1. Gelsenkirchener Donnerstag, den 23. Januar 1908. Amtliches Kreisblatt für den StadtGeschäftsstelle Munckelstraße 16/18(beim Amtsgericht). Geoffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. Oenterert Bezugspreis für den Monat 65 Pfa. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Uka. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16 18. Telegrammadresse: Bertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=, Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erschemt taglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Anzeiger Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. „Brot und Wahlrecht.“ * Ein heißer erbitterter Kampf ist in der Reichshauptstadt entbrannt und findet auch in der Provinz ein Echo.„Brot und Wahlrecht" ruft die Menge, ruft es laut und immer lauter, bis die sangtischen Elemente darunter nicht meyr imstande sind, Meister ihrer erregten Gefühle zu werden, und johlend auf die Straße ziehen. In blindem ungesunden Uebereifer folgen dann unüberlegte Tätlichkeiten. So haben wir es am Dienstag erlebt, daß wurende Volksmassen, aufgestachelt von halbwüchsigen notorischen Rowdies, die Hüter der Ordnung mit Steinen bewarfen und sie dadurch zum Dreinhauen mit der blanken Wajje zwangen. Man kann dies psychologisch nur verstehen, wenn man den Inhalt der Reden kennt, mit denen die Arbeitslosen in den vorausgegangenen Versammlungen abgespeist werden. Man vergesse nicht, daß Liebe und Hunger von jeher die Welt regieren. Wo Hunger und Sorge um die notdürftigste Nahrung das Handeln bestimmen, da kann mitunter auch ein ganz zahmer Mensch zur Hyäne werden. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß die jüngsten Berliner Kundgebungen mit ihrem blutigen Ausgange irgendwelche Berechtigung haben. Ja wir sind überzeugt, daß auch die besonnenen Elemente innerhalb der Sozialdemokratie mit diesem politischen Hokuspokus nicht einverstanden sind. Denn darüber muß man sich doch klar sein, daß gewaltige Zusammenrottungen und lärmende Kundgebungen auf den Straßen unter allen Umständen mit aller Macht unterdrückt werden. Auch darüber kann kein Zweifel bestehen, wer dabei den kürzeren zieht. Wer also absolut als„Märtyrer“ wegen Landfriedensbruchs auf die Anklagebank gebracht und als„Opfer der Sicherungstheorie" hinter Schloß und Riegel kommen will, der bleibe unbelehrt und sein Wille geschehe! Zur Förderung der Reform des Wahlrechts ist damit aber nichts getan. Denn man glaube doch nicht, daß derartige Kundgebungen auf Regierung und Reichstag irgend einen Eindruck machen. Auch sind dic Meinungen darüber geteilt, ob überhaupt eine Materie, wie sie die gestrige Wahlrechtsinterpellation der Sozialdemokraten darstellt, vor das Forum des Reichstags gehört. Fürst Bülow selbst ist ein Gegner dieser Auffassung und hat deshalb die Beantwortung verweiger:. Außerdem sollten die Leute, die da glauben, Grund zur Klage zu haben, doch nicht das Kind samt dem Bade ausschütten. Oder sind vielleicht die Arbeitgeber dafür verantwortlich zu machen, wenn sie infolge der sinlenden Konjunktur, des flauen Geschäftsganges und anderer Umstände wegen gezwungen sind, einen Teil der Arbeitskräfte entlassen. Zahlen sie doch dabei die Zeche in höherem Maße als die Arbeitnehmer. Und was die Aenderung des preußischen Wahlrechts betrifft, so sind doch eigentlich die Anhänger aller Parteien— von der extremen Rechten abgesehen— darüber einig, daß dieses elendeste aller Wahlsysteme je eher, je besser fallen soll. Aber Politik bleibt auch heute noch, wie zu Bismarcks Zeiten, die Kunst des Erreichbaren. Das muß man sich vergegenwärtigen, selbst wenn man im Prinzip für Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen und von der Wahlrechtserklärung des Fürsten Bülow im Preußischen Abgeordnetenhaus nicht völlig befriedigt ist. Gestern konnte es sich übrigens im Reichstag nur um eine platonische Kundgebung handeln, da bekanntlich eine Abstimmung über Interpellationen nicht stattfindet. Auch sind die Interpellanten nicht auf ihre Rechnung gekommen, sofern ihnen nicht der agieatorische Zweck die Hauptfache war. Aber selbst dieser cheint, so weit eine eindrucksvolle Kundgebung auf den Straßen gevient war, mißlungen zu sein. Wenigstens war bis gestern abend, da diese Zeilen in den Druck gelangten, hiervon in der Provinz nichts bekannt. Es wäre dies insofern erfreulich, als hierin ein Sieg der besonnenen Elemente zu erblicken wäre, die der vom„Vorwärts“ ausgegebenen Losung, das allgemeine Wahlrecht auf der Straße zu erebern, keine Zolge leisteten. Charakterisiert man demnach den gestrigen Tag, so kann man auf ihn das Wort„viel Geschrei und wenig Wolle“ anwenden. * Berlin, 22. Jan.(Priv.=Tel.) Der Polizeipräsident hatte heute wirksame Maßnahmen getroffen, um Zusammenrottungen und Szenen, wie sie sich gestern in der Nähe des Reichstagsgebäudes abgespielt haben, während der Verhandlungen über die Wahlrechtsinterpellation unmöglich zu machen. Im weiten Umkreise ist das Reichstagsgebäude von Polizei umstellt. Schon um 8 Uhr wurden die Zufahrtsstraßen von einzelnen Posten und Schutzmannstruppen besetzt. Von Stunde zu Stunde trafen Verstärkungen ein und von allen Richtungen nahten stärkere Kommandos beritteuer Schutzleute. In der neunten Stundc zog von Moabit kommend eine Rotte von etwa 20 halbwüchsigen Burschen an den Schutzmanusposten vorbei nach dem Königsplatz zu, leisteten aber der Aufforderung, weiter zu gehen, Folge. Der Verkehr wurde in keiner Weise behindert. Die Zugänge zum Portal 5 am Reichstagsufer, wo sich der Kartenschalter und die Wartehalle für den Verkehr mit den Abgeordneten befindet, waren für das anständig gekleidete Publikum geöffnet. Eine Tafel vor dem Portal machte jedoch bekannt, daß sämtliche Karten ausverkauft seien. Die Kartenkontrolle wird streng durchgeführ * Die Wohlrechtsinterpellation im Reichstag. (Telegraphischer Bericht.) ** Berlin, 22. Januar. Am Bundesratstische: Fürst Bülow, die Staatssekretäre v. Bethmann=Hollweg und v. Schoen, v. Loebell und viele Kommissare. In der Hofloge wohnt Generalfeldmarschall Graf Hahnke den Verhandiungen bei. Das Haus ist gut besucht. Die Tribünen sind überfüllt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Sozialdemokrasen über die Einführung des Reichstagswahlrecht# in den Bundesstaaten. Auf Befragen des Präsidenten, ob die Regierung zur Beantwortung der Interpellation bereit sei, erhebt sich der Reicsranzler und gibt folgende Erklärung ab: „Ichlehne es ab, auf die Verhandlungen Abei die Gestaltung des Landtagswahlrechts in Preußen einzugehen(Lebhafter Beifau rechts), da dieser Gegenstand allein zur Zuständigkeit der gesetzgebenden Organe Preußens gehört und eine innere Angelegenheit des Pleußischen Staates darstellt.“(Wiederholter Beifall rechts— Widersoruch, Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten). Zum zweiten Teil der Interpellation, ob der Reichskanzler es billige, daß am 12. Januar zum Zwecke eines etwaigen Eingreifens das Militär in den Kasernen konsigniert war, erklärt Reichskanzler Fürst Bülow weiter: „Auf Grund der landesrechtlichen Befugnisse sind von der Berliner Polizei am 12. Januar diejenigen Maßregeln ergriffen worden, welche erforderlich waren, um die Ausschreitungen auf den Straßen abzuwehren. Insowelt Truppenteile in den Kasernen zusammengehalten wurden, ist dies in Ausübung der militärischen Kommandogewalt geschehen, um jeder Aufforderung zum Schutze der gesetzlichen Ordnung ohne Verzug genügen zu können.“(Lebhafter Beifall rechts— Widerspruch bei den Sozialdemokraten.)„Ich muß hiernach die Beantwortung der Interpellation ablehnen. Es ist gestern neuerdings zu Zusammenstößen zwischen einer demonstrierenden Menge und der Polizei gekommen. Dabei mußte wieder von der Waffe Gebrauch gemacht werden.(Zwischenrufe: Pfui!) Gegenüber diesen Vorgängen habe ich das Bedürfnie, von dieser Stelle aus unabhängig von der Interpellation, als Reichskanzler ein Wort ernster Mahnung in das Land hinauszusenden.(Beifall rechts— Fortdauernder Lärm bei den Soz.) Es ist nicht deutsche Art(Lärm bei den Soz.), die Politik auf die Straße zu tragen. Die Parteien bedürfen nicht des Straßentumultes, um ihre Stimmen vernehmen zu lassen.(Lebh. Zustimmung rechts— Widerspruch bei den Soz.] Die Straße gehört dem freien Verkehr. Das Gesetz und die öffentliche Ordnung als das Höhere anzuerkennen und zu achten, ist jeder Bürger verpflichtet. Dem Gesetz Achtung zu verschaffen, und wenn es sein muß, zu erzwingen, ist die Befugnis, wie auch die Pflicht der Behörden.(Beifall rechts.) Jeder Versuch, die Ordnung zu stören, muß zurückgewiesen werden.(Beifall rechts. Wir werden nicht dulden, daß Agitatoren Anspruch auf die Herrschaft über die Straße erheben. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß die Demonstrationen einer irregeleiteten Masse(Widerspruch bei den Soz.) einer pflichterfüllten Regierung irgendwas abtrotzen könnten.(Lebh. Beifall rechts). Das wird in Deutschland nie und nimmer der Fall sein. (Wiederh. lebh. Beifall rechts). Ich habe die Zuversicht, daß alle bürgerlichen Parteien einmütig ein werden in der Verurteilung und Zurückweisung dieses gefährlichen Unfugs.(Lachen bei den Soz.— Anhaltende Bewegung.) Die sozialdemokratische Partei hat mit der Demonstration am 12. Januar die abschüssige Bahn betreten. Ich warne sie, diese Bahn weiter zu verfolgen und richte namentlich an die Arbeiterbevölkerung die ernste und aus wohlmeinendem Herzen kommende Mahnung, nicht vom Wege des Gesetzes und der Ordnung sich abdrängen zu lassen und nicht für Parteifanatiker und Hetzer ihre eigene Haut zum Markie zu tragen. Die Verantwortung für die Folgen wurden nicht die Behörden tragen. sondern die Anstifter und Verführer.(Stürmischer Beifall rechts.) Sämtliche Mitglieder des Bundesrates verlassen den Saal. Abg. Singer(Soz.) beantragt die Besprechung der Intexpellation, worauf Bülow und die sonstigen Regierungsvertreter den Saal verlassen. Für den Antrag auf Besprechung stimmen die Sozialdemokraten, die Freisinnigen und ein Teil des Zentrums. Die Besprechung findet daher statt. Abg. Fischer(Soz.) beginnt in sehr erregter Weise, unter fortdauerndem Lärm des Hauses und während viele Mitglieder den Saal verlassen, zu sprechen, sodaß die ersten Sätze vollständig verloren gehen. Er fährt sodann fort: Von einer formellen Berechtigung, Militär in den Kasernen zu konsignieren, sprach die Interpellation mit keinem Worte. Sie fragt nur, ob der Reichslanzler die Konsignierung billige Es möge sein, daß bei den gestrigen Zusammenstößen nach Ansicht des Reichskanzlers die Polizei die Waffe gebrauchen mußte. Die Sozialdemokraten hätten nicht eine Tatsache erfahren, die dieses Vorgehen rechtfertige. Am 25. Januar und am 5. Februar 1906 seien es gerabe die Anhänger der Rechten gewesen, die die Politik auf die Straße trugen.(Großer Lärm rechts— Lebhafte Zweichenrufe und Widerspruch.) Der Kaiser habe bloß den Wunsch gehabt, er woülte mehr Volt sehen, und der Reichskanzler sitzt selbst im Glashause, denn er hade unter freiem Himmel in der Nacht eine Versammlung abgehalten, also das Gesetz gebrochen. Ueber die Mahnung des Reichskanzlers,„aus Der Gold=Trust. Internationaler Finanzroman von Oskar Hoffmann. 12(Nachdruck verboten.) „Hundert Millionen stellen für einen einzelnen Menschen ein Kapital dar, das ihn an die erste Stelle der Hochfinanz einrangiert, antwortete Viktor Emanuel. „Mit Verlaub—— wenn ich nicht irre, besitzen gewisse Rockefeller, Goulds und Astors in den amerikanischen Staaten Kapitalien.= Ich denke, daß die Milliardäre mich dann über die ansehen werden.“ „Ich meine, daß wir ihnen beizeiten ihre Geldmacht aus den Handen reißen... sie werden im italienischen Goldstrom rettungslos uniergehen.—— Sie werden einzig als Großkapitalist dastehen. Wassilowitsch schien der Ideengang des jungen Monarchen nicht zu imponieren, er hatte sich den Verlauf der ganzen Sache im wesentlichen anders vorgestellt. „Ew. Majestät wollen mir verzeihen, wenn ich hier dem Gedanken Ausdruck verleihe, daß es in meiner Absicht steht, meine Erfindung seder zu veräußern noch im Rezept zu verraten,“ sagte Wassilowitsch und ließ seine Augen im Kreise der Anwesenden herumschweifen, um vie Virkung seiner Worte auf den Gesichtern der hohen Würdenträger im voraus abzulesen. Die Minister tuschelten jetzt mit vielsagenden Mienen untereinander, und der König tauschte mit ihnen Blicke aus, in denen sich Ueberraschung mit Unmut paarten. „Lieber Zanelli,“ wendete sich Viktor Emanuel an seinen Kanzler. Wie hätten wir uns in diesem Falle zu Signor Wassilowitsch und seiner Sache zu stellen?— Es ist doch wohl auch dieser Fall bei Eroricrung der Angelegenheit in Betracht gezogen worden Der oberste Berater der Krone verfärbte sich etwas. Diese AusUntung des Russen hatte in Kabinettsberatungen nicht den unmittelaren Gegenstand einer Erörterung gebildet. Deshalb wußte er nun nicht recht, wie er der Majestät gegenüber seine Antwort formulieren üle, so daß sie auch Wassilowitsch hinreichend belehrte, welche Maßregelungen er solchen Falles seitens der Regierung des Landes zu erwarten habe, innerhalb dessen Grenzen er sich befand. „Ew. Majcstät wollen dann geruhen zu befehlen, daß das Minirium nach Gutdünken Schritte tue.“ „Signor Wassilowitsch, wenn Sie auf einem Standpunkt uns gegenüber verharren sollten, der keine Einigung zwischen uns aufkemmen lätt, so müßte ich die Sache zur Regelung meinem Ministertum überlassen, und es könnte dann leichthin geschehen, daß die Dinge eine für Sie unliebsame Wendung nehmen.—— Dies wollen Sie doch nicht außer acht lassen. Stoßen Sie nicht glänzende Anerbieten zurück, um sie nachher mit bitteren Folgen zu vertauschen. Wir boten Ihnen hundert Millionen Lire... ich stehe sogar nicht an, Sie in den Grafenstand zu erheben... ich bin sogar bereit, Ihnen den Fürstentitel zu verleihen. Ueberlegen Sie es sich, schlagen Sie das Anerbieten nicht aus. Es könnte Sie gewaltig reuen.“ Der König hatte sich in Eifer und Erregung hineingesprochen. Er mochte wohl allmählich eingesehen haben, daß er die Zügel halten müsse, wenn es nicht sein und seiner Dynastie Untergang einst werden sollte. Wassilowitsch hatte die Rede des Monarchen ohne Wimperzucken angehört. Nur bei der in Aussicht gestellten Verleihung des Fürstentitels schien seine bisherige Gelassenheit zu schwinden. Seine tiefliegenden Augen leuchteten, und über das Gesicht glitt ein Strahl helister Freude, der fast einer Verzückung ähnelte. „Ewv. Mojestät haben die große Gnade und gewähren mir eine Bedenkreit," sagte der Bucklige. „Bedenkzeit... hm... Können wir diesem Wunsch entsprechen?