Amtliches Kreisblatt für den StadtGeneral= Geschäftsstelle Munckelstraße 15/18(beim Amtsgericht). Geöffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postlarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16/18. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post-, Handelskammer= u.Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Der Wahlaufruf der Nationalliberalen, der vom Vertretertage auf seiner Magdeburger Tagung beschlossen wurde, hat folgenden Wortlaut: Wähler! Der Preußische Staat steht an einem Wendepunkte. Ein allmähliches Fortschreiten in freiheitlichem Sinne bahnt sich an. Die nationalliberale Partei hat maßgebenden Anteil an den Errungenschaften im Reiche. Sie ist berusen und gewillt, auch in Preußen im politischen Kampfe die Führung zu übernehmen. Ihre Grundsätze sind hier wie dort die gleichen: Dem nationalen Gesichtspunkt bedingungslos den Vorrang vor allen anderen Rücksichten einzuräumen— in der Wirtschaftspolitik nicht einseitigen Interessen zu dienen, sondern den Ausgleich aller Interessen anzustreben— über den wirtschaftlichen und materiellen Fragen die geistigen und ideellen nicht zu vernachlässigen— nicht mit hochtönenden Schlagworten uund leeren Demonstrationen einer wohlfeilen Popularität nachzujagen, sondern durch ausführbare Vorschläge und praktische Maßnahmen greifbare Erfolge zu erzielen. So werden wir wie bisher für alles eintreten, was der großpolnischen Gefahr gegenüber nottut. Wir wollen Frieden mit unseren polnischen Mitbürgern. Ist aber der Frieden nicht anders als durch Kampf zu erreichen, so werden wir auch weiterhin die Mittel bewilligen, die zur kraftvollen und nachhaltigen Durchführung einer nationalen Politik in den Ostmarken erforderlich sind. Daß Landwirtschaft, Gewerbe und Handel, Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Beamte und Bevölkerung nicht feindliche Gegensätze darstellen, sondern aufeinander angewiesen sind, um im Austausch ihrer Leistungen und im Zusammenwirken ihrer Kräfte für sich und für die Gesamtheit das Beste zu erringen— an dieser so oft von uns geäußerten und betätigten Ueberzeugung halten wir fest. Niemals darf im Wettbewerb der wirtschaftlichen Kräfte außer acht gelassen werden, daß eine Gemeinsamkeit der Interessen die Grundlage des nationalen Wirtschaftslebens bildet. Diese Gemeinsamkeit der Interessen verlangt indes auch, daß den schwächeren Teilen durch die Allgemeinheit zu Hilfe gekommen wird. Hieraus ergibt sich die Verpflichtung zu einer kraftvollen und tiefgreifenden Sozialpolitik, die sich jedoch nicht auf die Arbeiter beschränken darf, sondern auch den Mi tielstand, die öffentlichen und die Privatbeamten umfassen muß. Doch darf sie nicht die Grenzen überschreiten, die jeder Soziapolitik durch die notwendige Erhaltung unserer Leistungsfähigkeit im wirtschaftlichen Wettkampf der Völker und durch die Wahrung der berechtigten Interessen auch Arbeitgeber gezogen sind. Auch in diesem Wettkampf fällt der Sieg schließlich dem geistig am höchsten stehenden Volke zu. Schon aus diesem Grunde müssen wir für alles eintreten, was die Volksbildung fördert. Das geistige Leben eines Volkes bedarf aber vor allem der Freiheit. Darum verlangen wir Freiheit im Denken und Glauben, im wissenschaftlichen Forschen und im künstlerischen Schaffen, Duldsamkeit für jede Richtung, die auf sittlicher Grundlage beruht. Insbesondere forder wir den vollen staatlichen Schutz der Lehrtätigkeit für die Mitglieder unserer theologischen Fakultäten beiderlei Konsession und die unbeschränkt gleiche Anerkennung aller wissenschaftlichen Richtungen der Theologie. Auch die Volksschule bedarf der Freiheit. Wir wollen keineswegs die Religion aus der Schule verdrängen, aber die geistliche Schulaussicht beseitigen, die weber der Schule noch der Kirche selbst frommt. Wir wollen ferner die Aufsicht des Staates nicht ausschalten, aber ihre feste und klare, unter den Schutz des Rechts gestellte Grenzen ziehen gegenüber der Selbstverwaltung der Gemeinden. Wir wollen auch unsere Schule und ihre Lehrer befreien von der materiellen Not, unter der sie gegenwärtig leiden, und durch einen gerechten Ausgleich der Schullasten zumal der Bedrängnis der Landschulen und der Landschullehrer steuern und der Landflucht der Lehrer entgegenwirken. Die Neuregelung unseres Mädchenschulwesens, das bisher auf unzureichender Grundlage beruht und große und besonders strebsame Teile unsepes Volkes der notwendigen Förderung entbehren läßt, darf nicht länger verzögert werden. Gleich den Lehrern müssen die Geistlichen und Staatsbeamten endlich der dringend notwendigen Gehaltsaufbesserung teilhaftig werden. Die hierzu erforderlichen Mittel müssen beschafft werden. Unnötige und unproduktive Ausgaben sind zu vermeiden; auf größle Sparsamkeit ist in allen Zweigen der Staatsverwaltung Bedacht zu nehmen. Für ein dringendes Erfordernis erachten wir die Reorganisation der gesamten staatlichen Verwaltung. Es gilt, das Verfahren unserer Behörden zu vereinfachen und entsprechend den Bedürfnissen der Bevölkerung zeitgemäß umzugestalten. Nachdrücklich fordern wir die schleunige Inangriffnahme der Reform des preußischen Landtagswahlrechtes. Von der Einführung des Reichstagswahlrechtes ist abzusehen. Die Reform hat den veränderten tatsächlichen Zuständen und dem Rechtsbewußtsein unserer Zeit zu entsprechen. Deshalb verlangen wir eine Neueinteilung der Wahlkreise, die jedoch nicht einseitig die Bevölkerungsziffer berücksichtigen darf, sondern der geschichtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung der verschiedenen Landesteile und Bevölkerungsschichten Rechnung zu tragen hat. Wir verlangen bei der Bemessung des Wahlrechts des einzelnen Bürgers neben der Bewertung der Steuerleistung die Heranziehung ideeller Momente, die den Wert der Einzelpersönlichkeiten für den Staat bestimmen. Wir wollen en lich, um dem Wähler zu ermöglichen, das ihm anvertraute Wahlrecht frei und uneingeschränkt auszuüben, die indirekte durch die direkte, die öffentliche Stimmabgabe durch die geheime ersetzen. Wähler! In bedeutungsvoller Stunde treten wir vor Euch. In Euren Händen liegt Euer Schicksal. Die Versassung hat Euch das Recht gegeben, durch die Wahlen zur Volksvertretung mitzuwirken an der geschichtlichen Entwicklung unseres Vaterlandes. Bei einem politisch mündigen Volke wird dieses Recht auch ohne gesetzlichen Zwang zur Pflicht. Angesichts des Ernstes der Zeit rufen wir Euch zu: Seid Euch Eurer Verantwortung bewußt! Tut Eure Pflicht! Magdeburg, den 26. April 1908. (Der Bericht über den Vertretertag in Magdeburg befindet sich in der Beilage unseres Blattes. D. Red.) Die Nachsescon des Reichstages. * Am heutigen Dienstag nimmt der Reichstag seine Sitzungen noch einmal auf, wenn auch nur für kurze Zeit. Er hofft in zwei Wochen mit seinem Pensum fertig werden und dann in die Sommerferien gehen zu können. Die Reichsregierung kommt ihm ebenso wie im vorigen Jahre, so auch diesmal entgegen, indem sie ihre Absicht zu errennen gegeven hat, den Reichstag bis zum Herbst zu vertagen. Die erste Session des im Januar vorigen Jahres gewählten Reichstages wird also im nächsten Winter noch weiter laufen. Das hat den Vorteil, daß die Vorarbeiten einzelnerGesetzentwürfe nicht verloren gehen, es hat aber den Nachteil, daß der Reichstag sich schon bei seinem Wiederzusammentritt vor einem Berge von Vovlagen und Anträgen befindet, von denen große Teile schon Makulatur geworden sind. Da es noch früh im Jahre ist, könnte der Reichstag, wenn nicht länger, so doch sehr gut bis Pfingsten arbeiten; das wäre ein Zeitraum, der völlig ausreichte, um die wichtigeren Vorlagen noch zu erledigen. Aber die Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhause machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Bei der großen Zahl von Abgeordneten, die ein Doppelmandat bekleiden, ist es so gut wie ausgeschlossen, die Beschlußfähigkeit des Reichstages während der Wahlkampagne in Preußen aufrecht zu erhalten; deshalb läßt sich diesmal eine frühe Vertagung kaum vermeiden. Aus diesem Grunde wird sich die Nachsession darauf beschränken, nur vie dringendsten Arbeiten zu erledigen. Umfassende Aufgaben wie der Entwurf über die Arbeitskammern und die sehr vielseitige Novelle zurGewerbeordnung müssen wohl oder übel bis zum nächsten Winter zurückgestellt werden. Ebenso ist natürlich nicht daron zu denken, das Weingesetz, das jetzt vom Reichsamt des Innern der öffentlichen Kritik unterbreitet worden ist, noch zu erledigen. Nur einige kleinere Vorlagen wie die neue Maß- und Gewichtsordnung und das Vogelschutzgesetz, voraussichtlich auch die Novelle zum Bürgerlichen Gesetzbuch über die Pflichten des Tierhalters dürften verabschiedet werden. In erster Reihe gilt die Nachsession der Durchberatung der verschiedenen Nachtragsetats. Noch haben die Reichsbeamten nicht die versprochenen Teuerungszulügen eiuten. Ebenso müß die eialblechtluhe Grundläge für den Postscheckverkehr geschaffen werden. Endlich steht die Verabschiedung der Forderung für die Kolonialbahnen noch aus. Die Kommission hat sich bekanntlich im wesentlichen den Vorschlägen des Kolonialsekretärs Dernburg angeschlossen; indessen fehlt es innerhalb der nationalen Parteien nicht an abweichenden Wünschen. Vor allem dürfte der Versuch gemacht werden, die ostafrikanische Südbahn wenigstens im Prinzip durchzusetzen. Sonst aber ist das Pensum, das der Reichstag noch erledigen will, nicht gerade aufregend. Die Blockparteien haben diesmal kaum zu besorgen, daß ihnen unüberwindliche Hindernisse entgegentreten. Denn sie bewilligen vorläufig neue Ausgaben, während sie die Deckungsfrage auf den Herbst verschieben. Immerhin ist nicht zu übersehen, daß durch die Nachtragsforderungen das Defizit des Reiches abermals um mindestens 50 Millionen erhöht wird. Auch für diese Summe muß die Reichsfinanzreform aufkommen. So weist auch die an sich harmiose Nachsession auf die Notwendigkeit hin, endlich Ordnung in die Reichsfinanzen zu bringen. Zum Fall Eulenburg. Die Münchener Neuesten Nachrichten melden, auf Antrag der Berliner Staatsanwaltschaft seien am Samstag in Starnberg jene Zeugen vernommen worden, die im Berliner und im Münchener Hardenprozeß nicht zu Worte gekommen seien. Damit habe das Ermittelungsverfahren gegen den Fürsten Eulenburg begonnen. Unverbürgt ist das Gerücht, der Berliner Untersuchungsrichter weile persönlich in Starnberg.— Der Moltke=Hardenprozeß wird demnächst ein neues gerichtliches Nachspiel zeitigen. Abgesehen von den neuen Prozessen, die die notwendige Folge der Aussagen der Zeugen Ernst und Riedel in dem letzten Münchener Prozeß sein werden, werden wegen Beleidigung des Amtsrichters Kern. der Oktober 1907 in den Verhandlungen des ersten Beleidigungsprozesses Die Nokokodame. 20 Roman von Ernst v. Waldow. (Nachdruck verboten.) Der junge Mann machte eine tadellose Verbeugung; wenn ihm Herz und Sinne nicht so völlig erfüllt gewesen wären von dem Bilde des rührend schönen Mädchens droben, dann wurde dieser Empfang doch Eindruck auf sein Herz gemacht haben, so berührte er nur fluchtig die Hände, die iym zagend entgegengestreckt wurden und sprach in einigen höflichen Phrasen die Hoffnung aus, daß Fräulein Forstenberg sich ganz wohl befände. Erbleichend trat Gusti zurück, nur mit einem Kopfnicken seine Frage beantwortend, dann wies sie aus einen niederen Sessel in einer tiesen Fensternische, setzte sich auch nieder und fragte nach Edi. Ulrich beantwortete ziemlich wortreich die an ihn gestellten Fragen, er hatte die Herrschaft über sich wiedergewonnen, während Gusti nur gezwungen Rede und Antwort gab und bei sich darüber nachgrübelte, warum Ulrich so kühl und fremd ihr gegenübersitze und von den gleichgiltigsten Dingen der Welt plaudere. Wie anders hatte sie sich das Wiedersehen ausgemalt! Mit ihrer feurigen Einbildungskraft hatte sie alle Hindernisse übersprungen, die sich ihrer Vereinigung mit dem geliebten Manne entgegensetzen könnten— und nun saß er neben ihr und plauderte wie ein guter Bekannter von dem und jenem und nicht ein Blick, kein Seufzer sprach von der abgrundtiefen Liebe, die er nach ihrer Meinung für sie hegte. Der Eintritt des Elternpaares erlöste Gusti aus dieser keineswegs beneidenswerten Lage, sie erhob sich schnell und eilte das Fenster zu öffnen, die Lust erschien ihr plötzlich erstickend heiß. Frau Katharina Forstenberg machte einen sehr günstigen Eindruck auf Ulrich und ihr etwas gemessenes, aber gütig würdevolles Wesen heimelte ihn an. Ihm war südliche Lebhaftigkeit und Glut antipathisch, sie riß ihn nicht hin, sondern stieß ihn viel eher ab. Das Mädchen, welches sein Herz rühren sollte, mußie keusch und rein, kühl wie Mondlicht sein, deshalb flogen seine Gedanken immer wieder zu der schönen Schläferin und Ulrich mochte selten so zerstreut gewesen sein, wie an diesem Abend. Glücklicherweise fiel dies wenig auf, denn es kamen noch einige andere Gäste, Freunde des Hauses, und neben Ulrich hatte man den ersten Buchhalter, Herrn Wilhelm Reinemann, einen Platz angewiesen. Wie gern hätte Ulrich seinen Nachbarn, der die Familienverhältnisse der Forstenberg ja genau kannte, nach der lieblichen Maud gefragt, aber er zögerte, es zu tun, und dann fiel ihm ein, daß Edi ihm einmal erzählt hatte: wie„fad“ es sei, daß eine verwaiste Base, die zudem krank sei, im Elternhause weile— man müßte da tausend Rücksichten nehmen. Das also war Mand gewesen. Die„gebäckenen Händl“ und der neue Spargel waren verzehrt, man war beim Nachtisch angelangt und Herr Forstenberg zog mit seinem Takt den jungen Mann ins Gespräch, indem er die Reise Gustis und deren Abenteuer in Venedig berührte und Ulrichs Heldental rühmte. Endlich erhoben sich die Gäste, um sich in den Zimmern zu zerstreuen, noch ein wenig zu plaudern, eine Zigarre zu rauchen, in einem Album zu blättern. Ulrich tat letzteres, als Gusti sich ihm näherte.„Das sind Familienporträts,“ sagte sie leichthin,„sehen Sie, hier sind wir als Kinder— Edi und ich, und das ist mein letztes Bild— finden Sie es getroffen?“ „O ja, die Augen sind sehr dunkel gehalten, mir scheint, es ist zu viel Schatten auf dem Gesicht, das gibt ihm etwas Düsteres" „Merkwurdig, das hat niemand gesunden.“ Ulrich wollte seine Ansicht verteidigen und obschon es ihm ziemlich gleichgiltig war, ob das Porträt gelungen oder unähnlich sei, machte er Gusti doch auf die schwarzen Haarringel aufmerksam, die dicht in die Stirne gedrängt letztere förmlich beschatteten. „Aber so bin ich ja frisiert, sehen Sie mich doch an,“ rief sie hartnäckig. Er blickte auf:„„In der Tat, Sie haben recht, ich hatte das nicht bemerkt.“ Sie lachte gezwungen.„Nun wahrlich, Herr Winterfelt, Sie verwöhnen Ihre Freunde nicht eben durch große Aufmerksamkeit. Ich muß nun die Ueberzeugung gewinnen, daß Sie mich niemals recht angeschaut haben.“ Ulrich ging über die letzte Bemerkung schweigend hinweg, indem er den ersten Vorwurf zurückzuweisen trachtete.„Wenn Freundschaft von derlei Aeußerlichkeiten berührt werden könnte, wäre sie wertlos und trüge nur den Namen. Ich meine im Gegenteil, daß Freundschaft das reinste idealste Verhältnis zwischen zwei Menschen sein müsse, wobei das Persönliche den mindesten Teil hat— ein Seelenbund mit einem Worte.“ „Schlagen Sie die Persönlichkeit so gering an, Herr Winterfelt?“ fragte Gusti mit zuckenden Lippen.„Dann sind Sie anderer Meinung als der Altmeister Goethe, der es deutlich ausspricht: Volk und Knecht und Ueberwinder, Sie gestchen zu jeder Zeit: Höchstes Glück der Erdenkinder Sei nur die Persönlichkeit—“ Ulrich sächelte voll Ueberiegenheit, als er erwiderte: „Sie haben nur den ersten Vers rezitiert, um denselben recht zu verstehen, darf der zweite, gleichsam erklärend, nicht übergangen werden; gestatten Sie mir, anknüpfend an das Gesagte, fortzufahren: Jodes Leben sei zu führen, Wenn man sich nicht selbst vermißt; Alles könne man verlieren, „ Wenn man bliebe, was man ist.“ „Sho, junger Mann, rief Forsienberg, sich dem Puare nühernd, „hier Goethe deklamiert, das ist ein Wunder in unserer realistischen Zeit, zumal bei einem, der tagtäglich im Soll und Haben studiert.“ „Gerade deshalb, Herr Forstenberg,“ meinte Ukrich lächelnd,„es ist nötig, eine geistige Erfrischung in den Mußestunden sich zu gönnen, das wirkt erhebend und zerstreuend.“ Der erste Buchhalter, welcher im Gespräche mit dem Prinzipal sich gleichfalls dem Tische genähert, zuckte die Achseln.„Da muß ich schon gestehen, daß mir ein Maß echtes Pilsener lieber ist— wirkt auch sehr erfrischend.“ Ran belachte den trockenen Ton des Herrn Reinemann, im Grunde machte Forstenberg die Ansicht seines ersten Buchhalters. Allzemeine Zeitn Dienstag, den 28. April 1908 Moltke=Harden den Vorsitz führte, sich in nächster Zeit einige Personen zu verantworten haben. Die Angeklagten sollen die sinnlose Behauptung verbreitet haben, Amtsrichter Kern habe sich von Harden bestechen lassen. Kern und Harden sind als Zeugen geladen.— Weiterhin kommt aus Dresden eine Nachricht, die, wenn auch nur indirekt, vielleicht mit dem Fall Eulenburg in Beziehung zu bringen ist. Vor dem dortigen Landgericht fand am Samstag die Verhandlung gegen Dr. phil. Harst, der früher im Hause des Fürsten E ulenbura als Erzieher tätig war, wegen Vergehen gegen den§ 175 des Strafgesetzbuches statt. Das Gericht beschloß, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand zu untersuchen. Ein Privattelegramm meldet uns noch: Berlin. 27. April. Zu der Euleuburg=Affäre wird gemeldet: Mittlerwelle sind neue Tatsachen entdeckt worden. Der Fischermeister Ernst sagte aus, daß er von der Mutter des Fürsten Eulenburg ein Daxlehen von 1200 Mark erhalten hätte, die aber längst zurückgezahlt seien. Auch hätte er alljährlich pünktlich die Zinsen entrichtet. Das Darlehen war nur dem Namen nach von der Mutter, in Wirklichkeit aber von dem Fürsten selbst gegeben worden. Fürst Eulenburg hat vorsichtshalder seine Mutter vorgeschoben, weil matz schon damals von Beziehungen zwischen ihm und dem Fischer Ernst munkelte. Ernst gibt zu, daß er nicht allein mit dem Fürsten verkehrt habe, der Fürst habe auch mit anderen jungen Leuten Beziehungen unterhalten. Eingehende Ermittelungen sind über den Leumund des Zeugen Ernst angestellt worden. Er wird aber überall als ruhiger glaubwürdiger Mensch geschildert, der deraxtige Behauptungen nicht ohne weiteres aufstellen würde. Die Trauerfeier in Tillabon. Die kirchliche Trauerfeier, welche die portugiesische Regierung zum Gedächtnisse des ermordeten Königs und sseines ältesten Sohnes veranstalten ließ, ist erfreulicher Weise ohne Zwischenfall abgelaufen. In wenigen Tagen wird die neugewählte Volksvertretung ihre Arbeiten beginnen und den jungen Nachfolger des Dom Carlos offiziell zum König proklamieren. Da mochte es den leitenden Staatsmännern notwendig erscheinen, daß der schwer geprüfte Monarch sich vorher der Ooffentlichkeit zerge. Das konnte allerdings nur unter ganz besonderen Vorsichtsmaßregeln geschehen, über die folgendes berichtet wird: Lissabon, 27. April. Die Totenmesse für den ermordeten König Carlos und den Krouprinzen wurde im Beisein des Königs Manuel, der seit der Throubesteigung zum ersten Male den Palast verließ, in der Kirche Sao Jeronyme abgehalten. Die Feier, um derentwillen ein gewaltiger Sicherheitsapparat aufgeboten wurde, verlief ohne Störungen. Das Betreten der die Kirche umgebenden Straßen war nur den mit besonderen Passierscheinen versehenen Personen gestattet, der Zutritt zur Kirche selbst nur solchen, die den Mitgliedern der Regierung persönlich bekannt waren. Die Besitzer der Hänser, die der König passieren mußte, wurden von der Behörde für alle Insassen verantwortlich gemacht. Die großen Fabriken auf dem Wege zur Kirche mußten schließen oder starke Polizeidetachements aufnehmen. Die Republikauer hatten ihre Anhänger aufgefordert, sich nicht auf den Straßen zu zeigen. Der Ueberwachungsdienst wurde von der Polizei und der Munizipalgarde ausgeübt. Der König, die Königin Amelie und Don Alfons kamen in geschlossenem Wagen von einem ganzen Kavallerie=Regiment und sämtlichen Offizieren des Hofdienstes eskortiert, auf einem weiten Umwege, um das berüchtigte Alcantaraviertel zu vermeiden, zur Kirche. Der König wair, wie man sich bei dieser Gelegenheit überzeugen konnte, im vollen Gebrauch seines beim Attentat verwundeten Armes. Er sieht wohl aus, nur zeigte das sympathische Gesicht infolge der Aufregung während der Trauerschier einige Blässe Die Königin lüftete ihren dichten Schleier nur einmal. Sie sah vergrämt aus und weinte während der Zeremonie in großer Bewegung. Die Rückfahrt zum Polast erfolgte gleichfalls ohne jeden Zwischenfall. Der Ziviigouberneur forderte heüte die Bewöhner der Hauptstadt auf, alle Waffen gegen Vergütung bis spätestens den 15. Mai abzuliefern, da der spätere Besitz von Waffen gerichtlich bestraft werde. Bei freiwilliger Ablieferung wird Straffreiheit und besondere Vergütung zugesichert. kurze politische Meldungen. Der in Duisburg tagende Verbandstag des Verbandes Westmark der Deutschsozialen Partei nahm folgende Entschließung an:„Der Parteitag der Westmark spricht den Abgeordneten für ihre Tätigkeit im Reichstage seinen Dank und seine Zustimmung aus, bittet aber dahin wirken zu wollen, daß in Zukunft die Blockpolitik möglichst nur im nationalen Rahmen als gegeben zu betrachten ist, alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen aber der freien Entschließung des Reichstages überlassen bleiben.