für die Bezirke Unabhängiges Organ chalke, Heßler, Bismarck, Gelsenkirchen etc. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis vierteljährlich 1,80 Mark einschließlich„illustriertem Sonntagsblatt“ frei ins Haus gebracht. Geschäftsstelle: Gelsenkirchen=Schalke, Grillostraße 61. Feinsprech Anschluß Nr. 732. Vermittlungs=Amt Gelsenkirchen. Nr. 22 Lokales und Provinzselles. Gelsenkirchen, den 30. September 1913 Städtische Sinfonie=Konzerte. Mit einem Wagnerabend wurden gestern die städtischen Sinsoniekonzerte in der Stadthalle vor ausverkauftem Hause eingeleitet. Das Konzert wurde durch das Philharmonische Orchester zu Dort mund unter der Leitung des Königlichen Musikoirektors Prosessor Georg Hüttner aus geführt. Der umsichtige Dirigent verstand es, das Orchester an allen schwierigen Klippen mit sicherer Hand herumzusteuern und den Abend zu einem vollen Kunstgenuß zu gestalten, Daß ihm dieses in jeder Hinsicht gelungen ist, bewies die Beifallsfreudigkeit des Publikums, die sich von Stück zu Stück steigerte und zum Schluß in wahren Beifallsstürmen Ausdruck sand. Aber auch der Stadtverwaltung gegen über ist darin der Dank dargebracht worden, die sich wiederum in anerkennenswerter Weise in den Dienst der Vermittelung einwandfreier Darbietungen in Konzerten und Theatervor stellungen gestellt hat. Das traurig=schöne Vorspiel und Isoldens Liebestod aus„Tristan und Isolde“ leiteten den Abend ein. Es folgten zwei Gesänge aus„Tannhäuser": Blick ich umher und das Lied an den Abend stern, mit denen der Heldenbariton des Kölner Opernhauses, Friedrich Braun, lebhaften Bei sall erntete. Dem Vorspiel zur Oper„Lohengrin", reihten sich Schmiedelieder aus dem Musikdrama„Siegfried“ an, die von dem Opernsänger Fritz Berghof aus Dortmund graziös und ansprechend vorgetragen wurden und langanhaltenden Beifall fanden Nach der Pause wurde das mächtige SiegfriedIdyll zu Gehör gebracht, und mit Wotans Abschied von Brünhilde und Feuerzauber aus dem Musikdrama„Die Walküre“ schloß der Abend, mit dem Herr Friedrich Braun nochmals recht reichen Beifall fand. Städtische Theatergastspiele und Solisten Konzerte. Wir weisen auf die Anzeige in der heutigen Ausgabe unseres Blattes betreffend Volksvorstellungen und Volkskonzerte in der diesjährigen Wintersaison hin. Der städtische Fischverkauf wird am Donners tag, 2. Oktober, wieder eröffnet. Der Verkauf findet in den gleichen Verkaufsstellen wie im Vorjahre statt. Ortskrankenkasse Schalke=Bismarck. Im Anzeigenteil der heutigen Ausgabe unseres Blattes werden die Namen der bei der Wahl am 22. September gewählten Vertreter der Arbeitnehmer sowie die Namen der Arbeitgeber vertreter im Ausschusse der Ortskrankenkasse Schalke=Bismarck veröffentlicht. Einwendun gen gegen die Gültigkeit der Wahl sind dinnen zwei Wochen bei dem Kassenvorstande oder dem Versicherungsamte anzubringen. Die Neuwahl des Kassenvorstandes, den die Aus schußvertreter zu wählen haben, findet am 15. November im Restaurant Thiemeyer am Schalker Markt statt, und zwar für die Mitglieder von 8—9 Uhr abenos und für die Arbeitgeber von 9—9½ Uhr abends. Die Versicherten haben acht Vorstandsmitglieder und die Arbeitgeber vier Vorstandsmitglieder zu wählen. Rekruten=Abschiedsfeier. Der Schwimmverein Gelsenkirchen 1904 veranstaltete am letzten Samstag im großen Saale des Hotels „Germania“ in der Arminstraße in Gelsenkirchen seine Rekrutenabschiedsfeier. Zahlreich waren die Mitglieder der Damen= und Herren abteilung erschienen. Nach einleitenden Musikstücken begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Wilh. Lohrberg, die Teilnehmer und hieß sie herzlich willkommen. Sodann richtete er herzliche Worte an die Versammlung, seierte das Hohenzollerhaus, insbesondere den obersten Kriegsherrn, Kaiser Wilhelm II. als Hüter des Friedens. Die jungen Rekruten ermahnte er zum Gehorsam, zur Pflichttreue und Willenskraft, Abhärtung und Unverdrossenheit, Freude an der großen Sache des Soldaten, zum Selbstvertrauen und zur Verantwortungsfreudigkeit. Das am Schlusse seines Vortrages Dienstag, den 30. September 1913. Anzeigenpreis für die 6gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen 30 Vsg. die Zeile. Anzeigen, welche bis 10 Uhr morgens eintreffen, finden am selbigen Tage Aufnahme, größere Anzeigen werden früher erbeten. Redaktion von u##2 rense in Gelsenkirchen=Schalke. Druck und Verlag von M. Schaff, Buchdruckerei, Gelsenkirchen=Schalke, Grillostraße 61. 40. Jahrg. ausgebrachte„Gut Naß Hurra“, galt dem Kaiser. Den Rekruten wurden dann als Andenken an den Verein Pfeisen und Tabak überreicht. Der erste Zeugwart des Schwimm vereins, Richard Papproth, brachte den Dank der Rekruten in herzlichen Worten zum Aus druck. Darauf wechselten Tanz, Gesang und Musikvorträge. Besonders gefielen einige Solovorträge des Geigenvirtuosen Grischkat. Die Festteilnehmer trennten sich erst in den frühen Morgenstunden, voll befriedigt von dem Gebotenen. Angeiff auf einen Schutzmann. Beim Ein schreiten tätlich angegriffen und am Kopfe verletzt wurde ein Schutzmann von zwei Berz leuten aus Altenessen. Diese hatten eine Person auf der Heßler Straße überfallen. Die beiden Täter wurden festgenommen. Einbruchsdiebstahl. Sonntag abend drangen Diebe in eine verschlossene Wohnung in der ersten Etage des Hauses Bismarckstr. 85 ein und stahlen eine große Menge Sachen, darunter 7 Blusen, einen Damenhut und eine gestickte Tischdecke. Ueberfallen wurde ein Ehepaar aus der Weidenstraße auf der Ueckendorfer Straße von drei unbekannten Personen. Sie wurden am Kopf und an den Armen mit einem Messer verletzt.— Ferner wurde ein Bergmann aus Günnigfeld in der Dessauer Straße überfallen und mittelst eines Messers im Rücken verletzt. Er wurde zum Krankenhause gebracht. Festgenommen wurden 14 Personen wegen Diebstahls, Unsugs und Trunkenheit. Hafeubau der Zeche„Uaser Fritz“. Unmittelbar beim Flugplatz Wanne=Herten läßt die Gewerkschaft„Unser Fritz“ im Zuge des Rhein=Herne=Kanals einen Hasen anlegen, um auch ihre Produkte auf dem Wasserwege befördern zu können. Der Hafen hat jedoch wesentlich kleinere Ausmessungen als die Anlagen der Zeche„Graf Bismarck“ oder der Gelsenkirchener Bergwerks=Aktiengesellschaft. Es sind ein Wendeplatz und ein Liegeplatz für zwei Kanalschiffe vorgesehen. Die Mauer des Liegeplatzes wird 180 Meter lang und nach dem patentierten Verfahren des Zivilingenieurs Männers in Bredeney errichtet. In Zwischenräumen von 4 Metern werden Eisenanker in der Weise in die Mauer gelegt, daß die Verankerung vom Fundament aus erfolgt.s Wo ein Anker liegt, wird die Mauer auf 2,30 Meter verstärkt, während sie sonst nur 1,30 unten und 80 Zentimeter oben stark ist. Auf diese Weise entstehen eigentümliche Rippen, die noch den Vorzug haben, daß sie in dem angeschütteten Erdreich fester halten. Im Fundament der Mauer liegen Eisenschienen sum Schutz gegen Bodensenkungen. Die Konsole der Mauer hat eine Verstärkung erfahren. Auf ihr liegen die Gleise zu den Kranen, durch die das Beladen oder Entladen der anlegenden Schiffe besorgt wird. Oestlich an den Liegeplatz, der sich als eine etwa 40 Meler tiefe Ausbuchtung des Kanal= bettes darstellt, fügt sich unmittelbar der Wendeplatz, der 85 Meter tief ist und ebenso breit im Durchschnitt. Die Wände sind ohne Fundament 8,50 tief und ragen 3,50 Meter über den Wasserstand. Einfache Plasterung ist hier vorgesehen. Zum Transsport der Kohlen nach dem