1. Blatt Nr. 277 33. Jahrgang Gelsenkirchener Mittwoch, den 9. Oktober 1935 Allgemeine Zeitung Unabhängige Tageszeitung — Bezugspreis: halbmonatlich 1.05 RM. Selbstabholer 95 Rvig— Postbezug .32 RM mit Zustellgebühr— Illustrierte Beilage 15 Rpf monatlich besonders— Anzeigenpreise: nig 6 Reichspfennig, Familien=Anzeigen und einspaltige Anzeigen nicht geschäftlicher Art 5 ReichsErscheint täglich, auch So monatlich 2.32 Rm mit Zust—.—. I Samsen Vellage io ug mm einspaltig 6 Reichspfennig, Familien=Anzeigen und einspaltige Anzeigen nicht geschäftlicher u. o nenurpfennig— Nachlässe und Geschäftsbedingungen nach besonderer Preisliste— Textmillimeterzeile 35 Reichspfennig. für Groß=Gelsenkirchen Hauptgeschaftsstelle. Gildenbruchstraße 37. in Buer: Hochstraße 19.— weoffnet von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends.— Anzeigen=Annahme bis nachmittags 5 Uhr für die nächste Ausgabe— Postscheck=Koute Essen 13649— Fernsprech=Anschluß: Geschäftsstelle und Schriftleitung 218 41.— Geschäftsstelle Buer 306 4à— Verlag: CarI Bertenburg, Gelienkirchen. WOelt an Morgen Tritt Italien2; Völkerbund aus? Munununun PEiee Käell dem Völkerbund aus! hie Thron, hie Felsblock! Lächerlichkeiten im Kriege Nichts ist im Kriege wichtiger als die richtige Voraussicht. Wenn eine Truppe mit Mut und Draufgängertum eine feindliche Stellung nimmt und dann der Nachschub von Verpflegung und Munition nicht klappt, dann ist der Aufwand nutzlos vertan. Aehnliche Ueberlegungen hat anscheinend der Kaiser von Abessinien angestellt und daraufhin beschlossen, sich an die Front zu begeben. Die Sache muß aber„majestätisch“ vorbereitet werden. Und so schickte er zunächst seinen— Thron voraus. Das ist wichtig! Was soll auch der Negus bei den kämpfenden Truppen ohne Thron? Das geht eben in Afrika nicht! Aber die Italiener sind Haile Selassie sogar noch über. Als sie in Adua einzogen— wir wissen nicht genau, ob beim ersten, zweiten oder dritten Male, denn sie sind ja wiederholt wieder herausgeworfen worden— haben sie einen gewaltigen Felsblock als Denkmal mitgeschleppt. Es soll ein Erinnerungsstein sein für die im Jahre 1896 gefallenen Italiener und zugleich ein Siegesdenkmal, das die„Rache für Adua" im Jahre 1935 verkünden soll. Es ist ein ausgezeichneter Gedanke, schon während des Krieges gewissermaßen die Geschichte dieses Krieges in Stein und Erz zu schreiben. Uebrigens hatte es bei dem Dentmal allein nicht sein. Be wenden, vielmehr brachten die Italiener auch fertige Straßenschilder mit. Bald nach der Einnahme von Adua prangte an der Hauptstraße schon das Schild„Piazza Mussolini“. Seltene Bagagestücke, das muß ma. sagen. Ob wohl die Italiener auch für das avessinische Hochgebirge noch einige Felsblöcke mitgebracht haben? Oder eine Anzahl Esel, in der Annahme, daß die in Abessinien landesüblichen vielleicht den„Heeresdienst" bei den Italienern verweigern könnten? Es wird sich weisen. Gerissene Tarnung der kommunistischen Jugendorganisationen In Moskau geht die Tagung der Jugend=Komin tern noch immer weiter. Der Tscheche Michal gab bei dieser Gelegenheit in sehr offenherziger Form die Richtlinien bekannt, nach denen die kommunistischen Jugendgruppen in den einzelnen Ländern arbeiten sollen. Danach steht die zukünftige Arbeit im Zeichen gerissenster Tarnung, um auf diese Weise einen möglichst großen Kreis von Jugendlichen mit dem kommunistischen Gift zersetzen zu können. So sollen die Ländersektionen der Jugend=Komintern künftig einen„nationalen Charakter“ tragen und im Programm und Aufbau den tatsächlichen Bedingungen und Besonderheiten eines jeden Lan des Rechnung tragen. Die kommunistischen Jugendverbände müßten vor allem auch den jugendlichen Bestrebungen und Interessen, wie Sport, Wandern, Singen. Tanzen oder fremdsprechliches. technisches und wissenschaftliches Studium, entgegenkommen. Dabei müßten sie neben gesetzlicher auch ungesetzliche Tätigkeit entwickeln und gesetzliche, halbgesetzliche und ungesetzliche Arbeit in Einklang zu bringen wissen. In der Tschechei, dem neuesten Freundschaftsland der Sowjets, steht also die innerpolitische Wühlarbeit vor großen Aufgaben. In Deutschland braucht man sich wegen der Moskauer Taktik nicht viel den Kopf zerbrechen, denn bei uns ist der Kommunismus nicht nur scheintot, sondern erschlagen. Und wir alle werden den Führer in dem Bestreben unterstützen, den Bolschewismus auch in Zukunft aus Deutschland fernzuhalten. Fast zwei Millionen Arbeitslose in England. Die letzte englische Arbeitslosenziffer vom 23. September zeigt mit 1958610 eine Erhöhung um 10 646 gegenüber dem Vormonat; im Vergleich zum Vorjahr ist die Ziffer jedoch um 123377 niedriger Abermaliger Protest Aloisis gegen den Ratsbeschluß— Laval und Eden verhandeln über die Sühnemaßnahmen Der Dreifrontenkrieg in Abessinien X Genf. 9. Okt.(Drahtb.) Baron Aloisi hat an den Präsidenten des Völkerbundsrates ein Schreiben gerichtet, worin er nochmals dagegen protestiert, daß der Rat am Montag einen Beschluß über die Feststellung des Angreifers gefaßt habe, ohne daß der italienische Vertreter zu einer ausführlichen Stellungnahme Zeit gehabt hätte. Er behalte sich alle weiteren Schritte vor. Die unmittelbare Bedeutung dieses Schreibens ist, daß Aloisi darauf verzichtet, eine neue Ratssitzung zu beantragen, in der er, wie ihm anheim gestellt wurde, nachträglich seine Bemerkungen hätte vorbringen können. Die Tragweite der Note Aloisis an den Völkerbund wird in Genf ganz besonders unterstrichen. Wenn man auch noch nicht soweit geht, diese Note als ein Vorzeichen eines baldigen Austritts Italiens aus dem Völkerbund zu bezeichnen, so wird doch dieser Schritt als ein letzter ernsthafter„Verweis" und als letzte„Warnung“ an die Genfer Institution bezeichnet. Es wird erklärt, daß die Frage des Austritts Italiens aus dem Völkerbund nicht von Italien, sondern ausschließlich vom Völkerbund selbst und dem weiteren von ihm einzuschlagenden Wege abhänge. Die Anwendung von wirtschaftlichen Sanktionen an sich bedinge den Austritt Italiens aus dem Völkerbund noch nicht automarisch. Die italienische öffentliche Meinung verfolge, wie man in den gleichen zuständigen Kreisen zum Ausdruck bringt, die augenblicklichen Völkerbundsmanöver mit starkem Befremden, die man nicht anders als eine starrköpfige und parteiische antisaszistische Haltung auslegen könne. Selbstverständlich stehe fest, daß die„Genfer Einschüchterungsmethoden“ wirkungslos blieben. * Der Dienstag war in Gens vorbereitenden Besprechungen zwischen den maßgebenden Vertretern über die Frage der Sühnematnahmen gewidmet. Zur Beratung der französischen Abordnung ist der Leiter der handelspolitischen Abteilung des Außenministeriums, Coulondre. in Genf eingetrosfen. Luval und Eden hatten am Dienstagmittag eine Zusammenkunft. Die Völkerbundsversammlung wird am Mittwochnachmittag ihre Arbeiten mit einer allgemeinen Aussprache beginnen, in der Eden und wahrscheinlich auch Laval das Wort ergreisen werden. Hierauf soll eine Stellungnahme der Versammlung zu dem Ratsbeschluß über die Feststellung des Angreisers herbeigeführt werden. Suez-Kanal-Gesellschaft lehnt Schließung des Kanals ab X Paris, 8. Okt.(Drabtb.) Während allgemein angenommen wurde, daß bei der Monatsversammlung der Aktionäre der SuezKanal=Gesellschaft in Paris die Frage der Schließung des Kanals überhaupt nicht auf der Tagesordnung gestanden habe, glaubt der„Intransigeant“ zu wissen, daß sie auf dieser Sitzung erörtert und verneinend entschieden worden sei. In der Sitzung sei auch die britische Anregung. die Durchfahrtgebühr auf das Dreifache zu erhöhen, ebenfalls abgelehnt worden. Die Gebühren sind ohnehin so reichlich, daß die Gesellschaft zu beispiellos hoben Gewinnen kommt. Aegyptische Geldspenden für Abessinien X London, 8. Okt.(Drahtb.) Einer Meldung aus Alexandrien zufolge hat der gemeinsame mohammedanische und christliche Ausschuß unter dem Fürsten Omar Tussu und dem koptischen Patriarchen einen Aufruf an das ägyptische Volk zu Geldspenden für Abessinien erlassen. Der Aufruf wird damit begründet, daß Aegypten durch das materielle Band des Blauen Nils und durch ein religiöses Band mit Abessinien verknüpft sei. Eine Uebersichtskarte der drei Fronten, an denen zur Zeit in Abessinien gekämpft wird. Die eine von ihnen erstreckt sich über den Raum Aksum—Adua—Adiarat. Alle drei Städte sollen bereits von den Italienern genommen sein, nach anberen Meldungen jedoch noch nicht. Eine zweite Front entwickelt sich in der Nähe des Berges Mussa Ali. von wo die Italiener hauptsächlich in Richtung auf die einzige Eisenbahn Abessiniens vorstoßen. Die dritte und im Augenblick wohl wichtigste Front breitet sich in der Wüste in Ogaden aus, wo Gerlogubi gefallen sein soll. Bei der Fülle von einander widersprechenden Meldungen ist allerdings etwas Endgültiges über die gegenwärtige Kriegslage nicht zu sagen. (Graphische Werkstätten) a 8688 Soidare : Anna-Tsee Porkorgn NIENeute —∆ UeAnog KENTA „Vom Feinde gelöst“ Die Lage auf den abessinischen Kriegsschauplätzen— Ausweichende Abessinier Abessiniens einzige Eisenbahn X Addis Abeba, 8. Okt.(Drahtb.) Nach abessinischen Meldungen stellt sich die militärische Lage auf den verschiedenen Frontabschnitten folgendermaßen dar: Besehlsgemäß haben sich die abessinischen Truppen sowohl auf der Nord= als auch auf der Südfront vom Feinde geköst. Im Norden schreitet die Vorwärtsbewegung italienischer Truppen westlich des TakaseFlusses fort. In der Provinz Tigre wurde Aksum von den Italienern genommen. Die langsam auf Tekeleamimanot vorgehenden Italiener stehen drei Kilometer südlich von Adigrat. Im Gebiet des Mussa Ali sind keine Truppenbewegungen festzustellen. An der Somalifront rücken die italienischen Truppen in zwei Richtungen vor. Ausgehend von ihrer Basis in Dolo. bewegen sie sich gegen den Canale Doria=Fluß. Die zweite Vormarschlinie geht vor Gorahai Walwal in der Richtung auf Sassabaneh. In diesem Abschnitt wurde Ado von italienischen Streitkräften am Montag besetzt. An der Südfront herrscht hauptsächlich Fliegertätigkeit. Meldungen von der Nordfront lausen spärlich ein. da die einzige Telephonleitung von Adua über Makale und Dessie nach Addis Abeba seit der Einnahme Aduas unterbrochen ist. Hingegen ist die Telephonlinie nach Harrar und Diidjika noch in Betrieb. Die italienischen Fliegerangrisse gelten besonders den Einrichtungen zur Nachrichtenübermittlung. Der italienische heeresbericht X Rom, 8. Okt.(Drahtb.) Ueber den Fortgang der italienischen Operationen in Abessinien besagt der am Dienstaa um 13.30 Uhr ausgegebene amtliche Heeresbericht folgendes: „Im Verlause des 7. Oktober haben die Truppen die senseits von Adua besetzten Stellungen ausgebaut und die Verbindungslinien und den Zubringerdienst organisiert. Zahlreiche Pionierabteilungen und eine große Anzahl Arbeiter haben die rückwärtigen Verbindungen derart instand gesetzt, daß die Kraftwagenkolonnen bereits regelmäßig bis an die Front berankommen können.— Ein Gegenangrift auf Om=Ager wurde von den aus dem Grenzgebiet von Tessenei stammenden Askaris zurückgeschlagen.“ Massenüberläufe eingeborener italienischer Truppen X Addis Abeba, 8. Okt.(Drabtb.) Von amtlicher abessinischer Seite wird mitgeteilt: Meldungen von der Nordfront besagen, daß Massenüberläufe eingeborener Eritrea=Truppen nach Abessinien begonnen haben. Im Bebiet von Makale gingen 50 Eritrea=Askaris unter Führung ihres Vorgesetzten zu den Abessiniern über und brachten Kanonen und Maschinengewehre mit. Ein ähnlicher Uebertritt erfolgte bei Agame, wo 200 eingeborene italienische Soldaten mit Maschinengewehren übertraten. Britische Kirche für Sanktionen Konferenz der englischen Kirchenführer— Kampf der Ungerechtigkeit Die einzige Eisenbahn Abessiniens, die von der Hauptstadt Addis Abeba nach dem französtschen Hasen Ditbutt führt. Daß aber trotzdem das Kamel seinen Platz als Haupttransportmittel des Landes behauptet, beweist unser Bild. Eine Kamelkarawane überschreitet die Brücke dieser einzigen Eisenbahn, die jetzt nach Ausbruch des Krieges eins der wichtigsten Ziele der italienischen Operationen darstellt.(Aufn.: Presse=Bild=Zentrale, M.) X London, 9. Okt.(Drahtb.) Der Erzbischof von Canterbury, das Oberhaupt der Hochkirche, hat die Führer der anglikanischen Kirche, der Kirche von Schottland, der Freikirchen, sowie Vertreter der Heilsarmee für Freitag zu einer Konferenz über die internationale Lage eingeladen. Die katholische Kirche in England hat eine Einladung nicht erhalten, so daß nur das protestantische Element auf der Konferenz vertreten ist. Die Stellungnahme der englischen Kirchen zum italienisch=abessinischen Kouflikt wurde am Dienstag auf dem öffentlichen Kirchenkongreß in Bournemouth eingebend besprochen. Der Erzbischof von Canter= bury, Dr. Lana, erklärte: Wir stellen uns hinter die englische Regierung und unterstützen ihren Beschluß, sich mit anderen Völkerbundsmitgliedern zur Verteidigung der Völkerbundssatzung zusammenzuschließen. Der Erzbischof erklärte ferner, er sei entrüstet darüber, daß eine europäische Großmacht ihre seterlichen Verpflichtungen unter dem Völkerbunds= und Kelloggpakt mit zynischer Verachtung behandele. Wenn jemals ein nicht herausgeforderter Angriff stattgefunden habe, so sei es das Vorgehen Italiens in Abessivien. Manche Kreise(Lansburv) seien der Ansicht, daß man unter keinen Umständen zur Anwendung von Gewalt gegen den Angreiferstaat schreiten dürse. Er teile diese Ansicht nicht. Im Notfall müsse selbst die Anwendung von Gewaltmaßnahmen gegen Italien gebilligt werden.„Die Sicherstellung des Friedens innerhalb des Staates und zwischen den Staaten kann nur durch die Verteidigung und Behauptung der Gerechtigkeit und des Rechtszustandes erzielt werden. Dies kann unter Umständen sowohl im nationalen wie im internationalen Leben die Anwendung von Gewalt mit sich bringen.“ Die Gewaltanwendung, so fuhr der Erzbischof fort, sei jedoch kein endgültiges Heilmittel. In dem gegenwärtigen Konflikt müsse dem italienischen Bedürfnis nach Ausdehnung und nach einem besseren Zugang zu den Rohstoffgebieten volles Gewicht gegeben werden. Die Zeit sei jetzt gekommen, eine internationale Konferenz einzuberufen. um unpartelisch und grotmütig eine gerechtere Verteilung der wirtschaftlichen Quellen in den unentwickelten Erdteilen zu erwägen. Der Erzbischof verkündet, daß er noch im Laufe dieser Woche zusammen mit anderen Organisationen einen Aufruf zur Unterstützung des Roten Kreuzwerkes in Abessinien erlassen werde. Der Bischos von Chichester, Dr. Bell. lobte die feste Haltung. die der Völkerbundsrat am Montag eingenommen habe, erklärte jedoch, daß die meisten Schwierigkeiten der letzten Jahre teils auf die Ungerechtigkeit der Friedensverträge und teils auf die Nichterfüllung verjenigen Völkerbundsvorschriften durch die führenden Mitglieder zurückzuführen wären, die sich mit der Abrüstung und der Revision der Verträge befassen. Das Christentum müsse sich auch mit den Kriegsursachen beschäftigen. mit der ungerechten Gebietsverteilung, den ungleichen Kolonial= und Wirtschaftsverhältnissen und den ungerechten Vertragsabmachungen. Größte Klugheit und Entschlossenheit seien erforderlich, um diese Kriegsursachen zu beseitigen. Ein weiterer Redner, der Bischof von Winchester. Dr. Garbett, wandte sich in seiner Rede gegen das „Neuheidentum“ in England. Die Gefahr, der das Christentum in Großbritannien ausgesetzt sei. ergebe sich aus der Organssation der Gesellschaft auf rein säkularisti'her Grun lage. Wenn die englische Kirche In moralischer, sozialer und internationaler Hinsicht ihre Stellung verteidige, werde sie sich möglicherweise in der Zukunft in direkter Opposition zum Staat befinden und damit der unvermeidlichen Auflösung und Enteignung ausgesetzt sein. Steinwürfe gegen ein italienisches Konsulat. Die „Prensa“ meldet aus Veracruz, daß etwa 50 Kommunisten vor dem dortigen italienischen Konsulat demonstrierten und es mit Steinen bewarfen. Amerika warnt Italien vor Bombenabwürfe auf amerikanische Gebäude in Addis Abeba X Waibington, 9. Okt.(Drahtb.) Staatssekretür Hull teilte am Dienstag mit, daß er bereits am 5. Oktober in Rom Schritte unternommen habe, um Bombenabwürfe auf die amerikanische Gesandtschaft und amerikanische Häuser in Addis Abeba zu verhindern. Das Gesandtschaftsdach und die Dächer der dortigen Krankenhäuser, Schulen und anderen amerikanischen Gebäude seien mit dem Sternenbauner bedeckt oder mit den Farben der amerikanischen Nationalflagge angemalt worden. Der amerikanische Botschafter in Rom habe der italienischen Regierung dies mitgeteilt sowie unter Ueberreichung eines Stadtplanes von Addis Abeba nachdrücklich gefordert, daß die Kommandeure an der Front hiervon vorständigt würden. Die amerikanische Regierung erwarte, daß man amerikanisches Eigentum respektiere; sie glaube, daß danach beim italienischen Frontkommando kein Zweisel darüber bestehen könne, welche Plätze unter keinen Umständen angegriffen werden dürfen. * 130 italienische Untertanen haben am Dienstag die Stadt Diredaua verlassen. Aus der abessinischen Hauptstadt sind am Dienstag 110 Euroväer, unter ihnen auch deutsche Familien, mit dem Frühzug nach Dschibuti abgereist. Am Mittwoch werden weiter zahlreiche Ausländer Abessinien verlassen. Die Meldungen von einem Bombardement Addis Abebas durch italienische Flugzeuge werden als„unglaubliche Enten" bezeichnet. Der italienische Gesandte aus Addis Abeba ausgewiesen Er hielt mit einem Sender seine Regierung auf dem Laufenden X Genf, 9. Okt.(Drahtb.) Der abessinische Vertreter hat dem Generalsekretär des Völkerbundes in einer Rote mitgeteilt, daß die abefsinische Regierung sich veranlaßt sehe, den italienischen Gesandten in Addis Abeba und das gesamte Personal der Gesandtschaft zum Verlassen des abesstnischen Gebietes aufzufordern. Abessinien habe trotz des Ausbruches der Feindseligkeiten zunächst dem italienischen Gesandten ein weiteres Verbleiben in Addis Abeba gestatten wollen. Der Gesandte habe aber die ihm gewährte Gastfreundschaft dazu mißbraucht, um einen Sender in Betrieb zu halten und der abessinischen Regierung innere Schwierigkeiten zu verurfachen. Die italienische Gesandtschaft in Addis Abeba sei ein Svionaaezentrum und ein Herd von Intrigen und Komplotten gegen die öffentliche Ordnung in Abessinien geworden. Die Note versichert zum Schluß, daß die abessinische Regierung alle Maßnahmen zur höflichen Behandlung und zum Schutze der italienischen Beamten bei der Ausreise aus dem abessinischen Gebiet treffen werde. Wie aus Kbartum in gemeldet wird, ist der italienische Konsul In Gondar(Nord=Abessinien) mit seinem Stabe in Gallabat an der Sudangrenze eingetroffen. Er war von einer 45 Mann starken abessinischen Wache begleitet. Sobald die Straßen befahrbar sind. wird sich der Konsul im Kraftwagen nach Asmara in Eritrea begeben. Belgische Offiziere übernehmen die Ausbildung der abessinischen Polizei X Addis Abeba, 8. Okt.(Drabtb.) Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß die belgtsche Regierung den hier weilenden belgischen Ausbildungsoffizieren die Erlaubnis erteilt bat, in Abessinten zu bleiben. Die Offiziere werden die Ausbildung der abessinischen Polizei übernehmen. „Italiens Aktion in Ostafrika muß auch nach Adua fortgesetzt werden" X Rom, 9. Okt.(Drahtb.) „Italiens Aktion in Ostafrika muß auch nach Adua fortgesetzt werden", so erklärt das halbamtliche„Giornale d'Italia“ in seinem Leitartikel. In einigen ausländischen Kreisen habe man geglaubt, daß Italien nach der Eroberung von Adua haltmachen und die weitere Entwicklung auf divlomatischem Boden vornehmen werde. Diese Kreise hätten sich jedoch geirrt. Es handele sich nicht nur für Italien um eine Prestigefrage oder um den Nationalstolz. vielmehr müsse dem „neuesten Angriffszustand“. Abessiniens ein Ende gesetzt werden. Professor Dr. Hunke zum Ministerialrat ernannt. Der Führer und Reichskanzler hat den stellvertretennin den Präsidenten des Werberates der deutschen Wirtschaft. Dr. Heinrich Hunke, zum Ministerialrat erRannt Lansburg— das erste Sanktionsopfer Er legt den Vorsitz der Arbeiterpartei nieder X London, 9. Okt.(Drahtb.) George Lansbury ist am Dienstag von seinem Posten als Führer der oppositionellen Arbeiterpartei zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde einstimmig der stellvertretende Fraktionsführer der Partei, Major Attlee, gewählt. Der Grund für den Rücktritt Lansburys ist die Tatsache, daß er die mit überwiegender Mehrheit angenommene Entscheidung seiner Partei, Sühnemaßnahmen gegen Italien zu fordern, nicht billiate. Der Führerwechsel erfolgte am Dienstag in einer Sonversitzung der Arbeiterparteilichen Unterhausfraktion, nachdem Lansbury zunächst mit einem Mehrheitsverhältnis von 6:1 gebeten worden war, seinen Entschluß rückgängig zu machen. Lansbury bestand jedoch auf seiner Forderung, die hierauf mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns angenommen wurde. * Nachdem in Downingstreet Nr. 10 am Dienstag bereits eine Reihe von Vorbesprechungen stattgefunden hat, an denen sich auch Kolonialminister Sir Cunliff Lister beteiligte, tritt am Mittwoch das britische Kabinett zu einer Vollsitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht, wie angenommen werden darf, die Frage der Sühnemaßnahmen gegen Italien, über die in Genf in diesen Tagen eine Entscheidung herbeigeführt werden soll. Fünf Berliner Schlächtereien geschlossen X Berlin, 8. Okt.(Drahtb.) Der Polizeipräsident von Berlin teilt mit: „In den letzten Tagen sind bei Aufkäufen von Schweinefleisch außerhalb Berlins die festgesetzten Höchstpreise wiederholt überschritten worden. Ich habe wegen dieses Verstoßes gegen die Preisfestsetzungsbestimmungen und der damit verbundenen Gefäbrdung der Preisgestaltung füns Berliner Schlächtern die Fortführung ihrer Betriebe untersagt und gleichzeitig die Schließung ihrer Geschäfte angeordnet. Ich mache alle beteiligten Kreise erneut darauf aufmerksam, daß ich jeden weiteren Fall eines Verstoßes gegen die Preisfestsetzungsbestimmungen mit gleichen Maßnahmen ahnden werde.“ Deutsch-englische Fronkkameradschaft Andenken an gefallene Deutsche werden zurückgegeben &a London, 9. Okt.(Drabtb.) Wie die„Evening News“ meldet, beabsichtigt die Landesgruppe Kent des englischen Frontkämpferbundes Britisb Legion, die im Besitz ihrer 15000 Mitglieder befindlichen Wertgegenstände aus dem Weltkrieg, die Eigentum gefallener deutscher Frontkämpfer waren, nach Deutschland zurückzusenden handelt sich insbesondere um Briestaschen, Briese, Uhren und ähnliche Gegenstände. Der Präsident der Landesgruppe, Hauptmann Gordin Larking. sagte in einer Presseunterredung:„Es muß viele Familien in Deutschland geben, denen all diese Gegenstände etwas bedeuten. Den Vertretern der British Legion hat man bei ihrem Besuch in Deutschland eine Anzahl von Briefen übergeben, die im Weltkrieg bei gefallenen Tommies gefunden worden sind. Diese Briese wurden an die Verwandten weitergeleitet. Das ist eine schöne Geste und ich denke, daß wir sie erwidern sollten.“ 9 Die Schaffenden heifen!“ Dr. Ley ruft die Arbeiter der Stirn und der Faust 24 nannt. X Berlin. 8. Okt.(Drabtb.) Der„Angriff“, die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront, veröffentlicht folgenden Aufruf von Dr. Robert Ley zum Winterhilfswerk: Kameraden der Deutschen Arbeitfront! Betriebsführer und Gefolgschaften! Der Führer eröffnet am 9. Oktober 1935 das Winterbilfswerk des deutschen Volkes 1935/36. Wer jahrelang die Not am eigenen Leibe verspüren mußte und jetzt dank der nationalsozialistischen Staatsführung wieder in Arbeit und Brot gekommen ist, kann ermessen, was es bedeutet. wenn Millionen hilfsbedürftiger Volksgenossen auf unsere Opferbereitschaft warten. Als schaffende deutsche Menschen wollen wir es nicht zulassen, daß andere bungern und frieren in einer Zeit, in der uns die Möglichkeit eines gesicherten Daseins gewährleistet wird. Kameraden! Die Not der anderen ist auch unsere Not. und wir. die wir in der Deutschen Arbeitsfront vereinigt sind, wollen es als unsere Ehrensache betrachten, ein leuchtendes Vorbild der Opferwilligkeit zu sein und zugleich damit unsere Pflichterfüllung unter Beweis stellen, die wir der Nation schuldig sind. Arbeiter der Stirn und der Faust! Auch in diesem Jahre werden wir der Welt ein Beispiel echten Zusammenbaltens geben, werden ihr zeigen. daß das schaffende deutsche Volk mit eisernem Willen bereit ist, auch diejenigen über den kommenden Winter zu bringen, die unserer Hilfe bedürfen. Die Gemeinschaft. die wir in der Deutschen Arbeitsfront immer und immer predigen. werden wir jetzt auch praktisch beweisen. Jeder einzelne opfert nach bestem Können. Keiner wird sich dieser Ehrenpflicht entziehen. Wir alle, die wir in der Deutschen Arbeitsfront. der Gemeinschaft der Schaffenden, zusammengeschlossen sind. werden mit allen Kräften dazu beitragen, daß auch in diesem Jahre das Winterhilfswerk ein voller Erfolg wird, ein Beweis dafür, daß die Gemeinschaft keinen, den sie in ihre Mitte ausgenommen hat. Not leiden läßt.(gez.) Dr. Robert Ley. Dr. Goebbels beim Winkerhilfswerk X Berlin, 8. Okt.(Drahtb.) Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36 wird, wie bereits mitgeteilt, am Mittwoch durch den Führer und Reichskanzler eröffnet. In den Räumen des Hauptamtes der NSV am Maybach=Ufer in Berlin=Neukölln, das auch die Organisation des WHW beherbergt, wird nach einer kurzen Sommerpause wieder mit Hochdruck gearbeitet. Am Dienstagnachmittag stattete Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, unter dessen Aufsicht die NSV und damit auch das WHW steht, den Einrichtungen des Winterhilfswerks einen einstündigen Besuch ab. Unter Führung des Reichsbeauftragten für das Hauptamtsleiter Hilgenfeldt, besichtigte der Minister die einzelnen Abteilungen, insbesondere die Organisations= und Verwaltungsstelle sowie die Abteilungen Kohlenversorgung und Graphik. Die gewaltigen Zahlen, mit denen das Winterhilfswerk arbeitet, müssen immer wieder Staunen erregen. Beispielsweise geht ein Viertel der gesamten Hausbrandversorgung Deutschlands, nämlich 2645 000 Zentner, durch das WHW Fast auf allen Gebieten ist das W.HW zum Hauptsaktor der Wirtschaftsankurbelung geworden. Nach der Besichtigung hielt Reichsminister Dr. Gocbbels eine Ansprache an die Gefolgschaft. Der Minister hob den Wert des WHW für die Moral des Volkes hervor. Wenn einmal schwere Zeiten über das deutsche Volk kommen sollten, dann würde dieses Hilfswerk seine Früchte tragen. Immer werde die Regierung bemüht sein, dem Volk das Leben erträglich zu machen. Klappt es heute! Zehn Tage wartet die Welt schon auf das Wahlergebnis im Memelgebiet X Kowno, 8. Okt.