ORGAN FURDASARBEITENDE VOLK MITTEILUNGSBLATT DER FREIEN GHWERKSCHAFTEN. DER ARBEITERSPORTVEREINE UND DES REICHSBANNERS Durch Boten halbmonatlich 1.20 RM, durch die Post monatlich 2.40 RM. Bestellgeld ertra. im voraus zahlbar. Erscheint jeden Werktag vormittags. Preis der Einzelnummer 10. Rofg. Bankkonto: Städtische Sparbasse Gelsenkirchen. Postscheckkonte: 5405 Dortmund. Hauptgeschäftsstelle. Verlag und Schriftleitnna: Gelsenkirchen, Ringstraße 33. Jernruf Sammelnummer 25841 Anzeigenpreis im Verbreitungsgebiet 8 Rofg., außerhalb 12 Rofg., für 1 mm Raumyohe dei 27 mm Breite. Reklamen 1 mm Raumhöhe bei 90 mm Breite 50 Rosg. Kleine Anzeigen 5 Rosg. Inseratenannahme bis 19 Uhr. Bei gerichtlichen Klagen, Zwangsvergleichen und Konkursen erlischt jeder Rabattanspruch. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Gelsenkirchen. Nummer 101 Gelsenkirchen, Samstag, den 2. Mai 1931 13. Fahrgang Der erste Guter Verlauf der großen Massenkundgebungen Karl Renner, der neue Präsident des österreichischen Nationakrats Zum Bezirksparteitag Die Parteitage der Sozialdemokratie für das westliche West falen haben sich niemals im Organisatorischen erschöpft, sie sind seit Jahren zugleich auch Zeugen bedeutsamer politischer Auseinandersetzungen gewesen. Am Sonntag wird das sicher in erhöhtem Maße der Fall sein, denn Karl Severing hält das politische Referat und in vier Wochen tritt der Reichsparteitag in Leipzig zusammen, auf dem die Delegierten der Gesamtpartei über die Politik des letzten Jahres entscheiden sollen. Das letzte Jahr trug, parteipolitisch vom Standpunkt der Sozialdemokratie gesehen, einen ausgesprochenen Defensivharakter. Der Reichstagswahlkampf stand im Zeichen der Wirtschaftskrise und konnte den Erfolg nicht bringen, der nach der noch kaum jemals erreichten Aktivität unserer Parteigenossen von vielen erwartet worden war, weil Not und Existenzunsicherheit noch immer den Kommunisten und den Rechtsradikalen überraschende Erfolge gebracht haben. Das Charakteristikum der Wahlen vom 14. September war der Aufstieg der Nationalsozialisten, das Charakteristikum der Zeit nach dem 14. September aber war das politische Versagen der eben erst in steiler Kurve sprunghaft emporgeschossenen Hitlerpartei. In den Tagen des September stand die Gefahr der Rechtsdiktatur unter bestimmendem Einfluß der Nationalsozialisten unmittelbar vor uns, heute ist die Gefahr jeder Rechtsdiktatur dieser Prägung bei weitem nicht mehr so groß wie vor wenigen Monaten, weil die Sozialdemokratie die Pläne der Nationalsozialisten geschickt durchkreuzt hat. Faschisische Strategie ist noch immer auf politische Ueberraschung eingestellt gewesen. Das zeigten alle Dittaturen, die die politische Welt in den letzten Jahren gesehen hat, das zeigten vor allen Dingen die Oktober= und Novembertage von 1922 in Italien, in denen Mussolini in wenigen Tagen seine Diktatur aufrichten konnte, weil die Regierung in Rom nicht fest zugriff. Gewiß, Deutschland ist kein Italien. So leicht wie dort wäre der Staatsstreich den deutschen Reaktionären sicher nicht geworden, aber die Zähigkeit, mit der Hitler und die Schwerindustriellen in den ersten Tagen nach dem 14. September den Plan des Rechtsblocks verfolgten, und die nationalsozialistische Agitation unter den jüngeren Offizieren, die im Reichswehrprozeß zur Erörterung kam, zeigten zur Genuge, daß die Parteien der Rechten den Staatsstreich wollten. Die Sozialdemokratie hat es durch die Tolerierung der Regierung Brüning verstanden, die Mittelparteien von der äußersten Rechten zu lösen und die Nationalsozialisten gerade unmittelbar nach den Wahlen vom 14. September, wo sie gefährlich werden konnten, politisch matt zu setzen und in die unfruchtbare Opposition zu drängen. Die Wählermassen, die ihnen zum großen Teil ihre Stimmen gegeben hatten, weil sie, mit allen andern Parteien unzufrieden, es einmal mit einer neuen Firma versuchen Der 1. Mai, der auch in diesem Jahr ein imposanter Aufmarsch der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften war, ist im Reich und im Ausland ohne größere Störungen verlaufen. Zu einem Unglücksfall kam es in Königsberg i. Pr., wo ein führerloses zweispänniges Fuhrwerk in die einen Demonstrationszug zusehende Menge hineinrannte und mehrere Personen teils schwer, teils leichter verletzte. Ein Beamter der Schutzpolizei, der versuchte, die durchgehenden Pferde aufzuhalten, wurde mitgeschleift, geriet unter das Fuhrwerk und erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Die Beteiligung an den kommunistischen Demonstrationen scheint, mit Ausnahme von Berlin, durchschnittlich schwach gewesen zu sein. In Oesterreich sind die Maifeiern ohne ernstere Zwischenfälle verlaufen, nur in Judenburg(Steiermark) ereignete sich bei einer kommunistischen Kundgebung infolge eines Mißverständnisses ein Zusammenstoß, wobei ein Wachbeamter und ein Demonstrant verletzt wurden. In Ungarn blieb der 1. Mai sowohl in der Hauptstadt wie in der Provinz ruhig. In Warschau wiesen die Kundgebungen große Beteiligung auf. In der Vorstadt Praga wurde ein Polizist bei einem Zusam menstoß mit Kommunisten verwundet. In Sofia mußten einige Verhaftungen vorgenommen werden, sonst herrschte in der Stadt wie im übrigen Bulgarien trotz der lebhaften Agitation der Kommunisten Ruhe. Aus Bombay wird gemeldet, daß dort 3000 Weber, die seit Anfang der Woche streiken, eine Maikundgebung veranstaltet haben. Cegen die Brotverteuerung Der Vocstand der Jozialdemokratischen Reichstagskraktion nimmt das Wort Berlin, 1. Mai.(Eig. Drahtbericht.) Der Vorstand der sozial demokratischen Reichstaasfraktion erörterte am Donnerstag die politische Lage. Er nahm zunächst einen eingehenden Bericht über die Unterredung der Fraktionsvertreter mit dem Reichskanzler Dr. Brüning entgegen. Im Vordergrund der Aussprache stand die Brotpreiserhöhung, die von der Regierung geplanten Maßnahmen zur Senkung der Brotpreise sowie die beabsichtigten Zollerhöhungen für Hafer, Speck und Schmalz. Dabei wurden starke Zweifel geäußert, ob die von der Regierung geplante Maßnahme zur Senkung des Brotpreises sich auch wirksam erweisen würde. Da die Regierung durch das Zollermächtigungsgesetz vom 28. März verpflichtet ist, einer Steigerung der Brotpreise über den Stand im letzten Halbjahr hinaus vorzubeugen, so muß verlangt werden, daß nicht nur weitere Brotpreissteigerungen verhindert, sondern die auch in den letzten Wochen eingetretenen Erhöhungen der Brotpreise rückgängig gemacht werden. Wenn nicht in kurzer Frist eine wollten, wurden enttäuscht, weil jede politische Tat ausblieb. Die SA.=Leute aber wurden, je länger die Nazi=Diktatur auf sich warten ließ, in immer größerer Zahl unzufrieden, weil es nichts war mit dem von Hitler und seinen Spießgesellen versprochenen Einrücken der nationalsozialistischen Kampftruppen in die Schutzpolizei und in die Beamtenstellungen der Exekutive. Enttäuschung bei den Wählern, Verwilderung und Rebellion in der Organisation. das ist zwar noch kein Zeichen des Verfalls. aver immerhin ein deutlich sprechender Beweis dafür, daß die Nationalsozialisten in ihrem Vormarsch durch die Taktik der Sozialdemokratie wesentlich gehemmt worden sind. Das war die Absicht der Sozialdemokratie in ihrer Politik vom 14. September bis zur Stimmenthaltung der Reichstagsfraktion in der Panzerkreuzerfrage, und das steigende Durcheinander im nationalsozialistischen Parteiapparat in den letzten Wochen zeigt ja schließlich auch, daß diese Politik auch heute noch durch ihren Erfolg gerechtfertigt ist. Aber dieser Erfolg im Kampfe gegen die Nationalsozialisten ist auch der einzige deutlich sichtbare Erfolg unserer Politik. Die Aenderung der Brüningschen Notverordnungen, die wir durchsetzen konnten, genugt unseren Wünschen bei weitem nicht. Das immer wiederkehrende Entgegenkommen der Regierung Brüning an die agrarischen Wünsche, zu deren Dolmetsch sich der„Ernährungsminister" Schiele macht, ist in dieser Zeit des Lohnabbaues unversolche Auswirkung der Regierungsmaßnahmen auf den Brotpreis erzielt wird, so wird die sozialdemokratische Fraktion weitere Schritte unternehmen, um die Regierung zur Ausführung der gesetzlichen Verpflichtungen zu veranlassen. Im übrigen äußerte der Fraktionsvorstand starke Bedenken gegen einen etwaigen Versuch, durch eine einseitige Finanzpolitik notwendige soziale Einrichtungen und Leistungen einzuschranken. Eine endgültige Stellung zu dem Programm der Regierung kann erst erfolgen, wenn die Maßnahmen des Kabinetts deutlicher erkennbar sind. Dann erst kann auch eine Entscheidung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion über die Notwendigkeit einer etwaigen Einberufung des Reichstages gefällt werden. Der Aeltestenrat wird zur Beschlußfassung über den kommunistischen Antrag auf Einberufung des Reichstages am Mittwoch, den 6. Mai, zusammentreten. An Stelle des erkrankten Präsidenten Löbe wird der Vizepräsident von Kardorff diese Sitzung des Aeltestenrates leiten. ständlich. und wenn dieser Kurs so weiter geht, für die Sozialdemokratie unerträglich. Die endliche und endgültige Sanierung der Knappschaft und die erste wirkliche Tat im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit müssen kommen, wenn das Proletariat im westdeutschen Industriegebiet das Vertrauen zum republikanischen Staat behalten soll. Parteiführung und Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion haben in den letzten Wochen, in denen der Reichstag nicht tagte, eine erfreuliche Aktivität gezeigt und die Regierung zu sozialen Taten zu drängen versucht. Der Erfolg war gering, weil drüben im Unternehmerlager der Widerstand gegen jede gesetzliche Festsetzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche wie gegen jedes Entgegenkommen an die Wünsche und Forderungen der Arbeiterschaft von Tag zu Tag größer wird. So zwingt uns die gegenwärtige Situation, die Aktivität der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen bis zum äußersten zu steigern. Jede Aktivität aber hat zur Vorbedingung Geschlossenheit im Handeln, und diese wieder entspringt aus der Solidarität, die jeden ganz von selbst bestimmen muß, sich im entscheidenden Augenblick unter Zurückstellung der eigenen abweichenden Meinung der Körperschaft einzufügen, in der er als Vertreter der Partei mitwirkt. Möge die politische Aussprache des Parteitages der Sozialdemokratie für das westliche Westfalen von diesem Geiste wahrer Solidarität getragen sein! K. B. 1000 Opfer des Erdbebens Zollerhöhungen! 20000 Menschen obdachlos- 80 Prozent aller Ortschaften zerstört Moskau, 30. April.(Eig. Drahtber.) dem kaukasischen Erdbebengebiet treffen furchtbare Meldungen ein. Die Katastrophe ist weit größer als sich zuerst erkennen ließ. Das Zentrum des Bebens war Sangesur in Armenien. Leichte Erschütterungen wurden bis nach Tiflis und Eriwan verspürt. Die Zahl der Todesopfer wird auf mindestens 1000, die der Verletzten auf ein Vielfaches dieser Ziffer geschätzt. Mehrere Städte und viele Dörfer bilden nur noch Trümmerhaufen. E.wa 20000 Menschen sind ohne Obdach. 80 Prozent aller Ortschaften im Gebiete von Sangesur sind völlig zerstört worden. Die Bauern haben den größten Teil ihres Viehes verloren. Die Sowjek-Regierung hat eine umfassende Hilfsaktion eingeleitet uno zunächst zwei Millionen Rubel zur Linderung der ersten Notzeit zur Massenkundgebung der Nordwestangestellten Dem Rufe der Verbände des Allgemeinen freien Angestelltenbundes(Afa=Bundes): Zentralverband der Angestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Werkmeister=Verband, war eine Riesenzahl von Nordwestangestellten zu einer öffentlichen Kundgebung gefolgt, die am 29. April in Düsseldorf stattfand. Die große Aula der Luisenschule war nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt, zahlreiche Anwesende fanden keinen Platz mehr. Es erstattete Gauleiter Bruno Süß vom Zentralverband der Angestellten ein Referat, in dem er die wirtschaftliche Seite der Gehaltsabbautendenzen in der Nordwestgruppe behandelte. 30000 Angestellte seien in Betrieben der Nordwestgruppe tätig: hinzu kämen 10.000, die ebenfalls nach diesen Gehältern bezahlt würden. Mit den Familienangehörigen würden also rund 100000 Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Süß wies darauf hin, daß das tatsächliche Tarifgehalt nach einer Erhebung des Zentralverbandes der Angestellten im Durchschnitt RM. 210.72 betrage und damit unter dem Durchschnittseinkommen des Facharbeiters in der Nordwestgruppe liege. Im Durchschnitt sei bereits eine etwa 7prozentige Kürzung der Leistungszulage erfolgt. Die Behauptungen der Unternehmer, der Gebaltsabbau sei notwendig, um die Gestehungskosten der Produkte herabzumindern, sei völlig irreführend. Die Lohnsummen machen im Hochofenwerk 7 Prozent des Bruttopreises, im Stahlwerk 6 Prozent und im Walz werk 13 Mark aus. Der Gehaltsanteil allein gesehen, sei so gering, daß er überhaupt kaum in Erscheinung trete. Der Schwerindustrie komme es auch auf etwas anderes an, nämlich darauf, daß auch die verarbeitende Industrie gezwungen werde, die Löhne und Gehälter zu senken. Dadurch könne sie— die Schwerindustrie— die hohen Eisen= und Stahlpreise aufrecht erhalten und infolgedessen besser verdienen. Die Forderungen der Unternehmer demaskierten sich dadurch als daß für die Angestellten der Zeitpunkt gekommen sei, wo das Ballen der Faust in der Tasche keinen Sinn habe. Die richtige Antwort der Angestellten auf das Schanddiktat von Düsseldorf müsse eigentlich sein:„Wir machen nicht mehr mit, von morgen ab stehen die Betriebe still!" Wenn das noch nicht möglich sei, dann tragen daran diejenigen Angestellten die Schuld, die sich noch immer nicht hätten entschließen können, in die Front der freigewerkschaftlichen Kämpser einzutreten. Jeder Nordwestangestellte müsse aus diesem vorzüglichen Anschauungsunterricht lernen und sofort Mitglied der freien Gewerkschaften werden. Einstimmig wurde sodann die Absendung des folgenden Telegramms an den Reichsarbeitsminister beschlossen: „Nordwestangestellte Düsseldorfs protestieren in überfüllter Versammlung am 29. April aufs schärfste gegen Schiedsspruch des Schlichters für Westfalen. Gehaltsabbau=Diktat bedeutet unerträgliche Senkung der Lebenshaltung der Angestellten. Katastrophale Folgen für Lebensuiveau von 100000 Menschen. Gehaltsanteil an Gestehungskosten der Produktion macht Gehaltsabbau nicht notwendig. Reichsarbeitsminister wird um sofortiges Eingreifen ersucht. Unternehmer benutzen wirtschaftlichen Druck, Reverse zu erzwingen. Größte Eile geboten! Allgemeiner freier Angestelltenbund Düsseldorf: Zentralverband der Angestellten Deutscher Werkmeister=Verband Bund der techn. Angestellten und Beamten.“ Der brausende Beifall, der allen Rednern gezollt worden ist, und die erregten zustimmenden Zwischenrufe bewiesen die ungeheuerliche Erbitterung der Nordwestangestellten und ihren entschlossenen Kampfeswillen. Die agrarpolitischen Beratungen des Kabinetts sind heute zu Ende geführt worden. Sie hatten folgendes Ergebnis: Der Zoll für lebende Schweine wird zunächst mit Wirkung bis 1. 11. d. Js. auf 40 Mark für den Doppelzentner festgesetzt. Für die Folgezeit werden sich die Entschließungen des Kabinetts nach der Weiterentwicklung des Schweinemarktes richten. Für Hafer wird der Zoll auf 16 RM. für den Doppelzentner erhöht, für Speiseerbsen auf 20 RM, für Futtererbsen und Bohnen auf 8 Mark. Die Zwischenzölle für Speck und Schmalz werden aufgehoben. Der Zeitpunkt der Inkraftsetzung dieser Maßnahmen wird noch bestimmt werden. * Die Regierung will die Zollerhöhungen durch den Hinweis rechtsertigen, die Veredelungswirtschaft in den mittleren und kleineren bäuerlichen Betrieben zu fördern. Die Veredelungswirrschaft sei die Grundlage dieser Betriebe und auch die Existenzgrundlage der Landarbeiter. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß eine Reihe der vorgesehenen Zollerhöhungen die gewünschte Wirkung nicht haben kann und wird. Der Landwirtschaft wird damit nicht gedient. Dagegen wird den breiten Massen die debensbaltung verteuert. Das gilt besonders für den Zoll auf die Einfuhr von Hülsenfrüchten. Deutschland hängt hier, z. B. für Linsen, ganz von der Belieferung aus dem Ausland ab. Eine Zollerhöhung im gewünschten Ausmaß muß zu einer Preisverteuerung führen. Dem gegenüber kann die Reichsregierung nur darauf verweisen, daß der Reichsernährungsminister„von allen zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch machen soll, um einer dem Verbraucherschutz nach dem Gesetz vom 28. März 1931 widersprechenden Preisentwicklung vorzubeugen. Der Minister werde Sorge tragen, daß die Länderregierungen darüber wachen, daß die Handelsspanne auch in den Gemeinden gesenkt werde, in denen im Gegensatz zu anderen Gemeinden eine Senkung der Handelsspanne noch nicht in ausreichendem Maße erfolgt ist" Wetter werde alles geschehen um eine ungerechtfertigte Heraufsetzung des Brotpreises zu verhindern oder rückgängig zu machen. Es sei„eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet. die es ermöglichen werden, auf dem Mehlpreis so einzuwirken, daß er eine sichere Grundlage für die entsprechende Berechnung des Brotpreises bieten wird". Auch sei vorgesehen, die Bestimmungen des Brotgesetzes aufzuheben,„durch welche die Bewegungsfreiheit des Mühlen= und Bäckereigewerbes zum Nachteil der Brotpreisverbilligung eingeengt wird. Die Lage des Getreidemarktes biete nunmehr die Möglichkeit hierzu". Die Regierung hat, wie ihre Ausführungen beweisen, die gesetzliche Verpflichtung anerkannt, eine Verbilligung des Brotpreises bzw. die Rückführung der erhöhten Preise auf den vorrigen Stand herbeizuführen. Das hätte man am besten durch eine gründliche Ermäßigung der Getreidezölle erreicht. Die Regierung glaubt auf anderen Wegen zum Ziel zu kommen. Viel Hoffnung, daß hier positive Erfolge erzielt werden, haben wir nicht. ETS. SSAEET POFTPPEDEE Das Brauns-Gutachten Vorschlag einer Milliardenanleihe zur Ankurbelung der Wirtschaft reines Protitinteresse Süß trug dann vor, daß in einem Werk durch den 15prozentigen Gehaltsabbau 750000 RM. eingespart würden. Wenn man in dem gleichen Betrieb die Gehälter der Dircktoren soweit kürze, daß in keinem Falle mehr als 100 000 RM. an Direktoren gehalt gezahlt würde, könnten dadurch allein 650 000 RM. erspart werden Es sei also wirklich nicht nötig, die Jammergehälter der Angesiellten noch weiter zu beschneiden. Die Vereinisten Stahlwerke bätten mit dem Grängelsberg=Konzern in Schweden einen Erzlieserungsvertrag. Dabei seien außerordentlich hohe und ungerechtfertigte Erzpreise vereinbart. Erklärlich werde das, wenn mian wisse, daß die Vereinigten Stahlwerke die Aktienmehrheit des Grängelsberg=Konzerns besäßen. Die Bilanz der Vereinigten Stahlwerke sei durch die hohen Erzpreise ungünstig. Man könne dann überzeugend nachweisen, daß hohe Steuern und Soziallasten die Wirtschaft zu stark belasten: die Gewinne würden aber in Schweden gemacht: sie kämen doch den deutschen Aktionären zugute. Neben der schlechteen deutschen Bilanz sei damit gleichseitig erreicht, daß die steuerliche Belastung der Gewinne geringer sei, als wenn sie in Deutschland erzielt würden. Die schamlose Profitmacherei der Unternehmer müsse ein mal in vollster Oeffentlichkeit aufgedeckt werden. Die Groß betriebe der rheinisch westfälischen Schwerindustrie, die die Hand an der Gurgel der deutschen Wirtschäft hätten, seien reif für eine Sozialisierung. Diese Forderung zu er heben, sei ein Gebot der Stunde. Süß schloß mit dem Ersuchen an die Angestellten, in allen Fr len. in denen Reverse zur Unterschrift vorgelegt werden. St lergnahme in einer Betriebsversammlung zu fordern. Die A gestellten müßten aus der gegenwärtigen Situation lernen, un niu in den freigewerkschaftlichen Verbänden organisieren. sauleiter Hoffmeister vom Bund der technischen Ang und Beamten, berichtete sodann über den Gang d isverhandlungen. Er zergliederte den bereits bekannte Schiedsspruch und stellte besonders heraus, daß mit hoher Wah scheinlichkeit der Schlichter vor Fällung des Schiedsspruch Icrrmationen vom Reichsarbeitsminister eingeholt habe. D Verkandlungen seien plötzlich abgebrochen worden. der Schlie ter. Professor Brahm, sei nach Berlin gefahren und habe sich der vateren Verhandlung völlig umgestellt. Mit den Stimme de. Arbeitgeber sei der Schiedsspruch gefällt worden Geschaftsführer Honnacker vom Deutschen Werkmeiste verband behandelte die Stellung der Werkmeister und techn schen Betriebsangestellten im Gehaltskonflikt.— Er betont daß auch die Werkmeister in der gemeinsamen Abwehrfror mitkampfen wurden. Auch sie seien vom Abbaudiktat ebenso be trossen wie die kausmännischen und technischen Angestellten. Der Versammlungsleiter Kornacker vom Zentralverban der Angestellten wies in seinen Schlußausführungen darauf hin Berlin, 1. Mai. Die unter dem Vorsitz des früheren Reichsarbeitsminister Brauns arbeitende Gutachterkommission wird am Donnerstag oder Freitag der kommenden Woche ihr zweites Teilgutachten veröffentlichen. Es erstreckt sich auf das außerordentlich wichtige Gebiet der Arbeitsbeschaffung. In politischen Kreisen sieht man der Veröffentlichung mit großem Interesse entgegen, da das Gutachten dem Problem einen sehr weiten Rahmen steckt und zu Vorschlägen gelangt, die wahrscheinlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern starke Beachtung verdienen. Der erste Teil des Gutachtens ist eine wirtschaftliche Darlegung der Ursachen und Zusammenhänge der Krisen, der zweite Teil stellt die Frage, ob es möglich ist, das Wirtschaftsleben aus seiner gegenwärtigen Erstarkung zu erwecken. Die Kommission kommt zu einer durchaus bejahenden Antwort unter der Voraussetzung, daß ein planmäßiges und großzügiges Zusammen arbeiten zwischen den verschiedenen Ländern einsetzt. Dieser Teil enthält das Kernstück des ganzen Gutachtens, nämlich den Vorschlag, einen größeren Kapitalbetrag— man spricht von etwa einer Milliarde— zur Ankurbelung der Wirtschaft auszubringen. Im dritten Teil zählt das Gutachten die einzelnen Maßnahmen auf, die der Ausschuß vorschlägt und zwar für den Fall, daß der im zweiten Teil angeregte größere Rahmen möglich ist, als auch für den anderen, daß nur beschränkte Mittel zur Verfügung stehen. Das große Projekt würde u. a. die Elektrifizierung der Eisenbahnen, das Problem der Ferngasversorgung, Meliorationen, soweit sie der Landwirtschaft nicht zum Nachteil gereichen, großzügige Straßenbauten und ähnliche Dinge umfassen. In diesem Abschnitt behandelt das Gutachten auch das Problem der Arbeitsdienstpflicht, des freiwilligen Arbeitsdienstes usw. Im vierten Teil endlich werden gewisse rechtliche Fragen erörtert, die in Angiff genommen werden müssen, wenn die Arbeitsbeschaffung erleichtert werden soll. Im ganzen wird man damit rechnen können, daß das Gutachten schon durch die starke Betonung der Verbundenheit der Wirtschaft der verschiedenen Länder nicht nur bei uns, sondern auch im Auslande ein lebhaftes Echo finden wird. Ein ganzesWaffenarsenal Ergebnisreiche Nazi-Durchsuchung Hannover, 1. Mai.