Die Zeitung„Das Volke erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei dem Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschäftsstelle entgegen Preis vierteljährlich für die Stadtabonneuten M. 1,25 frei ins Haus 40 Pig mehr, für alle Postabonnenten M. 1,35 frei ins Haus 40 Pfg mehr. Siegen: Schriftleitung und Geschäftestelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Berlin: Agentur: NW Klopstockstraße 7. (D. v. Oertzen.) Durch die Zeitung„Das Volkfinden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westfalen, Hessen=Nassau und das Großherzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen Vermittelungs=Geschäft zu erteilen. Die Lage der Gewerkschaftsbeamten. Von einem christlichen Gewerkschaftsbeamten wird uns geschrieben: Die„Schlesische Zeitung" brachte kürzlich eine Notiz, die sich mit der Lage der Gewerkschaftsbeamten befaßt. Die ganze Notiz wimmelt voller Verdächtigungen und ist ursprünglich wöhl nur für die in der Gewerkschafts= bezw. Arbeiterbewegung unerfahrenen Leser der„Schlesischen Zeitung berechnet gewesen. Für Kenner der Arbeiterbewegung kann solch thörichtes Zeug nicht in Betracht kommen. Es sei mir gestattet, folgendes zu erwidern: Die Gewerkschaften, so schreibt die„Schlesische Zeitung zahlen zunächst einer ganzen Anzahl Beamten 1800 2000 ja sogar 2800 Mark Jahresgehalt. Dies erscheint der„Schlesischen Zeitung etwas Unerhörtes.„Eine ganze Anzahl aber, nicht alle, erhalten über 1800 M. Die größte Anzahl der Gewerkschaftsbeamten erhalten geradezu jämmerliche Gehälter im Verhältnis zu den Leistungen, die von den Beamten verlangt werden. Nur die Buchdrucker zahlen einem ihrer Beamten 2800 und weiteren zwei je 2600 Mark Gehalt sonst niemand weiter. Die Gehälter von 1000 und 1200 M. verschweigt man. Außerdem mag die„Schlesische Zeitung bedenken: Die Gewerkschaftsbeamten leben mit verschwindend wenigen Ausnahmen in Berlin und anderen Großstädten und nicht in schlesischen oder ostpreußischen Dörfern. Sonst werden die Buchdrucker und ihre Leiter(Beamten) als Bekämpfer der sozioldemokratischen Parteipolitik in der Gewerkschaftsbewegung gefeiert, aber wenn man einen Strick sucht, um den Hund zu hängen, dann sind die Buchdrucker, das heißt ihre Beamten mit ihren 2600 bis 2800 M. Gehältern genießende Agitatoren Der„Journalist“ der„Schlesischen Zeitung scheint zu glauben, die Beamten der Arbeiterorganisationen müßten verhungert und zerlumpt einhergehen. Soviel steht fest ein Gewerkschaftsbeamter hat größere Ausgaben, wenn er seinen Platz voll ausfüllen will, als wie ein Redakteur der„Schles Zeitung 51 Verbände zahlen insgesamt 152419 Mk. an Gehälter, aber an etwa 120 140 Beamten. Das ist absolut nicht viel. Was zahlen die Unternehmerverbände an ihre Beamten alias General=Sekretäre. Wenn die„Schl. Ztg es merkwürdig findet, daß die Centralorganisation 603 559 Mark für die Verbandsorgane bezahlten so will ich ihr das Geheimnis verraten. Die Verbände liefern mit Ausnahme von 2 Verbänden die Verbandszeitungen allen Mitgliedern 580473 an der Zahl, gratis und franko. Wenn die„Schles Zig einen kleinen Anspruch auf Pfiffigkeit hätte, so mußte sie dieses merkwürdige Geheimnis in dem Bericht des Herrn LegienHamburg selbst gefunden haben.: Denn darin war es klar und dentlich geschrieben Eine fast ebenso rührende Unkenntnis der Sachlage liegt in den Sätzen, die die Agitation betreffen. Erstens ist es Unsinn, daß die Agitation fast ausschließlich von den Beamten besorgt wird aber angenommen, es wäre so glaubt denn die„Schl. Zig die Beamten erhielten ihre Gehälter um davon die Fahr= und sonstigen Unkosten der Reisen zu decken Nein die Gehälter erhalten dieselben um ihre Familien und Hausstand zu erhalten. Und wenn dies in der richtigen Weise erfüllt wird, dann kann sich jeder Zeitungsschreiber, der großstädtische Verhältnisse kennt, ausrechnen was übrig bleib Hätten die Arbeiter und ihre Gewerkschaftsbeamten Einkommen auch nur, wie ein kleiner Kommerzienrat so könnte jeder die Kosten der Agitation aus eigener Tasche decken und dieser Posten würde fortfallen. Das Gesagte trifft auch für Punkt Konferenzen und Generalversammlungen zu. Der letzte Teil der Notiz betreffend Sonstige Zwecke ist für jeden rechtlich denkenden Meischen, der die Sache kennt, eipörend Bei der Legienschen Abhandlung haudelt es sich uum statistische Darstellungen Jeden vernünftigen Menschen muß es einleuchten, daß es unmöglich ist die Verwendung jede einzelnen kleinen Summe in der Generalstatistik zu begründen oder auch nur auseinander zu halten Wurde die Audentung vom„dunklen Posten einen Funken Berechtigung haben so würden die Sozialdemokraten klug genug sein denselben anders zu fassen Wenn die nichtsozialdemotratische Arbeiterschaft mit so dürftigen Waffen gegen die rote Partei ausgerüstet werden soll, wie es hier die Schlef Zeitung versticht dann ist ihre Sache verloren. Abei Gott sei Dank hat die christliche Arbeiterschaft bessere Wasfen zur Hand gegen die Sozigthematratte als solche und deshalb wird sie siegen Veidächtigungen wie die der Schlef Zeitung schädigen die Otgamsatinen der Arbeiterschaft überhaupt somit auch die christlichen gußerdem verbietet aber auch die Wahrhaftigkeit, von der die chriftliche Arbeiterbewegung getragen werden sollte, mit seichen Mitteln einen Feind zu bekämpfen. in Cmaur Einer in Berlin eingetroffenen Depesche des Gouberneurs vort#schiischen züufolge##de eine deutsche Parr# in Stärke von 30 Mann an der=Nordgrenze von Kiautschen von 100 Borern gegen Die Bore wurden auseinander gesprengt und verloren über 30 Tote Auf deutscher Seite sind glücklicherweise keine Verluste beder Tote noch Verwundete zu verzeichnen. Das ist zweifellos eine eriste Meldung, die klar und dentlich beweist, wie unvorsichtig es sein würde allzu früh unsere Truppen zurückzuziehen Bisher war in Schantung die Ruhe noch so leidlich aufrecht erhalten worden doch müssen untere Behörden in Kiantschon dem Frieden schon seit einiger Zeit nicht getraut haben, da sie die Seesoldaten die bei Tientsin gefochten hatten, nach Kiautschon zurückzogen sobald dort die unmittelbare Gefahr geschwunden war. Der Einfall einer nicht unbeträchtlichen Abteilung von Aufständischen bestätigt die Berechtigung dieser Vorsicht und wenn wvir auch höffen, daß es in unsern an Schautung angeenzenden Gebiet zu größern Operationen nicht kommen wird### doch gewiß besser, zu vorsichtig als leichtfertig zu sein. Wie große Banden bewaffneter Aufständischen sich bilden können, sieht man aus der Depesche des„Standard" wonach sich auf die Meldung von der Eroberung von Peking ein Teil der Truppen des Gouverneurs von Kiangsu zerstreute. Solche Leute, die schon zu ihrem Lebensunterhalt in Banden zusammenbleiben müssen, sind eine große Gefahr für die Ruhe und können unter Umständen den Kern für eine anschwellende aufständische Bewegung bilden. Im übrigen ist die Mitteilung des„Standard sehr lehrreich, indem sie zeigt, welchen Eindruck die Eroberung von Peking auch auf solche chinesischen Truppen gemacht hal, die an den dortigen Kämpfen gar nicht beteiligt waren. Rückschließend kann man sich ohne Mühe vorstellen, wie es auf die Chinesen wirken würde, wenn ihnen jetzt plötzlich die Nachricht von der Räumung Pekings durch die verbündeten Truppen zugebracht würde. Aus diesem Grunde ist es unbedingt ratsam, die Truppen erst dann zurückzuziehen, wenn wieder geordnete Zustände unter einer ordnungsmäßigen Regierung bestehen. Wir verzeichnen heute folgende Drahtberichte: Berlin, 6. Sept. Vom zweiten Admiral des Kreuzergeschwaders ging heute folgende Meldung des Kapitäns Pohl aus Peking ein: Der russische General besuchte am 26. August die deutschen Quartiere und sprach sich lobend über die Ordnung und Disziplin aus. Die Unterkunft der Leute ist gut. Der von den deutschen Mannschaften besetzte Teil der Chinesenstadt wurde gereinigt. Beruhigende Proklamationen wurden erlassen Am 27. August sind zwei schläge vorgekommen, auch beim Seebataillon sind einige Dysenteriefälle zu verzeichnen. Der Seesoldat Bergers vom Peking=Detachement ist einer Kopfwunde erlegen. Am 28. August fand ein Durchmarsch durch den Palast statt, der Einmarsch erfolgte von Süden her, der Abmarsch nach Norden. Der Durchmarsch erfolgte durch die pfangshallen, die Räume machten einen schmutzigen verwahrlosten Eindruck. Kostbarkeiten waren nicht vorhanden Später wurde der Palast wieder geschlossen Einem Gerücht zufolge ist die Kaiserin erst am 15. August früh entflohen. Vom 31. August meldet Kapitän Pohl: Das zweite Seebataillon ist in Peking eingetrosfen. Ich trete nach Uebergabe der Geschäfte an den Generalmajor Höpfner mit den sehr angestrengten Landungstruppen den Rückmarsch nach Tientsin an. Auf den Etappenstationen und für die Wasserverbindung wird seemännisches Personal zurückgelassen. Der zweite Admiral meldet ferner: Am 25 August befanden sich an Land: Deutschland mit 91 Offizieren 3150 Mann, 6 Geschützen 344 Pferden, England mit respektive 218, 6746, 25, 1897, Oesterreich=Ungarn. 16, 272, 2 80, Amerika. 181 5427, 17, 1239, Frankreich 192, 5186, 37 570, Italien: 25 552, 1, 10. Ueber Rußland ist näheres nicht bekannt. Shanghai, 6. Sept. Soeben landete der Stab und die 1 und 3. Kompagnie des 1. Bataillons vom 1 ostasiatischen Infanterie=Regiment unter Major Graham. Beim Empfang des Landungskorps durch den deutschen Generaltonsul war eine französische Ehrenwache aufgestellt. Die Müsik der englischen Truppen spielte. Es folgte ein Marsch der deutschen Truppen durch die fremden Niederlassungen mit der Musik unseres Geschwaders. Vor dem IltisDenkmal wurde ein Hurra auf den Kaiser ausgebracht. Beim Einrücken der Truppen in ihr Quartier sand eine Begrüßung durch den deutschen Gesandten und den Geschwaderchef statt. London, 5 Sept. In dem Briese den Admiral Seymour an den Vizeadmiral Bendemann über die Haltung der deutschen Truppen während seiner Expedition gerichtet hat, heißt es wörtlich„Ich kann diesen Brief nicht schließen ohne meiner persönlichen Bewunderung über die Geschicklichkeit und die nie versagende Energie, welche Kapitan v. Usedom während der ganzen Expedition an den Tag gelegt hat, und meiner hohen Wertschätzung seiner Dienste Ausdruck zu geben. Die verbündeten Truppen standen während der Schlacht bei Langfang unter seinem Besehl. Ich selbst befand mich einige Meilen weit weg. Seiner geschickten Haltung und seinen Vorbereitungen für die Zurückziehung der Züge ist es zuzuschreiben, daß eine Katastrophe vermieden wurde. Der Mut und die hohe Disziplin welche alle deutschen Offiziere und Mannschaften bewiesen haben sind der hohen Traditionen Deutschlands durchaus wurdig. Shanghai, 5 Sept. Die Engländer haben ohne vorherige Anmeldung 700 Siths 350 Geniesoldaten und 118 Mann indischer Kavallerie gelandet Letztere gehen eiligst nach Tahu weiter LihungTschaug ist dringend aufgeforden worden nach Peking zu kommen. Die chinesischen Beamten sagen, wenn er der=Aufforderung nicht nachkäme sei das Reich in Gefahr Tientsin, 30. Aug Vier angesehene Mitglieden deBoperseite sind heute hingerichte worden zwei wurden von den Franzosen erschossen zwei von den Jopanern enthauptet. Taku, 3. Sept. Binnen kurzem geht eine Expedition nach Paotingsu, 160 Kilometer westlich von Tientsin ab, welche die auf ihrem Wege liegenden Dörser saubern soll, in denen die ersten Ausschreitungen der Voxer vorgekommen sind. Es heißt, daß chinesische Soldaten auf Besehl Lhungtschangs jetzt die Boxer in den Provirzen Honan und Tschili vernichten Die Russen beabsichtigen, die Eisenbahn bis nach Peting hin wieder in Stand zu setzen. Auris. 6. Sept. Nach einem Telegramm des Generalgouverneurs von Indochina, Doumer sind Admiral Pottier und die Generäle Voyron und Bailloud gestern in Saigon angekommen.— Ein Telegramm des Generals Frey aus Peking vom 24. August besagt. InPeking heurscht wieder Ruhe. Die Einwohner kehren zurück und die Stadt fängt an, wieder ihr gewonm Aussehen anzunehmen. Die verbündeten Truppen haben einen Aufklärungsdienst im Umtreise von 30 Kilometer um die Stadt eingerichtet. Diese Aufklärungsabteilungen haben keine seindlichen Truppen vorgefunden Das Land bleibt ruhig. Die Bewohner der Dörfer gehen ihren Arbeiten nach. Hongkung. 5 Sept. In Canton greist die Unordnung immer mehr um sich Läden Eingeborener welche mit ausländischen Waren handeln, sollen angegriffen und geplündert worden sein. Ein allgemeines Gefuhl der Unsicherheu scheint vorzuherrschen Es geht feiner das Gerücht von bevorstehenden Unruhen am Feste der Laternen 8 ds Aehnliche Gerüchte sind unter den Chinesen in Hongkong verbreitet Gegen die letzte Robertsche Protkamation veröffentlicht der Professor der Geschichte an der Umversität Leyden, Dr. Block die nachstehende Kundgebung: Die Kommentare der britischen Presse zu der letzten Proklamation von Lord=Roberts in Trausvac legen min die Pch nach einne als Meuschnd als Nied meine Stimme gegen die Art und Weise zu erheben, auf welche die britische Regierung und das englische Volk gegen die unglückliche Bevölkerung von holländischer Abkuuft handelt. Es gab eine Zeit, wo einer unserer edelsten Männer die Aeußerung gethan hat:„Wenn ich kein Niederländer wäre, möchte ich ein Engländer sein.