Nr. 166. Siegen Dounerstag, den 19. Juli 1900. Kaiser 8 12. Jahrgang. Die Zeitung„Das Volk“ erscheint an jedem Wochentage abends Bestellungen sind bei dem Postamteschra Kt2d der= Zeitungstisehe oder Keim Landbriefträger anzubringen Bestellungen für Siegen nimmt Post die Geschäftsstelle entgegen Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1.25 frei ins Haus 40 für alle Postabonnenten M. 1.35 frei ins Haus 40 Pig, mehr Eine anderweite Regelung ie senng suchen die Handwerkskammern zu erreichen. Es ist dies in der That eine sehr wichtige Aufgabe der Handwerkerorganisation, denn es laßt sich nicht in Abrede stellen, daß das heutige Submissionsverfahren an Auswüchsen leidet, die beseitigt werden müssen, weil sie den reellen Handwerker empfindlich schädigen Das Verfahren, welches bei der öffentlichen Vergebung von Arbeiten und Lieferungen befolgt wird, hat hauptfächlich durch die ausschließliche Berücksichtigung des Mindestfordernden zu einer schweren Schädigung des gesamten Handwerks geführt Leider sind es vielfach auch die Behörden, die in dieser Beziehung sündigen, indem sie die von ihnen zu vergebenden Arbeiten öffentlich ausschreiben und sie dann dem Mindestfordernden übertragen, der häufig genug nicht nur nichts an der Arbeit verdient sondern oft noch bares Geld dabeigiebt, wenn die Behörde sich nicht zu einer Nachbewilligung bereit finden läßt. Die organisierten Handwerker haben bereits seit Jahrzehnten auf die Schäden des von den Behörden beliebten Submissionsverfahrens in erschöpfender und überzeugendster Weise aufmerksam gemacht es auch an zweckmäßigen und durchführbaren Vorschlägen nicht fehlen lassen aber leider ohne neunenswerten Erfolg. In erster Linie ist es, wie bemerkt, die einseitige Bevorzugung der Mindestfordernden, welche die Interessen des Handwerks verletzt, ohne den Auftraggebern wirkliche Vorteile zu bieten. Es würde von niemand gegen den Zuschlag der Lieferung an den Mindestfordernden etwas eingewendet werden, wenn die Schwankungen zwischen den einzelnen Aufstellungen geringe wären oder der fachmännische Beweis erbracht werden könnte daß der Mindestfordernde richtig der Höchstfordernde dagegen unrichtig kalkuliert hätte. Dieser Nachweis kann aber häufig nicht erbracht werden. Die Erfahrung hat vielmehr gelehrt, daß die niedrigen Angebote entweder auf einen Rechenfehler oder die Absicht zurückzuführen sind den Verlust durch Schädigung der Lieferanten, niedrige von keinem rechtlich Denkenden ausgenutzt werden, die Unterstützung unlauterer Absichten aber würde bei Kenntnis der Behörden undenkbar sein. Will sich der Uebernehmer durch unzureichende Bezahlung der Lieferanten und Arbeiter schadlos so würden die Behörden den unlauteren Geschäftsmann thatfächlich unterstützen und den reellen Handwerker wie den Arbeiter aufs schwerste beeinträchtigen, das heißt bei der heutigen Geschäftslage und dem Umfang der Submissionen in vielen Fällen dem wirtschaftlichen Ruin aussetzen. Ist es ja doch schon allein der äußerst schwere Kampf ums Dasein, den der Handwerkerstand heute zu führen genötigt ist, welcher einzelne Mitglieder desselben zur Auerbietung der Schleuderpreise bei den öffentlichen Verdingungen veranlaßt. Denn mancher, der bereits am Abgrund des bürgerlichen Ruins angelangt ist, erblickt in der Submission einen Strohhalm, an dem der Abstürzende sich noch eine Zeit zu halten sucht Eine dauernde Hilfe kann ihm auch dieses Mittel nicht gewähren, sondern nur andere reelle Bewerber der Gefahr des Mit gerisenwerdeus aussetzen. Soll andererseits der Verlust im Preise durch mindere Leistung eingebracht werden— und dies Bestreben pflegt gein Hand mit der Schädigung der Lieferanten und Arbeiter zu gehen— so wird der Vorteil des Preises durch geringe Güte der Arbeit meist mehr wie wett gemacht. Zur Vermeidung solcher Versuche genügt es nicht immer, die Arbeit vor der Abnahme zu prüfen. Es giebt minderwertige Arbeit, die man auch bei genauer Prüfung nicht sofort als solche erkennt und deren geringerer Wert sich erst im Laufe der Zeit herausstellt. Wird aber auch ein Fehler erkannt, was soll geschehen, wenn an dem gelieferten Werke sofort eine neue Arbeit vorgenommen werden muß, wenn z. B. für die Zusatzarbeiten an einem Neubau, der zu einer bestimmten Zeit fertig sein muß nur noch die notwendigste Frist nach Herstellung des Rohbaues übrig ist? Ist es dann überhaupt mnöglich, eine selbst als minderwertig erkannte Arbeit noch zurück zuweisen? Man wird sie wohl oder übel abnehmen, nur damit nicht die übrigen Handwerker in ihrer Arbeit gehemmt und In sehr vielen Fällen wird aber die Minderwertigkeit gar nicht einmal erkannt, weil die zur Kontrolle bestimmten Schriftleitung und Geschättsstelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Verlin: Agentur: NI Klopstuckstraße 7. (D. v. Oertzen.) in ihren sogestalt vergebenen Unternehmungen mustergültige und vorbildliche Leistungen zu erzielen. Durch die Verdingung nach Mittelpreis würde der Handwerker angehalten sein, genau und richtig zu kalkulieren, da er nur auf diesem Wege die Erlangung der Arbeit erhoffen dürfte. Die Preisaufstellungen, welche aus den Mittelpreisen herborgehen, würden schließlich für die verschiedenen Gewerbe Normalpreise ergeben die ebenso wie für die Handwerter für die den Voranschlag herstellenden Beamten von nicht zu unterschätzender Bedeutung wären. So würde die ganze wirtschaftliche Marktlage für den Handwerker und Lieferanten wesentlich gebessert werden. Die Handwerkskammer in Halle a.d. Saale faßt ihre Vorschläge im einzelnen zusammen und beantragt eine anderweite Regelung der öffentlichen Vergebung von Arbeiten und Lieferungen nach folgenden Grundsätzen: 1. Der Zuschlag bei einer öffentlichen Vergebung von Arbeiten und Lieferungen, die gewohnheitsmäßig von Handwerkern einschließlich des Kunstgewerbes ausgeführt werden, hat an dasjenige Geböt zu erfolgen, welches dem Mittelpreise der eingegangenen Anschläge von unten am nächsten kommt. 2. Bei Aufstellung von Vorauschlägen für die Ausschreibung von öffentlichen Arbeiten und Lieferungen sowie Einholung von Auskünften über die Leistungsfähigkeit der Bewerber ist, soweit erforderlich und angängig die Handwerkskammer zu hören. 3. In erster Linie sind nur die Augebote von Handwerkern und zwar des Bezirks zu berücksichtigen auf den die Verwaltung der ausschreibenden Behörde sich erstreckt. Generglentreprise ist ganz zu verbieten und die Ausschreibung in möglichst vielen kleinen Losen zu erlassen. 4. Bei einem Ausstande ist die Lieferungszeit um die Dauer desselben hinauszuschieben und eine durch denselben erzielte Lohnerhöhung verhältnismäßig im Preisanschtag in Aurechnung zu bringen. Man kann vielleicht hinsichtlich einzelner Punkte dieser Vorschläge abweichender Meinung sein jedenfalls bieten sie aber eine beachtenswerte Unterlage für die weitere Behandlung und Regelung des Submisstionsverfahrens Gelingt es den neugebildeten Handwerkskammern bezüglich des Submissionswesens ein gerechteres Verfayre verbeizuführen wäre das ein nicht zu unterschätzender Erfolg der Handwerkerorganisation, die der Handwerkerstand dem leider in mancher Beziehung verfehlten im ganzen aber duch segensreichen Handwerkergesetze zu verdanken hat. Jeder der es treu meint mit dem Handwerkerstande und der sich einen klaren Blick für die Nöte desselben bewahrt hat, kann nur wünschen, daß die Behörden den Vorschlägen der Handwerkskammer in Halle, die übrigens viele andere Handwerkskammern zu den ihrigen gemacht haben, Beachtung und Wohlwollen schenken □ Die Wirren in China. Da nicht die geringste Hoffnung vorhänden ist, daß wenigstens ein Europäer dem furchtbaren Gemetzel in Peting die Zeitung„Das Volkfinden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westsalen, Hessen=Nassau und das Großherzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ei Anzeigen Vermittelungs=Geschaft zu erteilen. entronnen ist, so ist es sehr zweifelhaft, ob wir je die volle Wahrheit darüber wie die 1000 Ausländer zu Tode gekommen sind erfahren werden. Bis jetzt ist nicht einmal der Tag der Die oben angeführten Gründe, die noch wesentlich erweitert werden könnten, durften genügen um die Notwendigkeit einer Regelung bezw. Verbesserung des Submissionsverfahrens angezeigt erscheinen zu lassen. Die Frage ist nur, wie und auf welche Weise kann Abhilfe geschaffen werden Da erscheinen uns uun die Vorschläge der Handwerkskammer in Halle a. d. Saale der Beachtung wert. Genannte Kammer macht den Vorschlag den Zuschlag an denjenigen Bewerber zu erteilen, dessen Angebot dem Mittelpreise sämtlicher eingelaufenen Angebote nach unten gerechnet am nächsten kommt. In der Beründung dieses Vorschlags heißt e8 u. a.: zung an den Submissionen zu rechnen. Sobald der Handwerter sähe, daß die Behörden gewillt seien zwar nicht die #gn aper augemessene Preise zu zahlen, würden viele die bisher abseits standen sich gern um öffentliche Arbewerben. Durch diese größere Beteiligung von Be####en, welche nur durch genaue und reelle Berechnung sich #ing versprechen könnten würde ein wesentlicher Antrieb zur höchstmnöglichen Steigerung der Arbeitsqualität gegeben werden. Die vergebenden Behörden würden die Genugthuung haben versammelt. Von hier aus machten sie täglich Ausfalle est auch nachts. Dem bewundernswerten Mut der Wenigen gelang es sogar, die Chinesen aus der unmittelbaren Nähe der Gesandtschaft zu vertreiben. Diese Erfolge machten einen großen Eindruck, daß viele Chinesen zu den Truppen des Prinzen Tschiug übergingen der die Freimden zu schützen suchte. Endlich beschloß Prinz Tuan einen organisierten Nachtangriff. Unter dem Schutze schwerer Geschütze wurde der Augriffsplan mit drei starken Kolonnen und bedeutenden Reserven ausgeführt. Am 6. Juli, 6 Uhr nachmittags(also nach unserm Kalender am 2. Juli) wurde das Artilleriefener auf die britische Gesandtschaft, wo alle Europier versammelt waren, eröffnet. Nach zweistündiger wirkungsvoller Beschießung begann der Vormarsch der chinesischen Jufanterie, die immerfort Salven abgab. Das Feuer der Eingeschlossenen war aber so wohlgezielt, daß die chinesischen Soldaten und Boxer die Flucht ergriffen und eine Menge Tote und Verwundete zurückließen. Nur mit Mühe gelang es Prinz Tuan sie wieder zum Augriff zu bewegen Das Artilleriefener begann von neuem und ehe der Angriff erneuert werden konnte, kamen Prinz Tsching und General Wangwengtschao den Fremden zu Hilfe. Es kam zu einer verzweifelten Schlacht, bei der leider eine Menge