wasen werden direkte Anchlußgeleise von der Zeche gelegt. Durch mächtige Krähne werden die Wagen entleert. Der Bau der Anlage wird bis zum 1. Dezember fertiggestellt werden. Zur Erneuerung des rheinisch=westfälischen Zementsyndikates. Die Werbekommission zur Gründung eines neuen Zementsyndikates hatte auf gestern eine neue Werksb. sitzer=Versam nlung nach Bochum einberufen, in der über die Verhandlungen mit denjenigen Werken, welche in der letzten Versammlung im August nicht vertreten waren bezw. den neuen Vertrag nicht unterschrieben hatten, Bericht erstattet und in der über die Hinausschiebung der freien Verkaufstätigkeit beraten werden sollte. Nach ängerer Debatte wurde beschlossen, den Beginn der freien Verkaufstätigkeit nochmals bis zum 1. November ds. Is. hinauszuschieben. Ein früherer Beschluß lautete bekanntlich dahin, daß die freie Verkaufstätigkeit bis zum 1. Oktober hinausgeschoben werden sollte. Es ist also diese Hinausschiebung als der letzte Versuch zu betrachten, erneut die Verhandlun gen hinsichtlich der Erneuerung des Zement syndikates sortzusetzen, und zwar soll die Ent scheidung dann in vier Wochen fallen. Dieser Beschluß der Hinausschiebung der freien Ver kaufstätigkeit bis zum 1. November ds. Is. soll nur dann gelten, wenn bis heute abend 6 Uhr die telegraphische Zustimmung zu diesem Beschlusse sämtliche Syndikatsweike und Ver einigungen und auch die außenstehenden Werke, wie„Bonn", erklärt hoben. Von den 38 eingeladenen Werken waren 7 nicht erschienen. Handwerks= und Detaillistenstand. Die gemeinsame Sitzung für den Handwerks= und Detaillistenstand des Landesausschusses Rhein land und Westfalen, die in Essen stattfand, besprach eingehend die wirtschaftliche Gemein schaftsarbeit mit Industrie und Landwirtschaft Die Aussprache führte zu der Auffassung, daß die wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit vom gesamten gewerblichen Mittelstande auf das entschiedenste begrüßt werden kann. Die Stellungnahme der christlichen Gewerkschaften wurde ebenfalls eingehend besprochen. Man kam zu der Auffassung, daß diese Stellungnahme eine voreilige sei, weil irgendwelche stichhaltigen Gründe hierfür nicht erbracht werden konnten. Sie ist vielmehr auf Auslegungen begründet, die sich auf irgendwelche Voraussetzungen stützen. Es bleibt doch zunächst abzuwarten, ob die nähere Gestaltung des Arbeitspro gramms für die wirtschaftliche Gemeinschafts arbeit wirklich Anlaß zu Besürchtungen für die christliche Arbeiterbewegung geben wird. Koksfeuer zur Austrocknung von Neubau ten. Nach den neuerdings gemachten Erfahrungen ist die Anwendung offener Koksfeuer zur Austrocknung von Neubauten auch bei Beachtung der vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen mit Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter verbunden. Ein Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten, des Ministers für Handel und Gewerbe und des Ministers des Innern hält es deshalb für geboten, die Verwendung dieser Feuerung im Innern eines Baues nicht mehr zuzulassen. Es wird bestimmt, daß, soweit zur künstlichen Austrocknung von Neu= oder Umbauten Koksöfen notwendig sind, solche zu verwenden seien, die mit einer Dunstklappe und einem Rohr zur Ableitung aus dem Bau versehen sind. Der Düsseldorfer Reiter= und Rennverein rüstet sich für sein Herbstmeeting am 4. und 8. Oktober. Auf der Bahn sind fleißige Hände tätig, dem Geläuf, das sich in tadelloser Verfassung befindet, die letzte Frizur zu geben. Neu ist die Einlegung eines zweiten Hindernisses— Wall mit Burbaua— in der Diagonale. Der vorhandene Sprung ist etwas zurückgesetzt und der neue der von Haus Roland kommenden Linie und dem Anberg in entsprechender Entsernung vorgelagert. Sodann ist der in der unteren Bahn bei Haus Roland befindliche Sprung gleichsalls vorgerückt werden, und zwar bis vor die Gabelung der beiden zum kurzen bezw. langen Einlauf führenden Linien. Für die Hürdenrennen sind die Hürden genau nach Karlshorster Muster umgebaut worden. Rotthausen, 29. Sept. Hier wurde an der Krayerstraße ein völlig zertrümmectes Automobil Nr. I. Z. 0539 im Straßengraben gesunden. Das Automobil scheint aus einer schwarzen Fahri, oder aus einem Diebstahl zu stammen. Stoppenberg, 29. Sept. Hier kam der Koksarbeiter Heimann Koch auf seiner Arbeitsstelle der elektrischen Leitung zu nahe und wurde durch den Strom getötet. Wanne, 29. Sept. Heute morgen geriet im Gepäckaufzug des hiesigen Bahnhofs der Eilgutarbeiter Lies, als er mit einem Wagen in dem Auszuge in die Höhe fuhr, infolge Festklemmens der Wagendeichsel zwischen Wand und Wagen und wurde zu Tode gequetscht. Bochum, 29. Sept. Daß es immer noch Leute geben muß, denen gegenüber kein Schwindel zu plump ist, beweist das regelmäßig wiederkehrende Auftauchen der„spanischen Schatzschwindler“. Ein hiesiger Einwohner erhielt ein Schreiben, in dem es sich zur Abwechslung um einen„wegen Bankerotts Gesangenen“ handelt, der seinem Befreier die stattliche Summe von 200 000 Mk. überlassen will. Arnsberg. 29. Sept. Im Kurhause zu Königsborn tagte die Versammlung der Sparkassenbeamten des Reg.=Bezirks Arnsberg. Es wurde beschlossen, die Sparkassenschecks erst mit dem Präsentationstage zu belasten und nicht mit dem Ausstellungstage, wie dies in Bankkreisen vielfach üblich ist. Oberhausen, 30. Sept. Ein in Düsseldorf aufgegebener Geldbrief von 9000 Mark in Kassenscheinen, der aber nur mit 600 Mk. Wertangabe versehen war, ist auf dem hiesigen Postamte entwendet worden. Im Verdachte der Täterschaft ist der 27jährige Postbote Lattmann, der seit 7 Jahren im Postdienste tätig ist, verhaftet worden, der auch die Tat eingestanden hat. 900 Mark hatte er von dem Gelde ausgegeben und die übrigen 8000 Mark in einem Abort am Alten Markt versteckt, wo das Geld aufgefunden wurde. Duisburg, 29. Sept. In Hamborn kletterte ein 4 Jahre altes Mädchen auf das Hinterrad eines Wagens. Ein älterer Spielgenosse hatte auf dem Bock Platz genommen und drehte die Bremse an. Hierbei geriet das Mädchen mit dem Kopf zwischen Breinse und Rad: der Kopf wurde gänzlich zerquetscht. Duisburg, 29. Sept. Vor den Geschworenen hatte sich ider bekannte Ein= und Ausbrecher vermann Töller von hier unter der Anklage wegen Vergehens gegen§ 177 St=G.=B. zu verantworten. Am Pfingstmontag hat er an dem Dienstmädchen Klaus ein Verbrechen begangen. Der Staatsanwalt beantragte 12 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Das Gericht erkannte unter Einbeziehung einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren 4 Mon. wegen Einbruchs auf eine solche von 8 Jahren und 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht. Koblenz, 29. Sept. Heute nachmittag gegen 3½ Uhr stießen die Güterzüge 6384 und 6513 infolge salscher Weichenstellung oberhalb des Bahnhofs Vallendar zusammen. Ein Schaffner und ein Heizer wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. 18 Wagen sind teils entgleist, teils schwer beschädigt. Letzte Nachrichten. Konstautinopel, 30. Sept. Der türkischbulgarische Frievensvertrag ist gestern abend 6 Uhr unterzeichnet worden. Leciferrin prämiert mit der goldenen Medaille auf der nternationalen Weltansstellung. Gent, 1913. ist die höhst: Ane kennung für ein medizinisches Präparat, dessen wissenschaftliche Zusammensetzung und Wirkuno hierdurch offentlich anerkannt wurde. Leciferrin ist hervorragend zur Verbesserung des Blutzustandes, zur Hebung der Körperkräfte, zur Stärkung der Nerven. Für den Tchwachen zur Erlangung verlorener Kräfte. Für den G brechlichen zur Stärke und Energie. Der Jugend zum Wachslum, dem Alter zur Kraft und Stärke. Dem Greiseualter zur Verlängerung des Ledensaben de. Leciferrin ist das idealste Hausmittel für schwächliche, nervöse Frauen und Mädchen. Leciferrin ist sehr angeneym zu nehmen. Preis M. 3.