* 0 ur Unabhängiges Organ die Bezirke Schalke, Heßler, Bismarck, Gelsenkirchen etc. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis verteljährlich 1.80 Mark einschließlich„illustriertem Sonntagsblatt“ frei ins Haus gebracht Geschäftsstelle: Gehsenkirchen=Schalke, Grillostraße 64. Fernsprech Anschluß Nr. 732. Vermittlungs=Amt Gelsenkirchen. Anzeigenpreis für die 6gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. Reklamen 80 Pfg. die Zeile. Anzeigen, welche bis 10 Uhr morgens eintreffen, finven am selbigen Tage Aufnahme, größere Anzeigen werden früher erbeten. Redaktion von Wilh. Preuße in Gelsenkirchen=Schalke. Druck und Verlag von M. Schaff, Buchdruckerei, Gelsenkirchen=Schalke, Grillostraße 64 Nr. 244. Freitag, den 19. Oktober 1917. 44. Jahrg. 10 000 Gefangene und 50 Geschütze auf Oesel gezählt. WTB Großes Hauptquartier, 13. Okt.(Amtlich). Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In der Mitte der flandrischen: Front war auch gestern der Feuerkampf stark; besonders in den Abend= und heutigen Morgenstunden war das Feuer am Houthoulster Walde und südlich von Passchendaele gesteigert. Bei Draaibank mehrmals vorstoßende starke Erkundungsabteilungen wurden zurückgeworfen. Zwischen dem Kanal von La Bassee und der Scarpe, sowie südlich von St. Quentin nahm bei Vorfeldgefechten auch die Feuertätigkeit zu. leeresgruppe Deutscher Kronprinz Nordöstlich von Soissons hat sich die seit Tagen lebhafte Kampftätigkeit zur Artillerieschlacht entwickelt, die seit gestern früh vom Ailette-Grunde sbis Braye in nur kurzen Pausen andauert. Auch die Batterien der Nachbarabschnitte beteiligten sich am Feuerkampfe. Von der Aisne bis auf das Ostufer der Maas nahm an vielen Teilen der Front das Feuer gleichfalls] erheblich zu. An der Nordostfront von Verdun stießen zu kühnem Handstreich gestern morgen bei Höhe(344 östlich von Samogneux in die französischen Gräben vor, zerstörten fünf große Unterstände und führten die Besatzung, soweit sie nicht im Nahkampf fiel, gefangen zurück. Abends machte der Feind zwei Gegenangrisse gegen die genommenen Grabenstücke; beide Male wurde er zurückgewiesen. Im ganzen wurden gestern 13 feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht. In Erwiderung des Fliegerangriffessauf Franksurt a. M. wurden gestern erneut Nancy mit Bomben beworfen. Oestlicher Kriegsschauplatz Die Sichtung der auf Oesel gemachten Beute hatte bisher folgendes Ergebnis: 10 000 Gefangene von zwei russischen Divisionen; nach Moon find nur wenige hundert Mann entkommen. 50 Geschütze, dabei einige unversehrte schwere Küstenund einige Feldbatterien, zahlreiche Waffen und sonstiges Kriegsgerät. Teile unserer Seestreitkräfte drangen durch die Minenfelder des Rigaischen Meerbusens bis zum Südausgang des Großen Moonsundes vor, wohin sich etwa 20 russische Kriegsschiffe nach kurzem Gefecht zurückzogen. Die russischen Batterien bei Woi auf Moon und bei Werder an der estländischen Küste wurden zum Schweigen gebracht. Andere unserer Flotteneinheiten liegen im Oftteil der Kassar Wirk und sperren die Durchsahrt nach Westen. Zwischen Düna und Donau außer einigen vergeblichen Vorstößen russischer Aufklärer keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische Front. Die Lage ist unverändert. WTB Berlin, 18. Oktober, abends.(Amtlich.) In Flandern geringerer, nordöstlich von Soissons sehr starker Artilleriekampf. Die zwischen Oesel und Festland gelegene Insel Moon wurde von Land= und Seestreitkräften durch Angriff genommen. Der Erste Generalquartiermeister: Tudendorff. Lokales und Provinzielles. Gelsenkirchen, den 19. Oktober 1917. Versammlung. Der Oberbürgermeister ladet die Gemüse= Groß= und Kleinhändler zu einer Besprechung auf Samstag, den 20. Okt., nachmittags 5 Uhr, in den kleinen Saal der Stadthalle ein. Gefährlicher Leichtsian. Ein leichtsinniger Streich ist dem in noch jugendlichem Alter stehenden Hilfsarbeiter Jakob A. von hier teuer zu stehen gekommen. Um einem anderen Arbeiter einen Posen zu spielen, legte er auf dem Werkbahnhof des Bochumer Vereins einen Hemmschuh zwischen das Herzstück einer Ausweiche. Die Folge war, daß von einem Kohlenzuge ein Wagen entgleiste. Jetzt stand A. wegen vorsätzlicher Transportgefährdung von der Bochnmer Strafkammer, die ihn zu einem Jahr Gefängnis, der niedrigsten für diesen Fall zulässigen Strafe, verurteilte. Der Staatsanwalt hatte eine Gesängnisstrase von anderhalb Jahren beantragt. Eisenbahnamtliches. Auf eine Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahndirektion Essen in der heutigen Nummer machen wir besonders aufmerksam. Die Eisenbahnverwaltung erwartet, daß alle entbehrlichen und aufschiebbaren Bahntransporte in der verkehrsreichen Zeit unterbleiben, um für die Bedürfnisse der Heeresverwaltung und der Volksernährung und namentlich für die jetzt ganz besonders wichtigen Brennstoffe mehr Wagen zu erhalten. Der Postscheckverkehr im Reichspostgebiet hat sich im September erfreulich entwickelt. Die Zahl der Postscheckkunden hat um 2 500 auf 181 300 Ende September zugenommen. Auf den Konten wurden 8,147 Milliarden Mk. umgesetzt Bargeldlos sind 5,532 Milliarden M. oder 67, 9 v. H. des Umsatzes beglischen worden. Das durchschnittliche Guthaben der Postscheckkunden erreichte im September mit 617 Millionen M. seinen bisher höchsten Stand. Zur Außerkurssetzung der Zweimarkstücke. Es wird daran erinnert, daß die Frist für die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke am 1. Januar 1918 abläuft. Von diesem Zeitpunkt ab verlieren die Zweimarkstücke ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Alle Reichs= und Landes kassen sind beauftragt, Zweimarkstücke einzulösen. Mißbräuchliche Benutzung der Aufschrift„Feldpostbrief". In weiten Kreisen herrscht noch immer Unklarheit darüber, in welchen Fällen Briessendungen, die von der Entrichtung des Portos befreiende Bezeichnung„Feldpostbrief, gegeben werden darf. Jedermann, der sich vor Weiterungen und Geldstrafen schützen will, seien daher die nachstehenden Bestimmungen zur Beachtung empsohlen. Nach§ 25 der Feldpostdienstordnung werden die Gebührenvergünstigungen im Feldpostverkehr nur in Privatangelegenheiten der Heeresangehörigen selbst gewährt, nicht aber, wenn weder Absender noch Empfänger Heeres. angehörige sind. Es ist daher auch unzulässig, daß Militärpersonen, usw. von ihren Angehörigen ausgehende Sendungen mit dem Vermert„Feldpostbrief" versehen, auch dann, wenn sie selbst kurze Zusätze beifügen. Desgleichen ist es unzulässig, daß Heeresangehörige auf den von ihnen selbst ausgehenden Sendungen an Nicht=Heeresangehörige durch andere Personen, die auf Portovergünstigung keinen Anspruch haben, Grüße oder persönliche Mitteilungen hinzusügen lassen. Verstöße gegen die bestehenden Bestimmungen werden wegen Porto hinterziehung verfolgt. Was die Höhe der verwirkten Strafe angeht, so sei hier auf§ 27,2 des Postgesetzes vom 28. Okt. 1871 verwiesen, wonach mit dem vierfache Betrage des hinterzogenen Portos, jedoch niemals unter einer Geldstrafe von 3 M, bestraft wird, wer sich zu einer portopflichtigen Sendung einer von der Entrichtung des Portos befreienden Bezeichnung bedient oder eine solche Sendung in eine andere verpackt, welche bei Anwendung einer vorgeschriebenen Bezeichnung portofrei befördert wird. In zweiselhaften Fällen wird man gut tun, an den Schaltern der Postanstalten Auskunft einzuholen. Mit dem 19. Oktober 1917 ist an Stelle der früheren Bekanntmachung Nr. Ch. II. 1000/4. 