Unabhängiges Organ für die Bezirke Schalke, Heßler, Bismarck, Gelsenkirchen etc. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage Bezugspreis vierteljährlich 1,80 Mark einschließlich„ittustriertem Sonntagsblatt“ frei ins Haus gebracht. Geschäftsstelle: Gelsenkirchen=Schalke, Grillostraße 64. Fernsprech=Anschluß Nr. 732. Vermittlungs=Amt Gelsenkrchen. Anzeigenpreis für die 6gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen 30 Pfg. die Zeile Anzeigen, welche bis 10 Uhr morgens eintressen, finden am selbigen Tage Aufnahme, größere Anzeigen werden früher erbeten „ Redaktion von Wilh. Preuße in Gelsenkirchen Schalke Druck und Verlag von M. Schuff, Buchdruckerei, Gelsenkirchen Schalke, Grillostraße 64 Nr. 186. Montag, den 14. August 1910. 45 Jahrg. Unterseeboote an der Arbeit. WIB Berlin, 14. Aug.[Amtlich.] Eines unserer Unterseebsote hat am 13. August Vormittags im englischen Kanal den englischen Zerstörer Lassoo versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 14. Aug.[Amtlich.] Eines unserer Unterseeboote hat im englischen Kanal in der Zeit vom 2.—10. August 7 engl. und 3 franz. Segelfahrzeuge, sowie 3 engl. und 2 franz. Dampfer versenkt. Lokales und Provinzielles. Gelsenkirchen, den 14. August 1916. Ehrentafel. Der Musketier Bernhard Fortkamp, Arenbergstraße 6, und der Hoboist Sergeant Ernst Schulze, Josephstraße 25, erhielten das Eiserne Kreuz. Verlegung der Dezeruate 9 und 13. Mit dem heutigen Tage sind die Dezernate 9 und 13 der städtischen Verwaltung von Ahstraße 22a in die neuen Diensträume Schalkerstraße 16(Pestalozzi= und Lutherschule verlegt worden. Geschlossene Wirtschaft. Die Wirtschaft Breder, Gewerkenstraße 21 ist wegen verbotswidrigen Branntweinverkaufs auf die Dauer von 5 Tagen polizeilich geschlossen. Die Volksspende für die deutschen Kriegs= und Zivilgefangenen hat in unserer Stadt nach Abzug aller Unkosten 30 427,19 Mark ergeben. Ein Viertel dieses Betrages wird der hiesigen Hilfe für kriegsgefangene Deutsche übermittelt, die übrigen deei Viertel sind für den Hauptarbeitsausschuß der Volksspende bestimmt. In einer Bekanntmachung der vorliegenden Nummer spricht der Oberbürgermeister allen Gebern seinen Dank aus. Rechtsauwalt Wientgen ist, wie der Oberbürgexmeister in der heutigen Nummer mitteilt, für die Dauer des Krieges als juristischer Hilfsarbeiter bei der städtischen Verwaltung eingetreten. Allgemeiner Knappschaftsverein zu Bochum. Aus der Sitzung des Vorstandes vom 10. d. Mts. ist folgendes zu berichten: Der Vorstand nimmt davon Kenntnis, daß der Ausschuß zur Prüfung und Abnahme der Jahresrechnung die Jahresrechnung für 1915 geprüft, nichts zu erinnern gefunden und den Vorstand, die Verwaltung und die Kassenbeamten nach§ 101 der Satzung und§ 62 des Knappschaftsgesetzes entlastet hat. Er stimmt dem Antrage des Direktors Dr. Heimann, der zum Ersten Direktor des Knappschaftlichen Rückversicherungsverbandes ernannt ist, auf Entlassung aus dem Vertragsverhältnis zum 1. Oktober d. Is, zu. Die Anträge von 77 Knappschaftsältesten, die Invaliden= und Witwenpension, sowie die Erziehungsbeihilfe und das Kranken geld zu erhöhen, werden dem Satzungsausschuß zur Prüfung überwiesen. Bis zur Vorlage des Ergebnisses dieser Beratung wird der Antrag auf Anberaumung einer außerordentlichen Generalversammlung zurückgestellt. Jum Schluß widmete der Vorsitzende dem scheidenden Direktor Dr. Heimann für seine Tätigkeit und Geschäftsführung Worte der Anerkennung. Die Tages=Mehlmenge. Zur Beseitigung von Zweifeln macht das Direktorium der Reichsgetreidestelle darauf aufmerksam, daß die bisher als durchschnittlicher Höchstverbrauch für die versorgungsberechtigte Bevölkerung zugelassene Tagesmenge von 200 Gramm Mehl und der bisherige Ausmahlungssatz für Brotgetreide(Roggen 82 Prozent, Weizen 80 Prozent) zunächst auch noch für das neue Erntejahr bis zum 15. September weiter gilt. Für die Zeit nach dem 15. September wird eine Bestimmung getroffen werden, sobald das Ergebnis der Ernteschätzung von 1916 abgeschlossen vorliegt. Erbeutete Druckwerke und Schriftstücke. Sie sind nach einem Erlaß des Kriegsministeriums vom 16. Juni d. Is. als Kri gsbeute zu behandeln und der Sichtungsstelle des stellvertr Generalstabes zuzuführen. Kein Truppenteil, kein Kriegsteilnehmer darf derartige Stücke zurückbehalten oder sie an Bibliotheken, Museen, Händler usw. verschenken oder verkaufen. Das entgegen den Bestimmungen auf anderen Wegen in die Heimat gelangte Material ist unverzüglich an die genannte Sichtungsstelle abzugeben. Wer trotzdem Beutestücke dieser Art zurückbehält, oder von Dritten annimmt, macht sich strafbar Die neuen Briefmarken und die Automaten. Infolge Einführung der neuen Postgebühren haben auch die Briefmarken= und Postkarten=Geber(Automaten) den neuen Markenwerten angepaßt werden müssen. Da während des Krieges insolge Arbeitsmangels und der Kürze der Zeit der Einführung der neuen Marken an eine Aenderung der Geber nicht herangerreten werden konnte, hat daran festgehalten werden müssen, daß diese auf den Einwurf eines 10 Pfg.Stückes auch weiterhin ansprechen. Die bisherigen 5 Pfg.= Briefmarkengeber liefern nunmehr beim Einwurf des Geldstückes je eine Freimarke zu 7½ und 2½ Pfg.; die Postkartengeber verabfolgen eine Postkarte zu 7½ Pfg. und eine lose darauf geklebte 2½ Pfg. Briefmarke. Die aufgeklebte 2½ Pfg. Briefmarke läßt sich leicht ablösen; zu ihrer Verwendung dürfte sich immer Gelegenheit bieten. Kriegstinte. Kriegstinte gibt es jetzt auch. Es ist wichtig, da der Gebrauch der bisherigen Tinten auf dem leimschwachen Kriegspapier mancherlei Uebelstände mit sich bringt, als da find Auslaufen, Durchdringen durch das Papier usw. Auch hier Anpassung und Ersatz. Die Proben der Kriegstinten haben sich bis jetzt bewährt, Versuche mit Aussicht auf vollen Erfolg werden fortgesetzt, so daß in absehbarer Zeit die neuen Tinten im Handel erscheinen werden. Doch ist schon jetzt in den Schulen auf ihre künftige Verwendung hinzuwirken, ebenso darauf, daß die Schüler möglichst die harten und spitzen Federn vermeiden und die Federn nach jedem Gebrauche sauber auswischen. Beibehaltung der Sommerzeit. Das Tageslicht aus. nutzen, mit den für Beleuchtungszwecke verfügbaren Rohstoffen und Erzeugnissen sparsam umgehen: das war der eigentliche Zweck der Einführung der Sommerzeit. Aber für die weitere Dauer des Krieges und für die erste Zeit nach dem Kriege bestehen dieselben Gründe Es ist also damit zu rechnen, daß diese sogenannte Sommerzeit für die gesamte Kriegszeit und auch für die Uebergangszeit beibehalten wird. Ja, es fragt sich, ob nicht darüber hinaus die Einrichtung dauernd werden und zugleich auch eine andere Zeit, etwa vom 1. April bis 30. September, für die Vorlegung der Stunden gewählt werden soll. Für die Wintermonate wird eine Vorrückung der Tageszeit nicht in Frage kommen, weil dadurch für die Allgemeinheit Vorteile nicht zu erwarten find. Alle maßgebenden Stellen müssen sich bis zum 15. Okt. 1916 ausführlich darüber äußern, ob die dauernde Vorverlegung der Stunden für die Sommermonate befürwortet wird und für welche Zeit. Insbesondere sind die Erfahrungen festzustellen, welche die Schulärzte und Lehrer an den Schulkindern in Stadt und Land seit der Einführung der neuen Sommerzeit gemacht haben, da die Jugend sich am empfindlichsten gegenüber einer solchen Neuerung zeigen wird. Vor allem soll ermittelt werden, was es mit der Behauptung auf sich hat, daß die nicht ausgeschlafenen Schulkindern zu regsamer geistiger Tätigkeit gar nicht fähig seien, und daß infolge des vermehrten Hungergefühles außer dem ersten(Morgenkaffee) und zweiten Frühstücke noch eine Mahlzeit vor dem Mittagessen eingeschoben werden müsse. Kriegsgefaugenen=Photographien. Vor längeren Monaten hat eine Photographie, die eine Grnppe deutscher