1. Blatt Nr. 216.— 6. Jahrgang. Montag, den 14. September Amtliches Kreisblatt für den StadtGeschäftestelle Munckelstraße 16/18(beim Amtögericht). 47#41M01X Geösfnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abende. Gester Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. JE.L.VI.ST Fernsprecher: Nr. 173. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostensrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16 18. — Telegrammadresse: Berteuburg= Gelseukirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=, Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. * Auf dem Deutschen Juristentag, der am Donnerstag in Karlsruhe zusammentrat, hat man am ersten Tag ein ungemein bedeutsames sozialpolitisches Problem erörtert. Vier Gutachter— den Berliner Magistratsrat v. Schulz und den Privatdozenten Dr. Waldemar Zimmermann, sowie zwei Praktiker aus Oesterreich— hatte der Juristentag aufgeboten, um sich über Tarifverträge Bericht erstatten zu lassen. Und dann standen der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Junck und der Marburger Privatdozent Dr. Koeppe auf, um im Ausschuß daran die Forderungen der modernen Jurisprudenz zu proklamieren. Von Jahr zu Jahr greift das Gebiet der Tarifverträge weiter aus. Blieben sie bisher auch auf die mehr handwerksartigen Betriebe beschränkt— in der Hauptsache auf Buchdrucker, Holzindustrie und Baugewerbe— so bestehen doch gegenwärtig in Deutschland schon über 8000 Tarifverträge und erfüllen ihren Zweck, für einen längeren Zeitraum einem Gewerbe den so unerläßlichen Frieden zu garantieren in einer beide Teile befriedigenden Weise. Die Bezeichnung Tarifvertrag ist überhaupt längst zu eng geworden. Sie regeln nicht nur Lohnhöhe, Lohnart und Länge der Arbeitszeit; sie treffen auch Vereinbarungen über die Beschaffenheit der Arbeitsräume, über Kündigungsfristen und Entlassungsgründe, über Streiks, Sperren und Boykott, und schaffen Schlichtungskommissionen, Tarifämter und Schiedsgerichte. Kurz, sie setzen für einen stetig wachsenden Kreis von Arbeitern die Normen, in denen sich ihr ganzes berufliches Leben abspielt. Aber noch immer stehen diese Verträge, von denen das Wohl und Wehe von Hunderttausenden abhängen, außerhalb des geltenden Rechts. In die Vertragsarten des bürgerlichen Gesetzbuchs passen sie, eben weil sie etwas ganz Neues, Eigenartiges sind, nicht hinein. Und die Versuche der Organisationen, wo das Gesetz versagt, Selbsthilfe zu üben und sich selbst zu binden, haben bei dem noch unfertigen Charakter unseres Koalitionsrechts und dem mangelhaften Verständ nis, das manche Richter diesen Problemen entgegenbrachten, nicht überall den gewünschten Erfolg gehabt. Die Tarifverträge blieben ir. der freien Luft hängen, und für ihre Ausführung auf den guten Willen der Beteiligten angewiesen. Keine Organisation hatte die Möglichkeit, die Widerwilligen und Abtrünnigen aus ihrer Mitte zur Innehaltung der einmal geschlossenen Verträge zu nötigen. Diese Lücke in der Rechtsausrüstung unseres Volkes auszufüllen, rieten in sehr de achtenswerten Ausführungen Justizrat Junck und Dr. Koeppe.„### Tarifverträge müssen eine Rechtsgrundlage erhalten“, meinte Dr. Junck:„denn Jurisprudenz und Sozialpolitik gehören zusammen.“ Der Korreferent aber, der in allem Wesentlichen mit Herrn Junck übereinstimmte, legte dar, wie die Regelung des Tarifvertrages lei Leibe keine öffentlich rechtliche Zwangsregelung sein dürfe; wie es sich nur um die Schaffung eines privaten Arbeitsnormenrechts auf dem Boden des privatrechtlichen Vertrages handeln könne. Schließlich legten die beiden Referenten gemeinsam folgende Resolution vor: „Der Deutsche Juristentag empfiehlt 1. wiederholt die Reform des gewerblichen Koalitionsrechts im Sinne des früheren Beschlusses (insbesondere Aufhebung§S 152, 2 und 153 der Gewerbeordnung); 2. Beseitigung der Hindernisse, die nach bürgerlichem Recht dem Erwerb der Rechtsfähigkeit durch gewerbliche Berufsvereine entgegenstehen; 3. gesetzliche Regelung des Rechts der Arbeitstarifverträge, in der volle Freiheit der Abschließung und Durchführung der Verträge gewährt und die Möglichkeit eröffnet wird, die Verträge bei den Gewerbegerichten öffentlich zu registrieren, und eine Frist gewährt wird, innerhalb der die Mitglieder beteiligter Berufsvereine durch Erklärung an die Registerstelle die Tarifvertragsgemeinschaft ablehnen können.“ Vis aus diesen Anregungen gesetzgeberische Wirklichkeit wird, wird aber wohl noch manche Woge zu Tale rollen. Vom Fürkken Pülow. Man schreibt uns aus Berlin: Der Reichskanzler Fürst von Bülow wird seinen Sommerurlaub in diesen Tagen zum zweitenmal unterbrechen, um hier wichtige Regierungsgeschäfte zu erledigen, zu denen mündliche Rücksprache nötig ist. Der Kanzler trifft am 17. September in Berlin ein und kehrt frühestens am 22. September auf kurze Zeit nach Norderney zurück. Während der Anwesenheit des Kanzlers werden ein oder zwei Sitzungen des Staatsministeriums, denen der Fürst präsidieren will, stattfinden. Der Reichskanzler wird auch an einer Sitzung des Bundesrates teilnehmen, die sich in der Hauptsache mit der Reichsfinanzreform beschäftigen wird; die Steuervläne der Regierung sind inzwischen mit allen Ersatzteilen im Reichsschatzamt fertiggestellt worden. Ferner wird der Kanzler den Internationalen parlamentarischen Kongreß eroffnen. Fürst Bülow hat des weiteren eine große Reihe von Vorträgen angeordnet und wird zahlreichen Persönlichkeiten Audienzen erteilen. Sodann werden Rücksprachen des Kanzlers mit einzelnen Ministern und Staatssekretären stattfinden. Außerdem beabsichtigt Fürst von Bülow, wäh rend seines Aufenthalts in Berlin zwei Festlichkeiten zu geben, eine den Mitgliedern des Internationalen parlamentarischen Kongresses, die andere den Teilnehmern an dem Presse=Kongre ß. Die genauen Dispositionen für die Tage der Anwesenheit des Kanzlers in Berlin werden dem Fürsten erst bei seiner Ankunft in der Reichshauptstadt zur Genehmigung vorgelegt werden. Soviel ist heute schon zu erfahren, daß jede Ninute für den Kanzler besetzt sein wird und daß zur Erledigung det aufgestellten Programms die Arbeitsstunden bis in den späten Abend ausgedehnt werden müssen. Südwestafrikanisches. (Von unserem Spezialberichterstatter. Windhuk, 4. Aug. 1908. nac. Große Aufregung hier, heut abend kommt Staatssekretär Dernburg. Verschiedene Beamte sind unglücklich; es ist niemand da, der den Zylinder bügelt. Das sind die neuen Herren; die alten sind gleichgiltiger. Zwei Jahre Südwest machen auch den lackiertesten Gecken zum vernünftigen Menschen. Hier ist es ganz anders als in Ost. Dort spielen Beamte und Militär die Hauptrolle; hier macht sich die Anwesenheit von über 4000 Zivilmenschen, meist schlich:natürliche Kerle, doch stark geltend. Offiziere, selbst junge Leutnants, geben sich hier so natürlich, daß die frisch herüberkommenden Kamer: den Entsetzen packt. Aber selbst in der zottigen Männerbrust hat diesmal das Herz bang gepocht; die„Windhuker Nachrichten" begrüßen den Staatssekretär Dernburg in einem Artikel, der an Servilität das bei weitem übertrifft, was wir in Deutschland zu lesen gewöhnt sind Nach diesem Aufsatz hat sich der Staatssekretär vom schlichten Kauf mann zum„Meister in der hohen Diplomatie“ emporgeschwungen; es fehlt nur noch, daß der„kleine Bernhard“ der zweite Bismarck genannt wird. Mehr Geschmack hätte ich den verehrten Kollegen in Windhuk denn doch zugetraut. Aber unser Staatssekretär weiß sich populär zu machen. In Keetmannshoop kam er an, eine Ladung Staub auf den Kleidern und in seinem Barte, in Lüderitzbucht trank er mit Todesverachtung ein ganzes Glas Wasser aus(ähnliches hat nie ein Mensch in Lüderitzbucht getan), und dann ist er von Keetmannshoop in 7 Tagen im Automobil nach hier gesaust und hat dabei noch einige kleine Unfälle gehabt. Was für ein Mann! rust jetzt alles voll Bewunderung, und die guten Leute hier sind bald ebenso n#ri wie die ganze Kaufmannschaft in Südafrika, die sich vor Entzücken nicht zu lassen wußte.„Meister in der hohen Diplomatie“— kleiner Bernhard, wenn Du so weiter trabst, wirst Du noch der deutsche Cecil Rhodes werden, und in Windhuk wird einst Dein Denkmal in Erz tehen oder in Lüderitzbucht, wenn da eine große Diamantenmine erschlossen wird. Uebe die Bedeutung des Herrn Bankdirektors Rathenau ist die Welt sich hier nicht ganz im reinen; wenn ich Dernburg wäre, würde ich den Herrn nicht immer mitnehmen. Der Eingeweihte weiß zwar, daß der Staatssekretär den Herrn lediglich deshalb mit hat, um sein eigenes Urteil an dem eines anderen scharfen Beobachters zu prüfen: ganz Schlaue aber wollen wissen, daß Herr Dr. Rathenau Kolonial= sekretär lernt für den Fall, daß Exzellenz Dernburg zu höheren Ehren steigen sollte. Zum mindesten aber meint man, er lerne Unterstaatssekretär. Nun ja, die von Herrn von Lindequist begünstigten Kleinsiedlungen sino ein ganz böser Hereinfall geworden. Von den bewilligten 6000 Mark=Beihilfen werden wir fast gar nichts wiedersehen, das Geld ist verloren. Herr von Lindequist hat sich also gewaltig getäuscht und vielleicht ist das der Nagel zu dem Sarge, in den er seinen Unterstaatssekretär betten muß. Wer kann wissen! Herr von Uslar ist immer noch im Schutzgebiet; er will am 22. August die Heimreise antreten. Ueber seine Wünschelrute wird viel gespottet; aber er hat doch große Erfolge gehabt. Interessant ist ein Vorfall von Omaruni Dort hatte Hauptmann Franke einen Brunnen von 24 Meter Tiefe in gewachsenen Fels sprengen lassen, ohne Wasser zu finden. Landrat von Uslar kam später nach Omaruru und gab an, daß in 20 Meter Tiefe, zwei Meter abseits vom gesprengten Brunnen eine starke Wasserader durch den Fels gehe; man möge einen Seitenstollen schlagen und werde reichlich Wasser erhalten. Die Sache gelangte aber nicht zur Ausführung, das Loch blieb liegen und wurde später als Abladeplatz für Schutt und Tierkadaver benutzt. Zum größten Erstaunen der Besatzung fand man eines morgens den ganzen Brunnen voll Wasser; es wurde festgestellt, daß von seitwärts her ein Einsturz der Felswand erfolgt war, und eine starke Wasserader sich den Weg zum Brunnenloch gebahnt hatte. Wasser muß noch viel mehr in Südwest erschlossen werden und zwar durch Bohrungen; von dem notwendigen Naß ist genug vorhanden; es muß nur in der Tiefe aufgefunden werden. Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir die selbständigen Kommunen hier haben, die sich dann möglichenfalls eigene Bohrer halten. Und ob es nicht wünschenswert ist, die Bildung größerer Farmerverbände, in die alle Farmer eintreten müßten, amtlich zu veranlassen? So manche Aufgabe könnte gemeinschaftlich gelöst werden. Der Einzug Staatssekretärs Dernburg ist am 4., abends unter mächtiger Staubentwickelung erfolgt; viel geredet hat der Leiter unseres Kolonialamtes nicht. Er gibt sich in Südwest ganz anders, als im vergangenen Jahre ist Ostafrika; Wünsche und Beschwerden hört er ruhig an und verspricht Prüfung und eventuelle Abhilfe. Ob dies so verschieden geartete Auftreten nicht auf den Einfluß der Gouverneure zurückzuführen ist? Herr von Schuckmann und Herr von Rechenberg: der Unterschied n der Auffassung beider drückte sich schon in den Empfängen aus, die beide Herren gegeben haben; merkwürdigerweise fiel der Empfang bei Herrn von Schuckmann ebenso auf den 5. August wie im vorigen Jahre der Empfang beim Gouverneuer in Daressalam. Dort aber Einladungskarten; von der Daressalamer Bürgerschaft waren nur wenige Auserwählte beglückt worden; Herr von Schuckmann dagegen ließ durch die„Windhuker Nachrichten“ erklären: Jeder ist willkommen; Einladungskarten werden nicht ausgegeben. Ja, es weht ein anderer Wind in Südwest als in Ost. Gespannte Flügel. Roman von Hedwig Abt. *(Nachdruck verboten.) „Ja, ja, natürlich, freilich,“ antwortete die Steuerrätin, hantierte ein paarmal hin und her, zündete ein Licht an und reichte es dem Doktor.„Hier ist Dein Leuchter, gute Nacht.“ „Danke schön, Mama, schlaf wohl.“ Er hielt die Hand ausgestreckt, doch die Steuerrätin hatte mit beiden Händen die schwere Lampe emporgehoben und nickte so nur nochmals:„Schlaf wohl.“ „Gute Nacht,“ nickte auch der Steuerrat, fingierte an seiner Halsbinde herum und ging, ohne aufzublicken, in die Stube hinein. Johannes und Elisabeth waren allein im Korridor zurückgeblieben. Sie hatte den Umhang abgelegt, trat von dem Kleiderhalter nochmals an den Bräutigam heran und bot ihm die Hand. „Gute Nacht, Johannes.“ „Gute Nacht, Elly, schlaf wohl.“ Er hielt ihre Hand in der seinen fest und sah sie aufmerksam an. Ihr Gesicht, worüber das Licht in seiner Hand flackernden Schein warf, schien ihm blasser als gewöhnlich, um die Mundwinkel war ein scharfer, beinahe ein alter Zug. über die Augen waren die Lider gesenkt. Etwas heimlich Beklominenes ging von ihr zu ihm hinüber, wollte sich ihm auf die Brust legen— da hatte er rasch ihre Hand freigegeben, und um die Taille sie fassend, zog er sie einen Augenblick zu sich heran. „Gute Nacht, Elly, verschlaf' die Kopfschmerzen und wach' munter wieder auf.“ Dann war er in seine Mansardenstube hinaufgegangen. Ohne sich sogleich auszukleiden, bewegte er sich ein paarmal hin und her und blieb dann, die Brauen zusammengezogen, mit kurzem Ruck stehen. Der frohe Abend, warum konnte er nicht in ungetrübter Fröhlschkeit zu Ende gehen? Was hatten sie nur alle gehabt? War's wirklich um die kleine Sektverschwendung, daß sie ihn beinahe wie einen SchulUUngen abgekanzelt und ohne rechtes„Gute Nacht“ hatten zu Bett sehen lassen? Er lachte plötzlich vor sich hin, der trotzig=ärgerliche Zug war wieder aus seinem Gesicht gewichen. Erstaunlich genug mochte eonen freilich seine plötzliche Champagnerlaune gewesen sein, und morgen sprach gewiß ganz Kahlenburg davon. Kam's ihm doch selber ordentlich wunderlich vor, woher er den Schneid dazu genommen. Aber was Kurioses war's doch um so ein paar ins Blut gegossene Glas Champagner, man fühlte es freier in den Adern schäumen noch Stunden hinterher.— Die Arme hoben sich empor, reckten mit straff gespannten Muskeln sich aus, streckten sich breit— gespannte Flügel!— Sein aufleuchtender Blick sprang umher, und die gespreizten Arme waren ihm jählings schlaff am Körper wieder herabgesunken. Enge Wände, die sich fast berührten, an denen einer sich die Flügel hätte brechen müssen, ehe er sie nur recht gebreitet. Hastig hatte der Doktor den Anzug abgeworfen und sein Lager aufgesucht. Und auf dasselbe niedergestreckt, schaute er sich dann noch einmal in der vom Frühdämmer matt erhellten, langen, schmalen Stube rund um. Enge Wände, jawohl, aber sie hatten sich dem Elternlosen aufgetan und waren seine Heimat geworden. Und was brauchte einer viel Fliegekunst zu treiben, um ein guter Schulmeister zu sein! 2. Kapitel. Die Steuerrätin Vollgold blickte, als sie bei Tante Minchen zum Kaffee erschien, sich verwundert um, als sei die ihr wohlbekannte, altfrünkische Wohnstube plötzlich ein fremder Raum geworden, dann aber, als ihr Blick auf Kara traf, die im weißen Mullkleidchen, ein Büschel roter Rosen an der Brust, neben der Tante stand, war sie, ohne über das, was sie befremdet, ein Wort zu äußern, vollends näher getreten. Elisabeth schien das veränderte Aussehen der Stube überhaupt nicht zu bemerken. Johannes Roland aber rief fröhlich überrascht: „Das ist ja reizend hier! Wie haben Sie das allerliebst gemacht!“ Von Kara hinweg gingen seine Augen wieder in der Stube umher, deren grellblaue Tapetenwände wie mit grün übersponnen waren. Tannenzweige, Farnwedel, lange Efeuranken waren hinter den Bilderrahmen befestigt, in allen Ecken waren große Sträuße, ein hohes Bukett zartgefiederter Gräser und schwankender Glockenblumen stand auf dem zierlich gedeckten Kaffeetisch, und auf der weißen Damastdecke lagen zwischen den Tassen und Tellern lose Rosen verstreut „Ich wußt' nicht, was ich sagen sollte,“ sagte Tante Minchen. „Ein wahres Fuder Grünzeug hat sie angeschleppt gebracht, und im Garten hat sie mir die ganzen Rosen abgeschnitten.“ „Morgen wären sie ja doch verblüht gewesen,“ lächelte Kara „Nun haben wir doch erst ein paar Stunden eine Freude daran.“ „In Wasser gesteckt, würden sie sich länger halten,“ sagte Elisabeth. Kara aber, den Kopf schüttelnd, daß es aus dem braunrötlichen Lockengewirr wie Goldfunken stiebte, rief: „Ach nein, nicht immer so knickern wollen. Es ist so viel schöner, auch einmal mit vollen Händen ausstreuen können— seine Rosen wenigstens.“ Keiner antwortete, aber sowohl Elisabeth wie die Steuerrätin hatten gewahrt, wie über des Doktors Stirn für Sekundendauer heller Feuerschein gezuckt war, und von beiden ging verstohlen ein fast feindseliger Blick zu Kara hin, die ahnungslos die Erinnerungen an den ungemütlichen Schluß des Harmonieabends heraufbeschworen, dessen Nachwirkung zu beseitigen, es den ganzen gestrigen Tag gebraucht hatte „Nun laßt den Kaffee nicht kalt werden und langt ordentlich zu,“ nötigte Tante Minchen.„Und denkt Euch nur, wer uns vorgestern nacht noch nach Haus begleitet hat— der Herr Wallenbach. Und drunten vor der Tür, da konnt' er die Augen beinah' nicht von meinem Fenster loskriegen, und hat gemeint, da müßt' von oben doch eine wunderschöne Aussicht sein. Na, ich hab's gemerkt, wo's hinaussollte, und hab's ihm zu verstehen gegeben, daß er sich seine schöne Aussichten wo anders zu suchen hätte.