1. Blatt Nr. 234.— 6. Jahrgang Gelsenkirchener Montag, den 5. Oktober 1908. Kreisblatt für den Geschäftsstelle Munckelstraße 16/18(beim Amtsgericht).(##cGeöffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr ain, Oesterert Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. K LE und für den Landkreis Gelsenkirchen. Anzeiger. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange men durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16/18. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn= Post-, Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Deutschlands wirtschaftliches Interesfe an den Orientbahnen. Zu der Besetzung eines Teiles der Orientbahnen durch das dem Deutschen Reiche befreundete Bulgarien gehen uns von einem genauen Kenner der wirtschaftlichen Interessen Deutschlands auf dem Balkan folgende Darlegungen zu: Die gewaltsame Besetzung des ostrumelischen Netzes der orientalischen Bahnen durch die bulgarische Regierung wird auch seitens der deutschen Diplomatie als ein unliebsamer Zwischenfall empfunden, weil wir mit Bulgarien weiter in freundschaftlichem politischen Verhältnis leben möchten. Dabei ist zu bedenken, daß die hier zu erörternden Fragen völkerrechtlich gar nicht so einfach liegen, und daß es viele Leute gibt, die den Bulgaren bei der Besetzung eines Teiles der Orientbahn politisch recht geben. Die Orientbahnen sind türkischer Besitz, werden von Oesterreich aus verwaltet und führen zum Teil durch bulgarisches Gebiet. Wenn also die Bulgaren den Teil der Bahn, der durch bulgarische Landesteile geht, besetzen, so ist es schwer, ihnen daraus einen Vorwurf zu machen. Es wäre wohl möglich, daß ein Ankaufsgebot Bulgariens an die Türkei, bezw. an die Verwaltung der Orientbahn, wenn es dem ziemlich bedeutenden Werte dieser Strecke entspräche, Annahme fände. Für Deutschland aber liegt diese ganze Angelegenheit nicht auf politischem Gebiete— die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien sollen ungetrübt bleiben— sondern auf rein wirtschaftlichem Gebiete. Deutschland hat große wirtschaftliche Interessen auf dem Balkan; es ist speziell an dem so bedeutenden Unternehmen der orientalischen Bahnen erheblich interessiert. In ihrem Verwaltungsrat sitzt eine Anzahl prominenter, reichsdeutscher Persönlichkeiten. Vizepräsident ist der bekannte, Porlamentarter Schrader: das Aktiegkapite! von30 Mälliolen Franks ist am deutschen Geldmarkt mit plaziert und die Aktien werden an deutschen Börsen gehandelt. Der Verkehr hat gerade auf dem Konstantinopeler Netz der Orientbahnen im letzten Jahre erheblich zugenommen, und in Ostrumelien eine besonders günstige Entwickelung gezeigt: die Zahl der Reisenden ist hier von 478 666 in 1906 auf 518 805 gestiegen, während noch im Jahre 1901 deren Zahl nur 281 629 betrug. Entsprechend gewachsen ist auch der Güterverkehr, der mit mehr als 800000 Tonnen pro 1907 die höchste bisherige Ziffer erreicht hat. Ueberhaupt ist der Einfuhrhandel Deutschlands in Bulgarien in den letzten Jahren ganz außerordentlich gestiegen; er ist um 5600 Prozent in den letzten 25 Jahren gewachsen, während die Vermehrung für Oesterreich und Frankreich im gleichen Zeitraum nur 80—90 Prozent betrug. Aus alledem ergibt sich ohne weiteres, daß die Okkupation des ostrumelischen Netzes Deutschland nicht als gleichgiltigen Zuschauer finden kann. Wir hegen deutscherseits volle Sympathie mit dem aufstrebenden bulgarischen Staate und seinem klugen Herrscher, und haben wiederholt und nachdrücklich gezeigt, daß wir auf freundschaftliche Beziehungen zu Bulgarten Wert legen. Allein es handelt sich hier um die Wahrung deutscher privatwirtschaftlicher Interessen: die reichs deutschen Aktionäre der orientalischen Bahnen können mit Fug und Recht verlangen, gegen eine gewaltsame Okkupation ihres Eigentums gesichert und geschützt zu werden. Die Behauptung, daß die Okkupation im Einverständnis mit der Sofiater Repräsentanz der Orientbahnen erfolgt sei, findet bei der Zentraldirektion entschiedensten Widerspruch und klingt an sich wenig glaubwürdig. Aus diesen Erwägungen heraus hat denn auch unser Vertreter in Sofia sich dem Protest des österreichisch=ungarischen Geschäftsträgers angeschlossen und gleich diesem die Herausgabe des okkupierten Bahnnetzes und Wiederherstellung des Statuts quo ante verlangt. Diesen unseren Standpunkt werden wir aller Voraussicht nach wahren. Gerade weil Deutschland auf dem Balkan nur wirtschaftliche Interessen verfolgt, und mit Bulgarien in Freundschaft zu leben wünscht, wird und muß es jede Deemarche unterstützen, die geeignet ist, gefährlichen Zündstoff zu entfernen. In Berlin hofft man, daß die Angelegenheit freundschaftlich erledigt und das gute politische Einvernehmen zwischen Deutschland und Bulgarien nicht gestört wird. Der Stand der Marokko-Angelegenheit. Ueber den augenblicklichen Stand der Marokkoangelegenheit meldet die„N. G. C.“ nach zuverlässigen Informationen: Auf Grund des hinlänglich bekannten Notenaustausches bereiten Frankreich und Spanien eine Note vor, welche Mulay Hasid durch den Doyen des diplomatischen Korps in Tanger überreicht werden, und die Stellungnahme Frankreichs und Spaniens zur Frage der Anerkennung Mulay Hafids enthalten soll. Wenn in der betreffenden Note auf die Vorbehalte, die von Deutschland in seiner an Frankreich gerichteten Antwortnote gemacht worden sind, Rücksicht genommen sein wird, besteht für Deutschland kein Anlaß, diese Note nicht mit zu unterzeichnen. Einst weilen ist der Inhalt der spanisch=französischen Note an Mulay Hafid Berlin unbekannt, so daß auch in dieser Angelegenheit eine abwartende Haltung den Ereignissen der Zukunft gegenüber am Platze erscheint. Frankreich und Deutschland haben beide selbständige Kommissionen zur Ermittelung des Tatbestandes über die Zwischenfälle in Casablanca eingesetzt. Die Ermittelungen dieser Kommission sind noch nicht abgeschlossen. Nach ihrem Abschluß wird jede der beiden Regierungen über die Sachlage ein juristisches Gutachten ausarbeiten. welches dann zwischen Berlin und Paris ausgetauscht werden wird. Ob dann eine schnelle Erledigung des Zwischenfalles oder eine lange Erörterung völkerrechtlicher Fragen nötig sein wird, ist heute noch nicht zu übersehen, eine Rückwirkung auf die allgemeinen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland ist aus der„Angelegenheit wahrscheinlich nicht zu erwarten, falls die Verhandlungen von Frankreich ebenso loyal geführt werden, wie von Deutschland. Immerhin erscheint die Mahnung gerechtfertigt, mit Rücksicht auf den augenblicklichen Stand der Angelegenheit die Frage nicht durch unzuverlässig orientierte Darstellungen in der Presse zu verwirren. Die Deutschen in der Fremdenlegion. + Unter den sechs Deserteuren der Fremdenlegion in Casablanca. so schreibt der Figaro, waren drei Deutsche, aber man darf daraus nicht auf die Stärke des deutschen Kontingents in der Fremdenlegion überhaupt schließen. Die Mehrzahl der Fremdenlegionäre sind ElsaßLothringer; nach ihnen stellen allerdings die Deutschen zu den zwei Regimentern a fünf Bataillonen, die mit einer Kopfstärke von 12.000 Mann die Fremdenlegion ausmachen, die meisten Soldaten. Nach der Statistik verteilen sich die Nationalitäten wie folgt: Elsaß=Lothringer (nach deutscher Auffassung natürlich auch Deutsche) 45 v. H., Deutsche (außer Elsaß=Lothringern) 12 v. H., Schweizer 8, Belgier 8, Frauzosen 5, Spanier 5, Ital. 5, Oesterreich. 4, Holländ. 4 und übrige Nationalitäten 5 v. H. Seit jeher ist das deutsche Element in der Fremdenlegion sehr stark vertreten gewesen, ja man nahm an, daß es die absolute Mehrheit bilde. Vor dem Kriege 1870 war dies auch tatsächlich der Fall. Seitdem aber ist der Zufluß der Elsässer und Lothringer immer mehr gewachsen, hat die Deutschen überflügelt und stellt heute mit seinen 45 v. H. das weitaus stärkste Element der Fremdenlegion dar. In den ersten Jahren nach der 1831 erfolgten Gründung der Fremdenlegion bestand die Truppe aus sieben Bataillonen, die nach Nationalitäten streng getrennt waren. Die Deutschen und die Schweizer bildeten das zweite und dritte, aber bald ging man von diesem Einteilungssystem ab, dessen Mängel offenkundig sind, man vermengte die Nationalitäten und bildete so eine neue Einheit in der nach den oben angegebenen Zahlen die Elsässer und die Deutschen allerdings dominieren. Die Mehrzahl der aus Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Preußen und Sachsen zuströmenden Legionäre sind Deserteure. Die französische Sprache bereitet ihnen große Schwierigkeiten, und viele von ihnen erlernen sie nie, die Kommandoworte und eine gewisse Anzahl unumgänglicher technischer Ausdrücke ausgenommen. Die Offiziere der Fremdenlegion sind ausschließlich Franzosen; für ihre deutschen Soldaten finden sie Worte höchsten Lobes. In der Tat geben diese Legionäre, die in der Regel von elsässischen und lothringischen Unteroffizieren befehligt werden, ihren Vorgesetzten mehr Grund zur Zufriedenheit als zum Gegenteil. Die Disziplin ist der Zusammensetzung der Truppe entsprechend unbeugsam streng, und Desertionen sind sehr häufig. Oft vergehen Monate, ohne daß ein Legionär seinem Truppenteil entflieht, dann aber kommen bisweilen Wochen, in denen Desertion auf Desertion folgt. * Paris, 3. Okt. Ueber die Umstände, worunter General d'Amade in den Besitz des Schriftstückes gelangte, womit der Sekretär des deutschen Konsulats in Casablanca beauftragt war. 6 Deserteure der Fremdenlegion einzuschiffen, berichtet der Korrespondent des Matin, daß der Sekretär im Verlaufe des Zwischenfalls dem französischen Marineoffizier das Schriftstück vorwies, um seine amtliche Eigenschaft darzutun. In demselben Augenblick wurde die Aufmerksamkeit beider auf das zwischen Soldaten des deutschen Konsulats und franzosischen Matrosen entstandene Handgemenge gelenkt. Der französische Marineoffizier habe hierbei das Schriftstück mechanisch in die Tasche gesteckt und es dann d'Amade übergeben. Ein Revilionikt über Nürnberg. Die„Nationallib. Korrespondenz“ schreibt uns: Richard Calwer, der über Zölle und Marokkopolitik gelegentlich ein recht verständiges Wort gesprochen hat, behandelt in einem Berliner Blatte die Ergebnisse des sozialdemokratischen Parteitages in Nürberg vom sogenannten revisionistischen Standpunkte aus. Man kann nicht sagen, daß seine Darlegungen Tatsachen enthalten oder Gesichtspunkte eröffnen, durch die Politiker, die sich bisher von der Harmlosigkeit der sozialdemokratischen Partei nicht hatten überzeugen können, plötzlich zu Anhängern der Mauserungstheorie bekehrt werden müssen. Calwer unterscheidet mit vielen bürgerlichen Politikern zwei Gruppen innerhalb der Sozialdemokratie. Der eine Teil erwartet von einem Zusammenarbeiten mit den Gegnern, seien es Regierungen, seien es Parteien, keine Vorteile für die Arbeiter, sondern sieht darin eine Gefährdung der sozialistischen Ziele, ein anderer— nach Calwer m Wachsen begriffener Teil— sucht durch praktische Mitarbeit und durch gelegentliche Anerkennung der nun einmal bestehenden politischen Machtverhältnisse schrittweise die wirtschaftliche und politische Lage der Arbeiter zu heben. Das eine ist die revolutionäre, das andere die evolutionistische, auf Entwickelung fußende Auffassung. Bemerkenswert ist nun immerhin, daß Calwer den bürgerlichen Politikern, die nach Nürnberg eine baldige Spaltung der Sozialdemokratie prophezeien zu können glaubten, nicht recht gibt. Mag sein, daß er das Geheimste seines Herzens vor der Oeffentlichkeit, der bürgerlichen und der sozialistischen, nicht bloßlegen will— genug, er gibt sich als Anhänger sozialistischer Einheit und als einen, der an die Möglichkeit des Ausgleichs der Gegensätze glaubt. Er begründet diese Ansicht mit etwa folgenden Erwägungen: Die freien Gewerkschaften haben während der letzten dreizehn Jahre nicht nur selbst ganz gewaltige Fortschritte gemacht, sondern auch die wirtschaftliche Lage der deutschen Arbeiterbevölkerung äußerst günstig beeinflußt. Fragt man nach den Ursachen dieser Leistungen, so findet man sie in der emsigen Gegenwartsarbeit, die die Gewerkschaften unverdrossen getrieben haben. Die Sturmflut. Eln Roman aus geweihten Landen. 5 Von Erich Friesen. (Nachdruck verboten.) Doch die Tante schob das Kind unwillig von sich, wobei ihre Augen kalt und streng blickten wie stets. Am folgenden Tage schon ging es fort, dem Süden zu. Noch jetzt entsinnen sich die Schwestern genau, mit welcher Ungeduld sie dem Wiedersehen mit der Mutter entgegenfieberten. Wie namenlos sie sich freuten auf ihr glänzendes Heim drunten in Jaffa. Wie ihre Herzchen stürmischer pochten, je näher sie dem Ziel ihrer Sehnsucht kamen. Mit glühenden Wangen stehen sie, dicht aneinander geschmiegt, an der Reling und blicken hin nach der in der Ferne im Sonnenbrand rötlich schimmernden Sandküste Palästinas. Jetzt tauchen die verschwommenen, übereinander geschichteten Häusermassen Jaffas auf, blaut ein langgestreckter Höhenzug des Gebirges Juda hervor, tritt das ganze Festland aus klar rosiger Morgenluft in greifbarer Deutlichkeit heran. Daheim! Daheim!! Das Meer ist glatt wie ein Spiegel. Kein Wellengekräusel erschwerte heute die Durchfahrt der Boote durch die so gefürchteten Klippen von Jaffa. Als Irmgard und Gerhilde in Begleitung der Tante ans Land steigen, blicken sich die erwartungsvollen Kinderaugen vergebens nach der Mutter um. Wo ist sie? Wo die Dienerschaft? Auf eine ängstliche Frage Gerhildes schüttelte Tante Sigrid stumm den Kopf. Barsch nimmt sie die beiden Mädchen bei der Hand und eilt mit ihnen vorwärts— immer weiter.. immer weiter... Jetzt wagt Irmgard eine Bemerkung. Die Tante irre sich wohl im Weg. Das Elternhaus liege entgegengesetzt. Diesmal antwortet die schweigsame Tante sogar. Sie gingen nicht nach dem früheren Elternhaus. Das sei verkauft. Sie führen weiter nach Jerusalem. Nach— Jerusalem?.. Und das Elternhaus— verkauft?.. Den Kindern ist es plötzlich, als greife eine kalte Faust nach ihren kleinen Herzen. Schweigend, mit angstvoll aufgerissenen Augen folgen sie den Weisungen der Tante. Während der Rumpelkasten von Eisenbahnwagen über die fruchlreiche Ebene von Sarona hindampft, wo Palmen und Olivenwaldungen durch die kleinen Waggonsenster lugen oder die weißen Steingräber arabischer Kirchhöfe— arbeitet die Phantasie der beiden Kinder. In rosigen Farben malen sie sich ihr neues Heim aus.. Ob es wohl noch schöner sein wird als in Jaffa?... Ob die Eltern die ganze pompöse Einrichtung mitgenommen haben?.. Und die gesamte Dienerschaft?... Ob der Vater endlich zurückgekehrt ist von seiner langen Reise?... Und ob die Mutter jetzt wieder so heiter sein wird wie früher?.. Hinein keucht der Zug ins Gebirge Juda, in glühende, über öden Felshöhen brütende Mittagssonne.. hinein in unheimlich rauhe Schluchten. Und nun— Jerusalem! Der Zug hält. Irmgard und Gerhilde sind die ersten, welche herabspringen. Erwartungsvoll glänzen die klaren Kinderaugen. Die kleinen Herzen pochen laut und ungestüm. Wo sind die geliebten Eltern? Wo? Niemand sichtbar ringsum. Doch— dort hinten am Ende des Bahnhofes eine dunkle Frauengestalt, welche plötzlich beim Anblick der beiden kleinen Mäd chen vorwärts eilt, ihnen entgegen. „Irmgard! Gerhilde! Meine Kinder! Meine teuren Kinder!" Und schon fühlen sie sich leidenschaftlich umschlungen, fühlen sie heiße Tränen auf ihre Wangen tropsen Ganz eingeschüchtert blicken die Kleinen auf. Sie erkennen, die in ein schlichtes graues Gewand von europäischem Schnitt gekleidete Frau mit den bleichen, verhärmten Zügen und den dunklen Rändern um die Augen zuerst kaum wieder. „Mutter! O Mutter!" schluchzte Gerhilde plötzlich auf. Und zwei weiche Kinderarme legen sich um ihren Hals, und die Tränen aus den unschuldigen Kinderaugen mischen sich mit denen der unglücklichen