Gesangener aus dem französischen Lager Issoudun darstellte, die Runde durch Deutschland gemacht. Vielen Angehörigen, die auf dem recht undeutlichen Bilde einen der Ihren zu erkennen vermeinten, sind dadurch Hoffnungen gemacht worden, die das Ergebnis der amtlichen Feststellung später in bittere Enttäuschung verwandelt hat. Gegenwärtig wandert wieder eine ähnliche Gefangenenphotographie durch Deutschland, auf der 18 deutsche Kriegsgefangene von der Insel Oleron abgebildet sind. Auch in diesem Falle wurden bereits verschie dene Vermißte angeblich einwandfrei wiedererkannt. Nach Mitteilung der französischen Regierung handelt es sich um 18 Personen: a) Unteroffiziere Hermann Bosch(Drag. 25) und Angust Fischer(Art. 9); b) Gefreite Max Schupfner(J. R. 106) und Conrad Winnek(J. R. 164; c) Richard Koch(J. R. 16), Mathias Diesenbach(J. R. 69), Jürgen Weber(J. R. 78), Wilhelm Fischer(J. R. 83), Johann Holtolüver(J. R. 92), Reinhold Dohle(J. R. 103), Max Steinbach(R. J. R. 104), Karl Keil(J. R. 116), Bruno Schneider(J. R. 116), Walter Steinmüller(R. J. R. 133), Heinrich Resch(J. R 158), Karl Krüger(J. R. 164), Johann Hassener(Art. 27), Hans Schütte(Pion. 10).— Nicht genug kann davor gewarnt werden, sich auf Grund solcher Photographien unbegründeter Hoffnungen über die Auffindung eines Vermißten hinzugeben. Ueberdies muß berücksichtigt werden, daß die Gefangenen infolge der im Felde durchgemachten Strapazen und der unter Umständen gewachsenen Bärte auf Bildern größtenteils ein verändertes Aussehen aufweisen gegenüber der Erinnerung, in der sie die Angehörigen vor Augen haben. Schon aus diesem Grunde ist ein einwandfreies Wiedererkennen auf solchen meist schlechten Photographien sehr schwer, wenn nicht ganz unmöglich. Bei dieser Gelegenheit wird auch nochmals darauf hingewiesen, daß die Namen aller in französischer Gefangenschaft befindlichen deutschen Soldaten dem Zentralnachweisebureau des Kriegsministeriums bekannt sind. Keine Brotsendungen an deutsche Kriegsgefangene in Frankreich! Vom Kriegsministerium wird uns mitgeteilt: Auf Grund eines mit der französischen Regierung im Mai d. Is. getroffenen Abkommens durch das die Ernährung der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich verbessert wurde, darf den französischen Gefangenen in Deutschland Brot in Sammelsendungen als Liebesgabe ihres Heimatlandes zugesandt werden. Um einen Mißbrauch dieser Zuvilligung und eine Ueberlastung der Post zu verhindern, mußte gleichzeitig die Versendung von Brot, Zwieback und Biskuit in Einzelpaketen an französische Kriegsgefangene verboten werden. Darauf hat nun Frankreich mit einem gleichen Verbot für die deutschen Kriegsgesangenen geantwortet. Deshalb ist dringend davor zu warnen, daß deutsche Familien ihren in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Angehörigen Vackware der genannten Arten allein oder in Verbindung mit anderen Gegenständen schicken, da diese Sendungen in Frankreich sofort beschlagnahmt werden. Die deutschen Kriegsgefangenen werden solche Liebesgaben um so leichter entbehren können, als sie jetzt von Frankreich 600 Gr. Brot täglich erhalten.— Gleichzeitig wird den Angehörigen von Kriegsgefangenen empfohlen, zur Verpackung der Sendungen keine neuen Stoffe von irgend welchem Werte, insbesondere nicht Leinewand oder vollene Tücher zu verwenden weil derartige Umhüllungen in Frankreich meist vor der Aushändigung entfernt werden. Für die Verpackung wird in in den meisten Fällen starke Pappe genügen. Essen, 12 Aug. Die Handelskammer für die Kreise Mühleim=Ruhr und Oberhausen hat wegen Schließung der offenen Ladengeschäfte während der Mittagsstunden in der Kriegszeit ein Schreiben an die handelsgerichtlich eingetragenen Firmen in den Städten Essen, Mühleim=Ruhr und Oberhausen, die offene Ladengeschäfte besitzen, gerichtet, mit dem Ersuchen um Aeußerung bis zum 20 August d. J. Sterkrade, 13. Aug. Der zehn Jahre alte Edmund Ziehlke aus der Bottroperstraße hier wurde, als er seinem Bruder das Mittagessen bringen wollte, beim Ueberschreiten der Gleise von einem einfahrenden Zuge erfaßt und auf der Stelle getötet. — Mehrere tüchtige Erzlader, Kranmaschinistenführer und Reparaturschlosser sofort gesucht Dortmunder Union, Dortmund, Abteilung Eisenbahn und Mechon. Werkstätte. Sonnmmmmmmmmm Soennecken's Neuer Hebelordner mit automatischem Kiemm- Rückleger Aufschlagen eines Brieles: ein Grift Zuklappen des Ordner. ein Gritt# u. Festklemmen d. Briele Zu haben in der Buchhandlung Louis Schulte Inhaber Wilhelmu Preusse Schalkerstraße 182 D.RPatent angem.= nersachen färbt sofort C. Kunzt Hochstrasse 22 Fernruf 782 Vorwärts zum siegreichen Ende! Die Geschichte kenn nur unbedingte Folgerichtigkeit des Geschehens. Dem beschränkten Menschenverstande mag im einzelnen manches wie Glück oder Zufall vonkommen; aber in der großen Gesamtheit der Ereignisse spielt das, was zuweilen wie Glück oder Zufall erscheinen kann, keine ausschlaggebende Rolle. Man hat früher vom Würfelspiel des Krieges gesprochen. Auf den Krieg der Gegenwart läßt sich dies Wort nicht anwenden: seine Entscheidungen hängen nicht von Zufälligkeiten und Glücksumständen ab, sondern sind Notwendigkeiten, die als die Wirkungen der sich messenden Kriegskräfte eintreten. Moltkes Ausspruch gilt:„Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige!“ Es entscheidet heute die kriegerische Tüchtigkeit, die eine Summe von Volkskräften bildet, die durch das Zusammenwirken von vielen Millionen zustande kommt. Wer über ne verfügt, muß siegen und trotz Wechselfällen den Sieg behalten. Der größte aller Weltkriege dauert jetzt bereits so lange, daß sich nicht mehr bezweifeln läßt, wer der Stärkere und darum dauernd Glückliche ist, der notwendig siegen muß. Die deutsche Macht steht im Westen wie im Osten jenseits unserer Grenzen, im Feindesland, so fest und treu, daß das Vaterland ruhig sein und getrosten Mutes und im geduldigen Ausharren dem weiteren Vorwärts bis zum siegreichen Ende entgegensehen darf. Unsere Siegeszuversicht beruht auf der unerschütterlichen Notwendigkeit des Stärteren. Das Kriegsglück muß auf unserer Seite bleiben, weil unser Mehr an militärischer und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit uns den Anspruch auf den endgültigen Sieg sichergestellt hat. Die Feinde können unsere Gesamtleistungen aus materiellen, geistigen und sittlichen Wehrkräften nicht überbieten. Was sie gegen uns nur irgendwie aufzubieten vermochten, haben sie längst eingesetzt. Aus allen Erdteilen haben sie ungeheure Massen von Menschen und Munition zusammengerafft, und es gibt keine Waffe der Tücke und Niedertracht, von Lug und Trug, die sie nicht schon bis zur Erschlaffung angewendet haben. Aber ihre fast unerschöpfliche Großsprecherei, womit sie den verheißenen Sieg immer wieder von Monat zu Monat verschoben haben, beginnt schon zu erlahmen und muß sich schließlich der Erschöpfung nähern. Der Glaube an eine siegreiche Zukunft, die beharrliche Zukunft bleibt und gar nicht Miene macht, Gegenwart zu werden, versiegt doch endlich einmal. Der Trost, der sich stets mit siegstrotzenden Worten ohne Taten abspeisen lassen muß, bricht einmal zusammen. Die Furcht vor diesem Zusammenbruch sickert bereits drüben durch. So hat in Paris der italienische Botschafter Tittoni eine Rede gehalten, woraus nur allzu deutlich eine Angst vor den Kriegsfolgen spricht, die nur aus den Eindrücken der beständigen Niederlagen erklärt werden kann. Tittoni ließ durchblicken, daß unsere Feinde von der schweren Sorge erfüllt sind, dem Kriege werde in ihren Ländern der innere Umsturz, die Revolution, folgen. Revolutionen braucht man nicht im Siegesfalle zu befürchten. Nach unglücklichen Kriegen pflegen sich bei unseren Feinden Umsturzbewegungen einzustellen. So war es in Frankreich unmittelbar nach