16. K. R. A., betr. Verbot der Exaktion von Gerbrinden, eine Bekanntmachung Nr. L. 1500/8. 17. K. R. A., betreffend Beschlagnahme, Veräußerung, Verwendung und Meldepflicht von pflanzlichen Gerbstoffauszügen und künstlichen Gerbmitteln, in Kraft getreten. Die Bekanntmachung betrifft die Auszüge aus pflanzlichen Gerbstoffen jeder Art sowie der künstlichen Gerbmittel. Als künstliche Gerbmittel werden alle nicht rein pflanzlichen und rein tierischen Gerbmittel, insbesondere Sulfitzellulose=Ablauge, Neradol und dergleichen, angesehen. Die Bekanntmachung erneut die Beschlagnahme sowie eine Pflicht zur Auskunfterteilung über die betroffenen Gegenstände an. Trotz der Beschlagnahme bleibt die Veräußerung, Lieferung und Verwendung bestimmter Gerbstoffe in einr näher geregelten Weise unbeschadet der sonst bestehenden Bestimmungen und besonderer Anordnung der Kriegs=RohstoffAbteilung gestattet. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist bei den Landratsämtern, Bürgermeisterämtern und Polizeibehörden einzusehen. Handel und Industrie. Hermann Franke A.=G. in Gelsenkirchen. Nach dem jetzt vorliegenden Geschäftsbericht erziehlte die Gesellschaft in dem am 30. Juni 1917 beendeten Geschäftsjahr einen Betriebsgewinn von 289 977(i. V, 237 428) M. Nach Abzug von 3956(6648) M. Zinsen und 110 296(83 784) M. Abschreibungen ergibt sich nach vorher bereits erfolgter Verbuchung der Kriegsgewinnsteuerrückstellung ein Reingewinn von 175 724(146 997) M. zu dem noch 20 229(16 868) M. Vortrag treten. Als Dividende sollen bekanntlich 10(8) Prozent gleich 110000 M. verteilt, je 15000 M. dem Reservefonds und dem Delkrederefonds zugewiesen, 30 000 Mark Gewinnanteile gezahlt und 24 853(20 229) M. auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Werke der Gesellschaft waren sowohl für den Heeresbedarf als auch für die Industrie und Landwirdschaft gut beschästigt. Große Schwierigkeiten verursachte die Herbeischaffung fast aller notwendigen Rohmaterialien. Im zweiten Halbjahr konnten durch die Beschlagnahme des Rohzinks, das bis dahin freigegeben war, vorübergehend einige Abteilungen nicht mehr voll ausgenutzt werden. Der Ueberschuß der Kriegsgewinnsteuer=Rücklage aus den beiden ersten Kriegsgeschäftsjahren 1914/15 und 1915/16 in Höhe von 33 512 M. wurde zur Stärkung des gesetzlichen Reservefonds diesem zugewiesen. Nach der Bilanz betragen Material= und Warenbestände 106 137(218 593) M. Effekten 263 910,(100 365) M. Debitoren 929 449 M(961 250) M. und Kreditoren 441 001(318 232) M. Gewerkschaft des Steinkohleubergwerks Graf Bismarck. Die Gewerkschaft verteilt für das dritte Vierteljahr 1917 wieder eine Ausbeute von 500 M. Alle Artikel für den KONTOR-BEDARF wie: Geschäftsbücher: Briefordner Kopierpressen= Zeichen-Utensilien Federn- Tinten- Tuschen 1 allen Farben Winkel- Reisschienen Briefklammern- Reissbrettstifte Reissbretter: Zeichen- u. Pauspapier Lichtpaus-Papiere u.-Leinen in nur prima Qualität. Lieferung von Schreibmaschinen, Kopiermaschinen, Kontormöbe preiswert in nur guten Fabrikaten. Louis Schulte Inhaber Wilhelm Preusse * Buch- und Schreibwarenhandlung Gelsenkirchen-Schalke" Schalkerstrasse 128 Telephon 732. — ∆ □0 — 0 E 0 □ •2 8 — □ —* 1 *** 8 —* 0 55 " 65 — O 5 00 O 3 83 E S 5 1 (D 5 S 0 —— — 4# # □ □ — □ □ □ □ □ □ □ B # 0 * S □ S 00 1— 02 8 □) S 6— *— 9 2 a □) 82 2 10 □— □ 3 0 S 0 9— — S □0 — ∆ ∆ □ ∆ 9 0 □ 8 2 S 6— * 00 □ ∆ □ □ 93 # Es 22 S □ E 8 □ □ 6 A E □ * 8 E B S * 10 — ∆ — 8 □ 0 * □ □ X □ — *# 8— □ — O □ 8— □ □ Erlebnisse eines Kriegsgefaugenen in Rußland „ soeben erschienen. 1.20 Mk. Buchhandlung Wilh. Preuße, Schalkerstrasse 182. Die Bedeutung der Luftstreitkräfte. Von Hauptmann d. L. Jahn. I. An der Front. Wie man es von alters her bei allen Kriegen gewohnt war, sprengten auch bei Beginn des Weltkrieges. Anfang August 1914, die deutschen Reiter als erste über die Grenze, um dem Feinde das Geheimnis seines Aufmarsches und seiner Grenzfesten zu entreißen; aber bald traten die Flieger mit ihnen in heftigen Wettbewerb, von denen die ersten ihre Ma Aber nicht immer faßt man die unerwünschten Gäste so schnell. und viel Unheil ist wohl schon so angerichtet worden, bevor es gelang, den Schuldigen festzunehmen. So unangenehme Wirkungen ein gelungener Handstreich mittels Landung hinter der Front in Feindesland auch haben kann, so wird er doch verhältnismäßig zu selten gelingen. um als eines der„großen Mittel“ der Kriegführung entwikkeln sich aber immer mehr die Bombenangriffe in großem Maßstabe, wie sie immer häufiger und zielbewußter von den Kriegsführenden angewendet werden. Es lohnt sich wohl, ein Lager mit Munition im Werte von 250 Millionen Mark schinen ebenfalls sechs Stunden nach begonnener Mobilma=I in die Luft fliegen zu lassen, wie es uns in Andruicg gelang, chung flugfertig hatten, und bereits bei der Aufklärung für 1 oder die Werke von Pompey so zuzurichten, daß sie wochenden Vormarsch auf Lüttich flogen ihre Flugzeuge bis tief ins Herz von Belgien hinein. Während des ganzen Vordringens der deutschen Heere bis zur Marne leisteten sie der Aufklärung Dienste, die weit über den Rahmen des bisher möglichen hinausaingen. Mit dem Eintritt in den Stellungskrieg boten sich den Fliegern neue Aufgaben. Es galt nicht nur, den Anmarsch des Feindes auf den Straßen und Eisenbahnen, das Vorhandensein und die Art von Befestigungen festzustellen, es galt vor allem, die geringsten Einzelheiten und Veränderungen der feindlichen Stellungen zu überwachen, wozu das Lichtbild die Handhabe bot. Denn aus den Veränderungen der vorderen Linien, der Straßen= und Eisenbahnbauten, dem Auftreten und Verschwinden von Lagern schließt der Führer auf Absichten des Feindes, und bei sorgfältiger Beobachtung wird der Angreifer des Hauptvorteils beraubt, den er bisher hatte, des Moments der Überraschung; andererseits gewinnt der Angreifer dadurch die Möglichkeit, sich über Art und Stärke der feindlichen Stellung, die er angreifen will. genaueste Auskunft zu holen. Im Stellungskrieg hat der Flieger die Kavallang stillstehen. Reben der unmittelbaren militärischen Wirkung solcher Unternehmungen, die sich in dem Ausfall von Kriegsmaterial und Munition, aber auch in der Notwendigkeit weitreichender militärischer Abwehrmaßnahmen äußern, gehen dabei wirtschaftliche Wirkungen einschneidendster Art einher. Große Werke vonMaterial werden vernichtet, und jeder Luftangriff bewirkt den Ausfall von Hunderten und Tausenden von Arbeitsstunden. Am tiefsten sind aber wohl die politischen Wirkungen von Bombenangriffen auf das feindliche Hinterland. Angst und Schrecken wird unter die Bevölkerung getragen, und Unzufriedenheit mit den Behörden, die nicht für ausreichende Abwehrmaßnahmen sorgen, sind die Folge.