Frau, während die ältere Irmgard stumm daneben steht ind die so veränderte Mutter anstarrt wie einen Geist. Dieser ersten großen Enttäuschung folgt bald die zweite, die dritte. Die Kinder begriffen zuerst gar nicht, wie sie leben konnten in dem niedrigen, kleinen Haus mit den drei halbdunklen Räumen, welche nur die notdürftigsten Möbel aufweisen. Begriffen nicht, wie die Mutter in stiller Demut das Elend geduldig trug und den ganzen Tag und die halbe Nacht mit ihrer einförmigen Arbeit verbrachte, um sich und ihre Kinder vor dem Verhungern zu bewahren. Zuerst war man seitens der deutschen Kolonie der ernsten jungen Frau aufs freundlichste entgegengekommen. Da sie sich jedoch auffallend zurückhaltend verhielt, alle Einladungen ablehnte und sich bei jeder teilnehmenden Frage nach ihrem früheren Aufenthalt und ihrem Mann scheu in sich selbst zurückzog, so überließ man sie schließlich ihrem Schicksal. Eine Weile sprach man noch über sie..., dann zuckte man die Achseln..., und bald vergaß man überhaupt ganz, daß dort oben in der Via dolorosa eine bleiche Frau, welche einen deutschen Namen trägt, mit ihren beiden Töchtern existiert. Die zehnjährige, ernst veranlagte Irmgard fügte sich bald in das Unvermeidliche. Das ungezügelte, leidenschaftliche Temperament ihrer um drei Jahre jüngeren Schwester jedoch bäumte sich von Anfang an auf gegen das herbe Geschick. Wi. oft quälte Gerhilde die Mutter mit Fragen, weshalb sie Jaffa verlassen hätten, wo die schönen Sachen alle geblieben wären und warum der Vater noch immer verreist sei. Mit unermüdlicher Geduld erwiderte Frau Mirsam stets dasselbe: Der Vater habe bei seinen Geschäften in Jaffa Unglück gehabt, die schönen Sachen seien alle verkauft und—— Bei der Beantwortung der Frage nach dem Verbleib des Vaters stockte sie stets, und es dauerte immer eine ganze Weile, bis sie sich zur Beantwortung auch dieser Frage aufraffte: Der Vater sei— sei——in die weite Welt hinausgezogen—— Wohln? Montag, den 5. Oktober 1908. Allgemeine Zeitung. errungenen Vorteile sind schrittweise erkämpft worden, und werden von den Gewerkschaften nicht für Tauben, die auf dem Dache sitzen, preisgegeben. Um die errungenen Vorteile festzuhalten, suchten sie einerseits durch Unterstützungseinrichtungen ihre Mitgliederzahl feitzuhalten und zu steigern, andererseits lassen sie sich mit ihren Gegnern im wirtschaftlichen Kampfe zu Tarifverträgen herbei, die immerhin bekunden, daß ein zeitweiser Waffenstillstand auf dem sozialen Kampffeld möglich und für die Arbeiter nützlich ist. Die Macht der sich auf etwa drei Millionen Arbeiter stützenden Gewerkschaften, ihre wirtschaftlichen und politischen Bedürfnisse werden in steigendem Maße die Taktik der Sozialdemokratie im Sinne der Gegenwartsarbeit beeinflussen. Gegen diese Beeinflussung gibt es keine Abwehr, es wäre denn, daß die Sozialdemokratie sich selbst aufgeben und sich zu einer Sekte ausbilden wollte. Eine Beseitigung des heute bestehenden Gegensatzes in der Sozialdemokratie ist daher nach Calwers Ansicht nur eine Frage der Zeit. Von innen heraus müsse der Gegensatz zwischen evolutionistischer und revolutionärer Auffassung ausgetragen und über wunden werden. Die Einheit zwischen gewerkschaftlicher und politi scher Arbeiterbewegung stören wollen, bedeute für die Sozialdemokratie nichts anderes, als polttischen Selbstmord begehen. Von einer be vorstehenden Spaltung sagt Calwer kein Wort. Auch bürgerliche Po littker sollten darauf nicht mik Sicherheit rechnen. Rurze politische Meldungen. Dr. Karl Peters hat die Berufung in seinem Prozeß gegen die Münchener Post“ zurückgezogen. * Bei der am 2. Oktober erfolgten Reichstagsersatzwahl für Königsberg=Memel wurden insgesamt 14 505 gültige Stimmen abgegeben. Es erhielten Geheimer Regierungsrat a. D. Schwabach (nat.=liberal) 9727 Stimmen, Buttkereit(kons.) 2904 und Hofer (Soz.) 1852 Stimmen. Zersplittert waren 22 Stimmen. Schwabach ist somit gewählt. Bei dem zu Ehren des in Budapest zu Besuch weilenden spanischen Königspaares veranstalteten Galadiners wechselten Kaiser Franz Joseph und der König von Spanien herzliche Trinksprüche. Wie die„Frkf. Ztg.“ aus Petersburg meldet, soll demnächst den Wünschen Iswolkis, der sich aus materiellen Rücksichten um den Boi schafterposten in Berlin bewirbt, entsprochen werden. Voraussichtlich wird Iswolskis Gehilfe, Tscharikow, seinen Posten erhalten. Lokale Nachrichten. Beiträge aus unserem Leserkreise nehmen wir jederzeit gern entgegen und werden solche auf Wunsch honoriert. Besonders wichtige Nachrichten wolle man uns auf telephonischem Wege übermitteln. Gelsenkirchen, den 5. Oktober 1908. *e Schulamtliches. Einstweilige Anstellungen erhielten der ev Schulamtsbewerber Gustav Schulte zu Eickel, der ev. Schulamtsbewerber Dietrich Strangmann zu Eickel, der ev. Schulamtsbe werber Walter Barensmann zu Westenfeld. Endgültig angestellt wurden der evang. Lehrer Adolf Steinfort zu Höntrop, der kath. Lehrer Nikolaus Sudolsry zu Wanne.— Der Rektoi Heinrich Stork in Gelsenkirchen ist aus dem Schuldienst unseres Bezirks entlassen.— Der Lehrerin Magdalene Lahme zu Höntrop ist zu ihrem 50jährigen Dienstjubiläum am 28. September vom Kultusminister ein Exemplar der in Farben=Lichtdruck hergestellten Nachbildung des Gemäldes unserer Kaiserin in Glas und Rahmen als Ehrengeschenk verliehen worden. tz Einen Menschenauflauf verursachte auf der Weidenstraße der Arbeiter S. in dem er allerlei Allotria betrieb und das Publikum belästigte. Die Polizei setzte ihn binter schwedische Gardinen. tz Ein Einbruchsdiebstahl wurde nachts auf der Bismarckstraße ausgeführt, indem man eine Trinkhalle erbrach und Zigarren usw daraus entwendete. Die Diebe sind mit ihrer Beute bei Nacht und Nebel entkommen. gern gelesen und bei auen beliebt, ist die Gelsenkirchener * Aus Samos wird gemeldet: Durch Urteilsspruch in dem Prozeßz gegen die Samisten, die als Anstifter der Unruhen auf Samos im Mai d. J. angesehen wurden, wurden 19 zum Tode und 22 zu lebens länglicher Zwangsarbeit in kontumaziam verurtellt. Von den Erschienenen wurden 3 zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und 11 zu verschiedenen Gefängnisstrafen verurteilt. 22 Personen wurden freigesprochen. Allgemeine Die offizielle serbische„Samo=uprava“ weist darauf hin, daß fast alle größeren Blätter Wiens und Ofenpests Auszüge aus den in det letzten Rundschau in Wien unter dem Titel:„König Peter und die revolutionäre Bewegung in Serbien“ erschienenen Artikel veröffentlicht haben.„Samo=uprava“ sagt:„Es ist von dem Artikel, dessen gesamter Inhalt Lüge und Erfindung sei, weiter keine Notiz zu nehmen, da alles, was er enthält, schon in den Broschüren von George Nastitsch und sogar schon früher in verschiedenen Belgrader und Sem liner Korrespondenzen des Wiener Blattes„Die Zeit“ zu lesen gewesen sei. Aus London wird berichtet: In Crawshawbooth sprach der erste Kommissar im Ministerium für Arbeiten, Harcour., über das deutsche Flottenprogramm. Er sagte, es verteile sich auf mehrere Jahre, obgleich dies Englands wegen nicht nötig wäre und sei vollkommen vernünftig, klar und ehrlich. Nur Einbildung könne in einem solchen Programm eine offene Bedrohung des Weltfriedens erblicken. Seine Ueberlegenheit sei England auch in Zukunft zu wahren entschlossen, um zu vermeiden, die anderen Nationen in eine Versuchung zu führen, die anderenfalls ihnen geboten würde. Unseee Beziehungen zu Deutschland sind früher in kommerzieller, kolonig ler, politischer und dynastischer Hinsicht auf festerem und freundschaftlicherem Fuße gewesen, als heute. Von persönlicher Feindschaft zwischen den Herrschern, den Regierungen und Völkern ist keine Rede. * Der Standard meldet aus Hongkona, das chinesische Finanzministerium habe beschlossen, für China die Silberwährung beizubehalten. Ferner wird dem Blatte gemeldet, chinesischen Zeitungen zufolge werde der Große Rat 1910 abgeschafft werden, sodaß von da ab das Kabinett die erste Regierungsbehörde bilden wird. Irgendwohin. Warumk Um— um—— seiner Familie eine— eine neue—— Existenz zu schaffen.— Ganz eigentümlich berührte es stets Irmgard, welche schon von Kindheit an eine kleine Grüblerin war, daß die Mutter, sobald von dem Vater gesprochen wurde, eine gewisse Unruhe zeigte und den klaren Blick ihrer Töchter mied. Gerhilde dagegen gab sich mit der Erklärung der Mutter zufrieden. Zuerst wenigstens. Sie wartete und wartete auf das Glück, welches ja bald kommen müsse. Aber Jahr auf Jahr schwand dahin. Und die so sehnlich erwartete Heimkehr des Vaters mit dem großen Geldsack, welcher sie und die Mutter und Schwester aus ihrer drückenden Armut befreien sollte, erfolgte nicht. Schließlich gewöhnten beide Kinder sich an ihr trübes Los. Eine Klosterschwester gab ihnen jeden Tag ein paar Stunden Unterricht Die übrige Zeit halfen sie der Mutter bei ihrer Arbeit Ein geisttötendes Dahinvegetieren— ohne Anregung, ohne Abwechselung. Da brachten die beiden halberwachsenen Mädchen der Mutter eines Tages einen fremden Mann ins Haus. Sie hatten beim Händler ihre Blumenkartons abgeliefert und den spärlichen Wochenlohn dafür erhalten. Beim Nachhauseweg wurden sie plötzlich am Zionstor durch das wütende Gekläff der hier herumnistenden herrenlosen Hunde erschreckt. Hastig, fast besinnungs los vor Angst, rannten die Mädchen davon, gefolgt von der gereizten Meute. Beim rasenden Laufen siel Gerhilde über einen im Weg liegenden Stein. Schon sieht sie die brennenden Augen die fletschenden Zähne der halbverhungerten Tiere dicht über sich—— Da— ein Peitschenhieb.. ein Schmerzgeheul—— Die Hunde schleichen wimmernd davon. Als Gerhilde, noch angstbleich, sich vom Boden erhebt, steht ein junger hochgewachsener Mann vor ihr. Impulstv streckt das Mädchen ihrem Retter die Hand entgegen, die er lächelnd ergreift. „Ja, sa, mein kleines Fräulein. Mit den Biestern ist nicht zu spaßen. Nun kommen Sie! Ich werde die jungen Damen nach Hause begleiten, damit Ihnen nicht nochmals ein Abenteuer über den Weg läuft“ (Foilsetzung folgt.) Tagesauflage: 22000 Exemplare. Bestellungen nehmen unsere Boten, sowie die Geschäftsstelle: Munckelstraße 16,18(Fernruf 173) entgegen. n Ueberfahren. Der Invalide Wilhelm Stopp von hier, Arminstraße, wurde auf der Ringstraße von einem zu schnell fahrenden Fuhrwerk überfahren und trug schwere Verletzungen an beiden Bei und dem rechten Arme davon. Er mußte ins Krankenhaus gebracht werden ** Von Hause entsernt. Seit Freitag mittag 1 Uhr ist die Frau des Kaufm. Brandenstein, Bulmke, verschwunden. Da sie nervenleidend ist, wird angenommen, daß sie sich ein Leid angetan hat. Etwaige Mitteilungen über den Verbleib der Frau wolle man an obige Adresse richten. ** Zum Handelsrichter ernannt wurde der Bergwerksdirektor Dr. jur. Jokob Haßlacher beim Ladgericht in Essen. ** Personalien. Der Rentmeister Petri bei der Kgl. Kreiskasse in Gelsonkirchen ist nach Alfeld versetzt. Zum Rentmeister an dessen Stelle ernannt wurde der Regierungssebretär Jordan aus Magdeburg. ** Das Fest der goldenen Hochzeit feierte am vergangenen Samstag das Bernhard Wächter'sche Ehepaar hier, Viltoriastraße, in seltener Rüstigkeit. ** Das Recht der Lehrlingsauobildung. Durch das Reichsgesetz vom 30. Mai 1908 ist den unteren Verwaltungsbehörden die Befugnis übertragen, allen denjenigen Handwerkern, welche eine Meisterprüsung nicht abgelegt, jedoch am 1. Oktober 1908 bereits 5 Jahre lang das Recht zur Ausbildung von Lehrlingen besessen haben, den Besitz dieses Rechts für die Folge zu verleihen. Nach den vom Minister für Handel und Gewerbe erlassenen Ausführungsbestimmungen hat sich die von den unteren Verwaltungsbehörden zu beurkundende Verleihung auch auf diejenigen Handwerker zu erstrecken, die gemäß den am 1. Oktober 1901 in Kraft getretenen bezüglichen Vorschriften der Handwerkernovelle vom 26. Juli 1897 das Recht zur Führung d's Meistertitels besitzen. Somit ist diese Verleihungsurkunde dem größten Teil der selbständigen Handwerker zu erteilen. Damit oie im Intere#e des Handwerks liegende Beschleunigung der Durchführung dieser Bestimmungen erreicht wird, hat der Regierungspräsident bestimmt, daß somtliche Anträge der vorbezeichneten Handwerker an die Handwerkskammer zu richten sind, die diese nach Prüfung an die untere Verwaltungsbehörde(Landrat) weiter gibt. ? Verlaufen hat sich am Mittwoch mittag die 6 Jahre alte Tochrer des Schuhmachers Romatzki, Nordstr. 45.„Das Kind war noch am Mittwoch vormittag in der Rheinelbe=Schule. Die Kleine ist bkond und war mit grauem Kleid und schwarzer Schürze bekleidet. nimmt die Polizeiverwaltung sowie der Vater entaegen. In Die edangelische Kleinkinderschule an der Gabelsbergerstraße ist nun soweit fertiggestellt, daß mit der inneren Ausstattung begonnen werden kann. Bis Ende dieses Monats wird alles soweit in Ordnung sein, daß der Umzug von der Weststraße aus in dieres neus Gebäude erfolgen kann. Die innere Einrichtung des Gebäudes ist als vorzüglich zu bezeichnen. Die unteren Räume sind für die Kinder bestimmt, und im ersten Stockwerk wird eine Handarbeitsschule für junge Mädchen eingerichtet. Die Aufsicht hierüber führen, die in dem zweiten Stockwerk wohnenden Kinderschul- und Gemeindeschwestern. Durch die Errichtung dieses Gebäudes ist einem längst empfundenen Bedürfnisse abgeholsen worden. ** Ausstellungsmißstände. Im Einvernehmen mit dem Reichsamt des Innern sieht sich die„Ständige Ausstellungs=Kommission für die Deutsche Industrie“ zu nachfolgender, öffentlicher Bekanntmachung veranlaßt: In den letzten Jahren nehmen im In= und Ausland Aus stellungen überhand, die— im Gegensatz zu den wirtschaftlich nütz lichen Veranstaltungen dieser Art— einem Bedürfnis der betr. Gewerbekreise nur selten entsprechen, kaum deren Förderung und Belehrung bezwecken, auch finanziell gesunder Grundlage entbehren und in der Durchführung, insbesondere im Prämiierungsverfahren, nicht immer einwandsfrei sind, sich vielmehr als ausschließlich geschäftliche Unternehmungen darstellen. Im Hinblick auf diese Mißstände wird gemeinnützigen Körperschaften, die zur Hergabe ihres Namens als Firmenschild herangezogen werden, ebenso Personen des öffentlichen Lebens, die zum Eintritt in die sogenannten Ehren=Komitees ausgefordert werden, auf das dringendste anempfohlen, mit Rücksicht au die damit verbundene Verantwortlichkeit eine Zusage erst dann zu geben, wenn über den Charakter der betreffenden Veranstaltung bezw. über deren Unternehmer an den zuständigen Stellen genaue Informationen eingeholt sind. * Eine Versammlung der wirtschaftlichen Vereinigung der Lehrer im Rheinisch=Westfolischen Industriegeviet fand am Samstag in Duisburg statt. Ueber 1000 Lebter und Lehrerinnen waren erschienen. Lehrer Topp aus Dutsburg begrüßte die anwesenden Gäste, darunter Exzellenz Hamm und verschiedene Abgeordnete. Leorer Topp wünschte, daß ein Ausspruch des Obervürgermeisters Lehr in Erfüllung gehen mög= aach dem in Orten mit gleichen Teuerungsverhältnissen gleiche Gehälter#ewährt werden müssen. Nunmehr sprach der Vorsitzende der wirtschaftlichen Vereinigung, Hauptlehrer Schwenk, Oberhausen. Er sorderte die Abgeordneten auf, für die Lehrer=Interessen mit Nachdruck einzutreten. Lehrer Pollert betonte die Notwendigkeit einer Umgestaltung der Lehrer=Verhältnisse. Der Abgeordnete Dr. Grunenbera und Exzellenz Hamm sprachen sich wohlwollend für den Lehrees and und seine Forderungen aus. Nachdem nach verschiedene Ansprachen gehalten worden waren, wurde eine Resolution gefaßt, in der Gleichstellung mit den Regierungssekretären in Rang und Gehalt, Wohnungsgeld, Alterszulagen und Ruhegehalt gefordert wird. ** Stadtheater Gelsenkirchen. Am gestrigen Sonntag fand die Eröffnungsvorstellung für die diesjährige Spielsaison statt. Man konnte merken, daß der Name Genesius noch immer seine alte Anziehungskraft