O R GAN FUR DAS ARBEITENDE VOLK MITTEILUNGSBLATT DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN UND DER ARBEITER-SPORTVEREINE Bezugsvreis: Durch Boten halbmonatlich 1.20 RM., durch die Post monatlich 2.40 RM., Bestellgeld extra im voraus zahlbar. Erscheint jeden Werktag vormittags. Preis der Einzelnummer 10 Rpf. Bankkonto: Städtische Sparkasse Gelsenkirchen. Postscheckkonto: 5405 Dortmund. Hauptgeschäftsstelle Verlag und Schriftleitung: Gelsenkirchen, Ringstraße 33. Fernruf Sammelnummer 25841 Anzeigenpreis im Verbreitungsgebiet 8 Rpf., außerhalb 12 Rpf., für 1 mm Raumhöhe bei 27 mm Breite. Reklamen 1 mm Raumhöhe bei 90 mm Breite 50 Rpf. Kleine Anzeigen 5 Rpf. Inseratenannahme bis 19 Uhr. Bei gerichtlichen Klagen, Zwangsvergleichen und Konkursen erlischt jeder Rabattanspruch. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Gelsenkirchen Nr. 141 Gelsenkirchen, Freitag, den 20. Juni 1930 12. Jahrgang Moldenhauer geht Die Deutsche Volkspartei droht mit dem Regierungsaustritt, wenn der Finanzminister bleibt Der Fall Moldenhauer ist erledigt, der Finanzminister des Kabinetts Brüning geht endgültig, er muß gehen, weil seine eigene Partei ihn als Finanzminister nicht länger ertragen will und die Mehrheit der volksparteilichen Reichstagsfraktion entschlossen sein soll, Moldenhauer auszuschließen, wenn er es wagen sollte, gegen ihren Willen weiter Finanzminister zu bleiben. Amtlich wird der Rücktritt Moldenhauers und die Annahme der Demission vom Reichspräsidenten voraussichtlich erst in einigen Tagen bekanntgegeben werden. Der Reichskanzler hat sich am Donnerstag im Verlaufe einer Unterredung mit dem Führer der Volkspartei Dr. Scholtz davon überzeugen lassen, daß sein Finanzminister nicht mehr zu halten ist und das Verbleiben Moldenhauers im Kabinett gleichbedeutend sein würde mit dem Abmarsch der volksparteilichen Krisenmacher in die Opposition. Angesichts dieser Situation hat sich Brüning entschlossen, von veiteren Einwirkungen auf Moldenhauer abzusehen und von dem anfänglich beabsichtigten Vorschlag an den Reichspräsidenten, n den Rücktritt des Finanzministers nicht einzuwilligen. Abstand su nehmen. Er mußte sozusagen zwangsweise auf seine Pläne verzichten, weil das Verbleiben Moldenhauers wahrscheinlich lchon in den nächsten Tagen zum Rücktritt des Gesamtkabinetts geführt haben würde. Um den eigenen Mann im Finanzministerium loszuwerden, war der industrielle Flügel der Volkspartei entschlossen, auch der Regierung Brüning einen Dolchstoß zu versetzen, dem Brüning ausgewichen ist, indem er endgültig auf Moldenhauer verzichtete und sich auf die Suche nach einem neuen Finanzminister begab. Man kann es verstehen, wenn im Zentrum und bei den Demokraten über die Deutsche Volkspartei äußerste Verbitterung herrscht. Man versteht dieses umsomehr, als sie der Volkspartei erst bei der letzten Regierungskrise endlose Handlangerdienste gegen die Sozialdemokratie geleistet haben und ihnen jetzt der Dank in Form neuer Fußtritte und in Form eines Am Sonntag, den 22. Juni, wird in Sachsen gewählt. Der Wahlkampf hat sich im wesentlichen auf die letzten Wochen vor der Wahl zusammengedrängt. Die rohe Kampfesweise der Hakenkreuzler und Kommunisten hat trotz des kurzen Wahlkampfes genug Opfer gefordert. Die Stimmung im Lager des Bürgertums ist ausgesprochen flau. Man wartet dort ab, wieviel man an die Nationalsozialisten verlieren wird. Im alten sächsischen Landtag waren 10 Parteien vertreten. Die Sozialdemokruten mit 33 Mandaten, die Deutschnationalen mit 8, die Deutsche Volkspartei mit 13, die Wirtschaftspartei mit 11, die Kommunisten mit 12, Demokraten mit 4, Aufwertungspartei 3, die Altsozialisten mit 2, die Nationalsozialisten mit 5 und das sächsische Landvolk mit 5 Mandaten. Es standen 45 Sozialdemokraten und Kommunisten gegen 46 Bürgerliche und 5 Hakenkreuzler. Im sächsischen Bürgertum sieht man es als unabwendar an, daß die Hakenkreuzler ihre Position als Zunglein an der Wage bedrohlich verstärken werden. Zwei neue Parteien unternehmen den Versuch, ihre Anhänger zu zählen: Die Volksnationale Reichsvereinigung des Herrn Muhraun und der Christlich=Soziale Volksdienst. Die Altsozialisten und die Aufwertungspartei werden voraussichtlich noch kleiner werden oder ganz verschwinden. Die Verschiebung zwischen diesen Splittern wird aber ohne jede Bedeutung sein. Die Nationalsozialisten haben einen gewaltigen Auswand an Rednern und Geldmitteln betrieben. Sie machen sich Hoffnungen auf Mandatsgewinn von den Bürgerlichen und Kommunisten und erheben schon vor der Wahl Anspruch auf das Innenministerium, unbeschadet der Verärgerung Ultimatums zuteil wird, und man versteht erst recht, daß Brüning heute bedauert, zum Scheitern der großen Koalition im letzten Stadium mit Hand geboten zu haben. Moldenhauer geht— ein anderer Mann tritt an seine Stelle — nur möchten wir bezweifeln, daß damit die Situation eine wesentliche Erleichterung oder gar eine endgültige Klärung erfährt. Der Kampf der Volkspartei gegen ihren eigenen Finanzminister galt weniger der Person Moldenhauers, er galt dem Repräsentanten einer Politik, die sich dem Willen der Schwerindustrie nicht restlos beugte. Diesen Kampf wird das schwerindustrielle Unternehmertum weiterführen, ganz gleich, wie der neue Finanzminister auch heißen mag, und es wird ihn wahrscheinlich schärfer noch als bisher führen, wenn der neue Mann— wie anzunehmen ist— nicht zur Volkspartei gehört. So ist zu erwarten, daß die Regierung Brüning auch ohne Moldenhauer von einer Schwierigkeit in die andere gerät, von einer Krise in die andere taumelt, bis sie schließlich nicht mehr aus noch ein weiß. Dann gilt es Abrechnung halten mit der Politik dieser Regierung und den verbrecherischen Krisenmachern in der Deutschen Volkspartei. Der Nachfolger Auch Höpker-Alchoff will nicht Berlin, 19. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Als Nachfolger des Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer werden in unterrichteten Kreisen der gegenwärtige Wirtschaftsminister Dr. Dietrich und der preußische Finanzminister Höpker=Aschoff genannt. Dietrich soll jedoch entschlossen sein, das Amt abzulehnen. Von dem preußischen Finanzminister wird das Gleiche behauptet. Ueberhaupt scheint die demokratische Partei zur Zeit entschlossen, das Amt des Reichsfinanzministers nicht zu übernehmen. Die Volkspartei hat auf die Wiederbesetzung des Reichsfinanzministeriums großmütig verzichtet. der Volkspartei über die Landtagsauflosung. Die Organisation der sozialdemokratischen Partei hat in der letzten Zeit sehr gute Fortschritte gemacht. Die Partei rechnet deshalb mit guten Erfolgen am Wahltag. Unglaubliche Grausamkeit eines Schiffskapitäns Amsterdam, 19. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Ein Fall unglaublicher Grausamkeit hat unter der Hasenbevölkerung von Antwerpen große Entrüstung hervorgerufen. Vor einigen Wochen verließ ein griechischer Dampfer den spanischen Hafen Huelva mit dem Ziel Gent. Auf hoher See wurden drei blinde Passagiere, spanische Knaben im Alter von 17—18 Jahren, entdeckt. Ohne zu zögern, gab der Kapitän des Schiffes, ein Grieche, Befehl, die drei blinden Passagiere ins Meer zu werfen. Der Befehl wurde vor den Augen der entrüsteten Bemannung von den Offizieren ausgeführt. Diese unmenschliche Tat empörte die Frau des Kapitäns so, daß sie einen Revolver ergriff und ihren Mann niederzuschießen drohte, wenn er nicht Befehl zur Rettung der drei Knaben erteile. Schließlich ließ der Kapitän ein Kuderboot bereitstellen. Der Mannschaft gelang es, zwei Knaben zu retten, während der dritte in den Wellen verschwand. Der Dampfer setzte darauf seine Reise nach Gent fort. Dort angekommen, wurde die gesamte Besatzung entlassen und durch eine neue ersetzt, worauf der Dampfer mit unbekannter Bestimmung den Hasen verließ. Die Mitglieder der alten Bemannung einschließlich der zwei geretteten blinden Passagiere begaben sich nach Antwerpen, wo sie der Polizei von dem Vorfall Mitteilung machten. Politik oder Verbrechen? Von Rudoll Beeitscheid In Dresden lud bis vor wenigen Tagen ein Riesenplakat zum Besuch einer volksparteilichen Wählerversammlung ein, in der der Finanzminister Moldenhauer über die„Sanierung der Reichsfinanzen“ sprechen sollte. Dieses Plakat ist überklebt worden. Als Referent wird jetzt der Reichstagsabgeordnete Brüninahaus und als Thema„Unser Kampf gegen das Notopfer“ angekündigt. Ein amüsantes aber sehr bezeichnendes Sympton für die Zustände, die in der Deutschen Volkspartei herrschen. Herr Moldenhauer darf nicht mehr reden, weil er bei seinen Freunden unten durch ist, und aus der Sanierung der Reichsfinanzen mit Hilfe des Notopfers ist der Kampf gegen dieses Notopfer geworden. Nun hat das Gesamtkabinett das Rücktrittsgesuch des Finanzministers abgelehnt, aber niemand weiß einstweilen, welches der Erfolg dieses Votums sein wird. Offenbar soll der Reichspräsident in Bewegung gesetzt werden, um Herrn Moldenhauer zum Bleiben zu nötigen, doch auf der anderen Seite steht die Deutsche Volkspartei, die in ihrer Mehrheit ihn nicht zu halten wünscht und die sich gegen das Finanzprogramm ausgesprochen hat, für das Moldenhauer die Verantwortung trägt. Wie will man aus derartigen Schwierigkeiten herauskommen? Zweifellos wird der Versuch mir neuen Kompromißverhandlungen gemacht werden und in den Kreisen der Regierung rechnet man damit, daß die Volkspartei weicher sein werde, wenn die sächsischen Landtagswahlen vorüber sind, sei es, weil sie es dann nicht mehr nötig hat, den agitatorischen Gesichtspunkt in den Vordergrund zu stellen, sei es, weil sich unter dem Eindruck ihrer Niederlage ihre Bedenken gegen eine Auflösung des Reichstages verstärken werden und diese Bedenken sind ja an und für sich bei allen bürgerlichen Parteien und wahrhaftig nicht zuletzt bei der Deutschen Volkspartei schon groß genug. Wahlen im Zeichen der Finanzderoute und mit der Parole„Für oder wider das Notopfer“, scheinen die bürgerlichen Parteien mit Recht sehr wenig aussichtsreich zu sein und man kann es verstehen, wenn ihre Presse nicht müde wird, ihre warnende Stimme zu erheben und auf die der Sozialdemokratie günstigen Zeichen hinzuweisen. Aber sehr zweifelhaft ist es doch, ob diese Spekulation auf die Angst der bürgerlichen Parteien und namentlich der Volkspartei nicht fehlgeht. Wir müssen die Hintergründe der Attacke gegen den Notopfergedanken im Freundeskreis des Herrn Scholz zu erkennen suchen. Wie von der Sozialdemokratie immer hervorgehoben wurde, ist die Sorge um das Schicksal der Festbesoldeten nicht das eigentliche Motiv, man benutzt sie nur. um die wahren und letzten Absichten zu verbergen. Mit dem Hervorkehren sozialpolitischer Erwägungen soll den Anhängern im Lande Sand in die Augen gestreut werden, damit sie nicht zu sehen vermögen, welche in hohem Maße unsozialen Rücksichten bei den Treibern hinter den Kulissen ausschlaggebend sind. Eine sehr klare Bestätigung unserer Auffassung findet sich in einem Berliner Bericht der„Kölnischen Zeitung“. Wir geben den betrefsenden Passus wörtlich wieder. „Die Gegensätze zwischen der Fraktion und Moldenhauer haben sich jedoch weiter verschärft, da die Fraktion mehr und mehr unter die Führung der Industrievertreter geriet, die die Moldenhauerschen Vorschläge grundsätzlich ablehnen, da sie eine Sanierung der Finanzen von der Steuerseite her als hoffnungslos ansehen und statt dessen eine Entlastung der Wirtschaft durch Abbau von Löhnen und Gehältern durchführen wollen. Bei ihnen hat sich der Gedanke durchgesetzt, daß dieser Abbau auch auf gesetzlichem Wege durchgeführt werden könne und müsse, indem der Reichstag ein Gesetz beschließe, das die langfristigen Tarifverträge aufhebt. Als Moldenhauer es ablehnte, sich auf diesen Weg zu begeben, verscharften sich die Gegensätze noch weiter und schließlich ließ die Gruppe der Industriellen den Finanzminister die Aufforderung zu seinem Rücktritt zugehen. Daraushin bestärkte sich bei ihm die Ansicht, daß seine Fraktion schließlich einen Beschluß sassen werde, der von ihm seinen Rücktritt fordern werde.“ Die Darstellung der„Kölnischen Zeitung“ kann noch nach zwei Richtungen ergänzt werden. Einmal ist festzustellen, daß Wahlen in Jachsen Neue Parteien- Nlationalsozialistische Rollnungen-(ute organisatorische Fortschritte der Jozialdemokratie Einheitsfront der Arbeiterschaft gegen Stegerwalds Ilan, die Krankenversicherung zu verschlechtern die nampagne, von der sie spricht, in der Hauptsache geführt wird von dem Abgeordneten Schmitt, der immer noch Staatssekretär im Ministerium des besetzten Gebietes ist. Er findet eine Unterstützung bei seinem Kollegen Hueck und den übrigen industriell interessierten Mitgliedern der Fraktion. Aber was bezeichnender ist, es geht diesen Herren nicht nur um die Aufhebung der langfristigen Tarisverträge, sondern auch um die Abschaffung der Schlichtungsordnung und den weiteren Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Es geht ihnen, ganz allgemein gesagt, um den Kampf gegen die sozialen Errungenschaften der Nachkriegszeit. Für sie steht nicht etwa der Gedanke der Beseitigung des Finanzelends in erster Linie. Sie wünschen auch gar nicht, die Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffung oder Preissenkung einzuschränken, im Gegenteil, die Not des Reiches und die Not der Erwerbslosen sind ihnen willkommene Helferinnen für die Verwirklichung ihrer Pläne. Wenn alle Deckungsvorschläge unmöglich gemacht werden, wenn das Proletariat durch die andauernde Arbeitslosigkeit mürbe gemacht ist, dann wird, so hoffen sie, der ihnen günstige Moment gekommen sein, daß sie ihre Projekte auf dem geordneten gesetzgeberischen Wege durchführen können, bilden sie sich selbst ein. Sie wollen die Voraussetzungen schaffen für die Anwendung des Artikels 48 oder vielleicht auch noch für andere diktatorische Maßnahmen. Weit von dem Willen entfernt, der Wirtschaftskrisis ein Ende zu bereiten, beabsichtigen sie, sie zu vertiefen und zu verschärfen. Jedes Mittel ist den Katastrophen= politikern recht, und wenn sich neuerdings die Anzeichen dafür mehren, daß die nationalsozialistische Bewegung gerade aus den Kreisen der rheinisch=westfälischen Industrie finanzielle Zuwendungen erhält, so würde auch diese Unterstützung einer Partei der Beunruhigung und des Aufruhrs nur allzu gut in den Rahmen des Gesamtbildes passen. Hier also haben wir wieder einmal die Krisenmacherei in Reinkultur. Sie wird von denselben Leuten betrieben, die für alle politischen Krisen der letzten Jahre die Verantwortung tragen und die in allen Fällen mächtig genug gewesen sind, das kleine Häuflein halbwegs vernünftiger Politiker in der Deutschen Volkspartei niederzuknüppeln. Nur daß es diesmal nicht allein um eine Kabinettskrise geht. Sie ist von untergeordneter Bedeutung gegenüber der sozialen und Staatskrisis, die sich die Vorkämpfer der großindustriellen Bourgeoisie bewußt zum Ziele setzen. Daß die besonnenen Elemente in der Deutschen Volkspartei stark genug sein werden, um einem solchen verbrecherischen Tun wirksam entgegenzutreten, ist nach allen Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit sehr wenig wahrscheinlich. Aber binnen kürzester Zeit werden die anderen Gruppen der gegenwärtigen Koalition vor der ernsten Schicksalsfrage stehen, ob sie mit einer Partei, die unter dem Druck ihres industriellen Flügels in so frivoler Weise mit dem deutschen Volk und namentlich mit der deutschen Arbeiterklasse spielt, länger eine Regierung bilden sollen. Die Nazi-Roheit von Schweidnit Schweidnitz, 19. 6.(Eig. Drahtbericht.) Im Schweidnitzer Prozeß erklärte Polizeioberleutnant a. D. Gröning am Donnerstag, daß er am Vormittag des Tages, an dem die Versammlung der sozialdemokratischen Partei stattsand, den früheren Polizeibeamten Stuas getroffen habe, der den Nationalsozialisten zuzurechnen sei. Stuas habe zu ihm gesagt: „Heute Abend in der SPD.=Versammlung wird's was geben.“ Er habe sich dabei die Aermel hochg streift und erklärt:„Er hätte schon lange nicht gearbeitet.“ Die Wirtin des Volksartens, in dem die Versammlung stattfand, erfuhr kurz vor der Versammlung von einem jungen Manne, der von ihr Zigaretten kaufte:„Feute wird's was geven.“ Eine andere Zeugin hat am Eingang zum Volksgarten zwei junge Leute beobachtet, von denen einer sagte:„Wir sollen uns das Reserat nicht erst anhören.“ Das machte die Frau stutzig. Sie hat deshalb von Anfang an mit Tätlichkeiten gerechnet. Ein Zeuge, der zurzeit der Versammlung mit Nationalsozialisten befreundet war, ist von einem der Angeklagten aufgefordert worden, mit zu der Versammlung zu kommen. Der Angekla hatte dieser Aufforderung hinzugefügt: „Wir Nationalsozialisten gehen alle hin. Es wird verfluchte Schnicke geben.“ Der Zeuge hatte den festen Eindruck gewonnen, daß es zu Tätlichkeiten kommen würde. Er hat deshalb der Verimlung nicht beigewohnt. Am Tage nach der Versammlung ist ihm von dem gleichen Nationalsozialisten gesagt worden: „Wir haben gut aufgeräumt.“ Das Strafverfahren gegen die Kombenleger Kiel, 19. 6.(Drahtm.) In dem Altonaer Verfahren wegen der Bombenattentate hat die Strafkammer, wie die Justizpressestelle mitteilt, nach Ablauf der den Angeschuldigten bewilligten Erklärungsfrist nunmehr das Hauptverfahren vor dem Schwurgericht gegen die Angeschuldigten Heim, Volk, Nickels, Schmidt, Rathien, Rehling, Wibora. Johnson, Weschke, Matthes, Hennings, Vick fr., Luhmann, Becker, Denecke, Rieper, die Eheleute Holländer, Bossen, Hamkens und Bruno von Calomon eröffnet. Hinsichtlich der Angeschuldigten Heim, Volk, Nickels, Schmidt, Rehling, Johnson und Rieper hat die Strafkammer Fortdauer der Untersuchungshaft beschlossen. Die übrigen Angeklagten, deren Verfahren nach Altona abgegeben worden sind, sind außer Verfolgung gesetzt worden. Die Anberaumung des Hauptverhandlungstermins wird in den nächsten Tagen erwartet. Rü ktritt des ägyptischen Kabinetts. König Fuad hat das Rücktrittsgesuch des Kabinetts Nahas Pascha angenommen. Frankfurt a. M., 19. 6.(Eig. Drahtm.) Der Verband zur Wahrung der Interessen der deutschen Betriebskrankenkassen macht auf seinem z. Zt. in Frankfurt a. M. stattfindenden Kongreß, der von 2000 Delegierten besucht ist, gegen die Versuche der Reichsregierung, die Krankenversicherung zu verschlechtern, entschieden Front. Seine scharfe ablehnende Kritik an dem Reformentwurf der Regierung sand die Zustim mung der anwesenden Vertreter aller Gewerkschaftsrichtungen, auch der Hirsch-Dunckerschen und der Christlichen, die den freien Gewerkschaften in ihrem Abwehrkampf Waffenbrüderschaft zusagten. Dr. Memelsdorff vom Deutschen Städtetag sprach über die Zusammenarbeit von Versicherungsträgern und Städten. Das Unternehmertum macht jetzt Miene, in der Lohnabbaufrage aufs Ganze zu gehen. Kaum sind die Beratungen zwischen den Spitzen der Gewerkschaften und der Arbeitgeber zu Ende — die Meldung bürgerlicher Blätter, daß die Besprechungen weitergeführt werden, stimmt nicht— da rücken die Scharfmacher grobes Geschück in Stellung. Maßgebende Industrievertreter in der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei treten jetzt ganz offen dafür ein, eine Entlastung der Wirtschaft durch Lohn= und Gehaltsabbau auf dem Wege der Gesetzgebung durchzuführen. Sie denken dabei an das Gesetz zur vorzeitigen Kündigung langfristiger Tarisverträge. Allem Anschein nach gehen die Scharfmacher mit dem Gedanken um, endlich, wie 1923, mit Hilfe der Gesetzgebung eine Arbeitszeitverlängerung durchgeführt wurde, jetzt eine Lohnsenkung herbeizuführen. Diesen Versuchen wird— das darf und muß man schon jetzt sagen— die Arbeiterschaft mit eiserner Energie entgegentreten. Ein Lohnsenkungsdiktat auf dem Wege der Gesetzgebung, das heißt eine brutale Vergewaltigung der Arbeiterschaft durch den Reichstag, wäre für die Regierung Brüning ein halsbrecherisches Unterfangen. Durch die neuen Absichten der Unternehmer erhalten die von ihnen angeregten Verhandlungen der Spitzen in der Lohn= und Preisfrage eine eigenartige Beleuchtung. Waren diese Verhandlungen nur ein Manöver zur Verdeckung von Angriffsplänen, wie sie jetzt sichtbar werden? Rein Geschluß über die Arbeits zeit im Kohlenbergkau Genf, 19. 6.(Eig. Drahtm.) Die Bemühungen der Kohlenkommission des Internationalen Arbeitsamtes, zu einer Verständigung hinsichtlich der Arbeitszeit der Bergleute zu gel.igen, sind nach dem Verlauf der Donnerstagsitzung der Kommission vorläufig als gescheitert zu betrachten. In der Donnerstagsitzung wurde zunächst der Antrag des Arbeitsamtes, die Arbeitszeit für die Dauer von drei Jahren auf 7¼ Stunde festzusetzen und später auf 7½ Stunden zu reduzieren, mit 24 gegen 15 Stimmen bei 8 Enthaltungen abgelehnt. Der Antrag der deutschen Regierung, die Arbeitszeit auf 7¾ Stunden festzusetzen und in den nächsten drei Jahren eine Prüfung des Arbeitszeitproplems vorzunehmen, gelangte m 18 gegen 14 Stimmen bei 15 Enthaltungen zur Ablehnung. Der Antrag der Arbeitgebergruppe für eine achtstündige Arbeitszeit wurde mit 24 gegen 19 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgewiesen. Die Arbeitnehmer stimmten bei sämtlichen Abstimmungen nicht einheitlich. Der Vorsitzerde der Kommission, Dr. Brauns=Deutschland, erklärte nach der Abstimmung, daß man die Beratungen des Konventionsentwurfes fortsetzen wolle und die Vollkonferenz vielleicht doch noch eine Lösung finden werde. Diese Hoffnung ist leider trügerisch. Es wird allgemein angenommen, daß auf der gegenwärtigen Konferenz eine Verständigung nicht mehr erzielt wird. Severing in Zürich Zusammenstöße mit den Kommunisten Zürich, 20. 