(Eig. Drahtber.) In einer Versammlung der revolutionären nationalsozialistischen Richtung Otto Strasser sollte der ehemalige Bezirksführer der nationalsozialistischen Partei Walter Pagel gegen Hitler sprechen. Es kam aber nicht so weit. Hitlertreue Nationalsozialisten waren in großer Zahl erschienen und brachten Tränengasbomben zur Explosion Der ganze Saal war bald derartig vernebelt, daß die Ver sammlung aufgehoben werden mußte. Von der Polizei wurden sämtliche Versammlungsteilnehmer beim Verlassen des Lokals nach Waffen durchsucht. Es zeigte sich, daß die „rauhen Kämpfer“ ein ganzes Waffenlager zurückgelassen hatten. Neben zahlreichen Gummiknüppeln fand man u. a auch einen scharf geladenen Revolver, zwei Tränengasbomben, von denen eine ausgebrannt war und drei Kisten Stinkbomben. Im Saal kam es an mehreren Stellen zu Schlägereien. Pagel gab den Pressevertretern später einige Informationen über die Lage der Nationalsozialistischen Partei. Er erklärte, daß sich zur Zeit in der SA. das korrupteste Verbrechergesindel befinde, das sich denken lasse. Es sei wahr, daß der Oberleutnani a. D. Schulz als Fememörder wahllos Unschuldige und Schuldige habe ermorden lassen. In Hildesheim fand am Mittwoch eine außerordentlich stark besuchte Versammlung gegen die Nazis statt, in der Kapitan Mücke sprach. Auch hier versuchten die Nazis mit Tränengasbomben eine Sprengung der Versammlung. Der Versuch mißlang aber. Die Polizei verhaftete drei Nationalsozialisten, bei denen die Hülsen der Tränengasbomben gefunden wurden. Ministerialerlaß für die LO-Stunden-Woche Der preußische Innenminister Severing und der preußische Finanzminister Hopker=Aschoff haben einen Runderlaß an die preußischen Regierungsstellen sowie an die Gemeinden und Gemeindeverbände gerichtet, in dem auf die Notwendigkeit von Einsparungen hingewiesen wird. In diesem Erlaß wird darauf aufmerksam gemacht, daß eine nicht unbeträchtliche Ersparnis durch die Einführung einer Anstellungs= und Beforderungssperre für Beamte und Angestellte erreicht werden kann. Da Entlassungen von Arbeitern und Angestellten aber bei dem gegenwärtigen Stande der Arbeitslosigkeit aufs äußerste einzuschränken sind, wird statt dessen eine Herab setzung der Arbeitszeit bis auf 40 Stunden in der Woche empfohlen. Selbstentkaruung der Nazis im braunschweigischen Landtag Braunschweig, 30. April.(Eig. Drahtber.) Kurz vor Donnerstag gelang es der reaktionären Mehrheit des braunschweigie schen Landtages, den 1. Mai seines bisherigen Charakters als gesetzlichen Feiertag zu entkleiden. Eine dahin zielende Gesetzesvorlage wurde am Donnerstag nachmittag nach stürmi(der Debatte, auf der sich die Nazis als geschworene Irbeiterseinde zeigten, mit knapper Mehrheit angenommen. Das Gesetz wurde sofort verkündet. Nr. 101. 13. Jahrgang. Zweites Blatt. Volkswille Gelsennirchen, Samstag, den 2. Mai 1931. STADT GELSENKIRCHEN Nepomuk feierte Mal! Nepomuk Gelsenkieker schreibt seine Briefkes und Vertellkes immer am Freitag, weil er doch möglichst das Wichtigste aus der ganzen Woche in seiner liebevollen Art„durch den Kakao ziehen“ möchte. Diesen Freitag aber seierte unser lieber Nevomuk als guter Sozialist den 1. Mai und konnte natürlich kein Briefken schreiben. Es wird aber nachgeholt, und Nepomuk wird uns dann etwas von seinen Erlebnissen bei der Maiseier erzählen. Wohnungsbau 1931 Wichtig für Baulustige. Nach den durch die Tageszeitungen bereits bekanntgewordenen neuen ministeriellen Richtlinien für den Pohnungs bau können in Zukunft mit Hauszinssteuerhypotheken grundsätzlich nur Wohnungen mit einer Wohnfläche von 32 bis 45 Quadratmeter und ausnahmsweise bis zu 60 Quadratmeter (für kinderreiche Familien) gefördert werden. Die Mieten in den neu zu errichtenden Wohnungen sollen 150 v. H. der Friedensmiete entsprechender Altwohnungen nicht übersteigen und sollen für Neubauwohnungen zwischen 20 und 40 RM im Monat liegen. Die Mehrzahl der zur Zeit bei der Stadtverwaltung noch vorliegenden Anträge auf Gewährung von Hauszinssteuerdarlehen entspricht diesen Richtlinien nicht. Außerdem werden in ihnen höhere Darlehnsmittel beantragt, als jetzt nach den neuen ministeriellen Richtlinien zulässig sind. Die Höhe der Hauszinssteuerdarlehen soll nach den neuen Richtlinien 2000 RM je Wohnung nicht übersteigen. 16un Gl Diejenigen Baulustigen, die beabsichtigen, ihren Antrag nach den neuesten Richtlinien einzuschränken, werden gebeten, der Stadtverwaltung mitzuteilen, ob und mit welchen Veränderungen sie ihren Antrag aufrechterhalten. Es genügt zunächst eine kurze schriftliche Angabe über die Anzahl der Wohnungen und der Wohnräume, des vorhandenen Eigenkapitals und der Höhe der nunmehr beantragten Hauszinssteuerdar= lehen Diese Angaben sind umgebend, spätestens jedoch bis Montag, den 4. Mai 1931, mittags 12 Uhr, auf Zimmer 97 des Rathauses Buer einzureichen. Kinderbrief aus der Halterner Jugendherberge Liebe Eltern! Heute haben wir den Bericht über unsere Abfahrt nach Haltern im„Volkswillen“ gelesen. Da steht, daß der Werner gesagt hat:„Mir hauen sie!" Das gibts hier nicht. Wir haben hier vier Gruppen und strolchen wie die Indianer durch die Gefilde der Borkenberge. Lobend müssen wir unseren Küchenstab erwähnen, denn wenn sich bei uns die Bauchrevolution einstellt, dann gibts reichlich und gut Pulver. Wir stehen morgens um 7.30 Uhr auf, treiben erst Gymnastik, dann gehts an die Raubtierfütterung mit Gebrüll. Dann Freizeit bis 12 Uhr, wo wir die Hauptmahlzeit bekommen. Eine Stunde Bettruhe, dann bis zum Vesper Unterhaltungsspiele Nach dem Kaffee gehts wieder zurück zur Natur. 18.30 Uhr letzte Fütterung, dann gehen wir wieder müde„nach getaner Arbeit“ in die Betten. Liebe Eltern! Langeweile und Hunger kennen wir nicht. Wir grüßen euch in Freundschaft, wünschen euch am 1. Mai gutes Wetter und ein gutes Gelingen eurer Feier; auch wir werden in Gedanken bei euch sein. Wir machen uns auch einen Kranz, um eine kleine Maiseier zu veranstalten. Es ist nur schade, daß es keine 8 Wochen sind!!! Es grüßt in Freundschaft! Die rote Rasselbande. Glänzende Maifeier der SPD. Sehr gute Beteillgung Die Jubilarehrung, ein Treugelöbnis zur Partel Ausklang: Mi: neuem Mut weiter auf unserem Weg— er ist der rechte! die Arbeitersportler, das Philharmonische Orchester, dann die Fahnendeputationen der Ortsgruppen und anschließend die ihr gemeinsam den 1. Mai seiern Unsere diesjährige Maiseier war ganz auf ein großes Volksfest im Freien eingestellt. Als nun die letzten Tage des April ein so stürmisches, regnerisches Wetter brachten, da aab es manche bange Frage:„Wie wird es am 1. Mai werden? Wird unser Festtag verregnen?" Den Wettervoraussagen im Radio wurde ganz besondere Beachtung geschenkt, und von Tag zu Tag warteten wir darauf, daß es endlich mit den vielen „Tiefs“ ein Ende haben möge. Schließlich begnügten wir uns damit:„Wenn es nur wenigstens nicht regnet!“ Aber siehe, was wir kaum für möglich gehalten, wurde schönste Wahrheit: Ein so herrlicher Frühlingsmorgen zog mit dem 1. Mai herauf, daß er uns in seiner Pracht allen fast unglaublich schien. All die stürmischen, arämlichen Regentage vorher, sie schienen uns nur dazu dagewesen zu sein, um unseren 1. Mai uns nun doppelt leuchtend erscheinen zu lassen. Und so herrschte an unserem Feiertage unter Genossen und Freunden eine so freudige, hoffnungsvolle Stimmuna, wie sie am 1. Mai, dem Weltfeiertag der Arbeit, der wieder Kraft zu neuem Kampfe geben soll, da sein muß. Frühzeitig schon flogen allenthalben die leuchtend roten und die schwarzrotgoldenen Fahnen aus den Fenstern. Eine Gruppe von 40 Arbeiter=Motorradfahrern fuhr in den frühen Morgenstunden auf den Maschinen, an denen rote Wimpel flatterten, durch die Straßen Alt=Gelsenkirchens und Buers. Im Zeitalter der Maschine rief uns auch an diesem Tage das Knattern der Maschinen, doch diesmal nicht zur Arbeit. Bald zogen festlich frohe Gruppen zu den Sammelplätzen der Ortsgruppen, um von dort aus unter der Fahne der Ortsgruppe zum Sammelplatz des Stadtteils zu marschieren. Am Schalker Markt begann kurz nach 11 Uhr eine kleine, wirkungsvolle Feier. Unter dem eben in zartestem Grün aufsprießenden Blätterdach der alten Bäume leuchteten die vielen roten Fahnen und die Wimpel der Kinderfreunde. Das Philbarmonische Orchester unter der Leitung des Vizedirigenten Schönwald, spielte die Weisen der bekannten Kampflieder, dann sang der Gelsenkirchener Volkschor unter Hermann Essers Leitung:„Jauchit und jubelt!“ von Bach und die Sonnenhymne von Mussorski. Der rechte Auftakt für eine kurze, schlagkräftige Ansprache des Genossen Renner war nun gegeben. Der Redner führte etwa aus: Maitag ist Kampftag! Mehr als je ist es notwendig, diesen Tag zu feiern. Mehr als je sind die wirtschaftlichen und politischen Rechte der Arbeiterschaft in Gefahr gewesen. In allen Staaten marschieren heute die Arbeiterbataillone, um zu demonstrieren für Völkerverständigung, für die Rechte der Arbeiterschaft, für den Sozialismus. Selbst in Spanien werden heute Millionen marschieren, die vorher von der Diktatur daran gebindert waren. Unser Kampf am 1. Mai ist ein Kampf, um das Errungene zu erhalten. Der Kampf der Gegner gegen den Marrismus ist nichts weiter, als Kampf gegen die mit sehr vielen Opfern aufgebaute Genossenschaftsbewegung, ist ein Kampf gegen die Gewerkschaften und die#ozialistische Bewegung überhaupt. Das politische und wirt schaftliche Mitbestimmungsrecht der Arbeiter soll vernichtet werden. Unsere Maidemonstration ist zugleich ein Kampf gegen Faschismus, für die Demokratie, gegen die Reaktion, für den sozialen Fortschritt. Der Redner schloß mit einem Hoch auf die Partei, das von den Massen begeistert ausgenommen wurde. Darauf setzte sich der imposante Zug nach Schloß Berge in Bewegung. Vorauf das große Banner der Roten Fairen und die Buben und Mädels in ihren blauen Kitteln, dann folgten Partei und alle, die mit wollten. An der Hasenschenke vorbei, über die Kanalbrücke, ging es auf der neuen Verbandsstraße nach Schloß Berge. Bei dem herrlichen Wetter und in der frohen Stimmung, die überall herrschte, ist wohl keinem der Weg zu weit geworden. Die Gelsenkirchener waren diesmal die ersten auf Schloß Berge, die Genossen von Buer und Horst trafen erst später ein. In Buer hatten sich die Ortsgruppen in den Räumen und im Garten des Volkshauses gesammelt. Die Volkschöre Buer und Horst sangen unter der Leitung des Dirigenten Rathert einige Kampflieder, die Reichsbannerkavelle spielte, und die Arbeiterturner sorgten durch turnerische Darbietungen für gute Unterhaltung. So kam sehr bald auch für die Genossen von Buer die Zeit heran, um nach Schloß Berge aufzubrechen. Auch in Buer war es ein stattlicher Zug, der da unter den roten Bannern durch die Straßen zog. Auf Schloß Berge entwickelte sich bald ein frohes Leben und Treiben. Auf der großen Wiese schlugen die Kindersreunde ihr Zelt auf, auch die Arbeiterturner hatten da ihre Geräte aufgestellt. Die Maistafette um den Berger Sec, die ja schon Tradition geworden ist, fand lebhaftes Interesse. 120 flinke Läufer liefen über die Hügel der Uferböschung. Auf der Sutumer Straße war der Start. Unter den 1000-MeterLäufern setzte sich in blendender Laufmanier der Läufer des neugegründeten Erler Vereins„Frei Heil“ an die Spitze. Doch schon der 800=Meter=Mann büßte den Vorsprung wieder ein. An den Südhängen des Sees setzte sich der Gelsenkirchener Schwimmverein an die Spitze und errang einen Vorsprung von etwa 30 Meter, der aber durch einen unglücklichen Stabwechsel eingebüßt wurde, so daß die Freie Spielvereinigung Buer mit 4 Meter Vorsprung das Ziel passierte. Nachstehend das Resultat: 1. Freie Spielvereinigung Buer 11,46 Minuten, 2. Schwimmverein Gelsenkirchen 11,49 Minuten, 3. Freie Sportvereinigung Gelsenkirchen 12,23 Minuten, 4. Erle 13,03 Minuten, 5. Sportvereinigung Buer 2. 6. Eintracht, 7. Vorwärts 1, 8. Ueckendorf, 9. Vorwärts 2, 10. Naturfreunde, 11. Katernberg, 12. Freie Spielvereinigung Heßler, 13. Buer 3, 14. Scholven. : Den Wanderpreis der Kinder holte diesmal Hassel. Der Preis war im vorigen Jahr an Schalke gefallen. Die Schalker hätten ihn auch diesmal behalten, sie hatten aber in Unkenntnis der Vorschriften einen Sechzehnjährigen unter ihren Läufern, so mußte Schalke ausscheiden, und der Preis fiel den zweiten Siegern. Hassel, zu. Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Jubilarehrung. Mit Musik wurden die Jubilare auf die große Spie geführt, der Volkschor sang, und Genosse Brüntink hielt eine Ansprache, die wir nachstehend im wesentlichen wiedergeben: von g pielwiese □ 6 such ohne„grosse Uarenkenntnisse zu meinen äußerst billigen Preisen nur zuverlässige, tragfähige # 98 au erhalten, hat weitesten Kreisen die Uberzeugung gebracht, Stoffe für Herren- u. Knaben- KleidungNeue, moderne engl. gemusterte Stoffe 145 cm breit, trotz dieses billigen Preises 1 25 eine sehr solide, strapazierfähige Qualität. Nieter# Ein Posten Wypcord 145 cm breit, in guten Sportfarben gemustert, außergewöhnlich solide Qualität, für Sport-Anzüge und starke Hosen, Meter 4— 80 Etwas Besonderes! Reinwoll. blauer Kammgarn schwere, feingerippte Qualität, für Bur-□ 90 schen- und Knaben-Anzüge, 145 cm breit Meter Für sollde Schufhosen! Buxkin-Reste in praktischen, Mustern, jeder 60 cm groß mittelfarbigen Rest 50 und ich kaufte als besondere Gelegenheit einen Posten reinwoll. Herren-Kammgerne 145 cm breit, in modernen schwarzweißen und grau-weißen Mustern, für A80 den guten, strapazlerfählgen Anzug sehr zu empfehlen Meter Ich übernehme die Anfertigung von A tadellosen Sitz und prima Verarbeitung Reinwollener Sheiland 150 cm breit, die bewährte Werdener Qualität in schönen grauen und graublauen Farben, für den modernen Uebergangs-Paletot Meter Aus dieser Qualität kostet der moderne Mante!: 2.80 m Stoft à K 8.75.. KA 24.50 Prima Zutaten mit Kamelhaar- und Roßhaar-Verarbeitung 14.00 Anfertigung mit Anbrove 4 48.00 K 86.50 75 Der elegante Sommerstoft! Reinwollener Presco die beliebte Bindung für den mittelschweren Sommeranzug, in den von der Mode bevorzugten hell- u. mittelgrauen Dessins Meter Aus dieser Qualität koste: der angefertigte Anzug 3.10 Meter Stoft à Mk. 11.75.. K 36.40 Prima Zutaten mit Kamelhaar Roßhaar, Wollserge oder Alpaka K 14.— Anfertigung mit Anprobe K 48.— K 98.40 Beste deuische Kammgerne aus la reinwollenem Materlal, darunter die bewährten Kettwiger und Aachener Qualitäten, welche bestes Tragen ge-——.„ währleisten, In d. bevorzugten schwarz- n 1 9 weißen und schwarz-grauen Streifen- I# und Diagonal-Mustern Meter 15 Aus dieser Qualität koste! der angelertigte Anzus 3.10 Meter Stoft A K 16.75 51.90 Beste Zutaten 14.0 Anfertigung. 55.0 12120.9 nzügen und Mänteln unter Garantie für , z u m P r o i s e v o n M k. 3 3.— b i e M k. 6 8,—. Bestellungen zu Pfingsten werden noch entgegengenominen C m. 8. U. Aus dem Tagebuch des Emscherbrüchers So, wie uns die Maiensonne heute leuchtet, so leuchtet zorbildlich die Treue unserer Jubilure, die 25 Jahre oer Partei angehören. Unsere Partei ist noch nicht alt, wenig mehr als 25 Jahre sind es, seit die Sozialdemokratie von sich reden gemacht hat, aver 25 Jahre sind nur Minuten im Ablauf der Weltgeschichte. Verhältnismäßig kurz ist die Zeit des Ringens der Arbeiterklasse, die sich um das rote Banner der Sozialdemokratie geschart hat, um ihre Anerkennung. Noch nie hat eine Klasse sich so schnell zur Anerkennung durchgerungen. Aus dem„Volk aus der Tiefe“, das kein Selbstbestimmungsrecht hatte und nur immer andere über sich bestimmen lassen mußte, ist die Arbeiterschaft zum politischen Machtfaktor von geschichtlicher Bedeutung emporgestiegen. Noch haben wir nicht die Macht, aber wir sind auf dem Wege zur Macht. Dem Sozialismus gehört die Zukunft. Der ganze Erdteil Australien steht unter dem roten Banner. In England steht der sozialistische Führer Macdonald an der Spitze eines Weltreichs. In Deutschland hat die Arbeiterschaft Einfluß auf die soziale Gesetzgebung. Zahlreiche Gemeinden haben eine sozialistische Mehrheit. Diese Erfolge machen uns stark und zukunftsfroh. Gerade die jetzige Wirtschaftskrise zeigt, daß der Kapitalismus versagt, und daß wir auf dem rechten Wege sind. Nur der Sozialismus wird die kulturellen Forderungen der Masse zu erfüllen in der Lage sein. Was wir in der Partei bis heute erreicht haben, das danken wir der Treue unserer Jubilare, die in all den langen Jahren zur Partei gestanden haben, in guten und bösen Tagen. Diese Treue soll ein Vorbild sein für all die jungen Menschen, die hier sind. Mögen sie in gleicher Weise wie unsere heutigen Jubilare der Partei die Treue halten. Genosse Brüntink verlas dann die Namen der Jubilare und sprach ihnen die Glückwünsche der Partei aus Im Namen der Jubilare dankte Genosse Tortz. Er sagte, eines Dankes bedürfen die Jubilare nicht. Doch sprechen sie die Bitte aus, die Arbeiterschaft möge sich fest um das Banner des Sozialismus scharen und so einig und geschlossen den Kapitalisten, die heute' mehr denn je bestrebt seien, die Arbeiterschaft mürbe zu machen, Trotz zu bieten. Es dürfe nicht gelingen, die Errungenschaften der Arbeiterbewegung zu zerschlagen. Die Jubilare und auch alle anderen Anwesenden geloben daher, treu zum roten Banner des Sozialismus zu stehen. Genosse Brüntink brachte nun ein Hoch auf die Jubilare und auf die Partei aus, das begeistert ausgenommen wurde. Zum Andenken an diesen Tag wurde den Jubilaren ein Gedenkblatt überreicht. Nachdem dieser Festakt vorüber war, kamen auch die Kinder zu ihrem Recht. Spiele und Belustigungen aller Art ließen auch ihnen den 1. Mai so recht zum Freudentag werden. Besonderen Spaß machte der hohe Kletterbaum, von dem sie immer wieder abrutschten! Auch die Erwachsenen waren mit den Kindern fröhlich. Wenn das „Ruhr=Echo“, glaubt, sich über das Volksfest der SPD. am 1. Mai lustig machen zu müssen, und wenn diesmal sogar der Zeichenstift zu diesem Zwecke herhalten mußte, so muß diesen Leuten einmal gesagt werden, daß ihre Methode ja nur dem blassen Neid entspringt. In der SPD. wird von jedem Parteigenossen, von Funktionären und Führern ernste und sachliche Arbeit verlangt und geleistet, das beweisen die Funktionäre der Partei, ob es sich um Parlamentarier, Gewerkschaftsführer oder Betriebsräte handelt. Menschen, die sachlich und ernst arbeiten, haben auch einmal ein Recht auf Freude— und ein solches Volksfest, wie es von der SPD. auf Schloß Berge gefeiert wird, bringt eben Menschen, die in ernster Arbeit für ein gemeinsames Ziel streben, auch einmal zu harmloser Fröhlichkeit zusammen. Der festliche Tag schloß mit einem Feuerwerk und einem Reigen der Arbeiterruder ab. Er hat gewiß allem die ihn mit erlebten, neuen Lebensmut und neue Kraft gegeben, weiter zu wirken für den Sozialismus. M. Z. Dichtung des Teiches im Südpark Vor reichlich zwei Jahren bereits war der Teich im Südpark infolge plötzlich aufgetretener Tagesbrüche undicht eworden. Das Wasser sackte vollends ab, und ehe man den lpparat der stets schwerfälligen Verhandlungen mit der Zechenverwaltung Rhein=Elbe in Bewegung gebracht hatte, war der Sommer ins Land gezogen, und mit ihm hatte sich ein wunderbares Wunder der Natur enthüllt. Fast über Nacht waren unzählige der anspruchslosen und doch so farben frohen Weidenröschen in die Höhe geschossen und hatten aus dem ehemaligen Weiher ein kleines„Meer von Weidenröschen“ gebildet. An sich war dieses rosafarbene Werden in der Natur bewundernswert. Trotzdem konnte man nicht damit rechnen, daß sich das Wunder Jahr für Jahr der Zechenverwaltung zur Liebe wiederholen würde. Anfangs wollte man auch der Stadt eine Abfindung für den undichten Teich zahlen, wofür die Stadt den Teich als Blumenrondell ausgestalten sollte. Für die Abfindungssumme hätte die Stadt im besten Falle das Teichbeet zweimal bepflanzen können. Kein Stadtverordneter bätte zu einem solchen Vorhaben seine Zustimmung gegeben. So erklärten sich nunmehr die Vereinigten Stablwerke bereit, ihr Scherflein zur Dichtung des Teiches beizutragen. Dazu waren sie allein schon aus juristi schen und rechtlichen Gründen gezwungen. Man ließ einige Waggon des besten Westerwälder Tons anfahren und stellte diesen dem Gartenbauamt zur Verfügung. 40 Fürsorgearbeiter mischen in Speispfannen den Ton mit Wasser zu einem milchigen Brei. Diesen Brei schüttet man in die Ritze der Teichsohle. Alsbald sackt das Wasser und der Ton bleibt L. L. L.