ausübt. Dazu hatte man als erste Aufführung die amusante Operette„Ein Walzertraum“ auserkoren. Schon lange vor Beginn der Vorstellung war das Haus ausverkauft. Von alten Bekannten fanden wir wieder vor: Lina Genesius, Luise Hartung, Marie Adolph und Wilhelm Beuk. Gespielt wurde mit Lust und Hingebung an die Sache. Besonders vorteilhaft machten sich die neuen Kostüme bemerkbar. Das Publikum spendete für die guten Leistungen wohlverdienten, reichen Beifall. Wir möchten nur wünschen, daß unserer Theaterdirektion auch fernerhin eine solche Unterstützung seitens des Gelsenkirchener Publikums zuteil würde. nk Straßenraub. In der Nacht zum Samstag wurde ein hiesiger Kaufmann von einer Frauensperson angesprochen und nach der wenig beleuchteten Ringstraße gelockt. Hier, in der Nähe von Mols Lagerplatz, traten plötzlich drei Burschen hervor und während der eine dem Ahnungslosen den Revolver auf die Brust hielt, versetzte ihm ein zweiter einen schweren Schlag ins Gesicht. Dann wurde dem so in die Falle Gelockten die Uhr, seine gutgefüllte Börse, in Sparkassenbuch, Ringe und sonstige„Wertgegenstände gewaltsam entrissen. Polizei war nicht in der Nähe und so gelang es den Räuern sowie dem Frauenszimmer, mit ihrer Beute zu entkommen. Der Beraubte hat noch in der Nacht auf der Polizei=Hauptwache lnzeige erstattet. R Essener Schwurgericht vom 3. Oktober. Wegen Straßenraubes haben sich die Bergleute Albert Schenk und Wilhelm Brauer aus Gladbeck zu verantworten. Am 6. Juni d. I begab sich der 29jährige Lampenputzer Bittner von Gladbeck nach Ellinghorst. Der Weg führte ihn durch den Writtinger Busch. Kurz vor Ende des Busches begegneten ihm die beiden Angeklagten, die an ihm vorbeigingen. Plötzlich kehrten sie um und liefen Bittner nach, den Brauer ins Genick faßte und zu Boden warf. Als Bittner ich erhoben hatte, faßte Schenk ihn im Nacken und hielt ihn auf diese Weise fest, während Brauer ihm mit der einen Hand den Mund zuhielt, mit der anderen die Taschen untersuchte, ihm aus der rechten Hosentasche das Fünfmarkstück nahm und es Schenk zeigte. Dieser gab dem Bittner darauf einen Faustschlag unter das Kinn und dann liefen die Angeklagten davon. Ihre Verfolgung wurde jedoch von Bittner und anderen sofort ausgenommen und es gelang, sie in einer Wirtschaft zu ermitteln und durch Polizeibeamte verhaften zu lassen Während Brauer ohne weiteres geständig ist und erklärt, seinem Genossen Schenk 2 Mark von dem geraubten Gelde abgegeben zu haben, bestreitet Schenk dieses ganz entschieden und behauptet vielmehr, von der Beraubung des Bittner anfangs überhaupt nichts gewußt zu haben. Er sei mit Brauer lediglich dahin übereingekom men, den Bittner zu verprügeln und an dieser Verprügelung habe er teilgenommen. Im übrigen wollen beide Angeklagten die Tat im schwer angetrunkenem Zustande begangen haben. Die Geschworenen bejahten bei beiden Angeklagten die Schuldfrage nach Straßenraub unter Zubilligung mildernder Umstände. Das Gericht verurteilte hierauf jeden der Angeklagten zu 2 Jahren Gefängnis unter Anrech= nung von drei Monaten auf die Untersuchungshaft. R Essener Strafkammer vom 3. Oktober. Der Landbriefträger aus Wanne war beschuldigt, als Beamter innerhalb seiner Zuständigkeit vorsätzlich eine rechtlich erhebliche Tatsache falsch beurkundet zu haben. Am 1. Juli hatte der Angeklagte in seiner Eigenchaft als Postbote eine gerichtliche Zustellung den Bergmann W zu überbringen. Da W. nun nicht zu Hause und seine Wohnung verschlossen war, so steckte B. die Zustellung in eine Ritze in die Tür in der Annahme, daß W. dort den Brief finden würde. Vom Be stellung zurückgekehrt, füllte B. die Zustellungsurkunde mit dem Ver merk aus:„Der Zustellung habe ich dem Adressaten persönlich in seiner Wohnung übergeben". Der gerichtliche Termin gegen W. kam heran, er hatte jedoch keine Ahnung davon, weil die Zustellung in der Türritze in einem Spalt verschwunden war. Auf Grund der von B. ausgefüllten Zustellungsurkunde mußte das Gericht annehmen, daß ihm die Ladung persönlich zugestellt worden sei und beschloß, da er zum Termin nicht erschienen war, seine zwangsweise Vorführung Ganz erstaunt über diese Maßregel, kam W. mit der Behauptung heraus, daß er von einem gerichtlichen Termin nichts wisse und keine Ladung erhalten habe. Die eingeleitete Untersuchung ergab dann auch die Feststellung, daß B. die Zustellungsurkunde falsch ausge füllt. B. wurde deshalb wegen Vergehens gegen§ 348 des Str= G.=B. unter Anklage gestellt. Er gab die Tat zu und entschuldigte seine Handlungsweise damit, geglaubt zu haben, daß W. beim Nachhausekommen die Zustellung finden mußte. B. drückt sein Bedauern über seine Handlung aus und bat um milde Strafe. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu der gesetzlich niederigst zulässigen Strafe von einem Monat Gefängnis.— Entführung einer Minderjährigen gegen dn Willen der Eltern war dem Tanzlehrer Carl 9 aus Horst=Emscher zur Last gelegt. Der Angeklagte unterhielt schon seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis mit einer erst 17jährigen Person. Da die Eltern des jungen Mädchens die Einwilligung zur Ehe nicht gaben, so beschloß das Liebespaar, im Auslande den Ehebund zu schließen. Beide fuhren im August nach Aachen, um 0„ weiter zu reisen. Am Bahnhof in Aachen frug P. schüchtern einem Herrn, wo die Fahrkarten nach Lüttich zu haben seien. Dem Herrn fiel das Wesen des jungen Paares auf und da er zufällig Kriminalbeamter war, frug er das Paar nach ihren Papieren. Als sie sich nicht genügend ausweisen konnten verfügte er ihre vorläufige Festnahme. Da der Vater des jungen Mädchens Strafantrag wegen Entführung gestellt hatte, so wurde P. in Haft behalten und das Strafverfahren gegen ihm eingeleitet. Heute erhielt er 1 Monat Gefängnis. Vereins- und Vergnügungs-Anzeiger. ** Der Krieger und Landwehrverein„Schalle“ zu Gelsenkirchen feierte am gestrigen Sonntag im Restaurant Wilhelmsgarten sein 34. Stiftungsfest verbunden mit Sedanfeier. Morgens 6 Uhr fand großes Wecken statt, nachmittags 3 Uhr traten die Kameraden zum Festzug an. Nachdem die Fahne beim 2. Vorsitzenden, Herrn Luter abgeholt worden war, bewegte sich der Festzug durch die mit Fahnen geschmückten Straßen Schalkes zur Kaiserstraße, wo gegen 4,30 Uhr die Parade in Zügen stattfand, die Herr Masor Roos abnahm. Darauf wurde zum Festlokal marschiert, wo sich bereits die Festteilnehmee mit ihren Damen zahlreich eingefunden hatten. Nach dem Vortrag einiger Konzertstücke der Kavelle des Artillerie=Regts. Nr. 7, unter Leitung des Stabstrompeters Grimmer, der ein vorzügliches Musikprogramm zusammengestellt hatte, hielt Herr Major Roos die Festrede. Er führte ungefähr folgendes aus: Meine Damen und Herren. Nach alter deutscher Sitte gedenken wir zunächst unseres Landes Allgemeine Zeitung. Montag, den ö. Oktober 1908. herrn und obersten Kriegsherrn, welcher die Errungenschaften, durch die unser Heer groß geworden ist, als da sind: vorzügliche Ausbildung, Manneszucht, Gehorsam, gute Führung und Kameradschaft, aufrecht erhält und fördert. Wenn es auch manchmal schien, als wenn dieser Geist in unserer Armee nachließe, so haben doch unsere braven Soldaten in Südafrika bewiesen, daß der alte Geist noch immer vorhanden ist. Wir müssen unserem Kaiser dankbar sein, daß er für die Erhaliung und Vermehrung unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande eintritt. Durch den Ausbau der Arbeiterversicherung hat der Kaiser dafür gesorgt, daß der Arbeiter so gestellt ist, daß er mit Ruhe den Tagen des Alters entgegen sehen kann. Handel, Industrie und Schiffahrt haben sich stetig weiter entwickelt und wenn wir einig sind, wird es stets heißen: Deutschland, Deutschland über alles. Diese deutsche Einigkeit hat sich erst jüngst bei der spende gezeigt, wo ein jeder dazu beigetragen hat das nationale Werk zu unterstützen.— Ans Vaterland, ans teure, schließt dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen, dann werden wir auch stets stark bleiben. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser, schloß der Redner, worauf die Nationalhymne gesungen wurde. Nach einigen Konzertstücken wurden kinematographische Bilder von der Kaiserparade und der Mittelmeerfahrt unseres Kaiserpaars vorgeführt und fanden vielen Beisall. Im weiteren Verlauf des Festes überreichte Herr Major Roos nach einer kurzen Ansprache den Herren: Eichenberg, Schwickert, Kranenberg und Walbersdorf die Diplome für 25jähr. Mitgliedschaft, ferner wurden die Spielleute Redzik, Liedmann, Gehrmann und Kurth zu Gefreiten ernannt. Nach dem Konzert fand dann gegen 9 Uhr der Festball statt, der Jung und Alt noch lange Zeit in fröhlichster Stimmung zusammenhielt. Aus dem Landkreise Gelsenkirchen. Stadt und Amt Wattenscheid. + Wattenscheid, 4. Okt. Der Konsum der christl. Gewerkschaften hat einem Beschlusse des Vorstandes folgend, vom 1. Oktober ab den 8 Uhr=Ladenschluß eingeführt.— Die Wilhelmstraße in Westenfeld soll eine neue Basaltkleinschlagdecke erhalten. Die Arbeit ist öffentlich ausgeschrioben.— Samstag nachmittags feierte der Frauenverein der freien wangel. Gemeinde im Vereinshause Vorstadtstr. 43, ein Missionsfest, das bei gutem Besuch einen würdigen Verlauf nahm. Die Festvredigt hielt Missionar Jüngst aus Java. In Bilderreichen Worten schilderte Redner das Leben der Heiden und seine Erlebnisse. b Wattenscheid, 4. Okt. Am Samslag fand auf dem alten Markt die Pferdemusterung durch den Kommissar Rittmeister von Benniosen statt. Es waren aus Stadt und Amt Wattenscheid 167 Pferde zugebracht. W Wattenscheid, 3. Okt. Im Amte Wattenscheid ist in diesem eine Rteihe von Gemeinderatswahlen vorzunehmen, die an folgenden Derminen stattfinden werden: in Günnigfeld am 9. und 10. November im Restaurant Darenrecht für die ausgeschiedenen Mitglieder Wilhelm Beckers, Peter Ewald und Frz. Ntiesmeier; in Leithe am 13. November in der Gemeindewirtschaft für sie ausscheidenden Mitglieder W. Lange und Heinr. Tübben; in Sovinahausen am 6, Noveniber im Reuaurant Kopp für die ausscheidenden Mitglieder Heinr. Weyers und Ferd. Werdelmann und in Westenfeld am 4. November im Restaurant S####er für die ausscheidenden Mitglieder Friedr. Behrensmeyer und Hainr. Haverkamp. Die Wählerbiten liegen vom 6. Oktober ab 4 Wochen lang bei den zuständigen Gemeirdevorstchern 6. z Wanne. 3. Okt. Ein interessantes Bild bietet die Arbeitsstätte der Emscherregulierung. Zu beiden Seiten der Chaussee sieht man die großen Trockenbagger arbeiten. Der aus der Richtung Buer=Erle kommende Du###er hat schon eine weite Strecke des neuen Emscherbettes fertiggcstellt, derselbe ist nur noch einige hundert Meter von der Chaussee entsernt und berührt hier das Gebiet der Fleute. An letzlim, das Bett umzulegen, damit das Wasser der Fleute die Baggeraxbeiten nicht hemnn. Ungefähr 150 Arbeiter, meist nur Ausländer, sind mit der Anlage des neuen Emscherbettes beschäftigt. Durch die großen Baggermaschinen ist man in der Lage, eine Ausbaggerung von 60 Waggons Erdmassen in einer Stunde zu bewerkstelligen(Arbeitsleistung für je einen Bagger). Eine bedeutende Erleichterung erfahren die Baggerarbeiten dadurch, daß, abgesehen von einer kleinen Oberschicht, der Boden frei von jedem Wurzelgeflecht ist. Die Erdmasson. zu deren Fortschaffung 5 Schmalspurbahnlokomotwen täglich in Betrieb sind, werden zur„Cranger Heide“ befördert, wo sie zur weiteren Verwendung beim Bahnhofsumbau zur Erdanschüttung gelagort bleiben. Die Länge des jedesmal fertig zu stellenden Teiles des Bettes beträgt über#00 Meter. Mit dem Bau der neuen Emscherbrücke zur Uoberührung der Chaussee wird auch bald begonnen werden; während dieser Zeit wird die Chaussee umgeleitet.— Gestern fand in der 1. Klasse der Ostschule in Gegenwart der Schuldeputation und des Lehrerkollegiums die feierliche Einführung des neuen Schulleiters Rektor Beier aus Münster durch den Kgl. Kreisschulinspektor Herrn Dr. Bornemann statt. r. Röhlinghausen, 3. Okt. Die früher Streichersche Besitzung in der Heinrichstraße mußte infolge von Bodensenkung vor einigen Tagen geräumt werden. Am heutigen Tage mußte auch das daneben siegende Haus geräumt sein, da der Aufenthalt mit Lebensgefahr verbunden ist.— Dem Neubau der katholischen Kirche steht staatlicherseits nichts im Wege. Die noch etwa bestehenden Schwierigkeiten dürften bald gehoben sein, damit die für über 7000 Katholiken Röhlingbauens dienende#ver schon längst nicht mehr genügende Notkirche durch ein würdiges Gotteshaus ersetzt wird. Aus der Amgegend. 9. Buer=Erle, 3. Okt. Die letzte Uebung der freiwilligen Feuerwehr war gut besucht. Nach Erledigung der Schulübung wurde ein Sturmangriff gemacht. Da die Dunkelheit mittlerweile eingetreten war, wurde der Uebungsplatz durch Fackein erhellt, die am Steiger Turm befestigt wurden. Nach der Uebung fand im Vereinslokale die monatliche Versammlung statt. Es wurde als neues Mitglied aufgenommen Herr Gummersbach und der Ordnungsmannschaft zugeteilt. Der stellv. Brandmeister Bohlmeyer berichtete über den Delegiertentag in Waltrop. Des weiteren wurden noch einige Bemerkungen zum Fest am 11. Oktober gemacht. Die Wehr erhält in nächster Zeit eine neue mechanische Leiter. Der Bau eines neuen Spritzenhauses ist Bedürfnis geworden und wird die Gemeindever waltung wohl dieser Frage baldigst näher treten. Um bei einem Brande nicht jedesmal mehrere Geräte mitführen zu brauchen— wodurch ja auch ein schnelleres Eingreifen in den Feuerherd möglich wird— empfiehlt sich die Beschaffung eines Mannschaftswagens Es können hierauf bie nötigen Werkzeuge, Leitern, Schläuche, sowie auch die Wehrmänner Platz finden. Da in unserem Ort durchweg an allen Straßen Hydranten liegen, ist das Mitnehmen der Spritze in den meisten Fällen unnötiger Ballast. Nachdem noch mehrere Fragen geschäftlichen und technischen Inhalts besprochen wurden, schloß Brandmeister Scholtbolt mit Worten der Hoffnung, ein schönes Schlußfest zu feiern, die anregende Versammlung. Ss Buer, 3. Okt. Eine Roheit sondergleichen verübten gestern nachmittag gegen 4 Uhr zwei jugendliche Burschen an einer Kuh auf der Weide in Westenholt. Die beiden Taugenichse hatten das Tier angelockt und während es der eine kasthielt, schnitt der ereite dem Tiere die Hälfte eines Ohres ab. Das stark blutende Tier lief noch aggen abend auf der Weide umher, während die beiden rohen Bangels entkommen sind.— Gestern ebend wurde aus einem Hause in der Zeche Hugoachen Kolonie einem Bergmann die Uhr und ein Anzug gestohlen.— Seit gestern ist die 15 Jahre alte Tochter des Bergmanns Hermann W. verschwunden. Das Mädchen unterhielt mit einem verheirateten österreichischen Arbeiter ein Verhältnis und ist auch der Mann verschvunden.— Bei einem Umzug in Westerholt kam es gestern abend zu einer wüsten Schlägerei, wobei mehrere Personen erbeblnn verletzt wurden. S Horst=Emscher, 3. Okt. In der Essenerstraße kurz hinter dem Bahnübergang wurde gestern aband die 8 Jahre alte Tochter Hadwia des Bergmanns Gerhard H. von einem Radler überfahren und erkitt eine Schädelverletzung.— Gestohlen wurden aus einem Garten mehrere auf einer Leine hängende Wäschestücke. S Gladbeck, 3. Okt. Eine Flucht mit Hindernissen hat gestern nachmittag die Ehefrau des Bergmanns Karl H. von hier in Gesellschaft zweier Männer unternommen. Mit einem Rade nahm der Ebemann die Verfolgung auf und holte die Gesellschaft kurz hinter Bottvop ein. Hier kam es zu einer wüsten Schlägerei. Auch die Ehefrau erhielt eine Anzahl Messerstiche. s Bottrop, 8. Okt. Von seinem eigenem Fuhrwerk überfahren wurde gestern nachmittag ein 18 Jahre alter Fuhrknecht. Er wurde dem Krankenhause überwiesen. s Bottrop. 3. Okt. In der gestrigen Schöffensitzung wurden folgende Strafsachen verhandelt: Wegen Gewerbesteuerzuwiderhandlung wurde der Former Wilhelm H., unbekannten Aufenthalts, mit 96 M. Geldstrafe evtl. 32 Tagen Haft bestraft.