ORGAN FUR DAS ARBEITENDE VOLK MITTEILUNGSBLATT DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN, DER ARBEITERSPORTVEREINE UND DEN Bezugspreis: Durch Boten halbmonatlich 1.00 RM., durch die Post monatlich 2.00 RM. Erscheint jeden Werktag vormittags. Vreis der Einzelnummer 10 Rpf. Bankkonto: Städtische Sparkasse Gelsenkirchen. Postscheckkonto: 5405 Dortmund. Hauptgeschäftsstelle, Verlag und Schriftleitung: Gelsenkirchen, Ringstraße 33. Fernruf Sammelnummer 25841. Verantwortlich für den Gesamtinhalt: Alfred Zinglei, den Anzeigenteil: Karl Chemnitz 16. Jalirgang Anzeigenpreis im Verbreitungsgebiet 8 Rpf., außerhald Breite. Reklamen 1 mm Raumhöhe bei 90 min Breite 50 annahme bis 19 Uhr. Bei gerichtlichen Klagen, Zwanz erlischt jeder Rabattanspruch. Erfüllungsort und Ger Druck und Verlag: Ludwig Leypoldt, G. m. b. H., V48 mn Raumhöhe bei 27 mm lnzeigen 5 Rpf. Inseratenleichen und Konkursen stand ist Gelsenkirchen Geisenkirchen Nr. 193 Donnerstag, den 18. August Schleichende krise! S#atlarpte Nagischumndler Das deutsche Volk gilt in der Welt immer noch als„Mpoli-Oereereee-TeesstseorrsseTTT Das deutsche Volk gilt in der Welt immer noch als„unpoli kisch", trotz der vielen aufeinander folgenden Wahlen, trotz des weitestgehenden Wahlrechts und trotz einer bis ins äußerste gesteigerten Wahlbeteiligung, die wirklich die Massen der Wähler in den politischen Kampf mitgerissen hat. Das Verhalten der deutschen Oeffentlichkeit gegenüber den anmaßenden„Forderungen“ und Aufschneidereien der sogenanten Hitlerbewegung gibt auch heute dem alten Urteil einen Schein von Berechtigung. Wenn man von der politisch gechulten sozialistischen Arbeiterschaft absieht, so findet man vielach eine geradezu erstaunliche Unkenntnis über die politischen Zusammenhänge und eine politische Teilnahmslosigkeit, die laum noch mit der lastenden Gluthitze erklärt werden kann. Kennzeichnend ist dabei, daß eine gründliche Kenntnis der durch die Verfassung des Reiches dem Volke gesicherten Rechte ersetzt vird durch ein schwankendes Fragen nach dem, was morgen oder übermorgen etwa„werden“ könnte. Dabei spielen phantastische Vorstellungen über die politische Potenz der gegenwärtigen Regierung oder einzelner ihrer Mitzlieder eine besondere Rolle. Der Riesenstab ehemaliger Offiziere, der sich im Nazilager angesiedelt hat, vermochte es durch ahrelange Wiederholung der Methoden bekannter Kriegsberichterstattung, aus dem kleinen Möchtegern=Politiker aus Oesterreich=Braunau zunächst den eigenen Anhängern und dann auch weiteren Kreisen der versinkenden Mittelschichten ein Phantom des„großen Führers“ aufzublasen. Nicht das System der systematischen agitatorischen Bearbeitung mit der MessiasLegende ist verwunderlich, wohl aber das absolute Versagen des politischen Selbstaefühls bei jenen Schichten, die bis vor kurzem in den sogenannten Mittelparleien ihre politische Vertretung sahen. Hier ist der wesentliche Punkt der tatsächlichen Krise zu suchen. Wäre in den Reihen der bürgerlich=mittelparteilichen Wähler auch nur ein Mindestmaß von eigener politischer Erkenntnis und daraus entsprungenem politischen Wollen vorhanden, so hätte es unmöglich sein müssen, daß die militärischen Rattenfängermelodien für Hitler einen so großen Erfolg haben konnten. Aber dieses Mindestnaß von gewachsenem politischen Bewußtsein fehlte. Es wurde zumeist ersetzt durch rollende Reden von„nationalen Belangen“, inter denen sich jeder etwas anderes vorstellen konnte. So kam es, daß diese„national“ und nur„national“ empfindenden Kreise sich schließlich bei den Prinzen und Baronen fanden. die Hitlers„Arbeiter“partei heute bevölkern. Denn die militärischen Propagandachefs der Firma NSDAP. verstanden das tollende„nationale“ Pathos noch besser als die Kleinen um Dingeldey und Hugenberg. Sie verstanden es so gut, daß sie heute behaupten können,„das nationale Deutschland“ sei im Lager Hitlers„vereint“! Nun mögen die mehr oder minder bedeutenden Führer der auch=nationalen Mittelparteien auf ihren Brundsätzen und Parteiresten trauernd festsitzen, wie Marius auf den Trümmern von Karthago. Für die gibt es kaum ein Wiederaufleben ihres politischen Einflusses. Aber für politische Entscheidungen, die nach wie vor das Interesse jedes Einzelnen fordern, kommt es nicht auf die verkrachte Führerweisheit an, sondern auf das selbstbewußte politische Wollen des namenlosen Deutschen schlechthin. Das Gerede vom„Führertum“ hat die Parteigehände des Bürgertums geschlagen. aber der Anteil dieses— noch nicht sozialistischen— Bürgertums an der politischen Kräfteverteilung bleibt bestehen. Das tritt besonders deutlich zutage in diesen Wochen nach der Reichstagswahl, in denen über die weitere Führung des Reiches entschieden wird. Hat man auf der einen Seite den kleinen Hitler zu einem großen Gummimann— stahlhart natürlich, prima Ware! — aufgepustet, so sind geschäftige Zungen und Federn am Werk. um den politisierenden Reichswehrgeneral und jetzigen Wehrminister zu dem„großen Gegenspieler“ Hitlers um= und aufzudeuten. Praktisch ist damit nichts gewonnen für die Frage, was nun in der politischen Führung des Reichs werden solle. Zwar ist Adolfs Mussolini=Traum zunächst zerstört. Aber daß die Regierung Papen=Schleicher=Gayl mit ihrem Reichskommissariat für Preußen einfach still und ungestört weiter amtieren könne, ist schon um deswillen unmöglich, weil diese Regierung der Barone außer dem Herrenklub und vielleicht der kleinen Hugenberg=Gruppe nichts hinter sich hat. Wenn anders sie nicht einen ganz ausgesprochenen Verfassungsbruch mit dem Charakter des Staatsstreichs begehen will, muß sie sich dem Reichstag stellen, den sie selbst hat— in leichtgläubigem Vertrauen auf den Wert Hitlerischer Zusagen— wählen lassen, um den Willen des Volkes zu erkunden. Diese Meinungsäußerung des Volkes bedeutet für die Regierung der Barone eine so offenherzige Absage, daß sie mit einem fast einhelligen Mißtrauensvotum des Reichstages sicher rechnen muß. Das wichtigste aber wird sein, was danach kommt! Es ist nicht von ungefähr, daß in der Zentrumspresse mit betonter Deutlichkeit die abgerissenen Verhandlungsfäden wieder ausge nommen werden. Das Ziel des Zentrums ist augenscheinlich, unter Wahrung der verfassungsmäßigen Zustände die Hitlerleute vor den Reichswagen zu spannen, damit die UngeDer Reichskansler bestätigt, daß Ritler „die ganze Mack““ wollte London, 17. August. Der Berliner Reutervertreter berichtet über ein Interview, das ihm Reichskanzler von Papen gewährt hat: Der Reutervertreter wies u. a.darauf hin, daß Hitler entschieden bestreitet, in seiner Unterredung mit dem Reichskanzler die volle Staatsgewalt verlangt zu haben und bat Herrn von Papen um eine Aeußerung zu diesem Dementi. Der Kanzler erklärte, daß es in dieser Hinsicht gar keinen Zweifel geben könne. Der Führer der RSDAP. habe zugegeben, daß er während der vergangenen zwei Monate mit seinen ungeduldigen Anhängern einen schweren Stand gehabt habe, und habe erklärt, er könne einen Anteil an der Regierungsgewalt nicht annehmen, sondern müsse sie in ihrer Gesamtheit verlangen. Er könne nur für eine Regierung kämpfen, die sich ga., und gar mit seiner Bewegung identifiziere. Eserts * Mmer Der Reichsverband der Industrie zur Wirtschaltslage Berlin, 17. August.(Drahtmeldung.) Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie beschäftigte sich unter dem Vorsitz von Dr. Krupp v. Bohlen und Halbach mit der wirtschaftspolitischen Lage und nahm u. a. auf Grund eines Referates von Generaldirektor Dr. Pietrkowski zu der Frage der Arbeitsbeschaffung Stellung. Hierüber wird von dem Verband folgende Erklärung ausgegeben: Der Reichsverband der deutschen Industrie vertritt den Standpunkt, daß auf dem Wege einer öffentlichen Arbeitsbeschaffung eine konjunkturfördernde Beeinflussung nicht erreicht werden kann, und lehnt alle uferlosen Pläne, die zur Ausführung von Milliardenprojekten von verschiedenen Seiten aufgestellt worden sind, nach wie vor ab. Eine Besserung der innerwirtschaftlichen Lage und eine allmähliche Behebung der Arbeitslosigkeit kann nach Auffassung des Reichsverbandes nur dann erhofft werden, wenn die innerwirtschaftlichen Hemmungen, die die freien Entwicklungsmöglichkeiten beeinträchtigen, beseitigt und die Produktionskosten derartig gesenkt werden, daß die Betriebe wieder rentabel wirtschaften können. Es wurde aber anerkannt, daß unter den gegebenen Verhältnissen die öffentlichen Stellen einschließlich der Reichsbahn und der Reichspost die Aufgabe haben, diejenigen Arbeiten mit möglichster Beschleunigung in Gang zu setzen, die zur Erhaltung des öffentlichen Vermögens notwendig sind, und zwar in einem erheblich erweiterten Umfange als bisher vorgesehen ist. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage des freiwilligen Arbeitsdienstes und der Arbeitsdienstpflicht erörtert. Dabei wurde festgestellt, daß der freiwillige Arbeitsdienst einer möglichsten Förderung bedarf und daß in einem weiteren uusbau des freiwilligen Arbeitsdienstes auch die organischen Grundlagen für eine spätere Einführung der Arbeitsdienstpflicht gefunden werden können. * Die Erklärung des Reichsverbandes zeigt die ganze sozialpolitische und volkswirtschaftliche Rückständigkeit der führenden Kreise der deutschen Wirtschaft. Die„verschiedenen Seiten", deren Vorschläge zur Linderung der Arbeitslosennot den Herren vom Reichsverband nicht gefallen, sind natürlich die Gewerkschaften. Sie fordern Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, sie schlagen großzügige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vor, und sie fordern das alles unter Einsetzung der staatlichen Initiative. Das Eingreisen des Staates aber fürchten die Unternehmer vom Reichsverband und deshalb reden sie von der Senkung der Produktionskosten, womit sie natürlich in erster Linie die Löhne meinen. Wenn die Herren in ihrer sozialreaktionären Verblendung doch endlich zugeben wollten, daß in der Zeit, wo in der ganzen Welt die Produktion gewainig gestiegen ist, die Hebung des inneren Verbrauchs durch angemessene Arbeiterlöhne die einzige Möglichkeit gibt, ihre Betriebe wieder flott zu machen! Aber das fällt ihnen nicht ein. Sie wursteln sozialpolitisch und volkswirtschaftlich in alter reaktionärer Weise weiter und meinen, Papen, Schleicher und Hitler könnten durch faschistische Aktionen die Arbeiter zu jedem Lohn und zu jeder Arbeitszeit zwingen. Die Forderung der Arbeitsdienstpflicht paßt ganz in diese Linie. Bei Leuten, die mit so viel Oberflächlichkeit an die großen Fragen der Gegenwart herangehen, braucht man sich ja nuch schließlich über gar nichts mehr zu mundern! Piccard steigt auf Die Vorbereitungen Dübendorf, 17. August.(Drahtmeldung.) Unter Leitung von Professor Piccard wurden heute nachmittag programm gemäß die Startvorbereitungen auf dem Flugplatz Dübendorf in Angriff genommen. Eine zahlreiche Ueberwachungsmannschaft verteilte sich über den ganzen Platz und kontrollierte die Absperrungen. Bei drückender Hitze brachte ein Möbelwagen die Ballonhülle. die von 30 Pionieren ausgebreitet wurde. Zwei Gestelle mit sechs Scheinwerfern wurden bereits montiert und ausprobiert. Sie sollen während der Nacht die notwendige Beleuchtung geben. Günftiges Wetter Dübendorf, 17. August.(Drahtmeldung.) Ueber die Umstände, unter denen sich Professor Piccard zum Start entschloß, bärdigen politische Manieren lernen. Aber ob dieses Ziel erreicht wird, erscheint zunächst noch sehr zweifelhaft. Die schleichende Krise wird noch einige Zeit andauern. Aber sie wird hoffentlich das eine Gute haben, daß sie das politische Interesse und damit auch die politische Erkenntnis wieder wachruft in jenen Kreisen des Volkes, die bisher dem„Führergedanken“ ihren politischen Intellekt geopfert hatten! erfährt die schweizerische Depeschenagentur, daß der Direktor der Wetterstation des Zivilflugplatzes die atmosphärischen Verhältnisse für den Aufstieg als günstig bezeichnete. In den Höhen wird es klar sein, während in der Ebene teilweise Nebel auftreten wird. Sollte sich aber auch in Drübendorf Nebel einstellen, so ist mit Sicherheit erst nach fünf Uhr der Start zu erwarten. Die Winde sind etwas schwächer geworden. Beim Start dürfte nahezu Windstille herrschen. Ueber die mutmaßliche Richtung, die der Ballon einschlagen wird, kann noch nichts Bestimmtes gesagt werden. Wohl herrscht noch Abzugströmung nach Südost, doch kann sie während der Nacht aufhören. Eine nordwestliche Windrichtung steht außer Frage. Auf Grund dieser Auskunft erklärte Professor Piccard, daß er morgen starten werde. 50 Staatskommissare für die preußilchen Gemeinden Berlin, 17. August.(Drahtmeldung.) Nach in der Presse aufgetauchten Ankündigungen sollte noch heute mit dem Erlaß einer Verordnung zu rechnen sein, durch die in etwa 50 preußischen Gemeinden Staatskommissare mit dem Auftrage eingesetzt werden, für die Abführung rückständiger Steuern zu sorgen. Eine solche Verordnung wird, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, heute nicht mehr kommen, sondern erst morgen oder übermorgen. Die Besprechungen sind nämlich in einzelnen noch nicht abgeschlossen. — Der Landsriedensbruch der SA. Die übersallenen Reichsbannerleute vor Gecicht Breslau, 16. August.(Eigenbericht.) Der zweite Verhandlungstag vor dem Breslauer Conderpericht im Ohlauer Landfriedensbruchprozeß begann um 8 Uhr morgens mit der Feststellung, daß tatsächlich fünf angeklagte Reichsbannerleute aus Würben an dem kritischen Sonnna bereits gegen 8 Uhr Ohlau verlassen hatten. Infolge einer Fahrlässigkeit der Voruntersuchung hatte man angenommen, daß auch ihre Fahrräder von der Polizei beschlagnahmt worden seien: in Wirklichkeit waren diese Reichsbannerleute zur Abbeferung ihrer Räder am Mittwoch, also vier Tage nach dem Vorfall, aufgefordert worden. Als erster Zeuge wird der erste Ohlauer Bürgermeister Haunschild bernommen. Er weiß nichts Ungünniges über die Angeklagten auszusagen. Den Gewerkschaftssekretär Manschke kennt er schon seit langem. Er bezeichnet ihn als einen befonnenen Mann, der erst unlängst bei einer Erwerbslosendemonstration beruhigend auf die erregte Menge eingewirkt hatte. Der Bürgermeister erhielt erst während der Zusammenstoße in der August=Feige=Straße Kenntnis von den Unruhen in seiner Stadt. Der Reichsbannerführer Blech trat an ihn beran und forderte von ihm:„Sorgen Sie dafür, daß die SA. aus Ohlau herauskommt und schützen Sie unsere Angehörigen!“ Burgermeister Haunschild forderte darauf Landjägerei an, da er nur über 5 Polizeibeamte verfügte. „Ich befahl dem leitenden Beamten, die SA.=Autos aus der Proskauer Straße(der Zufuhrstraße aus Breslau) anzuhalten, um sie dann in Begleitung von Polizeibeamten durch Ohlau zu leiten. Diese Anordnung ist nicht befolgt worden.“ Bei Haunschild rief darauf die Brieger Polisei an und fragte, was denn in Oblau los sei. Man habe in Brieg telephonisch und durch Motorradfahrer Kenntais von den ersten Zusammenstößen in Ohlau erhalten.„Ich versuchte, die Brieger Polizei zu veranlassen, die SA.=Leute in Brieg zurückzuhalten, aber man erwiderte mir, sie seien schon abgefahren. Kurz darauf rief ich das Breslauer Ueberfallkommando zu Hilfe.“ Verteidiger Dr. Braun fragte den Zeugen, ob er zu einem Arzt geäußert habe: „Nun wird es endlich dazu langen, das Reichsbanner zu verbieten.“ Der Staatsanwalt beanstandet diese Frage und beontragt einen Gerichtsbeschluß, ob diese Frage noch zum Beweisthema gehöre. Das Gericht bejabt das und Bürgermeister Haunschild bekundet: Jo have das nicht gesagt. Der Angeklagte Reichsbannerführer Blech fragt den Zeugen, ob es wahr ist, daß er, Blech, diesen gegen einen tätlichen Angriff geschützt habe. Der Zeuge gibt das zu. Der nächste Zeuge, Oberlandjäger Schön, führte die Aufsicht über die Reichsbannerveranstaltung in Laskowitz. Erst auf Befragen des Angeklagten Landarbeitersekretärs Genossen Strulik erinnerte er sich der Verpestung der Festwiese durch Stinköl. Auch das, was er über eine angebliche Hetzrede des Genossen Durniok gesagt hat, beruht auf einer Verwechslung. Oberwachtmeister Philippowsr:: Der Ohlauer Bürgermeister gab Anordnung, wir sollten achtgeben, daß nichts passiert, wenn die Nationalsozialisten aus Ohlau zurückkehrten. ungefähr fünf bis sechs Lastautos mit Nationalsozialisten standen. Diese brüllten im Sprechchor:„Wer hat uns verraten?" Den zweiten Teil des Wechselrufes konnte ich nicht verstehen.(!!) Im weiteren Verlauf des zweiten Verhandlungstages sagte der Landjägermeister Golemia aus:„Ich war als erster auf der Postbrücke(Ohlebrücke, aus der ein SA.=Mann totgeschlagen wurde). 50 bis 60 Nationalsozialisten folgten mir und schrien:„Drauf, drauf!"„Von der Schießerei habe ich nichts gehört.“ Oberlandjäger Oelschläger bekundet, daß die auf der Ohlebrücke stehenden Reichsbannerleute keinen Widerstand geleistet hätten. Schornsteinsegermeisier Ludwia, ein guter Bekannter der Gastwirtin Otto vom„Walfisch". war um 8 Uhr in das Lokal gekommen und sah, wie die eintreffenden Reichsbannerleute sich friedlich zum Glase Bier setzten. Kurze Zeit darauf erscholl der Ruf:„Alle raus!“ Ein Teil der Reichsbannerleute ging fort und kam nach 20 Minuten wieder. Eine halbe Stunde nach ihrer Rückkehr rief wieder jemand:„Alles raus!“ Nunmehr eilten sämtliche Reichsbannerleute nach der Stadt. Das Lokal wurde verschlossen und alles Licht ausgelöscht. Ludwig blieb in der Wohnung der Frau Otto bis nachts um ½2 Uhr. Er hat den Gewerkschaftssekretär Manche(eine stadibekannte Persönlichkeit) überhaupt nicht gesehen. Die Gastwirtin Frau Otto hörte gegen ½10 Uhr den Ruf:„Alles raus auf den Ring! Wir werden überfallen!" Die Aussagen des SA.=Mannes Seidel stellen fest, daß der Beginn der Schlägerei von den Nationalsozialisten ausging. Seidel bekundet:„Ich kam mit dem Motorrad und einem Beisitzer als erster von Brieg. Auf dem Ringe standen junge Leute. Wir wechselten Rufe: Heil Hitler! und Freiheit! Ich stieg ab und gab einem von den jungen Leuten eine Ohrfeige. Darauf kamen Steine geflogen. Wir liefen den Leuten nach. Bald kam ein Lastzug mit SA. auf dem Ringe an. Die SA.=Leute sprangen berunter und jagten die auf dem Ringe Stehenden fort. Reichsbannerleute befanden sich vereinzelt in der Menge. Der Ofensetzer Benisch, der mit seinem Fahrrade ahnungslos von der Mälzergasse herkam, wurde von SA. Leuten mit Schulterriemen geschlagen, zu Boden geworfen und mit Füßen getreten. Die Speichen seines Rades wurden zertrümmert. Der Stahlhelmmann Lustig. ein Tischlermeister, wohnhaft Ring 21, vor dessen Fenster sich die erste Schlägerei abspielte, bekundet, daß der von dem SA.=Motorradfahrer geschlagene junge Mann sich nicht zur Wehr gesetzt hat. Dem Lastzug mit SA.=Leuten folgte kurz darauf ein Lastzug mit SS.=Leuten, die an der August=Feige=Straße absprangen. Von einem Anhängewagen wurde auf die Menge eingeschlagen, unter der sich auch Reichsbannerleute befanden. Ein der Nationalsozialistischen Partei Angehöriger namens Langner gibt übereinstimmend mit den anderen Zeugen eine Schilderung des ersten Zusammenstoßes ans dem Ring. Er hat gesehen, wie Pg. Brandstilter Selbltentlarvung der Nazi-Partei In der„NSZ.“, der nationalsozialistischen Tageszeitung, die in Kaiserslautern erscheint, ist in Nr. 181 unter großer Ueberschrift und in Fettdruck zu lesen: Unserem Pg. Lahr in Niederhochstadt wurde am vergangenen Montag sein Anwesen von politischen Gegnern in Brand gesteckt, das bis auf die Grundmauern niederbrannte. Dadurch wurde die gesamte Ernte vernichtet. Wir wenden uns an alle Parteigenossen mit der Bitte, zu helfen. Gebi Heu, Stroh, Korn, Weizen unw., damit Pg. Lähr mit seiner Familie über den Winter hinwegkommt. Die Gauleitung. Die nähere Untersuchung jedoch hat eine kleine„Wendung“ in der Sache gebracht. Nunmehr liest man zwei Tage später in derselben„NSZ.