“ Die hessische Regierung versagte durch Entschließung vom 23. April den 3 in letzter Zeit in Großherzogtum Hessen zu Bürgermeistern und Gemeindevorstehern gewählten Sozialdemokraten ihre Bestätigung. Der frühere Minister Nasi wurde in Trapani mit 2691 Stimmen zum Deputierten wiedergewählt. Die beiden Gegenkandidaten erhielten zusammen 581 Stimmen. Der Kongreß der Landarbeiter in Parma beschloß mit 247 Stimmen gegen 10 im Einvernehmen mit den Industriearbeitern den Generalstreik in Stadt und Provinz. * Bei dem Brande in dem Obnchowschen Staatsstahlwerk und der Kanonenfabrik in Petersburg sind zehn Szöllige Kanonen im Werte hang nn nan Jot 400 000 nuse?belbrannt. * Die Mohmands haben, wie aus Simla gemeldet wird, ihre Stellungen geräumt. Ihre Verluste werden auf 240 Mann beziffert. Lokale Nachrichten. Gelsenkirchen, den 28. April 1908. :: Schulaufang. In dem Leben unserer Kleinen ereignete sich in diesen Togen erwas Gewaltiges. Fu 1. Oktober d. J. des sechste Lebensjahr für alle diejenigen, die bis zum vollenden, ist der Beginn eines neuen Lebensabschnittes gekommen, der Ernst des Lebens tritt an sie heran, wenn auch in etwas schonender Form. Des Morgens wandern die kleinen Schulhelden mit ihren Mappen der Schule zu. FreiVereinigung bekannt, daß als Sterbegeld jetzt 150 Mark ausgezahlt werden und beim Tode der Frau eines Kameraden 50 Mark. Einstimmig wurde beschlossen, ein Huldigungstelegramm an den Kaiser und ein Begrüßungstelegramm an den Generalfeldmarschall Grasen v. Haeseler abzusenden. =R. Essener Schwurgericht vom 27. April. Der erste zur Verhandlung stehende Straffall betrifft eine Anklage wegen räuberischer Ervressung, die sich richtet: 1. gegen den Steinträger Wilhelm Enniger aus Werden, 2. den Presser Wilhelm Hofmann von dort, 3. den Arbeiter Josef Stratmann aus Holsterhausen. Sie hatten am 7. Februar den Fabrikarbeiter Friedrich Haffner in Werden, als er von der Arbeitsstelle kam, mitgelockt und in der Nähe des Pastoratsberges einer Lohndute mit 28 Mark Inhalt beraubt. Die Geschworenen bejahten bei Enniger und Stratmann die Hauptfrage nach räuberischer Erpressung und schlossen mildernde Umstände aus. Bei Hofmann wurden nur die Hilfsfragen nach Beihilfe zur räuberischen Erpressung, unter Zubilligung mildernder Umstände und Hehlerei bejaht. Die Angeklagten wurden demgemäß verurteilt: Enniger, mit Rücksicht darauf, daß er bei Begehung der Tat noch nicht 18 Jahre alt war, zu 3 Jahren Gefängnis, Hofmann zu einem Jahre einem Mona Gefängnis und Stratmann zu 8 Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und zur Stellung unter Polizeiaussicht. Vereins- und Vergnügungs-Anzeiger. ** Der Verein ehem. leichte Kavallerie hielt am Sonntag in seinem Vereinslokal beim Wirt Thomas in der Mathildenstraße eine Generalversommlung ab. Sie wurde geleitet vom 1. Vorsitzenden. Kameraden Bathe. An Beiträgen kamen em 18,50 Mark. Unter „( V e r s c h i e d e n e s w u r d e b e s o n d e r s d e r N a m e d e s V e r e i n s b e s p r o c h e n. lich fällt diesem oder jenem das Aufstehen ziemlich schwer, doch das Man war allgemein dafür, einen allgemeinen Kavallerieverein zu eiserne:„Du muß aufstehen, das Spiel hat ein Ende!“ erschallt aus bilden. Der Vorsitzende unterstützte diesen Vorschlag und teilte mit, daß auch der Vorstand in einer Sitzung einmütig dafür gewesen sei. Nach lebhafter Debatte wurde einstimmig beschlossen, den Verein fortan„Vereinigung ehem. Kavalleristen" zu nennen, und es können jetzt also Kavalleristen aller Gattungen darin Aufnahme finden. kr. Das 1. Bataillon des Krieger= und Landwehrvereins Gelsenkirchen hielt am Sonntag im Vereinsheim(Witwe Baumeister) die diekmonatliche Generalversammlung ab. Die Zahlung der Beiträge ging glatt vor sich. Ein Kamerad wurde neu ausgenommen. Das diesjährige Preisschießen soll am 5. Juli auf dem Stande von Reiermann in Rotthausen abgehalten werden. Für Preise wurden 80 Mark bewilligt. Von der Mitnahme einer Musiklapelle wird abgesehen, dagegen sollen die Spielleute mitgehen. Behufs Veranstaltung eines Herbstfestes oder dergl. wurde eine 5gliedrige Kommission gewählt und hierauf die Versammlung geschlossen. In. Die Generalversammlung des Kriegervereins ehemaliger 16er [Hacketäuer), die am Sonntag abgehalten wurde, wurde vom Vorsitzenden, Kameraden Paschedag, eröffnet. Es wurde beschlossen, den Regimentsappell für nächstes Jahr nicht zu übernehmen, sondern zu. nächst ältere Vereine vorgehen zu lassen. Als Delegierte für den am 15. und 16. August d. J. in Dortmund stattfindenden Regimentsappell wurden die Kameraden Paschedag und Heimsoth gewählt. Das diesjährige Preisschießen soll am 18. Juni d. J. aus dem Schießstand von Thür in Wanne abgehalten werden. Um die dazu erforderlichen Vorbereitungen zu tressen, wurde eine Kommission, bestehend aus den Kameraden Eggert, Bruch, Drüge, Heimsoth, Schneider, Liefers und Sauerbier gewählt. An die Versammlung schloß sich ein Preisschießen und gemütliches Zusammensein. ** Der Turnklub Ueckendorf=Alma errang auf dem Turnfest in Bottrop folgende Preise: Schwesig erster Preis und Ehrenpreis am Pierd, Bullasch Ehrenpreis im Reckspringen; sernerhin errang der Verein den Ehrenpreis für die weiteste Herkunft, und unter sehr starker Konkugzenz die Meisterschaft im Aufmarsch und in Freishungen dem Munde der Mutter. Und des Nachmittags, vielleicht schon nach dem ersten Schultage, heißt es: Tue Deine Pflicht und mache Deine Schularbeiten! Das fröhliche Spiel kommt zuletzt. Man schreibt sorgfältig Strich um Strich, strengt den kleinen Kopf und die kleinen Hände an und denkt sehnsüchtig hinaus, wo die„Kleinen“ spielen. Möchte in unseren Schulen, besonders in den ersten Schulwochen, mehr und mehr auf körperliche Ausbildung Gewicht gelegt werden und die häuslichen Aufgaben ganz fortfallen. ** Silbernes Ehejubiläum. Herr Gerichtsvollzieher Karthreuser und seine Ehefrau geb. Marx feiern heute das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Der Gelsenkirchener Männer=Gesang=Verein brechte Herrn Karthgeuser, seinem Vorsitzenden, gestern abend ein Ständchen. Es ist bemerkenswert, daß die Eltern des Herrn Karthaeuser im Januar dieses Jahres ihre goldene Hochzeit feiern konnten. +t Brände. In der Nacht zum Sonntag gegen 12 Uhr wurde die Berufsfeuerwehr nach dem Hause Bismarckstraße 150 gerufen. Hierselbst war in einer im Hintergebäude gelegenen Schreinerei auf bisher nicht aufgeklärte Weise Feuer ausgebrochen, das beim Eintreffen der Wehr schon einen solchen Umsang angenommen hatte, daß mit einer Schlauchleitung vorgegangen werden mußte. Nach etwa einstündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrucken.— Etwa 1½ Stunde später wurde die Wehr nochmals nach der Bismarckstraße und zwar nach Nr. 130, dem Kolonialwarengeschäft von Lommert, gerufen. Hier waren Oele, Räucherwaren, Regale und Ladentheke sowie ein großer Teil Kolonialwaren in Brand geraten. Auch hier hatte die Wehr über eine Stunde zu arbeiten. Die Feuerursache ist nicht ermittelt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Brandstiftung verbunden mit Einbruch vorliegt. Dem Inhaber soll angeblich ein größerer Geldbetrag entwendet worden sein. a Schlagerei. In der Nacht zum Sonniag gerieten in der Wirtschaft Br. in Heßler mehrere junge Leute in Streit. Nach kurzem Wortwechsel griffen sie zum Messer. Der Fuhrknecht August Plenge erlitt einen Stich in den Rücken und ein Kollege von ihm einen Schlag über das rechte Auge. Die Verletzungen sind erheblicher Natur, und beide mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Täter sind eimittelt und zur Anzeige gebracht. 6' Sturz vom Gerüst. Durch einen Fehltritt stürzte der an der Lutherschule beschäftigte Maurer Josef Schönbach aus der Liboriusstraße aus einer Höhe von etwa 6 Meter vom Gerüst ab und erlitt einen Bruch des rechten Unterschenkels. Nach Anlaae eines Notverbandes wurde er dem kath. Krankenhause zugeführt. ** Evangel. Vereinshaus Gelsenkirchen 1. Die Bibelstunde am Mittwoch abend 8 Uhr wird wieder gehalten. ** Zu dem Unfall an der Liboriusstraße, von dem wir in unserer gestrigen Nummer berichteten, wird uns mitgcteilt, daß die Frau nicht inolge schlechter Beleuchtung, sondern durch ihr eigenes Verschulden in den Kanalisationsgraben gefallen ist. m. Als verlaufen wurde hier ein 3—4jähriger Knabe aufgegriffen und vorläufig im hiesigen katholischen Waisenhause untergebracht. Der Knabe trug einen braunen Sammetanzug, braune Strümpfe und Knopfschuhe. Das Haar ist blond. x. Jugendspiele. Mit dem heutigen Tage beginnen auf dem an der Taubenstraße gelegenen Spielplatz die Jugendspiele für den Bezirk Heßler. **„Die Pflicht der christlichen Frau im öffentlichen Volksleben“. Am Freitag den 1. Mai, abends 8¼ Uhr, soll im Restaurant Wwe Heuser, Bankstraße, eine öffentliche Versammlung evangelischer Frauen und Männer stattfinden. In dieser wird Fräulein Elisabeth von Knebel=Doeberitz aus Berlin, die Vorsitzende des Ver nnn Nunn Marles uhee G dander Nichtih segnt.„„ 4 Pflicht der christlichen Frau im öffentlichen Volksleben“ halten. Bei rce aus Anlaß der 100jährigen Geburtstagsseier Johann Hinrich Wicherns, des Vaters der Inneren Mission, darf wohl ein reges Interesse an diesem Vortrage vorausgesetzt werden. Wir bitten auf die Anzeige in einer der nächsten Nummern unserer Zeitung zu achten. x. Zu früh gefreut hat sich ein Schulkind im Bezirk Heßler, das, vor den Osterferien ordnungsgemäß entlassen, jetzt auf einmal die Nachricht erhalten hat, daß es wieder zur Schule muß, weil es das zur telten, wenn er ihn setzt auch einen„klassen Malerihtsün Nanni Dann begab er sich wieder in das Nebenzimmer, denn einige Gäste ver abschiedeten sich bereits. Ulrich aber wollte den günstigen Augenblick der großen Bedeutung, die diese Frage für unsere evangelische Ki benutzen, um noch eine Frage an Gusti zu richten; in dem Album hat, und bei dem erneuten Erwachen kirchlich=sozialen Empfindens weiterblätternd, als suche er etwas, meinte er, auf das Porträt einer jungen Dame deutend: „Das ist wohl Ihre Base, von der Eduard mir erzählte?“ „O nein, Maud ist nie photographiert worden, sie wollte nicht, ist überhaupt sehr eigensinnig, man muß viel Geduld mit ihr haben und ich kann in einer Krankenstube nicht lange aushalten, mir ist, als müsse ich ersticken.“ „So, ist sie krank, die Arme— was— schlt ihr denn?“ fragte Entlassung erforderliche Alter noch nicht besitzt. Es ist nämlich jetzt(!) Ulrio., errotete unwillkürlich und blickte das Bild einer alten Tante unverwandt an, als wolle er jede Runzel studieren. „Hm— ein schweres Nervenleiden— man hofft, daß sie genesen werde, mir scheint das noch sehr zweiselhaft.“ „Wie traurig.“ Der junge Mann klappte das Album zu und erhob sich, der Aufbruch wurde allgemein, von seinen Wangen war die Röte geschwunden, als er sich den Damen des Hauses empfahl und mit den übrigen das Gemach verließ. Gusti blickte ihm nach— er war heute doch anders Lehrer S festgestellt worden, daß der Knabe, Sohn eines Bergmanns, keine 14, sondern erst 18 Jahre alt ist, denn nach pfarramtlichem Ausweis ist er imn Monat März 1895 und nicht, wie die Eltern glauben(!), im Jahre 1894 geboren. k. Wichernfeier. Auch in der Neustadt wurde am Sonntag eine Wichernfeier abgehalten. Gemeinschaftliche Gesänge, Deklamationen und Vorträge über Wichern wechselten miteinander ab und gaben ein klares Bild von der segensreichen Tätigkeit des Gottesmannes. Herr ste doch anders Lehrer Schmidt zeigte, wie Gott sein Werkzeug schuf und schärfte, gewesen, als sonst, so ungleich in Stimmung und Wesen,— wer weiß, Herr Dehmlow, wie das rauhe Haus eine göttliche Rüstkammer was es den Aermsten für Ueberwindung gekostet, äußerlich so ruhig zu wurde und den Herold zum heiligen Kampfe rief, Herr Beuge, wie erscheinen— er war eine stolze Natur und besaß viel Selbstbeherr= aus dem Kampf der Sieg geboren wurde und Herr Feldmann, ∆ Fußballsport. Am Sonntag sand zwischen dem Sportverein Bismarck und dem Fußballklub Viktoria=Neustadt ein Wettspiel statt, das mit 3:2 zu Gunsten des Sportvereins Bismarck endete. schung— die Liebe jedoch würde Siegerin bleiben, vor der muß selbst wie das rauhe Haus segensreich wirkte. der Mannesstolz sich beugen. Gusti hoffte wieder, es lag in ihrem Charakter, das Leben von der heiteren Seite zu betrachten. Als Gusti am nächsten Morgen die Angen aufschlug, waren ihr nur angenehme Erinnerungen vom gestrigen Abend gegenwärtig. Ulrich war in Wien, sie würde ihn bald wiedersehen, das genügte, um sie bei guter Laune zu erhalten, die noch durch den Unstand gesteigert wurde, daß Mama sich beim Mittagsmahl sehr günstig über den jungen ratungen teil Vertreter des Landeskriegerverbandes, ProvinzialWinterfelt aussprach. Gusti hätte ihr um den Hals fallen mögen, kriegerveldandes, des Kreiskriegerverbandes von Hörde und der festwenn sie nicht gafürchtet, daß dies auffiele, aber als wünsche sie auch gebenden Stadt Hörde. Die Verhandlungen wurden geleitet von dem ihrerseits der Mutter eine Güte zu tun, bestreute sie das Stück Apse'= Vorsitzenden, Leutnant a. D. Trotha. Geheimrat Westfal vom strudel, welches sie ihr auf den Teller legte, so dick mit Zucker, daß Frau Forstenberg mit einem erstaunten Blick ihr den Teller aus der Hand nahm. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Tandkreise Gelsenkirchen. Stadt und Amt Wattenscheid. W. Wattenscheid, 27. April. Hier wurde ein Schwindler verhaftet und dem Kgl. Amrsgericht vorgrführi, der einer Wite in der Vödestraße 4,20 Mark ablockte und damit das Weite suchte.— Zwei Bergleute gerieten auf der Zeche miteinander in Streitigkeiten. Einer der beiden Streitenden mißhandelte seinen Gegner mit einer Kasseeflasche und brachte ihm schwere Kopfverletzungen bei.— Zwei in der Freiheitstraße wohnenden Perzonen wurde von Spitzbuben ein Betrag von 100 Mark gestohlen.— Die Zahl der Schülerinnen an der höheren Töchterschule beträgt 112. 37 Schülerinnen wurden neu aufgenommen. ** Wattenscheid, 27. April. Gestern seierte das sehr beliebte Restaurateur Georg Kochsche Ehepaar das 25jährige Ehejubiläum. Vom Wirteverein wird dem Jubelpaar ein künstlerisch ausgeführtes Diplom überreicht. B. Wattenscheid, 26. April. Die am Sonntag abgehaltenen natioualliberalen Bezirksvereinsversammlungen hatten durchweg einen guten Besuch aufzuweisen. Im 3. Bezirksverein bei W. Best sprach Parteisekretar Daubhäuser über die Reform des Landtagswahlrechts. Die Anwesenden stimmten den Ausführungen voll und ganz zu.— Der 8. Bezirksverein hatte eine gutbesuchte Versammlung bei H. Wallenweber. in der Herr Svellmann aus Wanne einen Vortrag über„Der Liberalismus als Weltanschauung“ hielt. Die Ausfuhrungen des Redners wurden mit großem Beifall ausgenommen. Des Ferneren reserierte der Vorsitzende, Herr Bergmann H. Möller, in eingehender Weise über die Landtagswahl und Wahlreform. Auch diese informatorischen Ausführungen wurden mit Befriedigung aufgenommen.— Im 7. Bezirksverein bei Aug. Walter sprach um 7 Uhr bei gut besetztem Hause Parteisekretär Daubhäuser über die politische Lage und die Landtagswahlen mit besonderer Berücksichtigung der Wahlreform. Dem Redner wurde ungeteilter Beifall zuteil.— Im 7. Bezirksverein fand bei Karl Meier ein Familienunterhaltungsabend statt. Der Saal war vollbesetzt. Nach der Gröffnungsansprache des Vorsitzenden Andreas Heß hielt Parteisekretär Daubhäuser einen Vortra mit Lichtbö#dein übr:„Friedrich den Großen“, der um: Interesse verfolgt wurde. Es wechselten dann gemeinschaftliche Lieder, Musikstücke und komische Vorträge mit einander ab. Das Kaiserhoch brachte Kgl. Wagenmeister Niederheitmann aus. Ferner hielten noch Ansprachen Herr Heinrich Möller, der in warmen, tiesempfundenen Worten die Liebe zu Fürst und Vaterland zum Ausdruck brachte und Herr Bergmann Fritz Ternieden, der in einer kernigen Rede die Anwesenden aufforderte, unbehindert der gegnevischen Angriffe die nationale Sache hochzuhalten und jederzeit auch öffentlich für dieselbe einzutreten. Erwähnt sei noch der Komiker Herr Mörke, der durch seine humoristischen Nummern die Lacher steis auf seiner Seite hatte. Im Ganzen nahm das Fest den schönsten Verlauf. X Wanne=Eickel, 27. April. Eine für Samstag abend in den Saal des Herm Lamm(Ketigen) einberufene Versammlung der Der Delegiertentag der ehem. Angehörigen des 16. Armee= Beamtenschaft aus den Gemeinden Wanne und Eickel naym zu der korps fand am Sonntag in Hörde statt, zu dem etwa 120 stimm= demnächstigen Regelung des Wohnungsgeldzuschusses für die Landkreise berechtigte Gameraden erschienen waren. Es nahmen an den Be=Bachum und Gelsenkirchen, wozu auch Wanne und Eickel gehören, Stellung. Die Herren Amtmann Winter=Wanne und Bertek: mann=Eickel beteiligten sich an den Verhandlungen, billigten das Landeskriegerverband erklärte in eindrucksvoller Rede die Zwecke und Ziele des Landeskriegerverbandes und wies auf die vielen Schwierig=zu. Den Vertretern der Behörden wurde im Namen der Beamtenkeiten hin, die bisher einer vollständigen Einigung entgegenstanden. schaft dafür Dank ausgesprochen. Nach lebhafter Diskussion wurce Im weiteren Verlause der Tagesordnung machte der Kassierer der folgende Entschließung angenommen: Die heute im Lokale des Heren rk ausgezahlt Mark. Einn den Kaiser schall Grasen rste zur Veri räuberischer äger Wilhelm von dort, 3. ie hatten am erden, als er es Pastoratsie Geschworeptfrage nach ide aus. Bei r räuberischen Hehlerei beEnniger, mit 18 Jahre alt einem Monal fünf Jahren ger. Sonntag in denstraße eine Vorsitzenden, Mark. Unter besprochen. erieverein zu nd teilte mit, gewesen sei. Verein fortkönnen jetzt en. reins Gelsenaumeister) die der Beiträge mmen. Das de von Reierrden 80 Mark abgesehen, daniung eines dählt und stal ge emaliger 16er de vom Vorden 3, sondern zu. te für den am egimentsappell t. Das dieschießstand von derlichen Vorhend aus den , Liefers und Preisschießen Turnfest in Fhrenpreis am errang der unter sehr und in Freisen. chwindler verWi Wiade in der ichte.— Zwei keiten. 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Fernsprecher: Nr. 173. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschaftestelle Munckeistr. 16.15. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenklichen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post-, Handelskammer=u Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Allgemeiner preußischer Vertretertag. (Eigener Bericht.) Sitzung des Zentralvorstandes. Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei trat am Sonnabend in Magdeburg zu einer Sitzung zusammen. Die Sitzung war sehr zahlreich besucht, obschon sie, den Vorsitzenden Bassermann abgerechnet, nur von Preußen beschickt worden war. Die Verhandlungen des Zentralvorstandes galten ausschließlich der Redaktion und Feststellung des Wahlaufrufs. Begrüßungsfeier. Sonnabend abend vereinten sich die Delegierten aus Ost und West mit den Magdeburger Parteifreunden in den großen Festsälen des„Fürstenhofs“ zu einer Begrüßungsfeier. An sechs großen Längstafeln hatten die Parteigenossen, nach Landschaften geordnet, Platz genommen, an breiter Quertasel der den Abend leitende Vorsitzende des Magdeburger nationalliberalen Vereins, Bartels. mit Ehrengästen, auf den Galerien die Damen. Vorträge einer Musikkapelle wechselten mit den Darbietungen des Magdeburger Männerchors und den„Allgemeinen". Die erste Begrüßung erfolgte durch den Mund des Generalsekretärs Braumann(Magdeburg), der einen Prolog in gebundener Rede vortrug. Die schwungvollen Verse klangen aus in die Worte: Und so laßt uns morgen zum Werke schreiten: Den Blick nicht ins Enge, den Blick in die Weiten, Das Herz von den siegreichen Frühlingsstrahlen Erfüllt, weit offen den Mannhaft und kernig, gleichgültig dem Loben. Tön' es von unten, tön' es von oben, Fest auf uns selbst in Treuen gestellt, Fürchten nur Gott, sonst nichts auf der Welt, Kraftvolles, freies Bürgertum— Das sei unser Stolz, das sei unser Ruhm! Und hoffnungsfroh durch unsre Seelen fliegt: Der Lenz kommt doch, die Sonne siegt! Tus Hoch auf den Kaiser brachte der Vorsitzende Bartels aus. Er erinnerte daran, daß in wenigen Wochen zum 20. Male der Tag wiederkehren werde, da Kaiser Wilhelm II. den Thron bestieg. Er habe sich als Friedenskaiser bezeigt, und Kaiser Wilhelm,„dem Friedsertigen", erklang der dreifache Hochruf der Versammlung. Dann hielt Reichstagsaba. Bassermann in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zentralvorstandes eine Begrüßungsansprache mit poli Pflichttreue und Arbeit der nationalliberalen Partei. Man habe so daß die mächtige konservative Partei in Preußen nicht gewillt war, ost gescholten auf Preußen und auf Preußens„reaktionäre Politik“ ihre Herrenstellung aufzugeben. Sie war auch nicht geneigt, einen Er, Redner, gehöre doch einem süddeutschen Staate an und müsse ge-jBruch mie dem Zentrum vorzunehmen. Man wollte sich ofsenbar die stehen: in Bayern, Baden und auch Württemberg könnte er nur ein Möglichkeit einer doppelten Mehrheitsbildung wahren. Niedergang führten, entnahm er die Lehre, daß wir auch nach glänzenden Zeiten die Hände nicht in den Schoß legen dürfen, sondern weiter arbeiten müssen zur Erhaltung deutscher Kraft und Herrlichkeit. Die Parteitagung selbst vollziehe sich unter gluclichen politischen Auspizien. Sei es doch dem Liberalismus vergönnt gewesen, in der hinter uns liegenden Tagung des Reichsparlaments unter der Block politik Erfolge zu erzielen. Bassermann bekannte sich von neuem zu der Ansicht, es werde das historische Verdienst des Kanzlers Fürsten Bülow sein, daß er optimistischer dachte, als die Führer der Parteien im Reichstage und den Kampf gegen Zentrum und Sozialdemokratie durch die Reichstagsauflösung aufnahm. Wie der Druck der Zentrumsherrschaft auf uns gelegen habe, wurde des Näheren ausgeführt.