Erstes Blatt. 21,000 Abonnenten. 38. Jahrgang. Gelsenkirchener Zeitung monatlich durch Boten zugestellt(einschl. Bringerlohn) 6o Pfg.,„ Anzeigenpreis für die Sgespaltene Petitzelle oder deren Raum 15 Pfg. (Ueckendorfer Zeitung.) Bezugspreis monatlich durch Boten zugestellt(einschl. Bringerlohn) 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich 1,80 Mk.(ausschl. Bestellgeld); Postzeitungsliste pro 1902 Nr. 2866. Erscheint täglich, außer an Sonn= und Festtagen. Geschäftsstelle: Gelsenkirchen, Ahstraße Nr. 29, geöffnet von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr AbendsFernsprech=Anschluß: Amt Gelsenkirchen Nr. 98. Notationsdruck und Verlag von Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. (Wattenscheider Volksfreund.) Anzeigenpreis für die 8 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reclamen 40 Pfg. die Zeile. Anzeigen, welche bis 5 Uhr Nachmittags eintreffen, finden in der Nummer des folgenden Tages ed Aufnahme, größere Anzeigen werden bis Mittags erbeten. Wöchentliche Beilage: Ilustrirte Honntags-Zeitung. Verantwortlicher Redacteur: I. V.: W. Scheifes in Gelsenkirchen. N. 187. Freitag, den 15. August F# Sin Aufsehen erregender Depeschenwechsel. Das Telegramm des Kaisers an den Prinzregenten von Bayern, in welchem derselbe seine tiefste „Entrüstung“ wegen„der Ablehnung der geforderten Summe für Kunstzwecke“ ausspricht, wird überall das größte Aufsehen erregen. Es dürfte seit dem Bestehen des Deutschen Reiches wohl das erste Mal sein, daß der Träger der höchsten Gewalt im Reiche in die Verhältnisse eines Bundesstaates eingreift. Wir wissen nicht, ob die Veröffentlichung dieser Telegramme von München oder von Berlin aus erfolgt ist. Jedenfalls haben die Beamten, welche für die Veröffentlichung verantwortlich sind, nicht klug gehandelt. Die Veröffentlichung wird aller Wahrcheinlichkeit nach zu einer Verschärfung der innerpolitischen Gegensätze und Schwierigkeiten führen, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen weder für Bayern noch für die Reichspolitik förderlich sein kann. Wir sprechen dabei nicht vom Parteistandpunkte aus. Das bayrische Centrum wird über die Wirkungen dieser Veröffentlichung sich am wenigsten zu beklagen haben. Wer sich auf die bayrische Volksseele versteht, wird nicht verkennen, daß durch diese Veröffentlichung das Ministerium Crailsheim bei der Mehrzahl der Bayern in den Verdacht kommen wird, in der innerstaatlichen Angelegenheit seines Conflictes mit der Mehrheit der eigenen Kammer sich auf Hülfe von Berlin zu stützen. Das kaiserliche Telegramm erinnert, wie eine Centrumscorrespondenz meldet, in dem ungedämpften Ausdrucke des ersten Gefühls an das bekannte„Entrüstungs"=Telegramm von 1895, nach der Ablehnung der Bismarckehrung durch den Reichstag. Dem neuen Präsidium, das unter der Fahne des Centrums stand. wurde von den Gegnern daraufhin ein schweres Leben in Ungnade und ein baldiges schlimmes Ende prophezeit. Das Centrum stellt aber noch heute den Präsidenten, und allerseits hat man sich mit den Folgen der Katastrophe von 1895 ausgesöhnt. In dem neuesten Telegramm spricht der Kaiser nur von der Ablehnung der Summe für den Ankauf von Kunstzwecken. Diese an sich nicht sehr erhebliche Budgetfrage kann aber nur im Zusammenhang mit dem Sturze des bayrischen Cultusministers in olge der Professoren=Demonstration beurtheilt werden. Selbstverständlich hat es dem Kaiser ferngelegen, sich in die innerpolitischen Krisen der Parteikämpfe eines Bundesstaates einzumischen, und gerade er, als der kraftvollste Vertreter des monarchischen Princips, wird am Wenigsten für eine Ministerstürzerei durch Beamte des eigenen Ressorts Sympathie haben. Die Veröffentlicher des kaiserlichen Telegramms hätten aber bedenken sollen, daß das Volk die Einschränkung oder Kundgebung" auf die bloße Kunstfrage nicht überall richtig beachten und deshalb leicht zu Mißverständnissen über die Ansichten und Absichten des Monarchen kommen kann. Wir dürfen uns aber bei der jetzigen Lage im Reich und in Bayern den Luxus 31 ° Lebenswege. Erzählung von Clara Wilhelmi. „Mama, hast Du Helenchen nicht mehr lieb?“ fragte die Kleine, während Thränen in ihren Augen schimmerten und sie die Händchen zu ihr emper hielt. Stürmisch zog sie ihr Töchterchen an das Herz— was konnte das Kind dafür, daß die Augen des Vaters die Mutter belogen und der Vater die Mutter so namenlos elend gemacht hatte? „Lieber Gott, nur diesen einen Trost lasse mir, erhalte mir mein Kind," betete sie leise.„Sollte dieses mir entrissen werden, oder ich mich von ihm trennen müssen, diesen Schlag würde ich nicht ertragen können, denn mein Kind, meine süße Helene, ist das Einzige, weshalb das Leben für mich noch Bedeutung hat.“ Unter den Liebkosungen der Mutter war das Kind eingeschlummert. Es schlummerte weiter, als die Mutter es entkleidete und in das Bettchen brachte. Es hatte ja keine Ahnung von den herben Schmerzen und bitteren Enttäuschungen der Welt; das einzige Glück und die höchste Freude empfindet es in der Liebe, der Zärtlichkeit der Mutter. Glücklich das Kind, welches in der Mutter-, der Elternliebe seine höchste Seligkeit findet, denn sobald es nach einer anderen Liebe verlangt, in einer anderen Liebe aufgeht, bleiben auch die Schmerzen und Enttäuschungen des Lebens nicht aus. Vielleicht waren es diese Gedanken, welche Käthchen beschäftigten, denn plötzlich sprang sie auf: „Getäuscht, betrogen!“ murmelte sie im Uebermaße des Schmerzes.„Alles nur Lüge, Trug und Heuchelei!“ Die Luft des Zimmers dünkte sie erstickend; sie trat an das Fenster und drückte die fieberheiße Wange an die feuchten kalten Scheiben. Mit glanzlosen Augen schaute sie zu dem flimmernden Sternenhimmel auf. Aber die Sterne gaben ihr keinen Trost, was kümmerte sie der Schmerz und das Elend eines Menschenherzens. Sie gaben ihr keine Antwort auf ihre verzweifelten Fragen, und wanderten stumm die glänzenden Bahnen, gleichgültig für das Loos der armen Sterblichen. Käthchen wandte sich ab und ihre Blicke fielen zufällig auf das Album, welches die Bilder Paul's und Hugo's enthielt und auf der Commode lag. Ein verächtliches Lächeln umschwebte ihre Lippen, als sie die ihr wohlbekannten Züge betrachtete. „Fort, hinweg mit diesen Andenken an meine Thorheit; der Gatte hat mich verlassen, der Freund von weiteren Mißverständnissen wirklich nicht gestatten. Wenn die liberalen Professoren an einer preußischen Universität sich eine solche Demonstration gegen den Cultusminister Sr. Majestät gestatteten, wie die Würzburger gegen den Cultusminister ihres Prinzregenten, so würden sie zweifellos sofort von der ganzen Schärfe der Disciplinargewalt getroffen worden sein. In Bayern haben sie leider den Sturz des von ihnen bekämpften Ministers zu erringen vermocht, und dieses Triumphgefühl wird schwerlich durch die nachträgliche, folgenlose Rüge erheblich gestört worden sein. In Bayern hatte sich der Cultusminister von Landmann den Haß der anmaßenden liberalen Minderheit durch sein Festhalten an der Confessionsschule zugezogen. In Preußen besteht unter dem Scepter des Kaisers und Königs die Confessionsschule. Es ist also unmöglich anzunehmen, daß der Kaiser für die Gegner Landmanns irgendwie eintreten wolle. Im bayrischen Reichsrath, wo doch nicht gerade die Brauseköpfe und die Parteiinteressen den Ausschlag geben, ist die Gefährdung der Staatsautorität durch das Zurückweichen vor den liberalen Demonstranten lebhaft beklagt worden. Und das ist die Hauptsache; die Abstriche im Budget, durch welche die brüskirte Mehrheit der Kammer ihr Mißtrauen gegen das Ministerium Crailsheim bekundete, sind nur eine Begleiterscheinung. Die Kammer der Reichsräthe war nicht für diese Abstriche, aber sie erkannte an, daß das Abgeordnetenhaus seine verfassungsmäßigen Rechte nicht überschritten habe. Man kann die Beschränkung des Kunstetats bedauern oder beklagen im Interesse der Kunst, aber eine Gefährdung wesentlicher Staatsinteressen ist darin nicht zu finden, und wenn die Kammer eine constitutionelle Befugniß gegen das verantwortliche Ministerium in Anwendung bringt, so ist das nicht als Vorgehen gegen die Krone zu deuten. Die Krone muß über dem Parteistreit bleiben. Auch dieser Grundsatz hätte die Herren, welche die Veröffentlichung der Telegramme zu verant. worten haben, vorsichtig machen sollen. Es liegt nahe, anzunehmen, daß der Kaiser wieder einmal schlecht berathen worden ist, sonst würde er so scharfe Ausdrücke, wie„Entrüstung" und„Undankbarkeit" kaum gebraucht haben. Selbstverständlich ist die„Kh.-Westf. Ztg." hocherfreut über den Depeschenwechsel, den sie als einen„kalten Wasserstrahl für die Ultramontanen nach der Aachener Kaiserfeier" betrachtet. Trotz der Freude über die „von höchster Stelle“ erfolgte„vernichtende Kritik“ der Bestrebungen der„cultur- und bildungsfeindlichen Ultramontanen“, kann das Blatt folgende Bemerk ungen nicht unterdrücken: „Anders aber ist die Frage, ob der Kaiser gut thut, dieser Entrüstung in dieser Form Ausdruck zu geben. Dem Kaiser stehen keine Rechte im bayerischen Landtag zu und es müßte verwundern, wenn der Kaiser anfinge, regelmäßig oder öfters Ablehnungen in nichtpreußischen Landtagen öffentlich einer scharfen ettir zu unterziehen. Der Kaiser ist eben nicht Bürger, sondern stets Kaiser." Die„Köln. Ztg.“ jubelt über den dem bayrischen Centrum zugefügten Schlag, ist aber im Uebrigetäuscht, ich will sie nicht wiedersehen, nicht mehr an sie erinnert werden. In meinem Herzen sind sie gestorben, ihre Bilder sollen mich nicht länger an die schmachvollste Zeit meines Lebens erinnern.“ Mit wilder Hast zog sie die Photographieen aus dem Album, zerriß sie in Stücke, öffnete das Fenster und gab sie den Winden preis. Ruhig und kalt sah sie die kleinen weißen Blättchen, vom Winde fortgetragen, verschwinden: ruhig schloß sie das Fenster, ruhig wie Jemand, der mit dem Leben abgeschlossen hat. Seit diesem Tage wagte die junge Frau nicht mehr auszugehen, weil sie fürchtete, Bergen zu begegnen. Sie arbeitete, stickte bei verschlossenen Thüren, um von unliebsamen Besuchen nicht wieder gestört zu werden. Die Hauswirthin trug für sie die vollendeten Arbeiten fort und brachte neue wieder mit. Käthchen mußte sich nun noch mehr einschränken, sich sogar Entbehrungen auferlegen, denn sie wollte un jeden Preis Hugo sobald wie möglich das Geld zurückerstatten. Diese Entbehrungen sowohl wie die angestrengte Arbeit und der Mangel an frischer Luft drohten Käthchens Gesundheit zu untergraben; sie mußte sich aber ihres Töchterchens wegen zu erhalten suchen. Deswegen wagte sie eines Mittags einen Gang in die Stadt, wobei sie ihr Töchterchen an der Hand mit sich führte. Sie hatte den Theil der Hauptstadt, in welchem sich früher ihre Wohnung befand, noch nicht wieder betreten, heute jedoch wurde sie mit dem wogenden Menschenstrome nach dem besseren Stadttheile hin fortgetrieben. Es waren nämlich auswärtige hohe Herrschaften bei dem Herrscherpaare der Residenz zu Besuch. Die bei dieser Gelegenheit veranstalteten Festlichkeiten, wie Illumination der Stadt, Fackelzug und dergleichen, führten eine große Menge Schaulustiger von Nah und Fern herbei. Käthchen mochte sich in dem Trubel der lauten, lachenden, fröhlichen Menge nicht wohl fühlen, sie trat mit der Kleinen den Heimweg an. Ein schön ausgebautes Ladenfenster fesselte des Kindes Aufmerksamkeit; Spielsachen aller Art und besonders die großen seingekleideten Puppen hielten Helenes Augen so gebannt, daß die Mutter eine Weile mit dem Kinde vor dem Fenster stehen blieb. „Liebe Mama, die Puppen haben alle ein Band am Halse, woran man sie aufgehängt hat, thut ihnen dies nicht weh? O, ich glaube, sie müssen daran sterben und sie sind doch so schön. Bitte, laß uns hineingehen und die Puppen vom Bande befreien, damit sie keine Schmerzen mehr haben.“ gen der Meinung, daß„Riese eigenartige kai serliche Kundgebung mit der Politik nichts zu thun“ habe,„sie ist dem Sinne wie der Form nach eine Aeußerung des Fürsten zum Fürsten, des Freundes zum Freunde". Die„Germania“ ist der Ansicht, daß die Worte „Entrüstung" und„Undankbarkeit" in Bayern wahrscheinlich vielfach Verstimmung hervorrufen würden. Sie schreibt: „Wie wir unsere Bayern kennen, wird die„schnöde Undankbarkeit“, welche der Kaiser der Mehrheit des bayerischen ardnetenhauses„mit tiefster Entrustung" vorwirft, im Bayernlande und Volke ein mächtiges Echo wecken. Es kann bei den vielfach in Süddeutschland, besonders in Bayern gegen Preußen herrschenden Gefühlen nicht ausbleiben, daß dabei wenig angenehme Worte gegen den Kaiser fallen. Und aus diesem Grunde bedauern wir sowohl mit Rücksicht auf den Träger der Kaisergewalt, als auch im Interesse des Reiches die scharfe Kritik Wilhelms II. Dann erinnert die„Germ.“ noch an das Wort vom „polnischen Uebermuth“, das der Kaiser jüngst in Marienburg gesprochen und worüber die Erregung noch in den polnischen Gemüthern fortzucke. Jetzt komme dazu noch der Vorwurf der„schnöden Undankbarkeit“ gegen die Mehrheit des bayrischen Abgeordnetenhauses, welche in Ausübung ihrer parlamentarischen Rechte 100,000 Mark für Kunstzwecke abgelehnt habe. Mit Recht meint das Blatt, daß dieselbe damit gewiß nicht beabsichtigte, den Prinzregenten persönlich zu verletzen. Die„Köln. Volksztg.“ äußert sich wie folgt: „Die Ausdrücke, welche der Kaiser in seinem Telegramm braucht, sind stark, sehr stark; auch viele derjenigen, welche die Ablehnung der Forderung der 100,000 Mark ganz und garnicht billigen, werden finden, daß die Ausdrücke zu stark sind. Man mag über den Abstrich der Kunstposition urtheilen wie man will. Undankbarkeit gegen das Haus Wittelsbach liegt dem Beschluß der zweiten Kammer sicher nicht zu Grunde. Gutwittelsbachisch sind die Ablehnenden zweifellos Alle, was man von Denen, welche zugestimmt haben, mit derselben Bestimmtheit nicht wird sagen können. Der Gegenstand, um den. es sich handelt, ist doch schließlich auch recht geringfügia. Minima non curat practor. Das Oberhaupt des Deutschen Reiches sollte unseres Erachtens wegen einer solchen Bagatelle nicht eine so feierliche Kundgebung erlassen. Zur Noth hätte ja auch Prinzregent Luitpold die 100,000 Mk. selbst aufwenden können, wenn er es für absolut nöthig hielt. Arm sind die Wittelsbacher ja nicht. Im vorliegenden Falle hatte bekanntlich inzwischen schon ein Mitglied der Reichsrathskammer die 100,000 Mark gespendet. Politisch wird, wie wir fürchten, die kaiserliche Kundgebung in Bayern ungünstig wirken. Der Abstrich der 100,000 Mark beruht auf einem Beschlusse, welchen die Mehrheit der bayerischen Kammer innerhalb ihrer Competenz gefaßt hat. Das kaiserliche Telegramm stellt eine Censurirung dieses Beschlusses dar, welche in Bayern zweifellos als eine Eiumischung in bayerische Landesangelegenheiten empfunden werden wird. Und nicht mit Unrecht. Insoweit wird nicht nur der weit über das Ziel hinausschießende bayerische Particularismus von der Richtung des„Vaterland“, sondern auch das berechtigte bayerische Selbstbewußtsein, wie es in der großen Mehrheit der Bevölkerung lebt, an der kaiserlichen Kundgebung Anstoß nehmen. Die Reichsfreudigkeit kommt dadurch zu Schaden, und das ist zu bedauern.