“, allerdings nicht in Fettdruck und nicht auf der ersten Seite, das Nachfolgende: Wie verschiedene Zeitungen melden, wurde der Gastwirt Georg Lähr nebst seinem Schwiegersohn Minges wegen angeblicher Brandstiftung verhaftet. Wurden diese überführt werden, so läge ein solches Verhalten auf der gleichen Linie, wie die Angaben des Lähr, er sei Mitglied der N SDAP. Sofort nach Bekanntwerden obiger Meldung entstand bei der Gauleitung der NSDAP. der Verdacht, daß auch die Mitteilung über die Parteizugehörigkeit des Lähr ein Schwindel sei. Eine Ueberprüfung der Kartei hat ergeben, daß Lähr nicht Mitglied ist. vielmehr aus der Tatsache des„Geschädigten“ Kapital schlagen wollte. Georg Lähr gehört also nicht der NSDA P. an, gesinnungsgemäß vielmehr gegebenenfalls in die Reihe der„Fisernen Front“. in der man derartige Elemente in letzter Zeit in Ueberzahl finden kann.— Wir haben es schon oft genug erlebt, wie gerade solche Leute mit unserem Namen ihre SPD.=Gesinnung zu verdecken versuchen. Die„Eiserne Stirn“ der Naziburschen ist erstaunlich. Nachdem sie eben für ihren Pg. Brandstifter den Klingelbeutel geschwungen haben, erklärten sie unmittelbar darauf, er sei gar nicht Nationalsozialist, aber er versuche seine— SPD.=Gesinnung zu verdecken. Im Lügen ist die Hitlerei bisher nicht übertroffen worden und auch fernerhin unübertrefflich. der SA.=Motorradfahrer den geschlagenen jungen Mann verfolgte. Eine Zeugin, die aus dem ersten Stock ihres Hauses am Ring schaute, hörte den Ruf eines der beiden Motorradfahrer:„Wir werden es euch anstreichen!“ Auf Befehl schwärmten die von dem Lastwagen abgesprungenen Nationalsozialisten aus und verfolgten die Zivilbevölkerung. Der Tischlermeister Mond hat einen SA.=Mann mit dem Revolver gesehen. Der Führer des Treckers. Kavitzki, der auf die nach der Stadt stürmenden Reichsbannerleute traf und von ihnen niedergeschlagen wurde, bekundet:„Der Trecker war vom Dominum Dürrjentsch gestellt. Ich wollte zuerst nicht mitfahren, da die Leute schon sagten: Es wird Zusammenstöße geben. Auf dem Schloßplatz kamen 70 bis 80 Mann Reichsbannerleute auf uns zu und schlugen mit Zaunlatten. Ich erhielt Verletzungen an den Händen.“ Jreußen gegen das Reich Dokumente zum Verlassungsstreit Auf dem Ringe waren SA.=Leute von ihrem Auto abgesessen und hielten ihre Schulterriemen in der Hand. Ich gab den Befehl, sofort das Auto wieder zu besteigen. Da sagte der SA.=Führer:„Wenn Sie nicht Ordnung schaffen, werden wir es tun.“ Ich erwiderte darauf:„Das ist nicht nötig.“ Ich ging die August=Feige=Straße hinunter nach dem Schloßplatz; da kamen mir Reichsbannerleute entgegen. Vom Ring aber kam gleichzeitig ein Auto mit SS.= Leuten. Der Führer eines Autos gab den Befehl, auf die Reichsbannerleute zuzustürmen. Der Führer des Reichsbanners, Durniok, sagte seinen Leuten:„Nicht provozieren! Zurück!“ Inzwischen waren aber die SS.=Leute schon bis zur Mitte der August=Feige=Straße vorgedrungen. Ich ging ihnen entgegen und konnte nicht verhindern, daß die Reichsbannerleute mir folgten. Es kam hier zu einem Zusammenstoß, bei dem auf der einen Seite die Schulterriemen, auf der anderen Zaunlatten als Waffen benutzt wurden. Nach dieser Schlägerei ging ich nach der Oderstraße, wo ein großer Zug von SA.=Leuten in Richtung auf die Ohlebrücke zu marschierten. Auf Befragen erklärten sie, sie wollten an der Spitze marschierende Kameraden, die auf dem jenseitigen Ohleufer wohnen, begleiten. Der größte Teil der Begleiter waren Breslauer SA.=Leute. Ich sah, wie mehrere SA.=Leute zu wiederholten Malen auf Einwohner einschlugen, die ruhig vor ihren Häusern standen. Ich bemerkte, wie einem der Bewohner das Abzeichen der drei Pfeile abgerissen wurde. Plötzlich ertönten Schüsse aus den hinteren Reihen. Ich eilte zurück und auf Befragen erfuhr ich, daß aus dem Hause Oderstraße 27 geschossen worden sein sollte. Ich begab mich in das Haus und mußte Jeststellen, daß nicht aus dem Hause geschossen worden ist, sondern daß zwei Frauen durch fünf Schüsse schwerverletzt worden sind, die von Nationalsozialisten vom Hausflur aus durch die Wohnungstür hindurch abgegeben worden waren. (Es handelt sich um die Frau des Arbeiters Karkus und ihre „Nachbarin.) Als das Schutzkommando aus Breslau ankam, sielen vom Steindamm her etwa zwanzig Schüsse. Ein SA.= Mann wurde tödlich getroffen. Rechtsanwalt Förder fragt den Zeugen:„War Durniok bewaffnet?“ Hauptwachtmeister Philippowski:„Nein.“ Rechtsanwalt Dr. Braun:„Hat Durniok seine Leute zurückgerufen?“ Zeuge:„Ja.“ " Der nächste Zeuge, Oberlandjäger Ramel, gibt an:„Auf dem Ringe kanten über 100 Leute der Eisernen Front mir entgegen. Ich benachrichtigte meine Beamten und hörte, die Roten(!!!) hätten den Bahnhof besetzt. In der Oderstraße habe eine Schießerei stattgefunden. Ich begab mich nach der Oderstraße und sah die Nationalsozialisten auf die Oderbrücke zumarschieren. Ich gab ihnen den Rat, in Peisterwitz sollten sie von den Autos absteigen und durchmarschieren, weil die Gefahr bestand, daß die dort wohnenden Kommunisten sie anfallen könnten. Ich fuhr mit den Beamten zurück zum Ring. w. Berlin, 17. August.(Drahtbericht.) Wie das BDZ.=Büro meldet, stellt sich der wesentliche Inhalt der Erwiderung der preußischen Staatsminister auf die Klagebeantwortung der Reichsregierung zu dem Rechtsstreit über die Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen wie folgt dar: Die Erwiderung, die bekanntlich dem Staatsgerichtshof bereits zugegangen ist, ist vom stellvertretenden preußischen Ministerpräsidenten, Staatsminister Dr. Hirtsiefer, im Namen der übtigen Staatsminister unterzeichnet. Sie schildert zunächst eingehend die Vorgänge am 20. Juli und an den folgenden Tagen. Die mitgeteilten Tatsachen ergaben nach Auffassung der preußischen Statsminister, daß die Reichskommissare sämtliche Befugnisse der Staatsminister in Anspruch genommen hätten, und zwar auch die verfassungsrechtlich allein den Ministern vorbehaltenen Funktionen. Sodann werden im Einzelnen die Vorwürfe der Pflichtverletzung zurückgewiesen, die die Reichsregierung gegen Preußen erhoben habe. Darüber hinaus werde festgestellt, daß sämtliche Vorwürfe erst nach Erlaß der Verordnung des Reichspräsidenten dem Minister mitgeteilt seien, und daß einige sogar erst am 3. August nachträglich zur Begründung der Verordnung herangezogen wären. Sodann folgten die rechtlichen Ausführungen. Da die Reichsregierung ihr Vorgehen sowohl auf Artikel 48 Abs. 1(Exekutive wegen Verletzung der Landespflichten gegenüber dem Reich) wie auf Abs. 2(Maßnahmen zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung) gestützt habe, werde festgestellt, daß in Preußen die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung keineswegs gefährdet gewesen sei, daß daher Vorschriften auf Grund des Artikel 48 Abs. 2 überhaupt nicht hätten erlassen werden können, daß außerdem Artikel 48 Abf. 2 niemals die Einsetzung eines Reichskommissars mit so weitgehenden Befugnissen rechtfertigen könne. Insbeson. dere dürfe der Reichspräsident auf Grund dieser Vorschrift keine Landesregierung und keine Mitglieder der Landesregierung im Sinne der Artikel 17 und 53 der Reichsverfassung bestellen; auch dürfe er nicht, entgegen Artikel 129 der Reichsverfassung, in wohlerworbene Rechte der Beamten eingreifen. Aber auch Artikel 48 Abs. 1 sei nicht anwendbar. Eine Pflichtverletzung des Landes Preußens sei nicht nachgewiesen. Die Reichsregierung habe in ihrer Klagebeantwortung zunächst das Verhalten einiger Beamten bemängelt. Diese Bemängelungen gingen jedoch, wie ausführlich dargelegt werde, von unrichtigen Voraussetzungen aus. Die Reichsregierung habe ferner behauptet, daß das preußische Ministerium des Innern nicht mit der genügenden Energie gegen die Kommunisten vorgegangen sei. Auch gegen diesen Vorwurf wendet sich die Erwiderung an Hand eingehenden Materials. Außerdem sei das Vorgehen des Reiches schon formal zu beanstanden. Denn Voraussetzung einer jeden Exekution auf Grund des Artikels 48 Abs. 1 sei, wie das auch 1923 gegenüber dem Lande Sachsen der Fall gewesen eine vorherige Mitteilung an die Landesregierung, in welchen Vorkommnissen eine Pflichtverletzung gefunden werde. Erst wenn die Landesregierung trotzdem keine Abhilfe schaffte, sei die Reichsexekution zulässig. Die Reichsregierung habe jedoch der preußischen Staatsregierung vor der Absetzung des Ministerpräsidenten Braun und des Staatsministers Severing keinerlei Mitteilung über Pflichtverletzungen des Landes Preußen zukommen lassen oder sie um Abhilfe ersucht. Der Erklärung liegt ein umsangreiches Anlageheft bei. Es enthalte u. a. Auszüge aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung über die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, ferner Material über die Haltung der preußischen Staatsregierung gegenüber den Kommunisten und Material über die Aenderung der Geschäftsordnung im Preußischen Landtag. Aus einer Niederschrift über das Gespräch des Staatssekretärs Dr. Abegg mit zwei kommunistischen Abgeordneten ergebe sich, daß Dr. Abegg mit 2 kommunistischen Abgeordneten ergebe sich, daß Dr. Abegg von diesen mit Nachdruck die Einstellung aller Terrorakte der Kommunisten gefordert habe, daß er also keineswegs, wie der Herr Reichskanzler in seiner Rundsunkrede vom 20. Juli erwähnte,„seine Hand dazu geboten hat, Führern der Kommunistischen Partei die Verschleierung illegaler Terrorabsichten zu ermöglichen.“ Die Erklärung der Staatsminister lege in ihrer Gesamtheit dar, daß alle Vorwürfe gegen Preußen auf unrichtigen Informationen der Reichsregierung beruhten, die bei vorheriger Erörterung ohne Schwierigkeiten hätten wiederlegt werden können. Die Antwort der Fraktionen im Vertallungsltreit mit dem Reiche V23. Berlin, 17. Aug. Drahtmeldung.) Zugleich mit den früheren preußischen Staatsministern hatten auch die sozialdemokratische und die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich Einspruch erhoben wegen der Einsetzung des Reichskommissars. Die Reichsregierung hat in ihrer Erwiderungsschrift dargetan, daß diese Fraktionen nicht legitimiert seien, sich der Klage der bisherigen Staatsminister anzuschließen. Auf die Streitschrift des Reiches haben jetzt die Fraktionen ihre Antwort dem Staatsgerichtshof überreicht. Die Antwort schließt sich zunächst den Ausführungen des Preußischen Staatsministeriums an, dessen Inhalt wir bereits meldeten. Zur Frage der Aktivlegitimation der Fraktionen bemerken die Fraktionen u. a., daß in dem vorliegenden Streit zwischen dem Reich und einem Lande im Sinne des Artikels 19 der Reichsverfassung neben der Staatsregierung auch der Landtag als zuständiges Organ zur Vertretung des Landes legitimiert sei. Gehe man davon aus, daß der Landtag und damit die Fraktionen als Teil des Landtages zur Mitwirkung an der staatlichen Willensbildung berufen seien, so werde man die Sachlegitimation der Fraktionen auch im vorliegenden Falle anerkennen müssen, um so mehr, als auch der Antraggegner, das Reich, wiederholt an Stelle des Landes mit Landtagsorganen, nämlich den Präsidenten des Preußischen Landtages unmittelbar Verhandlungen für das STADTTEIL GELSENKIRCHEN Donnerstag, den 18. August 1932. Die„Rote Erde“ licht Gelpeniter! Eine überflüssige Beschwerde an die Polizei. In Nummer 178 der„Roten Erde“ faselt man von einem 14tägigen Bürgerkrie'g in Ueckendorf und sucht in einer durch nichts begründeten Beschwerde die Polizei zu veranlassen, funf friedliche Bürger zu verhaften. Es handelt sich hier um folgende Personen: Chr. Rauschenberg, Karl Krug. Herm. Jurek, Josef Reißenberg und Gustan Ritter. Da das Blatt nun diesen Personen nichts Positives nachsagen kann, nennt sie diese die geistigen Urheber folgender Vorkommnisse: Der Nazimann Hiby soll, als er mit seiner Frau ahnungslos im Fenster lag, überfallen und beinahe mit einem eisengesüllten Gummischlauch geschlagen worden sein.— In Wirklichkeit lagen die Dinge so, daß Hiby die Personen, die hier in Frage kommen, schon am Tage vor der Wahl auf Montag nachmittag bestellt hatte, um mit ihnen zu diskutieren. Da sich nun durch die Wahl die Tore des Dritten Reiches nicht öffneten, wurde Hiby sehr beleidigend und provozierend und sagte u. a.:„Wenn ihr was wollt, so kommt he'rein!" Der Gummischlauch war ein gewöhnlicher Wasserschlauch und nicht mit Eisen gefüllt. Würde Hiby, anstatt jeden mit„Heil Hitler!“ anzubrüllen, sich um die Erziehung seiner Kinder kümmern, er täte best mmt besser daran: erzählt doch sein 12jähriger Sohn, daß„den Roten alle die Hälse abgeschnitten oder sie an den Laternen aufgehängt verden würden". In einem anderen Falle soll der Invalide Grothe den Nazi Brinkmann, der friedlich im Garten arbeitete, beschimpft haben. Daß aber Brinkmann zu einem Manne namens Schwinawski vorher gesagt hatte, er würde mit Grothe mal tbrechnen, davon steht in der„Roten Erde“ nichts. In der Laube von Bovensiepen sollen bis zum Morgen 15 Mann versammelt gewesen sein, u. a. auch einige der„Hauptleute". Die Hitze muß furchtbar auf das Gehirn des Artikelschreibers der„Roten Erde“ eingewirkt haben, wenn er bei Bovensieven eine Laube sieht, obwohl dort noch nie eine Laube vorhanden war. In der Laube des Bergmanns Brennecke wird der Schreiber noch recht oft, wenn die Abende schön sind, eine Anzahl zemütlicher Leute vorfinden, die sich dort, auch ohne Genehmizung der Nazis, unterhalten. Das ist der ganze 14tägige Bürgerkrieg in Ueckendorf. Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant! Das sollte sich der Artikelschreiber recht dick hinter die Ohren schreiben, doch hoffen wir, daß die Polizei derartigen Angebereien keine Beachtung schenkt. Nun soll es in den letzten Tagen ebenfalls zu Ruhestörungen gekommen sein. Was war damit? Am 14. August 22 Uhr zog der SA.=Mann Wischert mit einigen Pg. singend durch die Grollmannstraße. Es wurde gegröhlt:„Die Straße frei für braune Bataillone, SA. marschiert in ruhig festem Schritt.“ Denselben Unsug trieb der SA.-Mann Lubnau in der Almastraße, aber darüber schweigt man in der Nazizeitung, nur wenn die Gegner singen, dann macht man aus der Mücke einen Elefanten und ruft nach der Polizei.— Brandbomben und Handgranaten werden in Ueckendorf nicht geworfen, und Meuchelmorde, wie sie in Ostpreußen und Schlesien von Nazibanditen ausgeführt werden, sind von den Gegnern der Nazis in Ueckendorf nicht zu befürchten. Es wird deshalb der Bericht vom Kriegsschauplatz Ueckendorf in der„Roten Erde“ immer mager bleiben. Zum Schluß noch folgendes: Wir brachten am 9. August einen Artikel, betitelt:„Die „Rote Erde“ und der Bürgerkrieg in Ueckendorf“, in dem ganz objektiv die Vorkommnisse am 31. Juli geschildert wurden. Darob großer Zorn im Nazilager, und man droht dem Artikelschreiber mit dem Kadi, weil er einige SA.=Männer verunglimpft habe. „Na wat denn, wat denn, wat ist denn los?" So würde der Berliner sagen. Warum mit einem Mal so empfindlich? Ferner behauptet der Artikelschreiber der„Roten Erde“, sie hätten die Fahne von Jurek nicht stehlen wollen. Der Verehrer der Tochter des W. Brinkmann aber sagte:„Hätte Jurek die Fahne des Nachts nicht hereingeholt, so hätten wir sie schon lange.“— Ein Trost ist den Nazis geblieben, sie wollen warten, bis die roten Fahnen amtlicherseits heruntergeholt werden. Hoffentlich wir ihnen dabei nicht die Zeit zu lang. Vom Itädtilchen Fürlorgeamt Ende dieser Woche wird der Umzug der verschiedenen Abteilungen des Städtischen Fürsorgeamtes beendet sein. Die Ab**** teitung für Wohlsahliserweibslose besindet sich dann im Ber waltungsgebäude Wildenbruchstraße 11=13. Hier ist folgende Raumverteilung vorgenommen worden: Im dritten Obergeschoß, Zimmer 21 bis 23, befindet sich die Kreisstelle 7, umfassend die Buchstaben E, H, G. I, J. Im zweiten Obergeschoß. Zimmer 11 bis 14, befindet sich die Kreisstelle 7a, umfassend die Buchstaben B. D. F. sowie die Kreisstelle 9a(Zimmer 16 bis 18), Buchstaben Sch, U, V, W. X. 9, Z. Die Kreisstelle 8, umfassend die Buchstaben K und L, befindet sich im Erdgeschoß, Zimmer 1 und 2, und im Obergeschoß des Hintergebäudes, Zimmer 24. Im ersten Obergeschoß, Zimmer 8 bis 10, sind die Räume der Kreisstelle 8a, umfassend die Buchstaben P, M und R. Ferner befindet sich hier in den Räumen 3 bis 6 die Kreisstelle 9, umfassend die Buchstaben A, C, N, O. O, S, St und T. Im ersten Obergeschoß des Hintergebäudes, Zimmer 25 bis 28, befindet sich die Sichtungsstelle(Arbeitsfürsorge, Abrechnung, Fürsorgearbeiter, Pflichtarbeiter). Die Angelegenheiten der auswärtigen Fürsorgeverbände werden im dritten Obergeschoß, Zimmer 20, bearbeitet. Die Büroräume der allgemeinen Fürsorge befinden sich zum Teil Ahstraße 17 und Dickampstraße 2(früher Hiberniastraße). Ahstraße 17, Eingang 1(Zimmer 1 bis 4) werden die Buchstaben A. B. C, E, I, I, K. P, S, Sch, U und V bearbeitet, Eingang 2(Zimmer 5 bis 7 und 10 bis 13) die Buchstaben H, M. N. O., R. W. X und 9. Alle anderen Diensträume der allgemeinen Fürsorge befinden sich Dickampstraße 2. Zimmer 4 bis 6 und 14 bis 16 werden die Angelegenheiten der Buchstaben D, F. G, L. O, St, T und Z bearbeitet. Außerdem befinden sich hier der Ermittlungsdienst, die Anstaltsabteilung und die Kriegsopferabteilung. Der deutsche Arbeiter am höchsten besteuert Die schreiende Ungerechtigkeit des deutschen Steuersystems, das den Besitz schont und die kleinen Einkommen der Arbeiter, insbesondere auch der mit großer Familie, weit über ihre Steuerkraft hinaus belastet, geht aus einer jüngst veröffentlichten Untersuchung des Statistischen Reichsamts mit aller Deutlichkeit hervor. Diese Veröffentlichung hatte einen Vergleich der Steuerbelastung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zur Aufgabe und bewies, daß diese in Deutschland sowohl unter Berücksichtigung des Volkseinkommens wie der einzeinen steuerpflichtigen Berufsgruppen erheblich höher ist als in Frankreich oder in England. Die Veröffentlichung zeigt aber gleichzeitig die gewaltige steuerliche Belastung der deutschen Arbeitnehmer, die in den unteren und mittleren Einkommensstufen steuerlich viel ungünstiger gestellt sind, wie ihre französischen und englischen Arbeitskollegen. Ohne die Belastung des Arbeiterhaushalts mit Zöllen, auf die sich die Untersuchung nicht erstreckt, zu berücksichtigen, beträgt die jährliche Steuer= und Soziallast eines ledigen deutschen Arbeiters mit einem Einkommen von 1500 RM. 23,67 v. H., die eines Angestellten 23,40 v H. seines Einkommens, d. h. muß der am niedrigsten bezahlte deutsche Arbeiter fast ein Viertel seines Einkommens in Form von Steuern und Sozialbeiträgen abliefern. Ein verheirateter Arbeiter mit zwei Kindern ist in dieser niedrigsten Einkommenstufe mit 21,34 und 21,07 v. H. seines Einkommens belastet. In Frankreich beträgt dagegen in dieser Einkommenstufe die Steuerlast des Arbeiters 8.02 und des verheirateten Arbeiters 9.90 v. H., in Großbritannien 10,06 und 12.48 v. H. Fast dieselbe prozentuale Steuerbelastung ergibt sich für den deutschen Arbeiter mit einem Einkommen von 2000 RM., 2500 und 3000 RM. Die ledigen deutschen Arbeiter dieser Einkommensstusen müssen fast 23 v. H. ihres Einkommens für Steuern und Sozialbeiträge ausgeben, die Angestellten durchschnittlich noch um 1 v. H. mehr. Der verheiratete Arbeiter mit zwei Kindern ist in diesen Einkommenstufen zwischen 2= bis 3000 RM. mit 19—20,5 v. H., der Angestellte mit 20—21,5 v. H. seines Einkommens belastet. Demgegenüber beträgt in diesen Einkomenstufen die Steuerbelastung sowohl des französischen wie des englischen Arbeiters von 8—8.5 v. H., der verheirateten Arbeiter in Frankreich und England 7—10 