6.(Drahtm.) Aus Anlaß eines Vortrages, den der frühere Reichsminister Severing gestern im Volkshause auf Einladung der Sozialdemokratischen Partei der Stadt Zürich und des Gewerkschaftskartells hielt, veranstaltete die Kommunistische Partei eine Demonstration vor dem Volkshause. Zunächst konnten die Kommunisten von den sozialdemokratischen Ordnern in Schach gehalten werden. Bald darauf entwickelte sich aber eine Schlägerei die heftige Formen anzunehmen drohte. Polizei stellte die Ruhe schließlich wieder her. Einige Personen trugen Verletzungen davon. Eine Sonderversammlung der Kommunisten auf einem dem Volkshause benachbarten Platz verlief ohne besondere Störung. Wieder ein Grenzzwischensatt im Osten Königsberg, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Bei Prosken an der ostpreußischen Grenze hat sich ein blutiger Vorfall ereignet. Wie aus den vorläufigen Meldungen zu ersehen ist, wurde ein deutscher Zollbeamter, der sich beim Dienstanzug auf dem KonEr sorderte eine Arbeitsgemeinschaft, wie sie die Richtllinien der Reichsregierung vorsehen. Nur so könnten die Kompetenz=Konflikte vor allem in der Kostenfrage vermieden werden. Die Verhältnisse in der Tuberkulosenfürsorge zeigten zur Genüge, wie notwendig einer nur durch Arbeitsgemeinschaft mögliche Planwirtschaft auf d. n ganzen Fürsorgegebiete sei. Professor Terhalle=Hamb“ untersuchte das Verhältnis zwischen Reparationen und Sozialverst erung. Ende 1929 habe die Zahl der Versicherten 22 Millionen betragen, 16,12 Millionen im Jahre 19 40/14. Die Sozialversicherungslast sei dreimal so hoch wie die N arationsannuitäten. Das berechtige aber nicht zu dem oft gezogenen Schluß, die Sozialversicherung abzubauen. Notwendig sei nur eine Beseitigung der Mißstände und Mißbräuche. Höchst merkwürdige Pläne des Reichsarbeitsministeriums werden von den den cristlichen Gewerkschaften nahestehenden Presseorganen gemeldet. Es heißt da zum Beispiel, daß der Reichsarbeitsminister die Gewährung von Reichsmitteln zur Ankurbelung des Baumarktes von einer Preis= und Lohnsenkung im Baugewerbe abhängig machen wolle. Den Verhandlungen über eine Lohnsenkung im Baugewerbe stünden noch Schwierigkeiten im Wege, da die Auffassung vorherrsche, daß eine solche Lohnherabsetzung nur in Frage kommen könne, wenn die betroffene Arbeiterschaft Aufnahme in die Krisenfürsorge finde. Allerdings sollten die Bauarbeiter nur in gestaffelten Sätzen, also in eingeschränktem Umfang, zur senfürsorge zugelassen werden, da ohne solche Maßnahme die Hereinnahme der Bauarbeiter und der zu ihnen gehörenden Berufskategorien eine Mehrbelastung von rund 300 Millionen pro Jahr bedeute. Merkwürdig, höchst merkwürdig! Die Bauarbeiter bedanken sich für eine Lohnsenkung, für die man ihnen gnädig die Aufnahme in die Krisenunterstützung versprechen will. Wir finden die Verquickung der Baumarktbelebung mit den Fragen der Krisenfürsorge höchst unglücklich. Der Baumarkt braucht eine Belebung. Die Bauarbeiterlöhne sind mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten des Baumarktes im Frühjahr nicht erhöht worden, obwohl die Bauarbeiter eben infolge der mangelnden Arbeit mit leeren Taschen dastehen. Gesenkt werden können und müssen die Baustoffpreise. Daß sie übersetzt sind, ist allgemein bekannt. trollgang befand, im Walde unvermutet von einem Zivilisten beschossen. Der deutsche Beamte griff darauf zur Waffe und gab auf den Angreifer einen Schuß ab, der diesen tödlich verwundete. Bei der Untersuchung der Leiche stellte sich später heraus, daß es sich bei dem Getöteten um einen polnischen Zollbeamten handelte, der in Zivilkleidung die deutsche Grenze überschritten hatte. Es ist sofort eine Untersuchung eingeleitet worden, deren Ergebnis zur Beurteilung des Vorfalles abgewartet werden muß. Verschärfung des Goukotts in Indlen Bombay, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Der stellvertretende Präsident des indischen National=Kongresses betonte in einer Versammlung, man müsse den Boykott verschärfen. Er beglückwünschte Bombay und Gujerat zu dem guten Beispiel, das sie der Bewegung des zivilen Ungehorsams gegeben hätten. Der vormalige Präsident der gesetzgebenden Versammlung, Petel, sorderte die Massen auf, ihr Studium zu unterbrechen und sich der Nationalversammlung zur Verfügung zu stellen. Der Präsident der Provinz von Bombay, Kapadmia, gegen den ein Hastbefehl erlassen worden war, stellte sich nach Schluß der Versammlung freiwillig der Polizei zur Verfügung. Einigungsbestrebungen in China Paris, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Havas meldet aus Schanghai: Die militärische Lage habe einen Umschwung zugunsten der Nankingregierung gebracht. Die Regierungstruppen hätten die in der vergangenen Woche südlich Hankau verlorenen Stellungen wieder besetzt und verteidigten sie hartnäckig gegen das Vordringen der Nordtruppen. Angesichts der Unmöglichkeit, mit Waffengewalt eine Lösung des Konflikts herbeizuführen, sei das Gerücht im Umlauf, daß der frühere Präsident der Kuomintang, Wangtschinwei, eine Vermittlungsaktion einzuleiten beabsichtige. Mehrere andere Persönlichkeiten von der Knomintang bemühten sich gleichfalls, eine Versöhnung zwischen Wangtschinwei und Tschsangkaischek herbeizuführen, um ein Regime zu schafsen, das die Einflüsse Nord= und Südchinas überbrücken soll. Neue Uufskandsbewegung in Nicaragug Neuyork, 19. Juni.(Drahtmeldung.) General Sandino, der Führer der Aufständischen in Nicaragna, soll, wie sein Vertreter in Mexiko dem Korrespondenten der„Associated Preß“ versichert hat, nach Nicaragua zurückgekehrt sein und die amerikanischen Seesoldaten in zwei Gefechten geschlagen haben. Ein Cergeant und ein Ofsizier sollen von den Truppen des Generals gesangen genommen und 10000 Patronen und eine Anzahl Gewehre erbeutet worden sein. Lohnabkau und Krisenfürsorge? Die Scharfmacher rucken grobes Geschütz in Stellung Nr. 141. 12. Jahrg. Zweites Blatt. Gelsenkirchen, Freitag, den 20. Juni 1930. Volkswille Neue Etatverhandlungen möglich! Der Staatsanwalt prülft den Fall Neuhaus) Das Wasser in der Städtischen Badeanstalt einwandtrei Hans-Sachs-Hotel für einen Monat geschlossen STADT GELSENKIRCHEN Wir warten auf die Fahnen der Republik Wieder einmal ist der Tag vorbei, der für die Anhänger der römisch=katholischen Kirche das Hochfest des Jahres bedeutet. Wieder einmal sahen wir ungeheuer viel Fahnen in den verschiedensten Straßen und Stadtteilen Gelsenkirchens. Wir sahen vorwiegend gerade solche Häuser und einzelne Stockwerke in reichstem Schmuck von Fahnen in den Kirchen= farben prangen, in denen sonst nie eine Fahne, am allerwenigsten aber eine solche in den Farben der Deutschen Re publik zu sehen ist. In diesem Zusammenhange fällt uns ein, daß an den Verfassungstagen der vergangenen Jahre gerade an den Häusern und Einzeletagen unserer katholischen Mitbürger die schwarzrotgoldene Fahne der Republik fast ausnahmslos fehlte, daß also diese Leute es verschmähten, sich zur Republik zu bekennen, obgleich die meisten führenden Zentrumsleute— vielleicht mit Ausnahme des Herrn Wilhelm Marx unseligen Angedenkens— das heute tun und auch gelegentlich betonen. Und doch hätten gerade die Katholiken alle Veranlassung, mit dem Entstehen und Werden der Deutschen Republik durchaus zufrieden zu sein. Was ihnen im Kaiserstaat der Vorkriegszeit und im Königreich Preußen niemals möglich geworden ist, sie haben heute durch beamtete und ehrenamtliche Vertreter allenthalben Einfluß. Die Macht ihrer Kirche ist gefestigter denn je und die Kirche selbst, sie nimmt die Millionen, die ihr von der Republik gegeben werden, hin, ohne sich allerdings dafür irgendwie besonders dankbar zu zeigen; denn wir haben bis jetzt noch nicht viel davon verspüren können, daß sich die Kanzelredner in den Kirchen mit größerem Nachdruck bemüht hätten, die Katboliken und vor allem die katholische Jugend zu bewußten Republikanern, zu begeisterten Anhängern der Freiheitsfarben Schwarz=RotGold zu machen. Denn, wenn dem so wäre, so müßten in unserer Stadt, in der etwa die Hälfte der Bevölkerung katholisch ist, am Verfassungstage viel mehr schwarzrotgoldene Fahnen zu sehen sein, als das in den verflossenen Jahren der Fall war. Zum mindesten soviel Fahnen in den Farben der Deutschen Republik dürften wohl zu schauen sein, wie wir gestern solche in den Farben der Kirche, des Papstes und des Bischofs zu sehen bekamen. Wir sehen nach dieser Richtung hin in dem 11. August 1930 trotz aller bisherigen Enttäuschungen wieder einmal mit einer gewissen Erwartung entgegen. Schupo und Tierschutz Ein ungeschickter und unhöflicher Schupomann. Von Augenzeugen wird uns berichtet: Am Mittwoch gegen 21 Uhr bog ein Wagen der Baufirma Wiskotten, von der Grenzstraße kommend, in die Bismarckstraße ein. Dabei lagerte sich die ganze Last des Wagens, als die Kurve genommen werden sollte, auf das rechte Vorderrad. Der Druck war besonders veranlaßt durch einen großen eisernen Mast, der auf dem Wagen lag, an dem außerdem noch ein Gestell auf kleinen gußeisernen Rädern angehängt war, das wohl zur Bedienung eines Transportbandes bei Bauten gebraucht wird. Das Rad klemmte sich fest, und nur unter großen Mühen, die natürlich für den vorgespannten, wenn auch an sich starken Fuchs ungeheure Quälerei bedeuteten, gelang es doch noch, das sicherlich überladene Fuhrwerk auf die andere Straßenseite zu bringen. Dort verhinderte ein Mitglied des Tierschutzvereins, Herr G. I., die Weiterfahrt des Wagens. Soweit der Bericht eines Augenzeugen! Inzwischen war ich gerade selbst aus der Straßenbahn gestiegen, an der Ecke Olga= und Bismarckstraße. Mein erster Blick galt dem Pferde, und ich sah, daß es noch zitterte von den gehabten Anstrengungen und völlig mit Schweiß bedeckt war. Aus der Menschenmenge heraus kamen Worte der Entrüstung wegen des überladenen Wagens, und Fuhrleute aus der Nachbarschaft, die doch wohl als Sachverständige anzusprechen sind, erklärten mir auf Befragen ohne weiteres, daß der Wagen überladen sei. Ein Schupobeamter in Mütze— also wohl außer Dienst— bemühte sich, in sachlicher Weise die Dinge zu klären. Schließlich verschwand er und es erschien eine Streife von zwei Beamten. Der eine Beamte der Streife, der mir zufällig persönlich bekannte Wachtmeister benahm sich in der ganzen Angelegenheit sehr zurückhaltend und korrekt. Sein Begleiter, der wohl als Führer der Streife anzusprechen war, entwickelte sich in wenigen Minuten nach der anderen Seite hin. Er hielt es, obgleich Herr I. vom Tierschutzverein ihn ausdrücklich darum bat, keineswegs für notwendig, den Eigentümer des Fuhrwerks oder die Personalien des Kutschers festzustellen. Ich hatte gerade dem Wachtmeister Kr. gesagt, es müsse das Weiterfahren ohne Vorspann ohne weiteres verhindert werden, als der andere Beamte es u. E. sehr voreilig, und wie es uns schien, um diese ihm lästige Sache schnell loszuwerden, die Erlaubnis zur Weiterfahrt gab, wobei im Anziehen der arme Gaul fast in die Knie brach. Ich hatte mich inzwischen dem Streifenführer vorgestellt, was er höflichst damit erwiderte, daß es ihm ganz gleich sei, wer ich sei, geschweige denn, daß er nun etwa seinerseits soviel Benehmen gezeigt, hätte, auch seinen Namen zu nennen. Ich sagte ihm schließlich, daß er doch wohl etwas voreilig gehandelt habe, daß er die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilte. Als ich ihm aber gar noch meine Ansicht dahin äußerte, daß es wohl richtig gewesen wäre, das Gespann noch ein Stück Weges zu begleiten, um festzustellen, ob etwa nun das Tier durch Schläge zu übermäßiger Leistung gebracht würde, da war es mit der Gemütlichkeit dieses Beamten durchaus zu Ende, und er sagte in ziemlich barschem Tone:,„Ja, denken Sie denn, ich kann das Gespann bis nach Hause be gleiten!“— Als ich daraufhin noch einen Einwand wagen wollte, etwa derart, daß ich das so doch natürlich nicht gemeint habe, schnitt mir der Schupomann diese Entgegnung schroff ab mit den Worten:(Im übrigen, ich mache hier meinen Dienst. Belästigen Sie mich nicht!“— Damit hatte ich also„mein Fett weg“ von einem Beamten, der seinen Dienst gerade eben ziemlich ungeschickt versehen hatte und mit Neigungen zur Höflichkeit nicht eben übermäßig„belastet" zu sein schien.— Mit dieser Episode hat das Kapitel Polizei und Tierschutz und Polizei und Höflichkeit wieder einmal eine Bereicherung erfahren. Hoffentlich dient sie zur Klärung des gesamten Fragenkomplexes. 2—7. Uber 10000 Besucher im Freibad Grimberg Der gestrige Tag dürfte wohl der bisher heißeste Tag des Jahres 1930 gewesen'sein: kein Wunder, wenn der Zustrom nach den Bädern ein ganz außerordentlich großer war. So ist zum Beispiel das Freibad Grimberg von über 10000 Personen gestern besucht worden. Es war ein ungeheures Leben und Treiben in diesem Freibad. Allerdings gelangten auch schon in den Abendstunden lebhafte Klagen darüber an unsere Redaktion, daß die Staubplage sich sehr bemerkbar mache, und daß die Becken derartig verschlammt seien, daß von einem sauberen Badewasser nicht mehr geredet werden kenne.— Abhilfe tut not! In der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwochnachmittag nahm der Oberbürgermeister vor Eintritt in die Tagesordnung Gelegenheit, die Frage aufzuwersen, ob es möglich und aussichtsreich sei, in erneute Verhandlungen über den Etat einzutreten. Er wies darauf hin, daß seit der Ablehnung des Etats durch die Stadtverordnetenversammlung die Parteien in der Oeffentlichkeit ihre Gründe dargelegt und auch zum Teile die Geneigtheit zu erneuter Beratung kundgegeben hätten. Nach den öffentlichen Erklärungen der Parteien bestehe die Möglichkeit, einen Etat zu verabschieden mit den Steuersätzen des vergangenen Jahres. Damit sei aber der Stadt nicht gedient. Es werde auch vielfach übersehen, daß die Fehlbeträge aus Vorjahren ungedeckt seien, und daß hierfür eine Verzinsung von 450000 RM erforderlich sei. Im übrigen möchten diejenigen Parteien, die glaubten, einer Steuererhöhung nicht zustimmen zu können, sich überlegen, daß die von ihnen vertretenen niedrigeren Steuersätze letztlich keine Entlastung, sondern weitere Belastungen bringen müßten, weil ja dann das Defizit weiter wachse. Der Oberbürgermeister wies serner darauf hin, daß in Düsseldorf und auch in Dortmund gleichfalls der Versuch gemacht werde, zu neuen Verhandlungen in der Etatsfrage zu kommen. Er halte es allerdings nicht für zweckmäßig, heute im Hauptausschuß bereits eine Debatte zu eröffnen, vielmehr schlage er vor, daß man sich im kleineren Kreise der Fraktionsführer zunächst einmal unterhalte. In der anschließenden Debatte gaben die Vertreter fast aller Fraktionen grundsätzliche Erklärungen ab. Als Ergebnis der Aussprache kann festgestellt werden, daß zwar eine Klärung der Etatsdinge noch in keiner Weise zu verzeichnen ist, daß aber immerhin die Möglichkeit vorhanden ist, in neue Verhandlungen einzutreten. Der Oberbürgermeister wird daher in den ersten Tagen die Vertreter der Parteien zusammenberufen. Von der KPD. wurde Klage darüber geführt, daß seit Ablehnung des Etats die Verwaltung den Stadtverordneten und Ausschußmitgliedern die Fahrgelder und Diäten sowie auch den Lohnausfall für die Teilnahme an Sitzungen nicht mehr auszahle. Es werde in dieser Maßnahme die Absicht der Verwaltung erblickt, die kommunalpolitische Arbeit zu erschweren. Von mehreren Seiten wurde gleichfalls gefordert, daß der Lohnausfall und das Fahrgeld gezahlt werden möchten. Der Oberbürgermeister erklärte, daß er über die Angelegenheit mit der Regierung in Verhandlung treten werde, evtl. könnten die betrefsenden Gelder demnächst nachgezahlt werden. Jedensfalls könne er vorläufig die Auszahlung nicht zulassen. Von Zentrumsseite wurde die Frage aufgeworfen, wie es mit der Zahlung von Gehältern und Löhnen nach dem 1. Juli, also nach Ablauf des Notetats stehe und ob an einen weiteren Abbau von Arbeitern gedacht sei. Der Oberbürgermeister erwiderte, daß die Verwaltung auch nach dem 1. Juli die Steuersätze des Jahres 1929 weiter erheben könne, allerdings ohne die Lohnsummensteuer. Bezüglich der städt. Arbeiter könne er erklären, daß die Verwaltung der Auffassung sei, daß die Betriebe weitere Entlassungen nicht mehr ertrügen. Auf Grund einer Anfrage des demokratischen Mitgliedes des Hauptausschusses gab der Oberbürgermeister Aufklärung über den Verlauf und den augenblicklichen Stand der Angelegenheit Neuhaus. Der Vergebungsausschuß hat in seiner letzten Sitzung neue Richtlinien für das Vergebungswesen aufgestellt. Danach wird eine Zentralisierung des Vergebungswesens auch für die Schulverwaltung herbeigeführt und im übrigen die Aufträge im Wege der Ausschreibung in einzelnen Losen vergeben. Der Oberbürgermeister erklärte, daß, wenn tatsächlich Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien, für Remedur gesorgt würde. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft sei noch im Gange. Von den Rednern der Parteien wurde gefordert, daß die Vergebung und Kontrolle über die Lieferungen nach kaufmännischen Gesichtspunkten erfolgen müsse. Wenn Verfehlungen bei Beamten festgestellt werden sollten, müßte gegen diese disziplinarisch vorgegangen werden. Die Erneuerung des Wassers in den Schwimmbassins der Badeanstalt Die kommunistische Fraktion verlangte Auskunft über die Erneuerung des Wassers in den Bassins der Städt Badeanstalt an der Hindenburgstraße. Die Verwaltung wies darauf hin, daß das Wasser der beiden Schwimmbassins für Damen und für Herren wöchentlich zweimal vollständig erneuert werde. Sollte sich in den jetzigen heißen Tagen die Notwendigkeit ergeben, das Wasser noch häufiger zu erneuern, so geschehe dies selbstverständlich Im übrigen wird das Schwimmhallenwasser nach der Neufüllung in Tag= und Nachtschichten, gleichgültig ob an Wochen= oder Feiertagen gefiltert, sterilisiert und auf dem Umwälzwege den Becken unter dem Wasserspiegel wieder zugeführt. Der Filterprozeß ist einwandfrei und unterliegt seit Jahren der ständigen Kontrolle des hiesigen Instituts für Hygiene und Bakteriologie unter Leitung von Zwei Verm’ßte Der Arbeiter Bruno Siedlewski, geb. am 29. August 1912 zu Hausdorf, hier, Emmastraße 7 wohnhaft, wird seit dem 4. Juni dieses Jahres vermißt. S. ist 1,50 Meter groß, von schmächtiger Gestalt, hat dunkelblonde Haare, Scheitel links, bleiches Gesicht, hohe Stirn, blaue Augen, normale Nase, wriße, vollständige Zähne, große Hände und Füße. Am Hinterkopf hat er eine Narbe. Als Bekleidung trug er einen hellen Hut mit blauem Band, beller Pullover mit grünem Kragen, dunkelgestreifte, belle Hose, gestreiftes Oberhemd. helle Strümpfe und braune Halbschuhe. Wer zur Sache etwas bekunden kann, der möge sich bei der Kriminalpolizei in Gelsen kirchen melden. Alle Angaben werden vertraulich behandelt. — Vermißt wird ferne- seit dem 3. Juni 1930 die Ehefrau Anna Welter gev. Hölzer, geb. am 4. Mai 1897 zu Gelsenkirchen, Peterstraße 10 wohnhaft. Beschreibung: 1.60 Meter groß, vollschlanke Gestalt, schwarze Haare(Bubikopf), rundes, volles Gesicht, hohe Stirn, schwarze Augen, normale Nase, Professor Dr. Bruns. Das Untersuchungsergebnis in den letzten 12 Jahren hat zu keinerlei Beanstandungen Anlaß gegeben. Jeden Morgen um 6 Uhr wird eine Reinigung des Wassers durch geschulte Leute vorgenommen. Durch Boden=Saugapparate werden die Beckenböden und=wände abassaugt, um Sink= und Schwebestoffe zu entfernen. Außerdem wird der Wasserspiegel durch ein Hochdruckverfahren gesäubert und überdies jedem Schwimmbecken 10 Prozent Frischwasser neu zugeführt. Die Sterilisierung des Wassers in der Badeanstalt erfolgt mit Chlorgas von der I.=G.