1. Blatt. Nr. 150.— 6. Jahrgang Gelsenkirchener Amtliches Kreisblatt für den General= Geschäftestelle Munckelstraße 16/18(beim Amtsgericht). Geössuet täglich von 8 Uhr vorm. dis 8 Uhr abende. Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Unzeigeupreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Jnserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16.18. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post-, Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Die heutige Nummer umsaßt 8 Seiten. Der Meineidsprozeß gegen den Fürsten Eulenburg. Die Vorgänge der letzten Monate, die dazu geführt haben, den Einfluß einer der mächtigsten Persönlichkeiten, des Fürsten Philipp zu Eulenburg, zu brechen und den mächtigen Mann wegen eines der schwersten Verbrechen hinter Schloß und Riegel zu bringen, sind noch fvisch in aller Erinnerung. Die Tragik des Schicksals, das einen, den es wie keinen anderen verwöhnte, von der höchsten Höhe des Daseins in den tiefsten Abgrund warf, hat dennoch menschlicher Rührung nur wenig Spielraum gegeben. Was über den Lebenswandel des Fürsten in die Oeffentlichkeit drang, war ebenso ungeheuerlich wie -Zauffassung die ihm gestattete Krupellos ehrliche und ments zu Fuß und Amtsvorsteher von Liebenberg, ist mit der Erbin eines reichen österreichischen Industriellen=Geschlechtes, Freiin Marie Mayr von Melnhof, vermählt. Von den drei Töchtern des Fürsten ist nur die zweite, Gräfin Augusta, verheiratet; sie ist die Gemahlin des früheren Privatsekretärs ihres Vaters Jarolimek, der seinen Wohnsitz mit ihr in Italien gewählt hat. Die Zeugen im Prozeß Eulenburg. Berlin NW. 52, Thurmstraße 89, den 16. Juni 1908. Ladung. In der Strafsache gegen den Fürsten Philipp zu Eulenburg-Hertefeld wegen Meineids und Verleitung zum Meineide sollen Sie als Zeuge vernommen werden. Sie werden daher ausgefordert, zu Ihrer Vernehmung am 29. Juni 1908 vormittags 11 Uhr und an den folgenden Tagen vor dem Königlichen Schwurgericht L in Berlin, AltMoabit 11, 1 Treppe— Saal Nr. 253 zu erscheinen. Der Königliche Erste Staatsanwalt am Landgericht I gez. Isenbiel, Oberstaatsnin die Teisenlinmeit Brand, fur krenfe ungehrurettn, wie sanwalt. Beglaubigt Lenz, Kanzleirat.“— So lauten die Vorladungen seine Lebensauffassung, die ihm gestattete, strupellos ehrliche und zu dem Prozesse, der am Montag vor dem Schwungericht in Moabit sittenreine Männer zu seinen Kreaturen zu machen. Den furcht= seinen Ansang nehmen wird. Die„N. G. C.“ ist in der Lage, Nornnittungen g#genner die ein ververser Hoch.!Namen einiger der Zeugen anzugeben. Es gehören zu ihnen u. a. der Oberlandesgerichtsrat Mayer, der Vorsitzende in jenem Mün geborener anrichtete, kann in der Tat ein aufrichtiges Mitgefühl mit dem Sechzigjährigen, der einer harten, entehrenden Strafe entgegengeht, nicht aufkommen. Man empfindet nur schaudernd den harten, rücksichtslosen Gang der Gerechtigkeit, und man sieht die Sühne nahen für unerhörte moralische Vergehen, die ein krankhaft Veranlagter auf Kosten unschuldiger und gesunder Mitmenschen ein Leven jang bis in die jüngste Zeit hinein beging. Wir bringen in dem Nachstehenden zu dem Abschluß des Dramas, der heute vor den Geschworenen beginnt, einige interessante Mitteilungen. Vom Prozeß. Der Prozeß gegen den Fürsten zu. Eulenburg wegen Meineides und Verleitung zum Meineide beginnt heute 11 Uhr vormittags in Alt=Moabit 11, 1 Treppe, im Saal Nr. 253. Fürst Eulenburg ist seit langen Jahren starker Morphinist und hat dieses Betäubungsmittel auch während seiner Untersuchungshaft weiter erhalten. Auf diese Angewohnheit des Angeklagten wird bei der Prozeßführung weitgehend Rücksicht genommen. Morphinisten sind bekanntlich des Morgens in der Frühe von dem Gift, das sie an dem vorangegangenen Tage dem Körper zugeführt haben, noch erschöpft und müssen erst, um wieder voll in den Besitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte zu gelangen, eine neue Dosis Morphium zu sich nehmen. Daher beginnen die Verhandlungen immer erst um 11 Uhr vormittags und dauern nicht länger als drei Stunden. Außerdem erhält Fürst Eulenburg alle 3 Tage einen Ruhetag. Das Gericht beabsichtigt ferner, die Beweisaufnahme nach Möglichkeit abzukürzen, weil es ihm gleichgültig erscheint, ob sich Fürst Eulenburg in zwei, drei oder mehr Fällen der Vergehen schuldig gemacht hat, die er unter seinem Eide abgeleugnet hal. Es handelt sich in der Anklage nicht darum, den Lebenswandel des Fürsten Eulenburg vollkommen aufzudecken, sondern ihm den Meineid und die Verleitung zum Meineide nachzuweisen und ihn der verdienten Strafe zuzuführen. Die Beschränkung, die das Gericht sich in der Beweiserhebung auferlegen wird, ist schon deshalb vollkommen gerechtfertigt, weil mindestens zwei Fälle so klar liegen, daß der Meineid des Fürsten als nachgewiesen angesehen werden kann. Ebenso klar liegt der Versuch des Fürsten Eulenburg, den Zeugen Ernst zum Meineide zu verleiten. Der Angeklagte Fürst Eulenburg, Philipp, Fürst zu Eulenburg und Hertefeld, Graf von Sandels, wurde am 12. Februar 1847 in Königsberg i. Pr. als ältester Sohn des 1889 verstorbenen Grafen Philipp zu Eulenburg, preußischen Kammerherrn, Oberstleutnants und langjährigen Adjutanten des Feldmarschalls Grafen von Wrangel, und seiner Gemahlin Alexandrine von Rothkirch und Panthen, Freiin von und zu Hertefeld, der Erbin des Heriefeldschen Familienfideikommisses, geboren und besuchte von 1863 bis 1866 das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden, trat dann in das Regiment der Gardes du Corps ein, wurde 1868 Leutnant, bestand 1870 die Abiturientenprüfung, nahm am Kriege gegen Frankreich teil und nach dessen Beendigung seinen Abschied. Er bereiste von 1871 bis 1872 den Orient, studierte von 1872 bis 1875 in Leipzig und Straßburg und legte 1875 in Gießen die Prüfung als Dr. jur. ab. Er arbeitete nun von 1876 bis 1878 im praktischen juristischen Dienst(das ist für die Beurteilung seines Falles nicht unerheblich) und trat 1878 in den Dienst des Auswärtigen Amtes. Die einzelnen Etappen seiner diplomatischen Laufbahn sind folgende: 1878 Attachee in Stockholm, 1879 in Dresden, 1880 Legationssekretär, 1881 bei der Botschaft in Paris, 1881 bis 1888 in München, wo er zum Legationsrat aufrückt, 1888 bis 1890 Gesandter in Oldeuburg und Braunschweig, 1890 bis 1891 in Stullgart, 1891 bis 1894 in München, 1894 bis 1902 Botschafter des Deutschen Reiches am Wiener Hofe. 1898 wurde er Wirklicher Geheimer Rat und am 18. Februar des gleichen Jahres in den erblichen preußischen Fürstenstand versetzt, nachdem er bereits infolge seiner Vermählung mit Auguste von Sandels, mit der einst das Geschlecht der schwedischen Grafen von Sandels aussterben wird, die Erlaubnis erhalten hatte, sich Graf von Sandels zu nennen. Seit dem Jahre 1900 ist Fürst Philipp zu Eulenburg auch erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses und seit 1903 Stiftshauptmann des Damenstifts Zehde nick. Als lebenslänglich ernannter Kurator verwaltet er die Kunst sammlungen des von Fahrenheidschen Majorats Beynuhnen in Ost preußen. Er dichtete und komponierte:„Staldengesänge" sseit 1889 8 Hefte), zwei Hefte„Nordlandslieder“, drei Märchen mit Liedern, „Rosenlieder"(komponiert 1886; 100. Auflage 1900; 152. Auflage 1903);„Strandlieder“ 1897 ff.,„Liebeswende" usw. Außerdem schrieb er:„Abenderzählungen“ 1893; auch dramatische Arbeiten: „Seestern“,„Margot“ usw.(aufgeführt unter dem Namen Svenson). Die Schlösser des Fürsten Eulenburg, Liebenberg in der Mark, Prandenburg und Hertefeld in der Rheinprovinz, sind ehemalige Sesitzungen der erloschenen Familie der Freiherren von Hertefeld, aus der, wie oben angedeutet, die Großmutter des Fürsten stammte. Seiner Ehe mit Auguste von Sandels entsprossen sieben Kinder, von denen sechs am Leben sind, und die in den Jahren 1880 bis 1886 (se eines in Liebenberg und in München, die ührigen vier in Starn= Eulenburg und Hertefeld auf Sch berat geboren wurden. Der älteste Sohn des Fürsten, Graf Fried- nie zuvor hat man einem Proze rch Wend zu Eulenburg, Leutnant der Reserve des 1. Garde=Regi= lgesehen, wie diesem. Handelt es sich doch um eine der angesehensten chener Prozesse, wo die Eidesaussagen von Riedel und Ernst den Stein ins Rollen brachten; Justizrat Max Bernstein, der Anwalt Maximilian Hardens; Freiherr Johann von Wendelstadt auf Neudeuren m Oberbayern; Milchhändler Riedel in Starnberg; Jakob Ernst, Villenverwalter des Fürsten Eulenburg in Starnberg; Geritz, Haushofmeister in Liebenberg! Podeyn, Eigentümer eines MassageInstituts, früher einer Badeanstalt in Berlin; Hofrat Karl Buromäus Kistler, Legationskanzlist a. D. in München; Geheimer Hofrat Karl Schacht, Vorsteher der preußischen Gesandtschafts=Kanzlei in München; Kriminalkommissar von Treskow=Berlin; Frau BauerreißMünchen; Polizeikommissar Steinhauer=Potsdam, dessen geschiedene Ehefrau in Hamburg; Klaviertransporteur Schömmer=Starberg. Der Herausgeber der„Zukunft“, Maximilian Harden, befindet sich nicht unter den Personen, die am Montag vormittag dem Zeugenaufrufe in Moabit zu folgen haben. Graf Edgard von Wedel als Zeuge. Wie die„N. G. C.“ meldet, haben drei Personen, die als im Prozesse des Fürsten Philipp zu Eulenburg in Frage kamen, von dem Rechte der Verweigerung ihrer Aussage Gebrauch gemacht, einem Rechte, das nahen Verwandten eines Angeklagten, sowie demjenigen usteht, der sich durch seine Aussage selbst einer strafbaren Handlung sezichtigen würde. Diese drei Persönlichkeiten sind: 1. Graf Friedrich zu Eulenburg, königlich preußischer Major a. D. und Ehrenritter des Johanniterordens, Herr auf Gühlen im Kreise Ruppin; 2. des even Genannten geschiedene Gattin, jetzige Gräfin Clara von Wartensleben, geborene von Schäffer=Voit, in Berlin; 3. Graf Edgard von Wedel, königlich preußischer Kammerherr, Zeremonienmeister und Rittmeister a. D., Fideikommißherr auf Rehfeld im Kreise Soldin. Graf Edgard von Wedel ist mit den übrigen gräflichen Linien der sehr ausgebreiteten Familie von Wedel nicht verwandt. Um seine Stammeszugehörigkeit zu ihnen nachzuweisen, müßte man um Jahrhunderte zurückgehen. Er wurde auch nicht als Graf geboren, sondern erhielt den preußischen, nach dem Rechte der Erstgeburt vererblichen Grafenstand(geknüpft an den Besitz des Fideikommisses Rehseld) d. d. Merseburg am 12. September 1903. Die Verleihung, die nicht amtlich bekannt gemacht wurde, während dies sonst der Brauch ist, erregte in der Berliner Gesellschaft einige Verwunderung, da Herr Edgard von Wedel damals bereits 55 Jahre alt und unvermählt war. Graf Edgard Wedel ist aus dem 1. Garde=DragonerRegiment hervorgegangen. Der Name, mit dem die Kameraden ihn damals nannten:„der schöne Edgard“ ist dem jetzt an der Schwelle des 60. Lebensjahres Stehenden bis ins Alter hinein geblieben. Als Soldat war er zuletzt Rittmeister und Eskadronchef im 15. HusarenRegiment in Wandsbeck. Dann trat er in den Hosdienst über und war diensttuender Kammerherr der Kaiserin Friedrich bis zu ihrem Tode. Der Kaiser verlieh ihm eine Dienstwohnung im sogenannten Prinzessinnen-Palais. Diese Vergünstigung wurde auf unmittelbaren Besehl des Kaisers dem Grafen Edgard Wedel auf kategorische Weise entzogen, nachdem der Erste Staatsanwalt am Königlichen Landgericht I in richtiger Erkennung seiner Pflichten dem Vorgesetzten des Grafen Edgard Wedel, Oberstkämmerer Fürsten zu Solms-Baruth, Kenntnis von der Aussage gegeben hatte, die der Graf in der Voruntersuchung dem Landgerichtsrat Dr. Schmidt zu Protokoll gab, und Fürst Solms hierauf dem Kaiser sofort Vortrag gehalten hatte. Graf Edgard Wedel hat sich inzwischen nach Italien begeben, nach längerer Krankheit, die ihn zum Aufenthalte in einer Berliner Klinik veranlaßt hatte. Viel besprochen und nicht ohne allerhand Kommentare wurden seil Jahren in der Berliner Gesellschaft die Teeabende, die Graf Edgard Wedel im Prinzessinnen=Palais für seinen Freundeskreis veranstaltete, und an denen Männer aus den höchsten Ständen teilnahmen. Was haben wir zu erwarten? Fürst Eulenburg geht zweisellos einer schweren, aber gerechten Strafe entgegen. Die Befürchtungen, die hin und wieder auftauchten, ein deutsches Gericht könne und werde Rücksicht auf die Geburt und auf die hohe soziale Stellung des Angeklagten nehmen und zu einer milderen Bestrafung kommen, als ein einfacher Mann, der die gleichen Verbrechen begangen hat, zu gewärtigen hätte, sini vollkommen grundlos. Wir wollen und können volles Vertrauen zu der Unparteilichkeit des Gerichts hegen. Für den Angeklagten gäbe es nur ein Mittel, sich Anspruch auf eine mildere Bestrafung und auf einen winzigen Teil von Achtung zu erwerben, das wäre ein offenes Beständnis. Ob wir so wenig oder so viel Selbstachtung von ihm erwarten konnten, werden schon die allernächsten Stunden lehren. Ueber die Vorgeschichte des berichtet uns noch unser Berliner Hg.