Rozunanreis: Drzäg=pIEW. ½ monatl, freidleibend 1.20 Mk. dei Postdezug Bestellgeld extra, im voraus zahlder. Erscheint jeden Werktag vormittas s. —— Peeis der Erngstnunmer 10 Pfenuig.—— Organ der Sozialdemokratischen Partei Mitteilungsblatt der freien Gewerkschaften und der Arbeiter=Sportvereine im Verdreitungsgediet 8 Pfg., Unzeigenbreis auderdalb 12 Pfg., für 1 mm Raumdöde. Reklame für 1 mm Raumdode 50 Pf. Kleine Anzeigen 5 Pf. Zu berechnen nach dem amtlichen Berliner Dollar=Briefkurs des Vortages ——— mitraten-Annahme bie 17 Ubr—— Nr. 225 und Verlag: Gelsenkirchen. Ring straße I. Fernsprecher Sammelnummer 298 41. Gellenkirchen=Buer. Dienstag, den 8. Oktober 1929 Schriftleitung: Gelsenkirchen, Ringstraße 3, Fern pr. Sammelnummer 258 41. Sorechstunde 17½—18½ Udr Keine Experimente! 16,2 Milliarden Kapitalvermögen in Deutschland— Seit 1927 Steigerung um 70 Prozent. Berlin, 7. Okt.(Sig. Drahtber.) Das Ergebnis der letzten Vermögenssteuerveranlagung, die 1927 erfolgte, wir? jetzt amtlich veröffentlicht. Es zeigt sich eine Zunahme des Rohvermögens in Deutschland um rund 4 Milliarden Mark anf 112.2 Milliarden. Mehrere Vermögensgruppen haben allerdings einen Rückgang aufzuweisen. So ist das landschaftlich genutzte Vermögen von 26 auf 24,6 Milliarden gesunken und zwar hauptsächlich, weil wegen der angewachsenen Schuldenlast viele kleinere Betriebe unter die steuerfreie Grenze von 5000 Mark gefallen sind. Auf ähnliche Gründe dürfte der Rückgang des Betriebsvermögens von 46,3 auf 46,1 Milliarden zurückzuführen sein. Auch das Grundvermögen wird mit 25.3 Milliarden geringer angegeben als früher mit 26,5 Milliarden. Diese Verluste werden aber ganz erheblich wettgemacht durch die enorme Erhöhung des Kapitalvermögens von 9.5 auf 16,2 Milliarden Mark. Die amtliche Statistik sieht in dieser Zunahme um mehr als 70 Prozent eine Auswirhung der allgemeinen Besserung der wirtschaftlichen Lage, die wieder eine allmählige Kapitalansammlung ermöglicht. Interessank ist an der Statistik noch, daß die Zahl der Millionäre sich von 2335 im Jahre 1925 auf 2465 erhöht hat. so daß man innerhalb von zwei Jahren in Deutschland 130 neue Millionäre feststellen kann. Die Statistik widerlegt in bündiger Weise die Behauptung der großkapitalistischen Kreise, daß die gegenwärtige Steuergesetzgebung in Deutschland die Kapitalbildung erschwere oder gar unmöglich mache. Für 750000 Mark Festessen Die Kommunalpolitik des Kölner Oberbürgermeisters Das Problem der Nachfolge des Reichsaußenministers wurde von einzelnen Blättern bereits aufgeworfen, ehe Stresemann zu Grabe getragen war. Wir haben bis zu dieser Zeit darauf verzichtet, mit allen nach dem Tode des Reichsaußenministers aufgetretenen Kombinationen uns im Einzelnen zu beschäftigen. Jetzt, wo Stresemann in kühler Erde ruht, scheint es uns an der Zeit, zu der Frage seiner Nachfolgeschaft einiges zu bemerken. Warum der Reichskanzler nicht selbst die provisorische Verwaltung des Außenministeriums übernommen und dem Reichsp#äsidenten Herrn Curtius vorgeschlagen hat, ist nicht mehr unbekannt. Der Grund, der in dem Gesundheitszustand Hermann Müllers liegt. ist klar und einwandfrei, aber es scheint, daß einige Leute im bürgerlichen Lager hinter der Betrauung des Herrn Turtius alle möglichen Intrigen wittern und insbesondere in ihr eine willkürliche Vorsichtsmaßnahme der Entscheidung über die endgültige Nachfolgeschaft Stresemanns sehen. Es kann wohl keinem Lwcisel unterliegen, daß vor der definitiven Ernennung des Außenministers die an der Regierung beteiligten Parteien zu Rate gezogen werden. Indessen hat man den Eindruck, als ob das den Kritikern nicht völlig genüge. Es ist ihnen vielmehr offenbar nur darum zu tun, bei dieser Gelegenheit eine Umbildung des gesamten Kabinetts herbeizuführen und den einen oder anderen Minister, der ihnen nicht gefällt, abzusägen oder zum mindesten auf einen andern Posten zu schieben. Es wird gut sein, von vornherein klarzustellen, daß die Sozialdemokratie solchen Bestrebungen durchaus abgeneigt ist. Sie denkt nicht daran, irgendwelchem Drängen nachzugeben und einen ihrer Vertreter im Kabinett zu opfern, selbst, wenn man ihr dafür ein anderes Ressort zur Verfügung stellen wollte. Ganz abgesehen davon, daß nach ihrer Ansicht jeder ihrer vier Minister den Ansprüchen genügt, die an ihn zu stellen sind, würde sie es für verhängnisvoll halten, wenn in diesem Augenblick eine Regierungskrise, und auf eine solche würde jeder Versuch einer Umgruppierung hinauslaufen, ohne Not heraufbeschworen würde. Ueber die Person des zukünftigen Außenministers wird man sich, wie gesagt, zu unterhalten haben. Es ist richtig, daß gerade dieser Posten nicht nach den Grundsätzen der Fraktions=Arithmetik besetzt werden sollte. Aber auf eine Gefahr sei schon jetzt aufmerksam gemacht. auf die nämlich, die in der Ernennung eines Berufsdiplomaten liegt. Zwei Namen sind genannt worden, der des Botschafters in Rom, Freiherrn von Neurath und der des Botschafters in Paris von Hoesch. Wie man auf Neurath kommen kann, ist besonders nach den bekannten Vorgängen auf der römischen Botschaft einigermaßen unbegreiflich. In das Bild des gegenwärtigen Kabinetts würde dieser Mann jedenfalls schlecht hineinpassen. Bei Herrn von Hoesch liegen die Dinge insofern anders, als er sicher die deutschen Interessen in Paris ausgezeichnet vertreten hat, aber trotzdem könnten wir seine Wahl zum Außenminister nicht befürworten. Ein guter Botschafter ist noch lange nicht ein guter Minister. Ein Minister muß andere Qualitäten haben als ein Diplomat. Er muß in den parlamentarischen Betrieb eingearbeitet sein und das allgemeine politische Vertrauen der Parteien besitzen, mit denen er zu arbeiten hat. Außerdem wird ein Berufsdiplomat in Genf und bei allen anderen internationalen Verhandlungen niemals den Kredit besitzen, den ein mit dem Parlament im engen Zusammenhang stehender Politiker erwerben kann. Wir haben seit dem Kriege mehrsach Männer aus der diplomatischen Karriere an der Spitze des Außenamtes gesehen. Es sei an Rosen und an Rosenberg erinnert. Wir haben mit ihnen wahrhaftig keine Siege gewonnen und die Erfahrungen sollten uns vor einer Erneuerung des Experiments abschrecken. Pralat Kaas zur Nachfolge Stresewanns Köln, 7. Oktober.(Drahtmeldung.) In der heute veröffneten Herbsttagung des Provinzialausschusses der rheinischen Zentrumspartei streifte der Parteivorsitzende, Prälat Kaas, die Frage der Nachfolgeschaft Stresemanns nach der grundsätzlichen Seite hin. Er erklärte mit Rücksicht darauf, daß in der Oeffentlichkeit auch sein Name genannt worden sei: Für ihn als Parteiführer komme eine Uebernahme eines Ministeriums nicht in Frage. Trotzdem könnte es aber dem Zentrum nach der sachlichen Seite nicht gleichgültig ein, wie dieses Ministerium besetzt werde. Die Lücke, die Stresemanns Tod geschaffen, sei groß und vielleicht innenpolitisch größer als außenpolitisch. Deshalb müsse das Zentrum bei der endgültigen Besetzung des Außenministeriums— in welcher Person lasse er ebenso dahingestellt, wie die Frage, ob Parlamentarier oder Beamter— verlangen, daß alle Mitglieder des Kabinetts die Gewähr für die innere Konsistenz des Kabinetts in seinen innen= und außenpolitischen Aufgaben böten. Diese rein jachlichen Fragen seien für da) Nentrum allein maßgebend. Nur von diesem Gesichtspunkt aus würde das Zentrum an die Prüfung der Vorschläge des Kanzlers herangehen, würde deshalb auch den Anspruch anmelden, bei der endgültigen Besetzung sachlich gehört zu werden. Köln, 7. Okt.(Eigener Drahtber.) Die Kommunalpolitik des Oberbürgermeisters Dr. Adenauer hat im Reich schon manchmal Kopfschütteln erregt. Zum größten Teil heruht diese Kommunalpolitik auf einer Klüngelwirtschaft, die ihresgleichen sucht. Ganz besondere Blüten hat diese Wirtschaft gelegentlich der Internationalen Presseausstellung getrieben. Insgesamt sind damals für 750 000 Mark Festessen abgehalten worden, während im Haushaltsplan nur 50 000 Mk. für die gesamten Werdekosten eingesetzt waren. Eine ähnliche Mißwirtschaft hat sich herausgestellt anläßlich der Internationalen katholischen Ausstellung in Köln. Nicht allein, daß dieser Ausstellung Gelände und Gebäude pachtfrei zur Verfügung gestellt worden sind, hat sie auch aus städtischen Mitteln ein Darlehen von 75000 Mk. erhalten und weitere 40000 Mark sind aus städtischen Mitteln für die Versicherungsprämie der Ausstellung verwendet worden. Dagegen hat die Sozialdemokratie für das Haus der Arbeiterpresse 30 000 Mark Pacht zahlen müssen, noch ehe dieses Haus überhaupt gebaut war. Inzwischen hat Oberbürgermeister Adenauer, trotz seiner republikanischen Gesinnung, die er bei Gelegenheit mehr oder minder zur Schau trägt, als Ersatz für Orden neun goldene Ringe im Werte von je 190 Nl. herstellen lossen und sie an Irauen und Männer verliehen. von denen er glaubt, daß sie der„Pressa" besondere Dienste geleistet hätten. Darunter definden sich Geheimrat Volkmann, Leipzig, Hofrat Weder, Leipzig, Verleger Schilk, Leipzig, Prosessoor Wolff. Dresden, Professor Bernhardt, Bertin, Frau Olga Kamenewa, die Leiterin der Ausstellung Sowjet=Rußlands auf der„Pressa“ und der österreichische Generalkonsul Wildner in Köln. Aber da es auch in der Kölner Stadtverwaltung und in der Direktion der„Pressa“ Männer gibt, die nach der Meinung des Oberbürgermeisters Adenauer besonders ausgezeichnet werden müssen, hat er zu genehmigen geruht, daß vier Kölner Größen spanische Orden erhalten. Sie wurden verliehen an den Präsidenten der internationalen katholischen Ausstellung. Herra Stocky, an den Beigeordneten Bönner, an die„Pressa“Direktoren Dr. Esch und Tietmann, sowie schließlich an Oberbürgermeister Dr. Adenauer selbst. Die Reichsverfassung, die Verleihung und Annahme von Orden untersagt, scheint für die bürgerlichen Größen der Kölner Komznunalpolitik nicht zu bestehen. Schiff auf Felsenriff gefahren Wahrscheinlich 38 Personen ertrunken WTB. Bergen, I. Oktober.(Drahtmeldung.) Der norwegische küstendampfer„Haakon VII“ geriet in der Nähe von Florö auf Grund und sank innerhalb drei Minuten. Das Schiff fuhr mit 12 Seemeilen Geschwindigkeit auf ein Riff auf. Da die Liste der Passagiere, die sich z. It. des Anglücks an Bord des „Haakon VII“ befanden, bei der Katastrophe verlorenging, liegt noch keine genaue Feststellung über die Zahl der Umgekommenen vor. Man muß jedoch jetzt mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß 35 Menschen ihr Leben verloren haben, darunter neun Mitglieder der Besatzung. Der Anprall des Schiffes auf das Riff war so heftig. daß der Kapitän, der sich auf der Kommandobrücke befand, ins Meer geschleudert wurde. Er wurde später sehr ermattet gereitei und hat noch keine Erklärung über den Hergang des Unglücks abgeben können. Verschiedene Passagiere hatten sich bereits zur Ruhe begeben, als die Katastrophe eintrat. Das elektrische Licht erlosch sofort. Die Passagiere stürzten teilweise in Nachtgewändern an Bord. Einer der überlebenden Passagiere äußerte, daß von einer eigentlichen Panik nicht die Rede sein könne, denn der ganze Vorfall hätte sich so schnell abgespielt, daß, ehe man richtig zur Besinnung kam, der Dampfer mit Ausnahme des Vorschiffes bereits gekentert war. Mannschaft und Passagiere sprangen in die See oder krochen nach vorn. Es glückte schließlich dem Bootsmann, eine Leine vom Schiff zum Felsenriff zu spannen. Nach und nach sammelten sich etwa 50 Menschen auf dem Riff an, wo sie ungefähr vier Stunden in strenger Kälte zubringen mußten, bis sie von dem Dampfer„St. Lukas“ gerettet werden konnten. Eine Reihe von Personen hielt sich, wie oben geschildert, auf dem Vorschiff auf. In einer Kabine dritter Klasse des Vorschiffes waren mehrere Passagiere eing sperrt worden. Glücklicherweise blieb die Kabine über Wasser, so daß auch diese Eingesperrten noch gerettet werden konnten. Einem eekannten Geschäftsmann aus Bergen, Konsul Dan Hunn, der selbst verletzt wurde, gelang es, eine Tür zu einem der Salons aus zureißen, als das Schiff Schlagseite bekommen hatte und durch diese Türöffnung dann sieben Menschen herauszuholen. Die so Geretteten versammelten sich auch auf dem Vordeck. das teilweise schon von den Wellen überspült wurde. Sensation in Gens Deutschlands Absicht, das Achlstundenlagabkonimen ohne Vorbehalte zu unterzeichnen, bekannigegeben— Dank der Arbeilnehmergruppe an die deutlsche Reg erti.a Gens. 7. Oktober.(Eig. Drahtbericht.) Dem Verwaltungsrat des Arbeitsamtes machte Direktor Thomas am Montag Mitleilug von der Absicht Deutschlands, das Achtstundentagabkommen ohne Vorbehalt zu ratifizieren und wies auf die Bedeutung dieses Schrittes hin. Der Regierungsvertreier Polens und der englische Arbeilgeberverkreter protestierten gegen diese Mitteilung. die nicht geschäfteordnungsgemäß sei. Dieser peinliche antideutsche Vorstoß wurde mehr als gut gemacht durch die warmen Worte, mit denen Jouhaux im Namen der Arbeitnehmergruppe der deutschen Regierung für ihre sozialTai dankte. Der Vorsitzende Jontaine schloß sich diesem Danke an und wies darauf hin, daß die Unterschrift Stresemanns unter dieser Gesetzesvorschlag die letzte sei, die der so kragisch Geendete geleiste“ habe. Der Verwaltungsrat beschäftigte sich weiter mit der Tagerordnung der Arbeitskonferenz von 1931, die sich u. a. mit der Vorlegung der in Washington beschlossenen Arbeitskonvention zu beschäftigen haben wird. Endgültige Beschlüsse wurden jedoch nicht gesaßt. Der Richtertag Ein Nachwort von Lothar Engelbert Schücking Viele kluge Gesichter im großen Casinosaal. Wertvolle Vorträge über wichtige juristische Fragen. Das Interessanteste ist der Jahresbericht über die Bundestätigkeit. Ueber die Prenzlauer Anträge wird natürlich nicht in öffentlicher Sitzung verhandett. Es wäre außerordentlich interessant zu hören, wie die Verteidiger des Prenzlauer Urteils und ihre Freunde sich dagegen wehren, daß der Vorstand des Preußischen Richterbundes sachlich zu Urteilen Stellung nimmt, was ja bekanntlich nicht mal der richterliche Vorgesetzte tun soll. Aber andererseits ist es bemerkenswert, wie der Vorsitzende in seinem geistreichen Referat die Notwendigkeit der Volksverbundenb=it betont, wie dringend er ein Vertrauensverhältnis zur Presse wünscht, wie hoch ihm das Vertrauen des Volkes zum Richtertum steht. Man denke, wie vor 30 Jahren ein normales preußisches Gericht über die„Pressebengels" dachte und wie verächtlich sich die Justiz über die Presse äußerte in wilhelminischer Zeit. Der Richterbund will sozial und fortschrittlich sein. Sein Vorsitzender spricht vom Kollektivismus und, was das Interessanteste ist, der Richterbund hat sich auch mit dem Arbeitsgerichtsgesetz ausgesöhnt, gegen das er früher scharfe Proteste erhoben hat, sa ein jüngerer Richter, der offenbar Arbeitsgerichtsvorsitzender ist, spricht sich in der Debatte sogar anerkennend über die Sachlichkeit und Neutralität der Arbeitsgerichtsbeisitzer aus. Woher mag es denn wohl kommen, daß sich die Berufszuristen so mit dem ihnen früher so verhaßten Arbeitsgerichtsgesetz ausgesöhnt haben und von der guten neuen Judikatur sprechen? Ich glaube diese Aussöhnung ist in manchem nicht sehr erfreulich. Sie wird wohl auf das Konto der Tatsache zu setzen sein, daß das BGB. der Berufsjuristen im Arbeitsrecht und in dessen Judikatur trotz aller Beisitzer mit kollektivistischen Ideen sehr viel siegreicher ist, als man vor zwei Jahren geglaubt hatte. Ich glaube die Anerkennung der Arbeitsgerichtsjudikatur durch eine Vereinigung von Berufsjuristen, die aus der Schule des BGB. hervorgegangen sind, das die unsittlichste Güterverkehrsordnung ist, die jemals kodifiziert wurde und ein so sittenloses Gesetzvuch, daß nicht mal ein Bruder seinen Bruder zu unterstützen braucht, ist ebenso zweifelhaft, als wenn Pazifisten eine Armee loben. Man wird sich sagen, daß dies Lob in sozialem Sinne vielleicht kein Lob ist, trotzdem erkannte auch der Richterbund an, daß eine Reform des materiellen Rechts gerade vom Arbeitsrecht ausgehen werde und könne. Ueber Rechtsreform wurde überhaupt viel gesprochen, und auch über die Beteiligung des Richterbundes und seine Verbindung mit der Wirtschaft. Im alten Odrigkeitsstaat wäre es unerhört gewesen, daß der Vorsitzende eines Richtervereins, so etwas gab es damals überhaupt gar nicht, sich von einem Wirtschaftsbunde hätte einladen lassen und dort einen Vortrag über Rechts= oder Rechtspflegereform gehalten hätte. Das Richtertum will nicht den Vorwurf der Weltfremdheit entgegennehmen gerade in heutiger Zeit, wo es bei den geringen Gehältern so schwer ist, sich Bildungemittel zu beschaffen. Das ist anerkennenswert. Man hat überhaupt den Eindruck, daß in der Vereinigung ein großer Idealismus herrscht, das merkt man vor allen Dingen aus der Behandlung der Besoldungsfragen. Es kommt diesen Juristen mehr darauf an, angesehen zu sein, als ihrer Ansicht nach auskömmliche Besoldung zu erhalten. Das ist ein schöner Gegensatz zu der höheren Lehrerschaft, die jahrelang in ihren Vereinen derartig die Besoldungsfragen behandelte, daß Ludwig Gurlitt mal von ihnen sagte, die höhere Lehrerschaft beschäftige sich überhaupt nur mit Besoldungsfragen. Das liegt alles schon einige Zeit zurück, oder es ist doch immer erfreulich, wenn in heutiger Zeit wirtschaftlicher Not eine große wichtige Organisation so stark betont, daß die tdealen Ziele bei ihr in erster Linie stehen und das ihr zu gleuden ist. Auch das Bekenntnis zur Verfassung ist erfreulich, aber es macht den Republikanischen Richterbund nicht entbehrlich. Auch über die Ausbildung der Reserendare wurde gesprochen, aber kein Wort fiel dabei gegen die Stahlhelmreferendare. Man muß die jungen Herren kennen, die auf der Universität planmäßig zu Feinden des Deutschen Reichs erzogen werden. Jetzt hat die deutsche Burschenschaft vor einiger Zeit wieder beschlossen, daß jede Teilnahme am Reichsbanner zur Folge hat, daß der neue oder alte Burschenschaftler aus seiner Organisation herausgeworfen wird. Solche Feinde von Schwarz=Rot=Gold sind heute die deutschen Burschenschaftler. Was hilft es uns, wenn der ganze Deutsche Richterbund treu zur Verfassung steht und der Nachwuchs, der im letzten Jahrzehnt beim Waffenring auf Deutschlands hohen Schulen aktiv war, Verachtung zegen die Staatsform in sich aufnahm. Wir machen unser Repudlitschutzgesetz zum großen Teil gegen unsere akademische Jugend, gegen Juristen, die die festeste Säule der Republik sein sollte. Ein Richterbund müßte sorgen, daß so etwas nicht nötig ware und daß die Ausbildung der jungen Juristen nicht nur eine technische würde, kritisiert er doch sonst unbefangen die Universitäten und was sie an Erziehung der jungen Juristen auf technischem Gebiet leisten. Merkwürdig ist das Ineinanderaufgehen von Richtertum und Staatsanwaltschaft in den Befugnissen nach neueren Gesetzen. Daß uns in der Gesetzgebung eine furchtbare Reaktion droht, wissen wir alle seit Emminger unsere Schwurgerichte kaputt gemacht hat, aber was der Oberstaatsanwalt aus Köln vortrug über den Uebergang von richterlichen Funktionen auf die Staatsanwaltschaft im Vorverfahren und Untersuchungsverfahren nach dem neuen Einführungsgesetz zum Gerichtsverfassungsgesetz und dem Entwurf der Strafprozeßordnung, schien ihm selber zu viel zu sein, als einem gerecht denkenden undefangenen älteren Juristen. Man weiß zu wenig in Juristenkreisen, wie unsere richterlichen Rechte sozusagen auf Barrikaden erfochten sind. Die richterliche Tradition der alten Fortschrittsleute, die Bismarck ins Littauische strafversetzte in den 60er Jahr., hat aufgehört bekannt zu sein. Ein Richterbund müßte Vorträge halten lassen über die stolze Geschichte richterlicher Unadhängigkeit und die Versuche, diese Unabhängigkeit zu beseitigen in den 40ger, 50ger und 60ger Jahren, dann würde jeder merken, wie der Hale läuft, dann würde man sich nicht so freuen darüber, daß die Staatsanwälte beschlossen haben, sich mit dem Richterbund wieder zu vereinigen. Ich gebe zu, es ist für die Objektivität der Staatsanwaltschaft höchst ehrenvoll diese Verwischung der Unterschiede und kann das Zusammengehen des Richterbundes mit der Staatsanwaltschaft für diese nur Vorteile bringen, aber uns Anwälten gegenüder, die wir auch Organe der Rechtspflege sind und an der Erforschung der Wahrheit und gerechter Justiz das allergrößte Interesse haben, betont man doch immer wieder die Wesensverschiedenheit. Nach der Seite der Staatsanwaltschaft zu will der Gesetzgeber die Unterschiede verwischen und den Staatsanwalt mit richterVerneymungen, sogar Augenscheinseinnahmen beauftragen. Stresemann=Ehrung in Amerika Eine Ansprache Mardonalds im Genat WTB. Washingion, 7. Oktober.(Drahtmeldung.) Der englische Ministerpräsident Macdonald stattete heute dem Kongreß seinen Besuch ab. Zunächsi begab er sich ins Repräsentantenhaus. Von dort wurde er von vier Senatoren in den vollbesetzten Senat geleitet, nachdem die Sitzung vertagt war. Die Tribüne war dicht gefüllt, der französische Botschafter saß in der Diplomatenloge. Als Macdonald eintrat, wurde er durch langanhaltendes Händeklatschen gefeiert. Vizepräsident Curtis begrüßte Macdonald durch eine Ansprache, in der er u. a. sagte, er erhoffe die Lösung der Flottenfrage von diesem Besuche. Macdonald, der hierauf das Wort erhielt, dankte für das Willkommen und erklörte, er finde viele gemeinsame Züge in den Parlamenten der Vereinigten Staaten und Englands und er wundere sich darüber, daß die Verständigung zwischen beiden Ländern solange verzögert wurde. Er sei hier, um Mißverständnisse auszurotten. Weder Großbritannien noch die Vereinigten Staaten von Amerika wurden ein Bündnis abschließen, das sich gegen ein anderes Volk oder Gruppe von Nationen richte. Man müsse jetzt an die Friedensurbeit gehen, nachdem Rellogg und Briand den historischen Pariser Friedenspakt geschaffen hätten. Ein Mann, den wir in diesem Zusammenhang noch nennen wollen, sei Gustav Stresemann. Ein stiller, starker Kämpfer für die Friedenssache, der, im Ausland und in der Heimal von Feinden umgeben, für Deutschland und die Weltbefriedung fair gekämpft habe. Er wolle durch die Erwähnung der großen Verdienste Stresemanns an dieser Stelle greichsam einen Kranz auf sein Grab legen. Die Rede, der minutenlanges Klatschen folgte, hinterließ einen tiefen Eindruck. Die Bombenattentäter geständig Umfangreiches Belastungsmaterial Berlin, 7. Oktober.