Soldaten des Prinzen Tsching zu Prinz Tuan übergingen. Prinz Tsching stel, wurde aber wahrscheinlich nur verwundet: Wangwengtschao, ein alter Mann von 70 Jahren, wurde getötet und seine Truppen auseinandergetrieben. Die ganze Nacht wurden die Angriffe fortgesetzt und immer wieder zurückgeschlagen Um 5 Uhr morgens waren die Angreifer thatch geschlagen, als plötzlich General Tungfuhstang aus der Nähe Tientsins mit einer großen Anzahl Kaugsu=Soldaten anrückte Inzwischen waren die meisten Gebäude der Gesandtschaft zusammengeschossen. Viele der Belagerten waren gefallen und die Ueberlebenden versuchten, sich in den Ruinen zu verbarrikadieren Auf diese Gebäude wurde nunmehr das chinesische Artilleriefener gerichtet Gegen Morgen war die Munition der Belagerten erschöpft. Bei Sonnenaufgang wurde ein Sturm gemacht und es kam zu einem heftigen Handgemenge, bei dem alle Fremden sielen. Die Chinesen hatten große Verlüste, es tauchten aber immer wieder neue Scharen auf, denen die wenigen Tapfern unterliegen mußten. Unter den deutschen Landsleuten, deren Verlust wir in Peking zu beklagen haben, befindet sich auch der an der chinesischen Universität angestellte Professor v Brön, der noch am 31. Mai von Peking an die Tägliche Ritidschan einen richtete in dem er vorauszuahnen schien, daß er in Peking seinen Untergang finden werde. Brön erzählt nicht ohne Gereiztheit, daß er die Lage immer als ungemein gefahrdrohend betrachtet und darüber auch zu wiederholten Malen der deutschen Gesandtschaft Mitteilung gemacht habe, daß ei jedoch stets auf eine durchaus optimistische Stimmung gestoßen sei. Hiervon“ so sagt er in seinem Briefe,„ein anderes Mal, falls überhaupt noch möglich Brön nuin, wie die Voxergefahr sich immer mehr abzeichnete, wie die woxer in einer Art von Uniform, roter Turban und roter Gürtel überall herumliefen mit den besten Waffen ausgerüstet wurden, und wie alle Welt wußte, daß Prinz Tuan an ihrer Spitze stand. Am 26. Mai hätten ihm Brön, seine Diener bereits gesagt, daß alle Europcer, die die Stadt nicht innerhalb zwei Tagen verlassen wurden, getötet werden sollten die Beratungen der Boxer hätten beim General Tungfuhsiang stattgefunden demselben, dessen Truppen nach den letzten chuesischen Berichten bei der Erstürmung der englischen Gesandtschaft den Ausschlag gaben. Ein Bericht an die deutsche Gesandtschaft habe gar reinem Verständnis begeguet und er Brön, habe sich darauf entschlossen, sein Haus zu verlassen und nach dem französischen Hotel zu ziehen, in dem man alles zur Verteidigung eingerichtet hatte. Für den äußersten Fall war eine Mauer durchbrochen, durch die man sich nach der französischen Gesandtschaft retten konnte. Das geschah am 28. Mai.„An diesem Tage so erzählt Brön, gaben wir nun jede Hoffnung auf freide Hilfe auf und beschlossen, uns bis zur letzten Patrone und bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen Dementsprechend wurde das Hotel in einen widerstandsfähigen Zustand gebracht, die Patronen wurden ausgepackt, die Waffen geputzt und verteilt, das Haupthor verbarrikadiert, die Wasserspritzen auf die Dächer geschafft und durch eine Brücke von Dach zu Dach die Verbindung mit der Plattform des Vorderhauses hergestellt, um die Front des Hauses bestreichen zu können.“ Diese Vorkehrungen bewiesen, daß die Besorgnisse um diese Zeit sich schon weitern Kreisen mitgeteilt hatten. An diesem Tage wurden auch die Gesandten zuerst bedenklich und faßten den Beschluß, die schleunige Eutsendung von Truppenabteilungen zu erbitten, die dann guch kamen. Eine vollständige Liste der Pekinger Opfer hat noch nicht aufgestellt werden können. Zur deutschen Gesandtschaft gehörten gußer dem früher ermordeten Gesandten der erste Sekretär von Bergen Leutnant v. Loesch und Stabsarzt Dr. Belde ferner gehörten dazu der als Hilfsschreiber kommandierte Seesoldat Koch vom Gouvernement Kiantschou, Kanzleischreiber Pifrement Amtsdiener Hummelke und Dolmetschereleve Dr. Merklinghaus Das zum Schutze der Gesandtschaft in Peking seit Aufang Juni stationierte Detachement bestand aus einem Offizier(Oberleutant Graf v. Soden) und 50 Mann von dem Seebataillon in Kiautschou Außerdem befanden sich von Deutschen in Peking; die Professoren der kaiserlichen Universitct Stuhlmann, Coltmann Bismarck und v. Bronn, die Missionarin Frau Marie Leithauser vier deutsche Beamte der Zollverwaltung und die zu gewerblichen und Handelszwecken in Peking anwesenden Deutschen mit ihren Familien Eigene deutsche Handetshäuser Banken und industrielle Unternehmungen bestanden in Peking nach den Angaben der im Reichsmarineamt bearbeiteten Denkschrift über die deutschen Seeinteressen und überseeischen Kapitalanlagen nicht. Einzig der Gedanke daß wohl nur wenige Europäer lebend den Chinesen in die Hände gefallen sind, läßt einem aufatmen. Auf ihrem letzten Gange haben die Männer ihren Frauen aus eigenem Revolver eine mitleidige Kugel gegönnt. Außerdem hatten sich die Damen, wie aus dem letzten aus Peking herausgelangten Privatbrief der Frau des englischen Gesandten hervorgeht für den schlimmsten Fall mit Gift versehen. In dem Moment, wo die Hände der Chinesen sie berühren würden, sollte eine kleine Dosis Blausäure die Gefährdeten sofort allen Qualen entrücken. So sind sie alle eines Soldatentodes gestorben und nicht in den Folterkammern der entmenschten Feinde zu Grunde gegangen. Man weiß noch von 1860 her, wie die Chinesen ihre Gefangenen behandeln sie hatten die Männer in nicht wiederzugebender Weise verstümmelt, ihnen Würmer in die Wunden gesetzt den Hungernden Unrat in den Mund gestopft. Das wenigstens ist diesmal den Märtyrern erspart geblieben. Wir lassen noch einige Preßstimmen folgen, die sich auf die Greuelthat in Peking und auf das, was nun zu geschehen hat beziehen. Der„Frankfurter General=Anzeige WOterün Wir Deutschen haben sozusagen unseren Bedarf an Entrüstung schon auf die Nachricht von der Ermordung unseres Gesandten hin verausgabt. Die jetzige Katastrophe war als unausweislich erwartet worden. Durch alle übrigen Länder aber gellt heute der Schrei nach Rache. Als der Kaiser in Wilhelmshaven seine flammenden Worte sprach, da zuckten manche Ueberklugen im Auskand spöttisch die Achseln. Jetzt ist man dort ebensoweit. Sogar Amerika, das in der großen Frage des Stillen Meeres immer abseits gestanden, immer versucht hat, ein Separatabkommen mit China sich zu wahren, will zehntausend Mann mobil machen. Das ist zunächst die einzig richtige Antwort, welche die Mächte auf das Pekinger Blutbad geben können. Rüsten! So rusten, daß China erliegen muß! Und dann kann man sich weiter darüber unterhalten, ob der Kaiser recht hat, der eine Bestrafung vorhersagte,„wie die Welt sie noch nicht gesehen“ Ein großer Teil Petings mußte dem Boden gleich gemacht und dieses Riesengrundstück zum Bau einer Gesandtenfestung benutzt werden schlägt heute ein Chinakenner vor Also eine Art Zwing= Uri im Herzen Chinas Ein anderer rät zu einer Verlegung der Hauptstadt an die Küste unter europäischer Kontrolle. Weitere Vorschläge werden wie die Pilze emporschießen. Das alles ist jetzt nicht am Platz. Weder die Konjelturalpolitiker der Bierbank noch die Diplomaten nützen in diesem Augenblick, sondern wir wiederholen es, was wir schon vor einigen Tagen gesagt; die Armee hat das Wort. Wir glauben nicht, daß uusere Chinabugade das letzte an Krastauswand birgt Zum erstenma wird Deutschland unter den Augen des Militärs aller Staaten in China seinen glänzenden Ruf als erste Waffenmacht erneuern. Damit bei Luu blutig ernsten Sache der beißende Humor der Weltgeschichte nicht fehle, ist England, das sonst seine Finger in aule Töpfe steckt, diesmal in dem Militärkonzerte am erbärmlichsten Transvaals ist England nur im Stande, eine Division brauner Indier nach China zu schicken. Aber Gott sei Dank kann man die chinesische Frage guch ohne Englands Hilfe lösen. Die„Rheinisch=Westfälische Zeitung Ein beispielloses Verbrechen ist an den uralten Völker begangen— die Konsequenz aus der chinesischen Prätensien gezogen, das Reich der Mitte zu sein, das sich mit seinem eigenen Rechte, seinem eigenen Gesetze über alle Mächte stellen dürfe— außerhalb dessen, was wir die Zivilisation der Menschheit nennen. Tief greist der Schrecken der nunmehr unbezweifelten Thatsache an die Lebensnerven aller Völker jedes einzelne wird und muß sich jetzt erheben, um die rechte Antwort auf den schmachvollen Kampf zu den die chinesische Nation gegen wenige unverletzliche Vertreter und gegen die kleine Schar ihrer Verteidiger gekämpft hat. Die Farce der Erstürmung der Gesandschasten und der der zipflisierten Staaten wird als eine jener Schreckensthaten in der Weltgeschichte unvergessen sein, wie die Pariser Bluthochzeit, wie die sizilianische Vesper, wie die Massenmorde eines Sulla, Marius und Herodes. Es muß und wird eine fürchterliche Rache an den Urhebern dieses unerhörten Verbrechens genommen werden, das fast alle größeren Staaten der Welt in Mitleidenschaft gezogen hat, Keine einzelne Macht darf mehr beanspruchen, das Rachewerk auszuführen. Alle Mächte müssen darin einig zusammenstehen. Jetzt ist es nicht mehr an der Zeu, über die Fehle anderer zu grübeln, über zukünftige diplomatische Fragen sich den Kopf zu zerbrechen und hohe Polstik zu treiben. Die beleidigte Menschheit verlangt nach einer exemplarischen Bestrafung der ruchlosen Mörder. Das ist eine einfache Forderung des natürlichen Empfindens. Alles andere kann erst in zweiter Reihe stehen. Es wäre eine Schande, wenn man jetzt noch mit untergeordneten diplomatischen Streitfragen die Zeit vertrödelte, anstatt endlich wirklich geschlossen und einig vorzugehen und sobald als möglich die Schuldigen zu züchtigen. Was dann weiter zu geschehen haben wird, ist eine spätere Sorge, deren Erwägung man der Zukunft überlassen mag. Die Gegenwart verlangt ihr Recht und wird es hoffentlich bald erhalten. Wenn etwas im Stande ist, die sonderbaren Schwärmer zu widerlegen, die da meinten, die Chinesen seien als altes Kulturvolk durchaus berechtigt, sich der Fremden zu erwehren und es sei noch sehr die Frage, ob ihre Kultur nicht der europäischen, die ihnen gewaltsam aufgenötigt werden soll,„überlegen sei, so ist es das entsetzliche Pekinger Blutbad. Eine„Kultur die solche Giftblüten treibt, ist wert, daß sie unverzüglich mit Stumpf und Stiel ausgerottet wird. Man hat in den letzten Wochen viel von der Moral der Consueius, von der hohen sittlichen Anschanung dieses Begründers der offiziellen Religion