v. H. Bei einem Einkommen von 4000 RM. beträgt die deutsche Steuerbelastung eines Angestellten mit einem Gehalt von 10000 RM. 17.5 v. mit 20000 RM. 22,8 v. H., d. b. prozentual geringer als die Lohn= und Gehaltsempfänger in den niedrigen Einkommenstufen. Die Belastung des deutschen Arbeiters stellt sich zusammen aus der Besteuerung der Löhne und Gehälter durch Einkommen= und Ertragsteuern, durch Beiträge für Sozialversicherung und durch Abgaben von Verbrauch und Aufwand. Was die Besteuerung der Löhne und Gehälter anbelangt, so bleiben in Großbritannien und Frankreich die kleineren und mittleren Einkommen bis zu 5000 RM. entweder völlig steuerfrei oder aber sie werden in nennenswertem Umfang nicht besteuert. Die steuerfreie Grenze, die in Deutschland 720 RM. bei der Einzelperson, 1200 RM. bei Verheirateten mit Kindern beträgt, beläuft sich in Frankreich auf 2241 und 4257 RM., in Großbritannien auf 2396 und 5750 RM. Im Deutschen Reich setzt die Besteuerung, wie es in der Veröffentlichung hervorgehoben wird,„unter Berücksichtigung der Bürgersteuer bei den kleineren und mittleren Einkommen am frühesten und am schwersten ein". Die Sozialbeiträge sind in Deutschland ebenfalls wesentlich, drei= bis viermal höher als in England und Frankreich. Auch hier ist die Staffelung ungerecht. Je niedriger das Einkommen, desto höher der Sozialbeitrag. Mit einem Einkommen von 1500 RM. muß der Arbeiter 13,04 v. H., der Angestellte 12,77 v. H. seines Einkommens für Sozialbeiträge abführen. Bei 2000 RM. Einkommen beträgt der Satz nur 11,59 und bei den Angestellten 1259 v. H., bei 2500 RM., 10,72 und 11,52 v. H., bei 3000 RM. 10,14 und 10,81 v. H., bei 4000 RM. 7,83 und 5,33 v. H. Diese starke Sozialbelastung ist im Augenblick viel drückender als zuvol. So lange noch der Arbeiter von der Sozialverversicherung einen ausreichenden Entgelt für seine Beträge erhielt oder aber solche zu erwarten hatte, konnte die in Deutschland gegenüber dem Ausland viel höhere Sozialbelastung im Hinblick auf die erheblich größeren Leistungen der Sozialversicherung hingenommen werden. Zur Zeit jedoch, wo die Leistungen der Sozialversicherung auf allen Gebieten stark herabgemindert werden, erscheinen die hohen Sozialbeiträge als eine sehr drückende Belastung der deutschen Arbeiter. Verkehrsunfallitatiltik im Prälidialbezirk Recklinghaulen für den Monat Juli Gewaltige Zunahme der Verkehrsunfälle. Im Polizeiprädialbezirk haben sich im Monat Juli 1932 im ganzen 206 Verkehrsunfälle ereignet. Mithin sind gegenüber dem Vormonat 45 Verkehrsunfälle mehr zu verzeichnen. Dieses ist vor allem auf den gesteigerten Verkehr während der Sommerzeit zurückzuführen. Davon entfallen auf Recklinghausen 41, auf Gelsenkirchen 95, auf Gladbeck 18, auf Bottrop 25, auf Westerholt 5, auf Herten 7, auf Marl 5, auf Datteln 3, auf Erkenschwick 5 und auf Waltrop und Henrichenburg je 1. Die Zahl der getöteten Personen— im Juli sind 5 Personen getötet worden— hat sich gegenüber dem Vormonat um 3 vermindert; dagegen hat sich die Zahl der Verletzten um 22 vermehrt. Die Zunahme der Unfälle liegt in erster Linie auf Seiten der Personenkraftwagen, Lastkraftwagen, Krafträder und Fahrräder In diesem Monat haben sich traurigerweise wieder 11 Kraftfahrer und 4 Radfahrer ihrer Verantwortung für den Unfall durch die Flucht entzogen. An alle Wegebenutzer ergeht die dringende Mahnung, die Verkehrsvorschriften genau zu beachten, damit sich die Zahl der Verkehrsunfälle bedeutend verringert. Die Steuerung versagte. Dienstag nachmittag kam es an der Ecke Glückaufstraße und Leithestraße zu einem Verkehrsunfall, der nicht ohne Folgen verlief. Der Dreiradfahrer Heinrich Krämer, der mit seinem Kraftrad aus der Leithestraße in die Glückaufstraße einbiegen wollte, fuhr in dem Augenblick, da er die Linkskurve nehmen wollte, infolge Versagens der Steuerung gegen die Mauer. Der Kraft-ho.r bamühts fich soin Bahrzona nach rechtzeitig zum Stehen zu bringen, was ihm trotz seiner Bemühungen nicht gelang. Infolge des starken Anpralls gegen die Mauer wurde die Windschutzscheibe des Dreirades zertrümmert, da der Fahrer mit dem Kopf gegen die Scheibe geschleudert worden war. Erhebliche Schnittverletzungen im Gesicht und an den Händen sowie erhebliche Hautabschürfungen waren die Folgen dieses Unfalls. Nachdem der Verletzte verbunden und der Schaden an dem Rollfix an Ort und Stelle behoben war, konnte der Kraftfahrer seine Fahrt in die Garage antreten. Straßenpassanten sind bei diesem Unfall nicht zu Schaden gekommen. Preußisch=Süddeutsche Klassenlotterie 5. Klasse(Hauptziehung). 6. Ziehungstag. In die Lotterie=Einnahmen von Gelsenkirchen fielen folgende Gewinne zu 250 RM.(Einsatzgewinn): 21 479 21 500 21 527 21 532 34 503 34547 37947 37983 62647 62712 63 403 63 4120 63 427 63412 114 240 114 282 114 336 114 351 164 222 169 589 188 809 188 814 205 770 234 367 240 293 341 801 348 200. Die höheren Treffer werden den Spielern durch verschlossenen Brief mitgeteilt. Die Ziehung dauert ununterbrochen 30 Tage bis zum 12. September. Für gezogene Nummern sind Ersatzlose bei den Lotterieeinnehmern noch zu haben. Hohe und höchste Gewinne sind noch im Rade. Am letzten Ziehungstage gelangen die beiden Hauptprämien von je 500000 RM. zur Ausspielung, ebenso dieses Mal als neue Planverbesserung die 100 Schlußpremien je 3000 RM. Städtiiche Theater- und Konzertveranitaltungen 1932•33 Der Spielplan für die nächstwinterlichen Veranstaltungen steht nunmehr soweit fest. Das Stadttheater Bochum gibt in der Stadthalle Gelsenkirchen zwölf Gastspiele(acht Schauspiele, vier Opern) in einer Vormiete. Die bisherigen beiden Vormfietegruppen blau und weiß werden zusammengelegt. Spieltag: Donnerstag. Beginn: 20 Uhr. Der Spielplan nennt an Schauspielen: Grillparzer„Weh dem, der lügt", Shakespeare „Was ihr wollt“, Hauptmann„Vor Sonnenuntergang“, Björnson„Ein Fallissement", Ibsen„Brand“, Strindberg„Totentanz“, v. d. Goltz„Vater und Sohn“, Hasenclever„Christoph Columbus“, Kaiser„Schwanengesang“, Zuckmayer„Eduard 7.“ Opern:„Mascagni„Cavalleria rusticana“, Leoncavallo„Die Bajazzi“, Verdi„Traviata",„Rigoletto", Lortzing„Der Waffenschmied", Adam„Der Postillon von Lonjumeau", Kienzl„Der Kuhreigen"; serner die Operette„Casanova“ von Straus. In der Schauburg Buer werden das Rheinische Städtebundtheater und das Operettentheater(Direktion Bachenheimer) je fünf Vorstellungen geben. Die zehn Gastspiele werden in einer Vormiete gegeben. Spieltag: Donnerstag. Beginn: 20 Uhr. Der Spielplan nennt an Schauspielen: Hebbel„Nibelungen", Shakespeare„Wie es euch gefällt", Molnar„Liliom“, Schäfer „Der 18. Oktober“, Frank„Nina“, Schönthan„Der Raub der Sabinerinnen“. Opern: Lortzing„Zar und Zimmermann", Flotow„Martha", Bizet„Carmen". Operetten: Zeller Vogelhändler“, Suppé„Boccaccio". An Konzerten, die sämtlich von Musikdirektor Paul Belker dirigiert werden, sind vorgesehen: Im Hans=Sachs=Haus: 4 Sinsoniekonzerte des Städtischen Orchesters Bochum, 2 Konzerte der Städtischen Musikvereine Gelsenkirchen und Buer, 3 Konzerte des Gelsenkirchener Kammerorchesters, 3 Konzerte des Gelsenkirchener Kammerchors; in der Aula des Realgymnasiums Gelsenkirchen: 4 kammermusikalische Morgenfeiern des Westdeutschen Trios. Zu allen Konzerten sind ausgezeichnete Solisten verpflichtet. Das reichhaltige Programm wird demnächst durch die Presse bekanntgegeben. Die 16 Konzerte sind in einer Vormiete erhältlich, es können jedoch auch Vormietekarten für nur 12 Konzerte im Hans=Sachs=Haus oder für nur 4 kammermusikalische Morgenfeiern im Realgymnasium erworben werden. Die Vormietepreise sind sehr mäßig und gegen das Vorjahr herabgesetzt. Der Vormietekartenverkauf beginnt am 12. September. Alles Nähere hierüber berichtet die Presse in ungefähr acht Tagen. In der Schauburg Buer werden außer Vormiete noch einige Theatergastspiele im Rahmen der städtischen Veranstaltungen gegeben. In Aussicht genommen sind die beiden Lustspiele„Die spanische Fliege" und„Wetter veränderlich“, ferner die Operetten„Der Obersteiger",„Der Zarewitsch",„Die Rose von Stambul". Die Abonnenten der Veranstaliungen in Buer erhalten zu diesen Vorstellungen Karten zum Vormietepreise. Alsdann findet in der Schauburg Buer noch ein Musikvereinskonzert außer Vormiete statt, und zwar am Donnerstag, dem 20. Oktober. Zum Vortrag kommen: Das„Schicksalslied“ von Johannes Brahms und„Eines Menschen Lied“ von Otto Siegl. Wetterbericht Vorhersage für Donnerstaa: Nur im Münsterland vorübergehend stärker wolkig, später wieder allgemein aufheiternd und erneuter Temperaturanstieg. Schwache, südwestliche Winde. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Beständiges Sommerwetter. „Kampf dem Krebs“ In Ellen Das Deutsche Hygiene=Museum in Dresden wird in der Zeit vom 10. September bis 2. Oktober, erforderlichenfalls auch noch länger, in den Essener Ausstellungshallen eine Ausstellung „Kampf dem Krebs“ veranstalten. Das Deutsche Hygiene=Museum sieht bekanntlich seine Ausgabe darin, durch Wanderausstellungen die Oeffentlichkeit über wichtige Krankheiten aufzuklären. Die Stadt Essen als bekannte Ausstellungsstadt hat schon früher Wanderausstellungen des Hygienemuseums beberbergt. Die letzte war die Ausstellung„Der Mensch“, die in Essen die größte Zahl von Besuchern aufzuweisen gehabt hat. Die Ausstellung„Kampf dem Krebs“ hat in den Städten, in denen sie bisher gezeigt wurde, großen Anklang gesunden. Die Erkenntnis über die Bedeutung des Kampfes gegen den Krebs hat immer weitere Kreise ergriffen. In erster Linie werden selbstverständlich die Träger der Sozialversicherungen ein Interesse an der Förderung der Ausstellung haben. In einer Pressebesprechung, die vor einigen Tagen stattfand, gaben als Vertreter der Stadtverwaltung die Herren Beigeordneten Dr. Meurer und Dr. Fischer Auskunft über Zweck und Aufgaben der Ausstellung. Herr Beigeordneter Dr. Meurer berichtete insbesondere über die Vorgeschichte der Ausstellung., Beigeordneter Stadtmedizinalrat Dr. Fischer ging noch auf Umfang und Bedeutung der Krebskrankheiten ein. Aufklärung über den Krebe tate not. Indes sei es vollkommen verfehlt, wenn die Bevölkerung nun von einer Angstpsychose ergrifsen würde. Herr Dr. Heßberg vom„Haus der ärztlichen Fortbildung“ ergänzte noch die Ausführungen. Das Eintrittsgeld soll 50 Pfg. betragen. Bei Besuch der Ausstellung durch Vereine usw. kann eine Ermäßigung bis auf 30 Pfg. erfolgen. Unkalt-Chronik Zu einem Verkehrsunsall kam es Montag abend gegen 24 Uhr an der Ecke Vohwinkel= und Hohenzollernstraße in unmittelbarer Nähe der Vereinigten Stahlwerke. Der 30 Jahre alte Radfahrer Friedrich Meier, der mit seinem Rade die abschüssige Vohwinkelstraße aus der Richtung Bahnhof herunterkam und nach Ueckendorf wollte, fuhr in dem Augenblick, da er die Kurve nahm, einem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Personenwagen in die Flanke. Dem Kraftfahrer gelang es, im letzten Augenblick seinen Wagen auf der Stelle zum Halten zu bringen, wodurch ein viel größeres Unglück verhindert werden konnte. Der Radler, der mit voller Wucht gegen den Wagen gefahren war, flog mit großer Wucht auf das Straßenpflaster, wo er mit Verletzungen am Kopf, an den Händen und Beinen liegen blieb. Die Insassen des Personenautos bemühten sich um den Verletzten und sorgten für entsprechende Hilfe. Die Straßenkreuzung Kirch= und Bismarckstraße war schon oft der Schauplatz von Verkehrsunfällen aller Art. Inwieweit Unvorsichtigkeit zu Unfällen führen kann, beweist wieder einmal der Unfall, der sich am Dienstagmorgen an der benannten Kreuzung zugetragen hat. Der jugendliche Radfahrer Adolf Geber, der mit seinem Rade in flottem Tempo aus der Richtung Bulmke die Kirchstraße herunterkam und in unvermindertem Tempo die Straßenkreuzung durchfahren wollte, stieß in dem Augenblick, als er die benannte Ecke erreicht hatte, mit dem aus der Richtung Wildenbruchstraße kommenden Dreiradfahrer Karl Seidel zusammen. Obwohl der Rollfixfahrer sein Fahrzeug noch im letzten Moment auf die Seite riß, war dieser nicht in der Lage, den Unfall zu verhindern, da ihm der leichtsinnige Radler, der die nötige Vorsicht an einer Kreuzung außer acht gelassen I.—•* ** Li#ert71. die Flanke gefahren war und mit großer Wucht liegt auf der rechten Seite, wahrend auf der kinken Seite eine Einfahrt eingebaut wird. Wahrend die Wohnräume im Erdgeschoß liegen, sind die Schlafraume im Obergeschoß, die mit Terrasse, Diele, Balkon und sonstigen Raumen erganzt werden. Infolge des abfallenden Geländes muß der Garten terrassenortig angelegt werden, der im Sommer die Ergänzung zu dem Wohnhaus bilden soll. Der offenen Bauweise wegen wird von außen ein freistehendes Wohnhaus in die Erscheinung treten. Grüßt jeden der die drei Pfeile trägt mit dem Gruß von allen Freiheitsfreunden! Grüßt ihn mit dem Zeichen der erhobenen Faust, grüßt ihn mit dem Kampfruf Freiheit! auf die Straße geschleudert wurde. Während der Kraftfahrer unverletzt blieb, erlitt der junge Radfahrer stark blutende Verletzungen, so daß er sich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Schuldfrage muß noch geklärt werden Dienstag vormittag wurde auf der Rheinelbestraße die 5 Jahre alte Hilde Uhland von einem Motorrad angefahren und verletzt. Das Kind, das mit anderen Kindern auf dem Bürgersteig beim Ballspiel war, achtete, als ihm der Ball auf den Fahrdamm gerollt war, nicht auf den herankommenden Kraftfahrer, dem das Kind, als es hinter seinem Ball herlief, direkt vor das Rad gelaufen war. Infolge der kurzen Entfernung war der Motorradfahrer nicht in der Lage, den Unfall zu verhindern. Das Mädchen erlitt Verletzungen an der Stirn und am linken Ellenbogen. Außerdem hatte es noch erhebliche Hautabschürfungen davongetragen. Auch der Kraftfahrer kam infolge des starken Bremsens zu Fall, doch waren seine Verletzungen leichterer Art. Das verletzte Kind wurde von dem leicht verletzten Kraftfahrer in die elterliche Wohnung getragen. Dienstag vormittag verbrühte sich in ihrer Waschküche die Ehefrau Herta Krüger so schwer mit heißem Wasser, daß sie sojort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die Frau, die mit dem Reinigen von Wäsche beschäftigt war, wollte einen Eimer, der mit kochendem Wasser angefüllt war, vom Ofen beruntersetzen, wodurch sich der Bügel des Eimers auf der einen Seite löste und das Wasser sich über die Beine der bedauernswerten Frau ergoß. Die Frau, die vor Schmerzen zusammengebrochen war, wurde von ihrem Mann in die Wohnung getragen. Für entsprechende Hilfe wurde schnellstens Sorge getragen. In den ersten Nachmittagsstunden des Dienstags fiel in einem unbewachten Augenblick das 3 Jahre alte Söhnchen der Familie Gustav Weber aus der zweiten Etage die Treppe binunter und brach sich hierbei den linken Arm. Der Knabe wurde sofort einem Arzt zugeführt. Auf einem Hofe in der Bismarckstraße erwischte ein kleiner Knabe im Alter von 5 Jahren ein Beil und machte sich mit diesem zu schaffen. Da der Knabe vorher einem alten Manne beim Holzhacken zugesehen hatte, versuchte auch er mit dem Beil ein Holzstück zu spalten, wobei er sich jedoch in den rechten Fuß hackte. Ein junger Mann, der auf der Hoftreppe gesessen hatte, eilte hinzu und schaffte den blutüberströmten Jungen, der vor Schmerzen ein heilloses Geschrei erschallen ließ, in die elterliche Wohnung. Nach Anlegung eines Notverbandes mußte das Kind sofort einem Arzt zugeführt werden. Durch die Wucht des Schlages hatte sich der Knabe eine 6 Zentimeter lange und fast 3 Zentimeter tiese Wunde beigebracht. Bebauung der Wittekindltraße — An der vor einigen Jahren durchgebauten Wittekindstraße, in unmittelbarer Nahe des Gelsenkirchener Stadtgartens, wird in den nächsten Tagen mit der Errichtung eines Neubaues begonnen, so daß es hier für längere Zeit wieder neue Arbeit für Handwerker gibt, die bei der Errichtung eines Gebäudes gebraucht werden. Bei dem zu errichtenden Gebäude handelt es sich um ein Einfamilienhaus für den Fabrikanten Karl Heitger. Der Neubau wird nach dem Entwurf sowie unter der Leitung des Gelsenkirchener Architekten Ludwig Schäfer gebaut. Die Baustelle liegt an der Seite des Bahndammes der Eisenbahn= strecke Gelsenkirchen—Schalke=Süd, mit etwa 30 Meter Abstand von dem bebauten Eckgrundstuck, und ist 20 Meter breit mit einem Vorgarten von 5 Meter Breite. Der Eingang des Hauses STADTTEIL BUER Die„18 Millionen“ für Bismarc „Saure Gurken“ fliegen durch Erle. Ortsteil Buer=Erle wird seit einigen Tagen von„Leuten, die es unbedingt wissen müssen“, ein geradezu phantastisches Gerücht verbreitet, das jeglicher tatsächlichen Grundlage entbehrt. Es wird durch dieses Gerücht behauptet, daß auf einer der Schachtanlagen Bismarck ein neues riesiges Flöz angeschlagen worden sei, das unverzüglich ausgefahren werden solle. Dazu und zum„allermodernsten“ Ausbau ihrer Schachtanlagen habe die Deutsche Erdöl=AG. von bestimmter Seite einen Betrag von 18 Millionen RM. zur Verfügung gestellt bekommen, dessen Verwendung die Einstellung von rund 5000 Belegschaftsmitgliedern ermögliche. Unser Mitarbeiter hat sich bezüglich dieses Gerüchtes unverzüglich mit der Leitung der Bismarck=Schachtanlagen in Verbindung gesetzt und dort erfahren, daß das genannte Gerücht jeglicher Begründung bar ist. Sämtliche Flöze der Bismarck-Grubenfelder seien bekannt; ein neues Flöz sei nicht gefunden worden. Von der Zurverfügungstellung eines Betrages von 18 Millionen um. sei gleichaus wahr; wohl sei es Tatsache, daß auf der Schachtanlage 7/8 in der Resser Mark in diesem Jahre noch die große Waschkaue gebaut werden solle, ein Projekt, für das allerdings schon vor mehreren Jahren durch die Deutsche Erdöl=AG. der Betrag von etwa 750 000 RM. zur Verfügung gestellt worden sei. Und was im besonderen die Neueinstellung von Belegschaftsmitgliedern angehe, so könnten sich auch die Schachtanlagen Bismarck nur nach den bestehenden Förderanteilbestimmungen des Ruhrkohlensyndikats richten, d. h. also, daß sich eine eventuelle Zunahme der Belegschaft nur nach einer etwa aussteigenden Konjunktur richten könne. Im Zusammenhang hiermit kann noch mitgeteilt werden, daß im Laufe der letzten Zeit auf den Bismarck=Schachtanlagen in geringfügigem Umfange einzelne Einstellungen erfolgt sind, und zwar auch nur in Fällen, wo die Direktion eine solche Einstellung nach genauer Prüsung der wirtschaftlichen Verhältnisse der in Frage kommenden kinderreichen Familienväter für ein dringendes soziales Ersordernis hielt. Drei Monate Gelängnis für einen Schreckichuß Der Maurer Fl. aus Buer gehörte bislang zu Ddenjenigen Leuten, die sich beim besten Willen nicht dazu verstehen konnten, die fortlaufend veröffentlichten Bestimmungen über Wafsenträgen und Waffenbesitz zu beachten. Seit der Besatzungszeit besaß er einen Trommelrevolver mit entsprechender Munition. Ihn störten weder die öffentlichen Aufforderungen zur Anmeldung von Wassen noch beschaffte er sich einen Wassenschein. Und an einem Maiabend d. J. machte er von seiner Schußwasse sogar in aller Oeffentlichkeit Gebrauch. In einer Wirtschaft an der Sedanstraße in Buer herrscht: nämlich eine ziemlich gefährliche Atmosphäre, so daß der Wirt einige ihm befreundete Gäste bat, sich zu seinem Schutze in seiner Umgebung aufzuhalten. Kurz danach wurde von draußen her die Scheibe des Schalterausschanks eingeworsen. Das veranlaßte den Fl., seinen Revolver, den er„zufällig“ mitführte, zu ziehen und einen Schreckschuß abzugeben. Als kurz danach die Polizei erschien, konnte sie noch sozusagen den„Pulverdampf“ riechen. Sie nahm sich des Fl., der sich so höchst unbefugterweise polizeiliche„Aufräumungsrechte“ angemaßt hatte, freundschaftlich an. Und gestern stand nun Fl. vor dem Buerschen Einzelrichter, der ihm folgende eremplarischen