* 1 Blatt. Nr. 281. 6. Jahrgang. Gelsenkirchener Montag, den 30. November 19084 Amtliches Kreisblatt für den StadtGeneral= Seschäftsstelle Munckelstraße 16/18(beim Amtsgericht). Geöffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. Bezugspreid für den Monat 65 Pfg mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpretd 15 Pfg. die Petitzeile. Reklanzen 40 Pig. die Zeile. Ausw. Jnserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. * und für den Landkreis Gelsenkirchen. Anzeiger. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftestelle Munckelstr. 10.18. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizieues Organ für Militär=, Gerichto=, bahn=, Post=,Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint idglich mit Ausnalme der Sonn- und Festtage. Die heutige Rummer umfaßt 12 Seiten. Der neue Militäretat. * Der vom Bundesrat genehmigte Militäretat 1909 für Preußen, Sachsen und Würtiemberg enthält u. a. folgende wichtige Ansätze: Er bringt zunächst im ordentlichen Etat gegen 1908 eine Minderausgabe von rund 15 Millionen Mark, beim außeroroentlichen Etat beziffert sich die Minderausgabe auf rund 6 Millionen, so daß der ganze Etat gegen das Vorjahr einen Minderbedarf von rund 21 Millionen Mark aufweist. Für Preußen sind bei den fortdauernden Ausgaben an Aenderungen der Heeresorganisation angesetzt: die Errichtung von zwei Bataillonen Infanterie zum 1. Oktober 1909 und zwar des 3. Bataillons des Infanterie=Regiments Nr. 165 in Quedlinburg und des 3. Bataillons des Infanterie=Regiments Nr. 171 in Straßburg i. E., ferner eines Pionier=Regimentsstabes(Kommandeur der Pioniere des 18. Armeekorps) zum 1. Oktober 1909 in Mainz, an Ausgleichmaßnahmen aus Anlaß der gesetzlichen Festlegung der zweifährigen artiven Dienstzeit bei den Fußtruppen sind als Fortsetzungen vorgesehen: Erhöhung des Ansatzes zu Uebungen des Beurlaubtenstandes, Verbesserung der Unterkunftsverhältnisse der Unteroffiziere, Vermehrung der Handwaffenmunition für das gefechtsmäßige Schießen, Erhöhung des Ansatzes zur Unterstützung von Offizieren usw., desgleichen von Unteroffizieren und Gemeinen mit Familie. Bei den lausenden Bedürfnissen des Heeres werden angesetzt: Errichtung einer EisenbahnLinienkommandantur in Erfurt, Errichtung des Genesungsheimes Taunus, ein Stabsoffizier beim Luftschiffer=Bataillon zur Entlastung des Bataillons=Kommandeurs, Teilung des Bezirkskommandos Köln in I und II Köln, Erhöhung des Ansatzes für Uebungen um 50 Oberärzte des Beurlaubtenstandes, Errichtung eines Neben=Artillerie=Depots in Deutsch=Eylau, Erhöhung des Durchschnittspreises für Remonten von je 980 Mark auf 1020 Mark, Erhöhung der zur Kriegsakademte zu kommandierenden Offiziere von 400 auf 480, Mittel für Aufklärungsübungen der Kavallerie(neue Forderung), Erhöhung der Abfindung der Truppen für den lausenden Verbrauch an Bekleidungsstücken(erste Rate), für Zahnpflege der Mannschaften, Mittel zur Fürsorge für Soldatenfamilien in Krankheitsfällen(Annahme von Spezialärzten, Ueberführung in Kliniken usw.), Mittel zur Kommandierung von Offizieren zum Seminar für orientalische Sprachen, Mittel zur Verbesserung des Napitulantenunterrichts, Erhöhung der Mittel zur kriegsmäßigen Instandhaltung der Geschütze usw. der Feldartillerie, Erhöhung der Mittel zur Beschaffung der Füßartilleriemunttion(Fortsetzung), Mehrbedarf zu Beschaffungen usw. auf verkehrstechnischem Gebiete (Motorluftschiffe und Kraftwagen). An einmaligen Ausgaben sind im ordentlichen Etat vorgesehen: Beschaffung neuer Unisormen, Umbau der Garde=Pionierkaserne in Berlin, Kaserne für ein Regiment Kavallerie in Hannover, Unterkunftverbesserung der Unteroffiziere, Barackenlager für eine InfanterieGrigade auf dem Truppenübungsplatz Arys, Verbesserung der Barackenlager und Vergrößerung des Truppenübungsplatzes Jüterbogk, Neu= usw. Bauten im Barackenlager auf dem Truppenübungsplatz Eisenborn, Erweiterung des Barackenlagers auf dem Fußartillerie=Schießplatz Wahn bei Köln, Truppenübungsplatz Ohrdruf(11. Armeekorps) und einer desgleichen für das 14. Armeekorps, Erweiterung des Barackenlagers auf dem FußartillerieSchießplatz Thorn, Neubau der Kaiser Wilhelm=Akademie, zweites Verbandpäckchen, zahnärztliches Gerät für Garnisonlazarette, fahr bare Feldküchen für die Truppen, Ergänzungsbauten bei dem Kadettenhaus in Potsdam, Schwimmhalle usw. bei dem Kadettenhaus in Plön, Um= und Anbauten bei der Unteroffizierschule in Pots dam, Unteroffizier=Vorschule in Sigmaringen, Versuche im Waffenwesen, weitere Beschaffungen für Zwecke der Feldartillerie und Fußartillerie, Ergänzungen für Feldartilleriezwecke, Ausstattung der Armee mit Fernsprechgerät, Personenkraftwagen für die Ar meekorps. Im außerordentlichen Etat werden Mittel zum Ausbau der Landbefestigungen einschließlich der Küstenbefestigungen gefor dert. In der Denkschrift über die Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie und der reiten den Feldartillerie wird u. a. ausgeführt, daß die Erwägun gen der Heeresverwaltung ergeben haben, daß eine Herabsetzung der Dienstzeit die Leistungsfähigkeit der beiden Waffen ganz erheblich schädigen, ja die Kriegsbrauchbarkeit ernstlich gefährden würde. Die chinesische Verfallung. London, 28. Nov.(Tel.) Hier traf der Wortlaut des chinesischen Verfassungsentwurfs ein. Der erste Teil behandelt die Vorrechte des Monarchen. Die Monarchie ist für ewige Zeiten der gegenwärtigen Dynastie gesichert. Die Beamten sind nur Ge hilfen des Monarchen. Eine Einmischung des Parlaments in Verwaltungsangelegenheiten ist unzulässig. Der Kaiser ist der Oberbefehlshaber über Heer und Flotte. Das Parlament hat auf militärische Dinge keinen Einfluß. Der Monarch erklärt Krieg und Frieden und vertritt das Reich nach außen ohne Befragung des Parlaments. Das zweite Kapitel behandelt die Rechte der Bevölkerung. Die Freiheit des Wortes, der Presse, der Versammlungen ind Vereine ist innerhalb der gesetzlichen Grenzen garantiert. Betrafungen sind nur gemäß den Gesetzen zulässig. Die Unantastbarkeit des Eigentums und der Wohnung darf nicht ohne Grund verletzt werden. Der dritte Teil betrifft das Parlament. Das Parlament hat nur beratende Macht und keine gesetzgeberische Gewalt. Es darf sich nur mit Reichsangelegenheiten, nicht mit provinzsellen Sachen befassen und den Reichsetat nur nach Beratung mit der Regerung abändern. Es zerfällt in zwei Kammern, über deren Wahl das 4. Kapitel spricht. Des Wahlrechts verlustig erklärt werden Leute mit schlechtem Betragen, eigennützige und gewalttätige Menschen, Bankerotteure, Menschen, die ihre Schulden nicht bezahlen, sowie Opiumraucher, Analphabeten und Leute zweifelhafter Abstammung. Die Stimmabgabe ist geheim. Die genauere Ausarheitung des Verfassungsentwurks bleibt der Zukunft überlassen.— Ferner wurde ein kasserlicher Erlat über die Uebergangsbestimmungen bis zur Einführung der Verfassung veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß 1910 die Mitglieder des konstituierenden Parlaneuts einberufen werden sollen. 1911 eine allgemeine Volkszählung stattfinden soll, 1913 das erste Reichsbudget versuchsweise aufgestellt wird, 1914 die örtliche Selbstverwaltung durchzuführen ist, 1915 die Wahlen zum Ober= und Unterhaus ausgeschrieben werden. Bis zu diesem Zeitpunkte werden fünf Prozent aller Chinesen lesen und schreiben können und mithin wahlberechtigt sein. Deutscher Reichstag. (Telegraphischer Bericht.) Berlin, 28. Nov. Am Bundesratstische: Reichsschatzsekretär Sydow und Unterstaatssekretär Twele. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11,25 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung der Reichsfinanzreform. Aba. Eraberger(Zentr.) führt aus: Heute am 7. Tage der Derune ist kaum etwas neuer zu sagen. Bald nähert sich der Tag der vorjahrigen Kanzlerkrisis, die durch den parlamentarischen Rüttischwur wieder beigelegt wurde. Wo bleibt der Reichskanzler, um den großen Riß im Block wieder zu beseitigen? Auch an das ausgeschaltete De. trum ist man jetzt herangetreten, um es zur Mitarbeit zu veranlassen. Das Zentrum soll also als Reservetruppe aus dem Busch herauskommen, um gegen die Linke zu marschieren. Das Zentrum müßte mit polizeiwidriger Dummheit behaftet sein, wenn es darauf hereinfiele. Das Zentrum hat in schweren Zeiten, auch 1906, seine hilfreiche Hand wiederholt im Interesse des Reiches dargeboten. Eine gute Finanzlage ist die Voraussetzung einer guten Politik. Das Zentrum hat großes Interesse daran, wie die Steuern verteilt werden, also durchaus nicht die Absicht, in dieser schwierigen Situation sich schamvoll in den Winkel zurückzuziehen. Schon im Jahre 1906 hat es die Ausdehnung der Erbschaftssteuer, wie die Schaffung einer Nachlaßsteuer abgelehnt. Der Ton des Finanz ninisters gegen die Gewerkschaftsbewegung ist bemerkenswert. So kann nur ein Finanzminister reden, so spricht kein wirklicher Staats minister, denn dieser soll auch Minister für die Arbeiterklasse sein. luch hätten wir nicht geglaubt, daß man noch jetzt vom Ministertische o ultrareaktionäre Ansichten vertreten hören könnte. Die Frankenteinsche Klausel, auf die als Ursache aller Uebel hingewiesen wurde, satte seit 1906 einen Einfluß auf die Gestaltung des Etats nicht mehe usgeübt. Wenn gesagt wird, daß das Zentrum an der heutigen finanzmisere die Schuld trägt, so bestätigt die Statistik über die Zuiahme der Reichsschulden diese Behauptung nicht. Unsere Stellungahme zu den einzelnen Steuern bleibt festgelegt. Auch wenn Sie 00 Millionen bewilligen und sonst keine Aenderung vorgenommen vird, dann stehen Sie im Jahre 1912 oder 13 vor derselben Schwierig keit wie heute. Hoch wirksamer vielleicht wie die Bewilligung neuer Steuern ist die Aufrechterhaltung und kräftige Geltendmachung der Rechte, die der Reichstag jetzt schon im Budaetrecht hat. Der Reichstag hat es also in der Hand, für die Ordnung der Finanzen zu sorgen, wenn er sein Budgetrecht ausübt, und gegebenenfalls Anjaben verweigert.(Sehr richtig im Zentrum.) Gebrauchen Sie das Budgelrecht, dann haben wir eine Garantie für Sparsamkeit. Ich raue den schönen Versicherungen von Sparsamkeit äußerst wenig Wie von der verantwortlichen Stelle das Budaetrecht durchbrochen wird, haben wir an der Chinaexpedition und am süd=westafritanischen Feldzuge gesehen. Furst Bülom hat 1900 unsere Finanzen in tadetlosem Zustande übernommen. Jetzt haben wir trotz der Vermehrung der Einnahmen in den Jahren 1990 und 1906 nach seiner achtjährigen Kanzlertätigkeit einen totalen Zusammenbruch der Finanzen. Heute. o die Finanzen zusammengebrochen sind, hielt er eine große Sparsamkeitsrede. Aber gar nicht für das Reich, sondern es war eine Strafpredigt an die Kommunen und jeden einzelnen im deutschen Vaterlande. Er sprach von überflüssigem Luxus, von zu großer Repräsentation. Aber die Ausgestaltung des Reichshaushaltsetats in Repräsentationsgeldern geschah doch unter Fürst Bülow. Ich bedauere, daß uns nicht gleichzeitig mit der Finanzreform der Etat unterbreitet worden ist, denn dann könnten wir sehen, welche Ausgaben notwendig sind und könnten die Einnahmen berechnen. Ich halte es für einen großen Fehler der internationalen Politik, der jetzt gemacht worden ist, daß man den englischen Vorschlag über die Flottenabrüstung glatt abgelehnt hat. Was heute in England vor sich geht, ist die Rückwirkung hiervon. Die Leute, die früher zu einer Verständigung mit Deutschland geraten haben, sind im englischen Parlament vollständig verstummt. In den Kolonien werden viele Millionen verschwendet. Die Ausgaben in Kiautschou sind für unsere Finanzen einfach unerträglich. Ein wunder Punkt ist ferner die enorme Zunahme der Militärpensionen Von den pensionierten Offizieren sind die allermeisten noch sehr wohl verwendungsfähig.(Sehr richtig im Zentr.) Der Reichskanzler hätte seine Mahnung zur Sparsamkeit an die einzelnen Ressorts, statt an den einzelnen Bürger richten sollen. In der Begründung zu den weiße Frau von Oldensloe. Original=Roman von O. Elster. *!(Nachdruck verboten.) „Ich habe es nicht erhalten und weiß nichts davon.“ „So hat Ihr Oheim das Geld unterschlagen— es mußte nach dem Tode Ihrer Mutter Ihnen zufallen. Es ist gut, sprechen wir nicht mehr davon. Ich freue mich, daß mein Verdacht gegen Sie unbegründet war. Aber was wollen Sie jetzt tun?" „Ich weiß es nicht.“ „Wollen Sie Ansprüche gegen uns geltend machen?“ „Ich habe keine Ansprüche gegen Ihre Familie, die ich verehre und liebe. Ich bitte überhaupt, von mir abzusehen, nur das Schicksal meiner unglucklichen noch lebenden Großmutter liegt mir am Herzen.“ „Ich kann Sie versichern, daß Ihre Großmutter hier am besten aufgehoben ist. Ich selbst sorge für alle ihre Bedürfnisse, es geht ihr nichts ab, keine Pflege, kein ärztlicher Beistand, wenn ein solcher nötig ist. Seit die alte Frau Martin nicht mehr imstande ist, sie zu pflegen, habe ich selbst die Pflege übernommen.“ „Ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür, Frau Gräfin.“ „Ich verdiene keinen Dank, es war meine Schuldigkeit und sollte meine Sühne sein.“ „Sie haben nichts zu fühnen. Sie waren nicht die Schuldige!“ Sie richtete sich stolz empor, aber der Ausdruck eines tiefen Seelenschmerzes zuckte über ihr schönes Gesicht. „Ich war schuldig— mehr als Sie glauben— mein ganzes Leben war eine einzige Lüge, und ich besaß nicht die Kraft, die Lüge von mir zu werfen.“ „„„„„*„ „WIau GophH„„„—„ „Ja, mein Leben war eine Lüige— denn ich wußte, daß nicht ich die rechtmäßige Gattin des Grafen Oldensloe war, sondern die Mutter Ihres Vaters— jenes unglückliche Wesen, das Sie vor kurzer Zeit als Ihre Großmutter kennen gelernt haben.“ Ich war sprachlos. Ich rang nach Worten. Ich war auf das Tiefste erschüttert. Nicht eine leichtsinnige Handlungsweise, sondern ein Verbrechen war an der Mutter meines Vaters, an diesem selbst, an mir begangen worden, das zwei Menschenleben vernichtet und jetzt auch seine düsteren Schatten aus mein Leben wersen sollte. „Ja, Gundokar,“ sprach die Gräfin mit tiefer bebender Stimme. „Sie sind Graf Oldensloe und meines Sohnes Kinder sind namenlose Geschöpfe und ich ein lügnerisches, verbrecherisches Weib...“ „Oh sprechen Sie nicht so, Frau Gräfin!“ rief ich tief erschüttert und sank in den Sessel zurück, die Augen mit der Hand bedeckend Eine Weile herrschte tiefe Stille in dem Gewölbe, unterbrochen nur durch meine hastigen Atemzüge, die ich zu unterdrücken nicht die Kraft besaß. Welche Gedanken mich in diesem Augenblicke bewegten, ich vermag jetzt keine Rechenschaft meyr darüber zu geben. Ich dachte an das zerstörte Leben meiner Großmutter, an das verdüsterte Dasein meines Vaters, dem die Ahnung dieses Verbrechens die Ruhe und den Frieden, das Glück und die Zufriedenheit geraubt hatte— ich dachte auch an die Güte, die Liebe, welche mir in der Familie des Grafen zu Teil geworden war, an meinen armen, totkxanken Freund— und mit einem Mal tauchte aus dem Nebel meiner wirren Gedanken das blasse, erschreckte und geängstigte Gesicht Amalgundens auf, das Wesen, das ich mit tiefer, reiner Leidenschaft liebte, und ich ächzte leise auf. Da legte sich die Hand der Gräfin auf meine Schulter und ihre tiefe Stimme sprach: „Höre mich, Gundokar Oldensloe— denn mit diesem Namen will ich Dich fortan nennen— Du sollst jetzt alles wissen. Ich bin der Lüge müde, ich stehe am Rande des Grabes und will die Lüge nicht mit in die Ewigkeit hinüber nehmen. Du selbst sollst dann entscheiden, was geschehen soll und muß.