Chinas lesen können. Nun, die heutigen Chinesen sind sehr entartete Schüler dieses Lehrers, dessen Lehre längst im Confucianismus zu einer wirkungslosen Verzerrung wurde. Ihre Moral ist barbarisch, ihre Anschauung ist von jeder Sittlichkeit himmelweit entfernt und ihre Handlungen sind derart, daß man die heutigen Chinesen nicht mehr als gleichwertige Menschen, sondern nur noch als Bestien in Menschengestalt ansehen kann. Jetzt kann es nicht mehr darauf ankommen, Noten zu wechseln und über diplomatische Feinheiten zu streiten. Jetzt gitt es allein, zu handeln und mit vereinten Kräften gegen die entmenschten Barbaren vorzugehen. Die Welt würde vor einem Rätsel stehen, wenn die Mächte nach einer solchen Frevelthat gegenüber nicht zur vollen Einigkeit gelangen sollten Der„Reichsbot Die Tage des Nibelungenliedes steigen wieder herauf; so starben auch einst die Burgunden in Etzels Burg, als der mongolischen Hunnen wüste Horden sie erdrückten Jenes gewaltige Epos das jeden, der es noch heute im Volkslied liest, tief erschuttert ist wieder grause Wirklichkeit geworden; denn fast heldenhafter noch wie König Gunther und seine Mannen hat die kleine europäische Schar gegen die rasende Wut eines Millionenvolkes und großer chinesischer Heerhausen um ihr Leben gekämpft, jedenfalls länger und ausdauernder Wessen Herz sollte bei dem Anblick ihres heroischen Unterganges nicht bluten Ein Wehruf wird durch ganz Europa hallen, wenn er sich bestättgt. Aber auch feierlicher als jemals wird am Grabe dieser Opfer das gemeinsame Gelübde erneuert werden, nicht zu ruhen und mu rasten, bis der seige Meuchelmord dieser Pioniere und Vertreter europäischer und christlicher Kultur seine gerechte Sühne gesunden hat. Mit solchen Schandthaten hat sich das chinesische Volk jedes Recht auf Schonung und Beschönigung verwirkt. Will man heute nun auch noch die diplomatische Fiktion aufrecht erhalten, daß kein offener Kriegszustand mit China besteht, statt diesem Zustande den stärksten kriegerischen Nachdruck, der allein noch in Peking Eindruck machen wird, zu verleihen? Endlich ist es auch an der Zeit, dem Gaukelspiel der chinesischen Diplomatie und den Zweideutigkeiten der Vizekönige und Mandarine dort die Maske vom Gesicht zu ziehen Mit seinen Lügen sördert das insgesamt und geheim verschworene China nur seine durchsichtigen Zwecke Es übersteigt das Maß der europcischen Selbstachtung, sie sich noch länger bieten zu lassen. Neuerdings holl die chinesische Diplomatie sogar die Abweichungen des christlichen und chinesischen Kalenders dazu zu Hilfe und sie führt dabei eine Sprache, die zum Teil wie unverschämter Hohn klingt. Ueber die Kämpfe, die in den letzten Tagen in Tient#n stattgefunden haben, wird dem Reuterschen Bureau unter dem 13. Juli aus Tientsin gemeldet Heute wurde von den Verbündeten ein gemeinsamer Angriff auf die Eingeborenenstadt unternommen. Die chinesischen Stellungen wurden von mehr als 50 Kanonen beschossen Die Verbündeten erlitten sehr schwere Verluste. Acht chinesische Geschütze wurden erobert. Der Feind wurde nach einem heftigen Geschützfener aus dem Westarsenal vertrieben, doch hielt man es für unmöglich heute in die Stadt einzudringen Eine starke gemischte Truppestmacht liegt jetzt dicht vor den Mauern der Chiuesenstadt Morgen wird wahrscheinlich ein Sturmangi unternommen werden. Diese Darstellung bestätigt folgende amtliche Meldung des Vize=Admirals Bendemann aus Taku vom 14. ds. Mts. Die Verbündeten haben am 13. von allen Befestigungen um Tientsin, außer einer Besitz ergriffen. Die Wegnahme diese wird nach dem Eintreffen der unterwegs befindlichen russischen Geschütze erwartet. Ueber frühere Vorgänge berichte Admiral Bendemann vom 11. Japaner Russen, Amerikaner und Engländer haben am 9. das Arsenal westlich von Tientsin gestümt und besetzt von wo die Stadt unter Feuer gehalten wurde. Diese ging dann an einem der folgenden Tage wieder an die nesen verloren und müßte am 18 zurückerohen werden Die verwundeten Seesoldaten, außer zwei in Tientsin gebliebenen sind heute nach Tsiugtan geschick worden ihr Zustand ist aut Schließlich teilt der Chef des Kreuzergeschwaders über Tschifn mit, daß er am 11. ds. die abgelösten entbehrlichen Ingenieute und Deckoffiziere sowie Kraute und Vertoundete zur Heimkehr mit Dampfer Stuttgart nach Shaughai geschickt habe. Transportführer ist Marine= Stabsingeneur Gehrmann In der Mandschurei herrsch jetzt Kriegszustand zwischen Russen und Chinesen. Wie aus Petersburg vom 14. ds. berichtet wird meldet ein Telegramn des Chefs der zweiten Station der chinesischen Osteisenbahn Jungemeurs Rochow. 13. Juli um 10 Uhr kam auf der Station Chailar ein Dragoman des Generals Tschün, des Kommandanten einer aus 1000 Mann bestehenden gut bewaffneten chinesischen Truppe zu mir und erklärte, daß er infolge eines von dem Kommandanten in Zizikhar erhaltenen Befehls militärische Operationen gegen die Russen eröffnen würde, wenn wir nicht sofort die Mandschurei verließen. Ich berief infolgedessen alle Arbeiter und versammelte sie auf den Stationen, wo wir uns im Einverständnis mit dem Kommandanten der Schutzwache zur Verteidigung verschanzten Um Uhr echielten wir einen Befehl des Hauptingenieurs an der russischen Grenze aule fünf Sektionen mit der Kasse und den Akten zu konzentrieren. Dieser Besehl wurde von dem Ingenieur Botschare, dem Ehef der westlichen Station, der eine hinlängliche Zahl. Schmschaften dan Ag Alle Beamten, Bediensteten und Arbeiter, insgesamt 600 Mann, sowie das Sektionslazarett mit den Kranken kamen glücklich um 5 Uhr in Zuruchaikujewsky an. Am 14. ds. nachmittags wurde unerwartet und ohne Ursache Blagowieschtschensk von den Chinesen vom benachbarten Dorfe Sachalin aus bis 9., Uhr abends bombardiert. Auf unserer Seite fielen drei Mann, darunter ein Soldat; sechs Mann, darunter fünf Soldaten, wurden verwundet; die Truppen und die Bewohner von Blagowieschtschensk verteidigten die Stadt in musterhafter Weise, die Gebäude wurden nur unbedeutend beschädigt. Die Verluste der Chinesen sind nicht bekannt. Die chinesische sraserne in Sachalin und viele Wohngebäude wurden durch das Feuer unserer Geschütze in Brand gesteckt. Auch im Süden des russischen Interessengebiets, auf der Halbinsel Liaotung treiben jetzt die Boxer ihr Unwesen. Die däntsche Misionsgesellschaft erhielt in Kopenhagen telegraphische Nachrichten vom 17. ds., wonach die dänische Missionsstation in Bungkwantung auf der Halbinsel Liaotung zerstört ist. Die Missionare seien gerettet und befänden sich in Tschemulp## Berlin, 17. Juli. Der Chef des Kreuzergeschwaders telegraphierte aus Taku vom 14. d. Mts.: Die Verbündeten ergriffen von allen Befestigungen um Tientsin Besitz, außer einer. Die Wegnahme dieser wird nach dem Eintreffen der unterwegs befindlichen russischen Pondon, 16. Juu. Eine=Depesche, des Gesteials,=Dorward aus Tientsin vom 10. Juli datiert und am 13. Juli in Tschift eingetroffen, besagt: Gestern früh um 3 Uhr guift eine rreitung von 1000 Japanern unter dem Befehle Fukuschings, 500 Mann britscher Infanterie, 400 britischen Marinesoldaten, 100 Amerikanern und 400 Rüssen unter dem Kommando Vorwards die feindlichen Steillzugen iut Sihe westen an. Sie wurden rasch genommen, wobei der Feind 350 Tote verlor und 4 kleine Geschütze einbüßte. Sodann griffen die verbunge Truppen das Westarsenal an, das nach kunzer Beschießung von den Amerkanern Ud Japanern erstünnt wurde. Das gauze Gelchng westlich des Arsenals war von den Chinesen unter Wasser gesetzt. Ein weiteres Vordringen in dieser Richtung ist unmöglich Der des Vorstoßes der darin beständen hat, die semndeschen schütze zu beseitigen und den Feind mehr in westlicher Richtung zu drängen, war vollkommen erreicht. Die Ehre des Tages hatten die Japaner und Amerikaner Während dieser Vorgänge wurden die britischen und französischen Niederlassungen von den im Nordosten stehenden chinesischen Vatterien heftig mit Granaten beschossen. Die Engländer hatten kleine Verluste, die Russen und Amerikaner gar keine. Das Telegramm Dorwards bespricht sodann den Angriff der Chinesen auf die Bahnstation, den Admiral Seymour bereits geschildert hat und bemerkt, daß auf dem Bahnhofe 100 Engländer, 100 Franzosen und 100 Japaner stationiert waren. Nach vierstündigem hartem Kamp, wurde der Angrisf zurückgeschlagen Der Feind verlor 500 Tote. Auf seiten der Engländer wurden drei Mann getotet und sechzehn verwundet. Die Verluste der Franzosen und Japaner sind viel erheblicher. 17. Juli. Die Daily Mail meldet von heute aus Shanghal Die Verbündeten nahmen am 14. d. Mis morgens den Angriff auf die ummauerte Stadt von Tientsin wieder auf. Es gelang, eine Bresche in die Mauer zu schießen und alle Forts zu nehmen. Die Chinesen sind in voller Auflösung. Die Verbündeten ergriffen Besitz von der Eingeborenenstadt und deren Befestigungen. Die Gesamtverluste der Verbündeten in den Gesechten am Donnerstag, Freitag und Samstag betragen 800 Tote und Verwundete. Die größten Verluste hatten die Russen und Japaner. Im übrigen liegen noch folgende Drahtmeldungen vor Berlin 17. Juli Anläßlich der Ermordung des deutschen Gesandten in Peking hat auch der Sultan und die oktomanische Regierung durch die Botschaft in Berlin ihr tiefstes Beileid ausGerst ua. sces Bie Wechhtniche engtischen. Blächere, bei Kiautschou habe ein Zusammenstoß zwischen Aufständischen und Deutschen stattgefunden ist bis heute ohne Bestätigung geblieben, sodaß antlicherseits die Richtigkeit der Meldung bezweiselt wird. Dagegen ist zutiesfend, daß eine kleinere deutsche Abteilung ungefähr 200 Mann, von, Takit, Nach Stingta##hchhe odent worden ist, weil Vorkehrungen notwendig sind, um jede aufrührerische Bewegung im Schutzgebiet von Kiautschou sofort zu unterdrücken.— Von dem angeblich beabsichtigten Zusammentritt einer Kon ferenz der Großmächte ist an unterrichteter Stelle nichts bekannt. Fur China soll, zufolge einer Biättermeldung, auch eine Polizei soldatentruppe gebildet werden. Freie Hinreise und Rückreise, freie Station und angemessenes Gehalt sind in Aussicht genommen Die Familien der verheirateten Bewerber erhalten eine Extraentschädigung von vorläufig 2000 M. bar ausgezahlt. Zahlreiche Mel dungen liegen bereits vorG. Freptag= Karte von China Aller Augen richten sich jetzt nach China woselbst in den letzten Tagen und Wochen so grauenvolle Ereignisse sich abgespielt haben. Da kommt nun eine nett und sauber gearbeitete Karte von China rechtzeitig, die im Verlage von kurzen illistrferten. Tert begkeitet und gebt über alles Auftlätung. Die Regierungsform ein kurzer geschichtliche Ueberblick, eine Orientierung über Heer Verwaltung Finanzen Bodenproduktion und Industrie Handel, Verkehr Münzen sind in leicht saßlicher Weise dargestellt. Jede Buchhandlung sowie auch der Verlag G. Freytag u. Berndt, Wien VII. /1 Schottenfeldgasse 64, liesen gegen Einsendung von K.