“ frug Viktor Emannel seine Minister. „Jeder Tag ist kostbar,“ meinte Bofferio und zuckte mit den Achseln. „Die Entscheidung muß diese Stunde bringen,“ versetzte Farini. „Kein Aufschub, Ew. Majestät...“ ließ sich Settembrini hören. „Bedenkzeit! Nein... Wer weiß, was schon die nächste Stunde uns schwarz verschleiert bringen kann,“ sagte Pascarella.„In dem Heute wanden schon das Morgen.“ „Ein Fürstentum auszuschlagen, bedarf es keiner Bedenkzeit," begann Viktor Emanuel wieder zu Wassilowitsch gewendet.„Sagt Ihr nein, so stehe ich für nichts, was Euch passieren könnte. Sagt Ihr ja, so hai das Herzogtum Parma morgen einen neuen Landesfürsten.“ „Kann man mich zwingen, mein Geheimnis zu verraten,“ frug Wassilowitsch und in seinen Worten lag etwas wie Trotz gegen die Maßregelung, der er hier ohnmächtig gegenüberstand. „Die Zeiten der Inquisition sind zwar vorbei,“ antwortete der König,„doch weiß ich nicht, wie sich mein Volk dazu stellt, wenn ihm das wieder aus den Händen gerissen wird, was es schon für sich in Anspruch genommen hat.“ „So mogen sie alle tun, was ihnen beliebt... der Menschen Haß und Rache fürchte ich nicht," versetzte der Bucklige, dessen Trotz sich jetzt unverholen offenbarte. „Signo: Wassilowitsch, ich warne Sie,“ sagte der Monarch.„Vermessen Sie sich nicht, den Unwillen einer ganzen heißblütigen Nation herauszufordern.“ „Rußland wird mich schützen,“ versetzte Wassilowitsch und hoffte mit dieser Aeußerung den starren Sinn des Machthoversu Lrechen „Italier. ist groß, und der Zar weit,“ spottete der König. „Ew. Majestät wollen mir die Bedenkzeit also nicht gewähren?" „Die Gewährung des Wunsches könnte unsere Pläne vereiteln. Sie werden begreifen, daß in so wichtiger Sache, wo das Wohl und Wehe eines genzen Landes auf dem Spiele steht, der Herrscher Sorge tragen muß, daß keine Minute vergendet wird, die einen Verlust bedeuten könnte.“ „Und trotzdem möchte ich von Ew. Majestät die Gnade erbitten, mir eine vierundzwanzigstündige Frist zu gewähren. Mein Wort zum Pfande, daß Italiens Interessen von mir respektiert und gewahrt werden.“ „Gut, Signor Wassilowitsch, die Frist will ich gewähren,“ erwicerte Viktor Emanuel, nachdem er nochmals seine Minister interpelliert hatte. Der Buaktige, froh, wenigstens eine kurze Bedenkzeit zugestanden erhalten zu haben, dankte durch eine devote Verbeugung. Sc. Majestät verließ hierauf mit gnädiger Handbewegung den ** Augemeite wohlmeinendem Herzen“, müßten die Arbeiter lachen. Das sei eine Heuchelei. Auf diesen Leim kriechen die Arbeiter nicht. Präsident Graf Stolberg ruft den Redner wegen des Ausdrucks„Heuchler“ zur Ordnung. Fischer weist sodann darauf hin, daß von verschiedenen Seiten, so auch von Bismarck und Mienel daran gedacht sei, das Reichstagswahlrecht zu ändern. Freilich, ein heroischer Entschluß gehore dazu, jetzt die Aenderung des Wahlrechts zu fordern. Daß die Nationalliberalen keine Freunve des allgemeinen Wahlrechts sind, wisse man. Sie würden sich weit eher mit einem Staatsstreich befreunden, als mit dem gleichen Wahlrecht für die Arbeiter, wie es in den Versammlungen der nationalliberalen Jugendvereine ausgeführt sei. Im preußischen Land tage sitze eine Volksvertretung, die nach Bismarcks Worten dem elendesten und widersinnigsten Wahlsystem ihre Entstehung verdanse, und dieses Wahlsystem entspreche also nach Bülows Meinung dem breußischen Staatswohl. Redner verbittet sich sodann den von der Rechten gemachten Vorwurf des Terrorismus und stellt das Urteil des künftigen Bayernkönigs, Prinzen Ludwig, über das Wahlrecht den Ansichten des„modernen“ Reichskanzlers Fürsten Büsow entgegen. sten habe Zentrum tagswahlrecht öffentlich dafür zu agitieren. Es handle sich nicht um eine Parteiforgerung, sondern um das Interesse der ganzen arbeitenden Klassen. Es bleibe den Arbeitern weiter nichts übrig, als zu demonstrieren. Die Straße gehöre allen, auch den Arbeitern. Wo sei aber die Ruhe und Ordnung am 10. Januar gestört worden? Hatten die Berliner Arbeiter weniger Recht als die nationalen Handlungsgehilfen, die im Vorjahre patriotische Kundgebungen vor dem Kaiser biekten. Dem Königlichen Danke für das ruhige Verhalten der Schutzmannschaft schließe sich seine Partei an, nicht aber für das energische Vorgehen. Die Majorität des Landtages habe es in der Hand, die Demonstrationen zu beseitigen; sie möchte nur das gleiche Wahlrecht schafsen. Der Reichskanzler bezeichnete das deutsche Volt### das intelliihm denn diese Forderung?(Beifall Deutschen Reiche ihm erst bei der letzten Wahl Er sei ein Gegner des bestehenden Wahlrechtes, Am 9 chwächsich der Freisinn im Abgeordnetenhause gezeigt. Wenn da: überzeugt sei, daß auch im Preußischen Landtage das Reichsrecht eingeführt werden müsse, dann hätte es auch die Pflicht, genteste. Weshalb verweigere er bei den Sozialdemokraten: Zischen bei der Meyrheit. Redner wird nachträglich wegen des Ausdru# „Polizeiliche Insamie“ vom Pläsidenien gur Ordnung Abg. Kreth(kons.) erklärt: Die Interpellation sei weiter nichts als die Umrahmung für 50 erbärmlich ins Wasser gefallene Demonstrationen. So ruhig und imposant seien die Demonstrationen nicht gewesen. Die„Volksseele“ sei sehr umsichtig von der Sozialdemokratie zum Kochen gebracht. Dem antisemitischen Geschmack Fischers entspreche er wohl, wenn er die sozialdemokratischen Versammlungsredner nenne: Genosse Hirsch, Waldeck, Manasse, Rosenfeld. Der frühere Reichstagsabgeordnete Saber würde sagen: Das läßt tief blicken!(Sehr gut!) Ein Zusammenhang mit den Schürern der russiichen Revolution sei leicht unter diesem Namen zu konstruieren.(Ruf: Kreth ist doch auch jüdisch.)(Große Heiterkeit Kreth erwidert: Neen, Heer Singer! Diesen ebrenden Zuruf muß ich in Bescheidenheit dankend ablehnen. Gestern seien es nicht bloß Arbeitslose gewesen. Das Schwert des Geistes sei in der Rüstkammer der Sozialdemokratie nicht finden.(Zuruf rechts: Aber Ziegelsteine!]) Wie stehe es mit der harmlosen Detonation, durch die gestern beinahe ein Schutzmann im Dienste erschossen worden sei? Wo sei gestern die sozialdemokratische Intelligenz gewesen, die sonst immer das große Wort führe? Den Ehrenplatz in der ersten Reihe habe sie Unbeteiligten eingeräumt. Die Führer handelten nach dem Grundsatz: Körperliche Abwesenheit ist besser als Geistesgegenwart!(Heiterkeit.) Mit Entrüstung konsta tiere et, daß Frauen und Kinder aufgefordert sind, mit in die Versammlung zu kommen, um als Schild gegen die Polizei zu dienen.(Andauernder Lärm bei den Sozialdemokraten. Bebei droht dem Redner mit der Faust.)(Stadthagen ruft andauernd: Verleumder! Bemeiner, elender Schuft! Eine Bemerkung des Vizepräsidenten Kaempf bleibt unverständlich.) Die Behörden sollten mit aller Rücksichtslosigkeit vorgehen, damit man sehe, daß mit solchen Straßendemonstrationen nichts zu machen sei.(Lebhafter Beifall rechts: Zischen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hompesch(Zentr.) erklärt: Das Zentrum halte in Uebereinstimmung mit seiner früheren Erstärung daran fest, daß in einem Staatswesen, in dem das Grundrecht der allgemeinen Schul-, Wehrund Steuerpflicht zur Durchführung gelangt, auch das allgemeine, direkte und geneime Wahlrecht verlangt werden müsse.(Beifall im # ntzum Aba. Bassermann(natlib.) erklärt: Seine Partei halte nach wie vor an dem Reichstagswahlrecht fest. Was die Uebertragung des Reichstagswahlrechtes auf Preußen betrefse, so jehne er es ab, darüber zu debattieren und den preußischen gesetzgebenden Faktoren Vorschriften zu machen, wie sie das Landtagswahlrecht gestalten sollten. Das sei preußische Landessache.(Beifall.) Ueber die Haltung der preußichen Nationalliberalen werde demnächst ein preußischer Delegiertentaentscheiden. Württemberg verwahrte sich bei der Wahlreform gegen preußische Einmischung, ebenso dürfen sich jetzt die Suodeutschen nicht in preußische Angelggenheiten einmischen. Für das Blutvdergießen bei solchen Straßenauftäufen seien die Anstifter verantwortlich. Daß die Polizei dabei nervös werde, sei ihr nicht zu verdenken. Ein Fortschritt in der Wahlrechtsreform werde nur erzielt, wenn die Arbeiter wieder treu zu Kaiser und Reich ständen. Dann würden ihre Forderungen besser vertreten sein, als wenn sie mi: den Sozialdemofraten auf die Straße zögen. Die Maßnahmen der Polizei, die Kosignierung des Militärs billige er. Abg. Träger(freis. Gp.) erklärt das preußische Wahlsystem für mangelhaft. Das Reichstagswahlrecht haite er gegenwärtig für das vollkommenste. Der Reichskanzler sei ein Meister der Rede. Heute habe er kein versöhnendes Zitat gebraucht. Wo der Hunger anfange höre der Mannesmut auf. Deshalb müsse die Oessenklichkeit der Adstimmung beseitigt werden. Es müsse beftemden, daß der Reichskanzter das allgemeine Wahlrecht für Preußen als bedenklich ansehe, das im en Wahl so gute Dienste leistete aber auch ein Gegne: der Straßendemonstration, die nur dazu führe, die Eihführung des allgemeinen Wahlrechtes zu verhindern. Die Wahlrechtsfrage sei keine Mehrheitsfrage, sie hänge von den Verhältnissen ab und könne deshalb auch nicht, wenn die Verhältnisse es verlangten, verhindert werden. Beifall links.) Froprinz Hohenlohe=Langenburg(Rp.] erklärt, Deutschland sei ein Föderativstaat. Dafür spreche die deutsche Geschichte und Charatteranlage sowie die Zusammensetzung des deutschen Volkes. Er halte es nicht für richtig, vom Reichstage aus auf die Rechte der Einzelstaaten einen Einfluß zu versuchen. Ein Eingriff sei gerechtfertigt, nicht der Fall sei. Vor vom ückndesstaaten billig. Bei den Straßendemonstrationen besteht die Absicht, die deutsche Volksvertretung bei der Ausübung ihres Mandates einzuhüchtern. Sämtliche Volksvertreter seien darin solidarisch, daß sie nich nicht imponieren lassen durch Straßenlärm und Straßendemon= strationen, die von der Minderheit organisiert seien. Die Demanskration sei eine große Torheit, ja ein Unrecht der Anstifter. Die Beörden haben sich musterhaft denommen. Die ruhigen Elemente der Bevölkerung seien der Regierung von Herzen Tank schuldig. Abg. Kölle(wirtsch. Vag.) erklärt, die Interpellation mache ven Eindruck eines verfrühten schlechten Karnevalsscherzes. Alle Mitglieder des Reichstages lehnten eine Einmischung in ihre einnelstaatlichen Verhältnisse ab und als Abgeordneter des preußischen Landtages verbitte er sich das. Redner versucht dann weiter zu prechen, er wird jedoch unwohl und verläßt die Rednertribüne. Abg. Schrader(freis. Vag.) erklärt, wie sich die beiden Seeten beim Fürsten v. Bülow vertrügen, wisse er nicht. Seine Partei setze den Wahlrechtskampf mit ihrem fernen Ziel fort, unabhängig davon, ob die Spzialdemokraten das Gleiche wollen oder nicht. Die Regierung müsse sich überlegen, ob eine Aenderung des Wahlrechtes nicht zweakmäßig sei. Von Demonstrationen sei nichts zu erwarten. Ava. Liebermann von Sonnenbera teilt hierauf mit daß Kölle an einem Herzleiden erkrankt sei und mit dem Krankensorv des Reichstages nach Hause gefahren worden sei. Abg ader(Südd. Vp.)###nscht dem Abg. Köle. baldige Besserung und erklärt dann: Eine große Erregung herrsche in Süddeutschland darüber, daß das dortige Wahlrecht als nicht dem Staatswoyle entsprechend bezeichnet sei. Als Württemberger gehe es ihm nichts an, was für ein Wahlrecht Preußen habe, wohl aber als Deutschen. Die Würtsemberger hätten mit dem Wahlrecht sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Veranstalter solcher Umzüge trügen die Verantwortung üt die Betroffenen. Ein großer Fehler wäre es von dem Reichslanzter, die geheime Stimmabgabe abzulehnen. Das Vertrauen zu ihm sei#reiach in das direkte Gegenteil verwandelt. Seine Partei lehne es aber ab, in eine Opposition zu treten, worin sie sich früher befunden habe. Lachen im Zentrum. Beifall bei der Mehrheit.) Sie werde aber die Erklärung des Reichskanzlers bei den künftigen Entscheldungen in die Wagschale werfen. Abg. Korfanty(Pole) erklärt, daß jeder, der gegen das Dreiklassenwahlrecht kämpfe, die Poten auf seiner Seite haben würde. Abg. Zimmermann(Rp.) führt aus: Wir Sachsen würden es uns sehr verbitten, wenn Preußen sich in unsere Wahlreform einmischen wollte. Gegen eine Reform wird durch Demonstrationen schwer gefehlt. Unsere Schutzleute sind auch nicht vogelfrei. Für den sozialpolitischen Fortschritt wie für politische Entwickiung ist die Sozialdemokratie der schlimmste Feind.(Beifall.) Abg. Wetterle(Elj.) gibt den Interpellanten das Rezept, künftig zuerst wegen elsaß=lothringischer Verhältnisse zu interpellieren. Dann muß der Rechskanzler als zuständig dem Reichstage antworten. (Heiterseit.! Dann leisten Sie uns einen großen Dienst, wenn Sie Reichs= und Landtage ganz ausschalten. Das walte Gott!(Große Heiterkeit.) Darauf wird ein Vertagungsantrag angenommen Es folgen persönliche Bemerkungen. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: Scheckgesetz. Majestätsbeleidigung. Wechselprotest. Ein Antrag Singer, der die Fortsetzung der Intervellation besprechung ebenfalls auf die Tagesordnung setzen will, wird abgelebnt. hiuß nach halb 7 Uhr. Nach den ungunstigen Erfahrungen, die auch Geuische n Madrid gemacht haben, hält es die„Ständige Ausstellungs=Komnission für die Deutsche Industrie“ für ihre Pflicht, bereits jetzt utschen Firmen bezüglich einer Beteiligung in Barcelona Vorsicht Or Taal, gefolgt von den mehr oder weniget unwirsch dreinschauenden Würdenträgern, die über die Vertagung der so eminent wichtigen Angelegenheit wenig befriedigt schienen. Der diensttuende Kammerherr erschien und geleitete den Buckligen respektvoll zum Vorzimmer. Die bedeutungsvolle Audienz hat ihr Ende erreicht, und zweimal zwolf Stunden später sollte ihr Ergebnis bestimmend für das Geschick vieler Völler werden. Fünftes Kapitel. Dämon Gold hält die Gemüter in Schach. Ganz Rom war in einer beispiellosen Aufregung. Die Stadt der sieben Hügel barg seit zwei Tagen den Mann in ihren Mauern, der mächtiger war als alle Imperatoren der Welt—— mächtiger schien, mochte wohl, in Anbetracht dessen, daß er sich in der Gewalt eines Königs besand, richtiger sein. Jedermann wußte und fühlte es, daß etwas Gewaltiges im Werke ar. Schon die nächsten Stunden konnten Zustände bringen, wie sich D solche nie ein Mensch hätte träumen lassen. Die Gedanken und Ansichten der Römer schwirrten und flatterten durcheinander, daß die öffentliche Meinung schier wie ein Chaos er schten. Da der 2 Audienz Weist selegraph das ganze Land von der stattgesundenen sowitschs bei dem König in Kenntnis gesetzt hatte, so herrschte nicht bloß in der„ewigen Stadt“, sondern überall innerhalb der italienischen Grenzen eine Aufregung, die Handel und Wandel auf Tage hinaus fast lahmlegte. Jedermann wollte erst das Ergebnis der ungeheuerlich klingenden Angelegenheit abwarten, ehe er ferner seiner Tätigkeit nachging——.