O R GAN FUR DAS ARBEITENDE VOLK MITTEILUNGSBLATT DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN UND DER ARBEITER-SPORTVEREINE Bezugspreis: Durch Boten haldmonatlich 1.20 RM., durch die Post monatlich 2.40 RM., Bestellgeld extra z. veraus zahlbgr. Erscheint jeden Werktag vormittags. Preis der Einzelnummer 10 Rpf. Bankkonte: Anzeigenpreis im Verbreitungsgebiet 8 Rpf., außerhalb 12 Rpf., für 1 mm Raumhöhe bei 27 mm Breite. Reklamen 1 mm Raumhöhe bei 90 mm Breite 50 Rpf. Vertäz und Schriftleitung; Helseatirchen, Ringstraße L5. Feranf Scnntlummer 28341 1 sek Kabalt Kleine Anzeigen 5 Rpf. Inseratenannahme bis und Konkursen erlisch: ichtsstand ist Gelsenkirchen Im Lohnkampt Die Abwehraktion der Metalkarbeiter Die deutsche Arbeiterbewegung steht im Abwehrkampf gegen Angriffe der Kapitalistenklasse, wie sie seit der Revolution nicht zu verzeichnen waren. Schwerindustrie und Großgrundbesitz haben die gegenwärtige Reichsregierung, die der Zentrumsmann Brüning führen darf, zu ihrem willfährigem Werkzeug gemacht. Der volksparteiliche Finanzminister Moldenbauer. der den Wünschen der Großkapitalisten in seinen Deckungsplänen wahrlich weit genug entgegengekommen ist, wollte auf seinem Posten bleiben, Brüning und Hindenburg wollten ihn halten— er mußte gehen, weil das die Schwerindustriellen so wollten! Die Schwerindustriellen und die Bergbauindustriellen, eng miteinander liiert, seit Menschengedenken bekannt wegen ihrer sozialreaktionären Gesinnung, haben vor dem Kriege, wo sie auch nur konnten, jedes Verhandeln mit den Gewerkschaften abgelehnt. Jetzt, durch stärkere Organisationen und durch die Einrichtung der Schlichtungsinstanzen zum Verhandeln gezwungen, benützen sie die gegenwärtige Situation zu neuen Vorstößen gegen den kollektiven Arbeitsvertrag. „Herr im Haus sein!“ das war das Hauptprinzip der Ruhrindustriellen vor dem Krieg.„Wieder Herr im Haus sein!“ das ist, kurz zusammengefaßt, der Sinn aller Aktionen, die vom Unternehmertum der Metallindustrie in Nordwest heute inszeniert werden. Aber in der Frage des Lohnabbaues von 7½ Prozent, den der aus den Christlichen Gewerkschaften hervorgegangene Arbeitsminister Stegerwald durch seine Verbindlichkeitserklärung von oben herab zu verfügen gedachte, stößt das Unternehmertum auf den geschlossenen Widerstand des starken Metallarbeiterverbandes. Das hat die große Bezirkskundgebung, die der Deutsche Metallarbeiterverband am Sonntag nach dem Städtischen Saalbau in Essen einberufen hatte, gezeigt. Und das wird die Abwehr der Akkordarbeiter in den Betrieben weiter zeigen. Reichelt vom Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes, der in Essen sprach, hatte durchaus Recht, wenn er mit Nachdruck auf die Erklärung des Arbeitsministers Stegerwald hinwies, daß der Kampf um die Beiträge der beitslosenversicherung, die neuen Steuern und die Verbindlichkeitserklärung für Nordwest im Grund eine einzige Aktion seien. Eine einzige Aktion zu einem ganz bestimmten arbeiterfeindlichen Es ist die Aktion des Bürgerblocks, bewußt eingeleitet und durchgeführt im industriepolitischen Interesse, wie es die Großindustriellen im Ruhrgebiet verstehen, und wie es die Industriellen in den übrigen Teilen des Reiches vertrauensselig nachbeten. Lohnsenkung heißt zugleich auch Kauf.raft= senkung, und darin liegt der ganze volkswirtschaftliche Unsinn der Unternehmertheorie, an die ihre Väter selbst am allerwenigsten glauben. Für sie ist Lohnsenkung Mittel zum Zweck der Kapitalbildung im Betrieb, großkapitalistische Dividendenpolitik, die man durch Phrasen wie Ankurbelung der Ind:, ie, Hebung der Volkswirtschaft und andere billige Redensarten schmackhaft zu machen sucht. Aber mit verständnisvoller Industriepolitik hat das Ganze nichts zu tun. Man meint, wenn die deutsche Arbeiterschaft, zermürbt durch die Zerstörung der Arbeitslosenversicherung und die Lohnreduzierungen, die die schwerindustrielle Gruppe der Deutschen Volkspartei am liebsten in Form von Regierungsdekreten durchsetzen möchte, gezwungen werden könnte, zu Hungerlöhnen zu arbeiten, eine neue Hochkonjunktur für die deutsche Industrie auf dem Weltmarkt herbeiführen zu können. Ungeachtet aller wirtschaftlichen Tatsachen denken die Herren von der Großindustrie durch ein neues deutsches Dumping die Konkurrenz des Auslandes schlagen zu können. Weit gesehlt! Was vor Jahrzehnten für eine gewisse Zeit möglich war, ist heute ausgeschlossen. Die gewaltigen Produktivkräfte, die in den letzten Jahren überall in der Welt geweckt worden sind, sind so stark, daß die deutsche Ware nur durch Qualität, nicht durch Billigkeit allein, sich gegen die Konkurrenz des Auslandes durchsetzen kann; ganz abgesehen davon, daß ein neues Die Wahlen in Sachsen Gewinn der Nationalsozialisten auf Kosten der Rechtsparteien Die Wahlen in Sachsen haben den Nationalsozialisten#wachs auf Kosten der Deutschnationalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei gebracht. Die Sozialdemokratische Partei hat sich im wesentlichen gehalten. Sie gibt ein Mandat an die Kommunisten ab. Die Volksnationalen und der christlich=soziale Volksdienst haben einen Erfolg zu verzeichnen. Jede von diesen Parteien hat zwei Mandate bekommen. Im einzelnen stellt sich die Mandatsverteilung folgendermaßen: Altsozialisten 0 Mandate; bisher 2 Volksnationale Reichsv. 2„„ 0 Kommunistische Opposition 0„„ 0 Christlichsoziale 2„„ 0 Das Stimmenverhältnis sieht folgendermaßen aus: Körsing in Bockum Massenkundgebung des Reichsbauners— Störungsversuche der Nlationalsosialisten In einer Massenkundgebung der Bochumer Reichsbannerorganisation sprach der Bundesführer des Reichsbanners „Schwarz=Rot=Gold“, Oberpräsident z. D. Hörsing=Magdeburg, vor etwa 3000 Personen, die nur zur Hälfte Einlaß in den sich als zu klein erweisenden Saal des Schützenhofes fanden — die Rede Hörsings wurde durch Lautsprecher auch den vor den Zugängen zum Saal befindlichen Personen übermittelt—, über das Thema:„Das wahre Gesicht der Feinde der deutschen Republik“. Bei der feierlichen Einholung des Bundesführers Hörsing durch Abteilungen des Bochumer Reichsbanners war es am Bochumer Hauptbahnhof zu wüsten Tumultszenen gekommen, da starke Trupps von Nationalsozialisten den Empfang des Reichsbannerführers zu stören versucht hatten. Hörsing wurde durch laute Zurufe wie„Bluthund“,„Arbeiterschlächter“ usw. geschmäht. Es bedurfte eines außerordentlichen Einsatzes von Polizeikräften, um die Ruhe wieder herzustellen. Es wurden mehrere Festnahmen von Demonstranten vorgenommen. Etwaigen Störungsversuchen der Versammlung war durch besonders starken polizeilichen Schutz vorgebeugt worden. Der Leiter der Pressestelle des Bergarbeiterverbandes, Hesse, eröffnete die Kundgebung mit einem Gruß an Bundesführer Hörsing und geißelte in seiner Ansprache besonders das Verhalten der Nationalsozialisten, deren Gauführer Wagner= Bochum, M. d. R., sich bei den Provokationen gegenüber dem Reichsbanner besonders hervorgetan habe. Oeeepräsident Rörsing führte aus, daß heute, 12 Jahre nach dem großen Kriege, das Antlitz der Welt grauenhafter entstellt sei denn je zuvor. In allen Staaten der Erde wachse die Unzufriedenheit. In Deutschland wachse die Arbeitslosigkeit von Tag zu Tag, die Zerrüttung der Finanzen setze sich fort. Das Reichsbanner„Schwarz=RotGold“, bestehe heute 6 Jahre. In dieser Zeit intensivsten Kampfes gegen Mißstände aller Art seien große Erfolge erzielt worden. Es habe sich eine Scheidung der Geister für und gegen den heutigen Staat ermöglichen lassen. Bezüglich der Einstellung zur republikanischen Staatsform zerfalle das deutsche Volk in zwei Heerlager. Die Mehrheit der Republikaner sei ziffernmäßig nur gering. Aber den Gegnern der Republik fehle die Einigkeit untereinander. Es sei wohl zu unterscheiden zwischen Gegnern und Feinden der Republik. Zu den Gegnern müsse man die Deutsche Volkspartei und die Wirtschafts. partei zählen. Habe die Deutsche Volkspartei nie gewußt, was sie eigentlich wolle, so beschränke sich das Streben der Wirtschaftspartei darauf, möglichst hohe Mieten zu erzielen. Gefährlich seien die eigentlichen Feinde der Republik, die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten und die Kommunisten. deutsches Dumping auf den Widerstand auler Kulturländer stoßen und zu neuen weltpolitischen Konflikten führen würde. Diese Gedankengänge, die Reichelt mit Eindringlichkeit, belegt durch reiches Zahlenmaterial vor der Versammlung entwickelt, zeigen nur zu deutlich, wohin die Reise geht, wenn die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Arbeiterschaft nicht alle Kraft daran setzen, dem großkapitalistischen Treiben Einhalt zu gebieten und riefen eine Stimmung von seltener Geschlossenheit in der Versammlung hervor. Jeder begriff: hier ist Abwehr nötig! Und als dann der Bezirksleiter Wolff=Essen noch in kurzen, packenden Worten die Lage im Bezirk gekennzeichnet hatte, da stand, wie auch nach Reichelts Ausführungen, die ganze Versammlung geschlossen hinter ihm. Da war kein Raum für abwegige Betrachtungen und Resolutionen, wie die sogenannte„revolutionäre Opposition“ sie anzustellen beliebte, da war nur der Wille zur kraftvollen, geschlossenen Abwehraktion, wie sie der Ernst der Stunde gebietet. 1500 zu 6! Ganze 6 Stimmen für die„revolutionäre“ Entschließung! Die ganze Konferenz und mit ihr die ganze Mitgliedschaft des Deutschen Metallarbeiterverbandes hinter der Führung der Organisation! Und jetzt an die Arbeit in den Betrieben! Die Losung des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist: Weist die Akkordverschlechterung zurück! Der Deutsche Metallarbeiterverband steht hinter euch! Reichelt vom Hauptvorstand hat das mit aller Klarheit gesagt und der Deutsche Metallarbeiterverband wird Wort halten. Die Metallarbeiter des rheinisch=westfälischen Industriegebietes, die diesen Abwehrkampf führen, haben jetzt die große Aufgabe, den ersten Vorstoß der Unternehmer auf die Heraosetzung der Akkordlohne abzuschlagen. Sie werden sich der Hoffnungen und Erwartungen, die die ganze deutsche Arbeiterbewegung in sie setzt, würdig erweisen! (Entschließung auf der zweiten Seite.) Die Deutschnationale Volkspartei habe unbestreitbar als konservative Partei(Partei von Bildung und Besitz) eine große Vergangenheit. Heute sei sie als Deutschnationale Partei einem Bankerotteur gleich, der eine gescheiterte Firma unter neuem Namer wieder aufziehe. Den Besitz habe die Deutschnationale Volkspartei wohl zu 100 Prozent behalten, Bildung suche man in ihren Reihen vergeblich. Erst diese Partei habe in das politische Leben der Gegenwart den sogenannten„Sauherdentor“ hineingebracht. Der schlimmste Fehler, den die Republik seit ihrem Bestehen gemacht habe, sei ihre Milde gegen ihre Feinde gewesen. Dem Kapp=Putsch folgte der Hitler=Putsch, folgte eine grauenhafte Zeit antisemitischer Hetze und politischer Morde. 75 Prozent aller politischen Morde seien auf das Konto der Rechtsparteien zu setzen, der Rest entfalle auf die Kommunistische Partei. Als der Hitler=Putsch zusammengebrochen sei, weil seine Führer unter sich keine Einigkeit erzielen konnten, hätten die Verantwortlichen die Konsequenzen ziehen müssen. Daß solche Vorgänge sich wiederholen konnten, sei eines Volkes unwürdig. Die Schuld liege bei den Deutschnationalen. Der neue Führer dieser Partei, Hugenberg, der 500 Zeitungen kontrolliere, habe vor einiger Zeit seinen bekannten Brief an einige prominente Amerikaner gerichtet. Dieses Vorgehen könne man nur als Landesverrat bezeichnen und es sei verwunderlich, daß die Reichsregierung gezögert habe, Hugenberg hinter Schloß und Riegel zu setzen. Allerdings sei Hugenberg persönlich nicht ernn zu nehmen. Der Rückgang der Partei unter seiner Leitung sei augenscheinlich. Zugute komme diese Entwicklung lediglich der nationalsozialistischen Partei. Es sei beklagenswert und tief bedauerlich, wie irregeleitete Jugend sich von den Schlagworten dieser Partei einfangen lasse. Das Programm der nationalsozialistischen Partei sei zu 30 Prozent von der sozialdemokratischen Partei gestohlen, so beispielsweise viele in ihm enthaltenen ökonomischen Sätze, zu 25 Prozent von den Kommunisten. Von Ludendorff habe die Partei den Antisemitismus und den Kampf gegen die Freimaurerei übernommen. Finanziert werde die Führung der Nationalsozialisten vom deutschen Fürstenkonzern, von Hugenberg, vom rheinisch=westfälischen Kohlensyndikat ebenso wie vom Braunkohlensyndikat. Auch aus dem Ausland seien nachweislich erhebliche Beträge bezogen worden. Diese Partei, die sich Arbeiterpartei nenne, sei erbärmlich genug, sich von allen Kapitalisten füttern zu lassen. Gemeinheit und Charakterlosigkeit seien das Firmenschild der nationalsozialistischen Partei. Es könne gar keinem Zweifel unterliegen, daß tatsächlich Arbeiter in großer Anzahl in ihren Reihen zu finden seien. Nicht diesen bedauernswerten Verführten gelte der Kampf des Reichsbanners, nicht den Mitläufern, sondern der verbrecherischen Führung, die Schindluder mit der Arbeiterschaft treibe. Wo Bombenwürse, Friedhofsschändungen, Dolche und Revolver als„geistige“ Waffen in Anwendung gebracht würden, da sei es immer die nationalsozialistische Partei, die sich dieser schändlichen Mittel bediene. Nicht jeder Nationalsozialist sei heute ein politischer Verbrecher, gewiß aber sei jeder politische Verbrecher ein Nationalsozialist. Die kommunistische Partei ernte heute, was sie gesät habe. Wo immer sie auftrete, werde sie vom Nationalsozialismus an die Wand gedrückt.„Rot=Front“ oder „Deutschland erwache“, die Schreier seien einander ebenbürtig. Die KPD. schelte die Nazis Lumpen, die Nazis die Kommunisten Schufte. Beides treffe zu. Wie Hitler Hugenberg fressen werde, so werde auch die kommunistische Partei von ihm erledigt werden. Nur das Reichsbanner stehe kämpfend den Nationalsozialisten gegenüber. Viele Opfer an Gut und Blut habe der Kampf vom Reichsbanner gefordert, manchen Kameraden decke der grüne Rasen. 11 Millionen republikanische Männer und Jünglinge gebe es in Deutschland. Wenn auch nur ¾ von ihnen im Reichsbanner organisiert sein würden, so müsse sich der Nationalsozialismus in die äußersten Winkel des Reiches verkriechen. Das Vorbild Severings solle jedem Angehörigen der SPD. eine Mahnung zum Beitritt sein, das Vorbild Höpker=Aschoffs jedem Demokraten, das Wirths den Zentrumsleuten, Husemanns den Gewerkschaftlern. Es müsse in den Reihen der republikanischen Parteien und Verbände endlich Schluß gemacht werden mit jeder Indolenz, sonst gehe es schief. Hinein mit den Führern der politischen Parteien und der Gewerkschaften in das Reichsbanner, hinein mit ihren Funktionären, Angestellten und Beamten. Die Republik stehe und falle mit dem überparteilichen Reichsbanner, das es ablehne, sich mit Parteipolitik zu befassen. Es sei und wolle sein lediglich der Schutz der Republik. Die Entwicklung in Sachsen solle zu denken geben. Soweit dürfe es nicht wieder kommen. Nach einem Schlußwort des Leiters der Versammlung, esse, formierten sich die Versammlungsteilnehmer zum Demoustrationszug durch die Straßen der Stadt. Die Polizei mußte auch dabei wiederholt mit dem Gummiknüppel eingreisen, um Störungsversuche im Keime zu ersticken. Es wurden wiederum eine größere Anzahl von Personen festgenommen. Sckändung der Reichsslagge Bochum, 22. Juni.(Drahtmeldung.) Nach Mitteilung des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen 2 und 3 Uhr die anläßlich der Reichsbanner=Kundgebung, bei der Bundesführer Hörsing= Magdeburg sprach, vom Verbandsgebäude, Rottstraße 27, Deutschen Metallarbeiterverbandes gehißte schwarz=rot=goldene Fahne von unbekannten Tätern verbrannt. Im Morgengrauen sah man nur noch verbrannte Fetzen der Fahne am Fahnenmast hängen. Es dürfte sich um eine aus politischen Motiven resultierende Tat handeln. Die Reichsrekorm Uom Versassungsausschuß der Länderkonferene Amtlich wird mitgeteilt: Der Versassungsausschuß der Länderkonserenz für die Reichsreform schloß am Sonnabend nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning seine Arbeiten über Organisation und Zuständigkeit des Reichs und der Länder ab. Er stimmte zumeist mit großer Mehrheit den Vorschlägen seines Unterausschusses zu. Die Schlußabstimmung selbst erfolgte mit 15 gegen 3 Stimmen bei 2 Enthaltungen. Nach diesen Beschlüssen soll das Nebeneinander von Reichs= und preußischer Zentralgewalt beseitigt werden. Es sollen leistungsfähige Verwaltungskörper zwischen dem Reich und den unteren Behörden in der Gestalt neu zu gliedernden Ländern geschaffen werden. Wenn es auch nicht gekingen konnte, diesen Ländern ein völlig einheitDie Entschließung die auf der Bezirkskundgebung der Metallarbeiter angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: Die von zirka 1500 Betriebsräten und Funktionären des DMV. besuchte Konserenz des Tarifgebiets Nordwest protestiert entschieden und feierlichst gegen die Verbindlicherklärung des sozial und wirtschaftlich gleich verderblichen Schiedsspruchs in Oeynhausen. 1. In rechtlicher Beziehung verurteilt die Konferenz die Abfassung des Schiedsspruchs im Namen des DMV. statt des Bezirks Essen als bisherigen Tarifträger. Der DMV. als Zentralgewerkschaft hat weder an den Parteibesprechungen noch an den Verhandlungen der Schlichterkammer teilgenommen. Dem verbindlich erklärten Schiedsspruch fehlen daher schon in rechtlicher Beziehung die ersorderlichen Voraussetzungen. 2. Der Schiedsspruch beseitigt die im Einklang mit der Entwicklung der Tarisvertrage in der Metallindustrie vom Sonderschlichter Severing eingefügte Sicherungsklausel für die Akkordarbeit, die sich in fast gleichem Wortlaut in zirka 80 v. H. der Tarifverträge der Metallindustrie befindet, ohne daß sie von den Metallindustriellen ernstlich angesochten wird. Damit ist der willkürlichen Festsetzung der Akkord= und Prämiensätze Tür und Tor geöffnet. Die Folgen sind stärkere Ausnützung der schon aufs äußerste angespannten Arbeitskräfte in heißen und qualmerfüllten Arbeitsräumen, Zunahme der Betriebsunfälle und der Krankenziffer. 3. Die Beseitigung der Akkordsicherungsklausel ist zugleich ein unzulässiger Eingriff in die innere Struktur der Tarifverträge der Metallindustrie überhaupt. Mit rauher Hand, ohne Kenntnis und Würdigung der lohn= und sozialpolitischen Bedeutung, ist eine Einrichtung der Tarisverträge der Metallindustrie angetastet worden, die nach bisherigen Erfahrungen auch den Arbeiter bis zu einem gewissen Grad am Fortschritt der Technik teilnehmen ließ, zum mindesten die verderblichen Wirkungen der Akkordarbeit abschwächte. Um so bedauerlicher ist es, daß der aus christlichen Gewerkschaftskreisen hervorgegangene Arbeitsminister Siegerwald den Schutz der Schwachen gegenüber dem wirtschaftlich stärkeren und einheitlich organisierten Unternehmertum, zumal in einer Zeit beispielloser wirtschaftlicher Depression preisgegeben hat. 4. Durch die Verbindlichkeit des Schiedsspruches werden die Interessen der im Tarifgebiet Nordwest beschäftigten 200000 Metallarbeiter erheblich geschädigt. Darüber hinaus können auch die Interessen der etwa 800000 Akkordarbeiter der Metallindustrie im übrigen Reich nachteilig beeinflußt werden. Der Reichsarbeitsminister irrt, wenn er annimmt, daß sein Lohnabbaudiktat dem sozialen Frieden dient. Das Gegenteil wird und muß die Folge sein. 5. Die Konferenz empfiehlt den vom Schiedsspruch betroffenen Arbeitern die entschiedenste Ablehnung der neu angesetzten Akkord= und Prämiensätze. Bei den Verhandlungen in den Betrieben und Abteilungen ist alles aufzubieten, um einen Lohnabbau abzuwehren und ihn dort, wo die Arbeiter der christlichen Gewerkschaftsrichtung die Abwehr nicht entschlossen mitmachen sollten, auf das geringste Maß herabzudrücken. Lohnherabsetzungen sind nach Auffassung der Konferenz kein geeignetes Mittel zur Behebung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. 6. Die Konferenz fordert von der Eisenindustrie mit Rücksicht auf die Gestehungskosten durch Rückgang der Rohstosspreise eine stärkere Herabsetzung der Eisenpreise zur Erleichterung des Wettbewerbs der eisenverarbeitenden Industrie auf dem Weltmarkte. Der für die deutsche Eisenwirtschaft immer wichtiger werdende Rohstoff Schrott ist der allgemeinen Bewirtschaftung mit dem Ziel stabiler und mäßiger Preise zu unterstellen. Die Konserenz erneuert die Forderung auf Schaffung eines Eisenwirtschaftsbundes, in dem Erzeuger und Verbraucher in angemessener Weise zur Entwicklung der Eisenwirtschaft auf gemeinwirtschaftlicher Grundlage zusammenzuwirken haben. 7. Den Hüttenarbeitern empfiehlt die Konferenz die Schaffung einer einheitlich und straff gegliederten Organisation im Deutschen Metallarbeiter=Verband. Sie verurteilt aufs schärfste das Einverständnis der Leitung des Christlichen Metallarbeiter=Verbandes mit dem vom Unternehmertum geforderten Lohnabbau. Tememörder-Umgestie? duch das Zentrum dafür „Die Fememörder werden frei.“ So will es der Rechtsausschuß des Deutschen Reichstages, das heißt seine bürgerliche Mehrheit gegen die sozialdemokratische Minderheit. Auch die schändlichsten gemeinen Femeverbrechen sollen mit den bisher verhängten und verbüßten Strafen als gesühnt gelten. So will es das neue Amnestiegesetz, das am Sonnabend in zweiter Beratung im Reichstage verhandelt wurde. Unter alle politischen Straftaten bis zum 1. September 1924 soll ein Strich gemacht werden. Auch die Strafverfolgung etwa neu bekannt werdender Verbrechen aus jener Zeit will man unterbinden. Ausgenommen bleiben von der Amnestie nur solche Taten, die gegen ein Mitglied oder ein früheres Mitglied der Reichsregierung gerichtet waren. Es fallen also nicht unter die Amnestie die Schlächter Erzbergers und Rathenaus. In einer Rede voll tiefer Wirkung griff der Sozialdemokrat Landsberg am Samstag im Reichstag die Mittelparteien an. Er würdigte deren Standpunkt, aus Anlaß der Rheinlandbefreiung und der von den Kriegsgegnern erzwungenen Amnestie für Separatisten usw. auch einen deutschen Straferlaß für Taten zu gewähren, die mit der Besatzungsnot und deren Wirren in irgendwelchem Zusammenhang stehen. Was aber hätten die bestialischen Fememorde im unbesetzten Deutschland mit der Besatzung und mit der Rheinlandbefreiung zu tun? Landsberg verlas Urteilsbegründungen, die dem aufhorchenden Hause zeigten, daß Verbrecher von geradezu viehischer Roheit nun wieder aus die Menschheit losgelassen werden sollen. Die Sozialdemokratie ist nicht für die Todesstrafe gegenüber den Fememördern eingetreten, aber sie kann auch nicht verantworten, daß kaltblütig verübte Morde durch kurze Freiheitsstrafen als gesühnt gelten. Gerade an demselben Morgen, an dem das Zentrum im Reichstage für die Befreiung der Feinemörder eintrat, hat ein Zentrumsminister in Württemberg einen Mörder hinrichten lassen, obwohl der Reichstag die Hinrichtung verhindern wollte. Der Zentrumsabgeordnete Schetter wandte ein, es handele sich in Württemberg um einen Menschen, der um gemeiner Vorteile willen seinen Vater ermordet habe. Richtig, Menschenleben aber bleibt Menschenleben. Wenn man den einen Mörder köpft und ein paar andere in Handlungen weit bestialischere Mörder einsach frei laufen läßt, so hört das Rechtsbewußtsein und die Rechtssicherheit auf. Die Freilassung der Fememörder liches Gepräge zu geben, so ist doch eine Grundlage für eine gleichmäßigere und bessere Gestaltung des Reichs geschaffen. Ueber die gesetzgeberische Inangriffnahme des Reformwerks selbst wird die Reichsregierung nunmehr Beschluß fassen. Justiz im Dienst einer Dorfklique Limburg a. d. L., 22. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Das Schwurgericht in Limburg a. d. Lahn sprach den sozialdemokratischen Stadtverordnetenvorsteher Stippler aus Hadamar von der Anklage des Meineids frei. Die Beweisaufnahme ergab die völlige Unschuld des Angeklagten. Die Anklage beruhte auf einer anonymen Anzeige, nach der Stippler vor sechs Jahren vor dem Amtsgericht Hadamar als Zeuge einen Meineid geleistet haben sollte. Im Verlauf der Untersuchung wurde u. a. festgestellt, daß der Bürgermeister von Hadamar, Dr. Decher, der Besitzer des„Höchster Kreisblattes“, wirkt geradezu wie ein Anreiz zu neuen politischen Mordtaten. Dies umsomehr, wenn man die politische Mordatmosphäre in Deutschland berücksichtigt. Landsberg schloß seine Rede in tiefer Bewegung mit dem Satz:„Uns steht das Ansehen der deutschen Republik zu hoa, als daß wir ihr diesen Schimpf antun möchten“ Die Regierungsparteien hatten sich erst nur auf eine gemeinsame Erklärung beschränken wollen. Nach Landsbergs Rede konnte aber das Zentrum nicht schweigen. Dr. Schetter gab zu, daß sich der Standpunkt des Zentrums gewandelt habe. Er versuchte seine Partei mit dem Bielefelder Abkommen Severings aus dem Jahre 1920 herauszureden, das eine allgemeine Amnestie empfohlen habe. Herr Schetter weiß aber sehr genau, daß damals niemand von Fememorden etwas wußte. Auch war Severings Empfehlung keine Rechtsquelle und kein Gesetz. Unwidersprochen stellte Landsberg gegenüber Schetter fest, daß die Amnestie ein Geschenk des Zentrums an die Treviranusgruppe sei. Eine wertvolle Enthüllung machte Landsberg über die Kommunisten. Herr Pieck von dieser edlen Partei hatte nämlich in fürchterlicher sittlicher Entrüstung gemacht. Er verstummte aber, als Landsberg aufdeckte, daß die Kommunisten mit den Mittel= und den Rechtsparteien verhandel haben, um den Stichtag für die Amnestie hinauszuschieben. Wären die bürgerlichen Parteien auf dieses Betteln der Kommunisten eingegangen, so würden die Kommunisten auch für die Befreiung der„Femebestien“, gestimmt haben. Die bürgerlichen Parteien brauchten aber diesmal die Kommunisten nicht und darum wiesen sie diese winselnden Revolutionäre ab. An der Aussprache beteiligte sich auch der Fürstenanwalt Everling. Wahrscheinlich gehört auch die Verteidigung von Fememördern zu seinem Anwaltsgeschäft. Es ist widerlich, wie dieser Everling seine Firma immer wieder den verehrlichen deutschen Fürsten in Erinnerung bringt, indem er sammert, wie undankbar das deutsche Volk gegen seine Fürsten sei. Hoffentlich erweisen sich diese Fürsten wenigstens Herrn Rechtsanwalt Everling gegenüber dankbar, indem sie ihm durch einige fette Prozesse unter die schwächlichen Arme greisen. So viel hat ja das undankbare Volk den erwerbslosen Fürsten immerhin gelassen, daß sie Herrn Everling für die juristische Wahrnehmung ihrer Interessen anständig honorieren können. Gegen 12 Uhr wurde die Beratung abgeschlossen. Die Abstimmung wird in dieser Woche stattfinden. den ihm befreundeten Staatsanwalt von Limburg auf die zu erwartende anonyme Anzeige bereits zwei Tage, bevor sie einging, aufmerksam gemacht hatte, daß die Anzeige erstattet wurde kurz vor der bevorstehenden Bestätigung Stipplers zum Beigeordneten von Hadamar, die der Bürgermeister Dr. Decher mit allen Mitteln zu verhindern versuchte und Landjäger den Kronzeugen der Staatsanwaltschaft, der in der Voruntersuchung nicht so ausgesagt hatte wie erwartet worden war, entsprechend unterrichtet hatten. Der Verteidiger des Angeklagten Professor Dr. Sinzheimer erklärte in seinem Plädoyer, daß durch den Prozeß ein politischer Gegner mit kriminalistischen Mitteln beseitigt und aus politischen Gründen erledigt werden sollte. Die Eilsertigkeit, um nicht zu sagen Leichtfeitigkeit, mit der sich die Justiz in den Dienst einer Dorsclique zur Vernichtung eines politischen Gegners gestellt hat, wurde in krasser Weise dadurch gekennzeichnet, daß nicht einmal der Eröffnungsbeschluß den gesetzlichen Vorschriften entsprach. Das Gericht mußte erst durch eine in längerer Beratung formulierten Erläuterung die einzelnen gegen den Angeklagten erhobenen Beschuldigungen namhaft machen. Herren-Hüte Roule- u. Flechrand, mod. Form. 3.Oberkemden Perkal, unterfütterte Brust, mit und ohne Kragen...= Oberhemden Popeline und Zefir, aparte Dessins Herren-Haarhüte Flachrand und Roulé Oberhemden Zefir, gute Quallläten** bitte unsere 28 Schaufenster und unsere riesigen Innen-Auslagen! i Baumwollwaren □0 Küchenhandtuch grau Drell, od. 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Eine betagte Witwe, der dieses Haus gehörte, hat es für autes Geld verkauft und ist ausgezogen ohne sich— wenn vir den Ausführungen noch zurückgebliebener Mieter Glauben schenken dürsen— weiter um das Schicksal derer zu kümmern, die— weil sie eben bisher eine andere Wohnung nicht haben finden können, noch in diesem Hause wohnen,„In den öden Fensterböhlen, wohnt das Grauen“— an diese Zeilen müssen wir denken, wenn wir heute den eben bezeichneten Giebel des Hauses betrachten. Der Vorgarten mit allem Grün ist ver schwunden, Fenster und Türen sind ausgehoben worden. Das Haus ist nun recht luftig“ und es scheint sich uns mit diesem Ausheben von Türen und Fenstern eine alles andere als menschenfreundliche Maßnahme zu offenbaren, die nur ergriffen wurde, um den armen Menschen, die eben noch das Haus bewohnen mussen, den Aufenthalt darin gründlichst zu verleiden. Das Haus ist nämlich von einem Benzolkonzern erworben worden. der, obgleich reichlich viel Tankstellen in der Nähe liegen, es sich in den Kopf gesetzt hat, an Stelle dieses Häuschens einen jener Benzoltempel zu errichten, die ja schon seit längerer Zeit im Straßenbild der Großstädte nichts un bekanntes mehr sind. Die Gesellschaft hat natürlich von ihrem Standpunkte aus ein großes Interesse daran, daß mit dem Bau ihrer Tankstelle bald begonnen werde. Es verlautet auch, daß sie bei der Stadt einige tausend Reichsmark hinterlegt habe, um die Wohnrechte der noch in dem Hause vegctierenden Mieter anderwärts sicherzustellen; zunächst aber ist das Schick sal dieser Mieter durchaus ungewiß, und es hat sich noch niemand gefunden, der wirklich bereit wäre, ihnen praktisch und in einer wirklich menschlich einwandfreien Weise zu helfen. Denn, wenn z. B. dem 70 Jahre alten Rentner— er bezieht monatlich 40 RM— Karl Dietrich, der zusammen mit seiner 67jährigen Schwester die eine der beiden Parterrewohnungen bewohnen, zugemutet werden sollte, ins Obdachlosenasyl zu gehen, sich also von seiner Schwester und dem Hausrat mit dem er nun einmal in vielen Jahrzehnten verwachsen ist, zu trennen, so wäre das eine Maßnahme, die nicht nur böchst unmenschlich wäre, sondern die einfach einem Menschen, der seit dem Jahre 1867 Gelsenkirchener Bürger ist, nicht geboten werden dürfte. Weiter wohnt im ersten Stock des Hauses das Ehepaar Lorenz Fahrmann, es handelt sich da um eine Bergmannsfamilie mit vier Kindern, von denen das älteste neun Jahre ist. Fahrmann selbst ist seit etwa zwei Jahren arbeitslos. Weiter sind noch zwei Einzelzimmer vorhanden, in denen zwei ältere Fräulein ein recht bescheidenes Dasein führen. Was soll aus diesen zehn großen und leinen Menschen werden? Selbst dann, wenn sie, vie im Falle Dietrich, im Besitze der roten Karte sind, mit der es ihnen an sich möglich wäre, sich bald eine Wohnung zu beschaffen, hat das für alle diese Familien und Einzelpersonen gar nichts zu bedeuten, denn sie sind eben nicht in der Lage eine Wohnung zu beziehen, für die sie monatlich 50, 60 und mehr Reichsmark Miete bezahlen müßten.— Was also soll geschehen? Die Gewaltmaßnahme des Aushängens der Fenster und Türen ist bereits ergriffen worden. Wird am Ende heute. Montag, bereits die noch brutalere Maßnahme angewandt worden sein, die darin besteht, daß an dem Ge mäuer die Spitzhacke angesetzt und so den armen Opfern gleichsam das Dach über dem Kopfe weggerissen wird? Wenn das Wort Kultur in Deutschland noch überhaupt irgendwie ernst genommen werden soll, so darf etwas derartiges nicht geschehen, nic ever geschehen, als bis diesen indirekten Opfern großkapitalistischer Wünsche ihren bisherigen Verhältnissen entsprechende Wohnungen gegeben worden sind.— Wie— Es stehen so manche Wohnungen in der Stadt leer— darunter auch städtische, die in der heutigen wirtschaftlichen Situation ja doch niemand mietet, weil sie eben viel zu teuer sind. So z. B. in dem Haus Hohenzollernstraße 115 wartet seit mehreren Monaten eine städtische Wohnung von fünf Zimmern aus ihre Mieter Das wäre doch, wenn bei unserer Verwaltung nicht nur nach bürokratischen, sondern auch nach menschlichen Gesichtspunkten gearbeitet werden würde, eine Möglichkeit, wenigstens das Geschwisterpaar und die beiden einzelnen Fräulein vorläufig unterzubringen. Das Wohnungsamt freilich wird in dieser Sache kaum etwas tun können, da Altwohnungen nicht vorbanden sind und wenn sie vorhanden wären, kein privater Hausbesitzer würde gezwungen werden können, sie so billig zu vermicten, daß die Miete von den hier in Frage kommenden Personen bezahlt werden könnte.— Geholfen aber muß werden, denn es darf in unserer Stadt nicht die Kulturschande wahr werden, daß zehn Personen unverschuldet der Obdach losigkeit verfallen. 3—r. Penennung der Poctans’alten in Geltenkirchen Nachdem der Stadtname in„Gelsenkirchen" umgeindert worden ist, erhalten die Postanstalten im gesamten Stadtaebiet folgende Bezeichnungen: Die Sommersonnenwendfeier der SPö. Was vorausgesagt worden war, das traf zur Sommersonnenwendseier dieses Jahres der SPD. Gelsenkirchen=Buer Horst auch tatsächlich ein. Drei stattliche Züge trafen, aus Gelsenkirchen. Buer und Horst kommend, mit ihren roten Fahnen an der Hasenschenke ein, und— ein paar tausend Sitzplatze, sie reichten nicht aus, um all den Männern und Frauen eine Gelegenheit zum Sitzen gewähren zu können. Es wird also, falls, was wohl anzunehmen ist, die Sonnenwendseier im nächsten Jahre wieder auf diesem dafür so geeigneten Gelände begangen werden sollte, von vornherein für bedeutend mehr Sitzplätze gesorgt werden müssen. Die ankommenden Züge grüßte ein zwischen den Säulen am nach dem Wasser zu gekehrten Giebel der Hafenschenke angebrachte Transparent: Sommersonnenwende 1930! Es leuchtete, nachdem es dunkel geworden, zugleich mit den vielen Glüblampen im Garten auf. Es strahlte weit hinüber über den Kanal, auf dem die Kanus der Freien Rudervereinigung ihren Reigen fuhren und auf dessen jenseitigem Ufer Fackelschwinger die abendliche Szenerie belebten, zusammen mit jugendlichen Scharen, die zwischen mächtigen Fackeln ihre Volkstänze und Spiele ausführten. Von diesem jenseitigen User grüßte ebenfalls ein Transparent der Freien Nudervereiniauna, das an den Besuch der Ruderregatta am 22. Juli dieses Jahres gemahnte. Das an hohen Fahnenmasten die rote und die schwarzrotgoldene Fahne im leichten Wind des Sommerabends wehte, der den Tag des Sommeransangs beschloß, sei hier der Vollständigkeit halber festgehalten. Musikstücke, Lieder des Volkschores, lösten einander ab und bildeten eine Vortragsfolge, der auch ein Prolog nicht fehlte.— Im Mittelpunkt stand die Sonnenwendrede der Genossin Wolf(Bocholt). Die Rednerin schilderte das Sonnenwendfest als das Fest der Freude und der Hoffnung, als Fest des Siegs des warmen, lebenspendenden Lichts über starre, kalte Winternacht. Durch Jahrtausende habe sich das Fest der Sonnenwende erhalten bis in unsere Zeit. Wir Sozialisten haben uns das Fest zu eigen gemacht als Symbol unserer Weltanschauung, wie das Sonnenwendfeuer das Dunkel der Nacht erhelle, so wolle der Sozialismus mit der Fackel der Menschenliebe die Völker erhellen, um Menschenrecht, Menschenwürde, Glück und Freibeit in das Zusammenleben der Menschen bineinzutragen. Aus verelendeten Proletariern sind klassenbewußte Kämpfer geworden, Millionen kämpfen in unseren Reihen, Tausende von Jungens und Mädels ziehen uns in heiliger Begeisterung voran. Wir sind in Deutschland eine Macht geworden und wir werden unsere geschichtliche Sendung erfrüher selsenkirchen 1—8 Zuer(Westf.) 1 Vuer=Beckhausen Buer=Hassel Buer=Scholven Buer=Resse Buer=Erle Buer=Hugo Buer(Wests.) 2 Horst(Emscher) Horst(Emscher) Süd jetzt: Gelsenkirchen 1—8 Gelsenkirchen=Buer 1 Gelsenkirchen=Buer 2 Gelsenkirchen=Buer 3 Gelsenkirchen=Buer 4 Gelsenkirchen=Buer 5 Gelsenkirchen=Buer 6 Gelsenkirchen=Buer 7 Gelsenkirchen=Buer 8 Gelsenkirchen=Horst 1 Gelsenkirchen=Horst 2 süllen, wir werden die Fackelträger einer neuen Zeit sein. Scharf wandte sich die Rednerin gegen den inneren Feind, der mit den Waffen der Barberei, mit Mordwerkzeugen und mit den gemeinsten Mitteln der Verhetzung gegen den Geist von Weimar kämpfe. Um dieses inneren Feindes Herr zu werden, gene es, die politischen und wirtschaftlichen Organisationen zu stärken. Alle die noch abseits stehen, sie sollen nicht nörgeln und mißtrauen, Vertrauen müsse die Losung sein. Die Hungrigen müssen zusammenstehen gegen die Satten und vereint bauen am' sozialen Staat und an der sozialen Welt. Nicht mehr sollen unsere Mütter zum Leiden geboren werden, nicht mehr unserer Arbeiterkinder trotz hoher Geistesgaben Fronsklaven des Kapitalismus sein, nicht mehr sollen junge Menschen mit ihrem Blute den Boden der Länder düngen. Die Rednerin schloß mit den Worten: Ihr Zweifler, ihr Flauen, im Scheine der lodernden Flammen reicht uns die Hände, gemeinsam schreiten schneller wir den Weg zur Schicksals= und Menschheitswende. An die Rede der Genossin Wolf, die mit Beifall ausgenommen wurden, schloß sich der gemeinsame Gesang der Internationale. Dann wandte sich die allgemeine Aufmerksamkeit wieder den Vorführungen auf dem Kanal und auf dem gegenüberliegenden Ufer zu. Neben dem Reigenfahren mit den beleuchteten Booten und dem Fackelschwingen machte sich grade am Ufer des Kanals ganz besonders schön das Feuerwerk, das sich in allen seinen einzelnen Phasen im Wasser widerspiegelte und mit dem Aufflammen der riesigen Lettern SPD. beschlossen wurde. Es kam damit so recht zum Ausdruck, wer der Veranstalter dieser Feier war und in welchem Geiste sie begangen wurde. Orchestermusik hatte natürlich auch zur Belebung des Ganzen beigetragen. Der offizielle Teil der Feier hatte damit sein Ende erreicht, bald setzte der Strom der Massen zur Rückkehr nach der Stadt ein. Unsere Freunde hatten wieder einmal eine Veranstaltung mit erlebt, die wohl dazu angetan war, sie zu erheben über die Not der Jetztzeit und in ihnen — was ja das wichtigste war, den unbedingten Glauben daran zu stärken, daß trotz alledem und alledem dem Sozialismus die Zukunft gehören wird. Diese Sonnenwendfeier, sie hat jedenfalls Tausende zur Hafenschenke geführt, sie darf wohl als die bestbesuchte der bisher veranstalteten Feier angesehen werden und es nicht auch mit ihr der Beweis erbracht worden, daß es seinerzeit ein guter und richtiger Gedanke war, diese Sonnenwendfeier sozialistischer Prägung einzuführen. 8—7. Helfersheifer der Scharfmacher Eine Kundgebung der gelben Unternehmerknechte Wir lesen in unserem Essener Bruderblatt: Daß die Gelben immer nur existiert haben, um die arbeiterfeindlichen Bestrebungen der Unternehmer zu fördern, ist bei den werktätigen Schichten so bekannt, daß wir darauf nicht besonders hinzuweisen brauchen. Während der freiorgani sicrte Arbeiter seit Jahren bemüht ist. Schulter an Schulter mit seinen Arbeitskollegen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu kämpfen, fielen ihm die gelben Brüder bei jeder Gelegenheit in den Rücken, so daß im Laufe der Zeit nicht mit Unrecht diese Auch Verbändler nur noch mit Verachtung gestraft wurden. Die arbeiterfeindliche Haltung der Gelben wird wieder einmal treffend illustriert durch eine Ruhrkund gebung des Verbandes nationaler Arbeitnehmer Deutschlands, worüber eine bürgerliche Korrespondenz folgendes berichtet: Der Ruhrbezirk des Verbandes nationaler Arbeitnehmer Deutschlands veranstaltete in der„Kaupenhöhe“ eine große Kundgebung. Hier sprach der Vorsitzende des Verbandes Quint, der ausging von der Behauptung, daß das Schicksal der deutschen Wirtschaft das Schicksal des ganzen Volkes und darum auch des Arbeiters sei. Dann schilderte er die Not der Arbeitslosen, die in der Hauptsache auf die schweren Lasten des Youngplans zurückzuführen sei, zum anderen auf die verschlte merristische Lohnpolitik der Gewerkschaften. Helfen könne der deutschen Wirtschaft und damit auch dem Arbeitslosenbeer nur eine allgemeine Preissenkung. Wenn die Regierung entschlossen auf dem mit dem Oeynhausener Schiedsspruch beschrittenen Wege fortschreite, bei welchem Beginnen sie auf die Unterstützung der Industrie rechnen könne, werde eine allgemeine Preissenkung durchgeführt werden können, und dann werde man auch die Löhne herabsetzen können, ohne daß der wirkliche Reallohn des Arbeiters dadurch geringer werde. Die Politik der freien Gewerkschaften mache aus der Wirtschaft ein Trümmerfeld und bringe den Arbeiter damit in immer größeres Elend. Deshalb müßten die Arbeiter sich von diesem System abwenden. Wenn auch die Ausführungen des Gelbenhäuptlings Quint nicht sonderlich ernst zu nehmen sind, so veröffentlichen wir doch diesen Bericht wörtlich, weil sich darin die erbärmliche Rolle der gelben Unternehmerknechte treffend widerspiegelt. Hier zeigt sich wieder einmal, wes Geistes Kinder jene Menschen sind, die programmatisch eine:„Volksgemeinschaft wünschen, um die Macht der Unternehmer noch zu verstärken. Man kann davon absehen, den wirtschaftlichen und politischen Unsinn im einzelnen kritisch unter die Lupe zu nehmen, weil der dümmste Arbeiter in der Lage ist, eine richtige Beurteilung zu finden. Nicht aber ist es möglich, kritiklos eine Aufforderung an die Regierung passieren zu lassen,„entschlossen auf dem mit dem Oeynhausener Schiedsspruch beschrittenen Wege weiterzuschreiten“, denn dieser Schrei nach Lohnabbau auf der ganzen Linie kann wirklich von dem schlimmsten Arbeiterfeind nicht mehr überboten werden. Es würde zur Aufklärung über die„arbeiterfreundliche“ Gelbenbewegung sicher sehr zweckmäßig sein, diese Aufforderung an die Unternehmer in jedem Betriebe bekanntzugeben. Nichts könnte wohl besser die wenigen von den Gelbenhäuptlingen irregeführten Arbeitskollegen zur Besinnung bringen, als solche Ausführungen, deren sozialreaktionäre Bedeutung so offenbar ist, daß sie niemand mißverstehen kann. Dumm und zugleich frech muß man die weitere Feststellung nennen, wonach die Regierung „auf die Unterstützung dei Industrie rechnen könne“, wenn sie den Oeynhausener Kurs weitersteuert. Selten ist der knechtische Sinn und die verräterische Verbundenheit der Gelben mit den Industriekapitänen so offenbar hervorgetreten, wie in diesem Falle, woraus nur die einzige Schlußfolgerung zu ziehen wäre, daß die oben wiedergegebenen Ausführungen des Referenten Quint von den Unternehmern bestellte Arbeit waren. Was dieser„Arbeiterführer“ sich geleistet hat, hätte der großte Scharfmacher nicht besser machen können, aber es ist sehr gut, diese Verbundenheit beobachten zu können, wird doch dadurch eine günstige Gelegenheit geboten, die gelben Arbeiterverräter zu entlarven und ihr wahres Gesicht ganz unverhüllt zu zeigen. Aus dem Lexikon der Scharfmacher ist auch die Bemerkung entnommen, wonach„aus der Wirtschaft ein Trümmerfeld gemacht wurde durch die Politik der Gewerkschaften". Da jeder halbwegs kundige Arbeiter das in Hunderten von Versammlungen und unzähligen Zeitungsartikeln besprochene Sanierungsprogramm der Gewerkschaften kennt, lohnt es wirklich nicht, einen solchen Unsinn kritisch zu wurdigen, der lediglich zu dem Zwecke verzapft wurde, den Scharfmachern die üblichen Helfersdienste zu leisten und dafür selbst entsprechend belohnt zu werden. Die organisierte Arbeiterschaft hat diese verräterische Tätigkeit der Gelbenhäuptlinge viele Jahre beobachten können und weiß genau, was mit dem Kampfe gegen die„verfehlte marxistische Lohnpolitik der Gewerkschaften" beabsichtigt ist. Deshalb fällt auch kein vernünftiger Arbeitskollege auf die Aufforderung des Verbandes nationaler Arbeitnehmer Deutschlands herein,„sich von diesem System abzuwenden“, dessen Brauchbarkeit zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der werktätigen Schichten hundertfältig erprobt ist und auch nicht durch die Lügenmanöver irgendwelcher Gelbenhäuptlinge mißkreditiert werden kann. Auf jeden Fall ist es jedoch günstig, daß der Bericht von der Kundgebung des Verbandes nationaler Arbeitnehmer Deutschlands an die Oeffentlichkeit kommt, kann doch damit geradezu glänzend bewiesen werden, welche„arbeiterfreundlichen" Taten die Gelben vollbringen wollen. Betten nur im Spezialgeschäft! Von einen Lieferwagen überfahren und getötet Samstag nachmittag gegen 15.15 Uhr wurde ein Mädchen von etwa 9 Jahren in der Grenzstraße, gegenüber der Gärtnerei Wilms, von einem Fordlieserwagen einer auswärtigen Firma überfahren. Das Kind wollte einem Gemisewagen ausweichen und lief einem in langsamer Fahrt kommende Auto direkt unter die Räder. Es wurde von dem eigenen Vater zu Dr. la Roche gebracht, der nur noch den Tod seststellen konnte. Nach Zeugenaussagen soll den Chauf seur an diesem Unglückssall keine Schuld tressen. Eine Frau besand sich als Begleiterin im Auto. Sie erlitt einen Nervenchok. Melle u. graue Halbdaunen u. Federn 4.90, 3.90. 2.90, 1.95 Weiße Halbdaunen u. we Be 5.90, 4.90 3.90 und 2schlätig Federn 7.90. 6 90. 5.90, 4.90 3.90 2.50 Oberbetten 1½— und 2schlätig „ 46 90. 37.20, 25.60, 13.70 fI. 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Organisationsbezirk des Reichsarbeiter=Sportkartells hatte dem Ortskartell der Arbeiter=Sportvereine Gladbeck die Organisation des Reichsarbeiter=Sporttages für 1930 übertragen und damit bestimmt einen guten Griff getan, denn die Gladbecker Arbeitersportler haben die Tatsache unter Beweis gestellt, daß bei ihnen nicht nur der Sport in seiner Gesamthekt eine ausgezeichnete Pflegestätte gefunden hat, sondern daß sie es auch verstehen, Massenveranstaltungen großzügig anzufassen und aufzuziehen. Und wo könnte wohl eine Massenveranstaltung einen würdigeren Rahmen finden, als in der Sport= und Kampfstätte der Stadt Gladbeck, der Vestischen Kampfbahn, herrlich am Rande des hochbewipfelten Wittringer Waldes gelegen, eine ideale Stätte für Leibesubungen. für Sport und Kampf im Sport, vor allen Dingen aber für die großen Veranstaltungen, die Tausende von Menschen heranziehen. Bei blauem Himmel und goldenem Sonnenschein war es eine Freude, den sehnigen Gestalten der Arbeitersportler und den zierlichen Figuren der Kämpferinnen zuzuschauen. Jedenfalls war das Zuschauen weniger anstrengend als die sportliche Betätigung im schattenlosen Kampffelde. Angenehmer hatten es schon die Arbeiterschwimmer, die vormittags sich im großen Schwimmbecken tummelten und dort ihre Kämpfe und Spiele austrugen und die Radfahrer, die in den kühlen Räumen und Anlagen von Gustav Voerste ihre Geschicklichkeit zeigten. Alles in allem: es war eine wohlgelungene Werbeveranstaltung, wenn sie auch viel Mühe und Schweiß gekostet hat. Aber der Erfolg war dieses Schweißes der Edlen wert! Allerdings, auch in Gladbeck gibt es Hemmnisse und Widerstände zu überwinden. Nicht nur, daß manche rote Fahne auf bestimmte Leute wirkt wie das rote Tuch auf das Hornvieh— auf der andern Seite gibt es auch in Gladbeck immer noch Kreise, die es dem Schöpfer nie verzeihen können, daß es ein ehernes Naturgesetz ist, daß der Mensch nun einmal ohne Kleidung auf die Welt kommt und die sich an diese Tatsache nicht gern dadurch erinnern lassen, daß Sportler und Sportlerinnen ihren Aufmarsch durch die Stadt im Sportdreß machen, mit welchem Begriff nun einmal— lieber Leser, mach drei Kreuze!