—65— Ml.—55 die Karte franko. Der Krieg in Sudafring. Nach Londoner Vlättermeldungen aus Pretoria hat Roberts den Vormarsch auf der ganzen Linie wieder aufgenommen. Auch Jan Hamilton is auscheinend wieder zu Roberts gestoßen Uebrigens merk jetztin England jeder wie bedruckend das nationale Alpdrücken wirk. Das hat eine gewisse stimmung im Lande Platz greifen lassen Schaut man besorgt nach dem Hexenkessel China, gleichgültig nach dem hungennden Indien, so blickt man mit scheelen Augen nach dem— langweiligen Südafrite Die Unglücksborscheft von Nel und das wenig verheißungsvolle absolute Stillscht welches dieser Niederlage folgte vereinigt sich mit dem überall verbreiteten Gerucht Lord Roberts sei krant, um John Bill die schale geschmacklose Suppe noch schlechter schmecken zu lassen, als die bittere, salzige Suppe zur Zeit der schweren Folgende Meldungen liegen noch vor Pretoria, 16. Juli. Lord Roberts entsandte heite eine Streit macht, um die Buren von den Kopies im Norden und Nordwesten der Stadt zu vertreiben. Die Buren räumten indessen diese Stellungen, ohne einen Schuß zu thün. Pretoria, 17. Juli. Nachdem die hiesigen Behörden davon in Kenntnis gesetzt worden waren, daß eine Anzahl vagabundierender in schlechtein Ruse stehender Auskänder aus Johannesburg, die während des Krieges hierher gekommen waren Unruhen zu stiften und sich einem Burenkommando, mit dem sie in Verbindung standen, anzuschließen beabsichtigten wurden 380 solcher Ausländer verhaftet. Den Konsuln der Staaten, deren Angehörige sie sind, wurde migeteilt, daß die Verhafteten wieder freigelassen wurden, wenn die Konsuln für ihre gute Haltung einständen. Es wurde festgestellt, daß die Buren ihre Stellungen nördlich von Pretoria verstärten.(In der obigen Meldung aus Pretoria vom 16. heißt es, die Buren hätten ihre Stellungen im Norden der Stadt geräumt, ohne einen Schuß zu thun. Der Verlauf wird ja bald zeigen, was richtig ist.) Siegen, 18. Juli. — Das internationale Friedensburean in Bern hat an sämtliche auf der Friedenskonferenz im Haag vertreten gewesenen Staaten ein Rundschreiben gerichtet, iu welchem sie um Vermittelung im üdafrikanischen nneren werden Tchch erscheint der gegenwärtige Moment icht ungeeiqnet, die Engländer zu einer gewissen Nachgiebigkeit zu Die neue Schlappe in Südafrike, die Zustände in Ostasien werden ihnen zu denken geben, und vor allem die Lage in Indien, wo die Hungersnot in der nächsten Saison schlimmer zu werden droht, als sie je zuvor gewesen ist. Der Vizekönig, Lord Curzon, hat dem Staatssekretär telegraphiert, daß nicht weniger als 6·000000 Meuschen Unterstützungen erhalten und daß der so heiß ersehnte Regen in den meisten Distrikten bedeutend unter dem Durchschnitt gewesen ist, mit Ausnahme des südlichen Deccans. Die Hungersnot und das Elend werden jetzt noch bedeutend schlimmer werden, als man je erwartet hatte. Vieh, das in der Hoffnung auf eine gute Regenzeit gekauft wurde, geht jetzt ein, und die Sterblichkeit an der Cholera nimmt in Bombay in erschreckendem B a i. e che uuck cheees che cher cee nis hin, weil nach dessen Grenze zu sich der Aufstand im englischen Goldküstengebiete weiter hinzieht er könnte##l übergreifen. Bedenklich ist namentlich, daß im Aschauti=Leude Missionare umgebracht worden sind die Missionen daselbst greifen in mehrere Gebiete über, daher könnte leicht ei usammenhang entstehen. Im Toadgebiete wird man sehr wachsam sein müssen Uebrigens hat die Kolonialverwaltung in Westafrika mit großem Mißgeschick zu kämpfen in Kamerin ist jetzt auch der bayerische Rechtsprattikant Frhr. v Malsen gestorben, nachdem schon vor wenigen Monaten daselbst der Assessor Frhr. v. Gagern plötzlich vom Tode ereilt wurde. Der Frhr. v. Malsen, der längere Zeit im Auswärtigen Amte beschäftigt worden war, hatte erst im Mai 1899 die Reise nach Westafrikg angetreten. Er wurde als Bezirkshauptmann nach Kribi beordert und zeigte sich dort recht tüchtig Als die Bule ihren Augriff auf die Station machten, schlüg erm zehn Polizeisoldaten zurück, auch brachte er die Missionare in Sicherheit. Er selbst wurde in dem Kampfe allerdings leicht verwundet. Für sein Verhalten in diesem nicht ungefährlichen Aufstande erhielt er den Roten Adlerorden vierter Klasse mir Schwertern. In ihm hat die Kolonialverwaltung einen strebsamen und vielversprechenden Beamten verloren. (Von unserer Agentur.) Berlin, 15. Juli. Die klaren sachlichen Ausführungen des Grafen Bülo#w in seinen Rundschreiben finden fortdauernd die Zustimmtug aller Richtiugen und Parteien. Einige Aeußerungen mögen hier registriert werden. Die „drenzzeitungn schreibt Dem Auswärtigen Amte gebuhrt allseitiger Dank für die Offenlegung des ganzen Rattenkönigs chinesischer Verschlagenheit und hinterrückischer Büberei, vor deren weiteren Manipulationen man sich wohl nun hüten wird. Ebenso dankbar wird man dem Grafen Bülow sein, daß er die Ziele leicht aber sicher stizziert hat, auf die das Deutsche Reich lossteuert; er zeigt darin, daß die deutsche Diplomatie sich nicht in uferlosen Plänen verlieren will sondern daß Deutschland an der militärischen Aktion nur in einer seiner politischen Bedentung entsprechenden Weise teilnehmen würde. Die„n empfindet Genngthuung über die Uebereinstimimung des deutschen und russischen Aktionsprogramms Mit Genugthuung läßt sich konstatieren, daß das dentsche und russische Aktionsprogramm sich in allen wesentlichen Punkten vollständig decken Bei der Zurückhaltung, welche sich die deutsche Politik in der Behandlung der chinesischen Frage auferlegt, scheint ein Konstikt mit anderen Mächten zum Glück völlig ausgeschlossen Sollten ja hier und dort noch Befürchtungen bestanden haben, daß Deutschland allzuweit gesteckte Ziele in China verfolge so werden sie durch diese dankenswerte offizielle Kundgebung vollends zerstreut Gegen die ausländischen Quertreibereien wendet sich die Münchener„Allgemeine Zeitung Was desgleichen die Quertreibereien englischer und russischer Blätter anbelangt, durch die hier und dort völlig unberechtigtes Mißtrauen gegen die doch lediglich auf eine Sühnung des au unserem Gesandten verübten Frevels, sowie auf Sicherung unserer berechtigten Interessen iu China gerichteten Unternehmungen der deutschen Regierung hervorgerusen worden ist, so dürften sie keinerlei Beachtung seitens der Einsichtigeren mehr finden nachdem Graf Bülow das Ziel unster Politik in einer Weise schauf umschrieben der es nichts zu deuteln und zu mäkelit giebt... Das sind ausnahmslos Forderungen, die wohl von allen Mächten in gleicher Weise verfolgt werden und— man wird angenehm überrascht sein dürfen, wenn die Ambitionen einzelner Juteressenten wirklich nicht über das Maß derselben hinausgehen Ebenso die„Kölnische Zeitung Selbst in den Kreisen des Auslandes, die sich bisher darin gefallen haben, die Bestrebungen der deutschen Politik, ohne sie zu kennen, zu verdächtigen, muß dieses Progronm klärend wirken und der Erkenntnis zum Durchbruch verhelfen, daß in der That das Einvernehmen der Machte die Voraussetzung ist, ohne die die nächsten militärischen Unternehmungen, geschweige denn die für die Zukunft erforderlichen politischen Regelungen nich zu einem gedeihlichen Ende geführt werden können Hoffentlich werden alle in China interessierten Mächte dem deutschen Beispiel mit einer gleich unzweidentigen Darlegung ihrer Politik folgen, dann wird für den Feldzug der Zivilisation in Ehina eine Unterlage gewonnen sein auf Grund deren nicht nur dan iorer physischen Stärke, sondern auch ihrer moralischen Wirkung alle Hindernisse der Welt überwinden werden können. Der Reichsanz veröffentlich anschließend an den vorgestern veröffentlichten Gesetzentwurf betreffend das Urheberwecht den vorläusigen Entwurf des Gesetzes betreffend das Verlagsrecht, welches die Rechtsverhatmise zwischen Schriftstellern und Komponisten einerseits und den Verlegern andererseits regeln soll. Die„Nordd. Allg Ztg." benierkt dazu: Vor der Aufstellung des Entwurss sonden im Reichsttzamt Beratungen von Süchverstähdigen statt wozn folgene Heien zugezogen waren: Die Verlagsbuchhandter Bachen R A Se Mainz, Voigtlände=Leipzig die Professoren Bach=Stuttgart Bruck=Berlin, Brunner=Beit# Kommerzienräte Beck=München, Bock=Berlin, Speman Stutgant der Vorsitzende des Börsenvereins der Deutschen Buchhandter Engelhe#=Stuttgart die Sch MannBerlin R kommen erfahren die Verl N. Nachr an zustäldiger Stelle„Das Abkommen eimm Deutschland die anderen Ländern auf Grund des Artikels 3 des Dingleu=Tarifs zugestandenen Tarifermäßigungen ein s haudelt ssch daber hauptsächlich um Branntwein, nicht monsterende Weine, Klustgegenstände u. dal m. Die wirschaftliche Bedeutung des Abkonmens ist demnach nicht sonderlich hoch zu veranschlagen Sein prinzipieller Wen liegt aber in dem Umstande, daß Deutschland seitens= Amerikas sornmit den anderen Staaten handelspolitisch auf gleichem Fuße behandelt werden wird und daß die Vereinigten Staaten die Berechtigung der deutschen Proteste gegen die bisher geübte differentielle Behandlung der deutschen Einfuhr anerkannt haben. Im neuen Abkommen ist eine Kündigungszeit von drei Monaten vorgesehen sodaß Deutschland in Zukunft sich durch Kündigung der Vereinbarung und eventuelle Ausschließung Amerikas von dem Genuß seines Vertragstarifes vor Benachteiligungen schützen kann.“ Im Wahlkreis Hofgeismar=Rinteln, der bisher um Besitzstand der deutsch=sozialen Reformpartei gehörte, oll von konservativer Seite beabsichtigt sein einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Der Bund der Landwirte, der einen eigenen Kandidaten nicht aufstellen will, wird dadurch vor die Frage gestellt, ob er den antisemitischen oder den konservativen Kandidaten unterstützen will. Der„StaatsbürgerZig ist ein Schreiben der Direktion des Bundes der Landwirte zugegangen in dem mitgeteilt wird, daß die Vertrauensmänner des Bundes noch keine Stellung zu der Wahl genommen haben aber zugleich deutlich ausgesprochen ist, daß keine Veranlässung bestehe dei Reformparteilen die Unterstützung zu versagen. Es wird der deutsch=sozialen Reformpartei das Zeugus ausgestellt, daß sie sich den agrarischen Interessen gegenüber stets als eine der zuverläßsigsten Parteien eewiesen habe. Die,,D Tagesztg stimm dieser Ansicht zu sodaß hiernach für eine eigene kouservative Kandidatu wenig Aussicht sein dürfte— Der Wahlkreis ist unseres Wissens nie konservativ vertreten gewesen Vorgehen der Rechten würde also ein sogenannter„Einbruch sein, wie er in der konservativen Presse eft verurteilt wurde. Von einer neuen Ausweisung reichsdeutscher evangelischer Prediger berichtet die„S.R.