“ So groß war unsere Achtung und unsere Dankbarkeit für alles, was England für das geistige und materielle Wohl der Menschheit gethan hat. Würde dieser Mann heute noch leben, so würde dieses Bekenntnis nicht mehr über seine Lippen kommen. Ich will über diesen ungerechten, schändlichen und unseligen Krieg jetzt nichts mehr sagen, wiewohl ich auch darüber sagen könnte, daß ich mit dem britischen Volk tiefes Mitleid habe, weil es seinem sittlichen und dann seinem politischen und wirtschaftlichen Untergang entgegengeht. Dieser Untergang steht zwar nicht unmittelbar bevor, aber er ist ebenso unvermeidlich, wie der Fluch auf die böse That folgt. Was ich jetzt zu sagen habe, bezieht sich auf die schmachvolle Proklamation, die den Lord Roberts bei den Nachkommen mit dem Namen des englischen Alba brandmarken, oder um ein näheres Beispiel zu nehmen, ihn auf eine Stufe mit dem spanischen General Weyler stellen wird, wie er auch in einigen englischen Blättern bereits genannt worden ist, natürlich nur, um ihn zu preisen. Wie ist es möglich, daß ein englischer Feldmarschall, ein englischer General, ein Engländer ein solch verbrecherisches Aktenstück unterzeichnen kann, und daß England sich nicht wie ein Mann erhebt, um einen solchen Verrat an der Freiheit an der Vernunft und an der Menschlichkeit zu verhindern? Wie ist es möglich, daß es ein Blatt in England giebt, das seine Stimme nicht im Namen der Gerechtigkeit und Freiheit erhebt, um den Anstistern eines solchen zum Himmel schreienden Verbrechens ein Halt zuzurufen Aber was sehen unsere verblüfften Augen? Tiefe, schwüle, drückende Stille auf der einen, und Billigung enthustastische wahnsinnige Bewunderung auf der anderen Seite! Gegen Erscheinungen dieser Art helfen keine Argumente es bleibt nur übrig, dagegen im Namen von vielen Hunderttausenden, ja von vielen Millionen innerhalb und außerhalb Europas zu protestieren. Volk von England betrachte einmal die Dinge die in deinem Namen geschehen, die deinen Namen in alle Ewigkeit besudeln werden Volk von England, komme zu dir selbst, kehre zurück zu deinen gesunden und edlen Prinzipien, denke an deine Ehre, die Ehre deiner Kinder die durch eine abschenliche spanische Handlung nicht befleckt werden darf Als Weyler auf Kuba das Auftreten Albas in den Niederlanden wiederholte haben die edelsten und hervorragendsten Geister ihr verdammendes Urteil über diesen bluttriefenden Heuker ausgesprochen. Die Völker von Europa und Amerika verbergen ihr Angesicht vor Scham weil solch Unerhörtes in diesem Jahrhundert in England möglich ist! Bedeuke, daß weder Alba noch Weyler von ihren Greuelthaten Vorteil gehabt haben sondern daß sie den Grund zu schmählichen und verhänguisvollen Niederlagen und zum vollständigen Untergang der spanischen Herrschaft gelegt haben Mene lekel! Wir alle wünschen, daß England um seiner selbst willen und im Interesse der menschlichen Kultur vor einem solchen Ende bewahrt bleiben möge, aber unsere Hoffnung sinkt nach dieser Proklamation ungeheuer tief Möge diese That wieder ungeschehen gemacht werden und ein ehrenvoller Friede folgen ehrenvoll für England und für seinen Gegner der durch seinen tapferen Widerstand sein Recht auf seine Unabhängigkeit bewiesen hat. Und sollte dieser Friede unmöglich sein dann ist es besser zu fallen, als die Flagge durch ein Verbrechen dieser Art zu besudeln.“ Wir fürchten, daß auch dieser Protest auf John Bull keinen Eindruck machen wird. London, 6 Seot. Der„Standard" meldet aus Belfast vom 2.08— Nobeuts kehrte gestern nach Beisast zuruck. Die Zarps, die Sshaunesburger Schutzmannschaft, durchziehen das Buschfeld und zwingen die dort woynenden Buren, sich ihren kämpfenden Landsleuten anzuschließen Daily Mail meldet aus Kapstadt vom 5. ds., es fehle nicht an Zeichen, die auf das herannahende Ende des Krieges deuten. Das Heerestransporwpersonal der Oranierwer=Kotonie ist aufgelost und die in dieser verwandte Imperial Yeomanry und die Späher hier angekommen, um ebenfalls endgültig abgelohnt zu werden. London, 6 Sept. Aus Lourenco Marques verlautet, Präsident Kruge habe an Salisbury eine Erwiderung auf die Proklamation in der die Annektierung Trausvaats ausgesprochen wurde, gerichtet und ließ auch durch die Konsiln an die ichte einen Protest gelangen. Siegen, 7. September. — Die Kohlennot droht immer größer zu werden. Wenn die Regierung nicht ernstlich auf Abhilfe bedacht ist und keine wicksamen Mittel zur Beseitigung der Kohlemot ergreis wird die Kalamität unerträglich werden Gestern nachmittag um 3 Uhr ist nach einer Meldung aus Berlin das Staatsmmnnisterium unter dem Vorsitze des Herrn von Miquel zu eine Sitzung zusammengetreten. Wie es heißt, soll die ##hleufrage zur Erörterung gelangen und man darf sich der Hoffitng hingeben, daß die Staatsregierung die richtigen Maßregeln tresfen wird. Mit kleinen Mittelchen mit denen die Regierung leider so häusig zu helfen sucht wird hier wenig zu machen sein. Die Regierung muß gegen die Kohlenausfuhr einschreiten und die Tariserleichterungen ius Ausland vorläufig aufheben. Auch der konservative„Reichsbote fordert diese Maßnahmen und schreibt ganz in christlichsozialem Sinn:„Es geht auch aus den Verhältnissen des Kohlenmarktes hervor, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sich keineswegs, wie man auf liberaler Seite so gern behauptet, aufs beste regulieren wenn man sie sich selbst, d. h. dem Kapitalisms und seiner Gewinntreiberei überläßt. Es muß eine Macht da sein welche die wirtschaftlichen und sozialen Interessen des Volkes den immer mächtiger werdenden Kapitalkoalitionen der Aktiengesellschaften und Syudikate un Kann diese Notwendigkeit nicht bestritten werden, so muß sie aber auch geübt werden. Und das ist bei der alle Verhältnisse aufs tiefste in geradezu verhängnisvoller Weise berührenden Kohlenverteuerung der Fall. Wie der Kohlenwucher betrieben wird, geht aus einer Zuschrift an die„Schles. Konkordia=Grube entfernt, hat auch die Stadt Gleiwitz seit Monaten ihre Kohlennot. So unglaublich dies klingt, so ist es doch buchstäblich wahr. Die Einwohner von Gleiwitz beziehen ihre Hausbrandkohlen zum größten Teil nicht durch die Staats reichischen Kohlenstreiks haben sich jedoch zahlreiche jüdische Spekulanten dieser Leute versichert und sie dauernd zur Kohlenförderung herangezogen, da die Gruben sich auf Grund ihrer Verträge weigerten, diesen Händlern, die im gewöhnlichen Leben alles andere, nur keine Kaufleute sind, die Kohle für den Bahnhof Zabrze zu liefern. Die Folge davon war, daß diese Leute die kleinen Fuhrwerksbesitzer dauernd mit Aufträgen zur Heranschaffung der Kohlen nach Bahnhof Gleiwitz versahen und gut bezahlten Mit der Zeit jedoch kam den Grubenverwaltungen dieses Manöver zur Kenntnis, und die Folge davon war, daß den Hürdlerkutschern allwöchentlich nur bestimmte Mengen Kohlen verabfolgt wurden. Aber auch hier wußten die jüdischen Händler Rat. Ein großes Kontingent von Fuhrwerksbesitzern, kleine Bauern aus den umliegenden Dörfern wurden herangezogen und holten abwechselnd aus allen in der Nähe liegenden Gruben wochenweise wechselnd die Kohlen heran. In Gleiwitz werden gegenwärtig täglich zehn bis zwölf Waggons mit 150.000 Kilogramm Kohlen nach Oesterreich Ost= und Westpreußen, sowie nach den Wasser=Umschlagstellen in Kosel und Breslau verfrachtet Die Kohlen werden mit Gold aufgewogen, und es gilt als verbürgt, daß 30 bis 40 Mark an jedem Wagen als Reingewinn in die Tasche des Händlers fließen. Bedenkt man, wie hoch schon jetzt die Grubenpreise sind und daß Gleiwitz als Nichtgrubenstation nicht in den ermäßigten Kohlentarif einbezogen ist, mithin die Frachtspesen erheblich höhere als von den Kohlenstationen sind, so mag man sich einen Begriff von der Höhe des Preises machen, den die Besteller am Empfangsorte zu zahlen haben. Und doch liegen so zahlreiche Aufträge vor, daß die Händler infolge der Schwierigkeiten der Heranschaffung der Kohlen diesen nicht gerecht zu werden vermögen."— Aus anderer Quelle fügt dann die„Schlesische Zeitung" folgende Mitteilung an: Die Seele jenes Raubgeschäftes, das die einheimische Bevölkerung schnöde bedrückt, ist ein galtzischer Jude, der nicht einmal die Berechtigung hat, auf deutschem Boden zu übernachten Und traurig genug: Das Geschäft ist ihm von einer sonst angesehenen deutschen Firma übertragen worden, als es dieser Firma zu brenzlich wurde. — Die deutsche Ostafrikalinie hat an den Staatssekretär von Bülow das folgende Telegramm gerichtet Nachdem sich nunmehr die englische Regierung bereit erklärt hat, die zwischen Vertretern der deutschen und englischen Regierung festgesetzte Entschädigungssumme wegen der Beschlagnahme deutscher Reichspostdampfer zu bezahlen gestatten wir uns Euer Excellenz hierdurch unsern verbindlichsten Dank auszusprechen für die so prompte und energische Behandlung dieser Angelegenheit, welche die befriedigende Erledigung der Anprüche unserer Linie gegen die englische Regierung zur Folge hatte Ergebeust: Deutsche Ost=Astika=Linie. — Der Gesamtverband der Evangelischen Arbeitervereine Deutschlands hat für das von ihm im Deutschen Haus(Abteilung für soziale Wohlfahrtspflege ausgestellte Bild des Dortmunder Evangelischen Arbeiter= und Bürgervereinshauses auf der Pariser Weltausstellung die goldene Medaille erhalten Er teilt diese Ehre u. a. mit Pastor von Bodelschwingh, Direktor Joh. Wichern vom Rauhen Hause, mit dem Verein„Volkswohl“ in Dresden, mit der Aktienbaugesellschaft in Frankfurt a. M. und dem Berliner Sparund Bauverein, sowie mit den industriellen Firmen A. W. Faber, Franz Brandts, der Hamburger Gummi=Kamm=Kompagnie Dr. Peters u. Ko., W. Spindler Villeroy u. Buch und der Schultheißschen Brauerei. der (Von unserer Agentur. Berlin, 5. Sept. In Sachen der Kohlenno# richtet die„Schles. Zeitung einen eindringlichen Appell an den Großhandel und die Grubenbesitzer in Oberschlesien Nachdem sie die wirtschaftlichen Verdienste des Großhandels und der Grubenbesitzer um die Hebung der Schätze des Landes vollauf anerkannt hat, hebt sie doch nachdrücklich hervor, daß die Grenze des berechtigten Gewinns überschritten seiDer Großhandel, der zum Monopol auswächst, verwirkt das Recht auf Anerkennung Er saugt das nationale Wirtschaftsleben aus, er hat mit seinem fortwährenden Bestreben, die inläudischen Kohlen über das Maß des berechtigten Gewinnes hinaus zu treiben den Untergrund zu der jetzigen Notlage geschaffen. Auf ihn fällt zunächst die Verantwortung für die Bedrängnis von Millionen unserer Mitbürger Auf ihn kann noch eine furchtbarere Verantwortung fallen denn er bildet eine Gefahr für unser nationales Dasein, sobald die auswärtige Lage si verwickelt. Deshalb muß er auf ein Maß zurückgedräu werden in welchem er nicht mehr schaden kann. Das ist eine nationale Lebensfrage, bei welcher wir uns mit Mil tionen und Abermillionen Deutschen einig wissen In diese Einigkeit möchten wir auch die Besitzer der ober schlesischen Kohlengruben einbegreifen Sie sind die Erben eines großen Geschlechts von Vorkämpfern der Kul tur. Ihr Adel, der in unserer politischen Geschichte wurzelt ist durch die wirtschaftliche Geschichte unseres Vaterlandes verdoppelt. Je höher man aber ihre Rechte schätzt, um so bedeutungsvoller treten auch ihre Pflichten hervor Noblesse odlige. Die Besitzer der oberschlesischen Kohlengruben haben die Pflicht, Einhalt zu gebieten, wenn die Preise eines zum nationaten Leben unentbehrlichen Produktes, dessen Hüter sie sind über die Grenze eines selbst reichlich bemessenen Lohnes für Arbeit, Intelligenz und Kapital hinausgetrieben werden. jeweit diese Grenze schon überschritten ist, ermißt man annähernd, wenn man die jetzigen Privat=Grubenpreise— nicht die sogenannten Minimal= sondern die wirklich bezahlten Preise— mit denjenigen der fiskalischen Grubenpreise vergleicht, die nachweislich schon einen stattlichen Gewinn bedeuten. Hier beginnt die Ausbeutung zu unberechtigtem Gewinn, hier auch die Ermiutigung zur wucherischen Ausnutzung der Konsunktur, die auf der Stufenleiter vom Produzenten herab zum Konsumenten weiter betrieben wird. Dann heißt es im weiteren Verlauf der Ausführungen: Die Grubenbesitzer haben hochherzig stets bewiesen, daß die Erhaltling der Staats= und der Gesellschaftsordnung, das Wohl des Vaterlandes ihnen maßgebend vor Augen steht. Mögen sie jetzt erwägen, wieweit dieses Ziel ihres öffentlichen Wirkens mit dem Laufe ihrer Kohlengeschäfte übereinstimmt... Eine Unkehr auf der beschrittenen Bahn ist in manchen Punkten unmittelbar zu ermöglichen. So im Punkte der Grubenpreise. An diese knüpft sich dann die Frage der direkten Lieferung an Konsumenten und