dem Kriege von 1870=71 und in Rußland nach dem Kriege gegen Japan. Wenn unsere Feinde mit solchen Kriegsfolgen rechnen, so liegt ihr nur noch von Redensarten lebender Rest von Hoffnung, noch zu siegen, dicht an der Grenze der Stimmung, die an einem Umschwunge verzweifelt. Vor 50 Jahren, nach dem Kriege von 1866, sagte Moltke am Schluß eines Schreibens an General von Goeben:„Eine nur nicht ganz fehlerhafte obere Leitung mußte solche Truppen wie die unsern notwendig zum Siege führen." Dieselbe Notwendigkeit zum Siege ist heute erwiesen, zumal da die obere Leitung, von der Moltke in seiner Bescheidenheit nur als von einer nicht ganz fehlerhaften sprach, das allerhöchste Vertrauen rechtfertigt. Aus dem Bewußtsein seiner unüberwindlichen Kräfte rief einmütig mit seinem Kaiser das gesamte deutsche Volk beim Kriegsbeginn: Wir müssen, wir werden siegen! Dies Bekenntnis ist unanfechtbare Wahrheit, übermächtige Wirklichkeit geworden. In das soeben vom Berliner Goethe=Bunde herausgegebene Kriegsgedenkbuch hat sich unser Marschall Hindenburg mit dem einzigen Worte: Vorwärts! eingetragen. Es ist das unverwüstlich sieghafte Blücher=Vorwärts, das den Siegeswillen bis zum ruhmreichen Ende durchsetzt, den vollen Sieg zur unaufhaltsamen Notwendigkeit werden läßt. Der deutsche Heeresbericht. WTB. Großes Hauptquartier, 15. Aug. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz: Zwischen Thiepval und der Somme faßten gestern unsere verbündeten Gegner ihre ganze Kraft zu einem einheitlichen Augriff zusammen, der, nach voraufgegangenen begrenzten Kämpfen am Nachmittag, im Abschnitt Ovillers=Pozieres, nachts auf der ganzen Linie vorbrach. Unter den schwersten Verlusten für den Angreifer ist der Stoß zwischen Thieppal und Guillemont zusammengebrochen. Weiter südlich bis zur Somme kam es mit den immer wieder anlaufenden Franzosen zu schweren Rahkämpfen; sie wurden die ganze Nacht hindurch fortgesetzt und sind bei Maurepas und östlich von noch immer im Gange. Hart süblich der Somme scheiterte ein französischer Angriff gegen Biaches restlos bereits in unserem Feuer. Auf der übrigen Front hat sich nichts von besonderer Bedeutung ereignet. Unsere Patrouillen machten nordöstlich von Vermelles, bei Combres und südlich von Lusse in der feindlichen Linie Gefangene. Unternehmungen gegnerischer Erkundungsabteilungen an mehreren Stellen wurden obgewiesen. Ein englischer Doppeldecker ist südwestlich von Bapaume abgeschossen.— Dem an dem erfolgreichen Luftkampf südlich von Bapaume am 9. August beteiligten Leutnant Frank! hat S. M. der Kaiser den Orden Pour le merite verliehen. Östlicher Kriegsschauplag: Front des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Russische Vorstöße südlich von Smorgon und bei Lubieszow blieben erfolglos. Westlich von Zalocze wurden feindliche Angriffe abgewehrt. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. Westlich von Monasterezyska, sowie an der BysierzycaFrout, südwestlich von Stanislau, wurden die angreisenden Russen, zum Teil durch Gegenstoß, zurückgeworfen. Balkan=Kriegsschauplatz: Keine Ereignisse. Oberste Heeresleitung Der Kaiser im Westen. WIBBerlin, 14. Aug. Der Kaiser besichtigte nach der Rückkehr zur Westfront die an der flanderischen Küste stehenden Teile des Feldheeres sowie der Marine und begab sich darauf zu nächst in das Sommegebiet, um den dort kämpfenden Führern und Truppen seine dankbare Anerkennung auszusprechen. Der Kaiser begrüßte dabei eben aus dem Kampfe zurücktehrende Truppen Japan an der Ostfront. TU. Berlin, 14. Aug. Dem Berliner Tageblatt wird vom k. u. k. Kriegspressequartier berichtet: Die jüngst gefangenen japanischen Artillerieunteroffiziere teilen mit, daß es zwischen dem russischen Oberkommando und den in das russische Heer eingestellten japanischen Instruktionsoffizieren und =unteroffizieren zum offenen Streit gekommen ist, da die Japaner den Frontdienst ablehnten und gleichzeitig eine Erhöhung ihrer Bezüge verlangten. Nach längeren Verhandlungen, an denen auch der japanische Militärbevollmächtigte in Petersburg teilnahm, wurde den Japanern die Erhöhung der Bezüge bewilligt, aber die zweite Forderung betreffend die dienstliche Einteilung hinter der Kampffront abgewiesen. Wie die gefangenen Japaner mitteilen, sollen derzeit etwa 12000 Japaner im russischen Heer tätig sein. Es sind dies hauptsächlich Leute, die sich mit Genehmigung der japanischen Regierung von Rußland anwerben ließen. Einen Teil der Bezahlung dieser Artilleristen tragen die vereinigten japanischen Munitionsfabriken, die seit Ausbruch des Krieges an Rußland liefern. Der österreichische Bericht. WTB.Wien, 13. Aug. Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. Südöstlich von Worochta behaupteten unsere Truppen ihre Stellungen gegen neuerliche heftige Angriffe. Der Feind erlitt einen vollen Mißerfolg. Unmittelbar westlich von Stanislau wurden zwei russische Divisionen in erbitterten, Tags und Nachts über andauernden Kämpfen zurückgeworfen. Östlich des Dujestr standen auf unserer Seite nur Truppen untergeordneter Stärke im Gefecht. Heeresfront des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Westlich und nordwestlich von Zalocze wehrte die Armee des Generalobeisten von Böhm=Ermolli abermals russische Massenstöße ab. Im Raume von Broy schoß ein k. u. k. Kampfflieger ein seindliches Albatrosflugzeug in Brand; es stürzte ab. In Walhynien und am Stochod flaute der Kampf ab. Es ist zuverlüssig festgestellt, daß bei den letzten völlig gescheiterten Angriffen des Feindes gegen die Stochod=Front auch alle Abteilungen der russischen Garde eingesetzt worden sind, und daß diese hierbei noch schwerere Verluste, als die anderen feindlichen Heereskörver erlitten haben. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener gingen an unserer neuen Front zwischen dem Meere und dem Monte San Gabriele mit starken Kräften heran. Im Abschnitt östlich des Valone=Tales hatten unsere Truppen mehrere Angrisse abzuweisen. Zu sehr heftigen Kämpfen kam es wieder auf den Höben östlich von Görz, wo sieben starke Stürme des Feindes unter schwersten Verlusten scheiterten. Seit Beginn des italienischen Angriffes blieben 5900 Gefangene, darunter über 100 Offiziere, in unseren Hänben. Südöstlicher Kriegsschauplatz: Außer der gewöhnlichen Gefechtstätigkeit an der unteren Vajusa keine besonderen Begebenheiten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. In der Nacht vom 12. zum 13. August wurden die Luftschiffhallen von Campalto bei Venedig von einem Seefluggeschwader vollkommen zerstört. In einer von ihnen explodierte ein Luftschiff mit 500 Meter hoher Stichflamme. Eine andere Halle brannte ohne Explosion nieder. Gleichzeitig belegte ein anderes Seeflugzeuggeschwader die Flugzeughallen von Gorgo, die Anlagen von Grado, die Batierien an der Isonzomündung und die Adtiawerke mit sehr guten Erfolgen; mehrere Volltreffer in die Flugzeughallen und die Batteriestellungen und ein halbes Dutzend Brände wurden einwandfrei festgestellt. Ein 3. Geschwader erzielte mehrere Volltreffer in den Batterien an der Insonzomündung und militärische Objekte in Pieris und Sau Canzia. Trotz heftigen Abwehrfeuers bei allen Augriffen sind sämtliche Flugzeuge wohlbehalten zurückgekehrt. Flottenkommando. Der türkische WEB. Konstantinovel, 13. Aug. Das Hauptquartier berichtet: An der Irakfront hat sich nichts von Bebeutung ereignet.— In Persien vertrieb unsere auf dem rechten Flügel weiter offensiv vorgehenbe Armee an der russischen Front am 9. August bei Tagesanbruch die Russen aus Essadakad und setzte ihren Vormarsch darüber hinaus fort. Sie begann dann den Feind anzugreifen, der sich in die vorher befestlgten Stellungen nördlich von dem erwähnten Orte zuräckzog. Im Zentrum und auf dem linken Flügel drängten unsere Truppen in den Gegenden von Sunneh, Bane und Saliz die Russen in glücklichen Gefechten nach Osten und Norden zurück.