“ „Ja, Tantchen, eigentlich bist Du recht grob zu ihm gewesen,“ sagte Kara „Grob? Ih, da laß mich nur grob gewesen sein. Mir war er eben zu höflich. Aber ein dummes Ding wie Du, das beißt ja wie die Maus auf jeden Sveck an und merkt's nicht, wenn einer sich nur seinen Jux machen will.“ „O— aus Spaß wird ja auch manchmal Ernst,“ sagte langsam die Steuerrätin—„und wo der Herr Wallenbach einmal Ernst macht, da hat nachher eine das Ausstreuen mit beiden Händen leicht.“ Es sollte für Scherz gelten, aber Kara fühlte den heimlichen Hieb heraus, und ihre Augen blitzten auf, während sie denselben lachend parierte. Montag, den 14. Geptember 1908. Allgemeine Zeitung. Dernburg gegen das algemeine Wahlrecht. Lokale Nachrichten. Als der von seiner Informationsreise durch Deutsch=Südwestafrika nach Antwerpen zurückgekehrte Staatssekretär Dernburg in Windhuk Beiträge aus unserem Leserkreise nehmen wir jederzeit gern entgegen velte, baute er derz ie Vreihubde, buagzeren Leiaschaler; Heren. eichten volle nei ins dut beiepsonischemn Beae abermaisean. Eas waren dies die Herren Dr. Bal, Veter Miller und Pasage, Gelsenkirchen, den 14. Seotenber 1903 Er bezeichnete die Weigerung der Windhuker Bevölkerung, sich an! os Lloyd=Expreß=Zug. Vom 1. Oktober d. J. an verkehrt regelder Bildung und Mitarbeit im Gouvernements= bezw. Landesrat zu mäßig zwischen Bremen— bezw. Altona=Genua und vice versa der beteiligen, falls ihre Wünsche betreffs dieser Körperschaft unberücksich- Lloyd=Expreß=Zug in direktem Anschluß an die das Mittelmeer betigt bleiben sollen, als sehr unklug und riet dringend, nicht auf diesem rührenden oder von Mittelmeerhäfen ausgehenden Dampferlinien. Standpunkt zu verharren. Dann kam er auf das Wahlrecht zum Lan= Die Route, die der Zug nimmt, ist die folgende: Altong=Hampure, dedmat zu sprectzen und führte herzu nach dem Vericht der Windhuter Bonn, Koslenz, Nliedersakrs. E Hösezgahen, Meinz. Worns, LudNachtichten ands: wigshafen, Lauterburg, Straßburg, Kolmar, Mühlhausen, Basel, Er sei entschieden gegen ein direktes Wuurrech!, Olten, Luzern, Bellinzona, Lugano, Chlasso, Mailand, Genua. auch wenn es kein allgemeines sein sollte. Dernburg wies auf die Zu=I.= Personalien. Der Postsekretär Pieper von Gelsenkirchen ist stände hin, welche das Reichstagswahlrecht gezeitigt hat, namentlich auf nach Siegburg versetzt worden. den Umstand, daß Städte wie Berlin, Hamburg mit ihrer hohen Be** Schulamtliches. Endgiltig angestellt ist der evangel. Lehrer deutung für das Reich sowohl als auch für die ganze Kulturwelt durch Walther Henning zu Gelsenkirchen. Sozialdemokraten vertreten seien. Wenn für die Gegenwart auch nicht zu befürchten sei, daß aus einem direkten Wahlrecht ähnliche Zustände sich in Südwestafrika bilden würden, so könnten solche aber in Zukunft entstehen. So sei es z. B. in Kapland, wo das Wahlrecht zwar für alle, auch für Eingeborene, bestehe, der Einfluß der letzteren aber durch einschränkende Bestimmungen in Bezug auf Einkommen, Besitz und Bildung angeblich eingedämmt worden sei. In Wirklichkeit seien die Eingeborenen bei den Wahlen ein großer Machtsaktor, und in fünf Wahldistrikten hänge der Ausfall der Wahlen nur von ihnen ab. Zwar sollen in Südwest nur die Weißen Wahlrecht erhalten, aber wenn, was man doch erhoffe, sich eine große Industrie(Bergbau) entwickeln sollte mit Tausenden von Arbeitern, so könnte man hierzulande ähnliche Erfahrungen machen wie im Deutschen Reiche, wo der Schwerpunkt des politischen Einflusses in die besitzlosen begehrlichen Klassen verschoben worden ist. Abhängigmachung des Wahlrechtes von Besitztum und dergl. verfehle leicht den Zweck, das habe man jetzt bei den preußischen Landtagswahlen gesehen, wo die Sozialdemokratie die bestehenden einschränkenden Bestimmungen mit Geschick umgangen hätte und damit erfolgreich gewesen sei. Aus diesen Gründen habe die Regierung sich für die vom Gouvernementsrat angenommene Form des Wahlrechts zum Landesrat entschieden. Diese sei die eineige, welche allein der Intelligenz und Tüchtigkeit den maßgebenden Einfluß verbürge. Ferner habe diese Form den Vorzug, die Mitglieder des Landesrates für ihre Aufgabe in besonderem Maße vorzube reiten, indem sie als gleichzeitige Mitglieder der Gemeinde= und Bezirksräte, aus denen sie hervorgingen, in diesen Körperschaften sich mit allen Zweigen der Verwaltung vertraut machten und so die beste Vorbereitung für den Landesrat empfingen, wie sie direkt in den Landesrat gevählte Vertreter meist wohl nicht haben würden Jeder. der eine täglich erscheinende, gut redigierte, reichhaltige Tageszeitung lesen will, halte die Gelsenk. Allgemeine Zeitung. Zudem ist jeder Abonnent sofern er auch gleichzeitig die wöchentlich 1 mal erscheinenden Zeitschriften„Der Volksgarten“ und die Romanzeitung neben der Allgemeinen Zeitung hält gegen Unsall mit tödlichem Ausgang, auf Geund der hierfür maßgebenden Bestimmungen, di# durch unsere Boten oder direkt von der Geschäftsstelle, Munckelstraße 16—18, bezogen werden können. mit 1000 Mk. versichert. wiedererkannt wurden, zutage. Da die Angeklagten damals bestritten. die Sachen gestohlen zu haben und hierfür auch kein Beweis zu erbringen war, so wurde gegen sie das Verfahren wegen gewerbsmäßiger Hehlerei eingeleitet. Auch in dieser Beziehung wurde jede Schuld von den Angeklagten geleugnet, die Ehefrau behauptet, die Wäsche habe sich zwischen den ihr zugebrachten Lumpen befunden während der Ehemann P. zu seiner Verteidigung geltend macht, ein Teil der Wäsche habe er in Geschäften käuflich erworben. Nach län gerer Beweisaufnahme hielt das Gericht beide Angeschuldigte der ihnen zur Last gelegten Straftat für überführt und verurteilte die Eheleute zu der gesetzlich niedrigst zulässigen Strafe von je einem Jahre Zuchthaus, bei sofortiger Verhaftung. * Vom evangelischen Bunde. Dem Jahresbericht des Hauptvereins des evangelischen Bundes für Westfalen ist zu entnehmen, daß der Verein nach seinen Beiträgen mit 13.802 M. und 14 Stimmen an dritter Stelle steht. Zu den neu aufgenommenen Vereinen gehört auch Buer mit 60 Mitgliedern. Die Zahl der Zweigvereine stieg von 57 auf 62, und die Zahl der Mitglieder von 15 544 auf 16 166, also mehr 562. Die Zahl der angeschlossenen Vereine blieb auf 49 stehen, die Mitgliederzahl wuchs jedoch von 12 101 auf 12 691, also mehr 590. Die Gesamteinnahmen betrugen 21 190 Mark(21 361 M. und die Ausgaben 19 602 Mark(19 338 M.) Der österreichische Hilfsfonds hatte eine Einnahme von 27 773 Mark(30789 M.) und eine Ausgabe von 25 747 M.(23 451 M.) **„Gesundheitsbüchlein.“ Das im Kaiserlichen Gesundheitsamte bearbeitete„Gesundheitsbüchlein“, enthaltend eine gemeinfaßliche Anleitung zur Gesundheitspflege, ist soeben in einer neuen(dreizehnten) durchgesehenen und in Einzelheiten geänderten Ausgabe erschienen. Das Buch ist von der Verlangsbuchhandlung Julius Springer in Berlin=Nord, Monbisouplatz 3, zu beziehen und kostet kartoniert 1 Mk., in Leinwand gebunden 1,25 Mk., bei gleichzeitigem Bezuge von min destens 20 Exemplaren das Exemplar kartoniert 0,80 Mk., in Leinwand gebunden 1,00 Mark. E Schiffsnachrichten. Die Hamburg=Amerika=Linie meldet: D. Amerika, von Newyork kommend, 10. Sept. 11 Uhr 5 Min. nachts von Plymouth und am 11. Sept. 6 Uhr 30 Min. morgens von Cherbourg. D. Blücher, 10. Sept. 12 Uhr mittags von Newyork über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. SD. Deutschland, nach Newyork, 11. Sept. 5 Uhr 30 Min. morg. Dover passiert. D. Georgia, 10. Sept. von Galveston nach Hamburg. D. Patricia, 10. Sept. 1 Uhr nachm. in Newyork. Kurze politische Meldungen. m. Die Schulferien sind mit heutigem Tage beendet. Morgen findet in den Schulen die übliche Sedanfeier statt und am Mittwoch wird der Unterricht wieder voll und ganz aufgenommen. kr. Ertappter Dieb. Der arbeits= und wohnungslose Johann W. wurde heute dabei abgefaßt, als er aus dem Flur eines Hauses Daß die Fahrkartensteuer bei Gelegenheit der Reichsfinanzreform in der Essenerstraße eine Flasche mit Milch stahl. Er wurde festDie Veröffentlichung der gesamten Finanzreformpläne, die Ende nächster Woche dem Bundesrat unterbreitet werden sollen, ist nach Blättermeldungen für Anfang Oktober in Aussicht genommen. beseitigt werden soll, bestätigt die„Köln. Zeitung“ in einem offiziösen Berliner Telegramm. Die geplante Beseitigung fällt finanziell nicht nennenswert ins Gewicht, da die Erträgnisse der Fahrkartensteuer weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Auf der anderen Seite wird sie sogar für die Eisenbahnverwaltungen der Einzelstaaten direkt eine Verbesserung der Finanzen bedeuten, da sie in verhängnis voller Weise der Abwanderung in die unteren Wagenklassen und damit einer Verminderung der Einnahmen aus der Personenbeförderung Vorschub geleistet hat. Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der jüngste Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht, der beim Landratsamt in Glatz beschäftigt ist, wird, wie die„Voss. Ztg.“ aus Breslau erfährt, vom 1. Januar ab seine Tätigkeit im Ministerium des Innern fortsetzen. * Dem Oberleutnant zur See Harald Jorck von der Kaiserjacht „Hohenzollern“ ist der erbliche Adel verliehen worden. Wie eine Berliner parlamentarische Korrespondenz meldet, soll dem Reichstage nach Neujahr eine Vorlage zugehen, die weitere Mittel!#. Tun mns W.#. une un. Mfe- Mats-, Chriftin#up-b. 0— zum Ausbau des Hafens von Swakopmund in Deutsch=Südwestafrika Kindern zur Aufnahme nimmt Pastor Peter, Christinenstraße 2, ent genommen. e. Unser Realgymnasium, das bisher in dem früheren Aloisianum des Herrn Rektor Spieker an der Weststr. seine Unterrichtsräume mietweise hatte, siedelt jetzt in den Anbau der Lutherschule, Schalkerstraße 16, über; wo der Unterricht des Wintersemesters am Dienstag, 15. d. Mts. beginnt. Diese Räume der Volksschule werden bis zur Fertigstellung des neuen Realgymnasiums an der Hoch= und Ring straßen=Ecke am 1. April 1910 benutzt werden. kr. Unglücklicher Sturz. Die Ehefrau L. fiel in dem Hause Weidenstraße 27 durch einen Fehltritt so unglücklich die Treppe hinunter, daß sie eine schwere Kopfverletzung davontrug und ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Festgenommen wurde hier der steckbrieflich verfolgte Arbeiter Ludwig S. Er wurde dem Königlichen Amtsgerichte vorgeführt. kr. Verschwunden ist aus dem Hause Kirchstraße 48 ein 9jähriger Knabe. Er trug einen schwarzen Samtanzug, schwarze Strümpfe, Schnürschuhe und eine blaue Mütze. Das Haar ist dunkel. m. Die Kleinkinderschule auf dem Haferkamp der früheren Gemeinde Bismarck ist nunmehr soweit fertig gestellt, daß sie am 1. Oktober d. Is. eröffnet werden kann. Die Anmeldungen von fordern wird. Beabsichtigt ist der Bau einer größeren weit in Seel 9e9*, laufenden Molenanlage. Seitens des Gouvernements sind im Som In. Unfall. Der Bergmann Josef Marell, Alte Kolonie 18, mer Pläne aufgestellt worden, die Dernburg unterbreitet wurden, der stützte in seiner Wohnung von einer Leiter, wodurch er sich anen sich selbst von der Notwendigkeit dieser Bauten überzeugt hat, Näheres] Bruch des rechten Unterarmes zuzog und sich in Krankenhausbehand wird sich erst nach der Rückkehr des Staatssekretärs sagen lassen. lung begeben mußte. 18 Stu Mskrkeits, und „ 1 K. Essener Ferienstrafkammer vom 12. Sept. Gewohnheits= und „„1 gewerbsmäßige Hehlerei legt die Anklage dem Bergmann Wilhelm „Aus Amsterdam wi d berichtet: Die Nachricht von dem Mißfall] Post und dessen Ehefrau Lumpenhändlerin Maria P. aus Erle der Konigin Wilhelmina hat in der Bevölkerung große Enttäuschung her=1 bei Buer zur Last. Im Jahre 1906/07 wurden in Gelsenkirchen und vorgerufen, zumal dies nun die vierte vorzeitige Geburt ist. Der Zu stand der Königin ist befriedigend. * Bei der Reichstagsersatzwahl im zweiten braunschweigischen. Wahlkreise Wolfenbüttel=Helmstedt erhielt Kleye(verein. national Parteien) 10 771, Dedekind(Welse) 5643, Rieke(soz.=dem.) 7065 Demnach findet eine Stichwahl zwischen Kleye und Rieke statt. Der sofort im Hause der Eheleute Post vorgenommene Haussuchung förUmgegend fortgesetzt von den Trockenböden usw. Wäschestücke ge stohlen. In einer ganzen Reihe von Fällen wurden die Diebstähle zur Anzeige gebracht. Trotz eifrigster Bemühungen der Polizeiorgane gelang es nicht, den oder die Täter zu ermitteln. Schließlich entdeckte eine der Bestohlenen, daß in der Wohnung der An geklagten die ihr gestohlenen Gardinen ausgehangen waren. Eine Wahlkreis war bisher vertreten durch Fritz v. Kaufmann, Hospitant der Nationalliberalen derte dann eine Unmenge, gewissermaßen ganze Berge der gestohlenen Wäschestücke, die fast sämtlich von den Bestohlenen als ihr Eigentum „Ich hab' ihn mir noch nicht darauf angesehen, ob sich das Ernst machen lohnte, aber ich werd's mal tun, wenn er mir zufällig wieder begegnet.“ „Du, solche Zufälligkeiten verbitt' ich mir,“ sagte Tante Minchen sehr energisch und schob ihr gleichzeitig die geleerke Kaffeekanne hin. „Da, hol mal frischen Kaffee'rein.“ „Du hast nun da wohl eine rechte Hilfe ins Haus gekriegt, Minchen?“ fragte die Steuerrätin, als Kara kaum die Stube verlassen Der spöttelube Klang ihrer Stimme besagte, wie sie eher das Gegen teil vermutete, und die Gefragte nickte auch dementsprechend. Hilfe— ja freilich— beim Essen und Trinken, und für solche Alsanzereien,“— sie deutete in der Stube umher,—„einen Kochtopf hat die in ihrem Leben noch nicht angefaßt.“ „Nun, darin wär' sie ja auch Herrn Wallenbachs Geschmack,“ warf Elisabeth spitzen Tones hin.„Der hat's ausgesprochen, daß die sogenannten häuslich erzogenen Mädchen ihm ein Greuel wären.“ „Elly, Elly, wirst Du Dir wohl keine böse Zunge angewöhnen!" Lachend drohte der Doktor seiner Braut mit dem Finger, aber über seine Stirn lief ein Zucken heimlichen Mißbehagens. Mit ihrem langsamen Augenaufschlag sah Elisabeth ihn an.„Ich habe nichts anderes gesagt, als was die Wahrheit ist.“ Der leise Nachdruck ihrer Stimme gemahnte an die mütterliche Rebeweise, während ein festeres Auseinanderpressen der Lippen dem Vater abgelauscht schlen...„„ A„R„„ 1 F* Tan E. t. m. ein e. Der Doktor empfand's wie ein Erschrecken. Vater und Mutter ger sich fester in die Rosen hinein — gute Menschen, aber kleinlich und engherzig geworden in der Klein=Ischönes erzählt stadt Enge. Und Elisabeth.— Er hatte sich plötzlich gegen sie vor gebogen, hielt ihre Hände gefaßt und sah mit seinen lichten Augen dicht in die ihren, „Ich wollt', Du wärest erst meine Frau Oberlehterin, Elly.“ Es lief heiß über ihr Gesicht, in ihren Händen war ein Zucken, Ihr Blick senkte sich unter dem seinen, sie schwieg. Und schweigsam verhielt sie sich, so oft im weiteren Verlauf des Nachmittags zwischen der Mutter und Tante Minchen das Gespräch die übliche Wendung nahm, den lieben Nächsten mit seinen Fehlern und Schwächen ein wenig durchzuhecheln. Etwas Dankbares war in der Art, wie der Doktor, diese Zurückhaltung Elisabeths wohl fühlend, mit besonderer Herzlichkeit und so ausschließlich sich ihr zuwandte, daß Kara, da sie auch seitens der Tante und der Steuerrätin nicht in die lebbest de führte Unterhaltung hineingezogen wurde, wenig Gelegenheit fand sich einmal mit einem Wort hervorzutun. Dafür hatte sie, ganz still auf ihrem Stuhl sitzend, begonnen, die über den Tisch verstreuten Rosen vor sich zu einem duftenden Hausen zu sammeln, und, die Hände darumgelegt, den Kopf darüber geneigt, atmete sie mit ge schlossenen Augen den Duft ein, als der Doktor, ihres andauernden Schweigens sich plötzlich bewußt werdend, sich rasch zu ihr wandte: „Da reden wir hier von lauter Menschen und Dingen, die Ihnen wildfremd sind, und lassen Sie vor Langeweile bald einschlafen.“ Sie bog den Nacken zurück, öffnete langsam die Augen und schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich langwelle mich nicht. Da“— liebkosend drückten ihre Fin „mit denen hab' ich mir Wunderdem Tandkreise Gelsenkirchen. Stadt und Amt Wattenscheid. W. Wattenscheid, 12. Sept. Die Spitzbuben sind in Gärten und Feldern wieber eifrig an der Arbeit. So wurde in der Jetzten Nacht an der Hüller=Straße ein Runkelrübenfeld fast völlig von ihnen abgeerntet. Die Spitzbuben sind noch nicht ermittelt— Pech hatte eine Händlerin auf dem hiesigen Wochenmarkte. Es kam ihr nämlich eine Geldtasche mit mehreren 100 Mark Inhalt abhanden. a Wattenscheid, 13. Sept. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr entspann sich in einem Hause an der Nordstraße zwischen dort wohnenden Holländern, nachdem sie dem Schnaps gut zugesprochen hatten, ein Streit, in dessen Verlauf der Bauarbeiter Johann v. d. V. eine ebenfalls anwesende Frau, die den Streit schlichten wollte, in den Haaren riß und sie auf den Boden warf. Als dann nach etwa ½ Stunde die zu Besuch anwesend gewesenen Bergleute bezw. Bauarbeiter Bartelt W., Jöjo L., Dominikus G. und Johann N. das Haus verlassen wollten, wurde der Joh. v. d. B. auf dem dunkeln Flur von den vorerwähnten 4 Leuten angegriffen und durch Messerstiche förmlich zerfleischt. Nicht weniger als 8 Messerstiche trug er im Gesicht davon, und auch Brust, Arme und Rücken maren mit zahlreichen Messerstichen versehen. Der schwerverletzte Mann wurde ins evangel. Krankenhaus überführt. Die Täter sind sämtlich verhaftet und werden dem Kgl. Amtsgericht hier vorgeführt.