— nackte Arme und nackte Unterschenkel verbunden sind. So war die Stadtberwaltung, jedenfalls auf bestimmten Druck hin, noch am Sonntagvormittag an die Festleitung herangetreten, man möge entweder auf den Festzug verzichten oder sonst die Turnerinnen daraus fortlassen. Auf diese Aufsorderung gav es für die Festleitung nur eine Antwort: sie lehnte das Verlangen der Stadtverwaltung einmütig ab! Und es wurde marschiert! Es wäre übrigens interessant, zu erfahren, ob bei Vergnügungen und Gesellschaften der sogenannten besseren Kreise ähnliche Wünsche geäußert werden! * Der Samstag Am Samstagnachmittag trafen sich auf den verschiedenen Sportplätzen Mannschaften aus dem ganzen Organisationsbezirk zu Hand= und Fußball=Wettkämpfen. In Gladbeck Süd trafen sich auf dem Sportplatz Welheimer Straße die Schwimmerinnen Gladbeck und Bottrop=Boy(kombiniert) im Handballspiel mit Gladbeck=Zweckel. Das Spiel verlief torlos 0:0. Freiheit Rentfort und Freiheit Gelsenkirchen, jedesmal die 1. Mannschaft, spielten dann Fußball. Freiheit Gelsenkirchen siegte als bessere Mannschaft(0:2). Auf dem Spielplatz an der Dorstener Straße in Zweckel trat im Handballspiel Bottrop=Boy(Reserve) gegen Gelsenkirchen=Neustadt an. Hier siegte Bottrop=Boy 2•0. Das Fußballspiel auf dem gleichen Platze führte Gladbeck=Zweckel(1. Mannschaft) und Gelsenkirchen=Heßler zusammen. Hier blieb die heimische Mannschaft aus Zweckel mit 1:0 Sieger. Das Handballspiel auf dem Mlatze an der Ellinghorster Straße mußte ausfallen, da die Handballmannschaft von Eintracht(Recklinghausen), die gegen die Gladbecker Wassersportler kämpfen sollte, nicht erschienen war! * Der Festakt im Stadttheater Abends um 8 Uhr vereinigte dann der vorgesehene Festakt im Stadttheater einen Teil der Festteilnehmer. Der Besuch der Veranstaltung litt offensichtlich unter dem schönen Wetter, da man den Aufenthalt im Freien dem Verweilen im geschlossenen vorzog. Zu Beginn der Veranstaltung hieß der Gladbecker Vorsitzende, Herbert Kerber, die Erschienenen herzlich willkommen. Er kennzeichnete den Zweck des Reichsarbeitersporttags, für den freien Volksstaat zu werben und u demonstrieren und möglichst weite Kreise der Bevölkerung azu heranzuziehen. Die werktätige Bevölkerung solle nach harter Lohnarbeit immer wieder neue Freude und Erholung in der sportlichen Betätigung finden. So könne der Sport zum Jungbrunnen für die gesamte Bevölkerung werden, wenn in recht weiten Kreisen für ihn Lust und Liebe erweckt werde. Aus diesen Kreisen wackere Kämpfer und Streiter zunächst für den Arbeitersport, sodann aber auch für den gerade von der werktätigen Bevölkerung freudig bejahten freien Volksstaat zu gewinnen, sei das schöne Ziel. Alsdann entwickelte sich auf der Bühne ein frohes Leben und Treiben. Turnerische Uebungen am Kasten, ein rhythmisches Spiel der Mädchen, viel bewunderte leichtathletische Uebungen, gymnastische Uebungen der Männer, vor allen Dingen auch die ganz ausgezeichneten Uebungen am großen Ring, dazu ein wirkungsvolles Flammenschwingen. Mit den Leichtathleten der Arbeiterwassersportler rangen die Arbeiterradfahrer um den Siegeslorbeer, Sowohl der Vierer=Kunstreigen als auch der Vierer=Einradreigen und der Vierer=Steuerrohrreigen zeigten eine technische Beherrschung der Räder, die eine wirkliche künstlerische Höhe bedeutete. Die Vorführungen der zierlichen Tänzerinnen bildeten eine wirkungsvolle und glückliche Ergänzung. Ein plastisches Bild, das Sehnen und Streben nach dem Licht und die Huldigung vor der Freiheit, bildete einen außerordentlich wirkungsvollen Abschluß und damit hatte der erste Tag sein Ende erreicht. Der Hauptfesttag Schon am frühen Vormittag eilten Sportler und Sportlerinnen zu den Wettkämpfen. Im Stadion trafen sich die Leichtathleten, die ihre verschiedenen Vorkämpfe austrugen. In der Schwimmbahn gaben sich Schwimmer und Schwimmerinnen ein Stelldichein, allerdings traten nur die Arbeiterwassersportler aus Gelsenkirchen und Gladbeck an, während Recklinghausen, Wanne und Bottrop durch Abwesenheit glänzten. Die Radfahrer fuhren schon in der Morgenfrühe ihre Straßenrennen mit dem Start und Ziel in Rentfort. Die Meisterschaften im Schul- und Kunstfahren wurden bei Voerste ausgetragen und die Kraftsportler zeigten ihre beachtenswerten Leistungen in der Vestischen Kampfbahn. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alle den einzelnen Kämpfen und Kampfarten die sicherlich verdiente Würdigung zu geben. Es muß daher die Feststellung genügen, daß der Eifer groß war und das Kampfmoment stets im Vordergrunde stand. Um 10.45 Uhr traten dann im Stadion die Teilnehmer an den Massenfreiübungen zu einer kurzen Probe an. Um 11.30 Uhr setzte dann die kurze Mittagspause ein, die den Teilnehmern eine knappe Erholungszeit gewährte. * Der Festzug Erneute Verhandlungen zwischen Festleitung und Oberbürgermeister wegen der„anstößigen“ Sportkleidung im Festzuge! Wenn der Festzug in der beabsichtigten Form unternommenen wird, droht die Entziehung sämtlicher städtischen Sportplätze! Anscheinend ist man besonders um das Seelenheil der hochwohllöblichen Anwohner der Kaiserstraße besorgt, denn, nachdem der Verzicht, diese Straße zu berühren, ausgesprochen ist, hat man gegen den„anstößigen“ Zug nichts mehr einzuwenden. Anscheinend traut man der Arbeiterbevölkerung des Moltke= und Phönixviertels, durch das nunmehr der Zug geht, ein gesunderes Empfinden und weniger gefährdete seelische Komplexe zu, als den„seinen" Leuten im Spießerviertel. Die Ehrlichkeit gebietet aber, festzustellen, daß manch' Anwohner der„gefährdeten“ Straßen den Zug gern und freudig begrüßt hätte. Der Zug war des Sehens wert. Es folgten einander mit Bannern. Fahnen und Wimpeln die Radfahrer, die Sportlerinnen, die Sportler, die Fußballer, die Wassersportler, die Naturfreunde und eine Schachgruppe in malerischer Tracht. Bis zur Stunde ist nicht bekannt geworden, daßs in dem„durchzogenen“ Viertiel eine Sittlichkeitsgefährdung oder gar ein Sündenfall durch nackte Frauenarme eingetreten sei! Aber viel freundliche Grüße wurden dem prächtigen Zuge zugewinkt! * Die festlichen Stunden im Stadion Einmarsch ins Stadion und anschließend sofort ein kunstreicher Massenreigen von 100 Radlern und Radlerinnen: nur die Mädelchen wußten nicht immer Richtung zu halten! Dafür waren aber die Sportlerinnen bei den Massenfreiübungen desto graziöser. Kunststück: bei den prächtigen Vorturnerinnen, die auch die schwierigsten Gruppenübungen tadellos auseinanderhielten und vorbildlich vorführten! Den Willkommensgruß brachte der Vorsitzende der Gladbecker Radfahrer, Gen. von Repel, der nochmals auf den Zweck der Veranstaltung und das erstrebte Ziel hinwies, keine Kanonen zu züchten, wie der bürgerliche Sport, sondern tätige Helfer des Sozialismus! Während im Nordfelde die Abtleten ihre schweren Brocken bewegten, führte der Arbeiterschachklub eine hochinteressante Schachpartie mit lebenden Figuren vor, die allgemeinen Beifall fand. Stark auf die Lachmuskeln wirkten die Geschicklichkeitsprüfungen der Motorsportler, die mit einem äußerst aufregenden, aber unentschieden verlaufenen Zvlinderschlagspiel einer Bottroper und einer Gelsenkirchener Mannschaft ihren Abschluß fanden. Zwischen den mehr auf die Schaulust der rund 3500 Zuschauer abgestellten Schauvorführungen fanden Gerätekämpfe sowie die Endkämpfe im Laufen und Springen statt, die mancherlei spannende Momente boten, besonders der 1500=Meter=Lauf, zu dem 14 Läufer antraten, von denen sieben durchhielten. Ein Handballspiel und ein Fußballwettkampf gehörten zum Programm. Auf den Abschluß der Veranstaltung sei dem Berichterstatter in der Dienstagsausgabe einzugehen gestattet, da der Redaktionsschluß ihm für diesen Bericht den Abschluß befiehlt. Wir lassen jetzt die Ergebnisse der Mehrzahl der Kämpfe folgen; auch hier gebietet die Zeit einen vorzeitigen Abbruch, da gegen 7 Uhr abends noch nicht sämtliche Ergebnisse feststanden. Ergebnisse der Wettkämpfe Schwimmwettkämpfe. Männerfreistilschwimmen, 100 Meter, A=Klasse: 1. Siekmann(Gelsenkirchen) 1,17. 2. Gineberg(Gelsenkirchen) 1,19. Jugendlagenstafette, 4 mal 50 Meter: 1. Gelsenkirchen 2,44 drei Fünftel. 2. Gladbeck 2,51 zwei Fünftel. Frauenrückenschwimmen, 50 Meter: 1. Pietreck(Gelsenkirchen) 0,45. 2. Rotkehl(Wanne) 0.50. Turmspringen: 1. Kunert(Gelsenkirchen). 2. Lampatz(Gladbeck). Jugendwasserballspiel um die Gruppenmeisterschaft. Gelsenkirchen gegen Gladbeck 2:1. Die körperlich überlegene Gelsenkirchener Mannschaft hatte wenig Glück im Torschießen. Mehrere sichere Bälle gingen gegen die Latte; anderenfalls wäre das Ergebnis für Gelsenkirchen noch wesentlich günstiger gewesen. Radfahren. 50=Kilometer=Zuverlässigkeitsfahren: 1. Jakowski E.(Gelsenkirchen) 1 St. 24 Min. 5 Kilometer(Jugend): 1. Jung Gustav(Gelsenkirchen) 8,35 Min. Vierer=Kunstreigen, Klasse A: 1. Gladbeck, 83 Punkte. Sechser=Steuerrohrreigen: 1. Gladbeck, 78 Punkte. Zweier=Radball: Gladbeck— Horst 10:2. Sechser=Radball: Gladbeck— Horst 6:2. Sechser=Schulreigen: 1. Gelsenkirchen, 35 Punkte Vierer=Schulreigen: 1. Datteln, 26 Punkte. Geschicklichekitsfahren der Motorfahrer: 1. Wauter(Gelsenkirchen) 11 Punkte. 2. Kerut(Buer) 27 Punkte. 3. Posdzick(Bottrop) 29 Punkte. Endkampf. Hürdenlauf, 60 Meter: 1. Wiatrowski(Gladbeck) 10,4 Sek. 2. Fährmann(Gelsenkirchen) 11 Sek. 3. Ratzack(Gelsenkirchen) 12,2 Sek. 100=Meter=Laufen für Jugendliche: 1. Schirrmacher(Gladbeck) 13 Sek. 2. Sausel(Erkenschwick) und Jakubeck(Gladbeck) je 13,1 Sek. 100=Meter=Laufen für Sportlerinnen: 1. Saatkamp(Marl) 14 Sek. 2. Leer(Marl) 14.4 Sek. 3. Scharf(Marl) 15,1 Sek. 100=Meter=Lauf für männliche Sportler: 1. Brummer(Marl) 12,1 Sek. 2. Gwendolin(HervestDorsten) 12,3 Sek. 3. Temmer(Gelsenkirchen) 12,8 Sek. 4. Wiatrowski(Gladbeck) 13 Sek. Hochsprung. Sportler: 1. Fährmann(Gelsenkirchen) 1,45 Mtr. 2. Wiatrowski (Gladbeck) 1,40 Mtr. 3. Scharf(Marl) 1,40 Mtr. Hochsprung, Sportlerinnen: 1. Saatkamp(Wanne=Eickel) 1,30 Mtr. 2. G. Markert (Wanne=Eickel) 1,25 Mtr. 3. G. Freitag(Gladbeck) 1,20 Mtr. Weitsprung mit Anlauf: 1. Dumoulin(Hervest=Dorsten) 5,72 Mtr. 2. Temme (Gelsenkirchen) 5,41 Mtr. 3. Wiatrowski(Gladbeck) 5,25 Mtr. Weitsprung mit Anlauf für Sportlerinnen: 1. Saatkamp(Wanne=Eickel) 4,25 Mtr. 2. Markert (Wanne=Eickel), 3. Scharf(Marl). Hochsprung mit Anlauf für Jugend: 1. Urbantat(Buer) 1,35 Mtr. 2. Kriegisch(Bottrop) 1,30 Mtr. Weitsprung mit Anlauf, Jugend: 1. Patz(Bottrop 5,29 Mtr. 2. Jakubeck(Wanne=Eickel) 5,22 Mtr. 3. Sausel(Erkenschwick) 5,21 Mtr. Dreikampf für Fußballer: 1. Döring(Gelsenkirchen) 298 Pkt. 2. Schilleck(Heßler) 281 Pkt. 3. Kuhn(Zweckel) 269,5 Pkt. 4. Valentin (Heßler) 269 Pkt. 5. Szimanski(Rentfort) 260,5 Pkt. 6. Jungowski(Gelsenkirchen) 258 Pkt. 7. Gerbig(Rentfort) 255,5 Pkt. 8. Kuhn(Zweckel) 240 Ptk. Für Wanderfreunde Reichsherbergsverzeichnis 1930=31. Es sollte keinen Wanderer geben, der ohne das Reichsherbergsverzeichnis wandert. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß viele Wanderer sich auf die Angaben von alten Verzeichnissen verlassen— zu ihrem eigenen großen Schaden. Wie mancher ist schon nach wandermüdem Tag in einem Orte eingekehrt, in dem die Herberge aufgehoben wurde. Da gau es dann, im Gasthofe für einen um ein Vielsaches höheren Preis zu übernachten oder aber zu versuchen, die nächste Herberge zu erreichen. Um solchen unliebsamen Vorfällen vorzubengen, sollte man die geringen Kosten von einer Reichsmark nicht scheuen und ein neues Reichsherbergsverzeichnis erstehen. Wo solches nicht in Buchhandlungen oder durch die Ortsgruppe für Deutsche Jugendherbergen zu beziehen ist, wende man sich unmittelbar an die Geschäftsstelle Iserlohn, die alle Bestellungen umgehend erledigt. Gesundheitspolitik im Rundfunk! Der Verband Volksgesundheit(Sozialistische Zentral= organisation für Gesundheitspflege und Heilkunde, Lebensresorm und Freikörperkultur) hat sich mit der Mitteldeutschen Rundfunk=AG. wegen eines Vortrags über Gesundheitspolitik in Verbindung gesetzt. Am Montag, dem 23. dieses Monats, spricht nun der sozialistische Arzt Dr. med. Friedrich Wolf (Stuttgart)) über das Thema:„Forderungen zur Gesundheitspolitik“ am Leipziger Sender. Dr. Friedrich Wolf weilt zur Zeit in Sachsen und wirkt als Referent mit an dem Gesundheitspolitischen Kongreß des Verbandes Volksgesundheit, 21. bis 24. Juni 1930, in Dresden. Weiten Kreisen ist der Reserent schon durch sein Buch:„Die Natur als Arzt und Helfer“ und das in den meisten Großstädten mit Erfolg aufgeführte Drama„Cyankali—§ 218“ bekannt. Es ist zu begrüßen, daß der Rundsunk Gelegenheit gibt, vor einem weiten Forum zu den gesundheitspolitischen Forderungen der Gegenwart Stellung zu nehmen. Bücher und Zeitschriten Das Liebermann=Buch. Von Hans Ostwald. 500 Seiten mit 270 Bildern von Max Liebermann, eine größere Anzahl erstmalig veröffentlicht. In Ganzleinen geb. 4,80 RM, kartoniert 3,75 RM. Alle Bemühungen, die darauf hinausgehen, das Volk mit dem Schaffen großer und wegweisender Künstler bekannt zu machen, und die auf diese Weise dazu beitragen, die engen Wände niederzureißen und den Blick freizumachen, sind herzlich zu begrüßen. Das Werk Heinrich Zilles war das erste, das— natürlich auf Grund seiner Volkstümlichkeit— breiten Massen nahegebracht wurde. Diesen Publikationen folgt nun„Das Liebermann=Buch“ von Hans Ostwald. Der Verfasser hat mit großem Fleiß, mit tiesem Verständnis und mit viel Liebe sich an die Arbeit gegeben. Ostwalds Buch ist für seinen Zweck geschaffen. Es berührt in keinem Punkte den akademischen Ton, läßt trotz überaus interessanter Anordnung doch die beliebte „wissenschaftliche Systematik“ vermissen, und ist aus diesem Grunde bestimmt, seine Aufgabe zu erfüllen. Das Schaffensbereich des Künstlers Liebermann ist außerordentlich weit und vielgestaltig, und das Buch gibt sich Mühe, jede Seite zum Vorschein kommen zu lassen. Wir verfolgen mit Interesse den Lebensweg durch alle schweren Zeiten und erfahren manches von der Größe des Menschen Liebermann, das gleichzeitig ein brennendes Zeichen für seine Kunst ist. Der anfangs als der„Maler der Häßlichkeit" verschriene und gemiedene Künstler, der allerdings das Glück hatte, aus reichem Hause zu stammen, hat, weil er eben nur sich selbst treu geblieben ist, der Verständnislosigkeit und Anfeindung zum Trotz es erleben können, daß Zweifel und niederreißende Kritik um ihn herum erstarben. Heute steht der langjährige Präsident der Preußischen Akademie der Künste in Ehren da, und noch immer bringt die schaffende Hand, die nie pausen konnte, Werke von seltener Kraft und ebendigkeit hervor. Eine außerordentlich wertvolle Beigabe zum Text Oftwalds sind die 270 gelungenen Reproduktionen von Werken Liebermanns. Wir wünschen dem Buch gern vollen Erfolg. Modenschau bei Alsberg Auch in diesem Jahre findet bei der Firma Gebrüder Alsberg in Gelsenkirchen die bekannte Modenschau statt. In diesem Jahre werden wieder Badeanzüge, Strickwaren, Hochsommer=Toiletten und Gesellschaftskleider gezeigt. Die bekannte Schauspielerin, Fräulein Charlotte Förster, vom Essener Schauspielhaus, hat diesmal ihre Mitwirkung zugesagt. Die Vorführungen finden Mittwoch, den 25., Donnerstag, den 26. und Freitag, den 27. Juni, nachmittags 3.30 Uhr, statt.„ I„ Die Modenschau ist jedesmal so stark besucht, daß die Firma viele Interessenten wieder fortschicken muß, da der Raum nur eine bestimmte Anzahl Plätze ausweist. Es empfiehlt sich, die Karten rechtzeitig zu besorgen. Der Vorverkauf beginnt Montag morgen an der Sammelkasse der ge nannten Firma. GELSENKIRCHEN-BUER * Frauengruppe der SPD., Hassel. Am Mittwoch, dem 25. dieses Monats, im Zechengasthaus: Mitgliederversammlung mit Kaffeetrinken. Da wir daselbst eine SAJ. gründen wollen, werden die Eltern gebeten, ihre Kinder über 14 Jahre mitzubringen. JUGENDVERANSTALTUNGEN SAJ., Bezirk Buer. Genossinnen und Genossen! Am Mittwoch, dem 25. dieses Monats, wird in der Frauenversammlung der Partei die Gründung einer SAJ.=Gruppe vorgenommen. Wir bestreiten dort ein kurzes Programm, zu dem alle Genossinnen und Genossen pünktlich um 7 Uhr im Zechengasthaus Hassel erscheinen müssen. Die Genossen von Buer treffen sich an der Freiheit um 6 Uhr mit den Erlern: Scholven um 6 Uhr an der Ecke Berkel= und Zollvereinstraße. Liederbücher mitHeute, Montag, 20 Uhr: Spielabend auf der Stadtwaldwiese mit den Naturfreunden. Kindderfreune, Gelsenkirchen-Buer Achtung! Zeitlager Das Geld für das Zeltlager(35 RM) muß uns unbedingt sofort eingezahlt werden. Bis zum 15. Juli muß der Gesamtbetrag entweder im Parteibüro, Augustastraße 18, oder in den einzelnen Gruppen abgeliefert sein.— Die genaue Ausrüstung für das Zeltlager wird noch in dieser Woche bekanntgegeben. Aus der Arbeitersängerbewegung Volkschor Gelsenkirchen Die Probe am Dienstag, dem 24. Juni, im Metallarbeiterheim muß ausfallen. Dafür findet aber am Montag, dem 23. dieses Monats, um 20.30 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums an der Hochstraße die gemischte Probe statt. Mit Rücksicht darauf, daß uns jetzt nur noch wenige Tage von unserem Gaufest trennen, wird stärkste Teilnahme erwartet. Alle Sangesschwestern und=brüder werden gegeten, restlos zu erscheinen. Gelsenkirchen, Bahnhofstraße Beachten Sie bitte unser Spezialfenster sowie Extra-Auslagen Prettier-Handtüchen 38. besonders billig Stück Nischtücher, weiß-rot und weiß-blau kariert a. Halbleinen....... 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So finden wir in der bolschewistischen Presse des öfteren Artikel über Freßund Saufgelage, an denen führende SPD.=Minister oder andere hohe Reichs= und Staatsbeamte teilgenommen haben. Meistens sind auch nette Bilder beigegeben, und der gutmütige Leser der bolschewistischen Presse wird dann feststellen, wie verdorben doch die SPD. schon ist. Keine Spur mehr von proletarischem Empfinden, Verräternaturen durch und durch. Aber die KPD. revolutioniert 100prozentig. Ja, da gibt es eben nur proletarisches Empfinden. Da bungern die Führer, um Brosamen für die Erwerbslosen zu sammeln. Ob für deutsche oder russische Erwerbslose, das wird erst jeweilig im Zentralkomitee beschlossen. Und da der Hunger in Rußland sehr groß ist, wird die Entscheidung wohl nur für Rußland fallen. Da war ein Bild mit dem begleitenden Text besonders interessant, das vor einiger Zeit durch die bolschewistische Presse ging. Das Ding war überschrieben: „Sie fressen vereint, sie saufen vereint, sie haben alle nur einen Feind: Die Proletarier!“ Und der Tert unter dem„Bilde“ lautete: Mit Messer und Gabel. So„kämpft“ die SPD. gegen den Bürgerblock! Während im Reichstag die SPD. ihren Scheinprotest gegen die Hindenburg=Regierung inszeniert, sitzen Severing und Löbe mit dem Bürgerblockminister Dietrich friedlich beim Festessen des Reichsverbandes der deutschen(großkapitalistischen) Presse. Doch dem Bild fehlte eine Kleinigkeit. Es stammt von der Eröffnungsfeierlichkeit des Reichsverbandes Deutscher Presse am 4. April 1930. Es ist bezeichnend für die Wahrheitsliebe der rußlandergebenen PKD.=Presse. Sie bringt deutlich ein Bild, auf dem wohl die Führer der SPD. zu sehen sind, aber schneidet das Bild dort ab, wo der Bolschewist schmausend und weintrinkend beobachtet werden kann. An demselben Tische Nr. 16 sitzen auf der anderen Seite, auf dem Bilde der„Roten Fahne“ nicht wiedergegeben, der Bürgermeister von Danzig, Sahm, und der Sowjetbat: schafter Krestinski neben dem preußischen Finanzminister Höpker=Aschoff. Wie herrlich und in Freuden die Bolschewisten leben können, oder wie sie fressen und saufen, um im Jargon der bolschewistischen Presse zu bleiben, zeigt uns anläßlich eines Festes beim sowjetrussischen Botschafter. Doch nicht die sozialfaschistische SPD.=Presse will ich reden lassen. Nein! Wörtlich will ich einen Artikel hierbersetzen, der in der KAZ.(Kommunistische Arbeiter=Zeitung) stand. Also ein Organ, das noch revolutionärer, noch viel proletarischer ist. Dieses Organ berichtet über die delikate Angelegenheit folgendermaßen: K Sum und saufen“ Eineehrenwerte Gesellschaft. Sie passen alle zusammen. Kaviar. . Hühnersuppe. Rheinlachs in frischer Butter. Rehbraten in süßer Soße. Eisbowle mit frischen Erdbeeren. Fünf Sorten Liköre. Fünf verschiedene Weine. Diese herrliche Speisetafel ist natürlich nicht für Arbeite lose. Für wen sie da ist, und wer daran nur teilnehmen kann das zeigt uns die„B. Z. am Mittag“ vom 23. Mai 1930. Durch die Krankheit Nikolai Krestinskis zu Beginn der Saison hatte das sowjetrussische Botschafterpaar seine winterlichen Empfänge und Diners verschoben. So kam es, daß sich kurz nach der letzten Einladung gestern wieder ein größerer Gästekreis im Haus Unter den Linden 7 zum Diner zusammenfand Unter den Geladenen sah man den Botschafter Frankreichs, de Marquerie, Reichskanzler Brüning, Reichstagspräsidenten Löbe und Gattin, norwegischen Gesandten Scheele, dänischen Gesandten Zahle, polnischen Gesandten Roman Knoll, tschechischen Gesandten Chwalkowsky und den erst ganz kurz hier akkredierten Gesandten von Afghanistan, Abdul Hadi Khan, Reichsminister von Guérard, Staatssekretär Meißner, Pünder, Weißmann, Schaeffer, vom Auswärtigen Amt Graf Tattenbach, Ministerialdirektoren Köpke und Zechlin, außerdem den früheren Reichsgerichtspräsidenten Simons und Frau, Reichstagsabgeordneten Landsberg und den Führer der Volkspartei, Scholz, Herbert Gutmann mit Frau, Mr. Lochner, den Vorsitzenden der Auslandspresse und Frau, sowie Graf und Gräfin Arco. Diese Dinge sind nicht neu. Schon in den früheren Jahren, während die 3. Internationale den Jahrestag der Oktober=Revolution feierte, saßen am gleichen Tage die deutsche Bourgeoisie und die russische Botschaft zusammen, um auf„ihre Art“ bei Wein und Sekt die„Oktober=Revolution“ zu feiern. Die „Rote Fahne“, berichtet natürlich über derartige Festlichkeiten nichts. Sie brüllt vom Kampf gegen die Brüning=Regierung und egen den Sozial=Faschismus. Indessen verkehren die Minister es deutschen Kapitals und die Sozial=Faschisten bei Herrn Krestinski— und lassen es sich wohlschmecken. Diese„rote“ Staatsdiplomatie hat den Zweck, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der russischen und der internationalen Bourgeoisie auszubauen. Die Ausbeutung des russischen Proletariats muß berhalten. Die Nep=Bourgeoisie, zu der auch die Stalin, Krestinski und Genossen gehören, sie ist Fleisch vom Fleisch der internationalen Bourgeoisie. Auf Grund dieser Tatsache gehen die Dinge ganz in Ordnung. Den Arbeitern der KPD. wollen wir bei dieser Gelegenheit sagen, daß sie mit dieler neuerstandenen Bourgeoisie und ihren Söldlingen in Deutschland nichts gemein haben dürfen. Hier fehlt der russische Botschafter also nicht. Hier ist er gar Gastgeber. Doch wozu seinen Lesern berichten? Und diese Leser? Die deutschen Anhänger Stalins sind von jedem eigenen Denken garantiert frei! Darum kann es gewagt werden. sie täglich in der schamlosesten Weise zu belügen. Arme Presse, arme Leser!—6— Gefühle der Solidarität Rohnungselend und Alkoholismus Aus einer Rede Otto Bauers. Kürzlich hat Genosse Dr. Otto Bauer, der Führer der österreichischen Sozialdemokratie, in einer Versammlung des Wiener Arbeiter=Abstinenten=Bundes die Beziehungen zwischen Wohnungselend und Alkoholismus außerordentlich klar und scharssinnig behandelt. Er schilderte die Lebensgeschichte einer Arbeiterfamilie, die in einer der vom Privatkapital vor dem Kriege erbauten Kleinwohnung hausen muß: alle in Zimmer und Küche zusammengedrängt, Untermicter dazwischen, keine Behaglichkeit, keine Minute Ruhe für den abgearbeiteten Proletarier. Und er fuhr fort:„Das Wirtshaus ist nicht eine Zufallserscheinung. Das Wirtshaus ist die Ergänzung solcher Wohnungen, wo es keine Ruhe und kein Ausruhen gibt. Wirtshaus. Wir wissen, was das bedeutet. Es bedeutet zu den Wirkungen der lichtlosen Wohnung und zu den Wirkungen der ungenügenden Ernährung nun auch noch Gift am Abend dazu, in einer Zeit, in der der Körver entaiftet werden sollte von den Giften, die sich bei der Arbeit bilden... Es ist ganz klar, ganz selbstverständlich, daß wir im Kampfe gegen den Alkoholismus nur Ersolge haben können, wenn wir mit einer möglichst energischen Aufklärungspropaganda die energischsten Anstrengungen verbinden, soziale Lebensbedingungen der Menschen zu schaffen, die ihnen das Wirtshaus leichter entbehrlich machen, die sie dem Alkoholismus nicht geradezu in die Arme treiben, die Versuchung zum Trinken nicht gar zu groß machen. Unter allen objektiven Bedingungen des Trinkens ist die Gestaltung der Wohnung unzweifelhaft die allerwichtigste.