— An der Kaukasusfront besetzten unsere Truppen auf dem rechten Flügel die beherrschenden Höhen nördlich von Bitlis und überschritten den Murad=Fluß, wodurch sie das nördliche Ufer erreichten. Im Zentrum und auf dem linken Flügel zeitweise ununterbrochener Artilleriekampf. Ungefähr 2 feindliche Kompagnien wurden zersprengt und erlitten im Feuer unserer Artillerie Verluste. Im Küstenabschnitt kam es nur zu Scharmützeln.— An der ägyptischen Front kein Ereignis außer Patrouillengefechten. Es wurde festgestellt, daß bei unserem letzten Luftangriff gegen Suez außer dem von unseren Bomben bewirkten Schaden auch 2 Petroleumniederlagen und ein Flugzeugschuppen zerstört worden sind. Drei englische Offiziere wurden in Ismailia getötet. Von den übrigen Fronten ist keine Nachricht einer Anderung eingetroffen. Der Sultan an der Fron. WEB. Konstantinopel, 14. Aug. Nach dem Selamlik, dem auch die muselmanischen und indischen Offiziere, die in Kut el Amara gefangen genommen worden waren, beiwohnten, übergab der Kriegsminister Enver Pascha dem Sultan eine bei Misrata eroberte italienische Fahne. Der Sultan zeigte sich erfreut und ordnete an, daß sie im kaiserlichen Schatz niedergelegt werde. Nachmittags besuchte der Sultan in Begleitung des Großwesirs und der Minister eine Schützengrabenanlage bei Pera. bulgarische Bericht. WTB. Sofia, 13. Aug. Bericht des Generalstabes: Am 9. August beschoß die feindliche Artillerie während des ganzen Tages ununterbrochen unsere vorgeschobenen Stellungen südlich und südwestlich des Doiran=Sees. Es wurden aber keine Infanterieabteilungen beobachtet. Die Beschießung wurde während eines Teiles der Nacht fortgesetzt. Unsere Artilerie antwortete nicht. Am 10. August eröffnete der Gegner auf dieselben Stellungen ein heftiges Artilleriefeuer, das von 5 bis 8½ Uhr morgens dauerte. Unter dem Schutze dieses Feuers näherten sich feindliche Angriffsabteilungen. Unsere Artillerie zerstreute die feindliche Infanterie durch ihr Sperrfeuer und brachte ihr erhebliche Verluste bei. Sodann richtete sie ihr Feuer gegen die feindliche Artillerie und brachte sie zum Schweigen. Gegen 4 Uhr nachmittags fing der Feind von neuem an, unsere Stellungen zu beschießen, aber seine Infanterie versuchte keinen weiteren Angriff. Alle diese Handlungen waren reine Scheinunternehmungen. Eine feindliche Abteilung versuchte sich der Höhe nordwestlich des Dorfes Vahove zu bemächtigen; aber wir warfen sie im Gegenangriff zurück und brachten ihr Verluste bei. Auf der übrigen Front schwächeres Artilleriefeuer und für uns günstige Gefechte der Erkundungsabteilungen. Schwere, englische Selbsthritik. WÖB. London, 14. Aug.(Unterhaus.) Harcourt sagte auf eine Frage Fabers, da die Zeit herannahe, wo die einheimische Fleischproduktion steige, so könne man nicht sagen, daß die Fleischnot dringlicher werde. Faber warf ein, daß sehr große Teile der Bevölterung Fleisch wegen der hohen Fleischpreise nicht mehr bezahlen könnten. Ferens sagte, daß in einer Stadt an der Ostküste, in der einige Personen be dem Zeppelinangriff ums Leben gekommen wären, nur ein Abwehrgeschütz und ein unbedeutender Scheinwerfer vorhanden gewesen seien. Walton bemerkte, daß in einer anderen der Scheinwerfer versagt habe. Pringle fragte, ob die betreffende Stadt, die ein bekanntes Angriffsziel für Luftschiffe sei, nicht besser geschützt werden könnte. JoynsonHicks fragte, wann der längst angekündigte Schutzplan ausgeführt werden würde. Major Baird antwortete, das Ministerium habe auch noch andere Aufgaben und müsse sowohl die Bedürfnisse der Armee im Felde als die des Abwehrdienstes befriedigen. In der Kommissionsberatung kritisierte Sir C. Henry die Finanzgebarung des Schatzamtes Der Schantzkanzler habe; in der letzten Zeit kurzsristige Anweisungen ausgegeben, anstatt eine Anleihe aufzunehmen. Der Betrag der ausstehenden Schatzwechsel belaufe sich jetzt auf 850 Millionen Pfund Sterling, für die 6 Prozent Zinsen gezahlt werden. Diese Gebahrung schade dem finanziellen Ansehen Englands. Der Grund, weshalb der Schatzkanzler keine neue Anleihe aufnehme, sei offenbar der, daß er bei der Anleihe von 1915 versprochen habe, daß, wenn eine künftige Anleihe zu günstigeren Bedingungen stattfände, die Inhaber der alten Anleihe dieselben Vorteile genießen sollten. Der Schatzkanzler sei zu optimistisch gewesen, indem er an ein baldiges Ende des Krieges glaubte. Nach dem Kriege würde bei Geldanlagen das Geldinteresse die patriotischen Empfindungen überwiegen. Eine neue Anleihe werde daher eine Zwangsanleihe sein müssen. Der Redner hielt die Erhöhung der Bankrate auf 6 v. H. für einen Fehler und spruch die Erwartung aus, daß der Schatzkanzler, der für die Dauer des Krieges weiter Geld borgen müsse, die Praxis der kurzfristigen Schatzanweisungen aufgebe. Sir Frederic Banbury schloß sich der Kritit des Vorredners an. In der City halte man eine schwebende Schuld von 850 Millionen Pfund Sterling für eine große Gefahr. Man dürfe die Ausgabe einer festen Anleihe nicht zu lange hinausschieben. Der Redner hielt es nicht für wahrscheinlich, daß nach dem Kriege mehr oder billigeres Geld verfügbar sein würde. Faber sagte: Wir stehen vor der schrecklichsten Katastrophe der Weltgeschichte. Niemand hatte geahnt, daß solche ungeheuern Finanzfragen der Lösung bedürfen würden. Fünf Millionen Kriegskosten täglich, und Gott allein weiß, wann das aufhören wird! Wenn der Schatztanzler diese Entwickelung vorausgesehen hätte, so würde er eine andere Politik verfolgt haben. Der Betrag der Schatzanweisungen hat eine beunruhigende Höhe erreicht. Erbitterung der Iren wegen der TU. Amsterdam, 12. Aug. In der„Toocts“(Fackel) zieht Professor Bodenstein einen Vergleich zwischen Casemente und dem Burengeneral Fourie. Auch Sir Roger Casement, so schreibt er, ist für sein Land und sein Volk gestorben, genau so wie Fourie. Alle beibe sind das Opfer eines Ideals geworden, das jedem Niederländer im Herzen liegen muß, nämlich bie Selbständigkeit und Unabhängigkeit eines kleinen Volkes. Die Unterdrückung der trischen Nationalidee während vieler Jahre durch England ist die Veranlassung des irischen Aufstandes gewesen. Wenn die Verbündeten wirklich für das Existenzrecht der kleinen Völker kämpfen, dann war hier gerade die schönste Gelegenheit, der Welt zu zeigen, daß sie wirklich meinen, was sie sagen. Wenn es dem englischen Volke mit der Lösung ernst war, dann mußte es sich fragen, was ist unter diesen Umständen das Richtige? An dem Aufstand ln Irland trägt Eugland in erster Linie die Schuld, weil es sich systematisch einem Entgegentommen gegenüber den Klagen des irischen Volkes widersetzt hat. Wie zu erwarten war, ist durch die Hinrichtung Casements heftige Entrüstung unter den Iren geweckt worden. Ebensowenig wie die Erschießung Fouries Botha seinem Ziele näher brachte, ebensowenig wird die Hinrichtung Casements gute Folgen haben. Im Gegenteil, die Erbitterung der Iren wird dadurch nur zunehmen. Es ist nur eine neue blutige Seite der Geschichte der englischen Unterbrückungen Irlands hinzugefügt worden. Riesenprotest gegen Casements Hinrichtung. WÖB. Newyork, 14. Aug. Funkspruch vom Vertreter des WEB.: Verschiedene irische Gesellschaften planen einen Riesenprotest gegen die Hinrichtung Sir Roger Casements. Wirkungen. TU. London, 14. Aug. Von hier wird der Voss. Ztg. berichtet: Nach den im Luftverteidigungsamt zusammengelaufenen Meldungen über die durch die letzten Luftangriffe angerichteten Schäden sind an der englischen Ostküste 14 Fahrzeuge, darunter zwei Transportschiffe der Admiralität durch Bomben, Feuer und Explosionen so schwer beschädigt worden daß sie nicht mehr gebrauchsfähig sind. Sechs dieser Schiffe sind gesunken, die übrigen sind verbrannt oder mußten auf Strand gesetzt werden, um sie vor dem Sinken zu bewahren. Von einer Batterie Luftabwehrgeschütze wurde ein Geschütz völlig zerstört, drei andere schwer beschädigt. Sechs in einer Fabrik eingestellte Flugzeuge wurden durch Brand in dem Gebäude vollständig zerstört. Ein zum Angriff auf die Luftschiffe aufgestiegenes Flugzeug, kehrte sehr schwer beschädigt Ein weiteres Flugzeug, das die Luftschiffe weit in See verfolgte, wird vermißt. Deutsche Flugzeuge über Dover WB. London, 14. Aug. Meldung des Reuterschen Bureaus. Amtlich. Zwei feindliche Wasserflugzeuge flogen nachmittags über Dover und warfen 4 Bomben ab. Es wurde kein Schaden angerichtet. Ein Offizier und 6 Mann wurden verwundet. Die Wasserflugzeuge wurden in der Richtung nach der See vertvieben. OIES.P9.