ahdener Wochenblatt Nr. 62. Donnerstag, den 28. Mai 1908. Himmelfahrt. Das Himmelfahrtsfest hat mehr zu geben als eine An regung zur inneren Erhebung. Es liegt etwas Verflüchtigendes darin, wenn man bei der Feier unserer christlichen geste die Person Jesu, der sie gelten, ausscheidet oder doch nur so beiläufig erwähnt. Jesu Himmelfahrt ist eine Glaubenstatsache von ungeheuer großer Bedeutung, die „#t f, arin liegt, daß er uns dorthin vorangegangen Maymn auch wir gehören, als in dem, was er nach den biblischen Berichten gerade bei seiner Himmelfahrt selbst sagt: er bleibt bel den Seinen auf der Erde, auf der er als der Himmlische alle Gewalt gehabt hat. Unter einem Bilde des edlen Naturforschers Alexander von Humboldt findet sich die Uuterschrift:„Drei Erdteile haben dich gekannt als Geisterkönig und so hast du dich von dieser Erde, vom Irdischen zum Himmlischen gewandt.“ Und auf dem Grabstein des Erbauers der Riesenkuppel in Florenz, Brunelesco, stehen in Itallenischer Sprache Worte, die etwa sagen, daß sich der große Baumeister, immer höher bauend, nach und nach in den Himmel hinaufgebaut habe. Das sind, sogar auf diese hervorragenden Menschen angewendet, überschwengliche Lobeserhebungen. Von Jesus und seiner Himmelfahrt gebraucht sagen sie noch viel zu wenig. Fünf Erdteile kennen ihn als Himmelskönig, der dennoch mitten unter den Seinen ist, an dessen Person sich auch heute noch die Geister schelden, der durch Großes und Kleines in der ganzen Welt dahln unaufhörlich wirkt, daß die Menschen Gott und seinem Heiland untertan werden. Auch von Menschen, die gewesen sind und von uns gingen, sagt man mit Recht, daß sie noch nachwirken. Es giebt nichts in der Welt, weder Gutes noch Böses, das verloren ging. Wir freuen uns und leiden auch an diesen fortpflanzenden Wirkungen. Jesus wirkt anders als die Entschlafenen. Er wirkt als der Lebendige, Verkärte, Machtvolle. Wie es zu seinen Lebzelten hieß, daß er um herging in allen Flecken und wohltat, so ist er auch heute, und heute noch viel mehr als damals der Wohltäter aller Menschen, derer, die es wissen und ihm danken, aber auch derer, die von ihm nehmen, ohne es zu wissen. Wer aber auf das schaute, was von der Peison Jesu in den letzten 19 Jahrhunderten auf alle Verhältnisse der Welt und auf ungezählte Menschenherzen ausgegangen ist, freut sich auf das viel Größere, das noch kommen wird. Fallieres in London. In Begleitung des Ministers Pichon ist Fallieres in Englands Hauptstadt eingetrossen, wo er vier Tage als Gast König Eduards verweilen wird. Das viertägige Programm zeigt den Wert, den man in London seiner Anwesenheit beimißt. Denn sogar der Prinz und die Prinzessin von Wales, die sonst sehr zurückhaltend sind, 29. Jahrgang. geben ihm zu Ehren ein großes Prunkdiner. Präsident Fallieres ist nicht der erste französische Präsident, der in offizieller Eigenschaft nach London geht, vor ihm hat bereits Präsident Loubet in Londons Mauern die englische Gastsreundschaft genossen. Den Anlaß zu Fallieres Besuch bildet die eröffnete englisch=französische Ausstellung in London und daraus erllärt es sich wohl auch, daß der Präsident erst den englischen Freund und dann erst den russischen Verbündeten besucht. In Frankreich scheint ihm dies von gewisser Seite sogar ernstlich verübelt zu werden, so namentlich von den Gegnern des Ministeriums Clemenceaus. Der Nationalist Indet, zugleich ein großer England=Hasser und Russenenthustast hat diesen Vorwurf erhoben und geschrieben, daß König Eduard sich in das französischrussische Bündnis einzudrängen suche. Indem König Eduard erst Herrn Fallieres in London empfange und dann nach Petersburg reist, erwecke er den Anschein, als müsse er die höchst überflüssige Rolle eines Vermittlers spielen. Frankreich und Rußland brauchten zwischen sich keinen Fremden, und die Art, wie Eduard 7. den Protektor zu spielen suche, sei einigermaßen aufdringlich. Mit dieser Ansicht steht Indet in Frankreich allerdings gänzlich allein, und auch in Rußland scheint man durchaus nicht seiner Meinung zu sein. Den Franzosen wie den Russen kann dieser„dritte im Bunde“ durchaus nicht unangenehm seln, und für Frankreich sowohl als auch für Rußland bietet diese Entente Vorteile von hobem praktischem Werte. Namentlich für Frankreich ist die englische Freundschaft heute eine polttische und ökonomtsche Notwendigkeit. Bismarcks Verdienst war es, den Zusammenschluß belder Mächte so lange hintangehalten zu haben, und es war zweisellos einer seiner größten Meisterstücke. Auch später, in den Anfangsstadten der Maroklopolitik hatten es wir Deutschen nochmals in der Hand, die englisch=französische Annährung durch eine kluge Politil nochmals aufzuhalten, aber der rechte Augenblick ist wieder einmal verpaßt worden, und unsere an versäum jen Gelegenheiten so reiche Geschichte ist um eine neue vermehrt worden. Der aggressive Ton, der jetzt in einem Teil der deutschen Presse gegen die Entente angeschlagen wird, vermag an dieser nichts mehr zu ändern, im Gegenteil er wird nur dazu beitragen, die beiden Länder nur noch fester aneinanderzuschließen. Der jetzige Besuch Fallieres hat wenlg polttische Bedeutung, da wohl keine politischen Fragen während seiner Anwesenheit erörtert werden. Es muß lediglich als eine Kundgebung der Herzlichkeit der englisch=französt schen Freundschaft bezeichnet werden. Daß die englische Presse heute dem Präsidenten Fallieres zusubelt und die Entente in den höchsten Tönen preist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Typisch hierür ist der Schluß eines Artikels des„Daily Graphic“: Die Entente hat geholsen, die Wunden des kaum been deten Konflikts zwischen Rußland und Japan zu heilen, sie hat die lange und erbitterte Rivalität Englands und Ruhlands in Asten beseitigt, sie hat fast die alte Freundchaft zwischen der Wilhelmstraße und Downing=Street wiederhergestellt und hat freundschaftlichen und freundlschen Verkehr, wie er seit Ferry nicht mehr bestand, zwischen Berlin und Paris ermöglicht. Kurz nach fünfjährtger harter und hingebender Arbeit ist es keine Phrase sondern nur eine gemäßigte Charakteristerung, wenn man sagt:„l'entente, c'est la paix“. St. Politische Rundschau. Deutsches Reich * Die Sozialdemokratie veranstaltet große Massen. versammlungen in Berlin und Umgebung, anläßlich der bevorstehenden Landtagswahlen. Da die Polizei Demonstrationen befürchtet, hat sie entsprechende Vorkehrungen getrossen. * In der vorletzten Tagung des preußischen Landtages hatte der Minister für Handel und Gewerbe einen Gesetzentwurf in Aussich, gestellt, durch den eine wirksamere Kontrolle der privaten Handelsschulen erreicht werden sollte, wie sie aus Handelskreisen wiederholt angeregt worden ist. Wie die„Berliner Neuesten Nachrichten“ erfahren, wird ein solcher Gesetzentwurf jedoch nicht erscheinen, da man sich überzeugt hat, baß die für die Aufsicht vorhandenen Bestimmungen bei richtiger Anwendung ausreichen. Die Regierung hat sich deswegen darauf bechränkt, die gewissenhafte Durchführung der bestehenden Vorschriften den Aussichtsbehörden erneut in Erinnerung zu bringen. * Die meisten Handwerkskammern haben sich in der letzten Zeit mit dem Gesetzentwurf über die Arbeitskammern beschäftigt, wobei sie durchweg zu einem ableb. nenden Standpunkte gekommen sind. Auf dem diesjährigen Handwerks= und Gewerbekammertage in Breslau wird die Handwerkskammer Hannover im Auftrage einer mit der Angelegenheit betrauten Kommission den Gesetzentwurf ablehnen und sich für die Errichtung von Arbeitsrälen aussprechen. Diese sollen nach Art der Landesversicherungsanstalt unter dem Vorsitz eines Staatsbeamten, dem ein Betrat von Arbeitgebern und Arbeitnebin, eingerichtet werden. Die Bezirke der Erbetttrü#(ollen nach Provinzen abgegrenzt sein. Die Kommission hevi alle Vorzüge der Arbeitsräte namentlich bur Geiamuthen:#uz aur, Ausdringung der Losten durch die Gesamtbeit, dir Etnbezlehung aller Arbeiter, Erziedung eines Stammes zialpolttisch durchgebildeter Beamten und die Anpassungsfählgkeit##n ertliche Verdä#tniche dervor. Frankreich. * Die Deputiertenkammer verhandelte über bi Einkommensteuer. Finanzminister Caillaux verteidigte die Besteuerung der französischen Rente, die ebenso wie Grundbesitz, Handel und Industrie besteuert werden müsse Auf eine Anfrage Ribots erktärte Clemenceau, die Regierung werde ihre Solldarttät mit Caillaux nicht verleugnen, wenn es sich um die Gleichheit aller Bürger vor dem Steuergesetz handele. Die Regierung müsse wie ein Mann zusammenhalten, um den vier auf ihrem Programm slehenden Reformen zum Siege zu verhelfen. Darauf nahm die Kammer den§ 2 des Artikels 18 an, durch In kreuer Huk. Roman von C. Borges. 10) Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Carlo schwelgte im Glück und Freude, das zeigte deutlich das strahlende Antlitz, und die stille Bevoachterin auf ihrem Lauscherposten ballte die Faust in machtloser Verzweiflung. Uneingedenk, daß ihr Plaß am obersten Ende der Tafel noch umbesetzt sei, blieb sie regungslos stehen, nur mit dem einen Gedanken beschäftigt, die ihr verhaßte Verbindung zu verhindern. #. könnte ich sie nur sortschicken, ich würde ihr jede Summe geben, die sie verlangse,“ stöhnte die unglückliche Frau, denn der Sohn hatte energisch das Bletben der Gouvernaute verlangt.„Ich weiß, sie trachtet nur nach Glanz und Reichtum, und liebt meinen Sohn nicht. O, wer mir doch helsen könntel wer mir doch helfen könnte!“ Das Glück sollte sie begünstigen. Fräuleln Barnell machte plötzlich eine Bewegung und befrette sich aus der Umarmung des Geliebten; die Beobachterin auf ihrem Posten merkte, daß die Unterredung ein Ende nehmen sollte. Dann sagte Carlo laut, daß Frau von Warneck es ohne Anstrengung deutlich genug hören konnte:„Lalt uns gehen, es ist nun genug. Deine Mutter wird ohnehin denken, wir seien verschwunden, und mir sehr zürnen, wenn sie entdeckt, wo wir gewesen sind.“ „Bah, was llegt daran, ich bin Herr hier im Hause," lautete die tröstliche Anwort,„meine Mutter muß endlich lernen, daß sie über meine zmünftige Cattin keine Macht haben dorf.“ „Seine zukünktige Gattin,“ wiederholte die Mutter stöhnend. Ihr Amlitz war aschfahl geworden und ihre glühenden Augen statrien regungstos auf das junge Paar, das langsam zwischen hohen Battgewächsen sich dem Ausgange näherte. Prötzlich stand Carola st.A, zog ihr seines Spitzentuch ous der Tasche, preßzte es dor ige unnitz und nieste laut „Laß uns ellen,“ sagle sie und beschleunigte ihre Schritte, „es ist hier kalt, ich habe mich erkältel.“ „Wirtlich? warte ich hole Dir einen Shawl," versetzte Thilo besorgt und wollte an ihr vorüber eilen. Aber Carola war ebenso schnell und ehe Frau von Wameck ihr Versteck verlassen konnle, waren beide an tbo vorüber. Kaum war das junge Paar ihren Blicken entschwunden, als die erregte Mut er in das Gewächshaus eilte und schnell einen Bries vom Boden aufnahm. „Das ist ihre Handschrift," flüsterte sie, dann las sie die Ausschrift:„Signor T. Rizino, Bia de Verzelli, Florenz.“ „Ahl ich sah es, er fiel aus ihrer Tasche, als sie ihr Taschentuch hervorzog, vielleicht gibt mir dieses Schreiben eine Auskunft. Sie spielten mir einen bösen Streich, Fräulein Carola, ich will mit gleichen Wassen denen. Noch nie in meinem Leben las ich fremder Leute Briese, aber jetzt fühle ich mich wie verwandelt, dieses Geschöpf hat meine ganze Natur verändert. Sie hat meiner eigenen Sohn gegen mich aufgehetzt, daber will ich mich rächen.“ Frau von Warneck barg den Bries, der noch geschlossen war, in ihrer Tasche, dann glattete sie ihre Stirn und ging beruhigt in den Speisesaal. Die Gäste plauderten, lachten, scherzten und aßen. Niemand schten die Wirtin vermißt zu haben. Thilo stand mitten umter den Gästen, die am heitersten waren, ihm zur Seite saß Maritta von Hochseld, aber Carola war noch nicht anwesend, das war doch befriedigend. „Ich hosse, ich sehe sie nicht wieder, dachte die Hausfrau und trauk hastig ein Glas Champagner, das Nachbar ihr einschenkle,„ich konn mit dieser Person dieselbe Luft in einem Zimmer nicht atmen.“ Aber es lag nicht in Carolas Absicht, der Gesellschaft sern zu bleiben. Sie suchte in diesem Augenblicke ettrig nach dem Briese, dessen Verlus sie bemerkte, eis se den und sofort fahrte sto nach dem unberihtehe The Speiselaal betreten wolle, S#egarten zurück. „Ich hatte ihn bieo,“ nach allen Seiten hend,„denn ich las ihn noch einmal durch, kam. O, itun m ihn gesumnden bes und ihn Nen.— oll.## dam sagm! Dann### mim S#hm Heffnng vernichtet, denn in wird mich nich betraten. Das lioge auch daran? Manchmal halse ich ihn. Tiius llebt wich mehs, o, wiet er verzweiseln, wenm er meokt, daß is ihm betrogen habe! Heute Abend sleht mir immer soin Bud vor Augen und ich kann den Gedauen au lbn nicäs iam weoden.“ Sie schamderte leicht, denn Brief aus ihrer Tosche und l## „Du hast nicht gescheinben, wie Du es versprachen hast, wariun nicht? Hitte Dich, Carola, ich habe geschweren, Dich zur Gattin zu nehmen, und ich hakte moinen Schwiw. Oft fürchte ich, der blonde Deutsche wis Dich mir entreißen und Du wirst ihn beiraten, weil en reich## und ich bin arm. 0, hatte ich mur Geld, 3000—10 000 Mark, um die deingendsten Gläubiger zu befriedigen, demit ich meine Besitzung halten kann. Dann würden wir zusammen ein glückliches Leben führen, Du und ich. O meine Geliebte, komm zusück in meine Arme, Du mußt, Du sollst bald kommen. Dein Tius.“ Cavola küßte die Unterschrift, dann barg sie wieder den Brief in ihrer Tasche.„Wo mag mein Brief sein?“ fuhr sie dann gereizt sort,„wenn Thilo ihn gefunden hat, muß er ihn mir geben, ehe er Zeit het, ihn zu lesen. Sie ellte zurück in den Speisesaal, schlüpste auf den Platz an der Seite ihres Verlobten. „Fühlst Du Dich besser“ flüsterte er und hrugte sich besorgt nieder. „Ja," kächelte sie, aber ich vermisse einen Brief, er war mir entfallen, hast Du ihn gesunden?“ Thilo schüttelte sein Haupt.„Rein, ich habe ihn nicht gesehen,“ doch als er Carola erbleichen sah, fügte er schnell hinzu:„ich suche ihn nach dem Abendessen, oder besseo noch win suchen beide gomeinschaftlich“ 0 hehe den die Renten, Obligatihnen und#ie übrigen vom französischen Staate ausgegehenen Weripapiere mit einer Steuer belegt werden. Cerbien. * Bel einer Wahlagitation in Alexandrowar kam es zwischen Jung= und Altradikalen zu blutigen Zusam menstößzen. Eine Person wurde getötet, mehrere andere schwer verletzt. Man fenexte aus Revolvern. Montenegro. * Bei dem in Cetinje begonnenen Verschwörerprozeß sind 31 Angeklagte anwesend, die sich äußerst lärmend verhalten. Die Anklage bezichtigt sie der Umwälzung und Verschwörung gegen den Fürsten und die Minister der Dyngstie. Sie stellt fest, daß die Anstiftung zu diesen Verbrechen vom Königreich Serbien ausgeht. Türkei. * Aus Salonik wird gemeldet, daß dort in nächster Zeit Schreckenstage befürchtet werden. Nach gerüchtweise verbreiteten Meldungen sollen aus Griechenland 28 Tervoristen mit 64 Gewehren und 14, Patronenkisten einge troffen sein. Außerdem seien große Mengen Sprengstoffe hereingeschafft worden. Marokko. * Der L.=A.