21,000 Abonneuten. 38. Jahrgang. (Ueckendorfer Zeitung.) Bezugspreis monatlich durch Boten zugestellt(einschl. Bringerlohn) 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich 1,80 Mk.(ausschl. Bestellgeld); Postzeitungsliste pro 1902 Nr. 2866. Erscheint täglich, außer an Sonn= und Festtagen. Geschäftsstelle: Gelsenkirchen, Ahstraße Nr. 29, geöffnet von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends. Fernsprech=Anschluß: Amt Gelsenkirchen Nr. 98. Notationsdruck und Verlag von Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. eitung. (Wattenscheider Volksfreund.) Anzelgenpreis für die 8 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reclamen 40 Pfg. die Zeile. Anzeigen, welche bis 5 Uhr Nachmittags eintreffen, finden in der Nummer des folgenden Tages e. Aufnahme, größere Anzeigen werden bis Mittags erbeten. Wöchentliche Beilage: Illustrirte Sonntags-Zeitung. Verantwortlicher Redacteur: L. H. Kleinstreuer in Gelsenkirchen. N 220. Socialdemokratischer Darteitag. Nachdr. verboten.(2) München, 20. Sept. In der heutigen(Schluß=) Sitzung wird zunächst die Berathung der zum Punkte Organisation vorliegenden Anträge fortgesetzt. Eine längere und zum Theil ziemlich lebhafte Debatte knüpft sich an einen Antrag der Frau Zietz=Hamburg, wonach die Frauen das Recht haben sollen,„zur Betreibung einer einheitlichen und planmäßigen Agitation unter den proletarischen Frauen" eigene Vertrauenspersonen zu wählen. Der Antrag wird schließlich mit schwacher Mehrheit angenommen. Es folgen die Anträge zum Punkt„Presse". Hierzu liegen nicht weniger als 19 Anträge vor, doch finden nur zehn die genügende Unterstützung. Die Anträge beziehen sich u. A. auf die Herstellung eines Reichstagsberichts für die Provinzblätter von Parteiwegen, Umwandlung der„Neuen Welt“ in eine Monatsschrift, bessere künstlerische Ausstattung der Mai festzeitung, schärfere Controle des Annoncentheiles der „Neuen Welt" nach der Richtung hin, daß schwindelhafte Annoncen nicht ausgenommen werden, Bewilligung von Subventionen an die neue polnische Zeitung„Gazeta Ludowska" und die„Mühlhauser Volksztg.“. Eine längere Debatte knüpft sich an den Antrag betr. die„Neuc Zeit". Kautsky macht detaillirte Mittheilungen über den Redactionsetat der„Neuen Zeit". Danach beziehen Kautsky und Wurm als Redacteure 5000 bzw. 2400 Mark. Mehring als ständiger Mitarbeiter 3000 Mark. Redner warnt vor Umwandlung der„Neuen Welt“ in eine Monatsschrift. Darunter würde die Zeitschrift verkümmern, ohne daß das leidige Deficit dadurch aus der Welt geschafft oder auch nur wesentlich herabgemindert werden könnte. v. Elm bemerkt, der Antrag und die gelegentlich der Bernsteindebatte gestellte Anfrage bedeute keineswegs ein Mißtrauensvotum gegen Kautsky und die Antragsteller beabsichtigen auch keineswegs, das Gehalt der Redacteure zu kürzen; aber das glaube er, Redner, doch sagen zu dürfen, daß Kautsky zwar wissenschaftlich hoch befähigt, aber in Redactionsgeschäften nicht so perfect sei wie beispielsweise die Redaction der„Soc. Monatshefte“. An einem weiteren Eingehen zuf das redactionelle und finanzielle Verhältniß der„Neuen eit" zu den„Soc. Monatsheften“ wird Redner durch den orsitzenden Singer verhindert, der ihn ersucht, nicht auf abgethane Dinge noch einmal zurückzukommen. DavidMainz: Der Herr Vorsitzende hat den Genossen Elm verhindert, auf Ausführungen des Genossen Kautsky zu antworten. Sollte beabsichtigt sein, ein Eingehen auf die Ausführungen Kautsky's zu verhindern, so könnte ich das nicht als eine unparteiische Geschäftsführung betrachten (Unruhe.) Vorsitzender Singer: Ich finde es sehr eigenthümlich, daß Genosse David über Dinge, die noch gar nicht passirt sind, die er nur für möglich hält, jetzt bereits ein Urtheil fällt.(Beifall und Heiterkeit.) Ich habe den Genossen Elm in keiner Weise in seinen Ausführungen beschränkt; ich habe nur verhindern wollen, daß er in breitester Weise auf abgethane Dinge eingeht, die die Zeit des Parteitages für die Berathung der anderen Anträge wegnehmen. Ich habe als Vorsitzender dafür zu sorgen, daß nicht nur eine Frage, die einige Parteigenossen besonders interessirt(Beifall), sondern alle Anträge zur Verhandlung kommen. Leutert=Apolda spricht sich gegen den Antrag aus. David=Mainz: Ich bin auch gegen den Antrag und zwar vom Gesichtspunkte des praktischen Bedürfnisses aus. Wir brauchen eine wissenschaftliche Monatszettung und eine wissenschaftliche Wochenschrift. habe mich nur zum Wort gemeldet, um mich gegen die Auffassung zu wenden, als hätten wir kein Recht gehabt, Auskunft über den Redactionsetat der„Neuen Zeit" zu stellen. Die„Leipz. Volksztg.“ hat in einem Artikel— Vors. Singer(unterbrechend): Ich kann nicht dulden, daß der Genosse David auf diesen Zeitungsartikel eingeht. Will er das thun, so möge er das in Form eines besonderen Dinstag, den 23. September Antrages thun. Da ich indessen keine Lust habe, mich mit einem mir sonst lieben Parteigenossen herumzustreiten, so will ich einen Beschluß des Parteitages herbeiführen, ob er meine Auffassung theilt. Der Parteitag spricht sich im Sinne Singers aus. David(fortfahrend): Ich weiß nicht, was die Unterbrechung bezweckte und was der Parteitag eigentlich beschlossen hat.(Große Heiterkeit.) Vors. Singer: Sie haben die„Leipz. Volksztg.“ zur Hand genommen und Sie wollen eben auf eine Sache eingehen, die bereits erledigt ist. Das will der Parteitag nicht. (Beifall.) David(fortfahrend): Ich habe lediglich die Absicht, gegen den unqualificirten Vorwurf zu protestiren, als hätten wir auf unsere Anfrage nach dem Redactionsetat der„Neuen Zeit“ irgend Jemanden„verdächtigen“ wollen. Das ist einePerfidie(Unruhe) und die wollte ich zurückweisen. Voigt=Hamburg hält es für nothwendig, die „Neue Zeit" zu einem praktischen Agitationsorgan auszubilden, wie die„Soc. Monatshefte“ es seien, und das sei nur durch eine Umwandlung in eine Monatsschrift möglich. Vors. Singer bittet, von einer vergleichenden Betrachtung der beiden Zeitschriften abzusehen; das stehe nicht zur Debatte. Voiat: Wenn ich meine Ansicht, daß die„Neue Zeit“ in höherem Grade ein praktisches Agitationsorgan werde, näher begründen soll, so muß ich doch das Recht haben, auf andere Agitationsschriften Bezug zu nehmen. Wenn das schon ein Zurückgreifen auf die Bernsteindebatte sein sollte, so ist das eine so feine Distinction, daß schließlich ein gewöhnlicher Arbeiterdelegirter es kaum wagen kann, das Wort zu ergreifen. Grunwald=Erfurt: Die und Art und Weise, wie nach Detectivart diese Debatte provocirt worden ist, ist im höchsten Grade bedauerlich. (Vors. Singer bezeichnet diesen Vorwurf als durchaus unpassend.) Jedenfalls ist es im höchsten Grade unpassend, wenn hier hochverdiente Parteigenossen bezüglich ihrer Magenfrage auf den Präsentierteller gelegt werden. (Heiterkeit.) Wurm: Wenn verschiedentlich die Redactionsführung der„Neuen Zeit" bemängelt und dabei auch auf die der„Soc. Monatshefte" Bezug genommen worden ist, so bemerke ich: eine redactionelle„Mühlendammerei“, eine Anreißerei zu treiben, ist nicht nach Jedermanns Geschmack, jedenfalls ist die Redaction der„Neuen Zeit" keine Animir=Redaction(Heiterkeit) und wird es nie sein. Bebel bemerkt, es falle ihm nicht ein, das Deficit der „Neuen Zeit" auf die Concurrenz der„Soc. Monatshefte" zurückführen zu wollen, wohl aber müsse er sagen, daß die ständige Mitarbeiterschaft hervorragender Parteigenossen an den„Soc. Monatsheften“ den Anschein erwecken müsse, als sollte die„Neue Zeit" boykottirt werden. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Der Antrag auf Umwandlung der„Neuen Zeit“ in eine Monatsschrift wird abgelehnt. Die übrigen Anträge werden dem Parteivorstande zur Erwägung überwiesen. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Nach derselben theilt Singer das Ergebniß der durch Stimmzettel vorgenommenen Wahl des Parteivorstandes mit. Danach ist der bisherige Vorstand(Bebel, Singer, Gerisch, Pfannkuch. Auer) mit großer Mehrheit wiedergewählt. Rosa Luxemburg hat eine Stimme als Vorsitzende erhalten.(Heiterkeit.) Ein Antrag auf Bewilligung der für die Herausgabe des„Mühlhauser Volksblatts“ erforderlichen Caution wird abgelehnt. Es folgen die Anträge zum Punkt„Agitation". Nicht weniger als neun Anträge beziehen sich auf die Bekämpfung des Centrums und fordern die Herausgabe von besonderen Flugschriften, Handbüchern usw. gegen das Centrum. Singer schlägt vor, diese Anträge als durch das Referat Rebels und die daran geknüpfte Discussion erledigt zu erklären. Der Parteitag beschließt demgemäß. Anträge auf Herausgabe eines Handbuches für Reichstagswähler werden dem Parteivorstande und der Fraction zur Berücksichtigung überwiesen. Es folgen die Anträge zur Alkoholfrage. Fünf dieser Anträge verlangen im Wesentlichen, daß die Parteivresse der Alkoholfrage mehr Aufmerksamkeit zuwenden möge. Demgegenüber beantragt Fischer Berlin:„In Erwägung, daß die deutsche Socialdemokratie es von jeher als ihre Aufgabe betrachtet hat, die Arbeiterklasse nicht bloß körperlich, sondern auch geistig und sittlich zu heben und sie so zur Führung ihres Befreiungskampfes immer mehr zu befähigen, erklärt der Parteitag die Anträge betr. die Alkoholfrage für erledigt.“ WolfBochum: München ist vielleicht der allerungeeignetste Boden, um Bresche zu legen in die Anschauungen, die bisher auf den Parteitagen über die Alkoholfrage geherrscht haben, aber ich möchte doch sagen: mit schlechten Witzen an die Sache heranzugehen, entspreche nicht der Würde des Parteitags.(Unruhe.) Wir wissen Alle, wenn wir ehrlich sein wollen, welchen Schaden unsere Bewegung durch den Alkoholismus erleidet.(Beifall und Widerspruch.) Die Anträge wollen ja keineswegs die Abstinenz, sie fordern nur Aufklärung über die Wirkungen des Alkohols, im Uebrigen bleibt es jedem Einzelnen überlassen, ob er glaubt, sich durch Alkoholgenuß stärken zu sollen oder nicht. Es ist Thatsache, daß einzelne unserer Parteigenossen, die dem Alkoholismus schon ergeben waren, sich durch die ablehnende Haltung, welche bisher der Parteitag zur Alkoholfrage eingenommen hat, sich gestützt und gestärkt gefühlt haben in ihrem Laster. (Unruhe und Widerspruch.) Die Ausländer haben so viel in Bezug von Organisation und Agitation von uns gelernt, ich glaube, in diesem Punkte könnten wir vom Auslande lernen; ich darf nur darauf hinweisen, daß der österreichische Parteitag sich schon mit dieser Frage beschäftigt hat. Blos=Stuttgart: Ich glaube nicht, daß es dem Herrn Vorredner gelungen ist, Bresche in die bisher herrschenden Anschauungen zu legen; dazu waren seine Ausführungen nicht angethan.(Beifall.) Die Anträge sehen an sich sehr harmlos aus; was sie aber im letzten Grunde bezwecken, das sehen wir aus dem Correspondenten der Abstinenten. Es hat auch noch einen merkwürdigen Eindruck gemacht, daß diese Sache plötzlich mit einem solchen Eifer betrieben wird: es ist noch garnicht erwiesen, daß der Alkoholismus bei uns zugenommen hat. Ich denke, wir wollen es mit der Alkoholfrage ebenso halten, wie mit der Religion— also den Alkoholgenuß für Privatsache zu erklären.(Heiterkeit.) Gewiß richtet der unmäßige Alkoholgenuß Schaden an. aber Niemand kann sagen, wo die Unmäßigkeit anfängt. Man spricht von Trinksitten und Trinkzwang. Etwas derartiges besteht meines Wissens nur unter dem deutschen Studententhum; daß unter dem klassenbewußten Proletariat ein Biercomment bestehe, ist mir nicht bekannt. Was würde die Folge der Annahme der Anträge sein? Die Parteiredacteure würden gezwungen werden, ab und zu Leitartikel gegen den Alkohol zu schreiben, auch wenn sie für ihre Person garnicht davon überzeugt wären. Und wenn beispielsweise am Rhein der neue Wein billig ist und auch der Aermste sich mal einen vergnügten Tag machen kann, dann wird allein der arme Parteisklave, der Redacteur, nach Hause gehen müssen, um eine Fastenpredigt gegen den Alkohol zu schreiben.(Heiterkeit.) Pfannkuch bittet gleichfallz um Ablehnung der Anträge. Die Socialdemokratie habe überhaupt schon mit Erfolg auf eine Eindämmung des Alkoholismus eingewirkt; aber eine Abstinenzbewegung sich aufhalsen zu lassen, dazu habe die Socialdemokratie weder Beruf noch Neigung.(Beifall.) Hierauf wurde ein Schlußantrag angenommen. Die Resolution Fischer gelangt mit großer Mehrheit zur Annahme. Es folgen Resolutionen. Eine Resolution Hoffmann=Hamburg wendet sich gegen die„Vereinsmeierei" unter der die Partei=Organisationen zu leiden hätten. Zur Begründung weist Redner darauf hin, daß in Hamburg sich ein„Club der Arbeitsscheuen“ gebildet habe, mit dem Zweck, den zu suchen, der die Arbeit erfunden habe.(Große Heiterkeit.) Von anderer Seite wurde erwidert, daß durch den Antrag auch die socialdemokratischen Gesang=, Turnerund andere Vereine getroffen werden würden. Die Re solution wird abgelehnt. Eine Resolution zur Fleischnoth (Volksversammlungen und Interpellationen) wird debattelos angenommen, ebenso eine Resolution Luxemburg, welche auf das Schärfste die Dienste verurtheilt, welche dem russischen Zarismus in neuerer Zeit von deutscher Seite geleistet worden seien.“ Eine Resolution SchmidtFrankfurt, welche die Genossen verpflichten will, für die baldige Einführung des Proportionlwahlsystems für alle Wahlen im Reich, Staat und Gemeinde zu wirken und welche es als unter allen Umständen unzulässig erklärt, sich der allgemeinen Einführung dieses Systems zu widersetzen, wird abgelehnt, nachdem Pfannkuch ausgeführt, die Socialdemokratie habe keinen Anlaß, so lange das System noch nicht allgemein eingeführt sei, in ihre geschlossene Phalanx bei den Gewerbegerichten„zu Gunsten des Centrums Bresche legen zu lassen. Schließlich wird noch ein Antrag angenommen, den Beschluß des Erfurter Parteitags(Ausschluß), soweit er sich auf Wildberger (Vertreter der sog.„Jungen") bezieht, aufzuheben. Der nächste Parteitag wird in Dresden stattfinden. Nach einem Schlußwort des Vors. Singer und mit einem Hoch auf die deutsche Socialdemokratie wird der Parteitag um 6 Uhr geschlossen. Unter dem Gesang der Arbeitermarseillaise geht die Versammlung auseinander. 9 8 Die Bettlerin. Original=Novelle von J. Fichtner. Während die größeren Schwestern im Verein mit den Töchtern des Lehrers und anderen passenden Altersgenossinnen im Wohnzimmer sangen und musizirten, die jungen Förster der Umgegend, der Herr Inspector und die Wirthschaftseleven sich einfanden und der gute Papa sich dann gern bewegen ließ, den jungen Leuten einen alten Mazurka aufzuspielen, so daß es nicht selten zu einem lustigen Tänzchen kam, versenkte sich Edith in die sagenreiche Geschichte der Griechen und ihre Phantasie schwelgte in der Mythologie und in den Heroen des Alterthums. un wiesder durzt selbst eines von den Ihrigen ahnen und wissen, was sie bewegte und interessirte. Mit die Bücher vor Allen verPapa einmal dazu kam und ihr ###en, welchem sie so emsig las, wegnahm, um nach dem Titel zu sehen und er sie dann ganz erstaunt fragte:„Edith, das liest Duk; wurde sie glichend roth, die Thränen standen ihr in den Augen und sie nickte bloß. „Nun, wenn es Dir Vergnügen macht, so lies Du immerfort, das kann Dir nichts schaden, was Dir der Herr Pfarrer giebt, kannst Du richig lesen,“ und er streichelte sie auf die Wangen und ging wieder zu den Andern. Von nun an war Edith noch eifriger bemüht, Niemand von ihren Studien etwas merken zu lassen, und Barbara, die treue Pflegerin ihrer Kind heit, unterstützte sie, weil sie nichts Unrechtes darin merkte. Auch hatte der Herr Pfarrer noch ein besonderes Talent in ihr entdeckt, und das war die schöne, kräftige Altstimme, welche ihm beim Schulgesange aufgefallen war, und da er selbst musikalisch, so fand er auch das Ungewöhnliche dieser Begabung heraus und drang darauf, diese mächtige sympathische Stimme bei allen Kirchengesängen zu verwerthen. So gern nun Edith in der Kirche sang, so brachte sie Niemand dazu, im häuslichen Kreise sich einmal richtig hören zu lassen, sie dachte sich da überall übrig, zog sich stets zurück und ging ihre eigenen, stillen, träumerischen Wege; daß diese nicht immer so glatt und eben ausfielen, wie sie sollten, das merkte sie nicht und machte ihr vorläufig auch wenig Kummer. Barbara war ihre Vorsehung und brachte Alles wieder ins Gleichgewicht! Frisch gewaschen und glattgekämmt, in Schuhen und Strümpfen saß Edith in der Laube vor der Thüre und strickte fleißig an einem dicken, blauen Strumpf, welcher schon zwei Jahre lang allabendlich von Barbara bearbeitet wurde, ohne jedoch eine Vollendung zu finden. Gerade die milde Beurtheilung oder vielmehr Nichtbeachtung ihrer heutigen Streiche seitens des Vaters hatten Edith zu sehr vernünftiger Einsicht gebracht. Trotzdem die Radieschen des Gärtners ihr wieder einfielen, hatte sie sich ganz aus eigenem Antriebe mit Barbaras Strumpf beschäftigt. „Ich werde Dir den Strumpf fertig stricken, daß Du Dich wenigstens nicht immer in die Nase stichst, wenn Du einschläfst,“ sagte sie huldvoll zu dieser und nun strickte sie, daß Barbara die Nadeln in der Küche klappern hörte und diese ganz entzückt nachsann, was sie wohl dem fleißigen Kinde Gutes dafür zustecken könne. Da kam der gute, alte Herr Pfarrer. Das frische gütige Gesicht schien das schneeweiße Haar, welches unter dem Hut in dicken Locken hervorquoll, Lügen zu strafen, so wohl und munter sah er aus. Er trat in die Laube und klopfte Edith, welche ihm die Hand küssen wollte, auf den Scheitel. „Laß gut sein. Kind, ist Dir wieder wohl geworden?“ sagte er freundlich, während der kleine weiße Seidenspitz, welcher ihn begleitete, Edith als alte Bekannte begrüßte. „Gott zum Gruß, Hochwürden, welche Ehre“, kam Barbara geknixt,„ja das Kind— nicht wahr, Hochwürden. Eddi sieht wirklich recht frisch aus“, setzte sie eifrig hinzu, da sie nicht wußte, daß sie sich verbört hatte. „Das könnt' ich nicht sagen, Barbara“— antwortete er, fügte aber gleich, als er das verdutzte Gesicht sah, hinzu,„es wird schon werden, jetzt zum Frühjahr; nicht wahr, Barbara, wir wollen ja auch noch einen Sommer oder zwei mitmachen?“ „Das will ich meinen, Hochwürden, Sie wohl— aber ich— na, wie Gott will! Meine alten Glieder werden nicht mehr lange zusammenhalten“— erwiderte sie befriedigt. „Kommen Sie nur, Herr Pfarrer,— der Herr ist in der Kanzlei,“ und sie öffnete diensteifrig die Thür und ging dann gleich, den Kaffeetopf zum Feuer zu stellen, Während Marie nochmals in der Paradestube die alten eichenen Möbel abstaubte, Klara Papa's„50jährige Geburtstagstasse" blank putzte und Anna einen guten Kaffee braute, wurde Edith zur alten Botenhanne geschickt, um zu fragen, ob sie was aus der Stadt zum Kaffee da habe. Die Nachfrage fiel günstig aus, denn Edith brachte einen Teller voll Zwieback und Bretzeln, und Barbara suchte sofort die am meisten bezuckerten aus und steckte sie Edith zu, zur Belohnung für die schnelle Besorgung. Inzwischen hatten sich die Herren eine Cigarre angesteckt, und die blauen Wölkchen gaben dem gewölbten, durch die vergitterten Fenster düster erscheinenden Raum ein gemüthlicheres Aussehen. Sie hatten sich auf dem ledernen Sopha niedergelassen und nach einigen alltäglichen Fragen kam der Herr Pfarrer zum Zweck seines Besuches. „Weißt Du, Willert, weshalb ich extra ein paar Worte mit Dir reden will?“ fragte er ohne Umschweife. „Nun— das muß schon ganz'was Wichtiges sein, denn lange genug bist Du nicht dagewesen", erwiderte Willert, welcher seit vielen Jahren mit dem alten Herrn auf freundschaftlichstem Fuße stand. „Ich glaube, ich war am Sonntag erst hier, wenn Du nichts dagegen hast; aber heute will ich einmal mit Dir wegen Deiner Edith sprechen— es ist die höchste Zeit, daß für das Mädchen etwas gethan wird.“ „Ja— Du meinst, sie ist zu sehr verwildert— ich habe das heute schon selbst leider sehen und hören müssen.