— So hielt Dämon Gold schon jetzt die Gemüter in Schach! Die Untertanen Viktor Emanuels VII. teilten sich schnell in zwei sich hart einander gegenüberstehende Lager. Optimisten kontra Pessimisten. Erstere hatten die Oberhand, und das Vorhandensein der letzteren Partei schien mehr dazu ausersehen zu sein, dem frenetischen Jubel der alles im rosigsten Lichte erblickenden Leute einen Dämpfer euszuserzen. Ins Lager der Schwarzseher mußte auch der König gerechnet werden. Gerüchte, welche in Rom kursierten, wollten wissen, daß 19n Gelsenkirchen, den 23. Januar 1908. ** Die weitere Aufschließung unserer Steinkohlenfelder. Wie uns ein Telegramm aus Berlin meldet, ist gestern der Entwurf eines Gejetzes betreffend die weitere Aufschließung des staatlichen Besitzes an Steinkohlenfeldern im Oberbergamtsbezirk Dortmund dem Abgeordnetenhause zugegangen. Der Entwurf stellt anseiheweise Mittel bereit, um die vom Staate in Westfalen erworbenen Bergwers##felder schnellstens zum Aufschluß zu bringen. ** Der Ausstand=Versicherungsverband verlängert. In der gestrigen Versammlung der Vertreter fast sämtlicher Grubenverwaltungen des Niederrheinisch=Westfälischen Industriebezirks wurde der seit Anfang der 90er Jahre bestehende Ausstand=Versicherungsverband, dessen Vertragsperiode mit dem 1. Februar d. J. abläuft, nach einigen Satzungsänderungen auf die Dauer von fünf Jahren verlängert. Nationalliberale Partei der Gesamtstadt Gelsenkirchen. Die povulär=wissenschaftlichen Vorträge der Partei erfreuen sich eines regen Interesses seitens der Parteifreunde. Aus mancherlei Gründen mußte das Lokal verlegt werden, und der zweite Viltor Emanuel bangen Herzens die Anwartschaft auf die Suprematie der Welt angetreten habe. Gewöhnliche Sterbliche, denen es nie vergönnt ist, einmal einen Blick hinter die Kulissen der hohen Diplomatie zu wersen, formulierten sich ihre Ansichten und Meinungen aus bald hier, bald dort auftauchenden Pressemitteilungen, und werden solche dementiert, so ändert auch das Gros der Untertanen seinen Gedanken gang über die Sache. Das aber stand für die meisten fest, das Kunstgold würde seinen Triumphzug über den ganzen Erdball nehmen. Und da hierbei Italien den Ausgangspunkt bildete, so rechneten schon viele Leute des heiligen römischen Reiches damit, zuerst das Fett abzuschöpfen. Noch nie seit Bestehen der Telegraphie hatte mit dem gesamter Ausland ein so reger Depeschenwechsel, wie es jetzt der Fall war, statt gesunden. Besonders waren es die Börsen aller Länder, die die Telegraphenlinien, soweit diese nicht von den ebenso interessierten Regierungen vieler Nationen mit Beschlag belegt worden waren, fortgesetzt in Anspruch nohmen. Waren doch gewaltige Kursrückgänge bereits allerorten zu verzeichnen, und der größte, den gesamten Geldmarkt in Nervenschlag treffende Hauptk auch die beschränktesten Leute wie ein Nervenschlag treffende Hauptkurssturz stand noch bevor. Wie ein Sturm wai alles herangebraust, und daß es kein Sturm im Wasserglase war, das mochten wohl instinktiv ahnen. Es herrschte also im Lande eine seltsame Stimmung, die durch die Ungewißheit in bestimmten Grenzen gehalten wurde. Während die Pessimisten sich schon halb und halb in einem Prokrustesbett liegen sahen, zog durch, die Seele der optimistisch Denkenden so etwas wie ein rosiger Lichtschein— die leuchtende Morgenröte der Zukunft. Die Tageszeitungen des Landes predigten Vorsicht und Energie. Sie legten in langen Leitartikeln dar, welche Perspektiven sich bei der geringsten Vernachlässigung oder bei laxer Behandlung der Sache entrellen würden. Auch die ausländische Presse besprach in vielspaltigen Artikeln die politischen und wirtschaftlichen Folgen, welche die Ersindung Wassilowitschs unbedingt nach sich ziehen mußten. Tonan gebende Blätier, die ihre Inspirationen von„oben“ bekamen, die mehr oder weniger Sprachrohre der Regierungen waren, hatten bezüglich der Abfassung ihrer Mitteilungen über die Sache einen sehr schweren Sand. Einesteils durften sie die Gefühle der Regierenden nicht verroten, andernteils dursten sie aber auch nicht zurückhaltend sein. (Fortsetzung folgt.) Vortrag sand daher gestern abend im Saale des Neumarkt=Hotels statt. Trotz des dichten Nebels war der Besuch recht gut; vornehmlich waren die Parteifreunde aus den Außenbezirken erschienen. Nach Begrüßun der Versammlung durch den Vorsitzenden, Herrn Professor Aindei, sproch Herr Parteisekretär Kaspareck über den 2. Teil der Volkswissenschaft:„Konsumtation und Produktion Kapital und Arbeit“. In streng sachlicher, allgemein begreiflicher Weise entledigt sich Redner seiner Ausgabe. Die Ausführungen des Herrn Professors Bindel über das Thema aus der Geschichte:„Der Verfassungsstaat“ waren getragen von reichem Wissen. Beide Redner ernteten reichen Beifall. Der nächste Vortrag findet am Donnerstag den 30. Janvar, abends 8½ Uhr, im Saale des Hotels Neumarkt, Beuckenberg, statt. Schiffsnachrichten. Die Hamburg=Amerika=Linie meldet: Dampfer Albano. von Newport News kommend, 20. Jan. 8 Uhr morgens auf dei Elbe. Dampfer Armenia, 18. Jan. 11 Uhr morgens von Philadelphia nach Hamburg. Dampfer Badenia, nach Boston und Valtimore, 18. Jan. 1 Uhr 50 Min. nachm. Lizard passiert. Dampfer Beibania, 18 Jan. abends in Baltimore. Dampfer Blücher, 18. Jan. 8 Uhr morgens von Newyork über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. Dampfer Hoerde, nach Newyork und Newport News, 19. an. 11 Uhr 50 Min. nachts Curhaven passiert. Dampfer Horncap, 18. Jan. 11 Uhr morgens von Neworleans nach Hamburg. Dampfer Pennsylvania, noch Newyork, 19. Jan. 7 Uhr abends von Boulogne sur Mer. Dampfer Valdivia, 18. Jan. 6 Uhr nachm. von Newyork nach Kamburg. “ Zusammenstoß mit einem Straßenbahnwagen. Die Fuhrleute lassen es bei dem starken Nebeiweiter immer noch an der nötigen Vorsicht sehlen und das mußte gestern nachmittag ein Schwanzviehhändler aus Hamborn, schwer büßen, der vom Viehmarkt kam. Da er schnell und unvorsichtig die Gleise der elektrischen Straßenbahn befuhr, geriet er auf der Bochumerstraße, in der Nähe der Wirtschaft Breil, mit einem Motorwagen der Straßenbahn zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurden Pferd und Wagen arg beschädigt. Der Kutscher stürzte bei dem Anprall vom Bock und mußte mittels Krankenwagen dem Krankenhause zugeführt werden. X Bavernfängern in die Hände gefallen. Ein biederer Land. mann, der vom Osten kommend gestern hier zureiste, fiel„Bauernfängern“ in die Finger. Die Gauner hatten dem Unvorsichtigen Kuffer und Geldbörse gestohlen. So stand der Zugereiste gegen Abend an der städtischen Badeanstalt, bar und mittellos, aber um eine Erfahrung reicher und— weinte. ** Vorsicht: Ausstellung Barcelona! Die gleichen Unternehmer, die im verflossenen Herbst die„Internationale Ausstellung Madrid“ veranstaltet haben, beabsichtigen, demnächst auch in Barcelona eine Internationali Ausstellung für Kunst und Industrie zu inszenieren. Nach den ungünstigen Erfahrungen, die auch deutsche Interessenten in— 454 8 die„Ständige Arst-Kanini de anzuraten. ** Verkehrserweiterung. Vom 20. Jan. ab ist der Sprechverkehr wischen Gelsenkirchen und den niederländischen Orten Belfeld, Bergum, Jutphags, Stompwpyk, Tegelen, Vleuten und Hansweert eröffnet. Die Gesprächsgebühr beirägt 1 Mark. m. In der evangelischen Kirchengemeinde Bulmke wurden seit dem 1. August v. J. 190 Tausen und 33 Trauungen vorgenommen. Es starben 66 Personen; konfirmiert wurden 41 Kinder, und das Abendmahl wurde an 403 Personen ausgeleilt. iv. Stadttheater. Am Dienstag abend fand bei gut besetztem Hause die Aufführung des Lustspieles„Der Biblsothekar“ von G. von Moser statt. Lustspiel nannie es Moser, inzwischen aber scheint sich; das Stück zu einem ziemlich tollen Schwank entwickelt zu haben. Diese wenig erfreuliche Tatsache ist aver noch kein Grund, daß die Tarsteller sich jeglichen Ernstes begeben und sich über ihre eigenen amüsieren. Eingeleht in ihre Rollen hatten sich nur die Herren Winter(Schneider Glbson), Uehr(Lothair Macdonald) und Kuhner Macdonald sen.), schließlich könnte noch Herr Wahrmann(Marsland) genannt werben, der sich wenigstens redliche Mühe gab, nicht aus der Rolle zu fallen. Die Damen waren jedes Ernstes bar und in Szenen, wro sie weinen sollten, lachten sie ins Taschentuch hinein. Es ist ein gloßer Irrtum, anzunehmen, daß Mosersche Stücke einen Heiterkeitserfolg erzielen müßten, und damit sei es genug. Wer in das Theater gehi, um sich an der Kunst zu erfreuen, der wird auf alle Fälle, und zwar mit Fug und Recht, verlangen, daß die Bühnenkünstler ihre Rolle gelernt haben, und daß sie sich mit dem unbedingt nötigen Ernst ihrer Aufgabe entledigen. Und diese Forderung wurde in dem„Bibliothesor“ nicht erfülll. Zwar war das Publikum in sidelster, ausgelassenster Stimmung und hielt mit Beifall nicht zurück, dies ist aber noch langkein Beweis daß die künstlerischen Aufgaben, die das Stück an die Künstler stellle, auch wirklich gelöst wurden.— Am Freitag wird Herr Franz Döring aus Essen wiederum an unserem Theater gastieren und war als S'appenski in Gerhart Hauptmanns Nocturnus„Elga“, nach einer Novelle Grillparzers. Dieses epochemachende Werk Hauptmanns gelangte am 4. März 1905 zuerst am Lessingtheater in Berlin zur Aufführung und nahm bald seinen ruhmreichen Weg über alle Bühnen Deutschlands. Besonders im Hamburger Schauspielhause sund es eine begeisterte Aufnahme. Wir dürfen gewiß dieser interessanten Aufführung mit großem Interesse entgegensehen, umsomehr, undere Theaterleitung mit der Faustaufführung bewiesen hat, daß sie trotz der kleinen Bühnenverhältnisse auch großen dramatischen Aufgaben gewachsen ist. Diese Bemühungen können nur durch einen zahlreichen Besuch belohnt werden. ** Internationaler Turnwettstreit Köln=Deutz. Pfingsten 1908 veranstaitet der Allgemeine Turnverein Köln=Deutz anläßlich seines 15. Stiftungsfestes einen Internationalen Turnwettstreit in einem größeren Rahmen, als dies allgemein üblich ist. Derselbe findet in einer eigens dazu erdauten, 4000 Personen fassenden Festhalle auf den 12 000 Quadratmeter großen Spielplatze des Vereins, sowie im Saale des Vereinslokals stati. Der Spielplatz selbst wird als Festplatz mit Ausstellungshellen, Erfrischungsbauten, Verkaufs= und Schaubuden usw. umgewandelt werden. Die Vorarbeiten sind schon so weit gediehen, daß vor einigen Tagen das zweite Rundschreiben in drei Sprachen an über 1200 Vereine zur Versendung gelangen konnte. Zur Bestreitung der gewaltigen Unkosten ist bereits ein ansehnlicher Garantiesonds gezeichnet worden. In der letzten Ausschußsitzung wurde dem Preßzausschuß die Herstellung einer Festschrift in 5000 Exemplaren übertragen. Der festgebende Verein steht bei den Turnvereinen von nah und fern in gutem Ansehen und findet bei den Anwohnern sowie den Gönnern des Vereins das größte Interesse für das geplante Unternehmen, so daß ein gutes Gelingen desselben gesichert ist. x. Infolge des starken Nebels geriet am Dienstag in den Nachmilsagsstunden auf der Caternbergerstraße ein auswärtiges Bierfuhrwerk in den Graben, sodaß der Wagen umkippte und die Flaschen an das Feld geschleudert wurden, von denen viele entzwei sprangen. x. Um das Ueberschreiten des Bahnkörpers in Heßler zu machen, läßt die Eisenbahnverwaltung an der Strecke Essen=Biemarck von dem Bahnübergang Heßlerstraße bis zum Stationsgebaure Heßler einen zirka 1½ Meter hohen eisernen Staketrenzaun errichten. Dieser Teil der Strecke wurde oftmals von Unbefugten überschritten insbesondere aber von Kindern, um eher nach dem Friedhof oder na# der Neuen Iulonie zu gelangen. ** Ueberfall und Mißhandlung. Auf der Wannerstraße wurce ein Former ohne Veranlassung von einer unbekannten Person über: fallen und mit einem Stocke mischandelt. Der Täter flüchtete. ** Messerheld. In der Wassergasse wurde ein Arbeiter von einet unbekanntei Person 2 mal gestochen. Der erste Stich ging in bie linse vordere Brustseite, der zeite in die linke Hand. Die Stiche n mit einem Messer ausgeführt und ca. 1 Zentimeter breit. 2. Blatt, Nr. 19.— 6. Jahrgang. Gelsenkirchener Donnerstag, den 23. Jaunar 1908. Amtliches Kreisblatt für den Stadt Geschäftsstelle Munckelstraße 16 18(beim Amtsgericht). Geöffnet täglich von 8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abende. General= Bezugspreis für den Monat 65 Pfg. mit illustr. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis 15 Pfg. die Petitzeile. Reklamen 40 Pfg. die Zeile. Ausw. Inserate 20 Pfg. die Zeile. Beilage=Gebühr pro 1000 Mk. 5. Fernsprecher: Nr. 173. und für den Landkreis Gelsenkirchen. Anzeiger. Probenummern 10 Tage lang kostenfrei verlange man durch Postkarte von der Geschäftsstelle Munckelstr. 16 18. Telegrammadresse: Vertenburg= Gelsenkirchen. Offizielles Organ für Militär=, Gerichts=, Eisenbahn=, Post=,Handelskammer= u. Knappschaftswesen. Erschemt täglich mit Ausnalime der Sonn- und Festtage. Hohenau und Tynar vor Gericht. Das militärgerichtliche Verfahren gegen die Grafen Hohenau und Lynar, über dessen Vorgeschichte wir mehrfach ausführlich berichtet haben, nahm gestern vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision in Berlin seinen Anfang. Gerichtsherr ist Generalleutnant v. Löwenfeld, die Unzersuchung wurde vom Kriegsgerichtsrat Dr. Grünwald geführt, dem der Hauptmann Pförtner v. d. Hölle zur Seite stand. Die beiden Angeklagten werden sittlicher Verfehlungen aus§ 175 des Reichsstrafgesetzbuches beschuldigt; bei beiden handelt es sich um je einen Feil. Im Laufe der Untersuchung hatte sich nämlich ergeben, daß die übrigen Fälle, die namentlich im Prozeß Harden=Moltke vor dem Schöffengericht zur Sprache kamen, sämtlich verjährt sind. Graf Lynar wird außerdem noch in einem Falle des Mißbrauchs der Dienstgewalt beschuldigt; diese Angelegenheit betrifft den Burschen des Grafen Lynar, der unter Angabe eigenartiger Gründe um Ablösung gebeten hatte. Eine große Anzahl von Zeugen, unter anderen auch Maximilian Harden, sind geladen. Der erste Angeklagte, Graf Wilhelm von Hohenau, ist ein Sohn des 1872 verstorbenen Prinzen Albrecht aus dessen morganatischer Ehe mit der Gräfin Hohenau, geb. von Rauch. Am 25. April 1854 geboren, wurde Graf von Hohenau 1872 Offizier im 1. GardeTragoner=Regiment und später Oberleutnant bei dem Regiment der Gardes du Ccrps, bei dem er 1892 zum Major aufrückte. 