(Eig. Drahtbericht.) Die Voruntersuchung gegen die Bombenattentäter ist jetzt so weit fortgeschritten, daß mit ihrem Abschluß in einigen Wochen zu rechnen ist. Die Vossische Zeitung ist in der Lage, eine Aufstellung darüber zu geben, was bisher an tatsächlichem Belastungsmaterial gegen die Attentäter vorliegt und worauf sich die Anklage stützen wird. Am meisten belastet von den Angeschuldigten scheint der Landwirt Claus Hein. Er kann als überführt gelten, in mindestens 6 bis 7 Attentaten seine Hand im Spiele gehabt zu haben und der aktive Rädelsführer gewesen zu sein. Der Landvolkführer Hamkens gibt zu, um die Attentate gewußr zu haben. Er will sich bemüht haben, Hein von törichten Handlungen abzuhalten. Der Landvolksyndikus Weschke aus Itzehoe ist geständig, das Attentat in Beidenfleth ausgefuhr: zu haben. An weiteren Attentaten soll er beteiligt gewesen sein. Bruno von Salomon leugnet hartnäckig, ist aber durch eine zahlreiche Korrespondenz, die von der Polizei beschlagnahmt wurde, schwer belastet, um die Attentate gewußt zu haben. Der Kaufmann Johnson aus Itzehoe ist in vollem Umfang des Attentats auf das Itzerhoer Landratsamt geständig. Der Polizeihauptmann a. D. Hans Nickel gibt zu, die Bomben transportiert und verreil# zu haben. Durch ihn werden auch indirekt die drei im Ruhrgebiet Verhafteten belastet. Der Landwirt Helling hat mehrfach Pakete mit Höllenmaschinen von Nickels erhalten und weiter geleitet. Er dehauptet, von dem Inhalt dieser Pakete nichts gewußt zu haben. Der Gastwirt Gengelazkn war eine Art Nachrichten= vermittlungsstelle für Nickels, der zeitweise vier Quactiere als Operationsbasis hatte. Der Landvolkführer Muthmann steht im Verdacht, mit Nickels und Gengelazky in Verbindung gestanden zu haben, streitet aber alles ab. Von den in Berlin Verhafteten wird Ernst von Salomon der Teilnahme an dem Attentat auf den Reichstag bezichtigt, doch er, ebenso wie die andern in Berlin, leugnen noch. Schließlich steht unter dem Verdacht der Beteiligung an dem Attentat auf den Reichstag der frühere baltische Offizier, Freiherr von Onckom-Otto. Vombenprozeß im Dezember Berlin, 8. Oktober.(Drahtmeldung.) Der Prozeß gegen die im Zusammenhang mit den Bombenattentaten verhafteten Landvolkleute findet, dem„Vorwärts“ zufolge, voraussichtlich im Dezember in Berlin statt. Wiederaufstieg in Frankreich Glänzender Verlauf der Delegiertenversammlung der sozialistischen Partei Paris, 7. Okt.(Eig. Drahtber.) Die Delegierten=Versammlung der sozialistischen Partei Frankreichs, die am Sonntag mit dem erweiterten Vorstand und den Vertretern sämtlicher Provinzorganisationen in Paris tagte, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen und wirksamen Kundgebung der in zäher Aufbauarbeit wieder erstarkten und im Wiederaufstieg begriffenen französischen Bruderpartei. Die Beratungen galten in erster Linie den am 20. Oktober stattfindenden Wahlen zum Senat Der Wahlaufruf der Partei, der während der Parlamentsferien erlassen worden war, fand einige Kritik. Mehrere Redner vom rechten Flügel bemängelten, daß er den Zwang ausspreche, im ersten Wahlgang nur sozialistische Kandidaten aufzustellen. Auf der Linken dagegen hielt man den Aufruf insofern für zu lau, als er keine formelle Absaae gegen ein Zusammenehen mit solchen linksbürgerlichen Kandidaten ausspreche, die einst die Politik des Block National mitgemacht hätten. Der Generalsekretär der Partei, Faure, gab den Kritikern zu bedenken, daß die Partei angesichis des beschränkten Wahlrechts für den Senat nicht darauf hoffen dürfe, zahlreiche soozialistische Kandidaten durchzubringen. Deshalb sei es angebracht, Wahlbündnisse mit den übrigen Linksparteien zu ermöglichen. Wie reaktionär muß dieses Reichsjustizministerium immer noch sein. Gott schütze das deutsche Volk nicht nur vor dem Strafgesetzentwurf des Reichstags, sondern auch vor den damit zusammenhängenden Gesetzentwürfen. Neuregelung der Arbeitslosenversicherung Finanzielle Auswirkungen. Berlin, 7. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag nahm das Reichsarbeitsministerium Gelegenheit, sich über die finanziellen Auswirkungen der Neuregelung in der Arbeitslosenversicherung zu äußern. Die jährliche Ersparnis durch Festsetzung der Anwart= schaftszeit auf 52 Wochen beim erstmaligen Bezuge der Arbeitslosenunterstützung wird auf 16 Millionen geschätzt. Durch Begrenzung der Unterstützungssätze bei beruflicher Arbeitslosigkeit auf die Sätze der Krisenfürsorge werden 21 Millionen erspart, durch die neuen Bestimmungen über die Wartezeit etwa 2 Millionen durch die Anrechnung von Gehältern und Wartegeldern 8 Millionen und durch Herabsetzung der Beiträge zur Krankenversicherung rund 30 Millionen. Zu diesen Ersparnissen kommen Mehreinnahmen, so durch Verlängerung der beitragspflichtigen Zeit bei Lehrverhältnissen (rund 1 Million). Insgesamt wird durch die aufgeführten Maßnahmen eine Verminderung des Defizits um 78 Millionen bewirkt. Dazu kommen die Ersparnisse aus der Ausschaltung und Beseitigung von Mißständen. Hier darf man allerdings die Hoffnungen nicht zu hoch spannen. Wenn das Reichsarbeitsministerium aus der Abstellung von Mißständen eine Einsparung von nur 20 Millionen erwarte, so dürfte das sicherlich zutreffen. Berichtigt man diese Posten, so ergidt sich eine Minderung des jährlichen Fehlbetrages um etwa 90—100 Millionen Mark. Durch die Reform ist also das Beschlossen wurde u. a., die Parteipropoganda wesenllich zu verstärken und zu vertiefen. In der großen Propagandawoche für die soziale Wirtschaft, die von der Regierung unter dem Drucke der Arbeitgeber wahrscheinlich noch weiter hinausgezögert wird, will man sich der modernsten Mittel, wie des Rundfunks und des Kinos bedienen. Dem Parteitag soll auch die Gründung eines sozialistischen Wanderkinos vorgeschlagen werden. Taktische Probleme Endlich gab es eine lebhafte Debatte über die Probleme, die auf dem vom 20. bis 23. April 1930 in Vordeaux stattfindenden Parteitag beraten werden sollen. Dort werden als Hauptthemen behandelt werden: Die Ausübung der Regierungsgewalt durch sozialistische Minister während der Herrschaft des Kapitalismus, die Vorbereitung des Sozialismus und die Maßnahmen zur Ergreifung der Regierungsgewalt. Endlich die Frage der Gewerkschaften und ihrer Stellung zur sozialistischen Partei. Die Konferenz trennte sich mit einer Entschließung. in der die Hoffnung ausgesprochen wird, daß bei den kommenden Senatswahlen ein möglichst großer sozialistischer Erfolg, vor allem ader eine entscheidende Niederlage der Reaktion erreicht wird. Defizit sicherlich um ein Erhebliches gedrückt worden. Es bleibt aber immer noch ein Fehlbetrag von 180 Millionen Mark. Hier#####t die Reform eben versagt und im Reichsarbeitsministerium ist man mit Recht der Ansicht, daß diese Frage im Rahmen der kommenden Reichsfinanzreform angeschnitten werden muß. Ischeka in Paris Reinigungsaktion in der französischen kommunistischen Partei. Paris 7. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Eine in Paris erscheinende russische Emigrantenzeitung weiß zu berichten, daß eine aus 15 Mitgliedern bestehende Kommission der Tscheka in Paris engetroffen sei, um eine neue Reinigungsaktion in der französischen kommunistischen Partei vorzunehmen. Diese fliegende Abteilung arbeite mit allen Rechten der Exekutive ausgerüstet. Der„Intransigant“, der die Pariser Polizeipräsektur über die Richtigkeit dieser Meldung befragt hat, erhielt dort die erstaunliche Antwort, daß man von der Existenz einer ständigen Tscheka=Abteilung durch die russische Botschaft unterrichtet sei, daß man aber über die Ankunft und die Tätigkeit der 15 besonderen Tscheka=Kommissare noch keine endgültige Feststellung habe treifen können. Revision im Eckermann=Prozeß. Wie die„Mecklenburger Zeitung“ aus bester Quelle erfährt, hat der Oberstaatsanwill gegen den Spruch des Schweriner Gerichts auf Einstellung des Verfahrens gegen Eckermann Revisoren beim Reichsgericht eingelegt. Der Prozeß wegen der antivoln. Unruhen hat in Oppeln seinen Anfang genommen. Die Angeklagten sind durchschnittlich nur 22 Jahre alt. Aus der Verhandlung ist bis zur Stunde nichte wesentliches zu berichten. 1 Volkswille Gelsenkirchen=Buer, Dienstag, den 8. Oktober 1929. Nr. 235. 11. Jahrg. Zweites Biatt. Stadt Gelsenkirchen=Buer. Gelsenkirchen=Buer, den 8. Oktober 1929. Auch ein Auftakt! Die„machtvolle Organisation“ der Kommunistischen Partei, Gelsenkirchen=Buer. Die Kommunistische Partei forderte in der vorigen Woche in einem bombastischen Aufruf im Ruhr=Echo zur Teilnahme an einer kommunalpolitischen Konstrenz auf. Eingeladen waren die Stadtverordneten der KPD., die Mitglioder der Ausschüsse, sämtliche Parteimitglieder der K9D., die Mitglieder der Kommunistischen Jugend, di: Mitglieder der JAH., die Sympathislerenden der Sportorganisationen, Gewerkschaften und Kulturvereine. Nicht nur das Parteibuch der KD. legitimiert, sondern das Mitgliedsbuch einer Organisation oder eines proletarischen Vereins. Nach dem großen Geschrei der Kommunisten in der Oesttiatlichkeit muß man annehmen, daß bei einer solchen Versammlung, die sämtliche kommunistischen Organisationen und alle mit den Kommunisten Sympathisierenden umfassen soll, die Ausstellungshalle zu klein sein müßte. Aber die Kommunisten überschätzten sich nicht. Sie riosen diese Versammlung ein bei Heining auf der Gewerkenstraße, in einem Saal, der höchstens 150 Personon faßt. And wieviel waren nun am Samstagabend anwesend. Aus ganz Gelsenkirchen 80 handfeste Kommunisten und Kommunistinnen einschl. Jugendlicher und Sympathisierender, das war der Auftakt zur Wahl der Kommunistischm Partei. In dieser Konferenz wurde beratschlagt, wie man am besten die Sozialdemokratische Partei waylpolitisch schädigen könnte. Nichts war zu hören von dem Kampf gegen die bürgerlichen Parteien, nichts# hören vom Kampf gegen den Kapitalismus Nein, nach dem Verlauf der Konferenz schaltet die Kommunistische Partei als Feind der kapitalistischm Gesellschaft aus. Der einzige Geaner. den die K0D. zu bekämpfen hat, ist die Sozialdemokratische Partei. Wenn sie diesen Gegner vernichtet hat, dann ist die soziale Frago der Arbeiterklasse, ach, Verzeihung, ich meine, die soziale Frage einiger kommunistischer Vonzen gelöst. Ebrenamtliche Tätigkeit bei den Wahlen am 17. November 1929. Für die Durchführung der am 17. November d. J. stattfindenden Drovinziallandtags. und Stadtverordnetenwahl ist die Stadtgemeinde Gelsenkirchen=Buer in 216 Abstimmungsbezirke eingeteilt. Hiervon entfallen auf Gelsenkirchen 155, auf Buer 50 und auf Horst 11 Abstimmungsbezirke. Zur Bildung des Wahlvorstandes für die einzelnen Abstimmungsbezirke hat die Stadtverwaltung je einen Wahlvorsteher und einen Stellvertreter ernannt, während die Beisitzer und die Schriftführer von den Wahlvorstehern zu ernennen sind. Die Beisitzer sind aus den Wahlberechtigten der betreffonden Abstimmungsbezirte„„ ernennen, während der Wahlvorsteher, sein Stellvertreter und der Schriftführer aus den eigenen oder anderen Stimmbezirken ernannt werden können. Die Jahl der Beisitzer beträgt 3 bis 6. Mit Rücksicht darauf, daß an diesem Tage zwei Wahlen stattfinden, wobei eine größere Anzahl von Hilfskräftem nötig sein wird, empfiehlt es sich, die höchstzulässige Zahl von Beisitzern zu bestellen, also für jeden Abstimmungsbezirk 6 Beisitzer. Demnach sind für jeden Abstimmungsbezirk 9 und für die 216 Abstimmungsbezirke der Stadtgemeinde zusammm 1944 Vorstandsmitglieder erforderlich. Nach den gesctlichen Vorschriften(§ 38a des Reichswahlgesetzes) ist jeder Bürger zur Aebernahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Wahlvorstande verpflichtet. Die Berufung zu diesem Ehrenamt dürfen nur ablehnen die Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften, Wähler, die in einem Wahlvorschlaa benannt sind, und solchn, die das 60. Lebensjahr überschritten haben. Ferner können die Uebernahme dieses Ehrenamtes solche Personen ablehnen, die glaubhaft machen, daß ihnen die Fürsorge für ihre Familie die Ausübung des Amtes in besonderem Maße erschwert oder daß sie durch Krankheit oder Gebrechen verhindert sind. Wähler, die die Uebernahme eines Wahlehrenamtes ohne gesetzlichen Grund ablehnen, können von der für die Bestellung der Wahlvorsteber zuständigen Behörde in eine Ordnungsstrafe genommen werden Kreiswahlleiter für die Provinziallandtagswahl. Durch Beschluß des Provinzialausschusses ist der Oberbürgermeister Eichhoff in Dortmund zum Provinzialwahlleiter und zu dessen Vertreter Bürgermeister Hirsch, Dortmund, ernannt worden. Das Büro des Provinzialwahlleiters befindet sich im Statistischen Amt, Dortmund, Kleppingstraß 29, und ist telesonisch durch Dortmund, Stadtzentrale, zu erreichen. Der Volkschor Gelsenkirchen Mitglied des Deutschen Arbeiter=Sänger=Bundes. Die künstlerische Leitung lieat seit Jahren in den bewährten Händen von Hermann Esser Der Chor erläßt an alle Freunde der Musik und des Gesanges diesen Aufruf! Die Arbiterschaft, von dem Wunsche beseelt, auch teilzunehmen an dem kulturellen Aufbau unseres Volkes, hat sich in den Arbeitergesangvereinen zusammengeran, um diesen ihren ehrlichen Willn in die Tat umzusetzen. Seit Jahrzehnten sind sie diejenigen, die mit ihren Liedern den Veranstaltungen der Arbeiterschaft einen würdigen Nahmen geben. Trotz all der schweren Jniten, Krieg, Inflation und Arbeitskrisen haben sie immer wic: Mut und Oxserwillen ausgebracht, um vorwärtszustreben, nach bi heren künstlerischen Leistungen. In den Nachkriegsjahren nahm die Volkschor=Bewegung innerhalb des Deutschen ArbeiterSänger=Bundes einen gewaltigen Aufschwung. Aeberall in deutschen Gauen schlossen sich Bereine zu großen, Iistungsfähigen Volkschören zusammen in der Erkenntnis, daß„Vereinte Kraft Großes schaift". All die großen Meister der Tonkunst finden in den Volkschören ihre berusensten Förderer. Oratorien, Sinfonien, Volkslieder und dergleichen werdem für einen bemessenen Eintrittspreis der breiten Masse der Schaffenden zugänglich gemacht Auch hier im Stadtteil Gelsenkirchen bestiht seit langer Zeit der Volkschor, dessen verschiedene Konzerre zeigten, daß auch in unserer Stadt die Arbntersänger von dem Willen beseelt sind, wirkliche Kunst zu pflegen. Große Opfer finanzieller und sonstiger Art sind notwendig, um all die gropen Werke vor einem intereffiertn Publikum aufführen zu koinnen. Diese Möglichkeit ist gegeben, wenn ein großer Kreis von Freunden geschaisen wird, die bereit sind, uns in unserer Betätigung zu unterstützen. Wir appillieren nun auch an Sie, helsen Sie uns mit, diese uns acstellten Aufgaben würdig zu erfüllen. Werden Sie Mitglied des Volkschors Gelsenkirchen! Sind Sie stimmbegabt, treten Sie ein in die Nihen der ektiven Sängerinnen und Sänger. Erlaubt s Ihre Zeit nicht, aktiv mitzuwirken, so bitten wir Sie, als förderndes Mitglied einer gutem Sache ihren Diens„u erweisen. Sollten Sie sich zur Mitgliedschaft entschließen, so füllen Sie die Ihnen zugesandte Zeitrittserklärung aus und lassen Sie dieselbe uns durch die Post oder sonstige Vermittlung zugehen. Der monatliche Beitrag beträgt für weibliche Mitglieder 50 Rpf., für männliche Mitglieder 80 Rpf., Aufnahme 50 Rpf. In der Zeit vom 1. bis 15. Oktober findet eine Werbeaktion statt. Die Proben finden statt für dm Männerchor Dienstags von 20 bis 22 Uhr im Metallarbeiterheim, Augustastraße. Freitags von 19.30 bis 22 Uhr für Frauen und Mädchen in der Aula des Realgymnasiums, Hochstraße. Am 24. November(Totenfest) findet unser diesjähriges Herbstkonzert statt. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Proben besonders pünktlich und restlos besucht werden Hat der Arbeiter Nutzen von der Beherrschung der Kurzschrift? Der Wert der Kurzschrift für den Kaufmann. Beamten und Angestellten ist strit langem unbestritten. Alle möglichen Schulen, Anstalten und Kurse vermitteln den Lernbegierigen dieser Berufszweige diese Kenntnis. Welche Aussichten aber birtet man den Angehörigen der Arbeiterberufe? Anbestritten ist beute schon die Notwendigkeit der Beherrschung der Kurzschrift für den im Dienste der Allgemeinheit stehenden Arbeiter. Vereins= und VerDie Stadtverordnetenkandidaten der Sozialdemokratischen Partei. Nach eingehender Beratung durch den erweiterten Vorstand wurde in der am vorigen Sonntaa stattgefundenen Generalversammlung fast einstimmig folgende Stadtverordnetenliste aufgestellt: Johann Brüntink, Parteisekretär August Halbsell, Direktor des Arbeitsamtes Johann Reichrath, Bergmann Ferdinand Schrader, Schlosser Mimy Vorreiter, Ehefrau Fritz Symaneck, Beramann Gustav Junga, Bergmann Wilhelm Schmiegelt, Arbeitersekretär Luise Pfeifenbring, Ehefrau Willi Franken, Arbeitsvermittler Margarete Zingler, Ehefrau Heinrich Buschfort, Lehrer Otto Koppers, Bergmann Robert Geritzmann, Wirt Josef Simmel, Bergmann Josef Jansen, Anstreicher Reinhold Hentschel, Vergmann Ernst Müller, Eisenbahner Martha Klempt, Ehefrau Hermann Zeide, Lagerhalter Oppermann, Lehrer Wilhelm Bischof, Kaufmann Gustav Naglatzki, Berginvalide Johann Pilch, Bergmann Fritz Bohne, Asphalteur usw. Bei der Aufstellung der Liste ist dem Wunsche der Mitgliedschaft entsprochen worden, die die Arbeiter aus den Betrieben besser berücksichtigt wissen wollte. Es ist nicht, wie der Buersche Genwalanzeiger berichtet, ein Beschluß gefaßt worden, daß künftig keine Kommunalbeamten zu Stadtverordneten zu wählen sind, da sie in dieser Eigenschaft mit ihren Pflichten als Beamtim im Widerspruch kommen, sondern es ist nur seitens des Vorstandes gegenüber den Beamten und Angestellten der Stadt der Wunsch geäußert worden, zurückzutreum, da breite Kreise der Oeffentlichkeit den städtischen Beamten und Angestellten als nicht von der Stadtverwaltung unobhängig ansehen. In keiner Weise ist ein grundsätzlicher Beschluß. keine Kommunalbeamten mehr auszustellen, gefaßt worden. Im übrigen kann kein Beamter als sozialdemokratischer. Stadtverordneter mit seinen Pflichten als Beamter in Konflikk kommen, da die Sozialdemokratische Partei keinem Beamten zumutet, seine Pflichten zu verletzen. Wir möchten dem Burschen Generalanzeiger nur dringend raten, aus solch wichtigen Versammlungen nur nach zuverlässiger Information zu biwwichten. sammlungsleite, Redner und Diskussionsredner, Vorstandsmitglirder, insbesondere Schriftführer, Parteisunktionäre, Betriebsratsmitglieder, kurz alle, die selbst Reden und Vorträge zu halten gezwungen sind oder den Vorträgen anderer folgen müssen zum Zwecke der Weitirverwertung, Teilnehmer an Fortbildungskursen jeglicher Art, Schüler von Berufs= und Werkschulen, sie alle haben die Ersüllung ihrer Aufaabe leichter, wenn sie das gesproch me Wort anderer niederschreiben können. Zur Erlernung der Kurzschrift(Einheitskurzschrift) erteilt die Industrieschule Gelsenkirchen Unterricht in einem Einhalbjahrskursus, und zwar Freitags von 19.30 bis 22 Uhr. Anmeldungen werden noch entacamgenommen bis Freitag, den 10. Oktober, 19.30 Uhr, auf dem Büro der Industrieschule zu Gelsenkirchen, Industriestraße 1. Das neue Arbeitsrecht, verankert in den Artikeln 157 bis 165 der Reichtverjassung brachte in den letzten Jahren eine Fülle neuer Bestimmungen, Aenderungen und Gesetze. Die Kenntnis der wichtiastn Bestimmungen bzw. der Grundzüge dieser Gesetze müßte Gemeinaut aller am Arbeitsrecht intrressierten Bürger sein. An der Industrieschule in Gelsenkirchen beginnt am 10. Oktober 1929, 19.30 Uhr, im Raum 33 des Hauptgebäudes, Industriestraße 1, ein arbeitsrechtlicher Kursus. Ausaehend von dem Grundgedanken, daß a'meiniame Arbeit aleiche Rechte bedingen, sollen dort zunächst#### arbeitsrechtlichen Beziebungen zwischen Untern hmer und Arheiter acklärt werden. Es schließen sich die Besprechungen folgender und anderer Gescte an: Die Arbeiterschut bestimmungen, das Tarifwesen, das Betriebsrätegesct, die Arbeit vermittlung, die Arbeitslosenversicherung und das Arbeitsgerichtsgesetz. Die Teilnehmer müssen zumindest 18 Jahre alt sein. Anmildungen nimmt das Büro der Industrieschule in Gelsenkirchen, Industriestraße 1, bis 19.30 Uhr, entgegen. Anmeldungen können auch am ersten Unterrichtsabend(Freitag ahnd) vorgenommen werden. Gegen die Führerscheinfreiheit der Kleinkrafträder. Wenn man betrachtet, daß laut polizeilicher Statistik fast 80 Prozent Verkehrsunfälle auf das Konto der Fahrer führerscheinfreier Kleinkrafträder entfallen, so gibt das zu ernstklichem Denken Anlaß. Es braucht wohl nicht lange untrsucht zu werden, daß die Wurzel dieses Aebels hauptsächlich darin zu finden sein wird, weil dem größten Teil dieser Fahrer die Kenntnis der Verkehrsregeln fast völlig abgeht. Grundsätzlich wäre hierzu zu fordern, daß jeder, der mit irgendeinem größeren Fahrzeug die Fahrstraße benutzt, die polizeilichen Verkehrsvorschriften kennen muß. Was man bei der einen Gruppe von Führern als selstverständlich voraussetz,, sollte bei dieser im Interesse der öffentlichen Verkehrssicherheit notwendig zur Pflicht gemacht werden, namintlich schon aus dem Grunde, wenn man bedenkt, daß auch diese Kleinkrafträder oft eine Geschwindiakeit erzielen, die manchen anderen Kraftfahrzeug kaum nachstcht. vielleicht einige sogar übertrifft. Druckt man jetzt schon die still: Erwartung aus, auch für Kleinkrafträder baldigst den Füdrerschein zu verlangen, so ist aber auch zu bedenken, welche wirtschaftlichen Folgen für unsere Motorradindustrie plötzlich in dem Augenblick entstehen werden, wenn die Einführung dieses genonnten Ausweises Tatsache wird. Eine Absatzkrise wird sicherlich eintreten. Was das für die breite Masse des Volkes ausmacht, ist leicht erklärlich. Ein anderer Grund der hohen Verkehrunfallzahl ist darin zu finden, daß manchem zum Teil die Handhabung seines Fahrzeuges noch unbekannt ist, so daß diese eben durch ihre Ansicherheit in gegebenen kritischen Fällen die Herrschaft über das Fahrzeug verlieren und so ein Anglück schnell verbeiführen. Den Minderjährigen, die nicht einmal des Radfahrens kundig sind. ist dieses Handwerk grundsätzlich zu verbirten. Hier wäre die Festsetzung eines gesetlichen Mindestalters angebracht. Nun soll ein Wea ge#eigt werden, der virlleicht einen Mittelweg darstellen könnte. Vor einigen Tagen wurde von der hiesigen städtischen Ineustrieschult ein„Merkblatt für vorwärtsstrebende junge Leut" verteilt. Es handelt sich um die bekannten freiwilligen Abendkurse. Außer den Vollkursen waren Einzelkurse vorgesehen, so u. a. auch einer„Vorkehrskunde".„Fahrdienst und Verkebrsregeln“ betitelt.— Hier ist vielleicht ein Wea. Könnten nicht die Fahrer führerscheinfreier Mortorräder einen solchen Unterricht, der doch sicher von fachkundiger Hand erteilt wird, besuchen? Am Kursusende würde eine Bescheinigung über den regelmößig mit Erfola besuchten Kursus ausgestellt, die dazu berechtigt. ein Kraftrad zu führen. Allen denjenigen, die schon im Bsitze eines Kleinkraftrades sind, ist in einem gewissen Zeitraum Gelegenbeit zu geben, sich eine solche Bescheinigung zu erwerden. In einigen Städten sind ähnliche Kurse schon ausgemacht, z. B. Frakfurt am Main, Essen. Da un viele den Kostenpunkt scheuen, so gebt aus dem Merkblatt, wie vielleicht noch erinnerlich, divor, daß diche Kurse gar keine zu hohen Ankosten verursachen, weil ehen diese Kurse bei einigermaßen gmügender Beteiligung von sich aus lebensfähig sind Hoffentlich werden sich die hiesigen Instanzen auch einmat mit dieser Anregung besassen, ob es nicht möglich sein wird, Maßnahmen im obigen Sinn= zu ergreisen, um die bohe Verkehrsunfallziffer beträchtlich zu senken. Der Verkehr steigert sich mit jedem Tage mehr und mehr, und Abhilfe tut hier underingt not! Zusammenstoß zweier Kraftfahrzeuge. An der Ecke Wanner und Wattenscheidor Straße stieß Freitag nachmittag ein Personenauto mit einem Lastkraftwagen zusammen. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Der Führer des Dersonenkraft= wagens wurde bei dem Zusammnstoß schwer verletzt Er fand Aufnahme im Krankenhause. Der Lenker des Lastkraftwagens kam mit leichten Verletzungen davon. Die Schaufensterscheibe einactreten. In den frühen Moroenstunden des Freitag hat ein Erwerbsloser, der keinen jesten Wohnsitz hat, in einem Geschäft in der Bochumer Straße mit dem Fuße eine Fensterscheibe einactreten. Der Täter wurde auf der Bahnhofswache eingeliefert.