Konsumentengruppen, eine Frage deren Lösung freilich Zeit braucht. Die Hauptsache ist, daß der Wille hervortritt sich von den nur allzu bequemen Banden des Großhändlertums zu befreien. Der Verzicht auf das Gewohnte Hergebrachte wird den Grubenbesitzern zwar nicht leicht fallen, aber er liegt am Ende aller Schlußfolgerungen, welche sich aus der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rolle des Händlermonopols, sowie aus der Geschichte seines Wachstums mit seinen intimen Einzelheiten ziehen lassen. Die Bedeutung des verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms=Laubach wird in der Heimat des Eutschlafenen vollauf gewürdigt. Ein Artikel des„Frkf. Geueral=Anzeigers der auch weitere Kreise interessiert, lantetDie deutschen Standesherren gelten einem großen Teil der öffentlichen Meinung al unnützes Ueberbleibsel einer vergangenen Zeit. Hoheitsrechte sind ihnen nicht mehr geblieben, es seien denn die Kleinigkeiten, daß die Familie Hohenlohe einen Hausorden zu verleihen hat oder die Wittgensteiner sich eine Leibwache halten darunter aufzuzählen; aber manchen von ihnen ist doch das Gefühl lebendig geblieben, daß sie niemandes Unterthau seien und das paßt uns neuen Deutschen nicht. Die Leichtigkeit, mit der deutsche Standesherren aus materiellen Gründen ihre Staatsangehörigkeit gewechselt oder gar die Unterthauenschaft gleichzeitig in verschiedenen Reichen erworben haben, verstimmt oft. Aus ganz anderem Holze war der Mann geschnitz, dessen heute nacht infolge eines Schlagaufalles erfolgten Tod der Draht uns meldet: Graf Friedrich zu Solms der aus allgemeinen Vertrauen zum Vorsitzenden des Vereins aller deutschen Standesherreu erwählte Herr zu Laubach, dessen Name so oft in der hessischen ersten Kammer zu hören war. In ihmist ein Kämpfer für die neue Zeit dahingegangen, wie wir wenige besitzen. Durch und durch von sozialen Mitgefühl erfüllt, war er es, der wiederholt in der Kammer den Antrag auf scharfe progressive Besteuerung der Einkommen einbrachte während in preußischen Herrenhause sogar die Erhöhung um ein Prozent einen Sturm des Widerspruchs erregt hat. Reden und Thaten waren bei ihm eins. In seinem Laubach, dem er seiner Zeit auf eigene Kosten ein Gymnastum gescheilt, wußten gar mauche davon zu erzählen, wie freigebig der Graf für verdientes Alter sorgte wo staatliche Hitfe nicht ausreichte und das trotzdem seine Mittel im Vergleich zu denen anderer Standesgenossen verhältnismäßig knappe waren. Auch in seiner Familie wußte der alte Herr, der vom Kaiser erst unlängst durch die Ernennung zum Generahnager à la s#ite der Armee ausgezeichnet war, der modernen Zeit Rechnung zu tragen Hier gab es kein vornehmes Nichtsthun sonder Erziehung zur Arbeit Einer seiner Söhne ist Professor an der Straßburger Universität, andere stehen im preußischen Justizdienst. Politisch war Graf Sohns bisweilen auch an sehr hoher Stelle unbeugsamer Verfechter christlich=sozialer Ideen Auch auf seine Umigebnng in den Kreisen höhen und niederen Adels erstreckte sich diese Einfluß für den Freiher#n v. Heyl, der ott seinen Freunde Stumm die Wage gehalten Pot=un et teis ene es= Muchenenn Aus Dresden wird der geschrieben Letzthin hatte die Schuliuspektion der Antsha ubtmannschaft Pirna den Ausschluß des sozialdens#ratischen Stadtverordneten i Beragießhühel aus dem Schulvorstand angeordnet weil er in der sozialdemokratischen Partei eine führende Stellung einehmeund in hervoxragender Weise den bekannten gegen die bestehende staatliche Ordnung und die kirchlichen und schulischen Einrichtungen gewendeten Bestrebungen dieser Partei huldige. Gegen diese Verfügung sprach sich der Stadtgemeinder#t in Verggießhübel aus und forderte den Betroffenen zur Beschwerdeführung auf. Daraufhin hat die königl Bezirksschulinspektion die ergangene Verfügnug anulliert und zwar nach anderweiter Erwägung und da zufolge neuerdings angestellter eingehender Erhebungen ausreichende Veranlassung zur Ausschließung nicht gegeben erscheinen Frhr. v. Stumm=Halberg hat den Stern zum Roten Adler=Orden zweiter Klasse erhalten. Die Auszeichnung scheint mit den Lieferungen für die Marine in Zusammenhaug zu stehen. In diesen Falle wäre nicht nur das Verdienst, sondern auch der Verdienst belohnt worden. Berlin, 4. Sept. Wer oft auf der Eisenbahn zu thun hat, dem ist in den letzten Tagen ein Platat aufgefallen, das auf vielen Stationen wegen seiner originellen Ausführung die Blicke unwillkürlich auf sich ziehl. Es ist ein Einladungspiakat des Jünglingsvereins am betreffenden Orte und von der Centralstelle dem Ostdeutschen Jünglingsbunde in Berlin, für alle Vereine gemeinsam gestellt worden. Es geht aus der Einladung an jeden jungen Mann hervor, daß diese Vereine keineswegs enge kleine Konventikel bilden wollen, sondern daß sie es auf die ganze Jugend abgesehen haben. Es ist nur zu wünschen, daß unsere Jünglingsvereine, deren es bald 2000 in Deutschland giebt, diese Aufgabe mehr und mehr mit Hilfe wohlmeinender Kreise erfüllen mögen und daß möglichst viel junge Männer von der Einladung Gebrauch machen Der allergrößte Teil der sogenannten Anverbesserlichen Strafgesangenen hat nach einer Stattstik des Geheimen Regierungsrates Krohne die Verbrecherlaufbahn bereits vor dem 18. Lebensjahr betreten, die anderen vor dem 25. Lebensjahr später fallen nur wenige ins Verbrechertum Den falschen Gerüchten, die über das Leben der Jünglingsvereine im Umlauf sind, tritt das Einladungsplakat mit der packenden kurzen Bitts entgegen„Komm und sieh!" Zu den Kaiserlichen Reisedispositionen. Das Kaiserpaar wird im Anschluß an das diesjährige Kaisermanöver zu einem etwa achttägigen Aufenthalte auf der Kaiserlichen Gutsherrschaft Kadinen im Elbinger Landtreise eintreffen, nachdem bereits einige Tage zuvor die jüngeren Kaiserlichen Kinder in Begleitung ihrer Erzieher dort Wohnung genommen haben werden. Die Abfahrt des Kaiserpaares von Stettin erfolgt am 14. September abends, die Ankunst in Elbing am 15. gegen Mittag. Der Aufenthalt auf Kadinen wird gegen den 23. September sein Ende erreichen, worauf die Kaiserliche Familie nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückkehrt. Der etwa#tägige Jagdaufenthalt des Kaisers in Rominten ist erst für später angesetzt. Wegen der Kadiner Reise hat der Kaiser auch seine Teilnahme an den am 21 und 25. d. M. stattfindenden Kriegerdenkme####nthüllungsfeierlichkeiten bei Amanweiler abgesagt. Heilgehilfen=Prüfung Am 1. Oktober d. J. beginnt ein neuer Unterrichtskursus zur Vorbereitung für die Heilgehilfenprüfung. Da letztere außer den bisherigen Gegenständen auch die Badepflege umfassen wird, so wird auch der Unterricht auf diese Thätigkeit sich erstrecken. Meldungen nimmt Herr Sanitätsrat Dr. Granier, Wallstraße 3 und 4 in den Stunden 8—9 Uhr vormittags und 5—6 Uhr nachmittags(außer Sonntags nachmittags entgegen Ein polizeiliches Führungszeugnis sowie ein kurzgefaßter selbstgeschriebener Lebenslauf sind vorzulegen, auch das Honorar von 30 Mark einzuzahlen. Heirats Beitrags=Erstattungen. Nach dem soeben erschienenen Verwaltungs=Bericht der Landes=Versicherungs=Anstalt Berlin erhielten im abgelaufenen Geschäftsjahr 8395 Frauen auf ihren Antrag die bis zu ihrer Verheiratung verwendeten Markenbeiträge erstattet, wie dies§ 30 des Invaliditäts und Alters=Versicherungs=Gesetzes vorschreibt. Für die 8395 Frauen waren insgesamt 2875 564 Marken meist zweiter Lohnklasse geklebt worden; die durchschnittliche Beitrags=Erstattung belief sich auf 33 Mark. Durch den Ersatz dieser kleinen Summe scheiden die Frauen aber aus der Invaliden=Versicherung aus und gehen aller der Ansprüche verlustig, welche sie durch ihre Versicherung bei Eintritt einer Krankheit von vorübergehender oder dauernder Invalidität erworben haben. Der Bericht macht die weiblichen Versicherten daher besonders darauf aufmerksam, daß das neue Invaliditäts=Gesetz die freiwillige Weiter=Versicherung wesentlich erleichtert hat und die Aufrechterhaltung der Anwartschaft nur von Beibringung von zwanzig Marken beliebiger Klasse innerhalb zweier Jahre abhängig macht. An Heirats=Beitrags=Erstattungen kamen im ganzen 278145 Mark zur Auszahlung etwa 36 pEt, davon hen nur Berliner Marken verwendet, waren also während ihrer ganzen versicherungspflichtigen Thätigkeit in Berlin beschästigt; 21 pCt. waren geborene Berlinerinnen. Berlin, 6. September. — Der Reichs=Anzeiger schreibt:„Der Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg= Strelitz blickt am heutigen Tage auf eine 40=jährige Regierung zurück. Ueber die Grenzen des Großherzogtums hinaus wird in weitern Vaterlande dieses Ehrentages eines deutschen Bundesfürsten mit den Gefühlen der Auhänglichkeit gedacht, wie sie die im deutschen Reich geeinigten Stämme unseres Volkes ihren Fürstenhäusern wechselseitig entgegenbringen. Dem Großherzog Friedrich Wilhelm seien zum heutigen Jubeltag auch an dieser Stelle ehrerbietige Glückwünsche dargebracht.“ — S. M S. Habicht Kommandant Korvettenkapitan Kutter ist am 5. September in Sao Thome eingetroffen und beabsichtigt am 17. d. Mts. nach Kamernn in See zu gehen. S. M. S. Fürst Bismarck“ Kommandant Kapitän z S. Graf v. Moltke, mit dem Chef des Kreuzergeschwaders Vizeadmiral Bendemann an Bord, beabsichtigt am 10. d. Mts. von Shanghai nach Tsingtan und Talu in See zu gehen. S. M. S.„neisenau“, Kommandant Kapitän zur See Kretschmann, ist am 5. d. Mts in Bergen angekommen und beabsichtigt am 16. d. Mts. nach Edinburg in See zu gehen. Dampfer Prinzregent Luitpold“ mit der abgelösten Besatzung S. M. S.„Cormoran“ an Bord, Transportführer Oberleutuant zur See Schnur, ist am 6 d. Mts in Freemantle eingetroffen und an demselben Tage nach Colombo weitergegangen S M. Torpedovoote S 90, S 91 und S 92 sind am 6. d. Mts in Colombo eingetroffen und beabsichtigen am 12. d. Mts. nach Singapore in See zu gehen. S. M. S. Schwalbe Kommandant Korvetten=Kapitän Böner ist am 6. d. Mts. in Amoy eingetroffen. Rirche, Schule und Eiserfeld, 7. Sept. An kommenden Sonntag, den 9. September, gedenken die hiengen kirchlichen Vereine ihr Jahresfen zu feiern. So verschiedene Zwecke die Vereine auch verfolgen— der Frauenverein hilft den Armen und Kranken, der Jungfrauenverein sammelt die weibliche Jugend zu Gesang und Betrachtung des Gotteswortes, der Kirchenchor und der Posaunenchor üben den Lobpreis des Herrn zur Verschönerung der Gottesdienste sie alle dienen ein jeder in seiner Weise dem Reiche Gottes. An ihrem Jahresfest wollen sie sich an ihre Aufgaben wieder erinnern und vor Gottes Angesicht neue Kraft holen zu weiterem fröhlichen Wirken. Der Festtag wird in hergebrachter Weise verlaufen, und ist das Nähere im Anzeigenteil dieses Blattes zu ersehen. Alle Freunde christlicher Vereinsbestrebungen sind herzlich eingeladen. Haßloch, 5. Sept. In dichten Scharen waren unsere evangelischen Pfälzer heute nach Haßloch zusammengeströmt, um das 50 jährige Bestehen des dortigen Rettungshauses für verwahrloste Kinder zu feiern. Kopf an Kopf standen und saßen die Teilnehmer in dem geräumigen Hof der Anstalt und hörten mit gespannter Aufmerksamkeit auf die westliche Festpredigt des Hermn Detan Hoffmann von Speyer. Von den Gründern des Hauses war der frühere Pfarrer des Stuittgarter Diakonissenhauses Herr Homrmann anwesend. Der l. Vorstand, Herr Pfarrer Scheerer von Speyer, konnte die ersreuliche Mitteilung machen, daß die als edle Wohlthäterin bekannte Frau Henry Hilgard in Amerika 30.000 M. geschenkt habe für das neuerbaute Kinderkrankenhaus der pfälzischen Diakonissenanstalt in Speyer. T. R. Soziales. Der Verband der rheinischen Gewerkvereine(Hirsch=Duncker) hat in einer Versammlung zu Düsseldorf am Sonntag eine Resolution gegen die Haltung des Abgeordneten Dr. Hirsch in dem Berliner Straßenbahnarbeiterstreik angenommen. Der Verbandskassierer Klein suchte Dr. Hirschs Haltung zu rechtfertigen und bat, man möge gegen den hochverdienten Arbeiterführer keine Resolution fassen. Die erschienenen 24 Vereine und Verbände nahmen aber mit 22 gegen 1 Stimme, bei einer Stimmenthaltung eine Resolution an in welcher erklärt wird, daß die Versammlung die Haltung des Abgeordneten und Verbandsanwaltes Dr. Hirsch in Sachen des Straßenbahnerstreits nicht billige. Im preußischen Abgeordnetenhause hatte der Redakteur des„Gewerkvereins Abg. Karl Goldschmidt, die Notwendigkeit des Streiks der Pferdebahnangestellten zu begründen gesucht und letztere in Schutz genommen; der Abg. Max Hirsch hatte hierauf eine Erklärung abgegeben, aus welcher hervorging, daß er mit den von Goldschmidt gemachten Aeußerungen nicht einverstanden sei. 6 Sept. Die Werftarbeiter lehnten einen Antrag auf Proklamierung des Generalstreiks ab und beschlossen, nochmals den Verband der Eisenindustriellen um die Einleitung von Verhandlungen zu ersuchen. 