— Licht lockt Leut= und Klimbim nicht minder So war denn auch zu sehen und festzustellen, daß der Horster Kirmesrummel wieder allerlei Volk zusammengeführt hatte. Aus allen Bierdörfern fünf Kilometer im Umkreise um Horst herum war angetreten, wer das Bedürfnis hatte, zu schunkeln und zu schankeln, zu kavalieren und zu knutschen, denn ein kleines Mädchen war meist auch dabei. Wer diesmal in Horst keine mitgekriegt hat we selbst dran schuld. Aber meistens hat er dafür Keile mitgetriegt. Denn die schöne Einigkeit, die zunächst herrscht, geht in späterer Stunde meist in die Brüche, wenn der eine feststellen muß, daß der andere versehentlich auf dem Gebiete der Liebe mein und dein verwechselt hat, oder wenn der Geldbeutel leer und der Kopf voll ist. An den bekannten Stellen und in den ebenso bekannten idyllischen Schenken hat es Senge zu Hauf gegeben, und Taschendiebe sind auch voll und ganz auf ihre Kosten gekommen, wenn auch diesmal der üppige Griff in Conrad Thies' Kriegskasse ausblieb. Dafür hat man aber eine arme Kumpelfrau überfallen die noch 25 RM aus der allgemeinen Misere gerettet hatte und dieses für sie unersetzliche Geld an zwei trübe Kavaliere aus liefern mußte, die in der Dunkelheit über die bedauernswerte Frau hergefallen waren. Nutzanwendung: Gebe rechtzeitig im Hellen nach Hause, oder sorge dafür, daß du männlichen Schutz bei dir hast! Denn was in Horst im Dunkeln gemunkelt wird ist allzu sehr bekannt. Solche und ähnliche Geschichten erzählt man sich von der Horster Frühjahrskirmes. Und die aus wärtigen Schausteller werden froh gewesen sein, das Geld, was in Horst noch locker zu machen war, abzuschleppen, und der Horster Mittelstand guckt dafür in den Mond. Nur in den Kneipen ist der Bierkran emsig gelaufen, denn für ein paar Tülpkes bleiben immer noch ein paar Groschen über. Der Emscherbrücher will bestimmt nicht moralinsauer werden und nicht nach Schulmeisterart pedantisch den warnenden Zeige=, finger aufrecken. Aber er ist der Auffassung, es hätte dieses Jahr ruhig etwas weniger laut hergehen können. Am besten können das Feiern aber immer noch die Bürgerschützen. Die Schützenvereine des Emschertales, darunter nicht zum wenigsten auch der Horster Verein, waren neulich wieder zusammen, um ihren Karnaper„Schützenbrüdern“ zu helfen, Maifeier der SAJ. Sonntag, den 3. Mai, um 20 Uhr, im AugustBebel=Haus. Freunde unserer Bewegung sind eingeladen. als seste Masse zurück. Darüber wird eine nach oben gebogene Tonplatte angestampft, die bei Bildung neuer Leerstellen selbsttätig dichtend wirkt. Darüber hinaus werden die etwa 2 Meter tiefen Risse mit nassem Lehm und Ton ausgestampft und die Teichsohle vorsorglich nochmals mit einer Tonschicht gefestigt. Zum Sommer soll der Teich bereits wieder Wasser und Geflügel haben. Vorsicht vor einem Schwindler der Spenden„für ein Hindenburgdenkmal“ sammelt! Zur Zeit betreibt im rheinisch=westfälischen Industriegebiet ein Schwindler, der Spenden„für ein Hindenburgdenkmal" sammelt, sein Unwesen. So erschien der Schwindler dieser Tage bei den Angestellten der Rheinstahlwerke in Bottrop, um angeblich mit der Genehmigung eines Werksdirektors Spenden dieser Art in Empfang zu nehmen. Er zeigte eine Liste vor, in der schon Spenden eingetragen waren. Als Bestütigung der Bestellung ließ er bei Spenden von 3 oder 5 RM eine Karte unterzeichnen, die in Wirklichkeit aber die Bestellung eines Buches zum Preise von 55 RM darstellte. Die sofort angestellten Ermittlungen ergaben, daß kein Werksdirektor die Genehmigung zu der Sammlung gegeben hatte, und daß es sich um einen raffinierten Betrüger handelt. Dieser ist etwa 38 bis 40 Jahre alt, 1,70 bis 1,72 Meter groß. Er trug einen grauen Ueberzieher, meergrünen Hut, schwarze Halbschuhe. Sachdienliche Angaben nimmt die Kriminalpolizei in BottropEigen entgegen. Sollte der Schwindler anderwärts auftreten, so wolle man unauffällig die nächste Polizeidienststelle benachrichtigen, damit die Festnahme erfolgen kann. Vorsicht, Schwindlerin! In Gelsenkirchen treibt eine Schwindlerin, die auch anscheinend Falschgeld verbreitet, ihr Unwesen. Sie sucht hauptsächlich nur harmlose Frauen auf, denen sie Wäsche anbietet und verkauft. Nachdem die Frauen bezahlt haben, sucht sie dieselben etliche Stunden später nochmals auf unter dem Vorwande, sie bätten ihr Falschgeld in Zahlung gegeben. Viele sind auf diesen Trick hereingefallen. Die Schwindlerin wird wie folgt beschrieben: 1,65 bis 1,70 Meter groß, schlank, ovales Gesicht und rötliches Haar, eine neue Fahne einzuweihen. Die Fahne kostet bestimmt Geld und das Fahnenweihen bestimmt ebensoviel. Aber dafür langt's immer noch trotz allem Zehren an der Substanz. Es wirkt wahrhaft erheiternd, wenn man bei dieser Gelegenheit die Titulaturen sieht. Kaum ein südamerikanischer Raubstaat hat so viele Generäle und Obersten in seiner Liliput=Armee vereinigt, wie die Schützen. Und mit einem Eiser, der einer besseren Sache würdig wäre, werfen sie mit ihren Titulaturen um sich, daß jeder Unbeteiligte am besten tut, dieser Rumschmeißerei aus dem Wege zu gehen, sonst ist er auf einmal Hauptmann und weiß selbst nicht, wie er zu dieser Würde gekommen ist. Das aeht sogar so weit, daß, wenn Differenzen innerhalb der Reihen dieser Schützenvereine ausgetragen werden, man zwar auf der Eselswiese den Geaner heftig angreift, aber um des Prinzips willen ihn immer noch bei seinem Titel benennt. Der Emscherbrücher erinnert sich in diesem Zusammenhange des alten, braven Schlachtermeisters Feuerbaum in Dortmund, der auch Hauptmann war, zwar nicht bei den Schützen, aber bei der Dortmunder Freiwilligen Feuerwehr. Der Brave war von seiner Würde, die ihm zu seinem zweiten Ich geworden war, derartig eingenommen, daß er, als er auf seine alten Tage sich für sein Geschäft noch einen Telefonanschluß anleate, auf jeden Anruf prompt mit der Meldung reagierte:„Hier Hauptmann Feuerbaum!“, Höher geht's nimmer! Und der Emscherbrücher will es den„Schützenbrüdern“ nicht krumm nehmen, wenn sie ihre Ehrgeize ebenfalls auf dieser Wiese tummeln. Er hat so mancherlei bis in die allerletzten Tage hin von Schützen und Schützenwesen gelesen. Aber eins hat er aus dem ganzen Emscher=Lippe=Lande nicht gelesen, was jüngst von einer Schützengilde des Münsterlandes gemeldet wurde. Dort hatte man den löblichen Beschluß gefaßt, in diesem Jahre kein Schützenfest zu veranstalten, dafür aber eine Summe, die den Kosten entsprechen würde, die mit einem derartigen Schützenfest verbunden sind, den karitativen Verbänden zuzuwenden. Der Emscherbrücher gesteht ohne weiteres ein, daß er gern davon Notiz nehmen würde, wenn auch die Horster Schützengilde einmal etwas Derartiges von sich hören ließe. Aber darauf kannste lange warten! Selber essen macht fett! Der Emscherbrücher. dunkler Hut, kleine Form, dunkelblauer Mantel, graue Strümpfe und schwarze Halbschuhe. Sie nennt sich Denand und gab als Wohnung Gelsenkirchen, Küppersbuschstraße 27, an, dort ist sie aber unbekannt. Im Betretungsfalle wolle man die Polizei benachrichtigen, damit die Festnahme erfolgen kann. Sachdienliche Angaben, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt die Kriminalpolizei in Gelsenkirchen, Wildenbruchstraße 11 bis 13, Zimmer 28 bis 33, entgegen. Geschäftsjubiläum. Die Firma R. Klestadt, GmbH., Buchdruckerei und Papierwarenfabrik, konnte gestern, am 1. Mai, auf ihr Bestehen von 50 Jahren zurückblicken. Tod im Betriebe. An einem der letzten Tage kam ein 27 Jahre alter Mann, der bei der Firma Bütger beschäftigt war, auf eine trägische Weise zu Tode. Die Firma Bütger, die bei den Mannesmann=Röhrenwerken, Abteilung Bergbau 1=6, Aufträge zu erledigen hat, war damit beschäftigt, ein Transportband zu verladen. Ganz unvermutet brach die Achse des Transportbandes, und das schwere Rad fiel auf den jungen Mann, der auf der Stelle tot war. Vorsicht bei Wunden! Am vergangenen Montag fiel die Ehefrau Börger bei der Gartenarbeit mit der Hand in eine Harke und verletzte sich. Die Frau schenkte dieser geringfügigen Verletzung keine besondere Aufmerksamkeit. Zu dieser Verletzung trat eine Blutvergiftung hinzu, die zur Folge hatte, daß der Frau ein Finger der rechten Hand auf operativem Wege entfernt wurde. Werklehrerseminar Gelsenkirchen. Kürzlich fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrats Hellwig vom Provinzialschulkollegium in Münster die diesjährige Abschlußprüfung im hiesigen Werklehrerseminar statt. An derselben nahmen 12 Damen und zwei Herren teil, die sämtlich die Prüfung bestanden. Die für die Prüfung angefertigten Arbeiten sind bis einschließlich Sonntag, den 3. Mai, in zwei Räumen der Kronprinzenschule, Industriestraße 48, ausgestellt(Eingang Industriestraße). Die Ausstellung umsaßt in der Hauptsache Kunstnadelarbeiten und Papparbeiten, daneben aber auch Holzarbeiten, Metallarbeiten. Unterrichtsmittel und Spielzeuge Die Ausstellung kann besichtigt werden Samstag von 10 bis 13 Uhr und von 17 bis 19 Uhr, Sonntag von 10 bis 13 Uhr Schüler und Schülerinnen unter 14 Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Für Schulklassen sind besondere Besuchszeiten festgelegt. Bereit sein, ist aues. Die kluge Hausfrau sollte stets Magai's Fleischornhwurfel vorrätig halten. Hat man keine selbstgemachte Fleischbrühe, oder kommt unerwartet Besuch immer sind Maggi's Fleischbrühwürfel gebrauchsfertig und helfen schnell aus der Verlegenheit. Sie sind stets mit bestem Kirischertrakt und seinen Gemüseauszügen hergestellt und enthalten alles, was zu einer guten Fleischbrühe gehört Pfund Frisch-Fleisch zu Jubiläums-Preisen! Suppentleisch Ptund 805 Hoherippe Phund 85 Bratentleisch Ptund 90 Roastbeefund 1.Frisch. Gehacktes Pfund 70 Mastkalbsragout Mastkalbsrücken Mastkalbsblatt Mastkalbskeule Pfund Pfund 1.30 Plund 1.30 Schweinebauch Ptund 60— Schinken rund 75% Koteletten Phnd 85 Rollbraten Phnd 85 Frisch. Specn mit Flomen Pfund 55 P Hammelragout... Pfund 1.Hammelrücken Phnd 1.10 Hammelblatt....... Phund 1.10 Hammelkeule F. Plund 1.20 Fleischwurst.. Plund 75 Bierwurst Phnd 80 Pr. Kleinfleisch Pund 20 Blutwurst Leberwurst gron Plund Pfund 1.4 Fr. Schweinsköpfe r 28 Leberwurst sein Jagdwurst Plund 1.30 Plund 98— 8 E U R Nr. 101. 13. Jahrgang. Drittes Blatt. Volkswille Gelsenkirchen, Samstag. den 2. Mai 1931. Gewerkschaftliches Bezirkskonferenz der Abtellung Post und Telegratie im Gesamtverband Kürzlich tagte im Volkshaus zu Dortmund die Bezirksronferenz der Reichsabteilung&a Post und Telegrafie im Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Wagenverkehrs für den Oberpostdirektions= bezirk Dortmund. Nach einer gesanglichen Einleitung durch Mitglieder des Volkschors gab Kollege Stövehaase den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr, der ein klares Bild darüber gab, daß der Gesamtverband die wirksamste Interessenverl. ung für die bei der Post und Telegrafie beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeiter ist. Dieser Eindruck wurde noch bedeutend verstärkt durch das Referat des Kollegen Valenthin(Berlin) aus der Reichsleitung des Gesamtverbandes. Er zeichnete ein Bild von der Wirtschaftskrise und den Ursachen und sprach über die eben abgeschlossenen Lohnverhandlungen für die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Post und Telegrafie. Wenn die Reichsleitung vorzog, eine freie Vereinbarung mit der Post abzuschließen, statt zum Schlichter zu gehen, so hat sie damit erreicht, daß den unter den neuen Lohntarif Fallenden rund 3 Millionen Lohnsenkung erspart sind. Nach einer lebhaften, ausgedehnten Aussprache nahm die Konferenz einstimmig folgende Entschließung an: „Die Konferenz verurteilt aufs schärfste den von der Regierung für alle Reichsarbeiter und damit auch für die Lohnempfänger der Deutschen Reichspost immer wieder erstrebten Abbau der Löhne und der Kürzung der Gehälter der Beamten auf Grund der Notverordnung und weist ihn mit aller Schärfe zurück. Sie betont mit aller Deutlichkeit, daß eine Kürzung der Gehälter der Beamten(insbesondere der unteren und mittleren Beamten) und eine Kürzung der an sich niedrigen Löhne der Reichspostarbeiter nicht tragbar ist. Im übrigen fehlt dem allgemein durchgeführten Gehalts= und Lohnabbau der Reichsregierung jede Berechtigung, weil die Gehalts= und Lohnkürzungen der Arbeitnehmerschaft(Beamte. Angestellte und Arbeiter) eine Schmälerung der Lebenshaltung bringt und den von der Regierung gewünschten Zweck, die Senkung der Gestehungskosten und des Preisstandes zu erreichen, dadurch illusorisch wird. Den Maßnahmen der Regierung. eine Belebung der Wirtschaft und damit eine Minderung der Arbeitslosigkeit mit dem völlig fehlgehenden Mittel des Gehalts= und Lohnabbaues erreichen zu wollen, ist der Erfolg durchweg versagt geblieben. Ein weiterer Gehalts= und Lohnabbau schwächt die Kaufkraft der breiten Masse des deutschen Volkes in empfindlicher Weise. Die dadurch bedinate Produktionseinschränkung wird ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit, wie die Erfahrungen bisher gelehrt, zur Folge haben. Die Bezirkskonferenz warnt davor, den zum Chaos führenden Gehalts= und Lohnabbau weiterzutreiben. Sie vertritt vielmehr die Auffassung, daß nur die Erhaltung und der Ausbau der Kaufkraft der breiten Massen die deutsche Wirtschaft beleben und einen Konjunkturausschwung begünstigen kann. Die Bezirkskonferenz protestiert daher auch aus allgemeinen volkswirtschaftlichen Gründen mit aller Entschiedenheit gegen jeden beabsichtigten weiteren Gehalts= und Lohnabbau für die Beamten und Arbeiter der Deutschen Reichspost.“ Die Bezirkskonferenz richtet ferner mit allem Nachdruck die Aufmerksamkeit der Kollegenschaft(Beamten, Angestellten und Arbeiter) der Deutschen Reichspost auf die am 16. 17. und 18. Mai dieses Jahres stattfindenden Betriebsrätewahlen. Wir stehen vor einem außerordentlich regen Wahlkampf. Nicht nur die christlich=nationale Deutsche Postgewerkschaft wird in diesem Wahlkampf alle Minen springen lassen, um die von ihr so sehr gehaßte freigewerkschaftliche Bewegung(Gesamtverband, Reichsabteilung„E“. Post und Telegrafie) zu schwächen. Auch die Kommunisten(RGO) und Nationalsozialisten(Nazi) werden keine Lüge und keine Verleumdung scheuen, sondern den Kampf gegen uns auch mit den niedrigsten Mitteln der Verlogenheit gegen uns führen. Aber das kann uns nicht mutlos und wird uns nicht kampfmüde machen. Wir alle wissen, daß im bevorstehenden Wahlkampf von allen Seiten gegen die Erhaltung und den Ausbau der freigewerkschaftlichen Betriebsvertretung gebetzt werden wird. Aber das muß ein Ansporn dafür sein, mit um so größerer Wucht. mit umso größerer Hinaabe und unermüdlicher Ausdauer für den Gesamtverband für unsere Reichsabteilung„E“ Post und Telegrafie zu wirken. Wir kämpfen für zielbewußte ehrliche und charakterstarke Betriebsvertretungen, die frei von jedem Phrasengedresch und ohne jede Effekthascherei mit geradem. festem Wanen die Interessen der Kollegenschaft wahrnenmen. Wir kämnfen für unsere gute und gerechte Sache. Eure Pflicht ist es, ihr mit aller Tatkraft zum Erfolge zu verhelfen. Werbt schon jetzt für die Listen unseres Verhandes Liste 1. Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen= und Warenverkehrs. Reichsabteilung„E“ Post und Telegrafie. Die alte Bezirksleitung wurde wiedergewählt bzw. durch Zuwahl aus einzelnen Ortsgruppen ergänzt. Dann wurde die Bezirksratsliste aufgestellt, sie beginnt mit den Namen Iserloh(Tortmund) Kloh(Bochum). Nach einem Appell zur aktiven gewerkschaftlichen Arbeit und zur Stärkung der proletarischen Organisationen schloß der Bezirksleiter Wiese die Tagung mit einem Hoch auf die internationale sozialdemokratische Arbeiterbewegung. Der kommunistische Spiltlerladen „Einheitsverband für das Baugewerbe“ gegründet!— Kampf der Gewerkschaftsbürokratie!— EVsdB. leitet Streik! So oder ähnlich schreien jeden Tag in der kommunistischen Presse die Schlaazeilen. Immer wieder kann man lesen:„Die Gewerkschaftsbürokratie liquidiert. der Einheitsverband hat die Massen der Bauarbeiter gesammelt zum Sturm gegen die Bonzen und Verräter.“ Was steckt nun hinter diesen Zeilen, wie sieht die große Aktion aus, die die Kommunisten nun im Baugcwerbe unternehmen? Es ist ja nicht das erstemal, daß die Kommunisten ihre Anhänger aus den freien Gewerkscheften ziehen. Allbekannt ist ka die wechselnde Parole der KPD. zu den Gewerkschaften. Statt gegen die wahren Feinde zu kämpfen, aibt man Paralen heraus, die eine Stimmung erzeugen wonach mißtranisch alles bekrittelt wird ohne selbst zuzufassen. Die Kommunisten, die so gerne über den Verrat der Gewerkschesen schreien. begeben den größten Verrat. indem sie in der jetzigen Notzeit, unter dem Deckmantel revolutionärer Taktik die Gewerkschaften, die noch immer ein starkes Bollwerk sind, zerschlagen wollen. Wer kennt nicht die vielen beitragsscheuen Manlbelden die höhnisch auf den Organisierten blicken der treu seine Beiträge bezahlt? Wer stützt diese Leute wer stärkt ihnen das Rückarat? Die RGO mit ihren Parolen! Muß da nicht jeder ehrliche Kämpfer bei der KPD. sich schämen, daß seine Partei die Unorganisierten bestärkt in ihren Ansichten? Besonders die älteren Kollegen mögen sich einmal zurückerinnern, wie früher der Unorganisierte als Parasit betrachtet wurde. Den Unorganisierten heute in den Mittelpunkt stellen zu wollen. blieb der RGO überlassen Wie werden nun die neuen Erfolge der Splitterorganisation sein? Wir kennen den Verlauf schon aus der Vergangenheit. Einige werden sich anschließen und nachher froh sein, wenn sie wieder von den Gewerkschaften ausgenommen werden. O Aber ein Teil davon wird bestimmt in die Gruppen der Indifferenten zurücksinken. Die Weltkrise des Privatkapitalismus hat dem Baugewerbe besonders seinen Stempel aufgedrückt. 70 bis 80 Prozent der gesamten Bauarbeiter sind arbeitslos. Viele, die bis dahin nicht wußten, was sie waren, werden nun radikal klassenbewußt. Sie erkennen nicht den Weg, wo gekämpft wird, son dern suchen nur die gemeine Art des Schimpfens Wie nun diese Splitterorganisation ins Leben gerufen wird, konnte man vergangene Woche in Gelsenkirchen erleben. Mit dem nötigen Tamtam wurde die Versammlung in Szene gesetzt. Trotzdem ein großer Teil Kommunisten, die keine Bauarbeiter waren, sowie andere Gewerkschaftler anwesend waren verstieg sich der kommende Einheitsverbandsbonze(wenn er es nicht schon ist, um im kommunistischen Jargon zu reden), die Versammlung als das Forum der Bauarbeiterschaft anzusehen die zu urteilen habe über den Verrat der Bonzen. In Schwindelmeldungen wurde von einem Sieg des Einheitsver bandes in vielen Orten geredet. Der Baugewerksbund habe liquidiert. Und alles das wird zusammengelogen, um eine Organisation zu bauen. Es muß doch traurig hinter den Kulissen aussehen, wenn schon bei der Gründung Schwindelmaterial zusammengetragen werden muß. Mit ihren niedrigen Beiträgen muß dieser neue Laden bedeutungslos bleiben. Sollten die Beiträge aber erhöht werden, so werden viele der jetzt Klassenbewußten kehrt machen. Die Drahtzieher schreien, so. wie in der Vorkriegszeit sollen die Gewerkschaften werden Dabei verkennt man aber, daß die Gewerkschaften im Kampf gegen die Besitzenden stark wurde. nicht aber gegen Personen oder Bonzen, wie die Spalter. Kampf den Bonzen! Deshalb werden ja Bonzen zur Bekämpfung angestellt. Warum schimpfen die Unternehmer aber immer wieder gegen die freien Gewerkschaften und nicht gegen die radikale RGO. mit ihrem Anhang? Wir sind nicht so schlecht und rufen, weil ihr mit den Unternehmern haltet, nein, weil Hunde, die laut bellen, nicht beißen, die Splittergewerkschaft also bedeutungslos ist. Die Gewerkschaften der Vorkriegszeit mit Gewalt heraufzube schwören, ist Unsinn, weil sich die Zeiten geändert haben und die Gewerkschaften, bildlich gesprochen, nicht mit den Knüppeln der Vorkriegszeit vertauschen möchten. In dieser Zeit, wo es notwendig ist, daß die Arbeiterschaft auf einem gemeinsamen Wege marschiert, bleibt es der KPD vorbehalten, die Kluft innerhalb der Arbeiterschaft zu vergrößern, trotzdem sie so oft von Einheitsfront faseln. Ihre vornehmliche Aufgabe, das Mißtrauen in die Reihen der Arbeiter zu tragen, wird sich an ihrer Partei noch rächen. An uns liegt es nun, mit doppelter Energie tatkräftig weiter zu arbeiten. Der Baugewerksbund ist seiner Tradition treu geblieben, er ist Kampsorganisation trotz der Niederlage im jetzigen Lohnkampf. Er vereinigt das Gros der Bauarbeiterschaft in sich. Er bekämpft die privatkapitalistische Wirtschaft und kämpft ortz GVfdB., trotz Nazis, für die Vergesellschaftung des gesamten Bau= und Wohnungswesens, für den Sozialismus! Achtung. Vertrauensleute des DMV.! Am Samstaa. dem 2. Mai. 18 Uhr, findet im Metallarbeiterheim. Augustastr. 18, unsere ordentliche Vertrauensmännersitzung statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Bericht über die Verhandlungen Nordwest. Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte mitbringen! Die Verbandsleitung. Unsere um 8 Tage verlängert. Infolge des großen Andranges konnten wir vielen Kunde nicht gerecht werden. Wir haben deshalb die Voksbekleidungslage um acht Tage verlängert. Inzwischen ist wieder neue Ware hereingekommen, schöne neue Anzüge und Paletots finden Sie jetzt in reicher Auswahl. Ein Posten Anzüge strapazielahige Quälitdten Herren-Anzüge aus modernen dunkel gemusterten Stoffen gute Paßlorm 38 Eleg. Herren-Anzüge Gelegenheitskauf. Prima rein. Kammgarn z. I. aul Seide gearbeitet„ 56-, 48.in hübschen Mustern, sehr traglähige Qualiiälen 35, 28.mit Knickerbocker oder langer Hose Mengenabaabe vorbehalten! An Wiederverkäufer wird nicht verkauft! Wer sparen will, der komme zu nur Gelsenkirchen, Bahnhofstr. 64 Das Haus der eigenen Kleiderfabriken Für unsere Kinder ELICK ELOCK EI-AUN EINE ZWERGENGESCHICHTE IN BILDERN UND VERSEN Speck sprach zu den Zwergen von den letzten Bergen. Schw ine sind ein nahrhaft Vieh. doch gut füttern müßt ihr sie. Doch das Schwein, das dicke. rast heraus voll Tücke. und die Zwerge Flick, Fiock, Flaum schlugen einen Purzelbaum. Mit geheimem Bangen sind zum Stall gegangen unsre drel. Dort schob zurück kurzerhand den Riegel Flick. ist der Flaum getogen: „Warte nur, au Borstentler“, rlet er.„wart“, dich schlachten wir“ STADTTEIL BUER Das moderne Gericht Schreibmaschine im Auto. Gelegentlich eines Lokaltermins, der von der 9. kammer des Essener Gerichts in Buer Mitte am Mittwochnachmittag bei strömendem Regen am Schnittpunkt der Erlemit der Nienhofstraße stattsand und wozu das Gericht, sowie die Verteidiger und Zeugen an Ort und Stelle erschienen waren, wurde ein schweres Motorradunglück, wobei eine Verkäuferin einen Schädelbruch erlitt, rekonstruiert. Mit etwas Verspätung begann die Ortsbesichtigung, wozu sich auch zahlreiche Neugierige an der vorbezeichneten Stelle eingefunden hatten. Vor gut anderthalb Jahren passierte mit einer schweren Maschine der belgische Kohlenkontrolleur P. die Erlestraße. Auf dem Sozius hatte der Motorradfahrer die ihm kaum bekannte Verkäuferin B. von Althoff. die er so ein wenig durch die Stadt fahren wollte. An der Ecke Nienhof= und Erlestraße kam es bei einer Rundfahrt zu einem Zusammenstoß mit einem Metzgergesellen, der mit seinem Motorrad die Nienhofstraße in mäßigem Tempo hinaufgefahren kam. Die Zeugenaussagen ergaben, daß der Belgier ein schnelles Tempo und dazu noch die Kurve an der Ecke Nienhof= und Erlestraße nicht vorschriftsmäßig genommen hat. Noch einmal wurde an Ort und Stelle der ganze Sach verhalt durchgesprochen, um die Geschädigte, die am Essener Gericht Ansprüche stellt, zufriedenzustellen. Das junge Mädchen hat nämlich durch den Zusammenstoß Verletzungen erlitten, die derart schwer waren, daß sie auch heute noch zeitweise darunter zu leiden hat. Außerdem hat sie in Buer ihre Stellung verloren und kann mit ihrem Zeugnis, worin dieser Unfall angeblich vermerkt worden ist, kaum irgendwo unterkommen. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit spricht natürlich das Gericht in Essen, das durch Landgerichtsdirektor Dr. Frank vertreten war. Nach der Rekonstruierung des Vorfalles wurde im Auto, um sich vor Regen zu schützen, die Schreibmaschine in Tätigkeit gesetzt und die Protokolle den Zeugen noch einmal vorgelesen. STADTTEIL HORST * Das leidige Nesser Zwischen dem Bergmann Wilhelm D. und dem Bergmann R. aus der hiesigen Weidwallstraße kam es seit längerer Zeit häufig wegen der Kinder zu Zwistigkeiten, insbesondere dann, wenn der Alkohol eine Rolle spielte. Am Mittwoch gegen 19 Uhr verwickelten sich die Genannten wieder in einen Streit. in dessen Verlauf der D. dem N. mehrere Messerstiche versetzte. Der Verletzte mußte sofort in das hiesige Krankenhaus eingeliefert werden. Soweit wir festgestellt haben, besteht bei dem Verletzten keine Lebensgefahr. Der Täter hat sich selbst der Polizei gestellt. Falsches Geld Am Mittwoch hat ein Arbeiter aus Bottrop in Horst auf dem Kirmesplatz an einem Obstverkaufsstand des Händlers Michael Bindara, Horst, Hermannstraße 12, wohnhaft, versucht, einen falschen 10=RM=Schein in Zahlung zu geben. Der Betrüger wurde sofort von dem Schwiegersohn des Händlers festgehalten und der Polizei übergeben. Der Täter gab an, daß er im Auftrage eines gewissen Braun, dessen Wohnung ihm nicht bekannt ist, gehandelt habe. Es handelt sich um einen Reklameschein, auf den ein 10=RM=Schein gedruckt ist. Zwei solcher Scheine waren zusammengeklebt. Der Täter erklärte, er sei im Glauben gewesen, daß es sich um einen echten 10=RMSchein handle.