— Gestern nachmittag mußte der Gelegenheitsarbeiter Anton R. festgenommen und in Polizeigewahrsam untergebracht werden, weil er seine Ehefrau und Kinder in der brutalsten und gemeinsten Weise mißhandelt hatte. Die Frau blutete aus Mund und Nase, und ist es nicht das erste Mal, daß sie so mißhandelt worden ist. Da Strafantrag gestellt ist, wird sich der Familienvater bemnächst vor Gericht zu verantworten haben — In der Nacht vom 11. zum 12. d. Mts. ist in die verself#ssene Küche des Bergmanns Mathias B. in der Friedrichstr. hier eingebrochen worden. Der Täter ist noch nicht ermittelt.— Vorgestern vormittag schoß der 14jährige Arbeiter Friedrich K. auf dem Hofe aus einer Flobbertbüchse mit Vogeldunst. Hierbei traf er unglück licherweise die 11jährige Bertha K., welche am Fenster stand, in den Hinterkopf, infolgedessen sie sich sofort in ärztliche Behandlung be geben mußte.— In hervorragend schöner Weise feierte gestern abend m Theodor Ahlmann'schen Saale der Männergesangverein„Germania“ sein Sommerfest. Es war ein ausgezeichnet gewähltes Programm aufgestellt, insbesondere wurde dem deutschen Volksliede ein vervorragender Platz eingeräumt. Geradezu überwältigend wirkten die Lieder, Andreas Hofer v. Rebbert und Entsagung v. Vogt. Der Verein leistete— wie bekannt— Vorzügliches. Auch die Wolfche Kapelle war der ihr gestellten Aufgabe vollkommen gewachsen. Nach dem Konzert wurden die zahlreichen Teilnehmer noch lange bei einem gemütlichen Balle bis in die Morgenstunden zusammengehalten. W. Westenfeld, 12. Sept. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung, welche unter dem Vorsitze des Amtmanns Emisch ste“ fand, wurde die Anstellung zweier Waisenpflegerinnen beschlossen und zwar des Frl. Witte für den evangelischen und des Frl. Völlmecke für den katholischen Teil der Bevölkerung.— Die Einrichtung einer Volksbibliothek für die Gemeinde wurde auf einen späteren Termin verschoben; jedenfalls wird sie mit der Eröffnung des Gemeindegasthauses im nächsten Frühjahre größere Gestalt annehmen. Die Müllabfuhr in der Gemeinde wurde, wie folgt, geregelt. Sie soll wochs und Samstags=Nachmittags auf den von der Gemeinde erworbenen Platz an der Karlstraße in Westenseld stattfinden. An Gebühren sind 50 Pfg. pro Fuhre zu entrichten. Auch Ausschachtungsboden kann in Ausnahmefällen abgeladen werden. Von der Ein richtung eines Milchausschankes wurde Abstand genommen. Im meindegasthaus soll dagegen Milchausschank stattfinden.— Der Antrag eines Bauberrn auf Erteilung der Bauerlaubnis für 3 Wohnbäuser an einer noch unbebauten Straße wurde abgelehnt.— Die WilhelmSträße soll eine neue Basaltdecke erhalten.—Nach Erledigung einigeArmensachen wurde die Sitzung geschlossen. W. Günnigfeld, 12. Sept. Ein frecher Diebstaßl wurde bei dem Bergmann Krause hier verübt. Diebe drangen bei Nachtzeit in den Stall ein und schlachteten ein Schwein ab, das sie mit sich naimen Die Einbrecher sind noch nicht gefaßt. (Fortjetzung folgt.) Aus der Amgegend. Ss. Buer, 12. Sept. In der Dorstenerstraße stürzte gestern rach mittag der Knecht Johann D. von hier durch einen offenen luckenraum, und brach das rechte Bein zweimal. Da gegenwärtig Scheunen gefüllt werden, empfiehlt es sich, die Bodenlucken abzu ßen, um Unglücksfälle zu vermeiden.— Nach kurzem Wortwech zwischen den verheirateten Gebrüdern Johann und August S. von. schlug der ältere der beiden, Johann, seinen Bruder u. eine ladenen Revolver auf den Kopf, wobei sich die Waffe entluo u neben den beiden Leuten stehende Frau streifte, ohne sie zu v.n. Ss. Gladbeck, 12. Sept. Eine Gemeinheit leisteten sich Burschen bei dem Wirt Bernhard Beikedahl in Holthausen.## Leute fuhren mit Rädern an der Wirtschaft vor und bestellten vier Flaschen Bier und vier Schnittchen mit Schinken. Nachdem st. vor der Tür an einem Tisch verzehrt hatten, bestellten die Ven vier Flaschen Bier. Als der Wirt ging, und das Verlangte# 2. Blatt Nr. 216. 6. Jahrgang Montag, den 14. September 1908. bestritten, As zu ergewerbsurde jede uptet, die befunden, nacht, ein Nach ländigte der e die Eheem Jahre Hauptverhmen, daß Stimmen ien gehört reine stieg uf 16 166, eb auf 49 2691, also 1 361 M. erreichische M.) und Amtliches Kreisblatt für den Stadt Geschäftsstelle Munckelstraße 16/18(beim Amtsgericht).###### 14842 Geöffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. Oesterett Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16/18. Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw.Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5 Offizielles Organ für Militäre, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=, Handelskammer= u.Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Telegrammadresse Bertenburg= Gelsenkirchen. Fernsprecher Nr. 178. dheitsamte ißliche Anreizehnten) erschienen. pringer in iert 1 Mk., von min in Leinir kauften von einer größten Tapisserie-Fabrik Sachsens alle Restbestände und Fabrikations-Reste bedeutend unter Herstellungswert. Diese W morgen im Parterre auf Extra-Tischen zu sonst nicht annähernd kennt und so ausgelegt Keine Dame sollte diese Ge ie meldet: Nin. nachts von Cherwyork über sland, nach D. Georgia, 10. Sept. möglich hält 1000 Neter Kongreß-Stoffe, Ein Posten Kommmodendecken Bettwandschoner in Gärten der Jetzten von ihnen ch hatte eine lämlich eine Nacht gegen vischen dort ugesprochen nu v. d. V. wollte, in nach etwa bezw. Bauinn N. das em bunkeln urch Messeriche trug er en mit zahl wurde ins ich verhaftet bestern nachommen und Ehefrau und hatte. Die erste Mal, ellt ist, wird orten haben versel lAssene hier eingeVorgestern if dem Hofe er unglücktand, in den sandlung begestern abend erein„Ger vähltes Proolksliede ein gend wirkten v. Vogt.— ich die Wolfn gewachsen. och lange bei imengehalten. er GemeindeEmisch statteschlossen und Völlmecke für ichtung einer teren Termin Gemeindegastn. Die Müllsie soll MittGemeinde erden. An Gesschachtungsson der Einien. Im — Der Antrag Wohnhäuser Die Wilhelmdigung einiger burde bei dem ichtzeit in den sich nahmen. sonst Wert 2.95 Mk. weiß mit blau oder bunt kariert, beige mit blau od. bunt kariert oder uni weiß, creme oder beige, nach Wahl Meter nach Wahl Ein Posten deppelt gewebte echtfarbige Deckchen, Wandschoner, Kissenplatten, längl. Decken — Wert das Dreifache!— Ein Posten weiß, creme und bunt nach Wahl von Ein Posten Deckchen= nach Wahl 15, 10, Wert unvergleichlich höher. Wahl Wahl DNIG-Perlstickga Ein Posten Handarbeiten, vorgezeichnet und fertig, teils Musterstücke, teils Restbestände, nach Wahl für die Hälfte des sonstigen Preises. garantiert waschecht, das beste, was es überhaupt gibt, große Parbenauswahl Docke schinen in Papier verwandelt. Im Holländer erfolgt zugleich eine erwaige Mischung mit Hadern, Füllstoffen, Leim, Farbe unv. Im allgemeinen stehen die Papiere aus diesen Stoffen bezüglich der Festigkeit und Dauerhaftigkeit dem Haderpapier bedeutend nach, obwohl auch sehr gutes Papier aus Sulfite und Zellulose sowie Alfa gewonnen wird, nährend Holzschliff für alle Papiere ausgeschlossen ist, die auf Dauer Anspruch machen. Unsere Leser dürfte es besonders interessieren, zu erfahren, wie denn nun eigentlich das Papiergeld entsteht, das ja in unserm Zeitalter des Papiers eine ganz besondere Macht darstellt. Das Papier zu unserm Papiergelde wird in einer Fabrik in der Nähe von Eberswalde hergestellt, und zwar aus Lumpen, die zunächst in etwa 60 Sorten sortiert werden. Nachdem die Lappen im Wolf zerkleinert, zerschnitten und entstaubt sind, kommen sie in den Lumpenkocher und dann in den sogenannten Holländer, d. h. in Riesenwaschkessel, in denen die Reinigung vervollständigt und die Masse gebleicht wird. Diese fließt dann in große ausgemauerte Gruben, aus denen das Wasser unten abfließt, so daß die dicke Masse, das Halbzeug, zurückbleibt. Nunmehr beginnt nach Egon Wendlandt die Scheidung der bisher einheitlich behandelten Massen, indem je nach der gewünschten Paviersorte die verschiedenen Halbzeugmassen zugesetzt werden. Nachdem blauer Farbstoff, Leim, Zellulose und Kaolinerde(Porzellanton) eingemischt ist, ist das Ganzzeug, die richtige Papiermasse, fertig. Im Maschinensaal schüttelt zunächst in unaufhörlicher Bewegung die Verteilungsbütte den Papierstoff in einer gleichmäßig dicken Schicht auf ein endloses Metallsieb, von dem er, während das Wasser abtropft, über verschiedene Saugapparate und endlose Filztücher weiterläuft, bis er hinter einem Lustsaugapparat, nun völlig trocken, zwischen zwei Walzen gerät, die ihm die nötige Glätie geben. Von da wird er über mchrere mit Dampf geheizte Trockenzylinder geführt, wobei bald die eine, bald die andere Seite des Papiers mit der Wärme des Stahlmantels in Berührung gerät, bis beide ganz trocken sind. Kreisrunde Messer schneiden dann die Papierlage der Länge nach in Streifen, die nach geringer Anfeuchtung auf Keulen aufgewickelt werden. Nun muß noch der Kalander, eine Rollglättmaschine, dem Papier die nötige Glätte und Glanz verleihen, und dann schneidet eine Querschneidemaschine es selbständig in Bogen, die sortiert, gezählt, dann wohlverpackt versandt werden. Für unser Papiergeld werden als Rohstoffe stets Segeltuchreste verwendet, und die Herstellung geschieht unter sorgfältigster Ueberwachung durch königliche Beamte. Die Einbettung der Zeichen, die vor Nachahmung schützen sollen, ist Staatsgeheimnis. Unbedingte Sie gestern nachoffenen Dachegenwäctig die cken abzuschlien Wortwechsel ist S. von mit einem ntlud und eine le zu verletzen. sich vier junge sen bestellten hier achdem sie diese die Leute noch erlangte holen Allgemeine Zeitung. 29. Deutscher Juriktentag. (Von unserem Korrespondenten.) Karlsruhe, 11. Sept. Der Deutsche Juristentag setzte heute in seinen vier Abteilungen die wissenschaftlichen Arbeiten fort. Nachdem gestern die zivilprozessualis he und bürgerlich rechtliche Abteilung durch prinzipielle Entscheidung die Regelung der Tarisverträge verlangt und den Entwurf der Amtsgerichtsprozeßnovelle verworfen hatte, konzentrierte sich heute das Hauptinteresse auf die strafrechtliche Abteilung, in der die Diskussion über die Einschränkung des Legalitätsprinzips begonnen wurde. Erster Redner war Senatspräsident am Reichsgericht Dr. Olshausen(Leipzig). Er begründete seine Anträge auf Zustimmung zu den Einschränkungen des Legalitätsprinzips, die der Entwurf der neuen Strasprozeßordnung bringt. Das Legalitätsprinzip hange eng zusammen mit der Privatklage. Es erscheine ihm als ein bankenswerter Versuch, das Legalitätsprinzip einzuschränken. Und wenn der Juristentag dem zustimmen könnte, würde er den Vatern dieser fleißigen Arbeit ein freudig ausgenommenes Geschenk machen. Wirkl. Geh. Rat Erz. Hamm(Bonn) trat für die Einschrankung des Legalitätsprinzips ein. Die erste Abteilung beschäftigte sich heute zunächst mit der Frage des Eigentumvorbehalts an Maschinen. Die Frage ist von großer Bedeutung einerseits für die Hausbesitzer und den Hypothekarkredit, andererseits für die Maschinenfabriken. Das Reichsgericht hat im weiten Umfange die dem Besitzer eines Hauses gelieferten und mit dem Hause irgendwie verbundenen Maschinen für wesentliche Bestandteile des Hauses erklärt, an denen besondere Rechte nicht möglich sind, an denen sich also auch der Maschinenlieferant das Eigentum nicht solange vorbehalten kann, als bis volle Zahlung geleistet is. Dadurch wird naturgemaß der Wert der Grundstücke erhöht die Erlangung hypothe'arischen Kredits erleichtert, aber die Maschinenfabriken ner für sie wertvollen Sicherung beraubt. Professor Dr. Lehmel(Freiburg) hält diesen Zustand der durch das B. G. B. und seine Auslegung durch das höchste Gericht(B. G. B.§ 93 entstanden ist, für volkswirtschaftlich schädlich. Die Maschinenfabriken sind seiner Meinung nach durch die Natur ihres Fabrikats gezwungen, sehr vielen Abnehmern langfristigen Kredit zu gewähren, denn Maschinen sind teuer. Der Gutachter empfiehlt daher den Eigentumsvorbehalt an Maschinen gesetzlich anzuerkennen, und dafür ein besonderes Register in den Grundbuchabreilungen anzulegen, dessen Einsicht den Hypothekengläubigern offen stehen soll, damit nicht etwa sie sich über den Wert von Grundstück und Zubehör täuschen. Einen ähnlichen Standpunkt nimmt auch der zweite Gutachter Oberlandesgerichtsrat Niedner(Kiel) ein. Erster Bericherstatter ist Geheimer Justizrat Professor Dr. Enneccerus(Marburg). Seine Thesen gehen dahin: 1. Um die Wirksamkeit des Eigentumsporbehalts an Maschinen und anderen mit einem Grundstück oder Gebäude zu verbindenden Sachen zu sichern, sind besondere Vorschriften wünschenswert. 2. Es empfiehlt sich zu diesem Zwecke die Zulassung eines Vermerks im Grundbuch, durch welchen die Bestandteileigenschaft der mit einem Grundstück oder Gebäude zu verbindenden Sachen ausgeschlossen werden kann. 3. Sind die Sachen zum Ersatz abgetrennter Bestandteile mit dem Grundstück oder Gebäude verbunden oder ist ihre Wiederlostrennung nur unter Zerstörung oder erheblicher Beschädigung des Grundstücks oder Gebäudes möglich, so ist dem Vermerk gegenüver den schon vor der Eintragung des Vermerks im Grundbuch eingetragenen Rechten dritter Personen die Wirksamkeit zu versagen, wenn dies: der Eintragung des Vermerks nicht ausdrücklich zugestimmt haben.“ Als zweiter Reserent sprach Professor Dr. v. Neumann=Eitenreich(Wien) sich im gerade entgegengesetzten Sinne aus. Er verneinte sowohl auf Grund der österreichischen wie der deutschen Erhebungen über die Wirkung des Gesetzeo die Notwendigkeit der gesetzlichen Sicherung eines Eigeniumsvorbehalts an Maschinen. Die zeite Abteilung beschäftigte sich heute mit einer alten und wichtigen Frage des Handelsrechts, der Frage: Ist das Recht der Lagerscheine und Lagerpfandscheine reichsgesetzlich zu regeln. Gutachten haben Professor Dr. Heymann (Marburg) vom juristischen und Privatdozent Dr. Mollwo(Danzig) vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus unter Berücksichtigung des Getreidehandels erstattet. Man fürchete vom Lagerpfandschein eine Anregung der Spekulation wie vom Terminhandel. Die beiden Gutachter suchen diese Besorgnis zu zerstreuen, weisen auf die Erleichterung des Warenumsatzes und Warenkredites durch den Lagerpfandschein = W a r e n b e l e i h und fordern hielt Rechtsanwalt Dr. Pralle(Bremen). Er aab zunächst eine kurze Darlegung der Rechtslage, welche in Deutschland bis zum Jahre 1900 in Bezug auf das Warrantwesen bestand. Sie rechtfertigte den Wunsch nach einer reichsgesetzlichen Regelung der ganzen Materie. Allgemein wurde anerkannt, daß ohne reichsgesetzliche Regelung die wünschenswerte Entwicklung des gesamten Warrantkredits nicht geschehen konnte. Als Voraussetzungen einer gesunden Entwickelung wurden besonders zwei Bestimmungen angesehen: die Ordnung des Lagergeschäfts und der Haftung des Lagerbalters und die dringliche Wirkung der Uebergabe der indossierten Lagerscheines. Das neue H. G. B. nahm das Lagergeschäft unter die Grundgeschäfte auf, und verlieh der Begebung des an Ordre gestellten und indossierten Lagerscheines dingliche Wirkung. Art. 16 des Einführungsgesetzes wird die weitere Ausbildung des Rechts der Lagerscheine und der Lagerpfandscheine der Landesgesetzgebung überlassen. Endlich hai das Reichsgericht im Jahre 1904 die bis dahin streitige und ungemein wichtige Frage. ov Lagerscheine auf den Inhaber ausgestellt werden könnten, bejaht. Die vierte Abteilung erörterte im Anschluß an ihren gestrigen grundsätzlichen Beschluß Gunsten der Aufrechterhaltung des bestehen. lleio den Kollegialprinzips die Frage der Reform des amtsgerichtlichen Verfahrens. Die Frage steht im engsten Zusammenhang mit der prinziviellen : ob Einzelrichter oder Kollegialrichter. Die beiden Ezutachter zur Reform des Frage, ob Einzelrichter oder Kollegialt zur Reform des amtsgerichtlichen Verfahrens lehnen aber übereindes Warenumsatzes und Warenkredites durch den Lagerp (Warrant) hin, betonen den großen Umsatz mittels dieser Wa ung im Auslande— Paris jährlich 400 Millionen— un dringend ein deutsches Reichswarranigesetz. Das Referat hie stimmend eine mechanische Erhöhuno der Zuständigkeitssumme des Amtsgerichts ab. Beide erblicken sie in der vorgelegten Zivilprozeßnovelle keine geeignete Grundlage für die Rejorm des Amtsgerichtsprozesses. Amtsgerichtsrat Jastrow(Berlin) fordert vielmehr ein vollständig neues Gesetz für den Amtsgerichtsprozeß. ganz unabhängig von dem Landgerichtsprozeß. Der zweite Gutachter, Rechtsanwalt Dr. Dittenberger (Halle), erklärt die Kritik an dem geltenden Amtsgerichtsprozeß für durchaus berechtigt, er sei nicht einfach, nicht rasch und nicht billig genug. Daß im Volke das Vertrauen zur Rechtsprechung der Amtsgerichte nicht eben groß ist, beweist die Tatsache, daß die Berufungen sich in den letzten 20 Jahren bei den Amtsgerichtsurteilen mehr als verdoppelt haben. Besserung tut also not, läßt sich aber gesetzgeberisch nur durch ein umfassendes Gesetz über den Amtsgerichtsprozeß gleichzeitig mit einer Neuordnung des Landgerichtlichen Verfahrens schaffen. Nach diesen Reformen hält dann Dittenberger auch die Zeit für gekommen, um die Sondergerichte zu beseitigen und Gewerbe= und Kaufmannsgerichte zu ersetzen durch Gewerbe=, Schössengerichte und Kaufmannsschöffengerichte Auf diese Weise könne man zwei viel beklagte Mißstande zugleich beseitigen, die„Weltfremdheit“ der Zwilrichter und die Rechtszersplitterung durch die Urteile von Sondergerichten, gegen die vielfach noch nicht einmal Berufung zulassig sei.