5 Sept. Die Maurer, die während zwei Monaten im Ausstande waren, haben beschlossen, die Arbeit nunmehr bedingungslos wieder aufzunehmen. Solingen, 5. Sept. Der Streil der Messerschlägereiarbeiter nimmt ungehindert seinen Fortgang; in einer heute in der Schützenhalle stattgefundenen sehr zahlreich besuchten Gewerkschaftsversammlung wurde die Weiterführung des Streiks beschlossen, da ein neuerdings von dem Schlägereibesitzerverein gemachtes Angebot; 8 Tage nach Aufnahme der Arbeit ein neues Preisverzeichnis gemeinschaftlich auszuarbriten, nicht annehmbar sei. Die früheren Beschlusse hinsichtlich des Preisverzeichnisses müßten unbedingt bestehen bleiben, auch müsse dasselbe in Bezug auf die höheren Preise rückwirkende Krast haben. Die Versammlung beschäftigte sich auch mit der Angelegenheit der ausgesperrten Reider und sicherte denselben die weitgehendste Unterstützung zu Insgesamt werden in den nächsten Tagen, da der Streit auch andere Brauchen in Mitleidenschaft etwa 2000 Arbeiter beschäftigungslos sein. Beiefsünhskent. E. 100. Wir kennen in Essen keine Verkaufsstelle für Mäurer u. Wiertz Seisenzulver haben jedoch die Firma gebeten, Ihnen die Verkaufsstelle anzugeben L. B in H.(Brombeerwein=Rezept. Die Herstellung dieses Weines ist leider zu wenig bekannt und doch kann man diese Beeren am leichtesten und billigsten erhalten Wer die wildwachsenden Beeren sammelt, benutze nur die reifesten Man nehme auf 1 Liter Saft Liter Wasser und nahezu Pfund Zucker und 2½ Gramm gepulverten Weinstein. Man chal gut, die zerdrückte Masse 3—4 Tage stehen zu lassen, damit die Flussigtei die Farbe erhält. Dem fertigen Wein kann man noch etwas Kognaf zur Erhöhung des Weingeschmacks beifügen I Siegen Sept. In den„Föhrer Nachrichten lesen wir: Wyr auf Föhr, 30. Aug Ihre fürstliche Durchlaucht die Prinzessin zu Isenburg, Schwester des regierenden Fürsten Neuß ältere Linie, hat unser Bad nach mehrwöchentlichem Aufenthalt jetzt verlassen. Die Prinzessin besuchte wiederholt das Atelier des Hof=Photographen Herrn Hans Hofmann aus Siegen zwecks Aufnahmen, die in verschiedenen Stellungen gemacht wurden. Die Bilder gelangen in kurzer Zeit im Schaufenster des betreffenden Ateliers zur Ausstellung. O Siegen, 7 Sept. Die auf dem Hasengarten dahier zur Schau gestellte Hamburger zoologisch=wissenschaftliche Ausstellung enthält eine große Menge wilder Tiere, als: Hyänen, einen indischen Schakal, fliegende Hunde, Ichneumon, den Vertilger der Krokodileier, ferner die so seltenen Löwenaffen, die kleinsten Affen der Welt aus den Urwäldern Afrikas, einen Nasenbär, Agulis, Goldhasen, einen Halbassen, Varrisaffen, ein Gürteltier, ein Stachelschwein, einen Waschbär, ein Moschus=Beuteltier, eine Tibetkatze, Pelikan, Papageien, Schlangen, darunter eine 27 Fuß lange Python=Riesenschlange, 250 Pfund schwer. Außer diesen lebenden Tieren sindet man in der Ausung auch noch naturwissenschaftliche Präparate und Sammlungen, darunter einen Kugelfisch, einen Haifisch, fliegende Fische, eine TermytenMuscheln und Konchilien=Sammlung 2c. Eine Besichtigung dürfte sich recht lohnend gestalten. Die Ausstelluug ist geöffnet am 9., 10. und 11. September. Hessen-Nassan. Von der Lahn, 6. Sept. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr verkündeten die Glocken der Löhnberger Kirche, daß Brand ausgebrochen sei. Die Landleute, welche fast sämtlich mit dem Heimholen der Ernte beschäftigt waren, eilten schleunigst herbei und sahen, wie ihr altehrwürdiges Jahrhunderte altes Schloß in hellen Flammen stand. Da dasselbe ganz mit Heu, Stroh und Holz gefüllt war, konnte an Löschen nicht gedacht werden, und so sank der stolze Bau in wenigen Stunden in Trümmer. Menschenleben sind, Gott sei Dank, nicht zu beklagen. Auch blieb das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Trotzdem werden einige Landleute, welche in den weiten Räumen des Schlosses ihre landwirtschaftlichen Produkte untergebracht hatten, empfindlich getroffen, da sie nicht versichert waren. Graßhersvatum Gessen. 00 Aus Hessen, 6. Sept. Den Heimgang Sr. Erlauch des Grasen zu Solms=Laubach, dieses trefflichen selbständigen und uneigennützigen Mannes und festen reinen Charakters beklagen wir alle auf das tiefste, und wünschen wir ihm auch unter seinen Standesgenossen viele trene und zuverlässige Nachfolger auch im Blick auf die christlich=soziale Partei.— Der erste Präsident der Partei zugleich ihr Gründer, Hosprediger Stöcker wird, woran noch einmal erinnert sei, am Montag, den 10. ds. aus Einladung von G. Vogel in Seeheim(Bergstraße) predigen und freuen sich viele ihn dort zu sehen und zu hören. Der musikkundige und sangesfrohe P. Vogelversteht es, solche Feste zu besonders erhebenden und genußreichen zu gestalten; er will auch Stöcker eine freundliche Ovation bereiten. Reiskirchen(Kreis Gießen), 4. Sept. Der frühere Gemeindeeinnehmer Maurermeister Gunorum ist seit einiger Zeit flüchtig und wird von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgt. Wie eine sofort vorgenommene Kassenrevision ergab, hat sich G schwerer Veruntrenungen schuldig gemacht Das Defizit soll sich auf etwa 15.000 Mark belaufen Ein Teil des Schadens ist durch die Kaution von 10.000 Mark 6 Aus Thüringen und Sachsen, 6. Sept. Schönwerda. Der Landwirt Meyer, der mit einer Führe Getreide heimfuhr, wurde vom Blitze erschlagen. Wagen und Getreide verbrannte; die Pferde konnten nur mit Mühe gerettet werden. Weißensels. Unsere Stadt soll in Bälde einen neuen Güterbahnhof erhalten Meuselwitz. Bei dem letzten Gewitter wurden zwei Knaben, die vom Felde kamen, vom Blitze getroffen und getötet.— Eisenberg. Eine Schlacht in Friedenszeiten hat hier während des Schützenfestes stattgesunden. Ein flegelhafter Bursche drang in einen Zirtus und belästigte die Besucher Als er hinausgetrieben worden war, gesellten sich gleiche Brüder zu ihm und nun wurde mit Latten bewaffnet eine Schlacht erkämpft, die bis zum Morgen gewährt haben soll. Nach langem Ringen gewann die Polizei die Oberhand 30 Personen wurden verhaftet.— Erfurt. Dem Land=Rentmeister Liebscher zu Erfurt wurde der Kronenorden dritter Klasse verliehen. Christiania, 6. Sept. Wie hierher mitgeteilt wird, ist die Expedition des Kapitän Bade gestern aus dem Eismeere nach Hammerfest zurückgekehrt. Die„Hertha“ hat die„Stella Polare“, auf welcher der Herzog der Abruzzen seine Nordpolreise antrat, gefunden und eine Strecke weit geschleppt.„Astoonposten" veröffentlicht ein Telegramm aus Tromsoe von heute vormittag 11 Uhr, welches besagt:„Die „Stella Polare“ saß 11 Monate im Eise fest. Eine Seite des Schiffes war 1¼ Fuß eingegrückt. Auch die Maschine erlitt Schaden. Die Expedition erreichte den 86. Grad 33 Min nördlicher Breite; sie kam nördlicher als Nansen, der nur den 86. Grad 14 Min erreichte. Die Teilnehmer der Expedition litten öfters Hunger und waren gezwungen, Hunde zu schlachten. Der Maschinist, ein Norweger, und zwei Italiener sind gestorben.“ Angemeldet im Monat August 1900. Geburten. Ernst, S. d. Mühlenbesitzers Rudolf Knie, Anstoßermühle.— Else Luise, T. d. Fabrikanten Albrecht Jakob Siebel zu Freudenberg.— Regine Friederike, T. d. Bergmanns Friedrich Achenbach zu Anstoß.— Jenny Emma, T. d. Metzgermeisters Otto Friedrich Heinrich Fouckert zu Freudenberg.— Elise Erna, T. d. Invaliden Otto Reppel zu Anstoß.— Alma, T. d. Fabrikarbeiiers Gustav Krafft zu Freudenberg.— Herbert Albrecht Heinrich, S. d. Brauers Gustav Kurth zu Anstoß.— Weibl. Zwillinge des Bergmanns Ernst Irle zu Plittershagen.— Panla, T. d. Gerbers Karl Stein zu Mausbach. Eheschließungen. Leimsieder Robert Weisgerber zu Mausbach und Klara Lindenschmidt zu Freudenberg.— Leimsieder Hermann Thomas zu Freudenberg und Margarete Wilhelmine Moel zu Bockseifen Gerber Friedrich Heinrich Achenbach zu Freudenberg und Auguste Haensel zu Niederndorf Sterbefälle. Hans Hellmuth Bubenzer, 7 M. alt, zu Freudenberg.— Gerber Tillmann Steinseiser, 57 J. alt, zu Plittershagen. — Fritz Börner, 3 M. alt, zu Freudenberg.— Ida Schwarz, 1 M. alt, zu Büschen.— Reiseprediger Jakob Nöh, 71 J. alt, zu Freudenberg. Standesamt Angemeldet im Monat August 1900. Geburten. Mina, T. d. Walzarbeiters Philipp Fick in Geisweid, ev.— Hermann S. d. Hüttenarbeiters Friedrich Nöh in Klafeld, er. Frieda Maria, T. d. Fabrikarbeiters Karl Schreiber in Klafeld, ev.— Emma, T. d. Bergmanns Friedrich Latsch in Birkenbach, ev. — Ewald S. d. unverehelichten Lina Helmes in Geisweid, er— Maria Elisabeth T. d. Vorzeichners Karl Walter Sehringhaus, Klafeld kath.— Hedwig T. d. Kesselwärters Eduard Frisch in Geisweid, ev. Lina Selma T. d. Hüttenarbeiters August Reeh in Klafeld ev.— Heinrich S. d. Fabrikarbeiters August Sauerwald in Birlenbacherhütte kath. Margarete T. d. Bergmanns Wilhelm Heinbach II. in Birlenbach, ev.— Otto, S. d. Fabrikarbeiters Wilhelm Klaes in Klafeld ev.— Heinrich S. d. Fabrikarbeiters Gustav Christian in Geisweid kath— Walter S. d. Maurers Georg Schmidt II in Geisweid, ev.— Wilhelm, S. d. Bergmanns Wilheln Moll in Klafeld, ev. Sterbefälle. Willy, S. d. Fabrikarbeiters Eduard Klein in Klafeld, 1 M. 5 T. alt, ev.— Katharina Völkel in Klafeld, 49 J. alt, ledig, ev.— Totgeburt Mädchen des Monteurs Karl Stein in Klafeld.— Emma, T. d. Fabrikarbeiters Eberhard Steffe in Geisweid, 1 J. 8 M. alt, ev. Dez. 145.50 Hafer per Sept.—.—, per Okt. 131,— Mais, amerik. Mixed loco, niedrigster Preis 117.50, do. höchster Preis 115,75, per Sept.—.—, per Dez.—.—. Rüböl per Okt. 60,70, per Mai 59,10. Spiritus 50er—.—, 70er 51,— Wetter: Trübe. Preduktenmärkte. Berlin, 6. Sept. Die Stimmung war bei beschränktem Verkehr vorherrschend gedrückt und trotz des zurückhaltenden Angebotes waren Käufer im Vorteil. Wenngleich die Haltung sich besserte blieb doch ein weiterer Rückschritt in Weizen und Roggen von ¼ bis ¾ Mark bestehen Hafer schwach gehandelt und ziemlich preishaltend Rüböl fest. Preise aufwärts strebend. Der Spiritus M. 51. Umsatz 6000 Liter Wetter Trübe. Berlin, 6. Sept. Weizen per Sept. 153.50 per Okt. 199.75. per Dez 100.25. Roggen per Sept. 144.50 per Okt. 144.75, per Bekanntmachung. In der Nacht vom 28 zum 29. August d. Is. sind von einer Bleiche bei Haiger, Dillkreis, 20 23 weißleinene Bettdecken im Werte von etwa 140 Mark gestohlen worden. Zwei der Bettdecken sind gezeichnet E. St., die anderen E. S. Jede Bettdecke ist aus einem Stück ohne Naht gefertigt, und hat am Kopfende einen 3 em, am Fußende einen em breiten Saum Ichersug,eum schleunige Recherchen, Festnahme des Thäters, Beschlagnahme der Bettdecken und Drahtnachricht hierher. Limburg, 2. September 1900. Der Erste Staatsanwalt. In der Woche vom 1—22 September d. Is. findet in den Gemeinden Weidenau und Klafeld eine technische Revision der Maaße und Gewichte statt. Diejenigen Gewerbetreibenden, bei denen unrichtige oder unvorschriftsmäßige Maaße und Gewichte vorgefunden werden verfallen der gesetzlichen Bestrafung. Den Gewerbetreibenden der beiden Gemeinden wird dies mit der Aufforderung bekannt gemacht, ihre Maaße und Gewichte soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor zur aichantlichen Prufung zu bringen. Weidenau(Sieg), 15. August 1900. Der Amtmann Liebau. Unter dem Schweinebestande des Schuchmachers Christian Julius zu Buschhütten ist die Rothlauffeuche festgestellt. Kreuzthal den September 1900. Die Polizei=Verwaltung. Schmitt, Amtmann. Diejenigen Personen, welche für das Jahr 1901 eine Legitimationskarte zum Aufsuchen von Warenbestellungen oder einen Wandergewerbeschein wutischen, wollen die Ausfertigung bis zum 25. September d. Js. unter Vorlegung der etwa für dieses Jahr ausgefertigten Legitimationskarten und Wandergewerbescheine auf dem Magistratsbuteau beantragen. Für die Ausfertigung einer Legitimaonskarte ist ein Stempel von Mark sforderlich und ist dieser Betrag bei Bestellung der Karle vorher zu entrichten. Hilchenbach den 29. August 1900. Der Bürgermeister. Kocher. Auf der Straße Oberwilden=Gilsbach, Gemarkung Gilsbach ist ein Geldstück gefunden worden. Der Eigentümer kann sich innerhalb eines Jahres zur Geltendmachung seiner Rechte melden. Burbach den 5. September 1900. Die Polizeibehörde. Beckhaus Amtmann. Evangesischer in der Gemeinde Siegen. Samstag, den 8. September 1900. Vorm. 8 Uhr: Vorbereitung zum heiligen Abendmahl. Pfr. Vorländer. Sonntag, den 9. September 1900. 13 nach Trinitatis. Vorm. 7% Uhr: Pfr. Kuhn. „ 9¼ Uhr: Pfr. Vorländer. (Feier des heiligen Abendmahls.) Nachm. 2 Uhr Pfr. Winterhager Kollekte für den Bau von Kirche und Pfarrhaus in Bocholk, Synode Münster. Siegen, Sandstraße 34. Am Sonntag den 9. d. Mts. abends 8¼ Uhr: Varschthntlich Redner: Prediger G. Nagel. Jedermann ist freundlichst eingeladen KNA der Vereine der Evangel Kirchengemeinde Eiserfeld am Sonntag, den 9. September er. Morgens 110 Uhr: Festgottesdienst. Predige Herr Pastor Löchr aus Elbers#erd Kollekte zum Besten des Frauen=Vereins. Nachmittags 3 Uhr: Nachversammtung mit Kafseetrinken in der Turnhalle Ansprachen Vorträge des Kuchenchors, des Jung frauenvereins und des Posaunenchors Jedermann ist herzlich eingeladen Pastor Hubbert. So der Herr will, findet Montag. d. 10. 