(Wahrscheinlich wollte er im Gesängnis Unterkunft haben— er hat es jad?n Wetter besser als auf deer Straße.) Buer. Jubilare der Arbeit. Aus Anlaß der 25jährigen Dienstzeit im Betriebe der früheren staatlichen Jeche Beramannsglück und Westerhokt sand am Samstagabend im Zechengasthaus in Buer=Haffel zur Ehrung der acht Jubilare, darunter sechs von der Schachtanlao## Bergmannsglück und zwei von der Schachtanlage Westerholt: eine wohlgelungene Feier statt, zu der die leitenden Beamten und die Betriebsratsmitglieder ebenfalls erschienen waren. Als die Jubilare und die Herren der Verwaltung an der blumma: schmückten Tasel im freundlichen kleinen Saale des Jechengasthauses Platz genommen hatten, ergriff nach eini Musitvortrag Oberbergrat Compes das Wort und widmete den Irbilaren im Namen der Bergwerks=AG. anerkennenswerte Worte d's Dankes für die treuen hingebenden Dienste. Er gab seiner Freude bisonders Ausdruck über das gesunde und rüstige Aussehen der Jubilare, die so lange Jahre ihrer harten Berufsarbeit vorbildlich nachgekommen sind. Er freue sich ferner, mitteilen zu dürsen, daß es gerade in der letzten Zeit mit der Förderung auf Veramannsglück wieder bergauf ginge und ließ seine warmberzigen Worte in ein dreisach donnerndes Glückauf auf die Geieierten ausklingen. Während Herr Dietzka als Mitglied des Betriebsrats seine Glückwünsche darbrachtt, konnte Herr van den Voom namens des Angestelltenrats seinen Dank in der gleichen Weise abstatten. Den unterhaltenden Teil des Abends hatt; die Beramannsglücker Musikkapelle übernommen, die sich ihrer Ausgabe auf das beste entledigte. Nachfolgende Jubilar: wurden mit einem Geldgeschenk, einer Uhr usw. bedacht: Abteilungssteiger Jahns, Wäschearbeiter Glombiowski, Vorarbeiter Gredorf Fördermaschinist Brinkmann, Hauer Kraus, Fürdermaschinist Luft, Fahrhauer Nolde, Schachthauer Stiller Zwedel und Scholven ehren ebenfalls die Jubilare. In derselben Wise wie die Schachtanlagen Vergmannsglück und Tr.,verholt konnten ebenfalls am Samstagabend im Kreise der Werksleitung die Anlagen Zwedel und Scholven ihre fünf Judilare ehren. Die Fvier sand im Bestischen Hof statt und wi*e von musikalischen Darbietungen umrahmt. Die Werksleitung hatte es sich nicht nehmen lassen, die Jubilare dura. die Ueberneichung einer Uhr. eines Geldgoschenke sowie eines Diploms zu ehren. Der Werksdirektor sand anerkennenswerte Worte für die treuen Dienste der Jubilare und gab der Hoffnung. Ausdruck, daß sie sich noch lange der besten Gesundheit erireuen möchten Die Namen der Jubilare sind: Hauer Heinrich Lünemann und Brückenmeister Wilhelm Seibert von Zweckel, Grubenschlosser Friedrich Sembritzki, Schachtausseher Adoirh Ferse und Hauer Hurmann Horstenkamp von Scholnen. Betriebsstörung. Am Samstagmorgen stürzte amf der Schachtanlage Scholven ein Förderwagen in einen im Betriet befindlichen Blindschacht. Dadurch wurde ein Seilbruch herbeigeführt. Durch diese empfindliche Betriebsstörung, die in einem der wichtigsten Förderreviere passierte, und die einen gro## Materialschaden sowie Kohlenausfall nach sich zog, ist auch die Belegschaft geschädigt worden, da die Morgenschicht sofort ausfahren und die Mittagschicht ausblriben mußte. Verkehrsunsall. Am Freitagabend ereignete sich auf der Bismarckstraße in Buer=Erle, in der Nähe der katholischen Kirche, ein Verkehrsunfall. Als der Sohn des Kaufmanns G. die Straße überqueren wollte, beachtete der Junge, der wegen des starken Regens einn Schirm trug, nicht genügend auf ein ankommendes Dursonenauto. Das Auto ersaßte den Jungen, so daß dieser erhedlich zu Fall kam. Er wurde in verletztem Zustande dem Krankenhause zugeführt. Horst. Eine billige Autofahrt wollte sich ein hiesiger Angestellter Listen, als er am 29. d. M. ein Auto für eine Fahrt nach Dortmund bestellte. In Waltrov stiegen dem Chausseur Bedenken auf über die Jahlungssähigkeit seines Gastes. Er verlangte Zahlung des Fahrgeldes in Höhe von 24 RM. Jetzt stellte es sich heraus, daß der nodle Fahrgast ohne jegliche Barmittel war Statt nach Dortmund, wurde er nun der nächsten Polizeiwache zugeführt, woselbst die Personalien fustgestellt wurden und wird er sich nun wegen Betruges zu verantworten haben. Diedstahl. Einem Anwohner der Hermannstraße im Stadtteil Horst wurden am 4. d. M. aus der Küche ein Portemonnaie mit 38 RM. Inhalt gestohlen.— Dem Kaufmann Sch. im Stadttei! Horst wurde durch Jertrümmern der Schaufensterscheibe ein Hochfrequenzapparat, Nr. 202279, gestohlen. Er wußte Bescheid. Am 4. Oktober 1929 wurde bei einem Anwohner Im Hirschwinkel eingebrochen und aus der Wohnung Geld im Gesamtbetrage von 61,85 RM. gestohlen. Die Frau hatte die Wohnung verlassen und vorder abgeschlossen. Als sie zurückkrorte, fiel es ihr auf. daß die Etagentür nicht mehr verschlossen war. Beim Nachseben stellte sie dann fest, daß aus dem Küchenschrank das Geld herausgenommen war, desgleichen sehlte ein in einer Wanduhr versteckter Betrag von 55 JM. Bei ihrer Rückkehr stieß die Frau in der Haustür auf eine fremde Derson, die für die Tat wohl in Frage kommen könnte. Sie war etwa 1,70 Meter groß, 20 bis 25 Jahre alt und war bekleidet mit dunklem Mantel, dunkelgrauem Hut und auffallend dellen Haldschuben. Gerichtliches. Schöffengericht Gelsenkirchen. Ein Freispruch. die Straßenbahn muß sich dem modernen Verkehr anpassen. Ein Autobesitzer K. war wegen Eisenbahntransport= gefährdung angeklagt, er war nachts gegen 12 Uhr an der Wanner Straße an der Ausweiche Bulmke an einem haltenden Straßenhabnwagen vorbeigefahren. ein Fahrgast stieg in dem Augenblick aus, der Autofahrer warf seinen Wagen im letzten Augenblick nach links herum, dabei wurde das Trittbrett des Straßenbahnwagens verbogen, zum Glück wurde aber der ausgestiegene Fahrgast nicht verletzt. Der Staatsanwalt selbst beantragte Freispruch, weil der Autofahrer nicht hatte vermuten können, daß an dieser Stelle, wo keine Haltestelle war, Fahrgäste aussteigen würden. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Back, führte ein Arteil des Kammergerichts an, in dem entschieden worden war, daß auch die Straßenbahn sich dem modernen Verkehr anpassen müsse, Rechtsanwalt Back vertrat die Ansicht, daß die Straßenhahn durch Lichtsianale oder andere Zeichen kenntlich machen müsse, wenn außerhalb der bestimmten Haltestellen Fahrgäste aussteigen. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Auch ein Schulkampf! Angeklagt war eine Frau K. wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung. Sie hatte eines Tages in einer katbolischen Volksschule eine Lehrerin geschlagen und beschimpft, dabei war die Brille der Lehrerin und eine Haarspange in die Brüche gegangen. Die Angeklagte saat zu ihrer Entschuldigung, daß sie und auch ihr Mann schon mehrfach bei der Lehrerin gewesen seien, weil sie ihrer Tochter, einem Mädel von 14 Jahren, immer Vorhaltungen wegen des Bubenkopfs und wegen zu kurzer Röcke gemacht habe. Sie ließ auch durchblicken, daß die Ledrerin das Mädchen wohl nicht leiden möge, weil das Kind nicht oft genug zur Kirche gebe. Die Lehrerin, die als Zeugin vernommen wurde, schildert ihrerseits den Fall so: Sie habe das Mädchen ausacfordert, sich die ins Gesicht hängenden Haare zurückzustecken, trotz mehrfacher Aufforderung habe das Kind detan, als ob es nicht hören könne. Sie habe das Mädchen dann ausgefordert, nach vorn zu kommen, aber das Mädchen habe das Zimmer verlassen und sei nach Hause gegangen. Nach einer Weile habe es dann geklopft, die Lehrerin sei auf den Flur gegangen. Frau K., die mit ihrer Tochter zurückgekommen war, schlug sofort auf die Lehrerin ein, die Brille fiel auf den Boden und wurde verbogen, ebenso aina die Haarspange der Lehrerin entzwei Als andere Lehrerinnen herbeikamen, ließ sich die Frau noch in heftigen Beschimpfungen aus. Das Gericht verneinte die Sachbeschädigung, verurteilte die Angeklagte aber wegen Körperverletzung und Veleidigung zu 40 RM. Geldstrafe, die sie in Raten zahlen kann Damit war die Geschichte mal vor dem Gericht zu Ende, es ist schade, daß das Gericht nun nicht noch entscheiden kann, daß das Kind in eine andere Schule kommt— vielleicht hat die Schulbebörde diese vernünftige Verfügung schon getroffen. Denn diese Lehrerin und dieses Mädchen werden sich niemals mehr verständigen können. Der Mutter des Mädchens ist freilich auch zu raten, dem Mädel mal das allzu wirre Lockenhaupt etwas besser zu ordnen, so wie sie im Gerichtssaal erschien, war's wirk. lich keine Schulmädelfrifur. Diebstahl, Betrug und Hehlerei. Eine ganze Menge Angeklaater hatten sich wegen Diebstabls eines Mantels. Betrugs und Hehlerei zu verantworten. Der Angeklagte J. hatte eines Taaes einen auten Mantel, der einem Veremann gehörte, durch einen Jungen aus dem Schrank holen lassen. Der Mantel wurde dann bei einer Familie in Steele verkauft. Die aleiche Familic kaufte auch noch Silbersachen und später eine Nähmaschine. Ein gewisser D. hatte die Verkäufe vermittelt. Als er dann eines Tages erfuhr, daß der Mantel einem jungen Mann gestohlen worden war. besaß er soviel Gewissen, dem Geschädigten zu sagen, wo der Mantel war. dadurch kam die Sache veraus. Dieser aleiche P. datte die Silbersachen in einem Geschäft auf Abzahlung gekauft und sie dann weiterverkauft, ohne daß die Sachen bezahlt waren. Der Besitzer der Nähmeschine, ein gewisser P., mußte auch eingestehen, daß die Maschine auch auf Abschlaa gekauft und und noch nicht voll bezahlt war. Er hatte sie weiter verkauft, weil er in Not war. er hatte aber die noch fälligen Raten zahlen wollen, so daß niemand Schaden gehabt hätte. J. der wegen Diebstabls schon mehrfach vorbestraft war, erhielt fünf Monate Gesängnis wegen des Manteldsebstabls, davon 2 Monate verbüßt. P., der auch kein unbeschriebenes Blatt mehr ist, bekam wenen des Verkaufs der Silbersachen, die er noch nicht bezahlt hatte, zwei Monate Gesängnis, der Besitzer der Nähmaschine kam mit 50 RM Geldstrafe davon. Das Ehepaar aus Steele, das die Sachen gekauft hatte, winde freigcsprochen. Die Leute, die völlig unbe scholten waren und einen sehr guten Eindruck machten, konnten glaubhaft nachweisen, daß sie in dem Glauben waren, er handele sich um reell erworbene Sachen. Wo bleibt das Großstadtgefühl? Der Gelsenkirchener Verkehrsverein berichtet die Ausführungen, die in der Vereinsratssitzung des Burschen Verkehrsvereins am 27. September gemacht wurden in Darlegungen, zu denen wir uns zunächst jeden Kommentars enthalten. Die Taktlosigkeit, mit der der Buersche Verkehrsverein seit Jahr und Tag schon über alles herfällt, was irgendwie mit dim Namen„Gelsenkirchen" im Jusammenbang steht, ist so ungebeuerlich und wird in einem derart starken Ausmaß von Anwahrheiten bestimmt, daß wir uns verpflichtst fühlen, hiergegen im esse der Verkehrsentwicklung unserer Großstadt Front zu machen In der Vereinsratssitzung des Buerschen Verkehrsvereins vom 27. September ist u. a. der unglückliche Versuch aemacht worden, den Gelsenkirchener Vurkehrsverein, feine Arbeit und Arbeitsmethode, in den Augen der Bevölkerung Herabzusetzen. Was wurde behauptet? : 1. V o n B u e r a u s w ü n s c h v m a n e i n e G e m e i n s c h a f t s a r b e i t mit Gelsenkirchen. Den besten Beweis hierfür liesere die Tatsache, daß der Buersche Verkehrsveroin die in Buer benötigten Schlafwagenkarten und MER=Fahrscheinhefte nicht mehr durch ein Essener MER-Büro, sondern durch den Gelsenkirchener Verkehrsunein bezöge. 2. Der Gelsenkirchener Verkehrsvenein lasse dagegen den Willen zu einer Gemeinschaftsarbeit vermisslm, denn er habe es nicht einmal für nötig defunden(kurz nach der Städtevereinigung) der Einladung der Stadtverwaltung an die Verkehrswreine zu einer Besprechung über die Aenderung der Straßennamen Folge zu leisten. 3. Die Stadtverwaltung Gelsenkirchen=Buer scheine an dem Weiterbesuihen des Buerschen Verkehrsvereins kein esse meyr zu haben. An die Spitze unserer Ausführungsbestimmungen möchten wir zunächst einmal die Behauptung stellen: Die Arbeit, din gegenwärtig der Bucrsche Verkeyrsverein leistet, hat nicht das mindeste mit dem Aufgabenkreis eins Verkehrsvereins zu tun. Sie äußert sich nicht in„Verkehrspolitik“, sondern in auserlesener„Kommunalpolitik", besser gesagt, in der Kommunalpolitik des Buerschen Mittelstandshaustes. Der Bucrsche Verkehrsverein hat völlig vergessen, daß sich die Bürger zur Wahrung des kommunalen„Eigenlebene besondere Wortführer— die Stadtverordneten— wählten, daß es neben ihm auch noch Interessenvertretungen in den wirtschaftlichen Vereinigungen gibt. (Arbeitgeber= und Arbeitnehmervereinigungen, Innungsausschuß, Kaufmannschaft usw.) Es dürfte jedoch für den Geschäftsführen eines Verkehrsvereins, wenn er auch gleichzeitig Sondikus eines Innungsausschusses ist, nicht schwer fallen, eine reinliche Scheidung seiner Arbeitsgebiete vor zunehmen. And nun wollen wir in die mystischen Ausführungen, die in der Fuitagssitzung des Buerschen Verkehrsvereins gemacht wurden, einiges Licht bringen: Zu 1. Es ist richtig, daß der Buersche Verkehrsverein heute Eisenbahnfahrkarten und Bettkarten im Reisebüro des Gelsimkirchener Verkehrsvereins bezieht. Aber ist es denn etwas Außergwöhnliches, daß die Bürger einer Stadt Fahrscheinhefte usw., die sie an den Schaltern ihrer Bahnhöse nicht erhalten können, in dem in ihrer Stadt bestehenden Reisebüro kaufen? Es dürfte wahrlich ihr ssicht sein, ihro Einkäuse am Ort zu tätigen, zumal in bezug auf Fahrkarten, denn es ist genug daraufhingewiesen worden, daß Fahrkarten, die an Essener Bahnhöfen oder in Essener Auusevüros gelöst werden, mar zugunsten unserer Eisenbahnstrecken gezählt werden. Sie erscheinen zwangsläufig in den Statistiken über den Verkehr auf den Konrurrenzlinum. Wenn deshalb der Buersche Verkehrsverein seine Fahnausweise buim Gelsenkirchener Verkehrsverein bezieht, so unterstützt er nicht diesen, sondern er hilft die Interessen der Großstadt Gelsenkirchm=Buer wahren. Sollte aber der Referent der Freitagssitzung an die finanziellen Vorteile gedacht haben, die der Buersche Vurkehrsverein durch seine Aufträge dem Gelsenkirchener Verkehrsverein verschaffte, so möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich feststellen, daß der Gelsenkirchener Birkehrsverein dem Buerschen Verkehrsverein von der ihm zustehenden Verkaufsprovision stets die Hälfte abaetreten hat. Im übrigen möchten wir dem Verkehrsverein Buer den Rat geben, intensivere Verkehrswerbung zu betreiben, dimn es ist für einen Stadtteil, dessen Vertreter von der Bedeutung ihres Verkehrs üb rzeugt sein wollen, wahrlich ein mehr als kümmerliches Ergeb is, innerhalb von 4 Monaten(in der Hauptreisezeit auch noch) für nur 7000 KM. Fahrtausweise umgesetzt zu haben. Einen solchen Betrag erreichten wir in unserem Risebüro an einem einzigen Tage. Aber, aber— Fau Leuerkauf!! Sie konnten doch soviel sparen, wenn Sie immer„ „die gutbürgerliche stischung trinken würden— * Bohnenkassee und*p; Kathreiner selbst mischen! Das ganze Pfund-Paktt Kathreiner kostet 55p Noch ein Freispruch. Der Angeklagte D. betritt die Anklagebank als schwerkranker Mensch. Er kann nur mühsam vorwärtskommen, und bei der Verhandlung kommt heraus, daß der Anglücklich bei einem Betriebsunfall die Wirdelsäule gebrochen hat. Ihm wirn ein Diebstahl an anderen Arbeitern, die mit ihm im gbichen Loais waren, zur Last gelegt. Die Arbeiter waren auf Nachtschicht. P. hatte dagegen keine Arbit und machte eine Bierreise. Er kam mehrere Male nachts mit anderen nach Hause in das Jimmer, am Morden will er dann ganz betrunken gewesen A#n und von fremden Männern im Aulo nach Hause gebracht worden sein. Am nächsten Morgen entdeckte er— nach seinen Angaben— daß all: Schränke und Schubladen erbrochen und die Sachen der anderen gestohlen waren. Aus Bestürzung über diese Entdeckung In der Vereinsratesitzung vom 27. September ist auch wodlweislich vrschwiegen worden, daß es Monate, viele Monate gedauert hat, ebe sich der Buersche Verkehrsverein dazu bestimmen ließ, seine Eisenahnsabrausweise im Reisidüro des Gelsenkirchener Verkehrsven#ins zu bestellen. Als Grund für die ablehnendo Haltung wurde von Buerscher Seite seinerzeit behauptet, daß einige der früber schon einmal bestellten Hefte nicht ordnungs. mäßig und pünktlich geliefert worden seien. Ganz abgestchen davon, daß diese Anregelmäßigkeiten keineswegs einwandfrei nachgewirsen werden konnten, durften sie nicht dazu herhalten, die Verkehrsbelange der Gesamtzahl zu schädigen. Fehler kommen üerall vor, an jedem Bahnhofsschalter, in jedem, auch dem größten Risebüro. And noch eins: Hätte der Verkehrsverein Buer von jeher Hand in Hand mit uns gearbeitet, so wäre der Bestand des Bestischen D=Zuges(mit Schlafwagen) weit eber gnwährleiftet worden. Zu 2. Warum entsandte der Gelsenkirchener Verkedrsverein zu der in der Freitagssitzung angczog nen Besprechung über die Aenderung der Straßennamen keinen Vertreter? Der Buersche Verkehrsverein scheint in der Tat sehr vergeßlich zu sein. Vermag er sich nicht zu erinnern, daß es sich damals in erster Linie darum handelte, eine„Arbeitsoemeinschaft der in Gelsenkirchm bestehenden Verkrhrsvereine“ zu begründen? Geniert es ihn vielleicht, zu bekennen, daß der Einladung der Stadtverwaltung eine andere vorausging, die die gleichen Ziele verfolgte. Diese Einladung richttte der Gelsenkirchener Verkedrsverein an die Verkehrsvereine in Buer und Horst. Die von uns gewünschte Besprechung fand aber nicht statt, weil wir eben von Buer aus von vornherein sabotiert wurden. Wir wolllm uns jeder weiteren Acußerung hierüber enthalten, aber doch die Schlußfolgerung zieben: Der Buersche Birkehrsverein ist als allerletzter benichtigt, über die wahre Auffassung einer Gemeinschaftsarbeit ein Artei fällen. Wir, in Gelsenkirchm, haben alles getan, um die Gemeinschaftsarbeit zu fördern: Das„Handbuch des Verkehrswesens der Stadt Gelsenkirchen=Bur", das vor Jahren von uns begründet wurde und bereits die 8. Auflage erlebte, wird jetzt vom Gelsenkirchen Verkehrsverein mit Unterstützung des Allgemeinen Verkehrsvereins Buer herausgegeben. Die Geschäftsführung des Buerschen Verkehrsvereins wurde auch gebten, zuu Veröffentlichung im„Verkehrs=Turm", unserer Monatsschrift, Werheaussätze für den Stadtteil Buer zur Verfügung zu stellen Anträge betressend den Straßenbahn=, Post= und Telegraphenverkehr u. a., die uns aus dem nördlichen Stadtteil zugingen. sind schnellstens und nachhaltigst unterstützt worden. Daß wir, wo immer wir können, mit allen Mitteln nicht nur für die Gelsenkircher Verkehrsbelange, sondern auch für die der Stadtteile Buer und Horst eintreten, würde die Stadtverwaltung den Herren vom Buerschen Verkehrvverein jederzeit bescheinigen können. Zu 3. Jur Frage, ob die Stadtverwaltung GelsenkirchenBuer an dem Weiterbestihen des Verkehrsvereins Buer kein Interesse mehr habe, bimerken wir folgendes: Wir glauben nicht, daß die Verwaltung jemals daran gedacht hat, den Verk.hrsverein Buer, der gewiß seine Verdienste hat, zu vernachlässigen. Eine Benachteiligung nun aber in den ungleich bemesseum Zuschüssen an die Vereine zu suchen, ist völlig abwegig. Der südliche Stadttil, Gelsenkirchen, zählt über 200 000 Einwobner, Buer im Norden keine ganzen 100 000. Der Ausgabenkreis des Gelsenkirchener Verkehrsvereins ist mithin ein weit größerer, er ist vor allem ein viel komplizierterer als der des Burschen Verkehrsvereins, sowohl in bezug aus den Eisenbahn=, Dost=, Telegraphen= und Straßendahnverkihr, als auch hinsichtlich des alloemeinen Fremden= und Reiseverkehrs. Die Vereine müssen deshalb schon ihren Bustungen entsprechend finanziell unterstützt werden. Der Buersche Verkehrsverein läßt außerdem aber noch ein anderes wichtiges Moment außer acht: Der Gisenkirchener Verkehrsverein unterhält ein MER=Büro im Interesse allgemeiner Verkorserleichterung. Ein solches Büro bleibt in den Händen einer gemeinnützigen Organisation ein Zuschußunternehmen: es muß es bleiben, damit jedum gedient wird, insonderheit dem Gros der Bevölkerung, den ungezählten Rat und Auskunft suchenden Arbeitern. Es muß zmtral gelegen sein und auch Entwicklungsmöglichkeiten haben, entsprechend der Bedeutung einer Großstadt und dem Ansehen, das Gelümbirchen=Vuer draußen genießt.— Es kann aus allen diesen Gründen keinen objektiv denkenden Dmschen geben, der nicht einseben würde, daß ein solches Unternehmm die weitest gehende Hilfe der Stadtverwaltung verdient hatte er sofort unter Zurücklassung seiner Papiere die Wohnung verlassen und er ist erst viel später in Chemnitz ermittelt worden. Es sprechen zwar recht viele Verdachtsmomente gegen den Angeklagten, besonders seine überstürzte Flucht, aber die Beweise reichten für eine Verurteilung nicht aus, er wurde freigesprochen. Veranstaltungen. Filmrortrag des Reichsbannerg Schwarz=Rot.Gold. Aeber 1000 Personen füllten am Sonntagvormittag das Apollo=Theater in Gelsenkirchen. Mit klingendem Spiel marschierte trotz Regen und Feuchtigkeit die Fehnensbteilung der O.=G. Gelsenkirchen auf. Nach einigen flotten Märschen der Apollo=Orchesters unter Leitung seines rührigen Kapellmeisters Damitz wurden dann Wochenschau und Kulturfilm ge###igt ann senkten sich die Fahnen des Reichobanners, und Kreitleiter Hau gedachte mit kurzen Worten des verstordemen Reichsaußenministers Stresemann, der zur gleichen Stunde in Berlin zur letzten Ruhe gleitet werde. Wenn Stresemann auch nicht zu uns gehöre, so dankten ihm doch die Republikener für seine Arbeit und seine Erfolge im Interesse einer Befriedigung Europas. Die Massenversammlung datte sich von den Plätzen erhoden und leise intonierte das Orchester eine Trauerweise. Sodann rollte der Film„Rivalen“, der das Schicksal zwoier Soldaten zeigt, die in treuer Kameradschaft zusammenhalten und irch nichts auseinanderbringen lassen, selbst nicht durch die stärkste Macht auf Erden: nicht durch eine Freu! Die Filme der Frankfurter und Berliner Versassungsseier fanden ungeteilten Beifall. Händeklatschen breuste auf, als Otte Hörsina im Bild erschien. In den Dausen sorderten Filmterte zur Beteiligung am Werdefackelzug am kommenden Sonntag in Gels#nbirchen und zur unermüdlichen Werbearbeit für das Reichsbanner auf. Mit einem dreisachen Frei Heil! aus Republik und Reichsbanner schloß dir Veranstaltung, die bei allen Teilnchmern tiefste Eindrücke hinterlassen haben dürfte. Die unisormierten Kameraden marschierten dann noch unter der üblichen Anteilnahme der Bevölkerunna geschlossen bis zur Wirse Freie Volksbühne Gelsenkirchen. Wir weisen nochmals darauf hin, daß die 2. Vorstellung der Freien Volksbühns am Mittwoch wegen der langen Dauer des Stückes pünktlich um 7 Uhr beginnt. Jur Aufführung gelangt „Die Dreigroschenoper“ in der Aebersetzung von Vert Brecht. Von der Dreigroschenoper sind Trtdücher, die die Sonas (Gesänge) enthalten zum Preise von 60 Rpf. in der Geschäftsstelle der Freien Volksbühne, Ringstraß: 33, und an der Abendkasse zu 11 Nr. 235. 