— Vorsicht bei Entgegennahme von Geld! * Einen Unfall erlitt auf dem Rummelplatz in Horst am 27. April der 19 Jahre alte Th. aus der Fischerstraße daselbst. Als Th. im Begriffe war, sich an die Kasse der Schiffschaukel begeben, wurde er von einer sich in Bewegung befindlichen Schaukel getroffen und mußte im besinnungslosen Zustande dem Krankenhause zugeführt werden. Hier wurde von dem Arzte eine Gehirnerschütterung festgestellt. Falsche Groschen. Am 29. April wurde in einer Wirtschaft hierselbst festgestellt, daß sich Betrüger an dem dort aufgestellten Geldautomaten ihren Verdienst dadurch suchten, daß sie den Apparat mit alten 10=Pfennigstücken bedienten. Während man bei einer vorläusig festgenommenen Person noch 27 alte 10=Pfennigstücke vorfand, befanden sich in dem Apparat noch 51 Stück. In einer anderen Wirtschaft konnten bei der Kontrolle des Apparates noch 61 alte Geldstücke festgestellt werden. Neue Beitrilte zum ATSB. In Berlin ist die Wassersportabteilung des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold in Stärke von 422 Mann geschlossen zum Arbeiter=Turn= und=Sportbund übergetreten. In München-Gladbach ist der Sportverein Ost aus dem kommunistischen Sportverband ausgetreten und hat sich beim ATSB. angemeldet. Ost hat es satt, sich weiter der kommunistischen Parteidiktatur zu unterwerfen. Wo gehen unsere Sportlerinnen und Sportter morgen hin? Auf zur Zentrallehrstunde nach Erkenschwick! Morgen findet die vom Bezirk angesetzte Zentrallehrstunde in Erkenschwick für alle Sparten statt. Die Verantwortlichen in den Vereinen werden gebeten, in Erkenschwick zu erscheinen! Trefspunkt: Stimbergschule, 8.30 Uhr. Die Meisterschaftsspiele Im Fußbal’ager In der dritten Gruppe finden morgen die letzten Spiele statt, während die zweite Gruppe noch mehrere Sonntage vor sich hat. Der Tabellenstand dürfte sich mit einigen Ausnahmen nicht viel verändert haben, so daß wir ruhig die weiteren Spiele abwarten können. Wanne— Heßler. Die vorsonntägliche Niederlage der Gäste sollte zu denken geben. Wir erwarten für morgen wieder ein interessantes Spiel! Röhlinghausen—. Grün=Weiß Eickel. Die Grün=Weißen werden den Röhlinghäusern bei kompletter Aufstellung den Sieg schwer machen. Immerhin erwarten wir hier den Platzverein klar in Front. Wanne West— Wattenscheid. Mit einem Siege der Wattenscheider ist hier zu rechnen, wenn auch eine Verbesserung der Wester nicht zu verkennen ist. Freie Turnerschaft Eickel— Vorwärts Gelsenkirchen. Der Sturm von Vorwärts versteht es, Tore zu schießen. Es dürfte sich erübrigen, hier den Sieger im voraus zu bestimmen. V. f. L. Horst=Emscher— Eintracht Gelsenkirchen. Wer hier der Leidtragende sein wird, wollen wir offen lassen. Sollte aber Horst mit demselben Eiser ans Werk gehen, wie gegen Wanne, kann sich Eintracht nur auf Abwehr beschränken. B.=V. Schalke— Freiheit Gelsenkirchen. Nach einer sehr langen Niederlagenperiode kann man wieder eine Aufwärtsentwicklung des Platzvereins beobachten. Freiheit wird zu diesem Spiel in einer veränderten Aufstellung antreten. Sportfreunde Buer=Hassel— Rasensport Buer=Resse. Der Platzverein dürfte den Ressern den Sieg sehr schwer machen. Wir rechnen mit einem Siege der Hasseler. Buer=Scholven— Sportfreunde Holsterhausen. Buer=Scholven wird zu diesem Spiel in einer anderen Aufstellung antreten, doch trotz großen Eifers werden sie an einer Niederlage nicht vorbeikommen. Rasensport Dorsten— Hervest=Dorsten. Die Spielstärke der Rasensportler dürfte beachtlich geworden sein, aber immerhin zeigen die Hervester einen ungekünstelten Fußball. Es gibt ein scharfes Treffen und der Sieger muß schon Glück haben. Gladbeck=Zweckel— Sportfreunde Bottrop. Morgen wird die Mannschaft nach langer Zeit wieder mit der kompletten Elf antreten. Doch auch Bottrop hat das Können in sich, gerade den gefährlichsten Gegnern standzuhalten. Vorwärts Marl—. Rot=Weiß Bertlich. Von Spiel zu Spiel steigert sich die Leistungsfähigkeit des Platzvereins, aber auch des Gastes. Beide Vereine sind gleich stark und mit einem knappen Ergebnis ist zu rechnen. Reservemannschaften. Wanne— Heßler. Röhlinghausen— Grün=Weiß. Wanne West— Wattenscheid. Eickel— Vorwärts. Horst— Eintracht. Schalke— Freiheit. Hassel— Resse. Scholven— Holsterhausen. Dorsten— Hervest=Dorsten. Zweckel— Bottrop. Marl— Bertlich. 68— Die Anstoßzeiten sind, wenn keine anderen gemeldet wurden, 16 Uhr für die 1. Mannschaften und 14.15 Uhr für die 2. Mannschaften. Die Resultate sind sofort nach dem Spiel unter der beDummer au teleinnieren Die Vorrundensniele um die wesideutsche Meisterschaft im Handball Wer wird Ruhrgruppenmeister? Wer qualifiziert sich für die Endrunde? Kaiserau(westdeutscher Meister 30=31)— Meister des 10. Bezirks. Freie Turnerschaft Bottrop=Boy— Meister des 10. Bezirks westdeutscher Meister 28=29. Anwurf 11 Uhr. Platz Rhenaniaplatz, Horster Straße. In folgender Aufstellung wird Bottrop=Boy die Runde bestreiten: Krüger 2 Urbanek Krüger 1 Meinhold 2 Breitkopf Patze Thöring Weidlich Meinhold 1 Bartsch Tibo. Eine Aufstellung der Kaiserauer können wir nicht ver#tlichen, da uns keine zugegangen ist Die weiteren Spiele Im Bezirk Da anläßlich des Spieles um die westdeutsche Meisterschaft für die Gruppen Bottrop, Gladbeck und Buer Spielverbot herrscht, werden wohl nicht viele Spiele stattfinden Eintracht Recklinghausen—. Bochum=Riemke. Die Fähigkeiten der Gastmannschaft aus dem Bochumer Bezirk stehen auf guter Höhe. Eintrachts Mannschaft muß sich auch hier zusammenraffen. Jedenfalls erwarten wir hier einen Sieg des Platzvereins.— Anwurf 17 Uhr. Eintracht Reserve— Riemke Reserve. Eintrachts Reserve steigt von Sieg zu Sieg— wir glauben auch nicht, daß die Riemker ihnen etwas anhaben werden. Anwurf 15 Uhr. Bezirksnachrichten und sonstige Mitteilungen Sportfreunde Bottrop. Wir spielen Sonntag gegen Gladbeck=Zweckel in Gladbeck. Abfahrtzeiten siehe Vereinstasel! Freie Schwimmer, Recklinghausen. Samstag, den 2. dieses Monats, findet im Lokal Dorste eine wichtige Vorstandssitzung statt. Das Erscheinen aller Vorstandsmitglieder ist dringend erforderlich. Anschließend findet die Spielersitzung statt. Freies Sportkartell, Bottrop. Am Sonntag, dem 3. Mai. 10 Uhr, findet auf dem Sportplatz„Rhenania“, Horster Straße, das Vorrundenspiel um die westdeutsche Handballmeisterschaft im Arbeiter=Turn= und =Sportbund statt: Freie Turnerschaft Bottrop=Boy— Dortmund=Kaiserau. Wir richten an alle Organisationen die dringende Bitte, haltet den Sonntag vormittag frei und besucht das Vorrundenspiel. Für alle Sportanhänger steht ein seltener Genuß bevor, zeigt der„Freien Turnerschaft", die bereits zwei Jahre ohne eigene Platzanlage ist, daß auch die Anhängerschaft nach wie vor treu zu ihnen hält. In diesem Sinne ein kräftiges „Frei Heil“. Theater Musik Was ist das Philharmonische Orchester? 1. Konzert am 8. Mai. In den letzten Wochen ist vielfach von dem neuen Orchester geredet worden, das in Gelsenkirchen gegründet wurde. Wenn es wahr ist, daß Dinge, die von vornherein umstritten sind, nicht nur das Interesse erregen, sondern eine Entwicklung versprechen, so gilt das von diesem neuen Orchester, denn es wurde von vornherein umstritten. Mittlerweile ist jedoch anerkannt worden, daß es richtig ist, wenn sich die Gelsenkirchener Berufsmusiker zu einem Orchesterkörper zusammen schließen. Das war nur dadurch möglich, daß sich führende Mitglieder des Deutschen Musiker=Verbandes— dem Beispiele anderer Städte folgend— an den als Leiter des Gelsenkirchener Volkschores hier gut eingeführten Chorleiter Hermann Esser mit der Bitte wandten, die Leitung eines aus unseren erwerbslosen Berufsmusikern zusammengesetzten Orchesters zu übernehmen. Es bestand zwischen Musikern und Dirigenten von vornherein Klarheit darüber, daß ein solches Orchester nicht in die blaue Luft hinein gegründet werden könne, sondern daß ein ewisser Rückhalt vorhanden sein musse, und daß der Grünung eine Prägung zu geben sei, die nach außen hin Vertrauen und Achtung verschaffe.— Was lag nun näher, als in dieser Frage an das Gelsenkirchener Arbeitsamt herau zutreten? Hatten doch die erwerbslosen Musiker schon seit Jahr und Tag mit dieser Behörde zu tun, die ihnen jeweils Arbeit verschaffte. In einer beantragten Aussprache erklärt sich Arbeitsamtsdirektor Halbsell sofort bereit, das Orchester finanziell weitest gehend zu unterstützen. Den theoretischen Erörterungen folgte recht bald die Tat und es ist heute zu verzeichnen, daß das Orchester erwerbsloser Musiker, das sich den Namen Philbarmonisches Orchester gab, mit seinen etwa 60 Musikern unter der Leitung Hermann Essers mehr als zehn Proben abgehalten hat. Beethoven, Haydn und Schubert waren die Meister, in die es sich hineinarbeitete.— Es ist klar, daß ein Orchester nur dann Freude an seinen Proben haben kann, wenn es weiß, daß diese auch zu einer Betätigung führen und das soll jetzt geschehen. Am 8. Mai wird das Orchester sich in einem ersten Sinfoniekonzert dem Gelsenkirchener Publikum und der Kritik vorstellen. Wir glauben der Ueberzeugung Ausdruck geben zu können, daß dieser erste Versuch so sein wird, daß er alle Teile ideell und materiell befriedigt. Wir verweisen auf das Inserat in der heutigen Nummer unserer Zeitung, die den Leser mit der ge diegenen Vortragsfolge des Abends hinreichend bekann macht. Städtische Ankündigungen Carl Zuckmayer:„Der Hauptmann von Köpenick“. Mit dieser überall größten Erfolg bringenden Komödie gastiert das Theater der Stadt Münster am Donnerstag, dem 7. Mai, in der Schauburg Buer und schließt damit den Kreis der diesjährigen Gastspiele. Nichtvormieter erhalten Karten zu 4, 3, 1 RM ab Montag im Rathaus Buer(Zimmer 17) und in den bekannten Verkaufsnebenstellen. Wahrend der billigen Volkstage sehen wir bei Alsberg, Gelsenkirchen, A.=G., eine Kakteen=, Aquarien= und VogelSchau im Ausstellungsraum, 3. Stock. Alsberg, Gelsenkirchen, A.=G., steht mit seiner Ausstellung: Kakteen=, Aquarien= und Vogel=Schau, wiederum im Mittel punkt des allgemeinen Interesses. Es ist auch wirklich eine Leistung der Firma, dem Publikum diese interessante Schau zur Besichtigung zu ermöglichen. Man sieht im Ausstellungs raum, 3. Stock, folgende interessante Eroten geschmackvoll zu sammengestellt. An Vögeln: Kakadus, Papageien, wundervolle Kanarienvögel usw. Herrliche Warmwasserfische jeder Art, die freundlichst von dem Tischrunden=Verein der Ziersischfreunde zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem ist eine große Kakteenschau und ein interessanter Affenkäsig zu be sichtigen. Wir empfehlen jedem Gelsenkirchener, sich diese schöne und lehrreiche Ausstellung mit Freunden und Be kannten anzusehen. Aus der Arbeitersängerbewegung Volkschor, Gelsenkirchen. Wir haben am Sonntag, 21 Uhr, ein Ständchen zu bringen. Der gesamte Chor trifft sich um 20.30 Uhr am Moltkeplatz Verantwortlich fur den gesamten redaktionellen Inhalt. Alfred inaler: für den Anzeigenteil: Karl Cbemnis beide in Belsenkirchen.— Druck und Verlag:„Volkswille". Ludwig Leypoldt, GmbH., Gelsenkirchen.— Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn dies ausdrücklich verlangt und zu diesem Zwecke Rückporto beigesttat wird Mit dem Schnellschiff durch die Ostsee „Hansastadt Danzig“ und„Preussen“ Der„Seezug“ rückt langsam den Swinemünder Kai entlang. Erst Fischerboote, dann die schmucken Dampfer des Rügenund Haffverkehrs, im Hintergrund die kräftige Kohlenumschlagsanlage der Hedwigshütte, dann vielleicht ein schwarzer Frachtdampfer. schließlich ein mächtiger schneeweißer Rumpf:„Hansastadt Danzig“ oder„Preußen". Mit diesen beiden Schiffen betreiben Reich und Preußen die Schnellschiffahrtslinie Swinemünde—Zop= pot—Pillau—Memel. Der Bug des Schiffes zeigt landeinwärts. „Das Schiff liegt ja verkehrt“, sagt die Landratte. Sie weiß noch --44 u ih 2 Gut konstruierter Aufenthaltsraum für Jugendwanderer auf der„Preußen". Am Landungssteg in Zoppot. nicht, daß diese Schiffe mit ihrer hervorragenden Motorenanlage in dem schönen Hasen von Swinemünde besser wenden als eine Autodroschke in der Berliner Friedrichstraße. Man geht an Bord, die großen Fenster sind schon Kopf an Kopf mit Reisenden gefüllt. Die alte Erfahrung: am Kai sehen solche Schiffe immer überfüllt aus. Ist man erst unterwegs, dann verkriechen sich so viele Reisende in gemütliche Eckchen, daß das Schiff nur mäßig besetzt erscheint. In der geräumigen Eingangshalle stehen der Kapitän, seine Offiziere, der Zahlmeister und andere„klar zum Dienst am Kunden". Es werden Bettplätze vergeben. Liegestühle vermietet und Auskünfte erteilt. Es lohnt schon, einmal dabeizustehen und zu hören. was da alles gefragt wird! In den Innenräumen merkt man, daß solch Schiff lebt. Flinke Hilfsmotoren spenden Licht, Frischluft und Leitungswasser. Im Frühjahr und Herbst werden die verglasten Decks sogar geheizt. Zeit wird nicht verschwendet. Der Kapitän begibt sich auf die Brücke. Mit dröhnenden Schwebungen heulen die Typhone. Preßluft treibt sie, da es Dampf auf diesen Schiffen außer zur Heizung der Räume nicht gibt. Achtung!„Los die Leinen!“ Schnurrend kommt die Antwort über den Leinentelegraph vom Heck:„Alles klar". Drei kurze Töne, ein Klingelsignal zur Maschine. Rückwärtsgehend, dann mit den Schrauben drehend— Steuerbord (rechts) zurück, Backbord(links) voraus, kommt das Schiff vom User frei, weicht elegant der Autofähre aus und„sticht“ in See. Was gibt es nicht alles zu sehen! Die ruhigen, sicheren Manöver, an den Ufern Dampfer der Seezeichenverwaltung(Tonnenleger), drüben kleine Torpedoboote. Wer Glück hat, trifft auch eins der friedlichen Handelsschulschiffe. Der romantische Zauber der Segelei dient hier einem höchst einsten sachlichen Zweck: Männer zur Ruhe in Gefahr und zu der Entschlußkraft zu erziehen, ohne die ein großes Schiff nicht geführt werden kann. Im Frühjahr und Herbst arbeiten bei der Ausfahrt schon die Seezeichen, der Leuchtturm mit seinen kleineren Geschwistern. Vorn rauscht die See— durch die Molen gemäßigt, rollt eine leichte Dünung in den Hafen. Das Schiff macht seine erste Verbeugung. Die schöne Swinemünder Bucht. Die blauen Hügel bei Heringsdorf vor dem Abendhimmel.„64.“ Die Schiffe haben Kreiselkompaß. Es werden nicht mehr Himmelsrichtungen dem Ruderganger angegeben wie bei dem alten Magnetkompaß. Die mit Tausenden von Umgängen laufende Kompaßanlage stellt sich mit absoluter Gewißheit parallel zur Erdachse. Wir haben„rechtweisend“ Nord auf dem Kreiselkompaß. Seine Rose ist in 360 Grad eingeteilt. Nach ihnen werden die Kurse befohlen. Ein Vergrößerungsglas erlaubt dem Rudergänger, auf den einzelnen Grad genau zu steuern. Viele frühere Umwege durch„Versteuern“ werden erspart. Zudem rechnet unser Kapitän wissenschaftlich mit Strom und Wind und findet so auch im Nebel seinen Weg. Das Schiff„dümpelt“ um den Molenkopf, der— links der Einfahrt— ein rotes Licht zeigt. Auch unser Schiff zeigt links rot und rechts grün. Jetzt sind wir auf Kurs. Die Schiffsbewegungen gehen in behagliches Schlingern über. An Steuerbord kommt die Nacht über die malerische ostpommersche Küste gekrochen. Man sieht hier, wieviel Platz außerhalb der Großstadt ist. Endloser menschenleerer Strand. In unbegreiflich herrWACA licher Farbenpracht sinkt an Backbord die Sonne ins Meer. Die Seeluft beginnt schon mit der Erholungsarbeit an uns. Wer Geld hat, geht jetzt in den Speisesaal. Wer keins hat, kann dafür in der frischen Luft bleiben; er zehrt aus dem Rucksack. Muntere Jugendscharen aller Art, die hier für 3.50 Mk. bis Zoppot kommen, machen ausgiebig Gebrauch davon. Es dunkelt. Vorn ist alles außer den „Positionslichtern“ abgeblendet, um Gegensegler nicht zu verwirren und die Arbeit des Wachhabenden und des Ausguckmanns zu erleichtern. Während die Fahrgäste sich wohliger Entspannung hingeben. wohl an Steuerbord dem geheimnisvollen Auf und Ab der Leuchttürme zusehen, herrscht auf der Brücke stille, gespannteste Aufmerksamkeit. Große Schifse sind zwar bei klarer Sicht leicht auszumachen, aber die Fischerboote mit ihren mangelhaften Petroleumlampen sind dem Führer eines schnellen Tourenschiffes stets eine Quelle der Sorge. „Recht so.“—„Recht so.“ Wachhabender Offizier und Rudergänger verständigen sich, daß jetzt ganz genau Kurs gehalten wird: ein Seezeichen wird„gepeilt“(der Winkel zwischen der Linie zum Feuer und dem Kurse festgestellt. Aus zwei Peilungen läßt sich feststellen, ob wir den richtigen Abstand von der Küste halten. An Bord hängt eine Seekarte für die Reisenden. Die große Exaktheit. mit der die Schiffe ihren Fahrplan einhalten, kann jeder Fahrgast prüsen, denn die Uhrzeiten, zu denen die einzelnen Leuchttürme passiert werden, sind genau angegeben. Was sind das aber auch für Motoren! Keine rasselnden Explosionsmaschinen wie im Auto, sondern Verbrennungsmotoren, in deren je 10 Zylinder das dicke Gasöl langsamer verbrennt. Sie machen etwa 250 Umgänge in der Minute. Bei Verspätungen wird„etwas höher gedreht"— die nötige Kraftreserve ist da. Am nächsten Morgen sind wir wieder pünktlich In dem Maße, wie die blaue Nacht draußen verblaßt, wird es wieder lebendig an Bord. Jetzt werden die luxuriösen Wascheinrich= tungen frequentiert; gut rasiert ist halb ausgeschlafen. Dann aber an Deck! Frischer Tau auf allen Planken. Voraus steigt die blanke Sonnenscheibe aus der nun spiegelglatten See. Rechts Leba. die c n i S## Brach Erzentladebrücken im neuen Hafenbecken bei Weichselmünde äußerste Ecke von Ostpommern. Dann Hela, die langgezogene Holbinsel, Gdingen, der Platz, wo die Polen eine beachtliche nationale Leistung zeigen. Allerdings— sie selbst nennen es„Klein=Franzisko“. Sie werden wissen, warum Grünbewaldete Hügel, rote Dächer, Flaggen, der menschenwimmelnde Zoppoter Seesteg. Eins der schönsten Landschaftsbilder. Weite See— in der Ferne versinken die großartigen Bauwerke der nie veraltenden Danziger Marienkirche und des Schichaukrans. Dann nur der dünne Streifen der Frischen Nehrung. Der Leuchtturm des Seebades Kahlberg. Nach 3½ Stunden sonniger Fahrt voraus die Molen ben Pillau Die„Insel Ostpreußen“ ist erreicht. Zum Geburtstag Wilhelm Conrad Röntgens Es war eine Sternstunde der Wissenschaft, als um die Wende des Jahres 1895 W. C. Röntgen der Physikalisch=Medizinischen Gesellschaft zu Würzburg über seine Entdeckung neuer Strahlen berichtete. Gestützt auf die klassischen Kathodenstrahlenuntersuchungen Lenards konnte Röntgen in seinen ersten Veröffentlichungen schon alles Wesentliche über die physikalischen Eigenschaften und Wirkungen der Strahlen, die heute seinen Namen tragen, wissenschaftlich wohlbegründet niederlegen. Die medizinische Wissenschaft hat damals sofort den großen Wert der Röntgenstrahlen erkannt und sie sich zur Krankenuntersuchung und bald darauf auch zur Krankenbehandlung dienstbar gemacht. Heute sind Röntgendlagnostik und Röntgentherapie unentbehrliche Hilismittel des Arztes geworden. Die wissenschaftlichen Forschungen Röntgens haben eine große Industrie entstehen lassen, die in unablässiger technischer Entwicklungsarbeit dem Arzt die Möglichkeit gibt, Krankheiten rechtzeitig und richtig zu erkennen und wirksam zu bekämpfen. Aber auch auf weitere Industriezweige erstreckt sich die wirtschaftliche Auswirkung von Röntgens Lebenswerk, so z. B. auf die Filmerzeugung, welche die für Röntgenaufnahmen erforderlichen Filme liefert. In den medizinischen Röntgenbetrieben selbst finden noch viele Tausende als technische Hilfskräfte Arbeit und Brot. Zur Kennzeichnung der überragenden Bedeutung von Röntgens Entdeckung für die Volksgesundheit sei hier nur auf einige wenige Tatsachen hingewiesen. Die Röntgenuntersuchung gestattet es, tuberkulöse Lungen: errrankungen schon in einem sehr frühen Stadium zu erkennen, und schafft damit die Möglichkeit, Heilverfahren rechtzeitig einzuleiten und so einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung vorzubeugen. Für die Krebsbekämpfung ist die Röntgentherapie bekanntlich heute neben dem Messer des Chirurgen ein unentbehrliches Mittel geworden. Noch bis vor einigen Jahren war sie in der Hauptsache auf die Erfahrungen der Praxis gegründet; über den Einzelvorgang der biologischen Wirkung war nur sehr wenig bekannt. Hier setzt heute die wissenschaftliche Forschungsarbeit der Biologen in Gemeinschaft mit dem Physiker ein, um den biologischen Grundvorgang bei der Röntgenstrahlenwirkung zu klären. Solche Forschungsarbeiten sind schon im Gange; die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden für die Methodik der Röntgentherapie und für deren weiteren Ausbau richtunggebend sein und so den Nutzen, den heute schon die Röntgenstrahlenbehandlung stiftet, noch vergrößern können. Neben der Medizin hat auch die Technik die Röntgensche Entdeckung praktisch verwerten können. Die dem Verfahren der medizinischen Röntgenuntersuchung nachgebildete Werkstoffuntersuchung mit Röntgenstrahlen gestattet zum Beispiel Fehlstellen an Halb= und Fertigfabrikaten zu erkennen, die nicht einwandfreien Stücke auszuschnelden und so die Betriebssicherheit des fertigen Gerätes zu erhoben. So erkennt man im Röntgenbild die einwandfreie Beschaffenheit von Motorgehäusen, Flugzeugpropellern, Schweißnähten von Dampfkesseln und dergleichen. Die wichtigen Erkenntnisse, die sich aus den wissenschaftlichen Untersuchungen von Friedrich, Laue und Knipping über die physikalische Natur der Röntgenstrahlen und über das atomare Gefüge der Materie ergaben, haben ebenfalls sehr große praktische Bedeitung erlangt, die sich erst auszuwirken beginnt. Gestatten doch die Röntgenstrahlen auch das Gefüge der Stoffe im einzelnen zu erkennen und hieraus wichtige Schlüsse auf die technologischen Eigenschaften(Dehnbarkeit, Bruchsicherheit und dergleichen) zu ziehen Sie ermöglichen es, die Vorgänge der Werkstoffbearbeitung zu über. prüfen und dem angestrebten Ziel anzupassen, so daß der Stof gerade die Eigenschaften bekommt, die er für die ihm zugedachte Verwendung aufweisen muß. Solche Untersuchungen sind heute nicht allein für die metallerzeugende Industrie zur Beurteilung zum Beispiel der Eigenschaften von Stählen und Legierungen wichtig, sondern auch für die keramische und für die Faserstoffindustrie. Hier ist heute noch ein weites Feld gemeinsamer Arbeit für den wissenschaftlichen Forscher und den Ingenieur offen. Kampf den Rundfunkstörungen Das Batteriegerät lebt wieder auf! Die rasche Entwicklung der Rundfunkgeräte, die in geschoben bzw. ihnen entnommen werden können. Jedes Stöpwenigen Jahren von den Laboratoriumsaufbauten aus den seln fällt dabei weg, die eingeschobene Batterie ist sogleich richAnfangszeiten des Rundfunks zum leichtbedienbaren Haus= tig, insbesondere mit der richtigen Gitterspannung angeschlossen, haltungsgerät mit Netzanschluß geführt hat, hat gegenwärtig Schaltfehler sind daher ausgeschlossen. Durch Verwendung der modernen, mit hohem Wirkungsgrad arbeitenden Lautsprecher ist es möglich, eine hohe Lautstärke zu erzielen, ohne der Anodenbatterie schädlich hohe Ströme entnehmen zu müssen. Man rechnet bei den neuzeitlichen hoch wertigen Anodenbatterien mit einer Lebensdauer von 6 bis 9 Monaten. Grundsätzlich ist es natürlich möglich, den netzbetriebenen Empfänger völlig von den durch das Netz in ihn hineingelangenden Störungen zu befreien. Dazu sind jedoch gute Siebmittel u. dergl. nötig, die den schon an sich nicht gerade billigen Netzempfänger wesentlich verteuern würden. Die Industrie sieht daher vom Einbau derartiger Mittel ab. Der Batterieempfänger hat derartiges nicht nötig. Seine AnAbb. 