„Nicht leicht war das Wagnis; wir wollen es loben und preisen und dankbar sein. Das deutsche Volk hat nicht versagt, sonder bei den Wahlen die Quittung erteilt.“ Das Zentrum sei nun ausgeschaltet gewesen bei der Verabschiedung wichtiger Gesetze. Das sei Reichs. politik. Aber nationalliberale Männer könnten Reichspolitik und die Politik Preußens, des größten und führenden Bundesstaates, nicht trennen. Die Finanzfrage, die das Reich und die Einzelstaaten in leicher Weise berühre, sei noch zu erledigen. Für die bevorstehenden ahlen in Preußen bedürse es der vollen Agitation, Tätigkeit, ständiges Anwachsen des ultramontanen Einflusses sehen. Die preußischen Wahlen hätten Einfluß weit über Preußens Grenzen. Nachteilige Wahlen, nachteilig im Sinne des Liberalismus, würden eine Rückwirkung üben auf das Reich. Dissonanzen zwischen den beiden nationalliberalen Fraktionen, im Reichstag und im Landtag, seien vorgekommen. Es sei das erklärlich, weil die Abgeordneten beider Parlamente auf Grund eines verschiedenen Wahlrechts gewähl: seien. Aber die nationalliberale Reichstagsfraktion sei von AnerMan glaubt vielfach, daß die Regierung und die mit ihr verbündeten Parteien eine Germanisierung der Polen anstrebten. Nichts liegt uns ferner. Der einzige Gesichtspunkt ist der der nationalen Selbsterhaltung. Wir haben die Pflicht, daß alle Maßregeln getroffen werden, diese Landesteile unserem Volke zu erhalten. Wir müssen diese Gegenden so sehr mit deutschen Elementen durchsetzen, daß selbst in kritischen Zeiten ihre Abtrennung von der Monarchie undenkbar ist. Das ist der eigentliche Grund der Ansiedlungspolitik. kennung erfüllt für die mühsame Arbeit, die die Fraktion des Land- Die Zustimmung zur Enteignung ist uns nicht leicht geworden. Aber tags unter ugünstigen Mehrheitsverhältnissen geleistet habe. Sie die Gesamtheit hatte den Einzelinteressen vorzugehen. Wir hofsen, hebe unter bewährter Leitung verstanden, in Schul= undidaß andere Maßregeln nicht nötig sein werden. Wir wünschen und Kulturfragen eine führende Stellung einzunehmen. Ueber ersehnen nichts mehr als ein friedliches Zusammenleben mit unseren Preußens Grenzen hinaus sei das anerkannt worden.„Wir sehen, polnischen Mitbürgern. Sollte sich indes der Kampf fortsetzen, so sind wic die Fraktion die Entwicklung langsam, aber sicher vorwärts drängt swir bereit, der Regierung die Mittel darzubieten, damit wir den Das ist schwer; da bedarf es der Energie, des Fleißes, des Geiste. Frieden, der uns nicht gutwillig gewährt wird, eventuell diktieren tüchtiger energischer Männer, wie sie an der Spitze der Landtags= können. Es wird weiter nötig sein, in den östlichen Landesteilen eine fiaktion stehen. Mögen der preußischen nationalliberalen Partei Er=)engere Fühlung der Beamten mit der Bevölkerung zu gewähren; es folge beschieden sein!" Der Redner wünschte der Partei Wahlglück ist doch eigentümlich, daß von dem Oberpräsidenten bis zum untersten und brachte auf die preußische Partei ein dreifaches Hoch aus. Im——an niem"— Auschluß daran wurde das„Lied der Nationalliberalen“ gesungen. Aus dem weiteren anregenden Verlaufe des Abends erwähnen wir eine Ansprache des Amtsrichters Dr. Meinke(Stolp) und Dankesworte des Professors Moldenhauer(Köln) an den Versasser des Prologs und den Männerchor. Vertreterversammlung. Mehr als 300 Abgeordnete aus allen Teilen der Monarchie haben sich am Sonntag vormittag in den schlicht und würdig geschmückten „Nationalsestsälen“ zum preußischen Vertretertag zusammengefunden. Auf den Galerien wohnen auch zahlreiche Damen den Verhandlungen bei. Abg. Bassermann eröffnet um halb zwölf Uhr die Versammlung. Nachdem das Bureau sich konstruiert hat, übernimmt Geh. Justizrat Dr. Krause in kurzen kernigen Worten den Vorsitz. Seine Ansprache klingt aus in ein begeistert ausgenommenes Kaiserhoch. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßt der Vorsitzende des nationalliberalen Vereins Magdeburg, Fabrikbesitzer Bartels, die Erschienenen; dann erhält nach kurzen geschäftlichen Mitteilungen des Generalsekretärs Breithaupt Geh. Reg.=Rat Dr. Friedberg das Wort zum politischen Referat: M. H.! Die Schwierigkeiten der Blockpolitik sind allmählich überwmden worden. Den Blockparteien ist es vergönnt gewesen, auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet Erfolge zu erzieien. Die beste Anerkennung war das Wort mißvergnügter Gegner, man sei bei der Beratung von Vereinsgesetz und Börsengesetz auf den Block wie auf eine granitene Mauer gestoßen. Ein Erfolg der Blockpolitik ist auch die Abstoßung jener quasiliberalen Quertreiber gewesen, die durch ihre mißgünstige Kritik nur der Sozialdemokratie nützten. Mit Stolz darf die nationalliberale Partei bekennen, daß es ihr gelungen ist, jene Vermittlerrolle zu spielen, die in ihrem Wesen liegt. einer Rückwirkung der Blockpolitik auf die Einzelstaaten, auf Preußen, ist bisher nicht die Rede gewesen. Man hat zwar ab und zu mit den Freikonservativen zusammenarbeiten können; auch die Regierung hat ein gewisses Entgegenkommen gezeigt. Aber was die liberalen Parteien in Preußen erreicht haben, haben sie nicht dem Block, sondern allein ihrer eigenen Kraft zu verdanken. Warum nun diese Unfruchtbarkeit der Blockpolitik in Preußen? An der Ueberspannung der Forderungen der Nationalliberalen hat es nicht gelegen. Wir haben in Preußen jede mögliche Rücksicht auf den Block genommen. Der Grund der Unfruchtbarkeit lag wohl darin, Beamten niemand der anderen Sprache mächtig ist. Ein gewisses Verständnis, eine gewisse Zueisprachigkeit der Beamten könnte der Verwaltung nur zum Vorteil gereichen. Aufhören muß, was Bernhard in seinem bekannten Buche angedeutet hat: daß einfach an den Polen vorbeiregiert wird. Was die großen wirtschaftlichen Fragen angeht, so werden sie u Reich entschieden. Immerhin hat der Einzelstaat daneben eine Die Landwirtschaft beDer Zollschutz, für den die Partei des Reichstags eingetreten ist, gehört zu den Hauptursachen des Aufschwungs.(Bravo!) Eine Reihe von Schwierigkeiten ist übrig geblieben, vor allem in der Landarbeiterfrage. Hier sucht die innere Kolonisation einzugreifen; ihr Grundgedanke ist, kleine Landstellen zu schaffen und Familien anzusiedeln, die ihre überschüssige Arbeitskraft anderweitig verwenden. Die nationalliberale Partei ist von jeher für die Bewilligung aller Mittel zur Durchführung der Kolonisation eingetreten. In der letzten Session ist von den Abgg. Schroeder und Heydweiler beantragt worden, gewisse Kapitalien der Versicherungsanstalten für diesen Zweck flüssig zu machen. Die Regierung, so fordern wir, muß in größerem Umfunge mit der inneren Kolonisation vorgehen, damit unsere Landwirte nicht von ausländischen Arbeitskräften abhängig werden.(Bravo.) Für Metioration muß weiteres geschehen und es wird nötig sein, die Dotationen der östlichen Provinzen für Kommunikationsmittel zu erhöhen. Besondere Fürsorge verlangt der Mittelstand, unter dem hier zunächst der mittlere und kleinere Gewerbebetrieb verstanden wird. Wenn man bloß auf die Produktion sieht, kommt man vielleicht dazu, in mancher Beziehung den Großbetrieb vorzuziehen, aber man muß alle volkswirtschaftlichen Probleme auch unter dem Gesichtspunkt der Verteilung betrachten. Eine breite Schicht von selbständigen Gewerbetreibenden verdient unter diesem Gesichtspunkt den Vorzug vor dem Zustande, daß eine Anzahl großer Kapitalisten einer Masse von ihnen abhängiger Arbeiter gegenübersteht. Der Mittelstand ist im Zunehmen begriffen; das beweist die Gewerbeund Einkommenstatistik. Wir sind nun im Landtag dafür eingetreten, daß den durch das Reichshandwerksgesetz geschaffenen Organisationen Handwerkskammern usw.) die notwendigen Fonds zur Verfügung gestellt und daß die Zuschüsse des Staats zum gewerblichen Genossenschaftswesen erhöht werden. Hierher gehört auch die Förderung der Meisterkurse, des gewerblichen Unterrichtswesens usw. Wenn es nun solche Parteien gibt— ich will nicht ausschließen, Das Fischdynamit. Humoreske von L. Beck. (Nachdruck verboten.) Es gibt Leute, die vieles besser wissen wollen, als ihre Mitmenschen. Zu dieser Kategorie gehörte auch Saunderson, der nicht nur vieles, sondern einfach alles besser wissen wollte und es für seine Pflicht hielt, andere Leute entsprechend aufzuklären. Das war der eine Grund, warum ihn Denison, der Steward der„Koralle“ schwer haßte, und Haß sich nur noch an Sonntagen steigern konnte, an denen Saunderson von früh bis in die späte Nacht vor einem derstimmten Harmonium saß und diesem grausliche Melodien entlockte. Leider aber war dieser Stein des Anstoßes für Denison auch noch insofern gefährlich, als Saunderson sich schon mehrmals als stolzer Mitinhaber der„Koralle" dahin ausgesprochen hatte, daß Stewards eigentlich ganz überflüssig auf Handelsschiffen seien, und deren Arbeit recht gut von anderen und„intelligenteren“ Leuten übernommen werden könnte. So blieb für Denison nichts als die Hoffnung, daß„einmal etwas passieren könne". „Laß gut sein, Tom!“ tröstete ihn wohl dann der Koch.„Er bekommt das Fieber, sobald wir die Salomon=Inseln sichten! Ich kenne das! Dann setzen wir ihn ans Land,— ihn und seine Heulkommode,— und segeln ohne ihn nach Sidney,— einverstanden?"— Die„Koralle“ ankerte in der Leone=Bai. Saunderson butzte sich sonntäglich an und besuchte als frommer Mann, der etwas auf sich hielt, das Missionshaus in Tutrila. Am Abend dieses Tages erhielt Denison ein Schreiben von der Frau des Missionars mit der Bitte, ihr einen Käse von seinen Vorräten abzulassen. Im Postskriptum hieß es noch:„Dieser Saunderson hat mich halbtot gelangweilt!“ Wie wahl sie taten,— diese mitfühlenden Worte!— Am nächsten Morgen erschien Saunderson wieder an Bord und fand Denison mit einem Händler im Gespräch, der einige Dynamitpatronen zum Sprengen einer kleinen Felspartie erstehen wollte und sich jetzt die Sache erklären ließ. Natürlich mußte Saunderson auch seine„einzig richtige“ Meinung abgeben. Er hatte zwar noch nie im Leben mit Sprengkörpern zu tun gehabt, hatte noch nie ihre Wirkung gesehen,— aber was tat das? Jedenfalls erklärte er dem Händler, ihm dann die„Geschichte“ zeigen zu wollen, wobei ein mitleidiger Seitenblick Denison streifte. Dann ging er, nicht ohne noch schnell eine bissige Bemerkung inbezug auf die Qualität des Käses gemacht zu haben,—„Dynamit schmecke sicher genau so trocken und nüchtern, wie das Zeug von gestern abend.“ Gegen Mittag kam Denison an Land, um seine Patronen dem Käufer zuerst auf dem Wasser dann vielleicht auch an dem Felsen selbst prastisch vorzuführen. Zufällig sahen sie einen dichten Schwarm von Fischen langsam, nicht weit vom Ufer entfernt, vorüberziehen. Denison nahm rasch einen Stein, band ihn an eine Patrone, schnitt ein gut Teil der Zündschnur ab, brannte sie an und warf sein Geschoß mitten in den Schwarm. Ein kurzes Zischen,— dann brachte ein dumpfer, schwerer Schlag Hunderte von schönen Meeräschen an die Oberfläche des schäumenden Wassers. Da war auch schon Saunderson da. Neiderfüllt sah er. wie die Eingeborenen unter Dankesworten für den weißen Zauberer in die See sprangen und sich lachend um die reiche Beute stritten.„Geben Sie mir auch ein paar Patronen!“ wandte er sich an Denison. Der gab ihm,— allerdings sehr zogerno— eine. Zum Dank dafür meinte jener, daß die Umwickelung der Hülsen mit Bindfaden recht liederlich gemacht sei,— da müsse er schon wieder mal selbst zugreifen, um„so was“ propper zu machen... Denison murmelte etwas Unverständliches vor sich hin,— Eingeweihte wußten aber, daß es unmöglich Segenssprüche sein konnten. Saunderson winkte inzwischen einen Eingeborenen heran und schickte ihn mit der Meldung an die Frau Missionarin, daß er ihr binnen wenigen Minuten eine Ladung der besten Fische zu verehren gedende. Am Ausläuser der Hasenmole, einige hundert Schritte von hier entfernt, lag das Kanonenboot„Dachs“ vor Anker. Viel war der alte Kasten nicht mehr wert,— er sollte bald von der Liste"r„Lebenden" verschwinden,— jedenfalls aber befehligte ihn einer der jähzornigsten „Kap'täns“, die je auf hoher See kreuzten. Saunderson ging, hinter sich in ehrerbietigem Abstand die beutelüsternen Eingeborenen, auf der Moie entlang und schaute eifrig zu beiden Seiten in die blaue Flut. Ueberall wahre Wolken von Fischen, die anscheinend nur darauf warteten, von ihm„dynamitiert“ zu werden! Saunderson wählte einen Stein,— hübsch rund und glatt wie eine Billardkugel— wie er gerade nicht sein durfte. Dann gelang es ihm beim fünften Versuche, den Stein an der Patrone zu befestigen,— nun die Lunte angezündet und geworsen—— genau, wie er es vorhin von Denison gesehen! Der Stein löste sich begreiflicherweise sofort aus seinen Schlingen und verschwand in der Tiefe, aber die Patrone tried zur Zufriedenheit ihres Werfers sachte weiter, dabei leise, fast gemütlich zischend. Und Saunderson stemmte die Arme in die Seiten und wartete mit einer gewissen, lässigen Grazie der Dinge, die da kommen sollten. Nur die Eingeborenen hatten sich, offenbar unter dem Einfluß ihres natürlichen Instinkts, scheu zurückgezogen. Ein sanfter Wind schob das fauchende Etwas spielend vor sich her, bis es irgendwo hängen blieb. Schade nur, daß das„irgendwo“ gerade eine sehr bedentliche Stelle vom„Dachs“ war— es hatte sich nämlich zwischen dem Heck und dem Steuerruder ein Ruheplätzchen gesucht! Nicht lange freilich— denn mit einem fürchterlichen Knall wurden einige dreißig Kupferplatten aus der Schiffswand herausgerissen. In demselben Augenblick flog Saunderson, von dem gewaltigen Luftdruck getroffen, ins Wasser. Die Matrosen, die unten an den Geschützen exerziert hatten, stürzten halb betäubt auf Deck; der Oberbootsmannsmaat, der seinen Kommandanten in Hemdsärmeln, das Rasiermesser in der Hand, aus seiner Kajüte heraufrasen sah, glaubte, einen Tollwütigen von sich zu haben, der nach einem mißlungenen Versuch, das Schiff in die Luft zu fprengen, nun einen Selbstmordversuch machte,— warf sich todesverachtend auf ihn, rang ihn nieder und entriß ihm unter — Allgemeine Zeitung. Dienstag, den 28. April 1908. daß andere in derselben Richtung vorgehen— ist es da notia, daß sich eine eigene Mittelstandspartei bildet? Sollte es nicht gerade Aufgabe des Mittelstandes sein, auf die alten polivischen Parteien einzuwirken, daß sie mittelständische Interessen vertreten?(Sehr richtig!) Die neuen Bildungen haben das gegen sich, daß sie etwas Aehnliches sind wie die Sozialdemokratie, nämlich eine Klassenpartei. Und man wird es uns nicht übel nehmen können, wenn wir gegenüber diesen Parteibildungen von einem gewissen Mißtrauen erfüllt sind. In allgemein politischen Fragen, in idealen Fragen beobachten wir bei ihnen dasselbe Bild wie in anderen Schichten: daß die verschiedensten Richtungen vertreten sind. Und wenn man sieht, daß„Mittelstandskandidaten“ später regelmäßig der konservativen Partei beitreten, dann liegt die Vermutung naye, daß es sich um einen Vorspann für die konservative Partei handelt. Das kann uns natürlich nicht günstig dafür stimmen. Möge der Mittelstand vertrauensvoll seine Wünsche und Forderungen auch der nationalliberalen Partei übergeben! Sie wird es nicht an sich fehlen lassen! Sravoi) Dem Handel ist durch Verabschiedung des Börsengesetzes im Reiche ein Dienst erwiesen worden. Manches hat auch hier die einzelstaatliche Verwaltung zu tun. Ich will freie Bildungen wie Offiziersvereine und Beamtenvereine selbstverständlich nicht bekämpfen, aber bannen wollten. Wir haben immer nur behauptet, daß Kirche und Schule zwei vollständig getrennte Gebiete sind. Was soll eine Beaufsichtigung der Schule durch Geistliche, die pädagogisch lange nicht genug ausgebildet sind, um solche Aufsicht ausüben zu können? Das sind noch Anklänge an eine frühere überwundene Zeit. Als wir zuerst den Antrag auf fachmännische Schulaussicht stellten, fanden wir weder bei der Regierung noch bei den Mehrheitsparteien Anklang. Der neue Kultusminister stellt sich doch wesentlich anders. Aber etwas unklar bleibt seine Stellung trotzdem. Wir bleiben dabei, daß die Ortsschulaufsicht bei richtiger Ausgestaltung der Kreisinstanz entbehrlich ist. Wir werden ferner, um der Landslucht der Lehrer entgegenzuwirken, für eine Gleichstellung der Land= und Stadtlehrer einzutreten haben. Eine Regelung der Lehrerbesoldung nach der Skala: flaches Land, kleine Orte, Großstädte, werden wir, das darf ich erklären, rundweg ablehnen Wir müssen moglichst große Staatszuschüsse fordern. Sie zu fordern wird die Aufgabe der nationalliberalen Fraktion im neuen Abgeordnetenhaus sein. Gestatten Sie mir im Anschluß daran noch die Frage höheren Mädchenschulwesens zu behandeln. Sie hat bislang eine starke Verschleppung erfahren. Nunmehr aber, nachdem die Dinge einigermaßen in Fluß gekommen, hat die Staatsregierung die Pflicht, nicht zu zögern, sondern die Angelegenheit ihrer Regelung entgegenzuführen. Das ist ein wichtiges ** nun sie dürfen nicht von oben her einseitig begünstigt werden. Wir haben Stück Sozialpolitik. Die Frau ist nun einmal durch die wirtschaft auch dafür gesorgt, daß die Konsumvereine keinen Vorzug mehr vor lichen Verhältnisse in den Konkurrenzkampf hineingezogen worden. AIa AANLENALs LAs TamtsmAtalm Naa her Annhe!!dAnzi Gnma mi. H. Jü. if anderen Gewerbebetrieben haben. Unterrichtsanstalten, die der Handel aus eigener Kraft geschaffen hat, sind von Staats wegen zu unterstützen; jedenfalls sind ihnen nicht Hindernisse in den Weg zu legen. Zum Mittelstande gehören ferner auch die Privatbeamten. Für ihre Versicherung ist im Reiche zu sorgen; für die Ausgestaltung im einzelnen wird der Einzelstaat manches zu tun haben. Die Beamten bedursen einer Aufbesserung der Besoldung. Die in der Thronrede angekündigte Vorlage ist nicht gekommen. Ihr Ersatz, der Entwurf über die einmaligen Zulagen, war ein„Stückwerk der schlimmsten Art“. Die Beamten spüren begreiflicherweise die Nelgung, sich fester zu organisieren und auch Beamtenkandidaten für die Wahlen aufzustellen. Mit einem Vorgehen der Regierung, durch das den Beamten in dieser Beziehung Schranken auferlegt werden sollten, könnten alir uns in keiner Weise einverstanden erklären. Wir verlangen bei der bevorstehenden Besoldungsreform Gleichstellung aller derjenigen, deren Vorbildung gleich und deren Tätigkeit gleichwertig ist. Das gilt für die akademisch gebildeten Beamten; Verwaltungsbeamte, Richter, Oberförster, Oberlehrer usw. müssen in ihren Bezügen gleichgestellt werden.(Sehr richtig!) Derselbe Grundsatz muß bei ven mittleren und unteren Beamten durchgeführt werden. Da wird eine richtige Bewertung der Leistung nötig sein. Der Unterschied in der Besoldung zwischen lokaten und provinziellen Stellen wird sich nur da aufrecht erhalten lassen, wo ein Unterschied der Leistung vorliegt. Bei den Verhandlungen über die Beamtenbesoldung haben wir jedenfalls so viel erreicht, daß wir den Finanzminister zu der Erklärung gepreßt haben: man würde in Preußen im Herbst auch dann selbständig vorgehen, wenn im Reich die Beamtenbesoldungen Deshalb müssen wir sie für diesen Kampf besser ausrüsten. Wir verlangen für die Frau eine gleichwertige Bildung, die ja daneben auch den Besonderheiten der weiblichen Individualität Rechnung tragen mag. Diese Aufgaben verlangen ja nun besondere finanzielle Mittel. Der Finanzminifter sagt: wenn Sie das wollen, dann ist eine Erhöhung der Einkommensteuer notwendig. Das verdient denn doch eine raschen. Eine solche Haltung führt Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie. Statt dessen sollte man ihnen das Wasser abgraben, ihnen den Vorwurf entreißen. Dabei bin ich selbstverständlich kein solcher Optimist, um zu glauben, daß man mit der Reform, die wir wollen, die Sozialdemokratie ailein bekämpfen kann; aber ein Stein soll zum andern gefügt, ein Grund zur Unzufriedenheit nach dem andern soll genommen werden. Wer sich vor einer besonders radikalen Ausgestaltung des Wahlrechts schützen will, handelt nach meiner Ansicht weise, wenn er jetzt mit denen, die eine Mittellinie erstreben, zusammenarbeitet. Auch der Gesichtspunkt der Blockpolitik kann hier angewandt werden. Der uralte Gegensatz zwischen Konservativ und Liberal, der auch in Zukunft bleiben wird, ist sehr abgeschwächt worden. Früher war das der einzige Gegensatz. Jetzt sind noch andere Ideen ins Volk geworfen; so läßt sich die Sozialpolitik nicht leicht auf den Rahmen des Konservativen oder Liberalen spannen. Wir haben als neuen Gegensatz die Sozialdemotratie. Die Abschwächung des Gegensatzes zwischen Konservativ und Liberal halte ich für erfreulich. Wird der übermächtige Einfluß der Konservativen im Abgeordnetenhause vermindert, so wird das förderlich sein für ein weiteres Zusammenarbeiten von Konservativen und Liberalen in der Blockpolitik. Die aus die Wahlreform bezüglichen Sätze des Wahlaufrufs sind genau das gleiche, was in der entsprechenden Resolution des Zentrolvorstandes gestanden hat. Nur die formellen Unterschiede zwischen Resolution und Wahlaufruf kommen zum Ausdruck. Es steht darin, daß vom Reichstagswahlrecht abzusehen ist. Das hat nicht nur den Sinn, daß es jetzt nicht zu erreichen ist— zu erreichen ist es allerdings nicht, die Frage ist nicht praktisch— es bedeutet auch eine grundsätzliche Stellungnahme. Es denkt kein Nationalliberaler daran — das muß gegenüber der Verleumdungssucht stets von neuem festgestellt werden— das Reichstagswahlrecht zu beseitigen. Etwas Nachprüfung. Der preußische Etat hängt bekanntlich sehr von den 2.4222a ist 22 ahor mie mir umd au ain 4.