8. M. (nich Sonntag) von nachmittags 2 Uhr an, die Feier des rauenfestes in Gosenbach statt. Pastor Paschen aus Frankfurt hat als Festredner zugesagt und wird Jedermann hierdurch herzlich eingeladen Sissions-Dest in Freusburg wird so Gött will, am 9. September d. Is gefeiert werden Vorm. 10 Uhr: Herr Pfr. Wurmbach aus Kreuzthal. Nachm. 2 Uhr: Herr Pfr. einsterbusch aus Niederschelden Bei günstiger Witterung findet eine Nachversammlung um 4 Uhr im Freien statt. Das Presbyterium Abeitersumn Gewerkverband s. das Siegerland 2c. Diesen Sonntag, nachmittags 5 Uhr: Versammlung im Limper'schen Saale, Hammerhütte. in Freudenberg, Kreis Siegen. Unterrichtsfächer Deutsch Französisch u. Englisch u. Wahl— allgem Handelslehre Handelsgeographie u. Warenkunde Kontorpraxis, Korrespondenz, Arithmetik, einfache und doppelte Buchführung 2e Jede weitere Auskunft erteilt der Leiter der Anstalt: J. W.„ Weiland. Erösfne mit dem heitigen Tage in Hüttenstraße 2 ein Schünlager und bitte die geehrten Bewohner von Clafeid=Geisweidn Umgegend um geneigten Zuspruch Bringe auch mein Maßbeschäft in empfehlende Erinnerung. Reparaturen promp und billig Eduard Dornseifer Prina Delikateßin verschiedenen Größen zu 20 Pfa., 40 Pfg. u. 80 Pfa kolli 1.80 Mark gegen Nachnahme franko ab hier ukl. Verpackung sowie ff. 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Die Einstellung zugereister Arbeitswilliger auf den hiesigen Wersten wird, der Hamburgischen Börsenhalle zufolge, täglich größer. Budapest, 6. Sept. Die Polizei verhaftete heute den Dr. Zoltan Takats unter dem Verdachte der Banknotenfälschung. Takats war vor Jahren wegen Hehlerei und einer bei der ungarischen Escompt= und Wechslerbank verübten Unterschlagung zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt und im vorigen Jahre bedingungsweise freigelassen worden. Er ist der That geständig. Budapest, 7. Sept. Der wegen Fälschung von Banknoten verhaftete Dr. Zoltan Takats war früher Advokat. Die Polizei verhaftete ferner als Mitschuldige 10 Personen, darunter den Gutsbesitzer Balint, dessen Bruder, den Polizeibeamten Balint, die Mutter der beiden, sowie den Polizeiwachtmeister Lakner. Alle sind in Mezoctur wohnhaft. Budapest, 7 Sept. In Orsova sank der serbische Schleppdampfer Negotin infolge einer Kesselexplosion. Elf Mann der Besatzung kamen um, einer wurde gerettet. rr. 7. Sep. Die New=York Tribüne meldet aus Bogota: Marroquins wurde an Stelle Sanclementes Präsident von Kolumbien, aber nicht in gesetzmäßiger Weise, sondern nachdem er Sanclemente und den Minister Palarios am 31. August festnahm und sie gefangen setzte. Wirren in China. Magdeburg, 6 Sept. Abends um 7 Uhr 5 Minuten traf mittels Sonderzuges die neunte Kompagnie des ostasiatischen Infanterieregiments Nr. 3 vom Truppenübungsplatz Zeithain hier ein ebenso der Stab der schweren Artillerie, die zweite schwere Batterie und die Gebirgsbatterie vom Schießplatz Jüterbogk auf der Durchreise nach Bremerhaven Das Offizierkorps und die städtischen Behörden begrüßten die Truppen, die von der Stadt mit warmem Abendbrot gespeist wurden. Um 8 Uhr 12 Minuten erfolgte die Abfahrt unter brausenden Zurufen des nach Tausenden zählenden Publikims. London, 6 Sept. Die Abendblätter veröffentlichen eine Depesche aus Hongkong vom 5. September: Der Sekretär Lihungtschangs, der heute in Hongkong eingetroffen ist, sagt, Lihungtschang werde Shanghai morgen verlassen und nach Peking reisen. Petersburg, 6 Sept. Der russische Generalkonsul Popow telegraphiert unter dem 3. ds aus Futschou, daß die in Amoy gelandeten japanischen Truppen abberufen wurden, und daß in Futschou beständi Ruhe herrsche. Hamburg, 6. Sept. Am festlich geschmückten O'Swald=Quai traf heute abend der Lloyddampfer Stuttgart mit 4 Verwundeten vom „Iltis“ und 12 wegen Krankheit in China dienstunfähig gewordenen Mannschaften von den übrigen Schiffen des ostasiatischen Geschwaders ein. Im Auftrage und im Namen des Senats begrüßte Hauptmann Sauer die Ankommenden, die sodann in den Passagierhallen am Grosbrook bewirtet wurden. Die Mannschaften begeben sich morgen teils nach Kiel teils nach Wilhelmshaven. Der Krieg in Südafrika. London, 7. Sept. Der„Standard“ meldet aus Durban: Eine berittene Infanteriebrigade siel in einen Hinterhalt und wurde gesangen genommen. E### Mineral uschemische Parben für Anstreicher und Wiederverkäufer zu den billigsten Preisen. Siegerländer Farbwerke, 6. m. b. H. Siegen. Gallenstein Broschure über vollständige Ausrottung frei zu beziehen von Ehemiker Gust. Resendahl, Letmathe i. W. Den Empfang der Velen zeigt ergebenst an und bittet um geneigten Zuspruch. Frau W. Dusch, Siegen, 10 Löhrstrasse 10. Quellen zur Bearbig. päd Themen eic werden nachgewiesen gegen 0/40 M. in Briefm. Anfr. u. R ME 2144 Exp. d. 3. Bettiedern. Billige u. reellste Bezugsquelle für nur staubfreie u. gewaschene neue Federn, halbw. à Pld. 110 u. 1.60 Mi. schneei. Federn à Pfd 2 2.50 u. 3 Ml.(ertra sein, leicht u. sehr füllbar), ganz vorzügl. Ganzdaunen à Pfd 3.50(extra) u. 480 Mi.(hochsein) versende gegen Nachnahme Julius Langenbach, Siegen. R à 50 60, 70 Pig und höher empfiehlt Sch Siegen Untere Kölnerstraße 50. 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Streng reell. schlesischen Leser insbesondere aber die weiden herzlich gebeten, uns ihre Adressen anzugeben, damit wir sie zu unseren Versammlungen einladen können, die alle 3 4 Wochen Mittwoch abends von 8 Uhr an im Hotel„König von Ungarn“„Bischofstratze, gehalten werden.— Soll unsere chriftlichsozigle Sache geförden werden, s# ihit Zusaumenschluß der Gleichgesinnten not. christlichssoziale Verein für Schlesien. Pastor Kunzel, Vorsitzender. (Adresse Breslau, a. d. Magdalene## kirche 6/7 1II.) der Kriegsschauplatz der deutschen Fruppen in China. Mit Benutzung von Hassensteins Karte der Provinz Schantung und anderen Quellen bearbeitet von Paul Langhans. — Maßstab 1: 1.000000.— Mit Nebenkarten sowie Begleitworten: Deutsche Interessen und deutsche Streitkräfte in China. 1900. Preis M. 1. Sehr zu empfehlen— eine Karte, die jedenfalls das Beste leistet, was auf diesem Gebiet gegenwärtig überhaupt geleistet werden kann. 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Dieselbe hat den Zweck, die Ausbildung der Arbeiterschaft der Eisen= und Stahlindustrie des Siegener Landes zu vervollkommnen, die Schüler auf ihre Stellung als Arbeiter und Handwerker vorzubereiten und die befähigteren in die Lage zu versetzen, sich zu Vorarbeitern, Meistern u. s w. zu entwickeln. Sie soll daher den Schülern einen gründlichen Unterricht in der Schlosserei Dreherei Schmiede und sonstigen Metallbearbeituug nebst den Anfängen der Tischlerei und Holzdreherei erteilen, verbunden mit einem elementaren wissenschaftlichen Unterricht. Die Aufnahme findet um 8 Uhr vormittags in der Wiesenbauschule statt, wozu das letzte Schulzeugnis mitzubringen ist. Um den Bedarf übersehen zu können, ist eine vorherige schriftliche Anmeldung erwünscht. Der Direktor Haedicke, Sandstraße 23. Körtingsdorf bei hannoper, Zweigburean Vortmund, am Kondel 2. #Körtings M AMôter für Gas= Benzin= und Petroleum=Betries, das Neueste auf dem Gebiete der Klein-Gasmotoren. Billigster Preis! 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Sonntag, 16. September, nachmittags 4 Uhr in Klosterbauerschaft bei Gastwirt Schreiber Sonntag, 16. September, abends 7½ Uhr in Löhne=Bahnhof bei Gastwirt Horstkotte. Negerverfolgungen in Neworleans. Ueber die Negerverfolgungs=Orgie in Neworleans liegen nunnehr in den amerikanischen Blättern ausführliche Nachrichten vor. Der Aufruhr wurde dadurch hervorgerufen, daß ein farbiger Desperado zwei Polizisten während der Ausübung ihrer Dienstpflicht ermordete dasselbe Individuum nahm dann noch zwei weiteren Dienern des Gesetzes das Leben, ehe man ihm den Garaus machen konnte. Seit Jahren haben die farbigen Desperados, denen ob begangener Verbrechen in anderen Teilen des Südens der Vereinigten Staaten der Boden unter den Füßen zu heiß geworden war, Neworleaus n ihrem Asyl gemacht, wo sie unter dem gegen 100·000 Peronen zählenden Negerelement mehr oder minder verschwanden. Infolge dieses Umstandes vermehrten sich die Verbrechen, wie Raub, Norzucht Einbruch und Schleichdiebstahl in bedenklicher Weise, und obschon die schwache Polizeimannschaft(Neworleans hat bei 310.000 Einwohnern nur 300 Polizisten, einschließlich der Clerks und Telegraphisten) dadurch in steter Thätigkeit gehalten wurde, gelang es doch nur in verhältnismäßig wenigen Fällen, die Verüber der Verbrechen festzunehmen. Nun giebt es zwar auch viele anständige Farbige in Neworleaus, die öffentlich gegen das gesetzlose Treiben des Negerpöbels protestieren; sie leisten aber in keinem Falle hilfreiche Hand, wo es gilt, der Verbrecher habhaft zu werden. Den anständigen Negern in der Stadt war es schon seit längerer Zeit bekannt, daß der Farbige Robert Charles ein Desperado der schlimmsten Sorte sei, der bereits an anderen Orten Verbrechen begangen. Sie hatten die Brandschriften des Burschen gelesen in denen es u. a. hieß, die Farbigen würden von den weißen Teufeln gefoltert und die Zeit sei gekommen, sich dagegen zu empören, sie wußten, daß es bei dem Haß dieses Individuums gegen die Weißen zu blutigen Szenen kommen müsse, aber sie gaben der Polizei nicht das geringste Warnungszeichen Als nun am Abend des 24. Juli der Polizeikapitän Day und der Polizist Lamb bei einem Verhaftungsversuch von Robert Charles erschossen wurden, eröffnete ein aus Strolchen und halbwüchsigen Burschen bestehender Mob eine wilde Jagd auf sämtliche Neger der Stadt. Mit Revolvern und Knütteln bewaffnet, zogen zügellose Volkshaufen durch die Straßen. Wehe dem Neger, der sich blicken ließ er wurde auf der Stelle niedergeschossen oder halb totgeschlagen Viele der bedrohten Schwarzen stüchteten in die Behausungen weißer Einwohner, wo sie sich in Todesangst bis zum Morgen des 26. verborgen hielten. Die Polizei war dem Aufruhr nicht gewachsen. Die entfesselte Volkswut ließ sich nicht in Schranten halten. Die Aller Menschen Sinn und Mut Steht nur nach großem Geld und Gut. Und wenn sie das erwerben, So legen sie sich nieder und sterben. Die Liebe einer Frau. Von Christiane Dalsgaard. Antorisierte Uebers. von G. Johanns. (Nachdr. verboten.) „——— So spreche ich Euch ehelich zusammen im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen!“ Die Stimme des Pastors tönte klar und feierlich durch die Kirche. Nach einer kurzen Pause vernahm man die Worte: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ Die Trauung war beendet, und Doktor Viggo Warming verließ mit seiner jungen Frau die Kirche. war ein schönes Paar. Er groß und stattlich, hatte dunkelblondes Haar und dunkle, bräunliche Augen Es lag etwas Gutherziges in seinen Zügen aber der flott gedrehte Schurrbart gab ihm ein etwas geckenhaftes Aussehen. Sie war klein und anmutig, hatte sehr helles Haar mit einem rötlichen Glanz, blaue, leuchtende Augen mit einem etwas koketten Blick, eine reine, blendend weiße Gesichtsfarbe, ein Grübchen in den rosigen Wangen und einen kleinen Mund mit etwas vollen Lippen Er sowohl als auch sie strahlten von Jugend und Glück. Beide schienen von dem Ernst des Augenblicks nicht sonderlich ergriffen. Der Blick des Mannes ruyre oft mit verliebtem Ausdruck auf seiner jungen Frau. Sie sah sich nach allen Seiten um lächelte und nickte ihren Freundinnen zu, die sich unter den Zuschauern befanden „Wie süß sie ist! flüsterten die jungen Mädchen. „Mutter will Fanny auf den Ball?“ fragte ein kleines Mädchen und zupfte ihre Mutter am Kleide. „Still, Kind, nein!