„Hunnen“ und „Barbaren“ sind die Beinamen, mit denen wir Deutsche wegen unserer Angriffe auf die englischen Arsenale und die Festung London bezeichnet werden, die uns aber nur zeigen, daß wir den Gegner an seiner empfindlichsten Steile aetroffen haben: England hat aufgehört eine Insel zu sein! Wir haben auch nicht den mindesten Grund, uns mit Gewissensbedenken zu tragen: war es doch England selbst, das lerie als Erkundungstruppe gänzlich aus dem Felde geschlagen von vornherein dafür forgte, daß dies nicht ein Krieg der und ausschisießlicher noch, als im Bewegungskriege, beruhen:-„„—„ auf den Fliegermeldungen die Maßnahmen aller Führer von der Obersten Heeresleitung bis zu den Divisionen und der unteren Führung herab. Hat die Luftwaffe so eine Veränderung der Stellung der Kavallerie bewirkt, so hat sie auf der anderen Seite die Leistungsfähigkeit der Artillerie ganz ungebener gesteioert. Solange die Menschheit nur die blanke Waffe kannte, mit der Mann gegen Mann kämpfte, solange mar 20 oder 30 Kilometer hinter der Kampflinie sozusagen tiefster Friede. Erst mit der Einführung der Schußwaffen beginnt der Vorgang der „Vertiefung“ der Schlachtlknie. Auch der auf Erdbeobachtung angewiesenen Artillerie mar schon eine beträchtliche Wirkung auf die zurückgehaltenen Reserven auf feste Piinkte. Magazine u. rückwärtige Verbindungen möglich. Aber diese Möglichkeit ist durch die Fliegerbeobachtung der Geschoßeinschläge und Wirkung um ein vielfaches gesteioert, und nur durch diese hat die Verwendung der neuzeitlichen Riesengeschütze Sinn bekommen, die nun auf 40 Kilometer und mehr gezieltes und mittels Funkspruch vom Flugzeug aus genau geleitetes Feuer mit vernichtender Wirkung abzugeben vermögen. Wie für die Artillerie, so ist die Luftbeobachtung auch für die Infanterie von höchster Bedentung, denn nur durch genaue Kenntnis der gegnerischen Stellungen ist es möglich. Infanterieangriffe so vorzubereiten, daß sie Erfola versprechen. Ja, vielfach werden Angriffe auf bestimmte Punkte exerziermäßig eingeübt, nachdem an der Hand von Luftbildaufnahmen der anzugreifenden Stelle eine als Übnngswerk dienende Nachbildung derselben gebaut wurde. Und wenn im heißen Kampfe jede andere Verbindung versagt, so ist es der InfanSterieflieger. der der Führung die notwendigen Nachrichten über den Stand des Kampfes in der vorderen Linie bringt und für hart bedrängte Teile die ersehnte Unterstützung herbeiruft. Aber nicht nur als Auge des Heeres hat der Flieger heutzutage Bedeutung, sondern auch mit seiner eigenen Kampfkraft greift er in die Schlacht ein. Mit seinem Maschinengewehr fliegt er der stürmenden Infanterie voron und trägt Unsicherheit, Verwirrung u. Tod in die Reihen des Gegners, dessen Nachtruhe er vielleicht schon durch Bombenwürfe auf seine Unterkunft unsanft gestört und dessen Brotration er durch Angriff auf den Verpflegungszug verkürzt hat. Es gibt kaum noch ein Gebiet der Kriegführung in vorderer Linie, auf welchem die Tätigkeit des Fliegers nicht von stärkstem Einfluß ist, und je ungehinderter der eigene Flieger seine Aufgaben lösen kann, je mehr andererseits die feindliche Fliegertätigkeit unterbunden wird, desto sicherer ist der Sieg. Diese Erkenntnis von der Notwendigkeit des Besitzes der Luftherrschaft führt von selbst zum Luftkampf, denn alle Einwirkung von der Erde aus hat bisher nicht vermocht, den feindlichen Flieger ernstlich an der Erfüllung seiner Aufgaben zu verhindern. Der Kampfflieger muß dem Kameraden die Freiheit schaffen, seinen zahlreichen Obliegenheiten nachzukommen, und wehe der Partei, deren Kampfflieger Heere, sondern ein Krieg der Völker würde, der die Kräfte Aller, auch der Zivilbevölkerung für den Staat in Anspruch nimmt. Jeder, der irgendwie mit der Kriegsindustrie in Verbindung steht, ist, wie man in England selbst zugibt, ein Kämpfer, so gut, wie der Soldat im Schützengraben, und darf sich nicht beklagen, wenn er nun auch die Gefahren des Krieges am eigenen Leibe verspürt. Die schnellste Art, um einen Krieg zu beenden, ist außerdem zweifellos die, daß man alle jene Kommando= und Verwaltungsbehörden, die lirn sind Horz eines Goaros dorstellen zur Auflösnna hringt indem man ihren Sitz von Grund aus zerstört. Diese Über egung wird auch von unseren Geanern angestellt, und ei Fnaländer(B. Shaw) war es, der den Satz prägte:„Weni einmal Berlin in Haias oder London in Hindenburgs Hand gegeben ware, so wäre der Krieg aus und alle Kämpfe ar der Front wären reine Gelde. Zeit= und Menschenverschwen dung!“— Gar zu gern würden die Engländer Berlin die Besuche 100fach vergelten, die wir London abstatten! Das sie aber nicht tiefer ins Land kommen, als es geschieht, ver danken wir neben den technischen Schwierigkeiten vor allen den Streitkräften unseres Heimatluftschutzes. Vergessen wir neben den Helden der Front nicht die Helden der Heimat, die täglich und stündlich bereit sind, sei es im Flugzeug, sei es mit dem Abwehrgeschütz, feindlichen Eindringlingen einen seißen Empfand zu bereiten. So manchen haben sie je chon zur Strecke gebracht; es wird ihnen auch in Zukunf elingen, die Luft über deutscher Erde rein zu halten! Ergänzungen zum deutschen heeresbericht. WÖB. Berlin, 19. Okt. In Flandern hielt am 17. Oklober auf vem Großkampffelde das starke feindliche Feuer den ganzen Tag über an und steigerte sich am Abend mehrfach zu großer Heftigkeit. Erkannte Bewegungen und die starke Besetzung des feindlichen Trichterfeldes, namentlich in der Gegend von Passchendaele und Gheluvelt wurden unter zusammengefaßtes Vernichtungsfeuer genommen. Östlich von Draaibank brachen nach kurzem Trommelfeuer am 17. Oktober nachmittags feindliche Großpatrouillen gegen unsere Linien vor, die restlos unter blutigen Verlusten abgewiesen wurden. Am frühen Morgen des 18. erfolgten starke Feuerüberfälle in der Gegend nördlich von Poelcapelle, denen Angriffe bisher nicht gefolgt sind. Das trübe, regnerische Wetter hält an.— An der Arras=Front wurden bei lebhafter Artillerietätigkeit an mehreren Stellen fünf stärkere feindliche Patrouillenvorstöße abgewiesen. An der Aisnefront ist seit dem 17. Oktober, 8,15 Uhr vormittags, nach tagelanger lebhafter Artillerietätigkeit die Artillerieschlacht in der Gegend von Bauxaillon bis zur Loyere=Ferme voll entbrannt. Unsere Stellungen, besonvers beiderseits des ehemaligen Forts Malmaison, lagen unter besonders starkem Zerstörungsfeuer, das von mittags ab auch tief in das Hintergelände schlug. Im weiteren Verlaufe des Tages dehnte sich die beiderseitige versagen würden: Bald wäre ihr die Luftherrschaft entrissen; 1 Artillerietätigkeit nach Norden bis in die Gegend von St. blind wurden die Führer jeder Maßnahme des Feindes gegen=I Cobain und nach Osten bis östlich von Craonne aus. Auch würde die Artillerie ins Blaue hineinschie=I nach Einbruch der Dunkelheit hielt das Artilleriefeuer von überstehen, blind würde die Artillerie ins Blaue hineinschie ßen, wehrlos wäre die Infanterie dem Maschinengewehr und der Bombe des feindlichen Fliegers ausgesetzt, und ungehindert würde die Artillerie des Feindes in Gemeinschaft mit seinen Bombengeschwadern hinter die vordere Linie einen Hürtel der Verwüstung legen, durch den kein Nachschub an Verpflegung, Munition und Reserven vorgebracht werden kann. Unentrinnbare Vernichtung wäre das Los des Heeres. Dem Luftbeherrscher aber fällt ein Sieg zu, wie er vollständiger und vernichtender bisher undenkbar war. II. Hinter der Front. Unter„Hurrah“ und Tücherschwenken ist der Zug mit Ersatztransport aus der Halle des Heimatbahnhofes gerollt und glatt verlief seine Fahrt während der ersten zwei Tage. Dann stockt sie: Die Strecke ist nicht frei; der Zug gelangt wohl zum nächsten größeren Bahnhof, und dort erfährt man ven Grund: Ein feindlicher Flieger ist gelandet, ist zwar gefangen, aber erst, nachdem es ihm gelungen war, eine wichtige Brücke zu sprengen. Alle Gleise sind nun verstopft, Züge mit Material, Verpflegung und Munition haben sich angesammelt, und es mögen Tage und Wochen vergehen, bis es möglich, sein wird, die Verwirrung zu lösen und