„Gestern wurden von der Duxer Bezirkshauptmannschaft die ebangelischen Pfarrer Otto Sommer aus Baernwalde und Kurt Becker aus Domhal bei Saide ausgewiesen. Sie wurden nachts um Uhr aus dem Gasthofe durch Gendarmen geholt zur Bezirkshauptmannschaft gebracht und beschuldigt, die kathalische Kirche in Hawpran bei Dur angegriffen und aufrührerische Reden gehalten zu haben. Thatsächlich aber haben die beiden Herre Hawran nie in ihrem Leben gesehen Eine Insruchnna wurde Freitag früh in der Redaktion der Staatsb= Zie abgehalten Ein Kriminalkem= missar, ein Wachtmeister und fünf Schutzleute waren dazu aufgeboten. Es haudelte sich um Beschlagphne von Zeitungen und sämtlicher Mannskripte und Briefe in der Konitzer Mordangelegenheit.„Die Ausbeute war schreibt die„Staatsb.= Ztg keine große da der Verschwörungsherd in unserer Redaktion recht harmtos ist. Aus dem Reich. Berlin, 17. Juli. Die gestrige Partie des Kaisers von Drontheim nach Fieldsäter verlief bei gutem Wetter Heute regnet es in Strömen. An Bord ist alles wohl. — Der„Reichsanzeiger giebt die Verleihung des Charakters ais Wirkl. Geh Rat mit dem Prädikat Erceinenz an den Reichstagspräsidenten Major a. D. Majoratsherrn Grafen Ballestrem auf Plawniowitz im Kreise Gleiwitz bekannt. — Ein nati onaler Gedenktag war der gestrige 16. Juli. 1870, also genau vor 30 Jahren wurde von Frankreich der Krieg an Deutschland erklärt Gerade heute wo ganz andere Aufgaben im Vordergrund der Juteressen beider Länder stehen verblaßt diese Erinnerung. Die Zeit und die über See wachsenden gemeinsamen Interessen beider Läuder werden die damals kämpfenden Völker wieder allmählich einander näher bringen. — Die Bestellungen von Wurst= und Büchsenfleisch für Deutschland sind nach der„Deutschen Allg. Korr.“, in Ehiea#### in so großem Maßstabe eingerroffen, daß die Zahl der für Trichtnenschau angestellten Personen in den Schlachthäusern um 25 vermehrt werden mußte. Der Export der bestellten Waren muß vor dem 5. Oktober, an welchem Tage das deutsche Fleischbeschaugesetz in Kraft tritt, erfolgt sein Auch aus Frankreich und Englaud ist die Nachfrage stark gewachsen. — Ueber das diesjährige Kaisermanöver ist bis jetzt folgendes bekannt: Das Gardekorps hat am 1. SeptemberKaiserparade auf dem Tempelhofer Felde. Von Mentag, 3. bis 8. September begiebt sich dasselbe in Feldmärschen nach dem Manöverschauplatze in Pommern. Das zweite Armeekorps hat am 8. September Kaiserparade bei Stettin, am 9. Sept. ist allgemeiner Ruhetag. Das eigentliche Kaisermanöver beginnt am 10. September und dauert voraussichtlich bis zum 13. Die Teilnahme der Flotte ist in Aubetracht der Ehingexpedition eingeschränkt. Dresden 17. Juli. Das recht befriedigende Befinden des Königs wird heute wie das Hofmarschallamt mitteilt, die Uebersiedeltng des Königspaares nach Schloß Villnitz bestatten. Straßburg, 1. Juli. Wie die sozialdemokratische Wreie Presse meldet wurde in einer stark besuchten Wählerversammulung zu Mülhausen: E der Genosse Hickel, der den Wahlkreis zum erstenmal von 1890 93 vertreten hat, einstimmig aus der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen Die Sozialdemokraten haben also die Herren Bueb und Hickel als Sündenböcke für die Wahl Schkumbergers in Auspruch genommen. Kieche, Schule und Mission. I. Aus dem Dillkreise, 17. Juli. Als ein ersteuliches Zeichen dafür, daß der kirchliche Vereinssinn bei uns noch immer im Wachsen ist, darf gewiß auch das angesehen werden, daß die Posaunenchöre unseres Kreises, sowie auch einige aus den Kreisen Siegen und Wetzlar sich neulich in Dillenburg zu einem Verband organisiert haben. Dieser Verband will insbesondere durch die gemeinsame Begehung eines Jahresfestes, das unter den einzelnen Vereinsorten wechseln soll, seine Gemeinschaft bethätigen Das erste Jahresfest findet nun am 22. d. Mis. 2½ Uhr nachmittags anfangend, zu Frohnhausen(Dilh) statt, wobei Pastor Koch von Lützellinden bei Gießen die Festpredigt halten will. Es verspricht ein recht gesegnetes Fest zu werden. Besucher von nah und fern sind natürlich herzlich willkommen. Die Zahl der Bläser dürfte 100 überschreiten. Vom IV. internationalen Textilarbeiterkongreß, der gegenwärtig im sozialdemokratischen Gewerkschaftshause in Berlin tagt, ist folgendes zu berichten: Unter der Aegide des Herrn Liebknecht, der den Verhandlungen seinen Stempel aufdrückte, wurde zuerst ein kleiner Zank zwischen Deutschen und Engländern nach der Kuhhandeltheorie geschlichtet. Erstere wollten lange, letztere kurze Verhandlungen ansetzen. Darüber kam es zu Streitereien, besonders als die Herren Englishmen trotz abgemachter Einigung nichtsdestoweniger— später kanten. Der deutsche Vertrauensmann Wagner=Chemnitz berichtete über den Stand der Organisation der Weber über Streike, Lohnaufbesserungen, Arbeitsverkürzungen und Verbesserungen von Fabrikeinrichtungen. Des weiteren beleuchtete er das Verhältnis des sozialdemokratischen Centralverbandes zu den liberalen Vereinigungen Hirsch=Dunckerscher Auffassung und den verschiedenen christlichen Textilarbeiterverbänden. Nachdem er das„Pfaffentum der letzteren als„arme Opfer des Kapitalismus und verirrte Schafe des allein seligmachenden Centralverbandes hingestellt und mit den bekannten Stilblüten des sozialdemokratischen Knigge poetisch in das rechte Licht gesetzt halte, konstatierte er mit Wohlbehagen, daß die„verirrten Schafe allmählich den rechten Weg zum sozialdemokratischen Centralverbande finden zu wollen scheinen.— Dann wurde wieder die obligate schmutzige Wäsche vorgenommen. Die Deutschen und Franzosen konstatierten die Faulheit der Herren Sozi in Manchester; Lepere erklärt vorwurfsvoll, 50 Briefe nach England wären ihm radikal unbeantwortet geblieben, der Engländer wehrte sich heftig, doch wurde er von den Deutschen ausgelacht. Die Deutschen hätten im ganzen an das Bureau lumpige 5 Pfund gezahlt, welche Bemerkung von diesen wiederum höhnisch verlacht wurde. Die richtige befriedigende Lösung warum die Briefe nicht angekommen, sand endlich zu allgemeiner Befriedigung der frauzösische Delegierte aus Lille Natürlich sind die Briefe geschrieben aber einfach von der Post an der Grenze unterschlagen worden! Diese Erklärung machte dem Gezänk ein Ende. Einer der Herren Sozi gab jedoch der rechten Idee Ausdruck, es beweise einen eigenen Geist der brüderlichen Liebe, von dem die Interpellanten beseelt seien, als sie diese unangenehme Frage aufs Tapet brachten. O Siegen, 18. Juli. Ein steundlicher Leser schickt uns einen Ausschnitt aus dem General=Anzeiger für Elberfeld=Barmen, der ein Rezept über Heumachen enthält. Da der Aussatz unsere Landwirtschaft treibenden Leser interessieren wird, so lassen wir ihn nachstehend folgen Es heirscht noch immer die Ansicht, zum Heumachen gehöre Sonnenschein und gutes Wetter und mancher Landwirt wird wohl nie gedacht haben, daß das jemals anders sein oder werden könnte. Und doch kann der Landmann im stärksten Regen Heu machen wenn er sich nur endlich entschließen wollte, von seinem sonst sehr löblichen Konservatismus in diesem Falle abzulassen. Ich habe das Verfahren zur Herstellung von sogenanntem„Blaunhen" als 18jähriger junger Mann nun schon vor 20 Jahren erprobt und ist dasselbe auch seinerzeit in landwirtschaftlichen Zeitungen genügene besprochen und empfohlen worden, sodaß es mir geradezu unbegreiflich ist, daß diese Art Heubereitung nicht schon lange allgemein eingeführt ist. Ich mähle seinerzeit absichtlich im stärksten Regenwetter das zu heuende Gras Dann trug ich dasselbe auf ziemlich große Hausen zusammen. Diese Hausen wurden nach Ait der Fruchthausen auf alte Breiter oder anderes Holz gelagert, um gegen aufsteigende Erdfeuchtigkeit geschützt zu sein. Während der Herstellung derselben streute ich nun etwas Viehsalz zwischen die einzelnen Lagen. Hiermit war denn aber auch alle Arbeit gethan. So ein Hausen kann ruhig bis zum Verbrauch oder bis zu gelegener Zeit liegen bleiben. Das Trocknen geschieht vollständig selbstthätig. Es entsteht nämlich durch das Zusammenpressen infolge des schweren nassen Grases Wärme, welche sich bis zur Siedehitze steigert Insolgedessen wird dann sämtliches Wasser durch Verdampfen ausgetrieben, wobei jedoch durch das eingestreute Salz jede Pilzbildung(Schimmel) oder auch Selbstentzündung vermieden wird. Nach einigen Tagen ist der ganze ausgestapelte Barren vollständig trocken und das Heu ist fertig ohne jemals gewendet oder aufgeschichtet zu werden wie bei der Sonnentrocknung. Daß hierbei von vornherein sehr viele Arbeit gespart ist, liegt klar auf der Hand, außerdem ist das Heu aber auch viel besser in seiner Qualität als Futter und auch viel„schmackhafter Ich habe dasselbe z. B. den Ziegen vorgelegt welche ja als sehr„leckisch“ bekannt sind, und wurde es von denselben sehr gerne gefressen, ebenso von allen anderen Wiederkäuern und auch von den Pferden. Es muß dies„Gernefressen" zunächst auf das eingeschmolzene Viehsal zurück. geführt werden, dann aber auch auf das vollständige Vorhandensein aller Blätter und Blüten, welche beim„Sonnenheu abbrechen und verloren gehen Drittens ist aber auch jedes gegorene Fütter doppelt soviel wert als ungegorenes. Man hat nun doch schon in den letzten Jahren bei nicht ganz trockenem Heu beim Einbringen in die Scheune Viehsalz eingestreu und ist dies ja gewissermaßen eine partielle Anwendung dieser Methode, doch kann dieselbe nur dann Bedeutung gewinnen, wenn sie rationell angewandt wird, und hoffe ich, daß diese Zeilen dazu beitragen möchten. Siegen, 18. Juli. Unter dem dringenden Verdachte, in der Strafsache gegen den Arbeiter Lixfeld wissentlich einen Meineid geleistet zu haben, wurden der Maurerpolier Friedrich und der Maurer Heeck verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis übergeführt. Wetterbericht. Ueber dem Norden des Erdteils liegt eine Depression von welcher sich ein Ausläufer über Südwesten und die Ostsee und nach Deutschland herein erstreckt. Das übrige Europa gehört noch in den Bereich eines