Montag, den 20. Oktober 1908 6. Jahrgang den Landkreis Gelsenkirchen Amtliches Kreisblatt für den Stadt General und für Anzeiger Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man o durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16 18. Geschäftestelle Munckelstraße 16 18(beim Amtegericht) Geöffuet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Pon=,Handelskammer= u. Knappschaftswesen Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Telegrammad resse Bertenburg= Gelsenkirchen. Fernsprecher: Nr. 173. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten Die Berufung gegen die Urteile der Strafkammern. * Durch die Blätter geht eine Auslassung des Professors von Liszt, des neuen, volksparteilichen Abgeordneten für Charlotten= burg, gegen die Berufung in Strafsachen. Der bekannte Strafrechtslehrer schwimmt gegen den Strom und bekämpft die in liberalen Kreisen für die Berufung vorhandene Stimmung. Er tut das, indem er u. a. die durch Verbindung der beiden Neuerungen:„Berufung" und„mittleres Schöffengericht", für den Angeklagten geschaffene Lage darstellt. Er operiert dabei mit der ziemlich weitverbreiteten Juristenfeindschaft und weist nach, daß die Neuordnung der Juristenkammer stärken würde. Man darf wohl annehmen, daß der Verfasser deshalb so argumentiert, weil er an die Stimmung der von ihm ins Auge gefaßten linksliberalen Kreise und an ihre Abneigung gegen juristische Richter denkt. Ganz ernst wird es dem Professor v. Liszt selbst wohl nicht mit der ungünstigen Beurteilung der Berufsstrafrichter sein Denn sonst müßte ja der Staat den Vorwurf törichten Handelns auf sich ziehen, weil er viel Geld und Mühe auf die Heranbildung von berufsmäßigen Strafrichtern verwendet, und zu diesem Zwecke u. a. Strafrechtslehrer an den Universitäten anstellt, sonst wäre ja wohl auch Professor v. Liszt läugst vom Universitätskatheder herunterge stiegen und hätte seine ganze Lehrtätigkeit aufgegeben! Man muß eben auch in dieser Frage die Kirche beim Dorfe lassen. Wie auf allen Gebieten, wird man auch auf dem der Strafrechtspflege diejenigen Personen dringend nötig haben, die auf diesem Gebiete etwas gelernt haben und sich berufsmäßig mit ihm beschäftigen. Ohne sie geht es nun einmal nicht. Soweit die Heranziehung des Laientums nicht einen außerhalb des Zwecks des Strafprozesses liegenden politischen Wert hat, hat sie die Aufgabe, die Fühlung mit dem Rechtsempfinden des Volkes zu erhalten und eine Verknöcherung der Fachleute zu verhindern. Eine allgemeine Juristenfeindschaft braucht sich aber deshalb nicht festzusetzen. Gerade von den Juristen wird man die wertvollsten Dienste für die Gestaltung der geplanten Reform und zur Vermeidung von Abwegen erwarten dürfen. Professor v. Liszt bemüht sich an seinem Teile dazu. Ein nationalliberaler Fachmann hatte es schon vordem getan. Wir wissen nicht, wie sich die betreffenden Parteien des Reichstages zu diesen Warnungen verhalten werden, immerhin wird man sie sorgfältig prüfen müssen. Die noch nicht genug beachteten Grundgedanken des nationallibe ralen Fachmannes, der mit einer unter Fachleuten seltenen Resignation die Ueberordnung des Volksempfindens über juristisch=technische Wünsche anerkennt, sind folgende: Mehr als in anderen Rechtsgebieten muß im Strafrechte und Strafprozesse der Jurist mit dem Politiker sich verständigen. Das Strafrecht und der Strafprozeß sind diejenigen Seiten, des Re die öffentlich am meisten in die Augen fallen, von denen die Gesamt des Volkes am meisten erregt wird, an denen sie am meisten teilnimmt. Es kommt nicht nur darauf an, daß der Strafprozeß gut arbeitet, sondern auch, daß das Volk davon überzeugt ist: er arbeitet gut. Der Jurist wird sich dabei bescheiden müssen, daß sogar die juristisch bessere Form der geringeren weichen muß, wenn die geringere nur einmal das Vertrauen des Volkes besitzt. Auch der Hebel, der den Strafprozeßentwurf zutage gefördert hat, ist politischer Natur. Es ist der Wunsch der Oeffentlichkeit nach weiterer Beteiligung der Laien an der Rechtsprechung, namentlich aber nach Einführung der Berufung gegen die Urteile der Strafkammern. Die Stellung zur Berufung zeigt besonders klar, wie Volksempfinden sich von Juristenempfinden unterscheiden kann. Während gemeinhein die Forderung nach der Berufung als liberale Forderung gilt, ist man in Kreisen der Kriminalisten weithin darüber einig, daß sie eine reaktionäre Einrichtung im wahrsten Sinne des Wortes wäre. Die politische Parteistellung spielt bei diesem Urteile der Fachleute keine Rolle. Auch diese Gegner der Sturmflut. Ein Roman aus geweihten Landen. Von Erich Friesen. (Nachdruck verboten.) Nur selten noch wird zwischen Frau Mirjam und ihren Töchtern die kummervolle Vergangenheit berührt. Die herrliche Gegenwart, in der es keine Sorgen gibt und keine schlummerlosen Nächte, hält alle drei Frauen, wenn auch in völlig verschiedener Weise, im Banne. Die Gegenwart und— die Zukunft, von der wenigstens Gerhilde mit überschäumender Begeisterung das Höchste erhofft, was ein armes Menschenherz überhaupt erhoffen kann. Auch Irmgards Bedenken, woher der Vater, der noch vor kaum sechs Monaten bettelarm, ausgehungert und niedergedrückt nachts in ihr Häuschen geschlichen kam, das Geld her hat, um seine Familie und sich selbst so reichlich zu versorgen, schwinden gar bald. In einer heimlichen Stunde, da Mutter und Tochter sich eins fühlen in ihrem Empfinden, erschließt Frau Mirjam ihrer ältesten Tochter, zum Teil wenigstens, ihr Herz. Es ist spät am Abend. Gerhilde schläft bereits in ihrem traulichen Zimmer und träumt von ihrer rosenroten Zukunft. Da zieht die Mutter ihre älteste Tochter an ihr Herz und flüstert: „Mein teures Kind! Längst bin ich Dir eine Aufklärung schuldig.“ Irmgard erschrickt. Wonach sie so lange brennend verlangte, was sie dann in stummer Resignatson bereits aufgegeben,— sie soll es jetzt erfahren! Ihr Herz pocht. Frau Mirjam bedeckt das Gesicht einige Sekunden mit ven Händen. Ersichtlich wird ihr der Anfang schwer. Dann raunt sie der zu ihren Füßen sitzenden Tochter hastig zu: „Irmgard! Weißt Du. woher der— Vater damals kam mitten in der Nacht?“ Stumm schüttelt das Mädchen den Kopf. In ihren weitgeöffneten Augen brennt eine angstvolle Frage Berufung wollen natürlich den Angeklagten gegen eine falsche Beurteilung sichern. Sie argumentieren aber wie folgt:„Der einzelne Strafprozeß bekommt seine Richtung zumeist nicht in der Hauptverhandlung, sondern im Vorverfahren. Eine Lücke des letzteren kann in der Hauptverhandlung oft nicht ausgefüllt werden. Es empfiehlt sich also, das Vorverfahren derart zu gestalten, daß der Angeklagte hier alle seine Verteidigungsmittel erschöpfend ins Feld führen kann und gegen Ueberraschungen gesichert ist. Da das Vorverfahren sich langsam abspielt, können die Einwendungen des Angeklagten hier ruhiger gewürdigt werden als in der Hauptverhandlung, die ununterbrochen unter dem Zwange der Konzentration abläuft, und auf die häufig sofort in später Stunde nach anstrengendster Sitzung das Urteil gesprochen wird. Die besten Garantien gegen Fehlsprüche werden gegeben, wenn nach sorgfältigster Vorbereitung die Entscheidung schließlich in einer Hauptverhandlung in die Hand eines Richterkollegiums gelegt wird, das dann die volle Verantwortung trägt. Eine Wiederholung der Hauptverhandlung, wie die Berufung sie erfordert, ist nach einem erschöpfenden Vorverfahren nicht nötig und zersplittert die Verantwortung des Gerichts. Zudem hat die erste Instanz notwendigerweise ein klareres Bild als die zweite, denn die Spuren der tatsächlichen Vorgänge verwischen sich nach und nach. die Erinnerungen des Zeugen verblassen und seine Darstellung ist zu der Zeit, wo er das erstemal dem Gericht und dem Angeklagten gegenübersteht, lebendiger als Wochen darauf vor dem Berufungsgericht, wo er anfängt, das Interesse zu verlieren und wiederholte Ladungen als Belästigung zu empfinden. Ein Fortschritt würde getan durch moderne Ausbildung des Vorverfahrens. Einen Rückschritt tut man durch Wiedereinführung der veralteten Berufung.“ Zur Reichskinanzreform. Wie die„Neue Gesellschaftliche Correspondenz“ aus guter Quelle hört, sind die verschiedentlich verbreiteten Nachrichten über den Abschluß der Verhandlungen des Bundesrates betreffend die Reichsfinanzreform unrichtig. Die Verhandlungen des Bundesrates werden noch fortgesetzt, auch läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit voraussagen, wann sie zum Abschluß gelangen. Es bestehen der Wunsch und die Hoffnung, daß das Material, welches vom Reichsschatzamte ausgearbeitet worden ist, spätestens am 4. November, dem Tage der Eröffnung des Reichstages, den Abgeordneten gedruckt vorliegen wird. Es ist unwahrscheinlich, daß der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Sydow bei der Eröffnung des Reichstages die Grundzüge der Reichsfinanzreform dem Hause darlegen wird, wie es der preußische Finanzminister von Rheinbaben gelegentlich der Eröffnung des preußischen Landtages tat. Die Gepflogenheit, eine Gesetzesvorlage durch den zuständigen Ressortminister anzukündigen, entspricht nicht den parlamentarischen Gewohnheiten des Reichstages. Es ist vielmehr anzunehmen, daß die Darlegung der Reichsfinanzreform durch den Staatssekretär zu dem Zeitpunkte erfolgen wird, dem sich unmittelbar die erste Lesung anschließen wird. Das vom Raichsschatzamte ausgearbeitete Material ist das Ergebnis außerordentlich gründlicher, die Finanzlage des Reiches von allen Seiten beleuchtender Vorstudien und wird nach seiner Drucklegung eine sehr umfangreiche Denkschrift darstellen. Die Drucklegung Lun erst nach dem Abschluß der Beratungen des Bundesrates erfolgen. Iswolski in Berlin. * Auf seiner ausgedehnten Besuchsreise ist der russische Minister des Auswärtigen nun auch in Berlin angekommen. nachdem er bereits im September dem Staatssekretär des Aeußern, von Schön, in Berchtesgaden eine Visite abgestattet und unterdessen mit Italien, Frankreich und England Fühlung gesucht hatte. Herr Iswolski kann mit einem heiteren, einem nassen Auge auf seine mannigfachen Reiseerlebnisse zurückblicken. Mehr als einmal hat er sich überraschen lassen, mehr als „Aus— aus dem—— Zuchthaus!“ Nicht fährt Irmgard zurück bei diesem furchtbaren Geständnis; ihr klarer Verstand hatte etwas Aehnliches bereits vermutet. „Aber er ist unschuldig, Tein Vater— vollkommen unschuldig! Und wenn man ihm auch noch so raffiniert seine Schuld zu beweisen suchte,“ fährt Frau Miriam erregt fort.„Erlaß mir die Erklärung, weshalb man ihn, den Unschuldigen, einsperrte, zusammen mit dem geringsten Diebesgesindel, unter die Fuchtel halbbetrunkener, brutaler türkischer Gefängnisbeamten!„Lebenslänglich Zuchthaus“— lautete der Richterspruch.... O mein Gott! Lebenslänglich!" Frau Mirjam machte eine kleine Pause. Die Erinnerung greist sie mächtig an. Zärtlich schlingt Irmgard die Arme um die Kniee der Mutter und birgt den Kopf in ihren Schoß. „Weiter, Mutter! Weiter!“ drängt sie sanft. „Zehn Jahre schmachtete der Arme bereits hinter den Zuchthaus mauern— zehn herrliche Jahre seines besten Mannesalters!" fährt Frau Mirjam mit vor Tränen halb erstickter Stimme fort.„Da bot ihm ein„Kollege“, der in den nächsten Tagen aus dem Zuchthaus entlassen werden sollte, und der den Vater liebgewonnen hatte, an, zu versuchen, ob er ihm durch einen raffinierten, bei Gaunern sehr beliebten„Trick“ zur Flucht verhelsen könne... Der„Trick“ gelang. Der Vater war— frei; aber— die Polizei ihm auf den Fersen... So kam er in jener Nacht zu uns— ein Verfolgter, Geächteter.“ „Ja, Mutter! Ja!“ schluchzt Irmgard, die bleichen, zitternden Hände küssend, die sich krampfhaft ineinander schlingen vor verhal tenem Weh. „In derselben Nacht noch verließ der Vater Jerusalem wieder — die Häscher waren ja hinter ihm her— und begab sich nach Beirut.“ „Mit Deinem mühsam zusammengesparten Gelde, Mutter," fällt Irmgard innig ein. und von dort aus schrieb er an seine einzige Schwester, Eure Tante Sigrid, indem er ihr seine ganze Lage vorführte.“ „Und Tante Sigrid?“ ruft Irmgard, indem sle aufsteht und die Mutter erwartungsvoll anblickt „Tante Sigrid fühlte Mitleiden in ihrem starren Herzen. Vieleinmal haben ihn die Tatsachen zu einer Frontänderung veranlaßt Er zog aus, um sich mit Oesterreich und Italien über den Balkan zu verständigen, und er mußte es erleben; daß Ferdinand von Bulgarien und Baron Aehrenthal hinter seinem Rücken ein fait accompli schufen. Die russische Presse hat ihn deshalb scharf angegriffen, und einige Zeit schien es, als seien die Tage Iswolski's gezählt. Aber Iswolski verstand es, sich den veränderten Umständen anzupassen. Er kehrt wenigstens insofern nicht mit leeren Händen in die Heimat zurück, als er die neue russische Milliardenanleihe in der Tasche hat. England und Frankreich wollen gemeinsam der russischn Regierung auf die Beine helfen, indem sie ihr weitere Mittel zur Verfügung stellen. Das ist gerade für Rußland ein Erfolg, der über manchen anderen Fehlschlag hinwegsehen läßt. In anderen Bezie hungen allerdings kann von politischen Errungenschaften Iswolski's kaum gesprochen werden. Er hat in Verbindung mit seinen franzö sischen Freunden den Gedanken einer neuen Orientkonserenz aufs Tapet gebracht, aber es stellte sich nur zu bald heraus, daß die Durchführung dieses Planes auf erhebliche Schwierigkeiten stieß. Iswolski forderte für Rußland als Kompensation der österreichischen und rumänischen Erfolge die Oeffnung der Dardanellen und Zugeständnisse für die kleineren Staaten. England schwankte einen Augenblick, um dann doch die Unmöglichkeit einzusehen, der russischen Prestigepolitik den Hasen in die Küche zu treiben. Auch der französischen Regierung wurde es bei dem Gedanken unbehaglich, der Türkei noch mehr Blut abzuzapfen. So hielt man zwar in London und Paris an dem Konferenzgedanken fest, schränkte aber das Programm mehr und mehr ein. Besonders die Dardanellenfrage wurde ausgeschieden; man ließ Herrn Iswolski nur den schwachen Trost einer direkten Verhandlung mit der Türkei. Daß dabei viel herauskommen sollte, ist natürlich nicht anzunehmen, da die Türkei schwerlich ge neigt sein wird, dem Wolf den Schlüssel zum Schafstall auszuliefern. Wenn jetzt Herr Iswolski nach Berlin kommt, so wird er sich kaum großen Erwartungen hingeben. An eine Beteiligung Deutschlands an der russischen Anleihe ist schon nach der finanziellen Lage im Reich nicht zu denken. Ebenso wenig kann es der deutschen Regierung in den Sinn kommen, eine Politik mitzumachen, die eine weitere Aufteilung der Türkei einleiten könnte. Unsere Stellung ist durch unser Bündnis mit Oesterreich und durch unsere Freundschaft mit der Türkei gekennzeichnet. In beiden Beziehungen ist heute die Lage durch die Kundgebungen des Kaisers und der deutschen Regierung völlig geklärt. Das schließt zwar nicht aus, daß wir grundsätzlich dem Gedanken einer Orientkonferenz zustimmen, aber es kann nur mit der Einschränkung geschehen, daß sowohl Oesterreich wie die Türkei sich mit dem Programm der Konferenz einverstanden erklären. Rußland hat sich den Westmächten in die Arme geworfen; es muß zusehen, wie weit es dabei kommt. Auch bleibt es unvergessen, daß gerade die russische Presse in der letzten Zeit eine sehr unfreundliche Sprache geführt hat. So ist nicht anzunehmen, daß Herr Iswolski in Berlin große Erfolge ernten wird. Die Türkei hat, wie bereits mitgeteilt, die Verhandlungen mit Oesterreich=Un garn wegen Angliederung Bosniens und der Herzegowina abgebrochen. Dies kam um so überraschender, als bis in die letzten Tage die denkbar günstigsten Aussichten für eine Verständigung be standen. Der völlige Frontwechsel der türkischen Staatsmänner muß daher auf fremde und zwar auf englische Einflüsterungen zurückgeführt werden. Dies ist umso auffallender, als man vergebens einen Zweck dieses Vorgehens sucht. Da jedoch ein gänzliches Scheitern der österreichisch=türkischen Verhandlungen zur natürlichen Folge haben würde, daß Oesterreich=Ungarn die Konferenz nicht beschickt und sich auf seinen vom Freiherrn v. Aehrenthal in der ungarischen Delegation angekündigten spezifisch österreichisch=ungarischen Standpunkt zurückziehen würde. Die englische Politik würde sich daher in einen auffallenden Gegensatz zu den Absichten und Interessen Frankreichs auf dem Balkan stellen, das sich um die Beilegung der bulleicht zum ernsten Male in ihrem Leben. Sie schickte dem Vater Geld, damit er nach der Heimat fahren könne, und dort übergab sie ihm einen Teil ihres beträchtlichen Vermögens, mit dem sie, die alleinstehende Frau, doch nichts anzufangen wußte. Der Vater aber begab sich mit dem Gelde zurück nach Palästina. Mit aller Macht zog es ihn zu seinen Kindern und— zu seinem Weibe!“ Tränen ersticken Frau Mirjams Stimme. Wieder macht sie eine kleine Pause, bevor sie gefaßter fortfährt: „Das Leben des Vaters schwebte beständig in Gefahr. Sobald man ihn entdeckte, war er verloren. Er grübelte und grübelte, was anfangen! Endlich entschloß er sich—“ „Was, Mutter?“ „Den Namen zu wechseln! Und nicht nur das. Bruno Alsen mußte tot sein: tot für die Welt. Wir verabredeten schriftlich alles Notwendige. Das weitere kennst Du, mein Kind.“ „Und Deine beiden Reisen, Mutter?“ fragte Irmgard erreg: „Die„Geschäftsreisen"—“ „Hingen damit zusammen. Ich mußte alles mit dem Vater besprechen. Er mietete dieses Haus mit der dazu gehörigen Orangen plantage, deren Erträgnis viel einbringen soll. Und dann— ließ er uns kommen, uns, seine Familie!" Irmgard nickt. Doch spricht aus ihren Augen noch immer unverkennbare Angst. „Und, Mutter— was soll nun werden?“ haucht sie.„Gerhilde weiß noch nichts—“ —„und darf nie etwas wissen. Hilde ist nicht wie Du, Irm gard, sie würde sich irgendwie, bei irgend einer Gelegenheit, verraten - und mit unserm Glück, mit des Vaters Freiheit wäre es vorbei“ „Und— Du, Mutter?“ „Ich bin meiner sicher. Das Uebrige überlasse der Zurunft, mein Kind!" Frau Mirjam steht auf. Sie ist wieder vollständig Herrin ihrer selbst. „Nur noch eins, Mutter!“ bittet Irmgard.„Jener Beduine, der Abdallah—“ „Nenne mir seinen Namen nicht!