die Transporte ihrer Bestimmung auf Umwegen zuzuführen. Öfter als man glaubt gelingt solch ein„Husarenstück“(wie man es früher nannte) fand manche gesprengte Brücke oder Eisenbahn im weiten Rußland, in Rumänien, manche Wasserleitung in der Wüste Syriens trägt Wunden, die ihnen Kühnheit und Entschlossenheit unserer Flieger geschlagen hat! Ein anderes Bild: Auf einem Leiterwagen fährt man einen traurigen Gesellen daher; vor ihm auf dem Bock neben dem Kutscher ein Landsturmmann, hinter ihm zwei mit aufgepflanztem Seitengewehr. Ein Spion! Man fing ihn gleich, nachdem er mit dem Fallschirm zur Erde gelangt war. Ein Flieger hatte ihn„aussteigen“ lassen, und er hatte noch keine Gelegenheit gehabt, den Brieftauben, die er mitführte, Nachrichten mitzugeben, als man seiner Laufbahn ein Ende machte. nach Einbruch der Dunkelheit hielt das Artilleriefeuer von Vauxaillon bis Braye in großer Stärke an. Bei klarer Sicht war die Ballon= und Fliegertätigkeit sehr rege. Am 18. morgens setzte Regen ein. Gegen unsere Stellungen in den WestArgonnen vorgehende feindliche Patrouillen wurden durch Feuer vertrieben. Desgleichen wurden Patrouillenvorstöße beiderseits des Avocourt=Waldes verlustreich abgewiesen. Bei einem erfolgreichen Vorstoß östlich der Maas bei der Höhe 344 hatte der Feind außer Einbuße an Gefangenen schwere blutige Verluste. Im weiteren Verlaufe des Tages nahm unsere Artillerie mehrfach in dortigen Gräben erkannte feindliche Bereitstellungen unter wirksames Vernichtungsfeuer und verhinderte beabsichtigte Gegenangriffe. Nach erneuter erheblicher Feuersteigerung stieß der Gegner um 9 Uhr abends an der Höhe 344 gegen unsere Stellungen vor, wurde jedoch durch unser Abwehrfeuer, an einzelnen Stellen durch Gegenstoß, blutig abgewiesen. Unsere Bombengeschwader griffen in der Nacht zum 17. Oktober wiederholt die Festung Nancy mit Erfolg an. An mehreren Stellen wurden lang anhaltende Feuerbrände beobachtet. Die Schlacht bei Poeleapelle. TU. Haag, 19. Okt. Der Berichterstatter der Times im englischen Haupiquartier drahtet: Während der letzten englischen Angriffe auf dem Frontabschnitt von Poelcapelle kam es zu schweren Basonettkämpfen. Für unsere Truppen sind die physischen Anstrengungen überaus groß. 50 von 100 aller Verluste werden durch die feindlichen Maschinengewehre verursacht, die in den neuerlichen Kämpfen auf Seiten des Gegners eine verhältnismäßig größere Rolle spielen als die schweren Geschütze. Die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit unserer Artillerie, bei der die schweren Kaliber eine immer größere Rolle spielen, steigen von Tag zu Tag. Der Aufwand von Munition übersteigt jede Vorstellung, und trotzdem dürften die Anstrengungen nach dieser Richtung hin noch erhöht werden müssen. Trotz schwerer Beschießung fahren die Deutschen fort, ihre Linien nach allen Regeln der Kunst mit Verteidigungswerken zu versehen Neue Schandtat Englands gegen Schweden. bb. Amsterdam, 19. Okt. Nach Meldungen aug Newyork haben die Engländer in Halifax aus Stockholm gekommene schwedische versiegelte Postsäcke mit diplomatischen Schriftstücken, die für die schwedische Gesandtschaft in Washington bestimmt waren, mit Beschlag belegt und sie in die englische Botschaft in Washington gebracht. Vergebens bemühte sich der schwedische Gesandte Ekenaren, durch Vermittlung Lansings die Herausgave der Postsäcke zu erlangen. Lansing verwies ihn an die englische Botschaft. Hier stellte man an Ekenaren das Ansinnen, er solle die Siegel in Gegenwart englischer Veamten erbrechen, damit sich diese von dem Inhalt überzeugen und seine Unverdächtigkeit feststellen könnten. Ekenaren lehnte diese Zumutung als mit der Würde eines schwedischen Gesandten unvereinbar ab und wandte sich jetzt telegraphisch an seine Regierung, angeblich um von ihr die Bürgschaft zu erbitten, die England für die Freigabe der diplomatischen Post fordert. bb. London, 19. Okt. Der Präsident von Pörtuga! ist heute in London angekommen. Kerenski zurückgekehrt. bb. Petersburg, 19. Okt. Kerenski ist aus dem Großen Hauptquartier zurückgekehrt und hat dem Ministerrat beigewohnt. Neuer spanischer Kriegsminister. bb. Madrid, 20. Okt.(Havas.) Der Ministerrat hat beschlossen, die verfassungsmäßigen Bürgschaften wieder in Kraft zu setzen. Der Rücktritt des Generals Prima Revere ist angenommen und General Marina zum Kriegsminister ernannt worden. Der griechische Kammerausschuß und Skuludis. bb. Athen, 19. Okt.(Meldung der Agence Hapas.) Der Bericht des Ausschusses, der Erhebungen über das Kabinett Skuludis anstellte, wurde der Kammer mit folgenden Feststellungen vorgelegt: Das Kabinett Skulndis übernahm die Gewalt ohne das Vertrauen des Volkes. Es hat am Mai den Erlaß über die Auflösung der Kammer gegengezeichnet, um die Verfassung zu beseitigen und die persönliche Politik des Königs zur Ausführung zu bringen. Es verursachte den Verlust von einer Million durch eine ungesetzliche Steuer, schloß zwei geheime Anleihen mit Deutschland ab, ohne die Kammer davon in Kenntnis zu setzen, verlängerte das Vorrecht der Nationalbank um 25 Jahre, gab Eigentum an Mohamedaner in Mazedonien trotz der Verfügungen des Gesetzes über Vergeltungsmaßnahmen für die in der Türke beschlagnahmten griechischen Güter, verletzte den Vertrag mit Serbien, knebelte die öffentliche Meinung, indem es Söldnertrupps benutzte und Angriffe auf Bürger und liberale Zeitungen organisierte, zog ohne Grund während neun Monaten die Mobilmachung in die Länge und bewirkte so die Auflösung der Manneszucht im Heere und beschützte auf alle Weise die deutsche Propaganda, lieferte den Bulgaren das Fort Hupel und Städte in Mazedonien, ein Armeekorps und Material im Werte von Millionen aus. Der Bericht spricht sich daher dafür aus, die Minister vor den Obersten Gerichtschef zu stellen. Zu den angeblichen deutschen Friedensangeboten. TU. Über das angebliche deutsche Friedensangebot an Frankreich, auf welches Ribot in der Freitagsitzung der Kammer anspielte und über das Ribot in der Geheimsitzung von Dienstag nachmittag zur Rede gestellt wurde, wird in den Wandelgänsen der Kammer folgende, geradezu kindische Version verbreitet: Deutschland habe durch die Vermittlung des früheren deutschen Gesandten von Lancken, früheren Legationsrats in Paris, späteren Mitarbeiters von Bissing in Brüssel, folgende Vorschläge mit einer Versöhnung mit Frankreich gemacht: Räumung der besetzten Gebiete Frankreichs, Belgiens, Serbiens, Rumäniens und Rußlands Abtretung Elsaß=Lothringens an Frankreich, der Isonzo=Linie an Italien. Man habe sogar erklärt, die Berliner Regierung sei bereit, die Frage von Entschädigungen grundsätzlich zu besprechen. Als die französische Persönlichkeit, der man diese Vorschläge unterbreitet habe, nennt man Briand. Der Matin wartet mit Enthüllungen über eine ganze Reihe weiterer deutscher Sondierungsversuche aus den letzten Wochen auf. Durch Vermittlung einer neutralen Macht sei England eine durchaus zufriedenstellende Regelung der belgischen Frage angeboten worden, wobei man darauf hingewiesen habe, über die elsaß=lothringische Frage könne mit Frankreich leicht eine Verständigung herbeigeführt werden. Der deutsche Gesandte in Stockholm, Herr von Lucius, habe Rußland ersucht, seine Bedingungen zu nennen, und die russische Re gierung gleichzeitig davon verständigt, Frankreich und England seien zu einem Separatfrieden bereit. Der deutsche Gesandte in Christiania habe seinerzeit direkt erklärt: Noch vor dem Winter wird es zu einer deutsch=französischen Verständigung kommen.