1. Der Schnitt durch einen neuen Batterieemplänger zeigt den ein fachen und klaren Aufbau der Geräte und den Einbau der Batterien (Roland-Brandt). eine neue Richtung eingeschlagen. Der Kampf gegen die ständig zunehmenden Rundfunkstörungen ist zu ihrem Leitmotiv geworden. Dieser Kampf beschränkt sich nicht allein auf die Entstörung der rundfunkstörenden elektrischen Geräte, er setzt auch beim Empfänger selbst ein und sucht, aus der Erkenntnis heraus, daß ein überwiegender Teil der Störungen, man schätzt ihn auf 70 Prozent. durch den Netzanschluß in das Gerät gelangt, den Batterieempfänger. der von dieser Störungsquelle unabhängig ist, technisch zu verbessern und ihn in der leichtbedienbaren Form des netzbetriebenen Empfängers dem Publikum zur Verfügung zu stellen. Auf einem Sprechabend der Deutschen Funkgesellschaft wurden kürzlich neue Konstruktionen von Batterieempfängern vorgeführt, die ihren Vorgängern gegenüber sehr weitgehende Verbesserungen aufweisen. Sowohl die Heizbatterie wie die Anodenbatterie sind bei diesen Geräten eingebaut, ebenso natürlich der Lautsprecher. Für die Batterien sind von den Batteriefabriken besondere Batterien mit Spezialkontakten entwickelt worden, die in einfachster Weise in die Geräte einAbb. 2 Moderner Batterie- hernempranger mit ein gebauten Batterien und eingebautem Laut sprecher. schaffungskosten liegen wesentlich niedriger als die der Voll netzempfänger. Jedenfalls dürften die neuen Batterieempfängertypet einen bemerkenswerten Schritt vorwärts in der Bekämpfung der Rundfunkstörungen und in der Versorgung der Rundfunkinteressenten, die nicht über einen Anschluß an das Lichtnetz verfügen, bedeuten. * Lohn und Brot! Lohnabbau und Brotverteuerung. Der Bogen ist überspannt. Eine Regierung, die beides zuläßt, treibt einer Katastrophe entgegen. Wie wird die Regierung entscheiden? Sie steht zwischen zwei Bedrängern: Agrarier und Industrielle. Die Agrarier haben dafür gesorgt, daß das deutsche Volk ein Brot essen darf, das im Verhältnis zu den Weltmarktpreisen geradezu ungeheuerlich teuer ist. Wenn es nach ihnen geht, wird das Brot noch teurer. Auf der andern Seite fordern die Industriellen Fortführung des Lohnabbaus und nicht genug damit: sie fordern jetzt auch noch daneben einen allgemeinen Rentenabbau. Wem wird die Regierung mehr entgegenkommen? Oder wird sie sich die beiden Bedränger vom Halse halten? Wird sie die Kraft dazu haben? Den Industriellen ist die Erhöhung des Brotpreises naturgemäß recht unbequem. Der Reichsverband der deutschen Industrie und die Vereinigung der Arbeitgeberverbände haben daher an die Reichsregierung eine Eingabe gerichtet, worin sie ihre Bedenken gegen die Brotpreiserhöhung zum Ausdruck bringen. Nicht die Brotpreiserhöhung selbst macht ihnen Sorge. Daß die Arbeiter in einer Zeit ungeheuren Lohnabbaues und riesiger Kurzarbeit mit jedem Pfennig rechnen müssen, kümmert sie weniger. Für sie ist die Brotpreisfrage in erster Linie eine psychologische Angelegenheit. Sie fürchten, daß die Brotpreiserhöhung ihnen ihren Kampf um Fortführung des Lohnabbaues und um einen allgemeinen Sozialabbau erschwert; denn auch sie sind sich darüber klar, daß beides: Abbau der Löhne und Brotpreisverteuerung ein höchst gefährliches Beginnen ist. Die Regierung will diese Woche zunächst an die Agrarfragen gehen; danach soll die Sozialpolitik an die Reibe kommen. Beide Fragekomplexe können nicht losgelöst von der allgemeinen Lage geklärt werden. Die allgemeine Lage ist jedoch nach wie vor charakterisiert durch das eine, das schreckliche Wort: Arbeitslosigkeit. Der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit müssen alle anderen Fragen untergeordnet werden. Löst man das Arbeitslosenproblem durch Brotverteuerung? Das ist eine Frage, die sich wirklich von selbst beantwortet. Bekämpft man die Arbeitslosigkeit durch Lohnabbau? Auch diese Frage dürfte heute geklärt sein. Sie kann nur mit einem festen und bestimmten Nein beantwortet werden. Der Lohnabbau hat die Arbeitslosigkeit vermehrt. Nur Leute, die mit Scheuklappen herumlausen, sehen das nicht. Und nicht nur die Vermehrung der Arbeitslosigkeit, sondern auch die Bedrohung der Sozialversicherung verdanken wir zu einem guten Teil dem Lohnabbau. Je weniger und je geringere Lohne, desto geringer die Beitragseinnahmen in den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung. Die Regierung will ihre Finanzen in Ordnung bringen. Sie muß das: denn auch das gehört mit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Sie muß sparen. Sie glaubt leider gerade gegenüber der Sozialversicherung ihre Taschen zuknöpfen zu müssen. Wenn sie das tut, dann kann sie aber unmöglich noch zu gleicher Zeit auch nur eine Stunde länger eine Fortführung des Lohnabbaues dulden. Lohn und Brot— beides muß jetzt endlich gesichert werden. Mit dem bisherigen grausamen System, den Arbeiter gleich an allen Ecken und Enden schröpfen und plündern zu lassen: am Lohn, in der Sozialversicherung und auch noch im Brotladen muß Schluß gemacht werden. Alles hat einen Anfang und ein Ende. Auch die Geduld des deutschen Arbeiters. Ein neues Wahrzeichen von Naris sind die Baulichkeiten der großen Kolonialausstellung, die zur Zeit im Bois de Vincennes errichtet wird und Anfang Mai eröffnet werden soll. Im Hintergrund sieht man die naturgetreue Nachbildung des Tempels von Angkor(Indochina). Reichspolt pumpt 150 Millionen Eine unter der Leitung der Reichsbank stehende Bankgruppe wird der Reichspost eine Anleihe in Hohe von 150 Millionen Mark gewähren. Davon sind 100 Millionen zur Einlösung fällig werdender unverzinslicher Reichspostschatzanweisungen zu verwenden. Die restlichen 50 Millionen Mark dienen zur Abdeckung von Verpflichtungen, die aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm vom Herbst 1930 für die Post erwachsen sind. Die Ermächtigung für eine solche Anleihe ist der Post im Nachtragshaushalt für 1930 erteilt worden. Die in Frage kommende Bankgruppe wird 6prozentige Schatzanweisungen der Reichspost im Betrage von 150 Millionen zur Zeichnung auflegen. Die Schatzanweisungen werden am 31. Oktober 1933 fällig. Zeichnungskurs beträgt 96 Prozent. Der Ablchluß der Volksfürlorge für das Jahr 1930 zeugt von einer günstigen Entwicklung des Unternehmens, das im Rahmen der modernen Arbeiterbewegung von Jahr zu Jahr größere Bedeutung erlangt hat. Aus dem vorläufigen Auszug geben wir folgende Angaben wieder: Der Policenbestand beträgt 2,2 Millionen gegenüber 1,92 Millionen im Vorjahr. Die Versicherungssumme hat sich von 783,1 Millionen auf 880,8 Millionen gesteigert. Die Einnahmen aus Prämien und Kapitalerträgen werden mit 59 Millionen angegeben gegenüber 45,9 Millionen im Jahre 1929. Der Vermögensbestand hat die Hundertmillionengrenze überschritten und Ende des Geschäftsjahres 132 Millionen erreicht. Im Vorjahr wurde er mit 87,9 Millionen angegeben. Davon sind 80 Millionen Hypotheken(im Vorjahr 49.3 Millionen) Kommunaldarlehen, die zum größten Teil dem Wohnungsbau zugute kommen(Vorjahr 29,7 Millionen) und 12 Millionen Grundbesitz und Bankguthaben(im Vorjahr 8.9 Millionen). Der Holzarbeiterverband hat soeben seinen Rechnungsabschluß für 1930 vorgelegt. Dieser Abschluß ist ein Zeichen für die unverwüstliche Kraft des Verbandes. Ein surchtbares Jahr— dieses Jahr 1930! Seine Stürme sind nicht spurlos an dem Verband vorübergegangen. Zu Beginn des Jahres 1930 war rund ein Viertel der Mitglieder arbeitslos. Vergeblich hoffte man auf eine Besserung. Am Ende des Jahres waren 46,5 Prozent der Verbandsmitglieder arbeitslos und weitere 13,5 Prozent in Kurzarbeit. Das Jahr 1930 schlägt mit 33,23 Prozent arbeitslosen Verbandsmitgliedern im Monatsdurchschnitt jeden Rekord. Die Gesamtzahl der Mitglieder ist von 315 155 am Schluß des Jahres 1929 auf 299924 Ende 1930 zurückgegangen, das bedeutet einen Verlust von 15 231 oder 4.8 Prozent. Im Jahres durchschnitt betrug die Mitgliederzahl 308 832 gegen 315621 im Jahre 1929. Das ist ein Rückgang von 6749 oder 2,1 Prozent Der Rückgang erklärt sich aus mangelndem Zugang. Er ist be dauerlich, aber nicht beängstigend. Er hat sich trotz der Belastungsprobe in verhaltnismäßig engen Grenzen gehalten. Dem Kassenabschluß gibt die gesteigerte Ausgabe für Arbeitslosenunterstützung das Gepräge. Diese Ausgabenposten mit 5 254 463 läßt alle Vergleichszahlen früherer Jahre hinter sich. Dazu kommt noch die Unterstützung an Ausgesteuerte in Höhe von 652053 Mark. Das ist die Aufwendung für die außerstatu tarische Weihnachtsunterstützung. Auffällig ist der Rückgang der Aufwendungen für Krankenunterstützung. Diese erforderte im Jahre 1930: 733653 Mark gegen 969981 Mark im Jahre 1929. Der Rückgang ist genau wie der bei den Krankenkassen nur eine Folge der Arbeitslosigkeit. Wer noch in Arbeit steht, vermeidet es so lange wie möglich, sich krank zu melden, um nicht die Arbeitsstelle zu verlieren. Ein hartes Jahr, eine harte Probe. Ihr Ergebnis lautet jedoch: der Holzarbeiterverband ist kerngesund. Im Siemens-Werner-Werk in Berlin konnten bei der Betriebsratswahl die Freien Gewerkschaften ihre Stimmenzahl um rund 300 auf 7112 steigern. Die RGO. hatte einen Verlust von über 1000 Stimmen zu buchen(2817 gegen 3937). Auch die Nazis verloren fast die Hälfte ihrer früheren Stimmen, die von 1142 auf 642 fielen. Die Christen erhielten erstmalig 255 Stimmen. Ungünstiger verliefen die Angestellten=Wahlen. Die AfaStimmen fielen um 500 auf 1270. Die RGO. erhielt erstmalig 451 Stimmen. Die Nazis konnten ihre Stimmenzahl von 990 auf 1385 steigern. Die Kommuniltenprelle verbreitet die Lüge, daß Gauleiter Bruns des Fabrikarbeiterverbandes in Frankfurt a. M. Mitglied des Aufsichtsrates der J. G. Farbenindustrie sei und für diese Tätigkeit 65000 Mark Jahreseinkommen beziehe. Der Fabrikarbeiterverband stellt demgegenüber fest: Weder Gauleiter Bruns noch ein anderer Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes ist Mitglied des Aufsichtsrates der I. G. Farbenindustrie. Dementsprechend kann weder der Fabrikarbeiterverband noch irgendeiner seiner Funktionäre Tantiemen in Höhe von 65·000 Mark beziehen. Auch die Angabe der„Volksstimme“ in Mannheim(in Nr. 104 vom 18. April d. J.), daß der Fabrikarbeiterverband sich den Sitz im Aussichtsrat erkämpft habe, trifft nicht zu. Um einer weiteren Legendenbildung vorzubeugen, stellen wir dies nochmals ausdrücklich fest. Lüdenlcheider Indultrie schlecht Aus Fachkreisen wird dem WTB.=Handelsdienst mitgeteilt: Die Fabrikation von Haushaltungsgegenständen aus Aluminium liegt fast ganz darnieder. Fast alle Werke beschränken sich auf die Herstellung von einzelnen Warentypen. Die Preise sind schlecht. Versuche, durch eine Verbandsbildung eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen, sind bisher gescheitert. Zu bemerken ist, daß die Hersteller von Großküchenanlagen aus Aluminium noch befriedigend beschäftigt sind. Wer blutet? Notverordnung und Krankenverlicherung Das Statistische Reichsamt hat eine Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben der Krankenversicherung fertiggestellt, aus der hinsichtlich der Auswirkung der Notverordnung lehrreiche Schlüsse gezogen werden können. Von besonderem Interesse ist ein Vergleich zwischen den letzten Vierteln der Jahre 1929 und 1930. Ein solcher Vergleich ist möglich, da die Notverordnung im letzten Viertel des vergangenen Jahres bereits bei allen Kassen durchgeführt war. Was ergibt nun dieser Vergleich? Antwort: ein hartes Opfer der werktätigen Massen— ein Opfer, auf das gerade in diesem Augenblick, wo die Sozialreaktion bereits zu einem Sturm auf die Sozialversicherungsrenten im allgemeinen übergegangen ist, mit besonderem Nachdruck hingewiesen werden muß. Daß in der Krankenversicherung die Beitragseinnahmen, einschließlich der Zusatzbeiträge für Familienhilfe, infolge der Wirtschaftskrise zurückgegangen sind, kann niemand wundern. Interessanter ist das Ausgabenkapital. Aus ihm ergibt sich, daß die Ausgaben an Krankengeld enorm zurückgegangen sind. Auch die Ausgaben für Arzneimittel sind im gleichen Verhältnis, d. h. fast um ein Drittel, zurückgegangen, was nicht zum geringsten Teil auf die Beteiligung der Versicherten an den Arzneikosten(50 Pfennig pro Rezept) zurückzuführen sein dürfte. Gut weggekommen sind die Aerzte. Die Statistik ergibt, daß die Kosten für ärztliche Behandlung fast gar nicht gesunken sind. Zum Teil spricht dabei mit, daß eine Reihe von Krankenkassen die Aerzte mit einer Kopfpauschale bezahlt, das natürlich durch die Notverordnung nicht beeinflußt worden ist. Die Pauschalverträge müssen erst gekündigt werden, bevor die Sätze neu festgesetzt werden können. Der überwiegende Teil der Kassen bezahlt die Aerzte, jedoch nach Einzelleistung. Bei diesen Kassen hätten von Rechts wegen die Kosten für ärztliche Honorare zurückgehen müssen. Das ist aber nur in einem ganz unzureichendem Maß der Fall, und daraus geht hervor, daß die Aerzte es verstanden haben, den durch die Notverordnung eingetretenen Ausfall an Patienten durch eine Steigerung ihrer Leistungen wieder wettzumachen. Ein derartiges Ergebnis war bestimmt nicht das Ziel der Notverordnung. An der Statistik des Reichsamts ist ferner bemerkenswert, daß die Ausgaben für Krankenhauspflege gestiegen sind. Hier dürfte die Erhöhung der Krankenhauspflegesätze die entscheidende Rolle gespielt haben. Eins ergibt sich aus dem Vergleich der Krankenversicherungsleistungen vor und nach der Notverordnung mit voller Klarheit: Die Massen sind es, die immer und immer wieder und fast allein bluten müssen. Die Notverordnung für die Krankenversicherung hat die Proleten hart angefaßt. Trotzdem sollen sie, wenn es den Sozialabbausanatikern nach geht, noch härter angefaßt werden. Schon hat der Hansabund ein Flugblatt verbreitet, worin ein Artikel aus der Feder des Reichsministers a. D. Gothein für den allgemeinen Rentenabbau Stimmung macht. Wenn es gegen die Arbeiter und Angestellten geht, dar Herr Gothein nicht fehlen, ein Zeichen, daß er seinen Beruf verfehlt hat und Unternehmersyndikus hätte werden sollen.— 30 Prozent Rentenabbau, das ist die neue Parole der Sozialreaktionäre. Warum fordern die menschenfreundlichen Herrschaften nicht gleich alle Armen und Krüppel im Deutschen Reich auf, sich schleunigst einen Strick zu kaufen und irgendwo aufzuhängen? Denn 30 Prozent der Sozialrentner haben Fürsorgezuschuß, d. h. sie hungern schon jetzt. Eine schmutzige kommuniltilche Verleumdung gegen die freien Gewerklchaften ist dieser Tage von der zweiten Zivilkammer des Dresdner Landgerichts klargestellt worden. Die kommunistische Dresdner Arbeiterstimme hatte im September vorigen Jahres im Anschluß an die Bundesausschußsitzung der Freien Gewerkschaften im Dresdner Volkshaus die Behauptung aufgestellt, die Sitzung sei mit Sauf= und Freßgelage abgeschlossen worden. Obwohl diese Behauptung von der Dresdner Volksstimme sofort als unwahr zurückgewiesen wurde, blieb die kommunistische Arbeiterstimme bei ihrer Verleumdung, ja, sie veröffentlichte sogar eine Speise= und Weinkarte, womit sie die Richtigkeit ihrer Behauptung beweisen wollte. Daraushin strengten Leipart, Graßmann, Hermann Müller=Lichtenberg und Arndt gegen die Verleger der kommunistischen Arbeiterstimme einen Zivilprozeß an. Die Beklagten wurden verurteilt, eine Wiederholung der Verleumdung der Mitglieder des Bundesausschusses des ADGB. zu unterlassen und den Klägern allen Schaden zu ersetzen, der ihnen durch die Aufstellung der fraglichen Behauptungen entstanden sei. In der Urteilsbegründung wurde festgestellt, daß sich die Behauptungen der Arbeiterstimme als völlig haltlos erwiesen haben. Die fraglichen Berichte seien Presseerzeugnisse, die absichtlich die Ehre und das Ansehen des Gegners herabsetzen. Die Veröffentlichung und Verbreitung derartiger unwahrer, verleumderischer Hetzartikel verstoße ohne weiteres gegen§ 826 B6B; denn das Anstandsgefühl und der Gerechtigkeitssinn aller billig und gerecht Denkenden werde dadurch verletzt. Wird diese moralische Zurechtweisung etwas nutzen? Kaum. Weltraumfahrt Aus der Frühzeit der Astronomie ist uns von einem ihrer großen Meister, Johannes Kepler, eine der ersten wissenschaftlichen Erzählungen erhalten, die den Titel„Somnium“ führt— die pätere deutsche Uebersetzung gab ihr den Titel„Rcondtraum“—, und in der Kepler eine Wanderung über den Mond beschreibt. Für unser heutiges technisches Denken ist die Tatsache wichtig, daß Kepler damals als erster von allen Gelehrten und Schriftstellern, die sich mit diesem Problem befaßt haben, deutlich den Unterschied zwischen Luft= und Raumschiffahrt erkannt hatte. Es hatte auch vor Kepler schon Autoren gegeben, die sich mit Flügen in den Weltenraum phantastisch beschäftigt hatten. In all diesen Büchern hatte man aber diesen wichtigen und uns heute selbstverständlichen Unterschied nia, erkannt. Der gleiche Vogelflügel, der den Hellespont beschattete, konnte nach damaliger Ansicht zu den Sternen tragen, der gleiche Wind, der ein Schiff in die vernichtenden Klippen trieb, konnte das Schiff auch zum Monde wehen, wenn er nur statk genug war, und die gleiche magische Formel, die den weißen Parsen auf die fernen weißen Berggipfel zu den Götterfrauen brachte, trug die frömmsten Kinder der Erec Israel in den Himmel, wie uns der Talmund berichtet. Luft= und Raumschiffahrt fielen also zusammen; erst Kepler sah den Unterschied, wenn er auch an technische Mittel, da men zu jener Zeit den Luftballon noch nicht erfunden hatte, noch nicht denken konnte. Die ersten technischen Vorschläge tauchen bei dem Schriftsteller Cyrano von Bergerac auf. Sein Hauptmittel im Roman ist die„hebende Kraft“ des in Flaschen eingeschlossenen Morgentaus,— nebenher dachte er auch einmal an Feuerwerksraketen. Dann wurde in Frankreich von den Brüdern Montgolfier der erste wirkliche Luftballol ersunden, dem später von Edgar Allan Poe in seiner Geschichte„„unns Psaals Mondfahrt“ ein lug in den Weltenraum zugemutet wurde. Man sieht, daß die klare Keplersche Erkenntnis hier noch einmal verwischt worden ist. Man wußte damals zwar, daß es mt dem Luftballon nicht so leicht gehen würde, in den Raum hinauszufliegen,— aber andererseits war die Zeit schon so weit fortgeschritten, daß es ganz ohne technische Vorstellungen nicht mehr ging. und so nahm man dann lieber eine falsche, als ganz darau zu verzichten. Inzwischen war jedoch die Naturwissenschaft(und mit ihr die wissenschaftliche Technik) gewaltig höhei entwickelt, und man erwog, von physikalischen Erwägungen ausgehend, welche Mittel denn überhaupt angewendet werden könnten, um den Weltenraum zu erobern. Dabei fand man, daß es eigentlich in der Theorie nur zwei Mittel gibt: entweder der Schwerkraft eine technisch beherrschte größere Kraft entgegenzustellen, oder sie auszuschalten. Dieses letztere Mittel wurde dann do: beliebteste aller Romanschriftsteller. So schrieb schon 1862 dei Engländer Percy Grea einen vierdändigen Roman„Jenseits der Z. diakus“, der ine Marsreise mit längerem Aufenthalt unter den Marsmenschen schildert, und in dem das Raumschiff von einer Art umgekehrter Schwerkraft(Apergie nannte sie Greg) bewegt wurde. Gregs„Apergie“ war ein ziemlich direkter Vorläufer des„Cavorit“ seines Landsmanns H. G Wells, dessen Ingenieu Cavor in seinem Roman „Die ersten Menschen im Monde“ einen Stoff— eben das„Cavorit“— entdeckt hatte, der die Schwerkraft aushebt. Ein in technischen Dingen geradezu sklavischer Nachahmer Gregs wurde dann der Deutsche Oskar Hoffmann mit seiner Erzählung„Von der Terra zur Luna": die Schilderung des Mondes stammt wieder aus anderen Quellen, teilweise von Kepler und Wells. Das war also die eine Möglichkeit der Weltenraumfahrt, die von den Romanschriftstellern ausgenützt wurde. Die andere, die der gewaltsamen Ueberwindung der Schwerkraft, fand ihren ersten sehr bekanntgewordenen Vertreter in Jules Verne, der seine Reisenden einfach in die Granate einer Riesenkanone einschließen ließ. Das hat nach ihm denn doch niemand mehr gewagt, mit einer einzigen Ausnahme: H. G. Wells ließ in seinem zweiten Raumflugroman, dem„Krieg der Welten“, die Marsbewohner so zur Erde kommen; für den kleineren Mars ist das nämlich auch leichter denkbar als für die Erde. Neben diesen Phantasien tauchte aber, je länger um so deutlicher, der Rückstoß als Antriebsmittel für ein Raumschiff auf. Gleichzeitig mit dem Apergieroman von Greg erschten in Paris die phantastische Geschichte einer Venusfahrt; ihr Verfasser Achille Evraud spricht darin glatt vom„Rückstoßmotor" und Kurt Laßwitz entwickelte wenige Jahre später in seinem immer noch viel zu wenig berühmten Raman„Auf zwel Planeten“ eine förmliche Theorie der Weltraumfahrt der Marsbewohner mit ihren durch Rückstoß getriebenen Kugelraumschifsen. Nachdem es nun aber der wirklichen, nicht nur im Roman vorgetäuschten Technik gelungen war, die Eroberung der Luft zu einem gewissen Höhepunkt und Abschluß zu bringen, mußte langsam auch das Thema der Eroberung des Weltenraums in den Bereich der ernstlich erwägbaren Fragen gezogen werden. Schon vor dem Kriege wurde in Frankreich und Rußland vor wissenschaftlichen Gesellschaften das Raumfahrtproblem durchgesprochen. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten, die es gibt, stammen denn auch von einem Russen, dem greisen Konstantin Eduardowitsch Ziolkowsky. In Deutschland wurden sie jedoch gar nicht beachtet; man hatte überhaupt keine Ahnung davon, daß man sich jenseits der Grenze mit solchen Dingen beschäftigte. Zum ersten Male herchte man bei uns auf, als, noch während des Krieges, auf dem Umweg über Blätter des neutralen Auslandes die Nachricht kam, ein amerikanischer Professor, Robert Hutchins Goddard, habe sich mit den technischen Bedingungen für eine Erreichung des Weltenraums eingehend befaßt und das Problem durch die Konstruktion großer raketenähnlicher Apparate im Prinzip gelöst. Da man jedoch damals andere Sorgen hatte, wurde diese Nachricht wieder vergessen. bis 1923 zum ersten Male Professor Oberths„Rakete zu den Planetenräumen“ erschien. Durch diese Veröffentlichung und besonders auch durch die allgemeinverständlichen Schriften, die ihr folgten, wurde die Romanschreiberei wieder einmal in ganz andere Bahnen gedrängt. Das Wort„Rakete“ wurde Trumpf und beherrschte die Unterhaltungsliteratur ebenso, wie es onsing die technische und wissenschaftliche Fachliteratur zu beherrschen. Eine Fülle von Raumfahrtromanen entstand, die alle irgendwie auf das Raketenprinzip aufbauten, wie etwa Thea von Harbous Roman„Die Frau im Mond“, der auch den Anlaß zum ersten großen Raumfahrtfilm gab, dem Professor Oberth bereitwillig seine wissenschaftliche Beratung zur Verfügung stellte. Der Film und die Romane mußten natürlich den Ereignissen wieder vorgreifen: während man in der Praxis noch bei den ersten Versuchsraketen ist, mußten sie das Raketenweltraumschiff als schon vorhanden hinstellen. Aber nach dem amerikanischen Leitsatz„Die prophetische Annahme ist die Mutter der wissenschaftlichen Tatsache" mag man alle diese Erzählungen, weil sie heute auf wissenschaftlichen Grundsätzen aufbauen, ruhig als Vorläufer der sicher kommenden Wirklichkeit auffassen, die auch, wenn ihre Neuheit durch solche Vorläufer geschwächt ist, noch erstaunlich genug sein wird. Willy Ley. lgel sind immun gegen Schlangengift Es ist bekannt, daß auf der Speisenkarte des Igels außer allen möglichen anderen Nahrungsmitteln auch Giftschlangen stehen. Die Beobachtung, daß sich der Igel auch von giftigen Schlangen nährt, hat zu der Auffassung geführt, daß er eine große Immunität gegen Schlangenbisse besitzt. Dennoch war es immerhin eine Streitfrage, ob diese Unempfindlichkeit beim Igel wirklich vorhanden ist, oder ob er durch eine geschickte Kampfesweise den Bissen der Giftschlangen auszuweichen versteht. Sein Stachelkleid bietet der Schlange keine Angriffspunkte; nur der Kopf und die Schnauze können von der Schlange verletzt werden. Die französische Zoologin Dr. Phisalix hat es vor einiger Zeit unternommen, die Frage nach der Immunität zu beantworten. Bei zahlreichen Kämpfen von Igeln mit Schlangen konnte sie beobachten, daß auch Bisse in die Schnauze und in den Kopf von dem Igel ohne Schaden ertragen werden. Steis besiegte er die Schlange und verspeiste sie dann. Darauf hat Frau Dr. Phisalix Igeln die Gifte der verschiedensten Schlangen eingespritzt. Aber auch nach dieser Operation zeigte sich keine Wirkung. Es kann auf Grund solcher exakt wissenschaftlich gemachten Beobachtungen wohl kein Zweifel mehr sein, daß der Igel tatsächlich gegen Schlangenbisse immun ist. Das Apachen-Tanzpaar Das Saxophon schrie auf. Trompete und Oboen übernahmer die Führung, und grell schoß der Kegel des Scheinwerfers durch die Halbhelle des abgeblendeten Raumes. Genau einundeinevierte Minute später jagten Bernett und Lydia, das berühmte ApachenTanzpaar, über das Parkett. Beides rassige Gestalten: sie, rothaarig überschlank, aber von grazilster Figur, nur Feuer, nur Lodern reine Besinnung— er, meisterhafter Tänzer von elementarer Wildheu, der idealisierte Typus des Frauenbeherrschers. Jeden Abend tobte ihnen das Publikum Beisall nach. Gemeinsum verbeugten sie sich dann, einmal, nicht öfter— als Weltattraktion hatten sie das nicht notig, dann stürzten sie in der Garderobe in höchster Ekstase zueinander. Kein Artist der Welt hatte je zwei Partner sich so zulodern gesehen.... Es war ein ganz einfaches Bühnenrequisitenmesser aus Blech Niemand wußte, daß er den ganzen Nachmittag damit verbracht hatte, es zu schleifen. Vebuch .„ Als ei in der drirren Minute sich ihr zuerst nähern mußte, um ihr das Geld zu entreißen, schauerte sie unter seinem harten Griff zusammen. Sein Auge glomm, und urplötzlich sah sie jenen dunklen Schatten, der ihr gestern abend bis nach der Wohnung Henrys ihres einstigen Partners, gefolgt war. Also doch... er hatte etwas gemerkt. Angstvoll flüsterte sie ihm zu:„Nachher...“ Er nickte kurz, drohend:„Nachher!“ Schon rissen die Synkopen sie wieder auseinander. Sie mußte nun vor ihm fliehen. Dann würde der Ringkampf folgen. Und zwei Minuten später waren sie wieder in der Garderobe. Nun, sie würde schon irgendeinen Ausweg finden. Sie kannte ihn: er würde toben, er würde sie schlagen, aber er würde doch wieder ihren heißen Mund fordern und alles vergessen. Alles vergessen— sagte sie kurz bei sich— alles vergessen. Ich darf auch nicht mehr an Henry denken. Gestern nur mußte ich seinen Bitten nachgeben. Er hat doch schließlich eine Tänzerin aus mir gemacht, mich hoch gebracht, selbst Ruhm geerntet, bis jener kam und in einer Nacht zwei Leben anders wurden. Henry sank ins Dunkel. in die Höhle der Kokainhändler, in die Tiefen der Schmuggler. Die Kapelle hämmerte wie wild darauflos. Die Ringkampfzene, in der das Weib dem Manne an die Gurgel fährt, dis er ganz langsam das Messer zieht, begann. In der Ekstase dieses übersteigerten Tanzes vergaß sie ganz das Drohende seines Geichtes, gab sich selig in die kraftvollen Arme, kostete die jagende Rhythmik der Schritte voll aus. Nun kam der Griff nach seinem .#r bog sie wen zurug. Ueber iyr blißte es auf: sie dachte „solche Augen... hat er sonst nie, solche Augen... hat er... sonst...“ Das Messer hatte die Halsschlagader getroffen— innerhalb weniger Minuten trat der Tod ein. Bernett schrie in den Saal:„Ich habe sie heute wirklich getötet! Laßt mich freiwillig gehen! Mein Browning ist scharf geladen!" Entsetzt wich das Publikum zurück. Kein Mensch hatte den Mut. dem Artisten nahezutrete:. Polizei befand sich nicht im Hause. Als eine Viertelstunde(päter einige Kriminalbeamte auftauchten, wußte niemand etwas über den Verbleib des Morders. Mit bewundernswertem Eifer setzte sich die Polizei für die Ergreifung des Täters ein. Man durchforschte alle Schlupfwinkel, die irgendwie als Herberge in Frage kommen konnten, verständigte alle Geheimpolizisten, ließ unzählige Razzien vornehmen. Aber obgleich die Kleidung, der bühnenmäßige Apachenanzug, den Mann Anbaltsrunst. den geringsten . bieder war es der Zufau, der noch in der gleichen Nacht die Auffindung des Schuldigen bringen sollte. Seit Wochen war man „##n Artisten Henry auf der Spur. Die Vergiftungen durch versälschtes Kokain hatten sich gemehrt, und immer wieder wies die Spur auf diesen Mann. An diesem Abend hatte man endlich sein Quartier in einer der schmutzigsten Gassen des Hasenviertels ausfindig gemacht. Man fand ihn an dem bezeichneten Orte in Gesellschaft eines Mannes im Apachenkostüm.— Henry hatte ein Herzschuß niedergestreckt. Der Mann im Apachenanzug blutete aus einer Schläfenwunde und trug in der Jackettasche ein blutiges, sehr scharfes Blechmesser... Annemar Hinrichs. RANK ARNAU Alle Rechte vorbehalten B+ n(31. Fortsetzung.) Nach dreimonatiger Anwesenheit begann Kwang=hsü unter seinen neuen Freunden, sehr vorsichtig, vorfühlend, für die Prinzessin Ma zu werben. Er fand eine stärkere Bereitwilligkeit, als er je zu hoffen wagte. Er sah zuversichtlich in die Zukunft. An einem Maimorgen kam dann die Polizei in das Boardinghouse und verhaftete den Kaufmann Kwei=tse aus Tientsin, seine Tochter Li, einen Diener und eine Dienerin. Zunächst wegen Verletzung der polizeilichen Meldevorschriften und der EinwanderungsManschu Kei=lü und Percy Hale hatten den portugiesischen Frachtdampfer, der ihnen vor der Nase weg aus dem Golf von Petschili dampfte, nicht aus den Augen verloren. Sie stellten fest, daß sich an Bord dieses Dampfers ein zweifelhafter Kaufmann aus Tientsin, den es nach Angabe der dortigen Polizei überhaupt nicht gab, befand, und daß sich in Begleitung dieses Kaufmannes dessen Tochter, ein Diener und eine Dienerin befanden. Sie stellten ferner fest, daß die Passagen der verdächtigen Reisenden nach dem mexikanischen Hasen Mazatlan gebucht worden waren. Percy Hale sowohl wie der Mandschu teilten ihren vorgesetzten Behörden die Ergebnisse ihrer Ermittlungen mit und erhielten den Auftrag, den Flüchtigen zu folgen. Nach Erledigung der notwendigen Formalitäten schifften sie sich ein. Der Mandschu vermutete, daß die beiden nach Frisco wollten, um dort in der großen chinesischen Kolonie unterzutauchen; vertrauliche Informationen aus dem Hause Tien=wongs verdichteten seinen Verdacht fast bis zur Gewißheit. Er schlug die direkte Route nach der Stadt am Golden Gate ein, und konnte nach drei Wochen feststellen, daß ein Kaufmann Kweietse in China=town aufgetaucht war, der allgemein als etwas undurchsichtige Persönlichkeit galt. Die Ermittlung, daß dieser Kweietse ohne Einwanderungserlaubnisschein nach den Vereinigten Staaten gekommen war, gelang in wenigen Tagen. Es schien ihm nunmehr gewiß zu sein, daß der zugereiste Chinese mit dem von der englischen Regierung wegen Mordes gesuchten Seidenhändler Kwang=hsü identisch ist. Diese Feststellungen behielt er zunächst— im Einverständnis mit Percy Hale— für sich; er veranlaßte nur, daß die Polizei von Frisco sich zunächst einmal genauer mit dem Kaufmann Kwei=tse und seiner Tochter Li befaßte. Der alte Kwang=hsü war wie zerschlagen, als man ihn, die Prinzessin, den alten Diener und die Dienerin dem Polizeirichter vorführte. Es war zwecklos, zu leugnen, daß er ohne Einwanderungserlaubnis nach USA. gekommen war. Er wußte, daß darauf Gefängnis stand, und daß man ihn nach Verbüßung der Strafe samt der Prinzessin und dem Dienerpaar zwangsweise nach China zurücktransportieren würde. Das bedeutete für ihn fast das Ende aller Hoffnungen. Die Vernehmung gestaltete sich sehr einfach, da Kwangehsü wie die Prinzessin englisch sprachen. Der Polizeirichter, ein noch sehr funger Beamter, begann das Verhör: „Sie sind, zumindest nach ihrem Paß. der Kaufmann Kweietse aus Tien=tsin. Das Mädchen hier soll angeblich ihre Tochter sein.— Ist das richtig?“ Kwang=hsü bestätigte es. „Wann sind Sie in den Vereinigten Staaten eingewandert?“ „Kurz nach Beginn des Jahres.“ „Sind Sie zu Schiff gekommen?“ „Nein. Wir kamen zu Land— von Mexiko.“ „Aha!— Hatten Sie eine Einwanderungserlaudnis für sich, ihre Tochter und ihr Dienerpaar?“ Kwang=hsü senkte den Kopf und schwieg. Der Beamte hämmerte mit einem unwahrscheinlich großen und dicken Bleistift auf ein Tintenfaß: „Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie nur durch ein glattes Geständnis ihre Lage verbessern können. Wenn Sie die reine Wahrheit bekennen, kann die Gefängnisstrafe, die Ihnen bevorsteht. vielleicht recht kurz bemessen werden. Leugnen hat ja auch gar keinen Zweck, denn es wird sich unschwer feststellen lassen, ob für den Kaufmann Kwei=tse aus Tienetsin innerhalb des letzten Jahres eine Einwanderungserlaubnis ausgestellt wurde— oder nicht.— Geben Sie also zu, daß Sie die Einwanderungserlaubnis verletzt haben?“— „Ich gebe es zu.“ „Und wie ist das mit Ihnen“, wandte der Polizekrichter sich an die Prinzessin.„Sie sind die Tochter dieses Herrn Kweietse.— Wußten Sie, daß Sie ohne besondere Erlaubnis die Grenzen der Vereinigten Staaten nicht überschreiten durften?" Kwang=hsü mischte sich ein: „Meine Tochter wußte von den amerikanischen Gesetzen nichts und meine Diener ebensowenig. Der Alleinschuldige din ich.“ Der Polizeirichter gab dieses Geständnis zu Protokoll und nach einigen weiteren unwesentlichen Fragen ließ er die Verhafteten in die Zellen des Untersuchungsgefängnisses zurückführen. Eine halbe Stunde später ließ sich Percy Hale bei dem Polizeirichter melden. Der Polizeirichter war etwas verwundert, daß ein Engländer sich um die Angelegenheit des Kaufmanns Kweietse aus Tien=tsin bekümmerte. Er fragte Percy Hale unumwunden, was er eigentlich in dieser Sache wünsche. Der Engländer sagte mit besonders klarer Selbstverständlichkeit: „Ich möchte mir diesen angeblichen Herrn Kweietse aus Tien=tsin einmal ansehen.“ „Das geht nicht so einfach, Mr. Hale. Sie müssen schon einen bestimmten Grund haben— und zwar einen triftigen,— wenn ich Ihnen die gewünschte Genehmigung erteilen soll. Uebrigens— ich kann auch gar nicht annehmen, daß es lediglich die Neugierde ist. die Sie dieses Ersuchen aussprechen läßt.“ „Allerdings,— es ist mehr als Neugierde. Sogar viel mehr Ich vermute, daß dieser Chinese Kweietse identisch ist mit einem Seidenhändler aus Schanghai, einem gewissen Kwang=hsü, in dessen Haus ein englischer Agent ermordet aufgefunden wurde. Dieser Kwang=hsü ist seit jener Zeit mit einem jungen Mädchen,— das aber gar nicht seine Tochter ist,— aus Schanghal verschwunden. seine Ergreifung hat die großbritannische Regierung gleich nach der Mordtat einen Preis von tausend Pfund ausgesetzt. Diese Summe ist inzwischen auf zweitausend Pfund erhöht worden.“ „Uno... diese zweitausend Pfund möchten Sie sich gerne verBeimosdeteingg der Polizelrichtel. Sie sind also Deitektio— ode „Nein!“ sagte Percy Hale. „Welches Interesse haben Sie dann an der Ergretfung des angeblichen Mörders?“ fragte der Polizeirichter. „Welches Interesse? Ich war der Privatsekretär des Ermordeten und din von der britischen Botschaft in Peking ermächtigt, die mir gotzg erscheinenden, Schritte zu unternehmen, um den Mörder Sir Archibald Macphersons der Strafe zuzuführen.“ mit einer Stimme di. Ja“ einen Augendlick nach, dann sagte er mit. euer Fimme, die em unbeschreibliches Maß von Gleichgültigtekt .#Wenn d## b ist, kann ich Ihrem Ersuchen nachkommen. 34 vorführen lassen. Irgendwelche weiteren Schritte bebalte ich mir vor.“(Fortsetzung folgt.) Wien- Turopas Radiumselle Die sozialistische(emeinde an der Spitze der Radiumbesistzer Keilmittel als kapitalistisches Geschältsobjekt In Brüssel unterzeichneten Professor Dr. Tandler und Dozent Dr. Schöbrunner als Vertreter der Gemeinde Wien einen Vertrag über die Lieserung von 5 Gramm Radium. Ein Vertuag über fünf Gramm! Noch niemals sind auf irgend einem Fachgebiet menschlichen Handels wegen so winziac. Mengen so große Aktionen durchgeführt worden. Da reisen zwei berühmte Aerzte von Wien nach Brüssel, treten in Unerbandlung mit einem Unters ehmen Hegpgze gischen, setzar: rung, Zahlen fliegen hin und hei, die ganze Welt hört zu, feier licht Staats illjederhalter nerden geschwungen und schlieyzlich st ein Vertris zustande gekommen über Art und Weise einer Lieserung von für Gramin, Allerdings dürften diese einen Geldesnert von schätzungsweise 1.3 Millionen Mark barstellen— und gar der ideese Wert, der hier auf Jahrichnte hinaus vielen Tau,enden von Kranken Milderung und Heilung surchtbarer Leiden verspricht, ist unermeßlich. Was in Deutschland trotz aller Bemühungen einsichtiger Aerzte nicht erreicht— was selbst im„klasssischen Lande der Radiumbehandlung“, in Schweden, in solcher Einheit noch nich verwirklicht wurde— und was sogar von den reichsten Lai der Welt als ein Höhepunkt des Möglichen betrachtet wirk die Vereinigung von fünf Gramm Radium in einem institut, das ist jetzt im„armen Oesterreich“ durchgesetzt worden. Die Sozialdemokratie darf stolz darauf sein, in einer von ihr verwalteten Stadt diese einzig dastehende Tat vollbracht zu haben. Ungeahnte Möglichkeiten. Um diese Leistung in ihrem vollen Umfang zu würdigen. muß man an den Radiumvorrat einiger anderer Städte denken. Das große Berliner Krebsinstitut besitzt ein Gramm das Heidelberger ein Viertel Gramm, wenige„glückliche kenhäuser in Deutschland 100 bis 200 Milligramm, und nur die bedeutendsten Institute des Auslands Mengen von 2 Gramm auswärts. Was nun erst fünf Gramm bedeuten— das mag man am besten an den Erfahrungen des hervorragenden Stock holmer Krebsforschers Forsell ermessen. Bei den für eine#e strahlung zugänglichen Krebserkrankungen erzielte er Heilerfolge von 80 bis 100 Prozent, bei schwereren Erscheinungen Heilungen von meist über 60 Prozent. Und ihm standen hierbei nur zwei Gramm Radium zur Verfügung! Die Krebsfrage ist zum großen Teil nichts als eine frage. Die Forschung ist heute so weit, daß sie die Möglichkeiten der Radiumbehandlung nach allen Richtungen hin klargelegt nu.. Es bestehen da kaum noch Zweifel. Marie Curie, diese größte Wohltäterin der modernen Menschheit, bat seit ihrer Entdecung des Radiums ungezählte weitere Entdeckungen veröffentlicht. die unser Wissen um die strahlende Substanz bereichert und schein bar undurchdringliche Geheimnisse entschleiert haben. 1 Gramm kostet 260000 Mark! Aber das Heilmittel Radium ist zum Gegenstand kapitalisti Geschäfte geworden. Was Hunderttausenden von Kranken Heilung und Genesung bedeutet, ist nichts als eine Ware, mi deren Gewinn sich wenige Großverdiener die Taschen füllen. Hunderttausende von Kranken müssen qualvoll dahinsiechen, we eine Handvoll kapitalistischer Unternehmungen es nicht anders will: weil die Produktion an Radium künstlich niedrig gehalter wird, um die Preise um so höher treiben zu können. Dafür gibt es Beweise. Der stichhaltigste: daß der Preis für Radium automatisch um 50 Prozent zurückging, als die Weltproduktion an Radium nach dem Kriege stieg, und zwar auf etwa 30 Gramm im Jahre. Damals war diese Steigerung der Produktion eine Folge der Erschließung neuer Fundstätten in den verschiedensten Ländern. Inzwischen aber haben es die Belgier verstanden, etwa 90 Prozent der gesamten Weltproduktion in ihre Hände zu bekommen. Ihre„Union Minière de Haute Katanga“— im südlichsten Winkel von Belgisch=Kongo— und deren Tochtergesellschaft„Radium Belge“ haben allein im heroischem Gleichmut ließ er sich die völlig verbrannten Finger amputieren, er verlor schließlich beide Hände und trotzdem— so gut es ging— noch im Angesicht des Todes weiter an seinem Werk. Und dieser Tage kam die Meldung: Profest Holzknecht mußte sich wegen Radiumverbrennungen die rechte Hand amputieren lassen.—— Eine Forderung der Humanität. Ein grünlich=schwarzes Mineral: Uranpecherz— wird es auf Madagaskar, in Südaustralien,-(frika, im nord „ W W I I N M E N) u n d i m t s c h e c h i s c h e n T e l l vorigen Dahr 27 Gramm Radium produziert, und diese Mono= lsichen Portugal, England(Cornwal) und im tschechischen Teil voltichung erlaubt es ihnen, die Preise unerbitlich bochzubalten. z.g Erigebirges Die Tschechoslowakei beutet zwar die Fund Ein Gramm Radium kostet beute etwa 26000o Mark.„Szaeut hex, zelen im Erzgebirge aus, erporiert aver nichts und gent sog Ein Gramm Raotum toster heute enon u un uin:.rn.—, stellen im Erzgebirge aus, erportiert aber nichts und gem songt dari auch nicht verkannt werden, daß die Schwierigleiten der L.in ungerecht nationalistisch vor: man bört, daß deutsche Radiumgewinnung außerordentlich groß und Leib und Leben granlenhäuser in der Tschechoslowakei nur unter größten Schwie 0-brilf. afl aufé hüchste gefährdet sind. Um Radiumgewinnung aubelee„u a— 1 der beteiligten Arbeiter oft aufs höchste gefährdet sind. Um ein einziges Gramm Radium herzustellen, sind 10.000 Kilogramm des seltenen Uranpecherzes erforderlich. Und die Herstellung dauert acht bis neun Monate! Opfer fallen hier... Der größte Teil dieses Umwandlungsprozesses von Erz in Radium vollzieht sich im Bergwerk selbst. Erst die letzten entscheidenden Arbeiten werden von einigen erfahrenen Chemikern im Laboratorium geleistet— und aus diesem letzten Akt wir meistens eine Tragödie. Die radioaktiven Strahlen— heilsam nur, wenn sie maßvoll angewandt werden— üben jetzt ihre surchtbare zerstörende Wirkung aus. Die dicken, mit Blei belegten Handschuhe können diese wahren Helden der Arbeit nicht immer mit Sicherheit schützen. Viele werden ein Opfer ihres Berufs. Noch ist das Schicksal eines solchen Märtyrers der hierin ungerecht nattonalistisch der?*• Krankenhäuser in der Tschechoslowakei nur unter größten rigkeiten Radium erhalten. Die Belgier haben unbestritten die Vormachtstellung. am gioßer Teil Krebskranker, denen durch Bestrahlung geholfen werden könnte— 22000 sind es allein in Deutschland— kar nicht geheilt werden, weil ein Radium=Monopol Dividende verteilen will. Es ist aber eine Forderung der Humanitat, oaß das Heilmitel für die gefäbrlichste, weitverbreiteise 8panschelt der Gegenwart, an der in allen Ländern bereits wehr. Wensche sterben, als an der Tuberkulose, nicht von einer kleinen Gruppe von Kapitalisten aus egoistischen Beweggründen beliebig ver teuert oder zurückgehalten werden darf. sondern in die Händ der Oeffentlichkeit und der öffentlichen Verwaltung gehort!„ allerbund, der sich der Velämpfung der Gesgliectstagheigen. der Tuberkulose und des internationalen Rauschgifthandels genommen hat, sollte auch einer gerechten Rediuzgggenuug Veruis, Noch It dos Schicko.; Mrgsessorr Zevshorn, einer seine Aufmersamleit zuwenden. Hier gibt es Ausgaben von wuseter grsten Redurserscez. Verk ern, der Telgen u Pie, Feistangenender Bedenung, Au ihr Istung wrnten Hurgesetzter Zerstörungen durch die radioaktive Substanz. Mit derttausende! Eisenbahnkatastrophe in Aegupten 46 Jote, 41 Verketste Kairo, 30. April.(Drahtmeldung.) Die Zahl der Todes opfer bei dem gemeldeten Brand in dem fahrenden Zug hat sich auf 46 erhöht. Herzzerreißende Schilderungen werden von den Ueberlebenden gegeben. Unter den Toten am Wege des Unglückszuges liegen zahlreiche Kinderleichen. Die Kinder wurden von ihren vor Schrecken wahnsinnig gewordenen Müt tern aus den Fenstern des fahrenden Zuges geworfen. Die meisten der Leichen sind so verbrannt, daß es unmöglich ist, sie zu identifizieren. Das gilt auch für zehn Kinderleichen. Der Brand war so heftig, daß selbst die Telegraphenleitungen am Wege Feuer gefangen haben. Die Verbindung mit Kairo war rund eine Stunde gestört. Die verletzte Europäerin ist eine Spanierin mit Namen Arditi. 200 000 Kronen unterschlagen Verhaftung an der dänischen Grenze. Flensbura. 30. April. An der deutsch dänischen Grenze bei Krusau ist gestern abend der Obergerichtsanwalt Henriksen aus Kopenhagen, der nach Unterschlagung von 200000 Kronen geflüchtet war, verhaftet worden. Henrilsen, der sich nach Deutschland gewandt hatte und im Begriff war, mit sei Frau im Kraftwagen nach Dänemarr zurückzukehren, wurd sogleich im Polizeiauto nach Kopenhagen gebracht. Henriksen wurde in Kopenhagen einem Verhör unterzogen, bei dem er gestand, in seiner Eigenschaft als Nachlaßverwalter Betrügereien in Höhe von insgesamt 200000 Kronen begangen z haben. Elly Beinhorn in Dresden eingetroffen Dresden, 30. April.(Drahtmeldung.) Elly Beinhorn ist gegen 14.15 Uhr in Dresden eingetroffen. Sie beabsichtigt, nach etwa halbstündigem Aufenthalt nach Berlin weiterzufliegen. Erdsturz in einer belgischen Kohlengrube Sechs Arbeiter vermißt. Mons. 30. April. Im Schacht 8 der Zeche Hornu in Wasmes, wo Abtäufungsarbeiten im Gange sind, ereignere s Erdsturz. Sechs Arbeiter werden vermißt. Hochgebirgstragödie Zermatt, 29. April. Drei deutsche Touristen brachen gestern zu einer Tour ins Monte Rosa=Gebiet auf. Zwei andere Mitglieder der Partie, ein Herr und eine Dame. biieben weg Müdigkeit in der Betemps=Hütte zurück. Das Wetter war sehr ungunstig. Entgegen der Vereinbarung kehrten die drei Tou risten am Dienstag abend nicht in die Hütte P1##ug u. b.. konnte der in der Hütte zurückgebliebene Tourist nach Zermatt melden, daß zwei seiner Freunde vollig erschopft und halb froren nach der Hütte zurückgekehrt seien. Ihr Kamerad ist in eine Spalte des Grenzgletschers abgestürzt. Die beiden Zurück gekehrten haben an der Unglücksstelle bis Mitternacht gewartet von welchem Zeitpunkt ab der Verunglückte keine Anwort mehr gab. Rettung scheint nicht möglich... MMaut, Wosg.=Gebiet Zermatt. 