“ „Ach, das ist nicht der Fall! Das Mädchen hat eine lebhafte Phantasie und folgt in ihrer kindlichen Unbefangenheit stets dem Impulse des Augenblicks. Aber, was die Hauptsache ist— sie hat die besten Anlagen und einen lernbegierigen, bildungsfähigen Geist, wie ich ihn selten bei einem Knaben, viel weniger bei einem Mädchen gefunden habe. Es ist Deine Pflicht, denselben die nöthige Ausbildung geben zu lassen, die seine Talente erheischen und die es einst befähigen, sich dieselben nutzbar zu machen." Seufzend rückte der Rentmeister auf die Ansprache des Pfarrers sein Sammetkäppchen hin und her und sagte dann: „Ja, wenn Edith doch wenigstens ein Junge wäre, da könnte man auch seine Freude daran haben; meine selige Frau hat mit ihrer Sehnsucht nach einem Knaben doch nicht so ganz Unrecht gehabt. Was soll ich mit den vielen Mädchen anfangen?“ Deutsches Reich. = Zur Kölner Erzbischofswahl schreibt neuerdings die„Germania": „Rheinische Blätter stellen fest, daß die Candidatenliste bis Freitag Vormittag noch nicht in die Hände des Metropolitancapitels zurückgelangt sei. Es mag sein, daß die Candidatenliste gegenwärtig noch auf einer Zwischenstation liegen geblieben ist, an der Thatsache, daß das Domcapitel demnächst in der Lage sein wird, zur canonischen Wahl zu schreiten. ist jedoch nicht im Geringsten zu zweifeln. Wie ein Privattelegramm aus Köln meldet, kämen bei der Wahl namentlich Bischof Dr. Schneider von Padervorn, Professor Dr. Esser=Bonn und Domcapitular Hespers in Betracht. Wir sind in der Lage, diese Nachricht auf Grund guter Informationen als irrig zu bezeichnen. Man sollte doch mit Namensnennungen in dieser überaus discreten Angelegenheit äußerste Zurückhaltung ausüben Der„Köln. Volksztg.“ wird aus Coblenz„aus sicherster Quelle mitgetheilt, daß die Kölner Bischofsliste das Cabinett des Kaisers noch nicht verlassen hat. Es wird bald Zeit, daß die Kölner Erzbischofsfrage zur Ruhe kommt! = Der Berliner Stadtrath Kauffmann schrieb am 20. September an den Stadtverordnetenvorsteher Langerhans, er verzichte auf seine Rechte aus der Wahl zum zweiten Bürgermeister und dankte gleichzeitig herzlich für das wiederholt bewiesene Vertrauen. Damit ist die Berliner Bürgermeisteraffaire beendet. Bei der nächsten Wahl werden die Berliner sich wohl nicht so leicht in Widerspruch mit der Krone setzen. Husland. = Zum Ableben der belgischen Königin. Die Prinzessin Stephanie und ihre Tochter, Prinzessin Windischgrätz mit Gemahl sind am Sonntag in Spaa eingetroffen. Die Ueberführung der Leiche der Königin nach Laeken findet am Montag statt. Ob später noch eine officielle Beisetzung mit großem Gepränge sein wird, scheint zur Stunde noch nicht festzustehen. Die Einsargung erfolgte heute nach dem Eintreffen der Prinzessin Stephanie, aber vor dem Eintreffen des Königs. Der König wird somit die Leiche nicht mehr sehen. Brüsseler Blättern wird gemeldet, die Gräfin reiste am Sonntag Nachmittag 5½ Uhr plötzlich von Spaa nach Brüssel ab, weil ihr Vater, der König, sich weigerte, das Trauergemach, wo die Gräfin an der Leiche ihrer Mutter betete, zu betreten, ehe die Gräfin, mit deren zweiter Heirath er nicht einverstanden ist, dasselbe verlassen hatte. Bei ihrer Ankunft in Brüssel wurde die Gräfin am Bahnhof von einer großen Menschenmenge, die sie mit entblößtem Haupte erwartete, begrüßt. Die „In Edith Allen eine kräftige geistige Stütze heranbilden. Ist sie auch nur ein Mädchen, so bist Du darum nicht weniger verpflichtet, ihr dieselben Rechte angedeihen zu lassen, wie einem Knaben! Wir gehen immer mehr in eine Zeit, wo auch dem weiblichen Genie, falls dasselbe eine wirkliche systematische Ausbildung genossen, volle Anerkennung gezollt wird. Es wird solchen Frauen sehr leicht, sich eine Lebensstellung zu schaffen, welche sie bei Mittellosigkeit vor Mangel schützt und sie auch innerlich befriedigt.“ „Wie kann ich das durchsetzen? Das ist mit vielen Geldopfern verknüpft, welche ich meiner anderen Kinder wegen dem einen nicht bringen kann", antwortete Ediths Vater. „Siehst Du, wie kleinlich Du bist! Einem Knaben zu Liebe würdest Du keine Rücksicht auf die Mädchen nehmen, vielmehr die größten Opfer an ein vielleicht zweifelhaftes Talent ohne Frage daran wenden, schließlich ohne Garantie auf irgend welchen Erfolg! Hier aber, wo ich Dir für guten Erfolg bürge, willst Du Dich durch leere Ausreden Deinen väterlichen Pflichten entziehen; das darfst Du nicht, Willert, was Einem recht ist, ist dem Anderen billig!“ redete eifrig der Pfarrer. Willert war aufgestanden und schritt unruhig in Zimmer auf und ab. „Du hast ja recht, das sehe ich schon ein; aber—“ „Vor allem Anderen muß das Mädchen kräftiger werden: in die Schule darfst Du sie nicht mehr schicken, was soll sie da noch lernen? Sie sitzt sich bloß zur Last dort und es schadet ihrer Entwickelung. Am besten wäre es. Du schickst sie auf ein halbes Jahr in andere Luft, womöglich in eine Haushaltung, wo sie recht Bewegung hat. Wenn sie dann kräftiger zurückkommt, werde ich sie, soweit mir möglich, in den Sprachen, in der Litteratur und dergleichen unterrichten und dann mußt Du sie in ein gutes Lehrinstitut geben. Das ist meines Erachtens der richtige Weg.“ Der Rentmeister war ganz aus dem Gleichgewicht gebracht; das war eine Unterredung, die er am allerwenigsten erwartet. Zu umgehen war diese Klippe nicht, das merkte er, der Pfarrer ging ihm nicht vom Leibe. Da war es am besten, recht schnell darüber hinwegzukommen, damit Alles wieder in das gewohnte Geleise kam. (Fortsetzung folgt.) Gräfin wollte sofort nach England abreisen. Dem Könige wurde vom König von England mitgetheilt, daß dieser beabsichtige, sich bei dem Leichenbegängniß durch den Herzog von Connaught vertreten zu lassen. König Leopald, der das Leichenbegängniß in den engsten Grenzen halten will, sprach dafür seinen Dank aus, ließ jedoch wissen, daß nur Mitglieder der belgischen Königsfamilie an den Trauerfeierlichkeiten theilnehmen.— Die Prinzessin Stephanie wird offenbar nicht mehr zur Königsfamilie gerechnet. Die andere Tochter des Königspaares, Prinzessin Louise, hat sich in Spaa überhaupt nicht sehen lassen. Traurige Zu stände! Der Papst und das Vereinsgesetz. Wie aus Rom gemeldet wird, empfing der Papst am Sonntag eine Anzchl französischer Pilger in Audienz; zu einzelnen im besonders vorgestellten äußerte er, es sei nöthig, daß die Katholiken Frankreichs für die Freiheit, insbesondere für die schwer bedrohte Freiheit der Congregationen arbeiteten; er hoffe, daß die Katholiken im gegenwärtigen Kampfe Sieger bleiben werden.— Der bisherige Verlauf des Kampfes deutet leider nicht darauf hin, daß die Katholiken einen Sieg über die culturkämpferischen Neigungen des französischen Cabinetts gewinnen. Auch der Widerstand des Vaticans gegen die französische Politik tritt nach außen nicht deutlich genug hervor! = Der Director des Mailänder„Osservatore Cattolico". Don Albertario. ist am Sonntag gestorben. Der„Osservatore Cattolico“ ist unter Albertario ein vielgelesenes Blatt geworden. Diese Eigenschaft geht den anderen katholischen Blättern in Italien leider ab! Eine Programmrede des französischen Ministerpräsidenten. Herr Combes hat am Sonntag in Matha bei Saint Jean d'Angely im Departement Charente Juférieure eine Rede gehalten, in welcher er unter den üblichen Phrasen die culturkämpferische Politik des Cabinetts zu rechtfertigen suchte und dann die vielbesprochenen Reden Pelletans einer Correctur unterzog. Aus der Rede giebt das Wolffsche Bureau folgenden Auszug: „Der Ministerpräsident wies zunächst auf den Sieg der Demokratie bei den letzten Wahlen hin und besprach sodann die Frage der Congregationen. Er betonte, daß das Concordat die Richtschnur der religiösen Politik des Cabinets sei, das die Absicht habe, das Concordat zu achten und ihm auch Achtung seitens Anderer zu verschaffen. Dies werde das Cabinei sogleich beim Wiederzusammentritt der Kammer beweisen. Es heiße nicht das Concordat verletzen, wenn man die Congregationen gesetzlich regele, die außerhalb des Concordats entstanden seien und ausschließlich der Civilgewalt unter Ausschluß jeder fremden Einmischung unterstehen. Der Ministerpräsident besprach sodann die auswärtige Politik. Er erinnerte daran, daß die Regierung in einer ministeriellen Erklärung den Willen kundgegeben habe, die guten Beziehungen zwischen Frankreich und den fremden Regierungen aufrecht zu halten und zu befestigen. Das Cabinet, fuhr der Ministerpräsident fort, hat seitdem durch bedeutsame Handlungen bewiesen, daß es sein Verhalten mit seinen Worten in Einklang zu bringen weiß. Indessen nahmen seine politischen Gegner die geringsten Vorkommnisse zum Vorwand, um zu versuchen, die auswärtige Politik des Cabinets zu verdächtigen, wie sie jeden Tag seine religiöse Politik verleumden. Entschlüpft ein etwas sensationelles Wort den Lippen eines Ministers im Feuer der Improvisation, in der warmen, mittheilsamen Stimmung eines Banketts, hatte es auch in dem Geiste dessen, der es aussprach, nur den Werth einer stilistischen Ausschmückung, eines rednerischen Bildes— gleich wird es für die Feinde des Cabinets zu einem Wort der Regierung selbst. Sie bemühen sich nicht einmal darum, in Erfahrung zu brignen, ob dieses Wort richtig gemeldet und von dem Redner als der echte Ausdruck seines Gedankens anerkannt worden ist. Als Präsident des Ministcriums erhebe ich Einspruch gegen ein derartiges Vorgehen. Niemandem kann es unbekannt sein, daß unter dem parlamentarischen Regime die Regierung niemals durch persönliche Erklärungen eines Ministers gebunden wird. Sie wird nur gebunden durch die Erklärungen des Chefs der Regierung, der allein vor den Kammern und dem Lande für die der Politik ertheilte Richtung verantwortlich ist. Jeder Minister für sich ist nur zuständig und maßgebend für die Verwaltung seines Ressorts. An diesen Grundsatz, der das Wesen der parlamentarischen Regierungsform bildet, erinnern, heißt den von den Gegnern erhobenen Anspruch auf seinen wahren Werth zurückzuführen, das ganze Ministerium auf einen Satz festlegen zu wollen, der mehr oder weniger wahrheitswidrig durch irgend einen Berichterstatter wiedergegeben ist. In Angelegenheiten der inneren Politik kann nur der Präsident des Ministerraths als Organ der Regierung haftbar gemacht werden, in Angelegenheiten der äußeren Politik hat nur der Minister des Auswärtigen die Aufgabe, im Namen der Regierung zu sprechen und zu handeln. Hierin besteht in Wahrheit die parlamentarische Regierungsform. Die öffentliche Meinung in Frankreich und im Auslande hat sich auch taum durch die Polemik regierungsfeindlicher Blätter beeinflussen lassen: ich empfinde daher nicht das Bedürfniß, die öffentliche Meinung über die Absichten der Regierung zu beruhigen, welche bleiben, wie sie an dem Tage waren, an dem sie ans Ruder kam. Bis heute hat die Regierung noch nichts an dem Programm geändert, das in ihrer ministeriellen Erklärung vorgezeichnet ist und das darin besteht, alle Frackionen der republikanischen Partei gegen die Dreistigkeiten der clericalen Reaction und die Anschläge der Nationalisten zu vereinen und die demokratischen Reformen, welche seit so langer Zeit vom Lande gefordert werden, zu verwirklichen. Dieses Programm halten wir für ausreichend, die fremden Machte davon zu überzeugen, daß wir ebenso sehr, wie sie es selbst sein können, von dem Wunsche beseelt sind, mit ihnen die aufrichtigsten und ehrlichsten Beziehungen zu unterhalten, und daß wir bereit sind, mit ihnen in dem Bemühen zu wetteifern, unsern gegenseitigen Interessen und Rechten entsprechend, alle Zwischenfälle zu regeln, die geeignet sind, den bestehenden Krieden zu stören, der zugleich das erste unserer Bedürfnisse und der glühendste unserer Wünsche ist.(Wiederholter Beifall.) Der Ministerpräsident schloß, indem er die republikanische Regierungsform rühmte, die einzige, welche fähig sei, Frankreich die Freiheit zu verbürgen durch die unbestrittene Oberhoheit der Civilgewalt und den Frieden durch das unentziehbare Recht, das die Vertreter der Nation besitzen, in souveräner Weise über Alles, was Ursache eines Conflicts sein kann, zu beschließen. Die Rede wurde mit wiederholtem lautem Beifall und Hochrufen auf Combes und die Republik aufSencm W...— enalischen Militärwesen. Der Oberstcommandiren de der englischen Armee scheint das Bedürfniß zu haben, sich doch endlich in irgend welcher fortschrittlichen Weise zu bethätigen. Er hat deshalb soeben einen Armeebefehl erlassen, der die militärische Ausbildung der Officiere und vor allen Dingen ihre Fähigkeit im Schießen zum Gegenstande hat. Der Charakter des Documents ist originell nach Form und Inhalt. Aeußerlich trägt es theilweise einen argummentativen Charakter und appellirt mit beredten Worten an den gesunden Menschenverstancd und das Pflichtgefühl der Offieiere. Aber der Geist des Schriftstückes ist dennoch der eines strengen Befehls und Lord Roberts erklärt in nicht mißzuverstehenden Worten, daß er jeden activen Officier persönlich dafür verantwortlich machen wolle, auf welche Art dies auch immer geschehe, den höchstmöglichen Grad der Fähigkeit und Schlagfertigkeit zu erreichen. Der Höchstcomandirende der englischen Armee ist nach eingehendem Studium zu der Ansicht gekommen, daß rasches und gutes Schießen die Schlachten der Zukunft entscheiden wird und nicht die taktischen Combinationen, auf welche jetzt so viel Zeit und Mühe verwandt wird. Wenn die Ueberlegenheit im Feuern fehlt, erklärt er, so verliert im kritischen Moment die beste Taktik ihren Werth. Lord Roberts hält auch mit seinem Tadel nicht zurück und erklärt rund heraus, daß die englischen Officiere diesem wichtigsten Theile der militärischen Ausbildung bisher viel zu wenig Interesse entgegen gebracht haben. Bei dem gänzlichen Mangel einer Organisation, die sich nur entfernt mit dem Generalstabe der deutschen Armee vergleichen ließe, bei den furchtbaren Fehlern, welche gerade in taktischer und organisatorischer Beziehung während des südafrikanischen Feldzuges auf englischer Seite begangen wurden, muß man sich angesichts dieses Armeebefehls unwillkürlich fragen, worin nun eigentlich die englische militärische Erziehung besteht. Auf diesen Gedanken kommen aber nur die bösen ausländischen Kritiker und niemals die englische Heeresleitung selbst. — General Sir Jan Hamilton, einer der englischen Officiere, die den diesjährigen deutschen Malsermanovern beiwohnten, berichtete der königlichen Commission für körperliche Leibesübungen in Edinburg am vergangenen Freitag über seine in Deutschland gesammelten Eindrücke. Wir heben hervor, daß Sir Jan viele Jahre in Deutschland weilte, dessen Zustände, Volk und Sprache ziemlich gründlich kennt, und sein Urtheil daher Anspruch auf Sachlichkeit und Kenntniß der Verhältnisse machen könnte. Der General betonte, daß er nach einem Besuche der englischen Militärschule für Officiere in Sandhurst, den er gemeinsam mit Lord Roberts unternahm, also gewissermaßen mit frischen Eindrücken nach Deutschland ging, un die Kadettenschule in Potsdam zu besichtigen. Was die physische Ausbildung der Sandburst=Kadetten anging, so war sie gut, aber die in Deutschland gepflegten Methoden wichen völlig ab. Die Deutschen befolgten andere, bessere Bahnen. Handle es sich um Marschübungen, um Uebungen am Barren oder am Reck, um Uebungen mit dem Bajonett— überall sei ihm der Eindruck gekommen, daß deutscherseits eine gründlichere Methode in der systematischen Ausbildung befolgt werde. Was aber die Vaterlandsliebe der deutschen und englischen Jugend angehe, betonte der Redner, so sei dieses Gefühl im Herzen des Engländers ein höheres. Wenigstens ein Trost! = Boykott deutscher Waaren in England. Das Vorgeben eines englischen Geschäftshauses in Birmingham, das aus patriotischen Gründen die Offerte eines deutschen Lieferanten, obgleich sie günstiger sich stellte, ablehnte, findet im conservativen(und, wir betonen, sonst ziemlich deutsch=freundlich gesinnten)„Standard“, Anerkennung. Das Blatt, das damit wieder das seit geraumer Zeit fallen gelassene Thema des Boykotts deutscher Waaren aufnimmt, sagt in einer kurzen politischen Notiz an leitender Stelle:„Die pariotische Haltung wird den Beifall jedes Engländers finden, der die bitteren Feindseligkeiten der continentalen Presse während des südafrikanischen Krieaes verfolgt hat. Der etwas höflichere Ton, der angeschlagen wurde, als sich unsere militärische Stärke zeigte, wird dadurch nicht aufgewogen, daß man un. in der gröblichsten Form schmähte, als das Waffenglück in den ersten Monaten des Krieges sich nicht auf unsere Seite neigte. Es würde gegen das innerste Empfinden sein, wenn wir das einer Nation vergessen sollten, die so leichtfertig mit unserem Stolze, mit unserer Ehre gespielt hat. Wir können uns nun einerseits schadlos in der Weise halten, daß wir unseren Ingrimm auf den teutonischen Geldbeutel lenken: zweifellos wird die Reue der That auf dem Fuße folgen, wenn die Birmingbamer Firma andere vatriotisch gesinnte englische Geschäftsleute als Nachahmer findet." = Der Hafen Motala, zwei Meilen von LorenzoMarques entfernt, ist in Folge jüngst gepflogener Unterhandlungen seitens Portugals an England verpachtet worden. Sociales. □ Die Gesellschaft für sociale Reform hielt am Montag in Köhn ihre erste Generalversammlung ab, welche durch den Minister a. D. Frhrn. v. Berlepsch eröffnet wurde. Redner theilte mit, daß Frl. Helene Simon=Berlin das Referat über die Herabsetzung der Arbeitszeit für Frauen polizeilicherseits verboten sei. Hierauf sprach A. Pieper=M.=Gladbach über die Herabsetzung der Arbeitszeit für Frauen und Erhöhung des Schutzalters für jugendliche Arbeiter. ** Sin klägliches Fiasco der Handelsvertragsagenten. Die Arrangeure der„Rebellion im Centrums lager“ sind in Köln an die falsche Adresse gekommen! Unter der Firma„Centrumsverein" wollten die bezahlten Angestellten des Handelsvertragsvereins auch in Köln einen Protest gegen die Politik des Centrums insceniren, aber die Herren hatten die Rechnung ohne die katholischen Wähler gemacht. Noch ein paar solche Versammlungen, und die Herren Agenten des Portemonnaievereins werden die Sache schon leid werden, so sehr sich die Stänkerei für die eigene Tasche auch lohnen mag! Ueber den interessanten Verlauf der Kölner Versammlung finden wir in der„Köln. Vztg.“ folgenden Bericht: Köln, 21. Sept. Ein angeblich hier ins Leben gerufener Centrums verein, der sich die„Aufgabe gestellt habe, für eine volks thümliche Politik auf Grund des Programms der Cen trumspartei agitatorisch thätig zu sein“, hatte auf gester Abend zu einer öffentlichen Centrumswählerversammlung eingeladen, in welcher„die jetzigen hohen Fleischpreise und die noch weiter drohende Vertheuerung der Nahrungs mittel„Gegenstand“ der Erörterung sein sollten. Der Einladung warei. etwa 250 Personen gefolgt. Da von der Gründung und Eristenz eines„Centrumsvereins für Köln und Umgegend" bisher in der Oeffentlichkeit nichts verlautete, wurde vielfach angenommen, daß die Einberufer unter falscher Flagge segelten. Wie berechtigt diese Annahme war, wurde klar, als die näheren Vorbereitungen zum Beginn der Versammlung getroffen wurden. Am Vor standstische erschienen vier Herren, von denen nur einer, Herr Hildebrand(Köln=Ehrenfeld), der Mehrzahl der Er schienenen bekannt war. In der Versammlung gewahrte man u. A. den Agenten des Handelsvertrags vereins, Herrn Pastor a. D. Kötzschke=Düsseldorf und den Herausgeber des in letzter Zeit mehrfach genann ten Rheinischen Hausschatz, Herrn Anton Minjon Düsseldorf. Insbesondere letzterer schien sich um die Rollenvertheilung angelegentlich zu bemühen. Das Min jonsche Blatt wurde jedem Besucher eingehändigt, und in Fettdruck konnte man dort lesen:„Freunde heran zum Protest gegen die Nahrungsmittelzölle! In Köln muß die Entscheidung fallen.