— gu.4 Eisenbahneinnahmen ab. Der Herr Finanzminister legt Wert dorauf, gz..““ 9per, Wse. gur#### tegengen Reform in stopft. Wenn man das tut, muß man, um den Etat balanzieren können, knappe Ansätze machen. Das macht der Herr Finanzminister merkwürdigerweise im Ordinarium. Ein solches Extraordinarium wirft seine Schatten auf das ganze Finanzgebahren. Es ist dazu geeignet, Ueberschüsse verschwinden zu lassen und Defizite zu erzeugen. Darum muß man sich zunächst mit dem Extraordinarium des Eisenbahnetats auseinandersetzen. Was eine Vermehrung des Anlagekapitals darstellt, sollte auf Anleihe genommen werden. Das Extra arbeit doch bei den Kulturfragen, die bestritten werden von den steuere kräftigen Elementen. Also: eine ganz andere staatliche Grundlage erfordert auch ein anderes staatliches Wahlrecht. Wir haben uns im Zentralvorstand einmütig dahin geeinigt:„Von einer Uebertragung des Reichstagswahlrechts ist abzusehen. Das ist unsere programmmatische Erklärung für diese Wahl. Nach 50 Jahren mag es vielleicht anders sein. Allmählich wird wohl auch in der Wissenschaft die Auffassung durchdringen: das Wahlrecht ist eine Funktion, die man ordinarim mag ganz verscthwpinden ader auf ein brscheidenes Maßsich, eimn nichtiger Gesichspmst, wenn maon die Srimmemn mnigt Wenn auch ein freisinniger der Regierung überzurückgeführt werden. einer Stadt, aus der man schon einmal einen Minister geholt hat,.. das alte System gestützt hat, so ist das sehr verwunderlich; hoffentlich es.M4 wird er nicht zum Finanzminister gemacht.(Heiterkeit.).— aber nicht das um Sehmutendtig isr 3t, g2“kommen Angesichts der Finanzlage ist Sparsamkeit geboten. Wenn süver nicht das unbedeutendste ist die Frage der grheimen oder öffentder Landtag um Bewilligung kostspieliger Pläne zur Umgestaltung tit g ichnr.„Fruher wparen in der Beziehung gewisse Gegen; des Brandenburger Tors angegangen würde, so können Sie überzeugt atr, auch ir u. serer. Farrer. Aber diese Gegensätze verflüchtigen, sich sem, daß wir Widerstand leisten würden.(Bravo!) Sparsamkeit isti# meyr.(Hravo!] Jetzt stcht es wohl so, daß immer größere u. a. auch zu üben durch Vereinfachung des Behördenapparats. Auch creile unserer Freunde rufen: Weg mit der öffentlichen Stimma—.„„„„„„ luocabe!(Stürmisches Bravo.) Das ist erreicht worden durch die noch nicht erfolgten. Aehnlich steht es mit den Geistlichen, deren Mehr- im Interesse einer guten Verwaltung ist sie nötig; sie müßte dahin St##tsms s7L Fiatich. Lr Po### We#. Sn## ½ ete l die zahl völlig unzureichende Gehälter bezieht. lführen, daß der Schwerpunkt der Verwaltung mehr in die unteren#mannische Einsicht der hochverdienten Mitglieder unserer Partei, sc#### tar den Einzelstagt Instanzen gelegt wird. Das setzt voraus, dag gerade an diesen Stellen die auf anderem Standvunkt ktanden. Und dann vergesse man deBei der Sozialpolitik handelt es sich für den Einzelstaat ja mehr um die Ausführung der Reichsgesetze. Aber der preußische Staat ist doch gleichzeitig der größte Arbeitgeber der Welt. Seine Betriebe sollen vorbildlich sein. Freilich kann er sich nicht auf leichtfertige Experimente einlassen; er darf vielmehr nur das wirklich Erprobte verwenden. Das gilt z. B. auch von der Frage der Tarifverträge. Hier werden die Beteiligten doch zuerst die Sache ausproben müssen, ehe der Staat sich hier festlegt. Jede Sozialpolitik wild schließlich doch ihre Grenze finden müssen an der Leistungsfähigkeit der Industrie und an ihrer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt Damit soll nicht Wasser in den Wein sozialpolitischen Eisers geschüttet werden. Nur sollen wir nicht das Augenmaß für das praktisch Erreichbare verlieren. Die Einzelstaaten haben dann noch bedeutsame Aufgaben zu erfüllen auf dem Gebiet der Kultur. Unsere theologischen Fakultäten beider Konsessionen haben eine Doppelstellung. Sie sollen der Wissenschaft dienen und gleichzeitig doch auch die künftigen Kirchendiener erziehen. Der Staat ist trotzdem verpflichtet, darauf zu achten, daß auch den theologischen Fakultäten die Freiheit des Forschens erhalten bleibt. Alle Richtungen der evangelischen Kirche müssen auf den Universitäten, müssen auch in den Konsistorien vertreten sein. Die Kunst steht erheblich freier da. Allerdings hat auch der Staat als Arbeit=, als Auftraggeber einen gewissen Einfluß, und da empfinden wir es je länger je mehr als peinlich, daß von einzelnen maßgebenden Stellen der Kunst eine bestimmte Richtung aufzuzwingen versucht wird. Dagegen muß mit allem Nachdruck protestiert werden. Auch für die Volksschule muß der Grundsatz der Freiheit gesordert werden. Die Freiheit, versteht sich, von fremden Einflüssen. Denn unwahr ist es, daß wir die Religion aus der Volksschule verfortwährenden Rufen, sich doch zu beruhigen, das Messer. Der alsso Ucberfallene dachte sofort an eine gemeine Meuterei, bekam vor Zorn fast die Krämpfe und wehrte sich derartig, daß sich noch zwei seiner Blaujacken zur„Beruhigung“ auf ihn werfen mußten. Der Steuermann hatte in der Annahme, daß Feuer im Schiff ausgebrochen sei, Alarm blasen lassen— wollte dann seinem bedrängten Kapitän beistehen, fiel aber in der Eile über ein Tau und brach sich das Nasenbein. Und in an dem Aufrahr konnte man die jämmerliche Stimme Saundersons hören, der sich im Wasser an einen Piosten angeklammert hatte und um Hilfe schrie. Er hatte eine entsetzliche Angst vor Haifischen, die es hier in Massen geben sollte. Endlich nahte die Rettung! Ein paar der braunen Landeseinwohner erbarmten sich seiner, zogen ihn heraus und trugen ihn ins Missionshaus, wo man noch auf die versprochenen Fische wartete. Als er seine Sinne wieder einigermaßen beisammen hatte, schickte er nach Denison. Schöne Nachrichten brachte er just nicht mi:! Er erzählte ihm, daß der Kommandant des„Dachs“ binnen kurzem mit bewaffneter Macht angeruckt käme; ein stämmiger Bootsmann hätte einen geheimnisvollen, grunen Sack bei sich, in dem wahrscheinlich die„Neunschwänzige“ stecke, und dann würde Saunderson zuerst ausgepeitscht urd darauf an den Mast gebunden werden, zur Strafe dafür, daß er sich eines Attentats auf ein Kriegsschiff schuldig gemacht habe. Saunderson zitterte wie Espentaub, als er sich, notdürftig in einen Schlafrock des Missionars gehüllt, entschloß, den Leidensweg dadurch abzukürzen, daß er dem racheschnaubenden Kapitän entgegenging. Als die beiden auf der Mole zusammentrafen, gab es ein Schauspiel, nicht unähnsich dem, das vor kurzem die Gemüter in Aufregung versetzt hatte— nur daß diesmal die kräftige Faust des Kapitäns Saunderson noch einmal ins Wasser fliegen ließ, um ihm dann von oben herab eine mit Flüchen usw. gespickte, donnernde Rede zu halten. Die Schiffschronometer seien ruiniert— das ganze Fahrzeug überhaupt wäre durch diesen erstklassigen Idioten da unten für immer verdorben worden,— und—— was das Schlimmste war,— er, der Kommandant dieses Unglücksschiffes, hätte sich bei einem Haar mit dem Rasiermesser die Kehle bei der Explosion durchschnitten! Genug, Saunderson füblte sich nach dieser Prozedur sterbenselend und wagte sich vor Angst nicht aus dem Missionshause heraus. Was blieb schließlich seinen Schiffsgenossen anders übrig, als nach langem Zögern sein Harmonium ans Land zu schicken und ohne ihn den Anker zu lichten in der Hoffnung auf ein Wiedersehen nach langer, langer Zeit...??? besonders tüchtige Beamte vorhanden sind. Es ist nicht nötig, eine so weitgehende Aufsicht über die Selbstverwaltung der Gemeinde auszuüben. Ein etwasmehr bürgerlicher Zug sollte in die Verwaltung hineinkommen. Zur höheren Verwaltung besteht nicht die wünschenswerte Zugänglichkeit. Familie und Verbindungen spielen eine große Rolle. Von den in den Jahren 1903 bis 1905 angenommenen Regierungsreferendaren waren im Jahre 1906 155 Söhne von Offizieren, 135 von höheren Verwaltungsbeamten, 113 von sonstigen höheren Staatsbeamten, nur 4 Söhne von mittleren Beamten und 19 Lehrersöhne. Die Bevorzugung des Adels ist ein Kapitel für sich. Diese Unterschiede gehören größtenteils zum alten Eisen die auf anderem Standpunkt standen. Und dann vergesse man doch nicht, daß jedes Wahlrecht sittlich sein muß. Man kann, wie Haus Delbrück richtig gesagt hat, breite Wählerschichten nicht dauernd vor den Zwiespalt stellen, zwischen Martyrium oder Charakterlosigkeit zu wahlen. Uebrigens trifft es auch nicht einmal zu, daß die Sozialdemokratie von der geheimen Wahl Vorteil haben wird. Im Gegenteil: dem Terrorismus der Sozialdemokratie wird so gewehrt werden. M. H.! Wir müssen versuchen, eine andere Zusommensetzung des Abgeordnetenhauses zu erzielen, und dazu muß uns jedes Mittel recht sein. Wir müssen tätig in die Agitation eintreten und wirken, so weit es in unseren Kräften steht. Wir müssen vor allem verlangen, daß nicht der amtliche Apparat für diese oder jene Seite in Aktion tritt. Der Ministerpräsident und der preußische Minister des Die Rede Friedbergs lief aus in einen feurigen Appell an die haben das ja auf meine Vorhaltungen bereitwilligst zugestanden. Aber Wähler und schloß mit den Worten:„Freiheitliche Entwicklung wer die Verhältnisse, zumal im Osten, kennt, weiß, daß es eine stärkere Stelle gibt: den Landrat und den Amtsvorsteher. Wir können nicht mehr dulden, daß der amtliche Apparat zugunsten einer Partei in Kraft gesetzt werde. Wir wollen Freiheit der Wahl. An Sie aber, m. H., richte ich die Mahnung aus dem Schluß unseres Wahlaufrufs. ehren Sie heim und rufen Sie den Freunden im Lande zu: Seid Euch Eurer Verantwortung bewußt! Tut Eure Pflicht!(Stürmischer, wiederholt von neuem einsetzender Beifall.) Nach einer kurzen Frühstückspause begann in der vierten Nachmittagsstunde die Diskussion über den Wahlaufruf. Die .... Bahlrechts desersten 6 Abschnitte wurden ohne Debatte genehmigt. Zu dem Ablatz, streiten. Reformbedürftig ist die Einteilung der Wahlbezirke und der von der Volksschule handelt, ist ein Abänderungsantrag eingedas Wahlsystem. Eine Wahlkreiseinteilung, die vor 50 gangen. Das Wort erhält Exz. Hamm: Der ganze Aufruf zeichnet sich durch Vornehmheit unseres Staatswesens, Freiheit des Glaubens und des Denkens, soziale Gerechtigkeit, das sind die Feldzeichen, in denen wir siegen wellen.“(Langandauernder stürmischer Beifall.) Es knüpfte sich unmittelbar an der Bericht des Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses Geh. Rats Dr. Krause über die Reform des preußischen Landtagswahlrechts. Aus der mit reichem Tatsachen= und Zahlenmaterial unterstützten Rede sei folgendes hervorgehoben: Man kann sich kaum vorstellen, daß es noch sonderbare Schwärmer gibt, die die Resormbedürftigkeit des preußhchen Wahlrechts beJahren gemacht worden ist, kann ja gar nicht mehr zeitgemäß und richtig sein. Seit 1858, dem Jahre der Volkszählung, die der Wahlkreiseinteilung von 1860 zugrundegelegt wurde, ist die Einwohnerzahl um 71 Prozent gestiegen. Aber nicht gleichmäßig. Die Veränderungen in der Bevölkerungsdichtigkeit und in den Steuerverhältnissen sind sehr groß. Heute bringen z. B. Charlottenburg und Frankfurt a. M. zusommen ungefähr 19 Millionen Mark Steuern auf und haben drei Abgeordnete; man muß aus den siruerschwächsten Gebieten 72¼ Wahlkreise zusammennehmen, um auf den gleichen Steuerbetrag zu kommen; diese 72¼ Wahlkreise haben 102½ Abgeordnete! Oder wenn man die Menschenzahl ins Auge faßt: 18½ Millionen Einwohner haben in 180½ Wahlbezirken 304 Abgeordnete zu stellen, in 95 3/ Wahlkreisen 139 Abgrordneten! Nicht richtig wäre es nun freilich, lediglich nach der der Bevölkerung die Wahlbezirke einzuteilen. Das wäre zu mechanisch. Abg. Hobrecht hat vor vielen Jahren einmal ausgesprochen: maßgebend muß sein Land und Leute. Das ist richtig. Das Land leidet heute vielfach unter dem Abströmen der Bevölkerung nach den Städten: nun noch seinen politischen Einfluß herabmindern, indem man lediglich die Zahl zur Grundlage macht, wäre hart und ungerecht. Die Landwirtschaft ist unser ältestes Gewerbe, gibt uns noch immer die tüchtigsten Rekruten und hat ihre besonderen Verdienste, nie Handel und Gewerbe ihre Verdienste haben. Es muß da eine Mitte gezogen werden. Das Historische dürfen wir nicht an die Wand drücken, aber auch die neuen Bevölkerungsschichten und die große Bedeutung, die Industrie und Handel gewonnen haben, dürfen nicht vernachlässigt werden. Haben, so fragte Abg. Krause, nachdem er die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Bevölkerungszahl und Klasseneinteilung geschildert hatte, der Müttelstand und die unteren Schichten da noch den Einfluß, der im Interesse des Staates wünschenswert ist? Unser Staatsleben bedarf, je mehr es sich entwickelt, desto mehr der Mitwirkung aller Kräfte, namentlich auch der Kräfte aus den unteren Schichten des Voiles. Diese Schichten sind mündig geworden, sie sind in der Lage, ihre eigenen Interessen zu vertreten, da müssen sie auch entsprechende politische Rechte erhalten. Dazu muß ihnen eine! rale Partei verhelfen.— Die bisherige Abstinenz von den Wahlen ist die größte Verurteilung des herrschenden Wahlsystems.— Daß die Arbeiterschaft zum großen Teile heute noch ihre Vertretung in der Sozialdemokratie findet, ist sehr zu bedauern. Daß sie, die Arbeiter, aber ein Recht darauf haben, daß ihre politische Meinung gehört wird, kann auch nicht bestritten werden. Einen großen Teil der Arbeiter gleichsam dadurch zu entrechten, daß man ihnen ein Wahlrecht beläßt, mit dem sie nichts anfangen können, ist unliberal und unstaat männisch. Und eine Entrechtung liegt doch wohl vor, wenn im Jahre 1908 die Sozialdemokraten etwa 310 600 Stimmen und keinen Abgeordneten, die Konservativen rund 820 000 Stimmen und 143 Abgeordnete erzielt haben! Daß die Konservativen bei Besprechung des Wahlrechts im Abgeordnetenhause sich gegen jede Resorm erklärt haben, mußte überaus. Für uns Rheinländer ist er vielleicht sogar zu vornehm.(Heiterkeit.) In der Rheinprovinz müssen wir unbedingt Aufhebung der geistlichen Schulaussicht fordern. Der Geistliche kontrolliert den Lehrer dort vor allem wegen seiner politischen Haltung. Man sollte über haupt in den Parlamenten endlich dazu kommen, jede Wahl zu an nullieren, auf die der katholische Geistliche in irgend einer Form Einfluß zu üben versucht hat.(Langanhaltender Beifall. An der weiteren Debatte beteiligen sich noch Pros. BindelGelsenkirchen, Geh.=Rat Friedberg und Oberbürgermeister Struckmann. Der Antrag wird zurückgezogen. Und Rari. ains OpiOMm He. Flage des Nacchenschaubesens har dirg.=Rat einen Abänderungsantrag eingebracht, den er selbst begründet. Eine Erörterung entspann sich dann erst wieder bei dem Passus über das Wahlrecht. Aba. Glatzel: Ueber die„Frage der öffentlichen oder geheimen Wahl habe er sich noch kein endgültiges Urteil gebildet.(Widerspruch.) Es wäre doch möglich, daß wir, wenn die Regierung nicht mehr bewilligt, es bei der öffentlichen Stimmabgabe belassen. Es ist doch davon gesprochen worden, daß wir schrittweise vorgehen wollen. Wir sind's doch nicht allein, die das Wahlgesetz machen.(Widerspruch.) Rechtsanwalt Gutsche(Magdeburg) tritt für das geheime Wahlrecht ein. Ohne die Geheimheit werde die Meinung der Wähler verfälscht. Anderseits könne man ein sehr guter Liberaler sein und doch nicht das Reichstagswahlrecht auf Preußen übertragen wollen. Chefredakteur Brües(Krefeld) regte die Aufstellung von nationalliberalen Arbeiterkandidaturen an. Rechtsanwalt Dr. Fischer(Köln) wandte sich ebenfalls gegen den Abg. Glatzel. Wenn jemand in Bezug auf öffentliches oder geheimes Wahlrecht eine andere Ueberzeugung habe, als im Wahlaufrufe stehe, so solle dieser Ueberzeugung nicht Gewalt angetan werden, aber aus taktischen Gründen, aus Rücksicht auf andere Parteien usw. könne nicht vom Programme abgewichen werden. Bravo!) Die Jungliberalen hätten Entgegenkommen gezeigt; die mittlere Linie müsse nun aber auch kraftvoll durchgeführt werden. Wir müssen der Regierung sagen: das wollen wir und das will mit uns das Volk.(Sehr lebhafter Beifall, Händeklatschen.) An der Debatte über diesen Punkt beteiligte sich auch Prof. Bindel Gelsenkirchen). Der Absatz über das Wahlrecht wurde dann ohne Widerspruch angenommen. Der Wahlaufruf im Ganzen wird einstimmig angenommen. Zum Schluß regt Amtsrichter Dr. Menke ein Wahlbündnis mit den Linksliberalen an. Die Anregung wird vom Vorsitzenden dankbar akzeptiert, die weitere Erledigung aber dem geschäftsführenden Ausschuß und dem Zentralvorstande überlassen. Geh. Justizrat Krause gibt der Genugtuung über den überaus erfreulichen und einträchtigen Verlauf der Verhandlungen Ausdruck. Dann wird der Parteitog mit einem Hoch auf die Partei geschlossen. 8. Blatt. Nr. 95.— 6. Jahrgang Gelsenkirchener Dienstag, den 28. April 1908. Allgemeine Zeitung Kreisblatt für den Stadt- und den Landkreis Gelsenkirchen Generalversammlung des Verbandes Deutscher Handlungsgehülfen. (Von unserem Korrespondenten.) ** Leipzig, 27. April. In Anwesenheit von mehr als 1200 Delegierten trat gestern der 25. Verbandstag des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen im Kristallpalast in Leipzig zusammen. Die ersten Gegenstände der Tagesordnung wurden rasch erledigt. Ohne Debatte wurde die Geschäftsführung des Vorstandes in den jetzten beiden Jahren gutgeheißen, die Ueberschüsse des Jahres 1906, von denen 4000 Mark der Wirwen= und Waisenkasse und weitere 4000 Mark der Invaliden- und Altersversicherungsfasse hatten überwiesen werden sollen, wurden zur Verstärkung der Barmittel in den Betriebsfonds ausgenommen. Sodann wandten sich die Verhandlungen dem Hauptgegonstand der heutigen Tagesordnung: Bericht über die Verhandiungen mit dem deutschnationalen HandlungsgehilfenVerband und Erörterung einer Interessengemeinschaft zu. Aus den Reihen der Mitglieder lag eine große Anzahl Anträge vor, die jede Fusion mit dem deutschnationalen Handlungsgehilfenverband rundweg ablehnen, solange er an dem Judenausschlußparagraphen, der feindseligen Stellung gegen die Frauenarbeit im Handelsgewerbe und seiner rückschrittlichen Wirtschaftspolitik festhalte, die jedoch andererseits dem Abschlusse einer Interessengemeinschaft in sozialen Fragen mit ihm, wie mit allen anderen Verbänden von Handlungsangestellten zustimmen. Den Bericht über die bisherigen Verhandlungen erstattete der Verbandsvorsitzende Georg Hiller=Leipzig.— In der Diskussion wurde das Verhalten des Vorstandes von vielen Seiten scharf bekämpft. Hofschulte=Halle: Die gehässige und gemeine Art der Bekämpfung des Gegners sei erst durch den deutschnationalen Verband in die Handiungsgehilfenbewegung hineingebracht worden.(Lebh. Zust.) Warum sollten wir gerade zuerst mit ihm zusammengehen?(Sehr richtig!) Wir stehen der Verschmeltzung durchaus ablehnend gegenüber. Eine Interessengemeinschaft können wir aber nur dann annehmen, wenn sämtliche nationalgesinnten Handlungsgehilfenorganisationen daran beteiligt sind. Wir bedauern aufs tiefste, daß der Aufsichtsrat sich geweigert hat, einen dahingehenden Antrag Halle auf die Tagesordnung zu setzen, um nicht die Verhandlungen mit dem deutschnationalen Verband zu erschweren.(Stürm. Gelächter und hört! hört!)— Hübner=Beolin: Wenn die Deutschnationalen plötzlich glauben, daß das einzige Heil der Handiungsgehilfen in einem Verbande tiegt, so mögen sie zunächst den Judenparagraphen streichen, der sie hindert, alle Handlungsgehilfen bei sich zu organisieren.(Lebhafter Beifall.) Der deutschnationale Verband ist nichts weiter als die Rekrutenschule der Antisemiten und ihre Wirtschaftspolitik ist aufs engste mit dem Bunde der Landwirte, den größten Feinden der Handlungsgehilfen, verknüpft. Die antisemitische Wirtschaftspolitik habe es zuwege gebracht, daß Handel und Industrie zurückgehen. Wir wollen die Handlungsgehilfen vor der antisemitischen Umnachtung und vor dem Bazillus der Judenfresserei beschützen.(Lebhafter Beifall und Widerspruch. Auch die Vertreter der süddeutschen Abteilungen des Verbandes erklären sich gegen jede Fusion mit den Deutschnationalen. Der deutschnationale Handlungsgehilfenverband habe mit seiner unglaublichen skrupellosen Hetze und seiner Agitation die Gelder der Mitgliedschaften so stark in Anspruch genommen, daß unter diesen das Bedürfnis nach Frieden allgemein geworden sei. Deshalb strebe er eine Verständigung on.