=Farbenindustrie genau in der Weise wie bei den Wasserwerken, die Trinkwasser herstellen. Die Bevölkerung kann auf Grund all der getroffenen Maßnahmen die Gewißheit haben, daß die Schwimmbassins der Badeanstalt in der Hindenburgstraße durchaus einwandfreies Wasser enthalten. Die vorgebrachten Klagen bezüglich des Freibades Grimbera, die sich besonders auf die Klosetteinrichtungen für Frauen bezogen, wird die Verwaltung prüfen und für Abhilfe sorgen. Im übrigen wird verwaltungsseitig alles getan, was möglich ist, um auch in dem Freibad einen hygienisch durchaus einwandfreien Badebetrieb zu gewährleisten. Ein weiterer Antrag der KPD., die Schwimmhallen der Städt. Badeanstalt an mehreren Wochentagen, insbesondere an den Sonntagen als Familienbad zu ermäßigten Preisen freizugeben, wurde vom Hauptausschuß abgelehnt, nachdem die Verwaltung erklärt hatte, daß nach ihrer Auffassung ein Bedürfnis dazu nicht vorliege, und daß auch die in anderen Städten gemachten Erfahrungen die Erfüllung des kommunistischen Antrages nicht ratsam erscheinen ließen. Die Vermietung der Stadthalle an die Sportabteilung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ist von der Verwaltung mit Rücksicht auf die zu erwartenden Gefahren, die mit einer Störung der Veranstaltung verbunden sind, abgelehnt worden. Die Mehrheit des Ausschusses war mit der Verwaltung der Auffassung, daß die Stadthalle grundsätzlich allen Parteien zur Verfügung gestellt werden müsse, daß aber gegebenenfalls von den Veranstaltern eine Kaution zu stellen sei, und daß auch in den Ankündigungen keine provozierenden Angriffe enthalten sein dürften. Im übrigen stimmte der Hauptausschuß der Ablehnung der Vermietung an die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei durch die Verwaltung zu. Der Hauptausschuß beschäftigte sich sodann mit der Bewilligung von Mitteln für den von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzten Untersuchungsausschuß für die Siedlung Löchter. Es wurde beschlossen, daß der Ausschuß berechtigt sein soll, Sachverständige zu seinen Arbeiten hinzuzuziehen. Jedoch sollen sämtliche Sachverständige ohne Stimmrecht fungieren, auch der von dem Ausschuß gewünschte juristische Vorsitzende, es sei denn, daß ein anderes Ausschußzmitglied auf sein Stimmrecht verzichtet. Der Hauptausschuß beschloß, die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, dem Untersuchungsausschuß Mittel in einer Höhe bis zu 2000 RM zu bewilligen. Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Gegen die in einer früheren Hauptausschußsitzung gewünschte und nunmehr von der Verwaltung gegebene Aufklärung über Nebeneinnahmen der ausgeschiedenen Wahlbeamten wurden Einwendungen nicht erhoben. Die Verwaltung machte im weiteren Verlauf der Sitzung noch Mitteilung über die geplanten baulichen Umänderungen im Hans=SachsHaus zur Erweiterung der Restaurationsräume und über die Verpachtung des Wirtschaftsbetriebes. Zur Durchführung der baulichen Umänderungen bleibt der Restaurations= und Hotelbetrieb des Hans=Sachs=Hauses in der Zeit vom 1. Juli bis 1. August geschlossen. Der von der Verwaltung vorgeschlagenen Aenderung der Gebührenordnung für die Benutzung des Städt. Schlachthofes wurde zugestimmt, ferner der Bewilligung eines Darlehns von 75000 RM an den Lippe=Verband zum Zwecke der Regulierung des Rapphofsmühlenbaches, weiterhin der Bewilligung von Mitteln für die Kanalisierung von Straßen sowie der Uebernahme der Anteile der Westdeutschen Fluggesellschaft mbH. von der Stadt Essen auf die Stadt Gelsenkirchen und dem Abschluß eines neuen Pachtvertrages mit den Vereinigten Stahlwerken AG. Mit der Aufnahme einiger langfristiger Anleihen und mit der Konsolidierung kurzfristiger Schulden erklärte sich der Hauptausschuß einverstanden, jedoch sollen bei der Konsolidierung im einzelnen die Fraktionsführer noch befragt werden. Der Hauptausschuß war damit einverstanden, daß der Erlaß einer Begräbnis= und Friedhöfsordnung nunmehr der Stadtverordnetenversammlung zur endgültigen Beschluß fassung vorgelegt wird. Mit dem Verkauf eines Baugrundstückes an der Schwindstraße erklärte sich der Hauptausschuß gleichfalls einverstanden. Kurz nach 21 Uhr wurden die weiteren Verhandlungen vertagt. Eine weitere Hauptausschußsitzung soll am kommenden Mittwoch, dem 25. Juni, stattfinden. Am Freitag, dem 27. Juni, wird die Stadtverordnetenversammlung tagen Es sollen dann auch die Dringlichkeitsanträge der Parteien der Rechten verhandelt werden. weiße, vollständige Zähne, breites Kinn, aufrechten Gang und Haltung. Besondere Kennzeichen: Kleine Narbe in den Augenbrauen. Bekleidung: Heller Strohhut, blauer Mantel mit Velzbesatz, rosa Kleid. Die Vermißte hat auch noch andere Kleider mitgenommen. Personen, die zur Sache zweckdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei in Gelsenkirchen. Alle Angaben werden auf Wunsch vertraulich behandelt. Erb-Aufrut! Die Kinder des Oberregierungsbaumeisters. Heinrich Bachmann sind an der Erbschaft ihrer zu Mülhausen im Elsaß verstorbenen Großmutter, Frau Witwe Rehspringer, beteiligt. Die in Frage kommenden Erbberechtigten wollen umgehend ihre genaue Adresse an die Nachlaßstelle beim Polizeipräsidium in Berlin, Abteilung 1, in Berlin=Schöneberg, Gothaer Str. 19— zum Aktenzeichen I. 23, Na. Rehspringer—. einsenden. werder Aitglieder des Arbeiter-Ras- und Kraftfahrerbundes„Solidarität“! Für den heute so schlecht bezahlten Arbeiter und seine amilie bedeuten Eisenbahnfahrten und solche mit der Straßenbahn meist solch hohe Ausgaben, daß sie für ihn nahezu unerschwinglich sind und ihn daran hindern, so oft ins Freie zu kommen; heraus aus unserer von Ruß und Staub erfüllten Kohlenstadt, wie er das im Interesse der Erholung und Gesunderhaltung seiner selbst wohl gern möchte und wie es unbedingt notwendig wäre. Es gibt da unserer Ansicht nach einen guten Ausweg, der ausmündet in die Aufforderung: Werdet Mitglied des Arbeiter=Rad= und=Kraftfahrerbundes„Solidarität“! Es empfiehlt sich, diese Mitgliedschaft gerade jetzt zu erwerben, da im Monat Juni kein besonderer betrag für den Eintritt in den Bund erhoben wird. Nähere Auskunft erteilen die Sportgenossen Johann Zapolowski, Sophienstraße 6, und Robert Geritzmann, Gewerkschafts haus, Essener Straße. Um etwas über die Größe und Leistungsfähigkeit des Bundes zu sagen, veröffentlichen wir einige Zahlen, die wir einem seiner Werbeblätter entnahmen. Es ergibt sich dann folgender Ueberblick: 330 000 Mitglieder in 12 000 Orten. Im Jahre 1929 erhielten: Zusammen 7320 Mitglieder 296000 RM Unterstützung nach Radunfällen; zusammen 500 Mitglieder 11000 RM Unterstützung in Notfällen; zusammen 251 Mitglieder 16000 RM. Unterstützung bei Haftpflichtansprüchen; zusammen 519 Mitglieder 41 000 RM Unterstützung in Rechtsschutzfällen; zusammen 674 Mitglieder unentgeltlich ein neues Rad für ihr gestohlenes; bei 1208 Todesfällen 46000 RM Unterstützung die Hinterbliebenen. Motorradfahrer für unglaublich niedrigen Beitrag beste Sicherung gegen Haftpflicht. Die Bundesfabrik Frischauf baut Fahrräder und Motorräder. 1929 drei Millionen Reichsmark Umsatz— Lieferung auf Teilzahlung. Kommt zu uns! Werdet Mitglied! Noch immer Haltern Vom Motorrad umgefahren und schwer verletzt Im Ortsteil Erle wurde am Donnerstag die hier zu Besuch weilende Ehefrau Werner aus Dortmund gegen 18 Uhr beim Ueberschreiten der Bismarckstraße von dem Motorradfahrer Wilhelm Lothar aus Wanne=Eickel von hinten angefahren und so zu Fall gebracht, daß sie, wie spfort im Erler Krankenhaus festgestellt wurde, einen doppelten. Schädelbruch davontrug. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Buerscher Gerichtstag Einen Ueberfall vorgetäuscht. Der Bergmann A. R., wohnhaft in Westerholt, hatte sich wegen falscher Anschuldigung, es wäre Beraubung und Straßenraub an ihm begangen worden, vor dem Buerschen Schöffengericht zu verantworten. R. hatte nan a, Frau G. noch einige Schulden, die er aber nicht sofort bezahlen konnte, weil er verheiratet ist. Nach einem schweren Zechgelage bot R. der Frau G. seine Uhr mit Kette als Pfard an, die sie auch annahm. Als dem Angeklagten zum Bewußtsein kam, daß seine Frau das Verschwinden der Uhr merken würde, zettelte er mit dem Mann der Frau G. und seinem Freunde einen Streit an. Er lief auf die Straße und schrie: „Die haben mich beraubt, die haben mir meine Uhr und Kette gestohlen!“ Not macht erfinderisch Von Martin Rikli, Leiter der Nordafrika=Expedition der Ufa=Kulturabteilung. Die Regierungspressestelle teilt mit: In der Presse erschien in den letzten Tagen ein Bericht über die Verhandlung eines Eingemeindungs=Ausschusses des Amtes Haltern vom 15. 6. dieses Jahres. Die in dem Bericht gegebene Darstellung von der Sitzung des Bezirksausschusses in Haltern am 5. Juni dieses Jahres erweckt den Anschein, als ob von einer Seite der Versuch gemacht wäre, die Zusammensetzung des Bezirksausschusses in einer für das Amt Haltern ungünstigen Weise zu beeinflussen. Dieser Unterstellung, die den Rahmen einer zulässigen Kritik überschreitet, muß nachdrücklichst entgegengetreten werden. Richtig ist folgendes: 1. Bereits in einer Sitzung des Bezirksausschusses, die mehrere Wochen vor der Verhandlung der Halterner Eingemeindungssache lag, wurde im Bezirksausschuß der Termin für die Halterner Verhandlung besprochen. Dabei wurde bereits festgestellt, daß die Sitzung, falls die Unterlagen vom Regierungspräsidenten bis dahin eingingen, jedenfalls noch Die SPD. rufteuch Medenine, die Röhrenstadt Tunesiens. Aus dem Usa=Kultur=Großtonfilm„Am Rande der Sahare". In der Röhrenstadt Medenine in Süd=Tunesien steht mitten im Heidendorf eine christliche Kirche der„Weißen Väter". Der Geistliche geht meistens allein in das Gotteshaus, die Marmor=Madonna über dem Eingang wird von den Arabern und Beduinen nicht verstanden. Wie soll vom Standpunkt des Mohammedaners ausgerechnet eine Frau irgendwelche Bedeutung haben, wo doch der Koran der Frau sogar die Seele abgesprochen hat. Alle harten Arbeiten leisten die Frauen:„während, den Männern der nahe Dorfbrunnen vorbehalten ist, müssen die Frauen in der Sonnenglut den weiten Weg nach der fernen ese zurücklegen, um Wasser zu holen. In der Erntezeit sitzt der Mann bequem auf einem Esel, um seine Frauen zu beaufsichtigen, die in mühevoller Arbeit die kurze Gerste Halm für Halm wie einen Blumenstrauß ernten. Schwere, auf dem Markt eingekaufte Lasten schleppen die Frauen nach den Wohnungen, während der Mann mit seinem Spazierstock vorausstolziert. Unter schwierigsten Umständen gelang es auf der Nordafrika=Expedition der Ufa dem Kameramann Bernbard Wentzel, für den Groß=Kultur=Toufilm der Uso:„Am Rande der Sabara“ noch zwei weitere, äußerst typische Beizur Feier der Sommersonnenwende 1930! Wir alle gehen zur Hafenschenke, wo morgen, Samstag abend, das Fest der Sommersonnenwende begangen wird.— Besorgt euch jetzt schon Teilnehmerkarten, die 20 Pf. kosten. vor Pfingsten, und zwar in den letzten Tagen des Mai oder Anfang Juni abgehalten werden solle. Der Urlaubsantrag des Verwaltungsgerichtsdirektors, dem ein persönlicher besonderer Anlaß zugrunde lag, ist alsdann völlig unvermutet gekommen. Zu einer Ausschiebung der Angelegenheit, lag, da die Vertretung des Verwaltungsgerichtsdirektors gesetzlich geregelt ist, nicht nur kein Grund vor, sondern es drängten auch, und zwar mit Recht, alle beteiligten Kreise auf eine möglichst baldige Erledigung. Im übrigen wird noch bemerkt, daß der Regierungsrat, der den Verwaltungsgerichtsdirektor im Vorsitz vertrat, dem Bezirksausschuß fast ebenso lange angehört, wie letzterer und bereits im Jahre 1926 vom Preußischen Staatsministerium zum ständigen Mitglied des Bezirksausschusses ernannt wurde. 2. Das verspätete Eintreffen eines gewählten Bezirksausschuß=Mitgliedes und zweier Regierungsräte in Haltern anläßlich der Sitzung ist darauf zurückzuführen, daß in üblicher Weise das gewählte Mitglied, das außerhalb Münsters wohnt, bereits in der Sitzungseinladung gebeten wurde, Herren des Bezirksausschusses in seinem Kraftwagen mitzunehmen, da die Zugverbindung nach Haltern für den Sitzungstermin nicht günstig war. Dies war auch schriftlich zugesagt worden. Das gewählte Mitglied irrte sich jedoch später hinsichtlich des Sitzungstages und konnte nach telephonischem Anruf mit den beiden beamteten Mitgliedern des Bezirksausschusses erst verspätet in Haltern eintreffen. Eine Zugverbindung, die unter den vorliegenden Umständen ein früheres Eintreffen in Haltern ermöglicht hätte, bestand nicht. Es ist nicht verständlich, wie diese Vorgänge, über die bereits in der Sitzung des Bezirksausschusses in Haltern in Anwesenheit der Vertreter der beteiligten Kommunen volle Aufklärung gegeben wurde, zum Gegenstand unsachlicher und entstellter Angriffe gemacht werden können. * Wenn in diesem Ukas der Regierung die Rede von unsachlichen und entstellenden Angriffen, die durch die Presse gegangen sein sollen, ist, so müssen wir betonen, daß in diesem Falle die Pressestelle selbst ein großer Teil der Schuld trifft. Wir können es uns nicht erklären, daß über wichtige Dinge beraten wird, die, obwohl von allgemeinem Interesse, nur einem beschränkten Personenkreise zugänglich gemacht werden. Nur hierdurch war es möglich, daß die Presse auf private— wie die Regierungspressestelle jetzt mitteilt, unsachliche— Informationen zurückgreifen mußte. Wäre eine rechtzeitige Benachrichtigung von der gegebenen Stelle aus erfolgt, dann wäre das neuerliche Eingreifen der Instanz nicht notwendig gewesen. Der Staatsanwalt hatte kein Verständnis für eine solche falsche Anschuldigung, zumal die beiden beschuldigten Männer tatsächlich verhaftet worden waren. Er beantragte gegen R. eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Das Gericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu 75 RM Geldstrafe und Zahlung sämtlicher Kosten. Ein schlimmer Radfahrer! Der Bergmann K. B. hatte sich wegen Uebertretung der Verkehrsvorschriften und Widerstandes gegen die Staats gewalt zu verantworten. B. kam von der Schicht und jagte mit seinem unbeleuchteten Rade in rasendem Tempo über die Sutumer Feldstraße. Die Fußgänger, die sich auf dieser Straße befanden, beleidigte und beschimpfte er. Eine Polizeistreife, die sich gerade auf diesem Wege befand, stellte diesen wüsten Radfahrer sicher. Seine Personalien wollte er nicht angeben und er widersetzte sich den Beamten. Sie schritten zur Festnahme des B., um auf der Wache seine Personalien feststellen zu können. B. tobte bei seiner Festnahme, beschimpfte die Beamten, rief ihnen zu:„Ich bin von der Kommunistischen Partei und beim nächsten Putsch kommt ihr alle dran!" Der Staatsanwalt beantragte gegen B. 50 RM Geldstrafe und Tragung der Kosten. Das Gericht ging über das beantragte Maß hinaus und verurteilte den Angeklagten wegen Uebertretung der Verkehrsvorschriften und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 60 RM Geldstrafe und zur Zahlung der Kosten. spiele zu filmen, die besonders bezeichnend für das Los der arabischen Frauen sind.„ Ebenfalls in der Röhrenstadt Medenine beobachten wir, wie ein Mann, bevor er in ein arabisches Kaffeehaus ging, seine beiden Frauen auf der Straße mit dem Gesicht gegen eine sonnenerglühte Mauer setzte. Die Unterhaltung mit seinen Freunden dauerte über eine Stunde. Eine volle Stunde ließ er seine„Auserwählten“, die„besseren Hälften“, wie der Araber eigentlich sagen müßte, in der prallen Sonne sitzen. Der besorgte Mann will damit nicht seine Geringschätzung der Frau gegenüber ausdrücken. Solche Blüten treibt die Eisersucht. Die Teppichfabrikanten der alten Araberstadt Kairuan in Zentral=Tunesien scheinen von dieser Krankheit besonders schwer befallen zu sein. Die anstrengende Arbeit des Teppich knüpfens überlassen sie ihren Frauen, die lange Tage, ge wöhnlich im heißen Hof des Hauses, oft viele Monate an einem einzigen Teppich arbeiten. Der Herr des Hauses zieht es vor, im kühlen Haus seinen Kaffee zu schlürfen oder an seiner Wasserpfeife zu saugen. Wie ihre Schwestern in Europa, haben die Frauen sich auch in Kairuan immer die wichtigsten Neuigkeiten zu erzählen, was ihrer Arbeit nicht besonders förderlich ist. In Afrika ist immer noch die Vielweiberei Trumpf. Ist es da nicht verwunderlich, wenn die arabischen Frauen ähnliche Rechte geltend machen könnten? In seiner Not hängt der Mann an den Rechen, mit dem die Frauen dauernb die geknüpften Knoten des Teppichs herunterschlagen müssen, einige Metallringe oder kleine Glöckchen. Das Arbeitstempo seiner Frauen kann er dann von Haus aus mühelos überwachen. Der Rhythmus der klingelnden Rechen gibt ihm seine Ruhe wieder. Eine noch so kurze Abwesenheit seiner Frau fällt auf, so daß er das„Unglück" verbüten und rechtzeitig einschreiten kann So wird der sonst schwerfällige Araber in seiner beispiellose Eisersucht zum Erfinder. Dieser erste tönende Naturfilm wird diese Woche in der „Schauburg“ Gelsenkirchen gezeigt. Ein starker Fuhrmann. Wegen Beamtenbeleidigung und Vergehen gegen die Verkehrsvorschriften hatte sich auch der Fuhrmann L. O. aus Buer zu verantworten. Nach einem Zechgelage glaubte der Fuhrmann, in Buer=Scholven ein kleines Rennen durch die Straßen veranstalten zu können. Er gab bei der Gerichtsverhandlung als Entschuldigung an, das Pferd könne nicht langsam laufen. Bei Feststellung seines Namens beleidigte er die Beamten mit den Worten:„Was wollt ihr, Lumpen, von mir, ich kann fahren, wie ich will und fahre auch, wie ich will! Ihr habt mir gar nichts zu sagen!“ Das Gericht teilte die Ansicht dieses starken Mannes aber nicht und verurteilte ihn zu 45 RM Geldstrafe. Es wurde auf Publikationsbefugnis des Urteils erkannt. Gelbe Raucherzähne.„Ich benutze seit Jahren die ChlorodontZahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trotzdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine Zähne stets blendend weiß. Auch fehlt mir kein einziger Zahn, sodaß ich behaupte, nur „Chlorodont“ erhält meine Zähne gesund.“ H. Grunenberg, München. — Chlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont=Verkaufsstellen zu haben. polizeilichen Erlaubnisscheines für den Betrieb des Intimen Theaters vom 26, Mai 1922 wird der Direktion die Aufführung des Theaterstückes§ 218“ von Crede untersagt. Gründe: Das Stück von Crede,„3 Akte“ benannt, ist ein reines Tendenzpamphlet.(Crede will wohl schon durch diese von der üblichen abweichenden Klassifizierung vorwegnehmen, daß das Stück keinen Anspruch auf Wertung als künstlerische Schöpfung erhebt.) Die Tendenz: zunächst ein schmutziger Bilderbogen um den Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches herum, mit dem Zwecke, diesen Paragraphen als ein Instrument der„Klassenjustiz“ gegen das Proletariat bildhaft darzustellen. Der dramatische Höhepunkt“ ist eine Abtreibung mit tödlichem Ausgang. *** Undom es den Polizeigeist gegen Theater Wir lasen in der„Welt am Montag": Aus der Reihe von Verboten, die in Thüringen und Bayern Piscators Gastspiele des Dramas„S 218“ unmöglich machten, sendet uns dessen Verfasser, Herr Dr. Crede, den Wortlaut des Nürnberger Verbots. Die amtliche Zu schrift ist adressiert an die Direktion des Nürnberger Theaters „Auf Grund des Artikels 32 des PolStrGB, mit§ 15 der Zuständigkeitsverordnung vom 4. Januar 1872 u.§ 44 des ortsEin Tendenzpamphlet aber auch, indem es den Kampf gegen den Paragraphen 218 zu einem Ansturm gegen die bestehende Staats= und Gesellschaftsordnung erweitert, deren Träger(Justiz, Polizei, Kirche) in typisierten Vertretern verächtlich macht und in einen Appell zur gewaltsamen Beseitigung: dieser Ordnung ausklingt. Diese Feststellungen genügen, um die Notwendigkeit der getroffenen Verfügung im Interesse der öffentlichen Ordnung darzutun. Unterzeichnet: Greis.