“ Nun, die Entscheidung, die in Köln fiel, dürfte den Erwartungen der Herren Kötzschke, Minjon und Genossen wenig entsprochen haben — Die Versammlung endigte, wie wir von vornherein fest stellen wollen, mit einem schmählichen Fiasco der Einberufer. In großer Zahl hatten sich die Mitglieder der katholischen Arbeitervereine und des Windthorstbundes eingefunden, so daß augenscheinlich die Mehrheit aus treuen Centrumsanhängern bestand. Ein unbekannter Herr eröffnete gegen 9 Uhr die Versammlung und ertheilte sofort einem Herrn Stapper=Styrum das Wort zum Referat. Darob erhob sich ein großer Lärm und von mehreren Seiten wurde das Wort zur Geschäftsordnung verlangt. Herr Stadtverordneter Rings(zur Geschäftsordnung): Er sei, und vermuthlich mit ihm viele andere der an die Centrumswähler gerichteten Einladung zur Versammlung als solcher gefolgt; sie wüßten aber von der Existenz eines Centrumsvereins für Köln und Umgebung nichts. Als Angehöriger der Centrumspartei habe er das Recht zu der Frage...(Unterbrechung durch den Vor sitzenden, der dem Referenten, Herrn Stapper aus Styrum, das Wort ertheilt.) Herr Stavver, der nun mit seinem Referat beginnen wollte, wurde an der Ausführung seines Vorhabenz durch lebhafte Protestrufe gehindert. Der Vorsitzende sah sich deshalb genöthigt, Herrn Rings das Wort zur Geschäftsordnung zu ertheilen. Herr Rings stellte fest, daß die Versammlung von der officiellen Leitung der Centrumspartei nicht einberufen worden sei. Von dem Bestehen eines Centrumsvereins für Köln und Umgebung sei ihm aber, wie er nochmals betone, und auch der überwiegenden Mehrheit der Erschienenen nichts bekannt. Deshalb gestatte er sich die Fragen: Besteht thatsächlich in Köln ein Centrumsverein, wie lauten seine Statuten, welche Personen bilden den Vorstand, wer ist insbesondere sein Vorsitzender, wie ist sein Name?(Der Vorsitzende weigert sich, seinen Namen zu nennen. Herr Hildebrand: Das gehört nicht hierher!) Da der Vorsitzende den meisten der Anwesenden un„— =eende An Aristen der Aiwocler bekannt sei, er sich auch weigere, seinen Namen zu nennen, beantrage er, den Vorstand der heutigen Versammlung aus dem Schooße derselben zu wählen. Herr Schaller=Köln schloß sich dem an; er werde schon zu Wort kommen, einerlei unter welchem Vorsitzenden. Der Vorsitzende erklärte auf die Anfrage des Herrn Rinas nur, daß Herrn Rings nur, daß der Verein polizeilich angemeldet 511, er sei der Vorsitzende und werde die Versammlung Herr Linrert: Wir wollen keinen Vorsitzenden, der Namen zu nennen. Ich schlage Herrn Rings zum Vorsitzenden vor.(Stürmische Zustinnung.) ###ger erhielt Herr Stapper das Wort. Mit einer solchen Behandlung wollte sich die Versammlung jedoch nicht zufrieden geben; dem Referenten wurde es unmöglich gemacht, sich Gehör zu verschaffen. Der Vorstand saß rathlos da und versuchte, durch eine zeitweilige Vertaauna die Situation zu retten. Als dann Herr Linfert den Antrag auf Bureauwahl wiederbolte und begründete, entzog ihm der Vorsitzende das Wort, was aufs Neue einen Sturm der Entrüstung entfesselte. Es bildeten sich erregte Gruppen. Herr Minion eilte geschäftig hin und her und ermahnte, dem Verlangen nach Bureauwahl nicht stattzugeben. Der Vorsitzende erklärte dann, daß man den Vorstand nicht mürbe machen werde, eine Bureauwahl finde unter keinen Umständen statt, man wolle aber gestatten, daß Herr Rings sich dem Vorstande anschließe. Dann sah sich der Vorsitzende veranlaßt, seinen Namen zu nennen: er heiße Joseph Schröder und wohne in Deutz. Immer wieder macht die Versammlung die Forderung der Bureauwahl geltend; es werden Vermittelungsvorschläge gemacht, aber abgelehnt. Mittlerweile waren Stunden vergangen und noch war kein Ende des stürmischen Vorspiels abzusehen. Herr Schaller machte den Vorschlag, noch eine halbe Stude zu warten, dann sei die Versammlung bei Stauff beendigt(hier hielten um dieselbe Zeit die Socialdemokraten eine Protestversammlung ab), man werde dann Verstärkung erhalten une„Voir“ haben dann die Mehrheit.(Rufe: Aha! Große Heiterkeit.) Herr Corrector Brüls: Fast zwei Stunden sind vergangen, ohne daß wir weiter gekommen waren. Da dürfte es denn doch an der Zeit sein, einmal Umschau in dieser Versammlung zu halten, um zu sehen, wer für das Amt des Vorsitzenden in einer Centrumswählerversammlung in Betracht kommen kann. Da ist zunächst der Agent des Handelsvertragsvereins, Herr Pastor a. D. Kötzschke. Ist der vielleicht Centrumswähler? Weiter sehen wir Hrn. Minjou, der von der officiellen Leitung der Düsseldorfer Centrumspartei abgeschüttelt worden ist. Dann den Herrn Hildebrand, der, wie einwandfreie Zeugen darthun können, erklärt hat: Besser für einen gut zahlenden Handelsvertragsverein arbeiten, als für ein verruchtes agrarisches Centrum.(Hört! Hört!) Da ist ferner Herr Schaller, der sehnsüchtig auf Hülfe aus dem socialdemokratischen Lager wartet. And ferner haben wir am Vorstandstisch den großen Unbekannten, der sich beharrlich weigert, seinen Namen anzugeben. Weiter kam Redner nicht; der Vorsitzende entzog ihm einfach das Wort. Herr Minjou betheuerte, auf dem Boden der Centrumspartei zu stehen, nur in einigen wirthschaftlichen Fragen scheide er sich von der Parteileitung. Wieder wurde hin= und hergeredet, zu einem Ergebnisse kam man aber nicht. Herr Hildebrand: Man zweifelt daran, daß wir Centrumswähler sind. Dazu hat man das Recht; der Zweifel ist aber unbegründet. Ich bin Katholik und bekenne mich zum Centrum. Herr Etrauß: Herr Hilvebrand, ist es wahr, daß Sie vom Handelsvertragsverein bezahlt werden oder nicht? Wir dürfen eine klare Antwort, ein bestimmtes Ja oder Nein erwarten. Herr Hildebrand zog es vor, die verlangte Antwort nicht zu ertheilen und erwiderte: Wollen Sie nicht auch wissen, ob meine Frau Maria, Katharina oder sonst wie heißt? Bis heute hat man noch keine Quittung des Handelsvertagsvereins bei mir gefunden.(Große Heiterkeit.) Unbekümmert um den Willen der Mehrheit verharrte der Vorstand auf dem Widerstand gegen die Bureauwahl. Unbequemen Rednern wurde vom Vorsitzenden kurzer Hand das Wort entzogen. Endlich, es war mittlerweile 11 Uhr geworden, bequemte man sich dazu, die Wahl des Vorsitzenden zuzulassen. Herr Rinas, mit überwältigender Mehrheit gewählt, über nahm den Vorsitz und stellte die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden zur Discussion. In Vorschlag gebracht wurde Herr Brüls. Damit wollte sich der alte Vorstand nicht einverstanden erklären; man wolle das Heft nicht aus der Hand geben. Herr Brüls wurde mit großer Mehrheit gewählt. Herr Schrover entriß dem Vorsitzenden die Schelle, setzte dieselbe heftig in Bewegung, erklärte die Versammlung für geschlossen und verschwand dann in der Menge. Herr Rings und Andere betonten, daß der Einberufer zu einer Schließung der Versammlung nicht mehr das Recht habe. Herr Rings bedauerte, daß der bisherige Verlauf ein so stürmischer gewesen sei, müsse aber feststellen, daß die Mehrheit streng geschäftsordnungsmäßig verfahren sei, und daß von den Einberufern, wie auch Herr Schaller anerkannt habe, grobe Fehler gemacht seien. Nachdem hierauf Herr Uhrmacher Linfert als Schriftführer gewählt worden war, hatte man das Bureau nach zweistündigem Streite endlich zu Stande gebracht. Nunmehr lenkte unter der ebenso besonnenen als umsichtigen Leitung des Herrn Rings die Versammlung in ein ruhiges Fahrwasser ein. Herr Stapper konnte in aller Ruhe seinen Vortag beginnen, und ohne Unterbrechung zu Ende führen. Die Bekämpfung der Zölle, die Niederlegung der zum Beweise der Nothwendigkeit einer mäßigen Erhöhung der Zölle in Wort und Schrift wiederholt vorgebrachten Argumente machte sich der Redner sehr leicht, Er operirte zur Begründung seines abweichenden Standpunktes nicht mit Beweisen, sondern mit Phrasen. Wir verzichten darauf, einen Auszug der confusen Aeußerungen Stappers zu geben. Einige Stichproben mögen genügen, den Mann und seine Beweisführung zu kennzeichnen. Das I. Gebot des Vaterunser, erklärte der Redner, ohne sich später zu corrigiren, heiße: unser tägliches Brod gieb uns heute— also dürfe das Brod nicht vertheuert werden. „Der Abg. Frhr. v. Schorlemer=Alst hat den Antrag gestellt, den Ertrag der Zölle für eine Wittwen= und Waisenversorgung zu verwenden!“ Und ein so unterrichteter Mann glaubt mit seinem Rüstzeug Eindruck auf die politisch geschulten katbolischen Arbeiter machen zu können! Daß Herr Stapper sehr häufig die katholische Religion für seinen Standpunkt sich nutzbar zu machen suchte, und den Freunden der Landwirthschaft jegliches Christenthum absprach, rregte vielfach Unwillen. Die Mahnung, die Einigkeit im Centrum hochzuhalten, klang im Mnde Stappers mehr als komisch. Herr Hilbebrand war als Correferent in seinen leußerungen nicht glücklicher als sein Genosse. Von einer Beweisführung konnte auch bei ihm keine Rede sein. Die Gründung des Centrumsvereins, so behauptete er, sei töthig gewesen, weil es in Köln keine Stelle gebe, wo es dem Centrumswähler möglich sei, seine Meinung frei zu jußern. Bei einer solchen Behandlung würde es dem Centrumswähler nicht zu verargen sein, wenn er in ein anderes Lager überginge. Der Centrunnsverein wolle die arbeitende Bevölkerung sammeln und ihr Gelegenheit geben, sich auszusprechen. Herr Rings erklärte die Behauptung des Vorredners, daß es in der Centrumspartei Kölns den Wählern nicht möglich sei, sich Gehör zu verschaffen, für falsch. Alle Stände seien in der Parteiorganisation vertreten, und gern 71.• perde jedem Gelegenheit gegeben seine Wünsche zu äußir Hoße, Garr Hilde)d Vorredner im Auge B#tbsz. H### v#ldehrand als Discussionsredner nicht so ausführlich habe zu Wort kommen können, wie er es wünschte, so traue die Centrumspartei als solche daran nicht die Schuld. Auch in der heutien Versammlung müßten sich die Discussionsredner mit einer beschränkten Redezeit begnügen. Herr Hildebrand. Mit dem ihm damals zugestandenen zehn Minuten sei er zufrieden gewesen; es habe ihm aber nicht gefallen, daß ein weiterer Gegner nicht habe zu Worte kommen können. Herr Rings stellte fest, daß das Auftreten der beiden Referenten wenig geeignet sei, die Einigkeit im Centrum zu fordern. Auf die wenigen sachlichen Ausführungen der Zollgegner eingehend, wies er darauf hin, daß es verständlich sei, wenn in einer Partei, wie in der des Centrums, die sich aus Mitgliedern aller Stände zusammensetze, in einer wirthschaftlichen Frage verschiedene Meinungen berrschten. Es wäre verwunderlich, wenn das in der Zollfrage nicht der Fall sein sollte. Vor einigen dreißig Jahren saßen die katholischen Abgeordneten in den verschiedensten Fractionen. In Folge der Unduldsamkeit der anderen Parteien seien die katholischen Abgeordneten zur Gründung der Centrumspartei zusammengetreten. Herr Stapper habe den Beweis für seine Behauptung, daß erhöhte Zölle Brod und Fleisch vertheuern, nicht erbracht. Erhöhte Zölle können diese Wirkung haben, ob sie es müssen, ist eine andere Frage. Im Jahre 1879 stand der Roggenpreis auf 215 Mark, nach Einführung des Einmark= zolles stieg er auf 233 bis 286 Mark und fiel dann auf 180 Mark im Jahre 1884. Die Erhöhung des Zolles auf 3 Mark bewirkte keine Erhöhung des Preises, der Preis fiel weiter auf 171 bezw. 167 Mark, und unter der Geltung des Fünfmarkzolles auf 168 Mark. Wenn angesichts der Nothlage der Landwirthschaft, deren Vorhandensein auch der Schwiegersohn Liebtnechts, Swienty, und selbst Bebel anerkannten, die Abgeordneten nach reiflicher Ueberlegung sich zu einer mäßigen Erhöhung der Zölle entschließen, dann ist es leichtfertig, solche Männer des Brodwuchers zu beschuldigen. Wenn Herr Stapper die Lebensweise einiger Großgrundbesitzer verantwortlich machen wolle für die thatsächlich vorhandene Nothlage der Landwirthschaft, dann verfällt er in denselben Fehler, wie diejenigen, die etwa einen betrunkenen Arbeiter als den Typus des Arbeiterstandes hinzustellen wagen. Es ist ein Unrecht, die Sünden eines Standes zu verallgemeinern. Wenn die Landwirthschaft Noth leidet, dann haben die Abgeordneten die Pflicht, ebenso für diesen Stand einzutreten, wie für den notbleidenden Arbeiterstand. Der Ruin der Landwirth= schaft trifft nicht nur die Angehörigen dieses Standes sondern auch den Arbeiterstand. Herr Brüls führt den Beweis, daß eine Erhöhung des Getreidezolles eine Erhöhung des Brodpreises nicht im Gefolge haben müsse, durch weiteres statistisches Material aus und legte dann ziffernmäßig die fortschreitende Verschuldung der Landwirthschaft dar. Wenn Hildebrand behaupte, die Arbeiter kämen in der Centrumspartéi nicht genügend zu Wort, so genüge ein Blick auf die Zusammensetzung des Centralwahlcomitees, um diese Behauptung als irrig zu beweisen. Wiederholt seien die Arbeiter von Herrn Abg. Trimborn aufgefordert worden, ihm ihre Wünsche auszusprechen, und in den katholischen Arbeitervereinen, sowie im Windtborstbund werde das Recht der freien Meinungsäußerung Keinem beschränkt. Herr Pastor a. D. Kötzschke erklärt, daß er ein Freund des Centrums sei, aber noch nicht in die Lage gekommen sei, für oder gegen das Centrum seine Stimme abzugeben. Die Erhöhung der Getreidezölle sucht Redner dann durch biblische Citate zu bekämpfen. Herr Linfert wies nach, daß nicht nur die Großgrundbesitzer, sondern auch die 2¼ Millionen Kleinbauern sowie die 5½ Millionen ländlicher Arbeiter ein Interesse an den Getreidezöllen haben. Eine mäßige Zollerhöhung sei auch Schutz der nationalen Arbeit. Herr Minjou sucht aus Zeitungen und Flugblättern den Nachweis zu erbringen, daß früher die Centrumspartei einen anderen Standpunkt in der Zollfrage eingenommen habe, als heute. Herr Gewerkschaftsfecretär Kurtscheid rügte es, daß die Referenten in leichtfertiger Weise über ein so schwieriges Thema, wie es die Zollfrage sei, sich geäußert hätten. Man müsse sich gegenwärtig halten, daß jetzt diejenigen, welche sonst an der Börse thatsächlich das Brod vertheuern, sich in der Rolle der Richter über das Volkswohl gefallen. Die christlichen Arbeiter werden am Centrum festhalten, weil es stets das wahre Volkswohl in bester Weise vertreten hat. Die christlichen Arbeiter Kölns haben einen Abgeordneten, der stets mit Wärme für sie eingetreten ist; sie haben keinen Grund, sich über die Politik des Centrums zu beschweren, keine Ursache, sich vom Handelsvertragsverein ins Schlepptau nehmen zu lassen. Die bekannten Personen, welche hier Unfrieden zu stiften versuchten, möge man mit einem energischen Ruck vom Centrum abschütteln. Beim Centrum werde das Interesse des Arbeiters immer besser aufgehoben sein als beim Handelsvertragsverein. Kurz vor 2 Uhr Nachts nahm die Versammlung einen Schlußantrag an, und nach einigen Bemerkungen der Referenten Stapper und Hildebrand sprach Herr Rings das Schlußwort. Mit der Zollfrage werde man sich noch häufig zu beschäftigen haben. Pflicht Aller sei es, für Aufklärung zu sorgen, damit die Arbeiter sehen, was es mit dem Geschrei des Brodwuchers für eine Bewandtniß habe. Als Resultat der Versammlung bitte er folgende Resolution anzunehmen: „Die am Samstag, den 20. September, in dem großen Colosseumssaale von dem Centrumsverein für Köln und Umgegend einberufene Versammlung, die von etta 250 Personen ist, spricht der Centrumsfraction des Deutschen Reichstages, insbesondere auch dem Abgeordneten für Köln, Herrn Trimborn, ihren lebhaften Dank und Anerkennung für ihre bisherige Thätigkeit aus; sie ist überzeugt, daß die Abgeordneten der Centrumspartei auch fernerhin, insbesondere bei der Berathung des Zolltarifes, die Interessen der Gesammtbevöllerung des Deutschen Reiches pflichtgemäß wahrnehmen werden.“ Mit allen gegen zwanzig Stimmen wurde die Resolution angenommen und darauf mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf die Centrumspartei und Herrn Abg. Trimborn die Versammlung um 2 Uhr geschlossen. Die Mobilmachung der Nationalliberalen. 7 Witten, 22. Sept. Die nationalliberale Partei Wittens leitete die Wahlbewegung mit der Abhaltung eines politischen Unterhaltungsabends ein. Der eindringlichen Einladung der Parteileitung waren die Wähler recht spärlich gefolgt, der„Kameradschaftliche Sängerbund“, welcher einige Lieder zum Besten gab, eingerechnet, mochten wohl gut 200 Personen anwesend sein. Unter den Gästen gewahrten wir den Abgeordneten Franken=Schalke und den Ersten Bürgermeister Haarmann=Witten. Der Vorsitzende des nationalliberalen Wahlcomitees, Herr Dr. Schramm, eröffnete den Abend mit einer kurzen Ansprache, in welcher er zum Ausdruck brachte, daß man frohen Muthes in den Wahlkampf eintreten könne, wenn man die Sonderinteressen bei Seite setzte und das Einigende in den Vordergrund treten lasse. Der nächste Redner war Herr Abg. Franken, der, wie er mittheilte, dem Vaterlande einen Trinkspruch weiben wollte. Leider kam der Herr schon kurz nach seiner Einleitung aus dem Concept, indem er feuchtfröhlich seinen Zuhörern die„Sesauren“ an die Wand malte, welche das Bestehen des„ultramontanen Centrums“ mit sich führe. Redselig wie der Abg. Franken ist. gerieth er während seiner Rede, um mal einen trivialen Ausdruck zu gebrauchen, vom Hölgchen aufs Stöckchen. hat seine Sommerferien im katholischen Tyrol zugebracht und dort die Ereignisse der letzten Wochen in Deutschland an sein Auge vorbeiziehen lassen. Wie er des Längeren erzählte, wurde nach dem Einigungskampfe der Deutschen eine Fraction gegründet, die sich den Namen„Centrum" beilegte.„Das war das Erste, was uns wehe that meinte der Redner. Das Centrum stimmte dem Wortlaute der Adresse an Kaiser Wilhelm nicht zu,„ein erster Reif in der Frühlingsnacht des deutschen Vaterlandes". Gar bald kam Redner auf den Mannheimer Katholikentag zu sprechen. Im vorigen Jahre habe der Abg. Trimborn zum Erstaunen aller Liberalen einen neuen Culturkampf angesagt. Wo ist da der Grund, so fragte sich die gebildete und liberale Welt. Es folgte der Toleranzantrag, der Aufmarsch des Centrums bei der Ungültigkeitserklärung der Wahl des Nationalliberalen Boltz=Saarbrücken und manche andere Thaten. Die Ablehnung der Alters= und Invalidenversicherung sei ein„dunkler Punkt in der social politischen Thätigkeit des Centrums".(Großer Unsinn!) Er habe die Ueberzeugung, daß das Centrum den Höhepunkt seiner Machtstellung überschritten habe. Unter Zuhülfe nahme der socialdemokratischen„Münchener Post" bekrittelte er sodann die Arbeiterkundgebung zu Mannheim in der ihm eigenen kleinlichen Art. Den Süddeutschen sei das Centrum noch nicht ultramontan genug, sie verfechten die Parole:„Los von Berlin". Dann tischte der Redner seinen Zuhörern das schauerliche Märchen auf, nach welchem das süddeutsche Centrum die Krone Bayerns dränge, das deutsche Vaterland zu zerfeven und ins Verdeiven zu stürzen. Doch erhebe sich in Süddeutschland ein lebendig nationalliberales Leben. Verschiedene Geistliche hätten erklärt, aufhören zu wollen als Hetzcapläne die Kastanien für das Centrum aus dem Feuer zu holen. Die Socialdemokratie übertreffe das Centrum an Patriotismus. Während letzteres die Widersacher und Feinde des Deutschthums, die Polen, in Schutz nehme, habe der socialdemokratische Parteitag diese bei Seite gesetzt. Von dem conservativen Flügel der Socialdemokratie unter Führung Bernsteins erwartet Franken eine weitere tiefgreifende Mauserung. Er habe sich Bernstein gegenüber schon geäußert, die Zeit noch zu erleben, wo er(Bernstein) als„kaiserlicher Socialdemokrat" denke und handle. Bei der nun folgenden Besprechung der Polenfrage legte er seinen agaressiven Standpunkt in dieser Frage dar. Heute wisse man, warum das Centrum mit den Polen liebäugele, nur um Stimmen zu fangen, wie es der Abg. Fuchs bei der Wahl im Jahre 1898 gethan, indem er im Wahlkreise Bomst die deutschen Karholiken aufforderte, für den Polen zu stimmen, damit er im Wahlkreise Bochum=GelsenkirchenWitten die Stimmen der Polen erhalte. Um sich selbst im Gegensatz zu dem größten Theile seiner Ausführungen zu setzen, meinte der Abg. Franken im weiteren Theile der Rede, daß es mit den confessionellen Zwistigkeiten nicht weitergehen könne, ihnen müsse ein Ende gemacht werden. Möchte doch der Abg. Franken diesen seinen eigenen Ausspruch für die Folgezeit selbst beherzigen. Oberlehrer Nölting gab für die nächste Reichstagswahl die Parole aus.