— Der Reisende Emil 3. erhielt wegen dem gleichen Vergehen 24 M. Geldstrafe eotl. 8 Tage Haft.— Der Bergmann Wilhelm G. und dessen Ehesrau Ottilie geb. hatten sich wegen Hohlerei zu verantworten. Sie erhielten je 2 Tage Gefängnis.— Wegen Sachboschädigung erzielte der Bergmans Alois Cz. 3 Mark Geldstrafe#otl. 1 Tag Gefängnis.— Wegen Diebtohls wurde der Arbeiter Franz H. mit einem Tage Gefängnis bestraft.— Der Bergmann Johann D. erhielt wegen Unterschlagung 3 Mk. Geldstrafe evtl. 1 Tag Gefängnis.— Wegen Uebertretung d's Feld- und Forstpolizeigesetzes erzielte der Pferdetreiber Josef Kh. 6 M. Geldstrafe##vtl. 2 Tage Haft.— Wegen öffentlicher Beleidigung wurde der Bäcker Alfred G. mit 60 Mk. Geldstrafe evtl. 20 Tagen Gefängnis bestraft.— Unterschlagung einer Nähmaschine brachte den Beramann August M. 80 Mt. eotl. 10 Tage Gefängnis ein.— Wegen gemeinchaftlichen Hausfviedensbruchs wurden die Bergleute Robert L. und Alois C. mit je 1 Woche Gefängnis bestraft.— Wegen Sachbeschädigung wurde der Maurer Rudolf B. mit 14 Tagen Gesängnis bestraft. — Wegen Betrugs erhielt der Reisende Franz S. 30 Mk. Geldstaafe evtl. 10 Tage Gefängnis.— Wegen Widerstands wurde der Arbeiter Franz K. mit 10 Mark Geldstrafe evtl. 2 Tagen Gefängnis bestraft. — Der Bergmann Alois B. wurde wegen Beleidigung mit 15 Mark Geldstrafe evtl. 5 Tagen Gesängnis belegt. S Bottrop, 3. Okt. Dem Vorstande der Freiwilligen Feuerwehr zier ist anläßlich ihrer aufopfernden und ausdauernden Arbeit gelegentlich des Brinkmannschen Bauunglücks nachstehende Anerkennung citens der Amtsverwaltung zugegangen:„Die Gemeindevertretung hal in ihrer Sitzung vom 31. August 1908 folgenden Beschluß gefaßt: Der Freiwilligen Feuerwehr Bottrop soll für iyre hülfsbereite aufopfernde und ausdauernde Tätigkeit, bei den Räumungsarbeiten, anläßlich des Einsturzes des Brindmannschen Neubaues eine öffentliche Belobigung ausgesprochen werden.— Für die Kirmestage, am 4., 5. und 6. Oktober, wird die Polizeistunde für sämtliche Wirtschaften des bisherigen Dorfbezirkes auf 12 Uhr nachts festgesetzt. S Bottrop, 8. Okt. In das hiesige Krankenhaus eingeliefert wurde in der vergangenen Nacht ein Bergmann Krienen aus Borbeck. Der Mann wurde von einem Polizeibeamten gefunden und gab an, er sei überfallen und mit einem Messer gestochen worden.— Auf Zece Rheinbaben geriei der Bergmann Johann L. unter Gesteinsmassen und wurde lebensgefährlich verletzt dem Krankenhause zugeführt. * Rotthausen, 3. Okt. Dem Bergmann R. hier wurden Kleidungsstücke im Werte von ungefähr 800 Mark aus seiner Wohnung gestohlen. Die Dieve, welche durch ein Fenster eingestiegen sind, konnten bisher nicht ermittelt werden. ** Kray, 3. Okt. Auf das anläßlich der feierlichen Einweihung des neuen Rathauses an den Kaiser abgesandte Huldigungstelegramm ist gestern nachtttehende Antwort jengegangen: Bürermeister KohlenKrav. Seine Majestät der Kaiser und König haben den treiten Gruß anläßlich der Rathauseinweihung gern entgegengenommen und lassen bestens danken. Auf allerhöchstan Befehl der Geheime Kabinettsrat. be Kray, 3. Okt. An Stelle des nach Mülheim(Richr) versetzten Lehrers Pletziger ist der Lehrer Peter Kleifeld aus Neukirchen bei Moers, zuletzt in Speldorf tätig, zum 1. Oktober an der wangel. Schule 1 ernannt worden. de Schonnebeck, 3. Okt. Die hiesige Postanstalt hat, nachdem sie fast ein Jahr in Privaträumen untergebracht war, am 1. Oktober das vom Betriebsführer Loeven erbaute eigene Heim bezogen. Das an der Schukstraße gelegene schmicke Haus ist vorläuftg auf 15 Jahre an die Postbehörde vermietet worden.— An der kathol. Schule ist die Lehrerin Henriette Schulz zum 1. Oktober angestellt worden.— Durch Räumung von Lehrerwohnungen sind an der Portendickschule zwei neue Schulzimmer eingerichtet worden. Eine dieser Klassen ist sofort mit der bestebenden Wanderklasse besetzt worden. Man geht jetzt sehr viel oazu über die Wohnungei in den Schulgebäuden fallen zu lassen und gewährt den Lehrern lieber die Miete. Eg Caternberg, 2. Okt. Heute morgen gegen 6 Uhr brannte der Stall des Bergmanns Lippka in der Buschstraße. Das darin befindliche Vieh konnte früh genug gerettet werden und der Brand selbst bald gelöscht werden, so daß die alarmierte Feuerwehr gleich wieder abrücken konnte. Die Entstehungsursache ist unbekannt.— Gestern lachmittag fand in der Goetheschule Entlassungsprüfung von Fortbildungsschülern statt in Anwesenheit des Beigeordneten Dr. Übber. Mitgliedern des Kuratoriums sowie der Lehrerschaft. Im Anschluß hieran wurden auch die anderen Klassen einer Revision unterzogen Es ist recht bedauerlich, daß immer noch so sehr viel über den schlechten und unregelmäßigen Besuch der Fortbildungsschule geklagt werden muß. Die Lehrlinge sollten es doch mit Freuden begrüßen, daß die Gemeinde die großen Geldmittel aufbietet, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich für ihren späteren Lebensberuf vorzubereiten. Mit aller Strenge und unnachsichtlich wird in Zukunft, wie der Beigeordnete ausführte, gegen die Unpünktlichen vorgegangen werden. Darum sei auch an dieser Stelle eindringlich gewarnt, recht pünktlich und regelmäßig zu erscheinen und auch den Meistern anempfohlen, ihre Lehrlinge frühzeitig aus der Werkstätte zu entlassen, da es sonst unangenehmen Folgen haben könnte. * Osterfeld, 3. Okt. Gestern avand kurz vor 11 Uhr geriet der Bergmann Leopold Hensling in Ausübung seines Berufes unter abstürzende Gesteinsmassen und wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Wege zum Krankenhause starb. 2 Königssteele, 3. Okt. In der nächsten Woche beginnt im hiesigen Bezirk die Feuerstellenschau und zwar zunächst in Eiberg. Die Hausbesitzer werden gut tun wenn sie ihre Schornsteine, Oefen usw. darauf prüfen, ob sie den polizeilichen Anforderungen entsprechen F Steele, 3. Okt. Die freiwillige Sanitätskolonne Krav beabsichtiat am Sonntag, den 11. Oktober auf dem Sportylatze am Bahnbof Kray eine Uebung abzuhalten, bei der die Idee angenommen werden soll, ein Zug sei entgleist und am Abhange der Bischung lägen die Toten und Verwundeten. Es soll dann gezeigt werden, wie die Mitglieder der Kolonne die erste Hilfe leisten und dann für den Transport der Verletzten Sorge tragen.— Die Stadtverwaltung wind in den nächsten Taarn mit dem Abbruch der drei städtischen Häuser am alien Marktplatz beginnen, um an deren Stellen ein sehr praktisch proseltiertes Geschäftshaus zu enrichten.— In der Zeit vom 7. bis zurm 10 d. Mts. wird von einem Beamten der Landesversicherungsanstalt der Rheinprovinz in hichiger Stadt eine Revision der Quittungskarten vorgenommen. Die Reise des spanischen Königspaares. Budapest, 4. Okt.(Telegr.) Der König und die Königin von Spanien sind heute nachmittog nach Wien abgereist, nachdem sich Kaiser Franz Joseph auss herzlichste von ihnen verabschiodet hatte. Wien, 4. Okt.(Telegr.) Der König und die Königin von Spanien sind heute hier eingetroffen. Wien. 4. Okt.(Telegr.) Der Könia und die Königin von Spanien machten heute morgen eine Automebilfahrt durch die Stadt, um 12 Uhr reisten die Majestäten nach Dresden zum Besuch des Königs vom Sachsen. Der Sreit um die Orientbahn. Der russische Vorschlag. Bisher hat man in Wien an amtlicher Stelle über den russischen Vorschlag, die Bahnangelegenheit durch einen Gesamtschritt aller Signatarmächte des Berliner Vertrages einer Lösung zuzuführen, keinerlei amtliche Mitteilung, ist daher darauf angeme die cnanntnis davon aus der Tagespresse zu schöpfen. Man wiro lich zer, so wird der„Köln. Zta.“ aus Wien geschrieben, gegen# einem solchen Vorschiage, mag er nun dahin gehen, von Kabnen Verhandlungen zu führen oder die Konstantinopler zu betrauen. nicht ablehnend verhalten, schon razm weil er Oesterreich=Undarns Verantwortlichkett verringem wurde Man ist sich aber darüber völlig klar, daß dieses Heranziehen am mächte zu den Verhandlungen nicht eine Beschleu Verschlevvung der Angelegenheit bedeuten wür Langwierigkeit solcher Verhandlungen ist ja von frühern##alen sattsam bekannt. Man findet es daher in W wenn die Ansicht ausgesprochen worden ist, Rußlano ver####ne u diesem Vorschlage weniger der Türkei als Bulgarien zu helfen, indem es unter dem Scheine tiefer Entrüstung über den von Bulgarien begangenen Rechtsbruch ihm durch seinen Vorschlag, der die Entscheidung auf die lange Bank schiebe, Zeit verschaiffe, sich in#einem unrechten Besitze gehörig einzunisten und die Streitfrage lassen. Als Grund dieser russischen Politik könne man vie icht die Sorge annehmen, durch die Oesterreich=Ungarns 1. tung gegen Bulgarien bei diesem an Boden zu verlieren lieferten Ruf des Beschützers der Balkanvölker einzubü Bulgarien und der Türk jetzt als ernst, glaubt jedoch noch immer nicht an den Feindseligkeiten. Daß auf beiden Seiten Rüstungen st net man nicht, erklärt sie indessen lediglich als Maßrnen Vorsicht und als Drohmittel. Parie, 4. Okt.(Telegr.] Ueber den Inhalt deösterreichisch=ungarische Botschafter heute dem Präsid überreichte, wird vor Ablauf von 2—8 Tagen nichts mitgeteilt Den anderen Mächten werden binnen Kurzem, Franz Josephs, ähnliche Mitteilungen gemacht weren. bezieht sich auf die Balkanangelegenheiten. (Siehe auch den heutigen Leitartikel.) Der rnstische Univerkitätskreik. Moskau, 4. Okt.(Telear.) Eine von viertausend Studenten besuchte Versammlung, der auch der Vertreter der Petersburger Universität beiwohnten, beschloß die Veranstaltung eines allrussischen Studentenausstander, wenn nicht Unterrichtsministers zurückgenommen würden, durch welch: die Selbständigkeit der Hochschulen eingeschränkt wird. Charkow. 4. Okt.(Telegr.) Der Universitätsrat beschloß einstimmig, den Unterrichtsminister zu ersuchen, den Erlaß des Zaren vom 9. September 1905 zu befolgen und die Selbstandigkeit der Hochschulen zu wahren. In einer Versammtmt De von 2500 Studenten besucht war, wurde beschlossen, sich den Beseiisen der Petersburger Studentenversammlungen anzuschließen. Petersburg, 4. Okt.(Telegr.) Die Universität wurde polizellich besetzt. Eine große Anzahl Studenten erschien nicht zu den Vorlesungen. Petersburg, 4. Okt.(Telegr.) Der Direktor der Petersburger Unwersität gibt bekannt, daß die Vorlesungen und die praktischen Uebungen auf Beschluß und auf Grund des Universitätsstatuts eingestellt worden sind. Ein schuell beendigter Algier, 4. Okt.(Telegr.) Die Arbeiter der Algerisder Paris= Lyon= Mittelmeer=Eisenbahngesellschaft beantworteten eine Anfrage des Allgemeinen Eisenbahnarbeitersyndikats betreffend ihre Stellung kzur Frag des allgemeinen Ausstandes dahin, daß sie in Friedenszeiten für Dienstverweigerung und Instichlassen der Arbeit und für den allgemeinen Sie beschlossen ferner, sich in Kriegszeiten dem Transport der Impen an die Grenze zu widersetzen. Wegen dieser Beschlüsse entließ die isenbahngesellschaft die Angestellten, welche die Befragung gerischen Sektion veranlaßt hatten und denjenigen, der in der Versammlung der Sektion den Vorsitz geführt hatte. Um acgen diese Maßregelung zu protestieren, erklärten die Arbeiter der Sektion den Ausstand. Algier, 4. Okt.(Telegr.) Der geplante Ausstand der Angestellten der algerischen Sektion der Paris=Cyon=Mittelmeer=E“ gesellschaft ist völlig gescheitert. Das Personal, von dem nur ein kleiner Teil don Dienst eingestellt hatte, war heute vollzählig erschienen. Der Versammlung, die die berei“ unennen Bschlüsse faßte, hatten von 900 Angestellten nur 33 beig##annt. Letzte Telegramme. Die militärische Karriere des Kronprinzen. Breslan, 4. Okt.(Priv.=Telegr.) In miliarimen Kreisen Breslaus verlautet, daß der Kronprinz im nächsten Monat vom Kaiser zum Obersten und Kommandeur des in Breslau garnisonierenden II. Grenadierregiments, dessen Chef die Erbprinzessin von Sachsen=Meiningen ist, ernannt werden soll. Der Kronprinz wird hann, wie es weiter heißt, im königlichen Schlosse zu Breslau Wohnung neumen. Der Prinzregent und Staatssekretär Schön. Berchtesgaden, 4. Okt.(Telegr.) Der Prinzregent empfing heute den Staatssekretär von Schön in Andienz, nater naum der Staatssekretär an der Tafel des Prinzregenten teil. Der Bau der Bahnstrecke Morogoro=Kilossa Köln, 4. Okt. Ein Telegramm des Korrespondenten der„Köln. in Darees=salam meldet unterm heutigen Datum u. a.: Auf der Bahnstrecke Morogoro=Kilossa sind 6000 Arbeiter beschäftigt. Die Gleisspitze ist 15 Kilometer über Morogoro vorgeschoben. Die Ingenieure der Frankfurter Firma Holzmann werden jetzt die Fortsetzung bis Tabora trassieren. Kilossa soll Ende Februar. Tabora in vier bis 5 Jahren erreicht werden. Am Njassa sind Kupferlager entdeckt wordei. Offizielle Besuche des schwedischen Königspaares in Frankreich und England. Stockholm, 4. Okt. Einer amtlichen Mitteilung enfolge werden der König und die Königin von Schweden in der eweiten Hain des November in England und Frankreich einen oftinenen##nch abstatten. Zur Marokkofrage. Paris, 4. Okt.(Telegr.) Prasident Fallieres konferierte heute vormittag mit dem Ministerpräsidenten Clemencean und reiste darauf wieder nach Rambouillet zurück. Iswolski in Paris. Paris, 4. Okt.(Telegr.) Der russische Minister Iswolski ist heute hier eingetroffen. Die Cholergepidemie. Petersburg, 4. Okt.(Telegr.] In den letzten 21 Stunden, bis gestern mittag, wurden 163 neue Erkrankungen und 84 Todesfälle an Cholera verzeichnet. Die Zahl der Kranken beträgt 1775. Seit Beginn der Epidemie erkrankten an Cholera 6211: es starben 2135; genesen sind 2004. Sorgsame Mütter vseg Myrrholinseife die wegen ihrer Reinheit, Milde und enEigenschaften von Aerzten für die zarteste Haut allenthe'ben wärmstens empfohlen wird. Verantwortlich für den redaktionellen„Teil: Chefredalteur M. Gerhäuser, für den Anzeigenteil Louis Ewald, beide in Gelsenkirchen, Rotationsdruck und Verlag der„Gelsenkirche= Allgemeinen Zeitung"(Carl Bertenburg jun.) Man vergleiche unsere unübertrefflich billigen Wan überzeuge sich von unserer konkurrenzlosen beistungsfähigkeit! den 5. Oktober 1908. M Mchih Bahnhofstraße 41 Gelsenkirchen Bahnhofstraße 41. 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Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Audw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16/18. Fernsprecher: Nr. 173. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=,Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. PS Inh.: Carl Ebel& Joh. Hagenow. Kleiderstoffe für Gelsenkirchen Bahnhofstr. 49 Ecke Kampstr. Winter. Diagonal u. Chevrong Ganzwollene, starkfädige Qualitäten in neuen##. □60 Farbenstellungen p. Mtr. OD Pig. Kostümstoffe für Jackenkleider u. Röcke in Herrenstoffgeschmack 195 R50 in den modernsten Farben, 110 cm breit p. Mtr.## 6 Einfarbige Cheviots u. Kammgarne Gemusterte Tuche Gestreitt, kariert und diagonalartig, in sehr 165— 750 aparten Tönen p. Mtr. Einfarbige Tuche Ganzwollene Qualitäten in Köper, Diagonal u. Chevrons u. 