“ Während die Mutter Helene erklärte, daß die Puppen nicht lebendig seien und deshalb auch keine Schmerzen fühlen, war ein Herr neben ihnen am Schaufenster stehen geblieben und hörte dem Gespräche zu. Käthchen, dies merkend, zog die Kleine mit sich fort, aber die Worte:„Guten Tag, Frau Werner, wie freut es mich, Sie zu treffen," ließ sie zu dem Herrn aufblicken. Ein leiser Schrei der Ueberraschung entfuhr ihren Lippen:„Herr Franke, Sie hier?!" Erröthend reichte sie dem Landsmann die Hand. „Ich glaube gern, daß Sie nicht erwarteten, mich in der Residenz zu sehen,“ sagte Franke,„ich habe meine einzige noch lebende Verwandte, eine Cousine meiner verstorbenen Mutter besucht, und da der Weg mich an der Residenz vorbeiführte, habe ch mich verleiten lassen, die Stadt bei Gelegenheit der Festlichkeiten mir auch einmal anzusehen. Wie preise ich das Glück, welches mich Sie finden ließt ich erkannte Ihre Stimme sofort, als Sie mit-Ihrem Töchterchen sprachen; in dieser großen Stadt würde ich Sie sonst schwerlich gefunden haben.“ Es ist ein angenehmes Gefühl, in der Fremde unverhofft ein bekanntes Gesicht aus der Heimath zu sehen; man fühlt sich zu der Person hingezogen, auch wenn man früher derselben selbst fern stand. Wie viel mehr aber, wenn wir unerwartet Jemand gegenüberstehen, mit dem wir verkehrten und Gedanken und Ansichten austauschten. Mit einem Schlage treten alle unsere früheren gemeinsamen Beziehungen uns vor die Seele, Erinnerung reiht sich an Erinnerung. So mochte es auch bei Käthchen sein. Bei dem Anblick ihres abgewiesenen Bewerbers erinnerte sie sich ihrer so glücklichen Jugendzeit, vielleicht auch tauchte der Gedanke auf, welches Leben sie an der Seite dieses Mannes habe führen können und wie sich ihr Leben mit dem von ihr Gewählten gestaltet hatte. Sie brach plötzlich in lautes Schluchzen aus. „Ich weiß, welche Schläge Sie getroffen haben,“ sagte er, ihre Hand drückend.„Aber kommen Sie, führen Sie mich zu Ihrer Wohnung und wenn Sie Vertrauen zu mir haben, dann schütten Sie Ihr Herz bei mir aus. Ich brauche Ihnen wohl nicht die Versicherung zu geben, daß ich Sie noch ebenso verehre und achte, wie früher, daß Sie meinem Herzen noch ebenso theuer sind.“ Wie sie nun zusammen die langen Straßen dahin wandelten, erzählte Franke von der Heimath, daß die alte Jungfer Christine gestorben sei, bevor man das Unglück Käthchens im Landstädtchen kannte. Auch sprach er von dem langen Leiden der Schwester, Die„Deutsche Tagesztg.“ bemerkt: „Die Depesche des Kaisers wird nicht verfehlen, starkes Aufsehen zu erregen und in den Kreisen des bayerischen Centrums tiefe Mißstimmung zu erzeugen. Sie lrägl das Gepräge impulsiver, rein persönlicher Mißstimmung so stark und deutlich, daß es fraglich erscheinen kann, ob ihre Veröffentlichung geboten und zweckmäßig gewesen sei. Wir haben keinen Beruf und keine Veranlassung, die kaiserlichen Worte einer besonderen Kritik zu unterziehen, oder die von ihnen Betroffenen zu vertheidigen, aber das darf wohl gesagt werden, daß die Absicht schnöden Undankes gegen das Haus Wittelsbach und den Prinzregenten persönlich bei der Ablehnung nicht obgewaltet hat; mindestens hat die Ablehnung auf uns und viele unbetheiligte Politiker diesen Eindruck nicht gemacht. Wir fürchten, daß die Preßerörterungen, welche der Veröffentlichung des Depeschenwechsels folgen dürften, wiederum beweisen werden, daß die Person des Monarchen möglichst fern von den kleinen politischen Tageskämpfen bleibe.“ Die„Voss. Ztg.“ schreibt: „Es ist begreiflich, daß der Kaiser die Ablehnung der Forderung für Kunstzwecke mißbilligt. Gleichwohl werden die Meinungen über die Zweckmäßigkeit seiner Kundgebung getheilt sein, zumal, da sie nicht die Gegenzeichnung eines Ministers trägt, der bei einer etwaigen Fortsetzung der Auseinandersetzungen die Antworten der angegriffenen Kreise auf seine Person ablenkt." Die„Frankf. Ztg.“ fürchtet von der kaiserlichen Kundgebung Schaden für die liberale Sache in Bayern. Das Telegramm des Kaisers, so sagt sie, gehöre zu jenen impulsiven Actionen, die, aus den besten und berechtigtsten Empfindungen hervorgegangen, doch der Sache zum Mindesten nicht förderlich sein würden. Es heißt dann weiter: „Gewiß hat der Kaiser nur den Gefühlen Ausdruck gegeben, die jeden feinfühlenden und kunstfreundlichen Mann angesichts des Verhaltens der bayerischen Centrumsmajorität beseelen. Doch gerade vom Kaiser durfte jener elementare Ausbruch der Empörung gegen die Majorität des bayerischen Landtags nicht kommen, sollte das Centrum nicht die erwünschte Gelegenheit erhalten, die von ihm schon in Anspruch genommenen particularistischen Instincte der bayerischen Bevölkerung für seine politischen Zwecke mit Erfolg aufzustacheln. Bislang fehlte es ihm dazu an greifbarem Anlaß, und seine Aufreizungen machten desbalb bisher geringen Eindruck. Jetzt ist die Waffe, die in wohlmeinendster Absicht vom Kaiser gegen das Centrum gerichtet wude, den skrupellosen Agitatoren vom Schlage der Heim und Schädler gegeben, und sie wird von ihnen weidlich ausgenutzt werden. Ohne Zweifel wird das kaiserliche Entrüstungstelegramm die Gewissen aller Gebildeten, auch der katholischen, zur Auflehnung gegen die Centrumspolitik der Wuth und der Bildungsfeindlichkeit aneifern, die große Masse der Centrumswählerschaft aber und vielleicht auch noch mancher anderer Bevölkerungstheile wird in der Empfindlichkeit über die Einmischung in die Einonlernn der Einge uich burch die nicht ungeschickte Tactik der bayerischen Regierung ins Schwanken gerathen waren, nunmehr sich, froh der ihnen gewordenen unfreiwilligen Unterstützung, wieder fest zusammenschließen werden zu erneutem Ansturm gegen das Ministerium Crailsheim. Diesem, obwohl daran ganz unschuldig, wird auch dieser Eingriff des Koisers in innerbayerische Verhältnisse aufs Conto gesetzt werden, und ### bei der bekannten Eifersucht der Bayern auf ihre Selbstständigkeit nicht ganz unwahrscheinlich, daß es den gutgemeinten Schritt des Kaisers zu büßen haben wird.“ von der allgemeinen Trauer über deren Tod, wie besonders die Armen und Kranken eine große Wohlthäterin an ihr verloren, und wie Martha sich bemühe, bei den jüngeren Geschwistern die Stelle der verstorbenen Mutter zu vertreten. „Und Hellmuth, wie ist es mit dem?“ fragte Käthchen, die ihre Thränen getrocknet.„Bei meinem letzten Besuche in der Heimath sprach man von seiner bevorstehenden Verlobung.“ „So ist es. Der alte Hellmuth hat seinem Sohne doch eine Frau gesucht; sie führen zusammen ein glückliches Familienleben.“ „Hat ein solches denn keinen Reiz für Sie, wollen Sie noch immer allein bleiben?“ „Ich habe nur einmal geliebt,“ sagte Herr Franke bestimmt. In Käthchens Wohnung angelangt, theilte sie ihm auf sein Befragen Alles mit, was zwischen ihr und Herrn von Bergen vorgefallen, wie er ihr kürzlich gefolgt sei, und was er ihr gedroht habe. Nachdem er sie ruhig angehört und darüber nachgedacht, fragte er:„Von Ihrem Gatten haben Sie noch keine Nachricht, kein Lebenszeichen erhalten?“ „Nein, noch keine," antwortete sie. Ich rathe dazu, die Residenz zu verlassen,“ meinte er.„Sie können nicht ohne Schutz allein hier bleiben, Käthchen. Dieser von Bergen ist ein zu gefährlicher Mensch. Ich begreife aber auch, daß Sie unter den jetzigen Verhältnissen nicht gern in die Heimath zurückkehren, daher will ich Ihnen einen anderen Vorschlag machen. Meine Tante hat bereits ein ziemlich hohes Alter erreicht, sie war nie verheirathet und lebt so zu sagen allein in ihrem Hause vor der Stadt N., einige Meilen von hier. Außer einer ebenfalls ziemlich betagten Magd, welche bei ihr wohnt, verkehrte bislang nur ein junges Mädchen aus einer ihr befreundeten Familie bei ihr. Dieses junge Mädchen hat sich in voriger Woche verheirathet und ist nach einem anderen Orte gezogen. Die alte Dame fühlt sich dadurch recht vereinsamt, denn besagtes junges Mädchen brachte täglich mehrere Stunden bei ihr zu. Auf meinen Rath will sie sich nach einer Gesellschafterin umsehen, und wenn Sie sich dazu entschließen könnten, diese Stelle zu bekleiden, dann wäre Ihnen Beiden geholfen. Sie werden an meiner Tante eine zweite Mutter finden, so gut, so menschenfreundlich ist sie“ (Fortsetzung folgt.) — * Die„Staatsbürgerztg.“ führt aus: „Das Telegramm des Kaisers an den Prinzregenten, das die Angelegenheit leider auf das persönliche Gebiet herüberleitet, obwohl es sich um eine Forderung des Staates handelte, bestärkt die Befurchtung, daß die Vorgänge dem Kaiser nicht ganz zutreffend vorgetragen worden sind. Wir hätten gewünscht, daß der Telegrammwechsel in dieser Form nicht erfolgt wäre.“ Selbst die liberalen„Neuesten Nachrichten“ geben ihrem Bedenken gegen die Einmischung des Kaisers offenen Ausdruck. Indem der Kaiser an dem Beschlusse der Kannnermehrheit so scharfe Kritik übe, stelle er seine Person in einer Weise, die schon öfter gerade im Interesse des monarchischen Princips als nicht ungefährlich bezeichnet werden mußte, mitten hinein in den Kampf der politischen Parteien. Es verbessere die Situation, daß die Summe schon aus Bayern zur Verfügung gestellt sei, sonst hätte der Prinzregent das Anerbieten des Kaisers ablehnen müssen. Die„Münchener Neuest.Nachr." besprechen ebenfalls den Depeschenwechsel und sagen, daß die Ab lehnung der von der Regierung geforderten 100,000 Mark zur Erwerbung von Kunstwerken weit über Bayerns Grenzen hinaus beachtet worden sei und auf das Schärfste commentirt wurde, daß sie vor Allem auch als ein directer Angriff auf Bayerns kunstfreund. lichen Regenten überall verstanden sei. „Das war,“ sagt das Blatt,„in den letzten Wochen unschwer festzustellen. Die überraschende, impulsive Aeußerung des Kaisers aber läßt jetzt erst den scharfen Eindruck erkennen, den das Verhalten des Centrums hervorrief. Es wird sich auch Denen, welche der Erregung, aus der heraus der Kaiser die Bitte an den Regenten richtete, von Herzen zustimmen, ein gewisses Bedenken dem kaiserlichen Telegramm gegenüber aufdrängen, in dem Kaiser Wilhelm II. an diesem Beschlusse der Kammermajorität eines Bundesstaates eine so scharfe Kritik übt, welche seine Person wieder mitten in den Kampf der politischen Parteien hineinzieht. Die particularistische Presse wird nicht verfehlen, dem Kaiser die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Bundesstaates vorzuwerfen und das Anerbieten, dem Oberhaupte Bayerns die der Regierung von der Kammermehrheit verweigerte Summe als persönliche Gabe zu überreichen, wird gleichfalls nicht unkritisirt bleiben. Sicherlich verbessere es die Situation, daß diese Summe schon aus Bayern selbst zur Verfügung gestellt sei.“ Die Nachricht von dem Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem Regenten wurde in der Nacht durch Extrablätter bekannt gegeben. In den Restaurants herrschte große Aufregung. Vielfach wurde behauptet, der Inhalt des kaiserlichen Telegramms müsse den Regenten verletzen. Nach der„Allgemeinen Ztg.“ sollen von einem Mitglied des Reichsraths 100,000 Mark für die gesorderte Position bereitgestellt worden sein. Der Spender ist zweifellos Graf Moy. Deutsches Reich. — Ein neuer Landbesitz für das Kaiserhaus. Das Interesse des Kaisers für die Provinz Westbreußen erhellt, wie die„Post“ berichtet, aus der Thatsache, daß der Monarch beabsichtigt, daselbst einen neuen Landbesitz zu erwerben. Es handelt sich, dem Vernehmen nach, um die Villa Litten, welche in Bad Kahlberg bei Elbing gelegen ist, wohin die Kaiserliche Familie von Cadinen aus wiederholt Ausflüge untemnommen hat. Die Villa= ist im Genre eines Jagsschlößchens erbaut und soll der Kaiserin und eihren Kindern zum Sommeraufenthalt dienen. Des ferneren wird berichtet, daß in dem Prinzwalde bei Tharden, unweit Liebemühl, ein Jagdrevier für den Kronprinzen eingerichtet werden wird. Der Landwirthschaftsminister v. Podbielski besichtigte dieser Tage in höherem Auftrage das fragliche Forstgelände. — Landwirthschaftsminister v. Podbielski, der jetzt seine Reise in Ost= und Westpreußen beendet hat, nach der Versicherung der„Elbinger Zeitung" wahren Horror vor Allem, was mit der wasserwirthschaftlichen Vorlage zusammenhängt, und soll jüngst, als man fragte, warum er das ihm angetragene Eisenbahnministerium nicht übernonnnen habe, geäußert haben:„Ick werde mir doch nich mit dem Lausecanal vor'm Bauch stoßen lassen.“ Die „Deutsche Tagesztg.