruhe. Nach einer Weile kommt ein altes Männchen herbeigewackelt, im Ueberzieher, etwas gebückt, eine Brille auf der Nase. Er sucht an einigen Strandkörben umständlich nach der Nummer: endlich hat er den richtigen gesunden. jenen, in welchem die Greisin sitzt, sein Weib. Sie reichen sich die Hand, er läßt sich neben ihr nieder. Sie sieht ihn erstaunt an. Es ist etwas Fremdes in seinem Gesicht, eine tiese Falte ist in die Stirn eingegraben, das Auge ist umschleiert. „Was ist. Mann?“ Er schüttelt seufzend den Kopf und greift in die Rocktasche. aus der er einen Brief hervorzieht. „Der Junge hat geschrieben. Er... Liebe, wir haben nun schon soviel Unglück mit dem Jungen gehabt.. „Was ist geschehen?“ „Er braucht notwendig Geld. und umgehend. ganz umgehend. Sonst... seine Ehre, schreibt er.. „Mein Gott...“ „Wo soll ich es hernehmen? Ich weiß es nicht.“ Sie seufzt tief auf. Stille. Dann: „Wir müssen morgen reisen. Schicke ihm das Geld. das wir für den Aufenthalt hier gespart haben. Es hilft nichts.“ „Aber der Arzt hat dir diesen Aufenthalt dringend geboten. Es ist das einzige, was dich von deinen Schmerzen befreien kann. Und wir sind erst gestern gekommen.“ „Dennoch müssen wir reisen. Der Junge braucht das Geld. Wenn wir es ihm nicht schicken, geschieht ein Unglück. Wir müssen morgen reisen.“ „Mein liebes Weib!“ „Wenn ich auch nicht mehr gesund werde, weißt du. An uns Alten liegt ja nichts mehr. Wir gohören ja kaum noch dazu.“ „Du fühlst dich so wohl hier.“ „Ja, ich spüre, daß diese Luft Balsam für mich ist. Erkundige dich, wann morgen die Schiffe fahren. Und schicke dem Jungen noch heute das Geld.“ Schimmer gewichen. Die selige Ruhe ist darin geblieben. Er greift nach ihrer Hand. Sie schweiger beide. Eng beieinander sitzend. sehe sie auf das brandende Wasser hinaus. Sehen sie in die Zukunft? In die Vergangenheit? Aus den Augen der alten Frau ist der glückliche Schimmer gewichen. Die selige Ruhe ist darin geblieben. Hheutige Nummer: 12 Seiten S Chefredakteur: J. Paffendorf. Verantwortlich: Polltik: J. Paftendort: Kommunalpolitik. Wirtschaft. Sozialpolitik. Musik: Fr. Böhmer: lokale Nachrichten. Schausplel. Unterhaltungsbeilagen, allgem Tell: Pr. Bruns; provinzielle Nachrichten. Handel. Sport: I. Schardt: Anzeigen und Reklamer W. Scheifes, sämtlien In Oelsenkirchen. Berliner Redaktion: Dr. E. Häfner, Berlin. Unverlangte Manuskripte, denen Rückporto nicht beigefügt ist, werden nicht zurückgesandt. Anfragen ohne Rückporto nicht beantwortet. Belträge sind an die Redaktion. nient an Ihre einzelnen Mitglieder zu richten. Sprechstunden der Redaktion nur von 12—1 Uhr mittags. Es war einmal Ungelogen: einen halben Nachmittag ho“' ich damit verbracht, eine passende und Apvetit anregende Einleitung für diesen Aufsatz zu finden. Erst wollte ich in lächerlicher Verblendung vom seligen Fregoli erzählen, dem italienischen Verwandlungskünstler— aber der Vergleich hätte auf allen Vieren gehinkt. Und hernach fielen mir noch erbeblich dümmere Parallelen ein, die ich gar nicht wiedergeben mag. Und so beginne ich denn ohne Vorspann und verlasse mich auf den Reiz der Ueberschrift. Es war einmal. sie war einmal, er war einmal, und jetzt sind sie anders: nämlich die Bedeutung und der Sinn eines Wortes. Jawohl, ich will davon reden, wie sich der Inhalt manchen Wortes im Laufe der Zei#en geändert hat. In etlichen Redensarten und Zusammensetzungen blieben ursprüngliche Bedeutung und alter Sinn erhalten. Zuweilen jedoch ging die Erinnerung an das Einst völlig verloren. Aas war noch bei Gryphius(1639 nachzuweisen) etwas Eßbares. Wenn Rehe äsen, tun sie es im Hinblick auf die Vergangenheit.— Ehedem wurde„abgeseimt" als „geläutert“ verwendet, doch tauchte es bereits Mitte des 15. Jahrhunderts im Sinne von„raffiniert" auf.— Der Ahne war entweder ein Großvater(anone) oder eine Großmutter(ane) und nichts darüber hinaus.— Für „aufrichtig“ sagten unsere Ahnen: alawäre: und das verschliff sich zum heutigen„albern“.— Angst und Bange sind dasselbe, sind Beengung, Eingeengtsein, Beengstigung, Beängstigung.— Base war die Schwester des Vaters.— In einem Kirchenlied haben wir das„besehlen“ im alten Sinn. Es war dasselbe wie„übergeben“ („Befiehl du deine Wege...“)— Das Eigenschaftswort „biderb“ war: einem Bedürfnis entsprechend.— Brunst bedeutete Brand, und Ding bedeutete Gerichtsverhandlung(Bedingung, dingfest machen).— Dirne war: Dienerin, Tochter eines Unfreien. Mädchen, Jungfrau.— Wer im Elend lebte, der befand sich(bis zu Ludwig Uhland) im Ausland.— Eine Ecke bezeichnete das Scharfe und Spitzige.— Daß„fahren“ auf Schusters Rappen vor sich ging, dürfen wir der Wallfahrt entnehmen.— Ein seiger Mensch war ein dem Tode verfallener Mensch, ein frecher war ein mutiger und ein geiler ein fröhlicher.— Getreide(getregede) nannte man das Erträgnis jeglicher Art.— In„gerben“ steckt die Wurzel„gar“, und so verstand man unter„gerben“ schlechthin das Bereiten. das Garmachen.— Das Wort„Mitgift" bewahrt die alte Gift, die dereinst weiblichen Geschlechts und ungistig war: die Gabe.— Jeder Zufall war Glück. nicht allein der glückliche. Auf gut Glück: aufs Geratewohl— und das kann schief geh'n.— Wer denkt daran, daß„häßlich“ das Eigenschaftswort zu„Haß“ ist und„seindselig" bedeutet hat?— Ein Kalsaktor war einer, der warm machte, also ein Heizer(cale factor).— Im englischen „cloan" und in unserem„Kleinod“ haben wir den wahren Begriff des Kleinen:„klein“ war glänzend, kostbar.— Ein hurtiges Pferd hieß ein Klevper.— Das im 12. Jahrbundert einer unbekannten Quelle entsorungene „klug“ hatte die Bedeutung von„sein“.— Der Knecht war ein männliches Kind und alsdann(siehe Landsknecht) ein Krieger.— Unter„Kovf“ verstand man einen hohlen Gegenstand, später einen Becher, später als Bild eine Hirnschale und schließlich das Haupt.—„Kühn“ deckte sich mit„kundig".—„Lauschen" war: verborgen sein.— Wer einen andern lehrte, der brachte ihn auf den Weg. auf die Spur. Seltsamerweise sagt man von einem Gleis, es habe soundsoviel Spurweite. List(vom selben Stamm) war: Weisheit. Und unser„delirieren"(zu Delirium) birgt das lateinische Wort für„Furche"(lira), also daß delirieren wörtlich„entgleisen“ heißt.—„Leib“ war: das Leben. Eine Leibrente ist keine Bauch=, sondern eine Lebensrente.—„Leiche“ war: der Körper. Zeugnis davon legt der Leichdorn ab(das Hühnerauge). Wer einem zweiten Menschen gleich war, der hatte denselben Leichnam, dieselbe Leiche(ge=leich), und wer einem zweiten Menschen nicht aufs Haar glich, ihm vielmehr annähernd glich, der war ihm ähn=lich.— Noch Luther schreibt „liederlich“, wenn er„geringfügig“ meint. Vorher war es zierlich.— Luder, ohne irgendwelchen Nebensinn, wurde für„Lockspeise“ gebraucht.— Der Maler Franz Marc ist im Familiennamen das männliche Gegenstück zur Mähre. zum weiblichen Streitroß.—„Mal“ war die Zeit des Mahles, die Mahlzeit und im weiteren Sinn: die Zeit „Sintemalen" bedeutet nicht mehr und nicht weniger als: seit dem Mal.— Wer sich vermittelnd ins Mittel legt. zeigt und, daß„Mittel“ das nämliche war wie: die Mitte. — Muhme nannte man die Schwester der Mutter.— Eine Person(aus dem Lateinischen wie der Kalfaktor), war eine Maske(ver=sonare: hindurchtönen).— Der Pfaffe, ohne tadelnden Beigeschmack, war: der Geistliche (siehe: Pove).— Aus Hiobspost dürfen wir schließen, daß„Post“ eine Nachricht war.— Zu Kindern, die dreist und naseweis sind, sagt man, sie seien Racker. Dieses Wort„Racker“ war auf den Feger gemünzt und„rackern“ bedeutet: säubern.— Oder man sagt, sie seien Rangen Und was war eine Range? Sie war ein Mutterschwein. — Ein redlicher Mann war ein verständiger und nicht etwa ein ehrlicher Mann.— Ein schäbiger Mann war ein aussätziger und nicht etwa ein geiziger Mann.— Und ein Schalk war ein Mann mit niedriger Gesinnung.— Und ein Schelm? Ein Schelm war mitnichten ein Schalk. Der tote Körver hieß„Schelm“.— Unser„schimpfen“ war gleichbedeutend mit: scherzen.— In„schlecht und recht“ werden wir der ursprünglichen Beschaffenheit des Wortes „schlecht“ inne: es war dasselbe wie: schlicht.—„Schlimm“ hatte den Sinn von: schief oder schräg.— Was heißt „schonen“? Schonen heißt: gut behandeln. Wen oder wis muß man gut behandeln? Das Schöne! Schön ist „strahlend“ gewesen und„schonswert".— Mit„Schund“ tun wir Minderwertiges ab. Es war dereinst: der Balg (Siehe: Schinder und Schindmähre).— Wer sich verschluckte und wer etwas verschluckte, der schwelgte; denn „schwelgen“ war: verschlucken.— Etwas ist sehr schmerzlich. Kann etwas sehr schmerzlich sein? Aber natürlich. Obwohl„sehr“(stehe verzehren) an und für sich„schmerzlich" bedeutete.— Sobald das Wasser kocht, beginnt es zu singen. Nun,„sengen“ war: singen machen(Vergleiche: sprengen und soringen).— Im„Trust“, den die Amerikaner erfanden, und in unlerem Trost schlummert das alte Eigenschaftswort„treu“. Auch in„trauen“ ist es eingekapselt. Es bedeutete: fest, haumstark.— Tust du etwas vergebens, so tust du es geschenkweise: Vergebens“ ist: als Geschenk.— Die Vernunft war: das Vernehmen. Ein verwegener Bursche war einer, der sich beim Wägen, beim Verwiegen irrte; war einer, der falsch gewogen hatte.— Der Vetter war des Vaters Bruder.— Verachte ich meinen Feind wegen seiner Rachsucht, so verachte ich ihn eigentlich auf Wegen seiner Rachsucht. Verachte ich ihn, weil er rachsüchtig ist, so verachte ich ihn. so lange(während der Weile) er rachsüchtig ist.— Besitze ich wenig Geld, so ist mein Geldbesitz kläglich: zum weinen (wenig).—„Wicht" war: das Ding, die Sache, das Etwas. Und unser„nicht". ist eine Verschmelzung von: nicht irgendein Ding=ni eo wihtniwicht.—„Witz" war der(in Mutterwitz und Gewitztheit erhaltene) Verstand. — Nun sind wir wohl am Ende. Was ist„wohl?“ Wohl ist: nach Wunsch(von„wollen"). Wieder was gelernt. Spingflut in Mexiko ro Neuvork. 23. Juni 1932. Wie aus Guadalajara(Mexiko) gemeldet wird, wurde der Badeort Guyutlan im Staate Colima von einer riesigen Springflut heimgesucht. Die Billen am Strande, ein neues Hotel und der neue Bahnhof wurden überschwemmt und vollständig zerstort. Die Springflut trat urplötzlich um die Mittagszeit auf, als gerade viele Kinder am Badestrande spielten. In Guyutlan befanden sich etwa 500 Badegäste. Man befürchtet, daß der größte Teil von ihnen ertrunken ist. Bisher wurden 50 Leichen gevorgen. Der Springflut gingen zwei Erdbeden voraus. Der größte Tei! des Badeortes Guyntlau wurde zerstört. Längs der ganzen Küste, besonders in Manzanillo und Colima, die bereite während der letzten drei Wochen zwei schwere Erdstöße erlitten haben, ist erheblicher Schaden angerichtet worden. Mehrere Anden=Bulkane in Tätigkeit ##s Buenos Aires, 23. Juni. Mehrere Anden=Vulkane sind in Tätigkeit getreten. Ein großer Teil Argentiniens, vom Fuß der Anden bis zur Küste, wurde von starkem Aschenregen heimgesucht. Teilweise liegt die Asche mehrere Zentimeter hoch. Auch in Buenos Aires ist ein leichter Aschenregen gefallen. An vielen Orten wurde die Sonne verdunkelt, sodaß am hellen Tag die Lichter angezündet werden mußten. Cholera in Tschifu er Schanghai, 23. Juni. Im Hafen Tschifu ist die Cholera ausgebrochen. Bisher wurden 67 Erkrankungen festgestellt, von denen sechs tödlich verliefen. Nach chinesischen amtlichen Meldungen ist die Cholera aus Südchina eingeschleppt worden. Schweigegelder des Devaheimkonzerns an den„Industrie=Kurier“ ### Berlin, 23 Juni. In der Di des Devaheimprozesses wurde der V Kurier". Dr. Otko Ebrlich. und Kurt Spieder darüber vernomme 2% Berlin. 23 Juni. In der Donnerstagsverhandlung Verleger des„Industrieder Chefredakteur Dr. eaer varuber vernommen, ob die 22000 Mark. die der„Industrie=Kurier“ vom Devaheim=Konzern und zwar von Generaldirektor Jevvel erhielt. als Schweigegelder zu bewerten sind. Wegen dieser Vorkommnisse schwebt noch ein besonderes Ermittlungsverfahren gegen Dr. Ehrlich und Dr. Spiecker und zwar wegen Erpressung da Generaldirektor Jevvel behauptet, diesen Betrag Dr. Ehrlich und Dr. Spiecker unter einem Erpressungsdruck gegeben zu haben. Dr. Ehrlich und Dr. Spiecker gaben übereinstimmend an, daß die Aussagen Jeppels daß der„Industrie=Kurier“, Schweigegelder verlangte nicht stimmen. Im Gegenteil. die Veröffentlichungen über den Devaheim=Konzern seien. in vollem Einverständnis mit Jeppel erschienen. Das vereinbarte Honorar von 30000 Mark sei durchaus angemessen gewesen, denn die Artikel hätten viel Arbeit verursacht. Dr. Ehrlich und Dr. Spiecker wurden nach ihrer Vernehmung vom Gericht beeidigt. Große Devisenschiebung aufgedeckt □ Berlin, 23. Juni. Der frühere Großbankprokurist Sedelmayer ist gestern auf Ersuchen der Zollfahndungsstelle Berlin in Lindau am Bodensee verhaftet worden. Dazu erfährt eine Berliner Korrespondenz, daß diese Verhaftung im Zusammenhang mit der Verschiebung deutscher Wertpaviere aus ausländischem Besitz im Werte von mehreren Millionen Mark stehen soll. Diese Effekten sind größtenteils in Berlin verkauft worden, zum kleineren Teil auch in Süddeutschland. wohin sich augenblicklich die Ermittlungen noch erstrecken. Im übrigen wird von der Korrespondenz mitgeteilt, daß bereits vor einigen Tagen in dieser Sache eine Verhaftung erfolgt sei. über die jedoch im Interesse der weiteren Untersuchung noch Stillschweigen bewahrt werden müsse. Bertrams Logbuch gefunden Die Suche nach den Fliegern erfolglos ## London, 23. Juni. Die Suche nach dem an der Nordwestküste Australiens verschollenen deutschen Flieger Bertram und seinem Begleiter ist trotz großer Anstrengungen erfolglos verlausen. Die Suchexpedition ist wieder nach Wyndham zurückgekehrt. Nach dem aufgefundenen Logbuch ist Bertram am 15. Mai um 7,30 Uhr zum letzten Mal gelandet. Die beiden deutschen Flieger haben sich dann noch neun Tage bei ihrem Flugzeug aufgehalten. Am Fenster des Flugzeuges waren mit Oel die Wortegeschrieben:„2 5. Mai. Wir verlassen das Flugzeug auf dem Schwimmer, den wir als Boot verwenden. Wir treiben nach Westen.