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Diagonal, modernste Bindung, ausserordentlich haltbar u. effektvoll neueste Muster für Brautkleider p. Mtr. WI □0 und und Die Pariserin als Hausfrau. (Von unserem Korrespondenten.) Paris, Ende September. Bei einem Besuche, den ich kürzlich Freunden in Deutschland abstattete, ist es mir aufgefallen, wie salsche, aber auch ganz falsche Vorstellungen die meisten deutschen Frauen sich von ihren gallischen Mitschwestern machen. Es scheint, daß man in Deutschland seine Kenntnis von der französischen Frau und besonders von der Pariserin hauptsächlich aus den modernen Romanen, den neuesten Theaterstücken schöpft, und so bildete sich die Meinung, die Pariserinnen seien zum größten Teile leichtsinnige, frivole und kokette Geschöpfe, die für nichts anderes Sinn haben, als für Spitzenröckchen, für Puder und Schminke, Lippen pomade und Kohlenstift, Parfüm und falsche Locken, Riesenräderhütc und hohe Stiefelabsätze. Daß all dieser Kram zu den ausschließlichen Attributen der Pariserin gehört, und sozusagen den Inhalt ihrer Lebensfreudigkeit bildet, das ist nun eine Auffassung, die der kürzeste Ausen'halt in Paris alsbald zerstören muß. Putzlustige, gefallsüchtige Frauen mag es in der französischen Hauptstadt zahlreicher als anderswo geben. Aber zwei Drittel der Frauen, die von den Ausländern als Pariserinnen angestaunt werden, sind fern vom Seinestrand geboren. Und, Hand aufs Herz, gibt es nicht in allen europäischen Weltstädten Frauen, für die es das Endziel aller Wünsche wäre, ihrer Toilette nach für Pariserinnen gehalten zu werden? Die Berlinerinnen nicht ausgenommen! Ich lebe seit mehr als zwanzig Jahren in Paris, und zwar in jenen Kreisen, die den Kern des Landes ausmachen, und an echt französischen Traditionen festhalten. In ihnen waltet die Hausfrau und Mutter still und friedlich ihres ernsten und manchmal recht schweren Amtes und erfüllt ihre Aufgaben mit altmodischer Gewissenhaftigkeit. Und daß ich es nur gleich heraussage: die so oft beneidete Pariserin führt ein viel bescheideneres und freudloseres Dasein als die deutsche Frau. Sie hat mit Unannehmlichkeiten zu kämpfen, die der deutschen Frau schnell die Laune verderben würden. Denn der deutschen Frau fehlt das, was in Frankreich die religiöse Erziehung seit Jahrhunderten in die Seelen der Menschen gelegt hat: die Resignation. Diese Resignation, die vor Egoismus, vor übertriebenem Glücksanspruch bewahren und für Unglücksfälle wappnen soll, überträgt sich ganz von selbst auf die kleinen Zufälle des alltäglichen Lebens. Daß nicht alles hier auf Erden glatt von statten geht, daß Klatschereien sie beschmutzen, Dienstboten sie betrügen, Oefen nicht brennen, Taillen verschnitten werden und der Gatte in seiner Karriere nur schwer vorwärts kommt,— das alles verbittert der Pariserin nicht das Leben. So war es bei ihren Eltern und Großeltern, so ist es bei ihr, und so wird es bei ihrer Tochter sein. Sie glaubt nicht an Fortschritt und an Verbesserungen. Sie gibt sich mit dem Unzulänglichen zufrieden. Die Pariser Bürgerfrau, die Bourgeoise, die sich von ihrem Manne ernähren läßt, und nicht selbst im Geschäft mitarbeitet, muß sich mit einer engen Wohnung, meist ohne jeden oder nur mit sehr mangelhaftem Komfort behelfen, muß außer einer unsagbaren Konkurrenz von verfälschten Lebensmitteln durch Einsetzung ihrer eigenen Persönlichkeit die schmackhaftesten, der Gesundheit am wenigsten schädlichen heraussuchen, und die unzähligen, wirtschaftlichen Erfindungen, die der deutschen Hausfrau in verschwenderischem Maße zu Gebote stehen, wie die notwendigen Handgriffe in Küche und Badestube, die kennt sie gar nicht. Neuerungen begegnen hier großen Schwierigkeiten Aber die Pariserin versteht es, sich mit wenigem einzurichten. Ihre Geschicklichkeit, ihr Geschmack, helfen überall da aus, wo die Dienstboten versagen oder sie, der hohen Ausgaben wegen, auf angenehme Nützlichkeiten oder nützliche Annehmlichkeiten verzichten muß. Der Irrtum liebt es, Etiketten an seine Opfer zu kleben. Wie man sich in Frankreich lange Zeit die deutsche Frau nur mit dem Kochlöffel und dem Strickstrumpf in Händen denken konnte, so glauben heute wohl noch viele in Deutschland, die Pariserin sei eine schlechte Hausfrau, eine wenig zuverlässige Gattin und bringe den Tag so ziemlich mit nichts anderem als mit Färben ihrer Haare und ihres Gesichtes zu. Das ist schlimmer als eine Ungerechtigkeit. Und da die Deutschen, namentlich die deutschen Frauen, sich auf ihren Gerechtigkeitssinn etwas einbilden dürfen, so müssen sie vor allem der Pariserin das Küchenzepter zusprechen. Fast alle Pariserinnen haben Kochbegabung. Sie kümmern sich freilich nicht darum, dieses den Männern so angenehme Talent nach Art der deutschen Frauen systematisch zu schulen und auszubilden. Sie beschränken sich darauf, Meisterinnen in der Zubereitung gewisser Nationalspeisen zu bleiben, und bringen diese in höchster Vollendung zu Werke. Das Menü der französischen Bourgeoisie ist aber nur klein und viel weniger abwechselungsreich als das der deutschen. Die großen Schneiderhäuser des Opernviertels, die die Modelle für die Damen der internationalen Hochfinanz und für die großen europäischen Modegeschäfte liefern, sind der Pariser Bürgerfrau so gut wie unbekannt. Selbst wohlhabende Frauen aus der guten Pariser Gesellschaft haben alle die sogenannte„petite couturière“, die eine speziell pariserische Erscheinung ist, und mit der allein sie aus den alljährlichen Neuerungen der Mode das für sie passendste erwählen und herstellen. Was aber die Französin am meisten in Anspruch nimmt, ist die Erziehung ihrer Kinder, für die sie mit großer Zärtlichkeit sorgt. Hat sie Töchter, so hört ihr persönliches Leben sozusagen sast ganz auf. Denn die Französin ist viel mehr Mutter als Gattin. Die amerikanische und englische Freiheit, die die jungen Mädchen in Deutschland bis zum Uebermaß genießen, fängt nur eben erst an, sich in Frankreich Bahn zu brechen; die Tennis=Rackets und Golfstöcke werfen die Schranken um, die die Familie zwischen den jungen Mädchen und der Außenwelt errichtet hatte. Schon sieht man hier und da Pariser junge Mädchen ohne begleitenden Schutz zum Sportplatze wandern. Doch sind das noch seltene Fälle. Und wenn auch die jungen Madchen von heute bereits Romane und andere Bücher lesen, von denen ihre Mütter in ihrem Alter nichts wußten, so geschieht das doch nur heimlich, und die meisten Pariser Theater und harmK S5 ** Allgemeine Zeitung. Ein Besuch bei dem Fürkten Eulenburg. Der Herausgeber der„Allgem. Berl. Korresp.“ hat in Liebenberg eine Unterredung mit der Fürstin Eulenburg gehabt, und ist auch für kurze Zeit am Krankenlager des Fürsten gewesen, mu dem er einige Worte hat wechseln können. Mit der Fürstin hatte er eine längere Unterredung, aus deren Resumee das folgende mitgeteilt sei: „Das Befinden des Fürsten ist elender denn je. Tagtäglich kommt es infolge beängstigender Anfälle von Herzschwäche zu hochdramatischen Szenen, die uns aus einem Schrecken in den anderen jagen, und uns keinen Augenblick zur Ruhe kommen lassen. Meist ist der Anfall von so elementarer Gewalt, daß nur durch ununterbrochene Massierungen der Brust durch zwei männliche Personen eine Beruhtgung der krampfartigen Herztätigkeit mühevoll hergestellt wird. Die geprüfte Wärterin kommt nicht ab vom Krankenlager des Fürsten Was mich aber am meisten beunruhigt, das ist die völlige Erschlaffung aller Lebenskräfte. Ich hatte von der freudigen Nachricht der Aufhebung der Untersuchungshaft eine Hebung des Befindens, eine günstige Reaktion erwartet. Gerade das Gegenteil ist eingetreten. In Berlin machte sich allerdings im ersten Moment die Freude über die bevorstehende Rückkehr nach Liebenberg auch in einem Aufschwung der Lebenslust bemerkbar, und der Fürst sprach immer wieder von der Besserung seines Befindens, die er durch die Wiederkehr in seine alte Umgebung, vor allem aber durch seinen Aufenthalt in frischer Luft und freundlichem Waldesgrün erhoffe. Aber kaum war er zu Hause, da klappte er vollends zusammen und verfiel in eine unheimliche Lethargie, aus der ihn nichts und niemand aufzuraffen vermag. Jedes Wort, das man in bester Absicht an ihn richtet, regt ihn derart auf, daß gleich das Schlimmste zu befürchten ist. Wir möchten ihn gern in den Park tragen lassen, oder ihn wenigstens in einem Krankenwagen ein wenig spazieren fahren, damit er die so lang entbehrte reine Luft und den Anblick seines von ihm so geliebten Waldes genießt,— er will davon nichts hören und hat die Lagerstätte, auf die man ihn bei der Heimkehr gebettet, seither noch nicht verlassen. Nach Ansicht der Aerzte ist er auch noch viel zu schwach dazu, sich vom Lager zu erheben. Und nun können Sie sich bei dieser Sachlage ungefähr eine Vorstellung machen, welche niederschmetternde Wirkung auf uns alle die Zeitungs nachricht machte, daß wir für den Fürsten in der Schweiz eine Villa gemietet haben sollen. Just in der Schweiz, was eine offenkundige Fluchtabsicht bedeuten wuroe.... Nur wer den hilflosen Zustand des Fürsten kennt, der sich im Bett nicht einmal aufzurichten vermag, und wer, wie ich weiß, wie sehr er eine Durchführung seines Prozesses herbeisehnt, der kann die Bösartigkeit dieser Ausstreuung ganz er messen! Der Fürst sträubt sich von allem Anfang an dagegen, daß die juristische Frage ausgeworfen werde, ob denn seine Bemerkung „Sind denn das keine Schmutzereien?“ in seinen Eid einzubeziehen sei, ja, er fordert direkt von seinem Verteidiger, daß der Eid auch auf diese Schmutzereien abgegeben betrachtet werden soll. Und da sollte er nach der Schweiz gehen, selbst wenn er es könnte, und sollte sich so dem Verdachte einer beabsichtigten Flucht aussetzen? Niemals! Er wäre für ihn und uns alle schon entsetzlich, wenn die Katastrophe ein trete und dadurch dem Fürsten die Möglichkeit genommen würde, sich rein zu waschen. Er kämpft um seine Ehre. Und deshalb muß er ge sunden. Bis Weihnachten ist an einen Domizilwechsel gar nicht zu denken. Bis zum heiligen Fest bleibt er unbedingt hier. Dann allerdings wird er einen Kurort, wenn er es erlebt, aufsuchen müssen um noch einmal soweit hergestellt zu werden, daß er eine Verhand lung überstehen kann. Aber seien Sie versichert, daß wir dann einen Ort wählen werden, dessen Lage auch nur den Gedanken an einen eventuellen Fluchtversuch völlig ausschließt. Der Fürst wird sich zur Verhandlung stellen, damit er es aber kann, muß er vor allem erst genesen. Allerdings wird man mit Rücksicht auf seinen nie mehr zu behebenden körperlichen Zustand dann wenigstens die Rücksicht üben müssen, die Zeugenvernehmungen nicht so unendlich in die Länge zu ziehen, daß er wiederum zusammenbricht. Dann werden auch hoffentlich die Entlastungszeugen zum Wort kommen, zu deren Vernehmung es noch nicht kam.“ Als der Berichterstatter der Fürstin vorhielt, daß die Absperrung des Fürsten gegenüber der Presse immer wieder in der Oeffentlichkeit den Verdacht aufkommen lasse, daß es mit ihm garnicht so schlimm steht, als behauptet wird, schnellte die Fürstin förmlich in die Höhe und erklärte:„Sie sollen ihn sehen und sollen selbst urteilen!" Den Fürsten selbst, den er dann kurze Zeit sah, schildert der Berichterstatter als sehr verfallen und schwach. Der Fürst versicherte mit Nachdruck daß er den Prozeß nicht scheue.„Ich werde mich den Richtern stellen Ich will mein Recht haben und werde es zu finden wissen. Kein Ausweichen durch irgend welche Machinationen darf man mir je zum Vorwurf machen. Dies weiß auch mein Verteidiger und mus sich danach richten. Sie sehen wohl, ob ich in meinem Zustand fliehen kann. Aber ich hätte Miehen können, mit Leichtigkeit und tausendfach ehe es um meinen Teib so traurig stand. Dies wäre ja das Schreck lichste, was ich meiner Familie, meinem Hause und meinem alten Namen antun könnte! Diese Freude werde ich meinen Gegnern nie bereiten.“ So wäre denn dem blauen Rock, an dem so manche ernste und heitere Erinnerung hängt, das Todesurteil gesprochen. Auch bei der Kavallerie, die heute in tausend bunten Farben schillert, soll die graue Farbe siegen; die weißen Kürassiere werden ebenso verschwinden, wie die blauen Ulanen und die roten Husaren. Die gesamte Reiterei(vielleicht mit Ausnahme der graugrünen Jäger zu Pferde), wird ebenfalls mit grauen Uniformen ausgestattet, wobel die Kopfbedeckung den Ueberzug erhält. Die verschiedenen Arten der Reiterei(Kürassiere, Dragoner, Ulanen usw.) behalten idren Uniform schnitt, ein Zugeständnis, das man der Ueberlieferung gemacht dal Die neue Felduniform wird versuchsweise getragen. Schlleßlich sel noch erwähnt, daß die Lanzenflaggen im Felde gerollt werden. Reiterei erhält jetzt einen neuen Karabiuer, entsprechend dem Ge wehr 98, mit Visierung auf 2000 Meter. Die Patronenausrustung oll auf 75 Stück vermehrt und am Mann selbst getragen werden. Vermutlich wird man sich dazu entschließen, die Schußwaffe auf dem Rücken des Reiters anzubringen, damit sie im Bedarfsfalle schneller zur Hand ist. Die Artillerie wird mit der Zeit ebenfalls feldgraue Uniformen erhalten. Bemerkenswert ist, daß die Bewaffnung der gesamten Feldartillerie mit dem Karabiner 88, den die Reiterei abgibt, erfolgen wird. Hierdurch wird eine wünschenwerte Selbständig keit der Feldartillerie erlangt. Die Frage: Säbel oder kurzes Seitengewehr bei der Kavallerie. ist noch immer nicht entschieden. Der augenblickliche Stand der Angelegenheit ist folgender: Bei vier Kavallerieregimentern der deutschen Urmee finden auf Anordnung des Kriegsministeriums Versuche statt mit einem verkürzten Seitengewehre, das sich auf den Karabiner aufpflanzen läßt. Eine Entscheidung darüber, ob in der deutschen Armec an Stelle des Säbels das Seitengewehr treten soll, ist noch nicht gefallen, und erst die augenblicklich stattfindenden Versuche werden eine Klärung bringen. Montag, den ö. Oktober 1908. Unter der Herrschaft des Riesenhutes. Von unserem Mitarbeiter. =] Die gewaltigen Dimensionen der neuen Winterhüte, die die anmutigen Gesichter der eleganten Pariserinnen wie eine Riesengloriole von Sammet, Seide und Federn umrahmen, bilden nicht allein eine Quelle wachsender Besorgnis für die Ehegatten und für die Theaterbesucher: auch die Möbelindustrie und die Architekten müssen daran denken, sich den neuartigen Erfordernissen der Modegottin in den Raumverhältnissen ihrer Werke anzupassen. Die normalen kleinen Zimmertüren reichen nicht mehr aus, um der zum Besuch hereinrauschenden Freundin im Glanze ihrer neuesten Huterrungenschaft bequemen Eintritt zu gewähren und selbst die Trottoirs guf den Straßen, insbesondere in den älteren Stadtvierteln, geugen nicht mehr, um eine bequeme Abwickelung des Fußgängerverkehrs zu gewährleisten. Diesmal sind nicht die Franzosen die galantesten: die Engländer sind die ersten, ihre Lebens= und Verkehrsbedingungen zuvorkommend den Modekaprizen der fashionablen Damenwelt anzupassen. In der Tat, so weiß ein französisches Blatt zu berichten, hat die Londoner Automobil=Droschken=Gesellschaft nunmehr beschlossen, in Anbetracht der räumlichen Ausdehnung der modernen Damenhüte in den geschlossenen Wagen die Sitze zu er niedrigen. Denn bisher fanden die wahrhaft eleganten Frauen Grund zu bweglicher Klage, weil sie in den geschlossenen Droschken mit ihren Riesenhüten nicht sitzen konnten und daher genötigt waren, während der Fahrt ihren entzückenden„neuen Hut“ abzunehmen. Bei den niedrigen Sitzen aber fällt diese schmerzliche Notwendigkeit fort und künftigbin werden die englischen Schönen im Vorbeisausen wieder ihren Freunden und Freundinnen in dem ungeschmälerten verklärenden Glanz ihres neuen Winterhutes liebenswürdig zulächeln können. Auf dem Cholerafriedhof von Petersburg. (Von unserem Mitarbeiter.) * Von einem Gang durch den Preobaschensky=Kirchhof, auf dem die unglücklichen Opfer der Cholera=Epidemie ihre letzte Ruhestätte finden, gibi der Peiersburger Korrespondent eines großen anglischen Blattes eine erschütternde Schilderung. Der Friedhof liegt eine Viertelstunde außerhalb Petersburgs auf dem Wege nach Moskau; zwei hölzerne Kirchen flantieren das Tor der Stätte des Todes. Das eine Gotteshaus ist geöffnet: noch liegen hier 47 Särge mit Toten, die zu begraben gestern die Zeit nicht ausreichte. Krächzend umkreist eine Schar Krähen den Turm der zweiten Kirche. Hier, vor der Kirchenture liegen lässig übereinandergeschichtet 34 Särge, man sieht ihnen an, daß sie hastig und ohne Sorgfalt gezimmert worden; kaum daß sie zusammengenagelt sind, zwischen den Brettern gähnen Risse und Löcher. Auf einigen sind mit Reißnägeln hastig improvisierte weiße Papierkreuze angeheftet; eilig mit Blauschrift hingekritzelt stehen auf anderen die Namen der Verstorbenen. Die meisten aber haben weder Kreuz noch Namen. Um den Sarghaufen schreiten Leute; sie suchen ihre Toten und heben die meist ungenagelten Sargdeckel in die Höhe, um mit von 2ränen verdunkelten Augen einen Blick auf die Leichen zu werfen. Aber im Innern der Kirche ist die Szene noch grauenvoller. 