— Hierauf wurde ein Schlußantrag angenommen. Inzwischen ist seitens des Vorstandes und Aufsichtsrates folgender Antrag eingelausen: Die Generalersammlung des Nerhandes der Deutschen Handlungsgehilfen billigt den Versuch einer Verständigung mit dem deutschnationalen Handlungsgehilfenverband und hofft, daß auch mit den anderen kaufmännischen Organisationen eine sozialpolitische Verständigung zu erzielen ist. Der Vorstand stellt durch sein Mitglied Silbermann, den einzigen, der die Berliner Resolution nicht mitunterzeichnet hat, die Vertrauensfrage für diesen Antrag mit dem Hinzufügen, daß man nicht zu befürchten brauche, er werde zum Verräter an dem von ihm geleiteten Verbande werden. Er gibt das formelle Versprechen ab, daß er die endgiltige Entscheidung einer Generalversammlung des Verbandes zur Genchmigung unerbreiten werde. Gegen die Fassung des Vorstandsantrages erhebt sich aus der Versammlung stürmischer Widerspruch, sodaß die Debatte wieder eröffnet werden muß. Nach errenter Auscinandersetzung erktärt sich der Vorstand trotz anfänglichen Widerspruchs bereit, in den Antrag das Wort „sozialpolitisch“ einzufügen, sodaß der Antrag nunmehr lautet:„Die Generalversammlung des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen billigt den Versuch einer soztalpolitischen Verständigung mit dem eutschnationalen Handlungsgehilfenverbande usw.“ In dieser Form wird der Antrag einstimmig unter lebhoften BeiFallskundgebungen angenommen.— Ueber die Zusammensetzung der Kommission, die die Verhandlungen fortführen soll, entwickelt sich wreverhoit eine lebhafte Debatte, da aus der Mitte der Versammlung gewünscht wird, außer den Mitgliedern des Vorstandes und Aussichtsrates auch zwei unmittelbare Delegierte der Generawversammlung zu enifenden. Der Vorsitzende des Aussichtsrates, Otto Weber, und der zweite Verbandsvorsitzende, Georg Bernhard, verzichten daher am ihre Posten.— Nach längerer Debatte beschließt jedoch die Versammlung, es bei der bisherigen Zusammensetzung der Kommission zu belassen. Es folgen nunmehr Starutänderungen, deren Beratung mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Besonders lebhaft debattiert wird die Erhöhung des Jahresbeitrages von 6 auf 12 Mark und die Verstärkung des Vorstandes um zwei besoldete Mitglieder. Die nachste Generalversammlung findet in 2 Jahren iederum in Leipzig statt, der nächste Verbandstag im Herbst dieies Jahres voraussichtlich in München. Haftplicht für Unfälle bei Volksfestlichkeiten. Hamm i. W., 26. April. Bei einer Volksfestlichkeit in Iserlohn hatte ein Schießbudenbesitzer aus Soest eine Schießbude aufgestellt. Als der Arbeiter F. an der Bude vorbeigin,, wurde er durch eine Kugel, die von der Wand der Schießbude, in der gerade geschossen wurde, abgeprallt war, am Kopf verletzt. Für den ihm entstandenen Schaden machte er den Besitzer der Schießbude verantwortlich, indem er Klage erhob und behauptete, der Beklagte habe nicht die nötigen Vorsichtsmaßregeln getrossen, um ein Abvrallen der Kugeln von der Wand der Bude unmöglich u machen. Der Beklagte führte aus, seine Haftpflicht sei ausgeschlossen, weil er sämtliche für Schießbuden usw. üblichen Sicherungsmaßregeln zum Schutze des Publikums gereo##en habe. Es könne ihm deshalb ein die Haftpflicht begründendes Verschulden nicht zur Last gelegt werden. Vom Landgericht Hagen war der Beklagte verurteilt worden, den dem Kläger durh den Unfall entstandenen Schaden zu ersetzen. Denn es sei erwtesen, daß der verhängnisvolle Schuß in der Bude des Beklagten abgegeben worden sei. Es frage sich nur, ob der Beklagte für das Abprallen der Kunel verantwortlich gemacht werden könne. Eine giltige Polizeiverordnung könne nicht in Betracht kommen, da eine solche für den Verkehr in Schießbuden zur Zeit des Unfalles noch nicht erlassen gewesen sei. Eine Polizeiverordnung würde, wenn sie vorhanden gewesen wäre, auf die Entscheidung des vorliegenden Falles auch ohne Einfluß geblieben sein. Denn der Beklagte habe als Besitzer der Schießbude unsweifelhaft dafür Sorge zu tragen, daß in jeder Beziehung die den Verkehr in der Schießbude bef effenden üblichen Maßregeln beobachtet würden. Seine Pflicht sei es, dafür zu sorgen, daß durch ordnungsmäßiges Schießen in der Bude das Leben oder die Gesundheit anderer Personen nicht gefährdet werde. Jedenfalls sei es nicht ordnungsmäßig, wenn die abgeschossenen Kugeln im Innern der Bude abprallen und durch sie außenstehende Menschen verletzt würden. Auf welchen Umstand das Abprallen im vorliegenden Falle zurückzuführen sei, sei ganz gleichgiltig; jedenfalls habe der Beklagte Maßregeln treffen müssen, wodurch ein solches Abprallen unmöglich gemacht worden sei; um so mehr, als dem Beklaaten bekannt gewesen kei, daß die Kugeln aus seiner Bude zurückprallten. Dieser Pflicht sei er jedoch in keiner Wesse nachgekommen. Die Behauptung des Beklagten, daß er den polizeilichen Vorschriften genüg: habe, komme unter diesen Umständen nicht in Betracht.— Gegen seine Verurteilung zum Schadenersatz hatte der Beklagte Berufung eingelegt. Das Oberlandesgericht zu Hamm erkannte jedoch in Uebereinstimmung mit dem Landgericht den Anspruch des Klägers als berechtigt an und wies die Berufung kostenpflichtig zurück. Der Berliner Sopfabschneider in Hamburg bei der Arbeit. Der Zopfabschneider, der vor mehr als zwei Jahren in Berlin sein Unwesen getrieben, bis er schließlich auf frischer Tat ertappt und vor Gericht gestellt wurde, ist in der letzten Zeit in Hamburg ausgetaucht. Dort ist er, wie bereits gemeldet, neuerlich verhaftet und in eine Heilanstalt für Geisteskranke gebrocht worden. Des näheren wird hierüber aus Hamburg berichtet: Seit längerer Zeit trieb in Hamburg ein Zopfabschneider sein Unwesen. Nachdem im vergangenen Sommer in verschiedenen großen Garten=Etablissements fünf Kinder ihrer Zäose beraubt worden woren, kamen in den letzten Tagen wieder zwei Fälle zur Anzeige. Gestern endlich wurde der Täter verhaftet. Wie sich heute berausstellte, handelt es sich um denselben Studenten, der vor Jahren in Berlin verhaftet und später in einer Irrenanstalt untergebracht wurde. Er wurde nach kurzer Zeit als geheilt entlassen, weil sich nicht im geringsten Zeichen von Geistesgestörtheit bemerkbar machten. Sein Benehmen war ruhig und irgend welche Abnormitäten festzustellen, war unmöglich. Nachdem der junge Meusch die Oellanstalt verlassen hatte, bezog er die Braunschweiger Hochschule. Der dortigen Polizei wurde auch Mitteilung von dem gemeingefährlichen Wesen des Studenten gemacht. In Braunschweig hat er sich indessen ruhig verhalten und keinen Anlabz zn irgendweschem polizeilichen Einschreiten gegeben. Im vorigen Herbst zauchte dann in Hamburg poßlich ein Zopfabschneider auf, ohne daß die Polizei den Täter ermitteln konnte. Zuerst wurden in einem vornehmen Gartenrestaurant, dem „Uhlenhorster Fährhaus“, drei Mädchen ihrer Zöpfe beraubt. Dann kamen zwei Fälle zur Meldung, die in Hagenbecks Tiervark vorgekommen waren. Die Polizei suchte den Täter in den„besseren“ Kreisen, hatte aber mit ihren Nachforschungen keinen Erfolg. Während des ganzen Winters ist auch von einem Zopfabschneider nicht mehr die Rede gewesen, bis erst kurz vor Ostern wieder einem Mädchen, das vor einem Schaufenster stand, der Zopf abgeschnitten wurde. Wenige Tage darauf kam ein weiterer Fall zur Anzeige. Jedesmal aber hatte sich der Täter so schnell entfernt, daß eine Personglbeschreibung unmöglich war. Die Polizei wurde aber nun auf die Spur des Berliner Zoofabschneiders, dessen Mutter in Hamburg wohnt, geführt. Sie setzte sich mit der Braunschweiger Poltzei in Verbindung und bekam von dort die Mitteilung, daß der Student auf Ferien sei, und erfuhr so schließlich auch die Adresse des jungen Mannes. In seiner Wohnung fand man die abgeschnittenen Zöpse. Er ist sofort dem Irrenhause zugeführt worden. Die Gerichte werden sich überhaupt nicht mit ihm beschäftigen. Man erinnert sich noch an die gewaitige Aufregung, die der Zopfabschneider im Jahre 1905 in der Frauenwel Berlins hervorgerufen. Keine Dame fühlte sich auf der Straße ihres Zopfes michr sicher. An jedem Tage fast wurde gemeldet, daß bald da, bald dort einem jungen Mädchen ihr schöner, langer Zovi mit einer scharfen Schere abgeichnitten worden sei, ohne daß die au; solche Weise ihres schönen Schmuckes Beraubte erwas davon gemerkt hätte. Endlich, am 2. Jan. 1906, wurde der gefürchtete Zopfebschneider in flagranti ertappt. Er hatte Unter den Linden einem jungen Mädchen, das zwei Zöpfe trug, einen abgeschnitten und wollte das gleiche mit dem zweiten tun, als er öcobachtet und festgenommen wurde. Der Zopsabschneider entpurpte sich als der 23 Jahre alte Studierende der Technischen Hockschule Robert S. Der Verhaftete legte ein freimütiges Geständnis ab und bekannte sich als Zopfabschneider aus ververser Neigung. In seiner Wohnung sand man nicht weniger als 31 abgeschnittene Zöpfe, alle sein säuberlich verpackt, mit bunten Bändern geschmückt und mit dem Datum des Tages versehen, an dem er abgeschnitten war. Wie S. angab, holte er die Zöpfe oft aus seinem Schreibtische hervor, küßte sie und legte sie unter sein Kopflissen. S. wurde unter Anklage gestellt, aber auf Grund des Gutachtens der psychiatrischen Sachverständigen, die ihn als geisteskrank bezeichneten, freigesprochen. Während des Verhörs hatte der Vorsitzende S. gefragt, ob er für die Zukunft eine Garantie dafür übernehme, daß er keine Zöpfe mehr abschneiden werde. S. antwortete: „Eine Garantie könnte ich nicht übernehmen. Der Trieb ist bei mir stärker als der Wille." Das hat sich nun wirklich gezeigt. Nachdem er aus der Heilanstalt als geheilt entlassen worden war, siedelte S. nach Hamburg über und dort fiel er seiner verversen Neigung wieder zum Opfer. Sieben Hamburgerinnen bekiagen den Verlust ihrer schönen, blonden Zönfe. Ein tapferer Schornsteinfeger. Man schreibt den Münch. R. Nachr. aus Stockholm: Der Stockholmer Regierungsanzeiger veröffentlicht an der Spitze seiner amtlichen Kundgebungen einen Kabinettserlaß König Gustavs, worin mitgeteilt wird, daß dem„hier ansässigen Schornsteinfegergesellen ugust Lindverg wegen rühmensverten Verhaltens die bürgerliche Verdienstmedaille in Gold zuerteilt“ und zusammen mit einem Hansschreiben des Königs übermittelt worden sei. Die schwedische Oeffentlichkeit hat erst durch diese Auszeichnung von einem Geschehnis erfahren, das in all seiner trivialen Alltäglichkeit ein Stück Heldentums in sich birgt. Der„Dekorierte" ist ein junger Handwerksbursche, der bisher bei einem Schornsteinseger der Südvorstadt im Dienst stand. In seinem Auftroge hatte er sich vorige Woche mit einem Lehrbuben zusammen nach einem vorstädtischen Varietee begeben, um die Heizungsanlage zu säubern. Noch während der Geselle mit den Vorbereitungen beschäftigt war, begab sich der Lehrling auf den Dachstuhl. um in einem vom Gesellen bezeichneten Schornstein mit der Arbeit zu beginnen. Hierbei stieg der kleine Bursche statt in den Hauptschornstein versehentlich in den Rauchschacht des unter dem Gebäude befindlichen Maschinenraumes hinab. Als der Geselle nach einiger Zeit auf das herkömmliche Signal keine Antwort erhielt— cilte er,— von schlimmen Ahnungen erfüllt— gleichfalls auf die Dachbrüstung und stieg, nachdem er sich über den Verbleib des Jungen orientiert hatte, in den mittlerweile von glühend heißen Rauchwolken angefüllten Schacht tinab. Der bereits halberstickte Knabe griff nach den Füßen des Retter, an die er sich mit verzweifelten Kräften anklammerte. Vergebens suchte ihm der ältere Kamerao durch Klopfen und Stoßen begreiflich zu machen, daß auf diese Weise keiner von ihnen vom Fleck kommen werde. Der geängstigte Knabe verstand die durch Zeichen mitgeteilten Weisungen nicht, und saß auch so fest eingeklemmt, daß der Geselle schließlich trachten mußte, sich von seinem Schützling gewaltsam zu befreien, um den Weg ins Freie zu gewinnen. Sobald dies gelungen war, eilte er spornstreichs in das Erdgeschoß hinab, um von dem Maschinenraum aus einen Aufstieg in den unseligen Schacht zu versuchen. Das Erdgeschoß ist verschlossen. Der Geselle drückt ganz entschlossen ein paar Fenster ein, reißt die eiserne Füllung heraus und schwingt sich in den Raum. Durch die oberhalb der Kesselanlage befindliche Seitenöffnung dringt der Tapfere— umzingelt von den meterhoch aufflockernden Flammen— von neuem in den Schacht, klettert auswärts, bis er den vor Schmerz ohnmächtigen Knaben erreicht, und befreit diesen durch einen herkulischen Truck mit dem geneigten Nacken aus seiner Lage, worauf er, den Knaben auf den Schultern vor sich herschiebend, mit einer letzten Kraftanstrengung das Freie gewinnt. Mit verbrannten Händen und Füßen und versengten Kleidern schleppt sich der Retter zum Dachstuhlfenster, wo fürsorgliche Männer alsbald die nötigen Anstalten für die Ueberführung beider nach dem nächsten Krankenhause trafen. Die schnellentschlossene Retrungstat wurde dann dem König gemeldet, der dem schlichten Handwerksgeeuen sofort die verdiente Ehrung zuteil werden ließ. Sport. Horst. Emscher, 26. April. Begrüßungs=Flach=Rennen. 2000 Mar' 1400 Meter. 4 Pferde: 1. Herrn M. Wolfs Lenorc(Groneberz); 2. Herrn Velhagens Zero 1(Wulfert); 3. Herrn O. Hofrichters Julchen(Gerkel). Tot.: 15:10. Platz: 14 u. 26: 10. Mit drei Längen gewonnen.— Frühjahrs=Hürden=Rennen. 1500 Mark. 2500 Meter.! Pferde: 1. Herrn J. Rosaks Jodker(V. Rosak); 2. Herrn L. Whit Patrizier(Krieg); 8. Herrn Bischoffs Bex(Caveklo). Tot.: 20:10. Platz: 15 und 26: 10. Mit sechs Längen gewonnen.— April=Verkaufs-Hürden=Rennen. 1500 Mark. 3000 Meter. 8 Pferde: 1. Herrn E. von Krachers Frema(Cuda); 2. Desselben Exchequer(Hochstein); 3. Leutnatzt Fusbaus Earihstopper(Wortmann). Tot.: 13:10. Platz: 15, 48 und 21:10. Mit einer Länge gewonnen. Mondnacht gefallen — Totalisator=Handicap=Steeple=Chase. 2000 Mark. 3400 Meter. 5 Pferde: 1. Herrn E. von Krackers Servus(Cuda); 2. Herrn M. Ro berts Prinzessin(Krieg): 3. Herrn Huffmanns Gloster(Broda). Tot. Platz: 13 und 13:10. Mit sechs Längen gewonnen.— Preis von Feldhausen. 1500 Mark. Jagd=Rennen. 3000 Meter. 3 Pferde: 1. Herrn H. Schuberts Miß Saharet(Wortmana). 2. Herrn J. Reimanns Reichwalde(Reich). Tot.: 36:10. Mit weirem Vorsprung gewonnen. Merkur gefallen.— Preis der Mark. 1500 Mark. Jagd Rennen. 3100 Meter. 1 Pferde. 1. Herrn I. W. Neuß Reinharde brunn(Herter): 2. Herrn H. Suermondts Arikander(Wulfert); Herrn E. von Krackers Stern(Cuda). Tot.: 29:10. Platz: 15 und 90:10. Mit drei Längen gewonnen. geht mir der Humor aber gründlich aus! Fritz, lausen Sie mal rasch hinüber und holen Sie gleich drei Schachteln Fays achte Sodener Mineral=Pastillen! Ich bin nicht für die Einnehmerei und hab mich bisher redlich mit meiner Erkäitung geplagt. Aber wenn ich denn schon was nehmen muß dann nehm ich auch gleich was rechtes, und das sind, nach allem nas man hört, eben doch Fays ächte Sodener Mineral=Pastillen. Die kauft man in jeder Apotheke, Drogerie und Mineralwasserhandlung für 85 Piennig die Dienstag, den 28. April 1908. Pfandverkauf. Diejenigen Pfänder der städt. Leihanstalt, welche innerhalb der im§ 11 des Statuts bestimmten Frist und nach Ablauf der im Pfandscheine angegebenen Zeit nicht eingelöst sind, sollen am Mittwoch, 29. April von morgens 9½ Uhr ab im Leihamt(Rathaus) Ahstraße, öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden. Es kommen zum Verkauf die Pfandstücke Nr. 24075—25394 bestehend in goldenen und silbernen Herren= und DamenTaschenuhren, Wanduhren, Gold- und Silbersachen, Wäsche, Betten, Männer=, Frauen= und Kinderkleidern, Nähmaschinen, Fahrrädern usw. 4167 Die beim Verkauf erzielten Ueberschüsse können binnen 14 Tagen vom Verpfänder bei der hiesigen Leihhauskasse erhoben werden. Nach Ablauf der 14tägigen Frist werden die nicht abgehobenen Beträge bei der Ortsarmenkasse hinterlegt. Diejenigen Geldbeträge, welche nicht binnen Jahresfrist von den Berechtigten in Anspruch genommen sind, gehen in das Eigentum der Armenkasse über. Gelsenkirchen, 23. April 1908 Der Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Auf Grund der Polizeiverordnung vom 15. April 1905, betreffend Sperrzeiten für Tauben während der Saatund Erntezeiten, wird die diesjährige Frühjahrssverrzeit für den Landkreis Gelsenkirchen vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung bis zum 1. Juni 1908 festgesetzt. 4249 Gelsenkirchen, den 24. April 08. Dor Königliche Landrat.“ I. V.: Dierig, Regierundsassessor. Hundesteuerfür 908. Die Hundesteuer=Hebelisten der Gemeinden Eppendorf, Güunigfeld, Höntrop, Leithe, Munscheid, Sevinghausen und Westenfeld für das Steuerjahr 1908 liegen vom 27. d. M. ab zwei Wochen lang im Amtshause hier, Zimmer 8. zur Einsicht offen. Wattenscheid, 24. Aprit 1908. Der Amtmann: Emisch. Gewerbestenerrollen. Die Gemeindesteuerrollen der Gemeinden Eppendorf, Günnigfeld, Höntrop, Leithe, Munscheid, Sevinghausen und Westenfeld für das Steuerjahr 1908 liegen vom 27. d. M. ab eine Woche lang im Amtshause hier, Zimmer 8, zur Einsicht offen. Wattenscheid, 24. April 1908. Der Amtmann: Emisch. Zwangsversteigerung. Mittwoch, den 29. April er., vormittags 10 Uhr, werde ich in Wanne an der Wirtschaft Unterschemann in Wanne: 1 Geldschrank, 1 Klavler und 1 Partie bess. Möbel öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Rayermann, Gerichisvollzieher, Gelsenkirchen, Karlstraße 14. Bureaubeamte Herr Herm. 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Vertrag mit der Emschergenossenschaft betreffend den Bau eines Kanals in der Ueckendorferstraße. 5. Fluchklinienänderung der Ueckendorferstraße. 6. Erlaß der Pacht Röser=Bismarckhain. 7. Neuverpachtung des Restaurants Bismarckhain 8. Flächenaustausch der Stadt mit dem Eisenbahnsiskus 9. Flächenaustausch der Stadt mit Wwe. Bohning 10. Verkauf von Grundstücken an den Kanalsiskus. 11. Beräußerung eines Geunostuckes an die Westend=Bau gesellschaft. 12. Erwerb eines Schulgrundstucks zwischen BochumerGluckauf= und Matbildenstraße. 13. Erwerb eines Grundstücks von den Erben Heidtmann 14 Eriaß einer neuen Bau=Ordnung Gelsenkirchen, den 25. April 1908. Der Oberbürgermeister. Sohn achtbarer Eltern als Kellnerlehrling gesucht. 11941 Hotel Ostermann, Schwerte a. d. Nuhr. Sollde Bariönne- u. Ki überträgt ihre(ev. sehr lukrative) Vertretung für Gelsenkirchen u. Umgegd an geeignete Herren mit aus gedehnt. Beziehungen. Dieselbe gewahrt Darlehn resp. 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Behand lung v. inneren u. Kinder krankheiten, Unterleiba-, Haut- und Beinleiden Gesentirhen. Arss 76 am Hauptbahnhof. Sprechst. 3—6 Uhr. Allgemeine Zeitung. Dienstag, den 28. April 1906. Aus Westfalen und der Rheinprovinz. * Dortmund, 27. Appil. Heute nahm der zu Ansang d. M. nach viertägiger Verhandlung vertagte Prozeß gegen den früheren Prokuristen Wilhelm Wemhöner seinen Anfang. Der Angeklagte bestritt wie in der ersten Verhandlung seine Schuld. Wemhöner erklärt, Volpert habe ihn nur deshalb zum Prokuristen gemacht, um die Schuld an der Mißwirtschaft bei Castrop auf ihn abladen zu können. Zum Beweise gibt er eine Anzahl von Zeugen an, unter denen als erster der Kaufmann Herdickerhoff vernommen wird. Dieser hatte eine zeitlang bei der Gesellschaft gearbeitet, mußte aber im Auftrage Volperts auch für Möhlau Reisen unternehmen. Seine Bezahlung setwa 12000 Mark) wurde teilweise aus der Castroper Gesellschaftskasse genommen. Wenigstens hatte Herdickerhoff diesen Eindruck, da Dr. Volpert ihn an Wemhöner wies. Der Zeuge gibt auch an, die Beamten von Castrop hätten zeitweise mehr für die Möhlauer Werke wie für die Castroper Gesellschaft selbst gearbeitet. Außerdem hat der Zeuge den Eindruck gehabt, daß zeitweilig von Castrop schlecht Geld zu bekommen war, weil für Möhlau ein Kredit von 250000 Mark bereitgestellt wurde. ** Dortmund, 27. April. In der vergangenen Nacht wurde auf der Zeche Scharnhorst der Wirt Bauer, früher Gendarm, von italienischen Bergleuten erstochen. Die Täter wurden verhaftet. ** Essen, 27. April. Im hiesigen Gefängnis wurde ein Gefangenenaufseher wegen Durchstechereien verhaftet. ** Oberhausen, 27. Aprik. Der Vater, welcher in Arnheim (Holland) auf einsamem Wege seinen 11jährigen Sohn zu ermorden versuchte, ist der Anstreicher Franz Cordes von hier. Der Vater wurde verhaftet. Den Sohn, der sich in einem Arnheimer Krankenhaus defindet, hofft man am Leben zu erhalten. * Oberhausen, 27. April. Heute morgen stürzten auf dem Walzwerk Oberhausen beim Niederreißen eines Kamins infolge Sprengung eines Verbandes zwei Arbeiter zwanzig Meter tief ab. Beide waren sofort tot. Es handelt sich um den verheirateten Arbeiter Rasch, der sechs Kinder hinterläßt, und den ledigen Koper. Beeck, 27. April. Ein 10jähriges Mädchen wurde von einem Rehbock, der von einem Landwirt im Garten gehegt wurde, aufgespießt und schwer verletzt. * Uerdingen, 27. April. Als am Samstag abend das Kind eines Arbeiters, das seinen Vater von der Arbeitsstelle abholen wollte, sich an einem lose angelegten Eisengitter zu schaffen machte, fiel plötzlich das Gitter um. Eine Eisenstange drang dem Kinde in den Kopf, so daß es nach wenigen Minuten starb. * Gummersbach, 27. April. Dem Landwirt Ewald Hemmen aus Jodinghagen bei Hülsenbusch wurden achtundzwanzig Strafmandate zu je 3 Mark zugeschickt, weil er seine Kinder nicht in den Schulunterricht geschickt hatte. H. erhob gegen dieses Aktenbündel Einspruch. Das Amtsgericht zu Gummersbach nahm eine einheitliche Handlung an und erkannte auf eine Strafe von 8 Mark. Hemmen hatte die Kinder nachmittags zu Hause gehalten, weil sie in der kurzen Mittagspause den Weg zur Schule nicht in ruhiger Gangart zurückzulegen vermochten.: Dr. med. Fehlenbeck bezeichnete den Schulweg als zu anstrengend für sieben= und dreizehnjährige Kinder. Die Kölner Strafkammer als Berufungsinstanz erkannte das erste Urteik an. ** Elberfeld, 27. April. Der gestern abend hier abgehaltene 11. Schwimmertag, der aus Anlaß des vom 2. bis 4. August hier stattfindenden deutschen Schwimmfestes tagte, beschloß, ein Militärschwimmen zu veranstalten. Der kommandierende General des 7. Armeekorps hat den Soldaten, welche an dem Schwimmen freiwillig teinnehmen wollen, Urlaub erteilt. ** Düsseldorf, 27. April. Auf der im hinteren Hafenbecken untergebrachten Militärschwimmanstalt brach gestern nachmittag vermutlich durch herausgefallene Funken aus dem Ofen, Feuer aus, wodurch die fast völlie vernichte; munno. Uin etwa 100 Meter Holzlager wurde durch umherfliegende Funken entzündet. * Düsseldorf, 27. April. Die Eheleute Emil Daniel hatten gestern morgen während des Gottesdienstes ihre beiden Kinder im Alter von 5 und 4 Jahren in der Wohnung allein zurückgelassen. In dieser Zeit spielten die Kinder mit Streichhölzern, wobei die Kleider des fünfjährigen Mädchens Feuer singen. Die auf die Hilferuse des Schwesterchens herbeieilenden Hausbewohner fanden das Kind halv verkohlt vor. Auf dem Wege zum Krankenhause ist es gesiorben. * Bonn, 27. April. Aus Furcht vor einer Operation hat eine Frau aus Oldenburg sich die Halsschlagader durchschnitten. Die Winsleute fanden sie tot. * Koblenz, 27. April. Vor dem Schöffengericht hatten sich 36 Wirte von hier Zu verantworten, weil sie in ihren Lokalen sogenannte Kleeblattautomaten aufgestellt hatten, die von der Polizei als Gegenstände für das Glücksspiel bezeichnet wurden. Durch Zeugen wurde jedoch nachgewiesen, daß zum Benutzen des Spiels eine gewisse Fertigkeit notwendig ist. Das Urteil lautete daher auf Freispruch. K(Seier Hafer-Kakao wird als Kinder-Frühstück tausendfach ärztlich empfohlen. Nur echt in blauen Kartons für 1 Mk., niemals lose. Putz' Haus bemietzigen Hausputz ebenfalls wieder mit Luhns. Jede wirklich erfahrene Hausfrau weiß den wahren Wert Luhn'scher Fabrikate wohl zu schätzen und weiß auch sehr gut, das minderwertige Fabrikate nur den Schein der Billigkeit haben und nicht nur alle waschbaren Gegenstände, sondern obendrein auch das Portemonnaie gefährden Kommunalsteuern für 1908. Nach den genehmigten Gemeinbebeschlüssen gekangen an Kommunalsteuern für das Steuerjahr 1908 zur Erhebung in der Gemeinde Eppendorf 175% der Einkommensteuer, einschl. der fing. Sätze zu 2,40 Mark und 4 Mark, sowie der Grund=, Gebäude= und Gewerbesteuer. Günnigfeld 224% desgl. Höntrop 200% desgl. Leithe 200% desgl. Munscheid 200% desgl. Sevinghausen 200% desgl. Westenfeld 200% desgl. 