“ #r London, 23. Juni. Meldungen aus Portdarwin zufolge haben die Nachforschungen nach dem verschollenen deutschen Flieger Bertram und seinem Begleiter Klausmann noch kein Ergebnis gehabt. Die Besatzung der von Wyndham auf die Suche gegangenen Motorbarkasse hat jedoch genauere Untersuchungen an der Maschine Bertrams vorgenommen, die zu aufschlußreichen Ergebnissen geführt haben. Die Spuren in der Nähe der „Atlantic“ deuten darauf hin, daß die Eingeborenen den Deutschen dabei behilflich waren, das Flugzeug seewärts zu drehen, sodaß die Gerüchte von einer seindseligen Haltung der Eingeborenen gegen die Flieger unzutreffend erscheinen. „Do k“ und„D 2500“ in Stettin Stettin, 23. Juni. Das Flugschiff„Do X“ ging nach einigen Schleifen über der Stadt um 17.45 Uhr glatt auf dem Stettiner Flughafen am Dammschen See nieder. Zu gleicher Zeit landete in Stettin auf dem Flughafen das größte Landflugzeug Deutschlands.„D 2500“(G 38). Erfolgreiche Taucharbeiten 26 Goldbarren der„Egypt“ gehoben zt Paris, 23. Juni. Das italienische Hebeschiff„Artiglio". das seit über einem Jahr bemüht ist, den mit dem englischen Dampfer„Egypt" im Jahre 1921 gesunkenen Goldschatz im Wert von 120 Millionen Franken zu heben, hat seine Arbeiten am Mittwoch endlich von Erfolg gekrönt gesehen. Bei ruhiger See gelang es den Tauchern. bis zu den Goldbarren vorzudringen und mit Hilfe eines eigens dazu gebauten Krans 26 Goldbarren im Wert von 20 Millionen Franken zu heben. Der italienischen Gesellschaft gehören 52.5 v. H. des Wertes der gesunkenen Schätze, während der Rest der englischen Versicherungsgesellschaft zufließt. nachdem der französische Staat seinen Obolus erhalten hat. Provinzielles anzeigt, für den ist die Kugel gegossen!“ X Olve, 23. Juni. In der letzten Zeit nehmen die Wilddiebereien in der hiesigen Gegend einen erschreckenden Umfang an. Immer wieder treffen die Förster auf angeschossene Tiere sowie verendete Tiere. So wurde in der Nähe von Wintersohl eine Ricke mit drei Jungen erschossen aufgefunden. Hier sägten die unbekannten Wilddiebe einen Hochsitz ab. Man fand in der Nähe einen Zettel mit folgenden Worten:„Wer anzeigt, für den ist die Kugel gegossen!" Die Polizei hat umfangreiche Ermittlungen zur Feststellung der Wilddiebe in die Wege geleitet. 7 Millionen Fehlbetrag in Bielefeld Bielefeld, 23. Juni. Die am Mittwoch abgehaltene Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in vierstündiger Sitzung mit der Verabschiedung des diesjährigen städtischen Haushaltes. Der Haushalt ergibt einen Fehlbetrag von 6 886 432 RM., der entstanden ist durch verminderte Steuereinnahmen und erhöhte Mohlfahrtslasten. Die Abschlußabstimmung ergab eine Annahme des Haushaltes mit 33 gegen 17 Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Kommunisten. Lastwagen fährt in eine Kindergruppe X Balve, 23. Juni. Auf der Hönnebrücke ereignete sich gestern ein schweres Unglück. Ein Lastwagen hatte hier einen Reklamewagen, aus dem aus einem Lautsprecher Musik ertönte, überholt. Der Reklamewagen war von einer groben Kinderschar umringt, die der Musik zuhörten. Als der Lastwagen den Reklamewagen überholt hatte, fuhr er in die Kindergruppe hinein; die Kinder gingen alle Hand in Hand. Ein vierjähriges Mädchen war auf der Stelle tot. Die beiden anderen Mädchen kamen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen davon. Auto im Mald überfallen X Osnabrück, 23. Juni. In der vorletzten Nacht brachte ein Autovermieter mehrere Personen von hier nach Lengerich. Unterwegs mußte das Auto rlötzlich an einer dunklen Stelle halten, da die Straße durch Steinblöcke versverrr war. Kaum stand das Auto, als vier Männer aus dem Dunkeln hervorsprangen. Diese hatten Pistolen in den Händen und forderten die Insassen auf, sofort den Wagen zu verlassen. Man sträubte sich anfangs. Auch bot man den Räubern Geld und Wertsachen an, was diese jedoch ablehnten. Es blieb den Insassen also nichts anderes übrig, als auszusteigen. Nur der Kraftwagenführer konnte in dem Auto bleiben. Unter Vorhaltung der Pistolen wurde der Chauffeur gezwungen, die vier Räuber weiterzufahren. Nachdem die Räuber sich mit dem Wagen einigermaßen vertraut gemacht hatten, setzten sie auch den Chauffeur ab. Vorher hatte man ihm die Geldbörse mit 5 RM. abgenommen. Sie kamen aber nicht weit mit dem Auto. Am andern Tage wurde es in der Nähe von Höste im Straßengraben mit leichten Beschädigungen aufgefunden. Die Täter konnten bisher noch nicht ausfindig gemacht werden. Blutiger Ueberfall auf Grubenangestellte 1600 Mark Lohngelder geraubt. Köln, 23. Juni. Am Donnerstag wurden in der Mittagszeit zwei Angestellte der Grube„Berggeist" bei Brühl non zwei Männern überfallen und ihrer Aktentasche mit 1600 Mark Lohngeldern beraubt. nachdem die Räuber einen der Angestellten durch zwei Bauchschüsse lebensgefährlich verletzt hatten. Die Täter sind dann auf Fahrrädern, die sie im Walde versteckt hatten. in Richtung Köln gefloben. außergewöhnlich billige Angebote 43.Sporf-Anzüge mit Knickerbocker oder langer Hose aus schönen grauen und modelarbigen 4 Stotten............ Z4. 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Dr. Ludwig SebastianSpeyer die sieben Professoren der Hochschule, das Domkapitel. Vertretungen des Augsburger und Regensburger Bischofs und andere Würdenträger. Dem Sarge folgten der bischöfliche Sekretär mit Kelch und Siegel. Ministerpräsident Dr. Held. Kultusminister Dr. Goldenberger, mehrere Reichs= und Landtagsabgeordnete. die Vertreter katholischer Studentenverbindungen und eine Reibe von Abordnungen von Behörden und Anstalten. Um 10 Uhr bewegte sich der Zug wieder in den Dom. wo der Sarg im Presbyterium aufgebahrt wurde. Nach einer kurzen Gedächtnisrede des Kavitulavikars Dr. Kiefer, der den Lebenslauf des Verstorbenen würdigte. zelebrierte Kardinal Dr. Faulhaber das feierliche Pontifikal=Requiem.“ Hieran schloß sich die Absolution. worauf der Sarg in der mit Rosen ausgeschmückten Gruft beigesetzt wurde. Sinkt die niederländische Küste? Wie die deutsche Nordseeküste, so ist auch die Küste der Niederlande in fortwährender Senkung begriffen. Nicht nur das südöstliche England, Nordfrankreich, Belgien und die Niederlande sind dem Untergange geweiht, sondern auch die ganze deutsche Nordseeküste ist seit langem wegen ihrer zerbröckelnden Veränderung ein geographisches Schmerzenskind. H. Quiring hat aus der geologischen Vergangenheit dieses Gebietes für die Zukunft dieser Landschaft Betrachtungen angestellt. Er weist im„Naturforscher“ darauf hin, daß sowohl der Strandverlauf in der Umrandung der südlichen Nordsee und des Kanals als auch die Mündungen der Elbe, Weser, Rheins, Maas, Seine, Themse wegen des Fehlens eines Deltas Eigenarten aufweisen. Die Deltalosigkeit dieser Flüsse und die Kiesablagerungen auf den älteren Terrassen der in die Nordsee mündenden Flüsse lassen den sicheren Schluß zu, daß nicht der Meeresspiegel durch Vermehrung des Wassers sich hebt, sondern daß der Meeresboden sich senkt. Bei Oslo und Drontheim liegen die Kiese der in die nördliche Nordsee mündenden Flüsse heute 200 Meter über dem Meeresspiegel. Also um diesen Betrag muß sich die norwegische Küste seit der diluvialen Eiszeit aus dem Meere herausgehoben haben. Ueberhaupt lag bei Beginn dieser Eiszeit die ganze südliche Nordsee trocken da. Da England noch nicht vom Kontinent getrennt war, mündete der Rhein mit der Themse und Maas als Nebenflüsse bei Norwich in England in die Nordsee. Heute ist die ganze Nordseeküste in Senkung begriffen, während sich das Hinterland heraushebt. In einer riesigen Scholle gehen Klivobewegungen vor sich entlang einer Drehachse, die über Lüttich, Maastricht, Wesel, Rheine, verläuft. Südöstlich dieser Linie steigt das Land auf und nordwestlich davon sinkt es ins Meer. Augenblicklich vertieft der Mittelrhein sein Bett beständig. Das ist nur möglich, wenn sich die Mündung senkt und das Hinterland heraushebt. Dieses Senken und Herausheben der Schrägscholle ist nicht ununterbrochen vor sich gegangen, sondern es traten bin und wieder Ruhevausen ein. Und die Gelehrten haben seit der Eiszeit mehrere solcher Ruhevausen beobachten können. Augenblicklich läßt der Zustand der Veränderung der niederländischen Küste die Erwartung aufkommen, daß „das Sinken des Nordseegebietes aufhören wird". Aber diese in absehbarer Zeit geologisch eintretende Rubevause ist nur eine Unterbrechung, keineswegs ein Abschluß. Und wenn die Schrägstellung der Scholle weiter vor sich geht. so ist doch eine Grenze für das Vordringen des Meeres durch den Verlauf der Drehachse gesetzt. In geologisch ferner Zeit wird dann einmal das Meer entlang der Drehachse an eine Steilküste anvrallen und wir können uns dann mit Quirin vorstellen, daß„Jahrtausende hindurch Stille der Tiefe in versunkenen Städten wohnen wird, Wogen werden rollen über dem Feld. das heute sorglos der Landmann bestellt“ Ferdinand Silbereisen. Der Tierschutzverein Gelsenkirchen tötet alte oder kranke Hunde und Katzen völlig schmerzlos. vermittelt berrenlose Hunde und Katzen in nachweislich gute Hände. verfolgt Tierquäler und veranlaßt deren Bestrafung. Meldungen bei der unterzeichneten Geschäftestelle. Daselbst Tiertötung werktäglich 8—12 und 3—6 Uhr. Gebühr für Nichtmitglieder 2 Mk Mitglieder kostenlos. Geschäftsstelle: Drahtwerk Roenig Rotthausen. Ostermannstraße Telephon 21215. Im teuersten Wolkenkratzerhotel Neuyorks Ven Alfred Wiedenbrück. Die amerikanischen großen Hotels sind von den euroväischen in ihrer Art. in ihren Einrichtungen und in ihrem ganzen Wesen grundverschieden. Schon der Umstand. daß viele von den Neuyorkern immer möbliert wohnen, fortwährend ausziehen und die Wohnung wechseln, zwingt die Hotelleitungen, ihre Häuser auch diesen Wünschen zur Verfügung zu stellen. Ein amerikanisches Hotel wird daher zu einem gewöhnlichen Mietshaus, in dem man Zimmer ohne Möbel und natürlich auch eingerichtete Zimmer bekommt. Ja. es kommt oft vor, daß in den teuersten Hotels die Millionäre ganze Wände niederreißen lassen. Stiegen einbauen und sich die Hotelwohnung nach ihrem Geschmack einrichten. Unten finden wir eine grove Eingangshalle mit den großen vergitterten Schaltern der Kassierer, wo man seine Rechnungen zahlt. In allen Hotels gibt es die notwendigen Geschäfte: Buchhändler. Herren= und Damenfriseure. Blumenhandlungen. Zigarettengeschäfte und Verkehrsbüros. Dann sehen wir eine Reihe von Aufzügen nebeneinander. Die Leute. die diese Aufzüge bedienen. werden von einem„Chef“ dirigiert, der in der Mitte der Halle steht und„den Verkehr regelt“. Denn es gibt Expreßlists. die erst vom elften Stockwerk an halten, und Lokalaufzüge, die in jedem Stockwerk halten. Niemand würde eine Trevve finder; meist gibt es gar keine. Der Amerikaner haßt es. Stiegen zu steigen. Was uns sofort auffällt, ist die Einführung, daß die Herren, wenn sie in den Aufzug treten und Frauen oder Mädchen mitfahren, sofort ihre Hüte abnehmen; im Zimmer kann er ihn wieder auf dem Kovf behalten oder in einem Geschäft, in einem Büro. Ebenso sonderbar sanden wir es, daß wir im teuersten Hotel von Neuyork, im „The Sherry Nederland“. niemanden sanden, der deutsch sprach. Was wir auch sonst nirgends finden konnten. Wäbrend bei uns die Portiers wenigstens drei Sprachen sprechen, sagt man in Neuyork.