91 Särge stehen hier in langen Reihen; kaum 30 davon sind mit einiger Sorgfalt gearbeitet, sie gehören den Vermögenderen und man hat sie darum in der Nähe des Altares aufgestellt. Auf einzelnen sieht man einige kümmerliche Blumenspenden, auf anderen flaklern unruhig brennende Wachskerzen, deren ungewisses Licht das Tunkel des Kirchenraumes phantastisch durchzuckt. An den Fußenden sind kleine Papierschilder angebracht: die Namen der Toten. Hinter den Särgen knarren die schlürsenden Schritte gramgabeugter Angehöriger. Hier knien sie oder werfen sich gebrochen auf die Erde und in den monotonen Gesang der Geistlichen mischen sich die mühsam verhaltenen Schmerzensrufe und das Schluchzen der Frauen. Die Luft ist scher und dumpf und getränkt von dem herben Geruch der De infektionsmittel durch die eine blaue Wolle süßlichen Weihrauchs schwer henzieht. Draußen auf dem Kirchhof sind die Totengräber am Werke; Arbeitslose haben das Amt übernommen, zu helfen. Am Ende des kirchhofs ist ein kleiner Schuppen. Die Tür ist unverschlossen. Man Kuypen. EiurIr enerhfaloftn, Muri ein und ein gräßliches Bild enthüllt sich; vom Boden bis zur in wiorem Durcheinander aufgeschichtet liegen hier die Särge Die graue Uniform. Die Frage einer kriegsmäßigen Uniform für die deutsche Armee hat die Verwaltung seit dem russisch=japanischen Kriege unausgesetzt beschäftigt. Jetzt scheint man endlich zu einem abschließenden Resultat gekommen zu sein, und aus dem Streit zwischen dem schmutziggelben Khaki, Feldgrün und Grau ist die graue Farbe als Sieger hervorgegangen. Wie die„Allgem. Armee=Korresp.“ mitteilt, ist für die Infanterie eine graue Uniform in der Ausführung be griffen. Der Helm wird mit dem bekannten schilffarbigen Ueberzuge bedeckt. Die Uniform soll einen lose sitzenden Rock mit Umschlagkragen besitzen; blanke Knöpfe fehlen, statt ihrer sind die Knöpfe branziert. Die Beinkleider sind ebenfalls von grauer Farbe. Das Lederzeug soll naturbraune Farbe erhalten. Nimmt man dazu, daß Kochgeschirr, Spaten, Gewehr dunkel gehalten sind, so wird man zu geben, daß alles geschehen ist, um die Infanterie so farblos und so wenig hervortretend wie nur irgend möglich zu machen. Die neue Bekleidung liegt bereits für die Mehrzahl der Truppen auf den Kammern; natürlich vorläufig nur als Kriegsbestand, denn es wird noch Jahre dauern, bis die blauen Röcke aufgetragen sind. Auch di Offiziersbekleidung soll in der neuen Farbe vorrätig gehalten werden. losere Vergüngungen sind wohlerzogenen jungen Haustöchtern vor der Heirat oerbuten. Neuerungen schreiten im Lande der großen Revolution merkwürdig langsam vorwärts. So gewinnt auch die Frauenbewegung in Frankreich nur Schritt für Schritt an Boden Was die jungen Mesdemoiselles an moderner Unabhängigkeit ent behren, was sie vorläufig noch in der Gefangenschaft der Familie beengen mag, wird andererseits durch die rücksichtsvolle und liebenswür dige Verehrung ausgeglichen, derer sie sich in allen Schichten des Vol kes erfreuen. Der Respekt vor dem jungen Mädchen, selbst beschei densten Standes, ist tief im französischen Volke eingewurzelt. Exem plare des amerikanischen Demi=Viergetums, dem Marcel Prevost zu so großer Berühmtheit verholfen hat, sind in der Pariser Bour geoisie höchstens vereinzelt anzutreffen, und nicht einmal als Aus nahmen von der Regel anzusehen Allen Vorurteilen zum Trotz wage ich es daher, laut zu be haupten, daß der Begriff der weiblichen Tugend im frivolen Paris kein leerer Wahn ist, und daß man es vielmehr bei dem weitaus überwiegenden Teile der Bevölkerung sehr ernst mit ihm nimmt, und daß die kleinen Pariserinnen, die so graziös auf ihren spitzen Hacken über das schlüpfrige Pflaster der Seinestadt dahinhuschen, viel weniger leicht zu Falle kommen, als sich manche ihrer deutschen Mitschwestern mit breiten Absäten vorstellen. Anna Jules Case. tritt ein Leae in Vin. Pelchemalr: uugeschichter negen har die Salm mit den Loichen umher, die noch nicht bestattet werden konnten, hundert, hundertzwanzig oder mehr. Man kann nicht mahr als 140 Tote am Tage beerdigen, und was der Zug täglich bringt, ist fast das Doppelte. Man hat den Eindruck, daß nur die Särge, die von Angehörigen begleitet sind, fofort bestattet werden. Die andern werden beiseite geräumt und bleiben liegen, bis man Zeit für sie findet. So harren in dem schrecklichen Schuppen viele Tote seit fünf Tagen vergebens auf ihre letzte Ruhestätte... Die große Flut in Indien. (Von unserem Mitarbeiter.) &§ Von der furchtbaren Ueberschwemmungskatastrophe, die so jih über die blühenden volkreichen Distrikte von Haiderabad hereingebrochen ist, Städte und Dörfer zerstört, die Fluren verwüstet und ein arbeitsames Volk in wenigen Stunden in bittere Verzweiflung gestürzt hat, werden aus Kalkutta jetzt weitere Einzelheiten gemeldet, die erkennen lassen, daß es eine der grausigten Heimsuchungen ist, von der das schon so oft von der Pest und der Hungersnot beimgesuchte Indien betroffen wurde. Im Nizan=Distrikt, einem Geliet von 148000 englische Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von mehr als elf Millionen Menschen, dohnen sich eine Reihe großer Seen und gewaltiger Wasserbecken, von denan manche zwei Meilen und länger sind. Eines der größten von ihnen steht ut dem Musi=Flusse in Verbindung, der seine Fluten, nordwestlich der Stadt Haiderabad vorüberströmend, dem Golf von Bengalen zuführt. Ein mit außergewöhnlicher Heftigkeit einbrechender Monsun brachte so gewaltige Regenmassen, daß der See überflutete und plötzlich seine Wassermengen in den Fluß ergoß. Ir kurzer Zeit hatten die Wogen die Ufer überflmet. die Dämme gesorengt und eine gealtige weite, mehr als 20 Fuß hohe Flutwoge brach rauschend und donnernd über die unglückliche Stadt Haiderabad herein. Die Verwüstung war furchtbar. Ganze Häuser hoben sich und stürzten krachend zusammen. Dächer wurden sortgeschwemmt, dicke Steinmauern umgedrückt und in wenigen Minuien war die Stelle, wo kurz vorher noch 100 000 Einwohner frirdlich=lebten, ein wüster wirver Trümmerhaufen. Unter den Schutt= und Schlammassen lagen Hunderte und Tausende unglücklicher Indier begraben, während unabsehare Scharen entiatzenerfüllter Flüchtlinge in wirrer Panik verzweisekt vor den Wassern sich zu retten suchten. Die Flut ist jetzt abgelaufen und ein wüstes Chaos von Ruinen und Schlamm bezeichnet die Stätte an der die Leidenschaft des Elementes gewütet. Die ersten Aufräumungsarbeiten haben bereits begonnen und erschütternde Szenen spielen sich auf dem Unglücksfelde ab. Schrecklich entstell, aufgeschwollene Menschenleichen ragen hier und dort aus dem Schlamme empor, Tierkadaver liegen umber und ein gräßlicher Geruch von Sumpf und Verwesung liegt wie eine schwere Wolie schwül und dumpfig über dem Ganzen. Die Ueberlebenden sind zurückgekehrt, und mit starren Blicken klettern sie über Trümmer und Ruinen, um die Stätte wiederzusehen die einst ihr Besitz war. Verzweiselte Mütter suchen nach den Leichen ihrer Kinder und von der Wucht des grarsamen Schicksals gebrochen, verlieren sie den Blick für das Leid der anderen. Hier eilen Männer und Frauen über die Ein neuer Warenhaustup ist mit der in Berlin erfolgten Eröffnung des Passage=Kaufhauses in die Erscheinung getreten. Man kann zweifeln, ob es sich dabei um eine Fortentwickelung der bisherigen Form oder um einen atavistischen Rückschlag handelt: ein Warenhaus im Stil und in der Aufmachung der bekannten internationalen Kauspaläste, aber aus 60 Einzelgeschäften bestehend, deren Inhaber dem kaufenden Publikum jedoch unbekannt sind und unbekannt bleiben. Nur die allgemeine Flagge des Kaufhauses deckt die Ware, der Gewinn fließt nach Abzug der anteiligen Beiträge zu den Vertriebs=, Unterhalts= und Reklamekosten in die Kasse der einzelnen Inhaber, die auch ihre eigenen Einkäufer, Ravon= und Propagandachefs sind. Die Väter der Idee dieser Organisation glauben natürlich das Ei des Kolumbus erfunden zu haben: das Warenhaussystem im Dienste des Einzelkaufmanns, die Waffe des millionenreichen Großbetriebs nicht Monopol eines einzelnen, sondern von einigen 60 Vertretern des kaufmännischen Nittelstandes geschwungen. Die Erfahrung und die Zeit muß lehren, ob die von dem rührigen Generaldirektor der Passage=Kaufhausgesellchaft. Otto Markiewicz, verwirklicht: Idee dieser Vereinigung, die vielleicht mit gewissen angeborenen Schwächen der Menschennatur nicht genügend rechnet, den hochgespannten Erwartungen der Interessenten entsprechen wird. Soviel steht schon heute fest, daß Berlin mit der Errichtung des Passagekaufhauses um ein ebenso interessantes wie großartiges Bauwerk reicher geworden ist und die kauflustige Reichshauptstadt und der sie durchflutende Fremdenstrom eine neue Gelegenheit zur bequemen Befriedigung aller erdenklichen Bedürfnisse erhalten haben. Auch im verkehrstechnischen Sinne ist die vom Geh. Baurat Ahrens entworfene Anlage dieser Passage, die den Menschenrom von der stark belasteten nördlichen Friedrichstraße kurz vor deren Einmündung in die Chausseestraße am Oranienburger Tor in die Oranienburger Straße ablenkt, von Bedeutung. Die bekannten Königsgalerien von Neapel und Mailand, die Mittelpunkte des dorigen Handels= und Fremdenverkehrs bilden, haben in der jüngsten Berliner Schöpfung nicht nur ein Gegenstück, sondern ihren Meister gefunden. Der gewaltige moscheeartige Kuppelbau, der den Mittelpunkt der neuen Passage bildet, zählt fortan zu den architektonischen Merkwürdigkeiten Berlins. Im Innern des Warenpalastes fesseln iamentlich der im maurischen Stil gehaltene großartige Teppichkaufraum, der geschmackvoll getäfelte große Musiksaal und die mit einer Markthalle an Ausdehnung wetteifernde Lebensmittelabteilung, insesondere die reichbesetzten Fischstände, den Beschauer. Auch in inderer Richtung will das neue Kaufhaus unter dem Schlachtruf: Au bonheur des dames! siegen und hat darum seiner Organisation einige Abteilungen eingegliedert, die bisher, wenigstens von deutschen Warenhäusern nicht gepflegt wurden, als da sind Stellenvermittlung, Irbeits= und Wohnungsnachweis, Ausleih=Institut für häusliche Festichkeiten und Fremdenauskunftei. Auch der Berliner Volkswitz ist dem neuen Hause bereits auf seine Rechnung gekommen: Die dem Rialto in Venedig-nachgebildete Verbindungsbrücke zwischen den eeiden Flügeln hat man die Seufzerbrücke getauft. Manch vielgelagter Hausvater. den die kauflustige Eheliebste nach Durchquerung der linksseitigen Herrlichkeiten auch in die rechte Abteilung hinüberschmeichelt, wird beim Ueberschreiten des ragenden Baus sicherlich mit erleichtertem Portemonnaie„Nomen et omen“, seufzen. Elesanten werden einzelne noch in die Lüfte ragende Mauarreste, die einzustürzen drohen, niedergerissen. Die Flut hat sich mitten durch die Stadt von Norden nach Süden einen furchtbaren Weo gcbahnt und ein fast drei Kilometer breiter Streifen bezgichnet die Richtung, den das Verderben genommon. Ueber die Zahl der Opfer sind genaue Nachrichten noch nicht zu erlangen; mehr als 1000 Leichen sind bereits gevorgen, aber sie stellen nur einen kleinen Bruchteil der Unglücklichen dar, die die Katrstrophe nicht überlebt haben und deren Zahl auf 10000 geschätzt wird Handel und Industrie. Bochum, 3. Okt.(Tel.) Die heute vormittag abgehelten außer ordentliche Generalversammlung des Steinkohlenbergwerks Loni Tiefbau. Barop, genehmigte die Verschmelzung mit der Deutsch=Lu remburger Berawerks- und Hüttenaktiengesellschatt. Auf drei Aktie der Louise Tiefbau kommen 2 Aktien der Deutsch=Luxemburger Bere werks- und Hüttenaktien=Gesellschaft. Außerdem wurde den Akrione ren des Steinkohlenbergwenks Louise Tiefbau ein Vorzugsrecht einem Kurs von 107% eingeräumt. Kunst und Willenschaft. Große Kunstausstellung in der Stadthalle in Hildesheim. Me sreibt uns:„Mit Zustimmung der Stadtverwaltung“ veranstaltet d Ring“, Münchener Künstler vom 26. November bis 2. November Stadchalle eine Gemäldeausstellung großen Styls, an welcher## die Mitglieder des„Ring“, durchwea Künstler vom Ruf und erstNamen, mit größeren Kollektionen, Gäste mit einzelnen[2—3) We len beteiligen. Ueber die derzeitige Veranstaltung des„Ring“ im Rocmer=M seum Hildesheim schreibt der Hannoversche Kurier:„Die Ausstellun welche sich dem besten, was sonst nur die Großstadt zu biemn Flee ebenbürtig zur Seite stellen darf, umsaßt Kollektionen von ins#### 200 teils sehr umfangreichen Gemälden berühmter Namen und 5# kannter Künstler usw. Wie wir hören, sand das neuartige zeitgemäße Unternehmen i der Tendenz, in Städten, welchen seither auf dem Gebiese der bilde den Künste weniger geboten war, erstklassige Wander=Ausstellung zu veranstalten, in den verschiedensten Städten Süd=, Mittel= un Norddeutschlands durchweg glänzende Aufnahme. sport. Stealitz. Die Konkurrenten es am setzten Sonntag zum Aust gebrachten„Preis von Brandenburg“, ein 50 Kilometer=Rennen hi Motorschrittmachern, lieferten sich im Verkauf des Rennens interessa Kamme. Der bekannte Dauerfahrer H. Prinrembel bede###tete gegen Ende des Rennens die Spitze. muinte aber dirselbe infolge ei Reifendeseltes an den Zahlendorfer A. Schalze abneben, welcher Rennen, als sicherer Sieger nach Oausse fuhr. Schulze und P berühmte Brennovorrad. rembel benutzen wie bekannt das 4. Wei Alles zu denkbar billigen Preisen panisches Zürgeriest im Bahnhofshotel Geisenkirchen. Konzert Käuderei Lart Bieger Gelsenkirchen asss Schalkerstr 87. Tolephon 1076 u. 2033. Versuchen Sie In Ihrem eigenen Intereese die Margarino-Marken „Siegerin“ und„Mohra“ Sie finden keinen Unterechied gegen beste u. teure Melereibutter u. fahren billiger dabei! Alleinige Pabrikanten: A. L. Mohr, Act.-Ges., Altona-Bahrenfeld. Jägtien grosses Pompöse japanische Dekoration Schiessbuden etc. Süddeutsche Bedienung. Gelsenkirchen Schalkerstr. 2. Gelsenkirchen Schalkerstr. 2. Wagen Platzmangel verkaufen wir FringmaschinenWalzen werden billigst überzogen bei Heinrioh Preute, — Bahnhofstraße 30.— Eröffhung von laufenden Rechnungen mit und ohne Kreditgewährung zu günstigen Bedingungen. Herzinsung von Geldern auf provisionsfreiem Check-Konte nach Vereinharung. 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Blatt Nr. 234.— 6. Jahrgang Gelsenkirchener den 5. Oktober 1908. (Von unserem Korrespondenten.) Die Hochbahn=Katastrophe.— Nachher.— Die neue Untergundbahnstrecke.— Jus Stadt=Innere.— Ein Festtag.— Reminiszenzen.— Passage=Kaufhaus.— 25 Jahre Deutsches Theater.— Euleuburg.— Liebenberg und Berlin. Die dunklen Schatten, welche am Schlusse der vorigen Woche das Licht der Freude in Berlin verdunkelten, beginnen allgemoch zu weichen. Das Unglück auf der Berliner Hochbahn lebt nun bald bloß noch in der Erinnerung, denn in dieser Woche werden auch die letzten Opfor der jäh hereingebrochenen Katastrophe beerdigt sein. Die Kritik über das Unglück macht sich heute noch breit, wie am ersten Tage, die zehnmal Klugen kommen jetzt dahinter, daß man auf der Hochbahn, auf der Untergrundbahn oder sonst an räumlich beengten Bahnstellen Kreuzungen nicht macht. Zu dieser eisenbahntechnischen Erleuchtung wäre man sicher ohne das beklagenswerte Unglück nicht gekemmen. Wo Leben und Tod in die Achtsamkeit eines einzigen Menschen gelagt ist, der fehlen kann aus Schwäche, aus Unachtsamkeit, aus Zufall, ist die höchste Vorsicht geboten. So die Diskussion. Ja, warum weiß man das nicht vorher, warum erst immer, wenn das Kind ir den Brunnen gefallen ist? Wenn die Herren vom Rathaus kommen, sind sie klug! Eben ist eine mit Sehnsucht erwartete Untergrundbahnstrecke vom Leipziger Platz in das Stadt-Innere abgenommen worden; man kann jetzt im schnellsten Tempo vom Westen nach dem Hausvogteiplatz und nach dem Spittelmarkt fahren; die SpittelmarktHaltestelle ist noch vorteilhafter, weil man bis tief in die Wallstraße hinein kommt, also mit wenigen Schritten in einen sehr wichtigen, stark bevölkerten, stark frequentierten Stadtteil Berlins kommt. Alles gut befunden bei der behördlichen Abnahme! Die weisen EisenbahnArchitekten und Ingenieure, Minister und Räte, nickten freundlich mit den Köpfen; alles gut befunden! Und wenn nun auf der neuen Strecke tief unter der Erde ettvas passiert! Ich erinnere an den Untergrund=Brand in Paris, an den in der Two penny Toope in London! Wenn nun was passiert! Dann wird man sagen, wie bei dem letzten Hochbahn=Unglück:„Man hätte das machen und jenes unterlassen sollen!