Strafen aufbrummte: Drei Monate Gesängnis für den Gebrauch der Schußwafse, 30 RM. Geldstrase für den verbotenen Besitz der Waffe, 30 RM. Geldstrafe für die Nichtanmeldung der Waffe. Hoffentlich wird dieses abschreckende Urteil bei all denen, die heute immer noch verbotenerweise Schuß= und andere gefährliche Wafsen besitzen, eine entsprechende Wirkung haben. Der wertlole Senntagsaustlugsfahrichein Eine Fahrschein=Groteske auf den Linien 11 und 2. Von einem neuen Fahrscheinkuriosum im Netzgebiet der BochumGelsenkirchener Straßenbahnen muß heute berichtet werden, von einem Kuriosum, das durchaus einzig dasteht. Im Gebiet der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen sind bekanntlich sogenannte Sonntagsausflugsfahrscheine in Gebrauch, die auf sog. Ausflugsstrecken ausgegeben werden, und eine allgemeine Streckenveroilligung um 25 bis 30 Prozent dem Fahrscheinkäufer bringen. Früher kostete die Strecke Gelsenkirchen=Bismarck=Erle=Buer der BochumGelsenkirchener Straßenbahnen 40 Pf. Bei Einführung den Sonntagsausflugskarten wurde der Preis für den Sonntagsausflugsschein auf 30 Pf. festgesetzt. Bald darauf kam aber die Einführung eines soz. Dunchgangsfahrscheins für die Strecke Rathaus—Erle— Gelsenkirchen bzw. umgekehrt. Entschloß sich die Direktion damals, entsprechend auch den Sonntagsfahrscheinpreis herabzusetzen? Nein, und die Folge ist nun, daß man auf den Linien 11 und 2 der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahnen zwischen Gelsenkirchen und Buer heute Lonntagsfahrscheine kausen kann, die praktisch absolut keinen Wert haben. Ein solches Tarifkuriosum konnte natürlich keineswegs der Zweck des Durchgangsfahrscheins sein, ebensowenig wie folgende ungerechtfertigte Eigentümlichkeit: Die Strecke Gelsenkirchen—Erle—Buer(Rathaus) ist mit einer sog. neutralen Zone versehen, für die allo regulär kein Mehrpreis erhoben wird. Diese neutraie Zone reicht von Buer=Rathaus bis Buer=Schaiter Straße. Die Vorteile dieser neutralen Jone kann der Fahrgast, der über das Rathaus hinaus bis zur Schalke# Sträße fähren will, genießen, nar nicht der Inhaber des sog, Durchgangsjahrscheins der Linien 11 und 2. Er muß einen Zuschlag von 10 Pf. bezahlen! Auch diese Merkwürdigkeit mußte beseitigt werden konnen. Ein wirksamer Schutz gegen Wassereinbrüche. Wie berichtet, hat das schwere, wolkenbruchartige Unwetter am vorigen Sonntag namentlich im Stadtteil Buer wiederum, wie seinerzei bei dem Pfingstunwetter, zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt, da die öffentliche Kanalisation nicht imstande war, die plötzlich anströmenden riesigen Wassermassen zu fassen. Dazu ist nun heute nachzutragen, daß, während zahlreiche Keller in der Nachbarschaft tief unter Wasser standen, die Kellerräume eines Geschäftshauses der Firma Bauunternehmer Anton Gladen dank einer sinnigen Einrichtung von der Wasserflut verschont geblieben sind. Herr Gladen hat damals nach dem schweren Pfingstunwetter in den Kellern des betrefsenden Hauses an den Kanalanschlüssen besondere Revisionsrohre mit Rückstauklappen eingebaut, die nun zum erstenmal am letzten Sonntag in Funktion traten und sich dabei ausgezeichnet bewährten. Dieses „Ei des Kolumbus“ dürfte nach diesen hervorragenden praktischen Erfahrungen zweifellos allgemeinen Eingang finden. Die neue Schupo=Unterkunft. Bauunternehmer Meese ist seit kurzer Zeit damit beschäftigt, die obersten Geschosse des früheren Buerschen Polizeiamtsgebaudes zur Aufnahme der Gelsenkirchener SchutzpolizeiUnierkunst durch entsprechende Umbauten herzurichten. Durch den Einbau einer größeren Anzahl von Bimswänden ist eine Reihe von Schlafräumen für die Gelsenkirchener Schupo geschaffen worden, in denen im allgemeinen je drei bis fünf Beamte untergebracht werden sollen. In dieser Weise sind für die Unterkunft hergerichtet worden die Aktenkammer und die leerstehenden Räume des Dachgeschosses, ferner in den beiden darunter iiegenden Geschossen die bisherigen Amtsleiterräume, der Polizeischulsaal, der Kassenraum und der Absenderaum. Die eigentlichen Umbauarbeiten werden in dieser Woche fertig, so daß danach mit den Anstrich= und sonstigen noch erforderlichen Arbeiten begonnen werden kann. Die Verlegung der Gelsenkirchener Schutzpolizei in ihre Buersche Unterkunft soll bekanntlich zum 1. Oktober erfolgen. Bis dahin werden auch die noch notwendigen räumlichen Konzentrationen im Buerschen Polizeihaus beendet sein. Die Gesamtleitung der Umbauarbeiten hat Regierungsbaurat Kiß(Recklinghausen). Renitente Gäste. In einem Lokal am Forum hatten sich am Montagabeng zwei Gäste ziemlich unliebsam gemacht und sich obendrein geweigert, der Aufforderung des Wirtes, das Lokal zu verlassen, Folge zu leisten. Sie wurden kurzerhand an die Luft gesetzt. worauf es dann vor dem Lokal zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung kam, bei der auch eine große Türspiegelscheibe in Trümmer ging. Das zufällig des Weges kommende Ueberfallkommando machte die entsprechenden Feststellungen. Und die beiden widerspenstigen Gäste konnten sich auf der Unfallwache ihre Köpfe verbinden lassen... Eine große Gemeinheit. Als ein Anwohner der Goethestraße gestern morgen erwachte uno zum Fenster hinaussah, mußte er die betrübliche Feststellung machen, daß irgendwelche Flegel ihm in der vergangenen Nacht sämtliche Ziersträucher und Blumenbestände im Vorgarten wie im Hinterhausgarten herausgerissen, zertrampel: und wirr umhergestreut hatten. Der angerichtete Schaden beziffert sich auf schätzungsweise 40 RM. Der Besitzeer nimmt an, daß es sich um einen Racheakt handelt. 8 Fulmsckau Apollo. Morgen im Avollo=Theater zwei neue Tonfilme in Erstaufführung! Johannes Riemann und Charlotte Ander in dem deutschen Tonfilmschlager„Das Millionentestament".— Als zweiter Schlager ein packendes Tonfilmdrama„Erlebnis einer Nacht“. Ein ergreisendes Lebensschicksal im Trubel einer Großstadt. Zwei junge Menschen, die der Zufall zusammenführt und wieder auseinanderzureißen droht, sind die Hauptträger der Handlung.— Beiprogramm und die neue Ton=Wochenschau. * Industrie=Kino. Frau oder Geliebte? Wird eine Ebe durch Kinder gefährdet? Das sind die Probleme, mit welchen sich der neue deutschsprachige Tonfilm„Meine Kinder— mein Glück“, der ab morgen im Industrie=Kino läuft, besaßt. Dieser Film singt das Hohelied von der unendlichen Mutterliebe.— Hierzu Paul Abrahams schmissige Tonfilm=Operette„Ein bißchen Liebe für dich“ mit Lee Parry, Magda Schneider, Hermann Thimig und Georg Alexander. Zundende Schlager, Geschehnisse von hinreißendet Lustigkeit.— Beiprogramm, neue Ton=Wochenschau. * Ufa=Theater„Schauburg“ zeigt ab Freitag wieder einen Ufa=Groß=Tonfilm: Wernet Krauß in„Mensch ohne Namen“. Mit diesem Film, der das Schicksal eines vom Kriea verschlagenen. totgesagten Heimkehrers umreißt, wird ein Kapitel Zeitgeschichte angeschnitten, das gerade in dieser Zeit, in der wieder einmal ein Kriegsteilnehmer nach jahrzehntelanger Trennung in die Heimat zurückgesunden hat, von höchster Aktualität ist. Werner Krauß als„Mensch ohne Namen“ zeigt sich in großem Format. Seine Gegenspielerin Helene Thimig— ein langjähriges Mitglied der Reinhardt=Buhne— versteht es, mit den sparsamsten Mitteln Frauenleid und Frauenglück so eindringlich auszudrücken, daß ihr unbedingt die Sympathie der Kinogemeinde sicher ist. Regisseur Uciky hat hier ein Werk von Weltgeltung geschaffen.— Im Vorprogramm wird eine lustige Geschichte eines Ungeschickten, der sich im entscheidenden Moment aber doch sehr geschickt half, gezeigt mit dem Titel„Das Hühnerauge der Liebe“.— Besonderes Interesse wird auch der zeitgemäße Werks=Tonfilm„Eine Viertelstunde Auto“ finden.— Die immer packende neue UfaTonwoche bringt neven anderen Bildberichten sehr gute Aufnahmen von der Internationalen Alpenfahrt, der schwierigsten Bergprüfung zu dem 2760 Meter hohen Stilfser Joch Spoctkalender Arbeiter=Sportverein Schalke. Obiger Arbeiter=Sportverein sucht für Sonntag, den 21. August, Gegner für die erste und zweite Mannschaft. Schriftliche Angebote sind bis Freitag um 18 Uhr an W. Franken, Herdstraße 2, zu richten. Alle Mitglieder müssen Freitag um 17 Uhr zur Trainingsstunde erscheinen. Die Hebung des Wracks der„Niobe“ Kiel, 17. August. Die Bergungsarbeiten am Wrack der „Niobe“ machen gute Fortschritte. Das Hebefahrzeug„Hiew“, von dem auch die Trossen zur„Niobe“ führen, liegt flankiert von den Hamburger Hebeleichtern„Kraft" und„Wille“, die die Hebetrossen übernahmen, so daß nunmehr die„Hiew“ Raum zur Hebung geben kann. Im Verlaufe der Dienstagnachmittagsstunden konnte bereits ein Kutter der„Niobe“ geborgen werden. Die Besatzung der Bergungsdampfer arbeitet fieberhaft an der Hebung des Wracks der„Niobe“, das durch seine Ankunft in der Kieler Föhrde seine traurige Unterwasserfahrt beendet hat. In etwas mehr als 14 Tagen hat man das Wrack von der Unglücksstelle im Fehmarn=Belt bis hierher im wahrsten Sinne des Wortes durch das Meer gezogen— ein fast einzig dastehender Fall in der Geschichte der Bergungsreederei. Nun kommt das letzte, aber vielleicht schwierigste Stück der Bergungsarbeiten— die Hebung des Wracks an die Oberfläche. Obwohl jedermann weiß, daß dieser Schlußakt verhältnismäßig viel Zeit beansprucht, ist die Anteilnahme der Bevölkerung am Fortgang des Bergungswerkes außerordentlich rege. In Ruderbooten, Segelschifsen, Pinassen, Motorbooten und Kanus fahren Menschen zum jetzigen Liegeort der Hebeschiffe, nur wenige Meter vom Ufer bei Kitzeberg an der Föhrde entfernt. Selbitmord des Tochtermörders Michallki Berlin, 17. August. Der Schneider Michalski, der am vergangenen Freitag seine 19jährige Tochter ermordet hatte, hat Oberhausen, 16. Aug. Im Laufe des Dienstags wurden in Oberhausen drei Personen das Opfer der großen Hitze. So ertrank in der Ruhr bei Alstaden ein 17jähriger junger Mann, der einige Stunden vorher schon einmal aus Lebensgefahr gerettet werden mußte. Er ging trotzdem nochmal ins Wasser und verschwand in den Fluten. In einem Baggerloch ertrank der 29 Jahre alte Willi Terhart beim Baden. Seine Leiche konnte geborgen werden. Im Wedauersee erlitt ein Arbeiter aus Oberhausen beim Baden einen Herzschlag und ertrank. Wülfrath, 16. Aug. Im hiesigen Krankenhaus starb am Dienstagabend der als guter Schwimmer bekannte Fr. Höhner aus Flandersbach. Mit Freunden hatte er am Montagabend beim Baden auch einen Kopfsprung ins Wasser versucht, war dabei aufgestoßen und hatte sich so einen Bruch der Wirbelsäule zugezogen. Duisburg, 16. Aug. Dienstag nachmittag ertrank beim Baden unterhalb der Rheinbrücke in Duisburg=Hochfeld der 37= jährige Erwerbslose Kock aus Duisburg. Kock hatte sich einen Motorradschlauch umgebunden und ging dann mit seinem sechsjährigen Neffen ins Wasser. Plötzlich entwich die Luft aus dem Schlauch und die beiden versanken. Auf die Hilferufe des Knaben eilten mehrere Männer herbei und konnten den Jungen retten, während Kock in den Fluten ertrank. Nach etwa einer halben Stunde konnte die Leiche geborgen werden. Krefeld, 16. Aug. Am Montagnachmittag ertrank in der Nähe des Bootshauses im Stadtteil Uerdingen der 19 Jahre alte Schüler Christian K. Seine Leiche konnte bisher nicht geborgen werden.— Im Uerdinger Strandbad ertrank ein 50jähriger Mann, der mit seiner Frau zum Baden erschienen war. Er hatte sich anscheinend zu weit in den Rhein gewagt. Auch in diesem Falle konnte die Leiche noch nicht geborgen werden. sich, wie er es bereits auf einer Postkarte an seine Frau ankündigte, selbst gerichtet. Er ließ sich gestern abend auf der Vorortstrecke Crossen von einem Zuge überfahren. Ablturz eines franzölilchen Marineilugzeuges— Vier Tote Paris, 17. August. Bei einem Nachtflug stürzte ein Marinewasserflugzeug mit vier Mann Besatzung unweit Bizerta ab. Der Apparat ging in Flammen auf.= Den Vater erltochen Zerbst, 17. August. In Bornum geriet heute morgen der Sohn des Gastwirts Schuckert mit seinem Vater in Streit, in dessen Verlauf der Vater erstochen wurde. Der als jähzornig bekannte Sohn wurde verhaftet. Die Vorwürfe gegen den Zirkus Sarralani unberechtigt Dresden, 17. August. Zu den Vorwürfen wegen Tierquälerei und ähnlichem, die in letzter Zeit gegen den in Dresden beheimateten Zirkus Sarrasani erhoben worden sind, teilt der Deutsche Tierschutzverein in Dresden als ältester Verein des Kontinents mit, daß sich nach seinen Feststellungen diese Anschuldigungen als völlig haltlos erwiesen haben. Der Verein wünscht, daß es der Oeffentlichkeit gelingen möge, dieses Unternehmen Deutschland zu erhalten, das durch sein Beispiel in der Dressur der Tiere in breitesten Volkskreisen vieler Lander die Liebe zur Tierwelt erweckt und gefördert hat. schen Schachtzimmerung und Förderkorb. Bei dem Versuch, dem verunglückten Steinborn Hilfe zu leisten, stürzte der 37 Jahre alte Maschinensteiger Johann Wehner in den Schacht. Steinborn und Wehner kamen zu Tode. Die Verunglückten stammen beide aus Altenessen. Möbellaltwagen verunglückt- Eine Tofe, drei Verletzte Essen, 17. August. Auf der Landstraße Ibach=Langenberg geriet gestern ein Möbellastwagen ins Schleudern und raste etwa 150 Meter die abschüssige Landstraße hinab gegen einen Hochspannmast, wobei der Anhänger des Lastwagens umkippte. Von den Insassen wurde die 35jährige Kaufmannsfrau Erdmann aus Barmen tödlich, der Sohn des Spediteurs und zwei Packer leicht verletzt. Munition in der Puderdole Aachen, 17. August. In einem Hause an der Stiftstraße wurde am Dienstag abend ein Mädchen festgenommen, das zwei belgische Pistolen, Kaliber 6,35 und 7,65 Millimeter, aus Belgien eingeschmuggelt hatte. 20 Schuß zugehörige Munition wurden bei dem Mädchen in einer Puderdose gefunden. Die Schlammflut im Eschbachtal Eine furchtbare Kataltrophe- Unüberlehbarer Schaden angerichtet Berg.=Gladbach, 16. August. Der Dammbruch im Eschbachtal hat sich in seinen Folgen als weit katastrophaler herausgestellt, als ursprünglich angenommen wurde. Die Wasser= und Schlammassenflut hat mit einer unheimlichen Wucht den Weg in das enge Tale genommen und muß, wie aus den Spuren zu ersehen ist, auf den ersten 100 Metern der betroffenen insgesamt 2½ Kilometer langen Strecke eine Höhe von drei bis vier Metern erreicht haben. Starke Bäume, die unterhalb des Tales standen, sind geknickt bzw. entwurzelt worden. Selbst die hochgelegene Köln=Olpener Landstraße wurde von der grauen schweren Schlammflut überschwemmt und teilweise stark beschädigt. So ist in der Nahe von Mittel=Eschbach ein derart großes Loch in die Straße gerissen worden, als wenn eine Granate dort Spuren ihrer Wirkung hinterlassen habe. Die im Zuge des Tales liegenden, meist kleinbäuerlichen Besitzungen sind von den Fluten vollkommen eingeschlossen. Aus den Kellern, in denen sich der ganze Vorrat an Eingemachtem, Kartoffeln und Getreide befindet, gurgelt immer noch der Wasserstrom empor, der aues vernichtet hat. Auch die in den Paterrewohnungen angerichteten Schäden sind groß. An einigen Stellen mußten die vom Wasser bedrohten Bewohner mit Leitern und Bretterstegen aus den Häusern geholt werden. Leichtere Holzbauten, die als Stallungen und Scheunen dienten, sind einfach niedergerissen worden, während die Wohnhäuser glücklicherweise heil geblieben sind. Als ein Wunder ist zu bezeichnen, daß der Katastrophe keine Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Besonders groß ist der Schaden im Fischweiher. Die Bachsorellen und die neueingesetzte Brut von amerikanischen Teichforellen, Rotsterzen und Karpfen sind in dem giftigen Zinkschlamm erstickt. Der Schlamm hat in Untereschbach den Bahndamm der Linie Köln=Lindlar überflutet und ist dann von der hinter dem Bahndemm vorbeifließenden Sülze ausgenommen und weggespült worden. Der Schaden ist auch nicht annähernd zu übersehen. In den Wiesen ist jeder Grasbestand vernichtet und auch für die nächsten Jahre wird mit einer Ernte in dem Tal nicht gerechnet werden können, da die säurehaltigen Fluten den Boden vollständig verdorben haben. Neben den umgekommenen vier Kühen ist ein großer Verlust an Federvieh entstanden. Viele Jungtiere sind in der grauen Schlammschicht erstickt. Die Aufräumungsarbeiten müssen vorerst darauf beschränkt werden, die Provinziallandstraße wieder passierbar zu machen, was wahrscheinlich erst im Laufe des morgigen Tages erreicht sein wird. Das Bergrevier Siegburg teilt mit: Die Untersuchung der Dammbruchkatastrophe hatte zum Ergebnis, daß der durchgebrochene Damm auf eine Höhe von zehn bis zwölf Metern vom gewachsenen Boden aufgeschüttet war. Ob diesem Damm die Schuld an dem Unfalle zuzuschreiben ist, ist zum mindesten höchst zweiselhaft. Bei den Arbeiten nahe der Böschung der Provinziallandstraße zeigte sich nämlich beim Nachgraben für Aufräumungszwecke eine natürliche Wasserquelle von mindestens 300 Literleistung in der Minute. Das Wasser dieser Quelle hat braunrote Färbung, die sie beim Durchfließen durch eisenhaltigen Lehm= oder Tonboden erhalten hat. Das Wasser der Schlammdeiche dagegen und das Wasser, das aus der Flotation ausfließt, hat dagegen eine schmutziggraue Färbung. Auf Veranlassung der Behörde werden nun zunächst diejenigen Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen, die dem öffentlichen Verkehr dienen. Alsdann wird der Quelle nachgegangen, um deren Herkunft festzustellen. Ein Ellener in den Alpen abgeltüert Essen, 16. August. An der Ostseite des Ramolkogel zwischen Vent und Gurgl wurde die Leiche des 21jährigen Forstakade= mikers Wiskott aus Essen aufgefunden, der seit einer Tour vermißt worden war, die er vor längerer Zeit von der Wildspitze quer durch Oetztaler=Stubaier Gletscher zum Brenner unternehmen wollte. Wiskott muß ungefähr 200 Meter über einen Felsen abgestürzt sein. Der nasse Tod Sieben Opfer des Badens Felddieb lchießt auf Polizeibeamten und begeht Selbltmord Siegburg, 16. Aug. Als in der vergangenen Nacht Polizeibeamte zwei Felddiebe zur Feststellung ihrer Personalien der Polizeiwache zuführten, zog einer der Festgenommenen plotzlich einen Revolver und schoß einen der Beamten in die linke Brustseite. Bei dem darauf entstehenden Handgemenge schoß dder Tater sich eine Kugel in die Schläfe und verletzte sich so schwer, daß er zwei Stunden später starb. Die Verletzung des Beamten ist verhältnismäßig leicht, da die Wirkung des Geschosses durch die stark gefüllte Brieftasche abgeschwächt wurde. Tödliche Verkehrsunfälle Aachen, 17. August. Dienstag gegen 20 Uhr versuchte auf der Jülicher Straße ein Motorradfahrer ein nicht vorschriftsmäßig beleuchtetes Fuhrwerk zu überholen. Mit sehr hoher Geschwindigkeit fuhr er aber von hinten auf das Fuhrwerk auf, stürzte und brach das Genick. Der Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Am Dienstag nachmittag fuhr der 23 Jahre alte Installateur Lennarz von den städtischen Werken in Aachen im unteren Brohltal bei dem Versuch, einen Wagen zu überholen, mit seinem Motorrad gegen einen entgegenkommenden Lieferwagen. Das Auto fuhr Lennarz über die Brust, der auf dem Transvort zum Arzt starb. Zwei Bergleute bei der Rettung des Kamereden verunglückt Essen, 17. August. Auf der Schachtansage Emil geriet heute morgen kurz nach Beginn der Frühschicht der 21jährige Aufschieber Bruno Steinborn beim Bedienen der Forderung zwiSpinale Kinderlähmungen in Ungarn In Szegedin sind 22 Kinder unter spinalen Lähmungserscheinungen schwer erkrankt. Die furchtbare Seuche hat bereits drei Todesopfer unter den Betroffenen gefordert. Die Aerzte versuchen jetzt eine neue Impfmethode, indem sie das Blut des Vaters oder der Mutter des erkrankten Kindes dem Patienten einimpfen. Zerltörung der italienilchen Konlulats in Montevideo Havas meldet aus Montevideo, daß arbeitslose Italiener vor das dortige italienische Konsulat zogen, um Lebensmittel zu fordern. Es gelang ihnen, in das Konsulasgebäude einzudringen, wo sie alles zerstörten. Polizei mußte eingreifen, um die Manifestanten zu vertreiben, von denen mehrere verhaftet wurden. Kirchenempore eingeltüert In der im 10. Jahrhundert im romanischen Stil erbaute Pfarrkirche in Raab(Oesterreich) ist der rechte Teil der Emvore mit vier Kirchenstuhlen in das Schiff der Kirche gestürzt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Hebung eines Rielenichatzes In Plymouth(England) traf das italienische Bergungsschiff„Artiglio“ ein: an Bord waren aus der Ladung der vor vier Jahren im Kanal gesunkenen„Egypt“ Gold und Silber im Wert von 800000 Dollar, und zwar 26 Kisten Barren Gold und 53 Barren Silber. Das Silber ist inzwischen schwarz geworden. Vor zwei Monaten konnte die„Artiglio“ bereits für 420 000 Dollar Gold und Silber bergen. Ein großer Teil der Ladung ist jedoch noch unter Wasser; die günstige Witterung läßt aber einen raschen Fortgang der Bergungsarbeiten erwarten. 