1897 wurde ei Flügeladjutant des Kaisers und Führer des Garde=Kürassier=Regiments, 1899 Kommandeur des Regiments der Gardes du Corps, und im März 1900 Oberst. Am 22. April trat er an die Spitze der 1. Kuvallerie=Brigade, rückte ein Jahr später zum Generalmajor auf und kam am 27. Januar 1904 als diensttuender General a la suite wieder in das militärische Gefolge des Kaisers. Als er im vorigen Jahre verabschiedet wurde, hatte Graf Wilhelm von Hohenau den Rang eines Generalleutnants. In erster Ehe war der Angeklagte vermählt mit Laura, Freiin von Saurma=Jeltsch; sie starb im Jahre 1884. Trei Jahre später vermählte sich Graf Hohenau mit Margarete Prinzessin zu Hohenloh.=Oehringen; aus jeder der beiden Ehen stammen zwei Kinder. Graf Hohenau war einer der Herren, die in den seinerzeit inktiminierten Artikeln der„Zukunft" als„normwidrig" bezeichnet wurden. Als der Kaiser hiervon Kenntnis erhielt, wurde er und ein ge andere Herren aus der Umgebung des Kaisers verabschiedet. Graf Hohenau hal zur Zeit noch das Recht, die preußische Generalsunisorm zu tragen; er bezieht auch die gesetzliche Pension. Der zweitc Angeklagte, Johannes Graf zu Lynar, entstammt der italienischen Adelsfamilie de Linari, die 1584 in die Mark Braudenburg einwanderte. Er wurde am 3. Dezember 1859 geboren und wur zuletzt Major im Regiment der Gardes du Corps. Seit 1889 ist er mit Anna Elisabeth Prinzessin zu Solms=Hohensolms=Lich vermählt; auch er hat Kinder, und zwar zwei Söhne im Alter von 17 bezw. 18 Jahren. Ganz unabhängig von dem kriegsgerichtlichen Verfahren läuft die etrengerichtliche Untersuchung gegen beide Offiziere. Erst diese dürfte eine völlige Klärung der Sachlage bringen, weil hier auch alle diejenigen Fälle, die strasprozessual verjährt sind, zur Aburteilung kommen. * Der Prozeß gegen Hohenau und Lynar wird hinter verschiossenen Türen verhandelt. Ein Telegramm meldet uns darüber: Berlin, 22. Jan.(Telegr.) In dem Prozeß gegen die Grafen Hohenau und Lynar beantragte der Vertreter der Anklage Kriegsgerichtsrat Grünwald, während der ganzen Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit auszuschließen. Nach einer kurzen Beratung ver kündete der Vorsitzende, während der ganzen Duuer der Verhandlung die Oeffentlichkeit auszuschließen, da die Gefährdung der militärischen Disziplin und der öffentlichen Sitten zu befürchten sei. Deutschland und die Marokkofrage. Wie die„N. G. C.“ von zuständiger Stelle erfährt, beabsichtigt die deutsche Regierung nicht, sich vorzeitig für den einen der beiden Sultane von Marokko zu entscheiden, sie wird vielmehr abwarten, bis die Lage sowelt geklärt ist, daß man unzweideutig erkennen kann, wem das marokkanische Volk in seiner Mehrheit sich zuwendet. welche Abmachungen mit einem der beiden Sultane haben ja auch so lange keinen Zweck, als man nicht weiß, wer den Sieg über den andern davonträgt. Dagegen wird man amtliche Schritte des bisher rechtmäßigen Sulians Abdul Asis vorläufig ernst nehmen müssen. Schwieriger ist die Aufgabe der deutschen Konsulatsbeamten, die auch während des Interregnums die deutschen Interessen zu wahren haben. Sie sind, wie dies in analogen Fällen schon früher gehandhabt wurde, angewiesen worden, mit den marokkanischen Behörden zu arbeiten, gleichgiltig, ob die eine oder andere Behörde auf Befehl des bisherigen Sulians oder des neuen Prätendenten handelt. Denn bei der Abwecklung dieser Geschäfte kommt es lediglich darauf an, daß kein Stillstand eintritt und daß, unter Vertretung der deutschen Interenen, mit dem Vorhandensein der jeweiligen für ein gutes Resultat notwendigen Mittel gerechner wird. Dauer der Schulpflicht und Schulversäumnis. Im preußischen Abgcordnetenhause ist der Antrag eingebracht worden: Die königliche Staatsregierung um die Vorlage eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch den für den Umfang der Monarchie e. die Dauer der Schulpflicht nach einheitlichen Gesichtspunkten jedoch unter Berücksichtigung berechtigter Sonderverhältnisse der einzelnen Landesteile geregelt, b. einheitliche Bestimmungen über die Folgen der ungerechtfertigten Schulversäumnis, die Voraussetzungen ihrer Strafbarkeit, den Kreis der verantwortlichen Personen, die Art und Höhe der Strafen und das Strafverfahren getroffen werden. Berlin, den 15. Januar 1908. Get#schalt inl) Kopsch(ir Nn) Ernst Ir. Nag) Wie aus dem Wortlaut des Antrags zu ersehen ist, hält er sich von jeder übertriebenen Schablonisierung mit Bezug auf die Dauer des Schulbesuchs fern. Verschiedenheiten der einzelnen preußischen Luindesteile, die in wirtschaftlichen Verhältnissen oder anderen berechtigten Ursachen begründet sind, werden wohl nicht auf einmal oder überhaupt nicht beseitigt werden können. Dagegen wärc es allerdings wünschenswert, daß damit ausgeräumt wird, in Durchbrechung des Schuljahrs und Schulplans das Ende des Schulbesuchs rein äußerlich mit Erreichung des so und so vielten Geburtstages oder mit dem Konfurmationstage eintreten zu lassen. Das müßte allgemein ausgeschlossen werden. Auch die Erlangung der erforderlichen Kenntnisse erschein: als ein zu dehbarer Begriff, um sie hinfort noch in irgendwie größerem Maßsta'#c als bestimmend für den Abbruch des Schulbesuchs gelten zu lassen. Peilegung der Oldenburger Wirren. (Von unserem Korrespondenten.) Oldenburg, 22. Jan. Der hochst beklagenswerte Zwiespalt, der zwischen Fürst und Land im Großherzogtum Oldenburg eingetreten war, ist, zum Glücke beider Teile, in letzter Stunde beseitigt worden. Aber die öffentliche Meinung beschäftigt sich hier noch immer lebhaft mit der Angelegenheit und es wird geraume Zeit dauern, bis die Wogen der Erregung sich ganz gelegt haben. Es gibt in Oldenburg nur sehr wenige Menschen. die die letzten Gründe der Gegensätze kennen, aus denen dieser Konslikt entstand, und deshalb verlohnt es wohl, hier einmal eine zusammenhängende Schilderung des Ganges der Ereignisse zu geben. Als nach langer Krankheit die erste-Gemahlin des jetzt regierenden Großherzogs Friedrich August im Jahre 1894 starb, Prinzessin Elisabeih von Preußen, eine Tochter des„roten Prinzen“ Friedrich Karl, hieß es in Hofkreisen, die Dulderin habe ihrem Mann auf dem Sterbebette die Herzogin Elisabeth von Mecklenburg bereits als Nachfolgerin namhaft gemacht. Und als diese im folgenden Jahre an der Seite des Erbgroßherzogs ihren Einzug in Oldenburg hielt, scholl der frischen, liebenswürdigen Prinzeß, der ein Ruf von Volkstümlichkeit voraufging, lauter Jubel entgegen. Es war eine„Liebe auf den ersten Blick“, die so oft entscheidend ist, und die hier zu einem festen, dauernden Bande werden sollte. Natürlich setzte sich die Großherzogin noch mehr in die Gunst der Oldenburger, die sonst nicht so leicht zu erobern ist, als sie dem Lande 1897 einen Sohn, den Thronfolger, schenkte und nochher noch zwei Prinzessinnen, Ingeborg Alix und Altbura. Der Erbgroßherzog stand damals auf der Höhe seiner Popularität, und als 1900 der alte Großherzog Peter starb und Friedrich August zur Regierung kam, schien das Land einer schönen Zukunft entgegenzugehen. Die Antrittsrede des Großherzogs, in der er das Wort vom Fürsten als ersten Diener des Staates sehr glücklich variierte, bestätigte diese Zuversicht. Die ersten Schatten sielen auf dies gute Verhältnis zwischen Fürst und Volk, als der Großherzog bald nach seinem Regierungsantritt eine Erhöhung seiner Zivilliste forderte, und zwar um 200000 Mark. Nach langem Kämpfen nahm der Landtag mit nur einer Stimme Majorität die auf 145000 Mark reduzierte Forderung an. Dieser Umstand scheint eine tiefe Verstimmung bei dem Landesfürsten hinterlassen zu haben, die sich gelegentlich in unmutigen Worten Luft machte. So etwas fördert natürlich die Beziehungen nicht, im Gegenteil. Er hielt sich von nun an mit seinem Schiff länger außer Landes auf, als es sich mit den Wünschen der Oldenburger vertrug. Vorher schon, im Jahre 1900, hatte er die ihm staatsgrundgesetzlich zusiehende Ordnune der Regentschaft für den Fall zeines Ablebens während der Minderjährigkeit des Großherzogs dahin getroffen, daß der Großherzogin außer der Vormundschaft auch die Regentschaft zufiel bis zum 18. Jahre des Erbgroßherzogs, wo er den Thron besteigen konnte. 190i regelte dann der Großherzog die Thronfolge dahin, daß beim Erlöschen des Mannesstammes seines Hauses nicht die russische Linie, sondern der Herzog Friedrich Ferdinand von Schleswig=Holstein-Sonderburg-Glücksburg zur Regierung käme. Dem Landtag von 1906 legte dann der Großherzog zur Ueberraschung aller, die darum wußten, eine geheime Vorlage vor, wonach dem Glücksburger Herzog nicht nur die Thronfolge, sondern auch die Regentschaft zugesprochen werden sollte. Da keine weitere Begründung vorlag, so öffnete dieser Versuch des Großherzogs, seiner Frau das einmal zugestandene Recht ohne ersichtlichen Grund zu nehmen, natürlich den tollsten Gerüchten Tür und Tor. Und da auch äußerlich das früher herzliche Verhältnis der Ehegatten als erkaltet bezeichnet werden mußte, so fragte man sich überall in eingeweihten Kreisen: Ist diMariele. Skizze von Fritz Sänger. (Nachdruck verboten.] Wenn Theo in den Sommerferien zu Hause war, stand er jeden Norgen vor Sonnenaufgang auf und ging hinten an den Kirschgartenain; dort hatte man einen prachtigen Ausblick. Rechts lagen die Schwarzwaldberge, viele dunkle Gipfel dicht beiammen, von denen niemand im Dorfe auch nur die Namen wußte. kur die drei höchsten kannte man. Direkt unten, da lag das Flußtal, ind auf Stundenweite soh man das kleine Flüßlein sich durch blühende Viesen schlängeln und links, wo die Sonne aufging, da war die Buchenade. Die Sonne stieg hinter dichten Bäumen empor, nachdem man chon lange vorher an den Berggipfeln ihr Licht gesehen hatte, und ihr blanz verwandelte in wenigen Minuten das düstere wilde Gebirge in in heiteres Stück Erde, mit frischem, lebendigem Grün überall und “ weißen Häusern, die da und dort zwischen Obstgärten verborgen varen. Theo saß mitten drin in dieser Sommerfreude und sah das alles nicht, ind er war doch ein junger Mensch mit so viel stiller Lebenssehnsucht, ind er hatte doch ein paar klare Augen, klar, wie der Bach dort unten m Tal. Aber er sah nicht hin, er sah immer an eine Stelle dort auf er anderen Seite des Tales. Dort lagen zwischen Obstgärten einige bäuser, und das eine stand ganz vorn an der Straße. Dort sah Theo Haumann hin, wenn er auf dem Rasenhüger soß und hinter der Buchenfalde die Sonne aufging. Geduldig und still starrte er auf diese eine Stelle, und er wartete, #is oben aus dem Kamin ein leichter, blauer Rauch aufstieg. Der fauch aus dem Kamin wurde langsam schwächer und verschwand gevöhnlich ganz. Tann stand Theo auf, soh frohgemut mit glücklichen Augen in een neuen Tag hinein und ging querseldein über Wiesen und durch rarten, durch eine kleine Gartenpforte und in eines der großen Bauernaufer Dort stand dann gewöhnlich der Kaffee auf dem Tisch, und Seo aß und plaudekte mit den anderen, ging spazieren, manchma# arbeitete er, wie er gerade Lust hatte. Huweilen auch ging er am Nachmittag ins Tal hinunter und auf die andere Seite, wo das Haus stand. Es war ein Gasthaus; aber die Stube war eine einfache, freundliche Wohnstube, wie deren in anderen Häusern auch waren. Vor dem Fenster standen Blumentöpfe, und am Fenster saß am Nachmittag Mariele mit einer Stickerei oder irgend einer anderen Handarbeit beschäftigt. Mariele war sechzehn Jahre alt, ein kleines, frisches Mädchen mit dunklem Haar und hellbraunen Augen. Sie fachte viel, und sie lachte, wie Kinder lachen; man wußte selten warum, und doch klang es so herzlich, so recht innerlich dieses Lachen. Theo saß manchen Nachmittag ganz allein mit dem Mädchen in der Stube, Mariele am Fenster mit der Handarbeit, er hinten am Tisch bei seinem Glas Wein. Es wurde wenig gesprochen und lauter harmlose und unbedeutende Sachen. Manchmai erzählte Theo aus der Stadt; aber er war ein schlechter Erzähler und wußte oft überhaupt nichts zu sagen. Er beneidete oft die Bauernburschen, die kamen und so viel zu sagen hatten und auch manchmal einen Scherz wußten, so, daß Mariele lant auflachte. Er wußte nichts derartiges, und wenn er mit ihr allein saß, so lachte sie wenig, und gerade ihr Lachen war doch so kostbar. Das klang so hell in seine stillen Ferienmonate hinein, und das klang noch viel weiter. Das klang in den ernsten Winternächten, wenn Theo in der Stadt in seinem einsamen Zimmer über Büchern saß und müde war und doch nicht befriedigt mit sich und seiner Arbeit. Da klang auf einmal Marieles Lachen in das einsame Zimmer. Und Theo lächelte dann und schloß die Augen. Und dann sah er den Rauch aufsteigen aus dem Kamin drüben auf der anderen Seite des Flußtales,— der Rauch verschwand sangsam, und Ther machte die Augen auf und war wieder in seinem Zimmer; aber dann war er wieder frisch bei der Arbeit.— So gingen drei Jahre hin, drei strenge Studienjahre und dreimal schöne, angenehme Sommerferien. Theo hatte ausstudiert, das Examen bestanden, und er hatte eine Stelle gefunden, die ihm zusagte. Drei Wochen wollte er nun noch zu Hause zubringen. Er ging wie sonst jeden Morgen hinten an den Rain, und er ging viel öfters als sonst am Nachmittag hinunter in das Tal. Und jetz: wußte er mehr zu erzählen bei Mariele, und sie hörte ihm auch sehr gern zu und fragte ihn dies und das, die wundersamsten Dinge. Aber jetzt drängte sich ihm aus einmal eine Frage auf. eine ernste. heilige Frage für ihn, und darauf mußte er von dem Mädchen die Ant wort haben. Diese Frage brannte ihm schließlich auf der Zunge, wenn er da saß, und sie trat vor ihm hin in stillen Nächten. Sie war so einfach, und doch brachte er sie nicht heraus. Sie mußte davon wissen, er konnte es sich nicht anders denken.