(Drahtb.) Am zehnten Tage nach der Wahl zum Memelländischen Landtag, Dienstagmorgen, begann die eigentliche Zählung der Stimmzettel. Nachdem in den bisherigen drei Runden die Stimmzettel nach den Namen der Kandidaten aussortiert worden sind, werden sie jetzt gezöhlt und in Hunderter=Bündeln zusammengefaßt. Die Zählung, an der nach wie vor 200 Zähler sich beteiligen, wird voraussichtlich erst am Mittwochabend zum Abschluß kommen. Mit Zuversicht und der gleichen Geduld wie bei der Wahlhandlung sehen die Memelländer der Bekanntgabe des Ergebnisses dieser komplizierten Wahl entgegen. Zusammenarbeit zwischen der DAx und der Deutschen Rechtsfront X Berlin, 8. Okt.(Drahtb.) Der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Reichsleiter Dr. Ley, und der Reichsjuristenführer, Reichsleiter Reichsminister Dr. Frank, haben am 6. Oktober eine gemeinsame Anordnung herausgegeben, durch welche alle Einzelheiten der Abgrenzung zwischen der Deutschen Arbeitsfront und der Deutschen Rechtsfront geregelt und die Richtlinien der künftigen Zusammenarbeit festgelegt werden. Habotageakte von Streikenden zur Unterbindung der Milchzufuhr nach Chicago X Chicago, 8. Okt.(Drahtb.) In dem Milchlieferstreik in Nord=Illinois ist es in den letzten Tagen erneut zu Absschreitungen gekommen. Die Streikenden haben mit allen Mitteln versucht, die Milchzufuhr nach Chicago zu verhindern. Sie sprengten eine hölzerne Eisenbahnbrücke und steckten eine andere Brücke in Brand, auch Eisenbahngleise wurden auf einer kurzen Strecke gesprenst. Der Gouverneur hat verstärkten Polizeischutz für die Landstraßen und die Eisenbahnstrecken angeordnet. Werdet Mitglieder der Ortsgruppe Gelsenkirchen des Reichsluftschutzbundes Anmeldestellen: Verkehrsverein Gelsenkirchen— Pförtner des HansSachs=Hauses— Rathaus Buer, Zimmer 38.— Verwaltungsgebäude Horst. Zimmer 19. Selbstauflösung der Deutschen Burschenschaft Kameradschaftsaufbau des NS=Studentenbundes X Berlin, 8. Okt.(Drabtb.) Die Deutsche Burschenschaft hat in Leipzig eine Tagung ihrer Bundesleiter und aktiven Sprecher abgehalten, auf der der Reichsamtsleiter des NSDStB. Pa Derichsweiler, anwesend war und freudig begrüßt wurde. Unter begeistertem Beifall legte er in grundsätzlichen Ausführungen den Weg des NSDStB in Vergangenheit und Zukunft dar. Die Deutsche Burschenschaft erteilte einstimmig dem Bundesführer Pa Rechtsanwalt Glauning die Vollmacht. in gegebener Zeit den Verband Deutsche Burschenschaft aufzulösen und die einzelnen Burschenschaften dem NSDStB als Kameradschaften zur Verfügung zu stellen. Am historischen Tage des Wartburgfestes, dem 13. Oktober, wird sich die Deutsche Burschenschaft zu einer großen Kundgebung auf der Wartburg treffen. um in feierlicher Form sich aufzulösen und die Eingliederung der aktiven Burschenschaften in den NSDStB vorzunehmen. * Der Beschluß ist von historischer Bedeutung in der Geschichte des gesamten deutschen Studententums. Der größte und bedeutendste akademische Verband auf den deutschen Hochschulen faßt den Entschluß, sich aufzulösen und seine Glieder als Kameradschaften dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zuzuführen. Dieser Beschluß ist entstanden aus der klaren Erkenntnis, daß die Ziele, die die Deutsche Burschenschaft sich gesteckt hat, durch die nationalsozialistische Bewegung in die politische Tat umgesetzt worden sind. Alte Formen müssen daher verschwinden und einmünden in den großen politischen Kraftstrom, der heute das deutsche Volk erfüllt. Es gibt wohl kein Studententum, das so stark in der Tradition wurzelt und auf so ausgesprochenen Eigenarten ruht, wie das deutsche. Auch nach der Machtübernahme hat es nicht an Versuchen gefehlt. den alten Geist und die alten Formen neu zu beleben. Es gab eine bestimmte Gruppe von sogenannten Verbandspolitikern, die es mit allen Mitteln verstanden. sich wieder in die Führung der akademischen Verbände hinaufzuarbeiten, obwohl sie vorher versagt hatten. Der Weg des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes geht nun dahin, die wirklich gesunden Gemeinschaften, die an den Hochschulen bestehen, als Kameradschaften unter Beseitigung der alten Formen in sich einzugliedern. Die 110 Korvorationen der Deutschen Burschenschaft werden dabei einen gewissen Grundstock bilden. Der Name Burschenschaft und die äußerlichen Merkmale wie Band und Mütze werden aus dem Bilde der Hochschule verschwinden. Jener revolutionäre politische Geist aber, der in der Urburschenschaft gelebt hat, wird in diesen neuen Kameradschaften, die die alten Namen tragen, weiterleben. Unterhaltungs-Ecke Zwischen zehn und dreiundzwanzig Gegen neun Uhr erwachte ich. Die Sonne schien Gegen neun Uhr erwachte ich. Die Sonne schien durch das große Atelierfenster. Schnell sprang ich aus dem Bett und lief zum Spiegel, ein glückliches Lächeln lag auf meinem Gesicht. Das ist immer so, wenn ein Traum, den man seit Jahren geträumt hat, in Erfüllung geht. Glück hatte ich gehabt! Einige meiner Bilder waren getauft worden, und ich tat ein übriges: suchte und fand neue Aufträge. Viele Wochen und Monate hatte ich geschuftet und gespart. Und heute morgen konnte ich zur Bank geben und eine hübsche Summe abheben, die es mir ermöglichen sollte, meine Italienreise zu verwirklichen. Welches Maler= und Dichterherz schlägt nicht höber, wenn ihm dieses bevorsteht. Italien! Für viele Wochen würde das Geld reichen, eine lange Zeit würde es mir vergönnt sein, alle die Stätten erhabener Kunst aufzusuchen, dem blauen Meer zu begegnen, mit jenen einsamen Seglern am Horizont, die Sonne zu spüren, die Petrarka besungen und Michelangelo gemalt hat. Und darum war so viel Glück in mir an jenem Morgen, so viel Dankbarkeit und Freude. Gegen Mittag holte ich das Geld und verbrachte den Rest des Tages mit Relsevorbereitungen. Mein Zug ging um Mitternacht. Gegen Abend schlenderte ich durch die Straßen der heimatlichen Stadt, um mich noch ein letztes Mal vor dem großen Abenteuer am Anblick der vertrauten Straßen, der Gäßchen und Plätze zu erfreuen. Ich wollte Abschied nehmen von der Heimatstadt. Um 19 Uhr kam ich an einem Kino vorbei. Es gab einen Film, den ich schon lange sehen wollte, ich blieb stehen und betrachtete die Photographien. Ich hatte ja Zeit und löste kurz entschlossen eine Eintrittskarte. Der große dunkle Raum nahm mich aus. Ich zwängte mich zwischen den Sitzreihen hindurch auf meinen Platz und war bald ganz bei dem Spiel auf der Leinwand. Um 21 Uhr verließ ich das Kino und schlenderte In Richtung der Vorstadt hinaus, wo ich in einem kleinen Gasthaus zu Abend essen wollte. Dort gab es einen Raum mit Holztischen und Bänken, billigen Wein und gute Hausmannskost. Behaglich verzehrte ich mein Abendbrot und träumte vor mich bin. Die Zeit verging. Gegen 22 Uhr griff ich in die Tasche, um zu zahlen. Ich suchte nach meiner Brieftasche, ich griff in sämtliche Taschen: sie war fort. Zuerst war ich nicht sehr heunruhigt. Sicher hatte ich sie daheim im Atelier liegen lassen. Ich zahlte mit dem Kleingeld aus meiner Börse und ging schnurstracks nach Hause. Dort begann ich zu suchen, in sämtlichen Schubladen sah ich nach, kramte im Schrank, öffnete meinen Koffer, durchstöberte ihn bis auf den Grund. Ich durchsuchte sämtliche Taschen meiner Röcke, Hosen und Mäntel, ich kroch unters Bett, sah unter dem Teppich nach. Nichts. Die Brieftasche war verschwunden! Das war ein harter Schlag für mich. Ich saß mitten in meinem Atelier, wie betäubt. Minutenlang konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Meine Reise, der Traum von Jahren. Es war nicht so sehr das Geld, um das es mir ging, es war Italien, das ich verloren glaubte, für immer. Nach einer geraumen Weile jedoch begann ich klarer zu denken und sing an, mich mit aller Macht darauf zu konzentrieren, wie ich das Geld wiederfinden könnte. Vorausgesetzt, ich hatte hier im Atelier keine Möglichkeit übersehen, so mußte ich die Tasche unterwegs verloren haben. Ich nahm Hut und Mantel und stürzie hinaus. In einem Case, das ich am Nachmittag besucht hatte, fragte ich nach dem Ober, aber er war schon abgelöst worden, und sein Kollege wußte nichts von der Sache. Jetzt blieb noch das Kino. Ich stürmte weiter und stand kurz darauf vor dem Eingang des Lichtspieltheaters. Die letzte Vorstellung lief, und der Türschließer wollte mich nicht hereinlassen. „Mein Herr“, sagte er,„jetzt mitten in der Vorstellung? Wir können doch die Zuschaber nicht stören! Die Augen jedoch, mit denen ich ihn anblickte, schienen einen so überwältigenden Eindruck auf den Mann zu machen, daß er schließlich nachgab. Wir glitten beide in den dunklen Raum, und ich bezeichnete, so gut ich konnte, die Sitzreihe und den innegehabten Sitz. Ich sah den Mann wie einen dunklen Schatten die Reihe entlanggleiten. Das Theater war dichtgedrängt voll Menschen— jetzt schien er an meinem Platz angelangt zu sein— jetzt bückte er sich und kam sekundenlang nicht zum Vorschein. Mir wurde vor Aufregung schwarz vor den Augen, ich sah nichts mehr. Plötzlich berührte jemand meine Schulter, ich wurde sanft in die hell erleuchtete Vorhalle hinausgeschoben. Das erste, worauf mein Blick haften blieb, war— meine Brieftasche. Der Mann hielt sie in der Hand und lächelte: „Sie haben Glück gehabt, mein Herr. Wir haben hier lausende Vorstellungen, der Zuschauerraum bleibt ständig dunkel.“ Ich war zu erschüttert, um sprechen zu können. Mechanisch griff ich in die Brieftasche und zog einen Schein hervor und drückte ihn dem Mann in die Hand. „War wohl viel drin?“ fragte er leise. „Ja“, sagte ich,„viel Sonne und das Meer!" Dann drehte ich mich um und ging hinaus. Eine Uhr schlug elf Mal! Eine Stunde hatte das nur gedauert? Mir war, als seien Ewigkeiten vergangen. Um Mitternacht reiste ich ab. Telephongespenst murmelt:„Fieärzähn Uhr älff!“ Berlin hat ein Telephongespenst— man dreht „A—K“ und eine gebeimnisvolle Stimme meldet sich „fieärrzehn Uhr älsf“— und dann noch einmal „fieärrzähn Uhr älfs“— dann summt es und dann kommt„sieärrzehn Uhr zwölff“. Die neue Zeitangabe: d. h. sie gab es schon Immer, aber früher mußte man noch„danke“ sagen, was heute, ohne als Mangel an Höflichkeit ausgelegt zu werden. nicht mehr vonnöten ist. Die Reichspost hat die Eintönigkeit des Dienstes der Zeitdame aufgehoben und hat einen automatischen Zeitansager angebracht— man wählt und immer die gleiche Stimme spricht die Zeit— vierundzwanzig Stunden lang. Man bat die Stimme eines Mädchens ausgenommen— auf einen Tonfilmstreifen könnte man sagen, und ließ sie die Minuten und die Stunden sprechen und kombinierte dann die Zeitansagen zusammen. Sie sprach einmal um den Minutenzeiger herum und einmal die vierundzwanzig Stunden und dann überließ sie es den Technikern. Man soll aber nicht glauben, daß es nun sehr einfach gewesen sei. dieses neue System einer Uhrzeitansage herauszufinden. Man suchte unter den Telephonistinnen eine Dame heraus. deren Stimme den prüsenden Männern am meisten zusagte und übte mit ihr erst einmal das Sprechen der Zahl ein. Es galt in dem Band die Eintönigkeit der Sprache so zu überwinden, daß trotz alledem die Stimme des Mädchens noch zu erkennen war— es sollte also durch die vollendete Technik der Mensch zu erkennen sein. Wenn man nun wählt, so klingt das Sprechen dieser Uhr beruhigend— man könnte darum allen denen, die es morgens oder abends eilig haben. nur empfehlen, sich ausschließlich durch die die Uhrzeit anmeldenden Sprecherin beruhigen zu lassen— völlig unverbindlich, man braucht nicht einma!„danke“ zu sagen. Daß aber das Sprechen noch natürlich ist, bestätigt die Sprecherin selbst, als sie sagte, daß die Eltern und der Bruder die Stimme sofort erkannten. ein Bekannter aber nicht. Allerdings meinte die Sprecherin selbst, daß sie es nicht sein könne, da müsse noch jemand anders reingesprochen haben. Ein wenig klagend kommt die Stimme aus der gespenstischen Gehörmuschel des Telephons. Es ist doch ein wenig unangeneum— da so einen Geist sprechen zu hören. Man hat aber die Gewißheit, es ganz genau und exakt zu hören— dieses„fieärrzähn Uhr einssundzwanzich". Man muß sich aber hüten. schlecht zu wählen, denn stellt man die Zahlen um— K—..— dann kommt das Uebersallkommando. Betrunkene haben jetzt wenigstens eine Ausrede:„Ich wollte doch bloß wissen, wie spät es ist.“ 2. Blatt Nr. 277 33. Jahrgang Gelsenkirchener Allgemeine Seitung den 9. Rktober 1935 Aus Groß-Gelsenkirchen 9. Oktober 1935 Alt-Selsenkirchen Das lernt uns dann vergessen.. Ja, jetzt geht es auf den Winter. Blattlos steht schon manch Gewächs,— Kaum begann der Tag,— verrinnt er, Abend wird's bereits um sechs... Solch Gefühl stimmt viele traurig: Stiom und Heizung braucht man sehr! Beim Drandenken schon erschau'r ich: Wo nimmst du den Zaster her? Dem Gefühl in trüben Stunden Brech ich schnellstens das Genick.— Ist erst dieses überwunden. Spring ich rein ins neue Glück... Dann zieht es leis’ mich bin Zum traulichen Kamin. Dort fühl ich mich geborgen. Pseif heute schon auf morgen— Ich lieg im Schlummerschein. Spendier mir'n Flascherl Wein.— Das lernt mich dann vergessen. Was einst im Frühling war! Schwellen auch die Regenmassen. Jamm're ruhig, doch nicht so laut: Letzter Inbegriff des Nassen. Geht ja nur bis auf die Haut... Will der Herbststurm mal dich rupfen. Tritt ihn zärtlich vor den Bauch... Höchstens setzt es noch'nen Schnupfen, Biste den los, freut's dich auch... Haste dann noch einen Husten. Halt die Hand vor deinen Mund— Auf den Husten kannste pusten, Und du fühlst dich kerngesund... Dann zieht es leis' dich hin Zum traulichen Kamin, Dort fühlst du dich geborgen. Pfeifst heute schon auf morgen... Du liegst im Schlummerschein. Svendierst dir'n Flascherl Wein.— Das lernt auch dich vergessen Was einst im Frübling war!(ek) Es ging noch mal gut Gestern gegen elf Uhr ereignete sich auf der Kreuzung Grenz= und Viktoriastraße ein Autounfall, der insofern noch glimpflich verlief, als er Menschen nicht zu Schaden kommen ließ. Mitten auf dem Kreuzungsviereck prallte ein aus Richtung Schalkerstraße kommender Opel=Lastwagen auf einen vom Schalker Markt die Viktoriastraße verabfahrenden viersitzigen Opel=Personenwagen und setzte diesen auf den gegenüberliegenden Bürgersteig. Glücklicherweise fuhr der mit Sägemehl beladene, etwa 2½ Tonnen fassende Lastwagen nicht mit sehr großer Geschwindigkeit, immerhin war der Zusammenstoß stark genug, um den von einer Dame gesteuerten Personenwagen schwer zu beschädigen. Am Lastwagen wurde der Kotflügel beschädigt und eine Lampe zertrümmert. Die Polizei war zur Stelle und nahm den Tatbestand auf.(Hu) Verkehrsunfalls-Chronik An der Ecke Ida= und Wilhelminenstraße stießen am Montagnachmittag ein 15jähriger Radfahrer und ein Personenkraftwagen zusammen. Der Radfahrer kam zu Fall und erlitt Beinquetschungen. Er wurde von dem Führer des Personenkraftwagens in das kath. Krankenhaus gebracht. Am gleichen Tage wurde auf dem Bahnhofsvorplatz eine Radfahrerin von einem Lastkraftwagen angefahren und zu Boden geworfen. Die Radfahrerin kam mit leichten Knieverletzungen davon. Zu einem weiteren Verkehrsunfall kam es am gleichen Tage auf der Schalkerstraße, wo eine 11jährige Schülerin beim Ueberqueren des Fahrdamms von einem Personenkraftwagen erfaßt wurde. Das Mädchen erlitt einen linken Oberarm= und rechten Oberschenkelbruch. Es wurde ins Krankenhaus transvortiert. Nach den bisherigen Ermittlungen hat das Mädchen selbst die Schuld an dem Unfall, weil es achtlos die Straße überquert hat. Die Fluchtlinienpläne für die Uferstraße von der Hafenbrücke bis zur Bogenstraße sind festgesetzt. Ferner sind die Fluchtlinien für das Gelände zwischen Röck=, Vincke=, Hülser Straße. Nollenvad und verlängertem Diesingweg förmlich festgestellt. Die Pläne liegen im Hans=Sachs=Haus. Zimmer 500 öffentlich aus. Wer kennt die Fahrraddiebe? Am 5. Oktober wurde gegen 14.45 Uhr vom Hofe des Hauses Heinrichstr. 45 ein fast neues Herrenfahrrad gestohlen. Als Diebe sollen zwei junge Männer in Betracht kommen. die sich zu der Tatzeit dort herumgetrieben haben. Personen, die hierzu Angaben machen können, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden. werden gebeten. bei der Kriminalvolizei. Polizeiamt. Ahstraße 24. Zimmer 87. vorzusprechen. Volbsgenossen und Vollsgenossinnen! Drei Jahre Kampf für Führer, Volk und Vaterland liegen hinter uns. Das Arbeitslosenheer der 6 Millionen ist auf 1¾ Millionen zusammengeschmolzen Das Reich ist kein Spielball fremder Mächte mehr, sondern das vom Führer geschaffene Volksheer sichert der Nation Freiheit und Brot, nicht geschaffen für den Krieg, sondern für den Frieden, zum Wohle der Aufbauarbeit des deutschen Volkes. Ueber Deutschland weht das Hakenkreuzbanner, das Symbol des Glaubens an Deutschlands Wiederaufstieg. Die Flagge Schwarz=Weiß=Rot ist in Ehren eingerollt; sie gehört einem vergangenen Deutschland der Ehre. Wer will nach diesen gewaltigen Siegen der nationalsozialistischen Erhebung abseits stehen? Das größte soziale Werk der Welt beginnt mit dem heutigen Tage, das Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Noch befinden sich viele unserer Volksgenossen in nicht geregelten Verhältnissen. Noch gilt es dem Rufe:„Keiner darf auch in diesem Winter hungern und frieren“ die Tat folgen zu lassen. Beweist unter Adolf Hitlers Führung im Winterhilfswerk Christentum der Tat. Wir müssen eine Volksgemeinschaft sein. Reißt die uns noch trennenden Mauern nieder. Ihr, die Ihr durch das Schicksal besser gestellt seid, opfert und gebt mit vollen Händen. Beweist den noch darbenden Volksgenossen, daß Eure Solidarität nicht eine leere Phrase sondern Tatwille ist. Spender, Helfer und Helferinnen ans Werk! Es gilt, die Leistungen des Winterhilfswerkes des Winters 1934/35 noch zu übertreffen. Der Führer ist die Partei, die Partei ist Deutschland. Heute Unterhaltungsblatt Redaktions= Sprechstunden von 12 bis 13 Uhr und von 17 bis 18 Uhr werktäglich(mit Ausnahme des Samstags) Heil Hitler! Alfred Meyer, Gauleiter. Bühne und Volk! Humor und Augenweide Blick in die Ausstellungshallen Hammerschläge hallen durch das weite Hallenrund und mancher Nagel versenkt sich in das feste Holz. Ein Schlag jagt den anderen... Man gewöhnt sich daran, an dieses geräuschvolle Treiben in der Ausstellungshalle, in der die Vorbereitungen zu dem großen Volksfest: Bühne und Volk! im Gange sind. Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit baut sich vor unseren Augen auf, ballt sich zusammen zu einem großen Ganzen, das zum Wochenende uns nicht nur eine Freude, sondern darüber hinaus weit mehr bieten wird. Bunt ist alles ringsum, geschaffen von regen Händen aus Kleister= und Farbenpott, aus unerschöpflichen Gedanken. Bunte Figuren scheinen durch die Hallen zu schweben, sich in den vielen bunten Bändern zu verlieren, um doch zum Schluß wieder versinnbildend vor uns zu stehen. Man sucht sich ein ruhiges Plätzchen, versucht durch das Bändergewirr sich einen Einblick in all das zu verschaffen, was uns bevorsteht. Irgendwoher tönt leise eine bekannte Melodie, man schließt die Augen uno Einsteigen zur Grubenfahrt! Rein in den Grubenhund, und los geht die Fahrt durch den Stollen bis vor Ort. Unbeholfen stolpern wir über Hacken= und Schaufelstiele, das trübe Licht der Grubenlampe weist uns den Weg zu den Gezähekisten und aus den Kaffeepullen läßt man sich köstliche Erfrischungen reichen. Raus gehts wieder ins Helle zu fröhlichem Fenstersturm auf das LiebtnechtHaus. Fenster krachen, Hüte fliegen, Eimer rappeln. Oh, welche Lust, dabei zu sein! Ein Dutzend— oder waren's mehr— Mädchenbeine rasen übers Podium, Holzschuhe klappern, Melodien aus„Zar und Zimmermann“ überfallen uns. Doch schnell wie ein Spuk ist das bunte Bild entschwunden, wir treffen es anderswo wieder, in einer noch bunteren Umgebung, während Gesang und Musik unseren Streifzug untermalen. „Ich möchte mal irgendwas erleben, heute abend komm ich zu dir und hol dir vom Himmel das Blau“, ein buntes Wirrwarr nicht nur, sondern auch ein Erleben, geschaffen durch den arbeitsfrohen Einsatz unserer jungen Theaterkräfte.„Wir bauen auf“, das ist ihr Wille,„wir schaffen die Grundlage für das Theater und ihr alle, die ihr heute durch all die Schönheiten des Abends hindurch steuert, ihr helft uns das Heim schaffen, das wir für unser Schaffen brauchen.“ All die Buntheit, die nun einmal das Theaterleben maßgebend durchzieht, sehen wir hier vor unseren Augen aufgebaut und Kostproben eines uns bevarBeachte sorgfältig die Anregungen und Vorschriften über die Verdunrelungsübung! stehenden Genusses sind es, die wir kosten dürfen. Es klingt, es singt, Namen verwehen, Melodien rauschen durch den Raum, sich ständig ablösend. Im Winzerstüb1 erleben wir ehrliche Weinfröhlichkeit beim Patenwein aus Traben=Trarbach, der Winzerbrunnen vervollständigt das frohe Bilo.... Krach...., jäh wird man in die Wirklichkeit zurückgerissen. Vor uns stehen die leeren Stühle, Das Streben nach besseren Zugverbindungen Anträge des städtischen Verkehrsamtes Das städtische Verkehrsamt hat den zuständigen Stellen eine Reibe von Anträgen zum Jahresfahrplan der Reichsbahn für 1936/37 unterbreitet, so u. a. die Einlegung eines T=Zubringerzuges von Gelsenkirchen=Wattenscheid nach Bochum=Langendreer zu dem BP 376 Oberhausen—Frankfurt und eines entsprechenden Gegenzuges. Der BP 376 ist der einzige durchgehende beschleunigte Personenzug nach Hagen—Siegen—Frankfurt, der auch von Gelsenkirchen aus viel henutzt wird u. a. auch für Sauerlandfahrten nach Finnentrov. Altenhundem usw. Ferner hat das städtische Verkehrsamt die Verlegung der NRuhrschnellzüge, die von der Köln=Mindener Strecke z. Z. nur bis Dortmund einerseits und bis Duisburg andererseits verkehren, über Dortmund hinaus bis Hamm und über Duisburg hinaus bis Düsseldoe und Köln beantragt. Auch die Wiedereinlegung des Eilzuges E 34 Dortmund—Gel= senkirchen—Köln=Hbf. möglichst unter Zusammenschluß mit dem Eilzug 154 Köln—Saarbrücken wurde beantragt. Es würde dadurch die Herstellung einer durchgehenden Verbindung Dortmund— Gelsenkirchen— Köln— Saarbrücken geschaffen. Der Verkehrsverband für den Bezirk der Industrie= und Handelskammer zu Bochum hat sich bereit erklärt, die Anträge in der in Kürze stattfindenden Besprechung mit der Reichsbahndirektion Essen zu vertreten. Der Bezirksverkehrsverband weist im übrigen darauf hin, daß über die beantragte Verlängerung der Ruhrschne“ üge auf der Köln=Mindener Strecke über Dortmund bzw. Duisburg hinaus bereits wiederholt mit der Reichsbahndirektion Essen verhandelt worden sei. Noch in der letzten Besprechung habe die Reichsbahndirektion Essen hierzu mitgeteilt, daß eine Vermehrung der durchgehenden Züge an sich nicht gut möglich sei. Es werde aber eine dem Verkehrsbedürfnis sowohl der KölnMindener wie der Bergisch=Märkischen Strecke gerechter werdende Verteilung der augenblicklichen Durchgangszüge vorgenommen werden. Die Köln=Mindener Linie werde hierbei eine Vermehrung ihrer nach Hamm fahrenden Ruhrschnellzüge um drei Zugpaare erfahren. ringsum wird gearbeitet, ein großes Werk wird hier geschaffen. Noch dürfen wir nur träumen von all den Herrlichkeiten, die sich uns zum Wochenende darbieten werden, doch ist der Zeitpunkt gekommen, dann gehts rund in allen Ecken und Kanten, dann wird..., aber warum soll man denn alles schon verraten? So ein klein wenig Spannung muß doch dabei sein, und sie ist da, denn daß uns etwas Besonderes geboten werden soll, das besagt das Motto des Abends: „Humor und Augenweide.“ Gefaßter Motorraddieb. In Gelsenkirchen wurde ein Motorraddieb festgenommen, der am 3. Oktober ein Motorrad in Wuppertal=Elberfeld gestohlen hatte. Es handelt sich um einen bereits vorbestraften jungen Mann. Unsere heutige Ausgabe umfaßt 19 Seiten Anerkennung für einen verdienstvollen Schulmann * Wie wir schon mitteilten. konnte der Direktor der städtischen Handelsschule, Direktor Linneweber, am 1. Oktober auf eine 25jährige Tätigkeit im Fortbildungs= und Berufsschuldienst der Stadt Gelsenkirchen zurückblicken. Aus diesem Anlaß ist dem zurzeit schwer erkrankten. verdienstvollen Schulmanne vom Oberbürgerneister ein inniges Glückwunschschreiben zugegangen, in dem es u. a. heißt:„Mit besonderer Sachkunde haben Sie in unermüdlichem Streben die damalige kaufmännische Fortbildungsschule aus kleinsten Anfängen zu der heutigen blühenden kaufmännischen Berufsschule mit Handelsschule und höherer Handelsschule emvorgeführt. Unter Ihrer tatkräftigen Leitung hat sich die Schülerzahl in den 25 Jahren mehr als verzehnfacht. Ihre reiche Erfahrung auf dem Gebiete des kaufmännischen Bildungswesens hat auch erfreulicherweise von staatlichen Stellen Anerkennung gefunden und Ihr fachkundiger Rat ist insbesondere in den neuen Lehrplänen für die kaufmännische Mädchenberufsschule verwertet worden. Ich möchte auch anerkennend erwähnen, daß Sie durch die in früheren Jahren von der städtischen Handelsschule veranstalteten Hochschulvorträge das Geistesleben Gelsenkirchens sehr gefördert haben. Für Ihre gemeinnützige, segensreiche Tätigkeit in und außerhalb der Schule spreche ich Ihnen meinen tiefempfundenen Dank aus und verbinde damit den Wunsch, daß Sie von Ihrer gegenwärtigen schweren Erkrankung bald genesen möchten, um weiter in alter Schaffensfreude zum Besten des Berufsschulwesens der Stadt Gelsenkirchen wirken zu können.“ Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Die gestrige Notiz unter dieser Ueberschrift war für Horst bestimmt. Für Gelsenkirchen bleibt es bei der alten Regelung. Die Ausgabe der Ausweise findet jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr in der Geschäftsstelle, Schalkerstraße 16, statt. Reif für's Konzentrationslager Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teil mit: Ein besonders schwerer Junge ist der 28jährige Franz Lisberg aus der Stefanstraße, der als gewerbsmäßiger Einbrecher. Hehler usw. bereits siebenmal vorbestraft ist. Bereits mit 13 Jahren war der hoffnungsvolle Bursche straffällig geworden und hat sich dann fortgesetzt verbrecherisch betätigt. Sein Spezialgebiet war die Beraubung von Eisenbahnwaggons, die er stets außerhalb seines Wohnortes zur Nachtzeit in den Bahnhösen Dortmund, Bielefeld. Osterfeld usw. ausführte. Nach Verbüßung schwerer Gefängnisstrafen wurde L. am 30. September 1931 wegen schweren Diebstahls in drei Fällen zu drei Jahren acht Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Schon am 17. Dezember 1931 folgte wegen schweren Rückfalldiebstahls in 13 Fällen eine Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Diese Strafe hat Lisberg verbüßt. Da er aber sein verbrecherisches Treiben nicht einstellte, wurde ihm seitens der Kriminalvolizei verboten, ohne schriftliche Genehmigung von ihr den Stadtbezirk Gelsenkirchen zu verlassen und ihm ferner untersagt, zur Nachtzeit seine Wohnung zu verlassen. Dabei wurde ihm angedroht, daß er. falls er diese Anordnung nicht befolge. in polizeiliche Vorbeugungshaft genommen werden müßte. Die betreffenden Anordnungen wurden am 2. Juli d. J. getroffen. Lisberg störte sich nicht daran und hat die auserlegten Verbote wiederholt übertreten. Aus diesem Grunde wurde er von der Kriminalvolizei in polizeiliche Schutzhaft genommen. Der Verbrecher wird alsbald in ein Konzentrationslager untergebracht werden. Der Kontrabaßs ruft Nur noch ein Tag treunt uns von dem ersten städtischen Konzert NS Die drei Kontrabassisten des städtischen Orchesters während der Orchesterprobe.(Aufn. Brosch) Der Kontrabaß ist gewissermaßen das Fundament des Orchesters. der tragende Unterbau der ganzen Harmonie. Stets ist es aber auch so gewesen, daß man am Ton des Kontrabasses die Güte eines Orchesters beurteilen konnte. Denn es kommt dabei auf wesentlich mehr an, als einfach„Schrumm, schrumm“ zu machen. Es gibt Birtuosen auf diesem Instrument, die ihm Töne zu entlocken vermögen, wie man sie sonst nur auf der Geige oder dem Cello hören kann. So hörte ich vor einer Reihe von Jahren auf einem von der Stadt Mülbeim veranstalteten Mozartfest den berühmten Kontrabassisten der Berliner Philharmoniker Leberecht Goedecke, der dort Partner Maria Ivogüns in einer kleinen Scherz=Arie Mozarts war. in der der Baß in Tenorlage an Gelenkigkeit mit der Sopranstimme zu wetteisern hat. Das war ein auserlesenes Musizieren! höchstes Können adelt auch solche Dinge. und die Zuhörer rasten vor Vergnügen. Nicht nur über die künstlerische Leistung. sondern auch über das Bild, das sich ihnen bot: die kleine schmächtige Inogün— übrigens hat sie sich nach einer im Juli dieses Jahres erfolgten Augenoperation entschlossen. auf die weitere Ausübung ihrer Kunst zu verzichten. um die Erinnerung an ihre Glanzzeit ungetrübt zu er Mittwoch, den 9. Oktober 1335 Hausbart und Verdunhelungsübung Hansmapte) Auch bei der Verdunkelungsübung müßt Idr tatkräftig mithelfen! Was Ihr im Dauswurkel Ernstfalle zu tun habt, wißt Ihr aus den Lehrgängen der Luftschutzschule, wenn Ihe, was selbstverständlich sein sollte, mit Eiser und Aufmerksamkeit bei der Sache gewesen seid. Und was ist bei dieser Uebung Eure Aussabe? 1. Ihr habt in Eurem Hause jeden Wohnungsinhaber auf die Pilicht der Verdunkelung aufmerksam zu machen. 2. Ihr habt dafür zu sorgen, daß jeder die Sache ernst nimmt und Verdunkelungsvorrichtungen anbringt, die den beabsichtigten Zweck erfüllen. 3. Ihr habt den Hausbewohnern mit Nat und Tat zur Seite zu steben. 4. Wenn Ihr selbst im Zweisel seid, was für die Uebung am zweckmäßigsten ist, so wendet Euch vertrauensvoll an die eisens zu diesem Zweck einberichteten Beratungsstellen beim Neviergruppenführer. 5. Lest vor allen Dingen mit größter Aufmerksamkeit alles, was in der Tagespresse über die Verdunkelungsübung geschrieben steht! Wie unterstützt die deutsche Frau das WhWe halten.— neben ihr. Aber das mächtige Instrument gebeugt, der dicke Goedecke mit der blonden Künstlermähne, sich zum Schluß zu einem Handkuß vor der Sängerin verbeugend. Hätte Mozart das erlebt, würde er sofort eine neue Arie für die beiden geschrieben haben. Man kann freilich auch Pech haben, wenn man sich bei solchen Flageolettstellen allzustark über das Instrument beugt. Das erlebte einmal Nikisch auf einer seiner Konzertreisen mit dem Bostoner Sinsonieorchester. Bei einem Konzert von Bottessini, das mit Flageolett=Tönen in den höchsten Lagen besonders ergiebig ausgestattet war, verlor der unglückliche Künstler bei einer besonders hinschmelzenden Stelle das Gleichgewicht, schoßz nach vorne über und rumvelte mit seinem Instrument ins Publikum. Dieses verstand die außergewöhnliche Leistung jedoch zu würdigen und belohnte sie mit brausenden Beifallskundgebungen. Wir hoffen, daß unseren drei Bassisten ein solches Mißgeschick nicht passiert. Sie werden auch nicht so leicht in die Verlegenheit kommen, wie ein Kollege in Marburg, der nach einer Veranstaltung auf einem der an der Lutherstraße gelegenen Verbindungshäuser nachts bei plötzlich eintretendem Glatteis die steile Rugelgasse hinunter mußte und dabei seinen Kontrabak bei jedem Schritt als Stütze benutzte. Es half ihm freilich nicht viel: an einer besonders steilen Stelle machten beide Bekanntschaft mit dem Boden. Unsere Bassisten haben sich im vergangenen Winter ganz tapfer gehalten und Dinge wie die folgenden haben wir von ihnen nicht gehört. Wirkt da im Orchester des alten Kärtnertor=Theaters in Wien ein schon bejahrter Kontrabassist Josef Draxler. Konzertmeister war damals Joseph Hellmesberger, ein begabter Mustker, aber auch ein großer Witzbold. In einer Aufführung der„Hugenotten“ passierte es im dritten Akt. daß Drazler während des Duetts mit Valentine gans schauerlich„giaste“. Da zog Hellmesberger seine Uhr beraus und sagte zu seinem nächstsitzenden Kollegen:„Ka Wunder, es ist jetzt halb zehn, um die Zeit gehört so ein alter Herr schon ins Bett!" Unsere Kontrabassisten sind ja. Gott sei Da..!. noch tüngeren Jahrganges. so daß sie nicht in Gefahr kommen, unter einen solchen nicht sehr kollegialen Ausspruch zu fallen. Wir hofsen vielmehr, daß sie im kommenden Winter recht wacker spielen und nicht„gicksen“. werden. Morgen gebtes nun los! Gerade das erste Konzert. in dem der berühmte Pianist Pros. Frederic Lamono spielt, wird sich kein Musikfreund entgehen lassen. Daher ist es höchste Zeit, Vormieter zu werden. (du) Festtagsrückfahrkarten zu Weihnachten Die Deutsche Reichsbahn wird zu Weihnachten 1935 und zu Ostern 1936 wieder Festtagsrückfahrkarten mit 33½ v. H. Ermäßigung ausgeben. Zu Weihnachten gelten die Karten, die für den gesamten Reichsbahnbereich ausgegeben werden, vom 20. Dezemder 1935(Freitag vor Weihnachten) 0 Uhr bis zum 3. Januar 1936(Freitag nach Neujahr) 24 Uhr. Zu Ostern gelten sie vom 8. April 1936(Mittwoch vor Ostern) 0 Uhr bis zum 16. April 1936(Donnerstag nach Ostern) 24 Uhr, die Rückreise muß am 3. Januar und am 16. April um 24 Uhr beenbet sein. In derselben Weise wird auch die Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten zu WeihnachtenNeujahr verlängert. Zu Ostern bleibt die im Tarif vorgesehene Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten von zehn Tagen unberührt. Hühnerdiebstahl. Einem Anwohner der Schonnebeckerstraße wurde der im Garten gelegene Hühnerstall erbrochen und zwei rebhuhnfarbige Italienerküken entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt. Zweckdienliche Angaben nimmt die Kriminalvolizei. Polizeiamt. Zimmer 74, entgegen. Kaninchendiebstahl. In der Nacht zum 5. Oktober wurden aus einem verschlossenen Stall an der Torstraße sechs Kaninchen entwendet. Es handelt sich um zwei Häsinnen und vier männliche Tiere, und zwar hasenfarbig, silbergrau und gelb. Vor Ankauf wird gewarnt. Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei in Gelsenkirchen. Polizeiamt. Zimmer 74, entgegen. Wenn sich auch dieses Jahr beim Scheiden des Sommers das Winterhilfswert mit seinen Wünschen meldet, so sollten gerade wir Frauen ein williges Ohr und offene Herzen haben. Denn weit mehr als die Männer können wir praktisch helfen, auf eine ganz persönliche Art, selbst wenn uns der eigene Pflichtenkreis an tatsächlicher praktischer Mitarbeit hindern sollte Mitarbeit am Winterhilfswerk erschöpft sich nicht durch das Selbstverständliche, das die wahre Volksverbundenheit von jedem fordert. Wir dürsen nicht beruhigt sein, wenn der monatliche Antell vom Gehalt und Einkommen gezahlt ist und wenn wir den Eintopssonntag gewissenhaft begehen. Auch daß wir unsere abgelegte Kleidung, Wäsche, Schuhzeug dem Sammelwagen mitgeben, ist einfache Selbstverständlichkeit— aber hier kann bereits das besondere, die persönliche praktische Hilfe einsetzen. Schon wenn wir jedem Kleidungsstück die vorhandenen Flicken und Reserveknöpfe anheften, die Wäsche gewaschen und geglättet fest in Papier packen, der Wolljacke die passende Wollsorte in die Tasche stecken, leisten wir ein Stück praktischer Mitarbeit. Wenn wir nun noch die schadhaften Schuhe besohlen lassen— vielleicht durch den Verzicht eines Kinobesuches— die Strümpfe nett stopfen, tun wir noch einen Schritt mehr zum Ziel. Dazu sehen wir nicht erst hastig am Abend vorher oder noch beim Klang der Sammeltrompete mit besonderem Blick unsere Kisten und Schränke nach. Hier liegt, schön bewahrt seit Jahren, mancher Rest Seidenstoff— kaum des Aufhebens wert— und doch für die Sammelstelle der willkommene Ausputz eines dunklen Kleides, der freudige kleine i=Punkt auf das nützliche Stück. Auch bunte Seidenbänder aller Breiten, Leder= und Stoffgürtel, einzelne Zierknöpfe, Unmengen weißer Kragen sind dort zu brauchen. Altmodische Wäschestücke mit Stickereien, unmoderne Kleidung aller Art, alte Pelzüberzüge von umgearbeiteten Mänteln, verblichene Tuchdecken, was nur mit Nadel und Faden zu verarbeiten ist, wir können und sollen es geben. Und wenn wir dies alles liebevoll und sorgfältig bedacht und getan haben, dann haben wir noch immer nicht„geopfert“,— sondern uns nur unnötigen Gutes entledigt, gewiß für einen guten Zweck und dankenswerterweise— aber„opfern“ ist das nicht. Auch wenn wir uns von diesem oder jenen Stück trennen, das seit Jahren in der Mottenkiste auf eine vielleicht unmögliche Verwendung wartet, opfern wir nicht, aber wenn wir— kurz entschlossen— ein noch für uns brauchbares Stück hingeben, weil wir wissen, es geht mit den anderen auch ganz gut durch den Winter — dann sängt erst das Opfern an, das Stück Persönlichkeitsgabe, das erst den Segen des Gebens in sich birgt. Denn so dankbar die Sammelstelle jedes Stück annimmt, nur die Werkstätten wissen um die mühevolle Arbeit des Umarbeitens, Fleckenentfernens und Ausbesserns— und welche Erleichterung, ja oft Ermutigung, ein tadelloses Stück bedeutet im angespannten Arbeitslauf. Wie beglückend, oft beschämend für die Austeilenden ist die rührende Dankbarkeit der Hilfsbedürftigen— die zitternde Hand der alten Frau, die die Wolljacke„Überstrackt", der zärtliche Blick der jungen Frau, auf den„direkt sein“ aussehenden Ehemann im netten Anzug. Das Aufjauchzen des kleinen Mädchens über das„Stückchen Muschikatz“ am Mäntelchen. Müßte all solch Erleben nicht ein Anstoß sein, sich von diesem oder jenem Stück gern zu trennen? Und ist es nicht erst der wirkliche Wert der Gabe, daß wir nicht fortgeben, sondern bewußt„Opfer bringen"? Hätten wir uns nicht, jeder einzelne, mitschuldig gefühlt für das traurige Ende des Krieges, ohne das Gefühl, unser Aeußerstes getan zu haben, freudig geopfert zu haben? Wie gern gaben wir uns liebe Schmuckstücke, kupfernen und messingenen Hausrat— oft von den Voreltern ererbt— dahin für das große Ganze? Und fast sollte uns heute diese Opferpflicht noch größer, noch heiliger sein. Vor unserer Seele steht das Bild des Mannes, dem wir es verdanken, daß die früheren großen Opfer nicht vergeblich waren, daß das Gedenken an unsere Gefallenen im ganzen Volke wieder lebendig ist und bleiben wird. Und danken ihm, gerade als Frau und Mutter, daß wir in Deutschland wieder in Frieden leben, daß nicht mehr heimtückische Kugeln und hinterhältige Messerstiche unsere SA-Männer und Hitler=Jugend bedrohen. Wir sehen das Bild unseres geliebten Führers vor uns, wenn wir mancher bangen Nacht gedenken vor seinem Einigungswerk, wir hören ihn, den unablässig für uns sich opfernden fragen: Das tat ich für dich— was tust du für mein armes deutsches Volk?— Der Gaudienst Westfalen=Nord schreibt: Gerade in diesen Tagen, in denen durch die Eingliederung der gewerblichen Wirtschaft in die Deutsche Arbeitsfront der soziale Aufbau des deutschen Volkes organisatorisch seine Vollendung erfährt, ist es wichtig, alle Parteigenossen und Volksgenossen nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß die Organisation der gewerblichen Wirtschaft nicht gleichbedeutend mit der Einzelmitgliedschaft zur DAF ist. Die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront. die auf Grund ihrer Tätigkeit als Betriebsführer einer wirtschaftlichen Organisation angeschlossen sind, haben aus diesem Grunde nach wie vor ihre Beiträge zur Deutschen Arbeitsfront zu zahlen. Nur zu schnell sind die einstmals verwahrlosten Zustände ins Vergessen geraten, das Wiederaufleben der Wirtschaft wird in Gedanken zur Selbstverständlichkeit, und man geht schon wieder dazu über, Maßnahmen der Reichsregierung zu bekritteln und zu bemängeln. Mau geht dazu über, von Unhaltbarkeit auferlegter Lasten zu sprechen, ohne vielleicht zu wissen, welch ungeheurer Schaden hierdurch angerichtet wird und wie wenig Dienste man hiermit sich selbst tut. Gerade diejenigen Volksgenossen, die der Machtergreifung unseres Führers alles, ihr nacktes Leben, ihre Existenz, ihr Glück und ihr zufriedenes Dasein verdanken, sollten davon Abstand nehmen, durch die einstmals so beliebte Biertischpolitik an unbedingt erforderlichen Maßnahmen zu kritisieren und zu deuteln. Mit Stolz und Genuatuung stellt man jedoch häufig fest, daß das kleine Handwerk und der Handel gern jede Last auf sich nimmt und sich hieran nicht beteiligt. Denjenigen aber, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Machtstellung Kennklichmachung von Geschäften die zur Entgegennahme von Bedarfsdeckungsscheinen zugelassen sind Die zur Entgegennahme der Bedarfsdeckungsscheine zugelassenen Verkaufsstellen sind durch die von der Gemeindebehörde ausgegebenen Aushänge kenntlich zu machen. Bei einigen zugelassenen Verkaufsstellen konnte festgestellt werden, daß sie neben den amtlichen Aushängen auch eigene Aushänge und Anschläge mit Aufschrift wie:„Annabmestelle für Ehestandsdarlehn X93. Gelsenkirchen, Bahnhofstr. 25“ verwenden. Diesen Aushängen sind in eigennütziger Weise besonders große Ausmaße gegeben worden. Hierdurch wird eine Anpreisung der Verkaufsstellen betrieben, die die Grenze der allgemein üblichen Werbung bedeutend überschreitet und im Interesse einer redlichen Belieferung der Ehestandsdarlehn=Empfänger nicht weiter geduldet werden kann. Alle nicht amtlichen Aushänge sind sofort aus den Schaufenstern zu entfernen. Die Beamten des Stadtpolizeiamtes sind angewiesen worden, die Durchführung dieser Aufforderung zu überwachen. Eine Nichtbeachtung wird die Entziehung der Zulassung zur Folge haben. Kleine Diebereien. In den Vormittagsstunden des 5. Oktober wurde aus dem Hausflur des Hauses Weststraße 3 von einem Fahrrade ein Boschdynamo entwendet.— In den späten Abendstunden des gleichen Tages wurde in der Wirtschaft„Zum deutschen Eck“. Ecke Ring= und Adolf=Hitler=Straße, ein neuer mittelgrauer zweireihiger Herrenmantel mit hellgrauem Seidenfutter gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Personen, die zu den Diebstählen zweckdienliche Angaben machen können, werden gebeten, bei der Kriminalpolizei in Gelsenkirchen, Ahstraße 24. Zimmer 72. vorzusprechen. Verschwiegenheit wird zugesichert. Kirche— Schule— haus Evang. Kirchengemeinde Rotthausen. Nachdem der Umlagebeschluß genehmigt ist, teilt die Kirchengemeinde mit, daß die Kirchensteuer für das Rechnungsjahr 1935 17 Prozent der Reichseinkommensteuer beträgt. Außerdem wird ein gestaffeltes Kirchgeld nach folgenden Sätzen erhoben: Bei einer Reichseinkommensteuer bis 50 RM 2,50 RM Kirchgeld, bis 100 RM 6 RM Kirchgeld, bis 200 RM 12 RM Kirchgeld, bis 250 RM 15 RM Kirchgeld, bis 300 RM 20 RM Kirchgeld, bis 400 RM 25 RM Kirchgeld und über 400 RM Reichseinkommensteuer 30 RM Kirchgeld. glauben, es sich erlauben zu können, ihre fremde Einstellung anderen, nicht ganz taktfesten Partei= und Volksgenossen unbedingt einhämmern zu müssen, sei hiermit eine leise Warnung gegeben. Wir werden ein wachsames Auge darüber walten lassen, daß jene Kreise ihren Einfluß nicht auf Volksgenossen schädigend einwirken lassen können. Der wahre Nationalsozialist, ohne Rücksicht, wann er sich zum Nationalsozialismus durchgerungen hat, wird und muß immer kämpferisch eingestellt sein. Er wird auch dann an dem Kampf um das große Ziel nicht zerschellen, wenn sich nicht alles so vollzieht, wie er es sich selbst gedacht hat. Jeder, der im Interesse der Allgemeinheit arbeitet, Tag und Nacht seine Freizeit für den Nationalsozialismus und für unsere Bewegung opfert, hat das Recht, wie jeder Mensch Fehler zu machen, und der Kreis, der diese Fehler allzugern bekrittelt und ausschlachtet, ist gewöhnlich zusammengesetzt aus Menschen, denen die Arbeit am Volksganzen zu niedrig und minderwertig erscheint, und die um Ausflüchte, wenn sie zur Gemeinschaftsarbeit herangezogen werden, nie verlegen sind. Wir achten und schätzen jeden Arbeiter, gleich welche Arbeit er verrichtet. Wenn diese Arbeit auch nicht immer nach außen hin so in Erscheinung tritt, so nur deshalb, weil der wahre Nationalsozialist kein Egoist, sondern ein stiller, treuer Arbeiter ist. Der Nationalsozialismus steht auf dem Boden des Leistungsprinzips, aber nicht des Leistungsprinzips aus der Systemzeit, d. h. des hemmungslosen Gewinnstrebens, sondern der Leistung im nationalsozialistischen Sinn und eines neu gebildeten, weltanschaulich durchdrungenen Menschen. Die Ein Oort an Handel und Handwerk * 44 Und er singt die neue Weise Roman von Horst Wolfram Geißler (Nachdruck verboten) Es war aber ein Glück, daß die Ungläubigen sich mit der Belagerung Wiens Zeit ließen, denn fürs erste sand der derr Baron noch Wichtiges in Nürnberg zu tun: Er machte die Bekanntschaft einer italienischen Opernsängerin, die aus München gekommen war und nach dem Kölnischen weiterreisen wollte. Aber damit schten es ihr nicht sonderlich zu eilen, und das freute den Herrn Baron über die Maßen, wenigstens im Anfang. Denn diese Dame Sorelli war schön un na m sich seiner aufs liebevollste an. Sie erzählte von dem prunkvollen Hofe, den der Kurfürst Emanuel zu München hielt, jetzt aber sei er zu nichts; ür zu gebrauchen. weli auch ihn das Kriegssieber gepackt habe und er wider die Türken ziehen wolle, und wenn man der Sorellt glaubte, so war sie der eigentliche Mittelpunkt aller Festlichkeiten in der bayerischen Hauptstadt gewesen. Kein Wunder also. ßem Fuße zu leben, und Dietrich zu spüren. Zu daß sie ihm den Tambe elernt hatte. auf gro91 wesen. Kein Wunder also, daß sie gd das bekam der gute— z war füblte er sich recht geehrt den Tambour nicht anzumerken und seine Kasse für ebenso groß wie des Kurfürsten von Bavern zu halten schien: aber in nüchternen Morgenstunden. wenn er sein immer schwindsüchtigeres Geldbeutelchen betrachtete. spürte er doch ein verdammtes Bauchgrimmen und fluchte auf alle Weiber. Das Schlimmste jedoch traf ihn eines Nachts. als er aus lustiger Gesellschaft, und mehr als wohlgelaunt. heimging und seiner teuren Sorelli noch eine Visite zu machen gedachte, weil er Licht hinter ihrem gesehen hatte. Also rumpelte er zu ihrer Tür die satalerweise nicht einmal verriegelt war, und bei ihr und an seiner Stelle das thüringische Jünge! chen. das ihm die Dukaten abgewürfelt hatte, und der vompöse hellblaue Rock mit den silbernen Tressen bing über der Stubllehne. Da ward es ihm trotz soviel Hellblau ganz rot vor den Augen. Er zog vom Leder, und weil der Puppenprinz in der Verwirrung seinen Degen nicht sinden konnte, packte ihn der Heller beim Kragen. legte ihn übers Knie und verdrasch Ihn mit der flachen Klinge ganz erbärmlich: dann schmitz er ihn die Treppe hinunter und wollte die gleiche ur mit der Sorelli beginnen. die sich aber hinter aUlbe Möbeln versteckte und * Vintte Fenster hinein. ind fand entsetzlich kreischte— der Herr Baron nicht saul und hinter ihr drein. Gläser und Spiegel klirrten in Scherben. Stühle stürzten um. der Kerzenleuchter verlosch. und während der wütende Roland im Dunkeln herumtappte und schnaufte wie ein Bär und alles umzubringen schwur, was ihm etwa in den Weg käme, holte der Wirt geschwind die Scharwache und Christoph Dietrich mußte einen hohen Sprung aus dem Fenster tun und den Weg zwischen die Beine nehmen. Zu seinem Glück verriet ihn die Sängerin nicht— wahrscheinlich aus Angst—. und ihr hellblauer Liebhaber war fürs erste nicht vernehmungsfähig; denn sanst wäre es dem Herrn Baron schlecht gegangen... ber wie die Nürnberger zu allen Zeiten keinen bängten, sie hätten ihn denn, so geschah es auch diesmal: Bei Sonnenaufgang ritt er zum Tore hinaus, zeigte seinen schönen neuen Paß und blieb ungeschoren— war heilfroh. so vielen. Unannehmlichkeiten entronnen zu sein, und behielt die Freie Stadt zeitlebens in keiner guten Erinnerung. Gegen Mittag— wen fand er im Straßengraben? Den verdächtigen Kerl. der ihm den Paß geschrieben hatte. Der saß da. mümmelte an einem Stückchen Brot. erkannte den Heller, grinste und grüßte tief, wie man vor einem vom Adel tut.„Wünsche dem Herrn von Rab na geritte mußte er warum: vielleicht, weil sie beide etwas Gemeinsames aus dem Kerbholz hatten, das treibt die Menschen zusammen. „Hätt' ich doch niemals gemeint, oaß ein solcher Herr auf mich armen Schwartenmagen achte!“ sagte der andere und lachte übers ganze Gesicht.„Tut unsereinem doch wohl. so ästimiert zu werden... Darf ich den Herrn Baron einladen. in diesem meinem Landschloß ein wenig zu rasten? Es sitzt sich recht gut bier!“ Nun saßz der Kerl gerade im Schatten einer schönen Linde. und das war eine kostbare Seltenheit in dieser Julimittagshitze und dieser Gegend. die sonst nur heiß flimmernde Felder und in den Wäldern magere, langhalsige Sandföhren hatte.„Hast du einen Schluck Wasser?" fragte also der Heller, und da jener nickte, saß er ab und lümmelte sich ins Gras neben ibn.„Wie heißt du? Wer bist du?““ „Ich heiße Niklas Purr“. sagte der Schreiber und ab ihm die Feldflasche.„und was bin ich? Ein armer dund. der sich mit andern armen Hunden durchs Leben eißt— manchmal recht, manchmal schlecht, wies gerade geht!. „Davongejagter Schreiber— denk' ich?" fragte Heller. „Nicht eben. Herr Baron!" erwiderte jener, lachte still vor sich hin, warf sich aber doch ein wenig in die Brust„Ich war einmal Theologe!“ „Das ist Pfarrer. nicht?“ fragte Heller verwundert. „Ich hätt“ es werden sollen— aber das stand nun wohl anders im Buche des Schicksals." „Hast du einen——?“ Der Tambour machte eine Bewegung, als ob er jemand den Hals umdrehe. „Was fällt Euch ein? Weder das noch gestohlen oder gezündelt oder dergleichen. Nein— und wenn Ihr mirs auch nicht glaubt— ich bin ein ehrlicher Mensch!“ „Aber—?“ „Aber da war, zum Exempel, die gottverdammte Liebe— und dann der abgkündige Ekel vor allem Bürgerwänstigen. Fettwerden in Amt und Würden? Kinder kriegen? Ein braver Mann, wie man so sagt? Das konnte der Niklas Purr nicht!" „Nur das?“ „Nus? Ich denke, es ist genug. Herr! Seit manchen Jahren walz' ich Gottes Straßen entlang, und laßt Euch sagen: Gott ist auf den Straßen mehr denn in den Kirchen und bei armen Sündern lieber denn bei solchen, die vor lauter Gerechtigkeit drei Meilen in den Wind stinken!" „Glaubst du das gewiß?" „So wahr ich trotzdem selig werden will!“ „Nicht übel. Purr!“ sprach da Christoph Dietrich und kratzte sich nachdenklich das Kinn.„Ich sehe: Du bist ein Kerl. der die Welt von einer besonderen Seite nimmt! „Von der besten, Herr. und von der christlichsten: Ich bin der Vogel unter dem Himmel und die Lilie auf dem Felde. „Die geistlichen Sprüche mußt du lassen!" tadelte Heller.„Die erinnern mich an meine Mutter... Hast du Geld?“ „Nicht daß ich wüßte.“ „So?“ Heller dachte nach.„Mich haben sie in Nürnberg abscheulich ausgenommen“ „Ihr seid recht jung. Herr“, sagte Niklas Purr.„deshalb tu' ich euch einen Vorschlag. Ihr seid ein junger Herr. und da ihr neuerdings auch ein seiner Herr seid— nein, fahrt nicht aus. es bleibt unter uns!— so müßtet ihr nicht allein daherkommen, daß euch jeder gleich den Abenteurer ansiebt. Ihr braucht einen 91 Diener lachte unter seinen Barkstopveln „Hab' ich doch selber kaum no zauderte Christopb Dietrich, halb Eben deshalb: 3 chen wir#o. Und nun langsam auf den braucht da sitzt er: Niklas Purr!“ Und er irtst Versuchen wir es. Purr? bans vortrefflich, Herr! U Seht: Was ist die Wel 19 dalb schon überredet. wei finden mehr Pilze als einer.“ Weg! Sebt: Was ist, die Welt? Ein Garten Gottes. aber durch die Menschen verderbt. Denn die Menschen wollen zuviel: Da führen sie Krieg, dort schachern sie. dort suchen sie den Himmel seine sernsten Sterne zu entreißen. Und es blühen doch so viele Blumen am Straßenrand... Und reitet Schritt. Herr! Denn fürs erste muß Niklas Purr auf Schusters Nappen traben: aber heute nacht, denk' ich werden wir auch für mich irgendein Vierlein finden. Die. alte„Stadt Passgu war um diese Zeit der Knoten= und Sammelpunkt. in dem alle Straßen der seltsamen Wanderer zusammenliefen: Von hier aus führte der Weg durch die österreichischen Erblande nach Wien. Eugen. Prinz von Savoven. noch nicht ganz zwanzig Jahre alt. kam von Regensburg nach Passau und fand die Stadt in einem grenzenlosen Aufruhr und Durcheinander. Während von Deutschland ber alles. was Abenteurer oder Soldat hieß. herandrängte, war von der anderen Seite her Leopold I., Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation. mit seinem gesamten Hof aus Wien hierbergeflüchtet. Rings um die Stadt war ein Heerlager, denn der Kurfürst Max Emauel war mit achttausend Streitern aus München eingetroffen: der Markgraf Ludwig von Baden— Eugens Vetter— lagerte daneben, ebenso Herzog Karl von Lothringen mit österreichischen Truppen. Vollends innerhalb der Mauern wimmelte es wie in einem Ameisenhaufen. Der kleine Abbé spürte nichts als planlosen Wirrwarr in dem allem, Unentschlossenheit, sinnlose Wichtigtuerei— und währenddessen berannten die Türken Wien! Er sand einen savoyischen Edelmann, den Grafen Tarini. an den er sich hilfesuchend wandte: Wie konnte man hier Beziehungen anknüpfen, in eine Stellung kommen? Tarini saß ihm gegenüber, sehr verwundert und mit aller Vorsicht. Dies war ein Prinz von Savoven? Dieser häßliche junge Mensch, unbekannt, ohne Geld. wollte kaiserlicher Offizier werden?