“ Es ist immer dasselbe.„Nachher, nachher!" Vor einiger Zeit hatte ich auf die neue Untergrundbahnstrecke bis zum Hausvogteiplatz und Spittelmarkt hingewiesen und bemerkt, daß es besonders für die Berliner Konfektion, deren Sitz am Hausvogteiplatz und um ihn herum ist, eine Kaufmannswelt für sich, ein Ereignis sein wird, welches die Berliner Konsektionäre jedenfalls festlich begehen werden. Und richtig! Die Berliner Konsektionswelt hat am 1. Oktober, dem Tage der Eröffnung, geflaggt, eine Art Familien=Ereignis vor den Augen der Oeffentlichkeit! Und wenn ich mir die Haltestelle Spittelmarkt ansehe! Untergrundbahn Spittelmarkt in der Nähe des Welthauses Ravene! Wenn ich sehe, wie die Leute unter die Erde verschwinden und aus der Erde emvorsteigen, so das ganze moderne Leben illustrierend, da steigt mir doch vor meinen Augen das Bild der Spittelkirche auf, die vor 30 Jahren noch mitten auf dem Spittelmarkt stand, ein Wahrzeichen des alten Berlins, wo es noch keinen Spindlerbrunnen, keine Aschinger=Ecke, keine Jandorf=Ecke am Spittelmarkt gab, und wo gerade da, wo jetzt die moderne Untergrunbahnhaltestelle ist, eine beengende Budenreihe den Verkehr in der in den Spittelmarkt mündenden Wallstraße hemmte. Jetzt weitet sich eine neue Ufermauer an der Südseite der Spree, die gerade hier den Verkehr nach der Oberspree vermittelt. Das neue Berlin! Und ein weiteres Zeichen des neuen, ja neuesten Berlins ist jetzt eben auch den Berlinern zugänglich gemacht worden. Das Passage=Kaufhaus in der oberen Friedrichstadt. Ueber die Größe und die imposante Wirkung dieses Riesenbaues läßt sich im Rahmen dieser wenigei Zeilen nicht strechen, auch nicht über die geschäftliche Neugestaltung des Betriobs, aus dem insbesondere hervorgehoben zu werden verdient, daß man im Passage=Kaufhaus selbst Dienstmädchen mieten und Lohndiener sich besorgen kann. Aber in diese detaillierte Beschreibung der neuen Schöpfung will ich ja auch gar nicht eindringen, nur möchte ich erwähnen, daß mir auch hier wie bei der Untergrundbahn am Spittelmarkt die Neugestaltung im Gegensatz zum alten Berlin so recht vor Augen tritt. Da, wo das Passage=Kaushaus steht, war die Gegend des lustigsten Berlins, aber auch oft des erregtesten Berlins. Die Berliner Tonhalle— eine Vergr''gungsstätte für kanzende Paare, aber auch die Stätte, wo die größten Stoecker=Abende abgehalten wurden in der Hochflut des Antisemitismus, als Stoeckers Anhängerschar ihm zujubelte, als der Kanzelredner im raucherfüllten Biersaal alle Andersdenkenden mit seiner unvergleichlichen Dialektik noderschmetterte! Die Reihe der Reminiszenzen ist für mich noch nicht vorüber. Noch eine taucht mächtig in mir auf. Man beging soeben das Jubiläum des 25jährigen Bestehens des Deutschen Theaters. Es ist bekannt, daß das Deutsche Theater in diesen 25 Jahren viele, ach, zu viele Wandlungen durchgemacht hat. Von der Zeit, als es L'Arrange unter Zusammenschluß von Sozietäteren, wie Friedrich Haase, Ludwig Barnay und August Förster gründete, nachdem Siegwart Friedmann, der Vater der Idee, alle unter einen Hut gebracht hatte. Nach L'Arronge kam Brahm, nach Brahm Lindau, nach Lindau Reinhardt, eben der Reinhardt, dem jetzt die Erkennenden nacksagen, daß er aus dem Deutschen Theater in erster Reihe ein Dialakt=Theater geschaffen hat und dann ein Dekorations=Theater. Ein Dialekt=Theaer, weil so ziemlich alle Dialekte bei ihm vertreten sind, ein DekorationsTheater, weil unter der Wucht der Dekorationen von dem reinen. stilvollen Shokespeare nichts mehr übrigbleibt. Bei diesem Streit um Reinhardt taucht die Erinnerung an die von flammernder Begeisterung getragene Zeit der ersten zehn Jahre des L'Arrongeschen Deutschen Theaters mächtig in wir auf. Was sind Erinnerungen angesichts der Macht der Tages-Ereignisse, die sich in dem hastenden Berlin drängen? Eins treibt das andere. Immer glaubt man, das vom Tage ist etwas Besonderes, und morgen ist es schon etwas anderes, was das von gestern in den Schatten stollt. Die Entlassung des Fürsten Eulenburg als Polizeigefangener aus der Charitee hat schon gar nicht mehr besonders von sich reden gemacht. Man hatte es enoartet; es hatte nicht anders kommen können, gegen den Spruch der Aerzte gibt es keine Staatsanwaltschaft. Die Aerzte sagen, der Mann ist krank, er ann das nicht und jenes nicht aushalten, also muß er nach Liebenberg. Nun ist der Fürst unter Belassung seiner Kaution von 100000 Mk. in seinem Schlosse, er wird vor den Schranken des Gerichts nicht mehr erscheinen, er wird sterben, die Kaution wird seiner Familie zurückgezahlt werden— der Prozeß Eulenburg ist gewesen, er gehört der Geschichte an, ein Prozeß ohne Urteil! Noch gibt es manche Zeitungen, die sich ereifern, Leitartikel bringen, Spottgedichte uw. Nutzt nichts und schadet nichts. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Pflicht getan, die Pflicht des Arztes war stärker. So fuhr Eulenburg im Krankenautomobil hinaus aus Berlin, das ihm so viele trübe Stunden gebracht hat, hinaus in die sonnige Herbstlandschaft. Die Chaussee nach Liebenberg war mit Fahnen geschmückt, Liebenberg triumphierte über Berlin! Die Pessimisten sagen:„So mußte es kommen!“ Eine glänzende Tat deutscher Kriegsschiffe. So nent die„Tschifu Morning Post“ vom 2. August die von Erfolg gekrönten Arbeiten der Mannschaften S. M. S. Fürst Bismerck und Leipzig zur Flottmachung des englischen Dampfers Port Maria in der Bucht von Tsuruga(Japan). Die Port Marh: war im dichten Nebel außerhalb der Bucht auf Felsen gesioßen, schwer leck nach Tsumrga eingelaufen und, um ihr Sinken zu verhindern, von ihrem Kapitän auf den Strand gesetzt worden. Sofort nahmen sich die beiden deutschen Kriegsschiffe des havarierten Dampfers ir, und unter Führung von Offizieren und Ingenieuren suchten die Mannschaften unter teilweise sehr großen Schwierigkeiten die Lecks auf und verstopften sie. Dabei war infolge der konstvuktiven Verhültnisse und infolge des schmutzigen Wassers innerhalb des Dampfers die Verwendung von Taucheranzügen nur teilweise möglich, so daß Offiziere, Ingenieure und Mannschaften vielfach sehr anstrengende Arbeit zu leisten hatten. Da infolge der Trimmerarbeiten der Dampfer während der Rettungsarbeiten plötzlich nach der anderen Seite überfiel in infolgedessen eine Panik unter dem chinesischen Maschinenpersonal ausbrach, mußte auch die Bedienung der zum Betriebe der Pumpen in Gang zu haltenden Kessel und Maschinen des Schiffes von den deutschen Kriegsschiffs-Mannschaften übernommen werden. Die Leistung der deutschen Kriegsschiffe kommt in einem Dankschreiben zum Ausdruck, das der Kapitän des zur Reederei Eldern, Dempster u. Co. gehörenden und zurzeit an die russische freiwillige Floi.e für die Fahrt zwischen Tfuruga und Wladiwostok vercharterten Dampfers an das Kommando der deutschen Schiffe schickte. Es heißt dort, unter anderem, daß nur die tatkräftigen und erfolgreichen Arbeiten der deutschen Offiziere und Mannschaften ein Schiff wieder seefähig gemacht und ihn dadurch instand gesetzt hätten, zu dem nächsten Dockafm zu dampfen. Aus Westfalen und der Rheinprovinz. * Duisburg, 2. Okt. Der Schuhmacher Wilhelm Voigt, bekannt unter dem Namen„Der Hauptmann von Köpenick“, weilt seit dom 29. September in dem Waldrestaurant Jägerhof an der Landstraße Duisburg=Mülheim(Ruhr). Wie es heißt, will er seine angegriffene Gesundheit wieder kräftigen. Der Duisburger Generalanzeiger hielt es für gut, seinen Vertreter zu dem„Hauptmann" zu senden. Das Ergebnis dieser Aushorcherei des Zuchthäuslers teilte er seinen Lesern in einem langen Artikel mit. * Duisburg, 3. Okt. Die erste Obst= und Gemüse=Ausstellung der Rheinprovinz, die von der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz veranstaltet ist, wurde heute vormittag feierlichst eröffnet. Zur Eröffnung waren erschienen Fürst zu Wied. Freiherr von Landsberg=Steinfurt, der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer der Provinz Westfalen, der Präsident der Generalkonmission Brümmer, Landesbauptmann Dr. vom Renvers, Regierungsrat von Mickwitz als Vertreter des Oberpräsidenten usw. An die Eröffnung schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung und ein Festessen. * Köln, 4. Okt. Seit einiger Zeit wurden aus dem Artilleriedepot Gewehre und Söbel entwendet. Als Täter sind nunmehr ein Arbeiter und eine Arbeiterin des Depots verhaftet worden. Ein in diesem Jahre entlassener Reservist, der die Waffen weiter veräußerte, wurde gleichfalls festgenommen. Die gestohlenen Waffen wurden beschlognahmt. * Köln, 3. Okt. Einen geheimnisvollen Fund machten städtische Arbeiter auf der Werst am Holzmarkte. Sie fanden auf einer zum Hafen führenden Treppe eine Mütze, ein Paar Sporen, ferner ein Paket, das eine Photographie nebst einem an einen Gefrei#en des Trainbataillons Nr. 15 in Straßburg adressierten Brief und sonstige Sachen enthielt, die anscheinend einem Trainsoldoten gehören. Neben der Mütze lagen u. a. Stempel und Bücher.„Des weiteren fand man in der Nähe der Treppe einen braunen Schlapphut. Da vorgestern Reservisten vom Train errlassen worden sind, handelt es sich anscheinend um einen dieser Reservisten, der, wie die Lage der gefundenen Sachen schließen läßt, sich in selbstmörderischer Absicht in den Hafen gestürzt hat. Nach den vorgefundenen Popieren soll es sich um einen Kaufmann aus Frankfurt a. M. handeln. * Köln, 3. Okt. Der Bote des erzbischäflichen Priesterseminars unterschlug eine größere Geldsumme, die ihm zur Auslieferung on eine Bank übergeben worden war. Mit dem Geldbetrag ist der Beie geflüchtet. Vermischtes. Sühne für Beschädigung eines Bismarckdenkmals. Ein Telegr. berichtet uns aus Frankfurt a. M. Wie aus Wiesbaden gemeldet wird, verurteilt; die dortige Strafkammer die Arbeiter Reck und Hochheimer wegen Beschädigung des Bismarckdenkmals in Höchst zu je 1 Jahr Gefängnis. Schülerselbstmord. Wie uns aus Bromberg gemeldet wird, hat sich der Quartaner Remmy, ein Schüler des dortigen Gymnasiums, Sohn des Försters Remmy aus Falkenburg bei Bromberg im Rückhauer Walde, angeblich wegen schlechter Zensur, erhängt. Ein doppelsinniger Nachruf. Eine kuricfe Grabinschrift befindet sich auf dem Friedhof in Bingen. In den 50er Jahren hat sie ein Advokat seiner Gattin gewidmet. Auf den wahren Sinn dieses Nachrufs, der in den Anfangsworten jader Zeile versteckt ist, kam man erst lange nach dem Tode des geplagten Ehemannes. „Wobl manche stille Häuslichkeit Ist eines Denkmals werth; Ihr sei es drum von mir geweiht. Und wer die Tugend ehrt Auch in dem einfachsten Gewand, Mir, meinem Schmerz ist er verwandt.“ Die Hygiene der Entwicklungsjahre. Im Leben der Frau gibt es zwei gefährliche Kurven; die eine fällt in das sogenannte Entwicklungsalter, die andere, ctwa 30—40 Jahre, später, in die Zeit der körverlichen Rückbildung. Beide Perioden sind durch außergewöhnliche Vorgänge im Organismus ausgezeichnet, stellen gewissermaßen neben den normalen Leistungen noch besondere Fordcrumen. einerieits in der Richtung von auf=, andererseits von aboauender Arbeit, so daß es dringend geboten erscheint, in diesen Zeiten geistiges und körperliches Gechehen des Weibes einer besonderen Kontrolle zu unterwerfen und dafür Sorge zu tragen, daß die hauptsächlichsten schädigenden Momente nach Kräften ferngehalten werden. Die Entwicklung des jungen Mädchens vom Kinde zur Jungfrau liegt ungefähr zwischen dem zwölften und achtzehnten Jahre. Durch verschiedene Umstände wird jedoch die untere Grenze des Entwicklungsalters vielfach herabaesetzt. Eine vernünftige Hygiene hätte also zunächst diesem den ganzen Körper schädigenden und schwächenden Früheintritt gewisser physiologischer Vorgänge entgegenzuarbeiten. Aber auch wenn die Entwicklung in die fur unsere Breitengrade normalen Jahre fällt, sind noch immer eine Reihe von Schädigungen zu beobachten, denen entgegenzuwirken unsere ganz besondere Aufgabe sein sollte. Und hierüber verbreitet sich in einem Aussatz, der in der Frauenbeilage zur„Gartenlaube“ soeben erschiene ist, Frau Dr. med. Helene Friedrike Stelzner. Die Verfasserin gibt Ratschläge und Verhaltungsmaßregeln, die die Mütter aufklären sollen, damit sie mit ruhiger Hand und klugem Auge die körperlichen und geistigen Stürme der Entwicklungsjahre ihrer Töchter zur Ruhe bringen und diesen die Nöte und Gefahren ersparen, unter denen sie selbst einst litten. S Rennen zu Longchamp, 3. Okt. Prix du Rond=Point. 4000 Fr. 2100 Meter. 1. Pyreneen 2.(Ch. Bartholomens); 2. Frekon (Clout); 3. Saint Marr(Milvon Henry). Tot. 65:10. Platz 27, 28:10.— Prir de la Pepiniere. 5000 Fr. 1100 Meter. 1. Philoophy(G. Bartholomens); 2. Mina(Stern); 3. Cordeliere(I. Childs.) Tot. 40:10. Platz 16, 21, 39:10.— Prir de Villebon. 10000 Fr. 2400 Meter. 1. Sainte Livrade(I. Childs); 2. Romarin 2.(Horan); 3. Rein d’Or(Ch. Childs.) Tot. 24:10.— Platz 14,24:10.— Criterium=International. 25000 Fr. 1100 Meter. 1. Azalee Hobbs); 2. Hertre(Barat); 3. Ripolin(Bellhouse). Tot. 24:10. Platz 17, 16:10.— Prir du Rangelach. 5000 Fr. 1100 Meter. 1. Septennar (H. Childs); 2. Sampietro(Bellhouse); 3. Phocide(Cb. Childs). Tot. 59:10. Platz 24, 21, 62:10.— Prix des Fortificationes. 4000 Fr. 2000 Meter. 1. Domination(Ch. Bartholomene); 2. Boahari(Stern); 3. Reila(N. Turner). Tot. 232:10. Platz 55, 24, 31:10. Eingesandt. (Für die unter dieser Rubrik veröffentlichten Nachrichten übernimmt die Redaktion nur die preßgeietzliche Verantwortung.) Zum Lehrermangel. Man schreibt uns: In der letzten Stadtverordnetensitzung ist festgestellt worden, daß in unserer Gemeinde ein großer Lehrermangel besteht. Es ist dies tatsächlich eine traurige Erscheinung, worunter nicht allein die Schüler, sondern auch die anwesenden Lehrer zu leiden haben. Wenn man auf die vielen Beurlaubungen achtet, die von den Lehrkräften wegen Erkrankungen nachgesucht werden, so wird man zu der Erkenntnis kommen, daß ein solcher Zustand unhaltbar und verhängnisvoll für die Entwicklung unseres Schulwesens werden muß. Die Stadwerwaltung suchte sich bis dahin dadurch zu helfen, daß junge Lehrerinnen, zuweilen Damen von 19 Jahren, in unsere vollen und teilweise überfüllten Klassen hineingestellt wurden. Ohne auf die rein volkswirtscho###liche BBedeutung der Lehrerinnenfrage näher einzugehen muß jeder Sachverständige eine solche Maßregel im Interesse der Schule bedaulich finden. Wir nehmen an, daß die Verwaltung der Not gehorchte und nicht dem eigenen Triebe und hoffen, daß mit diesem System aufgeräumt werde, wenn genügend Lehrkräfte in Schulmannern zu Gebote stehen. Wie kommt es aber, daß so viele Lehter im besten und leistungsfähigen Alter unserer Stadt den Rücken kehren, um in anderen Gemeinden zu wirken? Die Verwaltung sagt: „Wir können nicht dafür.