“ Bauer leitet aus dieser Tatsache die Notwendigkeit verstärkten Mieterschutzes ab. Weder der Boden noch der Wohnungsbau dürften eine Profitquelle sein. Die Gemeinschaft müsse Wohnungen errichten, in denen der Arbeiter am Abend sich wohlfühlen und ein Buch lesen könne. Die Wohnungen seien nicht zur Bereicherung einiger weniger bestimmt, sondern sie seien dazu da, daß Kulturmenschen in ihnen wachsen. Bauers Mahnung verdient auch in Deutschland die aufmerksamste Beachtung. Wenn der Alkoholismus in den letzten Jahren wieder so viele Opfer fordert, so ist das Wohnungselend eine der Hauptursachen. Die Massen brauchen billige und geräumige Wohnungen. Damit werden die Volkskrankheiten wirksamer bekämpft als durch droßartige Hygiene= Ausstellungen. Die Rundfunkstation des Papstes Am 29. Juli wird die neue Rundsunkstation des Vaiikans in Rom feierlich eröffnet werden. Der Papst wird durch ein goldenes Mikrophon(darüber geht nichts!) eine Friedensbotschaft an alle Völker richten. Er wird höchstwahrscheinlich in lateinischer Sprache sprechen, da diese Sprache die offizielle Kirchensprache ist. Anschließend wird diese Rede in alle Kultur= und Weltsprachen übersetzt werden.(Die Fortschritte der Technik durchbrechen eben auch die dicksten Mauern mittelalterlicher Isoliertheit und Tradition.) Luxusweib als Ideal? Zu den„kommenden Dingen“, denen Walther Rathenau in den letzten Kriegsjahren ein seines Buch widmete, gehört „ein Gemeinschaftsbewußtsein, das den schaffenden Beruf des Weibes erkannt hat". Damit ist gemeint, daß dies kommende Gemeinschaftsbewußtsein sich mit aller Entschiedenheit abkehre vom„Luxusweib“. Diese Erwartung hat sich jedoch leider nicht bewahrheitet. Zwar ist der heutigen krisenhaften Zeit die Verherrlichung eines müßigen, von Nichtigkeiten angefüllten Frauendaseins keineswegs gemäß. Und doch erträgt die breite Oeffentlichkeit die Zumutung, uncharakteristische Modepuppen in lächerlich überladenen, prunkvollen Milieus oder in fabelhaften Autos dauernd in Kinos und Bilderpresse betrachten zu dürfen. Aeußert man sein Erstaunen über solch affektiertes Getue, so wird man immer wieder zu hören bekommen, das Publikum liebe es so! Der Kleinbürger und auch der Proletarier sähen in solch läppischen Darstellungen ihr Wunschbild„vornehmer" Lebenshaltung und berauschten sich an diesem Ideal. Daß die vielen in der täglichen Fron stehenden Frauen und Mädchen in ihrer Erholungszeit sich ein Leben erträumen, in dem man nicht zu abgehetzt ist, um seinem Körper pflegliche Behandlung angedeihen zu lassen, nicht zu arm, um sich gut zu kleiden und auch bei festlicher Gelegenheit besonders zu schmücken—, das ist natürlich durchaus zu verstehen. Es ist ferner kein unedles Ziel ihres Arbeitenz und Strebens, auch einmal dahin zu kommen, eine gepflegte Häuslichkeit ihr eigen zu nennen. Aber hier wird der Wunsch nach besseren und schöneren Lebensformen umgebogen in die Ueberbewertung eines Typus, der zärtlichst in einen Nimbus gehüllt und als sozusagen allgemein anerkanntes und gebilligtes Ideal des weiblichen Menschen unserer Tage hingestellt wird. In der Wirklichkeit existiert das„Luxusweib“, dem Schönheit und Eleganz Levenszweck sind, nicht mehr allzu häufig. Als Ideal aber ist es bestimmt völlig außer Kurs. Aus vielen bürgerlichen Blättern greise ich als Beisviel eine Hausfrauenbeilage eines„demokratischen“ Weltblattes heraus. Eine Sondernummer„Wie ich wohne, wie ich lebe, ein Tag aus dem Leben einer Frau“. Nach dieser Beilage muß die normale Leserin des Blattes eine Frau sein, die in märchenhafter Spitzenmatinee zunächst mal ihren spät begonnenen Vormittag mit der Körperpflege verbringt, von verschiedenen zierlich gekleideten Zöschen manicurt, pedicurt und sonst durch Handreichungen seglicher Art bedient wird, dann ihre Blumen besorgt, das Hündchen betreut, das Vögelchen besucht, nachher„selbst“, wie betont wird, ihr Baby badet— man bedenke, welche Leistung für solch imponierend„vornehme Frau“!—. ihr„bürgerliches“ Mittagessen(Artichocken sind wie uns dabei weisgemacht werden soll, das richtige„bürgerliche" Gericht; sie kosten ja auch nur so annähernd 2 Mark für die Person) Geburtenrückgang in England Die Geburtenzifser im ersten Vierteljahr 1930 ist die niedrigste, die, außer im letzten Kriegsjahr, In England und Wales jemals gezählt wurde. Sie war um 1510 Geburten geringer als im gleichen Quartal des Vorjahres. Die Gesamtzahl der Geborenen betrug 158671. Darunter waren 80 940 männliche und 77731 weibliche Kinder. Mit dieser Zahl blieben die Geburten um 0,2 auf 1000 zurück gegen das gleiche Vierteljahr von 1929. Freilich, auch die Kindersterblichkeit war die bisher niedrigste. Insgesamt haben England und Wales einen Bevölkerungszuwachs von 26 725 Personen zu verzeichnen. Die Zahl der Eheschließungen betrug 165 188 im letzten Vierteljahr 1929. Das bedeutet eine Verminderung um 35 992 gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr, aber eine Vermehrung um 7764 Eheschließungen gegenüber dem gleichen Quartal im Jahre 1928. Im gesamten Großbritannien betrug infolge des Ueberschusses der Geburten über die Zahl der Todesfälle die Bevölkerungszunahme 86 250. und das Abendessen im Adlonstil in hoheitsvollen Konferenzen mit der Köchin— man sollte fast denken, sie verirre sich dabei sogar in die Küche— bespricht usw. Unter den etwa 50 Bildern, die die „Tätigkeit“ dieser Frau illustrieren sollen, sind ganze drei, aus denen hervorgeht, daß sie auch Kinder hat. Sie besucht sie sogar mal zum Spiel und zu einem kurzen Blick über die Schulaufgaben. Wenn das Kitsch=Kino meint, in seinen verlogenen Dramen nicht vom Milleu amerikanischer Multimillionäre loskommen zu können, so wundert man sich allmählich nicht mehr. Auch bei den Blättern, die ihrer ganzen Tendenz nach nur der„eleganten Welt“, der sogenannten„Gesellschaft“, der„Dame“ ihr Interesse und ihre zum Teil sogar recht geschmackvolle Darstellung widmen, mag das hingehen. Aber eine Zeitung, die der demokratischen Ides dient, muß den weiblichen Teil ihrer Leserschaft beleidigend tief einschätzen, wenn sie den angeblichen Wunschbildern überhaupt Platz einräumt. Oder sie verleugnet sich selbst, wenn sie, noch dazu etwa gleichzeitig mit der geschilderten Bildnummer, mit Stolz auf ihre nahe Beiehung zu einer Helene Lange hinweist. Diese vor kurzem ahingegangene bedeutende Frau hatte ihr wirklich heroisches Leben an die Aufgabe gesetzt— zu einer Zeit, da das noch ein Wagniz war—, die bürgerlichen Frauen aufzuwecken aus einem nichtigen. spielerischen Dasein, zu ernsthaftem Streben nach menschheitlichen Zielen, zu vertiefter Auffassung ihres Weibtums, zur Verantwortung gegenüber der Volksgemeinschaft. Heute, wo nahezu 70 Prozent der deutschen Bevölkerung als proletarisiert angesehen werden können, wo Hunderttausende von Frauen die Doppellast des Berufes und der Hauswirtschaft tragen, kann„dieses Spiel“, wie Rathenau sagt,„daz geduldet werden konnte. solange es als Privatangelegenheit eines törichten Haushaltes galt". unmöglich ein Idealbild darstellen. Ganz gewiß soll keinem Puritanismus das Wort geredet werden, der Schönheit und Geschmack in der Lebensgestaltung ausschaltet. Die Freude daran gehört nun tatsächlich unter anoerem zu den sogenannten„weiblichen Eigenarten". Aber der Schlüsselpunkt des weiblichen Wesens ist sie nicht. Das hier erwähnte Buch von Rathenau handelt, wie er im Vorwort ausführt,„von materiellen Dingen, jedoch um des Geistes willen“. Er übt darin stellenweise sehr scharfe Kritik am Sozialismus und bestätigt ihn dennoch unbewußt in seinen wesentlichen Zielen fast auf jeder Seite des Buches. Hätte der Verfasser der sozialistischen Bewegung zugebilligt, daß sie ebenfalls von materiellen Dingen, jedoch um des Geister willen", handelt, so hätte er bestimmt zugegeben, daß auch für ein„Gemeinschaftsbewußtsein, das den schaffenden Beruf des Weides erkannt hat", Sozialismus Voraussetzung ist. Denn lein Geist ist even der der Gemeinschaft. Und nur er arbeitet konsequent an den„kommenden Dingen“ m dem Sinne, wie Rathenau ihn faßt:„Das innerste Lebensgefühl des Menschen wiro zum Gefühl der Solidarität.“ Hermine David. Aufdeckung römischer Grabkammer In der Nähe der Ennser Zuckerfabrik(Oberösterreich) stießen Arbeiter beim Erdausheben für den Bau der Fabrikkantine in 120 Zentimeter Tiefe auf ein festgefügtes Ziegelgewölbe über einem Hohlraum. Der weitere Aushub wurde nun unter fachmännischer Leitung durchgeführt. Man legte eine unzerstörte Grabkammer frei. Der Boden ist mit Ziegelplatten im Geviert gepflastert. Die beiden Stirnwände tragen einen schönen Bogen. Die Innenwände sind mit Weißkalkmörtel glatt verputzt. Beim Oeffnen des Gewöldes entstieg ein dumpfer Modergeruch der Kammer, deren Boden ein grauer, nasser Schlamm bedeckte. In einer großen hölzernen, mit Bleiblech ausgeschlagenen Sargkiste fand man das Skelett eines fast zwei Meter großen kräftigen Mannes. Größe, Farbe und die gebrannte Masse der Ziegel entsprechen genau den in Lauriacum (Lorch) bekannten römischen Ziegeln aus der Zeit um 300 n. Chr. Jedenfalls handelt es sich um eine Grabkammer aus frühchristlicher Zeit. Antons. Uebersetzung aus dem Amerikanischen von Certrud von Hollander 59 Gebrüder Enoch Verlag. Hamburg. Jetzt flehten ihre schönen Augen den Prächtigen voll Todesangst an, die Unfreundlichkeit von vorhin zu vergeben. Sie brauchte ihn So etwas konnte man nicht brüllen. Er kam näher, aber dieses Mal sah man nichts von seinen Zähnen. Schließlich ist man nicht umsonst fahrelang in einem erstklassigen Hotel. Erstaunlicherweise verstand er, was sie flüsterte. „Sie sagen, Ihr Gatte...?“ Sie nickte. Sie hatte entsetzliche Angst, daß sie losweinen würde. Sie machte die Augen ganz weit auf und versuchte nicht zu blinz.m. Sie wußte, wenn sie die Lider nur ein bißchen bewegte, dann verdichtete sich der Schleier vor ihren Augen zu lauter blanken Tropfen „Er wollte längst da sein. Ich— ich mache mir solche Sorge. Wir wollten ins— ins Theater— und zum Essen— und nun ist's schon nach sieben“—„nach acht,“ piepste es aus dem Wattevart, nach einem Blick auf die Wanduhr. „— nach acht,“ echote sie kläglich. Da! Nun hatte sie doch geblinzelt. Zwei große Tropfen plumpsten auf ihren seidenen Busen. Es kam ihr vor, als hörte sie sie förmlich aufspritzen. „Hm!“, meckerte der alte Mann. Sein prächtiger Kollege beugte sich zu ihr herunter. Eine Wolke von Parfüm hüllte sie ein. „Kommen Sie, Frau Ravenal! Sie brauchen sich nicht die geringste Sorge zu machen. Ihr Mann ist aufgehalten worden. Weiter nichts. Dringend aufgehalten.“ Sie klammerte sich an diesen Ausdruck.„Glauben Sie—? Denken Sie wirklich? Aber er kommt doch immer spätestens um 6 Uhr zurück. Immer! Und wir wollten doch zum Essen gehen — und— „Ach. diese sungen Frauen!“, lächelte der junge Mann. Er streichelte ihr jetzt tatsächlich die Hand. Allerdings nur den Bruchteil einer Sekunde.„Nun essen Sie erst mal einen Bissen und sind eine vernünftige, kleine Frau.“ „Ach, ich könnte keinen Bissen essen! Beim besten Willen acht.“ „Eine Tasse Tee. Gestatten Sie, daß ich Ihnen eine Tasse Tee hinaufschicke.“ Der alte Mann schnalzte mit der Zunge, rieb sein Kinn und b. chte seinen Vorschlag mit so viel Stimmauswand heraus, daß Beagnolia förmlich zusammenfuhr und sich scheu umsah.„Warum schicken Sie ihm denn keinen Boten, Madame?“ „Einen Boten? Ja, wohin denn?“ Der andere machte eine taktvolle, kleine Handbewegung:„Vielleicht macht er gerade ein Spielchen; man weiß ja, wie dann die Zeit verfliegt. Das ist mir auch schon passiert. Man sieht auf die Uhr, und schon ist's um acht. An Ihrer Stelle, Frau Ravenal—“. Jetzt war sie im Bilde. Der junge Mann wußte so genau Bescheid und hatte so was Mitleidiges. Und plötzlich sah sie ebenfalls klar. Blitzartig fiel ihr ein, wie sie damals in Paducah gespielt hatten und er auch nicht gekommen war. Man hatte bis nach acht auf ihn gewartet. Ralph hatte ihn gesucht. Er hatte in einer Hafenkneipe Poker gespielt. Schicken Sie doch nach ihm! Sie dachte nicht daran. Der Text eines bekannten sentimentalen Liedes schoß ihr lächerlicherweise durch den Kopf: Vater, lieber Vater, komm jetzt mit mir heim, Die Uhr im Kirchturm schlägt eins. Jetzt riß sie sich zusammen. Wozu war man schließlich Schaupielerin. Sie brachte sogar ein Lächeln zustande.„Natürlich! Ich bin sehr töricht gewesen. Danke Ihnen vielmals... Schicken Sie mir etwas zu essen auf mein Zimmer...“ Mit einem leichten, anmutigen Kopfnicken wandte sie sich zum Gehen. Und wieder waren die Augen weit aufgerissen. „Hm!“ Das war der Alte. Uebersetzt hieß es:„Kleiner Idiot!“ Sie zog das Kleid aus mit den beiden dunklen Flecken auf der Seidentaille. Sie packte seine Wasche und die Lackschuhe fort. Sie nahm eine Handarbeit vor. Aber der Nebel vor ihren Augen war hinderlich. Sie warf sich aufs Bett. Und weinte, als wollte ihr das Herz zerbrechen. Das war besser. Zehn Uhr. Sie schlief ein. Das Gaslicht brannte ruhig weiter. Kurz vor Mitternacht kam er heim. Sie fuhr mit einem leisen Schrei in die Höhe. Komischer= weise war das erste, was sie bemerkte, daß er seinen Stock nicht bei sich hatte. Mechanisch fragte sie ihn zwischen Schlafen und Wachen:„Wo ist denn dein Stock?“ Vor Erstaunen über diesen sachlichen Empfang machte er ein beinahe komisches Gesicht.„Mein Stock! Ach so! Den hab' ich vergessen. Muß ihn liegengelassen haben.“ In den folgenden Jahren erfuhr sie, was die Abwesenheit der Stockes bedeutete. Er war mit der Zeit m jedem Pfandleiha#schänt auf der Clarkstraße zu einem Symvol geworden; ein Pfand für eine Summe, die seinen tatsächlichen Wert hundertfach überstieg. Gaylord Ravenal hatte seine Schulden noch jedesmal bezahlt. An jenem Abend zog sie sich schweigend fertig aus. Ihr Gesicht war rot und geschwollen. Sie wirkte jung und hilflos und beinahe häßlich. Er fühlte sich denkbar ungemütlich und machte sich Vorwürfe.„Verzeih, Nola. Ich wurde aufgehalten. Wir gehen morgen ins Theater.“ In diesem Augenblick haßte sie ihn geradezu. Da sie aber schließlich auch nir eine Frau war wie alle anderen, so folgte die übliche Szene— Tränen, Vorwürfe, Anklagen, Drohungen, Bitten, Verzeihung. Bald darauf sagte er: „Hm, Nola— kann ich wohl mal deinen Ring bekommen— nur für einen oder zwei Tage?“ „Meinen Ring?“. Sie hatte ihn wohl verstanden. „Du bekommst ihn wieder. Heute haben wir Mittwoch. Spätestens Sonnabend hast du ihn zurück. Das schwöre ich.“ Der Diamant fing ebenso an zu wandern wie der Stock. Er hatte übrigens nicht gelogen mit der Behauptung, er wäre dringend aufgehalten worden. Sie hatte nicht einschlafen wollen. Sie war ganz überzeugt gewesen, daß sie nicht schlafen könnte. Aber sie war jung und gesund und von der Aufregung erschöpft. Noch vorm Einschlafen dachte sie an seiner Seite darüber nach, wie schrecklich das Leben war— aber auch wie interessant. Die Entdeckung tat ihr sogar ganz wohl. Sie kam sich alt und erfahren vor und sehr verheiratet. Sie dachte an ihre Mutter. Sie war viel, viel älter und viel mehr verheiratet, fand sie, als ihre Mutter je gewesen war. Im Februar kehrten sie nach Thebes zurück. Magnolia sehnte sich nach ihrem Vater. Selbst ihre Mutter hätte sie manchmal ganz gern dagehabt. Das kleine weiße Häuschen in Thedes sah wie ein Spielzeug aus. Ihr Schlafzimmer war wie für eine Puppe. Die Stadt war eine Miniaturstadt und gehörte untern Weihnachtsbaum. Der Hut, den ihre Mutter aufhatte, war ein wahres Unikum. Und ihr Vater hatte Falten im Gesicht, die sie bei ihrer Abreise nicht gesehen hatte. Das heimische Essen, von Parthy meisterhaft zubereitet, schmeckte unerhört gut. Sie kam wie von einer unendlich langen Reise.(Fortsetzung folgt.) Kleinpflaster- oder Teerstraße! Aus Fachkreisen wird uns geschrieben: “ H e r r L a n d e s o b e r b a u r a t B e c k e r v e r t r a t u n l ä n g s t i n e i n e r Tenkschrift zum Etat 1930 der Landesstraßenbauverwaltung Kassel die Ansicht, daß die Teertränkdecke bei jeder ernsthaft in Frage kommenden Lebensdauer der Kleinpflasterdecke wirt schaftlich überlegen sei. Diese Denkschrift bzw. ein Auszug derselben ist in zahlreichen Tagesblättern erschienen Jetzt hat sich ein Fachmann auf dem Gebiete des Straßenbauwesens, und zwar Herr Stadtbaurat Dr.=Ing. Trauer (Breslau) eingehend mit dieser Denkschrift besaßt und einen in dem Mindener Tageblatt, Nr. 95, erschienenen Artikel„Geldnot und Straßenbau“ zum Anlaß genommen, zahlreiche in der Denkschrift aufgesielte Behauptungen zu widerlegen 1. In einem von Landesoberbaurat Becker im Jahre 1927 erschienenen Aussatz„Das Facit 1337“,(Zeitschrift straße“. Nr. 3. 1928) erkannte der Verfasser die Ueberlegenheit des Kleinpflasters ausdrücklich an. Es muß somit eigentümlich berühren, wenn er 2 Jahre später einen völlig entgegengesetzten Standpunkt einnimmt. Seine Begründung, daß jener Aufsatz für die Gesamtheit der deutschen Techniker, die Denkschrift aber nur für die bessischen Körperschaften bestimmt gewesen sei, kann nicht als stichhaltig angesehen werden. ? L a n d e s o b e r b a u r a t B e c k e r v e r g l e i c h t e i n e 5 M e t e r b r e i t e neuzeitliche Decke ohne seitlichen Kantenschutz mit einer 5 Meter breiten Kleinpflasterstraße mit beiderseitigem je 0.5 Meter breitem Schutzstreifen im Tränkverfahren, also 5 Meter Nutzbreite mit 6 Meter Nutzbreite. Die Unterhaltungskosten für Kleinyflaster mit 0,05 RM pro Quadratmeter sind bei dem ium Vergleich beider Bauweisen anzunehmenden mittelstarken Verkehr nicht gerade knapp, die für Tränkdecken mit 0.10 RM pro Quadratmeter bei diesem Verkehr bestimmt zu niedrig gegriffen. Das Prinzip der Zerstörung, bei dem die Decke innerhalb ihrer Lebensdauer nur notdürftig unterhalten wird, um dann vollständig erneuert zu werden, ist unhaltbar und fuhrt zu salschen Schlüssen. 3. Die Erfahrungen auf der Autoversuchsstrecke in Braunschweig haben zur Genüge bewiesen, daß Kleinpflaster bei den meisten Verkehrsarten und=stärken zu den wirtschaftlichen Straßenbefestigungen gehört. 4. Vorliegende Denkschrift legt bei einer Kleinpflasterdecke eine Lebensdauer von 40 Jahren(15 Jahre bei einer Tränkdecke) zugrunde. Eine solche Kleinpflasterdecke ist brauchbar und unbedingt haltbar für Verkehrsstärken über 2000 Tonnen pro Tag, eine Tränkdecke dagegen kaum für solche von 1000 Tonnen pro Tag, wenn der Unterhaltungssatz nicht außerordentlich ansteigen soll. Bei sorgfältiger Herstellung von Kleinpflaster kann man mit einem jährlichen Unterhaltungssatz von 0,02 bis 0,03 RM pro Quadratmeter rechnen, wohingegen die Tränkdecke bei gleich starkem Verkehr etwa 0.35 RM pro Quadratmeter an Unterhaltung erfordert. Es sind Beweise genügend darüber vorhanden, daß in zahlreichen Großstädten Kleinpflasterstraßen liegen, die innerhalb von 15 bis 20 Jahren keinerlei Unterhaltungskosten verursacht haben. Bei Zugrundelegung dieser Zahlen ergibt sich selbst bei Einsetzung von Zinssätzen von 5, 7 und 8 Prozent in jedem Falle noch eine wirtschaftliche Ueberlegenheit des Polygonal=Kleinpflasters. 5. Die Behauptung, daß das Risiko der Ausführung von Kleinpflaster größer sei, als bei neuzeitlichen Decken, trifft nicht zu. Es ist allgemein bekannt, daß sich das Kleinpflaster seit Jahrzehnten einwandfrei bewährt hat, wenn es von einem Fachmann ausgeführt worden ist, wohingegen der Bau der meisten neuzeitlichen Straßendecken eine ungewöhnlich große Erfahrung der bauausführenden Firmen voraussetzt. 6. Allein soziale Rücksichten drängen in der heutigen Zeit schon zum Bau von Kleinpflasterstraßen, da der Anteil der Löhne bei Kleinpflaster wesentlich großer ist, als der bei neuzeitlichen Decken. Es müssen nämlich berücksichtigt werden sämtliche inländischen Löhne, also auch die in den Steinbrüchen gezahlten. Wenn z. B. die Steinarbeiter feiern, wie dieses heute im gesamten Reichsgebiet in erschreckendem Maße der Fall ist, so müssen trotzdem von Reich und Kommunen Erwerbslosenunterstützungen gezahlt werden, ohne daß hierfür eine produktive Arbeit geleistet wird. Aus Mangel an Mitteln werden augenblicklich vielfach billige Bauweisen angewandt, und zwar da, wo sie wirtschaftlich gar nicht am Platze sind. Dr.=Ing. Trauer kommt zu der Schlußbetrachtung, daß die Kleinpflasterdecke bei dem im allgemeinen auf den Landstraßen herrschenden mittelstarken Verkehr der Teerdecke wirtschaftlich überlegen sei. Er vertritt den Standpunkt, daß nicht Fachleute aus der Not eine Tugend machen sollten, um mit Zahlen zu operieren und sie für richtig zu beweisen, was bei gewissem Verkehr nur ein Notbehelf ist. Aus den Ausführungen Dr.=Ing. Trauers ergibt sich für die bauvergebenden Stellen die dringende Forderung der in den meisten Fällen wirtschaftlichsten Straßenbauweise— der Kleinpflasterstraße— in Zukunft größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Insbesondere sollte bei sämtlichen Notstandsarbeiten für Straßenbau hauptsächlich die Kleinpflasterdecke gewählt werden, da der Bau selbst wie auch die Baustoffe in weitestem Maße lohnende Arbeit bringen und zur Senkung der Erwerbslosenziffer wesentlich beitragen können. Aus der Angestellten-Versicherung Entgelt und Versicherungspflicht Das Entgelt ist die Grundlage für. Versicher#gspflicht der Angestellten. Die Höchstgrenze des Gehaltes für die Versicherungspflicht beträgt 8400 RM jährlich oder 700 RM monatlich. Angestellte, die ein höberes Gehalt beziehen, sind nicht versicherungspflichtig. Bei der Berechnung dieses Höchstbetrages sind Zuschläge, die mit Rücksicht auf den Familienstand gewährt werden (Frauen=, Kinder= und ähnliche Zulagen) nicht anzurechnen. Was aber gilt nach den gesetzlichen Vorschriften als Entgelt? Nach den gesetzlichen Vorschriften gehören zum Entgelt neben Gehalt oder Lohn auch Gewinnanteile, Sach= und andere Bezüge, die der Versicherte, wenn auch nur gewohnheitsmäßig, statt des Gehalts oder Lohnes oder neben ihm von dem Arbeitgeber oder einem Dritten erhält. Hiernach kommen Gehalt oder Lohn als die Haupt arten des Entgelts in Frage. Bemerklich ist aber, daß Gehalt und Lohn als gleichwertige Arten des Entgelts bezeichnet sind. Vielfach werden Beschäftigte, die nach Art ihrer Tätigkeit zweifellos in der AV. versichert werden müßten in der Invalidenversicherung(IV.) versichert, weil sie nicht Gehalts=, sondern Lohnempfanger sind. Umgekehrt werden aber auch Beschäftigte, die nach Art ihrer Tätigkeit in der IV. versichert sein müßten, in der AV. versichert, weil sie nicht Lohn=, sondern Gehaltsempfänger sind. In beiden Fällen ist die Auffassung eine irrige. Für die Versicherung ist die Art der Tätigkeit maßgebend Einen Mindestbetraa des Entgeltes, bis zu dessen Erreichung ein Zwang zur Versicherung eines Beschäftigten (auch Lebrling oder Lehrmädchen) nicht besteht, sehen die gesetzlichen Bestimmungen nicht vor. Die RfA. sieht aber in der Regel einen Barbezug von nicht mehr als 10 RM monatlich nicht als Entgelt an, wenn die Beteiligten selbst, also auch der betreffende Arbeitnehmer, ihn nur als Taschengeld betrachten und daher die Versicherungspflicht bestreiten. Dies kommt aber nicht in Frage bei Barbezügen, auf die der Arbeitnehmer einen rechtlichen Anspruch hat. Der Arbeitgeber hat hiernach den Angestellten und auch den Lebrling zu versichern. Tut er es nicht, so macht er sich Versteigerungsbezirke Nachdem bereits vor einiger Zeit eine Neueinteilung der den becidigten Versteigerern zugewiesenen Bezirke im Rezierungsbezirk mit Ausnahme des Vestes Recklinghausen ersolat ist, hat der Regierungspräsident nunmehr auch für dieses Gebiet eine Neueinteilung der Versteigererbezirke vorge nommen. Hierbei sind drei Bezirke gebildet worden, von denen der Bozirk Reckliugbausen sich ungefähr mit dem Bezirk des Polizeipräsidiums deckt. Der Bezirk Dorsten umfaßt die Stadt Dorsten und die Aemter Hervest=Dorsten und Kirch hellen, der Versteigererbezirk Haltern Stadt und Amt Haltern. Die Bildung eines, so großen Bezirks, wie es der Bezirk Recklinghausen mit einer Einwohnerzahl von annäbernd 7imium Seelen ist, kann auf den ersten Blick befremdlich er scheinen. Es ist jedoch zu beachten, daß die den beeidigten Versteigerern ausschließlich vorbehaltenen Versteigerungsgeschafte in der Hauptsache aus Grundstücksversteigerungen und=verpachttingen bestehen, die naturgemäß auf dem Lande erheblich zahlreicher sind, als in den Städten. Weiterhin ent spricht die Einteilung dem für die gesamte Neueinteilung rich tunggebenden Grundsatze, in einem Bezirke so viele beeidigte Versteigerer zuzulassen, daß die Bevölkerung mehr als bisher in der Lage ist, sich unter den zugelassenen beeidigten Ver steigerern den auszusuchen, zu dem sie besonderes. Vertrauen hat.