4243 Mit Ausnahme von Eppendorf gelangt in den vorgenannten Gemeinden auch ein Zuschlag von 100% der Betriebssteuer als Kommunalsteuer zur Erhebung. In den Gemeinden Eppendorf und Höntrop wird von den gewerblichen Betrieben, die mehr als 50 und in der Gemeinde Günnigfeld von salchen, die mehr als 20 Arbeiter beschäftigen, anstatt des Zuschlages zur staatlich veranlagten Gewerbesteuer eine besondere Gewerbesteuer pro Kopf der beschäftigten Arbeiter erhoben. Die Kommunalsteuer=Hebelisten aller vorgedachten Gemeinden für das Steuerjahr 1908 liegen vom 1. Mai er. ab wei Wochen lang im Antshause hier, Zimmer Nr. 8, zur insicht offen. Wattenscheid, den 24. April 1908. Der Amtmans: Emisch Gemeindesteuerlisten für 1900. Die festgesetzten Steuerlisten der für das Rechnungsjahr 1908 nach§ 79 des Einkommensteuergesetzes nach einem Einkommen von unter 900 Mark veranlagten Personen der Gemeinden des Amtsbezirks liegen vom 27. d. Mts. ab 2 Wochen lang im Amtshause hier, Zimmer Nr. 8, zur Einsicht offen. Gegen die Veranlagung steht den Steuerpflichtigen binnen einer Abschlußfrist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungs= frist die Berufung zu und zwar: 4246 a) wenn die Veranlagung durch die Voreinschätzungskommission ohne Beanstandun kommission, d) wenn die Veranlagungskommission stattgefun kommission. Wattenscheid, den 24. April 1908. Der Amtmann: Emisch. agung durch die Voreinschafungslom ing erfolgt ist, an die VeranlagungsFestsetzung des Steuersages durch die stattgefunden hat, an die BerufungsSchießübungen. Der Bürger= und Schützenverein zu Eppendorf hat die polizeiliche Erlaubnis erhalten, am 3., 10., 17., 24., 31. Mai, 14., 21., 28. Juni, 5., 12., 19., 26. Juli, 2., 9., 16., 23., 30. August, 6., 18., 20., 27. September, 4., 1I., 18. u. 25. Oktober d. Is. auf dem in der Gemeinde Eppendorf auf dem Grundstück des Besitzers Koch befindlichen Schießstande Schießübungen zu veranstalten. 4248 Obgleich dem Vorsitzenden des genannten Vereins strenge Sicherheitsmaßregeln vorgeschrieben sind, warne ich außerdem noch öffentlich vor der Annäherung an die Schußlinie. Wattenscheid, den 23. April 1908. Der Amtmann: Emisch. Bekanntmachung. Die festgesetzten Gemeindesteuerlisten der mit einem Jahres“ Einkommen von nicht mehr als 900 Mark veranlagten Steuerpflichtigen für die Gemeinden Wanne und Röhlinghausen liegen vom 23. April bis einschl. 6. Mai d. Is. zur Einsichtnahme im hiesigen Amtshause, Zimmer Nr. 7, aus. 4247 Gegen die Veranlagung steht den Steuerpflichtigen binnen einer Ausschlußfrist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist de. Einspruch an die Veranlagungskommission zu. Wanne, den 22. April 1908. Der Amtmann. I. B.: Weiberg. Bekanntmachung. Die Gewerbesteuerrollen der Klassen I bis IV der Gemein den Wanne und Röhlinghausen liegen vom 24. d. Mts. ab während 1 Woche im hiesigen Amtshause Zimmer Nr. 7 aus. Die Einsichtnahme ist nur den Steuerpflichtigen des Veranlagungsbezirks gestattet. 4245 Wanne, den 22. April 1908. Der Amtmann. J. B.: Weiberg. Günstig gelegenes Anwesen. Zum 1. Juni oder 1. Juli wird mein Fabrik=Anwesen frei, ca. 8 Minuten vom Bahnhof gelegen. Dasselde besteht aus einem Wohnhaus und für jedes gewerbliche Unternehmen passenden Fabrikgebäude(Größe 3828,5m) mit elektr. Lichtund Kraftanlage. 11968 Vorstehendes ist unter günstigen Bedingungen zu vermieten oder auch zu verkaufen. Offert. erbet. unter A. 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Lamm zu Wanne tagende, von über 1000 Personen aller Berufsstände besuchte Versammlung richtet an die Königliche Staatsregierung die dringende Bitte, bei der beabsichtigten Regelung des Wohnungsgeldzuschusses die Gemeinden Wanne und Eickel nicht schlechter zu stellen, als die benachbarten Städte Gelsenkirchen, Bochum, Recklinghausen. Außerdem wurde eine Kommission gebildet(wozu auch der Amtmann von Eickel gehört), die bei den Regierungsstellen persönlich vorstellig werden und nicht eher ruhen soll, bis das Ziel erreicht sei,„Außerhalö der Taaesordnung wurde zu den Gemeinderatswahlen Stellung genommen und den Beamten von verschiedenen Rednern ans Herz gelegt, einmütig die Liste der Bürger= und Arbeitervereinigung(Bouvet, Eickelkamp, Franke, Eisenbahngütervorstcher Tressehn) zu wählen und gegen die Quertreibereien des Vorsitzenden des Haus= und Grundbesitzervereins, der an den Eisenbahnerkandidaten die Zumutung gestellt habe, sich seinen Wünschen zu fügen, Front zu machen. Die imposante Versammlung wurde mit dem Kaiserhoch geschlossen. sicherm Verwahr. Seine Veröffentlichung kann auf Grund getroffener Vereinbarung erst in späterer, heute noch nicht näher zu bestimmender Zeit erfolgen. Der Triede im Baugewerbe. Berlin, 27. April.(Telegr.) Das Schiedsgericht für die Lohnstreitigkeiten im Baugewerbe fällte heute seinen Schiedospruch duhin, daß in keinerlei Lohngebieten irgendeine Verschlechterung der Lohnbedingungen eintreten dürfe; daß ferner in den Lohngebieten, wo nach dem 1. April 1906 keinerlei Lohnerhöhung vorgenommen und auch bis zum 1. April 1909 vorgesehen sind, mit dem 1. April 1909 der Stundenlohn um einen Pfennig zu erhöhen ist. Für jeden Bezirk soll ein Schiedsgericht eingeführt werden, das die außer der Lohnfrage bestehenden Streitigkeiten bis zum 16. Mai d. J. endgiltig entscheiden soll heimgesucht worden. Dort wurden in etwa 7 Stunden über 1000 Personen verletzt und etwa 30 getotet. Der östliche Teil von Louisiana hat ebenfalls stark gelitten, auch in Alabama und Georgia ist die Zahl der Toten sehr groß. Ueber verschiedene Gegenden mußte der Belagerungszustand verhängt werden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und Plünderungen zu verhindern. Hunderte von Ortschaften haben von der Regierung Zelte zur Unterbringung der Obdachlosen erbeten. Die Neger sind von Jurcht und Schrecken fast gelähmt und können sich zum großen Teile an den Rettungsarbeiten nicht beteiligen. Viele Verwundete blieben tagelang unter den Trümmern ihrer eingestürzten Häuser unbemerkt liegen. Paris, 27. April.(Telegr.) Das Kolonialministerium gibt bekannt, daß ein heftiger Cyklon im Comoran=Archipel gewütet hat, wovon hauptsächlich die Insel Groß=Comoro betroffen worden ist. werden mehrere Schiffbrüche gemeldet. Aus der Amgegend. v. Erle=Middelich, 27. Aprit. In diesen Tagen sind hier die Koutrollversammlungen. Diese werden abgehalten im Saale des Wirtes Holz an der Friedrichstraße. Am Dienstag(28. April) 11 Uhr vormittags haben zu erscheinen sämtliche Reservisten, die 1900, 1901, 1902, 1908, 1904, 1905, 1906 und 1907 eingetreten sind. Am Mituvoch(29. April) 11 Uhr vormittags sämtliche Landwehrleute der Jahresklassen 1895 bis 1899. Am Donnerstag(30. April) vormirtags ½12 Uhr sämtliche Ersatzreservisten der Jahre 1895 bis 1907.— Für die einfahrenden Bergleute der Zeche Graf Bismarck, Schacht 2, findet die Kontrollversammlung am Dienstag den 28. April, Uhr nachmietags, und fur die ausjahrenden um 3 Uhr desselben Tages statt. Auf Zeche Bismarck, Schacht 3, haben sich die ein= und ausfahrenden Mannschaften am Mittwoch den 29. April nachmittags 8 Uhr zu stellen. Es haben zu den gegebenen Zeitpunkten alle Reservisten, Wehrleute und Ersatzreservisten obiger Jahresklassen zu erscheinen, aber nur die Mannschaften, die auf der betreffenden Zeche beschäftigt sind. * Buer, 27. April. Tödlich verunglückt ist am Samstag nachmittag auf der Essenerstraße der Arbeiter Bernhard Keufer von hier. Dee Mann fuhr mit einer, mit Steinen beladenen Karre die Essenerstraße herauf und kam in dem Augenblick, wo er mit einem anderen Fuhrwerk kreuzte, zu Fall. Er fiel dabei so unglücklich vor sein Fuhrwerk, daß ihm das linke Rad über die Brust ging. Der sofort benachrichtigte Arzt konnte nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Die gleichfalls sofort am Tatort erschienene Polizei sorgte für Ueberführung der Leiche nach dem Leichenhause. be. Kray, 26. April. Die allgemein gefürchtete und vorwiegend unter den Kindern auftretende Genickstarre ist wiederum in unterer Gemeinde eingekehrt. In kurzen Zwischenpausen sind am Freitag und Samstag der verflossenen Woche in der Familie Jurguleit auf der Bahnhofstraße zwei Kinder an der gefährlichen Krankheit, wie die bakteriologische Untersuchung ergeben hat, gesiorben. he. Kray, 27. April. Auf einer Zeche erlitt der Bergmann B aus dem HHaserseld schwere Brandwunden am ganzen Körper. Er wurde nach Anlegung eines Verbandes mittels Krankenwagens zum Krankenhause überführt. Ein Straßenkrawall. Mannheim, 27. April. Ein Straßenkrawall. der gestern abend in der Neckarvorstadt entstand, nahm einen gefährlichen Charakter an. Der Aufseher der syndikatfreien Kohlenvereinigung, Streik, der Arbeitswillier aus Norddeutschland beschafft hatte, wurde von den Streikposten verfolgt. Die Menge schloß sich an. Der Aufseher flüchtete in eine Wirtschaft in der Mittelstraße, vor der sich mehrere Tausende ansammelten und stürmisch die Herausgabe des Mannes forderten. Die Schutzleute wurden stark bedrängt, beschimpft und mit Steinen beworfen. 28 Exzedenten wurden verhaftet. Die Affäre hielt den Stadtteil stundenlang in Aufregung. Ein Schutmann wurde in die Hand gestochen, zwei Exzedenten verletzt. Das englische Königspaar in Stockholm. Stockholm, 27. April.(Telegr.) Das englische Königspaar ist gestern in Stockholm angekommen. Gestern abend fand im hiesigen Schlosse zu Ehren des Königs und der Königin von England ein Galadiner statt, wobei die beiden Könige herzliche Trinksprüche wechselten. König Gustav erinnerte daran, daß die schwedische Hauptstadt zum ersten Male in der Geschichte den britischen Monarchen willkommen heißen könne und sprach die Hoffnung aus, daß das Nordseeabkommen, dessen Isel eine weitere Befestigung des Friedens in Europa sei, dazu beitragen werde, das gute freundschaftliche Verhältnis zwischen dem englischen und schwedischen Volke noch mehr zu entwickeln und zu befestigen.— König Eduard dankte für den herzlichen Empfang, erinnerte an seinen Besuch vor 44 Jahren und sagte, er glaube ebenfalls, daß das kürzlich abgeschlossene Uebereinkommen zur friedlichen Entwicklung beider Länder zur andauernden Wahrung des Friedens beitragen werde. Der König schloß mit dem Ausdruck des Bedauerns über die Abwesenheit der Königin von Schweden und die Kürze des Besuches, die in der bevorstehenden Abreise des Königs von Schweden nach Petersburg ihren Grund habe. Zandel und Industrie. 5 Prozent Bankdiskont. Berlin. 27. April.(Tel.) Die Reichsbank setzte den Diskontsatz für Wechsel auf 5 Prozent und für Lombards auf 6 Prozent herab. ** Westfälische Bankkommandite Ohm, Hernekamp u. Co., Dortmund. Wie wir erfahren, beabsichtigt die Gesellschaft, ihr Aktienkapital, das bisher 5 Millionen Mark beträgt, um 8 Millionen auf 8 Millionen Mark zu erhöhen. Die fortwährende Ausdehnung der Gesellschaft, besonders nach Bremen, Hannover und nach dem Rheinland hin, macht diese Maßregel erforderlich. Aus diesem Grunde wird auch beabsichtigt, den Namen der Gesellschaft zu ändern. Die Beschlußfassung hierüber sowie über die Erhöhung des Aktienkapitals bleibt der zum 16. Mai einberufenen außerordentlichen Generalversammlung vorbehalten. Die neuen Aktien werden von einem Konfortium fest übemnommen. Der Kaiser auf Korfu. Schloß Achilleion, 27. April.(Telegr.) Gestern nachmittag machten die Majestäten mit Familie und Gefolge einen Spaziergang. Heute morgen sprach der Kaiser mit dem aus Neapel hierher berufenen Bozaniker, dem Kunstgärtner Sprenger wegen der in Aussicht genommenen gärtnerischen Neuanlagen im Park Achilleion. Um halb 12 Uhr wohnten beide Majestäten dem Vorbeizug der kirchlichen Prozession vom Balkon des Schlosses bei. Die Prozession wurde zum Schloßgitter eingelassen. Die Geistlichkeit hielt Gebete, worauf die Prozession durch den Schloßpark abzog. Der Kaiser hörte den Vortrag des Gesandten Freiherrn Jenisch und begab sich um 12 Uhr mit dem Generaladjutanten General Plessen, dem Chef des Marinekabinetts, Admiral von Müller, dem Flügeladjutanten Kapitän zur See von Rebeur=Paschwitz und dem Gesandten Freiherrn Genisch in Automobilen nach der Stadt Korfu zum Besuch des österreichischen Geschwaders und frühstückte bei dem Konteradmiral von Ziegler auf dem Flaaaschiff„Erzberzog Karl". Zur Frübstückstafer bei der Kaiserin auf Achilleion waren geladen die Kronprinzessin von Griechenland und eine Reche von Offizieren der drei deutschen Schiffe. Achilleion, 27. April.(Telegr.) Bei der Besichtigung des österreichischen Zlagoschiffes„Erzberzog Karl“ wurden dem Kaiser auch Exerzitien der Geschützmannschaft vorgeführt. Beim Frühstück toastete der Konteradmiral von Ziegler auf Kaiser Wilhelm. Der Kaiser antwordete, indem er der großen Freude Ausdruck gab, das österreichische Geschwader besucht zu haben. Er schloß mit einem Hurra auf Kaiser Franz Joseph. Der Kaiser kehrte gegen 4 Uhr nachmittags nach Achilleion zurück. Um 5 Uhr hielt die Kaiserin an Bord der„Hohenzollern“ einen Tee ab, wozu die Mitglieder der griechischen Königsfamilie geladen waren. Korsn. 27. April.(Telegr.] Heute abend 8 Uhr gab der König von Griechenland im Palais von Korfu ein großes Diner, woran außer der königlichen Familie die Spitzen der Behörden, der Kaiser und die Kaiserin, Prinz August Wilhelm sowie die Damen und Herren des Gefolges teilnahmen. kein dritter Band der Bismarck-Memoiren. Künlich hatte die„Tribuna“, wie in letzter Nummer berichtet, sogenannte Enthüllungen über den Inhalt des dritten noch unveröffentlichten Teiles der Bismarckschen Gedanken und Erinnerungen gebracht, die auch von deutschen Blättern wiedergegeben wurden. Wie die„Köln. Itg“ aus zuverlässiger Quelle erfährt, beruhen diese Enthüllungen durchweg auf Erfindung. Dies gilt ganz besonders von den mitgeteilten Kapitelüberschriften des angeblich in Zürich befindlichen Manuskriptes, die sämtlich Wort für Wort falsch sind, woraus allein schon erhellt, daß es sich nicht um eine Abschrift des echten Manuskripts handein kann, sowie von einem Einspruch des Kaisers und der ganzen weitern„romantischen“ Erzählung. Das Manuskript des dritten Bandes von Bismarcks Gedanken und Erinnerungen befindet sich in Priegagerüchte Zirte Konstautinovel, 27. April. Aus Sebastopol wird hierher berichtet, daß Rüstungen sowohl in der russischen Kriegs. marine, wie in den rusfisch=türkischen Grenzbezirken im Kaukasus in vollem Gange sind und große Ausdehnung annehmen, Die militärischen Kreise in Konstantinopel fangen deshalb an, sehr beunruhigt zu werden, und drängen auf Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln im Erzerumer Korpsbereich. Man braucht diese Meldung nicht allzu tragisch zu nehmen, da sowohl die militärischen wie politischen Verhältnisse Rußlands und der Türkei gegenwärtig derartige sind, daß für keine der beiden Staaten eine besondere Lust zur Kriegführung vorhanden sein dürfte. Gedächtnisaottesdienst für Campbell-Baunerman. London, 27. April.(Telegr.] Heute früh fand in der Westminsterabtei der Gedächtnisgottesdienst für den verstorbenen Premierminister Bannerman statt, dem der Prinz von Wales in Vertretung des Königs, alle Minister, die leitenden Politiker beider Parteien und das diplomatische Korps beiwohnten. Botschaftsrat von## Stumm legte in Vertretung des deutschen Kaisers einen großen Kranz zu Füßen des Sarges nieder. Ministerpräsident Clemenceau fuhr gemeinsam mit dem fraßizösischen Geschäftsträger zur Westminsterabtei und überbrachte einen Kranz von weißen Blumen. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich vor der Abtei angesammelt. Nach dem Gedächtnisgottesdienst in der Westminsterabtei begab sich das Trauergefolge, worin sich Prinz Wales, der Botschaftsrat von Stumm, der Ministerpräsident Clemencean und die Mehrzahl der Minister befanden, durch die zahlreich herbeigeeilte Menschenmenge unter strömendem Regen nach der Enston=Station. Den Sarg Bannermans zierten Kränze des deutschen Kaisers und Clemenceaus. Die Leiche des Premier= ministers wird nach Schottland übergeführt, um vort bestattet zu werden. Schreckenstaten der Kurden. Petersburg, 27. April.(Telegr.) Nach Meldungen aus Urmia vom 22. d. M. hat der Einfall der Kurden auch im Bezirk von Saumas begonnen. In der letzten Woche wurden 8 Dörfer geplündert, wobei einige Personen getötet und 7 verwundet wurden. Die Wiederherstellung der Telegraphenlinie Urmia=Saumas wurde vereitelt. Gegen 2000 Kurden sind in den Bezirk Dola eingedrungen. Aus dem Dorfe flüchtete die Bevölkerung, wobei Menschen ums Leben gekommen sind. In einem Dorfe ist ein Teil der Bewohner in einer Moschee, die von den Kurden in Brand gesteckt wurde, in den Flammen umgekommen. Einige Dörfer werden von den Kurden belagert. Heuschreckenplage. Tunis, 27. April.(Telegr.) Ein Heuschreckenschwarm von bis jetzt noch nicht dagewesenem Umfange hat von Süden kommend 60 000 Hektar Land bei Djeboni bedeckt und verheerte weiter eine Reihe von Ortschaften bis zu 30 Kilometer von Tunis entfernt. Die Heuschrecken haben große Mengen Eier auf die Erde gelegt. Das Ausschlüpfen der jungen Tiere wird gegen den 5. Mai erwartet. Die Wirbelkürme in Amerika. Die Wirbelstürme in den Südstaaten Nordamerikas setzen ihr Zerstörungswerk fort. Es werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Newyork, 27. April.(Privat=Telegr.) Die Stürme in Nordamerika, dauern noch an. Der Staat Mississippi ist am schwersten Anruhen in Tcz. Rabat, 27. April.(Telegr.) In Fez versuchten gestern sangtisch erregte Volkshausen, welche die Straßen durchzogen, die ausländischen Postämter zu zerstören. Das deutsche und englische Postamt waren geschlossen, sodaß die Menge nur die von außen angebrachten Briefkästen zertrümmern konnte. Auf der französischen Post wurde alles in Stücke geschlagen. Ein Briefträger und ein Soldat dieses Konsulats wurden mit dem Tode bedroht. Die Behörden sprachen auf dem französischen Konsulat ihr tiefes Bedauern über das Geschehene aus und verhafteten die Schuldigen. Ueber die weiteren Vorgänge in Marokko wird noch gemeldet: Paris, 27. April.(Telegr.) General d'Amade telegraphiert unter dem gestrigen Datum aus Caspa Ben=Achmed, daß alle umwohnenden Stämme sich unterworfen haben. Letzte Telegramme. Ausständige Schuhmachergehilfen. Hanuover, 27. April. Die hiesigen Schuhmachergehilfen sind heute wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Erpresser an der Arbeit. München, 27. April.(Privat=Telegr.] Hier sind neuerdings ein Gastwirt und eine in demselben Hause wohnende Oberamtsrichterswitwe Opfer fortgesetzter Erpressungsversuche eines Unbekannten, der mit der Ermordung sämtlicher Angehörigen droht. In Augsburg wurden von einem wohlhabenden Kaufmanin durch einen anscheinend gebildeten Briefschreiber 30000 Mark unter Androhung der Ermordung der einzigen Tochter des Kausmanns zu erpressen gesucht. Demonstrierende Studenten. Wien, 27. April.