(Die deutsche Regierung hat die Ribotschen Behauptungen bereits als unrichtig dementiert.) TU. Zu den Enthüllungen des Matin über angebliche deutsche Sondierungsversuche schreibt die Vossische Zeitung. Die französische Behauptung habe den einzelnen Ententestaaten Friedensangebote gemacht, ist bereits von der deutschen Regierung als unrichtig bezeichnet worden. An dieser Feststellung haben wir uns selbstverständlich zu halten. Dennoch kann man an den französischen Mitteilungen nicht acht. los vorübergehen. Sie erhalten dadurch erhöhte Bedeutung, daß sie, soweit Frankreich in Betracht kommt, in offenen Kammersitzungen von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Ribot erhärtet worden sind, der in der darauf folgenden Geheimsitzung offenbar Mitteilungen dazu gemacht hat, die auf die Haltung der sozialistischen Kammergruppe von Einfluß gewesen sind. Die Sozialisten haben der Regierung das Vertrauen verweigert, anscheinend aus dem Grunde, weil diese sich eine Gelegenheit zum Friedensschluß habe entgehen las sen. Berücksichtigt man diesen Moment, so liegt die Vermutung nahe, daß vielleicht deutsche Persönlichkeiten von Rang ohne eine Vollmacht der deutschen Regierung das Bedürfnis empfunden haben, auf eigene Faust die Friedensvermittler zu spielen uno zwar in einer Weise, die im Auslande den Eindruck erwecken könnte, als hausiere die deutsche Regierung selbst mit ihren Friedensangeboten von einem Gegner zum andern. Wenn, wie wir nicht zweifeln, die deutsche Regierung an einem solchen, das Ansehen des Reiches und seine politische Zukunft auf das schwerste schädigenden Vorgehen keinen Anteil besitzt, so wird sie sich doch entschließen müssen, mit aller Schärfe gegen derartige unerbetene Friedensvermittler vorzugehen, in einem Augenblick, wo die ernstesten Lebensfragen auf dem Spiele stehen und durch einen solch krassen Dilettantismus nur zu leicht in negativem Sinne entschieden werden tonnen. en aug olm geatischen ashingin die ens besermittlangen. r s t e l l t e in Geese von ststellen it der 1b und ngeblich für die ortuga! is dem iinisterrat hat eder in Revere ninister S. 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Oktober griffen leichte deutsche Seestreitkräfte in der nördlichen Nordsee inuerhalb des Sperrgebiets nahe bei den Shetland-Inseln einen von Norwegen nach England gehenden Geleitzug von insgesamt 13 Fahrzeugen an, darunter als Schutz die beiden modernen englischen Zerstörer„G. 29“ und„G. 31“. Alle Schiffe des Geleitzuges, sowie die Bedeckungsfahrzeuge, einschließlich der Zerstörer, wurden vernichtet, bis auf einen Geleitfischdampfer. Unsere Streitkräfte sind ohne Verlust und Beschädigungen zurückgekehrt. 2. Die Operationen unserer Seestreitkräfte bei Ösel schreiten planmäßig fort. Der Chef des Admiralstabes der Marine. wieder 40000 Tonnen vernichtet. WSB. Berlin, 19. Okt.(Amtlich.) Unermüdlich Tag und Nacht tätig, haben deutsche und österreichische Unterseeboote im Mittelländischen Meer neue große Ersolge erzielt. 13 Dampfer und 4 Segler mit über 40000 BruttoRegister=Tonnen sind versenkt worden. Jusbesondere wurden die Transporte nach Italien empfindlich getroffen. Ein U-Boot venichtete allein 4 nach italienischen Häfen bestimmte Kohlendampfer mit rund 15 000 Tonnen Kohlen. Unter den versenkten Schiffen waren die englischen Dampfer„Iriston", 3221 Tonnen,„Samwon“, 3689 Tonnen,„Kirriemoor“, 3296 Tonnen, die griechischen, im Dienste der Entente fahrenden Dampfer„Risolaus Roussas“, 4221 Tonnen, und„Konstan= tinos Embiricos“, 2611 Tonnen. Der Chef des Admiralstabes der Mariue. Versenkungen. WTB. Washington, 19. Okt. Reuter. Amtlich wird mitgeteilt, daß ein amerikanischer Torpedojäger am Dienstag in der Kriegszone torpediert wurde. 1 Matrose wurde getötet, 5 wurden verwundet. Das beschädigte Schiff kehrte in den Hafen zurück. Forstmanns glänzende Leistung. bb. Berlin, 19. Okt. Der in der gestrigen Meldung des Admiralstabes erwähnte Kapitänleutnant Forstmann, Kommandant des U-Bootes 39, befindet sich mit seinem Boote bereits seit August 1916 im Mittelmeer. Er hat insgesamt 148 Schiffe mit zusammen 411000 Tonnen versenkt, darunter 4 Truppentransportdampfer. Feindliches Zeugnis unserer U-Boot=Erfolge. TU. Haag, 19. Okt. In einem Artikel über die engl. Verluste infolge des U-Bootkrieges schreibt der Marinemitarbeiter der Times: Zu den bedeutenden Verschiebungen in den Ziffern der Schiffahrtsbewegung sei zu sagen, daß beinahe 1000 Schiffe weniger angekommen und ausgefahren sind, als in der vorigen Woche. Es ist aber die Tatsache bemerkenswert, daß, während die Zahl der versenkten Schiffe die gleiche bleibt, die Ziffern der Schiffahrt überhaupt sinken.(Ein glänzendes Zeugnis unserer Tauchbootarbeit. Schriftl.) Rumänischer Dampfer gesunken. bb. Bergen, 19. Okt. Ein Geleitzug von 15 Schiffen passierte gestern abend Marstener. Ein großer Dampfer, augenscheinlich wegen Mischinenschadens von Strom und Wind landwärts getrieben, stieß nachts 2½ Uhr bei dem Seilbakken=Leuchtturm in Lasrodsen auf Grund. Es war der rumänische Dampfer Romania(4000 To.) mit Munition nach Archingelsk unterwegs. Zwei Bergungsdampfer sind an Ort und Stelle, aber die Bergungsarbeit ist infolge des starken Westwindes schwierig. Die große Jagd auf den„Seeadler“. bb. Berlin, 19. Olt. Der Lokalanzeiger meldet aus Kopenhagen: Nachrichten aus Sidney zufolge verteidigte sich die Mannschaft des gestrandeten Schiffes„Seeadler" bis zum letzten Augenblick. Es steht fest, daß ein Teil der Besatzung des„Seeadlers“ sich auf einem französischen Kohlenschiff befindet, das mit Kurs Honolulu abgegangen ist. Dieses Fahrzeug war, wie gemeldet, vom„Seeadler“ gekapert und als zweites Hilfsschiff ausgerüstet worden. Australische und japanische Kriegsschiffe haben die Verfolgung dieses Fahrzeuges aufgenommen. Aus den bei dem Grafen Luckner vorgefundenen Papieren geht deutlich hervor, daß die anfänglich angegebene Ziffer der vom„Seeadler“ zerstörten Schiffswerte (8 Millionen) erheblich übertroffen wird und 10 Millionen Pfund Sterling übersteigen. Hinter dem„Seeadler" waren in den letzten Wochen nicht weniger als 24 Entente=Kriegsschiffe her und zwar japanische, australische, amerikanische und englische. Der„Seeadler“ hatte nach Angabe seiner Mannschaft auch Gefechte mit bewaffneten Handelsschiffen und war in diesen Zusammenstößen nicht unerheblich beschädigt worden, so daß umfangreiche Reparaturen an dem Fahrzeug waren. 3500 Chinesen untergegangen. bb. Berlin, 19. Okt. North China Dailv Expreß“ meldet laut Lokalanzeiger“, daß vor einigen Tagen in den Gewässern von Zeylon ein japanischer Dampfer mit 3500 Chinesen an Bord infolge einer Explosion aus unbekannten Ursachen untergegangen ist. Die Chinesen waren als Arbeitssoldaten für Marseille bestimmt. In Zeylon sind nur wenige Überlebende gelandet worden. In Schanghai ist das Gerücht verbreitet, daß der Transport von einem feindlichen Hilfskreuzer versenkt worden ist. Blockierung Amerikas durch Deutschland.