“ Diese„Feststellungen“ genügen natürlich— trotz ihrer gehässigen Formulierung— nicht, die Wiedereinführung einer Theaterzensur zu legalisieren. Für Verstöße oder Vergehen gegen Gesetze oder die„Oeffentliche Ordnung“ ist das Strafgesetzbuch da. Das Verbot und seine Begründung lehren aber, daß die geistigen Vertreter des Volkes rasch und energisch solchen Polizeimaßregeln entgegentreten mussen. Inzwischen werden die Gerichte die polizeiliche Verbots=Praxis in Thüringen und Bayern zu behandeln haben, da Piscator mit Recht Schadensersatzansprüche erhebt. * Wir haben diesen Ausführungen der„Welt am Montag“ nur wenig hinzuzufügen. Die vielen, die in Gelsenkirchen die Aufführung des Werkes sahen, werden finden, daß sich die „Welt am Montag“ noch gar nicht scharf genug ausdrückte, wenn sie die polizeiliche Beurteilung dieser Arbeit Credes als gehässig bezeichnete. Unterzeichnet ist die polizeiliche Nürnberger Verfügung von einem Manne namens Greis. Es will uns scheinen, als ob dieser Beamte nicht nur so hieße, sondern als ob er vurchaus diesem, seinem Namen„alle Ehre machte, denn Verfügungen solcher Art sind doch wohl nur im Lande Bayern möglich, wo dank der Bayrischen Volkspartei in kulturell=künstlerischer Hinsicht die mufsigste Atmosphäre herrscht, die überhaupt möglich ist, und wo vielfach bei den Behörden Beamte herumfuhrwerken, die sich der teriären Gehirnverkalkung mit Macht nähern. Diese Polizeiverfügung zeigt auch, wohin wir kommen, wenn Bürokraten, die auf Gebieten der Kunst, auf denen sie doch blutige Laien sind, sich ein Urteil erlauben oder sich gar anmaßen, den Zensor zu spielen. Nr. 141, 12. Jahrg. Drittes Blatt. Volkswille Gelsenkirchen, Freitag, den 20. Juni 1930. * * * 3 * F 1 * e 8 r 8 19 7 e pf .9 10 er 10 18 en en in nit die die te. es 6 is. Im tei ire ben. igt en eil * Reichsarbeitersporttag in Gladbeck 13. Organisationsbezirk Alle Teilnehmer an den leichtathletischen Wettkampfen mpfangen von vormittags 7 Uhr ab ihre Teilnehmerkarte im Sitzungszimmer der Kampfrichter. Die Karte ist sofort auszufüllen und im Kampfrichterzimmer wieder abzugeben. Punkt 8 Uhr beginnen die einzelnen Wettkämpfe. Begonnen wird mit den 100=Meter=Vorläufen sowie mit den Mehrkämpfen. Es folgen die Strecken bis 400 Meter, Hochsprung, Stoßen und Werfen, zum Schluß die Stafetten. Die langen Strecken(800, 1500 und 5000 Meter) sowie einzelne Endläuse werden nachmittags gelaufen. Im Programmheft, welches jeder Teilnehmer, der im Besitze einer Festplakette ist, erhält, ist die Zeiteinteilung und alles weitere ersichtlich. Zu Wettkämpfen muß pünktlich angetreten werden. Wer beim Aufruf nicht da ist, kann nicht mehr starten. Genossen und Genossinnen, beachtet dieses und seid pünktlich! Vormittags um 10.30 Uhr finden die Proben zu den Massenfreiübungen statt. Alle Genossinnen und Genossen werden ersucht, hieran, sowie des nachmittags an den Hauptvorführungen unbedingt teilzunehmen. Die Kleidung ist nach Möglichkeit, schwarze Hose und weißer ärmelloser Sweater. Die Aufstellung zum Festzug erfolgt um 13 Uhr am Lokale Voerste. Die Reihenfolge im Zuge ist folgende: Radfahrer, Turner(Kinder), Turnerinnen, Turner, Wassersportler (Kinder), Wassersportlerinnen, Wassersportler, Handballspieler(innen), Fußballspieler, Kraftsportler, Schachspieler und Naturfreunde. Im Zug darf keine Genossin und kein Genosse fehlen. Das Umkleiden geschieht im Sportlerheim, gleich am Stadion. Für die Garderobe sind 10 oder 15 Pf. zu zahlen. Der technische Hauptausschuß. Große Bühnenschau am 21. Juni 1930, um 20 Uhr, im Stadttheater zu Gladbeck Eine besondere Werbevorführung verspricht die Veranstaltung der Arbeitersportler am Samstagabend im Stadttheater zu werden. Die Vorführungen anläßlich des 2. Westdeutschen Frauensportfestes, die allgemein eine sehr gute Kritik fanden, werden hier einen würdigen Nachfolger, finden. Alle Programmnummern zeigen nur interessanten und modernen Sport, zeigen uns, in kurzen Auszügen, den Uebungsstoff, wie er heute in den Arbeitersportvereinen gepflegt wird. Wir lassen nachstehend das Programm der Veranstaltung folgen: 1. Reckturnen der Turner. 2. Flotte Sprünge am Kasten(Knaben AWV.). 3. Tanz der Mädchen(AWV.). 4. Vierer=Kunstradreigen der Arbeiterradfahrer Gladbeck 5. Barrenturnen der Männer(AxV. Gladbeck). 6. Gymnastik der Männer(AWV.). 7. Vierer=Einradreigen der Arbeiterradfahrer Gladbeck. 8. Tanz der Frauen(AWV.). 9. Uebungen am großen Ring(Männer AWV.). 10. Vierer=Steuerrohrreigen der Arbeiterradfahrer Gladbeck. 11. Polero, Studie nach einem spanischen Tanz(Frauen AWV.). 12. Flammenschwingen der Männer(AWV.). 13. Plastik(AWV.). Der Eintrittspreis zu dieser Veranstaltung beträgt 50 Pf. Karten sind bei den Mitgliedern der Arbeitersportvereine und abends an der Kasse zu haben. * Das Fußballspiel der Stadtmannschaft Bezirksmannschaft gegen Stadtmannschaft. Anläßlich des Reichsarbeitersporttages am 22. Juni in Kladbeck stellt sich um 18 Uhr in der Vestischen Kampfbahn die Stadtmannschaft der Bezirksmannschaft des 13. Bezirks im 6. Kreis des Arbeiter=Turn= und=Sportbundes zum ersten Spiel. Im Rahmen dieser großen Veranstaltung ist dieses wichtige Spiel eine der Hauptnummern. In der Bezirksmannschaft sehen wir die besten Spieler der stärksten Vereine des 13. Bezirks. Die Aufstellung der Bezirksmannschaft gibt uns schon im voraus die Gewähr für ein gutes, technisches Spiel dieser Mannschaft. Die Erfolge dürften der Mannschaft ebenfalls nicht versagt bleiben, denn im gegebenen Moment zögert man auch nicht mit dem entscheidenden Torschuß. Nicht nur die Stürmerreihe wird ihrer Aufgabe gewachsen sein, auch die Läuferreihe und die Verteidigung einschließlich Torwart stellen für jede Mannschaft ein schwer zu nehmendes Hindernis dar. Die Gladbecker Stadtmannschaft hat diesem Gegner gegenüiber natürlich keinen leichten Stand. Die Aufstellung der Stadtmannschaft ist in dieser Form jedenfalls das beste mit, was in Gladbeck überhaupt auf die Beine gebracht werden kann. Die gesamte Hintermannschaft stellt jedenfalls ein Vollwerk dar, welches der Bezirksmannschaft manch harte Nuß zu knacken geben wird. Auch der Sturm wird sich erfolgreich durchsetzen. Bliebe die Läuferreihe. All' diese Spieler haben in ihrer Mannschaft oft genug ihren Mann gestanden. Wenn es der Läuferreihe gekingt, den Sturm der Bezirksmannschaft erfolgreich zu halten, dabei aber nicht die Unterstützung des eigenen Sturmes vergessen wird, könnte man mit einem knappen Siege der Stadtmannschaft rechnen. Jedenfalls erwarten wir ein ganz knappes Resultat. Für ein schönes, interessantes Spiel ist jedenfalls alle Gewähr geboten. Die Aufstellung der Mannschaften. Bezirksmannschaft: Schlinsa (Fr. Spp. Gelsenkirchen) Hergert Günther (Fr. Spp. Gelsenkirchen)(Holsterhausen) Vialjahn Kraschewski Masni (Herten)(Buer=Resse)(Essel) Wiede Du Moulin Schilleck Bonner Haus (Wanne)(H.=Dorsten)(Fr. Spp. Gels.)(Eickel)(Fr. Spp.Gels.) Ersatz: Artmann(Wattenscheid. vom Felde Herm. Wagener Lindenau Sigmund (Zweckel)(Rentfort)(Zweckel) Tradovski (Rentfort) Ochmann (Zweckel) Kiparski Symanski (Zweckel)(Rentfort) vom Felde Fritz, (Zweckel) Gerbig (Rentfort) Klein Ersatz: Kannacher(Zweckel) und Finkenhofer(Rentfort). * Radsport in der Vestischen Kampfbahn Straßenrennen.— Rasenradballspiel.— Rasenpolospiel.— Geschicklichkeitsfahren der Motorradfahrer.— 100 MeterLangsamfahren usw. Sonntag, den 22. Juni, sind in Gladbeck die ArbeiterRad= und=Kraftfahrer tätig. Im Rahmen des Reichsarbeitersporttages finden die verschiedensten Veranstaltungen auf dem Gebiete des Radsportes statt. Morgens um 8 Uhr steigt in der Vestischen Kampfbahn schon das Entscheidungsspiel im 6er=Radball um die Bezirksmeisterschaft. Es spielen hier Horst gegen Gladbeck. Zu gleicher Zeit steigen dann im Zelte des Wirts Voerste die Kämpfe um die Bezirksmeisterschaft im Schul=, Kunst=, Steuerrohr= und Einradreigen, sowie im 2er= und Zer=Radball= und Radpolospiel. Während der Hauptveranstaltung zeigen die Künstler des Pedals dann in der Vestischen Kampfbahn das 100=MeterLangsamfahren. Es ist besonders interessant zuzusehen, wie jeder der Fahrer so lange wie eben möglich an Zeit gebrauchen will, um diese„Rennen“ zu gewinnen. Des Nachmittags sehen wir dann weiter das Geschicklichkeitsfahren der Motorradfahrer. Da es auch hier um die Bezirksmeisterschaft geht, wird nicht nur interessanter, sondern auch guter Sport zu erwarten sein. Aus den Vorführungen der Motorrad fahrer sei das Zylinderabschlagen besonders erwähnt. Jeder wird seine Lachmuskeln in Bewegung setzen müssen oder die großartige Geschicklichkeit bei diesem Fahren bewundern. Das Straßenrennen findet bereits morgens um 6 Uhr statt. Start und Ziel ist in der Nähe der Wirtschaft Kremer in Rentfort. In der Vestischen Kampfbahn: Beginn der Hauptveranstaltung um 15 Uhr. Bevölkerungsbewegung in den preußischen Großstädten im 1. Viertellahr 1930 Zunahme der Heiraten.— Rückgang der Geburtlichkeit. Günstige Sterblichkeit. Die in den letzten Jahren bemerkbare Zunahme der Eheschließungen zeigte sich auch im 1. Vierteljahr des laufenden Jahres. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der„Statistischen Korrespondenz" entnimmt, stieg das Mittel der Heiratsziffern sämtlicher preußischer Großstädte von 7,7 v. T. im 1. Vierteljahr 1929 auf 7,9 v. T. Auch bei Bezugnahme auf den im heiratsfähigen Alter befindlichen Teil der Bevölkerung ist die Heiratsintensität stärker, als früher. Unter den Großstädten stand Dortmund mit 9,3 v. T. an der Spitze, die niedrigste Heiratsziffer wies Breslau(6,8 v. T.) auf. Die Geburtlichkeit bewegte sich weiter in absteigender Richtung. Während noch im 1. Vierteljahr 1928 das Mittel der Geburtenziffern der Großstädte 18,8 v. T. gewesen war, sank es im Berichtsvierteljahr auf 17,9 v. T. Die einzelnen Großstädte zeigten wieder große Abweichungen: In einigen Industriestädten mit vorwiegender Bergarbeiterbevölkerung war die Geburtenziffer mehr als doppelt so hoch wie in Berlin, wo sie nur 11,1 v. T. betrug. Die Sterblichkeit war im Berichtsvierteljahr gering. Die durchschnittliche Sterbeziffer, die sich auf 12,7 v. T. belief, blieb hinter der des 1. Vierteljahres 1928(13.5 v. T.) weit zurück. Am gunstigsten war die Sterblichkeit in Mülheim an der Ruhr (10,3 v. T.), dagegen wiesen Aachen(15,9 v. T.), Königsberg in Pr.(16,4 v. T.) und Halle a. S.(17,1 v. T.) die höchsten Sterbezissern auf, wobei allerdings zu beobachten ist, daß in diesen Städten die Ortsfremden unter den Gestorbenen einen hohen Anteil haben Die Säuglingssterblichkeit war im Berichtsquartal ebenfalls günstig. Sie betrug 9,5 v. H. gegenüber 11,4 v. H. und 11.0 v. H. in den entsprechenden Zeitabschnitten von 1928 und 1929. Am geringsten war die Säuglingssterblichkeit in Frankfurt am Main(53 v. H.). al. Eim2 4 Der Geburtenüberschuß war klein. Die mittlere Geburtenüberschußziffer belief sich auf 5.2 v. T., blieb also noch etwas über der des 1. Vierteljahres 1928(5,3 v. T.) zurück, im I. Vierteljahr 1929 dagegen hatten die preußischen Großstädte einen Sterbeüberschuß gehabt, der sich auf 0,1 gestellt hatte. Im Berichtsvierteljahr zeigte dagegen nur Berlin einen Sterbe überschuß von 1825 Personen. Die höchsten Geburtenüberschußziffern hatten wieder die Großstädte mit überwiegender Bergarbeiterbevölkerung: Oberhausen, Gelsenkirchen, DuisburgHamborn, Hindenburg OS. und Gleiwitz. Kommunaltinanzwirtschaft in Preußen Endgültige Ergebnisse der Reichsfinanzstatistik 1927. Mit einer Aufsatzreihe über die Gesamtkommunalfinanz= wirtschaft in Preußen, die Finanzwirtschaft der Provinzialverbände, der Stadtkreise und der Finanzwirtschaft der Landkreise, und zwar zunächst mit der Darstellung der Gesamtkommunal= finanzwirtschaft 1926 und 1927, setzt das Preußische Statistische Landesamt seine finanzstatistischen Veröffentlichungen in der „Statistischen Korrespondenz“(Nr. 21) fort. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, betrug der kommunale Gesamtfinanzbedarf im Rechnungsjahre 1926 4623 Millionen RM und stieg 1927 um 592 Millionen RM auf 5215 Millionen an Die relative Steigerung ist bei den einzelnen kommunalen Gruppen außerordentlich verschiedentlich. Die stärkste Steigerung weisen die Provinzialverbände auf, dann folgen die Kreisverbände, die Stadtkreise, die kreisangehörigen Gemeinden, die Aemter und die Gutsbezirke. In der prozentualen Verteilung des bereinigten Finanzbedarfs ist gegenüber 1926 nur eine geringfügige Verschiebung durch Erhöhung des Anteils der Provinzialverbände eingetreten: mehr als die Hälfte des Gesamtfinanzbedarfs(rund 56 v. H.) entfällt auf die Stadtkreise, etwas mehr als ein Drittel auf die Landkreise(Kreisverbände, Aemter, kreisangehörige Gemeinden, Gutsbezirke) und der Rest von nicht ganz einem Zehntel auf die Provinzialverbände. Auch innerhalb der Landkreise sind die Verschiebungen(durchweg durch Erhöhung des Anteils der Kreisverbände) geringfügig. Bei Umrechnung auf die Bevölkerung ergibt sich je Einwohner ein kommunaler Gesamtfinanzbedarf von 136,80 RM gegen 121,28 RM 1926. Der Finanzbedarf der Stadtkreise ist mit 188.56 RM bzw. 169,41 RM je Einwohner mehr als doppelt so groß, wie jener der Landkreise mit 79,73 RM bzw. 70,99 RM. Der Gesamtbetrag der speziellen Deckungsmittel(d. b. die Sondereinnahmen der einzelnen Kämmerei=Verwaltungen, Leistungen von anderen Gebietskörperschaften usw. einschließlich der Zwecksteuern) beläuft sich auf 2469 Millionen RM(2080 Millionen RM). Die gesamten kommunalen, speziellen Deckungsmittel sind gegen 1926 um 18,7 v. H. angewachsen, also bedeutend stärker, als der Gesamtfinanzbedarf. Bei den einzelnen kommunalen Gruppen ist die Steigerung wie beim Finanzbedarf sehr verschieden. Der kommunale Gesamtzuschußbedarf sämtlicher Selbstverwaltungskörper betrug 1926 2543 Millionen RM, 1927 2746 Millionen RM mehr. Der Zuschußbedarf ist absolut und relativ geringer angestiegen, als der Finanzbedarf. Die relative Steigerung des Zuschußbedarfs zeigt bei den einzelnen kommunalen Gruppen keine große Verschiedenheit mehr, da die verschieden starke Steigerung des Finanzbedarfs durch entsprechend starke Steigerung der speziellen Deckungsmittel weitgebend kompensiert wurde. Je Einwohner ergibt sich ein kommunaler Gesamtzuschußbedarf von 72,04 RM(66,71 RM)). Der Zuschußbedarf betrug je Einwohner in RM bei den Provinzialverbänden 5,03(4.60), den Stadtkreisen 99,67(93,29), den Landkreisen 45,44(41,66)). Der Zuschußbedarf der Stadtkreise je Einwohner ist in beiden Jahren mehr als doppelt so hoch, wie jener der Landkreise, aber das Verhältnis ist für die Stadtkreise etwas günstiger geworden... Der Gesamtabschluß zeigt abgeglichene Gesamtüberschüsse von 58,2 Millionen RM(46,4 Millionen RM) und Gesamtfehlbeträge von 104,1 Millionen RM(110,4 Millionen RM). Die Gesamtfehlbeträge entfallen ausschließlich auf die Stadtkreise, während von den Gesamtüberschüssen 1927 fast neun Zehntel (1926 drei Viertel) auf die Provinzial= und Kreisverbände kommen. Maßnahmen der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind in Preußen im Vierteljahr Januar bis März 1930 bei Notstandsarbeiten, die verstärkt aus Landesmitteln gefördert wurden, an Arbeitslösen(Hauptunterstützungsempfängern, Krisenürsorgeunterstützten und Wohlfahrtsfürsorgeempfängern) täglich beschäftigt worden: im Januar 1930 5572,„ im Februar 1930 4825, im März 1930 5972. Von diesen wurden insgesamt 304 776 Arbeitslosentagewerke geleistet, und zwar entfielen auf: a) Meliorationen 35 135 Tagewerke= 11,5% b) Straßenbauten 94225 Tagewerke= 30,7% c) Kraftgewinnungsanlagen„ 17411 Tagewerke= 5,7% d) Sonstige Tiefbauten 142991 Tagewerke= 47,3% e) Baustoffherstellung(Herrichtung v. Siedlungsgelände), 2760 Tagewerke= 0,9% 1) Anlage von Sport= und Erholungsplätzen 12254 Tagewerke= 4,0% Zusammen: 304 776 Tagewerke= 100% Auch im Vierteljahr Januar bis März 1930 ist gegenüber den Vorvierteljahren leider ein weiterer, ganz erheblicher Rückgang in der Zahl der beschäftigten Notstandsarbeiter zu verzeichnen. Dies ist im Hinblick auf die günstige Witterung lediglich auf die infolge Verknappung der Reichsmittel notwendig gewordene Sperre der Reichs= und zwangsläufig auch der Landesmittel der verstärkten Förderung zurückzuführen. An größeren Notstandsarbeiten, für die ein Förderungsbetrag von mehr als 100000 RM Landesmittel zugesichert war, befand sich neben den bereits früher mitgeteilten Arbeiten in der Ausführung im Vierteljahr Januar bis März 1930 der Ausbau der Verbindungsstraße Lehe—Geestemünde im Regierungsbezirk Stade. Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Inhalt: Alfres Zingler: für den Anzeigenteil: Karl Cbemnitz, beide in Gelsenkirchen— Druck und Verlag:„Volkswille", Ludwig Leypolor, Eme., Gelsenkirchen=Buer.— Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn dies ausdrücklich verlangt und zu diesen Zweck Rückporto beigefügt wird. Samstag, 21. und Sonntag, 22. Juni 1930: Alle Arbeitersportler und-sportlerinnen müssen zur Stelle sein! Niemand darf fehlen! Gewerkschaftliches Das Parlament der Werkmeister in Breslau In der altehrwürdigen Stadt Breslau findet in diesen Tagen der 29. Verbandstag des Deutschen WertmeisterVerbandes statt. Ein kleines Häuflein deutscher Werk meister war es, das 1881 den„Deutschen Werkmeister=Verband (DWV.) aus der Tause hob. Mühevoll und reich an Gewerk schaftsarbeit war der dornenreiche Weg des Aufstiegs, unjeheuer groß die zu lösenden Aufgaben. Der Verband hat in einem halben Jahrhundert für die wirtschaftliche, soziale und rechtliche Anerkennung der deutschen Werkmeister beachtliche Erfolge aufzuweisen, die in zahlreichen Gesetzon ihren Niederschlag gefunden haben. Wenn der Werkmeisterberuf mit seinen Eigentümlichkeiten und seinen Wandlungen im Rahmen der Strukturveränderungen der Wirtschaft dennoch gefestigter als in: gendeinem Lande ist, so ist das ebenfalls das Deutschen Werkmeister=Verbandes, der heute 130000 Mit glieder aufweist. Er gehört zweisellos nicht nur zu den größten und bedeutungsvollsten Berufsorganisationen Deutschlands, sondern der ganzen Kulturwelt. Der Verbandstag des Deutschen Werkmeister=Verbandes“ findet in der Regel alle zwei Jahre statt und legt für den gleichen Abschnitt die neue Wegstrecke der Verbandsarbeit mit ihren zahlreichen wirtschafts=, sozial= und gewerkschaftspolitischen Problemen fest. Besonders in Breslau sind für die Zukunft des Verbandes bedeutsame Beschlüsse zu erwarten. Auch die Werkmeister sind zu Zehntgusenhen meistens nach einem arbeitsreichen Leben aus ihren Betrieben hinaus gedrängt worden. Ihre Stellung und Existenz sind in den Riesenbetrieben der Trusts und Konzerne sehr viel unsicherer als früher in den Kleinbetrieben. Ihr Schicksal ist mit dem der Arbeiter und Angestellten aufs engste verbunden. Die soziale Lage des Werkmeisters erfordert, daß sein getreuer Sachwalter. der DWV., sich planmäßig und bewußt in die freigewerkschaftliche Front eingliedert, wie es seit einer Reihe von Jahren geschieht. Nur dadurch ist es möglich, auch dem Werkmeister die notige und soziale Sicherung in seiner Stellung zu verschaffen. Der Verbandstag des Deutschen Werkmeister=Verbandes wird naturgemäß auch den Problemen der neuzeitlichen Wirtschaft und den daraus entstehenden kulturellen Notwendigkeiten gebührende Beachtung schenken. Das„soziale Pro gramm“, des DWV. wird in entsprechender neuer Form be schlossen werden. Der vom Verbandsvorstand vorgelegte Geschäftsbericht ist eine reiche Fundgrube und ein wertvolles Nach schlagewerk für alle wichtigen gewerkschaftspolitischen Ge chehnisse der letzten zwei Jahre und gibt besonders Aufschluß über die leistungsfähigen Selbsthilfeeinrichtungen des Deutschen Werkmeister=Verbandes. Die Gesamtleistungen des Verbandes betrugen auein 1928 und 1929 zusammen etwa 5 Millionen RM und mit den Versicherungseinrichtungen sogar annavernd 11.5 Millionen RM. Davon wurden an 1983 Kollegen für Streik und Maßregeluna 233870 RM. an 12625 stellenlose Kollegen 2162478 RM, an 5752 Invaliden 1326 525 RM und an 8500 Witwen 704893 RM gezahlt. Fur Rechtsschutz verausgabte der DWV. in der Berichtszeit RM 91251. Die vor den Gerichten erstrittenen Gehälter ergaben die Summe von 2426 751 RM. Gerade die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse verursachten zahlreiche Rechtsstreitigkeiten, für die vom Verband der erforderliche Rechtsschutz gewährt wurde. Diese hervorragenden Leistungen des Deutschen Merk meister=Verbandes werden kaum von einem anderen Angestelltenverband erreicht. Gerade in der heutigen Zeit erfahren zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder, wie wertvoll die Unterstützungseinrichtungen ihrer Organisationen sind. Besonders die Ausgaben für Stellenlosenunterstützung weisen im letzten Berichtsjahr eine erhebliche Steigerung auf. Auch der Breslauer Verbandstag wird für den Deutschen Werkmeister=Verband einen wichtigen Markstein bedeuten. Eine weitere Wegstrecke wird abgesteckt für die Werkmeisterbewegung zum Nutzen der Verbandsmitglieder und zur Stärkung der freigewerkschaftlichen Front. Achtung, Metallarbeiter des Bezirks Hüllen! Die für Samstag, den 21. Juni, angesetzte Versammlung wird auf den 28. Juni verlegt und bei Nachbarschulte abgehalten. Deutscher Metallarbeiter=Verband, Gelsenkirchen. Achtung! Die geplante Bezirksversammlung für Altstadt am Samstag. dem 21. d. M., fällt aus. Die Verbandsleitung. Bulmke. Am Sanistag, dem 21. d. M., abends 6.30 Uhr, findet im Lokale Debrina. Hohenzollernstraße, eine wichtige Bezirksversammlung für obengenannten Bezirk statt.„ Das Erscheinen aller Kollegen aus dem Bezirk Bulmke ist erforderlich. Die Verbandsleitung. Wattenscheid Am Samstag. dem 21. dieses Monats, abends 7 Uhr, findet im Lokale Braukämper, Vödestraße, eine wichtige Bezirksversammlung für obengenannten Bezirk statt. Das Erscheinen aller Kollegen aus dem Bezirk Wattenscheid ist erforderlich. Die Verbandsleitung. Filmschau Capitol=Theater. Ab heute, Freitag, läuft im Capitol=Theater der Groß film der Paramount:„Hochzeitsmarsch“, ein Werk des Regisseurs Erich von Stroheim. Nicht weniger als zweitausend Komparsen wurden zur Mitarbeit herangezogen. Die Handlung spielt im Wien der Vorkriegszeit und erzählt die dramatische Liebesgeschichte zwischen einem Offizier der öster reichischen Hocharistokratie und einem Mädchen aus der Vorstadt. Erich von Stroheim schrieb das Manuskript, inszenierte den Film und verkörpert die männliche Hauptrolle. Seine Partnerinnen sind Fay Wray und Zasu Pitts. Ein neuer Bancroft Film. George Bancroft, dessen große Beliebtheit sich bei seinem Besuch in Deutschland gezeigt hat, bei uns in seinem neuesten Paramount=Film„Millionen um ein Weib“(Börsenfieber) zu sehen. er spielt in diesem Film keinen„Helden der Unterwelt“, sondern einen Börsenspekulanten, der ebenso rücksichtslos mit Millionen wie mit Nenschenschicksalen umgeht. Die temperamentvolle Olga Bau lanova ist seine Partnerin, Paul Lukas und Nancy Carroli verkörpern die übrigen tragenden Rollen. Der durch„Stachel draht" bei uns bekanntgewordene Regisseur Rowland V. Lee inszenierte diesen Film aus dem Neuvorker Börsenleben. (Wir sind in Deutschland zu arm um schlechte Qualitäten zu verbrauchen Darum: Gute Stoffel S. Winter .... und nur von dem großen Spezialgeschäft„Das Haus der Dame“ Gelsenkirchen Bahnhofstraße 54 Rundfunk-Programm Freitag. 