(Privat=Telegr.) Die Hörer der hiesigen technischen Hochschule veranstalteten heute Vormittag lärmende Demonstrationen gegen den wegen seiner Strenge bei den Prüfungen mißliebigen Professor Dr. Engländer und dessen Assistenten. Schließlich gelang es dem Direktor, die Studenten zu beruhigen, indem er versprach, ihre Beschwerde zu prüsen und gegebenenfalls Abhilfe zu schaffen. Duisburger Getreidebörse. Duisburg, 27. April. Weizen inländischer 21,25—21,50 Mk., Donau 00,00—00,00 Mk., Schwarzmeer 22,25—23,50 Mk., Azow 22,25—23,50 Mk., Amerikaner 00,00—00,00 Mk., Schwarzmeer 21,25—22,25 Mk., Azow 21,25—22,25 Mk., Amerikaner 00,00—00,00 Mk., Hafer inländischer 17,00—17,20 Mk., Donau 17,25—19,25 Mk., russischer 17,25—19,25 Mk., Amerikaner 16,00—16,25 Mk., Futtergerste russische 14,40—14,70 Mk., rumänische 14,70—15,00 Mk., Mais amerikanischer 15,50—15,75 Mk., La Plata 00,00—00,00 Mk., Donau 15,50—15,75 Mk., Cinquani 16,00—16.25 Mk., russischer 00,00—00,00 Mk., Buchweizen 22,00—23,00 Mk., Weizenmehl Nr. 000 28,25—29,00 Mk., Nr. 00 27,50—28,00 Mk., Roggenmehl Nr. 0 27,00—27,75 Mk. Nr. 0/1 26.25—26,75 Mk., Bollmehl 14,00—14,50 Mk., Grand 11,50—11,75 Mk., Kleie 11,50 bis 11,75 Mt. Am heutigen Markt trat eine entschieden festere und zuversichtlichere Stimmung zutage. Es kam zu reichlichen Umsätzen, wobei auch durchweg erhöhte Preise verlangt und bezahlt wurden. Neuß, 27. April. Fruchtmarkt. Weizen Ia 21,00, IIa 20,00 Mk. Roggen Ia 19,00, IIa 18,00 Mk. Hafer Ia 16,20, IIa 15,20 Mk. für 100 Kilo. Kartoffeln 2.80—3,50 Mk. Heu 3,70—4,20 Mk. Luzerner Heu 4,60 Mk. für 50 Kilo. Krummstroh 17,00, Breitdrusch= stroh 19,00 Mk. für 500 Kilogramm. Köln, 27. April. Fruchtmarkt. Heu 8,00—10,00. Maschinen= stroh(Roggen) 3,70, Richtstroh(Flegelbrusch) 4,00, Krummstroh 3,50. Ein kräftiger, widerstandsfähiger Körper bietet Erwachsenen und Kindern den besten Schutz gegen Kräfteverfall, wie dies aus dem folgenden Bericht hervorg eht: München, Aventinstr. 6, den 26. März 1907. „Nach einem heftigen Lungenhusten, der mich während 3 Jahren arg mit genommen hatte, war ich ganz entkräftet und magerte infolge Appetitmangels zusehends ab. Nunmachte ich einen Versuch mit ScottsEmulsionzgleich nach der ersten Flasche fühlte ich merkliche Erleichterung, bald kehrte der Appetit zurück, der Husten lockerte sich, und mein ganzer Körper wurde kräitiger und widerstandsfähiger. Diesem letzteren Umstande hatte ich es allein zu verdanken, daß ich eine Rippensellentzündung, die mich kürzlich aufs Krankenlager warf, verhältnismäßg leicht überstand.“(gez.) Berta Hörmann. Als Kräftigungs= und Vorbeugungsmittel hat sich Scotts Emulsion auch in diesem Falle aufs beste bewährt. Ihre Vorzüge: Leichtverdaulichkeit, appetitanregende Wirkung werden durch die im Scottschen Zubereitungsverfahren so vortrefflich verarbeiteten allerfeinsten Rohmaterialien erreicht. Nur echt mit dieser Marke—dem Fischer — dem Garantiezeichen des Scottschen Verfahrens Scotts Cmuiston wird von uns ausschließlich im großen verkauft, und zwar nne lose uan Gewicht oder Mat. sondern nur in versiegelten Originalflaschen in Karton mit unserer Schugmarke(Fischer mit dem Dorsch:. Seut& Bowne, G. m d H. Frankfurt. a. 24. 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Beilage=Gebühr pro 1000 Mt. 5 Fernsprecher: Nr. 173. — und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man posttarte von der Geschäftesteüle Mundelstr. 16 Prob Keilerl nurch Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=, Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Per uationalliberale Landtagskandidat, Vertrauensmänner=Versammlung der national liberalen Partei des Stadt= und Landkreises Gelsenkirchen wurde einstimmig graphen= und Fernsprechwesens, Starkstromtechnik in ihren Hauptzugen und Beziehungen zur Schwachstromtechnik, Post= und Telographenbetrieb, sowie Kassen- und Rechnungswesen in den Zweigen, in denen der Kandidat unterwiesen worden ist, französische und englische Sprache. Die Prädikair der Prüfung sind genügend, gut oder vorzüglich. Die Prüfung kann nur einmal und im ganzen wiederholt In einer gestern abend hier stattgehabten Der Reserendar wird mindestens neun Monate bei der Oberpostdirektion, sechs bei einem Postamt größeren Umfangs und sechs bei keinem Telegraphaamte mit Fernsprechanstalt oder drei Monate bei einem Telegraphen= und drei bei einem Fernsprechamt beschäftigt. Der Referendar muß auch in die Geschäfte und Einrichtungen der KO berpostkasse Einsicht erlangen. Er ist auch im Stellenvorstcher= und Aufsichtsdienste zu beschäftigen und mit der Erledigung des SchriftGumnasial=Professor Pindel=Geisenkirchen racs ud der Briunz der Hauvlase beiount A. als Landtags=Kandidat aufgestellt. hilfen, Vertretungen oder besonderen Aufträgen können Tagegelder gewährt werden. Jedes halbe Jahr in eine schriftliche Arbeit anzuertig Eröffnung der höheren Postbeamteulaufbahn. Die neue höhere Laufbahn der Reichs=Post= und Telegraphenverwaltung ist am Samstag eröffnet worden. Der Staatssekretär des Reichs=Postamts hat soeben Vorschriften und Ausführungsbestimmungen über die Annahme, Ausbildung und Prüfung der Anwärter erlassen, die sofort in Kraft treten. Wie wir hören, werden zunächst 60 Anwärter angenommen. Die ersten Reserendare der Deutschen Reichspost werden in erwa vier Jahren ernannt werden. Die Meldung kann sofort erfolgen. Sie is. an die Oberpostdirektion zu richten, in deren Bezirke der Bewerber wohnt. Es ist anzugeben, in welchem Bezirk die Ausbildung gewünscht wird. Beizufügen ist das Reisezeugnis von einem Gymnasium, Realgymnasium oder einer Oberreal= schule, Lebenslauf und Gesundheitszeugnis von einem Postvertrauensalzt oder einem Staatsmedizinalbeamten, ferner der Nachweis der erforderlichen Mittel für die Vorbereitungszeit. Die Prüfung des Gesuches hat sich auch auf die Familienverhältnisse, die Persönlichkeit und die körperliche Tauglichkeit zu erstrecken. Eine persönliche Vorstellung ist notwendig, über die Zulassung entscheidet das Reichspostamt. Die Vorbereitung umfaßt, wie bereits kurz gemeldet, eine mindestens vier Jahre dauernde Elevenzeit und eine mindestens drei, längstens fünf Jahre dauernde Referendarzeit. Der Militärdienst wird auf die Vorbereitungszeit nicht angerechnet. Im ersten Jahre wird der Eleve mit dem technischen Dienst vertraut gemacht. Die Ausbildung der Eleven haben die Amtsvorsteher persönlich zu leiten. Bei dem ersten Amt soll er sechs, bei einem Telegraphenam: zwei Monate bleiben, womöglich auch den Bahnpostdienst kennen lernen. Beim Schluß der praktischen Ausbildung ist eine schriftliche Arbeit anzufertigen. Das folgende akademische Studium erstreckt sich auf Staatsund Rechtswissenschaft, Physik, Chemie und Elektrotechnik. Vier Semester können an einer technischen Hochschule, drei außerhalb Deutschlands zugebracht werden. Ausnahmsweise kann auch eine Studienzeit vor der Ausbildung vom Reichspostamt angerechnet werven. In der Reserendarprüfung ist je eine Arbeit aus dem Gebiete der Staatswissenschaften oder der Rechtswissenschaft und aus dem der Physik oder Elektrotechnik anzufertigen. In der mündlichen Prüfung werden verlang:: Grundlagen der Staatswissenschaften, Volks- und Staatswirtschaftslehre, Allgemeines aus der Einführung deg rtigen. In der sich anschließenden Postassessorprüfung sind drei schriftliche Arbeiten je aus dem Gebiete des Post- und Telegraphen= rechts oder der Staatswissenschaften, des Postwesens und des Telegraphen= und Fernsprechwesens anzusertigen. Die mündliche Prüfung umfaßt Post- und Telegraphenrechu.###s- und 2enatungsslecht im Reich und in den größeren Bundesstaaten, Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft, sozialpolitische Gesetzgebung, Betriebs= und Verwaltungsdienst, internationale Post= und Telegraphenverträge, technische Einrichtungen und ihre wissenschaftlichen Grundlagen nebst einem freien Vortrag aus Alten. Auch diese Prüfung kann nur einmal im ganzen wiederholt werden. Die Ernennung zum Referendar erfolat durch die Oberpostdirektion, die zum Postassessor durch den Staatssekretär des Reichspostamts. Die Postassessoren werden gegen feste Vergütung zu Aushilfen und Vertretungen verwender. Gründung einer demokratisch-liberalen Partei. Der auf dem Frankfurter Parteitag der Freisinnigen Vereinigung unterlegene radikale Flügel hat sich als demokratisch=liberale Partei konstituiert. Man berichtet hierüber: Berlin. 28. April. Der Sozialliberale Verein zu Berlin hat eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten, in der nach leidenschaftlicher, sich sehr lange hinziehender Debatte, an der sich u. a. die Herren v. Gerlach, Dr. Breitscheid und Dr. Barth beteiligten, mit 96 gegen 22 Stimmen die Gründung eines neuen demokratisch=liberalen Vereins beschlossen wurde. So werden dem Erstarken des liberalen Gedankens und vor allem dem Zusammenschluß der verschiedenen liberalen Gruppen wieder neue Hindemisse in den Weg gelegt. Denn daß der neue demokratisch= liberale Verein alsbald den Kampf gegen die anderen liberalen Parteien eröffnen wird, statt mit ihnen vereint für das gemeinsame zu arbeiten, darf nach den hitzigen Auseinandersetzungen in Frankfurt und namentlich auch in der Presse als sicher angenommen werden. Das Fiasko der Marconi-Gesellschaft. Aus London wird berichtet: Die unklaren Angelegenheiten der Marconi=Gesellschaft werden jetzt in dem mit großer Verspätung ere#ung schienenen Jahresbericht keineswegs geklärt. Im Gegenteil erscheint in die Rechtswissenschaft, Post- und Telegraphenrecht, Grundzüge des die Position der Gesellschaft heute unerfreulicher denn je. Der mit deutschen bürgerlichen Rechts, des Handelsrechts, Strafrechts und Völkerrechts, der Gerichtsverfassung und des Gerichtsverfahrens im Zivil= und Strasprozeß, Physik und Chemie, Elektrotechnik des Telegroßer Reklame im Vorjahre eingerichtete Dienst von Amerika nach England, der durch die„Daily Mail“ besonders gefördert wurde, ist vollständig eingestellt worden, da sich zeigte, daß er fast stets versagte. Der Geschäftsbericht geht nur bis zum 30. September 1907 und enthält, obwohl er beinahe 50 Druckseiten lang ist, sonderbarerweise kein Gewinn= und Verlustkonto. Die Gesellschaft schuldet den verschiedenen Kreditoren insgesamt 2,3 Millionen Mark und dieser großen Schuldenlast stehen keinerlei verfüghare Barmittel gegenüber. Der Kassenbestand ist nach dem Bericht gleich Null. Marconi behauptet, ohne Draht arbeiten zu können, aber ohne Draht funktioniert die Sache doch nicht, denn er wendet sich jetzt an das Publikum mit der Bitte um 5 Millionen Mark neues Geld Ob diese geplante Erhöhung sich glatt vollziehen wird, erscheint nach den Kritiken, die man in der City über Marconis Unternehmen hört, sehr zweifelhaft. Man hat in der City keinerlei Vertrauen, daß der Marconidienst jemals funktionieren wird, und der jetzige Geschäftsbericht gibt nach dieser Richtung hin keinerlei Andeutung, die geeignet ware, die Zweifel zu beseitigen. Angesichts dieser ruhmlosen Bilanz des Herrn Marconi können wir uns nachträglich gratulieren, daß die deutsche Regierung bei der Internationalen Konferenz für drahtlose Telegraphie nicht auf die Versprechungen hineingefallen ist, die Marconi und die hinter ihm stehenden Finanziers so dringend vorbrachten. Die englische Regierung, die diesem Einsluß unterlegen und für die Postverwaltung und die Admiralität große Kontrakte mit Marconi abschloß, wird an diesem Fehler wohl noch lange zu tragen haben. Ein„Meuetekel“ für den König von Serbien. * Aus Belgrad wird berichtet: Erst nachträglich wird ein Vorfall bekannt, oer sich am Palmsouniag in Anwesenheit Konig Peters in der Katheorale zutrug. Der Miluärpfairer Sava Kesitsch bestieg die Kanzel und begann seine Predigt. Ein flüsterndes Raunen ging durch die Reihen der Anwesenden, als der Geistliche seine Ansprache mit einem Himeis auf die Erhebung gegen die Türken begann und des Tages gedachte, da vor einem Jahrhundert die Schlüssel der Festung Belgrad dem Fürsten Milosch Obrenowitsch übergeben wurden. Der Geistliche tadelte dann mit leidenschaftlicher Schärfe die Undankbarkeit serviler Schmeichler, die vermeinten, die Bedeutung jener großen Epoche der serbischen Geschichte dadurch zu beeinträchtigen, daß sie die offiziellen Erinnerungsfeiern an jenem Tage unterdrücken. Die Stimme des Geistlichen steigerte sich und mit einem dramatischen Hinweis auf das Grab des Fürsten Milosch rief er:„Dort ruht ein Herrscher, der Serbien sein Erbteil wiedergab, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen und der durch die Hand eines gedungenen Mörders fiel. Wehe dem Anstifter dieser schmählichen Tat! Wehe dem Verräter!" Eine dumpfe Pause trat ein, alle Blicke richteten sich auf den König Peter, der als einziger in der Versammlung einen scheinbaren Gleichmut zur Schau trug. Sein ältester Vetter, der Vater des jetzigen serbischen Gesandten in Konstantinopel, war ja vor vierzig Jahren wegen Ermordung des Fürsten Milosch gehängt worden. Der Prediger fuhr fort, er pries die Verdienste der einstigen Herrscher aus dem Hause der Obrenowitsch und schloß seine Predigt mit einem Aufrus, einzustimmen in sein Wort:„Ehre sei ihnen! Ehre!" Mit begeistertem Beifall ward der Ruf ausgenommen.„Ehre! Ehre!“ hallte es donnernd durch die Wölbungen des Gotteshauses und die dröhnenden Rufe pflanzten sich fort zu den Passanten auf den Straßen. Als der Prediger die Kanzel verließ, umdrängten ihn die anwesenden Geistlichen, beglückwünschten ihn und versprachen ihm ihre finanzielle Hilfe, sobald die Regierung seine Entlassung verfugen würde. Nach ihrer Ansicht hat er das Unheil wieder gut gemacht, das in die serbische Kirche einzog, als der Metropolit sich dazu herbeiließ, die Königsmörder zu segnen. Nachträglich ist bekannt geworden, daß der unerschrockene Geistliche den Metropoliten von seiner Absicht verständigt hatte, der sich anfangs ablehnend verhielt, aber seinen Untergebenen schließlich mit den Worten entließ:„Gott segne Dich, mein Sohn, allein die Folgen Deines Handelns mögen Dein Haupt allein treffen.“ 2 1 Roman von Ernst v. Waldow. (Nachdruck verboten.) Der Vater hatte nichts bemerkt und erwiderte gleichmütig auf die Bemertung seiner Frau: „Wirtlich, ein netter junger Mann, ganz so wie ich mir die Kontoristen immer wünsche. Gebildet, bescheiden, fleißig und ein guter Kopf. Edi lobt ihn sehr und da hier noch der Fall dazu kommt, daß wir diesem Winterfelt gegenüber eine Dankbarkeitsschuld abzutragen haben, ist wir der Gedanke gekommen, ihm die Stelle— aber Gusti, kleine Ungeschickte, wer gießt denn ein Glas so voll— sieh, Du hast mir den Wein gar über die Hand geschüttet.“ „O, Papa, verzeihe,“ stammelte das junge Mädchen,„die Karaffe ist so schwer.“ Herr Forstenberg fuhr erst fort, nachdem er sorgsam den roten Vöslauer von der Hand und der blütenweißen Handmanschette abgewischt und da Gusti die Blicke fest auf ihren Teller geheftet hielt, konnte sie nicht bemerken, daß die Mutter sie forschend betrachtete. „Hm, also ich sprach davon, den jungen Winterselt als Leiter unserer Pester Filiale dort zu belassen, wenn Edi zurückkommt, was ich je eher je lieber hätte. Das ist ein Posten für einen älteren, erfah. renen Geschäftsmann, aber ich kann ihm den alten Rettenbach zur Seite lassen, dann wird es angehen und überhaupt, wir haben Gustis wegen Verpflichtungen. Fühlt Winterselt sich der Stelle nicht gewachsen, nun, dann läßt sich Abhilfe treffen.“ Herr Forstenberg hätte noch lange so fortsprechen können, ohne daß eine der Frauen ihn unterbrochen. Frau Katharina, welche auf die plötzlich erbleichten Wangen Gustis einen langen Blick geworsen, faßte sich zuerst und erwiderte in ihrem ruhigen Tone: „Das machst Du ganz, wie Du es für am besten hältst, lieber Freund, nur möchte ich Dir anheimgeben, Dir die Sache vorher noch reiflich zu überlegen, ehe Du mit dem jungen Manne sprichst.“ „Gewiß werde ich das— es eilt ja nicht so—“ damit war die Sache abgetan. Mutter und Tochter blieben allein. „Ich werde ein wenig zu Mand hinaufgehen,“ meinte Gusti gepreßt. Dort konnte sie wenigstens schweigend ihren Gedanken nachhängen, denn jetzt mit der Mutrer uder Alltagsgeschichten zu erschien ihr unerträglich. „Bleibe noch, Kind— hast Du mir nichts zu sagen?“ „Was sollte ich wohl,“ stieß Gusti hervor und versuchte ein unbefangenes Gesicht zu machen. „Tu warst sonst offener, aufrichtiger, Gusti— ist Deine Mutter nicht mehr Deine Freundin?“ „O Mama!“ Das junge Mädchen verbarg erglühend ihr Gesicht an der Mutter Brust. Frau Katharina ließ sie still gewähren, doch diese seltsame Frau, in deren Charakter sich so viele, sonst streng getrennte Widersprüche vereinten, war derartigen Rühr szeuen siets abhold gewesen, so machte sie derselben auch jetzt ein schnelles Ende, indem sie mit ernster Freundlichkeit sagte: „Setze Dich zu mir und laß uns vernünftig sprechen.“ „Ich müßte eine weniger sorgsame Mutter sein, wenn mir nicht die Veränderung aufgefallen wäre, die sich in Deinem Gefühlsleben vollzogen, seit Du aus Triest zurückgekehrt bist.“ „Anfangs hielt ich es für eine leichte, mädchenhafte Schwärmerei, denn ich vernahm, mit welchem Feuer Du die Heldentat Deines Retters priesest. Doch der Eindruck, den der junge Mann auf Dein Herz gemacht, vertiefte sich, statt sich abzuschwächen. Dein Benehmen gestenn“ Gusti erschrak.—„Mama, ich habe mich doch nicht verraten?“ fragte sie angstvoll. „Nein, Kind, ich hoffe, daß die anderen nichts bemerkt haben— mein Auge war verschärft durch die Mutterliebe—“, „Und er— Ulrich Winterfelt?“ „Er erschien mir sehr unbefangen.“ „Das ist ein bitteres Wort—“ „Mir wenigstens kommt der junge Mann zu ernst und verünftig vor, um sich in Illusionen zu wiegen, oder um eine sogenannte unglückliche Liebe in seiner Brust groß zu ziehen.“ „Damit nimmst Du mir ja alle Hoffnung auf Gegenliebe.“ „Nicht doch; die Wirklichkeit ist nur sehr verschieden von der Vorstellung, die ein solcher Kindeskopf wie der Deine sich vom Leben macht. Die Männer von heute,“ fügte sie mer leitem senszer hinm „sind keine Romanhelden, vielleicht gab es deren auch früher weniger, als wir uns einbilden. Daß Du dem jungen Winterfelt gefällst, unterliegt wohl kaum einem Zweisel— aber einem Menschen, dessen Vernunft normal organisiert ist, gefallen in dieser Welt so viele gute und schöne Dinge, ohne daß er den Drang in sich verspürt, sie sein nennen zu wollen. Der jüngste Buchhalter von Forstenberg u. Söhne kann sich nicht sofort einfallen lassen, um die Tochter seines Prinzipals zu werben und wenn er sie immerhin aus dem Canal grande gezogen und sich dabei einen Schnupfen geholt hat.“ „Wie prosaisch das klingt,“ schmollte Gusti.„Sieh, Mama, wenn Ulrich auch nicht den Mut hätte, sich um mich zu bewerben, so könnte ihn doch nichts abhalten, mich zu lieben.“ „Sicher nicht, dazu ist er eben zu verünftig.“ „Ich hasse dieses Vernünfteln bei Gefühlssachen!" rief Gusti erregt. „Daran tust Du sehr unrecht, Kind— das Gegenteil kann oft verhängnisvoll werden.“ Frau Katharina blickte starr vor sich hin, es war, als weilten ihre Gedanken fernab vom Gegenstande der Unterhaltung, doch das junge Mädchen rief sie bald wieder in die Gegenwart zurück. „Sprich weiter, Mama— bitte, denn ich habe das Vertrauen, daß Du mir zu meinem Glücke verhelfen wirst.“ „Vorläufig verstehst Du unter„Glück“ eine Ehe mit Ulrich Winterfelt— nicht so?“ „Jetzt und immer!“ rief Gusti feurig. „Nun— wenn es Rosen sind, werden sie blühen, sagt ein italienisches Sprichtvort, ich kann aber nicht unterlassen, Dir mitzuteilen, daß Dein Vater und ich andere Pläne für Deine Zukunft hatten.“ „Edi sprach mir davon— Theobald Sanders, nicht wahr?“ „Ja, Theobald liebt Dich.“ „Der Aermste, ich habe leider in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes in Venedig bemerken müssen, daß dem so ist. Aber ich mag ihn nicht, Mama.“ „Würdest Du auch so gesprochen haben, wenn die Neigung für Ulrich Wintersel; nicht Besitz von Deinem Herzen genommen hätte?“ * Allgemeine Mittwoch, den 29. April 1908. Deutscher Reichstag. (Telegraphischer Bericht.) Berlin, 28. April. Am Bundesratstische: Kommissare. Der Präsident eröffnet die Sitzung 2 Uhr 15 Minuten und teilt das AAbleben des Abgeordneten Zindler(kons.) mit, dessen Andenken das Haus in der üblichen Weise ehrt. Auf der Tagesoibnung stehen Berichte der Petitionskommissionen. Auf den Vorschlag des Präsidenten werden diejenigen Petitionen erledigt, zu denen keine Meldungen zum Wort vorliegen. Die Petition betreffend die Aenderung des Münzgesetzes wird auf den Antrag des Abg. Bassermann in Verbindung mit der Berarung der Münznopesse erjedig werden. Die Petitionen beiref#end Stempelabgaben auf Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge wird mit dem Automobilgesetz beraten werden. Ueber die PPetition wegen Abänderung oder Aufhebung des§ 175 des Str.=G.