“ meldet aus Tanger: Mulay Hafid verhaftete viele Würdenträger in Fez, denen Brieswechfel und Umtriebe zugunsten Abdm Asis nachgewiesen sind. * Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Tanger: Aus Sassi kommen Klagen, daß seit der Wiederbesetzung des Ortes durch die Truppen Abdul Asis der Handel fast ganz unnterbunden ist. Die französische Presse sucht auszustreuen daß der Süden von Mulay Hasid abfällt, demgegenüber berichten die letzten Briefe, daß die dortigen Kabylen zu ihm schwören. Britisch Indien. * Am Sontag fand ein Gesecht zwischen den britischen Truppen und den Aufständischen in Nordwest=Indien statt. Letttere zählten etwa 3000 Mann. Sie erlitten eine Niederlage und hatten einen Verlust von hundert Toten, während die Verluste auf britischer Seite nur gering waren. China. * Abendblättern zufolge sind 5000 Mann chinesischer Truppen von Kirin nach der koreanischen Grenze zum Schutze gegen japanische Uebergrisse abgegangen. Hof und Gesellschaft. Adolf LArronge ** Prosessor Adolf L'Arronge ist im Sanatorium des Professors Binswanger in Konstanz gestorben, wohrn er vor acht Tagen im Krankenwagen gebracht worven war. L'Arronges Zuständ war schon am Sonnabend völlig höffnungslos,er lag schwerattend und mußte alle drei Stunden Kampfereinspritzungen erhalten.! Die Nah rung stähm' er nür noch lösselweise! Er litt unsägliche Schmerzen infölge“ von Ischias und einer chrönischen Bronchitis. ** Großes Aufsehen erregt in Wien die Flucht der Prinzessin Amalia, Stiefschwester eines Fürsten von Fürstenberg, die mit dem Oberleutstänt Korzia einen Verkehr untethielt. Schuldenhalber hatte bieser guittieren müssen und wat feitdem Vertretet einet Automobilsirma. Das Paar dürfte sich, wie matt anttitmt, nach Tondon begeben haben, um sich dort trauen zu lassen. emals waren die Stunden wie heute, Prozeß Peters vor der Bernfungsinstanz. 20. März(erschlen in der„Köln. Ztg.“ ein Artikel gegen Dr. Peters wegen dessen der Redakteur Brüggemann von jenem wegen Beleidigung verklagt###urde. Dieser nannte als Verfasser den früheren Gouverneur von Deutsch=Ostafrika, den Berliner Korrespondenten der„K. Ztg.“ v. Bennigsen. Der im Januar vor dem Schössengericht verhandelte Prozet endete mit der Freisprechung des Redakteurs Brüggemann und der Verurteilung v. Bennigsen zu hundert Mark Geldstrafe Aus der Begrün dung ist folgendes bemerkenswert: Die Behauptung des Betlagten Bennigsen, daß Peters sich bei der Verurteilung des Negers Mabruck und der Jagodga habe von seruellen Trieben leiten lassen, ist nicht erwiesen. Der Wahrheitsbeweis hierfür ist ebenso mißlungen, wie der bezüglich des Brieses. Der Bries Peters an den Bischof Smithies vom 3. Avril 1892 ist nach v. Bennigsens Angaben der, den er im inkriminierten Artikel meinte und dessen große Aehnlichkeit mit dem gesälschten Tuckerbrief er behauptete. In diesem Briese sind aber Geständnisse des Peters nicht enthalten, dahingehend, daß er die beiden genannten—Eingeborenen wegen Ehebruchs habe auflnüpfen lassen, im Gegenteil ist darin behauptet, beide Hinrichtungen seien nach regelrechter Untersuchting und nach öffentlichem Rechtsspruch vollzogen worden. Zur Prüfung des dem Gericht übergebenen Beweismaterials ist es gleichgültig, ob die Hinrichtungen den Forderungen der Humanität en sprochen haben oder nicht, ob es menschlich zu billigen war, daß Peters das Weib, in dessen Arme er gerüht, in grausater Weise mißhandeln leß. Die Frage, ob Peters die Stationssicherheit für gefährdet hielt und ob er und seine Mitrichter sich für berechtigt hielten, die Todesstrafe auszusprechen, dies hat das Gericht bejahen zu müssen geglaubt. Man wird sich erinnern, daß die Volksstimiie gegenüber den durch den Prozeß ausgedeckten Scheußlichkeit, als Peiers das Justizpalais verließ in unzweidentiger Weise Luft machte, indem sie ihm zuriefen: Mörder, Schuft usw. Peiers war seinerzeit disziplinarisch bestraft, aber begnadigt worden. Für den neuen Prozeß ist nur ein Tag einstwelnn vor gesehen. Präsident ist, Landgerichtsdirektor Kratzenberg. Zu Beginn der Verhandlung vor der Kölner Strafkammer fragte der Vorsitzende, ob Peiers sich nicht schon da mals, als der Berliner„Lokal Anzeiger“ das Zitat aus der„Köln. Zig." brachte, das ihm zuerst bekannt wurde, sich beleidigt gefühlt und geklagt habe. Peiers erwidert hierauf, daß sein Anwalt, der jene Meldung des Ber liner Blattes nicht genügend für einen Klagegrund gehalten habe, es müsse in der„K. Zig.“ sestgestellt werden. Die Vergleichsverhandlungen scheiterten schließlich an der ablehnenden Halsung des Verteidigers der beklagten Partei. Es wurde nur die Frage angeschnitzen, ob die Klaac verjährt sei, was von der flägerischen Seite entschieden abgestritten wurde. Die Verteidigung hält eine Verjährung für Brüggemann wie für Bentigsen für vorliegend. Das Gericht kam schließlich zu der Aufsassung daß Verjährung vorliege, womit die Verhandlung ihr Ende erreichte. #lautgsaltt“. dahtigeIm letzten. Augenblick schtagen „Dio Gäste einen Tanz vör, zu dem Frau von Warneck ihre Zustcmütung tlicht verwelgern kounte. Es war fast 4 Uhr motgens, ehe man sich zur Ruhe begab und auch die Wirtin daran denken konnte, sich in ihr Schlafgemach zurückzuziehen! Schnell zog sie ihren rlef hervör, und las halblaut: „Lieber Titits! Ich connte nicht eher schreiben, well ich abfoltt nichts zu schreiben hatte. Dit mußt geduldig warten“ mein lieber Titus, denn ich versprach Dir, nicht eher zu Dir zuückzukommen, bis ich Dir Geld britgen kunte— vieh Geld, um es mit Dir zu tellen Ahl wenn ich mir nur die 8— 10,000 Mark verschaffen könalle, wovon D0 fitr, schreibst, so eilte ich sofort in Deine Arme zurück. Denn ich liebe Dich Titus, und ich liebe Dich mehr als die ganze Welt. Das weißt Du. Aber ich ertrage nicht ein Leben in Armut, selbst nicht an Deiner Seite. Kannst Du derin gor keinen Plan ersinnen, das wu erlangen, um deine Besitzung zu entlasten? Bis wir dieses Ziel erreichen, müßz ich gedi#ldig hier ausharren und für Dich arbeiten. Bersirche mich nicht zur zur Rückkehr nach Italten zu überreden, denn ich will nicht mit leeren Händen zu Dir kommen, obgleich ich Dich innig liebe und stets lieben werde.“ Frau von Warneck hatte den Bries zu Ende gelesen, bann verschlöß sie ihn songsältig; ein triumphzenendes Bächeln echellte ihr Autlitz. „Sie haben ihre Katten zu offen gespielt, mein Fräulein setzt burchschaue ich den ganzen Plan“, sagte sie befriedigt und letzte ssch mit leichtem Herzen zur Ruhe. Der neue Mörgen gtättte bereits im Oslen und-langsam ssel keiner Regen hernieder, der für den tonmenden Tag anhaltetid zu sein schleit. Asta laß tit ihrer Gouvernante im Schulzitmer; aber trotz der Fertenzett war es beiden nicht möglich, die Tcorgenstunden angesehi zu verbringen. Frchtlein Barnellt seltzizie noch immer um den verschwundenen Bries, tunnd die Möglichkeit, daß Thilö oder hokales und Provinzielles. Rahden, 21. Mal.(Besitzwechsel.) Herr Gastwirt Hermann Braun kaufte den neben seinem Hause, bei der Kirche und der Schule belegenen Bauplatz von dem nach Oeynhausen verzogenen Herrn Kaufmann Oletzky Als Kauspreis für das 32 Ar 42 Quadratmeter große Grundstück wurden dem Vernehmen nach 18000 Mark vereinbart. Der Preis beträgt mithin pro Quabratmeter 5.55 Mt. Rahden, 21. Mai.(Versammlung.) Zur Aufstellung von lberalen Wahlmännern wird auf Freitag abend 9 Uhr eine Versammlung im Hotel Wolter einberufen. Rahden, 21. Mai. Kunstmaler Karl Larghoest, dessen Wiege hier gestanden hat, stattete auf der Durchreise nach Oldenburg seinem Heimatsorte einen kurzen Besuch ab. Der Künstler hat kürzlich den 86jährigen Vrinzeegenten von Bayern in Hubertusrittertracht gentalt, auch von dem ältesten Söhnchen des Kconprinzenpaares hat er ein Bild angefertigt. — In der Dresdener und Münchener Kunstausstellung sind Gemälde von ihm ausgestellt. b Nahden, 26. Mai.