“ flüsterte die Mutter entsetzt Aber in der Frage des Kindes lag eine große Wahrheit. Fanny sah mehr aus wie eine Balldame als wie eine Braut. Ein zahlreiches und sehr elegant gekleidetes Gefolge begleitete das junge Paar. Der Zug bewegte sich so schnell vorwärts, daß die kritisierenden Zuschauer kaum Zeit hatten, die verschiedenen Eindrücke in sich aufzunehmen um dieselben später erörtern zu können. Eine der Damen, welche, ohne es zu wissen oder zu wollen, die Aufmerksamkeit am meisten auf sich zog war die Cousine der jungen Frau, Helga Brock nicht wegen ihrer Eleganz, denn sie war sehr einfach obgleich äußerst geschmackvoll gekleidet, auch nicht wegen ihrer Schönheit, denn hierin konnte sie mit mehreren der Damen nicht wetteifern vor allen Dingen nicht mit der jungen Frau. Aber wie sie so ruhig und ernst an der Seite ihres Brautführers ging lag etwas Eigentümliches Achtunggebietendes in ihrem Wesen, welches in den Zuschauern unwillkürlich eine gewisse Zuneigung hervorrief. zur Mehrzahl der Aufrührer waren verwahrloste Burschen unter 21 Jahren, denen ein Kesseltreiben auf„Schwarzwild" gerade recht war. Sie hatten keine Anführer, sondern folgten einem gemeinsamen Triebe, Neger totzuschlagen. Das erste Opfer der Volkswut war ein Neger, den man in einem Straßenbahnwagen erspähte. Er wurde mit Gewalt auf die Straße geschleift niedergeschlagen und durch Schüsse verwundet. Ein Farbiger namens Sanders, der unvorsichtigerweise vor seine Hausthür getreten war, um nach der Ursache der Schießerei zu forschen, wurde auf der Stelle niedergestochen. Die Hauptmasse der Aufrührer zog vor das Stadtgefängnis; unterwegs wurden mehrere Geschäftsläden geplündert und harmlose Passanten, unter ihnen Weiße und unschuldige Kinder angeschossen Schließlich begab sich eine Delegation angesehener Bürger zum Mayor und forderte ihn auf entweder ein Bürgeraufgebot oder die Milizen zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu verwenden, da sonst die ganze Arbeit auf den Docks, zu der hauptsächlich Neger herangezogen werden, eingestellt werden müßte. Der Mayor setzte sich mit dem Gouverneur in Verbindung, der alsbald Miliz herausbeorderte. Die angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß bei den Ruhestörungen am 24. und 25. Juli ein Neger totgeschlagen und einige zwanzig Personen, weiße und schwarze, lebensgefährlich verwundet wurden. Weit schrecklichere Szenen spielten sich aber am 27. Juli ab. Nach einem verzweifelten Kampfe von mehreren Stunden innerhalb deren er drei Personen erschoß und vier tötlich verwundete, wurde der Desperado Robert Charles in seinem Versteck ausgeräuchert und buchstäblich in Fetzen zerschossen. Gegen 20.000 Personen, Bürger, Soldaten und Polizisten, belagerten das Stadtviertel, wo Charles schließlich abgethan wurde. Dieser war mit einer Winchester=Büchse bewaffnet und kämpfte mit verzweifeltem Mut bis zum letzten Augenblick. Charles schoß mit einer erstaunlichen Treffsicherheit und verhängnisvollen Wirkung auf seine Verfolger. Sein erstes Opfer war der Polizeisergeant Porteous, dem bald der Polizeisergeant Lally folgte Dann erschoß der Neger den Knaben Alfred Bloomfield Man machte nun mehrere Versuche den Mordgesellen aus seinem Versteck— er befand sich im zweiten Stockwerk eines Hauses in der Clio Street— herauszutreiben, aber er war entschlossen, sein Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Wieder und wieder erschien er am Fenster und schoß auf die Bürger, die einer hinter dem anderen in die enge Gasse eindrangen. Da kein anderes Mittel verfangen wollte, kam man auf die Idee, das Haus in Brand zu stecken. Irgend jemand aus der Menge holte eine Kanne Kerosinöl, gaß es über die Hintertreppe des Hauses und zündete es an. Die Flammen verbreiteten sich furchtbar schnell. Als Charles, um dem Feuertode zu entgehen, quer über den Hof rannte, wurde er von einem Soldaten erschossen. Nun drang der Mob in den Hof ein, schoß den toten Unhold in Stücke und zertrampelte ihm den Kopf. Wenn die Polizei nicht eingeschritten wäre, dann hätte der Mob ein Freudenfeuer angezündet und die Leiche öffentlich verbrannt. Später verbreitete sich das Gerücht, daß in dem Gebäude, aus dem Charles ausgeräuchert wurde sich noch andere Neger befänden. Flugs strömte der Mob wieder hin und ein armer Teufel von Neger, der dem wütenden Volkshaufen in die Hände siel, wurde ohne weiteres gelyucht. Innere Klarheit, Reinheit und Frieden schien aus ihren edlen Zügen und den dunkelblauen Augen zu sprechen, über ihrer hohen, schlanken Gestalt zu ruhen. Ihr glänzend schwarzes Haar war in einem Knoten am Hinterkopfe befestigt, sodaß man ihren weißen, schön geformten Nacken sehen konnte. Sie war sehr bleich; auf ihrer Stirn ruhte ein gedankenvoller Ernst, aber um ihren Mund spielte ein freundlicher Zug, und diese wunderbare Mischung von Kraft und Milde war es vielleicht, die ihrem Gesichte sein charakteristisches Gepräge verlieh. Im Portal der Kirche stand der Zug still, um auf die Wagen zu warten. Helgas Blick richtete sich nach oben; aus ihrem Herzen stieg in diesem Augenblick ein warmes Gebet um Glück und Segen für die Neuvermählten empor—, ein Gebet, an das diese selber nicht dachten Das Festmahl war beendet. Die Gesellschaft hatte sich in die verschiedenen Räume verteilt, welche zur Verfügung standen. Helga näherte sich soeben der Thür zu einem der Zimmer, als sie plötzlich stehen blieb. Das junge Paar saß allein in der Stube. Fanny hatte auf einem Lehnstuhle Platz genommen und hörte Warming mit gleichgültiger Miene zu, der ihr etwas zu erzählen und zu erklären schien, was ihn in hohem Grade interessierte. Mehrere Gäste kamen herzu. Diese fürchteten nicht wie Helga, das junge Paar zu stören, sondern gingen lachend und plaudernd an ihr vorüber in das Zimmer „Nein Warming, heute müssen Sie uns Fanny überlassen, später haben Sie sie ja ungeteilt.“ „Nun, hier finden wir endlich die beiden zärtlichen Turteltauben!“ „Nein, seht, welch ein eifersüchtiger Ehemann! Er will seine junge Frau ganz für sich allein haben! Mit einem Ausdruck der Erleichterung sprang Fanny auf und mischte sich scherzend unter die Gäste „Warum kamst. Du nicht herein zu uns?“ fragte sie Helga später „Ich wollte nicht stören Warming schien so froh darüber zu sein, Dich einen Augenblick in Ruhe bei sich zu haben.“ „Stören Du solltest nur gekommen sein Weißt= Du, was Warming mir zu erzählen hatte? Er schilderte mir unser zukünftiges Heim! Als ob ich morgen nicht alles sehen kann, wenn wir dorthin kommen. Wenn wir doch in der Hauptstadt wohnen könnten statt in dem abgelegenen Orte ich werde dort gewiß nicht viel Vergnügen von meinen schönen Toiletten haben.“ Die Musik ertönte jetzt im Saal, und Warming kam, um seine Frau zu holen und mit ihr den Tanz zu eröffnen. Mit kokettem Lacheln hing sie sich an seinem Arm, und er sah sie entzückt an, indem er sie fortführte Helga sah ihnen mit einem schmerzlichen Blick nach „Abgelegener Ort!" dachte sie und seufzte.„Ach, Fanny, Fanny, mache ihn nur ja glücklich!“ 47. Ratholikentag. (Originalbericht des„Volk“.) IV. □ Bonn, 5. September. Aus dem Vortrage des Fabrikbesitzers Vogeno=Aachen über „Handel und Gewerbe auf christlicher Grundlage“ in der gestrigen Sitzung ist noch folgendes nachzutragen: In Handel und Gewerbe seien von den materiellen die moralischen Gesichtspunkte vielfach zurückgedrängt worden. Das müsse anders werden. Die besten sozialpolitischen Einrichtungen nützen nichts, wenn die Persönlichkeiten nicht vom rechten Geiste erfüllt sind. Die Gesetzgebung allein kann nicht alles machen; daher muß auch Selbsthilfe unsere Losung sein. Das Handwerk muß sich das Genossenschaftswesen zu Nutze machen. Für unseren Kaufmannsstand ist das Bestehen des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereinigungen aufs freudigste zu begrüßen, insbesondere ist seine Stellenvermittelung vom höchsten Werte. Damit ist nicht gesagt, daß wir uns von den anderen— allgemeinen— Berufsvereinigungen zurückziehen sollen. Im Gegenteil! Redner verbreitet sich weiterhin darüber, auch in der Industrie die Sozialpolitik in höherem Maße als bisher zu Worte kommen zu lassen. Die Erfolge der letzten Jahrzehnte müssen, meine ich, dazu anfeuern, den letzten Schritt auf diesem Gebiete zu thun, und durch gesetzliche Anerkennung der Arbeiter=Berufsvereine im Arbeitsverhältnis neben der Herrschaftsidee auch die Genossenschaftsidee zur Geltung kommen zu lassen(Beifall) und den Arbeitern dadurch die Möglichkeit zu geben, in der Entwickelung und Fortbildung der Sozialpolitik ein entscheidendes Wort mitzusprechen.(Lebhafter Beifall.) Nicht dem Volke gehört die Zukunft, das allein durch industrielle Leistungen glänzt, sondern dem, das im Stande ist, auch die Verhältnisse seines Handels und seiner Industrie mit dem Geiste des Christentums zu erfüllen.(Lebhaster Beifall.) In der heutigen Vormittagssitzung war von Interesse die Rede des Abg. Bachem(Köln) über Gründung von Vereinen zur Bekämpfung der Unsittlichkeit, da das Gesetz Heinze nicht weit genug ging. In Köln bestehe ein derartiger Verein, der gewirkt hat dadurch, daß man in solchen Geschäften nicht mehr kaust, die unsittliche Schriften verkaufen 2c. Daß wieder über die Jesuitenfrage geredet wurde, brauchen wir kaum zu erwähnen. Die öffentliche Nachmittagsversammlung begann 5¾ uhr mit einer Rede des Landtagsabgeordneten, Lehrer Sittard aus Aachen, über Kirche und Schule 95 Prozent der Jugend bekommen in der Volksschule ihre Ausbildung, die Wichtigkeit derselben wäre selbstverständlich. Licht und Finsternis kämpfen um die Herrschaft in der Schule. Jede Richtung nehme für sich das Licht in Anspruch und so auch die Katholiken. 80000 Lehrer waren kürzlich in einer Kölner Lehrerversammlung vertreten. Die dort vertretenen Sätze werden vom Redner kritisch beleuchtet und als nicht im Sinne Christi stehend bezeichnet. Redner verlangt die Mitwirkung der Kirche und erkennt dem Staate bas Aussichtsrecht zu, aber keine Einwirkung auf das religiöse Leben, das sei Sache der Kirche. Sie müsse friedlich mit dem Staate die Grenzen finden; früher sei in der Schulfrage Frieden zwischen Staat und Kirche auf dem Schulgebiete gewesen, da er sich nicht ins Religiöse eingemischt habe. Familie und Schule müssen das religiöse Leben wecken und erhalten, aber der religionslose Liberalismus machte seinem Haß gegen alles Religiöse Luft und habe die angegriffen und bekämpft. Der Regierung fehle vielfach das Verständnts für die katholischen Schulbedürfnisse. Selbst bei dem christlichen Minister Bosse hätten die Thaten den schönen Worten nicht immer entsprochen.(??) Der Staat wolle allein in der Schule herrschen. Redner verlangt, daß die frühere Stellung der Schule zur katholischen Kirche wieder hergestellt werde (Lebhaftes Bravo), die Religion solle Grundlage des Unterrichts sein. Es sei aber unlogisch Schulinspektoren anzustellen, die gar nicht auf dem Boden der Kirche ständen. In München habe man die Leitung einer Schule einem Manne übergeben, der sich abfällig über die Kirche ausgesprochen. Auch die liberalen Lehrer hätten kein Verständnis für die Katholiken. Redner beklagt die Beseitigung der geintlichen Schulinspektion, wenn er auch nicht prinzipiell gegen Fachschulaussicht ist. Die konfessionelle Schule müsse bleiben, da auch Ein Jahr später erhielt Helga eine dringende Aufforderung, Fanny zu besuchen und ihr eine zeitlang Gesellschaft zu leisten, da sie an das Haus gebunden sei und der Erheiterung bedürfe. Helga hatte ihre Cousine seit der Hochzeit nicht gesehen, hatte aber viel von ihrem neuem Heim gehört von Verwandten, die dort gewesen waren— lange Lobreden über das schön eingerichtete Haus, über Fannys bezauberndes Wesen und über die großen Gesellschaften, aber kein Wort von dem, wonach sie sich am meisten sehnte von dem gegenseitigen Verhältnis der jungen Eheleute. Sie zögerte nicht, der Einladung zu folgen, denn sie wußte, daß sie dies ruhig thun durfte. Die Zuneigung, welche sie zu Doktor Warming empfunden, hatte sie nach seiner Verlobung mit Gewalt unterdrückt. Sie war jetzt darüber gewiß, daß sie ihm begegnen konnte, ohne andere Gefühle als die einer Schwester für ihn zu hegen und daß der Anblick seines ehelichen Glücks ihr gut thun werde. Doktor Warmings Haus lag an der Außenseite der kleinen Stadt. Es war umgeben von einem großen und schönen Garten mit schattigen Alleen und einer Menge von Obstbäumen Von der Straße führten zwei breite Kieswege nach der Hausthür. An der hinteren Seite des Hauses befand sich die Gartenstube mit Veranda, vor derselben ein großer, gepflegter Rasenplatz mit Blumenbeeten; im Hintergrunde breiteten die alten, hohen Bäume ihr Laubdach aus, gegen welches sich eine Blutbuche, eine Rot= und eine Weißdornhecke scharf abhoben. Die junge noch nicht zwanzig Jahre alte Frau des Hauses auf einem Lehnstuhl in der Veranda. Sie hatte den Kopf zurückgelehnt, Thränen quollen unter den geschlossenen Augenlidern hervor, und heftig drückte sie das feine Spitzentaschentuch gegen das Gesicht. „Aber Fanny, was fehlt Dir denn? Ist Dir etwas zugestoßen?“ Helga beugte sich angstlich über sie. „Heute veranstaltet der Klub wieder ein Gartenfest,“ schluchzte Fanny„Ach, Du glaubst nicht, wie schrecklich es ist, hier wie in einem Gefängnis sitzen zu müssen und nicht teilnehmen zu können!“ „Liebe Fanny, bedenke doch, daß Dir eine Freude bevorsteht, die weit größer ist als die einen Ball mitmachen zu können Trockne jetzt Deine Augen, Du weißt, daß Warming es nicht leiden kann, daß Du Dich einer Gemütsbewegung aussetzt!“ „Ja, Du redest, wie Du Verstand hast, mein Kind,“ sagte Fanny und nahm ihrer fünf Jahre älteren Cousine gegenüber eine frauenhafte Würde an.