“ fährt Frau Mirjam erregt auf. Allgemeine Zeitung. Montag, den 26. Oktober 1908. garisch=türkischen Gegensätze auch noch in gegenwärtiger Stunde red lich bemüht. England müsse sich darüber klar sein, daß es durch sein merkwürdiges Vorgehen die Türkei einer Krise entgegendrängt. Aus diesen Erwägungen scheint hervorzugehen, daß eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Oesterreich=Ungarn keineswegs ausgeschlossen ist. * Sofia, 24. Okt.(Tel.) In den maßgebenden Kreisen herrscht über die Rückkehr der Delegierten aus Konstantinopel, anscheinend ohne eine Basis für die Verständigung mit der Türkei gefunden zu haben, eine gedrückte Stimmung. Trotzdem äußern sich die offiziösen Watter sehr optimistisch über die Möglichkeit einer späteren Verständigung. In Bezug auf alle Streitfragen stellen sie zugleich die Lage als unverändert dar und erklären, daß die Regierung ihren bisherigen Standpunkt keinesfalls aufgeben und keiner Gewährung von Kompensationen zustimmen werde. In diplomatischen Kreisen wird die neue Situation weniger optimistisch beurteilt, ohne daß indessen eine neuerliche Möglichkeit einer Krisis angenommen wird. Auch liegen kürzlich gefallene bestimmte Aeußerungen des Ministers Paprikow vor, nach denen keine Kriegsgefahr besteht. * Berlin, 24. Okt. Iswolski hatte heute Besprechungen mit dem Staatssekretär von Schön und dem Reichskanzler Fürst Bülow. Morgen wird Iswolski vom Kaiser in Audienz empfangen werden. * Eine bulgarisch=türkische Verständigung? Konstantinopel, 24. Okt.(Tel.) Das Organ des Großvesirs, „Jeni Gasetta", erklärt die Meldungen, daß die Antwort der Pforte auf das Konferenzprogramm bereits dem Londoner Kabinett mitgeteilt sei, daß die bulgarischen Delegierten unzufrieden abgereist seien und daß der englische Botschafter gegen Verhandlungen mit Bulgarten sich wende, für unrichtig. Das Blatt berichtet, daß die Pforte ein arrangement aimable mit Bulgarien wünsche, wenn dies den Interessen der Pforte entspreche, daß sie sonst aber keine Vorschläge annehme. Dimitrow, welcher das Terrain sondiert habe, sei nach Bulgarten zurückgekehrt, um eine Entente vorzubereiten; wenn dies geschehen, würde wahrscheinlich eine bulgarische Mission nach Konstantinopel kommen, um zu verhandeln. Ein Arrangement mit Bulgarten mache aber eine Konferens nicht unnötig, da dies die europäische Garantie erhalten müsse. Eine Devesche des„Ikdam“ über eine Unterredung mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten meldet, dieser habe gesagt, daß er Delegierte zu den Verhandlungen senden werde. Eine Rechtfertigung des deutschen Botschafters. Berlin, 24. Okt.(Tel.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Vom deutschen Botschafter in Konstantinopel ist heute nachstehendes Telegramm beim Auswärtigen Amt eingegangen: Therapia, 23. Okt. Aus den heute hier eingetroffenen Blättern ersehe ich, daß die Pariser Presse mich beschuldigt hat, ich hätte hier Krieg gepredigt und hätte gesagt, die Türkei solle Bulgarten den Krieg erklären. Ich erkläre pflichtgemäß, daß ich niemals und zu niemanden ein Wort in diesem Sinne gesagt habe, sondern daß im Gegenteil alle meine Anstrengungen entsprechend den mir erteilten Instruktionen darauf gerichtet waren, einen solchen Krieg zu verhindern. * Eine serbische Gesandtschaft beim russischen Kaiser. Belgrad, 25. Okt.(Telegr.) Aus amtlicher serbischer Quelle wird mitgeteilt, daß Kronprinz Georg mit einer außerordentlichen Gesandtschaft, an der der Führer der altradikalen Partei teilnehmen wird, am Montag über Oesterreich nach Petersburg abreisen wird, um dem russischen Kaiser ein Handschreiben des Königs Peter zu überbringen. Eine Kundgebung für England. Cetinje, 25. Okt.(Telegr.) Der neuernannte englische Geschäftsträger Oreilly wurde heute nachmittag vom Fürsten in längerer Audienz empfangen. Eine Volksmenge veranstaltete abends vor der Wohnung des Gesandten eine Kundgebung für England. Beiträge aus unserem Leserkreise nehmen wir jederzeit gern entgegen und werden solche auf Wunsch honoriert. Besonders wichtige Nachrichten wolle man uns auf telephonischem Wege übermitteln. Gelsenkirchen, den 26. Oktober 1908 X Der erste Schnee. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag zwischen 3 und 4 Uhr morgens fiel der erste Schnee und kleidete unsere Großstadt in ein weißes Nachtgewand.— Aus Arnsberg wird berichtet, daß in der Samstag Nacht auch in den sauerländischen Bergen der erste Schnee in diesem Jahre gefallen ist. Derselbe bedeckt in den Tälern den Boden zirka 8 Zentimeter hoch. ** Ein Ballonaufstieg in Gelsenkirchen. Ein seltenes Schauspiel wurde uns hier gestern morgen geboten. Der dem niederrheinischen Luftschifferverein gehörende Ballon„Bamler 2“ unternahm gestern gegen 11 Uhr vom Gaswerk in Schalke aus mit 4 Insassen einen Aufstieg. Der Ballon war am Samstag abend von Augsburg hier angekommen. Die Füllung begann am Sonntag morgen gegen 7 Uhr und war kurz nach 10 Uhr beendet. An der Fahrt nahmen teil Herr Mensing aus Essen als Führer, Herr Dr Kunz=Schalke, Herr Ingenteur Otto Mülzer=Gelsenkirchen, Kaiserstraße, und Herr Referendar Kunz aus Essen. Beim Aufstieg lief der Ballon Gefahr, an einen Gasometer anzustoßen. Doch kurz entschlossen entleerten die Begleiter auf das Kommando ihres kundigen Führers aus einer Höhe von etwa 50 Metern je einen Sandsack, sodaß eine Karambolage vermieden wurde. Der Ballon war bald in westlicher Richtung der vielköpfigen Zuschauermenge ent„Er ist unser Todfeind. Er ist es, der den Vater ins Zuchthaus brauchte. Sein Zeugnis———“ Schwer atmet sie auf und streicht sich über die Stirn, als wolle sie einen bösen Traum wegwischen. „Der Schurke wird uns wohl nie mehr belästigen,“ preßte sie zwischen den Zähnen hervor.„Er kennt unseren Aufenthalt nicht. Und gebe Gott, daß er ihn nie erfährt!... Genug davon! Und vergiß nie, mein Kind: Bruno Alsen ist— tot! Der Mann, der uns sein Haus überlassen hat, ist Erik Land. Und nur Erik Land!! Daran denke stets, was auch kommen mag!" „Ja, Mutter.“ Ein inniger Kuß, ein langer Händedruck— und die Mutter weiß, sie kann ihrer ältesten Tochter fest vertrauen. Irmgards Vater ist tot. Tot— für immer. Auch im Verkehr zwischen Irmgard und Erik Land fällt nie ein Wort über die Vergangenheit. Das Mädchen respektiert den Wunsch der Eltern, und nur hie und da ein inniger Blick, ein warmer Händedruck verrät dem Manne, daß Irmgard eingeweiht ist in das Geheimnis seines Lebens. Bruno Alsen ist tot.— Für immer?... O törichte Menschenkinder, die ihr glaubt, das Geschick selbst zu bestimmen! 15. Nacht ist's Voll ergießt der Mond sein fahles Licht auf das dunkel glänzende Laub des blütenvollen Orangenhaines. Erhabene Einsamkeit ringsum. Sanfte Traurigkeit webt durch die balsamische Lust— nicht schwunden. Abends gelangte die telegraphische Meldung hierher, daß der Ballon um ½7 Uhr(nach unserer Zeit) glücklich in Hamoir in den Ardennen, bei Lüttich, gelandet sei. ** Enthüllung des Hugo Schultz=Denkmals in Bochum. Das Denkmal des verstorbenen langjährigen Leiters der Bochumer Bergchule Geheimrats Dr. Hugo Schultz, das die technischen Gruben beamten des Oberbergamtsbezirks Dortmund ihrem ehemaligen Lehrer und warmherzigen Förderer in dakbarer Verehrung gewidmet haben, wurde gestern vormittag vor der Bergschule in Bochum in einem feierlichen Akte enthüllt. Vom Oberbergamt war Herr Berghauptmann Liebrecht mit mehreren Räten erschienen. An der Enthüllungsfeier nahmen außer den Vertretern der einzelnen Bergreviere, der städtischen Behörden, sonstigen geladenen Gästen und dem Lehrerkollegium der Bergschule, sämtliche Klassen der Anstalt in der Grubentracht teil. Nachdem der Choral„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, vorgetragen von der Merkertschen Kapelle, verklungen war, nahm Herr Direktor Pattbera von der Zeche„Rheinpreußen" das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er die Verdienste des Verstorbenen einer eingehenden Würdigung unterzog. Nachdem die Hülle gefallen, übergab er das Denkmal namens der technischen Grubenbeamtenvereine der westfälischen Berggewerkschaftskasse, in deren Namen Herr Geheimrat KrablerEssen die Versicherung gab, das Denkmal alle Zeit in treue Obhut nehmen zu wollen. Im Namen der Familie dankte ein Sohn des Geheimrats Schultz für die Ehrung seines Vaters. Das„Nieder ländische Dankgebet“ bildete den Schluß der erhebenden Feier. Am Denkmal, das von dem Bildhauer Pillia in Düsseldorf modelliert und in Lebensgröße von der Kunstgießerei Förster in Düsseldorf in Bronze gegossen ist, wurden prachtvolle Lorbeerkränze niedergelegt Nach dem Enthüllungsakt fand in der Harmonie ein zwangloses Essen statt. über unregelmäßige oder unpünktliche Zustellung der Zeitung erbitten wir uns sofort! Nur dann können wir für regelmäßigen Empfang Garantie übernehmen. Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung Fernruf 173. +r Böswilliger Alarm. In der Nacht zum Samstag, gegen 12 Uhr wurde die Berufsfeuerwehr von dem Melder am Postamt in der Wannerstraße, böswillig alarmiert. Der Täter ist leider unerkannt entkommen. c. Zimmerbrand. Samstag mittag gegen 10½ Uhr brach in dem Hause Schwarzemühlenstraße 4 Feuer aus, das leicht für zwei Kinder verhängnisvoll werden konnte. Die Mutter war fortgegangen und hatte die Kleinen eingeschlossen. Plötzlich bemerkten Nachbarsleute, daß aus Fenster und Türen Rauch drang. Schnell entschlossen schlugen sie die Tür ein und fanden das ganze Zimmer, in dem die Kleinen sich befanden, bereits vollständig verqualmt vor. Die Kleinen hatten schon tüchtig Rauch schlucken müssen. Nachdem die Kinder in Sicherheit gebracht waren, konnte das Feuer mit wenigen Eimern Wasser gelöscht werden. Das Feuer ist anscheinend dadurch entstanden, daß Wäschestücke, die über dem Kochberd zum Trocknen aufgehängt waren, heruntergefallen sind und sich entzündet haben. Die alarmierte und in wenigen Minuten auf der Brandstelle eingetroffene Berufsfeuerwehr brauchte nur noch die Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. IEinen schweren Stand hatte am Sonnabend ein Schutzmann auf der Vereinsstraße. Er wollte die Personalien eines Gemüsehändlers feststellen, wurde aber durch einen dritten Mann daran gehindert. Da auch der andere Störenfried dem Beamten die Personalten verweigerte, mußte dieser zur Verhaftung schreiten. Während nun der eine ganz erheblichen Widerstand seistete. suchte der andere den Gefangenen zu befreien, indem er fortgesetzt auf den Schutzmann einschlug. Inzwischen hatten einige ordnungsliebende Bürger andere Schutzleute dem Bedrängten zur Hilfe geholt Eine fast 500köpfige Menge folgte dem Transport der Verhafteten. Revolverbelden. Am Sonnabend abend veranstalteten auf der Grenz= und Schalkerstraße mehrere Burschen eine Revolverschießerei. Zufällig war ein(Polizeibeamter in Zivil am Tatorte, der einen der frechen Schützen, den Beramann Eduard Radeck von hier sofort am Kragen saßte. Radeck betrug sich dem Beamten gegenjene ernste Traurigkeit der Herbstnächte, da feuchte Nebel frösteln; nicht jene todesstatrer Traurigkeit der Winternächte, wenn der Sturm in den entblätterten Bäumen heult; nicht jene nervenzerrüttende, heiße Traurigkeit der Sommernächte, da Mensch wie Tier nach einem frischen Luftzug lechzt—— nein, jene tiefe, herzergreifende Traurigkeit der orientalischen Frühlingsnächte, die Balsam auf kaum vernarbte Wun den träufelt, das Herz mit linder Hoffnung füllt, und dem Glücklichen sein Glück zum vollen Empfinden bringt. Auch Gerhilde steht unter dem Einfluß dieses Frühlingszaubers. Der Schlaf flieht ihre Augen. Ihre Gedanken weilen bei dem fernen Geliebten, der in wenig Wochen wieder bei ihr sein wird Sie steht auf, wirft ein Morgengewand über und öffnet das Fenster. Orangenblüten hauchen ihre berauschenden Düfte herab. In den Syringenbüschen flötet eine Nachtigall ihr schmelzendes Liebeslied. Lautlos huschen große Fledermäuse durch die weiche Abendluft Horch!... Flüstert es nicht in den Zweigen? Geheimnisvoll, gespenstig, lockend? Sind es die Geisterstimmen der Verstorbenen sind es die Träume der Hoffnungen, welche gleich Lichtelsen, in weißglitzernden Gewändern über die dunkle Erde buschen? Sind es die lindverhallenden, letzten Schwingungen unerfüllter Wünsche, welche, bevor sie ganz und für immer perklingen, mit ihrem Zaubergetön nochmals das Herz der armen Menschenkinder erzittern lassen?... Gerbilde faltet die Hände und blickt hinauf zum sternenklaren Firmament. Da löst sich ein blitzendes Sternlein und fällt langsam, versprühend hernieder zu Erde. (Fortsetzung folgt.) über sehr renitent, verweigerte seinen Namen und versuchte, unterstützt von seinen„Kumpeln“, zu entfliehen. Doch der dicke„Eichene“ des Sicherheitsbeamten belehrte die Burschen eines Besseren und Radeck mit seinem noch scharf geladenen Revolver wurde verhaften. in. Jugendfürsorgeausschüsse. Wie bereits in verschiedenen Städten, so soll auch hier beabsichtigt sein, einen Fürsorgeausschuß für den Stadtkreis Gelsenkirchen zu bilden. Dieser würde sich zusammensetzen aus: dem Bürgermeister oder dem Beigeordneten, der die Waisenratssachen bearbeitet, als Vorsitzenden, je einen evangelischen und katholischen Geistlichen, je einem evangelischen und katholischen Lehrer(Rektor); außerdem können auch noch andere Personen zur Beratung hinzugezogen werden. Dieser Ausschuß wird sich haupt sächlich mit der Sorge für die gefährdeten Kinder befassen und sich der Kinder derjenigen Eltern annehmen, die in Folge von Krankheit, Bedürftigkeit, Abwesenheit von Hause und aus anderen Grün den nicht in der Lage oder gewillt sind, sich selbst ihrer minderjährigen Kinder so anzunehmen, wie es ihr körperliches und sittliches Gedeihen erfordert; ferner ein Organ zu bilden, das bei strafbaren Handlungen von Schulkindern zwischen dem vollendeten 12. und 14. Lebensjahre. vor Einleitung des Strafverfahrens bezw. bevor Anklage gegen sie erhoben wird, ein Gutachten darüber abgibt, ob die Minderjährigen bei Begehung der strafbaren Handlungen das Maß der Einsicht be sessen haben, das zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderlich ist; die Kinder, bei denen das Vorhandensein der Erkenntnis verneint ist, zu verwarnen und sich ihrer anzunehmen, um sie vor weiterem zu bewahren. In allen Fällen ist dem Vormundschaftsgericht die er forderliche Mittellung zu machen. Diese Einrichtung ist für unsere Stadt mit Freuden zu begrüßen, da hier Gelegenheit genug vor handen ist, nach diesen Richtungen hin recht segensreich zu wirken und viele Kinder, die andernfalls zu Grunde gehen würden, auf bessere Bahnen zu bringen. * Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich am Samstag morgen auf der Hülsmannschen Ziegelet in der Grimberger Allee. Die Arbeiter Becker und Homke waren damit beschäftigt, Steine von einem hohen Stapel auf einen Wagen zu laden. Zu diesem Zweck war H. auf den Stapel gestiegen. Plötzlich kamen aus bisher nicht aufgeklärter Ursache die Steine ins Wanken und ein großer Teil stürzte herab, den Becker unter sich begrabend. Becker erlitt hier bei einen Bruch des linken Unterschenkels, einen Bruch des Un terkiefers und schwere innere Verletzungen, so daß sein Zustand besorgniserregend ist. H. kam ebenfalls zu Fall und erlitt einen Bruch des rechten Fußknochens. Beide wurden nach Aulegen von Notverbänden dem evangelischen Krankenhause zugeführt. ** Postpersonalien. Ernannt sind: zum„Oberpostassistenten“ der Postverwalter Hüpper aus Gerthe in Wattenscheid, zu„Tele graphenassistenten“, die Postassistenten Nolting aus Gelsenkirchen n Iserlohn und G. F. W. Werner in Gelsenkirchen. Etatsmäßig angestellt ist der Postassistent Wiegelmann aus Wanne in Werdohl. Dem Postsekretär Otto in Düsseldorf ist eine Postsekretärstelle n Wattenscheid übertragen. Versetzt sind der Postsekretär Ge Jurarv von Wattenscheid nach Gelsenkirchen und der Postassistent Hempfing von Wattenscheid nach Eschwege. Der Postassistent Katte in Gelsenkirchen hat die„Postsekretärprüfung" bestanden. pg. Stadttheater. Erfreulicher Weise waren die letzten Votellungen recht gut besucht. Hoffentlich bleibt das Interesse des Pub likums für das hiesige Theater weiterhin so rege. Am Freitag ging als Novität„Simson“, Komödie in 4 Akten von Henry Bernstein, über die Bretter. Der Verfasser ist uns durch die im vergange nen Jahre gegebene Komödie„Der Dieb“ noch in Erinnerung. Auch n dem neuen Bühnenwerk lernen wir wieder den feinen Satiriker und raffinierten Bühnentechniker kennen. Dagegen liegt die Stärke des Stückes sicher nicht in der Dialogführung, die an Straffheit und Spannung manches zu wünschen übrig läßt. Auf den Inhalt der Komödie, in der das wechselvolle Leben eines starrköpfigen Parve nus geschildert wird, der es vom Packträger zum Millionär gebracht hat, brauchen wir wohl nicht näher einzugehen. Die Mitwirkenden führten ihre Rollen gut durch. Besondere Erwähnung verdient Mar Warschau als Vertreter der Titelrolle, doch schien uns seine oft übertrieben abgebrochene Redeweise und Wortdehnung nicht ganz am Platze. Lina Genesius als dessen Gattin spielte, wie immer, geschickt und vornehm. Wilhelm Beuk war äußerlich wohl bei der Sache, seinem Spiel fehlte es aber an innerer Vertiefung.— Am Samstag abend wurde das bekannte Schwarzwälder Volksstück„Die Else vom Erlenbof“ in 5 Akten gegeben, wobei sich die Damen Genesius, Rudolfy und Adolf sowie die Herren Warschau, Genesius, Titel, Bilek=Fels, Rudolfy, Beuk, Raden und Riemann recht ver dient machten. Das Publikum zeichnete die Darsteller an beiden Abenden mit lebhaftem Beifall aus. * Der Mißbrauch der Servietten. Zu dem unter dieser Ueber schrift in der letzten Nummer unseres Blattes gebrachten Artikel wird uns aus unserem Leserkreise geschrieben: Der in Ihrem gestrigen Blatte wiedergegebene Artikel über den Mißbrauch der Servietten ist mir aus dem Herzen geschrieben. Ich zweifle nur, ob bei der unglaublichen Indolenz des Publikums die am Schluß des Artikels gemachten Vorschläge zur Beseitigung der himmelschreienden Uebelstände ausreichend sind. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß hier die Gesundheits=Pollzei ein überaus geeignetes Feld zu ihrer Betätigung finden würde. Wenn die Königliche Regierung zu Arnsberg mit Fug und Recht im wohlverstandenen Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege eine Polizeiverordnung gegen Ungehörigkeiten im Barbier= und Friseur=Gewerbe erlassen konnte, so ist nicht einzusehen, warum sie nicht auf demselben Wege gegen den Mißbrauch der Serpletten einschreiten sollte. Ihr Vorgehen würde icherlich Nachahmung finden. ** S.=G.=V. Der Sauerländische Gebirgsverein hielt am Sams tag abend im Hotel Monopol eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die auf Antrag einer Reihe von Mitgliedern einberufen war, um eine Erhöhung des Jahresbeitrages vorzunehmen Die Versammlung war leider trotz mehrmaliger Einladung nur von 30 Mitgliedern besucht. Sie wurde von Herrn Rektor Siekmann geleitet. Im Namen der Antragsteller begründete Herr Apvelt in eingehender Weise die Notwendigkeit der Beitragserhöhung und beantragte eine Erhöhung des Beitrages von 3 auf 5 Mark. In der Diskussion wurde das Für und Wider des Antrages in eingehen: der Weise besprochen. Im Interesse der bestehenden ungünstigen Kassenverhältnisse war die Mehrheit der Versammlung der Meinugg, eine Erhöhung des Beitrages vornehmen zu müssen. Vor allen Dingen wurde darauf hingewiesen, daß von dem bisherigen Jahres heitrag nach Abzug aller Unkosten— Ablieferung von 1,50 Mark pro Mitglied an die Zentralkasse, Unkosten für den Versand des Ge birgsboten 60 Pfg. usw.— nur 40 Pfg. pro Mitglied übrig bleiben würde. Da nun der größte Teil der Mitglieder— etwa Zweidrittel= nicht in der Lage ist, an den Wanderungen teilzunehmen, vielmehr die größte Sorgsalt auf ein schönes Winterfest zu legen geneigt ist o ergebe sich daraus deutlich, daß von dem übrigbleibenden Gelde keine Feste gefeiert werden könnten. Trotzdem wurde der Antrag Appelt und Genossen, ebenfalls ein Kompromißantrag, den Beitrag von 3 auf 4 Mark zu erhöhen, abgelehnt, da satzungsgemäß nich: Zweiorittel der Mehrheit für die Aenderung stimmte.— Die weiteren Verhandlungen betrafen die Beschlußfassung über ein in diesem Jahre zu seierndes Winterfest. Nach längerer Debatte, in der die Meinung vorherrschenb war, ein Winterfest seiern zu müssen, und in der die Beschaffung von Mitteln eingehend besprochen wurde, kam man zu dem Ergebnis, für Januar oder Februar das betr. Fest vorzusehen. Ein bindender Beschluß wurde noch nicht gefaßt. Die Vorbereitungen wurden dem Vergnügungsausschuß in die Hand gelegt.— Zum 2. Schriftführer wurde anstelle des von hier verzogenen Apothekers Selke Lehrer Kusch gewählt. Um 12 Uhr wurde die Hauptversammlung von dem Vorsitzenden geschlossen Symphoniekonzert. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet das erste der Symphoniekonzerte der Strauß schen Kapelle am kommenden Donnerstag, den 29. Oktober, abends 8½ Uhr im Stadtgartensaale statt, worauf an dieser Stelle Allgemeine Zeitung. Montag, den A. Oktoder 1908. hingewiesen sei. Das Programm ist mit künstlerischem Geschmack ausgestellt und verspricht einige erhebende genußreiche Stunden. Ueber die Ouverture zu Mehuls Oper„Josef in Aegypten“, die eine Perle ihres Genres genannt werden darf, wird Haydn's Gdur=Symphonie(„mit dem Paukenschlag") im Mittelpunkt des Abends stehen. Die Wahl gerade dieses Werkes erscheint als besonders glücklich. Ist doch Haydn als der Vater der modernen Instrumentalmusik anzusprechen, als derjenige, welcher das„Naturell“, die angeborene und daher unwillkürliche Art, sich nach seiner eigenen Natur und Stimmung zu äußern, zuerst völlig auch in dei Musik walten und gerade im Quartett und in der Symphoute sich se recht ausleben ließ. Darum nannte ihn auch Beethoven„groß“ und die Nachwelt„unsterblich“. Seine von Herzen kommende und darum zum Herzen gehende Tonsprache wird auch hier ihren alten Zauber auf die Zuhörerschaft ausüben. Im zweiten Teile des Programms gedenkt sich Herr W. Strauß durch die Intervretation von Beethovens schönstem Klavierkonzerte, dem fünften in Esdur(mit Begleitung des Orchesters) seinem Auditorium gleichzeitig als ausübender Künstler vorzustellen, während die große Faust=Phantasie von Gounod den Beschluß des Abends bildet. An einem schönen Verlauf des Ganzen darf man um so weniger zweifeln, als das Orchester durch Hinzuziehung von Mitgliedern des städt. Orchesters in Essen auf 30 Mann gebracht ist. nk. Diebe erbrachen am Freitag abend die Kellerräume des Wirtes Wilke. Ecke Viktoria= und Grenzstraße und hießen verschiedene Sachen mitgehen. nk. Der Dieb im Lagerkeller. Der Kaufmann Kw. auf der Arminstraße erhielt in letzter Zeit uno zwar immer an einem Sonnabend, Diebesbesuch in seinem Lagerkeller. Jedesmal hatten die Elnbrecher das Schloß erbrochen und erhebliche Kolonialwaren gestohlen. Am letzten Sonnabend nachmittag fand K. zum dritten Male das sehr starke, ganz neue Schloß zertrümmert vor. Gestohlen war diesmal noch nichts. Wahrscheinlich wurde der Verbrecher der in der achbarschaft wohnen muß, zu früh gestört. ≈ Schwere Brandwunder erlitt am Samstag nachmittag das 4jährige Söhnchen des Bergmanns Joseph Schürinarski in der Ueckendorferstraße durch Umkippen eines Gefäßes mit heißem Asphalt an beiden Füßen und am linken Knie. Ob das Gefäß nicht günstig gestanden oder das Kind dagegen gestoßen hat, konnte nicht ermittelt werden. m. Auf ein 30jähriges Bestehen kann jetzt der Frauen= und Jungfrauenverein Schalke zurückblicken. Schon ehe die Kirchengemeinde Schalke sich von Gelsenkirchen trennte, traten in diesem Bezirk eine Anzahl Frauen zusammen, um für die Armen= und Krankenpflege die nötigen Mittel aufzubringen. Aus Anlaß der 30jährigen Jubelfeier wird am 4. November im Saale des Restaurants Thiemeier am Schalker Markt eine Festlichkeit stattfinden. Die Festrede hat Pastor Dreyer aus Münster übemommen. ** Eine namhafte Belohnung wurde aus Anlaß seiner 25jährigen Tätigkeit bei der Königlichen Eisenbahn=Verwaltung dem Badewärter Bernbard Schürmann seitens der Verwaltung zuteil. F. Kreisturntag. Der Turnkreis 8b(Rheinland) hält am 1. November d. J. in dem neuen Vereinsheim des Duisburger Turnvereins seinen diesjährigen, ordentlichen Kreisturntag ab. Die Tagesordnung ist überaus reichhaltig. Die Anträge des Ruhrgaues und des Niederrheinischen Gaues bezwecken Aenderungen in der Ordnung des Musterriegenturnens uns der Kleidung der Wetturner. Der Bergische Gau hat beantragt, die Gründung eines Kreisblattes in die Wege zu leiten. Ein Antrag des Gladbacher Gaues wünscht den Ausbau der Schloerstiftung zu einer allgemeinen Unfall=Unterstützungskasse. Die Vereine des Kreises sollen dazu eine besondere Steuer entrichten, die sich nach der Mitgliederzahl richtet. Um Uebertragung des Kreistuenfestes für 1909 hat die Turngemeinde Mülheim um Rhein gebeten. *s Merkwürdige Ansichten über das Heizen spuken noch in vielen Hausfrauenköpfen und vielleicht noch mehr in dem dicken Schädel der Magd. Go glauben manche, um recht sparsam mit den teuren Kohlen umzugehen, sei es ratsam, die Zimmer fortwäh rend geschlossen zu halten, damit die Wärme darin bleibe. ist aber ein Irrtum, der sich bald durch die„benommene Luft“, die in solchen Räumen herrscht, sowie in der großen Erfordernis an Heizmaterial verrät. Ehe man im Ofen anlegt, muß jeden Morgen eine gründliche Oeffnung der Fenster vorangehen, da mit die verbrauchte Atmosphäre entfliehen kann und das Feuer im Ofen, das so lustig prasselt, guten Sauerstoff, sein Lebenselement ebenso wie das unsere, zum Verzehren hat. Wenig bekannt dürfte die Wahrheit sein, daß das Heizen nicht allein zum Erwärmen der Wohnung dient, sondern auch zur Reinigung der Luft. Die warmen und darum leichten Teile entweichen fortwährend durch die Ritzen und Fugen der Fenster, und neuere kältere Strömung dringt auf demselben Wege statt dessen ein. Vor allem heize man nicht zu viel auf einmal, einesteils entsteht dadurch leicht eine Temperatur, die uns viel zu hoch ist, anderenteils kann der Ofen darunter leiden. Durch die bedeutende Entziehung der Feuchtigkeit aus der uns umgebenden Luft wird außerdem die gesundheitliche Eigenschaft des Klimas im Zimmer verringert. Durstempfindung und Trockenheit der Schleimhäute sind die unliebsamen Folgen davon. Es ist überhaupt zu empfehlen, Gefäße mit Wasser in den Ofen zu stellen, die den fehlenden Flüssigkeitsgehalt leicht wieder durch Verdampfung ihres Inhalts ersetzen. Der Grad der Erwärmung, den ein Mensch braucht, ist je nach der Natur des Betreffenden, oft sehr verschieden. Alte Leute bedürfen größerer Wärme als junge; als allgemeine Durchschnittstemperatur betrachtet man 14 bis 15 Grad Reaumur. Ein kurzes Lüften nach dem Mittagsessen schadet niemals, selbst wenn das Termometer darnach sinken sollte. Besser, nachmittags noch einmal heizen und dafür den Duft der abgetragenen Speisen nicht den ganzen noch übrigen Teil des Tages ertragen zu müssen, als diese Kleinigkeit an Feuerungsmaterial sparen oder zu sparen wähnen. Ein richtiges, vernunftgemäßes Heizen trägt viel zu dem Gefühl der Bebaglichkeit bei, das uns bei beginnender Kälte umweht, wenn wir die trauliche Herbstflamme brennen sehen. ** Landwirtschaftliche Winterschule Dortmund. Zum 28. Kursus der landwirtschaftlichen Winterschule Dortmund, der am Dienstag, den 3. November 1908, vormittags 10 Uhr, eröffnet wird, sind wiederum soviel Anmeldungen eingelaufen, daß die Normalzahl des Schulbesuchs wieder überschritten ist. Die landwirtschaftliche Winterschule Dortmund hat seit ihrem Bestehen bereits 1546 junge Landwirte ausgebilbet und im Durchschnitt der Jahre somit jeden Winter 72 Schüler gehabt, ein beredtes Zeugnis dafür, daß die landwirtschaftliche Schule selbst im Herzen des Industriegebietes ihrer Aufgabe gerecht geworden ist. * Zum Kaiserpreissingen. Bekanntlich hatte man vor einiger Zeit in Essen vergebens versucht, die Teilnahme am nächsten Kaiserpreissingen in Frankfurt a. M. zu regeln. Die Einigung scheiterte aber an dem Entschluß des Kruppschen Gesangvereins „Gemeinwohl“, der es sich nicht nehmen lassen wollte, als ganzer Verein am Frankfurter Kaiserpreissingen teilzunehmen. Jetzt beschloß der Essener Männergesangverein in einer außerordentlichen Generalversammlung mit großer Mehrheit, an dem Kaiserpreissingen in Frankfurt a. M. überhaupt nicht teilzunehmen, sondern dafür im nächsten Jahre eine Sängerfahrt nach Helgoland zu unternehmen. Aehnliche Nachrichten liegen von großen Gesangvereinen aus Bonn und Hannover vor. Auch die Berliner Liedertafel dürfte ablehnen, da sie eine große Konzertreise nach Amerika vorbereitet. ** Aenderung des§ 2 Abs. 2 des Gesetzes betr. die Bezeichnung des Raumgehalts der Schankgesäße. In dieser Frage hat dic Bochumer Handelskammer an den Minister für Handel und Gewerbe berichtet: Nach den Verhältnissen im hiesigen Bezirke besteht kein Bedürfnis, die gesetzlichen Bestimmungen über die Bezeichnung des Raumgehalts der Schankgefäße zu ändern. Während in anderen Gegenden, vornehmlich in Bayern, das Bier in steinernen undurchsichtigen Maßkrügen verzapft wird, woraus sich die Unsitte des schlechten Einschenkens erklärt und die Fordekung eines Minimalabstandes des Füllstrichs vom Gefäßrande dei starkschäumenden Getränken, insbesondere Bier, ergibt, wird das Bier im hiesigen Bezirke meist in kleineren durchsichtigen Gesatzen(Gläsern) zum Ausschank gebracht. Da sich sowohl der Wirt „e das Publikum mit einem Blick von der Füllung des Glases überzeugen können, so ist eine absichtliche Täuschung des Publi kums über die Füllung des Glases ausgeschlossen. Der üblicherweise für den Füllstrich genommene Abstand vom Glasxande ist zweckentsprechend. Wenn der Abstand für den Füllstrich größer genommen würde als seither, so würde das Gesätz oft nicht ganz voll werden; es bildet sich dann in dem Raum oberhalb des Füllstrichs wässriger Schaum, der das Aussehen des Getränkes beeinträchtigt. Letzterer Umstand ist gerade bei den durchsichtigen Gläsern von Bedeutung. Der Konsument legt im allgemeinen mehr Wert auf ein einladendes äußeres Aussehen des Getränkes als auf eine genaue Füllung des Glases. Die Festlegung eines einheitlichen Minimalabstandes des Füllstriches ist auch mit Rücksicht auf die Mannigfaltigkeit der Form der Gläser nicht zu empfehlen. Der Abstand des Füllstrichs muß der Form des Glases angepaßt sein: bier das Richtige herauszubilden, muß den Bedürfnissen der Praxis überlassen bleiben. Aus dem Tandkreise Gelsenkirchen. Stadt und Amt Wattenscheid. &a Wattenscheid, 23. Okt. Gestern vormittag hatte die Ehefrau des Bergmanns Josef St., Vödestraße, mit der Mutter des Bergmanns Artur O. einen Wortstreit, in dessen Verlauf sich der Ehemann der ersteren dazwischen mischte und die Frau O. zur Rede stellte. Nunmehr ergriff Artur O. ein Hackbeil und versetzte dem St. einen wuchtigen Hieb über den Kopf, infolgedessen dieser eine 4 Zentimeter lange, bis auf den Knochen gehende scharfrandige Verletzung davontrug. Der rohe Täter ist zur Anzeige gebracht.— In frivoler Weise seuerte der Arbeiter Gustav K. von hier gestern nachmittag gegen 4 Uhr auf der Sommerdellenstraße zwei scharfe Schüsse aus einem Revolver ab, ohne jemand hierbei verletzt zu haben. W Wattenscheid, 24. Okt. Wegen des Festes Allerheiligen findet in hiesiger Stadt am Sonntag, den 1. November, erweiterter Geschäftsverkehr statt.— Zu der bereits gestern mitgeteilten Verkiftung des Arbeiters Theodor Wenzel ist noch zu bemerken, daß in hiefiger Stadt das Gerücht herrscht, Wenzel habe nicht aus Versehen die gistige Flasche ergriffen, sondern sie sei ihm von dem Bergmann A. zum trinken gereicht worden. Da die Möglichkeit eines Gistmordes nicht ausgeschlossen war, wurde A. gestern aus diesem Grunde vernommen. Da er jede Schuld bestreitet, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Merkwürdig bleibt die Tatsache, daß weder die Hausgenossen, noch sämtliche 6 Personen, welche an dem Zechgelage beteiligt waren, wissen wollen, woher die Flasche mit dem giftigen Inhalt kommt, keiner will sie gesehen haben. Die Leiche des verstorbenen Wenzel wurde vorläufig beschlagnahmt. b Wattenscheid, 24. Okt. Man schreibt uns: Der Zweck heiligt die Mittel. In der Zeit des Wahlkampfes ist den Ultramontanen jedes Mittel recht, die Hauptsache ist, daß es zugkräftig ist. So brachte Anfang voriger Woche die zentrümliche„Wattensch. Volkszeitung“ eine Notiz, die den Stempel der konfessionellen Verhetzung an der Stirne trug:„Am Samstag nachmittag wurde ein hiesiger Geistlicher bei einem Versehgange von einer Rotte Schulkinder, trotz eines zickzackmäßigen Umganges, johlend verfolgt. Es bedurfte eines energischen Zurufes, um dem Unfug Einhalt zu gebieten". Dieser angebliche Vorgang sollte nach dem Stichwort eine Folge der—„liberal=konfessionellen Verbetzung sein!" Die Liberalen also, die stets konfessionelle Auswüchse mit Schärfe bekämpfen, sollen konfessionelle Hetzer sein! Das kann dummdreist nur der Berichterstatter eines ultramontanen Blattes behaupten, dessen Tätigkeit im Aufsuchen und Aufbauschen der geringsten Vorkommnisse besteht. Wir verlangten sofort den Wahrheitsbeweis, da uns der ominöse Vorfall gut erfunden schien. Bis heute hat sich das Blatt über diesen Fall in allen Tonarten ausgeschwiegen. Wir können nunmehr wohl feststellen, daß die ganze Geschichte ein jeder Grundlage entbehrendes Wahlmanöper war. So säct man in die Herzen der Katholiken den Haß gegen die Protestanten und macht noch Geschäfte dabei. Jeder ehrlich denkende Mensch, ob Katholik oder Protestant, wird sich nach alledem die Frage, wer die konfessionelle Hetze schürt, leicht beantworten können. W Günnigfeld, 24. Okt. Am Montag nachmittag um 5 Uhr veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige Schlußübung. ** Eickel, 24. Okt. Die diesjährige Personenstandsaufnahme ergab folgendes Resultat: Gesamtseelenzahl des Amtes 33.250 li. V. 31 538), mithin Zuwachs 1712. Auf die einzelnen Gemeinden verteilt sich diese Seelenzahl, nach der Konfession getrennt, wie folgt: 1. Gemeinde Eickel: Evangelische 11 739 (11 223), Katholische 11 512(10 866), Israeliten 48(51), Baptisten 57 (71), Dissidenten 11(4), Altkatholiken 1(10), zus. 23368(22 225). Ergibt einen Zuwachs von 1143 Seelen. Gemeinde Holsterhausen: Evangelische 4108(4019), Katholische 6749(5274), Pfraeliten 8(4), Baptisten 15(7), Dissidenten 7(9), zus. 9882(9313). Ergibt einen Zuwachs von 569 Seelen. ** Holsterhausen, 24. Okt. Der Pfarrer Erfling zu Holsterhausen ist zum Ortsschulinspektor für die Friedrich=Karlschule ernannt. Zeppelin beim Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg. Graf Zeppelin erschien am Samstag mittag im Reichsamt des Innern und hatte eine längere Konferenz mit dem Staatsminister von Bethmann=Hollweg. In dieser Konferenz wurden aufs neue die Einzelheiten des serneren Aufstiegprogramms, sowett sie für das Reich als Erwerberin des Luftschifses in Betracht kommen, weiter beraten. Ein Termin für den entscheidenden Aufstieg wurde jedoch noch nicht festgesetzt. Der Staatssekretär hatte seit dem Tage von Echterdingen noch keine Gelegenheit gehabt, mit Graf Zeppelin zusammenzukommen, so daß die Begegnn## beiden Herren sehr willkommen war. Wir können hinzufügen, oaß es in maßgebenden Kreisen sehr angenehm empfunden wird, daß der letzte überaus glückliche Aufstieg des„Zeppelin l“ in Abwesenheit des Grafen Zeppelin stattgefunden hat. Es ist dadurch der Beweis erbracht worden, daß das große Werk des Grafen nicht mehr auf seine beiden Augen allein gestellt ist, sondern daß dieser geniale Mann es verstanden hat, zugleich mit seinem Werk einen Stab von des Meisters würdigen Schülern zu erziehen. * Echterdingen, 24. Okt.