— die Flasche. Man achte beim Einkauf genau auf den Namen„Leciferrin.“ In Apotheken, ganz sicher von: altt Apotheke in Schalte.(“*) 24 1 Türkisch=griechische Spannung. Nach übereinstimmenden Nachrichten aus Athen. Konstantinopel. Wien und Paris haben die türkisch=griechischen Verhandlungen zu einer ernsten Spannung geführt, über die die tollsten Gerüchte im Umlauf sind. Aus Konstantinopel wird sogar von offenbar gut unterrichteter Seite gemeldet, daß die Türkei die Absicht habe, die Verhandlungen mit Griechenland abzubrechen und nur unter der Bedingung wieder aufzunehmen, daß ihr die Inseln Chios und Mytilene zurückerstattet werden. Die Türkei soll gegenüber Chios ein Landungskorps bereithalten. Da Griechenland sich auf das Londoner Protokoll beruft, das irm die Agäischen Inseln „versprachen“ hat, und nicht gewillt ist, diese Forderung der Türkei zu erfüllen, so ist die Lage also äußerst ernst, und man darf wohl den Gerüchten Glauben schenken, daß auch Bulgarien sich bereit hält, in den neuen Zwist als Bundesgenosse der Türkei einzugreifen, um sich Kawalla wieder zu holen. Schon seit einigen Tagen wurde in Paris und London gemunkelt, daß die türkische Kriegspartei, ermutigt durch die thrazischen Erfolge, nunmehr auch eine kriegerische Lösung der Insel=Frage, ja sogar die Wiederbesetzung gewisser, von Griechenland eroberter Gebiete im südöstlichen Mazedonien verlange. In Übereinstimmung damit wird denn auch aus Konstantinovel gemeldet, beträchtliche türkische Streitkräfte seien aus Gümüldschina in neugriechisches Gebiet eingedrungen und bedrohten die Städte Melnik und Newrokop. Griechischerseits seien in den letzten Tagen an sehnliche Truppennachschübe in Saloniki ange langt und ins Innere transportiert worden: augenscheinlich treffe Griechenland Vorbereitungen für alle Fälle. Die Diplomatie in Konstantinopel und Athen hat die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Streitfragen aufgegeben. Sicher ist jedenfalls, daß die Türkei das Zustandekommen des Friedens von der Nachgiebigkeit Griechen lands in der Inselfrage abhängig macht. In Konstantinopel wird behauptet, daß zwei oder drei Großmächte gegen den Übergang der Agäischen Inseln in griechischen Besitz seien. Die deutsche Regierung bewahrt gegenüber den neu auftauchenden Orientfragen eine abwartende Haltung. In Berlin ist man der Auffassung, daß sich der griechisch=türkische Streit noch beilegen lassen wird. Hinsichtlich Albaniens meint man, daß Serbien befugt sei, innerhalb der ihm in London und Bukarest zugewiesenen Grenzen Ordnung zu schaffen und man zweifelt daran, daß Serbien in das von den Mächten geschaffene Albanien einfallen wird. in Daressalam statt. Der geschäftsführende Vorstand dieser Allgemeinen deutsch-ostafrikanischen Landesausstellung hat aus Daressalam unterm 30. August an den Reichstag eine Einladung zu einer Studienreise seiner Mitglieder gerichtet. Das Einladungsschreiben gibt der Hoffnung Ausdruck, daß recht viele Mitglieder diese in absehbarer Zeit kaum wiederkehrende Gelegenheit zum Besuche unseres Schutzgebietes benutzen werden. * Bei der Ersatzwahl zum württembergischen Landtag in Rottweil wurde im zweiten Wahlgang der liberale Kandidat Müller mit einer Mehrheit von 217 Stimmen gewählt. Die Rechte verfügt infolgedessen in der zweiten Kammer, wo sie bisher so stark war wie die Linke, nur noch über 45 Sitze von 92. Österreich=Ungarn. * Der wiederholt angekündigte Besuch des spanischen Königsvaares am Wiener Hofe, den Kaiser Franz Joseph wegen der Balkanwirren bisher nicht annehmen konnte, wird jetzt für die zweite Oktoberhälfte vorgesehen. England. * Die Rebellen von Ulster haben in Belfast eine Parade abgehalten. Es heißt, daß sich daran 11000 Mann beteiligten. Der Führer der Kämpfer gegen die„Homerule=Bill (Selbstverwaltung) hielt eine Ansprache an seine Truppen, in der er ausführte. Ulster sei stark genug, um die Einführung der Selbstverwaltung zu verhindern. Konsul. Damit darf der Zwischenfall als erledigt gelten— falls Japan nicht wieder volle Fundi ,ammen ans Hscht, weit sich der nene Forderungen stelt. Bsandleiber noch genau zu erinnern weiß, wer ihm dieses oder jenes Stück gebracht hat. Das Elend. der Leichtsinn und das Verbrechen sie alle finden sich auf dem Berliner Leihamt, wie an manchen andern wenig beachteten Punkten des Berliner Lebens zusammen. Max Denart. Aus dem dunklen Berlin. Dolitische Rundschau. Deutschland. * Kaiser Wilhelm wird am 3. Oktober zu kurzem Aufenthalt in Hubertusstock eintreffen. * Der sogenannte zweite KruppProzeß wird am 23. Oktober vor dem Landgericht l in Berlin verhandelt werden. Die Anklage richtet sich gegen Brandt und Genossen wegen Verrats militärischer Geheimnisse und Bestechung. Die im Februar d. Is. zuerst gegen Brandt und zwei andre Angestellte der Firma Krupp eingeleitete Untersuchung hat zeitweise einen großen Umfang angenommen und sich im ganzen gegen elf Personen gerichtet, von denen zehn als Leiter oder Angestellte der Firma Krupp angehören oder angehört haben. Nach Abschluß der Untersuchung ist aber die öffentliche Klage nur gegen drei der Angeschuldigten aufrechterhalten worden und auch von diesen hat das Gericht noch einen außer Verfolgung gesetzt, so daß in der Hauptverhandlung neben dem aus der Verhandlung vor dem Königlichen Kommandanturgerichts bekannten Maximilian Brandt sich noch einer der maßgebenden Leiter der Firma Krupp zu verantworten haben wird. * Eine Fahrt von Reichstagsabgeoroneren nach Deutsch=Ostafrika wird im nächsten Jahre stattfinden. Dort findet im August 1914 eine größere Ausstellung Spanien. * B e i d e r E i n w e i h u n g d e r f r a n z ö s i s c h e n Schule in San Sebastian hielt der anwesende französische Ministerpräsident Barthou eine Rede, in der er hervorhob, daß Spanien und Frankreich gar nicht eng genug verbunden sein könnten. Frankreich werde alles Mögliche tun, um das spanisch=französische Einverständnis immer wärmer und enger zu gestalten. Portugal. * In der Provinz Estremadura ist es zu ernsten Unruhen gekommen, die erst nach heftigem Kampfe unterdrückt werden konnten.— In Lissabon ist neuerdings die Zensur verschärft worden. Balkanstaaten. * Der Friede zwischen der Türkei und Bulgarien ist nunmehr abgeschlossen worden. Die Kriegsgefangenen sind frei. Da es sich um 80000 Mann handelt, so wird ihr Abtransport etwa vier Wochen dauern. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind wieder ausgenommen worden. * In bulgarischen Regierungskreisen glaubt man nicht, daß die albanische Bewegung ernstere Ausdehnung finden könnte, da Serbien der Bewegung bald Herr sein dürfte. Aus diesem Grunde hält man die albanische Erhebung für verfrüht und zwecklos. Auch die Meldungen über die Teilnahme bulgarischer Offiziere werden als unzutreffend bezeichnet. Richtig ist nur, daß an der Seite der Albanier einige mazedonische Bandenführer kämpfen, von denen der bedeutendste Peter Tschoulen aus Ochrida ist, der zur Zeit der mazedonischen Bewegung Chef des Revolutionskomitees war und sich in dieser Stellung einen guten Namen unter den Albaniern hat machen können. * Nach der endlich vollzogenen Vereinigung der serbischen Truppen zwischen Kitschewo und Mawrowo, das die Albanesen befestigten, sind die Serben zum Angriff übergegangen. Die Albanier, gegen 6000 Mann, wurden nach serbischen Berichten in die Flucht geschlagen. Dadurch ist der Vormarsch der Albanier verhindert. Asien. * Das letzte Hindernis einer friedlichen Verständigung zwischen Japan und China über den Nankinger Zwischenfall ist jetzt beseitigt. Der chinesische General Changsuen, der sich bisher hartnäckig geweigert hat, die von Japan gestellte Forderung einer persönlichen Entschuldigung zu erfüllen, besuchte jetzt endlich das dortige japanische Konsulat in Begleitung seiner aus 50 Berittenen bestehenden Leibwache und entschuldigte sich wegen des Vorfalls in Nanking. Später marschierte ein Regiment seiner Truppen vor dem Konsulat vorbei und präsentierte vor dem — Auf dem Leihamt.— Mit dem ersten Oktober beginnt wieder das Geschäft der Berliner Leihämter. Nicht, als ob es im Sommer ruhte— aber es belebt sich jetzt, da mit dem hereinbrechenden Winter auch Not und Elend in der Millionenstadt wieder zunehmen. Und gerade in diesem Jahre sieht es in Groß=Berlin besonders traurig aus. Haben doch einige große Vorortgemeinden schon den Plan gefaßt, schleunigst eine Arbeitslosenunterstützung einzuführen, da man allgemein eine Überlastung des Armenetats fürchtet. Freilich, ehe der Armenvorsteher in Anspruch genommen wird, muß erst das haus aushelfen, dem zuerst etwa vorhandene Wertsachen, dann die entbehrlichen Kleidungsund Wäschestücke, endlich Möbel und Betten zufließen.„Der Geschäftsbetrieb der Leihhäuser ist der Maßstab für die Wirtschaftslage“, hat ein Volkswirtschaftler geschrieben, und wer die Berliner Leihhäuser und ihren Geschäftsbetrieb kennt, wird diesem Satz eine gewisse Berechtigung nicht absprechen können. Die modernen Leihhäuser Berlins sind im wahrsten Sinne des Wortes Brennpunkte des Berliner Lebens geworden. Sie müssen vor den großen Festen aus augenblicklicher Verlegenheit helfen, sie müssen Geld hergeben, wenn die Spargroschen nicht zur Sommerreise reichen, sie müssen einspringen, wenn der Karneval seinen Einzug hält und der richtige Berliner Geld zum Maskenanzug gebraucht, sie müssen endlich der armen Hausmutter unter die Arme greifen, wenn am Wochenende das Wirtschaftsgeld knapp geworden ist. Die einzelnen Pfandleihgeschäfte tragen— mit wenigen Ausnahmen — das Gepräge des Stadtviertels, in dem sie gelegen sind. Im vornehmen Westen findet man nur wenige Geschäfte dieser Art. Die Kavaliere, die, um eine glänzende Gesellschaft mitmachen zu können, schnell mal einen Brillantring versetzen müssen, fahren nach dem Zentrum Berlins, wo ein Pfandleihhaus sich nur mit der Beleihung von Brillanten und Gold befaßt. Je weiter man aber in die Außenbezirke kommt, desto vielgestaltiger wird der Geschäftsbetrieb der Leihhäuser. Während im allgemeinen nur Scheine von 3 Mk. aufwärts geschrieben werden, gibt es im hohen Norden und im armen Süden Leihhäuser, wo bereits Beträge von 2 Mk. ausgeliehen werden. Und wie mannigfach ist die Veranlassung, die die einzelnen Kunden in die Geschäfte bringt. Da kommt ein junger Mann, der seine einzige gute Hose versetzt, um noch einmal fünf Mark oder weniger auf der Rennbahn wetten zu können, da kommt der Kaufmann und bring“ den gesamten Silbervorrat seines Hauses, wei ihm noch eine beträchtliche Summe fehlt, um einen fälligen Wechsel einzulösen, oder neue Waren einzukaufen. Silber= und Goldsachen werden neben gut erhaltenen Wäschestücken am liebsten genommen. Der Geschäftsbetrieb wickelt sich sehr schnell ab. Mit kritischem Blick mustert der Tarator das Versatzstück von allen Seiten, nennt die Summe, die er darleihen will, und fordert eine Legitimation. Freilich, manchmal kommt es auch zu einem längeren Handeln und Feilschen. Da hat z. B. eine arme Frau ihr letztes Hab und Gut zusammengerafft und hofft nun für Vaters guten Rockund Linas Wäsche fünf bis sechs Mark zubekommen. Aber der Blick des Gestrengen hat gesehen, daß der Rock schon mancherlei Zeichen der Abnutzung hat, und er bietet der Frau nur drei Mark.„Aber vorigesmal hab ich doch sechs gekriegt," wirft die Frau schüchtern ein.„Ja, die Sachen werden doch nicht besser,“ entscheidet der Pfandleiher. Seufzend streicht die Frau die drei Mark ein. Aber nicht nur die Armen und in augenblicklicher Klemme Befindlichen suchen das Leihhaus auf. es ist auch die Handelsstätte für allerhand Gauner, die hier die gestohlenen Sachen schleunigst zu Geld machen. Meist mit falschen Papieren werden auf dem Leihamt die Erträgnisse der nächtlichen Raubfahrten zu Gelde gemacht, Heer und Flotte. — An dem Kaisermanöver 1914 werden das siebente, achte, elfte und achtzehnte Korps teilnehmen. An diesen Manövern nehmen auch das zweite und dritte bayrische Armeekorps teil. Paraden vor dem Kaiser haben das siebente und achte Korps. — Im Jahre 1913 wird sich infolge der Heeresvermehrung der Etat der preußischen Armee von 77000 auf 123 500 erhöhen. Von den hinzutretenden Pferden muß ein erheblicher Teil aus auszumusternden entnommen werden, und da die volljährig anzukaufenden bei dem großen Bedarf vielfach nicht mehr frisch sein werden, so ist in der nächsten Zeit mit einer starken Zunahme der Verluste z rechnen. Es hat deshalb eine entsprechende Erhöhung der bei außergewöhnlichen Verlusten an Dienstpferden erforderlichen Aushilferemonten erfolgen müssen. Im übrigen steht bei dem bedeutenden Mehrbedarf an Pferden ein erhebliches Steigen der Preise für Pferde im allgemeinen und der Remontepreise im besonderen mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten. — In der Generalversammlung des deutschostafrikanischen Freiwilligenkorps„Meruschützen zu Aruscha teilte der Kommandant Hauptman a. D. Leue mit, daß im nächsten Jahre sämtliche Schützen eitens des Gouvernements mit Gewehren und Munition versehen werden sollen. Die Mittel hierfür sollen im Etat der Kolonie angefordert werden. Gewehre und Munition bleiben Eigentum der Regierung und dürfen nur zu Übungschießen auf dem Schießstande verwendet werden Sie werden unter die Kontrolle eines besonderen Schützenmeisters gestellt. Welche Bedeutung den ostafrikanischen Freiwilligenkorps beizumessen ist und in wie hohem Grade sie im Ernstfalle zum Schutze der Kolonie beizutragen berufen sind, erhellt aus der Erwägung, daß gegenwärtig allein in den vier Nordbezirken rund 400 Mann zur Verteidigung des Landes zur Verfügung stehen. Von Nah und Fern. Millionenstiftungen in Kassel. Aus Anlaß der Tausendjahrfeier haben mehrere Bürger Beträge für Stiftungen und gemeinnützige Anstalten im Betrage von über eine Million Mark gespendet.