=Korrespondent: Am Montag nimmt vor dem Schwurgerichte des Berliner Landgerichts I der Meineidsprozeß gegen den Fürsten Philipp zu Eulenburg und Hertefeld auf Schloß Liebenberg seinen Anfang. Wohl nie zuvor hat man einem Prozeß mit solcher Spannung entgegen Persönlichkeiten des Deutschen Reiches, das Haupt eines der ältesten preußischen Adelsgeschlechter, um einen Mann, der zwei Jahrzehntelang der Freund und bevorzugte Günstling des deutschen Kaisers war und der als Botschafter das Deutsche Reich am Wiener Kaiserhof vertrat, der vom Kaiser mit dem Schwarzen Adlerorden ausgezeichnet worden ist und bei dem der Monarch häufig als Gast geweilt hat. Als Dichter und Sänger wurde Fürst Eulenburg in der Hofgesellschaft sehr geschätzt. Dieser Mann befindet sich jetzt in Untersuchungshaft und wird sich wegen Meineids und Verleitung zum Meineid, also wegen Verbrechen, die das Strafgesetz mit schwerer Zuchthausstrafe bedroht, vor den Geschworenen zu verantworten haben. Die Vorgeschichte der Affäre, die ja seit Monaten tagtäglich in aller Mund ist, darf als allgemein bekannt betrachtet werden, so daß wir uns darauf beschränken können, die einzelnen Daten kurz in Erinnerung zu bringen. Maximilian Harden hatte in der„Zukunft" in mehreren Artikeln, zunächst nur für die Eingeweihten kenntlich, Andeutungen gemacht, daß die sogenannte Liebenberger Tafelrunde, die die nähere Umgebung des Kaisers bilde, aus normwidrig Empfindenden bestehe und auf den Kaiser einen unheilvollen Einfluß ausübe. Zu dieser Tafelrunde sollte auch der notorisch homosexuelle französische Botschaftsrat Lecomte gehören. Als weitere Mitglieder waren u. a. angedeutet Fürst Eulenburg, der Berliner Stadtkommandant Graf Cuno v. Moltke, Generalleutnant Graf Wilhelm v. Hohenau und Graf Lynar. Als eines Tages in Potsdam ein Soldat seinen Wachtmeister ersuchte, ihn von seiner Funktion als Bursche beim Major Grafen Lynar zu entheben, da dieser„zu freundlich“ zu ihm sei, kam dieser Vorfall auch zur Kenntnis des Kronprinzen, der nunmehr dem Kaiser die Artikel der„Zukunft" vorlegte. Die Folge war, daß die ganze Liebenberger Tafelrunde in Ungnade siel. Graf Cuno v. Moltke wurde seiner Stellung als Stadtkommandant enthoben. Gegen die Grafen Hohenau und Lynar wurde ein Strafverfahren vor dem Gardekriegsgericht eingeleitet, das mit der Verurteilung Lynars zu 1¼ Jahren Gefängnis endete, während Graf Hohenau nur wegen eingetretener Verjährung freigesprochen wurde. Fürst Eulenburg beantragte gegen sich ein Ermittelungsverfahren wegen Vergehens gegen§ 175, das aber von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, nachdem Harden vernommen worden war. Graf Cuno Moltke dagegen verklagte Harden wegen Beleidigung. Die Erhebung einer öffentlichen Klage lehnte die Berliner Staatsanwaltschaft ab. Im Oktober vorigen Jahres wurde die Beleidigungsklage Moltke=Harden vor dem Berliner Schöffengericht verhandelt. Die aufsehenerregende Verhandlung endete mit der Freisprechung Hardens. Das Gericht hielt es für erwiesen, daß Graf Moltke ein normwidriges Empfinden an den Tag gelegt habe. Fürst Eulenburg selbst war zu dem Prozeß nicht erschienen, er lag krank in einem Berliner Hause. Er blieb auch fern, als ein Zeuge namens Bellhardt über die Orgien in der Villa des Grafen Lynar in Potkdam berichtete und erklärte, daß unter den Gästen des Grafen Lynar auch ein Graf Eulenburg gewesen sei, und daß er glaube, nach einer ihm vorgelegten Photographie den Fürsten wieder zu erkennen(Fürst Eulenburg war erst später in den Fürstenstand erhoben worden). Fürst Eulenburg ließ den Zeugen, der in Begleitung des Kriminalkommissars v. Treskow dem Fürsten in dessen Wohnung persönlich gegenübertreten sollte, nicht einmal vor. Gegen das Schöffergerichtsurteil legte Graf Moltke Berufung ein. Nunmehr griff aber Oberstaatsanwalt Isenbiel ein und erhob wegen Beleidigung öffentliche Klage gegen Harden. Fürst Eulenburg ließ wiederholt erklären, daß die über ihn seit Jahren im Umlauf befindlichen Gerüchte grundlos seien und daß möglicherweise eine Verwechselung mit seinem Bruder dem Grafen Fritz Eulenburg vorliegen könne, der wegen homosexueller Vergehen aus der Armee entfernt worden ist. Wegen der von dem Verteidiger Hardens, Justizrat Bernstein, in seinem Plädoyer geäußerten schweren Angriffe auf den Fürsten Eulenburg wurde von der Staatsanwaltschaft ebenfalls ein Ermittelungsverfahren wegen Beleidigung eingeleitet. Inzwischen war Fürst Eulenburg trotz seiner angeblich schweren Krankheit selbst vor Gericht erschienen, um sich von dem Verdachte der Homosexualität zu reinigen. In dem Prozeß gegen den Schriftsteller Adolf Brand wegen Beleidigung des Reichskanzlers Fürsten Bülow war am 6. November 1907 auch Fürst Eulenburg als Zeuge benannt. Auf Krücken gestützt erschien er im Gerichtssaal und leistete folgenden Eid: „Ich erkläre hiermit auf das bestimmteste, daß ich mir in meinem Leben nie strafbare Handlungen in bezug auf§ 176 habe zu schulden kommen lassen. Was das übrige betrifft in bezug auf die Dinge, von denen Dr. Hirschfeld gesprochen hat, so lasse ich mich darauf nicht ein.“ Dann kam der zweite Hardenprozeß, der am 4. Januar mit der Verurteilung Hardens durch die 4. Strafkammer zu vier Monaten Gefängnis endete. Auch in dieser Verhandlung war Fürst Eulenburg als Zeuge vernommen worden, und hat hier unter seinem Eide erklärt:„Ich habe niemals Schmutzereien getrieben.“ Als Justizrat Bernstein darauf hinwies, daß eine Reihe perverser Handlungen nicht unter den§ 175 fallen, enwiderte Fürst Eulenburg:„Halten Sie das vielleicht für keine Schmutzerei?" Die Aussagen des Fürsten Eulenburg waren nunmehr so klar und bestimmt, daß alle Welt die gegen ihn im Umlauf befindlichen Gerücht für widerlegt hielt. Oberstaatsanwalt Isenbiel sprach denn auch— als Erklärung für den Fürsten Eulenburg— offen aus:„Wenn si Fünst Eulenburg„derartige Verfehlungen“ hat zu schulden komme: lassen, einem klaren und einwandsfreien Zeugnis gegenüber, daß e niemals eine Schmutzerei begangen habe, so würde er sich des Meineids schuldig gemacht haben. Der Fürst bittet deswegen dringend, jeden Menschen, der noch einen Funken Gerechtigkeitsgefühl verspürt, ihn zu denunzieren wegen Verletzung der Eidespflicht, sofern der Betreffende irgend einen Zeugen dafür beibringen könnte, daß der Fürst sich eines Vergehens gegen§ 175 oder irgend eines anderen sexuellen Vergehens schuldig gemacht habe. Sofern eine solche Denunziation eingereicht wird, würde von der Staatsanwaltschaft, wie ich versichern kann, jeder Zeuge darüber vernommen werden, möge er wohnen wo er wolle, im Deutschen Reiche oder im Auslande. Der Fürst scheut sich vor keinem Zeugen, und es würde die Untersuchung gegen ihn unbedingt mit der größten Schroffheit eingeleitet werden, möge sie führen, zu welchem Erfolge sie wolle.“ Eine überraschende Wendung brochte, kunz Allgemeine Zeitung. Montag, den 29. Juni 1908. zweite Urteil vom Reichsgericht nachgeprüft werden konnte, eine von Harden gegen den Redakteur Städele in München angestrengte Beleidigungsklage, die unter dem Vorsitz des bekannten Oberland#sgerichtsrat Mayer am 21. April vor dem Münchener Schössengericht verhanbeit wurde. Hier wurden zwei Zeugen vernommen, der Fischermeister Riedel und der Verwalter der Eulenburgschen Vill am Starnberger See. Ernst, die nach längerem Zögern zugeven mußten, daß Fürst Eulerburg in der Zeit, als er bei der dreußischen Gesandtschaft in München war, mit ihnen andauernd widernatürlichen Umgang gepflogen bade. Beide haben vom Fürsten Eulenburg Geldzuwendungen erhalten. Jakod Ernst hat den Fürsten Eulenburg auch die ielfach auf Reisen begleitet. Diese Aussagen machten den Fürsten Eulenburg dringend des Meineids verdächtig. Es ist bekannt, daß nach Einforderung der Münchener Akten und nach Konfrontation der beiden Zeugen mit dem Angeschuldigten Fürst Eulenburg als Untersuchungsgefangener in die Gefangenenabteilung der Königlichen Charitee in Berlin überführt worden ist. Auf Grund eines bei Ernst beschlagnahmten Briefes, der lautet: „Mein lieber Jakob! Du hast gewiß erfahren, welchen Verdächtigungen ich seit einiger Zeit ausgesetzt bin. Du wirst vielleicht auch aus den Zeitungen ersehen haben, daß man selbst Dich in diese Sache hineinzuziehen versuchte. Ich habe nun heute geschworen, daß ich mir keinerlei Verschlungen vorzuwerfen habe. Du wirst je natürlich, wenn es dazu kommt. auch nur dasselbe aussagen können“, i auch wegen Verleitung zum Meineid Anklage erhoben worden In der Untersuchung hat Maximilian Harden eine lange Liste von Personen dem Gericht überreicht, mit denen Fürst Eulenburg ebenfalls in gewissen Beziehungen gestanden haben soll. Es sind in Wien, Oldenburg, Florenz und an anderen Orten, an denen sich Fürst Eulenburg früher aufgehalten hat, zahlreiche Zeugen vernommen worden. Preußischer Tandtag. Abgebronetenhaus. Berlin 47. Juni. Am Ministertische von Rheinbaben und Holle. Der Altersprasident Hobrecht teilt mit, daß 354 Wahlen von den Abteilungen guntig erklärt sind. Hierauf erfolgt die * Präsidentenwahl. Das Abgeordnetenhaus wahlte durch Zuruf das bisherige Prasidium bestehend aus von Krocher, Porsch und Krause wieder. Weiterhin erfolgte die Wayl der 8 Schriftführer und der 3 Mitglieder der statistischen Zentralkommission, von Kröchel dankte dem Abg. Hobrecht für seine Ausführung und teilte mit, daß der Kronprinz für die Geburtstags=Glückwünsche des Hauses gedankt habe. Es folgte die erste und zweite Lesung betr. die Erhebung neuer Umlagen für das Etatsjahr 1908 für landeskirchliche Zwecke. Minister Holle führte aus: Die Vorlage hat die Bedeutung eines Notgesetzes. Die Mittel der Umlagen sollen zur Verbesserung der wirtchaftlichen Lage der Geistlichen dienen, auch für den Vorchuß on bedürftige Pastoren sollen die Mittel verwendet werden. Er ditte um Annahme der Vorlage. Abg. Wiemer(frs. Vpt.) erklärte, seine Freunde hätten gegen die Verlage seibst und ihre Erledigung in der Sommertagung erhebliche Bedenken. Es sei gefährlich, die Pfarrer aus den anderen Beamtenategorien herauszuschälen. Dadurch würden Mißstimmungen erweckt werden. Von einem dringenden Siaatsinieresse könne doch bei der Vorlage keine Rede sein. Abg. Minckler(kons.) erklärte, seine Freunde erkennen die Beweggründe an, welche die Regierung bewogen haben, die Vorlage schon jetzt „ ST. LT Th T l der Landeskirche wesentlich vermehrt werden. Eine gründliche Auf. besserung der Löhne der Eisenbahnarbeiter wäre notwendiger als die Erhöhung der Pastorengehälter. Präsident Kröcher bittet den Redner bei der Sache zu bleiben. Abg. Strobel; Man solle erst den mittleren Unterbeamten, die eine viel tängere Arbeitszeit als die Geistlichen haben, die Gehelter aufbessern. Der Geistlichkeit solle nur eine Extrawur# gebraten werden Ob eine allgemeine Gehaltsreform im Herbit erfolge, erschiene ihm raglich. Die Annahme der Vorlage würde eine Zurücksetzung anderer Beamtenkategorien bedeuten. Als Abg. Ströbel Preystimmen zu verlesen beginnt, bittet ihn Präsident Krocher im eigenen Interesse, nicht zuviel zu verlesen, da ihm sonst niemand zuyöre.(Große Heiterkeit.) Finanzminister Rheinbaben erwiderte: Wenn der Vorrednesagte, die Sozialdemotratie übertreffe alle anderen Parteien an Nächstenliebe, so lehre die Erfahrung, daß die sozialdemokratische Nächstenliebe da versage wo der einzelne sich nicht unter den Despotismus der Sozialdemokratie beuge. Auf welcher Seite der Terrorismus geübt werde, habe die Wahl in Moabit und Rirdorf gezeigt. Die Sozialdemokratie möge vor der eigenen Türe kehren. Was die von Ströbel behauptete ervarmich Tohnung der Stäatsarbeiter anlange, so wisse jeder der die Verhältnisse kennt, daß die Löhne von Jahr zu Jahr gestiegen seien. Extrawürste brate die Staatskasse nicht. Würste würden in diesen Falle von den Kirchenbehörden gebraten. ie billigten den Zweck der Vorlage und stimmten einzubringen. derselben zu Abg. Ströbel(soz.) erklärte, seine Fraktion sei gegen die Vorsage, weil sie auf dem Standpunkte der prinziviellen Trennung von Staat und Kirche stehe. Den sozialen Gedanren des Gesetzes schätzten seine Freunde hoch. Die werktätige christlsche Nächstenliebe schätzten die Gozialdemokraten höber als jede andere Partei Heiterkeit.) Durch die Erhöhung der Kirchensteuer werde der Austritt aus Arsle feurdenPseP Aine Von Ven Krrthelorhofnn Hr Die meisten Lan##pfarer lebten in recht bescheidenen Verhältnissen. Er bitte die Vorlage anzunehmen.(Beifall.) Abg. Hackenberg inatlib.) ertlärte, seine Freunde stimmten der Vorlage zu, ohne sich dadurch in ihrer Stellungnahme zu den anderen Geseßen, wie das Pfaxrbesoldungsgesetz, irgendwie beeinflussen zu lassen Abg. Iderhoff ffreikons.) stimmt gleichfalls der Verlage zu. Hierauf wird die Diskussion geschlossen und die Vorlage in erster ann in zweiter Lesung angenommen. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. der Vorlage, Antrag Borgmann(soz.) effend Haft Dritte Lesung der Vorlage, Antrag Borgmann(soz.) Die sozialdemokratischen Anträge betreffend Hastentlassung Liebknechts und Prozeßaussetzung Leiner auf die Tagesondnung zu setzen, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Freinsinnigen und einiger Nationalliberalen, abgelehnt. Schluß 3¾ Uhr. Das neue Real=Gymnasium zu Gelsenkirchen. Zur Grundsteinlegung. TRSH *4 K 30—— 441# M— 7* ie Aessceet. sce ** S 14978 #K ei I Die feierliche Grundsteinlegung zum Bau des neuen Realgymnasiums fand am Samstag vormit#ag 11½ Uhr aus dem freien Platze an der Ecke der Hoch= und Ringstraße statt. Zu der Feier hatten sich die Spitzen der städtischen Behörden, die Stadwerordneten, das Kuratorium der höheren Lehranstalten sowie sämtliche Schulen des mit dem Lehrerkoüegium eingefunden. Der Platz und prächtigen Dekorationen durch den Schülerchor Fahnen Realgymnasiums m selbst war mit Blumen, festich geschmückt. Die Feier wurde burg####### des Realopmnasiumt, der dez. Lobgssang. ug. girgerheier stimmungsvoll vortrug, eröffnet. Darauf hielt Herr Obe Machens eine längere Ansprache, in der er u. a. ausführte: Meine sehr verehrten Herren! Uebe Schüler! = unseres jetzigen Schule in Im Jahre 1902 zeigte das höhere Schulwesen unsere Stadtbezirkes noch ein unfertiges und unsicheres Bild. Die umgewandelt. Realschule in Bulmke stand in ihrer ersten Spezial=Aufnahme der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitune". Phor. Volk. so auszugestalten, daß jedes seiner Kinder sich bewußt ist, dort das als Se. Exzellenz Dr. Holle Minister der Geistlichen=, Unierrichtsfinden, was verlangt werden muß, sodaß man die Kinder getrost in und Medizinalangelegenheiten, Se. Exzellenz Dr. Frey#er von der alle zu finden, was vertangien M. Kg...— diese Schulen senden kann.. Recke von der Horst Oberpräsident der Provinz Westfalen, RegierungsEin Schulwesen dat aber unbedingt ein Schulhaus notwendig. Man spräsident von Gescher Direktor des Provinzialschulkollegiums in Münkann sich eine Schule ohne eigentliches Schulhaus kaum denken, und ster, Dr. von Bake Regierungspräsident in Arnsberg und Theodor wenn ich das als unbestrittenen Satz hinstelle, so brauche ich wohl nach Machens Oberbürgermeister von Gelsenkirchen waren sund die Grundden Ursachen nicht zu suchen. Wenn das Schutwesen in seiner Ent= steinlegung zu diesem Realgymnasium statt alle wurde damals aus einem Realaymnasium in ein Gymnasium Die vom Landkreise Gelsenkirchen ins Leben gerufene Entwicklung. In Gelsenkirchen hatten wir eine Rektoratschule. Es war von den ädtischen Kollegien in Gessenkirchen beschlossen werdenz,####iser Stelle ein Gymnasium mit angegliederter Realschule zu setzen. Dagegen arte man begreiflicherweise Widerstand gesetzt, und um die weiter: Ausgestaltung des Schulwesens war ein Kampf entbrannt, der noch bis die Tage hineinreichte, die schon Vorbereitungen dienten— vas fur unsere Stadt bedeutungsrolle und für das höhere Schulpesen besonders wichtige Ereignis— die Vereinigung der Stadt Gelsenkirchen mit den 6 Nachbargemeinden. Dieses Ereignis war von grundlegender Bedening für unser höheres Schulwesen. Die Verhandlungen haben ohne Meite es zu dem Ergebnis geführt, daß die Schule in Schalke alseinem reinen Gymnasium ausgebildet, die Realschule als alschule fortgeführt wurde, und daß als dritte Anstalt ein Realaumnasium entstanden ist. Dieses Ereignis hat dazu geführt, daß diese drei Fulen in harmonischem Zusammenwirken etwas Großes zusammentragen und daß nun an der weiteren Ausgestaltung mit vereinten Kräiten gearbeitet und Großes geschaffen werren........ Wenn ich, neine Herren, von mir selbst spreche, so barf ich an dieser Stelle bekunden, daß ich dem höheren Schutwesen mit ganzem Herzen zugetan bin. Aber wenn ich auf die anderen Herren blicke, dann weiß ich nicht, ob ich für meine Person dagegen bestehen kann. ist öfter gesagt worden, daß unsere Stadtverordneten die Aufgaben auf dem Gebiet: des höheren Schulwesens in hervorragender und glänzender Weise gelöst haben. Wir haben alles getan, um die Schulen auszubauen, um ein treffliches Lehrerkollegium hierherzuziehen. Sie haben alles getan, was von ihnen beansprucht werden konnte. Mithat aber auch das Kuratorium der höheren Lehranstalten. Mit eh uu Verständnis bat es die Angelegerheillen der Schule bebandelt. Und endiich muß ich daran erinnern, in wie vortrefflicher Weise uns Direktoren unterstützten um unser Schulwesen ans diejenige Und end die Herren Stufe zu bringen, auf der es heute stebt heute der drei vornehmsten Schularten, unGessenkir erfreut wickelung fortschreiten soll, dann muß besonders ein Gebäude gebaut werden mit allen Einrichtungen, die dafür nötig sind. Auch dieser Aufgabe hat sich unsere Stadtverwaltung nicht entzogen. Sie in ihr mit vollem Maße gcrecht geworden. Die Oberrealschule ist durch Vollendung des ersten Teiles und durch Hinzufügung des zweiten Teiles fertiggestellt. Sie dient unserer Stadt auch äußerlich zur großen Zierde. Die Pläne zum Neubau des Gymnasiums bedürfen nur noch der Zustimmung des Provinzial=Schulkollegiums, Anf diesem Platze sehen wir ein nach den in vortrefflicher Weise ausgearbeiteten, von großer Sachkenntnis zeugenden und mit allseitigem Beifall aufgenommenen Plänen der Herren Stadtbaurat Arendt und 1. Architekt Wasser ein Gebäude erstehen, das gerade so sein soll, wie das Gymnasium. Zur Grundsteinlegung haben wir uns hier versammelt. Vertreten sind die städtischen Behörden, die Stadtverordneten, das Kuratorium. Sie alle bilden für diese Schule eine Einheit. Wir haben in verschiedenen Stadien zusammengewirkt und wollen es auch heute tun. Liebe Schüler! Ich möchte Euch ganz besonders wünschen, daß Ihr Euch den heutigen Tag recht lange in seiner Bedeutung vergegenwärtigt, und daß Ihr aufmerksam dafür seid, wie Eure Eltern, die ihre Kinder als den höchsten Schatz betrachten, alles tun, Euch, ein Heim zu schaffen, das nicht nur der Stadt zur Zierde gereicht, sondern Euren Lehrern Gelegenheit zu geben, ihre geschätzte Wissenschaft neben der Gottessurcht und Vaterlandsliebe den Schülern einzuprägen und in Euren Herzen zum Ausdruck zu bringen.“" Denket dar in, daß dieses für Euch geschaffen wird. Meine Herren! Lassen Sie uns schreiten zur Grundsteinlegung mit dem Wunsche, daß dieser Bau unter Gottes gnädigen Schute steht. und daß er seiner Vollendung entgegengehen möge ohn; zeglichen Unfall. Pann wird ein Bau erstehen, der nicht nur unserer Stadt äußerlich zur Zierde gereicht, sondern auch stets sei eine Pfiegestätte der Gottesfurcht, der Vaterlandsliebe, der wahren Wissenschaft, eine Pflegestätte der körperlichen Ausbildung unserer Knaben eine Pelegz= stätte heiteren Frohsinns. Mögen unserer Jugend in diesem Raume nicht nur ernste Stunden, sondern auch ein fröhliches Leben beschieden sein. Daß alle diese Wünsche in Erfüllung gehen das wal:e Gott! Darauf las Professor Dr. Kohlschein die Urkunde zur Grundsteinlegung vor, die folgenden Wortlaut hat: Urkunde. Jahre 1908, im 20. Jahre der ruhmreichen Regierung 4 r. er haben alles getan, Mazestät des deutschen Kaisers, Königs von Preuzen Wilhelms II., steinlegung zu diesem Regigymnasium statt. Nachdem am 1. April 1903 die Vereinigung der Nuchbargemeinden mit der Stadt Gelsenkirchen erfolgt und letztere zierdurch eine Großstadt mit mehr als 185 000 Einwohnern geworden war, betrachtete es die Stadtverwaltung als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, dem Bedürfnisse nach einer neuen, mit Berechtigung versehenen höperen Lehranstalt Rechnung zu tragen. Da ein humanistisches Gymnasium und eine inzwischen zur Oberreali##mule ausgebaute Re#lschal vorh##den waren, so fonnie ais britie nstalt unl ein Reeigymgsstum in S###e lomm Daber wurde In der Sitzung der Stadtverordneten vom 22. Septem er 1903 die Gründung eines städtischen Realgymnasiums beschlossen und dieser Beschluß durch Ministeriaierlaß vom 5. Februar 1904 genehmizt. Am 5. März 1904 wähite das Stadtverordnetenkollegium den Professor am hiesigen Gymnasium, Dr. Karl Kohlschein zum Leite; der reuen Anstalt, der als solcher durch Verfügung vom 16. März 1911 die Bestätigung erhielt. Die Anstalt wurde auf den drei unteren Gymnasialklassen der bisherigen katholiischen Rektoratschule aufgebaut und am 21. April 1904 mit 4 Klassen(Sexta bis Untertertia) und 89 Schülern in gemieteten Räumen eröffnet. Die Errichtung eines der Neuzeit entsprechenden Schulgebäudes wurde zwar sofort in die Wege geleitet, jedoch in unliebsamer Weise verzögert, weil über die Platzfrage eine Einigung nicht so bald erzielt werden konnte. Im Oktober 1906 legie dann der Stadtbaurat Arendt dem Kuratorium und dem Stadtverordnetenkollegium den von ihm mit Umsicht und Sachkenntnis entworfenen und von dem städtischen Architekten Wasser ausgearbeiteten Plan vor, der ungeteilten Beifall sand und von den vorgesetzten Behörden genehmigt wurde. Mit der Ausführung betraute die Stadt den Bauunternehmer Bielefeld. Hoffen wir, daß der monumentale Bau pie Ostein 1910 vollendet it, und die seierliche Einweihung des neuen Schulgebäudes mit der Entlassung der 1. Abiturienten vorbereitet werden kann. Das Realgymnasium hatte im letzten Schuljahre 256 Schüler, die sich auf die Klassen Sexta bis Unterprima verteilen. An der Anstalt wirken außer dem Direktor Pros. Dr. Kohlschein die Oberlehrer Prof. Dr. Hultzsch, Schönfelder, Nußbaum, Freibüter, Dr. v. Ackern, Fischer und Behrens, die wissenschaftlichen Hilfslehrer Franke, Seire und Krös, der Zeichenlehrer Reinicke, die Lehrer Simon und Miller und im Nebenamte die Volksschullehrer Katz und Schneiders. Dezernent der Anstalt ist Provinzialschuirat Professor Dr. Norrenberg. Dem Kuratorium der höberen Lehranstalten gehören an Oberbürgermeister Machens als Vorsitzender, Gymnasialdirektor Professor Corsenn, Oberrealschuldirektor Professor Fritzsche, Realgymnasialdircktor Prosesse: Dr. Ko#sschein als ständige Mitglieder, außerdem Kommerzienra: 2. Blatt, Rr Amtlich Geschäftsstelle 9 Geöffnet Gezugspreis Anzeigenprei Ausw. Insera Wir befinden Stille nicht geredet Horizont heraufgez Weise gestaltet, die unser Kaiser bei der haft“ gewahrten verbürgen sollen. A um zu erkennen, de befinden und Uebe * die über zahlreiche sonders aber in de Vorgänge in der 5 Wert darauf legen Völkerleben ihrem wird deshalb nach Die Gton sich bisher im Re tigt hat, wird wei galt vor allem, herbeizuführen. den parlamentaris der letzten Kaiser: lingen. eine San rationell gesund wird unter dem tiven Mehrheit de wird indes die lik ihre fortschrittlic wirken, daß eine gerechten Landtag und öffentlichen führt wird. Ueber alle so ders über den i rufenden sowie über alle alle sonstigen Er gemeine Zeitung führliche Bericht auch weiterhin d Aufschwung, den 11 Gleich eine des Mannes vo liefert. Plötzlich sp Habehe!“ habe ich da gen den Anblick dam Ermordete war Bevor ihr Kleid mit dichten Lorbeere In unbe zurück. 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Schwere Wolken sind am politischen Horizont heraufgezogen und haben die internationale Lage in einer Weise gestaltet, die des Ernstes nicht entbehrt. Zum ersten Maie hat unser Kaiser bei der Beteuerung seiner Friedensliebe von einem„ehrenhaft“ gewahrten Frieden gesprochen, den unser Heer und unsere Marine verbürgen sollen. Man braucht deshalb nicht ein Schwarzseher zu sein, um zu erkennen, daß wir uns in einer kritischen Lage befinden und Ueberraschungen nicht ausgeschlossen sind. Die „Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung", die über zahlreiche erstklassige Mitarbeiter im In- und Auslande, besonders aber in der Reichshauptstadt, verfügt, hat sich bisher über alle Vorgänge in der äußeren Politik sehr gut orientiert gezeigt und wird Wert darauf legen, auch in Zukunft alle Ereignisse im internationalen Völkerleben ihrem Lesepublikum rasch und zuverlässig mitzuteilen. Sie wird deshalb nach wie vor der Erweiterung ihres vorzüglichen Depeschendienstes die größte Aufmerksamkeit widmen. Im Zeichen der Blockpolitik, die sich bisher im Reiche vorzüglich bewährt und herrliche Früchte gezeitigt hat, wird weiterhin unsere Reichspolitik ihre Wege wandeln. Es galt vor allem, eine gesunde Reichsfinanzreform herbeizuführen. Besprechungen hierüber wird der Reichskanzler mit den parlamentarischen Führern in Norderney haben. Wie auf Grund der letzten Kaiserrede zu hoffen ist, wird es mit Hilfe des Biocks gelingen. eine Sanierung der Finanzen zu erzielen, eine Reform, die rationell gesund und für oas Reich zweckdienlich sein soll. Die Politik in Preußen wird unter dem Einfluß der wiederum gewählten klerikal-konservativen Mehrheit den Charakter der früheren Stagnation aufweisen. Das wird indes die liberalen Parteien nicht hindern, mit aller Energie für ihre fortschrittlichen Ziele einzutreten und vor allem darauf hinzuwirken, daß eine Aenderung des bestehenden unzeitgemäßen und ungerechten Landtags=Wahlrechts, besonders die Beseitigung der indirekten und öffentlichen Wahl und der Drittelung der Urwahlbezirke herbeigeführt wird. Ueber alle sonstigen politischen und unpolitischen Vorgänge, besonders über den im In= und Auslande das größte Interesse hervorrufenden Eulenburg=Prozeß sowie über alle wichtigen Kongresse, Gerichtsverhandlungen und über alle sonstigen Ereignisse von allgemeinem Interesse berichtet die„Allgemeine Zeitung“ schnell und objektiv, telegraphisch und durch ausführliche Berichte eigener Korrespondenten. Besondere Pfiege wird auch weiterhin der unterhaltende Teil des Blattes finden. Der rasche Aufschwung, den die„Gelsenkirchener Allgemeine Zeitun“ in den 5 Fernsprecher: Nr. 178. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Jahren ihres Bestehens genommen hat, und die stetige Zunahme der Abonnentenzahl, sodaß sie jetzt in einer garantierten Auflage von 22 000 Exemplaren erscheint, haben gezeigt, daß sie sich den Ruf einer guten, zuverlässig und rasch bedienenden Tageszeitung erworben hat und als ein in weitesten Kreisen und in allen Schichten der Bevölkerung gerne gelesenes Volks- und Familienblatt zu bezeichnen ist. Das soll uns dazu anspornen, auch fernerhin alle Kräfte für die weitere Ausgestaltung und Vervollkommnung unseres Blattes einzusetzen. Wir hoffen, dadurch auch in Zukunft den Beifall unseres zahlreichen Lesepublikums zu finden und uns viele neue Freunde zu erwerben. Der Bezugspreis ist äußerst niedrig bemessen und beträgt pro Monat, einschließlich das wöchentliche Unterhaltungsblatt, 65 Pfg. frei ins Haus. Jeder Abonnent ist gegen Unfall mit tödlichem Ausgang mit 300 Mk. versichert. Außerdem können unsere Leser auf die wöchentlich einmal erscheinende Zeitschrift„Der Volksgarten“ abonnieren, weicher pro Nummer 10 Pfg. kostet, und sind hierdurch mit 600 Mark versichert. Die ebenfalls wöchentlich 1 mal erscheinende Romanzeitung kostet nur 10 Pfg pro Exemplar und sind die Abonnenten ebenfalls gegen Unfall mit tödlichem Ausgang mit 400 Mark versichert. Mithin ist ein Abonnent der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung", des„Volksgarten“ und der„Romanzeitung“ mit einer Summe non insgesamt 1000 Mark versichert. Bestellungen werden durch die Postanstalten, unsere Boten sowie in unserer Geschäftsstelle(Munckelstraße 16/18) entgegengenommen. Verlag und Redaktion der„Gels. Allgemeinen Zeitung. erklärt der Präsident, man möge in solchen Fällen nicht Selbsthilfe üben. Er glaube, Sternbergs Benehmen gebe ihm das Recht, ihm das Wort zu entziehen. Stürmischer Beifall der Sozialdemokraten folgt diesen Worten. Graf Sternberg schreit: Herr Präsident, das werden Sie mir büßen, und auch das Ministerium wird das büßen! Gleich darauf ruft der Deutschratikale Wolf, dem man berichtete, daß Sternberg seinen Parteigenossen Sommer beleidigt habe, gegen Sternberg: Von einem Lausbuben läßt sich das Haus terrovisieren! Dafür werde ich ihn für meinen Freund Sommer ohrfeigen! Wolf will sich auf Sternberg stürzen, wird jedoch von anderen zurückgehalten. Stemberg unterbricht den folgenden Redner Masaryk unaufhörlich durch Schreien und Pultschlagen. Inzwischen rheben sich alle geistlichen Abgeordneten und verlassen demonstrativ ind geschlossen im Zuge den Saal. Derauf erscheinen einige im Saal und verlangen vom Präsidenten eine Rüge für Daszynski. Der Präsident verweigert dies. Die Erregung des Hauses hielt noch lange an. Skandalszenen im österreichischen Abgeordnetenhaus. Wien, 27. Juni. Im Abgeordnetenhause kam es gestern nach Schluß der Budgetdebatte bei den persönlichen Bemerkungen und tatsächlichen Berichtigungen zu großen Skandalszenen. In der Verhandlung hatte der Sozialdemokrat Daszynski bei Besprechung der Justizverhältnisse in Schlesien erzählt, ein Jesuitenpater habe ein junges Mädchen bei der Erteilung der Sterbesakramente geschändet und laufe noch frei herum. Graf Sternberg erklärt, wer solchen Vorwurf unter dem Schutz der Immunität vorbringe, sei ein ehrloser Feigling. Es entsteht ein furchtbarer Lärm unter den Sozialdemokraten. Mit geballten Fäusten wollen sich viele auf Sternberg stürzen, um den die tschechisch-klerikalen und die christlichsozialen Abgeordneten eine Schutzmauer bilden. Die Sozialisten ergreisen auf Pulten liegende Papiere und werfen Papierknollen gegen Sternberg. Aus dem unbeschreiblichen Lärm hört man Rufe: „Frechling!" Er ist besoffen! Er muß geohrfeigt werden!“ Plötzlich ergreift Graf Sternberg die vor ihm stehende Tischuhr der Stenographen und richtet sie als Wurfgeschoß gegen die Sozialisten. Ein Stenograph entwindet sie ihm mit Gewaltanstrengung. Es entsteht nun zwischen den Sozialisten und den Abwehrenden ein förmliches Ringen. Die Erregung wächst. Schimpfworte fliegen hinüber und herüber. Sternberg schreit kreidebleich von Zeit zu Zeit Unverständliches in den tosenden Lärm. Der Präsident unterbricht die Sitzung. Der Tumult dauert an. Die Galerien applaudieren den Sozialisten. Nach Wiedereröffnung der Sitzung Kurze politische Meldungen. Wie ein Berliner Blatt erfährt, ist die Ernennung des Regierungspräsidenten Dr. Gramsch in Allenstein zum Präsidenten der Ansiedelungskommission jetzt erfolgt. * Aus Kimberley, 27. Juni, wird berichtet: Staatssekretär Dernburg ist von Prätoria hier eingetroffen und wird bis zu seiner für Montag beabsichtigten Weiterfahrt nach den Viktoriafällen als Gast der De Beers=Gesellschaft hier bleiben. * Aus Rotterdam, 27. Juni, wird gemeldet: In einer gestern abend erschienenen offiziösen Mitteilung wird die Möglichkeit einer hollandischen Flottendemonstration gegen Venezuela zugegeben. Augenblicklich ist nur der geschützte Kreuzer„Gelderland“ in Westindien. Dieses Schiff soll mit dem Schwesterkrenzer„Friesland“ und zwei Panzerschiffen zu einer ständigen Division vereinigt werden, welche dann den Auftrag erhalten wird, dem Präsidenten Castro eine scharfe Lektion zu erteilen. Vielleicht veranlaßt die holländische Initiative die anderen Mächte, die mit Castro abrechnen müssen, jene Flottendemonstration mitzumachen. * Nach einer Meldung aus Belgrad droht sich die Lieferungsaffärg der Balkanska Banka zu einer förmlichen Panama=Affäre zu entwickeln. Wie sich jetzt herausstellt, wurden nicht nur bei der Wäschelieferung große Unregelmäßigkeiten und Schwindeleien begangen, sondern auch in der Lieferung anderer Waren und Lebensmittel. Auch das Fleisch wurde von Balkanska Banka für das Militär geliefert. Es wird nun behauptet, daß die Soldaten verdorbenes, ungenießbares Fleisch erhielten. Oft blieben die Soldaten mehrere Tage lang ohne Fleisch. Die Belgrader Blätter kündigen sensationelle Enthüllungen über weitere große Schwindeleien an. 6. Deutscher Gewerkschaftskongreß. (Von unserem Korrespondenten.) Hamburg, 26. Juni. In der heutigen Sitzung wurde zunächst die Resolution Molkenbuhr über die Arbeiterversicherung angenommen. Sodann sprach Frau Emma Ihrer(Berlin) über die Stellung der Arbeiter zu den Arbeitskammern. 11 Finstere Gewalten. Roman von Erich Friesen. (Nachdruck verboten.) Gleich einer Rachegöttin steht die ehrwürdige Gestalt der Mutter des Mannes vor dem zitternden Geschöpf, den es dem Gericht überliefert. Plötzlich springt Graziella emvor. „Hahaha!“ lacht sie schneidend auf.„Was für Dummheiten habe ich da geredet... Ich sagt' es ja schon, die Erinnerung an den Anblick damals macht mich immer ganz wirr im Kopf... Der Ermordete war Ferdinando Rosso, der Mörder— Virgilio Mellini! Bevor Frau Mellini noch etwas entgegnen kann, hat Graziella ihr Kleid mit beiden Händen zusammengerafft und ist hinter dem dichten Lorbeergebüsch verschwunden. In unbeschreiblicher Gemütsstimmung bleibt Frau Mellini zurück. Fester denn je ist sie davon überzeugt, daß ihr Sohn das Opfer eines grauenvollen Meineides geworden. Aber wie ihm beikommen? Was tun?... In ihrer ersten Aufregung packt sie sofort wieder ihr Köfferchen und verläßt die Osteria, um ihre wichtige Entdeckung mit ihrem alten Freunde Dr. Lombroso zu besprechen. Der Arzt ist ebenso betrosfen wie sie; doch warnt er die arme Mutter vor übereilten Schritten. Ihr Soyn sei rechtskräftig verurteilt— da sei fürs erste nichts zu mochen... Blutenden Herzens gibt Frau Mellini ihm Recht. Doch schwört sle sich, dem Schlüssel, den sie gefunden zu haben glaubt, nachzuspüren, bis ihres Sohnes Unschuld bewiesen ist. Als sie wenige Tage darnach wieder in Frascati eintrifft, evklärt ihr der alte Beppo, seine Tochter sei krank und läge zu Bett. Das Zimmerchen oben in der Osteria aber werde nicht mehr vermietet. 8. Der berühmte Spezialist für Nervenkrankheiten Dr. Lombroso dat wieder einmal einen arbeitsschweren Tag hinder sich. Mit der wachsenden Kulturentwickelung, mit dem Fortschreiten der Entdeckungen und Erfindungen, mit dem beständigen Zunehmen Ks allgemeinen Hastens und Drängens nehmen auch die Nervenleiden zu— diese Welrkrankheit im wahrsten Sinne des Wortos. Seien es Nervenleiden im ersten Stadium als einfache Nervosiick oder weiter fortgeschrittene als ausgesprochene Nervenkrankheiten, sei es gar direkter Wahnsinn— alle diese Leiden entspringen verselben Ursache: einem durch Jagen nach allerhand Phantomen überreizten Hirn. Müde von den vielen Klagen seiner Patienten hat sich Dr. Lombroso nach der Sprechstunde gerade in sein trauliches Wohnzimmer zurückgezogen, um sich durch eine Zigarette und einen erfrischenden Trunk zu erholen— da wird ihm die Frau Gräfin Varena gemeldet. Sofort ist der pflichttreue Arzt wieder auf dem Posten. In überaus ernstem Gespräch sitzt er bald darauf mit seinem späten Besuch im Ordinationszimmer, nachdem er Befehl gegeben, daß er unter keiner Bedingung zu stören sei. Als nach einer halben Stunde Gräfin Teresita das Zimmer wieder verläßt, stehen ihre Augen voller Tränen. „Also, morgen abend, nicht wahr, Herr Doktor?“ Warm drückt er die kleine bebende Hand. „Ja, ganz bestimmt morgen abend! Und bitte, ängstigen Sie sich nicht zu sehr, liebe Frau Gräfin! Vielleicht sehen Sie zu schwarz!“ Ein schwermütiges Lacheln huscht für einige Augenblicke über Teresitas ernstes Gesicht. Traurig schüttelte sie den Kopf. „Gebe es Gott!“ murmelte sie.„Aber— ich glaube nicht daran.“ Am nächsten Abend befindet Teresita sich in nicht geringer Aufregung. Sie sieht dem Besuch des berühmten Newvenarztes wie einer Art Rettung aus schwerer Gefahr entgegen. In ein weiches, bellblaues Kaschmirgewand gehüllt, sitzt sie, den schönen, ernsten Kopf in die Hand gestützt, am Fenster und sinnt. Bis vor kurzem noch zeigten sich bei ihrem Gatten keine neuen beängstigenden Symptome. Zwar war er stets etwas teilnahms'os und verschwendete weder an Gattin noch Kind große Zärtlichkeit; selbst das muntere Lallen seines kleinen Sohnes vermochte nicht, ihm ein Lächeln abzulocken. Am liebsten war es ihm, wenn Klein=Rinaldo ganz still auf seinem Schoß saß und sich kaum rührte. Vor einiger Zeit jedoch wurde das Kind krank und der Arzt riet den Eltern, mit ihm für ein paar Wochen nach Frascati zu gehen, da die würzige Höhenluft dem kleinen Patienten aut bekommen wurde. Zuerst sträubte sich Amadeo dagegen. Auf inständiges Bitten seiner Frau jedoch gab er schließlich nach und man übersiedelte nach dem Palazzo Verang in Frascati. Von diesem Tage an ging eine Veränderung mit Amadeo vor sich. Ruhelos wanderte er in den Wäldern umher— besonders in der Nähe des Zypressenteiches. Oft kam er von solchen Exkursionen erst spät abends nach Hause— iodmüde, abgemattet, schwerverdüstert. Als Teresita ihn einmal liebevoll fragte, weshalb er nicht daheim bliebe, erwiderte er mit gezwungenem Lachen: „Ich luche meinen Stock.“ Zuerst schlief er nach solchen ermüdenden Ausflügen stets sofort ein. Nach und nach jedoch begann Schlaflosigkeit sich einzustellen. Gegen den Wunsch seiner Frau nahm er kleine Dosen von Schlafmitteln, die nur den Effekt hatten, daß der Patient noch nervöser wurde. Jede Nacht unruhiger Halbschlummer, Hin= und Herwerfen im Bett, wirre Reden. Bis schließlich eine schreckliche Vision ihn zu verfolgen begann. Fest klammerte er sich jedesmal bei einem solchen Anfall an seine Frau, sie beschwörend,„es“ fortzujagen. Umsonst Teresitas Versicherungen, daß nichts da sei. ihr liebevolles Zusprechen. Umsonst ir veruhigen. „Es“ verfolgt ihn von nun ab fast jede Nacht. Der Bedauernswerte starrt und starrt dabei ins Leere, während große Schweißtropsen auf seiner Stirn perlen. Nach diesem beängstigenden Symptome kehrte Teresita sofort mit Mann und Kind nach Rom zurück. Doch Amadeos Zustand besserte sich auch hier nicht. Jetzt hielt es Teresita nicht mehr aus. Sie konsultierte Dr. Lombroso.