„der Euroväer soll englisch sprechen, wenn er nach Amerika kommt!" Das ist sicher ein Standpunkt. Uebrigens gibt es keinen Portier im Sinne unserer Hotelvortiers. So ist die Halle im„The Sherry Nederland“ winzig klein, man kommt gleich zu den Aufzügen. Männer mit weißen Handschuhen bedienen die Türen. Jeder Gast ist bekannt. Kein Fremder kann in die Zimmer kommen. Es sind alles Leute. die viel Geld haben; denn das„billigste“ Zimmer kostet hier sechzig Mark vro Tag. Es befindet sich im niedrigsten Stockwerk. ist ein dunkles Hofzimmer und wird fast nie vermietet Es gehört zum guten Ruf eines Menschen in Neuyork, so hoch wie möglich zu wohnen. Die Preise steigen dementsprechend sehr rasch. Es ist also das Gegenteil von den europäischen Hotels. Je höher wir in diesem Luxushotel kommen, umso höher werden die Mieten. Sie steigen bis zu 45 000 Dollar pro Jahr für einige Zimmer. Dabei schwankt das Haus in dieser Höhe im Sturm. so daß seine Mieter um etliche Stockwerke tiefer ziehen. Alles. was wir oft über die Einrichtungen dieser Wolkenkratzerhotels zu hören bekommen, stimmt nicht genau mit den Tatsachen überein. Die Badezimmer sind wohl luxuriös. aber klein. die Badewanne ist halb so groß wie eine eurcväische. Die Zimmer sind alle gleich eingerichtet — im englischen Stil. Angenehm ist es, daß mar. seine Post in einen Messingschacht wersen kann, der sich vor dem Zimmer befindet, von wo die Post direkt in den nächsten Briefkasten fällt. Telephon ist vorhanden; auch eine winzige kleine Küche mit einem elektrischen Eisschrank. Die Kleiderkasten sind eingebaut. Die Schube und die Kleider muß man sich selber putzen. Oder man schickt sie zum nächsten Geschäft, wo sie in einer Stunde gereinigt und gebügelt und geputzt zurückkommen. Die meisten Handwerker sind im Hotel. Der Speisesaal ist groß und die Speisen sind teuer. Man zahlt durchschnittlich 40 Mark für ein Mittagessen und 15 Mark für ein Frühstück. Auch die Trinkgelder sind dementsprechend groß. Dieses Nederlandhotel ist, wie gesagt, nur für Millionäre. Die Küchen sind ganz der neuen Zeit entsprechend eingerichtet. Die Speisen. die zurückkommen(und es kommen viele wundervolle Speisen zurück, denn der Amerikaner ißt nie seine Teller rein) werden in elektrischen Oefen verbrannt. Hunderte von gebratenen Hühnern. Schinken. Schnitzel, Brot und Gemüse und Obst. alles wird unter strengster Aussicht im Ofen verbrannt. Wieviele Hotels gibt es in Neuyork, die das so machen. wieviele Lokale und feine Restaurants? Ein mir bekannter deutscher Einwanderer. der mit Mühe in einem solchen Hotel einen Posten als Salatblattaufleger(ein eigener Beruf) bekam, lief eines Tages mitten in der Arbeit fort. Das Zusehen, wie diese Speisen, oft nur berührt, in den Ofen wanderten, war für ihn unerträglich, wenn er an alle die Not und das Elend dachte, das kaum eine Viertelstunde weiter auch in Neuvork zu finden ist... Drunten im Lincoln=Hotel ist es wesentlich billiger. Da bekommt man ein Zimmer, allerdings ohne Bad. von fünf bis sechs Mark an. während das teuerste dagegen vierzig kostet. Aber sonst ist es genau dasselbe, nur sind die Räume nicht mehr so nobel, und auch sind nicht alle Gäste Millionäre. Dieses Lincoln=Hotel steht ungefähr in der Mitte von Neuyork, während das vornehme NederlandHotel neben dem Plaza und Savoy=Plaza am Beginn des Central=Parks' in der fünften Avenue steht. Es gibt keine Meldezettel; man schreibt seinen Namen in ein großes Buch. bekommt sein Zimmer und alles ist in Ordnung. Viele Leute wohnen so in einem„Avartement“(mehrere Zimmer) auf lange Zeit; sie haben viel weniger zu zahlen. und zahlen jede Woche. Alles. was notwendig ist, haben sie: ihr kleines Badezimmer, ihr Telephon, ihren Briefkasten, ihre Zentralheizung, ihr kaltes und heißes Wasser und ihren Kühlapparat. Alle übrigen Leute, die man braucht, kommen sofort ins Haus. Oder man läßt sich Schuhe und Kleider drunten auf der Straße in einem kleinen Geschäft reinigen. Es ist alles Betrieb; aber ich weiß nicht, wir Euroväer lieben doch unsere Hotels mit ihren gediegenen Zimmern. es ist dem Europäer. als wären sie doch hübscher und teundlicher, weil sie nicht so uniform sind und weil wir ein Hotelzimmer nie als unsere Wohnung betrachten. Burnen* Sport* Spiel Geburtstagsfreuden der Westsalia 04 Eine der ältesten Abteilungen des ganzen D3K.= Bezirks Gelsenkirchen ist unstreitig Westfalia 04 Gelsenkirchen. Die lange und abwechsungsreiche Entwicklungsgeschichte, die jetzt 28 Jahre zählt ist wohl der Mühe wert. sich ihrer zu besinnen und ihr ein freudiges Gedenken abzugewinnen. Das haben die wackeren Westfalen mit der Aufstellung eines besonderen Fußballvrogramms getan, für das sie anerkannte Gegner verpflichten konnten. Darüber hinaus aber haben sie der DIK. einen Dienst geleistet, indem sie die Spiele nicht nur sein und reibungslob abwickeln, sondern im Kreise einer ansehnlichen Festgemeinschaft im Lokale Etzler die Bande der Zusammengehörigkeit noch enger schließen konnten. Auf diese Weise haben die Westfalen schlichte und unbeschwerte Geburtstagsfreuden erlebt, so wie sie der Würde und der Gebühr des Tages im Rahmen dieser Zeit nicht besser entsprachen. Die Fußballspiele nahmen folgenden Verlauf: DIK. Schwarz=Weiß Gelsenkirchen. Freitag: 1. M. gegen Grün=Weiß in Rotthausen. Tr. 5.30 Uhr. An. 7 Uhr. Samstag: 2. Jod. gegen Rotthausen. Tr. 5.30 Uhr. An. 7 Uhr Deutsche Juggzzfrg, Hrün=Weiß Hehler. Heute 1. M gegen Schwarz Uhr. v Gelsenkirchen in Rotthausen. An. 7 bei Tr. 5.30 Uhr bei Hübner. 1. Jgd gegen Rotthausen. Platz dort. An. 6 Uhr. Tr. 4.30 Uhr bei Hübner. Boenigk W.: Korzak. Lesnik: Schramkerski. Vitt. Biemer: Pogodda. Korzak. Wiese, Ludscheidt. Boenigk Schwarz=Weiß Gelsenkirchen 1.— Grün=Weiß Heßler 1. Im Rahmen der Sportwerbewoche der Turn= und Sportfreunde 1910 Rotthausen findet heute auf der neuen DIK.=Kampfbahn eine interessante Begegnung statt. Schwarz=Weiß und Grün=Weiß, die sich am Dienstag im Divlom=Vorrundenspiel unentschieden trennten, stehen sich erneut gegenüber. Beide Mannschaften verfügen über gute technische Veranlagungen. verbunden mit einer ungeheuren Kampfkraft. sodaß ein spannendes Treffen zu erwarten ist. Anstoß ist 7 Uhr. Vorher svielen die beiden 1. Jugendmannschaften von Heßler und Rotthausen. Bismarck=Ost— Altfried Rüttenscheid 1:5. Diesem ersten Sviel wohnten 500 Zuschauer bei. Bismarck kämpfte mit einem Löwenmut gegen den besseren Gegner. der sich bis zur Halbzeit schon mit 3:0 in Vorteil setzte. Auch nach der Halbzeit eroberte der Gegner alle Chancen für sich und brachte Bismarck um das verdiente Ehrentor. Saxonia Bochum— Bottrov=Fuhlenbrock 1:2. Das Sviel war äußerst flott und schön. Beide Gegner so ziemlich gleichwertig. Bottrov führte bis zur Halbzeit mit 2:0. Obwohl Bochum nach Wiederanstoß gut aufkam. war man dem Endspurt Bottrops jedoch nicht gewachsen. Westsalia Langendreer— Westsalia 04 Gelsenkirchen 2:8. Westfalia entfaltete in diesem Werbespiel hohes Können und brachte sich damit in einen angenehmen Gegensatz zu den Leistungen des gegnerischen Gaumeisters. Ueber den hohen Sieg braucht man keine Worte mehr zu verlieren. Die Partie war schon bei der Halbzeit überlegen gewonnen. Nach diesem dritten Spiel traten die Sieger der beiden ersten Spiele zum Diplom=Entscheidungskampf an Altfried Rüttenscheid— Blau=Weiß Bottrov=Fuhlenbrock 3:2. Ein spannender Kampf. in dem Rüttenscheid bis zur Halbzeit mit 2:0 den Ton angab. sich dann aber mächtig verteidigen mußte, da Bottrov absolut siegen wollte. Es kam jedoch anders. Rüttenscheid hat immerhin verdient gewonnen. Wattenscheider Divlomspiele. Westfalia 04 Gelsenkirchen— Siegfried Wanne=Eickel 8:2. Westfalia 04 Gelsenkirchen— DIK. Freisenbruch 2:1. Ueckendorfer Aufstiegschancen dahin. DIK. Ueckenvorf— DIK. Heisingen 1:3. Mit diesem Sieg der Heisinger ist das Rennen um den Gauausstieg endgültig besiegelt. Ueckendorf hat keine Ursache, den Kovf hängen zu lassen. Die Reserven der Mannschaft reichen aus. in der nächsten Saison erneut nach dem Titel zu greifen. Deutsche Turnerschaft Turnklub Bismarck. Samstag, 20 Uhr, im Vereinslokale Mehring. Bismarckstraße 252. Monatsversammlung. Boxen Schmelings Einnahmen In dem Vertrag Schmelings mit seinem Manager Joe Jacobs ist festgelegt, daß Jacobs ihm ein jährliches Ein Dolla ein kommen von 100000 Dollar gatantiert und daß.. etwaiger Ueberschuß der Einnahmen beiden zu gleichen Teilen zufällt. Im Jahre 1931 hat Schmeling Gesamteinnahmen von rd. 150000 Dollar gehabt. Laut Vertrag hat er hiervon also 125 000 Dollar bekommen und Jacobs 25 000 Dollar. Da Schmeling nun nicht mehr Weltmeister ist, schätzt man sein Einkommen für die nächsten Jahre auf je 50000 Dollar. sodaß Jacobs voraussichtlich die fehlenden 50000 Dollar jährlich aus eigener Tasche zuzahlen muß. Für den Borkampf mit Sharkey am Dienstag hat Schmeling 166000 Dollar bekommen und Jacobs 66.000 Dollar. Schach K. S. B. Abteilung Neustadt. A= und B=Mannschaf: treffen sich Samstag um 7 Uhr am Moltkeplatz zum Spiel gegen Rotthausen. Kath. Schachbund. Samstag abend 8 Uhr Sviel der B=Mannschaft gegen die gleiche der Schach Union um die Stadtvereinsmeisterschaft im katholischen Gesellenhaus. Theresienst raße. Allgemeines Sportverein Fortuna Gelsenkirchen. Samstag. 20 Uhr. Monatsversammlung Pferdesport 1. Rennen: 1 Rennen zu Paris. Phalante Poalante(A. Rabbe). Lindy Gir, Toto: Sieg 76. Platz 20. 16. 2. Tattle, 3. 28:10. Ferner liesen 7 Pierde. 2. Rennen: 1. Cecias(H. Semblat), 2. Tout en Rose. 3. Tambour Battant 2. Toto: Sieg 35. Platz 17. 37. 25:10. Ferner liefen 10 Pferde. 3. Rennen: 1. Agnello(G. Dusorez). 2. Formosan, 3. Gandelain. Toto: Sieg 19. Platz 14. 23:10. Fern liesen 2 Pferde. 4. Rennen: 1. Allumeuse(G. Dusorez), 2. Brodway Mellody, 3. Fee Esterell. Toto: Sieg 118. Platz 40, 54. 50:10. Ferner liefen 10 Pferde. 5. Rennen: 1. Didoric(P. Peche Melba. Toto: Ferner liefen 9 Pferde. :( P. W i c k e t t), 2. C o p a c a b a n a, 3. Peche Melba. Toto: Sieg 123. Platz 37. 33. 50:10. Mitteilungen der Theaterdirektionen. = Avollo=Theater. August Broesecke. Oberbuchhalter bei Herzog und Söhne, Trikotagen en gros. Gewinner eines Hanomag. sucht durch ein Inserat eine Reisebegleiterin für eine Ferienreise nach dem Süden, die für Benzin und Bereisung aufkommt. Es meldet sich Lisa Krüger, ein junges, hübsches Mädel. Ihre Sehnsucht ist das Meer. ihr Traum die Riviera. In der Halle eines großen Hotels wollen sie sich treffen. aber sie fährt, ohne zu ahnen, mit Lord Harro Kingsdale in einem prächtigen Lincoln durch die Welt: durch Deutschland. durch die Schweiz. an die Riviera. Die Ferienreise wird zu einer Reise ins Glück, an deren Ziel für beide alle Träume, Träume von Schönheit. Liebe und Glück. Wirklichkeit werden. Fahren Sie mit ihnen, mit dem Joe=May=Film„Zwei in einem Auto“(eine Reise ins Glück) mit Magda Schneider. Karl Ludwig Diehl. Ernst Verebes und dem großen Komiker Richard Romanowsky. Dieser Spitzen=Tonfilm läuft ab heute im Avollo=Theater. Hierzu läuft noch einige Tage Franz Lehars erste Tonfilm=Operette:„Es war einmal ein Walzer". 8 lustige und bezaubernde Akte mit Martha Eggert. Rolf van Goth. Paul Hörbiger, Lizzi Natzler. Rundfunk=Programm Freitag, den 24. Juni 1932. 6.45 Leibesübungen. Dr. Ludwig Bach: Atmungs= und Haltungsgymnastik. 7.00 Wettervorbersage und Zeitangabe. 7,05 Brunnenkonzert aus Bad Münster am Stein. Leitung: Kavellmeister Otto Voigt. 1. Choral:„Wach auf mein Herz und singe". 2. Abschied der Gladiatoren, Marsch(Blankenburg). 3. Aus der Over „Preziosa“.(Weber). 4. a) Geburtstagsständchen (Lincke); b) Wer will unter die Soldaten. Charakterstück(Noack). 5. Fantasie aus der Over„Faust und Margarethe“(Gounod), 6. Waldteuseleien. Melodienkranz(Kling) 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9.45 Gymnastik für Frauen. Hilde Bremus. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 10.15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 11,15 Schulfunk für die Mittelstufe höherer Lehranstalten: Französische Unterhaltung. 11,40 Eröffnung der Deutschen Fleischerfachmesse Dortmund 1932. Ansprachen: Obermeister der Freien Fleischerinnung, Dortmund, Richard Stolting; Verbandspräsident des Deutschen Fleischerverbandes, Ferdinand Lamertz, Köln; Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Dr. Eichhoff, unter Mitwirkung des Westfalenhallenorchesters und des Fleischersängerchors Groß=Dortmund, 12,20 Unterhaltungskonzert. Leitung: Kavellmeister Rich. Fried. Aus verschollenen Overn. 1. Ouvertüre zur Over„Der Edelknecht"(Kreutzer). 2. Melodien aus der Oper„Die drei Pintos“(Weber). 3. Ouvertüre zur Over„Die Sirene“(Auber). 4. Fantasie über Motive aus der Over„Johann von Lothringen"(Joncieres). 5. Ouvertüre zur Over „Casanova“(Lortzing). 12.50 Wetterbericht, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,00 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. 1. Tambour=Marsch (Ehrke). 2. Die Hochzeit der Winde, Walzer(Hall). 3. Ouvertüre zur Over„Nebucadnezar“(Verdi) 4. Mazurka und ländlicher Tanz aus dem Ballett „Frühlingsfeier".(Thomas). 5. Cockney=Suite (Ketelben). 6. Melodien aus der Over„Hoffmanns Erzählungen“.(Offenbach). 7, Hexentanz (Mac Dowell). 8. Potvourri aus der Overette „Schwarzwaldmädel".(Jessel). 14.30 Funkwerbung mit Schallvlatten. 15.30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50 Bastelstunde. Els Vordemberge: Die Wunderbrille. Material: Dünne Pappe, Schere, Bleistift. 16,20 Jugendfunk. 1. A. A. Kuhnert: Ich kämpfe mit Vögeln auf den Westermänner=Inseln. 2. Karl Lehmann: Wir knivsen. Zweite Wanderung mit unserer Photokamera. 17,00 Vesperkonzert. Leitung: Wolf. Solist: Adolf Erlenwein(Tenor). 1. Ouvertüre zur Oper„Das Leben für den Zaren“(Glinka). 2. Hofballtänze, Walzer (Lanner). 3. Heitere Suite(Schmalstich). 4. Lieder und Arien für Tenor: a) Melodie(Rubinstein), b) Keine Sorge um den Weg(Raff), c) Kein Meister fällt vom Himmel(Wolf). d) Die nimmersatte Liebe(Wolf), e) Arie des Nadori aus der Over„Jessonda“(Spohr). 5. Ekstase, Romanze (Bizet). 6. Potvourri aus der Overette„Die Dubarry“(Millöcker=Mackeben). 18.20 Die Welt im Buch. Willi Schäferdiek: Menschen auf der Straße. Menschen auf der Straße Günther Weisenborn:„Barbaren“,] O. M. Graf: „Bolwieser".] Justus Ehrhardt:„Straßen ohne Ende“.] Ernst Erich Noth:„Die Mietskaserne“. 18.40 Max Berthold Schmidt: Im Tessin. 19,00 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19.15 Vom Tage. 19,30 Staat und Wirtschaft. Univ.=Pros. Dr. Walb: Die Bankenkrise von 1931 und ihre Bereinigung. 19.55 Erste Abendmeldungen. 20.00 Uebertragung aus Neuyork: Worüber man in Amerika spricht. Kurt G. Sell. 20,15 Abendmusik. Leitung: Wolf. 1. Ouvertüre„Heimkehr aus der Fremde“(Mendelssohn). 2. Slawische Rhapsodie Nr. 1(Dvorak). 3. Melodien aus der Ooer„Der Postillon von Longiumeau"(Adam). 4. a) Reigen aus„Peterchens Mondfahrt“ (Schmalstich), b) Scheherazade(Schmalstich). 5. Schatz=Walzer(Strauß). 21.00 Overa Bufsa. Eine Folge von Schallolatten. Verbindende Worte: Felix Stössinger. 22.05 Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Svortbericht. 22,25 Nachtmusik der Stuttgarter Philharmoniker. Leitung: Harry Risch Wetterkarte und Wetterbericht ERKLARUNG: Owoikenlos O heiter, Ohalbbedeckt, 0 wolkig, O bedeckt, s Regen, X Schnee ee Oonot, * Nebel,&a Gewitter ∆ Graupeln, A Hagel, O Stille, leicht"Or mässig,“o star.