— * Die Verordnung lautet: 1. Auf Grund der Zisser 64 der Vorschriften vom 10. Juli 19/2 über den Umsang der Besugnisse und Verpflichtungen so wie über den Geschäftsbetrieb der Versteigerer werden für den Gewerbebetrieb der beeidigten Versteigerer im Bereich des Bestes Recklinghausen folgende Bezirke festgesetzt und den nach genannten Versteigerern zugewiesen: strafbar. Gegebenenfalls haftet er auch für den Ausfall an Versicherungsleistungen. Der Arbeitgeber tut wohl daran, in jedem einzelnen Falle zu prüfen, ob die gewährte Vergütung als Entgelt anzusprechen ist und somit die Versicherung des Beschäftigten zu erfolgen hat oder nicht. Auf keinen Fall darf er sich damit zufrieden geben, wenn die übrigen Beteiligten sich augenblicklich mit der Nichtversicherung einverstanden erklären. Hierbei möge ihn der Gedanke leiten, daß er allein bei Nichtversicherung eines versicherungspflichtigen Beschäftigten außer der gesetzlichen Strafe im Leistungsfalle die Haftbarmachung für den Ausfall an Leistungen zu gewärtigen hat Dies kann schon eintreten, wenn ein unbedingt erforderliches Heilverfahren wegen Nichtversicherung abgelehnt werden muß. Die ihm in diesen Fällen erwachsenden Unkosten dürften die ersparten Beitragsgelder bei weitem übersteigen. Aehnlich verhält sich die Sache, wenn wegen Nichtberücksichtigung der Sach= und anderen Bezüge zu geringe Beiträge entrichtet werden. In Zweiselsfällen empfiehlt sich eine Anfrage bei der zuständigen Stelle(Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin=Wilmersdorf oder Ueberwachungsbeamter). Nun noch ein Wort über die Sachbezüge: Aber nicht nur, wie vielfach irrtümlich angenommen wird, die feststehenden Gehalts= oder Lohnbezüge gelten als Entgelt, sondern auch Gewinnanteile, Sach= und andere Bezüge, die der Versicherte, wenn auch nur gewohnheitsmäßig, statt des Gehalts oder Lohnes oder neben Gehalt oder Lohn vom Arbeitgeber oder auch von einem Dritten erhält. Als Sachbezüge, deren Wert vom zuständigen Versicherungsamt festgesetzt wird und beim Versicherungsamt oder der Ausgabestelle der AV.(Krankenkasse, Ortsbehörde) zu erfragen ist. kommen in Betracht: Freier Unterhalt, Beköstigung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung, Landnutzung. Viebfutter, Aussaat, Spanndienste u. a Unter anderen Bezügen sind zu verstehen: Ueberstunden und Prämiengelder, Leistungszulagen, Provisionen, kosten und Reisespesen, Frauen= und Kinderzulagen, Auslands= und Besatzungszulagen, Teuerungszulagen, Mankogelder, Gratifikationen, Wert freier Fahrt zwischen Arbeitsstätte und Wohnung, Trinkaelder und Gebühren, auf die der Beschäftigte statt fester Bezüge angewiesen ist. 1. Versteigererbezirk Recklinghausen, umfassend die Stadtkreise Recklinghausen, Gladbeck, Bottrop, Gelsenkirchen, sowie die Aemter Westerholt, Marl. Datteln, Beeidigte Versteigerer: Hagemann(Gelsenkirchen), Meeser (Gelsenkirchen=Buer), Schmidt am Busch(Gladbeck), Verstege (Recklinghausen), Kordewich(Marl), Zokula(Hüls), Hiltrop (Herten). 2. Versteigererbezirk Dorsten, umfassend die Stadt Dorsten, sowie die Aemter Hervest=Dorsten Beeidigte Versteigerer: Wie(Dorsten), Kohl(Wulfen), Weßling(Lembeck). 3. Versteigererbezirk Haltern, umfassend Stadt und Amt Haltern.„„„ Beeidigte Versteigerer: Capitaine(Haltern), Brinkhaus Potiern).—4.— Nr. 442 im Stück 30 des Regierungsamtsblatts vom 21. Juli 1929 veröffentliche Anordnung betreffend Versteigererbezirke wird dahin berichtigt, daß bei den steigerern des Bezirks Beckum noch der beeidigte Versteigerer Berten(Oelde) nachzutragen, bei denen des Kreises Borken der Versteigerer Rave(Ramsdorf) zu streichen ist. Schilder in Autzügen Nach§ 9 der Aufzugsverordnung sind an jedem Aufzug Tchilder anzubringen, die den Namen des Herstellers usw. tragen, außerdem Schilder, die nach den technischen Grund satzen besonders vorgeschrieben sind. Andere Schilder und Aufschriften dursten bisher daneben an den Fahrstuhlzugängen und im Innern nicht angebracht werden. Der Deutsche Aufzugsausschuß hat in seiner letzten Sitzung aber den Ländern vorgeschlagen, dieses Verbot auf diejenige Innenwand des Fahrstuhls zu beschränken, an der die vorgeschriebenen Aufzugsschilder angebracht sind.„Es, muß dann, gber. Ragau, gle halten werden, daß zum mindesten das Schild mit Angaben über die Tragkraft und zulässige Personenzahl so groß und derart an der freizuhaltenden Wand angebracht ist, daß es, auch bei besetztem Fahrkorb von jedem Fahrgast ohne weiteres gelesen werden kann. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe die in Frage kommenden nachgeordneten Stellen entsprechend angewiesen. Kundenwerbung durch Alkohol Ein Buchhändler traktiert die Akquisiteure der Konkurrenz. Einen recht üblen Geschäftstrick leistete sich der Buchhändler Bernhard Küdde aus Münster, der ebenso wie der Inhaber der dortigen Buchhandlung Kr. mit Hilfe von Akquisiteuren die mit Abschluß einer Versicherung verbundenen bekannten Vobachschen Familienhefte vertrieb. Der Vorgang ist der, daß die Abonnenten, die sich versichern lassen wollen, die ihnen von den Akquisiteuren überreichten Antragsscheine unterschreiben, welche für die Abonnenten bindende Wirkung haben, während sich der Verlag für Annahme oder Zurückweisung entscheiden kann. Auf diesen Antragsscheinen befindet sich der Firmenstempel der werbenden Buchhandlung. Küdde, der gern ein gutes Geschäft machen wollte, verfiel nun auf die Idee, die Akquisiteure seiner Konkurrenz solange ausgiebig mit Alkohol zu traktieren, bis sie sich bereitfanden, ihm die für ihre Firma eingeholten Antragsscheine gegen klingende Münze zu verkaufen. Da Küdde, allerdings mit Zustimmung der betreffenden Abonnenten, den Stempel der Konkurrenzfirma auf diesen Antragsscheinen beseitigte und dafür den seinen einsetzte, wäre ihm dieses Manöver sehr bald äußerst unangenehm bekommen, denn die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn Anklage wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Untreue. Das Landgericht Münster sah aber die Sache wesentlich milder an und erkannte lediglich wegen unlauteren Wettbewerbs auf 50 RM Geldstrafe. Die hiergegen vom Angeklagten beim Reichsgericht eingelegte Revision hatte zwar den Erfolg, daß das Urteil aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückverwiesen wurde, weil dieser Fall den§ 12 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb nicht erfülle. Ganz ohne Strafe dürfte K. aber nicht ausgehen, da die Vorinstanz nunmehr zu prüfen hat, ob nicht Vernichtung einer Urkunde in der Absicht, seiner Konkurrenz einen Vermögensschaden zuzufügen, vorRundfunk-Programm Rundfunk=Programm Köln(227) und Laugenbera(473). Zwischensender: Aachen(297) und Münster(227). Gleichbleibendes Werktags=Programm. 6.45: Leibesübungen. 9 7: Schallplatten. o 7.30: Brunnenkomerte aus dtsch. Bädern. o 10.15: Schallplatten. 10.30: Wasserstände. v 11.20: Schulfunk(außer Mo. u Di.). O 12.10: Schallplatten. A 12.50: Wetter. D 12.55: Vom Tage(außer Montag, 23. Juni. 15.00: Kinderstunde. Geschichten aus dem Zoologischen Garten. 16.05: Dr. Jenny Werner: Die Freizeitbewegung der erwerbs16.25: Ott. Rombach: Revortage als Geschichte. 16.45; Jugendfunk: Von fremden Ländern und Völkern. 17.30: Konzert. Mozart: Ouv. zu„Figaros Hochzeit": KlavierKonzert A=dur; Divertimento Nr. 15 B-dur. 18.30: Rektor Thielicke: Die Schule als Heim und Heimat. 19.15: Spanische Unterhaltung.„ 4.„ 19.40: Bergassessor Goethe: Die vollz= und weltwirtschaftliche Bedeutung der Steinkohle. 20.00: Abendmusik. Kuhlau: Erlenhügel=Ouv.— Strauß: Melodien aus„Elektra“.— Micheli: Albumblatt: Lied ohne Worte. — Morena: Die Schönen von Valencia.— Urbach: SchubertSkizzenbuch.— Mercier: Tarantella Siciliana. 21.00: Bach=Konzert. Tenor-Arien: Die Seele ruht in Jefu Händen: Ewigkeit, du machst mir bange.— uus dem wohltemperierten Klavier: Präludium und Fuge D=moll: Präludium und Fuge Fis-dur: Aus den dreistimmigen Inventionen Fmoll Nr. 9.— Tenor=Arien: Erholet euch: Nimm mich dir zu eigen bin: Nun ist das Heil und die Kraft für Dopvelchor und Orcbester. Dann: Konzert. Dienstag. 24. Juni. 9.30: Stadthalle Königsberg; 28. Verbandstag des Reichsverbandes des deutschen Elektro-Installationsgewerbes C. B. 11.20: Schulfunk: Eine Stunde am Bienenhaus. 15.00: Kinderspielstunde: Rätsel und Spiele. 15.50: Fritz Ohle: Im Süden Marokkos. 16.05: Willt Schäferdiek: Rheinische Erzähler der Gegenwart. 16.25: Oberstaatsanwalt Nagelschmidt: Verbrechen und Aberglauben. 16.45: Dr. H. Behle: Mitteilungen aus dem Schulfunk, 16.55: Studienrat Lie. Dr. Würtenberg: Lebenskunde im wangelischen Religionsunterricht. 17.30: Komert. Tänze und Märsche aus Overn(Schallvlatten). 18.30: Divl.=Ing. E. Hopmann: Der Architekt und die gute Stube. 19.15: Französische Unterhaltung. 19.40: Gespräche über Menschentum: Hardt—Honigsheim—Stein— Worm. 20.10: Abendmusik. Boieldien: Ouv. zu„Die weiße Dame“. Wieniawsli: Legende.— Nicodé: Canionnette.— Blon: Frauenlieb und=leben.— Hallen: Rhapsodie.— Götze: Waldeszauber. 21.00: Josef Plaut=Abend. Deutsche Welle(1335). Deutsche Welle. Gleichbleibendes Werktags=Programm. 5.50: Wetter für den Landwirt. o 6.30: Morgengymnastik. 9 6.55: Wetter für den Landwirt.# Ca. 7: Konzert. o 12.25: Wetter für den Landwirt.(So. 12.50). o 12 bzw. 12.30: Schallvlatten (außer So.). O 12.55: Nauener Zeit. o 14: Berlin: Schallvl###ten. 6 15.30: Wetter. Börse. m 19.55: Wetter für den Landwirt. Deutsche Welle. Montag, 23. Juni. 10.00: Grete Maria Markstein: Oesterreichische Dichter. 12.00: Englisch für Schüler. 15.00: Geora Lapper: Deutsch für Ausländer. 15.45: Bettn Hirsch: Jum 50. Geburtstag von Helen Keller. 16.00: Breslau: Nachmittagskonzert. 17.30: Vorbereitung und Auswertung von Lehrerstudienreisen ins Ausland. M 1155: J. Spruyt: Javanische Musik. 18.20: Alwin Steiniz: Aus dem Lande des Mahdi. 18.40: Dr. Elias Hurwicz: Parteiwesen und politische Bildung 19.05: Englisch für Anfänger 19.30: Reichsbahndtr. Treibe: Wie kann die Zusammenarbeit mit der Reichsbahn dem Obst= und Gemüsebauer beim Absat delfen? 20.00: Koloratur=Arten. gesungen von Alerandrine Alerandrowa. 20.30: Internationaler Programmaustausch(Belaradl Danach: Tanzmusik. Kapelle Egon Kaiser. 24.00:„Dies ist die Stunde. die Frühling und Sommer trennt“. Literarisch=musikalische Stunde. Deutsche Welle. Dienstag. 24. Juni. 9.00: Oberförster Mudra: Vom Werden und Vergeben des Märkischen Waldes. 15.00: Maraarete Wallmann: Tanzturnen für Kinder. 16.00: Aus der Pädagogischen Zeitschriftenliteratur. 16.30: Leivug: Nachmittagskonzert. 17.30: Dr. Noelle: Zucht und Pflege von Kalt= und Warmwasserfischen im Aquarium. 17.55: Pros. Dr. Gehrig: Tragtt der Kleinstadt 18.20: Dr. Soitzer: Blutung und Nachblutung bei zahnärztlichen Eingriffen. 10.40: Französisch für Anfänger. 19.05: Dr. ing. Lindner: Das Ingenieutwerk in der Landschaft 19.30: Heinz Zucker liest aus eigenen Dichtungen 20.00: Baso Prihoda sptelt Violine(Schallvlatten). 20.15: Munchen: 400 Jahrfeier der Augsburger Konseslion Begrüßungsabend des Deutschen Evangel. Kirchenbundes Anschl.: Or chesterkonzert. Anschl.: Berlin: Politische Zeitungssc u. * 15 2 Schadenersatz „Da hilft kein Geld und keine Pfleg“ „Was Sie nicht sagen, Schwester Agnes: drei Wochen liege ich nun schon in dieser feinen Klinik, und Nacht für Nacht haben Sie an meinem Bette gesessen, weil es sozusagen auf Leben und Tod mit mir ging? Ich will Sie nicht kränken, Schwester, aber die Mühe hätten Sie sich sparen können, und der reiche Herr, der mich überfahren hat, die Kosten. Sehen Sie, ein paar Wochen früher hätt' mir das Malheurchen passieren müssen und alles wär' gut gewesen; dann freute ich mich jetzt meines Lebens. So aber tut mir das rausgeworfene Geld leid, und daß da auch noch so ein junges Blut wie Sie, Schwester Agnes, sich lange Nächte den Schlaf um die Ohren schlägt, um aufzupassen, daß ich nicht etwa abkraße! Na ja, für den reichen Herrn ist es ja so besser. Mein kostbares Leben erspart ihm einen unangenehmen Prozeß mit so allerhand Drum und Dran. Der kann seine Zeit besser verwenden. Aber mir, Schwester—, mir wär' wohler, wenn es anders gekommen wäre. Sie brauchen nicht gleich das Thermometer zu holen, Schwester. Mir geht es leider nur allzu gut. Schadenersatz? Ach nee! Auch noch Schadenersatz will der reiche Herr leisten? Darüber könnt' ich mich beinahe totlachen—, pardon, ich soll ja partout leben bleiben; entschuldigen Sie schon, das neue Leben das ich anfange, ist aber auch zu komisch! Geld, viel Geld soll ich kriegen? Vor ein paar Wochen wär' ich schon mit Arbeit zufrieden gewesen. Aber dafür hat kein Mensch Interesse gehabt. Da hab' ich opfern müssen, nichts wie opfern. Das Liebste, was so ein armer Proletarier, wenn er noch ein bißchen Dusel hat, haben kann: ein braves Weib hab' ich hergeben müssen. Und warum? Weil das Geld nicht da war, das sie mir jetzt wegen ein paar gebrochener Knochen aufdrängen wollen Haben Sie keine Bange, Schwester Agnes, weil ich soviel rede; der Mensch muß sich mal ausquatschen; das wird Ihnen ja schon öfter vorgekommen sein. So ein Päckchen tragen, das tun wir ja alle; der eine trägt's leichter, der andere schwerer, und manche brechen darunter zusammen und kommen nicht wieder auf. So ist das mit mir. Da hilft kein Geld mehr und keine gute Pflege. Wenn da drinnen etwas kaputt ist, kann es auch der Herr Pro fessor nicht mehr flicken, und der versteht doch sein Handwerk. Und woher kommt das viele Leid auf der Welt, Schwester?, Weil sich Menschen, denen es immer gut gegangen ist, irgend etwas ausdenken, was dann für alle gilt, auch für solche, die ihr Lebtag nich s mie Not und Elend kennengelernt haben. Es ist sogar beinahe so, als wären gerade für die Aermsten, was man so Gesetze nennt, gemacht, denn die Reichen, die brauchen nur mit ihrem Gelde zu kammen und gleich sieht so ein Gesetz nicht mehr so schlimm aus Jowohl, Schwester, so ist es! Sehen Sie, vor zwei Jahren haben wir uns kennengelernt, meine Lisbeth und ich. Sie hat keinen Menschen gehabt und ich auch nicht; was sollten wir da länger so jeder allein bleiben! Nach niemandem haben wir gefragt und ohne viel Umstände geheiratet. Eine Kochstube war unsere ganze Wohnuina. aber piekfein war die. Meine Lisbeth, das war aber auch In aller Frühe war sie schon auf den Beinen, und wenn ich wurde, war alles schon fix und fertig, und sie hat schol: ihre fröblichen Lieder geschmettert und ihren Jux mit mir gemacht. Zu sammen gingen wir in die Fabrik und nach Feierabend auch wieder wesammen nach Hause. Die Lisbeth tat's nicht anders: sie wollt noch mitverdienen für eine schöne Wohnung, wissen Sie? Bis ich arbeitslos wurde.—— Jeden Morgen gab es mir einen Stich, wenn die Lisbeth allein gehen mußte, wenn sie auch noch so vergnügt dabei tat. Und eines Nachts war ihr so elend zumute, trotzdem ging sie am Morgen, wie immer los Ein paar Stunden später kam sie schon wieder nach Hause, weiß wie ein Bettlaken, wo doch meine Lisbeth immer sonst wie eine Rose blühte, Schwester. Na, und dann kam der Arzt, untersuchte sie, lachte und meinte, es wär' nichts Schlimmes; nur ein Kind erwarte die Liebeth. Als er gegangen war, saß ich an ihrem Bett und spielte s“.= Vaterfreuden vor. Aber ihr Gesicht wollte und wollte nicht fröhlich werden. Den ganzen Tag sagte sie kaum etwas. Am anderen Tage fing ich wieder davon an. Da sagte sie, das ginge dach gar nicht, daß sie ein Kind bekommen sollte, jetzt—, wo sch keine Arbeit hätte und in der Fabrik immer mehr Leute entlassen wurden. Schließlich sah ich das auch ein. Sicher könnte man noch e was dagegen tun? Die Lisbeth hatte ja recht; wovon hätte ich e: Kind ernähren sollen? Von meiner Arbeitslosenunterstützung? ein Kind muß ordentliche Pflege haben, wenn etwas aus ihm morgen soll. Die Lisbeth weinte damals oft. Sie hatte ja Kinder so gern, und ihr eigenes sollte sie nun hergeben...? Da gingen wir dann riel zu einem Arzt. Der hörte sich auch alles geduldig an, untersuchte die Lisbeth und sagte, so gesunde Mütter gäbe es selten; ne ise ihr Kind bekommen; er mache sich strafbar, wenn er was kegegen tue. Ich konnte es erst gar nicht glauben und versprach ium er bekäme schon sein Geld. Ich dachte, er traue uns armen Le###en in diesem Punkte nicht. Aber er ging nicht davon ab: das Der entfernteVerwandte Eines Tages im Familienkreise stellt er uns, der entfernte Vermandte. Wir hatten ihn noch niemals gesehen, hatten überhaupt ceine Ahnung non seiner Existenz. Er teilt uns mit, daß er hiße, ergeht sich, unter Anwendung erstaunlicher genealogischer erntnisse, in einer tiefgründigen Analyie unseres Verwandtschaftsgrades und enthüllt uns, daß unsere Großväter Brüder gewesen seien und wir mithin im Verhältnis von Vettern zueinander ständen en Feststellung, aus der er als selbstverständlichste Folgerung Rerechtigung herleitet, du zu uns zu sagen und uns mit unserem Vernamen anzureden. Der entiernte Vermandte ist Landwirt, wohnt in einem abgeeren Derie. zeichnet sich durch einen kräftigbraunen Teint aus . spricht einen scharf akzentuierten erzgebirgischen Dialekt, wa rend nur unsererseits hundertprozentige Städter sind, eine blasse (##schtefarbe haben und eher zum Berlinern neigen. Nun, das sind zunächst einmal nur äußerliche Gegensötze. Aber auch in anDingen ergeben sich starke Disharmonien. Dem en Verwandten bedeutet Ganghofer der Gipfelpunkt der Literatur, unt dem Theater und dem Kino bringt er keinerlei Interesse Dafür jedoch ist er Vorstandsmitglied seines heimischen Schutzenvereins und weiht uns mit großer Redefreude in alle Fragen ein die dort eine Rolle spielen. Selbstverständlich teilt der entfernte Verwandte auch politisch durchaus nicht unseren Standpunkt. Ueberhaupt ergibt sich immer mehr, daß sein Levenszuschnitt dem unsere durchaus entgegengesetzt ist. Wir sind in allen möglichen Dingen ganz anders als er. Auch körperliche Aehnlichkeiten sind nicht zu entdecken. Uebrigens sind wir auch ein gutes Dutzend Jahre älter als der entfernte Verwandte. Aber was will das alles sagen!...... Es ist uns der Vater unserer Großväter gemeinsam, und wenn auch weder wir noch der entfernte Verwandte diesen Urahn jemals Geletz binde ihm die Häno=— und schon waren wir wieder draußen. Die Lisbeth war ganz verzweifelt, und ich rannte mir die guße wund nach Arbeit—. immer vergebens. Ein paar Tage später komme ich nach Hause, da liegt die Lisbeth im Bett und windet sich vor Schmerzen. In ihrer Not war sie nun doch bei so einem Weib gewesen, wovor ich sie so gewarnt hatte; die hatte es für ein paar Mark gemacht. Und wie hat sie es gemacht? Solange ich lebe, werde ich das Schreien und Wimmern meiner armen Lisbeth nicht vergessen. Die Nachbarn liefen zusammen, holten einen Arzt, denselben, der uns fortgeschickt hatte, aber der konnte nun auch nicht mehr helfen... Am Morgen war meine Lisbeth tot.— Gegen das Weib hab' ich gar nichts unternommen; was bleibt den armen Proleten denn anderes übrig, als bei ihr immer wieder das Lotteriespiel um Leben und Tod zu wagen! Das Gesetz will es ja nicht anders. Das ist meine Geschichte, Schwester Agnes. Nun werden Sie vielleicht verstehen, daß ich auf das Geld pfeife, das ich bekommen soll. Jetzt helfen sie mir nicht mehr damit..... Sie sagen ja gar nichts, Schwester Agnes?—— Schwester, schlafen Sie?“—— *** Lokalnoti: aus der Morgenvresse: Heute morgen gegen fünf Uhr fanden Krankenhausangestellte den Arbeiter J. A., der vor diei Wochen non dem Muto des bekannten Bankiers B. überfahren wurde, im Hose der Klinik tot auf. K. hat sich in einem unbewachten Augenblick, wahrscheinlich in einem Anfall geistiger Umnachtung. aus einem Fenster des im dritten Stock gelegenen Krankenzimmers herabgestürzt. Durch einen Schädelbruch trat der Tod auf der Stelle ein. Gretl Glogau. Das Lied der Yaravi Eine peruanische Novelle von Charles Cane Ueber den Bergen im Osten kam der späte Mond herauf und tastete leise mit silbernen Fingern über das Land. Die Nacht war still und klar, wie eben die Nächte der Pampa sind. Von weit her, aus einem fernen Tambo, schluchzte das klagende Lied der Yaravi, während am Himmel die vier Sterne des südlichen Kreuzes schimmerten und man in der lauen und milden Luft das Leuchten der phosphoreszierenden Cocuyo wahrnehmen konnte. Hier und da hörte man das Wiehern eines freien Tieres in der Steppe. Endlos lag die Pampa offen, in geheimnisvollem Schweigen. Einsam, stumm, ein Bild des Friedens, dehnten sich die weiten Flächen. In der Estanzia Don Domingos war es totenstill. In den Ställen scharrten von Zeit zu Zeit die Pferde, ein Hund winselte leise im Schlaf, und aus dem hohen Yatay, der den Brunnen beschattete, pfiff verträumt eine Paraulatadrossel. Plötzlich schien es, als sprächen in der nächtlichen Stille zwei Menschen miteinander. Bruchstückweise, abgerissen klang Flüstern über den Hof. Da sah man im Schatten des großen Schuppens Antonio, den Cholo, mit einem Mädchen steien. Und dieses Mädchen war ein weißes Mädchen. Es war die Tochter Don Domingos. Der Cholo Antonio. Sohn eines Weißen und einer Indianerin, war Gaucho auf der Estanzia des großen Don Domingo. Er war ein Reiter, wie es wohl keinen zweiten gab der imstande war, ein ungezähmtes Roß bis zum Monde hinaufzureiten, wenn er es bezwingen wollte. Er war schlank und hübsch von Gestalt, und in seinen schwarzen, tiefen Augen lag die ganze Schwermut seiner Rasse. Aber er war nur ein Cholo und seine Mutter eine Indianerin. Und jetzt stand er in der Stille des nächtlichen Hofes allein mit der Tochter Don Domingos. Er wußte, daß ihn dieses Wagnis sein Leben kosten konnte. Niemals würde Don Domingo Gutierrez n Delgado diese Schmach auf sich sitzen lassen, daß ein Cholo es gewagt hatte, seine Tochter zu beachten. Antonio sprach hastig auf das Mädchen ein das, den Blick von Tränen umflort, ihr Antlitz abwandte. Doch allen seinen Bitten setzte sie ein starres Schweigen entgegen. Ein Schweigen das die ganze Trostlosigkeit der Wahrheit barg. Aus ihrer Brust stieg ein gequältes Schluchzen auf, und erschauernd barg sie ihren Kopf an der Brust des Mannes, der sie mit starken Armen umsing und an sich r Gesundes Schlafen Eine der wichtigsten Fragen der Hygiene ist die der gesundheitsmäßigen Beschaffenheit der Wohn= und vor allem der Schlafräume. Es ist schon so unendlich viel zu diesem Thema geschrieben und gesagt worden, und doch findet man immer wieder Menschen, die es für nötig erachten, elegante und repräsentative Wohnräume in möglichst großer Zahl zur Schau zu stellen, und die zum Schlafraum dann ein kleines, enges, womöglich nach einem düsteren Hofe zu gelegenes Zimmerchen wählen, weil dieses ja„nur" zum Schlafen dienen soll. Daß der Mensch mindestens etwa ein Drittel seines Lebens in seinem Schlafzimmer zubringt, wird dabei nicht bedacht. und daß sein Körper im Ruhezustand, wobei der ausgleichende Faktor der Muskelbewegung fortfällt, viel leichter einer Erkältung, einem Rheumatismus oder dergleichen zugänglich ist, wird ebenso außer acht gelassen. Allerdings liegt heute die Frage gesunder, allen hygienischen Anforderungen genügender Wohnungen sehr im argen. Um so mehr aber sollte darauf geachtet werden, daß als Schlafzimmer, gerade bei unzulänglichen Wohnungen. der lichteste, trockenste und bestventilierbare Raum gewählt wird. Jeder Mensch kann es leicht an sich selbst erproben, daß er sich morgens weit ausgeruhter, erfrischter und arbeitsfreudiger fühst, wenn er in gesehen oder gesprochen haben, dieweil dieser Altvorder seit einem guten halben Jahrhundert im Grabe liegt, so leitet der entfernte Verwandte doch aus der ehemaligen Existenz dieses Verstorbenen das Recht zu größerer Intimität her, als sie zwischen uns und unseren engsten Gesinnungsfreunden oder Berufskollegen herrscht. „Es rollt das gleiche Blut in unseren Adern“, sagt dei entfernte Verwandte, und daraufhin raucht er unsere Zigarren, sondiert er unsere wirtschaftlichen Verhältnisse, sagt er Tante zu unterer Frau, bittet er unsere erwachsene Tochter, ihm die Stadt zu