#koifterter Kampf auf der ganzen Linie gegen das Centrum!" Bürgermeister Haarmann toastete auf den Vorsitzenden, Rechtsanwalt Pott auf die deutsche Flotte. Mit großer Freude wurde ein„Wahllied der Wittener Nationalliberalen zur Reichstagswahl 1903“ gesungen, in welchem sich folgende Reime befinden: Durch die Adern wild es jagte Und an unserm Herzen nagte, Als der Schorlemer gewann. Wenn auch ging die Schlacht verloren Doch nicht unser Muth;— erkoren War fortan der rechte Mann. Es wagt' Wittens Bürgermeister, Doctor Gustav Haarmann heißt er. Kühn mit Schorlemer den Strauß. Hei, das gab ein heißes Ringen, Doch wir konnten endlich singen: „Schorlemer bleib’ nur zu Haus“. Zwei Legislaturperiod'n Hat der Haarmann sich gewoben Um die Stirn den Lorbeerkranz Doch die Zeit, sie reitet schnelle, Braucht der Männer viel und helle; Schon beginnt ein neuer Tanz. Krächzendes Geschrei ich höre, Traun! es sind Jesuitenchöre, Dringen her von Köln am Rhein. Salbungsvoll spricht Fuchs die Worte: „Steh'n wir nicht in der Cohorte? Ja, wir sind's und wollen's sein.“ Reinecke, der schlaue Meister, B'thört die Dummen, schürt die Geister! Und so trägt er fort den Sieg. Warte Fuchs! wir heim Dir zahlen! Deiner Kniffe bittre Qualen Sitzen uns im Herzen tief. „Fuchs! Du hast die Gans gestohlen! Dich soll gleich der Teufel holen, Giebst Du sie nicht wieder her!" So spricht Hermann Müllensiefen, Als die Wähler ihn beriefen, Ihm vertrauen Schild und Wehr. Und dann schlich der Fuchs von dannen, Solche Sprache eines Mannen Gellt ihm fürchterlich ins Ohr. Was wird nun der Feind beginnen? Solcher Schlacht giebt's kein Entrinnen Und— der Vattmann steigt empor. Doch sein Licht ist bald verglommen, Leis und sacht, wie er gekommen, Geht dahin auch seine Spur. Mag der Gegner Troß auch schnaufen, Hermann ruft, in hellen Haufen Strömt zu= ihm das Volk der Ruhr. Wiederum am Scheidewege Steht die Partei, ihr ins Gehege Möchte dringen Jeder gern. Hermann Franken Niemand klimpern Kann auch nur an seine Wimpern, Zu ihm steht ein fester Kern. Bei Gesunden wie bei Kranken der Name Hermann Franken Hochgeehrt in uns'rer Mark. Nichts soll uns von Hermann trennen, Für ihn soll das Herz entbrennen Und dann ist der Hermann stark.“ Die Nationalliberalen nennen sich die Partei von Bilbung und Besitz. Ob das vorstehende Lied charakteristische Eigenschaften des Besitzers hat, wissen wir nicht, aber von Bildung finden wir keine Spur darin. Wohl aber vom Gegentheil! Dabei erweist sich der Urheber der Reimerei als ein Mann, der von dem Gange der Parteigeschichte im hiesigen Wahlkreise offenbar keine Ahnung hat! Die schwierigste Arbeit, welche der ganze Umbau erfordert, ist die Höherlegung des Bahnkörpers in der Hagener Richt ung um stellenweise ein Meter. Es läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen, nach wie vielen Jahren die colossalen Arbeiten beendet sein werden. Menden, 19. Sept. Wunderbare Verhältnisse und Einrichtungen herrschten hier unter dem jüngst verstorbenen Stadtkassenrendanten Hüll. Es stellte sich vor einiger Zeit in der Kasse ein Fehlbetrag von ca. 6000 Mark heraus, den der seit acht Jahren an der Kasse beschäftigte Kanzleigehülfe Franz Hoischen unterschlagen haben sollte, weswegen sich derselbe vor der Hagener Strafkammer zu verantworten hatte. Vor Gericht wurde sehr vald festgestellt, daß der verstorbene Rendant mit einer Sorglosigkeit sondergleichen die Kassengeschäfte leitete, daß er in seiner Abwesenheit die Kasse offen stehen ließ, und daß namentlich in der Buchführung bezüglich der Eintragungen erfolgter Zahlungen eine unglaubliche Unordnung herrschte. Das Geld ist verschwunden, kein Mensch weiß, wohin es gekommen und wer es genommen und niemals wird hierüber Klarheit erlangt werden. Vor der Strafkammer in Hagen beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung des genannten Angeklagten, die denn auch erfolgte; der Mann hatte 5 Monate in Untersuchung gesessen. Von der Volme, 19. Sept. Mit dem Bau der Volmethalsperre im Jubach= und Glörbachthale dürfte nunmehr, nachdem die Statuten der Genossenschaft von der Behörde genehmigt sind, bald begonnen werden. Am 9. October findet der„Köln. Ztg." zufolge zu Dahlerbrück eine Ge neralversammlung der Genossenschaft statt, in welcher die Bauarbeiten an den Sperren zur Vergebung gelangen werden. Bei der Thalsperre im Jubachthale ist bei einam Niederschlagsgebiet von 6,6 Quadratkilometer ein Sperrinhalt von 1 Million Cubilmeter Wasser vorgesehen, während bei der Sperre im Glörbachthale bei einem Niederschlagsgebiet von 7,2 Quadratkilometer der Stauinhalt 2 Millionen betragen wird. Es wird im Jahre eine zweibis dreimalige Fullung beider Sverren angenommen, sodaß bei einer Trockenperivde von einigen Monaten an jedem Arbeitstage durchschnittlich eine Wassermenge von 40= bis 50,000 Cubikmeter abgelassen werden kann. Die Kosten betragen nach den Plänen des Herrn Professors Intze für die Glörbachthalsperre 780,000 Mark, für die Jubachthalsperre 630,000 Mark. Die Gesammtsumme der Baukosten ist jedoch in Folge der eingetretenen Steigerung der Rohmaterialien und Arbeitslöhne um 110,000 Mark höher veranschlagt. An der Jubachthalsperre sind 46 und an der im Glörbachthale 30 Werke betheiligt. Die Jubach mündet im oberen Volmethale, während die Glör bei Dahlerbrück in die Volme mündet. (.) Essen, 22. Sept. Der Kutscher, der am Samstag von seinem Wagen überfahren wurde, ist an den erhaltenen Verletzungen gestorben.— Ein Arbeiter wurde in der letzten Nacht von zwei Holländern derart mit dem Messer bearbeitet, daß er lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus geschafft wurde. Düsseldorf, 19. Sept. Zwecks definitiver Beschlußfassung über die Gründung eines Verbandes der Auctionatoren im Oberlandesgerichtsbezirke Köln findet am 20. September, eine Versammlung der Interessenten statt. In einer am 15. August stattgehabten vorbereitenden Versammlung war ein solcher Verband einmüthig gutgeheißen worden.— Auf dem Fabriketablissement von Haniel & Lueg hierselbst brach beim Transport schwerer Eisenmassen plötzlich die Kette und der gewaltige Eisenblock stürzte auf einen darunterstehenden Fabrikarbeiter hernieder. Der Unglückliche war sofort todt. Die furchtbar verstümmelte Leiche mußte vom Platze weggetragen werden. Der junge Mann war erst vor wenigen Wochen aus China zurückgekehrt. Gerichtliches. Drovinzielles. Sept. Die hiesigen Bahnhofsumbauten einen schnellen Fortgang. Die Ausschachtungsen der über 500 Meter langen Vervindungsbahn End. se###r Deu bisherige Weg, der bis jetzt an dem Bahnkörper nach Holzwickede entlang führt, ist um 25 Meter nach Norden verlegt worden. Dieser Weg erhält eine on 15 Metern. Seit Monaten treffen täglich über 200 Wagen mit Anschüttungsmaterial hier ein, um den Bahnkörper an einigen Stellen sogar über 30 Meter zu erweitern. Im nächsten Frühjahr wird die ca. 45 Meter lange Unterführung an dem Holzener Wege um 80 Meter verlängert; auch muß dieselbe des starken Verkehrs wegen noch erhoot werden. Die Ausschreibung des bei dieser rung nothwendigen Canals erfolgt noch in diesem Herbst: ebe„ die Ausschreibung des großartigen Bahnhofsgebäudes. Letzteres wird zwischen die Strecken nach Unna zu Frondenberg gebaut. Der Rangirbahnhof, welcher bis 5## rn um, erhalt nach der Fertigstellung deren ##in besonders langer Canal zwischen Bahnterrain und Nickelwalzwerk mußefür 80.000 Mark erbaut werden. Eine große Auslage von 150,000 Mark hat die Eisentndustrie Renden=Schwerte für eine Neuanlage des Anschlußgleises + Bochum, 20. Sept. Vor der Strafkammer Bochum gelangte heute ein Proceß in der Berufungsinstanz zur Verhandlung, welcher das höchste Interesse der Allgemeinheit beanspruchen kann. Er betraf das Treiben eines Wahrsagerpaares, welches durch seine schwindelhaften Künste Familien in Furcht und Schrecken versetzt hatte. Der Proceß beweist wiederum, daß dieser Schwindel, die Zukunft aus den Karten zu errathen, auch im Industriebezirk noch vielfach vorkommt. Angeklagt waren die Eheleute Bergmann Georg Schulte=Holtey von Recklinghausen=Bruch wegen Betruges in 4 Fällen, welche das Schöffengericht Recklinghausen mit 3 Wochen bezw. 1 Monat Gefängniß sühnte. Gegen dieses Urtheil legte die Staatsanwaltschaft Berufung. ein, indem sie näher motivirte, daß das Treiben der Angeklagten in der dortigen Gegend sich als starker Unfug erwiesen, welcher eine exemplarische Strafe verdiente. Die Angeklagten behaupteten, aus den Karten der Pariser Schwindlerin Lenormand die Zukunft lesen zu können, als Beweis hierfür beriefen sie sich auf Fälle, wo ihre prophetischen Aeußerungen wirklich in Erfüllung gctreten seien. Für ihre„Arbeiten" nahmen sie gern ein„Trinkgeld" an. So ließ sich die Dienstmagd Josepha Schöppe für 25 Pfg. orakeln. Aus den Karten ersah die Ehefrau Schulte=Holtey, eine moderne Pythia, daß das Mädchen bald einen Mann erhalte, der jedoch auch andere Mädchen lieb habe. Aus ihrer Ehe würden 7—8 Kinder entsprießen. Das Mädchen hat diese Mit stheilung nicht als Scherz angesehen, sie sei vielmehr der Ueberzeugung gewesen, daß die Angeklagten die dunklen Nebel der Zukunft wirklich enthüllten.(1!) Dem Bergmann Stanislaus Matiaschick war Geld weggekommen. Den Verbleib desselben sollte ihm der Ehemann aus den Karten angeben. Er erhielt zur Antwort, ein Theil des Geldes würde er mit Hülfe der Polizei wiedererlangen, der Rest werde verborgen bleiben. ½ Liter Branntwein gab Matiaschick ob der Freude über diese nichtssagende Mittheilung zum Besten. Die Ehefrau des Bergmanns Wilhelm Janitzen ängstigte sich sehr über den Zustand ihres schwerkranken Kindes. Um„Sicherheit" zu gewinnen, ließ sie sich bei den Angeklagten die Karten legen, die Deutung derselben ging dahin, das Kind werde genesen, neuen Rückfall erleiden und dann sterben. Die Frau verlebte nun die folgenden Tage und Nächte in hochgradiger Angst, die von ihrem Manne getheilt wurde. Sie hatte 80 Pfg. als Entgelt auf den Tisch des Wahrsagerpaares gelegt. Eine weitere Frau, welche von ihrem Manne geschlagen worden, erhielt aus den Karten die „beruhigende" Mittheilung, daß eine„Aenderung" durch den baldigen Tod des Mannes eintreten werde. Einer dritten Frau, welche zwei kranke Kinder darniederliegen hatte, wurde aus den Karten der Tod eines der Kinder gedeutet. Daß alle diese Prophezeihungen nicht eintraten, braucht wohl nicht näher dargelegt zu werden. Viel zu denken giebt aber die Thatsache, daß die Leute die schwindelbaften Mittheilungen ernstlich geglaubt haben. Die Staatsanwaltschaft beantragte das Urtheil des Schöffengerichts aufzuheben und auf je zwei Monate Gefängniß zu erkennen. Das Gericht hegte kein Bedenken, daß die Angeklagten den Schwindel, die Zukunft aus den Karten zu enthüllen, selbst nicht geglaubt haben, und Schwindel sei es, wenn Jemand behaupte, er könne aus Karten die Zukunft voraussehen. Den Angeklagten kam es lediglich darauf an, die Dummheit der Leute materiell auszubeuten. Im Gegensatz zu dem Urtheile des Schöffengerichtes nahm das Landgericht an, daß die Angeklagten in den Jahren 1901 und 1902 fortgesetzt der Wahrsagerei gehuldigt und dadurch einfach in dem Gemüths= und Seelenleben verschiedener Bevölkerungskreise Furcht und Schrecken erregt. Diesem verderblichen Treiben müsse man energisch entgegentreten. Das Gericht erkannse wegen fortgesetzten Betruges unter Aufhebung des schöffengerichtlichen Urtheils gegen beide Angeklagten auf drei Monate Gefängniß. einige Leichen geborgen sind, steht die Zahl der Verunglückten noch nicht fest. )( D r e s d e n, 2 2. S e p t.( T e l e g r.) I m b e n a c h b a r t e n Caditz durchschnitt ein Arbeiter während der Abwesenheit seiner Frau seinen beiden Kindern die Kehle. Alsdann durchschnitt er sich die Pulsader und brachte sich einen Stich in den Unterleib bei. London, 20. Sept. Die ersten Anzeichen des kommenden Winters machten sich während der letzten wenigen Tagen bereits in London durch einen ziemlich dichten Nevel bemerkbar. Auch der Witterungswechsel ist ziemlich urplötzlich gekommen, und er wirkt umso unangenehmer, als man in der englischen Hauptstadt gewöhnt ist, oft bis in den späten October hinein durch schöne Tage für den Ausfall eines Theiles der schönen Sommerzeit entschädigt zu werden. Im Leben(und daher auch nicht wenig in dem Alltagsgespräche des Engländers) zählt das leidige Wetter nun einmal eine hervorragende Rolle, und man kann es ihm nicht verdenken, wenn er darüber verstimmt ist, daß er in diesem Jahre so„schwere“ Enttäuschungen erlitten hat. Die Kälte macht sich besonders in den Morgenstuinden und in den frühen Abend= und Nachtstunden bemerkbar; die Tage selbst sind schön, zuweilen gar warm, und gerade dieser krasse Gegensatz in der Temperatur ist es, der den Aufenthalt auf den britischen Inseln für den Fremden in gesundheitlicher Beziehung so schwer erträglich macht. Auf der Themse ereigneten sich in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag mehrere Zusammenstöße von Lastdampfern, die glücklicher Weise keine ernsten Folgen nach sich zogen.— Wie die officielle„London Gazette" bekannt macht, wird die ursprünglich für den 27. Juni festgesetzte und durch die Krankheit des Königs vereitelte Krönungsprocession durch London nun am Samstag, den 25. October, stattfinden und zwar in Verbindung mit dem Besuche des Königspaares in der Guildhall. Die Processionsroute wird dieselbe bleiben, wie ursprünglich festgesetzt, aber der äußere Charakter des Zuges wird natürlich durchgreifende Veränderungen aufweisen.— Der bekannte englische Luftschiffer, Mr. Stanley Spencer hat gestern mit dem denkbar besten Erfolge eine Fahrt unternommen, welche, nach den bisher vorliegenden Meldungen zu schließen, die Errungenschaften Graf Zeppelins und M. Santos Dumonts bedeutend in den Schatten stellt. Er begann seinen Aufstieg im Park des südlich von London gelegenen Crystallpalastes und landete 3 Stunden, später in Harrow=on the=Hill, 20 englische Meilen nordwärts von London. : U n s e r e D i e n s t b o t e n. Zu diesem Capitel liefert die„Sammlung bemerkenswerther Haftpflichtfälle", die die Gesellschaft„Victoria" soeben herausgegeben hat, einige anschauliche Beispiele. Wir greifen die folgenden heraus: Ein Arzt, Dr. W., hatte seinen Schreibtisch offen gelassen, in dem u. A. ein geladener Revolver lag. Beim Reinmachen spielte das neugierige Zimmerkätzchen mit der Waffe, sie entlud sich und die Kugel zerschmetterte der Klavierlehrerin, die im Nebenzimmer Unterricht ertheilte, die rechte Hand. Diese mußte abgenommen werden, wodurch die Lehrerin fast völlig erwerbsunfähig wurde. Neben den Kurkosten hatte Dr. W. auf Grund seiner Haftpflicht als Familienhaupt eine Jahresrente von 1200 Mark zu zahlen.— Glimpflicher kam der Kaufmann L. davon. Dessen Dienstmädchen hatte zusammengerollte Teppiche auf den dunklen Flur gelegt und über diese war der Krannkendiener Z. gestolpert. Beim Fallen brach er sich ein Bein. Für Kurkosten und entgangenen Erwerbsverdienst hatte der Hausherr 800 Mark zu zahlen. — Brennender Durst veranlaßte das Mädchen des Lehrers L., in der Nacht aus der Wasserleitung zu trinken, die sie dann aber offenstehen ließ. Es gab eine kleine Ueberschwemmung, die vier Stunden anhielt und dem Dienstherrn eine Sonderausgabe von 700 Mark verursachte.— Aehnlich liegt der Fall, wo der Gashahn aus Versehen offen gelassen und dadurch eine schwere Explosion verursacht wurde; Kostenpunkt für den Herrn Haushaltungsvorstand 950 Mk Ausbesserungskosten für eine durchschlagene Wand, 420 Mark Kurkosten und eine Jahresrente von 100 Mark.— Große Wirkungen entsprangen aus kleinen Ursachen bei folgendem drolligen Vorkommniß. In Kolmar schüttelte eine Magd eine Bettvorlage aus dem Fenster mit solchem Schwunge aus, daß ein harmlos seines Weges geführter Ochse darob in Aufrogung geriet und scheute. Er rannte an einen mit Eier gefüllten Wagen, warf diesen um und die Eier gingen in die Brüche. Jetzt wendet sich der Eigenthümer der Eier an die Herrschaft der Magd um Ersatz des Schadens. Vermischtes. ( Kiel, 22. Sept.(Telegr.) Das russische Schulschiff „Ocean“, wurde gestern=Abend von dem Hafendampfer „Podbielski“ überrannt und mitten durchschnitten. Die Insassen des Schulschiffes— 40 Personen— stürzten ins Wasser. Es entstand eine große Panik. Die Commandos der im Hafen liegenden Kriegsschiffe wurden durch Hülferufe auf das Unglück aufmerksam und sandten Pinassen zur Hülfeleistung ab. Die Panzer ließen zur Auffindung der Leichen die Scheinwerfer spielen. Obwohl schon Versammlung der Naturforscher und Merzte. Karlsbad, 22. Sept.(Telegr.) Die deutschen Naturforscher und Aerzte traten heute zur 74. Tagung zusammen, an welcher Vertreter Oesterreichs, Deutschlands der Schweiz, Rußlands und Japans theilnahmen. Die österreichische Regierung war durch den Unterrichtsminister Hartel, die preußische Unterrichtsverwaltung durch Minister Studt vertreten. Der Geschäftsführer, Dr. HermannKarlsbad, begrüßte den Congreß und insbesondere den österreichischen und deutschen Unterrichtsminister, und schloß seine Ansprache mit begeistert aufgenommenen Hochrufen auf Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm. An beide Herrscher wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Minister Hartel ergriff sodann das Wort und dankte zunächst im eigenen wie im Namen der Regierung für die Einladung Der Minister hieß die Anwesenden herzlich willkommen, wies auf die Bedeutung des Congresses hin und bezeichnet die Vereinigung als das kräftigste Mittel zur Erreichung großer, gemeinsamer Ziele und als das Kennzeichen des wissenschaftlichen und wirthschaftlichen Lebens unserer Zeit Der Minister betonte, daß die hohe praktische Bedeutung der Forschungen der Congreßtheilnehmer es der Regierung zur Pflicht mache, deren Arbeiten zu unterstützen. Der Mi nister gedachte der werthvollen Früchte, welche die gegenseitige Unterstützung von Theorie und Praxis und das Zusammenwirken von Wissenschaft und Verwaltung nicht bloß in dem über reiche Mittel verfügenden verbündeten deutschen Reiche, sondern auch in Oesterreich getragen habe. Es sei keine bloße Phrase, wenn er versichere, daß der Staat und die Unterritchsverwaltung gerade den Verhandlungen dieses Congresses mit vollster Aufmerksamkeit folge. Der Minister wies darauf hin, daß sich zu diesem Congreß nicht nur Mediciner, sondern Vertreter aller anderen Zweige der Naturwissenschaft immer wieder einfinden, in dem Bewußtsein ihrer gemeinsamen Aufgabe, der Wahrheit zu dienen. Zu dieser Theilung der Arbeitsgebiete, der unaufhaltsamen fortschreitenden Specialisirung geselle sich der Trieb, über die trennenden Schranken der einzelnen naturwissenschaftlichen Disciplinen hinweg das Verbindende zu suchen. Der Minister schloß mit dem Wunsche, daß diesem Bestreben der Geist Goethes, der so oft in Karlsbad geweilt, voranleuchten und über den Verhandlungen schweben möge, „der Menschheit zum Wohle, der Wissenschaft zur Förderung und Ehre".(Stürmischer Beifall.) Nach der Begrüßungsansprache des Karlsbader Bürgermeisters Schaeffler und des Rectors der Prager deutschen Universität, Bachmann, gedachte der 1. Vorsitzende des Congresses, Prof. Hubner=Berlin, der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder Kußmaul=Heidelberg, Gerhardt, Virchow=Ber lin in ehrenden Worten Der Unterrichtsminister Dr. Hartel giebt zu Ehren des hier anwesenden preußischen Cultusministers Dr. Studt ein Diner, welchem auch der deutsche Consul in Prag, Frhr. v. Seckendorf, und Mitglieder des Naturforschertages beiwohnen werden. Federvieh, Fische, Milch, Butter, Eier 2c. Die Commission beschloß, da zuerst der Tarif und nachher das Tarifgesetz berathen wird, über die einzelnen Tarifabschnitte je eine Generaldiscussion abzuhalten und die Specialdiscussionen auf bestimmte demnächst festzustellende Punkte zu beschränken. Die Commission nahm sodann einen Antrag Spahn (Ctr.) an, sofort den Unterabschnitt a des ersten Abschnitts zu berathen, d. h. die Positionen 1 bis 72, Erzeugnisse des Acker=, Garten= und Wiesenbaues. Stadthagen(Soc.), bekämpft in ausführlicher Rede die Getreidezölle sehr heftig. Redner wird, als der Vorsitzende v. Rettich eine Aeußerung von ihm beanstandet, nach einem Wortwechsel mit v. Rettich von diesem zur Ordnung gerufen. W Berlin, 22. Sept. Der königliche Hof legt anläßlich des Hinscheidens der Königin der Belgier auf die Dauer von drei Wochen Hoftrauer an. ( Berlin, 22. Sept. Die Meldung; daß Abg. Dr. Spahn als Unterstaatssecretär im Reichsamt des Innern ausersehen sei, wird der„Nat.