(Tel.) Der Zeppelin=Gedenkstein auf der Landungsstelle bei Echterdingen ist heute nachmittag eingeweiht worden. Das neue Weingesetz. Berlin, 25. Okt. Dem Reichstag ging der Entwurf des Weingesetzes zu. der u. a. bestimmt: Wein ist das durch alkoholische Gärung aus dem Safte der frischen Weintraube hergestellte Getränk. Gestattet ist, Wein aus Erzeugnissen ver schiedener Herkunft oder Jahre herzustellen. Dessertwein darf zum Verschneiden weißen Weins anderer Art nicht verwendet werden. Bei ungenügender Reise der Trauben darf Traubenmost oder Wein, bei Herstellung des Rotweins auch der vollen Traudenmaische soviel Zucker zugesetzt werden, als erforderlich ist, um Wein zu erzielen, der nach Gehalt an Alkobol und Säure dem aus Trauben gleicher Art und Herkunft in Jahren der Retse ohne Zusatz erzielten Weine entspricht. Verboten ist, gezuckerten Wein zu verkaufen unter Bezeichnung„Reinheit“ oder mit Benennung der Weinbergslage oder des Weinbergbesitzers, wenn nicht gleichzeitig Wein als gezuckert bezeichnet wird. Geographische Bezeichnungen dürfen nur zur Kennzeichnung der Herkunft verwendet werden, gestattet bleibt jedoch, in hergebrachter Weise den Namen einzelner Gemarkungen zu benutzen, um gleichartige und gleichwertige Erzeugnisse anderer Gemarkungen des betreffenden Weinbaugebietes zu bezeichnen. Verschnitt aus Erzeugnissen verschiedener Herkunft darf nach der für die Art bestimmenden Anteile benannt werden. Benennung der Weinbergslage oder des Namens des Weinbergsbesitzers ist jedoch verboten. Verboten ist, Wein nachzumachen, aber nicht die Herstellung von dem Weine ähnlichen Getränken aus Fruchtäften, Pflanzensäften, Malzauszügen. Diese dürfen als Wein nur in Wortverbindungen bezeichnet werden und müssen die Stoffe kennzeichnen, aus denen sie hergestellt sind. Trinkbranntwein, dessen Alkohol nicht ausschließlich aus Wein gewönnen ist, darf nicht als Kognak bezeichnet werden. Schaumwein muß eine Bezeichnung tragen, die das Land erkennbar macht. wo er auf Flaschen gefüllt ist. Die Paragraphen 24 bis 80 enthalten Strafbestimmungen. Die Durchstechereien an der Grube Reden. Die Anträge des Staatsanwalts. Saarbrücken, 25. Okt. Der Staatsanwalt hat in dem Prozeß wegen der Durchstechereten auf der Grube Reden, über deren Vorgeschichte wir vor einigen Tagen berichtet haben, folgende Anträge gestellt: Gegen vier Steiger und zwei frühere Steiger, setzige Obersteiger, drei Monate Gefängnis, gegen zwei Fahrsteiger und den Steiger Heck vier Monate Gefängnis, gegen die Ehefrau Spengler ein Monat Gefängnis, gegen Frau Riß 14 Tage Ge fängnis, gegen 39 Bergleute Gefängnis von drei Tagen bis zu drei Monaten und Freisprechung von zwei Bergleuten. Gegen die angeklagten Beamten(Steiger, Fahrsteiger und Obersteiger) hat der Staatsanwalt ferner die Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren beantragt. Nachmittags drei Uhr begannen die Plaidovers der neun Verteidiger. Der neue Xwilecki-Prozeß. Posen, 24. Okt. Vor dem Zivilsenat des Oberlandesgerichts sand heute die Verhandlung in Sachen der Bahnwärterfrau Cäcilie Mayer contra Gräfin Kwilecki auf Herausgabe des Kindes Josef statt. Nach Vernehmung der Hauptbelastungszeugin Hedwig Andruszewski, die bis 6 Uhr abends dauerte, wurde zum weck der Aufnahme von weiteren Beweisen die Sitzung auf drei Lochen vertagt. Der zweite Aufstieg des„Zeppelin 1“. Auch die zweite Probefahrt des neuen Zeppelinschen Luftschiffes, die wiederum in Abwesenheit des Erfinders vor sich ging, ist glücklich verlaufen. Wir erhalten hierüber folgende Meldungen: Friedrichshafen, 24. Okt.(Tel.) Das Luftschiff des Grafen Zeppelin ist um 2 Uhr glatt zu seiner zweiten Fahrt aufgestiegen und bewegte sich in der Richtung auf den hiesigen Hasen zu Friedrichshafen, 24. Okt.(Tel.) Das Luftschiff ist nach mehr als zweistündiger Fahrt über dem Bodensee und dem Friedrichs= hafener Gelände in die schwimmende Halle zurückgekehrt. Die Fahrt und die Landung sind ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Friedrichshafen, 24. Okt.(Tel.) Bei dem heutigen Anfktieg um 2 Uhr war die vordere Gondel wie gestern besetzt, in der hinteren befanden sich Direktor Colsman und drei Monteure. Der Wind wehte aus Nordost mit einer Stärke von 4 bis 5 Meter. Das Luftschiff nahm erst Kurs auf Friedrichshafen, überflog den Hafen. wandte sich nach der Schweiz und fuhr dem Schweizer Ufer entlang bis Konstanz und zurück über Friedrichshafen nach der Halle, wo um 3,55 Uhr der Abstieg erfolgte. Die Höhen= und Seitenstenerung wie die Stabilität und Geschwindigkeit waren gleich vorzüglich Die Tragsähigkeit des Luftschiffs war bei dem kühlen Wetter sehr groß. Es führte 1060 Kg. Benzin, 990 Ka. Wasserdallast und zehn Personen mit sich. Die Motoren haben sich bis jetzt gut bewährt. Am Sonntag und Montag erfolgt voraussichtlich kein Aufstieg. Bei Abgang des Telegramms hat leichter Regen eingesetzt. Friedrichshasen, 24. Okt.(Tel.) Das Zeppelinsche Lreschiff ist um 4.15 Uhr in Manzell glatt gelandet. Die Belastung des„Zeppelin I“ war bei dem Aufstieg folgende: Außer den 9 Personen, die in den beiden Gondeln Platz genommen hatten, wurden 1070 Kg. Benzin und 1050 Kg. Ballast mitgeführt. Da die beiden Motore in einer Stunde 50 Kg. Benzin gebrauchen, war der Ballon für eine 19stündige Fahrt ausgerüstet. Die von einigen Seiten aufgestellte Behauptung, daß bei der Fahrt Ballast ausgeworfen sei, entspricht nicht den Tatsachen. Der Ballon ist gelandet, ohne Ballast auszuwersen, auch während der Fahrt hat er keinerlei Ballast ausgeworfen. Beilegung der Affäre Groß=Zeppelin. Berlin, 25. Okt. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, ist ein Duell zwischen dem Grafen Zepprlin und dem Kommandeur des Luftschifferbataillons Major Groß durch den Kaiser in letzter Etunde vervindert worden. Graf Zeppelin war nach Berlin gekommen, um seinen Ehrenhandel mit Major Groß in ritterlicher Weise zu erledigen. Der Zweikampf sollte am Freitag nachmittag im Tegeler Forst in der Nähe von Spandau stattfinden. Infolge der schweren Beleidigung wäre der Ausgang des Duells unzweifelhaft ein tragischer gewesen. Kurz vor der zur Anotragung des Streiteo festgesetzten Zeit gelang es dem Monarchen persönlich, erfolgreich in die Angelegenheit einzugreisen und die Austragung des Zweikampfes zu verhindern Die Anruhen in Persten. Einzug russischer Truppen in Täbris. Frankfurt a. M., 25. Okt.(Tel.) Die„Frankf. Ztg.“ meldet aus Täbris: 5 russische Bataillone Insauterie mit entsprechender Kavallerie und Artillerie überschritten vorgestern die persische Grenze und werden heute in Täbris erwartet, um die Stadt zu besetzen. Hier herrscht große Panik. Letzte Telegramme. Das Rennen um den Austriapreis. Wien, 25. Okt. Das Rennen um den Austriapreis, Sirecke 1300 Meter, Betrag 100 000 Kronen, gewann Weinbergs Faust mit einer Kopflänge vor Egiedis Fantome. Baron Oestritz Regina wurde 3. Neue Aufstiege Wilbur Wrights. Le Mans, 25. Okt. Wilbur Wrigth unternahm heute vier Flüge, drei davon in Begleitung eines Passagiers. Die Flugdauer betrug 3 Minnten 20 Sekunden, 4, 7 und 3 Minuten. Die Benlenpest. Lissabon, 25. Okt. Die auf der Insel Terceira(Azoren) epidemisch auftretende Benlenpest ist im Zunehmen begriffen. Die durchschnittliche Zahl der Todesfälle beträgt täglich 7. Hilger Pianinos nübertroffen an Tonschönheit, Güte und Billigkeit aus der Hofpiane Fabrik von Eduard Hilger erfreuen sich überall in musikalischen Kreisen größter Beliebtheit und allseitiger Gewunderung Prämiiert mit Goldenen Medaillen auf sämtlichen beschickten Ausstellungen —.— Großes Fabrik=Lager: Essen, Grabenstraße 109.— Verantwortlich für den redaktionellen Tei!: Chefredakteur M. Gerhäuser, für den Anzeigenteil Louis Ewald, beide in Gelsenkirchen. Rotationsdruck und Verlag der„Gelsenkirchener Allgemeiner Zeitung"(Cark Bertenburg inn.) 1 — ∆ Kolos Preisabschlag n Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse 59-63. 1200 Schlafdecken hervorragend schöne Jacquard-, Angora- u. Kamelhaardecken, imit darunter pracht volle Muster-Decken im Werte bis 4.90 Mk. jede Decte 2.75, 2.45, Mk. Noch nicht geboten. 1000 Biber-Bettücher in bunt und weies, teile la. Köper-Ware jedes Tuch 1. 38 Nf. 90, Pig Noch nicht geboten Bettdamast Posten 130 cm breit, mit Seidenglanz Fxrtrepreis Meter 1.25. Blk. Pig. Posten Bettdamast 160 cm breit, mit Seidenglans, teils 1a. Makko-Qualität., Extrepreis Mtr. 150. Pig. Posten Bettuch-Halbleinen doppelt breit, prima Qualitäten Frtrapreie Meter 1.25 Mk., Pig. Posten gebleichter Biber kräftige Ware, für Negligerwecke Extrapreis Meter 39 Pig. Teile weisse Damen-Heuiden au gutem Biber oder Hemdentuch Beinkleider mit Fester Volant oder allsgeoogt Nachtjachen zus gebleichten Croise mit Feston oder Spitte Extrapreis Pig. 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AMOpSeöffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abents. Wenlerertund für den Landkreis Gelsenkirchen. 4TDENN Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man Reider! durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16/18. Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Auzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=, Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Kurze politische Meldungen. In der letzten Sitzung der nationalliberalen Fraktion des Abgeordnetenhauses wurden als Mitglieder des Vorstandes gewählt: Die Abgg. Bartling, Dr. Friedberg, stellv. Vorsitzender, D. Hackenberg, Hausmann, Heye, Hobrecht, Vorsitzender, Jürgensen, Junghenn(Hanau), Geschäftsführer, Dr. Krause(Königsberg), Schiffer(Magdeburg), Schmieding(Dortmund). Als Schriftführer der Fraktion wurden gewählt: Die Abgg. Dr. Röchling, Dr. Gottschalk(Solingen), Fink, Dr. Martens(Osterholz), Dr. Schifferer(Charlottenhof), Dr. Maurer. * Wie die„Handels=Wacht" berichtet, will der deutschnationale Handlungsgehilfen=Verband am 3. November 1908, also am Tage der Reichstagseröffnung, in 1000 Städten öffentliche Versammlungen für die völlige Sonntagsruhe veranstalten. * Die Nationalliberalen haben einen Antrag eingebracht, die preußische Regierung möge im Bundesrat dahin wirken, daß bei der bevorstehenden Strafprozeßreform das Gerichtsverfassungsgesetz insofern abgeändert werde, daß den Volksschullehrern die Zulassung zu dem Geschworenen= und Schöffenamt gewährt wird * Am 24. Oktober feierte Prof. Dr. Berndt in Hamm seinen 70. Geburtstag. Er hat sich stets als ein treues Mitglied der nationalliberalen Partei bewährt und der Sammlung und Befestigung derselben in seiner Heimat, aber auch in zahlreichen auswärtigen Wahlkreisen seine Kraft gewidmet. Ebenso hat er als Landtagsabgeordneter für Hamm=Soest(1903 bis 1908) fleißig gearbeitet und an den Verhandlungen im Plenum und in den Kommissionen tätigen Anteil genommen. Die österreichische Polizeibehörde verbot den für Sonntag angesagten Bummel der deutschen Studenten in Prag. Papst Teo 15. und Fürk Bismarck. Unter Bezugnahme auf den Artikel„Bismarck im Staatslexikon der Görres=Gesellschaft" dürste die nachstehende Episode, die den„Münch. N. Nachr.“ von einem Leser mitgeteilt wird, vielleicht weite Kreise interessieren: Es war um die Zeit, als der Zentrumsführer Lyzealrektor Dr. Rittler mit den übrigen Führern in Konflikt geraten war. Zur Klarstellung, vielleicht auch im Interesse der bayerischen Regierung, reiste Rittler in der damaligen Österwoche nach Rom. Er erhielt vom Ministerium des Aeußern einen Empfehlungsbrief an den bayerischen Gesandten in Rom. Als Rittler in Rom ankam, bemerkte er zu seiner unangenehmen Ueberraschung, daß er den Empfehlungsbrief in seinem verschlossenen Pulte zu Hause gelassen hatte. Im Vatikan wurde Rittler mit größter Auszeichnung empfangen. Papst Leo XIII. gewährte ihm, gegen alles Herkommen, in der Osterwoche eine längere Audienz, die nachts 9 Uhr stattfand. Im Verlaufe des Abends kam die Rede auf Bismarck. Rittler beobachtete nun zu seiner größten Verblüffung, daß der Papst ein begeisterter Verehrer Bismarcks war. So oft Rittler über Bismarck räsonnieren wollte, unterbrach ihn der Papst mit der Bemerkung:„Er ist ein großer Staatsmann.“ Als Rittler seine Ansicht über Bismarck weiter bekräftigen wollte, erwiderte der Papst in ebenso bestimmter wie milder Form:„Vergessen Sie nicht, daß ein großer Mann auch große Fehler hat.“ Auf der Rückreise nach Regensburg hielt sich Rittler kurze Zeit hier auf und besuchte mich, wobei er mir diesen Vorgang erzählte. Internationaler Kinderaustausch. Die französische, von der Regierung sowohl wie von hervorragenden Personen des öffentlichen Lebens materiell und moralisch warm unterstützte Societe d’Echange International des Enfants et des jeunes Gens hat im lausenden Jahre wiederum steigende Erfolge zu verzeichnen. Sie bewirkte in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits 166 Austausche, von denen 125 für die Dauer der großen Ferien galten, 41 für mehrere Monate bis zu einem Jahre. Wie in den früheren Jahren, so steht auch jetzt wieder der Austausch von Kindern und jungen Leuten zwischen Deutschland und Frankreich bei weitem an der Spitze. Er betrug für die Ferien 88. Ihm folgt der Austausch zwischen England und Frankreich mit je 33, zwischen Oesterreich und Frankreich mit je 1, zwischen England und Deutschland mit je 3 FerienTauschlingen. Desgleichen steht der außerhalb der Ferien durch Vermittelung der Gesellschaft bewirkte Austausch für längere Zeit zwischen Deutschland und Frankreich mit 25 Fällen an erster Stelle. Er beträgt zwischen Frankreich und England 12, zwischen Frankreich und Oesterreich 3, zwischen Deutschland und England 1 Fall. Die Leitung wechselte für die Gesamtzahl dieser Austausche nicht weniger als gegen 5000 Briefe mit den Familien hüben und drüben. Nach dem Verhältnis der Geschlechter bleibt der Austausch von Mädchen noch immer weit hinter dem von Knaben in den obigen Zahlen zurück. Immerhin tritt in der französischen Abneigung, die Mädchen auf kürzere oder längere Zeit einer fremden Familie, zumal einer solchen im Auslande, anzuvertrauen, bereits eine leichte Wandlung hervor. Drei französische Mädchen gingen in diesem Jahre nach Deutschland 11 nach England im Austausch. Dagegen sandte Deutschland 34 und England 15 Töchter nach Frankreich hinüber. Wie in den früheren Jahren, so bezeugen auch in diesem Jahre wieder zahlreiche Schreiben der Eltern und der Tauschlinge von hüben und drüben den Erfolg des Unternehmens. Von französischer Seite mehrt sich das Angebot nach einem Austausch mit deutschen Familien derart, daß eben jetzt schon wieder mehrere Gesuche vorliegen, denen von deutscher Seite noch kein Gegengebot gegenüber steht. Profellor Schmoller geadelt. Berlin, 24. Okt. Wie die„Tägl. Rundschau“ hört, hat der Kaiser dem Professor Gustav Schmoller, der sowohl Mitglied des Herrenhauses wie der Akademie der Wissenschaften ist, den erblichen Adel verliehen.— Gustav v. Schmoller, der vor einigen Monaten seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, hatte bis jetzt auf jeden Titelschmuck verzichtet und darum auch immer die Geheimratswürde ausgeschlagen; der Großmeister der deutschen Nationalökonomen erschien im preußischen Behördenverzeichnis stets als schlichter Professor und Dr. phil. et jur. Der unermüdlichen Schaffenskraft des greisen Gelehrten verdanken wir eine Neuauflage des Grundrisses der Volkswirtschaftslehre, dessen erster Band dieser Tage zum dritten Male seinen Weg in die Oeffentlichkeit nimmt. Berliner Prief. Von unserem Korrespondenten.) Se. Kgl. Hoheit der Herr Doktor als Ehemann!— Das Doppelfest.— Der Kaiserin Geburtstag.— Eine wirkliche Fremdenstadt.— Theatergrößen.— Wieder einmal Harry Walden.— Sein Dämmerzustand. — Die Lichtsteuer.— Die kleinen Weihnachtshändler.— Der Schloßplatz einst.— Tief unter der Erd'! In unserm Kaiserhause folgten in dieser Woche eine Reihe festlicher Tage. Der vierte Kaisersohn, der Doktor des Kaiserhauses. hat geheiratet, die schleswigholsteinsche Prinzessin Alexandra Viktoria ist Frau Doktor geworden, Einholung, Galaoper usw. Am zweiten Tage der festlichen Begebenheiten hat die hohe Schwieger mutter, unsere Kaiserin, ihren 50. Geburtstag gefeiert. Also ein Doppelfest! Es ist mit allem Zeremoniell begangen worden, höfische Pracht kennen wir nicht und im Hause Hohenzollern liebt man sie nicht. Wir schmücken das Brandenburger Tor mit Tannen, Masten und Fahnen und die Straße Unter den Linden ebenso, Hornglaslaternen säumen einige Fronten— und die Feststraße ist fertig Pünktlich treten unsere Stadtväter an zur Begrüßung. Diesmal hatten sie Pech; das schöne Oktoberwetter ist ausgerechnet einen Tag vor dem Festrummel in eine sehr scharfe winterliche Temperatur umgeschlagen. Die armen Stadtväter im Frack, und Ansprachen am dem Winde ausgesetzten Brandenburger Tor.„Det is jrade nich wat Scheenes!“ könnte man vartieren. Aber die Braven machen's, sie sind bei Wind und Wetter auf dem Posten. Aber das Publikum ist auch auf dem Posten, das muß man ihm lassen; die berühmte Anteilnahme an den Ereignissen des Kaiserhauses seitens der Bevölkerung trat diesmal wieder evident in die Erscheinung. Auch die Fremden fehlten nicht. Die Hotels, die in diesem Oktober auffallend leer waren, füllten sich Anfang der Woche rasch, und so wogte es auf und nieder die ganze Woche hindurch. Daß Berlin eine Fremdenstadt ist, ist bekannt, aber so„fremd“ wie augenblicklich ist mir Berlin schon lange nicht vorgekommen. Das Fremde oder Fremdländische spiegelt sich in ganz auffallender Weise eben jetzt auf unsern Theaterplakaten wieder. Caruso im Opernhaus in Begleitung von Scoti, die Aguglia, eine sizilianische Berühmtheit im Neuen Theater. Grasso, ihr sizilianischer Rivale, im Gastspiel=Theater, die Sarah Bernhardt im Hebbel=Theater und Alexander Girardi im ThaliaTheater. Mehr kann man nicht verlangen! Wer von diesen Theatergrößen das Rennen machen wird, weiß man noch nicht, wer das Davonrennen“ gemacht hat, das weiß man. Es ist kein Scherz mit dem„Davonrennen“: einer unserer bekanntesten Berliner Stars, Harry Walden, ist wieder einmal auf und davon gegangen Ich habe schon öfters von dem originellen Ausreißer erzählt, Walden, der verhätschelte Frauenliebling der Bühne, reißt aber immer wieder aus. Man sagt, es sei eine Krankheit von ihm, er bekommt seine Dämmerzustände, er wird etwas blöd, weiß nicht, was mit ihm los ist und rückt entweder allein oder mit einer Begleiterin aus. Seine Direktoren jammern, seine Frau jammert, es nützt aber nichts, Wal den, der schöne Harry, rückt aus. Zur Stunde ist er noch nicht zurück, aber es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß er jeden Augenblick wieder heimkehrt.