*o; stürmisch. Die Linien (Jsobaren verbinden die Orte mit gleichem Luftdruck as bedeuter:O- SW stark wolkig. Regen.2° Celsis )( Der Polenwirbel verflacht sich bei seiner nach Nordosten gerichteten Bahn immer weiter. Auf seiner Rückseite bedingen die Kaltluftmassen über Mitteleurova meist stark wolkiges, kühles Wetter und veranlossen tagsüber strichweise noch leichte Regenschauer. Der Kaltluftstrom vom Nordmeer her ist aber über dem nördlichen Skandinavien auf der Vorderseite eines über Island gegen das Nordmeer hin vordringenden Wirbels bereits unterbrochen. sodaß sich die über Mitteleurova noch liegende Kaltluft allmählich erwärmen wird. Der hohe Druck westlich von Großbritannien hat seine Lage nicht verändert, dagegen sich an Ort und Stelle weiter verstärkt. Unter seinem Einfluß tritt über dem westlichen Mitteleurova strichweise Aufheiterung ein, die sich auch in unserem Dienstbezirk mit langsamem Temperaturanstieg mehr und mehr durchsetzen wird. Vorhersage für Freitag: Bei schwachen um Nord schwankenden Winden wechselnd stärker wolkig und heiter. Etwas milder. — Versammlungskalender des Bezirkskartells der christlichen Gewerkschaften Gelsenkirchen Kartellbüro: Roonstraße 32. Fernsprecher: 22410. Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands. Sonntag. den 26. Juni: Wattenscheid: 10.30 Uhr vormittags Kundgebung im Kolvinghaus. Wanne=Eickel: 10.30 Uhr vormittags Kundgebung im Kurhaus. Hindenburgstraße. Christlicher Metallarbeiterverband. Büros: Elisabethstraße 6. Fernsprecher: 25805. Svar= und Auskunftsstelle der Deutschen Volksbank Essen. Die Ausleihebibliothek steht den Verbandsmitgliedern unentgeltlich zur Verfügung. Kundgebung der Verwaltungsstelle: Sonntag. den 26. Juni, vormittags 10,30 Uhr, im Lotale Rütter, Rotthauserstraße 1(gegenüber dem Rathaus). Vortragender: Verbandssekretär Föcher von der Verbandshauptstelle Duisburg. Thema:„Die gegenwärtige Lage und unsere gewerkschaftlichen Aufgaben". Zu dieser Versammlung müssen alle Verbandskollegen erscheinen. Als Legitimation ist der Mitgliedsausweis mitzubringen. Zentralverband der Arbeitnehmer öffentl. Betriebe und Verwaltungen. Ortsgruppe Gelsenkirchen. Am Freitag. den 24. Juni. abends 8 Uhr, bei Dirkes. Sellhorststraße. Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen ist Pflicht. Zentralverband christl. Holzarbeiter, Zahlstelle Gelsenkirchen. Mitgliederversammlung findet statt am Samstag. den 25. d. M., abends 7,30 Uhr. bei Dirkes. Vereinsstraße 59. Wichtige Tagesordnung, u. a. Berich über die Zahlstellenkonferenz in Bochum. Keiner darf sehlen. Berliner Börse Verlauf schwach! Die Grundtendenz an der Berliner Börse war durchaus schwach. Das Tagesgespräch bleibt nach wie vor die Gelsenberg=Transaktion. Dabei ist zu vermerken, daß die Aktien von Gelsenberg heute dauernd unter Abgabedruck standen. Sonst bewahrte die Börse größte Zurückhaltung. Auf allen Märkten drückte das Angebot. Die Kurse gingen allgemein zurück. Von Montanwerten lagen Gelsenberg 2 Prozent unter dem gestrigen Kurs. Auch die übrigen Montanwerte bröckelten bis 1 Prozent ab. Lediglich Rheinische Braunkohle lagen anfangs bis 1.5 Prozent fester. Phönix etwa behauptet. Kaliwerte lagen nicht einheitlich. Von chemischen Aktien schwankten I. G. Farben. Elektroaktien waren teils gehalten teils schwächer. Auch Textilwerte schwächten sich ab. Auf den übrigen Marktgebieten überwogen mehr oder weniger die Kursabschwächungen. Die Börse sckloß unsicher und lustlos. Der Kassamarkt lag vollkommen still. Am Rentenmarkt drückte teilweise wieder kleines Angebot. Anleihen waren ansangs gut behauptet. gaben aber später leicht nach. Am Geldmarkt blieben heute die Sätze unverändert. Tagesgeld war mit 5—6 Prozent teilweise auch darunter. flüssig. Auch der Privardiskont blieb unverändert. Essener Börse Ziemlich unverändert! Die Essener Börse zeigte ein ziemlich unverändertes Bild. Am Terminmarrt waren Montanwerte eher vernachlässigt. Lediglich Gelsenberg hatten einige Umsätze, wobei der Kurs schließlich bis um 4 Prozent nachgab. Von Kaliwerten hatten Wintershall etwas größere Umsätze. Aber auch Aschersleben und Westeregeln hatten verschiedentlich Umsätze zu verzeichnen. ie Kurse konnten bis ca. 2 Prozent anziehen. Am urenmarkt blieb das Geschäft wiederum recht klein. Von Kohlenkuren waren Graf Schwerin vereinzelt im Handel. Von Kohlenaktien notierten Lothringen etwas höher. Kalikuxe und Braunkohlenwerte lagen vollkommen geschäftslos. Von Kaliaktien schwächten sich Burbach eicht ab. Allgemeine Nachrichten Ermäßigung der Mineralölsteuer. Berlin, 23. Juni. Der Reichsfinanzminister und der Reichswirtschaftsminister haben durch Verordnung vom 14. Juni 1932 die Mineralölsteuer für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1932 auf 0.10 RM. für einen Dopvelzentner festgesetzt. Freier Handel mit zertifizierten Auslandsbonds. 4 Berlin, 23. Juni. Der Reichswirtschaftsminister hat angeordnet, daß mit Wirkung vom 24. Juni der Handel mit deutschen Auslandsbonds. die mit der Bescheinigung einer deutschen Effektengirobank über die Handelbarkeit versehen sind. ohne die nach der Devisenordnung vorgeschriebene Genehmigung zulässig ist. Die Versendung solcher Bonds nach dem Auslande bleibt genehmigungspflichtig. Devisenhöchstbeträge für Juli. — Berlin. 23. Juni. Der Reichswirtschaftsminister hat angeordnet, daß die Imvorteure für den Monat Juli 1932 den Höchstbetrag ihrer allgemeinen Genehmigungen nur bis zur Höhe von 50 Prozent in Anspruch nehmen dürfen. Warenmärkte Hamburger Warenmärkte. . Hamburg, 23. Juni. Auf dem Kaffeemarkt lagen Brasilofferten ½—1 Pfg. niedriger.— Am Reismarkt gaben die Preise etwas nach.— Der Hülsenfruchtmarkt hatte geringes Konsumgeschäft.— Am Gewürzmarkt erhält sich weiterhin die feste Tendenz für Pfeffer.— Am Schmalzmarkt blieben die Preise unverändert. Getreidebörse. Hamburg, 23. Juni. Es notierten: Weizen 25.40 bis 25.60. Roggen 19.60—19.80. Wintergerste 17.60—18. Sommergerste 18—18.40. Donaugerste. unverzollt. 9.60 bis 9.70, Weizenmehl 43.75. Haser 17.10—17.50. Weizenbäckermehl 38.25. Auszugsmehl 38.40. Roggenmehl 28.50—30. dto. grobes 22.25—23.50. 65/70prozentiges Roggenmehl 25.75—26.75, dto. grobes 20.75—21.75 RM. Tendenz: Getreide behauptet. Mehl ruhig. Berliner Börse Mitgeteilt von der Dresdner Bank Filiale Gelsenkirchen Deutsche Reichsanleihe 5% O. Reichsan! Goldpfandbriete P. Landesplandb 716%— R. 21 816%— R. 17/19 Centralboden 87— 27/28 an-Westt Boden Westdents Boden 9/6%— R. 20/24 Westl. Landbk.-Anl 8/6% Peing. 28 7/6% Feing. 26 6% 27 R. 1 8/6% Ooldof. R. 816% K.Obl. 212 Schiffahrts aktien Habes 2c. 6. 70.5 11.6 49.5 3 30 18.5 124.36 62 117 26 7 240 30 18.6 Berl. Karlsr. Ind Berl. Maschinend Braunk. u. Briket Buderns Ch. Ind. Gelsenk Daimier Motoren Deutsche Erdöl Otsch. Schachtb Ovoamit Nobel Elektr.Licht-Kraft Eschwell. Berzu Parbenindustrie Pelt& Quilleaume Gelsenk. Berzw. Oermanie Zemen Oes. i. elektr. Unt Ooldschmidt Th. Cörlitzer Warzor Hackethal Draht Hammersen P.H Hann Maschinen Harpener Berzbau Hlrach Kunfer HoeschEis u Stah Hohenlohe Hotelbetrieb Hutschenreuthe: Ise Berzbau Kall Aschersieber Kall Chemie Karstadt Rudolf Klöckner- Werke Köln-Neuessen Köln. Oas u.Elekt: Körtina Oebr Kronorinz Metal Lahmever Laurahötte Lindes Eis Lorens S. Lüdensch. Met Mannesm. Röhren Maschinenbaul’at Masch. u. Kranbau Mitteld. Stahl Miz& Oenest Mülb. Berzw.-Ver Nat. Automoblle Oberschl. E.-Bed. Oberschi. Kokse Oecking Stahl Orenstein Phöniz Rhein Braunk. Rhein. Stahl Rhein. Westf. Stah Riebeck Montan Rodder grube Rützerswerke Sachsenwerke Salzdetfurtb Sarott Schles. Berz Schneider Huse Schött Hermann Schuckert& Co Siemens& Halske Staßfurt Chem. Stöhr Kammgarn Ielephon Berliner Thörls Oel Ver Otsch Nickel V. Olanzst. Elber! Ver Stahlwerke Wanderer werke Westerezeln Weati Kunfer Wickins Zement Wittener Qus Zellstofl Waldhof 43 6*4 6 36.25 21 5.12 31.60 22 15.60 157.5 39.25 56.5 30.5 146 23.14 18 55.36 114.12 31.84 14 25.60 90.2 25.841 26 3 21.5 54 32.25 21.25 15.12 159 31.25 32 144.5 53 18 56.12 114.75 32.5 59 14 26 90.2 Amtliche Berliner Devisen-Kurse 23. Juni 1932 Reichsbankdiskont 5%, Lombard 6% Essener Börse Essen, den 23. Juni 1932 TerminWerte Oedibank Feldmühle Jeisenberz Karstadt Klöckner Köln-Neuessen Mannesmann Phönin K-Kurs 157.80 45.50 S 1.55 70 1260 375 Helnrien König Ludwis Langenbrahm Westialen KohlenAktien Dahlbusch Lothringen Mülhelmer Berz Niederrb. Berz. Braunkohlen Kuxe Bellerhammer Bernhaidshall Bruckdorf-Wietleb Qute Hoftnung Leonhard Michel Vesta Kall-Kuxe Belenrode Bersmannssesen Braunsch Lünebg Einigkeit Erichsegen Habizborst Hanse Silberber Helmboldhausen Hone Huxo Isenbura Maris Olüct Marie Marle Luise Man Neusoldstedt Seustaßfurt Ransbach Reichsland Sleatried U/11 Thüringen Volkenroda Kall-Aktien Adler-Kall Burbach-Kall. alte Burbach-Kall neue Hallesche Kall Hannoversch Kall Bank für Landu IndustrieAktien Alla Hochbeu Oebr Alsbers Balcke Maschinen Düsseld Eisenb Ousseld Maschin. Duisb. Bankverein Eles Zement Eisaß lun. Eas. Aktienblerbe (llas u. Spiezel Schalke (loedhart ochtlen Kabel Rheydt Lüdensch. Metall Malmedte Masch u Krand Providentia Phein, Linoleum Rhein Metall Schiffs Benne Schöndorll Oebi Trierer Walz Unsewitter Oebr Uerdinga Waszen Westd Marmor Weatt. Oinnendahl Westl. Metallind Nachtr 55 48.50 88 39 Angebei .50 75 95 42 Aus der Zentrumspartei Windthorstl und Rotthausen. Heute findet wieder ein Bundesabend statt. Es wurde in oer letzten Sitzung beschlossen bis zur Wabl jeden Freitag zusammen zu kommen. Es wird herzl. gebeten. Freunde und Anhänger zu den nächsten Sitzungen einzuladen und mitzubringen. Stadtverband der Windthorstbunde. Wir machen schon jetzt darauf aufmerklam, daß am amstag. den 2. Juli. der Landtagsabg. Rütten im tadtverband ein Referat über die politische Lage halten wird. Arbeitsgemei schaft der Windthor## Süd. tbunde GelsenkirchenAm Samstag, den 25. Juni. abends 8 Uhr. findet im Jugendheim von Heiligkreuz, Bochumerstraße 102. eine wichtige Bundessitzung statt. Das Thema lautet:„Die politischen Ereignsse der Woche und ihre Folgen“. Kein Bundessteund darf fehlen; besonders in diesen Wochen nicht, da wir in den entscheidenden Kampf um Deutschlands Zukunft eintreten. Die Vertreter der kirchlichen Vereine, vor allem der Werkjugend und der Jungmännervereine, werden erwartet. Die katholische Jugend steht im Sturmjahr 1932. Jungführer, holt euch Aufklärung über die Dinge, die im deutschen Vaterland und der Welt vor sich geben! Aus dem Vereinsleben horvrobe in Uhr für die Kirchenchor St. Georg. Heute abend C Liebfrauenstift. 8 Uhr für die Damen. 8.30 Herren. Kath. Deutscher Frauenbund. Der Kochvortrag für den Bezirk Bulmke findet nicht heute, sondern erst am Freitag. den 1. Juli. um 4 Uhr nachmittags. in der Gasküche. Schalkerstraße 33. statt. Unkostenbeitrag 30 Pfg. Kath. Gesellenverein Zentral. Sonntag. 18 Uhr, im katholischen Gesellenhaus Gartenkonzert mit anschließendem Tanz. Bei schlechtem Wetter beginnt die Veranstaltung um 19 Uhr im großen Saal des Gesellenhauses. Mitglieder und Ehrenmitglieder mit ihren Angehörigen sind eingeladen. Pfarr=Cäcilienverein St. Joseph Schalke. Heute abend 8 Uhr Probe in der Eintracht. Vereinigung katholischer Theaterfreunde GelsenkirchenNeustadt. Monatsversammlung wegen des geplanten Ausfluges schon am 26. Juni. vormittags 11 Uhr. im Vereinslokale Eckermann Cäcilienverein Propstei. Heute abend 8.30 Uhr Probe für Damen und Herren. KKV. Junghansa. Freitag. 20.30 Uhr, Lichtbildervortrag von Vikar Horn über„Unser Goethe“. Mütterverein St. Georg. Die Mitglieder werden an die Wallfahrt nach Neviges erinnert. Die Meldungen müssen bis spätestens Samstagmittag erfolgt sein. Zugleich muß der Fahrvreis für die Bahn von Steele nach Neviges entrichtet werden(1.20 Mark) Werkiugend Ueckendorf. Achtung! Dortmundfahrer! Heute abend 6 Uhr im katholischen Vereinshaus. Südstraße. Zusammenkunft aller Teilnehmer des Werkiugendtages. Wichtige neue Punkte müssen noch besprochen werden. Verband Deutscher Techniker. Ortsgruppe Gelsenkirchen. Sonntag, 3. Juli. Besichtigung der Duisburg=Ruhrorter meldungen und Vorauszahlung der Bootsfahrt nehmen die Kollegen Stoll, Gliedt und Richter bis 29. Juni 1932 entgegen. Gelsenkirchener Schützenbund Abteilung Heßler. Sonntag abend 8 Uhr Monatsversammlung bei Hauptmann Vogel, Reichsstraße 68. 6 Uhr Vorstandssitzung. Tagesordnung Fahnenweihe am 7. Aug. Kriegervereinsnachrichten Maikäserbund Gelsenkirchen und Umgegend. Am 18. Juni wurde die Monatsversammlung, die sehr gut besucht war. im Vereinslokale Anton Kuhnig. Ebertstraße, durch den 1. Ortsgruppenführer. Kamerad Schulze. eroffnet und geleitet. Es wurde beschlossen, daß sich die Kameraben am 3. Juli in Dortmund bei dem Maikäser rameraden Aug. Meißner in Dortmund Neuer Graben 60. treifen. Ferner wurde beschlossen, daß das Kafftetrinken am 17. Juli im Restaurant Gustav Schröder, Wannerstraße 154, stattfinden soll. Dazu sind alle Maikäferangehörigen mit ihren Damen berzlichst eingeladen. Regimentsverein ehem. 171er, Ortsverein Gelsenkirchen. Samstag Herrenausflug bew. Nachtwanderung. Freunde und Gönner des Vereins werden zur Teilnahme eingeladen. Treffpunkt aller Kameraden um 20.45 Uhr Ecke Bochumer=Rheinelbestraße. Abmarsch 21 Uhr. Krieger= und Lundwehrverein Gelsenkirchen 1. Sonntag. 