11. Jahrg. Drittes Blatt. Volkswille Gelsenkirchen=Buer, Dienstag, den 8. Oktober 1929. Rseinkainsaunssain ankansansensinannsen eansaunsunsaun eunsiunkinsan Auf zu neuen Taten! Wir haben drei Tage mal nicht gebell: Im Angesicht seiner Bahre. Wir haben drei Tage sie eingestellt, Die Hetze der letzten Jahre. Doch nun hinweg mit dem zahmen Ton! Jeder weitere Tag ist vom Uebel! Ans juckt's in den Fingern drei Tage schon: Wieder her mit dem Jauchenkübel! Wieder fleißig im Namen von Schwarz=Weiß=Rot Der Verständigung Haß gepredigt! Wieder hurtig mit Zuchthaus und Galgen bedroht, Wer wie Stresemann sich betätigt! Nun wieder die Meute gesetzt in Trab Und wieder gezogen vom Leder! Nun nachgerufen ihm in sein Grab: Er war ein Landesverräter! Nun wieder die dreckige Walze gespielt, Am den Friedenskampf zu entehren! Wer Stresemann reif für das Zuchthaus hielt, Der stimme für's Volksbegehren! Schaffung von Radfahrwegen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bat der Regierungspräsident in Lüneburg durch Rundverfügung vom 8. August den Landräten und Bürgermeistern seines Verwaltungsbezirks folgendes mitgeteilt: „Die auf meine Verfügung vom 16. Februar dieses Jahres betrefsend Radfahrwege erstatteten Berichte lassen erkennen, daß der sozialen Bedeutung des Fahrrades nicht überall genügend Rechnung getragen wird. Das Fahrrad ist bei seiner ungeheuren zahlenmößigen Verbreitung vorzugsweise als das Beförderungsmittel der minderbemittelten Schichten der Bevölkerung anzusehen und bedarf als solches der ganz besonderen Fürsorge der Behörden, zumal diese Kreise der Bevölkerung nicht über eine gleiche, wirkungsvolle Vertretung verfügen, wie die Autobesitzer. Ich ersuche daher, der Schaffung von Radfahrwegen für dir Zukunft eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Insbesondere wird es Pflicht der Polizeiverwaltungen sein, neue Verkehrsstraßm nicht ohne besondere Radfahrwege zuzulassen. Bei Straßen mit lebhaftem Autoverkehr entsteht letzten Endes eine dauernde Lebensgefährdung der Radfahrer, die ebenso wie die Fußgänger einen Anspruch darauf hoben, gegen diese Gefahr geschützt zu wirden. Bei der außerordentlich großen wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung darf die Kostenfrage allein nicht maßgebend sein. Abtreibungstechnik und Gesetzgebung. In einer Zeitschrift legt Prosessor Julius Wolft. eine unsrer ersten frauenärztlichen Autoritäten, die Gründe dar, die ihn bewogen haben, der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Sexualforschung einen Gesetzentwurf über die bedingte Straffreiheit der Abtreibung vorzulegen. Der von Professor Wolf vorgeschlagene Gesetzentwurf gleicht den sozialdemokratischen Anträgen; bestraft wird danach nur die „unbefugte" Abtreibung und diejenige, bei der„Leben und Gesundheit gefährdet“ wird, ferner die Beihilfe. Straffrei aber soll die Schwangerschaftsunterbrechung in den ersten drei Monaten sein bei schwacher Gebärfreiheit, oder wenn ein minderwertiger Nachwuchs zu erwarten ist, oder bei wirtschaftlicher Bedrängnis oder bei Vorhandensein von bereits vier lebenden Kindern. Eine befugte Schwangerschaftsunterbrechung liegt nach dem Entwurf nur vor, wenn sie unter den genannten Voraussetzungen in einer öffentlichen oder öffentlich anerkannten Klinik stattfindet. Im Notfall können auch Aerzte, die sich über die notwendigen Vorkenntnisse und das notwendige Instrumentarium ausweisen können, den Eingriff vornehmen. Trotzdem Wolf die„gegenwärtige strafrechtliche Behandlung der Abtreibung eine Herausforderung des Rechtsempfindens der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes“ nennt und betont, daß die wegen Abtreibung bestraften Frauen in ihren Bekanntenkreisen keineswegs moralisch verurteilt, sondern als Märtyrinnen, als beklagenswerte Opfer einer unverständig grausamen Justiz betrachtet werden, hält er„eine völlige Freigabe der Schwangerschaftsunterbrechung dennoch nicht für ratsam". Anträge auf Schwangerschaftsunterbrechung sollen„nur nach reiflichster Ueberlegung genehmigt werden", indem erst alle in Betracht kommenden Wohlfahrtsbehörden eingeschaltet werden. Die gegenwärtige gesetzliche Regelung durch den§ 218 erscheint Wolf aus drei Gründen außerordentlich unbefriedigt und gefährlich. Der erste Grund ist, daß durch die rigorose Gesetzgebung viele überängstliche Aerzte von Eingriffen selbst dort zurückgehalten werden, wo ein Einrgiff für Leben und Gesundheit der Datientin äußerst notwendig ist. Der zweite Grund, der den Professor Wolf das gegenwärtig gültige Gesetz als unhaltbar erklären läßt, ist die Anmöglichkeit, selbst einer der Abtreibung verdächtigen Frau den Eingriff medizinisch ganz eindeutig nachzuweisen. Er nennt mehrere verdächtige Symptome, wie unvermittelte Abstoßung der Frucht ohne Eiblase, schlechter Geruch des Fruchtwassers und des Wochenflusses, Verletzung der Frucht, die aber alle beim ungewollten, sogenannten spontanen Abortus ebenfalls möglich sind. Nur wenn Werkzeuge oder Werkzeugteile im Körper gesunden werden, läßt sich die absichtlich eingcleitete Abtreibung zweiselsfrei nachweisen. Sonst sind die einzigen Grundlagen einer Verurteilung Denunziation oder Namenslisten, wie sie manchmal bei gewerbsmäßigen Abtreiberinnen gefunden werden, wenn eine Abtreibung tödlich verlausen ist. Damit leitet Professor Wolf=über zu den Abtreibungsmitteln und=methoden, die bei Selbst= und Pfuscheraborten üblich sind, und die ihm als drittes Moment erscheinen, um für Abschaffung des§ 218 plädicren. Mit Haarnadeln. Stricknadeln, Federhaltern usw. wird mehr oder weniger erfolgreich versucht, den Blasenstich oder die Anregung der Wehen durch Weitung des Muttermundes herbeizuführen. Die dabei entstehenden Verletzungen und Infizierungen verursachen schwere Krankheit, wenn nicht den Tod. Außerdem führt Wolf noch mehr oder weniger schädliche, nur vereinzelt wirkende Abtreibungsmittel an, wie Dampfbäder, Kompressen, Massagen, Schröpfungen, stark wirkende Abführmittel, serner Spülungen mit Seisen= oder Essigwasser mittels der sogenannten Lactitiaspritze. Unter den Mitteln zum Einnehmen oder Spülen nennt er als ganz besonders gefährlich Lysoformlösungen, Euphorbiumharz, Phosphor, Arsen, Bleiweiß, Sublimat, Argentum nitricum, also lauter chemische Stoffe, die auc bei den an ihrer Herstellung arbeitenden Schwangeren spontane Fehl= und Todgeburten hervorrufen. Die wirklich wirksamen Mengen überschreiten das Maß dessen, was der Körper vertragen kann. Die Frau erreicht also zwar ihren Zweck, aber um den Preis des eigenen Lebens. Die Verwendung der Gifte, die nach harmloseren Versuchen als letztes Mittel ergriffen werden; steigert sich zu einem förmlichen Wüten gegen den eigenen Körper. Dieser wird widerstandsunfähig gegen allerlei Krankheiten; die Zeugungsorgane erleiden Entzündungen, Wucherungen, Verwachsungen: Unterleibsleiden aller Art wird Vorschub geleistet bis zum Ausbruch des furchtbaren Gebärmutterkrebses. Bei Pfuscheraborten tritt Erkrankung oder Tod allerdings selten sofort„unter den Händen“ des Pfuschers ein, sondern erst später in Form von Kindbettfieber usw. Häufig läßt auch ein junges Mädchen sich den Eingriff bei der ersten Schwangerschaft machen, mit dem Erfolg, daß sie zeitlebens zu ihrem" größten Schmerz unfruchtbar bleibt. Als harmlose, aber auch meist wirkungslose Abtreibungs= mittel, die man zusammenfassen könnte, unter dem Motto„Nützt es nichts, so schadet's auch nichts“, nennt Professor Wolf: Kamillen=, Rosmarin=, Walnuß=, Eusalvptus=, Birken= EibenBitterkleeblätter, Lavendelblüten. Kalmuswurzeln, Baldrian, Myrrhen, Aloe, Chinin, Krauseminze, Maskatnuß, Brombeeren) Hopfen, Safran, Zimt, Rosmarinöl usw. Er weist auf den vers borgenen Sinn ahnungslos gesungener Kinder= und Volkslieder hin, wie:„Rosmarin und Thymian wächst in unserm Garten, Jungfer Aennchen ist die Braut, kann nicht länger warten" Oder:„Guten Tag, Herr Gärtnersmann! Haben Sie Lavendel, Rosmarin und Thymian und ein wenig Quendel? Ja, dame, das haben wir draußen in dem Garten.“ Es sei in diesem Zusammenhang noch darauf hingewiesen, daß in den Bauerngärten Süddeutschlands diese Gewächse aus leicht erklärlichen Gründen überall anzutreffen sind. Nach dieser etwas heitren Abschweifung sollen aber noch einmal die furchtbaren Zahlen, die die Wissenschaft ermittelt hat, ins Gedächtnis zurückgerufen werden: Etwa eine Million krimineller Aborte haben wir jährlich in Deutschland. Davon verlaufen schätzungsweise etwa 400000 tödlich. stellung der Todesursache ist in solchen Fällen schwierig, weit die Aertte sich auf dem Totenschein mit ungenauen, allgemeinen Diagnosen begnügen. Schätzungsweise etwa 50000 Abtreibungen enden mit langem, schwerem Siechtum, während die Hälfte aller schweren und leichteren Frauenleiden— nach Professor Liepmann— ebenfalls auf Aborte zurückzuführen ist: Als Sozialisten fordern wir nicht nur Abschaffung des§ 218. sondern, weil wir überhaupt keine Aborte mehr wollen. gleichzeitig Ausbau der Ehe= und Sexualbcratungsstellen und Verbreitung von Verbütungsmitteln. H. S.„ Rotes Romann von Pierre Broodeoorens. Einzige autorisierte Uebersetzung von Johannes Schlaf 24) (Nachdruck verboten.) Er stöhnte: „Ich liebte dich nicht? Das wagst du zu sagen?“ Er erganzte seine Worte mit einer Geste unsäglicher Verachrung. „Bei Gott...“ Sie hatte einen bitteren Zua um den Mund. richtete die Augen zu den rauschenden Aesten der Apfelbäume und dem schwarzen Himmel emvor, als ob sie, überwältiat von Souhes Zweifelsucht und daran verzweifelnd, ihn zu überzeugen, die Hilfe der Sterne da oben anriese. „Du liebst mich, liebst mich! Ah, Flausen! Ja, auf deine Weise.“ „Wenn du dich brav aufführtest, würde ich dann so zu dir sprechen? Das alles frißt an mir. Wohl wahr! Aber einerlei! Du willst Ausflüchte machen, suchst dich um die Sache herumzudrücken: aber nichts da, ich durchschaue dich! Du kommst nicht fort von hier, eh’ du mir nicht geantwortet hast. Wie heißt der Drecksink? Raus damit!“ Unwillkürlich forderte sie ihn heraus. „Wer? Die, mit denen ich zusammen war? Du kannst lange warten, ehe ich dir die Namen sage, eisersüchtiger Kerl! Vor allem sag' ich dir's auf keinen Fall, weil mir der Ton nicht gefällt, in dem du mit mir sprichst. Ich bin kein Vich, das man mit der Peitsche treibt, verstehst du.“ Sie machte eine Pause. „Gewiß bin ich nach Schendelbeke gegangen, auch nach Grammont. Was ist da weiter? Muß ich dir Stunde für Stunde Rechenschaft arben über das, was ich tue? Ich darf also nicht mal mehr Freunde nach dem Bahnhof begleiten!“ Er brach los: „Hab' ich mir ja gedacht: ich muß sie erst in den Armen eines Liebhabers absangen, damit sie gesteht. And selbst dann beweist sie mir, daß ich mir Einbildungen mache, daß sie unschuldig ist, wir ein neuochorenes Lamm!“ Er hob die Faust. Aber in dem Augenblick, wo er sie schon mit ihrer ganzen Wucht fallen lassen wollte, besann er sich, von einer Furcht ersaßt, eines anderen Er kannte seine Kraft. Er würde sie erschlagen haben! „Hure!“ schrie er nur. Sie bäumte sich gegen die Beleidigung auf. „Feigling! Gb doch und frage Jannab oder die vom „Ballon“, oder frag bei Listel nach, ob ich gelogen habe!" „Warum hast du mir aber gesaat, daß du eine Kette kaufen wolltest? Du lügst nur, weil du nicht mehr aus noch ein weißt.“ „Kenn ich dich denn nicht? Traut man sich denn, dir auch nur das leiseste Wort zu sogen? Hätt' ich dir die Wahrheit frei heraus gesagt, so hätt'st du mir ja doch nicht gealaubt: trotzdem hättest du was herausgesunden, um mich zu tadeln, mich zu peinigen, mich Blut schwitzen zu lassen... O Gott, guter Gott, was für ein Elend!“ seufzte sie und bemitleidete sich selbst wigen ihres Loses und der traurigen Taac, die er ihr bereitete.„Lieber tot sein!" Sie grriet außer sich. „Ja, der Tod mor solch einem Leben vorzuziehen. Denn wie würde erst ihr Zusammenleben werden! Ab. sehr bübich! Vergallt von ewigem Jammer und unerträglichem Argwohn „Wag' es, abzuleugnen, daß ich recht habe! Du hast keine Verwandten in Schendelbeke. Du selber hast mir's gesagt: nur Bekanntschaften. And darin hast du nicht gelogen. Geht denn ein anständiges Mädchen drei, vier Weastunden allein dorthin, um Leute zum Bahnbof zu bealeiten? Geh weg, alle Welt weiß genau, daß du ein Verhältnis mit dem Ziaarrenmacher hast. Bloß ich wußte nichts von allem. And das war selbstverständlich, nicht? Gesteh' es doch frei beraus! Ich will lieber wissen, woran ich mit dir bin, als mich mit Vermutungen abzuquälen.“ Sie kam auf einen kechen Einfall. „Nun ja, ich hab dort einen guten Freund gehabt.“ Er ließ ein dumpfes Brüllen hören, wie ein Stier, dem man den Hals durchschneidet. „Bettel!" Sie fuhr fort: „Du hast wohl nic 2 kanntschaften gehabt? Du bist die Vollkommenheit in Person. nicht wahr? Hat dir etwa Nille von Montagne=aur-Faucons nicht am bellichten Tage an den Hosen gehangen? Auch das weiß alle Welt. mein Bester! Die Zungen der Nachbarinnen zieben nicht bloß über mich her. Ich habe dir keine Austritte deswegen gemacht, obschon ich's gekonnt hätte. Gott mag missen, was ihr für Sachen miteinander gehabt hat, die und du! Aber ich hin gerecht, ich hin nicht eine, die fortwährend sagt. daß sie iemand bis zum Verrücktwerden lieb hot und ihm dann nur Schlimmes zussigt, ihm das Rückanat kaputtdrückt und die Handgelenke ausrenkt. Ich hötte also keinen Vurschen kennen dürfen. h' ich mit dir zusammenkem?. Ja, ich hab' ihn soaar lieb gehabt. Ich sag' es ohne Scheu. Aber das ist vorbei, weil er fort ist. Er ist jetzt in Antwerpen. Morgen schifft er sich nach Amenika ein Er und sein Bruder waren es, die ich heute mittag nach Grammont zum Bennhef beantitet habe. Tist doch min zufrieden? Aber nein! Vielleicht lüg' ich noch immer. Es sind nur Erfindungen.“ Jetzt war sie es, die ihn. voller Verachtung in Wort und Gebärde ium Rückzng imana. „Geb doch nach Schendelbeke, wenn du den Mut dazu hast Wenn du ein Mann und nicht blaß ein Knion bist, der nichts weiter wein. als einem armen, anständigen Mädchen Grobbeiten zu sagen. Frage dach den Aürgermeister, ob es nicht die reine Wahrheit IN. da* Dirk und Jesse Cornewyer heute nach Chicago abgereist sind. And wenn dir das noch nicht genügt, so erkundigdich bei den Leuten selbst. Du brauchst bloß um die Kirche herumznachen; die erste Gasse links, der Coin=du=Cerf. Dort wohnen di: Cornewvers. Hab' keine Anast! Die Nachbarn werden dir alles sagen. Warum auch nicht? Es ist ja nichts Schlechtes" Von ihrer Sicherheit mürbe gemacht. schwieg er und bara das Gesicht in seine beiden großen, roten Hönde. Wie blöde hatt er sic geirrt! Denn sie war aufrichtig. Ein so überzeugender Ton ließ sich nicht erheucheln. Aehrigens bot si: Beweise. Acußerste und verruchteste Verstellrna hätte solche nicht anführen können Ceberdies, wenn es Erfindungen gewesen wären, so hätte Hilla sich achsttet, seine Eisersucht damit zu nähren, die sie zu aut kannte, wie sie auch wußte, daß Ausflüchte nicht lange vorbielten, so geschickt sie auch angelegt sein mochten. Flobil sad jetzt ein, was für einen ungebeuren Fehler er gemacht hatte. Würde er ihn se wieder autmeden können? Wohl kaum! And vor Freude darüber, daß Hilla unschuldig war. und voller Bedauern, daß er ihr ungenichte Vorwürfe aemacht hatte. wußte er nicht, was tun und was sogen, und stand in starrer Bestürzung. „Du heißt dir die Junge. wie? Du weißt, daß du eine große Dummheit aemacht hast?" „Gib mir die Hand,“ sagte er mit einem gezwungenen „Ich denk' nicht dran! Ich habe genug von den unnützen Streitercien und den ewigen Versöhnungen. Ich träumte von einem Leben voll ruhiger Liebe und Järtlichkeiten. Wir wären eins mit dem anderen glücklich gewesen, ohne uns jemals zu rausch oder miteinander zu maulen. Die Ehe soll doch keine Hölle sein Anstatt dessen gibst du mir den Vorgeschmack des Anglücks, das mich erwartet. Du bist zehn Jahre älter als ich; lieber Gott, das sieht man. Was soll daraus erst werden, wenn du alt bist!" Ein Schluchzen erstickte in ihrer Kehle. Es war, als wären sie schon zusammen; und sie, noch blutjung, hätte fortwährend die schlichte Laune eines kränklichen Graubartes zu ertragen, der voller Rheumatismus im Lehnstubl hockt. „Meine arme Hilla!" Angestüm schloß er sie in die Arme und wiegte sie unter Stammeln und Lachen, von einem mächtigen Mitleid und einer Järtlichkeit überwältigt, unter der sie sein Herz klopfen und seinen Körper erzittern fühlte. Wie er sie liebte! Noch nie batte er das so gewußt, wie in diesem Augenblick, wo er sie bebend an seiner mächtigen Brust fühlte. „Du wirst sehen, mein Lammchen! Ich bin nicht so ein Brummbär, wic du denkst. Wenn ich jetzt ein bißchen heftig war, so ist das nicht meine Schuld, ich versichere dich. Das hat der Schurke von Knabbe mit seinen Verleumdungen gemacht. Gnade ihm Gott, wenn ich ihn treffe! Er soll noch mehr davon zu erfahren kriegen, was es bedeutet, einem anständigen Mädchen die Ehre nehmen zu wollen.“ Er reckte im Dunklen die Faust und stieß einen Fluch aus, der dem Viehhändler galt. „Wie dumm er ist!" dachte Hilla und zuckte die Achseln. Anstatt sich zu freuen, daß sie der Gefahr entronnen war, verachtete sie Souhe wegen seiner Schwäche, seiner unsäglichen Leichtgläubigkeit. In seinen Wutanfällen war wenigstens etwas, wos ihr Achtung einflößte; seine körperliche Kraft imponierte ihr dann. Er war der Herr, und sie beuate demüig den Rücken und fand den geprellten Mann in seiner Jornröte beinahe schön. Aber das hatte nur einen Augenblick gedaurrt. Ein paar Worte hatten der unterworfenen Sklavin genügt, wieder zur unbeschränkten Herrin zu werden. Was war eigentlich die seltsame Macht, die sie ausubte? Vielleicht dieselbe, von der sie sich in Hein Donkas Gegenwart bestrickt fühlte, denn das Wesen, das liebt, ist dem Geliebten gegenüber machtlos Gleichviel! Seine Schwäche war ihr zuwider. War das männlich? Sie entschloß sich zu einem entscheidenden Schlaa. „Ich glaube dir nicht mehr,“ sagte sie kühl und mit einer Entschiedenheit, die den Burschen zu Eis erstarren machte. „Wie bös du bist!“ stöhnte er klagend. Er hatte ihren Kopf zwischen beide Hände genommen, preßte ihn an sein Herz und genoß eine heftige Wollust, seine dichen Finger in ihre weichen, schwarzen Haare zu versenken. Sie machte sich frei von ihnen, ohne daß er Widerstand leistete. „Außer dem Händler,“ fuhr sie bedächtig fort,„werden noch andere kommen, die dir mit ihrem Geschwätz den Kopf verdrehen: besser, wir geben auseinander“ „Was saast du?“ stammelte er. „Ich bin zu weit gegangen,“ dachte sie sofort. Er hatte sie ergriffen und hob sie unwiderstehlich vom Boden empor. Sie füblte, wie sie in seinen Armen nicht mehr wog, als eine Feder. And sie sabh mit Entsetzen, gleichsam versteinert, dieses schreckliche, dicht an das ihrige geschmirate Gesicht, in seiner surchthaten, zornig=schmerzlichen Verzerrung „Du könntest mich verlassen, könntest von mir gehen?“ schluchzte er, indem er sie schüttelte.„Eher erwürg ich dich! Du bist das einzige Weib, das ich im Herzen getragen habe. Versteh wohl: ich ertrüg' es nicht, daß dich ein anderer hätte. Es würde ihm und dir ans Leben gehen.“ Sic hatte ein gezwungenes Lachen. (Fortsetzung folgt.) „Bauch hängen lassen, meine Herren!" Mensendieckende Männer lernen bei Turnlehrerinnen. Von Christian Bouchholtz. Ueber meinem Schlafzimmer, erhebt, sich aumorgendlich um Uhr ein sonderbarer rhythmischer, gedämpfter Lärm. Da hopst emand barfuß herum, rampampam, rampampam. Es ist der pummelige Backsisch von der zweiten Etage, der mensendieckt, um dünner zu werden. Frauengymnastik. Wie ich höre, beginnen jetzt auch in Berlin die Männer Frauengymnastik zu treiben. Und das ist das Drolligste, was sich denken läßt. Kursus in einem Klinikgebäude. Vierzig Männer in Badehöschen. Und zwei Damen kommandieren sie... Studenten, ein „übertrainierter“, Boxer, ein Arzt, ein Millionär, ein Rechtsanwalt usw. Alle Freiübungen, wie man sie erst beim Militär lernte, und auch in der Schuie beim Turnen sind grundverkehrt. Ihr Gezenkeil ist richtig, um zum„richtigen Atmen“ zu kommen. Wer ettog auf dem Kasernenhof„Schlapper Kerl“ geschimpft wurde, weil er nicht stramm genug stand, nicht„zackig“ genug Kniebeuge machte, nicht„schneidig“ genug die Beine schmeißen konnte,— hier ist er der beste. Es kommt nicht auf„Schneid“ an, nicht auf steifes„Brust heraus!“ sondern auf Geschmeidigkeit, Katzenhaftigkeit, Lockerung der Glieder und Bewegungen. Da müssen die Herren der Schöpfung im Gänsemarsch mit nach innen gedrehten, hohlen Fußsohlen daherwatscheln. Sie lachen.„Ordentlich Fäustchen machen!" kommandiert die Lehrerin,„Fäustchen mit den Füßen! Hurtig! Ordentlich wie die Affen machen! Nur nicht geniert...“ und vie die Orang=Utangs watscheln sie daher, die würdigen Herren ter Schöpfung. „Und jetzt stellen Sie sich ganz schlapp hin, Knie nicht durchwrücken, atmen Sie aus, ohne jede Muskelanspannung dastehen, Bauch hängen lassen, vollkommene Entspannung...