„Dies ist nun der vierte Ball, auf welchem ich nicht getanzt habe, und ich liebe den Tanz so leidenschaftlich. Anfangs durfte ich doch noch zusehen, aber jetzt darf ich auch dies nicht einmal. Du kannst glauben, es ist hart. Sie schluchzte so heftig, daß Helga ganz ängstlich wurde. „Sei doch endlich ruhig, liebe Fanny! Es doch nur ür eine Zeitlang, daß Du von dem Gesellschaftsleben ausgeschlossen bist. Denke daran wieviel Ursache Du hast, in Nebensächern die religiöse Ueberzeugung des Lehrers zum Ausdruck käme, so in Geographie und Geschichte. Redner beklagt die Behandlung besonders in den östlichen Provinzen und fordert temperamentvoll unter stürmischem Veifall gleiche Behandlung wie die andern Konfessionen sie seien nicht Bürger zweiter Klasse(lebhaftes Bravo). Sie wollten keine großpolnische Bewegung unterstützen, sondern nur die religiösen Forderungen. Evangelische Lehrer würden angestellt in katholischen Schulen, dies sei eine Beleidigung der Katholiken. Diesterweg, der Abgott der liberalen Lehrer, habe gesagt, die neue Schule sei die Ehe der Wissenschaft mit dem protestantischen Geist. Sie dankten für diese moderne Ehe und er sei erfreut, daß die gläubigen evangelischen Lehrer von diesem modernen Heidentum ebenfalls nichts wissen wollten.(Lebhaftes Bravo.) Redner dankt den katholischen Lehrern, die den modernen Lockungen widerstanden(Lebhafter Beifall.) Das Kreuz auf Golgatha bliebe bestehen und behalte seine Kraft. Christliche Pädagogik ihue not. Zum Schluß wendet Redner sich an die zahlreich auf der Tribüne sitzenden Damen, die Wichtigkeit der Frauen bei der Erziehung und dem Gebei ausführend. Mit der Forderung der Freiheit der Kirche in der Schule schloß Abg. unter lebhaftem Beifall. Vorsitzender verliest dann eine lateinische Depesche des Papstes und übersetzt sie aufs Deutsche, sie enthält die wiederholte Segenspendung desselben Rechtsanwalt Fehren bach aus Freiburg in Baden sprach dann über die Förderung des höheren Studiums unter den Katholiken. Er fordert das Interesse des katholischen Volkes für die Ausbreitung und Förderung der Bildung, besonders des Klerus. Er bestreitet eine Bildungs=Inferiorität der Katholiken, der Qualität nach Das Drittel deutscher Katholiken stelle ebensoviel Geistliche als die' Evangelischen, was Redner statistisch nachweist. Anders ist das Verhältnis auf den andern Real=Anstalten, nur 12%/ Katholiken, bei der juristischen Fakultät 79/4 20,6 Prozent Katholiken „„ medizinischen„ 29 21„„ „„ philosophischen„ 74 16„ im ganzen nur 18 Prozent Katholiken bei den höheren weltlichen Studien, also ungenügend für die Katholiken. Ansehen und Einfluß dieser Berufe würden so den andern überlassen. gebe keinen Gegensatz zwischen Wissen und Glauben und auch die Katholiken wollen die Freiheit der Wissenschaft, aber auch den Glauben auf allen Gebieten und Fakultäten. Der Arzt am Krankenbett neben dem Wissen auch christlichen Glauben usw. Redner bezweifelt freilich, daß die Katholiken den großen Prozentsatz der Juden bei den höheren Studien erreichen(Heiterkeit), auch nicht den der Evangelischen völlig, schon wegen der evangelischen Pfarrhäuser; aber einen größeren Prozentsatz für die Katholiken hält er zu gewinnen für möglich. Die Zuneigung zum Studium stehe vielfach im umgekehrten Verhältnis zum Geldbeutel der Eltern, daher müßten Studienvereine eingreisen, die in Freiburg, Köln, Limburg 2c. gut wirkten. Also Mittel seien nötig, um jungen Katholiken das Studium zu ermöglichen. Redner ist in Notre Dame in Paris gewesen und hat gesehen, wie der Erzbischof vor nur 100 Frauen und Kindern den Gottesdienst gehalten, wie anders in Deutschland. Die sogenannte Ueberfüllung der gelehrten Berufe und der Zweifel des Erfolges, dürfe die Katholiken nicht abhalten zu helfen, denn die Katholiken seien der Centrumsturm gegen den Umsturz, ihnen gebühre regere Beteiligung an allen höheren Gütern. Sie wollen beten zu Gott um ein frommes gebildetes, katholisches Deutschland. Nicht enden wollender Beifall folgte auf den mit kräftigem, durch die ganze Halle schallenden Organ in formvollendeter Sprache, unter größter Begeisterung vorgetragenen Vortrag Fürwahr, das Centrum ist an vorzüglichen Rednern nicht arm, denn alle bisher Gehörten waren Meister der Rede. Arbeitersekretär Gisbert aus M.-Gladbach redete dann über die Arbeiterfrage und Pater Bonaventura aus Berlin über den Bonisacius=Verein. Wir werden über den Vortrag über die Arbeiterfrage morgen berichten. 15. Allianz-Konferenz in (Originalbericht des„Volk“.) Blankenburg, 4. September. (Schluß.) „Prüfet Mich hierin, spricht Jehovah der Heerscharen, ob Ich euch nicht die Fenster des Himmels aufthue und euch Segen herabgießen werde bis zum Uebermaß. Es war zu spüren, der Geist des HErrn war mächtig in allen Versammlungen; der letzte Tag, Freitag, 31. August, war wohl der schönste, nach innen und außen. Alle Teilnehmer sind wohl angeregt und angetrieben worden zur Vertiefung des Glaubenslebens, zu einem tieferen Verständnis für den großen Reichsplan und die teuren, allergrößten Verheißungen unseres HErrn und Meisters, zu einer völligeren Hingabe in seinen Dienst, zu einem Ihm ähnlicheren Leben. In dem allgemeinen Thema:„Der göttliche Heilsplan mit der Menschheit geht durch Tod zum Leben sollte der letzte Konferenztag allgemein unter dem Zeichen: Bei der Vollendung des Einzelnen und der Gemeinde Christi“ stehen. Schon früh morgens von 7—6 Uhr vereinigte man sich in großer Zahl im Freien, unterhalb der Ruine Greifenstein, zu einer Missions= und Gebetsversammlung. Um 8 Uhr folgte dann die übliche Gebetsstunde, eingeleitet von P. Dammann und im übrigen geleitet von Dr. Baedecker. Losung und Lehrtert des Tages: Menschenevangelium ist Tyrannei, Gottesevangelium ist Freiheit; freie Bahn für das liche reine Evangelium auf der ganzen Erde alle kirchlichen, denominationellen und nationalen Unterschiede sollen zurücktreten unter dem Kreuze sind wir alle einig. Gebete für die Mission in allen Ländern und Erdteilen und für Einzelne.— Von 9 bis 10 Uhr hielt der Jugendbund für entschiedenes Christentum(E. E.) unter Leitung des Sekretärs für Deutschland, Pred. Blecher= Bieleseld eine gu besuchte Spezialversammlung, in welcher mehrere Redner und Rednerinnen Zeugnis ablegten und ihre Erfahrungen und Berichte vortrugen Es war zu erkennen, es geht auch darin vorwärts überall; wie sollte es auch anders sein unser HErr fordert vollen Ernst und Entscheidung es ist wahr: „Nur dem entschiedenen wahrhaft gläubigen lebendigen Christentum ist Leben und Sieg verheißen!" Darum wirket bis der Meister kommt!— Von 10—12 solgte dann die allgemeine große Versammlung unter sehr zahlreicher Beteiligung. Es wurde zunächst auf Joh. 7, 37 hingewiesen. Was macht im Grunde ein Fest herrlich? Der herrliche HErr thut es! Er muß alle Schuppen von den Augen nehmen.„Wen da dürstet, der komme zu Mir und trinke!"— Generalleutnant v. Viebahn sprach das einleitende Gebet und P. Stockmayer hielt darauf die etwa 1% stündige Hauptansprache über das Thema des Tages: Nichts soll uns hindern zu dienen dem lebendigen und wahren Gott mit jeder Faser des Herzens und Wesens, mit jedem Tropsen des Blutes, mit jeder Minute der Zeit Erfüllung der Prophezeiungen an Jsrael, Zionismus Phil. 3 10—21; 1. Thessal. 1, 10, 2. Kor. 1 11 Joh. 3. 3, 1 Thefsal 5 23, Er wird das Werk in uns vollbringen aber wir müssen ga., dabei sein Gott geheiligt, Röm. 8, 23; V. 15 erst Geist der Sohnschaft, dann die Sohnschaft; 2. Mos. 23, 20, 21, Jes. 63, 10; nicht betrüben den heiligen Geist; Ephes. 4 30, die Sünde des dankbar und froh zu sein ein reizendes Heim und einen guten, lieben Mann.“ „Warming ist ein Tyrann! rief Fanny aus und preßte das Taschentuch gegen die Augen. „Eo— ahl sagte Helga mit einem Lächeln. scheint mir doch, daß er Dich auf den Händen trägt und Dir jeden Deiner Wünsche erfüllt, soweit es in seiner Macht steht. Ach ja, für Fremde kann es vielleicht so aussehen, aber in Wirklichkeit will er regieren Bald darf ich dieses bald darf ich jenes nicht thun nein, er ist nicht wie in unserer Verlobungszeit; damals konnte ich alles erreichen, was ich nur wollte. Helga wurde plötzlich unruhig Verbarg sich hinter Fannys mürrischen Wesen wirklich ein tieferer Ernst? War es mehr als ein launenhafter Scherz, wie sie es anfangs geglaubt hatte? (Fortsetzung folgt.) Unglaudens: Geist. Seel und Leib sollen durch und d##ch werden auf den Tag des Wrn. S#e 13 M, 2. Per. 13 Joh. 16, 18., Johannes der Insel Patmos, es war iIn vorsehalten, in die jenseinge Her###chten des Lammes zu sehen. Sage es Jesu! Beständig unter der Leitung des Geistes leben in der Stickluft lauen Christentumsist es sche zu überwinden. Offen##rung Sendschreiben an die Gemeinden Röm. 10 u. 11 Ofb. 128 Sounen= weib bedeutet wohl die Gemeinde Christi, Vers 12 gilt wesentlich Israel; 1. Kor. 15, Geistesmenschen Abhängigkeit von Ihm steiiges Blicken auf Ihn: Wie wir das Bitd des ersten Adam getragen, so sollen wir auch das Bild des zweiten Adam tragen Heiligung durch und durch zur Vollendung.— Nachmittags von 2— 3 Uhr gabs im Freien eine Versammlung über das armenische Hilfswerk und die deutsche Orientmission, und über die Mission unter den Mohammedanern, wobei Dr. Lepsius und die Prediger Amicchanjanz und Awetaranian der erste ein Armenier und der andere ein bekehrter Türke, ein gewesener mohammedanischer Geistlicher packende herzandringende Ansprachen hielten.— Um 3 Uhr folgte dann die übliche Bibelftunde, gehalten von Rev. Moore; auch die Stunden von 4 bis 6 Uhr, die von Ansprachen des bedeutenden Missionsdirektors D. Grattan Guinnes und seines Schwieger sohnes Kumm ausgefüllt waren, verliesen schön anziehend und erwecklich. Niemand konnte sie hören ohne daß die Verpflichtung in der Missionsarbeit, ihm schwer auf die Seele fiel. Guineß hat bekanntlich seine Hauptthätigkeit dem Sudan und den Länder am Nil und in Central=Afrika zugewandt. In der Bibelstunde von 5 bis 6 Uhr sprach Guineß zunächst in Anlehnung an Matth. 6, 6ff., über das Beten; Matth. 7 1; auch mehr an den Vater“ die Gebete richten; direkter Zugang; zu Gott kommen, dem Vater; sich nicht fürchten in der römischen Kirche ruft man Maria und die Heiligen an; Ephes. 1, 16 u. 17, 2, 18; Röm. 8; Menschen sollen keine Maschinen sein; Röm. 12, 1; Ebr. 12, 1; 2. Kor 3, 18; in beständigem Verkehr bleiben mit Gott; auf das Kreuz, auf Ihn sehen Gottes Wirken in uns auswirken die ganze Welt ist jetzt offen für das Evangelium; besonders auch jetzt offene Thüren in Central=Afrika(Sudan); Gott öffnet jetzt auch ganz China für das Evangelium durch das Blut der Märtyrer. In Christi Geist zeugen; es soll ein Hirt und eine Herde weiden. Die Versammlung am Freitag abend 8 Uhr fand wieder bei überfülltem Saale statt. Zuerst sprach überzeugend und packend Dr. Baedecker und wies noch einmal auf die große vollbrachte Gottesthat hin, die wir subjektiv anzunehmen haben Redner erzählt aus seinen reichen Erfahrungen und seiner Lebensgeschichte, seinen Reisen in Sibirien u. s. w. Der HErr führt uns wunderbar und herrlich; wir wollen Ihm wahrhaft dienen: Ephes. 4 15—16 Zeugen sollen wir alle sein; Gon sucht ost schwache Leute, um an ihnen Seine Stärke und Kraft zu offenbaren. Die Gesundung muß am Herzen anfangen rechtes Gebetsleben keine Halbheiten, völlige Erlösung; den HErrn beim Wort nehmen, völlig vertranen Jesus ist allein die Quelle des lebendigen Wassers kein inhaltsloses Leben führen wirken, daß Ewigkeitsfrucht geschafft werde, daß Seelen zum Heiland kommen.— Drüben giebts Ruhe im Dienste des HErrn.— Prof. Stroeter hielt dann noch eine erhebende Ansprache in Anlehnung an 2. Timoth. 4, 6—8. Man kann sagen Heilsgewißheit ist der Positiv Sieges gewißheit der Komparativ und Kronengewißheit der Superlativ, es gin allen, die Seine Erscheinung lieb haben; kein religiöser Egoismus: Er alles Reinigung;„Wer Mich ehret, den will Ich wieder ehren Er giebt Bewahrung, Kraft, Krone. Graf Bernstorff sprach noch in Anlehnung an 2. Chron. 