(Zum Vollziehungsbeamten) für den Amtsbezirk Nahden ist der Neubauer seine Muhler ihn finden umnd lesen würden, ranbte ihr fast die Fassung. Asta klagle über das Regenwetter. Es war für den Nachmuttag eine Landpartie mit den Gästen geplant, aber unaufhaltsam stvömte der Regen hernieder znd#d###e schweren bieigrauen Wolken wollten sich nicht verziehen und benahmen jede Aussicht auf das bevorstehende Vergnügen. „Liebe Asta,“ begann die Erzieherin plötzlich und warf unmuttg das Buch auf den Tisch, worin sie geblättert,„ich verlor gestern einen Beies, welß aber nicht, wo ich ihn zuletzt hatte; vielleicht enttfiel er mir im Wintergarken. Hast Du ihn gesehen? Ich hoffe nicht, daß Du ihn verbongen hast, um mich zu ärgern und zu kränken,“ mit diesen Worten richtete sie ihre Augen durchbrohrend auf die Kleine. „Einen Brief? Nein, den sah ich gewiß nicht", beteuerte das Kind, und aus dem offenen Blick der braunen Gazellenaugen erkannte Carola die volle Wahrheit.„Ich will ihn aber sofort suchen; Sie wissen wohl, ich finde oft Sachen, die jeder vergebens gesucht hat. Darf ich gehens lassen Sie mich.“ „Nun so lauf,“ lautete die umnmutige Antwoct,„aber setze nicht das ganze Haus darum in Alarm. Wenn Du den Brief nicht in dem Wintergarten findest, so komme zu mir zurück. Er war adresstert an Signor Rizino in Florenz.“ „O, ich kenne den Herrn, er brachte mir so ost Chokolade umd andere Süßlgkeiten. Aber Papa liebte ihn nicht; warum schreiben Sie denn an ihn!“ „Das sind nicht Deine Sachen!" rief Carola ärgerlich. Wenn Du mir nicht diesen kleinen Dienst erweifen kannst, ohne alle unmöglichen Fragen zu stellen, dann ——“ aber Asta war bereits verschwunden. „Das Verschwinden des Briefes ist mir ein Rätsel, fuhr die Gonvernante erregt sort und schaute finsteren Blickes die niedergefallenen schweren Regentropsen an, Werbe ich ihn wohl wiederfiuden? Ich fürchte, dieses kleine garstige Geschöpf fand ihn schon gestern und weigert sich, ihn abzugeben. Schon nach wenigen Minuten kehrte Asta freudestrahChristlan Schlechte Nr. 146 Varl anstelle des entlassenen Vollzlehungsbeamten= Wagenfeld seitens des Herrn Landrats ernannt worden. d Barl, 26. Mal.(Stutenschau.) Gestern vormittag fand auf dem Platze vor der hiesigen Deckstation die diesjährige Stutenschau des„Westfältschen Pferdestammbuches e. V.“ statt, die ein außerordentlich günstiges Resuliat zeitigte. Vorgestellt waren ca. 230 Pferde und 45 Fohlen. Hiervon wurden 63 Stuten in das Stammbuch des Vereins einge tragen, während für 14 Stuten Freideckscheine bewilligt wurden. 10 Fohlen wurden durch Angeldprämien von 50 bis 100 Mark ausgezeichnet; die Auszahlung der Prämien erfolgt nach Schluß der Deckpeclode. Der Herr Direktor des Kgl. Landgestüts Warendorf stellte die Beschickung der Deckstation für nächstes Jahr mit 5 Hengsten in Aussicht. Minden, 25. Mal.(Ein schwerer Elnbruchsdlebstahl) wurde gestern nacht in dem Hause des Kaufmanns Max Rasche, Könlgstraße verübt. Die Diebe drangen in das Eßzimmer und raubten Schmuck= und Silbersachen Im Werte von ca. 1000 Mk. Von dort gelangten sie in das Kontor, erbrachen den eisernen Kassenschrank, aus dem ihnen ca. 1300 Mk. in die Hände sielen. Weiter raubten die Diebe aus zwel Schrelbtischen 148 bezw. 46 Mk. und sind dann unbemerkt entkommen. Da erst am vorigen Sonnabend ein schwerer Einbruchsdiebstahl in einem hiesigen Uhrenladem verübt wurde, liegt die Vermutung nahe, daß hier eine wohlorganisierte Einbrecherbande ihr Unwesen treibt. me Bielefeld, 26. Mas.(Der entlarvte Schwindler) Brepohl, der sich in Untersuchungshaft befindet und sich wegen Beilegung des Adelstitels und Führung eines falschen Namens demnächst zu verantworten haben wird, hat auf Grund seiner Empfehlungen usw. von hiesigen Büirgern milde Gaben eingesammelt für die evangelischen Deutschen in Ungarn. Es sind größere und kleinere Beträge von 200, 100 Mark usw. von den als mildtätig bekannten Mitgliedern der hiesigen evangelischen Gemeinden an ihn gezahlt worden. Es ist fraglich, ob Brepohl, der Pseudobaron, die ordnungsgemäße Verwendung nachweisen kann. Seine Frau soll mit den Kindern in bitterster Armut leben. mc. Münster, 26. Mai.(Als ein Kurlosum) teilt der Münst. Anz. mit, daß seit dem Beginn dieses Schuljahres tagtäglich jeden Morgen mehrere Schüler von Münster nach Hamm zum Besuche der dortigen Oberrealschule fahren. Es berührt allerdings sonderbar, daß aus der Provinzialhauptstadt die Schüler über 30 Ktlometer welt täglich zur höheren Schule ins Land hinausdampfen müssen, während das Umgekehrte als selbstverständlich erscheinen würde. Auch für das nächste Schuljahr sollen wieder eine Anzahl Schüler der hiesigen Realschule bei der Hammer Oberrealschule angemeldet sein. me. Münster, 25. Mai.(Vler Personen ertrunken.) Ein schweres Unglück hat sich gestern vormittag auf dem Kanal ereignet. Eln mit 6 Personen besetzter Kahn schlug infolge Unvorsichtigkeit um; zwei Personen wurden gerertet, wührend die übrigen vier, darunter drei Familien päter# tranken. (•) Hagen, 20. Mai.(Selbstmord.) Eln Opfer anonymer Briese und Klatschereien ist eine unverheiratete 36jährige Dame aus der Böhmerstraße geworden. Sie wurde, wie jetzt festgestellt ist, grundlos, von ihren Mitbewohnern verdächtigt, anonyme Briefe geschrieben zu haben, die eine im gleichen Hause wohnende Familie längere Zeit hindurch erhielt. Die unschuldig Verdächtige nahm sich die Sache so zu Herzen, daß sie unter dem Bemerken, sich das Leben nehmen zu wollen, sich aus ihrer Wohnung entfernte. Den Vorsatz hat sie nun wirk lich in die Tat umgesetzt; gestern früh wurde sie bei Wengern als Leiche aus der Ruhr gezogen. (=) Recklinghausen, 20. Mai.(Versammlung.) Gestern tagzeschier die Hauptversammlung des Verbandes selbständiger Kaufleute für Rheinland=Westfalen. Nach dem Jahresbericht gehören dem Verbande sieben Vereine mit 550 Mitgliedern und 5 Einzelmitgliedern an. Ueber die wichtige Frage der Abänderung des Genossenschaftsgesetzes hielt Kaufmann Janssen Barmen einen Vortrag. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammllung erklärt eine Abänderung des Geno## lend zurück, hoch in der Hand hielt##e###rlumptzierend einen Brief. „Ich habe ihn, ich habe ihn!“ jubelte sie in kindlicher Freude.„Er lag unter der großen Palme unter den Farren. Tante war auch da; sie fragee, was ich suchte, da antwortete ich. Sie hätten einen Brief verloren. Cavola erfasste imsanft den Arm des Kindes.„Hast Du ihn thr gezelgtr“, sorschte sie mit flammenden Blicken, „was sagte sie Dir?“ „Nein ich zelgte ihn nicht," versetzte das Kind beleidigt, denn es hatte Lob und nicht Tadel erwartet„Tante sogle auch nichts, und ich kam sosort hierher.“ „Das ist gm," beruhigte lächelnd Carola,„ich danke Dir, Asta, es hätte mir sehr leid getan, den Brief nicht heute noch absenden zu können. So, jetzt wollen wir „Halma“ spielen.“ Dies war Hnreschende Belohnung für Asto und bald waren beide so sehr in das Spiel ventleft, daß Frau von Warnecks Gintritt in das Schulzimmet gar nicht bemerkt wurde. Asta wollte gerade triumphletent einen Hauplzug tim, der ihr den Sieg sicherte, als die Tante heiter zu Asta sich wendete: „Unten in der Halle gehl's lustig zu, und es wird getanzt, Ball gesptelt und man erzählt sich Gestyichten, willst Du nicht daran teil nehmen, mein Liebling?