27 Texas-Opfer Die Zahl der Opfer der Wirbelsturmkatastrophe in Texas hat sich auf 27 erhoht. Ungefähr 300 Personen sind schwer verletzt worden. Lindbergh wieder Vater Der amerikanische Ozeanflieger Lindbergh, dessen 1½ Jahre altes Baby vor einigen Monaten von unbekannten Tätern entführt und ermordet wurde, ist von neuem Vater eines Knaben geworden. 1600 Hoffnungen In Neuvork findet augenblicklich der Prozeß um die Wendel=Erbschaft statt. 1600 Personen aus aller Welt hoffen auf 30 Millionen. Stadt ohne Totengräber In Schlagwitz(Sachsen) wurde aus Ersparnisgründen der Totengräber abgebaut. Die Bevolkerung muß sich ihre Graber selber herstellen. Untergang eines Dampfers auf dem Ohio-Fluß Der Ausflüglerdampfer City of Memphis lief gegen eine Felsklippe im Fluße Ohio unweit des Kentucky=Users und ging unter. Die 748 Passagiere und die 33 Mann der Besatzung konnNiU T9ENTTR han.d4f bnsze.. 832 Deutschland und wir Von Julius Deutsch, Wien In Oesterreich ist wieder eine sehr lebhafte Diskussion über den Anschluß im Gange. Sie wurde durch das Lausanner Protokoll ausgelöst, das, die Bestimmungen des Genfer Paktes vom Jahre 1922 verschärsend, die„Selbständigkeit" Oesterreichs auf weitere zwanzig Jahre vertraglich festlegt. Gegen das Lausanner Protokoll wehren sich die Nationalsozialisten, einige kleinere Schichten des Landes und vor allem die Sozialdemokraten. Das ist also eine sehr heterogene Bundesgenossenschaft. Was die Nationalsozialisten anbelangt, ist ihre Gegnerschaft gegen das Lausanner Abkommen rein demagogischer Natur. Da sie zu allem, was die bisher herrschenden bürgerlichen Parteien ge"„.. h1 macht haben„nein“ sagen, können sie InIOLN,I das neueste Produkt der österreichiPoI- I schen Außenpolitik nicht gut bejahen. 1 Obwohl sie sonst in den Fragen der Außenpolitik keineswegs eine nationale Zimperlichkeit gezeigt haben— man denke an Süotirol und an das Burgenland!— kreischen sie jetzt im höchsten Diskant über den nationalen Verrat des Lausanner Protokolls. Der Anschluß an Deutschland wird von den österreichischen Nationalsozialisten just in dem Augenblick am lautesten vertreten, in dem sich ihre Bruderpartei in Deutschland anschickt, die Macht oder zumindest einen erheblichen Teil der Macht zu ergreifen. Deshalb wird in jenen Kreisen, die den Anschluß ohne Rücksicht auf die Ereignisse der Tagespolitik vertreten haben, mit Recht darauf hingewiesen, daß die Anschlußfreudigkeit der Nationalsozialisten zur Zeit der Präsidentschaft Eberts und der Kanzlerschaft Hermann Müllers auf dem Nullpunkt gestanden habe. Auf die unbedingte Zuverlässigkeit der Nationalsozialisten in der Anschlußfrage ist wenig Verlaß. Sie tun jetzt mit, weil ihnen das augenblicklich gerade in den politischen Kram paßt. Sollte aber, was ja nicht ausgeschlossen ist, eine Regierung des Deutschen Reiches, in der einige Nationalsozialisten sitzen, den Lausanner Vertrag ratifizieren, dann wird man sehen, mit welcher Behendigkeit auch ihre österreichischen Gesinnungsbrüder umfallen werden... Die bürgerlichen Schichten Oesterreichs, die den Lausanner Vertrag ablehnen, sind im Parlament durch neun„großdeutsche“ Abgeordnete vertreten. Die Großdeutschen haben ein gutes Jahrzehnt hindurch die Außenpolitik der andern bürgerlichen Parteien mitgemacht. Sie haben seinerzeit für Genf gestimmt, dessen Bedingungen nicht weniger schmählich waren als die von Lausanne. Sie waren unentwegt in der berühmten antimarxistischen Front Ignaz Seipels, von dem sie sich auch in der Außenpolitik nicht trennten. Ihre so plötzlich erwachten Bedenken gegen die unwürdigen Fesseln, in die der neue Vertrag Oesterreich zu legen versucht, haben unter diesen Umständen nur eine geringe Ueberzeugungskraft, was ihnen von ihren früheren Koalitionsgenossen, den Christlich=Sozialen, denn auch jeden Tag vorgehalten wird. Ueberhaupt haben die Christlich=Sozialen gegen ihre bürgerlichen Gegner einen verhältnißmäßig leichten Stand. Sie können sich erstens darauf berufen, daß alles das, was die Großdeutschen jetzt als schlecht hinstellen, von ihnen selder jahrelang mit verfochten wurde, und sie können, zweitens, auf die deutsche Reichsregierung des Herrn Papen hinweisen, deren nationale Ueberzeugungstreue sie nicht einen Augenblick daran gehindert hat, den Lausanner Vertrag mitzumachen. Bleibt also noch die Opposition der Sozialdemokraten. Ihre Stellungnahme gegen den Lausanner Vertrag ist nicht allein durch die anschlußfeindlichen Bestimmungen desselben bestimmt, sondern auch dadurch, daß Oesterreich durch diesen Vertrag neuerdings eine unwürdige finanzielle Kontrolle aufgehalst bekommen soll, wie man sie bisher höchstens irgendeiner Negerkolonie in Afrika zumuten zu können glaubte. Und das alles um einiger lumpiger Millionen willen, die weit, weit davon entfernt sind, eine wirkliche und ausreichende Hilfe zu bringen. So gewichtig indes die finanziellen Gründe sind, die die Haltung der österreichischen Sozialdemokratie bestimmen, werden die der Außenpolitik nicht geringer erachtet. Schon in einer Zeit, in der der Anschluß Oesterreichs an Deutschland nur der verschwommene Traum einer Handvoll Romantiker gewesen war, hat die österreichische Arbeiterklasse diesen Gedanken zur politischen Realität gemacht, indem sie ihn zu einem ihrer Ziele erhob. Die österreichische Sozialdemokratie kämpft seit eh’ und je für ein größeres Wirtschaftsgebiet, das ihr nur durch die Vereinigung der beiden deutschen Reiche verwirklichbar erscheint; sie erstrebt Großdeutschland als den Boden, auf dem die gesamte deutsche Arbeiterklasse in vereinter Kraft wirken kann, um dereinst den Sozialismus herbeizuführen. Unbeirrt selbst durch die traurige Wirklichkeit eines faschistischen Zwischenspiels hält die Sozialdemokratie an dieser ihrer historischen Aufgabe fest. Die Wiener Arbeiterzeitung drückte diesen Gedanken kürzlich so aus: „Nie gelockerte Schicksalsgemeinschaft hat die deutsche Arbeiterklasse drüben und hüben vereint. Wir wissen es auch heute: nicht in diesem kleinen, armseligen Oesterreich, nicht mitten zwischen einem faschistischen Deutschland, einem faschistischen Italien und einem faschistischen Ungarn werden wir unsere geschichtlichen Ziele, werden wir die Befreiung der Arbeiterklasse von dem Joch des Kapitalismus erkämpfen könHitler erwache! Groß die Schnauze, klein die Macht, denkt, der Herr gibts über Nacht! Aufgeputscht und aufgeblasen bis zum blanken Ehrgeizrasen stand er, Locke im Gesicht, sagte sich: nun fürcht dich nicht! Zwar das Auf=Berlin=Marschieren kam nicht einmal zum Probieren, Rom blieb eine Illusion. Volk sagt: Finger weg davon! Doch er kann nicht mehr vergessen was er süß im Traum besessen und er hielt für Wirklichkeit, was nur der SA.=Mann schreit. Finster ist er nun blamoren, Mussolini, selbst gekoren, Fürscht, Diktator hoch zu Roß. Was ihm folgt, ist nur der Troß, schwerbezahltes Fußgesindel, und sein Traum war wilder Schwindel. Fingerklopfe gab Papa— aufgewacht liegt er nun da. Peter Puck. Gerechtigkeit für Bergarbeiter Immer noch sinnlose Ueberschichten Im Ruhrgebiet droht ein schwerer Lohnkonflikt. Die Bergarbeiter haben das Ueberarbeitsabkommen gekündigt und wollen, nachdem unsinnigerweise trotz furchtbarer Arbeitslosigkeit und übermäßiger Kohlenförderung immer noch eine Stunde Ueberarbeit geleistet wird, durch deren Beseitigung die Arbeit strecken, die Zahl der Feierschichten verringern und einen Teil der arbeitslosen Bei;###beiter in Brot bringen. Diese Stunde Ueberarbeit wurde Zeiten beschlossen, als in Deutschland Kohlenmangel herrschte. Das war im Jahre 1923; damals wurde die Siebenstundenschicht im nationalen Gesamtinteresse durch die eine Stunde Ueberarbeit verlängert, um mehr Kohlen zu fördern. Heute verlangt dasselbe nationale Gesamtinteresse die Beseitigung dieser Stunde Ueberarbeit. Die Unternehmer aber stehen auf einem anderen Standpunkt. Sie sind, bereit, aus den Arbeitszeitvertragen die Stunde Ueberarbeit verschwinden zu lassen, dafür aber wollen sie die Achtstundenschicht, was nichts ändern wurde. Um dieser Frage willen droht ein schwerer Konfrikt mit unübersehbaren Folgen. Man macht sich hier kaum eine Vorstellung, wie dringend notwendig die Reduzierung der Arbeitszeit ist und wie sehr sie auch aus den bergmännischen Verhältnissen gerechtfertigt ist. Die Kohlenkrise hat sich in einer Weise verschärft, wie es auch die Pessimisten vor einem Jahre noch nicht für möglich gehalten hatten. Gegen das erste Halbjahr 1931 ist im ersten Halbjahr 1932 ein neuer Förderrückgang bei Steinkohle von 60,3 auf 50,3 Millionen Tonnen eingetreten. Gegen die gleiche Zeit 1929 ist die Steinkohlenförderung um 35,9, die Kolserzeugung um 48,6, die Braunkohlenförderung um 31,3 und die Braunkohlenbriketterzeugung um 30,5 Prozent gesunken. Von Revier zu Revier ist der Rückgang in der Steinkohlenförderung verschieden. Er beträgt in Oberschlesien gegen das erste Halbjahr 1929 30,8, in Niederschlesien 29,1, in Sachsen 25,7 Prozent. Am stärksten aber ist der Produktionsausfall gerade im Ruhrbergbau, wo er 40,7 Prozent ausmacht. Das ist kein Wunder, weil das Ruhrgebiet die Hauptstätte der Kokserzeugung ist, die Krise der Eisen= und Stahlerzeugung aber die Kohlenförderung dann besonders stark drücken muß. Die Kohlenkrise hat sich mit ungeheurer Wucht gegen die Lebenslage der Bergarbeiter gerichtet. Sie wurden zu Hunderttausenden entlassen; es wurden Millionen Feierschichten eingelegt; ihre Löhne wurden tief herabgedrückt. Im Ruhrbergbau, in Oberschlesien, in Niederschlesien und in Sachsen wurden im Laufe von 2½ Jahren nicht weniger als 217453 Bergarbeiter, d. h. 46,1 Prozent der Ausgangsbelegschaft entlassen! Trotz dieses ungeheuerlichen Abbaus wurden im Ruhrbergbau allein in den ersten 6 Monaten 1932 5 486 900 und in Oberschlesien 716 400 Feierschichten zu je 8 Stunden eingelegt, um die Kohlengewinnung etwas einzuschränken. Aber die in Beschäftigung geblie, benen Arbeiter allein dieser beiden Reviere erlitten dadurch einen Lohnausfall von 42,62 Millionen Mark! Die Zahl der Feierschichten und den Lohnausfall in den andern Revieren kennt man nicht, weil sie statistisch nicht erfaßt sind oder aber nicht bekanntgegeben werden. Neben diesem Lohnausfall aus Feierschichten erfolgte ein gewaltiger Abbau von Lohnen. Ie Mann und Schicht war der Barverdienst im Mai 1932 gegenüber dem Monatsdurchschnitt 1929 im Ruhrgebiet gesunken von 9,00 auf 7,07 Mark, in Oberschlesien von 6,85 auf 5,49 Mark, in Niederschlesien von 6.56 auf 5.34 Mark, im Aachener Gebiet von 7,94 auf 6,30 Mark und in Sachsen von 7,70 auf 5,97 Mark. Der Lohn der Bergarbeiter wurde also um 18,6 bis 22,5 Prozent gekürzt! Im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau und im rheinischen Braunkohlenbergbau erfolgten Lohnsenkungen von rund 21,6 Prozent. Dabei wurden auch dort nur 20 bis 21 Schichten im Monat verfahren. was wieder 20 Prozent Verdienstausfall darstellt. Von dem dann bleibenden Bruttolohn gingen noch 12 bis 15 Prozent für Sozialversicherungen und Steuern ab! Bei den Bergarbeitern sitzt an jedem Tisch und an jedem Bett die Not! Aber ist vielleicht die Arbeit leichter geworden? Das Gegenteil ist der Fall. Der Fördereffekt je Mann und Schicht durch Mechanisierung und Zusammenfassung der Forderung an wenigen Betriebspunkten in ungeahnter Weise gesteigert worden. Im Ruhrgebiet hatte im Mai 1932 die Förderung je Mann und Schicht der über und unter Tage beschäftigten Arbeiter 1620 Kilo erreicht gegenüber 1490 Kilo im Jahresdurchschnitt und nur 1352 Kilo im Jahresdurchschnitt 1930. In Oberschlesien, Niederschlesien und Aachen sind die Verhältnisse entsprechend. Der Widerspruch zwischen dieser Steigerung des Fördereffektes, d. h. der Ausbeutung der Bergarbeiter, der großen Zahl von Feierschichten bei so stark gesenktem Lohn und der ungeheuerlich gewordenen Arbeitslosigkeit bei den Bergarbeitern muß gelöst werden. Die Bergarbeiterverbände haben mit der Kündigung des Ueberarbeitsabkommens die Initiative dazu ergriffen. Die Bergbauunternehmer wehren sich mit aller Macht dagegen. Das Recht und die Vernunft sind absolut auf Seiten der Bergarbeiter. Wenn nicht ein großer und in seinen Folgen unabsehbarer Arbeitskonflikt im Ruhrbergbau ausgetragen werden soll, dann müssen die öffentliche Meinung und die Reichsregierung den Bergarbeitern in ihrer furchtbaren Not zur Seite stehen. Wird man das von der jetzigen oder künftigen Reichsregierung erwarten können? So furchtbar ein Zweifel daran ist. man muß ihn leider haben, und die Bergarbeiter sind gezwungen, sich so einzurichten, als müßten sie sich auf ihre eigene Kraft verlassen. Clumpische Reminiscenzen Nackgetragene Sportalossen zu den Wettspielen in Los Angekes (1. Fortsetzung.) Irland, überglücklich... Irlands kleine Gemeinde war überglücklich: zwei Olympiasieger— das übertraf alle Erwartungen. Sensation war der Sieg Tisdalls im 400=Meter=Hürdenlauf vor den savorisierten Amerikanern Hardin und Taylor und dem Sieger von 1928, Lord Burghley. Den zweiten Erfolg verbuchte Dr. O Callaghan im Hammerwerfen, der schon in Amsterdam die goldene Medaille gewonnen hatte und nun seine Leistung noch um drei Meter verbesserte. Erst mit dem letzten Wurf sicherte sich der Ire den Sieg— bis dahin hatte eine Finne in Front gelegen. O'Callaghan vertritt Irland auch im Schwergewichtsboxen. Er hält auch den Landesrekord im Kugelstoßen. Ein vielseitiger Athlet... Ein Deutscher wurde energisch... Als im olympischen Dorf alles über das katastrophale Abschneiden der Deutschen die Köpfe schüttelte und es unerklärlich blieb, aus welchem Grunde Deutschland sich seit Amsterdam nicht voranentwickelt, sondern zurückgefallen ist, da wurde im Stadion gleichzeitig . I I die letzte deutsche Hoffnung HIanweI zunichte. Sievert, der beste Zehn*I kämpfer, verknackste sich nach dem Stabhochsprung den Fuß und konnte „„ nur noch humpelnd als Statist mit8 AAIE I tun. Nur durch Pech kam er um die N 1 Früchte seiner Leistungen. Um so beachtlicher aber war dann, daß sich ein anderer deutscher Mehrkämpfer, sagt, kein Prinz, wie der Name deuten könnte. Sein Bruder heißt Sergeant, was hier keinen Dienstgrad ansagt. Jetzt ist der braune Weltrekordmann von 1912 inzwischen 42 Jahre alt geworden und nimmt in der amerikanischen Wasserballsieben den Verteidiger. Er war sicher der älteste Teilnehmer des Treffens zwischen Amerika und einer deutsch=ungarischen Kombination. Dies Gesellschaftsspiel war übrigens ein Treffen, das den Reiz hatte, das kleinste, aber an Zwischenfällen reichste der letzten Spiele zu sein. Eberle, der unsprünglich gar nicht mit nach Kalifornien sollte, sich zu einer letzten Anstrengung zusammenriß und wenigstens, da der erste verloren, noch auf den dritten Platz vorstoßen konnte. Mit 8462,23 Punkten entführte der Amerikaner Bausch die Goldmedaille, alle Rekorde und Finnlands Hegemonie in dieser Uebung brechend. Aber auch der Zweitplacierte Järoinnen verbesserte noch den eigenen Weltrekord mit 8292,48 Punkten. Ein guter Abgang. Wenn ein Schwimer zu alt für Einzelwettbewerbe wird, dann schwimmt er nur noch Staffeln oder spielt Wasserball. So macht es auch Duke Kahanamoku. Dieser Duke ist, nebenbei genen: der Sozialismus kann nur werden in größerer, durch Volkszahl und Wirtschaftskraft und räumliche Ausdehnung seibständigerer Gemeinschaft, er kann auch auf unserem Boden nur werden, wenn unser Boden ein Teil des großen, freien Deutschland, des Deutschland der Arbeiter, des Deutschland von morgen oder übermorgen sein wird! Und wir glauben trotz alledem an dieses Deutschland von morgen oder übermorgen.“ In der gräßlichen Verwirrung unserer Zeit, in den truben Tagen, da die braune Mordpest in Deutschland sich anschickt, der deutschen Demokratie und der deutschen Kultur einen furchtbaren Schlag zu versetzen, erhebt die Arbeiterklasse trotzig ihr altes Panier. Wir lassen uns nicht irre machen! Deutschlands und Oesterreichs Arbeiterklasse erkennt auch jetzt seine enge Schicksalsgemeinschaft, ja, jetzterst recht. Wir bekämpfen den gleichen Feind, wir stehen zu den gleichen Zielen— wir gehören zusammen, trotz gliedem.... Unrühmlich bekleckert... Deutschlands Leute kamen durchweg nicht zum Kämpfen, sondern brachen nieder, ehe sie in die Entscheidungen eingreifen konnten, dort, wo die Vertreter anderer Länder sich in ihren Leistungen steigerten. Finnlands Stern sank mit Nurmis Aechtung, aus der sportlichen Wundernation wurde ein Team demoralisierter Athleten. Wir sind von der Verbandsbürokratie allerlei gewöhnt. Die Mehrzahl der bürgerlichen Sportführer haben leider vergessen, daß sie des Sportes wegen da sind und nicht umgekehrt. Anscheinend haben sich die deutschen Sportführer auch mit dem „Fall Nurmi“ nicht gerade mit Ruhm belastet. Noch ist unwidersprochen, daß die Sportbehörde selbst an Nurmi Geldbeträge zu einem Start gezahlt habe und dann ihr eigenes Vergehen als Material zum Sturz des Leichtathleten fortgab. Zum„Fall Nurmi“ scheint es noch einen„Fall Kusoczinski“ geben zu sollen, denn die Finnen haben dem Internationalen Verband Material überwiesen, durch das der Nichtamateurissein soll. Die Olympia 1932 schein: nach dem Einholen der Flaggen noch lange nicht zu Ende zu sein Wahrer Sportgeist. Im olympischen Stadion rast und tobt die Masse. 40000 Kehlen schreien sich heiser. Ueber grünen Rasen stürzt die Menge. Ein Ordner muß einen Zudringlichen erst zu Boden schlagen, ehe die Tausende zurückweichen. Der Finne Lethinen hatte im Kampf über 5000 Meter den Amerikaner Hill regelwidrig bedrängt— und gesiegt. Der sportliche Geist war det Kampfstätte entflohen, Fanatalismus u. Kritiklosigkeit herrschten. Das weiße Banner mit den fünf Ringen hatte einen häßlichen Flecken erhalten... Die Nacht kam, sie hinderte, daß dem Sieger die übliche Ehre zuteil wurde, ein neuer Tag mußts kommen mit neuen Kämpfen, neuen Siegen. Und nun standen sie unterm olympischen Banner, Sieger und Besiegier. In die Hand des Finnen wurde die goldene Medaille gelegt, das heiß ersehnte Siegeszeichen. Da drehte sich der Finne seitswärts, um diesen äußeren Beweis des Erfolges dem Gegner zu geben, der gleich ihm gekämpft hatte und der nur etwas weniger Glück hatte, der aber nicht schlechter gewesen war. Im übrigen waren hier die Teilnehmer eine Runde zuviel gelaufen. Also auch in Amerika gibt es Schlamperei. Da raste Jubel durch das Stadion. Weggewischt war der häßliche Fleck auf dem olympischen Zeichen, fort war das Bild einer rasenden Menge, vergessen war der Schlag, der einen Menschen zu Boden streckte. Es standen sich vor 90000 zwei Menschen gegenüber, die nichts weiter sein wollten als Kameraden— und so blieb die„Goldene“ dem Sieger. Der„andere“ nahm sie nicht. Er erkannte die Leistung an. Der sportlicht Geist hatte einen neuen Erfolg errungen. Alles, weil ein mann zur rechten Zeit aus innerem Diange heraus die Hand hinzustrecken wagte. Sollte es nicht mehr Lethinen geben— überall und anderswo...!