=Ztg.“ von unterrichteter Seite als unrichtig bezeichnet. Auch die anderen Angaben hinsichtlich der Ernennungen zu diesem Posten seien nicht zutreffend ( Brüssel, 22. Sept. Eine große Volksmenge hat sich nach Lacken begeben, um bei der Ankunft der sterblichen Ueberreste der Königin der Belgier zugegen zu sein. Der Bahnhof Laeken sowie die anliegenden Straßen zeigten einfachen Trauerschmuck. Die Kirche ist reich ausgeschmückt. Um 3 Uhr läuteten die Glocken sämmtlicher Kirchen Brüssels und der Vorstädte. W Brüssel, 22. Sept. Gräfin Lonyay(Prinzessin Stephanie) besuchte heute Vormittag 10 Uhr mit zwei Ehrendamen die Messe in der Kirche St. Jaques und begab sich nach Schluß dersellen, von der Bevölkerung ehrerbietig begrüßt, nach dem Palais des Grafen von Flandern. Heute Nachmittag reist die Gräfin nach Calais ab.— Nach den officiellen Bestimmungen wird die Leiche der Königin heute Nachmittag 3.40 Uhr in Laeken eintreffen und alsbald nach der neben dem Bahnhof gelegenen Kirche gebracht. Später wird die Bevölkerung am Sarge vorüberziehen, der alsdann in der königlichen Krypta beigesetzt wird. Bei der morgen stattfindenden Trauerfeier in der Kapelle von Laeken wird der Erzbischof von Mecheln den Trauergottesdienst abhalten. Der Trauergottesdienst in der St. Gudulakirche, dem die königliche Familie beiwohnt, findet Donnerstag statt. W Spaa, 22. Sept. Mittags wurde ein vom Bischof von Lüttich celebrirter Trauergottesdienst zum Gedächtniß der Königin abgehalten. Auf dem Wege, den der Leichenzug bis zur Kirche passirte, bildeten Militär und Vereine Spalier, dahinter hatte sich eine zahlreiche Volksmenge aufgestellt. Hinter dem Leichenwagen schritt der König, auf dem Arm des Prinzen Albert gestützt. Danach folgten die Minister, die Generalität und zahlreiche Würdenträger. Die Prinzessin Clementine begab sich zu Wagen nach der derche. IV London, 22. Sept. Dem Lordmayor wurde officiell mitgetheilt, daß das Königspaar dem am 22. October in der Gildhall stattfindenden Frühstück und am 26. Oetober in der St. Paulskirche dem Krönungsgottesdienst beiwohnen wird. )( L o n d o n, 2 2. S e p t. D i e K r i e g s k o s t e n i n H ö h e v o n 100 Mill. Pfd. St. sollen von den beiden neuen Colonicen zu bestreiten sein. Die Minensteuer soll 10 pCt. betragen. Die Emission einer 50 Millionen=Anleihe wird geplant. Telegramme. W Berlin, 22. Sept. Die Zolltarifcommission begann die zweite Lesung der Zolltarifvorlage unter dem Vorsitze v. Rettichs. Anwesend waren Posadowsky, v. Richthofen, v. Thielemann und Handelsminister Möller. Es liegen Anträge Pachnicke vor auf Herabsetzung der Getreidezölle und Beibehaltung der bisher geltenden Sätze, und Anträge Wangenheim, verschiedene Abänderungen verlangend, darunter für Roggen, Weizen, Gerste und Hafer 7½ Mk. Weitere Abänderungen beziehen sich auf Kartoffeln, Tabak, Hopfen, Blumen, Früchte, Handel und Gewerbe. * Tur wirthschaftlichen Lage. Auf dem Kohlenmark,t macht sich allmähli der Herbstbedarf doch einigermaßen fühlbar. Freilic können die Feierschichten noch nicht ganz vermieden werden, und die Vorräthe auf den Zechen und die fliegenden Läger auf den Waggons haben wieder etwas zugenommen. Für das letzte Quartal ds. Is. sollen wieder 24 pCt. Fördereinschränkung beim Syndicate vorgeschlagen werden. Die Eisen- und Stahlwerke haben bisher noch immer nicht stärkere Bezüge gemacht. Dagegen fangen die Zuckerfabriken an, ihren Bedarf zu decken. So meldet sich in Gasflammkohlen allmählich eine leichte Besserung an. Lebhaft bleibt die Nachfrage nach Gaskohlen. In dem Geschäftsgange in Coks= bezw. Feinkohlen ist wieder ein Stillstand eingetreten, nachdem es schon geschienen hatte, als sollte eine Belebung der Nachfrage eintreten. Im August wurden 72,1 pCt.(gegen 72,0 im Juli und gegen 76,8 pCt. im ganzen zweiten Viertel d. J.) als Cokskohlen abgenommen, der Rest als Feinkohlen zu 7,50 Mk.(statt 9,50 Mk.) verrechnet. Noch immer werden große Mengen Feinkohlen erportirt. Trotzdem haben die Bestände nicht abgenommen. Auf dem Magerkohlenmarkt zeigt sich von Neuem Zurückhaltung. In der Marktlage für Coks ist keine Aenderung eingetreten. Die großen Exporte, die das Cokssyndicat in letzter Zeit ausgeführt, nahmen ihren Weg nach Rußland, Scandinavien, Auftralien, Amerika. Es ist wohl auf diese Exporte in der Hauptsache zurückzuführen, daß jetzt ab 1. October eine Erhöhung der Umlage auf 6—7 pCt. avisirt wird— eine ziemlich erhebliche Belastung der Werke. Die Nachfrage in Briketts bleibt andauernd eine lebhafte. Auf dem Eisenmarkt ist eine Besserung noch immer nicht eingetreten. Im Gegentheil, die Unsicherheit ist größer geworden, weil man die Möglichkeit eines plötzlichen Umschwunges der Conjunctur in den Vereinigten Staaten in Rechnung zieht, wodurch die heutigen starken Auslandsaufträge mit einem Schlage in Wegfall kommen dürften. Bezeichnend für die Lage der Industrie ist der Abschluß der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich und die Erklärungen, die die Direction hierzu giebt. Das genannte Unternehmen, das im Vorjahre 10 pCt. Dividende vertheilen konnte, beantragt diesmal nur 5 pCt. Als Grund dieses schlechten Erträgnisses wird angegeben: die Lieferungen ins Ausland, die theilweise nicht die Selbstkosten deckten. Auch augenblicklich se' die Nachfrage des Auslandes noch groß, aber die Preise weiter weichend, weil die deutschen Werke sich gegenseitig unterbieten. Die inländische Nachfrage ist noch immer schwach. Im Roheisensyndicat ist die Differenz zwischen den beiden früher genannten Werken noch nicht beigelegt, und das Weiterbestehen des Syndicats ist auch noch nicht gesichert. Für Qualitäts=, Puddelund Stahleisen hat das Syndicat eine Preisermäßigung um 7 Mk. eintreten lassen, nachdem die Roheiseneinkaufsvereinigung sich verpflichtet hatte, den Bedarf ihrer Mitglieder für das letzte Quartal nur bei ihm zu decken. Die Preise für die übrigen Roheisensorten bleiben bestehen, da der größte Theil des Bedarfs für das letzte Quartal zu diesen Preisen bereits verkauft ist. Die Haltung des Halbzeugverbandes in der Preisfrage hat bei den Halbzeugverbrauchern große Erregung hervorgerufen und wird Anlaß zu einer besonderen Stellungnahme derselben geben. Die Nachfrage nach Bandeisen, Stabeisen, Formeisen ist schwächer geworden. In Grobblechen ist noch keine Besserung eingetreten. In Gas= und Siederohren ist noch wenig Arbeit. Ebenso gehen bei den Maschinenfabriken, Eisengießereien, Kesselfabriken neue Aufträge nur sehr spärlich ein. In der Kleineisenindustrie klagt man ebenso über mangelnde Beschäftigung wie ungenügende Preise. An der Börse ist die Stimmung lustlos und unsicher. Die Coursbewegung ist geringfügig. Der Geldmarkt zeigt steigende Zinssätze. Der Privatdiscont ist auf 2¾/ pCt. gestiegen. Die Reichsbank verfügt über 288 Millionen Mk. steuerfreie Notenreserve gegen 268 Millionen Mk. gleichzeitig im Vorjahre. Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse 41. Extra-Preise K Ein grosser Posten Glaswaaren ungewöhnlich billig. Compottschalen, stück O rig. Zuckerschalem. 1 m Dureun zuagz 10 Pg. Butterdosen, Nchuiorm, Stück 144 rig. Butterdosen," s ui Neut zuk 16 Käsedlocken. mit Feller, stick 24 rig. 10 Ctm. Compottschalen. 12 cm, Kerzenleuchter Compottteller, 1 cm, Wassergläser Stück Pig Stück 4 Pig. Stück 10 rig. Stück## rg. Stück a eig. 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Verantwortlicher Redacteur: L. H. Kleinstreuer in Selsenkirchen Ne. 220. Dinstag, den 23. September 1902. * Vom Tocialdemokratischen Darteitag. Der„Kriegsrath“ der socialdemokratischen Partei ist vergangene Woche in München veranstaltet worden. Mit diesem hochtönenden Schlagwort leitete der„Vorwärts“ den Begrüßungsartikel zum Parteitag ein. Es war in der That ein„Kriegsrath", aber nicht bloß ein Kriegsrath gegen Gegner im anderen Lager, die Brüder waren auch unter sich recht uneins und feindlich gesinnt, ein beträchtlicher Theil der Verhandlungen war ein„Kriegsraty der feindlichen Brüder unter sich." Der Streit zwischen den Theoretikern der alten Schule, als deren hauptsächlichster Vertreter Kautzky, der Redacteur der „Neuen Zeit", wohl zu bezeichnen ist, und den Revisionisten, einer neueren Richtung, die sich an den Namen Bernstein knüpft und als wissenschaftliches Organ sich die„Socialistischen Monatshefte" erwählt hat, führte dieses Jahr in München zu lebhafteren Gefechten, als man sie bisher gewohnt war. Auf dem vorigjährigen Parteitag zu Lübeck bemerkte der socialdemokratische Delegirte David=Mainz in der Bernstein=Debatte: „Auch diese Debatte schadet uns nichts. Ich hoffe nur, daß es für absehbare Zeit die letzte Bernsteindebatte in der Partei gewesen ist". Herr David hat sich hier sehr verrechnet. Der nächste Parteitag hat die Debatte in erneuter Auflage gebracht. Den äußeren Anlaß gaben die von den Theoretikern und alten Parteigrößen à la Bebel, Stadthagen 2c. censurirten„Socialistischen Monatshefte", das Organ der Bernsteinianer. In der Debatte darüber führte Kautzky=Stuttgart u. A. Folgendes aus:„Am letzten Ende sind es ja auch ganz andere Ursachen, die den Streit heraufbeschworen haben. Es liegen eben tiefgehende Meinungsverschiedenheiten vor über das Wesen des Socialismus.“ Von der vielgepriesenen socialdemökratischen Brüderlichkeit legen besonders auch die Zwischenrufe Zeugniß av: OhoRufe, Beifall und Zischen! Stadthagen, der im Sinne Kautzky's weiter redete, wurde schon gleich mit O wehl=Rufen und Heiterkeit empfangen. Er zog gegen Verlag und Redaction der „Socialistischen Monatshefte“ mächtig vom Leder, so daß es schließlich infolge des Widerspruches des anwesenden Redacteurs der„Socialistischen Monatshefte“ großen Radau absetzte. Die Berichke in der Tagespresse verzeichnen: große Unruhe und Zurufe: Das ist wieder der freche Kerl Stadthagen! Diese Berliner Großschnauze! Unverschamter Kerl! Frechheit! So ein Lump! Schmeißt den unverschämten Kerlraus! Die Schlußapostrophe Stadthagen's:„Die„Socialistischen Monatshefte“ sind kein Organ des Proletariats und wir müssen im Gegentheil alle Parteigenossen davor warnen, die sich den letzten Rest von Selbstständigkeit nicht durch die „Revisionsduselei der Monatshefte", rauben lassen wollen“, verursachten auf der einen Seite Beifalt, auf der anderen Zischen. Nun kam von Vollmar zu Wort, der von sich persönlich sagen konnte:„Ich habe mich an dem ganzen Streit nicht betheiligt.“ Er sprach also als Unparteiischer. Gleichwohl hielt er der „Neuen Zeit" zunächst den fortwährenden Rückgang und ihr Deficit von 10,006 Mk. vor, um dann deren Redacteur Koutzky folgende Liebenswürdigkeiten zu sagen:„In Kautzky lebt ein Geist der Einseitigkeit, der Engbrüstigkeit, der Unduldsamkeit gegenüber anderen Meinungen, wie das sonst kaum bei einem anderen Genossen der Fall ist. Auf den Parteigenossen Kautzky und seine Anhänger im Partei vorstande paßt das Goethe'sche Wort: Der Zeitgeist ist der Herren eig'ner Geist. Die Parteiansichten sind eben die eueren, und was ihr nicht ästimirt, das wird bekämpft und niedergerungen. (Beifall, Heiterkeit und Widerspruch.) Und in diesem Sinne sollen jetzt die„Socialistischen Monatshefte“ niedergerungen werden. Was der Verleger da geschtieben hat, ist ganz gleichgültig.“ Und nun vergegenwärtige man sich, wie die socialdemokratische Presse anderen Parteien und insbesondere dem Centrum stets„Bevormundung, Verdummung, geistige Knechtschaft“ und dergl. vorwirft. Allen diesen Tapfern im Kampfe gegen das Centrum möchten wir für die Folge die Worte zurufen, die von Vollmar im Verlauf der oben angezogenen Rede sprach:„Ueberhaupt der Geist der Controle, der Disciplin, der so bei uns herrscht, und der so ganz dem Geiste des Kasernenhofes entspricht, das ist etwas ganz Ekelhaftes. Bedenkt doch, daß ihr selbstständig denkende Menschen vor euch habt. Es verräth ein Gefühl der Schwäche, die Leute am selbstständigen Denken hindern zu wollen und sie zu hindern, ihre freie Meinung auszusprechen.“ Wenn der„Vorwärts“ in dem oben schon erwähnten Begrüßungsartikel zum Parteitag phrasenhaft und bombastisch wie immer ausruft:„Wir sind die Partei der Freiheit und der Cultur. Wie im einst verpfafften München die Socialdemokratie das Centrumsdunkel scheuchte, so ist ihre große Aufgabe, allenthalben Licht auszubreiten wider die Dunkelmänner unserer Zeit"; so antworten wir mit den Worten von Vollmar's am Schlusse seiner Ausführungen in München:„Das wäre wahrhaftig der Mühe werth, zur Socialdemokratie zu gehen, um die alte „Unfreiheit" los zu werden, wenn man sich damit nur unter eine neue Unfreiheit begeben würde.“ * Es ist ganz unmöglich, die Entwicklung des socialdemokratischen Parteitages in München ohne eine gewisse spöttische Heiterkeit zu verfolgen— ohne heitern Spott, wenn man das lieber hören will. Bevor dieser Parteitag begann, war der Socialdemokratie gar nicht wohl. Man befürchtete, bei der bevorstehenden Streiterei würden die Spähne hageldicht fliegen. Man suchte darum vorher nach Möglichkeit abzuwiegeln: wesentliche Streitpunkte lägen ja gar nicht vor, der Parteitag würde ungewöhnlich still und ruhig verlaufen und wahrscheinlich nur unter dem Zeichen des berühmten„Brodwuchers" stehen— Graf Caprivi konnte das nicht besser machen, als er einmal sagte: unter ihm werde die Politik fürchterlich langweilig werden. Sie wurde aber recht wild unter dem Grafen Caprivi, und ähnlich bockig ist auch das Roß des Parteihaders unter dem Sattel dieser neuesten socialdemokratischen Heerschau geworden. Der häusliche Zwist zwischen den beiden Richtungen, den Zahmen und den Wilden, ist beinahe noch stärker und noch heftiger hervorgetreten als in den Jahren vorher; und wenn der Riß augenblicklich auch wieder noch verkleistert worden ist, so frißt er im Innern des socialdemokratischen Parteihauses dennoch unentwegt weiter, und eines schönen Tages wird das dieselbe Wirkung haben, wie in Belgien und Frankreich auch: die eine Partei wird in zwei von einander gesonderte Parteihaufen zerfallen. Und dabei suchte der gute alte Herr Auer in seinem Geschäftsberichte die Aufmerksamkeit der„Genossen" vom eigenen Glashause abzulenken auf angebliche Schwankungen des unerschütterten Centrumsthurmes. „Wir dürfen nicht vergessen, Genossen, im Centrum rumort's! Und in eine Zeit innerer Krisis hinein, die das Centrum jetzt betroffen hat... usw. usw.“ — Na, uns kann es recht sein! Vermuthlich werden die Herren Genossen nach den nächsten Wahlen zum Reichstage von Neuem am eigenen Leibe es verspürt haben, daß der angeblich berstende Centrumsthurm noch immer die allerfesteste und allergefährlichste Mauer für die anstürmenden Geister der Socialdemokratie ist. Thatsächlich ist es den Obergenossen ein unheimliches Gefühl, wenn von Gegensätzen und von einer Möglichkeit der Trennung gesprochen wird. Herr Auer meinte ängstlich: man solle doch lieber von solchen Dingen nicht reden; das sei schädlich! Einen Kampfhahn hat man sich vom Halse geschafft, den berüchtigten schreckensredner Stadthagen, indem man ihn nach Berlin entsandte, um die Socialdemokratie in der Unter=Commission der Zolltarif-Commission des Deutschen Reichstages zu vertreten. Damit war die„Berliner Großschnauze" kalt gestellt. Ganz ergötzlich ist und bleibt die Polenfrage bei der Socialdemokratie. Man denke doch nur daran, daß die Socialdemokratie die„Proletarier aller Länder vereinigen will“ in Frieden und ewiger Freundschaft; und sie ist nicht einmal im Stande, die„Genossen" der verschiedenen Völkerstämme innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches in einem Parteirahmen beieinander zu halten. Die deutschen Socialdemokraten und die volnischen Socialdemokraten lassen sich nicht zusammen spannen vor den Parteiwagen; alle Vertreter der Socialdemokratie aus den östlichen Provinzen des Reiches müßten bekennen, daß sie mit den polnischen Gesinnungsgenossen nicht zusammen an einem Tische sitzen könnten. Die„Internationalen“ müssen ohne Weiteres einräumen, daß ihre Völkerumschlingungslehre in dem allerersten praktischen Versuche, sie in die That umzusetzen, vollkommenen Schiffbruch erleidet. Und zum Schluffe das Allerbeste: zum ersten Male ist es bei einem Parteitage klar und zweifelsohne zum Ausdrucke gekommen, daß die Socialdemokratie zugestehen muß: in der Behandlung der Gesetze über die Arbeiterfürsorge haben wir, wir Socialdemokraten, ehemals Unrecht gehabt, indem wir Opposition im Reichstage trieben gegen jene Gesetzentwürfe, die von dieser elenden bürgerlichen Gesellschaft uns vorgelegt wurden; wir müssen zugeben, daß diese verrottete Capitalistenbande der Arbeiterschaft wirklichen Segen mit diesen ihren Fürsorgegesetzen gebracht hat, und wir müssen nun danach trachten, unser eigenes Programm in dem Punkte der Arbeiterversicherung besser und sorgfältiger als bisher umzubauen! Diese Fürsorgegesetze verdanken ihre Ausgestaltung im Wesentlichen dem Centrum. Weiß jetzt die Socialdemokratie, warum sie ihren politischen Kampf hauptsächlich gegen das Centrum richten muß und doch nichts ausrichten kann dabei? ** Bebel und das Centrum. Nach den bombastischen Ankündigungen, welche die socialdemokratische Presse schon lange von dem großen Tag gegen das Centrum gemacht hatte, waren große Dinge zu erwarten, namentlich eine Fülle von Thatsachen, angesichts deren das Vertrauen zum Centrum in der Wählerschaft, besonders in den arbeitenden Klassen, gründlich erschüttert werden würde. Die Hauptsache war natürlich die brennende Frage des Zolltarifes. Aber selbst bei milder Beurtheilung des Bebel'schen Berichtes kommt man, so schreibt zutreffend die„Köln. Vztg.