11„Uhr. Monatsavpell im Vereinslokal Winkler, Kirchstraße. Sonntag muß die Zahl der Teilnehmer am Reichskriegertag angegeben werden. Stadtteil Buer Bachregulierungen in drei Ortsteilen Der Stand der Arbeiten. (oi) Das städtische Kanalbauamt Gelsenkirchen läßt zur Zeit mit Fürsorgearbeiten durch verschiedene Bauunternehmer in drei Buerschen Ortsteilen Bachregulierungsarbeiten ausführen. Der größte Teil dieser Arbeiten wird in Beckhausen durchgeführt. Neben der im wesentlichen beendeten Neuregelung der Vorflutverhältnisse im Lackmannsseld und der dort in Angriff genommenen Bodenhebung und=verbesserung ist es namentlich die Regulierung des Holzbaches in etwa 650 Meter Länge (zwischen Holthauser Straße und Zechenbahn) und die ebenfalls in Gang gesetzte Regulierung des in der Näbe gelegenen Weidenbaches(400 Meter Länge, zwischen Horster und Hobackestraße), durch die für weite Teile namentlich der ländlichen Beckhausener Bezirke sowohl östlich wie westlich der Horster Straße eine wesentliche Melioration der Entwässerungs= wie der allgemeinen Bodenverhältnisse eintritt. Die Arbeiten am Holzbach und am Weidenbach befinden sich in vollem Zuge. Sie harren in nicht allzu ferner Zeit ihrer Vollendung. Im Ortsteil Buer=Erle wird zur Zeit der Flachsbach, soweit er noch nicht in das unterirdische Kanalnetz ausgenommen worden ist, von der Quelle ab reguliert. Es handelt sich um den Bachlauf zwischen Neustraße und Heistraße, der infolge seiner unhygienischen Beschaffenheit längst eine gesundheitliche Gefahr bedeutet hat. Die Länge des zu regulierenden Bachlaufes beträgt etwa 650 Meter. Die dortigen Arbeiten dürften in etwa sechs bis sieben Wochen beendet sein. Hinzu kommt schließlich noch der Erdbech in Oberscholven, dessen kürzlich eingeleitete Regulierung für die anliegenden Bauern von ganz besonderem Wert ist. (gi) Ostrops Hof wird Ausflugsort. Mit Hilfe der fachmännischen Unterstützung der in Frage kommenden städtischen Stellen wird zur Zeit der sog. Ostrovs Hof in Surresse, unmittelbar hinter dem Buerschen Stadtwald gelegen, zu einem Ausflugslokal ausgebaut. Damit werden die die Buerschen Grünanlagen besuchenden Spaziergänger und Ausflügler demnächst einen neuen lauschigen Rastplatz vorfinden, soll doch das neue Ausflugslokal bereits Ende dieses Monats seiner Bestimmung übergeben werden. (m) Ein Notwohnhaus in Flammen. Am Scheidewece unmittelbar an der Grenze von Gladbeck und Buer entstand in einem dort vor einiger Zeit von zwei Familien errichteten Notwohnhause, das in seinem unteren Teile halb massiv. in seinem oberen Teile nur aus ge teertem Holz und Balken bestand, am Donnerstagvormittag Feuer. Die Gladbecker Freiwillige Feuerwehr war zwar schnell zur Stelle und griff das Feuer energisch an. Da der Brand indessen in kurzer Zeit sehr weit fortgeschritten war, war es nur möglich, den unteren Teil des Hauses zu retten. während der leichtere obere Teil vollständig avorannte. Mit verbrannt ist ein erheblicher Teil der Möbel, sodaß den beiden Einwohnersamilien schwerer wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. Kommunistische Demonstration. Am Donnerstagnachmittag versammelten sich an vier verschiedenen Stellen auf der Bochumerstraße Trupps von Kommunisten in Stärke von je etwa 20 Mann, um zu demonstrieren. Verschiedene kommunistische Stadtverordnete hielten hierbei Ansprachen. Die Polizei schritt ein und löste die Versammlungen auf. Herbei leistete der kommunistische Stadtverordnete Börngen Widerstand. Trotz Nachhilfe mit dem Gummiknüppel wollte er sich nicht sügen. Er wurde daraufhin zwecks Einleitung eines Strafverfahrens zur Polizeiwache transvortiert, dann aber wieder frei gelassen, um an der Stadtverordnetensitzung teilnehmen zu können. Kreisgruppe Gelsenkirchen des Kufshäuser=Verbandes. n der Monatsversammlung am 9. Juni im Lokale Nettlenbusch gedachte der Vorsitzende zunächst des verstorbenen Kameraden Proll. der als langjähriges Vorstandsmitglied und stellvertretender Geschäftsführer aufopfernd und selbstlos ein Vorbild echter Kameradschaft gewesen ist. Kurzen Bekanntmachungen folgte der Vortrag des Kameraden Steinsch=Essen über den Versorgungsetat und seine Auswirkungen auf die Versorgung der Kb. und Kh. Seine mit großem Beifall ausgenommenen Ausführungen brachten viel Interessantes und Wissenswertes. Nach einem kurzen Bericht des dameraden Wenske über den„Deutschen Abend“ im Hans=SachsHaus wurde beschlossen, zum Deutschen Reichskriegertag die Fahrtkosten aus der Kasse zu vergüten. Anmeldungen nimmt Kamerad Wenske entgegen. Das Preisschießen findet am Sonntag, den 10. Juli. nachmittags 4 Uhr, auf dem Scheibenstand Reiermann in Rotthausen. Hilgenboomstraße 64. statt. Gleichzeitig ist für die Damen ein Preiskegeln und für die Kinder eine Kinderbelustigung vorgesehen. Die Juli=Versammlung ist auf Donnerstag. den 7. Juli. vorverlegt. Mitglieder, die zu dem Schießen einen Preis zur Verfügung stellen können, werden gebeten, diesen in der Juli=Versammlung mitzubringen. Vom 4. Deutschen Reichskriegertag„Kuffhäuser“ in Dortmund. Die Vorabeiten für den vom 1.—4. Juli in Dortmund stattfindenden 4. Deutschen Reichskriegertag „Kyffhäuser“ haben in den letzten Tagen einen außerordentlichen Umsang angenommen. Trotz der schlechten Zeitverhältnisse darf man nach dem bisher vorliegenden Meldeergebnis mit einer großen Beteiligung aus allen Teilen des Reiches. insbesondere aus den Provinzen Westfalen. Rheinland und den Nachbarprovinzen rechnen. Es liegen bereits jetzt von einer ganzen Reibe von Städten Anmeldungen mit 100 und mehr Teilnehmern vor und selbst aus kleineren Orten sind ungewöhnlich hohe Teilnehmerziffern gemeldet worden. Auch die Kuffhäuserjugend ist aus dem Reichskriegertag in stattlicher Anzahl mit etwa 5000 Teilnehmern vertreten. Im Interesse einer reibungslosen Abwicklung der Vorarbeiten. insbesondere der Bereitstellung ausreichender Unterkünfte. eines geregelten An= und Abtransvortes der vielen Tausenden von Teilnehmern sowie einer allen Wünschen Rechnung tragenden Vervflegung ist es dringend erwünscht, daß alle Vereine. die bieher ihre Anmeldung versäumt haben, unverzüglich der Geschäftsstelle des 4. Deutschen Reichskriegertages Dortmund. Arndtstraße 35. Nachricht über ihre Beteiligung zugehen lassen und ihre Festabzeichen ansordern. Programme und Anmeldevaviere werden. someit sie den Vereinen nach nicht zugegangen sind. aus Ansorderung hin von der Geschäftsstelle in Dortmund unverzüglich übersandt. Kriegerbund Bismarck=Ost. Die Juni=Versammlung sand am 29. Mai nach dem Preisschießen statt. Sie wurde vom 2. Vorsitzenden geleitet. Der 2. Vorsitzende gab zunächst das Ergebnis des Preisschießens bekannt. Den 1. Preis und den Wandervreis erhielt Kamerad Barthelmes. den 2. Preis Kamerad Korte und den 3. Kamerad Sauerland. Außerdem konnte eine stattliche Anzahl mit Preisen bedacht werden. U. a. wurde beschlossen. an dem 4. Deutschen Reichskriegertag in Dortmund geschlossen teilzunehmen: es ist für die Teilnehmer eine Vergütung aus der Vereinskasse hierfür in Aussicht genommen. Ueber diesen Punkt sowie über einen beabsichtigten Familsen; ausflug soll in der nächsten Versammlung. Beschluß gefaßt werden. Wegen der Dortmunder Festlichkeiten findet die Juli=Versammlung schon am Sonntag. den 26. dieses Monats. statt. und zwar morgens 10.30 Uhr. Stadtteil Korst ch Wird die Fischerstraße restauriert? Die Fischerstraße im Stadtteil Horst befindet sich in einem außerordentlich schlechten Zustande. Die Straßendecke besteht hier aus Basalt. Als im Vorjahre an der Fischerstraße die große Siedlung des„Heimbau“ mit über 100 Wohnungen errichtet wurde, transvortierte man die ganzen Baumaterialien usw. über die Fischerstraße. Die Folge davon ist, daß jetzt die Basaltdecke förmlich zerrieben ist. Als Nebenerscheinung macht sich eine üble Staubund Geruchsplage bemerkbar. Das städtische Tiefbauamt sei gebeten. hier möglichst bald für die notwendigen Restaurierungsarbeiten zu sorgen. Der Wunsch ist umso diinglicher, als die Fischerstraße immer mehr größere Bedeutung für den Verkehr gewinnt. Man muß nämlich die Feststellung machen, daß der Verkehr von Horst aus nach Essen immer weniger über die alte NordSüd=Achse(Essener=, König=, Altenessener= und Viehoferstraße) läuft, sondern namentlich die Lastkraftwagen über die Fischerstraße nach Katernberg und von da aus zum Viehoferplatz in Essen fahren. Auch hierdurch steigert sich die Inanspruchnahme der Fischerstraße ganz erheblich. ch Kanalbrücke nicht mehr passierbar. Wir berichteten bereits darüber, daß die Horster Strecke des Rhein=HerneKanals ganz erheblich abgesunken ist. Namentlich hat unter diesen Senkungen. die offenbar auf Bergschäden zurückgehen. die Kanalbrücke im Zuge des Südendes der Fischerstraße gelitten. Vor wenigen Tagen wollte ein Schleppkahn. der keine Ladung hatte. diese Brücke passieren. Es war ihm aber unmöglich, ohne Beschädigung des Decks hindurchzukommen. Man sah sich daher gezwungen, den Kahn erst zu einem guten Teil voll Wasser zu vumven. um mit dem dann tieferliegenden Kahn soeben die Brücke passieren zu können. Ferner stieß vor längerer Zeit ein Schlepper mit seinem Deckaufbau gegen den unteren Brückenbogen. Der halbe Deckaufbau wurde dabei weggerissen und erheblicher Materialschaden angerichtet. Besonders sei darauf hingewiesen, daß beide Schiffe bis dahin sämtliche Brücken gefahrlos passiert hatten. Bekanntlich hat sich das Wasserbauamt zu einer gründlichen Beseitigung dieser Schäden entschlossen. und es soll in der nächsten Zeit mit den Restaurierungsarbeiten begonnen werden. Gerade auf Horster Gebiet werden die Arbeiten sehr umsangreich und sehr kostspielig sein, da hier außerdem auch noch die Kanalböschungen zu einem großen Teil außerordentlich schlimm zugerichtet sind. gesunden Schlaf den rensee Narvensvsterns ersieles Sinur durch den echten Baldravin“ Patestamtlich geachötr unte: Nr. 342681. E. enthäh etliche En traktivelefte 4m— Baldriaswersel in k. kräftigen An. ebenenge: soreboten werden, wulse men un! schieden zurück. Zuhaben ie Apotächen und Dregeres- Lastimm is 4. D 2620 Drogerte Ahlmann, Biemarckstraße 194 Fachdrogerie M. Schneider, Bahnhofstraße 37 THIELENS d.Here- Seche Naus Stadt Wattenscheid ** Gelsenkirchener Kinder besuchen die Höntrover Waldbühne. Die Höntrover Waldbühne gewinnt mit jedem Jahr an Ruf. Besonders beliebt sind die Märchenspiele. die von der Leitung alljährlich mehrmals veranstaltet werden. In diesem Jahre werden diese Sviele zum erstenmal von Gelsenkirchener Kindern besucht. Im ganzen werden mehr als 1000 Gelsenkirchener Kinder, besonders aus den Bezirken in der Nähe Wattenscheids. die Märchenspiele ansehen. Für die Kinder bedeutet solch ein Tag eine wirkliche Erholung, da in unmittelbarer Nähe der Waldbühne ein großes Freibad und Planschbecken angelegt ist, das den Kindern zur Verfügung steht. E Zu den Unterschlagungen bei der Westenfelder Sterbefasse erfahren wir noch, daß der Defraudant Mitglied einer linksgerichteten Partei ist und gleichzeitig Betriebsratsmitglied einer hiesigen Zeche. Die unterschlagenen 3000 Mark dürften als verloren gelten, da keinerlei Vermögen des Verhafteten vorhanden ist. Doch ist der Bestand der Sterbekasse an sich nicht gefährdet. Samstags nachn., Sonntags und an gesetrl. Feiertagen, Dreikönige, Pronleichnam und Peter u. Paul gelt edenk. als ges. Feiertage halten die Aerzte Oelsenkirchens keine Sprechstunden Beidringend. Pällen u. plötzl. Erkrank. ist jedoch jederzeit für ärztliche Hille gesorgt csam mit modern. SpezialFahrzeugen von und nach allen Richtungen unter Garantie übernimmt C9448 Möbeltransport-Mols. Ringstraße 85. Ruf Samm-Nr. 2285 Höchste Preise I. gebraucht. Möbel. Herde. Nähmasch. u. ganze Einricht, zahlt nur Weidberg, Hochst. 70. Tel. 2672 Karte gen. 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Auf überaus rätselhafte Art und Weise verschwand im Februar 1930 der sechsjährige Knabe Günter Konen aus Essen=West. Man nahm seinerzeit auch an, daß der Knabe von Zigeunern verschlevpt worden sei. Trotz umsangreicher volizeilicher Ermittlungen konnte der Vermißte bis heute nicht gefunden werden. Die Polizei glaubt nun, etwas Licht in diese mysteriöse Angelegenheit bringen zu können. Heute vormittag nahmen Polizeibeamte in dem Hause Seibertzstraße 4, das von elf Familien bewohnt wird, eine Durchsuchung nach Wassen vor, da sich in der dortigen Gegend in den vergangenen Nächten mehrfach Schießereien zwischen politischen Gegnern abspielten. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Beamten in einem ausgemauerten Kellerloch unter der zum Hof gelegenen Haustrevve, unter Gerümpel verborgen, die mumisizierte Leiche eines etwa sechsjährigen Kindes. Die Mordkommission unter Leitung des Regierungsrates Amelung begab sich sofort an die Fundstelle und leitete die Untersuchung ein. Da der Fundort in der Nähe der Wohnung des verschwundenen Günter Kosten liegt und auch die Größe der Leiche mit der des verschwundenen Knaben etwa übereinstimmt, sind die Ermittlungen nach dieser Richtung bin ausgenommen worden. Zu dem Leichenfund im Keller des Hauses Seibertzstraße 4 im Stadtteil Essen=West wird noch berichtet, daß kaum ein Zweisel bestehen kann, daß es sich um die Leiche des seit über zwei Jahren spurlos verschwundenen und trotz allen Nachforschungen bisher nicht auffindbaren Knaben Günter Kosten bandelt. Ebenso unzweifelhaft dürfte es sein, daß der 6jährige Knabe einem bestialischen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Aus der Tatsache, daß sofort nach dem rätselhaften Verschwinden des Kindes bei den polizeilichen Nachforschungen auch die Häuser und Keller der Seibertzstraße durchsucht wurden, ohne eine Spur zu finden, ergibt sich die Möglichkeit, daß der Mörder die Leiche erst später an die Fundstelle gebracht bat. Unter Schutt und Gerümpel fand man die mit Asche überstreute und dadurch mumifizierte Leiche des Knaben. Nachdem der Zufall die Leiche Günter Kostens finden ließ, richtet sich die Aufgabe und Arbeit der Kriminalpolizei auf die Ermittlung des ruchlosen Täters. Einstweilen bleibt die Leiche am Fundort, bis der bereits benachrichtigte Berliner Sachverständige Dr. Müller=Heß eingetroffen ist und eine Untersuchung vorgenommen hat. Diebe verraten sich selbst Aufklärung eines Raubüberfalles auf ein altes Ehepaar X Essen, 23. Jun. Der hiesigen Polizei gelang die Aufklärung des Raubüberfalles auf ein hochbetagtes Ehevaar in der Taubenstraße vor etwa drei Wochen. Den Tätern wurde hierbei die gestohlene Uhr zum Verhängnis. Als die Uhr hier zum Verkauf angeboten wurde, konnte die Polizei durch ein geschicktes Manöver die drei Täter festnehmen. Es bandelt sich um den 26jährigen Nikolaus Ecker, den 25jährigen Wilhelm Milszus und den 29jährigen Franz Schön. Ferner wurde der 25jährige Hehler Otto Ecker, der sich beim Absatz des geraubten Gutes beteiligt hat. verhaftet. Die drei Täter waren seinerzeit morgens gegen 4 Uh. durch ein Kellersenster eingestiegen. nachdem sie vorher die Eisenstäbe durchschnitten und entfernt hatten. Bis gegen 11 Uhr hielt man sich im Keller versteckt. Erst als die Eheleute, die allein in dem Hause wöhnen, ausgegangen waren, schritten die Täter zur Tat. Sie durchwühlten sämtliche Zimmer und suchten nach Geld und Wertsachen. Ganz unprogrammäßig früh kehrten die Eheleute von ihrem Ausgang zurück. Zuerst kam der 78jährige Ebemann. Dieser wurde von den Eindring= lingen an der Haustür gesaßt, in die Wohnung geschleppt und gefesselt. Die bald darauf hemkehrende 76jährige Ehefrau ereilte dasselbe Schicksal. Das Ehevaar wurde sodann von den Burschen mißhandelt und unter Bedrohung mit einem Beil zur Herausgabe des im Hause befindlichen Geldes gezwungen. Dem Ehemann nahm man eine goldene Uhr mit Monogramm fort. Der Täter Schön mißhandelte die alte Dame, indem er sie fortgesetzt unter das Kinn schlug. um sie zur Herausgabe des Geldes zu veranlassen. Durch die Schläge hatte sich das künstliche Gebiß gelockert und war ihr fast in den Hals gerutscht, sodaß sie nahe am Ersticken war. Als Schön dies merkte, griff er der Frau in den Mund und zog das Gebiß hervor. Darauf händigte die Frau dem Täter ihre Handtasche mit 95 RM. aus. Um seine Komvlizen um diesen Betrag zu vrellen, legte er seinen Finger über seinen Mund und gab damit der Ueberfallenen das Zeichen, zu schweigen, damit die anderen den Vorgang nicht bemerken sollten. Letztere haben hiervon erst bei der Polizei erfahren.— Da bei den Verhafteten noch eine Menge Diebesgut gefunden wurde, werden diese wohl noch für weitere unaufgeklärte Straftaten in Frage kommen. Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen In Bottrov=Boy wurden am Mittwoch gegen 21.15 Uhr zwei Nationalsozialisten, die SA=Uniform trugen. von Kommunisten überfallen. Beide erhielten erhebliche Kopfverletzungen und wurden. nachdem sie von einem in der Näbe wohnenden Arzt untersucht worden waren, ins Krankenhaus transvortiert. Lebensgefahr besteht nicht. Das Ueberfallkommando, das an der betreffenden Straße in dieser Nacht zweimal die Ruhe herstellen mußte, war alsbald zur Stelle; die feigen Täter aber waren bereits geflohen. Beim Bügeln verbrannt X Bochum, 23. Juni. Eine Hausangestellte aus dem Stadtteil Langendreer kam beim Bügeln einem Gasosen zu nahe. Ehe es sich das Mädchen versah, stand es in hellen Flammen. Eine Löschung der Flammen war unmöglich. So erlitt die Unglückliche surchtbare Brandwunden, denen sie kurz nach Einlieferung in ein Krankenhaus erlag. Gemeinden sollen Kreisstraßen erhalten X Schwelm, 23. Juni. Der Kreisausschuß des Landkreises Enneve=Ruhr saßte den Beschluß, daß die Gemeinden zur Instandsetzung der Kreisstraßen heranzuziehen sind. Jede Gemeinde soll 150 RM. für die Instandhaltung der in ihrem Gebiet liegenden Kreisstraßen aufbringen. Woher nehmen und nicht stehlen? „Roter Masserselbstschutz“ X Herringen, 23. Juni. Von Kommunisten wurde hier ein sog.„Noter Massenselbstschutz" gegründet. Diese Vereinigung hat angeblich barmlose Aufgaben, führt aber in Wirklichkeit zu jeder Tages= und Nachtzeit Ueberfälle auf politische Gegner aus. So wurden in den letzten Nächten zahlreiche Stahlhelmer und Nazis von diesem Selbstschutz überfallen und teilweise schwer mißhandelt. Einmal wurde ein Nationalsozialist über Gräben und Hecken bis in seine Wohnung verfolgt. Der Verfolgte konnte sich jedoch rechtzeitig in seiner Wohnung in Sicherheit bringen. Darauf warsen die Täter die Fensterscheiben seiner Wohnung ein. Bei einem anderen Zusammenstoß wurden sogar mehrere Schüsse von seiten der Kommunisten abgegeben. Die Täter sind teilweise mit schwarzen Gesichtsmaoken verseben. Die Polizei steht sich gezwungen, einen verstärkten Streifendienst einzusetzen, um sich gegenüber diesem roten Terror durchseven zu können. S Moderner Laden mit 2 Schaufenstern, der guten Lage wegen für jedes Geschäft geeignet, ganz oder geteilt, sofort oder später zu vermieten. B9525 Waltuch. Hochstr. 40. Ladenlokal In bester Lage der Bahnhofstraße, mit einem 4,20 m breitem Schaufenstei, für sofort oder später zu vermieten. Oppenheimer, B•.. Bahnhotstraße 76. 2 sch., heile, durcheinanderz. u. ptr. gel. Büroräume z. 1. 7. cr. od. spät. zu ermäß. Preise zu verm. Aktenschrank. Geldschr. u. einige a. Büromöb. s. vorh. Karlstr. 14. ptr. 415547 eventl. einger. Zl. garrendesch., krankheitshalber billig zu vermleten. A4721 Näh. Klrchstr. 40. Im Laden. Bäckerei als Fillale geeignet. zu vermleten. Schriftl. Anerb. u. A4713 an die Gesch. Ein großes C3475 Geschäftslokal In Wattenscheld, gute Lage. für I. Branche geelgnet, zu vermiet. Entragen u. S. O. 8240 an die„Allgem. 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Müller. Katernberg. Grundst. 51a. A4730 Der Chor in der Oper gewinnt an Bedeutung Eine Bestätigung des Aufschwungs der Chorbewegung SBK. In letzter Zeit konnte man in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften von dem„blühenden“ Chorleben lesen. Wenn auch das Wort„blühend“ für den Kenner der Verhältnisse reichlich optimistisch erscheint. so kann man doch nicht abstreiten, daß sich die Chorvereine, namentlich die Männergesangvereine, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz durchsetzen und sogar große Erfolge in der Bewertung nach außen hin zu verzeichnen haben. während andere Aeußerungen musikalischen und kulturellen Lebens sang= und klanglos verschwinden. Welche kraftvolle Aeußerung gesunden chorischen Lebens bedeutet allein die Veranstaltung des XI. Deutschen Sängerbundfestes in Frankfurt a. M. im Juli dieses Jahres. Eine Fülle mannigfacher Chorleistungen mit meist zeitgenössischer Literatur wird von der musikalischen Sendung des deutschen Chorwesens Zeugnis abgeben. Noch ein Weiteres beweist die steigende Bedeutung des Chors. gerade des Männerchors: In den letzten Jahren hat sich die Zahl bekannter und anerkannter Komvonisten erheblich erhöht, die für die sonst etwas verächtlich betrachtete Männerchorform Werke schufen. Ich nenne hier nur den Namen Paul Graener, der vor fünf Jahren kaum einen Männerchor geschrieben hatte und heute zu den meist gesungenen Komponisten zählt. Die vielen gemischtchörigen Vereinigungen haben ebenfalls in den letzten Jahren durchweg gute Erfolge aufzuweisen. Wohl nie sind die klassischen Oratorien von Haydn. Händel usw. mehr aufgeführt worden als heute. Im kleinsten Dorfe. kann man sagen, erklingen die Jahreszeiten". bildet die„Schöpfung" das große Ereignis des Winters. In der„Jugendbewegung" steht der Gemeinschaftsgesang im Mittelpunkt des Interesses. anderen Zielen dienend. aber immerhin ein wertvoller Faktor. bei der Masse die Liebe zum chorischen Singen zu fördern. Aus dem überall gepflegten Chorgesang ergibt sich zwangsläufig eine ungeheure Steigerung der Produktion. Von den zeitgenössischen Männerchorkomvonisten war schon die Rede. aber auch für gemischten Chor ist das Angebot der Tonsetzer außerordentlich. Nicht alles kann natürlich gleichwertig sein, jedoch es zeigt sich überall der Wunsch. der regen Nachfrage entgegenzukommen. In letzter Zeit greift das Interesse am Chor auch auf die Over über. Es ist hier nicht der Ort. eine Entwicklung der Stellung des Chors in der Oper zu geben. Es sei nur gesagt, daß er seit Wagner eine bevorzugte Stellung nicht einnahm. Es sind Anzeichen vorhanden. daß sich hier vielleicht eine Wandlung anbahnt mit dem Ziele, dem Chore eine führende Rolle zu geben, wie es vor Zeiten. u. a. beim griechischen Drama üblich war. Zwei an Berliner Overnbühnen berausgekommene Overn beleuchten die Entwicklung deutlich:„Christe h Columbus von D. Milhand und„Die Bürgschaft“ von K. Weill. In beiden Werken gewinnt das chorische Element größere Bedeutung, die sich wesentlich von der dekorativen Massenentfaltung zu äußerem Zweck, wie etwa bei Meverbeer und anderen. unterscheidet. Bei Milbaud vertritt der Chor gewissermaßen das Publikum. Die Choristen sind vor der Bübne aufgestellt und greifen in die Handlung ein, erläutern sie. üben Kritik usw. Eine ähnliche Stellung also, wie sie dem Chor im griechischen Drama zufiel. Ein alter Bekannter aus früheren Oratorien hat edenfalls Wiederaufnahme gesunden: Der Vorleser, der seinerseits die Bühnenhandlung einleitet und leitet und durch verbindende Worte das „Publikum" über die Zusammenhänge der Bühnenbilder aufklärt. Wie weit der Realismus des Chores getrieben wird, zeigen zwei Stellen des Textbuches deutlich. Zu Anfang heißt es:„Einzug der Prozession... Dann der Chor. zuerst in Reihen geordnet, dann recht unruhig und ungeordnet. Man trägt Bücher. Pulte. Blumensträuße, Weinflaschen, Körbe, voll mit Partituren. Man ißt Aepfel und pufft einander.“ Der Einzug des Chors ist also das Gegenteil von der gewohnten„repräsentativen“ Aufmachung. Im Gegensatz dazu die feierliche, religiöse Einleitung, die nun folgt. Dann beginnt das Spiel: Columbus in einer Herberge in Valladolid. Ein Beisviel nur für die Behandlung des Chors. Der Erzähler erläutert die Vorgänge auf der Bühne:„Und indes er öffnen will sein armselig Geväck. zieht man sein Maultier ins Zimmer nebenon. Was ist in der Truhe verborgen?" Der Chor sieht zu, wie Columbus sich an einer Truhe zu schaffen macht und sagt: „Papiere... Bücher auch... Bildnis einer Dame. Ketten.. In dieser Form begleitet der Chor die Handlung. er ermuntert Columbus. spricht ihm Trost zu. macht ihm auch gelegentlich Vorwürfe, wenn er mit seiner Handlungsweise nicht einverstanden ist. Ja. der Chor wird sogar„selbständig". Im zweiten Teil ist ein heiteres Intermezzo eingebaut. Nachdem in der Szene der Chor nicht beschäftigt wurde, haben sich die Choristen allerhand lebhaften Privatgesprächen hingegeben". Der Erzähler ersucht,„sich etwas weniger unruhig und etwas stiller benehmen zu wollen".(Köstlich die vastorale Ausdrucksweise des Erzählers.) Es entspinnt sich ein Gespräch zwischen dem Erzähler und dem Chor. aus dem hervorgeht, daß„die Herren und Damen vom Chor unzufrieden sind". Warum? Er erwartete bei der Rückkehr des Columbus nach Spanien eine große Triumphszene die„wunderbare malerische szenische Effekte ermöglicht hätte". Einen großen Festzug in glänzender Aufmachung.„Und was für ein Trost für die Chöre, endlich aus vollen Lungen loslegen zu können!“ „Vielleicht sogar noch ein kleines Ballett in Granada?“ fragt der Erzähler ironisch, worauf ein Chorist bejahend feststellt, daß das weibliche Element bis jetzt überhaupt zu sehr vernachlässigt wurde. Soweit das Zwischenspiel. das den Chor in seiner eigenartigen Funktion zeigt. Im weiteren Verlauf der Over hat der Chor noch oftmals Gelegenheit, zu den Vorgängen auf der Bühne Stellung zu nehmen. Wie erwähnt, ist diese Art der Verwendung des Chores keineswegs„neu", aber für das zeitgenössische Overnschaffen jedenfalls ungewöhnlich. Der Chor ist geeignet. Szene und Handlung außerordentlich zu beleben. Es ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, das etwas starr gewordene Bild der Overnbüdne in den letzten Jahrzehnten aufzulockern. Diesen Versuch hat auch Kurt Weill. der Komponist der„Dreigroschenover". in seiner neuen Oper„Die Bürgschaft" unternommen. Weill. bzw. sein Textdichter Caspar Neher, gibt dem Chor eine betont lehrhafte. moralisierende Haltung.„Es ände““ sich nicht der Mensch. Es sind die Verhältnisse, die seine Haltung verändern". so beginnt er seine Betrachtung. als Mattes. der Viehhändler. Haus und Hof verspielt hat. und von seinem Freund David Orth Geld zu leihen beschließt. Der Chor ersetzt die Kulisse, suggeriert dem Zuhörer Vorgänge auf der Bühne:„Am Horizont steigt eine schwarze Wolke auf. der kaum erwachte Tag verdunkelt sich wieder." Der Chor schlägt die Brücke zwischen zwei Szenen, die zeitlich auseinander liegen und erspart dadurch langwierige Auseinandersetzung zwischen den handelnden Personen auf der Bühne, wenn er z. B. nach dem Vorsviel zu Beginn des ersten Aktes sagt:„Seit diesen Ereignissen sind sechs Jahre vergangen, und die Zeiten haben sich geändert... und heute begibt sich Johann Mattes zu David Orth. von dem er Spreu kauft.