“— Und Aötzlich beginnt unwillkürlich ursprüngliche natürlichste Atembewegung und gibt dem Körper die ungezwungene legere Haltung, die irgendwie tierhaft und natürlich ist, nicht„schlampig“ und nicht Wplumg“ Die Leiterin des Männerkursus für Frauentürnen, die erst das Mer. sens.rashstem für Tranker Unmwerkte, nennt das Eunen. Taylor=System des Turnens und der täglichen Körperbewegungen. Gleichgewicht der Kräfte, äußerste Sparsamkeit, äußerstes Haushalten mit seinen Kräften beim Spiel der Muskeln ist Prinzip. Man wird an die Gummimänner und Knock=Abouts auf dem Varieté erinnert. An Stelle des„Schneids" und der„heldenhaft gerundeten Brust" in unserem bisherigen Militär= und Turnnater=Jahn=Turnen ist die barocke Haltung getreten, mit dem Ziel der natürlichen und leichten Anmut, der Auftockerung. Manner aller Berufe erproben an sich das Frauenturnen. Hat es das je gegeben: Turnlehrerinnen für Männer? Es paßt in die Zeit der Bubenköpfe. Nicht wahr? viel Erfolg! Mandelentzündung. Dem Amtlichm Preußischen Pressedienst wird von dem Landesausschuß für hygienische Volksbelehrung geschrieben: Neben Husten, Schnupfen und Rheumatismus gehört zu den Soisonkrankheiten des Herbstes vor allem auch die Mandelentzündung. Wenn sie als selbständige Krankheit, d. h. nicht als eine Teilerscheinung einer anderen Erkrankung auftritt, verdankt sie ihre Entstehung gewöhnlich einer der üblichen Erkältungsursachen. Hierber gehören plötzliche Abkühlung, Regm und Wind, nasse Füße usw. Auch die Einatmung von Staub kann zur Arsache einer Mandelentzündung werden. Vielleicht ist das zurzeit gehäufte Auftreten der Erkrankung bearündet durch die infolge der langanhaltenden Dürre vermehrte Staubentwicklung. Selbstverständlich findet durch Husten, Niesen usw. auch eine Aebertragung der Krankheit von Minsch zu Mensch statt. Gleichviel, welche der erwähnten Arsachen im Einzelfalle in Frage kommt, immer ist eine Herabsetzung der Widerstandsfähigkeit der Gewebe des Rachens vorhanden, die den ständig in Inserer Mundhöhle vorhandenen Krankheitskeimen den Eintritt in die zu beiden Seiten des Gaumens gelegenm Mandeln gestattet. Das Krankheitsbild besteht in einer plötzlich auftretenden allaemeinen Mattigkeit, in Firber und Schluckbeschwerden. Sieht man solchen Kranken, die natürlich sofort ins Bett gehören, in den Mund, so erkennt man beim Herabdrücken der Junge ohne weiteres, daß die Mandeln grschwollen und mit weißen, stecknadelförmigen Punkten übersät find. Dann in es höchste Zeit, den Arzt zu rufen. Aber auch ohne diese Feststellung sollte man bei allen mit Fieber einbergeh nden Schluckbeschwerden sich sofort ärztlicher Hilfe versichern: denn wenn auch eine einfache Mandelentzündung bisweilen ohne ernstere Folgen abläuft, so läßt sich dies doch von vornherein nicht bourteilen. Schwere Nachkrankheiten, wie Herzerkrankungen, Nierenleiden usw. können die Folge sein; aber auch Verwechslungen mit Diphtherte und all ihren Folgen können dabei unterlaufen. Macht doch die Unterscheidung zwischen ein Mandelentzündung und einer Diphtberie manchmal sogar dem Arzt Schwierigkeiten und läßt sich erst durch eine mikroskopische Untersuchung sicher feststellen. Aus güedem ergibt sich die Lehre, man betrachte eine Mandelent jündung niemals als eine harmlose, vorübergebende Erkrankung. Tritt Fieder dabei auf, so gehört der Kranke ins Bett und bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung. Zur Vermeidung einer Weiterverbreitung der Krankheit gilt es, das Zusammensein mit dem Kranken aus das Allernotwendiaste zu beschränken, sich vor Andusten und Anniesen zu hüten, Eß. und Trinkg schirr des Kranken arsondert zu reinigen und zu verwahren und der Pflege der eigenen Mundhöhle durch Gurgeln, etwa mit einer Lösung von Wafferstoffsuperornd oder dergleichen, sowie durch häusiges Mundspülen und sorgfältiges Sähneputzen die nötige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Deutscher Richtertag in Dortmund Nach einem am Freitagabend von der Stadt Dortmund veranstalteten Beorüßungsabend begann am Samstaavormittag die sehr zahlreich von den Vertretern der Richter und Staatsanwälte der Landarrichtsverbände Preußens besuchte Jadresversammlung des Preußischen Richtervereins. Das Justizministerium hatte ebenfalls mehrere hohe Beamte als Vertreter delcaiert, von dinen Staatssckretär Hölscher die Versommlung im Namen des verhinderten Justimministers begrüßte. Die vorgesehenen Beratungen üder Angelegerheiten der Rechtewissenschaft und Rechtspraris sowie über Stande#s#fragen im Interesse der Allameinheit begannen mit der Erstattung des Geschäftsberichts durch den Vorsitenden, Land#sgerichtsdirekter Dr. Pracht(Berlin). Er betonte in seinem Vortragt:, daß die preußische Richterschaft grund. sätzlich auf dem Boden des jetzigen Staates stehe. Dieses Bekenntnis sowie die Selt stdifziplin und Selbstkritik in den Reiten der Richter dättm wesentlich zur Verrbigung aui dem Gebiete des Justizwesens heigetragen. Am Rechtenflege und Volksempfinden auszaleichen, seien aute Bezichungen und ein autes Vertranensverhältnis zwischen Justiz und Preise erforderlich. Die Frage der Vildberichterstattung und die der Aebertragung der Gerichtsverdandlungen durch Rundsunk dedürse allerdings noch näherer Wohin die Fahrt? Spalter=„Rasensport“ macht Reklame für den Film: „Wie Schmeling Poolino besiegte“. Wir konnten schon zu wiederholten Malen beweiskräftig belegen, daß der Wea der sogenannten Opposttionellen zu den Bürgerlichen führt. Innerhalb des Arbeiter=Turn= und=Sportbundes spielte man den Revolutionär, um inzwischen— wie das bekannte Hagener Beispiel deutlich aufzeigt— im bürgerlichen Lager zu landen. Spiele um Silberpokale, Trikots, Bälle und Solinger Stahlwaren zeugen weiter von dem revolutionären Elan, der in der Spaiter=Interessen-Gemeinschaft vorherrscht. Neuerdings betätigt sich nun das westdeutsche Spalterorgan, der Tillmannsche„Rasensport“, ganz oifiziell im Sinne bürgerlicher Sportwerbung. In Nr. 27. vom 17. September, finden wir ein Inserat des Albambra-Theaters von Solingen=Höbscheid, mit der Ankündigung der Erstaufführung des Films:„Wie Schmeling Poolino besiegte.“ Wie man sieht, ist man im Spalterlager auf dem besten Wege, zur Herstellung der Einheitsfront, die die Verbürgerlichung bedeutet. Es liegt das auf der Linie, die sich erst jüngst beim gemeinsamen Fest= und Verbrüderungsessen des bürgerlichen deutschen Sportführers Dr. Diem und der russischen Sowjetssportführer in Moskau so recht deutlich offenbarte.— Wohl bekomms! Arbeiter=Rad. und=Kraftfahrer=Bund„Solidarität“, Ortsgruppe Bottrop. Allen Genossinnen und Genossen zur Kenntnis, das die Genossin Verta Rautenberg uns durch den Tod entrissen wurde. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 9. Oktober, nachmittags 3.30 Uhr, vom Sterbehause, Im Sundern Nr. 16, aus statt. Es werden die Genossinnen und Genossen aufgefordert, recht zahlreich zu erscheinen, um der toten Genossin die letzte Ehre zu erweisen. Sammeln an der Wirtschaft Bennemann, Mittwoch, nachmittags 3.15 Uhr. Alle in Sportkleidung erscheinen, wenn es das Wetter erlaubt, möglichst in Weiß. Wir marschieren nicht zu Fuß. die Räder mitbringen. Der Fahrwart. In zersetztem Trikot. Bezeichnende Vorfälle bei bürgerlichen WasserballLänderwettkämpfen. Im Gegensatz zu den recht freundschaftlich, im Sinne zielbewußter Völkerannäherung und Verbrüderung ausgetragenen sportlichen Wettkämpfe der Arbeitersportler geht es bei internationalen Kämpfen der bürgerlichen Sportverbände oftmals recht hart und allen sportlichen Gesetzen hohnsprechend zu. Aufgeputschter Nationalismus will Siege sehen und schwindet dann bei Kampfteilnehmern wie leidenschaftlich erregten Zuschauern nur zu oft jedes sportliche Gefühl. Davon zeugen nicht nur die bekannten fkandalösen Vorfälle bei den Europa=Wasserballmeisterschaften in Budapest, wo Polizei die deutsche Mannschaft schützen mußte, das beweist auch der vor acht Tagen in London ausactragene bürgerliche Wasserball=Länderwettkampf England— Deutschland. Es ging hierbei überaus hart her, so daß die Trikots der Schwimmer stark beschädigt wurden. Ja, das Trikot eines deutschen Schwimmers wurde so arg zersetzt. daß dieser zeitweilig das Wasser verlassen und sich ein neues Trikot anziehen mußte.— Fürwahr, ein bezeichnendes Beispiel vom„hohen völkerverbrüdernden Geist“, der den bürgerlichen Sportwettkämpfen innewohnt. Man ziehe die richtige Nutzanwendung daraus und werde Mitstreiter bei den Arbeitersportlern. Arbeitersportler für sozialistische Pressewerbung. In Elberfeld fand am Sonntag eine Pressetagung des Wuppertaler Bezirks statt, die von 20 Berichterstattern besucht war. Nach einem erläuternden Referat des Kreispresseleiters R. Müller, Düsseldorf, über die Aufgaben der Berichterstatter, mit anschließender gesunder Aussprache, wurde zur Gründung der Bezirks=Berichterstattervereinigung geschritten. Ein fünsaliedriger Ausschuß mit einem Obmann an der Spitze hat die Aufgabe, in Verbindung mit der Redaktion, für aktuelle und reichhaltige Ausgestaltung des Sportteils der sozialistischen Presse tätig zu sein. Die recht anregend verlaufene Tagung sand einen erhebenden Ausklang in dem freudigen Gelöbnis aller Teilnehmer,— das überall Nachabmung verdient— jetzt zur Werbewoche mit besonderer Werbung einzusetzen: Für die sozialdemokratische Presse! Fußballsport. Ergebnisse aus dem Kreisgebiet. Infolge des anhaltenden Regens kamen in Westdeutschland nur wenige Spiele zum Austrag. Die meisten Sportplätze glichen Sumpfstätten und hielt man es demzufolge für geraten, was auch unzweiselhaft im Interesse der Volksgesundheit richtig ist, von den Spielen Abstand zu nehmen. Kölner Bezirk: Höhenhaus aegen Nord 2:0. Mülheim gegen Köln 93 0:7. Poll gegen Sülz 3:0. Niehl gegen Hand 1:1. Vorussia gegen Anion 5:2. Dellbrück gegen Gevelsberg 10:0. Gremberg gegen Nippes 3:3. Wesseling gegen Braunsfeld 1:5. Deutz gegen Frechen 6:2. Riehl gegen Nippes(Res.) 4:2. Ehrenfeld gegen Vorwärts Vonn 3:0. Elberfelder Bezirk: Gevelsberg gegen Fr. Tschft. Elberfeld 14:3(!). Barmen=Loh gegen Elberfeld=Sonnborn 1:1. Froher Mut Barmen gegen Spirde. Elberseld 28 5:3. Obersprockhövel gegen Barmen 11 2:2. Bielefelder Bezirk: Gadderbaum gegen Brackwede 2:0. Union gegen Jahn Herford 3:1. Schildecke gegen Fichte Bieleseld 5:2. Stieghorst gegen Bielefeld Ost 3:2. Handballsport. Ergebnisse aus dem Kreisgebiet. Elverfelder Bezirk: Fr. Tschft. Elberfeld gegen B. s. L. Barmen 4:6. A-S.=V. Remscheid gegen Elberfeld=Allendahl 2·0. Eiderfeld Oststadt gegen Remscheid Stadt 6:2. Nächstebres aigen Mettmann 2:3. Barmen=Loh gegen Schwelm 5:3. Lindenkamp gegen Haßlinghausen 0:0. Duisburger Bezirk: Hochbeide gegen Lintfort 0:3. Lintfort (Res.) acgen Textil=Jugend Krefeld 1:0. Rheinhausen(Res.) gegen Fischeln(Res.) 10:1. Düsseldorfer Bezirk: Ratingen gegen Ost 0:2. Oberkassel aegen Neuß 4:2. Aus dem 13. Ein verregneter Fußballsonntag. Die Mehrzahl der angesetzten Spiele sielen dem Regen zum Opfer, so daß sich eine Neuansetzung einzelner Sviele notwendig machen wird. Röhlinghausen—. Vorwärts Gelsenkirchen 2:0. Trotz der sehr schlechten Witterung pfiff der Unparteiische das Spiel an. Leider nahm das Spiel vorzeitig ein Ende. Warum?, entzieht sich unserer Kenntnis. Ob sich eine Neuansetzung des Spieles notwendig machen wird, darüber wird der Bezirksausschuß entscheiden. Röhlinghausen(1 b)— Wanne West 2:4(1:1). Schon wieder ein Streiter für unsere edle Sache unseres Arbeiter=Turn= und=Sportbundes. Röhlinghausens 1 b=Mannschaft hatte am Sonntag die Wanner Wester, einen neuen Verein aus dem Wanner Bezirk, zu Gaste. Es sollte doch, was wir schon immer gesagt haben, für die Opposition das Sterbeglöckchen geschlagen haben, trotz ihres großen Geschreis in ihrer Presse, nur die Wahrheit bricht sich Bahn. Trotz des schlechten Bodens fanden sich beide Mannschaften. Bis zur Halbzeit 1:1. Nach der Halbzeit ging unser Neuling aus sich heraus und setzte die Röhlinohäuser schachmatt. In kurzen Abständen konnten diese noch drei Tore treten, wohingegen Röhlinahausen mit nur einem weiteren Tor fürlieb nehmen mußte. Die 2. Mannschaft der Röhlinghäuser mußte ebenso eine Niederlage von 1:3 hinnehmen. Vorwärts Marl— Rasensport Dorsten 23 2:5. Halbzeit abgebr. Trotz der schlechten Witterung ließen es sich die Rasensportler nicht nehmen und licferten den Marlern das Freundschaftsspiel. Leider wurde wegen des Regens vorzeitig dem Spiel ein Ende gemacht, führten die Rasensportler bis kurz vor der Pause durch ihre durchbruchartigen Vorstöße, die dauernd von Erfolg gekrönt wurden. So hatten dieselben nicht mehr viel zu bestellen, Marls Stürmerreihe fand sich. Zwei Tore wurden geholt, dann machte der Schiedsrichter nach Rücksprache mit den Spielführern wegen des Regens dem Spiel ein Ende. Das Spiel der 2. Mannschaften verlief mit dem Ergebnis von 2:1. Und was brachte die andere Sparte? Auch hier war das schlechte Wetter ausschlaggebend. Ewurden zwei Spiele ausgetragen. Gelsenkirchen Neustadt— Eintracht Recklinghausen 2:1(1:1) Zeigten sich beide Mannschaften bis zur Dause als gleichwertige Gegner, so ging der Platzverein nach Seitenwechsel aus sich heraus, konnte aber trotz der überwältigenden Spielweise nur ein Tor werfen, aber— die Punkte sicher stellen. Den Eintrachtlern das mit auf den Weg: Zeigt euch als Arbeitersportler und gebt das viele Reden auf dem Platze dran. Dieser Hinweis sollte wohl genügen, daß sich die Mannschaft auf sich selbst besinnt. Freie Turnerschaft Recklinghausen— Herne=Horsthausen 1:1. Da die Reserve=Mannschaft von Wattenscheid es vorzog. nicht anzutreten, spielten die Recklinghäuser gegen Horsthaufen aus dem 12. Bezirk. Nach einem flotten und offenen Spiel trennten sich beide Mannschaften mit einem remis(1:1). Weitere Spiele vom Sonntag. Gladbeck=Rentfort— Holsterhausen 1:1. Leider sand dieses Spiel wegen Nichterscheinens des Anparteiischen ein slottes Ende. Nach 40 Minuten Spieldauer wurde das Spiel von dem Genossen Scholl abgebrochen. Gladbeck=Rentfort dürfte sich die Sache verdorben haben, und in den Spielen um die Bezirksmeisterschaft nicht mitwirken. Gladbeck=Zweckel— Sportfreunde Bottrop 6:1. Gladbeck=Zweckel der lachende Dritte. Durch den Sieg gegen Sportfreunde Bottrop kann Gladbeck=Zweckel in den Spielen um die Bezirksmeisterschaft mitwirken. Rentfort scheidet aus. Die 2. Mannschaft konnte einen Sieg von 5:0 landen. Spielangebote. Freie Turn. und Sportgemeinde, Wanne, Abteilung Fußball), sucht ab 20. Oktober Spiele für drei Mannschaften. Angebote an Erich Neumann, Wanne=Eickel, Talstraße 28. Freiheit Gelsenkirchen sucht lausend Spiele für die 1. und 2. Jugend und für die Altersmannschaft. Angebote sind zu richten an Erwin Bittner, Gelsenkirchen, Ottilienstraße 22 a. Touristen=Verein„Die Naturfreunde", Ortsgruppe Gelsenkirchen. Heute abend 8 Uhr wird im Gewerkschaftshaus der Genosse Voigt(Dortmund) einen 1. Einführungsvortrag über die Vedeutung des Wintersports halten. Zweck des Vortrages ist, auch in der Gelsenkirchener Ortsgruppe eine Wintersportsektion zu bilden. Der Genosse Voigt hat sich weiter bereit gefunden, einen Ski=Kursus zu leiten, wenn sich genügend Teilnebmer melden. Genossen der Arbeiterjugend und der übrigen Sparten sind zu dem Vortrag herzlichst eingeladen. K— Klärung. Bei Angriffen am Richter und Staatsanwälte sei ein größrer Schutz wünschenswert, ohne daß jedoch ein besonderes Richterschutzacsetz acfordert wird. Zur Frage der Reiermen des Strafvollzuges drückte Redner die Aeberzeuarna des Richtervereins dahin aus, daß eim zeitgemöße Reiorm ohne heierd eren Ausbau der Entlassungsfürsorge Stückwerk bleibe. Auch an der Daseinsberechtigung der Gerichtshilfe#im#le heute im Richterverein niemand. Zu orstreben sie, daß die Gerichtshilfe an die Gerichte in engster Weise eingegliedert wird. Zur Frage der Ausbildung der anachenden Richter stellte Landgerichtsdirektor Dr. Lehmann(Berlin) programmatische Fordwrungen auf. Die Grundlinie der künftigen Richterpersönlichkeit werde unzweifelhaft durch das beeinflußt, was der junge Student aus den Universitäten lerne. Die beutige Ausbildung sei verbesserungsbedürftig. Redur betonte die zufriedenstellende Regelung der neuen Reserendarausbildung und wandte sich gegen den Beschluß der juristischen Fakultät, in deren Denkschrift es deißt, daß durch Heranzuhung hervorragender in Doppelstellen als Richter und Universitätslehver Beschäftiater das Niweau der Aniversitäten zu bloßen Fachschulen herabgesctzt werde. Er führte aus, daß gerade die Heranzüchung von Praktikern geeignet sei, das Studium lehensvoller als bisher zu gestalten. Erika Bruder Steinen, unfähig, sich zu rühren. Hei, wie da die GeschwiFür Raus und Grete So zogen sie durcs Land. E einen Kindern ging es in singend und spielena... Ok der Fremde wohl jemals schlechter als Kurt und Erika. Hungernd und frierend zogen sie durch das Land, aber sie trafen selten gute Menschen, die ihnen halfen. Hätte Kurt nicht so famos Ziehharmonika spielen und Erika so gut singen können, wäre es gar schlimm um sie bestellt gewesen. So aber gelang es ihnen, wenigstens das Nötigste zum Lebensunterhalt zu verdienen, denn ein paar Cents hatten musikliebende Menschen immer übrig, wenn sie die beiden jungen Musikanten spielen und singen hörten. Und doch fiel Kurt und Erika das Musizieren schwer. Sie konnten die guten, lieben Eltern nicht vergessen, die den Tod in den Wellen gefunden hatten, als das Schifs im Sturm unterging. Es war ein deutsches Auswandererschiff gewesen. In der Heimat brotlos geworden, hatte Kurts und Erikas Vater geglaubt, in Amerika ei zu finden. Aber er sollte das neue Land niemals Jener furchtbare Sturm hatte das Schiff kurz vor der amerikanischen Küste untergehen lassen, und nur die beiden Geschwister waren gerettet worden. So nun durchs lend und singend, und dabei doch von tiefem Herzeleiderfüllt. Wenn ie nicht so innig zusammengehalten hätten, wäre ihre Lage wohl noch trauriger zewesen; so aber trösteten sie sich gegenseitig, teilten Freude und Leid miteinander, und gaben die Hoffnung nicht auf, daß es ihnen auch einmal wieder besser gehen würde, wenn sie weiter ehrlich undrechtschaffen blieben. Manch= mal krampfte Kurt mußte an sich halten. um die frechen Burschen nicht zu verprugenn.. sich ihnen das Herz vor Weh zusammen, wenn sie vor irgendeinem Hause ihre Lieder sangen, und dann von mitleidslosen, sie verhöhnenden Straßenjungen verjagt und noch obendrein verspottet wurden. Kurt mußte an sich halten, um die frechen Burschen nicht zu verprügeln. Solche und ähnliche Erlebnisse stimmten sie immer trauriger, und immer stärker wurde ihre Sehnsucht nach guten, lieben Leuten, unter derem Schutze sie zu braven Menschen heranwachsen konnten. Und eines Tages sollte sich diese Hoffnung auch wirklich ersüllen! Als sie an einer hohen, aber sehr alten und scheinbai morschen Steinmauer vorüberkamen, hinter der sich wol ein großer Garten erstreckte, vernahmen sie plötzlich hel Knabenstimmen. Deutsche Laute waren es, die an da Ohr der freudig überraschten Geschwister klangen! Di eine Knabe rief:„Geh von der Mauer fort, Heinz— d weißt, sie ist schon einmal eingestürzt!“, aber der ander lachte nur. Gleich darauf erschien er oben auf der Maue doch im gleichen Augenblick neigten sich die obersten Stein und prasselten, die nächsten und den aufschreienden Knabemit sich reißend, hinab. Dann war es still. Ganz still Bis ein Stöhnen anhub ein schweres, dumpfes Stöhnen. Da gab es für Kurt kein Halten mehr. Er kletterte durch die Maueröffnung und sprang jenseits in den Garten hinab. folgte, dem ohne Zögern nach. Bald sahen sie, was geschehen: Beide Knaden G Erika folgte dem Brude: solore ster lebendig wurden! Im Schweiße ihres Angesichts wälzten sie einen Stein nach dem anderen fort, bis das schwere Werk gelungen war. Als die Mutter der beiden Knaben, herbeistürzte, waren diese schon befreit. Schnell wurden die Verletzten ins Haus getragen. Die alte Frau— eine Deutsche, die seit drei Jahren in Amerika lebte— ließ die Geschwister, die ihren beiden Kindern das Leben gerettet hatten, nicht mehr fort, und als sie gar vernahm, welch trauriges Schicksal sie erlebt, floß ihr Herz vor Mitleid über. Innig zog sie Kurt und Erika in ihre Arme, und liebte sie seit dieser Stunde wie ihre eigenen Kinder. So fanden die beiden Bettelmusikanten durch ihre gute Tat eine neue Heimat, die sie wieder glücklich und fröhlich machte. Der Mensch als Maulwurf Es passiert einem oft: Ahnungslos sitzt man in der Eisenbahn, der Himmel ist blau, die Sonne lacht— und dann wird es mit einem Schlage finstere Nacht um uns Wir fahren durch einen Tunnel, flitzen auf blanken Schienen mitten durch einen Berg hindurch— und wundern uns gar nicht darüber, ja, denken kaum darüber nach, welch unerhörte Maulwurfsarbeit der Mensch da vollbracht hat. Wenn ein Tunnelbau aber selbst für unser Zeitalter trotz unserer starken Helfer, der Maschinen, eine Semmering 1451mlang Giov-Calerie-Junnel 8 2 /Omlang 10DOmian Großtat bedeutet, wie gewaltig müssen uns dann erst die Tunnelbauten des Altertums erscheinen! Mit bloßen, primitiven Handwerkszeugen haben zum Beispiel die Azteken und Peruaner Tunnel für ihre Wasserleitungen gebaut, und selbst die alten Babylonier und Assyrer sollen bereits Verkehrstunnel besessen haben!— Der längste je erbaute Tunnel ist der Simplontunnel, der eine Länge von fast 20 Kilometer besitzt. Als man am 11. August 1898 mit der Arbeit begann, hoffte man, das Werk in fünf Jahren beendet zu haben, jedoch waren der Schwierigkeiten so viele, daß zwei weitere Jahre vergingen, ehe der erste Zug(am 1. Juni 1906) hindurchfahren konnte. Wer kann’s? „Hatschi“ Scherzbild in einem Zug zum Nachzeichnen. Scherzfrage Welches Sprichwort wird durch dieses Bild illustriert? sie Frage, wieviel Heringe wohl alljährlich gefangen werden. um als„grüne“ Heringe, Heringsfänger vor der Ausfahrt. Matjes=, Brat=, marinierte Heringe, als Heringe in Gelee, als Bücklinge oder gar als Rollmöpse in hungrige Menschenmagen zu wandern, könnte eigentlich ein nettes Preisrätsel abgeben. Das Dumme ist nur, daß wohl niemand die genaue Anzahl errechnen kann. Läßt man allerdings die alljährliche Beute von einem Fachmann schätzen, erfährt man, daß man mit rund zehn Milliarden rechnen kann. Zehn Milliarden Heringe in einem Jahre! Wahrhaftig, das ist eine Leistung! Aber wo kommen die ganzen Heringe nur her, wird man fragen. Und: gibt es denn so viele? Nun, man kann wohl sagen, daß der Hering der Fisch ist, der am zahlreichsten in den Meeren vertreten ist. Rückt die Laichzeit im Herbst und Winter heran, nähert sich der Hering in ungeheuren Schwärmen dem Lande. Von den Ausmaßen solcher Heringsschwärme kann man sich als„Binnenländer“ schwer eine klare Vorstellung machen. Oft sieht man Heringszüge, die zehn bis zwölf Kilometer lang sind. Das in dann das Signal für die Fischer, ans Werk zu gehen. Wehe aber den kleinen Booten, die mitten in einen, dem Lande unaufhaltsam zustrebenden Heringsschwarm geraten! Sie sind in schwerer Gefahr, denn der Heringe, die Leib an Leib dahinschwimmen, sind so viele, daß sie— ohne Uebertreibung!— das Boot aus dem Wasser heben! Mit Schaufeln könnte man sie in solchen Augenblicken fangen, mit den Händen greifen! Im Nord=Ostsee=Kanal geschah es einmal(es war wohl im Jahre 1905 oder 1906), daß die Heringe in solch überwältigender Zahl erschienen, daß sie den Kanal in einer Breite von einem Kilometer regelrecht verstopften und von den fixen Rendsburgern eimerund schaufelweise herausgeschöpft wurden. Freilich hat der Heringsfang auch seine Schattenseiten. Der Küstenstrich, der beispielsweise in diesem Jahre von Heringen geradezu überschwemmt wirb, kann es erleben, daß sich im nächsten Jahre kein einziger der schmackhaften Burschen sehen läßt. Das bedeutet natürlich für die Fischer einen schweren Verdienstausfall, und ganze Dörfer, die nur vom Heringsfang und der Verarbeitung des Fisches geraten in bittere Not.— Auf hoher See werfen die Heringsfänger große Netze aus, die von Schiff zu Schif führen. Diese Netzwand treibt in senkrechter Stellung unter dem Wasser dahin und bleibt meistens die ganze Nacht hindurch so stehen. Holt man dann morgens die „ W W at ci in gu Die Heringe werden zum Rüuchern auf Spieße aufgereiht Netze ein, löst man die Heringe, die mit den Köpfen in den Maschen sitzen, heraus, weidet sie aus und legt sie zwischen Salz in bereitstehende Bottiche. Die weitere Verarbeitung vollzieht sich an Land. Unser Textbild zeigt z. B., wie sich der Hering in einen„Bückling“ verwandelt. In langen Reihen werden die Heringe en Spießen befestigt, um so gemeinsam geräuchert zu werden(es wird doch etwa niemand von euch gedacht haben, daß die Bücklinge gleich fix und fertig geräuchert im Meer herumschwimmen!).— Und auch sonst: es ist eine gar mühsame Arbeit, die Fische sauber zu putzen, nochmals zu salzen und in Tonnen zu verpacken, in denen sie dann die Reise zum Verbraucher antreten. Ja, man sieht es dem kleinen Hering, der da beim Kaufmann zum Verkauf ausliegt, gar nicht an, was für Sorge, Arbeit und Kummer er den Fischern bereitet, die jahrein, jahraus auf das Meer hinausziehen, um ihrem schmeren Wernie nachzugeben Auf den Schalotts Ziographie eines lebenslänglich Verurteilten, der 39 Jahre und einen Monat kinter Kerkermauern aubrachte von Laver B.. .(Fortsetzung.) Ich hatte eine Zeit lang mit ziemlicher Regelmäßigkeit Tagebuch geführt, aber die Ratten hatten sich darüber hergemacht und mir viele Seiten verdorden.— Trotzdem wurde ich mit den Ratten gut Freund. Tiere haben nicht so viel Falsch als die Menschen. Eine große männliche Ratte, die unterhalb meines Bettes ihr Loch hatte, war im Lause der Zeit vollkommen zahm geworden und pflegte aus ihrem Versteck hervorzukommen, wenn ich einen bestimmten Pfiff hören ließ. Sie kam dann auf den Tisch und lernte schließlich auf mein Geheiß Männchen und Turzelvaum machen. Des Nachts pflegte„Bebe“ an meine Schulter gedrückt zu schlafen. Sic wußte aber auch ganz genau, daß sie sich von niemand sehen lassen durfte, denn wir waren verpflichtet zu melden, wenn wir Ungeziefer in der Zelle hatten, und wenn ich ein„eache toi!