“ meint, es sei schlechterdings unerfindlich, was für einen Zweck solcher Klatsch haben solle. — Der Abschluß der ersten Lesung der Zollvorlage in der Commission veranlaßt die gesammte Presse zu Rückblicken auf die bisherige Zollarbeit und Ausblicken in die Zukunft. Rechte Befriedigung herrscht weder rechts noch links. Ueber das weitere Schicksal der Vorlage wagt man meist nichts Bestimmtes zu sagen. Alles ist unsicher. Es überwiegt aber die dem Tarif weniger günstige Meinung. — Die Vorgänge bei der Entlassung des Oberleutnants Hildebrand, geben dem„Reichsboten" zu folgenden Bemerkungen Anlaß: Wo soll dies hinaus? Es ist gewiß noch das Geringste, daß dieses Gebahren einen höchst beklagenswerthen Mangelan Tactgefühl beweist, insofern als der Vater es von Hildebrand unter den bekannten erschütternden Umständen im Duell erschossenen Blaskowitz nur eine Meile weit von Gumbinnen seinen Wohnort hat und diese öffentlichen Ehrungen des Mannes, durch dessen Hand— wenn auch ohne bewußte Absicht— ihm sein Familienglück zer trümmert worden ist, als eine tief schmerzliche Kränkung empfinden muß. Es scheint uns jener Mangel in schreiendem Gegensatz zu stehen zu dem Zatrgefühl für Alles, was mit der Mannesehre zusammenhängt, das doch von den Duellfreunden in so hohem Maße für sich in Anspruch genommen wird. Schlimmer zweifellos ist, daß in Hildebrand selbst jede Regung des Gewissens, jedes Reuegefühl, jedes schmerzliche Bedauern über das Vorgefallene, wovon kurz nach dem Duell sehr viel die Rede war, durch den Rausch der ihm dargebrachten Ovationen völlig ertödtet werden muß Hat ihn doch jetzt das Duell zu einem gefeierten Helden gemacht, dessen Lorbeeren vielleicht von manchem jungen Kameraden wohl gar noch beneidet und für sich selbst erstrebt werden. Am bedauerlichsten aber ist sicherlich diese Glorification von Vergeben, die durch das Strafgesetz geahndet werden, in ihrer unausbleiblichen Wirkung auf das Denken der breiten Schichten unseres Volkes. Darf man sich bei solchem Beispiel der oberen Schichten noch entrüsten, wenn auch die niederen ihre bestraften Mitglieder etwa schon aus den Gefängnissen im Triumphe abholen? Wird nicht das zu Religion und Sitte zu erziehende niedere Volk dadurch zu der höchst unbequemen, im Grunde aber recht sehr bedrohlichen Empfindung verführt, als gehe es bei uns zu nach dem Grundsatze: quod licet Jovi, non licet bovi! Ausland. Zum Culturkampf in Frankreich. Ein Beschluß des Appellationsgerichtshofes in Lyon erklärt die Anlegung von Siegeln an die Schulen der Schwestern von Saint Charles für ungesetzlich, und verfügt die Abnahme der Siegel. Der Präfect erhob sofort, nachdem er von dem Beschlusse des Appellationsgerichtshofes, welcher die Anlegung von Siegeln an die Schulen der Schwestern in Saint Charles für ungesetzlich erklärt, Kenntniß erhalten hatte, den Einwand der Unzuständigkeit. Die Siegel verbleiben jetzt an der Stelle, bis der Competenzgerichtshof endgültig über die Angelegenheit entschieden haben wird. Während der Schlietzung der Schulen in Morlaix und Gouézec wurden der damit beauftragte Commissar und zwei Gendarmen von der die Schulen umgebenden Menge durch Steinwürfe verletzt. Die Schulen in Concarneau und Benzec wurden am Mittwoch Vormittag ohne Zwischenfälle geschlossen. Zu Gunsten der Schwestern fanden Kundgebungen statt. Von einem Wortwechsel zwischen dem Präsidenten Krüger und Lucas Meyer kurz vor des letzteren Tode, war in englischen Blättern die Rede. Um weitere unliebsame Gerüchte betreffs dieses angeblichen Zerwürfnisses zu ersticken, wird jetzt folgender Brief Krügers an die Wittwe bekannt gegeben: „Liebe Frau Meyer! Einige Zeitungen berichten, ich hätte mich Ihrem verstorbenen Gatten gegenüber geäußer! anläßlich gewisser von ihm angenommenen Einladungen während seines Aufenthaltes in England. Ich kann erklären, daß ich mit Ihrem Gatten mit keinem Wort über diese Angelegenheit sprach, und ich lege Werth darauf, dies jetzt zu sagen, weil es mir scheint, daß diese meine Versicherung Ihnen in den traurigen Umständen, worin Sie sich befinden, willkommen sein könnte.“ Außer diesem Brief schrieb der Präsident einen zweiten, längeren und durchaus herzlichen Beileidsbrief an die Wittwe. Sitzung der Handelskammer zu Bochum. + Bochum, 14. Aug. Aus der Plenarsitzung der Handelskammer vom 16. Juli ist Folgendes mitzutheilen: Anwesend waren die Herren: G. Frielinghaus(Vorsitzender), Commercienrath Th. Müllensiefen, Wilh. Seippel, Bergrath Behrens, Wather Bosch, G. Hilgenstock. A. Archenhold, W. Ecke, R. Hill. M. Schneider, R. Boer, M. Liebig und der Syndicus Dr. Wiebe. Tagesordnung: 1. Vorschlagswahl für einen Handelsrichter bei der 1. Kammer für Handelssachen in Essen. 2. Geschäftsbericht des Syndicus. 3. Bericht an den Herrn Minister für Handel und Gewerbe, betr. Ausgestaltung der vom Reichsamt des Innern herausgegebenen Zeitschrift „Nachrichten für Handel und Industrie". 4. Antrag auf Einführung eines früheren Packetannahmeschlusses beim Postamt in Bochum. Die Sitzung wird um 4½ Uhr durch den Vorsitzenden eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt der Vorsitzende im Namen des Collegiums dem Gefühle der Trauer Ausdruck über das vor Kurzem erfolgte Hinscheiden des langjährigen und beliebten Mitglieds, des Fabrikbesitzers Herrn Adolf Borbet in Schalle, welcher mehr als 13 Jahre der Kammer angehört hat und sich während dieser Zeit als ein kundiges Mitglied derselben erwiesen und ihr werthvolle Dienste geleistet habe. Die Versammlung erhebt sich zu Ehren des Verschiedenen. Alsdann spricht der Vorsitzende Herrn Th. Müllensiefen aus Anlaß seiner Ernennung zum Kgl. Commercienrath die herzlichsten Glückwünsche der Kammer aus. 1. Es wurde alsdann zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. Auf Erschuchen des Herrn LandgerichtsPräsidenten zu Essen wird die Wahl einer für das Amt eines Handelsrichters bei der Kammer für Handelssachen in Essen vorzuschlagenden Personen vorgenommen. 2. Hierauf wird über den Einspruch eines Steuerpflichtigen gegen die nachträgliche Heranziehung zu den Handelskammerbeiträgen für einen gesetzwidrig bei der Veranlagung übergangenen Theilbetrag verhandelt. Der Einspruch wird als unbegründet abgewiesen. 8. Der Geschäftsbericht des Syndicus über die Zeit seit der letzten Plenarversammlung wird entgegengenommen: 1. Mit Rücksicht darauf, daß in den letzten Jahren wiederholt in Waaren= und Geschäftshäusern große Brände vorgekommen sind, haben die Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern für Waaren= und Geschäftshäuser, die ganz oder theilweise zur Aufbewahrung einer größeren Menge brennender Stoffe bestimmt sind, in einer Verfügung vom 6. Mai 1901 besondere sicherheitspolizeiliche Maßnahmen angeordnet. In Verfolg hiervon und einer Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten sind im Bezirk die bestehenden Geschäftshäuser einer Revision unterzogen und den Inhabern bauliche Aenderungen auferlegt worden. Mit dieser Angelegenheit beschäftigt sich eine an die Stadt=Polizeiverwaltung zu Bochum gerichtete Eingabe des gewerblichen Ausschusses des Kaufmännischen Vereins daselbst, welche der Kammer mit der Bitte um Unterstützung zuging. Die Eingabe des Kaufmänischen Vereins hob hervor, daß die„Bestimmungen“ der Ministerialverfügung im Wesentlichen solche Anordnungen enthielten, welche für den Bau der großen Waarenhäuser in den Großstädten passend seien, daß aber von derartigen ausgesprochenen Waarenhäusern in Bochum nur wenige und auch diese nur in verhältnißmäßig geringerer Größe vorhanden seien, daß der Typus der hier bestehenden Geschäftshäuser vielmehr die Verbindung des Wohn= und Geschäftshauses sei und daß daher sich gerade hier die erschwerenden Bestimmungen besonders geltend machten. In der Plenarversammlung vom 14.Mai, in welcher über diese Angelegenheit berathen, wurde die Richtigkeit dieser Ausführungen anerkannt und beschlossen, das Vorgehen des Kaufmännischen Vereins zu unterstützen. Wir richteten daber unter dem 9. Juni Nr. 2117 eine entsprechende Eingabe an den Herrn RegierungsPräsidenten zu Arnsberg, in welcher wir ausführten, daß zwar die Feuergefährlichkeit der Waarenhäuser besondere Maßnahmen in sicherheitspolizeilicher Hinsicht nothwendig machten, daß aber die Ministerial=Verfügung vom 6. Mai 1901 u. E. insofern zu weit gehe, als sie: 1. die Geltung der Bestimmungen nicht nur auf die eigentlichen Waarenund Geschäftshäuser mit waarenhausähnlichem Charakter beschränke und 2. für die zur Zeit vorhandenen Waarenhäuser nicht hinreichende und genau feftgesetzte Milderungen zuließe. Gegenüber den Waarenhäusern und solchen großen Geschäftshäusern, die einen ausgesprochenen waarenhausähnlichen Charakter hätten, d. h. große Verkaufsräume besäßzen, welche einheitlich durch mehrere Stockwerke gingen, mögen die„Bestimmungen“ der Ministerial= verfügung angebracht und zweckmäßig sein, nicht aber gegenüber solchen Gebäuden, bei welchen, wie es in der Regierungsverfügung vom 29. Mai 1901 heißt, auch nur ein Geschoß von größerer Ausdehnung zur Aufbewahrung oder zum Verkauf leicht brennbarer Gegenstände einheitlich benutzt würde. Wenn auf diese Geschäftshäuser die„Bestimmungen“ ausgedehnt werden sollen, so würden nicht nur die größeren, sondern auch alle mittleren Detailgeschäfte der bezüglichen Branchen betroffen werden. Denn auch Geschäfte mittleren Umfanges können heute ihre Waaren in der Regel nicht in einem einzigen Geschoß unterbringen. Für diese Ge schäfte aber liege ein Bedürfniß nach verschärften sicherheitspolizeilichen Vorschriften ganz und gar nicht vor. Auch würde in anderen Bezirken die Geltung der Bestimmungen bei Weitem nicht so ausgedehnt, wie im Regierungsbezirk Arnsberg; als vevisionspflichtig würden vielmehr an anderen Orten nur die unter die Waarenhaussteuer fallenden Geschäfte angesehen. Weiter bemerken wir noch, daß eine zu weitgehende Auslegung der„Bestimmungen“ auch in der in Bochum erlassenen Polizeiverordnung vorhanden sein dürfte, welche auf Grund des§ 44 der Bestimmungen vorschreibe, daß„in undan allen Waaren= und Geschäftshäusern genau vorgeschriebene Hinweise auf den nächstgelegenen Feuermelder anzubringen sind" und daß diese Hinweise auch Inhaber zahlreicher Geschäfte mittleren Umfanges in und an ihren Häusern haben anbringen müssen. Ferner lege die Polizeiverwaltung in Bochum den§ 44 der Bestimmungen dahin aus, daß das Rauchen in den Verkaufs= und Ladenräumen auch dem Publikum verboten sein solle. In den Verkaufsräumen hätten Placate mit der Aufschrift:„Rauchen polizeilich verboten“ angebracht werden müssen. Vom Kaufmann könne doch unmöglich verlangt werden, daß er die mit einer brennenden Cigarre die Geschäftsräume betretenden Kunden veranlassen solle, dieselbe wegzulegen. Weiter brachten wir zum Ausdruck, daß wir überhaupt die Rechtsgültigkeit dieser Polizei=Verfügung anzweifelten. Wenn nun auch der Ministerialerlaß bei den bestehenden Anlagen Erleichterungen gestatte, so seien dieselben weder weitgehend noch präcis genug. Wo keine offenbare Feuersgefahr bestehe, seien die vorgeschriebenen baulichen Aenderungen mit ihren oft sehr großen Kosten und Betriebsstörungen eine unnöthige und ungerechtfertigte Härte, und in den Fäll.g, wo bauliche Aenderungen angezeigt seien, müßten für die Ausführung derselben längere Fristen gewährt werden. Wir baten daber zum Schluß: 1. die Verfügung vom 29. Mai 1901 dabin abzuändern, daß die Anordnung, wvonach die„Bestim mungen" der Ministerialverfügung vom 6. Mai 1901 auch schon auf diejenigen Gebäude Anwendung finden sollen, bei denen auch nur ein Geschoß von größerer Ausdehnung zur Aufbewahrung oder zum Verkauf brennbarer Stoffe diene, in Wegfall kimnme, L. darauf hinzuwirken, daß a) die Geltung der„Bestimmungen" ausdrücklich nur auf die eigentlichen Waarenhäuser und auf sonstige große Geschäftshäuser mit ausgesprochen waarenhausähnlichem Charakter eingeschränkt werde, d) daß bei bestehenden Anlagen von Waarenhäusern und waarenhausähnlichen Geschäfts häusern nur dort die baulichen Aenderungen gefordert werden, wo eine pffenbare Gefahr besteht, und daß für Ausführung der Aenderungen angemessene längere Fristen gewährt werden. 9. Der Centralverband deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender ist beim Minister für Handel und Gewerbe auf Wiedereinführung von 125 und 250 Grammgewichten vorstellig geworden, indem er zur Begründung anführte, daß das Publikum sich dieser tückelung nicht entwöhnen könne und häufig bei Wägungen dieser Art, die zur Zeit bei ersterer Gewichtsgröße nur durch Zusammensetzung dreier Gewichtsstücke erreicht werden können, übervortheilt würde. Vom Herrn Minister durch Erlaß vom 8. Mai er. zur Aeußerung ersucht, berichteten wir niach gehaltener Umfrage bei sämmtlichen kaufmänntschen Vereinen und einer größeren Anzahl Firmen des Bezirks, daß der Antrag des Centralverbandes deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender auf Einführung von 125 und 250 Grammgewichten in den kaufmännischen Kreisen unsexes Bezirks lebhafte Unterstützung gefunden hätte und daß in unserem Bezirk ein Bedürfniß nach Einführung der gewünschten Gewichtsstücke zweifellos bestehe. Wir könnten uns daher dem genannten Antrage nur anschließen. Von sechs angefragten kaufmännischen Vereinen habe sich nur einer gegen den Antrag ausgesprochen, und zwar aus dem im Erlaß erwähnten grundsätzlichen Bedenken, daß die beiden fraglichen Gewichtsstücke sich nicht in das Decimalsystem einfügen; auch die angefragten Einzelfirmen standen fast ausnahmslos auf dem Boden des Antrages des Centralverbandes deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender. Von keiner Seite wurde bestritten, daß das Publikum unverändert nach Pfunden, Halb= und Viertelpfunden rechne. Die Nothwendigkeit, bei dem Abwiegen von ½ und ¼ Pfund stets zwel bezw. drei Gewichtsstücke benützen zu müssen, wurde allgemein als sehr lästig empfunden.„Die Kaufleute helfen sich vielfach, indem sie die einzelnen Gewichtsstücke zusammenbänden, ein unseres Erachtens nicht ganz einwandsfreies Aushülfsmittel. Auch wurde; hervorgehoben, daß die kleinen 5 Grammgewichte bei starkem Geschäftsverkehr sehr häufig verloren gingen, und daß alsdann die Gefahr vorliege, daß der Geschäftsmann, da er nicht Zeit habe, das Gewichtsstück zu suchen, dasselbe einfach fehlen ließe und somit die Kunden übervortheile, wenn er nicht, was allerdings die Regel sei, das fehlende Gewichtsstück durch einen reichlich bemessenen sogenannten Durchschlag der Waage wieder ausgleiche. Die in dem Weglassen des 5 Grauumgewichts liegende Gefahr der Uebervortheilung der Kundeu müsse aber für größer erachtet werden, als diejenige, welche in Folge der schwierigen Unterscheidung der Gewichtsstücke von den nächststehenden Stückelungen des decimalen Systems entstehen könne. Um diese Gefahr auszuschließen, würde es vollkommen genügen, wenn den neuen Gewichtsstücken eine von den Stückelungen des decimalen Systems abweichende Form gegeben würde; etwa eine Form mit geringerem Kreisdurchmesser und dementsprechend größerer Höhe. Dem Bedenken, daß das Halbirungssystem mit dem Decimalsystem nicht vereinbar sei, könne ein entscheidendes Gewicht nicht beigelegt werden. Das Decimalsystem habe in rechnerischer Beziehung und auf dem Gebiet des Großverkehrs vor dem alten System seine bekannten großen Vorzüge, für die Bedürfnisse des Kleinverkehrs reiche dasselbe aber nicht aus und müsse mit dem Halbirungssystem, das man auch das natürliche System nennen könne, verknüpft werden. Die von verschiedenen Seiten gegen diese durch die Praris geforderte Inconsequenz vorgebrachten Bedenken hätten nur eine theorctische Bedeutung. 3. Der werr Minister der öffentlichen Arbeiten hat auf die erneute Eingabe betreffend den Bau einer Bahn von Münster nach Bochum dem Ausschuß für den Bau dieser Bahnlinie erwidert, daß die in der Eingabe enthaltenen Ausführungen ihm keine Veranlassung gegeben hätten, von der früheren Entscheidung abzugehen. 4. Die Frage der Besteuerung des Agiogewinnes der Actiengesellschaften, mit welcher wir uns in den Plenarversammlungen vom 12. März 1899 und 5. Juni 1901 beschäftigt hatten und bezüglich welcher wir in einer Eingabe an das Staatsmini sterium gebeten hatten, daß die Angelegenheit den vereinigten Steuersenaten des Oberverwaltungsgerichts zur Entscheidung vorgelegt würde, ist durch Spruch der vereinigten Steuersenate des Oberverwaltungsgerichts vom 21. Juni 1902 dahin entschieden, daß das Agio der Actiengesellschaften der Einkommensteuer nicht unterliege. 