“ Eine der interessantesten chorischen Szenen ist die Begegnung von Orth und Mattes auf dem Flusse. Beide sind von ihren Ufern her ausgefahren, um nach den Netzen zu sehen. In großer Entfernung unterhalten ne sich durch Zuruf. Da bilden sich Nebel über dem Flusse, so daß die beiden Männer sich kaum noch sehen können. Der Chor:„Jetzt darf kein Nebel kommen. Die beiden Männer müssen sich seh'n. Aug' in Auge.“ Wieder tritt die belehrende Tendenz des Chores in den Vordergrund. Er gibt sogar eine Erklärung der Entstehung des Nebels ab:„Muß dieser Nebel kommen? So will es das Gesetz der Natur: Die Sonne des vergangenen Tages hat die unteren Luftschichten und den Boden erwärmt. Die kälteren Strömungen der Nacht brechen ein in die erwärmten Zonen. Der Wasserdampf der Luft verdichtet sich. So entsteht Nebel.“ Das ist in der Tat die äußerste Grenze der Anwendungsmöglichkeit des Overnchores, die„Belehrung“ ist hier auf die Spitze getrieben. Dazu kommt, daß solche Ausführungen natürlich„unkomponierbar“ sind. weil sie dem Komponisten nicht den geringsten Anhalt eines musikalischen Ausdrucks geben. Da ist schon besser. eine andere Szene im Verlauf der Handlung musikalisch darzustellen, in der der Chor schildert, wie Mattes verzweiselt versucht, in seinem Kahn eher als die„drei Erpresser", das jenseitige Ufer des Flusses zu erreichen. Hier schildert der Chor in einem größeren Satze in dramatischer Steigerung die Ueberfahrt, wie der Kahn in einen Strudel geriet. und Mattes schwimmend das Ufer zu erreichen sucht. Auf der Bühne ist von all diesen Vorgängen nichts zu sehen. Die Mitwirkung des Chores erspart auch hier die umständliche Schilderung einer Handlung, die sich selbst kaum erfolgreich darstellen läßt. Es würde zu weit führen, an weiteren Einzelheiten der beiden genannten Overn nachzuweisen, wie stark der Chor an der Handlung beteiligt ist. Es war lediglich der Zweck dieser Ausführungen, darauf hinzuweisen, daß sich auch in der Over eine Strömung bemerkbar macht, die dem chorischen Singen eine erhöhte Bedeutung zukommen läßt. zweifellos eine Folge des Aufschwungs. den das Chorwesen in den letzten Jahren überhaupt genommen hat. Man braucht übrigens dabei nicht nur auf die musikalisch durchaus bestrittenen und problematischen Werke von Weill und Milhaud hinzuweisen, selbst eine Oper wie„Andromache“ von Herbert Windt. die ganz im Strauß=Schrekerschen Fahrwasser schwimmt, gibt dem Chor. wenn auch in der herkömmlichen Form. eine sehr große Rolle und Gelegenheit zu großen Chorsätzen. Auch daraus scheint hervorzugehen, daß der Wunsch nach dem Chor nicht etwa von einer bestimmten Richtung ausgeht, sondern ganz allgemein in der Zeitströmung begründet ist. Dr. Ewens. Die Taube, die etwas sucht... Von Wilhelm Kahl. Nach einem Gewitterregen war das Wetter endgültig verstellt. Es war kaum fünf Uhr am Nachmittag, aber der Tag war von einer motzigen Unfreundlichkeit. Dabei war es mitten im Sommer und vor wenigen Stunden noch hatte eine sengende Hitze draußen gelegen. Jetzt dauerte dieser gerrissene Sommertag unendlich lang. und mit übergroßer Beständigk. rieselte ein ganz dünner Regen nieder bis spät in die Abendstunden und voraussichtlich auch in die Nacht hinein. Ehe wir schlasen gingen, stellte Lola fest: Es ist eigenartig mit dieser Taube. Sie flog doch ständig um das Haus becum. In unserem Haus waren keine Tauben. und weit und breit in der Gegend gab es auch keine. Jetzt saß das Tier— schneeweiß ist es gewesen— oben auf dem Dachfirst. Der nächste Tag— das war also vorgestern— sing mit Regen an. Ein ganz dünner war es. aber man konnte frieren dabei. Als wir auf den Berg liefen an diesem Tag. nahmen wir die Lodenmäntel mit. Gegen Abend aber ist es derart unsreundlich geworden, daß wir Feuer in dem Osen machten. Mitten im Sommer. Wir tranken öligen Grog und wielten Schach. Draußen ging ganz dünner Regen nieder. Das Mädchen kam:„Die Taube ist wieder da. Ich meine doch, daß es dieselbe von gestern ist.“ Wir gingen hinaus. Sie saß jetzt auf einem schmalen Gesims, das in der Mitte der Hauswand rund um es herum läuft. Als wir kamen, äugte sie herunter.„Da sitzt sie ja trocken,“ sagte einer.„Der Regen trifft sie nicht.“ und wir gingen wieder hinein. Es war aber dasselbe Tier. Schneeweiß mit einem ganz kleinen stahlblauen Fleck auf dem Kövschen. Mit dem nächsten Tag— gestern ist das gewesen— kam auch die Sonne wieder. Gegen Mittag wurden die hartgetretenen Wege schon staubig und die Sonne glitzerte in dem Bachwasser. Als wir gingen. kam das Mädchen an uns vorbei.„Das Täubchen ist fort?“ „Es hat den ganzen Morgen noch hier oben auf dem schmalen Mäuerchen gesessen. Geschlafen hat es. glaube ich. Wie sich so ein Tier nur hierher verfliegt!“ Wir sahen an dem Haus entlang. Die Taube war nicht mehr da. Als wir in den Wald hineinkamen— es sind keine fünfzig Schritte von dem Haus— kam mir Zweisel. ob ich die Zimmersenster bei mir geöffnet hätte. Ich konnte es nun einmal nicht vertragen, daß sie geschlossen blieben an einem solchen Tag. Aber wenige Schritte zurück überzeugten mich. Ja. Wir konnten ruhig weitergehen. Von der Höhe oben hatten wir einen weiten Blick ins Land. Die Tannen stachen wie Nadeln in die Höhe, und hier oben war die Heide rot. Ganz unten, ganz fern sahen wir unser Haus. Es war klein wie ein Buchenblatt. Daß man von einem stundenlangen Weg müde wird. kann einem schließlich keiner verdenken. Wie wir gingen und standen, setzten wir uns unten in das Zimmer. An der Pumpe im Hof lief ja auch klares Wasser. Wenn man draußen müde geworden ist. spürt man wohlig die Enge des Zimmers. Wir saßen lange in den Abend hinein. Es war spät. als wir auseinandergingen. Die Tür hinten am anderen Ende des Korridors ging leise hinter Lola zu. Als ich in mein Zimmer trat, schien mir etwas Unbekanntes darin zu sein. Oft ist es ja auch in Landhäusern so: der Lichtschalter war nicht mit dem ersten Griff zu erreichen. Als ich einen Schritt hineinkam, sah ich etwas Weißes auf dem Schreibtisch liegen.„Das wird es wohl sein.“ dache ich. Ich gestehe, daß mir etmas unheimlich gewesen ist von diesem Augenblick an. Das Licht konnte ich schließlich anmachen. Ja. ist das denn möglich. Auf der Briefwagge. man denke, auf der Brieswagge liegt die Taube und ist tot. Sie war ganz weiß und hatte einen stahlblauen Fleck auf dem Könschen. Aber sie war tot. Ich bin lange nicht eingeschlafen an diesem Abend. Bayern zur Länderkonferenz München denkt nicht an Unterwerfung Stellungnahme erst Freitag X München, 23. Juni 1932. Wie die„Münchener Neuesten Nachrichten“ zu berichten wissen, soll Staatsminister Stützel aus der gestrigen Konferenz der Innenminister in Berlin eine sehr eingehende Begründung des erlassenen Uniformverbotes gegeben haben. Das Verbot gehe nicht lediglich auf die Vorfälle im Bayerischen Landtag zurück, vielmehr habe die bayerische Regierung nationalsozialistisches Material in Händei, das der Konferenz mitgeteilt worden sei und aus dem die staatsgefährlichen Ziele geplanter Demonstrationen eindeutig bervorgingen. Wie das Blatt weiter hört, soll am Freitagabend die Antwort der Länder im Reichsinnenministerium erwartet werden. Zu dem Ergebnie der Berliner Innenministerkonserenz bemerkt die Baverische VolksvarteiKorrespondenz u. a.: „Die Reichsregierung scheine gesonnen zu sein, mit Hilfe des Artikels 48 sich ein Reichsrecht zu schaffen, das das Landesrecht außer Kraft setzt. Man müsse sich nach dem Ergebnis der Länderkonserem auf einen schweren Eingriff der Reichsgewalt in die Länderrechte gefaßt machen. Damit übernehme die Reichsregierung eine Verantwortung für die Weiterentwicklung der innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland, die ihr voraussichtlich kenen Ruhmestitel in der deutschen Geschichte einbringen werde. Es sei selbstverständlich, daß eine bayerische Regierung nicht in der Lage sei, den politischen Auffassungen der Reichsregierung entgegenzukommen. Der Standpunkt der NSDAP. ###r München, 23. Juni. Zum Ergebnis der Innenminister=Konserenz schreibt der„Völkische Beobachter“:„Nach Lage der Dinge müßten sich jetzt die süddeutschen Regierungen morgen entscheiden. Sollten sie nicht unverzüglich den berechtigten Forderungen des Reiches in vollem Umfange nachkommen, oder aber die Dinge zu verschleppen trachten und Ausflüchte gebrauchen, so erwartet allerdings„das gesamte nationale Deutschland“ von der Reichsregierung, daß diese sich nunmehr auf keine halben Maßnahmen weiter einläßt, sondern scharf zupackt und endgültig durchgreift.„Das deutsche Volk“ ist berechtigt, von der Reichsregierung zu verlangen, daß sie gegenüber den die gesamten Interessen der Nation aufs schwerste gefährdenden varteipolitischen Machtkämpfen ein Exempel statuiert. Tut die Reichsregierung das nicht, gibt sie sich damit selber auf. so braucht sie sich nicht zu wundern, wenn sie auch vom deutschen Volk aufgegeben wird.“ * Wie in Bayern Szenen im Württembergischen Landtag. □ Stuttgart. 23. Juni. Zu der Landtagssitzung waren die Nationalsozialisten heute geschlossen in Unisorm erschienen. Landtagspräsident Mergenthaler. der ebenfalls der Nationalsozialistischen Partei angehört, trug einen schwarzen Anzug. Beim Einzug der Nationalsozialisten entstand auf der Linken ein großer Lärm. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte der Führer der Zentrumspartei. Abg. Bock. die sofortige Vertagung der Sitzung auf morgen vormittag. Präsident Mergenthaler erklärte, daß in Württemberg das Uniformverbot gefallen sei, und daß es keine Geschäftsordnungsbestimmung gebe, die das Erscheinen in Uniform verbiete. Nach kurzer Aussprache wurde der Vertagungsantrag gegen die Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen, des Bauernbundes und des Christlichsozialen Volksdienstes angenomme i. Auslösung des Sächsischen Landtages abgelehnt Dresden, 23. Juni. In der Donnerstagsitzung des Sächsischen Landtages wurde der nationalsozialistische Antrag auf Auflösung des Landtages mit 58:35 Stimmen der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen und der Kommunisten abgelehnt. DD Straßenterror fordert Tote Blutige Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten in Hamborn und Dortmund □ Hamborn, 23. Juni. Am Donnerstagabend kam es im Stadtteil Marxloh mehrfach zu politischen Zusammenstößen. Bei einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten wurde ein Kommunisterschossen. Er soll irrtümlicherweise von einem eigenen Parteigenossen getroffen worden sein. Ein Nationalsozialist wurde von einem Kommunisten durch vier Messerstiche schwer verletzt, sodaß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Insgesamt wurden 60 Personen verhaftet. □ Dortmund, 23. Juni. In Dorstfeld lauerten größere Kolonnen von Kommunisten Nationalsozialisten auf, die zu einer Versammlung zogen. Die Kommunisten bewarfen die Nationalsozialisten mit Steinen, worauf aus den Reihen der Nationalsozialisten geschossen wurde. Es sielen etwa 30 Schüsse. Der 26jährige Nationalsozialist Heinrich Halrnich wurde dabei getötet. Er soll von einem Parteigenossen versehentlich erschossen worden sein. Fünf weitere Nationalsozialisten erlitten erhebliche Verletzungen. Die Versammlung wurde von der Polizei verboten. Auf den anrückenden Lastautos der Nationalsozialisten wurden Durchsuchungen vorgenommen. Dabei sand man Hieb= und Schußwassen. Kommunisten reißen die Straße auf Berlin, 23. Juni 1932. Nachdem es bereits in der vergangenen Nacht in verschiedenen Stadtreilen, besonders in Meabit, zu zahlreichen organisierten Ueberfällen von Kommunisten auf Nationalsozialisten gekommen war, sammelten sich die Kommunisten am Donnerstagmiitag wiederum in der Gegend von Moabit und versuchten das Einschreiten der Polizeibeamten durch Aufreißen des Straßenpflasters zu verhindern. Die Polizei, die mit Schnellwagen sofort zur Stelle war, vertrieb die Kommunisten mit dem Gummiknüppel und nahm zwei der Unruhestifter fest. Den ganzen Mittag über sammelten sich immer wieder erregte Gruppen zusammen. Die Kommunisten, die für heute abend eine Kundgebung angesagt haben, mußten diese auf Anordnung der Polizei absagen. Die Kommunisten, die für heute in allen Stadtgegenden Berlins zum antisaschistischen Massenaufmarsch aufgerufen hatten, versuchten am späten Nachmittag trotz des polizeilichen Verbotes schlagartig Demonstrationen zu bilden. In Moabii setzte die Polizei schließlich den Wasserwerfer ein und vertrieb die Demonstranten. In Neukölln kam es in der siebenten und achten Abendstunde, ähnlich wie in Moabit. in der Hermann=, Ziethen= und Prinz=Handjeri=Straße im ehemaligen „Barrikadenviertel“ zu zahlreichen kommunistischen Kundgebungen, die immer größeren Umfang annahmen. Zahlreiche Polizeistreisen wurden eingesetzt, die eine umfangreiche Säuberung der Gegend am Hermannsplatz vornahmen. Auch berittene Polizei mukte eingesetzt werden. Ungeheure Menschenmengen füllten die Straßen. Aus den an die Hermannstraße angrenzenden Straßen sielen aus der Menge Schüsse. Sämtliche Straßenecken sind mit dreifachen Polizeiposten besetzt. Auch Schnellwagen sind angefordert worden. □ Hamburg, 23. Juni. Die Zusammenstöße, zu denen es am Samstag im Stadtteil St. Georg zwischen Kommunisten und Polizei kam, haben ein drittes Todesopfer gefordert. Heute ist der Polizeiwachtmeister Helm seinen Verletzungen erlegen. Protest des Reichsbanners □ Breslau, 23. Juni. Wegen der Vorkommnisse in den letzten Tagen hat das Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold in einem Telegramm an den Reichspräsidenten und den Reichsinnenminister schärfste Verwahrung gegen das Vorgeben der NSDAP. und ihrer Organe eingelegt und Geltendmachung und Durchführung der vorliegenden Bestimmungen gefordert. 