— Am Sonntag fand bei herrlichstem Wetter der große Festzug statt, an dem 4000 Personen, zahlreiche Wagen und 1500 Pferde teilnahmen. Prinz August Wilhelm von Preußen, der in Vertretung Kaiser Wilhelms der Feier beiwohnte, und viele andre Fürstlichkeiten sahen von der Treppe des Rathauses dem etwa 4 Stunden währenden Festzuge zu. Ein Jubiläumspoststempel zur Einweihung des Völkerschlacht=Dentmals. Sicherem Vernehmen nach wird die Postverwaltung bei der Einweihung des Völkerschlacht=Denkmals in Leipzig auf dem Postamte, das am 18. Oktober auf dem Festplatze eingerichtet wird, einen besonderen Stempei verwenden, der eine bildliche Wiedergabe des Völkerschlacht=Denkmals enthält. Großfeuer in einer Kaserne. In der Kaserne des Füsilier=Regiments Nr. 35 in Brandenburg a. H. brach abends Feuer aus, das sich schnell über die Mannschaftsräume verbreitete. Die ganze Kriegsausrüstung des ersten Bataillons ist vernichtet. Auch die neuen Uniformen für die Heeresverstärkungen sind verbrannt. Der Schaden beträgt etwa eine Million Mark. Säbelkampf zwischen zwei Schutzleuten. In Breslau gerieten zwei Schutzleute in einer Gastwirtschaft nachts in Streit, beide zogen ihre Säbel und schlugen aufeinander los, wobei einem der Kämpfenden der Zeigefinger der rechten Hand abgeschlagen wurde. Das brachte die beiden zur Besinnung, und der Verletzte wurde von seinem Kollegen schleunigst nach der nächsten Unfallstation gebracht. Der Kurier des Kaisers. 27] Roman von C. Crome=Schwiening. (Fortsetzung.) Aber damals war er selbst fertig mit dem Leben, wollte fort aus dieser grenzenlosen Erniedrigung, in die seine eigene Unvorsichtigkeit lan gebracht hatte. Er ahnte ja noch nicht, wie schön und holdselig das Dasein sein könnte, auch ohne Rang und Titel, ohne die glänzende Uniform und ohne die Ehren, die eine solche Laufbahn auf den Scheitel eines Mannes häuft. 124 C.m Er hatte damals noch nicht Jelisaweta Gorowa kennen gelernt, dieses Mädchen, in dem er die süße Erscheinung wiederfand, die er neulich aus der widerwärtigen Umarmung des Trunkenboldes retten durfte und die dann seinen Blicken entschwunden war, wie ein holdes Traumbild. 16 Heute, wo er sie kannte, wo er an ihrer Seite ging und ihr Körper den seinen berührte, da sah er, wie wenn plötzlich ein dunkler Vorhang vor einer sonneflutenden Landschaft weggezogen wurde, ein fernes, traumhaft schönes Glück, das er auch jetzt noch, nachdem er seines Namens und seines Standes verlustig gegangen war, sich erobern konnte. Und während sie still weinte, und er seinen Gedanken nachhing, hörten sie plötzlich in ihrem Rücken eine Stimme, die im Tone der höchsten Entrüstung sagte: „Also so belügen Sie mich, Fräulein!... Erst reden Sie mir vor. Sie haben keine Ahnung, wo sich Ihr Bruder befindet, und jetzt gehen Sie hier mit ihm spazieren:... Aber natürlich, das ist auch richtiger, als daß Sie ihn etwa bei mir träfen, wo die Polizei hinter ihm her ist! Aber ich kann Ihnen nur eins sagen, lassen Sie sich nicht wieder in meiner Wohnung blicken! Ich will mit solchen Leuten, wie Sie sind, nichts zu tun haben. Ich habe keine Lust, meine alten Tage etwa in Sibirien zu beschließen! Ihre Sachen können Sie sich jede Minute holen lassen, aber ich sage Ihnen nochmals ausdrücklich, daß ich Ihnen persönlich nie wieder begegnen will!" Es war die Hauptmannswitwe, Jelisawetas Wirtin, die ihrer Mieterin nachgeschlichen war und die nun. nachdem sie in übersprudelter Eile ihr Verdammungsurteil über das blonde Mädchen vorgebracht hatte, so schnell davonrannte, als wäre wirklich schon diese böse Moskauer Polizei auf ihren Fersen. Jelisaweta, vollständig überrascht, war gar nicht imstande, irgend ein erklärendes Wort anzubringen. Noch ganz verblüfft, sagte sie zu dem ehemaligen Offizier: „Sie hat Sie offenbar für den armen Iwan gehalten,“ und mit einem Aufschluchzen der Stimme:„Sie müssen ihm doch sehr ähnlich sein!“ Dann besann sich das junge Mädchen, ihre Tränen trocknend und meinte nachdenklich: „Aber was mach' ich nun, jetzt bin ich wieder ohne Wohnung! Und ich muß Ihnen offen gestehen, ich habe nicht den Mut, ein Hotel aufzusuchen.“ Mit dem Gefühl eines tiefinnerlichen Ent zückens sagte Artur Degen schnell: „Ich habe zwei Zimmer, darf ich Ihnen eins davon anbieten?“ Er konnte nicht sehen, wie sie errötete, aber er fühlte, was sie empfand, als sie nach sekundenlangem Zögern erwiderte: „Wie dürfte ich denn das annehmen?...“ Ihren Arm heftig drückend, erwiderte er: „Das dürfen Sie nicht nur, sondern Sie machen mich sehr glücklich, wenn Sie zustimmen und damit zeigen, daß auch Sie mich ein wenig als Ihren...“ Er zögerte. „Als Ihren Bruder betrachten... Sehen Sie, mein Fräuleni, nicht der Zufall, nein, das Schicksal hat es so gefügt, daß ich heute an Stelle des Toten Ihnen zur Seite stehen kann... Und gegen sein Schicksal soll niemand ankämpfen.“ Sie blickte zu ihm auf und im Schein der Laterne sah er ihre großen, blauen Augen voller Vertrauen und Dankbarkeit auf sich gerichtet. Dann gingen sie nach seiner Wohnung, wohin er durch den Dwornik noch an demselben Abend ihre Effekten holen ließ. 17 In seinem Arbeitszimmer im Winterpalast saß jener Mann, der als der Leiter der dritten Abteilung das Geschick des Zarenreiches, wenigstens soweit es die inneren Angelegenheiten betraf, in seinen schlanken, weißen Händen hielt. Und der Gewaltige befand sich in einer höchst üblen Laune. Er hatte in seinem Schlitten, einem geschlossenen Coupé, hinter den kleinen Spiegel gesteckt, der am Rücksitz in das Seidenpolster eingelassen war, einen Brief gefunden, ein einfach zusammengelegtes Papier, auf dem die Worte standen: „Glauben Sie nicht, Exzellenz, daß es uns unmöglich ist. Sie zu fassen. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen, aber unsre Leute stehen jeden Moment bereit, Sie unschädlich zu machen. Doch soll das aus Gründen, die, wenn auch nicht Ihnen, so doch der Mitwelt, nach Ihrem Tode klar werden. weder auf der Straße, noch im Theater, noch an irgend einem öffentlichen Orte geschehen. Wir werden das über Sie gesprochene Todesurteil vollstrecken lassen, wenn Sie im Bett liegen und schlafen. Das sozialrevolutionäre Komitee.“ Das weiße Stück Papier, auf das diese (historischen) Worte in einer kleinen, feinen. außerordentlich korrekten Handschrift geschrieben waren, in seinen Fingern drehend, blickte der Mann, von dem behauptet wurde, daß er ohne Nerven zur Welt gekommen sei, in die Ecken des Gemaches, als versteckte sich jetzt schon dort jemand, der ihm nach dem Leben trachte. Furcht hatte er nicht. Er war einer jener Menschen, deren Verstand sich nach einer ganz bestimmten Richtung, nämlich nach der Bekämpfung der Revolution hin drehte. Wie ein Kompaß etwa, dessen Nadel auch, wie immer man die Scheibe drehen mag, nach Norden zeigt. Und in diesem Kampfe, in diesem unablässigen Wühlen und Gegenwühlen, war der sogenannte„Beschützer des Zaren“ unerreicht. Darin fühlte er sich Meister. Alles, was in diesem Gehirn an Witz, Aufmerksamkeit und Energie waltete, drang wie ein einziger, scharfgespitzter Pfeil dahin, wo die Empörung des unterdrückten Schlechte Aussichten für Weintrinker. Das Herbst=Erträgnis wird in diesem Jahre in ganz Baden noch wesentlich geringer sein als 1912, welches Jahr das schlechteste Erträgnis an Wein seit langer Zeit hatte. An der Bergstraße, in der Main= und TauberGegend, im Kraichgau, in der Neckar=Gegend und der unteren Rhein=Gegend sowie in der Ortenau ist der Ernteausfall sehr gering, etwas günstiger in Mittelbaden. Dagegen im Breisgau und am Kaiserstuhl gleich Null. Am günstigsten sind die Herbstaussichten noch im Markgräflerland, wo auch einige sogenannte Glücksherbste zu erwarten sind. Die Bodenseegestade bringen ebenfalls so gut wie keinen Ertrag. Infolge der anhaltenden Mißernten greift unter den Winzern Mißmut Platz, und viele beginnen die Weinberge auszuhauen, um nie für andre Kulturen herzurichten. ..24 Häuser eingeäschert. In der westfälischen Gemeinde Meinerzhagen wurden durch ein verheerendes Feuer 24 Häuser eingeäschert. 