„Wo war ich?“ fragt er im Dämmerzustande! Viele glauben natürlich nicht an den Dämmerzustand und meinen, Walden, der immer schneidige Karl Heinz aus Alt=Heidelberg mit dem modernen Glasscherben im Auge, also der ewige Mann mit dem Monocle, spiele, wie etwa den idiotischen Edgar im„Lear“ oder den macchiavellistischen Clavigo, nur ein wenig Komödie. Wenn das der Fall ist, dann ist es doch wohl bloß eine Familien=Komödie, und weil ich dieser Ansicht mehr zuneige, als einer anderen, werde ich mich um den wahren Grund des zeitweisen Verschwindens Harry Waldens nicht weiter kümmern. Es gibt ja schließlich noch andere Dinge, über die man reden kann. Es gibt sogar Dinge, über die man in der nächsten Zeit sehr viel reden wird, wie z. B. über die neue, dem Landtage nunmehr eingebrachte Lichtsteuer, nach welcher die Herstellung von Gas und elektrischem Licht und der Verbrauch, sowie die Beleuchtungsmittel besteuert werden sollen. Ich habe die ungefähre Lichtsteuerskala gelesen, und mir ist finster vor den Augen geworden: sie bedeutet, daß mancher kleinen Existenz das Licht— das Lehenslicht ausgepustet wird oder des Licht vor der Nase abgedreht wird. Die kleinen Eristenzen vernichtet man und die großen läßt man laufen. Ich variiere, aber diese kleine Variation ist mit Bezug Wintermoden für Straße und Haus. Von Alberta v. Dühring. (Nachdruck verboten). Die Teilung unserer Toiletten in solche für das Haus und die Straße ist nicht allein eine Forderung des guten Geschmacks und der Aesthetik, sondern auch eine Forderung von praktischem Wert. Denn ein Kleid, welches ohne Wahl und ohne Wechsel sowohl im Hause als auch auf der Straße getragen wird, wird sehr viel schneller unansehnlich und abgetragen sein, als wenn man mit dem Anzug wechselt. Gerade die oft angefeindete Blusenmode erleichtert diesen Wechsel sehr. Dazu kommt noch, daß z. B. der Rock eines Kostüms, den man auch stets im Hause zu tragen pflegt, nach einiger Zeit gegen das naturgemäß weniger getragene Jackett verblichen und unansehnlich aussieht. Auch hinsichtlich der Farben und Stoffe pflegt man Unterschiede zu machen, und die noch so modisch gekleidete Dame, die in ihrer Toilette darauf keine Rücksicht nimmt, bringt sich um die ästhetische Wirkung ihres Anzuges. Eine helle, leichte Toilette, deren Frische und Zartheit im Hause gewahrt wird, verliert ihren Reiz, sobald sie auf die staubige Straße versetzt wird, sie wirkt unangemessen und erscheint, wenn auch vielleicht elegant an sich, doch von gewisser taktloser Eleganz. Dazu gesellen sich noch die Unterschiede, daß man das Straßenkleid gern nicht zu lang oder fußfrei wählt, während die elegante Frau im Hause gern ein langes Kleid trägt, vielfach sogar beim Hauskleid der Schleppe huldigt, die schon an sich dem Kleide einen eleganten Anstrich verleiht. Das aus Rock und Paletot oder Jackett bestehende Straßenkleid ist auch für den Winter uns treu geblieben, selbstverständlich aber wird ebenso gern zu einem andern Rock oder Kleid von neutraler Farbe der Wintermantel getragen. Noch immer beherrscht die Empireform unsere Toiletten und sie wird, da sie sich mit ihren breiten Revers, mit den hohen Krasen und Halskrausen, mit den Westen und Jabots eigentlich mehr für kalte Tage eignet, uns auch den ganzen Winter hindurch treu bleiben. Die modernen Stoffe, der dicke Wollrips, die seinen englischen Streifenstoffe in hell= und dunkelgrau oder grau und schwarz, der stark gerauhte Diagonalstoff geben die klassischen Formen des Empirestils besser wieder, als leichte Sommerstoffe. Vielfach werden die modernen Straßenkostüme auch von zwei verschiedenen, die gleiche Farbe zeigenden Stoffen hergestellt. Da war in einem ersten Modesalon z. B. ein solches, dessen kurztailliger, in breite Reihenfalten geordneter bis gerade den Boden berührender Rock aus grünem Tuch bestand, die Weste unter dem offen stehenden Frack von dicker grüner Ottomane aber schwarz und grün gestreift war und reichen grünen und schwarzen Soutachebesatz zeigte. Die Weste ist eine dringende Notwendigkeit dieser Empirekostüme. Unter der Weste erhebt sich, mit hohem Kragen oder Halskrause den Hals bis fast zu den Ohren umschließend, eine Bluse von Spitzen, Stickerei ooer auch aus heller Seide. Bei einem anderen Kostüm bestanden sowohl der Rock als auch der lange Frackpalctot, der aber so geschnitten war, daß er vorn nur eben über den Hüften endete und die ganze Vorderbahn des Rockes von der Weste an freilegte, aus dunkelblauem Tuch mit schwarzem Soutachebesatz. Die Weste, über der der vorn kurztaillige, mit breiten schwarzen Samtrevers geschmückte Frack sich mit zwei Reihen Knöpfen schloß, war aus bunt gemustertem Cretonne. Neben Mänteln aus Tuch, starker Ottomane, englischen und deutschen kräftigen Diagonalstoffen sind auch Sammet= und Velvetjacken sehr beliebt und zwar weniger in schwarz, als in bunten Farben gehalten. Es gehört seines Farbenempfinden dazu, derartige Zusammenstellungen so zu kombinieren, daß die Toilette nicht aufsallend wirkt. Ein französisches Modell dieser Art be stand aus einem Miederrock aus braunem Tuch, darüber eine westenlose vorn über der Brust breit übereinander schließende bis kurz über die Hüften reichende spitzzipfelige Jacke aus dunkelrotem Belvet mit reichem braunen Soutache= und Skunksbesatz. Wintermäntel sind lang und weit, kurztaillig mit weiten Aermeln, breiten Revers und dem Schmuck vieler und schöner Knöpfe in den verschiedensten Größen. Knöpfe werden in diesem Winter von der Mode sehr bevorzugt, man bringt sie au, wo es nur geht und betont bei den modernen, sehr engen und sehr langen Kleiderärmeln die Tatsache, als sei der enge Aermel nicht über den Arm gezogen, sondern über dem Arm zugeknöpft worden. An Stelle der langen Pelzstolas, die einige Jahre die Mode beherrschten, treten, als notwendige Ergänzung des winterlichen Straßenanzuges, Halsrüschen aus Pelz, die mit einer Seiden schleife an der Seite geschlossen werden. Auch aus Federn, bunter, weißer und schwarzer Seide, Tüll usw. werden diese Halsrüschen hergestellt. Der den Abschluß bildenden Seidenschleife ist der Platz an der Seite angewiesen. Die Mufsen des Winters sind sehr groß und flach, mehr taschenförmig. Sehr oft werden wir an der modernen Muffe die Vereinigung von Samt und Pelz finden, da derartige Muffen aus edlem Pelzwerk kaum zu bezahlen sind. Als Saisonfarbe tritt neben dem stets sehr beliebten Marineblau in den verschiedensten Tönen die grüne Farbe hervor, die zu tragen allerdings etwas schwierig ist, indem sie fast nur sol chen Damen steht, die einen frischen Teint haben. Außerdem ist nicht jedes Grün vorteilhaft und die apfelgrünen Fracks wirken weniger apart, als herausfordernd. Ein reiches lila in der Farbe des köstlichen Amethyststeins gilt als sehr seine Modefarbe, auch tiefrote Weintöne, Kupferfarben, Mahagonirot und Braun und Blau in allen Nüancen werden gern getragen. Anstatt der Taschen, Pompadoure, Silberbeutel, die bei der Unzulänglichkeit der Kleidertaschen ein notwendiges Begleitstück der Damentoilette bilden, sieht man neuerdings fast nur bunte Lederbentel. Zuerst sah man sie nur in naturfarbigem Leder, jetzt jedoch wird das Leder gefärbt. Zartlila, zartblau, grün und rot, auch perlgrau ist beliebt. Neben der Beutelform kommt neuerdings auch die Taschenform an einem Metallbügel auf. Anschließend an diese Ledertechnik und an die lederne Berufskleidung der Auto Allgemeine Zeitung. Montag, den 26. Oktober 1008. auf eine beabsichtigte Verordnung wichtig, welche den Lebensnerv der Weihnachts=Straßenhändler trifft. Man will herausgefunden oder durch viele Beschwerden konstatiert haben, daß die kleinen, etwas aufdringlichen weihnachtlichen Straßenhändler eine Belästigung der Passanten sind. Ja— leugnen läßt es sich ja allerdings nicht, daß dies ab und zu der Fall ist; aber warum gleich diese kleinen Handelsleute mit Stumpf und Stiel ausrotten! Das will man nämlich Ja, ja, das will man. Man will also auch bald das letzte Merkzeichen der Berliner Weihnachtszeit tilgen. Und immer, wenn ich von solchen Absichten lese oder höre, steigt, wie eine mächtige Erinnerung an eine durch einen Schimmer von Poesie gesättigte Zeit, jene Weihnachtsbudenstadt vor meinen Augen auf, die einst dem Schloß platz die durch keine Farbe, durch kein Wort wiederzugebende Cha rakteristik sein ganz bestimmtes Aussehen verschaffte. Einst! Ja— es war einmal! Jetzt haben die Städte, jetzt hat Berlin und seine nächste Umgebung andere Sorgen. Da lese ich von einer unterirdischen Bedürfnis=Anstalt unter der Erde, die sich Charlottenburg zugelegt hat. Unsere schrittweite Nachbar=Residenz ist also weiter wie wir, sie ist uns um eine eigenartige Bedürfnisanstalt voraus. Erstens ist sie unterirdisch. Man kann nicht streiten, daß dies sehr vorteilhaft ist, denn der ganze Charakter dieser unbedingt notwen digen Institution weist ja unter die Erde.„Der Mensch soll nich! stolz sein“——„tief unter der Erd'!“ könnte man in Erinnerung an jenes gleichlautende Lied zitieren, aber die Charlottenburger sind stolz auf ihre neue, den Bedürfnissen aller Menschen ohne Unterschied gerecht werdende Anlage, denn sie soll sich im hochmodernen Ge wande präsentieren, sie soll sich, wie ich las, sogar„äußerst schmuck“ ausnehmen. Und besonders die Abteilung für die Frauen soll beinahe an Komfort gemahnen. Ueberall sind Waschtoiletten angebracht, um auch bei einem Gang unter die Erde zur Sauberkeit anzuregen. Ich kann nicht leugnen, daß mich dieser Vorsprung Charlottenburgs doch ein wenig mit Neid erfüllt. Wenn ich mir die Situation gleichartiger Anlagen betrachte: Unter den Linden, auf dem Potsdamer, auf dem Leipziger Platz, auf dem Dönhoff= und Alexanderplatz— dieses Gebrause um uns her, wenn wir uns einmal diskret zurückziehen wollen! Wie anders in Charlottenburg! Man steigt hinunter — tief unter die Erd’, und man ist mit seinen Gedanken allein—— Schweres Eisenbahnunglück. Angsburg, 24. Okt. Der Eilzug 89 ist heute nacht in der Station Hochzoll auf einen Güterzug gestoßen. Der Kölner Schlafwagen wurde beschädigt und von Reisenden der Kaufmann Döttger aus Frankfurt und der Oberingenieur Probst aus München getötet. Der Schlafwagenschaffner Etzel aus Frankfurt ist schwer, einige Fahrgäste sind leichter verletzt. Zehn Güterwagen sind zertrümmert. Beide Geleise waren bis 4 Uhr 15 Min. gesperrt. Moderne Trisuren, moderner Kopfputz. (Von unserem Mitarbeiter.) Die moderne Frisur hat sich in den letzten Jahren in einer Weise entwickelt, die aus ihr ein wahres Kunstwerk gemacht hat, und zwar eines, in dem trotz aller Modevorschriften doch eine persönliche Note vorherrschen darf. Falsche Löckchen, Puffen, Unterlagen, Stirnwellen und Zöpfe dienen als Handlanger zur Herstellung der Frisur, die heute den Kopf wie ein Heiligenschein aus blonden oder braunen, rotgoldenen oder schwarzen Haaren umgibt. Frauen, die es jedoch vorziehen, ihre eigenen Wege zu wandeln, studieren an den Gemälden der alten Meister die Haartrachten schöner Frauen vergangener Zeiten, um dann diejenige zu wählen, die ihren eigenen Schönheitstypus ins hellste Licht setzt. Sehr modern ist noch immer die Ondulierung; das in Wellen gebrannte Haar bildet stets einen vorteilhaften Rahmen für junge und ältere Gesichter. Oft wird das Haar in der Mitte gescheitelt und die langen Zöpfe im Nacken rund um den Hinterkopf gelegt; auch an der Seite wird der Scheitel angebracht, das Hinterhaar einfach zusammengedreht und im Knoten ausgesteckt, während kleine Löckchen darunter hervortreten. Aber sobald es sich um die Abendtoilette handelt, genügt auch die künstlerisch aufgebaute Frisur nicht mehr; sie muß durch allerlei schmückende Zutaten ergänzt werden. Und ebenso wie das moderne Abend kleid trägt auch der Kopfputz die Signatur der Mode der Directoire=Zeit. Turbans aus Goldgase krönen den Kopf; kleine, aus winzigen Blümchen gefertigte Kränze schmiegen sich um die Pufsen; Flechten aus mehrfarbiger Silbergaze durchziehen das Haar und Goldnetze fassen die widerspenstigen Löckchen zusammen. Noch prächtiger machen sich natürlich Diademe von kostbaren Steinen mobilführer wird uns aus Paris zur Hochsaison des Winters auch das„lederne“ Kleid mit buntem Perlenschmuck prophezeit. Die Hüte haben nunmehr wahrscheinlich den größesten Umfang erreicht, den sie haben können. Die Könse, von der in verschiedener Breite gehaltenen Krempe umgeben, sind meist hoch oder mittelhoch, der Schmuck besteht aus Federn, Seide, Samt, Blumen, auch aus Steinen und Nadeln. Hin und wieder taucht auch in der Fülle dieser Riesenhüte, die fast ohne Ausnahme von dem Strom getragen werden, ein Hut von besonderer Form und einem besonderen Geschmack auf, getragen von einer Frau, die sich nicht gern mit dem Herdenbewußtsein der großen Menge forttragen läßt und ihren eigenen Gedanken folgt. Die Farbenfreudigkeit der neuen Zeit ermöglicht eine große Mannigfaltigkeit des Schmuckes. Ein brauner Samt= oder Felbelhut mit der Garnierung etwas heller in der Farbe gehaltener Seide oder Federn ist sehr schön. Die modernen Capotformen werden meist einfarbig in Samt gearbeitet und erhalten sehr diskreten Putz in Gestalt von Stickerei, Flitterbesatz, Reiher= oder Straußfedertuffs und breite Bindebänder. Weder Alter noch Würde bestimmen über den Capothut, er wird wieder, wie vor ungefähr dreißig Jahren, sehr gern von der Jugend getragen und erscheint, wenn auch seine Form anders ist, als eine Fortsetzung der Charlotte. Das Hauskleid wird meist einsach gewählt, eine Ausnahme macht das Hauskleid, in welchem die elegante Frau ihre Gäste empfängt und welches dann, mit langer Schleppe und viel elegan ter Ausstattung sehr kostbar sein kann. An die Japan=Mode erinnert noch vielfach die Anordnung der Bluse oder Taille, die an ein über der Brust gekreuztes dreieckiges Tuch erinnert. Blusen, allerdings mit dem die Taille sehr verkürzenden Empire=Miederrock herrschen vor. Manchmal erscheint an dem Rock die Tunika, der Doppelrock, der für das elegante Salonkleid der Saison 1908 09 unerläßlich ist. Die Blusen haben enge oder mittelweite Aermel, der JapanAermel ist verschwunden. An Stelle des Gürtels tritt das seidene oder samtene Gürtelband mit Schleise, oder die lange Seidenschärpe. Der hohe Kragen, oft mit abschließender Rüsche versehen, und das weiße, zierlich gefaltete Jabot dürfen nicht fehlen. Neben dem„Hauskleid“ tritt neuerdings das Berusskleid, das Bureaukleid, vielfach in die Erscheinung. Dafür wird oft noch der Bluse gehuldigt, und zwar fangen beruflich tätige Damen an, auch für den Winter der hellen, waschbaren Bluse in warmen, ganz= oder halbwollenen Flanell= oder Barchendstossen den Vorzug zu geben. Für die sußfreien Röcke sind neutr Farben: grau, olivfarben und braun besonders beliebt, marineblau wird durch das Reiben auf den Stühlen bei stetem Sitzen tleichter unansehnlich. oder Kämmchen aus den Zaubersingern eines Lalique. Zum Schutz der komplizierten Frisuren ist aus der Vergessenheit, in die er längst versunken war, der Capuchon wieder erstanden. er ist von einer so ätherischen Beschaffenheit, daß er beinahe nur wie der Geist einstiger, längst vergangener Capuchons erscheint, ein Gebilde aus Wolken von Tüll, Spitzen und Gaze, an deren mundern weiche Plissees aus Seidenmusselin herabfließen, zwischen denen hie und da ein Blümchen aufblüht. Auch große Schleifen verzieren diese Kopfbedeckungen, deren Enden in Franzen aus Perlen oder Passementerie auslausen und die kokett an der Seite gebunden werden. Vermischtes. Wo es Buchen und Bucheckern gibt, kann man, so schreibt man der„Weser=Ztg.“ aus der Lüneburger Heide, jetzt im Herbst die reizende Beobachtung machen, wie der Rabe glaubt, sich für den Winter versorgen zu müssen. Erst frißt er sich natürlich unter der Buche quappedick an den süsen Bucheckern, aber dann nimmt er Tag für Tag— wenn er freiwillig fortfliegt, also nicht gesagt wird— ein oder zwei der Eckern, um sie sich am Waldes rand einzugraben. Er legt die Nüsse vorher nieder und bohrt nun mit dem Schnabel ein Loch in die Erde. Er dreht sich dabei ordentlich ein= bis zweimal um sich selbst, den Schnabel als Bohter benutzend. Dann legt er sorgsam die Eckern in die Erde und scharrt mit dem Schnabel Sand darüber. Ob der Vogel so viel Ortsfinn hat, daß er alle eingegrabenen Kerne wiederfindet, ist wohl zu bezweifeln. Das schadet aber auch nicht, aus den vergesse nen Kernen wachsen dann im nächsten Jahre Buchenbäumchen. Jedenfalls wird er sich nicht ohne Erfolg Wintervorrat eingraben. Er gräbt aber nur ein, wenn er sich unbeobachtet glaubt, von Menschen sowohl, wie von seinesgleichen oder von anderen Tieren. Ein Mißverständnis. Der neue Regimentskommandeur stammte aus Süddeutschland und hatte sich den Dialekt seiner engeren Heimat so vollständig bewahrt, daß er ihn ständig, sowohl in der Unterhaltung, wie im Dienste, anwendete. Infolgedessen entstanden, so lesen wir in der„Tägl. Rdsch.“, besonders in der ersten Zeit mancherlei Schwierigkeiten und auch öfter Mißver ständnisse, da das Regiment sich erst an den ihm fremden Dialekt gewöhnen mußte. Kurze Zeit, nachdem der Oberst das Regiment übernommen hatte, begann das Manöver. An einem sehr heißen Tage befand sich das Regiment in vorderster Linie im heftigsten Gefecht, die drei Bataillone waren fast vollständig aufgelöst, und nur ein paar Kompagnien lagen noch geschlossen, etwas weiter zurück, hinter Deckungen. Der Oberst, welcher auch diese bald zur Verstärkung der Schützenlinie einsetzen und sich deshalb überzeugen wollte, ob sie auch für diesen Zweck verwendungsbereit wären, ritt an die eine dieser Kompagnien herau und fragte den Kompagniechef:„Herr Hauptmann, hab Sie scho' g'lade'?“— Der Hauptmann glaubte, nicht richtig verstanden zu haben und fragte noch einmal nach dem Befehl des Oberst.—„Ich mein“, wiederholte dieser,„ob Sie scho' g'lade habe'?“— Da ging dem Hauptmann ein Licht auf, und in verbindlichem Tone erwiderte er: „Nein, Herr Oberst, Schokolade nicht! Aber darf ich Ihnen vielleicht einen Schluck Rotwein anbieten?