(Fortsetzung folgt.) Wie es in einmal Krieg F. A. Brockh „Südamerika, folgende Schi Die beiden ten. Sie wo suchen. Als Spuren ihres wohl nichts 4 wie mir ein: Auf den Höhl trotzdem ich: für keines vo recht heiß. das ganze 9 gehi es auf Straße am h und nieder. der Yungas. Baum mehr, los. So kan gerade recht, zu machen. kam, stellte si landwirtschaf die er wiede Deutsche, den ich nahm ge Die boliv die Ausdehn Regel. Alles oft kaum ein liegt brach, der Regel se und Wirtsch Argentinien. Wochen und bolivianische hinaus, oft ein schlecht! haus aus I muß. 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Colin Roß Zolivien Wie es in diesem Staate, dem ewig unruhigen, der wieder einmal Krieg führt, aussieht, schildert Colin Roß in seinem bei C. A. Brockhaus in Leipzig erschienenen ausschlußreichen Buch „Südamerika, die aufsteigende Welt“. Wir entnehmen dem Werk folgende Schilderung des Lebens auf einer Farm: Die beiden Goldsucher aus Pongo waren vor mir hergeritten. Sie wollten den Rio Peri nach dem gelben Metall absuchen. Als ich an den Fluß herunterkam, fand ich noch die Spuren ihres Lagers; sie selbst waren schon fort. Sie hatten wohl nichts gesunden, oder die Moskitos hatten sie vertrieben, wie mir ein vorbeireitender Administrator einer Finca erzahlte. Auf den Höhen merkt man übrigens nichts von Moskitos, und trotzdem ich Moskitonetz und Schleier mitführte, hatte ich noch für keines von beiden Verwendung. Dagegen war es doch schon recht heiß. Ich war ziemlich spät von Corioco abgereist, und das ganze Yungasgebiet kennt keinen ebenen Weg. Ständig geht es auf und ab bei stärkster Steigung, und selbst wo eine Straße am halben Hang entlang führt, geht sie in Kurven auf und nieder. Coroico, Coripata, Chulumani, das ist das Herz der Yungas. Hier sind alle Hänge entwaldet. Es gibt keinen Baum mehr, alles Banane, Kafsee, Coca, alles gleich schattenlos. So kam mir die Finca(Farm) halbwegs nach Coripata gerade recht, um während der größten Mittagsglut kurze Rast zu machen. Aber als ich mit dem Administrator ins Gespräch kam, stellte sich heraus, daß er drei Jahre in Weimar auf einer landwirtschaftlichen Schule gelernt hat. Seit den sechs Jahren, die er wieder zurück und in den Yungas ist, war ich der erste Deutsche, den er gesprochen. So lud er mich zum Bleiben, und ich nahm gerne an. Die bolivianische Finca hat mit der argentinischen Estancia die Ausdehnung gemein. Zehntausend von Hektaren sind die Regel. Allerdings sind hiervon stets kaum ein paar hundert, oft kaum ein paar Dutzend Hektar bewirtschaftet. Alles übrige liegt brach, unerforscht, und die Grenzen kennt der Besitzer in der Regel selbst nicht. Die Hacienda, der Kompler der Wohnund Wirtschaftsgebäude, ist noch wesentlich einfacher als in Argentinien. Lebt in Argentinien der Patron kaum ein paar Wochen und Monate auf seiner Estancia, so kommt er in den bolivianischen Yungas kaum einmal im Jahre auf wenige Tage hinaus, oft nur alle paar Jahre. Der Administrator aber ist ein schlecht bezahlter Angestellter, für den ein einfaches Lehmhaus aus luftgetrockneten Ziegeln mit Wellblechdach genügen muß. Dieses Haus mit einem Schuppen für die Coca und dem mit Schiefer ausgelgten Hof, in dem die Coca getrocknet wird, ist eigentlich alles: Irgendwelche landwirtschaftlichen Maschinen oder Geräte, totes oder lebendes Inventar gibt es nicht. Das Maultier für den Administrator, wenn es hoch kommt, eine Kuh, das ist alles. Das Arbeitsgerät bringen die Peone selbst mit; es besteht nur in Hacke und Schaufel. Eines fehlt freilich nicht, auf keiner Finca. Das ist die Kirche, und sie ist stets der stolzeste Bau, massiv aufgeführt mit Glockenturm und Glocken; denn der bolivianische Indio ist in erster Linie ein treuer Sohn der Kirche, und was er irgend erspart, führt er außer dem Alkohol zunächst dem Pfarrer zu, den er reichlich mit Geschenken relagiert. Rings um die Finca herum liegen in kleinen Bananenpflanzungen die rohgebauten, niederen Lehmhütten der Kolonen, der Hörigen. Jede Finca berfügt ja über ihre bestimmte Zahl höriger Indianerfamilien, die zur Arbeit für den Patron verpflichtet sind, und der Wert jedes Grundbesitzes richtet sich auch nach der Zahl der auf ihm ansässigen Kolonen. allgemeinen wertet jede Kolonenfamilie tausend Pesos. In rein mittelalterlich-feudaler Weise spielt sich auch die Arbeit auf der Finca ab. Jeder Kolone ist verpflichtet, zwei, drei oder vier Tage, je nach der althergebrachten Gewohnheit, für den Grundherrn zu arbeiten. Diese Arbeit ist nicht nur völlig unentlohnt, der Kolone muß auch noch Abeitsgerät und Arbeits tiere selbst stellen. Er ist ferner zu unentgeltlichem Dienst im Hause des Patrons verpflichtet. Jede Kolonenschaft stellt all wöchentlich einen oder mehrere Pongos als Hausdiener. Ebenso wählt sich der Patron, beziehungsweise der Administrator. aus der Reihe der Frauen und Mädechn allwöchentlich eine Mitani als Haus= und Küchenmädchen. Als Entgelt für die Dienste erhalten die Kolonen Land zugewiesen, das sie in ihrer freien Zeit bebauen. Jeder Indianer hat denn auch seine Bananenpflanzung, von der er in der Hauptsache lebt, sein Cocal, sein Cocalfeld, dessen Erträgnisse seine sonstigen Bedürfnisse decken müssen. Am nächsten Morgen in aller Frühe hatte ich Gelegenheit, den ganzen Betrieb kennenzulernen. Es war Frontag, und der Hilacata, der Kazike oder Aufseher der Indianer, trat mit den Kolonen auf dem Hofe an. Dann gings zur Arbeit, Männer und Frauen getrennt. Wir gingen erst zu den Männern, denen die schwere Arbeit obliegt. Es galt, neues Land für ein Cocal zu roden. Busche und Bäume, die den Hang deckten, waren bereits abgebrannt, und jetzt waren die etwa dreißig Indios in langer Reihe dabei, mit Hacke und Schaufel die Wurzelstöcke zu entsernen. Langsam arbeitete sich die braune Kette den Berg hinauf. Vor ihnen stand in buntem Ponscho, das fast meterlange Messer im Gürtel und das schwarzglänzende Haar bis auf die Hüften herabhängend, der Hilacata. An anderer Stelle waren die Frauen dabei, im Cocal das Unkraut zu jäten. Auch hier ein Hilacata=Stellvertreter als Aufseher. Am Abend saßen der Administrator und ich auf der luftigen Veranda beisammen. Hinter dem scharfen Bergrücken, zu dessen beiden Seiten Coripata wie ein Raubvogelnest klebt, verslammte der Abend. Aus dem dunklen Laub des Gartens heraus sah man das Leuchten der Orangen. Dahinter ließen gleich müden Pferden die Bauanen ihre früchteschweren Köpfe hängen. Von den Indianerhütten her klang monoton eine Rohrslöte.„Ständiger Aerger mit dem Pack!“—„Nun, ich glaube, jeder europäische Gutsbesitzer würde blaß vor Neid über solch billige Arbeitskräfte. Entlassung geht ja nicht gut, wenn jeder Arbeiter seine tausend Peso wertet, und Lohnabzug gibts auch nicht. Was machen Sie denn, wenn die Leute widersetzlich sind oder faul?" Er sah erstaunt auf:„Aber dafür hat man doch die Peitsche!“—„Die Peitsche?“—„Aber natürlich, glauben Sie denn, es ginge anders? Selbstverständlich habe auch ich eine, oder vielmehr zwei, eine dicke für die Männer und eine dünne für die Frauen.“ Ich mußte wohl ein sehr ungläubiges Gesicht gemacht haben. Denn er meinte:„Wenn Sie es nicht glauben, kann ich ja einen auspeitschen. Ein Grund findet sich immer.“— Ich danre.... Die Geschichte von der Spitzmaus und der Zitternase (Nachdruck verboten.) C 41. Nicht wahr, eigentlich hatte das Kücken ganz recht und man versohnte sich denn auch schnell wieder. Wir kletterten eins, zwei, drei, in den Stall hinein und spielten mit den Kücken. Zuerst wollten wir ein Wettrennen veranstalten. Wir Mäuse krochen jede auf dem Rücken eines der Vögel, und bann ging es los! Kann oder soll jedermann bei Screitem Fenster schkasen? Im Sommer reizt es wohl alle Menschen, wenn sie an einem heißen Sommerabend ihr Schlafzimmer betreten, schnell beide Fensterflügel auszureißen. Man will die kühle Nachtluft, die frische Luft durch die Fenster hereinlassen, um eine angenehme Temperatur in dem meist schwülen Schlafzimmer zu erzielen. Doch werden hier manche Leichtsinnsfehler gemacht, die sich später bitter rächen. Zweifelsohne ist das Hereinlassen freier Luftströmungen für den Schlasenden gesund; die verbrauchte Schlafzimmerluft wird durch unverbrauchte Freiluft ersetzt. Wer jedoch an Schlafen bei offenem Fenster nicht gewohnt ist, wird in der Frühe beim Aufwachen oft eine kleine oder größere Ertältung spüren. Besonders werden dies Menschen beobachten, die durch den Mund atmen. Sie müssen besonders vorsichtig sein; leicht ist eine Entzündung der Luftwege da. Der Schlafende mit Mundatmung ist jedem äußeren Luftzug in erhöhtem Maße ausgesetzt. Menschen, die an den Bronchien empfindlich sind und an Hustenreiz leiden, ist durchaus abzureten, bei offenem Fenster zu schlasen. Für sie sind die kühlen Nachtstunden bestimmt ein Nachteil. Man muß bedenken, daß nachts jegliche Kontrolle über den Körper wegfällt. Wenn uns am Tage Zugluft auf irgendeine Weise zukommt, so stellen wir den Uebelstand ab, und es kann nichts passieren. Jedoch nachts werden häufig die Schleimhäute des Rachens oder die Bronchien durch die Außenluft gereizt; die Temperatur kühlt sich ab und die Schädigung kann ungehindert aus den Körper eindringen. Eine Erkältung oder Halsentzündung sind die Folgen. Diese Vorsicht brauchen die nicht zu üben, die nie an Erkältungskrankheiten leiden und die an frische Luft gewöhnt sind. Ihnen wird auch ein plötzlicher nächtlicher Witterungsumschlag nicht schaden. Und trotzdem, seid keine Fanatiker— es darf nicht heißen: auf alle Fälle bei offenem Fenster schlafen. Isabella. 42. Das Ziel war der Draht auf der andern Seite. Ringelschwanz und Stippelhannes kamen beide zugleich als Sieger an, so daß beide noch einmal rennen mußten. Mir kam ein guter Einfall. Während beide voller Spannung und Aufregung fertig standen, banden Zitternase und ich vorsichtig ihre Schwänze zusammen. NTTTTL S Schtan GAT +— * 43.„Fertig?“, rief ich dann,„ich werde zählen. Also: eins, zwei, drei!“ Fort sausten die beiden Kücken, doch Ringelschwanz und Stippelhannes, die aneinandergebunden waren, rollten auf dem Boden, während die Vögel, die das Ungluck nicht einmal bemerkt hatten, in voller Fahrt weiterrannten. u S 2A Freitere Ecke „Also“, sagte der Richter,„Sie haben einen Stollen gegraben und einen Deckendurchbruch gemacht. Dann haben Sie drei Panzertüren aufgestemmt und nach all diesen Anstrengungen sind Sie schließlich vor der letzten Tür erfolglos umgekehrt — warum denn?“ „Sie werden es nicht glauben wollen, Herr Richter: an der Tür stand:„Unbefugten ist der Eintritt verboten!“ * „Mensch, Ede, wo haste denn die knorken Maschettenknöpfe her?“ „Wenn ick ehrlich sein soll— jeklaut!“ * „Herr Doktor, erinnern Sie sich, daß Sie mir voriges Jahr als Mittel gegen meinen Rheumatismus den Rat gaben, mich vor Feuchtigkeit in acht zu nehmen?“ „Sehr richtig: hat sich denn Ihr Leiden gebessert?“ „Ja, und nun wollte ich Sie fragen, ob ich jetzt mal wieder ein Bad nehmen könnte!“ Professor Abendschein hatte gerade noch die Straßenbahn erwischt, doch die Plätze waren alle besetzt. Da stand ein kleines Mädchen auf und bat dem Professor seinen Platz an.—„Danke, mein Kind“, sagte der Professor Abendschein,„und wie heißt du?“—„Anna Abendschein, Papa!“ Aus der Schule geplaudert.„Junge, kannst du nicht sauberer gewaschen zur Schule kommen? Was ist denn dein Vater?“—„Erwerbslos.“—„Kümmert sich denn sonst niemand um dich? Wo ist denn deine Mutter?“—„Mutter geht zur Arbeit. Bloß Großvater ist noch da.“—„Was ist denn der?“ —„Junglehrer.“ Rundfunk-Programm Langenberg Donnerstag. 18. August 9.45: Hilde Bremus: Gymnastik für Frauen. 10.15: Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 16.20: Ungedruckte Dichter Goswin V. Gat: Gedichte. 16.40: Die Welt im Buch W. Stern: Meister und Werke. 18.20: Carlbeinz Hillelamps: Kleist Eine Novell= 19.00: Ketzereien zur Zeit. Dr. Mechthild Barthel=Kranzbühler: Neue Jugendlichkeit 19.20: Vom Tage 9.30. Dr. Reifserscheidt: Die handelspolitischen Gefahren der Einfuhrkontingentierung.„ 20.00: Leichte Musik des Funkorchesters. Leitung: Kühn. Intermezzo: Nürburgring. Oratorium von H. Prodöhl. Musik von H. Ebert 22.20: Solingen: Konzert der Kavelle Vollenbruch. Freitag. 19. August 9.45: Hilde Bremus: Gymnastit für Frauen. 10.15: Mensch und Welt Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 16.20: Jugendsunk: Musit und Lieder von Feliz MendelssohnBartholdy(Schallplatten).„— SEE 18.20: Dr Line Wallerstein: Neue Ausgrabungen im Rheinland. 9.00: Dr. Kempken: Die Neuregelung des Ausverkaufswesens. 19.30: Wirtschaft und Gesellschaft im Buch. Dr. Stein: Neue 20.00: Richard=Wogner=Stunde des Funkorchesters. Leitung: Buschkotter. Solist: Strienz(Baß). 21.00: Das Nebelhorn— Nachbarn. oder: Der Mord in der Friedrichstraße Zwei Lustige Hörspiele von Adolf Uzarski. 22.30: Messe Es=Dur von Franz Schubert. Ausf.: Funk=Kammer= chor und=Orchester Leitung: Zimmermann. Hönigerubierhausen Deutsche Welle: Donnerstag. 18. August 10.10: Breslau: Schulfunk: Das schlesische Volkslied. 15.00: Karl Köster liest aus: Orientfahrt der Sturmvaganten. 15.45: Cläre Bauroff: Meine tägliche Hausarbeit als Schönheitspflege. 16.00: Rektor Winter u. Kreisarzt Med.=Rat Dr. Kühnlein: Schulgesundheitspflege auf dem Lande. 16.30: Berlin Nachmittagskonzert.„ 17.30: Proi Wittstock: Die Nationalitätenfrage Südosteuropas. 18.00: Aus Paul Hindemiths: Marienleben Ausf.: Rita Weise Am Flügel: H Schultze=Ritter. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 19.00: Aktuelle Stunde 19.15: Stunde des Landwirts.„„„„„ 19.30: Großer bunter Tanzabend. Kavelle Gerhard Hoffmann.— Rerramgesang: Baul Erdfmann. 21.00: Tages= und Svortnachrichten. 21.10: Richard Wagner in Paris. Hörfolge von Heinrich Burkard. 22.15: Wetter=, Tages= und Svortnachrichten. Anschl Abendunterhaltung des Deutschen Sinionie=Orchesters Arbeiter-Rundfunkhörer Lest eure Zeitschrift:„Volksfunk 10.10: 15.00: 15.40: 16.00: 16.30: 17.30: 18.00: keite 18.30: lage 19.00: 19.15: 19.35: Anschl 20.00: 20.45: 21.00: vorn 22.10: Anschl. Deutsche Welle: Freitag. 19. August Schulsunk Allmärkische Erntesitten. Carola Hersel Jugend hilft der Jugend. Jugendstunde Vom unheimlichen Reiter. Bildhauet Wauer Arbeitstechniken im Arbeitsunterricht Prof Doeo, Schwiersakeiten der englischen Aussprache. Charlotte Kautmann: Das Cembalo, seine Ausdrucksmöglichn und Grenzen Dr Lautenbach: Goldwährung und internationale WährungsOb.=Ing Rairz: Die neunte Funkausstellung. Willenschaftliche Vortrag für Aerzte. A. Wendi u K. Imanz: Maschinenvroblem im Bankgewerbe. Wetter für die Landwirtschaft. Hamburg: Rudoll-Philiop=Stunde Leitung: G. Marsz. Tages= und Sportnachrichten„ Köln: Zwe. lustige Hörspiele von A. Uzarskt. Das Nebel.— Nachbarn. oder: Der Mord in der Friedrichstraße. Wetter=, Tages= und Svortnachrichten. Tammusik der Ravelle Geora Gruber. 9 9 Der Komödiant Lockt's dich, der Schalksnarr zu sein auf politischer Bühne, du Aeffer italischer Geste und Schänder des Christ, daß trügenden Jerwahn du geiferst mit leuflischer Kühne, amtost von viel Volk, dem Götze und Moloch du bist? Millionen zwingst du, dir Knie und Nacken zu beugen, Millionenopfer, die grausam dein Rachen verschlingt! Doch aber Millionen steh'n schwörend, der Welt zu bezeugen: Geißel des Volkes du bist, die Satanas schwingt. Geißel des Volks, nicht sein Schalksnarr! Denn Kinder und Narren sagen die Wahrheit; du, Gaukler, sagtest sie nie. Doch klappert dereinst durch das„Dritte“ Sankt Grobians Karren, Heil! dann wird strahlen im Rüpelspiel groß dein Genie. Sebastian Brant. die es auf der Welt gibt, nicht von einzelnen geschaffen worden sind. Er sieht, daß die Eigenschaften und Triebnotwendigkeiten, die zur Sprache führen, dagewesen sind, seitdem es Menschen gibt. Um sich den Lebensunterhalt zu verschaffen, mußte man sich verständigen können. Denn der Mensch war ja dem Existenzkampfe nicht so gewachsen wie manche Tiere, und selbst bei diesen findet sich eine Art Sprache in Wundts Sinne. Es kam so zu Ausdrucksbewegungen, die sich in einem Nachahmungs= und Mitteilungstriebe fortsetzten; man teilte den andern zunächst durch Zeichen mit, was man haben oder tun wolle. Dann nahm man den Laut zu Hilfe, wobei zuerst die mit Schmerz oder Freude verbundenen Lebensereignisse besondert stark ausgedrückt wurden. Und dann entstand mit der großeren Viesseitigkeit der Bedürfnisse und der Arbeitsteilung immer mehr an Sätzen(die wohl vor den abgetrennten Einzelworten kamen). Wundt ist theoretischer Philosoph. Seine Werke sind für Wissenschaftler geschrieben und sind trotz aller Farbigkeit und allen Material= reichtums trocken. Aber es steht vieles in ihnen, was für unsere Kenntnis der Menschheitsentwicklung mit großem Nutzen ausgewertet werden kann. Darum wird Wundt noch für einige Zeit Bedeutung behalten. Dr. Hans Hartmann. Unter belgischen Bergarbeitern Wilhelm Wundt Zu seinem 100. Geburtstag am 16. August Wilhelm Wundt ist der letzte Polyhistor genannt worden. Man hat ihn also in eine Reihe mit Leibniz oder Goethe gestellt und hat gemeint, daß er auf allen Gebieten des Lebens und des Forschens in ungewöhnlichem Maße beschlagen sei. Das trifft auch tatsächlich zu. Dieser Leipziger Professor, der mit 88 Jahren starb, ging— ursprünglich Medizner— von der experimentellen Psychologie aus, tastete sich dann durch alle Fragen der Philosophie, der Naturwissenschaft und der Geschichte hindurch und hat sie unermüdlich immer wieder neu aufgerollt und bearbeitet. Man könnte freilich erstaunt ein, daß sein Nachruhm nicht noch viel größer ist. Denn nicht nur hat er auf allen Gebieten Klarheit und vorsichtige Kritik zu vereinigen gewußt, sondern auch ganz neue Forschungsgediete entdeckt und zum ersten Male wissenschaftlich untersucht. Unter diesen Gedieten steht die Völkerpsychologie obenan. Die Forschungskeisenden und Missionare hatten seit etwa 100 Jahren unendlich viel Material zusammengeschleppt, aber erst Wundt gelang es, das alles in einen einheitlichen Zusammenhang zu ordnen und all diese Gedräuche und Sozialformen, ja, bis zurück zur Entstehung der Sprache und der Mythen, von einem Leitgedanken aus zu sehen. Dieser Mann verfügte über ein ungeheures Gedächtnis. Alles, was er las, hatte er bei seinen systematischen Untersuchungen gegenwärtig. In Neckarau bei Mannheim als Pfarrerssohn geboren, lehrte er zuerst in Heidelberg, später in Zürich als Nachfolger Friedrich Albert Langes. des Verfassers des berühmten„Geschichte des Materialismus“ und war dann jahrzehntelang die bedeutendste wissenschaftliche Persönlichkeit an der Universität Leipzig. Wundts Gesamtwerk hat riesige Dimensionen angenommen. Er hat, um nur einiges aufzuzählen. Vorlesungen über die Menschenund Tierseele veröffentlicht, eine dreibändige Logik, eine dreibändige Ethik, ein zweibandiges System der Philosophie, einen Grundriß der Psychologie und endlich— das Erstaunlichste!