— Und nun soll in wenig Minuten der berühmte Arzt kommen und den teuren Kranken beobachten und—— Teresita wagt nicht weiter zu denken. Ihr graut vor der Zukunft. Hastig steht sie auf und beaibt sich in den kleinen, ganz in blau und weiß gehaltenen Ecksalon, das Lieblingszimmer ihres Gatten. * hockt Amadeo aus einem niodrigen Sessel am— Umsonst ihr Bitten und Flehen, sich zu Zeitung. Montag, don 29. Juni 1908 Allgemeine Os wurde folgende Relsluttsn angenommen: „Der von der Regierung vorgelegte Entwurf eines Geseves für Arbeitskammern entspricht nach keiner Richtung den Anforderungen, die Erbeiter und Arbeiterinnen an eine für sie so außerordentlich wichtige Institution zu stellen berechtigt sind. Das Arbeits#feld der Kammern wird von vornherein sehr eingeschränkt, während das Tätigleitsgebiet sich erst bei der praktischen Arbeit wird übersehen lassen. Für die Wahl der Vertreter der Arbeiterschaft sind in dem Entwurf Bestimmungen getroffen, die das Selbstbestimmungsrecht der Arbeiter bei Besetzung der Kammern völlig ausschalten. Während in der Begründung zu dem Entwurf gesagt wird, daß zu den Arbeitskammern Personen beiderlei Geschlechts wählbar sein sollen, enthält§ 13 die gleiche Bestimmung wie das Gewerbegerichtsgesetz, nach der nicht wahlbar ist, wer gemäß§ 82 des Gerichtsverfassungsgesetzes zum Amie eines Schofsen unfähig ist. Da ferner die Hälfte der Beisitzer aus den Unfallversicherungsausschüssen, in denen Arbeiterinnen nicht sind, zu wahlen ist, sind die Arbeiterinnen nicht nur von der Wählbarkeit zu den Kammern ausgeschlossen, sondern es ist ihnen auch teilweise das Wahlrecht genommen. Unter Berücksichtigung dessen, daß selbst die verbündeten Regierungen in der Begründung eines Entwurfes eines Reichsvereinsgesehzes erklärten, daß eo nicht ungungig sei, die bei jeglicher Industriearbeit tätigen Arbeiterinnen von dem zum Schutze der Arbeiler geschaffenen Institutionen auszuschließen, fordert der Kongreß, daß in jedem Gesetzentwurf betreffend eine gesetzliche Vertretung der Arbeiterklasse das gleiche Recht für Arbeiter und Arbeiterinnen zur Geklung Beratungen auf morgen vertagt kommt. Der Gesetzentwurf über die Arbesiskammern ist deshald nicht nur wegen seiner grundlegenden Bestimmungen, sondern auch deswegen zu verwersen, weil er die 7 Millionen gewerblicher Arbeiterinnen, von denen der Staat und Gemeinden in gleicher Weise Steuern verlangen wie von den männlichen Arbeitern, die Wählbarkeit vollständig und zum Teil auch das Wahlrecht zu der gesetzlichen Vertretung der Arbeiterschaft vorenthält.“ Die staatliche Bersicherung der Privatang=stellten behandelte Lange(Hamburg). Ohne Diskussion wurde folgender Beschluß gefaßt: von Unternetmern lann sar am Ganes ver im Bohnkampf siedenden Gewersschaft von der Vertretung der organisierten Arveiterschaft am Orte. dem Gewerkschaftskartell deschlossen werden. 2. Als zweckmäßig empfiehlt es sich, zu den Beratungen über ein Boylott auch die Leitung der politischen Arbeitevorganisationen am Orte mit heranzuziehen, Jamit im Kampfe deide Richtungen der Arbeiterschaft sich unterstüpzen und ergänzen können. 3. Der Boylottbeschluß des Gewertschaftskartells am Kampforte ist auch für die Arbeiterschaft anderer, weniger am Kampfe bereiligter Orte mitbindend. 4. Ist von den dazu berechtigten Instanzen ein Boykott beschlossen, so ist es Pflicht aller organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen, diesen Beschluß voll und ganz durchzuführen und auf keinen Fall in boykottierten Geschäften zu kaufen. Der Kongreß erachtet den Boykott als ein gewerkschaftliches Kampfmittel, das nur nach reiflicher Prüfung der Verhältnisse und nach Beschlußfassung der vorerwähnten Instanzen angewendet werden darf, weil die unrechte und unzeitige Anwendung eines Boykotts für die beteiligte Gewerkschaft und die gesamte Arbeiterschaft nachteilig wirkt.“ Ueber die Boykottfrage entspann sich dann eine lange und lebhafte Debatte. Die Resolution, welche im allgemeinen die Zustimmung des Kongresses sand, wurde an eine Redaktionskommission verwiesen, damit noch ein Protest gegen die gegenwärtige Rechtsprechung in der Boykottfrage hineingearbeitet werde.— Hierauf wurden die weiteren richtsgegenstand bilden. Zu diesem sind in erster Binie die Aerzte berusen, welche durch ihre Ausbildung und ihren Beruf Gewahr dafür bieten, daß dieser Unterricht ein zweckmaßiger ist. 8. Bei jedem geeigneten Unterrichtsstoff sind die Schüler auf diGesundheitspflege hinzuweisen und zur dauernden Betätigung ihrer Regein anzuhalten. In die Lesebücher sämtlicher Schulen sind geeignete Kapitel über die Gesundheitspflege aufzunehmen. 4. Ein besonderer Unterricht über Gesundheitspflege ist hauptsäch36. Deutscher Aerztetag. (Von unserem Korrespondenten.) Danzig, 26. Juni. Unter überaus zahlreicher Beteiligung „Reichshof“ der 36. Deutsche Aerztetag durch Deutschen Aerztedundes Geheimrai Grofessor eröffnet. In der Begrützungsansprache weist der Vorsitzende darauf hin, daß die Aerzte zwar besonders im Interesse der allgemeinen Volks„Der 6. Deutsche Gewerkschaftskongreß tritt ein für die staatliche wohlfahrt tätig seien, daß aber sp#e#ien der Aerzteigg auch die besonderen Siandesinieressen wahrgunehmen habe. In diesem Zusammenwurde heute hier im den Vorsitzenden des Dr Looker(Bochum) Versicherung gegen Krankheit und Unfall sowie für die Alters-, Invaliden=, Wirwen= und Waisenversicherung aller Schichten der Lohnarbeiterschaft. Er unterstützt daher auch die dahingehenden Bestrebungen der Privatangestellten aufs nachdrücklichste. Der Gewerkschaftskongreß betrachtet es als unerläßliche Forderung der Gerechtigkeit, daß die staatliche Versicherung in einer Weise erganisiert wird, die nicht eine Benachteiligung bestimmter Gruppen der lohnarbeitenden Bevölkerung in sich schließt. Der Kongreß erklärte sich für die Vereinheitlichung der Versicherungszweige und bekämpft auch jene Zersplitterung im Versicherungswesen, die darin liegt, daß sich die Versicherungspflicht bei den einzelnen Versicherungsarten auf ganz verschiedene Personenkreise erstreckt. Diese Zersplitterung darf nicht durch weitere Absondel üngen Die von mancher Seite befürwortete Sonderversicherung der Privatangestellten für den Fall des Alters und der Invalidität einschließlich der Hinterbliebenenfürsorge, dang gehi Redner auf die Frage der Regelung des Verhältnisses der Aerzte zu den Krankenkassen näher ein. Wir Aerzte sind 1902 geflissentlich ferngehalten worden von den Vorberatungen zur Abänderung des Krankenkassengesetzes. Deswegen mußten die Aerzie zur Selbstbilfe greisen. Den Kampf mit den Kassenvorständen haben wir nicht gewollt, er wurde uns ausgezwungen und wir haben ihn im allgemeinen siegreich durchgeführt. Im Auftrage des vorjährigen Aerzterages in Münster ist der Vorstand deim Reichskanzler vorstellig geworden wegen Mitwirkung der Aerzte bei der Regelung der Krankenkassenfrage. Der Reichskanzler hat die weitestgehende Berücksichtigung zugesagt und sein Wort auch eingelöst Am 11. und 12. Juni hat im Rechsomt des Innern unter dem Vorsitz des Staatssekretärs v. Berdmann-Hoülweg eine Konserenz stattgefunden, deren Gegenstand die Gestaltung des Verhältnisses zwischen würde nicht nur di: Arbeiter ausschließen, sondern, da der Begriffden uerzten und Krankenkassen bildete. Die Verhandlungen hatten „Privatangestellter“ keineswegs feststeht, auch weite Kreise der Angestellten in die Gefahr bringen, nicht in die Sonderversicherung aufgenommen zu werden. Daher verwirft ein großer Teil der Privatangestellten selbst— sowohl solche, die der freien Gewerkschaftsbewegung angehören als auch andere— das System der Sonderversicherung. Sie fordern eine ausreichende Alters-, Invaliden=, Winven= und Waisenversicherung im Rahmen des Invalidenversicherungsgesetzes durch bödere Leistungen in den jetzt bestehenden Lohnklassen und Errichtung döderer Lohn- und Beitragsklassen. Der Kongreß schliett sich diesen Wünschen an und richtet an die Gesetzgebung das bringende Ersuchen, sie schleunigst durch den Ausbau des Invalidenversicherungsgesetzes und zwar so zu erfüllen, daß die Berufsart an sich nicht zum Anlaß genommen werden darf, irgend eine Kategorie der Versicherten zu benachteiligen. Hinsichtlich der Festlegung des Invalidikätsbegriffes jedock ist die bisherige Tätigkeit des Versicherten, ebenso wie seine Ausbildung, Kräfte und Fähigkeiten voll zu berücksichtigen. Betriebspensionskassen un., sollen nicht von der Versicherungspflicht befreien, wie Ersatzinstitutionen überhaupt nicht zuzulassen sind. Den Versicherten ist das Recht der Seibstverwaltung zu gewähren. Der Kongreß sordert die Gewerkschaften auf, bei allen geeigneten Gelegenheiten auf die Notwendigkeit des Ausbaues und der Vereindeitlichung der staatlichen Versicherung im Sinne dieser Resolution hinzuwessen.“ Die gewerbsmäßige Stellenvermittlung besprach Redakteur Pötzsch(Berlin). Referent stellt folgende Leitlätze auf: „Die gänzliche Ausschaltung der gewerbsmäßigen Stellenvermitt- durch Abschluß langfristiger Verträge den Gegnern der Aerzte die e 18-* Geisuu. ler, wie sie im Gastwirtsgewerbe, in den seemännischen Berufen, im Handels-, Schlächter=, Bäcker=, Molkereigewerbe usw., ferner bei der Vermittlung von Dienstboten und Landarbeitern sich eingedrängt hat, ist im Interesse Hunderttausender von Arbeitern dringend gedoten und ein vollkommener Ersatz hierfür durch Errichtung öffentlicher, von gemeinnützigen Gesichtspunkten aus geleiteter Arbeitsnachweis zu schaffen. Die Stellenvermittelung und der Arbeitsnachweis sind durch Reichsgesetz einheitlich zu regeln, und sind neue Konzessionen an gewerds(Lapzig) den mäßige Stellenvermittler, Gesindevermieter usw. nach einer durch Gesetz zu bestimmenden Uebergangszeit nicht meyr mu erteiten. Die vom Staat oder Kommune zu errichtenden Arbeirsnachweisanstalten müssen aus der Grundlage vollkommenster Selbstverwaltung aufgebaut sein, überhaupt allen denjenigen Anforderungen entsprechen, die von früheren Gewerkschaftskongressen als Vorbedingungen aufgestellt worden sind. Der Kongreß erwartet, daß bei der in Aussicht stehenden Aenderung der Gewerbeordnung(Titel II§ 34) diesen Wünschen Rechnung getragen wird.“ weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde die Resolution Pötzsch über die gewerbsmäßige Stellenvermittlung einer Redaktionskommission überwiesen, um noch einige Abänderungen vorzunedmen. — Ueber den Bonkott als gewerkschaftliches Kampfmittel sprach sodann Allmann(Hamburg). Er empfahl folgende Resolution zur Annahme: Waffen in die Hand geben.(Allseitiges Pfui!) Alle Mann auf Deck! zur Stärkung unseres Standesbewußrseins und Wahrung unserer Ehre. das ist die Losung, mit der ich Sie willkommen heiße.(Stürmtscher Als Vertreter des Kultusministers begrüßte hierauf Geh. Sanithtsrat Dr. Aschenbern die Versammlung. Nach wetteren, Bearbtungsansprachen erstattete Generalsskretär Saniiätsrat Dr. Heinze 1. Der Boykott über einzelne Unternehmer oder ganze Grupden Ailehmer Vder gunge den, die gleiche Summe dem Komitee für die Kochstiftung zur Bein welchem trotz der Wärme draußen ein lustiges Feuer brennt, da Amadeo stets fviert. Er nimmt kaum Notiz vom Eintreten seines Weibes. Nur als sie sich ans Klavier setzt und Beethovens Mondscheinsonate zu spielen beginnt, nickt er befriedigt mit dem Kopf. Dämmerung hat sich herabgesenkt, das ganze Zimmer in eine mystisches Halbdunkel büllend. Nur die in sich zusammengesunkene Gestalt am Kamin ist grell von dem aufflackernden Feuer beleuchtet. Jetzt öffnete sich leise die Tür. Dr. Lombroso tritt ein. (Fortsetzung folgt.) einen vertraulichen Charakter. Trotzdem kann doch folgendes gesagt werden: die Beratungen datten den Zweck der Aussprache und Information, sodaß die spätere Stellungnahme der einzelnen nicht festgelegt ist. Der Gegenstand wurde nach allen Seiten beleuchtet sodaß der Zweck der Belehrung und Information der Reichsregierung erreicht worden Ist. Abstimmungen daben nicht stattosfunden, Beschlüsse wurden nicht gesaßt. über fest stehn jedenfalls, daß die Zeit, in der die deutschen Aerzte weder ais Sachverständige noch als Interessenten bei der Krankenkassenfrage Gedör sanden, vorüder ist.[Lebh. Beifall. Wir glauben auch noch dem Verlauf der Beratungen dearündete Hoffnung begen m lönnen, daß ganz wesentliche Punkte unseres Programms, die sich auf die Verhütung und Beflegung von Streitigkeiten mit den Kassenvorständen beziehen, Berücksichtigung finden werden. Ein Teil unserer Wünsche und Forderungen stößt aber auf schweren Widerstand und wird kaum erfüllt werden. Das gilt namentlich für die Forderung der gesetzlichen Einführung der freien Arztwahl. Das Verständnis für diese Frage hat sich zweifellos überall gehoben. Um so heftiger aber ist der Streit entbrannt darüber, ob die freie Arztwahl den Kassen durch Gesetz auferlegt werden soll. Wir haben bisher keinen Anlaß, auf den weiteren Ausbau unserer freiwilligen Organisation für die Erhaltung der Selbständigkeit, Würde und Ehre unseres Standes zu verzichten.