“ Der kleine Cohn. Einem Bericht über die Pariser Turnfahrt in der Deutschen Turnzeitung entnehmen wir die folgende hübsche Episode: Nach dem Frankfurter Turnfeste zogen Tausende der Turner auf fröhlichen Turnfahrten durch die Lande darunter ein Teil nach Parts. Dort fanden sich eines Tages in einem größeren Lokale 50—60 der Turner zusammen, die natürlich den anderen Gästen auffielen. Man hatte auch bald heraus, wer die Fremden waren, und zur Ueberraschung der Turner bestieg ein Pariser einen Tisch, um die Fremden in Paris willkommen, zu heißen. Er betonte die gemeinsame Kulturarbeit, welche beide Nationen verbinde, und forderte am Schlufse seiner beifällig auf genommenen Rede die Musikkapelle auf, zu Ehren der deutschen Gäste ein deutsches Lied zu spielen. Die braven ungarischen Musikanten kamen dem sofort nach und spielten mit Begeisterung ein deutsches Lied, nämlich:„Haben Sie nicht den kleinen Cohn geseh'n?" Das Hallo der deutschen Turner kann man sich vorstellen. Warum das Zeppeliusche Luftschiff im August versagte. In einem Vortrag, den Pros. Dr. Hergesell aus Straßburg dieser Tage auf Veranlassung des Vereins deutscher Ingenieure in Köln gehalten hat, teilte er zum ersten Male die Gründe der Luftschiff=Katastrophe mit, wie sie sich ihm aus seinen Konserenzen mit Graf Zeppeltn ergeben haben. Danach wer das Luftschi## im 4. August nicht richtia avgewogen worden. So lange beide Motoren arbeiteten, konnte die schlechte Abwägung kompensiert werden. Als aber ein Motor versagte, war das niai mehr der Fall. Das Luftschiff stellte sich statt horizontal mit der Spitze etwas nach oben, wodurch ein dreimaliger Aufstieg in Höben von 600, 800 und sogar 1100 Meter bewirkt wurde. Die Folge war ein so starker Gasverlust, daß die Landung bei Oppenheim nötig wurde. Wahrscheinlich war die Luftschifshalle ungleich temperiert. Bei der Schweiz#erreise hat dasselbe Luftschiff, wenn nur ein Motor lief, vortrefflich funktioniert. Pros. Hergesell mah bezüglich der Dimensionen des Zevvelinschen Luftschiffes mit der Größenangst zu brechen. Er könne mitteilen, daß noch viel größere Luftschiffe gebaut würden als der letzte Zerr## lin gewesen sei, und es sei nicht ausgeschlossen, daß man 5“ dann von dem Gas zu emanzivieren vermöge und statt dessen vielleich mit Wasserdampf fahren könne, der in der Lust erzeugt werde. Dann erst sei die Eroberung der Luft vollständig. Eine Polarexpedition auf treibendem Eise. Aus Newnork wird berichtet: Evelyn B. Baldwin, der bekannte Erfor Arktik, beabsichtigt eine Erpedition nach den Polargegenden auf einem schwimmenden Eisfeld zu unternehmen. Die Reise wird dreieinhalb Jahre in Anspruch nehmen. 22 Teilnehmer And dazu ausersehen, darunter mehrere Gelebrte und Künstler. Die Gesellschaft wird sich auf ein Eisfeld in der Behringstraße einschiffen; dort soll ein Lager errichtet werden und gewaltige Vorräte sollen dahingeschafft werden, die für die ganze Daner der Reise ausreichen. Die Ozeanströmung wird die kühnen Reisenden hinauf nach dem hohen Norden führen. Irgend ein Fahrzeug wird nicht mitgenommen, da es nach Baldwins Meinung nutzlos wäre. Diese Art des Vordringens erscheint dem Reisenden viel weniger gefährlich als die mit einem Schiff, das wahrschein lich im Eis zermalmt werden würde, während die schwimmenden Eisfelder nicht zerbrechen, bevor sie die Küste erreichen. Präsident Roosevelt nimmt an diesem eigenartigen Plan lebhaften Anteil. Die Leiche im Kosfer. Der Urwaldsbote, Deutsche Zeitung in Blumenau(Süd=Brasilten), meldet: Eine Leiche im Koffer wurde an Bord des französtschen Dampfers„Cordillere“ entdeckt, kurz nachdem er den Hafen von Santos verlassen hatte. Dem Lotsen war der schlechte Geruch aufgefallen, der dem Koffer entströmte, und er machte die Schiffsmannschaft darauf aufmerksam, die den Besitzer, einen Syrer namens Michael Trad, nötigte, den geheimnisvollen Koffer zu öffnen. Der Inhalt bestand aus einem in Stücke zerschnittenen Leichnam, der schon teilweise in Verwesung übergegangen war. Bei der Ankunft in Rio wurde Trad verhaftet. Er bekannte, seinen Landsmann Elias Farhat, in dessen Geschäft er angestellt war, mit Hilfe zweier Itallener ermordet zu haben. Diese hätten ihn gezwungen, den Leichnam zu übernehmen und zu beseitigen; er habe ihn vom Schisf ins Wasser werfen wollen, sei aber durch die vorzeitige Entdeckung daran verhindert worden. Elias Farbat war eins der angesehensten Mitglieder der surischen Kolonie in S. Paulo und besaß ein großes Schuhwarengeschäft. Sein Verschwinden erregte begreiflicherweise großes Aufsehen. Man nimmt an, daß ein Raudmord vorliegt, doch scheint ein anderer Bewegarund nicht ausgeschlossen. Elias Farhat hatte eine junge, bildschöne Italienerin zur Frau, auf die er sehr eisersüchtig war. Eine Massenpctition um das Recht,— Männerkleidung zu tragen, haben amerikanische Frauen an den Präsidenten gerichtet. Es handelt sich dabei keineswegs um die Laune irgendwelcher Damen, die dadurch gern ihre völlige Gleichheit mit dem männlichen Geschlecht dartun möchten, sondern um Arbeitexinnen in den verschiedensten Betrieben, die durch die weibliche Kleidung außerordentlich stark behindert werden. Zweifellos ist die Frauenkleidung für eine große Zahl von Arbetten ungeeignet, die heute von Frauen verrichtet werden. und insbesondere der getellte Rock und die Rockhose würden mit Vorteil und unter Vermeidung vieler Gefahren an die Stelle des üblichen Rockes treten. Bedenkt man nun, daß in Amerika zahlreiche Frauen in Berufen tätig sind, die bis vor kurzem ala durchaus unweiblich galten, wie Schornsteinseger, Kohlenschipper, Kutscher usw. und dadurch ihr Brot verdienen, so muß man wohr für das freie Recht auf die praktischste Kleidung unbedingt eintreten. Ein Kampf zwischen Leopard und Riesenschlange. Die neueste Nummer der„Deutsch=Ostafrikanischen Zeitung" enthält folgenden Bericht, der ihr aus Riussi, im Nordbezirk der Kolonie, zu. gesandt wurde: Ich saß bei einem mir bekannten Farmer beim Frühstück, als plötzlich ein schwarzer Arbeiter in der gräbten Aufregung in das Haus gestürzt kam und uns fan atemlos zurief, draufen lämpfe ein Leopard mit einer Riesenschlange. Als wir hinausstürzten, sahen wir den gräßlichen, aber spannenden Kampf aus nächster Nähe. Ein ausgewachsener Leopard war von einer Riesenschlange angegriffen und umklammert worden. Er versuchte durch Beißen und Schlagen mit der Tatze sich von der eisernen Umklammerung frei zu machen, aber der lebendige Ring schloß sich immer enger. Wild peitschte die Schlange bei jedem Biß oder Schlag des Leoparden mit ihrem Schwanz und wühlte das Erdreich auf. Ihre gleißende Haut hing an manchen Stellen in Fetzen herunter, doch ihre Kraft ließ noch nicht nach. Der Levpard schien verloren. Doch als die Schlange einen Augenblick locker ließ, schnellte der Leopard plötzlich in die Höhe und biß mit der letzten Kraft der Schlange in den linken Kiefer. Man hörte das Knacken der zerbrechenden Knochen. Noch einigemale schlug die Schwerverletzte wild um sich und machte noch einen letzten Versuch, den Leoparden zu umwickeln. Doch die Kraft war zu Ende. Ein paar Zuckungen noch und sie hatte„ausgekämpfr“. Aber wie sah der Sieger aus? Zu Tode ermattet, mit zerbrochenen Gliedern lag er da: er schaute uns mit fletschenden Zähnen ins Auge. Mit der letzten Kraft suchte er sich von der ihn immer mehr noch umklammernden Schlange zu befreien, doch auch er mußte„aufgeben“. Wir gaben ihm den Gnadenschuß. Die abgezogene Schlangenhaut maß 6.50 Meter in der Länge und 58 Zentimeter in der Breite. Küsse an die falsche Adresse. Taft hat während seiner Wahlkampagne entschieden kein Glück. Selbst um die spärlichen Rosen, die in die dornenvolle Kette von Fahrten und Reden gewoben sind, betrügt ihn ein neidisches Geschick. Hatten sich da in Delaware sechs niedliche Mädchen verabredet, den„zukünftigen“ Präsidenten zu küssen. Ein ungeheuer dicker und schwerer Herr komm ihnen entgegen. Das kann niemand anders sein als Mr. Taft! Und schon haben ihn die opfermutigen Republikanerinnen umringt und sechs rosige Lippenpaare drücken sich nacheinander auf seine Wange. Ein siebentes Fräulein aber steht abseits und der dicke Herr wendet sich freundlich auch an sie:„Nun, wollen Sie nicht auch den neuen Präsidenten küssen?"„Ich möchte schon,“ lautet die schüchterne Antwort,„aber Vater ist für Bryan, und ich bin ein„Bryan=Girl“. das macht weiter nichts“, sagt der dicke Politiker gutmütig,„mit einem Kuß werden Sie den De mokraten schon nicht schaden und außerdem bin ich der Richter Wbarton und garnicht Taft.“ In diesem Augenblick erschien Mr. Taft selbst, gerade noch im rechten Moment, um zu sehen, wie den andern das„Bryan=Girl“ küßte. „Seine Majestät der Jar“. Eine niedliche Komödie vom neuen Zarenhofe wird aus Sofia berichtet: Den Hofleuten wollte in den ersten Tagen die neue Anrede„Majestät" noch nicht so selbstverständlich von der Lippen sließen, und um sich an den neuen Titel zu gewöhnen, verabredeten sie, jeder der das Wort Majestät bei der Erwähnung oder Anrede des Zaren ausließe, sollte zehn Fraucs Strafe zahlen. Die Minister schlossen sich dieser Vereinbarung der Hofbeamten an; nun begann ein eifriges Zehnfrankzahlen und der Fürst selbst freute sich über die amu santen Zwischenfälle, die so entstanden, und die verdutzte Miene, mit der die Minister immer wieder ihre Portemonnaies hervor bolen mußten. Den Höhepunkt erreichte die Komödie aber, als Ferdinand von dem Finanzminister die Erlegung des Strafgeldes verlangte und kurz darauf selbst von seiner Gemahlin als von der„Fürstin" statt von der„Zarina“ sprach und nun ebenfalls das Strafgeld erlegen mußte. Galgenhumor. Bei Balzac, so erzählt das Journal des De bats, drang eines Nachts ein Dieb ein, da der große Dichter, der pät in die Nacht hinein zu arbeiten rflegte, sich nicht immer die Rühe nahm, seine Tür zu verschließen. Diesmal war er zufällig gerade zu Bett gegangen, und der Dieb war im besten Zuge, nöglichst geräuschlos seinen Schreibtisch zu durchsuchen, als ihn lötsich ein helles Gelächter unterbrach, das aus dem nahen Altoven kam. Er wandte sich um und sah im Scheine des Mondichts den Dichter, der aus vollem Halse lachte. Obwohl höchst rschreckt, konnte der Dieb doch nicht umhin zu fragen:„Aber was versetzt Sie denn in so gute Laune?“„Ich lache". erwiderte ihm der Dichter,„daß Sie zu mir kommen und in der Nacht und ohne ht Geld in einem Schreibtisch suchen, wo ich beim hellen Tagescht noch niemals etwas habe finden können.... Dieses Gechichtchen erinnert an ein anderes, das Mery mit einem Gläuiger erlebte, den er eines Morgens, aus seinem Bett auffahrend, vor sich stehend und energisch sein Geld verlangend erblickte. Würden Sie wenigstens eine Abschlagszahlung machen? Es tut nir leid, daß ich Sie deshalb stören mußte.“„Mit Vergusigen,“ agte Mery.„Tun Sie mir nur den Gefallen, die erste Schubde dieser Kommode aufzuziehen.“„Schön, mein Herr, aber ist nichts drin.“„Wirklich? Ach. dann ziehen Sie doch die untere zuf.“„Auch da ist nichts.“„Merkwürdig. Ziehen Sie doch noch dritte Schublade auf.“„Wieder nichts.„Ga dann sehen Sie doch mal auf dem Kamin nach.„Da ist ebensowenig Geld ils in der Kommode.“„Unglaublich! Haben Sie auf dem Tisch nachgesehen:„Ha, Herr, nichts.“„Und auf dem Schreibtisch?“ Ebensowenig wie auf dem Tisch.“„Und in meinem Anzua?“ habe alle Taschen durchsucht.“„Nun sehen Sie,“ sagte Mery kaltblütig,„wenn kein Geld in der Kommode, und keins auf dem Kamin und ebensowenig auf dem Tisch und dem Schreibtise und nicht einmal in meinen Taschen ist,— wie zum Teufel wollen Sie denn, daß ich Ihnen was geben soll?" Tustige Streuges Regiment. Er:„Vierundzwanzig Jahre hab' ich nun dies Leben mit Dir ertragen, aber jetzt hab' ich's satt. Noch seute tu ich mir was an!"— Sie:„Unterstehe Dich, mich um meine silberne Hochzeitsfeier zu bringen!“ Deutlich. Dichterling:„Warum nehmen Sie denn, während ich Ihnen meine Gedankensplitter vorlese, fortwährend den Hut Redakteur:„Na, man begrüßt doch alte Bekannte!“ Mistverstanden. A.:„Ihr Onkel hat sich verbrennen lassen. Haben Sie seine Asche?"— B.:„Ja, bis auf ein paar kleine Legate an Wohltätigkeitsinstitute.“ Uebertönt. A.:„War die Blechmusik gestern abend nicht gräßlich?"— B.:„Ich weiß nicht, ich saß neben einem Tisch voll Damen.“ Ausgeränmt. Hausfrau(zu dem Stubenmädchen, das schon den ganzen Vormittaa singt):„Sie sind aber heute gut ausgeräumt, da ist sicher wieder schlecht ausgeräumt?!“ Sport. Aus Odessa wird uns depeschiert, daß das am letzten Sonntag auf der dortigen Radrennbahn ausgetragene 25 Werstrennen hinter Motorführung durch den Neger Spain auf seinem stabilen Brennaborrade gewonnen ist. ie pflegen an besten— durch 4g. lichen Gebrauch der überaus seinen und sehr milden— Murrholin=Seife, und bewährter Schönheitswirkung auf die Haut enthält Gng. meine Heitung. Montag, den 36. Oktober 1906. Aus der Umgegend. " S. Buer, 24. Okt. Gestern abend gerieten in der Nähe der Zeche Bergmannsglück mehrere Personen aneinander. Hierbei wurde dem Erdarbeiter Wilhelm B.— einem Holländer— mit einem Spaten die linke Gesichtshälfte abgeschlagen. Der Täter machte sich aus dem Staube. S. Glodbeck, 24. Okt. Schwer verletzt wurde in der vergangenen Nacht der Bergmann Heinrich Heinkens aus Holthausen, als er im Begriffe war, den Schacht zu verlassen. Er kam dem Förderkorb zu nahe und zog sich eine schwere Quetschung zu, so daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte S Gladbeck, 24. Okt. Gestern nachmittag wurde der 10 Jahre alter Schüler Wilhelm Ech. von einem zweispännigen Jagdwagen überfahren: der Junge erlitt mehrere Rippenbrüche. Die Wageninsassen brachten ion zum Arzt und dann in die Wohnung. 28 Bottrop, 24. Okt. Auf der Zeche Kaiser Friedrich wurden drei Bergleute durch eine Dynamiterplosion schwer verletzt. An dem Aufkommen des einen wird gezweifelt. S Bottrop, 24. Okt. Das drei Jahre alte Kind der Eheleute Josef Sch. trank gestern nachmittag aus der Ausgußöffnung einer mit kochenden Kaffee gefüllten Kanne. Es erlitt schwere innere Verbrennungen. * Freisenbruch, 24. Okt. Der Kasierer Sch. hatte im Lauf des verflossenen Sommers unzüchtige Handlungen an einem Mädchen unter 14 Jahren vorgenommen. Die Sache kam jetzt zur Kenntnis der Polizei, welche den Sch. verhaftete. ht. Kray, 24. Okt. Die Wahl des Herrn Pastor Arthur Schmidt aus Bechtheim im Taunus zum zweiten Pfarrer der hiesigen evangelichen Gemeinde ist nunmehr durch das Königliche Konsistorium in Koblenz bestätigt worden. Herr Pfarrer Schmidt trifft am kommenden Donnerstag nachmittags gegen 5 Uhr auf dem Südbahnhof ein, wo er von Vertretern des Presbyteriums und der Repräsentation empfangen und zum evangelischen Gemeindehause geführt wird, wo alsdann die Begrüßung seitens der übrigen Vertreter der größeren evangelischen Kirchenvertretung erfolgt. Hieran schließt sich dann ein Festessen im Kaisersaale an. Die Einführung des Herrn Pfarrer Schmidt findet am Sonntag den 1. November während des Hauptgottesdienstes statt. Aus Westfalen und der Rheinprovinz. * Lünen, 25. Okt. Das neun Monate alte Kind des Bergmanns K., welches am Tische saß, zog eine mit heißem Kafsee gesüillte Aanne um, wobei es so schwere Brandwunden erlitt, dast es kurze Zeit darauf starb. * Geldern, 24. Okt. Am 1. November cr. wird die Station Menzelen=Ost an der Strecke Geldern=Wesel zwischen Büderich und Turmstation Menzelen=West für Personen= und Gepäckverkehr eröffnet. Die Station Menzelen zwischen Büderich und Bönningbard wird aufgehoben. * Düsseldorf, 24. Okt. Auf der Eisenbahnstrecke Lintorf=Speldorf ist heute morgen ein holländischer Arbeiter, Vater von sieben Kindern, der eigenmächtig die Bahnschranken geöffnet hatte, von einem Güterzuge überfahren und sofort getötet worden. Sein ihn begleitender Bruder blieb unverletzt. ** Aachen, 24. Okt. Durch nachts aus einem Ofen ausströmende Gase wurde die Familie des Rittergutsbesitzers Wilhelm zur Helle auf Schloß Kalkofen schwer vergiftet. Während sich die Familie erholte, ist der Rittergutsbesitzer gestorben. ** Nachen, 24. Okt. Infolge eines Ausstandes in der Eisengießerei von Eduard Görtes. der durch die Entlassung eines Arbeiters herbeigeführt wurde, haben die dem Arbeitgeberverband der linksrheinischen Metallindustrie angehörigen Eisengießereien von Aachen und Umgegend beschlossen, ihre Betriebe stillzulegen, wenn nicht die Arbeiter bis zum 7. November ihre Kündigung zurückgezogen und die über die Fabrik verhängte Arbeitersperre aufbeben. Nötigenfalls wird der ganze Arbeitgeberverband der linksrheinischen Metallindustrie sich dem Vorgehen der Aachener Gießereien durch eine weitergreifende Aussverrung anschließen. * Boppard, 25. Okt. Im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis hat sich der hier zur Kur weilende Notar und Rechtsanwalt Wiedrich aus Saarlouis, der wegen Unterschlagung verhaftet worden ist, erschossen. * Viersen, 24. Okt. In vergansener Nacht drangen drei vermummte Gestalten durchs Feuster in das Schlafzimmer des Restaurateurs Prell ein, der sich mit seiner Gattin allein im Hause befand. Den Eheleuten wurde ein Knebel in den Mund gesteckt; außerdem wurden sie an den Händen gefesselt und mit dem Messer bedroht, falls sie sich rühren würden. Den Einbrechern, die alles durchsuchten, sielen 500 Mark in bar in die Hände. Sie waren längst mit ihrer Beute entkommen, als man am Morgen die Gefesselten aus ihrer bedrängten Lage befreite. Sport. Landung eines deutschen Ballons in Frankreich. Nancs, 24. Okt. In Firgnicourt im Marne Departement ist ein Ballon mit 3 deutschen Offizieren wohlbehalten niedergegangen Die Besatzung bestand aus dem Führer, Artillerieleutnant Freiherr v. Gehlsen, den Dragonerleutnants Freiherr v. Gölnau und Freiherr v. Fallneck. Die Luftschiffer begaben sich heute von Nancy aus nach Frankfurt a. M., ihrem Aufstiegort, zurück. Dehufs Abschätzung der zum Um D zu enteignenden Grundstächen: Umbau des Bahnhofs Wanne A. In der Steuergemeinde Wanne: 1. 0,24 ar des Grundstücks Flur 15 Nr. 249•31 2. 0,03 3. 0.75„ 4. 0,34„ 5. 12.80„ 6., 8,51„ 7. 0,08„ 8. 5,30„ 9. 81,60 10. 2,64„ 11. 2,75„ 12.136,50 13. 12,4„ 14. 3,68„ 15. 0.20„ 16. 0,45„ 17. 0,43„ 18. 0.45„ 19. 6,27„ 20. 0,0*„ 21. 0,05„ 22. 2,75„ 23. 44.00„ 24. 