„„ Reserent int Oberamtsrichter Dr. Levis(Pforzheim). Er legte folgende Thesen vor: 1. Die Umgestaltung des amtsgerichtlichen Verfahrens ohne gleichzeitige Reform der ganzen Zivilprozeßordnung ist unangemessen. 2. Eine Prozeßrejorm beim Amtsgericht hat sich an die eigenartigen Verhaltnisse des amtsgerichtlichen Verfahrens anzuschließen und sollte eiwa folgende Ziele verfolgen: as die Beutreibungssachen sind möglichst an die Amtsgerichte zu leiten, deshalb ist 1. das Mahnverfahren umzugestalten, insbesondere durch Einfuhrung des Wechseln ahnverjahrens und dadurch, daß das übrige Verfahren beschleunig und unbegrundeten Widerspruchen moglichst vorgebeugt wird, 2. jede landgerichtliche Klage kann beim Amtsgericht eingereicht werden und ist nur an das Landgericht abzugeben, wenn die Sache streitig wird, 3. auf die Benutzung des Mahnverfahrens und amtsgerichtlichen Beitreibungsverfahrens ist durch geeignete sostenvorschriften hinzuwirken. b) Auf bedurftige Leute ist großere Rücksicht zu nehmen insbesondere durch Heranziehung einer Rechtstraft zur Unterstutzung der Parteien in und außerhalb der mündlichen Verhandlung. Ueberdies ist das Rechtskonsulententum mehr als bisher zu beschränken hauptsächlich dadurch, daß außer der Zurückweisung allein von der mündlichen Verhandlung die volle Ausschließung von der Vertretung angeordnet werden kann. c) Das Verfahren ist zu beschleunigen und zwar insbesondere durch Ermöglichung einer freien Entfaltung der richterlichen Anordnung vor der Verhandlung.“ Korreferent Prof. Stein(Leipzig) erklärte sich im wesentlichen mit diesen Thesen einverstanden. In der strafrechtlichen Abteilung wurde inzwischen die Diskussion über die Frage des Legalitätsprinzips fortgesetzt. Exzellenz Hamm trat dafür ein, aus der Frage des Legalitätsprinzips die Jugendlichen gänzlich ausscheiden zu lassen. Professor Koehler bat auszusprechen, daß das Legalitätsprinzip in seinem bisherigen Umjange hochgehalten werden müsse. Professor Gerland(Jena) hält die Einschränkung des Legalitätsprinzips nur für möglich, wenn die Entscheidung in die Hände des Richters gelogt werde. Das Legalitatsprinzip sei das notwendige Korrektiv gegen die Abhängigkeit der Staatsauwaltschaft. Wenn die Staatsanwalschaft unabhängig würde, dann würde die Gefahr der Kabinettsjustiz wegfallen. Professor Kade hält die Einschränkung des Legalitätsprinzips für durchaus möglich. Reichsanwalt Dietz tritt der Redensart von dem mangelnden Vertrauen in die Staatsanwaltschaft entgegen. Man hört immer, das Volk habe zu den Richtern kein Vertrauen und auch zu den Staatsanwälten nicht. Da bleiben also als Vertrauenspersonen des Volkes wohl nur die Rechtsanwälte übrig.(Heiterkeit.) Damit schloß die Diskussion. Bei der Abstimmung wurden zunächst die Thesen der Referenten derart angenommen, daß die Punkte 1, 2, 4 und 5 aus den Thesen des ersten Reserenten Grafen Gleispach und als dritter Punkt die These 2 des Staatsanwalts Dr. Feisenbeger zum Beschluß erhoben. Nachdem diese Abstimmung erledigt war, wurde gegen den Widerspruch der Minderheit der Antrag Olshausen mit einer kleinen Majorität angenommen. Er lautet: Die Vorschläge, die der Entwurf einer Si. P. O. zur Einschränkung des Grundsatzes des Verfolgungszwanges macht, sind zu billigen und auf Verletzungen des Urheberrechts. der Pakete= und Gebrauchsmuster auszudehnen. In diesem Falle ist jedech dem Verletzten das Recht zur Erhebung der prinzipalen Privat= klage zu gewähren. Es erscheint wünschenswert, daß bei einer Reform des materiellen Strafrechtes die Frage, in welchem Falle die Strafverfolgung nur auf Antrag einer Privatperson einzutreten hat, in grundsätzlicher Uebereinstimmung mit der Fraue der Zulässigkeit der Privatklage im Sinne des§ 377 des Entwurfes einer St. P. O. gelöst wird, sei es durch Vermehrung der Fälle der Privatklage, sei es durch Einschränkung oder Vermehrung der Antragsfälle, bei denjenigen Strafhandlungen, bei welchen die St. P. O. die Privatklage zuläßt. Im Strafgesetzbuche ist das Ersordernis eines Strafantrages für die Verfolgung in Wegfall zu bringen. Geh. Rat Professor Finger[Halle) beantragt nunmeyr zur Geschäftsordnung die Frage dem Plenum zur Montag, den 14. September 1908. erneuten Beratung zu überweisen. Kein Mensch im deutschen Volze werde aus diesen widersprechenden Beschlüssen eine Meinungsäußerung des Juristentages entnehmen können. Dieser Antrag wurde miringer Mehrheit angenommen und zum Berichterstatter Professor Gra Gleispach gewählt. In der ersten Abteilung knüpfte sich an die Frage des Eigentumsvorbehalts für Maschinen eine lebhat#te Discussion. Rechtsanwalt Dr. Isay(Berlin) erklärte, daß das Reichsgericht in seinen Entscheidungen über diese Frage sich mit sich selbst in Wiverspruch gesetzt habe. Gleichwohl habe es keine Entscheidung der vereinigten Zivilsenate herbeigeführt. Das sei ein Rechtsbruch, gegen den Juristentag protestieren müsse. Ein dahingehender Antrag wurde jcho schließlich zurückgezogen, und mit knavver Mehrbeit ein Antrag des Justizrats Neumann(Berlin) angenommen, der lautet:„In Erwägung, daß das bestehende Recht kein Hindernis bieret, den berechtigten wirtschaftlichen Bedürfnissen in Anjehung des Eigentumsvorbehalts an Maschinen zu genügen, hält der Juristentag eine Aenderung der Gesetzgebung zur Zeit nicht für geboten.“ In der zivilprozessualischen Abteilung kam man nach lebhaften Debatten zur Abstimmung. Angenommen wurde von den Thesen von Oberamtsrichter Dr. Levis These 1 und 2a, ferner die vom Korreserentzn Professor Stein an Stelle von 25 vorn### Fassung. Der letzte Absatz der Resolution Levis, der eine Beschleunigung des Verfahrens durch freiere Tätigkeit des Richters sordert, wurde abgelehnt, nachdem in der Debatte Amtsgerichtsrat Jastrow (Berlin) unter lebhaftem Beifall den Nachweis versucht hatte, daß eine Beschleunigung des Verfahrens nur durch erhebliche Vermehrung der Richter möglich sei Die handelsrechtliche Abteilung hörte das Korrefenzt von Professor Vavvenheim(Kiel) über die Frage der Lagerscheine und Lagernfandscheine. Seine Thesen wurden nach kurzer Debatte mit großer Mehrheit angenommen. Sie lauten:„1. Das Recht In Japan steht das Papier in großem Ansehen. man verfertigt aus ihm sehr warme Kleider für das Volk und Unterkleider für die Armee. In Frankreich fabriziert ein Herr Crabbe seit zwei Jahren Westen aus sehr widerstandsfähigem Papier, das ein sehr schlechter Wärmeleiter ist. Die Japaner benutzen das Papier für ihre Fensterscheiben, für die Mande, die die Wohnräume teilen, für Laternen, Regenschirme, Sonnenschirme, Taschentücher, für Handschuhe, für Bankbilletts. In Deutschland fabriziert man aus Papier Tonnen, Stempel Wannen. Blumenvasen, Milchtöpfe usw. In Springfield besteht eine besondere Fabrik für Papierflaschen, ebenso in Warion in Indiana. Auch wird das Papier zur Verfertigung von festen Tuchen und Möbeln verwendet. Ebenso verkauft man Hüte aus Papier, desgleichen künstliche Schwämme. Weit verbreitet ist das Streichholz aus Papier. Man beginnt neuerdings auch mit dem Verkauf von Fußdecken, Reisedecken, deren Preis ziemlich niedrig ist. Auch Schuhe aus Papier kommen in Gebrauch, und die aus Zellulose hergestellte künstliche Seide hat bereits ihre Geschichte. Erwähnen wir schließlich die sinnreiche Verwendung bei den Nachabmungen von Porzellan, Flinten, Kugeln, Lackschuhen, Billardtuch, Segeln für Schiffe, Brettern für Malereien usw. Nan hat in Rußland sogar ganze Häuser aus Papiermasse hergestellt. In Norwegen existiert eine Kirche, die ganz aus Papier errichtei ist, einschließlich der Glocke. Wir stehen also sicher im papiernen Zeitalter. Angesichts dieser unglaublichen Verwendungen, die sich noch leicht vermehren ließen, befällt uns ein gewisser Schrecken. Wenn man nur die in der Natur für den so vielfachen Gebrauch verbreiteten Vegetabilten benutzte, so wäre alles in bester Ordnung. Aber die Sache nimmt ein ernstes Aussehen an, wenn man daran denkt, daß man zum Holz seine Zuflucht nehmen muß. Das Holz, das ist der Wald, und unsere Wälder sind, wenn es so weitergeht, bedroht. Wie sehr wir nach dieser Richtung hin Grund zu Besorgnissen haben, ergibt ein Hinweis auf amerikanische Verhältnisse. Schon jetzt sind infolge des steigenden Bedurks an Zeitungspapier ganze Waldungen vollständig verwüstet worden. Die großen Papiermühlen, die in den nordöstlichen Staaten in großer Anzahl entstanden sind, können schon heute nicht mehr das nötige Rohmaterial beschaffen. Für die Erzeugung von Holzpapier müssen daher die weiter westlich liegenden Staaten Wisconsin, Minnesota, Michigan, Oregon und Washington, das nötige Rohmaterial(Fichten, Tannen, Pappeln usw.), überhaupt Bäume mit weichem Holz nach den Papiermühlen des Ostens verkaufen, soweit nicht ähnliche Anlagen in ihren Grenzen entstanden sind. Wo sich aber eine solche Mühle ansiedelt, da frißt sie den Wald um sich herum mit erschreckender Geschwindigkeit äuf. Selbst aus Kanada wird Holz zu diesen Zwecken einge führt, obwohl es einem Wertzoll von 15 Prozent unterworfen ist, der für die Tonne zwischen 650 und 20 Mark schwankt. Der Verbrauch an Holzpapier in der Union ist in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 von 3¼ Milliarden Psund auf 5½ Milliarden Pfund oder genauer um 56 Prozent gestiegen. Schuld an dieser gewaltigen Vermehrung waren nicht nur die leistungsfähigen Papiermaschinen, sondern vor allem der ins Ungeheure steigende Umfang der Zeitungen und Zeitschriften, besonders der Sonn tagsnummern. Nach der amtlichen Statistik wurden Sonntagsnum mern im Jahre 1905 von 456 Zeitungen berausgegeben, und die Gesamt auflagezahl dieser Sonntagsnummern betrug 11 539021. Der Durch schnittsumsang betrug etwa 32 Seiten. Es wurde also für einen einzigen Sonntag von diesen Zeitungen eine Papiermenge verbraucht, die ge nügen würde, um eine Bibliothek von 5900000 Bänden zu je 500 Seiten zu drucken! Nach einer anderen Stauistik liefert allein die Pro vinz Quebek— und in Kanada geht man nicht nur haushälterisch mit dem Rohstoff um, sondern hat auch ausgedehnte Forstschutzmaßregeln getrofsen— 500000 Tonnen Papiermasse, die in einem einzigen Jahre gewonnen wurde. In den Vereinigten Staaten sind 54 000 Arbeiter in 416 Papierfabriken beschäftigt. Eine einzige amerikanische Zeitung gebraucht jährlich für 3 750000 Francs Bäume. Eine französische Zeitung, die 5 Centimes kostet,„verspeist“ 120 000 Bäume. In der canzen Welt hat man in einem Jahre 50 678000 Meterzentner an Papier fabriziert, was einen Kubus darstellt von mehr als 51 000 Meter Höhe, Breite und Länge. Angesichts aller dieser Tatsachen darf man wohl sagen: Gewiß, das Papier ist uns nützlich, und wir können stolz darauf sein, im papiernen Leitalter zu leben, aber: Wie steht es mit der Zukunft unserer Wälder?! der Lagerscheine(Warrantsf ist reichsgesetzlich zu regeln. 2. Diese Regelung hat in Verbindung mit der gesetzlichen Ordnung der Lagergechäfte überhaupt zu erfolgen. 3. Sie ist in der Art zu bewirken, daß den Beteiligten die Möglichkeit gewährt wird, sich des Doppelscheines mit selbständigem indossablen Lagerpfandschein und Regreß auf Grund des Indossaments zu bedienen. 4. Das Erfordernis der staatlichen Ermächtigung zur Ausgabe indossabler Lagerscheine ist zu beseitigen und zwar auch dann, wenn es zu einer vollständigen reichsgesetzlichen Regelung der vergedachten Art nicht kommen sollte. In der strafrechtlichen Abteilung enspann sich zu Beginn der Nachmittagssitzung zunächst eine längere Debatte, welche von den beiden noch ausstehenden Themen zurückzustellen sei. Schließlick entschloß man sich, die Frage der Strafzumessungsgründe zu erörtern, weil sie bereits auf dem vorjährigen Juristentag zurückgestellt worden sind. Die Gutachten sind teilweise auch schon dem vorigen Juristentage vorgelegt worden. Erster Reserent war Wirkl. Geh. Rat Exz. Hamm(Bonn). Er sowohl, wie Reichsgerichtsrat Olshausen hatten umfangreiche Anträge ausgearbeitet, die sie schließlich zu einem einheitlichen Antrage vereinigten, der folgenden Wortlaut hat: 1. im besonderen Teile des St. G. B. sind, soweit die Natur der Delikte dies gestattet, regelmäßig anzuwendende ordentliche Strafrahmen auf zustellen, während durch außerordentliche die Möglichkeit zu gewähren ist, Strafen für besonders milde oder schwere Fälle ausnahmsweise zu bemessen. In dem ordentlichen Strafrahmen sind alternative Strafandrohungen möglichst zu vermeiden, 2. eine Förderung richterlicher Strafzumessung kann durch das Aufzählen einzelner Strafzumessungsgründe nicht erreicht werden, 3. das Urteil hat sich nach zwingender vorschrift genau über die Gründe der Strafzumessung in jedem einzelnen Falle. insbesondere auch über die Gründe der Anwendung eines außerordentlichen Strafrahmens auszusprechen.“ Das Korreserat hielt Professor Dr. Max Ernst Mayer(Straßburg). Sein Antrag lautet:„1. Die richterliche Strafzumessung kann weder durch Aufzählen einzelner Strafzumessungsgründe noch durch Angabe des Prinzips der Strafzumessung noch durch irgend eine andere gesetzliche Zumessungsvorschrift befördert werden. 2. Es empsichlt sich nicht, für ungenannte mildere oder schwere Fälle besondere Strafrahmen bereit zu stellen. Vielmehr sind die Strafrahmen so weit zu spannen, daß jeder denkbare, dem gesetzlichen Tatbestand entsprechende Fall ungebindert gewürdigt werden kann. 8. Eine Gesundung der Strafzumessung kann nur von einem stark differenzierten Strafirlte und einen ihm entsprechenden detaillierten Strafvollstreckungsgesetz erwartet werden. Im einzelnen sind folgende Mittel zu empfehlen: Ausprägung der einzelnen Strafarten zu scharf umrissenen Behandlungsarten und möglichst häufige Androhung von zwei Strafarten; b) Vergrößerung der Strafeinheiten(etwa in der Art, daß sich die Zuchthausstrafe nach Jahren oder Halbjahren, die Arreststrafe nach mehrtägigen Perioden abstuft); e) Ausprägung der über einem Jahr liegenden einelnen Strafgrößen zu scharf umrissenen Behandlungsten. 4. Eine befriedigende Strafzumessung ist unerreichbar, wenn in allen Fällen absolut bestimmte Strafen ausgesprochen werden müssen. Der Richter soll befugt sein, eine relativ bestimmte Strafe(d. h. eine durch Minimum und Maximum begrenzte) zu verhängen, jedesmal, wenn es in erster Linie darauf ankommt, den Sträfling durch eine ange, erziehende Strafe seiner verbrecherischen Neigungen zu entwöhne., 5. Das Urteil muß eine sorgfältige Begründung der Strafzumessung enthalten. 6. Ueber die Ausgestaltung und Bemessung der Geldstrafe sind besondere Grundsätze aufzustellen.“ In der Diskussion erklärte Professor Dr. Finger[Halle), daß nach seiner Ueberzeugung allgemeine Strafregeln nicht aufgestellt werden könnten, weil jeder Fall individualisiert werden müsse.— Geheimrat Frege(Liegnitz' und Landgerichtsdirektor Barnatsch Berlin) halten eine Ausdehnung der Strafzumessungsgründe im Gesetz fur empfehlenswert. Oberlandesgerichtsrat Professor Dr. Harburer(München) meint, daß man die milderen Umstände schon mit Rücksicht auf die Geschworenen nicht entbehren könne, daß ohne diese allgemein freigesprochen werden würde. Es sehlt in dem Strafgesetzbuch neben dem fürmellen Maß und den mildernden Umständen nur noch ein Anormalmaß nach oben. Nach sängerer Diskussion wurden in der Abtimmung die Anträge Olshausen=Hamm im wesentlichen angenommen. Gestrichen wurde der Satz:„In dem ordentlichen Strafrahmen sind alternative Strafandrohungen möglichst zu vermeiden“, was in diesem Punkte eine Anerkennung für die Thesen des Korreferenten dedeutet.— Hinzugefügt wurde auf Antrag des Oberstaatsanwalts Dr. woael(Wien) die Forderung, in die Strafprozeßordnung eine allgemeine Bestimmung aufzunchmen, daß der Richter vor der Urteiléfällung nicht nur alles festzustellen hat, was zur Aufklärung der Staatsanwaltschaft führt, sondern auch die Umstände zu ermitteln hat, die eine Erkenntnis der gesamten Persönlichkeit des Täters ermöglichen und seine Beurteilung beeinflussen können. Die bandelsgesetzlige Abteilung beschäftigte sich heute nachmittag mit ihrem wichtigsten Beratungsgegenstand, dem Ersinderrecht der Angestellten. Die Reserenten Dr. Allfeld(Würzburg) und Dr. Klöppe! (Elberfeld) legten eine Reihe sehr ausführlicher The' vor, deren hauptsächlichster Inhalt sich wie folgt darstellt: Es ist an dem Beschlusse des Kieler Juristentages festzuhalten, daß die Erfindung dem Angestellten gehört, der sie gemacht hat und dem Geschäftsherrn nur, wenn dies durch Vertrag bestimmt ist. Darüber hinaus will Professor Allfeld aber durch eine Aenderung des Patentgesetzes und des Gesetzes über den Gebrauchsmusterschutz festlegen, daß nur der wirkliche Erfinder au diesen Schutz Anspruch hat. Am wichtigsten unter den Thesen ist aber die Bestimmung, daß Vereinbarungen, durch welche jemand seine Erfindungen oder Geistesschöpfungen an einen anderen ohne Entgeld überläßt oder auf die Ehre der Erfindung oder Geistesschöpfung verzichtet, nichtig bleiben soll.— In der Diskussion vertrat Rechtsanwalt I.s! (Berlin) den Standpunkt, daß die ganze Frage noch nicht spruchren, sei. Seit dem Kieler Juristentage sei eigentlich noch gar nichts geschee; um sie schon wieder zu behandeln.