-„ Die Ankunft von„U=Bremen“ in Amerika. Über die als bevorstehend angekündigte Ankunft des zweiten deutschen Handels=U.Bootes„Bremen“ wird uns aus Marinekreisen geschrieben: Die Ohnmacht der englischen Flotte gegen die Durchlöcherung der Blockade durch unsere HandelsU. Boote wird durch die bald glücklich beendete Fahrt des neuen Handels=U=Bootes„Bremen“ im schönsten Lichte gezeigt. Als „U=Deutschland“ Baltimore verließ, standen englische und französische Kriegsschiffe auf der Wacht, um dem kühnen Unterseefrachtschiff den Garaus zu machen. Es ist ihnen bis heute nicht geglückt, und wir dürfen hoffen, daß es unversehrt in den heimatlichen Hafen kommen wird. Auch auf„U=Bremer“ wurde eifrig Jagd gemacht, da schon vorher von deutscher Seite ganz offen berichtet wurde, daß ein Unterseekreuzer dieses Namens den durch„U=Deutschland“ begonnenen Handelsverkehr fortsetzen solle. Es wurde daraus ebenso wenig Geheimnis gemacht, wie der Führer von„U=Deutschland“, Kapitän König, verschwieg, welchen Weg er zu nehmen gedenke. In diesen Mitteilungen liegt etwas wie Spott, der an die eng lische Adresse gerichtet ist. Dadurch wird aller Welt kund getan, daß die„seebeherrschende“ englische Flotte trotz ihrer großen Machtmittel, die durch die englische Handelsflotte, sowie durch die Flotten der Verbündeten unterstützt werden, gegen unsere U=Boote ziemlich machtlos sind. Nur ein unglücklicher Zufall könnte ihnen einen Erfolg bescheren. Nun meldet das Bureau Havas, daß sich die„U=Bremen“ sogar mit einem eigenen Funkspruch in Newyork angemeldet hatte. Mehr kann man an Entgegenkommen gegenüber den englischen Wachtschiffen wirklich nicht verlangen.„U-Bremen“ beschäftigt dabei jetzt die Gemüter unserer Feinde schon recht lange. Vor einigen Wochen wurde bereits gemeldet, daß sie in Rio de Janeiro ankommen sollte. Welcher Zweck mit dieser Nachricht erreicht werden sollte, ist nicht ganz klar. Vielleicht war es nur die Erfindung eines sensationslüsternen auslän dischen Blättchens. Vielleicht waren aber auch wenig deutsch freundliche Absichten damit verknüpft. Später wußte dasselbe Havas=Bureau, das jetzt die Nachricht von der Ankunft in NewYork verbreitet, zu melden, daß die„U=Bremen“ von den Engländern aufgebracht worden sei, und kann darum jetzt mit Recht sagen:„Ick dementiere mir." Alle diese phantastischen Gerüchte beweisen zur Genüge, welches Interesse das neue U=Schiff erregte. Die Art, wie„U=Bremen“ in aller Stille die Fahrt nach Amerika ähnlich dem Schwesterschiff„U=Deutschland“ zurücklegte, hat etwas ungemein Stolzes u. Erhebendes, das jetzt durch die eigene Ankündigung der Ankunft noch gesteigert wird. In den englischen Blättern konnte man lesen, daß es zwar der„U=Deutschland“ gelungen sei, aus der Nordsee heraus zu kommen, da die„U=Deutschland“ mit größter Heimlichkeit fertiggestellt worden sei und ihre Abreise auch nicht mit einem Wort bekannt geworden sei. Die„U-Bremen“ könne aber ihrem Schicksal nicht entgehen, da jetzt die englische Flotte gewarnt sei und aufpassen werde. Es wurde auch sofort ein recht umfangreicher Wachtdienst organisiert, damit „diese Nußschale nicht durchschlüpfe.“ Zu unserer Freude können wir feststellen, daß alle diese Anstrengungen vergeblich waren. Die Strecke, welche„U=Bremen“ zurücklegen mußte, ist fast die gleiche wie die der„U=Deutschland“, da Newyork nur wenig nördlich von Baltimore gelegen ist. Vielleicht wird sie aber gezwungen gewesen sein, einen größeren Beil des Weges unter Wasser zu fahren, da die Vorsicht vor den eng lischen Wachtschiffen diese Maßregel notwendig gemacht haben dürfte, wie wohl auch„„U=Deutschland“ die Rückfahrt unter ähnlichen Bedingungen machen wird. Das neue U=Schiff stammt von derselben Bremer Firma wie„U=Deutschland“, nämlich der„Deutschen Ocean=Reederei G. m. b. H., Bremen“ und ist auf der„Germaniawerft“ in Kiel(Krupp) erbaut wor den. über die Größe des Schiffes sind genaue Einzelheiten nicht bekannt. Das erste Schiff, das im Jahre 1858 die erste Fahrt von Bremen nach Newyork machte, hieß ebenfalls „Bremen“. Englischer Zerstörer WTB. Hoek van Holland, 14. Aug. Der gegen 2 Uhr nachmittags hier angekommene englische Dampfer„Greuadies“ aus New-Castle berichtet, daß heute morgen 8 Uhr 8 Meilen westlich des Leuchtschiffes Maus ein ihn begleitender englischer Zerstörer auf eine Mine gelaufen und gesunken sei. Die Mannschaft habe sich in drei Booten gerettet, die später von englischen Zerstörern ausgenommen worden ist. Vernichtung eines ital. bb. Lugano, 14. Aug. Nach zuverlässigen Meldungen wurde in den ersten Tagen des August das italienische Kriegsschiff„Dandolo“ vernichtet. Die Todesanzeigen der dabei umgekommenen Offiziere beginnen bereits die Blätter zu füllen. (Der„Dandolo“ ist ein ganz neues Schlachtschiff erster Klasse mit einem Raumgehalt von 28000 Tonnen. Es läßt sich aus den vorliegenden Angaben nicht feststellen, ob es sich um einen neuen Unfall der italienischen Flotte handelt. Gestern wurde gerüchtweise aus Turin gemeldet, daß der Überdreadnought „Leonardo da Vinci“ im Hafen von Torella in die Luft geflogen sei. Möglich, daß da eine anfängliche Namensverwechselung vorlag. Besser freilich, wenn beide Angaben sich unabhängig von einander bewahrheiteten.) U=Boot=Glanzleistung. XU. Bern, 14. Aug. Über die Versenkung des französischen Dampfers„Marie“ und die Versenkung der norwegischen Dampfer„Credo" und„Dora“ sagt das„Echo de Paris“ folgendes: Das Unterseeboot, das an der Oberfläche schwamm, hielt gleichzeitig 6 Schiffe in Schach. Der Dampfer„Marie“ wurde zuerst angehalten, darauf 2 weiteren Schiffen, die sich zeigten, der Weg durch Granaten versperrt. Schließlich gehorchten 6 Schiffe dem Haltebefehl des einen Untersee bootes. Der Mannschaft der„Marie“ wurde die nötige Zeit gegeben, das Rettungsboot zu besteigen und das Schiff darauf versenkt. Dann wurden die Dampfer„Credo" und„Dora“ in den Grund geschossen, weil sie Bannware an Bord hatten. Die 3 übrigen Schiffe durften, nachdem sie ausgefragt waren, weiterfahren. Aufgebracht. TU. Kovenhaaen, 14. Aug. Der dänische Kohlendampfer„Robert“ mit schwedischer Holzmasse in Rückladung nach Frankreich unterwegs, wurde nach einer Meldung der englischen Admiralität zwischen Cherburg und Rouen torpediert. Die Besatzung soll gerettet sein. TU. Kovenhaaen, 14. Aug. Deutsche Torpedoboote brachten gestern außerhalb Hirtshals den dänischen Transportdampfer„Storebalt“ auf, der mit einer großen Ladung Butter und Speck nach Newcastle unterwegs war. Der Dampfer wird wahrscheinlich nach Swinemünde gebracht. Versenkungen unserer U-Boote. WIB. Bern. 14. Aug. Die französischen Blätter melden aus Le Haore vom 11. S.: Ein deutsches Unterseeboot hat vier Schiffe, nämlich den französischen Dampfer Marie, die norwegischen Schiffe Credo und Sora und das dänische Schiff Robert, angehalten. Die drei ersten wurden versenkt. Der Kommandant des A.Bootes erklärte, daß die norwegischen Schiffe Ladungen hätten, die als Bannware betrachtet werden müßten. Das dänische Schiff Robert