“ flüsterte, oder wenn sie überhaupt nur hörte, daß jemand an der Zelle vorbeikam, suchte Bebe sofort ihren Schlupfwinkel auf. Zwei Jahre hatte ich das zahme Tierchen schon um mich, als ich eines Tages zum Direktor gerufen wurde.—„B..... haben Sie Ungezieser in Ihrer Zelle?“— Ich bekam einen großen Schreck, aber ich verneinte. Der Direktor lächelte und sagte:—„Na, Sie alter Rattenkönig, gestehen Sie es nur ein!“— Da half denn kein Leugnen mehr, und ich konnte mich nur aufs Bitten verlegen, daß mein Bebe nicht getötet würde.— Aber der Direktor war sehr guter Laune.„Wir haben Sie schon ein halbes Jahr beobachtet, und ich habe Anweisung gegeben, Ihnen die kleine Freude zu lassen, nachdem Sie sich in letzter Zeit besser geführt haben.— Nun nimmt mir aber die Rattenplage da oben derart zu, daß es nicht so weiter geht, und ich glaube, Ihr Schützting tut sein Möglichstes, um den Stamm zu vermehren.“ — Ich bat inständigst für meinen Liebling. Der Direktor sagte: „Die Rattenplage da oben muß auf alle Fälle aufhören. Aber ich will Ihnen einen Vorschlag machen:— Mein kleiner Junge interessiert sich sehr für die Ratte, und ich hätte nichts dagegen, wenn er sie übernimmt. Er wird Ihnen dafür einen seiner Kanarienvögel eintauschen. Dann haben Sie wieder ein Tierchen, das Sie pflegen können, und Ihr Rattenfreund wird es auch gut haben.“ — Mie dankbar war ich dem Direktor für seine Freundlichkeit, und obwohl es mir schwer fiel, mich von Bebe zu trennen, freute ich mich doch sehr auf den Kanarienvogel,— wußte ich doch von einigen Wärtern, daß der Sohn des Direktors ein großer Tierfreund war und eine sehr schöne Kanarienzucht hatte. So willigte ich denn mit vielen Dankesworten ein. Der Direktor ließ seinen Sohn rufen. Es war ein hübscher Junge von 15 Jahren, der sehr freundlich und höflich zu mir war. Er brachte einen Käfig, aus dem ich mir einen Vogel aussuchen durfte. Dann nahm er ein mit Luftlöchern versehenes Holzkästchen und begleitete mich zusammen mit dem Wätter nach meiner Zelle, wo ich Bebe aus seinem Schlupfwinkel hervorlockte. Der kluge Bursche schien aber etwas zu wittern, und ich nrußte eine halbe Stunde flöten, bis er endlich hervorkam. Ich streichelte noch einmal das graue Fellchen, und dann setzte ich das Tierchen behutsam in den Kasten.— Die Tränen standen mir in den Augen, aber ich durfte ja nicht klagen, denn der Direktor hatte sich wirklich mehr als gütig gegen mich gezeigt. Bebe wurde bast auch zu dem jungen Manne so zahm, daß er auf seiner Schulter auf dem Hofe spazieren getragen werden konnte. Jahre gehen dahin in eintönigem Grau, Jahre der stumpfen Gewöhnung und Jahre namenloser Qual. Kein Lichtblick!— Kein Hoffe..— Unselige, friedlose Menschen rings umher. Mißtrauen. Falschheit und Neid. Neid, der zu tödlichem, ja— zu tötendem Haß werden konnte, wenn die gemeine Angst, die hündische Feigheit nicht wäre,— wenn es noch ein eigenes„Ich“ gäbe.- Aber das darf hier nicht sein,— das wurde zerbrochen, als man zum ersten Male mit Ketten beladen über die Straße geschleppt wurde.— In der Untersuchungshaft gab es noch Menschen, da gab es noch warmen herzschlag, noch freundliches und freundschaftliches Mitempfinden, — denn da gab es ja noch ein Hoffen. Nun aber ist die Hoffnung #estorben,— und selbst der stille, nicht bösartige Neid auf dieenigen, deren Strafzeit nicht so groß ist, die da hoffen und Zuunstspläne schmieden— ganz gleich welcher Art— ist erstorben.— Lebenslänglich!— Man wird eines Tages die Schwindsucht haben und verrecken. Dann wird man da hinten in dem kleinen Hose, den ich gerade unter dem Fenster meiner Zelle habe, sang= und klanglos verscharrt oder— wenn man ein„interessanter Fall“ war, zu Studenten in die Universität geschickt.— Hier gibt es keinen Tod, der eine Lücke reißt, hier gibt es nur eine freigewordene Zelle, eine gelöschte Nummer und ein Aufatmen,„daß der Kerl weg ist!“ Und dennoch will das arme Herz nicht ganz unbegehrlich werden.— Man ist doch mal ein Mensch gewesen— irgend wann vor vielen, langen Jahren. Und das vergißt sich nicht.— Ich sah in Paris so oft im Zoologischen Garten die Tiere, und immer dauerten sie nich, um ihrer Gefangenschaft willen.— Und Früte——— ach, wenn man doch auch nur ein Tier wäre!— Man ist ja viel weniger. Das Tier hat gewiß kein so starkes Erinnerungsvermögen wie wir Menschen, wie wir„Kronen der Schöpfung"! Es denkt nicht so viel an die Freiheit zurück, es empfindet sie nicht ständig in so greifbarer Nähe. Man schreibt das Jahr 1900.— Jahrhundertwende haben sie da draußen gefeiert. Und in hundert Jahren werden sie Jahrtausendwende feiern, aber die, die dann in den Gesängnissen sitzen, werden eben so wenig Anteil daran nehmen wie wir an der Jahrhundertwende. Wir haben einen unter uns, wir nennen ihn den Clown. Seinen Namen kenne ich nicht, aber ich weiß, daß er die Buchnummer 2547 hat. Er hat zehn Jahre. Vom Zirkus ist er gekommen. Aber er war eigentlich kein Clown. Er hat es mir einmal erzählt,— er hatte eine„Trapeznummer“, wie er sich ausdrückt.— Ein blondes Mädel und er die machten zusammen lebensgefährliche Uebungen Uebersetzt und bearbeitet von A. Verkun=Wutffen. dicht unter der luftigen Kuppel des Zirkuszeltes. And er liebte das Mädel.— seine Frau follte sie werden.— Aber der Zirkusherr hatte mehr Geld als der arme Artist. Er wohnte in einem luxuriös eingerichteten Reisewagen und hatte Brillanten an den Fingern— wie Erbsen so groß. Einen davon versprach er dem Mädel,— und da ging sie des Nachts zu ihm in den Wagen— aber den Ring hat sie nie bekommen!— Ein kleiner buckeliger Zwergclown hatte es gesehen und erzählte es dem Artisten,— und als am Abend die Vorstellung kam, da ballte er in furchtbarem Grimm die Fäuste, anstatt die Hände auszustrecken, wie das Mädel in 15 Meter Höhe von ihrem Trapez nach dem seinen sprang.— Weit über tausend Menschen schrien gellend auf, denn die Kleine klatschte mit dumpfem Fall in den Sand der Manege. Arme und Beine hatte sie gebrochen, aber das Leben blieb ihr wie durch ein Wunder erhalten, und der Zirkusherr, dem nun doch das Gewissen schlug, ließ sie in das beste Krankenhaus der Stadt bringen und gab ihr, als sie nach drei Monaten geheilt war, einen Posten an der Kasse.— Den Artisten aber führte man in Ketten geschlossen ab und gab ihm zehn Jahre Zuchthaus wegen Mordversuches.— Manchmal sitzt er da und weint still vor sich hin, und dann bekommt er Arrest, weil er seine Arbeit vernachlässigt. Und manchmal lacht er laut heraus und schlägt Purzelbäume.— Dann bekommt er wieder Arrest wegen Unfugs.— Er kommt fast gar nicht aus dem Arrest heraus!— (Fortsetzung folgt.) Van englischen Stunsnasen, jungen Mädchen und Shenaaten. Aver hekraten soll man sie nicht. Wenigstens nicht als Ausländer. Unübersehbare Warnungen sieht man täglich in allen Straßen Londons. Abends nach Geschäftsschluß. Wenn man in den Anlagen spazieren geht. Oder vor den Tennisplätzen in den Zuschauer=Liegestühlen faulenzt. Da zeigt sich das Familienleben im„Außendienst".„Daddy“ trägt Baby.„Daddy“ trägt den Einholkorb. Jack Smith, der flüsternde Bariton, singt auf einer seiner bekannten Platten das Klagelied des englischen Familienvaters: „Poor Papa!“— Ich habe diese„Poor Papas“ oft auf der Straße sorgsam den Kinderwagen schiebend getroffen. Und wenn bei meinen englischen Freunden das Mädchen streikt, wäscht„Poor Papa“ das Geschirr ab. Spielt„Poor Papa“ mit den Kindern. Ob das auch eines von den vielen bösen Beispielen Amerikas ist?— Die unzufriedenen deutschen Ehepaare sollten einmal zusammen auf die Insel der Kraft und Schönheit fahren. Vielleicht würde dem Ehemann die süße Blondheit gefährlich werden. Die erstaunlich vielen und sicheren Damenfahrer würden ihm imponieren. Aber der erste Mann am Kinderwagen würde ihn, den„Herrn des Hauses“— auch ein Wort, das man nicht ins Englische übersetzen kann— in die Arme,seiner deutschen Frau, zu allen Leiden seiner deutschen Ehe zurück Von Leni Rhan Die Engländer, die so übermäßig stolz auf die schlanken Sportfiguren ihrer Frauen sind, haben die feste Meinung, daß jede deutsche Frau eine Germania in Miniatur ist: Von unangenehm imponierender Figur, mit blonden Zpsen und faltigem Gewande das bis zu den Zehenspitzen reicht. Der Typ der Engländerin ist allerdings oblatenengelhaft schön. Der erste Eindruck ist: süß— stupsnäsig— unschuldig. Fast jedes kleine Ladenmädchen in Lonoon hat ein Filmgesicht und die Modefigur.— Vor der ersten Enttäuschung bewahrt vorläufig noch — der Ladentisch. Wenn sie aber— und das tun im Sommer die ältesten und jüngsten— mit Koffern, Riesenhunden, strampelnden Babys und einer affenartigen Geschwindigkeit auf das Dach des schaukelnden Omnibusses steigen,— entdeckt man es.— Die Beine — Diese Beine verraten, was die entzückenden Stupsnasen und die auffallend gutgeschnittenen Bubenköpfe nicht verraten: Eine Schwunglosigkeit der Linie, die auf Mangel an Phantasie schließen kläßt. Schon an dem merkwürdig steif trottenden Gang erkennt man besonders bei der Frau, die gewöhnlich ihre innersten Gefühle und Eigenschaften bewußt oder unbewußt m ihrem Aeußeren zeigt, daß hier kein Ueberschuß an Gefühl und Temperament herrschen. Der Durchschnitt der englischen Frauen hat diesen Gang. Ein unübersehbarer Gegensatz zum hastig trippelnden der Pariserin und nachlässig graziösen der Wiener Frau. Vom„slapper" bis zur würdigen alten Lady sind hier nur— einige Schritte— wenige Nuancen. Die Unterschiede zwischen Jugend und Alter verwischen sich im Lande des Sportes. Beide tanzen gern und zeigen Leidenschaft nur in Tennis und Bridge. Beide lieben riesige Strohhüte, möglichst viel, möglichst bunte künstliche Blumen und den Regen=, schirm bei Regen und Sonnenschein. Was sie nicht gemeinsam haben, ist der Wissensdurst. In Museen, Ausstellungen und Vorträgen könnte man glauben, daß England im Aussterben sei. Da ist fast alles angegraut und runzlig. Wenig junges Blond, wenig kurze Röcke. Aus richtigen Großmutterbeutem schlüpfen Füllfedern, bejahrte Finger stenographieren eifrig. Sehr hausfrauliche Lippen, die man sich besser über dem Kochtopf beim Abschmecken vorstellen kann, fragen wißbegierig nach holländischen Malern, chinesischem Porzellan und ägyptischen Mumien. Die Jungen lieben keine allzugroße Wissensbelastung. Ohne Zweifel überschätzen die jungen Menschen oei uns die Bedeulung von Literatur und Philosophie für ihr eigenes Werden. Sie sollten weniger über psychoanalytische Probleme sprechen und lesen und mehr schwimmen und Tennis spielen.— Die englische Jugend— das Schlagwort von„Krankheit der Jugend“ ist dort unbekannt— ist gesünder, vielleicht ihrer selbst, ihrer Gefühle weniger bewußt: und auch ihre Selbstsicherheit ist natürlicher, einfacher. Dafür sind sie einseitiger. Sie lesen„lovestories" oder naivgrauliche Geschichten, wie der sehr beliebte Edgar Wallace sie schreibt. Wenn sie sich unterhalten, sprechen sie über Sportereignisse und Reisen nach dem Kontinent. Wenn sie ins Theater gehen, sehen sie Revuen oder Operetten. Aber möglichst keinen Galsworthy. In Galsworthys Stucken sind Probleme. Probleme sind ihrer Meinung nach langweilig, unverständlich und unnötig. Das englische Girl muß jedem Menschen eine ideale Freundin für den Sommerurland sein. Es hat den echtesten blondesten Charakter, den man sich vorstellen kann: Zärtlichkeit, die zum Charme nötige Unwissenheit und die kleine bremsende Källe. ir kacht sich krand I. Benno war Taschendieb aus Beruf und Neigung. Er stahl aber auch auf andere Arten. Zum Beispiel sah er eines Morgens auf der Zentralbank, wie ein Kassenbote hunderttausend Mark abzählte. Benno trat heran, legte seinen Hut auf ein kleines Paket bereits abgezählter Scheine, sprach einige Worte mit dem Mann hinterm Schalter und verschwand dann mit Hut und 17·000 Mark. Nie hat ihn der Kassenbote wiedergesehen. II. Wie sollte er auch, denn Benno saß ja im„Fürstenhof“ und keß sich vom Oberkellner Singer so lange das Beste vom Besten vorsetzen, bis er zu platzen drohte. Doch als er zahlen wollte und Singer eine der Noten hinhielt, fragte der: „Wieviele haben Sie noch davon?“ „arun!“ „Weil die Note falsch ist. Am besten, Sie geben gleich alle her.“ Und der Ober machte ein impertinentes Gesicht. Benno reichte ihm 16 Noten im ganzen, eine behielt er in der Hose. Dann verließ er das Lokal. Ihm war fehr elend. Singer aber warf verächtlich die 15 falschen Scheine ins Herdfeuer, gerade als der Direktor des Restaurants in die Küche kam und ihn aufklären wollte, daß die Scheine echt gewesen seien. Den 16. hielt er in der Hand und rechnete gerade die Zeche des Gastes nach, während Singer in ein Chambre separs schlich und sich erschoß. III. Inzwischen war Benns, um sich zu rächen, auf die Polizei gelaufen und hatte Singer zur Anzeige gebracht. „Diese Blüte hat mir der Kellner angedreht, Herr Wachtmeister," sagte er entrüftet. Doch der andere blieb kühl. „Warum regen Sie sich auf, mein Herr? Der Schein ist echt" Da ging Benno an das Ufer des vorbeifließenden Flusses und ward nicht mehr gesehen. IV Am Nachmittag kam Ludwig Rellstab, der Kassenbote, in das feudale Restaurant und verlangte seinen Freund Singer zu sprechen. Man berichtete ihm von dem unerwartet plötzlichen Freitode des Kellners. „Schade,“ meinte Rellstab,„ich hätte ihm gern eine Geschichte erzählt, die mir heute früh passierte. Klaut mir da doch einer auf der Bank 15 Blüten, die ich immer bei mir trage, und zwei echte Scheine und rennt fort, als hätte er ein Vermögen gewonnen. Die Bank ist versichert, tragt den Schaden. Nun lauft der Died rum und hält sich für weißgatt wie reich. Wenn Singer das hören könnte, er würde sich amüsieren. Ich könnte mich totlachen. Und stolzierte aus dem Lokal. am Außerordentliche Unterbezirks=Generalversammlung des Unterbezirks Rechlinghausen Gelsenkirchen. Nach Beschluß des Unterbezirksvorstandes findet Sonntag, dem 13. Oktober 1929, vormittags 9 Uhr, im Goldberghaus(Gelber Saal), Buer eine Außerordentliche Unterbezirks=Generalversammlung statt. Tagesordnung: I. Die Provinzial=, Kreistags=, Amts=, Stadtverordnetenund Gemeinderatswahlen. Referent: Genosse Klupsch. Dortmund; 2. Aufstellung der Kandidatenlisten für Provinz und Kreise Die außerordentliche Unterbezirks=Generalversammlung setzt sich zusammen aus: 1. den Delegierten der Ortsvereine: 2. dem Unterbezirksvorstand; 3. dem Erweiterten Unterbezirksvorstand; 4. je einem Vertreter der Redaktionen und der Geschäftsleitungen der Parteizeitungen im Unterbezirk, einem Vertreter der Pressekommissionen, des Bildungsausschusses und des Jugendausschusses. Ferner sind auch zur Teilnahme berechtigt die Reichs= und Landtagsabgeordneten und Provinziallandtags= abgeordneten. Als Delegierte der Ortsvereine kommen die Genossinnen und Genossen in Frage, die zur ordentlichen Generalversammlung gewählt waren. Dort, wo diese Genossen nicht mehr vorhanden sind, wählt der Ortsverein neu. Die Ortsvereine tragen die Kosten selbst. Gäste sind willkommen. Mitgliedsbuch der Partei, Mandat und die letzte Quittung der Parteizeitung sind mitzubringen. Der Unterbezirksvorstand: I. A.: Wilh. Pseisenbring Die Frauenbewegung in Norwegen. Wenn deutsche Frauen und Mädchen sich in Norwegen aufhalten, so sprechen sie immer wieder ihre Verwunderung darüber aus, nir es möglich war, daß die Frauenbewegung in diesem Lande eine solche beachtenswerte Höhe in einer verhältnismäßig kurzen Zeit erreichen konnte. Früher als in dem„kultivierten Westeuropa“, in den Ländern vorgeschrittener Technik, im Bereich der Millionenstädte, wurden hier, im Lande der einsamen Täler, der Unbewohnten, abseitsliegenden Wälder und Fiorde, die Forderungen der Frauen anerkannt. Wie ein Wunder erschien es uns angesichts der harten Ledensbedingungen und des kargen Bodens, angesichts der mühsam und schwer arbeitenden norwegischen Landfrau, daß hier schon seit über 20 Jahren das Frauenwahlrecht durchgeführt ist, und daß seit Jahrzehnten Frauen führende Stellungen aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens bekleiden. Verfolgt man dann aber das Werden der norwegischen Frauenbewegung näber, so scheidet bald alles Wunderbane und Anerklärliche aus, und eine logische Kette von Tatsachen, Wirkungen und Gegenwirkungen tritt an seine Stelle. Bedeutende Persönlichkeiten aus den Reiben der Frauen selbst haben hier, wie in Deutschland und den anderen Ländern, das große Werk der Vefreiung der Frau begonnen und weitergeführt. Daneben aber haben noch andere Kräfte in Norwegen entscheidend mitgewirkt, um die Frauenbewegung zu fördern. Während in Deutschland gerade die sozial und politisch Führenden der wilhelminischn und vorwilhelminischen Zeit, die Kasten der Militärs, des Großkapitals und des Großgrundbesitzes alles versuchten, um die Frau niederzuhalten, sanden hier in Norwegen die Forderungen der Frauen eine tatkräftige Unterstützung durch zwei volkstümliche, vervorragend mit dem öffentlichen Leben verbundene Persönlichkeiten: durch Ibsen und Björnson. Zu einer Zeit. in der man in Deutschland die Frauenrechtlerinnen mit Hohn und Spott überhäufte, in der man gegen jede auch noch so bescheidene Forverung der Frauen von allen Seiten Sturm lirf, wurde hier, im Lande der Einsamkeit und Abgeschlossenheit, der um ihre Freiheit kämpfenden Frau etwas Anersetzliches, unendlich Wertvolles geschenkt: die ethische B#aründung ihrer Gedanken= und Idoenwelt in großen Werken der Literatur. Damit stand die norwegische Frauenbemigung von vornherein auf einer ganz anderen geistigen Höbe. Gewiß wurde auch ihr der Weg in die Draris, in die rauhe Wirklichkeit der Fabrik, des Unternehmens, der Werkstatt nicht erspart. Aber sie wurde doch getragen von dieser hohen acistigen Beweauna, wic von einer mächtigen Welle, die durch ihr eigenes Gesetz weiter= und weiterrauscht bis sie im Ozcan mündet. Man pflegt gerade in den der Praris nabestebenden Frauenkneisen die Wirkuna literarischer Geschednisse zu bespötteln und zu unterschätzen. Das Beispiel der norwegischen Frauenbewegung aber zeigt, daß es keineswegs abeichasiltig ist, ob die Stimmung eines Landes vorbereitet ist, ob die Gemüter auf kommende Geschehnisse bereits abgestimmt sind oder nicht. Als Norwegens erste bedeutende Frauenrechtierin, Camilla Collet, die Schwester des Dichters Merauland. Gedanken zur Vefreiung der Frau aussprach, da fand sie im norwegischen Volke selbst keinen oder doch nur ganz geringen Widerball. Die noilegische Frau, die auf ihrem Hofe oder dem kleinen Pachtaut von früh bis in die Nacht in barter Fron im Dienste des eigenen Gatten oder des fremden Arbeitgebers sich quälte, nahm ihr Los im allgemeinen als gottgcwollt und gottgcalben bin. Noch wurde damols in der Kirche bei der Trauung das Gebot des Gehorsams der Ehefrau verkündet, das in der Forderung„Er soll dein Herr sein“ gipfelte. And noch immer galt es als„von Gott gewollt. daß, wie die Bibel forderte, die Frau in Schmerzen Kinder gebären“ solle. Aber langsam und unmerklich wurde auch das teilnahmsloseste Gmüt wachgerüttelt. Ibsens große Dramen wurden gespielt, und die Kunde davon pflanzte sich fort in die stillen Täler. auf die einsamen Höfe. Zum ersten Male schilderte dier ein großer Menschenkenner, der zugleich ein Dichter wor, die Seele der Frau, ihre inneren Kämpfe, ihre Entwicklung, ihre Reise. Die Frau wurde als Mensch gewertet, sie besaß Fähiakeiten. Krane in sich. die sie über die tief geduckte, entversönlichte Kreatur erhoben. Noch klarer, noch entscheidender, jedoch optimistisch und bejabend, trat Björnson auf die Seite der Frau. Schon in seinem Jugendwerk„Leonarda“ hatte er die Gloichstellung und Gleichwertung von Frau und Mann gefordert und den Persönlichkeitswirt der Frau betont. Im„Handschuh“ war er auch an dem seruellen Problem nicht vorübergegangen und hattt die gleiche Reinheit der Lebensführung, die von der Frau verlangt wurde auch für den Mann gefordert— eine Fanfare, deren Ton überall zum Kampfe aufrief und die Weltanschauungen gegeneinanderprallen ließ. Bförnson lieferte damit der norwegisc Frauenbewegung eine Wasse von unersetzlicher Kampfkraft. Dadurch, dan er als Mann, als führende Persönlichkeit Norwegens und endlith als anirkannter Künstler offen auf die Seite der Frauenbewegung trat, lenkte er den Sturm der Entrüstung, des Protestes, des Hohnes auf sich selber, während in anderen Ländern, wie Deutschland, Frauen Jahre und Jahrzehnte lang von den roaktionär eingestellten Geanern mit oft geradezu schmutzigen Pamphleten sich besudeln lassen mußten. Aber auch das Zerrbild der„wodernen Frau“, die ihr Weibtum vollkommen verloren habe, hatte Bförnson in Norwegen bescitigt zu einer Zeit, als es in Deutschland noch überall in Witblättern den dankbarsten Gegenstand lieferte. Seine Thora Parsbera war acistige Kamcradin und Weib zugleich: sie war ein barmonischer, gereister, innerlich wertvoller Mensch, obwohl sie eine„moderne“ Frauengestalt war... So war der Boden vorbereit#t, als die Frau der Proris, die Malerin Asta Hausteen, aus den Kampsplatz trat und aus der Wirklichkeit des Alltages beraus Versammlungen einberief, organisierte und Ansprachen hielt. In Deutschland kämpfte man noch verzweiselt um die ethische Begründung der Frauenfrage, als in Norwegen schon die erste Frau zur Wahlurne schritt und ihre Stimme abaab. In gemeinsamer Arbeit hatten hier geistia dervorragende Männer und Frauen auf dem Gebiet der Frauenbewedung ihren ersten emscheidenden Sieg erfochten.— Norwegen war führend und beispielgebend für die Großzmächte Eurovas geworden... E. M Filmschau. Usa-Theater„Schauburg“. Buster, der Filmreporter, betitelt sich der Film, in dem Sie üder Buster Kaaton wieder einmal Tränen lachen können über den Mann, der sich in dieser zwerchsellerschütternden Grotcske als Filmkameramann betätiat. Die phantastisch vergnüglichen, noch nie dagewesenm Situationen, in die er gerät, die aufregenden, unbeschreiblichen Abenteuer, die sich ihm bieten und die er trotz hoffnungslosester Angeschicklicklichkeit berotisch überwindet, machen diesen neuen Buster=Keaton=Film zu einer Glanzleistung des einzigartigen Filmstars. Unser zweiter Schlager zuiat William Haines,„Der Abenteuer=Reporter“ zwischen Frisco und der Mandschurei“. Mit bezauberndem Humor und stärkster Sensation ist dieser Film ausgestattet, in dem William Hoines als Zeitungsreporter alle Register seiner bestrickend liebenswürdigen Begabung und seiner durch ihren Charmc entwaffnmen beiteren Unverschämtheit zieht. Die Welt der Zeitung tut sich auf. deren Macht bis ans sernste Welrmde zu spüren ist und die sowic die umsangreiche beliedte Asa=Wochenschau Vereine. Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Ortsgruppe Gelsenkirchen. Die deutschen Gewerkschaften schenkten den west= und füddeutschen Gauen für die besetzten und besetzt awesenen Gebiete in hochberziger Spende 11 Jugendherbergen. Davon erhielt der Gau Sauerland zwei, dir IH. an der Glörtalsperre, die im April d. J. eingeweiht wurde und die IH. Niederwenigern im Amte Winz, die am Sonntag, dev 20. Oktober, vormittags um 11 Uhr, der wandernden Jugend übergeben werden soll. um selden Tage findet nachmittags um 2.30 Uhr die Einweihung der Jugendherberge Lansenberg, ebenfalls eine Schenkung der deutschen Gewerkschaften, statt. Zu diesen schlichten Feiern werken Herburgsfreunde und die gesamte wandernde Jugend berzlichst eingeladen. Die Weiherede des Profit, Berlin, wird umrahmt werden von Musik= und Gesangvorträgen und anderen Dardietungen der umliegenden Ortserupren. Anmarschmege: Bahnhof Hattingen— Ruhrstraße unter dem Isenbera vorbei zur Jugendberberge Niederwenigern. 