— Justizraf Häuser[Höchstl. alVertreter der Höchster Farbwerke legte in ausführlichen Darlegungen den Standpunkt der Großindustrie zu der vorliegenden Frage dar. Hervorragende Erfindungen würden von Angestellten nicht gemacht. F# men nie vor, dann beuge sich alle Welt vor dem Genie Blitz.. großen Erfinder brauche man nicht zu schützen. Die kleinen Erfind# würden aber von dem weit überwiegendem Teil der Großfirmen angestellt, um überhaupt etwas zu erfinden, und wenn sie das nicht leisteten, dann würden sie entlassen. Man mache also solche Anstellung künftig unmöglich, wenn man der Großindustrie solche Werter####e# bietet. Der Referent Allfeld zog darauf die hauptsächlichsten seine! Thesen zurück.— In der weiteren Diskussion traten die Rechtsanwal Saul. Samuel und Jafsa entschieden für den Standpunkt:“ technisch=industriellen Beamten ein. Der Korreferent Dr. Klöbt 8. Blatt Nr. 216.— 6. Jahrgang. Montag, den 14. September 1008. Gelsenkirchener Amtliches Kreisblatt für den Stadt75. Auszahlung von 500 Mark der Unfall=Unterstützung der Allgemeinen Zeitung. Infolge unverschuldeten Unfalls— Steinfall— starb am 24. August d. I der Hauer Wilhelm Kunski, Gelsenkirchen, Martenstraße 89, wohnhaft. Der Verunglückte war Abonnent der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung" und wir zahlten infolgedessen auf Grund unserer Abonnenten=Versicherung 300 Mark der hinterbliebenen Witwe aus. Tedes=Bescheinigung. Der Bergmann Wilhelm Kunski ist am 22. August 1908 durch Verschüttung tödlich verunglückt. Unfallbescheinigung. Der Hauer Wilhelm Kunski ist am 22. August 1908 infolge tödlicher innerer Verblutung und Ersticken infolge Verschüttung des Kopfes und Rumpfes verunglückt. Zeche Pluto I. den 24. August 1908. Baumann, Betriebsführer. Quittung. Von der Geschäftsstelle der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung" die Unfall=Unterstützungssumme von 300 Mark erhalten zu haben bescheinigt Gelsenkirchen, den 12. September 1908. Frau Witwe Wilhelm Kunski. Ausstellung für Säuglings- und Kinderpflege. Solingen, 12. Sept.(Tel.) In der städtischen Schützenburg ist heute mittag die bis zum 23. d. M. dauernde, unter dem Protektorat des Oberpräsidenten der Rheinprovinz stehende Ausstellung fü. Säuglings= und Kinderpflege im Namen der Kaiserin durch Kabinettsrat Dr. von Behr=Pinow eröffnet worden. Dem Festakt wohnte u. a. der Oberpräsident von Schorlemer=Lieser, Regierungspräsident Schreiber=Düsseldorf, sowie Männer der Wissenschaft bei. Oberbürgermeister Dicke begrüßte die Erschienenen herzlich und dankte namentlich dem kaiserlichen Hause für das große Interesse, das es der Ausstellung entgegengebracht habe. An dem von mehr als 120 Ausstellern beschickten Unternehmen, das zweite in Deutschland, ist auch das kaiserliche Gesundheitsamt, sowie das kaiserliche statistische Amt mit umfangreichem Material beteiligt. Die Ausstellung umfaßt neun Abteilungen und stellt den Werdegang des Kindes, bezw. dessen Bedürfnisse von der Geburt bis zum reiferen Schulalter in gesunden und kranken Tagen dar. Nach der Eröffnungsfeier fand ein Rundgang durch die Ausstellung statt, danach ein Festessen im Kusino. Die Kaiserin hat als Preise zwei Porträtmedaillen und der Minister der Geistlichen, Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten 7 Staatsmedaillen ausgesetzt. Die Akkumulator-Doppelwagen der preußischen Staatsbahnen. * Berlin, 12. Sept. Die Preußische Staatsbahn=Verwaltung hat eine neue Triebwagenart eingeführt, um auf Hauptund Nebenbahnen, wo ein Bedürfnis dafür vorliegt, einen Zwischenverkehr neben den großen durchgehenden Hauptzügen einzurichten, 3. B. für den Vorortverkehr von Mittelstädten, als Zubringer für die Stationen, an denen die durchgehenden Schnellzüge halten, zur Verdichtung des Betriebes auf verkehrreichen Strecken, wie im oberschlesischen Industriebezirk, ebenso aber auch als Ersatz für Dampfzüge in verkehrarmen Gegenden usw. Für solche Zwecke genügt ein alleinfahrender Wagen, so daß reiner Akkumulatorenbetrieb Verwendung finden kann. Der erste fertiggestellte Akkumulator=Doppelwagen ist heute auf dem Geleise der Dresdener Bahn durch Geheimrat Rathenau von der Allgemeinen ElektrizitätsGesellschaft und Geheimrat Wittfeld vom Ministerium der öffenliichen Arbeiten den Vertretern der Presse im Betrieb vorgeführt worden. Er besteht aus zwei kurzgekuppelten, zweiachsigen Einzelwagen, deren jeder in einem Vorbau eine Akkumulatorenbatterie enthält. Da die Vatterieräume von allen übrigen Räumen vollständig getrennt sind, bleiben die letzteren völlig frei von Säuredämpfen. Der Doppelwagen saßt mehr als 100 Personen, und zwar ist die eine Wagenhälfte as 3. Klasse eingerichtet, die andere enthält die 4. Klasse; außerdem hat jede Wagenhälfte selbstverständlich ein Führerabteil, das gleichkeitig ähnlich wie bei Straßenbahnwagen als einziger Zugang der Reisenden zu dem Wageninnern dient. Die Wagen sind oben hellgelb, auf der untern Hälfte dagegen je nach der Wagenklasse braun oder grau gestrichen; sie besitzen einen mittleren Durchgang mit Türen zwischen beiden Wagenhälften. Die elektrische Ausrüstung dieser Wagen ist ihrem Zweck entsprechend in allen Teilen möglichst einfach und dauerhaft entworfen, damit sie auch bei weniger sachgemäßer Behandlung betriebsfähig bleibt, da die Wagen über das ganze Land weit verstreut fern von aufsichtführenden Zentralstellen ihren Dienst zu versehen haben. Die Batterie besteht aus 168 Zellen und besitzt eine Spannung von etwa 310 Volt. Der Wagen kann mit einer Ladung rund 100 Kilometer zurücklegen, die beiden Triebmaschinen leisten je 80 Pferdestärken und laufen mit 50 Kilometern Höchstgeschwindigkeit. Da in Aussicht genommen ist, auf Strecken, die sich dazu eignen, dem Akkumulator=Doppelwagen überhaupt nur einen Wagenführer und keinen weiteren Zugbegleiter mitzugeben, sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen worden, um die Reisenden vor Schaden zu bewahren, wenn diesem einzigen Zugbegleiter ein Unfall zustoßen oder er krank werden sollte. Zu diesem Zweck ist eine Vorrichtung angebracht, die, wenn vom Führer losgelassen, Notbremsung eintreten läßt. Außerdem besitzen die einzelnen von den Reisenden benutzten Abteile die üblichen Notbremszüge für die Luftbremse. Diese Wagenart ist vom Geheimen Oberbaurat Wittfeld entworfen worden, die Wagenkasten wurden von der Breslauer Aktien=Gesellschaft für Eisenbahn=Wagenbau, die Batterien von der Akkumulatoren=FabrikAktien=Gesellschaft Berlin=Hagen, die elektrische Ausrüstung von der Allgemeinen Elektrizitäts=Gesellschaft Berlin geliefert. Die heutige erste Probefahrt verlief glänzend, und ließ es völlig glaubhaft erscheinen, daß sich auch der Minister der öffentlichen Arbeiten, der vor einigen Tagen dieselbe Strecke gefahren war, äußerst anerkennend über diesen neugeschaffenen Wagentyp ausgesprochen hat. Der Wagen läuft fast geräuschlos, oft ohne Strom, nur durch sein lebend's Schwergewicht. Die innere Ausstattung der Wagen ist ebenso einfach wie praktisch. Zwar gibt es keine Polstersitze, doch sind die Holzbänke bequem und gefällig. Auch das Aeußere der Wagen macht einen ansprechenden Eindruck. Trotz der mitgeführten schweren Akku mulatoren sind sie von gefälligen Größenverhältnissen und bilden eine Zierde des Bahnkörpers. Auf der Strecke Berlin=Zossen fuhr der Doppelwagen, von einem gelehrten Techniker der Allgemeinen Elektrizitäts=Gesellschaft geführt, mit Sicherheit hin und zurück und ließ erkennen, daß dieser Typ eine große Zukunft hat, nicht nur im Vorort= und Nahverkehr. um die Personenzüge zu ersetzen, sondern auch um die Fahrgelegenheit zu verbessern und besonders den Anschluß an Schnellzüge zu vermitteln. Es sind auf Grund des Etats 57 solcher Wagen in Bestellung gegeben worden, je ein Drittel bei der Allgemeinen Elektrizitäts=Gesellschaft, bei Siemens=Schuckert und bei Felten u. Guilleaume=Lahmeyer=Werke. Geheimrat Rathenau machte den liebenswürdigen und beredten Führer. Weitere Erläuterungen gab auch Geheimrat Wittfeld. nach desten Plänen diese Wagenart entworfen worden ist. Der heute erprobte Wagen wird zwischen Insterburg und Königsberg laufen. Eine Tolge der Moltke-Barden-Prozelle? Unter dieser Spitzmarke schreibi die„Milit.=polit. Korresp.“: Leutnant von Kruse, bisher im Kürassier=Regiment Kaiser Nikolaus I. von Rußland(Brandenburgisches) Nr. 6, der Sohn aus erster Ehe der Frau Lilly von Elbe, und geschiedenen Gräfin Kuno von Moltke, ist durch kaiserliche Kabinettsorder aus Urville vom 10. September in das am 1. Oktober d. J. zu errichtende Jäger=Regiment zu Pferde Nr. 5 nach Mülhausen i. E. versetzt worden. Der Tausch von den Brandenburger Kürassieren, einem der sogenannten„vornehmen“ und feudalsten Regimenter der Armee, mit dem neuen GrenzRegiment würde kaum als besondere Auszeichnung für den jungen Offizier aufzufassen sein. Ein schwerer Unfall an Bord eines deutschen Unterseebootes, der den Tod eines Werkführers zur Folge haben dürfte, wird aus Danzig gemeldet. Wir erhalten hierüber folgenden Bericht: Danzig, 12. Sept. An Bord des auf der Kaiserlichen Werft liegenden Unterseebootes„U 2“ hat sich ein schweres Unglück ereignet. Durch Abspringen eines Maschinenteils wurde dem Werlführer Max Zobel(Danzig) ein Auge ausgerissen. Außerdem erlitt er einen doppelten Schädelbruch. Zobel wurde in hoffnungslosem Zustande in das Lazirett geschafft. Wie im Reichsmarineamt mitgeteilt wird, scheint sich der Unfall bei Vornahme einer Reparatur on der elektrisch betriebenen Luftpumpe ereignet zu haben, während diese im Gange war. Hierbei wird die Rehrleitung gerissen sein, von der ein Stück absprang und Zobel schwer verletzte. Wir waren bisher in der glücklichen Lage, seit der Einführung der Unterseeboote in unserer Marine nicht einen einzigen der Unfälle verzeichnen zu müssen, wie sie bei dieser neuen Waffe in anderen Marinen in großer Zahl vorgekommen sind. Und diesmal handelt es sich effenbar nicht um einen Vorgang, der mit dem Gesamtsystem der Konstruktion zusammenhängt, sondern um einen Fehler eines Einzelteiles der Maschinenanlage. Mit solchen muß man bekanntlich stets rechnen, selbst bei den längst erprobten Dampfmaschinen und Kesselanlagen der Kriegs- und Handelsschiffe, erst recht natürlich bei solchen Neukonstruktionen, die bei den Unterseebooten erst auf ihre praktische Verwendbarkeit in der Front ausprobiert werden sollen. So betrabend daher der Unfall an sich ist, so bietet er doch keinerlei Anlaß zu einer Aenderung der Werteinschätzung der bei uns eingeführten Unterscebootstyps. Röpenick. Der„Hauptmann“ von Köpenick, vor dem die berühmtesten Kollegen der Schusterzunft, Hans Sachs und Jakob Böhme, an internationalem Ruf weit zurückstehen, hat einen Vorläufer in Hery Chamberlain, einem ehemaligen Offizier der britischen Marine; freilich handelte letzterer nicht mit verbrecherischen Absichten. In einem Briefe an die Times erzählt Chamberlain folgendes. Ein oder zwei Jahre vor dem Streiche Voigts unternahm er an einem Augustmorgen einen Spaziergang über das Schlachtfeld von Wörth. Er trug einen altgedienten Reiseanzug, Jagdstiefel, Flanellhemd, Regenschirm und machte, wie er vermutet, einen recht englischen Eindruck, zumal sein deutsches Vokabular nur aus etwa 40 Wörtern bestand. Er traf einen kleinen Trupp Soldaten und redete sie an, mit Gebärden nachhelfend, wo Worte fehlten. Auf die Frage:„Seid ihr Preußen?“ antworteten, sie im Chor:„Nein, Sachsen!" Chamberlain stellte sich darauf als Anglo=Sachsen vor; ein Soldat trat auf ihn zu und schüttelte ihm zu seiner Verwunderung herzlich die Hand. Zufällig erwähnte Chamberlain, daß er Offizier sei. Als das Wori Lffizier an ihr Ohr schlug, knöpften sich die Soldaten eilfertig ihre Jacken zu und schoben die Gürtel zurecht. Auf eine Frage Chamberlains teilten sie ihm mit, daß sie nach Niederbronn marschierten, um von dort nach Bitsch zu fahren. Im Scherz sagte Chamberlain:„Auch ich gehe nach Niederbronn. Ihr seid von meinem Regimeni, ich bin euer Oberst!“ Sofort setzten sich die Soldaten in Reihen, das Kommando „Rechts um!“ ertönte, und der Trupp marschierte in Schritt und Tritt ab, geführt von dem Engländer, der seinen Regenschirm, seinen erdinären Wollenregenschirm, wie einen Degen trug. In kurzer Enkfernung lag ein Soldat im Grase; als er den Zug sah, sprang er ohne weiteres auf, zupfte seinen Anzug zurecht, stand stramm und schloß sich an. Dem Pseudo=Oberst wurde es schwül, als sich der Zug Niederbronn näherte. Was wird geschehen, fragte er sich, wenn wir einem deutschen Offizier begegnen, und wie soll ich ihm jemals in metnem gebrochenen Deutsch diese außerordentliche Anmaßung der Befehlsgewalt erklären? So sagte er denn zu den biedern Sachsen: „Ich muß in mein Hotel zurück“ und schwenkte ab. Die Soldaten grüßten militärisch, und hinter einer Hausecke spähend, sah Chamberlain „sein Regiment“ mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks weiterziehen. Da der falsche Oberst kaum deutsch reden konnte, erscheint die Geschichte höchst unwahrscheinlich. Die Millionenbetrügereien des Exministers Alberti Die Betrügereien des früheren Ministers Alberti haben, wie die letzten Meldungen aus der dänischen Hauptstadt dartun, noch mehr Kassenteilnehmer zu Schaden gebracht, als man bisher angenommen hatte. Es wird hierüber berichtet: Kopenhagen, 12. Sept. Es verlautet, daß der Butterexportverein gegen die Bezahlung der von Alberti kontrahierten Schuld protestieren will. Jetzt ist festgestellt, daß 26000 Sparer Einzahlungen unter 2000 Kronen bei der Bauernsparkasse geleistet haben und 5000 Einzahlungen von mehr als 2000 Kronen gemacht wurden. Der Gedanke ist angeregt worden, wenigstens einen Teil der durch Alberti unterschlagenen Willionen durch öffentliche Sammlungen im Lande wieder einzubringen.— In einem Geldschrank seines Privatbureaus sand sich unter Papieren ein scharf geladener Revolver schweren Kalibers. Albern trug sich also für den Fall des Eintritts der früher oder später unabwendbaren Katastrophe mit Selbstmordgebanken, obwohl er nun im entscheidenden Augenblick aus noch unbekannten Gründen den Weg zum Gefängnis vorgezogen hat. Offenbar ist dem Vorgefühl seinen eigenen Schicksals das bisher unverständlich gewesene ganz außerordentliche Interesse entsprungen, mit dem Alberti als Justizminister das in mancher Hinsicht von ihm gemilderte Schicksal der Gefangenen umfaßte. Erfolgreicher Aufstieg des Militärluftschiffes. Berlin, 12. Sept.(Tel.) Das Militärluftschiff, das abend 10 Uhr von Tegel mit Major Groß, Major Sperling, Oberingenieur Basenach und einem Monteur aufgestiegen war. ist heute morgen nach 13 stündiger Fahrt in vorzüglichem Zustande wieder gelandet, nachdem es dreihundert Kilometer zurückgelegt hat und Höhen bis zu 1000 Metern bei 7—12 Meter Windstärke erreicht hat. Magdeburg, 12. Sept.(Tel.). Heute morgen 8¼ Uhr wurde das Militärluftschiff über unserer Stadt gesichtet. Nachdem es etwa 10 Minuten manöveriert hatte, flog es in der Richtung nach Berlin zu. Flugrekord Wrights. Fort-Miers, 12. Sept.(Tel.) Orville Wright vollführte gestern morgen einen neuen Dauerflug von 70 Minuten 26 Sekunden. Die bei dem Fluge am Donnerstag erreichte Geschwindigkeit ist auf 39 ½/ englische Meilen in der Stunde festgestellt worden. Ueber einen neuen verbesserten Rekoro meldet uns noch der Draht: Washinton. 13. Sept.(Tel.) Orville Wright übertraf seinen bisherigen Rekord, indem er einen Flug von 74 Minnten 24 Sekunden ausführte. Er, erreichte dabei eine Höhe von 250 Fuß. Bei einem zweiten Flug, den er mit einem Teilnehmer unternahm, hielt er sich 9 Minuten 6 Sekunden in der Luft. Bingen a. Rh. Am Rheinischen Technikum wurde das neue von der Stadt erhaute Maschinenlaboratorium fertig gestellt und soll mit Beginn des Winter=Semesters in Gebrauch genommen werden. All die Versuche an fertigen Dampfmaschinen, Dampfkesseln, Gas= und Benzinmotoren, die bisher auswärts angestellt wurden, können nunmehr in der Anstalt selbst ausgeführt werden. Die Frequenz wird im Winterhalbjahr abermals eine Zunahme erfahren. Außer Maschinenbau und Elektrotechnik werden Spezialvorträge über Automobilbau und Brückenbau gehalten. Die seit 8 Jahren mit der Anstalt verbundene Chauffeurschule erfreut sich ebenfalls einer guten Entwicklung. Der Leiter beider Anstalten ist der in Fachkreisen bekannte Regierungsbaumeister Hoepke. Gesonderte Programme über das Technikum wie über die Chauffeurschule werden kostenfrei versandt. Montag, den 14. September 1908. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, gestern abend 11½ Uhr meinen innigstgeliebten Mann, unsern lieben Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, Herrn nach langem, schweren, mit grösster Geduld ertragenem Leiden, im Alter von 29 Jahren, zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Mit der Bitte um stille Teilnahme zeigen dies tiefbetrübt an: Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelmine Kaarmeyer geb. Willmann. Röhlinghausen, Gelsenkirchen, Meiderich, Bielefeld, den 12. September 1908. Die Beerdigung findet statt am Dienstag, den 15. 3½ Uhr, vom Sterbehause, Heinrich de. Mts., nachm strasse 86 in Röhlinghausen. Allen, denen aus Versehen eine besondere Einladung nicht zugeht, diene dieses als solche. Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 3 vom Tranerhause, Muhlenstrasse 26, aus statt. Aögemctse Bekanntmachung. Die Hufbeschlagprüfungen vor der staatlichen Prüfungsmission fur den Regierungsbezirk Arnsberg finden regelGott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, heute nachmittag 6¼ Uhr meinen innigstgeliebten Gatten, unseren lieben unvergesslichen Vater, Grossvater und Onkel, den Steiger a. D. Herrn Heiprich Buschmann im 67. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Er entschlief sanft und Gott ergeben. Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme betrübt an Die tieftrauernden Hinterbliehenen. Im Namen derselben: Witwe H. Buschmann. Gelsenkirchen, Blelefeld, Herford, Amsterdam u. Steele, 12. Sept. 1908. Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. Ringstrasse 119. aue statt. Sen! vom Sterbehause, Engl. Arbeiter-Verein Geleenkirchen. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen, Gebieter über Leben und Tod, hat es gefallen, unser treues langjähriges Ehrenmitglied Steiger a. D. zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Die Beerdigung findet am Dienstag, 15. Sept. cr. nachmittage 4 Uhr vom Sterbehause, Ringstr. 119, auls statt. Zum letzten Ehrengeleite treten die Mitglieder um 3¾ Uhr im Vereinshause an Um recht zablreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Statt besonderer Anzeige. Nach jahrelangem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden, erlöste der Herr heute morgen 9½ Uhr meinen lieben Sohn, unseren guten Bruder, Schwager und Onkel Herrn Carl Hörster Bekanntmachung. Im Wilhelmstift zu Wanne, Hernerstraße 1, ist eine Stelle zur Annahme von abgelegten Kleidungs= stücken, Wäsche, Schuhwerk pp. eingerichtet und bitten die Bewohner des Amtes, besonders die alleinstehenden Herren, um Ueberweisung von Sachen, die auf Wunsch auch abgeholt werden. Die Verteilung an bedürftige Personen, namentlich an verschämte Arme, übernimmt die Armenverwaltung. Wanne, den 7. Sept. 1908. Die Armenverwaltung Weiberg. mäßig am zweiten Mittwoch eines jeden Vierteljahres statt. Die nächste Prüjung ist demnach am 14. Oktober 1908. T## weiteren Angaben über den Ort und die Schmiede werden den Prüflingen durch die Ladung bekannt###### Herrn Veterinärrat Blome, welcher als RegierungsKommissar an den Prüfungen teilnimmt, habe ich zum Vorsitzenden der aus 3 Mitgliedern bestehenden Prüfungskommission ernannt.„„ Der Meldung zur Prüfung, welche an den Vorsitzenden zu richten ist, hat der Prüfling folgende Nachweise beizu1. Die amtliche Bescheinigung, daß er das 19. Lebensjahr vollendet hat(Geburtsschein). 2. Die amtliche Bescheinigung, daß er mindestens die letzten 8 Monate vor der Meldung im Bezirk der PrüfungsKommission sich aufgehalten hat. 3. Die Versicherung, daß er innerhalb der letzten sechs Monate einer Hufbeschlagprüfung nicht erfolglos sich unterzogen hat. 4. Die Bescheinigung über die erlangte theorettsche und praktische Ausbildung. Der Vorsitzende entscheidet über die Zulassung zur Prüfung und beruft die Prüflinge zur Prüfung ein. Im Falle der Zulassung hat der Prüflino 10 Mark Prüfungsgebühr porto- und bestellgebührenfrei an die Königliche Regierungshauptkasse in Arnsberg mit dem Vermerr „Gebühr für Hufbeschlagprüfung" einzuzahlen. 5. Von der erfolgten Einzahlung der Gebühr setzt der Prüfling den Vorsitzenden durch Einsendung der Quittung und des Posteinlieferungsscheines in Kenntnis Die Prüfungsgebühr ist verfallen, wenn der Prüfling ohne genügende Entschuldigung im Termin nicht erscheint oder die Prüfung nicht besteht. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit kann die Gebühr ganz oder teilweise erlassen werden. Zur Prüfung hat der Prüfling ein Rinnenmesser und einen Unterhauer mitzubringen. Das übrige Handwerkszeug, die Schmiedeeinrichtungen und die nötigen Pferde werden von der Kommission zur Verfügung gestellt. Arnsberg, den 10. August 1908. Der Regierungspräsident. In Vertretung.(gez.) Unterschrift. Empfehle hiermit den geehrtes Bewohnern von Gelsenkirchen mein hublager u. Schuhmacherei. 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B ist bei der unter Nr. 57 eingetragenen Zweigniederlassung der Aktiengesellschaft Essener Creditanstalt eingetragen worden: Dem Ernst Locher in Essen, dem Paul Ramser in Essen ist Prokura dahin erteilt, daß jeder von ihnen in Gemeinschaft mit einem Vorstandsmitglied oder einem Prokuristen zur Ver tretung der Gesellschaft befugt ist. Die Prokura des Wilhelm Thien in Essen, Karl Baurose in Essen und des Johannes Ibbeken in Dorsten i. W. ist erloschen Gelsenkirchen, den 3. September 1908. Königliches Amtsgerichts. Bekanntmachung. Der in dem Konkursverfahren über das Vermögen des Drogisten Engen Pohl zu Gelsenkirchen auf den 17. September 1908 anberaumte Schlußtermin ist aufgehoben und auf den 8. Oktober 1908, vormittags 10 Uhr, Zimmer Nr. 32 verlegt worden. Gelsenkirchen, den 10. September 1908 Königliches Amtsgericht. 10 Privatreisende u. Wiederverkäufer ür größte Kuriosität. Jeder mann stannt! Jedermann kauft 1—12 Stück. 500 Mk. und mehr von Reisenden pro Monat erzielt. Ch. 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Bruch, Violinkonzert: C. Franck, sinfonische Iariationen für Klavier. Niela W. Gade, Ouverture Nachklänge von Ossian. F. Mendelssohn Bartholdy. Elias, G. Pierné, der Kinderkreuzzug: F. Rachmaninof, Klavierkonzert: W. Reger, Variationen für Orchester; R. Strause, Till Eulenspiegel. Ihre Mitwirkung haben sugesagt die Damen: Aechaffenburg, Hömke, von Kraue-Oeborne, van de Linde, Noordewier-Reddingius, Pregi, Stronck-Kappel und Wendeborn, sowie die Herren: Francke, Gabrilowitsch, Hese, von Kraus, Moest, Seniue, Süsse und Thibaud. Ferner Mitglieder des Averkampschen a Capella-Chors. Platzkarten werden ausgegeben in der Buch- und Musikalienhandlung von Thaden amp; Schmemann, Easen, Viehoferstrasse 14. 1. Für die 6 Abonnementa-Konzerte zusaminen zu 18.— Mk., 13.50 Mk., 10.— Mr. und 7.50 Mk., und zwar vom 18. bie 19. September für diejenigen Abonnenten, welche ihre bisherigen Plätze zu behalten, und vom 20. bie 26. 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(Elberfeld) trat auf Grund der Statistik der Behauptung entgegen, daß die technischen Angestellten schlechte Gehälter bezögen. Seine Antrage janden Annahm in folgender Form: 1. Die Erfindung gehört dem Angestellten, der sie gemacht hat und nicht dem Geschäftsherrn, sofern nicht durch Vertrag das Gegenteil bestimmt ist, 2. Im übrigen empfiehlt es sich nicht, die Vertragsfreiheit über die Erfindungen oder sonstigen Geistesschöpfungen von Personen. die in einem Angestelltenverhältnis stehen, zu beschränken. 3. Im Patentgesetz und Gebrauchsmustergesetz ist zu bestimmen, daß dem Erfinder, falls seine Erfindung durch einen andern angemeldet wird, ein im Wege der gerichtlichen Klage verfolgbarer Anspruch zusteht, als Erfinder in allen auf die Erfindung bezüglichen Urkunden und Publikationen des Kartellamtes benannt zu werden. Die erste Abteilung, die handelsrechtliche, beschäftigte sich mit der Frage: welche zivilrechtlichen Folgen knüpfen sich an die im modernen Lohnkampf üblichen Verrusserklärungen, insbesondere an das Verbot oes Einkauss und Verkaufs, des Arbeitgebens und Arbeitnehmens? Erster Referent ist Oberlandesgerichtsrat Dr. Lobe(Dresden). Nach langen historischen und rechtsphilosophischen Ausführungen gelangt der Referent zu folgenden Thesen: „Wer in der Ausübung seiner Erwerbstätigkeit widerrechtlich beeinträchtigt wird, kann von dem Störer die Beseitigung der Beeinträchtigung verlangen. Sind weitere Beeinträchtigungen zu besorgen, so kann er auf Unterlassung klagen. 2. Wird die Beeinträchtigung vorsätzlich oder fahrlässig vorgenommen, so ist der Störer dem Verletzten zum Ersatz des daraus entstandenen Schadens verpflichtet. Diese Ansprüche sind ausgeschlossen, wenn die Beeinträchtigung durch eine Tätigkeit, zu der der Störer ebenso befugt ist, oder wenn er dem Erwerber gleichberechtigt ist. Der Korreferent Professor Dr. Rosin (Freiburg) fand die Auffassung des Referenten, die sich im wesentlichen dem Gutachten des Kammergerichtsrates Dr. Pape anschließt, widerspruchsvoll und nicht brauchbar. Der Redner gelangt zu dem Antrag die zivilrechtlichen Voraussetzungen und Folgen unerlaubter Verrufserklärungen beseitigen sich im allgemeinen nach§ 826 B. G. B. Der Juristentag hat das Vertrauen zur Rechtsprechung, daß sie wie bisher auch fernerhin es verstehen wird, auf der Grundlage dieser Bestimnungen die Interessen der Erwerbstreibenden und Arbeiter zu wahren. In diesem Sinne hält der Juristentag eine Aenderung des Gesetzes nicht für geboten. In der Diskussion bestritt Dr. Peltason, Syndikus des Voykottschutzverbaudes deutscher Brauereien, daß der Boykott ein loyales Kampfmittel sei. Dr. Leidig, früherer Syndikus des Zentralverbandes deutscher Industrieller, trai dafür ein, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Der Verruf sei ein zwar gefährliches, aber nicht unzulässiges Kampfmittel. Er stimme dem Antrag Rosin zu. Ebenso r. Tänzler, der=Leiter der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände. Landgerichtsrat Kuhlemann, ist der Auffassung, daß nicht die guten Sitten, fondern die Erwerbsinteressen entscheidend sein müßten für die Zulässigkeit oder Un ulässigkeit des Boylotts. Nach wetteren Reden wurde der Antrag Rosin angenommen. Die zwilprozessuale Abteilung beschäftigte sich mit der Frage: (empfiehlt sich eine Aenderung des Rechtsmittels der Revision in Zivilsachen Ueber diese Frage entwickelte sich eine außerordentlich interessante und komplizierte Deoatie, an der sich eine Fülle von Rednern beniigte. Der Referent Professor Dr. Schmidt(Freiburg) trat zunachst für Errichtung von Hilfssenaten ein und wollte erst, wenn die Jehl der Revisionen andauernd wachse, zu einer Einschrankung der Revisionen selbst kommen. Vorläufig woulte er mit kleinen Mitteln heisen. Der andere Referent Reichsgerichtsrat Dr. Peters(Leipzig vertrat hingegen die Anschauung, daß schon jetzt eine erhebliche Einrankung der Revisionen stattfinden müsse. Er forderte außerdem Strafe für diejenigen, deren Revssion zuruckgewiesen werde. Umfangreiche Anträge legten ferner vor Justizrat Salinger(Berlin] und Gey. Justizrat Erythropel. der Vorsitzende des Deutschen Anwaltvereins. Schließlich wurde ein Antrag Erythropel=Peters angenommen, der s#igenden Wortlaut hat:„Die Entscheidung über eine wesentliche Einhrankung des Rechtsmittels der Revision ist der durchgreifenden Reserm des ganzen Prozeßverfahrens vorzubehalten, zumal eine im wesentlichen, dem jetzigen Verfahren entsprechende Mitwirkung des eichsgerichts bei der Einführung des neuen Rechtes in die Praxis gegenartig noch nicht entbehrt werden kann. Jedenfalls ist das mundliche Verfahren auch für die dritte Instanz beizubehalten und das Erfordernis der„Dua difformae“ auszuschließen. Soweit die Eineränkung des Rechtsmittels künftig wird erfolgen müssen, wird auf eine erminderung der Zahl der Revisionen hinzuwirken, nicht aber die freie Entschließung des Reichsgerichtes in der Rechtsfindung in größem Umfange als bisher einzuengen sein. Zur Beseitigung der gegenwartgen Ueberlastung ist eine Vermehrung der Lwilsenate des Reichsgerichtes nicht zu umgehen und wird durch die sogenannten kleinen Mittel m Sinne des Gutachtens Abhilfe geschaffen. Daneben empfiehlt sich lgendes Mittel zur Entlastung des Reichsgerichtes: In Zivilsachen berhaupt auszuschließen ist die Zuständigkeit des Reichsgerichtes zur unidung über Beschwerden gegen Beschlüsse des Oberlandesgerichtes in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. 2. Die Berufung und Beschwerde in Konsulargerichtssachen und die Beschwerde über die Bestimmung des zuständigen Gerichtes. Morgen findet die zweite Plenarützung des Juristentages statt, der über die Arbeiten der Abteilungen berichtet wird, und die dann den Beschlüssen der Abteilungen ihre endgiltige Sanktion erteilt. bühren der Bahnpostfahrer eingehend beleuchtete, und die jetzt als noch hoffen mag, mag das mit sich abmachen. Wir aber wollen, daß Ausgleich für die bestehenden Teuerungsverhältnisse von der Verwal=swir auf Erden glücklich sind. Unser ist die Welt, wir werden kämptung gezahlten Zuschüsse zu den Fahrtgeldern als eine unvollkommene Einrichtung erklärte; eine angemessene Erhöhung der Kilometer= und Abwesenheitsgelder nach württembergischem Muster sei dringend anzustreben. Im übrigen sprach er der vom Verband herausgegebenen Unterrichtszeitung, insbesondere deren Schriftleiter Gramm=Potsdam, Dank und Anerkennung aus. Postverwalter Schuling=AnnenSt.=Georg erklärte namens der verbandstreuen Postverwalter, daß diese in dem Verbande ihre einzig richtige Standesvertretung erblicken, und mit der Haltung des Verbandes einverstanden seien; leider sei eine Einigung, aber ohne Schuld des Verbandes und seines Vorstandes, nicht zu erzielen gewesen; der Haß der dem Verband seindlich gesinnten Postverwalter gehe sogar schon so weit, den Standesnachwuchs vor dem Elntritt in den Verband zu warnen. Der Verband möge darauf bedacht sein, innerhalb der einzelnen Bezirke lose Postverwaltervereinigungen ins Leben zu rufen und Bestehende zu fördern. um so den wünschenswerten engeren Zusammenschluß der Postverwalter innerhalb des Verbandes herbeizuführen. Unter Hinweis auf die Teilnahme des Bezirkschefs und einer Anzahl von Räten an dem Gauverbandstage in Dortmund empfahl Husch=Metz, die Teilnahme von Vertretern der vorgesetzten Behörde an Veranstaltungen des Verbandes anzustreben; es liege das sowohl im Interesse des Verbandes als auch der Verwaltung selbst. Auf die Notwendigkeit einer planmäßigen Stärkung der Familienbeiratskasse wies Henkel=Berlin hin; es dürfe erwartet werden, daß von Seiten der Verwaltung gegen eine Einziehung der freiwilligen Beiträge innerhalb der Amtsräume nichts eingewendet werden dürfte, da die Wirkungen dieser Kasse mittelbar der Verwaltung zugute kämen. NiedenführHerford regte die Frage an, ob nicht die Sterbekassenleistungen ohne Erhöhung der Mitgliederbeiträge eine Steigerung erfahren könnten. Der Verbandsvorsitzende stellte die Prüfung dieser Frage für nächstes Jahr in Aussichk; im weiteren wies er darauf hin, daß der Verbandsvorstand in der Frage der Anrechnung der Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter der Militäranwärter keine Gelegenheit habe vorübergehen lassen, um die Durchführungsnotwendigkeit dieser gerechten Forderung zu betonen; die Zahl der Verbandsmitglieder aus dem Militäranwärterstande betrage zurzeit etwa 7500. Bezüglich letzgenannter Frage betonte Muzfeld=Magdeburg, daß ihre Lösung auch im Interesse der Zivilanwärter liege, die vor dem 20. Jahre ihrer Militärpflicht genügt haben. Die Betätigung der Verbandsmitglieder am öffentlichen Leben sei, wie Delius=Halle ausführte, in erfreulicher Weise gestiegen; jedoch müsse auch Vorsorge getroffen werden, daß Auswüchse wie bei den preußischen Landtagswahlen nicht vorkommen können. Der zweite Vorsitzende des Verbandes, Britz=Berlin wies demgegenüber darauf hin, daß vom Verbandsvorstand die Verbandsorgane hinsichtlich ihrer politischen Betätigung nicht beeinflußt worden seien, und daß diese in der genannten Richtung bisher stets den richtigen Takt beobachtet haben. Geschäftsbericht und Haushaltungsplan wurden der Kommission zur Durchberatung überwiesen. Eine längere Erörterung rief der vom Bezirksverein Straßburg gestellte Antrag hervor, daß der Verband die Höhe der auf Hypotheken auszuleihenden Gelder des Verbandsvermögens von 50 000 auf 10 000 Mark herabsetze; in seiner Antragsbegründung hob Kettner=Straßburg die hohe soziale Bedeutung dieser Maßnahme hervor, durch die erreicht werde, daß das Verbandsvermögen den Mitgliedern wieder zugute komme und deren Seßhaftmachen fördere. Der Verbandsvorsitzende empfahl dringend Ablehnung dieses Antrages, dessen soziale Wirkungen höchst zweifelhafter Art seien, da sie einer Bevorzugung weniger auf Kosten der Allgemeinheit gleichkommen. Im Interess: der Allgemeinheit liege es, die bisher beobachtete Art der Anlegung des Verbandsvermögens in Stadtanleihen und mündelsicheren Hypo theken beizubehalten. Der Antrag wurde schließlich, ebenso wie der Unterantrag Niedenführ=Herford auf Herabsetzung der Beleihungssumme auf 5000 Mark, abgelehnt. Ein Antrag, wonach der Verbandsvorstand Unterstützungen aus der Fürsorgekasse schon in Höhe von 150 Mark zu bewilllgen hat, wurde angenommen. Der Bezirksverein Trier hatte beantragt, für die Einrichtung einer Kasse einzutreten, welche den Mitgliedern gegen geringe, monatliche Beiträge die Kosten für Aerzte und Apotheke erstattet; dieser Antrag wurde mit der Erweiterung angenommen, daß diese Kasse auch für die Angehörigen der Mitglieder in Wirksamkeit tritt, und freie Aerzte wahl gestattet. Schluß des ersten Verhandlungstages 10½ Uhr nachts. I8. Verbandstag des Verbandes mittlerer Post- und Telegraphen-Bcamten. Berlin, 12. Sept. Die Verhandlungen des 18. Verbandstages wurden am Donnerstag, den 10. September, 10 Uhr vormittags von dem Verbandsvor sitzenden Ober=Telegraphenassistenten Rehländer mit dem Kaiserhoch eröffnet. Besonders bemerkenswert ist, daß zum erstenmal in diesem Jahre, der vor mehr als Jahresfrist gegründete Bezirksverein „Deutsch=Südwest=Afrika“ zum Verbandstage einen