500 Menschen wurden dadurch obdachlos. Viele verloren ihre Beschäftigung, da auch Fabrikgebäude abbrannten. Dreizehnjährige Bahnfrevler. Auf der Eisenbahnstrecke Riemke—Herne war vor kurzem entdeckt worden, daß eine 15 Meter lange Schiene durch Loslösen der Schrauben gelockert worden war. Es ist jetzt gelungen, die Täter, zwei dreizehnjährige Burschen aus Riemie,„u ermitteln, als sie in Gesellschaft mit einem dritten Kameraden denselben Streich versuchten. Ihre Absicht war, die losgelösten Schrauben bei einem Althändler zu verkaufen. Auf dem Fluge nach dem Süden getötet. Ein auf dem Zuge nach dem Süden befindlicher riesiger Schwarm von Staren geriet bei Heidersdorf im Erzgebirge in die elektrischen Leitungen der Überlandzentrale. Die Tiere fielen zu Hunderten vom elektrischen Strom getroffen zur Erde. An einer Stelle zählte man allein über zweihundert tote Stare. Der Schatz im Grabe. Die Posener Polizei hat aus einem Grabhügel 9000 Mk ausgegraben, die dort die Frau eines Arbeiters aus Wilde verscharrt hatte. Der Arbeiter hatte diesen Schatz seiner Schwägerin entwendet, die ihre Ersparnisse aus Furcht vor einem Kriege von der Sparkasse abgehoben hatte. Der Todeszug der Cholera. Die fürchterliche Seuche, die im Gefolge der Balkankriege über Südosteuropa hereingebrochen ist, hat jetzt auch nach Böhmen übergegriffen. In Prag ist eine Frau an asiatischer Cholera gestorben. Es sind sofort umfassende Vorbereitungen getroffen worden, um eine weitere Ausdehnung der Seuche zu verhindern. Gefährdung eines Simplonzuges. Nachts wurde gegen den aus Calais kommenden sogenannten Simplonzug in der Nähe von Nancy ein Anschlag verübt, indem von unbekannten Tätern eine große Menge Schienen quer über die Gleise gelegt wurden. Dank der klaren Nacht bemerkte der Lokomotivführer das Hindernis und konnte noch rechtzeitig bremsen. Dreizehn Kinder im Schneesturm umgekommen. In Japan am Berge Komagatake hat sich ein schreckliches Unglück zugetragen. Es sind dort bei einem Schulausflug dreizehn Kinder vom Wege abgewichen und in einen Schneesturm geraten. Zwei Kinder, ein Brüderpaar, wurden eng umschlungen tot aufgefunden. Die übrigen Kleinen lagen weit zerstreut von ihnen entfernt. Gerichtshalle. Leipzig. In einer bemerkenswerten Entscheidung hat das Reichsgericht sich vor kurzem über Polizeiverordnungen geäußert. Im ersten Teil der Entscheidung wird die Frage erörtert, welche Erfordernisse notwendig sind, damit eine Maßnahme sich als polizeiliche Maßnahme oder Verfügung darstellt. Es ist dazu dreierlei erforderlich: 1) muß die Person, die die Maßregel getroffen hat, ein Polizeiorgan sein; 2) muß die Maßnahme von ihr mit dem Willen georgan. Er hat auf Grund der Landgemeindeordnung dauernd die Eigenschaft, polizeiliches Exekutivorgan des Amtsvorstehers zu sein. Als solches ist er befugt, nötigenfalls durch sofortiges polizeiliches Einschreiten selbständig vorzugehen. Die Entscheidung über diese Notwendigkeit unterliegt nur der vorgesetzten Dienstbehörde, nicht dem Richter. Eine Mißbilligung der polizeilichen Verfügung liegt nur dann in der Anordnung der vorgesetzten Behörde, wenn diese bei dem Erlaß ihrer Anordnung gewußt hat, daß es sich bei der Maßnahme der untergeordneten Polizeibehörde, mit der ihre Bilder vom Berliner Osthafen. Luftschiffahrt. — Auf der Berliner Herbstflugwoche, die auf dem Flugplatz Johannisthal=Adlershof begonnen hat, stellte der Flieger Sablating mit 2100 Meter einen deutschen Höhenrekord für den Flug mit zwei Passagieren auf. Der in letzter Zeit vielgenannte Viktor Stoeffler erreichte 3300 Meter. — Auf dem Flugplatz Johannisthal wird in den nächsten Tagen der erste Leuchtturm für den Flugsport eingeweiht. Der Turm hat eine Höhe von etwa 25 Meter, und das Leuchtfeuer, das bei Eintritt der Dunkelheit eingeschaltet wird ist kilometerweit für die ankommenden Flieger zu sehen. Am Sonntag wurde durch einen offiziellen Akt die Fertigstellung des Berliner Osthafens gefeiert, den die Stadt Berlin mit einem Aufwand von 17,3 Millionen Mark am Stralauer Anger erbaut hat. Unsre Bilder zeigen den um die Verwirklichung des Riesenwerkes verdienten Leiter der städtischen Tiefbauverwaltung, Stadtbaurat Geh. Baurat F. Krause, ferner die hochragenden, und lebenslänglichem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Fabrikarbeiter Ludwig Schlagmann und der Lackierer Otto Müller, beide aus Kaiserslautern, wurden wegen Beihilfe zu einem Jahre Gesängnis verurteilt. Erfahrungen beim Jugendgericht. — Erfolge der Jugendfürsorge.— Bei der Unterbringung von Schützlingen der Jugendgerichtshilfe in Anstalten ergeben sich neuerdings leider größere Schwierigkeiten als früher, da die Wohltätigkeitsanstalten früher entgegenkommender waren. Es werden zwei Arten von Fällen unterschieden: solche Fälle, bei denen eine gänzliche Verpflanzung Jugendlicher in Frage kommt, und solche, in denen die Jugendgerichtshilfe den Jugendlichen lediglich geeignete Arbeit verschafft. Leider ist die Zahl der Arbeitgeber, die zur Annahme Jugendlicher bereit sind und ihnen die Möglichkeit regelmäßiger Arbeit für die Gewährung des Strafausschubs gewähren, die Hauptbedingung ist, noch zu gering. Die bisherigen Erfolge waren immerhin gut. Es ist schon viel wert, wenn die Großstadtkinder aus der Umgebung schlechter Freunde und aus den vielerlei Verführungen der Großstädte entfernt werden. Die Arbeit auf dem Lande hat sich als sehr förderlich für die körperliche und sittliche Gesundung der Kinder erwiesen. Nötig ist allerdings, daß die Zuverlässigkeit des Arbeitgebers von vornherein gewährleistet erscheint. Aus diesem Grunde wird in der Wahl der Stellen für die Jugendlichen sehr vorsichtig zu Werke gegangen, die Stellen, wie sie von gewerbsmäßigen landwirtschaftlichen Nachweisen angeboten werden, kommen deshalb für die erzieherischen Zwecke der Jugendgerichtshilfe nicht in Frage. Leider ist es oft schwer, die Eltern zur Unterbringung ihrer Kinder in einem gelernten Berufe zu veranlassen, fast jedesmal macht sich die Frage geltend, ob die Jugendlichen sofort nach der Schulentlassung bezahlte oder unbezahlte Arbeit leisten sollen. " Sehr vorteilhaft ist die Unterbringung Jugendlicher im Handwerk, weil es so möglich ist, die Betreffenden auf drei bis vier Jahre vertraglich zu binden. Nahe bei Berlin besteht eine Kolonie Jugendlicher, in der ungefähr hundert Kinder untergebracht sind, für die der städtische Lehrer die Rolle des Fürsorgers übernimmt. Alles in allem darf gesagt werden, daß die Einrichtung der Jugendfürsorge und des Jugendgerichts mit seinen milderen Bestimmungen sich sehr gut bewährt. monumentalen Speicherbauten und das Gewirr von Kränen und Gleisanlagen, die die anderthalb Kilometer lange Kaimauer beleben. Auch der humorvolle architektonische Schmuck, den das Hafenkasino gefunden hat, die beiden Hafenarbeiter, von denen der eine schmunzelnd eine „Weiße", der andre eine Bilzbrause in der Hand hält, ist auf dem Bilde wiedergegeben. troffen sein, eine polizeiliche Tätigkeit auszuüben; 3) muß die Maßnahme sich ihrem Wesen nach, d. h. nach Inhalt, Gegenstand und Zweck, als eine polizeiliche kennzeichnen. Im zweiten Teil werden die Befugnisse der einzelnen Behörden hinsichtlich polizeilicher Verfügungen gegeneinander abgegrenzt. Der Gemeindevorsteher ist ein PolizeiVolkes sich in grellroten Schmähschriften und krachenden, blutaufspritzenden Bombenattentaten