20. Juni. 5.00: Liesl Eckhardt: Was man alles aus Zeitungen und Bindfaden machen kann. 10.00: Dr. O. Jancke: Friedrich Gundolfs Werk. 16.20: Dr. H. Behle: Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16.40: K. A. Wecking: Dänemark— Eindrücke einer Nordlandreise. 7.00: Prof Dr. Ziertmann: Der Aufstieg der werktätigen Jugend dur den Beruf. 1.30: Konzert Lincke: Ballett=Ouv.— Stolz: Tanzaräfin=Walzer. — Yoshitomo: Japanische Suite.— Csardas.— Meyer=Helmund: Madame Pompadour: Liebesbotschaft.— Schlögel: Streifzug durch Strauß'sche Operetten. 18.30: Was muß man tun, wenn man zum Gericht geht? 19.15: Englische Unterhaltung. 19.40: Dr. K. Loose: Spaniens Stellung in der Weltwirtschaft. 0.00: Leichte Musik. Wagenaar: Ouv. zu Shakespeares Lustspiel „Der Widerspenstigen Zähmung".— Mendelssohn: Klavierkonzert G=moll.— Nicodé: Bilder aus dem Süden.— Svendsen: Norwegische Rhapsodie.— Intermezzo:„Glocken“. Hörfolge von Geno Ohlischlaeger und Walter Gronostay.— Kistler: Walzerserenade.— Grieg: Drei Stücke aus„Sigurd Jorsalfar“.— Bruch: Schwedische Tänze.— Dann: Konzert. Samstag, 21. Juni. 15.00: Kinderstunde: Wer singt mit? 9.45: Gesichtspunkte für den Bau von Rundfunkempfangsgeräten —.05: Marie Schulte: Die Jugendpflege im Dienst der kinderreichen Familie. 1.30: Dr. Victor Baur: Durch die Zentraleifel. 17.00: Prof. Hase: Englisch. 17.30: Konzert. Kölner Mandolinen=Kränzchen. 18.30: Dr. Winschuh: Deutschland und Europa im Netz der Kriegsschulden und Revarationen. 8.50: Rundfunkstörungen—. Vereinsnachrichten. 19.15 Dr. Müller: Die Lage des alternden Arbeiters auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb. 19.40: Pros. Dr. Schulte: Die oberrheinische Tiefebene in der Geschichte. . 0 0: L u s t i g e r A b e n d. K a p e l l e E y s o l d. ann: Nachtmusik und Tanz. Die Feinde der Republik rüsten! Das Reichsbanner Schwarz-Rof-Gold marschiert kommenden Sonntag in Horst zum Kreistag auf. Erleichterungen im Paketverkehr nach dem Ausland. Vom 1. Juli an ist es im Verkehr mit Belgien, Dänemark, Freie Stadt Danzig, Frankreich, Großbritannien und Nordirland, Litauen, Norwegen, Schweden, Tschechoslowakei und Ungarn gestattet, auch zwei oder drei gewöhnliche, an denselben Empfänger gerichtete Pakete mir einer Paketkarte zu versenden. Die Angaben in der Zollinhaltserklärung sind möglichst für jedes einzelne Paket getrennt einzutragen. Deutsche Welle. Freitag 20. Jum. 9.30: Dr. W. Effenberger: Naturschönheiten in der Umgebung 10.00: Afrikaforscher Schomburgk: Meine Susi, das Leben einer Schimpansin. 19.00: Trude Herrmann: Gefahren des Auslandes. 16.00: Unterrichtsbeispiel aus der Berufsschule(Maschinenbauklasse 16.30: Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Dr. Noelle: Einrichtung und Pflege von Zimmeraquarien. 17.55: Ritterautsbes. von Lochow: Roggenbau und Roggenverbrauch. 18.20: Prof Tarachand Roy: Der Freiheil#lampf Indiens. 18.40: O. v. Wertheimer: Die Kunst des Erzählens. 19.05: Englisch für Fortgeschrittene. 19.30: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.55: Inhalt und Personen zu der nachf. Uebertragung. 20.00: Kroll=Oper:„Der fliegende Holländer“, von Rich. Wagner. Danach: Tanzmusik. Kapelle Oskar Joost. Deutsche Welle. Sonnabend, 21. Juni. 12.00. Hrilele Rlunge aus der Rinortwen. Pinn. 9. der Franziskaner. 15.00: Jens Lützen: Photographische Plaudereien. 16.00: Hamburg: Nachmittagskonzert 17.30: Dr. med. Zumsteeg: Von der Stimkme des Lehrers und ihrer 17* Josef Orlopp: Die zweite Weltkraftkonferenz Berlin 1930 und die Arbeitnehmerschaft der Gas=, Elektrizitäts= und Wasserwerke Deutschlands. 18.20: Dr. K. D. Marcus: Sonnenwende in Schweden. 40: Prof Dr. Sachs: Jahrtausende der Musik. 19.05: Französisch für Fortgeschrittene... 19.30: Große Menschen. Mar Weber zum 10jährigen Todestag 20.00: Neueste Schlager. Uraufführung von Kompositionen durch die Autoren... 21.00: Heiterer Abend. Mitw.: Erich Carow u. a. Danach: Tanzmusik. Fred Bird Tanz=Orchester Verkehr Drucksachen zu ermäßigter Gebühr im Verkehr mit der Schweiz und Persien Vom 1. Juli an sind im Verkehr mit der Schweiz Zeitungen und Zeitschriften, die unmittelbar von den Verlegern oder deren Beauftragten(Drucker, Buchbinder, Kommissionäre) versandt werden, und ferner Bücher, Druckhefte und Musiknoten, die, abgesehen vom Aufdruck auf dem Umschlag und den Schutzblättern der Bände, keinerlei Ankündigungen oder Anpreisungen enthalten, von jedermann zu den ermäßigten Gebühren(für je 100 Gramm 5 Rpf.) zugelassen. Vom gleichen Tage an sind im Verkehr mit Persien nur noch Zeitungen und Zeitschriften, die unmittelbar von den Verlegern oder deren Beauftragten versandt werden, zu halber Gebühr zugelassen. 8 Arbeiter-Schach 8 Spleigelegenheiten: Oelseskirches: Mittwochs an 20 Uhr: Oewerkschaftshaus. Preitags an 30 Uhr: Volkshaus— Bver- Mitte: Mittwochs ab 19 Uhr. Sonntags eb 14 Uhr: Restaurant Lindenhol.— Hassei: Mittwochs ab 19 Uhr und Sonntags ab 10 Uhr: Restaurant Orümer.— Erle: Sonntags ab 14 Uhr: Restaurant Mathels.— Resse: Sonntags ab 10 Uhr: Restaurant Romers. winkel.— Scholven: Mittwochs ab 19 Uhr und Sonntags ab 10 Uhr: Rest. Müller.— Alle diese Spalte betreffenden Mittellungen sind zu richten an: Haus Frassem. Oelsenkirchen. Wiehagen 27. Partie Nr. 16. Damenbauerspiel. Gespielt in Berlin im Abteilungswettkampf Gesundbrunnen gegen Reinickendorf Ost am 8. Dezember 1929 am 1. Brett Weiß: Schwarz: Rohne(Gesundbrunnen). Grammatikoff(Reinikend. Ost). 1. d2—d4 e7—66 Ein merkwürdiger Zug, der kaum gut sein dürfte: kommt Weiß doch mit e4 zu einem starken Zentrum. 2. 62—e4 57—05 3. Sb1—c3 Sg8—f6 4. Lf1—53——— Nun ist eine Variante der Französischen entstanden 4.——— 65+e4 5. Sc3+e4 Sb8—57 6. Sg1—s3„ 67—65 7. d4-c5„ Sd7-c5 8. Se4-c5 2f8-c5 9. 0—0 0—0 10. Le1—95 57—56 11. Dd1—82!„„——— Droht L+f6 nebst De4 mit Gewinn. 11.——— Lc8—b7 12. Sf3—e5?——— Ein Tempoverlust, der die Wendung der Partie zur Folge hat. Richtig war Ta1—d1, drohend L+h7+. 12.——— Dd8—55 13. Se5—s3 47—06 Verhindert Lb5 und macht der Dame das Feld c6 frei. 14. Tf1—d1„ Dd5—c6 15. c2—c3 Tf8—e8 16. Ld3—02 e6—65! 17. Lg5 4f6 67+f6!! In der Vestischen Kampfbahn: Rasen=Rad=Ballspiel, Sehr gut! Weiß erwartete wohl D-f6, um Let spielen zu können, mit wahrscheinlichem Remis. 18. Sf3—54 K98—h8 19. De2—b5 e5—e4 20.Sh4—f5!——— Nicht D'f7, wegen Te7 nebst e4—e3! oder Ta8—g8. Schwarz muß mit Tempogewinn zur Deckung von h7 kimmen, so daß es es ermöglicht wird, was vorläufig an dem Matt aus 57 scheitert. 20.——— Te8—08 21. Tf5—93——— Auf D-tf7 folgt e3! 21.——— To8—65 22. Dh5+f7? Te5—67 23. Df7—h5 44—63! 24. Lc2—e4——— 54 ∆ 920 24.——— e3+72+ 25. Kg1—h1.——— Besser war Kfl. Nun folgt ein brillanter Schluß: 25.——— Deß 4e4!! 26. Sg tes L574e4 und Weiß gab auf. Es droht Litaz matt; auf Dys folgt Tas g8, auf h3 oder b4 entscheidet Tg2 usw. Eine von Schwarz stark gespielte Partie. Irreführung über Preissenkungen Der Lohnkontlikt in der Siegerländer Eilenindultrie Die sozialdemokratische Kritik, daß die Senkung der Eisenpreise unzureichend und die Lohnsenkung sowohl überflüssig als schädlich ist, hat zu einem Wettlauf der der Schwerindustric nahestehenden Presse geführt, die Eisenpreissenkung als ausreichend und die Lohnsenkung noch übertreffend nachzuweisen. Besonders ist die„Deutsche Allgemeine Zeitung" um diesen Nachweis bemüht, die sich sogar über die sozialistische Kritik glaubt lustig machen zu dürfen. Natürlich schießt bei der DAZ. auch die Scharfmacherei ins Kraut, und es wird ganz offen gefordert, daß auch im übrigen Deutschland die Lohnsenkungen durchgeführt werden müssen, weil sonst die Preisermäßigungen beispielsweise von„der mitteldeutschen und oberschlesischen Schwerindustrie“ nicht getragen werden können! Diesen Herrschaften kann ziffernmäßig nachgewiesen werden, daß sie die Oeffentlichkeit irreführen. Es wird viel zu wenig beachtet, daß die letzten Eisenpreissenkungen bei weitem nicht die gesamte deutsche Produktion und auch nicht den gesamten Absatz der deutschen Schwerindustrie betreffen, sondern kaum mehr als die Hälfte von Produktion und Absatz. Ein Drittel des Gesamtabsatzes der Eisenverbände entfällt nämlich auf die reine Ausfuhr, für die Preissenkungen überhaupt nicht stattfinden. 15 bis 20 Prozent des Gesamtabsatzes sind dem Export der Eisenarbeiter zuzurechnen, die bekanntlich die Avirückvergütung erhalten. Es ist mit aller Sicherheit zu erwarten, daß die Rückvergütungssätze um ebenso gekürzt werden— bei der Neufestsetzung für den Monat Juli — als jetzt Preissenkungen vorgenommen worden sind. Damit fällt auch das von den Weiterverarbeitern exportierte Eisen nicht unter die Eisenpreisermäßigung. Damit gilt die Senkung der Eisenpreise höchstens für rund 50 Prozent des Absatzes der Eisenverbände. Nimmt man die durchschnittliche Eisenpreissenkung auf 3 Prozent an, so beträgt die tatsächliche Preissenkung auf den Gesamtabsatz, d. h. die tatsächliche Kürzung der Erlöse nur 1½ Prozent. Legt man 20 Prozent Lohnanteil zugrunde, so bedeuten diese 1½ Prozent Preissenkung bei einer Lohnkürzung um 7½ Prozent nur ganz genau so viel wie die ersparte Lohnsumme! Es ist also wahr, von einem Preisopfer der Eisenindustrie kann überhaupt keine Rede sein. Herr Stegerwald und die Oeffentlichkeit werden hinters Licht geführt. Aber die Dinge liegen noch viel ärger, wenn man etwas genauer zusieht, was beispielsweise die Eisenindustrie schon durch die Senkung der Schrottpreise erspart hat. Man wird den gesamten Schrottbedarf, den die deutsche Eisenindustrie jährlich zukaufen muß, auf 3 bis 3½ Millionen Tonnen schätzen dürfen. Gegen 1928 ist der Schrottpreis je Tonne um nicht weniger als 15 Mark gefallen. Allein an der Schrottversorgung erspart die deutsche Eisenindustrie bei normalem Geschäft 45 bis 52 Millibnen Mark. Rechnet man 25 Prozent Produktionseinschränkung für den jetzigen Augenblick, so bedeutet bei einer Jahreserzeugung von 10 Millionen Tonnen Walzwerksprodukten die Erlössenkung bei einer Preissenkung von 4 Mark je Tonne 40 Millionen Mark. Daraus ergibt sich, daß die gesamte jetzt vorgenommene Preissenkung bei der deutschen Eisenindustrie bereits schon durch die Verbilligung der Schrottpreise mehr als aufgewogen ist! Es zeigt sich die unerhörte, den Dilettantismus des Stegerwaldschen Schiedsspruchs blitzlichtartig beleuchtende Tatsache, daß die Eisenindustrie die Lohnsenkung auf Grund des Schiedsspruchs von Oeynhausen überhaupt nicht nötig gehabt hätte, um die Preissenkung in dem geschehenen Ausmaß zu ermöglichen und daß die vorgenommene Lohnsenkung als reines Geschenk an die Schwerindustrie angesehen werden muß. Diese Feststellungen können durch den Einwand nicht erschüttert werden, daß etwa die fixen Kosten der Eisenindustrie bei um 25 Prozent gesenkter Produktion die Eisenindustrie stärker belasten und auch nicht durch den anderen Einwand, daß die Eisenindustrie auf dem Weltmarkt durch weiteres Absinken der Weltmarktpreise Exportverluste erleidet. Diese Dinge, die gar nicht bestritten zu werden brauchen, sind Folgen der Konjunktur und haben mit der Tatsache nichts zu tun, daß die Oeffentlichkeit über die inneren Zusammenhänge und das Ausmaß der Preissenkungen getäuscht wird. Auch wenn man noch eine dritte Rechnung aufmacht, nänilich die Summen der im Inland tatsächlich eintretenden Erlösverluste den Summen der angestrebten Lohnersparnissen gegenüberstellt, dann ergibt sich eine Preissenkung im Ausmaß von 19 bis 20 Millionen, die einer von der Schwerindustrie selbst festgestellten Lohnersparnis von rund 22 Millionen gegenüberstehen! Diese hier erstmalig festgestellten Tatsachen machen die sogenannte Eisenpreissenkung in ihrer Verbindung mit der Lohnsenkung zu einem Skandal der Wirtschafts= und Schlichtungspolitik. Herr Stegerwald hat sich vorbehalten, die Auswirkungen des Schiedsspruches im einzelnen zu prüfen. Der Reichswirtschaftsminister ist verpflichtet, von amtswegen auf angemessene Eisenpreise zu sorgen. Die hier aufgedeckten Tatbestände rechtfertigen die Erwartung, daß die beiden verantwortlichen Minister die von uns festgestellten Tatbestände untersuchen, die Oeffentlichkeit über das Ergebnis der Untersuchungen unterrichten und die Eisenverbände zu neuen Preissenkungen veranlassen, die der Konjunkturlage und dem Sinne des Oeynhausener Schiedsspruchs entsprechen. Sklaverei und kein Ende Die Zwangsarbeitsdebatte auf der Genfer Internationalen Arbeitskonferenz macht einen wenig erfreulichen Eindruck. Wenn es nach den Wünschen der Kolonialimperialisten gegangen wäre, dann hätte allerdings in Genf nicht einmal eine Debatte stattfinden können. Dabei zeigen die Kämpfe in Indien, die Unruhen in Indochina und die Enthüllungen Vanderveldes im belgischen Parlament über die furchtbare Lage der Eingeborenen in Belgisch=Kongo, die der Zwangsarbeit unterworfen sind und eine Sterblichkeit von nahezu 20 Prozent ausweisen, im Augenblick wirklich zur Genüge, daß die kolonialimperialistische Unterdrückung und Ausbeutung der kolonialen und halbkolonialen Völker immer mehr den Frieden bedrohen. Das Genfer Arbeitsamt hatte nach der ersten Beratung der Zwangsarbeitsfrage einen Konventionsentwurf ausgearbeitet, der nach einem dreijährigen Uebergangszustand die völlige Beseitigung der Zwangsarbeit zu Gunsten von Privatunternehmern vorsieht, d. h. eine nur unvollkommene Durchführungsverordnung zur Völkerbundskonvention gegen die Sklaverei. Im Prinzip besteht in Genf Einmütigkeit. Jedenfalls hat bisher sich niemand offen als Gegner der Beseitigung der Zwangsarbeit bekannt. Aber das will nicht viel bedeuten. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Durchführung und in der Kontrolle der Ausführung der Konvention. Vor allem handelt es sich darum, die verschleierten Formen der Zwangsarbeit, auf die der Brüsseler Kongreß der Sozialistischen Arbeiterinternationale hinwies, insbesondere die Arbeitsverträge mit langer Geltungsdauer, sowie die strafgesetzliche Verfolgung des Bruchs von Arbeitsverträgen zu beseitigen. Ferner wäre dafür zu sorgen, daß auch die Zwangsarbeit, die im öffentlichen Interesse vorgenommen wird, unbedingt einer Kontrolle unterliegt und allmählich verschwindet. Es geht, wie man sieht, um Fragen, die an die Grundlagen des Kolonialimperialismus rühren und bei denen zugleich Lebensinteressen der europäischen Arbeiterschaft mit auf dem Spiel stehen. Je tiefer der Lebensstandard des Kolonial= kulis, desto tiefer liegt die gesamte Lohnpyramide. Der Tageslohn eines indo=chinesischen Kulis beträgt 19 Psennig. Der Fabrikarbeiter in Indochina verdient nach dem Bericht des „Petit Parisien“ 1,25 Franken pro Tag. Davon muß dem Arbeitsvermittler eine Abgabe geleistet werden. Dazu kommen die Kosten für die tägliche Reisportion, die bei äußerster Sparsamkeit 0,75 Franken betragen. Es bleiben also dem Arbeiter noch 35—40 Centimes für Wohnung, Kleidung und sonstige Ausgaben. Wenn man einen Sumpf austrocknen will, muß man auf den Grund gehen. Die Beseitigung der Zwangsarbeit ist ein Stück der Befreiung des farbigen Arbeiters überhaupt. Ohne Solidarität zwischen der weißen und farbigen Arbeiterschaft gibt es für die Weltarbeiterschaft keinen Aufstieg. Dividenden Schlesische Bergwerks= und Hütten=A.=G., Beuthen i. O.: Die Generalversammlung genehmigte ohne Aussprache den Abschluß für 1929 mit wieder 10 Prozent Dividende. S. H. Hammersen A.=G., Osnabrück: Der Abschluß für 1929 ergibt nach 1,1 Millionen Mark(1,15) Abschreibungen einen Reingewinn von 1,72(1,90) Millionen Mark, aus dem eine Dividende von 7 Prozent(8 Prozent) auf die Stammaktien und 6 Prozent auf die Vorzugsaktien zur Verteilung gelangen soll Mechanische Weberei Ravensberg A. G. in Bielefeld. 6 Proz. Dividende. Klagen über wenig befriedigenden Geschäftsgang. Bayerische Motorenwerke, München. 1,3 Mill. Mark Reingewinn(im Vorjahr 3.8), Dividende 7 Proz.(14 Proz.) Abgeschrieben wurden 2,3 Mill. Mk.(1,8 Mill. Mk.) Aktienkapital 16 Millionen Mark. Elektrische Straßenbahn Barmen=Elberfeld Der Reingewinn beträgt für das Berichtsjahr 1929 153201 Mark.(9 Prozent Dividende). 7 Prozent Dividende bei F. H. Hammersen A.=G., Osnabrück Siegerländer Eisensteinverein. Nach dem Bericht war die arbeitstägliche Förderung der Gruben im Mai geringer als im Vormonat. Wieviel Wohnungen? Die neueste Reichsstatistik zählt für 1929 im Deutschen Reich 339000 neu errichtete Wohnungen, das ist 2,5 Prozent mehr als die Rekordziffer von 1928. Der Reinzugang beträgt unter Abrechnung der Häuserabbrüche und Umbauten 318000 Wohnungen. Das erfolgreiche Jahr 1929 hat den Fehlbestand an Wohnungen wieder um 90.000 verringert. In den Großstädten wurde wieder am regsten gebaut. Auf 1000 Einwohner kam im Jahre 1929 ein Zugang von 7,1 Wohnungen, in den Großstädten über 100 Ein vohner, gegen nur 3 Prozent in Gemeinden, bis zu 2000 Einwohnern und von 5,7 Prozent in Gemeinden von 10.000 bis 20000 Einwohnern. Die Tendenz zur Errichtung großer Wohnblocks hat sich weiter verstärkt; die Zahl der neuen Wohngebände ist nämlich gegen das Vorjahr, trotz der absoluten Erhöhung der Wohnungszahl, von 137000 auf 131000 zurückgegangen. Die gemeinnützigen Gesellschaften haben ihren Bauanteil von 30 auf 34,9 Prozent erhöht. Der Anteil der Privaten sank von 59,6 auf 55,5 Prozent. Bei der Durchführung von Akkordregulierungen, die von der Belegschaft der Hochösen, Stahl= und Walzwerksbetriebe akzeptiert wurden, hatten sich mit der Belegschaft des Stabeiseuwerks Geisweider, Eisenwerk der Vereinigten Stahlwerte, Differenzen ergeben, die im Verhandlungswege nicht beigelegt werden konnten. Die Belegschaft von 115 Mann reichte die Kündigung ein und nach Ablauf der Kündigungsfrist hatten 72 Arbeiter die Entlassungspapiere gefordert, so daß der Betrieb des Stabeisenwerks seit Freitag ruhte, während die Hochösen, Stahl= und Walzwerke weiter im Gang waren. Behördlicherseits in die Wege geleitete Schlichtungsverhandlungen haben unter der Leitung des Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses für das Siegerland zu einer Einigung geführt. Die in Frage kommenden 72 Mann des Stabeisenwerks werden mit sofortiger Wirkung wieder eingestellt. Alle Akkordsätze des Stabeisenwerks bleiben bestehen, nur wird in der zweiten Gruppe monatlich für 200 Tonnen ein Abzug von 4,5 Pfennig pro Tonne gemacht. Maßregelungen finden nicht statt. Das Arbeitsverhältnis gilt als nicht unterbrochen. Die Deutlche Reichsbank wird sehr bald ihren Diskont weiter herabsetzen müssen. Nach dem Ausweis vom 14. Juni sind nur noch Wechselbestände von 1544 Millionen vorhanden. Die Banken haben so wenig Kredite gebraucht, daß zu Mitte Juni die Lombarddarlehen sogar noch um 12 auf 55 Millionen abgenommen haben, was zur Monatsmitte schon seit mehr als drei Jahren nicht mehr der Fall war. Die Goldbestände bleiben mit 2619 Millionen zwar fast unverändert, dafür sind aber die Bestände an deckungsfähigen Devisen wieder um 42 auf 422 Millionen gestiegen. Die 4279 Millionen umlausenden Noten sind durch Gold aber mit üb 50 Prozent und durch Gold und Devisen zusammen mit rund 75 Prozent überdeckt. Der sogenannte Privatdiskont, der Preis für Wechsel zwischen ersten Bank= und Industriefirmen, ist am Montag von 3¾ auf 3½ Prozent weiter gesunken. Die Reichsbank wird nicht anders können, als spätestens in der nächsten Woche den Diskontsatz auf 4 Prozent herabzusetzen. Für die Besserung der Wirtschaftsverhältnisse ist das zwar noch kein Beweis, aber doch eine günstige Voraussetzung. An der Neuyorker Börse erfolgten wieder sehr schwere Kurseinbrüche. Keine Stillegung von Ford-Betrieben in Deutschland und Holland. Im Hinblick auf Gerüchte, die von einer zeitlichen Stillegung der in Amerika, Deutschland und Holland liegenden Betriebe der Ford=Fabrik im Monat Juli wissen wollen, er“irt die Direktion der Niederländischen Ford=Fabrik zu Re n, daß ihr von solchen Gerüchten nichts bekannt sei. Eine solche Stillegung komme ihr auch äußerst unwahrscheinlich vor. Die Verkäufe der Berliner Ford=Fab-“seien im verflossenen Monat zweimal so groß gewesen, wie in dem entsprechenden Monat des Vorjahres. Auch für die Entwicklung der holländischen Ford=Fabrik seien die Umstände jetzt weit günstiger als früher. Holländischer Auftrag für die Dortmunder„Union“, Brückenbau Von der Stadt Rotterdam wurde der Bau eines großen Schleusenwerkes an die Vereinigten Stahlwerke(Dortmunder Union) zum Preis von 722 727 Gulden vergeben. Wird das englilche Antigewerkichaftsgeletz wieder beleitigt? Zwischen der britischen Regierung und den Gewerkschaften haben Besprechungen über die Beseitigung des im Jahre 1927 von den Konservativen im Unterhaus durchgesetzten Antigewerkschaftsgesetzes stattgefunden. Ob die Arbeiterregierung sich für die Aufhebung dieses der britischen Gewerkschaftsentwicklung recht schädlichen Gesetzes einsetzen kann, ist im Augenblick noch zweifelhaft. Die Arbeiterpartei ist im Unterhaus in der Minderheit; es ist sehr fraglich, ob sich die bürgerliche Mehrheit mit einer Aufhebung des Antigewerkschaftsgesetzes abfindet. Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftswesens Führende Gewerkschafter, wie: Aufhäuser, Eduard Bernstein Falkenberg, Walter Maschke, Hermann Müller, Paul Umbreit, Emil Vandervelde und bedeutende Wissenschaftler, unter anderen: Götz Briefs, Chajes, Flatow, Karl Pribram, Riedel, haben sich in gemeinsamer Arbeit an dem obengenannten Werk zusammengefunden. Das Handwörterbuch, welches eine fühlbare Lücke in der gewerkschaftlichen Literatur ausfüllt, wird unter Mitarbeit von Joh. Sassenbach, Albert Thomas, Sidnen Wevb. Adam Stegerwald und Anton Erkelenz herausgegeben von Pros. Ludwig Heyde und verlegt von der Werk= und Wirtschaft=Verlagsaktiengesellschaft, Berlin. Das Werk behandelt unter besonderer Berücksichtigung der deutschsprachigen Länder die Geschichte, Soziologie und Praris des internationalen Gewerkschaftswesens, die organisatorischen Probleme der Gewerkschaftsbewegung und die sachlichen Beziehungen der Gewerkschaften zu allen wichtigen Fragen der Wirtschaft und Politik. Es kommen nicht nur Vertreter der freien Gewerkschaften zu Wort, sondern auch Vertreter der gegnerischen Verbände. Das Handwörterbuch ist deshalb ein allseitig informierendes und umfassendes Nachschlagewerk in allen die Gewerkschaften betreffenden Fragen. Wir können die Anschaffung wärmstens empfehlen. Das Handwörterbuch wird in etwa 4 bis 5 Lieferungen zum Preise von je RM. 22.50, bei Subskription RM. 18.— erscheinen. In Anbetracht der Bedeutung dieses Werkes hat die Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin, S 14, Inselstraße 6a, den Generalvertrieb an die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter übemnommen. Weitere Aus künfte werden von dort gern erteilt. Ewige Landstrasse Die hohen Gipsel, zwischen denen der bayerische Kurort liegt, blicken verwundert auf die Bergstraße hernieder. Die Straße herab kommt ein Vagabund geschlichen. Sein altes, bartschwarzes, lederfarbenes Gesicht verschwindet unter einem dunklen Krempenhut. Sein blauer Kittel ist um die Lenden zusammengeschnürt, seine Beine stecken in langen, grauen Hosenröhren, deren Fransen den Boden kehren. Seine Füße— Gott, seine Füße! Ein dunkles Etwas ist das, womit er sich fortbewegt, gleichgültig und ein bißchen unsicher. Er hilft der schwankenden Bewegung mit seinem rechten, behaarten#rie nuch, der einen mächtigen Astknorren auf die Erde stemmt, schleift, wieder auf die Erde stemmt, wieder schleift und so fort bis ins Unendliche. Und das dunkle Etwas schleift mit. Dieses Etwas sind— man ahnt es nur— Füße. Es sind seine Füße— eine verkrustete Erdmasse. Aber der alte Vagabund, der so gar nicht in diesen eleganten Kurort paßt, schleppt in der Hand ein Bündel. Was ist darin? Leinentücher, Fußlappen, ehemalige Strümpfe und sein kostbarstes Gut: Schuhe! Nur einmal verliert er den Krempenhut und setzt sich bei dieser Gelegenheit in den Straßenstaub. Teilnahmlos und unbekümmert um die feingekleideten Kurgäste, die ihn bestaunen und vorübergehen. Dann aber wandert er langsam seinen halb gehenden, halb schleifenden Schritt weiter. Unermüdlich. Mittlerweile ist er in die Mitte der Ortschaft gekommen. Kinder lausen hinter ihm her. Damen wenden entsetzt ihr Antlitz fort. Sein Ledergesicht grinst. Er trottet die Straße entlang. Die Kinder bleiben zurück. Er biegt um die Ecke, verschwindet. Das war alles. Es war nur ein Steinchen im Mosaik dieses Kurortes, ein sonnenüberglänztes Spiel von Linien und Bewegun gen, wie alles hier in dieser Bergwelt. Aber als der Wind violette Schleier auf die Villengärten herabsenkte, sah ich ihn wieder. Seine hagere Gestalt schien gewachsen zu sein. Kalt und klar stand er nun gegen das Opalgrau des Himmels. Wirklich geworden das Spiel aus Linien, Fetzen und Stoffresten. Er lehnte vor einer spiegelglatten Scheibe, die einsam im Grau der Dämmerung schimmerte. Seine erloschenen Augen unter dem breiten Krempenhut glühten auf von einem unnatürlichen Feuer. So stand er vor dem weißen Hause des Fahrradhändlers mit der großen Spiegelscheibe: angewurzelt wie ein Schatten der Unterwelt, der allabendlich aufsteigt. Er stand und stierte. Stierte und starrte in die Scheibe hinein, auf die Scheibe, hinter die Scheibe. Und seine Seele sang. Ich hörte seine Seele singen. Was sang sie? Sie sang von den Tausenden von Meilen, die unbegangen in den schlanken Motor rädern dort hinter der Scheibe schliefen. Sie sang von den mittag heißen Landstraßen, die unbefahren in den weißen Pneumas dort hinter der Scheibe ruhten. Das blinkende Metall der Fahrräder dort hinter der Scheibe berauschte ihn. Die spiegelnden Autositze, die er im Halbdunkel des Fensters sah, überwältigten seine Seele. Wie viele Straßen, Länder und Kontinente könnte er mit ihnen durchwandern! Als er fahrtentrunken nach langen Minuten weitertorkelte, sah ich es seiner gekrümmten Gestalt an, daß er einen tiefen Blick in sein Schicksal getan hatte. Langsam ward seine Gebärde, vergeblich ein Antlitz. So verschwand er still, hager und gebückt gegen den Abend. Mit zerfleischten Füßen, das Schuhbündel unter dem Arm. Zum Kriechen verurteilt, verdammt zu beengter, gefesselter Pilgerfahrt. Mit dem Stachel im Herzen über sein unzulängliches Vagabundentum. Verzweifelt ob seiner kleinen, mühseligen Unrast. Er trägt seine Schuhe in der Hand. Sein Gottvertrauen hofft, daß der allmächtige Schuster seinen wunden, zerrissenen, zerstoßenen Zehen ein wunderweiches Schuhwerk aus leichtem, losem Weltenstaub weben wird. Und siehe: der Staub der ewigen Landstraße, die sich irgendwo, irgendwann mit der Milchstraße des Gebirgssternenhimmels trifft, ballte sich wie Watte um seine armen, müden Füße. Ein Auto fauchte vorbei. Es zerriß den silbernen Staub und warf ihn achtlos hinter sich.„ Als ich aufsah, flimmerte die Milchstraße mit unendlichen Sternenmellensteinen eisig über mir... Walter Meckauer. Nacht der tausend Laternen In manchen Sommernächten liegt das Licht des Mondes weicher und weißer als sonst auf den Giebeln und Türmen der Stadt. Die Dunkelheit hat den blauen Sternenhimmel ausgespannt, und an den steinernen Wänden der Straße rinnt die Lautlosigkeit der nächtlichen Stunde wie weißer Schaum der Wellen. An solchen Abenden, die die Vorstadt schenkt, kommt das Gewirr fremder Lärme aus belebteren Stadtteilen nur wie eine verklungene Sage an dein Ohr. Und dich ergreift die Sehnsucht. im weißen Lichte des Mondes emporzutauchen und Stirn, Kopf, Haar und Schultern reinzuwaschen in seinem klaren Quell. Wie mit tausend Laternen ist die Nacht besteckt. Die Weihe der ewigen Versunkenheit hängt über deinem Scheitel, dein Herz wird groß, deine Augen werden klarsichtig, deine Wünsche ehrfurchtsvoll und deine Schritte leiser und besonnen. Das ist die Nacht der tausend Laternen. Und also künden die Weisen des Ostens und die tauistischen Priester in ihren Büchern und Schriften: Am 15. Tage des achten Monats sollt ihr das große Licht, das die Nacht regiert, anbeten. Tamtams und Gongs mögen das Nahen der Lichtspenderin künden. Denn in dieser Nacht regiert der große weibliche Stern Jö Liang die Zinne der Welt Das Laternenfest, wie die Fremden das chinesische Fest der Mondgöttin nennen, ruft alt und jung auf die Dächer der Häuser. Brennender Weihrauch wirbelt empor, auf den Altären werden Geflügel, Schweinefleisch und Kuchen als Opfer dargebracht. Von den Giebeln der Häuser hängen an langen Stangen Laternen herab und Fahnen mit allerlei Inschriften und Sprüchen der Weisen wehen im Labkrautgewächse Daß der so aromatisch duftende Waldmeister, dessen Blütezeit jetzt beginnt, zu den„Labkrautgewächsen“ gehört, wird jeder bestätigen, der einmal eine von sachkundiger Hand bereitete Waldmeisterbowle gekostet hat. In weniger angenehmer Erinnerung dürfte die Pflanze denen sein, die ihre Blätter während der tabaklosen Zeit des Weltkrieges zur Erzeuguno" von Pfeifenrauch zu benutzen gezwungen waren. Der Duftstoff des Waldmeisters, das Kumarin, wirkt in stärkeren Gaben giftig: die arzneiliche Verwendung der Pflanze beschränkt sich auf die Volksmedizin und hat in der Wissenschaft noch keinen offiziellen Einzug gehalten. Um so größer ist die arzneiwissenschaftliche Bedeutung eines anderen Labkrautgewächses, des Chinarindenbaumes, dessen Rinde das wertvolle Chinin enthält, einen Bitterstoff, der sich seit Jahrhunderten als Mittel gegen die Malaria, das Wechsel sieber, bewährt hat. Der Chinarindenbaum ist in den Bergwäldern der Anden(am Westrande Südamerikas) heimisch: die Kenntnis der Wirkung seiner Rinde gegen die Malaria gelangte 1640 nach Spanien, nachdem zwei Jahre zuvor die Frau des Gouverneurs von Peru, des Grafen Cinchon, dadurch von dieser Krankheit befreit worden war. Als„Gräfinnenpulver“ begann die Droge ihren Siegeszug durch die alte Welt. Da die jesuitischen Aerzte das Heilmittel eifrig verordneten, erhielt es später die Bezeichnung „Jesuitenpulver“ und endlich, als Kardinal Mazarin seinen Gebrauch Ludwig XIV. anriet. wurde es in„Kardinalpulver“ umgetauft. Ohne das Chinin wäre das Leben in den Tropen für den Weißen überhaupt unmöglich. Eine direkt weltumspannende wirtschaftliche Bedeutung kommt schließlich einem dritten Labkrautgewächs zu: dem Kaffee. Ursprünglich in den Gebirgen des östlichen Afrika heimisch, bürgerte er sich bald in Südarabien ein, wo er zum ersten Male künstlich angebaut wurde. Heute finden wir die wertvollsten Plantagen in Brasilien und Mittelamerika. 1517 kam das Kaffeetrinken zum ersten Male nach Europa, und zwar nach Konstantinopel. Nach Deutsch land wurde das Getränk erst Ende des 17. Jahrhunderts eingeführt. Den stärksten Kaffeeverbrauch unter den europäischen Völkern haben heute die Schweden, Dänen, Norweger und Holländer. lauen Winde der Nacht. Auf den Flüssen erglänzen Boote und Schiffe festlich beleuchtet und Mondkuchen mit altüberlieferten Sinnsprüchen erfreuen mit ihrem Zuckerauß den Gaumen. Vor den drei Meter hohen Pagoden, die mit Brennholz angesüllt sind, bewegen sich Priester, die Salpeter ins Feuer wersen und mit einem großen Fächer die Flammen anfachen. Nachahmungen von Gold- und Silberbarren aus Papier werden der Mondgöttin als Opfer dargebracht. Das ist die Nacht der tausend Laternen... Du aber, du armer, in die Mauer deiner Behausung eingesponnener Sohn der Großstadt, du ahnst wenia von der Größe einer blauen Sommernacht. Deine Sehnsucht möchte manchmal, wenn der Abend auch in deine Straße herniedersinkt, ihre Flügel breiten— aber nur wenige Augenblicke und freie Atemzüge sind ihr gegönnt. Einst ging, so erzählt die schöne Sage des Ostens, der chinesische Kaiser Ming Wong mit seinem Priester in den Gärten seines Palastes spazieren. Es war am 15. Tage des achten Monats seines ersten Regierungsjahres. Der Keiser, der sich mit Vorliebe dem Studium der Astrologie hingab, fragte seinen Begleiter, ob er nicht wisse, aus welchem Stoffe der Mond bestehe.„Kaiserlicher Herr,“ erwiderte der Priester, „laßt Eure Huld befehlen, daß ich Euch den Weg zum Monde führe. damit Ihr mit Euren erhabenen Augen den Stoff seines Wesens prüft.“—„Wohlan,“ sagte der Kaiser, und der Priester warf seinen Stab in die Luft. Der Stab verwandelte sich alsbald in eine Brücke, und Kaiser und Priester überschritten sie. So betraten sie das Festland des Mondes. Und nun erblickte ihr sterbliches Auge ein von herrlichen Blumen erfülltes Land, das von großen Palästen überragt war, und auf dessen Gartenwegen schöne Damen wandelten. Der Priester bat den Kaiser, das Saiteninstrument, das er bei sich trug, zu stimmen und seine Töne erklingen zu lassen. Der Kaiser willfahrte diesem Wunsche, und als die Musik die Nacht durchzog, da glaubten die Einwohner von Nanking und seiner Umgebung, daß frohlockende Engel den Himmelsraum durchschritten. Der Kaiser sah von oben im Scheine des Mondes, wie seine Untertanen auf die Dächer ihrer Häuser eilten, um den überirdischen Wanderern zu huldigen. Er griff in seinen Aermel und streute eine Menge Kupfermünzen auf die Frommen herab. So geschah es in der Nacht des Mondfestes. Am nächsten Tage jedoch, als er in seinem Palaste zu Nanking wieder erwachte, da war es Ming Wong, als hätte er nur einen lebhaften Traum gehabt. Er wollte den Priester rufen, um ihm sein nächtliches Gesicht mitzuteilen. Da meldete sich der Generalgouverneur von Nanking und überreichte ihm mit tiefen Bücklingen einen Bericht, in dem die Wunder geschildert waren, die sich in der Nacht zugetragen hatten: in der Luft habe sich himmtische Musik vernehmen lassen, und es habe Kupfermünzen geregnet. Der Kaiser war nun überzeugt, daß er auf dem Monde gewesen sei, und das Volk feiert seither alljährlich den Tag der wunderbaren Reise Ming Wongs. * * Die Hellsichtigkeit der Sommernacht und die tausend Sternenlaternen sprühen vor meinem Auge, während mein Kahn durch den mondbeschienenen Fluß treibt. Alles, was mich so lange beengte, ist versunken zwischen Schilf und Flut, denen ich mich anvertraut habe. Ich habe die Ruder stillgelegt. Vom schwarzen Ufer herüber schimmert das Zelt, in dem meine Ferienkameraden mich erwarten... Ihr fremden Völker des Ostens, schaut den Glanz meines Heimatflusses in dieser Nacht! Und auch dir, mein Bruder in der Großstadt, wünsche ich, daß du einmal den Nachtturm eines leuchtenden Flusses unter der Weite des freien Sommerhimmels erleven mögest. Vielleicht hörst dann auch du das Klingen himmlischer Musik in den Lüften, und begegnet dir, so wie mir in meinem Kahn, das Gesicht des großen weiblichen Sternes I5 Liang und des Kaisers Ming Wong, der ihn befungen hat!... vielleicht!... Sahst du heute den Mond? Walter Meckauer. Autorse. Uebersetzung aus dem Amerikanischen von Certrad vos Hollander. 571 Gebrüder Enoch Verlag. Hamburg. „Komm, Parthy, was geschehen ist, ist geschehen. Warum willst du denn nicht ein einziges Mal in deinem Leben versuchen, eine Sache zum Guten zu kehren, statt zum Schlechten? Magnolia ist glücklich mit ihm.“ „Sie lebt ja auch noch nicht lange mit ihm zusammen. Denke an meine Worte. Der Kerl sieht hinter jeder Frau her.“ „Komisch, Parthy. Dein Vater war ein Mann, dein Gatte ist auch einer und dein Schwiegersohn ebenfalls. Trotzdem scheint dir niemals klar geworden zu sein, wie die Männer eigentlich sind.“ Andy mochte Ravenal gern. Der Bursche hatte so viel Charme, Gelassenheit und Eleganz, daß er Andy, dem ästhetischen Abkömmling' der gallischen Rasse, sympathisch war. Wenn sich die beiden Männer gelegentlich nach Tisch unterhielten, so geschah es liebenswin dig, leise und in der angenehmsten Weise. Zwei Gentlemen, von denen jeder an der Gesellschaft des anderen Freude hatte. Zwischen den beiden existierte ein vernünftiges Gefühl von Achtung und Sympathie. Ravenals Beliebtheit auf den Flüssen war wirklich fabelhaft. Andy zahlte ihm ein Gehalt, wie es sonst auf Theaterschiffen bestimmt nicht wieder vorkam. Aber Ravenal wai es ihm wert. Bald nach Kims Geburt sprach Andy davon, Ravenal zum Teithaber an der Baumwollblüte zu machen. Dagegen aber setzte sich Frau Hawks mit so viel Erbitterung zur Wehr, daß Andy, wenigstens für den Augenblick, die Idee aufgab. Magnolia hatte gelernt, die müßigen Wintermonate zu fürchten. Vor Magnolias Heirat war die Familie Hawks während dieser jährlich wiederkehrenden Winterschlafes der Baumwollblüte in ihr Haus nach Thebes zurückgekehrt. Manchmal hatte Andy seine Frau förmlich angefleht, diese Wintermonate im Süden zu verbringen und das rauhe illinesische Klima, wenigstens einen Teit der Zeit, gegen Neu Orleans oder eine andere Stadt am südlichen Mississippi zu vertauschen, wo man Weihnachten Rosen hat statt Stechpalmen. Manchmal beneidete er tatsächlich Jo und Queenie um ihre Ferien. Trotz des wenig reputablen Zustandes, in dem sie jedesmal im Frühling auf die Baumwollblüte zurückkehrten, machten sie ganz den Eindruck, als hätten sie die dazwischenliegenden Monate aufs angenehmste verbracht. Er sah sie förmlich unter Weinranken im Halbschatten sitzen: Insekten summten in der Luft, es roch betäubend nach den weißen Blüten, und sie aßen Früchte, daß ihnen der Saft durch die Finger tropfte. Mit offenem Munde schliefen sie tiefzufrieden den ganzen heißen südlichen Mittag hindurch; schmatzten zum Abendessen gewaltige Portionen von gebackenem Fisch und Maisbrot, und sahen zu, wie der Mand aufging, begleitet von Jos schmelzenden Liedern auf dem Banjo. „Wir sollten im Winter etwas mehr faulenzen“, sagte Andy zu seiner energischen Ehehälfte. Sie brachte vermutlich gerade das Haus in Thebes in Ordnung, nach ihrer langen Abwesenheit. Sie klopfte Kissen, staubte Teppiche ab, wusch Eimer aus, scheuerte Tische, hängte frische Vorhänge auf, säuberte Portieren und riß Schubladen auf und zu. Mit einem turbanartig um den Kopf gewundenen Handtuch und hochgesteckten Röcken warf sie sich mit so viel Leidenschaft in ihren über alles geliebten Hausfrauenberuf, bis Andy verschüchtert allen Wischlappen, Besen und Eimern aus dem Weg ging und bei guten Bekannten Trost suchte. „Faulenzen! Ich habe vom Faulenzen erst mal ganz genug. Was haben wir denn auf deinem Schiff den ganzen Somier über sonst gemacht? Ich verzichte auf den Süden, danke vielmals. Acht Monate lauter Fliegen und Nigger und unordentliche Schmutzfinken genügen mir, Kapitän Hawks. Ich bin dankbar, wenn ich mal ein paar Wochen hierher komme, wo ich wie eine anständige weiße Frau leben kann.“ Poch! Bumm! Krach! Nach einem kurzen Versuch von ein paar qualvollen Tagen mußte Magnotia feststellen, daß Gaylord Ravenal in ihrem Haus in Thedes unmöglich bleiben konnte. So verbrachten sie den ersten Winter nach ihrer Heirat in verschiedenen größeren und kleineren Städten. Sie waren kurze Zeit in Memphis. Nach einer ziemlich überstürzten Abreise ging es nach St. Louis und Chikago. Der flüchtige Eindruck, den sie von Chikago bekam, entsetzte sie, ohne daß sie es sich eingestand. „Du wirst dich drau gewöhnen“, sagte Ravenal, der Großstädter, etwas gönnerhaft zu seiner jungen Frau.„Hab' nur keine Angst. Es ist meistens nur Lärm.“ „Ich habe wirklich keine Angst. Es ist nur so ein ganz anderer Lärm, als ich ihn gewöhnt bin. Wie ruhig war es dagegen auf den Flüssen. Nachts und morgens.“ In diesem Winter erlebte sie, was es heißt, einen Spieler zum Mann zu haben. Magere und fette Zeiten wechselten einander lustig ab. Heute Schildkrötensuppe und Hummer im Hotel Palmer. Morgen Spiegeleier und Schinken in einem obskuren Speisehaus. Gegen Mittag standen sie auf. Sie gingen nie vor 3 oder 4 Uhr morgens zu Bett. Gay schien eine Menge Leute zu kennen, machte aber nur wenige davon mit seiner Frau bekannt. „Ein Geschäftsfreund“, sagte er.„Du würdest dir nicht viel aus ihm machen.“ Ihr Leben auf dem Theaterschiff war phantasuisch genug gewesen. Trotzdem hatte dort stets eine gewisse Ordnung und Regelmäßigkeit geherrscht, die wahrscheinlich Parthy Ann Hawks strenger Zuchtrute zuzuschreiben war. Bei aller Gemächlichkeit hatten die Tage auf dem Fluß doch etwas Geregeltes an sich. Frühstück um neun. Prove. Promenadenkonzert. Essen um vier. Anziehen, Vorhang. Es gab Kostüme zu flicken oder aufzufrischen, Rollen einzustudieren und neue Lieder fürs Konzert zu lernen. Diese neue Existenz dagegen schien ohne jeden Zweck und ohne Ziel. Ravenal war ein ganz anderer als der Liebhaber und Gatte auf der Baumwollblüte. Abwechselnd gesprächig und verschlossen, bald übermütig, bald deprimiert und sehr oft mit seinen Gedanken woanders. Gegen sie war er stets zärtlich, höflich und rücksichtsvoll. Er liebte sie so tief, wie er überhaupt nur lieben konnte. Das wußte sie. Das mußte sie sich auch an dem Abend sagen, als sie fertig angezogen in ihrem Hotelzimmer auf ihn wartete. Er hatte sie zum Essen und ins Theater eingeladen. Sie wollten in MeVickers Theater gehen, dessen Zuschauerraum soeben sunkelnagelneu aus der Asche des alten entstanden war(wie es in der Ankündigung des Besitzers so schön hieß). Ravenal merkte zu seinem Staunen, wie wenig Magnolia von den großen Buhnennamen wußte. Er hatte ihr einiges aus der Chikagoer Theatergeschichte erzählt. Er schien für diese ungeschlachte Riesenstadt viel übrig zu haben und war aus lauter Stolz darauf ungewöhnlich gesprächig. „Wen du zu MeVickers gehst“, sagte Ravenal,„so kommst du in das Theater, wo Booth gespielt hat und Sothern und Lotta und Kean und Frau Siddons.“ „Wer ist das?“ erkundigte sich Magnolia. (Fortsetzung folgt.) „Der Räcker der Moral“ Ein amerikanischer Falt„Kürten“ euyork, 19. Juni.