“ Glaubt man wirklich, mit solchen Worten die Situation zu klären, oder soll den fortziehenden Kräften ein Vorwurf gemacht werden? Wir nehmen an, daß beides nicht bezweckt worden ist, und daß den leitenden Organen unseres Schulwesens die Gründe bekannt sind. Die Lehrerschaft hat zu wiederholten Malen die Behörde seit den eingetretenen Teuerungsverhältnissen um Aufbesserurg der Gohälter gebeten; sie hat den städtischen Korvorationen in sorgfältig ausgearbeiteten Denkschriften in sachgemäßer Weise ihre Bitte begründet. Es ist aber nicht bekannt geworden, daß in irgend einer Form diese Eingaben berücksichtigt worden sind, vielmehr ist, wie wir aus sicherer Quelle wissen, den Petenten nicht einmal eine Antwort geworden. Jedem Bittsteller muß, so erfordert es das konventionelle Leben, eine Antwort werden, und dürfte der Lehrerstand in dieser Beziehung keine Ausnahme bilden. Die Berufsfreudigkeit leidet empfirdlich, darunter, das Ehrgefühl wird verletzt, und man acht dahin, wo bei gleichen oder ähnlichen Lebensverhältnissen höhere Gehälter gezahlt werden, oder dahin, wo bei geringerer Besoldung die Lebensbedingungen sich dennoch cünstiger gestalten. Sollten bei der Neuordnung des Lehrerbesoldungsgesetzes im kommenden Landtage für unsere Industriezentren nicht namhafte Aufbesserungen, für die Volksschullehrer erreicht werden, so werden wir in unserer Stadt noch eine viel größere Lehrerflucht zu erwarden haben, als wie sie leider schon jetzt zu konstatieren ist. Wir hoffen und erwarten, daß die Vertreter des Industriebezirls in dieser Beziehung energisch das Intoresse ihrer Wahlkreise wahrnehmen und dafür Sorge tragen, daß durch eine auskömmliche Besoldung dim Lehrermangel abgeholfen und einer Verweiblichung unseres Schukvesens vorgebeugt werde. ter gE#xii tsddemrare hpii mams uuur Bei-thut Lebertran als Heil= und Kräftigungsmittel. Schon seit vielen Jahrhunderten ist es bekannt, welche Heil= und Nährkraft dem Leber##an inne wohnt und wie sehr dienlich, regelmäßig genommen, derselbe den einzelnen Organen des menschlichen Körpers ist. Diese Tarache hat sich bis auf die heutige Zeit erhalten. Noch heute, fast nach inderten von Jahren, fehlt der Lebertran als ein Haus= und Heilmittel fast in keiner Familie, sobald die kühlere Jahreszeit beginnt. Die Verfeinerung des Geschmacks durch besondere Klärungen hat die Abreigung, die sonst bei dem Einnehmen des Lebertkans bestanden hat, schnell schrinden lassen und kann heute konstatiert werden, (zumal bei Kindern macht man die Beobachtung), daß der Lebertran in fast allen Fällen gern genommen wird. Ein Produkt, das bezüglich des Geschmacks und der Bekömmlichkeit wohl mit an der Svitze aller Lebertran=Präparate steht, besitzen wir in dem Präparat„Jodella“, welches seit langen Jahren von dem Apotheker Wilh. Lahusen in Bremen unter dem Namen Lahnsens Lebertran„Jodella" verfertigt wird. Die Bezeichnung„Jodella“, die patentamtlich eingetragen und geschützt ist, soll die Patienten vor Nachatmungen bewahren und Gewähr dafür bieten, das echte Lahusen'sche Präparat zu erhalten. „Jodella“ ist eins der wenigen Mittel, welches infolge seiner Güte sich dauernd in dem Arzneischatz erhalten hat und das bei Skorphulose, englischer Krankheit und Blutarmut genadezu frappierend gute Wirkungen hervorrief. Wir stehen nicht an,„Jodella“ als einen Freund der Menschheit zu bezeichnen, und wissen, daß ein Versuch das von uns gesagte vollauf bestätigen wird. Besonders günstig sind die Erfolge. wenn man eine längere Kur. die jederzeit begonnen werden kann, fortsetzt. Es würde zu weit führen, wollten wir hier aus den vielen Anerkennungen auch nur wenige zitieren, darüber geben die Drucksachen, des Fabrikarten am besten Auskunft. „Jodella“ ist in allen Apotheken zu haben. Herbst-Kontrollversammlungen 1908. Sämtliche Reservisten und Dispositionsurlauber des Stadt- und Landkreises Gelsenkirchen sowie diejenigen Landwehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. Septerber 1896 eingetreten sind, haben sich zu der unten bezeichneten, für s.c in Betracht kommenden Herbsi- Kontroll- Versammlung pünktlich einzufinden. Die einzelnen Bemerkungen sind genau zu beachten. Fortsetzung siehe nächste Seite. Jahresklasse 1901—1907 und jüngere 1901-1907 und jünger. 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1903 1904—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere Allgemeine Jung Montag, den 5. Oktober 1908. Dienstag 10 Nov. 4 Uhr nachm. Mittwoch 111 Nov. 2½ Uhr nachm. Donners- 12 lag Nov. 1½ Uhr. nachm. Für die Mannschaften, welche bei der Kommanditgesellschaft Böker u. Komp. beschäftigt sind, auf dem Hüttenplatze der Kommanditgesellschaft Böker u. Komp. in Gelsenkirchen-Schalke. Die Mannschaften sämtlicher Waffengattungen der nebenenden Jahresklassen. Fürdie Mannschaften, weiche auf der Zeche ConsolidationSchacht 34, beschäftigt sind, auf dem Zechenplatz der Zeche Consolldation, Schacht 34 in GelsenkirchenBismarck. Die Mannschaften sämtlicher Waffengattungen der nebenstehenden Jahresklassen. Für die Mannschaften, welche auf der Zeche Hannover, Schacht 3/4, beschäftigt sind, auf dem Zechenplatze der Zeche Hannover, Schacht 3/4. in Günnigfeld. Die Mannschaften sämtlicher Waffengattungen der neben stehenden Jahresklassen. 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere 1901—1907 und jüngere Jahres klasse Montag 16 Nov. Dienstag Donners tag Freitag Für die Mannschaften, welche auf der Zeche Hannibal Schacht 2, beschäftigt sind, auf dem Zechenplatze der Zeche Hannibal, Schacht 2, in Eickel. 1% Uhr! Die Mannschaften sämtlicher Waffengattungen der neben- 1901—1907 nachm. stehenden Jahresklassen. und jüngere Für die Mannschaften, welche auf der Zeche Shamrock, Schacht 34, beschäftigt sind, auf dem Zechenplatze der Zeche Shamrock, Schacht 34, in Eickel. Die Mannschaften sämtlicher Waffengattungen der neben stehenden Jahresklassen. 2 Uhr nachm. 2 Uhr nachm. Die Mannschaften sämtliche stehenden Jahresklassen. Waffengattungen der neben1901—1903 1904—1907 und jüngere 2½ Uhr nachm. Für die Mannschaften, welche auf der Zeche Unser Fritz, Schacht 1 und 2 beschäftigt sind, auf dem Zechenplatze der Zeche Unser Fritz, Schacht 2 in Wanne. Die Mannschaften sämtlicher Waffengattungen der nebenstehenden Jahresklassen. 1901—1907 und jüngere 1. Zur Reserve Bemerkungen. zehören alle diejenigen Mannschaften, welche sten sind. Hierbei wird indes bee ge nach dem 31. März 1901 eingetreten merkt, daß diejenigen Mannschaften der Reserve, welche wegen Appellversäumnis oder Kontrollentziehung bestraft worden sind und nachdienen müssen, nicht dem Jahrgang, welchem sie ihrem Dienstantritt gemäß angehören würden, sondern einen entsprechend jüngeren Jahrgang zugehören. Der Jahrgang ist auf dem Militärpaß vermerkt. Wer beim Appell in seinem Jahrgang nicht verlesen wird, bleibt auf dem Kontrollplatz, bis sein Name aufgerufen wird. Sollte dies nicht erfolgen, so meldet er sich behufs Aufklärung des Sachverhalts bei seinem Bezirksfeldwebel. Wer dies unterläßt, wird als nicht erschienen betrachtet und bestraft. 2. Sämtliche Mannschaften haben zum Appell ihre Militärpässe und Führungszeugnisse mitzubringen. 3. Wer beim Appell ohne Entschuldigung fehlt, wird den Be stimmungen gemäß bestraft und zur Nachkontrolle beordert. 4. Eine Befreiung vom Appell kann nur in dringenden Fällen und wenn das Gesuch mit einem von der Ortsbehörde beglaubigten, den Grund bescheinigenden Atteste versehen ist, und zwar nur durch den Bezirkskommandeur erfolgen. 5. Als befreit ist nur derjenige anzusehen, der die Genehmigung des Bezirkskommandeurs in Händen hat, weshalb etwaige Gesuche rechtzeitig dem Hauptmeldeamt vorzulegen sind. 6. Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte, welche so unvorhergesehen eintreten, daß ein Befreiungsgesuch nicht mehr eingereicht werden kann, von der Teilnahme an der Kontrollver sammlung abgehalten wird, muß vorher oder spätestens zur Stunde derselben durch eine Bescheinigung der Orts- oder Polizeibehörde entschuldigt werden. 7. Die an das Bezirkskommando direkt gerichteten Befreiungsgesuche werden mit abschlägigem Bescheide zurückgewiesen. 8. Die Mannschaften, welche hinter den letzten Jahrgang der Reserve bezw. Landwehr zurückgestellt sind, wohnen dem Appell ihrer Jahrgänge bei. 9. Besondere Befehle werden niemand zum Appell zugehen, vorliegende Bekanntmachung vertritt deren Stelle. 10. Auf rechtzeitiges Erscheinen wird besonders hingewiesen. Die zu spät Kommenden werden bestraft. 11. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die zur Kontrollversammlung einberufenen Mannschaften des Beurlaubtenstandes für den ganzen Tag, zu welchem sie einberufen sind— also von Mitternacht 12 Uhr bis zur folgenden Mitternacht 12 Uhr— zum aktiven Heere gehören und den Militärgesetzen unterworfen sind. 12. Trunkenheit beim Appell wird bestraft. 13. Das Mitbringer von geistigen Getränken, Schirmen und Stöcken sowie brennenden Zigarren zu den Appells ist verboten. Die zu den Appells auf den Zechen erscheinenden Leuté werden darauf hingewiesen, daß jeder in sauberem Zustande zu erscheinen hat und daß das Mitbringen von Kaffeckannen und Grubenlichtern auf das strengste verboten ist. Zuwiderhandlungen werden bestraft. 14. Sämtliche Mannschaften müssen im Besitze einer Kriegsbeorderung oder Paßnotiz für das Mobilmachungsjahr 1908 09 sein. Die Kriegsbeorderungen und Paßnotizen sind vorn in den Militärpaß einzukleben. Bei den Kontrollversammlungen werden die Pässe hieraufhin einer Prüfung unterzogen. Mannschaften, welche nicht im Besitze ihrer Militärpapiere mit eingeklebter Kriegsbeorderung oder Paßnotiz sind, werden streng bestraft, falls durch unterlassene Anmeldung die Kriegsbeorderung oder Paßnotiz nicht hat ausgehändigt werden können. 15. Bürgerlicher Anzug; Orden und Ehrenzeichen smd anzulegen. Kriegervereinsabzeichen gestattet. Gelsenkirchen, den 2. Oktober 1908. Königliches Bezirks-Kommando. Grote. Oberstleutnant z. D. und Bezirks-Kommandenr. Für den Neubau des Direktorwohnhauses am Gymnasium Schalke sollen folgende Arbeiten vergehen werden: 1. Dachdeckerarbeiten 2. Klempnerarbeiten. Verdingungsunterlagen und Zeichnungen uno auf dem Hochbauamt einzusehen; erstere können von dort gegen Zahlung von je 0,50 Mk. bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, dem Hochbauamt— Zimmer 42 im neuen Rathause— bis zum 12. Oktober d. J. vormittags 10 Uhr einzureichen, woselbst sie in Gegenwart der erschienenen Bewerber geöffnet werden Gelsenkirchen, den 2. Oktober 1908. Der Oberbürgermeister. I. V.: Arendt. Pfandverkauf. Zwangsversteigerung. Diejenigen Pfänder der städt. Leihanstalt, welche innerhalb der im§ 11 des Statuts bestimmten Frist und nach Ablauf der im Pfandscheine angegebenen Zeit nicht eingelöst sind, sollen am 14. Oktober, von morgens 9½ Uhr ab im Leihamt(Rathaus) Ahstraße, öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden. Es kommen zum Verkauf Pfänder aus 1908 Nr. 5141 bis 6710, bestehend in goldenen und silbernen Herren= und Damen=Taschenuhren, Wanduhren, Gold- und Silbersachen, Wäsche, Betten, Männer=, Frauen= und Kinderkleidern, Nähmaschinen, Fahrrädern usw. Die beim Verkauf erzielten Ueberschüsse können binnen 14 Tagen vom Verpfänder bei der hiesigen Leihhauskasse erhoben werden. Nach Ablauf der 14= tägigen Frist werden die nicht abgehobenen Beträge bei der Ortsarmenkasse hinterlegt. Diejenigen Geldbeträge, welche nicht binnen Jahresfrist von den Berechtigten in Anspruch genommen sind, gehen in das Eigentum der Armenkasse über. Gelsenkirchen, 2. Okt. 1908. Der Oberbürgermeister. Die Pläne über die Festsetzung der Höhenlage für die Hermannstraße und für die Kronprinzenstraße von Grenzbis Grillostraße sind förmlich festgestellt und liegen zu Jedermanns Einsicht im städtischen Tiefbauamte Augustastraße 15, Zimmer 6 aus. Gelsenkirchen, 3. Okt. 1908. Der Oberbürgermeister. I. V.: Rascher. Hund. Der Eigentümer wird hiermit aufgefordert, innerhalb 14 Tagen sein Eigentumsrecht bei der unterzeichneten Behörde geltend zu muchen. 8729 Gelsenkirchen, 2. Oktbr. 1908. Die Poltzeiverwaltung. Zugelaufen Rattenfänger. Der Eigentümer wird hiermit aufgefordert, innerhalb 14 Tagen sein Eigentumsrecht bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen. Gelsenkirchen, den 3. Okt. 1908 Die Polizei Verwaltung. oder 50-60% Provision erhält Jeder, der den Vertrieb meiner Aluminiumschilder u.=Waren übernimmt. Vertretung wird auch als Nebenbeschäftigung übertragen.— Aluminium=Waren sind spielend leicht verkäuflich. Auskunft u. Muster gratis. Es versäume daher niemand anzufragen. Adresse: Schilderfabrik Post Erbach (Westerwald). Zimmerleute stellt ein 691 Stecker& Roggel, Baugeschäft, Rotthausen. Dienstag, den 6. de. Mts., mittags 12 Uhr, werde ich in der Wirtschaft Betten, Rotthauserstr. 44: 1 Sofa und 2 Plüschsessel öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Gelsenkirchen, 3. Okt. 1908. 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Etwa erforderlich werdende Stichwahlen werden sogleich im Anschluß an die Hauptwahlen vorgenommen. Die Verzeichnisse der stimmberechtigten Gemeindemitglieder liegen vom 6. Oktober ds. Is. ab 4 Wochen lang bei den zuständigen Herren Gemeindevorstehern zur Einsicht der Beteiligten offen und können innerhalb dieser Frist Reklamationen gegen diese Verzeichnisse bei den Herren Gemeindevorstehern angebracht werden. Gemeinde 1. Günnigfeld Leithe Name der ausscheidenden bezw. ausgeschiedenen Gemeindeverordneten Wahltermine Neuwahten sind festgesetzt auf: ∆ □ — X G find 6.[Sevinghausen Westenfeld Reckers Wilhelm Ewald Peter Riesmeier Franz Lange Wilhelm Tübben Heinrich Weyers Heinrich Werdelmann Ferdinand Behrensmeyer Friedrich Haverkamp Heinrich Montag, 9. Nov. 1908, nachmittags 4 Uhr. Montag, 9. Nov. 1908, nachmittags 4—6½ Uhr. Dienstag, 10. Nov. 1908, vormittags 9½ Uhr. Freitag, 13. Nov. 1908, nachmittags 4½ Uhr. Freitag, 6. Nov. 1908, nachmittags 4½ Uhr. Mittwoch, 4. Nov. 1908, nachmittags 4 Uhr. 8 3 5 1— 90—— F 5 Wirt Darenrecht in Gännig= felbGemeindeWirt= schaft Leithe Wirt Kopp in Seunghausen Wirtin Ww. Streier in Westenseld. Wattenscheid, den 2. Oktober 1908. Der Amtmann: Emisch. KKT Konner sagten os schon lange, dass Seifenpulver, Großstadtseife, Mit dem Schmied Salmiak- Terpentin- Kernseife gesetzlich geschltst die Wäeche schone, Arbeit, Zeit und Geld epare. Grosse Auswahl in Prämien auf Sammelbone. Fr. Schmidt, Seifenfabrik, Gelsenkirchen. Flechten Ich war auf dem ganzen Leibe mit einer Art Fiechte dehaftet, welche mich durch das ewige Jucken Tag und Nacht nicht in Ruhe ließ.— Nach einer Einreibung von kaum 14 Tagen mit Zucker's Patent=Medizinal= Seife waren meine Flechten vollständlgverschwunden Deshalb lasse ich es mir nicht nehmen, Ihnen hiermit tausendmal Dank zu sagen, denn Ihre Zucker's PatentMedizinal=Seife ist nicht Mf. 1 50, sondern Mk. 100 wert. Ich habe und werde, soviel ich kann, jedem dieses wirkungsvolle Mittel empfehlen. Greifswald, 12. April 1907. M., S. In ähnlicher Weise äußern sich viele Andere, die an Flechten, Hautgeschwuren, Hautjucken, suckenden Hautausschlügen, Furunkeln, Mitessern, Pickeln, Blüten, Wimmerln, Röten 2c. leiden, über die Wirkung von Zucker's Patent=Medizinal=Seise, 2. R. P., ärztlich empfohlen und tausendsach bewährt. Preis 50 Pf.(kleine Backung, 15% ig) und Mi 1.50(große Packung, 85% ig, von stärkster Wirkung). Lediglich diese, von vielen Seiten bestätigte Wirkung und die große Macht persönlicher Empfehlung begründen die starke Verbreitung von Zucker's PatentZedizinal=Seise. Nicht weniger glänzend sind die Urteile über die nach dem gleichen Patent hergestellte, im Gegensatz zu obiger wunderda## mild wirkende Zuch#00. Seise, Preis 50 uf.(kleine Gebrauchspackung) und Ml. 1.50(große Geschenkpackung), sowie über den unnachahmlichen Zuck vanCreme, den herrlichsten und einzigartigsten aller Hautcremes, Breis Mni. 9.—, Probetube 75 Pf. 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