4 Kilomoter Bahnhof Altendorf nach Dorf Niederwenigern, 3 Kilometer Bahnhof Linden=Dahlbausen, über die„Ruhr, dann dem Leinpfade nach.. Kilometer. Bahnhof Kupferdreh— Straße nach Niederwenigern, 5 Kilometer. Gruppen, die auch on der Feier in Langenberg teilnehmen wollen, geben auf dem Kamm des Isenberges der Straße entlang nach Nierenhof, dann zum Langenberger Sender hinauf. Ortsgruppe Gelfenkirchen der Deutschen Jugendherbergen. Mitglieder, die die lehrreiche Ausstellung„Der Mensch"— Anahyga" besuchen wollen, erhalten in der Geschäftsstille— Lutherschule— Schalker Straße 16, unentgeltlich Vereinskarten, die an der Kasse gegen gültige Tageskartin eingetouscht werden. Für diese beträgt der Eintrittspreis 50 Rpf. Es wird gebeten, von diesem Entgegenkommen der Ausstellungsleitung reaen Gebrauch zu machen. Arbeiter=Sport. beiter=Rad. und=Kraftfahrer=Bund„Solidorität“. Abteilung Kraftfahrer. Donnerstag abend 8 Uhr im Gewerkschaftshaus: Versammlung. Das Erscheinen aller ist unbedingt erforderlich. Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Inhalt: Alfred Zinaler für den Anzeigenteil: Kar! Cbemnitz, beide in Gelsenkirchen.— Druck:„Vou#rwille“, Ludwig Leypoldt, GmdH., Gelsenkirchen=Buer. Parteiveranstaltungen. SPD., Gelsenkirchen=Buer. Funktionärinnen des Stadtteils Buer. Dienstaa um 5.30 Uhr Sitzung im Volkshaus Buer. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung müssen alle Funktionärinnen erscheinen. SPD., Horst=Emscher 1 und 2. Am Mittwoch, dem 9. Oktober 1929, nachmittags 5 Ahr, im Lokale Beckmann Hugo: gemeinschaftliche Funktionärsitzung beider Ortsgruppen. Es ist Pflicht eines jeden Funktionärs, zu dieser Sitzuna pünktlich zu erscheinen, da dringende Angelegenheiten zu erledigen sind. Jugendveranstaltungen. SAJ., Gelsenkirchen. Dienstag abend um 8 Uhr in August=Vebel=Heim: Aclteren Abend. Wir bitten alle Aelteren, zu erscheinen. Wir wollen unser Programm festlegen Am Mittwoch und Donnerstag tagen die jüngeren Gruppen, wie bekannt. Rote Falken, Buer Mitte. Die Roten Falken von 10 Jahren an treffen sich Dannerstag, den 10. Oktober, nachmittags um 4 Uhr, im Volkshaus. Eltern, schickt eure Kinder zu den Roten Falken Genossenschaftliches. Der Konsumverein„Eintracht", Effen Heraus mit ihm! Der Ustige Schleim sitzt wieder fest. Losend wirker Jau's Sedener-Mineral Dastillen; ein natürliches Mittel erzielte im Monat September 1929 einen Gesamtumsatz ven 2608 105 RM. Das ist gegenüber dem gleichen Monet des Vorjahres eine Steigerung von 184061 RM., gleich 7,59 Proz In den Lebensmittelverteilungsstellen wurde für 2179577 R'M umgesetzt, in den Fleischverteilungsstellen für 302126 20M. und in den Kaufbäusern und Textilverteilungsstelben für 126 403 RM Für den kleinen Haushalt. Gutes Licht, schnell Wärme Arbeiterleichterung L 0 Alle Gasger können Sie billig und bequem in Kaufmiete — erwerben, bei Ihrem Gaswerk, Florastraße 7 Gelsenkirchener Sauerkrautfabrik Gesellschaft mit beschränkter Haftung Gelsenkirchen, Dessauerstraße 52&mmp Telefon 210 94 Jacob Olf: Gelsenkirchen Klosterstraße 1 Klempnerel s Installationen Sanitäre Anlagen Westfälische Kunststein- u. Zementwarenfabrik Rheinischestr. 24 G. m. b. H. Rheinlschostr. 24 Anfertigung sämtlicher Zementwaren Hotel Hans Sachs Stadtschenke Hans Sachs Bernhard Beckers, Gelsenkirchen Gronzstr. 118 Gogr. 1903 Ruf 25202 Zentralhelzungen P. W. Schmitz: Gelsenkirchen Rhoinischostr. 28 Telvfon 24904 Baustoffe s Plattens Steinholzfußbäden 7840 sim. ununterbrochen im Flugzeug Erfolg der französischen Sibirienflieger Das Schicksal der beiden Flieger Coste und Bellonte, die den reckenrekord brechen wollden und über deren Verbleib man lange im Ungewissen war, scheint jetzt einigermaßen aufgehellt zu sein. Nach den letzten Meldungen sollen sie in der Mandschurei bei dem Dorje Kowchinza in der Nähe von Tsisikar gelandet sein. Danach wäre es ihnen tatsächlich gelungen, durch einen Flug von ungefähr 7840 Kilometer Länge den von den Italienern Ferrarin und Delprete aufgestellten Rekord(von Rom nach Natal in Brasilien= 7188 Kilometer) zu brechen. Die Auffindung der französischen Flieger Costes und Bellonts wurde Sonntag abend vom Pariser Luftfahrtministerium bestätigt. Das Mmisterium erhielt ein Telegramm des französischen Konsuls in Mukden, wonach die Flieger in der Gegend von Tsitsikar offenbar aus Mangel an Brennstoffen gelandet sind. Beide Flieger sind unverletzt und guter Dinge. Berg in Brand München, I. Okt.(Drahlmeldung.) Die„Münchener Itg.“ meldet aus Innsbruck: Seit einigen Tagen wutet an den Südabhängen des Kleinen Solsteins und der Hohen Warte in der Höhenregion von 1200 bis 1900 Metern ein gewaltiger Brand. Das Feuer wurde durch die ungewöhnliche Trockenheit gefördert und vom Sturme bergauf und nach Nordosten weiter getragen. Alle Anstrengungen der Jorstbeamten, unterstützt von Arbeitern und der Gendarmerie, dem Jeuer Grenzen zu ziehen, blieben bisher erfolglos, aber auch der Einsatz von Militär, der bevorsteht, wird in dem meglosen, feisigen, fast undurchdringlichen Gelände nutzlos sein. Nur ein langandauernder Regen wird den gewaltigen Brand löschen können, der bereits einen zweiten Jeiszug am Abhang überschritten hat. Der Raubüberfall in Charlottenburg Berlin, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Die beiden bisher noch ermittelten Mitglieder der dreiköpfigen Bande, die am Freitag Lecken Ueberfall auf die Kasse der Charlottenburger Schlächterei Gerbsch untemommen haben, sind heute früh festgenommen worden. Sie haben ihre Beteiligung an dem Ueberfall bereits zugegeben. Wirbelsturm in Johannesburg Johannesburg. 6. Okt.(Drahtmeldung.) Ein Wirbelsturm von ungeheurer heftigkeit ging heute nacht über die Vorstädte Turffonkein und Keriework; hin. Hunderte von Häusern wurden ihrer Dächer beraubi. Drei Personen wurden schwer verletzt. Schwerer Sturm an der irischen Küste London, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Die Küste von Irland und England wurde während des Wochenendes von einem schweren Sturm heimgesucht. In der nordirischen Grafschaft Tyrone wurden drei wichtige Brücken von den reißenden Fluten zum Einsturz gebracht. Der Fahrdam der irischen Eisenvahn steht unter Wasser. In Bournemouth, an der englischen Südtüste, wurden 60 Badehütten zerstört. Hauptgewinn: Ein Familiengrab! Bei dem in diesem Jahre in La Paz, der Hauptstadt der Republik Bolivia, abgehaltenen Wohltätigkeitsfest zugunsten der Waisenhäuser wurde als Hauptgewinn für die Tombola; ein Familiengrab ausgesetzt. Die Nachfrage nach Losen war derart stürmisch, daß bereits zwanzig Minuten nach Bekanntwerden der Verlosung alle Lose vergriffen waren. Der glückliche Gewinner war ein Junggeselle, der einige Tage darauf beim Baden ertrank und dessen Leiche bisher nicht aufgefunden werden konnte. Mit dem Auts in den Tanzsaal Zur Hebung der Besucherzahl hat ein großes Neuyorker Hotel einen Aufzug einbauen lassen, mit dem nicht nur die Personen, sondern auch die Autos in das Stockwerk gebracht werden, in dem sich der Tanzsaal befindet. Am lausenden Band werden die Wagen in eine Garage befördert und sind, wenn die Besitzer ihre Wagen zurückhaben wollen, innerhalb weniger Minuten wieder vor dem Tanzlaal. Im unerforschten Land verhungert Gräßlicher Tod dreier Forscher Eine Hilfsexpedition der konadischen Gevirgspolizei hat jetzt die Leichen der englischen Hornby=Expedition geborgen, die vor dreieinhalb Jahren auszog, um das wilde, unerforschte Felsenland von Nord=Kanada, das sogenannte Barrenland, zu erforschen, und die bisher verschollen war. Im August v. J. hatte ein Trapper nordwestlich der Hudson=Bay bei einer kleinen Hütte die Leichen von drei Männern gefunden, von denen man sofort glaubte, daß sie mit der engtischen Hornby=Expedition identisch seien. Nunmehr ist es gelungen, bis zu der von dem Trapper bezeichneten Stelle vorzudringen und die Leichen zu bergen. Auf einem Ofen, der in der Mitte der Hütte stand, entdeckte man die Aufschrift:„Sucht im Ofen, lebt wohl.“ Im Innern des Ofens fand man das Testament der Verstorbenen, ihre letzten Aufzeichnungen und Briefe an ihr. Angehörigen. Es wurde festgestellt, daß die drei Forscher John Hornby, Edgar Christian und Harald Adlard inmitten der kongdischen Polarwitste eines furchtbaren Hungertodes gestorden sind. Horndy ist als erster gestorben am 16. April 1927, wie die Aufzeichnungen verraten. Seine beiden Begleiter waren zu schwach, um ihn begraben zu können. Sie nähten seinen Leichnam in ein Segeltuch und legten ihn vor die Hütte. Mehr als drei Wochen duldeten die beiden Ueberiebenden noch gemeinsam die Qualen von Hunger und Kälte dann erst stard Adlard und auch ihn trug Christian noch hinaus aus der Hütte. Er selbst blieb als letzter zurück. Das Tagebuch, in das Christian, der zuletzt starb, seine Eintragungen gemacht hatte, enthielt die letzte Bemerkung: „Heute, am 4. Mai 1927, starb Adlard.“ Dann schweigt das Buch. Zweifellos ist auch Christian einige Stunden oder Tage später den beiden Gefährten in den grausigen Tod gefolgt. Der Sklarek=Skandal Veröffentlichung der„Anzugsliste“ Veröffentlichung der„Anzugsliste“ Berlin, 8. Okl.(Drahtmeldung.) Den Blättern zufolge hat der Magistrat bei der Staatsanwaltschaft durchgesetzt, daß heute städtische Beamte Einsicht in die Konten der Sklareks erhalten werden. Die Namen sämtlicher Beamten, die mit der Jirma in geschäftlicher Verbindung gestanden haben, werden vom Nachrichtenamt der Stadt Berlin veröffentlicht werden. Der Magistral will damit den Beweis erbringen, daß die Stadt dauernd bemüht ist, die Aufklärung der unsauberen Angelegenheit in vollster Oeffentlichkeit durchzuführen. Aber schon heute muß betont werden, daß das Bestehen einer Geschäftsverbindung allein in keiner Weise als irgendeine Belastung gewertet werden kann. Diese Veröffentlichung wird naturgemäß hunderte von Namen kleiner und mittlerer Beamten aller Parteirichtungen enthalten, die in völlig korrekter Weise auf Grund von Inseraten und Werbeschriften zu Kunden der Firma wurden. Das Konkursverfahren gegen die Sklareks eröffnet. Von dem Amtsgericht Berlin=Mitte ist heute vorm. 11,35 Uhr das Konkursverfahren gegen die Sklareks eröffnet worden. Ortschaft niedergebrannt Kaschau, 7. Okt.(Drahtmeldung.) In der Gemeinde Breza im Bezirk Arwa brach heute ein Brand aus, der die ganze Ortschaft in Asche legte. Es sind insgesamt 105 Häuser verbrannt. Der Schaden wird auf drei Millionen Kronen geschätzt. Erplosion im Hasen von Philadelphig Philadelphia, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Durch eine Explosion an Bord des hier zur Reparatur auf der Werft liegenden Frachtdampfers„Kelbeck“ wurden drei Personen getötet und fünf verletzt Der Materialschaden ist gering. Humor Die Hauptsache. Ein Fischer fiel bei Ausübung seines Berufs ins Meer. Es gelang indes zweien seiner Kollegen, die in der Nähe waren, ihn zu retten. Sie schleppten ihn in seine Behausung, die nicht weit entfernt war, und legten ihn der stämmigen Gattin in die Arme, die sie mit den Worten anredete: „So, so, ihr habt also meinen Mann gerettet?“ „Jawohl“, sagte einer der Retter ganz bescheiden,„es ist ja nicht der Rede wert.“ Worauf die Gattin fragt: „Und sein Halstuch? Wo ist das hingekommen?“ Schwere Fälle. Treffen sich zwei Aerzte. „Haben Sie auch schwere Fälle in Ihrer Praxis, Herr Kollege?“ „Doch. Jetzt gehe ich gerade wieder zu einem. Der ist mir schon über ein Jahr das Honorar schuldig.“ Frechheit. Der Richter fragte den Verurteilten:„Haben Sie noch etwas zu bemerken, das Ihre Strafe mildern könnte?“ „Ja, ich bitte um ein Sosa in meiner Zelle!" 17 R Der größte Kindergarten Europas. Die Stadt Wien hat in dem neuen Wohnviertel Sandleiten einen Kindergarten errichtet, der der größte Europas ist. Das riesige Gebäude ist von großen Gärten mit Planschbecken, Spielplätzen und Lauben umgeben. Die Anlage entspricht den höchsten Anforderungen der wissenschaftlichen Erfahrung auf dem Gebiete der Kinderpflege. Ge Koman von Dr. Carl Credé. Verlegt bei Karl Reißzner in Dresden. 45) (Fortsetzung) Alles dies wurde nach Art der eingefangenen Mäuschen und dem Monatsdatum ausgewählt. Je vorgeschrittener der Monat war, desto bescheidener war auch das Programm. Fast alle diese Bekanntschaften waren Eintagsfliegen oder, besser gesagt, ephemere Schmetterlinge. Aber einmal blieben wir doch etwas fester hängen. Diese Schmetterlinge, von denen ich jetzt erzahlen will, woren gar zu nett. Eine kleine Zierliche und eine große Blonde, beide brillant angesogen sehr ruhig im Wesen, begegneten uns auf einem Zug. In ihren Augen flackerte etwas so typisch Unruhiges, daß wir alten Renner sofort richtig diagnostizierten:„Die wollen irgend etwas erleben!" Alles verlief programmäßig. Phil griente, ich intervenierte, sie lachten. Ich lud gleich frech zu ein paar Schnäpschen in die nahe Bolsbar ein. Wir sprudelten dort alle vier bald von guter Laune und zogen weiter ins Hofbräu. Dort taten wir uns in einer lauschigen Ecke auf, und es erhub sich ein erhebliches Becherlupfen. Sie waren Freundinnen, eine wohnte im Westen, eine im Süden, beide in Vororten. Die Zeit verging uns im Fluge! Sie wir#en unruhig und wollten nach Hause. Beide waren nämlich So euues in festen Händen. Ich sagte:„Unsinn! Kinderl heute gehen wir überhaupt nicht mehr auseinander, jede von euch schreibt eine Rohrpostkarte nach Hause, daß sie die andere, die plötzlich krank geworden ist, pflegen muß! Ober! Zwei Rohrpostkarten!“ Ich diktierte beide, die Mädels schrieben, die Karten gingen ar. Nun tosten wir in die Winzerstuben. Speziell ich,„der Dr. Horder von den Westfalen“, konnte mir dort alles erlauben, weil ich stets Leben in die Bude brachte. Der Wirt legte daher den allergrößten Wert auf meine Anwesenheit. Ich übernahm oft den Dirigentenstab der Kapelle oder spielte ein Instrument mit, lag auch einige Male unfreiwillig in dem kleinen Goldfischteich mit der Fontäne, der sich inmitten des Lokals befand. War ich besonders animiert, pumpte ich mir vom dicken Geschäftsführer den Cutaway und machte die Runde im Lokal mit der bekannten Grandezza dieser Leute, die selbst in der Metropole provinzial zu wirken verstehen. Ich ging mit toternstem Gesicht von Tisch zu Tisch, das dürftigste Mäuschen an der Seite des grünsten Portokassenjünglings stramm mit„gnädige Frau“ anredend und Unterhaltung machend. Dieser Abend verlief verheerend, obwohl wir damals einen tollen Stiefel vertragen konnten. Die Feuerzangenbowle, auch unter uns Verlötungsbowie genannt, die wir an diesem Abend cerevisierten war entschieden zuviel für uns. Phil rutschte bald unter den Tisch. und die Damen, die beide auch schon etwas illuminiert waren — sahen sich auf meine alleinige geistreiche Unterhaltung angewiesen. Ich erzwang dann den Aufbruch, obwohl Phil immer nur schlosen wollte, wir verpackten uns in eine Droschke und rollten der Luisenstraße zu. Plötzlich— höchst unpassend— gerade„Unter den Linden", wollte Phil aussteigen. Die Droschke hielt. Er kam aber nicht wieder. Ich suchte ihn und brauchte nicht weit zu gehen. Er lag am Reitweg wie eine Leiche mit dem Gesicht nach unten, mitten zwischen dem dornigen, kurzgehaltenen Buschwerk und— schlief. Ich rüttelte und schütteite ihn, alles vergeblich. Aber hochkriegen mußte ich ihn. Hier half nur brutale Energie! Ich zog ihn an Haaren und Ohren hoch, stellte ihn mühsam auf die Beine und bugsierte ihn mit Polizeigriff zum Wagen zurück. Unterwegs bis zur Bude machten wir zu dritt Kitzelversuche an ihm, bis e. allmöhlich munter wurde und wenigstens wieder griente, was bezaubernd aussah. Als wir auf der Bude Licht gemacht hatten, sahen wir erst, daf Phil über und über mit Blut bedeckt war. Eine alte Menjurnard# am Kinn klaffte zentimerbreit, wahrscheinlich hatte er sie sich im Gestrüpp an einem Dorn aufgerissen. Er ging in sein Zimmer und kam und kam nicht wieder. Ich sah nach ihm und holte die beiden Ladys schnell dazu, denn es bot sich ein köstliches Bild! Phil aß bei kümmerlicher Kerzenbeleuchtung vor seinem halbblinden Rasierspiegel und nähte sich mit einer gewöhnlichen Nähnadel und schwarzem! Zwirn gewissenhaft seine Kinnwunde wieder zu. Er machte sich dabei— er war recht geschickt— troßz des vielen genossenen Alkohols eine tadellose„fortlausende Naht". Die Narkoie war durch die Bowle anscheinend erreicht. er sagte wenigstens. es täte gar nicht weh. Ein toller Bengel! Trotz des etwas kläglichen Ausgangs dieses ersten Abends sahen wir uns doch häufiger mit diesen jamosen Mädels, bis der Strude des flotten Berliner Lebens uns wieder auseinanderriß 42 Kapitel Er wird die Klette los(denkt er) Weil mein Elternhaus mittlerweile völlig zusammengebrochen war— meine Eltern hatten sich scheiden lassen— adoptierte mich meine gute Tante Lucie, eine Schwester meiner Mutter. Ich hieß nun„Crede“ und fühlte die Verpflichtung dem berühmten Namen Ehre zu machen. Noch vor der Adoption war ich meinem Chef. Geheimrat Bumm, in der großen Hammelherde der Aerzte. die bei ihm arbeitea, aufgefallen. Die Erfindung eines praktischen Instrumentes war der erste Anlaß. Er sagte mir eine Assistentenstelle jest zu. Das bedeutet sehr viel, die Anwartschaft auf Habilitation, wahrscheinlich eine Professorenlaufbahn. Ich hatte nur noch ein Jahr lang an eine süddeutsche Klinik zu gehen, um dort praktisch Geburtshilfe zu treiben. Die Hundezüchterei sollte noch eine Weile fortgesetzt werden, dimn wollte ich sie mit einem Ausverkauf abschließen. Schwierig war nur die Frage, was mit der Klette Elbeth werden sollte, die nach wie vor in Schönholz mit meiner Hundezucht hauste, die ich wieder aufgebaut hatte...(Fortsetzung folgt.) — Teure Heiden Rußland verlangt für die„Krassiv“=Hilfe 1 350 000 Mark. Hamburg, 7. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das Hamburger Oberlandesgericht hat gegenwärtig über einen interessanten Streitfall zu entscheiden. Bekanntlich hatte der deutsche Vergnügungsdampfer„Monte Sarmiento“ der Hamburg=Süd=Amerika=Linie vor einem Jahre auf seiner Spitzbergen=Fahrt eine schwere Havarie erlitten. Der russische Eisbrecher„Krassin“ eilte auf die drahtlosen Hilferufe des deutschen Dampfers herbei, schleppte den„Monte Sarmiento“ in den nächsten norwegischen Hasen und besserte in zweitägiger Arbeit das doppelseitige Leck am Rumpf des Schiffes aus. Der„Monte Sarmiento“ konnte dann mit eigener Kraft nach Hamburg zurückkehren. Nunmehr ist vom russischen Staat die Rechnung für die geleistete Hilfe präsentiert worden. Sie ist viel höher, als man in Hamburg erwartet hatte. Nicht weniger als 1350000 Mark werden von den Russen verlangt. Die Homburg=Süd=Amerika=Linie weigerte sich zunachst, den russischen Anspruch in solcher Hohe anzuerkennen. Nachdem die Verhandlungen, die mit einer russischen Kommission in Hamburg geführt wurden, sich zerschlagen hatten, kommt die Sache jetzt vor das Gericht. Kommunistenk awall im Lübecker Parlament Lübeck, s. Okt.(Drahtmeldung.) In der gestrigen Abendsitzung der Lübecker Bürgerschaft kam es zwischen den kommunistischen Abgeordneten und dem Präsidenten zu schweren Zusammenstößen. Als der Präsident eihe Eingabe der Kommunisten zwecks Aufhebung des Verbots des Rot-Jrontkämpferbundes der Bürgerschaft zur Kenntnis gab, verlangten die Kommunisten die Abgabe einer Erklärung. Das wurde ihnen verweigert. Darauf machten sie glotzen Lörm. Ein Kommunist wurde dreimal zur Ordnung gerusen und schließlich hob der Wortführer die Sitzung auf. Die Kommunisten ließen sich aber dadurch nicht stören und verlasen die Erklärung. Darauf wurde das Licht im Sitzungssaal ausgedreht. Die Kommunisten brannten nun ein Streichhol; nach dem andern an und setzten bei dieser Beleuchtung die Verlesung fort. Schließlich stimmten die kommunistischen Abgeordneten im völlig dunklen Saal die Internationale an; auf der Tribüng wurde Beifall geklatscht. Nach Wiedereröffnung der Sitzung ließ der Präsident die Tribünen räumen und verwies einen kommunistischen Abgeordneten aus dem Saal. Dieser leistete jedoch der Aufforderung des Präsidenten keine Jolge; worauf die Polizei herbeigerufen wurde. Der Aufforderung der Beamten, den Saal zu verlassen, leistete der Ausgewiesene keinen Widerstang, Lübecker Cenator spurles verschwunden Seit Sonnabend nacht ist der Lübecker Senator Niebur, der am 27. April 1925 als Vertreter der bürgerlichen Parteien in den Lübecker Senat gewählt wurde, spurlos verschwunden. Senator Niebur hatte noch am Sonnabend abend an einer Sitzung der Finanzbehörde im Lübecker Rathaus teilgenommen und war dann zu später Nachtstunde von einem Polizisten auf dem Heimweg gesehen worden. Seit dieser Zeit fehlt jede Nachricht von ihm. Mardonald und Hoov wieder in Washingion. Washingion, 7. Oktobec.(Drahtmeldung.) Macdonald und Hoover trafen, von Camp Rapidan kommend, um 10.30 Uhr hier ein. Nach ihrer Ankunft wurde folgende gemeinsame Erklärung veröffentlicht: „Wir haben alle Fragen, die zu Reibungen zwischen unseren Ländern Anlaß geben könnten, im Geiste der Aufrichtigkeit geprüft. Es wurden zufriedenstellende Fortschritte erzielt. Die Besprechungen werden fortgesetzt.“ Federation of Labour tagt Eröffnung der Jahresversammlung. Toronto, I. Oktober.(Drahtmeldung.) Unter dem Vorsitz von Williams Green ist heute hier die Jahresversammlung der American=Federation of Labour eröffnet worden. Es nehmen an der Versommlung auch eine Reihe englischer Arbeitervertreter teil. Nach dem Jahresbericht beirägt die Anzahl der Mitglieder 2933 000, was eine Annäherung an die Rekordziffer des Jahres 1920 bedeutet, als die Mitglieder 4 Millionen betrug. Der Bericht empfiehlt sonders eine Verschärsung der Einwanderungsbeschränkungen, besonders von Einwanderungen aus Mitteleuropa und aus LateinAmerika. Weiter wird die Fortführung der Anstrengungen zur Durchführung des Achtstundentages und der fünftägigen Arbeitswoche empfohlen. Kamerun und Togo. Lord Rothermere schreibt in seinem in der Daily Mail erscheinenden zweiten Artikel über seine Eindrücke auf einer Reise durch Deutschland, daß sich die Republik durchgesetzt habe und tritt dafür ein, daß Togo und Kamerun an Deutschland zurückgegeben werden. „Das freie Wort“ Eine neue Partei-Wochenschrift. In dem heute erschienenen Heft der neuen Partei=Wochenschrift „Das freie Wort“ gibt Reichsminister Severina eine Erlauterung zu dem Entwurf des neuen Republikschutzgesetzes.— Der Polizeipräsident von Altona. Eggerstedt, zeichnet das Bild auf, das sich ihm bei der Beobachtung der Bombenwerfer in Schleswig=Holstein dargeboten hat.— Der ehemalige österreichische Staatskanzler, Dr. Karl Renner, schildert in zuversichtlichen Worten die neuen politischen Wirren in Oesterreich.— Die Industrietagung in Düsseldorf behandelt der Vorsitzende des ADGB., Präsident des Reichswirtschaftsrates Leipart. Er zeigt an treffenden Beispielen, wie wenig unfehlbar die ökonomische Vernunft des Unternehmertums ist und wie wenig Verständnis es bisher für die Forderung der Demokratisierung der Wirtschaft gewonnen hat.