„Und weshalb. mon prince. weshalb überhaupt? Hatten Sie in Paris nicht bessere Aussichten?“ „Ste vergessen, daß ich ein Sohn der Gräfin von Soissons bin!" „Ah. richtig, das erklärt viel...“ „Lesen Sie diesen Brief meiner Mutter! Ich erhielt ihn erst heute früh: sie hat auch nach Turin an den Herzog von Savoyen geschrieben und ihn gebeten. ein Wort für mich einzulegen. Das ist sehr notwendig. denn ich habe kein Geld. Paris— sagten Sie? Die Familie der Gräfin von Soissons hat vom französischen Hofe nichts zu erwarten. Der König beehrte mich mit völliger Nichtachtung.“ Dem Grasen Tarini gefiel diese Offenheit. Er spürte hinter ihr den sanatischen Willen des jungen Menschen. sich allen Möglichkeiten zum Trotz durchzusetzen. Ein Schwindler war er nicht— soviel stand fest. Sollte man sich Mübe geben seinetwegen? War er bedeutend genug? Häßlich genug war er— darüber gab ce keinen Zweifel. Aver die Augen! Nur diese Augen! Tarini. kühler Diplomat und Agent seines Herzogs— Eugen ahnte das nicht— begann, diesen goldbraunen. herrlich leuchtenden Augen gegenüber wehrlos zu werden: alles, was die Natur dem übrigen Körper vorithalten, hatte sie zuletzt in den Augen wie in einem rennpunkt gesammelt. Der Graf tastete sich mit Fragen langsam vor: Vielleicht war dieser„Eugen ein genialer Mensch?„Sie wissen. Prinz. daß Sie sich die letzten Möglichkeiten in Frankreich verderben, wenn Sie deutsche Dienste #oh ss... nehmen? (Fortsetzung folgt.) Mittwoch, den 9. Oktober 1935/ Nr. 57 ERZAHLERBEILAGE DER Zirkusfieber nasblatt Roman von E. Oelschläger Urheberschatz durch Verlag Bechthold, Braunschweig (Schluß) Sie bekam einen roten Kopf. Also hatte sie noch ihre letzten Rüffel weg. Er fügte noch hinzu:„Wenn Sie mit den Raubtieren auch so arbeiten, haben wir bald eine Leiche.“ Draußen waren die Zäune schon aufgeladen. Eine Stadt zerbrach. Auch die Ställe waren schon zum Teil aufgelöst. Schnell kleidete sie sich in der Garderobe um. Gleich mußte der Mann kommen, der ihr Gepäck abbolte. Die Elefanten und Pferde waren schon durch die nebelige Nacht geführt. Jenny betrachtete mit wehen Blicken die Abziebenden. Da fiel ibr Kaukasus ein, sie mußte ihm ja noch einmal in die treuen Augen blicken. Sie fragte ihren Bereiter. Der aber wollte sie berubigen: „Haben Sie keine Angst. Ihr Pferd ist schon sicher auf dem Bahnhof im Waggon und frißzt frisches Heu.“ Sie drohte umzufallen vor Schrecken. Dann mußte sie aber noch einmal zu den Raubtieren. Dieses Loslösen Stück für Stück machte sie heimatlos. Sie eilte zur Stelle, wo die Raubtierautos standen, aber nur Strob und Papier lag herum. Da weinte ihr Herz. Sie raffte sich zusammen und fragte schließlich einen Wärter. „In welcher Richtung stehen die Raubtierwagen?“ „Hier gerade aus, auf der Straße nach Tilburg zu.“ Da rannte sie die dunkle Straße entlang. Vielleicht konnte sie sich wenigstens von Holten noch verabschieden. Nur ein Mensch sollte noch ein gutes Wort zu ihr sagen. Sie vergaß den Mann, der ihre Koffer wegbringen sollte. Sie vergaß alles um sich berum.... Erleichtert begrüßte sie von weitem die auf der Landstraße stehenden ihr vertrauten Wagen, durch deren Holzwände das dumpfe Brüllen ihrer geliebten Tiere drang. Holtens Hund kam ihr entgegen und schmiegte sich an ihr Knie. Die Tierlehrer waren noch nicht da, sie batten wohl noch im Zirkus zu tun. Die Chauffeure spielten auf den Küblern der Autos Skat. Glücklich betastete sie die Wagen und borchte auf die Tiersprache hinter den Wänden. Die Bäume der Landstraße hoben sich gespenstisch durch die Scheinwerferlichter ab. Regenwind bewegte sich in den Bäumen. Noch immer siel das Laub matt und müde auf die Erde. Aber was wollte sie denn nur hier? Würde Holten nicht sehr grob zu ihr werden? Sie hatte Angst vor seiner Raubeit. Ganz entfernt erinnerte sie sich an einen Mann, der in einem Hotel auf sie wartete. Ein Mann, der sie liebte, zu dem sie aber nicht paßte Ein neues Empfinden zog durch ihre Seele. Was tue ich denn bloß. Bin ich denn wahnsinnig? Ich passe doch nie zu diesem Mann. Sollte ich ihm nicht lieber einen kurzen Schmerz zufügen? Oder sollte ich ihn später kränken, wenn er mir ein Stück seines Lebens gegeben hat. Wenn ich eines Tages von ihm weggebe, weil ich ihn nicht liebe? Harte Schritte schreckten sie auf. Die beiden Tierlehrer kamen. Sollte sie den beiden Männern auf der Straße begegnen? Sie batte keinen Mut dazu. Schnell entschlossen sprang sie aufs Auto und verbrag sich hinter dem Führerhäuschen, in dem Wohnabtell des Chaufseurs. Da blitzte ihr ein Gedanke durchs Gebirn. Irgend etwas begann in 1#. sn hrennen In nem kleinen Abteil ließ ihre Angst nach, befand sie sich doch unmittelbar neben ihren lieben Löwen. Mit Herzklopsen horchte sie auf jedes Geräusch von der Straße. Sie hörte, wie die Männer vor dem Löwenwagen stehen blieben. Dann rief Holten den Chauffeuren zu:„Halloh, Jungens, wir fahren.“ Sie hörte den Chauffeur in den Wagen steigen. „Um Gottes willen, wenn der jetzt hereinkommt“, dachte sie. Dann hörte sie Holten einsteigen und die Wagentür zum Führerhäuschen zuschlagen, ein schriller Pfiff, und die schweren Motore wurden angelassen. Die Wagenkarawane setzte sich in Bewegung.— Holten saß stumm auf seinem Platz. Die Speerwerferin(Riebick-, M.) Kismet", dachte er resigniert. Das Schicksal hatte ihm ein Stück aus dem Herzen gerissen. Dummes, dummes Mädel, gibt ihre Heimat, ihre Freunde auf, nur um ein bißchen Frau Doktor zu sein! Schade, er hätte ihr so viel beibringen können, wenn sie seine Mitarbeiterin geworden wäre. Sie hätten sich verbunden fürs Leben. Wie gerne hätte er sich an die Frau gewöhnt. Aber er hatte zu spät erkannt, daß er sie liebte Da legte sich auf einmal eine kleine schmale Hand auf seine Schulter. Er hielt den Atem an. Träumte er? Aber magnetisch angezogen, legte auch er seine narbenbedeckte Hand auf die kleine Frauenhand und hielt sie ganz fest. Er fragte nichts, er schaute sich auch nicht um, denn er wußte ja, wem die kleine Hand gehörte. Es hatte ja nicht anders sein können, sie mußte ja zu ihm kommen. Jeiny legte behutsam ior Gesicht an das seine. Da griff Holten in seine Manteltasche und steckte das Ringlein, das er noch immer bei sich trug, an einen Finger ihrer Hand. In Jennys Seele hatte nur weiche Dankbarkeit und Liebe Raum. Dann zog er sie neben sich und hielt sie fest umschlungen. Die drei Menschen in dem Häuschen fuhren in die Welt hinein. Drei Menschen fühlten sich verbunden. Sie gehörten ja zum Zirkus. und das Zirkusfieber brannte in Jennv und Holten stark und heiß. Das Zirkusfieber, das sich nicht ersticken läßt. Später legte sich Jenny hinten auf das Beit des Chauffeurs. Liebevoll deckte Holten eine Wolldecke über die zarte Gestalt, küßte sie leicht, und Wand an Wand mit den Löwen schlief Jenny glücklich und geborgen ein. Bei einem Aufenthalt unterwegs sagte Holten zu Wirtb: „Mir ist auf der Straße eine junge Löwin zugelaufen.“ Da sagte Wirth trocken:„Paß nur auf die Löwin auf und dressiere sie gut.“ : Sie lachten beide und weiter ging die Reise in fremdes Land. * In Rotterdam wartete ein Mann auf eine Frau, die er liebte und nach Deutschland bringen wollte. Nachdem Warenkamp Stunde um Stunde auf sie gewartet hatte, legte er sich müde und traurig gegen Morgen aufs Bett und schlief ein. Ein trüber holländischer Morgen weckte den Schriftsteller. Der Portier brachte ihm einen Eilbrief. Ebe er den Brief öffnete, sagte er laut:„Alles war vergeben. Ein Spiel hat mich genarrt. Erst der Krieg und nun die zweite Frau.“ Müde las er: Verzeihe mir und suche mich zu vergessen. Ich war feige und schwach. Du hast es nicht verstanden, mich festzubalten, denn Butterflynaturen wollen festgehalten werden. Aber ich bin ein Zirkuskind, gehöre zu meinen Tieren und den Artisten. In Deine Welt passe ich nicht. Vielleicht hättest Du nicht über unsere Welt so abfällig sprechen dürfen. Ich habe es von Deiner Welt auch nicht getan. Jeder muß in seiner Welt leben. Wenn wir stiller geworden sind, in der Seele und dem Herzen, schreibe ich Dir wieder. Mehr zu schreiben, hätte heute keinen Sinn. Dein Zirkusmädel." Er nahm ihr Bild aus der Brieftasche und schaute in das ihm so liebe Gesicht. Er besann sich auf sich selber, als die Nerven ihn zu verlassen drohten:„Hat mich der Krieg nicht unterbekommen, so soll es eine Frau auch nicht fertig bringen. Diese Frau mit all ihren weiblichen Feblern ist nicht für mich bestimmt. Aber sicher für den anderen, sie wußte doch noch rechtzeitig, zu wem sie gehörte und das rechne ich ihr boch an. Sie wandert mit ihrer Heimat, und ich reise in meine deutsche Heimat. Allein und einsam....“ Später erhielt er in seiner Heimat einen Brief seiner Freundin. Er erhob sich vom Schreibtisch. steckte den Brief in die Tasche, nahm sein Auto und fuhr eine Stunde lang auf den Landstraßen entlang. Endlich bremste er seine hundert Kilometer ab, nahm den Brief aus seiner Tasche und las ihn Wort für Wort durch. Lieber Freund! Wer mein Mann geworden, wirst Du abnen. Und mein Mann läßt Dir sagen, daß er Deine abgeklärte Beberrschtheit sehr schätze, und er hätte Dir Dein Teil gelassen, wenn es anders gekommen wäre. Aber ich mußte vier bleiben. Ich bin sehr glücklich mit ibm. Morgen beginnen wir mit der Dressur meiner neuen Raubtiergruppe. Ausgehen tut er nicht, tanzen kann er auch nicht, aber er ist sehr gut zu mir, denn er liebt mich, so wie ich ihn schon immer geliebt habe, ohne daß ich es wußte. Leider geht es uns in Belgien nicht gut. Man hat schwere Demonstrationen gegen unser deutsches Unternehmen unternomien. Aber am schlimmsten hat uns die Brandnacht, von der Du gelesen haft, mitgespielt. Da sie gerade an meinem Hochzeitstag war, will ich es Dir erzählen. Unsere Hochzeit in Antwerpen haben wir in unserem neuen Wohnwagen gefeiert, der eine wunderschöne Küche und Wohnabteil hat. Mein originellstes Hochzeitsgeschenk bekam ich vom Sohn des Direktors. Einen Glückwunschbrief, einliegend hundert Mark und einige Worte:„Manche Frau geht den schiesen Turm von Pisa. Sie neigt sich, fällt aber nicht. Wir waren gerade im schönsten Feiern, als die rote Brandlohe gen Himmel stieg. Unter Lebensgefahr haben alle Männer, auch der Direktor, unsere Elefanten von den schweren Fesseln befreit. Unsere Elefanten haben unsäglich gelitten. Das Schlimmste war das schwere Sterben. Alle Tiere nahmen vor dem Tode Abschied vom Direktor, indem sie den Rüssel um ihn schlangen, wenn er gute Worte mit ihnen sprach, während der Tierarzt den Tieren die schmerzlose Injektion von zwölf Gramm Strychnin gab. Eine schwere Trauer herrscht in unserem Zirkus. Unsere Mand hat gestern rührenden Abschied von unserer Rosa genommen. Rosa sollte sterben. Der Direktor sah aus, als müßte er umfallen vor Schmerz. Maud geht also an Rosa vorbei, stutzt, Rosa trompetet leise. Da berührt Maud die Brandsetzen an ihrem Körper und schlingt ihren Rüssel um Rosas Hals. So blieben die Tiere sekundenlang ineinander verschlungen. Noch lange hat unsere Mand weheklagend trompetet, als sie wieder in ihrem Stall stand. Doch ich will von diesem traurigen Kapitel schließen. Es würde mich freuen, wenn Du mir Dein Buch über den Zirkus senden würdest. Verzeih Deinem kleinen Zirkusmädel. Warenkamp fuhr nach Hause. Aus seinem Bücherschrank nahm er das fertig gedruckte Buch und schrieb eine Widmung hinein. „Einer sehr ehrlichen, kleinen Frau vom Verfasser überreicht“ Dann packte er es sorgsam ein und brachte es selber zur Post. In Brüssel löste das Buch große Freude aus. Jenny und Holten saßen am Teetisch. Er machte ein ernstes Gesicht. „Gut, mein Kind, einen Dankbrief schreibst du ihm noch, und dann ist Schluß. Sonst machst du ihn wieder rebellisch.“ Er preßte seine junge Frau fest an sich und küßte sie zart, wie es ihm möglich war, auf den Mund. „Und wenn du sehr artig bist“, sagte er,„dann gehen wir beide heute abend aus.“ Jenny schrieb noch einige Zeilen an Warenkamp. „Lieber Freund! Vielen Dank für das Buch, das für mich Persönlichkeitswert hat. Das ist mein letzter Brief an Dich. Es ist besser, wenn Du nicht mehr an mich erinnert wirst. Jenny.“ Sorgfältig schloß sie ihn und brachte ihn selbst zum Postwagen. Still atmete sie auf und dachte:„An einem Seidenfaden hing mein Lebensglück und das seine auch.“ Dann wandte sie sich zum Stall. Holten war gerade fertig mit dem Füttern seiner Tiere. Nur Othello sollte noch Wasser bekommen. Sie trat auf ihn zu:„Erledigt und vergessen.“ Froh und glücklich lachten die beiden Menschen. Othello hatte für das stille Glück kein Verständnis, denn seinem Nachen entstieg heißer Groll. Der Durst nagte in seinen Gedärmen. Holten beeilte sich, seinem Schützling Wasser zu geben. Dann wusch er sich die Hände, zog den weißen Mantel aus und nahm den Arm seiner jungen Frau in den seinen. Beide wanderten durch die Ställe wie damals, ehe das Verhängnis kam, das sich ja nur als ein Mißverständnis herausgestellt hatte. Wanderseligkeit, Zirkusseligkeit, Arbeit und Liebe zum Tier hatte die zwei Menschen zusammen gebracht, und darum liebten sie sich. Das Zirkussieber brannte in beiden heiß und schwer... „Diesmal hat es euch aber richtig!“ sagte der Tigerlehrer Wirth lachend und eilte an ihnen vorbei. Frohes Lachen folgte ihm. — Ende— schlägt Rrach u. Nut s##r Regenschirme sind harmlos und unbedeutend. Kein Mensch kümmert sich um sie. niemand schreibt über sie, und doch werden sie gebraucht und können unter Umständen gefährlich werden. * Professor Theodor Schleich ist ein ehrenwerter Mann, ein großer Gelehrter, aber ein schwacher Ehegatte. Denn Frau Dorothea hat ihn gehörig unter dem Pantoffel. Einmal in der Woche kommen ihre beiden Freundinnen zum Kaffee mit Kuchen. Theodor hat es erst nach jahrelangem Kampf durchgesetzt, daß er während des traulichen Geplauders der drei Damen in seinem Arbeitszimmer bleiben durfte. Dafür muß er die lieben Gäste aber immer zur Straßenbahn begleiten. Sie können sich denken, was ihm das für einen Spaß bereitet. Heute ist Donnerstag. der Tag der„lieben Frauen"... und außerdem regnet es. Als seine Zeit gekommen ist, klopft Theodor an die Tür und fragt, ob die Damen schon so weit seien. Sie sind es noch nicht, aber endlich verabschiedet man sich doch. und Theodor tritt, von den beiden Amazonen flankiert, aus der Haustür. Was für ein Wetter! Es regnet in Strömen. der Sturm verschlägt einem den Atem. Die aufgespannten Schirme werden wild geschaukelt, und Theodor denkt wehmütig an sein Arbeitszimmer und voll Groll an sein Weib. Hui. kommt eine tolle Windsbraut angesaust und fährt mit Ungestüm in die drei Schirme— stülpt sie um und ist auch schon wieder davon... und drei verzweifelte Menschen stehen mit drei unbrauchbaren Schirmen unter einem Gießbach. Da kommt ein Auto um die Ecke. und Theodor wird anständig gebeten, zu winken. Er winkt und ruft. Der Wagen hält. Unterwegs legen die zwei Damen dem Herrn Professor nahe, wie nett es wäre. wenn er ihre Schirme in die Revaratur bringen würde. Nachdem Theodor die zarte Last abgeliefert hat. fährt er zum nächsten Schirmgeschäft. Dort teilt man ihm mit, daß die drei Schirme in längstens einer halben Stunde fertig seien. Theodor läßt sich in ein nahes Café fahren und bezahlt den Chauffeur. Er ist erschöpt und erbost und schwört sich, an keinem Donnerstag mehr zu Hause zu bleiben, aber der heiße vorzügliche Kaffee stimmt ihn etwas milder und auch die Witzblätter tragen zur Aufhellun, seines Gemütes bei. Nun ist es aber Zeit. Theodor zahlt, erhebt sich. greift nach Mantel und Hut und nach dem daneben hängenden Schirm—— Da dröhnt eine recht ungemütliche Stimme durch das Lokal: „Aba. das kennt man schon! Sie, Herr. lassen Sie gefälligst meinen Schirm da, ja!!“ Theodor ist zusammengezuckt und läßt seinen Hut fallen. Er entschuldigt sich verwirrt und hängt den Schirm zurück. Theodor ist in Schweit gebadet, keucht vor Ingrimm und eilt die Straße entlung. In dem Geschäft muß er noch eine Viertelstunde warten. Dann erhält er endlich die drei Schirme und klemmt sie, da es zu regnen aufgehört hat, unter den Arm. Kaum aber ist er auf der Straße, als ihn ein bekanntes Organ abermals heftig zusammenzucken läßt: triumphierend vosaunt hinter ihm die Stimme des biederen Herrn aus dem Café: „Na also, ich hab's ja gewußt! He. Sie! Stehenbleiben! Aushalten!! Ein Dieb!!“ Im ersten Augenblick denkt Theodor an Flucht. Dann aber besinnt er sich, trotz seiner maßlosen Verwirrung, und bleibt stehen... Ein Menschenauflauf— Polizei. Theodor schwitzt Blut, er rollt die Augen und suchtelt mit drei Schirmen in der Luft umher. Dann legitimiert er sich. Der diedere Herr aus dem Café ist sassungslos und bittet vielmals um Entschuldigung. Und Professor Schleich rast mit seinen Schirmen nach Hause. Hier schlägt er einen Krach, wie er sich ihn selbst in seinen kühnsten Verfassungen nicht hätte träumen lassen. Ein Held wirft den Pantoffel fort, könnte man sagen. Frau Dorothea ist auch tatsächlich sprachlos, allerdings nur für sieben Sekunden, dann legte sie los.. Und am nächsten Donnerstag, so gegen halb sechs Uhr. klopft Theodor wiederum an die Tür und fragt, ob die Damen schon so weit seien... Winterschlaf a la Brillat Savarin In Waterton im amerikanischen Staat Wisconsin hat ein Mann namens Gehrke seinen Entschluß mitgeteilt, bis zum nächsten Frühjahr sein Bett nicht zu verlassen, in der Hoffnung, daß die Weltnöte sich bis dahin von selbst beheben. Lebten die Schwestern Brillat Savarins noch, sie fänden sicher Gefallen an dem Herrn Gehrke aus Waterton. Die beiden alten Damen lebten zusammen in einem Landhaus. das ihrem Bruder gehörte, und wo er sie in den Monaten September und Oktober zu besuchen pflegte. Sie blieben zehn Monate vom Jahr im Bett, und stancdn erst wenige Tage vor der Ankunft ihres Bruders auf.„Auf Wiedersehen. lieber Bruder, wir gehen nun zurück ins Bett.“ mit diesen Worten verabschiedeten sich die Geschwister, sobald der Gastronom seine Herbstferien beendet hatte. Diese Lebnsweise schien den alten Fräuleins sehr zuträglich gewesen zu sein, denn sie erreichten beide ein hohes Alter Von einer Schwester wird berichtet, daß sie im 9. Lebensjahr gestorben sei. Wieder Mainsest auf dem Römerderg Frankfurt hat sein traditionelles Mainsest aus dem historischen Römerberg wieder aufleben lassen. Den Oöhepunkt des Festes bildet, wie zu Zeiten der Kaiserkrönungen, das Braten eines Ochsen am Spied, während aus dem„Gerechtigkeitsbrunnen“ Wein und Apfelwein fließt.(Aufnahme: Scherl) Aus der Schillerstadt Stuttgart(Wärtt. Bildstelle, M.) Das Denkmal des Dichterfürsten am Fuße der Stiftskirche Rarl Roltmanns Pision m Bu##### Heiser krächzte der Schrei der Möwen durch die trübe grauverhängte Luft des nebligen Septembermorgens. Tief und schwer hingen die Gewitterwolken über der Küste, nur ab und zu riß eine Sturmböe graue Fetzen von ihnen ab und jagte und zerrte sie vor sich her. Wild und unregelmäßig rollten die hohen Wogen gegen die Küste heran und zerschlugen sich an den Klivpen in der tosenden Brandung. Hoch auf spritzte der weiße Gischt. und sogar das Rauschen der uralten Kiefernwälder am Ufer klang heute grollend und drohend. Obwohl das Seebad kaum eine Stunde entfernt lag, war hier nichts vom wimmelnden Leben und Treiben der Menschen zu spüren und über der ganzen gewaltigen Natur lag etwas wie ein mühsam zurückgehaltener Vernichtungswille, der jeden Augenblick mit hemmungsloser Gewalt ausbrechen konnte. Regungslos wie eine Statue, die Augen auf die tosende Brandung zu seinen Füßen gerichtet, stand ein Mann am Steilhang der Küste. Der Sturm zauste und zerrte an seinem ergrauten Haar. Er schien das Toben der Element= um sich herum kaum zu bemerken. Eine unendliche Müdigkeit und Schwere lag in seiner Haltung und seine Gestalt wirkte in dieser Umgebung wie eine einzige stumme und doch schreiende Anslage gegen Gott und das Schicksal. Karl Holtmann war unbekümmert um das drohende Wetter hier herausgegangen. Hier war jeder Stein und jeder Baum für ihn Erinnerung. und das Wetter paßte gut zu seiner Stimmung auf diesem Gang. der sein letzter sein sollte.— Er fühlte die Wasse in seiner Tasche und empfand den kühlen Stahl wie einen Freund. der ihm die ersehnte Befreiung von der unerträglichen Last und der trostlosen Leere seines Lebens bringen laffte Dieser hoffnungslose, verzweifelte Mensch. der den Tod wie eine Erlösung herbeisehnte, hatte sich noch vor wenigen Monaten für den glücklichsten Menschen unter der Sonne gehalten. Er war so glücklich gewesen, daß ihm manchmal vor dem Neid der Götter graute und er zeitweise selbst das Gefühl hatte, daß solch ein Glück kein Dauerzustand sein könne.— In diesen letzten Minuten stand noch einmal sein ganzes Leben vor seinem Auge. Karl Holtmann hatte kein leichtes Leben gehabt. Schwere häusliche Ereignisse hatten ihm den Frohsinn der Jugend geraubt. Berufliche Kämpfe und Schwierigkeiten hatten ihn jahrelang geschüttelt und ihn zu keiner rechten Lebensfreude kommen lassen. Sein schweres Blut und seine eigenartige Gemütsveranlagung waren daran schuld, daß er auch in der Liebe trotz mehrfacher Begegnungen im Grunde einsam blieb. Schließlich. nach jahrelangen Kämpfen, war es ihm doch gelungen, sich eine ausreichende Existenz zu schaffen. Als er beruflich festen Fuß gesaßt hatte, gelangte er auch bald zu einiger Wohlhabenheit. Er war zwar zum Sonderling geworden, aber froh, daß die aufreibenden Existenzkämpfe endlich beendet waren, war er nun mit seinem Leben ganz zufrieden, und da er inzwischen auch schon 42 Jahre alt geworden war und in der Liebe mit keinem großen Erlebnis mehr rechnete, hatte er sich mit seiner Einsamkeit abgesunden. Da trat Inge in sein Leben. Vom ersten Augenblick an, da er ihr begegnet war, wußte er, daß sie sein Schicksal sein würde. Er fühlte sofort, daß sein Leben nur noch in der Gemeinschaft mit ihr einen Sinn haben könne, und die Frage, ob seine Zukunft die böchste Erfüllung seines Lebens bringen oder leer und zwecklos sein würde, hing lediglich davon ab, ob Inge seine Liebe erwiderte oder nicht. Aber das Glück, das ihn so lange vernachlässigt hatte, schien endlich das Versäumte an ihm wieder gutmachen zu wollen. Inge, obwohl wesentlich jünger als er, war ein tief veranlagter, wertvoller Mensch, die sich zu dem klugen und reisen Manne sofort hingezogen fühlte und seine Neigung voll erwiderte. Als Inge nach kurzer Zeit seine Frau wurde. konnte Karl Holtmann kaum glauben, daß es solch ein Glück geben könne. Die drei Jahre, die nun folgten, waren wie ein Traum. Inge hatte einen Sohn zur Welt gebracht und sie lebten so glücklich, daß Karl Holtmann an die Dauer eines solchen Glückes kaum glauben konnte. In jedem Sommer waren sie hierher an die See gefahren. Inge hatte diesen Weg an der Küste besonders geliebt und in den weiten rauschenden Wäldern hatten sie Körver und Seele erfrischt und gestärkt. So war es noch vor drei Monaten gewesen. Es war ein sonniger Junitag und Inge hatte am späten Nachmittag den Wunsch geäußert. noch einen Spaziergang in den Wald zu machen. Es wurde abends aber doch recht kühl und Inge schien sich etwas erkältet zu haben. Um ihren Mann nicht besorgt zu machen. verbarg sie ihren Zustand vor ihm und achtete selbst kaum noch darauf. Nach einigen Tagen bekam sie plötzlich hohes Fieber, und der Arzt stellte eine schwere Lungenentzündung fest. Eine Woche darauf war Inge tot. Karl Holtmanns Schmerz war grenzenlos. Er war nahezu wahnsinnig geworden. Wie irrsinnig lief er umher und haderte mit Gott und dem Schicksal. Warum wurde gerade er vom Schicksal so grausam mißhandelt? Warum mußte das Schicksal ihm. nachdem sein Leben endlich ruhig und sorglos geworden war. dieses große Glück zuteil werden lassen. um es dann mit sinnloser, brutaler Gewalt zu zerschmettern und ihn in einen desto tieferen Abgrund der Verzweiflung zu stoßen? Was hatte er begangen, daß das. Geschick ihn zu so besonderer Qual auserkoren hatte? War das göttliche Gerechtigkeit? Bei Inges Beisetzung erschien Karl Holtmann wie ein Pagode. Mechanisch und automatenhaft waren seine Bewegungen. Seine Augen brannten unnatürlich groß und starr in dem geisterhaft bleichen Antlitz. Keine erlösende Träne sand einen Weg aus seinem versteinten Innern. Die nächsten Tage vergingen zwischen stumpfer Lethargie und rasender Verzweiflung. Das Kind hatte seine Schwester zu sich genommen. Sie war reich verheiratet und selbst kinderlos. Es war die beste Lösung, denn Karl hätte kaum gewußt, was er mit dem kleinen hilflosen Kind hätte beginnen sollen, und so war das Kind wenigstens nicht fremden Händen überlassen. Wochenlang hatte Karl Holtmann mit dem Schicksal gerungen und versucht, sich mit dem Unabänderlichen abzufinden. Es war vergeblich gewesen. Ueberall tauchte die unvergeßliche Tote vor ihm auf und an jeder Straßenkreuzung glaubte er ihr zu begegnen. Da hatte er es aufgegeben. Sein Kind wußte er in guten Händen. und er selbst hatte vom Leben nichts mehr zu erhoffen als traurige Erinnerungen und grenzenlose Einsamkeit. Sein Entschluß, dieses Leben der Verzweiflung und Qual aufzugeben, war ihm wie eine Erlösung erschienen. Nun war er hierhergekommen, um noch einmal diesen Weg, den er so oft mit Inge gegangen, zu gehen und an ihrem Lieblingsplatz alle Schwere des Lebens abzuwersen und ihr zu folgen. Der pfeifende Sturm hatte sich etwas gelegt. Das drohende Unwetter war nicht zum Ausbruch gekommen. Die Wolkendecke war aufgerissen, und an einer kleinen Stelle leuchtete das Blau des Himmels hervor. Ein leuchtender Strahl der goldenen Septembersonne traf eine kleine Lichtung und schien gerade auf einen Baumstumpf Auf diesem Platz hatte Inge oft gesessen und den herrlichen Blick auf das Meer genossen. Jetzt spielten die Lichtreflexe in dem grünen Moos. Da hatte Karl Holtmann eine Vision. Er sab eine seine durchsichtige Gestalt, wie aus Nebelschleiern gewoben, vor sich stehen. Es war Inge. Leise legte sie ihre Hand, die wie aus Elsenbein war, auf sein zerzaustes Haar und streichelte ihn. Glockenhaft rein und unendlich zart klang ihre Stimme. „Was willst du tun? Du darfst dein Leben nicht abbrechen, bevor du dein Schicksal ganz erfüllt hast! Du hat noch eine große und heilige Aufgabe zu erfüllen. Wenn du aus dem Leben scheidest. nimmst du unserem Kinde auch noch den Vater. den es wäter notwendig brauchen wird. Das Schicksal ist notwendig und richtig so wie es ist, auch wenn es uns zuerst noch so hart erscheint. Bei deiner großen angebliche wi einer finanzie hohlen Füßen, angetragene# Volkes auch bi ihnen die Hal Gemeinschaftsd Waltern, ganz gesagt, daß es: einer Verärger oder gar, unt niederzulegen, zeigen, gerade winden sind. 11 großen Ziel unseres Führer Der Nachtr In den früh zählte ein Straß ein Einbrecher straße zu schaffen auf sein Rad unt Tatsächlich stand gerade durch die das Innere der auf dem Raden als dieser ihn fr habe. Eine Ant nicht geben und Polizeiwache fole zwei Kerzen aus dieser den Versuch zu lassen, der von fernt worden wal vor Gericht festg Diebstebls übersi der Angekla. d von Unbekannten hätten ihm de. S Trunkenheit will sein, um darauf zurückbrächte. Die haben. Wohl aber geschaut zu haben. weder betrunken war er überführt Liebe zu mir bitte ich dieh, überwinde deinen Schmers, du machst mir damit meinen Zustand leichter, und ich erhalte dich unserm Kinde als Vater. Dieses Bewußtsein ist die größte Liebe, die du mir erweisen kannst.