barometrischen Maximums, dessen Hauptkern sich heute über Südwesten befinde: In Norddeutschland hat die Bewölkung zugenommen und stellenweise zegnete es daselbst am Morgen. Im Süden dagegen besteht die meistenorts wolkenlose Witterung fort. Die Temperaturen liegen allgemein sehr hoch Im Laufe des Tages haben sich jedoch auch hier Gewitter eingestellt. Voraussichtliche Witterung: Bei veränderlicher Bewölkung warmes Wetter mit Neigung zu Gewittern. Dortmuns, 17. Juli. Auf dem Wittener Gußstahlwerte stüngte em Schmelzofen zusammen. Der glühende Inhalt ergoß sich über vier am Ofen beschästigte Arbeiter Dieselben erlitten schwere Brandwunden und mußten ins Hospital gebracht werden. Herborn=Dillenburger Gemeinschaftspflege= und Erziehungsverein. Sonntag den 22. Juli, nachmittags 2 Uhr: Versammlung in Medenbach,(Dillkreis), wozu jedermann freundlichst eingeladen wird. Letzte Vost. London, 17. Juli. Von den Schreckensthaten in Peking entwirft der Kurier, der dem Telegraphendirektor Scheng die offizielle Depesche vom 3. Juli mitteilte, einem Korrespondenten des Londoner „Expreß“ folgende gräßliche Schüderung: Prinz Tuan wollte alle Ausländer lebend gefangen nehmen und foltern. Deshalb befahl er den Boxern und Tungfuhsiangs muhamedanischen Truppen, die Gesandtschaften anzugreifen. Tungfuhsiang wies darauf hin, daß die Ausländer gut bewaffnet seien und viele Schnellfeuergeschütze hätten, welche seine Leute fürchteten. Darum griff er sie von einer Stellung aus an, von welcher das Feuer der Ausländer hervorgelockt wurde, ohne daß die Chinesen dabei bedeutende Verluste hatten. Tungfuhsiang glaubte, daß er, wenn auf diese Weise die Munition der Aesländer verschossen sei, leicht die Thore der Gesandtschaften zusammenschießen und die Eingeschlossenen gefangen nehmen könne. Die Angriffe auf die Gesandtschaften hörten in den ersten sechs oder sieben Tagen immer abends auf, und die Ausländer, die Gewehrmunition von Prinz Tsching erhielten, glaubten sie könnten bei Nacht die chinesischen Soldaten an den Thoren überrumpeln und sich durchkämpfen. Am frühen Morgen des 1. Juli nach unserem Kalender fand der Ausfall statt. Alle Europäer nahmen daran tell. Die Truppen, welche von Offizieren und von mit Revolvern bewaffneten Zivilisten geführt wurden, bildeten ein Karree, in dessen Mitte sich die Frauen und Kinder besanden. Viele Boxer wurden getötetet, da sie den Augriff nicht erwartet hatten und die meisten von ihnen schliefen. Als die Boxer den Angriff der Ausländer gewahr wurden, gerieten sie in Wut wie wilde Tiere und sie erschossen in der Dunkelheit viele ihrer eigenen Kameraden. Tungfuhstang ließ mit schweren Geschützen auf die Ausländer seuern. Diese wurden ebenfalls wild vor Erregung und schossen mit Revolvern auf ihre eigenen Frauen und Kinder. Die schweren Geschätze wurden alle gleichzeitig abgefeuert und mähten die Ausländer wie Gras niedet. Die Boxer stürmten dann auf sie los und stachen und hackten dann auf Tote wie auf Lebende. Viele Ausländer flohen, als die Geschütze abgefeuert wurden, in die Gebäude zurück. Die Boxer verfolgten sie und waren noch in den Gebäuden, als diese verbrannt und zerstört wurden. Die so in die Gebäude geflüchteten Ausländer und Boxer, welche sie verfolgten, wurden zusammen in der Gesandtschaft verbrannt. Der Kurier sagte, die Boxer wären wie Wilde und Dämonen und als keine Ausländer meyr zu töten waren, fielen sie über die Leichen im Hofe der Gesandtschaft her und verstümmelten sie Einigen schnitten sie die Köpfe ab und trugen sie unter wilden Rufen auf ihren Gewehren durch die Straßen. Dann griffen sie die Viertel der chinesischen Chritten an und metzelten alle nieder, die sich ihnen nicht anschließen wollten, sie schändeten Frauen und schlugen mit den Gewehrkolben Kindern das Gehirn aus den Köpfen. Die Straßen der Tatarenstadt strömten überall von Blut. Das Gemetzel dauerten an, als der Kurier Peking verließ. Viele Hunderte von Missionsgebäuden wurden verbrannt. Der Kurier konnte noch in der folgenden Nacht in weiter Entfernung von Peking die Flammen sehen. 17. Juli. Ein Telegramm des amerikanischen Konsuls in Canton meldet, Lihungtschang sei heute von Canton abgereist nachdem er in der vergangenen Nacht einen Erlaß erhalten habe, wodurch er zum Vizekönig von Tschili ernannt und angewiesen wird, sich sofort dorthin zu begeben. In Canton, heißt es in dem Telegramm weiter, werde befürchtet, daß die Abwesenheit Lihungtschangs Anlaßz zu Ruhestörungen geben werde. In Canton seien französische Kanonenboote eingetroffen. Berlin, 18. Juli. Wenn das Expeditions Korps in angelangt sein wird, wies Deutschland der National= Zeitung zufolge in den chinesischen Gewässern und in folgende Streitmacht haben: An Vord der dertigen Kriegsschiffe werden sein: 399 Geschütze und 5540 Mann; in selbst werden sein: 18 455 Mann Landtruppen mit 94 Geschützen. Breien, 18. Juli. Hier ist unter dem Vorsitz des Senaters Hilbebrand ein bremisches Hilfs=Komitee für China im Auschluß an das Berliner Komitee gegründet worden. London, 18. Juli. Die Dailh Mail erhielt ein Telegramm aus Shanshai des Inhalts: Die verbündeten Truppen in Tientsin nahmen ihren Augriff auf das mit Mauern befestigte Chinesen=Viertel am morgen des 14. Juli wieder auf. Es gelang ihnen, Bresche in die Maneen zu legen und das Fort zu ftürmen. Die Chinesen wurden vollständig geschlagen Die Verbündeten erstürmten die Ehinesenstast und ihre Verteidigungswerk. Die Gesamtverluste der Europäer in den Kämpfen am Donnerstag, Freitag und Samstag beläuft sich auf 800 Tote und Verwundete. Die meisten Verluste hatten die Russen und Japauer. London 18. Juli. Heute wird hier ein Kabinettsrat abgehalten. Auf der Tagesordnung steht die EhinaWgetesee u 18. Juli. Der Sekretär der hiesigen einesischen Gesandtschaft erklärte, daß man noch immer ohne Nachricht sei, doch soll vorgestern ein Telegramm von einem der Vizekönig aus dem Süden angekommen sein. Die Philadeiphia Zimes bringt die Spezialmeldung, daßt die Amerikauer in Pettug den schlimmsten Martern ausgesetzt waren. Die amerikanische Flagge wurde nieder zerißsen. Diese Nachricht soll der Verwaltung seit Freitag bekannt gewesen sein. Notersburg, 18. Juli. Die Nachrichten Tschifn schildern die Situation von Tientsin als immer bedenklicher Die Chinesen rücken mit bewunder##swürdiger Beharrlichkeit vor. Ihre Streitkräste werden von Tag zu Tag größer. Zwischen Tientsin und Peting werden starte Befestigungen errichtet. Am 12. Juli berechnete man die chinesische Heeresmacht var Petins auf 150000 gut bewassnete Soldaten In russischen Kriegsministerium rechnet man infolgesessen sogar mit der Tientsin räumen zu müssen. Es darf kaum bezweifel werden, daß nunmehr Nußland energisch einen Vorstoß von Norden hei gegen Peling vorbereitet, den es dann völlig auf eigene Hand ausführen würde. russischen Rüstungen weisen auf einen solchen Plan hin. Am 15. ds gehen 56 Offiziere und 94 Militär=Aerzte nach der Frout ab.— In der Verwaltung des russischen Roten Kreuzes herrscht eine sieberhafte Thätigkeit. Ein Lazare mit 200 Betten wird ausgestattet, Aerzte und Pege=Personal werden angenommen und nach Sstasfen gesandt. Schluß des redaktionellen Teils. Schnee-Weisse-WäScHe anendungvon Lettermann's Salmiak-Terpentin- Fettlangenmehl oder Lettermann's Wasch-Extract„Wasch-Bär“ unter grösster Schonung der Stoffe, à Packet 15 Pf. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 14. März 1850, des§ 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 und des# der Regierungs=Polizeiverordnung vom 21. November 1893(Amtsblatt S. 560) wird mit Zustimmung des Magistrats folgendes verordnet: Einziger Artikel. Das Zigarrenrauchen und das Rauchen aus Pfeisen ohne Deckel ist auf dem Häusling nur auf dem Festplatze(unter und vor der Halle daselbst) gestattet. Siegen, den 1. Juni 1900. Die Polizeiverwaltung. Delaus zu haben Sandstr. 18. Weisfälische Flckschoaren. nur Winterschlachtung, nach Bauernart trocken geräuchert. Schinken, Rundschnitt, fast ohne Bein 1.05 Mk. Cervelatwurst in Feitdarm 1.25 Schinkenwurst in Fettdarm 1,10 Mk. Metttourst 65 Pfg. zum Spicken od Kochen 60 Pfg. Schmalz, reines. Unvermischtes hie###weine= 60 Pfg. fett in Dosen v. 9—10 Pfd. Austräge von 20 Mark an frei, unbekannt gegen Nachnahme, empfiehlt Aug Heidemann, Rödinghausen bei Bünde i. W egehähller empfiehlt und versendet unter Garantie lebender Ankunft Siegener Geflugel=Hof Herm. Prinz. Siegen i. Westf. (Preisliste umsonst.) Heurechen, gesetzlich geschützt, in mehreren Formen, besser und dauerhafter als alle bis jetzt auf den Markt gebrachten, liefert in tadelloser Ausführung. Preise und Beschreibung laut Liste, welche zu verlangen bitte. Weber, Feudingen i. Westt. Ebang. Pfarrer wünscht Umstände aeh halber ein Darlehn von 600 Mark zu 6% Zinsen auf 2 3 Jahre gegen unbedingte Sicherstellung Gefl Anerb. u. K T 2041 befördert die Expedition d. Zeitung. e Ein gebrauchtes Planino preisweit zu verkaufen Im Busch, Pianohandlung, egen, Marburgerthor 18. 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Ansprachen werden halten Reiseprediger Nies=Buschhütten und andere. Beginn nachm. 3 Uhr vorher Kaffeetrinken. für HandtungsCommis vor (Kaufmännischer Verein.) Bezirk Siegen. Vereinsabend jeden 1. und 3. Samstag im Monat, abends 8½ Uhr im Café Sommer. Freunde des Vereins sind jederzeit willkommen. Der Bezirks-Vorstand. Arheaiter=Uintersühgungs=Berin Meiuahardt in Weidenau. Generalversammlung Samstag, den 21. Juli, abends 8 Uhr im Vereinslokale. Tagesordnung: 1. Halbjährige Rechnungsablage. 2. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Weibenau, 16. Juli 1900. hospiz Reinthal bei Partenkirchen. 3000 Fuß über dem Meer. Große Gebirgslandschaft. Waldspaziergänge in unmittelbarer Nähe. Pension M 5.50— 7.50; im Juni und September ermäßigt.— Hausandacht von Hosprediger a. D. Stöcker und anderen Geistlichen.— Näheres durch Frl. Rosenkranz, Leiterin des Hospizes. Freiwilhge Feuerwehr Weidenau. Samstag, den 21. d. M., abends 8¼ Uhr: Uebung. Klotz, Feuerwehrhauptmann. Kriegerverein „Auf den Hüttent. Vierteljahrs-Versammlung Sonntag, den 22. Juli, nachmittags 4 Uhr im Gasthof Gelbach. Tagesordnung: 1. Bericht über den Verbe Niederdielfen. 2. Beratung über den geplanten Ausflug. 3. Feier des Sedantages. 4. Vereinsaugelegenheiten. Der Vorstand. Verbandstag in Frankfurt a. Hôtel Kölner Hof. Christlich deutsches Haus. Gegenüber dem Hauptbahnhof. 6o Zimmer. elektrisches Licht. Restaurant.