— Unter dem Titel: Achtung, neue Rationalisierungswelle! bespricht Kurt Heinig die neuesten großen Zusammenschlüsse in Industrie, Handel und Bankwesen und untersucht ihre wirtschaftlichen Folgen für die Arbeiterschaft.— Notizen und Parteinachrichten vervollständigen den Inhalt der Nummer. Putschisten=Bank in Wien von der Konkurrenz verschluckt Berlin, 7. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Nach der Großbank= Fusion in Deutschland hat jetzt auch Deutsch=Oesterreich die Sensation einer Verschmelzung zweier Großbanken, die allerdings um so überraschender wirkt, als damit gleichzeitig eine radikale und durchgreifende Sanierung des einen Partners verbunden ist. Die Oesterreichische Kredit=Anstalt für Handel und Gewerbe wird die österreichische Bodenkredit=Anstalt vollständig in sich aufnehmen. Ewird für je vier Boden=Kredit=Aktien nur eine Aktie der Kreditanstalt gewährt. Da der Nennwert der Boden=Kredit=Aktien 15 Schillinge betragt, der Nennwert der Aktien der Kreditanstalt aber 40 Schilling, so bedeutet dieses Umtauschverhältnis, daß die Aktien der Bodenkredit=Anstalt tatsächlich auf den fünften Teil ihres Wertes zusammengeschmolzen sind. Die Tatsache, daß sich zwei große österreichische Banken zusammenschließen, ist nicht so sensationell, wie dieses ganz außergewöhnliche Zusammenlegungsverhaltnis. Es bedeutet eine Sanierung, die auf einen sonst bevorstehenden Zusammenbruch der Bodenkredit=Anstalt hindeutet. Es stellt sich heraus, daß die Bodenkredit=Anstalt, eine der ältesten österreichischen Banken, nur durch diese Fusion noch vor einem Zusammenbruch gerettet werden konnte. Die Bodenkredit=Anstalt hatte sich in den letzten Jahren in den Dienst der Regierung Seipel und in der allerletzten Zeit in den Dienst der Heimwehrbewegung gestellt. Ihre kritische Lage ist dadurch entstanden, daß infolge der ständigen Putschdrohungen der Heimwehr zahlreiche Kapitalabhebungen erfolg waren. Die„eingefrorenen Kredite“ der Bodenkredit=Anstalt werden als auß-rordentlich groß bezeichnet und die effektive Zahlungsunfähigkeit dieser Zank war bereits Tatsache geworden. Deutsche Technik für Frankreich! w Berlin, 7. Okt.(Eig. Drahtber.) Die französische Regierung hat den Rohrbach=Werken in Berlin einen über Reparationskonto laufenden Auftrag auf ein Romar=Riesen=Flugzeug erteilt. Dieser Typ von Großflugbooten ist zuerst von der deutschen Lufthansa auf der Ostsee erprobt worden, um später im Atlantik=Luftverkehr eingesetzt zu werden. Es ist bemerkenswert, daß Frankreich, das selbst eine ausgedehnte Flugzeugindustrie besitzt, diesen Auftrag in Höhe von 1 Million Mark nach Deutschland vergibt. „ Ein Dement * Die Darmstädter und Nationalbank erklärt, daß die von einem Berliner Morgenblatt gebrachten Nachrichten über eine Interessennahme der National City=Bank Newyork an der Darmstädter und Nationalbank und die Berusung einzelner Aufsichtsratsmitglieder zu einer Sitzung nach Berlin auf freier Erfindung beruhen. Auch alle Gerüchte über sonstige Kombinationen bei dem Institut entsprechen nicht den Tatsachen. Nachdent auch ein Vertreter der Neuyorker Bank ein ähnliches Dementi in die Presse gad, wird man in aller Ruhe abwarten müssen, was— an diesen Dementis richtig ist. Die Tatsache, daß In Berlin zwischen den Vertretern der genannten Großbanken verdandett wurde, dleibt unbestritten und die Art der letzten großen Bankfusion hat deutlich genug gezeigt, daß die Bankherren die Oeffentlichkeit vor vollzogene Tatsachen zu stellen belieben. Um die Errichtung der Fordfabrik w Die Entscheidung über das künftige Domizil der geplanten Fordfabrik ist noch nicht gefallen. Wie WTB.=Handelsdienst erfährt, werden die Verhandlungen nach beiden Seiten, sowohl nach Köln als nach Neuß, unverändert fortgeführt, so daß von einer absoluten Bevorzugung Kölns wenigstens für den Augenblick noch keine Rede sein kann. Bei dem wenigen, was über den Gang der Verhandlungen und die einzelnen Momente der beiden sich bewerbenden Städte in Erfahrung zu bringen ist, stellt sich die Lage so dar, daß Köln auf Grund seiner Größe, Ausdehnung und Bedeutung naturgemnäß gegenüber Neuß im Vorteil ist. Auch dürfte anzunehmen sein, daß Köln sich leichter zu einem finanziellen Entgegenkommen bezügl. Steuerermäßigung und etwaiger Bemessung des Geländepreises bereitfinden kann, obwohl das allein die Entscheidung kaum beeinflussen wird. Es bleibt fernerhin abzuwarten, welches Ausmaß die Fabrik überhaupt erhalten soll, da auch hierüber zuverlässiges bisher nicht bekannt wurde. Westdeutsche Waggenindustrie A.=G. Düsselodrfer Eisenbahnbedarf. vorm. C. Weyer u. Co., Düsseldorf. w Wie WTB.=Handelsdienst erfährt, beschloß der Aufsichtsrat dieser Gesellschaft, die bekanntlich ihre Betriebe gegen Hergabe von Aktien in die Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken eingebracht hat, der am 12. November stattfindenden o. H=V. die Verteilung einer Dividende von 5 Prozent(0) aus dem vorjährigen Dividendeneingang von Westwaggon vorzuschlagen.— Gleichzeitig soll beschlossen werden, den Schluß des Geschäftsjahres auf den 1. April zu verlegen, so daß die nächste Bilanz einen Zeitraum von 9 Monaten umfaßt. Hierdurch wird erreicht, daß die Dividende von Westwaggon für 1928/29, die bekanntlich für ein ganzes Jahr ausgeschüttet wird, sofort nach deren Generalversammlung und noch vor Ablauf des Geschäftsjahres von A.=G. Düsseldorfer Eisenbahn= bedarf eingeht. Das wird dann auch für die späteren Jahre der Fall sein. Kartellgericht im Benzinkampf. w Wie 27B.=Handelsdienst erfährt, hat die Rheinland=Garagengesellschaft ihre Absicht, das Kartellgericht mit dem Benzinpreiskampf zu befassen, durchgeführt. Nach dem Kartellgesetz kann auch ein Außenstehender auf dem Wege über die ordentlichen Gerichte das Kartellgericht anrufen. Die Rheinlandgaragengesellschaft hat inzwischen dem Landgericht Köln die Klage zugestellt, gleichzeitig aber die im Kartellgesetz vorgesehene Aussetzung des Verfahrens beantragt. Dadurch wird der klagendon Gesellschaft die Möglichkeit gegeben, auch als Außenstehende nunmehr das Kartellgericht mit der Angelegenheit zu betrauen. w Aktienbrauerei„Jum Hase“, Augsburg. 6 Proz. Dividende. w Brauerei W. Isenbeck u. Co., Hamm. Im Vorjahre wurden 7 Prozent Dividende ausgeschüttet. In der Ende November stattfindenden Bilanzsitzung des Aufsichtsrates dürfte Beschluß gefaßt werden, welche Dividende der Generalversammiüün Jana: Februar vorzuschlagen ist, jedoch dürfte diese nicht unter der Vorjahrsdividende bleiden. Zur Jusion der Bodenkreditanstalt und der Kreditanstalt. Berlin, 7. Oktober.(Drahtmeldung.) Die amtliche Nachrichterstelle erfährt, daß die Verhandlungen betreffend die Fusion der Bodenkreditanstalt und der Kreditanstalt im Laufe des heutigen Tages günstige Fortschritte gemacht haben. Die entscheidende Sitzung des Verwaltungsrates der Kreditanstalt ist bereits für Donnerstag telegraphisch einberufen. Der Verkehr bei der Bodenkreditanstalt vollzog sich heute, mit Rücksicht auf die in Aussicht stehende Fusion, in ruhiger und ungestörter Weise. Die Abhebungen hielten sich in mäßigen Grenzen. w Niederrheinische Papier= und Pappenfabrik A. G., Neuß. 8 Prozent Dividende. w Mannesmann-Köhrenwerke A. G., Düsseldorf. Die Verwaltung hat beim Demobilmachungskommissar einen Antrag auf Genehmigung zur Entlassung von 400 Arbeitern der Abteilung Rath eingebracht. Ob es aber tatsächlich zu einer Entlassung kommen wird, läßt sich natürlich nicht voraussagen, da bis zur Genehmigung eines solchen Antrages längere Zeit verstreicht, in der sich die Beschäftigungsmöglichkeit schließlich wieder soweit gebessert haben kann, daß von der Entlassungsgenehmigung kein Gebrauch gemacht wird. w Unitias Rückversicherungs=A.-G. Düsseldorf. Die Gesellschaft hat in ihrer am 23. Juli 1929 stattgefundenen Generlaversammlung beschlossen, den Sitz von Elberfeld nach Düsseldorf zu verlegen. Die Gewerkschaft Der Deutsche Metallarbeiter=Verband zur Sozialund Wirtschaftspolltik a Eine außerordentliche Bezirkskonserenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Bezirk Essen, die sehr stark besucht war, beschäftigte sich mit der wirtschaftlichen und politischen Lage. Ein groß angelegtes Reserat des Verbandsvorsitzenden Reichel über die Aufgaben der nächsten Zeit führte zu einer tängeren, fruchtbaren Diskussion. Der Bezirksleiter Wolf berichtete über den Aufstieg der Organisation im Bezirk, der auch durch die abflauende Konjunktur und steigende Arbeitslosigkeit nicht aufgehalten wurde und über die Entwicklung der Löhne im Bezirk und im Reich. Mit Genugtuung wurde begrüßt, daß der Vorstand endlich gegenüber dem verbandsschädigenden Verhalten der radikalen Kommunisten entschieden eingegriffen hat. Seitdem die Elemente, die gan offenbar auf die Zerstörung der Gewerkschaften hinarbeiteten, ausgeschlossen seien, mache die günstige Entwicklung des Verbandes nach außen, wie auch die innere Organisationsarbeit glänzende Fortschritte. In der nachfolgenden Entschließung, die gegen 3 Stimmen angenommen wurde, ist die Marschroute des Verbandes in großen Jügen festgelegt:. „Die am 6. Oktober tagende Konferenz des Bezirks Essen DMV. konstatiert die immer stärker sich vollziehende Konzentration des Geldkavitals, der industriellen Betriebsmittel und deren korporative Zusammenfassung in nationalen und internationalen Verbänden. Gleichzeitig bereitet das deutsche Unternehmertum einen Generalangriff auf die gesamte Sozialpolitik vor, von dem der vorläufig abgewehrte Ansturm auf die Arbeitslosenversicherung nur ein Teilabschnitt ist. Weiteren Lohnsteigerungen und Arbeitszeiwverkürzungen ist vom Unternehmertum schärfster Widerstand angekündigt. In aller Stille geht der Ausbau der Kampfverhände der Unternehmer über die Organisationen für die einzelnen Industrien zu Gesamtverbänden(„Querverbindungen") vor sich, um durch Generalaussperrungen den weiteren Aufstieg der Arbeiterklasse aufzuhalten. Demgegenüber stellt die Konferenz folgende Forderungen und Richtlinien auf: 1. Die deutsche Sozialpolitik hat in Verbindung mit der Tätigkeit der Gewerkschaften durch ihren wohltätigen Einfluß die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes trotz des Aderlasses durch den verbrecherischen Weltkrieg erhalten und gesteigert. Nur dadurch war die Industrie nach dem Zusammenbruch in kurzer Zeit in der Lage, sich wieder zu dem heutigen Stande emporzuarbeiten. Nicht Abbau, sondern die weitere Ausgestaltung der Sozialpolitik und deren Ausdehnung auf alle Industriestaaten muß das Ziel einer vernünftigen Industriepolitit und Menschenökonomie sein. Die raschen und gewaltigen Produktionssteigerungen der letzten Jahre, denen ein gleich rasches Wachsen der Kaufkraft nicht gegenübersteht, macht über die Ratifizierung des Woshingtoner Abkommens betr. den Achtstundentag hinaus die gleichzeit### Einführung der fünftägigen Arbeitswoche in allen Industriestaaten zur gebieterischen Pflicht. Die siebentägige Arbeitswoche nach dem russischen Beispiel hält die Konferenz für kulturhemmend. 2. Die Konferenz ist ferner der Ansicht, daß weitere Lohnsteigerungen entgegen der Auffassung der Unternehmer dringend notwendig und tragbar sind. Lohnsteigerungen sind unter gleichzeitiger Senkung der Warenpreise infolge gesteigerter Ergiebigkeit der Arbeit bei der zunehmenden Verknappung des Weltmarktes das sicherste Mittel zur Stabilisierung der alten Industrieländer. Sie allein schafft zusätzliche und wachsende Kaufkraft und damit aufnahmefähige Innenmärkte. Die Zölle und Handelshemmungen in Europa müssen als wirtschafts= und kulturfeindlich aufs entschiedenste bekämpft wenden: ihr alsbaldiger Abbau ist im Interesse der Gesundung der Wirtschaft Europas dringend notwendig. 3. Zur Genkung der Arbeitslosigkeit, die in ihrem gegenwärtigen Stand für die davon Betroffenen und für die Gesamtheit ein soziales Uebel darstellt, bedarf es dringend und ernsthaft der Inangriffnahme der produktiven Erweroslosen fürsorge. Insbesondere ist der Wohnungsbau unter voller Verwendung der Hauszinssteuer für diesen Zweck stärker als bisher zu fördern. Die Schaffung neuer wirtschaftlicher Werte ist wertvoller als selbst die weitgehendste unproduktive Unterstützungsleistung. 4. Die Konferenz hält fest an der Forderung der Demokratilierung der Wirtschaft, die durch die immer stärkere Kapitalskonzeniration und durch den Uebergang von der individuellen zur korporativen Beiniebsführung geboten ist. Für die Schwereisenindustrie und die Elektrizitätswirtschaft fordert sie je einen Selbstverwaltungskörper zu ihrer Bewirtschaftung im Interesse des Allgemeinwohls. Entschieden zu bekämpfen sind alle Bestrebungen der Unternehmer, auf dem Umweg der Diskreditierung der politischen Demokratie die Diktatur des Kapitalismus über die Arbeiterschaft nach faschistischem Muster aufzurichten. 5. Die Konferenz des Bezirks Essen des DMV. fordert die unorganisierten Metallarbeiter zum Beitritt auf. Der DMV. bietet durch seine weitere Stärkung die beste Garantie nicht nur für die ungeschmälerte Aufrechterhaltung aller Arbeiterrechte, sondern auch für deren systematische Weiterbildung zum freien Sozial= und Bürgerrecht der Zukunft. X Multimillionäre in Deutschland Michaels und die Weinbergs Von Rudolf Martin. Wührend des Krieges und der Inflation war in Deutschland dic Ansicht eine allgemeine, daß eine breite Schicht neuer reicher Leute im Entstehen begriffen sei, welche die Besitzer der alten großen Vermögen ersetzen würde. Seit der Beendigung der Inflation haben wir mit jedem Jahre mehr die Erfahrung gemacht. daß dieser Glaube ein Irrtum war, daß die ältesten, an den Grund und Boden und daher auch an die Kohlen gebefteten Aermögen die größte Beständigkeit besitzen und immer wieder in den Vordergrund treten, und daß unter den reichsten Millionären Deutschlands sich nur ganz wenige befinden, die sich zu ihren Lebzeiten ihr Vermögen selbst erworben haben. Jakob Michael. Unter diesen Ausnahmeerscheinungen, die nach dem Kriege In die Reibe der Millionäre Deutschlands getreten sind, steht, nehen den beiden Inhabern der Firma Otto Wolf in Köln. in erster Linie der am 28. Februar 1894 zu Frankfurt a. M. gehoren: Jakob Michael, Sohn eines angesehenen Kaufmanns. Nach dem Besuch der Realschule kam der junge Michael in die Lehre zu der bekannten Metallfirma Veer. Sondheimer u. Co., Frankfurt a. M., deren einer Inhaber. Herr Dr. Albert „Sendheimer, nach dem Kriege durch Michaels Heirat mit seiner Tochter Erna Elisabeth Sondbeimer Michaels Schwiegervater sieworden ist. Michael bearündete nach Beendigung seiner Lebrzeit bei der Eirma Veer. Sondheimer u. Co. im Jahre 1913 zusammen mit seinem Vater die Firma I. Michael u. Co. Die Firma besetzte sich zunächst in größerem Amfange mit Metall= und Erz#betrieben und gclangte dadurch auch während des Krieges zu Bedeutuna. Später wurde einc Anzahl chemischer Werke angcgliedert. Jakob Michael nahm vorübergebend Hermann C Stark als Teilhaber aus, der aber im Jahre 1920 wieder ausschied und eine eigene Firma unter Firma Hermann C. Stark A.G. Berlin W. 9. Bellevuestraße 13, begründete. die noch heute besteht. Michael, der zeitweise eine große Anzahl chemischer Fabriken kontrollierte, gehörte zu den wenigen Persönlichkeiten, die im Oktober=November 1923 an die Durchführbarkeit der Starbilisierung der Papiermark glaubten, während gleschzeitig sehr bedeutende Köpfe damals an der Möglichkeit einer Wiederberstellung der Währung zweifelten. Michael mobilisierte deshalb im Herbst 1923 einen großen Teil seiner Sachwerte und seines Effektenbesitzes und wurde so in den Stand gesetzt. Ende des Jahres 1923 und 1924 mit seinen liquiden Mitteln als Hauptaeldueber auf dem deutschen Geldmarkt aufzutreten. Michael hat also nicht durch die Inslation sandern durch die Deflation, durch die Wiederberstellung der Währung, den größten Teil seines jetzigen Vermögens erworben Während der auf die Inflation folgenden Jahre dehnte er seine Interessen aus und schuf sich neben industriellen Unternehmungen einen Finanzkonzern, der sich hauptsächlich auf dem Gebiete der Hypothekenbanken, Versicherungsgesellschaften und des Grundstücksverkehrs betätigte und sich auch an Hotel=. Eisenhahn= und Konsumfinanzierungsunternehmungen beteiligte. S Jum Michael=Konzern gehören u. a. heute noch die Majoritäten der Germania=Versicherungsgesellschaft. Stettin, der Mitteldeutschen Bodenkreditanstalt Greiz, der Chemischen Fabrik in Villwärder vormals Hell u. Sthamer A.=G. Das Vermögen Jakob Michaels dürfte heute 35 Millionen RM. betragen. Artur von Weinberg, Dr. phil. Geheimer Regierungsrat, Mitglied des Union=Clubs in Berlin, in Frankfurt a. M., Niederrad, Haus Buchenrode, geboren den 1. August 1860 in Frankurt a. M., als Sohn des Teilhabers der Chemischen Fabrik L. Cassella u. Co., Vernhard Weinberg und seiner Frau Pauline geborene Gans, wurde gleichzeitig mit seinem jüngeren Bruder Karl am 16. März 1908 mit dem Adelstitel versehen Bis zum 27. Oktober 1904 bildete die Firma Leopold Cassella u. Co. eine offene Handelsgesellschaft, die den Fabrikbesitzern Fritz Gans, Geheimen Kommerzienrat Dr. Leo Gans Adolf Gans, Dr. Artur Weinberg und Generalkonsul Karl Weinbera in Frankfurt a. M. gehörte. Nach dem die Firma in den GmbH. umgewandelt worden war, betrug im Jahre 1904 ihr Stammkapital 20 Millionen Mk nehen 10 Millionen Mark Obligationen. Bereits in den letzten Jahren von 1904 hatten die genannten fünf Inhaber zusammen einen Reingewinn von 7 Millionen Mark, also bei gleicher Verteilung 1.4 Millionen Mark jährlich pro Person. Bereits im Jahre 1911 waren nur noch die beiden Brüder von Weinberg Geschäftsführer der GmbH, während Fritz Gans. Geheimer Kommerzienrat Dr. Leo Gons und Adolf Gans neben den drei Vertretern der Höchster Farbwerke Walter von Rath. Dr. Gustav von Brüning und Dr. Herbert von Meister in dem Beirat der GmbH saßen Beide Weinberas sind evangelisch, wenngleich jüdischer Abstammung. Artur Weinberg hat keine eigenen Kinder und adoptierte seine beiden Stieftöcher, die am 20. Oktober 1909 als„von Weinberg“, in das preußische Adelsregister aufgenommen wurden. Artur wie Karl von Weinbera gehörten von Anfang an dem Verwaltungsrat der I. G. Farbenindustrie A6 an. Die Bearündung der I. G. Farbenindustrie AG am 28. November 1925 hat ebenso wie die ziemlich gleichzeitige Begründung der Vereiniaten Stahlwerke AG. den Hauptaktionären der eingebrachten Werke die größten Gewinne abgeworfen, die semals im Deutschen Reiche verdient worden sind. Man muß daber das Vermönen des Gebeimrats Artur von Weinberg auf 48 Millionen RM und das jährliche Einkommen auf 7 Millionen RM. schätzen Karl von Weinberg, Generalkonsul von Griechenland, geboren den 14. Sept. 1861 in Frankfurt a. M., süngerer Bruder des Obengenannten, lebt in Frankfurt a. M., Niederrad, Villa Waldfried, einer Besitzung zwischen Niederrad und Schwanheim, füdlich des Mains, mitten im Walde gebaut, wo sich auch das berühmte Gestüt Waldfried der Gebrüder Weinberg befindet, das auf gemeinsame Rechnung betrieben wird. Karl von Weinberg besitzt enenso wie sein Bruder ungefähr 48 Millionen RM. und dat ein jährliches Einkommen von etwa 7 Millionen RM. Karl und Artur von Weinberg gehören nicht nur zu den erfolgreichsten Großindustriellen, sondern auch zu den erfolgreichsten Vollblutzuchtern Deutschlands. Karl von Weinbera in zweiter stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der J. G. Farbenindustrie AG., gehört also zu den drei obersten Leitern dieses Konzerns von 1.1 Milliarden RM. Aktienkapital. der seit 1927 jährlich 12 Prozent Dividende ausgeschüttet, also 132 Millionen Reichemark im lausenden Jahre. Kein Wunder, daß die größten Aktionäre und wichtiasten Personen im Verwaltungsrat und Aussichtsrat ein Einkommen von 7 Millionen RM. haben Gastwirtsmesse u. Hotel=Fachausstellung in Köln Beteiligung des Velgischen Bauernbundes. Während das Merkmal der Hotel=Fachausstellung die starke Vertretung der technischen Erzeugnisse sein wird, die im Hotel= und Gastwirtsgewerbe eine Rolle spielen, nehmen in der Gastwirtsmesse die Verbrauchsgüter einen hervorragenden Platz ein. Das zeigt sich vor allem in den verschiedenen Sondergruppen. die der Gastwirtsmesse angeschlossen sind. Unter ihnen ist die Obst=, Gemüse= und Nahrungsmittelschau wegen der ausländischen Beteiligung besonders bemerkenswert. Nachdem bereits mehrere französische Erzeuger= und Exportorganisationen nehen einer größeren Zahl von Einzelfirmen in dieser Gruppe Plätze belegt haben, hat weiter der Belgische Bauernhund(„Belaische Voerenbond“) seine Beteiligung zugesagt. Der Bund hat seinen Sitz in Löwen und zählt in über 1200 ihm angeschlossenen Genossenschaften(„Gilder"), die sich über das ganze Land verteilen, über 120000 Mitglieder. Die Schau des Belaischen Bauernbundes wird in der Hauptsache Gemüse. Obst. Eier und Butter zeigen. Eine weitere Verarößerung der ausländischen Beteiligung an dieser Sonderaruppe ist dadurch gegeben, daß sich auch holländische und Österreichische Aussteller angemeldet haben. Durch die Gleichzeitigkeit der Gastwirtsmesse und HotelFachausstellung in Köln(12 bis 20. Oktober) wird eine für den Besucher besonders wertvolle Ergänzung der Ausstellungs= gebiete beider Veranstaltungen erreicht. Westdeutsche Industrie= und Handelskammern zur Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung. Die Industrie= und Handelskammern Bochum, Dortmund, Duisburg=Ruhrort. Essen, Krefeld und Münster haben die bisherigen Verhandlungen über die Amgestaltung der Arbeitslosenversicherung mit wachsender Beunruhigung verfolgt. Jede weitere Hinausschiebung einer durchareisenden Reform kann nicht mehr verantwortet werden. Sie fordern eine unverzügliche Neureaclung der Fürsorae für berufsübliche Arbeitslosigkeit. stärkere Betonung des Versicherungsprinzips gegenüber dem Fürsoractvv. Prüfuna des Arbeitswillens und Verlängerung der Wartezeiten. Der Ausgleich des Haushalts der Reichsanstolt darf nicht durch Erhöhung der Beiträge erfolgen, vielmehr ist er durch Einsparungen und Maßnahmen auf organisatorischem Gebiet zu suchen. Die vorstehende Stellungnahme der westdeutschen Handelskammern zeigt mit aller Deutlichkeit die reaktionäre Einstellung der Kammern. Es wird Zeit, daß sie von Grund auf reformiert werden. * Nur nicht krank werden Arbeiter, Angestellte u. Beamte scollen eich nach den Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses. der Genossenechaltslage, des Allgem. treien Angestellienbunden und des Allgem Deutschen Beamtenbundes nur versichern bei dem eigenen Unternchmen, der das ist jedermanns Wunsch. Wie manche ernste Krankheit ließe sich vermeiden, wenn sie sofort erkannt und wirksame Gegenmaßnahmen ergritten würden. In den meisten Fällen kennt man die Gefahr der drohenden Krankheit nicht, denn es fehlt das Arztliche Volksbuch im Hause. Das rächt sich oft bitter, denn das Arztliche Volksbuch ist das unentbehrliche Nachschlage- und Hausbuch für jede Famille. Das Arztliche Volksbuch bringt in drei starken Prachtbänden das ge samte Wissen über Krankheiten und deren Behandlung, gesunde Lebensweise, Sport, Gymnastik, gesunde Ernährung, geschlechtliche Aufklärung, Vererbungslehre usw. In der Krankheitsbehandlung sind alle Heilmethoden angegeben: Medizin, Naturhellkunde und Homöopathle. 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