1,72„ 25. 2.70„ 26. 36,70„ 27. 2,60„ 28. 2.26 29. 3,69„ 30. 0,20„ 31. 23,50„ 32. 50,00„ 33. 2.30„ 34. 13,80„ 35. 34,46„ 36. 1,50„ 37. 8,70„ 38. 1,09„ 39. 16,85„ 40. 1,70„ 41. 29,20„ 42. 3,10„ 43. 2.20„ 44. 82.20„ 45. 1,72„ 46. 00,2„ 47. 6.36 48.140,10„ 49. 0,30„ 50. 0,40„ 51. 3,20„ 52. 2,10„ 53. 17,68„ 54. 92,60„ 55.122,78„ 56. 0,30„ 57. 1,80„ 58. 1,73„ 59. 0,35„ 60.146,70„ 61. 38,80„ 62. 0.30„ 63. 0,15„ B. In der Steuergemeinde Eickel 157/31 15" 170/31 15" 302 31 12" 219/12 2" 13 12" 190/10 12" 189/10 12" 151/3 12" 81/25 12„zu102/3 pp 12" 14 12" 192/15 12" 193/15 12" 154/15 12" 104/15 12" 83/15 8" 262 " 200 8" 256 8" 255 12„u102/3 pp 12" 136 22 12" 105/28 12„3u103/25 pp 12" 124 25 pp 12" 123/45 12" 122/28 12" 119/16 12" 121/28 12„ 72/16 12 184/16 12 143/16 12—au139/22 pp 12— 18°1 16 pp 12 177/21 pp 12 P 183/19 pp 12" 196 17 pp 12" 195/17 pp 12„ 46/17 12" 23918 pp 12" 155 20 pp 8" 266 8" 780 265 8" 264 12" 160/20 pp 182/19 181/33 179/31 477/30 480 30 441 23 488/22 42•21 487/20 18/32 489/136 48529 448/27 483•26 pp 482/24 65121 652/21 ist Termin der Isd Nr. 1—86 auf den 27. Oktober ds. Isvormittags 10¼ Uhr, vor dem Gasthaus Fork zu WanneGelsenkirchenerstraße, bezüglich der lsd. Nr. 36—63 auf den 27 Oktober d. Is., nachmittags 3 Uhr an der Ecke der Heidund Sedanstraße in Wanne anberaumt. Die Eigentümer der Grundstücke unter Nr. 3—63 bezw. die sonstigen Berechtigten werden darauf hingewiesen, daß, falls die Verhandlungen am 27. Oktober 2c. nicht beendet werden können, eine Fortsetzung derselben am 28. Ottober d. Is., vorm. 9 Uhr an gegebener Stelle stattfindet. Zu den Terminen werden die Beteiligten mit der Verwarnung geladen, daß bei ihrem Ausbleiben ohne ihr Zutun die Entschädigun, festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung derselben verfügt werden wird. Arnsberg, den 8. Oktober 1908. Der Enteignungs=Kommissar. v. Werner, Regierungs=Rat. Ueberzeugt! Kampf den alten Vorurteilen, deren Sklave Ihr noch immer, Nehmet Margarine„Mohra“ und Ihr lasset sie dann nimmer! Lange habe ich gezögert, endlich hab’ ich's überwunden, Kaufe„Mohra“ jetzt statt Butter, die ich habe gut befunden! Ihr zur Seite stehet würdig, köstlich fein die„Siegerin“ Mög' sie siegreich mit der„Mohra“' in den deutschen Haushalt ziehn! Alleinige Fabrikanten: A. L. Mohr. 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Innen steht man volle, reiche Crepe=Chiffon=Rüschen, in die diskret frische Myrten eingefügt sind. Corsage und Rock bestehen aus kostbaren, dem Familienschatz entnommenen Spitzen, die über einem Silberfond verarbeitet sind. Der tiefe Hofausschnitt an der Corsage ist mit einer Silberspitze à jour und kleinen, silberbestickten, applizierten Ranken abgeschlossen.— Von authentischer Seite werden noch einige Mitteilungen über die Cour= und Gesellschaftsroben der jungen Fürstin gemacht. Die meisten zum Trousseau gehörigen Toiletten sind nach Angaben der Kaiserin entstanden. Am Einzugstage und zur Galaoper trug die Prinzessin zu einer Courtoilette aus rosa Tüll eine rosa Sammtschleppe mit antiker Silberstickerei. Während der Fahrt deckte ein Cape aus Hermelin den Ausschnitt. Für große Hoffestlichkeiten ist ferner eine hellblaue Gazetoilette bestimmt: Rankenartige helle Paillettenstickerei ziert Taille und einen Teil des Rockes, dadurch macht die Robe den Eindruck eines Prinzessinkleides Zu einem halbhohen Kleide für kleinere Gesellschaften aus Spitzen über einem cremefarbenen Tüllrock gehört ein Habit aus Faille turquoise, das Ton in Ton bestickt ist. Ganz geschlossen ist ein hellblaues Crepesdeschine=Kleid, dessen Taille und Rock soutachiert und die langen Spitzenärmel mit Empiecements versehen sind. Im Empirestil mit antiker Stickerei ist noch ein geschlossenes Kleid aus rosa Seide gearbeitet. Zum Schlusse seien noch ein kostbarer Abendmantel aus indischer, golddurchwirkter, cremefarbener Seide mit Zobelbesatz und ein beigefarbener Wagenmantel(coat) für Sportzwecke erwähn — Von der Defiliercour im Weißen Saale, über deren Verlauf wir berichteten, geht uns noch folgende Mitteilung zu: Ueber 800 Damen und Herren brachten dem Kaiserpaar und den Neuvermählten, die unter dem Thronhimmel standen, ihre Huldigung dar Bei diesem farbenprächtigen Schauspiel entfaltete sich alle Pracht des glanzvollen Zeremoniells. Bewundernswert war die Ausdauer der höchsten Herrschaften, die eine volle Stunde während der Trauung in der Schloßkapelle, in der sich nicht ein einziger Sessel befand, gestanden hatten, und nun ebenfalls stehend die mehr als einstündige Huldigung im Weißen Saale entgegennahmen. Der Kaiser stand gleich einer Statue unbeweglich zur Rechten der Braut; mit leichter Reigung des Hauptes erwiderte er jeden Gruß. Die Kaiserin sah so frisch und glückstrahlend aus wie nur je und entbot mehrere Herren zu sich, um einige huldvolle Worte an sie zu richten. Unendlich ver schieden in Erscheinung und Haltung waren die hohen Würdenträger, von denen viele dem vorgeschrittenen Alter sichtbar Tribut zahlen mußten. Mit soldatischer Bravour hielt sich der greise Generalfeld. marschall Graf Haeseler; von der bösen Gicht gequält erschien der frühere Landwirtschaftsminister von Podbielski, mit lebhaften Armbewegungen der Kolonial=Staatssekretär Bernhard Dernburg, der zu weißen Strümpfen und Kniehosen goldgestickten Frack mit breitem blauen Ordensband trug. Bedächtigen Schrittes kam der Universitätsrektor, Geheimrat Krahl, erhobenen Hauptes Exzellenz Dryander im reichen Ordensschmuck. Während der ganzen Dauer der Defilier cour wurde diese von der Musik des Kosleckschen Bläserbundes be gleitet, der, in zwei Chöre geteilt, unter Leitung des Kammermusikers Ludwig Plaß stand. Essen, 24. Okt. In der heutigen Sitzung des Beirats wurde zu Punkt 1 der Tagesordnung die Umlage für das 4. Vierteljahr 1908 für Kohlen auf 7 Prozent, für Koks auf 7 Prozent und für Briketts auf 4 Prozent festgesetzt. Zu Punkt 2 wurde der Ausschuß zur Festsetzung der nächstjährigen Richtpreise eingesetzt. In der sich anschließenden Zechenbesitzerversammlung teilte der Vorsitzende mit, daß Punkt 1 der Tagesordnung vertagt werden müsse, da die heute vormittag stattgehabte Zusammenkunft der Hüttenzechen zur zweiten Lesung des Entwurfs über die Begrenzung des umlagefreien Selbstverbrauchs der Hüttenzechen als aussichtslos hatte abgebrochen werden müssen, weil das Mitglied Lothringer Hüttenaktien=Verein Anmetz=Friede eine Sonderstellung beansprucht habe, welche mit den Grundlagen des Vertragsentwurfs unvereinbar sei. Die Verhandlung mit Aumetz=Friede wurde fortgesetzt, und es sei zu hoffen, daß die Hüttenzechenfrage doch noch zu einem befriedigenden Abschluß kommen werde. Alsdann wurden die Beteiligungsanteile für November und Dezember d. J. für Kohlen auf 80 Prozent, für Koks auf 60 Prozent und für Briketts auf 82½ Prozent festgesetzt. Aus dem der Zechenbesitzerversammlung des Kohlensyndikats erstatteten Bericht ist folgendes zu entnehmen: Der rechnungsmäßige Absatz betrug im September bei 26 Arbeitstagen(im gleichen Monat des Vorjahres 25) 5710077 Tonnen(Vorjahr 5679333 Tonnen) oder arbeitstäglich 219 658(Vorjahr 227 183 Tonnen). Von der Beteiligung, welche sich im September auf 6699394 Tonnen(Vorjahr 6 346 554 Tonnen) bezifferte, sind demnach 85,25 Prozent(Vorjahr 80,49 Prozent) abgesetzt worden. Der Versand einschließlich Landdebit, Deputat und Lieferung der Hüttenzechen an die Eisen= und Hüttenwerke betrug bei Kohlen bei 26 Arbeitstagen 4988347 Tonnen(im Vorjahr 4412878 Tonnen) oder arbeitstäglich 191 860 Tonnen(t. V. 176 515 Tonnen), an Koks bei 30 Arbeitstagen 1 008 150 Tonnen(t. V. 1 285 883 Tonnen) oder arbeitstäglich 38 605 Tonnen(i. V. 42863 Tonnen), an Briketts bei 26 Arbeitstagen 264 287 Tonnen(i. V. 244 790 Tonnen) oder arheitstäglich 10 165 Tonnen(i. V. 9732 Tonnen). Hiervon gingen für Rechnung des Syndikats an Kohlen 4224010 Tonnen I. V. 3812 461 Tonnen) oder arbeitstäglich 162 462 Tonnen(i. V. 1078 198 Tonnen) oder arbeitstäglich 25618 Tonnen(t. V. 35 940 Tonnen) an Briketts 257881 Tonnen(t. V. 240 603 Tonnen) oder arbeitstäglich 9919 Tonnen(1. V. 9624 Tonnen). Die Förderung stellte sich insgesamt auf 6071 746(Vorjahr 6557 682) Tonnen oder arbeitstäglich auf 271 990(Vorjahr 262 807 Tonnen und im August 1908 auf 7.058 903 resp. 271 497 Tonnen. Bericht besagt wetter, daß die vom Phönix von den Zechen der früheren Nordstern=Gesellschaft bezogenen Mengen an Kohten, Koks und Briketts vom Kohlensyndikat in den Monaten. Januar bis einschließlich August beim rechnungsmäßigen Abschluß verrechnet worden sind. Nachdem das Reichsgericht dem Phönix das Recht zugesprochen hat, auch aus den Feldern der Nordsterndechen den Selbstverbrauch umlagefrei und außerhalb der Beteiligungsziffee beim Kohlensyndikat zu decken, mußte eine Rückverrechnung jener Monate erfolgen. Hierdurch wird der rechnungsmäßige Absatz für die Zeit vom Januar bis August um 285 818 Tonnen, der Selbstverbrauch für eigene Kokereien, Brikettanlagen usw. um 60 515 Tonnen, der Versand für Rechnung des Syndikats in Kohlen um 225 308 Tonnen, in Koks um 44 503 Tonnen und in Briketts um 728 Tonnen ermäßigt, während der Selbstverbrauch ür eigene Hüttenwerke um 285818 Tonnen steigt. Die Fortdauer der ungünstigen Geschäftslage fast sämtlicher einheimischer Erwerbszweige, namentlich aber der Eisenindustrie, ist auch im Monat September d. J. auf den Absatz des Kohlenyndikats von nachteiligem Einfluß gewesen. Wegen Absatzmangels konnten die gelieferten Kohlen= und Brikettmengen im vollen Umfange nicht abgesetzt werden, sodaß das Syndikat wiederum genötigt war, größere Mengen auf Lager zu nehmen. Der Abatzmangel hat sich auf sämtliche Kohlensorten und insbesondere aber auf Feinkohlen und Briketts erstreckt. Im Vergleich zum Monat September des Vorjahres ist allerdings im Berichtsmonat ür Kohlen und Briketts noch eine bedeutende Steigerung des Abatzes zu verzeichnen, welcher sich arbeitstäglich für Kohlen auf 9964 Tonnen= 6,58 Prozent und für Briketts auf 295 Tonnen= 3,7 Prozent beläuft. Dieser Steigerung steht indessen im Koksabsatz eine Abnahme von arbeitstäglich 10322 Tonnen= 28,72 Prozent gegenüber. Der schwache Koksversand hat ein beträchtliches Anwachsen der auf den Zechen lagernden Koksbestände zur Folge gehabt. Im lausenden Monate ist eine weitere Verschlechterung des Absatzes eingetreten, indem in der letzten Zeit die Abbestellungen in Kohlen und Briketts einen größeren Umfang angenommen haben. Neben dem geringen Bedarf der Industrie ist auch in den Abrufen der Eisenbahnverwaltung und Schiffahrtsgesellschaften infolge des starken Verkehrsrückganges ein ernevlicher Ausfall zu verzeichnen. Das gleiche trifft bezüglich des Bedarfs der Gasanstalten zu. Auch die Ablieferungen für die verschiedenen Läger, sowohl für diejenigen am Oberrhein, wie die des Groß= und Kleinhandels und der vom Kohlensyndikat angelegten, können in seitheriger Weise nicht mehr fortgesetzt werden, da die Läger inzwischen fast aufgefüllt sind. Ermordung des Buchhändlers Giegler vor Gericht. Eine zweite Grete Beier. (Von unserem Korrespondenten.) Leipzig, 25. Okt. Vor dem hiesigen Schwurgericht beginnt am Dienstag früh ein Mordprozeß, der einen sehr sensationellen Verlauf nehmen wird, obwohl ein sehr großer Teil der Verhandlungen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wird stattfinden müssen. Wegen Ermordung des Buchhändlers Artur Giegler haben sich vor den Geschworenen zu verantworten die Wirtschafterin Gieglers Minna Döll und deren Liebhaber, der Buchdrucker Schmidt. In der Hauptangeklagten Minna Döll, die zu einem gewissen Grade geständig ist, hat man es anscheinend mit einem Seitenstück zu ihrer vor kurzem hingerichteten sächsischen Landsmännin Grete Beier zu tun. Vor Jahresfrist, etwa im Anfang November v. J., war der Buchhändler Artur Giegler aus seiner Wohnung verschwunden. Man wunderte sich zunächst nicht darüber, da seine Wirtschafterin schon lange vorher erzählt hatte, daß Giegler demnächst nach Italieu reisen wölle. In den folgenden Wochen hauste die Döll in der Wohnung allein. Sie empfing dort ihre Liebhaber und es sollen in der Wohnung nicht wiederzugebende Orgien gefeiert worden sein. Im Januar d. J. machte sich aus der Wohnung Gieglers ein unangenehmer Geruch bemerkbar. Die Döll war inzwischen nach Dresden gefahren, wo sie sich mehrere Wochen lang aufhielt. Durch den immer stärker werdenden Geruch aus der Wohnung wurde man stutzig und man fand beim Oeffnen der Wohnung in seinem Beik Giegler als schon halbverweste Leiche vor. Die Leiche war mit Decken und Tüchern fest verpackt und es erweckte den Anschein, daß damit verhindert werden sollte, daß der Leichengeruch nach außen dringe. Darauf deutete auch der Umstand hin, daß selbst der Spalt im Türbriefkasten von innen fest vernagelt war. Im Nebenzimmer stand unmittelbar neben der Türe, die zu der Leiche führte, ein Feldbett, das die Döll sich von ihrem Liebhaber hatte direkt dort hinrücken lassen. In diesem Bett hatte sie wochenlang geschlafen, während nebenan der Ermordete lag. Alle Anzeichen deuteten auf einen gewaltsamen Tod Gieglers, der erst 26 Jahre alt war, hin. Der Verdacht richtete sich alsbald gegen die 24jährige Minna Döll. Sie hatte selbst zu Giegler in intimen Beziehungen gestanden. In der letzten Zeit soll es aber zu mehrfachen Zerwürfnissen gekommen sein, sodaß Giegler beabsichtigt haben soll, sie loszuwerden. Giegler selbst war in Leipzig eine sehr bekannte Persönlichkeit, wenn er sich auch nicht des allerbesten Leumundes erfreute. Er stammte aus einer angesehenen Buchhändlersfamilie, betrieb aber sein eigenes Buchhandlungs###eschäft in nicht allzu fairer Weise. Seine Hauptspezialität war die Her#stellung der sogenannten goldflüssigen„Eselsbrücken“ für Schüler; er stellte nämlich Bücher her, die Lösungen von Aufgaben und die Uebersetzungen enthielten. Damit soll er sehr viel Geld nerbient haben, das er aber zumeist in Nachtlokalen und Weiber#neipen durchbrachte. Die Döll wußte sich zunächst ihrer Verhaftung dadurch zu entziehen, daß sie aus dem Fenster sprang, sie wurde aber gleich darauf einen Tag nach der Auffindung der Leiche Gieglers am 14. Januar d. J. in Halle a. S. verhaftet. Unter dem Verdacht der Mittäterschaft wurde der 28jährige Buchdrucker Walter Schmidt, der mit der Döll in intimem Verkehr stand, verhaftet. Beide haben sich jetzt gemeinsam zu verantworten. Die Döll ist insofern geständig, als sie zugibt, daß sie sich habe mit Giegler zusammen durch Gas das Leben nehmen wollen. Andererseits soll sie aber sich in eine Reihe von Widersprüchen verwickelt haben, und sie soll auch Schmidt als ihren Mithelfer bei der Tat bezeichnet haben. Dieser bestreitet, irgend welche Kenntnis von all den Vorgängen gehabt zu haben. Zur Verhandlung sind 40 Zeugen und mehrere Sachverständige geladen. Herbstiagd. Nachdruck verboten. „Frühlingsdichter mögen sich— Müd' und heiser singen,— Mir nur will ein Lied auf Dich— Falber Herbst gelingen“, preist der Jägerdichter Wildungen die Freuden des Herbstes, des Jägers Frühling. Auf den leeren Feldern qualmen die Kartoffelfeuer; auf den wallenden Nebel des Frühmorgens ist leuchtender Sonnenschein gefolgt; in der klaren Luft der Mittagsstunden fliegen die weißen Faden des Mädchensommers; hoch oben ziehen, laut trompetend, die Dreiecke der Kraniche; der Laubwald prangt in bunten Farben; aus dem gelben und braunen Laub leuchten die roten Vogelbeeren, das Winterfutter der Drosseln; von den Eichen und Buchen rieseln die reifen Früchte, dem Wilde den Tisch deckend. Das leuchtende Rot der blühenden Haide ist in ein Rotbraun übergegangen, silberbetautes Spinnweb überzieht Haide und Ginster wie ein Brautschleier. Wen zöge es da nicht hinaus in die Herbststille zu frohem Waidwerk, sei es allein mit dem braven Hunde, oder mit einigen guten Freunden — nicht viele, aber sorgfältig ausgesucht?— Bis Mitte des Monats Oktober tönt noch des edelen Hirsches Schrei durch die Herbstnacht, aber die Reviere sind selten geworden, wo man ihn noch in freier Wildbahn hören kann. Manch alter Jäger stirbt darüber hin, und gar in solcher einen Hochgeweihten selbst zur Strecke zu bringen, ist nur wenigen beschieden. Freilich, mit Geld kann man auch hier, oder vielmehr gerade hier, alles kaufen. Aber auch der Humor kommt regelmäßig im Herbst mit Beginn der Brunstzeit zu seinem Recht. Blätter und Blättchen leisten sich die schönsten Stilblüten:„Jeden Abend von 6 Uhr ab Hirschbrüllen, bei schlechtem Wetter im Saale“, oder:„Der Wald hallt jetzt wieder von dem Brüllen und Rollen(!) der Hirsche". So greulich es auch klingt, ist es doch schön. Freilich Vorsicht ist am Platze. Sind doch schon Fälle an der Tagesordnung gewesen, wo Spaziergänger von diesen Waldriesen(1) angefallen wurden. Es ist just das rechte Wetter für die Brunst der Hirsche. Die Forstbeamten arbeiten tüchtig und wählen die schönsten Hirsche aus, wahre Riesen! Ist das nicht famos gesagt? Daß die Hirsche„brüllen" und„schön“ sind, dürfte noch nicht so auffällig sein, als daß sie auch„rollen", demnach wohl auch eine„Roll=" oder „Ranzzeit“ haben, wie die Füchse. Man lernt doch nie aus! Die Hühnerjagd ist jetzt in ein anderes Stadium eingetreten Der Jagddilettant, der das größte Kontingent für die zahllosen Hühnerjäger stellt, die man nur in der ersten ergiebigsten Zeit nach Aufgang der Hühnerjagd und später bei den Hasentreiben sieht, erklärt sie für so gut wie beendet und ebenso der Sportschütze. Des ersteren Bedarf ist gedeckt und der letztere findet seine Rechnung nicht mehr, weil es mit dem Massenabschuß vorbei ist. Aus den Hühner kiiken, wie sie Anfang September die Galgen der Rucksäcke und Taschen verunzierten, die reinen Embryonen, die man dem Chinesen überlassen sollte, der eben aus dem Ei gekrochene Enten und Gänse als höchste Delikatesse schätzt, sind wirkliche Hühner geworden, die jungen Hähne tragen stolz auf der Brust das braune Schild und schon beginnen die Ständer aus der bisherigen gelben in die gefürch tete graue Farbe überzugehen, wie bei den alten, die angeblich nur dazu gut wären, an die Schwiegermutter verschenkt zu werden. Eine Verwechselung ist aber trotzdem, auch für den Laien nicht gut möglich, denn das junge diesjährige Huhn ist, wenn auch die Ständer schon grau geworden, immer noch daran kenntlich, daß die Unterseite der Zehe nach wie vor gelb bleibt. Uebrigens ist es mit den„Schwieger mutter=Hähnen“ gar nicht so schlimm, es kommt nur auf die Zubereitung an, und selbst aus dem ältesten Gockel läßt sich eine Delikatesse herstellen, auch für den häuslichen Tisch, ohne große Finessen. Ich weiß wenigstens nicht, ob ich einem Salmi von alten Rebhähnen mit selbstgesammelten Champignons oder Steinpilzen vor dem gebratenen Huhn den Vorzug gebe; jedenfalls ist solch Salmi zur Zeit des toujours perdrix, wo die Rebbühner in jedem Jägerhaushalt den ständigen Braten liefern, eine willkommene Abwechselung. Aber auch kalt in Gallert, in Linsen= oder einfacher Reissuppe gekocht, ist der alte Hahn nicht zu verachten. Gedämpft mit Sauerkraut gibt er ein Gericht ab, von dem mir noch kürzlich auf der Rückfahrt von der Jagd ein Bekannter versicherte, daß er es stets allein äße, denn für seine Schwiegermutter wäre es viel zu schade. Allerdings steht die würdige Dame in dem Rufe, eine Kratzbürste zu sein! Zu Nutz und Frommen der Hausfrauen, die in die Zwangslage kommen, gelegentlich ein gebratenes altes Huhn unter die jungen einzuschmuggeln, weil sonst die Zahl nicht ausreicht, will ich hier ein gutes Mittel verraten, wie man alte Hühner wieder jung macht: unmittelbar, bevor das Huhn in die Pfanne kommt, steckt man in dasselbe ein reichlich mit starkem Kognak getränktes Stück trockene Semmel, so groß, daß die ganze innere Höhlung davon ausgefüllt wird! Vor dem Anrichten wird es wieder entfernt. Die Wirkung ist überraschend; der älteste Großvater wird so weich wie ein junges Huhn, allerdings den Saft des letzteren kann auch der Kognak nicht ersetzen.