5. Der Herr Minister für Handel und Gewerbe ersuchte uns um Aeußerung über die beabsichtigte Vereinfachung des Verfahrens für die Vorschläge zur Ernennung von Handelsrichtern. Das Wesentlichste an der in Aussicht genommenen Aenderung ist, daß die Vorschläge nicht mehr für jeden einzelnen im Laufe des Geschäftsjahres eintretenden Fall der Ergänzung des Handelsrichterpersonals, sondern im Voraus für das ganze Geschäftsjahr zu machen sind. Dies ermöglicht die vielfach gewünschte Herabsetzung der Vorschläge auf die doppelte Zahl der zu Handelsrichtern und zu Stellvertretern zu ernennenden Personen, sowie bei Betheiligung mehrerer Handelsvertretungen eine leichte und geeignete Vertheilung der Vorschläge nach dem ungefähren Maßstabe der Bevölterung. Auch werden die vielfach zu Mißstimmungen Anlaß gebenden häufigen Rückfragen der Handelsvertretungen nach der Bereitwilligkeit zur Uebernahme einer bestimmten Handelsrichterstelle fortfallen und schließlich wird eine wesentliche Geschäftsvereinfachung eintreten. In Berücksichtigung aller dieser Umstände haben wir das in Aussicht genommene Verfahren zur Annahme empfohlen. 6. Von dem Vorstand der Berggewerkschaftskasse erhielten wir vor Kurzem davon Kenntniß, daß das Kaiserliche Patentamt zu Berlin beabsichtige, die bei der westfälischen Berggewerkschaftskasse bestehende Auslegestelle für Patentschriften einzuziehen. Bei der Bedeutung, welche die Angelegenheit für die hiesige Industrie hatte, ersuchten wir den Vorstand der Berggewerkschaftskasse, beim Kaiserlichen Patentamt auf die unveränderte Beibehaltung der Auslegestelle nachdrücklichst hinzuwirken und bemerkten, daß im hiesigen Bezirk ein Bedürfniß nach einer Auslegestelle sämmtlicher Patentschriften bestehe. Wenn die Benutzung sich bisher nur in geringeren Grenzen gehalten habe, so dürfe der Grund wohl haupt sächlich darin liegen, daß die Auslegestelle in den betheiligten Kreisen immer noch zu wenig bekannt sei. Um die Benutzung zu steigern, brachten wir in Vorschlag, durch periodisch wiederkehrende Bekanntmachungen die betheilig ten Kreise auf die Auslegestelle aufmerksam zu machen, und bemerkten, daß wir auch unsererseits gerne bereit seien, das Interesse der betheiligten Kreise zu beleben. Das Kaiserliche Patentamt hat daraufhin von der Aufhebung der Auslegestelle Abstand genommen in der sicheren Er wartung, daß entsprechende Maßnahmen in weitestem Um fange ergriffen würden. Im Anschluß hieran berichtet der Syndicus über die am 11. Juni in Utrecht abgehaltene Versammlung von holländischen und deutschen Handelskammern zwecks Berathung der Errichtung eines deutsch= niederländischen Postvereins. Es wurde daselbst folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die in Utrecht vertretenen Handelskammern zu Amsterdam, Arnheim, Groningen, Leenwarden, Assen, Utrecht,'s Gravenhage, Zwolle, Essen, Bochum, Dortmund, Dutsburg, Düsseldorf, Krefeld, Mülheim a. d. Ruhr, Osnabrück, Ruhrort, Wesel erachten den Abschluß eines Postvereins zwischen Holland und Deutschland nach dem Muster des deutsch=österreichischen Postvereins gemäß Artikel 21 des Weltpostvereinsvertrages als den wirthschaftlichen und commerciellen Interessen der beiden Nachbarländer in hohem Maße förderlich. Die anwesenden Vertreter der genannten Kammern geben daher dem Wunsche Ausdruck, daß die beiderseitigen Regierungen der baldigen Herbei führung eines solchen Uebereinkommens näher treten mögen, und werden bemüht sein, in Gemeinschaft mit den an dem Verkehr zwischen den beiden Ländern wesentlich betheiligten Kreisen das Zustandekommen eines solchen Uebereinkommens zu unterstützen. Als besonders wünschenswerth erachten die genannten Kammern für den wechselseitigen Verkehr die Herabsetzung des Portos für Postkarten, Briefe, vor Allem auch schwere Briefe, Drucksachen, Geschäftspapiere und Waarenproben auf die im inneren Verkehr geltenden Sätze. Ferner ist auch zwecks Herbeiführung regerer wechselseitiger Bezlehungen eine Verbllligung des Packera, Einschreibe= und Geldpostsendungs=, Telegramm= und Fernsprechverkehrs anzustreben.“ nächster Punkt steht auf der Tagesordnung der Bericht an den Herrn Minister für Handel und Gewerbe betr. die„Nachrichten für Handel und Industrie". Diese Nachrichten werden seit October 1899 im Reichsamt des Innern zusammengestellt und von diesem allen Interessenten kostenlos überlassen, sie können auch bei der Kammer eingesehen werden. Dieselben enthalten neben Darlegungen allgemeinen Inhalts, wie Uebersichten über die Gestaltung des Außenhandels und über die Gesammtlage der wirthschaftlichen Verhältnisse in ausländischen Staaten, und neben Verkehrsnachrichten und Mittheilungen über Zölle, Steuern, Gebühren u. A. m. auch Angaben, die für einzelne Gewerbezweige von Bedeutung sind. Es wird nun vom Reichsamt des Innern babsichtigt, in stärkerem Maße als bisher auch inländisches Material zu veröffentlichen, nämlich statistische Angaben über Erzeugnisse der Gütererzeugung und des Absatzes in einzelnen Gewerbezweigen und in bestimmten Zeiträumen, Mittheilungen über Gelegenheiten zum Absatz oder zur Anknüpfung geschäftlicher Verbindungen, Aufforderungen zu Lieferungen oder Verdingungen, Hinweise auf Ausstellungen und Musterlager, Aeußerungen über die Marktlage und über außergewöhnliche, sie beeinflussende Verhältnisse. Bevor jedoch in dieser Angelegenheit eine Entschließung gefaßt wird, sind die amtlichen Handelsvertretungen um Aeußerung aufgefordert worden, insbesondere darüber, 1. ob ein Interesse besteht, die„Nachrichten für Handel und Industrie" durch Einbeziehung von Mittheilungen über inländische Productionsabsatz= und Marktverhältnisse weiter auszubauen, und 2. welche Mittheilungen dieser Art aus dem sammerbezirk fortlaufend oder gelegentlich zur Verfügung gestellt werden könnten. Der Syndicus berichtet, daß über die Frage der Einbeziehung von inländischem Material und über die Hergabe von entsprechenden Mittheilungen eine Umfrage an etwa 70 Interessenten gerichtet worden sei. Die nicht in sehr großer Zahl hierauf eingegangenen Antworten hätten sich zum größten Theil ablehnend ausgesprochen, und zwar aus zwei Gründen: die betreffenden Firmen hätten überwiegend ertlärt, daß sie an der beabsichtigten Veröffentlichung kein Interesse hätten; durch ihre eigenen Organisationen, durch die wirthschaftlichen Vereine und Syndicate, ferner durch Fachzeitschriften seien sie über die inländischen Productions= und Absatzverhältnisse genügend unterrichtet, sie trügen aber auch Bedenken, mit Rücksicht auf die in= und ausländische Concurrenz ihrerseits Material zur Veröffentlichung herzugeben. Der Berichterstatter erwähnt dann den hiervon abweichenden Standpunkt einiger anderer Firmen, welche die beabsichtigte Erweiterung als wünschenswerth bezeichnet hätten, und schlägt, da nach seiner Meinung die Frage noch nicht genügend geklärt sei, vor, in dem an den Herrn Minister zu erstattenden Bericht eine abwartende Stellung einzunehmen. Die Kammer erkennt die Berechtigung der von den Firmen hinsichtlich der Concurrenz vorgebrachten Bedenken an und beschließt dem Antrage des Berichterstatters gemäß. 5. Die Ortsgruppe Bochum des Deutsch=nationalen Handlungsgehülfenverbandes zu Hamburg hat beim Kaiserlichen Postamt zu Bochum den Antrag auf früheren Packetannahmeschluß gestellt. Derselbe ist uns zur gutachtlichen Acußerung übersandt. Der Verband wünscht für gewöhnliche Packete einen früheren Annahmeschluß und zwar, wie bei verschiedenen Berliner Postämtern, schon um 6 Uhr Nachmittags, um auf diese Weise einen früheren Geschäftsschluß herbeizuführen; denn„dem späteren Schluß der Packetannahme ist es auch zuzuschreiben, daß die so segensreich wirkende ungetheilte Geschäftszeit hier keinen rechten Eingang zu finden vermag". Zur Begründung wird ausgeführt, daß die Maßnahme nicht nur von den Angestellten, sondern auch in weiteren Kreisen selbstständiger Kaufleute, namentlich der Textilbrauche, gewünscht würde. Zum Beweise wird auf einen Artikel des Fachblattes„Der Confectionär“ hingewiesen. Dr. Wiebe als Berichterstatter führt zunächst aus, daß gemäß der Postordnung die Oberpostdirectionen ermächtigt seien, den Packetannahmeschluß der für gewöhnlich auf 8 Uhr Abends festgesetzt sei, auf eine frühere Stunde zu verlegen; für die später zur Einlieferung kommenden Packete müßte dann eine Sondergebühr von 20 Pfg. errichtet werden. Die Mittheilung, daß bei drei Postämtern Berlins der Packetannahmeschluß um 6 Uhr eingeführt sei, sei richtig, es habe sich hierbei jedoch nur um eine aus dienstlichen Gründen bewirkte Maßnahme gehandelt, der keineswegs die principielle Bedeutung zukomme, welcher ihr der in der Eingabe angezogenen Artikel des„Coufectionärs" beilege. Selbstverständlich dürfe der Artikel auch nicht ohne Weiteres als ein ausreichender Beweis dafür herangezogen werden, daß der 6 Uhr=Schluß auch in weiteren Kreisen der Geschäftsinhaber gewünscht werde. Der Artikel nehme nur auf das Berliner Textilwaaren=Engrosgeschäft Bezug und es müsse dahingestellt bleiben, ob und inwieweit er die Stimmung des dortigen Engroshandels wiedergebe. Jedenfalls könnte die Frage, ob in Bochum der frühere Packetannahmeschluß eingeführt werden soll, nur vom Standpunkt der hiesigen Verhältnisse beantwortet werden. Die Kammer sprach sich dahin aus, daß letztere die Beibehaltung der bisherigen Schlußstunden für die Packetannahme erforderlich machten. Die Sitzung wird um 6 Uhr geschlossen. Drovinzielles. Aus dem Ruhrkohlengebiet, 14. Aug. Die Wurmkrankheit unter den Bergleuten tritt gegenwärtig wieder in verstärktem Umfange auf. Die Bergbehörde, wie auch der Allgemeine Knappschaftsverein widmen der Krankheit fortgesetzt Beachtung und ordnen gegen ihre Weiterverbreitung strenge sanitäre Maßnahmen an, da nur in solchen die wirksame Bekämpfung gefunden wird. Bei einer gestern vorgenommenen Untersuchung der Belegschaft auf Schacht„Arnold“ wurden 5 Fälle ermittelt, während auf dem Schachte II der Zeche„Hollern“ aber nicht weniger wie 17 Bergleute ermittelt wurden, die mit dieser Krankheit behaftet waren. Wegen der Ansteckungsgefahr werden die Kranken streng isolirt in Krankenhäusern untergebracht. Hagen, 12. Aug. Ueber den Neubau des Bahnhof s heißt es in dem Jahresbericht der Handelskammer u. A.:„Wir bezweifeln nicht, daß der Bahnhof nun dem großen Verkehr entsprechend geräumig angelegt wird, doch möchten wir bei dieser Gelegenheit einen Mißstand zur Sprache bringen, der bei den neueren Umbauten häufig vom reisenden Publikum beklagt wird. Dieser ist durch die Unterkührungen veranlaßt, welche ohne Zweifel im Interesse der Sicherheit sehr zu empfehlen sind; es wird jedoch hierdurch nothwendig, daß die Reiseuden viel zeitiger wie früher die schützenden Warteräume verlassen, und bei verhältnißmäßig kurzen Aufenthaltszeiten können diese von den Umsteigenden überhaupt nicht aufgesucht werden. Bekanntlich sind gerade in der kalten Jahreszeit die Wagenabtheile sehr häufig überhitzt, und wenn dann der Reisende gezwungen wird, längere Zeit in der kalten Zugluft zu stehen, so sind Erkrankungen oft nicht zu vermeiden. Derartige Mißstände empfinden die Reisenden der hiesigen Gegend z. B. auf dem Bahnhof in Elferfeld, wo bei der Fahrt von Köln oder Düsseldorf häufig Wagenwechsel stattfindet, ähnlich liegen die-Verhältnisse bei dem neuen Bahnhofe in Witten, wo für die Reise nach Bochum, Essen usw. fast bei jedem Zuge umgestiegen werden muß; frierend sieht man die Leute in der eisigen Zugluft warten, während jenseits der Schienen der nicht erreichbare Wartesaal winkt. In dem Zeitalter, in welchem für Lungenheilstätten Millionen ausgegeben werden, sollte unseres Erachtens auch auf den Bahnhöfen für die Erhaltung der Gesundheit der Passagiere Fürsorge getroffen werden. Wir hoffen, daß der Bahnhof in Hagen in dieser Beziehung ein Musterbau werden wird.“ Unna, 12. Aug. Auf gestern Vormittag waren die hiesigen Ladeninhaber zu einer Versammlung auf das Rathhaus eingeladen. Bei der zuständigen Behörde war nämlich ein Antrag des deutsch=nationalen HandlungsgehülfenVerbandes eingelaufen, der die Schließung der affenen Verkaufsstellen an Sonn= und Feiertagen um 12 Uhr Mittags bezweckte. Die versanmelten Geschäftsinhaber, zu einer Rückäußerung über den erwähnten Antrag aufgefordert, nehmen hierzu stimmig eine rundweg ablehnende Haltung ein. In der sich anschließenden freien Meinungsäußerung wurde die Frage der Errichtung einer Handelskammer für die Kreise Kamm und Soest berührt und beschlossen, zur Verwirklichung Hesen Blaues die ersten Schritte in die Wene zu leiten. Paderborn. 14. Aug. Heute Morgen spendete der hochuft. Herr Bischof Wilhelm folgenden 11 Dzakonen die hl. Priesterweihe: Franz Bitter, Faulebetter, Kr. Meschede; Theodor Böhner, Ehringhausen, Kr. Lippstadt; Hermann Brück, Bo chum; Otto Buch, Küllstadt(Eichsfeld); Theodor Dohle, Eickel; Anton Freiburg, Allendorf; Hermann Holthaus, Essel, Kr. Recklinghausen; Bernhard Kunz, Brenken, Kr. Büren; August Kaiser, Beverungen; Ferdinand Siepmann, Wattenscheid: Clemens Vel= a#schaft war ob des Besuches erfreut und hatte die Stadt tum, Iserlohn.— Außerdem wurden 29 Subdiakonenihr Festkleid in sehr schöner Weise angelegt. Die eigentzu bieten, um denselben in dem an Sehenswürdigkeiten so armen Herne den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. In zahlreichen Sitzungen wurden die Vorarbeiten einer gründlichen Berathung unterzogen, und als endlich der Tag heranrückte, an dem es galt, ca. 400 Collegen der rothen Erde, dazu viele Ehrengäste, u. A. auch den erst vor Kurzem neu gewählten Vorsitzenden des Deutschen Gastwirtheverbandes, Herrn Akt. Ringel=Berlin, zu begrüßen, da war Alles zum Empfange fertig, als gelte es, theuere Familienmitglieder, die man Jahr und Tag nicht gesehen, bei sich aufzunehmen. Aber nicht allein der Wirtheverein als solcher hatte Alles aufgeboten, den Fremden es so gastlich als möglich einzurichten, nein, die ganze Bürd zerdem wurden. noviakonen zu Diakonen geweiht. Münster, 18. Aug. Freifrau von Ketteler, die Wittwe des in China ermordeten deutschen Gesandten, traf dieser Tage mit dem Hamburger Dampfer„Columbia“ in New=York ein. Die schwer geprüfte Frau, eine Amerikanerin, die immer noch tiese Trauer trägt, ist zum dauern den Aufenthalt in das Elternhaus zurückgekehrt. s Essen, 14. Aug. Der langjährige Director des westfälischen Cokssyndicats, Ley, ist gestern im Alter von 47 Jahren, nach langer Krankheit, an den Folgen eines Herzschlages gestorben. Essen, 12. Aug. Prügel statt des begehrten Kusses erhielten zwei junge Leute, die bemerkt hatten, daß ein etwa 17jähriges Mädchen ein 50 Pfennigstück verloren hatte. Sie hatten das Gldstück aufgehoben, wollten es aber der Verlieverin nur unter der Bedingung zurückgeben, daß das Mädchen jedem der jungen Leute einen Kuß gebe. Das Mädchen weigerte sich, dieses Ansinnen zu erfüllen, lief fort und veranlaßte ihren Vater, hinauszugehen. Dieser kam dem Wunsche nach, nahm einem der Burschen den Spazierstock ab und ließ diesen dermaßen über die Köpsc uno Rücken der Verdutzten sausen, daß Beide blutige Striemen davontrugen. Remscheid, 14. Aug. Die Masern treten hier sehr stark auf. In einer Woche waren 119 Erkrankungen zu verzeichnen, während in genannter Zeit aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf 340 neue Erkrankungen an dieser ansteckenden Krankheit gemeldet wurden. Neuß, 14. Aug. In Folge des beträchtlichen Steuerausfalles beschloß die Stadtverordnetenversammlung die Einführung einer Umsatzsteuer von 1 pCt. bei dem Erwerb von Grundstücken. M.