“, nicht über ein Gefühl der Ueberraschung— angenehmen oder unangenehmen, je nach dem Parteistandpunkte— und über die Empfindung hinweg, daß Bebel schlecht operirt hat; seine Ausführungen waren keine Widerlegung den Centrumspolitik, sondern ehe ein Zeugniß für die Richtigkeit und Gerechtigkeit derselben. Das Centrum kann Herrn Bebel dankbar dafür sein und wird nicht verfehlen, die Arbeiter gebührend davon zu unterrichten. Um was handelt es sich denn bei den Reichstagswahlen, falls der Zolltarif bis dahin noch nicht erledigt ist? Wir meinen, es müßte sich vom Standpunkte aller Parteien darum handeln, daß ein Reichstag gewählt wird, in dem nicht der Kampf Aller gegen Alle proclamirt wird, sondern in welchem der Widerstreit der Interessen dahin seine Erledigung findet, daß jede wirthschaftliche Gruppe dasjenige Theil zugewiesen erhält, das ihr mit Rücksicht auf den berechtigten Anspruch anderer Gruppen und das dadurch bedingte Gesammtwohl zusteht. Die Socialdemokratie mag dafür sorgen, daß die Interessen der Arbeiter gegenüber denjenigen anderer Berufsstände nicht zu kurz kommen, und wenn sie glaubt, daß das Centrum an einer solchen Benachtheiligung des Arbeiters mitwirke, so ist es ihr Recht, das Centrum im Interesse der Arbeiter mit allen Kräften zu bekämpfen. Wollte also Herr Bebel die Arbeitermassen gegen das Centrum nur mit einigem Schein von Recht aufrufen, so wäre er verpflichtet gewesen, den Beweis dafür zu erbringen, daß das Centrum die Interessen der Arbeiter„verrathe“ oder auch nur vernachlässige. Statt dessen hat er— und das muß festgenagelt werden— die Sachlage verschoben: er hat zum Kampfe gegen das Centrum aufgerufen, weil das Centrum gegen zwei Fronten zu kämpfen habe und es auf einer von beiden gegenüber den Wählern den Kampf verlieren müsse. Bebel sagt: entweder muß bei den bevorstehenden Reichstagswahlen das Centrum mit der Landwirthschaft gehen— dann verliert es die Arbeiter, oder: das Centrum muß mit den Arbeitern gehen, dann verliert es die Landwirth= schaft! Darum auf zum Kampfe! Richtig ist, daß sowohl rechts wie links Forderungen erhoben werden, denen das Centrum nicht zustimmen kann, aber um diese extremen Forderungen und ihre Vertreter buhlt das Centrum nicht, im Gegentheil erblickt es in ihnen unser wirthschaftliches Leben gefährdende Factoren. Hierhin gehören rechts die agrarischen Ueberflieger, links die Socialdemokraten mit den linksliberalen Bundesgenossen. Das Centrum appellirt an den Gerechtigkeitssinn derjenigen Wähler, welche auf dem Standpunkte des alten, aber noch immer praktisch richtigen Wortes stehen: Leben und leben lassen, an diejenigen Wähler, welche so vernünftig sind, Anderen nicht zu mißgönnen, was sie für sich selbst beanspruchen. Und diesen Ausgleich zu vollziehen, ist das Centrum gerabe durch die Art seiner Zusamensetzung in hohem Grade berufen. Wir sehen ja, was von rechts und links kommt: die einseitigste Interessenvertretung in wirthschaftlichen Dingen! Innerhalb welcher Partei soll sich denn der nöthige Ausgleich vollziehen, wenn nicht im Centrum? Bebel muß selbst zugeben, daß das Centrum gegen zu weitgehende Forderungen landwirtyschaftlicher Gruppen gewehrt hat, denn er sagt ausdrücklich, daß in Düsseldorf trotz lebhaftestem Widerstand von der Centrumsseite beschlossen worden sei, eine Verständigung mit dem Bunde der Landwirthe herbeizuführen. Wenn Bebel in der Tariffrage nicht andere Argumente gegen das Centrum vorbringen kann, dann siebt es windig aus mit seiner Prophezeihung, daß bei den nächsten Wahlen mächtige Blöcke aus dem Centrumsthurm ausgebrochen werden würden. Das PropheZwei Nordpolfahrer. Leutnant Robert E. Peary, dessen Rückkehr aus den Polargegenden gemeidet wurde, ist vier Jahre der Civilisation ferngeblieben. Er ist im Juni 1898 abgefahren, erreichte im August Cap York am Eingang des Smithsundes, wo er die Eskimofamilien und Hunde, die er schon im Sommer vorher in Dienst genommen hatte, an Bord nahm. Im folgenden Frühling wollte er mit Hundeschlitten nach dem Pol zu gelangen suchen und die Eskimocolonie als Basis benutzen und während seiner auf fünf Jahre berechneten Abwesenheit auch den unbekannten Norden Grönlands erforschen. Peary war, wie kaum ein anderer, zu dieser kühnen Reise geeignet. Er hat schon eine ganze Reihe von Erfahrungen in diesen Gebieten hinter sich. Im Herbst des Jahres 1885 besuche er einen alten Bücherladen in Washington und fand einen Artikel über das große Inlandeis von Grönland. Seine Phantasie wurde davon ergriffen, er laß eifrig Alles, was über den Gegenstand geschrieben worden war und kam zu dem Schluß, daß es zwei Wege gäbe, das Inlanden= zu erforschen. Im Sommer 1886 unternahm er eine Recognoszierung der Gegend und drang weiter vor, als bis dahin je ein Weißer gekommen war. 1891—92 hielt er sich 13 Monate in Nordgrönland auf und bewies, daß Grönland eine Insel ist, 1893—95 erstreckke sich sein Aufenthalt über 25 Monate, und er ging zum zweiten Male über das beständige Eis. Diesmal studirte er auch sorgfältig die Eingeborenen des Whalesundes und entdeckte die berühmten Metrorsteine auf Cap York, von denen einer 90 Tons wog. 1896 und 1897 brachte er den Sommer wieder in Grönland zu und bereitete die große Expedition vor. Im Jahre 1891 hat Mrs. Peary ihren Gatten auf seiner Reise begleitet. Ehe Peary zu der jetzt beendeten Expedition aufbrach, veröffentlichte er ein Buch, daß die Geschichte seiner früheren Reisen erzählt. In diesem Werke Northward entwirft der von dem Innern Grönlands folgende fesselnde Schilderungen:„Alles, was von Land in Grönland ist, ist ein Küstenstreifen von 5—25 und an einer oder zwei Stellen von 60—80 Meilen Breite, mit Bergen, Thälern und tiefeinschneidenden Fjorden, umgeben vom nordischen Eismeer mit seinen Eisbergen und dem Packeis... Der aufgehäufte Schnee von Jahrhunderten hat die Thäler im Innern gefüllt, sie den Berggipfeln gleich gemacht, sich die Jahrhunderte durch immer mehr und mehr aufgethürmt und schließlich die höchsten Gipfel hunderte und tausende Fuß tief in Schnee und Eis vergraben. Das Innere Grönlands ist jetzt ein ununterbrochenes Schneeplatcau von 5000 bis 8000 und 10,000 Fuß Höhe über dem Mecresspiegel, ein großes weißes schimmerndes Schild, 1200 Meilen lang und 500 breit, das auf den stützenden Bergen ruht. Auf dieser gefrorenen Sahara des inneren Grönlands giebt es weder vegetabilisches noch animalisches Leben, kein Felsstück, kein Sandkorn. Wer wie ich. Woche auf Woche über diese gefrorene Wüste reist, sieht außer sich und seiner Gesellschaft nur die unendliche Ausdehnung der gefrorenen Ebene, den unendlichen Dom des kalten, blauen Himmels und die kalte, weiße Sonne. Die höchsten Berggipfel liegen 1000—5000 Fuß unter der mächtigen Schneedecke.“ An der Westküste des Smithsundes fand Peary einen kleinen Eskimostamm, der nördlicher als alle andern menschlichen Geschöpfe unter dem äußersten Druck der wilden Umgebung wohnte, ohne Regierung, Geld. Religion oder einem anderen Werthmaßstab, ohne geschriebene Sprache, ohne Eigenthum, außer Kleidung und Waffen, deren Nahrung nur aus Fleisch, Blut und Thran ohne Salz oder irgend einen vegetabilischen Stoff und deren Kleidung aus Vogel= und Thierhäuten bestand. Ihr Lebenszweck war nur, etwas zum Essen und zur Kleidung zu bekommen, und ihre einzige Beschäftigung war der Kampf darum. Diese Leute, deren Sitten und Lebensbedingungen kaum über denen des Thieres stehen, scheinen zuerst sehr nahe dem Boden auf der Stufenleiter der Civilisation zu stehen, bei näherer Bekanntschaft zeigen sie sich aber schnell, klug und begabt und durchaus menschlich. Sie sind in ihrer Einfachheit, Ehrlichkeit in dem glücklichen Fehlen jeder Sorge, von Lebewesen in ihrer Umgebung, in ihrer Nahrung und in ihren Gebräuchen eine Gemeinde von Kindern; sie sind eiserne Menschen in ihrer äußersten Mißachtung der Kälte, des Hungers, der Ermüdung, sie sind Wesen von hoher Intelligenz in der Herstellung und dem Gebrauch der Jagdgeräthe.“ Auf die Dienste dieser Leute stützte sich Peary während seiner vierjährigen Verbannung im Polareis.„Die Wirkung meiner Expeditionen auf diese Kinder des Nordens ist gewesen, den ganzen Stamm zum Reichthum zu bringen. Vor sieben Jahren besaß mancher Mann kein Messer und manche Frau keine Nadel. Wenige Männer besaßen Kajaks oder Kanoes aus Fellen, und wer einen Speer oder eine Harpune aus einem einzigen Stück Holz hatte, war wohl daran... Ein Mann bot mir einen Hund und Schlitten und alle seine Pelze für ein Brett von seiner Größe an; ein anderer seine Frau und zwei Kinder für ein Messer und eine Frau alles was sie hatte, für eine Nadel. Heute sind Männer und Frauen mit Messern und Nadeln versehen, jeder Mann und Knabe hat sein Boot, die meisten Gewehre, und jeder Jäger das beste Holz für seine Lanze, seine Harpune, seinen Walroßspeer und Schlitten. Die Leute sind besser gekleidet und genährt, die Sterblichkeit hat abgenommen und die Geburtszahl in den letzten sechs Jahren zugenommen.“ Die Heirathsgebräuche der Eskimos sind sehr primitiv. Peary giebt in seinem Buch auch Photographien vieler Leute, unter denen sich auch eine von Ahtooksungwah befindet, deren Gatte von einem Eisbär getödtet worden war. Von dieser Eskimoschönheit erzählt er eine drollige Geschichte:„Ahtoolsungwah war ganz hell(in der Farbe) und hatte eine Gestalt wie ein Walroß. Ihr glänzendes Gesicht war bedeutend breiter als lang, sie war 4 Fuß 6 Zoll groß und wog 300 Pfund, und ihre Figur äbnelte einer Aazahl zusammengebundener Polsterkissen. Nach meiner Ansicht waren ihre Linien etwas schwer, aber sie war augenscheinlich das Ideal einer Eskimoschönheit. Unter ihren vielen Bewerbern waren Koko, ein mehrmals Geschiedener und Akpudia, der nach dem Tode seiner Frau nur Augen für seine kleine, avfelwangige Tochter gehabt hatte, am meisten begünstigt. Aber sein Herz schmolz unaufhaltsam bei der Wärme des öligen Lächelns der Wittwe wie ein Stück gefrorener Speck in der Flamme eines Ikomar.“ Ein unblutiges Eskimoduell, bei dem der Besiegte auf den Rücken geworfen wird, folgte, in dem Koko Sieger war. Er schirrte seine Hunde an und machte mit der Wittwe eine Hochzeitsreise. Nach zwei oder drei Tagen kamen sie zurück, aber Ikwah, der schon Frau und Kind hatte, verliebte sich in die Wittwe und nachdem er in einem Duell Koko besiegt hatte,„führte er die rundliche Sirene mit ihrem ganzen Reichthum und ihren bezaubernden Reizen in seine eigene Schneehütte.“ Die Nordvolarexpedition Svetdrups ist nach vierjähriger Dauer der Reise nach Norwegen zurückgekehrt. Sie landete bei der Insel Utsire. Seit Jahr und Tag war man in Norwegen und in der gesammten wissenschaftlichen Welt in gerechtfertigter Besorgniß um das Schicksal des kühnen Forschers. Am 27. Juni 1898 stach Otto N. Sverdrup, Nansens Begleiter auf dessen Durchquerung Grönlands und Kavitän der„Fram“ auf dessen Nordpolar=Expedition, in Christiania in See, um im Westen Grönlands durch den Smith=Sund nach Norden vorzugehen. Der Staat Norwegen hatte Sverdrup die„Fram“ zur Verfügung gestellt, deren innere Einrichtung der Forscher auf Grund der Erfahrungen auf der Ransen=Fahrt(1893—1896) auf eigene Kosten hatte umbauen lassen: Consul Heilberg und die Großbrauer A. und E. Rignes hatten die erforderlichen Geldmittel gewidmet. Die Expedition war auf 3 Jahre berechnet, doch wurde für den Fall der Noth eine für 5 Jahre ausreichende Ausrüstung mitgenommen. Nun hatte man von Sverdrup seit über 3 Jahren, seit dem 18. Aug. 1899, keine Nachricht gehabt. Er war von Anfang an wenig vom Glück begünstigt; die Eisverhältnisse im Smith=Sund, die ihm schon vor seiner Abreise dahin von dänischen Grönlandfischern als höchst ungünstige geschildert worden waren, verzögerten sein Vordringen gegen Norden ungemein. Nachdem er am 7. August 1898 nach zweitägigem Aufenthalt die nördlichste dänische Colonie an der Westküste Grönlands. Upernivik, verlassen hatte, sah er sich bereits am 17. August durch unüherwindliche Eishindernisse gezwungen, bei der kleinen Insel Cocked Hai an der Ostküste von Elsmere=Land, etwas südlich vom Cap Sabine unter 78 Grad 50 Min. N. das Winterquartier zu beziehen. Während des Winters und des Frühjahrs 1899 unternahm er verschiedene Expeditionen in Elsmere=Land, von denen ihn eine bis an die unbekannte Westküste geführt hat, die er theilweise erforschte. Der Winter war sehr streng, die Kälte betrug bis zu 50 Grad; ihr ist auch der Arzt und Meteorolog der Expedition Dr. Swendsen am 11. Juni erlegen. Erst am 2. August 1899 kam die„Fram" aus dem Eise los. Sverdrup segelte nun, da er ins KaneBecken nicht einzudringen vermochte, an die Westküste Grönlands nach Etab(Foueke=Fjord), um sich neue Hunde zu holen. Er traf dort mit Peary zusammen, der Sverdrups Postsachen mit seinem Hilsfahrzeug„Diana" südwärts zu senden versprach. Auf diesem Wege kam die letzte directe Nachricht von Sverdrup, die vom 11. August 1899 datirt, nach Europa. Noch am 11. August stach Sverdrup wieder in See, kam aber nur ganz langsam vorwärts, denn noch am 18. August preite die„Diana“, die bei Etah lag, die„Fram". Das ist die letzte Nachricht, die man von Sverdrup hatte. Ueber die Absichten, die Sverdrup damals hegte, ist nichts Bestimmtes bekannt. Nach der brieflichen Aeußerung eines seiner Genossen wollte er sich begnügen, im Jahre 1900 so weit wie möglich gegen den Robeson=Canal, den Ausgang in das Eismeer, vorzudringen, zu erforschen, was möglich war, und dann heimzukehren. Eine Meldung Pearys vom 17. August 1899 besagte hingegen, Sverdrup beabsichtige, die„Fram" auf seiner nördlichsten Station oder bei Fort Conger zu verlassen und sie südwärts zu senden, damit er sie von der Ostküste Grönlands bei dem verhältnißmäßig leicht zugänglichen Franz Josefs=Fjord abhole, wohin er sich, begleitet von auserlesenen Genossen, mit Kajats längs der Küste begeben wollte. * 22 Christiania, 20. Sept.(Telegr.) Sverdrup berichtet weiter: Ich lag im Winter 1898/99 bei Ellesmer Land im Winterquartier, wo ich verschiedene wissenschaftliche Reisen zu Schlitten unternahm. Der Sommer 1899 war ungünstig. Die Fram war gezwungen, in EllesmereLand Winterquartier aufzusuchen, wo wir wieder Depots anlegten, Schlittenreisen unternahmen und große Theile der umliegenden Gegenden kartographirten. Im Mai 1900 brach an Bord der„Fram“ ein Brand aus. Das Schiffszelt wurde durch Schornsteinfunken in Flammen gesetzt. Bei dem Brande verbrannten parafinirte Kajaks und andere Gegenstände. Auch das Takelwerk und die Masten wurden vom Feuer ergriffen. Die„Fram" war dem Untergange nahe, doch wurde das Feuer glücklich gelöscht. Im August dampften wir durch den Jonessund und Cardiganstrait und bezogen Winterquartiere auf 76° 48 Min. nördlicher Breite und 89° westlicher Länge. Wir schossen viele Moschuttochsen und unternahmen Schlittenreisen. Die Gegend ist sehr reich an Rennthieren und Polarwölfen, von letzteren brachte ich zwei lebend mit. Der nächste Winter war kalt und stürmisch, die mittlere Temperatur betrug 45 Grad. Im Frühjahr und Sommer 1901 und Anfang 1902 fanden wiederum Schlittenexpeditionen statt. Am 6. August gelang es der„Fram", vom Eise los zu kommen. Wir trafen in Godhavn am 18. August ein und verließen Cap Farewell am 28. August. Am 19. September landeten wir in Stavanger. Sverdrup theilt weiter mit, daß die Expedition in den von ihr besuchten Gegenden auf Eskimos nicht gestoßen ist, dagegen viele Wohnplätze von solchen aus früheren Zeitperioden angetroffen habe. Die„Fram“ führt viele Gegenstände von diesen Wohnplätzen mit.— Der norwegische Professor Ingvar Nielsen meint, er sei nach Meldungen von den aufgegebenen vorzeitlichen Eskimowohnstätten sicher, daß im großen arktischen Archipel in verhältnißmäßig naheliegender Zeit die Zurückziehung der nördlichen Grenze für die Lebensfähigkeit der Menschen eingetreten sei, woraus man weitere Schlüsse über die Eisverhältnisse ziehen könne, da die Lebensverhältnisse der Eskimos ganz von den Eisverhältnissen abhängen. 1 zeihen sollte übrigens Bebel endlich lassen; er hat doch mit seinen früheren Versuchen in dieser Richtung sehr böse Erfahrungen gemacht. * Die Celtausstellung in St. Louis. Im Jahre 1904 findet in St. Louis in den Ver einigten Staaten eine Weltausstellung statt, welche die jenige von Chicago und Paris weit übertreffen soll. Von einer Seite, die den Kreisen nahesteht, in deren Händen die Vorbereitung der Ausstellung liegt, wird uns über die Stadt St. Louis und das Ausstellungs= project Folgendes geschrieben: St. Louis ist die viertgrößte Stadt der Vereinigten Staaten von Nordamerika und hat, ohne Einrechnung der Vorstädte, eine Bevölkerung von nahezu 600,000 Seelen. Der Reichthum der Stadt ist enorm. Producte der St. Louiser Industriezweige finden in allen Weltgegenden Absatz. St. Louis besitzt 7000 Fabriken. Das Betriebcapital der Banken und„Trust"=Gesellschaften repräsentirt eine Summe von 200 Millionen Mark. St. Louis ist der Knotenpunkt von 24 Eisen bahnlinien. In„Cupples=Station" besitzt die Stadt den größten Speicher und Privatbahnhof der Welt, wo nur Kaufmannsgüter zur Spedition gelangen. Viele St. Louiser Industriezweige gehören zu den be deutendsten der Welt. Der Pferde= und Mauleselmarkt ist ein Weltmarkt ohne Gleichen. In St. Louis befindet sich die größte Bisquittbäckerei der Welt, das größte Droguen=Engrosgéschäft, die größten Zinkwerke, die größte Ziegelei, das größte Eisenwaaren=Engros= geschäft, die größte Bleiweiß=Fabrik, die bedeutendsten Tabak=Fabriken, die größten Heiz= und Kochöfen=Fabriken und die größte Stuhlfabrik. Nirgends werden mehr Straßenbahnwaggons gebaut. Das Mühlenwesen ist das zweitgrößte der Welt. Der Hauptmarkt im Putzwaarenhandel für Amerika ist in St. Louis, und im Colonialwaarenhandel nimmt die Stadt die dritte Stelle ein. St. Louis ist eine der ersten Indu strie=Städte der Welt und steht in vielen Zweigen an der Spitze. Ihr Straßenbahnnetz ist 450 englische Meilen lang.„Union=Station", der Centralbahnhof von St. Louis ist der größte und schönste der Vereinigten Staaten. Trotzdem hat er sich bei dem stets wachsenden Verkehr als zu klein erwiesen und wird daher bedeutend vergrößert. Der Anbau, für welchen 20 Millionen Mark ausgesetzt sind, soll vor der Eröffnung der Weltausstellung vollendet sein. St. Louis besitzt 64 große Hotels, doch wird die Zahl derselben stetig vermehrt, um dem wachsenden Fremdenverkehr gerecht zu werden. Abgesehen von den jetzigen Neubguten sind viele Hotels speciell für die Weltausstellung geplant. Das Wasserleitungssystem steht unter Controlle der Stadt und liefert täglich 32 Millionen Liter Trinkwasser. Gegenwärtig wird an der Fertigstellung einer colossalen Filtriranlage für den Gesammtbedarf gearbeitet.— 20 große öffentliche Parks zieren St. Louis; sie bedecken eine Fläche von 2176 Morgen. Der botanische Garten(Shaws Garden) gehört zu den schönsten der Welt. Das Klima der Stadt ist gesund, die Sterblichkeitsrate beträgt per Tausend nur 15,5 p#t. Das Sanitätswesen der Stadt ist in jeder Hinsicht perfect. Am rechten Ufer des Mississippi, in der Mitte zwischen den großen Seen im Norden und dem Golf von Mexiko im Süden, im Herzen der Ebene zwischen dem Alleghani und den Felsen=Gebirgen gelegen, erfreut sich St. Louis eines besseren Klimas als irgend eine andere Stadt auf dem gleichen Breitengrade. An Vergnügungsplätzen für die Sommermonate ist St. Louis reich gesegnet. In den öffentlichen Parks concertiren gute Musikcapellen und außer den vielen kleinen Theatern besitzt die Stadt neben sieben Theatern ersten Ranges noch zehn Sommertheater. Von nicht gut unterrichteter Seite wurde kürzlich die Behautung aufgestellt, daß Europäer kaum die Weltausstellung besuchen würden, weil eine große Zahl der reichen Amerikaner Europa besuchen, um in dort gebotenen Natur- und Kunstgenüssen zu schwelgen, und dieses nur darum, weil Amerika nichts dergleichen besäße. Das ist eine thörichte Behauptung. Wohl sind die amerikanischen Kunstgallerieen an Umfang kleiner und die historischen Monumente nicht so zahlreich und stammen auch nicht aus dem Alterthum, dagegen bietet das mit Riesenschritten vorwärts strebende merika in seiner nationalen Entwickelung und dem Aufschwung aller Industrieen viel Interessantes für jeden Europäer, während die Naturschönheiten der Vereinigten Staaten denen Europas mindestens gleichkommen, falls sie dieselben nicht übertreffen. Die Felsengebirge sind bei Weitem großartiger als die Alpen; die Niagarafälle sind einzig in ihrer Art; die Riesenhöhle in Kentucky,„The Mammoth=Cace“, gehört zu den Weltwundern und der„Yellowstone=Park“ bietet in seiner Ausdehnung mehr und großartigere Phänomen, denn irgend ein gleich großer Welttheil. Die Wohnungen der„Cliff Dweller" in Neu=Meriko und Arizona, die stummen Monumente einer vor Jahrhunderten erloschenen Rasse, von welcher der Welt nichts Bestimmtes überliefert worden ist, sie allein sind Grund genug für den Besuch von euro päischen Gelehrten und Archäologen. Die wunder vollen Gold= und Silberbergwerke in Colorado, die Blei= und Zinkgruben von Missouri, welche dem Weltmarkt ein Drittel der Gesammtproduction von beiden letzteren Metallen zuführen, sind gewiß nicht ohne In teresse für jeden gebildeten Europäer. Alle diese Punkte sind von St. Louis aus leicht erreichbar. Kein Gebildeter wird daran glauben, daß alle Sehens würdigkeiten der Welt in einem Land allein zu finden sns. Daß es St. Louis möglich sein wird, das colossale Unternehmen in seiner ganzen Ausdehnung plangemäß und mit Erfolg durchzuführen, dafür ist einem Jeden die Thatsache Bürge, daß dem Unternehmen ein Capital von 160 Millionen Mark zur Verfügung steht. Und diese ungeheure Summe findet Ver werthung in Gewinnung der besten Kräfte für den Aufbau der Weltausstellungspaläste und Schaffung prächtiger Anlagen; sie ermöglicht eine durchgreifende Thätigkeit erster Commissäre im Ausland und die Gewinnung der sehenswürdigsten Specialitäten auf allen Gebieten der Wissenschaft, Kunst, Industrie 2c. Da die St. Louiser Weltausstellung ihre Vorgängerinnen an Größe sowohl wie auch in jeder anderen Hinsicht übertreffen soll, so war es nöthig, sie um ein Jahr zu verschieben, von 1903 bis zum 1. Mai 1904, um ge nügend Zeit für alle Vorbereitungen zu gewinnen und um irgend welche Ueberstürzung zu vermeiden. Die National=Regierung verwilligte 6,308,000 Dollars, d. i. gegen 24,400,000 Mk., das ist eine ge nügende Garantie für die würdige Ausführung aller Pläne. Der Versuch pessimistisch angehauchter Be richterstatter, europäische Aussteller unter Hinweis auf die Einfuhrzölle abzuschrecken, zeigt nur, wie schlecht manche Leute unterrichtet sind. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat jeden Zoll auf Ausssellungs gegenstände aufgehoben, ausgenommen solcher Artikel welche für den Verkauf in diesem Lande bestimmt sind. Niemand wird wohl erwarten, daß die Regierung eine Verantwortlichkeit für Transportschäden übernimmt oder Garantie für Feuerschäden leistet, obschon alle möglichen Vorsichtsmaßregeln seitens der Ausstellungsbehörde für solche Fälle getroffen werden. Wie Chicago im Jahre 1893, so wird auch St. Louis 1904 für bestmöglichste Bequemlichkeit seiner Gäste und für billige Quartiere Sorge tragen. Nach dem letzten Census im Jahre 1900 zählte die Bevölkerung von St. Louis 576,238 Seelen. Hiervon waren 166,271 deutscher Nationalität. Neger gab es 35,516, also ungefähr 6 pCt. der Gesammtbevölkerung. Die Vorarbeiten für die Weltausstellung und der Fortschritt in der Construction der Ausstellungs= paläste ist sehr zufriedenstellend. Das ganze Unternehmen schreitet rüstig vorwärts. Die Nivellirungsarbeiten und Ausgrabungen für=Lagunen, Caskaden, Röhrenleitungen, Fundamente 2c. sind so gut wie vollendet. Bei vier der größten Gebäude konnte bereits mit der Bedachung und mit der Decoration im Innern begonnen werden. Die Contracte für alle anderen Bauten sind vergeben und müssen alle Gebäude zu fest. gesetzten Zeiten, noch im Jahre 1903 vollendet sein, damit noch Ende desselben Jahres mit dem Aufbau der Einzelausstellungen begonnen werden kann. Bei früheren Ausstellungen gemachte Fehler werden ver mieden und namentlich wird der Comfort und die Bequemlichkeit der Aussteller und Besucher besonders berücksichtigt werden. Die Preisvertheilung wird nach gerechtesten Grundsätzen erfolgen. Drovinzielles. * Gelsenkirchen, 22. Sept. Die Commission zur Vorberathung der höheren Schulfrage hat in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, an der Errichtung eines Ghmnasiums mit Realklassen festzuhalten. Eine andere Anstalt könne für Gelsenkirchen unter keinen Umständen in Betracht kommen. „### Gelsenkirchen, 29. Sept. In Hackenbroich (Ortsbereich Dormagen) ist eine öffentliche Fernsprechstelle träat 5o Plg.—— zur em Dreimitmutengespräch be(*) Gelsenkirchen, 22. Sept. In der Stadt Gelsenkirchen dürfen am 27. d. M. die offenen Verkaufsstellen für den Geschäftsverkehr bis 10 Uhr Abends geöffnet bleiben Gelsenkirchen, 22. Sept. In Folge einer Betriebsstörung konnte heute Morgen auf der Zeche„Hibernia“ nur ein Theil der Belegschaft anfahren = Gelsenkirchen, 22. Sept. Bei dem am gestrigen Sonntag in Schonnebeck stattgefundenen Wettstreit errang der Männergesangverein„Corlweiß“ Gelsenkirchen beim Klassensingen den ersten Preis, beim Ehrensingen durch Loos mit Gesangverein„Harmonie"=Steele den zweiten Ehrenpreis und im Hauptehrensingen sämmtlicher Klassen den Hauptehrenpreis. 6 Gelsenkirchen, 22. Sept. Polizeiliches. Bei einer Geburtstagsfeier in einem Hause an der Ackerstraße ging es gestern Abend lustig her und wurde ein Polizeibeamter veranlaßt, Ruhe zu stiften. Als dieser die Wohnung wieder verlassen wollte, wurde die Stubenthüre hinter ihm zugeworfen, sodaß der Helm in Folge des Stoßes zur Erde fiel. Ueber diese Rohheit zur Rede gestellt, schlug der Arbeiter Gustav St. aus Bochum den Beamten ins Gesicht und widersetzte sich der jetzt erfolgenden Verhaftung. Dessen Bruder Ludwig St. drang nun gnichfalls auf den Beamten ein, jedoch gelang es schließlich, Beide festzunehmen und in Polizeigewahrsam zu bringen. Anzeige ist erstattet — In der vergangenen Nacht wurden dem Oeconomen Theodor S. aus seinem verschlossenen Stalle zwei Kühe im Werthe von 600 Mk. gestohlen. Die eine Kuh ist ganz schwarz, die andere roth=bunt und fehlt ihr ein Horn. Näheres über den Verbleib nimmt die Polizei entgegen. Vor Ankauf wird gewarnt. * S c h a l l e, 2 2. S e p t. B e i d e r h e u t e s t a t t g e h a b t e n Stichwahl für den Kirchenvorstand wurde von 172 abgegebenen Stimmen Herr Carl Fischer mit 183 Stimmen gewählt. * Schalke, 22. Sept. Gestern Abend wurden vier angetrunkene Personen verhaftet, welche einen ruhig seines Weges gehenden Mann überfallen hatten. &am Heßler, 22. Sept. Auf der Zeche„Wilhelmine Victoria" gerieth der Bergmann Joseph Reiter unter herabfallende Kohlen und wurde am Kopfe schwer verletzt. Er wurde nach Gelsenkirchen gebracht. Bulmke, 23. Sept. In der Bürgerschaft geht ein Circular zur Unterschrift herum, in welchem der Gemeindevorsteher Meerbeck ersucht wird, mit allen Kräften für die Vereinigung Bulmker mit Gelsenkirchen zu wirken. Am Montag Abend fand eine weitere Vorbesprechung in der Eingemeindungsangelegenheit statt. Wie verlautet, findet in den nächsten Tagen eine Gemeinderathssitzung statt. Es wird angenommen, daß die Vereinigungsfrage bei dieser Gelegenheit erörtert werden wird. Bulmke, 22. Sept. Am Samstag Nachmittag gerieth der 18jährige Sohn des Metzgermeisters Kamp mit der linken Hand in die Hackmaschine, wodurch ihm vier Finger abgeschnitten wurden. * Bulmke, 22. Sept. Bei dem gestrigen Königsschießen des Bulmker Schützenvereins that Herr Riemenschneider den Königsschuß. Derselbe erwählte sich die Gattin des Herrn Haase zur Königin. (*) Hüllen, 22. Sept. Die Erhebung unserer Filialgemeinde zur selbstständigen Pfarrei scheint in Bälde zu erfolgen, nachdem die Regelung der noch schwebenden Frage betr. Verzinsung der zu übernehmenden Schuldenlast von der Pfarrei Wattenscheid erledigt ist. * Bismarck, 22. Sept. Heute wurden die Arbeiten für den Neubau der katholischen Kirche sowie für das Pastorats= und Vicariegebäude vergeben. Die Maurer= und Schreinerarbeiten wurden Herrn Bauunternehmer Weinrich=Weitmar, die Klempnerarbeiten Herrn van Dorsten=Bismarck, die Dachdeckerarbeiten Herrn Freudenstein=Bismarck übertragen. Der Kostenanschlag beläuft sich für die Kirche auf 153,000 Mk., für das Pastorat und die Vicarie zusammen auf 51,000 Mt = Ueckendorf, 22. Sept. Die Ehefrau Anna Scholl wurde gestern Nacht in ihrer Wohnung, Bochumerstraße 7, todt aufgefunden. Die Genannte war von den übrigen Hausbewohnern einige Tage nicht gesehen worden, weshalb unter Hinzuziehung der Polizei die Zimmerthüre aufgebrochen wurde. Der herbeigerufene Arzt hat festgestellt, daß der Tod in Folge Herzschlags eingetreten ist.— Auf der Echulstraße wurde gestern ein Kind von einem Rad fahrer überfahren. Der Fahrer machte sich eiligst aus dem Ettaube. Das Kind hat glücklicher Weise nur leichte Verletzungen erlitten. * Ueckendorf, 22. Sept. Die Stichwahlen für den Kirchenvorstand finden am 2. October und für die kirchliche Gemeindevertretung am 3. October, jedesmal von Vormittags 10 Uhr bis Abends 6 Uhr im Lokale des Herrn Husmann statt. Ueckendorf, 22. Sept. Der Handlanger Wilhelm Hecker aus Gelsenkirchen stürzte heute Morgen von einer Leiter herab. Bewußtlos wurde er nach Gelsenkirchen ins Krankenhaus gebracht. □ Ueckendorf, 22. Sept. Aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens veranstaltete gestern der Allgemeine Turnverein zu Düsseldorf für die Vereine der Deutschen Turnerschaft ein großes Volkswettturnen, bestehend aus einem Vierkampf in Stabhochspringen, Weitspringen Stemmen und Hürdenlaufen(eine Strecke von 100 Mtr mit 4 je 1 Mtr. hohen Hürden). Bei äußerst zahlreicher Be theiligung und starker Concurrenz errang der Turner Joseph Krämer vom Turnverein Ueckendorf mit 68 Punkten den zweiten Kranz. + Wattenscheid, 22. Sept. Die am Mittwoch in einem Klärbassin der Zeche„Centrum“ aufgefundene Leiche ist als diejenige des Bergmanns Hubbert von Eickel er mittelt worden. Mißliche Familienverhältnisse, zu welchen in der letzten Zeit der Tod der Frau und eines Kindes traten, scheinen den Mann in den Tod getrieben zu haben * Wanne, 22. Sept. Einem Knecht des hiesigen Fuhrunternehmers Jos. Adamski stieß am Samstan ein schweres Unglück zu, indem er unter einem beladenen Steinwagen gerieth und schwere Verletzungen am Oberschenkel und Arm erhielt. Der Bedauernswerthe wurde sofort ins hiesige Krankenhaus gebracht. * Erle, 22. Sept. Der Anstreicher Johann Sch. wurde wegen Bedrohung festgenommen.— Der hier, Kronprinzenstraße, wohnhafte Bergmann Johann P. wurde von dem Bergmann Heinrich K. in der Grube der Zeche„Hugo", Schacht I, mit einem Stock derart mißhandelt, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.— Wegen Mangel an Absatz wurde heute auf den beiden Schächten der Zeche Bismara geseiern.— Im Walde in der Nähe des Schlosses Berge wurden mehrere Flaschen, mit verschiedenen Sorten Branntwein gefüllt, durch Schulknaben entdeckt. Der Fund wurde der Polizei mitgetheilt, welche noch zehn Flaschen bezw. Krüge vorfand. In der Zwischenzeit hatten die Diebe es verstanden, noch einige Flaschen fortzuschaffen. Aus welchem Geschäft die Gegenstnäde gestohlen worden sind, ist noch nicht bekannt. Da Personen gesehen worden sind, welche die Kinder aus dem Walde treiben wollten, so dürften die Thäter sich der goldenen Freiheit nicht lange erfreuen. X Kray, 21. Sept. Heute prangte unsere Gemeinde im schönsten Festtagsgewande. Zum ersten Male feierte in unserer Pfarrkirche ein Sohn unserer Gemeinde, Herr Rademacher, seine Primiz. Derselbe wurde in Procession zur Kirche geleitet, woselbst ein feierliches Levitenamt stattfand. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Pfarrer richtete während der Predigt herzliche Worte an den jungen Priester, beglückwünschte denselben im Namen der ganzen Gemeinde, und führte ihm seine hohe Aufgabe, seine Pflichten und seine Bürde vor Augen. Auch der Angehörigen des Primizianten wurde liebend gedacht. Es war ein ergreifender Moment. als der junge Priester seinen Angehörigen die hl. Communion reichte. Mit Te Deum wurde die Feier geschlossen. Herr Rademacher wird noch einige Zeit im elterlichen Hause bleiben, und dann als Missionar nach dem schwarzen Erdtheil=iehen, um dort den Heiden das Evangelium zu verkünden. Möge ihm im Weinberge des Herrn eine reichgesegnete Thätigkeit beschieden sein! X Kray, 21. Sept. Samstag Nachmittag wurde hier der Bergmann St. unter dem Verdachte verhaftet, an seiner eigenen Tochter ein Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben.— Auf einer hiesigen Zeche haben am 15. d. Mts. ca. 60 Bergleute gekündigt, um auf anderen Zechen Arbeit anzunehmen. Kray, 21. Sept. In Folge Genusses von Schwabengift, das ein hiesiger junger Mann irrthümlich für Zucker hielt, erkrankte derselbe in besorgnißerregender Weise. Glücklicherweise gelang es, durch Anwendung von Gegenmitteln die größte Gefahr zu beseitigen. Witten, 19. Sept. Aufsehen erregten hier im vorigen Jahre Differenzen zwischen der Stadt Witten und dem Eisenbahnfiscus, welche wegen Legung neuer Wasserleitungsrohre auf der Wetterstraße entstanden waren. Die Stadt Witten wollte unter der Eisenbahnüberführung bei Timmerbeil neue Rohre legen, glaubte die Genehmigung des Eisenbahnfiscus nicht nöthig zu haben und ließ die Arbeiten beginnen. Die Eisenbahndirection zu Elberfeld war jedoch anderer Meinung und verneinte die Eigenthumsansprüche der Stadt Witten an der Wetterstraße und wies den Bahnmneister=Diätar Lueg an, darauf zu achten, daß die Rohrleitung nicht ausgeführt würde. Als die städtischen Arbeiter den Graben ausgeworfen hatten, ließ Lueg ihn von Bahnarbeitern wieder zuschütten. Der städtische Rohrmeister wandte sich an den Bürgermeister und dieser sandte die Polizeisergeanten Mieles und Altenheim ab, welche den Diätar auf das Unerlaubte seines Vorgehens aufmerksam machen sollten mit der Aufforderung, den Bahnarbeitern das Zuwerfen des Grabens nicht mehr zu befehlen, und, wenn diese der mehrmaligen polizeilichen Aufforderung, die Weiterarbeit der städtischen Arbeiter nicht zu stören, absolut nicht nachkommen wollten, die Bahnarbeiter zwangsweise von der Arbeitsstelle zu entfernen oder mit Gewalt an dem Zuwerfen des Grabens zu bindern. Nach Möglichkeit sei zu verhindern, daß Aus schreitungen oder thätlicher Widerstand seitens der Bahnarbeiter oder des Diätars Lueg erfolgten, im äußersten Falle seien Lueg, bezw. seine Arbeiter dem Bürgermeister vorzuführen. Lueg beachtete jedoch die Vorstellungen der Beamten nicht, sondern befahl den Bahnarbeitern, weiter zu arbeiten, und rohte denjenigen mit Entlassung, welche der Aufforderung des Polizeisergeanten Mieles folgen wollten. Den letzteren beleidigte L. noch durch Zurufe. Während nun die städtischen Arbeiter, es war am 14. Juli 1901, den Graben aufwarfen, warfen ihn die Bahnarbeiter wieder zu. Polizeisergeant Mieles forderte, um drohende Thätlichkeiten zwischen den Arbeiterparteien zu verhindern, den Diätar Lueg auf, ihm zum Bürgermeister zu folgen. L. widersetzte sich jedoch dieser Aufforderung und konnte erst dem Bürgermeister vorgeführt werden, als der Beamte mit Zwangsmaßregeln drohte. Bürgermeister Dr. Haarmann untersagte dem Diätar nun auf das Entschiedenste die Unterbrechung der städtischen Arbeiten und wandte sich beschwerdeführend an die vorgesetzte Behörde des L. Letztere Behörde bestritt jedoch die Ansprüche der Stadt und verklagte den Bürgermeister Dr. Haarmann und den Polizeiinspector Heidtmann wegen Freiheitsberaubung des Diätars. In allen Instanzen hat nun, laut„Rh.= Westf. Ztg.“, die Eisenbahnbebörde den Proceß verloren und auch das Reichsgericht enschied zu Gunsten des Bürgermeisters bezw. der Stadt Witten.— Polizeisergeant Mieles strengte gegen den Diätar Lueg Privatbeleidigungsklage an. nahm die Klage jedoch auf einen Wink wieder zurück, wofür Lueg die Kosten trug; es war bereits bis zur Schöffengerichtsverhandlung gekommen.— An der Ueberfahrt Crengeldanz ist in vergangener Nacht einMann. anscheinend Bergarbeiter, von einem Eisenbahnzuge überfahren und getödtet worden. büßt. Heute wird ihm zur Last gelegt, am 13. December vorigen Jahres seinen Freund Heller derart geschlagen zu haben, daß Letzterer bald darauf verstarb. In einem späteren Ermittelungsverfahren wegen dieser Körperverletzung wurde der Angeklagte anfänglich als Zeuge vernommen und soll unter Eid zwei andere Personen als Thäter bezeichnet haben. Die Verhandlung wird voraussichtlich erst in später Abendstunde ihr Ende erreichen. Vermischtes. Gerichtliches. s Gelsenkirchen, 22. Sept. Den Fahrkartenschwindeleien auf den Eisenbahnen tritt die stal. Staatsanwaltschaft jetzt dadurch energisch entgegen, daß sie in gegebenen Fällen ernstliche Freiheitsstrafen in Antrag bringt und verfolgt. Hier ein Beispiel: Ein Kellner aus Wanne war auf eine Fahrkarte vierter Klasse von Essen Nord nach Gelsenkirchen gefahren. Auf dem Bahnhof in Gelsenkirchen traf er eine Frauensperson, welche beabsich tigte, nach Wanne zu fahren. Er setzte sich zu ihr, ohne für die beregte Strecke eine Fahrkarte gelöst zu haben. Kurz vor Abgang des Zuges erschien ein Controleur und revidirte die Fahrkarten. Als er an den Kellner kam, hielt ihm dieser zunächst die Fahrkarte Essen=Gelsenkirchen hart vor das Gesicht, erklärte aber, als der Beamte angesichts der beab sichtigten Schwindelei Feststellungen traf, daß er eine Fahrkarte in Wanne nachlösen wollte. Inzwischen hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, sodaß der Beamte, der sonst nur die stehenden Züge revidirt, die Fahrt nach Wanne mit machen mußte. Hier wurden die Personalien des Kellners festgestellt und dieser veranlaßt, außer dem Fahrpreise auch die nach dem Betriebsreglement verwirkte Geldstrafe von 6 Mk. zu zahlen. Wegen Betrugs zur Anzeige gebracht, erkannte das Schöffengericht in Gelsenkirchen auf eine Gefängnißstrafe von 1 Woche, jedoch lediglich wegen Betrugsversuchs, da der Angeklagte von der Fahrt nach Wanne rechtzeitig hätte ausgeschlossen werden können. Gegen dieses Urtheil hatte der Amtsanwalt Berufung eingelegt, da ihm das Strafmaß zu gering erschien. In der daraufhin vor der zweiten Strafkammer des Essener Landgerichts stattegfundenen erneuten Verhandlung brachte der Staatsanwalt eine Gefängnißstrafe von 1 Monat in Antrag. Das Gericht erkannte indeß auf Verwerfung der Berufung, da das Strafmaß als angemessen betrachtet wurde. 1[ Essen, 22. Sept. Schwurgericht. Heute hatte sich der 26jähhrige Bergmann Franz Hester aus Schalke wegen Körperverletzung mit Todeserfolg, Bedrohung und Meineid zu verantworten. Der Angeklagte ist trotz seiner Jugend wie folgt vorbestraft: mit 14 Jahren erhielt er wegen Raubes 1 Jahr Gefängniß, dann wegen Diebstahls 4 Wochen und später noch einmal wegen desselben Delicts 14 Tage Gefängniß; ferner wegen Diebstahls und Raubes 2 Jahre 4 Monate Gefängniß, wegen Diebstahls 1 Jahr, wegen Diebstahls und Sachbeschädigung 8 Monate Gefüngniß und endlich wegen Diebstahls 2 Jahre 4 Monate Zuchthaus; die letzte Strafe hat Angeklagter im Jahre 1901 verDie Ansichtskarte in England. Aus London wird uns geschrieben: Die Ansichtspostkarte, über deren Verbreitung und hochgradige Beliebtheit, um keinen härteren Ausdruck zu gebrauchen, in Deutschland man sich hierorts gern amüsirte, hat sich in jüngster Zeit auch auf den britischen Inseln recht heimisch gemacht. Noch vor ein oder zwei Jahren fand man in englischen Papierwaaren= und Galanteriegeschäften. nur Karten ausgestellt, denen im vollen Maße das Prädicat „theuer und schlecht" zukam, während die Kunsthandlungen sich mit diesem Artikel überhaupt nicht befaßten. In den letzten Jahren ist hierin ein Umschwung eingetreten und englische Firmen haben sich endlich auch dieses Zweiges der trotz seiner Rentabilität so lange vernachlässigt wurde, angenommen. Einen ganz besonders starken Aufschwung hat die Postkartenindustrie während der Krönung genommen und die Käufer, welche die Millionen von Postkarten zum Versandt brauchten, entstammten durchaus nicht allein den Kreisen der zu den Festlichkeiten anwesende. Ausländer. Allerdings kam bei dieser Gelegenheit auch vieles auf den Markt, das dem Patriotismus des Zeichners ein besseres Zeugniß ausstellte, als seinen künstlerischen Fähigkeiten, aber im Allgemeinen muß man jedoch zugeben, daß der Fortschritt in den letzten Jahren ein ganz enormer genannt werden muß. Vor allen Dingen macht sich das Bestreben geltend, auf diesem Gebiete mehr„up to date" zu sein. Von der Krönung abgesehen, die ein für das englische Volk so wichtiges Ereigniß, daß sich fast jeder Geschäftszweig aus langer Hand darauf vorbereitete, trat dies bei anderen Gelegenheiten weit deutlicher hervor. So hatten zum Beispiel die drei Boerengeneräle, Botha, Dewet und Delarey kaum ihren Fuß auf britischen Boden gesetzt, als auch schon Postkarten mit ihrem Bildniß verkauft wurden. Auch der Schah von Persien ist diesem Schicksal diesmal nicht entgangen. Ganz besondere Vorbereitungen macht man nun in diesem Jahre für das Weihnachtsgeschäft. Hier in England beglückwünscht man sich zu Weihnachten gerade wie ir Deutschland zum Neuen Jahre und man erwartet in den Kreisen der auf diesem Geviete thätigen Geschäftsleute, daß die illustrirte Postkarte diesmal die gewöhnlichen Glückwunschkarten in der Gunst des Publikums schlagen wird. Eine englische Firma bringt einen Abdruck derjenigen Karte in den Handel, welche im vergangenen Jahre von der Königin Alexandra verschickt wurde. Das Bild stellt Johannes mit dem Lamm vor und ist wirklich mit künstlerischem Geschmack ausgeführt. (•) Eine chemische Ueberraschung. Man schreibt uns: Es pflegt in der ganzen Welt Aufsehen zu erregen, wenn ein Chemiker ein neues Element entdeckt. Nicht immer ist damit eine bedeutende That geschehen, und oft genug wird zudem hinterher von anderer Seite nachgewiesen oder wenigstens behauptet, der Stoff sei gar kein Element. Es hängt eben nur von den besonderen