“ Wie aus weiter Ferne hörte ich ihre Stimme. Ich preßte mich fester in den Sessel hinein und saß regungslos da. „###h war sehr jung,“ fukt die Gräfin fort,„als ich mich dem glänzenden Kavalter, dem Grafen Gundokar Lothar vermählte. liebte ihn schwärmerisch, ich glaubte an seine Ehrerhastigkeit, ich ahnte nicht, daß eine schwere Schuld auf seiner Seele lastete und wunderte mich oftmals über seine Ruhelosigkeit, die ihn von Ort zu Ort trieb. Ich liebte ein ruhiges, behagliches, schönes Heim und bat ihn mehrere Male, Schloß Oldensloe zu unserem ständigen Wohnsitz zu wählen. Mit heftigen Worten schlug er meine Bitte ab: bis zu seinem Tode habe ich das Schloß nicht betreten. Ich ahnte nicht, welches düstere Geheimnis es barg. Der Graf starb plötzlich an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferde. Aber ehe er die Augen auf immer schloß, gestand er mir seine Schuld und beschwor mich, für die unglückliche Edith Maclean Sorge zu tragen. Ich versprach es ihm, ohne jedoch die Größe seiner Schuld zu ahnen. Erst nach seinem Tode erfuhr ich aus diesen Briefen, die er an Edith gerichtet hatte, daß er mit ihr verheiratet gewesen, daß ich keinen Anspruch auf sein Erbe hatte... hier sind die Briefe— lies sie!" Ich machte eine abwehrende Bewegung. Ich konnte mich nicht überwinden, die Briefe zu nehmen. „Es ist ja auch einerlei,“ fuhr sie fort, ob Du sie liest oder nicht Hier lege ich sie nieder— sie gehören Dir. Und nun höre mich weiter. Vielleicht findest Du eine Entschuldigung für mich. Mein Entsetzen über dieses Verbrechen kannst Du Dir vorstellen. Ich und mein Sohn— wir waren entehrt, wir waren arm— wir waren namenlos, wenn die Tatsache dieser Heirat bekannt wurde. Ich kämpfte mit mir— ich wollte alles der Gnade unseres Fürsten anheimstellen— da kam Martin, welcher allein um diese Heirat wußte und von jeher der Vertraute des Grafen gewesen war, auch auf den Gedanken, die Täuschung, die Lüge fortzusetzen. Er wollte dafür sorgen, daß die unglückliche Edith von niemanden gesehen in dem alten Schlosse weiterlebe; seine- Frau, die er aus Frankreich mitgebracht, werde ihn darin unterstützen, von der irrsinnigen Edith drohe keine Gefahr, ihr Sohn sei bei den Förstersleuten Decker untergehracht, die nichts Gewisses von der Heirat wüßten— so werde jede Gefahr vermieden. Nach langem Kampfe mit mir selbst ging ich auf seinen Vorschlag ein— ich dachte weniger an mich, als an meinen Sohn, der ehrlos, der namenlos in der Welt dastehen sollte. Aber ich wollte mehr tun als Martin, ich wollte die Sühne der Schuld auf mie nehmen, ich wollie der unglücklichen Edith eine Fren#####, eine Schwester setn, und ich schloß mich mir ihr in das Ansame Schloß ein, um fortan mit ihr zu leben. Wie ich gelebt habe, Du weißt es! Aber was ich alle die Jahre hindurch gelitten habe, das weißt Du Allgemeine Zeitung. Moutag, den 39. November 1908. Steuergesegentwürfen klingt irgend eine Rücksicht auf die Erwerbstätigkeit der Bevölkerung nicht durch. Die Leistungssahigkeit des deutschen Volkes darf nicht nach dem Durchschnitt des Bertiners beurteilt werden. Im Lande hört man vielfach fragen, wann werden endlich die Steuern kleiner werden? Ein paar hundert Millionen an neuen Steuern weniger bewilligt, bedeutet eine tatsächliche Ersparnis von ein paar hundert Millionen. Die Steuerreform ist eine Mittelstandsfrag: ersten Wunges. Abg. Emmel(Soz.) führt aus: Aus den Berichten sämt licher Gewerbeinspektoren geht hervor, daß die erhöhlen Löhne mit der Steigerung der Lebensmittelpreise nicht Schritt gehalten haben. Die Erhebung von Zwangsbeitragen zu den Gewerkschaftskassen ist nicht verwunderlich, da die Handwerker zu den Zwangsinnungen auch ihre Zwangsleistungen entrichten. Von diesen Beiträgen haben die Arbeiter Nutzen, von den neuen Steuern dagegen nicht. Diese bringen ihnen nur Arbeitslosigkeit und Sorge. Die Sozialdemokraten haben nicht den geringsten Anlaß, ihren Odolus für die Finanzreform beizusteuern, weil sie das herrschende Regierungssystem, durch das sie in der brutalsten Weise unterdrückt werden, aufrecht zu erhalten nicht das geringste Interesse haben. Infolge der neuen Sieuern wird die Arbeitslosigkeit noch verstärkt werden. Bei einer vernünftigen auswärtigen Politik könnten unsere Ausgaben für Heer und Marine erheblich eingeschränkt werden. Die notwendigen Steuerlasten müssen in der Hauptsache von den Besitzenden getragen werden, die den Vorteil von der gegenwärtigen Staatseinrichtung haben. Die Herren von der Rechten wollen aus idealen und Familienrücksichten keine Nachlaßsteuer. Sie halten andere Steuern als ethischer und idealer, durch die die Arbeitslosigkeit vermehrt wird. Das ist Steuerkriecherei im höchsten Grade. Wir verlangen eine Einschränkung der Ausgaben sowie eine Aenderung des politischen Systems nach der Richtung, daß im Interesse der Masse der Bevöskerung und nicht gegen sie regiert wird. Dem bestehenden System bewilligen wir keinen Mann und keinen Groschen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Aba. Preise(Elsaßz=Lothringer) führte aus: Die Brausteuer und die Nachlatz= bezw. Erbschaftssteuer würden eine derartige Schädigung der speziellen Landesfinanzen von Elsaß=Lothringen nach sich ziehen, daß die Annahme dieser Steuerprojekte für uns unmöglich ist. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Selten ist wohl eine Vorlage in der ersten Lesung so zerstückelt und scharf angegriffen worden, wie diese. Von unseren Professoren zu sagen, sie seien jederzeit bereit, aus der Haut des Volkes Riemen zu schneiden, wäre ein unerhörter Angriff auf die Zierde unserer Wissenschaft. Es ist aber die Erfüllung einer ernsten staatsbürgerlichen Pflicht, und auch die Arbeiter haben ein Interesse an der Stärke des Deutschen Reiches. Gewährleistet sie ihnen doch die Arbeit und die Existenz. Die Ausführungen des Grafen Schwerin waren keine Warnungen des Diktators, sondern die wohlwollende Meinung eines Blockfreundes.(Lachen bei den Soz und im Zentr.) Eine Verständigung über die Finanzreform halte ich für möglich und wahrscheinlich. Auch wir treten dafür ein, daß der Besitz stärker herangezogen wird. Nachdem wir 1906 die Nachlaßsteuer abgelehnt haben, kann man nicht erwarten, daß wir ihr jetzt ohne weiteres zustimmen. Die Reichsvermögenssteuer wollen wir nicht als einen Ersatz für die Nachlaßsteuer betrachten. Eine Reichsvermögenssteuer würde als eine notwendige Konsequenz die Reichseinkommensteuer nach sich ziehen. Was würde aber dann aus den Finanzen der Einzelstaaten werden? Einen Weg zur Verständigung erblicken wir in der Einführung der erhöhten Matrikularbeiträge, die von den Einzelstaaten durch Erhöhung der Besitzsteuer getragen werden könnten. Meine Freunde werden bei dem nächsten Etat das Prinzip der Sparsamkeit in jeder Weise praktisch zur Geltung bringen. Alle unnützen Ausgaben müssen beseitigt werden. Der Not der Zeit muk vor auem untere Nerwaltung Rechnung tragen. Aba. Hilvert(Bayerischer Bauernb.): Eine Finanzreform ohne Heranziehung der starken Schultern ist undenkbar. Die gegenwärtige Vorlage trifft aber fast durchweg die ärmeren Volksschichten. Aus der Schuldenwirtschaft müssen wir heraus. Die Kommission wird hoffentlich den richtigen Weg finden. Damit schließt der erste Beratung. Die Vorlage wird einer besonderen Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Tagesordnung: Gewerbenovelle betr. Frauenarbeit. Schluß 4 Uhr. Lokale Beiträge aus unserem Leserkreise nehmen wir jederzeit gern entgegen * Besor“ und werden solche auf Wunsch honoriert. Besonders wichtige Nachrichten wolle man uns auf telephonischem Wege übermitteln. Gelsenkirchen, den 30. November 1908 * S a m m l u n g f ü r d i e H i n t e r b l i e b e n e n d e r V e r u n g l ü c k t e n a u f der Zeche„Radbod.“ Bisher eingegangen It. Quittung in der Samstag=Nummer Mk. 1671,80 G. Dutsch,„Unser=Fritz“.„ 2,00 Mk. 1673,80 99 Der„Ring“ Münchener Künstter in der Stadthalle. Nur noch wenige Tage und diese Welt voll Schönheit. Licht und Farbe in der Stadthalle wird uns wieder entschwinden. Daß es sich hier nicht. Ich, eine junge, on ein glänzendes Leben gewöhnte Frau,— ich verbannte mich selbst in die Einsamkeit, um eine Wahnsinnige zu pflegen, die meine Sorge nicht einmal erkennen konnte, die mich in ihrem Wahn für ihre Qudkerin, für ihre Peinigerin hielt, die die ganze Schuld an ihrem Unglück trug.— Ich mag nicht darüder sprechen— fünfzig Jahre habe ich es getragen— meine Krast ist zu Ende— urteile Du, Gundokar Oldensloe, sprich Du das Verdammungsurteil...“ Ich blickte zu ihr empor. Richt wie eine Schuldige, wie eine Heilige, wie eine Märtorerin erschien sie mir und ich ergriff ihre Hände, die ich küßte und mit meinen Tränen henetzte Du sprichst mich nicht schuldig?“ fragte sie „Wer könnte es!“ stammelte ich tief erschüttert.„Selbst vor Gottes Richterstuhl werden Sie schuldlos destehen..“ Da schlang sie die Erme um meinen Nacken, ihr Haupt sank auf meine Schulter und sie weinte bitterlich Ich führte sle zu einem Sessel, in den sie wie gebrochen niedersank Ich kniete neben ihr nieder und streichelte liedreich ihre hageren, weißen Hände, die jetzt so schwach in ihrem Schoße ruhten. Gs war mir, als kniete ich vor meiner Mutter. Ich konnte ihr nicht zürnen, daß sie die Tüge um ihres Sohnes willen auf sich genommen, und empfand tief die Sühne, welcher dieser stolze Geist durch die ihn ewig bedrückende Schmach der Lüge auf sich genommen. Bie legte ihre Hand auf mein Haupt, sah mir tief in die Augen und küßte mich auf die Stirn. „Du bist der Erbe des alten Namens— Du bist das Ebenbild des Grafen. Deines Großvaters, meines unglückseligen Gatten was willst Du tun?“ „Nichts, teuerste Gräfin,“ entgegnete ich rasch.„Was würde es nir nützen, Sie und alle die Ihrigen unglücklich gemacht zu haben? an dem alten Ramen; ich bin in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und in ihnen glücklich gewesen. Wie könnte ich jemals glücklich werden, wenn ich diesenigen unglücklich fahe, welche ich so sehr liebe?“ „Du liebst uno.... Fortsetzung folgt um eine Darbietung allerersten Ranges handelt, darüber ist man sich ja auch bei uns vollständig klar und wir hören nur allgemein den Ausdruck höchster Anerkennung. Aber so sehr sich der Besuch der Ausstellung besonders seitens unserer ersten Gesellschaftskreise täglich steigert, sind bis jetzt erst wenige Ankäufe zu verzeichnen. Ia Bochum gingen für rund 14000 Mark von den Kunstwerken der Münchener in Privatbesitz über. Wäre es nicht bedauerlich, wenn die Künstlergruppe, in der die klangvollsten Namen vertreten sind, hier für ihre Mühe keinen Lohn finden würde? Niemand würde dies schmerzlicher beklagen, als diejenigen, welche so sehr bemüht sind, unserer zur Großstadt heranwachsenden Stadt ein Kunstleben erstehen zu lassen. Mögen die Zeilen dazu beitragen. daß die letzten Ausstellungstage eine Wandlung bringen, hossen wir, daß der„Ring“ auch von uns mit dem Bewußtsein sche det, eine Sätte verlassen zu haben, die seines idealen Zieles, vornehme Kunstwerke zu verbreiten, würdig war. Der Schluß der Ausstellung ist auf Mittwoch aveno unwiverruflich festgesetzt. Suchen Sie? eine Stelle, Personal, eine Wohnung?— Haben Sie? eine Wohnung zu vermieten, ein Haus zu verkaufen?— Wollen Sie? eine Beränderung in Ihrer Familie publizieren, sei es infolge Geburt, Verlobung, Vermahlung oder Todesfall, dann inserieren Sie! in dem Amtsdlatt für den Stadt= und Landkreis Gelsenkirchen, die Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung. Garantierte Tagesauflage 22000 Exemplare ** Gastspiel von Gudrun Hildebrandt. Wie bereits mitgeteilt, gibt Fräulein Gudrun Hildebrandt am Dienslag und Mittwoch ein Gastspiel am Gelsentirchener Stadttheater. Die Künstlerin, die neun Jahre am Königl. Hoftheater Berlin(sowohl im Schauspiel als auch im Ballet) Solorollen spielte, gastierte bisher mit großem Erfolge in Berlin und vielen anderen Städten, sowie in den Kursälen von Luzern, Thun, Interlaken und Wiesdaden. Fräulein Hildebrandt strebt in ihren Kunstdarbietungen Schönheit und Grazie an und vor allem innerliche seelische Vertiefung und dramatische Charakterisierung und will fern von aller Sensation eine edle und vornehme Kunst pflegen.— Nachstehend geben wir einige Preßstimmen wieder: Berliner Lokalanzeiger:„und man darf sagen, daß die knapp 16jährige ihre Sache ganz vortrefflich macht" usw.— Georg Droescher, z. Z. Oberregisseur der Kgl. Hofoper Berlin, rühmt in einem Schreiben:„ihre vorteilhafte Erscheinung, ein dem Natürlichen zugewandtes Sprechtalent und liebenswürdige Darstellungsart“.— Chemnitzer Neueste Nachrichten: „Mit Freuden begrüßen wir Gudrun Hildebrandt. ein entzückendes Geschöpf mit reizvoller Schönheit und Jugendfrische, voll von natürlicher Charme und hervorragender Grazie“ usw.— Max Grube, s. Z. Oberregisseur des Kgl. Schauspielhaus Berlin, sagt in einem Schreiben:„Mit Vergnügen bestätige ich, daß Gudrun Hildebrandt sich im Königl. Schauspielhause in den wichtigsten Kinderrollen hervorragend betätigt hat".— Berliner Börsen=Courier: „Ihr erstes Auftreten brachte ihr einen glänzenden Erfolg"„usw.— Ernst von Possart, s. Z. Hoftheater=Intendant München schrieb der Künstlerin, daß sie eine„wichtige Rolle am Kgl. Berliner Schauspielhause ganz reizend gespielt habe“ und sandte ihr eine poetische Dedication„als sichtbares Zeichen seiner Anerkennung und Dankbarkeit".— Emil Graeb, z. Z. Dirigent und Kgl. Balletmeister des Berliner Hofballets:„Gudrun Hildebrandt kann ich daher nach bestem Wissen nur das allerbeste Zeugnis ausstellen".— Wiesbadener Generalanzeiger:„daß schon sieghafte Frauenschönheit allein genügen dürfte, uns einen Abend zu erklären. Doch die bildschöne Gudrun tanzt auch, sle rezitiert ferner Ernstes und Heiteres. Hatte Gudrun Hildebrandt schon als Mädchen aus der Fremde unter blühenden Zweigen dieses verhaltene Feuer unter keuschem Liebreiz vermuten kassen, hatte sie Resen aus dem Süden rassig getanzt. so sollte ihr Gastspiel herrlich gekrönt werden durch den Tanz der Weine“ usw ** Schulamtliches. Endgültig angestellt: Ev. Lehrer August Faustmann zu Gelsenkirchen, Otto Valentin aus Brilon zu Wattenscheid: Ev. Lehrerin Selma Hohmeier zu Röhlinghausen, Paula Werty zu Schalfe, Wilhelmine Wintrath zu Ueckendorf, Helene Wandhof zu Schalfe, kath. Lehrer Fürstenau aus Meteln zu Geltenkirchen, kath. Lehrerin Anna Schroder zu Röhlinghausen, Margarete Sengav zu Wanne. Maria Kunstein zu Wanne. Auf Antrag aus dem öffentlichen Volksschuldienste entlassen Lehrerin Klarg Imhausen zu Gelsenkirchen und Lehrer Joh. Staup zu Geksenkirchen. nk. Iu Streitigkeiten kam es in der Nacht zum Sonntag zwiichen Gästen in der Wirtschaft P#;allberg guf der Wildelminen= straße. Zwei der reuitenten Gesesten, die auch gegen den Wirt eine drohende Haltung einnahmen und sich der Tachveschädigung schuldig machten, wurden von Vollzeihamten verhaftet. nk. Wegen Körperverletzung und Bedrohung wurde der Gemüsehändler Cazl Mies von der Königstraße festgenammen. M. halte in einom Restauxant am Alten Martt mit einigen Gasten Streit angesangen und dali den neuner Schounky mit einem Stock am Kopse so schwer verletzt, daß diesem auf der PolizeiHauptwache von Poklzeibeamten eln Noiverband angelegt werden mußte er Königl. Preuß. Loiterie. Hiesige Koslekten, 17. und 18. Tag. Gewinne zu.50 Mark: Nr. 114 n66, 09. Gewinne zu Mark: Nr. 80 022, 45, 83 771, 76. 82. 01 226, 49, 114 20%, 93. 79 85, 311, 15, 42, 401, 171 138, 201 104, 208 517, 212 708. (1) Jugendlicher Straßenräuber. In der Bismarastraßze wurd. einer Tochter eines Bergmanns ein 20 Markstück, weiches sie zwecks Einkauf von Waren vom Vater erhatten hatte, von einem Schüler entrissen. K Essener Straflammer vom 27. Novembes. Auf recht abschüfsiger Bahn befindet sich der Anstreichergehilfe Karl Feldmann aus Buer. Erst vor wenigen Tagen mu zwei Menaten und zwei Wochen Gesängnis wegen Diebstahls bestraft het er sich heute wieder um vor Gericht zu verantworten. Es wird ihm zur Last gelegt: sich gegen die beiden unter 14 Jahre alten Töchter seines Kostwirts Ratczik in Buer in unzüchtiger Weise vergangen zu baben, 2. in der Nach: zum 16. Oktober d. I. in Essen seinem Schlafgenossen Ferd. Grabb einen Geldbetrag von 830 Mark aus einem gewaltsam von ihm geöffueten Kosser meggenommen zu haben. Von dem gestohlenen Welde hat Grabb nur 80.84 Mark wiederbekommen, den Fehlbetrag hat der Angeklagte in liderlicher Gesellschaft verjubelt. Das Gericht erkannte gegen ihn wegen Sittlichkeitsvergehens in zwei Fällen und schweren Diebstahls, unter Einbeziehung der eingangs erwähnten Stiefe, auf ein Jahr sechs Monate Gesängnis.