30. April. Zur Bergung des in Monte=Rosa=Gebiet in eine Gletscherspalte gestürzten Touristen ist heute fruh Zermatt aus eine Führerkolonne ausgebrochen. Man erwartet ihre Rückkehr noch im Laufe des heutigen Tages. Wie es be soll der Verunglückte ein Oesterreicher sein, der aus Linz an der Donau stammt. Der Helium=Zeppelin Infolge der Abänderung der Pläne des Luftschiffbaues Zeppelin und der Umstellung auf Heliumgas, ist mit der Fertigstellung des neuen Zeppelin=Luftschiffes erst Ende nächsten Jahres zu rechnen. Der Bau dieses Schiffes beginnt erst in e..af Zeppelin= wird am 11. Mai nach Berlin starten und hier mehrere Tage bleiben. Außer der regulären Landung in Staaken sind mehrere Landungen auf dem Flughafen Tempelhof vorgesehen. Copyright by Verlag Presse-Tagesdienst, Berlin W 35 Nachdruck verboten. 27)(Fortsetzung.) Erleichtert ausatmend betritt Marga die Loge wieder und stürzt sich sogleich in ein interessiertes Gespräch über die wrdeutung der neuen Tanze, bei dem freilich nur vus ur Pier, vart leistet, während Rechtsanwalt Lübke lächelnd dem Streit der Meinungen zuhört. Keinen Blick wirft Marga den Saal; sie weiß, sie würde wie gebannt den beiden folgen, die dort im Tanz über alle Schwere, alle bürgerlichen Bindungen und alle Hemmungen der Persönlichkeit triumphieren, die einzig der Stunde hingegeben, das Fest zu seiern, den Ge nuß zu kosten wissen... Sind sie zu beneiden? Vielleicht! Aber mochte sie tauschen? Niemals! In seltener Verwirrung und einer ihr unerklärlichen gewubltheit sucht Marga vergebens, die fruhere harmlos Stimmung wieder herbeizuzwingen. Lübke scheint es zu in ren: er läßt neuen Sekt kommen und füllt unaufhörlich die Glaser. Er erzahlt; von kühnen Autofahrten weiß er zu berichten, von waahalsigen Kletterpartien im Gebirge. Lilo war dabei lebdast fallt sie ein, unterstreicht die Pointen, sinnt auf andere schon halb vergessene Abenteuer, die Vater und Tochter gemein Marga wird allmählich gesangen, hört gesesselt zu und spurt das Fluidum von Kraft und Wagemut, das von diesem Maß ausgeht, spurt es besonders kraß. im Vergleich zu der blassen Kranklichkeit Wennigstedts, die sie sonst täglich umgibt Und dann unsere Segeltour, Papo“ Lilos Augen leuchten. weißt du noch, wie das Steuer abgebrochen war und wir im Sturm zwölf Stunden auf der Ostsee trieben! Lächelnd nickt der Vater zu ihr.„Ano wie mein Schiffsjunge Lilo auf den Mast klettern und Ausschau halten wollte, und um ein Haar ertrunken wäre?“ „Ja, wenn der Kapitän— das warst du— mich nicht noch rechtzeitig aufgesangen hätte!“ Auch Marga lächelt wieder; hier ist Frische, hier in Leben, wieder muß sie Lübkes starke gute Hanz,gozleben, H. u sPzre versieht es, zuzugreisen, zu halten, zu schützer, und zu Wo, Aber endlich mahnt sie doch zum Aufbruch; es ist nacht, und am nächsten Tage ist Dienst. In einem tiesen Wohlgefühl läßt Marga sich von Lübke in den Mantel hüllen;: einem Rest von Sektübermut besteht er darauf, ihr auch den Kragen zu schließen; lachend läßt sie es geschehen und spürt, wie seine warme Hand wie unabsichtlich leise ihren Hals streift. Im Wagen überfällt Marga eine unsinnige Müdigkeit; geschlossenen Auges lehnt sie in der Ecke und achtet nicht meh auf Scherz und Gelächter der beiden, die unermüdlich scheinen. Nach kurzem Abschied von Lübke, der in sein Hotel sie mit Lilo die Treppen hinauf und trennt sich in der Woh nung sogleich von der jungen Mieterin, die gern noch Kaff kochen und ein paar Stunden plaudern mochte. Hasuig k. Marga die von Zigarrendunst erfüllten Kleider ab und küh mit kaltem Wasser den von Alkohol erhitzten Kopf. Und kaun hat sie die Decken über sich gezogen und den Kopf in den Kissen zurechtgelegt, wird sie von einem schweren bleiernen Schlaf lings übermannt.4 G. Eirah Vogelgezwitscher tönt vor dem Fenster, und die Strahlen der Morgensonne drängen durch dicht geschlossene, Vorhänge Erschrocken fährt Marga auf. Hat sie verschlafen? Den Weck überhort? Aber ein Blick auf die Uhr belehrt sie, daß es erst sechs Uhr ist, eine Stunde, in der sie sonst selten erwacht, denn die gesunde Mudigkeit hält sie stets bis zum letzten Augenblick in tiefer Bewußtlosigkeit. Also noch eine Stunde Zeit bis zum Aufstehen! Und woblig schmiegt Marga sich in die Kissen zurück, der Wecker tickt laut und hart, zehr. Minuten vergeben, eine Viertelstunde, sie kann nicht schlafen! Ist es das Vogellied draußen, das sie stört 2o leise sind diese zarten zirpenden Tone, aber doch liegt darin etwas, was rubelos macht. Es ist Frühling! tont es von drautzen, es ist Frühling! Und die Natur erwacht. Mit plotzlich weit geöffneten Augen, den Blick zum Fenster gewandt, verbarrt Marga regungslos; sie lauscht. Tont nicht auch in ihr dieses Fruhlingslied, durchzieht es sie nicht mit einer unbestimmten, drängenden Sehnsucht? Was ist das nur: Im Innern pocht etwas roh und erwartungsvoll, das sie seit Jahren nicht mehr kennt; eine Freude, eine unsinnige Freude auf irgendwas ist erwacht; sie schwillt immer mehr an, weitet sich, will fast die Brust sprengen.... Worauf freut ne sich? Etwas ist da lebendig geworden, etwas, von dem sie gestern noch nichts ahnte; etwas Neues ist da, unendlich süß, zugleich aber unsagbar beunruhigend. Plötzlich erwacht mit voller Deutlichkeit die Erinnerung an den gestrigen Abend, zugleich eine Ahnung davon, was diese Unruhe etwa bedeuten könnte.... Mit einem Satz ist Marga für die Dusche ganz auf kalt gestellt; die eisigen Wasserströme türzen auf sie nieder, zuerst fast betäubend, dann aber belebend beruhigend. Die doppelte Portion Bohnen wird heute für den Kaffee genommen; ah, der Kopf wird klar! Marga kann wiede denken:„Gefühlsduseleien“, wie sie es nennt, kann und will sie nicht nachhängen. Oh, das fehlte noch! Nach allem, was sie durchgemacht, nach so viel Kampf und erprobter Einsamkeit wird sie sich jetzt in einen verheirateten Mann verlieben! Lächerlich ware das! Nein— ihr, Marga Werneburg, kann so etwas nicht passieren darf einfach nicht möglich sein! Dazu ein Fünfzigjähriger, ein Geschäftsmann, einer von denen, die dem Erfolg nachjagen, und das Ganze gemischt mit einem Stück Draufgängertum, das ihm einen gewissen Reiz verleiht, aber... Selbst, wenn er ledig wäre— nie würde ein Rudolf Lübke— sie hat seinen Vornamen behalten, wahrhaftig!— als Mann für sie in Frage kommen!* Und geklärt und beruhigt, in ollem Bewußtsein, alle törichten Anwandlungen überwunden zu haben, fährt Marga in die Bibliothek.— Sie arbeitet sieberhaft; doch schwerer noch als sonst liegt heute die Last des monotonen Dienstes auf ihr; immerfort irren die Gedanken ab: zu Lilo und— zu ihrem Vater; zu Leonie; sogar zu Dr. Goebel. Dr. Wennigstedt hat heute einen schlechten Tag. Wie immer, beim Uebergang der Jahreszeit, machen körperliche Beschwerden sich bemerkbar: er hustet trocken und klagt über Schwere und Mattigkeit in allen Gliedern. Marga hat heute wenig Interesse für den Krankheitsbericht; ja, sie betrachtet den Kollegen fast kalt und mitleidslos. Noch nie ist er ihr so farblos, so schwächlich erschienen wie heute. Und die gewählte Eleganz der Kleidung scheint ihr die Mängel der Erscheinung nur noch zu erhöhen; der helle, knappsitzende Frühjahrsanzug betont die Ueberschlankheit seines Korpers, über der leuchtend farbigen Krawatte wirkt das Gesicht doppelt bleich und angegriffen. (Fortsetzung folgt.) □ □# ORTSAUSSCHUSS FÜR ARBEITERWOHLFAHR! GELSENKIRCHEN-BUER Arbeiterwohlfahrt Gelsenkirchen, Buer und Horst. Ferien. kinder nach dem Stausee! Für die zweite und dritte Woche ronnen noch Kinder angemeldet werden, entweder bei den Funktionärinnen oder im August=Bebel=Haus. Vom 4. bis gehen Kinder von Gelsenkirchen und Horst, vom 11. vis 16. Mai Kinder von Buer. Arbeiten-Ratio-Bund Deutsehlands, 8. N. Anschrift: Gelsenkirchen, Ringstraße 33 0 JUGEND. VERANSTALTUNGEN im Sozialistische Arbeiter-Jugend Bezirk Westliches Westfalen. Der Bezirk veranstaltet in der Zeit vom 10. bis 17. Mai Haus Dortund in Meschede einen achttätigen Erwerbslosenkursus. Thema des Kursus ist: Wesen und Ursachen der Wirtschaftskrise, Sozialgesetzgebung im heutigen Staat, Staatsformen, Die Geschichte der Deutschen Republik und die Reichsverfassung. Wandlungen der politischen Parteien der Nachkriegszeit und der Faschismus, Jugend und Gegenwartsprobleme, Unsere Betreuungsarbeit an der erwerbslosen Jugend und Die Forderungen an den Jugendführer. Ein Tag ist als Wandertag festgesetzt. Referenten wirken mit die Genossen: Triem(Bochum), Fränzner, Hofmann, Skuhr, Klupsch, Hussong, Beuster(Dortmund) und Renner(Gelsenkirchen). Die Kosten des Kursus werden mit Ausnahme des Fahrgeldes vom Bezirk getragen. Anmeldungen erfolgen durch die Unterbezirke. Nähere Mitteilungen gehen den uns gemeldeten Delegierten zu. Der Bezirksvorstand. I. A.: R. Hussong. Eine Anzahl Ortsgruppen haben bis jetzt noch keine Bericht sogen eingesandt. Dies muß sofort nachgeholt werden, anderenfalls wir die säumigen Gruppen an dieser Stelle namaber, daß dieser Hinweis genügt und sich kein Funktionär der Interessenlosigkeit schuldig macht. Verichterstatur Plichterfüllung in der Fragebogen über Werbeveranstaltungen und Jugendtag in Frankfurt müssen sofort eingesandt werden. Jagesprogtamm küt die folgenden Jage: „„ Samstag, 2. Mai. Die Schulaufsicht. Deutschkundlicher Schulfunk. Flehertragung aus dem, Gr., Saal d. Gürzenichs, Köln: Festaft des Reaierungsbeaiting Veai. Vellehens des Vereins der Industriellen 13.05: Mittagslonzey Sücafrika. 8.38, Wochenend. Konzert. 2925S., Poerrig„Bedeutung und Auswirkung des Organi. 16.4b: Eensfisch 8.99: Fr. H. Plönes: Linser Niederrhein. 8.20:„Pfarrer Sander: Die Erweckungsbewegung in Minden Raverischen Berzsenau orbildungsmöglichleiten für Frauen in gärt. 19.15: Zeon Minuten Bezirkshilfe. „Ahun; M. Levilahn: Gesuc in einer modernen Heil= und Pfle. 2000 Lustiger Abend: Kavelle: Ensoldt g# den udeinterrassen Rodenlirchen: Tanzmusik der Kavelle 700.. Sonntag. 3. Mai 8 33: Hamburger Hafenkonzert. Gloden vom Großen Michel. schelien ie Secslia an iue Peie Guneht. 9 A. H. Schmitz: Die Angst vor der Einsamkeit 300: Pantcnsfalcte Rheinland und Weitialen: Jon3.c5 Blagssoner“; Deulchland=Sobalrila. 19.39: Lungmädchenstunde. 525 P, eaäee sguse dmann: Die Genosenschaften als Mit. 15.45: Unto.=Pros Dr. Schrietering:# lage unieres Volstums.u: Das Bauerntum als Grund. 16.05: Persische Musik 8 o: Jesane#es. Kurorchesters Bad Homburg Schung um Freden=sgedgrsen.9; Frauturt a. V.: Frauenkund. 19.05: Ene Stunde Furiau von Ernlt Glaeser. 19.50: Sportvorbericht. Zund„Herbrang(Sontan, k. Pramtesco(Teort, u vonten, nenne lsh. P.3, Mleiaterase Rodenlichen: Tagaugst der Laoele Achtung! Der Wochendkursus in Sinsen fällt aus.— Am Samstag, pünktlich um 20 Uhr: Generalprobe für die Feier am Sonntag. Alle Mitwirkenden sind pünktlich zur Stelle.— Am Sonntag ist unsere Maiseier im Jugendbeim. Zur Aufführung gelangen zwei Revuen. Seid pünktlich um 20 Uhr zur Stelle! KINDERFREUNDE Kindertreunde, Gelsenkirchen-Zuer Rote Falken, Gruppe Buer=Erle. Zusammenkunft am Sonntag um 14 Uhr an der Sammelschule. Seid alle pünktlich. Bei gutem Wetter treffen wir uns um 8 Uhr morgens. REICHSBANNER SCHWARZ-ROT-GOLD Achtung! Erwerbslose und Wohlfahrtsunterstützungsempfänger im Stadtteil Gelsenkirchen! Mittwoch, den 6. dieses Monats, 16 Uhr, im Metallarbeiterheim, Augustastraße: Wichtige Versammlung Alle Parteigenossen und freien Gewerkschaftler sind hierzu eingeladen. Freunde unserer Bewegung sind ebenfalls willkommen. Referent: Genosse Brüntink. Thema:„Der Fünfjahresplan.“ Ortsgruppe Gelsenkirchen. Sonntag, den 3. Mai, findet in Dortmund der GauSchuso=Aufmarsch statt. Verpflichtet zur Teilnahme sind die Fameraden des Spielmannszuges und der Schufo. Antreten 10 15 Uhr an der Geschäftsstelle in der Königstraße. Kameraden, die diesen Abteilungen nicht angehören und mit nach Dortmund fahren wollen, sammeln sich 11.30 Uhr am Hauptbahnhof. Abfahrt 11.51 Uhr. Sonntagskarte lösen! Fahnen gehen nicht mit! Ortsgruppe Horst(Jungbanner). Sonntag, 3. Mai, fährt die Handballmannschaft nach Hervest=Dorsten, um dort einen Freungschaftskampf auszutragen. Treffpunkt mit Fahrrädern 13.30 Uhr am Amtshaus, Horst Mitte VERANSTALTUNGEN UND VEREINE Sinn und Werden der deutschen der deutschen Verkehrswachtbewegung Vor einigen Tagen sprach hier im Lokal Rüter der Geschäftsfuhrer der Deutschen Verkehrswacht aus Berlin, Herr .. Berthold über den Sinn und das Werden der Verkehrswacht. Leider hatten sich zu dieser Veranstaltung, die durch Filme vervollständigt wurde, nicht allzu viele Zuhörer eingesunden; immerhin, es war ein erster Versuch, das Publikum für die Idee der Verkehrswachten zu gewinnen, und das Interesse wird sicher mit der Zeit größer werden. Der Vortragende erläuterte die Aufgaben, die sich die Verkehrswacht gestellt hat. Diese Verkehrswachten sind gegründet, um Unfälle im Verkehr verhindern zu helfen, und zwar einmal daduich daß die verantwortlichen Behörden auf Gefahrenpunkte auf der Verkehrsstraßen aufmerksam gemacht werden, und daß hier für Abhilfe gesorgt wird, vor allem aber wollen die Verkehrswachten die Fahrer und das Publikum zur Verantwortlichkeit m Verkehr erziehen. Die Verkehrswachten haben also— das e ausdrücklich betont— ganz andere Ziele und Aufgaben als die Verkehrsvereine, und bedeuten für diese nicht etwa eine „ Iu.renz. Dr. Berthold machte darauf aufmerksam, daß wir # mehr Verkehrsunfälle haben, als im Bergbau. Die Unallzissern sind auch nicht in allen Ländern, die etwa die gleiche Verkahrsdichte haben. gleich groß. Bemerkenswert gering sei 15.00: Kinderhostelsiurd.. 2 Mai. im Bargersichen Fesena Springer: Die Stellung der Frau 839: Zamhurg, Nachmitage=s=2cmatin in der Schlabet. .19g apier' Geingoheit Verne“ Mas onten ur von der 18.90: Frapzösisch für Fortgeschrittene. #0: F. Stach: Der Volksbildner Joh. Tews. 8.30: Sile Stande: Aohalt. 39.88: In Kine„veritas! Eine heitere Film=Revue, v. H. Harbedk 21.00: Bunter Abend mit Willy Hagen. 9669: Danach: A. d. Eden=Hotel: Tanzmusik. Kapelle Oscar Joost Deutsche Welle: Sonntag. 3. Mai. 7.99: Hamburger Hasen=Konzert. Glocken vom Großen Michel 8.00: Mitteilungen und praktisce Winke für den Landwirt. 8.15: Wochenrückblick aus die Marktlage. „7. G. A. nosch: Der Bienenstand im Frühjahr. „forgenseiet, Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche anschl. Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05: Wettervorhersage. 11.00: Aus Geroldseck: Einweihung der Heldenorgel 11.30: Leipzig: Kantate Nr. 108: Es ist Euch gut, daß ich hingehe Von Joh. Seb. Bach. Mitw.: Städt. u. Gewandhausorchester Thomaner=Chor. Emmi Neiendorfs Alt). Pros. A. Fischer(Baß) G. Ramin(Orgel), F. Sammler(Cembalo).“ 8ab12.00: Hans Natonet liest eigene Geschichten. 12.30: Mittagskonzert. Funk-Orchester. med. G. Zehden: Der Arzt als Erzieher der Eltern 14.30: Studio: Das Lied von Wild=West. Eine Cowbon=Kantate von Karl Schück. Musik von Herbert Trantow. 15.00: G. Meseberg: Rundsunk und Landbewohner Veretutgung Neuröltn 368d. Au9):: Freie 13.39: Horel Bristol: Tee=Musik. Kavelle Ilsa Livschakoff. 8.50: Pros. Dr, Wildbr., 10 gebus zum Friedensgedanken. 10 90,(##c#z,#r.„Müdbraed: Die Bäume schlagen aus! 19.20: Elizabeth Barett-Browning.„Sonette aus dem Portugiesischen". Einführung und Rezitation? Gerda von Bremen 20.00: Röckblick auf Platten.(April) Stenen20.30: Nußknacker=Suite ov. 61 von Tschaikowsky.— Der fause Hans. Eine Ballettpantomime von Oskar Nedbal. 22.00: Wetter=, Tages= und Svortnachrichten. anschl. Tanzmusik. Fred Bird=Tanzorchester. sie beispielsweise in Paris; es ist auch bekannt, daß Paris ganz besonders geschickte Chauffeure hat. Es kommt aber nicht nur auf Geistesgegenwart und Geschicklichkeit des Chauffeurs sondern auch auf die gute Instandhaltung der Wagen an. Nur ein gutgepflegter Wagen sunktioniert mit Sicherheit.(Wir möchten in diesem Zusammenhange daran erinnern, daß gerade in Gelsenkirchen mehrere schwere Unfälle, bei denen auch Menschen gctotet wurden, durch die schlechte Beschaffenheit und das völlige Versagen der Bremsen, hervorgerufen wurden.) Eine der Hauptaufgaben der Verkehrswachten ist die Erziehung der Fußganger und der Fahrer. Hier wendet sich die Ver kehrswacht vor allem an die Jugend, und die Schule muß mit helsend eingreifen. In vielen Städten ist heute schon ein Verkehrsunterricht eingeführt— vorbildlich ist hier Amerika. Die Schüler lernen alle Verkehrszeichen kennen und beachten. räumt mit alten Preisen auf Unsere guten bewährten Qualitäten in Schuhen, zu einem Bruchteil des regulären Wertes. Unfere Fenster sprechen: Kinder-Spangen-Lack 05 braun, schwarz Gr. 18/22 195. 19 SS.) Kinder-Spangen-Lack braun, schwarz Gr. 23126 2.45, 1 95 Mädchenschuhe schbe braun Varl Gr. 27 35 4.93 4.43, 4.43 3 90 Damen-Spangenschuhe 290 schwarz und larbig....... 5.90. 4 90 b Damen-Spangenschuhe 450 Lack. braun u. schwarz 7.90, 3 80 Damen-Spangenschuhe in allen Falben, mit Block- und L XV.-Absaiz 8 90, 7 90 Schwarze HerrenHalbschuhe#80 9.80, 7.90 Herren-Halbschuhe 880 braun und Lack......... 9.80, 8.80 S Herren-Stiefel schwarz krältige Auslührung 9.80, 8.80 Schuhhaus am Neumarkt Bahnhotstraße 13 Dieser Unterricht wird natürlich am besten praktisch auf der raße ertein, es gibt aber auch Schulen, die bereits ihre denen die Kinder mit Modellen spielend alle Verkehrsregeln lernen. Daß solcher Verkehrsunterricht den Kindern auch sehr viel Freude macht, braucht wohl nicht erst betont zu werden. Doch auch Höflichkeit und gegenseitige Hilfe im Verkehr wollen gelernt sein. Nicht die #:„#er gebrauche seine Ellenbogen und sehe, wie er selbst am besten vorwärtskommt“, muß befolgt werden, sondern gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme müssen walten. .. nuch Radio und Film sollen durch Vermittlung der Verkehrswachten in den Dienst der Unfallverhütung gestellt werden Zwei Filme, von denen der eine eine vorbildlich Verkehrsregelung auf der Gehbahn und auf der Fahrbahn zeigte payreng der andere besonders den Radfahrern— die bei dem An, verkehr besonders gefährdet sind— gewidmet war wirten verm. ar11a, wie der Film verkehrserzieherisch zu . Der Geschäftsführer des Gesamtverbandes, Genosse Pertz den Vortragenden Danlt Wir wollen hoffen, daß auch in Gelsenkirchen die Verkehrswacht gute Arbeit leisten wird, und daß durch ihr Wirken die 3sh gerkehrsunfau, die wir zu verzeichnen haben, verInternat onaler Beirten auf dem Flunhaten Essen-Millheim Wir weisen darauf hin, daß sich in Essen=Mülheim täglich in der Zeit von 13 bis 15 Uhr der internationale Hauptumschlag abwickelt. Für alle Luftfahrtfreunde dürfte es von besonderem Interesse sein, zu betrachten, wie deutsche, belgische, französische, tschechische und schweizerische Flugzeuge, die den Lustdienst von und nach den größeren Handelsplätzen des Inund Auslandes versehen, aus allen Richtungen kommend auf dem heimatlichen Flughasen Essen=Mülheim in dieser kurzen Zeitspanne starten und landen. Besichtigen Sie in UN““ n. und Vogelsen große Sie daren, die8 ensationellen Angebote Uolkstagen Hülligen Schlager Besichtigen Sie unsere Schaufenster WT Nachruf. Am 28. April 1931 verstard unerwartet infolge eines tragischen Unglückstalles der ehemalige unbesoldete Beigeordnete des Amtes Horst, der Vrogses Herr Ernst Arians In seiner künkzehnjährigen. ehren amtlichen Beigeordnetentätigkeit in horst hat er, getragen von allseitigem Vertrauen auf Grund seines vorbildlichen Lebenswandels, seines klaren Slickes und sachlichen Urteils, wieder holt- oft monztelang- die Verwaltung von Horst selbständig ganz oder in einzelnen Oezernaten geführt, insbesondere auch in der schwierigen 6e satzungsreit als Vertreter der in bela Gefängnissen weilenden bezw. ausge wiesenen leitenden Seamten, ohne Kücksicht darauf, daß inm gleiches Schicksal mehrfach drohte. Ruberdem war er fast 12 Jahre lang Gemeinde-, und später Stadtverordneter der neuen Stadt, sowie in horst Mitglied sämtlicher wichtiger Ausschüsse. Ein warmherziger, charaktervoller Mann ist mit dem Verstordenen dahingegangen, dem es Lebens und Herzens bedürfnis war, seine ganze Kraft wahrhaft selbstlos und aufopferungs freudigsin den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Sein Andenken wird alle Zeit in hochsten Ehren gehalten werden. Beisenkirchen, 29. April 1931. Namens der Stadtverwaltung: Der Oberbürgermeister. Alle Bücher groß und klein bindet Nermann Mellmann ein. Billig, gat und dauerhaft, daß es jedem Freude macht. lathildenstr. 34 Rut 26064 Philharmonisches Orchester (Vereinigung erwerbsloser Berutsmusiker Gelsenkirchen) Sinfonie-Konzert Freitag, den 8. Mai. 20 Uhr, im großen Saale des Hans-Sachs-Hauses- Gesamtleitung: Musikdirektor Hermann Esser- Essen Dr. Deimeck, Essen Gesang: Gustel Fuchs Essen(Sopran)/ Volkschor Geisenkirchen Vortragstolge: Prometheus-Ouvertdre....... Besggoven Sinfonie Nr. 94(mit dem Paukenschlag) Haydn Klavierkonzert mit Orchester, Kantate A-moll. Grieg Miriams Siegesgesang großes Chorwerk mit Orchester Franz Schubert Preise der Pioe: G.Achond ung olge, Neumart. Bchnhosrade. Geleentirchene Verkehrnverein und uuer acher Vertehrs. verein und bei den Mitgliedern des Volkschores Unsere frenchteat. Mäntel sind immer ein bißchen Hotter, immer ein wonig eleganter, immer mit dem„gewissen Etwas“ und in guten Qualitäten ausgeführt. Trotzdem aber sind sie sehr niedrig im Preis. Olhauf-Mäntel In modernen Farben 14.75 19.75 23.73 Loden-Mäntel garantiert wosseran 19.75 26.75 29.75 Gummi-Mäntel la verorbeiteter LJ 400g Schwere ware. wosserdicht, in den be- Trenchcoet mit Seiden.“ Herrenmäßig verer- g.zg 14.75 19.75 liebten Verbeni me- seffel, Sporform, in el- beiteter Trenchcoel. rine, mode, schwart. len modernen Ferbes. Prechtmodell. AppelrathTüpper Das Haus für große Weiten Die Araber gerichen und Geleiger Krafgaim Spesege Geg GrewerMohkamischung, weiche die elgemgrage gg der Centralarnerikanischen nochgewachse verbiner, Stbt Frotzgonn für beide Sorten die feinste RohRM 3.40. Sie erhalten sie täglich frisch beim Kaffee-Grewer. Kreuzstr.###- Buer, Marienstr. 12 „Westfälischer Hof“ BUER, Hagenstraße 31 Bes.: Frau Maria Koppenberg- Rahkob Bürgerlicher Mittag- und Abendtisch zu mäßigen Preisen Reichhaltiges kaltes Büfett/ Div. Schnittchen Nur elgene Schlachtung VOLKSHAUS BUER Verkehrslokal der frelorganisierten Arbeiter und Angestellten Ab heute Jeden Samstaa abend ab 7 Uhr und Jeden S ab 5 Uhr nachmittags KONZERT und TANZ Musikkapelle Simmel „ Kein Preisautschlag Eintritt tfrei Arbeiter und Angestellte Unterstützt euer eigenes Heim! Alinung CORSED am Schalter Spielplan vom 1.—7. Mal. Das ist eine Leistung! Uier Schlager 1. Juchs Holt, der Hauptdars eller dee„Flieger“ Tontilmes In Submarine 9 Riesenakte, von dem Schicksal des amerik. U Booles S. 4. das vor kaum einem johr an der Küsse Flortras sank und dessen Kei ung mißlang. Das hohe Lied der Freundestreue und Komeradschalt sein den Holden des gmerik. U Booles, die den Seemanns od landen, ein unvergängliches Denkmal. 