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Da mit einer fühlbaren Besserung der Wirtschaftslage noch nicht gerechnet werden kann und bei einer Reihe von Steuern die schlechte Wirtschaftslage des Jahres 1931 erst im Rechnungsjahr 1932 voll zur Auswirkung kommt. werden die Steuereinnahmen erheblich niedriger als im Vorjahr veranschlagt. Während im Vorjahr die Einnahmen aus Besitz= und Verkehrssteuern, Zöllen und Verbrauchssteuern noch auf 8172 Millionen Mar' veranschlagt waren, werden aus dieser Quelle für das Rechnungsjahr 1932 nur noch 7464 Millionen erwartet, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Umsatzsteuer infolge Auswirkung der im Vorjahr begonnenen Erhöhung des Steuersatzes auf ein volles Rechnungsjahr mit einem Mehr von 840 Millionen veranschlagt und die Salzsteuer mit einem Ertrag von 40 Millionen Mark hinzugetreten ist. Der Rückgang der Einnahmen gegen das Vorjahr beträgt 707 Millionen Mark. also rund 8.7 v. H. der vorjährigen Ansätze. Von diesem Ausfall treisen das Reich 500 Millionen, die Länder und Gemeinden 207 Millionen Mark. Die Besitz= und Verkehresteuern sind angesetzt mit 4757 Millionen Mark gegenüber 5072 Millionen im Vorjahr, also mit einem Minderertrag von 315.5 Millionen oder rund 6.2 v. H. Im einzelnen sind veranschlagt: die Einkommensteuer mit 1630 Millionen(429 Millionen oder 20 v. H. weniger). die Körverschaftssteuer mit 120 Millionen(180 Millionen oder 60 v. H. weniger). die Krisensteuer mit 140 Millionen (185 Millionen oder 57 v. H. weniger), die Vermögenssteuer mit 280 Millionen(65 Millionen oder 19 n. H weniger), die Aufbringungsumlage mit 40 Millionen (140 Millionen oder 77.7 v. H. weniger), die Umsatzsteuer mit 1820 Millionen(840 Millionen oder 85.7 v. H. mehr). die Kraftfahrzeugsteuer mit 180 Millionen(50 Millionen oder 21.7 v. H. weniger). Der Gesamtbetrag der Einkommensteuer verteilt sich mit 828 Millionen auf die allgemeine Lohnsteuer 1931 weniger 152 Miu.), mit 72 Mill. auf die Lohnsteuer der Ledigen( gegen 1931 weniger 48 Mill.), mit 30 Mill. bei dem Steuerabzug vom Kapitalertrag(gegen 1931 weniger 40 Millionen), mit 655.5 Millionen auf die veranlagte Einkommensteuer(gegen 1931 weniger 177 Millionen), mit 44.5 Millionen auf die Zuschläge zur veranlagten Einkommensteuer(gegen 1931 weniger 12 Millionen). An Einnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern einschließlich der Einnahmen aus dem Spiritus= und Zündwarenmonovol sieht der Haushalt für 1932 insgesamt 2707 Millionen Mark vor gegen 3099 Millionen im Vorjahr, also 392 Millionen Mark oder rund 12.6 v. H. weniger. Im einzelnen sind veranschlagt die Jölle mit 1140 Millionen(62 Millionen oder 5 v. H. weniger als 1931). Tabaksteuer mit 775 Millionen(140 Millionen oder 15.3 v. H. weniger), Zuckersteuer mit 270 Millionen(20 Millionen oder 8 v. H. mehr). Biersteuer mit 300 Millionen (160 Millionen oder 34.7 v. H. weniger), aus dem Spiritus=Monovol 130 Millionen(70 Millionen oder 35 v. H weniger). Bei der Zuckersteuer wirkt sich die im Vorjahr vorgenommene Erhöhung des Steuersatzes im Rechnungsjahr 1932 voll aus. Das Mineralwassersteuergesenz ist für die Zeit vom 1. Januar 1932 bis zum 31. Dezember 1932 außer Kraft gesetzt. Aus der Prägung von Reichsmünzen wird für das Rechnungsjahr 1932 ein Erlös von rund 107 Millionen Mark erwartet. Diesem Erlös stehen auf der Ausgabeseite Prägekosten in Höhe von 7 Millionen Mark gegenüber. Aus dem Kriegsrecht in Chile Verkauf von Vorzugsaktien der Deutschen ReichsbahnGesellschaft werden im Rechnungsjahr 1932 100 Millionen Mark erwartet(gegen 1931 weniger 50 Millionen Mark). Für diejenigen Gemeinden, in denen die Gemeindebiersteuer gesenkt ist, sind Entschädigungen von insgesamt 28 Millionen Mark vorgesehen. Der Gesamtbetrag der Länderanteile an den Reichssteuern beläuft sich für das Jahr 1932 auf rund 2113 Millionen Mark gegenüber 2321 Millionen im Jahr 1931. Im Vorjahr sind die Steueranteile der Länder um 100 Millionen gekürzt worden. von denen den Ländern im Wege einer Sonderzuweisung 50 Millionen wieder zugeflossen sind. Für das Rechnungsjahr 1932 ist hiervon abgesehen worden. * Abschluß des Reichshaushaltes für 1931 Gesamtfehlbetrag 1 690 Millionen Reichsmark. 6 Berlin, 23. Juni. Das Gesamtabschlußergebnis des Reichsbaushaltes für das Rechnungsjahr 1931 liegt nunmehr vor. In diesem Zeitraum betrugen im ordentlichen Haushalt die Einnahmen 8941.5 Mill. RM., die Ausgaben 9 392.4 Mill. RM. Die Ausgaben überstiegen also die Einnahmen um 450.9 Mill. RM. An Ausgabenresten. nach Abzug der Einnahmereste, standen am Schlusse des Rechnungsjahres 1931 noch 157.7 Mill. RM. offen. Zum Ausgleich des außerordentlichen Haushaltes wurden auf den ordentlichen Haushalt 470.9 Mill. RM. übernommen. Ende 1931 war mithin ein Gesamtfehlbetrag von 1 690 Mill. RM. vorhanden. Hiervon ist das Rechnungsjahr 1930 mit einem rechnungsmäßigen Fehlbetrag von 770 Mill. RM. belastet. Die Gesamtsumme der Reichsschuld betrug am 31. März 1932 10 430.1 Mill. RM. gegen 10 508.7 Mill. RM. am 31. Dezember 1931. 22 Uhr. Theater bereits um 21 Uhr geschlossen werden. Nach 22 Uhr darf niemand sich auf den Straßen zelgen. Als Antwort darauf haben zahlreiche Gowerkschaften den Generalstreik ausgerufen. der aber noch nicht allgemein durchgeführt wird. Es ist vollkommen unübersichtlich, welche der zahlreichen sich besehdeten Politiker und politischen Richtungen im Augenblick die Oberhand haben, da täglich neue Politiker in das allgemeine Durcheinander eingreifen. In Callao sind zwei englische Kreuzer eingetrossen, die dort weitere Anweisungen, nach chilenischen Häsen auszulaufen. erwarten. Generalstreikparole X Buenos Aires, 23. Juni 1932. Chile wird, wie die„Prensa“ meldet, durch Revolution und Gegenrevolution in ein vollständiges Chaos gestürzt. In den beiden größten Städten des Landes. Santlago und Valpareiso. versuchte eine kommunistische Volksmenge die militärischen Arsenale anzugreisen. Gendarmerie und Truppenteile hatten größte Mühe. den Angriff zurückzuschlagen. Sie gaben mehrere Salven auf die Volksmenge ab. wobei ein Dutzend Menschen getötet wurde. Die gegenrevolutionäre Regierung hat den Kommunismus als außerhalb des Gesetes stehend erklärt und eine Unterdrückung mit den schärfsten Mitteln angeordnet. Zu diesem Zweck ist das Kriegsrecht und der verschärfte Belagerungszustand über das ganze Land verhängt worden. d. b. in den Landesteilen, wo die gegenrevolutionäre Regierung die Autorität besitzt. Die Junta hat eine Verordnung erlassen, nach der Aeußerungen oder Handlungen gegen das jetzige Regime mit schweren Geldund Gefängnisstrafen bedroht und die Militärgerichte in solchen Fällen für zuständig erklärt werden. Versammlungen im Freien sind verboten. Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen werden nur bei 24 Stunden vorber erfolgter Anmeldung erlaubt. Für den Erwerb oder Besitz von Schußzwassen ist eine besondere Erlaubnis nötig. Von 18 Uhr ab ist der Ausschank alkoholischer Getränke außer in Hotels und Klubs verboten. Klubs müssen um Priestermord in der Mandschurei — London, 23. Juni.„Times“ meldet aus Peking: „Der deutsche Generalkonsul in Mulden ist nach Tschientao in der Provinz Kirin abgereist, um die näheren Umstände zu untersuchen, unter denen am 5. Juni der deutsche Priester Navv ermordet wurde. Koreanische Zeugen haben erklärt, daß Pater Rapp von japanischen Soldaten ermordet worden sei. Er sei, als er sich zu einem an Typhus sterbenden Kollegen begab, von japanische Wachtvosten angehalten worden und habe ihnen seinen Paß gezeigt, ohne vom Pferde herabzusteigen. Dies hätten die javanischen Soldaten für eine Beleidigung ihrer Armee erklärt. Sie hätten ihn ins Wachtlokal gebracht, dort mißhandelt und später in der Dunkelheit davongeführt. Die Koreaner und zwei Priester hörten bald darauf Schüsse fallen. Die Leiche des deutschen Geistlichen sei später im Sande eines Flußbettes vergraben aufgefunden worden. Nach einer Meldung aus Tschientao behaupten jedoch die Javaner, das Verbrechen sei von Chinesen begangen worden, die japanische Uniformen angelegt hätten. Eine amtliche japanische=Aeußerung liegt noch nicht vor. Arbeitsloser will ins Gesängnis rr Berlin, 23. Juni. Der 35 jährige Arbeitslose Rücert hatte für einen Freund unter dessen Namen eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten verbüßen wollen und hatte sich in der Strasanstalt zum Strafantritt gemeldet. Nach drei Monaten stellte sich heraus, daß Rückert für einen anderen die Strafe absaß. Er wurde deshalb aus der Strasanstalt entlassen und nun selbst angeklagt wegen Betruges. Begünstigung und intellektueller Urkundenfälschung. Das Schöffengericht BerlinMitte verurteilte ihn am Donnerstag zu drei Monaten Gesängnis. Auf die Frage des Richters. ob er Bewährungsfrist haben wolle, verneinte das der Arbeitslose mit der Bitte. ihn wieder ins Gesängnis zu schicken, da er dort Wohnung und Essen habe. Ein asbergeuöhnlicher Tonilim! Erstaufführung! Joe Mays neuester Tonfilm (Eine Liebesfahrt ins Glück) mit Magda Schneider, Karl Ludwig Diehl, Richard Romanowsky, Ernst Verebes und Kurt Gerron. Aus einer lustigen Ferlenreise wud für zwei junge Menschen eine Pahrt ins Glück. an derem Ziel für beide alle Träume von Schönheit, Liebe und Glück Wirklichkeit werden. Wundervolle Aufnahmen aus Oberbayern, Schweiz und von der Riviera. Kassenöffnung 2 Uhr. 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Ein Pilm von Liebe und Liedern deutscher Studenten Rundlunktenor Franz Baumann singt: „ich war zu Heidelberg Student!,„Singsang und klingklang“,„Die alten Stiaßen noch“, „Wilde Rosen und Becherklang“. C3465 In weiteren Hauptrollen Werner Fütterer. Mary Kid, H. Picha, Rob. Garrison. Die neue Tonwochenschau haben Zutritt Einkochapparate 095 verzinkt, mit Einsatz, 6 Federn und Thermometer... komplett Einkochapparate 495 Emaille, mit Einsatz, 6 Federn und 4#### Thermometer... komplett## Konservengläser v. Liter -Optimas, la helles Glas, mit Deckel##A und bestem roten Gummiring... Dn . 1 L i t e r 2 4- 3, ¾ L i t e r 2 3• 8 O Unser Kamphaus-Glas tausendfach bewährt, in allen Größen vorrätig! MAPHACS S Silliges Angebot In Einzelmöbeln, wie: Ledersolas Plüschsofas Kamine. Oefen. Bücherschränke. Vitrinen. Elchentische mit Stühle. Dielengarnituren Flurgarderoben. Küchentische, Bettstellen. Die Sachen sind tells nen, tells gebraucht. Möbelhaus Hirsch. 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Die Fräulein von und zu im Stittskleid, in Reih und Glied, numeriert und nivelliert. im Drill eines altbackenen Erziehungsprinzips, zum höheren Ruhm weiblicher Zucht und Disziplin usw. 3, 6.15 und 9.15 Uhr Als zweiter Schlager: Neben dem berühmten Komiker Szöke Szakall ist ein LustspielEnsemble allererster Namen vereint, von denen Lucie Englisch.— Senta Söneland, Hilde Hildebrand Annie Markart, Hans Brausewetter, Oskar Sima und Kurt Vespermann hervorgehoben seien 0602 4 45 und 7.50 Uhr Dazu das fabelhatte Beiprogramm modern und wirkungsvoll durch die BUCHDRUCKEREI CHR. MUN: Rotthauser Straße 5- Teleion 22241 SE CHU Ab heute. Preitag nachmittag 2.30 Uhr. die erwartete, große sensation! Zwei aufsehenerregende, deutsche Tonfilme: Max Hansen Martha Eggerth in der lieblichen Tonfilm-Operette: Der Frauen. Diplomat 9 entzückende Akte eines niedlichen, verllebten Paares. Außerdem: Charlotte Susa und Hans Rehmann in dem atemraubenden, spannenden Sen sations- und Abenteuer-TonfilmDrama: Die Pranke 10 unerhört spannende Akte. stärker als der beste Wallace-DetektivRoman Dazu Großes TonkurzfllmProgramm und Fox tönende Wochenschau Eintrittspreise ab 30 Pfg. Beginn täglich ab 2.30 Uhr. CORSO SaSplelplan vom 24. bis 30. Juni. Es ist Stadtgesprich! Nur wir haben die besten Programme! Eine große Werbe-Woche veranstalten wir mit Zwei Groß-Tonflimen! Der mit Spannung erwartete RiesenTonfilm: Die welße Gefangene des Maharadschas (Das Ende von Maradu.) Ein exotisches Erlebnis aus den Urwäldern Borncos mit einer unerhört spannenden Handluns. Richard Tauber In Die große Attraktion Rich. Tauber singt mit seiner bezaubernden Stimme die schönsten Schlager. In weiteren Rollen Siegtried Arno, Marianne Winkeistera, Teddy Bill usw. — Beiprogramm— Trotz erhöhter Unkosten kein Preisaufschlag! Wegen des zu erwartenden starken Andranges sichere man sich rechtzeitig Platz! Letzte Vorstellung 8.15 Uhr. Schlatzimmer. Eiche. v. 355 M. an Schlafzimm., Eiche ger. v. 245 M. an K'ichen, Schleiflack.. v. 240 M. an Kuchen, natur lackiert v. 175 M. an Bettstellen mit Matr. v. 45 M. an Kleiderschränke v. 27 M. an Waschkomm. m. Spieg. v. 75 M. an Nachtkonsolen v. 12 M. an einzelne Kredenz sowie durch Umzug leicht beschäd. Teile zum halb. Preis. Möbelhaus Frank 62 Bismarckstraße 62 werden dauerhaft Blinden-Verain Neumarkt? Pernrut 23337 Mehr. gebr., neuw. Guterhaltene A4735 Küche billig zu verkaulen Seydlitzstraße 39. 3. Stock Ilnks. ein Ibach-Plano schw. pol., weit unt. Preis günstig zu verkaufen. C2473 Planohaus Ratinn R A O 1 OlHindenburgstraße 5. M Spottor. v. 48 M. 3-Röhrengerät m. Zu. behör und Lautspr. biilig zu verk. oder gegen Grammophon mit Platt, zu tausch. Karistr. 22. 2. Lt. 44722 2 Marktbulen leicht. Doscartwazen u. 1 Fischwagen zu verkaufen. A4728 Rotthauserstr. 23. Fast neuer Gasherd Mllam., mndt Back. Bratofen, zum Buterh. 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