Umständen, von den Eigenschaften und der Verbreitung des entdeckten Stoffes ab, ob sein Fund für die Wissenschaft von großer Wichtigkeit ist. Als vor etwa 5 Jahren eine neue Aera in der Erforschung der Luft begann, und nacheinander vier Elemente in der schon seit 100 Jahren wieder und immer wieder analysirten Atmosphäre festgestellt wurden, die allen früheren Forschern entgangen waren, da ging freilich mit vollem Recht die Kunde davon wie ein Lauffeuer durch die Welt und wurde mit Staunen gehört und besprochen. Die Chemie kann uns aber auch in der entgegengesetzten Richtung Ueberraschungen beweiten, indem sie nämlich ermittelt, daß Stoffe, die bisher allgemein und seit jeher als Elemente betrachtet worden sind, nicht zu diesen gehören, sondern noch einer Zerlegung in andere Stoffe fähig sind. Solche Entdeckungen können von reichlich ebenso großer Tragweite sein wie die neuer Elemente. Das läßt sich an einem Beispiel zeigen. Vor etwa zwei Jahren überreichte der berühmte Astronom und Physiker Norman Lockyer der Londoner Royal Society eine ausführliche Abhandlung über„die heißesten Sterne" des Weltalls. Durch seine spectroskopischen Untersuchungen, in denen er unübertroffener Meister ist, hatte Lockyer wichtige Beschlüsse auf die Beschaffenheit der Sterne nach Zusammensetzung und Temparatur mitzutheilen. Gleichsam nebenbei, als eins unter vielen neuen Ergebnissen, äußerte er dort die sehr bestimmte Vermuthung, daß das Eisen kein Element wäre. Wenn es nun kein Element und kein Grundstoff sein sollte, so müßte es aus mindestens zwei anderen Stoffen bestehen und sich durch deren Vereinigung zusammensetzen lassen. Es müßte also wenigstens theoretisch die Möglichkeit bestehen, Eisen zu machen. Damit ist freilich nicht gesagt, daß das dem Menschen auf der Erde gelingen könnte, was die Natur auf einem Fixstern zuwege bringt. Wir sind eben nicht annähernd dazu im Stande, die Temperaturen, wie sie in den heißesten Gestirnen des Weltraumes herrschen, künstlich zu erzeugen. Außerdem könnte man sagen, daß es weniger bedeutsam wäre, wenn man Eisen, als wenn man Gold zu„machen" vermöchte. Trotzdem würde es die menschliche Wissenschaft in ihren Grundfesten erbeben machen, wenn eines Tages ein Chemiker beweisen würde: Eisen ist kein Element, sondern aus zwei anderen Stoffen, z. B. aus Kohlenstoff und Blei oder sonst irgendwelchen zusammengesetzt. Eine ähnlich verblüffende Behauptung hat jetzt Th. Groß in der„Elektrochemischen Zeitschrift“ aufgestellt mit Bezug auf einen Stoff, der noch weit gemeiner auf der Erde ist, als das Eisen, nämlich Kieselsäure. Der Name Kieselsäure oder Silicium klingt dem Unerfahrenen vielleicht gar nicht so gewöhnlich, aber zum Verständniß ist nur der Hinweis nöthig, daß alle Quarzcrystalle der Erdschichten, jeder Kiesel im Sand oder im Flußbett fast ausschließlich aus Kieselsäure besteht. Ferner sind die weitaus meisten Mineralien kieselsaure Verbindungen oder Silicate. Daraus erhellt sich sofort die ungeheure Verbreitung der Kieselsäure auf der Erde. Groß hat nun das Verhalten dieses Stoffs bei einer lang dauernden Einwirkung eines elektrischen Stromes geprüft und seiner Meinung nach festgestellt, daß in der sich ergebenden geschmolzenen Masse noch irgend ein zweites Element vorhanden sei. Er fand nämlich, daß bei dieser Behandlung die gewählte Menge von Kieselsäure an Gewicht verlor und daß der Rest aus einem Stoff von verschiedenen vhysikalischen und chemischen Eigenschaften bestand. Das muthmaßliche neue Element, das so aus der Kieselsäure abgeschieden wurde, ergab, für sich geschmolzen, eine braune Masse, die bei Behandlung mit Wasserstoff einen grauen Rückstand von metallischem Aussehen hinterließ. Die Kunde ist so überraschend, daß eine Bethätigung des Persuchs durch andere Forscher abgewartet werden muß, ehe ein Wort über die Tragweite der Entdeckung gesagt werden kann. Nur hindeuten darf man darauf, daß solche Entdeckungen dazu geeignet wären, die nie so recht gestorbene Alchemie wieder aufleben zu lassen. Denn was am Eisen oder der Kieselsäure geschehen ist, muß doch auch beim Golde möglich sein. Und dann wird man immer wieder auf die Ueberlegung hingeführt, daß die Annahme von einigen 80 verschiedenen Elementen, wie sie jetzt in der Wissenschaft geschieht und vorläufig geschehen muß, doch eigentlich ein Unding ist, da es doch wohl nur einen Grundstoff geben kann. an Hedtens Cacho s Leicht löslich Leicht verdaulich — Geb Borgman Kürschner Freitag. Bam. Gol Heuseler. Tyburski. Bam. Gol Carl Mül Schmied Jos. Bross Heir geb. Kaulf Stei 4 T. Aug 5 M. Eh Föcker, 2 9 M. Jol Gebu von Schlos Höwing.“ Sobolewsk Joh. Josw Bam. Step Johanna Bernb. Kin von Bam. Otto von 2 Rogalski. Richard Se von Bam. Auguste vor Heira Brinkmann, Sterb Krystafiak, Fredrich, 6 Hering, 1 9 Illiges, 3 T Dworczak, 1 Rat Zu de 8 Uhr, v# gung uns ladet all gebenst ei Der Beda von großer He für das unterz im Wege der E werden. Lieserungs 29. Zimmer Nr. 19 Die Angeb Kohlen mit m abzugeben. Au Gelsenkirche Die Wahl Steuerausschusse der Stadt Gels Montag, den: im Rathhause, 9 Stellvertretern klasse IV für die d. J., VormittWahlberecht Gewerbesteuer v Veranlagungsbez Wählbar sin! treffenden Steuer haben und sich in Von mehrere wählbar und zur und ähnliche Gese von dem geschäft auftragten aus, 1 führenden Vorstar Minderjährig durch Bevollmächt Niemand darf tragung des Stim Wird die Wal seitens einer Steueinmalig wiederhol Ausübung des Wa gesellschaft erschein oder weigern die 4 dem Steuerausschr treffende Steuerjah Im Uebrigen Anzahl der erschien Die wahlberech der Klassen III und setzten Wahltermine Auf Verlangen durch Vorzeigung i Gelsenkirchen, d Der Vorsi der Gewerbesteue Mittwoch, de sangend, werde ich Gelsenkirchen Folge Sopha, Vertice schrank, Bettstel Stühle, Spiege emaill. Taselhe schrank, Betist mehrere Tasche 2 Harmonikas maschine und 1 Wilh. NB. Der Verke Wo Eine 5 ist ganze oder späti Standesamts=Nachrichten. Pee Aedeuber!. Geburten. Sohn: Bam. Ferd Keß. Schreiner Fritz Borgmann Bam. Vietor Kalinski. Bgm. Joh. Szezyglowski. Kürschner Carl Scheffkes. Bgm. Aug. Bäthke. Bam. Friedr. Freitag. Schlosser Aug. Iwanczik. Bgm. Heinr. Heinlein. Bam. Gottl. Brosy. Bam. Eduard Großmann. Bam Wilh. Heuseler. Tochter: Maurer Christoph Tesch. Arbeiter Carl Tyburskl. Tagelöhner Aug. Grabusch. Bam. Anton Scholz. Bam. Gottlieb Olszewski. Bäcker Heinr. Kirchhoff. Bam. Carl Müller. Bam. Joh. Krajawski. Bgm. Gottlieb Kapsa. Schmied Samuel Paluk. Bam. Nicolaus Krämer. Bam. Jos. Brosch. Bam. Jacob Meier. Bgm. Mich. Kaminski. Heirathen. Bam. Peter Meiners mit Maria Schäfer geb. Kaulfuß. Bam. Carl Standhaft mit Caroline Dörr. Sterbefälle Wilh. Eversmeyer, 2 J. Jos. Bücker, 4 T. Auguste Kempka, 2 J. 4 M. Maria Semanczyk, 16 J. 5 M. Ehefrau Sophie Käse geb. Brune, 74 J. 7 M. Caroline Föcker, 2 M. Anna Molter, 1 J. 2 M. Joh. Kozlowski, 9 M. Johanna Eversmeier, 9 M. Franz Adrian, 3 M. Rotthausen. Geburten: Anna von Arbeiter Adam Dworak. Friedr. von Schlosser Wilh. Fuhrmeister. Heinr. von Bam. Heinr. Höwing. Emil von Bam. Joh. Rasch. Anna von Bam. Jul. Sobolewski. Ida von Bam. Friedr. Keipp. Joh. von Bam. Joh. Joswig. Theod. von Bam. Nkol. Sadler. Anna von Bam. Stephan Sobocinski. Ernst von Kaufm. Ernst Hartmann Johanna von Weichenst. Heinr. Illiges. Joh. von Bam. Bernb. Kiwitt. Wilh. von Bam. Wilh. Achterberg. Wilh von Bam. Joh. Badziong. Carl von Heizer Gustav Pietzner. Otto von Bam. Mathias Pliska. Anna von Bam. Gottlieb Rogalski. Anton von Schürer Mich. Bach. Lina von Kaufm. Richard Schröder. Rud. von Bam. Wilh. Radziong. Richard von Bam. Richard Derksen. Frieda von Bgm. Carl Zymelka. Auguste von Bam. Jakob Dragen. Heirathen: Schuhm. Heinrich Schöter und Bertha Brinkmann, b. kath. Sterbefälle: Franziska Sadler, 9 M. 9T. Stanisl. Krystafiak, 1 J. 2 M. Joh. Reite, 5 M. 19T. Margarethe Fredrich, 6 M. 6 T. Mathias Diepenseifen, 2 M. August Hering, 1 J. 1 M. Henriette Poell, 1 J. 6 M. Johanna Illiges, 3 T. Berginv. Joh. Termeer, 55 J. Stanislaus Dworzak, 1 9. 20 T. Freiwillige Bürger-Feuerwehr Rotthausen. Hiermit erfüllen wir die traurige Pflicht, unseren Mitgliedern anzuzeigen, daß unser Mitglied 21286 Herr Heinr. Kleinfeld heute Morgen im Alter von 25 Jahren verstorben ist. Der Verein wird demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Den Vorstand Ratholischer Gesellen-Verein Rotthausen. Zu der am Donnerstag, den 25. d. Mts., Morgens 8 Uhr, vom Krankenhause aus stattfindenden Beerdigung unseres Mitgliedes 21278 Heinrich Kleinfeld Mitglieder und Ehrenmitglieder erladet alle gebenst ein Der Vorstand. Bekanntmachung. Der Bedarf von etwa 200 Tonnen guten Kohlen von großer Heizkraft sowie von etwa 80 Tonnen Coaks für das unterzeichnete Amtsgericht und dessen Gefängniß soll im Wege der Submission an den Mindestfordernden verdunge werden. Lieserungsunternehmer wollen Angebote bis zum 29. September 190—, Vormittaas 10 Uhr, Zimmer Nr. 19 des Geschäftsgebäudes, abgeben. Die Angebote bezüglich der Kohlen sind auf la. melirte Kohlen mit mindestens 70% Stücken und auf Stückkohlen abzugeben. Auch sind die Bezugsquellen anzugeben. Gelsenkirchen, den 20. September 1902. Königliches Amtsgericht. Die Wahl von 7 Mitgliebern und 7 Stellvertretern des Steuerausschusses(Abgeordneten) der Gewerbesteuerklasse 111 der Stadt Gelsenkirchen für die Zeit 1903—1905 soll am Montag, den 29. September d. J., Vormittags 11 Uhr, im Rathhause, Zimmer 22, und die von 9 Mitgliedern und 9 Stellvertretern des Steuerausschusses der Gewerbesteuerklasse IV für die gleiche Zeit am Diustag, den 30. Sept. d. J., Vormittags 11 Uhr, in demselben Lokale stattfinden. Wahlberechtigt sind sämmtliche zur Zeit der Wahl zur Gewerbesteuer veranlagten hiesigen Gewerbetreibenden des Veranlagungsbezirks in ihrer Klasse. Wählbar sind nur solche mängliche Mitglieder der betreffenden Steuerklasse, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden Von mehreren Inhabern eines Geschäftes ist nur einer wählbar und zur Ausübung der Wahl berechtigt. Actien und ähnliche Gesellschaften üben die Wahlbefugniß durch einen von dem geschäftsfährenden Vorstand zu bezeichnenden Beauftragten aus, wählbar ist von den Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes nur eins. Minderjährige und Frauen können die Wahlbefugniß durch Bevollmächtigte ausüben, wählbar sind letztere nicht. Niemand darf mehr als eine Stimme abgeben, die Uebertragung des Stimmrechts ist unzulässig. Wird die Wahl der Abgeordneten und der Stellvertreter seitens einer Steuergesellschaft verweigert— d. h. sobald auf einmalig wiederholte Ladung im Termin weniger als 3 zur Ausübung des Wahlrechts berechtigte Mitglieder der Steuergesellschaft erscheinen— oder nicht ordnungsmäßig bewirkt oder weigern die Gewählten die Mitwirkung, so gehen die dem Steuerausschusse zustehenden Besugnisse für das betreffende Steuerjahr auf den Vorsitzenden über. Im Uebrigen geschieht die Wahl ohne Rücksicht auf die Anzahl der erschienenen Wahlberechtigten. Die wahlberechtigten Mitglieder der Steuergesellschaften der Klassen III und IV werden hierdurch zu den oben angesetzten Wahlterminen eingeladen. sven ung Auf Verlangen haben sich die zur Wahl Erscheinenden durch Vorzeigung ihrer Steuerzettel auszuweisen. Gelsenkirchen, den 17. September 1902 Der Vorsitzende des„Steuer=Ausschusses der Gewerbesteuerklassen III und IV des Stadtkreises: Machens. Mittwoch, den 24. Cept., Morgens ½10 Uhr ansangend, werde ich im Auftrage 42 Friedrichstraße 42 in Gelsenkirchen Folgendes zum Verkauf aussetzen: 21235 Sopha, Verticow, Commode, 2 Kleiderschränke, Pultmit Matratzen, Federbetten, Tische, Stühle, Spiegel, Bilder, Kasserbänke, Küchenbreiter, emaill. Taselherd mit Zubehör, Wanduhr, Brodschrank, Bettstellen, Regulirsüllosen, 2 Heizösen, mehrere Taschenuhren, 1 gold. Damenuhr, 2 Zithern, 2 germonikas, 1 Baudonium, 1 Schnelder=Nähmaschine und 1 gut erhalt. Fahrrad und noch mehreres. Wilh. Heidepeter, Auctionator. NB. Der Verkauf ist freiwillig und geschieht gegen Baar. Zwangs=Versteigerung. Diustag, den 23. d. Mis., Nachmittags 4 Uhr, werde ich in Wanne an Ort und Stelle, Versammlung beim Wirth Herrn Beters, Bahnhofstraße: 21280 3 Hobelbänke mit Werkzeugkasten, Sägen, Hobel, Decoupier=Säge, Burschen=Betten, Patent=Matratze, Parthie Holz und Bretter, 1 Parthie Stühle 2c. 2c. meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. Helfer, Gerichtsvollzieher, Celsenkirchen. Zwangs=Versteigerung. Am Mittwoch, 24. Sept. er. Vormittags 10 Uhr, werde ich in Röhlinghausen an Ort und Stelle: Schweine öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. 21279 Versammlung an der Wirthschaft Müser in Röhlinghausen, Heinrichstraße. Helfer, Gerichtsvollzieher, Gelsenkirchen. Bekanntmachung. Am Mittwoch, den 24. d. M., Vormittags 10 Uhr, werde ich an dem Abladestrange des Bahnhofs Gelsenkirchen auf Grund handelsgesetzlicher Bestimmungen für Rechnung dessen, den es angeht, Bekanntmachung. Die nach den Bestimmungen der Pferde=AushebungsVorschrift vom 1. Mai 1902 abzuhaltende Vormusterung über den Pferdebestand findet für den hiesigen Stadtkreis am Samstag, den 27. September 1902, Vormittags 8 Uhr, auf dem hiesigen Moltkeplatze statt. Es werden daher alle Pserdebesitzer aufgesordert, ihre sämmtlichen Pferde mit Ausnahme a) der Pferde unter 4 Jahren, b) der Hengste, ) d e r S t u t e n, d i e e n t w e d e r h o c h t r a g e n d s i n d o d e r i n n e r h a l! der letzten 14 Tage abgefohlt haben, d) der Pferde, welche auf beiden Augen blind sind, e) der Pferde, welche in Bergwerken dauernd unter Tag arbeiten, !) der Pferde, welche wegen Erkrankung nicht marschfähig sind oder wegen Ansteckungsgefahr den Stall nicht verlassen dürfen, g) der Pferde, welche bei der im vergangenen Jahre an hiesigen Otte abgehaltenen Musterung als dauernd kriegsunbrauchbar bezeichnet worden sind und h) der Pferde unter 1.50 Mtr. Bandmaß der Commission, welche die Aufnahme bewirkt. vorführen zu lassen. Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde sind ausgenommen: 1. die activen Officiere und Sanitätsofficiere bezüglich der von ihnen zum Dienstgebrauch gehaltenen Pferde. 2. Beamte im Reichs= oder Staatsdienste hinsichtlich der zun Dienstgebrauch, sowie Aerzte und Thierärzte hinsichtlich der zur Ausübung ihres Berufes an dem Tage de Musterung unbedingt nothwendigen eigenen Pferde. 3. die Posthalter hinsichtlich derjenigen Pferdezahl, welch von ihnen zur Beförderung der Posten contractmäßig gehalten werden muß. Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen P nicht rechtzeitig oder vollzählig vorführen, haben außer gesetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß auf ihre Kosten zwangsweise Herbeischaffung vorgenommen wird. Gelsenkirchen, den 1 September 1902. Königliches Landrathsamt(Stadt): Machens. Eine sehr schöne abgeschlossene 2. Etage mit Dampfheizung in sämmtlichen 6 Räumen, Mansardenzimmer und Kellerraum zu vermiethen. 17645 Essenerstraße 2. Lehrmädchen Pferdemusterung. Die nach den Bestimmungen der Pferde=Aushebungs Vorschrift vom 1. Mai 1902 abzuhaltende Vormusterung über den Pferdebestand findet für den Bezirk der Gemeinde leckendorf am Samstag, den 27. Sept. 1902, Nachm. 2 Uhr aus dem hiesigen Marktplatz in der Ottilienau statt. Alle Pserdebesitzer werden daher hiermit aufgefordert sämmtliche Pferde zur Musterung zu gestellen, mit Ausnahme a) der unter 4 Jahre alten Pferde, b) der Hengste, c) der Stuten, die entweder hochtragend sind oder innerhalb der letzten 14 Tage abgefohlt haben, d) der Vollblutstuten, die im„Allgemeinen deutschen# stütbuch“ oder den dazu gehörigen offiziellen— vo Unionelub geführten— Listen eingetragen und v einem Vollbluthengst laut Deckschein belegt sind, a Antrag des Besitzers, e) der Pferde, welche auf beiden Augen blind sind, 1) der Pserde, welche in Bergwerken dauernd unter Ta arbeiten, g) der Pserde, welche wegen Erkrankung nicht marschfäh sind oder wegen Ansteckungsgefahr den Stall nie verlassen dürfen, h) der Pferde, welche bei einer früheren, in der betresse den Ortschaft abgehaltenen Musterung als dauer: kriegsunbrauchbar bezeichnet worden sind, i) der Pierde unter 1,50 m Bandmaaß. Pserdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pfer nicht rechtzeitig oder vollzählig vorführen, haben außer d gesetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß auf ihre Kost zwangsweise Herbeischaffung vorgenommen wird. Ueckendorf, den 11. September 1902. Die Polizei=Verwaltung: von Wedelstaedt. 200 Ctr. gesunden Petersburger Hafer öffentlich meistbietend gegen Baar versteigern. 21295 Thomas, Gerichtsvollzieh., Gelsenkirchen. Ein kleines, propres 21053 Haus, Kampstraße, 8 Zimmer, ist zum 1. October oder später an cautionsfähige Leute zu vermiethen. 21053 Näheres Dickampstraße 12. Ein in einer kleinen Stadt Hannovers sehr günstigbelegene Wirtischaft (Restauration), mit schönem geräumigem Restaurationszimmer, großem Garten, schönen Garten=Anlagen und neuer verdeckter Kegelbahn, steht unter der Hand zu verkaufen: Capitalkräftige Reflectanten können sich melden unter A. B. 173 bei der Exp. d. Zig Eine flotgehende 21073 Groh- und Feinbäckerei zum 1. Nov. zu vermiethen. 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An der Bahnhofstraße in Bismarck wird ein 21229 Ladenlokal nebst anstoßendem Zimmer zu miethen gesucht. Offerten unter K. H. 100 an die Exp. d. Zig Großes Dachzimmer mit 2 graden Fenstern zum 1. Oct. zu vermiethen. 31289 Gelsenkirchen, Abstraße 16. Diejenigen Personen, welche im Jahre 1903 ein Gewerb im Umherziehen betreiben wollen, haben die erforderliche Wandergewerbescheine und zwar, falls sie bis zum 1. Janua k. Is. im Besitze derselben sein wollen, spätestens im October ds. Is. bei der Ortspolizei=Verwaltung ihrer Wohnorte zu beantragen. An derselben Stelle sind spätere Anträge au Eintragung von Begleitern, Ausdehnung der Erlaubniß au weitere Gegenstände und ähnliche Anträge anzubringen und zwar unter Angabe der Nummer des Wandergewerbescheins. Etwaige Reelamationen gegen die Höhe der Steuersätzsind den zuständigen Landräthen durch Vermittelung der Ortspolizel=Behörden bezw. den Polizei=Verwaltungen in der Stadtkreisen unter Angabe der Nummer des Wandergewerbescheins einzureichen. Diese Behörden werden, wenn die Re clamationsfrist(3 Monate nach Mittheilung des Steuersatzes gewahrt ist, unter Begutachtung der Reelamation diese un zur Entscheidung vorlegen. Arnsberg, den 5. September 1902. Königliche Regierung. Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten. gez.: Renvers. Vorstehende Bekanntmachung wird mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Anträge auf dem hiesigen Amtsbureau, Zimmer Nr. 3. entgegen genommen werden. Eickel, den 20. September 1902. Der Amtmann: Berkermann. Große Versteigerung. Am Mittwoch, den 24. und Freitag, den 26. d. M. Morgens 9½ Uhr ansangend, werde ich im freiwilligen Auftrage, wegen Geschäftsaufgabe, im Kaufhaus Scholten, Gelsenkirchen, Alter Markt 2, nachfolgende Sachen öffentlich meistbietend gegen Baar versteigern: 21248 ea. 50 bessere Herren= und Jünglings=Anzüge (Maaßarbeit), 50 Herrenhosen, 50 Herrenhemden, 50 Frauen= und Kinderhemden, 25 bessere AlpaccaUnterröcke, ca. 50 Psd. Wolle, 10 Dtd. Strümpfe 10 Dannen= und Federbetten, 1 Posten Bettsedern und Daunen, 40 Strohsäcke, 1 Posten Arbeiterkleider; ferner: 1 großen Posten Holzwaaren als Sesseln, Kossern, Wandschränke, Toilletekaßten Kleiderhaken, Tabak= und Nähkasten, Eckbretter, Paneele, Bürstenkasten, Spiegel u. s. w. Die Sachen sind neu und von Morgens 8 Uhr an zu besichtigen.— Der Verkauf dauert den ganzen Tag. Der Auctionator: I. Stoppelmann, Schalke, Wilhelmst. 36. Wohnungen. In Schalke, Carlstrasse, bei der Küppersbusch'schen Möbelfabrik sind Wohnungenvon 2 u. 3 Zimmern billig zu vermiethen. 20936 Näheres Baugeschäft F. 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Jeden Sonntag und Mittwoch: Grosse Concerte renommirter Militär- und Civil-Capellen. Herrlichster Aufenthalt im ganzen Industriebezirk.