=Gladbach, 12. Aug. Die hiesige Gasfrage ist jetzt bekanntlich dahin entschieden, daß die Deutsche Continental=Gasgesellschaft in Dessan am 1. Jannar 1904 ihr gesammtes hiesiges Rohrnetz an die Stadt abtritt und ihr Concurrenzrecht aufgiebt. Die Stadt zahlt dafür 1,100,000 Mark baar und 15 Jahre lang jährlich eine Abgabe von 31,000 Mark. Naturgemäß interessirt es die hiesige Bürgerschaft sehr, wie sich nunmehr die Rentabilitätsberechnung für die städtische Gasanstalt, die in Bau begriffen ist, stellt. Bürgermeister Pieca hat den Stadtverordneten darüber mitgetheilt, daß die Dessauer Gesellschaft hier bei einem Consum von 3,600,000 Cubikmeter Gas jährlich nach ihrer Angabe beim Preise von 16 Pfg. etwa 3 Pfg. am Cubikmeter verdient. Einen ähnlichen Verdienst würde die Stadt haben, das wären also 108,000 Mark. Dann gehen aber in den ersten fünfzehn Jahren je 31,000 Mark Abgabe an die Dessauer Gesellschaft ab. Es bleiben mithin 77,000 Mark. Wenn nun noch die Reparaturen des alten Rohrnetzes und der alten Gasmesser berücksichtigt werden, so veranschlagt die Verwaltung den Reinüberschuß auf etwa 50,000 Mark jährlich. Schon diese Calculation beweist, daß der„Gaskrieg“ für die Stadt recht günstig beendet worden ist.— Zwischen der Stadtverwaltung und einem Theile der Stadtverordneten scheint eine Differenz darüber zu entstehen, auf welche Weise die erheblichen Kosten für die Errichtung der Kläranlage und der Canalisation der Stadt gedeckt werden sollen. Die Stadtverordneten stehen zum Theil auf dem Standpunkte, daß die Anlagekosten durch eine Anleihe gedeckt werden müssen und nur die Betriebskosten durch Gebühren, die die Industrieellen aufzubringen hätten, zu decken seien. Die Stadtverwaltung ist, der„Rh.=Westf. Ztg." zufolge, der Ansicht, daß die Anleihen der Stadt nicht unnöthiger Weise vermehrt werden sollen, und daß die Anlagekosten auf die Interessenten in zehn Jahresraten zu vertheilen seien. Als Interessenten sieht die Stadtverwaltung nicht nur die Fabrikbesitzer, sondern auch die Hausbesitzer an, die burch die Canalisation, in die auch die Fäcalien geleitet werden sollen, natungemäß manche Vortheile haben. Die Kostenüberschläge für die in Bau begriffene Anlage, die insgesammt mehrere Millionen Mark kosten wird, sollen in etwa drei Monaten fertiggestellt sein. Alsdann sind im Stadtverordnetencollegium heiße Kämpfe zu erwarten. Düsseldorf, 14. Aug. Die Kaiserin hat wegen einer leichten Fußverstauchung, die sie sich in Cadinen zugezogen hat, den Besuch der Düsseldorfer Ausstellung abgesagt und reist heute mit ihren Kindern von Cadinen mit dem Hofzuge nach Homburg v. d. H. Für die Anwesenheit des Kaisers in der Ausstellung am Freitag Vormittag ist vom Hofmarschallamt die nachstehende Rethenfolge der zu besuchenden Pavillons vorgesehen: Anfahrt Sr. Majestät am Portal des Hauptindustriepalastes um 9 Uhr 80 Min.; dann Gang des Kaisers durch den füdlichen Flügel der Hauptholle, Pavillon des Bergbaulichen Vereins, Gasmotorenfabrik Deutz und Gutehoffnungshütte, Maschinenhalle, Rheinische MetallwaarenFabrik(Ehrhardt), Lochumer Verein, Kunstpalast, Vanorama, Krupphalle, Hörder Verein, Letanverein. Um 12 Uhr 45 Minuten erfolgt die Abfahrt nach Coblenz. s8 Niederdollendorf, 14. Aug. Ein Vater fuhr zwei Kinder in einem Kinderwagen auf einer Krippe des Rheins. Der Wagen schlug um und die Kinder fielen in den Strom. Der Vater ertrank bei den Rettungsversuchen, ebenso kam ein Kind in den Fluthen um, während das andere gerettet wurde. Coblenz, 13. Aug. Bei dem benachbarten Güls stürzte auf einem steilen Straßenabfall der Oberkriegsgerichtssecretär Wiese aus Münster mit dem Rade, erlitt einen Schädelbruch und starb alsbald. Trier, 13. Aug. Am Neuthor ist man, wie die„Trierer Ztg.“ berichtet, in einer Tiefe von kaum einem halben Meter auf mächtiges romisches Mauerwerk gestoßen, das nach dem Urtheil von Kennern aus dem dritten Jahrhundert stammen soll. Das aus Ziegeln und rothem Sandstein hergestellte Mauerwerk ist so fest, daß die Canal= arbeiter sast keinen Rath wissen, wie sie den sieben Meter tiefen Canalschacht fertig bringen sollen. Am Samstag wurde mit Brecheisen und Hammer gearbeitet. Oft bedurfte es zwanzig bis dreißig Schläge des schweren Hammers, bevor ein tellergroßes Stück losgesprengt werden konnte. Das Mauerwerk ähnelt demjenigen des Kaiserpalastes. Man fand am Samstag zwischen Neuthor und Saarstraße mehrere Gewölbe, darunter einen canalartigen Gang, der, vom Kaiserpalast kommend, nach der Mosel zu führt. Rüdesheim, 13. Aug. Eine gefährliche Betriebsstörung kam gestern Nachmittag an der Zahnradbahn nach dem Niederwalddenkmal vor. Als ein Zug mit zwei Wagen und der Locomotive abwärts fuhr, sprang plötzlich an einer sehr steilen Stelle die Platte des Verschlußventils mit einem sehr starken Knalle los, sodaß der Dampf, der die Gewalt, mit der die Züge abwärts fahren. zu hemmen hat, zischend entwich und der Zug mit rasender Schnelligkeit einige Hundert Meter vorwärts schoß. Nur der Geistesgegenwart des Locomotivführers ist es zu verdanken, daß der Zug nicht mit sämmtlichen Fahrgästen verunglückte. Es gelang dem Führer mit Aufwendung seiner ganzen Kraft, an der einzigen geeigneten Stelle, einer Kreuzung, von wo hernach kein Halten mehr gewesen wäre, den Zug zum Stehen zu bringen. Ein Holländer sprang aus dem Zuge und erlitt solche Verletzungen, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Fahrgäste erklärten, sie würden ihr Fahrgeld, das sie zurückverlangen konnten, dem Führer zur Verfügung stellen. * Die Uestfälische Zone des deutschen Gastwirthe-Verbandes faßte bei Gelegenheit des letzten in Arnsberg stattgefundenen Delegirtentages den Beschluß, den Herbstzonentag in der jungen Stadt Herne abzuhalten. Die Mitglieder des Herner Wirthevereins waren natürlich ob dieser Ehrung nicht wenig stolz und gaben sich unter der Leitung ihres rührigen Vorsitzenden, Herrn Jean Vogel, nicht wenig Mühe, den auswärtigen Gästen zu Ehren alles Mögliche ihr Festkleid in sehr schöner Weise angelegt. Die eigentlichen Verhandlungen des Delegirtentages fanden im überaus sinnig decorirten Saale des Herrn Heinr. Berke statt, wo gegen ½ 11 Uhr auch der letzte Platz besetzt war. Eröffnet wurden die Verhandlungen vom Vorsitzenden der Westfälischen Zone, Herrn Franz Dervenich=Hagen, welcher zunächst dem Vorsitzenden des Herner Wirthevereins das Wort zur Begrüßung der Gäste ertheilte. Herr Jean Vogel entledigte sich denn auch in seiner bekannten Redegewandtheit seiner Aufgabe aufs Beste. Er begrüßte den Vorsitzenden des Gastwirtheverbandes, Herrn Ringel=Berlin, desgleichen den Zonenvorsitzenden, Herrn DervenichHagen, den Herrn Bürgermeister Dr. Büren als Vertreter der Stadt Herne, die erschienenen Stadtverordneten, den Herrn Amtmann Dr. la.Noche, sowie den guten alten Freund und Vorsitzenden der rheinischen Zone, Herrn BovensiepenEssen, ferner alle erschienenen Collegen von Nah und Fern, die zu ernster Arbeit herbeigeeilt seien. Wenn auch Herne ihnen nicht viel an landschaftlichen Reizen zu bieten in der Lage sei, so schlüge ihnen doch bei den Männern, die in harter Arbeit hier ihr Brod verdienen, ein warmes Herz und treue Collegialität entgegen, und so hoffe er, daß Alle mit dem wenig Gebotenen zufrieden gestellt würden. Herr Dervenich=Hagen dankte zunächst dem Vorredner für die warmen Begrüßungsworte und den wirklich großartigen und glänzenden Empfang, den die Herner Collegen ihnen bereitet, auch dem Vorsitzenden des Deurschen Gastwirtbeverbandes, Herrn Ringel, stattete er den Dank ab für die weite und aufreibende Reise, welche er von Berlin gemacht, um einige Stunden zwischen den westfälischen Collegen weilen zu können. Redner lenkte sodann den Blick auf Se. Majestät den Kaiser, unter dessem Schutz sich auch der Gastwirthestand befände und brachte diesem ein begeistert aufgenommenes Hoch! dar. Auch Herr Bürgermeister Dr. Büren richtete von Herzen kommende Willkommensworte an die Anwesenden, während Herr Vogel noch ein Schriftstück des Herrn Ersten Bürgermeisters Schaefer verlas, in welchem dieser bedauert, wegen angetretener Urlaubsreise nicht unter den Gästen weilen zu können. Er versichere sie aber seiner vollen Sympathieen und wünsche den Verhandlungen den besten Erfolg. Lebhafter Beifall folgte der Rede des Herrn Bürgermeisters Dr. Büren wie auch dem Schlusse der Verlesung des Briefes. Eine ganz besondere Ehrung wurde hierauf dem Zonenvorsitzenden Herrn Dervenich=Hagen durch Herrn Ringel=Berlin zu Theil. Letzterer hob unter anerkennenden Worten die große, segensreiche Wirksamkeit der Westfälischen Zone, besonders in Bezug auf ihre sociale Thätigkeit wie ihre Wohlfahrtseinrichtungen, hervor und betonte, daß der Seele der Zone, der umsichtigen und thatkräftigen Leitung ihres Vorsitzenden, der Löwenantheil an dieser ersprießlichen Arbeit und das Verdienst gebühre. Aus diesem Grunde sei er heute in der Lage, demselben das höchste Ehrenzeichen des Verbandes zu überreichen. Unter lebhaftem Beifall aller Anwesenden heftete Herr Ringel dem mit dem goldenen Abzeichen Bedachten dieses hierauf an die Brust. In schlichten Worten dankte Herr Dervenich für diese hohe Ehre und gab das Versprechen, auch fernerhin in gleicher Weise seine Dienste dem Verbande zu widmen. Nachdem auch noch Herr Amtmann Dr. la Roche sich in sehr anerkennenden Worten über die Bedeutung des Wirthestandes für Cömmune und Gesellschaft ausgesprochen, konnte man in die Verhandlungen eintreten. Die Feststellung der Präsenzliste ergab, daß 69 Vereine mit 101 Delegirten vertreten waren. Die Zone umfaßt im Ganzen 76 Vereine mit ca. 4000 Mitgliedern; es fehlten also nur 7 Vereine, deren Vertreter zum Theil aber auch noch später erschienen. Auf die Verlesung des Protocolls aus der letzten Zonenversammlung verzichtete die Versammlung. Seitens des Kassirers, Herrn L. Pfeiffer, wurde sodann der Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr sowie über den Stand der Sterbe= und Zonenkasse erstattet. Die Sterbekasse weist im verflossenen Jahre an Einnahmen (einschließlich Bestand) 83,230.10 Mk., an Ausgaben 76,825 Mk. nach; an Bestand sind 6405.10 Mk. verblieben. Es sind 39 Sterbefälle von Mitgliedern zu verzeichnen; im Gapzen wurden 61,606 Mk. Sterbegeld ausbezahlt. Die Mitgliederzahl der Sterbekasse war im verflossenen Jahre zwischen 1587 und 1600, und da die Sterbegelder pro Mitglied 1 Mk. betragen, sind in einzelnen Sterbefällen Beträge bis zu 1600 Mk. ausgezahlt worden. Die Zonenkasse schließt mit einem Bestande von 3349,27 Mk. ab. Derselben gehörten am Jahresschlusse rund 1600 Mitglieder an. Die Rechnungsrevisoren haben an der Kassenführung nichts auszusetzen gefunden, sie beantragten, dem Kassirer Entlastung zu ertheilen, was einstimmig geschah. Hierauf referirte Herr Hasenbring=Dortmund über einen Antrag des Zonenvorstandes auf Bewilligung von 300 Mk. aus der Zonenkasse für unschuldig in Noth gerathene Collegen. Zu diesem Antrage stand ein fernerer Antrag des Wirthevereins in Bochum auf Errichtung einer Unterstützungskasse innerhalb der Zone. Herr Hasenbring führte aus, daß die Errichtung einer Unterstützungskasse innerhalb der Zone nicht angängig sei, zumal der Verband nach Prüfung der einlaufenden Gesuche Unterstützungen gewähre. Auf dem kürzlich stattgefundenen Delegirtentage in Gera seien dem Verbande zu dem angegebenen Zweck von der Westfälischen Zone 300 Mk. über geben worden und seien der Unterstützungskasse seit einem halben Jahre 55,000 Mk. zugeführt worden. Für die übergebenen 300 Mk. erbat Herr Hasenbring nachträgliche Genehmigung, die ertheilt wurde. Der Verein Bochum zog sodann seinen Antrag zurück. Eine längere Erörterung erforderte der Antrag auf Abänderung der Statuten der Sterbekasse. Der§ 12 soll eine Fassung dahin erhalten, daß von einem von der Versammlung noch näher zu bestimmenden Termine an alle neu beitretenden Mitglieder der Kasse in Sterbefällen nicht mehr die volle Summe gleich ausbe zahlt wrden soll, sondern für die ersten zwei Jahre der Mitgliedschaft ein Drittel, vom vollendeten zweiten Jahre bis zum vollendeten fünften Jahre zwei Drittel und von da ab die volle im Statut vorgesehene Summe; dagegen sollen alle neu beitretenden Mitglieder bis zum 45. Lebensjahre von allen Nachzahlungen entbunden sein. Der Zonenvorsitzende, Herr Dervenich, begründete den Antrag und hielt denselben für durchaus angebracht. Der Kasse würden, da sodann nicht mehr so hohe Beiträge gezahlt zu werden brauchten, viele neue und jüngere Mitglieder beitreten. Auch soll, wenn der Antrag angenommen werde, es jedem Mitgliede freistehen, auch seine Frau unter denselben Bedingungen aufnehmen zu lassen. Verschiedene Vereinsmitglieder erkannten die Aenderung als eine segensreiche Einrichtung für die Sterbekasse an, einige versuchten dahin zu wirken, daß die Frauen der Begründer der Sterbekasse, ohne Rücksicht auf deren Alter, unter denselben Voraussetzungen, wie bei der Aenderung vorgesehen, aufgenommen werden sollten. Dieses war aber nicht angängig, zumal das Bestreben dahin geht, der Kasse einen Reservefonds zu, sammeln, um allen späteren Generationen gerecht zu werden. Der vorliegende Antrag fand sodann auch unveränderte Annahme, und soll derselbe mit dem 1. October in Kraft terten. Ebenso fand ein Antrag, daß diejenigen Mitglieder, die ihren Verpflichtungen nicht nach kommen, nur einmal durch eingeschriebenen Brief zu ihrer Pflicht aufgefordert und, falls darnach der Aufforderung keine Folge gegeben wird, ohne weitere Ansprüche an die Kasse gestrichen werden sollen, einstimmige Annahme Der Wirtheverein Bochum hat den Antrog gestellt, alle Spirituosen anstatt in Krügen für die Folge nur in Flaschen, und zwar in Literflaschen, anzukaufen. Der Antrag wurde als durchaus berechtigt angesehen und angenommen. Der Zouenvorsitzende brachte sodann noch eine wichtige Frage bezüglich der Fachzeitung zur Beschlußfassung Als vor einigen Jahren das officielle Organ der Westfälischen Zone des Deutschen Gastwirtheverbandes, die„Westfälisch=lippische Zeitung“, herausgegeben von Aumst Hasse in Detmold, ins Leben gerufen sei, habe man geglaubt, das Richtige gefunden zu haben. Leider habe die Zeitung von den Wirthen die nöthige Unterstsitzung nicht gefunden und habe deshalb zwischen Herrn Hasse und Herrn Hoypstädter=Witten eine Einigung dahin stattgefunden, daß Letzterer nunmehr die Fachzeitung übernehmen und herauseben wolle unter der vorläufigen Bezeichnung:„Deutsche Gastwirthschafts= und Westfälisch=lippische Wirtbezeitung, officielles Organ der Westfälischen Zone". Herr Hoppstädter werde ein für Jedermann lehrreiches Blatt liefern und die Interessen der Wirthe nach jeder Richtung wahrnehmen, auch sich finanziell an der Zeitung betheiligen. Die Versammlung versprach Unterstützung des Unternehmens. Eine rege Debatte fand die Frage bezüglich der Concessionsertheilung an Vereine und Consume. Aus der Versammlung wurde das Verhalten im Verkauf von Spirituosen in Consumen drastisch beleuchtet und der Antrag gestellt, seitens des Verbandes dahin zu wirken, daß dem Concessionsunwesen in Vereinen 2c. gesteuert werde Als nächster Zonentag wurde Hörde einstimmig gewählt. Gerichtliches. Bochum, 13. Aug. Die Strafkammer verurtheilte den Lehrer Carl Lübert von Herten wegen Sittlichkeitsverbrechens zu 1½ Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust Metz, 12. Aug. Von einem schweren Falle von Soldatenmißhandlung, welcher vor dem hiesigen Kriegsgericht zur Aburtheilung kam, berichten die„Straßb. N. N.