20, 26, Lobethal; Joy. 9, 25, einst blind, nun sehend; loben und danken Mit Gebeten und Lied schloß die schöne Versammlung, aber es sollte noch nicht die allerletzte sein waren doch auch am Samstag morgen noch die meisten Teilnehmer in dem sreundlichen Städtchen anwesend. Eine große herrliche Gebeisstunde konnte daher noch abgehalten werden, eingeleitet von Dr. Baedecker und weiter geleitet von P. Stockmayer. Näher zu Gott immer eine Etage höher der Herrlichkeit zu und eine tieser in die Einfalt. Laßt uns die Harsen stimmen und den Ton angeben vom alten großen Sänger und König David. Pfalm 145. Es war ein echter, rechter Lob= und Dankgottesdienst in dieser Abschiedsstunde, es wurde viel, kurz und klar undernst gebetet, lebendig und frisch gesungen. Man spürte es, ganze, entschiedene Christen waren versammelt, die da glaubten an den Namen des für sie gekreuzigten und gestorbenen Sohnes Gottes, des lebendigen Heilandes, Christen, die es ernst nehmen wollten mit der Hingabe und Heiligung ihres Lebens, Christen, die da warteten auf die Zukunft des HErrn Jesu und die sich fühlten als ein Leib in Christo zugehörig zu dem einen Volk des HErrn dem„die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt sind, teichaftig zu werden der göttlichen Natur Alles in allem es waren schöne Tage und Versammlungen, belebt von herrlichem Sonnenschein vor allem aber erleuchtet durch das Licht von Oben Möchte die Frucht der Konferenz durch Gottes Hilfe und Gnade auch in diesem Jahre sehr reich und herrlich sein und die Reichsarbeit stetig gefördert werden zum pelle der Menschheit. geicen Schlleder zu beziehen, so wird damit die Leistungsfähigkeit unserer Auniee bei der längeren Dauer eines Feldzuges in hohem Maße in Frase gestellt. Aus allen diesen Ursachen dürsten Maßregeln zur Verhütung des weiteren Rückgangs dieser Industrie in ernsteste Erwägung zu ziehen sein. Die Herstellungsmethoden der hiesigen Sohllederfabrikation sind im Laufe der Zeit nach vielen Richtungen verbessert worden. Die Dauer der Fabrikation ist von früher 24 Monaten auf 16 bis 18 Monaten zurückgegangen, der Verbrauch an Gerbstoff ist durch eine vollständigen Benutzung desselben vermindert und die Appretur von Leder wesentlich verbesser worden. Grundsätzliche Aenderungen in der Herstellungsweise sind aber noch nicht eingeführt Dieselben entsprechen nach hiesiger Auffassung nicht der Möglichkeit, gleichzeitig ein so solides Fabrikat zu erzeugen, wie man es bisher gewohnt war. Die hiesigen Gerbereien scheinen aber heite vor die Frage gestellt zu sein, entweder den Betrieb einzustellen oder die Herstellungsan des Sohlleders wenigstens teilweise den neuen Methoden anzupassen. Der Absatz der hiesigen Sohllederfabrikate geschah außer an eine nicht unbedeutende feste Kundschaft bis zum Schluß des letzten Dezenniums vorwiegend auf den Messen zu Frankfurt a. M., Hannover, Braunschweig und ganz besonders in Leipzig. Seitdem hat aber der Zwischenhandel die zahlreiche kleine Kundschaft, welche früher die Messen besuchte, an sich gezogen. Die soliden Händler zogen sich von den Messen zurück, da sie stets Gelegenheit fanden, ihren Bedarf auf den zaylreich entstandenen Kommissionsläger zu decken. Auf diese Weise verkoren die Messen immer mehr ihre Bedeutung. Der Bedars der Armee=Verwaltung an Sohlleder ist in den letzten Jahren größtenteils durch direkten Einkauf von den Gerbereien gedeckt worden.(Fortsetzung folgt.) W. K. 100. Der Parteitag der deutsch=sozialen Reformpartei findet vom 8. bis 10. September in Magdeburg statt. Die Tagesordnung ist wie solgt festgesetzt: Am 8. September Ausschußsitzungen. Abends Volksversammlung im„Hofjäger“ Begrüßung der Gäste in den„Drei Kaisern". Am 9. September Gesamtverhandlungen im „Fürstenhof“(Viktoviastraße) Beginn vormittags 10½ Uhr. Abends Festkommers im„Fürstenhof“. Am 10. September Fortsetzung der Gesamtverhandlungen. Abends'8 Uhr Militärkonzert in der„Wilhelma“. Am 11 Sept. schließt sich eine Gesellschaftsfahrt nach Thale und ins Bodethal an. Zuwitt haben nach den„Deutsch=Sozialen Blättern“ nur Gesinnungsgenossen, die sich als solche ausweisen Zur Verhaudlung stehen folgende Punkte: 1. Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit der Reichstagssraktion. Berichterstatter Abg. Naab. 2. Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit der Parteileitung Berichterstatter: Direktor Zimmermann.— 3. Wahl der beiden Vorsitzenden— 4. Beratung über die Frage: Kann nusre einheimische Laudwirtschaft uns mit ausreichender Brotfrucht und mit hinreichendem Fleische versehen? Berichterstatter: Abg. Müller(Waldeck). — 5. Beratung über die Frage: Ist das Gesetz gegen den unlautem Wettbewerb verbesserungsbedürftig? Berichterstatter: Rechtsanwalt Dr. Wohlfahnt.— 6. Berichte der Landtagsabgeordneten des Kassenwarts und der Kassenrevisoren.—7. Wahl der Kassenrevisoren.— 8. Verschiedenes Anträge. 5. Sept. An dem gescheiterten Seymourschen Entsatzmarsche nach Peking hat auch ein Sohn unserer Stadt, der Matrose P. Kaiser von S. M. S. Hansa", teilgenommen. In einem hier eingetrosfenen Feldpostbrief, der am 14. v. M. in Tientsin abgestemvelt ist, schilder Kaiser seinen hiesigen Angehörigen kurz seine Erlebnisse auf diesem Marsche. Während der Kämpfe wurde Kaiser durch einen Streifschuß an der Ferse des rechten Fußes verwundet, doch glücklicherweise derart leicht, daß er schon am 9. Juli das Lazarett in Tientsin wieder verlassen konnte. Hoffentlich kehrt unser tapferer Landsmann nach Beendigung der kriegerischen Unternehmungen wohlbehalten hierher zurück. an. virt Kesselheim erntete auf die ein Gewicht von über 1000 Sept. Die letzten trockenen, geeignet, die meisten Halmfrüchte bringen. Mit dem Auswachsen der Vericht der Handelskammer 8 Segen für über die gewerbliche 19 bis 18 99. des von 1849 bis 1899, sowie Jahresbericht V erlaudes 1899. Die Lederfabrikation. Dieselbe hat ihre natürliche Grundlage in dem Lohbestand unserer Hauberge. Ihre Bedeutung für die landwirtschaftliche Bevölkerung des Kreises wuchs mit dem Rückgang der Erzeugung der Holzkohle. Mit dem Aussterben dieses letzteren Gewerbes waren unsere Landleute fast nur auf die bare Einnahme aus der Lohe angewiesen. Das Wohlergehen der ländlichen Bevölkerung des Kreises hängt daher eng zusammen mit dem der Lederindustrie und ist in der ganzen Periode, über welche dieser Bericht sich erstrecken soll, hierin keine Aenderung eingetreten. Im Gegenteil müßte die Erhaltung der Siegerländer Hauberge mehr wie je heute Aufgabe aller maßgebenden Fattoren sein. Der sehr verteilte Besitz derselben die regelmäßige Bareinnahme aus derselben spielt für die durchschnittlich arme Landbevölkerung eine überaus wichtige soziale Rolle. Dieselbe ermöglich es ihr bei der harten Arbeit in der sonstigen andwirtschaftlichen Thätigkeit, bei den unter dem rauhen Klima geringen Beträgen aus derselben sich noch auf der eigenen Scholle zu halten und dort zwar ein schweres, aber immerhin zufriedenes Leben als gute Staatsbürger zu führen. Die Entwickelung der Sohllederindustrie zeigt eine ziemlich gleichmäßige Erzeugung von 1849 bis 1870. Diese Zeit ist auch für diese Industrie die günstigste gewesen, es wurden während derselben nicht unbedeutende Vermögen erworben. Anfangs der 70er Jahre begann der Kampf gegen die Einfuhr des zwar billigen aber schlechteren Hemlockleders. Dasselbe brachte mit Schluß des Jahrzehntes unter Einwirkung anderer erschwerender Umstände große Verluste in dieser Industvie. Der 1878 eingeführte erhöhte Schutzoll auf Leder hob diese schlimme Lage eine Zeit lang auf, eine Blüte wie vorher hat aber die Lederfabrikation nie mehr erreichen können. Das Eindringen fremder Gerbstoffe anstatt fremder Fabrikgte konnte nicht verhindert werden. Wenn mit demselben auch die soliden Leder der Eichengerbung, an welcher man hier naturgemäß möglichst festhalten mußte, nie erreicht werden konnten, so eroberten sie doch den Massenkonsum und drückten die Preise der besseren Ware. Der Rückgang der Erzeugungszahlen seit 1890 ist ausschließlich der Konturrenz der Gerbereien zuzuschreiben, welche mit den billigen ausländischen Gerbstoffen, hauptsächlich Quebracho arbeiten und damit eine billige Massenproduktion zum Schaden der Qualität auf den Markt bringen Die Stattstit erweist, daß seitdem der Lederverschleiß###o Kopf der Bevölkerung und damit auch die Ausgaben bedeutend gestiegen sind. Diese wirtschaftliche Verschwendung und der gleichzeitig hervorgerufene Druck auf die Masse der Landbevölkerung welche von dem inländischen Gerbstoff lebt, bleibt eine noch offene aber notwendig bald zi Scheibe hhe. Die Lage der hiesigen Gerbereien ist unter diesen Umständen eine äußerst bedenkliche. Die Zahl der Betriebe gehr von Jahr zu Jahr zurück. Es scheint, daß nur ganz große Betriebe noch haltbar sind Infolgedessen haben auch schon Verschnielzungen mehrerer Fabriken stettgesunden Ein weiterer Rückgang oder gar ein Untergang der Eichensohllederfabrikation würde nicht bloß für das Siegerland sondern auch für Millionen ländlicher Bewohner der westpreußischen Provinzen von den unheitvollsten sozialen Folgen begleitet sein Dieser Rückgang wurde aber auch für den Staat bedenklich sein Ist derselbe nicht mehr in der Lage, den Heeresbedarf an eichn Niederwerth, 5. Sept. Ga seinem Grundstücke eine Zwiebel Gramm hat. Vom Unterwesterwald, 5. sonnigen Tage waren bestens unter das schützende Dach zu bringen. Mit vem Körner in den Aehren ist es, wie es sich nachträglich herausgestellt hat, nicht so schlimm, uis aufangs vielfach behauptet wurde. Hält das trockene Wetter noch einige Tage an, dann wird auch der Hafer eingeerntet sein. Der Körnerertrag bei Roggen entspricht vielfach nicht den gehegten Erwartungen, da verhältnismäßig, durch das Wenden des Getreides, viele Körner verloren gegangen sind, was sich jetzt auf den abgeernteten Kornfeldern feststellen läßt, denn die haben das von grünen Saatfeldern.— Die Frühkartoffeln haben sehr stank durch Fäulnis gelitten und die gesunden Knollen haben einen faden Geschmack. Die Spätsorten sind auf steifem Boden klein geblieben: Magnum bonum scheint sich auch heuer wieder gut zu vewähren, denn die Knollen sind gu entwickelt und dabei mehlig. Diese Sorte scheint die Kartoffel der Zukunft für die hiesige Gegend zu sein.— Das Obst hat sich in der letzten Zeit vorteilhast entwickelt; die diesjährige Ernte dürfte der vorigjährigen mindestens gleichkommen. Osnabrück, 2. Sept. Viel Aufsehen erregt die Verhaftung des Stallbesitzers Brockmann in Drentwede bei Barnstorf. Er steht unter dem Verdacht, seine zweite Frau vergisnet zu haben, und ebenso seine erste Frau ums Leben gebracht zu haben. Die Ausgrabung der Leichen ist bereits angeordnet. Frankfurter Getreidemarktbericht vom 6. September. Die Börse blieb im allgemeinen fest gestimmt. Nachfrage dokumentierte sich hauptsächlich für Weizen. Derselbe scheint eine bessere Haltung annehmen zu wollen, da die Anerbietungen von auswärts etwas höher lauteten, was nicht ganz ohne Einfluß auf die Kauflust unserer Müller blieb. In Roggen war gutes Locogeschäft, dagegen geht auf Lieserung wegen fehlenden Angebots nicht viel um Gerste: Die neulichen Einkäufe unserer Brauereien wurden nicht wiederholt, und da auch das Ausland keine Anregung brachte, fiel die Haltung wieder in die frühere Verlassenheit zurück Hafer hatte nur unbedentendes Geschäft, doch erhielt sich feste Tendenz. Mais still, aber nicht flau. In sonstigen Futterstoffen hat der Locoverkehr noch nicht an Umsang gewonnen. Mehlmarkt ruhig, Handel ganz ohne Bedeutung. Weizen ab unserer Gegend, neuer M. 15.75 16.00, do frei hier neuer Mark 16/25, do. La Plata u. Kansas kleberreicher Weizen) M. do. Redwinter und russische Sorten(kleberreicher Weizen) M. 17//09 bi8 18.00 Roggen, hiesiger, neuer M. 15 15,25, Braugerste, neue(Wetterauer gelb und unegal) M. 15,25, 16, do Franken(Ochsenfurter Gau) M.1750 Pfälzer und Ried 16.75 17.50, Hafer de nach Oalität erguis. 25 50 Pf. über Notiz) vorjähriger M. 14.00 bis 15,00, do neuer M. 13.50. 75 Mais(gesund Mixed) M. 1200, Weizenkleie M. 9.00 9.25, Roggenkleie M. 10— 10.25, Malzkeinte M. 9/75 16, getrochnete Biertreber M. 10/50 Spelzspren per Zentner M.1 25 Weizenmehl(automatisches) Nr.0 ea. M. 25,00, do. 1ca. M. 23.00, do. III ca. M. 21.00, do.(erchufste Qualitäten) pr. Sack M. 1502 über Notiz Roggenmehl Nr.0 M. 22/15 28.75, 01 M. 1.25 1.50 darunter Torfstreu per Fentner M. Raps, hiesiger M.— Die Preise verstehen sich per 100 Kilo ab hier häufig auch loco auswärtiger Stationen bei minde stens 10.000 Kilo. Metalle und Aineralien. Amstensam 4 Sept. Bankazinn Londo#, 4. Sepi. Chil=Fuer 2% per 3 Monate(39 Basua S aheer Mre 2 warkants 76 sh. 3 d. Warrans Middlesborzugh III 71 fh. 9 4. Sept. Aupfer 16.62% 16.75 Zinn imbers 0.75 Schuen-weisse Wäsche unsendungsen Lettermann's Salmmas-Terpentin- Fettla oder Lettermann Wasch-Extrack„Wasch-Bür“ une grösster Schanung der Stoffe,a Packet 15 Pf. Für die Schriftleitung verantwvortlich: O. Bearmann— Unterhaltungsteil: Dr. Burckhardt=Godesberg Druck und Verlag der Westdeutschen Verlagsanstalt, E. G. m. b. v., Siegen, Sandstr. 18. Anzeigen: Chr. Schlünz. e 95 5 85 95 3 3 * S 8 S S S □* — * 8 — — S 60 * S □ —— S S 8. 8 —— 9 — — " E.—„ 9.—— 5* — B 9 9 J1 8 8 — 53—— *** 5— —— 8 S S 5•# 1 □ # o * E 5 9 □ Sn se bc gagn — 32 —#— — OS # CSSSE 8 5— 8 S 5SES 2— — 9— 3 ——— 5 S#STNEEEE 8 B S s A S 85 — 20 ** — — ——— — e . 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S S S 80 —— S RSDTESGSSRES —.— SSA S SOe ane Ad S S e ce e e#en S S SSc Oei# 8 ## S SgSSGg n ## B#Anen G.##s Sse 5 De. S sen n e.# * 9. er e 41 78 *„ — Gb Sb " S 6—— # S 2 5 S S S Scän m#Spnl ,# 8 9 S S 880 c FFESE Snn S i cc. Sic S en# Ann gaeagaann s sccccbssaca nnngs bc s (E ECOASSAoSS.S. Sasn# G SagEs B S" □( 8 02 S".— 9 * —E5—— schg## S a Sse S S 2 — s 9 SCGETS g ee Se Mces Sägs Sem aS##### esc, gen chs S8 an S * E SH SS S S.#####m. 8 S#S — □ 30 G SSmses 8 8 E Se e sce a S# — S S 8 S#S 2.0. S 9— GPanS#S### Sn ggn TSas Scm n85S E — 62— 419— Tagnen n Ss s SRASSSSSSSERRSGTESSS 02 1 ## e eshe e u## sh n b e 9 S S S 2 S S.## — ∆ S.— 9 Se S 858 a s S.s c— S 19(0 Sn — — * 8—5 10S Sn ecee e e g b Gc#chrgsns S 85 ——— S # S.9. S#8 . S#S 8 S S— **2 — 6 8 ##.#. 2# # Sen e —— : 88 8 8 Ses Scc e 8 9 99 ee 90 Seben 8 — e Se S a D:S— ## S S SH#e d uchg. 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