“ „O gern,“ das Kind sprang von seinem Sitze auf und eilte der Tür zu.„Wollen Sie nicht mitkommen Fräulein Barnellt?“ fragte es stehen bleibend. „Jetzt noch nicht,“ nahm die Tante schnell das Wort, ehe Carola antwomen komte,„ich habe hier erst zu reden. Lauf nur fort, mein Kind. Welch ein antsetzliches Regenwetter," begann sie dann, als die Tür sich geschlossen hatte. Es ist wirtlich schwer, die vielen Gäste im Hause zu unterhalten.“ Sie nahm einen Sessel und setzte sich der Gouvernante gegenüber, dann fuhr sie fort:„Doch darüber wollte ich nicht mit Ihnen reden Frtulein Barnellt ich babe eine wichtigere Sache (Fortsetzung folgt.) senschaftsgesetzes für dringend erforderlich, da das Gesetz in seiner jetzigen Fassung die Existenz des gewerblichen Mittelstandes aufs schwerste bedroht.“ Kausmann Teichmüller=Barmen behandelte sodann die Schäden des Warenabsatzes(Trucksystems) der großen Zechen= und Fa brikbetriebe an ihre Arbeiter, wodurch manche selbständige Eristenz im Handelsgewerbe ruiniert werde. Redner beantragte die Anmeldepflicht sowie eine starke Besteuerung aller solcher Nebengeschäfte. Die Angelegenheit wurde zur weiteren Beratung dem Vorstande übertragen. Den dritten Vortrag hielt Kaufmann Althoss=Hamm über die Stellungnahme gegen die geptante Abänderung des Sonn tagsruhs=Geseves. Redner besteworte#e die Beibehaltung der bisherigen fünfstündigen Sonntagsarbeit. (*) Bonn 26. Mai.(Abreise des Kronprinzenpaares.) Das Kronpzinzenpaar traf gestern abend 11 Uhr 25 Min., von Köln kommend, mit den Schaumburgschen Herrschaften und dem Prinzen Oskar wieder hler ein. Die Herrschaften fuhren im Automobil nach dem Palais Schaumburg. Heute vormittag nach 9 Uhr erfolgte, die Abreise von Bonn. Die Schulen bildeten auf dem Wege vom Palais Schaumburg bis zum Baumschulenwäldchen Spalier. Die Fahrt geht in die Eisel nach Lieser zum Besuche des Oberpräsidenten Frhru. v. Schorlemer. Unterwegs werden verschiedene Punkte besichtigt, u. a. die Talsperre bei Gemünd usw. (•) Lieser, 26 Mai.(Hober Besuch.) Das Kronorinzenpaar trifft heute nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr hier ein. Am Mittwoch nachmittag geht die Reise nach Schloß Dodenburg zum Grasen Kesselstatt. Von dor# geht die Fahrt über Schwesch nach Trier, von wo das Krossprinzenpaar am selben Abend mit dem Kölner Zug eiterfährt. 1 Trier. 20. Mai.(Hochwasser.) Durch an haltende heftige Regengüsse ist die Mosel seit gestern um einen Meter gewachsen. Die anliegenden Wiesen haben durch das schlamntige Wasser schwer gelitten. (=) Düsseldorf, 26. Mai.(Luftschifferver bandsversammlung.) Gestern fand hier die 5. ordentliche Jahresversammlung des Deutschen Luftschifserverbandes statt. Die Präsenzliste ergab, daß von 19 Vereinen 14 vertreten waren. Der Vorsivende, Geh. Rat Prof. Busley, erstattete einen Tätigkeitsbericht über die abgelausenen fünf Monate des Geschäftsjahres. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenhelten wurde in die Beratung der Anträge eingetreten, von denen der Antrag des Vorsitzenden betr. rechtzeitige Fertigstellung des Jahr buches zunächst angenommen wurde. Von allgemeinem Interesse war der Antrag betr. Nendruck der Tschudischen Führerinstruttion. Es wurde eine fünfgliedrige Kommission mit dem Recht der Kooptation gewählt, welche das Führerbuch ausarbeiten soll. Pros. Dr. Hergesell dankte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission den Vereinen, die sich an der Erforschung der oberen Schichten dee Almosphäre bisher beteiligt haben und knüpfte daran die Bitte, die wissenschaftliche Luftschiffahrt auch bei den Sportfahrten unterstützen zu wollen. (2). Düren, 26. Mai.(Schenkungen.) Die Erben Benno Scholler stifteten 250000 Mark zum Erwerb eines Stadtwaldes oder eines Rekonvaleszentenheimes, 75 000 Mark für verschiedene Wohltätigkeitsvereine und ferner 100 000 Mark für eine Unterstützungskasse für Be amte und Arbetter der Firma Heinrich August Schöller Söhne. (=) Stolberg, 26. Mai.(Mordversuch.) Auf dem Rheinischen Bahnhof gab gestern ein kroatischer Ar beiter auf einen Schachtmeister drei Revolverschüsse ab, die aver nicht trafen. Der Kroate wurde verhaftet. (*) Barmen, 26. Mai.(Unfall.) In einer Zündhüschenfabrik wurde ein 18jähriges Mädchen duich Zerplatzen einer Maschine sofort gelötet. Vermischtes. —* Berlin, 26. Mal. Das„H. T.“ meldet, aus München, daß der Untersuchungsrichter Landgeri##terat Schmidt, zahlreiche Zeugen sowohl in München wie in Starnberg vernommen habe. Unter anderem wurde auch die ehemalige Besttzerin eines Münchener Gasthauses ver nommen. In ihrem Hotel soll Eulenburg f. Z. mit Männern abgestiegen seln, doch erklärte die Frau, sie könne nicht behaupten, daß es derselbe Eulenburg sei; sie wisse nur bestimmt, daß der Gast ein Graf gewesen sei und dieser eines Nachts wegen seines merkwürdigen Benehmens auf die Straße gesetzt wurde. —* Berlin, 26. Mai. In der Umgebung der Charite war heute das Gerücht verbreitet, daß der Zustand des Fürsten Euleuburg sich wesennich verschlimwert habe. Wie jedoch das„B. T.“ erfährt, ist der Zustand des Für slen Eulenburg der gleiche, wie bei seiner Einlieferung. Die Ueberführung ins Untersuchungsgefängnis schein jedoch vorläufig noch ausgeschlossen. Berlin 26. Mai. Der russische Minister, des Aeußern, Iswolski, wird noch im Laufe dieses Jahres hierher kommen. Entweder schon im nächsten Monat oder im Herbst. * Berlin, 26. Mal. Einem Telegramm den Verliner Zeitung„Am Mittag“ zufolge, kommen aus Kalkutta neue Meldungen über gefährliche Unruhen unter den Elngeborenen. In den letzten Tagen wurde ein Manlfest verbreitet, wonach für jeden Eingeborenen, der wegen Hochverrats zum Tode verurteilt würde, über ein Dutzend Engländer ermordet werden sollten. An dem Tage, an dem ein Eingeborener wegen Bombenwersens hingerichtet wurde, sollen mindestens 200 Engländer ermordet worden. * Vier Kinder ermordet. Wie vie„Tilsiter Zig.“ aus Lappin meldet, ermordete die Arbeiterfrau Prepens in Julienbruck im Waynsinn vier ihrer Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren, invem sie ihnen mit einem Beil die Schädeldecke einschlug. Eln 10jähriges Mädchen entsloh. Die Mörderin brachte sich dann selbst mit einem Rastermesser schwere Verletzungen bei. Sie wurde in das Kreiskrankenhaus gebracht. ** in Rohling. Eine Rohelt ohne gleichen legte der Arbeiter Leopold Ziemann aus Neusley an den Tag, indem er eine lebende Kaße mit setroleum übergaß und anzündete. Das gepeinigte Tier lef in eine Scheune in welcher das Stroh sofort Feuer ting und auße dem noch ein Viersamillenhaus des Gutes Neustey einäscherte. Das Gericht verhängte, wie das„Westpr. V.=Bl.“ meldel, über den 18jährigen Verausler eine nennmonatige Geiung strafe. * Raubmord. An den Holzhauermeister Allmannin Görlip, der etwa 1900 Mark Löhnungsgelder bei sich trug, wurde im Klitschdorser Walde ein Raubmord verülbt. Der Mörder wurde verhaftet. Man fand bei ihm von dem geraubten Gelde nur noch 90 Mark. * Schiffsunfall. Infolge der stürmischen See sprang auf der Höhe von Triest der italienische Dampfer„Pasta“ leck und sank. Der Dampser war von Venedig gekommen um eine Holzladung einzunehmen. * Das Lemberger Attentat. Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr nach abgeschlossener Untersuchung dem Mörder des Grasen Potocki die Anklage zugehen lassen, die auf tückischen Menchelmord lautet. Der Mörder hat hiergegen Beschwerde erhoben. (1) Internationale Krebsforschung. In den Räu men der Charite in Berlin wurde die Internationale Vereinigung für Krebsforschung gegründet. Als Sitz ist Berlin in Aussicht genommen worden. Vertreten waren 13 Staaten, darunter Deutschland, Oesterreich=Ungarn, Frankreich, Rußland, die Vereinigten Staaten, Japan usw. An die konstituierende Versammlung schloß sich eine Festsitzung. Vertreter des Staates und der städtischen Behör den nahmen an derselben teil. Professor von Leyden begrüßte die Anwesenden. Kultusminister Dr. Holle überbrachte die Wünsche des Reichskanzlers und der preußischen Regierung. )=( N e w= Y o r k- P a r i s. D i e A u t o m o b i l f a h r t v o n N e w York nach Paris an der nur noch drei Wagen beteilig sind, wird jetzt von Wladtwostok fortgesetzt. Der deutsche Protos=Wagen ist als erster bereits von dort aus abgefahren, obwohl anhaltender Regen die Wege star aufgeweicht hat. Die beiden anderen noch in Konkurrenz befindlichen Wagen, der amerikanische Thomas= und der italienische Züst=Wagen, werden folgen, sobald sie einige notwendige Fornialitäten erledigt haben. Die Fahrt geht von Wladiwostok über Kuntschun, Ninguta, Ghirin, Tsitiker, Khailar und Nertschinsk nach Tschita. Der erste dort eintreffende Wagen erhält einen Spezialpreis von 4000 Mark, den die slbirisch=mandschurische Eisenbahngesellschaft ausgeseht hat. Die weitere Route geht über Oudinsk, Tankhal nach dem Batkalsee, dann durch Sibirien nach Europa. Bis Paris haben die Wagen noch etiva 15 000 Kllometer zurückzulegen. Humor Kaiser Kranz Josefs. Ein Scherz Kalser Franz Josefs wird augenblicklich in den polltischen Krei sen der österreichischen Hauptstadt, wie die„Voss. Zig." erzählt, viel besprochen. Der Monarch soll bei der letzten Audienz an den ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle ein Scherzwort gerichtet haben. Zur Erklärung muß vorher bemerkt werden, daß Dr. Wekerle zwar den Ruf eines glänzenden Finanzmannes und bedeutenden Staatsministers genießt, vor allem aber dadurch als eigenartige politische Persönlichkeit hervorragt, daß er— nach einem recht veralteten staatsmännischen Brauch— es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt. Dr. Wekerle soll da bei keinen Unterschied zwischen hoch und nieder machen An einem Sonntag wurde nun Dr. Wekerle vom Kaiser Franz Hosef in besonderer Audienz empfangen. Der Kai ser befand sich in heiterer Stimmung und fragte den ungartschen Ministerpräsidenten bald nach den ersten Be grüßungsworten:„A propos, lieber Wekerle, den wie vielten im Monate haben wir heute?“„Den 17. Mai, Majestät!“—„Aber lieber Dr. Wekerle, Sie scheinen sich in einem Irrtum zu befinden“, scherzte der Monarch, „denn— es ist heute wirklich der 17. Mail“... Auch eine Liebhaberei. Wir Menschen haben alle irgendwelche Liebhaberei. Eigentülmlich ist dies bei den Tierfreunden, der eine hat seine Freude an dem stolzen Noß, ein anderer liebt Hunde, die Damen ziehen Katzen usw. vor. Aber nicht nur unsere Haustiere sind Gegenstand der Liebhaberei, sondern auch andere Tiere, man denke nur an Eichhörnchen usw., an wilde Tiere; ja die uns weniger angenehmen Tiere, wie Mäuse und Ratten, wenn sie sogenannte Katerlaten, d. h. weißgevoren mit roten Augen sind, werder von vielen Menschen geliebt. Gehen doch englische Damen sogar spazieren und tragen in ihrem Muff eine weiße Ratte. Eine ähnliche Lieb haberei erzählt der Zoologe Dr. Flöricke in der Monatsschrift für Naturfreunde„Kosmos“ von Fiedermäusen: Eine Fledermaus im Zimmer? Huhl wird sich mancher denken. Nun, ich kann versichern, daß es äußerst artige und liebenswürdige Tierchen sind, und dabei hervorragend intelligent, so daß der nähere Umgang mit ihnen dem Tierfreunde tatsächlich viel Vergnügen gewährt und zu den anziehendsten Beobachtungen Veranlassung gibt. Dabei werden die Tierchen überraschend zahm. Als Student besaß ich zwei Mopssledermäuse, die sich ganz von selbst zum freien Aus= und Einfliegen gewöhnt hatten. Abends huschten sie zum geöffneten Fenster hinaus in die benachbarten Gärten, betrieben dort die Insektens##gd und kehren frelwillig wieder ins Zimmer zurück, ivo sie ihren Schlasplatz auf einem Büchergestell halten und sich an inem großen Lexikon aufzuhängen pflegten. Auch die spechiedermaus, die ich gegenwärtig pflege, äußert eine geravezu rührende Anhänglichten an meine Person und folgt mir durch mehrere Zimmer, wenn ich sie dabei rufe. Dies beweist zugleich, daß ihr Ohr nicht nur für hohe und schrille Töne empfänglich ist, wie Brehm und andere Forscher behaupten, sondern auch für die lieseren Laute der menschlichen Stimme. Ja, sie unterscheidet sogar sehr deutlich deren verschiedene Auancen und Betonungen. Spreche ich sie freundlich an, so spielt sie mil den Ohren wie ein Pferd, zwinlert vergnüglich mit den kleinen Aeug lein, leckt sich mit der Zunge die Schnauze und läßt ein behagliches Schmatzen hören. Fahre ich sie aber hart an, so legt sie die Ohren ängstlich zurück und klettert an der Gardine hinaus. Ihren Namen scheim sie zu kennnen commt wenigstens aus Auruf sofort herbei, well sie wei aaß es jetzt Mehlwürmer gibt. Sitze ich früh bei Lam penlicht am Schreibtisch, so kann ich mich ihrer kan erwehren; alle Augenblicke ist sie wieder da, turnt an dem Schreibtisch herum und kettert an meinen Beinklei dern empor oder sitzt an der Gardine und bemüht sich durch lebhafte Kopfbewegungen und schillles Gezwitsche meine Aufmerksamkeit zu erregen und eine Portion Mehl würmer zu erbetteln. Ihr Appetit ist überhaupt geradezu unheimlich. 30 seiste Mehlwürmer werden bequem zu einer Mahlzeit verspeist, und danach kann man ungesähr den großen Nutzen ermessen, den sie durch Vertilgung von Malkäfern und Nachtschmetterlingen unseren Wäldern und Obstgärten verursachen mögen. An Tottwul gestorben ist vor einigen Tagen in New=Yort ein Großinvustrieller nach furchtbaren, grauen vollen Leiden. Möglicherweise wirv dies Schiclsal no indere Personen aus der Umgebung des Gestorbenen er ten. Es wird über diesen schrecktichen Fall aus New or mitgeteilt: Der Fabritbesitzer Marsh war vollständig esund, als am Sonnabend abend das Geräusch der Wa rleitung ihm plöpztich eigenthmliche Krampszustände ver Fachte; brennender Durst, Unfählgkeit zu erinten i Nustelzuckungen folgten. Am Montag konsuttierte er se Arzt, der seststeille, vaß Marsh vor sechs Wochen: Wunden seines Schosthundes verbunden halte, der ih vankvar die Hand leckte. Vierzehn Tage varauf mußte 5 Hund erschossen werden, da er Marshs Stenographin, ein Miß Thompson, beißen wollte. Der Arzt fuhr mit Mar sofort zum Pasteur-Institut, und dessen Vorstand, Dr. Wheeler, erklärte ihm nach der Untersuchung, er: leide an Tollwut, zu einer Kur sei es aber zu spät. In Paris werde jetzt zwar ein Serum hergestellt, mit dem man so vorgeschrittene Fälle zu heilen hosse, es könne aber für Marsh nicht mehr rechtzeitig beschafft werden. Marsh fragte ruhig:„Wie lange habe ich noch zu leben, Doktor?“ Wheeler antwortele:„Vielleicht drei Tage.