(?) TU. Paris, 19. Okt. Newyork Times meldet dem Matin zusolge, daß män in Washington einer Drahtmeldung, nach welcher Deutschland die Blockierung der Küste Ameritas beschleunigen würde, größte Bedeutung beilegt. Morineminister Dauiel äußerte, daß die Nachricht für ihn neu sei. Kaiter Wilhelm in Konstantinopel. Konstantinovel, 19. Okt. Der Kaiser begab sich gestern nach seinem Besuche in Stambul auf den Freiheitshügel, wo er die Grüber Mahmud Schewtet Paschas und anderer Freiheitohelden besuchte. Nachmittags besuchte der Sulian den Kaiser im Yildipalast. Der Sultan trug Marschalluniform und trug den Feldmarschallstab in der Hand. Nach turzer Unterhaltung verlieh der Sultan dem Kaiser in Gegenwart des Großwesirs und Enver Paschas und des beiderseitigen Gefolges den Rang eines Muschirs(Feldmarschall) und überreichte dem Kaiser den Muschirsäbel. Der Kaiser dankte für die hohe Anszeichnung. Abends sand im im kleinen Kreisestatt. Der Raiter dem Scheich ul Istam, dem Minister des außeren und dem ersten Sekretär des Sultans das Großkreuz des Roten Adlerordens, Dschewid Ben den Kornenorden. Auch der Sultan zeichnete verschiedene Personen des kaiserlichen Gefolges durch Ordensverleihungen aus. Der Kalser an den Dardanellen. WTB. Konstantinopel, 19. Okt. Meldung der Agentur Milli. Gestern abend schiffte sich der deutsche Kaiser an Bord der Kaiserjacht„Erthogrul, von Kriegsschiffen begleitet, nach den Dardanellen ein. Enver Pascha, Essad Pascha, Hadjt Bei, Ismail Hakki Bei, General von Lossow, sowie das ganze Gefolge begleiteten den Kaiser. Der Sultan verlieh verschiedene Auszeichnungen an das Gefolge des Kaisers und die Mitglieder der deutschen Botschaft, u. a. an den Chef des geheimen Zivilkabinetts Wirkl. Geheimrat v. Valentini, den Staatssekretär v. Kühlmann, sowie den deutschen Botschafter Graf Bernstorff, General von Lossow und Generalkonsul Mertens. Der Sultan ernannte den Kaiser zum Marschall der osmanischen Armee. Rückkehr des Kaisers nach Berlin. Berlin, 18. Okt. Der Kaiser wird Anfang nächster Woche nach kurzem Aufenthalt in Wien wieder hier erwartet. Seine Besuche in Sofia und Konstantinopel trugen durchaus den Charakter hochpolitischer Ereignisse. Vor allen Dingen bezweckten sie, den Feinden gegenüber zu bekrüftigen, daß von irgend welchen Sonderfriedensbestrebungen zwischen Rußland und Ssterreich einerseits und vor allen Dingen zwischen Nußland und der Türkei gar keine Rede sein kann. Der Vierbund im Gegenteil ist fester geschlossen deun je. Nach der Rückkehr des Kaisers in Berlin werden, wie wir an maßgebender Stelle erfahren, segleich die innerpolitischen Fragen ihre Erledigung finden. Wir können noch einmal wiederholen, daß in absehbarer Zeit mit dem Rücktritt des Reichskanzlers nicht zu rechnen ist. Entscheidungen über die Neubesetzung des Posteus des Staatssekretärs des Reichsmarineamts sind zur Stunde auch noch nicht gefallen. Daher erübrigt sich auch die Ramhaftmachung irgend welcher mutmaßlicher Nachfolger des Herrn von Capelle. Preußisches Herrenhaus. WÖB. Berlin, 19. Okt. Am Regierungstisch: Dr. Spahn. Präsident Graf von Arnim-Boitzenburg eröffnet die Sitzung um 1.20 Uhr mit folgender, von allen im Hause Anwesenden stehend entgegengenommenen Ansprache:„Meine Herren!. Wir alle stehen wohl noch unter dem Eindruck der Antwort des Präsidenten der Vereinigten Staaten auf den aus dem Gefühl edler Menschlichkeit herausgeborenen Friedensvorschlage des Papstes. Klug berechnet, versuchte der amerikanische Diktator unter der Zustimmung der Entente eine sich ihm bietende günstige Gelegenheit zu einem schweren politischen Schlag gegen Deutschland, auszunutzen und einen Keil zu treiben zwischen Herrscher und Volk, weil man sonst die deutsche Eiche nicht fällen kann. Aber nicht genug, daß er das Wort des kaiserlichen Herrn und seiner Regierung als unglaubwürdig schmäht, er versucht auch in dem Augenblick, in dem sich in Rußland die direkten Urheber dieses entsetzlichsten aller Kriege bis auf die Knochen bloßstellen, die schwere Verantwortung für diesen schweren Weltkrieg auf Deutschland abzuwälzen: Ein Versuch im falschen Augenblick und mit untauglichen Mitteln! Mehr denn je wird heute im Lande die Machtfülle erkannt, die aus diesen geschichtlich gewordenen Imponderabilien quillt, und wir danken dies dem falschen Friedensfreund, der uns, wie dieser Krieg überhaupt, den Blick dafür gestärkt hat, was uns auch in Zukunft zur Erhaltung und Entfaltung unserer Kraft frommt: eine geschlossene Einheit und eine starke Monarchie. Diesen Angriff auf unsere Einigkeit, Geschlossenheit und unser innerpolitisches Selbstbestimmungsrecht weisen wir mit voller Wucht und voller Energie zurück, wie es der Wertschätzung gegenüber dem angewandten Mittel entspricht. Mit den Taten da draußen wächst aber auch der Dank des Vaterlandes daheim gegen seine Helden.(Lebhafter Beifall.) Unter dem zwingenden Ernst, unter dem unerbittlichen Muß des Kampfes auf Leben und Tod haben wir den Willen zum Leben. Darum heißt es also immer wieder, einer gewaltigen Übermacht, einer ganzen Welt von Feinden gegenüher, dennoch vorwärts! Gerade dieses der schier unüberwindlich scheinenden Aufgabe trotzende zuversichtliche„Dennoch“ und dieses zielbewußte, unwiderstehliche„Vorwärts“ aus Pflicht= und Verantwortlichkeitsgefühl, ist das Bestimmende des Großen, des Sieghaften am deutschen Wesen. Fürwahr, der hat Germanen. geist nicht erkannt, der ihm nur leichte Ziele gesteckt, der versündigt sich am Vaterlande, der ihm die frohe Siegeshoffnung raubt. Jetzt gilt es nicht nur, das gesteckte Ziel in diesem Kriege zu erreichen, unser Volk trägt neben der Last des Krieges auch die große Verantwortlichkeit für Deutschlands fernste lebensvolle Zukunft. Auch für die Völker dieser Welt gilt das Wort: Freie Bahn dem Tüchtigen.“ Es folgt die Beratung des Entwurfs eines Schätzungsamtsgesetzes. Ebbinghaus berichtet über die Verhandlungen in der Kommission. In der Generaldiskussion führt Oberbürgermeister Dr. Soestbeer=Glogau aus: Nach eingehenden Erwägungen sind die Schätzungsämter auf kommunale Grundlage gestellt worden: umsomehr ist zu bedauern, daß von der Errichtung der Schätzungsämter der große Kreis der Städte, die keinen eigenen Stadtkreis bilden, ausgeschlossen ist. Im. Abgeordnetenhaus ist leider der erste Beschluß, allen Städten über 10 000 Einwohner das Recht selbständiger Schätzungsämter zu verleihen, wieder umgestoßen worden, und es sollen nunmehr nur die zu einem Landkreis gehörenden Städte mit mehr als 25 000 Einwohnern das Recht haben, selbständige Schützungsämter zu errichten, und daß die anderen Städte und Landgemeinden dazu nur befugt sind, mit Genehmigung des Regierungspräsidenten. Ich will die Wiederherstellung der früheren Fassung nicht beantragen, bitte aber die Regierung, den Anträgen von Städten über 10000 Einwohner, die selbständige Schätzungsämter errichten wollen, weitgehendes Wohlwollen zu bezeugen.— In der Einzelberatung wird§ 1 ohne Diskussion, dann die§§ 2—18 auf Vorschlag des Herrn Wilmowski en bloc angenommen.— Namens der Kommission referiert Oberbürgermeister Dr. Schultz=Danzig über den Aus wesideutschland. Düsseldorf, 19. Okt. Der„Malkasten“, der altberühmte Düsseldorfer Künstlerverein, hat neben Hindenburg nun auch den General Ludendorff zu seinem Ehrenmitgliede gewählt. Der Verein stiftete dem General eine künstlerisch ausgeführte Ehrenmitgliedsurkunde, die von dem Maler Adolf Hohenstein stammt. Sie stellt die Siegfriedgestalt eines Kriegers dar, der von den drei Schwesterkünsten Malerei, Bildhauerei und- Baukunst, begrüßt wird, in einer Landschaft, die an den herrlichen Malkasten-Garten erinnert. Düsseldorf, 19. Okt. Auf Veranlassung eines in Venlo wohnenden Agenten namens Hoffmann, der einen umfangreichen Warenschmuggel nach Deutschland betreibt, hatte der Arbeiter Heinrich Szamekiat wiederholt gegen Entgelt aus Köln und Frankfurt a. M. in der Nähe von Kaldenkirchen an verbotener Stelle über die holländische Grenze verholfen. Bei seiner Festnahme hatte er den Grenzwachmannschaften Geldgeschenke angeboten. Das Urteil dor hiesigen Strafkammer gegen ihn lautete auf 1 Jahr Gefängnis. Rhendt, 19. Okt. Um den g esteigerten Verkehr auf der Straßenbahn einzudämmen, beschlossen die Stadtverordneten, auf jede Fahrt nach 9 Uhr abends und Sonntag nach 2 Uhr nachmittags einen Zuschlag von 10 Pfg. zu erheben. Der gleiche Zuschlag wird in M.