Vertreter entsandt hatte. Vor Eintritt in die Tagesordnung der um 2 Uhr beginnenden Pleuarsitzung stellte Wüst=Düsseldorf an den Verbandsvorstand die Frage, ob er die Absicht habe, sich demnächst mit der Frage der Aufnahme von Post= und Telegraphengtbilfinnen in den Verband zu befassen. Der Verbandsvorsitzende, Zollitsch=Berlin, erklärte, daß der Verbandsvorstand die Zeit für diese Frage, der eine große Bedeutung beizumessen sei, noch nicht für gekommen halte, dieser Angelegenheit aber näher treten werde, sobald die überaus wichtigen Randelfragen, Personal= und Gehaltsreform, ihre glückliche Lösung gefunden haben werden. Gottschalk=Berlin sprach unter allgemeinem Beifall, indem er auf das zurückgelegte, arbeitsreiche, aber hoffnungslose Jahr hinwies, dem Verbandsvorstande, der außerordentlich rühund auf dem Posten gewesen sei, den Dank des Verbandstages aus. Ebenfalls unter allseitiger Zustimmung nahm Redner Veranlassung, die bekannte Herrenhausrede des Danziger Oberbürgermeisters Ehlers nachdrücklichst zurückzuweisen, die aber den Beweis geliefert habe, daß sich die Beamtenschaft mehr als bisher tatkräftig am poli tischen Leben beteilige. Hinsichtlich der Teilnahme an Vertretern der behörde gab Altermann=Halle dem Wunsche Ausdruck, daß eine oiche Teilnahme im allseitigen Interesse liegend vom Verbandsvorstand künftig bedacht werden möge. Um die durch Kursrückgänge dem Verhandsvermögen etwa entstehenden Verluste unmöglich zu machen, empfehle es sich, das Vermögen auf Hypotheken auszuleihen, und in Vertpapieren diese Hypothekensummen auszuzahlen. Ban Lindt Preszden erklärte eine scharfe Rückweisung der„Postalischen Rund schau“, die die vornehme Haltung der„Deutschen Postzeitung“ und die Zurückhaltung des Verbandsvorstandes als Bestätigung der von für aufgestellten unrichtigen Behauptungen hinstelle, für dringend ersorderlich. Im übrigen spreche er seine Verwunderung darüber aus, ß die„Deutsche Postzeitune“ plötzlich und unvermittelt das Wohlwollen der Verwaltung für die mittlere Beamtenschaft ganz besonders beionen zu sollen geglaubt habe, wo doch gewünscht werden dürfe, daß dieses Wohlwollen etwas mehr in die Erscheinung treten möge. Ueber eine alte und in jedem Jahre wiederkehrende Klage sprach sich inter allseitigem Beifall Tauver=Cassel aus, indem er die nunmehr über dreißig Jahre giltigen Sätze für die Fahrt= und Ueberlagerge. sozialiktische Frauenkonferenz. (Von unserem Korrespondenten.) § Nürnberg, 11. Sept In dem mit roten Fahnen geschmückten kleinen Saale der„Goldenen Rose“ wurde heute früh die 5. Sozialistische Frauenkonserenz eröffnet. Es sind 80 Delegierte anwesend, darunter mehrere männliche Delegierte zum Parteitage, die von den Frauenorganisationen ihrer Kreise mit deren Vertretung bei der Frauenkonferenz beauftragt sind. Von bekannieren Persönlichkeiten sind anwesend Frau Zettkin(Stuttgartl, Fräulein Ottilie Bader(Berlin). Fraulein Grünberg(Nürnberg), Frau Kaehler, Frau Helene Halmar Steinberg, Frau Zietz(Hamburg), Frau Dunker u. a. Die österreichischen Sozialdemokratinnen sind durch Frau„Adelheid Lopp(Wien] und Frau Koelzer vertreten. Frl. Ottilie Bader als „Zentralvertrauensperson der Genossinnen Deutschlands“ eröffnet die Enferenz und betont, daß die Verhandlungen diesmal berufen seien, die wichtige Frage der Neuorganisation der Genossinnen und der Ju gend zu regeln. Wir wissen, wie notwvendig es ist, daß die Jugend uns gehört Die Rednerin sprach schließlich die Hoffnung aus, daß die Konferenz eine fruchtbare Wirkung haben möge.(Lebh. Beifall). Sodann wurden Frau Zettkin(Sturtgart) und Frau Zied(Hamburg) als Prähidentinnen mit gleichem Recht gewählt. Darauf erstattete die sozialdemokratische„Zentralvertrauensperson“ Ottilie Bader(Berlin) den Tätigkeitsbericht. In der Wahlbetvegung hätten sie die Flottenpolitik und die Kolonialgreuel energisch bekämpft und damit Tausende von Frauen ausgerüttelt und in ihnen den Geist des Widerstandes gegen die Bedrückung geweck. Wenn die Wanlen io schlecht ausgesallen sind, so ist das.- so paradox e# klingt— eine Folge umerer verstärkten Agitation, die auch unsere Gegner angespornt hat. Wir haben zwar weniger Abgeordneie, aber desto ehr Agitatoren bekommen, so vor die Haffnung der Gegner auf eine Schwächung der Sozialdemokratie vollkommen unbegründet ist.(Besfoll). Wir sind jetzt unter dem Reichs=Vereinsgesetz gleichgestellt mit den Männern. Ich habe leider keinen Mann.(Heiterkeit). Wenn es mir immer schon leid getan hat, so ganz besonders jetzt, denn ich wäre gar zu gern mit ihm Arm in Arm-in die Versammlungen gegangen (Stürmische Heiterkeit.] Zuruf: Kann ja noch geschehen. Vom Vorstandstisch aus wird dem Zurnfenden erwidert: Vortreten!(Anhaltende Stürmische Heiterkeic). Die Rednerin konstatiert dann, daß die Dienstfen und siegen.(Stürm. langanh. Beifall.) rau Kaehler(Düsseldorf) führt einige Vorgänge vom Di durfer Katholikentage über die Behandlung der Frauen an. Mit Mühe und Not habe man eine Frau zu Wort kommen lassen, die über die Ausgestaltung der christlichen Kunst sprach. Wenn aber die Frau in die politische und wirtschaftliche Arena treten will, so stimmt das gleich nicht mit den christlichen Grundsätzen überein. Man sieht also, wie ernst es dem Zentrum mit der Gleichstellung der Frau ist. Wenn das Zentrum sich gelegentlich für das Frauenstimmrecht ausspricht, so ist das nur ein hingeworfener Brocken um die katholischen Frauen nicht mißmutig zu machen. In Hessen ist die geistige Verblödung noch sehr groy, man konnte es sehen, wie die Frauen hinknieten, um Gott zu danken, daß kein Sozialdemokrat. sondern noch einmal ein Zentrumsmann gewählt worden ist. Die Kinder werden schon von Jugend auf verblödet. v. Elm(Hamburo): Die Ausführungen der Genossin Bader über den Terrorismus zwingen mich zu einigen Bemerkungen. Eist von ihr nicht mit genügender Schärje betont worden, daß die Sozialcemofratie den Terrorismus grundsätzlich verwieft und daß sie es verwirft, durch wirtschaftliche Machtmittel jemand zu zwingen, gegen eine Ueberzeugung zu stimmen. Das ist der Grundot der######aldemrkretie, und wenn wir dazu kamen, diesmal das Mittel des Terroresmus auch anzuwenden, so ist das nur geschehen, um das heutige Landtagswahlsystem ad absurdum zu führen. Das ist der grund und das muß betont werden. In meinem Wahlkreis hat man wir auch den Vorwurf gemacht, daß ich Terrorist Lei. Wir suchen die Geschäftsleute nicht wegen ihrer Abstimmung zu bestrafen, sondern wir wollen nur die Interessen der Arbeiterklasse wahrnehmen. Wir müssen deshalb organisieren, um uns von dieser wankelmütigen Klasse, die stimmt, wie der Wind weht, unabhängig zu machen.(Sehr richti In Berlin ist das von den Frauen nicht genügend erkannt worden. Wir müssen uns deshalb genossenschaftlich organisieren. Die Genossenschaft kann so ausgestaltet werden, daß sie ein Machimittel des Proletariats im Kampfe gegen den Kapitalismus ist.(Lebh. Beifall.) Frau Nemez beklagt, daß die Polizei und die Lehrer den Frauen in Bochum bei der Waylagitation große Hindernisse bereitet haben. Die Lehrer haben uns beim Zettelverteilen an den Lokalen weggejagt und ersogt, wir sollten lieber Strümpfe stopfen. Frau Bachwitz[Dresni: Wenn wir die Geschäftsleute zwingen, ihres Brotes wegen uns die Stimmen zu geben, so werden wir en ihnen nur geheime geschworene „### behen und das sind die schlimmsten. Da kann nur die aenessenschaftliche Organisation. die uns unabhängig macht, helfen. serau Zietz(Hamburg): Die Kleinbürger schmusen uns immer vor daß sie Sozialdemokraten sind, und da haben wir ihnen ihren Rücken gestarkt, damit sie ihre Ueberzeugung öffentlich aussorechen können. Sie sind ebenso rechtlos, wie die Arbeiter, und schließlich haben wir sie sa nur gezwungen, ihr eigenes Interesse wahrzunehmen r den ein Stück Terrorssmus maniasten) D#uns Frauen stect ein Stuck Terrorismus, wenigstens behaupten das die Männer Heiterkeit.) Bei den Reichstagswahlen hat man sogar die Kinder gegen der Straße auszurufen: Wählt Ihr Quarck. so wahlt Ihr Oeser, so wird das Brot #an Deubner(Essen): Auch wir in Essen haben gute Fortschritte in der Frauendewegung gemacht, trotz der der Polizez, die uns sogar auf dem Kloset bewacht haben unn wir niahrs machen konnten.(Stürm. Heiterkeit.]— Die Konferenz beschäftigte sich dann mit dem Punkte„Presse“. Diese Ausführungen boten indes nichts bemerkenswertes. ust: Kapitalisten! Heiterkeit!) Bei den preußischen Abgeordnetenhauswahlen haben wir die Frauen aufgerufen zum Kampfe gegen das korrupte Wahlsystem. Auch bei dem anderen Kampfmittel, das in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund tritt, beim Boykott, kommt hauptsächlich die Hausfrau in Frage. Beim Bäckerboykott, bat sich gezeigt, daß unsere Aufklärungsarbeit keine unnütze gewesen ist. Der Bonkott wird noch ein Kampfmittel sein, das wir Frauen künftig weit schärfer anwenden müssen.(Lebh. Beifall.) Die preußischen Landtagswahlen haben wieder unsere Reihen geschärft. In unserer Hand liegt die Erziehung der Jugend. Es wird auch die Zeit kommen, wo die Schwarzen, die himmsische Garde, einsieht, daß der Gesst der Erkenntnis in den Herzen und Köpfen jener Frauen eingezeaen is, die sie immer noch auf den#mererrenn men undernuttm errge##rr. vertrösten und daß sie ihren Einfluß verlieren. Wer auf den Himmel C H. Knorr A.=G. Heilbronn a. Neckar Vermischtes. . Der Streit um die Pferdewurst. In der„Allgemeinen FleischerPi#een#ern aulen drei Instanzen freigesprochen wurde der Reoakteur der„Allgemeinen Fleischerzeitung“, Gustav Künkel, in einer Anklage, die der frühere Wursthändler Platt in Frankfurt a. M angestrengt hatte, weil wir behauptet hatten— und im Prozeß ist dafür auc der Beweis erbracht worden,— daß an einen PlattSachsenhausen durch das Odenthalsche Geschäft Pferdewurstsendungen erfolgt sind. Seit zirka 25 Jahren führt die„Allgemeine FleischerZeitung" den Kampf gegen den Pferdewurstverkauf unter falscher mit Energie, und in diesen Kämpfen hat sie mancherlei Angräffe un.— gerichtliche Klagen über sich ergehen lassen massen #### uns nicht hi. der. können, den Kampf im Interesse des reeiten,„Fletschergewerbes fortzusetzen. Es ist denn Dank unserer Tätigkeit schon manches besser geworden, aber wir werden nicht rasten solange der Krebsschaden nicht ganz ausgemerzt ist. Diese von der „Allgemeinen Fleischer=Zeitung“ stets vertretenen Interessen hatte sie auch im Auge, als sie im Herbst vorigen Jahres die Mitteilung über nen umfangreichen Handel mit Pferdewurst nach Süddeutschland brachte. Dort hieß es, 50—60 Zentner Pferdewurst versende allein der Handelsmann Heinrich Odenthal, der G. Odenthal firmiere. Die Pferdewurst stamme aus der vormals Karl Richterschen, setzt Johann Hoffmannschen Pferdewurstfabrik in Weißensee, Charlottenburge#straße 151. Schon seit Monaten sei aus dieser Fabrik sowohl von Odenthal, wie auch von Hoffmann persönlich ein schwungvoller Versand von Pferdewurst, namentlich nach dem Westen und Südwesten Deutschlands, betrieben worden. Unter den Abnehmern des Odenthal sollten sich Hoch in Frankfurt a. M. und Platt in Sachsenhausen befinden. Es wurde behauptet, daß sie beide bahnlagernd bezogen hätten, und daß es sich offenbar um Deckadressen handele. Sowohl das Schöffengericht als auch die Strafkammer in Frankfurt a. M., vor denen Rechtsanwalt Dr. Fuld den angeklagten Redakteur in treffliche: Weise vertreten hatte, hatten anerkannt, daß die„Allgemeine FleischerZeitung“ in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, und den ngeklagten Redakteur freigesprochen. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision ist gestern vom Oberlandesgericht in Frankfurt a. M zurückgewiesen worden. Sämtliche Kosten aller drei Instanzen hat Platt zu tragen. Kampf mit Verbrechern. Aus Baku erhalten wir folgendes Telegr. interm 12. Sept.: Gestern abend wurden Beamte der Sicherheitsvoltzei, die von einer Haussuchung zurückkehrten, von Arbeitern überfallen. Die Verbrecher gaben 20 Schüsse ab. Ein Beamter wurde getötet und zwei schwer verletzt. Ein gefährlicher Gläubiger. Telegr. wird uns aus Paris unterm 12. Sept. gemeldet: Während der gestrigen Vorstellung im Ampiguheater wurde der Direktor dieses Schauspielhauses in seiner Kanzlei on einem hartnäckigen Gläubiger angeschossen. Er wurde schwer verletzt ins Hospital gebracht. „ARDE Seit mehr als 40 Jahren ist in Hunderttausenden von Fällen die vorzügliche Verdaulichkeit und Nährwirkung des Nestle'schen Kindermehles, das die Kinder so gern nehmen, gründlich erprobi worden. Immer gleichmäßig und gebrauchsfertig, stets bekömmlich, nie säuerno oder sich zersetzend, bringt das Nestle=Mehl den Säugling durch die cwierige Periode des Sommers glücklich hindurch. Die Liebhaber feiner Suppen dürfte interessieren, daß jetzt die Grünkernernte beendigt ist. Grünkerne werden bekanntlich ur in wenigen Landstrichen Süddeutschlinds angebaut und zum großen Teil auch dort verbraucht. In vielen Bezirken sind Grünkerngerichte noch recht wenig bekannt und werden meistens nur in feineren otels gereicht. Man kann diese auffallende Tatsache nur daran mrückführen, daß den Hausfrauen der Artikel unbekannt ist, sonst würden sie zweifellos nicht darauf verzichten, hin und wieder eine vorzügiche Grünkernsuppe, die sich übrigens sehr billig stellt, auf den Tich zu ringen. Gibt es doch nach dem Urteil der Kenner keine Suppe, die eben ihrer Bekömmlichkeit. selbst für den schwächsten Magen, einen o seinen und angenehmen Geschmack hat, wie diejenige aus Knorr's rünkernmehl. Da das echte Knorr's Grünkernmehl nur in ¼ oder Kilo Paketen zu haben ist, ist man vor Versälschungen nur gesicher sdrücklich diese Pakete verlangt und auf den Auf echtet. wenn man Louisine, kariert und gestreifte Taffets, Bengalige, Damasse u. sonstige Blusen-Seiden, darunter Qualitäten im früheren Verkaufspreis bis Mk. 6.50 zur freien Wahl Mtr. nür reina Lebendfrische Schellfische. Pfund 4##o. Importhaus F. Wone, Bochumerstr. 87 Schalke, Schalkerstr. 132, Rotth. Viktoriastr Montag Dienstag Mittwoch Bahnhofstraße 65,65. 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Nunmehr ließ man den Mann los, und er entkam unter Zurücklassung seines Rades und des ihm abgenommenen Revolvers. Der Wirt ist bedenklich, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Hoffentlich gelingt es noch, den Täter zu ermitteln. Bottrop, 12. Sept. Während der Dauer der Provinzialsynode in Soest ist Superintendent Meyer wegen Teilnahme an derselben von hier abwesend. Die Synode dauert bis zum 26. d. M. Die Vertretung hat Pastor Winter, der im Gemeindehaus wohnt. Ss. Bottrop, 12. Sept. Ein alter Bekannter, der Bergmann Alois B. von hier, der wiederholt der Polizei viel Last verursacht hat, wurde gestern abend wieder in das Polizeigefängnis eingeliefert, weil er sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht hat. - Ein rabiater Ehemann ist der Bergmann H. von hier, der seine Familie gestern abend mit Totschlag bedrohte, sodaß Frau und 1 kleine Kinder obdachlos waren und Schutz bei der Polizei suchen mußten, wo man sie unterbrachte.— Schon wieder ist ein bedeutender Einsturz der Straße in der Nähe der Herz Jesu=Kirche erfolgt. Auch dieser Einsturz wird auf die Bodensenkung zurückgeführt. S. Osterfeld, 12. Sept. Die beiden verschütteten Bergleute sind nach angestrengter 20stündiger Arbeit lebend zu Tage gefördert worden. * Rotthausen, 12. Sept. Verhaftet und dem Gerichtsgefängnis eingeliefert wurde der vom Amtsgericht Duisburg=Ruhrort wegen Betrugs steckbrieflich verfolgte Schmied Karl Bröhl.— Der 13jährige Schüler Heinrich B. von hier hatte es auf fremde Türklinken abgesehen, die er bei einem Lumpensammler gegen Bargeld umsetzte Wie viele der in letzter Zeit ziemlich zahlreich gemeldeten TürklinkenDiebstähle auf sein Konto zu setzen sind, wird die eingeleitete Unteruchung ergeben. Die vor einigen Tagen wegen Verdachts der Genickstarre ins katholische Krankenhaus Gelsenkirchen überführte Ehefrau Joswik von hier ist gestern infolge der Krankheit gestorben.— Bei der Polizeiverwaltung wurde ein Trauring als gefunden abgegeben. F. Steele, 12. Sept. Der Männergesang=Verein„Germania“, gab unter Leitung seines Dirigenten Lindemann=Bochum auf dem Wettstreit in Buer erneute Beweise seines Könnens. In dem am Sonntag, den 20. September cr. im Saale des Herrn Bäcker stattfindenden Konzert werden unter anderen auch die Preischöre zum Vortrag gelangen, andere hübsche Lieder vervollständigen das Programm. Zur Mitwirkung ist ein Quartett der Krönerschen Kapelle gewonnen, ferner als Solisten die Herren Köller(Tenor) und Köberich(Bariton). Beide sind rühmlichst bekannt und werden gewiß ihre Liederspenden der Veranstaltung ein künstlerisches Gepräge geben. Kapellmeister Kröner wird seine Kunstfertigkeit auf der Geige zeigen. Die Klavierbegleitung der Solis übernahm Herr ten Bosch, Gelsenkirchen. Ein raffinierter Schwindler wurde heute von der Polizei dem hiesigen Gerichtsgefängnis überliefert. Es ist der frühere Kellner Otto R. aus Essen, der sich am Telephon als den Wirt Plümer von hier ausgab und auf diesem Wege für dessen Rechnung bei einem hiesigen Waffenhändler drei Revolver zum Werte von 75 Mark und bei einer Zigarrenhandlung Zigarren für 64 Mark bestellte. Um nun diese Sachen in Besitz zu bekommen, nahm er sich von der Straße einen Buben und schickte diesen gleich nach der Erledigung der Telephongespräche nach den Geschäften, um durch diesen die Sachen in Empfang nihmen zu lassen. Der Waffenhändler mochte wohl Argwohn schöpfen und brachte die bestellten Revolver selbst zu dem Herrn Plümer. Da er nun hier erfuhr, daß er es mit einem Schwindler zu tun hatte, benachrichtigte er sofort die Polizei, welche alsbald auch den Mann ermittelte und dingfest machte.