— Eingestiegen in das Schlafzimmer des Schneidermeisters Luschewski in Resse ist in der Nacht zum 17. Oktober d. J. der Schneidergeselle Karl Ehmke von dort. Er ergatierte ein Portemonnaie mit 78 Mk und entkam. Bald darauf als Dieb ermittelt, hatte er von dem gestohlenen Gelde noch 20 Mark, die dem Bestohlenen zurückgegeben wurden. Der Angeklagte wurde wegen schweren Diebstahls mit fünf Monaten Gefängnis bestraft. R. Essener Strafkammer vom 29. Nov. Zu argen Ausschreitunger hat sich der Bergmann Hubert Schax aus Bottrov am 7. Oktober d. Is. hinre ßen lassen. Am Tage vorher von seinem bisherigen Kostwirt, Bergmann Wilhelm Gayk in der Beprich struße in Bottrop ausquartiert, erschien er am anderen Morgen ln dessen Wohnung, um seine Sachen abzuholen. Er traf die Eheslau Gayk an, die ihm auf sein Verlangen erklärte, daß er seine Brocken bekommen könne, wenn er seine rückständige Kostschuld bezahle. H erüber kam es zu einem Wortwechsel, bei dem sich Schar soweit vergaß, die Frau Gayk zu beleidigen, zu würgen und zu mißhandeln. Der wiederbolten Aufforderung der bedrängten Frau, sich zu entfernen, kam er nicht nach, zal vielmehr ein Dolchmesser hervor, mit dem er nicht mißzuverstehende Gestikulat onen machte. Als bald darauf der Ehemann Gayk erschien, hatte sich Schar bereits entfernt. Gayk begab sich darauf, mit einem Stock be waffuet, nach der Wohnung des Angeklagten, um diesen wegen der gegen seine Hrau verübten Roherten zur Rede zu stellen. Er hatte jedoch noch nicht die Stube des Angeklagten betreten, als dieser, mit seinem Dolchmesser in der Hand, zum Fenster hinaussprang und auf Gayk losstürmte. Dieser flüchtete, wurde aber von Schax eingeholt und in den Rücken gestochen, so daß er sich nicht weiter zu verteidigen vermochte. Er ist nahezu drei Wochen erwerbsunfähig gewesen. Da die Verhandlung ergab. daß der Angeklagte imals stark unter der Nachwirkung des in der Nacht zuvor reich lich genossenen Alkohols gestanden hat, auch der verletzte Gayk nicht ganz korrekt gehandelt habe, indem er hätte seine Aufregung de kämpfen und zu Hause bleiben können, kam der Angeklagte ver hältn smäßig günstig davon. Er wurde wegen gefährlicher und infacher Körververletzung, schweren Hausfriedensbruches und Beleidigung zu 11 Monaten Gefängnis verurteilt. R. Essener Schwurgericht. In der heute unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Douque beginnenden elften diesjährigen Sitzungsperiode des Schwurgerichts werden folgende Strafsachen zur Verhandlung gelangen: Montag, den 30. November gegen den Fuhrknecht Fritz Karees und den Bergmann Wilhelm Lipka aus Gelsenkirchen wegen Straßenraubes, Vert. R.=A. Schulte und Dr. Wallach.— Mittwoch, den 2. Dezemver gegen den Bergmonn Albert Brennecken aus Gelsenkirchen wegen versuchter Notzucht, Vert. R.=A. Wichmann I.— Montag, den 7. Dezember gegen den Arbeiter Joseph Zint aus Gelsenkirchen wegen Straßenraubes, Vert. R.=A. Goose.— Dienstag, den 8. Dezember, wegen kathol. Feiertags keine Sitzung.— Mittwoch, den 9. und Donnerstag, den 10. Dezember gegen den Polizeikommissar Strotkamp aus Caternberg wegen Verbrechens im Amte, Vert. R.=A. Dr. Wallach. #umstag, den 12. Dezember gegen die Bergleute Johann Go us Gelf lombeck und Joserh Sporisch a elsenkirchen wegen Körperver letzung mit Todeserfolg, Vert. R.=A. Holtermann und Goose. h Stadttheater. Der Freitag abend brachte uns gls Neuheit für die diesjährige Saison„Die blaue Maus“, Schwank in drei Akten von Alexander Engel und Julius Horst. Dem Stücke gung bezüglich des Heiterkeitserfolges ein sehr guter Ruf von Ber lin und Wien voraus und so verfehlte es auch bei uns in dieser Beziehung nicht die Wirkung. Die übersprudelnde Laupe und die ungezwungene Heiterkeit auf der Bühne teilte sich mitunter svontan dem Publikum mit. Der Mangel an Handlung in diesem Schwank wird durch eine Unmenge bisweilen mit etwas stärk pariserischem Anklang versehener, überaus komischer Situationen ersetzt. Man lacht herzlich über die drolligen Einfälle, über die möglichen und unmöglichen Vorgänge, und das ist doch schließlich die Hauptsache.— Die Aufführung war ganz vorzüglich. Rudolf Rudolfn als Leiter derselben hatte mit vielem Geschick die einInen Szenen bearbeitet. Lina Genesius bot wieder eine Glanzleistung. In der Titelrolle entwickelte sie echten Pariser obie und Grazie. Ihrer eleganten und temperamentvollen Darstellung ist woni auch die überaus freundliche Aufnahme des Stückes zuzuschreiben. Ihr würdig zur Seite standen Mar arschau als Direktor Lebodien und Wilhelm Bauk als Casar Robin. Auch Oskar Kaudats„Mosquitier“ muß hier erwahnt werden, ebenso wie der vortreffliche Pbilippe de Ravassol Adolf Radens. Besonders im 2. Akt, in welchem die drastische Komik gewissermaßen ihren Höhepunkt erreicht, zeichneten sich diese Künstler durch ihr gutes Spiel aus. Die übrigen Mitspieler entledigten sich ihrer Aufgabe durchweg mit vielem Geschick und anerkennenswertem Eiser, so daß man die ganze Aufführung als eine vorzügliche bezeichnen kann.— Samstag abend wurde zum ersten Male ein„Gunier Abend“ veranstaltet. Die Direktion hatte ein vielseitiges Programm zusammengestellt. Gesangsvorträge wechselten mit Couplets ab. Die wohlgelungenen Darbietungen fanden laute Anerkennung. Das originelle Duett„Brüderlein und Schwesterlein“ aus der„Dollarprinzessin“, welches von Lina Genesius und Adof Raden vorgetragen wurde, sowie das„Piccolo=Duett“ aus dem„Walzertraum“, gefielen ganz besonders. Den Schluß des„Bunten Abend“ bildete die einaktige Overette:„Guten Morgen, Herr Fischer.“ Der reiche Beifall galt wohl weniger dem Inhalt dieser Operette, als der brillanten Darellung. Wir möchten hierbei vor allem die humoristische Wirlung des Auftretens von Lina Genesius und Rudolf Rudolfy erwähnen.—. e.. e. * Colosseum Essen. Morgen beginnt das bekannte Theater Job Classen ein vierwöchentliches Gastspiel. Als erste Novität wird die Posse„2 zu 15“ gegeben. Die„Kieler Neuesten Nachrichten“ schreiben über eine Aufführung des Stückes: Der Rentner Streusand, der mit seiner Tochter eine Alpentour macht, bemerkt bei seiner Ankunft im Hotel den Verlust seiner Brieftasche samt Inhalt. Die letzten 3 Francs 15 Centimes, die er besitzt, muß er für Kutscher und Trinkgelder ausgeben, so daß es ihm nicht möglich ist, nach Hause um „Nachschuß" zu telegraphieren. Guter Rat ist teuer. Die Verwirrung steigert sich, als sich der„Finder der Brieftasche und seine Geliebte, eine Drahtseiltänzerin, für den Rentner Streusand und seine ausgeben, und die echten Streusands für„2 zu 15“ für sindler gehalten werden, die nun zur Strafe Hausknechts= und gendienste leisten müssen. Alle Versuche des armen PseudoHausknechts, wenigstens soviele Trinkgelder zu erhalten, daß er telegraphieren kann, schlagen fehl. Schließlich hilft er sich dadurch aus der Geldklemme, daß er und seine Tochter als Tiroler Sänger auftreten. Schließlich werden die„ehrtichen“ Finder noch entlarbt und den Schluß bildet eine Verlobung. Das ist in groben Umrissen der Inhalt der Pesse:„2 zu 15“. In seiner Wickung steht sie dem Mann mit dem Fimmel“ nicht nach, und an Heiterkeit und Beifall fehtte es im Publikum denn auch nicht. Die Vorstellung wor auch dieses Mal auf der Höhe. Den Vogel abgeschossen, hat Direktor Clasten als„Streusand“, als„Tiroler Nachtigall“ war er einfach unbezahlbar. Schiffonachrichten. Die Hamburg=Amerika Linie meldet: D.„Amerika-, 16. Nov. 4 Uihr nachmittags von Newyorh über Pihmouth und Cherbourg nach Hamburg. B.„Dania“, von Neworleans kommend, 26. November 10 Uhr 30 Minuten morgens Dover passiert. ** Avollotheater Bochum. Dienstag findet im Apollotheate wieder Programmwechsel statt. Das neue Programm wird an Lachmuskeln der Zuhörer große Anforderungen stellen, denn eis kurzer Blick auf die Liste der Debuts weist eine ganze Reihe ko mischer Nummern auf. Darunter sehen wir das originelle Adams trio als Bauernterzett, Mac Ture, den bekannten amerikanische Jongleur, 2 Herms als komische Akrobaten, 2 Bradnas, Exzentrike und als Humoristen den vorzüglichen Hermann Strebl, den Lieblin der Berliner, die ihn während des größten Teiles des Jahres ir den bedeutendsten Varietees der Residenz zu sehen bekommen. Er wähnen wir noch die reizende Toubrette Frl. Croisson und die ent lische Tanzsoubrette Elly Palmay. Den Clou des Programms wirk die bestbekannte, amerikanische Radfahrertruppe„The Veronas“ bildes A#llgemeine Zeitung. Montag, den 39. November 1933. deren Leistungen auf diesem Gebiete einzig dastehen. Um den vielfach geäußerten Wünschen der Bochumer und der zahlreichen Besucher aus den Ruchbarstädten entgegenzukommen, hat die Direktion des Apollotheaters die Eintrittspreise bedeutend ermäßigt, und unsere Leser finden im Anzeigenteil des heutigen Blattes die neuen Preise. Diese sind jetzt so niedrig gestellt, daß es auch dem Minderbemittelten ermöglicht ist, die besseren Plätze des Theaters zu wirklich billigen Preisen zu besuchen. * Ballonwettflug. Gestern mittag konnte man das seltene Schauspiel eines Ballonwettfliegens beobachten. Gegen 1 Uhr waren die 10 Ballons, die der Niederrheinische Verein für Luftschiffahrt in Essen hatte starten lassen, über unserer Stadt. Dem Wettflug lag die Idee einer sogenannten„Fuchssagd“ zu Grunde, d. h. ein besonders gekennzeichneter Ballon=Fuchs fährt als erster ab, während die übrigen in kurzen Abständen folgen. Derjenige Ballon ist Sieger, der am nächsten beim Fuchs kandet. Vereins- und Vergnügungs-Anzeiger. Der Gelsenkirchener Männer=Gesangverein veranstaltete am Donnerstag abend im Bahnhofshotel ein Wohltätigkeitsfest zum Besten der Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute von der Zeche„Radbod“. Fräulein Aten Hope(Sopran) hatte sich ebenfalls in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Die Musik wurde von der Straußschen Kapelle unter Lettung ihres Dieigenten, Herrn Strauß, gestellt. Der große Saal des Bahnhofhotels war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Darbietungen standen durchweg auf einem hohen künstlerischen Niveau. Der Abend begann zunächst mit der reizvollen Wiedergabe der Ouvertüre zur Oper„Martha“ durch das Strauß'sche Orchester, worauf der Männerchor das Lied„Rheingruß“, von Ullrich, vortrug. Die Sänger, unter Leitung des Chordirigenten Herrn Oberborbeck=Essen brachten das Lied äußerst exakt und temperamentvoll zum Vortrag. Nach den flotten Klängen des Walzers„Geschichten aus dem Wiener Wald“ brachte Fräulein A ten Hope Ingeborgs Klage aus der„Fritsof=Sage“(Bruch) stimmungsvoll zu Gehör, wenngleich ihrem Sopran das schwer=dramatische nicht zu liegen scheint. Diesem Vortrage folgte die Fantaste aus der Operette„Der Vogelhändler“, worauf die Sänger wieder zu Worte kamen mit den Liedern„Morgen im Wald“(Hegar),„Vineta“ (Sievers) und„Hymne an die Nacht“(Beethoven). Wir möchten besonders die vollendete Wiedergabe der beiden letzten Lieder hervorheben, die von der guten Ausbildung und der künstlerischen Qualität des Chors Zeugnis ablegten. Der zweite Teil wurde von der Strauß'schen Kapelle eingeleitet mit der Ouvertüre zur Oper„Wilhelm Tell“. Der Männerchor leitete dann mit dem Vortrage des Liedes„Hoch empor“(Curti) über zu den 3 Liedern für Sopran„Der Engel Lied“(Braga),„Winterlied“(Henning von Koß) und„Der Vogel im Walde"(W. Taubert). Fräulein A ten Hope, von Herrn Strauß begleitet, brachte diese Lieder wirkungsvoll zu Gebör. Ihr in der Höhenlage voller und schöner Sopran kam besonders bei dem leichten und lieblichen Tonbilde„Der Vogel im Walde" zur Geltung. Für den sympathischen Vortrag erntete sie reichen und wohlverdienten Beifall. Die Sänger trugen alsdann die Lieder„Uebers Jahr“ (Bröll)„Andreas Hofer“(Rebbert) und„Wanderschaft"(Zöllner) vor. Sie zeigten besonders bei dem letzten Vortrag ihr schönes Können und ernteten hierfür stürmischen Beifall. was sie zu einer Wiederholung veranlaßte. Nachdem der Schlußmarsch verklungen war, blieben die Anwesenden noch lange bei einem flotten Tänzchen vereint. **„Ballisneria". Verein für Aquarien= und Terrarienkunde, Gelsenkirchen veranstaltete für die Mitglieder am Dienstaa. den 24. November einen Projektionsabend, der in allen Teilen glänzend verlief. Das Vereinsmitglied Otto Grüne, Inhaber des Optischen Instituts, Kreuzstraße 7, hatte in liebenswürdiger Weise Apparate und Bilder gestellt. Zunächst wurden den Zuschauern Erlebnisse des Mitgliedes K. Cofflet, die dieser gelegentlich seiner vorjährigen Auslandsreise gemacht hat, vorgeführt. Herr Cofflet erläuterte, während Herr Grüne die selbst hergestellten Bilder auf die weiße Wand warf. Der zweite, wissenschaftliche, Teil, zeigte uns kinematographisch kleine, den Liebhaber besonders interessierende Lebewesen unter dem Mikroskop. Deutlich konnte man z. B. den Herzschlag einer Daphnie erkennen. Im dritten Teile bot Herr Grüne noch einen erheiternden Anhang, wofür ihm reicher Beifall zuteil, wurde. Es wurde gewünscht, einen solchen belehrenden Lichtbildervortrag noch einmal vor der Oeffentlichkeit zu herlen. Der Verein beschloß demgemäß. Das Nähere wird demnächst in dieser Zeitung bekannt gegeben. Aus der Umgegend. s Buer=Erle, 28. Nov. Am kommenden Montag um 9 Uhr vormittags beginnen die Wahlen für die 1. Abteilung. S#s Kandidat des nationalen Volksvereins ist der Rentner C. Hagemann für Erle aufgestellt. Herr Hagemann hat bis 1902 zwölf Jahre lang der Gemeindevertretung in Buer angehört und hat stets im Interesse der Gemeinde in der Vertretung mitgearbeitet. Seit Jahren int er auch Stellvertreter des Gemeindevorstehers und kennt er mithin die Bedürfnisse der Gemeinde ganz genau. Also, Wähler der 2. Abteilung, wählt Herrn C. Hagemann. ∆ Rotthausen, 27. Nov. Der Schneidermeister S. von hier nahm vor einigen Tagen einen Gesellen an. Am letzten Mittwoch abend mußte S. nun die unangenehme Wahrnehmung machen, daß der Geselle— dessen Namen er noch nicht mal erfahren— eine kurze Abwesenheit von Meister und Frau zum Wegzuge ohne Abschied. aber unter Mil#### eines tabei#os neuen Ueberziehers, einer neuen Host, sowie mehrerer getragenen Kleidungsstücke, benutzt hatte. Der Dieb wird wie folgt beschrieben: Größe 1.65 Meter. Alter 30—35 Jahre, auffallend dicker Kopf, kleiner schwarzer Schnurrbart. „Gräfin Sturza“ vor Gericht. „* Dresden, 29. Nov. Der wechselvolle Roman einer ebenso vielseitigen wie raffinierten Abenteurerin findet heute vor dem Dresdener Landgericht seinen Abschluß. Wegen zahlreicher Hochstapeleten, Betrugsfälle und Kreditschwindeleien hal sich Irma Freoler, alias Irma Tihanpi, die ungarische„Gräfin“ Sturza, aus Budapest, zu verantworten. Mit dieser Verhandlung, deren Vorbereitung sich durch die ungeheuerlichsten Angaben der Angeklagien, einer früheren Soubrette, ungemein zeitraubend gestaltete, soll endlich ein Treiben ein Ende finden, das in seiner Tollheit seinesgleichen sucht.„Gräfin" Maria Carla Sturza war vor mehreren Jahren mit einem Vermögen von 500 Mark nach Dresden gekommen, wo sie sich bald eine vornehme Privatwohnung mietete und eine Köchin und Sekretärin aus Paris engag erte. Mit diesen beiden Personen und ihren 4 Hunden lebte sie zunächst ganz zurückgezogen. Geld war nicht da, einen Aufwand konnte sie deshalb nicht treiben. Bald aber gelang es ihr, sich zunächst einige hundert Mark zu verschaffen; dann setzte sie sich in den Besitz der sächsischen Rangliste und suchte aus ihr die Namen einiger Offiziere heraus, mit denen sie in Verbindung zu treten suchte. Diesen Offizieren gegenüber renommierte sie damit, daß sie in kurzer Zeit Hunderttausende durchgebracht habe, weshalb sie unter Kuratel gestellt sei. Sie müsse jetzt vom Extrage ihrer literarischen Arbeiten leben. Sie fand mit ihren Angaben bei einigen Offizieren Glauben, die ihr denn auch Darlehen in Höhe von mehreren tausend Mark gewährten. Zum Dank dafür gab die „Gräfin“ einem der Offiziere einen Schmuck, der sich jedoch als völlig wertlos herausstellte. Mit dem geliehenen Gelde fuhr sie nach Monte Carlo, wo sie aber vom Glück nicht begünstigt war, sondern alles verlor. Sie kehrte dann nach Dresden zurück, wo sie pald eine wegen ihrer Schönheit und Eleganz, andererseits wegen ihrer Extravaganzen bekannte Dame wurde. Sir gab sich als eine dreißigjährige ungarische Aristokratin aus und verkehrte sast ausschließlich in den ersten Kreisen der Lebe= und Sportwelt. Man traute zwar im allgemeinen ihren Angaben über die großen Reichtümer, über die sie angeblich verfüge, nicht rech!, trotzdem aber hatte sie immer Geld in Hülle und Fülle. Ihre Salons waren mit raffiniertem Luxus ausgestattet und zu ihren Gästen zählten sowohl reiche und vornehme Ausländer, als auch Angehörige der vornehmsten Kreise Dresdens. Vor allem bewegten sich in ihren Räumen russische, ungarische und auch griechische Aristokraten. Die „Gräfin“ reiste wiederholt nach Nizza, Monte Carlo und Ostende und versuchte überall ihr Glück im Spiel; sie verlor dabei wiederholt gloße Summen, führte aber trotzdem ihr üppiges Leben weiter. Sie fehlte bei keiner Premiere, bei keiner festlichen Veranstaltung. Ihr sehnlichster Wunsch war, bei Hofe vorgestellt zu werden, was ihr jedoch nicht gelang. Die Schulden der„Gräfin“ mehrten sich durch diese Lebensweise zu ganz beträchtlicher Höhe und ihre Finanzlage wurde immer mißlicher. Sie nahm deshalb zu betrügerischen Manipulationen ihre Zuflucht, die Schließlich zu ihrer Verhaftung führten. Die„Gräfin“ ist aber auch noch nach einer anderen Richtung hin interessant. Sie versuchte sich als Schriftstellerin und schrieb während einer dreijährigen Kerkerhaft, die sie wegen Betrugs in Oedenburg verbüßen mußte, einen großen Roman„Ich“, in dem sie ihren Lehenslauf schilderte. Nach Verbüßung der Strafe brandschatzte sie österreichische und deutsche Juweliere um Summen bis zu hunderttausend Mark; sie mußte deswegen eine„mebrjährige Freiheitsstrafe verbüßen. Die Mehrzahl ihrer schriftstellerischen Arbeiten sollen Plagiate sein. Vor allem soll sie Ellen Key ausgeschrieben haben. Die„Gräfin“ hatte übrigens auch die Unverfrorenheit, sich um den Nobelpreis für Literatur zu bewerben. Irma Freyler bestreitet, schuldig zu sein; sie behauptet, sie hätte ihren Verpflichtungen nachkommen können, wenn sie nicht in Monaco alles verloren hätte.