— zehn dicke Bände „Völkerpsychologie". Dabei war er kein Vielschreiber, sondern alles, was er schrieb, hatte Gehalt, und wenn er auch in manchem in den Anschauungen seiner Zeit befangen war, so ragte er doch in vielem über sie hinaus. Am wichtigsten ist uns heute vielleicht, daß er die kollektive Entstehung der Sprache und der Göttermythen erkannte. Er hat durch immer neue Vergleichung des Materials, das die Urgeschichte und die heute noch lebenden primitiven Völker bieten, die Ueberzeugung gewonnen, daß es eine Art kollektiver Volksseele gibt. Nicht ein einzelner hat willkürlich in einem bestimmten Augenblick Sitten, Gebräuche, Gesetze, religiöse und ethische Vorstellungen erfunden und sie dann, wie die Sage es von Moses berichtet, dem Volke aufgezwungen, sondern diese sind aus der feineren und deutlicheren Entwicklung der Urtriebe der Menschen entstanden. Mit Recht meint Wundt, daß die 300 oder 500 Sprachen, Historischer Boden... Hier stellte sich im August 1914 das englische Expeditionskorps unter French der vordringenden deutschen Ersten Armee entgegen und wurde von ihr niedergerannt. Im Sommer 1932 erlebt die belgische Provinz Hennegau mit ihrer Hauptstadt Mons wieder eine militarische Invasion: Flämische Infanterie marschiert durch die schwarzen Städte und Dörfer des Kohlenbeckens, Tanks erklettern schwerfällig die dunklen Halden, Reiterschwadronen traben, Motorkolonnen und Panzer autos rasen über Flugzeuge knattern spähend in geringer Höhe. Mo ist der Feind Sind es die zeclumpten Arbeiter, die zu Tausenden die Gruben verlassen haben und haßerfüllt auf das militärische Treiben starren, oder die Weiber und Kinder, die sich um die Gulaschkanonen drängen und die appetitlichen Dämpfe sehnsüchtig einatmen? „Sie werden gut tun, sich einen polizeilichen Ausweis zu holen“, meint der amerikonische Kollege,„wenn Sie nicht eine Verhaftung riskieren wollen. Es geht hier scharf zu!“— Einstweilen sitzt es sich behaglich im Schaufenster des kleinen Estaminets, mitten unter den Blaublusen, die die ungewohnte Feierzeit mit mäßigem Genuß billiger Schnäpse und schalen Biers verbringen. Ihre Gespräche sind sicherlich aufschlußreicher als die offiziellen Informationen im Rathaus und die amtlichen Bulletins. Von diesen Männern der Tiefe, die von bitterer Not gezeichnet, deren Rücken von schwerer Fron gekrümmt sind, ist keiner für eine„direkte Aktior“ zu haben. Es sind alte Gewerkschaftler, die seit Generationen in den hiesigen Kohlen= und Erzgruben arbeiten und mit den zugewanderten kommunistischen Elementen, die die Führung des Streiks an sich gerissen haben, nicht sonderlich sympathisieren. „Unser Grubensystem ist veraltet", klagt ein breitschultriger Hauer,„und die Förderungen sind unrationell. Um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben, haben die Unternehmer seit Jahren einen Lohndruck ausgeübt, der unsere Existenzmöglichkeit auf ein Minimum herabgedrückt hat Wenn unsere Gruben mit den deutschen und englischen auf dem Weltmarkte nicht mehr in Wettbewerb treten können, so deshalb, weil seit Kriegsende keine technischen Verbesserungen, keine größeren Investitionen vorgenommen worden sind. Die Herren in Brüssel und Paris mögen auf ihre Dividenden verzichten; wir können den Leibriemen nicht mehr enger schnüren. Dazu hat die Regierung mit der Brotsteuer und der Einschränkung der Arbeitslosenunterstützung böses Blut gemacht. Für unsere armseligen Behausungen werden hohe Mieten verlangt; wer nicht zahlt, wird rücksichtslos auf die Straße gesetzt. Einige von kommunistischen Einzelgängern eingeschlagene Fensterscheiben haben bewirkt, daß ängstliche Geschäftsleute ihre Rollbalken heruntergelassen haben. Vor den Läden patrouillieren reizbare Polizisten, die das zwecklose Herumstehen in der Mittagsglut verdrossen macht. Straßen und Plätze sind von Streikenden überflutet, die, je nach Temperament, in drohendem Schweigen verharren oder die rotbackigen blonden Bauernjungen der flämischen Truppenteile hänseln.„Hier gibt es nichts zu fressen; da werdet ihr's nicht lange aushalten!" und„Gib nur acht, daß du nicht mit dem Hintern ins Bajonett fällst!“ Die Verwendung flämischer Regimenter im wallonischen Lande hat den unter der Oberfläche schwelenden Rassenhaß neu geweckt und Oel ins Feuer gegossen. Vor einer Lebensmittelhandlung gibt es eine kleine Keilerei. Junge Burschen haben einige Obstkörbchen ergriffen und verteilen lachend die verstaubten Kirschen unter Frauen und Kindern. Der Krämer hat sich in die hinterste Ecke zurückgezogen und meint resigniert:„Diese Jungs kenne ich... Nun. wwegen ein paar Kirschen... Ich fürchte, daß es zu Blutvergießen kommen wird. Und das Resultat? Belgien kann der Welt keine höheren Kohlenpreise vorschreiben; also wird man den Streikenden schließlich einige Centimes zubilligen, und das Elend wird das gleiche bleiben. Arbeiterwohnung am Canal de Condé. Eine stattliche, rundliche Frau, magere Kinder, die in der Wohnküche am Kaffeetisch hen. Landstraßen und sperren alle Zufahrtswege. Es sitzen. ndarmen. Meldefahrern und Feldtelegraphisten.]„Wir leben von Kaffee und Kartoffelsuppe, mein Herr. „„—„„„„„„„„„„„„ jeden gibt es zwei Brotschnitten den Tag. Mein Mann ist natürlich draußen bei den Kameraden. Kein Mensch kann einem sagen, woran es liegen mag, daß die Zeiten immer miserabler werden. Haben wir wirklich den Krieg gewonnen? Und wohin sind die deutschen Reparationsgelder geflossen? Oh. es läßt sich denken... Sehen Sie sich in der Stube um— sie ist leer, alles beim Pfandleiher. Auch der Krämer will nicht mehr borgen. Sollen wir wirklich Hungers sterben?" Jakob Fingermann. Mondfinsternis im September Die einzige in diesem Jahre in Mitteleuropa sichtbare Mondfinsternis erfolgt am 14 September. Die Verfinsterung ist nut eine partielle, also eine unvollständige, aber immerhin wird det Mond doch zu 98 Proz. seines Durchmessers vom Erdschatten bedeckt. Der außerhalb des Kernschattens der Erde bleibende kleine beleuchtete Teil der Mondscheibe befindet sich am nördlichen(oberen) Rande. Die Abschwachung der Mondheiligkeit durch den Halvschatten der Erde ist nur sehr gering und deshalb auch kaum auffällig. Der Mond tritt am 14. September um 20 Uhr 18 Minuten in den Kernschatten der Erde. Die Mitte der Finsternis ist um 22 Uhr, und der Austritt aus dem Kernschatten erfolgt um 23 Uhr 43 Minuten. An diesem Tage geht der Mond in unsern Breiten schon ungefähr 2¼ Stunden vor Beginn der Verfinsterung durch den Kernschatten der Erde auf, Ein interessanter Fleck Am Ostseestrande liegen zwei Herren im Sande und plaudern. Die Sonne scheint heiß herunter. Das Meer rauscht. „Sie ham da ä inderessandn Fiegg“, sagt der eine. denn?“ „Da auf dem rechdn Arm. Das is ä Bichmendflegg.“ Züge““ „Ae Bichmendflegg. In der Haud sidzu laudr gleine braune Binggdin. Das sind Bichmende. Wenn nu die Sonne auf die Haud scheind, da hobsn die Bichmende alle an die Oberfläche. Da wird der Mensch braun. Bei Ihnen sind aber nun an einer Schdelle sehr viele Bichmende. Und das gibd dan ännen sogenanndn Bichmendflegg.“ „Das ist sehr inderessand.“ Und sowas soll ich haben?“ „Nu freilich. Sie sind doch an der einen Schdelle brauner als woandersch.“ „Aejja. Das is gein Bichmendflegg. Da habe ich mich vorhin mid Gagao begleggerd.. Der Copyrigbt„Der Bücherkreis“. Berlin SWor. (Schluß.) Zizka ahnt, daß das kein leichtes Unterfangen sein wird. Wohl hat er heute für Hus das erste Blut vergossen. Aber gegen das, was noch kommen wird, war dieses bißchen Bluteuer ein Kinderspiel. Der Konstanzer Scheiterhaufen wird ganz andere Maße annehmen! Die gesamte im Baalsdienst versunkene Christenheit wird er mit seinem Feueratem versengen! Zizka muß das Auge schließen, so überwältigt ihn das Bild vom Bland der Welt. Doch er wird keine Sekunde zögern, dieses Gesicht zur Tat werden zu lassen. Die Welt ist krank, todkrank ist sie, krank an Herz und Nieren, mag sich ihre Sünde und ihre Krankheit im Feuer verzehren! Die Flamme der Vernichtung fresse alles rein, damit nach Gottes Willen aus der Asche fleckenlos das Neue entstehe! Zizka weiß jetzt, daß seine vielfältigen Fahrten in der Fremde doch keine Irrfahrten waren. Er hat sie tun müssen, um Meister der Kriegskunst zu werden. Denn sein Volk soll, das spürt er mit allen Fasern, ein Volk des Kampfes sein. Wer sich vornimmt, das Land neu zu pflügen, muß es auch verstehen, das Unkraut zu reuten und es samt Wurzel und Samen zu vernichten. Zizra wein, wo die Kraft seines Volkes liegt: bei den Bauern. Sie ist zwar verschüttet, diese Kraft, aber er wird die Trümmer und Hindernisse hinwegräumen, damit sie wieder ungehindert aus der Tiefe quelle. Er wird sich eine Armee von Bauern bilden, Stoßtruppen armer Jans. Nein, keinen Koller, keinen Panzer werden diese Huskinder tragen; ihr Mut, ihre Begeisterung wird ihr Koller und Panzer sein! Nicht Schwert und Lanze werden sie führen, nein, nur jene Waffe, mit der sie herbstlings und winters auf ihren Tennen die Spreu vom Weizen jagen. Dreschflegel wird er ihnen in die Hand drücken. Die können sie aus jeder Scheuer mitnehmen, die brauchen sie vicht erst in den Gewölben zu kaufen oder in den häusern zu stehlen. Hei, wie wird der Bauernflegel die Feinde und Widersacher dreschen! Gebogene Eisen wird er machen lassen, Haken an Stangen, zwei drei Schuh länger als Herrenlanzen, um damit die Ritter an den Füßen aus den Bügeln und von den Pferden zu reißen. Sind die gepanzerten Klötze erst einmal am Boden, dann ist die Arbeit leicht. Achtundzwanzigmal in der Minute wird der Flegel sausen! Achtundzwanzig Dresch! Dreschl in sechzig Sekunden! „Drauf im Namen unseres Jan Hus!“ wird das Feldgeschrei sein. Sünder, verkriecht euch! Es kommt Gottes gewaltiger Haufen! Zizka glüht im Gedanken an diese Zukunftsstunde. Wehe Rom und den Römlingen! Wehe den Bullenschmeißern! Wehe den feisten Tagdieben und Pfaffen! Ihre Kirchen und Klöster sollen ihnen als Scheiterhaufen über den eingeschlagenen Schädeln flammen! Diese Scheiterhaufen sind nur der Konstanzer Scheiter Widerschein! Ja, Jan Hus soll gerächt werden fürchterlich! Da, aus der Zone des Nebels stößt schnaubend sein Pferd vor und hebt wiehernd den Kopf, als es die blanke Schüssel des Sees sieht. Zizka aibt ihm die Zügel frei, und nun streckt es den Hals, wirft die Lefzen auf und trinkt in langen durstigen Zügen. Auch das Saumpferd drängt vor nach dem köstlichen Naß. Zizka läßt die Kreatur saufen, bis sie nicht mehr kann. Aber als er weiterreiten will, weigert sich der Rappe. Zizka versucht, ihm den Sporn zu geben. Doch im gleichen Augenblick geht der Gaul vorn hoch, so daß Zizka in den schärfsten Schenkeldruck muß, um nicht abgeschleudert zu werden. Beruhigend klopft er nachher dem ängstlich blasenden Tier auf den Hals und beugt sich vor, um nach dem Hindernis zu sehen. Oha, da liegt ja ein dunkles Bündel im Weg! Zizka steigt ab. Er findet einen vor Erschöpfung zusammengesunkenen Menschen. Dessen Gewand trieft vor Nässe, als sei er eben erst aus dem See gestiegen. Zizra stößt den Menschen mit dem Fuß an. Er rührt sich nicht. Da beugte er sich zu ihm nieder und rüttelt ihn derb an den Schultern:„Heda! Aufgewacht!“ schreit er dem Manne ins Ohr.„Hier der Weg ist eine schlechte Bettstatt!“ Langsam kommt Leben in das geschüttelte Bündel. Ein rothaariger Kopf hebt sich aus riesigen Schultern, zwei Augen stieren den Ritter wie etwas Unbegreifliches an. eine Faust streckt sich gegen den Rand des Horizonts, wo ein paar Türme wie silberne Borsten leuchten, und eine heisere Stimme flucht:„Möge die ganze Bande verrecken!“ „Wenn du die Konstanzer meinst, halte ich mit!“ sagt der Ritter.„Aber höre mich an, nasser Mann! Es hat keinen Zweck, eine bloße Drohfaust zu machen! Die Kinder der Welt haben vor deinen fünf Fingern erst dann Respekt, wenn etwas zum Zuhauen darin ist! Ein gutes Schwert beispielsweise!“ „Hast du mir eines?“ fragt aufstehend und die Glieder streckend, der Riesenklotz von Hilfsschreiber. „Zehn für eins!“ sagt Zizka.„Wenn du dich am Menschenpack rächen willst, komm mit! Da, sitz auf, ich hab noch ein lediges Pferd bei mir!“ Vil., läßt sich nicht zweimal heißen. Dieser Nachtritt kommt ihm ver wie ein Traum. Es ist ihm alles wirr und wunderlich. Denn nach dem Urteil des über das Blut erkennenden Konstanzer Kleinen Rats müßte er als heimlich Hingerichteter längst im Untersee zwischen Aalen und Kretzern schweben. Er hört an seiner Seite die beiden Juden sammern und schrein, und in den Ohren dumpf noch ein merkwürdiges Gurgeln und Sausen. Wie ist er nur dem verfluchten Steinsack entronnen? Doch jetzt ist nicht die richtige Luftwärme zum Grübeln und Denken. Der Mond aus seinem silbernen Kübel tröpfelt Kälte um Kälte. Mit klappernden Zähnen trabi der Gerettete hinter Herrn Zizta her. Der ist ob des unvermuteten Bundesgenossen auf einmal fröhlich geworden. Wie Wein wogts ihm durchs Blut. Er vergißt sogar den Schmerz in der Stirne. Ein Lied tritt ihm auf die Lippen. Hier, an der Allensbacher Linde, wo der Weg abbiegt nach dem Mindelsee hinüber, hat er's gestern bei seinem Einritt nach Konstanz gehört. Ein Fahrender stand dort im Kreis und sang seinen Zuhörern mit heller Stimme das Lob einer alten Rittertat, mit Lautenschlägen begleitet. Zizka hat noch den Stoß des Rhythmus und das Gefälle der Worte im Ohr. Eins muß er diesen Deutschen lassen: Sie sind Meister des einprägenden Worts. Unvergeßbar bleibt ihm die Wucht der letzten paar Zeilen: Besitz stirbt. Sippen sterben. Du selbst stirbst wie sie. Eines nur, das ewig lebt: Des Toten Tatenruhm. Land Preußen geführt habe. Da die Reichsregierung durch die Ernennung von Kommissaren versuchte, in Preußen die Staatsgewalt durch Reichsorgane auszuüben, bestehe der Streit darüber, wer in einem Lande bejugt sei, die Staatsgewalt auszuuben. Das sei ein innerstaatlicher Verfassungsstreit, in dem die Fraktionen nach der Reichsverfassung Klage erheben könnten. Durch das Vorgehen des Reiches sei auch das Recht der preußischen Volksvertretung beeinträchtigt worden, im Wege der parlamentarisch=demokratischen Regierungsform an der Regierungsbildung beteiligt zu werden. Stürmische Landtagssitzung am nächsten Donnerstag? Berlin, 17. August.(Drahtmeldung.) Wie das BDZ.=Büro meldet, hat der Prasident des Preußischen Landtags den offisiellen Termin für die nächste Landtagsperiode bisher noch nicht derkündet. Die Einberufung des Parlaments dürfte jedoch unmittelbar bevorstehen und als nächster Sitzungstermin wird der Donnerstag, der kommenden Woche weiter genannt. Auf der Tagesordnung dürften eine Reihe sehr wichtiger und umstrittener Fragen stehen, so daß in parlamentarischen Kreisen mit erregten Auseinandersetzungen gerechnet wird. An der Spitze der Tagesordnung wird vermutlich die Mitteilung des Reichskanzlers über seine Bestellung als Reichskommissar für das Land Preußen und über die Besetzung in der Führung der preußischen Ministerien stehen. Damit werden voraussichtlich die zu dieser Angelegenheit eingegangenen Anfragen und Anträge der Parteien verbunden. Weiter sind dann Verhandlungen und Anträge wegen der schweren und blutigen Zusammenstöße in Ostpreußen, Schlesien und anderen Landesteilen zu erwarten. Ob auch die Wahl des preußischen Ministerpräsidenten bereits in diesem Tagungsabschnitt angesetzt werden kann, hängt davon ab, ob die für Ende der Woche zu erwartende Fühlungnahme zwischen Zentrum und Nationalsozialisten dies erlaubt. SA.-Mann erschießt SA.-Mann Wallen in Kreienlen Braunschweig, 17. August.(Eig. Drahtbericht.) In der berüchtigten SA.=Schule Kreiensen ist am Dienstagabend der SA.=Mann Kasel von einem anderen SA.=Minn erschossen worden. Die Nationalsozialisten stellen die Sache so dar, daß der Täter mit der Schußzwaffe hautiert habe und dann der Schuß versehentlich losgegangen sei. Ob diese Schilderung stimmt, wird zurzeit vom Gericht nachgeprüft. Dieser Vorfall ist ein klarer Beweis für die Richtigkeit der sozialdemokratischen Behauptung, daß sich in der SA.=Schule Kreiensen Waffen befinden. Bisher haben die Nazis das immer abgestritten. Sie werden durch diesen Vorfall aber überführt, daß die sozialdemokratische Behauptung richtig ist. Die häusig bewaffneten Schüler der SA.=Schule in Kreiensen stellen eine erhebliche Bedrohung der republikanischen Bevölkerung der Gemeinde dar. Die nationalsozialistische Landesregierung hat es aber noch niemals für nötig befunden, in der SA.=Kaserne nach Waffen suchen zu lassen. Platz für Parteibuchbeamte! Der Direktor der„Dradag“ geht Berlin, 17. August.(Eig. Drahtmeldung.) Dr. Räuscher, Chesdirektor der„Dradag“, der Nachrichtenzentrale der deutschen Sender, die gemaß den neuen Richtlinien für den Rundjunt aufgelöst werden soll, ist aus seinem Urlaub plötzlich zurückgerufen worden. Schon heute wird mit ihm über sein künftiges Schicksal verhandelt. Die Funktionen der„Dradag“ sollen von der Reichsrundfunkgesellschaft übernommen werden. Dr. Räuscher steht dem Zentrum nahe, und auch das ist allem Anschein nach Grund genug, ihn kaltzustellen. Wieder ein Republikaner verdrängt Stettin, 17. August.(Eig. Drabtmeldung.) Der Direktor des Stettiner Arbeitsamtes, der frühere Amtsgerichtsrat Altmann. ist von seinem Amt beurlaubt worden. Der Grund dafür ist nach der Angabe der nationalsozialistischen Blätter seine „marxistische“. Einstellung. Vom Reichswehrminilterium in die Reichsprelletelle Das„neue System“ Papen=Schleicher hat bekanntlich als einen der ersten Akte seiner Tätigkeit den bisherigen Leite: der Reichspressestelle, Ministerialdirektor Zechlin, zur Disvosition gestellt. Sein Nachfolger wurde der Vertreter Zechlins, von Kaufmann=Asser. Aber auch dieser verläßt jetzt nach kaum zweimonatiger Amtsdauer seine leitende Stellung, um irgendwo Gesandter zu werden. Dafür ist nun der bisherige Pressereferent im Reichswehrministerium, Major Marcka, ein Sohn des bekannten Berliner Historikers, zum„Reichspressechef“ ernannt worden. Nur Urteile gegen Links, nicht gegen rechts! Die ersten Sondergerichtsurteile haben in der Oeffentlichkeit starkes Befremden hervorgerufen. Man hat es zunächst mit harten Urteilen gegen links zu tun. Auch in der bürgerlichen Linkspresse wird auf diese Tatfache aufmerksam gemacht. So sagt das„Berliner Tageblatt“, es müsse vielleicht ein Zufall sein, daß sich die ersten Strafen namentlich gegen lintsstehende Personen, gegen Kommunisten und Reichsbannerleute, richteten. Auffallend bleibe dies aber doch, denn nach den Vorfällen der letzten Woche, die erst zu der Einrichtung der Sondergerichte Anlaß gegeben hätten, habe man doch eigentlich annehmen müssen, daß die Verfahren gegen nationalsozialistische Bombenund Handgranatenwerfer bei weitem überwiegen. Von einem Verfahren gegen Rechts sei jedoch bis heute nicht die Rede. Der Sondergerichtsprozeß in Beuthen gegen die nationalsozialistischen Totschläger werde von Tag zu Tag verschoben.„Die ganze Einrichtung der Sondergerichte, die außerordentliche Befugnisse erhalten haben, können“, so betont das Blatt,„nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn in gleichem Maße gegen Täter von rechts und links vorgegangen wird.“ So arbeitet das Königsberger Schnellgericht! Ein Königsberger Schnellgericht fällte am Dienstag, wie Mittwoch bereits kurz berichtet, ein fürchterlich hartes Urteil gegen Kommunisten, die wegen schweren Landfriedensbruches angeklagt waren. Sie sollen am 22. Juli einen Trupp Nationalsozialisten, der in einem Arbeiterviertel Flugblätter verteilte, überfallen haben. Bezeichnend für die Art des Gerichtsverfahrens ist, daß nur nationalsozialistische Belastungszeugen geladen waren, Entlastungszeugen aber nicht vor Gericht kamen. Von den 11 Angeklagten wurde einer freigesprochen. Die übrigen wurden zu 27 Monaten Zuchthaus und 58 Monaten Gefängnis verurteilt. Auf der Gerichtsverhandlung wurde unter den im Zuhörerkaum sitzenden Nationalsozialisten ein Mann entdeckt, der als einer der Täter wiedererkannt wurde, die in der Königsberger Blutnacht nach der Reichstagswahl Tankstellen angezündet haben. Er wurde auf der Stelle verhaftet. Nazi-Aufforderung zum Straßenkampf Herr Bracht, was lagen Sie dazu? Berlin, 17. August.(Eig. Drahtmeldung.) Um die SA. über ihre Enttäuschung in der„Machtergreifung“ hinweg zu trösten, hat der„Chef des Stabes der SA. und SS.