— Der Bergmann Ciszewies ist seiner Kostwirtin mit dem Kostgelde im Betrage von 49 Mark durchgebrannt. Die Polizei ist ihm auf der Spur— Der Unterricht in den hiesigen Volksschulen beginnt am Dienstag, den 15. d. M., wieder. *“ Stoppenberg, 12. Sept. In der letzten unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Meyer stattgesundenen Gemeinderatssitzung wurde folgendes verhandelt bezw. beschlossen. Von der endgültigen Veranlagung der Gemeinde Stoppenberg zur Emschergenossenschaft mit einem Beitrage von 2261 Mark wurde Kenntnis gegeben. Das Abkommen mit Herrn Th. Brecklinghaus betr. Abtreten von Grund und Boden zur Verlegung der Ernestinenstraße wurde nach der vorgelegten Vertrags=Offerte genehmigt. Die Schreinerarbeiten an dem Neubau dei Friedrich=Schule wurden dem Schreinermeister Jansen in Caternberg zu seinem Angebotspreise von 2419 Mark übertragen. Die Uebernahme der Hälfte der Kosten in Höhe von 468 Mark für Anschluß der Friedrichschule an die Gemeinde=Wasserleitung Stoppenberg wurde beschlossen. Es wurde ferner die Gewährung einer Ehrengabe von 100 Mark an den Wegearbeiter Jacobs anläßlich seiner 25jährigen Tätigkeit im Gemeindedienn nachträglich beschlossen. Von einem Schreiben der Zeche Zollverein Caternberg betr. Ausführung von Reparaturen in den Gemeinde=Volksschulen wurde Kenntnis gegeben; Versammlung erklärte sich mit dem Vorschlage der Zeche einerstanden. Ein Angebot auf Verkouf der neven dem Grundstück des Herrn Wiedel an der Schwanhildenstraße gelegenen Baustelle zum Preise von 180 Mark für die Quadratrute wurde abgelehnt und beschlossen, das bezügliche Grundstück zum Preise von 200 Mark für die Quadratrute dem Bieter an die Hand zu geben. Bezüglich eines weiteren Angebots auf Verkauf einer Baustelle von dem Gemeindebesitz an der Mittelstraße wurde beschlossen, nach dem Vorschlage der Baukommission die Eckparzelle nur als ein ganzes zu verkaufen. Als Verkaufspreis wurde die Forderung von 200 Mark für die Quadratrute beschlossen. Ein Gesuch auf Niederschlagung der Kommunal= steuern wurde genehmigt. * Mülheim(Ruhr), 12. Sept. In dem Betrieb der Lindgenschen Lederwerke kam der 32jährige Maschinist Franz Enauy einer elektrischen Stromleitung zu nahe und wurde sofort getötet. * Mülheim=Rhein, 12. Sept. Als mutmaßlicher Helfer des Trierer Mädchenentführers Iserhardt, der bekanntlich kürzlich unter dem Deckmantel eines Rechtsanwalts ein Mädchen nach Köln entführte und dort 600 Mark von diesem abzuschwindeln versucht hatte, wurde ein früherer Rechtskonsulent von hier und dessen Mutter verhaftet. * Duisburg, 12. Sept. Tödlich verunglückt ist heute morgen auf seinem Arbeitsgange auf der Friedrich=Alfred=Hütte der Fabrikarbelter Fr. Rottländer. Er mußte die Geleise überschreiten, auf denen rangiert wurde, und hatte jedenfalls die Schnelligkeit zweier gegen einander sausender Güterwagen unterschätzt. Er geriet zwischen die beiden Wagen und wurde zu Tode gedrückt. Der Verblichene war erst 17 Jahre alt und noch nicht lange auf dem Kruppsch- Werke beschäftigt. * Düsseldorf, 12. Sept. Die Strafkammer hat den Weichensteller Reimer Brings, der auf dem hiesigen Hauptbahnhof in der Nacht zum 29. März einen Zusammenstoß zwischen einer Rangierlokomotive und einem Handwagen verschuldete, wobei zwei Eisenbahnarbeiter getötet und einer lebensgefährlich verletzt wurde, wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. * Mörs, 12. Sept. Ein Ausländer hat hier einen unbekannten jungen Holländer erstochen. * Krefeld, 12. Sept. Von einem schweren Unfall wurde Donnerstag abend ein Offizier des hiesigen Husaren=Regiments, Oberleutnant v. Meyer zu Knonow, betroffen. Gegen 7 Uhr wurde auf dem Dahlerdyk das Pferd, das der Offizier ritt, plötzlich scheu. Der Reiter verlor den Sitz und blieb beim Sturz in dem Seigbügel hängen, wodurch er von dem rasenden Pferde mitgeschleift wurde. Auf dem Breitendyk hielten unerschrockene Anwohner das Tier an, und der Oberleutnant, der das Bewußtsein verloren hatte, fiel blutüberströmt zu Boden. Man brachte den Offizier, der eine schwere Kopfwunde davongetragen hatte, im Gefährt zum Lazarett, und hofft, den Verletzten dem Leben erhalten zu können. ** Emmerich, 12. Sept. Vom holländischen Schnellzuge, der 12,17 Uhr Emmerich passiert, wurde auf der Strecke Elten—Emmerich der 26 jährige Rottenarbeiter Beewering überfahren und sofort getötet. Choleragefahr, worin er sagte: Ob eine Gefahr für Deutschland besteht, aßt sich zur Zeit nicht sagen. Wir sind keine Propheten. Soviel kannman jetzt aber schon mit Sicherheit sagen, daß wir gehörig auf dem Posten sind, sodaß die Bevölkerung sich absolut nicht zu beunruhigen braucht. Der russische Auswandererverkehr, der über Deutschland nach den Hafenstädten geht, wird scharf kontrolliert. An der Grenze sind besondere Kontrollstationen errichtet, wo die russischen Auswanderer ärztlich untersucht werden. Diejenigen, die nicht choleraverdächtig befunden werden, werden dann in geschlossenen Eisenbahnwagen nach Bremen bezw. Hamburg gebracht. Außerdem ist von großer Bedeutung die Bekannmmachung, die wie gemeldet, der Reichskanzler erlassen hat. Wie gut unsere Einrichtung funktioniert, zeigt insbesondere der Umstand, daß bei der 1905 so furchtbaren Wirkung der in Rußland aufgetreienen Choleraepidemie nur 218 Fälle im gesamten Deutschen Reiche konstatiert wurden. Petersbura. 13. Sept.(Tel.) Weitere 7 Personen sind an der Cholera gestorben. Unwetter in Tirol. Innsbruck, 12. Sept. Die seit 86 Stunden ununterbrochen anhaftenden Regengüsse richteten in Nordtirol sehr großen Schaden an. Auf der Südbahn erfolgte zwischen Potsch und Mairei ein bedeutender Erdrutsch, wodurch der Zugverkehr gestört ist. Die Flüsse sind hoch angeschwollen und teilweise über die Ufer getreten. In Tulses und besonders im Zillertal konnte nur mit Aufgebot aller Kräfte eine Katastrophe verhindert werden. Die neu errichteten Dammbauten wurden zum Teil schwer beschädigt. Eine neue Friedensrede des Kaisers. Bei dem Besuch von Kolmar erwiderte am Freitag, wie bereits kurz berichtet, der Kaiser auf dem Rathause, nachdem er einen ihm dargebotenen Ehrentrunk angenommen hatte, auf eine Ansprache des Bürgermeisters Blumenthal Folgendes: Ich spreche Ihnen von ganzem Herzen meinen Dank aus für Ihre freundliche Ansprache und für die Gesinnungen der Stadt Kolmar, die aus Ihren Worten hervorleuchten. Nach den erhebenden Eindrücken, die ich während meines Aufenthaltes in diesem Jahre in dem Reichsland geschöpft habe, die vor allen Dingen durch die große Liebe und begetsterte Wärme überall und an allen Orten in Elsaß und in Lothringen mein Herz berührt haben, gesellt sich auch dieser letzte Tag als ein sympathisches Glied zu dieser Kette. Die Städte, die ich durchfahren habe, sei es im Rebengelände, sei es auch in waldiger Schlucht, haben sich bemüht, durch Schmuck, durch reichliche Blumengaben und durch Darbietung der Erzeugnisse des Landes mir Kunde zu geben von der Freude, mit der sie mein Besuch erfüllt hat. Ich spreche hierfür, namentlich für den Empfang in Kolmar, dem Stadthaupt und den Vertretern der Stadt herzlichen Dank aus. Ich danke Ihnen für die Einladung in Ihr Rathaus. Eine Hauptfreude für mich ist das Studium der Geschichte, und darauf begründet, die Pflege der Tradition. Wir sind hier auf althistorischem Boden: bis in die Karolingerzeit hinein reicht die Geschichte der Städte und Dörfer, ja sogar bis in die Römerzeit, und auch Kolmar hat eine glänzende Geschichte: aus frühester Zeit bis in die Neuzeit hinein, gesinnungstüchtig, echt anhänglich an seinen Boden und sein Vaterland. Ich brauche blos einen berühmten Namen aus Ihrer Stadtgeschichte anzuklingen: den Namen Roesselmann. Ihre Schicksale hat auch diese Stadt wie dieses schöne Land durchmachen müssen, nun aber ist ihr gegeben, in Frieden sich ausbreiten und entwickeln zu können. Der Friede wird erhalten bleiben und das Land wird weiter grünen und blühen können. Kolmar sowohl wie das Elsaß kann ganz sicher sein, daß sie in den Falten meines Herzens einen besonders festen und sicheren und warmen Winkel haben, daß ich stets an sie denken und mit Freude ihre Entwickelung verfolgen werde. Diese Entwickelung wird sich, Gott sei Dank, unter dem Schutz des deutschen Reichsadlers und unter meiner Standarte vollziehen und, so Gott will, niemals gestört werden. Das ist es, was Sie alle wünschen. Meines Inleresses und meiner warmen Fürsorge für Sie dürfen Sie versicher: sein. Ich trinke auf das Wohl der Stadt Kolmar, ihrer Bürger und Vertreter: die Kolmarer sollen leben! heftige Stürme an der portugiesischen Küste. 240 Mann ertrunken. London, 12. Sept.(Priv.=Tel.) Morning Leader berichtet aus eissabon, daß infolge der heftigen Stürme der letzten Tage die vortugiesische Küste mit Schiffswracks bedeckt ist. 20 Ftscherboote, die zur Zeit des gewaltigen Orkans im Atlantischen Ozean kreuzen, sind verschwunden und man nimmt an, daß sie während des Orkans untergegangen sind. Die Behörden haben bereits die nötigen Schritte getan, um die Mannschaft als tot anzuerkennen. Man schätzt die Zahl der hierbei Ertrunkenen auf 240 Mann. Außerdem sind bei den zahlreichen Schiffsunfällen, die sich in den letzten Tagen an der portugiesischen Küste ereignet haben, 40 Personen umgekommen. Tetzte Telegramme. Wechselschiebungen. Hamburg, 13. Sept. Wegen Wechselschiebungen in Höhe' von 120000 Mark wurde der 31jährige Kaufmann Julius Glück verhaftet. Geschädigt ist besonders ein Berliner Kaufmann u. ein Konsul in Frankfurt a. M. mit je 6000 Mark. Anscheinend sind aber auch noch andere Firmen von Glück in gleicher Weise betrogen worden. Prinz Adalbert zum Kapitänlentnant befördert. Kiel, 13. Sept. Die Hochseeflotte durchfuhr in der Nacht und im Laufe des Vormittags den Kanal und traf heute im hiesigen Hafen ein. Prinz Adalbert ist zum Kapitänleutnant befördert worden und erschien aus diesem Ansaß heute beim Prinzen Heinrich. Ein Schreiben Mulay Hafids. Alaier, 13. Sept. Dem französchen Geschäftsträger ging solgender Brief Mulay Hafids zu: Wir erkennen die von unserem Vorgänger eingegangenen Verpflichtungen insbesondere die Akte von Algeciras an und hitten um Anerkennung. Aus Wekffalen und der Rheiuprovinz. * Bielefeld, 12. Sept. In einer gestern abgehaltenen öffentlichen Arbeitslosen=Versammlung stellte der Stadtverordnete Severing fest, daß die diesmalige Krise für Bielefeld schwerer sei als alle bisherigen Zurzeit sind 500 Metallarbeiter dauernd ohne Arbeit, während 1450 Feierschichten bis zu einer Woche machen mussen. In der Textilindustrie sind zwar keine Arbeiter entlassen, doch ist hier schon seit Monaten die tägliche Arbeitszeit verkürzt. Da im Winter auch die Bautätigkeit ruht, so befürchtet man, daß die Zahl der Arbeitslosen hann noch großer werden wird. Der Deutsche Metallarbeiterverband, Ertsverein Bieleseld, hat vom 1. Januar bis einschließlich 9. September d. J. 57722 Mark Unterstützungsgelder an Arbeitslose ausbezahlt. Bielefeld, 12. Sept. Hier ist die 3. westfälische Kochkunstausstcllung, die von etwa 150 Firmen reichhaltig beschickt ist, in Gegenwart des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten eröffnet worden. Auf einen Rundgang durch die Ausstellung folgte ein Festmahl. Hagen, 12. Sept. Der 13. Verbandstag der deutschen Vereine für Feuerbestattung wurde heute nachmittag durch eine Vorversamm Under Ausstellung für Kultue und Gewerbe eröffnet. Borbeck, 12. Sept. An der Donnerstraße wurde der itallenische Arbeiter Rokaschin von einem zurückfahrenden Bauzuge erfaßt, beriet unter die Räder und wurde sofort getötet. Vorbeck, 12. Sept. Vom Personenzug überfahren und ge ## wurde heute vormittag gegen 11 Uhr auf der Köln=Mindenen hustrecke der Wärter der Gemeinde=Kläranlage Anton Schmids (us der Niederstraße hierselbst. Faiser Wilhelm und die französischen wurnomer, 12. Sept.(Tel.) Als Kaiser Wilhelm von den Vorkehrungsmaßregeln hörte, welche von den französischen Behörden für den Fall seines Betretens des französischen Gebietes getroffen worden waren, ließ er den besonders entsandten französtschen Kommissar Cochet zu sich bitten, um ihm seinen Dank auszusprechen. Paris, 12. Sept.(Tel.) Gegenüber Zeitungsmeldungen, wonach ursprünglich für gestern ein Ausslug des Kaisers geplant war, der auch französisches Gebiet berührt hätte, wird hier von berufener Seite festgestellt, daß der deutsche Geschäftsträger Freiherr von der Lancken der französischen Regierung lediglich mitteilte, der Kaiser beabsichtige von der Hohkönigsburg nach der Schlucht bei Kolmar im Automobil einen Ausflug zu unternehmen. Da der Kaiser hierbei in die Nähe der französischen Grenze gelangen werde und von jenseits derselben zahlreiches Publikum zu erwarten sei, have der Geschäftsträger nicht verfehlen wollen, die französische Regierung von der Absicht des Kalsers zu benachrichtigen. Sport. Sportpark Treptow ge! rennen fahrer H. P#####.—, A. Schulze. reiligten. Przyrembel, der Spezialist auf dieser kleinen Bahn, bewies sich wieder als schnellster Fahrer und landete einen sicheren Sieg. Als Zweiter folgte der Brandenburger Schadebrodt mit zirka 400 Meter Abstand, nachdem er lange Zeit den Gewinner hart bedrängte. Prayrembel und Schadebrodt fahren bekanntlich die Marke Brennabor daß schon vor ie wissen Kausenden gan Jahren die Tränen des Myrrhenbaumes(MyrrVUN henharz) als kosmet. Mittel geschätzt wurden. Myrrholin ist der geläuterte Extract des Myrrhenharzes, daher auch die hervorragenden kosmet. Eigenschaften der ###rdgru und ihre anerkannte, bewährte Schöuheitswirkung auf die Haut. Morrholinseise, Die Cholera in Rußland. Petersburg, 12. Sept. Während im übrigen Rußland die Cholera abzunehmen scheint, ist Petersburg der Häuptherd der Epidemie geworden. Gestern wurden 58 Kranke neu eingeliefert, von denen 8 gestorben sind. Die Gesamtzahl der Cholerakranken in den hiesigen Hofpilälern beträgt 107. Die Presse rügt die mangelhaften Vorkehrungen schwert. In einzelnen Dörfern der Umgebung von Petersburg drohen dic Bauern sich der Errichtung von Cholerabaracken mit Gewalt zu widersetzen. Deutschland und die Choleragefahr. Berlin, 12. Sept. Obermedizinalrat Kirchner hatte mit einem Mtarbeiter eines hiesigen Blattes eine Unterredung über die russische Bekanntmachung Meisterkurse für die Provinz Westfalen. Am 12. Oktober 1908 beginnt je ein neuer achtwöchiger Meisterkursus für Schneider, Schuhmacher, Bauschlosser und Kunstschmiede, Bau= und Möbelschreiner im Handwerkskammergebäude in Dortmund, Kaiserstraße Nr. 78. Aufgenommen werden Schneider= und Schuhmachermeister, Schlosser, bezw. Kunstschmiede= und Schreinermeister, sowie solche Gesellen, die sich in Kurze selbständig machen wollen. Anmeldungen sind bis spätestens 20. September 1908 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslauses, eines amtlichen Führungszeugnisses und der Ausweise über die Lehrlings=, Gesellen-, Militär= und eventl. Meisterverhältnisse an den mitunterzeichneten Leiter der Kurse einzureichen. Das Unterrichtsgeld beträgt 20 Mark für den Kursus. In der Regel erhalten die Teilnehmer reichliche Beihilsen zum Lebensunterhalte. Geschäftszimmer des Leiters: Dortmund, Schwanenwall 41. Die westfälischen Handwerkskammern sind zu weiterer Auskunftserteilung gern bereit. Die nächstfolgenden Kurse in den genannten Handwerkszweigen, sowie ein Malerkursus werden voraussichtlich am 11. Januar 1909 beainnen. Dortmund, den 6. August 1968. Das Kuratorium: Dr. Schmieding. Oberbürgermeister. Geh. Regierungsrat. Der Leiter: Regling, Direktor. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Chefredakteur M. Gerbäuser, für den Anzeigenteil Louis Ewald. beide in Gessenkirchen. Rotationsdruck und Verlag der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung"(Cark Bertenburg jun.) Montag, den 14. September 1908. Allgemetne Zeitung. Gebrüder Gelsenkirchen Bahnhofstraße 49, Ecke Kampstraße. In dieser bringen vir besonderspreisivert Posten Kleiderstoffe m 4en Blusenstoffe Flanelle in grosser Auswahl nur hübsche, moderne Streifen und Karos, 1.75, 1.65, 1.45, Mk. Schotten Kostümstoffe nur Neuheiten, 110 cm breit, engl. gemustert und alle medernen Farben, 2.75, 2.40, 2.25, für Kinder-Kleider, Blusen u. Röcke, in den modernsten Farbenstellungen, 220, 110, 120, Mk. Einfarbige Stoffe riesige Farbsortimente in allen Webarten, 145, 125, No, io. Hig. Rockstoffe 1zo cm breit, in grösster Auswahl, helle und dunkle Streiten, 5 P 3.00, 2.70, Mk. en SChulfAnfang unerreicht billiges Angebot: Berie Wollene Knaben-Anzüge, praktische Schul-Anzüge, alle Grössen, für das Alter bis zu 12 Jahren, regulärer Wert 9.00 Mk. Berie III Hochfeine Blusen-Anzüge aus prima Kammgarn und Cheviot, beste Verarbeitung, alle Grössen regulärer Wert 21.00 Mk Mk. Mk. Serie IV Besonders billig. Elegante Sport-Anzüge beste Schul-Anzüge aus la. 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