=B. sollte nach dem Kommissionsantrag zur Tagesordnung übergegangen werden. Hierzu schlug die Pensionskommission eine Resolution vor, die Zivil- und Militärbehörden anzuweisen, der bestehenden Gesetzesvorschrift ohne Ansehen der Person Geltung zu verschoffen, ferner dem Reichstage eine Vorlage zur Abänderung des Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes zugehen zu lassen, welche die Ausnutzung eines vorhandenen Verhätnisses zu unsittlichen Zwecken unter eine erhöhte Strafe stellt und das Schutzalter auf 18 Jahre erhöht. Kommissionsanträge wurden debattelos angenommen. Als Material überwiesen wurde u. a. eine wirteverbardes betressend Glücksspiele und ein Erlaß eines Unfall=Fürsorgegesetzes für Feuerwehrleute. Die Petition der Deutschen Friedensgesellschaft und ihrer 30 Ortsgruppen betr. die 2. Haazer Friedenskonferenz wurde dem Reichskanzler zur Kenntnisnahme überwiesen. Die Petition des Vereins Kaufmännischer Warenagenten Mannheims dem§ 91 des Handelsgesetzbuches einen Zusatz zu geben, daß die Geschästsführer verpflichtet sein sollen, im Falle eines Rechtsstreites die Geschäftsbücher vorzulegen, sowie die Petition der Hanalskammer urnsberg, denselben Paragraphen betreffend ###irde, nadddem der Abgeordnete Lehmann die Berechtigung der Wünsche der Kaufmännischen Handelsagenten anerkannt hatte, dem Reichskangzler#s Material überwiesen. Die Petition des Verbandes Deutscher Chorsänger, welche verlangt, die Chorfänger und Chorsängerinnen deutscher Bühnen den Inruliditäts, Alters= und Krankenversicherungsgesetzen zu unterstellen, wurde, nachdem der Abg. Pfeiffer(Zentr.) nachgewiesen hatte, daß in Berlin Gagen von 35 und 40 Mark vorkommen, fhört, hört dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Zu der Petition der christlichen Bergarbeiter der Bergvereine Elhaß=Lothringens liegt zu§ 142 des neuen Knappschaftsstatuts ein Antrag des Zentrums vor, den Bundesrat zu ersuchen, bei Einführung der neuen Knappschaftsstatuten demselben rückwirkende Kraft, vor allem Die Petition des Gasteine Petition betr. den heblicher Debatte die Petition nach dem Kommissionsantrage zur Berücksichtigung überwiesen. Die Anträge Will und Sachse wurden angenommen. Darauf trat Vertagung an. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Kleinere Vorlagen, darnnter Hilfsarbeirer im Patentamte, Unterstützungswohnsitz, Vogerschutz, Maß- und Gewichtsordnung. Schluß halb 7 Uhr. Lokale Nachrichten. Gelsenkirchen, den 29. April 1908. ** Der Basar des Vaterländischen Frauenvereins des Stadt= und Landkreises Geisenkirchen, der vom 14. bis 17. Mai in der Stadthalle beichistältet#wild, versprichi etwas ganz Heivorragendes zu werden und wird eine bedeutende Anziehungskraft ohne Zweifel auf Jung und Alt ausüben. Tag für Tag regen sich viele, viele fleißige Hände, um zu ammeln, zu arbeiten, zu ordnen.„Für wen mühen sie sich alle, und ür wen werden wir später freudig unser Scherflein opfern?“ so fragt ich mancher. Betrachten wir die Aushänge in den Straßenbahnwagen und in den Wirtschaften! Zur Linderung der Not in den hilfsbedürftigen Familien des Stadt= und Landkreises Gelsenkirchen ist der Reinerlös bestimmt. auswärts stattfindenden Verbandstage wurden die Bäckermeister' Bereßen, Fischer, Neermann und Rose gewählt. Auf eine Anfrage des Regierungspräsidenten betreffend Mindestruhezeit im Konditorgewerbe und Freigabe der Stunden während des Gottesdienstes an die Gesellen im Bäckergewerbe wurde beschlossen, dem Gesellen an jedem 3. Sonntag die Zeit während des Vormittags=Gottesdienstes frei zu geben. Hierbei wurde bemerkt, daß den meisten Gesellen immer Gelegenheit geboten worden sei, ihren religiösen Pflichten am Sonntag nachzukommen, ohne daß es einer besonderen Beschlußfassung bedurft hätte. Bezüglich der Antrage der Handwerkskammer Dortmund betreffend die neue Polizeiverordnung im Bäckereibetriebe soll das Weitere veranlaßt weiden. Nach einigen weiteren Mitteilungen wurde die Versammlung geschlossen. ** Das Edison=Theater in der Bahnhofstraße zeigt seinen Besuhern in dieser Woche ein richt interessantes Programm: Romeo und Julia; Wo ist mein Mittagessen?; Ein kleiner kühner Retter; Itolienische Riviera: Zauberkraft der Guitarre; Scheiden wir uns; Die Tomaten; In Sizilien; Abenteuer eines Bauern. Wohl jeder wird eine angenehme Stunde in dem Theater verbringen. ** Der Deutsche Sprachverein veranstaltet am nächsten Donnerstag einen Vortragsabend im„Monopol“, wo Herr Kreisschulinspektor Werner über„Hessische Sitten und Trachten“ reden wird. Eine mmt. Dieser kommt einzig und allein jenen zugute; nach höchst dankenswerte und lehrreiche Zugabe wird durch eine Reihe von wird kein Pfennig verschickt. Außer den kürzlich namhaft naturwahren Abbildungen hessischer Trachten und durch Darbietung hessischer Volkslieder gebracht. gische zuf riedenheit sehr groß. Der Bundesratsbevollmächtigte für Elsaß=Lothringen, Halley, erklärt, die reichsländische Regierung holbe das ihrige getan trotz des Wiberstondes eines Teiles der Grubeübesitzer, um das, was in dem Zentrumsantrag vorgesehen, zu erreichen. Zu zwingen seien die Grubenbesitzer nicht, dem Statut eine rückwirkende Kraft zu geben. Einem Statut, welches keine ungesetzlichen Bestimmungen enthalte, lönnten die Behörden ihre Genehmigung nicht versagen, und das Statut der elsaß=lothringischen Knappschaftsvereine enthalte keine ungesetzlichen Bestimmungen. Abg. Behrens(wir Regierung im Berrwesen wirtsch. Vog.] meint, wenn die reichsländische #esen unabhängig von Preußen vorgegangen sei, so sei sie zum Nachreil der Arbeiter vorgegangen. Die Bergleute seien durch das Vorgehen der reichsländischen Regierung insofern geschädigt, als sie seit 25 Jahren um den Knappschaftsverein gekommen seien und jetzt keine Renten bezögen, ferner dadurch, daß die Regierung die Errichtung gesonderter Knappschaftsvereine für einzelne Berewerke zwließ. Es sei eine Eingabe an die Landesregierung imgange, die die Zulassung der Sprachenfreiheit erbitte. Er bitte die reichslärdischen Abgeordneten im Landesausschuß diese Eingabe zu unterstützen. Abg. Errsberger(Zentr.) wies die Angriffe des Abg. Emme. (Soz.) gegen die christlichen Gewerkvereine zurück. Wenn der Landdesantchuß die Schäden seiner bisherigen Handhabung des reichslä. edischen Berggesetzes nicht repariere, so sehe die Zentrumspartei die reichsgesetzliche Regelung vor. Die reichsländische Regierung habe sich bbemüht, gewisse Arbeitgeber gefügig zu machen, damit sie für den § 7 des Vereinsgesetzes stimmten. Der Abg. Wetterle hat dies aufgédeckt. Abg. Will=Straßburg(Zentr.) warf der Landesregierung vor, sie habe das Vereins= und Preßgesetz des Reichslandes zwar verbessert, jedoch stets mit dem Argwohn, daß die Arbeiter von dem Machtzuwachs einen ungeeigneten Gebrauch machen. Ganz anders hat sich die Verwaltung verhalten, wenn es sich um die Berücksichtigung von Wünschen der Arbeitgeber handelte. Jetzt zeigt es sich auch, daß ber§ 7 des Vereinsgesetzes erst auf die Anstiftung derselben ins Gesetz hineingekommen, sei. Abg. Sachse(Soz.) erklärt, seine Partei beantrage die Ergänzung dos Kommissionsantrages dahin, für die Knappschaftskasse die geheime Vertreterwahl vorzuschreiben. Im Landesausschuß wäre vieles anders gewesen, wenn auch nur eine kleine sozialdemokratische Gruppe sich darin 5 Es folgen persönliche Auseinandersetzungen zwischen den Abgg. Emmel(C g.) und Behrens(wirtsch. Vag.], wobei letzterer den Sozialbemokraten persönliche Zänkereien vorwarf. ge"M.„„ zg„— ulg. Ofevorks(Hentih enbahnte. un werkschaften hätten in Lothringen mit Schwierig gar von seiten der Geistlichen. Nachdem der Abn. Eraberger erklärt hatte, daß auch er für den sozichldemokratischen Antrag stimme, wurde nach weiterer unerF P oie christrichen Grr keiten zu kämpfen, so„Wohl möglich, Theobald hat so wenig Bestechendes—“ „Ach, Kind, in der Ehe ist es wahrlich kein Glück, wenn der Mann durch ein schönes Aeußere und glänzende Eigenschaften eine Rolle in der Gesellschaft spielt.“ „Das ist doch eine zu weit gehende Sorge— wir haben ja in unserer Familie ein glänzendes Reispiel für das Gegenteil. Ist Papa nicht noch jetzt em schöner Mann, der in der Gesellschaft geschätzt und geliebt ist und wie glücklich ist Eure Ehe, wie stoltz muß es Dich gemacht haben, Mama, daß man Dir den Gatten beneidete. Mein Wunsch wäre es, daß alle sich sterblich in meinen Mann verliebten, mir würde das noch mehr schmeicheln, als machte man mir den Hof.“ „Du weißt wirklich nicht, wie töricht der Wunsch ist, den Du da socben geäußert,“ entgegnete Frau Forstenberg. Ihr Antlitz hatte sich dabei so verdüstert, sah so kummervoll aus, daß Gusti betroffen schwieg; sie mochte ahnen, daß auch manches dunkle Blatt in der Ehegeschichte der Mutter vorgekommen. Eine kleine Pause entstand, die Gusti endlich unterbrach, indem sie schmeichelnd sagte: „Schau, liebe Mama, meine ganze Hoffnung beruht auf dem großen Einfluß, den Du auf Papas Entschließungen übst. Du kannst Dir denken, welch ein Donnerschlag es für mich war, als Papa vorhin uns verkündete, er wolle 1 das ware so gin, als hätte ich ihn verloren. „Bist Du seiner Neigung so wenig sicher?" warf Katharina ein. „Wie hätte er es wagen können, unter den obwaltenden Verhältnissen mir seine Liebe offen zu bekennen?“ „Wohl wahr, aber es gibt allerlei kleine, aber sichere Anzeichen, und namentlich wir Frauen irren selten, wenn as sich darum handelt, die Gefühle eines Anbeters zu ergründen.“ (Fortsetzung folgt.) Ulrich Winterfelt nach Pest schicken— ihn gemachten Veranstaltungen des Basars möchten wir noch auf eine Verlosung aufmerksam machen, die sicherlich sich einer besonderen Beliebtheit erfreuen wird. Für diesen Zweck ist von der hohen Schirmherrin der Vaterländischen Frauenvereine, der Kaiserin, ein Bild eingetroffen, das sich unter den Gewinnen als Hauptnummer befinden num urs ist ein Kunsthlatt nan dem- Diifsolborias Danfi àu. 75 „„„ nrises Aunf— PiS. Achenbach, der(geb. 1827) sich hauptsächlich durch seine italienischen Gemälde einen berühmten Namen verschafft hat. Das Bild„Der Strand von Ischia“, stellt im Vordergrunde am Meeresufer eine interessante Gruppe von Personen dar, an der rechten Seite zicht sich ein Wald hin, über dessen Wipfel Gebäude malerisch emporragen; über das Meer hin erblickt man in der Ferne den Vesuv. Mit dem breiten schwarzen Rahmen, in den eine Goldleiste eingelassen ist, beträgt die Größe 80X90 Zentimeter. ** Der sozialdemokratische Landtagskandidat. Wie das Bochumer „Volksblatt“ meldet, hat die sozialdemokratische Partei für den Wahlkreis Gelsenkirchen den Abgeordneten Sachse ausgestellt. m. Zur großen Armee abberufen. Ein alter Kriegsveteran, der an dem Feldzug 1870/71 teilgenommen hatte, Herr Heinrich Linnemann, hier, Josefsstraße b. wurde gestern zur letzten Ruhe bestattet. W. Unterbrochener Straßenbahnverkehr. Wegen Neuverlegen der Schienen des Eisenbahnanschlusses der Zeche Rhein=Elbe an der Bochumerstraße ist der Straßenbahnverkehr unterbrochen. In. Verschwundenes Kind. Das 8jährige Söhnchen der Eheleute Bruno Seroczynski, Grabenstraße 17, ist seit einigen Tagen verschwunden. Der Knabe trug einen dunkelblauen Anzug, eine blaue Mütze, schwarze Schuhe und schwarze Strümpfe. ** Gründung eines Deutschen Handwerkerbundes. Vorgestern wurde in Dortmund ein Deutscher Handwerkerbund, der sich über ganz Deutschland erstrecken soll, gegründet. Die Vereinigung, der die Vertreter des westfälischen, rheinischen, hannoverschen und sächsischen Bundes beitraten, umfaßt das frei= und in Innungsverbänden organisierte Handwerk. Es wurde ein Zentralausschuß gebildet, der die weitere Werbetätigkeit und Festigung des Handwerks betreiben soll. ** Auszahlung der Teuerungszulagen. Die Auszahlung der vom Landtage bewilligten preußischen Teuerungszulagen wird im Laufe dieser Woche geschehen, soweit eine Auszahlung noch nicht stattgefunden hat. Das Finanzministerium hat an alle Provinzialbehörden die Anweisungen ergehen lassen. ** Geschlossene städtische Bureaus. Von Donnerstag den 30. d. M. bis einschließlich Samstog den 2. Mai d. J. sind die Buchhaltereten 4 bis 6 der Steuerkasse(Stadtbezirke Ueckendorf, Bulmke, Alt= und Neustadt), sowie das Vollziehungsamt für den öffentlichen Verkehr wegen Ausführung von Bauarbeiten geschlossen.(Siehe auch die amlliche Bekanntmachung in der heutigen Nummer.) R. Essener Schwurgericht vom 28. April. Straßenraub ist das Verbrechen, mit dem sich heute die Geschworenen zu beschäftigen haben. Anceklagt deswegen sind die Fabrikarbeiter Wilhelm Scharnowski und Wilhelm Puschewski aus Gelsenkirchen, zwei junge Leute, die bisher mu#em nr.. flikt gekommen sind. Am Abend des 15. September v. J. befanden sich die Angeklagten in der Besperschen Wirtschaft in der Herdstraße in Gelsenkirchen, wo sie mit dem Bergmann August Niedrig und dem Arbeiter Friedrich Freising bekannt wurden und gemeinsam miteinander plauderten und zechten. Zwischen 11 und 12 Uhr verließen alle die Wirtschaft und zwar in der Reihenfolge, daß Niedrig und Freising vorangingen und die beiden Angeklagten ihnen folgten. Auf der zweitletzten Stufe der vor der Wirtschaft befindlichen Treppe kamen die angetrunkenen Niedrig und Freising zu Fall, fielen auf das Trottoir und wurden von den beiden Angeklagten aufgehoben, wobei sich Scharnowski um Niedrig und Puschewski um Freising bemühte. Während Freising hierauf allein nach Hause ging, wurde der am schwersten angetrunkene Niedrig von Scharnowski eine Strecke seines Weges fortgeführt, stürzte aber wiederholt zur Erde und wurde schließlich von Scharnowski liegen gelassen. In dieser Lage fand ihn ein Anwohner der Grillostraße, der Niedrig kannte und nach Hause brachte. Noch in der Nacht stellte Niedrig fest, daß ihm sein Portemonnaie mit einem Inhalt von etwa 33 Mark abhanden gekommen war, dessen Verschwinden er auf Beraubung durch Scharnowski zurückführie. Ais daher am anderen Morgen Freising zu ihm kam und dieser ihm mitteilte, daß der zweite Angeklagte, Puschewski, versucht habe, ihm seine Taschenuhr nebst Kette in dem Augenblick wegzunehmen, als Puschewski ihn vor der Vesperschen Wirtschaft habe vom Boden aufheben wollen, wurde gegen Scharnowski und Puschewski Anzeige erstattel, die die heutige Anklage zur Folge gehabt hat. Beide werden des vollendeten und des versuchten Straßenraubes beschuldigt, jedoch bestreiten sie mit Entschiedenheit die ihnen zur Last gelegten erbrechen. Die Geschworenen verneinten nach kurzer Beratung, dem Antrage des Verteidigers entsprechend, sowohl die Hauptfrage, als die nach Diebstahl bezw. Diebstahlsversuch gestellte Hilfsfrage, worauf die Angeklagten sreigesprochen wurden. Ein ungeirener Kostgänger. Der Bemmann Orianäki non der König Wilhelmstraße hatte plötzlich sein Logis verlassen und wollte unter Zurücklassung einer größeren Kost= und Logisschuld Gelsenkirchen den Rücken kehren, als er am Hauptbahnhof von der Polizei verhaftet wurde. Seine Kostfrau, die von der heimlichen Abreise ihres Schuldners Kenntnis erhalten hatte, war ihm bis zur Bahn gefolgt und hatte dier veranlaßt, daß der Betruger verhaftet wutde. □) Wegen Straßenraubes und weil sie den hinzukommenden Polizeisergegnten tätlich angegriffen und durch Messerstiche verletzt hatten, wurden die Bergleate Beine, Viktoriastraße 44, und Uhlenbruch, Gewerkenstraße, gestern festgenommen. X Ueberfahren wurde am Montag nachm. auf dem Bahnhofs. vorplatz ein Herr, der an der Haltestrür der elektrischen Straßenbahn einem übermäßig schnell fahrenden Radfahrer ausweichen wollte, von einem ebenfalls sehr schnell fahrenden Kutschwagen. Da kein Schutzmann zur Stelle war und die umstehenden Zivilpersonen nicht sofort eingriffen, gelang es dem schuldigen Radfahrer, zu entkommen. Der Ueberfahrene erlitt eine blutende Wunde am Hinterkopf. Aus dem Tandkreise Gelsenkirchen. Stadt und Amt Wattenscheid. &a Watter 2/#id, 88. April. In der gestrigen Nacht wurden den hier Freiheitstraße Nr. 22 wohnhaften Bergleuten Anton K. und Julius S. Geldbeträge von 5 bezw. 95 Mk. entwendet. Ersterer hatte das Geld in der Tasche seines im unverschlossenen Zimmer hängenden Ueberziehers und letzterer in seinem offenen Koffer verwahrt. Dem Täter ist man auf der Spur.— In der vergangenen Nacht drangen Diebe in den Keller der Kolonialwarenhändlerin Wwe. W., Günnigfelderstraße, nachdem sie das Türschloß gewaltsam erbrochen hatten, und entwendeten 20 Pfund Butter und einen Holländer Käse. Die .— Die bei der vorletzten und Sch. wurden em sind ihnen auch die recht erheblichen Untersuchungskosten auferlegt worden. Das konnte Sch. aber nicht abhalten, am Samstag vor Ostern wiederum gewässerte Milch feilzuhalten, weshalb er sich nunmehr auf eine exemplarische Strafe gefaßt machen kann.— Auf einer hiesigen Zeche enspann sich vorgestern mittag gegen 1½ Uhr in der Waschkaue zwischen den Bergleuten Johann Scho. und Wilhelm Schi. ein Wortstreit, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Scho. zog sein Taschenmesser und versetzte seinem Gegner 6 Stiche in die Oberarme, Brust und das linke Bein. Der schwerverletzte Schi. mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben, wo ihm die Stichwunden zugenäht wurden. Dem rohen Täter gebührt ein gründlicher Denkzettel.— Recht unerquick. liche Verhältnisse bestehen in der Familie des Schlossers Peter W. in der Weststraße. Heute früh gegen 4 Uhr bedrohte er seine Frau mit Halsabschneiden und jagte sie auf die Straße, sodaß sie bei einem in der Nähe wohnenden Gendarmeriewachtmeister Schutz suchen mußte. Der galanie Ehemann wird sich, da die Sache angezeigt worden ist, demnächst vor Gericht zu verantworten haben. W. Wattenscheid, 28. April. Heute vormittag um 10 Uhr scheute auf der Hüllerstraße das Pferd des Viehhändlers Makosch und rannte quer über den Bürgersteig. Durch den Wagen wurde die Haustür des Restaurants Struck vollständig zertrümmert und aus den Angeln gerissen.— Der berittene Gendarmerie=Wachtmeister Hargert aus Höntrop wird am hiesigen Kaiserl. Postamt vom 1. Mai ab als Postanwärter beschäftigt werden.— Der Postschaffner Löbbert hierselbst ist zum 1. Mai an das Kaiserl. Postamt in Amsberg versetzt. B. Wattenscheid, 28. April. Am Sonntag nachm. hatten sich im Restaurant Küpper die ehemaligen 56er zusammengefunden, um zur Beteiligung am Regimentsjubiläum 1909 in Wesel Vorbereitungen zu treffen. Die Beteiligung wird jedenfalls eine große werden, da bereits ca. 60 Kameraden sich zur Teilnahme erklärten. Die Verhandlungen leitete Restaurateur Wilhelm Küpper. Dieser erstattete ein mit großem Interesse verfolgtes Referat über die Gedächtnisfeier am 2. Ostertage auf dem Bilker Friedhose in Düsseldorf aus Anlaß des 10jährigen Todestages des früheren Ehrenvorsitzenden des Düsseldorfer Kreiskriegerverbandes und des Verbandes der ehemaligen 56er von Rheinland und Westfalen, des Generalleutnants von Monbart, an der Kamerad Küpper als Delegierter teilnahm. ** Wattenscheid, 28. April. Das Amt Wattenscheid ist für die Landtagswahl in 17 Bezirke eingeteilt worden und zwar entfallen auf Günnigfeld 5, Höntrop 4, Leythe 1, Westenfeld 8, Sevinghausen 1, Eppendorf und Munscheid 3. B. Wattenscheid, 28. April. Die erfolgte Beförderung des Polizeisergeanten Kleiter zum Polizeiwachtmeister in hiesiger Stadt ist von der Regierung genehmigt worden. ** Wattenscheid, 28. April. In der Sitzung der Bäckerinnung brachte der Obermeister ein Uebereinkommen sämtlicher Bäckermeister in Stadt und Amt Wattenscheid zur Kenntnis, wonach den Konsumvereinen ein Rabatt von höchstens 10 Prozent auf Backwaren eingeräumt werden darf. Für den Verbandstag wurden als Delegierte gewählt die Herren Streier, Lückheide und Niemann.— Uebermütige Burschen warfen in der Nacht von Sonntag auf Montag an dem Hause des Lwisuwiserretäts Krengel an der Kaiserstraße mehrere Fensterscheiben ein. B. Günnigfeld, 28. April. Zum stellvertretenden Gemeindevorsteher ist auf 6 Jahre Herr Rentner August Zimmermann gewählt und vom Amtmann Emisch bestätigt worden. Westenfeld, 28. April. Die neue Schule im Vogelspott ist nunmehr in Benutzung genommen. Als Rektor ist Lehrer Plitt von hier ernannt worden, der seinen neuen Wirkungskreis gestern übernahm. — Die neuerrichtete Gemeindewirtschaft in Leythe soll verpachtet werden. Bewerbungsschreiben sind an Amtmann Emisch einzusenden. Aus der Amgegend. s. Erle=Middelich, 27. April. Hier wurde im Lokale des Wittes Ecke ein Fußballklub gegründet, zu dem sich eine Reihe Herren eineßen. Lie" tragen lie laden. Liebhaber dieses Sports werden zum Beitritt eingeVereins- und kr. Die Bäcker= und Konditer=Zwangsinnung Gelsenkirchen hielt vorgestern abend im Innungshaute iare Quartalsversammlung ab. Zunächst kvurde Bericht über das in diesem Jahre begangene Winterfest erstattet. Als Delegierte zu dem in diesem Sommer in Gütersloh s. Erle=Middelich, 27. April. Der ostpreußische evangelische Arbeiterverein hielt beim Wirt Ecke seine Versammlung ab, in der eine Reihe Punkte geschäftlichen Inhalts iyre Erledigung fanden. v. Erle=Middelich, 27. April. Am Donnerstag abend um ½8 Uhr veranstaltet der Jungfrauenverein in der Kleinkinderschule an der Weststraße eine Feier. Es sind zu dieser alle konfirmierien Mädchen und deren Mutier herzlich eingesaden. Ansprachen, Deklamationen, gemeinsame Gesänge werden abwechseln. s. Erle=Middelich, 27. April. Die Bismarckstraße ist jetzt an der einen Scite mit Kugelakazien bepflanzt. Die andere Seite mußte frei bleiben, da die elektrische Bahn dicht am Bürgersteig entlang läuft. * Buer, 27. April. Unglaubliche Ausschreitungen verübten in der Nacht zum Samstag auf der Essener= und Dorstenerstraße eine Anzahl verrohter Burschen. Nicht nur kleine Gegenstände, wie Kellergitter und Straßenschilder sielen ihrer Zerstörungswut zum Opfer, sondern auch die beiden Selterswasserbuden an der Dorstener= und Schalkexstraße wurden von der Stelle gehoben und umgeworfen. Huttrop, 28. April. Der König hat die Eingemeindung Huttrops nach Essen genehmigt. Am 29. Appil wird die offizielle Uebernahme der Gemeinde vollzogen werden.