2. Lien Dpere in Gehetzte Mädchen. 7 Akle 3. Paten Rulh Alller in Ehe auf Probe. 4 Geheimnisse des Ostens. Lin Abenleuer in S Allen Deckt Euren Bedars an Büchern in der„Volksbuchhandlung" 50 Mk. Selohnung dem der mir eine 2-3 Zimmer-Wohnong nachweist. Ollert. unt..897 an die Geschällsstelle ds. Bl. Vörlshofener Gsehl- In Rbeuns-Tei allein ech! Wörisbotener Kräuterbaus Nochstr. 24 Erke Neustraße e Nachlassen der Manneskraft Is1 die Folge unzureichender Funkti#nen der Ordsen mit innerer Sekretion, des Mangels an Hormonen. Der Körper braucht also eine Nachhllte durch Hormonzutuhr. dem bekannten Sexualhormon Praparat OKASA ## n:#f nach Gehe mrat Dr. med. LAHUSEN sind die wichtigson Stoffe vereinigt geg„en impolenz sexuelleNeurasthenie, Telalige und horperliche Erschlaffung, vorzeltiges Allern. Das Verabren, nach dem die Sexualhormone gewonnen und wirksam erhalten werden, ist als einzges durch DrUTSCHES REICHSPATENT gesetzl. geschützt. Oleses Verfahren erklärt den Weitruf vor Quasa, das auch in hartnächigen Fällen seine Wirkung erwies, in denen andere Mittel erlolglos waren. Um wellesten Kreisen Gelegerheit zu geben, sich über den nohen medizin schen Nert von Okasa zu unterrichten, wergen wieder 50 000 Probepackungen umsonst versendet, dazu ürztliche Broschüre u. nors, beglaubigte Anerkennungen in neutraler Verpackung gegen 4P1. für Porto Schrelben Sie an die Versandapotheke RADLAUER'S KRONEN-APOTHGKE, BERLIN W 390 FRIEORICHSTRASSE 160 100 Tabl. Okasa-Silber i. d. Mann9.50, Okasa-Gold f. d. Frau 10.50 OKASA let In allen Apetheken erhaltllen. * Neuer Anschlag auf die Arbeitslosenversicherung TUITUTOT„„„„„„ Gefahr ist im Verzug. Eine sehr ernste Gefahr für die Arbeitslosen. Die Arbeitgeber versuchen mit Macht die Regierung auf eine Linie zu drängen, die schnurstracks zu Arbeitslosenrevolten führen muß. Ohne Bedenken verlangen sie für den Fall, daß die Reichsanstalt aus den Beiträgen nicht mehr genügend Geld hereinbekommt, den Arbeitslosenschutz einfach versacken zu lassen. Ohne jedes Verständnis für die Not der Arbeitslosen machen sie den Vorschlag, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung kurzerhand von der Finanzlage der Reichsanstalt abhängig zu machen, d. h. die Unterstützungssätze eben einsach zu kürzen, wenn die Einnahmen der Reichsanstalt zurückgehen. Das Schlimme ist, daß diese ungeheuerlichen Pläne bei den maßgebenden Stellen infolge der Finanzschwierigkeiten des Reiches keineswegs von vornherein auf entschiedene Ablehnung stoßen. Im Gegenteil: es scheint, als ob die Arbeitgeber bereits in der Reichsanstalt selbst bei ihrem Vorstoß zur Verschlechterung der Arbeitslosenunterstützung bedenklich an Terrain gewonnen. Ein gefährliches Spiel wird hier gespielt. Dem=Vorstand der Reichsanstalt will man das Recht in die Hand geben, von sich aus die Unterstützungssätze je nach der Finanzlage der Anstalt festzusetzen? Eine Eisenbartkur? Vom Standpunkt der Finanzen aus fürchterlich einfach, vom menschlichen Standpunkt aus fürchterlich grausam. man wirklich einfach das Schicksal der Arbeitslosen davon abhängig machen, ob durch die Beiträge genügend Geld einkommt? Und wenn nicht genügend Geld einkommt? Dann— meinen die„Reformer“— müssen die Arbeitslosen eben sehen, wo sie bleiben. Wenn sich nur manche Leute nicht irren! Zweifellos rechnet man bei der Regierung damit, daß infolge des Lohnabbaus, infolge der Kurzarbeit und infolge der schwachen Aussichten auf eine Besserung der Arbeitsmarktlage die Einnahme der Reichsanstalt hinter den Voranschlägen und bisherigen Erwartungen zurückbleibt. Würde man nicht damit rechnen, dann brauchte man sich ja nicht mit solch geradezu gemeingefährlichen Unterstützungsexperimenten zu befreunden. Ein lauberes Plänchen! Nach außen hat es nach der Meinung der Arbeitgeber auch noch den Vorzug, als eine Art Fortschritt zu erscheinen. Die Arbeitgeber empfehlen es zur Erweiterung der Selbstverwaltung der Reichsanstalt. Die Reichsanstalt selbst soll die Unterstützungshöhe, die Voraussetzung für den Unterstützungsbezug die Bestimmung des Versichertenkreises usw. festsetzen. Die Reichsanstalt soll machen können, was sie will. Nur naive Gemüter können auf solchen Leim kriechen. In Wirklichkeit handelt es sich um etwas ganz anderes. Die Regierung will aus der Feuerlinie heraus. Sie hat ja zu diesem Zweck bereits die Arbeitslosenversicherung von dem Reichsrat abgehängt. Für Eventualitäten wird ein Sündenbock gesucht. Und die Rolle des Sündenbocks soll die Reichsanstalt spielen: hat sie kein Geld, dann hat sie eben keines und soll die Unterstützung senken. Da Ganze mutet an wie stützung zu garantieren. Wenn infolge einer verfehlten Lohn= und Wirtschaftspolitik jetzt nicht mehr genügend Beiträge eingehen, so kann man dafür doch unmöglich nun ausgerechnet die Arbeitslosen büßen lassen. Den Lohnabbau haben doch nicht die Arbeitslosen zu verantworten. Die Stellen, die für eine verfehlte Lohn= und Wirtschaftspolitik die Verantwortung zu tragen haben, müssen jetzt nun auch sehen, wo sie das Geld hernehmen, um die Ausfälle bei den Einnahmen der Arbeitslosenversicherung auszugleichen. Einfach hergehen und erklären: Du, Arbeitslosenversicherung, sieh zu, wie du zurecht kommst und hast du kein Geld, dann kürze eben die Unterstützungssätze; ich wasche meine Hände in Unschuld, mich geht dein Defizit nichts mehr an— so etwas würde an Frivolität grenzen. Eine Regierung, die sich etwoas Derartiges leisten wollte, ware wirklich von allen guten Geistern verlassen. Wir warnen aufs eindringlichste Was da manche Leute vorhaben, ist heller Wahnsinn. Man stelle sich vor: Der Arbeitsmarkt belebt sich nicht, die Kurzarbeit nimmt zu, der Lohnabbau geht weiter, die allgemeine Not in den Arbeiterfamilien steigt— und da will man dann sozusagen von „ionat zu Monat, d. h. je schlechter die Finanzlage der Reichsanstalt gegen den Winter zu wird, die Arbeitslosenunterstützung abbauen? Wie solche Pläne an verantwortlichen Stellen ernst genommen werden können, ist uns unbegreiflich. Da haben nun vor nicht allzu langer Zeit selbst verschiedene Mitglieder der Regierung mit großen Worten auf die Großtat hingewiesen, die das Durchhalten des Arbeitslosenschutzes während des letzten Winters bedeutete, und auf einmal soll Vambanque gespielt werden? Die Arbeiter und Angestellten müssen gegenüber diesem neuen Anschlag auf den Arbeitslosenschutz wie ein Mann zusammenstehen und eine geschlossene Front des Widerstandes aufrichten. Arbeiter und Angestellte seid einigt! Der Arbeitslosenschutz ist bedroht. Nur durch Geschlossenheit, Disziplin und Zusammenhalt unter der Führung der Gewerkschaften, kann der Anschlag abgewehrt werden Gegenforderungen der Metallarbeiter in Nordwest Die Metallarbeiterverbände haben am Donnerstag in Essen in gemeinsamer Sitzung ihre Gegenforderungen für die Aenderung des Rahmentarifs der Gruppe Nordwest formuliert. Sie verlangen, daß wieder die Bezirksleitungen der Verbände als Tarifkontrahent auftreten und nicht— wie seit dem Oeynhausener Schiedsspruch— die Vorstände, ferner: bei der Festsetzung der Arbeitsverhältnisse Heranziehung der Vertretungen aller in der Metallindustrie beschäftigten Berufsgruppen und Anerkennung der Tarife der Berufsgruppen, die in Werken der Nordwestgruppe beschäftigt sind. Die wichtigste Forderung der Gewerkschaften lautet: alle Regelung über Löhne, Akkord und Prämien werden aus dem Rahmentarifvertrag herausgenommen; bis zum Ablauf des Lohntarifs bleiben die bisherigen Bestimmungen noch in Kraft. Bei Ablehnung dieses Verlangens durch die Arbeitgeber, werden dem Schlichter dazu noch ins einzelne gehende Forderungen überreicht. In der Urlaubsfrage wird verlangt, daß für jeden Urlaubstag der volle Tagesverdienst der betreffenden Berufs=, Werksund Altersgruppe bezahlt wird. Kurzarbeit und Feierschichten bleiben dabei unberücksichtigt. Den Lehrlingen sollen die Pflichtstunden der Fortbildungsschule bezahlt werden. Bei Arbeitsstreckung oder Uebergang zu anderer Arbeitsweise soll der alte Lohn noch 8 Tage weiter bestehen. Der Deutsche Metallarbeiterverband wird am Sonntag auf einer Kundgebung in Essen zu der Kündigung des Rahmentarises und zur Lage Stellung nehmen. Nachklänge zum 77. Westfälischen Provinziallandtag ein Stück aus einem Tollhaus Die Sicherung der Existenz der Arbeitslosen, d. h. die Regelung der Unterstützungssätze ist nicht Sache der Reichsanstalt, sondern Sache der Gesetzgebung. Die Reichsanstalt ist kein Gesetzgeber. Sie hat nur Verwaltungsaufgaben im Rahmen der Gesetzgebung zu erledigen, sonst nichts. Nicht die Reichsanstalt hat über das Schicksal der Arbeitslosen zu befinden, sondern die Volksvertretung, d. h Reichstag und Reichsregierung. Sie sind verantwortlich. Sie haben dafür gerade zu stehen, was aus dem Arbeitslosenschutz wird, nicht der Vorstand der Reichsanstalt. Das Reich hat nach wie vor die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Aufrechterhaltung der Arbeitslosenunter Der Forstetat vor dem Landtag Berlin, 30. April.(Eig. Drahtmeldung.) Der Preußische Landtag setzte heute auf Antag der Rechtsparteien einen Untersuchungsausschuß von 21 Mitgliedern zur Prüfung der Verwirtschaftüng öffentlicher Gelder im Wohnungsbau ein. In der hierauf fortgesetzten zweiten Lesung des Forstetats protestiert Abgeordneter Bruhn(Kom.) gegen die angebliche Rußlandhetze in der Frage des russischen Volz=Dumvings. Abgeordneter Kraft(Soz.) etwiderte: Die Rede Bruhns ei weniger auf den preußischen Frostetat als vielmehr auf die russische Forstwirtschaft abgestellt gewesen. Der sozialdemokratische Redner führt weiter aus, daß die Zulassung zu den Forsthochschulen mehr nach den Ge sichtspunkten Eignung erfolgen sollte. Diese scheint aber bei den hakenkreuzgeschmückten Jünglingen, die die Akademien besuchen, größtenteils nicht vorhanden zu sein. Die Erhöhung der Dienstaufwandsentschädigung für Oberförster, die im Etat einen Betrag von 95000 Mark ausmacht, versteht angesichts der Wirtschaftslage und des allgemeinen Gehaltsabbaues niemand. Wir wünschen erhöhte Einnahmen aus den Jagden, aber weniger durch Vermehrung der verpachteten Jagden als vielmehr durch Verminderung des Wildbestandes, der inzwischen zu einer Gefahr für die Wald= und Forstwirtschaft geworden ist. Man will zwar die Wildgebege der Volksernährung dienstbar machen. Das kann aber erst erreicht werden, wenn man dafür sorgt, daß durch annehmbare Preise auch der einfachste Mann in die Lage kommt, sich ein Stück Wildbret zu leisten. Jedenfalls wollen wir mit unseren Anträgen die Ausgaben senken, die Einnahmen erhöhen und vor allen Dingen Arbeitsmöglichkeiten schaffen.(Beifall der Sozialdemokraten.) Die Abstimmungen üver den Forstetat werden auf den 5. Mai zurückgestellt. In zweiter Beratung wird dann der Gesetzentwurf auf Herabsetzung der Diäten der Landtagsabgeordneten angenommen, nachdem Abg. Steinert(Soz.) darauf hingewiesen hat, daß die in dem Gesetz vorgesehenen Diatkürzungen bereits seit dem I. November 30 freiwillig durchgeführt werden. Nach Erledigung einiger Anträge auf Strafverfolgung von Abgeordneten vertagt sich der Landtag dann auf Montag, den 4. Mai. veröffentlicht die„Rheinisch=Westfälische Zeitung". Hohes Lob wird der„regen, fruchtbringenden Mitarbeit der deutschgesinnten Parteien, vom Ev. Volksdienst bis zu den Nationalsozialisten“, gesungen. Besondere Anerkennung wird den Herren Büsch(volksparteilichdeutschn. Vereinigung), Schmidt(Evang. Volksbund) und Stürtz(Nazi) ausgesprochen, weil sie mit„einer Leidenschaft sondergleichen“ gegen die Wahl des„von der SPD. präsentierten roten Parteibuch=Beamten“ zum Landesrat bei der Landesversicherungsanstalt kämpften. Schmidt bekommt noch ein Ertralob, weil er dem Zentrum ins Stammbuch schrieb,„daß es unverantwortlich sei, durch Besetzung dieses verantwortungsvollen Postens mit einem Atheisten die Gottlosenbewegung zu stärken.“ Die Debatte über diese Stellenbesetzung wird als der„Höhepunkt der Landtagssession" bezeichnet. Wir sind nicht der Auffassung, daß die Debatte um die Besetzung dieser Landesratsstellung Höhepunkt der sachlichen Verhandlungen war. Einen Höhepunkt stellten sie allerdings auch nach unserer Auffassung dar— und zwar an Heuchelei und Demagogie. zi der Vorkriegszeit waren bei wesentlich geringerem Geschäftskreis 7 Landesräte in der Landesversicherungsanstalt. Jetzt bestehen nur noch 5 Stellen, von denen eine in nächster Zeit frei wird, weil der jetzige Stelleninhaber(Genosse Hermann Schneider) infolge seines Alters pensioniert werden muß. Die sozialdemokratische Fraktion brachte den Genossen Haverkamp=Bochum in Vorschlag. Genosse Haverkamp war früher Parteisekretär, von 1920 bis zur letzten großen Eingemeindung war er Beigeordneter im Amt Linden=Dahlhausen. Kraft seiner Persönlichkeit und seines Könnens steht er in hoher Achtung, auch beim anstandigen politischen Gegner. Im Provinziallandtag hatte er das wichtige Amt des Haushaltsausschuß=Vorsitzenden inne. Allgemein war das Urteil, daß er seine Aufgabe mit großer Sachlichkeit und Sachkenntnis und nicht minder großem Geschick erledigte. Weil berechtigte Einwände gegen die sachliche Befähigung des Genossen H. nicht gemacht werden konnten, wurde das Sparsamkeits=Motiv vorgeschoben. Einsparung der Stelle wurde beantragt, obwohl von der Verwaltung(und zwar von leitenden Beamten, die politisch der Rechten näher stehen, wie der Sozialdemokratie) die Notwendigkeit der Stelle nachdrücklichst betont wurde. Ernst gemeint war dieser Einsparungsantrag nicht; er wurde nur gestellt, um die Wahl eines Sozialdemokraten zu vereiteln. Als diese unehrliche Politik vom Redner der sozialdemokratischen Fraktion in einer an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassenden Weise gegeißelt wurde, da taten Pastor Schmidt und seine Freunde arg entrüstet. Sie wurden aber dann entlarvt von ihrem eigenen Bundesgenossen Nazi=Stürtz, der mit der Feststellung herausplatzte: Die Wahl Haverkamps werde bekampft, weil er Sozialdemokrat sei; außerdem stehe ihm als ehemaligem Arbeiter nicht der Aufstieg in eine leitende Beamtenstellung zu. Mit sachlichen Argumenten konnte der sozialdemokratische Vorschlag nicht bekämpft werden— also versuchte man es mit verkrampften. Haverkamp hatte als Vorsitzender des Haushaltsausschusses eine gegen katholische Geistliche gerichtete taktlose Bemerkung eines Kommunisten ungerügt gelassen, weil sie sich auf keines der Mitglieder des Ausschusses bezog. Dieser Vorfall wurde nun auszubeuten versucht, um das Zentrum gegen Haverkamp einzustellen. Haverkamp durchkreuzte den Schachzug der Rechten durch eine sachliche Erklärung. Damit war's also auch nichts. Nun mußte der Atheist dran halten. Haverkamp gehört nicht mehr der Kirche an— seine Wahl bedeute Stärkung der Gottlosen=Bewegung. Herr Schmidt war der„Entlarver“. Der erwartete Efsekt blieb jedoch aus— das Zentrum wählte HaverHerr Schmidt, der längst nicht so klug wie laut redet, konnte nicht verbergen, daß ihm religiose Argumente nicht zu schade für eine unehrliche Politik sind. Wollte man auf Niveau seiner Rede herabsteigen, dann wäre angezeigt gewesen, daran zu erinnern, daß Herr Schmidt auch schon andere Werturteile über seine konsessionelle Konkurrenz, Zentrum und Katholizismus, gefällt hat. Wir wollen es bei dieser Andeutung belassen und nur noch feststellen: Mag Herr Schmidt den Genossen Haverkamp als Gottlosen brandmarken, er beweist damit nur, daß die Feststellung bezüglich der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer kirchlichen Gemeinschaft nichts besagt für die sachlichen und sittlichen Qualitäten eines Menschen. Genosse Haverkamp steht wahrlich Herrn Schmidt gegenüber in dieser Beziehung nicht im Schatten. Die„Ehrlichkeit“ des rechtsparteilichen Sparwillens wurde auch noch in anderer Beziehung beleuchtet: Den Landesratsposten wollte man einsparen, obwohl bei erweitertem Geschäftskreis gegen die Vorkriegszeit bereits eine Verringerung von sieben auf fünf Stellen durchgeführt war. Dagegen wurde ein Streichungsantrag nicht gestellt, als beim Haupthaushalt zwei neue leitende Stellen angefordert wurden als Beförderungsstellen für Landesassessoren. Weshalb nicht?! Weil eine dieser Stellen nach dem Vorschlag der Rechtsparteien besetzt werden soll. Der betreffende Herr wird durch diese Beförderung anderen bei der Landesverwaltung beschäftigten Assessoren vorgezogen. Nicht seine Befähigung ist ausschlaggebend für diese Beförderung, sondern seine Zugehörigkeit zu einer der Rechtsparteien und zur evangelischen Konfession. Dieser Feststellung gegenüber versagte die Zungenfertigkeit der Herren Schmidt, Biisch und Stürtz. Nur ein verlegenes Lächeln kam über ihre Lippen. Wir zweifeln nicht, daß diese Herrschaften auch künftig offenkundigste„Futterkrippen“politik als sachlich einwandfrei finden, wenn ihre politische Gruppe der Nutznießer ist. Dagegen werden sie regelmäßig Sparmöglichkeiten entdecken, wenn Stellenbesetzung durch einen Sozialdemokraten in Frage kommt und regelmäßig werden sie in einem solchen Falle, auch wenn der Gewählte sachlich alle Voraussetzungen erfüllt, zu dem Ergebnis kommen, daß das Parteibuch allein und nicht auch sachliche Eignung ausschlaggebend war. Offenbar muß man„christliche" Qualitäten im Maße der Herren Schmidt, Bilsch und Stürtz aufweisen, um eine solche Stellungnahme als ehrlich und anständig erkennen zu können. Uns„Gottlosen“ geht diese Fähigkeit ab— wir sind froh darüber. Wieder 1000 Mark Geldstrafe für Hoebbels Berlin, 1. Mai. Der Berliner nationalsozialistische Fuhrer Dr. Goebbels ist heute wieder einmal wegen öffentlicher Beleidigung zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Vor Beginn der Sitzung hatte er eine Erklärung abgegeben, daß er in Anbetracht der in der letzten Zeit von der Staatsanwaltschaft gegen ihn beantragten und von den Gerichten erkannten Strafen in Vertrauen mehr zu irgend einem preußischen Gericht habe, „so daß er heute wie in Zukunft jede Erklärung vor dem Gericht ablehne“. Einreiseverbot für Goebbels in Cesterreich Wien. 30. April.(Eig. Drahtbericht.) Dem Berliner Nazi„uh er„Goevbels, der am Donnerstag in Wien in einer ossentlichen Versammlung reden sollte, wurde durch die öster wart Sür denn arsch schon im Kaufhaus Friedrich Jortzik. Unsere sabelhaften Saison-Eröflnungs-Angebote haben bei allen unseren Kunden Beitall gefunden. Es ist ober auch wirklich schön und gediegen. was wir an neuen Moden für Damen. Herren und Kinderkleidung bereitgestellt haben: alle Wünsche finden durch unsere große Auswuhl ihre Erfüllung So leicht kauft es sich bei uns auf Teilzahlung. 1] Anzahlung. Rest in 6 Monats15 resp. 24 Wochenralen, bei Einkäufen über RM 200.— 10 Monatsraten. Staats- und Kommunalbeamten, sowie alle Kunden onne Anzahlung—— und alle Fragen der Anschalfung sind erledigt! Mimmmmimmmimmmmmummmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Flotter Anzug aus Kammgern. ouch Streifen Elegant. Kie-d aus Seidenmaroc ganz echwere Qualiiät Nerren-Anzüge Sporllorm, moderne Donegalstolte auf Alpoke geldten Herren-Anzüge aus prima Hammgorn, moderne grau und schwarz gestreilte Muster Herren-Ulster aus modernen Stollen, weiterfest. unerreicht billig Stipon aus elegantem Donegal, grau und be ge gemustert Burschen-Anzüge In allen Stotforten. moderner Schnitt. Beste Zutaien ab Damen-Mäntel englischortige Stol e. Form, elegont eilzend Damen Mäntel aus elegont. Wol-Georgette. gelütter. mit Sellenvolanis Frauen-Mäntel aus prima Kammgern. Hüllen extro we 1 bis 130 cm lana Damen-Kleider aus modernen Tweedstollen. In Wolle und Seide Cröne Maroc ’Seide, weichtließende, elegante Qua lidl, gemustert Crêpe de Chine reine Seide. In vielen Farben, beste leiderware Crêpe de Chine reine Seide, elegante. moderne Nuster. Gelegenherisposten Woll ous eilne 80 cm breit, neueste Muster, indanihren arbig. reine Wolie ab moderns ganz S Mk 48.50 S Mk. 28.50 Miiminmmmm 3650 650 750 5930 650 650 3850 850 1988 705 85 185 * Gelsenkirchen Alter Markt 8 riedrich Wattenscheid, August-Bebel-Platz 3 * CAPITOL Bahnhofstr. 53 neben Alsberg WE Ferner zeigen zur eine Besonderheit. den Polizeifilm Dienst am Volk! Im Rahmen einer pockenden Spielhandlung rollen mieresaanie und spannende Bilder über d.e Ausbildung und Dieneileistung unserer Pollzel zum Wohle und zum Schutz der Bürgerecho! ab. Außerdem Lustiger Tonkurzfilm Lehrfilm und die immer interssante UFA-Wochenschau. Ein aufwühlendes Drama vom Er wachen der Liebe, von falscher Moral und Ehrbegriffen! Im Anschluß an die aufsehener regende Premiere in Berlin bringen wir ab Freitag den heißumstrittenen Sprech- und Fontllm der Gegenwart dessen Thema gegenwärtig hochaktuell ist und alle Schichten des Volkes beschäftigt. S 218 darme Kleine Eva) Beginn 3. 5½. und 7¾ Uhr. Volkstümliche Eintrittspreise. Nach dem weltberühmten Roman von Dr. Paul Langenscheidt mit Grete Mosheim Weilere Darsteller: Ed. v. Winterslein- Harry Hardi Lotte Spira- Hilde Hildebranot Bernhard Goetzke u. a. m. Dies. Fllm behandelt das hochaktuelle Themo des § 218 des Stratgesetzbuches: Eine Schwangere, weiche ihre rucht vorsdizlich abrreibi oder Im Mutterleibe 1ö1et, wird mit Zuchthaus bis zu 5 jahren bestralt. Sind mildernde Umstände vorhanden, so trill Geldngniestrae nicht unter 6 Monaten ein. Dieselben Stra vorechettten tinden auf denienigen An wendung, weicher mit Einwilligung der Schwan geren die Mittel zu der Abtreibung od Tötung bei ihr anwendet oder ihr beigebrocht hat. Dr. Wolf äußert sich hierzu 8000 Fianen versiobes jährlich gegen Feses besetr. trotrdem sie wissen, daß tie sic stratbat machen“. Ein Film für reite Menschen Für Jugendliche streng verboten erzu in Erstaufführung: Schnellfeuer der Liebe Ein sponnender Gesellschattslilm In 7 Akten Kurztootilm- Wochenschau- Kolturtilm Trot enormer Mehrkosten kleine Lintrittspreis Frverbelose haben Vergünstigung Intang Wochentags 21 Uhr. Leizte Vorstellung 8 Uhr Senstags 3n 2 Uhr. TrauRinge I. glosie Auswahl sien vorratg Sdumer& Cie., Gelsenkirche Reparaturen an Uhren und Goldvorverden gut und billig cusgeführt Gelsenkirchen Bahnhofstr. 14 Ab heute zeigen wir einen sprech-rontilm von bisher nicht gehörter Klarheit 3TageLiebe mu Häthe Dorsch. Hans Albers. Trude Berliner. Regie: Heinz Hilpert. Ein Füimeptel des Alllags aus dem Leben eineschlichten Hausmddchens und eines lebens etrotzenden Möbe pockers Zur Einführung meiner echten Solinger Edelstahlklingen Umläusehassierklingen Jede alle Rosterklinge wird gegen ein ue Hans-Siem-Hlinge bei 7 ranlung von S Pig. eingetquecht Abt. Solinger Stahlworen Hoh schleilerei Ruhotstr. 183 Hans Stem Wein Geschäftsprinzip „Immer Qualitäten“ „Immer billige Preise“ hat sich erfolgreich durchgesetzt. Den ständig wachsenden Erfolg verdanke ich das Vertrauen Tausender zufriedener Kunden. Ich werbe weiter! Heute beginnt der große Sonder-Verkauf! Zugabe lebender Goldfische mit Gefäß beim Einkauf von 2.00 Mark 3 Tage Liebe. 3 Tage Glück. 3 Toge Sellgkeit, und dann... ein bitteres Ende