(Eigene Meldung.) Im Stadtteil Qucen veranstalteten gestern 2500 Polizisten eine Razzia. Die Einwohner wurden durch einen offenbar geistig gestörten Mann beunruhigt, der Mordanschläge auf Liebespaare unternimmt. Er schleich“ sich an parkende Autos heran, in Amerika bekanntlich oft der Zufluchtsort für Liebende, und streckt den Mann durch einen Revolverschuß nieder. Bisher sind zwei verartige Mordfälle zu verzeichnen. Ganz wie der Düsseldorfer Mörder bombardierte der Urheber der Verbrechen, der sich als„Rächer der Moral“ unterschreibt, die Polizei mit Briefen, in denen er sich seiner Taten rühmt und gleichzeitig ankündigt, er beabsichtige noch 14 weitere Taten dieser Art zu begehen, ja, er geht soweit, Ort und Stunde des nächsten Mordes anzugeben. Die polizeiliche Massenrazzia, die, wie eingangs berichtet, in dieser Angelegenheit unternommen wurde, hat recht ungewöhnliche, ja groteske Formen angenommen. Man verteilte Liebespaare. in Wirklichkeit waren es Polizisten in Zivil und weibliche Polizeidamen, in mehreren 100 Autos in den betroffenen Bezirken. Der Mörder hat sich jedoch an keine dieser Polizeifallen herangewagt. Dagegen war die Sache ruchbar geworden und es strömten tausende von Neugierigen durch die Straßen des schon ziemlich verlassenen Stadtteiles. Das einzige Ergebnis der Rieseurazzia, das im Durchschnitt nicht ganz dem Ernst der Sache entsprach, war die Verhaftung zweier verdächtiger Spaziergänger. Gaserplosion in Rußland 35 Becgkeute ums Leben gekommen Moskau, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Auf der Grube Maria bei Artemowsk in der Ukraine ereignet sich gestern eine schwere Gasexplosion, bei der 35 Bergleute ums Leben kamen. Familientragödie- Drei Tote Chemnitz, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Die Familie eines Grünwarenhausierers wurde heute vormittag in ihrer Wohnung mit Gas verhiftet tot ausgefunden. Es handelt sich um die Ehefrau, die 20jährige Tochter und den 17 Jahre alten Sohn. Angeblich ist der Grund zur Tat in sehr schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen zu suchen. Es wird vermutet, daß die Kinder von den Absichten der Mutter nichts wußten. Bei der Auffindung gab die Tochter noch schwache Lebenszeichen von sich, verschied aber alsbald, ohne zum Bewußtsein gekommen zu sein. Beginn des Prenzlauer Gattenmordprozesses Prenzlau, 19. Juni.(Eigene Meldung.) Unter starkem Andrang des Publikums begann der Prozeß gegen den Zahnarzt Dr. Guttmann aus Schwedt, der, wie bekannt, des Mordes an seiner zweiten Frau und zugleich der Urkundenfälschung und des Betruges angeklagt ist. Den Vorsitz der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Achilles. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Hart. Die Verteidigung liegt in den Händen des Berliner Anwalts Dr. Frey.— Zunächst schilderte der Angeklagte seinen bisherigen Lebenslauf von frühester Jugend an. 10 Jahre Zuchthaus im Erfurter Gistmordprozeß Erfurt, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Im Giftmordprozeß gegen die 20jährige Hausangestellte Martha Nelkel wurde nach 15stünriger Verhandlung in der Nacht zu heute das Urteil gefällt. Sie wurde wegen Giftbeibringung mit Todeserfolg zu zehn Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Eyrverlust verurteilt.— Das Mädchen hatte im Januar 1930 das 1¾ Jahr alte Söhnchen des Kaufmanns Schippel mit Lysol vergiftet, um sich an der Kaufmannsfrau wegen ihrer Entlassung zu rächen. Beim Graben eines Brunnenschachtes getötet Karlsruhe, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Beim Graben eines Brunnenschachtes wurden ein Landwirt aus Knielingen und sein Sohn durch ausströmende giftige Gase getötet. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Drei sunge Leute ertrunken? Malchow, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Drei junge Leute sind hier seit Sonnabend spurlos verschwunden. Sie hatten sich ein Ruderboot geliehen und waren damit auf den Plauer=See, trotz stürmischen Wetters und bewegten Wassers hinausgefahren. Man vermutet, daß die jungen Leute den Tod in den Wellen gefunden haben. Alle Nachforschungen nach den Vermißten waren bisher vergeblich. Schmeling als Weltmeister anerkannt Neunork. 19. Juni.(Drahtmeldung.) Die New York State Athletic Commission, die zuständige staatliche Sportbehörde, hat in ihrer heutigen Sitzung Schmeling als Weltmeister der Schwergewichtsklasse anerkannt. Todesurteil wegen Vatermordes Stuttgart, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Der Landwirt Julius Zell aus Zweiselsberg, Gemeinde Oberdorf, Oberamt Biberach, ist wegen der Ermordung seines Vaters durch Urteil des Schwurgerichtes Ravensburg zum Tode verurteilt worden. Der Staatspräsident hat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht. Automobilunglück in u. C. A. Fünf Tote. Chilton(Wisconsin), 18. Juni.(Drahtmeldung.) Bei einem Zusammenstoß zweier Automobile wurden fünf Personen getötet und eine lebensgefährlich verletzt. Die Insassen des einen Wagens befanden sich auf der Heimfahrt von einer Hochzeitsfeier. Um die Idee und Förderung des Weltraumfluges in die breite Oeffentlichkeit zu tragen, wird gegenwärtig in einem Berliner Warenhaus die demnächst zum Abschluß gelangende Weltraumrakete des Prof. Oberth ausgestellt. Die Oberthsche Versuchsrakete in ihrem Abschußgestell in einem Berliner Warenhaus Absturz zweier Militärflugzeuge Zwei Tote. Warschau, 19. Juni.(Drahtmeldung.) In der Nähe des großen polnischen Militärflugplatzes Demblin, sind gestern mittag in Abständen von fünf Minuten zwei polnische Militärflugzeuge abgestürzt. Die beiden Flugzeugführer wurden getötet. Zwei Beobachter schwer verletzt. Die Flugzeuge sind zertrümmert. Autounfall Zwei Tote. Paris, 19. Juni.(Drahtmeldung.) In der Nähe von Tarbes fuhr ein Rundreiseauto, über das der Chauffeur die Gewalt verloren hatte, gegen die Chausseeböschung. Zwei Reisende wurden getötet, zwei andere zum Teil schwer verletzt. Die Spionagealläre in Rinden Jeilgeständnis der Verkalteten? Minden, 19. Juni. Die Untersuchung des wegen Spionageverdachtes verhafteten Obermusikmeisters Adam und seine Frau, die vom Staatsanwalt in Verbindung mit dem Wehrkreiskomnundo und den Beamten der Spionageabwehr Koblenz im Mindener Gerichtsgefängnis geführt wird, dauert an. In die Spio:geangelegenheit scheinen außer dem Ehepaar a, noch andere Personen verwickelt zu sein. Wie lange die Verfehlungen Adams zurückliegen, läßt sich noch nicht genau feststellen. Von einem der Ehegatten soll jedoch bereits der Empfang von i k. 12000 und von einem anderen sogar eines Betrages von R M. 20000 zugegeben worden sein, so daß daraus zu schließen ist, daß die Verfehlungen längere Zeit zurückliegen. Bereits vor zwei Jahren soll ein Chiffreschlüssel bei dem 6. Preuß. Artilleriere= giment verschwunden sein. Der Schlüssel wurde so####t gesperet und der zuständige Hauptmann aus Minden versetzt. Verdächtigte man damals untergeordnete Personen, so lenkte sich jetzt der Verdacht naturgemäß auf Obermusikmeister Adam. Verstärkt wird diese Ansicht noch dadurch, daß sich seit ungefähr zwei Jahren die finanzielle Lage des Ehepaares wesentlich besserte, was man seinerzeit mit einer Erbschaft in Verbindung brachte. Allerdings spricht dagegen, daß Adam auch jetzt noch stark verschuldet ist und gezwungen war, viel mit Wechseln zu arbeiten, was bekanntlich Soldaten verboten ist. Adam erhielt ein Gehalt von RM. 4000 im Jahre, außerdem einen Wohnungszuschuß, und durch die Gastspiele der beliebten Kapelle hatte er reichlich Nebeneinnahmen. Frau Adam entschuldigte ihre Reisen nach Lothringen von wo aus sie das Material ins Ausland weiterleitete, regelmäßig damit, daß sie angab, ihre Verwandten in Lothringen besucht zu haben. Obermusikmeister Adam diente während des Krieges bei dem Feldartillerieregiment Nr. S in Brandenburg an der Havel. Im Jahre 1921 wurde er als Musikmeister vom Reichswehrartillerieregiment Nr. 6 nach Minden versetzt, wo er bald zum Obermusikmeister der 2. Abteilung avancierte. Roman von Frank Aenau 16)(Fortsetzung.) „Nee, das wohl nicht,'s ist mehr die Ahnung, na und dann weil er mal verliebte Blicke sieht. Der Olle hat mir feste eingeheizt,— wenn der Kommerzienrat mal scharf wird, tut er es gründlich. Er hat gesagt, wenn ich nicht von dir lasse, fliege ich raus. Und— wenn der das sagt, gilt es.“— Er steckte sich eine Zigarette an, dann setzte er seine Worte verbissen aneinander:„Unsereinem dürfen die ja alle tun, was sie wollen. Unsereiner hat's Maul zu halten. Schluß. Aber bei mir nicht, Herr Kommerzienrat!“ Else sah ihn ängstlich an. „Lutz, weißt du, eigentlich ist es ja Unrecht, was wir tun. Wenn ich bedenke, mein Vater ist schon so dagegen— jetzt auch noch der Kommerzienrat— wenn es nun herauskommt, ist alles verloren! Und dann— jetzt muß ich dir es ja sagen— was soll dabei werden! Eines Tages schmeißt er dich raus— und wenn nicht, dann kommt eben eine andere zu dir— wie früher Es war ihm sichtlich unangenehm, was sie da sagte. Er küßte sie schnell und heftig: „Quatsch, dummes Ding! Jetzt sind wir beisammen, was schert dich, was früher war!“ Sie entwand sich ihm: „Und— was wird später sein?!“ Er zog sie wieder an sich: „Findet sich schon, kommt Zeit, kommt Rat, wer wird sich immer nur mit der Zukunft vertrödeln!“ Sie sing zu weinen an: „Du hast leicht reden, du bist ein Mann. Aber ich——! Und dann hab ich niemand—— Und heiraten wirst du mich auch nicht!“ Die Sache wurde ihm sehr peinlich. Er suchte einen Ausweg: „Else, so flenn doch nich! Lieb haben wir uns beide, alles Weitere findet sich. Heiraten? Warum denn nicht! Aber wie denn— wie soll ich es denn anfangen? Das mußt du doch selbst sagen, daß ich es jetzt nicht kann, womit denn sollt ich's können,— und wer weiß wie es später wird,— ich wollte ja schon,— aber ich kann doch nichts aufs Ungewisse hin versprechen—— Nu wein man bloß nich, es wird schon alles gut werden, Hauptsache ist und bleibt, daß wir uns lieb hab'n! Und— na, wir haben uns doch lieb! Nich— Elseken?" Sie ließ sich langsam von Worten und Küssen zudecken.—— Schritte kamen die Treppe herauf. Lutz Fink riß sich los, wollte zur Türe springen, sie schließen,— aber der alte Merten war bereits über die Schwelle getreten. Lutz stellte sich vor Else. Der alte Mann schob ihn zur Seite, ging dicht vor seine Tochter, starrte sie lange an, spuckte aus. „Das also bist du geworden, Dreckschlampen! Läßt dich mit dem Kerl von lausigem Hund ein——“ Lutz Fink rührte an die Schulter des Alten: „Mir können Sie ja nich beleidigen, oller Mann! Aber etwas mehr Vorsicht rate ich Ihnen doch! Wenn mir die Geduld reißt—“ Merten schien ihn nicht zu sehen: „Das muß mir zustoßen mit meinem Kind!“—— Dann, sich umwendend, als erblickte er Fink erst jetzt:„Sie haben das dumme Ding da ja nun soweit gebracht— Sie Lump, Sie! Ich bin ein alter Mann— wäre ich noch jünger, ich haute Ihnen die Jacke voll!“ Fink räusperte sich: „Was is denn nu schon geschehen?! Was tausendmal und millionenmal passiert, na was denn sonst, vielleicht sind Sie ein Unschuldsengel gewesen, wo Sie jung waren!“ Merten sagte nur leise: „Ein anständiges Mädel habe ich nie verführt, eine nur, und Muttern habe ich ja geheiratet. Zu meiner Zeit hat man da Unterschiede gemacht und das Mensch von der Adresse genommen, und nicht ordentliche Töchter—“. Er wurde plotzlich ganz laut:„Aber das sage ich Ihnen, der Kommerzienrat schmeißt Sic heute noch raus! Versprochen hat er es mir und er hält Wort!“ Fink stieß einen Stuhl weg: „Wenn schon! Große Töne soll der Olle nicht reden, sonst fliegt ihm was an den Kopp! Na und dann— bei feinen Leuten ist es wohl. sauberer, meinen Sie wohl, Herr Merten! Na, ich danke! Wenn die gnädige Frau, die Kommerzienrätin, heute nach der Geburtsklinik gefahren und dort geblieben ist, so wird das auch seine Gründe haben——“ Der alte Merten blickte den Chauffeur groß an: „Die Gnädige— in die Geburtsklinik? Soll das wahr sein? Da wird's also nach so viel Jahren doch noch—“ Lutz Fink brach in schallendes Gelächter aus: „Den Deibel wird's! Aber— det verstehen Sie doch nich!“ — Er machte eine wegwersende Handbewegung. Er wußte nichts Genaues,— aber manches ahnte er doch: er kannte die gnädige Frau, er schnappte mal da, mal dort ein Wort auf,— kombinierte,— Instinkt und Klatsch vermengten sich, glaubte jedenfalls nicht an die Geburtsklinik, sondern mehr an das— Gegenteil.—— Der alte Merten wußte nichts mit den Andeutungen anzufangen. Er schritt nach der Türe, öffnete sie und sagte zu Else: „Los, mach daß du rauskommst.“ Das Mädchen stand auf, er ließ sie vorangehen, sagte dem Chaufseur noch ein kräftiges„Pfui Deibel!“ und ging dann hinaus. Lutz Fink schluckte alles mit etwas Schnaps hinunter. Er wußte: mit der Stellung hier war es vorbei. Aber er wußte auch: mit diesem bildsauberen Mädchen nicht. Und darüber freute er sich.—— Wortlos ging Merten mit seinem Mädel. Else dachte nur: da führe ich ihm den Haushalt, schaffe und schufte,— und das wenig Freude nimmt er mir auch noch. Sie war verbittert.— — Merten sah seine Tochter von der Seite an. Er dachte: da robotet man Jahr und Tag für das Kind, und hat dann diesen Dank!... Nach einer Weile, in der Stube, sagte er:„Ein Segen für Mutter, daß sie tot ist und das nicht erleben mußte.“ Als Lutz Fink tags darauf morgens zum Kommerzienrat befohlen wurde, wußte er, was das zu bedeuten hatte; überdies steckte es ihm Sophie in aller Eile zu: der alte Merten war beim Hausherrn gewesen.— „Fink“— sagte der Kommerzienrat, ruhig, ernst, mit beinahe bedauernder Stimme,—„ich hatte Sie nachdrücklich gewarnt. Sie haben nicht gehört. So sehr ich Sie als zuverlässigen Fahrer entbehren werde,— so wenig man guten Ersatz findet, — ich muß Sie entlassen. Ohne Disziplin gebt es eben nicht ab in der Welt. Sie verlassen Ihren Posten sosort.“ (Fortsetzung folgt.) Sonder-Angebot! Halb-Daunen 550 Dreiviertel-Daunen ½25 für Oberbellen u. Kissen Mk. 5.00, 4.50 □ fürleinste Aussleuerbeiten Mk. 8. 50, 7 50 □ Bettiedern- Importhaus u. Hersteiln Gelsenkirchen& Größtes Bettfedern-Lager am Platze a Vereinsstr. 21 Mrr-isthnlchlng Schte Miele Daschmaschinen zu Original-Fabrikpreisen R. s. Waschmaschlinen zu 39.50 H. S. Wassermotore m 34.00 Alles auf bequeme Tellzahlung Hans Siem Bahnhofstraße 18 allgem. Ortskrankenkasse Gelsenkirchen Die Mitglieder des Ausschusses werden hier mit zu einer Ausschuß- Sitzung für den 30. Juni 1930. abends 8 Uhr in das Hotel Hans-Sachs eingeladen. Tagesordnung: 1. Abnahme der jahresrechnung. 2. Aenderung der Kassensalzung. 3. Verschiedenes. Der Vorsitzende des Kassenvorstandes Chemnitz. 8* Frauen und Brautleute! Vergessen Sie nicht, daß, falls der Käufer unserer Möbel stirbt, Sie keine weiteren Zahlungen an uns zu leisten haben. Die Möbel gehören in diesem Falle Ihnen. Deshalb sorgen Sie in Ihrem eigenem Interesse daß Ihre Möbel bei uns gekauft werden. Wir liefern Ihnen Möbel aller Art gegen ein Ziel von 24 bis 30 Monate bei geringer Anzahlung. Täglich Eingang neuer Modelle. Möbelhaus l. Spottheim Gelsenkirchen s Arminstraße 13 Das richtige Möbelhaus für Siel Kommt und überzeugt Euchl GELSENKIRCHEN-BUER Achtung, Freigewerkschaftler! Die SPD. veranstaltet morgen. Samstag, auf dem Gelände an der Hafenschenke ein Sonnenwendfest. Um in dieser wirtschaftlich schweren Zeit auch den Bedürftigen einige genußreiche, erhebende Stunden zu verschaffen, ist der Festbeitrag auf 20 Rpf. festgesetzt. Dieses Fest muß eine wuchtige Demonstration der gesamten sozialistisch denkenden Bevölkerung sein. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften sind freundlichst hierzu eingeladen. Der Abmarsch mit roten Fahnen und guter Marschmusik erfolgt für Gelsenkirchen um 20 Uhr von der Wiese, für Buer um 20 Uhr vom Volkshaus, für Horst um 20 Uhr vom Marktplatz. Achtung, Arbeitersportler! Beteiliat euch geschlossen in eurer Sportkleidung an der Feier des Sonnenwendfestes der SPD. Der Abmarsch erfolgt für Gelenkirchen um 20 Uhr von der Wiese, für Buer um 20 Uhr vom Volkshaus, für Horst um 20 Uhr vom Marktplatz. SPD., Ortsgruppe Buer=Beckhausen. Zu der am Samstag stattfindenden Sonnenwendfeier treffen wir uns um 20 Uhr an der Verkaufsstelle des Konsumvereins„Eintracht" in Sutum. SPD., Ortsgruppe Buer=Hassel. Zu der am Samstag, dem 21. dieses Monats, stattfindenden Sonnenwendseier treffen sich säritliche Parteimitglieder, Gewerkschaftler und Sportgenossen um 19 Uhr im Zechengasthaus zum Abmarsch nach dem Volkshaus in Buer. Von Buer marschieren wir geschlossen mit Musik zur Hafenschente. Ortsgruppe Bülse. Zu der am riorgigen Abeno, stattfindenden Sonnenwendfeier treffen sich sämtliche Parteimitglieder um 19.45 Uhr am Volkshaus in Buer zum gemeinsamen Abmarsch zur Hafenschenke. ap; PD. Erle 1.4 Zur Teilnahme an der Sonnenwendseier treffen sich sämtliche Parteimitglieder und Freunde am morgigen Abend im Lokale Grünewald. Von hier aus um 20 Uhr Abmarsch zur Hasenschenke. Ortsgruppe Horst 1. und 2. Die Mitglieder der SPD. der Filialen 1 und 2, sowie sämtliche Teilnehmer, die an der Sonnenwendfeier der teilzunehmen gedenken, sammeln sich am morgigen Abend 19.45 Uhr, auf dem Marktplatz Horst Nord. Der Abmarsch erfolgt pünktlich um 20.05 Uhr. SPD., Ortsgruppe Altstadt. Zur Teilnahme an der Sonnenwendfeier treffen wir uns am Samstag, dem 21. dieses Monats, 20 Uhr, an der Wiese. Ortsgruppe Buer=Resse. Zu der am Samstag, dem 21. dieses Monats, stattfindenden Sonnenwendseier treffen sich die Parteimitglieder und Gewerkschaftler um 20 Uhr an der Wirtschaft Brinkmann, Ahornstraße. Von hier aus Abmarsch zur-Hasenschenke. VERANSTALTUNGEN UND VEREINE REICHSBANNER SCHWARZ-ROT-GOLD Ortsgruppe Gelsenkirchen. Otto Hörsing in Bochum. Am Samstag, dem 21. Juni, 19.30 Uhr, spricht im Schützenhof zu Bochum der Bundesführer des Reichsbanners, Kamerad Otto Hörsing. Ortsgruppe Buer. Zur Kreisveranstaltung nach Horst 22. J steht die genannte uni 1930, Punkt 14 Uhr, Deutsche Friedegesellschaft. (Bund der Kriegsgegner.) Heute. 20 Uhr, hält die Ortsgruppe Gelsenkirchen der Deutschen Friedensgesellschaft im Metallarbeiterheim, Augustastraße 18, eine Versammlung ab, in der Kapitänleutnant a. D. Heinz Kraschutzki das Thema:„Arbeitslosigkeit und Zölle handeln wird. Um jedem Gelegenheit zu geben, einen aktuellen Vortrag in leicht verständlichen Worten zu hören, wird kein Eintrittsgeld erhoben, und ist jedermann herzlich eingeladen. Ortsgruppe am Sonntag, dem am Volkshaus Buer marschfertig. Ortsgruppe Buer. Kameradschaft Erle: Antreten 1.30 Uhr bei Grünewald. Kameradschaft Mitte und passel: 2 Uhr am Volkshaus. Spielmannszug. Mittwoch. 19.30 Uhr, in der Lessingschule: Probe. Flöter werden eingestellt. Ortsgruppe Horst. Antreten 2 Uhr am Gesellenhaus. Zur Kreisveranstaltung in Horst treten die Kameradschaften der Ortsgruppen Gelsenkirchens wie folgt an:— ***“ 1: 12.45 Uhr bei Serres. 2: 1 Uhr bei Prellwitz. 3: 12.45 Uhr bei Paul. 4: 1 Uhr bei Kuhlmann. 5: 2 Uhr bei Fischer. 6: 1.15 Uhr bei Vogel. 7: 1 Uhr bei Weskamp. 8: 1 Uhr bei Gebring. 9: 1 Uhr bei Vollmer. 10: 1 Uhr bei Bahrfeld. Kameradschaft 11: 12.45 Uhr bei Nachbarschulte. Spielleute und Musiker bei den Kameradschaften. Kameraden! Trotz Not seid aktiv! Tretet an! wir da sind, trotz Hetze, Lüge und Verleumdung! Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaft Kameradschaf 9 Der Völkerbund der Jechnik Köpfe von der Weltkrastkonlerenz Im festlich geschmückten Saal der Berliner Kroll=Oper am Platz der Republik sind die Wissenschaftler aus 48 europäischen und außereuropäischen Staaten zusammengekommen, um die vielseitigen Probleme der Energieverteilung und=verwendung zu diskutieren. Sachverständige aus aller Welt werden ihr Material, das Ergebnis eingehender Studien und fachlicher Untersuchungen einem Gremium von Experten unterbreiten, die die Ergebnisse dieser Prüfung wiederum der ganzen Welt nutzbar machen wollen. Es ist eine Art technischer Völkerbund, der sich am Platz der Republik versammelt hat. Alle Sprachen sind vertreten, alle Völker haben ihre Vertreter geschickt, neben dem englischen Lord sitzt der indische Professor, neben dem Franzosen der deutsche Wissenschaftler, und wie ein Symbol dieser Verbrüderung der Sachlichkeit grüßen vom hohen Rang des schönen hellen Krollsaales die Banner von 48 Staaten. Das Panorama der Rassen. Es ist wirklich Auslese, die sich bei Kroll zur Weltkraftkonferenz versammelt hat. Psychologische Studien der Temperamente kann man da ebenso machen, wie interessante physiognomische Vergleiche zwischen den einzelnen, hier vertretenen Rassen ziehen. Aber wer sich auf reteorische Genüsse gefaßt macht, wird wenig auf seine Kosten kommen. Diese Männer der Forschung lieben keine Umschweise, sie reden kurz, bestimmt, hart und sachlich. Zahlen schwirren durch die Luft, komplizierte Vergleiche werden gezogen, Analysen angestellt und alles hört zu mit einer Spannung, wie sie dem gewandtesten Dialektiker sonst kaum zuteil wird. Der verkannte Reichspräsident. Greifen wir aus der Fülle der markanten Erscheinungen, die diesen Kongreß bevölkern, ein paar Menschen ganz verschiedener Art heraus. Jeder hat etwas Symptomatisches, etwas, was ihn mit unfehlbarer Sicherheit aus dem Kreis der andern heraushebt. Da sei zuerst Oskar von Miller genannt, der Direktor des Münchener Deutschen Museums, der Ehrenpräsident des Weltkraftkongresses.