“: Der Unterofficier Rukowski und die Pioniere Brunkmann und Balk vom 2. lothringischen Pionier= Vataillon hatten sich unter der Anklage zu verantworten, den Rekruten Mies gemeinschaftlich mißhandelt zu haben. Die Mißhandlung geschah während der Uebung, welche das Bataillon im Laufe des Monats Juli in Straßburg abhielt. Am 14. Juli kam Unterofficier Rukowski Abends in angetrunkenem Zustande in die Kaserne zurück, und da er sah, daß Brunkmann den Mies schlug, hetzte er die älteren Soldaten noch aus, den Mies wegen angeblicher Frechheit zu züchtigen. Er befahl Mies wohl 15 Mal, ins Bett zu gehen und wieder aufzustehen, schickte ihn auf den Ofen und den Schrank hinauf, jagte ihn um den Tisch herum und tractirte ihn auch mit Faustschlägen und Tritten, wenn es nicht flott genug ging. Die wüste Scene dauerte etwa eine halbe Stunde. Als der Mißhandelte sich beim Feldwebel melden wollte, ließ der Unterofficier ihn nicht zur Thür hinaus. Mies war etwa fünf Tage revierkrank. Als Soldat that er stets seine Pflicht, während Brunkmann, der Hauptcomplice des Unterofficiers, bei Civil und Militär schon oft bestraft war. Das Urtheil lautete gegen Unterofficier Rukowski auf 8 Monate Gefängniß und Degradation, gegen Brunkmann auf 4 Monate, gegen Balk auf einen Monat Gefängniß. Colmar, 13. Aug. Ein 13jähriger Mörder, der Knabe Siffert aus Munweiler, wurde von der hiesigen Strafkammer wegen Sittlichkeitsverbrechens und Tödrung eines vierjährigen Mädchens zu sieben Jahren Gefängniß verurtheilt. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist Siffert sittlich vollständig verwahrlost, geistig aber durchaus normal entwickelt und hat bei Begehung der That die zur Erkenntniß der Strafbarkeit erforderliche Einsicht unzweifelhaft besessen. Demgemäß erkannte das Gericht auf die obige Strafe. gab mir aus selner Tasche zwei Binden und ein wenig lose Gaze. Die Engländer hatten halbwilde Boerenpferde aus dem Felde zusammengetrieben; sie wurden in unmittelbarer Nähe des Lazareths erschossen. Ich bat einen der Officiere, dem Einhalt zu thun, da die verwundete, halb ohnmächtige Schwester bei jedem Schuß erschreckt zusammenfuhr. Der Officier lachte und sagte:„O, es ist Krieg!" Die anderen Soldaten beschäftigten sich mit der Plünderung des Lazareths. Oberst Rimington kam persönlich zu mir und sagte mir, daß der Zustand des Mädchens ihm leid thue, aber mein Tod gleichgültig gewesen wäre. Er und derselbe Arzt, Dr. Curtis, verlangten von mir eine schriftliche Bescheinigung, daß der Anfall auf das Lazareth in Folge eines unglücklichen Zufallespassirt wäre. Ich verweigerte das natürlich und gelobte, sofort einen Bericht an General Dewet zu senden. Nach völliger Plünderung und Verwüstung meines Lazareths zog die Colonne ab. Mein Bericht ging an General Dewet ab, als Zeugen waren angeführt A. van Toorenenbergen und zwei unversehr gebliebene Schwestern des Rothen Kreuzes. General Dewet und Präsident Steijn kamen sofort nach Eingang des Berichts zum Lazareth, um sich persönlich von den Thatsachen zu überzeugen. Eine Abschrift meines Berichts wurde Lord Kitchener übersandt. Der englische Oberbefehlshaber antwortete Folgendes:„Alle Angaben, die Dr. Poutsma gemacht hat, sind so handgreiflich unwahr, daß jede Erörterung un möglich ist.“ Indem ich mit diesem Material an die Oeffentlichkeit trete, führe ich folgende Zeugen für die Wahrheit meiner Aussagen an: meinen Gehülfen A. van Toorenenbergen (Holländer), Adresse: Dorf Harrismith, Oranjefreistaat; Schwester Johanna Faubenheimer, Adresse: Farm Terra Gona, Bezirk Heilbronn, Oransefreistaat; Schwester Lu## Rautenbach, Adresse: Dorf Fouriesburg, Cranjefreistaat. Die dritte Schwester, Johanna Scheepers, ist sofort nach dem„Unglücksfall“ schwer erkrankt und gestorben. Als weitere Zeugen können alle meine Patienten dienen, deren Namen und Adressen ich mir verschaffen kann. Von englischer Seite die Sache zu bezeugen ist Dr. Miller bereit, der sich bei Oberst Rimingtons Colonne befand. Da die gesetzmäßigen Schritte, die ich in der Folge in dieser Angelegenheit gethan habe, ohne Erfolg geblieben sind, so trete ich jetzt an die Oeffentlichkeit, damit das barbarische Vorgehen der Engländer, die selbst die Privilegien der Genfer Convention genießen, in diesem Mordaufall gegen Unbewaffnete, gegen Krankenpflegerinnen, gegen Verwundete, die unter dem heiligen Schutze des Rothen Kreuzes standen, in der öffentlichen Meinung ihre Verürtheilung findet. Auch bei Dr. v. Rennenkampf von der russisch=holländischen Ambulanz, die bei General Delarey in den westlichen Bezirken vno Transvaal stand, und bei Dr. Tielemann, Deutschland, der bei General Botha in den östlichen Bezirken Transvaals stand, sind Feldambulanzen und die Feldlazarethe verbrannt worden, und die Betreffenden zu Aussagen bereit. H. J. Poutsma, Chef des Freistaater Rothen Kreuzes. Adresse:„Algemeen Handelsblad“, Amsterdam. Das Schreiben, das so interessante Einzelheiten enthält und so viele Namen als Zeugen nennt, als erfunden zu bezeichnen, wird keiner ohne Weiteres wagen. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die englische Regierung zu dieser neuen Anklage, die, wenn sie sich bewahrheitet, die Grausamkeit der englischen Soldaten ins grellste Licht stellt, Stellung nimmt. Vermischtes. Berlin, 14. Aug. Das Polizeipräsidium setzte 1000 Mark,Belohnung aus für die Ermittelung des Mörders der gestern Nachmittag in der Jungfernhaide ermordeten 9jährigen Charlotte Bake. W Hohwald, 14. Aug. Der Kronprinz ist heute Vormittag nach dem Frühstück in der Villa des Staatssecretärs v. Köller nach der Hohkönigsburg abgereist. Fulda, 13. Aug. Auf der hohen Rhön wurden gestern die Erntearbeiter von einem argen Schneegestöber überrascht. Stockholm, 18. Aug. Die Reichsbank bezahlte drei von der Staatskasse ausgestellte Checks von 3000, 5000 und 9000 Kronen aus, welche auf 30,000, 50,000 und 90,000 Kronen gefälscht waren und erlitt hierdurch empfindliche Verluste. Die Untersuchung ergab, daß die Fälschung der drei Checks von dem im Juni verstorbenen Staatskassirer Fongberg ausgeführt worden ist, welcher auch selbst die Auszahlung entgegengenommen hat. Sin Bruch der Genfer Convention durch die Engländer. Das Preßbureau des Allgemeinen Nieder ländischen Verbandes versendet folgendes Schreiben Am 23. October 1901 bekam ich Auftrag von General Chr. Dewet und Präsidenten Steijn, ein Lazareth im Bezirk Harrifmith, O. F. S., auf der Farm Bezuidenhoutsdrift in der Nähe des Wilgeflusses zu eröffnen. Das Lazareth bestand aus fünf Gebäuden, die alle mit Rothe Kreuz=Fahnen versehen waren. Der ganze Complex war umgeben mit einem dichten Drahtzaun, und General Dewet ließ an jede Thür eine Bekmntmachung anschlagen, wodurch es jedem Boer verboten wurde, das Lazareth bewaffnet zu besuchen oder in der Nähe mit dem Feinde zu fechten. Den Eigländern war die Existenz des Lazareths gut bekannt. Am 9. Januar 1902 zog eine englische Colonne unter Oberst Rimingtons Oberbefohl erwa fünf Kilometer von dem Lazareth vorbei. Es befanden sich keine Boeren in der Nähe. Etwa ½9 Uhr Morgens stürmten etwa 40 Mann englische Cavallerie mein Lazareth. Sie stießen ihre Gewehre durch die Fensterscheiben des Lazareths und schossen nach den auf den Betten liegenden Verwundeten. Ich befand mich außerhalb des Hauptgebäudes bei der Eingangsthür und hörte deutlich, wie Capitän Vaughan einem seiner Soldaten den Befehl gab, nach mir zu schießen. Der betreffende Soldat sprang von seinem Pferde und feuerte auf 15 Meter Entfernung. Das Geschoß ging an mir vorbei Ich erhob meine Armc und rief: Um Gotteswillen, schieß nicht, ich bin der Doctor! Darauf folgte ein zweiter Schuß dicht an mir vorbei, das Geschoß schlug in die Mauer des Hauses. Da mein Rufen nicht geholfen hatte, flüchtete ich ins Haus. Im Hause war es ebenso gefährlich und herrschte eine große Verwirrung. Mein Gehülfe Aart van Toorenenbergen, die drei Krankenwärterinnen und die Verwundeten auf den Betten wunden beschossen. Es war ein Gedröhn der Schüsse, Geschrei der Verwundeten und Schwestern, Alles wor eingehüllt in Staul end betäubende Corditdämpfe. Capitän Vaugbau folgte mir in die Thür mit geladenem Revolver und feuerte sechs Schüsse auf mich. Wunderbarer Weise gingen alle fehl. Ich lief durch eine andere Thür hinaus, in der Absicht, nach meiner Apotheke zu gelangen; unterwegs wurde ich auf der Veranda verhaftet.. Unmittelbar danach kam mein Gehülse van Toorenenbergen zu mir herangestürzt und rief:„Doctor! Doctor! Schwester Rautenbach ist verwundet!". Ich riß mich von dem mich festhaltenden Soldaten los und lief ins Lazareth hinein. Das arme Mädchen lag in seinem Blute auf dem Boden, hingefallen zwischen zwei Betten von Verwundeten. Sieben Geschosse hatten sie verwundet. Ein Geschoß hatte ihr die Halsschlagader durchschlagen, das zweite war unter dem rechten Ohr eingedrungen, hatte die Zunge gestreift und war aus dem Munde herausgeflogen, das dritte hatte ihr die rechte Schulter zertrümmert, das vierte hatte das Fleisch des rechten Oberarmes weggerissen; die anderen drei saßen in den Weichtheilen des rechten Armes. Es glückte mir sofort, die Halsschlagader abzukneifen. Die anderen Wunden wurden sofort verbunden und vier Kugeln später herausgeschnitten. Das arme Mädchen war in einem bejammernswerthen Zustande. Die anderen Schüsse hatten glücklicher Weise die Personen verfehlt. Wände, Betten und Thüren wiesen massenhaft Spuren der eingeschlagenen Geschosse auf. Das Schießen in das Lazareth hatte mit der Verwundung der Krankenwärterin aufgehört. Zwei oder drei englische Aerzte kamen zu mir und erkundigten sich nach den Verwundungen. Ich überwand mich und bat den leitenden Sanitätsofficier, Major Dr. Curtis, mir Verbandstoffe für das Mädchen zu geben, da meine Vorräthe beinahe erschöpft waren. Er Telegramme. ( Aachen, 14. Aug. Zu der Bischofsfrage wurde kürzlich gemeldet, daß ein mächtiger Fortschritt zur Verwirklichung des Zieles gethan sei. Wie ein Berliner Blatt wissen will, handelt es sich um die Bewilligung von 300,000 Mark zur Bestreitung der Kosten der Einrichtung des Bisthums durch die Stadtverordnetenversammlung. )( Berlin, 14. Aug. Dem Bundesrath ist vom Königreich Sachsen ein Antrag zugegangen betr. die Herstellung von silbernen Denkmünzen anläßlich des Todes des Königs Albert. )( Berlin, 14. Aug. Zur Theilnahme an den Kaisertagen in Posen werden u. A. als Gäste des Kaisers dort erwartet: Der Kronprinz, Prinz Albrecht von Preußen, Generalfeldmarschall Graf Waldersee, Prinz Ludwig von Bayern mit zwei weiteren bayrischen Prinzen, Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, Lord Roberts, der englische Kriegsminister Brodrick, Generalleutnant KellyKreny, der italienische Kriegsminister und drei amerikanische Generäle. W Berlin, 14. Aug. Dem Geh. Medicinalrath Prof. Schweigger=Berlin ist der Rothe Adler= orden 2. Klasse verliehen worden. 1( Paris, 14. Aug. Im Ministerrath wurde ein Decret unterzeichnet betr. Auflösung des Ordens der Schwestern vom hl. Geist.— Mehrere Blätter halten die Meldung aufrecht, daß auch der Hauptmann Touise dem Beispiele des Obersten Remy gefolgt sei. W Lesneven, 14. Aug. Der Präfect hat in St. Meen, Ploudaniel und Folgoet das Gesetz vom 7. Juni 1848 über Zusammenrottungen anschlagen lassen.— In Chambery wurden, nachdem die an die congreganistischen Schulen mehrerer Orte angelegten Siegel vernichtet und zerbrochen worden waren, diese durch die Gräfin Casta de Beaurezaid zum zweiten Malc zerbrochen. Ueber den Vorgang wurde ein Protocoll ausgenommen. London, 14. Aug. Der König reiste von London ab, um sich auf seiner Yacht nach Cowes zu begeben. W London, 14. Aug. Reuter meldet aus Johannesburg vom 13. Aug.: Es verlautet, das vor einigen Monaten gevildete Cornation=Syndicat. woran viele führende Persönlichkeiten des Landes betheiligt sind, sicherte sich die Minenrechte über ein Gebiet von 85 englischen Meilen. Der erworbene Anspruch betreffe die Ausdehnung von WitwatersRand, Main, Reef und einer Reihe von Traversen im ganzen Gebiet. Hauptsächlicher Gründer sei Carl Hanau, Vertreter der Firma Barnato. Es wird behauptet, daß an verschiedenen Punkten Schächte angelegt und Reef mit der Tiefe stets besser werdend befunden werde. Die Gründer erklären, durch die Entdeckung werde ein Goldfeld erschlossen, das an Größe dem bisherigen Witwatersrand gleichkomme. ) Petersburg, 14. Aug. Blättermeldungen zufolge hat sich die russische Regierung für eine internationale Intervention bei der Pforte wegen Einführung von Reformen in Macedonien nicht entschlossen, sondern will in dieser Angelegenheit selbstständig vorgehen. Handel und Gewerbe. Neuß, 14. August. Fruchtmarkt. Weizen 1. Qual.—.— 2. Qual.—.—, 3. Qual.—.— Mr., Roggen 1. Qual. 14,— 2. Qual. 13.—, 3. Quai.—.— Mk., Bintergerste—.— Mk., Sommergerste—.— wr., Hafer 1. Qual. 17,50, 2. Qual. —.— mr.(Alles die 100 Kllo). Alte Kartoffeln— bis—.— Mk., Neue Kartoffeln 3.— bis 4,20 Mk., Heu 2,90—3,40 Mk., Luzernerheu 3,80 Mk.(Alles die 50 Kilo). Maschinenstroh die 500 Kilo 20,— Mk., Flegeldrusch 22.— Mk., Rüböl die 100 Kilo in Parthien von 100 Ctr.(ohne Faß) 55,— Mk. Rüböl die 100 Kilo faßweise(ohne Faß) 56,50 Mk. Gereinigtes Oel die 100 Kilo 3 Mk. höher als Rüböl, Preßkuchen die 1000 Kilo 91.— Mk., in kleineren Parthien 95,— Mk., Raps 1. Qual. 23,50, 2. Qual. 22,50 Mk., beel(Rübsen) 1. Qual. 21,50, 2. Qual.—.— Mk., Weizenvorschuß 00 die 100 Kilo—.