(ebhafter Betfall.) Redner gehi weiter auf den Streit der Rerzte mit den Krankenkassen in Körn ein, und bekundet den Aerzten, die dort im Kampfe stehen, die Sympathie nicht nur der Freunde der freien Arztwahl, sondern auch ihrer Gegner. Es sei für die Aerzte beschämend, daß es möglich ist, daß sich ein Dutzenb Aerzte finden, die Geschäfsbericht. Dem Deutschen Aerztevereinsdunde gedören gegenwärtig 865 Gereine mit 22 720 Mitgliedern an. Die Einnahmen beirugen für 1907 einschließlich eines Kassenbestandes von 62 100 Mark 250000 Mk., darunter 67.500 Mk. für Inserate und Beilagen zu dem Vereinsbiatt. Diesen Einnahmen stehen Ausgaben gegenüber im Betrage von 171.800 Mk., sodaß ein Bestand von etwa 78 900 Mk. verbleibt. Dieser Bestand stellt jedoch keinen Ueberschuß dar, sondern in ihm sind bereits die pränumerando gezahlten Beiträge von 1908 vorhanden, die für die Ausgaben von 1908 zur Deckung dienen. Der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums sind 500 Mk. Beihilfe überwiesen workämpfung der Tuberkulose. Redner geht dann auf die Sitzung der Kommission für die Schulgesundheitspflege und der Kommission zur Verhütung der Kurpfuscherei ein, deren Anträge und Leitsätze besondere Gegenstände der Tagung bilden werden. Der nächste Punki der Tagesordnung lautet: Unlerweisung und Erziehung der Schuljugend in der Gesundheitspflege. Die Kommission für die Schulgesundheitspflege hat hierzu 9 Thesen ausgearbeitet, von denen die vier letzten sich mit der Schulfrage beschäftigen. Es wird zunächst über die ersten 5 Thesen verhandelt: Sie lauten: 1. Die heranwachsende Jugend muß durch die Schule mit den Regeln der Gesundheitspflege vertraut gemacht werden. Ein richtiges Verständnis der Gesundheitspflege ist die Vorbedingung für die zweckmäßige Anwendung derselben. Diese trägt zur Hebung der Volksgesundheit und Vo'kswohlfahrt bei und nährt dadurch den Volksreichtum 2. Bei der Ausbildung aller. Lehrkräfte für die Volksschulen und die höheren Schulen muß die Gesundheiterflege einen besonderen Unterlich für ältere Schüler wünschenswert. An Schulen mit Fachlehrsystemen ist der Unterricht in der Gesundheitspflege durch eigene Fach. lehrer, womöglich durch Aerzte, zu erteilen. 5. Behufs zweckmäßiger Durchführung, Unterweisung und Erziehung der Schuljugend ist die Mitwirkung der Aerzte in den Schulbehorden erforderlich.“ Referent Dr. Stefany(Mannheim) betont, daß die Kommission auf die Frage des Alkoholismus nicht eingegangen sei, weil sie besondere Einzelheiten nicht hervorbeden wollte. Ebensowenig halte die Kommission es für notwendig, die Frage der sexuellen Unterweisung in einem besonderen Leitsetz zu betonen, weil diese Frage noch nicht spruchreif sei. Dr. Cohn(Charlottenburg): Der hygienische Unterricht darf nur von Aerzten erteilt werden. Die Lehrer sind dazu in keiner Weise geeignet. Gerade in Lehrerkreisen sind die Anhänger der Naturheilmethode und des Kurpfuschertums vielfach zu finden. Redner beantragt, in These 4 den Passus der sich auf Erteilung des hygienischen Unterrichts durch Fachsehrer bezieht, zu streichen. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen, ebenso ein Antrag desselben Redners, dahingehend, daß bei Herstellung der Lesebücher die Mitwirkung des Arztes erforderlich sei und daß beim hygienischen Unterricht Ratschläge in Bezug auf Behandlung von Krankheiten ausdrücklich zu untersagen seien. Den breitesten Raum in der Debatte nahm die Frage ein, ob in der Schule sernelle Aufklärung zu erteilen sei. Nach langer Lebatte wurde schliußlich folgender Antrag mit auen gegen 44 Stimmen angenommen: „Der Aerztetag möge beschließen, die Frage der Minwirkung dei Schule bei der sezuellen Aufklärung ist noch nicht spruchreif“ Nach einer Pause referierte Stadtarzt Dr. Kaspar(Stuttgar!) namens der Kommission über die Schularztfrage. Die Entwickelung des Schular###twesens in den letzten 10 Jahren ist eine außerordentlich starke geworden. Daneben gehen Bestrebungen zur Vereinheittichung der Organisation der Schulärzte. Um hierüber zu einem Beschlusse zu kommen, muß man sich klar werden, was der Schularzt überhaupt leisten soll. Zunächst soll er die bogienischen Verhältnisse der Schule selbst untersuchen, dann muß er dauernd die Schüler untersuchen und unter Kontrolle halten. Niemals dagegen darf er in ihre Behandlung selbst eintreten. Weiter muß der Schularzt dienen der Nutzbarmachung und dem Ausbau der privaten und stäbtischen Wehlfahr:sanstalten, wie Fertemkolonien, Hilfeschulen. Waldschulen usw. und schließlich muß er für die Vermittlung der Lehren der Gesundheitspflege in den Kreisen der Eltern, Schüler und Lehrer tätig sein. Es entsteht daher die Frage, ob diese Zwecke am besten erreicht werden durch einen vollamtlich im Hauptamt beschäftigten Schularzt oder lediglich durch einen Schularzt im Nebenamt. Die Kommission hat sich dafür entschieden, daß die schulärztliche Tätigkeit im Hauptamt jedenfalls vorzuziehen ist. Die dauernde Kontrolle der untersuchten Schüler leibet bei einem Schularzt im Nebenamt darunter, daß der Bezirk ein zu großer ist und dem Arzt durch Umschutung die Schüler aus den Augen kommen. Außerdem ist sehr bedenklich, daß es bei nebenamtlicher Getätigung zu Kollisionen mit den Privatärzten kommen muß. Vielfach wird sogar die Vermutung ausgissprochen, daß die im Nevenamt tätigen Schulärzte ihre Tätigkeit zu persönlicher Bereicherung benutzen. Man wende zwar ein, daß eine schulärztliche Tätigkeit im Hauptamt nie die volle innere Gefriedigung geben kann, wie sie ein Beruf geben muß. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Die Benutzung des Materials zu wissenschaftlicher Betätigung kann vollständige Befriedigung gewähren. Außerdem kommt es nicht so sehr auf das System allein an als auf die Persönlichkeit des Schularztes selbst. Deshaib schlägt die Kommission vor, zu der Forderung, welche sich für den Schularzt im Hauptamt ausspricht, folgende These hinzuzufügen: „Im Allgemeinen hängt die Leistung auf dem Gebiete der Schulhygiene nicht vom Schulamissostem, sondern von der Persönlichkeit des Schularztes sowie vom Ausbeu der für das körperliche Wohlbefinden der Schulkinder getroffenen Matznahmen ab.“ Nach längerer Diskussion nahm hierauf mit großer Majorität der Aerztetag folgenden Beschluß an: „Unter Ablehnung der Thesen, die den Schularzt im Hauptamt fordern, erklärt der Deutsche Aerztetag: Die Frage, ob Schulärzte im Hauptamte oder Nebenamte anzustellen sind, ist zurzeit noch nicht entschieden. Ihre Lösung ist abhängig von der geforderten Arbeitsleistung, von lokalen und persönlichen Verhältnissen“ Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft der Bericht der Lebensversicherungskommission. Auf dem vorjährigen Aerztetag in Münster war beschlossen worden, den den Lebensversicherunggesellschaften eine Erdödung der Honerare für vertrauensärztliche sowie für hausärztliche Untersuchungen von 10 Ml. auf 16 Ml. bezw. von 5 auf 10 Mk. zu fordern. Der geschaftsführende Ausschuß war im Weigerungsfalle beauftragt, den Vertrag mit den Ledensversicherungsgesellschaften zu kändigen. Die Lebensversicherungsgesellschaften haben stattdessen eine Staffelung nach der Höhe der Lebensversicherungssummen angeboten. Der geschäftsführende Ausschuß hat unter diesen Umständen die Kündigung nicht ausgesprochen und bittet hierfür um Indemnität. Gleichzeitig befürwortet er die Annahme des Antrags der Versicherungsgeselschaften.— Nachdem noch einige weitere Redner sich gegen die vorgeschlagene Staffelung ausgesprochen haben, wird die Diskussion abgebrochen und auf morgen vertagt. Vor Schluß der Sitzung teilt der Vorsitzende das Resultat der Neuwahl zum geschäftsführenden Ausschuß mit. Es ergibt die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder des Ausschusses, neugewählt wurde Professor Dr. Bartsch(Breskau). Aufständische Mexikaner. Newyork, 27. Juni. Ein Telegramm aus Azs el Paso meldet in Uebereinstimmung mit Depeschen aus Mexiko, daß aufständische Mexikaner am Freitag Los Vacas angegriffen haben. Die Garnison leistete hartnäckigen Widerstand. Gegen 40—50 Personen fielen auf beiden Seiten. Die Quartiere der Offiziere wurden niedergebrannt. Man befürchtet einen nochmaligen Angriff. Ein Telegramm aus MexikoCity meldet, in Regierungskreisen werde erklärt, daß die Angriffe auf Viescu, wo Gefangene befreit und die Stadt geplündert worden war, sowie die Angriffe auf andere Städte nicht von Aufständischen sondern von Räubern herrühren. Der Liebesroma Prinzessin Amalie zu gehörigen zurückgekeh hält sich gegenwärtig brei kirchtichen Aufwerden. Das Drama der Folgen gezeitigt. T dation. Von manch vermeiden zu können. ner Malzfabrik und zogen werden. Die Außerdem sind für Depots sollen in Orl Furchtbare Tat 5 4 AT E AA Se. S — En öperngläser Ther der Firma E. Brille In Gold, Doubl Reparatur und genau ni Karl urs Gelsenkirchen Stellt erlangt mit# # derjenige, weiverfügt. Zum tücht ## halter, Re Schreiber 2c. e selbst ohne Bo se be Tag dier Vordereitungs# 25 g Anmeldungen * 9 * Wilh. Ey Mitglied des 1 as Gegr. 1896. ## Alter Markt 2, 5SSSSARES Garantie 5 den Vorsch So Gelsenkirche Feinste Refere Bad Honr Wittler's Par Zeitgemäß renov. elel säle f. Gesellsch., 8 unt 1908 e Aerzte beewahr dafür üler auf die ligung ihrer en sind gest hauptsächit Fachlehr= eigene und Erzieden SchulKommission sei, weil sie nig halte die erweisung in noch nicht se Unterricht zu in keiner der NaturRedner behygienischen Antrag wird sselben RedMitwirkung erricht Ratsdrücklich zu e nahm die ag mit allen f.“ (Stuttgar!) 10 Jahren Bestrebungen Um hierüber en, was der nischen Vernd die Schüegen darf er tlarzt dienen d stäbtischen Waldschuten ren der GeLehrer tätig sten erreicht n Schularzt Kommission m Hauptamt untersuchten ter, dei der die Schüler is bei nebenommen muß. e im Nebeneicherung beTätigkeit im wie sie ein I. Die Beinn vollstänso sehr auf arztes selbst. elche sich für inzuzufügen: Schulbygiene des Schulbefinden der kajorität der n Hauptamt schulärzte im och nicht entbeitsleistung, clossen wor16 der Donettersuchungen #n. Der geat den Vern. Die Lefelung nach r geschäftsdigung nicht zeitig befürlschaften. lagene Stafhen und auf tat der NeuWiederwahl ede Professor so meldet in dische Mexinison leistete auf beiden annt. Man aus MexikoAngriffe auf worden war, schen sondern Allgemeine Zeitung. Montag, don 2. Juni 190 Vermischtes. Der Liebesroman einer Prinzessin. Aus Wien wird gemeldet: Prinzessin Amalie zu Fürstenberg ist vor wenigen Tagen zu ihren Angehörigen zurückgekehrt. Ihr Bräutigam, der frühere Leutnant Kocziak, hält sich gegenwärtig in Pilsen auf. In der nächsten Woche finden die ##ei kirchtichen Aufgebote statt, sodann wird die Trauung vollzogen werden. Das Drama der Bankiers Klopfer in München hat jetzt weitere Folgen gezeitigt. Die Bankkomandite Gebr. Klopfer trikt in Liquidation. Von mancher Seite wird allerdings gehofft, einen Konkurs vermeiden zu können. Durch die Liquidation werden auch eine Münchener Malzfabrik und eine Ziegelei in Ingolstadt in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Verluste beziffern sich auf 1½ bis 2 Mill. Mark. Außerdem sind für mehrere 100000 Mark Wechsel im Umlauf. Die Depots sollen in Ordnung sein. Furchtbare Tat eines Irrsinnigen. In Norcera bei Catanzaro (Itailen) besuchten ein Apotheker und ein Advokat eine befreundete Dame, deren Sohn irrsinnig ist. Als sich seine Mutter einen Augenblick entfernte, ergriff der Kranke einen Dolch und stürzte sich auf die Besucher, von denen der Advokat mit einer Stichwunde flüchten konnte, während der Apotheker das Opfer des Wütenden wurde. Der Irrsinnige hielt ihn mit herkutischer Kraft fest, stieß ihn nieder und zerschnitt den Leichnam in 100 Stücke. Als Karabinieri kamen, war die Tat bereits geschehen. Nach schwerem Ringen gelang es, den Irrsinnigen zu fesseln. Sport. Kinder. mahl Krankenkost. Harvonagend bswährts Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabe u. lelden nicht an Verdauungsstörung Der Weltrekordmann Karel Verbist siegte im„Goldenen Po'a““ von Cöin, 30, 30 und 50 Kilometer=Dauerrennen auf Brennabor vor Salzmann, Goor und Gombault. Wir verweisen auf den unserer Nummer beiliegenden Prospekt der Verwaltung des Brunnen=Versandes der Mineralquelle zu Lauchstädt Dr. Fritz Lauterbach, Lauchstädt i. Thür.— Der„Lauchstädter Mineralbrunnen“ ist ein berühmtes Heilmittel bei Gicht, Rheumatismus, Zuckerkrankheit, Nierenleiden ukw.— Eine Trinkkur, zu Hause ohne Berufsstörung durchführbar, wird bei den angeführten Leiden in ihrer Wirkung unübertroffen sein. Es ist daher zur Beseitigung dieser Krankheiten eine Trinkkur mit dem bewährten„Lauchstädter Brunnen“ jebermann zu empfehlen.— Einen Auszug der vielen Anerkennungen, sowie eine Broschüre„Wie bekämpft man Gicht, Rheumatismus, Fettsucht. Zuckerkrankheit, Nierenleiden mit Erfolg?“ erhält jeder Interessent gratis. WV Bahnhofstr. 40. 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Zweite Gefangenschaft, es wird ihm das Augenlicht genoinmen. 9. Sameon wird sum Raddrehen vorurteilt. 10. Feier im Tempel„Dagon“. 11. Samnon erlangt seine Kraft wieder. 1f. Einsturz des Tempels. Diese der biblischen Geschichte entnommene Vorführung ruft die grösste Bewunderung bervor und ist in der Darstellung, Ausstat tung u. Farbenprecht das Peste, was bisber auf kinemarographischem Gebiefe geboten wur de. wie alle übrigen Neuheiten, wird auch dieses grosartige Bild, laut Vertrag, euerst hier vergefDer Landbriefträger, spannendes Drama. Unschuldig verurteilt, doch die Tugend siegt. 7, Enthaarungemittel, humoristisch. 8. Die Wahneinnige, ergreifendes Drama. 9. Potroleumindustrie In Beku. Eretmalige Aufnalme, hochinteressant und lehrreich. 