“ Karl Holtmann startte wie gebannt auf die Stelle, auf der er eben noch die Erscheinung gehabt hatte. Die Worte Inges waren wie Tau auf seine Seele gefallen. und in ihr war eine große Veränderung vorgegangen. Der Zug der Verzweiflung wich aus seinem Gesicht, die Muskeln strafften sich wieder und er fühlte, daß er leben müsse, daß er eine Aufgabe zu erfüllen hatte. In feierlichem Schweigen verbarrte er noch an der Stelle. Die wilde Verzweiflung war einem tiefen, ruhigen Ernst gewichen. Dann ging er denselben Weg zurück, den er gekommen wat.——— Karl Holtmann war dem Leben zurückgegeben. Das Weißbrot des Halert— Der kleine Bäckerladen von Fräulein Martha Martin lag an der Ecke einer hübschen alten Straße. Es war einer von den Bäckerläden mit drei Steinstufen vor der Tür und einer Glocke, deren Wohlklang nicht eher verstummt, als bis der Kunde im Laden steht. Fräulein Martha war vierzig Jahre alt. wohkkonserviert. Sie hatte einige Tausend auf der Sparkasse, zwei falsche Schneidezähne und ein sehr empfindsames Herz. In der letzten Zeit war ein neuer Kunde in den sauberen kleinen Laden gekommen. Er kam zweimal, dreimal in der Woche. Für ihn interessierte sich Fräulein Martha. Es war ein Mann in mittleren Jahren, mit Brille und einem sorgfältig gepflegten braunen Bart. Er sprach deutsch mit stark englischem Akzent. Jedesmal, wenn er kam, kaufte er zwei alte Weißbrote, die waren um die Hälfte billiger als die frischen. Eines Tages entdeckte Fräulein Martha einen rotbraunen Farbenfleck an einem seiner Finger und erkannte sofort, daß er Künstler wäre— ein armer Künstler in einer Dachkammer. Wenn Fräulein Martha jetzt saß und ihre Biskuits mit Eingemachtem zum guten Nachmittagstee aß, dann seufzte sie oft. Sie hatte Lust zu probieren, ob sie seinen Beruf richtig erraten hätte. In einem Papiergeschäft hatte sie ein„niedliches" Bild gekauft, das hängte sie im Laden auf, gleich über den Ladentisch. Es war aus Venedig, ein prächtiger, schimmernder Marmorpalast stand im Vordergrund. „Bitte geben Sie mir zwei Weißbrote von gestern“, sagte der Kunde, als er das nächste Mal in den Laben kam.„Sie haben da ein schönes Bild an der Wand“, setzte er mit einem Lächeln hinzu. „Ja— nicht wahr“, antwortete sie.„Ich liebe die Kunst, das sieht man auch an dem Bilde.“ „Da sind übrigens ein paar arge Fehler an den Booten, und die Perspektive ist sehr schlecht. Guten Morgen, Fräulein." Er nahm die Brote, verbeugte sich und ging. Ihr Kunde kam wieder, aber niemals kaufte er Kuchen oder Wiener Brötchen, es schien ihr, als würde er magerer und magerer. Sie hatte die größte Lust, ihm etwas recht Leckeres in das Paket mit dem alten Brot zu packen. Aber sie wagte es nicht. Künstler sollen ja so stolz sein. Dieser Frosch war der einzige seines Stammes. der unseren Gartenteich bevölkerte. Er hatte sich winterüber mäuschenstill verhalten, oder war überhaupt nur ein im Frühling Zugereister, denn niemand hatte ihn früher bemerkt. Aber eines Nachts— man hielt schon die Fenster offen wegen der bezaubernden Luft, die aufregend und sanft zugleich aus den frischumbrochenen Aeckern stieg— schrie etwas gellend auf. wie die Trompete des Jüngsten Gerichts, und alle Schläser fuhren täh aus ihren sicheren Betten Wir rieten bin und her, was der Schrei bedeuten könnte. Vielleicht war jemand überfallen worden. oder es spukte, oder es war die„Rodump“, die Nohrdommel, die schon Dörchläuchting zu Mecklenburg=Strelitz in eine gruselige Angst versetzt hatte? Da sich weiter nichts ereignete, schliefen wir allmählich wieder ein. In der nächsten Nacht dasselbe Manöver, nur daß der Schrei mehrmals ertönte, und nun wußten wir, was es war: es war die Klage einer vereinsamten und tief fühlenden Froschseele, die ihre aufgespeicherten Empfindungen in die helle Frühlingsnacht schrie. Wir versuchten wieder einzuschlasen, aber das war nur ein schöner Wahn, denn in machtvollen Baßtönen schrie der Froschjüngling unentwegt weiter. Er hatte in der vorbergehenden Nacht wahrscheinlich nur geprobt, ob seine Stimme noch die nötige Tiefe erreichen könnte. Bei jedem neuen Gequak dachten wir, er müsse verspringen— aber das war eine vergebliche Hoffnung. Wir beugten uns aus den Fenstern und schrien Eines Tages, als der Kunde wieder sein Geld auf den Tisch legte und die Brötchen verlangte, entstand plötzlich ein Auflauf auf der Straße. Es war Feuer ausgebrochen. Die Wagen mit Feuerwehrleuten fuhren vorüber, und die Spritze kam hinterher. Der Kunde ging zur Tür. Da hatte Fräulein Martba eine gute Idee. Auf dem Brett unter dem Ladentisch stand ein Pfund Butter, frisch vom Butterhändler geschickt. Fräulein Martha machte einen tiefen Schnitt in das Weißbrot, füllte die Oeffnung mit Butter, drückte das Brot wieder zusammen und packte es ein. Es entspann sich eine kleine gemütliche Unterhaltung, und dann ging der Mann. Nach kurzer Zeit schrillte die Ladenglocke aus allen Kräften. Jemand kam herein. Welch ein Lärm war das! Sie stürzte hinaus. Da standen zwei Männer, der eine ein junger Bursche mit kurzer Pfeise im Mund, der andere war er. Er war sehr rot im Gesicht, der Hut saß ihm im Nacken. Die Haare sträubten sich nach allen Seiten. Er ballte die Faust, schüttelte sie grade vor der Nase von Fräulein Martha, direkt vor ihrer Nase, und schimpfte. „Sie haben mich ruiniert“, schrie er,„Sie alte naseweise Katze!" Fräulein Martha wankte und legte die Hände an die blaue Seidenbluse. Der junge Mann suchte den anderen zu beruhigen und zog ihn zur Tür hinaus Bald danach kam er zurück und sagte:„Nun will ich Ihnen die Sache erklären. Der Herr ist Maler. Wir arbeiten zusammen. Drei Monate hat er an einer Zeichnung gearbeitet. Das ist eine Preisaufgabe. Er war gestern fertig und hatte die letzten Striche mit Tusche auszuziehen. Sie wissen wohl, alles wird erst mit Blei gezeichnet, und dann werden die Bleistriche mit alten Weißbrotkrumen ausradiert; das ist besser als Gummi. Der Herr Alois Blumenberg hat ihre kleinen Weißbrote in der letzten Zeit gekauft und so— na ja, die verflixte Butter! Jetzt ist die ganze Zeichnung verdorben.“ Er verbeugte sich und ging hinaus. Fräulein Martha aber wankte in die kleine Hinterstube. Sie zog ihre blaue Seidenbluse aus, legte sie sauber in die Schublade und nahm die alte Sergetaille wieder vor. Ihres Lebens kleiner Roman war aus. Von Mari Stakl abwechselnd:„Ruhe" und„still da unten!“ Einen Augenblick verstummte der Frosch auch, aber dann setzte er wieder zu einem so maßlosen Gebrüll an. daß wir merkten, wir hatten ihn nur unnötig gereizt. Mein Vater schoß mit dem Tesching über das Wasser. Aber dieser Frosch hatte noch nie etwas von dem Jäger des alten Fritzen gehört, der die randalierendsten Frösche damit mundtot gemacht hatte. Er schrie nur beleidigt weiter. Wir gaben es auf, zogen das Deckbett über die Ohren, um nichts zu hören. Wir hörten auch nur dumpf die Brusttöne des Froschkönigs herauf dringen, aber der Aufenthalt unter dem Deckbett wurde uns bald zu heiß. Wir mußten wieder hervor und da drang das Gequake martialisch durch Haus und Garten. Am Kafseetisch waren wir uns alle darüber einig, daß etwas geschehen müsse. Ich kletterte die Teichböschung hinab und schlich still und wild durch das Schilf. wenn auch nicht mit einem Feuerrohr. so doch mit einem Fischkäscher bewaffnet, um den Schreihals zu fangen. Aber der saß im Modder des Teiches und grinste sicher aus der Tiefe herauf. Jedenfalls war er nicht aufzufinden, er ruhte sich wohl von den Strapasen der Nacht aus. Leider war es uns nicht vergönnt, ebenfalls von den Strupazen auszuruhen. Wir waren recht mißmutig und leider garnicht tierfreundlich aufgelegt. wenigstens nicht gegen Lurche. Der Lurch wartete, bis es Nacht wurde, dann trompetete er aufs neue. Wit warfen alles, mas Ein Kronprinz gesucht Der Sultan des Malaienstaates Selangor sucht einen Kronprinzen. Sein ältester Sohn, der an sich nachfolgeberechtigt wäre, hat sich durch seinen Lebenswandel und seine Schuldenmacherei die Sympathien der Bevölkerung verscherzt und kommt als Nachfolger nicht in Betracht. Aber auch von den übrigen Söhnen des Sultans ist keiner bereit. die Nachfolge zu übernehmen, denn bisher hat noch kein Thronfolger den Zeitpunkt, wo er Sultan werden konnte, erlebt. Entweder ist er eingekerkert worden oder er ist vorher gestorben. Und nun sucht der Sultan von Selangot verzweifelt nach jemandem, der bereit ist, sich als Kronprinz V. ndoe— trgend in der Eile erreichbar war. in den Teicht alte Cremetuben, ein paar verschrumvelte Kastanien, Kindermurmeln und einen halbaufgegessenen Avfel. Er empfing jede Sendung mit Freudengeschrei, nur als der Avfel fiel. schwieg er eine Weile, wahrscheinlich um ihn aufzufressen, obwohl das nicht zu der Ernäbrung rechtschaffener Frösche paßte, aber er war ja auch kein gewöhnlicher Frosch. Jedenfalls schrie er, bis die Sonne aufging. dann sagte er nochmals nachdrücklich„quoax“ und ging auf Grund. Gegen Mittag mußte sich etwas auf dem Teich ereignet haben, denn zwei lüsterne Peking=Ervel standen am Gartenzaun und schielten mit schräg gestelltem Kovf durch die Staketen in den streng verbotenen Teich, denn da sollten der Sage nach Karpfen und Schleie hausen. Ich virschte mich vorsichtig beran, um festzustellen, was die beiden sahen. und ich tat fast einen entsetzten Schrei: es war das Froschungedener! Er war wirklich ein pbänomenaler Frosch, ein Vieh von Suppentellergröße, ganz grün und goldschimmernd. ein wahrer Märchen= und Prachtfrosch, kurz der Froschkönig persönlich. Ich war direkt erschrocken. Der Frosch setzte mit einem Hupf ins Wasser, daß es boch aufspritzte und schwamm mit der unnachahmlichen Froschbewegung. die zugleich elegant und wegwersend ist, davon. Ich machte ein Staket ganz wie zufällig los und schob es beiseite. Die Ervel waren zuerst fortgelaufen, aber nach einer Weile plagte sie die Neugierde zu sehr. Sie steckten den Kopf durch das Loch, brabbelten etwas beiser auf erpelisch vor sich hin und stiegen umständlich in den Garten. Sofort wackelten sie die Böschung hinab in den Teich. Sie nahmen sich das Gewässer gründlich vor, indem der eine die nördliche, der andere die südliche Hemisphäre durchgründete— leider ohne Erfolg. Trotzdem waren die Ervel und das Entegenfolge von sechzehn Stück, das sich mittlerweile eingefunden hatte, tief befriedigt, als es in den Stall zurückwatschelte. Diesmal sing der Frosch schon früher an. Es war ein ausgesprochenes Hohngeschrei. Am nächsten Tag fingen wir Frösche und setzten sie in den Teich. Vielleicht beruhigte ihn das etwas. Das Frosch= gezücht saß in einer Teichecke zusammengedrängt und quakte bescheiden vor sich hin, während der Froschkönig wie ein Berserker schrie. Nach und nach verschwanden die neuen und hünften durch das Gras zu dem großen Teich auf der Wiese zurück. Darauf beschlossen wir, den Teich abzulassen. Wir sagten zwar, daß es hauptsächlich nötig wäre. um die Karpfen und Schleie einmal zu kriegen. aber es war natürlich der Frosch. Das Wasser lief durch Nöhren in den großen Teich hinüber, der Wasserspiegel senkte sich allmählich: verbeulte Wassereimer und ein verrotteter Kinderwagen kamen zum Vorschein. Dann war nichts als grünlicher Modder zu sehen, kein Froschkönig und auch keine Karvfen. Das ganze Tierleben war bis auf ein vaar Wasserflöhe ausgewandert. Bei den Karpsen hatten wir die Enten in Verdacht, sie mußten sowieso klein gewesen sein, denn sie bestanden nur in der Phantasie des Verkäufers. Aber wo der Froschkönig geblieben war. das hätten wir gerne gewußt. Er hatte sich anscheinend ebenfalls heimlich durch das Gras davongemacht, zu besseren Menschen, die einen Froschkönig besser zu würdigen wissen. Königin-Astrid-Gedächtuismarke Der König von Belgien hat einem Vorschlag der belgischen Postverwaltung zugestimmt, wonach eine Trauer= und Gedächtnisbriefmarke für die tödlich verunglückte Königin Astrid ausgegeben werden soll. Das neue Wertzeichen wird bereits im November in Umlauf kommen. Es soll außer dem Bildnis der Verstorbenen einen Hinweis auf die Bekämpfung der Tuberkulose enthalten, für welchen Zweck ein kleiner Aufschlag erhoben werden wird. Deutsch Abteilung für 2 Fachgruppe Chem. Dr. Lamberz, G. gung der Stei im Physikraum d Bielefeld=Straße 1, Fachschaft Fris findet im Deutsche und Franz=Bielesel der Friseure statt, sellen des Kreises nicht, eingeladen si wichtige Angelegen eines jeden Pflicht. Aus den Evang. Männer: unter der Leitung d versammlung statt. des verstordenen Mi Wohlan sprach über Oktober um 18 Uhr Bestehens im Saal bunden mit der A statt. Die Mitglied gebeten, recht zahlr leiter sprach dann ül Monatsversammlung Evans. Männerv stattgesundene, sehr mit Gesang und Er einsführer gedachte Mitglieder Theis un Generalfeldmarschalls jubilaren. Konrektor auf, überreichte der Weibnachtsfeier soll Einen ausführlichen tagung gab Kam. St stattfindenden Schulu die Kam. Schmidt. Ze dienst am Reformati die Kameraden um allen Kameraden Ge! Führers vom Bückebe führer für diesen Ta lassen. Mit großer tragung ausgenomme ist am 10. November Martin Luther. fnih Jnkendant 3 Ein Appell an alle T Buerschen Der Ortsverbe turgemeinde kani mit seiner ersten Vort abend in der Aula# gesamtstädtische Kult## dem zwar das große. dieses Jahres— di tbeaters Gelsenkirchen Schatten dieses kommer die erste Buersche Vor dant Braun zum freud mal der Buerschen Be RSDAP=Kreiskultu mit einigen Begrüßung Ausführungen über# Kulturgemeinde ein. nen werbenden Worter Gelsenkirchen einen Rüc situation vor dem 30. eindringlichen Worten turfreunde, sich geschloss einheimischen Theaterve mit dem kulturellen A Dienen. Theodor Meverm saßten Gedicht. Augu Schubert und Schuman Flügel begleitet) und mung an den deutschen ersten Vortrag, den! für die neue Vortragsre unterstützt von einer ar den 9. Oktober 1935 Allgemeine Zeitung Allgemeine Zeitung ar. in den Teich: brumvelte Kastabalbaufgegessenen ng mit Freudenschwieg er eine zufressen, obwohl schaffener Frösche wöhnlicher Frosch. Sonne aufging. lich„quoax“ und s auf dem Teich ne Peking=Ervel elten mit schrag n in den streng der Sage nach dirschte mich vordie beiden sahen. rei: es war das 5 ein pbänometellergröße, ganz er Märchen= und persönlich. Frosch setzte mit aufspritzte und Froschbewegung. id ist, davon. zufällig los und n zuerst fortgete sie die Neudurch das Loch, sch vor sich hin irten. Sofort den Teich. Sie vor. indem der iche Hemisphäre olg. Trotzdem ge von sechzehn den hatte, tief ckwatschelte. üher an. Es . Am nächsten in den Teich. Das Frosch= ngedrängt und nd der Froschund nach verurch das Gras ück. sch abzulassen. 5 nötig wäre. I zu kriegen. i den großen e sich allmähn verrotteter Dann war , kein Froschnze Tierleben usgewandert. nten in Veren sein, denn ; Verkäufers. r. das hätten einend ebenngemacht, zu tig besser zu irte m Vorschlag imt, wonach ke für die ausgegeben vird bereits soll außer dinweis auf halten. für ben werden angor sucht n. der an urch seinen herei die und kommt auch von ner bereit. r hat noch er Saltan er eingeben. Und verzweifelt Kronprinz angebliche wirtschaftliche Machtstellung auf Grund einer finanziellen Ueberlegenheit steht heute auf hohlen Fützen, und oft sind es diese Kreise, denen angetragene Arbeiten im Gemeinschaftssinn unseres Volkes auch bis heute noch fremd geblieben sind, da ihnen die Haltung ihrer wirtschaftlichen Macht dem Gemeinschaftsdienst vorangeht. Darum sei allen DAFWaltern, ganz gleich, an welchen Platz sie hingestellt, gesagt, daß es nicht nationalsozialistisch ist, aus irgendeiner Verärgerung heraus sein Amt zu vernachlässigen oder gar, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, niederzulegen, sondern es gilt, sich kämpferisch zu zeigen, gerade dann, wenn Schwierigkeiten zu überwinden sind. Ueber kleine Fährnisse hinweg zu dem großen Ziel der Bildung der Volksgemeinschaft unseres Führers! Gerichtliches Der Nachtwächter und der Einbrecher In den früben Morgenstunden des 17. Juni erzählte ein Straßenvassant einem Nachtwächter, daß sich ein Einbrecher an einer Gemüsehalle in der Grillostraße zu schaffen mache. Der Nachtwächter schwang sich auf sein Rad und fuhr zu der bezeichneten Gemüseballe. Tatsächlich stand ein gewisser H. vor der Halle, der gerade durch die Spalte von geöffneten Brettern in das Innere der Halle schaute. H. hatte den Wächter auf dem Rade nicht kommen hören und war verdutzt. als dieser ihn freundlich fragte, was er da zu suchen habe. Eine Antwort konnte H. im ersten Augenblick nicht geben und so kam es, daß er dem Wächter zur Polizeiwache folgen mußte. Hier kramte man gleich zwei Kerzen aus den Taschen des H. und dazu machte dieser den Versuch, einen Schraubenbolzen verschwinden zu lassen, der von der Halle von einer Blendlade entfernt worden war. Nach diesem Sachverhalt, der auch vor Gericht festgestellt wurde, war H. des versuchten Diebstebls überführt. Vor dem Gericht behauptete der Angekla., daß er schwer betrunken an der Halle von Unbekannten überfallen worden sei. Die Täter hätten ihm de. Spazierstock abgenommen und in seiner Trunkenheit will er an der Halle nur stehengeblieben sein, um darauf zu warten, daß man ihm den Stock zurückbrächte. Die Bretter wollte er auch nicht gelockert haben. Wohl aber gab er zu. in das Innere der Halle geschaut zu haben. Der Wächter aber bekundete, daß H. weder betrunken noch angetrunken gewesen sei. So war er überführt und bekam 25 Tage Gefängnis. Aus der Deutschen Arbeitsfront Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Fachgruppe Chemotechniker. Der Vortrag des Herrn Dr. Lamberz, Gelsenkirchen:„D##e Verflüssigung der Steinkohle“, findet heute um 20 Uhr im Physikraum der Städt. Gewerbeschule, FranzBielefeld=Straße 1, statt. Fachschaft Friseure. Am Freitag um 20 Uhr findet im Deutschen Haus, Gelsenkirchen. Ecke Roonund Franz=Bielefeld=Straße, eine große Versammlung der Friseure statt, zu der sämtliche Meister und Gesellen des Kreises Gelsenkirchen, ob in Arbeit oder nicht, eingeladen sind. Da es sich hier um äußerst wichtige Angelegenheiten handelt, ist das Erscheinen eines jeden Pflicht. Aus dem Vereinsleben Evang. Männerverein Bulmke. Am Sonntag fand unter der Leitung des Kameraden Hertel die Monatsversammlung statt. In ehrender Weise gedachte man des verstordenen Mitgliedes Wilh. Psetzing. Kamerad Woblan sprach über die Theaterabteilung. Am 27. Oktober um 18 Uhr findet aus Anlaß ihres 10jährigen Bestehens im Saal Meschede eine Veranstaltung verbunden mit der Aufführung„Frübling am Rhein“ statt. Die Mitglieder mit ihren Angehörigen werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vereinsleiter sprach dann über das Erntedankfest. Die nächste Monatsversammlung findet am 3. Nov. statt.(als) Evans. Männerverein Neustadt. Die am Sonntag stattgesundene, sehr stark besuchte Versammlung wurde mit Gesang und Erntedankgebet eröffnet. Der Vereinsführer gedachte der im letzten Monat gestorbenen Mitglieder Theis und Steinbach sowie des verewigten Generalfeldmarschalls o. Hindenburg. Zwei Arbeitsjubilaren. Konrektor Hörster und Vorarbeiter Kappauf, überreichte der Vereinsführer ein Geschenk. Die Weibnachtsfeier soll am 29. Dezember stattfinden. Einen ausführlichen Bericht über die letzte Führertagung gab Kam. Sträter. An der im nächsten Monat stattfindenden Schulungswoche nehmen als Vertreter die Kam. Schmidt, Zank und Ossa teil Zum Festgottesdienst am Reformationsfest, am 3. November, treten die Kameraden um 9 Uhr am Vereinshaus an. Um allen Kameraden Gelegenheit zu geben. die Rede des Führers vom Bückeberg zu hören, hatte der Vereinsführer für diesen Tag eine Rundsunkanlage anlegen lassen. Mit großer Begeisterung wurde die Uebertragung ausgenommen.— Die nächste Versammlung ist am 10. November, 16.30 Uhr, mit Vortrag über Martin Luther. Itadtteil Buer Veranstaltungen Jnkendant Brann sprach in Buer Ein Avvell an alle Theatekfreunde— Eröffnung der Buerschen Kultursaison 1935/36 Der Ortsverband Buer der RS=Kulturgemeinde kann für sich in Anspruch nehmen, mit seiner ersten Vortragsveranstaltung am Montagabend in der Aula des Buerschen Oberlyzeums die gesamtstädtische Kultursaison eröffnet zu haben. trotzdem zwar das große. eigentliche Gröffnungsereignis dieses Jahres— die Première des neuen Stadttbeaters Gelsenkirchen— noch aussteht. Gerade im Schatten dieses kommenden Großereignisses stand auch die erste Buersche Vortragsveranstaltung, die Intendank Braun zum freudigen Anlaß nahm, sich auch einmal der Buerschen Bevölkerung vorzustellen. RSDAP=Kreiskulturwart Fritz leitete den Abend mit einigen Begrüßungsworten und mit grundsätzlichen Ausführungen über Arbeit und Aufgabe der NSKulturgemeinde ein. Intendant Braun schickte seinen werbenden Worten für das neue Stadttbeater Gelsenkirchen einen Rückblick über die deutsche Theatersituation vor dem 30. Januar 1933 vorauf und in eindringlichen Worten bat er auch die Buerschen Kulturfreunde, sich geschlossen den wachsenden Reihen der einheimischen Theatervormieter anzugliedern und damit dem kulturellen Aufbauwerk der Gesamtstadt zu Dienen. Theodor Mever mit einem zu diesem Abend versaßten Gedicht. August Peters mit Liedern von Schubert und Schumann(von Lehrer Suttrov am Flügel begleitet) und Udo Dickel mit einer Widmung an den deutschen Wald leiteten über zu dem ersten Vortrag, den die RS=Kusturgemeinde Buer für die neue Vortragsreihe angesetzt hatte. Es sprach. unterstützt von einer ausgewählten Reihe von LichtModeschan der Damenschneider-Innung Wie bereits mehrsach bekanntgegeben wurde, veranstaltet die biesige, Damenschneide:=Innung am 15. Oktober im großen Festsaal des HansSachs=Hauses eine überaus sebenswerte Modeschau. Das deutsche Schneiderhandwerk will sich nicht mehr damit begnügen, im Schattendasein der letzten Vergangenheit weiterzuleben. Es will im Zeichen des nationalsozialistischen Leistungsprinzips wieder seine schöpferischen Kräfte regen, will sinnen, planen und entwersen. will Arbeiten schaffen, die Ausdruck des neuen Zeitgeistes sind. In die Scharen der Schöpfer und Künstler hat sich auch das Damenschneiderhandwerk eingereibt. Spiegelbild des neuen deutschen Damenschneiderbandwerks soll die Modeschau sein. Hier soll man die Empfindung haben: Das Damenschneiderbandwerk, zablenmäßig groß, ist auch in seinen Leistungen groß und stark, ist ein schöpferisches Handwerk, das auf die mannigfachste Art um das der heutigen Zeit angemessene Kleidbild der deutschen Frau ringt. Die Modeschau wird ganz besonders Gelegenheit geben, der großen Oeffentlichkeit zu zeigen, welch schöpferisches Streben im deutschen Handwerk lebendig ist, welche Schönheit der Arbeit deutsche Schneiderinnen zu leisten vermögen und in welchem Maße das Leistungsprinziv im Maßschneiderhandwerk lebendig ist. Gerade die Modenvorfübrungen sollen die schöpferischen Taten des deutschen Schneiderinnenhandwerks veranschaulichen. Neuland entdecken und die schöne Linie und Form des Kleidbildes der Gegenwart zeigen. Hier sollen deutsche Schneiderinnen den Nachweis erbringen, daß sie nicht nur Meisterinnen, sondern auch Schneiderkünstlerinnen sind. Unzweiselhaft wird die deutsche Frau auf der Modeschau im Hans=Sachs=Haus erkennen, daß die von einer guten Schneidermeisterin angesertigten Kleider handwerkliche Wertarbeit bedeuten. Die Gelsenkirchener Frauenwelt, die sich für die Schöpfung band werklichen Modeschaffens interessiert, wird von jetzt auf diese Modeschau der biesigen DamenschneiderInnung aufmerksam gemacht. Oktober-Ausflug der Frauenkultur Außer an den vor der Verlosung zugunsten des W5W angesetzten Bastelnachmittagen vereinigten sich die Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe Deutsche Frauenkultur im Oktober am Montagnachmittag zu einer Fahrt in die weitere Umgebung: bis zur Meisenburg vor Kettwig ging es mit Motorenkraft, dann führte ein reizvoller Spazierweg durch herbstliche Felder zum schöngelegenen Icktener Bauernhaus. Nach gemütlicher Zwischenvause daselbst benutzte man den Ruhrhöhenweg, um nach sehr genußreicher Wanderung am Flugplatz Mülbeim zu „landen“, dessen umfangreiche Baulichkeiten bereits von ferne mit Interesse besichtigt worden waren. Aus der im Glanz einer freundlichen Herbstsonne sich doppelt genußreich schenkenden Natur lösten sich die Stadtkinder nur zögernd, um anschließend aber in der Wartburghalle noch eine sehr interessante kulturelle Veranstaltung zu besuchen: ein Gymnastikabend bei Frau Fußhöller=Essen schloß den reichen Taginhalt außerordentlich befriedigend ab. Der Einblick in die dort geleistete Arbeit kam nicht unvorbereitet. hatte doch bereits ein Gruppenmitglied im Vormonat darüber sehr fesselnd zu berichten gewußt. bildern. der Leiter des Verbandes„Deutscher Wald". Herr Ludewig=Hamburg. über das Thema„Deutscher Wald und deutsches Wesen“. Auf den Inhalt des Vortrages werden wir anläßlich der gleichen Vortragsveranstaltung in Gelsenkirchen zurückkommen.