zeigen. Umgekehrt hält er nicht über seine persönlichen Verhältnisse hinter dem Berge und zerstört die beschämende Unor#enttertheit, die bie lang auf unserer Seite über seine Leben=gewohnheiten, Schickso##e und Wirtschaftssorgen bestanden hat. Er zählt die Mittel auf, die seine Frau bislang schon erfolglos gegen ihren Rheumatismus versucht hat und gewährt uns einen detaillierten Einblick in die Pachtverhandlungen, die er pflegt, nicht ohne uns als Finale varau aufmerksam zu machen, daß seine Finanzlage zur Feu etwas an gespannt ist und wir deshalb gut täten, unsere verwandtschaftlichen Gefühle durch die Hergabe eines kleinen Darlehens zu bekräftigen. Bald ist der entfernte Verwandte wieder verschwunoen. Er sinkt in das Nichts zurück, aus dem er gekommen war. Gelegentlich nur geistert die Bezugnahme auf nicht allzu erbauliche Aussprüche, die er im Kreise anderer ebenso entfernter Verwandter über uns geprägt hat, durch die VerwandtschaftskorreUebrigens stellt sich nachträglich heraus, daß unsere Großväter gar nicht eigentlich Brüder, sondern nur Stiefbrüder gewesen sind, und so ganz sicher ist nicht einmal das, denn die zweite Frau unseres gemeinsamen Urgroßvaters soll nach freilich überaus unkontrollier baren Gerüchten eine etwas leichtlebige Dame gewesen sein. Schadet alles nichts! Der Fremdling ist und bleibt ein entfernter Verwandter von uns, denn die vergilbten Kirchenbücher behaupten es, und als entfernter Verwandter kann er von unserem privatesten Leben nach Belieben Besitz ergreifen. Agricola. Als der Tag anbrach und die karminfarbenen Drosseln, Kanarienvögel, rot wie Burgunder und braun wie Sherry, süß wie Spottdrosseln mit bernsteingelbem Schnabel und türkisblauen Augen, anhuben zu pfeisen und zu zwitschern, trennten sich die beiden Menschen. Ueber ihnen trillerten in der kleinen grünen Laube zwei Kardinalvögel mit purpurrotem Schopfe. Das Lied der Yaravi aus dem fernen Tambo war schon lange verstummt. Als der Kondor aus dem Felsen der Anden hervorbrach, auf die Estanzia Don Domingos niederstieß und das beste Füllen aus der Herde zerriß, ritt einsam ein Reiter durch die Felsenwüste der Montana. Es war ein stattlicher großer Mann, den man vielleicht hätte schön nennen können, wenn nicht sein Gesicht ein entsetzliches Mal getragen hätte. Quer über das Antlitz dieses Mannes ging ein tiefer Schnitt, der Nasenflügel und Lippen spaltete und schneeigglitzernde Zähne bloßlegte. Dieser Mann war Antonio, der Cholo von der Estanzia Don Domingos. Es war so gekommen wie es hatte kommen müssen. Als die Sonne hoch stand— es war im Januar, und die Nächte waren lang und drückend heiß— waren Antonio und die Tochter Don Domingos hinausgegangen in die einsame, schweigende Pampa. Bei der Rückkehr der beiden Liebenden nach der Estanzia erwartete sie Don Domingo, der die Wege seiner Tochter belauscht hatte. Antonio hätte zweifellos den alternden Don Domingo getötet, wenn nicht der Anastschrei der Geliebten um den Vater ihn den mörderingen Griff hätte lockern lassen. Und er ließ so locker, daß es dem ra#nden Vater gelang, den Navajon zu fassen zu bekommen und dem e### den Cholo, der es gewagt hatte, die Tochter des edlen Don Dngo anzusehen, einen Schnitt quer über das Gesicht beizubringen, der ihn für ewige Zeiten zeichnete. Dann jagte er ihn in die Sieppe hinaus. Man hat später gesagt, daß Don Domingo Gutierrez y Belgado durch einen Fehltritt seines Maultieres den Todessturz in die Schlucht erlitten habe. Aber wer die Mulas der Kordilleren kennt, der weiß, daß sie niemals einen Fehltritt tun. Uebrigens soll Antonio, der Cholo, noch einmal in der Nähe der Estanzia gesehen worden sein, doch war damals die Tochter des verunglückten Don Domingo schon lange fort— nach Europa. einem geräumigen Zimmer mit ausreichender Lufterneurung geschlasen hat, als in einem engen Hinterstübchen. Das Beste ist für gesunde, widerstandsfähige Menschen naturgemäß das Schlafen bei offenem Fenster, wobei freilich darauf zu achten ist, daß die kalte Luft nicht direkt auf das Bett trifft, und besonders ist es unzweckmäßig, die Bettstelle unmittelbar unter das geöffnete Fenster zu stellen. Für Empfindliche ist es angebrachter, in einem anstoßenden Raum während der Nacht ein Fenster offen stehen zu lassen und die Verbindungstür weit zu öffnen. Zum Zudecken sollten Federn möglichst nicht verwendet werden. Wer daran gewöhnt ist und glaubt, sie nicht entbehren zu können, der sollte wenigstens darauf halten, daß sie nur mit leichtem Federflaum gefüllt und nicht dick mit schweren Federn=allgepfropft sind. Diese hohen, übereinander getürmten Betten, wie man sie vor allem auf dem Lande noch vielfach findet, bewirkes eine übermäßige Erhitzung des Körpers, wodurch die Schweißubsonderung gefördert wird, so daß die Betten, wenn sie nicht sehr viel der Sonne ausgesetzt werden, allmählich einen fauligen und unangenehmen Geruch innehmen. Abgesehen davon wird dem ruhenden Körper unter der Last solch dicker Federdecke jede Luftzufuhr abgeschnitten, und da wir längst wissen, wie wichtig eine gute Hautausdünstung ist, sollte jeder einmal versuchen, ob er nicht unter ein oder zwei Wolldecken ebenso gut und gesund schlasen kann Für den Kopf ist in jedem Fall ein härteres, etwa mit Roßhaaren gesülltes Kissen weitaus zweckmäßiger und gesunder, als die so beliebten weichen, dicken Federkissen. Metallene Bettstellen sind den Holzbettstellen insofern vorzuziehen, als ihre Reinigung leichter möglich ist. Keinesfalls darf ein Raum, der zum Schlafen dient, tagsüber regelmäßig von mehreren Personen als Arbeits= und Aufenthaltsraum benutzt werden, den der Staub, den jede Arbeit mehr oder weniger verursacht, und die Gifte der Ausatmung sind dem Schlaf durchaus schädlich. Wer diese Grundlagen für die Nachtruhe berücksichtigt, wird, wenn er nicht gerade krank ist, erholt und erfrischt erwachen und kaum unter Schlaflosigkeit zu leiden haben. Stellt sich trotzden Schlaflosigkeit ein oder besteht sie schon lange und ist nicht so keicht zu beheben, so gibt es für sonst Gesunde allerhand Wege, die erennte Ruhe auch ohne schwere medizinische Mittel herbeizumsen Da ist vor allem zu empfehlen, das Abendessen mindestens zwei Stunden vor dem Schlazengehen einzunehmen und dafür nur ganz leichte Kost zu wählen. Nach dem Essen ist jede geistige Anstrengung zu vermeiden. Ein kurzes Luftbad oder taltes Sitzbad vor dem Zubettgehen ist oft in erstaunlicher Weise beruhigend. doch ist die Anwendung des kalten Sitzbades nicht fün jedermann zu empfehlen und daher erst mit Vorsicht ausmuprohneren Auch eine kalte Auflage auf Nacken und Hinterkopf kann von iter Wirkung sein. Manchmal ist die Urlache der Schlaflosigkeit m eimem zu hellen Schlafzimmer zu suchen. Das kann durch Anbringung ichter Vorhänge leicht geändert werden. Verfehlt ist es auf jeden Fall, Körper und Geist vor dem Zur=Ruhe=Gehen zu überanstrengen um dadurch das Schlafbedürfnis zu steigern. Ein gesunder Körper verlangt nach einem Tage, an dem bewußt und zweckmäßig Arbeit und Ruhe verteilt werden, ganz von selbst den ihm notrendigen Schlaf. Wer mit seinem Tagewerk zufrieden sein kann, wer nicht wie eine Maschine sein Arbeitsvensum heruntergehaspelt hat nur von dem Wunsche beseelt, endlich fertig und frei zu sein, wer es versteht, auch der alltäglichsten Arbeit den Stempel seiner Prionlichleit aufzudrücken und in der einfachsten Verrichtung sein egenes Menschentum zur Geltung zu bringen, der wird auch so weit Hert über seinen Körver sein, daß er Leib und Nerven die notwendige Ruhe für die Stunden der Nacht selbst diktieren kann. L. M. * An der Südwestecke des Michlgan=Sees ist in wenigen Jahrzehnten eine Weltstadt in die Höhe geschossen, die alles andere in der Entwecklung Amerikas in den Schatten stellt. Chikago, vor 50 Jahren noch ein unbedeutender Handelsplatz, ist heute mit drei bis vier Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten und die fünftgrößte der Welt. Hat New York die bevorzugte Lage am Atlantischen Ozean zwischen Europa und Amerika, so ist Chikago das eigentliche Herz des amerikanischen Kontinents. Hier treffen sich industrieller Osten und ferner Westen, rauchende Schlote riesiger Fabriken und dahinter die unendliche Prärie mit ihrer ungeheuren Konsumkraft und gleichzeitigen landwirtschaftlichen Produktion. So ergänzen sich gerade an diesem Platze in günstigster Verkehrslage Landwirtschaft und Industrie, und bei der steigenden Bedeutung des mittleren und ferneren Westens im Leben der USA. und des Pazifischen Ozeans als Ausgangspunkt zum fernen Osten und Rußland erscheint die Erwartung gar nicht so phantastisch, daß Chikago einst New York überflügeln werde, wie es die begeisterten, aber ihren Willen auch durchsetzen den Chikagoer heute schon prophezeien. Die verschiedenartige, geographische Lage der beiden amerikanischen Riesenstädte drückt zugleich ihr total verschiedenes Wesen aus. Chikogo mit seinen Gegensätzen, seinen sozialen Widersprüchen, seinen skrupellosen Verbrechen und seinem ungeheuren Wachstum ist viel eher typisch amerikanisch als New York, das schon durch das Völkergemisch in seinen Straßen, den dauernden Wechsel der Einwohnerschaft und den steten Einfluß der Einwanderer und Durchreisenden an einer einseitig amerikanischen Entwicklung gehindert wird. Dieser besondere kapitalistische Yankeegeist, der sich in den Weltausstellungen, der Getreidebörse, den Anlagen der Stadt, der Korruption der Verwaltung, seinen betrügerischen Bankerotten und Verbrecherkriegen, der Ausdehnung der Stadt in den Michigan=See hinaus durch Aufschüttung des Ufers, aber auch zugleich in seinem neuen, prächtigen Wolkenkratzer=Opernhaus und seinen literarischen Anstrengungen widerspiegelt, ist am ausgeprägtesten in den Fabriken und in den Schlachthöfen spürbar. Ohne alle Bedenken und Hemmungen werden die Arbeiter von dem sich hier noch lebensstark fühlenden Kapitalismus in schamloser Weise unterdrückt und ausgebeutet. Die Neger in den Schlachthäusern, die acht Stunden lang an den am laufenden Band vorbeiziehenden Tieren ihre Sklavenarbeit tun müssen, werden direkt jämmerlich bezahlt, und in ihren besonderen Quartieren, die sich gleich an das Wolkenkratzerviertel anschließen, kann man Bilder von grausigem Elend und entsetzlicher Not sehen. Nicht viel besser ist es in den Fabriken. Während des Krisenwinters 1929/30 standen vor den Personalbüros lange Ketten mutlos, dreinschauender, arbeitsloser Männer, die auf eine freie Stelle warteten. Noch weniger als in allen anderen Staaten der USA. haben hier der Staat und die Oeffentlichkeit dreinzureden. Soziale Gesetzgebung ist unvekannt und mehr als irgendwo anders heißt es hier:„Hilf dir selbst.“ Diesen Weg mußten auch die Gewerkschaften schreiten, die in Chikago sehr stark, jedoch mit den deutschen Arbeitnehmerorganisationen nicht zu vergleichen sind. Nur bestimmte, gelernte Berufe sind vollständig organisiert, während die große Masse der Ungelernten ohne alle Hilse dasteht die„Trade Unions“(Gewerkschaften) sind nicht jedem zugänglich, sondern schließen sich ab und erschweren den Eintritt durch harte Bedingungen(bestimmte berufliche Vorbildung, hohe Eintrittsgelder bis zu 200 Dollar usw.). Das Ziel ist, den ganzen Berufszweig vor Ueberfüllung zu bewahren und monopolistisch zu beherrschen, um so den einzig möglichen Druck der organisierten Macht gegenüber den Unternehmern auszuüben, ohne Rücksicht auf die übrigen Arbeitermassen. „Bigger and Better“(immer größer und besser)— das ist das allgemeine Schlagwort des ruhelosen, hoffnungsfreudigen Amerikaners vor allem in Chikago. Ob arm, ob reich, ob Unternehmer oder Arbeiter, diese Ideologie schwebt noch allen vor, und die kindlichen Gesichter glänzen vor Freude, wenn sie die größte Zeitung der Welt(„Chikago Tribune“), den Platz für die kommende größte Weltausstellung(1933), die schönste und gewaltigste Autostraße der Welt(Michigan=Boulevard), und was sonst noch alles „blggest and dest“ ist, zeigen können. Die Politiker und Staatsmänner Chikagos, von Carter Harrison bis zu W. H. Thompson, sind international bekannt, und erst kürzlich hat die Stadtverwaltung durch ihren angeblichen Bankerott in der ganzen Welt von sich reden gemacht. Aus dem Geiste Chikagos wuchsen auch die Wolkenkratzer, von denen einige den New=Yorker Riesenbauten nicht nachstehen. Dazwischen freilich stehen noch tausende kleine Holzhütten, alte, zerbrechliche Häuser, bunt zusammengewürfelt, wie alles in dieser Stadt. Die Hochbahn ist verkehrstechnisch um Jahrzehnte zurück. Zu gleicher Zeit jedoch durchzieht ein Netz von schmalspurigen, elektrischen Untergrundbahnen den Boden Chikagos, um den Ab= und Zutransport der Massenfrachtsendungen, Brennstoffe und Abfälle zu besorgen. Diese gemischte Entwicklung, Ultramodernes neben längst Ueberholtem, das alles ist Chikago. * Aber andere Dinge ebenfalls: So die 43487 Selbstmorde, die in den letzten zehn Jahren geschehen sind, ferner die unzweifelhafte und meist ohne Diskussion hingenommene Wegnahme von vielen Millionen Dollar für politische Bestechung, die anerkannt enge Verbindung zwischen Verbrecherbanden und hohen Polizeistellen, die Ausführung organisierter Morde mit einer Frechheit, die in wenigen amerikanischen Städten so toll ist, und die Betrügereien und Erpressungen unter den Augen der Oeffentlichkeit, daß jeder, der sich diesem Regime widersetzt, sich in körperlicher Gefahr befindet. Chikago wird in Amerika die hartherzige Stadt genannt, trotz der Bemühungen des Philanthronen alenwald, diesen Ruf zu beseitigen. Es ist der unbarmherzige Pioniergeist, der hier noch herrscht, durchsetzt mit den ganzen Fäulniserscheinungen der hochkapitalistischen Welt. Trotzdem bleibt für jeden, der vom Michigan=See aus den Hasen mit den Handelsschiffen, darüber die unübersehbaren Anlagen der vierzig sich kreuzenden Eisenbahnlinien und über allem die dreißig, vierzig Stockwerke hohen Bürogebäude gesehen hat, mit dem wimmelnden Verkehr zu ihren Füßen, dieses Bild einer rastlosen Menschheit unvergeßlich. Doch weiter hinaus sieht er die prächtigen Villen der Millionäre mit ihren eigenen Flugplätzen und allem möglichen Humbug, und wenn er abends in den Osten der Stadt geht, wird er das dazugehörige Gegenstück sehen: die Baracken und Höhlen der Arbeiterschaft. Und dieser Gegensatz ist der stärkste in diesem tosenden Leben und bleibt unüberbrückbar bis zum Siege der einen und der Niederlage der anderen. Karl Möller. Säufer und Fresser Eine Sammlung von Sinnsprüchen aus dem Jahre 1836 enthält einen Rat für„Johann Protus, den Saufbold", der sich verheiraten wollte: „Heimführen wolltest eine Gattin du? Laß, Saufbold, den Gedanken nur in Ruh; Heimführen müßte eine Gattin— dich, Auf däß der Trunk'ne nicht verirre sich.“ Und für einen Mann, der unmäßig im Essen war, heißt es: „Du pflegst dein Mahl bis in die Nacht zu dehnen Und gräbst dein Grab mit deinen eignen Zähnen.“ Zuguögel In Mitteldeutschland überwintern etwa 100 verschiedene Vogelarten, die aus nördlichen Ländern kommen. Spitzbergen zählt im Winter nur zwei Seevögel und einen Landvogel; im Sommer dagegen finden sich dort 52 verschiedene Vogelarten. Wie Vogelkenner berichten, ist es weniger die Kälte selbst, welche die Zugvögel aus dem Norden nach südlichen Ländern treibt, als vielmehr der Mangel an geeigneter Nahrung. Viele dieser Vögel leben von Kleintieren, besonders Weichtieren, die entweder im Winter sterben oder aber sich in Erdlöcher und andere Winkel zurückziehen, so daß sie den Vögeln unerreichbra werden. Rätselecke Ergänzungsaufgabe Stadt— Schlag, Speise— Farde, Gast— Marke, Eisen— Gebirge, Silber— Beutel, Wein— Glocke, Speise— Leben, Gas— Post. Zwischen diese Wörter ist je ein einsilbiges Wort zu setzen, welches dem ersten Wort als Endsilbe, dem zweiten als Anfangssilbe dient. Die Anfangsbuchstaben der zu erratenden Wörter, richtig gefunden und nacheinander gelesen, nennen den Namen eines Dichters. Füllrätsel a abch deeeegimnnpr S S t w. Diese Buchstaben sind so in die Felder der Figur zu setzen, daß die waagerechten Reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben: I. Land, 2. Stadt am Rhein, 3. Gemüse, 4. Militärische Formation. 5. Haustter. Silbensuchrätsel Unsinn, Seenplatte, Flensburg, Diebstahl, Dasein, Kleie, Abend, Gartenhaus, Strohhalm, Sentenz, Völkerbund, Mitau, Leidenschaft, Haustür, Benedikt, Grundstein, Menschen, Gaslicht, Laubwald, Tenor, Mittwoch, Versmaß, Sandstein, Patent, Bewaffnung, Pfennig, Hauswirt, Kennwort, Mundstück, Schaffner, Fenier, Trotzki, Hohne, Spundwand, Spottbild, Blinddarm, Geister, Gottlieb. Diese Wörter enthalten eine Sentenz des Dichters Fr. Th. Vischer, eines Kämpfers für geistige Freiheit und Wahrheit. Die zur Wortbildung benötigten Silben sind den vorstehenden Wörtern ohne Aenderung der Reihenfolge und zum großen Teil ohne Rücksicht auf Silbentrennung zu entnehmen. Magisches Buchstabenrätsel aaaaeeeeefhhhhjkll nunppprrsstuuü. Diese Buchstaben trage man so in die punktierten Felder der Figur ein, daß von links oben nach rechts unten und von links unten nach rechts oben je vier Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1—13 Kinderspielzeug, 2—14 Teil des menschlichen Körpers, 3—15 Natürlicher Körperschutz, 4—16 Alte Staat, 10—6 Getreideart,—„* Funter, 14—0 Ei gelegenheit. Bei richtiger Lösung nennt die waggerechte Mittel reihe I—II den Namen eines deutschen Dichters. Verteidigungswaffe, 9—5 Asiatischer 11—7 Teil des Fußes, 12—8 SitzAuflösungen der letzten Rätselecke: Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Kanone, 2. Spange 3. Speer, 4. Meer. 5. Kamm, 6. Elend, 7. Onkel, 8. Soa. 9. Gnu. 10. Traum, 11. Luther, 12. Leuzit. 13. Eider. 12. Arte, 15 Esel.— Waagerecht: 3. Stamm. 5. Koppe, 9. Geld. 10. Tala. 14. Ale. 16. Melone, 1:. Menzel, 18. Rom. 19. Ries. 20. Orkan. 21. Ulse, 22. Natter. 25. Stunde, 22. Miere, 25. Leier. Silbenrätsel: 1. Woche, 2. Alwin, dorff, 5. Niere, 6. Gizeh, 7. Epernay, 8. 10. Neidenbura. 11. Ninos. 12. Tunika, 15. winnt— Schwäche zerrinnt. 3. Gräfe, 4. EichenWürfel, 9. Irrlicht, Satin= Wagen geMagisches Kreuzrätsel: Lenz, Elle, Neuß, Lohe, Elen. Zaylenrätsel: Anton Bruckner, Nacken, Turban Neckar, Bruno, Rubner, Urban, Cuba, Kanne, Natron, Erna Pyramidenrätsel: 1. r. 2. er. 3. Ger, 4. Gera, 5 6. Garten. 7. Graeten, 8. Bretagne. Ocker. Reck. Nager. In großer Sonnenglut.. spielt man mit dem Bedersalt Sinds die nervös=prickelnden Meisterschaftsspiele nicht, die die Interessenten in Bann ziehen, dann inszeniert das liebe Fußballvolkchen sogenannte Freundschaftstreffen, führt Klubkämpfe und Werbewochen durch und anderes mehr. Und das in einer Jahreszeit, wo die Spatzen Sonnenstiche kriegen und die Hitze den Menschen plagt, wie die Stadtväter durch Steuern die Bevölkerung. In Dortmund war Gewerkschaftsfest. Da hatten die Fußballer am Nachmittag zu einem Teil Spielruhe. Der Meilter gewann.. Fortuna Dorstfeld gegen Köln=Klettenberg 03 2:0: Dieses Treffen bildete den Hauptakt am Eröffnungstage der Dorstfelder Werbewoche. 1500 Zuschauer waren Zeuge eines jederzeit flotten und spannenden Spieles. Dorstfeld findet sich sofort und leitet Angriff auf Angriff ein. Hierbei entpuppt sich der Gästehüter als Meister seines Faches, da er schon geglaubte Erfolge der Dorstfelder mit Bravour unschädlich machte. Fortuna erzielt einige Ecken, welche im gegebenen Moment geklärt werden können. Auch Köln kommt oft gut durch, kann aber Dorstfelds Schlußdreieck nicht überwinden. So geht es torlos in die Pause. Mit dem Wiederanstoß naht für die Gäste das Verhängnis. Dorstfelds rechte Seite arbeitet sich geschickt durch. Halbrechts hebt das Leder über den Hüter hinweg und erzielt durch Kopfball das erste Tor. Auf und ab geht es im weiteren Verlauf beiderseits dem Tore entgegen, der Ausgleich hängt oft in der Luft, da ist es immer wieder Dorstfelds rechter Verteidiger, der durch befreiende Schläge gefährliche Situationen Rüstet zum 2. Westdeutschen am 27. Juli und 1. bis 3. August. klärt. Der kleine Halblinke rast mit dem Ball davon, wird im Strafraum zu Fall gebracht: Elfmeter! Dieser wird in sportlicher Manier verschenkt. Die Kölner geben wieder für kurze Zeit den Ton an, an der Zerfahrenheit des Sturmes bleiben Erfolge aus. Dorstfeld dagegen kann nach geschicktem Umspielen der Verteidigung und des Torwarts durch Halblinks durch das zweite Tor den Sieg sicherstellen. Eving=Lindenhorst gegen Gronau 3:0. Die Gäste liegen zunächst stark im Angriff, Evings Hintermannschaft ist aber auf der Hut. Kurz vor der Pause wird der Bann durch Evings Halblinken gebrochen. Im Anschluß an einen Durchbruch der Fünferreihe kann der Halblinke abermals erfolgreich sein. Pause. Nach Wiederanstoß drangen die Gaste auf kurze Zeit stark, Eving löst die Angriffe ab und abermals ist es der Halblinke, der den dritten Treffer aubringen kann. Habinghorst gegen Blau=Weiß Holzwickede 3:8. Die Holzwickeder werden von Spiel zu Spiel besser. Die Gästemannschaft war eifrig am Ball und hatte sogar zeitweise etwas mehr vom Spiel. Mit 5:2 für Holzwickede werden die Seiten gewechselt. In der zweiten Halbzeit wird der Platzverein vollständig in seine Spielhälfte eingeschnürt, hier können die Gäste drei weitere Tore anbringen, während Habinghorst sich mit einem begnugen muß. Selm gegen Brambauer 6:0. Trotzdem Selm mit reichlich Ersatz antrat, kam Brambauer für einen Sieg nicht in Frage. In der 35. Minute übernimmt der Mittelstürmer die Führung. In der zweiten Hälfte wehrt sich Brambauer vergebens, Selm bringt 5 weitere Tore an. Hiervon entfallen 4 auf das Konto des Halblinken und eins auf das des Halbrechten. Rünthe gegen Brünninghausen 6:0. Der Platzverein stellte die bessere Mannschaft und beherrschte auch zu jeder Zeit Feld. Dieses kommt durch das 3:0 Resultat bis zur Pause schon zum Ausdruck. In der zweiten Halbzeit versucht Brünninghausen durch Durchbrüche ein besseres Resultat zustande zu bringen. Im Endspurt stellt der Platzverein durch drei weitere Tore das Resultat her. Menglinghausen gegen Hombruch 3:3. Menglinghausen geht nach 5 Minuten durch Halblinks in Führung. Kurz vor dem Seitenwechsel folgt ein zweites Tor. Die Tordisserenz wird auf 3:0 gestellt. Hombruch erzielt durch Handelfer das erste Tor. Ein zweiter Handelfer vermindert die Torspanne auf 3:2. Kurz vor Schluß ist es der Rechtsaußen, der den Ausgleich sicherstellt. V. s. L. 25 Kemminghausen gegen Schüren 11:0. Kurz hintereinander ist es der Mittelstürmer Kemminghausens, der durch Prachtschüsse zwei Treffer für seinen Verein anbringt. Zwei weitere Tore folgen. Die zweite Halbzeit sieht die Kemminghauser stark im Angriff und legen ein Tempo vor, welches die Gäste in keiner Weise gewachsen sind. Der Mittelstürmer gibt dem Gästehüter Gelegenheit, 2 weitere Male hinter sich zu greifen Abermals ist es der Mittelstürmer, der vier weitere Tore für seinen Verein sicherstellt. Im Endspurt stellt der Linksaußen die Partie auf 11:0. Brechten gegen Hansa Dortmund 10:1. Dieses Resultat ist als die großte Ueberraschung des Tages zu bezeichnen. Für den Platzverein ist es als äußerst schmeichelhaft anzusehen. Die Brechtener gingen mit seltenem Elan in den Kampf und brachten 10 Tore nach Belieben an, denen die Gäste nur den Ehrentreffer entgegensetzen konnten. Scharnhorst gegen Aplerbeck 0:2: Die Scharnhorster mußten das Eröffnungsspiel ihrer Werbewoche mit Ersatz durchführen und somit die Segel streichen. Nach halbstündiger Spieldauer eine Vorlage von Rechts zur Mitte, der Mittelstürmer ist zur Stelle und köpft zum Führungstreffer ein. Kurz darauf erhält Aplerbeck wegen Handspielens einen Elfer zugesprochen, der zum zweiten Tor verwandelt wird. Roland Dortmund gegen Sportfreunde Unna 1:2: Sturm kommt gut vor, der Linksaußen bekommt Rolands in guter Position stehend das Leder zugespielt, scharfer Schuß und das Resultat lautet 1:0. Eine Vorlage des Linksaußen zum rechten bringt den Ausgleich 1:1. Ein Handelfer der Gäste wird verschossen. Erst kurz vor Schluß verhilft ein verwirkter Elfer den Gasten zu einem knappen Siege. Weitere Resultate: Kemminghausen gegen Schüren 5:2, Habinghorst gegen Holzwickede 4:2, Dorstfeld gegen Köln 2:2, Scharnhorst gegen Aplerbeck 4:0. Jugendmeisterschaftsspiele: Kemminghausen gegen Brackel 3:1, Habinghorst gegen Holzwickede 3:0, Roland gegen Dortmund 26 8:0. Schüler: Kemminghausen gegen Deusen 2•0, pansa Dortmund gegen Dorstfeld 0:6. 