wurde wegen Unbedenklichkeit der Ladung freigegeben. Es brachte die Mannschaft der drei versenkten Schiffe nach Le Havre. WTB. Bern, 14. Aug. Nach einer Meldung des Temps aus Madrid wurde der englische Dampfer Antiope(2973 To.) durch ein österreichisches U.Boot versenkt Lufitania=Nachspiel. bb. Berlin, 14. Aug. Wie dem Lokalanzelger berichtet wird, begann am Donnerstag vor dem Newyorker Bundesdistriktsgericht der Prozeß gegen die Cunard=Linie, der Besitzerin der Lusitania, der von Salamon Friedmann und 15 anderen Amerikanern gegen die englische Schiffahrtsgesellschaft anhangig gemacht wurde. Die Kläger verlangen für den Tod ihrer Verwandten beim Untergang der Lusitania einen Schadenersatz von 4 Millionen Mark, mit der Begründung, daß die Gesellschaft trotz der Warnung, daß der Dampfer torpediert werden wurde. keine geeigneten Vorsichtsmaßregeln getroffen habe, und daß auch die Rettungsarbeit ungenügend gewesen sei. Vergeltung für Baralong. TU. Berlin, 14. Aug. Dem Reichstag ist ein Weißbuch über den Baralongfall zugegangen. Das Weißbuch enthält die diesen Fall betreffenden amtlichen Schriftstücke. In dem Schlußwort heißt es u. a.: Die deutsche Regierung hat sich hiemnach ihrer Ankündigung entsprechend genötigt gesehen, die Ahndung des ungesühnten Verbrechens selbst in die Hand zu nehmen. Eine Vergeltung der britischen Seeleute im Baralongfall mit Maßnahmen gleicher Art, etwa durch Erschießen britischer Kriegsgefangener, hat sie selbstverständlich abgelehnt. Aber die deutschen Luftschiffe werden das englische Volk davon überzeugt haben, daß Deutschland in der Lage ist, die von den Offizieren und Mannschaften des Baralong begangene Straftat nicht ungesühnt zu lassen. Wenn früher die unvermeidliche Gefährdung der Zivilbevölkerung bei Verwendung der deutschen Zeppeline für militärische Zwecke besondere Berücksichtigung fand, so konnten angesichts des Baralongmordes solche Rücksichten nicht mehr durchgreifen. England gegenüber wird seitdem die Waffe des Luftschiffes innerhalb der Grenzen des Bölkerrechts rücksichtslos ausgenützt. Bei jedem Luftschiff, daß auf London oder auf andere Verteidigungsanlagen oder Anlagen militärischen Charakters enthaltende englische Städte seine zerstörende Bomben abwirft, soll England sich des Baralongfalles erinnern Gescheiterte Finanzoperationen der Verbündeten. TU. Amsterdam, 14. Aug. Es kann nunmehr aus bester Quelle gemeldet werden, daß alle jüngsten Nachrichten über großartige Finanzoperationen der Verbündeten, wie eine gemeinsame 20 Milliardenanleihe in Amerika und 15 Milliardenanleihe Englands und Frankreichs in Rußland nichts weiter darstellen, als einen Bluff. Aus Amerika kommt die bestimmte Meldung, daß eine Summe von 20 Milliarden Francs für europäische Kriegszwecke gar nicht aufzubringen wäre, abgesehen von der Frage, ob Präsident Wilson, der sich einer Kriegsanleihe bisher stets widersetzt hat und nur sogenannte Handelskredite zur Bezahlung der amerikanischen Lieferung gestattete, eine so gewaltige Anleihe gutheißen würde. Was Rußland anbetrifft, so kann es weder von England noch von Frankreich eine Summe von 15 Milliarden erwarten, vielmehr höchstens von Zeit zu Zeit eine armselige Unterstützung, weil die beiden Westmächte selbst mit wachsenden Finanzschwierigkeiten zu kämpfen haben und daher gar nicht in der Lage sind, derartige Riesensummen für andere aufzubringen. Aus Westdeutschland. Köln, 14. Aug. Vor der 2. Ferienstrafkammer stand Frau Metzger M. Gutmann, Breite Straße dahier, sowie ihr Filialleiter Rohe und die Filialleiterinnen Rathsede und Sprattler wegen Betruges und Fleischwuchers. Die Anklage erfolgte auf die Anzeige hin, daß Frau Gutmann 1000 Pfd. Speck unter der Deckbezeichnung„Därme“ nach Berlin verkauft habe, und zwar zu der Zeit, als die Stadt ein Ausfuhrverbot für Fleisch erlassen hatte. Das Urteil gegen Frau G. lautete auf 3 Mon. Gefängnis und 3050 M Geldstrafe. Die andern Angeklagten wurden freigesprochen. Düsseldorf, 14. Aug. Die Strafkammer verurteilte den Fabrikarbeiter Peter Offer aus Neuß, der in einem Schreiben an die Polizei wahrheitswidrig behauptet hatte, daß sich ein Arbeitskollege vom Militärdienste gedrückt habe, zu 1 Monat Gefängnis. Düsseldorf, 14. Aug. Zum Oberlandesgerichtspräsidenten in Düsseldorf ist an Stelle des am 1. Oktober in den Ruhestand tretenden Oberlandesgerichtspräsidenten Ratjen der Präsident des Oberlandesgerichts in Marienwerder, Wirklicher Geheimer Oberjustizrat Dr. v. Staff ernannt worden. Düsseldorf, 14. Aug. Wegen fortgesetzten Diebstahls von Maschinenöl im Werte von über 30000 A zum Nachteile einer Firma im hiesigen Hafen wurden drei Angestellte der Firma verhaftet. Elberfeld, 14. Aug. Von dem städt. Speck für Minderbemittelte, den die Stadt in ½ Pfund=Pateten abgeben wollte, verschwand eine ganze Anzahl Pakete. Es stellte sich heraus, daß die Polizisten Julius Sopp und Gustav Otte den Speck entwendet und ihn an Vorgesetzte und Kollegen, die kein Anrecht auf die Ware hatten, abgegeben hatten, um sich bei ihnen einzuschmeicheln. Da die Strafkammer keine gewinnsüchtige Beweggründe annahm, sondern den Grund der Handlung in dem Streben nach der Gunst ihrer Kollegen und Vorgesetzten sah, ermäßigte sie das Urteil des Barmer Schöffengerichts auf Berufung der Angeklagten von je drei Monaten auf je einen Monat Gefängnis. Essen, 14. Aug. Zahlreichen Personen wurde der Handel mit Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs wegen Unzuverlässigkeit verboten. Essen, 14. Aug. Infolge Sturzes von der Treppe verstarb hier gestern in den Städtischen Krankenanstalten der in der Gabelsbergerstraße 23a wohnhafte Scherenschleifer Wilhelm Rüffer. Hattingen, 14. Aug. In Holthausen wurde nachts eine verheiratete Frau von einem mit dem Flurschutz betrauten Soldaten dabei ertappt, als sie auf einem Stoppelfelde die Ahren aus den Roggenstiegen schnitt. Die diebische Ahrensammlerin wurde der Behörde übergeben und wird sich demnächst vor Gericht zu verantworten haben. Witten, 14. Aug. Die 50000 M Stiftung des Fabrikanten Max Lohmann, die für die Hinterbliebenen gefallener Wittener Krieger bestimmt ist, erhielt den Namen Lohmann=Stiftung“. Herne, 14. Aug. Der Oberlehrer am Kgl. Gymnasium in Neuß, Dr. Jos. Wiesehoff, wurde einstimmig zum Direktor des städtischen Progymnasiums gewählt. Herne, 14. Aug. Auf dem Rangierbahnhofe des Schachtes Konstantin 6=7 geriet ein seit vielen Jahren in den Diensten der Gewerkschaft stehender 59jähriger Angestelltee mit dem Kopf zwischen die Puffer eines Zechenzuges. Der Mann war sofort tot. Dortmund, 14. Aug. Einer Kirchenbesucherin, die sich im Beichtstuhl befand, stahl die Frau Maria Häcker von hier aus der Handtasche 20 M. Die Diebin wurde zu 6 Mon. Gefängnis verurteilt. Dortmund, 14. Aug. Der österreichisch=ungarische Konsul Rudolf Ritter von Frankeneck ist in einem Sanatorium im Alter von 42 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben. Dortmund, 14. Aug. Bei der Firma A. E. Eick u. Co. sind in vorletzter Nacht Einbrecher eingestiegen und haben eine Anzahl Gold= und Silbersachen— goldene und silberne Uhren, Armbänder, Broschen, Uhrketten, gestohlen. Recklinghausen, 14. Aug. Ein niedliches Geschichtchen hat sich in Haltern abgespielt. In einem dortigen Geschäft kaufte ein Mann für einige Mark Waren. Er war sehr erstaunt, daß die gekauften Kleinigkeiten so viel kosten solllen. Auf seine Frage erwiderte die Verkäuferin:„Ja, lieber Mann, es ist halt Krieo!". Als nun der Käufer nur eine Mark hinlegte, war das Erstaunen an der jungen Dame und sie machte den Mann auf den Fehlbetrag aufmerksam. Dieser antwortete:„Ja, liebes Fräulein, es ist halt Krieg!" Sprachs, verschwand und ward nicht mehr gesehen. Meggen(Olpe), 14. Aug. Handelsminister Dr. Sydow weilte gestern in Begleitung des Regierungspräsidenten von Bake, des k. Landrats des Kreises Olpe, Reg.