=Gladbach und auf der Vereinigten Städtebahn nach Viersen, Süchteln und Dülten genommen. Dortmund, 19. Okt. Eine Anzahl städtischer Arbeiter stahlen auf der Zeche Dorstfeld ungefähr 400 Brothefte und trieben damit Handel in der hiesigen Herberge zur Heimat. Der Umsatz war ziemlich erheblich; in einem Falle wurde ein Betrag von 150 M. in einem anderen von 160 K bezahlt. Außerdem ließ sich ein Dieb in einen Vorratsraum einschließen und stahl 76 Pfund Butter. Die Strafkammer verurteilte die Diebe, die russisch=polnischer Herkunft sind, zu Gefängnisstrafen von 5 Monaten bis zu einem Jahre 3 Monaten. Soest, 19. Okt.(Der falsche Hilfsgendarm.) In Schalkern(Kreis Lippstadt) wurde ein Unteroffizier vom 53. Infanterie=Regiment festgenommen. Er war von seinem Truppenteil entwichen und trat im Kreise Lippstadt als Hilfsgendarm auf, indem er sich eine falsche Armbinde und Sporen anlegte. Loais nanm er auf Staatskosten bei den Gemeindevorstehern. Den„Hamsterern“ beschlagnahmte er Butter und Eier und fühn.. so ein recht vergnügtes Leben. Erilon, 19. Okt. Das auf dem Marktplatz stehende Papedenkmal— ein Bronzeguß— ist von den Stadtverordneten der Metallmobilmachung zur Verfügung gestellt worden. Die Bronzemasse wiegt 12 bis 15 Zentner. Aus aller Welt. unverändert gelassen. Außerdem beantragt sie folgende Entschließung:„Die Regierung zu ersuchen, in geeigneter Weise darauf hinzuwirten, daß bei den Kreditinstituten dem WettZdf Zin ••* Kanzler und Parteien. TU. Berlin, 19. Okt. Zu dem Dementi, daß die Rationalliberalen und die Zentrumsfraktion beabsichtigt hätten, dem Kanzler das Mißtrauen der Fraktion auszusprechen. schceibt die Vossische Zeitung: Über die unhaltbare Stellung des Reichskanzlers nach den letzten Vorgängen im Parlament besteht in keiner der genannten Fraktionen ein Zweifel. Der Unterschied der Auffassung bezieht sich nur auf den Weg, den die verschiedenen Parteien wählen, um ihrer Mehrheit Gehör zu verschaffen. Unseres Wissens ist die direkte Fühlungnahme mit Dr. Michaelis in dieser Frage nur von fortschrittlicher Seite gesucht worden, die ihren Fraktionsvorsitzenden, den Abg. von Payer, zum Kanzler gesandt hat. Keine Erhöhung der Postgebühren. Von verschiedenen Seiten war jüngst wieder mehrfach die Nachricht verbreitet worden, daß im Anschluß an die Erhöhung der Fahrkarten auch die Post ihre Gebührnisse und Porto zu erhöhen gedächte. Wie wir hierzu an maßgebender Stelle erfahren, liegt gar keine Veranlassung vor, mit einer solchen Portoerhöhung zu rechnen. Jedenfalls ist im Reichspostamt von einer solchen Absicht nicht das Mindeste bekannt. Wir können noch hinzufügen, daß eine solche Erhöhung auch ohne Mitwirkung des Reichstages ja garnicht möglich wäre. Daher sind alle anderslautenden Nachrichten als durchaus unglaubwürdig zu bezeichnen. Scheidemanns Rede auf dem Parteitag. TU. Würzburg, 19. Okt. Der sozialdemokratische Parteitag trat heute in die Beratung des wichtigsten Punktes seiner Tagesordnung:„Die nächsten Aufgaben der Partes“ ein. Als Berichterstatter führte Reichstagsabgeordneter Scheidemann in längerer Rede u. a. aus: Wir stehen nun drei Jahre und drei Monate im gewaltigsten aller Kriege. Manneskraft und Wirtschaftsgut aller Völker sind zum größten Teil vernichtet, und kein Mensch wagt zu sagen, wieviel am Ende des Krieges noch übrig bleiben wird. Wir wollen uns nicht an den Wegrand setzen, wir leben und haben zum Leben auch den Mut und die Kraft. Dieser Weltkrieg erscheint uns nur als das Vorspiel einer noch viel gewaltigeren Begebenheit, einer geistigen und soztalen Umwälzung, wie sie die Welt noch niemals erlebt hat. Nach dem Kriege heißt es für uns erst recht: Wir müssen kämpfen. Das heißt aber, daß wir nicht mehr wie die Bestien mit einander kämpsen, sondern wie zivilisierte Menschen. Wenn draußen der ietzte Schuß verhallt, dann wollen wir ausrufen:„Der Krieg ist tot, es lebe der Kampf! Es lebe die Arbeit und der Kampf für ihr Recht!“ Wir marschieren, und wenn es sein muß, so stürmen wir vorwärts. Scheidemann hatte lebhaften Beifall. Die feindlichen Parlamentarier. bb. Basel, 19. Okt. Wie die„Agencia Stefani“ aus Nom meldet, traten dort die Vertreter der interalliierten Parlamentarier Englands, Frankreichs und Italiens im in teralliierten Parlament am Montag nachmittag zusammen. Luzzatti begrüßte in einer englischen Ansprache die Erschieneuen. Er führte aus, daß Frankreich die Initiative zur Schaffung eines solchen Parlaments ergriffen habe, dessen Zweck die Besprechung wichtiger gemeinsamer Fragen sowie die Errichtung einer internationalen Exekutivgewalt sei, wie sie von Mazzini und Cavour gefordert wurde. Lord Trevelyan überbrachte die Grüße Englands und erinnerte an die Bande, die sein Vaterland mit Italien verknüpfe. Henry Simon sprach im Namen der französischen Abteilung und verherrlichte die kürzlichen italienischen Siege. Es wurden Telegramme an den König, Cadorna, Clemenceau, Lord Bryan und Franklin Bouillon abgesandt. Die Parlamentarier wurben nachmittags ver Boselli empfangen. Drohende Ministerkrise in Frankreich.(7) IU. Genf, 19. Okt. Eine Pariser Havasdevesche gibt Gerücht von einer bevorstehenden Ministerkrise wieder. Abstimmungsergebnis der Kammerstzung scheint die ung ges Ministeriums erschüttert zu haben. Man erinnert in parlamentarischen Kreisen daran, daß Briand sich einem viel günstigeren Vertrauens###lumnun Um für die Bedürfnisse der Heeresverwaltung und der Volksernährung und namentlich für die jetzt ganz besonders wichtigen Brennstoffe mehr Wagen zu gewinnen, müssen: 1. entbehrliche oder aufschiebbare Bahntransporte in der verrehrsreichen Zeit unterbleiben; 1. die unbedingt notwendigen Güter möglichst aus der Nähe und, wenn angängig, auf dem Wasserwege oder mit Fuhrwerk oder Kraftwagen bezogen werden: 3. kleinere Sendungen einem Spediteur zur Bildung von Sammelladungen übergeben werden, 4. das Ladegewicht oder der Laderaum und, wenn irgend angängig die Tragfähigkeit der Wagen ausgenutzt werden, 5. die Wagen aufs schnellste— längstens in der festgesetzten Ladefrist— auch an Sonn= und Feiertagen ent= und beladen werden. 6. Die von der Eisenbahnverwaltung angeordnete Teildeckung des Bedarfs an offenen Wagen streng befolgt werden. Gegen säumige Entlader wird mit Erhöhung des Wagenstandgeldes, Verkürzung der Ladefristen u. Zwangsentladung vorgegangen werden. Anträge auf Erstattung von Wagenstandgeld aus Billigkeitsgründen werden nicht berücksichtigt.„ 1— 2 Jeder Verkehrstreibende muß im allgemeinen Interesse mithelfen, den Wagenumlauf zu beschleunigen und die Eisenbahn zu entlasten. Essen, 10. Oktober 1917. Kgl. Eisenbahndirektion. Bekanutmachung. Am 19. Oktober 1917 ist unter Nr. IeR 54300(Nr. I. 1500/8. 