19 7 0 1 17 * 11 . 11 ∆ * 0 P „Rask“ in Gladbern... .. da rasten auch Gelsenkirchener Fußballer Recht mäßiger Sport herrschte innerhalb des Gelsenkirchener Bezirks, der durch den Reichsarbeitersporttag(Rast) in Gladbeck zu verstehen sein sollte. Fußballspiele Samötag abend Gladbeck=Rentfort gegen Freiheit Gelsenkirchen 0:2: Beide Torwarte gaben Proben ihres Könnens ab, doch wurden Erfolge bis zur Pause nicht erzielt. Nach der Pause werden die Gelsenkirchener lebendig und in der zweiten Minute kann der Halblinke das erste Tor holen. Kurz darauf versteht es der Mittelstürmer durch eine Vorlage vom Mittelläufer, seinem Verein mit 2•0 die Führung zu geben. Sportfreunde Holsterhausen gegen Heßler=Katernberg 3:1: Heßler unterlag auf Grund der besseren Ballbehandlung der Sportfreunde. Gladbeck=Zweckel gegen Gelsenkirchen=Heßler 1:0: Ein reichlich an spannenden Momenten gewürztes Spiel, das der Platzverein Ritzelrei katte.. die Bockumer Fußballélasse Altenbochum 93 gegen Grün=Weiß Wanne=Eickel 10:1. Das Eröffnungsspiel der Werbewoche sah die Altenbochumer als haushohe Sieger. Der Anfang des Spieles sah erfolgversprechend für die Wanner aus, stand doch die erste Viertelstunde das Spiel völlig im Zeichen der Gäste. Schuß auf Schuß aufs Tor und 5 Tore sind der Ersolg der ersten Halbzeit. Nach der Pause sind die 93er wieder tonangebend und lassen die Wanner nicht mehr auskommen. Die Schußfreudigkeit der Stürmer hat nicht nachgelassen, haben sie doch bald vier weitere Xore getreten. Ein flotter Durchbruch bringt den Wannern das Ehrentor. Trotz zahlreicher Verteidigung können die 93er noch den 10. Treffer anbringen. Weitmar=BIumenfeld gegen Bochum=West 2:6. Ueberraschend hoch unterlagen die Blumenselder auf eigenem Platze. Hielten sie die erste Hälfte vollständig offen, so fielen sie in der zweiten Halbzeit dem Tempo der Wester zum Opfer. Die Wester übernehmen in der 25. Minute die Führung. Kurz vor dem Seitenwechsel ziehen die Weitmarer gleich. Bald treten die Wester wieder den Führungstreffer, doch fünf Minuten später heißt es wieder 2:2. Die Wester werden jetzt tonangebend und drücken aufs Tempo und in gleichen Abständen fallen noch vier weitere Tore für West. Reservemannschaften:„Altenbochum 93 II. gegen Grün=Weiß Wanne=Eickel II. 5:1. Harpen 08 Res. gegen Grünerbaum Res. 3:2. Weitmar=Blumenfeld Res. gegen Bochum=West Res. 6:2. Weitmar Jugend gegen Bochum=West Jugend 2:1. Altenbochum 93 Jugend gegen Wanne=Eickel Jugend 2:1. Alte Herren Altenbochum 93 gegen Alte Herren Wanne=Eickel 2:3. Auswahlspiel der Jugend. A gegen B 1:1. nur knapp für sich buchen konnte. Dem Spielverlauf nach wäre ein Remis angebracht gewesen. Sonntagspiele Vorwärts Gelsenkirchen gegen Köln=Poll 2:2: Hier trasen sich zwei Mannschaften, die sich in Technik und Ballbehandlung nichts nachgaben. In der 10. Minute kann Vorwärts in Führung gehen. Kurz vor der Pause steht die Partie 2•0 für Vorwärts. Die„Kölsche Jungs“ arbeiten wie die Löwen: Abseits oder nicht abseits?— doch der Schiedsrichter gibt Tor: 2:1. Nach der Pause stellen die Kölschen ihre Mannschaft um. Kurz vor Schluß, trotzdem sie nur noch mit 10 Spielern waren, konnte der Ausgleich geholt werden. Freie Turnerschaft Eickel gegen Altenbochum 01 5:1: Sofort nach Anstoß gehen die Gäste in Führung, doch kann schon nach einigen Minuten der Ausgleich geholt werden. Altenbochum setzt Dampf auf. Eickel weiß sich aus der Umschnürung zu befreien und planmäßige Vorstöße werden gut vorgebracht. 2:1 für Eickel— 3:1. Altenbochum, verblüfft ob des Erfolges, will sich durchsetzen, doch mit obigem Resultat geht es in die Pause. Die zweite Spielzeit zeigt dasselbe Bild und zum Schluß heißt es hier 5:1 für Eickel. Reservemannschaften: Eickel gegen Altenbochum 5:2, Vorwärts Gelsenkirchen gegen Köln=Poll 0:1. Handball Eickel gegen Langendreer 5:20: Der Torwart der Eickeler schien von einem besonderen Pech verfolgt zu sein, denn von genau 21 Bällen, die er während des Spieles bekam, passierten 20 Bälle die Linie. 5 11 6 191 1 11 Die Westdeutsche Randsall: meisterschaft Stadion Kaiserau gegen Freie Turnerschaft Elberseld 9:3: Kaiserau zeigte das flüssigere Spiel. Trotzdem war bis zur Halbzeit mit dem Resultat von 3:3 der Kampf ausgeglichen. Nach dem Wechsel machte sich die Ueberlegenheit der Kaiserauer bemerkbar und erzielten sie in gewissen Abständen 6 weitere Tore. Zirka 500 Zuschauer wohnten dem interessanten Spiel bei Aachen=Streiffeld gegen Hamborn=Schmidthorst 3:12: Erwartungsgemäß konnte Hamborn=Schmidthorst das Spiel für sich entscheiden. Jedoch kommt das Resultat in dieser Höhe überraschend. Die Schmidthorster waren während des ganzer Spieles tonangebend und kam ein Sieg der Streiffelder nicht in Frage. 18 0 ∆ 9 7 0 Das Endspiel in Düsseldort: Kertha-Berlin ist Fußballmeister Kolstein-Riel knapp 5:4 geschlagen Düsseldorf, 22. Juni. Schon lange vor dem Kampf um die Entscheidung der deutschen Fußballmeisterschaft im Düsseldorfer Rheinstadion setzte er Aufmarsch der Zuschauer in den Mittagsstunden ein. Eine Stunde vor Beginn des Kampses waren 30000 Zuschauer im Stadion versammelt. Der Zustrom hielt weiter an. 50000 Zuschauer waren anwesend, als die beiden Mannschaften den Platz betreten. Zu beiden Seiten Eingangs des Platzes hat die Leichtathletikabteilung des Kölner Ballspielklubs und des SportNubs Düsseldorf 99 Aufstellung genommen. Die Berliner haben bei der Wahl Vorhand und überließen den Norddeutschen den Anstoß. Die Kieler sind sofort mit dem Ball vor dem Berliner Tor, wo gleich eine gefährliche Sitnation entsteht. Der Schuß von Ritter geht jedoch knapp über die Latte. In der dritten Minute erhält Holstein einen Strafstoß zugesprochen, den Ohm flach aufs Tor schießt. Gehlhaar wehrt noch ab, aber der flinke Widmayer ist zur Stelle und sendet zum ersten Tor für Kiel ein. In der 8. Minute kommen die Norddeutschen zum zweiten Erfolg. Ritter erhält den Ball gut vorgelegt und schießt unhaltbar für Gehlhaar ein. Die Norddeutschen sind durch diesen zweiten Erfolg sehr ermutigt und greifen unermüdlich an, die HerthaMannschaft findet sich vorerst nicht und spielt noch etwas zerfahren. In der 23. Minute können dann die Berliner das erste Tor für ihre Farben buchen. Hahn hat einen gutgelungenen Durchbruch unternommen, flankt zur Mitte, wo Sobeck trotz Bedrängnis zum ersten Gegentreffer einsenden kann. Die Holsteiner kämpfen verzweifelt und mit Erbitterung, um ihren Vorsprung zu halten, jedoch haben sich die Berliner allmählich gefunden und in der 26. Minute kommt der Ausgleich. Ein Eckball für Berlin, den Kirsey tritt, wird von Ruch durch Kopfball zum Ausgleich verwandelt. Die Norddeutschen lassen sich durch diesen zweiten Erfolg der Berliner Mannschaft nicht entmutigen und drücken auf Tempo. Der Erfolg bleibt dann auch nicht aus. In der 29. Minute legt Widmayer den Ball dem Kieler Mittelstürmer Ludwig gut vor und Gehlhaar muß sich zum dritten Male geschlagen bekennen. Hertha will nun mit aller Macht den Ausgleich erzielen und kommt kurz darauf zu einem Eckball, der aber hinter dem Kieler Tor endet. Dann wartet wieder der unermüdliche Ruch mit einer Glanzleistung auf. Ein von ihm vorgetragener Durchbruch bringt den Ball bis kurz vor das Kieler Tor, wo Kirscy, der eine Flanke gut aufnimmt, abermals den Ausgleich erzielen kann. Trotz starken Drängens beider Mannschaften ändert sich bis zur Pause an dem Resultat nichts mehr. Nach Wiederbeginn liegen die Berliner ständig im Angriff! Hahn rast an der Außenlinie entlang, spielt sich frei, gibt eine präzise Flanke an Lehmann ab, der unhaltbar für Berlin zum Führungstreffer einsendet. Die Holsteiner sind durch diesen Berliner Erfolg etwas deprimiert und lassen etwas nach. In der 35. Minute unternimmt Ritter einen Alleingang, umspielt einen, zwei und auch den dritten Gegner und erzielt durch einen Bombenschuß den Ausgleich. Vorher kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Ludwig Kiel und Müller=Berlin stießen zusammen. Die Entscheidung des Schiedsrichters Guyens=Essen fiel für Hertha aus. Als hierauf Ludwig mit dem Finger an den Kopf zeigte, verwies ihn Guvens ohne weiteres vom Platze. Diese Maßnahme war etwas kraß. Nach unserer Ansicht hätte auch eine Verwarnung genügt. Die Verweisung eines ihrer Spieler vom Platze machte auf die Holsteiner einen niederdrückenden Eindruck. Die Sympathien der Zuschauer, die diese Entscheidung mit Johlen und Pfeisen mißbilligte, war von nun an nur noch auf Seiten der Norddeutschen. Fünf Minuten vor Schluß fällt dann der siegbringende Treffer für Berlin. Abermals ist es der Berliner Ruch, der aus 25 Meter Entfernung einen prächtigen Flachschuß auf das Heiligtum Kramers losläßt, den dieser trotz aller Bemühungen nicht halten kann. Damit war die Entscheidung gefallen und Hertha=Berlin verdienter Sieger und Deutscher Fußballmeister für das Jahr 1930/31. Itraßenrennen Quer durchs Münsterland Hodey=Essen gewinnt vor Tix=Dortmund. Das Straßenrennen„Quer durchs Münsterland“ hatte auch in diesem Jahre in der Norddeutschen Gruppe eine ausgezeichnete Besetzung gefunden. Außer den besten westdeutschen Straßenfahrern war auch der holländische Straßenmeister von der Broos=Enschede am Start. Die Strecke führte über GronauGreven=Münster=Rheine=Ochtrup und zurück nach Gronau. Auf der ganzen Strecke wurden scharfe Kämpfe ausgetragen. Der holländische Straßenmeister von der Broos=Enschede war Anfangs gut, mußte sich aber im Endspurt mit dem achten Platz zufrieden geben. Die Fahrer Hodey, Tix, Lanke=Viersen und Gayke=Gronau versuchten dauernd die Spitzengruppe zu sprengen, doch lichtete sich im Endspurt erst das Feld. Das Rennen führte über 150 Kilometer. 10 Fahrer gaben das Rennen auf. Im Endspurt siegte Hodey knapp vor Tix=Dortmund. Ergebnisse: 1. Hodey=Essen 4:46. 2. Tix=Dortmund(½ Länge zurück). 3. Hoffmeister=Essen 4:47. 4. LankeViersen 4:47,5. 5. Gayke=Gronau. 6. Horning=Essen. 7. DingsWestig. 8. von der Broos=Enschede. 9. Schüttler=Iserlohn. D. R. U.-Bahnrennen in Dortmund Köln gewinnt den Städtekampf. Auf der alten Radrennbahn in Dortmund gelangte am Sonntag nachmittag ein D. R. U.=Bahnradrennen vor nur mittelmäßigem Besuch zum Austrag. Den Städtekampf, der aus 4 Fliegerläufen, ein Punktefahren und einem Verfolgungsrennen bestand, wurde von der Kölner Mannschaft KöchnerThielen vor Dortmund mit Seller=Evers gewonnen. Das Ausscheidungsfahren sicherte sich der Dortmunder Süß vor seinem Landsmann Listemann. Das 60=Kilometer=Mannschaftsrennen wurde nach 52,6 Kilometern wegen einsetzenden Regens abgebrochen. Bis zum Abbruch des Rennens führte die Kölner Mannschaft Köchner=Thielen mit 26 Punkten. Thollembeck gewinnt das„Goldene Rad“ von Hannover Die Radrennen in Hannover gingen bei drückender Hitze vor sich. Die Dauerrennen standen im Zeichen des„Goldenen Rades“ von Hannover in zwei Läufen von 40 und 60 Kilometer. Den Gesamtsieg holte sich der Belgier Thollembeek, der ein ausgezeichnetes Rennen lieferte. Hellas Magdeburg in Brüllel erfolgreich Der erste Tag der internationalen Veranstaltung in Brüssel brachte den deutschen Teilnehmern Hellas=Magdeburg in der Lagenstaffel(3X66 Meter) einen schönen Sieg. Sie benötigten 2:19.6 vor Devant=Gent(2:20.6). Die Freistilstaffel der gleichen Strecke gewann allerdings der Brüsseler Schwimmklub in 3:17 vor dem Magdeburger Hellenen, die 3:32.8 benötigten und Gent sowie Tourcoing hinter sich ließ. Das mit großer Spannung erwartete Wasserballspiel zwischen dem deutschen Meister HellasMagdeburg und dem Meister von Frankreich. Tourcoina endete 4•4 unentschieden. Schwimmklub Brüssel bezwang den S. C. Barcelona 6:3. Ein originelles Ballspiel, das in England mit Begeisterung gespielt wird, ist das Jett=Ballspiel. Ein großer Ball wird von zwei gegnerischen Mannschaften mittels kräftiger Wasserstrahlen hin und her bewegt, wobei die kämpfenden Parteien ausgiebige Duschen erhalten. Der König der Ringer. Der neue Weltmeister Jim London, der den bisherigen Titelhalter im Schwergewichtsringen, den Deutschen Richard Schikat, kürzlich auf die Schulter zwang. Sport in Kürze Der als Anwärter für die Weltmeisterschaft in Frage kommende amerikanische Schwergewichtler, Young Stribbling, der demnächst gegen Phil Scott antreten soll, schlug in einem Borkampf am Freitag abend in Chikago den Norweger Otto von Porath schon in der ersten Runde k. o. * Der Berliner Paul Czierson wurde in Wien vom österreichischen Leichtgewichtsmeister Blaho überraschend nach Punkten geschlagen. + Der Kölner Schwergewichtler Hein Müller schlug in Chicago den debutierenden Italiener Armando de Carlos in der achten Runde k. o. * Das„Goldene Rad von Frankfurt“ gewann Sawall vor Manera, Bauer, Möller und Christmann. Möller begrub seine Siegeschance durch Reisendefekt. * Um die westdeutsche Meisterschaft im Mannschaftsringen standen sich in Dortmund Heros 94 Dortmund und Kreuznach gegenüber. Die Dortmunder siegten sicher mit 12:5 Punkten. Auf der Strecke Dortmund=Eving=Lünen=Werne=Herbern und zurück kam die Bezirksmeisterschaft im Dreier=Mannschaftsfahren zur Durchführung. 12 Mannschaften der Vereine Vehmlinde, Radrenn=Klub Sturmvogel Dortmund und Sturm Hombruch und Wanderer Hörde wurden 8,15 Uhr auf die Reise geschickt. Das Rennen war äußerst scharf, wie die Zeit der ersten drei Mannschaften beweist, die nur um Sekunden voneinander getrennt sind. Vehmlinde Dortmund konnte den Herausforderungspreis des Bezirks endgültig gewinnen. * Im Kampf um die Gaumeisterschaft im Wasserball standen sich im Dortmunder Volkspark die Mannschaften von Ruhrort 09 und Westfalen Dortmund gegenüber. Das Spiel endete mit dem nicht ganz verdienten Sieg der Gäste, deren Tormann der beste Mann war und das Hauptverdienst am Siege hatte. Westfalen lag fast dauernd im Angriff. Bei Halbzeit führten die Dortmunder durch einen Treffer von Handschuhmacher mit 1:0. In der 2. Hälfte glich Ruhrort aus und buchte kurz vor Schluß den Siegestreffer. Pohlhaulen gewinnt den Welttalen-Pokal Die beiden Schlußtage des Tennisturniers des Dortmunder Tennis=Klubs 1898 erfreuten sich wieder eines ausgezeichneten Besuchs. Oberbürgermeister Dr. Eichhoff wohnte den Schlußkämpfen bei. Die Endrunde des Herreneinzelspiels, um den von I. Pohlhausen=Ratingen zu verteidigenden Westfalenpokal, sah einen erbitterten Fünf=Satzkamvi zwischen dem Verteidiger und dem Freiburger Weihe. Siegtried-Ellen weitdeutlcher Meilter im Stemmen Koln Mülhein. 25— Siegfried Essen 3270:3435 Pfd. Wie im letzten Jahre, so standen sich auch am Sonntag diese beiden Mannschaften im Endkampf um die„Westdeutsche im Stemmen“ gegenüber. Die Essener Siegfriedmannschaft, die im letzten Jahre durch München 1860 um den Titel eines Deutschen Meisters gebracht wurde, hatte diesmal schon allerlei Mühe, um die Köln Mülheimer niederzuhalten. STADTTEIL BUER Stechender Reichswehrsoldat. In der Nacht zum Donnerstag befand sich ein hiesiger Hauderer mit seinem Personenauto am Gemeindegasthaus in Marl=Brassert, um von dort aus eine Gesellschaft nach Buer zu fahren. Als das Auto dort hielt, machten sich mehere Burschen an dem Wagen zu schaffen. Sie bewegten die Schalthebel und benutzten die Alarmbupe. Der Besitzer des Wagens ließ sich das nicht gefallen und forderte die dreisten Leute auf, von dem Wagen abzulassen. Es entwickelte sich ein Wortwechsel, woran sich auch ein Reichswehrsoldat beteiligte. Dieser versetzte dem Autobesitzer einen Stich in die rechte Schulter. Die Verletzung ist schwer. Von der Polizei wurden die Personalien des Täters festgestellt. Rückforderung auf Kosten der öffentlichen Fürsorge Nach§ 25 FV. steht den Fürsorgeverbänden ein Anspruch auf Rückerstattung der ausgewandten Kosten gegen den Unterstützten zu, wenn dieser zu hinreichendem Vermögen oder Einkommen gelangt ist. Nach§ 30, Absatz 5, AVFV. ist bei der Verwirklichung dieses Anspruchs weitest gehende Rücksicht darauf zu nehmen, daß nicht durch die Art der Kosteneinziehung die wirtschaftliche Eristenz der Ersatzpflichtigen gefährdet wird. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund eines Rund erlasses des Ministers für Volkswohlfahrt mitteilt, werden die Fürsorgeverbände beiden Bestimmungen nicht gerecht, wenn sie gegenüber Arbeitslosen, insbesondere langfristigen Arbeits losen, die nach Durchlaufen der Arbeitslosen= und Krisenunter stützung der öffentlichen Fürsorge anheimgefallen sind, allein aus der Tatsache der Wiederaufnahme von Lohnarbeit und des Lohnbezuges folgern, daß der Ersatzanspruch bereits entstanden ist oder geltend gemacht werden dürfte. Selbst wenn das Lohneinkommen den Richtsatz der öffentlichen Fürsorge erheb lich überschreitet, wird zunächst die Ersatzpflicht noch nicht gegeben sein, wenn z. B. der Unterstützte während der Arbeitslosiakeit Schulden gemacht hat, die zunächst getilgt werden müssen, oder er oder seine Angehörigen in Kleidung und Ernährung derart zurückgekommen sind, daß zur Erhaltung der Arbeitsfreudigkeit und der Arbeitskraft zunächst einmal An schaffungen und Ausgaben gemacht werden müssen. Erst wenn solche vordringlichen Bedürfnisse nicht mehr vorliegen oder befriedigt sein könnten, kann von hinreichendem Einkommen ge sprochen werden, das die Geltendmachung des Ersatzanspruchs rechtfertigen könnte. Aber auch dann muß bei der Einziehung, insbesondere durch Zulassung angemessener Teilzahlungen, vermieden werden, daß der in Anspruch Genommene oder seine Angehörigen alsbald wieder in Not, die nicht gerade Hilfsbedürftigkeit zu begründen braucht, gerät. Der Wohlfahrisminister ersucht die Regierungspräsidenten usw., die Bezirksfürsorgeverbände zur Beachtung dieser Gesichtspunkte zu veranlassen. Die Bauarbeitgeber kündigen die Tarif-Mindestgehaltssätze für technische Angestellte Vom Bund der technischen Angestellten und Beamten, Gau Rheinland=Westfalen, wird uns mitgeteilt, daß die Arbeitgeberverbände des Hoch=, Beton= und Tiefbaugewerbes die tariflichen Mindestgehälter für technische Angestellte im rheinisch=westfälischen Industriegebiet, die seit 1. Juli 1929 in Kraft sind, zu Ende Juni gekündigt haben. Der Bund bat die Kündigung als unrechtmäßig zurückgewiesen, weil diese erst am 17. Juni bei ihm eingegangen ist und bereits am 16. Juni hätte bei ihm vorliegen müssen. Die Haltung der Bauarbeitgeber gegenüber ihren technischen Angestellten ist um so bezeichnender, als die seit April 1929 geltenden Löhne der Bauarbeiter unverändert bis 31. März 1931 in Kraft bleiben. Existenzkampf des ambulanten Gewerbes! Die ambulanten Gewerbetreibenden(Markt=, Straßen=, Hausierhändler sowie Lustbarkeitsgewerbetreibende) führen zur Zeit einen harten Kampf um ihre Existenz. Am 15. März dieses Jahres wurde durch das Wirtschaftsministerium dem Reichstag der Entwurf eines Gesetzes zur Umänderung der Reichsgewerbeordnung unterbreitet, durch welchen alle Sparten des Wandergewerbes stark eingeschränkt, teilweise sogar lahmgelegt werden. Die zuständige Organisation des ambulanten Gewerbes, der Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender Deutschlands, Sitz Berlin, veranstaltet in allen größeren Städten Kundgebungen, um auf die dem Gewerbe und damit der Volkswirtschaft drohenden Gefahren aufmerksam zu machen. Durch die neue Gewerbeordnung soll das ambulante Belustigungsgewerbe stark eingeschränkt, der Straßenhandel von einer Erlaubnis und diese wiederum vom Bedürfnis abhängig gemacht werden. Den Wochenmärkten auf Privatplätzen sollen eine große Anzahl Artikel entzogen werden, so daß diese zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. Die Erlangung des Wandergewerbescheines soll weiter erschwert, ebenso die verbotenen Artikel vermehrt werden, außer diesen noch eine große Anzahl weiterer Beschränkungen, so daß die schlimien Befürchtungen und starken Beunruhigungen unter den Wandergewerbetreibenden durchaus berechtigt sind. Die Regierungsvorlage ist durch den Reichstag dem volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen und dürfte unmittelbar nach den Ferien im Reichstage in zweiter Lesung zur ratung kommen. Es erscheint angebracht, darauf hinzuweisen, daß das ambulante Gewerbe im Deutschen Reiche von rund 450000 Personen ausgeübt wird, deren Zahl sich mit Familien= angehörige auf 1½ Millionen erhöhen dürfte. Berücksichtigt man, daß die Wandergewerbetreibenden ihre Gewerbesteuer wie kein anderes Gewerbe ein Jahr im voraus entrichten, ferner, daß durch die in die Milliarden gehenden Umsätze derselben viele Betriebe in Gang gehalten werden und schließlich, daß schon die gegenwärtige Erwerbslosigkeit allüberall im Reiche geradezu Rekordziffern aufweist, die bei Annahme des Entwurfs weitersteigen müßten, so muß unter solchen Umständen die Lahmlegung der kleinen Eristenzen des Wandergewerbes als Vergchen am Körper des Volkes bezeichnet werden. Sind die Eristenzen auch klein und bescheiden, so sind es doch immer noch Existenzen, und die am Boden liegende deutsche Wirtschaft dürfte wohl schwerlich derartige Experimente vertragen. Leider stehen dem ambulanten Ge werbe nicht die Mittel wie seinem Gegner zur Verfügung, doch ist es trotz alledem entschlossen. diesen ihm aufgezwungenen Kampf bis zum äußersten zu führen. Schon seit Jahrzehnten wird gegen das ambulante Gewerbe ein äußerst harter Kampf geführt und ist der Höhepunkt im Jahre 1930 erreicht. Es geht um Sein oder Nichtsein der kleinen Wandergewerbetreibenden und würden letztere es begrüßen, wenn auch die Bevölkerung sich mit dieser Materie beschäftigen und gemeinsam mit uns diesen Entwurf ablehnen würde. Bewährt sich die aktive Diph“herieschutzimpfung! Zahl und Schwere der Diphtherieerkrankungen ist in den letzten Jahren allenthalben beträchtlich angewachsen. Die Arzteschaft ist deswegen ständig bemüht, mit immer neuen Methoden dieser gefährlichen Erkrankung engegenzutreten. Trotzdem kommt in letzter Zeit eine Art der vorbeugenden Bekämpfung der Diphtherie immer mehr in Mode, die man den Arzten und dem Publikum als absolut sicher hinstellt, und die vom Preußischen Landesgesundheitsrat(Sitzung vom Dezember 1927), vom Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin und neuerdings auch vom Groß=Berliner Arztebund propagiert wird. Von diesen Seiten wird geradezu ein moralischer Zwang auf die Arzteschaft in dieser Hinsicht ausgeübt. Es handelt sich hier um eine angebliche Immunisierung durch die sog. aktive Schutzimpfung mit einem Gemisch von Diphtherietoxinen und Antitoren(T 2). Die Deutsche Medizinische Wochenschrift bringt nun ein Referat, das Prof. E. Friedberger, der Direktor des Forschungsinstituts für Hygiene und Immunitätslehre in Berlin=Dahlem, am 16. 12. 1929 in der Sitzung der pädiatrischen Sektion des Vereins für innere Medizin und Kinderheilkunde gehalten hat. In diesem Reserat greift Prof. Friedberger sowohl die theoretische Unterlagen wie die angeblichen Erfolge der aktiven Schutzimpfung an Hand des neuesten statistischen Materials an. Die bisherige Theorie ging davon aus, daß das von den Diphtheriebazillen abgesonderte Gift nach seiner Einspritzung im Tiere ein Gegengift(Antitoxin) erzeugt. Einige Menschen haben aber solche Antitorine in ihrem Blute. Da man nun glaubte, daß die Diphtherieempfänglichkeit von der Abwesenheit der Antitorine herrühre, wollte man die Menschen, denen solche Gegengifte im Blute fehlten, durch Einverleibung des gemischten Impfstoffes mit Antitoxinen versehen. Dies ist die aktive Schutzimpfung, und die Abwesenheit der Antikörper wird mit Hilfe einer Hautreaktion, der sog. Schick=Reaktion festgestellt Friedberger weist nun nach, daß diese Theorie durchaus nicht sicher begründet ist. Schon Bingel hat an über 900 Diphtheriefällen, bei denen er abwechselnd Diphtherieantiserum und gewöhnliches Pferdeerum verwandte, keinen Unterschied in der Wirkung dieser beiden Behandlungsweisen beobachten können. Ferner sind Personen mit Antitoxinen(sog. schick=negative Personen) keineswegs gegen Diphtherie geschützt. Und das Fehlen von Antitorinen beweist noch nichts für die Empfänglichkeit. Da tatsächlich von 20 Fällen ohne Anwendung des Behringschen Heilserums durch dieses kein Antitorin in den Körper gelangt war, in 15 Fällen eine Heilung eintrat, ohne daß Antikörper im Blut nachgewiesen werden konnten, so schließt Friedberger daraus, daß uns die Bedingungen der natürlichen Heilung bei Diphtherie noch gar nicht bekannt sind. Auch einige pädiartische Kliniker, u. a. Opitz(Berlin), Hamburger und Siegl(Graz) und Stöltzner(Königsberg) haben sich skeptisch über die aktive Schutzimpfung geäußert. Besonders nachdenklich müssen aber die Statistiken stimmen, die uns zeigen, daß die Letalität, d. h. der Anteil der tödlich ausgehenden Erkrankungen, ziemlich gleichgeblieben ist und der Anteil der schweren Fälle teilweise gestiegen ist. Die absolute Zahl der Todesfälle in 48 Großstädten hat sich sogar von 1927 bis 1929 verdoppelt.