— Wir werden über die Verhand lung berichten. Zur Ratastrophe auf Seche„Radbod“. Hamm, 28. Nov. Die Bergwerksgesellschaft Trier macht bekannt daß die Wassereinführung auf Zeche Radbod deen det ist. Der Wasserspiegel befindet sich 200 Meter über der oberster Sohle und 500 Meter unter der Erdoberfläche. Auf Anordnung der Bergbehörde darf mit den Sümpfungsarbeiten erst in 14 Tager begonnen werden. Ein französische Spende für die Hinterbliebenen von„Radbod“ Lens, 23. Nov.(Tel.) Der Verwaltungsrat des Syndikate der Bergarbeiter von Pas=de=Talais bewilligte 500 Francs für di Hinterbliebenen der auf der Zeche„Radbod“ Verunglückten und de schloß, unter seinen Angehörigen eine Sammlung zu veranstalten. Die Studentenkundgebungen in Prag. Wien, 28. Nov.(Tel.) Der„Neuen Freien Presse“ wird au Prag gemeldet: Bei der Auffahrt der Studenten wurden heut 8 Kouleurstudenten von tschechischen Studenten überfallen und miß handelt. Die deutschen Studenten mußten in das Gebäude de Unionbank flüchten, worauf das Tor geschlossen wurde. Die tschechische Volksmenge belagerte das Gebäude so lange, bis einig 100 Mann Gendarmerie die Eingeschlossenen befreiten. Außerden fanden Kundgebungen vor dem Deutschen Hause am Graben statt. Wien, 29. Nov.(Tel.) Bei den Ausschreitungen der tschechischer Studenten in Prag wurden 2 deutsche Studenten verletzt. Eine furchtbare Grubenkatastrophe in Amerika 250 Bergleute eingeschlossen. Newuork, 28. Nov.(Tel.) In Marianze(Pennsylvanten) sind, wie von dort gemeldet wird, 250 Bergleute infolge Grubenexplosion im Bergwerk eingeschlossen. Ueber weitere Einzelheiten bei der Explosion meldet uns noch der Draht: Pittsburg, 29. Nov.(Tel.) Die Explosion in Marianna (Pennsylvanien) stellt sich nach näheren Berichten als eine sehr schwen dar. Beiden Schächten entströmen dicke Rauchwolken. Man befürchtet daß die eingefahrenen Bergleute, etwa 275, sämtlich in Stücke ge rössen oder verbrannt sind. Es ist unmöglich in die Unglücksschächte einzudringen, vor denen sich herzzerreißende Szener abspielen. Infolge der Explosion ist das Ventilatorenhaus zum größten Teil zersört worden und die Bentilatoren außer Betrieb ge setzt. Ein Förderkorb mit 2 Arbeitern, wurde in einer Tiefe von 300 Fuß samt seinen Insassen in Stücke gerissen. Das nebenstehende Etikett der ssecheker Richard Brandt's Schweizerpillen ist U. Eintragung des Kaiserl. Patentamts in Berlin unt. Nr. 10100 gesetzl. geschützt u. Nachahmungen desselb. sind von den Kgl Landgerichten Berlin, Altona usw. bestraft worden, ein Urteil wurde Vereits vom Reichsgericht bestätigt. Wir warnen deshald vor Nachahmung unseres geschütt. Zeichens. Schasshausen(Schweiz) A. S. vorm. Apotheker Richard Brandt. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Chefredakteur M. Gerhäuser, für den Anzeigenteil Louis Ewald, beide in Gelsenkirchen. Rotationsdrik und Verlag der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung"(Carl Bertenburg inn.) Röntgen Photographie-Durchleuchtung. Dr. med. Burkart u. Dr. med. Schönewald. Dulaburg, Buchenbaum 83.— Feruruf 695 und 1314. Aufnahme von 10—1 und 5—7 Uhr.— Sonntage geschlossen. 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Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=,Handelskammer= u.Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der vonn- und Festtage. die Einweihung des evangelischen Vereinshauses Schalke. &a Hell und golden scheint die liebe Sonne zur Erde. Mancher benutzte den herrlichen Tag, um nach all den Tagen ewigen Regens noch mal ins Freie zu eilen, zu sehen die herrliche Natur,— doch wie groß, unendlich groß war die Schaar der evangelischen Bürger von Schalke, die am gestrigen Tag sich gerüstet hatte, um das lang ersehnte, oftmals nahe gerückte, nun vollendete erangelische Vereinshaus durch und in einer würdigen Feier einzuweihen. Als man am gestrigen Tage durch die Straßen des Stadtbezirks Schalke eilte, da sah man viele Häuser, die zu Threu des Tages geflaggt hatten. Kurz nach 2 Uhr strömten die Schaaren dem Hause zu. Um 2,30 Uhr erschienen die Arbeitervereine mit ihren Fahnen Von der Terrasse des Vereinshauses begrüßte die Musik des Posaunenchors die Erschienenen. Um 3 Uhr war das Haus ausverkauft, kein noch so bescheidenes Plätzchen mehr zu haben. Von der Galerie herab grüßen die Fahnen der Vereine, an der Langseite des Saales ist die lebensgroße Büste des Reformators Luther angebracht. Pünktlich beginnt die Feier. Mit den herrlichen Melodien L. v. Beethovens: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“, leitete der Posaunenchor des Männet= und Jünglingsvereins die Feier ein. Wirkungs= und stimmungsvoll trug darauf der Männerchor des Arbeiter= und Gesellenvereins den Pselm 23:„Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln“ vor. Sodann betrat Herr Hermann Franken das Podium zu folgender Begrüßungsrede: Hochverehrte Festversammlung! Heute, am ernen Sonntage im Advent, vor 29 Jahren läutete am letzten Novemver=Sonntage zum ersten Male das Glöcklein auf einer ehemaligen Scheune im Wilhelmsgarten, die wi uns provisorisch zu einer Kirche und einem Betsaale eingerichtet hatten. Es war ein Freudenfest für die nur 8½tausend Scelen zählende evangelische Gemeinde, endlich nach langem Kampfe für die Selbständigkeit das langersehnte Ziel erreicht zu haben. Vor einigen Tagen feierten wir die 100jährige Jubeifeier der Preußischen Städteordnung.— Eine Festschrift gibt die geschichtliche Entwickelung der preußischen Städte wieder. Von der Großstadt Gelsenkirchen heißt es darin, daß man nan der Norgangenheit und der Entwickelung im Alter gar wenig wisse.— Auch von der Vergangenheit von Schalke liegen nur dürftige Ueberlieferungen vor. Im Jahre 1855 wurde der erste Schacht der Zeche Wilhelmine Viktoria abgeteuft. Ringsumher struppige Kiefernwälder, Oedland und durch die Emscher überschwemmte saure Wiesen. 1865 wurde die Zeche Consolidation in Betrieb gesetzt und später die Eisenwerke. 1878 erhielt Schalke ein Postamt und ein Jahr später die erste Eisenbahn. Im Jahre 1874 wurde die erste Straße gepflastert, und so kam denn auch die Zeit, wo evangelische Männer sich zusammenschlossen, um eine eigene Gemeinde zu bilden. Es steht geschrieben im Buche Sirach:„Der Mensch lebt nicht, um zu leben, sondern daß sein Herz fröhlich sei in der Arbeit.“ An der gewaltigen Industrie, die hier geschaffen worden, die den Grundbesitzer bereichert und den Zugezogenen Wohlstand und Nahrung gebracht hat, haben kluge Köpfe und fleißige Hände gewirkt. Dem Begründer der ersten industriellen Anlagen hat die politische Gemeinde Schalke auf dem hiesigen Marktplatze ein Denkmal errichtet. Unser Vereinshaus haben wir mit der Frontseite an der nach ihm benannten Grillostraße gebaut und auch die Eingange nach dieser Seite hin gelegt. Wir haben alle Veranlassung, seines Namens zu gedenken, benn die erste, am Reformationsfeste 1882, also vor 26 Jahren, eingeweihte evangelische Kirche war ein Geschenk des verstorbenen Herrn Friedr. Grillo. Wetter ist unser Altersheim, dem wir im vorigen Jahre die Weihe geben und es eröffnen beziehungsweise dem Betriebe übergeben durften, das bochherzige Geschenk eines Mannes, dessen Wiege auf dem kleinen Bauernhofe SchulteMoenting gestanden hat, eines Mannes, der mit im Kampfe um die diesige Industrie gestanden hat. Herr Mventing war ein eifriges Mitglied unserer Gemeinde. Wenige Tage nach Ingebrauchnahme des Altersheimes bestatteten wir ihn auf dem hiesigen Friedhofe. Auch seiner wollen wir heute in Ehren gedenken. Aber ebenso wollen wir uns unseres ersten verstorbenen lieben Pfarrers Theodor Werth erinnern. Am 1. Februar 1880 hielt er in dem kleinen Betsaale seine Probe=Gastpredigt. Am Kaisersgeburtstage 1896 geletteten wir ihn zur ewigen Ruhe. Wir stehen noch unter dem Eindrucke des entsetzlichen Gruben unglückes der Radbodzeche bei Hamm. Am 24. September des Jahres 1886 wurde der 2. Schacht der Zeche Consolidation von einem ähnlichen Unglücke heimgesucht. Bald 100 Knappen machten an diesem Tage ihre letzte Fahrt oder wurden schwer verletzt zu Tage gebracht. Unser verstorbener Pfarrer Werth tröstete die Sterbenden, und an der Gruft, bei der letzten Seilfahrt, war es seine Aufgabe, den verstorbenen Knappen das letzte Glück=Auf zuzurufen und die Hinterbliebenen zu trösten. Was das Vereinshaus unserer Gemeinde noch sein kann in Leid und Freud’, wir wissen es nicht. Wir überlassen es der Zukunft und vertrauen es dem an, der über den Sternen thront. Herr Pfarrer Wertb griff den Gebanken zur Schaffung eines Vereinshauses für die Gemeinde freudig mit auf. über der oofr zweite Bergarbeiterstreik des Jahres 1891 ließ das Projekt bald wieder vergessen. Es hat lange gedauert, das Vertrauen zu gewinnen, daß willige Hände bereit waren, größere Gaben für die Gemeinde aufzubringen. Kleine gesammelte Beiträge haben fast 20 Jahre bei einer Sparkasse gelegen. In Fluß kam die VereinshausFrage erst wieder beim Bau unserer zweiten evangelischen Kirche, als die Repräsentation die Mittel dafür bewilligte.„Ohne Vereinshaus keine Kirche, denn dieses ist so nötig wie eine Kirche", so hörte man aus den Reihen der evangelischen Vereine. Aber eine abermalige Verzögerung der Ausführung brachte wiederum ein Bergarbeiterstreik im Jahre 1895. Und nun ist das Evangelische Vereinshaus endlich sertig, und es soll heute mit dieser Feier seinen Zwecken überaeben werden. Es soll ein geselliges Heim werden, ja, sogar Kegelbahnen sind ange legt. Eine Bühne ist für fröhliche harmlose Spiele, Gesänge und Musikvorträge vorhanden und steht den Vereinen zur Verfügung. Große und kleine Säle sind gebaut für Vereins= und sonstige Versammlungen, für Vorträge, die den Menschen unterhalten, bilden und belehren sollen.„Habt die Brüder lieb fürchtet Gott, ehrt den König“, das soll der Wahr= und Wahlspruch unseres Vereinshauses sein. Soziale werktätige Liebe im evangelischen Geiste soll in dem Vereinshause gepflegt werden. Wie rasch ist man bei der Hand, zu antworten, soziale Arbeit#n einem Vereinshaufe gu wrrichen, iie voch seont ein agrrs##gen Programm. Man hat ja alles für den Arbeiter actan, Kranken=, „„„„„„„„—#e jerer oerj1er, mnce—.„—„„— wen= und Waisenkasse kommen soll. Und doch gibt es Nöten aller Art, die weder durch Steuern noch durch Kassenbeiträge aus der Welt geschafft werden. Frage man nur deswegen die Geistlichen, Aerzte und Krankenschwestern. Geht man nur einmal nach dem Synodal=Kinderheim in Eickel. Das unschuldige Lächeln der Kinderchen, die auf den Armen der Schwestern durch das Haus gewagen werden, muß auch den härtesten Menschen rühren, und das umsomehr, wenn man fragt, aus welchem Grunde sind denn die K nder hier? Da heißt es: Die Mutter dieses Kindes ist mit einem Kostgänger durchgebrannt, oder die Mutter liegt im Krankenhause. Dann wieder: Der Vater sitzt im Gefängnisse, die Mutter ging lausen, die Eltern konnten sich nicht vertragen, schlugen sich und lösten den Haushalt auf. Dann wieder: Die Eltern gingen ins Ausland und ließen die Kinder zurück, hilflos und verlassen. Freilich, dafür glot eo keine Versicherungspflicht. Unser Vereinshaus soll den evangelischen Männern und Frauen eine Erholungsstätte sein. Soziale Liebe und soziale Wahrheit gehören im Engneelischen Geiste zusammen. Unsere Aussichten sind trübe. Die Verflachung in den oberen Klassen greift mehr und mehr um sich. Unterwünlung aller staatlichen und sittlichen Grundlagen nach unten machen uns bange Sorgen. Haltet fest an den Ueberlieferungen aus den Freiheitskriegen und dem französischen Feldzuge und bleiben wir ein einig Volk von Brüdern. Wir haben den schönen Wahlspruch als Vermächtnis der Königin Louise:„Ich glaube fest an Gott, also an eine sittliche Weltordnung“. Ein japanisches Sprichwort lautet: Das Besteigen des höchsten Berges beginnt vom Tale aus. Und unsere Zeit gebraucht viele tüchtige Männer für den Staat, für das Heer, für die Industrie und für die Volkswirtschaft, um den inneren Frieden zu sichern. Die Menschen, die aus der Tiefe aufwärts steigen, müssen durch eine harte Schule gehen, das ist ein alles Naturgesetz.„Fürchte Gott“, das ist unser Bekenntniswort. Wird man nun immer Reden, getragen von friedlichem Geiste, in diesem Hause hören? Auch anderen Konfessionen gegenüber? Wir hoffen und wollen es! Denn wir lieben und achten unsere katholischen Mitbürger. Aber zuversichtlich hoffen wir auch, daß unser Verinshaus eine Pflegestätte für das evangelische Bewußtsein werden wird. Ein ungeheurer Abfall von den Glaubensgütern der Reformation geht durch unsere Zeit. Wird das deutsche Volk noch ein christliches bleiben? Unsere Urväter erhielten in Speier den Namen Protestanten, weil sie für das höchste Gut, die Gewissensfreiheit, kämpften. Und zuversichtlich hoffen wir auch, daß niemals Männor es in diesem Hause üver sich gewinnen konnen, die Güter der Reformation Preis zu geben. Denn der Niedergang des Protestantismus bedeutet den Untergang des deutschen Reiches. Ehrei den König! Keine größere Nation auf weitem Erdenrunde hängt so treu an ihrem Fürsten, wie gerade das deutsche Volk. Kein Fest wird gefeiert: oder man ruft aus:„über Alles unser Kaiser“. Wird es so bleiben? Wird man auch in diesen Hallen freudig und von Herzen gern bei weltlichen Festen das Kaiserhoch ausbringen? Wir hoffen und wünschen es heute. Fürst von Bismarck gab dem Deutschen Reiche seine Einheit nach außen. Aber täuschen wir uns nicht, ein Sturm kann es zerstören. Im Jahre 1888 versammelte sich unser Heldenkaiser Wilhelm I. zu seinen Vätern. 1898 murde der Altreichskanzler im Sachsenwalde abgerufen. Wieder 10 Jahre später, 1908, knisterte das Reich in seinen Fugen, und nicht allein der äußere Mantel, sondern auch das innere Mauerwerk. Menschenhand kann einmal nichts für ewige Zeiten bauen. Und es kann wohl kaum bestritten werden, daß wir immer aufs Neue mit Verankerungen für das Vaterland zu rechnen haben. So, wie ein Dombaumeister immer Kapitäle und Ecksteine, vom Zahne der Zeit, Verwitterungen und Stürmen mitgenommen, ausnimmt, verbessert und wiedereinsetzt. Wir bleiben koisertreu und deutsch, denn: Sei's trüber Tag, sei's heller Sonnenschein, wir sind Preußen und wollen Preußen sein. Es schließt sich also für unsere Gemeinde in diesem Vereinshaus ein großes Arbeitsfeld auf Willkommen nun in diesen Räumen, die wir so freundlich und traulich geschaffen haben, willkommen evangelische Frauen und Männer, Presbyter und Repräsentanten, Lehrer und Lebrerinnen, Diakonissinnen und Gemeindehelferinnen, Frauen= und Männervereine, Jünglings= und Gesellenvereine. Ueber die Sorgen, welche uns die Schuldentilgung noch macht, wollen wir heute nicht reden. Wir hoffen, daß mit den hochver ehrten Festgästen der evangelische Geist mit eingezogen ist, der das Haus lebendig macht. Gehen Gäste immer geschäftig in diesem Haus aus und ein, so kommen wir auch über die Geldsorge hinweg. So baute wir denn das Haus, um christliche Liebe, Gottesfurcht und vaterländische Gesinnung zu pflegen und zu fördern. Daß es immer so bleibe— das walte Gott! Rauschender Beifall dankte den Ausführungen. Hell und klat erklang der Vortrag des gemischten Chores des blauen Kreuzes: „Preis ihm“. Aus der Weiherede des Vorsitzenden des Vereins Evangelisches Vereinshaus, Herrn Pfarrer Schumacher, seien folgende Worte wiedergegeben: „Alles was Ihr tut mit Worten und Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesu Christi.“ Den historischen Bemerkungen des Vorredners sei noch einiges zugefügt. 1880 berief unsere Gemeinde den ersten Pfarrer, unsern Gottesdienst hiel“ man in einem gemieitien Mielshauss. Heuis###ben wir zwet gie der und vier Geistliche. Zwei Stationen für Krankenpflege sind vorhanden mit drei Schwestern, und den beiden Kinderschulen folgt eine dritte im Februar 1909. Das Vereinsleben in unserem Bezirk stehr in hoher Blüte, wir haben Arbeiter=, Gesellen=, Männer=, Jünglings= und Jungfrauenvereine sowie Blaukrenzvereine. Alle arbeiten seit Jahren mit guten Erfolgen, doch etwas fehlte, ein Vereinsheim. Was fast alle größeren Gemeinden haben, was in anderen Städten besteht, fehlte uns. Schmerzlich wurde oft eine eigene Heimstatte für den Verein vermißt. Das die Schaffung eines solchen wünschenswert sei, fühlte Jeder. Im Jahre 1893 wurde der Beschluß dazu gefaßt, doch er kam nicht zur Ausführung. Doch 10 Jahre später entstand mit 23 Mitgliedern der Verein„Evonac= lisches Vereinshaus“, dessen Arbeit das nunmehr vollendete Vereinshaus ist. Das Haus ist fertig, es ist ein schönes Haus, wir hoffen, dast es den Zwecken dienen und genügen wird. Mit welcher Aufopferung hat unser Bauseiter. Herr Dinkler. an dem Werk gearbeitet.