— Mk., Kleie die 50 Kilo 4,90 Mk., Butter das Kilo 2.50 Mk., Eier das Schock(60 Stück) 5,10 Mr. Rübsl und Kuchen unverändert. Mk. und höher. Grosser Schirm-Ausverkauf Ahstrasse Der Schluss billigen SchussSeid. Sonnenschirme aout ue 4.Halbseid. Sonnenschirme 2.50 Regenschirme m 1.50 M. Mk. und höher. Bürger-Sterbelade Gelsenkirchen. Sonntag, d. n 17. Auguet, Nachmittage 4½ Uhr: Ausserordentliche General-Versammlung im Vereinslokale Cl. Dirkes(früher Schaten). Tages=Or,nung: Beschlußfassung über die von der Königlichen Regierung verlangte gänzliche Umänderung der Statuten. Wegen Wichtigkeit der Tages=Ordnung wird im Interesse eines jeden Mitgliedes um zahlreiches Erscheinen dringend sersucht. 18176 Der Vorstand. 17980 Gewerkvereis der deutschen Bau=Handwerker Ortsverein Bulmke. — Sonntag, den 17. Auguet 1902:— 9. Stiftungs-Fest (Vertrag, Condert und Ball) im Vereinslokale des Herrn Meschede, Bulmke. Anfang des Concerts um 4 Uhr. 9— Pionier-Verein Gelsenkirchen. Samstag, den 16. und Sonntag, den 11. August: Fahnenweihe-Fest. „„„„ Anfang des Concerts um 4 Uhr. Von 8 Uhr ab Ball. ist unwiderrutlich morgen(Samstag).##ber Duetisten Sassenhausen und Pomberg. 18177 Denkbar günstigste Gelegenheit zur Beschatfung miesig billiger und solider Schuhwaaren. Karten im Vorverkauf 50 Pfg., an der Kasse 75 Pfg. sind zu haben bei den Mitgliedern u. b. Vereinswirth Meschede. Der Vorstand. 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August 19021= Garten-Concert. Entree frei. Auskegeln eines Kalbes. Die Musik wird ausgeführt von der Steus'schen Capelle aus Altenessen. Zu zahlreichem Besuche ladet freundlichst ein 18226 Aug. Westermann. 0 ccc Bad Bentheim. Hôtel u. Pension belle-vue zu ruhigem, ländlichen Aufenthalt sehr geeignet. Grosse Terrassen und schöne Gärten am Hause. Mäceige Preiee.— Gute Verpflegung. Für Sommer-Ausflüge empfehlencwerth. Kalte und warme Bäder im Hause. Besitzer: Heinr. Schäfer, früher in Geleenkirchen. Samstag, den 16. August, Abends von 8 Uhr ab, in der Bismarckhalle(Wilh. Althoff), hier: GroSSeS Militär-Concert. Illumination des Gartens. 4 Uhr: Feet-Zue zum Kaiserdenkmal. Dortselbst: Weihe der neuen Vereinsfahne. Hiernach: Rückmarech zum Bahnhofa-Hôtel. Dortselbst: Um 10 Uhr Abends: Festball. Sonntag, den 17. August, Vorm. von 11½—1 Uhr, im Bahnhofshotel: Früh=Concert Nachmittags 3½ Uhr: Antreten der Vereine auf d. Moltkeplatz zum Festzuge. Musik: Cavelle des Hannoverschen Pionier=Bataillons Nr. 10 aus Minden, unter persönlicher Leitung des Königl. Musikdirigenten Herrn Große. 17941 Karten für das ganze Fest 1.50 Mk., im Vorverkauf 1.25 Mk. sind bei den Mitgliedern, im Vereinslokale(Bismarckhalle) und im Bahnhofshotel zu haben. Eintrittspreis für das Concort am Samstag 25 Pfg., für das Concert am Sonntag 50 Pfg. Unsere geehrten Mitbürger werden freundlichst gebeten, das Fest durch Aushängen von Fahnen zu verschönern. Der Vorstand. Zahnarzt Hüsten, Abetrasee 4. 18135 Sprechstunden: 10 bis 12 Uhr und 2 bis 5½ Uhr. Gott segne die Arbeit! Arbeiter-Verein Schalke. 18181 Sonntag, den 17. August: Ausslug nach Werden. Punkt ½1 Uhr Nachm. Abmarsch vom Vereinslokale zum Bahnhof Heßler. Daselbst Abfahrt 1“. Abends Abfahrt von Essen(Hauptbahnhof) 8“ Um zahlreiche Betheiligung orstand. ersucht Der Vors Sauerbier’s Tanz-Institut. Eröffne heute Freitag, den 15. d. Mts., im Restaurant „Reichshalle", Friedrichstr. 21 (Verwalter: Wilh. Klas), einen neuen 18183 Tanz= und Anstands=Cursus. Achtungsvoll! Friedr. Sauerbier, Tanzlehrer. Wer schnell und unter Garantie kanzen lernen will, wende sich an das PrivatTanz-Institut von 17335 J. Elechbaoh, Gelsenkirchen, Louisenstraße 10, Nähe des Bahnhofs. Auf Wunsch auch Sonntags. — Saal im Hause.— — Sächelsch-Thüringisches Technikum Rudolstadt 1. Höhere Fachschule für: Architekten u. Bau-Ingenleure. 2. Mittle-2. MittlereFachu. Bau-Ingenleure Schulefür: Hooh-a.Tiefban8. Fachschule f.: Bau- u. Möbel-Tiscl Staatskommisser. Staatl. Relfeprüfung ##### Pros. durch Dirchtien. 17470 Nur 15 Tage! Circus Ed. Wulff. Viehmarkt, 18142 Dortmund. 200 Personen. 160 Pferde. Eröffnungs Vorstellung 4 Mittwoch, 20. August, Abends 8 Uhr. — Pionier-Verein Gelsenkirchen. Die Kameraden treten am Sonntag, den 17. August, Nachmittags 3½ Uhr, am Bahnhofs=Hotel an. 17942 Anzug: bunkel. Der Vorstand. NB. Morgens von 10 Uhr ab: Zahlung der rückständigen Beiträge, Aufnahme neuer Mitglieder und Abgabe der Festkarten. Garde=Verein Gelsenkirchen. Zur Theilnahme an dem Fahnenweihe= Feste des Pionier=Vereins treten die Kameraden am Sonntag, den 17. August, Nachm. punkt 3Uhr, im Vereinslokale an. 18208 Der Vorsitzende. 16912 dunkles und helles, von neuem Pflastersteine enbger Roagen, S. Riehnes, Ring= und Georgstraßen=Ecke. ca. 700) billig abzugeben krle=Middelich, Bismarckst. 169. jek auf ein neuerbautes, besseres Wohnhaus in feinster Lage gesucht mit Angabe des Zinsfußes u. der Bedingungen unter L. 9765 an die Exp d. Ztg. erbeten. 18150 ####### Jaahmagen spieien ertheile billig 1816 Brs. 2h, Serzöse, Cchaltln B°“cbwvageiz, Privgtstunden. 18151 Feiedrichstraße 12. Rotthausen, Querstraße 9. Ueckendorf, Almastraße 18. Ein kleiner 4sitziger Während der Ferien 18034 Cursue für Kinder in allen Handarbeiten. Gewerbe-Schule für Frauen und Töchter. 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Ziemlich allgemein ist die Annahme verbreitet gewesen, es handle sich nur um die Getreidezölle und die Mehrerträge aus diesen. Gemeint sind aber alle Zölle für wichtige Nahrungsmittel, also für sämmtliche Getreidesorten, Vieh, Geflügel, Fleisch, Butter, Käse, Mehl und Eier. Und aus dem Umstande, daß am letzten Dinstag der Abg. Dr. Heim in der Zolltarif=Commission des Reichstages anwesend war und gerade nach ihm dieser Verwendungsantrag des Centrums benannt wurde, mag man schließen, daß nicht etwa nur ein Theil der Centrumspartei hinter dem Antrage steht, sondern die gesammte Centrumsfraction des Reichstages ohne Ausnahme. Die Hauptsache ist aber, daß der Gedanke des Centrums, die Mehrerträge aus diesen Zöllen im Dienste der Socialreform zu verwenden, eine riesengroße Mehrheit im Reichstage für sich im Sturme erobert hat. In wunderlichem Gegensatze zu dieser Thatsache steht die andere, daß am Dinstag in der Commission gar kein Beschluß zu Stande gekommen ist. Es handelt sich dabei um mehrere verschiedene Anträge. Aber mit dem Antrage Heim und Genossen steht auf ganz demselben Boden ein anderer Antrag, der von conservativen, freiconservativen und nationalliberalen Abgeordneten eingebracht war für den Fall, daß der Antrag Heim abgelehnt werden sollte. Nach beiden Anträgen sollen diejenigen Zollerträge aus der Einfuhr der vorher schon bezeichneten Waaren, die über den Durchschnitt der Jahre von 1895 bis 1902 hinausgehen, zur Erleichterung der Durchführung der Wittwen= und Waisenversorgung verwendet werden Aber während der Centrumsantrag für die Einbring ung eines entsprechenden Gesetzentwurfes einen be stimmten Zeitpunkt vorschreibt, nämlich den 1. Januar 1910, verzichtet der vorbezeichnete Nebenantrag auf diese Zeitbestimmung und verlangt nur, daß der entsprechende Gesetzentwurf„thunlichst bald" vorgelegt werde. Beide Anträge sind abgelehnt worden.„Damit ist die Sache natürlich nichts weniger als erledigt. Sie hat damit im Gegentheil erst angefangen. Das Centrum wird nicht ermüden auf dem Wege, den es be treten hat. Für den Gedanken, den es angeregt hat, ist, wie gesagt, eine Mehrheit im Reichstage bereits vorhanden. Und da somit der ernstliche Wille vorhanden ist, wird sich auch der richtige Weg finden lassen. Vor allen Dingen ist festzustellen, daß am Dins. tag auch die socialdemokratischen Mitglieder der Zolltarif=Commission für den Centrumsantrag gestimmt und damit bewiesen haben, daß sie etwas klüger sind, als ihr Berliner Centralorgan, das sich in allerhand grotesken und wenig geistreichen Schmähungen und Verdächtigungen des Centrumsantrages erging. Nicht zum ersten Male also muß die Socialdemokratie im Reichstage die socialpolitische Ueberlegenheit des Centrums anerkennen und sich ihr unterordnen; und wenn ein entsprechender Beschluß des Reichstages zu Gunsten der Versorgung der Wittwen und Waisen von Arbeitern gefaßt sein wird, dann werden die Arbeiter diese Wohlthat dem klug überlegten Vorgehen des Centrums zu verdanken haben. Wer trat in der Commission als grundsätzlicher und überlegter Gegner der Anregung des Centrums auf? Eigentlich nur die Freisinnigen. Die Abgeordneten Dr. Müller=Sagan von der Freisinnigen Volkspartei und Dr. Barth von der Freisinnigen Vereinigung gaben sich alle mögliche Mühe, Material gegen den Antrag aufzubringen. Aber selbst der Abg. Barth wagte es nicht, den Gedanken an und für sich gänzlich zu verwerfen. Er meinte nur, es würde besser sein, ganz einfach ohne unmittelbare Verbindung mit dem Zolltarif achtzig bis hundert Millionen Mark aus Reichsmitteln für den gedachten Zweck auszuwerfen; und auch mit dieser Bezifferung schloß er sich dem Centrum an, denn vor ihm hatte bereits der Centrumsabgeordnete Trimborn den vermuthlichen Mehrertrag aus den Zöllen mit etwa achtzig Millionen Mark berechnet, was vom Schatzsecretär Frhrn. von Thielmann ausdrücklich als richtig anerkannt wurde. Der Herr Schatzsecretär sprach sich in sehr ausführlicher Weise über den Gegenstand aus, und auch er stellte von Neuem fest, daß die verbündeten Regierungen niemals einen Zweifel gelassen hätten über ihre Sympathie für den Gedanken einer Wittwen= und Waisenversorgung. Aber gegenwärtig machen die Herren Regierungsvertreter in finanzieller Schwarz= malerei, und so konnte es Frhr. von Thielmann nicht unterlassen, auf die schlechte Finanzlage des Reiches auch bei diesr Gelegenheit hinzuweisen und mit der neuerdings ständig gewordenen Redeblüthe zu schließen, daß das Reich neue Steuern brauche, nicht aber neue Aufwendungen für socialpolitische Zwecke machen könne. Die Reichsfinanzen sind nicht so, wie sie sein sollten. Aber daraus folgt nicht, daß socialpolitische Maßnahmen unterlassen werden müssen, deren Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit von allen Seiten anerkannt wird. Die Ordnung der Reichsfinanzen ist nothwenoig und muß durchgeführt werden— aber als ein Ding für sich allein; ob nun mit neuen Steuern oder ohne solche, das ist eine spätere Sorge und eine Frage für sich allein. Man darf deswegen, weil es im Gebiete der Reichsfinunzen an vielen Stellen hapert, nicht die Wittwen- und Waisenversorgung der Arbeiter über Bord werfen. Drovinzielles. “ Gelsenkirchen, 15. Aug. Morgen, Samstag, dem Vigiltage vor dem Feste Maria Himmelfahrt, ist nur ein einmaliger Fleischgenuß gestattet. Fisch und Fleisch darf nicht zu gleicher Zeit genossen werden „§ Gelsenkirchen, 15. Aug. Anläßlich der heutigen Besichtigung der Düsseldorfer Ausstellung durch den Kaiser fährt heute Morgen eine Deputation der Belegschaft der Zeche„Hibernia", bestehend aus den Herren Betriebsführer Eckhardt, Steiger Ehrhardt und vier Knappen in Gala=Uniform nach Düsseldorf.— Seitens der Belegschaft der Zeche„RheinElbe“ fährt ebenfalls eine Deputation nach Düsseldorf. Gelsenkirchen, 15. Aug. Gestern Morgen gegen ½2 Uhr entstand in der Schreinerwerkstätte des Herrn Schulte=Ontrop, Schultestraße, ein Schadenfeuer, welches in einigen Minuten das ganze Fachwerkgebäude ergriffen hatte. Der Himmel war in weiter Umgebung ganz geröthet. Das auf der Schreinerwerkstatt befindliche Telephongestänge stürzte herunter, die Drähte lagen glühend heiß auf der Erde. Die Feuerwehr griff mit 2 Schlauchleitungen das Feuer an und verhütete so ein Uebergreifen des Feuers auf das Wohnhaus, an welchem an der Hinterfront die Fensterrahmen zum Theil arg verbrannten. Mittelst schnell herbeigeholten Feuerhakens wurde das Fachwerkgebäude dem Erdboden gleich gemacht. Die Gebäude und der Inhalt der Schreinerei waren bei der Oldenburger und Magdeburger Versicherungsgesellschaft versichert, doch ist Herrn Schulte=Ontrop, der einen großen Theil fertiger Fenster und Thüren für eine benachbarte Zeche in der Werkstelle aufgestapelt hatte, ein empfindlicher Schaden zugefügt. Um 3 Uhr konnte die Feuerwehr nach Zurücklassung einer Brandwache wieder abrücken. Gelsenkirchen, 14. Aug. Polizeiliches. Ein Ingenieur aus Münster kam gestern Abend gegen 9½ Uhr von der Ahstraße her mit seinem Automobil in zu scharfem Tempo in die hiesige Kreuzstraße gefahren. An der Conditorei Scholten wich das Fahrzeug plötzlich— ob wegen Fehlgreifens der Steuervorrichtung oder wegen Unachtsamkeit, ist nicht festgestellt— von rechts nach links aus und wurde durch das plötzliche Abweichen von der ursprünglichen Fahrtrichtung von den Straßenpassanten ein Ehepaar angefahren und mit Wucht gegen die Wand der Conditorei Scholten gedrückt. Nur dem Umstande, daß der schmale Bordstein den ersten heftigen Anprall abhielt, ist es zu verdanken, daß kein größeres Unglück geschehen ist. Warnungssignale sollen von dem Wagenführer nicht gegeben worden sein. Die Untersuchung ist eingeleitet.— Einen schweren Unterschenkelbruch des linken Beines erlitt gestern Nachmittag auf Zeche„Rhein=Elbe“ der Tiefbauarbeiter Albert Arenz von hier. Er mußte mittelst Wagens nach dem hiesigen katholischen Krankenhause gefahren werden. = Schalke, 14. Aug. Im Laufe des Monats Juni 1902 gelangten bei dem hiesigen Standesamte zur Anmeldung: 100 Geburten und zwar männlich 59, weiblich 41, davon unehelich 1. 2 Todtgeburten weiblichen Geschlechts. 47 Sterbefälle und zwar männlich 18, weiblich 29. Hiervon verstarben im Alter bis zu 1 Jahr 18, von 1—2 Jahren 20, von 5—20 Jahren 4, von 20—40 Jahren 1, von 40—60 Jahren 3. Die Sterbefälle vertheilen sich auf die einzelnen Krankheiten wie folgt: Masern 4, Magenund Darmcatarrh 8, Lungenschwindsucht 2. ac. Erkrankung der Athmungsorgane 9, Lebensschwäche 5, Krämpfe 6, Altersschwäche 1, Gehirnentzündung 1, Herzlähmung 2, gastr. Fieber 1, Leberschwellung 1, Unterleibsentzündung 1, Brechdurchfall 3, Darmverschlingung 1, Auszehrung 1, Asthma 1. Ferner wurden 24 Aufgebote angemeldet und 21 Ehen geschlossen. Hüllen, 14. Aug. Die hiesige freiwillige Feuerwehr hielt am Montag Abend im Lokale des Herrn Brox eine Versammlung ab, in welcher einstimmig beschlossen wurde, den zu errichtenden Steigerthurm in den Gartenanlagen des Wirths Herrn Schulte=Curig, Hüller Mühle, aufzustellen. = Ueckendorf, 13. Aug. Beim Steinfahren wurde ein Fuhrmann aus Essen in der Nähe des rheinischen Bahnhofes von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren. Der Mann hatte schwere innere und äußere Verletzungen erlitten, sodaß er ins Wattenscheider Krankenhaus geschafft werden mußte.