— Aber es galt ja nur zwei Worte zu wechseln, mehr nicht. Eines Tages ging er mit dem festen Entschluß hin, sie zu fragen. Sie saßen auch mehrere Stunden allein, und zwanzigmal kam ihm die Frage auf die Zunge. Er spülte sie zwanzigmal binunter mit dem Wein, den ihm Mariele brachte. Auf diese Art bekam er etwas mehr Wein als gewöhnlich, und nach und nach vergaß er die Frage überhaupt. Markele saß im Licht der Abendsonne; und jetzt lachte sie oft so hell und so slar, wie sonst, ganz ungezwungen, und ihre Augen glänz ten, wenn sie ein neues Glas Wein brachte. Und einmal stand er auf, es hielt ihn nicht mehr, und er trat hin zum Fenster, wo sie arbeitete. „Mariele, gib mir die Hand.“ Mariele lachte und gab ihm die Hand nicht. „Ich muß doch sticken“, sagte sie. „Was mußt Du sticken, Mariele, Du kannst ein ganzes Jahr lang sticken, ehe ich wiederkomme, gieb mir jetzt die Hand.“ Er faßte nach ihrer Rechten. Mariele neigte den Kopf noch tiefer auf die Arbeit und sah unten vor. „Ich stech! Ich stech“, sagte sie und kehrte die Nadel nach außen. „Stich zu, Mariele, mir ist alles einerlei, Deine Hand will ich haben.“ Mariele stand auf und lachte viel heller als je und hüpfte davon viel frischer als je, und husch, war sie in der letzten Ecke des Zimmers. Theo aber ihr nach, und noch immer haschte er nach ihrer Hand. Das Mädchen wehrte geschickt ab und lachte und kicherte. Einmal sah sie hinter den vorgehaltenen Händen hindurch und soh ihn mit ihren hellen Augen an, und das war ein Blick, der mehr sagte, als hundert Antworten auf fünfzig Fragen sagen können Theo war einen Augenblick starr, und dann drehte sich das Mädchen rasch um, um aus der bedrängten Ecke zu entfliehen. Wieder wollte er ihr nach: aber da ging die Tür auf, und es kam irgend jemand. Allgemeine Zeitung. Donnerstag, den 23. Jannar 1908. Vorlage eine Folge des minder herzlichen Verhältnisses oder hat die Absicht, die Vorlage einzubringen, die Gefühle der Herrschaften gewandelt? Das fragt man sich auch heute noch vergebens. Tatsache die „ 9 fragt man sich auch heute noch vergebens. Tatsache ist, daß der Landtag nach monatelanger Behandlung der Vorlage, nachdem von verschiedenen Geiten darauf hingearbeitet war, den Großherzog zum Zurückziehen dieser zu bewegen, der Landtag sie einstimmig ablehnte. Die betreffende Sitzung aber endete noch dramatischer, als vorauszusehen war. Der Großherzog ließ durch seinen ersten Minister erklären, daß er, nun der Landtag seiner wohlerwogenen Absicht nicht ###l#e, auch keine Veranlassung habe, dem Lande den Vorsitzenden der meisters von Wenckstern. Diese Erklärung beantwortete der Landtag mit einem lauten Hohngelächter. Allerdinak traf der Großherzog das Land damit an einer besonders empfindlichen Stelle: Herr von Wenckstern genoß das volle Vertrauen der gesamten Züchter des Landes, weil er für die Pferdezucht und für den Absatz des oldenburgischen Pferdes sehr viel getan hat. Der Großherzog genehmigte in gnädigster Form sein Abschiedsgesuch unter Verleihung des Komturkreuzes und des Titels Oberstallmeister. Und als die Züchter des Landes, über 300 Mann stark, hier eine Versammlung abhielten und eine Deputation mit der Bitte an den Großherzog schickten, ihnen von Wenckstern doch zu lassen, da erklärte er, er sei dazu bereit, wenn der Landtag in die bekannte Vorlage willige! Im Lande war natürlich die Erregung groß. Der Großherzog verlor leider sehr an Sympathie. Und allgemein machte man den Ministern(Willich, Ruhstrat 1 und 2, letzterer wegen der Pokeraffäre bekennt) den Vorwurf, daß sie diese Blamage Oldenburgs im Reich und diese schwere Differenz im Innern nicht verhindert hatten. Ehe sie die Vorlage einbrachten, deren Schicksal sie voraussehen konnten, mußten sie gehen. Der Großherzog hätte keinen Minister gefunden, der diese Soche vertrat, und so hätte er sich beruhigt und dem Lande ware dieser Schlag erspart geblieben. Die größte Torheit beging das Ministerium dann noch, indem es die geheime Vorlage freigab— nun erst bemächtigte sich die Presse der Sache, und der Sturm brach les. Inzwischen hat, wie bekannt, der Großherzog eingelenkt und in einer Depesche an den Sprecher der Züchterdeputation deren Bitten nachgegeben, Herrn von Wenckstern an der Spitze der Körungskommission zu lassen. Und unter der Hand hört man, der Großherzog werde auch darauf verzichten, die Regentschaftsvorlage überhaupt einzubringen, sodaß alles beim alten bleibt. Von einer Ministerkrise kann unter diesen Umständen natürlich nicht mehr die Rede sein. Man darf vielmehr dem Ministerium Willich die Anerkennung nicht versagen, daß es durch seine eindringliche Einwirkung auf den Landesfürsten diesen zum Nachgeben veranlaßt hat. Und so wird der Frieden zwischen Fürst und Land bald wieder hergestellt sein. v. R. Kurze politische Meldungen. Die drei preußischen Besoldungsgesetze sind, wie die„Königsb Allg. Ztg.“ von unterrichteter Seite hört, nunmehr endgiltig festgestellt. Das allgemeine Beamtenbesoldungsgesetz liege bereits dem Staatsministerium zur Beschlußfassung vor. Die beiden anderen, das Lehrerbesoldungsgesetz und das die Geistlichen betreffende, dürften ebenfalls in Kürze das Staatsministerium passieren. * Der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller haben in ihrer Plenarversammlung zu der von dem Reichsrosiamt beabsichtigten Aenderung der Fernsprechgebührenordnung Stellung genommen und mit allen gegen fünf Stimmen eine Resolution gesaßt, in der sich der Zentralausschuß mit aller Entschiedenheit gegen die Absicht der Reichspostverwaltung ausspricht, das System der Pauschalgebühren zu beseitigen und durch die Einzelgesprächsgebühr zu ersetzen. Im„Kindlkeller" zu München fand eine große sozialdemokratische Protestversammlung gegen das preußische Wahlrecht statt unter heftigen Ausfällen auf den Reichskanzler und die Blockpolitik, sowie auf die bayerische Abgeordnetenkammer. Eine Vorlage betrefsend die Erneuerung der russischen Kriegsflotte wird demnächst der Reichsduma zugehen. Der Kriegsminister beansprucht für diesen Zweck 2 Milliarden Rubel, die auf 15 Jahre verteilt werden sollen. Die Duma dürfte die Vorlage in dieser Fassung ablehnen. Vor dem Erfurter Schwurgericht ist gegen neun Arbeiter, die am Maurerstreik beteiligt waren, wegen Landfriedensbruchs, Beteiligung Theo wollte keinen Augenbsick länger Marieles Gegenwart mit einem anderen teilen. Er trank seinen Wein aus und ging fort. Jetzt hatte er nichts mehr zu fragen, jetzt hatte er ungefragt die Antwort auf alle Fragen. Es handelte sich jetzt für ihn nur darum, draußen in der Welt etwas zu gelten, zu erwerben und dann wieder zu Mariele zu kommen und sie zu holen. * Diesmal wurden es aber zwei Jahre, ehe Theo wiederkam. Aber er war inzwischen vier Jahre älter geworden; das Leben reift schneller als die Schule, und es kehrt mehr, wenn man zu lernen weiß. Theos Mutter freute sich außerordentlich über ihren Sohn, ja, das ganze Dorf war stolz auf ihn. Man hatte von seinen Arbeiten sogar im Provinzblättchen gelesen. Zu den vielen Neuigkeiten, die er nach zwei Jahren zu erfahren hatte, gehörte auch die, daß Fluegers Mariele im Tal einen Pfarrer vom Walde geheiratet habe. Wann?— Nun, es mochte schon bald ein halbes Jahr sein. Theo wußte sich gut zu beberrschen. Aber am Nachmittag ging er hinten in die Berge auf den Wald, wie man ihm gesagt hatte und suchte ein kleines Pfarrhaus auf. Was er da wollte, wußte er nicht und erst, als er an der Pforte Kr Gartenmauer stand, die zu dem Hause führte, da besann er sich darauf, was er wohl da wollte, und da fiel es ihm gar nicht ein. Und er schlich sich der Mauer nach wie ein Einbrecher, und er legte sich in die Sonne hinten, wo die Mauer am höchsten war und sah geradeaus in die Berge, die rings das Pfarrhaus umgaben. Er sah nicht einmal hinauf in den Garten, denn er wußte auch jetzt noch nicht, was er da wollte und sollte, und doch war es ihm, als müßte er da bleiden, als müßte er weinen wie ein Kind, wenn man ihn da wegtreiben wollte. Er hielt die Hand über die Augen und saß vielleicht eine Stunde, für ihn eine Gwigkeit. Unten fuhr ein Wagen vorbei, irgend ein Wagen, und der Fuhrmann knallte mit der Peitsche, daß es durch die Berge schallte und widerhallte. Da schrak Theo Baumann auf, und er stand auf und sah nicht mehr zurück und sah nicht links und nicht rechts, und gesenkten Hanptes ging er fort. In dem Augenblick, als er aufgestanden war, war hinter ihm eine Rose niedergefallen, eine matte Sommerrose mit blaßroten Blättern, aber Theo hatte auch das nicht gesehen. Die geknickte Rose aber fiel zwischen Feidblumen, die an der Mauer blühten. Dort blieb sie liegen, keine Menschenseele sand sie. Immer dlasser wurden die Blätter, immer blasser, bis sie ganz verdarb und stard. am Aufruhr, Widerstands gegen die Staatsgewalt, Beleidigung und Uebertretung der Gewerbeordnung verhandelt worden. Den Anlaß zu diesen Vorgängen, die sich auf dem Personenbahnhof in Erfurt abgespielt haben, yat die Ankunft italienischer Arbeiter gegeben. Das Urteil lautete gegen einen Arbeiter auf 7 Monate und 1 Woche Gesängnis, gegen zwei Arbeiter auf je 7 Monate Gefängnis, gegen zwei Arbeiter auf je 3 Monate Gefängnis, gegen einen Arbeiter auf 2 Wochen Gefängnis. Die übrigen drei Angeklagten wurden freigesprochen. * Aus Toulon wird gemeldet, daß an Bord des Panzerschiffes Victor Hugo in Gegenwart einer Kommission Schießübungen mit dem neuen 47 Millimeter=Geschütz vorgenommen wurden, wobei das Geschütz explodierte, nachdem einige Schüsse daraus abgegeben worden waren. Aus den Kommissionen. Berlin, 22. Jan.(Telegr.] Die Kommission des Reichstages für den Gesetzentwurf betreffend Erleichterung des Wechselprotestes nahm den Entwurf in zweiter Lesung an. Berlin, 22. Jan.(Telegr.] In der Budgetkommission des Reichstages erklärte der Kriegsminister von Einem bei der Beratung des Etats des Reichsheeres zu Kapitel 39(Festungen, Ingenieur-, Pionier= und Verkehrswesen), Titel 18(Beschaffungen, Anlagen und Versuche auf verkehrstechnischem Gebietel er sei überzeugt, daß die Absicht der Verwaltungen betreffend Beschaffung und Bereithaltung von Kraftfahrzeugen sich zu einem großen Nutzen für die Industrie und das ganze Land gestalten werden. Die gewünschte Denkschrift stellte der Minister für das nächste Jahr in Aussicht. Die schon stattgehabten Versuche, wie die weiteren Versuche, beschränkten sich auf einzelne Kraftfahrzeuge und auf Lastzüge.— Nach Annahme einer Reihe von Titeln geht die Beratung über zu einem Antrag Fogt-Hall und Liebermann von Sonnenberg, weicher die Ein führung von Unterricht im landwirtschaftlichen, kändlichen und gewerd lichen Fortbildungsschulwesen für freiwillige Teilnehmer aus den Mannschaften des zweiten Jahrganges fordert. Nach Begründung des Antrages erklärt der Kriegsminister, er stehe einer solchen Ausbildung iympathisch gegenüber, sei in Erwägungen darüber mit dem Landwirtschaftsminister eingetreten und werde seinerzeit darüber Mitteilung machen. Darauf wurde der Antrag angenommen. Nächste Sitzung morgen 10 Uhr. Ein Student als Mörder. * B o n n, 2 1. J a n. Zuerst wird der medizinische Sachverständige Medizinalrat Prof. Dr. Unger über die Möglichkeit der Leichenstarre gehört. Genaue Schlüsse vermag er nicht zu ziehen, doch hält er für wahrscheinlich, daß die Totenstarre schon wieder gewichen war, als die Leiche aufgesunden wurde. Es komme vor, daß Leichen ungeheuer lang frisch bleiben und ganz plötzlich zur Verwesung übergehen. Er resumiert, es sei ihm wahrscheinlichet, daß der Tod am 9., nicht am 11. Mai, eingetreten sei. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Metz: Spricht irgend etwas dagegen, daß das unglückliche Geschöpf am 9. zu Tode gekommen ist?— Sachverständiger: Nein, gewiß nicht! Darauf wird durch die Zeugenaussage des Polizeiinspektors Witlugel festgestellt, daß die Giftfläschchen, sowohl das bei der Leiche, wie jenes, das im Zimmer des Angeklagten Pagenstedt gefunden wurde, nur durch die Hand von Beamten dem Sachverständigen Pros. Dr. Wippenberger übergehen worden seien. Dieser erklärt, der Inhalt der beiden Fläschchen sei qualitativ derselbe gewesen, daß er auch quantitativ der gleiche gewesen sei, erscheine möglich. Der Rest Calcium carbonat in dem Zyankali der beiden Fläschchen erkläre sich wohl daraus, daß sehr hartes Leitungswasser zur Zersetzung des Giftes benutzt worden sei. Uebrigens habe er festgestellt, daß ein odeurartiger Geruch sowohl bei dem Fläschchen bei der Leiche, wie bei dem Inhalt des Fläschchens im Zimmer des Pagenstedt wahrgenommen worden ist. Hierauf wird, in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Der Hausarzt Dr. Neufser=Münster erklärt, in der Familie Wirtz herrsche das Phlegma vor. Er halte es für ausgeschlossen, daß die Anna Wirtz, die die Lebenslust selber gewesen sei, Hand an sich gelegt habe. Das ganze Temperament und die Lebensauffassung der Anna Wirtz spreche aber dafür, daß sie sehr leicht ein Abtreibemittel genommen hätte, weil sie sich über die Folgen einer solchen Tat kein Kopfzerbrechen gemacht habe. Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, daß die Wirtz zur Einnahme eines solchen Mittels überredet worden sei. R.=A. v. Coellen beantragt die Ladung des Psychiaters Pros. Dr. Aschaffenburg=Köln zur Beurteilung der Möglichkeit, ob die Anna Wirtz einen Selbstmord begangen haben kann. Das Gericht gibt diesem Antrage statt. Der Staatsanwalt beantragt dazu auch die Vernehmung des Psychiaters Dr. Gudden=Bonn. Dr. Gudden, der im Saale anwesend ist, wird von der Verteidigung abgelehnt, da er am ersten Verhandlungstage über verschiedene Aeußerungen des Angeklagten rstentativ gelacht habe. Dr. Gudden erklärt selbst, es sei ihm lieber, nicht vernommen zu werden— im Interesse des Angeklagten. Darauf nimmt das Gericht von der Vernehmung dieses Psychiaters Abstand. Frau Metzaermeister Schart-Bonn hat Pagenstedt und Anna Wirtz auf dem Bonner Bahnhof gesehen. Sie gioi an, sie habe nicht geschen, daß die Wirtz eine Fahrkarte gelöst habe. Das Mädchen sei auf dem Bahnhof auf= und abgegangen und habe jedesmal beim Vorbeikommen am Ausgang scharf durch den Ausgang gesehen, als wenn klagte habe mit dem Mädchen im Wartesaal Kaffee getrunken.— Vors.: War da der Zug 4 Uhr 3 Min. nach Köln schon abgefahren?— Zeugin: Wahrscheinlich, jedenfalls war er schon im Fahren begriffen. — R.=A. v. Coellen fragt, wie diese Zeugin in die Verhandlung hineingekommen sei.