“ Röhm nach einer Mitteilung des„Berliner Tageblattes“, die von den SA.=Leuten in der letzten Zeit verübten Terrorakte offiziell gebilligt. In seinem Aufruf heißt es: „In berechtigter Abwehr der marxistischen Bluttaten ist in einigen besonders bedrohten und gefährdeten Gebieten scharfe Notwehr und Vergeltung erfolgt. Ich sehe es als meine innere Pflicht an, jedem Manne, der in Anwendung der Notwehr richtig gehandelt hat und deshalb unter Verfolgung und Strafe gestellt wurde, in jeder nur möglichen Weise beizustehen.“ Verfassungsbruch der Falchilten in Anhalt Dessau, 17. August.(Eig. Drahtmeldung.) Das nationalsozialistisch=deutschnationale Staatsministerium hat in einem Erlaß an die nachgeordneten Behörden eine Beflaggung der öffentlichen Staats= und Dienstgebäude in den Reichsfarben Schwarz=Rot=Gold untersagt. Lediglich die Anhalter Landesfarben dürfen künftig gezeigt werden. Diese Anordnung steht im Widerspruch zur Reichsverfassung. gegen Nazi Melleritiche in den Unterleib München, 17. August.(Eig. Drahtber.) In der Nahe des Braunen Hauses in München gerieten in der Nacht zwei Nazibrüder, ein SS.= und ein SA.=Mann, miteinander in Meinungsverschiedenheiten, die später auf der Straße durch einen blutigen Streit endeten. Dabei versetzte der messerkundige SS.= Mann seinem Kollegen von der SA., einem 27jährigen Kraftwagenführer, mit dem feststehenden Messer einen Stich in den Unterleib und einem weiteren SA.=Mann, einem 24jährigen Mechaniker, einen Stich in den Rücken. Der Messerheld ergriff die Flucht, konnte aber von dem rechtzeitig erschienenen Ueberfallkommando eingeholt und festgenommen werden. weit entgegengekommen ist. England gewährt nämlich über die bestehende Vorzugsbehandlung hinaus einen 10prozentigen Vorzugszoll auf Holz. eine mindest ebenso große Bevorzugung kanadischen Kupfers und eine Quote auf Rauchfleisch. Kanada kommt den englischen Wünschen weitgehend entgegen bei den Waren Stahl, Porzellan und einigen anderen weniger bedeutenden Waren. Bei den anderen Positionen verpflichtet sich Kanada aber nur zur Uebernahme dieser Zollsätze von Schutzzöllen in sogenannte Konkurrenzzölle. Konkurrenzzölle sind eine Erfindung dieser Konferenz. Sie sollen bedeuten, daß der Zoll nicht höher sein soll als der Unterschied in den Gestehungskosten. Der praktischen Bedeutung dieses neuen Grundsatzes muß man skeptisch gegenüberstehen. Eine fixe Idee Die Arbeitsdienitpflicht Berlin, 17. August.(Eig. Drahtbericht.) Die Reichsregierung kommt von ihren Arbeitsdienstpflicht-Illusionen nicht los. So behauptet die„Deutsche Allgemeine Zeitung“, ein beinahe regierungsoffizielles Organ, zu den wichtigsten Arbeiten des Arbeitsbeschaffungskomplexes gehöre die Ausdehnung des freiwilligen Arbeitsdienstes. Es sei nun doch daran gedacht, ihn zu einer Art Arbeitsdienstpflicht auszuweiten. Der Pflichtgedanke soll in der Weise zur Geltung kommen, daß für bestimmte Jahrgänge von Jugendlichen der Bezug von Unterstützung davon abhängig gemacht wird, ob sie zur Leistung von Arbeitsdienst bereit sind. Auch in der Politik gibt es fixe Ideen. Die fixe Idee der Rechtsleute ist die Arbeitsdienstpflicht. Weitere Testnahmen in Kolstein Nazi-Abgeordneter und KreiskrankenhausChirurg verhaftet Hamburg, 16. Aug.(Eig. Drahtb.) Gelegentlich der Ermittlungen über die Handgranatenanschläge in Schleswig=Holstein in der Nacht nach der Wahl sind, wie die Justizpresse Altona mitteilt, am 15. August durch den aus Berlin entsandten Sonderkommissar sowie Beamte der Polizeipräsidien Altona, Flensburg und Kiel weitere Festnahmen erfolgt. Festgenommen wurden u. a. der auf der Liste der Nationalsozialistischen Partei in den Reichstag gewählte Angestellte Mover, der Führer der vierten SS.=Standarte Altona, in deren Bereich sich sämtliche 10 Handgranatenanschläge ereigneten. Die Festnahme erfolgte wegen Verdachts des Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz. Hinsichtlich des verhafteten Moder kommt eine Immunität nach Artikel 37 der Reichsverfassung nicht in Betracht, da diese erst mit dem Beginn der Sitzungsperiode(Zusammentritt des Reichstages) eintritt. Festgenommen wurde auch der Chirurg im Kreiskrankenhaus(!) in Wesselburen, Dr. Först. Seine Festnahme erfolgte erst, nachdem zuvor durch Vermittlung der Regierung in Schleswig für eine Vertretung in seiner ärztlichen Tatigkeit Vorsorge getroffen war. Deutschiand und Frankreich wollen über die Abrültung verhandeln Paris, 17. August.(Eig. Drahtmeldung.) Das Havasbüro läßt sich aus Berlin melden, daß demnachst direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über das Abrüstungsproblem beginnen sollen. Allerdings ist das Havasbüro selbst mit dieser Mittteilung nicht bedingungslos zufrieden.„Man weiß seit langem“— so schreibt es—„daß die Reichsregierung wesentliche Abänderungen im Teil 5 des Versailler Vertrages verlangen will und zwar sowohl hinsichtlich der Dauer der Dienstzeit in der Reichswehr, wie auch hinsichtlich der Bewaffnung. Es liegt auf der Hand, daß die Reichsregierung die Absicht hat, mit Frankreich diejenigen Verhandlungen wieder aufzunehmen, die in Genf und Lausanne nur gerade angeschnitten werden konnten, um Frankreich direkt die deutschen Forverungen vorzutragen. Derartige Verhandlungen aber können nur einen Wert haben, wenn die politische Lage in Deutschland geklärt ist, frühestens also nach dem Zusammentritt des Reichstages.“ Spanien greitt durch Taulend Verhaftungen Madrid, 17. August.(Eig. Drahtbericht.) Die spanische Regierung hat gegenüber den Rebellen scharf durchgegriffen. Die bisherigen Verhaftungen erhöhen sich auf 174. Man schätzt, daß in ganz Spanien etwa 1000 Personen im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen festgenommen wurden. Die Gendarmerie soll künftig teils dem Kriegsministerium und teils dem Polizeiministerium unterstellt werden. Die Empire-Konferenz vor der Verständigung London, 17. August.(Eig. Drahtbericht.) Die Empire=Konserenz legt letzte Hand an, um die Vereinbarungen zwischen den Dominions und dem Mutterlande unter Dach und Fach zu bringen. Die Einigung mit Kanada ist endlich erfolgt. Man kennt ihre Einzelheiten noch nicht und wird sie vielleicht erst im Oktober erfahren, wenn nach Ratifizierung der neuen Zölle durch die Parlamente diese in Kraft treten können. Nach dem, was bekanntgeworden ist, hat es den Anschein, daß England ziemlich Auch Amerika braucht Geld Es beiteht auf Zahlung der Kriegsichuldenraten Washington, 17. August.(Eig. Drahtbericht.) Die Regierung der Vereinigten Staaten erwartet nach einer Erklärung hoher Beamter des Schatzamtes, daß die Schuldungsländer die am 15. November fällige Kriegsschuldenrente an Amerika zahlen. (re Woniaru-..„. Nar T3t..71. U. Ma-. Wair„ „„ e„, WOnere Unlluge Lis Zahlungsaufschub zu gewähren. Sie erwarte daher, daß keine derartigen Anträge gestellt werden. Die amerikanische Regierung sei davon unterrichtet, daß fast alle Schuldnerländer die nächste Jahreszahlung leisten können. Wenn eine Schuldnernation Zahlungserleichterung beantrage, so werde ein solcher Antrag individuell geprüft. Der Ausfall der Schuldenrate würde den Haushalt der amerikanischen Staaten über den Haufen werfen. Sprengitofianichlag auf einen Neubau Kottbus, 17. August.(Drahtmeldung.) In der Nacht zum Mittwoch nach Mitternacht erfolgte in einem Neubau in GroßGaglow(Kreis Kottbus) eine heftige Detonation, die zur Folge hatte, das der unbewohnte Neubau vollständig in sich zusammenstürzte. Das Haus gehörte der jüdischen Landarbeiter=Siedlungsgesellschaft m. b. H., Sitz Groß=Gaglow. Farmeritreik in USA. Neuyork, 17. August.(Eig. Drahtbericht.) In 6 Staaten des mittleren Westens ist ein Farmerstreik ausgebrochen, der stetig zunimmt. Mehrere Städte sind von jeder Zufuhr landwirtschaftlicher Produkte, abgeschnitten. 1200 Farmerstreikposten patrouillieren auf den Landstraßen und verhindern die von den Behörden unternommenen Streikbruchversuche. Die Milchzufuhr wird von Nachbarstädten aus durchgeführt. Die Exekutive der Streikorganisation hat beschlossen, den Streik auf die Nachbarstaaten auszudehnen. Die sozialdemokratische Fraktion des neuen Reichstags hält am Freitag, dem 19. August, vormittags 11 Uhr, ihre erste Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen die Besprechung der politischen Lage sowie die Beratung der dem Reichstag einzubringenden Anträge und Gesetzentwürse. Der neue Reichsmanteltaris kür die Gemeindearbeiter Vectragsdauer bis Ende 1933 5. Klasse 39. Preußisch=Süddeutsche Staats=Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und II Seit langem schweben die Verhandlungen zwischen dem Reichsverband kommunaler und anderer öffentlicher Arbeitgeberverbände und seinen Mitgliedsverbänden einerseits und den beiden am Tarifvertrag beteiligten christlichen und freien Arbeitnehmerverbänden andererseits über den Abschluß eines Reichsmanteltarifvertrages für die Gemeindearbeiter und die kommunalen Straßenbahner. Der Geltungsbereich des Vertrages erstreckt sich auf alle in den Betrieben und Verwaltungen von Ländern. Gemeinden, Gemeindeverbänden und sonstigen öffentlichen Körperschaften beschäftigten männlichen und weiblichen Arbeiter(Lohnempfänger) und weiter auf Personen, die zwar nicht Lohnempfänger sind, aber wirtschaftlich den Arbeitern gleichstehen. Letztere können durch Bezirksvereinbarung dem Reichsmanteltarifvertrag unterstellt werden Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt durchschnittlich acht Stunden täglich. Ueberstunden sollen grundsätzlich innerhalb einer bezirklich zu vereinbarenden Frist abgeseiert werden. Der Arbeiter ist auf Verlangen des Arbeitgebers zum Abseiern verpflichtet. Hinsichtlich des Urlaubs enthält der Vertrag eine dahingehende Regelung, daß der Urlaub unter Fortzahlung des Arbeitsverdienstes je nach den Dienstjahren gewährt wird. Arbeiter von mehr als 45 Le bensjahren und mehr als zehn Dienstjahren erhalten einen um drei Kalendertage längeren Urlaub. Das gleiche gilt für solche Arbeiter, die am Feuer beschäftigt sind oder in Gasanstalten. Bei den Leistungen der gesetzlichen Kranken= und Unfallversiche rung ist eine Aenderung dahingebend vorgenommen worden, daß der Krankenlohn nunmehr 75 Prozent vom Bruttolohn be trägt, das bedeutet, daß nunmehr die Arbeiter in den ersten 14 Tagen mehr bekommen als beim früheren Zustand. während erst vom 18. Tage der Krankheit ab eine geringe Verschlechterung eintritt. Des weiteren behandelt der Vertrag die Anrechnung von Dienstjahren, die Alters= und Hinterbliebenenversorgung sowie die Kündigungsverhältnisse. Bezirks=, Orts= und Betriebsgesamtvereinbarungen sowie Einzelarbeitsverttäge dürfen mit diesem Reichsmantelvertrag nicht im Widerspruch stehen. Zuwiderlausende Bestimmungen sind rechtsunwirksam. Das Gleiche gilt für das Verhältnis von Orts= und Betriebsgesamtvereinbarungen sowie Einzelarbeitsverträgen gegenüber Bezirksvereinbarungen und Betriebsgesamtvereinbarungen, sowie Einzelarbeitsverträgen gegenüber Ortsvereinbarungen. Für die Behandlung von Streitigkeiten sind zuständig die örtlichen Schiedsstellen, die Bezirksschiedsstelle und die Reichsschiedsstelle. Der Vertrag tritt am 1. Oktober 1932 in Kraft. Er kann schriftlich mit dreimonatiger Frist zum 31. Dezember 1933 gekündigt werden. Wird er nicht gekündigt, so verlängert er sich jeweils mit der gleichen Kündigungsfrist um ein Jahr. Dieses Vertragswerk kann als ein Erfolg der Gewerkschaften gebucht werden, zumal zwischen den Gemeinden und den daran beteiligten Arbeitnehmerverbänden mehrfache und mehrmonatige Besprechungen und Arbeiten notwendig waren. Bücker und Teitschristen Die Versorgung der Arbeitslosen nach dem neuesten Stand der Gesetzgebung. Von Franz Spliedt und Dr. Bruno Broecker. Berlin 1932, Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. 62 Seiten, Preis 40 Pfg., Organisationspreis 30 Pfg. Die beiden Verfasser, bekannt als Kommentatoren des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, beide auch Mitglieder des Vorstandes der Reichsanstalt, haben es sich zur Aufgabe gesetzt, in einer möglichst kurzen populären Darstellung die gesamten in Frage kommenden Vorschriften unter Weglassung alles Ueberflüssigen zusammenhängend darzustellen. Behandelt werden: Die Arbeitslosenversicherung, die Krisenfürsorge, die Krankenversicherung der Arbeitslosen, das Unterstützungsverfahren, die öffentliche Fürsorge, die Kurzarbeiterunterstützung, die Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit, der freiwillige Arbeitsdienst und die Pflichtarbeit. Ein zum Sachregister ausgebautes Inhaltsverzeichnis und viele Leitworte im Text ermöglichen einem jeden schnelle und sichere Orientierung. Um eine möglichst weite Verbreitung dieses wichtigen und allseitig gewünschten Hilfsmittels zu gewährleisten, ist nicht nur auf eine auch dem Laien verständliche Ausdrucksweise, sondern auch auf eine möglichst billige Preisgestaltung Wert gelegt worden. 7. Ziehungstag 16. August 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 M. 266760 290266 8 Gewinne zu 5000 G. 22758 122509 241617 324925 20 Gewinne zu 3000 M. 159834 176754 195592 260396 254871 301099 310089 351582 369762 371076 66 Gewinne zu 2000 M. 28091 28289 30296 48616 62106 60433 70109 111547 116755 121600 150351 154493 174592 177621 178370 187844 189542 196548 202539 216272 220938 231290 235134 270968 261772 302335 331413 344258 349333 357809 378904 379828 396022 100 Gewinne zu 1000 M. 2936 6429 9072 9479 16258 20044 28690 28986 36107 37469 47276 60412 89581 94496 94811 97270 105069 112697 113673 124152 166277 167932 177321 183341 188762 215294 226558 248973 261016 265735 268411 271776 290177 293207 293857 314566 324273 333847 397807 344860 352108 365329 368378 357515 368851 372901 376687 380344 388260 398893 162 Gewinne zu 500 M. 2334 16187 16583 18281 26867 28614 54975 73208 75853 77802 79086 81652 84231 64363 97233 99752 106943 114230 120460 120798 121596 123879 132649 140706 141961 143015 143100 145522 167115 167908 170982 178547 179334 179860 193899 194116 195133 200380 205587 206085 213935 214423 216784 224770 226853 220033 238938 239831 241978 244552 247158 257691 258298 260435 273286 274380 277368 260086 261541 292858 295191 296424 303496 305920 306071 310536 315527 329887 331797 340932 349304 356721 365863 367346 368529 372597 374062 386803 391257 392559 397659 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden wewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 50000 M. 116631 2 Gewinne zu 10000 M. 234319 4 Gewinne zu 5000 M. 93873 320533 8 Gewinne zu 3000 M. 6469 294631 318166 357312 68 Gewinne zu 2000 M. 39 6900 9928 51130 55221 66241 84209 96307 98276 113178 114190 114524 140941 171043 195208 207531 228400 232546 243956 251843 265835 272630 287230 290526 297925 298606 306168 316150 334906 336510 347787 356488 363366 374058 1 12 Gewinne zu 1000 M. 2809 4126 11168 18590 22134 34967 45217 54048 55286 58704 59297 69949 70370 89280 118733 121838 125645 129705 134758 135362 140423 146973:49362 161820 164649 166167 173460 196542 199588 211039 217372 223733 226556 227074 234429 236623 236012 244279 257933 253099 279478 289348 291060 290146 306449 307685 314358 336090 339375 34069S 345293 351377 362072 365020 371597 379904 160 Gewinne zu 500 M. 1863 2122 3399 8638 9888 12968 14068 15965 16901 19168 22631 27144 29302 31054 38689 41218 44648 266747 267203 277471 278393 282323 288376 294600 294906 208544 307137 318837 321492 325607 333135 347118 356015 364069 365073 373391 375530 378990 385410 387513 387991 391351 395736 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schluß, ramten zu je 3000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 30 00). 2 zu je 20 1 00 4 zu je 1 11) 0, 6 zu:e 75 00. 6 zu je 50000, 24 zu je 2·00, 152 zu je 10000, 356 zu je 5000, 776 zu je 3000, 2°32 zu je 2000, 4444 zu je 1000, 7440 zu je 500, 22290 zu je 400 Mark. s Acbeiterwohllahet Joucistenverei# Habe meine Praxis wieder aufgenommen 2 Dr. Bamberger Kaiserstraße 73. . Arbeiter=Wohlfahrt. Freiluftschule. Am Freitag, den 19. August, 4 Uhr: im August=Bebel=Haus: Wichtige Besprechung aller Helfer und Helferinnen, die sich für die Arbeit zur Verfügung gestellt haben. Das Erscheinen aller Helfer ist Pflicht. FUNSOZIALISTISCHE Darteinachrichten Gelsenkirchen. Heute, Donnerstag, um Pärteinächrichten 20 Uhr im Jugendheim: Zusammenkunft aller Gruppen. Der zweite Bezirksvorsitzende, Genosse Willy Beuster(Dortmund), spricht über das Thema:„Unsere Aufgaben in der Gegenwart". Erscheinen aller ist Pflicht. IAEEEEE Ortsgr. Altstadt. Samstag, den 20. —alla um 20 Uhr im Metallarbeiterheim, Augustastraße: Mitgliederversammlung. Referent: Gen. Renner. Um pünktliches Erscheinen sämtl. Mitglieder wird gebeten. Ortsgr. Rotthausen. Sonntag, den 21. August, um 17 Uhr bei Weskamp: Mitgliederversammlung. Referent: Gen. Junga. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Ortsgr. Hüllen. Donnerstag, den 18. August, um 19.30 Uhr bei Nachbarschulte: Funktionärsitzung. Sämtl. Funktionäre und Stimmbezirksführer müssen unbedingt erscheinen. Recklinghausen-Altstadt. Samstag, 20. August, 20 Uhr im Volkshaus: Parteiversammlung. Referent: Gen. Junga(Gelsenkirchen). Hillerheide, Frauengruppe. Montag, den 22. August, unternehmen wir den Ausflug nach Hagen(Tanneneck). Trefspunkt morgens 7 Uhr am Wohlfahrtsheim. Freibank „Die Natuckreuude" 6Tenkirchen Stadtbezirk Bottrop. Donnerstag, den 18. August, findet erstmalig der Gruppenabend der Gruppe Stadt mitte statt, und zwar 20 Uhr in der Agathaschule(Paßstraße). Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, den ersten Abend zu besuchen. Samstag, den 20. August, 20 Uhr im Tannenheim: Stadtbezirksversammlung mit wichtiger Tagesordnung. Bottrop=Welheim. Freitag, den 19. 8., 19.30 Uhr am Heim zum Abendspaziergang. Ortsgr. Gelsenkirchen. Sonntag, den 21. August, feiert der Bezirk Gelsenkirchen des Touristen=Vereins„Die Naturfreunde“, in der Wulfener Heide ein Heideblütenfest. Die Ortsgruppe Gelsenkirchen ladet alle Freunde der Bewegung herzlich ein. Aus dem reichhaltigen Programm sei hervorgehoben die Mitwirkung des Genossen Karl Kitschenberg mit Liedern zur Laute und die Aufführung von Volkstänzen und Vortrag mehrstimmiger Volkslieder der Naturfreundejugend unter Leitung der Gen. Maria Schwolzer(Hüls). Die Abfahrt mit dem Auto erfolgt um 5 Uhr vom Gewerkschaftshaus. Der Fahrpreis von 1 Mark und 50 Pig. für Kinder muß bis Freitag, den 19. August, 20 Uhr in der Freiluftschule entrichtet werden. Teilnehmer können sich dort noch melden. Die Radfahrer treffen sich 6 Uhr am Kaiserplatz. SLT GTe HGele Ortsgr. Horst. Sonntag, den 21. Aug., vorm. 9.30 Uhr im Lokale Kröschel: Wichtige Mitglieder=Versammlung. Tagesordnung wird dort bekanntgegeben. Erscheinen ist Ehrenpflicht. Trelag von 8- 10 Uhr Nr. 1301—1500, und 1501—1550 Schlachthoiver Laltung. Uel schneller werden Sie bekannt! Durcht Inserat 1 Stadt Rote Falken der SAJ. Unsere Zusammenkunft ist nicht am Freitag, wir nehmen geschlossen an der Veranstaltung am Donnerstag im Jugendheim teil Kauft Bücker in der Volksbuchkandlung UR d Land!IHR VORTEIL ist es, wenn Sie noch heute für sich und Ihre Familienangehörigen eine Lebensversicherung abschließen. Niedrige Prämiensäte. günstige Versicherungsbedingungen und größte Sicherheit bietet Ihnen die VOLRSFURSORGE Gewerkschaftlich Genossenschaftliche Versicherungsaktiengesellschaft Hamburg 5. An der Alster 57-61 Auskunft ertellen die Rechnungsstellen Essen-West, Berliner Str. 169 Wesel, Torfstraße 9 Neu! Neu! Wer billig reisen und wandern will benußt Dietz Arbeiter-Reise-u. Wanderführer mit Abbildungen und Orientierungskarten/ Preis 2.00 Mark Velksbuchhandlungen Zu haben in unseren