— Es ist noch nicht einmal sicher festgestellt, ob nicht die Diphtherieschutzimpfung noch unbekannte Spätschädigungen herbeiführt. Unter diesen Umstanden müssen die voreiligen Empfehlungen der aktiven Diphtherieschutzimpfung durch die obengenannten Behörden und Vereinigungen durchaus mit Vorsicht ausgenommen werden Briefkasten der Redaktion Arbeiter=Wohlfahrt, Bezirk Horst. Die für die Freitagnummer bestimmte Notiz ging erst am Samstagmorgen(!) bei uns ein. Wir mußten daher von einer Veröffentlichung absehen. Wir betonen nochmals, daß die Notizen im Interesse der Einsender frühzeitig genug bei uns abgegeben werden müssen! Einladung zu der am 25., 26. und 27. Juni nachm. 3.30 Uhr stattfindenden Die ansteckenden Krankheiten im Ruhrgebiet Bericht des Instituts für Hygiene und Bakteriologie, Gelsenkirchen, über den Stand der ansteckenden Krankheiten im Ruhrkohlengebiet in der Zeit vom 4. bis 31. Mai 1930(4 Wochen). 1. Unterleibstyphus. Nach amtlicher Feststellung sind in der diesmaligen Berichtszeit, die sich auf 4 Wochen erstreckt, 27 Erkrankungen und ein Todesfall an Unterleibstyphus zu verzeichnen, während sich im Vormonat(5 Wochen) 16 Erkrankungen und 2 Todesfälle ereigneten. Von den Erkrankungen treffen 6 auf Hagen Stadt, 5 auf Hamm Stadt, 4 auf Essen, 3 auf Duisburg=Hamborn, je 2 auf Bochum Stadt, Dortmund 2 und Oberhausen und je eine auf Hamm Land, Herne und Gelsenkirchen. Der Todesfall ist in Herne vorgekommen. Aus dem Sauer= und Siegenerland ist nur eine Erkrankung aus dem Kreise Olpe gemeldet. 2. Paratyphus. Im Ruhrkohlengebiet kamen diesmal 18 Erkrankungen an Paratyphus vor, von denen 6 auf Bochum Stadt, 5 auf Duisburg=Hamborn, 3 auf Oberhausen, 2 auf Hagen Stadt treffen. Todesfälle sind nicht zur Meldung gekommen. Das Sauer= und Siegenerland meldet 6 Erkrankungen, davon je 2 aus Altena und Soest, je eine aus Arnsberg und Iserlohn Land. 3. Fleischvergiftung. Im ganzen sind 6 Erkrankungsfälle an Fleischvergiftung zur Kenntnis gekommen, davon 5 aus Mülheim und eine aus Recklinghausen Land. 4. Ruhr. An Ruhr erkrankten 11 Personen, und zwar 3 in Herne, 2 in Duisburg=Hamborn und je eine in Dortmund 1, Dortmund 2, Wanne=Eickel, Oberhausen, Gelsenkirchen und Recklinghausen Stadt. Todesfälle sind nicht zu verzeichnen. Im Restteil des Regierungsbezirks Arnsberg sind Erkrankungen und Todesfälle an Ruhr nicht zur Meldung gelingt. 5. Scharlach. Die Erkrankungsziffer an Scharlach stellt sich nach amtlichen Meldungen in dieser Berichtszeit(4 Wochen) auf 797 mit 10 Todesfällen, gegenüber 1029 Erkrankungen mit 17 Todesfällen im Vormonat. Diesmal sind beteiligt: Bochum Stadt mit 127, Essen mit 95. Dortmund 1 mit 81, Duisburg=Hamborn mit 73, Herne mit 58. Gelsenkirchen mit 46, Dortmund 2 mit 40, Recklinghausen Land mit 41, Recklinghausen Stadt mit 34 Erkrankungen. Von den Todesfällen treffen 3 auf Bochum Stadt, 2 auf Essen. Im Sauer= und Siegenerland sind 95 Erkrankungen vorgekommen, von denen 17 auf Altena, 15 auf Iserlohn Land, 11 auf Wittgenstein, 10 auf Lüdenscheid treffen; außerdem ist noch ein Todesfall aus Altena gemeldet. 6. Diphtherie. Den 964 Erkrankungen und 84 Todesfällen des Vormonats (5 Wochen) stehen diesmal 776 Erkrankungen mit 62 Todesfällen gegenüber. An den Erkrankungen nehmen teil: Duisburg=Hamborn mit 134, Bochum Stadt mit 100, Essen mit 91, Gelsenkirchen mit 63, Herne mit 61, Dortmund 1 mit 4., Lünen mit 34, Wattenscheid, Oberhausen und Recklinghausen Land mit je 26, Mülheim mit 25 Erkrankungen.“ Von den Todesfällen ereigneten sich 11 in Bochum, 8 in Duisburg=Hamborn, 7 in Gelsenkirchen, 6 in Essen, 5 in Lünen. Das Sauer= und Siegenerland berichtet über 60 Erkrankungen, darunter 14 aus Brilon, 11 aus Iserlohn Land, 8 aus Olpe, je 5 aus Altena, Siegen Stadt und Soest. 7. Genickstarre. Von den 12 gemeldeten Fällen von Genickstarre kamen 4 in Essen, 2 in Mülheim und je eine Erkrankung in Bochum Stadt, Dortmund 1. Hamm Land, Oberhausen, Gelsenkirchen und Recklinghausen Stadt zur Meldung. Die Todesfälle verteilen sich mit 2 auf Dortmund 1 und mit je einem auf Hamm Land, Essen und Mülheim. Im Sauer= und Siegenerland ist aus dem Ennepe=Ruhr= kreis eine Erkrankung und ein Todesfall gemeldet. 8. Kinderlähmung. Während im Ruhrkohlengebiet aus den Kreisen Hamm Stadt, Witten und Essen je eine Erkrankung zur Kenntnis gelangt ist, sind Erkrankungen und Todesfälle im Sauer= und Siegenerland nicht zu verzeichnen. 9a. An Kindbettfieber nach regelrechter Geburt erkrankten 19 und starben 3 Frauen. Von den Erkrankungen trefsen 4 auf Gelsenkirchen, je 2 auf Oberhausen und Lüdinghausen. Im Sauer= und Siegenerland erkrankten 4 und starb eine Frau. 9b. An Kindbettfieber nach Fehlgeburt ereigneten sich im Ruhrkohlengebiet 11 Erkrankungen mit ach Todesfällen, im Sauer= und Siegenerland 2 Erkrankungen und keine Todesfälle. 10. Tuberkulose. In der diesmaligen Berichtszeit sind 211 Todesfälle an Tuberkulose gemeldet, denen 355 Krankheitsmeldungen gegenüberstehen(im Vormonat 271 Todesfälle mit 410 Erkrankungen). Aus Dortmund 1 stammen 26 Todesfälle mit 33 Erkrankungen, aus Essen 25 Todesfälle mit 63 Erkrankungen, aus Duisburg=Hamborn 22 Todesfälle mit 31 Erkrankungen, aus Gelsenkirchen 18 Todesfälle mit 21 Erkrankungen, aus Bochum Stadt 14 Todesfälle mit 31 Erkrankungen, Mülheim 9 Todes fälle mit 20 Erkrankungen, aus Oberhausen 9 Todesfälle mit 33 Erkrankungen, aus Hamm Stadt 9 Todesfälle mit 7 Erkrankungen. Im Sauer= und Siegenerland betrug die Zahl der Todesfälle 59, die der Erkrankungen 70: davon ereigneten sich 15 Todesfälle und eine Erkrankung in Olpe, 9 Todesfälle und 13 Erkrankungen in Iserlohn Land, 7 Todesfälle und 3 Erkrankungen in Siegen Land, 6 Todesfälle und 10 Erkrankungen in Meschede. 11. Grippe. Meldungen über Erkrankungen und Todesfälle an Grippe liegen diesmal nicht vor. 12. Schlafkrankheit. An sogenannter Schlafkrankheit(Encephalitis lethargica) ist eine Erkrankung uod ein Todessall aus dem Stadtkreise Hamm und ein Todesfall aus Castrop=Rauxel zur amtlichen Meldung gekommen Gelsenkirchen. Tagesordnung gur Sitzung der Stadtverordneten am Freitag, 27. Juni 1930, 17 Uhr (nachmittags 5 Uhr) im Stadtverordneten= Sitzungssaal des RatHitze 1. Einführung des Stadtverordneten Lampfer2 Genehmigung der Niederschrift der Stadtvon verordnetensitzung vom 8. Mai 1930. 3. Mitteilungen. 4. Stellungnahme zu den Beschlüssen des Untersuchungs=Ausschusses Löchterbeide vom 12. Mai 1930. 5. Einsetzung eines Untersuchungs=Ausschusses für den Beamten=WohnungsbauVerein. 6. Zuschutz zum Alopsianum. 7. Aufklärung über den Fall Neuhaus. 8. Untersuchungs=Ausschuß Mark. 9. Umänderungen in der Verpachtung des Wirtschaftsbetriebes und des caales im Hans Sachs=Haus sowie dauliche Aenderungen. 0. Wahlen: a) der Stellvertreter für Bezirksvorsteher und Pfleger: b) eines stellvertretenden Mitgliedes für den Gewerbesteuerausschuß II Buer anstelle des Bergmann Johann Mugrauer, der sein Amt niedergelegt hat 11. Abnahme der Jahresrechnung der Stadtsparkasse Gelsenkirchen für das Geschäftsjahr 1928. 12. Grunderwerb von dem Landwirt Stoffers zun Kindererholungsheim in Heege. 13. Uebertragung eines Erbbaurechts von der Kriegerheimstättengenossenschaft Heimfried“ an den Adteilungsvorsteher Maassen. 14. Stellungnahme zum Entschädigung=feststellungsbeschluß im Enteignungsverfahren zum Ausbau der verlängerten Oststraße Fron stücksaustausch zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der Katholischen Kirchengemeinde im Buer an der Schlachthofund Hugostraße sowie Verkauf eines Bagenbbücks an den Dr med deribel an Hugostraße. 16. Erwerb von Grund und Boden zur Verdandsstraße O W II von Kleingreve im Wege des Austausches. 17. Verdußerung des Grundstücks Ecke Heinrich= und Kannenstraße an den Malermeister Zakob Knieps. 18. Grundstücksaustausch mit dem Gewerbeoberlehrer Bröskamp in Buer. 19. Grundstücksaustausch zwischen der Stadt Gelsenkirchen und dem Lippeverband in Essen. 20. Verkauf eines Baugrundstücks an der Schwindstraße an den Fabrikant Karl Kroke. 21. Aenderung der Gebührenordnung für die Für ein poar Mark ichon die herrlichtten duftialten Kleider, gelchaffen für die Gluttage des Hochlommers. 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Er soll nach Besprechungen mit seinen Parteifreunden gewisse Garantien sordern, unter denen auch die einer sicheren Reichstagsmehrheit, die ihm schwerlich wird gegeben werden können, sich befindet. Man nimmt aber doch an, daß das Kabinett zu allen mögkichen Kompromissen mit den Fraktionen bereit sein wird und daß die bürgerlichen Fraktionen der Mitte ihrerseits Zugeständnisse machen werden, weil sie nichts mehr fürchten, als eine Auflösung des Reichstages im gegenwärtigen Augenblick. Butbad in Vombau Jolizei Jeuert in die Massen— Mehr 150 Schuerverletzte Die seit Tagen in Bombay herrschende Gewitterstimmung hat sich am Sonnabend vormittag in einem schweren Blutbad entladen. Der Anlaß war geringfügig. Etwa 500 Frauen zogen mit Fahnen und Gesang durch die Straßen. Als die Demonstranten sahen, daß ein Boykottposten verhaftet werden sollte, stellten sie sich schützend vor ihn. Die Polizei hieb mit Bambusstöcken auf die Frauen ein und verletzte fünf Personen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht im indischen Viertel. Nach kurzer Zeit hatten sich Zehntausende von Indern eingefunden. Gleichzeitig erhielt die Polizei große Verstärkungen. Etwa 500 berittene und unberittene Gendarmen versuchten die Massen auseinanderzutreiben. Es war vergebens. Nach einem zweistündigen Ringen begannen die Schutzleute in die Menschenmassen hineinzufeuern. Eine Panik folgte dem schweren Blutvergießen. Ein offizieller Bericht meldet allein mehr als 150 Schwerverletzte, die in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. 300 Personen sollen leichte Schußverletzungen erlitten haben. Tote werden nicht gemeldet. Nehru, der gegenwärtige Präsident des allindischen Kongresses, weilte am Ort des Zusammenstoßes. Nach dem Zusammenstoß wurde ein Preteststreik ausgerufen. Sämtliche Truppen stehen seit Sonnabend nachmittag in Alarmbereitschaft. Im Reichsrat wurde am Sonnabend die Novelle zur Reform der Arbeitslosenversicherung mit einigen geringen Aenderungen angenommen. Annahme fand ferner eine von den Reichsratsausschüssen vorgeschlagene Entschließung, die eine baldige, der Wirtschaftslage Rechnung tragende Neuregelung der Krisenunterstützung und der Unterstützung der Wohlfahrts=Erwerbslosen fordert. Zur Vorbereitung der alsbald einzuleitenden gesetzlichen Neuregelungen dieser Fragen wurde die Reichsregierung ersucht, im Einvernehmen mit den Landesregierungen sofort eine Erhebung über die Zahl der Krisen=Unterstützten und Wohlfahrts=Erwerbslosen in den einzelnen Gemeinden zu veranstalten und bis zum 1. Oktober dem Reichsrat als Material vorzulegen. 18)(Fortsetzung.) „Umzustimmen——!“— fragte Albert Dominique von weither und sah den gelehrten Herrn verständnislos an. „So schwer es Ihnen fällt, Herr Kommerzienrat. Sie müssen es tun. Ihre Frau Gemahlin hängt mit zärtlicher Liebe an dem Gedanken, das Kind zur Welt zu bringen. Sie müssen also vorsichtig und schonungsvoll zu Werke gehen,— doch ich verlasse mich auf Ihr Zartgefühl. Sie müssen die gnadige Frau umstimmen,— und zwar in dem Sinne, daß die Operation schnellstens vorgenommen wird. Ihre Gattin ist annähernd im „vierten Monat der Schwangerschaft—“ „Und wann sollte der Eingriss—“ Professor Hubermann unterbrach ihn: „Die Operation, wolllen Sie sagen—“ Albert Dominique verbesserte sich: „Die Operation, gewiß— wann sollte sie statts“ Professor Hubermann überlegte. „In acht bis zehn Tagen, denke ich. Wir müssen Ihre Frau Gemahlin mindestens noch eine Woche genau weiter untersuchen, um das Material zu ergänzen,— größte Genauigkeit ist erste Pflicht des Arztes.“— Der Professor schellte; im Augenblick trat eine ungemein nette, trotz der eigentlich schlichten Kleidung elegante Schwester ein. Der Professor wies auf Dominique:„Führen Sie den Herrn Kommerzienrat zu seiner Gattin.“ — Er reichte seinem Besucher die Hand. lispelte erwas von„Zusammennehmen" und„Keine Bange“— und wandte sich dann seinen Schreibtischarbeiten zu.—— Als Albert Dominique über die weichen Teppiche schritt, schien sich alles um ihn herum zu vernebeln. Er wußte nicht mehr, wo da die Wirklichkeit ihre Grenzen hatte, wo sie ins Traumhafte, ins Gaunerhafte, ins einfach Unbestimmbare hinDie Kapitäne auf der Gegrüßungsleier- Die Riesenzigarre reißt aus- Drei Schupos als blince Jassagiere Berlin, 22. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Der Besuch des Luftschiffes„Graf Zeppelin“, das am Sonntag früh nach etwa 1½ Jahren zum ersten Mal wieder nach Berlin gekommen ist, verlief bisher vollkommen planmäßig. Um 7 Uhr früh traf das Luftschiff, das auf seinem Flug von München schon gegen Mitternacht die Hauptstadt überflogen hatte, nach einer längeren bis Kopenhagen führenden Schleifenfahrt über dem Flughafen Staaken ein. Die Landung vollzog sich bei schönem Wetter glatt. Schon nach einer halben Stunde war das Luftschiff am Ankermast festgemacht. Im Namen der Stadt Berlin wurde dann die Luftschiffbesatzung von Berliner führenden Persönlichkeiten begrüßt. Mit neuen Passagieren ist das Luftschiff zwei Stunden später dann unter Führung von Kapitän Lehmann zur Fahrt nach Hamburg aufgestiegen und um 8 Uhr abends nach Staaken zurückgekehrt. * Hamburg, 22. Juni.(Eig. Drahtbericht.) In Hamburg ereignete sich ein Zwischenfall. Ueber den Aufenthalt des„Grafen Zeppelin“ in Hamburg wird folgendes bekannt: Das Luftschiff ist nach zweistündiger Fahrt über Hamburg und Umgegend um 4,10 Uhr auf dem Flugplatz gelandet. Nachdem Kapitän Lehmann und die Passagiere das Luftschiff verlassen und„Graf Zeppelin“ bereits ungefähr eine halbe Stunde gehalten hatte, ereignete sich plötzlich ein unerwarteter Zwischenfall. Durch die drückende Hitze hatte das Luftschiff einen allzu großen Auftrieb genommen. Das Hinterende des Luftschiffes stieß kerzengerade in die Höhe, so daß die Haltemannschaft die an der Spitze des Luftschiffes befindlichen Gurte loslassen und somit„Graf Zeppelin“ starten lassen mußten. Kapitän Lehmann mußte diesen unfreiwilligen Start außerhalb des Luftschiffes mit ansehen. Inzwischen sand vor dem Verwaltungsgebäude die Begrüßung des Kapitäns Lehmann durch den Hamburger Bürgermeister Roß statt, der das Luftschiff willkommen hieß. Nachdem„Graf Zeppelin“ eine Viertelstunde nach seinem erfolgten unfreiwilligen Start noch einmal den Flugplatz überflogen hatte, wandte es sich erneut der Stadt zu. Anscheinend bestand die Absicht, einen tieferen Stand der Sonne abzuwarten, um dadurch eine bessere Belastungsmöglichkeit zu erhalten. Zur großen Enttäuschung der auf dem Flugplatz anwesenden Menge ging jedoch gegen 6 Uhr abends ein Funkspruch von Bord des Luftschiffes ein, wonach es„Graf Zeppelin“ infolge Ballastmangels nicht möglich sei, eine nochmalige Landung vorzunehmen und infolgedessen den Rückflug nach Berlin vornehmen müsse. Kapitän Lehmann wurde dadurch gezwungen, die Rückfahrt nach Berlin mit der Bahn anzutreten. Auch die 45 Passagiere, die sich zur Fahrt nach Berlin gemeldet hatten, mußten ihre bereits gelösten Fahrkarten zurückgeben. Während Kapitän Lehmann und die Passagiere an der Rückfahrt nicht teilnehmen konnten, befanden sich an Bord drei Schupobeamte, die als Ballast an Bord waren. Sie mußten also unfreiwillig die Reise nach Berlin mitmachen. Es wird noch gemeldet, daß außer Kapitän Lehmann auch Kapitän Schiller das aufsteigende Luftschiff nicht mehr erreichen konnte. Die beiden Kapitäne und der in Hamburg zurückgebliebene Teil der Besatzung werden mit der Eisenbahn nach Berlin fahren. Zweifel an Kürten? Vage Behauptungen im„Montag Morgen“. Berlin, 22. Juni.(Eig. Drahtber.) Im„Montag Morgen“ wird aus Düsseldorf berichtet, daß in letzter Zeit bei der Düsseldorfer Kriminalpolizei wieder erhebliche Zweifel ausgetaucht seien, ob man bei Kürten wirklich den gesuchten Massenmörder gefunden habe. Trotz eifrigen Nachsorschungen ist es angeblich nicht gelungen, Beweismaterial gegen Kürten zu sammeln, durch das seine Geständnisse gestützt werden könnten. Es wird sich daraus wahrscheinlich die Notwendigkeit ergeben, daß der Fall Kürten im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft und erfahrenen Kriminalbeamten noch einmal von Grund auf überprüft wird und zwar möglichst durch Beamte, die an der Untersuchung noch nicht beteiligt waren und darum mit aller Unbefangenheit an diesen äußerst komplizierten Fall eines Kriminalrätsels gehen. Auch die Psychiater werden sich mit dem Fall Kürten noch ernstlich beschäftigen müssen. Neun Neuerkrankungen in Lübeck Das Gesundheitsamt des Freistaates Lubeck meldet unter den mit dem Calmettemittel gefütterten Säuglingen 9 Neu“ erkrankungen. Bemerkenswert ist, daß sich unter den Erkrankten drei Säuglinge befinden, die bisher gar nicht in der amtlichen Statistik geführt wurden. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß diese Kinder am 26. April, dem Tage der Einstellung der Fütterung, noch das Calmettemittel verabreicht erhalten haben. Nach dieser Korrektur sind insgesamt 251 Kinder geimpft worden, von denen 64 gesund geblieben und 52 genesen sind. In Lübeck herrscht große Empörung darüber, daß sich das amtliche Material immer wieder als lückenhaft erweist. Zirkustribüne eingeltürzt— 70 Verletzte Wien, 22. Juni.(Eig. Drahtbericht.) In Zuaim in Mähren stürzte bei einer Zirkusvorstellung die Tribüne ein und begrub 70 Personen unter sich. Die Verunglückten erlitten Berletzungen. Vier von ihnen so schwer, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Gegen den Zirkusdirektor ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Brücke eingeltürzt- 60 Verletzte Chemnitz, 22. Juni.(Eig. Drahtbericht.) In dem Städtischen Flußbad Alt=Chemnitz ist heute nachmittag eine Brücke, die die beiden Ufer verbindet, infolge Ueberlastung zusammengebrochen. Soweit bis jetzt bekannt ist, sind 60 Personen verletzt. Flugzeugabiturz- Zwei Tote— Acht Verletzte Helsingfors, 22. Juni.(Drahtmeldung.) Bei einem Schaufliegen stürzte heute ein Flugzeug bei dem Orte Perha in die Zuschauermenge. Zwei Personen wurden getötet und acht schwer verletzt, während der Führer mit dem bloßen Schrecken davon kam. Weltrekord im Dauerlpielen Die Bromberger Musikkapelle Breger hat dieser Tage einen neuen Weltrekord im Dauerspielen ausgestellt: sie musizierte 49 Stunden ununterbrochen und„erledigte“ bei der Gelegenheit über 400 größere Musikstücke. Nach Vollbringung dieses schauerlichen Werkes waren die Dauermusiker vollkommen erschöpft. Ihre im vorigen Jahr(sich) ausspielenden Münchener Konkurrenten haben sie um zwei Stunden geschlagen. überwechselte. War der Professor ein einfacher leichter Schwerverdiener— war er ein Arzt— war er ein Mann, der, ohne Schutz seines großen Namens längst im Zuchthaus säße? Irgendwie fühlte der Kommerzienrat dennoch, daß Hubermann den Dingen mit einer gewissen Artistik gegenüberstand; vielleicht sogar mit der Ueberzeugung, die aus latenter Opposition gegen Albernheiten der Gesetzgebung resultierte,— und es nur angenehm mit hinnahm, daß diese Einstellung überdies sehr lukrativ sich auswirkte... Er befand sich auf einmal im Zimmer seiner Frau. Lu lag auf einem Ruhebett a la Récamier, las in einem erotischen Detektivroman und rauchte. Sie erhob sich,— wobei ihr die Schwester behilflich war,— und kam Albert Dominique entgegen: „Wie ich mich freue, Lieber, daß du Zeit findest, mich zu besuchen!“ Zärtlich küßte sie ihn auf die Wange. Dann nickte sie der Schwester zu; diese entfernte sich mit lautlosen Schritten. Albert Dominique sah seine Frau an. Er sagte verdrossen: „Widerliche Komödie, das hier!— Ich war eben beim Professor,— er hat ausführlich mit mir gesprochen,— und— mich gebeten, dich umzustimmen—“ Lu sprang auf: „Er ist wohl plötzlich etwas irre geworden?! Umstimmen sollst du mich? Ich bin doch nich wahnsinnig—“ Dominique empfand den ganzen Ekel der Situation. „Reg dich nicht auf, es konnie deiner angegriffenen Gesundheit schaden!—— Der Professor meinte, ich müßte dich von der Absicht, liebevolle Mutter zu sein, abbringen— und dich überreden, den harten Schicksalsschlag gesaßt hinzunehmen... den Schicksalsschlag nämlich, daß du das Kind nicht zur Welt bringen darfst.“ Lu begann hell und laut zu lachen. „Wunderbar! Also ich bin krank und darf nicht den Gefahren einer Schwangerschaft ausgesetzt werden! Herrlich! Ein Betrieb ist das hier, Albert,— fabelhaft! Man hat mich gewissenhaft nach Strich und Faden untersucht,— ernste Gesichter gemacht, nichts geäußert,— und wirklich so getan, als ob es bitter Ernst sei!“ Dominique wollte zu Sachlichem, der Zynismus quälte ihn: „Der Professor sagt, es wäre bei dir außer einem nervösen Herzleiden auch— Zucker festgestellt worden.“ Lu setzte sich. „Nervöse Herzleiden und Zucker sind eine reizende Erfindung. Sie werden wohl auch wissenschaftlich erstklassig sein,— und das ist ja nicht unwesentlich.“ Dominique versuchte dem Ende der Unterredung zuzusteuern: „Ich muß dann dem Professor Bericht erstatten. Ich nehme an, daß ich sagen darf, daß du, wenn auch schweren Herzens, deine Zustimmung gegeben hast— daß also die Schwangerschaft unterbrochen werden darf. Du wirst ja noch acht Tage untersucht werden,— ich sage es dem Professor vielleicht nicht gleich heute, sonst könnte sein Glaube in deinen Mutterschaftsehrgeiz erschüttert werden.—— Haben wir sonst noch etwas zu besprechen?“ Sie wurde ärgerlich. „Nein. Du bist wohl sehr eilig? Der Wagen kann doch noch etwas warten—“ „Ich bin nicht in meinem Wagen gekommen, denn ich habe Fink entlassen müssen.“ Lu war sehr überrascht: „Den netten Jungen hast du entlassen? Er war doch ein zuverlässiger Fahrer und ein angenehmer Mensch—“ „Er hat mit der Else herumpoussiert, der alte Merten kam zu mir, beschwerte sich,— ich warnte Fink— er hörte nicht— „So, so! Also wegen einer Poussage mit der dummen kleinen Person entläßt du einen tüchtigen Fahrer,— anstatt den alten Kerl mitsamt seiner Tochter hinauszusetzen! Ich verstehe dich *.— „Ich dich auch nicht. Merten hat ein Menschenleben für uns gearbeitet, seine Tochter ist ein ordentliches, anständiges Madchen, nein, die beiden opfere ich nicht einem Lustikus.—— Aber — ich muß jetzt gehen. Ich habe noch im Büro zu tun,— die Nachbörse—“ „Ich weiß, ich weiß! Tu dir keinen Zwang an! Ich rechne aber damit, daß du weiterhin den sorgenden Gatten wenigstens markierst,— des Prosessors, der Leute wegen.—— Also— auf baldiges Wiedersehen!“ Albert Dominique stieg die Treppen hinab,— es war ihm, als ging es immer tiefer, tieser, nicht nur körperlich Er fürchtete sich geradezu vor den weiteren Besuchen,— Widerwillen, Scheu, Ekel und innere Auflehnung drängten sich stärker, als er je erlebt hatte, ins vorderste Bewußtseinsleben.—— (Fortsetzung folgt.) Hauslallwaren Lederwaren Schreibwaren Aktenmappen rindieder. per deutsche Vachette, Format 38 bis J U„ 90 cm 9.90 Kandkottei Hortplate, mit 10 EiiIONE Gelanorsen u. 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