Luft machte. Im übrigen besaß dieser Mann, dessen Gewalt nur jener eines spanischen Großinquisitors zu vergleichen war, nicht jenen allgemeinen großen und menschlichen Verstand, der dem Leiter und Verantworter so enormer Verwaltungsgebiete zu wünschen gewesen wäre. Und aus diesem Grunde vielleicht hatte er auch keine Furcht. Er sah nur immer dahin, von wo die Gefahr herkam und er fühlte sich ihr gewachsen. Aber er sah nicht, daß es keineswegs mehr einzelne waren, die Rußland von unten herauf terrorisierten. Es entging ihm vollkommen, daß die Revolution, wie das Feuer in einem Bergwerk, schon im Begriff stand, ganz Rußland zu unterminieren. Und wenn er daran gedacht hatte, und er mußte ja daran denken, daß die immer sich wiederholenden Drohbriefe, die er, seine eigene Person betreffend, empfing, auch eines Tages die sich gegen sein Leben wendende Tat im Gefolge haben mußten, so hutte er diesen Moment immer vorausgesehen, am Tage, auf der hellen Straße, vielleicht in einem öffentlichen Gebäude, aber jedenfalls in einem Augenblick, wo sein Scharfsinn den Mordplan noch zu durchkreuzen imstande wäre! Er war vorbereitet auf die Tat gewesen und war es noch, aber— nicht wenn er schlief. Wer kann sich wehren im Schlaf?! Zum ersten Male in seinem Leben fürchtete er sich nicht, aber er empfand etwas wie Besorgnis, daß sein stets Bereitsein ihm nichts nützen würde... Wenn er ausfuhr, so saß neben dem Kutscher ein Bedienter auf dem Bock. Diese beiden Menschen waren seit zehn Jahren in seinem Dienst. Er hatte sie studiert, hatte sie tausendmal auf die Probe gestellt. Durch die geschicktesten Agenten hatte er ihnen immer wieder die lockendsten Versprechungen gemacht. Der höllische Versucher selbst kann den Herrn nicht so in Versuchung gebracht haben, wie der Beschützer des Zaren diese seine beiden Diener. Aber jeder Versuch, sie von ihrer Pflicht abzubringen, war umsonst gewesen. Und ihr Herr, der sich auf Gesichter verstand, wie nur einer, hatte heute früh, als er ihnen jenen Drohbrief zeigte, der hinter dem Spiegel stak, sofort gesehen, daß ihre Bestürzung beim Anblicke dieses Zettels echt war. Und wenn trotzdem der Brief in seinen Schlitten hineinkam, wer hatte ihn hinter den Spiegel gesteckt?... Der Schlitten stand, wenn er nicht benutzt wurde, in einer verschlossenen Remise. Der Kutscher hatte ihn selbst herausgezogen und ihn, wie er das jeden Morgen tat, sorgfältig nachgesehen. Zu der Zeit war der Brief noch nicht dagewesen. Seitdem oder vielmehr seitdem der Schlitten den Hof seines Hauses verlassen hatte, seit er sich auf der Straße befand und das waren ja nur Minuten gewesen, bis Seine Exzellenz darin Platz nahm, seitdem konnte auch niemand den Schlag geöffnet haben, der Kutscher hätte es unzweifelhaft merken müssen. Also mußte es geschehen sein, während der Schlitten noch auf dem Hofe hielt, während des Anspannens! Im eigenen Hofe mußte estgeschehen sein! Und wenn der Verwegene Anordnung in Widerspruch steht, überhaupt um eine polizeiliche Maßnahme gehandelt hat. Zweibrücken. Das pfälzische Schwurgericht verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den Arbeiter Emil Klingel aus Kaiserslautern wegen Mordes an dem Gendarmen Lindner dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend zum Tode hierhin den Weg fand, wenn er vielleicht selbst im Hause war und dem diente, den er verderben wollte, war es dann nicht auch möglich, daß er in das Haus des Allgewaltigen eintrat, der den Tod in den Händen trug und der selbst im Schlafe morden wollte?!... Die Exzellenz strich mit der schmalen weißen Hand durch die Luft, als wollte sie diesen finstern Schatten, der nicht verschwand, hinwegscheuchen. Gleich darauf ertönte ein seines Glockenzeichen, das die Exzellenz durch einen Druck seines Fingers auf den elektrischen Knovf beantwortete. Der Wirkliche Staatsrat Wiburin trat ins Zimmer. Nach einer Verbeugung sagte dieser: „Der Kaufmann Morosow ist hier und läßt Euer Exzellenz bitten, ob Sie die Gnade haben wollen, ihn zu empfangen.“ Der Schützer des Zaren schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, daß dieser Halunke so gesprochen hat... Aber meinetwegen, er kann kommen!“ In der Tür erschien unmittelbar ein großgewachsener, breitschultriger Mann, mit demTypus des Vollblutrussen, der auf seinem breiten. charakteristischen Gesicht eine unbeugsame Energie zur Schau trug. Der Gewaltige stand am Fenster und blickte hinaus in das Flockentreiben, das Straßen und Dächer allmählich wie mit einem Leichentuche zudeckte. Nachdem er nicht allzulange gewartet hatte, begann der Kaufmann: „Euer Exzellenz haben mich rufen lassen?" Er sah dabei dem sich jetzt mit einer raschen Kunst und Cillenschaft. Die neuen Austauschprofessoren. Die Austauschprofessoren, die im kommenden Semester an der Berliner Universität lesen, werden demnächst in der Reichshauptstadt eintreffen. Archibald C. Coolidge ist 1866 geboren, studierte in Berlin und Paris. Im Jahre 1906 wurde er Professor der Geschichte an der Harvard=Universität, woselbst er seit 1911 als Direktor der Universitätsbibliothek (der größten Amerikas) sungiert. Zwischendurch war er wiederholt diplomatisch tätig. Mr. Coolidge wird an der Berliner Universität über politische Themen lesen. Der zweite Austauschprofessor Mr. Paul Shorey, der eigentliche Inhaber der Rooseveltprofessur, ist 1857 in Daveport(Jowa) geboren. Er studierte in Leipzig und Bonn. Prof. Shorey wird in Berlin über„Kultur und Demokratie in Amerika" lesen. Gemeinnütziges. Das Alter der Hasen erkennt man daran, wie sich die Löffel einreißen lassen; bei alten ist dies bedeutend schwerer als bei jungen Tieren. Beim Aufhängen der Spiegel achte man darauf, daß sie nicht dem direkten Sonnenlichte ausgesetzt sind. Die Auflage(das Amalgam) leidet darunter und der Spiegel wird trübe. Ameisenspiritus erzeugt man auf folgende Weise: Man schmiert eine Flasche inwendig mit Honig aus und gräbt sie bis an den Rand des Halses in einen Haufen der Waldameisen. Die Ameisen gehen begierig dem Honig nach, so daß in kurzer Zeit sich die ganze Flasche mit Ameisen füllt, worauf man Spiritus auf die Ameisen aufgießt, die Flasche mehrere Tage mit den Aneisen im Spiritus stehen läßt und dann den letzteren ableiht. 889-61 u. Aatvor's nelle v. e. s., Wendung umdrehenden voll und furchtlos in das bleiche, böse Gesicht. „Ja.“ rief der, die sonst so schläfrigen Augen plötzlich aufreißend: .#um dir zu sagen, daß ich dich nach Sibirten schicken werde, wenn du nicht aufhörst mit deinen Zettelungen gegen Seine Kaiserliche Hoheit, unsern erlauchten Großfürsten.“ Ohne sich im geringsten einschüchtern zu lassen, erwiderte Morosow: .„ o c h w e i ß n i c h t, w a s E u e r E x z e l l e n z m i t diesen Zettelungen meinen.“ „Dann will ich es dir sagen, du Dummkopf: ich meine damit die Geschichte mit den Spenden für unsre Krieger in Ostasien. Wie kommt ihr Schurken dazu, plötzlich mit euren Gaben aufzuhören? Und als Seine KaiserHoheit nun jedem von euch, der tausend Rubel gibt, ein eigenhändiges Dankschreiben verspricht, da kommt auf einmal wieder Geld in Hülle und Fülle, aber jedesmal nur neunhundertundneunundneunzig Rubel, das soll wohl heißen, ihr verzichtet auf den Dank Seiner Kaiserlichen Hoheit?(Historisch.). Und dann die Geschichte mit deinen dummen Decken, die du für die Soldaten gestiftet hast... Zehntausend oder was weiß ich...