— Der Vorsitzende meint, das sei eine törichte Frage. Darüber ereisert sich der Verteidiger. Um 1 Uhr tritt die Mittagspause ein. In der Nachmittagssitzung werden sodann die Zeugen zur Feststellung der Vorgänge am Bahnhofe und an der Station Kottenforst vernommen. Zeuge Pferdehändler Meyer, der auch nach Kottenforst fuhr, saß in demserben Wogenabteil, in dem sich Pagenstedt befand und will nichts von einer Dame gemerkt haben, deren Personalbeschreibung auf die Emma Wirtz passe. In der Mitte des Gerichtssaales werden sodann acht Stuhle aufgestellt, und der Zeuge gibt an, wie die einzelnen Personen ihren Piatz gehabt hätten. Trotzdem der Angeslagte glaubhaft machen will, daß die Anna Wirtz wohl mitgefahren sei, bleibt der Zeuge bei seiner Behauptung.— Die Schwester des Zeugen sagt aus, daß ihr als Putzmacherin eine Dame, die einen Hut, wie die Anna Wirtz trug, hätte auffallen müssen. Auch die anderen Zeugen bleiben dabei, daß keine Dame dagewesen wäre, die als Anna Wirtz in Betracht käme.— Zeuge Assistenzarzt Dr. Leuwer ist am 9. Mai nach Kottenforst gefahren, um einen Spaziergang nach Kottenforst zu machen. Auf der Station sch er schon Pagenstedt. Später überholte er ein Mädchen, das auf jenen zu warten schien. Pagenstedt habe dem Madchen Winke gegeben, und wenn er ihr solche gab, so sei das Mädchen vorg#egangen. Beide, Pagenstedt und die Wirtz, hätten einen ernsten Ausdruck gehabt. Spater seien ihm beide aus den Augen gekommen. Den Angeklagten habe er auf dem Rückwege auf der Villiverstraße wieder, aber allein gesehen. — Zeugin Frau Dettlof bekundet: Vor ihrer Abreise nach Bonn sei die Wirtz zu ihr gekommen und habe ihr erzählt, sie wolle mit Pagenstedt ins Ausland. Gie bat schließlich noch um die Adresse ihrer Tochter, da sie dieser viel zu schreiben habe. Ars die Zeugin gehört habe, die Anna Wirtz sei tot aufgefunden worden, da habe sie gesagt, das hat Pagenstedt geten. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum sie das geglaubt habe, gibt die Zeugin an, einmal, weil sie glaubte, Pagenstedt wollte die Wirtz, da er sie doch nicht heiraten werbe, aus dem Leben schaffen. Dann glaubte ich aber, er habe es der Wissenschaft halber getan. Früher habe er nur männliche Leichen seziert, und jetzt habe er eine weibliche sezieren wollen. Die Wirtz war froh und lebenslust# und hat wohl keinen Selbstmord begangen. Um 8 Uhr wird die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Das Urteil im Peters-Prozetz. Köln, 22. Jan.(Telegr.] In dem Prozeß Peters gegen die„Köln. Zeitung“ wurde der Mitangeklagte Redakteur Brüggemann freigesprochen, Bennigsen dagegen zu 100 Mark Geldstrafe eventl. zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Kosten werden dem Angeklagten v. Bennigsen mit Ausnahme der durch das Verfahren gegen den Redakteur Brüggemann entstandenen Mehrkosten, die dem Privatkläger zur Last fallen, auferiegt. Alle Exemplare der betreffenden Nummer der„Kölnischen Zeitung“ sind einzuziehen und die Platten zu vernichten. Dem Privatkläger wurde die Befugnis zugesprochen, dinnen Wochen auf Kosten v. Bennigsen das Urteil in der„Kölnischen Zeitung“ bekannt zu machen. Urteilsbegründung. Köln, 22. Jan.(Telegr.] In der Begründung des Urteils in Petersprozeß heißt es, daß der Wahrheitsbeweis der Behauptung, daß Peiers in seinem Briese an den Bischof Smithies geschlechtliche Motive für die Hinrichtung des Mabruck und der Jagodja zugegeben habe, mißlungen sei. Peters habe in diesem Briefe sexuelle Motive für die Hinrichtungen nicht nur nicht zugestanden, sondern sogar bestritten In Würdigung der einzelnen Zeugenaussagen und der in den Todes. urteilen niedergelegten Begründungen sei das Gericht zu der Ansicht gekommen, daß geschlechtliche Motive weder ausschlaggebend noch mitbestimmend bei der Fällung der Todesurteile gewesen seien. Im einzelnen heißt es in der Urteitsbegründung: Wenn auch in Ostafrika von solchen Gerüchten die Rede gewesen sei, so beweise das Gerücht doch nicht die Tatsache. Auf die diesbezüglichen Aussagen Mittelstädts und Baumanns sei nach Ansicht des Gerichts kein ausschlaggebendes Gewicht zu legen, da einzelne Auslassungen Mittelstädts mit feststehenden Tatsachen in Widerspruch ständen und andererseits die Annahme einer mißverständlichen Auffassung von Aeußerungen Peters nicht ausgeschlossen sei. Unter Berücksichtigung dieser Umstände und im Hinblick au die bestimmten eidlichen Bekundungen von Pechmann und Jahnle nehme das Gericht an, daß der Privatkläger gegenüber Baumann und Mittelstädt in etwas bramarbasierender Weise die Vorgänge auf der Station anders geschildert habe, als sie sich in Wahrheit zugetragen hätten. Bronsart von Schellendorff habe durch sein widerspruchsvolles Verhalten in dieser Angelegenheit Bedenken gegen seine Glaubwürdigkeit hervorgerufen. Es sei somit der Beweis für das Vorliegen sexueller Motie nicht erbracht, so erscheinen andererseits die Urteilsgründe für die Hinrichtung als wahrscheinlich. Die Frage, ob Peters durch die Sorge um die Sicherheit der Station sich berechtigt glauben konnte, die Todesurteile auszusprechen, sei zu bejahen. Daß im Falle der Jagodja sexuelle Motive vorgelegen hätten, sei nicht nur nicht bewiesen, sondern sogar unwahrscheinlich. Der Angeklagte von Bennigsen sei daber auf Grund der Paragraphen 186 und 200 des Strafgesetzbuches zu bestrafen. Auf den Schutz des§ 193 könne sich der Angeklagte gemäß der Judikatur des Reichsgerichts nicht berufen. Er sei also wegen übler Nachrede zu bestrafen. Strafmildernd komme in Betracht, daß von Bennigsen, wie das Urteil annehme, von der Wahrbeit seiner Behauptung überzeugt gewesen sei und durch die Aufdeckung von Mißständen dem Vaterlande einen Dienst zu leisten geglaubt habe. Stre##schärfend sei aber die Schwere der Beschuldigung. Vermischtes. Zwei Personen beim Schlittschuhlausen eingebrochen. Aus Straß burg meldet ein Telegramm: Beim Schlittschuhlausen sind vorgestern mittag auf dem Kanai der Leutnant Straub vom 19. Pionierbataillon und Fräulein Hille, die Tochter eines hiesigen Arztes, eingebrochen und ertrunken Ein russischer Verbrecher verhaftet. Hierüber meldet uns ein Telegramm aus Stockholm: Ein Russe, der angibt, Wladimir Kruschinsky heißen und wahrscheinlich an dem im vergangenen Jahre in Tiflis verübten Raube von 431000 Rubel beteiligt war, ist hier verhaftet worden. Kruschinsky kam am Sonntag von Finnland und versuchte, bei verschiedenen Banken 500-Rubelscheine zu wechseln. Durch Untersuchung ist festgestellt, daß alle 500-Rubelscheine zu den 1907 geraubten Serien 62 900 bis 63000 und 63 701 bis 63.800 gehören. Die Verhaftung erfolgte in dem Augenblick, als Kruschinsky mit dem Südexpretzuge abreisen wollte. Schillsunfälle. Rotterdam, 22. Jan.(Privat=Telegr.] Der Dampfer„Amsterdam der Linie Harwich-Hoek dan Holland, ein Schwesterschiff der„Berlin“, stieß heute vormittag bei Nieuwe Waierweg mit dem Dumpsék gaminster" zusammen und erhielt ein Leck. Die Passagiere wurden gelandet. Amsterdam, 22. Jan. Dem„Handelsblad“ zufolge ging der Rettungsdampfer„Wodan“ in See, zwei Schaluppen der„Amsterdam“ zu suchen, die noch nicht geborgen. Die Schaluppen hatten Passagiere an Bord, die auf einen anderen Dampfer gebracht werden sollten. Hoek van Holland, 22. Jan.(Telegr.) Die von dem Rettungsdampfer und dem Dampfer„Wodan“ gesuchten Schaluppen des Dampfers„Amsterdam“, die außer einem Teil der Mannschaft ungefähr 20 Reisende beherbergen sollen, sind bisher nicht aufgefunden worden. Vor der Mündung des Nieuwe Waterweg ankert eine ganze Flotte von Fahrzeugen, die wegen des dichten Nebels nicht auszulaufen wagen. Es ist möglich, daß die Insassen der Schaluppe von einem dieser Schiffe aufgenommen wurden. Um Gewißheit zu erlangen, is ein Schleppdampfer in See gegangen. Kiel, 22. Jan.(Telegr.) Der Schuner„Astraca Marstal“ ist an einer Fahrt in der Nordsee verunglückt. Das Schiff ist untergegangen, die Besatzung ertrunken. Unter ihr befand sich der junge Kanitän Ratmussen und sein Vater als Steuermann. KE (Für die unter dieser Rubrik veröffentlichten Nachrichten übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.) In den beiden letzten Jahren veranstalteten die Militärvereine am Vorabend des Geburtstages des Kaisers einen Zapsenstreich, und wies der Zapsenstreich im vorigen Jahre eine besonders rege Beteiligung auf. Der damalige Herr Bezirks=Kommandeur hatte es sich nicht nehmen lassen, mit den Herren Offizieren des Kommandos zu erscheinen. Auf dem Elisabethplatz, wo die Vereine in zwei Staffeln Aufstellung genommen hatten, nahm der Herr Kommandeur die Parade ab, und hielt dann nach beendigtem Umzuge durch die Hauptstraßen der Stadt am Denkmal auf dem Kaiserplatze eine kernige Ansprache. Die Anwohner der Straßen, durch welche sich der Zug bewegte, hatten ihre Häuser reichlich beflaggt und legten sich im Abbrennen von Feuerwerk keinen Zwang auf. diesem Jahre werden wir einen derartigen imposanten Zapfenstreich nicht zu Gesicht bekommen. In seiner letzten Versammlung hat der Kreiskriegerverband(Stadt) beschlossen, am 26. cr. eine Patade auf dem städtischen Platz an der Ring= und Hochstraße, zu veranstalten. Die Militärvereine sind ausdrücklich von dieser Parade ausgeschlossen, trotzdem in der Versammlung der Antrag gestellt wurde, diese Vereine ebenfalls teilnehmen zu lassen. Für den außerhalb des Kreiskriegerverbandes Stehenden ist die Ausschließung der Militärvereine von der Parade nicht recht verständlich. Es ist doch nun einmal Kaisersgeburtagstag, und diese Vereine verfolgen denselben Zweck wie die Vereine des Kreiskriegerverbandes; daß sie dem Landesverbande noch nicht angehören, kann auch wohl kein Grund sein, da alle diese Vereine die Aufnahme in den Landesverband erstreben und zum Teil dahingehende Anträge bereits gestellt haben; auch sind bereits eine Anzahl Militärvereine in den Landeskriegerverband ausgenommen. Die Militärvereine wollten jedoch nicht zurückstehen und versammelten sich die Vorstände am 13. d. M. im Lokale des Herrn Simon, Altei Markt, um über eine etwaige zu veranstaltende gemeinsame Feier zu beraten. In dieser Versammlung wurde der Beschluß gesaßt, den Bezirkskommandeur, Herrn Oberstleutnant Groose, zu bitten, die Teilnahme der Vereine an der Parade bei dem Kreistriegerverband zu vermitteln und, im Falle der Kreiskriegerverband sich ablehnend verhalten sollte, den Herrn Oberstleutnant zu bitten, zum Zapfenstreich der Vereine zu erscheinen. Zu diesem Zwecke wurde eine Kommission gewählt, welche dem Herrn Oberstleutnant Groote die Bitte der Vereine unterbreiten sollte und wurde eine nächste Versommlung auf Donnerstag, den 16. d. M. festgesetzt. Die Kommission mußte leider berichten, daß der Kreiskriegerverband die Ausschließung bestehen lasse: müsse. Hierauf waren wohl alle gesaßt, aber an die Mitteilung, daß der Herr Oberstleutnant Groote es ablehnen müsse, zu einer gesonderten Veranstaltung am Abend zu erscheinen, daran hatte keiner der Anwesenden gedacht. Die Versammlung beschloß nun nach langem hin und her, von enstreiches abzusehen, Veranstaltung eines gemeinsamen Zapfenstreiches abzuse der Genugtuung, daß doch wohl den Militärvereinen der Ruhm gebühre, wenn der Kreiskriegerverband es in diesem Jahre unternimmt, am Geburtstage Sr. Majestät an die Oeffentlichkeit zu treten. Freitag ahend 6 Uhr. Voranzeige Freitag abend 6 Uhr. Neu-Eröffnung. Unser Geschäft bleibt wegen Umzug nach Gewerkenatr. 2 heute und morgen bis 6 Uhr abends geschlossen. Schalke. 888 Kriegerbund Kalser Wilhelm II. I. Bataillon Gelsenkirohen-Biemarck. Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisere Im Vereinelokal Linden. Programm: Samstag, den 25. Januar, abends ½8 Uhr: Antreten zum Zapfenetreich. Sonntag, den 26. Januar, morgens 6 Uhr: — Reveille.— Morgens ½10 Uhr: Antreten z. Kirchgang. Nachmittags 3½ Uhr: Antreten zum Foetzug mit Parade. Hieran anschließend: Konzert und Ball. Preis der Karten zum Fest: Im Vorverkauf 75 Pfg., an der Kasse 1 Mr. Kinder unter 14 Jahren müssen beim Beginn des Balles den Saal verlassen. 4380 Der Vorstand. Billiges Freie Fleischer-Innung Gelsenkirchen. Wreilag, den 24. Januar cr., avends 9 Uhr, im Neumarkt=Hotel(Beukenberg): Oeffentliche st jeder für die vorzügl. Wirkung „g. der echten Steckenpferd=Teerschwefel=Seise von Bergmans & o. Redebealm. Schutzmarke: Steckenpferd gegen alle Arten Lautunreinigkeiten u. 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Januar 1008. Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Januar nachm. 3 Uhr vom Sterbehause, Fürstinnenslr. 39. aus stat: UE T Allgemeine Zeitung. KEERRRRRGE 9— Die glück:# liche Geburt a eines gesunden X krästigen 10393 5 Knaben zeigen hocherfreut an W. Böscke u. Frau. Gelsenk., 21. Jan. 1008. Diejenigen Pfänder der städt Leihanstalt, welche innerhalb der im§ 11 des Statuts bestimrten Frist und nach Ablauf der im Pfandscheine angegebenen Zeit nicht eingelöst und. sollen am Mittwoch, 29. Jan. von morgens 9½ Uhr ab im Leihamt(Rathaus) Ahstraße, öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden. minen zum Verkauf die Pfandstücke Nr. 14779—16195 bestehend in goldenen und silbernen Herren= und Damen= Taschenuhren, Wanduhren, Gold- und Silbersachen, Wäsche, Betten, Manner=, Frauen= und Kinderkleidern, Nähmaschinen, Fahrrädern usw. 464 Die beim Verkauf erzielten Ueberschüsse können binnen 14 Tagen vom Verpfänder bei der hiesigen Leihhauskasse erhoben werden. Nach Ablauf der 14= tägigen Frist werden die nicht abgehobenen Beträge bei der Ortsarmenkasse hinterlegt. Diejenigen Geldbetrage, welche nicht binnen Jahresfrist von den Berechtigten in Anspruch genommen sind, gehen in das Eigentum der Armenkasse über. Gelsenkirchen, 20. Januar 1908. Der Oberbürgermeister. Schlachthof l. Am Freitag, den 24. ds. von morgens 7 Uhr an, wird auf der Freibank das Fleisch von vier tuberkulösen Kühen, das Pfund zu 40 Pfg., sowie das Fleisch von einem notgeschlachteten und gelbsüchtigen Schwein, das Pfund zu 50 Pfg. verkauft. 10396 Die Schlachthofverwaltung. Suche für meinen Betrieb einen tüchtigen, zuverlässigen Backmeister. Es wollen sich nur solche melden, die als Backmeister tätig gewesen und gute Zeugnisse besitzen, den vollen Betrieb zweier Doppelöfen mit Sicherheit übernehmen können. Offerten nebst Angabe des Alters und Lohnansprüche unter A. L. 157 an die Exped dieser Zeitung. 497 Seitenpulveriabrik sucht für den Vertrieb ihrer eingef. Marke einen strebsamen, durchaus tüchtigen 10351 Vertreter gegen Provision. Offert. unter A. J. 152 an die Exp. ds. Bl. Für mein technisches Bureau wird ein ordentlicher Junge mit gutem Schulzeugnis sofort gesucht. 10349 permann Franken, Verzinkerei Eisen= und Blechwarenfabrik. Mädchen für Vormittags gesucht. 470 Rheinelbestr 16. part. Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, gestern morgen ½6 Uhr meine innigst geliebte Frau, unsere treusor gende Mutter, unsere liebe Schwester, Schwagerin, Tante u. Schwiegertochter 484 Frau Gerloff Undega, Richtje, geb. Spiering, im Alter von 34 Jahren zu sich in die Ewigkeit ebzurufen. Mit der Bitte um stille Teilnahme seigen dies tiefDie trauernden Hinterbliebenen betrübt an Zwangsversteigerung. Freitag, den 24 Januarer., vormittags 11 Uhr, werde ich in meinem Pfandlokale beim Wirt Eickelkamp, hier: drei Faß ein Ballon Essenz, zwei Marquisen, ein Wurstgehänge, zwei Thekenaussätze von Eisen, ein kleines Wandregal, ein Lattenregal und div. Waren öffentlich meistb ietend gegen Barzahlung versteigern. Arbeiter, Gerichtsvollzieher. Jungerer Schreiber sofort gesucht. Zu melden zwischen 1—3 Uhr. Hohens ein, Gerichtsvollz., Kaiserstraße 30. Bekanntmachung. Ueber das Vermögen des Bäckermeisters Altred Walther in Gelsenkirchen, Oststraße 58, ist heute nachmittag 1½ Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsanwalt Bispinck in Gelsenkirchen ist zum Konkursverwalter ernannt. Erste Gläubigerversammlung am 20. Februar 1908, vormittags 10 Uhr. Termin zur Prüfung der bis zum 25. Februar 1908 anzumeldenden Forderungen am 4382 5. März 1908, vormittags 10 Uhr, Zimmer Nr. 21. Offner Arrest mit Anzeigepflicht und Anmeldefrist der Forderungen bis zum 25. Februar 1908. Gelsenkirchen, den 21. Januar 1908 Der Gerichtsschreiber des Agl. Amtsgerichte: Thönnes, Amtsgerichtssekretär Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Gelsenkirchen belegenen, im Grundbuche von Gelsenkirchen, Band VI, Fol. 47, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns Otto Heikhaus zu Ueckendorf eingetragenen Grundstücke, Nr. 12, Flur 16 Nr. 35, Gelsenkirchen, Hofraum, 2 ar, 45 qm, Nr. 2, Flur 16, Nr. 151 34, Gelsenkirchen, Hofraum, 4 ar, 05 gm. Auf Nr. 1= und 2: Bahnhofstraße 54.=) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, 3600 Mark Nutzungswert, b) Wohnhausanbau mit Treppenhaus, 120 Mark Nutzungswert, am 4381 18. März 1908, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Overwegstraße, Zimmer Nr. 32, versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 27. Dezember 1907 in das Grundbuch eingetragen. Gelsenkirchen, den 7. Januar 1908. Tüchtige Mädchen erhalten sofort gute Stellung hier und auswärts durch Stellenvermittlerin Frau A. Böhm, Wanne, Bahnhofstraße 53. Erfahrenes, kräftiges Zweitmädchen und Kindermädchen, über 21 Jahre alt, gesucht. Meldung von solchen, die aus herrschaftl. Häusern gute Zeugnisse besitzen, 2—4 Uhr: Am Stadtgarten 11, Gelsenkirchen. 10353 Gesucht wird zum möglichst baldigen Eintritt gegen guten Lohn ein älteres 10377 Hausmädchen. Meldungen müssen beim Verwalter nachbenannter Anstalt erfolgen. Knappschaftskrankenhaus I, Gelsenkirchen Madchan sucht Arbeit für Mauchen ganze od. halbe Tage. Zu erfragen 500 Königgrätzerstr. 47. Eine Frau sucht Stelle zum Waschen und Putzen. 482 Olgastraße 18, 2. Stock. Mädchen, 15 Jahre alt, sucht Stellung zum 1. Februar. 485 Caternberg, Heßlerstraße 88. Ordentliches Mädchen sucht Stellung in bess Hause. Rotthausen, Wiehagenstraße 59 Für das Lohnbureau eines größeren Werkes wird ein junger Mann, 10373 ca. 18—20 Jahre alt, flotter Rechner, mit schöner Handschrift, zum sofortigen Eintritt gesucht Meldungen mit Gehaltsansprüchen befördert unter A. J. 155 die Geschäftsstelle dies. Zeitg. Suche per sofort oder 1. Februar eine tüchtige, erste Verkäuferin. Kaufhaus Bermann, Buer, Spezialhaus für Glas, Porzellan und Küchengeräte. Fixes, nicht zu junges 10395 Dienstmädchen für sofort oder bald gesucht Frau A. Lorenz, Dickampstraße 391. Für kleinen Haushalt ein junges Mädchen sofort oder zum 1. Februar gesucht. Munckelstraße 1, part. Wegen Verheiratung meines jetzigen suche zum 1. oder 15. Februar ein saub Mädchen Waschfrau wird gehalten. 489 Kais erplatz 7, parterre. Eine Wohnung. 12 Zimmer, part., 2 kleine Zimmer, 1. Etage, mit Keller zu verm 10350 Grillostraße 42 A. Erste Etage von 5 Zimmern, Bismarckstr.51, zum 1. 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Jannar, vormittags 10 Uhr anfangend, werde ich im Auftrage der Frau Nathau hierselbst wegen Aufgabe des Geschäftes n den Ladenräumen derselben. Bahnhofstraße 53 hierselbst, eine große Partie Manufakturwaren als: Kleiderstoffe, Herren= und Kinder=Anzüge, Jacken, Schürzen, Losen, Chemisetts, Kragen, Teppiche, Galanterie= u Glaswaren, Haushaltungsgegenstände, ferner Gastronen, eine Ladeneinrichtung m. 10 Theken, 12 Reaalen, 2 Pulte(zweiseitig mit Aufsatz), 1 Aktenschrank, 12 Geschäftetische, 12 Rohrstühle, 24 Büsten, 24 Kinderbüsten, 12 Kroulenchter, 1 Reaulator, 1 Gasosen, 6 Spiegel, 1 Konfektionsspiegel, 6 Geldkasetten, 20 Personalschränke, 12 Leitern, 12 Stellagen, 2 Waggon trockenes, gutes Holz aus großen, breiten Brettern bestehend, für Ladeneinrich= tungen, 1 Dezimalwage mit Gewichten öffentlich meistbietend gegen dar versteigern. Die Sachen sind 2 Stunden vorher zu besichtigen. 10588 Der Verkauf dauert den ganzen Tag Ludwig Brenner, Auktionator, Gelsenkirchen, Arminstraße 22. 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Junge Damen, welche geneigt sind, Ansichtskarten zu wechseln, werden gebeten, ihre werte Adresse an Reiter Sombetzki, Reiter Koßmann, Reiter Keller, Reiter Brielmaier, 2. Komp Feldregiment Nr. 1, DeutschSüdwest=Afrika, Maltahöhe, zu senden. 10384 Klavierunterricht erteilt gründlich. 495 Näheres Ringstraße 52°. — Empfehle mich den werten Herrschaften im 448 Kochen und Servieren. Martha Pawlitz, Kirchstr. 14. II. Etage, Bäckerei Lessenich Einem Teil unserer heutigen Ausgabe ein Prospekt der Firma Katzenstein& Co., Schalke, bei, worauf besonders aufmerksam machen. 10390 — Augemeine Zeitung. Douuerstag, deu 29. Zenvar 1vor. Vereius- und Vergnügungs-Anzeiger. f. Der Kreiskriegerverband Gelsenkirchen(Stadt) veranstaltet anGeburtstages des Kaisers auf dem städlischen Platze an der Hochstraße(Wilhelmshöhe) am Sonntag den 26. d. M., nachm 3½ Uhr, eine Parade. Die Festansprache wird Herr Oberstleutnant Groote vom hiesigen Bezirkskommando halten. Die einzelnen Vereine haben um 3¼ Uhr in Paradeaufstellung zu stehen. Von seiten des Vorstandes des Kreiskriegerverbandes wurde folgende Einteilung der Vereine getroffen: 1. Gruppe: Musik. Krieger= und Landwehrverein Gelsenkirchen, Kriegerverein(Graf Barfuß) Nr. 17, Marineverein, Gardeverein, Kriegerverein(Graf Haeseler) Nr. 181, Pionierverein: 2. Gruppe: Musik. Artillerieverein, Veteranenverein, Verein (Moselwacht) Nr. 180, Kriegerverein ehem. 16er(Hacketäuer), Kavallerieverein, Verein ehem. 137er; 3. Gruppe: Musik. Krieger= und Landwehrverein Ueckendorf, Kriegerverein Bulmke, Krieger= und Landwehrverein Hüllen, Kriegerverein„Viktoria“, Kriegerverein Heßler, Kriegerverein„Fürst von Bismarck“ und Kriegerbund„Kaiser Wilhelm II.“. Der Festzug bewegi sich von der Wilhelmshöhe durch die Ringstraße, Florastraße, am Kaiserplatz(hier trennen sich die Vereine von Schalle, Heßler und Bismarck), Industriestraße, Schalkerstraße, Marktstraße, Alter Markt, Kreuzstraße, Bahnhofstraße, Bochumerstraße, Ottilienstraße, Stolzestraße zum Moltkeplatz, wo die Auflösung des Festzuges erfolgt; von hier aus marschieren die Vereine in ihre Vereinslokale. ** Das Biophon=Theater Gelsenkirchen(Bochumerstraße 16), für singende, sprechende, lebende Photographien hat sich entschlossen, vom 1. Februar er. ab wieder an Werktagen seine Vorführungen in bekannter Güte darzubieten, und zwar ununterbrochen von 5 bis 11 Uhr nachmittags. Hierbei möchten wir nicht verfehlen, schon jetzt auf verschsedene Neuerungen hinzuweisen, welche sehr im Interesse des besuchenden Publikums geschaffen sind. So sind in den meisten Zigarrenund Friseurgeschäften unentgeltlich Vorzugskarten zu haben und der Inhaber einer solchen Karte zahlt auf allen Plätzen 10 Pfg. weniger. Aber auch der Jugend ist gedacht, die lehrreichen und bildenden Vorführungen ohne Mehrausgaben besuchen zu können, indem jedes Kind beim Eintritt eine Kinder=Sammelkarte bekommt, wovon 10 Stück zum einmaligen freien Eintritt berechtigen. Auf das demnächstige neue Arggramm kommen wir noch näher zu sprechen. Verein der nationalliberalen Jugend. In der letzten Generalversammlung des Vereins, die unter Leitung des Kassiererd Herr Rehn stattfand, wurden nur geschäftliche und interne Angelegenheiten criedigt. Die Vorstandswahl ergab die Wahl der Herren Heinrich Umbach, Wilhelm Loose und Johann Wohlfarth in den Vorstand. Eine Reihe erfreulicher Anregungen zur Agitation wurden gegeben. Der Lichtbilderabend des Vereins wurde auf den 2. Februar in den Saal des Herrn Thiemeyer festgesetzt. ** Der Ostpreußisch=edangelische Knappen=Unterstützungs=Verein Vismarck=Ost hielt am vergangenen Sonntag im Vereinslokale beim Wirt Gustav Haltern seine Generalversammlung ab. Gegen 3 Uhr nachmittags wurde sie vom ersten Vorsitzenden Michael Fiedrich mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet und geleitet. Nach Verlesung des Proiokolls unr des Kassenberichts, nach Zahlung der monatlichen Beitrage und Aufnahme neuer Mitglieder nahm die Neuwahl des gesamten Vorstandes längere Zeit in Anspruch. Folgende Mitglieder kamen teilweise durch Wiederwahl, teilweise durch Neuwahl in den Vorstand: 1. Vors. Michael Fiedrich, 2. Vors. Gottlieb Patora, 1. Schriftf. Johann Topzek, 2. Schriftf. Michael Krupka, 1. Kassierer Friedrich Rettkowsky, 2. Kassierer Michael Borowsky, Beisitzer die Mitglieder Gottlieb Naroska, Karl Urbansky, Gottlieb Olschewsky und Karl Rettkowsky; Fahnenträger: Wilhelm Sowensky und dessen Stellvertreter Otto Nischik, erster Fahnenoffizier Johann Karzeuski und dessen Stellvertreter Gottlieb Ristau, zweiter Fahnenoffizier Christian Jungblut und dessen Stellvertreter Friedrich Boganatz. ## EFrankenkontrolleur Otto Bratz; Krankenkontrolleur Michael Borowsky und Otto Nischik; Kassenrevisoren August Totzek, Karl Kniza und Friedrich Jost. Unter„Verschiedenes“ wurde die KaisersGeburtstagsfeier auf den 9. Februar festgesetzt. In. Der Deutsche Kriegerbund, wozu die Kreiskriegerverbände des Stadt= und Landkreises Gelsenkirchen gehören, ist in den letzten Jahren bedeutend angewachsen. Nach dem neuesten Jahresberichte zählte er am 1. April 1907 zu seinen Mitgliedern 18 069 Vereine mit 545 279 Mitgliedern. Hiervon sind 250 836. also ca. 17 Prozent Veteranen. Aus der Bundeskasse wurden an Unterstützungen in den Jahren 1995 und 1906 ausgegeben; an 20 947 Kameraden 341 775 Nark; an 10 918 Witwen 104 709 Ml.; als Notstandunterstützungen 26 630 Mk; Stockmarr=Gaben in 206 Fällen 4739 Mk.; besondere Unterstützungen 610 Mk. und für Unterhaltung der Waisenhäuser 317930 Mf. lasse betrug 536,01 Mk., die Ausgabe 578,85 Mk., mithin ein Minus von 87,84 Mk. Die Einnahme der Sterbekasse belief sich auf 751,27 Mark, denen die Ausgabe mit 770 Mk. gegenübersteht, also ein Defizit von 18,73 Mk. In der Sparkasse befinden sich 4977,45 Mk. Gestorben sind 12 Mitglieder und 6 Frauen. Sattlermeister Hofmann wurde zum 1. Vorsitzenden wiedergewählt. Zum 1. Schriftführer wählte man Pustboten Gerstemeier, zum 2. Kassierer Bettenhausen und zum Bibliothekar Bergmann Menger jun. Als inaktive Vorstandsmitglieder wurden gewählt Pfarrer Daniels, Rektor Müller, Rentner Lechtape und Pfarrer Beckmann. 2. Kassierer der Bundessterbekasse ist Niederschirp. Darauf fand die Feier des Kaisersgeburtstages statt. Die Festrede hielt Rektor Müller. Aus der Umgegend. s. Erle=Middelich, 28. Jan. Die elektrische Straßenbahn von hier nach Herien ist bis zur Wirtschaft Holz fertiggestellt. Es fehlen nur noch ein paar hundert Meter an der Grenzstraße. Man scheint noch nicht ganz einig darüber zu sein, ob man die Bahn bis zur Haltestelle„Schloß Berge“ der Straßenbahn„Gelsenkirchen=Erle=Horst“ eder nur bis zur Haltestelle„Grenzstraße“ legen soll.— Ebenfalls ist die Straße, die entlang der neuen„Elektrischen" nach Resse führt, fertig, sodaß die Fuhrwerke nicht mehr den bisherigen alten Sandweg passierer brauchen. be. Kray, 21. Jan. Auf dem hiesigen Dampfsägewerk der Firma Berger ereignete sich am Montag nachmittag ein schlimmer Unfall. Beim Verladen schwerer Hölzer kam ein junger Arbeiter zu Fall, wobei ihm ein dicker Eichenstamm auf den Kopf rollte. Die Verletzungen des Bedauernswerten sind derartig schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Auf Anordnung des Arztes wurde der Verletzte dem Königssteeler Krankenhause überwiesen.— Im benachbarten Rott sand man am Montag den Vater des Hauderers D., ein schon älterer Mann, tot im Hose vor. Ein Schlaganfall hatte den Tod herbeigeführt. ** Kray, 22. Jan. Zu dem in unserer gestrigen Nummer be richteten Diehstahl wird uns von dem angeblichen Dieb mitgeteilt, daß es sich nicht um einen Diebstahl, sondern um einen Tausch handelt und der Betreffode das Fleisch, da er eine Forderung von 4,80 Mk. hatte, im Einverständnis mit der Frau des Metzgermeisters mitgenommen hat. Letzte Telegramme. Nationalliberale Resolutionen zur Strafprozeßordnung. Berlin, 22. Jan. Dem Reichstage ging eine nationalliberale Resolution Heinze zu: Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, im Reichstage im Anschluß an den zu erwartenden Entwurf der Strasprozeßordnung einen Entwurf des Gesetzes vorzulegen, durch den der Strafvollzug einheitlich für das Deutsche Reich gestaltet wird. Dem Reichstage ging eine nationalliberale Resolution Bassermanns zu: Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf betr. das Strafrecht und Strafverfahren sowie Strafvollzug hinsichtlich von jugendlichen Personen begangenen Straftaten vorzulegen. Geplanter Raubmord? Hamburg, 22. Jan. Heute vormittag##l. Uhr wurde die Frau des Inhabers des Gold- und Uhrengeschäfts###arquardt, Steindamm 33, von zwei jungen Leuten mit einem stumpfen Instrument an den Kopf geschlagen und oberhalb der linken Schläfe getroffen. Die Täter entflohen, wurden aber verfolgt. Einer entkam, der andere wurde festgenommen. dem Tandkreis Gelsenkirchen. P. Wanne, 21. Jan. Die ordnungsmäßig einberufene General#####mmlung des evangelischen Arbeitervereins tagte am Sonntag im (vangelischen Vereinshause. Es hatte sich eine stattliche Zahl der Mitglieder eingestellt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Werkmeister Siegmann, gab zunächst einen Rückblick auf das verflossene sehr arbeitsreiche Geschäftsjahr und schloß seine Ausführungen mit einem doch auf den Kaiser, welches von der Versammlung begeistert ausgenommen wurde. Zur Aufnahme hatten sich gemeldet die Herren Hobrrcht, Backheuer, Nordmeyer, Gruppa und von Otten. Dann verder Kassierer Breer den Kassenbericht. Einer Einnahme von 1275,10 Mk. standen 900,38 Mk. Ausgaben gegenüber, mithin beläuft sich der Bestand auf 374,72 Mk. Der Verein zählt gegenwärtig 290 Muglieder gegen 257 im Vorjahre, ausgeschieden a. verzogen sind 15 Nitglieder, gestorben 3 Mitglieder, im Berichtsjahre wurden ausgenummen 49 Mitglieder. Der Verein zahlt außerdem noch 45 außerordentliche Mitglieder. Nach dem Bericht der Rechnungsprüfer wurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Da der Gesamtetat ungefähr 60 000 Mt. umfaßt, so gab man dem Wunsche des Kassierers, der zugleich Verwalter des Vereinshauses ist, Folge, für diesen Posten einen anderen Kassierer zu wählen. Die Versammlung wählte dann einstimmig zum 1. Kassierer den Lehrer Pechtold. In der nun folgenden Wahl wurden in den Vorstand gewählt resp. wiedergewählt die Herren Pechtold, Quest, Pastor Winter, Hahn, Opfer und Wölke; in den Verwaltungsausschuß die Herren Meyer und Wörmsdorf. Zu Vertretern für den Verbandstag des evangel. Arbeiterbundes wählte man die Herren Kröger, Belnus und Franken, die Fahnenkommission #herd aus den Herren Gerwig, Wegener und Bertikowski wurde dergewählt. Am kommenden Sonntag begeht der Verein die Feier Geburtstages unseres Kaisers und zwar durch Kirchgang und Icsiversammiung. Wanne, 22. Jan. Für den Amtsbezirk Wanne dürfen während 2e Jahres 1908 offene Verkaufsstellen für den geschäftlichen Verkehr 0's 10 Uhr abends geöffnet bleiben am: 11., 14., 15., 16. und 18. spril, 5. und 6. Juni, 10., 11., 12., 14., 15., 16., 17. 