= Kinder als Brandstifter Glimpflich abgelaufener Scheunenbrand in Bülse Nachdem noch am Sonntag in Erle ein Stallgebäude durch zwei spielende Kinder in Brand gesteckt worden war, ereignete sich ein ähnlicher Fall am gestrigen Vormittag an der Gladbeckerstraße in Bülse. Um 10 Uhr wurde durch die Rathausbrandsirene die Buersche Feuerwehr alarmiert. Am Hause Gladbeckerstraße 167 war eine Scheune in Brand geraten. Wie sich bald herausstellte, war das Feuer auf die Unachtsamkeit spielender Kinder zurückzuführen. Die Löschzüge 1 und 2 der Freiwilligen Feuerwehr Buer waren unter Führung von Kreiswehrführer Neukirchen. Hauptbrandmeister Blankenstein und Brandmeister Fecke mit bewundernswerter Schnelligkeit zur Stelle, so daß das Feuer nicht einmal Gelegenheit fand, einen größeren Umsang anzunehmen. Durch sofortiges Ablöschen konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt und dadurch größerer Schaden verhütet werden. Lediglich einige Gebäudeteile und kleinere Erntevorräte verbrannten.= Das Fahrrad. Vor einem Hause an der Schützenstraße wurde ein Herrenfahrrad. Marke Anita. Nr. 777898 entwendet.— Weiter wurde vor einem Hause an der Braukstraße ein Herrenfahrrad. Marke Standart. Nr. 19566 gestohlen. Ferner haben auf der Bismarckstraße Diebe ein Herrensahrrad. Marke Elite=Diamank. Nr. 806902 mitgenommen. Wer zu den einzelnen Fällen Angaben machen kann, wird gebeten, bei der Kriminalpolizei vorzusprechen. Verschwiegenheit wird zugesichert. Kaninchendiebstahl. Einem Anwohner der Feldhauserstraße wurden aus seinem verschlossenen Stall 6 Kaninchen gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen. die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, erbittet die Kriminalpolizei in Buer. Frauenwerkveranstaltung in Buer. Heute um 16 Uhr findet, wie die Kreisamtsleitung Buer der NSFrauenschaft mitteilt, eine für sämtliche Mitglieder des Deutschen Frauenwerkes Buer bestimmte Versammlung statt, in der Frau Himmelsbach (Baden) über die Verwertung der deutschen Haferflocken für Gesunde und Kranke sprechen wird. Da sehr anregende Ausführungen zu erwarten sind. empfiehlt sich die Mitnahme von Schreibmaterial zu dieser Veranstaltung.= Itadtteil Korst Jubilare der Arbeit Der Lokomotivführer Emil Stratmann konnte in diesen Tagen auf der Schachtanlage 1/2/5 der Zeche Stinnes sein 25jähriges Berufsjubiläum begehen. Auf der gleichen Zechenanlage feierte der Bergmann Johann Jakobs, ebenfalls aus Horst, sein Silbernes Hauerjubiläum. Der Wettersteiger Johann Steinmetz und der Voraxpeiter Wilhelm Peim aus dem Stadtteil Horst wäten 25 Jahre ununterbrochen auf der Zeche Matthias Stinnes 3/4 tätig. Sämtliche Jubilare erhielten von der Verwaltung ein wertvolles Geschenk als Andenken und wurden in der üblichen Weise von ihren Arbeitskameraden geehrt.(3) Emscherbrücke erhält ein neues Farbenkleid. Um den Rostfraß sernzuhalten wird die Emscherbrücke an Nun erlebte man am lebendigen Beispiel die Anwendung der Methode, wenn man so sagen darf. Ausgehend vom Gedanken aller Gymnastiklehre—„im Lesunden Körper eine gesunde Seele"— geht Frau Fußhöller noch einen Schritt weiter. Sie entwickelt in ihren Schülerinnen zunächst den Sinn für den Körver selbst, den Aufbau, der Funktion der einzelnen Gliedmaßen im woblabgemessenen Miteinander, um dann zur Bewegung an sich zu kommen, die aus den Gegebenheiten nicht zulotzt des Raumes sich bildet. In zwangloser Form wird durch spielerisch anmutende Uebungen vor allem eine völlige Lockerung der gesamten Muskulatur erreicht, die unauffällig mit einer bewußten Auflockerung der seelischen Kräfte ihren Endzweck anstrebt: einen harmonischen Zusammenklang von Seele und Körper. Es wird daneben der natürliche Stolz auf das edle Eigene geweckt, der wiederum Grundlage ist für das Gefühl zueinander. Weiter begünstigt diese Art der Aufschließung die Entsaltung des schöpferischen Willens. der ja mehr oder weniger stark in jedem Menschen vorhanden ist. An beispielgebenden Uebungen zeigte die mit innerer Anteilnahme und restloser Treude am Tun arbeitende Gruppe den Weg vom bescheidenen Ansang bis zum spürbaren Fortschreiten. Der Zuschauer spürte die Verbundenheit von Lehrerin und Schülerinnen unschwer aus dem mühelosen Reagieren und teilweise schon eigenen Ausdeuten erfreulich heraus. Frau Fußhöller gab daneben kurze Erläuterungen über die Aufgabe, die sie sich mit dieser Art der Menschenformung zur eigenen Freude gestellt hat. und aus denen man ersah, daß dort in einer vertieften Weise einem schönen Ziele zugearbeitet wird, das in vielem an die lichte Beschwingtheit hellenischer Geistes= und Körverkurltur anlehnt. So war der dort gewonnene Tagesabschluß ein in jeder Hinsicht befriedigender für die Gelsenkirchener Ortsgruppe.—lo. Erntedankfeier der Jungmädel vom Untergau 251, Gelsenkirchen Bei leuchtendem Fackelschein und unter den Kländen der Fanfaren des Deutschen Jungvolkes hatten sich die Jungmädel des Untergaues 251 am Vorabend des Erntedanktages auf der Wiese zusammengesunden, um in einer kurzen schlichten Feierstunde ihren Dank für die Ernte des vergangenen Jahres darzubringen. Die Trommeln und Fanfaren des Deutschen Jungvolkes, das sich in selbstloser Kameradschaft den Jungmädeln zur Verfügung gestellt hatte, leiteten die Feier mit einem Fanfarenmarsch ein. Darauf sang die Jungmädel=Singschar das Lied„Die Fahnen geschwungen, die Trommeln gerührt"... Abwechselnd folgten nun Lieder und Sprechchöre, die von deutschem Erntesegen erzählten, vom ernsten und harten Bouernstand, ohne den das deutsche Volk niemals die zu seiner Erhaltung der Freiheit notwendigen Nahrungswerte bekäme. In einer kurzen Ansprache wies die Jungmädel=Untergauführerin Gretel Ammon darauf hin, daß der deutsche Bauer nicht allein ist in seinem Kampf. daß vielmehr die deutsche Jugend in einem unumstößlichen Glauben und Willen zu ihm steht und somit auch für deutsches Blut und deutschen Boden kämpft. Nach der Vorlesung einiger Worte des Reichsbauernführers Darre folgten noch einige Lieder und Sprechchöre, und mit dem Sieg=Heil auf den Führer und dem Jugendlied„Vorwärts. vorwärts".. nahm die Feier ihr Ende. der unteren Fischerstraße einen neuen Anstrich erhalten. Seit Tagen ist man mit der Befestigung der Gerüste beschäftigt und seit Wochenbeginn sind mehrere Anstreicher dabei, die Eisenkonstruktion mit Farbe zu versehen.(3) Gemeine Grabschändung. In der Zeit vom 4. bis zum 7. Oktober wurde auf dem Friedhof Horst=Süd von dem Grabe des SA=Mannes Johann Skryppcak ein Hakenkreuz gestohlen. Wer zu dem Diebstahl Angaben machen kann, wird gebeten, bei der Kriminalpolizei in Horst vorzusprechen. Verschwiegenheit wird zugesichert. Tankstelle erbrochen. Dieser Tage wurde eine Tankstelle in Horst erbrochen und 30 Liter Brennstoff entwendet. Wer kann Angaben über den Diebstahl machen? Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei in Horst. Verschwiegenheit wird zugesichert. Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Donnerstag findet von 18.30 bis 19.30 Uhr die Ausgabe von„Jusendberberes=Ausweisen im Stammbüro Elmar des Deutschen Jungvolks statt. Es wird darauf hingewiesen, daß vorläufig nur einmal, an jedem zweiten Donnerstag im Monat Herbergsausweise ausgestellt werden. Eine Neuregelung erfolgt im Januar. Aus unserem Witterungsbericht Leichte Schauer, Temperatur wenig geändert Bericht der Reichswetterdienststelle Essen Mülheim vom 8. Oktober 1935 Das bei Island liegende Tiefdrucksystem hat einen kräftigen Ausläufer bis England vorgeschoben, dessen Wetterwirksamkeit jedoch schon den Höhepunkt überschritten hat. Das nicht mehr geschlossene Niederschlagsgebiet liegt bereits am Ostausgang des Kanals und wird bei seiner Weiterwanderung auf dem Kontinent nur noch Schauer auslösen. In der dabinter liegenden Kaltluft wird nach leichter Schauertätigkeit, besonders in den Küstengebieten, wieder Wetterberubigung einsetzen. Voraussage für Mittwoch: In den Frühstunden leichte Schauer, später Bewölkungsabnahme, Temperaturen wenta verändert, lebhafte Winde aus West bis Südwest. Für Donnerstag: Nach Frühnebel heiter bis wolkig. vorwiegend trocken. Temperaturen bis 18 Grad, lebhafte Winde aus südlichen Richtungen. Weiterentwicklung: Beständiges Herbstwetter. mung" den Start in den Kulturwinter. Das Westf. Landestheater bringt insgesamt sechs Aufführungen. Die Deutsche Musikbühne führt„Die Fledermaus auf. Für einen Kunsttanzabend ist die Tanzaruppe Hannab Spohr(Dortmund) verpflichtet. Weiter sind sechs Volkskonzerte vorgesehen: außerdem gibt es vier Morgenfeiern. Einen Kleinkunstabend bestreiten O. F. Krauß und Lautensänger Hey=Münster. Die Sängervereinigung Röhlingbausen veranstaltet außer Vormiete ein Buß= und Bettags=Konzert sowie einen Opernabend. Der Sängerbund bereitet ein Karfreitagskonzert vor. Kranke Ulmen werden abgehauen. Im Rahmen der Ausbauarbeiten auf der Hindenburgstraße wird jetzt die Ulmenbaumreihe von der Zeppelinstraße bis zum Kurhaus abgebolzt. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Kugeleschen verschwunden: sie werden später an anderer Stelle wieder angepflanzt. Wer hat noch Ferienkinder in Ostpreußen? Der Kreisamtsleiter der NSV bittet um umgehende Mitteilung, ob sich vom Verwandten=Kindertransport ber noch Kinder in Ostpreußen befinden. Es ist ein Nachlesetransport vorgesehen, um auch diese Kinder jetzt nach Hause zu schaffen. Roteraben Am Erntedankfest beteiligten sich sämtliche Glieberungen der Partei sowie der Vereine, die sich auf dem Marktplatz zusammenfanden. Der Aufstellung ging ein Gemeinschaftsempfang der Rede des Führers vom Bückeberg vorauf. Nach der Aufstellung hielt Zellenleiter Kölling eine kurze Ansprache, anschließend bewegte sich der Festzug durch die Straßen des Stadtteils, um sich auf dem Marktplatz wieder auszulösen. Bei Mentz war am Abend eine Saalfeier, ebenso in einer Reihe weiterer Säle. Auf dem Marktplatz gab's ein Münchener Oktoberfest im Kleinen, auch die Tanzfläche im Freien fehlte nicht. Alt und jung machte von dieser Gelegenheit reichen Gebrauch. Die Rekruten gaben sich an den Schießbuden und dem Lukas ein Stelldichein und stellten sich so schon auf die nächste Zeit ein. Bis in die späten Nachtstunden war die Beteiligung der Bevölkerung recht stark, so daß von einem wahren Volksfest gesprochen werden kann. Brückenbauarbeiten in der Bonnekampstraße. Die durch den Bau der Zechenbahn Zollverein=Bonifacius hervorgerufene Unterbrechung der Bonnekampstraße hat zu starken Unzuträglichkeiten geführt. Die Anwohner der Auf der Reihe und Sevenarstraße mußten für einen Gang nach dem westlichsten Teil Rotthausens(Hilgenboom=, Schonnebeckerstraße usw.) einen 2 bis 3 Kilometer weiten Umweg machen. Gestern früh hat man nun mit ven Arbeiten des Ueberbrückungsbaues in der südlichen Bonnekampstraße begonnen. Die grünen Rasenflächen des hier durchgeführten Bahneinschnitts fallen dem Spaten zum Opfer. Der Baubeginn hatte schon am frühen Morgen viele Schaulustige angelockt. Die Wiederberstellung dieser Straßenverbindung wird von allen Anwohnern recht dankbar ausgenommen. Der Kaninchenzuchtverein„Gut Zucht“ beriet über die am 26. und 27. Oktober im Lokale Köhn stattfindende Kaninchen=Herbstausstellung, zu der bis jetzt etwa 120 Meldungen vorliegen; auch die Meldungen der Frauengruppe zu der damit verbundenen Pelzschau sind recht zahlreich. Als Preisrichter ist Zuchtwart W. Drost, Schalke, verpflichtet worden. Bei der Stallbewertung konnten die Züchter Nattermann, Dannreither und Mathias mit einem Diplom ausgezeichnet werden. Raan Verbreitungsgebilet Stadt Waktenscheid Die Woche des deutschen Buches wird auch in Wattenscheid durchgeführt. Am 27. Oktober wird in der Aula des Gymnasiums eine Lesestunde durchgeführt, für die das Volksbildungswerk den heimischen Dichter Klucke gewonnen hat. Der Bund der Kinderreichen hatte am Sonntag eine außerordentliche Versammlung. Im Mittelpunkt standen Ausführungen des Kreiswarts über die Hilfe für Kinderreiche: die Antragformulare werden nach dem 15. Oktober durch die Stadtverwaltung ausgegeben. Die Weibnachtsfeier wurde auf den 5. Januar festgelegt. Eine Fahrt zur Amsterdamer Rembrandt=Ausstellung veranstaltet die NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude" am 13. Oktober: Anmeldungen beim Kreisamt„Kraft durch Freude“, Adolf=Hitler=Platz. Bei genügender Beteiligung gebt die Fabrt von Wattenscheid aus, anderenfalls von Bochum Hauptbahnhof. Ein Verkehrshindernis verschwindet. Mit der Neugestaltung der Westenfelderstraße soll auch die viel zu enge Einmündung dieser Straße in den Hellweg verschwinden. Bei Anlage der Westenfelderstraße konnte die Fahrbahn nicht in der Breite von neun Meter bis zum Hellweg durchgeführt werden, da die Westsälische Straßenbahn vor dem Hellweg eine Doppelweiche liegen hatte, die sie nicht in die Straße einbauen lassen wollte. Jetzt hat sich die Verwaltung der Straßenbahn bereit erklärt, die beiden Weichen in die Straße einbauen zu lassen, so daß die Fahrbahn der Westenfelderstraße jetzt breiter wird. Mit den Arbeiten dürfte in einiger Zeit begonnen werden. kackt Wanne Bichol Start in den Kulturwinter. Der Aufruf der Stadt, der Kreisleitung der RSDAP und der NS=Kulturgemeinde zur Uebernahme von Vormieten für die Veranstaltungen 1935 96 hat in der Bevölkerung starken Widerball gesunden. Das Westf. Landestheater vollzieht am 24. Oktober mit der Auffübrung von Shakespeares„Der Widerfbenstigen ZadKameradschaft alter Krieger 1875. In der Monatsversammlung wurde eine Reihe von Erfolgen der Schützengruppe bekanntgegeben: Zum vierten Mal war sie Sieger im Pokalschießen des Ortsverbandes, der Pokal ist damit Eigentum der Schützengruppe; weiter ging die Gruppe aus dem Wettschießen um die vom Oberleutnant a. D. Weilandt gestiftete Kleinkaliberbüchse als Sieger hervor. In der ersten Mann schaft im Kreisverband konnte die Schützengruppe die dritte Stelle einnehmen. Den Wanderpreis im Verein (Hitlerplakette) errang zum dritten Mal Kam. H. Beckhaus. Die nächste Versammlung wurde auf den 2. November, 20 Uhr, festgelegt(Kameradschaftsabend mit Siegerehrung). Das nächste Uebungsschießen ist am 13. Oktober, 10 Uhr, auf dem Schießstand in Kray=Süd. Pohlbürgerverein. In der Monatsversammlung berichtete Vereinsleiter Münnig über den Verlauf des Biwaks in Leithe. An Stelle des heimgegangenen 1. Kassierers H. Feier wurde Franz Droste gewählt, A. Hans wurde 2. Schriftführer. Der Frauenbeitrag wurde einheitlich für alle Frauen auf 10 Pfg. monatlich festgesetzt. Die im November fällige sechsjährige Gründungsversammlung wurde auf den Dezember verlegt; dagegen soll am 11. November, 17 Uhr, ein Kaffeekränzchen und ab 20 Uhr für alle Mitglieder und Angehörige eine Familienfeier stattfinden. Um sich für einen größeren Ausflug zum Rhein finanziell vorzubereiten, wurde eine Vergnügungssparkasse gegründet, zu deren Verwalter F. Droste bestimmt wurde. Für die Frauen soll jeden Monat ein Kegelabend abgehalten werden, der erste am 16 Oktober, 20 Uhr, bei Schetter. Beitlich Am Erntedankfest am Sonntag beteiligten sich die Volksgenossen außerordentlich rege. Nach dem Gemeinschaftsempfang in den Siegerschen Sälen dielt der Ertsgruppenführer der RSTAP Gurk eine martige Begrüßzungsansprache. Dann setzte sich der prachtvolle Festzug in Bewegung. An der Spitze einige Gruppen der berittenen SS, es folgten die Schulen und schön geschmückte Erntewagen, weiter 55. SA, Amtswalter sowie die Parteimitglieder und Volksgenossen. Der Zug wurde von der spalterbildenden Bevölkerung freudig begrüßt. Die Erntebälle in der Wirtschaft Heitfeld in Bertlich und Siegert in Polsum waren gut besucht. „„„„„„„„„„„„ Allgemeine Zeitung Mittwoch, den 9. Oktober Leitspruch der Arbeit Religion, Staat, Politik, Wirtschaft, Kunst sind nicht Maßstäbe an sich, sondern Mittel zur Sicherung der Rasse und des Volkstums. Alfred Rosenberg. Die Gemeinde Westerholt hatte am Sonntag von einem öffentlichen Umzug anläßlich des Erntedankfestes abgesehen; um so feierlicher war die Feier im Rottmannschen Saal, der schon in den Nachmittagsstunden bei der Uebertragung vom Bückeberg sehr gut besetzt war. Anschließend fand dann die offizielle Feier der Westerholter Bevölkerung unter sehr großer Beteiligung statt. Mit roten Backen kehrten am Dienstag die Kinder, die während der Sommermonate in Ostpreußen bei ihren Verwandten weilten, zurück. Die NSV holte sie vom Bahnhof Recklinghausen ab und brachte sie in die elterliche Wohnung. Persönliches. Das Fest der Silberbochzeit feierten am Montag die Ebeleute Johann Gruba und Frau Erna geb. Gawik. Stadbech Persönliches. Im Namen der preußischen Staatsregierung hat der Polizeipräsident den Eheleuten Paul Daub und Dorothea geb. Pilz. Gonheidestr. 16. aus Anlaß ihrer Goldenen Hochzeit ein Geschenk überreichen lassen. Rheinland-Westtalen Der Mäusefänger von Gerthe Bochum, 8. Okt. Den Namen„Wühlmäusefänger von Gerthe“ führt ein seit dem Jahre 1932 arbeitsloser Gesteinshauer aus dem Stadtteil Gerthe, der seine Beschäftigungslosigkeit dazu verwandte, den Bauern bei der Vertilgung dieser Brut zu helfen. Nach einem von ihm ausgedachten System war es ihm möglich, im Laufe von drei Jahren 3000 Wühlmäuse zu fangen und ganze Landstrecken von diesen Schädlingen zu befreien. Man kann sich vorstellen, daß dieser Volksgenosse, dem die Anerkennung der Landwirtschaftskammer Münster ausgesprochen wurde, bei den Bauern ein gern gesehener Gast ist. Hemer, 8. Okt.(Vom Starkstrom getötet.) Im Betriebe des Sundwiger Messingwerks ereignete sich ein tödlicher Betriebsunfall. Der Elektriker Osterbrauck kam bei der Arbeit im Transformatorenhaus aus bisber ungeklärter Ursache der Starkstromleitung von 10000 Volt zu nabe und fiel besinnungslos zu Boden. Die sofort ausgenommenen Wiederbelebungsversuche waren leider ohne Erfolg. Der Verunglückte stand im Alter von 30 Jahren und war erst kurze Zeit verheiratet. Die Untersuchung der Transformatoren= anlage ergab die einwandfreie Beschaffenheit der Anlage. Durch den entstandenen Kurzschluß wurde der größte Teil des Werkes außer Betrieb gesetzt. Die Pilgerfahrt zum Königsgrab Staatsangehörige aus dem Industriegebiel besuchlen ihre slow. nische Heimat— Kranzniederlegung in Oplenge Ankündungen Mitteilungen unter dieser auf je fünf Zeilen zu Rubrik sind beschränken Aus den Vereinen Evang.=kirchl. Männerdienst Erle=Middelich. Sonntag. 11 Uhr. Generalversammlung bei Stork: 10 Uhr Vorstandssitzung.„ Bund heimattreuer Ost= und Westpreußen, Ortsgruppe 446, Horst. Sonntag 14 Uhr im Vereinslokal Norkus Monatsversammlung. Die Frauengruppe veranstaltet morgen um 16 Uhr ein Familienfest. Turnen, Spiel und Sport Damenschwimmverein 06 Gelsenkirchen. Am 9. Oktober um 20 Uhr findet die Monatsversammlung in der Bismarckhalle statt. Sonatiges Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft. Freitag, den 11. Oktober, 16 Uhr, im Bismarckklub Vortrag Frau Dr. v. Watter:„Braucht Deutschland Kolonien?“ Gelsenkirchener Frauenverein. Donnerstag um 15.30 Uhr Versammlung bei Nettebeck, Rolandstraße. Schalker Frauenbun. Donnerstag Handarbeitsstunde im National=Eck. Grenz= und Steinmetzstr.=Ecke. Schalker Frauenkreis. Donnerstag 15,30 Uhr im Evang. Vereinshaus, Grillostraße 110, Geburtstagsfeier. Gäste willkommen. Am heutigen 9. Oktober jährt sich zum ersten Male der Tag, an dem der König der Serben, Kroaten und Slowenen, Alexander I., in Marseille Mörderkugeln zum Opfer siel. Die Nähe dieses ernsten Jahrestages war für die im rheinisch=westfälischen Industriegebiet lebenden jugoslawischen Staatsangehörigen ein gern benutzter Anlaß, eine Fahrt in die alte slowenische Heimat zu unternehmen und von dort aus auf dem Wege über die Landeshauptstadt Belgrad eine Kranzabordnung zum Grabe des Königs in Oplenac zu schicken. Etwa neunzig jugoslawische Staatsangehörige, die in allen Teilen des rheinisch=westfälischen Industriegebietes als gute Freunde des deutschen Gastlandes fern ihrer alten slowenischen Heimat Brot und Lebensunterhalt gefunden haben, nahmen an der Fahrt teil, die von Bochum und Essen ab in drei Autobussen bis Liubljana(Laibach) durchgeführt wurde. Die meisten Fahrtteilnehmer waren in Slowenien beheimatet, einige wenige in anderen Landesteilen Jugoslawiens. Manche Fahrtteilnehmer hatten ihre Heimat seit der frühesten Jugend, viele seit zwanzig und mehr Jahren nicht mehr gesehen. Man kann sich daher die allgemeine Freude der Fahrtteilnehmer vorstellen, als sich eines Spätabends dieAutobuskolonne unter Führung des Vorsitzenden des Zentralverbandes jugoslawischer nationaler Arbeitervereine in Deutschland, Pavel Bolha, vom Ruhrgebiet aus der alten Heimat zu in Bewegung setzte. Die drei Autobusse legten hin und zurück eine Fahrstrecke von insgesamt rund 2600 Kilometer zurück. Auf der Hinfahrt mußte u. a. der steilste Alpenpaß Europas— der Katschbergpaß in Oesterreich—„ge nommen“ werden. Auch sonst fehlte es nicht an Strapazen, die an Fahrer und Fahrzeuge die stärksten Ansprüche stellten. Nun— auch hier waren es wieder einmal deutsche Wertarbeit und deutsches Können, die namentlich mit ihren Leistungen auf den österreichischen Alpenstraßen überall Bewunderung erweckten. Als die neunzig Jugoslawen aus dem Industrie gebiet in ihrer Heimat ankamen, sollten sie sehr bald wahrnehmen, daß man ihren Besuch dort unten durchaus nicht als eine nur persönliche, private An gelegenheit betrachtete. Vielmehr sah man überall in den Stammesbrüdern aus dem westdeutschen Kohlen pott eine jugoslawisch=nationale Volksgruppe, die als freundschaftliches Bindeglied zwischen zwei Nationen eine besondere geschichtliche Sendung hat. So wie diese Heimkehrer immer wieder in ehrlicher Anerkennung und überzeugter Begeisterung von der Gastfreundschaft und von dem nationalen Verständnis sprechen durften, mit denen sie das nationalsozialistische Deutschland umgibt, so auch konnten sie überall daheim Kenntnis nehmen von den kameradschaftlichen Gefühlen, von der starken Bewunderung und von der herzlichen Anteilnahme, mit denen das ganze jugoslawische Volk den kraftvollen und zielbewußten Aufstieg des neuen Deutschland verfolgt. Bei mehreren offiziellen Gelegenheiten wurde namentlich der zum Königsgrab entsandten Delegation wiederholt die Versicherung abgegeben, daß das jugoslawische Volk gegenüber dem deutschen Volk von den denkbar freundschaftlichsten Gefühlen erfüllt ist. Und wenn eine hervorragende nationalpolitische Persönlichkeit Jugoslawiens bei Gelegenheit dieser Reise einem reichsdeutschen Gast gegenüber erklärte, daß die jugoslawische Kolonie des Ruhr. gebietes in Jugoslawien selbst der beste Propagandist für das neue Deutschland sei, so ist das wohl eines der schönsten Zeugnisse für die guten Beziehungen zwischen dem Gastland und seiner fremdstaatlichen Kolonie. In diesem Zusammenhang kann daran erinnert werden, daß gerade die jugoslawische Kolonie des Ruhrgebietes es war, aus deren Reihen heraus durch den Mund des Vorsitzenden des Zentralverbandes jugoslawischer nationaler Arbeitervereine in Deutschland, Pavel Bolha, in den Tagen der nationalsozialistischen Revolution im Jahre 1933 zum erstenmal in aller Oeffentlichkeit fremdländische Staatsbürger Protest gegen die gegenüber dem neuen Deutschland angezettelte Greuelpropaganda erhoben. Vor allem aber haben die ruhrländischen Slowenen bei ihrem Besuch in der Heimat auch die Früchte der erfolgreichen Arbeit genießen dürfen, die namentlich die diplomatische Vertretung des jugoslawischen Königreiches in Westdeutschland unter der tatkräftigen und ideenreichen Führung von Generalkonsul DD. Pantic(Düsseldorf) auf dem Gebiete der freundschaftlichen Annäherung der beiden Nationen hat verrichten können. So oft wie von dem Tode des Königs Alexander gesprochen wurde, der im Herzen des ganzen jugoslawischen Volkes in unvergänglicher Größe fortlebt, so oft auch erinnerte man sich bei dem Besuch der slowenischen Ruhrlandkolonie der großen Zeugnisse des Mitgefühls der deutschen Nation. Ministerpräsident und Reichsluftminister Göring, der seinerzeit anläßlich der Beisetzung des Königs als Beauftragter des Führers und der deutschen Reichsregierung in Belgrad weilte und später mit seiner Gattin noch einmal Jugoslawien besuchte, erfreut sich im ganzen jugoslawischen Rheinisch-Westf. Provinzbörse Berliner Börsenstimmungsbile O Düsseldorf, 8. Okt.(Drahtb.) Die Grundstimmung an der Rheinisch-Westfäl. Börse war wieder freundlich, wenn auch die Kursgestaltung kein einheitliches Bild bot. Die Kursabweichungen nach beiden Seiten betrugen im all gemeinen nur Bruchteile eines Prozentes. In Spezialwerten wurden teilweise Glattstellungen vorgenommen. jedoch fand das herauskommende Material schlank Aufnahme. Auf dem Markt der Schwankungswerte setzten Farben 1¾ Prozent fester ein, verloren nach den ersten Umsätzen aber ¾/ Prozent. Goldschmidt gingen vereinzelt P Prozent höher um. Montanaktien lagen nicht ganz einheitlich, Harpener, Klöckner und Stahltrust wurden anfäng. lich ¼ Prozent höher gehandelt. Regere Umsätze entwickelten sich in Deutsche Erdöl, die zunächst unverändert, später ¾8 Prozent niedriger verkehrten. Mannesmann und Rheinstahl vergrößerten ihren Anfangsverlust von ¼ Prozent bis auf% Prozent. Der Rentenmarkt lag ziemlich fest. Altbesitz wurden X Prozent höher bezahlt. Reichsbahnvorzüge gewannen bis ∆ Prozent. Von den Kuxenmärkten waren Steinkohlenkuxe gut gehalten. Graf Schwerin wechselten mehrfach ca. 150 RM höher den Besitzer. Auch Deutschland hatten auf erhöhter Basis einiges Geschäft. Braunkohlenkuxe wurden nur genannt. Lebhaftere Umsätze entwickelten sich in Kalikuxen. wo Hope gegenüber gestern 150 RM gewannen. Die Börse schloß still und weiter leicht abgeschwächt. Steuereutscheine notierten am 8. Oktober an der Berliner Börse: Cruppe1 34-36 107.30 Grappe1 93-30...