— In jedem Herbst hört man das Klagelied über schlechtes Halten der Hühner. Die Tatsache ist unbestritten. Sie findet ihre Erklärung darin, daß auf der Jagd immer nur die vertrautesten abgeschossen werden, wie sie auch dem Raubzeug zum Opfer fallen; die schlauesten und vorsichtigsten aber bleiben am Leben. So paaren sich nur erstklassige, hoch intelligente Tiere, deren feine Sinne in der Nachkommenschaft immer noch erhöht werden, bei denen die Scheu erblich ist und immer noch größer wird— eine natürliche Zuchtwahl nach Darwin. Mit dem 1. Oktober geht auch die Jagd auf den Hasen an, den vielgeplagten, das Ziel der Sehnsucht aller Sonntagsjäger. Der arme Löffelmann! Menschen, Hunde, Wiesel, Füchse, Katzen, Marder, Wölfe, Lichse, Adler, Uhns, Raben. Krähen, jeder Habicht, den wir seh'n, Elstern ja nicht zu t essen, ques aules will ihn fressen! Die Fruchtbarkeit der Hasen ist bekannt und das alte wort:„Der Hase gehet im Frühling selbander vom Holz in das Feld und rücket um Bartholomäi, am 1. September, selbfünfzehn oder=siebzehn wieder zu Holz“ durchaus begründet, umsomehr ver dient er eine anständige Behandlung. Dazu gehört vor allem, daß man den Müttern Zeit glbt, ihre Pflichten bis zu Ende zu erfüllen, und den Kindern, sich auszuwachsen. Im November und Dezember ist noch die Masse Zeit zum Abschuß: Oktoberjagd auf Hasen ist ein Schnitt ins eigene Fleisch! Allgemeine Zeitung. Montag, den 26. Oktober 1908 handels-Regisler A des Kgl. Amtsgerichts zu Gelsenkirchen. Unter Nr. 720 ist am 17. Oktober 1908 die Firma: Otto Siesscka. Fabrrad=Zentrale in Gelsenkirchen und als deren Inhaber der Mecha niker Otto Siesscka in Gelsenkirchen eingetragen worden. Dem Kaufmann Theodor Siesscka in Gelsenkirchen ist Prokura erteilt. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Röhlinghausen belegene, im Grundbuche von Röhling= hausen Band 3, Artikel 51, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Bauunternehmers Josef Streicher zu Röhlinghausen eingetragene Grundstück Flur 9 Nr. 146(63, 3.68 ar groß, Hofraum mit a) Wohnhaus, Kurzestraße 6,(890 Mark Nutzungswert), b) Stallgebäude, am 18. Dezember 1908, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle — Overwegstraße, Zimmer Nr. 32 versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 30. September 1908 in das Grundbuch eingetragen. Gelsenkirchen, den 12. Oktober 1908. Königliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Ueber das Vermögen des Kolonialwarenhändlers Heinrich Sender in Gelsenkirchen, Bergmannstraße 25, ist heute nachmittag 12,25 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Hubert Ducsberg in Gelsenkirchen ist zum Konkursverwalter ernannt. Erste Gläubigerversammlung am 19. November 1908, vormittags 10 Uhr. Termin zur Prüfung der bis zum 20. November 1908 anzumeldenden Forderungen am 1. Dezember 1908, vormittags 10 Uhr, Zimmer Nr. 21. Offner Arrest mit Anzeigepflicht und Anmeldefrist der Forderungen bis zum 20. November 1908. Gelsenkirchen, den 23. Oktober 1908. Der Gerichtoschreiber des Könial. Amtsgerichts. Thönnes, Amtsgerichtssekretär. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Gelsenkirchen belegenen, im Grundbuche von Braubauerschaft Band 2, Blatt 41, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des minderjährigen Johann Bernard Rötzmann in Braubauerschaft eingetragenen Grundstücke Flur 7 Nr. 1293/165, 2,67 ar groß, Hofraum, auf dem Ehs, Flur 7 Nr. 1292/166, 2,38 ar groß, Hofraum, auf dem Ehs mit a) Wohnhaus Nr. 76 und Hausgarten, 540 Mark Nutzungswert, b) Stall, am 18. Dezember 1908, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Overwegstraße, Zimmer Nr. 32, versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 2. Oktober 1908 in das Grundbuch eingetragen. Gelsenkirchen, den 15. Oktober 1908. Königliches Amtsgericht. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Gelsenkirchen belegenen, im Grundbuche von Hüllen, Band 3, Artikel 16, zur Zeit der Eintragung des Ver steigerungsvermerkes auf den Namen des Bauunter nehmers Peter Elbert zu Gelsenkirchen=Hüllen, eingetragenen Grundstücke Flur 1 Nr. zu 1289/107 pp., 0,03 ar groß, Acker, an der Friedrich- und Kirchstraße, (0,01 Thaler Reinertrag), Jlur 1 Nr. zu 1289/107 vp., 8.78 ar groß. Acker, an der Friedrich= und Kirchstraße, (0,58 Thaler Reinertrag), Flur 1 Nr. zu 1289/107 pp., 0,08 ar groß, Acker, an der Friedrich= und Kirchstraße, am 16. Dezember 1908, vormittags 10¼ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Overwegstraße. Zimmer Nr. 32, versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 29. September 1908 in das Grundbuch eingetragen. Gelsenkirchen, den 8. Oktober 1908 Königliches Amtsgericht Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Gelsenkirchen belegene, im Grundbuche von Ueckendorf, Band 3, Blatt Nr. 131, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Maurer meisters Ernst Hähner zu Gelsenkirchen eingetragene Grundstück Flur 7 Nr. 344 50, 7,43 ar groß, Hofraum, Ueckendorferstraße 290, am 16. Dezember 1908, vormittags 10 Uhr. durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Overwegstraße, Zimmer Nr. 32 versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 21. September 1908 in das Grundbuch eingetragen. Gelsenkirchen, den 8. Oktober 1908. Königliches Amtsgericht. Niele Menschen jeiden ohne es zu wissen an Bandwurm, Spul- und Hladenwürmern. Kennzeichen des Leidens sind: Abgang von nudelartigen vlatten Stücken. Schleim, Würmern, Blässe des Gesichts, matter Blick, blaue Ringe um die Augen, Abmagerung, belegte Zunge, Appetitlosigkeit abwechselnd mit Heißhunger, Uebelkeit bei nüchternem Magen, Speigelfluß, Aufsteigen eines Knäuels bis zum Halse, Sodbrennen., Aufstoßen, Kopfschmerzen, Herzklopfen, unregelm. Stuhlgang, Jucken am Mastdarm und in der Nasc, — Kollern, wellenförmige Bewegungen und Leibschmerzen. Dauer der unschädlichen Kur 1—2 Stunden. Keine Hungerkur! Kelne Untersuchung Sprechstunden jeden nachmittag von ½2- 5 Uhr. Sonntags keine Sprechstunden Sprads Gelsenkirchen, Fir Dpt erche-) Bochumerstr 46, 1. Eig. Geriebene Hausierer, wenigstens eine gewisse Klasse derselben, sind nicht nur in kleinen Orten, sondern auch in der Großstadt die Feinde jeden reellen Geschäfts Das empfindet der kleine Ladenbesitzer und Handwerker evenso hart, wie die großen Spezialgeschäfte, welche, wie ich, darauf angewiesen sind, ihre Kundschaft im ganzen Lande zu suchen, weil sie von der Kundschaft eines einzelnen Ortes nicht existieren könnten. Meine Spezialität ist die Anfertigung von großen Bildern nach bereits vorhandenen kleinen Photographien. Ich mach das, wie tausende von Dank= und Anerkennungsschreiben beweisen, sehr zur Zufriedenheit der Kunden und nahm dafür bisher einen sehr mäßigen Preis. In letzter Zeit wird nun das Publikum von den Hausierern einiger Geschäfte u. a. aus Berlin überlaufen, die sich erbieten, bis zum Preise von 10.— Mark „photographische Porträtvergrösserungen“ herzustellen und sich dazu„eine kleine Anzahlung“ oder einen„Bringerlohn“ ausbitten. Sie versprechen das Blaue vom Himmel herunter, Rückzahlung des Geldes, wenn das Bild nicht gefällt usw. Ihr Hauptkniff besteht darin, die Frau in Abwesenheit des Mannes zu überreden und die Leute durch glatte Reden und schöne Versprechungen so zu ermüden, daß sie ihnen schließlich, um sie nur loszuwerden, Geld und Photographie aushändigen. Was dann oft weiter geschieht, das zeigen die Warnungen, die in letzter Zeit in den Zeitungen erschienen. Nach diesen hört man oft überhaupt nichts wieder von Bild und Geld und die betreffenden Geschäfte, sofern sie überhaupt aufzufinden sind, erklärten, der Hausierer sei von ihnen wegen Unterschlagung entlassen, sie könnten für seine Schwindeleien nicht aufkommen. Oder, wenn die„künstlerische Porträtvergrößerung“ fertig ist und dem Besteller nicht gefällt, so wird nicht, wie versprochen, das Geld zurückgegeben, sondern es wird oft sogar noch eine weitere Zahlung verlangt. Wird diese nicht geleistet, so weigert sich der Hausierer, die ihm anvertraute Photographie wieder herauszugeben. Die Leute lassen sich dann oft einschüchtern und zahlen wieder, was er verlangt, nur um nichts mehr mit ihm zu tun zu haben Manchmal werden auch andere Knisse angewendet, es würde hier zu weit führen, alle diese raffinierten Schliche. mit denen Leute um ihr Gild gebracht werden, aufzuzählen. Vor kurzem erst wurde wieder ein solcher„Reisender“ wegen zahlreicher Betrügereien zu einer schweren Freiheitsstrafe verurteilt. Darum tut man am besten, sich nie mit Hausierern einzulassen. Um diesem Unwesen zu steuern, welches beim Publikum die ganze Branche in Mißkredit bringt, sodaß man vielfach der Meinung begegnet, es gäbe überhaupt keine reellen Bildvergrößerungsgeschäfte, habe ich, als größtes Geschäft nicht nur Deutschlands, sondern überhaupt der Welt, mich eutschlossen, ein Opfer zu bringen, nachdem ich erfahren habe, daß auch in dortiger Gegend solche Bilder=Hausierer aufgetaucht sind. Ich liefere, bis auf weiteres überhaupt ein fast lebensgroßes Bild gratis an jeden, der mir eine Photographie einsendet, ohne jede Gegenverpflichtung, ohne Portovergütung, ohne Nachforderungen irgendwelcher Art. Ich bemerke, daß ich prinzipiell nicht reisen lasse, Reisende, die sich als Vertreter meiner Firma ausgeben, behandle man als ertappte Schwindler. Um keinerlei Zweifel und Unklarheit auskommen zu lassen, fasse ich hier meine Bedingungen nochmals zusammen: Man sendet mir eine beliebige Photographie und genaue Adresse. Begleitschreiben und Rückporto sind überflüssig: wenn jedoch jemand mir nicht zumuten will, auch die Auslagen für Porto usw. ans meiner Tasche zu zahlen, so steht es ihm frei, 50 Pfg. in Marken beizufügen, doch wird das Bild ebensogut und ebense prompt geliefert, wenn das nicht geschieht. Ich sende gratis zurück und zwar portofrei und ohne Nachnahme oder sonstige Zahlungsansprüche, erstens ein großes Bild, Format 38 48 em, also 35mal größer wie gewöhnliche Photographien, zweitens das mir eingesandte Originalbild garantiert unbeschädigt, drittens eine Geschäftdempfehlung, die der Empfänger, wenn zufrieden, an Bekannte weitergeben kann Ich bemerke ferner ausdrücklich, daß ich nicht die von Photographen vielfach angebotenen, technisch als„Vergrößerungen“ bezeichneten Bilder liefere, sondern daß meine Bilder kartonfrei und ohne jede Positivretouche mittelst eines genial konstruierten elektro=photographischen Apparates hergestellt werden. Mein Angebot gilt nur für Privatleute. nicht aber für meine Konkurrenten oder deren Familienmitglieder, Angestellte oder Beauftragte. Sollte meine Konkurrenz diese billige Gelegenheit, Bilder gratis herstellen zu lassen, wider mein Wissen benntzen, so würde ich sofort wegen Betruges vorgehen. Mein Angebot ist nur solange gültig, als es nicht in dieser Zeitung widerrufen wird. Meine Firma ist in Deutschland und Oesterreich=Ungarn handelsgerichtlich eingetragen und ist nachweislich das größte Geschäft dieser Art nicht nur in Europa, sondern überhaupt in der Welt Meine Geschäftsräume in Dresden, Berlin und Wien nehmen acht Etagen in füni Häusern ein Mitteldeutsche Elektro-Photographische Kunstanstalt Dresden-A., Valpurgisstr. 4 h. Nachweislich z Z. grösstes Geschäft der Welt in dieser Braucbe. mfasst in Dresden Berlin und Wien acht Etagen In fünf Häusern. Beschtung! Briefe aus Deutschlang in.##none sine mit 10 Pig., mit grosseren Bildern —.— m 2 Pg. zu franneren. Auelandieche Briese 1e 20 Cramm 20 Pig. 80 Pfandverkauf. Diejenigen Pfänder der städt. Leihanstalt, welche innerhalb der im§ 11 des Statuts bestimmten Frist und nach Ablauf der im Pfandscheine angegebenen Zeit nicht eingelöst nd, sollen am Mittwoch, 28. Oktober, von morgens 9½ Uhr ab in Leihamt(Rathaus) Abstraße, öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden. Es kommen zum Verkauf Pfänder aus 1908 Nr. 6711 bis 7937, bestehend in goldenen und silbernen Herren= und Damen=Taschenuhren, Wanduhren, Gold- und Silbersachen, Wäsche, Betten, Männer= Frauen= und Kinderkleidern. Nähmaschinen, Fahrrädern usw. Die beim Verkauf erzielten Ueberschüsse können binnen 14 Tagen vom Verpfänder bei der hiesigen Leihhauskasse erhoben werden. Nach Ablauf der 14. tägigen Frist werden die nicht abgehobenen Beträge bei der Ortsarmenkasse hinterlegt. Diejenigen Geldbeträge, welche nicht binnen Jahresfrist von den Berechtigten in Anspruch genommen sind, gehen in das Eigentum der Armenkasse über. Gelsenkirchen, 20. Okt. 1908. Der Oberbürgermeister. Steckbrief. Der nachstehend beschriebene Rekrut Theodor Steinbach, geboren 18. Januar 1888 Gelsenkirchen, früher in Gelsenkirchen, Ziegelstraße 6 wohnhaft, ausgehoben für Infant. Regm. 171, ist der Fahnenflucht verdächtig. Es wird ersucht, ihn fest. zunehmnen und an die nächste Militärbehörde abzuliefern Gelsenkirchen, 21. Okt. 1908. Königliches Bezirkskommando. Grote, Oberstleutnant z. D. und Bezirkskommandeur. Beschreibung. Größe: 1,68,5 m, Statur: schlank. Tapeten* Dekorationen= Lincrusta C. A. Brüning, Marktstrasse 3. 2 für jed. Züchter ist unser Katalog den gratis ver senden. Tamtl. Nutzgeflüget Bruteier, Zuchtgeräte usw Geflügelpark i. Auerbachpen Bekanntmachung. Nachdem gegen die Festsetzung neuer Fluchtlinien für die Bochumerstraße in Röhlinghausen in unmittelbarer Nähe der Südschule Einsprüche nicht erhoben worden sind, ist der Fluchtlinienplan förmlich festgestellt worden. Derselbe liegt vom 28.d. M. an 14 Tagelang im Amtshause zu Wanne im Dienstzimmer des Amtslandmessers zu Jedermanns Einsicht offen. 9249 Röhlinghausen, 22. Okt. 08 Der Gemeindevorstand: Gödden hoff. Nur 1 Mark! das Los der beliebten Strassburger Loerie Ziebung sicher 21. Nvbr. Süostigegevingaussioge Gesamtbetrag I. W. 39000 1. Hauptgewinn: 1000U 2. Hauptgewinn: 2500 13 Gewinne zusammen 10800 1185 Gewinne susammen 15 700 Lose à 1 Hk. 110 h0. Porto und Liste 25 Pig versend. Lotterie-Untern. I. Slürmer KLansgesr. 107 In Gelsenkirchen: H. Altenbernd, I. Klass. PIANOS u. Flägei imn altbewöhrter JOke, IBACH · PIANOLA PIANOS d. b. IBACH Pianince mit eingebautem Klevierspielapparet, Pianoles mit Themodist und Metrostyle, sowieHarmoniume, empfichlt in reicher Auswahl su. bequemen Bedingungen Rud. IBAUH Sohn Kei. u Königl. Hof-Flügel- u. Pianino-Fabr., gegr. 1794 Barmen Neuerweg 40. 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Mitwirkende: Johanna Bodenstein(Gesang), Elfriede Schunck(Cembalo), Richard Rettich(Violine), Ludwig Meister(Violine und Viola d’amore), Christien Döbereiner(Violoncella u. Viola da gambe). Programm: I. E. F. dall' Abaco. Trio für 2 Violinen und Base. k. J. S. Bach. Sonate für Violine und Cembalo, 3. G. Fr. Händel und Chr. W. Gluck. Drei Arien für Sopran. 4. A. Kühnel, E. L.. Händel u. L.. de Colx d’ Hervelois. Drei Stücke fur Viola da gamba und Cembalo 5. J. Haydn, a. Benda und G. Ph. Telemann. Drei Lieder für S pran. 6. A. Arloati. Sonate für Viola d’ amora und Cembalo. 7. J. Chr. Bach. Konsert für Cembalo, 2 Violinen und Vioncello. Die Chormitglieder und Abonnenten erhalten bei Thaden & Schmrmann gegen Einhändigung der betreffenden Berech tigungsscheine und Zahlung von 1.— Mk. für jede Karte einen numerierten Mittelplats im Saal oder in der Vorderrcihe der Gallerie. Platskarten für Nichtmitglieder sind ebenfalls vorrätig bei Thadan& Schmumann und abends an der Kasse. Mittelplate m Saal und Vorderreihe der Galerie 2.— Mk., Seitenplats im Saal und Hinterreibe der Galerie 1.— Mk. 28044 : V a t e r l ä n d. F r a u e n- V e r e i n: Orteaueschues Bulmke-Hüllen feiert am Mittwoch, den 28. Oktober, nachm. 3½ Uhr im Saale von B. Nachbarschulte, Hillen, Wannerstrasse, den Gehurtstag I. M. der Kaiserin 9235 durch gemeinschaftl. Kaffee, verbunden mit verschiedene Autführungen Eintrittskarten eind bei den Vorstandsdamen su 1 Mk. zu haben. Kasespreis 1.25 Mk. ndl Holzarbeiter! Dienstag, den 27. Oktober 1908, abends 8 Uhr. indet im oberen Saale des Herrn Ingenhang, Hochstr. 1, 9247 eine Oeffentliche olzarbeiter Versammlung statt. 9257 Referent: Kollege Schmidt, Braunschweig. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben Der Einberufer. C Selma Becker Tarlstre.. 17. Ctebi der für moderne DDamen-Soifetten hält sich bestens empfohlen. 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