10. Pariser Feuerwohr, hochinteressant. Seiten gesehene Uebungen, ganz hervorragende Leistungen. Eintrittobreice Erwachsene Sperreit: 1. Plats 2. Plats 50 Pig. 80 Pf2. 20 Pig. Kinder Sperralts 1. Pl#ats 2. Platz 30 Pig. 20 eiz. 10 Pig. 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April 1907 in Gelsenkirchen ansässig gewesen ist, und jetzt noch hier ein Gewerbe betreibt, werden 1. sofern er in der Gewerbesteuerklasse III veranlagt war, 6% 2. sofern er in der Gewerbesteuerklasse IV veranlagt war, 10%g des auf ihn für das Steuerjahr 1907 veranlagten staatlichen Gewerbesteuersatzes in Aurechnung gebracht. Gelsenkirchen, 20. Juni 1908. Der Oberbürgermeister. I. V.: Heinroth. Bekanntmachung. Die aus den Steuerlisten der einzelnen Steuerklassen zusammengestellten Gewerbesteuerrollen für den Stadtbezirk Gelsenkirchen liegen gemäß 8 31 des Gewerbesteuer=Gesetzes v. 24. Juli 1891 v. 1. b. 7. Juli 1908 auf Zimmer 4 des alten Rathauses, Ahstr. 20, während der Dienststunden zur Einsicht der Steuerpflichtigen aus. Gelsenkirchen, 22. Juni 1908 Der Oberbürgermeister. I. V.: gez. Heinroth. Bekanntmachung. Die Herstellung eines öffent lichen, anschlußfähigen Kanals in der Industriestraße zwischen Emilien= und Viktoriastraße ist erfolgt Aus den an diese Straße grenzenden Grundstücken müssen die menschlichen Auswurfstoffe dem Kanal mittelst Spülaborten zugeführt werden. Gelsenkirchen, 25. Juni 1908. Der Oberbürgermeister. I. V.: Rascher. Bekanntmachung. Die Herstellung eines öffentlichen anschlußfähigen Kanals an der Westseite des Schalker Marktes ist erfolgt. Aus den an diese Straße grenzenden Grundstücken müssen die menschlichen Auswurfstoffe dem Kanal mittelst Spülaborten zugeführt werden. Gelsenkirchen, 26. Juni 1908 Der Oberbürgermeister. I. V.: Rascher. Bekanntmachung. Der rechte Flügel des Klara stiftes an der Florastraße soll abgebrochen und auf dem städt. Grundstück Waterloostraße (Armenhaus) wieder aufgebaut werden. Unternehmer, die diese Arbeit zu einer runden Summe zu übernehmen gedenken, werden ersucht bis spätestens 6. Juli, er., vormittags 10 Uhr. Angebote auf dem Hochbauamt Neues Rathaus, Zimmer 43, abzugeben Die naheren Bedingungen und Auskünfte werden eben daselbst erteilt. Gelsenkirchen, 26. Juni 1908 Der Oberbürgermeister. I. B.: Arendt. Zugelaufen ein Hund. Der Eigentümer wird hier eft mit aufgefordert, innerhalb 14 Tagen sein Eigentumsrecht bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen. Gelsenkirchen, 27. Juni 1908 Die Polizei=Verwaltung Die Arbeiten und Lieferungen für den Bau eines zweigeschossigen Doppelhauses mit 8 dreiräumigen Wohnungen und Rebenarbeiten in der Ahstraße in Rotthausen sollen im Ganzen oder nach Handwerken getrennt in 4 Losen in Bauschsumme verdungen werden. Fertigstellungstermin 25. April 1909. Verding 14. Juli 1908. vorm. 11 Uhr, Zimmer 147 im Geschäftsgebäude der Königl. Eisenbahndirektion in Essen, Bismarckplatz Nr. 1. Verdingungsunterlagen können gegen post= und bestellgeldfreie Einse dung in bar von 2,00 Mk. für das Gesamtangebet, von 1,50 Mk. für Los 1 Erd=, Maurer=, Asphalt=, Zimmerer= und Eisenarbeiten, von 0,50Mk. für Los 2 Dachdecker= und Klempnerarbeiten, von 0,75 Mk. für Los 3 Schreiner= und Schlosserarbeiten und von 0,50 Mk für Los 4 Glaser= und Anstreicherarbeiten vom Kanzleivorsteher, Zimmer 3, bezogen werden. Angebote müssen versiegelt, post= und betellgeldfrei mit der Aufschrift: Bau eines Mietwohnhauses in Rotthausen bis zum bezeichneten Termin eingereicht sein. uschlagsfrist 4 Wochen. en, den 22. Juni 08. Königl. Eisenbahndirektion Oeffentlicher Verkauf. Wegen gänzlicher Aufgabe und Fortzug werde zu Gelsenkirchen, Gahnhofstraße 40(Glaspassage) die noch vorhandenen Mobel zu nachstehenden Taxpreisen gegen bar verkaufen: 7316 Stühle 1.60 Mk., Tische 5 und 6 Mk., Waschtisch 6 Mk., Lehnbänke 9 Mk, Glasschränke 25 Mk., Anrichte 15 Mk., Anrichte mit Kachelaussatz 32 Mk., Eimerschrank mit Aufsatz 13 Mk., Nachtschr 5 Mk., Beitstellen mit Matratzen 23 u. 34 Mk., Kleiderschränke 130 cm breit, zerlegbar, 36 u. 45 Mt, Plüschsofa 42 u. 48 Mk., Sekretär=Pultschrank 55 Mk., Spiegelkonsole 6.50 Mk., engl. Kleiderschränke 44 Mk., Mantelosen 8 Mk., Gaskocher 2 Mk., Gasbadeofen 18 Mk., Heizosen 3 Mt. Ferner 4 toderne Schlafzimmer mit Marmor, Mahagoni und hell satin lackiert, 2 bessere Kücheneinrichtungen, mit fi. Verglasung, bestickte Tuchgarnitur, 2 Plüschgarnituren, engl Bettstellen usw. Der Verkauf dauert nur bis 2. oder 3. Juli, die größeren Möbel werden frei geliefert und wird Aufgeld oder Fuhrlohn nicht erhoben. Brautleute Extra=Preise nach Vereinbarung. Gelsenkirchen, Bahnhofstr. 40 (Glaspassage). Oskar Casper, Bekanntmachung. Als Polizei=Sergeanten sind heute vereidigt worden: 1. Westphalewski, Franz, 2. Moritz, Franz, 3. Petersmann, Emil, 4. Nagel, Heinrich, b. Kämmerling II, Johann 6. Goerig, Josef, 7. Kohrsen, Wilhelm, 8. Wohlers, Heinrich, 9. Hoffmann III, Johann, 10. Kain, Karl, 11. Danapfel, Friedrich, 12. Nazarzewski, Wilhelm, 13. Frenz, Eduard, 14. Schilling, Josef, 15. Böhme, Oskar. Gelsenkirchen, 25. Juni 1908 Die Polizeiverwaltung. Der Oberbürgermeister. I. V.: Antoni. Tächt. Stampfer und Schleifer für Terrazzo und Zementwaren sofort gesucht W. Klein& Lier ir. Florastr. 82 Zum Einkassieren u. gleichzeitigen Verkauf eines gut eingeführten Haushaltartikels zuverlässiger gewandter Preisermäßigung. Vom 1. Juli ds. Is ab wird an Personen mit einem steuerpflichtigen Einkommen bie 1800 Mk.(bisher 1500 Mark) die Tagesportion Sänglingswileh zu 25 Fleunig abgegeben. Bei höherem Einkommen wie bisher 40 Pig je Portion. Städtische Mlichküche. Zugelaufen 1 Hund. Der Eigentümer wird hiermit aufgefordert, innerhalb 14 Tagen sein Eigentumsrecht bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen. Gelsenkirchen, 26. Juni 1908, Die Polizeiverwaltung UTE Fur leichtes Fuhrwerk einen Invaliden od. Jungen gesucht. 21037 Loonhard Mole, Elisabethstr. 19. Ig. Bäcker= u. KonditorGehilfe nach Gelsenk. ges. Zu r. 184. erfr. Kray=Nord, Hauptstr. Mann gesucht. Gutes Einkommen gesichert. Kleine Kaution erforderlich. Offerten unter A. C. 409 an die Expedition d. Ztg. Hosenschneider sofort gesucht. 6038 Fritz Obschernikat, Nordstr. 41. Fuhrknecht gesucht. 21017 Friedr. Stallmann, Baugeschäft, Gelsenk.=Heßler. Kräftiger Laufbursche sofort gesucht. 21058 Marktstraße 3 für dauernde Beschäftigung werden gesucht. Kaiserplatz 12. Gesucht sofort ein junges prop Dienstmädchen. welches zu Hause schlafen kann Zu melden bei Rose, Angustastraße 8. 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Budenst wurden von r Gärten chres Vandalen dort sträucher abge Ho#fentlich Strafe empfar ** Fußba Sportplatze an br der 2. verbande w#il# und des Spor t 3:: Tort 3 sand, hatte sic Vor allen wa absehen wollte sen. Die be Kra und don Einzel### bis 100 Mete sonders das jed rmann soe = F r e u n d s Ein dr senkirchener A.=G., begang Herr Fr. uthoff. Tätigkeit zur men lassen, im„Berliner die technischer teilnahmen. trägen schzval ablegten von gesetzten und innerun. Szeic Jubilare ein —. Ein mittels Einb Taschenuhr Hosen usw., „1“ Die der städt. Bo rand, Nr. 4 wendet Jnnl 1908. sillig. strasse 2, uerwache. hten dem ganzen Leibe chte debaftet, welche nige Jucken Tag und de ließ.— Nach einer kaum 14 Tagen Patent= Medizton meine Flechien erschwunden es mir nicht nehmen. Insenbmal Pank zu Zucker's Oatent= e ist nicht Ml. 1 50, wert. Ich hade und kann, jedem dieses ttel empfeblen 12. Aprtl 1907. M., S. 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Etg. er und 6084 straße 63, 1. Et ur Zettung. Montag, den 29. Juni 1908. Burgers, Justizrat Greve, Generaldirekter Bergrat Müller, Verjeger Münstermann, Generaldirektor Randebrock, Dr. med. la Roche, Dr. med. Rubens, Bergwerksdirektor Stark. Möge der Bau ohne jeden Unfall unter Gottes gnädigem Schutze rüstig voranschreiten und unserer Großstadt zum Segen und zur Zierde gereichen. Das Realgymnasium aber möge immerfort eine Stätte sein, in der neben der Ausbildung des Geistes die Veredelung des Herzens, die Stählung des Willens, wahre Gottesfurcht und innige aufrichtige Vaierlandsliebe eine sorgfältige Pflege finden! Die Beurkundung dieses Aktes haben vollzogen zu Gelsenkirchen, am 27. Juni 1908. (Folgen Unterschriften.) Darauf deklamierte der Untersekundaner Grewe das bereits in unserer Samstagnummer veröffentlichte Festgedicht von Herrn Prof. Dr. Hulssch mit vollendeter Sicherheit und guter Betonung. Dann wurde die Urkunde mit je einem Exemplar der hiesigen beiden Zeitungen eingemauert und Herr Oberbürgermeister Machens tat die üblicen drei Hammerschläge mit dem Wunsche: Der Jugend das Beste, der Jugend das Beste! Pros. Dr. Kohischein: In gutem Schutz, dem Feind zum Trutz, der Jugend zum Nutz! Gaurat rendt: Erstehe unserer Jugend ein Hort, geweiht deutschem Geiste sei der Ort, ein stetes friedliches Ringen, Gott gebe gnädiges Gelingen! Bürgermeister Klose: Unserer Jugend zum Segen, unserer Stadt zur Zierde! Bürgermeister v. Wedelstaed!: Unsern Kindern zur Bildung des Geistes, zur Veredeiung des Gemüts und zur Stärkung des Willens! Nachdem der Schülerchor das Festlied„Nun llegt er im Grunde der erste Stein“ von Prof. Dr. Hultsch, komponiert von Lehrer Simon, wethevoll vorgetragen, brachte Herr Oberbürgermeister Machens das Kaiserhoch aus, in das die Anwesenden begeister: einstimmten. Mit dem Absingen der Nationalhymne fand die würdige Feier ihr Ende. Lokale Gelsenkirchen, den 29 Juni 1908. ** Der Dank des„Ministers. Auf das Danktelegramm der Bochumer Generalversamenlung des Allgemeinen Knappschasisvereins für seine Bemühungen zur Verständigung gab Handeldminister Delbrück folgende telegraphische Antwort: Die Nachricht von der einstimmigen Annahme der neuen Satzungen durch die Generalversammlung des Allgemeinen Knappschaftsvereins in Bochum erfülle mich mit besonderer Befriedigung. Nur im friedlichen Zusommenwirken der Werksbesitzer und der Mitglieder kann sich di segensreiche Tätigkeit der Knappschaftsvereine zu voller itfalten. Ich 8 Unfall. Die auf einem hiesigen Werke beschäftigten Arbeiter Johann Erger und Gustav Bloch erlitten durch Herabsallen einer großer Blechplatte von einem Krahn je eine Fußqueischung. Erger kam verhältnismäßig günstiger davon, während die Verietzung des Bloch schwererer Natur ist. Beide wurden nach Anlegen von Notverbänden nach ihrer Wohnung geschafft. Aus dem Tandkreise W. Wattenscheid, 27. Juni. Ein schrecklicher Unglücktjall teaf den Bergmann Oligmüller von hier. Der Aermste geriet beim Argehen des Förderkordes zwischen Korb und Schachtzimmerung und wurde zu Tode gequetscht. Der Unglückliche binterläßt eine Witwe mit 8 Kindern. — Ein Radfahrer überfuhr gestern auf der Kaiserstraß: ein Aunes Mädchen. Er entfernte sich darauf in ra#ender Eile. Das Kind ist zum Glück nur leicht verletzt.— Am kommenden Mi woch. dei 1. Juli, findet hier großer Viehmarkt skatt.— Ein hiesiger Juyenann, der das ihm anvertraute Pferd in unmenschlicher Weise mißhandelte, wurde zur Anzeige gebracht. d. Hordel, 26. Juni. Am 1. Juli werden in der neuen Kolonie wieder 25 Häuser, allo 50 Wohnungen, ferriggestellt. Auch eine Anzahl neuer Beamtenwohnungen, darunter drei an der Dorrstraße, werden bald bezogen. Die zur neuen Kolonie führende Straße, die aus gebaut wird, schreitet schnell vorwärts. Die Schul#####de werden im Spät zerbste bezogen. Salut das norwegische Geschwader ein. Kurz nach 3 Uhr passierten die Jachten der Al-Klasse das Ziel dei Laboe in folgender Reihenfolge: Germania, Hamburg, Meteor. Radfernfahrt Wien-Berlin. Wien, 27. Juni. Heute morgen 4 Uhr erfolgte in Florisdorf der Start zur Radfernfahrt Wien=Berlin. Von 198 gemeldeten Konkurrenten wurden 179 Fahrer vom Start abgelassen, begleitet von 3 Kontrollautomobilen mit Schiedsrichtern. Die erste Kontrollstation ist In Mähren. Wenige Kilometer vom Start ereigneten sich die ersten Stürze infolge des durch den heftigen Gegenwind aufgewirbelten Staudes, der den Fahrern die Aussicht benahm. Die Sieger. Mariendorf b. Berlin, 28. Juni.