=Rats Dr. Freusberg, und anderer Herren, hier, um sich auf den dortigen industriellen Werken zu unterrichten. Von dort werden die Herren in gleicher Absicht das Siegerland bereisen. Aus aller Welt. Scheidemann und der Krieg. Berlin, 14. Aug. Das Tageblatt berichtet aus Dresden, daß der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Scheidemann dort im Zirkus Sarasani über das Thema„Krieg, Volk und Frieden“ sprach. Der Redner wandte sich mit aller Schärfe gegen einen Frieden um jeden Preis, ein solcher Friede würde Deutschland zu einem Bettelvolk machen, wobei auch die Arbeiter zu Bettlern würden. Scheidemann wies darauf hin, daß die Sozialisten in den feindlichen Ländern immer noch nicht das geringste von einer Wiederanknüpfung der Verbindung mit den deutschen Sozialisten wissen wollten. Es hieße durchhalten. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in der ein baldiger Frieden gewünscht wird, jedoch kein Friede um jeden Preis, nur ein Friede, der die Unabhängigkeit, die territoriale Unversehrtheit und die freie gewerkschaftliche Entwickelung Deutschlands gewährleistet. Scheidemann erntete starken Beifall. Ordensverleihungen. WTB. Den Orden Pour le merite haben erhalten: General der Artillerie von Kirchbach; Oberst Hoefer, Führer des Landwehr=Inf.=Regts. Nr. 57 und Hauptmann Kalau vom Hofe in: Grenadier=Regiment Nr. 12. Ehrengrab für v. Emmich. Hannover, 14. Aug. Ein Ehrengrab für General von Emmich läßt jetzt die Stadt auf dem Engeschder Friedhof nach einem Entwurfe des Stadtbaurats Wolf errichten, das an die Weise der altgermanischen Heldenehrung anknüpfend, das Grab des Helden durch Monarlithen überdeckt. Eine Hecke aus Hainbuchen soll das Ehrengrab von drei Seiten umgeben. Abreise des Reichskanzlers aus Wien. bb. Wien, 14. Aug. Der deutsche Reichskanzler und Staatssekretär v. Jagow haben Samstag abend Wien wieder verlassen. In der zweitägigen Besprechung zwischen den Leitern der auswärtigen Politik der beiden Mächte konnte bezüglich aller zur Erörterung gelangten Gegenstände volles Einvernehmen festgestellt werden. WTB. Wien, 14. Aug. Vor dem Hotel Imperial, in dem der Reichskanzler die Fürstenzimmer bewohnt, hielt sich gestern tagsüber eine zahlreiche Menschenmenge auf. Als der Kanzler das Hotel verließ, um sich zum Essen bei Baron Rosz= ner zu begeben, brachte das Publikum dem Kanzler des verbündeten Reiches eine herzliche Kundgebung dar. Stürmische, immer wieder erneuerte Heilrufe erschollen, auf welche der Kanzler mit freundlichem Gruße nach allen Seiten dankte. Englische Hetze gegen Spanien. TU. Wien, 14. Aug. Dem„Neuen Wiener Journa!“ wird aus Zürich gebrahtet: Aus Madrid wird hierher berichtet: Der Vierverband hat in Portugal eine gegen Spanien gerichtete feindliche Bewegung hervorgerufen. Die englische Regierung kaufte eine große Anzahl portugiesischer Blätter zu dem Zwecke, einen Verleumdungsfeldzug gegen Spanien zu führen. Es bestätigt sich, daß Lissabon neu befestigt wird und daß man mit dem Eintritt kriegerischer Ereignisse auf portugiesischem Boden rechnet. Einberufung des rumänischen Parlaments. TU. Budapest, 14. Aug. Aus Bukarest wird gemeldet: Dem Blatt„Minerva“ zufolge fand gestern ein Ministerrat statt, über dessen Beschlüsse folgendes durchgesickert ist: Betreffs der Außenpolitik Rumäniens, ob es weiter neutral bleibt, oder in den Krieg eingreift, wird noch im Laufe des August ein definitiver Entschluß gefaßt werden. Der Ministerrat soll im Prinzip entschlossen sein, das Parlament für die 2. Hälfte des August zu einer außerordentlichen Tagung einzuberufen. Die Regierung wird im Parlament über die Außenpolitik Mitteilungen machen. Der Verkauf der rumänischen Ernte von 1916. TU. Bukarest, 14. Aug. Das englische Bureau hatte in den letzten Tagen der rumänischen Regierung den Vor schlag gemacht, ihm die diesjährige Ernte zu verkaufen, und hat 500 Lei für die Tonne mehr geboten, als das deutsche Konsortium. Das englische Bureau hat nunmehr die rumänische Regierung verständigt, daß es auf den Kauf überhaupt nicht reflektiert. In politischen Kreisen wird dieser Beschluß lebhaft kommentiert und mit der diplomatischen Lage in Zusammenhang gebracht. Zum Scheitern der Schweizer Verhandlungen. WTB. Bern, 14. Aug. Zum Scheitern der Pariser Verhandlungen schreibt heute der„Bund“: Die abgelaufene Woche gehört für die Schweiz zu den bedeutungsvollsten seit Kriegsausbruch. Das überragende Ereignis ist das endgültige Scheitern der Verhandlungen mit den Verbündeten über unseren Tauschverkehr. Knapp vor den Pariser Verhandlungen hat das auffällige Auftreten früherer französischer Minister in der welschen Schweiz eingesetzt. Es hat auch nicht an Kundgebungen westschweizerischer politischer Persönlichkeiten in der französischen Presse gefehlt. Die Hoffnungen, die man dort und da in den Einfluß dieser Sympathieäußerungen auf das wirtschaftliche Entgegenkommen der Alliierten gesetzt haben mag, sind ins Wasser gefallen und hinterlassen einen faden Nachgeschmack, um so mehr, als nun selbstverständlich Kommentare in der deutschen Presse eingesetzt haben gerade in dem Augenblick, da die Schweiz Unterhandlungen mit den Zentralmächten aufnehmen muß. Bekanntmachung. Die„Volksspende für die deutschen Kriegs= und Zivilgefangenen“ hat in der Stadt Gelsenkirchen nach Abzug aller Unkosten 30 427 Mark 19 Pfg. erbracht. ¾ der Summe werden dem Hauptarbeitsausschusse der Volksspende überwiesen, ¼ kommt durch die hiesige Hilfe für kriegsgefangene Deutsche zur Verwendung. Es haben ergeben in runden Zahlen 1. Haussammlung 9 500 Mark 2. Büchsensammlung. 1 100 Mark 3. Schulsommlung 2 500 Mark 4. Beiträge industrieller Werke 16 600 Mark 5. Andere Spender 700 Mark Allen Spendern und Mitarbeitern herzlichsten Dank. Namens der beteiligten Vereine: Machens, Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Am Montag, da 14. d. Mts., werden die Dezernate 9 und 13— Bürgermeister von Wedelstaedt— aus dem bisherigen Dienstgebäude, Ahstraße 22a, in die neuen Diensträume Schalkerstraße 16(Pestalozzi= und Lutherschule) verlegt. Die betreffenden Büros bleiben an diesem Tage für jeden Verkehr geschlossen. Das Dezernat 9 umfaßt Verkehrswesen, insbesondere Eisenbahn=, Straßenbahn=, Post-, Telegraphie= und Telephonsachen, städtische Grundbuch= und Grundvermögens Angelegenheiten, Verwaltung des städtischen Grundstückssonds, Vermessungswesen, Festsetzung der Straßenbaukosten und=beiträge und Vertretung des Gemeindevorstandes beim Bauen an unfertigen Straßen, Angelegenheiten des städtischen Kanal= hafens(ausschl. Bauarbeiten), öffentliche Beleuchtung, Augelegenheiten der privaten Elektrizitäts= und Wasserwerke, Stadtgärten, Schmuckplätze, Friedhöf, Schlachthäuser, Feuerwehr und Verwaltungsangelegenheiten des städtischen Gaswerks. Das Dezernat 13 umfaßt alle Angelegenheiten betr. Lebens= und Futtermittelbeschaffung, sowie alle Maßnahmen aus Anlaß des Klieges betr. Viehbeschaffung, Bewirtschaftung von Ländereien und dergl. Gelsenkirchen, den 10. August 1916. Der Oberbürge### ster. I. V.: von Wedelstaedt. Bekanntmachung. Bei der hiesigen städtischen Verwaltung ist heute für die Dauer des Krieges als juristischer Hülfsarbeiter Herr Rechtsanwalt Wientgen von hier eingetreten. Gelsenkirchen, den 12. August 1916. Der Oberbürgermeister Machens. Bekanntmachung. Es wird darauf hingewiesen, daß Einstellungsgesuche jeglicher Art, auch Gesuche um Umbestimmung zu anderen Truppengattungen, nicht an das stellvertretende Generalkommando zu senden sind, da dieses unstatthaft ist. Die Gesuche erleiden, da sie an das Generalkommando abgegeben werden, eine Verzögerung. Derartige Eingaben, sind stets dem zuständigen Bezirkskommando zu unterbreiten. Nur durchaus begründete Gesuche werden berücksichtigt. Die dem Generalkommando unmittelbar vorgelegten Anträge, finden in keinem Falle Berücksichtigung. Fahnenjunker und Unteroffiziervorschüler können sich jederzeit beim zuständigen Bezirkskommando melden. Gelsenkirchen, den 10. Aug. 1916. Königliches Bezirkskommando Schirme werden repariert und neu überzogen in der Schirm-Fabrik W. Gebauer. Gelsenkirchen nur Ecke Hochstrasse 39. Hausieren in meinem Namen wird gerichtlich verrc K Lasse nicht hausieren. Harte Prüfung. Buchhandlung, Papier- und Schreibwaren Louis Schulte Inhaber Wilhelm Preusse — Spezialgeschäft für Bürobedarf—.