— Mäßige Preise. Das„Volk“ liegt auf. Christ. Wer sich und den Seinen die Gesundheit erhalten und Krankheiten vorbeugen will, der lese die neue. verbesserte und vermehrte Auflage von „Platen, die neue Heilmethode“, Lehrbuch der naturgemäßen Lebensweise, der Gesundheitspflege und der arzueilesen Heilweise. Platen giebt Rathschläge für die Selbstbehandlung und Heilung aller Krankheiten auf die billigste, einfachste und ungefährlichste Art. 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Minna Siegfried geb Braun=Burgsolms. Kgl. Eisenbahn=Sekretär Franz PrinzKöln, 52 J. Für die Schriftleitung verantwortlich: O Beckmann.— Unterhaltungsteil: Dr. BurckhardtGodesberg Druck und Verlag der Westdeutschen Verlagsanstalt, E. G. m. b. H., Stegen, Sandstr. Anzeigen Eir Schlunz. 18. Hierzu eine Beilage. Nr. 166. 12. Jahrgang. zur Zeitung„Das Volks Vonnerstag, den 19. Juli 1900. Für die Monate August und September werden Bestellungen auf die Zeitung Vn (Nr. 7728 der Zeitungsliste) mit Senntagsblatt volkswirtschaftlicher und litterarischer Beilage von allen Postanstalten, den Zeitungsboten und in der Geschäftsstelle in Siegen, Sandstraße 18, entgegen genommen Der Bezugspreis beträgt für diese beiden Monate für die Postabonnenten 90 Pfennig, durch den Briesträger frei ins Haus 30 Pfennig mehr, für die Stadtabsunenten 85 Pfeunig, durch den Boten frei ins Haus 25 Pfennig mehr. Probenummern überallhin kostenfrei. Redaktion und Geschäftsstelle des„Volk“, Siegen, Sandstraße 18. Deutschlands Kohleuschzähe, Jnteressant sind die Schätzungen die seiner Zeit der Abgeordnete Geh. Bergrat Dr. Schultz(Bochum) über den Köhlenvorrat des niederrheinisch=westfalischen Steinkohlenbeckens gegeben hat. Bekanntlich hat das enorme Wachstum der Kohlenförderzug zu wiederholten Malen die Frage angeregt, wie lange der Reichtum wohl auhalten werde. Aengstliche Gemüter rechneten zuweilen schon mit der Möglichkeit, daß in absehbarer Zeit der ganze Kohlenvorrgt erschöpft sein werde. Darüber braucht man sich nach den Berechnungen des Dr. Schultz keine Sorgen zu machen. Allein im rheinisch=westfälischen Steinkohlenrevier in seiner heute erschlossenen Größe stehen noch baulohnend an: bis zur Tiefe von 700 Meter.... 11.0=Milliarden Tonnen in der Tiefe von 700 1000 Meter 183 von 1000 bis zu 1500 Meter. 25.0 bis zu 1500 Meter insgesamt:.. 54/3 Darunter, unter der dem Bergbau heute schon zugänglichen Tiefe bis zur untersten Ablagerung sind noch weitere 75 Milliarden vorhanden im ganzen 1293 Milliarden Unter Zugrundelegung einer Jahresförderung von 100 Millionen Tonnen, beinahe dem Doppelten der gegenwärtigen Produktion, wozu nebenbei bemerkt etwa 40·000 Arbeiter benötigt würden, würde bis zu einer Tiefe von 1000 Meter der westnoch 543 und endlich bis zur völligen Erschöpfung noch 1293 Jahre Dabei ist das westfälische Steinkohlenbecken noch lange nicht in seinem ganzen Umfange erschlossen und sein Vorrat wird noch weit weit übertroffen von den unterirdischen Reichtümern Oberschlesiens. Da wird denn wohl bemerkt die Post“, der Abg. Dr. Schultz recht gehabt haben, wenn er bemerkte, daß in Zeiträumen die für enschliche Vorausberechnung zugänglich sind an eine Erschöpfung des unvergleichlichen von Gott in uuseren Boden gelegten Schatzes nicht zu denken ist. der Berlin, 17. Juli. Für den Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Frankreich, dessen Eröffnung bevorsteht, haben Wer quälen mag mit fluchbeladenen Händen Das arme Tier, das ihm die reichen Spenden Von seiner Arbeit giebt und seinem Sein, Wer sich an Tieres Not und Qual kann freu'n Und kalt verhöhnt des Mitleids Menschenpflicht, Der ist ein Wicht Bergkönigs Töchter. Roman von A. Linden. (Nachdruck verboten. Norwig ging ein paar Schritte blieb dann stehen und beobachtete Dora durch das erleuchtete Fenster, wie sie zu dem Vater trat, der schlummernd in dem Lehnstuhl saß und dann dies und jenes in der Stube besorgte. Sein Blie umfaßte das ärmliche niedrige Häuschen, und slog dann hinauf zu den erleuchteten Fenstern von Haus Bergfriede „Welch ein Unterschied dachte er, und doch verdiente vor allen anderen diese kleine Dora, dies schöne poesiebegabte Kind, auf lichten sonnigen Bahnen zu wandeln, daß ihr Geist frei und kühn seine Schwingen entfalten dürfte Wär ich reich— ja, wär' ich reich, daß ich nicht auf den elenden Mammon zu sehen brauchte!“ Am folgenden Mittag brachte Norwig sein Mannstkript. Dora hatte schon ihrer Mutter gesagt, daß dies eine Arbeit für sie wäre, und so war Frau Barns im Hinblick auf den möglichen guten Nebenverdienst ganz einverstanden mit derselben Sehr teilnehmend und herzlich fragte Norwig den alten Barns nach seinem Befinden und schien dadurch auch dessen Vertrauen zu gewinnen Mit Freuden und zierlicher Sorgfalt vollendete Dora ihre Abschrift, für die er, da sie selbst etwas anzunehmen sich weigerte ihrer Mutter ein gutes Honorar einhändigte. Dann hatte er schon wieder neue Arbeit und inzwischen nahte der Tag seiner Abreise. Dora hatte gehofft, er werde vorher noch einmal zur ihr kommen und es that ihr sehr weh, als sie sich darin getäuscht sah. „Herr Norwig hat heut morgen schon bei uns Adien gesagt, erzählte Helene Ringehneyer Er hätte heut abend noch soviel zu thun mit Einpacken von Büchern und Schreibereien, daß er gar keine Zeit fände nochmals zu kommen. Dora erwiderte nichts, aber es war ihr, als fühle sie einen körperlichen Schmerz tief im Herzen bei dem Gedanken, daß sie Norwig wohl niemals wiedersehen werde. Es dunkelte bereits, als Dora nach Hause ging. Von den Zäunen sielen raschelnd die welken Blätter auf den Weg und über den Thalwiesen graute der Herbstnebel Von dem Seitenpfad, der vom Walde herabführte, kam jemand eiligen Schrittes auf sie zu, ihr Herz pochte laut, es war „Da hab ich meine Zeit so sehr nötig heut abend und jetzt die Sprechversuche zwischen den deutschen und französischen Vermittelungsanstalten begonnen. Nach einer Versügung des Reichspostamtes hat Berlin mit den Fernsprech=Vermittelungsämtern in Bordeaux, Lille, Dunkerque, St. Etienne und Dieppe Sprechversuche anzustellen; in Berlin sind alle Vorbereitungen für die Eröffnung des Sprechverkehrs beendigt. Die Gebühren für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten regeln sich nach dem deutsch=französischen Fernsprechvertrage wie folgt es kostet ein Gespräch zwischen Berlin und Paris 5 M., mit Versailles, Fontainebleau, Melun, Lille, Dunkerque, Lyon, Royen, Havre, Elboeuf und Dieppe 5 M.; mit St. Etienne, Bordeaux und Orleans 6,50 M. Die glückliche Errettung einer Berliner Familie aus Tientsin ist telegraphisch hierher gemeldet worden. Es handelt sich um den Kaufmann March, ein Glied der bekannten Familie March und Neffen des Komm.=Rats Dr. Holtz, der als Vertreter der Hamburger Großfirma Karlowitz u. Co., die auch in Shanghai und Hongkong Niederlassungen hat, in Tientsin lebte. Es ist Herrn March gelungen, mit Frau und Kind, allerdings unter Zurücklassung aller Habe, aus Tientsin zu entkommen und sich und die Seinen nach Nagasaki in Sicherheit zu bringen. Kirche, Schule und Mission. ## Niederschelden, 16. Juli Ein herrliches Fest konnten wir gestern hier seiern, nämlich das Jahresfest des gemischten Chores Nachdem am Vormittag in der Kirche gemeinschaftlich ein Lied gesungen war, trug der gemischte Chor ein Lied vor. Alsdann bestieg Herr Pastor Kraft aus Barmen als Festredner die Kanzel. Mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet, war es ihm ein Leichtes die Herzen warm und empfänglich zu machen für das Wort Gottes. Seiner Festrede legte er Jacobi 3. Vers 5 zu Grunde„Also auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an." Bei der Behandlung dieses Verses beleuchtete der Redner grell den Gebrauch und Mißbrauch der Zunge. Wuchtig fielen hierbei die Hiebe auf die Lügner Spötter, Verleumder und dergl. Demgegenüber stellte er aber auch in ein erhabenes Licht den Gott wohlgefälligen Gebrauch der Zunge; nämlich die Herrlichkeit der öffentlichen Verkündigung des Wortes Gottes, Farbe bekennen Lob und Dank gegen Gott, und den christlichen Gesang. Aber nicht nur wurden diese Gegensätze festgestellt, sondern auch gezeigt, wie dem Zungenmißbrauch abzuhelfen sei, hier müsse vor allen Dingen die Art an des Uebels Wurzel gelegt, resp. die Quelle gereinigt werden. Also man solle, wo es nicht schon geschehen sei, unverzüglich das Herz völlig zu Jesu Füßen legen der würde es schon verstehen sich die übrigen Glieder des Leibes, also auch die Zunge dienstbar zu machen. Nachdem der Chor noch ein Lied gestngen hatte, war die Hauptfeier beendet. Am Nachmittag fand die Nachseier im Vereinshause statt, wo der Schriftführer des christlichen Sängerbundes, Herr Lehrer Kniekamp=Barmen, eine Ansprache hielt, die darauf hinzielte, die Gabe des Gesanges zu wecken und diese im christlichen Sinne auszunutzen. Nach einer Pause ergriff Herr Pastor Kraft abermals das Wort zu einem sehr packenden und erbaulichen Vortrage Hierauf sand gemeinschaftliches Kaffeetrinken statt. Der hiesige Posaunenchor sowie die aus den verschiedenen Nachbarorten herbeigeeilten Vereine trugen durch ihre Vorträge zur Verschönerung des Festes wesentlich bei. Jedenfalls ist dieses Fest für alle Teilnehmer eine angenehme Erinnerung. Möge sie für viele bleibend sein. Priefkasten. Für das Unterstützungskomitee zur Pflege verwundeter gingen ferner bei uns ein Chr. N. in B. 2 M. Im ganzen gingen bis jetzt ein 742,43 M. Weitere Gaben nimmt die Geschäftsstelle des„Volk“ gerne entgegen. . L. in N. Ihre Ansicht über den Ursprung des Namens „Bockbier" dürfte doch wohl nicht die richtige sein. M. M. in H. Können Sie uns nicht ungefähr angeben, wann das Schriftchen im„Voir besprochen wurde? Ohne nähere Angaben lassen sich solche kleine Notizen schwer nachschlagen. Mülheim(Ruhr), 16. Juli. In der Angelegenheit des Umbaues der hiesigen Bahnhofsanlagen hat nunmehr auch die Stadtverwaltung eine eingehend begründete Eingabe an das Eisenbahnmmisterium gerichtet, damit diese schon seit über sechs Jahre schwebende Frage einen baldigen Abschlaß erhalte Ob die Anlage eines HauptSie verspäten sich so, daß ich seit beinah einer halben Stunde dort oben promenieren und Herrn Ringelmeyers Lagerplatzhor im Auge halten muß“ sagte er mit scherzhaften Vorwürfen ihr die Hand entgegenstreckend. D ich dachte— ich meinte— ich würde Sie nicht mehr wiedersehen— weil Sie nicht zu uns gekommen waren, stammelte Dora freudig verwirrt. „Ohne Lebewohl werd ich doch nicht fortgehen von Ihnen Dora Zu Ihnen gekommen bin ich nicht weil ich— offen gestanden—egnen nicht in Gegenwart anderer Adieu sagen mochte. Ich hab jetzt zwar blotz ein paar Minuten Zeit, doch freu ich mich, daß wir uns noch getroffen haben Eine Bitte hätte ich dann noch Doras fuhr er neben ihr herschreitend fort Sie haben mir die Arbeit so schön und fauder geschrieben, da möcht ich gern von D aus Ihnen noch dergleichen zuschicken. Soll ich „Gewiß, ich freu nich immer so sehr, wenn ich von Ihnen etwas schreibe, ich bin ganz glücklich, wenn ich das noch weiter darf versicherte Dora eifrig „Nun so werd ichs Ihnen von Zeit zu Zeit von D. aus senden; dann vergessen Sie mich auch nicht, ebenso wentig wie ich Sie jemals vergessen konnte, Dora. Sie schreiben mir dazu dann auch wohl mal, wenn Sie die SAceN D so gern, wenn ich darf“ erwiderte sie. „So leben Sie denn wohl Dora Ich hoffe auf Wiedersehen im nächsten Jahr Er hielt ihre beiden Hände und sah ihr tief in die Augen„Inzwischen will ich mich auch bemühen mein, bezüglich ihres Vakers gegebenes Versprechen einzulösen wenn es mir nur gelingen wird meinen früheren Freund, den Juristen wieder aufzufinden Doch für jetzt noch einmal von Herzen Lebewohl und auf Wiedersehen.. Behüt Sie Gott!