(Telegr.) Von den Teilnehmern an der Radfernfahrt Wien=Berlin traf als erster um 8,31 Uhr Lüdwig aus Sossenhain bei Oels ein, der die Strecke in 28 Stunden, 26 Minuten, 18 Sekunden zurückgelegt hat. Zweiter wurde Oberstein an Diesden mit 28 Stunben, 42 Minuten, 2 Sekunden, dritter Vinzer aus Dresden mit 28 Stunden, 42 Minuten, 8 Sekunden. spreche daher dem Allgemeinen KnappschaftsBlüte entfalten. verein meine Glückwünsche aus, daß beide Seiten seiner Vertretung von dieser Erkennmis sich haben leiten lassen. Ich gründe darauf zugleich die Hoffnung, daß diese Erkenntnis auch bei späteren Entschließungen die Richtschnur bilden werde, zum Sagen des großen Knappschaftsvereins und des vaterländischen Berobaus. * Eine ungetreue[Mazd. Ein bei einem hiesigen Wirt bedienstetes Mädchen hatte ihrem Brotherrn Zioarren, Zioaretten, eine Flasche Steinhäger u. a. mn. gestohlen. Ihre sofortige Entjassung wird sie wohl nicht vor Strafe schützen. In Zur großen Armee abbernfen. Ein alter Bürger unterer Stadt und Veieran aus den Feldzügen 1870/71, der Irbeiter Aug. Otto, Mihlenstraße 7, wurde gestern zur letzten Ruhe bestattet. ** Prüiszermäßigung der Tänglingsmilch. Vom 1. Juli d. J. ad. wird an Personen mit einem steuerpflichtigen Einkommen bis 1800 Mark(bieher 1600 Mark) die Tagesvortion Säuglinasmisch zu 25 Pig. abgegeben. Bei einem höheren Einkommen bleibt der bisherige Preis, 40 Pfg. jede Portion, bestehen. y Rohe Gesellen. Als am Freizag abend zwei bei einem auf der Heßletstraße wohnenden Gemusehändler bedienstete Mädchen in Begleitung des Bruders und dessen Kollege von einem Besuch bei den Eltern eines Mädchens zurückkehrten, wurde ihnen, als die Begleiter sich schon entsernt haiten, von zwei entgegenkommenden Burschen in nächster Nähe des von der Dienstherrschaft bewohnten Hauses Begleitung angevoten, was aber die Mädchen ablehnten. Daraufhin zog einer der wüsten Gesellen ein Messer und verfolgte die Mädchen in das von der Herrschaft bewohnte Haus. Die im Hause herrschende Dunkelheit schützte die Bedrängten vor weiterer Verfolgung. Während das eine Mädchen in ihrer Angst sich bis in den 8. Stock flüchtete, wurde das andere von einem bald darauf von der Schicht heimkehrenden Bergmann auf der vom 1. bis in den 2. Stock führenden Treppe in einer Ohnmacht liegend a funden. y Bubenstreiche. In der Nacht von Somstag auf Sonntag wurden von ruchlosen Händen in der Neuen Kolonie eine Anzahl Gärten chres Blumenschmuckes beraubt. Die Täter haben wie die Vandalen dort gehaust, Blumen sowte Gemüsebeete zertreten, Rosensträucher abgeschnitten und andere Verwüstungen mehr angerichtet.!“ Hoffentlich##en die Anbekonnten Aater ihre wohlverdiente Strafe empfangen. ** Fußballwettspiel. Am Sonntag nachmittag sand auf dem Sportplatze am Stadtgarten die Austragung des Meisterschaftsspiels tr der 2. Klasse des 4. Bezirkes vom rheinisch=westfälischen Spielverbande zwischen den 1. Mannschaften des Ballspielvereins Steele und des Sportkluds Westfalia Herne statt. Der Herner Verein siegte mit 8:: Toren. ** Zu dem Diabolospiel, das am Sonntag i Stadtgarten stattsand, hatte sich eine erwa 1000 köpfige Zuschauermenge eingefunden Vor allen waren es die Kinder, die dem interessanten Spiele erwas absehen wollten. Die gepegten Erwartungen wurden weit übertrof Bei Wohnungswechsel wollen unsere verebrlichen Abonnenten im Interesse einer pünktlichen, ununterbrochenen Zustellung unseres Blattes bei den Boten oder der Geschäftsstelle(Munckelstraße 16/18, Fernruf 173) rechtzeitig die neue Adrelle angeben! Bei irgend welchen Unregelmäßigkeiten in der Zustellung in die neue Wohnung bitten wir. uns sofort hiernon in Kenntnis zu setzen und wir werden für Abhilfe ehestens Sorge tragen. Jeder Abonnent der außer unserm Blatt auch noch den„Volksgarten“ und die„Romanzeitung“ hält,(beide wöchentlich 1 mal erschemende Zeitschriften, pro Nummer je 10 Pfg.) ist mit 1000 Mark versichert gegen Unfall mit tödlichem Ausgang, auf Grund der hierfür geltenden Abonnements=Bedingungen, die durch unsere Boten oder direkt von der Geschäftsstelle bezogen werden können. Aus Westfalen und der Rheinprovinz. ** Bochum, 28. Juni. Gestern abend verunglückten auf der Zeche Präsident sieben Bergleute, davon drei tödlich. Ueber die näheren Umstände ist noch nichts bekannt. * Essen, 27. Juni. Von den in dem Kruppschen Schmelzbau gestern durch flüssigen Stahl verbrannten Arbeitern sind dnei mittlerweile gestorben. Der Zustand von sechs Verletzten ist hoff nungslos. * K ö n i g s w i n t e r, 2 7. J u n i. D i e S t a d t v e r o r d n e t e n b e s c h l o s s e n in geheimer Sitzung einen Ehrensold von 12 Mark pro Jahr für alle Kriegsveterenen vonk 1870 und den früheren Feldzügen, sofern sie kein Einkommen von 1200 Mark haben. * Trier, 27. Juni. Auf dem Bahnhof Ehrang wurde der Mobilmachungsplan und 1100 Mark gestohlen. Die Bahnverwal tung hat 500 Mark Belohnung auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Neue Studentenunruhen. Wien, 27. Juni. Während des heutigen Rummels der Wiener Studentenschaft kam es zwischen den katholischen und den antiklerikalen Studenten zu Prügeleien. Auf Vermittelung des Rekiors konnten die atholtschen Studenten abeiehen. Graz. 27. Juni. Heute vormittag erschienen die katbolischen Studenten in Couleur zu den Vorlesungen in der Universität. Später ammelten sich die freiheitlichen Studenten in der Universitätsaula an. protestierten gegen das Farbentragen der katholischen und ließen nicht zu, daß diese in Couleur die Universttät verließen. Die katholischen andererseits lehnten den Abzug ohne Couleur ab. Infolge dieser Vergänge erklärte der Rektor das Semesten für geschlossen undeschadet der Vornahme der Prüfungen. Ein Versuch des Rektors, die katholischen Studenten aus der Universität zu geleiten, scheiterte, weil die freiheitlichen auf die kothollschen einstürmten, so daß diese in die Restoratskanzlei flüchten mußten. Um 2½ Uhr nachmittags besanden sich die katholischen Studenten noch in der Universität. Graz. 27. Juni. Heute nachmittag gegen 3 Uhr verließen die katholischen Studenten unter Führung des Rektors die Universität. Vor dem Ausgang wurden sie von den liberalen angegriffen. Nach einer kurzen Schlägerei zogen sich diese jedoch wieder zurück. Internationale Polizeihunde-Prüfung * Wanne, 29. Juni. Eine internationale Prüfung für Polizeihunde sand gestern au Veranlassung des Zweigvereins Wanne des Vereins zur der Zucht und Verwendung von Polizeihunden(Sitz Hagen i. W.) au den Wiesen hiner dem Restaurant Garthmann in Wanne statt. Heute, Montag, wird die Prüfung fortgesetzt, nach deren Beendigung die Preisverteilung staitfindet. Wer sich das interessante Schauspiel, den Polizeihund bei der Arbeit zu schen, noch nicht angesehen hat, benutze die noch gebotene Gelegenheit dazu. Die Hunde werden geprüft auf Leinenfähigken, freies Folgen bei Fuß, Ablegen, Bewachen von Gegenständen, Verweigern von Futter aus fremder Hand, Lautgeden, Ueberbringen von Meldumgen, Apportieren, Verlorensuchen, Springen, Revieren, Vorbellen, Verteidigung, Schußsestigkeit usv. Die Ergebnisse des ersten Tages waren recht erfreuliche. Das Protektorat üben die Veranstaltung hat Herr Landrat Dr. zur Rieden übernommen. Als Preisrichter ungieren die Kappe=Neheim, Polizeikommissar eisergeant Spahn=Schmidthorst. Erpektor Meyer=Hagen, Prüfungsleiter 100 Meter in die Höhe geworsen und dann Herx Polizeiwachmeister S#wanz=Wanne. Die Zahl der sonders das Doppelspiel war eine künstlerische Leistung, über die Frufung angemeideren Hunde beträgt 40., Außer Geldpreisen im jed rmann staunte. Das beliebte Spiel wird sich jetzt wohl noch vrrrage von 120 bis 10. Maxk, gelangen 49 Ehrenpreise zur Vereeilung. Ueber das Ergebnis der Prüfung werden wir noch berichten. Ein zahlreiches Publikum aus Nah und Fern folgte gestern mit regem Interesse den wackeren Leistungen der folgsamen Tiere, 200 Zänser abgebrannt. Paks(Ungarn), 28. Juni.(Tel.) In der Ortschaft Madocfa sind 200 Häuser abgebrannt, darunter das Gemeindehaus und die Schule. Eine Frau fand den Erstickungsiod. Diamantenfunde in Deutsch-Südwestafrika. Von Diamantensunden in Deutsch-Südwestafrika ist jetzt in der Presse viel die Rede. Wir haben bisher davon keine Notiz zenemmen, nunmehr scheint das aber doch nötig, da nach einer offiziösen Meldung der„Köln. Ztg.“ das Diamantenvorkommen durch ein Telegramm des Gouverneurs bestätigt wird.„Ein amtlicher Geologe hat in der Nähe von Lüderitzbucht das Vorkommen von Diamanten festgestellt. Da dei Beginn des Bahnbaus von Lüderitzbucht nach Kubud die Deutsche Kolonialgesellschaft die ihr an den von der Eisenbahnlinie durchschnittenen Geländen zustehenden Berggerechtfame blockweise an den Kolonialfiskus abgetreten hat, wird es wohl einer genauen Vermessung bedürfen, um zu entscheiden, wer an der Fundstelle die Berggerechtsame besitzt.“— Noch wichtiger ist aber wohl die Untersuchung, was es überhaupt mit den Diamantfunden auf sich hat. Ein Reskript des Schahs. Petersburg, 27. Juni. Der Petersburger Telegraphen=Agentur wird aus Teberan gemeldet: In einem vom Schad veröffentlichten Reskript bestätigt dieser die Konstitution und beraumt die Neuwahlen zu den Medschlis nach drei Monaten an. Alle Teilnehmer an der letzten Bewegung mit Ausnahme der Hauptagitatoren und Verschwörer werden amnestiert. Der frühere Präsident der Medichlis Mumtes ed Dowleb ist in die französische Gesandtschaft geflüchtet. In einem besonderen Firman hebt der Schah hervor, die Endschumenmitglieder hätten zu den Waffen gegriffen und mit Schießen und Bombenwerfen begonnen, wobei mehrere Kosaken und Regierungsbeamte getötet werden seien. Um der Revolution ein Ende zu setzen, erklärt der Schah die Stadt Teheran in Kriegszustand und befiehlt, den Inhalt des Firmans den europäischen Gesandtschaften kundzutun. Letzte Telegramme. Unterzeichnung der auf der Friedenskonferenz vereinbarten Verträge. Haag, 23. Juni. Gestern sind hier von den Delegierten Deutschlands, Oesterreich=Ungarns und Italieus die auf der vorjährigen Friedeuskonferenz vereinbarten Verträge unterzeichnet worden, für Deutschland mit den Reserven, die in dem dem Reichstage vorgelegten Weißbuche angedeutet waren, insbesondere mit dem Ausschluß der Erklärung über die Luftschiffe. jed rmann staunte. Das beliebte Spiel wird sich jeßt wohl noch mehr Freunde erwerden. s Ein dreifaches Jubiläum wurde am Samstag auf den Gelsenkirchener Gußsiahl= und Eisenwerken vorm. Munscheid u. Co wobei es auch nicht an manchen humorvollen Intermerzos sehlte. A.=G., begangen. An diesem Tage konnten nämlich der Kaufmann####," 54— kmh Gmtn Hat#cnte a pt. n.; Herr Fr. Henkenbera, der Nachwwächter des Werkes Herr Mitggg von 1—3 Uhr sand Festessen statt, abends 9 Uhr ZusamUithoff. sawvie der Aabeiter Herr Ebelt auf eine 25jährige menunft in den Gartenanlagen der„Florg“ bei Konzert und FeuerTätigkeu zurückblicken. Die Werksleitung hatte es sich nicht nch= werk. Hoffentlich neig auch zu der heutigen Fortsetzung der Prsmen lassen, den seltenen Tag sestlich zu begehen durch eine Feier jung der Himmel ein recht freundliches Gesicht. Wir kommen auf im„Berliner Hof“, an welcher die Jubilare und ihre Fomilien, die Veranstaltung und ihr Ergebnis noch zurück. die technischen und kaufmännischen Angestellten, sowie die Meister teilnahmen. Bei Lestessen, Reden, Musik und humoristischen Vorträgen schtanden cau schnell die Stunden dahin, welche Zeugnis herzlichen Ei ablegten von dem herzlichen Einvernehmen, welches zwischen den Vorgesetzten und A gestellten des Werkes obwaltet. Als dauerndes Erinnerungszeichen überreichte Here Direktor Münzeheimer jedem der Jubilare eine goldene Uhr. —: Einbruchsdiebstahl. Am 25. d. M. sind einem Kaufmann mittels Einbruchs aus seinem Ladenlokale in der Wannerstraße eine Taichenuhr(Romonwiruhr) Nr. nicht bekannt, 2 Goldringe, Westen, Hosen usw., im Gesamtweirte von 450 Mark gestohlen worden. „!“ Diebe in der Badeanstalt. Einem Realschuler wurde in der städt. Badeanstal: eine ganz neue silberne Zylinderuhr mit Goldrand, Nr. 42 723, Marke unbekannt, im Werte von 18 Mark entwendet. Die Kieler Woche. Kiel, 28. Juni.(Tel.)# Kanerin traf um 8 Uhr hier ein. Mit dem Kaiser waren auf dem Bahnhof erschienen die hier anwesenden Mitglieder der kaiserlichen Familie. Der Kaiser geleitete seine Gemaß lin auf dem Verkehrsboot Hulda an Bord der Hohenzollern. Um 930 Uhr hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord der Kaiserpacht ab. Nachdem begab sich der Kaiser an Bord der Germania. Um 11,35 Uhr begann die große Wettfahrt des Novddeutschen Regattovereins auf der Kieler Föhrde bei prächtigem Wetter und südwestlichem Winde. Gemeldet hatten 30 Jachten. Mit Meteor starteten Hamburg und Germania. Hamburg übernahm alsbald die Führung. Gegen 11 Uhr lief unter Verurteilung von Anarchisten. Cetinje 28. Juni. Gestern wurde in dem Prozeß wegen des im November v. Is. gegen den Fürsten gerichteten anarchistischen An. schlages das Urteil gefallt. Von den anwesenden Angeklagten wurden zwei zum Tode verurteilt: eine Anzahl weiterer Angeklagter wurde zu 6 Jahren bis jebenslänglichem Buchthaus verurteilt. Drei Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von 2 bis 16 Jahren; die übrigen drei wurden freigesprochen. Verantwortlich für den redakzionellen Teil: Chefredakteur M. GerEäuser, für den Anzeigenteil Louis Ewald. beide in Gelsenkirchen. Rotationsdruck und Verlag der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung" Corl Bertenburg Jon.) Zettung. Montag, den 29. Juni 1908. Gebrüder Kaufmann Mentag Gelsenkirchen Bahnhofstrasse 49 Ecke Kampstrasse Dienstag Mittwech 1. Blatt, 9 Amtli Um vor Schluss der Saison unsere Stofflager möglichst zu räumen, haben wir uns entschlossen, unsere Kleiderstotte zu bisher nicht gekannten Preisen auszuverkaufen. Ein grosser Posten Ein grosser Posten helle, woll.# Zlusenstoffe Kleiderstoffe jetzt 145, 95, Pig. nur Streifen und Karos, doppelte Breite, jetzt 1.25, Mk. 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