17. KRA.) eine Bekanntmachung erschienen betreffend Beschlagnahme, Veräußerung, Verwendung und Meldepflicht von pflanzlichen Gerbstoffauszügenund künstlichen Gerbmitteln. Die Bekanntmachung ist durch Anschlagveröffentlicht und kann auch bei den Landratsämtern, Bürgermeisterämtern und Polizeibehörden eingesehen werden. Münster, den 18. Oktober 1917. Stellvertr. Generalkommando 7. A.=K. Soennecken's Neuer Hebelordner: mit automatischem Klemm- Rückleger2 Aufschlagen eines Briefes: ein Grift Zukloppen des Ordner: eim Griff u. Festklemmen d. Briele— Zu haben in der P4 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 6 Uhr, nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, wohlvorbereitet durch den andächtigen Empfang der hl. Sterbesakramente der röm.-kath. Kirche, unsere liebe Tochter, Schwester, Schwägerin, Kusine, Nichte und Braut, die Jungfrau Maria Risse im Alter von 26 Jahren, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Namens der trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Risse, Herne, Crengeldanzstr. 41. Herne, Gelsenkirchen-Schalke, Essen, Cöln, westl. und östl. Kriegsschauplatz, den 18. Oktober 1917. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Oktober, morgens 7½ Uhr, vom kath. Krankenhause, Kirchstraßse zo aus, statt. Pinnos und FLOGEL in altbewährter Güte, IBACH PIANOLA-PIANOS d. h. 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Marga stieß ein heißes Rot bis an das feine, blaue Geäder an den Schläfen.„Das tat ich aber doch nur. weiin mich gerade gekränkt hattest,“ verteidigte sie sich.„Wenn Du Deine oft recht harten Vorwürfe um irgend eine Nichtigkeit plötzlich abbrachst, um mich zu küssen, so ließ mich das erkennen, daß Dein Tadel wie Deine Zärtlichkeit nur eine Laune war, und einer Härte will ich mich fügen, aber solchen Launen Hohenegge war es, als ob er die Frau, mit der er drei Jahre zusammenlebte, heute erst kennen lernte.„Was für ein stolzes Geschöpschen Du bist,“ entfuhr es ihm unwillkürlich. Dann schwiegen sie beide. Aus den versteckten Büschen des Parkes tönte süß und lockend das Liebeswerben der Nachtigallen an ihr Ohr. Vom dunklen Nachthimmel blickten geheimnisvoll die Sterne. An Gräsern und Sträuchern funkelte der Nachttau auf. Es wurde kühl. Hans Dietrich lenkte seine Schritte dem Herrenhause zu. Als sie die Stufen der Freitreppe emporstiegen, blieb er plötzlich stehen.„Heute habe ich Dich doch nun aber entschieden nicht gekränkt,“ sagte er. „Und deshalb würde ich mich heute auch sehr gern von Dir küssen lassen.“ Mit ihrer scheuen Grazie legte sie die Arme um seinen Hals und bot ihm ihre Lippen.—— Drei friedliche Jahre waren über Buchenau dahin gegangen. Die Kameraden von Fred Helldringen hatten während er Manöverzeit einen sehr angenehmen Eindruck von Hohenegges Familienlebengewonnen, und sie verfehlten nicht, diesem davon nach Südwest=Afrika, wo Fred Helldringen jetzt Dienst tat, zu schreiben. Hälten ste hinzugefügt, daß in der Tiefe von Marga Hohenegges Augen noch immer eine leise Schwermut schlummerte, so würden ihre Briefe den jungen Schutz truppler weniger verdiistert haben; ooch diesen Schatten auf dem stillen Grunde von Margas Augen bemerkte nur Hohenegge selbst. Die Gutsnachbarn waren nirgends lieber als auf Buchenau. Das weiche, warme Behagen, das die Schloßfrau um sich zu verbreiten verstand, wirkte anheimelnd auf jeden Besucher. Ob auch Hasso es verstand? Er war jetzt ein bildhübscher Bursche von sechzehn Jahren, in den Schultern noch etwas schmal, aber schlank wie eine Tanne und von stolzer, freier Haltung.„Als ob der Freiherr Paul noch einmal lebendig geworden wäre," sagten die Dörfler, wenn er auf seinem schönen Goldsuchs an ihnen vorübersprengte. Er war ein brillanter Reiter. Kein Hindernis war ihm zu hoch und kein Der Onkel hatte seine stolze Freude daran. Der Blick seiner Tante aber ruhte oft mit heimlicher Sorge auf Gasso, wenn er wie ein schönes Bild am Tische saß und den Reden des Onkels zuhörte. Er widersprach ihm nie; doch stimmte er ihm auch nicht zu. Er hatte seine Welt für sich, und Marga ahnte, daß diese Welt nicht die ihres Mannes war. Heute herrschte Feststimmung auf Buchenau, weil Hasso sein Einjährigenzeugnis in der Kreisstadt erworben und die Gymnasiallehrer sich sehr anerkennend jüber seine Kenntnisse geäußert hatten. Der Rest der Ananas=Bowle, die Hans Dietrich zur Feier desTages gebraut, wurde nach Tisch auf die Veranda mitgenommen. B##EfIE Behaglich streckte sich der Freiherr auf seinem Korbstuhl aus, um eine Zigarre zu rauchen. Auch Hasso durfte sich eine Zigarette anzünden. Marga in ihrem weißen Battistkleide sah noch immer wie ein Mädchen aus. Man hätte sie für die Tochter ihres Mannes halten können, als sie ihm die Mokkatasse brachte und ihm eine Schlummerrolle in den Nacken schob. Hans Dietrich ließ sichs nicht aumerken, daß ihn das weiche Ding auf seinem Stuhl recht überflüssig dünkte. Zärtlich drückte er die kleine Hand, die so freundlich bediente, gegen seine bärtige Wange, während er scherzend fragte:„Fiudest Du nicht auch, daß das Milchsuppengesicht von unserem Jungen eine Beleidigung für Deine auserlesene Küche „Der ich dafür als Reklame diene,“ ergänzte die junge Frau. VViruis sähmntlichen Kleider sind gus zu epg Der Geheimrat, den ich gestern im Stift traf, meinte, er hütte es nie für möglich gehalten, daß ich mich so kräftigen könnte.“ Hohenegge blickte an der ätherischen Gestalt seiner Fran herab. Ein etwas wehmütiges Lächeln spielte um seinen Mund, als er dann mit einem leichten Seufzer antwortete. „Du und kräftig? Ich glaube, mit demselben Rechte wie von Dir, könnte man von einer kräftigen Blume sprechen.“ Aber als er den Arm um ihre Taille legte, um sie näher an sich heranzuziehen, rief er plötzlich:„Potztausend! Der Geheimrat hat doch nicht absolut unrecht. So ganz zerbrechlich schlank bist Dir nicht mehr, und einen winzigen Ansatz von Bäckchen hast Di tatsächlich bekommen.“ Die reinen Pausbacken habe ich," lachte Marga und dann wurde sie plötzlich traurig. Sie hatte eine Höffnung in den Augen ihres Mannes aufleuchten sehen, eine Hoffnung, die sie enttäuschen mußte. Er mochte ahnen, was sie traurig stimmte. Schnell suchte er ihre Gedanken abzulenken.„Ich kann Dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, daß das verdammte Gehocke hinter den Büchern jetzt für Hasso vorüber ist— Morgen um fünf iriist Du mir an, Junge.“ Hassos zitternder Hand war die Zigarette entfallen.„Oukel," begann er beklommen,„schon als Du mich in die Krei stadt schicktest, damit ich das Einjährigenzeugnis erlangte, wollte ich Dich bitten, mich die Maturität machen zu lassen; dann aber beschloß ich, Dir lieber erst zu zeigen, daß ich etwas gelernt habe, ehe ich diese Bitte aussprach.“ Die schlanke Gestalt des Jünglings straffte sich mie einem kurzen, schnellen Ruck, während er hinzufügte:„Ich mochle studieren, Onkel.“ „Studieren sollst Du auch, mein Sohn, und zwar die Landwirtschaft," entgegnete Hans Dietrich, bedächtig die Asche von seiner Zigarre abklopsend.„Weiß der zukünftige Herr von Buchenau, wie die alten Griechen vor zweitausend Juhren ihre Verben konsugierten, so ist das ja recht schön; aber wichtiger ist es jedenfalls für ihn, daß er weiß, wann er seinen Weizen zu schneiden und sein Heu einzufahren hat.“ „Gewiß," stimmte Hasso bei, aber—“ „Das aber, bitte, behalte für Dich," unterbrach ihn sein Onkel.„Ich möchte mir den hübschen Tag nicht mit unnutzen Woxtklaubereien verderben.“ 232,20