— Ferneprecher 712 Gelsenkirchen- Schalke Schalberstrasse 1### SCHRRIBMASCHINEN KOPIERMASCHINEN aller Systeme Büro-Möbel— Registraturen Sämtliche Maschinen werden kostenlos vorgeführt und — zur Probe geliefert FARBBANDER für Schreibmaschinen aller Systeme, VERVIELFALTIGUNGS-APPARATE. GESCHAFTSBUCHBR in EXTRA ANFERTIGUNG Vertreter der Geschäftsbücher-Fabrik König& Ebhard C Hannover Roman von Max Hoffmann. 60 Sie war voll fröhlicher Zuversicht, auf dem richtigen Wege zu sein, und als sie ihrer Freundin in der Freude um den Hals fiel, sagte Emmi dankbar:„Welch ein Glück, daß wir Dich haben, liebe Felicia! Auch ich glaube fest, daß Dir die Lösung endlich gelingen wird.“ Die junge Amerikanerin bewahrte ihre Ruhe, obwohl sie innerlich voll fieberhafter Aufregung war, die noch wuchs, als ihr nach zwei Tagen die Nachricht überbracht wurde: Christian Frank, Sohn des Gasthofbesitzers Ulrich Frank in Nimikon, der vor vier Jahren als Witwer verstorben ist. Der Sohn ist seit dieser Zeit nicht in seinem Geburtsort gewesen, sein jetziger Aufenthaltsort dort unbekannt. „Ah!“, rief Felicia,„da haben wir schon die erste Entlarvung dieses Menschen! Jene Depesche, die ihn wegen Erkrankung seiner Mutter nach Hause rief, war gefälscht. Weshalb aber hat er das getan? Um in die Dunkelheit untertauchen zu können, aus der wir ihn nun hervorziehen werden.“ Sie durchstöberte die Artistenzeitungen und fand eines Tages eine kleine Notiz, die sie frohlockend zeigte.„Nun weiß ich, wo dieser Frank ist! Er ist in Paris, Dort also werden wir ihn festnehmen lassen.“ „Wieso?“ sagte Fritz.„Hier steht doch weiter nichts, als die kurze Ankündigung, daß Brothers Moreno=Franklin jetzt im Cirque Metropole in Paris auftreten. Was ist daran besonderes?“ „Aber das ist doch ganz klar!“ rief Felicia hastig.„Dieser Franklin ist niemand anders als unser Frank, der mit seinem Freunde zusammen auftritt. Noch morgen wirst Du mit mir nach Paris fahren.“ „Gern! Ich bin selbst begierig, wie dieses Abenteuer enden wird“ „Und Du kommst auch mit, Emmi,“ sagte Felicia.„Du beherrschest die französische Sprache viel besser als wir beide, und deshalb bist Du für uns unentbehrlich.“ Emmi sah ihren Vater fragend an, der mit den Achseln zuckte und dann nickte.„Was soll ich dazu sagen? Du willst ja doch unt—“ 800—1000 Bilder vom Kriegsschauplatz bringt in jedem Quartal die Berliner Tageszeitung Deutscher Kurier in ihrer täglich erscheinenden, vierseitigen Illustrierten Beilage Er berichtet sorgfältig über alle Geschehnisse des öffentlichen Lebens sowie über Literatur und Kunst; der vorzügliche Handelsteil und die EffektenVerlosungsliste geben ein klares Bild über den Kapitalmarkt, Handel und Industrie. Die Beilage:„Die Frau“ berichtet über die Ziele und Fortschritte der Frauenbewegung und die Stellung der Frau in der Familie und im öffentlichen Leben. Der Deutsche Kurier kostet für das Vierteliahr.. Mark 3,30 für den Monar Mark 1,10 Probelieferung gratis. Verlag Deutscher Kurier, Berlin 8 W. 68 Zimmerstraße 8. Dampf=Wasch=Anstalt Kävberei und Gurdinen=Wäscherei, TeppichReinigung, Verleihinstikul für Tischwüsche. Sväßte uuc leistungsfähigste Austalt von Mestfalen. Wilhelm Rotthauwe Selsenkirchen= Nevurnf 246. Kiliale Kochum, Buödenbevgstvaße: Kleiderläuse m. 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Der gewaltige Raum des Zirkus Metropole in Paris war bis auf den letzten Platz gefüllt. Von dem eleganten Publikum in den Logen bis hinauf zu der lustigen Spetakelgesellschaft auf den obersten Stehplätzen verfolgten diese Tausende von Augen mit gespannter Aufmerksamkeit die Vorführungen, in denen Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer die Ergebnisse jahrelanger Uebungen unter den rauschenden Klängen des Orchesters bei blendender elektrischer Beleuchtung zeigten. Schon war eine ganze Anzahl von Nummern erledigt, als die Reihe an die Brothers Moreno=Franklin kam. Zuerst erschien in blau=weiß=rotgestreiftem Trikot einer der beiden Artisten, der sich bis dicht unter die Decke des hohen Rundtheaters hinausziehen ließ und dort auf fast unsichtbarem Drahtseil verschiedene halsbrecherische Evolutionen ausführte. Zuletzt stand er auf beiden Füßen kerzengerade und begann, sich mit kühnem Schwung hin= und herzuschaukeln. Gleich darauf ging die Musik in einen kräftigen Marsch über, und ein Partner betrat die Manege. „Er ist es,“ flüsterte Emmi, die mit Felicia, Fritz und Doktor Waldow ganz unten in einer Loge saß, überrascht den andern zu, und alle vier richteten in fieberhafter Spannung ihre Blicke auf ihn. Frank hatte französische Marineuniform angelegt, die blaue Tracht mit dem großen Kragen und den roten Litzen stand ihm sehr gut, und so verbeugte er sich, die Flinte keck in der Hand schwenkend, aumutig nach allen Seiten. Als er bis dicht an die Loge, in der die beiden Herren und Damen saßen, gekommen war, zuckte er plötzlich zusammen und erblaßte; dann aber wandte er sich rasch ab, trat in die Mitte des Kreises und begann sich umzuschauen. Die Szenerie hoch oven hatte sich mittlerweile geändert. Von allen Seiten waren bewimpelte Taus erschienen, Segel flatterten in den Lüften, Ragen schwankten, und inmitten dieser Dekoration, die das Oberteil eines Schiffes darstellte, schwenkte sich immer noch auf dem Drahtseil Moreno hin und her, der ein weites, sederbesetztes Gewand übergeworfen und eine Maske über sein Haupt gestülpt hatte, so daß er zu einem großen Vogel geworden war, der sich dort in den Lüften schaukelte. Jetzt gewahrte ihn der Matrose. Durch seine Gebärden gab er zu verstehen, daß das ein Unglücksvogel sei, den er entfernen müsse, und er zielte nach ihm. Nun krachte Schuß auf Schuß. Zuerst schoß er dem Vogel den Schnabel ab, dann den Schwanz und dann wirbelten nacheinander die Federn nach allen Seiten. Jedesmal glaubte man zitternd, der dort sich immer noch wiegende Artist müsse getroffen sein. Und plötzlich knickte er auch zusammen und schwebte langsam herab. Viele hielten ihn für verwundet, aber es war nur ein Trick, um die atemlos zuschauende Menge aufs äußerste zu erregen; denn als er unten angekommen war, warf Moreno die Hillle ab und stand lachend in seinem Trikot da. Lauter Beifall brach los, doch Moreno verschwand schnell, und Frank füllte die Zeit bis zum Wiederauftreten seines Genossen mit dem Schießen nach rasch hintereinander einvorgeworfenen bunten Glaskugeln aus, von deuen er nicht eine verfehlte. Dann hörte man ein eigentümliches Klappern wie von Holzschuhen auf hartem Pflaster, und Moreno erschien wieder. Er ging auch wirklich auf Holzschuhen, aber wie sah er aus? Er war eine Riesin geworden. Viermal so groß als vorher, grotesk als junge Bäuerin verkleidet, bewegie er sich mit übergroßen Schritten mit der Gewandtheit eines gewöhnlichen Fußgängers. Nun begann diese junge Bäuerin mit D#er Puppe, die ihr Kind vorstellte, zu spielen, und jedesmml, wenn sie dem Kinde ein Spielzeug hinreichte, schoß es ihr der gewandte Schütze aus der Hand. „Was ist das?“ fragte Felicia. „Siehst Du denn nicht,“ gab Fritz flüsternd zurück,„daß dieser Mensch sich auf geschickt angebrachten Stelzen bewege? Es gibt ja im Süden Frankreichs eine Gegend, wo sat alle Menschen auf Stelzen gehen. 234.20 11 18 *