“ Marsh fuhr darauf in seine Fabrik, schickte alle Arbeiter, die mit dem Hunde in Berührung gekommen waren, ins Pasteur=Institut und hielt eine letzte Sitzung als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Gesellschaft ab, wobei er sein be vorstehendes Ende ankündete und die Direktoren bat. einen ältesten Sohn zu seinem Nachfolger zu ernennen: diese ersüllten sein Gesuch, Marsh nahm dann Abschied von ihnen, setzte zu Hause mit seinem Rechlsanwalt sein Testament auf und sagte danach seiner Famille ein Lebewohl. Am Montag Abend legte er sich, Dienstag morgen unterhielt er sich noch mit seiner tiefbetrübten Familie; mit dem Arzt sprach er zwischen den Krampfanfällen mit dem Interesse eines wissenschaftlich gebildeten Mannes über den Verlauf der furchtbaren Krankheit. Gegen abend konnte er keinerlei flüssige oder feste Nahrung mehr zu sich nehmen oder seine Gedanken sammeln. Am Mittwoch traten heftige Konvulsionen ein, er wurde mit Opium betäubt, erwachte noch einmal mitlags, verstel wieder in schreckliche Krämpfe und verschied um 5 Uhr nachmittags in der Betäubung durch Opiate. Seitdem sind sowohl Miß Thompson wie der Sohn Marshs, der den Hund ebenfalls angefaßt hatte, an denselben Symptomen erkrankt. Der Präsident der Gesellschaft für juristische Medizin Clark Bell erklärte, Dr. Wheeler sei nicht berech tigt gewesen, Marsh ein Todesurteil auszusprechen. Marsh sei nur an Todesfurcht und Opium gestorben, sein Sohn sei nur aus Angst erkrankt. Infolge dessen befahl das Sanitätsamt die Leichenössnung Marshs. Diese ergab, daß er unzweiselhaft an Tollwut gestorben sei. Bei der Sektion brachte sich der sezierende Arzt Dr. van Giesen aus Versehen eine tiese Wunde an der Hand bei, er begab sich sofort ins Pasteur=Institut, wo er zur Kur verbleibt. Dankbares Gemüt. Im„Wiener Extrablatt“ wird folgende Geschichte von der bekannten Schauspielerin P. Müller geschrieben: Zu den Mai=Festspielen in der Volks oper war mit andern reichsdeutschen Sängersleuten die Primadonna der Hamburger Oper Katharina Fleischer=Ede nach Wien gekommen. Als sie eines Abends ihre Gar derobe in der Volksoper betrat, fand sie dort einen sehr Frachtvollen Blumenstrauß duftige Grüße von Paula Mill ter vom Deutschen Volkstheater. Zwischen den Rosen und Veilchen steckte eine deutsche Geldmünze, eine Mark. Und auch ein Brieschen war beigegeben, enthaltend den Dank einer ehemaligen Choristin von der Dresdener Hosoper. Aus dieser Choristin von einst war die ausgezeichnete Schauspielerin von heute geworden, die sich eines traurtgen Abends in der Damengarderobe der sächsischen Hofoper erinnerte.... Eine kleine, blonde Choristin, Paula Müller, hatte sich um fünf Minuten verspätet, und weil das Auge des Gesetzes wachte, wurde die„Verbrecherin“ notiert und mit einer Geldstrase von 50 Pfennigen be legt. Es gab schon damals„Ordnungsvorschriften", wie heutzutage und zu allen Zeiten gingen„Wächter" herum, um die Disziplin aufrechtzuerhalten. Also die Chortstin Paula Müller sollte die Buße erlegen. Sie hatte aber für derartige Scherze kein Geld und weinte deshalb bit terlich. Eine Sängerin in dem benachbarten Ankleideraum hörte das Jammern des Mädchens und erbarmte sich seiner. Sie schickte der Kollegin fünfzig Pfennige, „um sie vom Tyrannen zu befreien“, und außerdem eine Mark für ein Abendbrot. Die freundliche Künstlerin trägt heute den Namen Katharina Fleischer=Edel und sie hatte dieses Vorkommnis gewiß längst vergessen. Richt so die Paula Müller, die sich aus dürftigen Verhältnissen zu einer ehrenvollen Position emporgeschwungen hat. Als sle von der Anwesenheit der Sängerln in Wien Kenninis erlangte, reifte sofort der Entschluß in ihr, der gesälligen Helferin von einst ein Erinnerungs= und Liebeszeichen zu inden hetzte Nlachrichten. Trier, 27. Mal. Das Rutschen der Weinberge im mittleren Moselgebiet schreitet unaufhörlich fort. Jetzt sind annähernd 10.000 Kubikmeter in Bewegung. Bel Erden rutschte ein 20000 Stöcke umfassender Weinberg. Stützpfähle, Mauern, Geröll und Reben wurden in die hochgehende Mosel geschleudert. Die Straßen längs den Weinbergen sind hoch mit Trümmern und Geröll bedeckt. me Venedig, 27. Mai. In einer Fremdenpension verglftete sich infolge eines unhellbaren Leidens der 60jährige bayrische Baron Madernt=München mit Morphium. Als seine Gattin dies bemerkte nahm sie gleichfalls Gift: Der Baron ist gestorben, die Baronin gilt als verloren. Marktberichte. — Köln, 26. Mai.(Fruchtmarkt.) Heu 8,00 bis 10,10, Maschinenstroh(Roggen) 3,70, Richtstroh (Flegeldrusch) 4,00. Krummstroh 3,40 die 100 Kilogramm. — Neuß, 26. Mai.(Fruchtmarkt.) Weizen 1. Sorte 21,70, 2. Sorte 20,70. Roggen 1. Sorte 19,70, 2. Sorte 18,70. Haser 1. Sorte 17,00 2. Sorte 16,00 die 100 Kilogramm. Kartosseln 3,00—3,50. Heu 3,70 bis 4,20. Luzernerheu 4,60 die 50 Kllogramm. Krummstroh 17,00. Breitdrutschstroh 19,00 die 500 Kilogramm. Kleie 6,40 die 50 Kilogramm. — Essen, 26. Mai.(Viehmarkt.) Auftrieb: 100 Ochsen, 569 Kühe und Kalben, 211 Bullen und Bautzen, 3966 Schweine, 48 Schafe, 861 Kälber. Ochsen: a) 78, süddeutsche 82, b) 71—74, c) 65—68. Bullen: a) 68—70, b) 68—66, c) 55—60. Kalben und Kühe: a) 75. b) 67—71, c) 60—64, d) 55—58. Schafe: a) 85, b) 80—83, c) 75—78 die 50 KilogrammS chlachtgewicht Kälber: a) 70, b) 54, c) 48—51, d) 35—45 die 50 Kilogramm Lebendgewicht. Schweine mit 20 Prozent Ta ra die 50 Kilogramm Lebendgewicht: a) 63, b) 59 bis 62, c) 54—58. Geschäft in Großvieh mittelmäßig, in Kleinvieh lebhaft. — Dinslaken, 26. Mal.(Zuchtviehmarkt.) Aufgetrieben waren insgesamt 1339 Stück Rindvleh, 3 Kälber, 3 Fohlen. Die Preise stellten sich wie folgt: a) Kühe: 1. Beschaffenheit 540—630, einzelne höher, 2. 460—510, 3. 380—880. Tragende Rinder 290—460. b) Stiere 170—380. Geschäft mittelmäßig. Ueberstand. Der n#chte Zuchwiehmarkt findet am 9. Juni statt. Washeißt Glawari? An den Kolon Hermann Tacke Nr. 21 Wehe wird, nachdem die Eröffnung des Konkurses über sein Vermögen beantragt ist, hiermit ein allgemeines Veräußerungsverbot erlassen— Nr. 1a 08/1. Rahden, den 26. Mai 1908. Königliches Amtsgericht. Bei der Müllereigenosserschaft Dielingen, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Dielingen ist heute in das Genossenschaftsregister eingetragen: An Stelle des ausscheidenden Joseph Coblenzer ist Wilhelm Hesekamp zu Dielingen zum Vorsitzenden und neu in den Vorstand zum stellvertretenden Vorsitzenden Wilhelm Tibbe in Dielingen gewählt. Rahden, den 23. Mai 1908. Königliches Amtsgericht 1000 Stück 80 Pig. gibt ab Die Gutsgärknerei baldem. Militäraushebung für den Kreis Lübbecke. Das diesjährige Aushebungsgeschäft für den Kreis Lübbecke wird 4. Juni im Hotel Drei Kronen aogehalten. Die Militärpflichtigen haben morgens 8¾ Uhr zur Stelle zu sein und ihren Losungsschein und die ihnen von den Ortsbehörden zugehenden Vorladungen zum Aushebungstermin mitzubringen. Unpünktliches Erscheinen oder gänzliches Ausbleiben ohne begründete Entschuldigung, ruhestöxender Saxm. is. ooex. Bot 1, em weusterungslokale wird unnachsichtlich .... Sämtliche Familienangehörige, auf deren Erwerbsapigtet#.#### er Beurteilung der Reklamationen ankommt, haben sich im Aushebungslokale rechtzeitig einzufinden. Jeder Militärpflichtige ist ebenso wie seine Angehörigen berechtigt, Antrag auf Zurückstellung oder Befreiung von der Aushebung zu stellen „ hat dies bei dem zuständigen Amtmann oder Bürgermeister zu geschehen. Verücksichtigt werden derartige Anträge im Aushebungstermine aber nur dann, wenn die Veranlassung zu denselben, z. B. der Tod des Vaters, erst nach dem Musterungstermine eingetreten ist. Int ein Talitärpflichtiger im Aushebungstermine zur Einstellung in einen, Truppentell besimmt, so. It ein Gesuch um Zurückstellung oder Befreiung in der Regel ausgeschlossen und nur in dem Falle noch gestatret, euseramgs dazu nach dem Aushebungstermin eingetreten ist. u##pflichtige, wesche beim Kreis=Ersatgeschäft als tauglich vorgemustert oder zur Ersatzreserve bezw. dem Landsturm I oder als dauernd untauglich in Vorschlag gebracht worden sind und einen Vorladungsschein zum Aushebungsgeschäft etwa nicht erhalten sollten, haben sich rechtzeitig bei der zuständigen Ortsbehörde oder im Militärbüreau des unterzeichneten Zivilvorsitzenden zu melden. Schließlich wird darauf besonders aufmerksam gemacht, daß etwaigen nach der Aushebung gestellten Anträgen auf Zuweisung zu einem bestimmTeupenze, grundsätzlich keine Folge gegeben werden wird. Derartige Wünsche sind spätestens im Aushebungstermine anzubringen. Lübbecke, den 14. Mal 1908. Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission des Aushebungsbezirks Lübbecke Frhr. v. Ledebur. Freitag, den 29. Mai abends 9 Uhr findet in Hotel Wolter eine Versammlung statt, in welcher die A# im Bersammlung statt, in welcher die Aufstellz ig der liberalen Wablmänner erfolgen soll und mann Abemtt Hnnnai erfolgen soll und wozu hiermit eingeladen wird. Mehrere Urwähler. e Die keinste Marke! „Grösste“ Verbreitung Das beste Fahrrad! „Wunderbar“ leichter Lauf—„ Adlerwerke vorm. Heinrich Kleuer A.-6 Frankfurt a. M. Viele höchste Auszeichnungen.— Staatsmedaillen etc. Grand Prix— Internationale Ausstellung Malland 1906 Vertreter: H. Rose, Espelkamp. Vorsicht beim Pferdehandel! " Ich rate jede. Bauern, wenn er eln Pferd sich kaufen tut, doch zu;#gen, auch noch Geld im Beutel ruht. Ich hatt' ein P#ero auf Borg gekauft und wollt es auch bezahlen, drei Monat war die Zahlungsfrist, drum konnte ich nicht ahnen, daß plötzlich kommt der Han delsmann und will sein Geld schon holen. Ach nein, mein Herr, daß paßt mir nicht, ich laß mich nicht verkohlen; neun Tage hab ich erst das pferr. und nun willst du schon Geld? Einen Wechsel unterschreib ich nicht, das tun wohl andere Leute, das paßt für einen Bauern nicht, das Bellpiel hat man heut. Ge 6.n 1. f.fh.nl.„„ Balfpiel has men aun....“““ van paßt für einen Bauern nicht, das Belspiel hat man hei#e. zu hast ja selbst zu mir gesagt, daß hier zwei Pferde gingen auf einen großen Wechselschein. Es tut doch furchtbar klingen für einen braven Handelsmann, so was zu offenbaren. Ich mache sicher nicht Konkura, mich ha#s hu uin PaP-T..“77. g.#u rrnden Ganbeiomann, so was zu offenvaren. Ich mache sicher nicht Konkurs, mich hälst du nicht zum Narren. Hättest du dich 9h: Pox. and, gua# u. p lassen so aufhetzen, so hätte ich diese Anzeige nicht, ins Blatt hinein lassen setzen. Wehe, den 25. Mai 1908. W. S. Washeißt Alawari? Jugend verleiht ein zartes, reines Gesicht rosiges, jugenöfrisches Aussehen, weiße, sammetwelche Hant und blendend schöner Teink. Allesdies erzeugtdieechte echkenpferd-Lilienmilchseise à St. 50 Pf. bei: Pauia Bauch 6 Statt besonderer Anzeige! Die Verlobung meiner Tochter Alma mit dem Kaufmann Herrn Ernst Zierenberg in Hannover beehre ich mich anzuzeigen. Sophie Schmidt geb. Bommelmann. Rahden, im Mai 1908. 0 Alma Schmidt Ernst Zierenberg Verlobte. Rahden Hannover im Mai 1908. 9 Die Aerzte des Kreises Lübbecke und Umgegend haben sich gagoncoitignn haben sich gegenseitig zur Innehaltung bestimmter Mindesthonorarsätze verpflichtet. Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass 1) für Besuche, welche sofort oder zu einer bestimmten Zeit verlangt werden, 2) für Beratungen und Besuche in der Zeit von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens nach den Bestimmungen der staatlichen Gebührenordnung die erhöhte Taxe eintritt. Um den Unterzeichneten die nötige Sonntagsruhe zu gönnen werden an Sonn- und Festtagen von Mittag ab nur dringende Fälle in Behandlung genommen. Dr. Arenhövel Dr. Holzhausen Sprechst.: 8—10 Uhr vorm. Dr. Bormann Sprechst.: 8—10 Uhr vorm. Dr. Bracker Sprechst.: 8—10 Uhr vorm. Dr. Broking Sprechst.: 9—11 Uhr vorm. Dr. Bührmann Sprechst.: 8—12 Uhr vorm. Sprechst.: 7—8 Uhr vorm., 12 —1 Uhr nachm. Dr. Büssemaker Sprechst.: 9½—11 Uhr vorm., 1½-2½ Uhr nachm., Sonntags 9½—11 Uhr vorm. Dr. Finke Sprechst.: 8—9 Uhr vorm., 12— 1 Uhr nachm. Dr. Gärtner Dr. Hüsemann Sprechst.: 9—11 Uhr vorm., —2 Uhr nachm. Dr. Jürgens Sprechst.: 8—10 Uhr vorm., 2 —2 Uhr nachm., Sonntags 9— 10 Uhr vorm. Dr. Lewy Sprechst.: 8—12 Uhr vorm. Dr. Lücker, Sanitätsrat Sprechst.: 8—10 Uhr vorm., 1½-2½ Uhr nachm. Dr. Müller, Sanitätsrat Sprechst.: 8½ Uhr vorm. bis 12½ Uhr nachm. Dr. Müller Sprechst.: 8½ Uhr vorm. bis 12½ Uhr nachm. Dr. Schwarz Sprechst.: 8—10 Uhr vorm., 1¼ —2½ Uhr nachm. Dr. Spengler, Sprechst.: 8—10 Uhr vorm., 2—3 und 4½—5 Sprechst.: 8—11 Uhr vorm., 2 4 Uhr nachm. Uhr nachm. Kirieger-, Tandwehr## und Reserve-Verein Varl. Sonntag, den 31. Mai d. Bs. felert der Verein beim Kameraden Kaufmann Ana. Wagenfeld sein diesjähriges horhunden mit Moni verbunden mit Preisschießen. Antreten der Mitglieder nachm. 2 Uhr im Vereinslokale. Von 6 Uhr nachm. an Ball. Gäste können bis 7 Uhr abends eingeführt werden. Der Präses: Bollhorst. Eine Ladung gußeiserne, robe und emaillierte Herde Gußeiserner Herd mit 3 Kochlöchern zu 28,50 Mk., Majolika emaillierter gußelserner Herd zu 48,50 Mk. Eine Ladung emaillierter Herde „ in schwarz und weiß mit hübschen Decors. Küppersbuscher Herd bestes Fabrikat. Eine Ladung Emaillewaren prima Qualität, kein Ausschuß, Garantie für jedes Stück Schwerer emaillierter Eimer von 26 cm. zu 85 Pfg. uw. # Ueber 100 Herde am Lager. Pr. Oldendort. Aug. Lebrecht. 0 Saatlupinen empfiehlt Chr. Lübking, Rahden Krieger-, Landwehrund Reserve-Verein Sielhorst. Sonntag, den 31. Mai feiert der Verein beim Kameraden Wirt W. Strümpler sein diesjähriges Sommerfest. Um 3 Uhr Antreten der Kameraden im Vereinslokale zum Abholen der Fahne, dann Abmarsch lzum Festplatze. Von 4—6 Uhr Konzert, danach = Ball.— Gäste können durch Mitglieder bis 7 Uhr abends eingeführt werden. Der Vorstand. Kriegervereit Rahden. Sonntag, den 31. d. Mts. nachmittags 4 Uhr, findet eine Generalversammlung im Vereinslokale statt. Tagesordnung: 1. Rechnungslage. 2. Umwahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. Kameraden werden ersucht, rech zahlreich und pünktlich zu erscheinen Der Vorstand. Die diesjährige Räumung de Sozieläts=Kanäle und Gräbe soll am Montag, den 1. Juni cr. vormittags 10 Uhr auf dem Sozietätsbüro öffentlich a den Mindestfordernden vergebe werden. Rahden, den 23. Mal 1908. Der Sozietäts-Inspekto utsch. Dienstag, den 2. u. Mie soll die Zerkleinerung von 420 chm teine und das Einsetzen pp von 1000 lfdm. Steinbah für den Chausseebau in der Gemeis de Varl verdungen werden. Unternehmer wollen sich am ge nannten Tage in der Wirtsche anau in Varl einfinden. Rahden, den 26. Mal 1908. Der Kreiswegemeister. Weckner. Neue Seradella, Saatlupinen, Chilisalpeter, Leinsamen noch zu haben bei L. Klockenbring, Rahden. Auf den tigste Ereign französischen die Reise Rußland die Königin folger und haben. Diese den die## Rußland und slegeln. Nati Frieden dien den Zweck h ist Englands der wirtschaft zu verwahren punkt gegen rolko ruhig mehr isoliert. tente, wir ha nicht gefunder trotz der Nac litil trotz der über dem„Er der französisch ausarteten, no und dankbar beantworteten aber erst mit baden hat der zu Ehren des ist jedenfalts bilde, daß in te. Italiens Enlentemhte rreich gen der und wird sich schen vollkom falls hal nur mehr den g früher. Engl. til geworden zugeschaut, d nicht weiter! selbst zurücktr rechterhaltung In mal viel eSe Ulntige Kän Studesttenver sowelt, daß katholischen mit Seusen hielten. Und Einmarsch d walt die E 10) Washeißt Alawari? Carolae Seit der stürn diese Frau'th Thilo hatte es bleiben durfte. „Ich hörte künftigen Gat freioidlich sont genommen hal „Ja, das wort. „Nun gut, dumg, die ich Angeleisenheit mein bedeuten Erlenhose nich kaanen überein wem ich woll rechtmäßiger Aber ich die feste Verst seinen Gunsten stimmung heir eine Tochter z seinem Reichtu könnte, daß Sie vielleicht ich habe gute Ihrem Charakt Thilo nicht m Es ist unrecht cheln, während verlobt sind; er Menschen.