„Dieses Werk lobt selbst seinen Meister.“ Wir gedenken mit Dank der Helfershelfer. Große Gaben flossen und die kleinen Gaben vereinigten sich zu großen. Doch nicht nur Privatversonen, nein. auch die industriellen Werke haben auch gegeben. Die letzteren haben gedacht an die Wohlfahrt ihrer Arbeiter. Wenn man die Schornsteine, die Ehrensäulen der Industrie, sieht, da weiß man, da ist Arbeit. Da sind aber auch Arbeiter, denen wir nach des Taaes ##### mm merr ein au#i####im virten wonen, die sch ner mit gleichgesinnten Genossen zur geselligen Unterhaltung einfinden MMt M uhten n. Aur schmeichelt es, wenn man draußen sagt: Welch schönes Haus! Wir laden sie alle sein, kommt. seid unsere Gäste. Günstig ist es gelegen im Mittelpunkt der Gemeinde, von allen Seiten schnell zu erreichen. Nicht uns soll es dienen, nein, der ganzen Gemeinde. Gott. möge das Werk unserer Hände fördern, ja das Werk möge er fördern. Ohne Unfall ging der Bau vonstatten. Gott die Ehre. Daher s##l es erschallen: Lobe den Herrn meine Seele. Zwar ist das Vereinshaus kein Gotteshaus, doch hier soll gehegt und gepflezt werden wahres, inniges Christentum. In unserer so unruhigen Zeit gehen Hetzer durch das Volk, es auszuwühlen gegen alle Ordnung. Wie klagt man über so viele Verlorene! So viel Unsicherheit! Inmitten wächst ein Geschlecht auf, das von den gewissenlosen Verhetzern verblendet wird. Dem muß ein Damm entgegengesetzt werden, rechtzeitig, ehe es zu spät ist. Dieser Damm ist die Furcht des Herrn. Wir wollen nicht warten, bis es zu spät ist, nein, jetzt schon anfangen. Dazu ist unser Vereinshaus auch mit da. Da kommt es auf den Geist an, der hier herrscht. Männer und Frauen müssen hier verkehren, die den wahren, innigen christlichen Geist hereintragen. Bruderliebe wollen wir hier üben. Die Ehrfurcht vor Golt soll uns leiten. So möge das Haus denn sein und wer den, zu dem es bestimmt ist. Mit einem Gebet schloß Herr Pfarrer Schumacher seine tief empfundenen Worte. Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes:„Lobe den Herrn, den machtigen König der Ehren“, trat die Kaffeepause ein. Mit Händels„Das große Halleluja“ aus dem Messias, leitete der Po saunenchor den 2. Teil des Festes ein, worauf der Männerchor des Arbeiter= und Gesellenvereins Schäfers Sonntagslied:„Das ist der Tag des Herrn“ vortrug. Es folgten die Ansprachen der Vereinsvorsitzenden. Herr Gelbert, evangelischer Arbeiterverein, führte aus: Hochverehrte Festversammlung! Dankbar blicken wir heute nach oben. Ist doch mit Gottes Hilfe und mit Hilfe der edlen Spender dieses schöne Gebäude fertig geworden. Als der evang. Arbeiterverein gegründet wurde, hatte man in§ 2 des Statutes den Bau eines Vereinshauses vorgesehen und nach 26 Jahren ist dieses endlich zur Tatsache geworden. Wir wer den in dem neuen Heim mit neuem Mut und neuer Kraft eintreten für unsere evangelische Sache, besonders aber für unsere Arbeitervereinssache. Der Vorsitzende des Gesellenvereins, Herr Th. Rabe, führte aus: Werte Festteilnehmer! Als Vorsitzender des Evang. Gesellenvereins begrüße ich Sie mit dem Handwerkergruße Gott segne das ehrbare. Handwerk. Im Namen des Vereins danke ich allen, die zur Vollendung des neuen Vereinsheims beigetragen haben. Werde dieses Haus eine rege Werkstätte, in der auch an dem Wohle und dem weiteren Blühen und Gedeihen der evangelischen Gesellenvereinssache gearbeitet wird. Gott segne das ehrbare Handwerk. Der Vorsitzende des evangelischen Männer= und Jünglingsvereins, Herr Pfahl, sprach zunächst seine herzliche Freude aus über das Vereinshaus. In längeren Ausführungen erläuterte er sodann die Ziele und Bestrebungen seines Vereins, die nur darauf hinzielten, ein gesundes, fröhliches Geschlecht zu erziehen, das in wah rer Liebe und Treue am Glauben und an Gott hängt. Darum spreche er die Bitte aus, dem Verein zu helfen und ihn zu fördern. In diesem Haus möge immer der gute Geist walten, der nötig ist, um der Sache zu dienen. Dieser, als auch die vorhergehenden Redner, fanden reichen Beifall. Herr Franken stattete den Rednern noch herzlichen Dank ab. Er teilte dann mit. daß die Anregung gegeben worden sei, in diesem Saal eine Walhalla für solche Männer einzurichten,„ die sich verdient gemacht hätten für die evangelische Sache. Die Mitteilung wurde begeistert aufgenommen. Nach dem Vortrag des Männerchors:„Jehova, deinen Namen“, nahm Herr Rektor Ischerland das Wort zur Festrede der darin folgendes ausführte: Hochgeehrte Festversammlung! Nun sind endlich die jahrelangen Bemühungen mit Erfolg gekrönt. Unser Vereinshaus ist fertig und mit tiefempfundenen Worten in erhebender Weise eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben worden. Es gleicht in seiner einfachen Schönheit einer holden Braut, die den Bräutigam am Hochzeitslage erwartet, um sich für immer mit ihm zu vereinigen. Ist dieser heutige Festtag auch eine Vermählungsfeier? Gewiß. Hochzeitsgaste sind in großer Zahl versammelt; Musik und Gesang erschallt, und die leidige, kopszerbrechende Magenfrage ist sicherlich zu aller Zufriedenheit glänzend erledigt worden Die schöne Braut ist allen bekannt. Sie wird, was sonst streng verboten ist, sogar Vielmännerei betreiben. Wer sind aber die Bräuti game? Das sind zunächst unsere beiden verehrten und emsigen Vor sitzenden Herr Pfarxer Schumacher und Herr Franken. Es ist eine schöne Sitte, wenn den Neuvermählten an ihrem Ehrentage ein Glückwunsch ausgesprochen wird. Ich muß aber noch weiter gehen uno damit einer hochnen##nlicht nachkommen, auf daß man uns in der sonst so undankbaren Zeit nicht eine Unterlassung vorwerfen kann. Ihnen allen, meine Damen und Herren, ist bekannt, wie sehr ein solches Unternehmen. der Bau unseres Hauses, einer äußerst ziel bewußten und rastlosen Leitung bedarf. die es mit klarem Blick und starker Hand durch alle Klippen und Gefährnisse hindurchführt. Diese beiden Männer habe ich schon erwähnt. Sie. verehrter Herr Pastor Schumacher. können am beutigen Tage nicht genug beglückwünscht werden. Das Werk lobt Sie am meisten. Sie haben sich keine Mühe verdrießen lassen, keine Arbeit ist Ihnen zu schwer und kein Gang zu viel geworden. Unermüdlich haben Sie zuhllose Verhandlungen gepflogen und die Sitzungen geseitet und allezeit neues Interesse für die edle Sache einzuflößen gesucht. Und als wir Sie nun endlich entlasten mußten, da haben wir so recht merken können, wie sehr Sie belestet waren.: Unsere heutige Zeit verlangt tatenlustige und tatenkräftige Männer mit Naolksgefsihl und Gemeinsinn: mit großen Reden und Festfahrten ist Ganzen nicht gedient. Sie haben das Volksempfinden gespürt, sind ihm entaegen gekommen. Aufs beste sehen Sie nun Ihre „„„ pn nen uum um heinngen Tage die Ehrenvalme des Dankes. Ich konnte die Gelegenhett nicht bötäbt gehen lassen, und's darche g#h., daß ich im Sinne aller Mit* Algemeine Zeitung. Montag, den 39. November 1908. glieder unseres Vereins und der Festteilnehmer handle, wenn ich Ihnen herzlichst danke für alles, was Sie zum Gelingen und zur Vollendung des Werkes getan und beigetragen haben. Freilich sind es nur Worte, mögen Sie aber den höchsten Lohn in der Befriedigung über Ihr Tun in Ihres Herzens Kämmerlein verspüren. Aber auch Ihnen, geehrter Herr Franken, gebührt großer Dank Wenngleich Sie auch abwinken, so sprechs ich ihn doch aus. Merkwürdig ergänzen Sie den 1. Vorsitzenden. Gleicht er der stillen Natur eines Melanchthons, die fein säuberlich einherfährt, so haben Sie die kernige und stürmisch dreinfahrende Luthernatur geerbt. Wir kennen alle Ihre großen Verdienste dankbar an, die Sie namentlich in letzter Zeit sich erworben haben. Wie ein lebendiges Ungewitter führen Sie manchmal dazwischen und trieben zur Eile an, damit das Haus fertig wurde. Wenn es hieß:„Hermann kommt!“ dann verschwand die Zigarette, dann stoben die Plauderer auseinander, dann arbeitete jeder doppelt fleißig. Mögen auch Sie viele Freude an unserem Hause erleben. Außer unseren beiden Vorsitzenden gehören aber auch die übrigen Mitglieder des Vereins, ferner die hiesigen evangelischen Vereine und endlich alle Glieder unserer evangelischen Gemeinde zu den Bräutigamen. Alle Genannten sind hier willkommen, allen ist nun eine gastliche Stätte bereitet, wo sich's gut sein läßt. Nun kann unser tatiger Vorstand nebst seiner sehr geplagten und viel bekrittelten Hauskommission hier grübeln und sinnen, tagen und beraten, allein und mit dem Vereine, um das große und weittragende Projekt der Vereinshausfinanzreferm zum Wohle und Heile des Hauses und zur allgemeinen Zufriedenheit der Herren Unternehmer und Lieferanten durchzuführen. Nach heißer Redeschlacht in den Vereinsdebatten kann später zur Erholung im häuslichen Kreise am Stammtisch die gestiftete Friedenspfeife die Runde machen und das vorher arg bedrängte Vereinsschifflein in den ruhigen Sorgenhafen gelenkt werden. Die Mitglieder unseres Vereins, die hoffentlich bald die Zahl 1000 erreichen, haben jetzt einen Treff= und Sammelpunkt. Gefällt's ihnen nicht mehr im Mittelhause, können sie hinabsteigen und umstürzlerische hölzerne Taten auf glatter Bahn ausüben, einmal links, das andermal rechts, wie es jedem paßt. Oder sie richten ihren Gang aufs Oberhaus und lustwandeln im Licht und Sonnenschein um stehend auf der Verandazinnen, zu schauen mit vergnügten Sinnen in das Großstadtleben hinein. Der Arbeiterverein, der Gesellenverein, der Jünglings= und Männerverein, der Jungfrauen= und Frauenverein und andere gleich gesinnte Vereine brauchen nicht mehr an fremder Stelle zu tagen. Hier ist fortan ihr Haus. Hier sind sie heimatberechtiat. Dieses Haus muß fortan ein Bindemittel zwischen allen Gliedern unserer teuren Kirche und unserer Gemeinde, zwischen allen Reformationskindern sein, auf daß hier eine feste Stütze und ein sicheres und echtes Bollwerk evangelischer Gesinnung und Betätigung erstehe. Alle Unterschiede in Rang und Stellung müssen hier aufgehoben sein, denn hier weilt man unter Glaubensbrüdern. Bei freudigen und fröhlichen Gelegenheiten und Festen komme man hier zusammen, aber auch zu ernster Zeit sei der versöhnenden, beruhigenden und trostreichen Aussprache, Anregung und Belehrung eine Stätte bereitet. Einsam Stehenden ersetze es das Elternhaus oder die Heimat. Und wenn ein Fremdling oder ein Andersgläubiger die Schwelle überschreitet, umwehe ihn ein milder Hauch der Annäherung, denn das so oft im Leben Trennende werde hier überbrückt. Sind wir doch alle Glieder eines Volkes und Kinder eines Gottes. Herrscht also unter diesem Dache Bruderliebe, Gemeinsinn, deutsche Art und deutsche Sitte, dann bin ich der festen Ueberzeugung, daß dieses Haus ein Vereins heim in des Wortes schönster Bedeutung sein wird, worin jene Tugenden gehegt und gepflegt werden und ihre Heimat haben. Dann könnte als Hausinschrift die der Frankeschen Stiftungen in Halle gelten, die da lautet: „Fremdling, was Du erblickst, Hat Glaube und Liebe vollendet Ehre des Stiftenden Geist, Glaubend und liebend wie er.“ Aber unene andere Heimat gibt es auf Erden, die man lieben muß. Das ist der Ort oder das Land, wo uns Gottes Sonne zuerst schien, wo das erste Menschenauge sich liebend über unsere Wiege neigte, wo unsere Eltern wohnten und wir die schöne glückliche Kindheit und Jugend verlebten. Aus der Liebe zu dieser Stätte entwickelt sich die Liebe zur weiteren Heimat, zum Vaterlande. Es sind elende Menschen, in denen die Liebe zur Heimat erstickt oder erstorben ist, deren Wahlspruch ist:„Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland.“ Sie urteilen nur mit dem Verstande und dann geschäftsmäßig, sie sind selbstsüchtig und berzlos. Gottlob ist ihre Zahl nur gering, und keiner unter den verehrten Anwesenden wird ihnen gleichen. Haben wir Deutsche doch alle und berechtigte Ursache, unser Vaterland zu lieben. Meine Damen und Herren! Welch' nie geahnte Umwälzungen und Entwickelungen hat Deutschland in dem Zeitraume von über 1900 Jahren durchgemacht Aus einem Lande, das seines Klimas und seiner Wildnis halber von den Römern zur Zeit Christi gefürchtet ward, hat sich nun im Herzen von Europa ein hochentwickeltes Kulturland ersten Ranges gebildet. Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! können auch wir voll Bewunderung ausrusen. Ja, Großes hat der Herr mit unserm Volke und Lande vorgehabt, groß sind wir geworden durch herrliche Siege, durch die Weisheit tüchtiger Regenten und Staatsmänner, durch den Fleiß strebsamer Bürger, durch Handel und Gewerbe, durch Kunst und Wissenschaft.— War Deutschland einig. war es stark, aber leider hatte unser Vaterland oft genug unter der bekannten deutschen Uneinigkeit seiner Stämme zu leiden und geriet dann in schwere Nöte. Nach dem 30jährigen Kriege war es vorbei mit des Reiches Herrlichkeit, jeder Staat und sode? Stätchen sorgte nur für sich. Zwar regie der preußische Adler mon kühnen Fluges seine Schwingen, aber es war nur fernes Rauschen. Vor ungefähr 100 Jahren ging das alte Kaiserreich sang= und klanglos zu Grunde. Wohl lebte nach den Freiheitskriegen der deutsche Glaube an ein Deutsches Reich wieder auf, aber die Raben der Zwietracht flogen munter um Bardarossas Schlafstätte umher. Traurig konnte da der Dichter fragen: „Was ist des Deutschen Vaterland? Ist's Preußenland, ist's Bayerland, Westfalenland und Schwabenland?“ Deutscher wollte niemand um die Mitte des vorigen Jahrhunderts heißen. Verachtet war der deutsche Name im Lande, ein Gespött der Welt. Schamröte muß uns noch heute über dieses unwürdige Gebahren unserer Vorfahren ins Gesicht steigen, daß der gemeinsame Name, die gleiche Sprache keine Einheit, kein Reich bildete. Die deutsche Einheit mußte erst unter Preußens Führung durch Blut und Eisen 1864—71, unter Bismarcks genialer Staatskunst, Moltkes Schlachtenplänen und Wilhelms I. reicher Erkenntnis erstritten werden. Herrlich steht nun Deutschland als ein großes und freies Reich da! Nie kann Deutschland untergehen, wenn es einig bleibt. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr.“ Das schwarz=weiß=rote Banner ist überall bekannt und geehrt. Deutscher Handel, deutsche Industrie, deutsche Kunst und die mustergiltigen Einrichtungen in Verkehr, Sicherheit und Volkswohlfahrt sind immermehr im Wettbewerbe der Nationen zu höchster Blüte gelangt. Auch ist unser Vaterland im großen und ganzen ein schönes und reichgesegnetes Land in seinen dunklen„Wäldern, goldenen Auen, lieblichen Tälern und auf hohen Bergen. Das milde Klima bewirkt großen Reichtum der Erzeugnisse des Pflanzenreiches. Zahlreich sind die Schätze im Innern der Erde. Die Bewohner haben eine hohe geistige Bildung erlangen können wie kein anderes Volk der Erde.— Aber hohe Aufgaben hat unser Vaterland noch zu lösen. Diese bestehen vor allem darin, daß wir hegen und pflegen deutsche Sprache und deutsche Schulen, deutsche Sitten und deutsches Haus. deutsche Gesinnung und deutsche Ehre, deutschen Mut und deutsche Macht. Ein jeder einzelne hat Pflichten gegen das Vaterland, jeder muß an seinem Teile das Glück des Landes fördern helfen. Auch der Geringste kann es lieben, selbst wenn er die Heimat verlassen mußte. „Treue Liebe bis zum Grabe Schwör ich Dir mit Herz und Hand, Was ich bin und was ich habe, Dank ich Dir, mein Vaterland.“ Mit der Tat beweist man echte Vaterlandsliebe, und der ist kein Deutscher, der sein Land nicht liebt. Der ist es nicht wert, in einem solchen Lande zu wohnen, für dessen Freiheit seine Väter Gut und Blut geopfert haben. Feinde haben wir genug, neidische Nationen umgeben uns in großer Zahl. Wirken jedoch Fürst und Volk verständnisliebend zusammen, liebt und versteht nicht nur das Volk seinen Herrscher, sondern, was ebenso wichtig und noch von weittragendet Bedeutung ist: versteht der Fürst sein Volk, und steht er nicht einsam, sondern im Volke, dann ist der Herrschertbron fest gegründet wie ein Fels im Meer, dann muß des Volkes wahres Glück gedeihen, dann wächst und blüht das schöne Vatertand! Darum lassen Sie uns, verehrte Festversammlung, stets des goldenen Mahnrufes unseres großen Dichters Schiller eingedenk sein„Die angebornen Bande knüpfe fest, Ans Vaterland, aus teure, schließ Dich an, Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen; Hier sind die starken Wurzeln Deiner Kraft. Darum haltet fest zusammen, fest und einig; Seid einig, einig, einig!