“ „Es waren sechzigtausend,“ sagte der Kaufmann, ohne eine Miene zu verziehen. „Dann werden deine sauberen Angestellten wohl die übrigen unterschlagen oder gestohlen haben,“ wetterte Seine Exzellenz. „Meine Leute sind ehrlich,“ erwiderte der Kaufmann immer mit derselben Ruhe. (Fortsetzung solgt.) Städtische Theatergastspiele u. Solistenkonzerte. Dolksvorstellungen und Volkskonzerte In der Stadthalle zu Gelsenkirchen zum ermässigten Preise von Mk. 0.50 auf allen Plätzen. Beginn jedesmal 8 Uhr abends. Sonntag, den 12. Oktober 1913: Minna von Barnhelm. Lustspiel von Lessing, aufgeführt vom Stadttheater zu Essen. Sonntag, den 9. November 1913 und Sonntag, den 15. Februar 1914: Ortskrankenkasse Schalke=Bismarck. Die am 22. September er. getätigte Wahl der Vertreter der Versicherten zum Ausschuß hatte folgendes Ergebnis: Abgegeben wurden 768 Stimmen, wovon 1 ungültig. Auf Liste 1 entsielen 180 Stimmen= 9 Vertreter, und zwar sind gewählt: Aug. Niederdräing. Wilh. Hubert Schüler. Anton Christ. Moller. Bertram Feindler, Karl Ghm. Stanisl. Opolony. Johann Rochholz, Auf Liste 2 entfielen 315 Stimmen= 17 Vertreter, und zwar sind gewählt: Sonntag, den 22. März 1914: Jugendfreunde. Lustspiel von Fulda, aufgeführt vom Stadttheater zu Rasen. Kartenverkauf: Warenhaus Gebrüder Alsberg. Bahnhofstrasse 55 Musikalienhandlung Rating& Nevries, Bahnhofstr.1. Brüning& Bongardt, Weststr. 1. Buchhandlung Th. Dahl jun., Neumarkt 5, E. Müller, Neumarkt 3, August Lohde, Kirchstrasse 12, I. Schulte(W. Preusse), Schalkerstr. 182, I. Blömeke, Bismarckstrasse 206. J. F. Mummelthey, Bochumerstr. 22, Stadtgarten-Kestauram— Stadtgarten-Büfett, Kathaus(Theaterbüro, Zimmer Nr. 51). Der Oberbürgermeister. 14 Vertreter, und zwar 756 Gemäß den Bestimmungen des Gesetzes über die kammern vom 24. Februar 1870 und 19. August 1897 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß für die am 5. Dezember d. J. auf Grundlage des am 3. Nomember 1897 bezw. 30. Mai 1907 von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe genehmigten und unter dem 15. November 1897 bezw. 1. September 1901 veröffentlichten Statuts der Handelskammer zu Bochum abzuhaltenden Kraänzungswahlen zur Handelskammer der Watzlberechtigten des Waßzkkreises Hessenkirchen. den Stadt= und Landkreis Gelsenkirchen umfaßt, eine lang, und zwar vom 1. bis 7. Oktober 1913 nach Maßgabe des§ I1 des genannten Gesetzes auf Zimmer 32 im Rathaus zu Gelsenkirchen, Ahstraße 24, während der Dienststunden von 8—12 Uhr vormittags und 2½ bis 6½ Uhr nachmittags zur Einsichtnahme der Wahlberechtigten Siumendungen gegen die Liste sind innerhalb einer e nach beendeter Auslegung bei uns anzubringen. Bochum, den 26. September 1913. Die Landelskammer. Th. Müllenfiefen, Kommerzienrat, Vorsitzender. S.BBL Alle Artikel für den KONTOR-BEDARF!: wie: 18 Geschäftsbücher- Briefordner Kopierpressen= Zeichen-Uteneilien Federn- Tinten. Tuschen i allen Farbes#i Winkel- Reisschienen Briefklammern- Reissbrettstifte 7 Reissbretter= Zeichen- u. Pauspapier.) Lichtpaus-Papiere u.-Leinen in nur:6! prima Qualität. Lieferung von Schreibmaschinen. Xopiermaschinen. Kontormöbel i## preiswert in nur guten Fabrikaten. 9380 Louis Schulfe Inhaber Wilhelm Preusse:5: * Buch- und Schreibwarenhandlung 8 3% Geisenklrchen-Schalke" Schalkerstrasse 182. 3½ Telephon 732.; Jos. Pütz. Emil Bock, Otto Lange. Alwin Wilh. Vorreiter. Fritz Grau, Heinr. Rebbe, Grnst Lino, Jos. v. Hasselt, Fritz Welke. Richard Riehl, Wilh. Jellinghaus, Joh. Glawaly, Joh. Berger. Adolf Spilker. Phil. Röder. Auf Liste 3 entfielen 262 Stimmen sind gewählt: Bernh. Behrens. Ludw. Freundlieb, Wilh. Nolte. J. Fürstenberg. Lorz. Steinhausen, Gerh. Uepping, Pet. Größchen, Adalb. Lingk, Wilh. Bill. Joh. Haikämper, Franz Blume, Gust. Lur, Aug. Geiling. Heinr. Köhler. Seitens der Arbeitgeber war nur ein Wahlvorschlag eingerecht. Eine Wahl hat nicht stattgesunden, die Vorgeschlagenen und zwar Joh. Boden, Hud. Küppers, Karl Frangen, Heinr. Sieburg, Fr. Gisner, Karl Geisweid, Frz. Gerads, Heinrich, Siegm. Kazenstein, Wilh. Preuße, Wild Bongarß Fr. Friese, M. Stern, Moritz Meyer, Jos. Nold. Fr. Stallmann, Herm. Hadtstein, Wilh. Burg, Heinrich Engelhardt Nach S 21 der Wahlordnung kann die Galtigkeit der Wahl binnen zwei Wochen, von heute an gerechnet, beim Kassenvorstande oder dem Versicherungsamt angesochten werden. Die Neuwahl des Kassenvorstandes findet statt: am 15. Rovem der cr. im Restaurant Thiemeyer, Schalker Markt: a) für die Mitglieder von 8 bis 9 Uhr abends, zu wählen sind 8 Vorstandsmitglieder; b) für Arbeitgeber von 9 bis 9¼ Uhr abends, zu wählen sind 4 Vorstandsmitglieder. Wahlberechtigt sind die oben als gewählt bezeichneten Ausschuß vertreter. Die Wahl ist geheim; gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Die Wahlberechtigten werden zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufgefordert. Diese müssen von 3 Wahlberechtigten unterschrieben und spatestens bis 18. Oktober beim Vorstande einge Im übrigen gelten für die Wahlen zum Vorstande die gleichen Bestimmungen wie für die Wahlen zum Ausschuß. Der Vorsitzende: Joh. Boden. Stadttheater Wochenspielplan. Dienstag, den 30. Septemb., abends 7½ Uhr:„Hoffmauns Erzählungen“, phantastische Oper von Jacques Offenbach. Mittwoch, den. Oktober, abends 7½ Uhr:„Elga“, Nocturnus, 6 Szenen, von Gerhart Hauptmann. Donnerstag, den 2. Oktbr., aben's 7½ Uhr:„Der Graf von Luximburg". Operette in 3 Akten von Franz Lehar. Freitag, den 3. Oktober, abends 7½ Uhr:„Hasemanus Töch ter“, Volksstück in 4 Akten von L'Arronge. Samstag, den 4. Oktober, abends 7½ Uhr:„Der Graf von Lnremburg", Operette in 3 Akten von Franz Lehär. Sonntag, den 5. Oktober, nachm. 3½ Uhr:„Hasemanns Töcter“. Volksstück in 4 Akten von L'Arronge. Abends 7½ Uhr: alda“, große Oper in 4 Akten von Giuseppe Ver.i. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 2 Abs. 3 des Reichs Vereinsgesitzes vom 19. April 1908 mache ich hierdurch bekannt, daß der Polnische Jugendbildungs=Verein „Mloda Polonia“ in Röhlinghausen durch Verfügung vom 16. August 1913 IVa 3031 endgültig aufgelöst ist, weil der Zweck dieses Vereins einem Strasgesetzes, nämlich den§§ 17 und 18 Zisser 5 des Reichsvereinsgesetzes zuwiderläuft. Gelsenkirchen, 24. Sept. 1913. Der Rating& Nevries Gelsenkirchen S###rhinn# Piano Plechten I8 preissekrön 3 näss. u. trockene Schuppendlechte, Bartflechte, skroph. Ekzema, Hautausschläge offene Füße Beinschäden, Aderbeine, böse Finger, alle Wunden sind oft sehr hartnäckig. Wer bisher vergeblich auf Hellung hoffte, versuche noch die bewährte u. ärztl. empf Rino-Salbe Prei von schidl. Beslandtell. Dose Mk. 1.15 u. 2.20. 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Külber 800, Schale„Schmeine 11. Reiterungen: Pinder; vellseschige, ausgemästete im Aller von 4—7 Schladigenie u; volsteschige, gusge Salachtger, volfeschige, sungere, Balen, eemicht 43.—45, Schlachtgewicht 82—84; mäßig genähtte ungs und eut venogrte, Alere., ausgemästete Kärsen .92; alterr ausgemszese Küse und ven die 66. Schiagtgenih 101— 110z grlngte Pohze“. dur: Saz. dammel, geringere Mastänmer und gutgenährie junge, Schale. Zeischpeine über 150kg . ais 120 kx Lebendaewicht 62—63, 7— volsteischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht 81—68, Sctlachigewiat 7—70, volsteschge n, glahzigensht.. Lanen Kanden umn Gulaen v, Kuge 76.- 68, Dui. Ledenigenigt gewicht Verkauf wicht Ochsen— Gullen— Kühe 40—46 Mi.