18., 19., 21., 29., 24. und 31. Dezember. V. Wattenscheid, 22. Jan. Ein frecher Diebstahl wurde gestern ven einem Spipbuben in einem hiesigen Herren=Konfektionsgeschäft Cindt. Er stibitzte in einem günstigen Augenblicke eine Anzahl der aus dem Eingange des Geschäfts und suchte damit schleunigst g.: Weile. Die sofort angestellte Verfolgung war erfolglos.— Der in Wilhelm Korte hatte auf dem Gesang=Wettstreit in M.=Gladbach eltenen Erfolg. Mit seinem Quartett errang er bei stärkster renz zwei Ehrenpreise.— Die Sammlung für die Westfälische wenernschaft vom Roten Kreuz ergab die Summe von 1094,75 Mf. luf der Hüllerstraße entstand gestern ein Tagesbruch. 6. Eickel, 21. Jan. Der evangelische Arbeiterverein hielt am 40 eine Generalversammlung ab. Die Einnahme der ArbeiterAus Weltfalen und der Rheiuprovinz. * Bochum, 21. Jan. In der Bethovenstraße wurde im Streite ein Holländer von einem Landsmann gestochen. Tödlich verletzt wurde er dem Krankenhaus übergeben.— In einer dem Tatort nahegelegenen Wirtschaft stach ein eben aus dem Gefängnis entlassener Geselle einen Gast nieder, welcher aus Versehen ihm das Bierglas umgestoßen hatte. * Dortmund, 22. Jan. Hier wurde eine Sektion des RheinischWestfälischen Automobilklubs gegründet. Der Vorstand der Sektion besteht aus den Herren: Kommerzienrat W. Brügmann(Vorsitzender) und Dr. Brunc'(stellvertretender Vorsitzender). * Dortmund, 21. Jan. Hier hat sich eine eigenartige Köpenicktade ereignet, die in der gestrigen Stadtverordnetensitzung zur Sprache kam. In einem Bericht der„Dortm. Ztg.“ heißt es: Zum Schlusse brachte Herr zur Hellen noch einen eigenartigen Vorfall zur Sprache. In der vorigen Woche sei ein fremder Mann in die Martinschule gekommen und habe da wohl eine Stunde in einer Mädchenklasse unterrichtet(?) und die Kinder dabei unsittlich angesaßt. Der Redner fragt, wie solches in einer inmitten der Stadt belegenen Schule, in der es doch nicht an Aufsicht sehle, möglich sei, zumal es nicht das erste Mal sei, deß so etwas vorkomme. Die Kinder und die Eltern seien ob des Vorganges sehr erregt. Herr Schulrat Dornheckter beantwortet diese Anfrage. Die Sache sei allerdings vorgekommen; als sie gemeldet war, wäre sofort die Kriminalpoltzei benachrichtigt worden, alles sei geschehen, um eine Wiederholung eines solchen Vorkommnisses zu vermeiden. Es liege nicht der geringste Grund zur Beunruhigung vor. Im Hochsommer des vergangenen Jahres sei ein gleicher Fall vorgekommen, leider sei es nicht gelungen, den Menschen zu fassen. * Soest, 21. Jan. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich vor einigen Tagen dicht vor unserer Stadt. Hier kampierte eine aus zwöls Köpfen bestehende Bärentreibergesellschaft. Einer der Bären wurde wütend, fiel über ein 10 Jahre altes Kind her und riß ihm das Kopfhaur samt der Kopfhaut ab. Das auf diese Weise skalpierte Kind liegt in hoffnungslosem Zustande im Krankenhause. Der Bär, der das Unheil angestiftet hatte, wurde erschossen. * Bielefeld, 21. Jan. Der verstorbene Wirkl. Geh. Rat Exzellenz Dr. Hinzpeter hat der Stadt Bielefeld ein Rapital von 18600 Mk. vermacht mit der Auflage, es zu Zwecken des städtischen Krankenhauses, in welchem er seinerzeit eine so ausgezeichnete Pflege genossen habe, zu verwenden. ** Haum, 22. Jan.(Priv.=Tel.) Heute nacht gegen 2 Uhr stießen auf dem Rangierbahnhof zwei Güterzüge aufeinander. Zwei Wagen wurden vollständig zertrümmert, mehrere andere beschädigt. Menschen sollen nicht verletzt sein. 1* Oberhansen, 21. Jan. Heute morgen ist es wieder einmal einem Verbrecher gelungen, aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis auszubrechen. Der Schlosser Adclf Moog, der bereits 13mal vorbestraft ist, war im Gefängnis zur Küche kommandiert. Hier benutzte er eine günstige Gelegenheit, um das Weite zu suchen. Wohin sich Moog gewandt hat, ist noch nicht aufgeklärt. * Duisburg, 21. Jan. Auf der Kaiserstraße sprang ein von Ruhrori kommender Motorwagen mit Anhänger der Kreis RuhrorterS.raßenbatzn aus dem Gleise. Beide Wagen fuhren quer über die Straße, wokihnen das an der Kaiser= und Roonstraße gelegene Wohnhaus Halt bot. Der Motorwagen rannte mit dem Vorderperron bis in das Schlafzimmer dieses Hauses. Der Wagen ist vollständig demoliert. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt. Nach den Angaben der Fahrgäste trifft den Führer keine Schuld. Die Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. ** Elderfeld, 22. Jan. Die Mittelstandsvereinigung für Rheinland und Westfalen, die gestern hier ihre erste Sitzung abhielt, beschloß in der nicht öffentlichen Abendsitzung im Gegensatz zu der Berliner Zentrallcitung, keine eigenen Kandidaten bei politischen und kommunalen Wahlen aufzustellen und sich nötigenfalls, wenn der Zentralvorstand nicht damit einverstanden ist, vom Zentralverbande zu trennen und einen eigenen Verband Rheinland=Westsalen zu gründen. Die Mitglieder der Vereinigung sollen jedoch systematisch und ständig auf die Parteien einwirken, um diese zu einer energischen Vertretung der Mittelstandsinteressen zu veranlassen. Der nächste Gautag sol! in Aachen stattfinden. ** Elberfeld, 22. Jan. Die Stadtverordneten beschlossen, der Verwaltung einen Kredit von 20 000 Mk. zur Beschäftigung Arbeitsioser zur Verfügung zu stellen. Bei der Auswahl der zur Beschäftigung zuzulassenden Arbeitslosen sollen in erster Linie ortsangehörige Arheitslose berücksichtigt werden. vor allem Verheiratete und von diesen wiederum Familienväter, denen unverheiratete Familienversorger gleichzustellen sind. Als Lohnsatz wurden 3 Mark pro Tag bestimmt. * Solingen, 22. Jan. Gestern und heute beschäftigte sich das Schwurgericht in Elberfeld mit der großen Kroatenrevolle, der ein Menschenleben zum Opfer fiel und sonstige rohe Ausschreitungen vorfamen. Mit ziemlich gelinden Strafen kamen die rüden Gesellen davon. Es wurden verurteilt: Szamatz zu 3 Jahren Gefängnis, Maras zu 18 Monaten Zuchthaus, Saban zu 1 Jahr 5 Monaten, Zuchthaus, Marto zu 1 Jahr 5 Monaten 1 Woche und Rufic zu 1 Jahr 1 Woche Zuchthaus. Bovic wurde freigesprochen. Der Streit um den Innungsbecher. München, 22. Jan. Das Landgericht München fällte heute in der Klagesache der Breslauer Metzgerinnung gegen den Kunsthändler Adolf Stern in Firma A. u. F. Drey in München folgendes Urteil: Die beklagte Partei ist schuldig, den Innungsbecher der Vereinigten Fleischerinnung, Breslau, den sogenannten goldenen Ochsen, gegen Zurückgabe des Kaufbetrages von 15 00° Mark wieder herauszugeben bezw. den Becher wiederzubeschaffen. Die Kosten werden der beklagten Partei auferlegt. Der Becher befindet sich zur Zeit im Besitze des Konigs von England. Das Leichenbegängnis des Großherzogs von Toscana. Wien, 22. Jan. Heute mittag sand unter großem Gedränge das Leichnbegängnis des Großherzogs von Toscana statt. Nach Einsegnung der Leiche in der Hofburgpfarrkirche bewegte sim der Leichenzug nach der Kapnzinerkirche, wo der Sarg im Beisein des Kaisers und der kaiserlichen Familie, des Prinzen Friedrich Leopold als Vertreter des deutschen Kaisers, beigesetzt wurde. Der Port Arthur=Prozeß wird noch interessanter. Petersburg, 22. Jan. Slowo bringt heute die Aufsehen erregende Nachricht, daß General Kuropatkin mit seinem ganzen Stabe nach den im Stösselprozeß festgestellten Tatsachen gleichfalls dem Militärgericht übergeben werden wird. Er habe im Stösselprozeß augenscheinlich falsche Aussagen gemacht, die im Widerspruch mit seinen Berichten an den Zaren stehen. Mißglückter Versuch, eine Fabrik zu zerstören. Naioville(Tenesse), 22. Jan. Bei dem Versuch, eine Tabakfabrik in Clarksonville durch Dynamit zu zerstören, wurden gestern von den Fabrikwächtern 2 Neger getötet und einer verwundet. Aus Marokke. Casablanca, 22. Jan. Mulay Raschid besetzte am 17. Januar wieder Settah. d'Amade ließ in Mediuna eine fliegende Kolonnzurück, die gegebenenfalls die Gegend umgehend säubern und zu Hilie eilen kann, wenn Darber=Redschid bedroht werden sollte. Sport. Theile in Paris. Der Eduard Taylor=Preis(Dauerrennen hinter Motorschrittmachern) wurde mit 5 Runden Vorsprung von Theile vor Simar gewonnen. Mauß konnte sich als Zweiter plazieren. Beide Sieger benuper das vortreffliche Brennabor=Rad. Die Vorzüge von Scotts Emulsion segenuber gewöhnlichem Lebertran beruhen vornehmlich derauf, daß durch die Verbindung mit Glyceri, Natron= und Kalkhypophosphiten die nährkräftigende irkung des Lebertrans wesentlich erhöht wird, und ein befriedigendes Resultat sich dadurch rascher und sicherer erreichen läßt ale mit gewöhnlichem Tran. weshalb sie sich auch im Gebrauch preiswer ter stellt als dieser. Scotts Emulsion ist daher für kein und gres, Kinder und Erwachsene jeden Alters ein vorzügliches Mittel zur Erreichung eines widerstands= und leistungsfähigen Körpers. 4374 Scotts Emulsion wird von uns ausschließlitz im großen verkauft, und zwar die lose nach Gewicht oder Acz, sondern nur in versi# zelten Oeitnalflaschen in Karton mit unserer Schugnarke(Zisyer mit den Docsh oe#t&a Boone.—. in d H. Frankturt a. bestanotelle: Feiaster Aedizing=Leberrean 150,0. prima Oipserin 50,0, unterphosphorigaurer Kalk 1.8. unte P#####u vorigioures Kuron 1.) aud Kram: 3.2, finster gras Gumm Juld 2.,0, demiu Waser 129.9, Alkobol 11,0. Hieezu acoma: Emuision mit Ziml., Mandel= und Gauttheriasl je 1 Tropfen. Ueber Gallensteinkrankheiten, ihre Ursache und naturgemäße Heilung erscheint im Verlage medizinischer Schriften in Mannheim eine kleine Schrift, die von jedem, der sich belehren lassen will, bezogen werden kann. Wir verweisen auf das bezügliche Inserat in unserer heutigen Nummer. e Perie aller Schuh-Cremes Warnung. In hiesigen Zeitungen wird von dem hierselbst, Friedrichstraße 115 wohnhasten Gr. Lindekuh das Mittel Mesembryanihemum gegen Menstruationsstörungen usw. angepriesen. Das aus der gepulverten rimischen und gemeinen Kamille bestehende, durch geringe Mengen von Grasbestandteilen und Samen verschiedener Art verunreinigte Mittel wird zu dem Preise von 10 Mark verkauft, während sein wirklicher Wert etwa 30—40 Pfennige beträgt. Vor Bezug dieses Mittels, dem die ihm beigelegte Wirkung nicht innewohnt, und das ebenso wie alle ähnlichen unter anderen Namen angepriesenen Menstruationspulver lediglich auf Ausbeutung leichtgläubiger Fiouen berechnet ist, wird hiermit gewarnt. Berlin, den 14. Dezember 1907. Der Polizei=Präsident. gez.: v. Borries. Wird veröffentlicht. Gelsenkirchen, den 18. Januar 1900. Die Polizeiverwallü#ß. Der Oberbürgermeister. J. B.: Antoni. Verantwertlich für den redaktionellen Teil: Chefredakteur M. Gerhäuser, für den Anzeigenteil Louis Ewald. beide in Gelsenkirchen. Rotationsdruck und Verlag der„Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung"(CarI Bertenburg jun.) Die feinsten finden Sie stets in gösster Auswahl auf „Zum Bergmann“, nur Geisenkirchen, Bahnhofstrasse 86 am Hauptbahnhof. Möbel jeder Art. Betten, Herde, Kinderwagen. Ganze Aussteuern mit Emaille-Geschirre. An kalten Tagen erwärmt man sich gern durch ein gutes Gias urog. hergestelt aus gutem Rum. Ich verkaute nur Jamaika-Rum und die Verschnitte desselben, und niemals sogenannten Rum aus Essensen hergestellt. Meine Qualitäten sind als hervorragend bekannt. Flasche von 1.10 Mk, an. M. Schneider, Bahnho str. 37 Aelteste u. grösste Medisinal-Drogerie am Platze. robs grune Heringe Pfund 10 Lebendfrische Schellfieche billigst. Importhaus F. Wens. Bochumerstr. 8;, Schalke, Schalkerstr. 132, Rotth., Viktoriastr Wegen Umzug Kleiderschränken, Bettstellen, Natratzen, Sofas, Vertikows, Glasschränken, Büfetts. Herden, Tischen, Stühlen, Usw. Uew. zu bedeutend herabgesetzten Preisen auch auf Abzahlung ausverkauft werden. des Lobes bei einem Versuch in Cognac, Rum, Likören. Weingeist etc. aus der Destillation und Likörfabrik Ueckendorf, Lazarettstraße 12. Bekanntmachung. Infolge der Trockenheit des vergangenen Sommers und der zunehmenden Verschlammung der Ruhr in Verbindung mit dem jetzt herrschenden Frostwetter ist die Leistungsfähigkeit der Wassergewinnungsanlagen unserer Pumpstation in Steele so beeinträchtigt, dass dieselben den Bedarf nicht mehr decken können. Wir sehen uns daher veranlasst, die Ergiebigkeit des Wassergewinnungsgeländes dadurch zu steigern, dass wir die Ruhrsohle aufeggen. Wir haben in einem früheren Falle die Erfahrung gemacht, dass nach dem Aufeggen der Ruhr die Keimzahlen höher als gewöhnlich waren. Wenngleich damals Krankheitsfälle nicht eingetreten sind, so halten wir es doch für geboten, unsere Konsumenten vor dem Genusse ungekochten Wassers zu warnen. Gelsenkirchen, den 13. Januar 100d. Wasserwerk für das nördliche westfällsche Kohlenravier. 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