“ Mit einem Hoch auf das herrliche deutsche Vaterland schloß Redner seine mit jubelndem Beifall ausgenommene Rede. Nach weiteren Vorträgen des Gemischten Chores(Blaukreuz=Verein) und des Männerchors nahm Herr Pfarrer Barlen das Wort zur Schlußansprache. Redner führte aus, daß zunächst all denen herz licher Dank gebühre, die in so selbstloser Weise an dem Gelingen des Nachmittags mitgewirkt, den Helfern, den Rednern, den Chören. Sie haben uns ins Herz geredet und gesungen. Es waren Töne vaterländischer und religiöser Art. So soll es auch hier immer blei ven. Die verschiedenen Vereine sollen hier nach ihrer Art tagen— es dient alles dem Wohle des Hauses und der Gemeinde. Mit dem gemeinschaftlich gesungenen Liede:„Ein' feste Burg ist unser Gott“, schloß die erhebend verlaufene Feier. Raummangels wegen mußten wir unsere Mitteilungen am Samstag sehr kurz fassen. Aus dem Grunde haben wir auch nicht der Manner namentlich gedacht, die den Gedanken des Vereinshaus bis zur Vollendung durchgeführt haben. Da muß vor Allem der beiden Vorsitzenden, des Herrn Pfarrers Schumacher und Herrn Fran ken gedacht werden. Wie rastlos haden diese beiden Männer ge arbeitet und in welch selbstloser Weise haben sie Mühe und Kosten nicht gescheut, um endlich das Werk so weit zu bringen. Dann muß des Mannes gedacht werden, der die finanzielle Seite des Werkes in Händen hatte, des unermädlichen Herrn Rektor Potthoff. Als treue Paladiene standen ihm Männer zur Seite, die zum Teil heute schon die kühle Erde deckt. Wir nennen nur die Herren Kranenberg, Endler, beide verstorben, ferner die Herren Schönebeck, Neermann und noch viele andere.— Doch als das Werk begonnen war, da konnte die Arbeit nicht mehr allein bewältigt werden. Da waren es die Herren Rektor Ischerland, Herr Sieburg, Herr Stodt usw. Die mit allen Kräften unermüdlich tätig waren. Was ist das alles ohne die praktische Leitung des Baues. Die ganze Ver antwortlichkeit des Werkes lag in den Händen des Bauleiters, Herrn Architekten Dinkler. Gerne teilen wir mit, daß uns in unseren Mitteilungen vom Samstag ein Irrtum unterlief. Als Herr Stadtbaurat Wagner unsere Stadt verließ, hatte er ein Projekt für das Vereinshaus ausgearbeitet. Herr Architekt Dinkler. dem nach Herrn Wagner die Baulettung übertragen wurde, hat an Hand seiner Entwürfe und Pläne den Bau begonnen und zu Ende geführt. Wäh rend des Baues hat er gezeigt, daß er das ihm geschenkte Vertrauen wohl zu würdigen gewußt hat. Ihm gebührt neben den anderen Herren an erster Stelle Dank. Auch wir sagen hier:„Das Werk lobt seinen Meister“. Möge nunmehr das Haus den gestellten Erwartungen entsprechen und möge es ein Segen für die Gemeinde Schalke sein. Sport. — Rennen zu Auteuil, 29. Nov.(Priv.=Telegr.) Prix le Toucvurs. 3000 Fr. 8100 Meter. I. Fourets La Corse(Shaw); 2. Besnus Noires Terres; 3. Thiebauxs Kassaba. Tot. 105: 10. Platz 28, 14, 13: 10.— Prix de Chantilly. 15000 Fr. 5000 Meter. 1. Veil Picards Pharaon; 2. Langns Gorest Star. 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Gelsenkirchener Männer-Gesang-Verein. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Dahinscheiden unseres lieben passiven Mitgliedes, Herrn Balthasar Rolofs geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. d. Mte., morgens 8½ Uhr, vom Sterbebause Behnhofstrasse 82 aus Katt. Zum letsten Ehrengeleite versammeln sich die Mitglieder pünktlich 8 Uhr im Vereinsheim Ww. E. Heuser. Bankstrasse 18. Der Vorstand. Die Direktion der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahnen ist auf ihren Antrag hin vorbevaltlich der Rechte Dritter. die Genehmigung zur Gleisänderung in der Ahstraße zu Gelsenkirchen seitens des Herrn Regierungs=Präsidenten in Arnsberg erteilt worden. Der genehmigte Plan liegt gemäß§ 17 und 47 des Gesetzes über Klein= und Privatanschlußbahnen vom 28. Juli 1892 vom 30. ds. Mts. ab 14 Tage lang während der Bürostunden zu jedermanns Einsicht in dem städtischen Tiefbauamt Augustastraße Nr. 15, Zimmer Nr. 14 offen Während dieser Zeit kann jeder Beteiligte im Umsange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan erheben. Diese sind schriftlich beim Unterzeichneten oder mündlich zu Protokoll bei der oben bezeichneten Dienststelle anzubringen. Gelsenkirchen, den 27. November 1908. Der Oberbürgermeister. I. B.: Arendt. Bekanntmachung. Da nach den Bekanntmachungen des Reichsgesundheitsamtes jeder Zusatz von Mehl zu Wurstwaren grundsätzlich als eine Versälschung im Sinne des§ 10 des Gesetzes vom 14. Mai 1879 anzusehen ist und der höchste Gerichtshof in steter Jechtsprechung sich dieser Ansicht angeschlossen hat, wird siermit die Bekanntmachung des Königlichen Landratsamtes Gelsenkirchen vom 15. August 1901, nach der den Metzgern gestattet war, Wurstwaren einen Mehleusatz von etwa 2 pEt beizumischen, aufgehoben, soweit die Bekanntmachung Gültigkeit für einzeune Teile der Stadt Gelsenkirchen hat rlech Gelsenk 10006 rchen, den 26. November 1908. Die Polizeiverwaltung. Der Oberbürgermeister. I 8.: Antoni. Bekanntmachung. Für den Neubau des Realgymnasiums hierselbst soll die Gasbelenchtungsanlage öffentlich vergeben werden. Verdingungsunterlagen und Zeichnungen sind auf dem Hochhauamt einzusehen; erstere können von dort gegen Zahlung von 0,00 Mark bezogen werden Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen. dem Hochbauamt— Zimmer 42 im neuen Rathaus— bis zum 9. Dezember d. Js., vormittage 10 Uhr, einzureichen, woselbst sie in Gegenwart der erschienenen Bewerber geöffnet werden. Gelsenkirchen, den 28. November 1908. 9987 Der Oberbürgermeister. I. B.: Arendt Handels-Begister B des Kal. Amtsgerichts zu Gelsenkirchen. Bei der unter Nr. 23 eingetragenen Firma: Glasund Spiegelmanufaktur, Aktiengesellschaft zu Gelsenkirchen=Schalke ist am 26. Nov. 1908 eingetragen worden: Dem Kaufmann Fritz Merten in Gelsenkirchen II is derart Prokura erieilt, daß derselbe berechtigt ist, gemeinschaftlich mit einem schon vorhandenen Prokuristen die Firma zu zeichnen. Bekanntmachung! Auf Grund des§ 8. Abs. 4 und§ 13. Abs. 1 der vom Herrn Minister für Handel und Gewerbe unterm 17. März 1906 erlassenen Anordnungen über die Verfassung und die Tätigkeit des Berggewerbegerichts zu Dortmund der., Reisitzer, auß der Rahl der Arbeitgeber für den Kammerbezirk X(Hernei auf Dienstag. den 15. Dezember 1908, nachmittags von 4 bis 5 Uhr, am Sitz der Kammer, Fabrikstraße, anberaumt. Herne, den ab. Nouember 1908. Der Königliche Wahlkommissar. erne, Bergrat. Monteg, den 39. November 1903. Gudrun Hildebrandt kommt. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Max Weinberg in Wanne, Inhabers der Firma Cahn& Michel, ist infolge eines von dem Gemeinschuldner gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin und Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen auf den 22. Dezember 1908, vormittags 11 Uhr, vor dem Königl chen Amtsgericht in Gelsenkirchen,— Ziminer Nr. 23— auberaumt. Der Vergleichsvorschlag und die Erklärung des Gläubigerausschusses sind auf der Gerichtsschreiberei des Konkursgerichts zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gelsenkirchen, den 28. November 1908. Der Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts. Thönnes, Amtsgerichtssekretär. Schlag gereist. Briestanden bill. z. verk. Gewöhnen garant. Wattenscheid, Steelerstr. 87. Runkeln sind zentnerweise zu haben, bei Abnahme von 15 Zentner franko Haus. Daselbst sind 6—8 Wochen alte Schweine zu haben. Landwirt Th. Berger, Gelsenk.=Heßler, Heßlerstr. 116 Stadtverordneten- Wahl. Gemäß§ 27 der Städteordnung für vis Brovinz Westsalen vom 19. März 1856 bringe ich nachstehend das Ergebnis der am 25. und 26. November cr. hierselbst stattgesundenen engeren Stadtverordneten=Ergänzungswahl für die dritte Wahlabteilung zur allgemeinen Kenninis. Es sind gewählt worden auf eine mit dem 1. Januar 1909 beginnende sechsjährige Amtsdauer: Maschinenwärter Wilhelmn Rüter, Bergmann Heinrich Depenbrock Etwaige Einsprüche gegen die Gültigkeit der stattgefurdenen Wahl sind innerhalb 8 Wochen nach Bekanntmachung des Wahlergebnisses bei dem Unterzeichneten zu erheben. Wattenscheid, den 27. November 1908. 10059 Der Bürgermeister: Wibberding. 543 Leistungsfähige, altrenommierte Margarine-Fabrik die ausser hervorragenden Spezialitäten auch eine hochteine Pflanzen-Margarine erzeugt, sucht für Gelsenkirchen und Umgegend eneraischen, bei den einschlägigen Geschaften besteingeführten Vertreter, ertl. auch bei grosserem Umsatz solventen Allein-Verkäufer. Offerten sind zu richten unter A. 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Korrespondenz“ schxeibt: Es ist an uns das Ersuchen gestellt worden, auf die Bedürfnisse und Wünsche einer bestimmten Beamtenkategorte aus Anlaß der jetzt zur Beratung stehenden Besoldungsreform hinzuweisen. So gern wir an sich diesem Ersuchen entsprechen würden— wir glauben, daß das Herausgreifen einer einzelnen Kategorie in der Vrene mißlich ware, weil es leicht wie eine Ungerechtigkeit gegen andere Beamtenkategorien ausfähe, die ebenso sehr eine Erwähnung verdienten und sich mit Recht zurückgesetz! fühlen würden. Aus diesen. Grunde bitten wir, unser Versagen freundlichst entschuldigen zu wollen. * Gegen die Elektrizitäts= und Gassteuer wendet sich der über 22000 Mitglieder zählende Verein deutscher Ingenieure, dessen Vorsitzender Geheimrat Prof. Dr. A. Slavy ist, in einer an den Reichstag gerichteten, ausführlich begründeten Eingabe. Es heißt darin. daß es bedeute, sich dem kulturellen Fortschritt hindernd in den Weg zu stellen, wenn man die Energieformen von Gas und Elektrizität besteuern und hierdurch ihre Anwendung einschränken wollte.„Das geplante Steuergesetz gebe in technischer, volkswirtschaftlicher, hygienischer, sozialer und steuertechnischer Beziehung zu den schwersten Bedenken Anlaß.“ * Die Zahl der Reserveoffiziere unter den Volksschullehrern beträgt nach der„Frankf. Ztg.“ in Preußen 58. Es sind 51 Lehrer und 7 Rektoren Reserveoffiziere. * Der regierende Fürst Georg zu Schaumburg=Lippe und seine Gemahlin, die Fürstin Marie Anna, geborene Prinzessin von SachsenAltenburg, werden, wie die„R. G. C.“ meldet, noch vor Ablauf des Jahres dem regierenden Fürstenpaare zur Lippe in dessen Residenz Detmold einen Besuch abstatten, dessen Dauer auf mehrere Tage berechnet ist. Der Besuch soll offiziellen Charakter tragen und wird ein Beweis dafür sein, daß jede Spannung zwischen den Häuptern der Neuauslagen besonders preiswerter Tapisseriewaren. G. m. b. H. Gelsenkirchen Bahnhofstr. 55. K##m beiden fürstlichen Linien des Hauses Lippe endgültig beseitigtist. Aus Rom wird uns gemeldet: Ein Telegramm der„Tribuna“ aus Washington meldet den Abschluß des japanisch=amerikanischen Vertrages über alle Fragen des äußeren Orients. Schreckensregiment auf Raiti. (•) Die aus Haiti eintreffenden Nachrichten lassen erkennen, daß die von dem General Eimon geleitete Revolutionsbewegung im Süden der Negerrepublik unaufhaltsame Fortschritte macht; überall lehnt die Bevölkerung sich gegen die Herrschaft des Präsidenten Alexis auf und eine Reihe grausamer Regierungsmaßregeln haben nicht wenig dazu beigetragen, die Reihen der Insurgenten zu verstärken und die Popularität des Revolutionsmdankens zu festigen. Wie hoch die Erbitterung gestiegen ist, zeigt das Schicksal des Generals Lecomte, des Ministers des Innern. Am Dienotag traf der durch seine blutige Strenge berüchtigte Beamte an der Sochze einer Truppenschar in der Stadt Jeremte ein. Der gefürchtete M: latte, dessen Laufbahn genug blutige Spuren hinterlassen hat, griff auch hier sofort zu den grausamsten Maßregeln. Zwei Tage vorher hatte er elf hervorragende Politiker auf die vage Verdächtigung revolutionärer Gesinnung hin exekutieren lassen. Als er in Jeremte eintraf, fand er das Regierungskanonenboot Grogant gestrandet. Sofort beschuldigte er den Kommandanten, Kapitän Ostema, des Verrats und ließ ihn ohne weiteres erschießen. Dann begann er in der Stadt gewaltsam Rekruten auszuheben, die bestimmt sein sollten, gegen die Revolutionäre zu kämpfen. Eine Anzahl der angesehensten Bütrger protestierte, formell gegen dieses Verfahren. General Lecomte antwortete auf die Beschwerde damit, daß er die zwei bekanntesten Bürger sofort gefangen nehmen und auf der stelle hinrichten ließ. Die blutige Tat entfesselte die heimlich gädrende Empörung der Bevölkerung aufs höchste, und der Sturm brach los. Alles rief nach Waffen, und dann begann ein ungestn mer Angriff auf die Truppen des Ministers. Aber es kam nicht einmal zu einem Kampfe, die Truppen leisteten keine Gegenwehr. und der General wurde gefangen genommen. Man vergalt ilm Gleiches mit Gleichem. Auf derselben Stätte, wo er noch eine Stunde vorher kaltblütig das Todesurteil gegen den Kommandanten Ostema hatte vollstrecken lassen, ereilte ihn sein Schicksal; die rkitende Volksmenge erklärte ihn des Todes für würdig und er wurde sofort erschossen. Ratlos steht die Regierung diesen Aufwallungen des Volkszornes gegenüber. Der Kriegsminister bittet um disziplinierte Truppen, da er mit den gewaltsam zum Dienst gezwungenen unausgebildeten Rekruten gegen die Revolutionäre nicht kämpfen könne: aber seine Bitten müssen ungehört verhallen, das Prestige der Regierung scheint erschüttert, während den Revolutionären von allen Seiten Kämpfer zuströmen. Dacuumluftschiff. Andreas-Nacht. Von Adolf Dehler. (Nachdruck verboten). Pst!— pst! Stille, stille!— Ganz stille! Heute ist Andreasnacht. Heute tuen sich geheimnisvolle Mächte kund, aber tiefes Schweigen muß herrschen, wenn der Zauber wirken soll. Ernst und feierlich müssen alle Zeremonien vorgenommen werden, wenn es euch, ihr jungen Burschen und Mädchen, gelingen soll, den gebeimnisvollen Schleier zu lüften und einen Blick in die Zukunft zu tun. Witzt ihr nicht, ihr jungen Mädchen, daß in heutiger Nacht die Möglichkeit vorhanden ist, euren Zukünftigen zu erkennen! Aber die Nacht ist gruselig, genau so gruselig, wie die Silvesternacht und die Walpurgisnacht. Heure jährt es sich wieden, daß der gütige Apostei Andreas als erster an unseren Herrn und Hesland glaubte, und darum ist die Nacht heilig und darum offenbaren sich in ihr geheimnisvolle Kräfte, ganz genau so wie zu jener Zeit, wo statt des guten St. Andreas der altgermanische Gott Freva, der hergensgute Heidengott, darüber wachte, daß der häusliche Herd und die Ehe nicht entweiht wurden. Das war vor vielen tausend Jahren, und heute noch stehen wir im Banne jener altheidnischen Gebräuche, und in allen Gauen unseres Vaterlandes haben sie eine liebevolle Pflegestätte gefunden. Tros der Aufklärungen einer fortschrittlichen Zeit wurzeln sie tief im Gemüte des deutschen Volkes, und wir freuen uns dessen, und sind stolz darauf, daß uns trotz des poestelosen Alltagslebens der Jetztzeit jene Tradition, die von unseren heidntschen Vorsabren uns überkommen ist, erhalten geblieben ist. Sie tut den sittlichen und religissen Gefühlen des Volkes keinen Abbruch, der Deutsche geht mit demselben Ernst in die Kiache, mit dem er die zkohannisfeuer auf den Kuppen des Riesen=, des Altvater= und des Erzgebirges, des Harzes und des Thüringer Waldes auflodern läßt, und die geheimnisvollen Verrichtungen in der Andregsnacht aufführt. Pstl pst! Aber ganz stille muß es heute in der Andreasnach hergehen. Und wißt ihr jungen Burschen und Mädchen Bescheid, wie die Zeremonien vorgenommen werden, dann könnt ihr mehr erfahren, als euch die Wahrsagerin aus dem Kaffesatz prophezeien oder die Kartenlegerin aus ihren Blättern verraten kann. In der Andreasnacht müssen die Zweige gebrochen werden, die zum Julfest, zu Weihnachten, erblüben sollen, und dann wohnt ihnen eine geheimnisvolle Kraft inne, von der nur wenige Menschen eine Ahnung haben. Das junge Mädchen im Harz geht um die zwölfte Stunde hinaus in den Garten und bricht vom Flieder=, vom Kirschen= oder Apfelbaum einige Zweige, verbeugt sich in feierlichem Ernst dreimal gegen Osten und erfleht dabei den Schutz und die Hilfe des gütigen Brick, dann kann sie, wenn zum Kulfeste die grünen Knospen sich zu zarten Bluten entwickelt haben, den Zweig als Wun schelrute benutzen und damit jeden Burschen, der ihr gefällt, bannen und zu eigen machen. Aber das Mädchen darf kein Wort dabei sprechen, sonst stellt sich der Zauber nicht ein. Ebenso geheimnisvoll muß das Bleigießen in der Geisterstunde der Andreasnacht vor sich geben. Am besten eignet sich