-Der weiße Bart gibt Miller etwas Patriarchalisches und, wenn er durch den Saal schreitet, da und dort Hände schüttelt und mit fast jugendlichem Temperament mit den Delegierten irgend ein aktuelles Thema bespricht, so sieht er fast wie eine biblische Erscheinung im Meer der Moderne aus. Einem indischen Delegierten passierte ein kleines Mißverständnis. Er hielt Herrn von Miller für den Reichspräsidenten Hindenburg und sprach ihn als solchen an.„Ein Irrtum, lieber Freund“, soll der Münchener lächelnd geantwortet haben,„aber er ehrt mich——“. Höflichkeit ist eine Zierde im Verkehr der Völker untereinander. Englisches Vollblut. Lord Derby, der geschäftsführende Präsident der Weltkraftkonserenz, sieht eigentlich nicht so aus, wie man sich einen smarten Engländer im allgemeinen vorzustellen pflegt. Er hat ein breites, beinahe etwas klobiges Gesicht, einen dichten Oberlippenbart, eine elastisch=energische Art, die den trainierten Vollblutzüchter verrät und breite einladende Gesten. Lord Derby ist Grundbesitzer und der bekannteste Pferdezuchter in ganz Großbritannien. Alles in allem sieht er wie ein leise veredelter Ostelbier aus. Nur die Sprache verrät eine erhebliche Kultur, mit der ja im allgemeinen unsre Ostelbier nun gerade nicht aufzuwarten pflegen. Insull, Edisons erster Mann. Samuel Insull, der engste Mitarbeiter Edisons, und Präsident der Edison=Gesellschaften, ein weißhaariger, etwas bedachtiger Mann mit einem gütigen Blick hinter einem scharfen Kneiser, der weniger wie ein Gelehrter als ein situierter Rentier aussieht. Wenn er spricht und dabei in einem leisen, etwas singenden Tonfall seine Sätze gleichsam streichelnd illustriert, könnte man ihn für einen leichtversonnenen Philosophen halten. der den Problemen des Tages mit Vorbedacht aus dem Wege geht. Nur wenn man auf seinen Freund und Arbeitsgefährten Edison zu sprechen kommt, wird er temperamentvoll. Dann bekommt das bedächtig=sinnende Auge einen enthusiastischen Zug, die Sprache wird schneller und energischer, man merkt, es geht nicht nur um Edison, es geht auch um seine Sache. Albert Einstein. Höhepnnkt der Veranstaltung: Professor Albert Einstein, der berühmte Physiker spricht. Ihm zuzuhören und ihn zu beobachten, wenn er, ganz ohne dialektische Floskeln, mit der Abgeklärtheit des reinen Wissenschaftlers sein Referat über„Raum, Aether und Feld in der Physik“ hält, ist ein Genuß. Der eindringlich und wuchtig gemeißelte Kopf mit dem schütteren Haar, das die sein modellierte Stirn frei gibt, ist ein wenig nach vorn gebeugt, die schmalen, blutvollen Hände streicheln über das Manuskript, die hellen schimmernden Augen auf den Pultdeckel gerichtet, während eine sanfte, gut akzuentierte Stimme mathematisch=physikalische Details behandelt. Dieser große Gelehrte ist kein Poseur, es fehlt ihm jede landläufige Art, sich krampfhaft Geltung zu verschaffen. Die sympatische Bescheidenheit, ja, fast Schüchternheit des Mannes, dem der Schreibtisch die Welt bedeutet. Während seines großen Vortrags steht er, bestimmt gegen seinen Geschmack, stets im Scheinwerferlicht der knipshungrigen Photographen, bis schließlich ein Proteststurm der Versammlung dieses Lebenslicht der Kamera ausbläst. Herr Li spricht deutsch. Aus der vollendeten deutschen Sprache Dr. Li's aus Nanhing sind drei Worte besonders perfekt— sofort erklärt er nämlich im besten Berlinisch, daß er sich in Deutschland„wie bei Muttern“ fühle.„Ich will“, teilt er mit,„nachdem ich das neue China auf der Weltkraftkonferenz vertreten habe, anschließend auf mehreren Reisen durch Deutschland die Arbeitsbedingungen in der Brennstofswirtschaft, in der Textil=, der Kunstseidenindusteis und in der Landwirtschaft kennen lernen. Denn ich habe gesehen, daß der Wille, vorwärtszukommen, heute von viel größerem Erfolg begleitet ist, als bei meinem letzten Besuch vor dem Krieg. Ich habe mir einen deutschen Vornamen zugelegt, denn ich liebe Deutschland— ich habe hier schon als junger Student viel gelernt, was mir später mehr genutzt hat, als manches andere Wissen, und deshalb trete ich auch in meiner Heimat besonders tatkräftig dafür ein, daß chinesische Studenten anstatt in Amerika in Deutschland die Hochschulen besuchen— und vor allem: die deutsche Arbeiterbewegung kennen lernen!“. Wenn Dr. Li am Ende des Interviews versichert, daß er im Ausbau solcher Beziehungen große Vorteile für China sieht, so war das weit mehr als— chinesische Höflichkeit! Der„Ferne Osten“ ist nicht mehr fern! Die Männer der Regierung. Herr Brüning, des Reiches Bürgerblockkanzler, spricht. Bedachtig, etwas verkniffen, intelligent, liebenswürdig und unverbindlich. Bei diesem Redner wird man nicht warm, alles was er sagt und wie er es sagt, ist offizios, kuhl, distanciert. Dabei spart er nicht mit Anerkennung, macht Komplimente, über sich in Honneurs. Was man vermißt, ist eine gewisse Dosis natürlich=zugreisender Menschlichkeit. Einen Satz muß man festhalten, weil er ganz nüchtern den Wert und die Aufgaben der Weltkraftkonferenz umreißt:„Die Fortschritte Ihrer Arbeit zeigen der Volkswirtschaft und dem Staatsmanne Wege zur Genkung der Produktionskosten.“ Außenminister Curtius ist der vollkommene Gegensatz zum schweigsam=berechnenden, asketischen Kanzler Brüning. Weltmännisch, elegant, liebenswürdig, eine Hand leger in der Hosentasche, mit der andern muntere Kreise beschreibend, so steht er vor den Weltkraftleuten und spricht zu ihnen. Ein gut aussehender Kopf, sozusagen letzter Schrei der Gesellschaft, mit intelligenten, ein wenig ironischen Augen und einer gewissen Ueberlegenheit der Manieren, die ein hervorstehender Zug des Außenministers ist. Herr Curtius ist vielleicht auf die Formel: „Kosmopolit mit industriellen Komplexen“ zu bringen. Jedenfalls macht er Figur, die Wissenschaftler hören ihm mit sichtlichem Wohlgefallen zu. * Diese 3000 Männer, die im Krollsaal zusammensitzen und über die Energien beraten, die unsre Wirtschaft und unsern Alltag vorwärtstreiben, sind die Feldyerrn unserer Tage. Keine Feldherren mit Tressen, Orden und Schleppsäbel, sondern Männer der Idee, die mit der Praxis Hand in Hand arbeiten. Ihre Arbeit ist Fortschritt, nicht Zerstörung, Entwicklung, nicht Rückschritt. Das ist der tiesere Sinn des Weltkraftkongresses. K. K. B. 4 * * 80 T AA W W Mit dem Segelflugzeug ins Wochenende. Eine begeisterte Anhängerin des Segelflugsportes hat sich ein zusammenlegbares Gleitflugzeug erbauen lassen, das sie selbst auf dem Rücken zu ihren Startplätzen trägt. Tort mit den Walsen Aus dem pokitischen Kampf Berlin, 19. Juni.(Eig. Drahtbericht.) Die Durchfuhrung des Uniformverbotes für die Nationalsozialisten ist, wie das„Tempo“ meldet, an zahlreichen Stellen auf Schwierigkeiten gestoßen. Aus ganz Preußen gehen Nachrichten ein, daß die Nationalsozialisten trotz des Uniformverbotes immer wieder offen in ihren Braunhemden demonstrieren und der Polizei dadurch Schwierigkeiten machen. Bisher hat sich die Polizei immer damit begnügt, die Nationalsozialisten auf die Wache zu bringen, ihnen dort die Braunhemden auszuziehen und sie dann in Gefangenenkleidung in die Wohnung zu schaffen. Zu Bestrafungen ist es vorläufig nicht gekommen.— Die Schwierigkeit besteht darin, daß das Uniformverbot keine besondere Strafandrohung enthalt und in jedem einzelnen Falle erst durch polizeiliche Strafverfügung vorgegangen werden müßte. Es erweist sich daher immer mehr als notwendig, ganz allgemein durch eine Polizeiverordnung eine Strafe für die Zuwiderhandlung anzudrohen. Es erweisen sich aber noch andere Maßnahmen notwendig, um das Rowdytum einzudämmen, und darüber schweben bereits Erwägungen in den maßgebenden Stellen. Man will nämlich schärfer als bisher gegen die Nachfolger=Organisationen des aufgelösten Rotfrontkämpferbundes vorgehen, die sich immer wieder durch Terror hervortun. Auch eine Auflösung der Sturmabteilungen der Nationalsozialisten ist notwendig. Bisher verschanzen sich die Nationalsozialisten immer dahinter, daß ihre Sturmabteilungen nichts anderes seien, als die Nationalsozialistische Partei, die als politische Partei nicht verboten werden könne. Tatsache ist aber, daß die Sturmabteilungen ein Eigenleben führen, besondere Instruktionen, besondere Rollkommandos und Terrorabteilungen haben, mit deren Tätigkeit offiziell die Nationalsozialistische Partei angeblich nichts zu tun haben will. Die Sturmabteilungen stellen also selbständige Organisationen dar, die nach dem geltenden Recht durchaus verboten werden können. Im Zusammenhang mit den polizeilichen Maßnahmen steht eine gesetzgeberische Maßnahme von besonderer Bedeutung bevor. Der Entwurf des Hieb= und Stichwassengesetzes, der im Reichsinnenministerium liegt, soll eine wesentliche Erweiterung erfahren. Wer mit Hieb= und Stichwaffen oder mit anderen Wassen in politische Versammlungen geht, soll mit hoher Gesängnisstrafe und Geldstrafen belegt erden können. Diese Maßnahme ist als besonders geeignet zur Bekämpfung des Rowdytums anzusehen. Eine Milliarde für Rüstungszuecke von der franrösischen Regierung gefordert Paris, 19. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Regierung Tardieu hat von der Kammer eine weitere Milliarde für Rüstungszwecke angefordert, trotzdem sich das franzosische Parlament erst vor einer Woche fast einstimmig für die friedliche Regelung aller politischen Konflikte durch das in ternationale Schiedsgericht erklärt hat. Die französische offiziöse Presse läßt keinen Zweifel darüber, daß es der Regierung kaum eingefallen wäre, so plötzlich und unvermittelt 1 Milliarde Franken„für die Erneuerung der in den Kolonialkämpfen von Nordafrika und Syrien erschöpften Munitionslager und Waffenbestände“ zu fordern, wenn nicht die letzten brutalen Ausfälle Mussolinis Frankreich allen Anlaß gegeben hätten, auf seine Sicherheit und den Schutz seiner Grenzen bedacht zu sein. Es ist natürlich auch möglich, daß für die neue Rüstungsinitiative der französischen Regierung gewisse innenpolitische Erwägungen maßgebend waren, daß Tardieu und sein Finanzminister durch eine legal bewilligte Milliarde einen Teil jenes Defizits des Schutzamtes decken wollen, das durch die minder legal verausgabten verschwundenen Milliarden entstanden ist. Ueber dieses höchst rätselhafte Kapitel der französischen Regierungspolitik wird der am Donnerstag eingebrachte Antrag der sozialistischen Kammerfraktion, der eine sofortige Klärung der Finanzen des Schatzamtes fordert, spätestens Anfang nächster Woche die dringend geforderte Klärung und Aufklärung schaffen. Erdrutsch in Essen Kind in die Tiefe gerissen Essen, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Ein furchtbares Unglück ereignete sich heute abend an der Neubaukolonie in der Helmholtzstraße. Um 20.30 Uhr etwa gab plötzlich vor dem Hause Nr. 82 das Erdreich nach. Es entstand ein riesiger Krater, der ungefähr 12 bis 15 Meter tief ist und etwa 15 Meter Umfang hat. Ein auf der Straße spielendes Kind wurde in die Tiefe gerissen. Die Bemühungen der Feuerwehr, das Kind zu bergen, mußten als aussichtslos aufgegeben werden, zumal die Einsturzgefahr noch nicht beseitigt ist. Außerdem verschwand ein Wagen, der einer Straßenbahngesellschaft gehört, in die Tiefe. Wie sich in später Abendstunde ermitteln ließ, soll an der Einsturzstelle ein alter Schacht sein, der seit etwa 40 Jahren außer Betrieb ist. Gurd über seine Südpolespedition Neuyork, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Die St bereitete dem Südpolsorscher Commondore Burd, der heute mit seinen Begleitern hier eintraf, einen feierlichen Empfang, der einer der größten seit dem Empfange Lindberghs und dem der deutschen Ozeanflieger Köhl und Hüneseld gewesen ist. Byrd schilderte Pressevertretern die Erlebnisse seiner Südpolfahrt, bei der er 125000 Quadratmeilen neues Land entdeckt und erforscht k be. Er habe geologische Formationen festgestellt, die auf große ausbeutbare Kohlenlager schließen ließen. Die amerikanische Antarktis umsaßte noch Tausende von Meilen unerforschter Gebiete. Burd erklärt, er habe vorläufig keine Zukunftspläne und werde keine weitere Forschungsreisen unternehmen, bis die aus der Expedition entstandenen Schulden von 100000 Dollar gedeckt seien. Skarkeu wunscht Reuancke Neuyork, 19. Juni.(Drahtmeldung.) Sharkey erklärte zu der Anerkennung Schmelings als Weltmeister, daß er auf einen Revanchekampf mit Schmeling dringe. Er sei bei diesem Repanchekampf zu weitem Entgegenkommen bereit u werde nur 12½ Prozent der Börse beanspruchen. Außerdem werde er noch von seinem Anteil die Forderungen des Trainers Schmelings begleichen und für alle Ausgaben und Spesen aufkommen, wenn er wieder einen regelwidrigen Schlag führe. Zu der Entscheidung der obersten Boxbehörde, die Schmelinals Weltmeister anerkannt hat, wird noch berichtet, daß sie mit zwei Stimmen gegen eine Stimme erfolgte. Da aber für die Eingravierung des Namens des Weltmeisters in den Sockel der Boxerstatue Einstimmigkeit der Boxkommission g.sordert wird, kann der Name Schmelings an dieser Stelle nicht eingraviert werden. Die Kommission beschloß, von einer Bestrafung Sharkeys abzusehen, da für diesen Kampf die Tiefschlagbestimmungen außer Kraft gesetzt worden waren. Wirbelsturm bei Samara ** Moskau, 19. Juni.(Drahtmeldung.) In der Umgegend von Samara wutete ein starker Sturm, durch den 90 Häuser vollständig zerstört und 160 beschädigt wurden. Zwei Personen wurden getötet, zehn schwer verletzt. Rund 1000 Bauern sind obdachlos geworden. Gombeneralosionen überalt Simla, 19. Juni.(Reuter.) In den Städten Lahore, Lyallpur, Gujranwala, Schekuhupura und Amritsar kamen gestern Bomben zur Explosion. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Uerhaftung des Direktors der Greskauer Bank Breslau. 20. Juni.(Drabtmeldung.) Im Zusammenhang mit dem vor einiger Zeit gemeldeten Zusammenbruch der Breslauer Bank sind gestern, lout„Schlesischer Zeitung“, der Bankdirektor Glinschert und Rechtsanwalt Nathan verhaftet worden. Glinschert steht unter dem dringenden Verdacht, als Vorstandsmitglied der Bank absichtlich zu deren Nachteil gehandelt und den Vermögensstand der Genossenschaft wissentlich unwahr dargestellt zu haben. Der verhaftete Anwalt wird beschuldigt, zum Nachteil der von ihm vertretenen Bank im Einverständnis mit der Gegenpartei gehandelt und sich zugleich der Begünstigung in einem Falle schwerer Urkundenfälschung schuldig gemacht zu haben. Jetzt auch Serienpreisen 9 Dosen portugiesische Oelsardinen * Dosen norwegischer Sild Dose Pilcharas Pfd. Polnische 1 Pfd. Weibwurst Pfd. Streichmettwurst Pfd. Kochmettwurst 1 Pfd. prima Rotwurst 1 Pfd. seine Leberwurst 1 Pfd. Rotwurst 1 Pfd. Leberwurs 1 Pfd. Hausmacher-Sülze 0.50 1 Pfd. Eierschniftnudeln 1 P f d E i e r s u p p e n e i n l a g e n 0. 5 0 2 Pid. ital. Tafelreis 0.50 1 Dose kondens. Milch 0.50 1 Pld. Weizenpuder 1-Pfd.-Eimer AprikosenMarmelade 1-Pfd.-Dose Rheinisches Apfelkrauf...... 8## 1-Pfd.-Eimer Pflaumenmus 0.50 1 Glas Bienenhonig I/ Dose Junge Schnittbohnen 0.30 I Dose Rote Beeie ½ Dose Stachelbbeeren 1 Pfd. Kokosflocken 1 Tafel— 200 Gramm Nußkrokantschokolnde f. 0.30 1 Karton= 200 Gramm Pralinenmischung 05 6 Rollen Pfefferminz 0.50 8 Roll. Erfrisch.-Drope, 1 Pohet— 10 Stück 1 Dose— 5 Paar DelikoteßWürvichen....... 4 3.75I., 8 L., P#d. Cocoofett.. 9.93 Lose Heidelbeeren 0.95 2 Dosen d 2 Pfd. Apfelmus 0.95 2-Pfd.-Eimer Apfel-Gelee 0.95 2-PId.-Eimer PflaumenKonfitüre 0.98 Pfd. Haferflochen. 0.08 B###- Heizkauee. 0.95 Bis. Bermoh-Reis. 1“. 6.95 picd Bsscaumt Telchon 6.98 Pld. Pfeßsermins-Pralinen 6.93 1 Pfd. Gelee-Früchte 0.95 1 Pfd. Pralinen-Mischung 0.93 1 Pfd. gebrannte Mandeln 0.93 = 500 g VollmilchSchokolgos 0.95 Tafelg.# 100 g VollmichSchokolnde 6. 0 Tolels&am; M g Crems. Schokolode 0.2 Teleig 8 1on g Bioch. pic. Heärhchager, Nabeihn 6.93 Pfd. Mürbegebüick 0.95 1 FI. 29er Mesentcher Kbg.„T,0.95, 1 Fl. 26er Sauternes 1.93 FI. 29. Valwiger.. EF/0.9S 1 Pl, 22., Graves 1.93 1 FI. 29. Lieserer Riesling„a 10.95 1 Fl. 23, Bequjolais Fleurie 1.95 1 Fl. 29## Liebfraumilch. 710.95 1 Fl. 24. St. julien 1.93 1 FI. blutrot., span. Süßweine„10.95 1 Fl. 27. Domherrenberger. 1.93 1 Fl. Orig. Insel Samos 9110.95 1 Fl. 27. Hardt Schloßacker 1.93 1 FI. Malaga 1810.95 1 Fl. 27. Gimmeld. Neuberg 1.93 1 Pfd. sächleiner Curücaskaffee 2.95 1 Pfd. Santoskuffee reinschmsrr. 1.95 1 FI. rein. Weinbrund ekss die. 2.95 2 Fl. 28er Plesp. Goldtröpfcn. 2.95 1 Ltr. 29e- Laubenheimer 0.93 1 Lir. 29er Gaubickelheimer 0.93 1 Ltr. 25.- Nierstein. Domthal 0.95 1 Lir. Stachelbeerwein 0.95 1 Lir. Vermouthwein 0.95 1 L i r. G r i e c h i s c h. M u s k a t 0. 9 5 1 Lir. Tarragona 0.95 1 Dose Delikat.-Sülze 2205 1.95 1 Fl. Obstschaumwein 6.20 St. 0. 95 Im Eririschungsraum Stück Erdbeerfort mit Sahne und ein Tasse Kuffee KKER SLARE EEE A•IIALI Am Rande der Saharas Sie nehmen bei uns an der billigsten und= interessantesten Sommerrelle durch die Sahard teil: Expeditionsleitung: Dr. Martin Rikl Produktionsleitung: Dr. Nich. Kautmann Zum ersten Mal wird ein — Sprech- und von-Ekpeditions-Filmg gezeigt, der Gesehenes und Erlauschtes aus den noch= wenig erforschten Gebieten Nordafrikas naturgetreu: übermittelt. Ferner zeigen wir: Jenny Juse in dem humorvollen Sensationstilm Der Bund der Dreis In stürmendem Tempo sagt der Film in packenden Szenen durch Berlin, die Stadt des Frohsinns und der Lebensbejahung, die Stadt ohne Nacht, zu den= Trellpunkten mondänen Lebens. Er schildert mit ergreisender Wahrheit die Geschichte= eines vom Schicksal verlolgten, den Kampf eines lapleren, hübschen Mädchens um die verlorene Ehre ihres Vaters. er erzühlt von falschen Freunden und von= einer innigen Liebe, wo eigentl. bitterer Haß sein müßte Außerdem ein reiches Beiprogramm — Beginn 3 Uhr Sonntags 2.30 Uhr Ofa-Theater SSchauburs Gelsenkirchen Rummhmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm CAPITOL Das Theater der guten Musik! Heute der gewaltige Farben-Prunktilm Ein 14 Millionen- Filmwerk von nie gesehenen prachtvollen Aufnahmen! (Die Fronleichsamsprezessien von Wien) Ein hohes Lied der Liebe aus der Kaiserstadt Wien mit allem Glanz ihres kirchlichen und mill drischen Zerimoniells. In prachtvollen Naturlarben sehen„Sie unter anderem das hölische Wien mit dem ganzen Pomp und Prunk. mit dem Stefansdom am Fronleichnamstag. mit Kaiser Franz losel persönlich, mit dem Fürst bischof und der Leibgarde u. dem staunenden Volk vor d Kirchenportal. Ein unvergeßliches Werk. Hierzu ein weilerer Großfilm: (Börsenfieber) mit George Bancroft In dem nervengufpeitschenden, alemberaubenden Milieu der New-Yorker Börse jagen sich die Geschehnisse des Films. in dessen Mittelpunkt 2 skrupellose Börsenleute stehen. Sie müssen sich den Fiim anschen. Lustspiel Wochenschau Kulturtlim Trotz großer Mehrkosten kleine Eintrittspreise Erstklassiges Künsiler- Orchester: Leitung W. Pliska Hochzeitzmarsch 3.00. 6.00. 9 90 Uhi vlangezenes. Burzeslieber 5.00 3 00 Uhr Apollo-Theater Eln neues Russendrama ein Film, der gleichwertig an die Seite von„Wolgaschiffer“ und „Wolga-Wolga“ tritt Reute Freitag 2 Dür Erstaufführung. Lien Deyers H. A. v. Schlettou in Das (Das Lied von den 12 Räudern) unter Mitwirkung des Donkosakenchor Dirigent Sergy Jarolf 12 Rlesenakte Die Ballade„Die zwölf Räuber“. eine der ergreilendsten Melodien des allen Rußland, ersteht hier im Film Ein weiteres neues Meisterwerk Tränen, die ich dir geweint Ein Film von Liebeslust u. Liebesleid 8 Akte mit Wilhelm Dieterte u. Lien bevers Eine Grotesk Jopoy. der Unverbesserliche Die neue Wochenschau Eintrittspreise: Parkeit 12. Platz. RM 0.60 Balkon(I. Platz. RM 1.00 Balkon(Sperrsitz) RM 1.50 AbFrelta II. Nachtbesuch am Geheimtresor Ein Richard Talmadge-Film in S spannenden Akten Seiprogramm Win Inserleren bringt Gewinn. Wörishofener Gielt- In RRermi-Tee alloin scht Wörishofener Krästerhaus Nochstr. 24 Ecke Neustraße Wir lietern ein- und mehrfarbige Drucksachen noch modernen Entwürlen in kürzester Frist BUCH DRUCKEREI VOLKS WILEE Filmromante aus Rumdnien mit Nartella Alban! II. Eine senlationelle Wildwestgeschichte 8 Akte Kleine Freise Neu! Ab heute Freitag 2 Uhr Neu! Die Sensation der Woche: Der 1. Kriminal-Hillionen-Film dessen Herstellungs Hosien eich au 7 Millionen Mark belqufen: Brodway 9 Riesen-Akte Die Handung eptelt im leudalen„Poradlesklub“, dem Wespennest der Verbrecher von Neuyork u. dem Treftpunkt der Sprittschmuggler Ein Abenteuer aus dem Wilden Wenen Am Rande des Abgrunds. In der Hauptrolle: Amerikas berühmter Cowboy Fred dimen Spannumng! Tempo! Tollköhne Seneationen Laura la Plante in: Die Liebesfalle (Gefährliche Grübchen) 7 Akte voll Witz und Laune Line Groteske: wenn die Liebe nicht war Die neue Wochenschau Kiedrige Elatrittspreue: 19. 6.46. 6.50. 6.90 u. 1.50