— Grappe II 1. 4. M4 102.75 dto. I. 4. 15. 107.72 Grappe II 1. 4. 20 109.20 die. I. 4. M7. 108.12 die. I. 4 29. 101.75 Gruppe I nicht amtlich notiert; von der Reichs bank auf Grund der Kurse der Gruppe II als Durch schnittskurs berechnet: fällig za je K am I. April 1934. 1935. 1936. 1937 und 1958 bzw, zu ie K am 1. April 1935, 1936. 1937 und 1938. Volk herzkichster Sympathien, die zugleich auch dem ganzen neuen Deutschland und seinem Führer gelten; und wenn man heute in den Auslagen zahlreicher Buchhandlungen in den jugoslawischen Städten immer wieder auf Adolf Hitlers„Mein Kampf“ stößt, dann ist auch das ein besonders deutliches Zeichen sichtbar freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Völkern. Der Höhepunkt der Reise der slowenischen Kolonie des Ruhrgebietes in ihre jugoslawische Heimat war die Entsendung einer Kranzdelegation zum Grabe König Alexanders im Mausoleum in Oplenac. Ein Jahr ist es nun her, seit der König der Serben, Kroaten und Slawenen in Marseille Mördertugeln zum Opfer fiel. Aber immer noch weint das jugoslawische Volk um ihn, als sei er erst gestern gestorben. Niemals endet das Heer der Pilgerscharen, die aus allen Teilen des Landes, aus dem slowenischen Norden, aus Bosnien, aus Kroatien, aus dem Norden und dem Süden des alten Serbien, kurz von überall her Tag um Tag den Weg in die Gruftstätte der Karageorgewitsch, zum Grabe eines unvergeßlichen Königs finden. Immer noch fließen in diesem Hause die Tränen eines ganzes Volkes. Es ist ein Haus der ewigen Tränen geworden, seitdem hier der Leichnam des ermordeten Königs Alexander beigesetzt wurde. Auch die rheinisch=westsälischen Slowenen, die anläßlich ihrer feierlichen Kranzniederlegung in Begleitung von Ministerial= beamten zum erstenmal am Grabe ihres toten Königs weilten, wurden von den erschütternden Erlebnissen, die jeden Besucher des königlichen Mausoleums von Oplenac umfangen, tief ergriffen. Und es wurde in ihnen allen die Erinnerung wieder wach an die ernsten Tage nach dem Tode des Königs, denen auch die jugoslawischen Staatsangehörigen im Industriegebiet durch erhebende Trauerfeiern überall ihr besonderes Gepräge hatten geben dürfen. Den Rest der noch zur Verfügung stehenden Tage verbrachten dann auch die Delegationsmitglieder im Kreise ihrer Angehörigen in der alten slowenischen Heimat. Am Vorabend der Rückreise fand man sich in Ljubljana(Laibach) einer schlichten Abschiedsfeier zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurde den slowenischen Landsleuten aus dem rheinisch=westfälischen Industriegebiet noch einmal die Aufgabe, die sie als Mitträger des deutsch=jugoslawischen Freundschaftsgedankens haben, warm ans Herz gelegt und zugleich auch den anwesenden reichsdeutschen Gästen die herzliche Sympathie des jugoslawischen Volkes gegenüber dem neuen, unter dem Führer wiedererstarkten Deutschland zum wiederholten Male versichert. Nachdem die Rhein= und Ruhrland=Slowenen in ihrer jugoslawischen Heimat überall so herzlich und warm empfangen und ausgenommen worden waren, kann man sich vorstellen, daß ihnen der Abschied nicht gerade leicht wurde. An der Abfahrtstelle vorm alten Laibacher„Metropol“ spielten sich am Abfahrtmorgen nicht nur überherzliche, sondern manchmal auch bewegte Szenen ab. Das war ein Tücherschwenken und ein Wiedersehenrufen, als sich die drei Reiseautobusse wieder brummend in Bewegung setzten, um über Celje und Maribor der jugoslawisch=österreichischen Grenze zuzueilen. Ueberall in den slowenischen Dörfern, durch die die Heimfahrt führte, wußte man schon, daß dies die Autobusse der Landsleute aus dem Ruhrgebiet waren. Ueberall standen darum die Dorfbewohner an den Straßen, den Heimfahrern fröhliche Abschiedsgrüße zuwinkend. Mit den vielen, vielen schönen Liedern der slowenischen Heimat auf den Lippen, fuhr man zum alten Vaterland hinaus. Als sich später nach der Fahrt durch die österreichischen Ostalpen zwischen Salzburg und Freilassing die deutschen Zollschranken geöffnet hatten, da klang es aus den Autobussen heraus: In der Heimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehn... Und das war zuguterletzt ein schönes Zeichen dafür, daß die im rheinisch=westfälischen Industrie= gebiet lebenden Jugoslawen nicht allein treue Kinder ihres Vaterlandes, sondern auch gern Gäste des deutschen Volkes sind. K. G. Tag der Hängepartien im Schach Spitzengruppe der Stadtmeisterschaft: Klein, Biernath, Hummernbrum, Kolbitz 0 Berlin, 8. Okt.(Drahtb.) An den Aktienmärkten vermochte sich eine klare Tendenz nicht herauszubilden; während zunächst, angeregt durch die vorangegangenen Steigerungen, die vom Publikum erteilten, allerdings geringen Kaufaufträge den Markt beherrschten und dadurch zu zum Teil beachtlichen Kurssteigerungen führten, machte sich nach den ersten Notierungen wieder stärkere Zurückaltung bemerkbar. Von Montanwerten, die allgemein eher etwas schwächer zur Notiz gelangten, sind besonders Hoesch mit— 1¼ Prozent und Klöckner mit— ¾ Prozent zu erwähnen. Von Braunkohlenaktien lagen Ilse Bergbau sehr fest: nach anfänglicher++Notiz wurde der erste Kure mit 163 angeschrieben(letzter variabler Kurs am 3. Oktober 156). Rheinbraun büßten dagegen 3¼ Prozent ein. Kaliaktien blieben durchweg mangels Umsatzes gestrichen. Goldschmidt waren um b#. Kokswerke um ¾/ Prozent befestigt. Elektrowerte wurden meist auf Vortagsbasis gehandelt, nur Akkumulatoren zogen um 2% Prozent an. Siemens konnten einen Anfangsverlust von 2 Prozent später zum Tell wieder aufholen. Am Automarkt lagen Daimler ca. 1¼ Prozent schwächer. An den übrigen Märkten sind als stärker verändert hervorzuheben: Schubert& Salzer mit— 2¼ Prozent, Zellstoff Waldhof mit—2 und Metallgesellschaft mit+ 1¾ Prozent. Verkehrswerte waren meist leicht gebessert, ebenso Bankaktien, von denen Braubank ¾ und Reichsbank, ½ Prozent gewannen. Die Kommunalumschuldungsanleihe wune erneut 15 Pfennige höher notiert. Reichsaltbesitz gewannen 17% Pfennige, Reichsbahnvorzüge zogen um ∆ Prozent auf 123½ an. Durchweg fester notierten auch die variabel gehandelten Industrieobligationen. Die Sätze für Blanko-Tagesgeld wurden auf 3 bis 3¼ Prozent ermäßigt. Altenessener Schweinemarkt Altenessen, 8. Okt. Auftrieb: Ferkei 500. Länferschweine 142. Es kosteten Im Großhandel: Ferkel unter 6 Wochen bis 12 Mark, 6—8 Wochen alte 12 bis 1 Mark, 8—12 Wochen alte 17 bis 25 Mark; Läuferschweine: 3—4 Monate alte 25 bis 35 Mark. 4—6 Monate alte 35 bis 50 Mark. Größere entsprechend höher.— Marktverläuf: langsam. Am Montagabend gewann das Tabellenbild der Schach=Stadtmeisterschaft einigermaßen an Klarheit. Es wurden mehrere für den Spitzenstand wichtige Hängepartien erledigt. Titelverteidiger Klein hatte eine sehr schwierige Hängestellung gegen Gorziza. In feinsinnigster Weise löste er das Problem des SpringerLäufer=Endspiels, brach mit seinem Springer nach vorübergehendem doppelten Bauernopfer in die gegnerische Stellung ein und siegte dann durch Bauernumwandlung. Der Partienschluß war ein Schulbeispiel mathematisch genauer Endspielbehandlung. Die Hängepartie Gorziza Kolbitz aus der sechsten Runde endete unentschieden. Im ungleichfarbigen Läufer=Endspiel hatte Kolbitz mit seinen beiden Mehrbauern einmal eine Gewinnchance, ließ diese aber aus und mußte dann mit Remis zufrieden sein. Sehr schwierig gestaltete sich die Partie Hummernbrum gegen Luhmann aus der sechsten Runde. In der unregelmäßigen Eröffnung brachte Lühmann bereits im zweiten Zuge ein Bauernopfer, das ihm wichtigen Entwicklungsvorsprung sicherte. Die ihm aufgedrängte Volle des Verteidigers fiel Hummernbrum nicht leicht. Endlich glaubte Luhmann den Minusbauern zurücknehmen zu können, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. Zwei Züge später drohte Hummernbrum mit undeckbarem Matt. Die als Placierungskampf bemerkenswerte Auseinandersetzung Hymmen gegen Koch, ein Reti=System, wurde nach schwierigen fünfstündigen Positionskämpfen abgebrochen. Bei gleichem Material und beiderseits aufgelockerter Königsstellung ist über den mutmaßlichen Ausgang schwer etwas zu sagen. Wenn es sich bewahrheitet, daß Schachmeister Ernst vom Turnier zurücktritt, was wir sehr bedauern würden, dürfte wohl einer der vier Spitzenreiter Klein, Biernath. Hummernbrum oder Kolbitz den Titel mit Beschlag belegen. Die Lage ist noch völlig ungeklärt; da alle vier Kandidaten noch sehr schwere Partien vor sich haben. Stand des Turniers: Klein 5:1, Biernath 4:1, Hummernbrum 3½:1½, Kolbitz 3:2, Koch, Gorziza je 2:3, Hymmen 1:3, Luhmann, Witt je 1:4, Ernst ½:½. Die Partien der heutigen siebten Runde sind von entscheidender Bedeutung. Insbesondere gilt das von der Auseinandersetzung der beiden Spitzenreiter Klein und Biernatb. Hummernbrum hat die schwere Aufgabe, seine Position gegen den Meister seines Vereins, Koch, zu behaupten, und Kolbitz versucht dasselbe gegen den Horster Witt. Hymmen spielt gegen Ernst und Luhmann gegen Gorziza. Vor der Runde findet eine wichtige Zusammenkunft der Turnierteilnehmer ebenfalls im„Deutschen Haus“, Roonstraße, statt.(Hu) 5C Rot-Weiß buer— BU Katernberg 8:6 Am Samstagabend war der bekannte Boxsportverein Essen=Katernberg mit einer Boxstaffel bei RotWeiß Buer zu Gast. Die Kämpfe, die im großen Saal des Gesellenhauses stattfanden und gut besucht waren, nahmen einen spannenden Verlauf. Im Jugendpapiergewicht kam Riegel(Katernberg) zu einem Punktsieg über Nensel(Buer). Der Kampf im Federgewicht zwischen Laux(Boxring 23 Essen) und Küppers(Buer) endete unentschieden. Glodeck II(Buer) kam im Jugendfedergewicht schon in der ersten Runde zu einem Sieg durch Niederschlag über Hillich II(Katernberg). Auch im Leichtgewicht kam es zu einem Sieg der Einheimischen. Dietrich(Buer) schlug Kochaneck II(Katernberg) in dem harten und schnellen Kampf sicher nach Punkten. Im Weltergewicht standen sich Hack I(Katernberg) und Selitsch II(Marl) gegenüber. Der Marler mußte den Kampf in der dritten Runde auf Anordnung des Ringrichters wegen einer Augenverletzung aufgeben. Sieger durch technischen k. o. Hack I. Mit einem Unentschieden mußten sich Annus(Katernberg) und Kraska (Buer) im Jugendweltergewicht begnügen. Im Mittelgewicht kam Glodeck I(Buer) über Matern (Katernberg) zu einem hohen Punktsieg; Selitsch I (Marl) kam dagegen im Kampf gegen den Essener Stadtmeister Kochaneck I zu einem ehrenvollen Unentschieden. Der Kampf im Schwergewicht Wessoly (Buer) gegen Schön(Katernberg) wurde vom Ringrichter ohne Entscheidung abgebrochen, da beide Boxer in der zweiten Runde eine Augenverletzung erlitten. Wessoly hatte bis zum Kampfabbruch klar geführt.(er) deutsche Voxstaffel gegen Frankreich Mit Murach am 3. November In den kommenden Wochen bestreiten unsere Amateurboxer zwei Länderkämpfe. Am 14. Oktober müssen wir in Basel gegen die Schweiz antreten, am 3. November erwarten wir Frankreich in Köln. Für beide Begegnungen ist mit einer Ausnahme die gleiche deutsche Staffel vorgesehen Die bereits bekannte Mannschaft gegen die Schweiz wird gegen Frankreich noch im Schwergewicht durch Meister Runge=Elberfeld verstärkt, während in Basel der schlagstarke Westfale Schnarre=Recktinghausen die deutschen Farben vertritt. In Köln wird Deutschland somit mit folgender Staffel antreten(vom Fliegengewicht aufwärts): Färber=Augsburg, RappsilberFrankfurt a. M., Kästner=Erfurt, Schmedes=Dortmund, Murach=Schalle, Stein=Bonn, BernlöhrStuttgart und Runge=Wuppertal. Die Hotorsportscharen der KJ Nach nunmehr festgelegten Richtlinien zwischen dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach und dem Führer des RSKK, Korpsführer Hühnlein, nimmt das NEKs seinen gesamten Jugendnachwuchs ausschließlich aus den Reihen der Hitler=Jugend. Zur Erziehung einer Auslese werden die für den Motordienst geeigneten und begeisterten Hitlertungen in Motorsportscharen zusammengesaßt. Die Aufstellung der Motorsportscharen erfolgt in engster Zusammenarbeit mit den Motorbrigaden des RSKK. Die Ausbildung erfolgt nach motortechnischen und motorsportlichen Gesichtspunkten Höbepunkt ist die alljährlich stattfindende Motor=H3=Fahrt. Sie soll den Stand der motortechnischen und motorsportlichen Ausbildung der 5I zeigen. Mtnwoll, den 9. Oktober 1935 Aulgemeine Beltung Banknotendiebe nach 15 Jahren gefaßt : Millionenschwindel in Danzig durch Zufall aufgedeckt Vor ungefähr 15 Jahren verschwand im Danziger Hasen auf einem englischen Dampfer, der in England bergestellte 1000=Zloty=Banknoten mit sich führte, ein Paket dieser Noten im Werte von einigen Millionen Zloty. Da der Diebstahl unaufgeklärt blieb. wurden sämtliche in London hergestellte Zlotybanknoten aus dem Verkehr gezogen und für ungültig erklärt. Vor einigen Tagen konnte nunmehr von der Danziger Kriminalpolizei eine Frau festgenommen werden, die aus einer Bank zwei 1000=Zlotpnoten einwechseln wollte, wobei es sich herausstellte, daß es sich um Noten aus dem damaligen Diebstahl handelte. In Verfolg der Angelegenheit ergab sich, daß die Frau, um Devisen zu hamstern, diese Noten vor der Guldenabwertung von der staatenlosen Jüdin Frieda Lubsanitzki gekauft hatte. Daraufbin verhaftete die Polizei diese Jüdin, die dann auch nach anfänglichem Leugnen eingestand, die Noten zusammen mit ihrem Mann, dem staatenlosen Juden Lubfanitzki. bewußt in den Handel gebracht zu haben. Bei der Haussuchung fand die Polizei in der Wohnung des Juden noch weitere 37 Tausend=Zlotvscheine, die sämtlich von dem damaligen Diebstahl herrührten. Deutscher Erfinder marschiert über die Ostsee Eine Aufsehen erregende Sportleistung vollbrachte der 34jährige Deutsche Fritz Ernst Neumann. Auf ungekoppelten Wasserskiern eigener Konstruktion, die bei nur sechs Kilo Gewicht 200 Kilo Auf trieb haben und auf Handkoffergröße zusammenlegbar sind. marschierte Neumann von seinem Uebungsplatz Peenemünde auf Usedom trockenen Fußes über die Ostsee nach Thiessow auf Rügen, wo er von der erstaunten Einwohnerschaft des bekannten Badeortes mit Begeisterung empfangen wurde. Trotz zeitweilig niedriger Strömungsverhältnisse und lebhafter Kühlung legte der mutige Sportsmann und Erfinder die 23 Kilometer lange Marschstrecke in genau vier Stunden zurück. Familientragödie in Frankfurt Mutter vergiftet sich und ihre zwei Kinder In einem Hause in der Frauenlobstraße in Frankfurt am Main ereignete sich ein surchtbares Familien= drama. Eine Frau, deren Mann gegenwärtig im Gefängnis eine Strafe verbüßt, hat sich und ihre beiden Kinder mit Gas vergiftet. Da sich seit Samstag keines der Familienmitglieder mehr sehen ließ. schöpften die Mitbewohner Verdacht. Auch dem wiederholt erschienenen Vater der Frau wurde nicht geöffnet. so daß dieser schließlich die Polizei benachrichtigte, die am Montagabend gewaltsam in die Wohnung eindrang. Dabei fand man die Frau und ihre beiden Kinder tot in der Küche liegend auf. Die Frau hatte sich und ihre beiden Kinder aus noch unbekannten Gründen ums Leben gebracht. Drei Auto-Insassen verbrannt Furchtbares Unglück in Harburg In Harburg ereignete sich am Dienstagmittag ein surchtbares Verkehrsunglück. Ein mit vier Personen besetzter Hamburger Kraftwagen stieß mit einem Straßenbahnzug zusammen. Die Insassen des Kraftwagens wurden schwer verletzt. Als Passanten versuchten, die Verletzten, die die Besinnung verloren hatten, aus dem Wagen zu befreien, explodierte der Benzintank. Drei der Autoinsassen verbrannten, bevor Hilfe möglich war, der vierte wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus geschafft. Darlehnsvermittlungs-Schwindeleien in Höhe von etwa 150 000 RM Die 6. Große Strafkammer des Berliner Landgerichts trat am Dienstag in einen umfangreichen Prozeß gegen 13 Angeklagte ein, denen Darlebensvermittlungs=Schwindeleien größten Ausmaßes vorgeworfen werden. Sie sollen nach dem Ermittlungsergebnis rund 200 Personen in verschiedenen Teilen des Reiches um mehr als 150 000 RM geschädigt haben. Als geistiger Anführer bei den Betrügereien bezeichnet die Anklage den 39jährigen Johann Weitenthaler aus Berlin. Er gründete zusammen mit einem Mitangeklagten die Mitteleuropäische Wirtschaftsgesellschaft in Berlin=Wilmersdorf Dieses Unternehmen besaßte sich angeblich mit der Beschaffung billiger Kredite im Ausland. Die Geldsuchenden haben aber keinen Pfennig Kredit erhalten. Um den Anschein größter Vertrauenswürdigkeit zu erwecken. wurden ein nicht mehr im Amt befindlicher Rechtsanwalt und ein früherer Notar als„Treuhänder“ eingeschaltet. Die Verbandlung wird voraussichtlich mehrere Monate dauern. Beginn des Leo-haus-Prozesses Drei Geistliche in München vor Gericht Vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts München 1 hat die Verhandlung im LeoHaus=Prozeß gegen die drei Geistlichen Dr. Georg Ernst, Monsignore Karl Walterbach und Leonhard Wacker begonnen. Zu der Verhandlung. die sich voraussichtlich über mehrere Wochen erstrecken wird, sind vorerst 31 Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Die Verhandlung begann mit der Verlesung der 52 Seiten umfassenden Anklageschrift. Im weiteren Verlauf des Prozesses äußerten sich die Angeklagten über die Entwicklung des Leo=Hauses. Der Hauptangeklagte Dr. Ernst bekundete, daß in der Leo=Haus=Gesellschaft und ihren Unterabteilungen im ganzen etwa 3.4 Millionen RM investiert gewesen seien. Die Leo=Film=Gesellschaft sei als katholisches Kulurunternehmen gedacht gewesen Er selbst habe ein Jahreseinkommen von etwa 12 bis 15000 RM bezogen. Monsignore Walterbach gab an, er sei frühzeitig an die Spitze der katholischen Arbeiterbewegung berufen worden, die sich insbesondere im Kampf gegen den Marxismus betätigt habe. Als Verbandspräses der katholischen Arbeitervereine habe er ein Monatsgehalt von 400 bis 500 RM bezogen. Vermögen besitze er nicht. Der dritte Angeklagte. Kaplan Wacker, der Prokurist der Sparbank war. bekundete. er habe keine kaufmännische Vorbildung gehabt. Sein Gehalt bezifferte er auf 350 bis 450 RM. Dann trat das Gericht in die Prüfung der einzelnen Anklagepunkte ein. 27 neue Jugendherbergen Am 20. Oktover wird der Jugendführer des Deutschen Reiches. Baldur v. Schirach, die feierliche Einweihung der Paul von Hindenburg=Jugendherberge in Hannover vornehmen. Gleichzeitig damit verbunden sind Einweihungen. Richtfeste und Grundsteinlegungen von weiteren 26 Jugendherbergen im ganzen Reich. Darunter befinden sich die Jugendherbergen Stahleck am Rhein und Gevelsberg in Westsalen. Die Veranstaltung in Hannover am Sonntag, dem 20. Oktober. wird in der Zeit von 10 bis 10.30 Uhr auf alle deutschen Sender übertragen. Die Gesamtkosten der Bauten belaufen sich annähernd auf 2 Millionen Mark. Ein Teil dieser großen Summe wurde durch die verständnisvolle Mitarbeit und Mithilfe von Staat, Gemeinde und Industrie ausgebracht. Der Restbetrag der Baukosten wurde aus dem Erlös des Reichswerbe= und Opfertages 1935 bestritten. Das Geheimnis der„Industria“ Eine Ausfallbürgschaft von anderhalb Millionen wurde abgeschrieben Fortsetzung des ten=Hompel=Prozesses Münster, 8. Okt. Am Dienstag wurden im Strafprozeß gegen ten Hompel drei Herren des Bankhauses Schwagold (Schwarz, Goldschmidt& Co.), Berlin, als Zeugen vernommen, um über die Geschäftsverbindung mit der holländischen Gesellschaft„Industria“ und die in Verbindung damit erfolgte Finanzierung der Außenseiterwerke auszusagen. Nach Angabe des ersten Zeugen Rechtsanwalt Dr. Falkenhayn, des juristischen Beirats von Schwagold, habe man versucht festzustellen, wer„Industria" und ihre Hintermänner seien. Im Büro der„Industria“ im Haag habe er festgestellt, daß es nur eine ganz bestimmte Gruppe gewesen sei, die mit der„Industria" Geschäfte machte, und zwar Bauschäfer=Essen, British Bauschäser in London, Gewerkschaft Bauschäfer in Schlesien, Enischerthaler Ton= und Decksteinwerke in Münster, ferner die Gesellschaften Montania und Minerva sowie die Rotterdamsche Bank. Vorsitzender(an den Angeklagten):„Interessant ist, daß in den Büchern nur Konten zu finden sind, die Sie angehen, aber keine anderen.“ Angeklagter:„Das stimmt, denn die Gesellschaft ist auch ausschließlich zu Spekulationen gegründet worden.“ Ueber die Entwicklung des Kontos„Industria“ wirft der Zeuge ein, daß dieses etwa Mitte 1929 notleidend geworden sei und die Bank darauf gedrängt habe, die Außenseiterwerke zu verkaufen, um den erheblichen Saldo abzudecken. Von dem Verkaufserlös von Wülsburg seien 3.5 Mill. RM an die Bank geflossen. Der angestrebte Verkauf von Sachsen=Anhalt sei anscheinend infolge zu hoher Forderungen ten Hompels gescheitert. Bei dieser Gelegenheit habe ten Hompel behauptet, er persönlich sei an der„Industria“ nicht beteiligt. Vorsitzender:„Fiel es Ihnen denn hier nicht auf, daß der Angeklagte, wenn er nicht persönlich beteiligt war, eine solche gefährliche Ausfallbürgschaft für die„Industria“ leistete?“ Zeuge:„Die Bürgschaft stammt aus einer Zeit, wo man mit einer Gefährdung nicht mehr zu rechnen brauchte.“ Vorsitzender:„Wie groß war die Forderung gegen „Industria“ am 1. Januar 1932? Haben Sie sich mit dem Angeklagten verglichen?“ Zeuge:„Industria“ schuldete uns damals mehrere Millionen Mark. Das Konto ist schließlich mit Genehmigung der Devisenstelle abgeschrieben worden, da das Konkursverfahren der„Industria“ mangels Masse eingestellt wurde.“ Vorsitzender:„Hat man die Ausfallbürgschaft ten Hompels in Anspruch genommen?“ Zeuge:„Nein, denn zu dem betreffenden Zeitpunkt war bei ten Hompel schon nichts mehr zu holen, wir haben daher vor wenigen Monaten endgültig auf unsere Ansprüche verzichtet.“ Der Vorsitzende bringt dann zur Sprache, daß der Angeklagte in der Voruntersuchung dem Untersuchungsrichter gegenüber erklärte, daß er keinerlei Haftung oder Bürgschaft für die„Industria“ übernommen habe. Nachdem in dieser Angelegenheit das Gericht schriftlich Rücksprache bei der Bank gehalten habe, habe plötzlich, erwa drei Tage später, ten Hompel seine Aussage dahin geändert, er habe wohl eine Bürgschaft geleistet, aber bei der Vernehmung dies abgestritten, weil Dr. Kellerwessel zugegen gewesen sei, der dies nicht zu erfahren brauchte. Das Gericht ist der Ansicht, daß der Angeklagte irgendwie von dem Schreiben an die Bank erfahren und daraufhin seine Aussage berichtigt hat. Der Vorsitzende stellt an den Zeugen die Frage: „Halten Sie es für richtig, eine Anfrage des Untersuchungsrichters auch an den Angeschuldigten weiterzuleiten? Das ist doch ein eigentümliches Verfahren. Der Angeklagte hat sich dann sofort umgestellt.“ Zeuge:„Ich habe nichts darin gefunden, dem Angeklagten zu berichten.“. Bankier Hoffmann, Mitinhaber der Firma Schwagold, ergänzt die Ausführungen des ersten Zeugen. Der Ausfall, den die Firma durch die„Industria“ erlitten habe, sei auf rund 2 Mill. RM zu beziffern, für die ten Hompel bis zu 1,5 Mill. RM Bürgschaft geleistet hat. Wenn man ten Hompel nicht in Anspruch nahm, so sei das wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß doch nichts dabei herausgekommen wäre. Die weitere Vernehmung dieses Zeugen wie auch des Bankprokuristen Levy deckt sich im wesentlichen mit den Aussagen des ersten Zeugen, so daß sich ein Eingehen darauf erübrigt. Zum Schluß richtet der Vorsitzende an alle drei Zeugen die Frage, ob sie dem Angeklagten Kenntnis von dem Schreiben des Untersuchungsrichters in Sachen der Aussage ten Hompels bezüglich der Bürgschaft gegeben hätten. Alle drei antworteten mit Nein, meinen dann aber, daß es möglich sei, daß man mit ten Hompel bei einer gleichzeitigen Unterredung hierüber gesprochen haben könne. Zum Schluß wird eine der früheren Direktionssekretärinnen der Wicking=Werke vernommen, die für den Angeklagten lange Zeit hindurch bei der Fertigstellung der Eheverträge, Vermögensabtretung usw. tätig war. Ueber den Briefwechsel zwischen der Emscherthaler Gesellschaft, die von der Zeugin als reine private Vermögensverwaltung ren Hompels angesehen wurde, führt die Zeugin aus, daß ten Hompel in einer Person der Schreiber und auch Beantworter der Briefe gewesen sei. Der Bevollmächtigte der Emscherthaler Gesellschaft, der im Nebenzimmer die Unterschrift unter den Brief zu setzen hatte, ohne ihn genau durchzulesen, worauf ten Hompel dann sofort die Antwort diktierte, habe der Zeugin gegenüber geäußert. er sehe allmählich bei dem umfangreichen Komplex nicht mehr klar und habe gemeint, er könne in der gleichen Weise eines Tages auch mal sein Todesurteil unterschreiben. Die Zeugen wurden sämtlich vereidigt und daraufhin entlassen. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt. Feierliche Beisetzung der Opfer von Mont Cenis Herne, 8. Okt. Am Dienstag liegt im Herner Stadtteil Sodingen zur Stunde des Beginns der Trauerfeierlichkeit in der Lohnhalle der Schachtanlage II nachsommerlicher Sonnenschein über die Unglückszeche. Schon lange vor Beginn der Feierlichkeiten sammelten sich die Formationen der SA und SS. des Arbeitsdienstes, der Deutschen Arbeitsfront und der übrigen Gliederungen der Bewegung. Kurz vor 15 Uhr trafen nach und nach die Ehrengäste ein: von Minute zu Minute mehren sich die Kranzspenden. Die Särge der acht toten Arbeitskameraden haben in gerader Linie vor dem mit schwarzem Tuch verhängten Rednervult Platz gesunden. die fast unter der Blumen= und Kranzfülle verschwinden. Ehrfurchtsvolle Stille liegt über dem weiten Raum. als die Angehörigen der Toten die Halle betreten und zu ihren vor den Särgen bereitgehaltenen Plätzen geleitet werden. Nach einem Musik= und Gesangvortrag spricht zuerst als Vertreter der Gewerkschaft Mont Cenis der Führer des Betriebes Bergassessor Hootzel. der den Toten Abschieds= und den Hinterbliebenen warm empfundene Trostworte zurief. Dann überbrachte Gauwalter Ernst Stein=Bochum die innigste Anteilnahme des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley. des Gauleiters und Oberpräsidenten Wagner. des Leiters der Reichsbetriebsgemeinschaft Bergbau. Padberg, und der Deutschen Arbeitsfront des Gaues Westfalen=Süd. Mit Trostworten an die Hinterbliebenen und einem letzten Glückauf für die toten Bergknappen schloß der Gauwalter seine Ansprache. Berghauptmann Polster übermittelte anschließend Beileid und Anteilnahme der Bergbehörde und des Reichs= und preußischen Wirtschaftsministers. Ein Vertreter des Treubänders der Arbeit brachte dessen warme Anteilnahme für die Hinterbliebenen zum Ausdruck. Gleichzeitig übermittelte er das Beileid des Reichs= und preußischen Arbeitsministers. Abschließend sprachen dann die Geistlichen beider Konfessionen. Nach einer weiteren Gesangsdarbietung spielte die Kapelle das Lied vom Guten Kameraden und langsam leerte sich die dunkle Halle. Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung bewegte sich der Trauerzug mit den Särgen zu den einzelnen Friedhösen, wo die Beisetzung erfolgte. Hauptschriftleiter: Dr. Wilhelm Brepohl. Stellv. Hauptschriftleiter: Leo Hamp: Verantwortlich für Politik und Handel: Leo Hamp; für Kommunalpolitik und. Feuilleton: Dr. Wilbelm Brepohl: für Musik. Verbreitungsgebiet und Provinz: Dr. Wilbelm Niemöller: für Lokales und Sport: Ewald Krümmel: für den Anzeigenteil: WIlhelm Ehlerding: sämtlich in Gelsenkirchen.— Berliner Schriftleitung: Armin Kiehl, Berlin SW 11.— Druck und Verlag der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung" Carl Bertenburg. DA. IX. 35: über 11400. Zur Zeit ist Preisl. Nr. 4 gültig. RUNDFUNK Mittwoch, den 9. Oktober 5,55 Wetterbericht 6.00 Leibesübungen 6.30 Von Berlin: Frühkonzert. Jungherrs Akkordeon= Melodiker. Kleines Funkorchester— Kletzki: Mit frohem Sinn. Marsch/ Kochmann: Deutsche Mädels, Walzer Winkler: In Santa, Fee./ Schmidseder: sie hieß Marietta(Akkordeon=Melodiker)/ de Micheli: Nina Nana— Gyldmark: Lustiger Marsch(Kl. Funkorchester) 7.00 Von Berlin: Nachrichten. Anschl. von Köln: Choral— Morgenruf Jungherr: Pi=Pa=Po] Monsonius: Schorlemorle Jungherr: An der Waterkant(Akkordeon=Melodiker) Ortleh: Meeresleuchten, Hellmesberger: Saltarello (Kl. Funkorchester) Jungherr=Monsunius: Sprühregen/ Koepvina: Donna Vatra(Akkordeon=Melodiker) Lautenschläger: Moderne Ballettsuite(Kl. Funkorchester) Monsonius: Tanzbär Schmidseder: „Narsch der Jugend(Akkordeon=Melodiker) 8.00 Frauenturnen 8.15 Zeit, Wetter, Wasserstand 8.20 Frauenfunk 8.30 Funkwerbung 9.00 Sendepause Zeit, Nachrichten, Wasserstand 10.10 Schulfunk 10.35 Westdeutschland stellt vor: Kleine Stücke für Cello und Klavier(Albert Groeger. Cello; Egbert Grave, Begleitung)./ Drei Balladen von Loewe: a) Prinz Lugen: b) Heinrich der Vogler: c) Friedericus Nex (Kurt Lange, Baß=Bariton; Egb. Grave, Begleitung) 11.05 Wilhelm von Kügelgen: Die Tabakspseise 11.30 Bauernfunk 11.55 Sendepause 13•09 Eröffnungskundgebung für das Winterhilfswerk 13.00 Mittagsmeldungen I. Glückwünsche Das Westdeutsche Kammererchester— Balse: Vorspiel zu„Die vier HaimonsSchmalstich: Madrigal 7 Schweitzer: Ständchen Micheli: Dritte kleine Suite Weninger: Anatolischer Tanz/ Wassil: Ungarisch Wetzel: Machtnaras Valser Kuhn: Marionetten14.00 Mittagsmeldungen aus„Farinelli“.° Dörina: I. Romanze Blume: Abendlied Jos. Strauß: Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust, Walzer( Grotbe: NSU Marken-Fahrräder auf bequeme Tellzahlung. Erste Rate Im November bei kleinorer Anzahlung. HANS SIEM, Bahnhoistr. 78 Ich träume immer nur von dem Einen. Lied und Csardas/ Knümann: In dulce jubilo. Marsch 15.00 Jungmädelstunde 15.30 Wirtschaftsmeldungen, anschl.: Gendevause 16.00 Wir treiben Familiensorschung 16.15 Die Klaviersonaten Schuberts— Sonate Nr. 6 C=Moll(komp. 1817) 16.45 Die Welt im Buch 17.00 Von Frankfurt: Bunkes Unterhaltungskonzert Das Rundfunkorchester und Solisten 18.30 Deutsche in Uebersee 18.45 Zeit. Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht 19.00 Mozartstunde— Serenade D=Dur K.:V. 100 Ach meine Ahnung, Arie für Sopran(Solistin: Kläre Hansen) Serenade D=Dur K.=V. 185 19.50 Achtung, Verkehr! Zehn Minuten für jedermann 20.00 Erste Abendmeldungen 20.10 Sendevause 20,15 Stunde der jungen Nation. Das Jahr im Lied 20.45 Ein Tag bei den Männern des Arbeitsdienstes 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten 22.15 Von Berlin: Olympiadienst, Nachrichten und Berichte 22.30—24,00 Nachtmusik und Tanz. Ausführende: Das Städt. Orchester Witten(Ruhr) und das Kleine Orchester— Blankenburg: Für Freiheit und Ehre. Marsch Waldteusel: Goldregen. Walzer(Großes Orchester) Zwei Tänze(Kleines Orchester) Joh. Strauß: Ouvertüre zur Operette„Waldmeister". Rust: Heinzelmännchens Heimkehr, Marsch=Intermezzo(Großes Orchester)] Zwei Tänze(Kleines Orchester) Kick=Schmidt: Lied im Volksmund, Improvisationen Kick=Kletzki: Varieté. Charatkterstück (Großes Orchester)] Zwei Tänze(Kleines Orchester) Siede: Frohsinn auf der Alm Drever: Unter siziliagischer Sonne(Großes Orchester) Zwei Tänze(Kl. rchester) Siede: Hoang=ho. Intermezzo/ Bülow. chlichting: Heidegold. Bravourmarsch. Donnerstag, den 10. Oklober 5.55 Wetterbericht 6.00 Leibesübungen 6.30 Von Saarbrücken: Frühkonzert. Ausführ.: Landes=Sinsonie=Orchester für Pfalz=Saar— Schmeling: Soldatenleben, Marsch Auber: Ouvertüre zur Oper „Fra Diavolo“., Dvorak: Legende IV.## Verdi: Musikszenen aus der Over„Der Troubadour“ Ziehrer: Ouvertüre zur Operette„Die Landstreicher" Loehr: Die kleinste Truppe. Charakterstück Gungl: Die Hydrovathen. Walzer/ Povy: Ballettsuite: a) Mazurka; b) Langsamer Walzer: c) Pizzikato: d) Largo: e) Galopp, Wottschach: Wir marschieren. Marschpotpourri# Blon: Heil Europa. Marsch 7.00 Von Saarbrücken: Nachrichten. Anschl. aus Köln: Choral— Morgenruf 8.00 Frguenturnen 8.15 Zeit, Wetter, Wasserstand 8.20 Funkwerbung 8.45 Gendevause Zeit, Nachrichten, Wasserstand hulfunk und die Welt 10,00 Zeit, 10,10 Schu 10.45 Wir und die Welt 11.30 Funkwerbung 12,00 Musik am Mittas. Von München: Das Rundunkorchester— Mozart: Ouvertüre zu„Die Zauberlöte“. 7 Bruch: Konzert für Geige und Orchester n G=Moll/ Chabrier: Spanischer Tanz/ Franckenstein: Serenade/ Berlioz:„Walzer" und„Gang zum Hochgericht", aus der phantastischen Sinsonie 13.00 Mittagsmeldungen— Glückwünsche 13.15 Von München: Ramean: Ballett=Suite Rossini: Fantasie aus„Der Barbier von Sevilla“. RimskiKorssakow: Zwei Tondichtungen: a) Prinz und Prinzessin: b) Fest in Bagdad 14.00 Mittagsmeldungen 14.13 Allerlei von Zwei bis Drei 15,00 Kinderstunde 15.30 Wirtschaftsmeldungen. Anschl.: Sendepause 16.00 Unsere Chorstunde. Der Kammerchor und Solisten Werke von Konrad Ramrath.„Verwehrter Einlaß". für Männerchor mit Sopran=Solo]„Sonntagslied der einsamen Sennerin“, für Männerchor und Sopran=Solo: a) Seufzer; b) Feenreigen, für Frauenchor mit Klavierbegleitung 7 a) Auf grüner Au: b) Es ist ein Brünnlein geflossen, für Solostimme mit Klavierbegleitung] a) Mein eigen: b) Schatz gewest, für gemischten Chor 16.35 Die Stimme. Eine Exzählung v. Heinr. Zerkaulen 17.00 Bunte Musik am Nachmittas. Das SinsonieOrchester des Reichssenders Hamburg; Das Stabskorps der SA=Gruppe„Hansa“ und die ungarische Kavelle Bela Jani— Smetana: Ouvertüre zu„Die verkaufte Braut“.] Rimski=Korssakow: Hindulied Neßler: Melodien aus der Oper„Der Trompeter von Säckingen“(Trompetensolo: Willi Schmidt) Kling: Deutsche Militär=Ouvertüre/ Joh. Strauß: An der schönen blauen Donau. Walzer/ Rusch: Präsentiermarsch Prinzessin Masalda von Hessen Lehar: Melodien aus der Overette„Zigeunerliebe“ Ungarische Volksweisen Rusch: Brandenburgischer Fackeltanz/ Künnecke: Knospen und Blüten, aus der Suite„Blumenwunder“. 7 Zigeunerlieder Rusch: a) Regimentsmarsch der Kaiser=Franz=Josef=Husaren Schleswig=Holstein Nr. 16); b) Deutsche Ritteranfare Sämtliche Möbel wie Küchen. Schlafzimmer Helz- und Metallbetten. Herde Seies. Natralzen usw. liefert auf Tellzahlung Fr. Klep Adoltehiller-Str. 66 Nähe Betriebabbf Dorlehn an Beamte, Festangestellte u. Hausbesss innerh.14 Tg. 1. P2. Hypotheken zu vergeben durch L. A. Plotrewfti, Kaiserstraße 27. ein Kaffee, wie er sein soll, dazu coffeinfrei, preiswert, Pfd. RM 2.50 Pakete 30 Pig. 18.3 0 Die neuen Ausgrabungen in Zanten am Niederrhein 18.45 Zeit. Wetter, Wirtschaftsmeldungen, Sportvorbericht 19.00 Abendmusik. Das Kammerquintett— Kark: Die lau nische Spieluhr Fahrbach: Lustige Leutl. Walzer Wismar: Lautenständchen Lehar: FrasquitaSe enade Mischou: Liliputaner=Hochzeit/ Lautenschl iger: Blauer Pavillon# André: Schützenlies l. Rkeinländer Carosio: Ritorna Serenade Erbe: St warzkönschen. Gavotte 1 Meisel: Debresein, Zi eunerromanze 19.50 Momentaufnahme 20.00 Erste Abendmeldungen 20.10 Unterhaltungskonzert. Das Kl. Orchester. Lig.; Leo Eysoldt— Zimmer:„Dem deutschen Volke“. Se vaterländische Festouvertüre/ Knümann: WandererSuite Weber: Aufsorderung zum Tanz/ a) Schumann: Schlummerlied: d) Schubert: Am Meer Clemus: Rast im Walde, militärische Burleske 21.00„Die soldene Stadt". Legende eines Arbeiterlebens von Ernst Wiechert. Musik: Erwin Kroll. Spielleitung: Josef Kandner. Musikalische Leitung: Josef Breuer— Darsteller: Mutter(M. Walter) Vater(Ludw. Gürtler), 1. Kind(Erika Raaf) 2. Kind(Erna Pontzen)/ Sohn(Kurt Ehrbardt) Der Alte(Paul Apel)/ Frau(Rita Plum) Soldat (Hanns August Herten) Stimme(Otto Tickardt) Hauptmann(Rudolf Terkatz) Nachbarin(Carla eitzel) Der Engel(Marita Marx) Der Herr Paul Henn) Chor der Bergleute/ Chor der immlischen 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten— Wochenvorschau 22.20 Stivvvisite 22,30—24,00 Von Berlin: Spätabendmusik— Doelle: Ampbitryon=Walzer Donizetti: Ouvertüre zu„Die Regimentstochter“. Wenneis: Zwei Sätze aus der Sachsenland=Suite: Weite Felder, grüne Wälder— fließendes Leben Bumcke: Variationen über„An der schönen blauen Donau". für Saxophon und Orchester(Solistin: Ingrid Larssen) Strauß: Annen=Polig Xylophon=Solo(Kurt Enge!) Bayer: Melodien aus„Die Puppensee“. 7 Ganné: La Czarnine] Zwei Saxophonsoli mit Klavier: a) Sattler: Schmetterlinge: b) Gebhardt: Heut ist beut (Ingrid Larssen, am Flügel: Alexander Ecklebe) Bullerian: Zwei russische Tänze /# Tolophon=Solo (Kurt Engel) 7 Komzak: Münchener Kindl, Marsch Anlgemeine Zeitung den 9. Oktober 1935 Statt jeder besonderen Anzeige In deine Hände empiehle ich meinen Geist: Du bast mich erlösest, Hear, du treuer Gott Pa. 31. 6 + Am Montagmittag 12 Uhr ging unsere treue Mutter, meine liebe Schwester, unsere gute Großmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante geb. Redemund nach langem, schwerem Leiden im Alter von 66 Jahren heim In tiefem Schmerz: Die trauernden Hinterbliebenen Gelsenkirchen, Waldbröl, Bitterfeld, Ostpreußen, den 7. Oktober 1935 Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, dem 10. Oktober 1935, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause Steinmetzstraße 4 aus. Hausandacht eine halbe Stunde vorher. nicht unt. 25 J., in Küche u. Haushalt bewand., für ¾ Tag sof. ges. 11855 Zu erfrag. in der Allg. Ztg. Suche für vertrauenswürd. Frau tüchtig in Haus. halt und Küche, Balblagsstelle o. dgl. Off. u. A. 993 an d. Allg. 3. sucht sofort tüchtigen Dirigenten Proben Donnerstaas. Ang. u. A. Z. 997 an d. Alla. Z. Schöne Ladenlokale auf der Bahnhofstr. per sofort und ab 1. Januar 1930 zu äußeret günstigen Bedingungen zu vermieten. Gelsenkirchen, Vobwinkelstr. 22/24 Fernrat 275 41/42 Bessere abgeschlofs. 1 Firma L. ap; A. Sönnichsen 4 Zim.-Neubany. mit allen Nebenräumen im Zentr. der Stadt zu vermieten. Zu erfr. Bohwinkelstr. 45, Tel. 278 39. Guterh. moderner Kaslen-Kinderu. zu verk. Overhofstr. 64, II. Iks. Chaiselongue billig zu verkauf. Schermer, Fürstinnenstr. 23. 7 ZimmerWohnung Altwohnung 5 Zimm., Küche u. Vorratsk. sof. od. Fea.= Seldteste. 82 p. 1 Firma L. 8 a. Sönnichsen mit Dampfheizung und allem Komfort per sofort auf der Bahnhofstraße zu vermieten. Gelsenkirchen, Vchwinkelstr. 22/24 Fernruf 275 41/42 u. 1 verskd. Pfaffbeide fast neu, billig zu verkauf. Ernst Kämper Maschinenhandlg. Vereinsstraße 48. Heute abend entschlief sanft nach langer, geduldig ertragener Krankheit meine liebe Gattin, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin u. Tante Frau Otilie Hempel geb. Beynio im Alter von 76 Jahren. Sie starb nach einem arbeitsreichen Leben in steter Sorge u. Aufopferung für die Ihren Namens der tiefbetrübten Angehörigen: Emil Hempel Gelsenkirchen, den 7. Oktober 1935 Grillostraße 32 Die Beerdigung findet Freitag, den 11. Okt., nachmittags 4 Uhr, von der Zionskirche, Blumenstraße aus, statt. Trauerfeier daselbst ½ Stunde vorher. Ev. Frauenhille Bulmke=Mitte. Gott der Herr hat unser liebes Mitglied Frau Wilbelmipe Karraich nach langem Leid zu sich in die Ewigkeit gerufen. Sie darf dort weilen, wohin ihre Gedanken in den letzten Monaten so oft gegangen sind. Zum letzten Geleit versammeln wir uns Donnerstag, den 10. Okt., 14,45 Uhr, am Sterbehaus Steinmetzstraße 4, Der Vorstand. (Mans.), 1 Werkstatt od. Garage mit Hofraum für 26 M zu vermiet. Off. u. A. 3. 996 an die Allg. Ztg. Groß. leer. Zimm. mit Licht u. fließ. Wasser, sofort zu verm. Mitte der Stadt. Ang. u. A.Z. 994 an d. Allg. Z. 4 Räume gut geeignet für eine Arzt- oder Rechtsanwalt-Prazie, auch als Wohnung auf der Bahnhofstr. per sofort zu vermieten. Firma L.& A. Sönnichsen Gelsenkirchen, Vohwinkelstr. 22/24 Fernruf 275 41/42 Abgeschlossene 4•5 in ruhig. Hause, Nähe Schalke, sof. od. zum 1. Novbr. ges.(3 erw. Pers.) Off. u. A. Z. 995 an die Allg. Herde- und Dien Repa raturen fachgemäß und billig Karl Kemper Schalker Str. 170 Ruf 24786 Kleiner Kleiderschrank zu kaufen gesucht. Ang. u. A. Z. 999 an die Allg. Ztg Kaufe jed. Posten Kanarien: welbch u.singend. -hähne auch weiße H. Siepenkötter Georgstraße 6 Miel-Fanos in groß. Auswahl Bei später. Kauf Mietanrechn. nach Vereinbarung. Pianohaus Marks Bochum, Kaiser Wilhelm=Straße. Gausporte mit und ohne Packe: F. Bemberg Wiebagenstr. 133 Ruf 234 87 Stadtgarten, an d. Zeppelinallee und Wittekindstr. mehrere herrsehahl. S, 6- u. Träum. Blagen Ztg. mit Zentralheizung, eingerichtet. — Bädern und Zubehör sofort bzw. Mäntel -Jacken Möbeltransporte L. Mols Ringene Gesr. 1873 Ruf: Samm.-Nr. 22551 Jußerst b1111g Reparaturen gut und billig Bahnhofstrasse 3o##58 Zahlungserleichterung Kinderlos. junges 1. 1. 36 oder später zu vermieten. Verständig Ehepaar sucht[Näberes Bürn Wittekinhstrabe 27 2 Off. u. A. Z. 1001 an die Allg. Ztg. mit Dreirad=Auto abzugeben. Etwas Kapital erforderl Ang. u. A. Z. 998 an die Allg. Ztg. Möbl. Zimmer sof. ges., möglichst Nähe Dt. Eisenw. Off. u. A. Z. 1000 an die Allg. Ztg. Näheres Büro Wittekindstraße 27 Telefon 236 60. Nach Janger schwerer Krankheit entschlief heute früh 6 Uhr mein lieber Bruder, unser guter Schwager und Onkel im Alter von 34 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Krofl. Gelsenkirchen, den 7. Oktober 1935. Die Beerdigung findet statt Donnerstag, den 10. Oktober 1935, vormittags 8 Uhr, vom Sterbehause Adalbertstraße 4 aus. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zugeht, diene dieses als solche. Suche für einige Stunden in der Woche einen Zu erfr. Allg. Ztg. 2 Zimmer, 1 Ladenlokal, 1 Werkstatt, Hofraum, bish. Motor. rad Fahrradhdlg. mit Reparatur, f. 60 M zu vermiet, Gelsenkirchen, Bismarckstraße 96. gewissenhaft und Schönes Lager mit Rampe zu vermieten. Verflucht suchhe! Oma fährt doch wieder Motorrad. Wohin, na klar, sie fährt zur Stadt. Zur Bochumer Straße 5a, nicht Nr. 3 Zu Weiffens Bücherei geschickt für Lager= H. Stückrath arbeiten sof. ges. Hohenzollernstr. 77 Ang. u. A.Z. 1002 an die Allg. Ztg. Haushälterin Wohnhaus evgl., im Alt. v. gute Rentenanlage 45—50 J. oh. An- in best. Wohnlage hang gesucht. Sel- bei 10000 M Anbige muß in der zahlung günst. zu Landwirtschaft be= verkaufen durch wand. sein. Näh.] Hugo Abraham bei Wettklo, Gel= Arminstraße 13 senk. III, Zieten= Telefon 25464 straße 5. Nachm.— von 3—5 Uhr. Weg. Heirat des.„ jetzig. z. 15. 11. neuzeitlich, mit 6 Zimm., im ruhig. Mädchen Hutn La: geian mit bess. Zeugniff. Alme bei Brilon nicht unter 20 J. mir oder ohne f. Etagenhaushalt Gart., z. Preise gesucht. 11185- von 4000—4500 Klein=Albenhausen Mark zu verkau. Emilienstraße 17. fen. Passend für Pensionäre. Suche sofort ein Beiur Schlüter. he Ce. äe. G EENSE- WENE E Essen Ad.-Hiller-Str. 15 1. Etage gegenüber d. Arkadis Sehr gut erhalt. Flügel weg. Platzmangel billig zu verkauf. Mühlenstr.25, I. r. Aus amtlich. Bekanntmachungen entnommen. Die Fluchtlinien für a) die Uferstraße von der Hafen. brücke bis zur Bogenstraße sind festgesetzt, b) das Gelände zwischen Röck., Bincke=, Hülser Straße, Rollenpad und verl. Diesingweg sind förm. lich festgestellt. Die Pläne liegen nach 62 7 und 8 des Straßen= und Baufluchtengesetzes vom 2. Juli 1875 beim Stadtvermessungsamt, HansSachs=Haus, Zimmer 500, zu jedermanns Einsicht offen. Hier können auch Einwendungen gegen die unter a) aufgeführte Festsetzung in der Zeit vom 10. Okt. bis 7. Nov. zur Niederschrift gegeben oder schriftlich angebracht werden. Gelsenkirchen, 7, Oktober 1935. Der Oberbürgermeister. für ¾ Tag. Wirtschaft Brecklinghaus Küppersbuschstr.22 Hausmädchen sofort gesucht. Konditorei Kneisel Adolf=Hitlerstr. 6. ETRCT TT ST T In unser Handelsregister Abteilung A ist heute eingetragen: Zu Nr. 917, Firma Gottfried Haskinger in Gelsenkirchen: Die Prokura des Oberingenieurs Wilhelm Buchholz in Gelsenkirchen ist erloschen. Zu Nr. 1202, Firma Friedrich Hermsmeier in Gelsenkirchen: Die Firma ist erloschen. Ferner in Abteilung B zu Nr. 445. Firma Deutsche ErdölAktiengesellschaft. Beche Graf Bismarck in Gelsenkirchen (Hauptsitz Berlin): Die Firma der Zweigniederlassung ist geändert in: Deutsche ErdölAktiengesellschaft Zechen Graf Bismarck und Königsgrube in Gelsenkirchen Hauptsitz Berlin. Gelsenkirchen, 2. Okt. 1935. Amtsgericht. CAEE UN .N- EEIIT HEEE EIREEEEENE E RRNZIIITEIEIIE LEEEI Si EENI Anbiele bis zu 5000 Zir. erstkl. Floffeln frei Verladestation Ostpreußen. A. Broschinski, Elbing, Spieringstraße 7. 1. Hypothekenbriefe werden zinslos mit 50% beliehen Beamtenkredite bis 120 Mon.+ 4570 van Forst, Bochum, Westfälische Str. 23 Achtung! Junge Dame in bleularb. Kostüm Sonntagabend 9 Uhr Ecke Klosterbräu, anschl. im Hauptbahnb. Gelsenk., wird um Ang. ihrer Anschr. an D. R. B. 7556, Essen, hauptpostlagernd. höfl. gebeten. Diskretion Ehrensache! 11867 Durch gute Musik In freundlichen Räumen Unterh altende Stunden im HOTEL HANS SACHS Mittwoch:— Es spielen 5 ELIAS— Samstag: Nachmittag der Hausfrau Billig und gut heizen Sie mit lesten Brennstolfen Kohlen Koks Briketts Kohlenhandlung B. Kirchfeld S. R. Ruf 21141— Matthlasstr. 8 Landabsatz-Vertrieb der Zechen Alma, Bonifacius Wohlige Wärme. Wintertagen Durch den guten Ofen ein gemütliches Helm Ofenfachgeschäft Wilh. Rochs Gelsenkirchen, Adolf-Hitler-Straße, seit 1797 K preiswert im Fachgeschäft belsenkirchen SLEHDET ALKGIMLEI INTREANA AEIEE I-E HulELLIEEMELIII KIIIITIR-FIK·E Tierheim Tierschutzvereins Gelsenkirchen auf d. Städt. Fuhrpark bei Haus Leithe werktäglich geöffnet von 9—13 und 15—18 Uhr. Samstags geschlossen. Aufnahme und Pflege herrenloser Hunde und Katzen. Schmerzlose elektrische Tötung alter, kranker oder verletzter Tiere. Vermittlung überzähliger Tiere in gute Hände Tötungsgebühr 2 Mark. für Erwerbslose kostenlos. Tierpension für die Reisezeit, geraum Boxen und Auslaufgelegenheit Rat und Hilfe in allen Angelegen. heiten des Tierschutzes durch die Geschäftsstelle des Vereins: Drahtwerk Otto Koenig, Ostermannste. Telephon 212 15. Stadttheater Bochum Mittwoch, 9. Okt. 20 Uhr: Vorm. A3: 1. Gastspiel der Tanzgruppe d. Kölner Oper! Donnerst., 10.Okt. 20 bis 22,30 Uhr Vormiete C 3 Towarisch Freitag, 11. Okt. 20 bis 22 Uhr Vorm.: 1. MeisterKonzert, Solist Walt. Gieseking (Klavier) Samstag, 12. Okt. 20 bis 22,30 Uhr Geschl. Vorstell. f. d. RSc„Kraft durch Freude" Lumpacivagabundus od. Das liederliche Kleeblatt Sonntag, 13. Okt. 16 bis 18,30 Uhr Geschl. Vorstell. f.d. RSG.„Kraft durch Freude" Lumpacivagabundus. 20 bis 22,30 Uhr: Grün. Ringl: Lumpacivugabundus Wanzen Kakerlaken Schwaben und Ameisen vernichtet sicher Kaput Niederlage: Drogerie M. Schneider Bahnhotstraße 37 Gummibereifter Anhänger zu kaufen gesucht. Weidenbörner Kronprinzenstr. 25 Tel. 24725 Bühnen der Stadt=Essen Opernhaus Mittwoch, 9. Okt. 20 bis nach 22 Uhr: Die Stadt Reihe H Donnerst., 10.Okt. 20 bis 23,15 Uhr RS.Kulturgem., Gruppe 1, und freier Berr.: Die Zaubergeige reitag, 11. Okt. 20 bis 22,30 Uhr Tosca. Reihe# Samstag, 12. Okt. 20 bis gegen 23 Uhr: Schach dem König Sonntag, 13. Ort. 15 bis u. 17,30 Uhr: Cavalleria rusticana— Der Bajazzo. Kleine Preise. 20 bis gegen 23 Uhr Schach dem König Schauspielhaust Mittwoch, 9. Okt. 20 bis gegen 23,45 Uhr: NSKulturgemeinde, Gruppe 7, und freier Verkauf: Gregor u.Heinrich Donnerst., 10.Okt. 20 bis 22,45 Uhr Uhr: Hannibal Reihe D Freitag, 11. Okt. 15 b. geg. 17,30 Uhr: Geschloss. Vorstellung für den FachschulStudentenbund Essen: Die elf Teufel.(Abends keine Vorstell.) Samstag, 12. Okt. 20 bis gegen 22,30 Uhr: Der Brandner=Ka. spar schaut ins Paradies NähmaschinenReparaturen werden innerhalb 24 Stunden in- und außer dem Hause lschgemäß unter Garant. ausgeführt Mechanikermeister Adolf Schmidt Kirchst.6, Rul 21887 Acht Cage Arbeit von Volk zu Volk Ein Gelsenkirchener Teilnehmer an der Gautagung der Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener berichtet über den Besuch englischer Fronkkämpfer Im Kölner Hauptbahnhof stehen in aller Morgenfrühe ein Ehrensturm der Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener sowie die Spitzen der Behörden und der militärischen Verbände von Köln. Unter den Klängen einer SA=Kapelle wird die erste große englische Frontkämpferabordnung einiger Ortsgruppen der British Legion in Stärke von 56 englischen Kameraden empfangen. Man merkt den etwas müden Gesichtern die Anstrengungen einer stürmischen Seefahrt und die Nachtreise an. und doch liegt auf diesen Zügen eine Spannung und eine Unsicherheit gegenüber den Erlebnissen, die der Besuch des neuen Deutschland ihnen bringen wird. Der erste Händedruck herzlich aber eine gewisse Zurückhaltung zwischen diesen Männern, die sich einst im Schützengraben als Feinde gegenüber lagen. ist unverkennbar. Acht Tage später: Wieder stehen aus dem Kölner Hauptbahnhof Kameraden, deutsche ehemalige Frontkämpfer gemeinsam mit den britischen Frontsoldaten. welche der Zug nach der Heimat bringen wird.— Welch anderes Bild! Kein Ende nimmt das gegenseitige Händeschütteln! Auch heute zeugen die Gesichter der englischen Frontkämpfer von den Anstrengungen der hinter ihnen liegenden Reise, aber aus ihren Augen strahlt die Freude über das, was sie in dieser Zeit gesehen und erlebt haben. Welch tieses Erlebnis diese achttägige Fahrt durch Rheinland und Westfalen für die britischen Frontkämpfer war, wird auch der unbeteiligte Zuschauer aus den Zurufen erkennen, welche in einem merkwürdigen Misch=Masch von deutschen und englischen Sprachbrocken durch die nächtliche Bahnhofshalle klingen. Namen klingen auf: Grundschöttel— Volmarstein brachte den Engländern die erste innige Berührung mit deutschem Land und Volk. Sie wohnten in den Häusern der Arbeiter und der Fakrikherren. Sie lebten mit den deutschen Familien eines Landstriches von ausgeprägtester deutscher Eigenart. In zwangloser Fröhlichkeit wurden Brücken von Mensch zu Mensch von Volk zu Volk geschlagen. Eine Gautagung der Reichsvereinigung ebem. Kriegsgefangener in der westfälischen Hauptstadt Münster zeigte den englischen Kameraden nicht nur die Arbeit eines deutschen Frontkämpferbundes, die tief in der neuen Weltanschauung wurzelt, sie zeigte ihnen auch einen Querschnitt des neuen Deutschland selbst. Eine Kundgebung, ein Aufmarsch: Tausende westsälischer ehemaliger Kriegsgesangener, die gesamten nationalsozialistischen Formationen der Stadt Münster. geführt von zwei Kompanien des deutschen Volksheeres, ziehen an ihnen vorüber. Sie spürten bei diesem kraftvollen Bild den zähen Lebenswillen, die Opserbereitschaft und Geschlossenheit dieses Volkes. das noch vor wenigen Jahren dem Untergang geweiht schien. Vertieft und erweitert wurden diese Eindrücke in den darauf folgenden Tagen durch den Besuch einer Kriegsgesangenensiedlung in Dortmuno=Avlerbeck. die Besichtigung eines der ältesten Kotten(Schleiferei) im Bergischen Land und eines neuzeitlichen Stahlwerkes in Solingen. sowie der Ruhrstahlwerke AG. Werk Witten und des Kriegsgefangenen=Ehrenmals in Menden. Reichlich boten diese Tage den englischen Frontkämpfern Gelegenheit, sich mit dem Denken und Fühlen des deutschen Volkes, mit den vielfachen Erscheinungsformen seines öffentlichen Lebens vertraut zu machen. Den deutschen Frontkämpfer kannten sie als Soldaten zur Genüge. jetzt erlebten sie ihn bei seiner Arbeit. im Kreis seiner Familie, in all den Stunden, in denen ernste Soldatenarbeit abwechselte mit urgesunder deutscher Soldatenfröhlichkeit und deutichem Humor. Sie sahen die deutsche Frau als Hüterin deutschen Familienlebens, und die deutsche Jugend fanden sie zu ihrem Erstaunen als Erbe der deutschen Zukunft zu allen Veranstaltungen der ReK hinzugezogen. Ein fröhlicher Tag bei leuchtendem Sonnenschein im herrlichen Rheintal und an der Ahr beschlossen diese Fahrt. Wer die Abschiedsstunde der englischen Frontkämpfer miterlebte, verspürte; daß über aller Fröhlichkeit die hohe und ernste Aufgabe. Friedensträger zwischen zwei blutsverwandten Völkern zu sein. die englischen Frontkämpfer und ihre deutschen Freunde bis zur letzten Stunde beherrschte und als eine Verpflichtung für die Zukunft auch über ihrer Abschiedsstunde stand. Die erste Feier der britischen Frontkämpfer auf deutschem Boden an den Gräbern ihrer in Deutschland gestorbenen Kameraden in Köln war sinngebend für diesen ersten und alle zukünftigen gegenseitigen Besuche der Männer aus den Schützengräben. Kaum ein Tag dieser Reise verging. an dem nicht deutsche und englische Soldaten gemeinsam an den Gräbern englischer und deutscher Kameraden standen. Wenn alle zukünftigen gegenseitigen Frontkämpferbesuche von einem so hohen Ernst getragen sind, wie diese achttätige Frontkämpferfahrt durch Westfalen. dann können die ehemaligen Weltkriegs=Soldaten mit Erfolg daran arbeiten, ein Band der Freundschaft um diese beiden wesensverwandten Nationen zu schließen. um damit auch der Befriedung Europas zu dienen. Mimmmmmmmmm Winterhilfswerk 1935/36 Opfert im Kampf gegen hunger und Källe! WHW=Bankkonten: Städtische Sparkasse Gelsenkirchen Nr. 6577 Deutsche Bank und Diskontogesellschaft Nr. 6061 Postscheckkonto: Essen Nr. 399 WOW des deutschen Volkes, Kreisführung Gelsenkirchen