das Blei von zerbrochenen Kirchenfenstern. Dieses Blei wird in einen alten Schlüssel, den man von einer alten Muhme oder sonstwoher geerbt hat, getan und über einer geweihten Kerze erchitzt und flüssig gemacht; dann gießt man das Blei durch einen alten Erbring in ein Becken mit mäßig gesalzenem Wasser, aber ohne dabei zu sprechen oder gar zu lachen. Aus dem gewonnenen Bleistück ist dann mit einiger Phantasie ein für die Zukunft charakteristisches Sombol zu entziffern. Ist es ein Murtenkranz oder gar ein Ring, dann führt der Bleigießzer noch im selben Jahre die Braut oder den Bräutigam zum Altar; ein Kreuz oder gar ein Sarg sind böse Vorzeichen und werden deshalb selten aus dem Gießprodukt ersehen Wie bekannt, benutzen wir in unsern Ballons und Luftschiffen ein leichteres Gas, entweder Leuchtgas oder Wasserstoffgas, um dadurch in den Gashüllen die schwere Luft zu vordrängen und den gewünschten Auftrieb zu erhalten. Es dürfte auch bekannt sein, daß wieder und immer wieder Versuche gemacht werden, um das Gas durch etwas Besseres zu ersetzen. Bis jetzt kennen wir freilich nur einen Ersatz, nämlich die Benutzung erwärmter und dabei leichterer atmosphärischer Luft, die ja zuerst in den Montgolsieren noch vor der Benutzung des Gases zur Anwendung kam. In neuerer Zeit sind nun Vorschläge anderer Art gemacht worden, die auf das sogenannte Vacunmluftschift hinauslaufen. Man denkt daran, große ##arrenförmige oder kugelförmige Metallkörper einfach lustleer zu pumpen und dadurch den nötigen Auftrieb zu gewinnen. Theoreisch ist das durchaus richtig. Praktisch ergeben sio unüberwindliche Schwierigkeiten. Der bekannte Meteorologe S. van der Hoggstraten hat sich die Mühe genommen, die Festigkeitsverhältnisse des Vacuumluftschiffes genau durchzurechnen. Er hat dabei unter anderem die Größenverhältnisse des Zeppelinschen. Luftschiffes zugrunde gelegt und zunächst einmal angenommen, daß man mit derselben Metallmenge, die jetzt in dem Metallgerippe des Zeppelin verbaut ist, eine gasdichte Hülle von der Größe des Zeppelin herstellen solle. Die Rechnung zeigt, daß diese Hülle trotz ihrer Schwere von mehreren Tausend Kilogrammen absolut ungeeignet ist, den In der Mitternachtsstunde schleicht der Bursch oder die Maid im Allvatergebirge von Haus zu Haus, horcht an den Fenstern, und dann hört sie oder er den Namen der oder des Zukünftigen. Oder die jungen Leute horchen, vor den eigenen Haustüren, und aus der Gegend, in der zuerst ein Hund bellt, kommt der Liebste. Ein ganz probates Mittel, um den Zukünftigen kennen zu ler nen, ist der in Thüringen übliche Wurf mit der Apfelschale. Die heiratslustige Maid schält, wenn zwölf Schläge vom Turme durch die geheimnisvolle Andregsnacht zittern, einen Apfel, ohne dabei die sich schlangenförmig windende Schale zu gerreißen. Diese wird dann über die linke Schulter geworsen, und aus dem Namenszug ist dann ohne weiteres der erste Buchstabe des Vornamens des Zukünftigen zu ersehen. Natürlich muß man bei einem gewünschten W. einen entsprechend großen Apfel nehmen, und ob bei einem W. der Wilheim oder der Walter in Betracht kommt. das weiß das meist besser als der St. Andreas oder die Fricka. Weit einfacher ist es, wenn die Dirn einen Schuh über die Schulter wirft: Zeigt die Spitze nach der Stubentür, dann kommt durch diese noch im selben Jahre der Freiersmann. Mit einigen Vorübungen im Werfen lassen sich dabei zumeist die erfreulichsten Resultate erzielen. In manchen Gegenden Schlesiens genießt folgender Brauch die größten Sympathien. Ein alter ererbter Schlüssel wird in eine alte Bibel, die ebenfalls ein Erbstück sein muß, an der Stelle, wo das Neue Testament beginnt, so bineingebunden, oaß der Griff des Schlüssels herausschaut. Nun stellen sich zwei Kreundinnen gegenüber, eine jede läßt den Griff des Schlüssels aus ihrem Zeigesinger ruhen, damit das heilige Buch frei in der Luft schwebt. Nun sagen die Mädels im Gedächtnis die Namen aller derer auf, die eventuell als Freier in Betracht kommen könnten. Kommt der Name des Zukünftigen, dann dreht sich geheimnisvoll die Bibel. Auch der Gartenzann, ebenfalls ein ererbter, spielt in Fran — Arberen Luftdruck aufzunehmen. Wenn man mit einer einfachen Handpumpe begänne, die Hülle leer zu pumpen, würde sie bereits nach wenigen Hüben vom Luftdruck zerknüllt werden. Hoogstraten hat weiter solche Vacuumluftschiffe der verschiedensten Größen durchgerechnet, und immer ist das Ergebnis dasselbe. Wir sind nicht imstande, widerstandsfähige Hüllen, die noch Auftrieb haben, zu bauen. Der Gedanke eines Bacuumluftschiffes, der wieder und immer wieder in Erfinderkreisen auftauchte, muß daher nach diesen geneuen Untersuchungen ein für allemal als abgetan gelten. Perliner Brief. (Von unserem Korrespondenten.) Die Furcht vor schlechten Zeiten.— Pelitik und neue Steuern.— Permanente Beunruhigung.— Kalamitäten.— Bier=Abstinenz.— Beruhigungsredner.— Bureaukratiomus.— Der üppige Ephen.— Der nackte Abend.— Fritzchen und Siegele.— Wintergewitter, Eine ganz eigentümliche Art von Epidemie ist in Berlin ausgebrochen: Die Furcht vor den schlechten Zeiten! Ich höre, auch sonst im Lande soll diese Epidemie grassieren, es scheint mir aber, daß sie in Berlin zurzeit ganz besonders heftig auftritt. Man kann hinkommen, wohin man will, es gibt kein anderes Thema, als dieses. Leute, die über die Wahrung ihrer Existenz nachzudenken haben, machen ein so bedenkliches Gesicht, als ob schon andern Tages jede Möglichkeit, sich und die Familie zu ernähren, vernichtet wäre. Schon einmal, vor langen Jahren, sah es in Berlin so aus, und noch schlimmer; man sang damals ein Kouplet:„Ach die Zeiten sind so schlecht!“ Heute singt man nicht einmal mehr ein Kouplet, man geht schweigsam dahin und klagt. Die Börse, die böse Börse, die Politik, diese fortwährende Kriegsbeunruhigung, und die Gefahr der neuen Steuern. Nachdem die innere und äußere Politik sich beruhigt, wenigstens insoweit, daß sie aus der Diskussion des Tages ein wenig ausgeschieden werden konnte, nachdem die Kriegsgefahr, wenigstens für Deutschland, wieder in weitere Ferne gerückt ist, müssen die neuen Steuern herhalten, um diese ganz absonderliche Furcht vor den schlechten Zeiten zu motivieren. Und der Bazillus für diese merkwürdige Krankheit, die auf das Leben lähmend wirkt!? Ich habe den Eindruck gewonnen, hier wenigstens in Berlin, daß ein gut Teil an dieser vermanenten Beunruhigung die Leute, die in der Oeffentlichkeit stehen und das Ohr der Oeffentlichkeit besitzen, schuld haben. Warum? Wozu? Wem soll dieses ewige Lamentieren nützen? Es macht den ruhigsten Geschäftsmann konfscheu. Am allerempfindlichsten leiden unter dieser erkünstelten Misère und dieser ganz unnötigen Angst vor einer schweren Kalamität die Theater. Es ist grausig, wie es in den Berliner Theatern zurzeit aussieht. Von etwa 34 Theatern sind etwa drei überhaupt nennenswert besucht: das Metropol=Theater, das Residenz=Theater und das Thalia=Theater, welch letzteres einer so außerordentlichen Anziehungskraft, wie der Wiener Meister Gi rardi ist, bedarf. Die Berliner Zeitungen übertreiben sicher stark, indem sie grau in grau malen. Das Geld ist doch da. aus der Welt verschwunden ist es nicht, die Beamten bekommen ihre Gehälter, die Angestellten ebenfalls, die Arbeiter ihre Löhne. Man muß energisch mahnen, daß man die Berliner Bevölkerung nicht noch mißtrauischer macht und durch beruhigende Worte nach und nach den friedlichen Bürger von der Wahnidee abbringt, nun sei es überhaupt aus mit dem Leben. Recht charakteristisch und als Stütze für das, was ich sagte, ist ein Kommuniqué der Berliner Braiereien, welche über einen so enormen Rückgang des Bierkonsums klagen, wie er noch zu keiner Zeit in Berlin wahrgenommen ist. Wenn ich hier auch als Ursache zum Teil die immer stärker werdende Anti=Alkohol=Bewegung mit in Betracht ziehe, so bleibt noch genug Schuld für die Schwarzmaler übrig. Denn man kann heute schon in jedem größeren Restaurant Gespräche belauschen, daß man sich bald nicht mehr ein Glas Wein oder einen Schoppen Bier wird gönnen können. Ich erinnere mich, daß man in jenen schlechten Zeiten, von denen ich oben gesprochen, große Versammlungen, sogenannte Beruhigungs=Versammlungen, veranstaltet hat, um den Bürgern klar zu machen, daß es mit dem Weltuntergang noch gute Weile hat. Ein solcher Beruhigungsredner, der sicherlich auch den Erfolg für sich hätte, wöxe unser Bürgermeister Dr. Reicke; er hat bei der Hundert=Jahrestag=Feier der Städteordnung im Rathause eine vielerörterte und vielbelobte Rede gehalten, deren Wert um so höher anzuschlagen ist,o's sie vor dem Kaiser und dem Kronprinzen und dem ganzen Hofgefolge gehalten wurde und dem Bureaukratismus hart zu Leibe ging. Und als ob die Zeitgeschichte beweisen wollte, wie recht Dr. Reicke gehabt hat, wurde gleich ein ergötzliches Beispiel für die Uferlosigkeit des Bureaukratismus bekannt. Das Oberpräsidium als Aufsichtsbehörde gegen die Stadt Berlin. Eine harmlose, eine kindlich harmlose Angelegenheit: ein zu üppiges Rankenwerk von Efeu, welches sich um ein öffentliches Denkmal schlingt. Das Denkmal steht in dem Berliner Quartier latin und gilt unserm verstorbenen berühmten Augenarzt Gräfe; zwei Reiefs zur rechten und zur linken sind beinahe durch etwas zu stark lauenden Efeu gedeckt. Das hat das künstlerische Auge der Aufsichtsgehörde gestört, und es ist deshalb ein umfangreiches Aktenstück veraßt und an den Berliner Magistrat geschickt worden. Ich höre, daß nan im Roten Hause nicht gesonnen ist, das Aktenstück zu beantvorten. Kann man sich aber denken, daß es etwas gibt, was besser den bei uns eingewurzelten Bureaukratismus beweist!? Ein etwas zu üpviges Rankenwerk Gegenstand der Unterhaltung! Wir nicht Beamteten können uns doch schon andere Themata aussuchen, eins allerdings ist da, wo auch eine Behörde beteiligt ist:„Der nackte Abend“". Ich würde diese Ueberschrift nicht wählen, wenn sie nicht illgemein so gewählt worden wäre. Der Verein„Schönheit", der diese stark dekolletierten Abende im Mozartsaal veranstaltet, um zu ecweisen, daß das Nackte nicht unsittlich ist, steht mit der Polizei im Konflikt, welche die nackten Abende nicht gestatten will. Es war des jalt neulich ein Demonstrationsabend veranstaltet worden zu dem auch Abgeordnete erschienen waren. nur Herr Roeren allerdings war erngeblieben. Eine Demoiselle oder Miß. oder war. es schlicht und einfach ein Fräulein Desmond. der große Schönheit der Formen nachgerühmt wird, tanzte ziemlich entschleiert, und stellte mit einem ken, an den füdlichen Abhängen des Thüringer Waldes, wie auch im Riesengebirge in der Andreasnicht eine Rolle: das Mädchen muß um die Geisterstunde an ihm rütteln und dabei folgendes Verslein sprechen: (erhlaun 4-A14T. Alle Eich, Lieber Andreas, ich bitte dich. Lo“ mir erscheinen Den Herzallerliednen meinen, Wie er geht, r 1·ht, Wie er mit mir zum Altare gebt! In der Gegend, wo während dieser Zeremonie der Hund anschlägt, soll der Zukünftige wohnen. Verfügt das Mädel nich übe: einen solchen Erbzaun, und ist ein solcher im ganzen Dorse nicht aufzutreiben, dann tritt die Maid im Bett mit der großen Fufzehe dreimal ans Bettbrett und sagt obiges Erbzaunsprüchsein auf selbstverständlich in der stungemäßen Abänderung, wonach die erst Zeile heißen muß:„Bettbrett, ich trete dich!“ dann erscheint ganz bestimmt der Herzallerliebste im Traume. Nun, hr holden Jungfränlein, nehmt die günstige Gelegen heit wahr und lüftet den Schleier der Zukunft. St. Andreas und Fricka werden über euch wachen. Aber stille, gani stendabei zugehen! Herrn Salge lebende Bilder, also sagen wir: Aktstudien. Es wird allgemein behauptet, daß die Vorführung mehr den Eindruck einer künstlerischen Darbietung, als den einer beabsichtigten niedrigen Sensation machte. Also hier konnte die Behörde nichts machen. Dagegen hat sie zurzeit viel mit einer Riesendefraudation zu tun. Die Firma Arthur Koppel,##e Weltfirma der Maschinen= und Feldbahnen=Branche, ist von einem ihrer beliebtesten Angestellten, dem sie blindlings vertraute, um 400000 Mark geschädigt worden. Fritz Kluge, erst 32 Jahre alt, ist der traurige Held dieser Affäre, deren Einzelheiten zeigen, mit welch ausgesuchtem Raffinement Fritzchn gearbeitet hat. Ich sage nicht ohne Absicht„Fritzchen". Man wird ja viel von„Friychen“ lesen, viel Geschäftliches meine ich, was er alles auf dem Kerbholz hat; aber nicht das Persönliche, das ihm auch den Kosenamen„Fritzchen“ in der Welt, in der man sich nicht langweilt, eingetragen hat. Man hörte bisher nur von eine chönen, zu der er in intimen Bezlehungen gestanden, ich höre aber von sehr vielen, die jetzt um„Fritzchen“ trauern. Die eine, ein Frl. Siegele, hat schrecklich unangenehme Tage verlebt; man hat Haussuchung bei ihr gehalten, Journalisten haben sie interviewt, da aber ihr Verkehr mit„Fritzchen“ sozusagen unter dem„Siegele“ der Verschwiegenheit geschah, haben sie nicht viel von ihr herausbekommen Frl. Siegele bildet sich zur Schulreiterin aus. Wenn sie zum ersten Male, wahrscheinlich auf dem Pferde, welches ihr„Fritzchen" geschenkt hat, in der Manege eines Zirkus erscheinen wird, wird sie sich dessen inne werden, daß die hohe Schule der Manege noch lange nicht die hohe Schule des Lebens ist. Es hat wie ein Gewitter bei ihr eingeschlagen, gerade an dem Tage dieser Woche, an dem ein Wintergewitter von besonderer Düsterkeit über Berlin niedergegangen ist. Wir werden viel über diese Naturerscheinung lesen. Ich kann nur berichten, daß es am Donnerstag, also am Gewittertage, wo der Donner dem Namen des Tages alle Ehre machte, mittags zwischen - und 3 Uhr böse aussah.„Licht, mehr Licht!“ war der allgemeine Ruf. Der Regen fiel in Strömen nieder, der Donner rollte; knapp vier Wochen vor Weibnachten, die berühmten ältesten Leute konnten sich wieder einmal nicht an Aehnliches erinnern. 20 Jahre alte Dame in einem Abteil de Schnellzugs Aachen=Köln zwischen den Stationen Buir und Horrei sich durch Oeffnen der Pulsader das Leben zu nehmen. Mitreimde zogen die Notbremse. Zufällig befand sich ein Arzt im Zuge, de der Dame einen Notverband anlegte. In Köln angekommen, wirde sie ins Krankenhaus gebracht. * Eschweiler, 27. Nov. Der, wie beristet, mit einem Schädel bruch im Zuge aufgefundene Schaffner dürte nach dem augenblicklichen Stand der Untersuchung einem Verbreyen zum Opfer gefallen sein. Er soll einen Zusammenstoß mit vier ungen Burschen gehabt haben, die ohne Fahrkarte den Zug bestiegen atten und ihn in Stolberg verließen. Dort wurde der Schaffner shon vermißt, während er in Eilendorf noch Dienst getan hatte. Büchertisch. Verpflichtungen hat die Polizei bei der Beauflichtigung öffentlicher Straßen: Einen interessanten Prozeß hat ein Händler in M.=Gladbach gegen die Stadtgemeinde M.=Gladbach geführt. Der Kläger gründete seinen Anspruch in Höhe von 1020 Mark darauf, daß er in der Waldhausenerstraße in M.=Gladbach mit seinem Fuhrwerk in einen dort ausgeworfenen Rohraraben gestürzt ist. Er will die Stadtgemeinde als Eigentümerin der Waldhausenerstraße, ferner als Geschäftsherrin bezüglich der in dieser Straße damals ausgeführten Kanalisationsarbeiten und endlich wegen schuldhaften Verhaltens der städtischen Polizeiverwaltung für den erlittenen Schaden haftbar machen. Durch Urteil des Landgerichts M.=Gladbach vom 17. Dezember 1907 ist der Klöger mit der Klage kostenpflichtig abgewiesen worden. Hiergegen hatte der Kläger Berufung eingelegt. Diese hat indessen das Oberlandes gericht in Düsseldorf durch Urteil des 4. Zivilsenats vom 24. Ok tober 1908 zurückgewiesen. Das Oberlandesgericht vertrat die Ansicht, daß die Klage vom Vorderrichter mit Recht abgewiesen worden sei. In den für weite Kreise beachtenswerten Entscheidungsgründen wurde ausgeführt: Als Straßeneigentümerin der dem öffentlichen Verkehr dienenden Waldhausenerstraße habe die Stadt zwar für die Verkehrssicherheit der Straße zu sorgen. Diese Pflicht sei aber auch von ihr nicht verletzt worden. Das Auswerfen des Grabens, in welchen der Kläger mit seinem Fuhrwerk gestürzt sei, habe zu den Kanatisationsarbeiten gehört, die in der Waldhausenerstraße vorzunehmen gewesen seien, und diese Arbeiten seien von der Stadt gemeinde M.-Gladbach, indem sie dieselben einem Ingenieur aus Gelsenkirchen übertrug, einer durchaus tüchtigen und zuverlästigen Person, übertragen worden. Danach habe die Stadt keinen Anlatz mehr gehabt, sich um die Ausführung der in Rede stehenden Kanalisationsarbeiten im einzelnen zu kümmern. Ebensowenig lasse sich aus§ 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Haftung der Stadt M.