— Die Maurerarbeiten am neuen Schlachthausgebäude sind mit großer Energie ausgenommen worden, sodaß anzunehmen ist, daß bis zum Herbst alle Gebäulichkeiten unter Dach kommen. # Ueckendorf, 14. Aug. Gestern Nachmittag wurde der Maurerhandlanger Johann Wagner, welcher an einem Neubau auf der Bochumerstraße in der Nähe des Rheinischen Bahnhofs beschäftigt war, von der dort vorüberfahrenden Straßenbahn überfahren und ziemlich schwer verletzt. Der Genannte wurde ins Wattenscheider Kranken haus geschafft. = Wattenscheid, 14. Aug. Die diesjährige Wallfahrt nach Kevelaer findet am Samstag, 30. August, statt. Die Procession kommt am Sonntag Abend(Bahnhof Ueckendorf=Wattenscheid) zurück, worauf in der Kirche Te Deum und sacramentaler egen stattfindet. = Wanne, 14. Aug. Ueber einen hier vorgekommenen Erdstoß weiß der„M. Spr.“ Folgendes zu berichten: Am Montag Mittag gegen 2 Uhr ist hier eine erdbebenartige Erschütterung verspürt worden. In einem Hause wurde eine Dame von der Chaiselongue aufgeschreckt, wobei sie die Empfindung hatte, als ob die Chaiselongue sich bewegte; ein im Sopha seine Siesta haltender Herr erhielt einen ziemlich starken Ruck. In der Küche begannen Teller und Tassen zu klirren. In den Nachbarhäusern wurden die gleichen Erscheinungen beobachtet. Auffällig ist, daß in der Umgegend von einem Erdstoß nichts bemerkt worden ist Daraus könnte man schließen, daß der Erdstoß mit dem Bergbau beziv. mit unterirdischen Rutschungen im Zusammenhange stehe. &a Crange, 14. Aug. Auf dem Kirmeßmarkte fiel ein Arbeiter von einer russischen Schaukel und erlitt schwere Verletzungen; er fand Aufnahme im Krankenhause.— Der Sohn eines Pferdehändlers in Gelsenkirchen wurde durch den Hufschlag eines Pferdes so schwer im Gesicht verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. genossen eingeführt werde und jeder Genosse ein deutlich sichtbares Erkennungszeichen trage, wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.— Schade drum! Zu der vielgerühmten Fraternité hätte das„Du“ doch eigentlich besser gepaßt, als das Sie“! s Dlauderei. Vermischtes. „Du, Du, liegst mir am Herzen!“ Eine„socjaldemokratische Kreisconfereng für Teltow=Beeskow=Charlotten= burg, welche am letzten Sonntage im Charlottenburger Volkshause stattfand, stellte den bisherigen Abgeordneten des Kreises, Fritz Zubeil, als Reichstagscandidaten für die kommende Reichstagswahl auf. Ein Antrag, der Parteitag möge beschließen, daß officiell das Dutzen unter den ParteiNachdruck verboten. Es ist doch gar so schwer nicht, plötzlich berühmt zu werden, ohne daß man etwas Großes oder etwas Schlimmes thut. Wer kannte bisher in weiteren Kreisen den Provinzialsteuerdirector Löhning, obwohl er Geheimer Oberfinanzrath ist, also ein Mann mit hochklingendem Titel und bedeutendem Rang. Und wer hat jetzt nicht von ihm gehört, obwohl er nicht mehr in Stellung ist und als Pensionär in Berlin lebt? Daß er ein brauchbarer Beamter gewesen ist, geht schon daraus hervor, daß er es bald zu der Stufe eines Provinztalsteuerdirectors gebracht hat, deren es nur soviele in Preußen giebt, wie Provinzen vorhanden sind, aber von besonderen Großthaten, die sein Andenken in die Annalen der Geschichte eingraben, hat man von ihm nicht gehört, er wird dazu auch wohl keinen Anlaß gehabt haben. Er mußte aber, bevor es seine Absicht war, seinen Posten aufgeben und in Pension treten, aber auch nicht, weil er besonders Schlimmes gethan hat, jedenfalls nicht das Allergeringste, weshalb der Strafrichter ihn hätte fassen mögen. Und doch ist er eine der in den letzten Wochen wohl bei uns am meisten in den Zeitungen genannten Persönlichkeiten, und es wird wohl keinen Biertisch geben, an dem die„Affäre Löhning“ nicht für einen oder anderen Abend das Gesprächsthema gebildet hätte. Was hat er denn gethan? Es ist allgemein bekannt, er hat geheirathet. Das thun andere Leute auch. Er hat zum zweiten Male geheirathet. Das kommt auch sonst vor, ohne daß die Welt darüber in Aufregung geräth. Er hat als Mann von 60 Jahren ein Mädchen von etwa 20 Jahren geheirathet. Das ist schon etwas Anderes. Alter schützt vor Thorheit nicht, sagt ein Sprüchwort, es fällt mir aber nicht ein, es in diesem Falle auf Herrn Löhning anzuwenden, obwohl es sich um ein starkes Mißverhältniß im Alter handelt, was noch dadurch verstärkt wird, daß Herr Löhning aus erster Ehe eine Tochter besitzt, welche noch keinen Mann hat, aber eine ziemliche Reihe von Jahren älter ist, als ihre nunmehrige Stiefmutter. Nachdem, angeblich ohne Zuthun Löhnings, die näheren Umstände seiner Pensionirung bekannt ge worden sind, stellt eine Anzahl Blätter die neue Hei rath als ein Idyll hin und feiert das„stille traute Heim" des„jungen“ Ehemannes, etwas, was nach meinem Gefühl wenigstens etwas Ueberflüssiges ist. Löhning mußte selbst wissen, was er als Privatmann thun wollte, alt genug ist er dazu geworden, aber daß mancher über eine Heirath unter solchen Verhältnissen den Kopf schüttelte, ist leicht begreiflich, im Uebrigen muß die Pensionskasse wissen, wie vorkommenden Falles die Wittwengelder der jungen Frau zu regeln sind, und die große Oeffentlichkeit geht der Vorfall weiter gar nichts an. Auch das würde Alles noch keinen Anlaß gegeben haben, die Sache. aufzubauschen, wenn nicht Löhning die unverzeihliche Unvorsichtigkeit begangen hätte, ein Mädchen zu heirathen, welches nicht zur„Gesellschaft“ gehört, da es die Tochter eines Unterbeamten ist, wenn auch eines Mannes, dem nebst seiner Familie nichts Ehrenrühriges nachgesagt werden kann. Hätte er sich ein flatterhaftes Mädchen aus„besserer“ Familie erkoren, oder hätte er die Tochter eines hohen Officiers geheirathet, der sein Vermögen bei Sect und Spiel verloren und sich dann erschossen hätte, dann hätte kein Hahn darnach gekräht, höchstens hätte die„Gesellschaft“ der Form halber, um das„Decorum zu wahren“, eine oder andere Bemerkungen im tiefsten Untersich gesprochen, die junge Frau wäre als vollbürtig und vollberechtigt in den exclusiven Verein der „bessern Familie“ eingeführt und Alles wäre in Ordnung gewesen. Jetzt entrüstet man sich über den „Kastengeist" des obern Beamtenthums, als ob er erst jetzt entdeckt sei und man früher keine Ahnung davon gehabt hätte, jetzt entdeckt gar mancher seine demokratische Ader, der bisher, bewußt oder unbewußt, recht exclusiv mit unter den Exclusiven war und es in der Praxis noch heute ist. Es fällt mir nicht ein, die Maßregelung Löhnings vertheidigen und das Verfahren der Oberbehöde als angriffsfrei darstellen zu wollen, aber erstens soll man nicht so thun, als ob dies Vorkommniß etwas nie Dagewesenes sei, welches die Welt über den Zopf aufgeklärt hätte, der manchen höchsten Mandarinen bei uns noch stets hinten hängt, und zweitens soll man dann ehrlich sein und das ganze Zopfwesen, das Cliquenwesen, wo man es auch findet, mit Ernst und Consequenz verurtheilen. Wer die Verhältnisse in einer nicht geringen Reihe von Beamtenklassen kennt, der weiß, welche Rolle der„Rangunterschied" spielt und wie sich die verschiedenen Rangstufen am liebsten mit chinesischen Mauern von einander abschließen möchten. Hat man wohl schon einen Leutnant mit einem Unterofficier gemüthlich plaudernd über die Straße wandern sehen? In der Garnisonstadt schwerlich, es wäre ja auch zu schrecklich gegen jeden guten Ton verstoßend, wenn ein Leutnant dies thun wollte. Aber nicht in Officiers kreisen ist es so, auch anderwärts macht man es kaum besser, was es da noch an Vorurtheilen giebt, geht ins Aschgraue. Die Gleichheit spielt in der Phrase eine große Rolle, der Eine führt sie noch mehr im Munde, als der Andere, und Lessing hatte eine feine Béobacht ung ausgesprochen, als er sagte, die Menschen sprächen am meisten von den Tugenden, die sie am wenigsten besäßen. Die alten Spartaner wollten rechte und echte Demokraten sein, aber in Indien ist der Kastengeist nicht schlimmer, als er bei ihnen war. Erzbischof Willigis von Mainz, dieser hochbedeutsame Mann vor 1000 Jahren, war der Sohn eines Radmachers und das wurde ihm damals auch von den Mainzern übel genommen, sie schrieben ihm vor die Thüre seiner Wohnung: Willigis, Willigts! Denk', woher Du kommen bis Das war gar nicht nöthig. Willigis wußte das sehr wohl, that, was er zu thun hatte und schätzte den Stand seines Radmachers so hoch, daß er das Rad in das Mainzer Wappen aufnahm, in dem es sich noch heutigen Tages befindet. Gleich und gleich gesellt sich gern, sagt ein altes Sprüchwort, und im Allgemeinen ist es auch richtig, daß die einzelnen Stände ein gewisses Abschließendes haben, sie wahren dadurch ihre Eigenheit und haben ein gesundes Standesbewußtsein. Wer dies schätzt, wird auch einsichtig genug sein, jeden Stand zu achten und die Achtung, welche dem Enzelnen gebührt, nicht nach Kilo und Gramm abwägen zu wollen, verachtend nach unten, rechtselig nach oben. Die Nordamerikaner wollen die Demokratie in der vollkommensten Form verwirklicht haben, und Manches ist dort auch wirklich demokratisch eingerichtet, trotzdem blüht das Cliquenwesen und der Kastengeist nirgends üppiger als im Lande des Sternenbanners. Unsere hohen Officiere, unser alter Adel werden als exclusiv betrachtet, und sind es auch in mehr als einer Beziehung, aber doch nicht entfernt so, wie die amerikanischen Milliardäre, über deren Abgeschlossenheit gegenüber minderbemittelten Kreisen und das Stufenleitersystem in ihren eigenen Reihen die lächerlichsten Erzählungen umgehen, die man für Fabeln halten müßte, wenn sie nicht so gut verbürgt wären und ihre Wahrheit offen zu Tage läge. Man braucht aber gar nicht so weit zu gehen, ein Cliquenthum in wohlgebildeter Form zu finden, unsere Universitätsprofessorenkreise, manche Stadtverwaltungen bieten deren mehr als genug. Bekannt ist, daß ein tüchtiger und strebsamer Gelehrter an einer süddeutschen Universität vor mehreren Jahrzehnten es nicht zum ordentlichen Professor bringen konnte, er war einmal„mißliebig“, da heirathete er Miß Liebig, nämlich die Tochter des berühmten Chemikers Liebig — und sofort kam er mit Glanz in den Professorenring hinein. Ich könnte einen ganz ähnlichen Vorfall erzählen, der sich noch in neuester Zeit, diesmal aber an einer norddeutschen Universität ereignet hat, will aber die noch lebenden Personen nicht bloßstellen. Oder was war es anders als Cliquenwesen, das den „Fall Spahn“ in Straßburg schuf, was war es anders, als man hüben und drüben in liberalen Kreisen in Aufregung gerieth, als Aloys Schulte die Leitung des preußischen historischen Institutes in Rom haben sollte und sie trotz allen Geschreies erhielt? Ueber den „Fall Chroust" in Würzburg mußte ein Cultusminister stolpern, der weiter nichts zu thun hatte, als unparteiisch vorzugehen, kam da nicht das Cliquenwesen in seiner ganzen abschreckendsten Gestalt zum Vorschein? Und wer war so gerecht, dies Treiben als das zu bezeichnen, was es ist? Meinethalben mag Jeder sich über den„Fall Löhning“ soviel entrüsten, wie er will, aber dann gehe man auch gerade durch und bekämpfe den Kastengeist und das Cliquenwesen, wo man es findet. Bis das geschieht, wird aber wohl noch manches Cubikmeter Wasser den Rhein hinabfließen. Dandel und Gewerbe. Conrsbericht der Berliner Börse vom 14. August (mitgetheilt von der Essener Creditanstalt). 3½% deutsche Reichs. anleihe 102,60 3% deutsche Reichsanleihe 92,90 3½% preuß. Consols 102,.40 3½„„ 82.50 Deutsche Bank— 208.— Disco to=Comm. 182,50 Essener Credit=Act. 147,10 National=Bank 116,10 Oesterr. Credit*:—.— Boch. Vict. Brauerei 128,25 Gebr. Müser— Glückauf=Brauerei 134,75 Isenbeck: 74.— Schlegel=Brauerei—.— 85.25 Annener Guß Aplerbecker Margarethe=Act. Arenberg Baroper Walzwerk Bliesenbach Bochum=Gelsenkirchen. Straßenbahn=Act. Bochumer Bergw. L. C. Bochumer Guß Bösperde Walzwerk Buderus Eisen Charlottenhütte Concoodia Consolidation Dortmund=Enschede Dortmund. Union L. C. 89.80 516.— 112.— 52.— 122.25 57.25 180,80 109,80 110.— 75.— 227.— 318,50 179,50 43.50 Düsseld. Eisenhütte 121,— Eschweiler 251.— ahrzeugfbr. Eisenach 38,50 riedr.=Wilh.=Hütte 110,10 velsenkirchener Gußst. 108,25 Gelsenkirchen. Beraw. 107,25 Georgs=Marienhütte „„ St.=Act. 100.25 „„ St.=Prt. 119,75 Hagener Guß 53,25 Harpener 161.— Hasper Eisen= und Stahlwerke 143.— sibernia 167,60 Hörder L. A. 106.— Hösch 139,75 Kölner Bergwerk 330,50 Königsborn 132,25 König Wilh. St.=Act. 167,80 „„ Prior=Act. 242,50 Küppersbusch Act.=Ges. 146.— Laurahütte 190,25 Louise Tiefb. St.=Act. 45.— „ Pr.=Act. 88.— Magdeburger Bergw. 445.— Märk. Maschinenbau Massener Mathildenhütte Menden=Schwerte St. Prior=Actien Nordd. Lloyd 106,60 Nordstern Bergw.=Act. 236,50 Oberschlesische Eisenindustrie 112,40 Phönix=Bergw. L. A. 125.— Rheinische Anthracit 125.25 Rheinischer Bergbau 98.75 Rheinische Stahlwerke 142,— Rhein.=Westf. Kalkw. 106,— Rombacher Hütte 140,50 Rothe Erde Dortmund—.— Schalker Gruben 327,— Schulz=Knaudt 154,25 Siegen=Solinger Guß 111.— Wasserwerk f. d. nördl Kohlenrevier 249,50 Westf. Drahtindustrie 148.— 888.— 111,50 103,25 5 Westf. Kupferwerke Westf. Stahlwerke Wicking'sche Portland Cementwerke Wissener St.=Prior. Wittener Glashütten Wittener Gußstahl Kurz Amsterdam " London " Brüssel " Paris " Wien Privatdiscont: 1 9/4% Tendenz: still. 74.— 119.— 139,30 97.— 156.— 168,75 20.47 81.300 81,30 85.40 Ueber Hautausschläge in a“: Gerr go###### Ihre, Ohermeyer'sHerbeSeise" bei zwei Patienten mit chronischem Ekzem in Anwendung gebracht und bin ich mit dem Erfolg sehr zufrieden. Zu haben in Apotheken, Drogerien und Fabrikant J. Gioth, panau 1. Bestandtheile: 90% Seise, 3% Arnica, 2% Salbei, 1,5% Wasserbecherkraut, 3,5% Harnkraut. Obige Seife empfiehlt Gustav Küllenberg, Bekanntmachung. Der commissarische Kreisschulinspector Hellweg zu Wanne ist von der Kgl. Regierung vom 15. August bis einschl. 4. September 5. Is. beurlaubt und ist die Vertretung in den Freizschulinigectionsgeschäften, soweit der Landkreis Gelsenkirchen in Betracht kommt, durch Verfügung der Kgl Regierung mir übertragen worden. Gelsenkirchen, 12. Aug. 1902. Der Königliche Landrath: Dr. Hammerschmidt. Versteigerung. Samstag, den 16. August, Vormittags 10 Uhr, werde ich in Ueckendorf, an der Wirthschaft Greitemeier, daselbst: 18236 1 Pultschrank, 1 Leinenschrank, 1 Glasschrank und 1 Spiegel Offentlich meistbietend gegen Baar versteigern. Ragermann, Gerichtorollzicher Carlstraße 6. Zuenzs=Verseigerung. Samstag, den 16. Aug. er. Vormittags 10 Uhr. werde ich vor der Wirthschaft Hagemann in Hüllen: 3 Schweine öfsentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. 12 Thomas, Gerichtsvollzieh., Gelsenkirchen. Wegen anhaltender Krankheit ist sofort ein schönes Gasthaus nebst schönem Garten mit Inventar zu verkaufen. Dasselbe liegt an vier Wegen zwischen 2 Zechen u. hat noch angrenzend schöne Baustellen. Anzahlung 25—30 Mille. Rest kann stehen bleiben mit 1% Abzahlung. Consum wird nachgewiesen. Gefl. Ossert. unt. Nr. 19175 an die Exped. dieser Zeitung. 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