=Gladbach herleiten. Denn der betr. Ingenieur habe der Stadt gegenüber die Stellung eines selbständigen Unternehmers angenommen, wogegen die Anwendung des§ 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches voraussetze, daß der zu einer bestimmten Verrichtung Be stellte den Anweisungen des Bestellers bei Ausführung der Verrichtung Folge leiste. Zu Unrecht behaupte endlich der Kläger. die Organe der städtischen Polizeiverwaltung hätten die Beleuchtung des hier fraglichen Rohrgrabens nicht genügend überwacht, ein Verschulden, für welches allerdings die Stadt M.=Gledbach einzustehen hätte. Ein derartiges Verschulden liege aber nicht vor; dies habe die Beweisaufnahme ohne Zweisel ergeben. Die Arbeiten an dem Rohrgraben hätten bis zu dem Unfalle erst drei Tage gewährt. In dieser kurzen Zeit sei nun die Beleuchtung des Grabens von zwei Polizeibeamten genau kontrolliert worden, und beide seien, sobald sie Uebelstände wahrgenommen hätten, unverzüglich einge schritten. An dem Unfalltage habe der eine Beamte abends den hier fraglichen Teil des Grabens besichtigt und dort eine genügende Anzahl von Schutzlaternen aufgestellt gesunden. Etwa eine Stunde später habe dann freilich keine Schutzlaterne mehr gebrannt. Diese Tatjache allein rechtfertige aber noch keineswegs die Feststellung einer Nachlässigkeit der Polizeiverwaltung. Denn der Dienst der Polizeibeamten in einer größeren Stadt lasse sich nicht derart einrichten, daß die Beleuchtung eines einzelnen Straßenabschnittes während der Dunkelhei; jede Stunde kontrolliert werde. Es müsse aenügen, wenn seitens der Ortspolizei hin und wieder eine solche Kontrolle ausgeübt werde. Aus Mettfalen und der Rheinnrovinz. * Bielefeld, 27. Nov. Die Polizei verhaftete die Ehefrau Franzke wegen Verbrechens gegen das keimende Leben. Eine be handelte Ehefrau ist gestorben; eine ganze Anzahl Frauen und Mäd chen sind in die Angelegenheit verwickelt. * Witten, 27. Nov. Bei den Stadtverordnetenwahlen der 2. Ab teilung wurden die sechs Kandidaten der gemeinsamen Bürgerpartei wiedergewählt. Wegen einer Kandidatur derselben Partei findet Stichwahl statt. Das Zentrum vereinigte nur 50 Stimmen auf sich Die Wahlbeteiligung betrug 65 Prozent. * Königssteele, 27. Nov. Gestern wurde in einem Graben an der Hosstraße zu Horst die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechtes gefunden. Nach dem Befunde ist das Kind in oder ausbald nach der Geburt erwürgt worden. * Barbeck 27 Won. In der Gas= und Hachstraße wurden verschiedene Abonnenten der Zeitschrift„Feierabend“, für welche eine Unfallversicherung besteht, von einem Unbekannten geprellt, der sich als Gschäftsführer verstellte und den Leuten bedeutende Vorteile, unter anderem auch die Gewährung eines Sterbegeldes beim Todesalle versprach. Dafür mußte eine Nachzahlung von 2 Mark erfolgen die der Fremde auf mehreren Stellen auch erhielt. In einigen Häuern versuchte er außerdem für die Verunglückten in Badbod zu samneln. Als die Leute nun Verdacht schöpften, kam ein„Kriminal= seamter“ und verhaftete den Schwindler. Beide sah man nicht wieder, henn— der Kriminalbeamte war auch nicht echt * Krefeld, 27. Nov. 12 Millionen Mark beschloß die gestrige Stadtverordnetenversammlung zur Deckung des Anleihebedarfe auf zunehmen * Wesel, 27. Nov. Das zehnjährige Söhnchen des Bahnhofsvorstehers im benachbarten Ort Dingden nahm die Jagdflinte seines Vaterk, steckte eine auf dem Tische liegende Patrone hinein, legte auf in jüngeres Brüderchen an, drückte los und erschoß es. Das Kind hielt den vollen Schuß aus drei Meter Entfernung ins Gesicht und par sofort tot. * Köln, 27. Nov. Gestern nachmittag versuchte eine etwa Martin Boelitz„Ausgewählte Gedchte". Preis kart. M. 3; erschienen bei Fritz Eckardt Verlag, Luipzig 1908. Diese neueste Sammlung, von des Dichters Hand gerrdnet, ist der Ersatz für die zwei vergriffenen Gedichtbände, die nict in neuer Auflage erscheinen: Aus Traum und Leben(zweites Lausend)— London (drittes Tausend), und bietet ferner eine fein geordnete Auswahl aus: Lieder des Lebens— Frohe Ernte. Die„Ausgewählten Ge dichte“ sind somit die reiche Ernte des Dichters aus all seinem früheren, erfolgreichen Wirken und Schaffen. Die Gesamterscheinung dieser Dichterpersönlichkeit tritt uns hier— we in keinem seiner früheren Bücher— in ihrer wechselseitigen Viekseitigkeit, in ihrer gewaltigen Größe klar entgegen. Wir begrüßen diese Auswahl mit besonderer Freude, da diese Zusammenstellung seiner reifsten, besten Dichtungen es uns ermöglicht, das hedeutsame lwische Talent durch diese knappe Uebersicht ganz kennen zu lernen, zu verstehen und zu würdigen. Stunden herzerquickenden Genuses werden jedem Leser durch die Lektüre der feinsinnigen Boelitzschen Gedichte zuteil Enizückende Gaben für den Weihnachtstisch bietet der durch seine prächtigen Jugendbücher bestens bekannte Verlag E. Nister in Nürnberg in seinen farbig illustrierten Jugend= und Volksbüchern. Neben der gediegenen Auswahl des Stoffes zeichnet sich diese Sammlung vor allen durch die vornehme Ausstattung und die herrliche künstlerische Jllustration aus. Bisher erschienen fünf Bände: Die sieben Scwaven. Die Schildburger. Mit Bildern geschmückt von Adolf Jöhnßen.— Des Freiherrn von Münchhaussen wunderbare Reisen und Aben feuer. Bilder von Paul Horst=Schulze.— Märchen von Rübezahl. Bilder von Wilhelm Stumpf.— Die schönsten Märchen aus Tausend urd eine Nacht. Mit Bildern geschmückt von Walter Paget.— Kinder= und Hausmärchen der Brüder Grimm. Mit Bildern geschmückt von Carl Röger.— Die Qualität der einzelnen Bücher ist in jeder Hinsicht so hervorragend, daß der Preis(2 Mark pro Band) ein äußerst billiger genannt werden muß. Wir wüßten in der Tat kein sinni geres Weihnachtsgeschenk für unsere Jugend, als die sowohl nach Inhalt wie Ausstattung und Bilderschmuck ei und unerreicht dastehenden„Nisters illustrierte Jugend= und Volksbücher". Die Sammlung verdient weiteste Verbreitung zum Segen unserer Jugend. Die Neue Musik=Zeitung beschäftigt sich auch mit Berufsfragen So finden wir in Nr. 2 einen sehr beachtenswerten von Hofkapell meister Band in Stuttgart geschriebenen Beitrag über die Karriere des Theaterkapellmeisters. Die den Zwecken der Hausmusik dienende, vortrefflich abgefaßte Artikelserie über Klavierspiel, Kammermusikwerke usw. führt ein Aussatz von Hofpianist Professor Schwartz fort(drei klassische Stücke), Lehrern wie Lernenden zu empfehlen. In Nr. 3 setzt Hugo Riemann seinen Aufsatz über die Phrasierungsbewegung fort, Dr. Istel seine Studie über die Meistersinger. Weiter sei ein interessauter Brief des verstorbenen Komponisten der„Folkunger", Edmund Kretschmer, erwähnt und eine satirische lehrreiche Plauderei mit dem vielsagenden Titel Sie will zur Oper“. Dieser Nummer liegt auch wieder ein Bogen der neuen illustrierten Musikgeschichte von Richard Batka als Gratisgabe bei. Außerdem bringt das Blatt mehrere Musik beilagen. Probenummern der beliebten Fachzeitschrift(Abonne mentspreis für 6 Nummern im Quartal 1.50 Mk.) versendet kosten los an jede Adresse der Verlag von Karl Grüninger in Stuttaart Standesamts-Nachrichten. Königl. Standesamt 1. Vom 15. bis 21. November 1908. Geburten: Sohn: Zimmermann Theodor Bushkamp; Bergmann Bernhard Tappe; Maurer Otto Hoffmann; Dachdecker Jo hann Schlemper: Bergmann Friedrich Egert: Feuermann Hermann Müller; Laternenwärter Johann Pawelizig; Dachdecker Gustav Thienemann; Maurer Jakob Stamm.— Tochter: Former Rudolf Fechner; Schmiedemeister Pius Lang; Schneider Heinrich Ahlers: Geueralagent August Blandenier; Verputzer Wilhelm Wa genbach; Schreiner Hermann Abbing; Bureaudiener Berthold Schwarz; Bergmann Stanislaus Jedrysiak; Monteur Theodor Valtz: Milchhändler Marknus Freitag; Artist Wilhelm Wilson; Schlosser Johann Half: Schaffner Eduard Umbach: Schlosser Peter Schro ff: Schneidermeister Johann Freyer: Tagelöhner Paul Mabeszewski. Eheschlioßungen: Bergmann Josef Alshuth und Mathilde Kurz; Marmorschleifer Albert Fürst und Elisabeth Groß: Kaufmann Heinrich Rütter und Klara Stewen; Maurer Alois Volkmer und Elisabeth Gros; Wirt Wilhelm Kalveram und Ww. Margarete Taufenbach geb. Kreutzer: Bergmann Friedrich Naumann und Auguste Radomski: Bergmann Paul Härche und Olga Sommer; Bergmann Thomas Brandt und Ida Leske: Buchhalter Karl Pundt und Witwe Maria Müller geb. Jacobs Tterbefälle: Näherin Elisabeth Kloft, 28 J.; Limmermann Hermann Linke, 44 J.: Invalide Johann Borawski, 28 J.: Invalide Johann Kämper, 59 J.; Invalide Franz Cera, 36 J.; Bergmann Peter Pies, 43 J.: Bergmann Wilhelm Beuisch, 24 J.: Fabrikarb Karl Roß, 65 J.: Luise Rammhoff, 4 J.: gewerbl. Helene Pawlak, 16 J.; Hermann Wiese, 3 J.: Alousius Derksen, 9 M.: Wilhelm Borghoff, 18 T.: Ehefrau Gertrud Jansen, geb. Fren, 40 J.: Otto Thienemann, 6 St. Königl. Standesamt 2. Vom 15. bis 21. November 1908. Gebursou: Bergmann Wilhelm Jancznk; Schlosser Heinrich Weiler: Rangierer Heinrich Borgrewe: Fabrikarbeiter Rudolf Borutka: Bergtagel. Karl Neumann; Schlosser Wilhelm Schnieber: Fabrikarb. Vernhard Grünhagel; Fabrikschmied Jakob Kossowski; Fabrikarb. Gustav Wenhiold: Drabtzieber Friedrich Pröpper; Fabrikarbeiter Joseph Ernesti; Bergtagel. Kon#ad Rühl: Herdmaurer Karl Küßner: Bergmann August Wermter: Postschaffner Hermann Lot— Tochter: Bergmann Peul Szezepanski; Beramann! helm Hardt: Schreiner Franz Lauterbach: Maschinist Jakob Fügen: Bergtagel. Franz Wonciechowski; Bergmann Ignaz Wisznewsk; Fabrikarb. Wilhelm Ferlmann; Metzgermeister Joseph Fink: Schuhmacher Matthias Meinecke: Kesselschmied Hubert Hagemann, Bergmann Franz Barczewski: Tischler Paul Jablouski: Fabrik arbeiter Friedrich Wilh. Neus; Fabrikarb. Franz Koch; Blechrevisor Julius Nikoleit. Eheschlietzungen: Fabrikarbeiter Anton Zuralski und Fran ziska Jablony: Fabrikarbeiter Clemens Andres und Witwe Lisette Linke geb. Schulte; Bergmann Friedrich Schotter und Karoline ponmann; Fabrikarbeiter Albert Siebel und Emma Friedel Bergmann Fri drich Heling und Frieda Krank: Schleifer Ferdi nand Srira und Martha Preick: Bergtagearbeiter Auton Koch und Anna Falk. Rerbefälle: Anna Lipinski, 10 M., 18 T.; Joseph Scheuke, 1 M 21 T.; Mar a Sch'ttke. 2 2., Karl Saluski. 27 T.; paul Gricdim Konfiunftei Aus den soeben reichsamtlich veröffentlichten Zahlen des letzten Etatsjahres geht hervor, daß die Umsatzsteigerung nur der Marke Henkell Trocken ein Drittel beträgt der Umsatzsteigerung samtlicher anderen 215 Sektkellereien von Deutschland und Luxemburg zusammengenommen. Durch gewaltige Vorräte fertiger Weine, die, wie steueramtlich festgestellt, fast gleich sind den fertigen Beständen samtlicher anderen 215 deutschen und luxemburgischen Sektkellereien zusammengenommen, haben wir in allerweitgehendster Weise für die vortreffliche Ablagerung unserer Marke gesorgt. HENKELLap C :-Weingrossnandlung, Geisenkirchen, Munckeistr. 24, Telephon 1026 Korsett„Fabula“ ##sehr schlenk machend, gesetsl, gesch. Schnitt. von dem wir den Alleinverkauf erworben. 12.00 Mk. Westfälische Korsett-Manufaktur Helene Davids& Co. Ein elegant sit sendes Korsett ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Wir empfeblen unser reichhaltiges Leger in erstklassigen deutschen u. ausländischen Marken. Spezialität:„Korsetts für starke Damen“. Elegante Anfertigung nach Mass unter Garentie für iedellose Paseform und eleganten Schnitt bei grbester Bequemliebheit. Unter-Taillen, Strümpfe, Reform-Beinkleider. Aufmerksame, fachkundige Bedienung.— Auswahlsendungen nach auswärts portofrei. Bahnhofstr. 85. Gelsenkirchen Telefon 2058. Der„Ring“ (Stadthalle täglich 10—6 Uhr) Schluß der Husstellung unwiderruflich: Mittwoch abend. Atellerpreise. Kein Zwischenhandel. 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Intes mit, wie ich von meinenn qualvollen, hartnächigen Lei den vollständig geheilt wurde Carl Bader, München Kurfürstenstrasse 40a. Infolge der ungewöhnlich langen Trockenheit ist die Wasserführung der Ruhr sehr gering geworden. Diesem Umstande in Verbindung mit der außerordentlichen Verunreinigung der Ruhr ist es zuzuschreiben, daß in letzter Zeit die Keimzahlen des etwa um das zehnfache über die Norm gestiegen sind. Dementsprechend sind auch die Keimzahlen des Leitungswassers höher als gewöhnlich. Wir empfehlen daher unseren Konsumenten, - Wasser vor dem Genusse abzukochen. Bochum, Gelsenkirchen und Mülheim=Ruhr, den 27. November 1908. Städtische Beleuchtungs- u. Wasserwerke, Bochum. Verbandswasserwerk, G. m. b. H., Bochum. Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier, Gelsenkirchen. Vermert.. Mer t.ertn. remt amne r Wässerwein Thisssen& Co., G. m. v. W., Mülheim-Ruhr-Styrum. Monat Dezember: Gastspiel des Theater Job-Glassen Pienstag, 1. Dezember 1908, Anfang punkt 8 Uhr: Große Eröffnungs-VorstellungZum ersten Male: 2 Zu 15. Posse mit Gesang in 3 Akten. Nach der Posse„Der Zechpreller“- von Real und Dreher= für das Theater Job=Claßen bearbeitet von: Hermann Job— Musik von Kaleer. Lachen ohne Ende! Mittwoch und folgende Tage, Anfang punkt 8 Uhr. 2 zu I. Mittwoch nachm. 4 Uhr:— Kleino Preise— Grosse Kinder-Vorstellung Goldels’chen Märchen mit Musik in 6 Bildern von H. Rudolf. Alles Nähere durch Austragzet A. Montag, den 7. Dezember 1908. im Germaniasaale(Ww. Baumeieter) Arminst: 6 6 „Lichtbilder-Vortrag mit 110, meist farbigen Bildern, Thema: „Das Wohnhaus des deutschen Arbeiters, wie es ist und wie es seln sollte.“ Referent: Schriftsteller Max Könia. Wültel-Hannover. Anlang punkt 8 Uhr. Ende gegen 10 Uhr. Karten im Vorverkauf 10, am Eingeng 20, Sperreits 40 Pig. Natur-Heil-Verein. Populär-wissenschaftl. Vorträge II. Vortrag. Montag, den 30. November, abends 8½ Uhr, im Bahnhofa-Hotel: „Humoresken-Abend“ von Herrn Dr. Kaieer, Dircktor des Städt. Schauspielhauses Hlagen. Karten an der Kasse a 1.— Mh., für Schüller 60 Pig. B. t. i. B. Am Donnerstag, den 3. Dezember, abends 8½ Uhr, im Saale des Hotels Germanta, Arminstr.: OR AUTARN Sot Die Organisation der wirtschaftlichen Interessen. Referent: Herr Ingenieur Sandrock=Düsseldorf= Freie Aussprache. Der Bund der industriellen Beamten Ortsgruppe Gelsenkirchen. Ge 8p 19• Wogenu Für ca. 1½ Million Mark Köbel Gebr. Schürmann, Essen. Kaufen Sie keine Möbel, ohne vorher den Katalog der Möbelfabrik Gobr. Schürmann in Easen-Ruhr durchgeschen zu haben. Zusendung erloigt franko. Lieferung der Möbel frenko laus. Durch eine Fahrt nach Essen sparen Sie viel Geld. Stündiges Lager 300 Zimmer-Ein ichtungen. Verhauf ner gegen Ber. 9923 S tadt-Theater Gelsenkirchen (Weisser Saal). —— Telephon 1451.—— Dienstag und Mittwoch, den 1. und 2. Dezember: Außer Abonnement. Zweimaliges Gastspiel von Gudrun Hildebrandt. die schönste Tänzerin der Welt vom Hoftheater, Brlin. Direktion: Genesius. Die Direktien des Stadt theaters Gelsenkirchen wird höflichst gebeten, den Schwank Die blaue Maus nochmals aufzuführen. Hehrere Theaterbesucher. Bochum Dir. Jos. Grauaug. Tel. 504. Heute Montag Letztes Auftreten des sensationellen Programms der 2. Novemberhälfte. Beginn der Vorstellung abends 8 Uhr, = Kasseneröffnung 7 Uhr.= Morgen Dienstag Vollständ. Programmwechsel 10 phänomenale Debuts. (Siehe morgiges Inserat.) Vorverkauf in Bochum bei Ohlig& Monz, Tel. 615, Multhaup. Tel. 1448. und Witteler — Tel. 904.— Nach Schluß der Vorstellungen bequeme Verbindungen nach allen Richtungen. Alles Nähere durch die Plakate. Montag, den 30. November, abends 8 Uhr: Gr. Abschieds-Vorstellung der November=Attraktionen. Gottlieb Reeck der Unübertreffliche in seinem Repertoir. Clown Zertho mit seiner urkom. Hundemeute. Anna Müller-Lincke d. Liebling d. Essener Publikums. in ihrer Darstellung v. Meisterwerken der Goldschmiedekunst. Künstl. Leitung: Henry de Vry u. die übrigen Attraktionen Stadt-Theater Dortmund. Montag, den 30. November, abends 7½ Uhr,„Panne“. Dienstag, den I. Dezember, abends 7½ Uhr,„Die Jüdin“. Mittwoch, den 2. Dezember, abends 7½ Uhr,„Der Hochtourist". Donnerstag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr,„Salome“. Freitag, den 4. Dezember, abends 7½ Uhr,„Wallensteins Tod“ Gamstag, den 5. Dezember, abende 7½ Uhr,„Hänsel und Gretel". Hierauf„Die Schauspieldirektor“, oder „Mozart und Schikanedes". Sonntag, den 6. Dezember, nachm. 3½ Uhr,„Aus der Märchenwelt“, enthaltend: Struwelpeter, Schneider Fips, Rotkäppchen, Hans im Glück. Abends 7½ Uhr „Die Hochzeit des Figaro" Stadt-Theater Lesen. Montag, den 30. November, abends 7 Uhr,„Die Jungfrau von Orlean?“. Dienstag, den 1. Dezember. abends 7½ Uhr, einmaliges. Auftreten von Rita Sacchetto. vorher„Der Barbier von Bagdad“. Hierauf„Die Schulreiterin". Mittwoch, den 2. Dezember, abends 7½ Uhr, streich“.