“ sprach Dora aus innerstem Herzen, tapfer die Thränen bezwingend, die ihr in die Augen treten wollten. * * Bald nach seiner Abreise schickte Norwig einen Teil seines neuen Manuskripts, es lag eine Karte von ihm bei die ein paar herzliche Zeilen enthielt nur einen kurzen Gruß und die Bitte, Dora möge ihm bei Rücksendung der Arbeit recht viel von ihr und den anderen Bekannten dort erzählen Dora kam gern seinem Wunsche nach, es machte ihr so große Freude, ihm zu schreiben, das Herz ging ihr über dabei, was sie mündlich nicht aussprechen, nicht in Worten fassen konnte, das floß ihr von selber in die Feder Ihre Briefe voll inniger Wärme und tief poetischer Empfindung regten auch ihn zu ausführlicheren Antworten an; sie erwähnte dies und jenes aus seinen Arbeiten und er freute sich über die echte, aufrichtige Begeistenng d# bahnhofes hierselbst erfolgen wird, ist noch zweifelhaft, da erhebliche technische Bedenken gegen dieses Projekt geltend gemacht werden. Bingen, 16. Juli. Es bestätigt sich nicht, daß die bei Trechtlinghausen gelandete Leiche diejenige des beim Binger Unglück ums Leben gekommenen Fräuleins Adele Ritter sei. Rheine, 16. Juli. Die durch den Genuß von verdorbenem Pferdefleisch zahlreich, zum Teil schwer erkrankten Personen sollen sich auf dem Wege der Besserung befinden. Elberfeld, 16. Juli. Gestern mittag fand auf der„Wilhelmshöhe“ eine stark besuchte Volksversammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Molkenbuhr über die Thätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion berichtete. Er beschränkte den Bericht in der Hauptsache auf die Rechtfertigung der Ablehnung der Flottenvorlage. Die ganze Rede Molkenbuhrs stellte sich als eine Verteidigung der Blutthaten in China dar. Fur ihn war zwischen dem Aufruhr in China und dem deutschen Befreiungskriege kein wesentlicher Unterschied. Dem unwissenden Sozialdemokraten stehen die chinesische und die deutsche Rasse auf völlig gleicher Stufe. So fand er denn auch für die Ermordung des Gesandten, Frhr. von Ketteler, eine Entschuldigung in dem Rastatter Gesandtenmord. Die blutige Revolution in China hält derselbe Sozialdemokrat heuchlerisch für eine„verständliche Auflehnung" gegen die Fremdherrschaft, der niemals bisher für die Thaten des deutschen Befreiungskrieges wie für nationale Erhebungen überhaupt irgendwelches Verständnis hatte. Die Versammlung schluckte seine Roheiten geduldig hinunter. Als zweiter Punkt stand die Verweigerung der Stadthalle der sozialdemokratischen Partei gegenüber auf der Tagesordnung Redakteur Gewehr von der„Freien Presse“ wies darauf hin, daß am nächsten Dienstag in der Stadtverordneten=Versammlung ein freisinniger Antrag zur Beratung komme des Inhalts, daß der Beschluß vom 26. Juni, der den Sozialdemokraten die Benutzung der Stadthalle verweigert, aufgehoben werde. Redner erklärte, es sei die Absicht der Stadtverwaltung kund geworden, die Stadthalle den Sozialdemokraten für Festlichkeiten, nicht aber für politische Versammlungen zu überlassen; damit aber sei die Partei nicht zufrieden Die Versammlung stimmte dann einer Entschließung zu, in der viel hochtrabende Redensarten von„Faustschlag ins Gesicht der Gerechtigkeit, Gleichberechtigung vor dem Gesetz" 2c. vorkamen. Die Sozialdemokraten werden nicht ruhen, als bis sie auch von der Elberfelder Stadthalle aus solche vaterlandslose Ungereimtheiten wie obige Chinesenresolutionen der Welt verkündigen dürfen. Mit diesem Punkt hatte die Versammlung ihr Ende erreicht. Diskussion fand nicht statt. Herborn, 17. Juli Herrn Pfarrer Professor Haußen t ist die Konzession zur Errichtung und Leitung einer Forthierselbst ist die Konzession zur St#htung bildungsschule für die Zöglinge des Erziehungsvereins und die Mitglieder des Männer= und Junglingsvereins hierselbst erteilt worden. — Die Heuernte auf dem Westerwald ist in vollem Gange. Der Ertrag dürfte den vom vorigen Jahr nicht erreichen. Sauere wie trockene Wiesen und Trieschländereien liefern viel geringe Erträge. Frankfurt a. M., 16. Juli. An der Germaniastraße und gleichzeitig an der Emserstraße will die Stadt eine weitere Anzahl kleinerer Woynungen bauen Das Hochbauamt legt den oberen städtischen Behörden soeben die Baupläne und Kostenvoranschläge zur Genehmigung vor. Danach stellen sich die Baukosten einschließlich der Aufwendungen für Terrainregulierung Einfriedigung und Bepflanzung an der Germaniastraße auf M. 405 400, an der Emserstraße auf M. 246 200. Die Durchführung des Projekts stellt der Stadt weitere hundert kleine Wohnungen zur Verfügung und zwar 28 von je drei Zimmern nebst Küche sowie 72 Wohnungen zu je zwei Zimmern nebst Zubehör. Die Mietpreise sind an der Germaniastraße für eine Zweizimmerwohnung auf M. 300, für eine dreizimmerige auf M. 480, ferner an der Eiserstraße für eine Zweizimmerwohnung auf M. 320 und für eine dreizimmerige auf M. 480 festgesetzt worden. Marburg, 15. Juli. Anläßlich der gegenwärtig hier stattfindenden zweiten Berbandsausstellung der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind trägt unsere Stadt ein festliches Kleid. In den Straßen wogt eine große Menschenmenge, die sich besonders aus ländlichen Bewohnern der umtiegenden Kreise und der Darmstädtischen Lande zusammensetzt. Als Festplatz dient der gesamte Kämpfrasen. Die Viehausstellung, welche sich an der linken Seite und direkt hinter dem Festplatze befindet, weist eirca 300 Stück prächtiges Vogelsberger Höhenvieh aus den Kreisen Marburg, Biedenkopf Frankenberg, Gießen, Hallenberg, Kirchhaiu, Schotten, Siegen und Wetzlar auf. Auch die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte ist sehr reichhaltig und gul beschickt. Gestern mittag um bei Dora weckten, und die Anregung, die sie auf das junge Mädchen übten. „Dora, Dora!“ sagte der alte Postbote und drohte ihr scherzhaft mahnend mit dem Finger als er ihr zugleich einen Brief von Norwig und von Karl übergab,„hast denn nun gar noch nen vornehmen Liebsten? Dora errötete und ihr Herz pochte in freudiger Erregung, wie sie nun hastig den ersteren Brief öffnete. Wie trocken und steif kamen ihr dagegen die Zeilen ihres Jugendfreundes vor. Karl fragte warum denn ihre Briefe jetzt so kürz und selten seien.„Er weiß ja noch nicht, daß ich soviel anderes zu schreiben habe entschuldigte sich Dora und wollte den wahren Grund, obgleich sie ihn ahnte, sich selber nicht eingestehen Der Winter war still vergangen und wieder der Frühling auf die Berge gestiegen In dem kleinen freundlichen Gärtchen, das Barns Dora zu Liebe vor dem Häuschen angelegt blühten Primeln und Narzissen und die Rosen knofpten an den jungen Zweigen Lauer warmer Abendhauch wehle doch die offenen Fenster in die niedere, dämmerige Stuhe Barns saß nach seiner Gewohnheit in sich zusammengesunken im Lehnstuhl, seine Frau hatte für die Feierstunde den Strickstrumpf zur Hand genommen und Dora ging unruhig aus und ein Sie hatte schon am Nachmittag die sonntägliche großgeblümte Decke über den Tisch gebreitet und einen hubschen Strauß von duftigen Frühlingsblüten darauf gesetzt Ihre Mutter ahnte wohl, weshalb, hatte ihr doch am Mittag Frau Herming erzählt, der Herr Norwig sei angekommen und werde wohl wieder eine Zeit lang hier im Dorfe bleiben. Dora hatte ihn wohl schon den ganzen Nachmittag erwartet und schien jetzt verstimmt und enttauscht über sein Fernbleiben. Doch noch immer horchte sie auf bei jedem Geräusch, das draußen laut wurde. Rasche Schritte näherten sich Auf dem Kiesweg unter den Fenstern her kam ein Herr in grauem Hut und gleichfarbigem Anzug Dora setzte die Tassen, die sie in der Hand trug, klirrend hin. „Da ist er“ sagte der Vater und die Mutter erhob sich langsam unbehilflich, und öffnete die Thür gerade, als der Fremde über die Hausschwelle schritt und in den dunklen Küchenflur trat. Kommen Sie gefälligst herein!“ sagte Frau Barns, die Stubenthür weit aufmachend. „Guten Abend Guten Abend, Vater Barns! Gott gruß Euch! Und da ist ja auch die Dora! Aber warum nennt Ihr mich auf einmal„Sie und seid sogar nicht überrascht, daß ich schou heute da bin“ rief eine frische, srohe Stimme, deren letzten Worten man die Verwunderung aumerkte 12 Uhr traf der Oberpräsident und der Regierungspräsident auf den Festplatze ein. Kurz darauf wurde auch das Fest offiziell durch den Landrat von Negelein=Marburg eröffnet. Um 5 Uhr sand Festhalle ein Diner statt. Heute morgen tagt unter dem Vorsitze des Landrats von Heimburg=Biedenkopf in der Feschalle die sammlung der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind. Es wurde im allgemeinen konstatiert, daß die Zucht des Vogelsberger Rindviehschlages sich sehr gehoben und verbessert habe; überall seien Fortschritte zu verzeichnen, das beweise am besten die Ausstellung. Die nächste Generalversammlung soll in Biedenkopf gelegentlich eines landwirtschaftlichen Kreisfestes abgehalten werden, als Ort der nächsten Verbandsausstellung dürste wohl doch eine größere Stadt im Großherzogtum Hessen=Darmstadt gewählt werden. An den Grafen zu Solms=Laubach wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt. Vermischtes. München, 16. Juli. Der Geisterspuk in der Au stand am Mittwoch vor dem Amtsgericht zur Verhandlung. Angeklagt des groben Unfugs war die Urheberin des Spukes, das am 22. August 1885 geborene Nähmädchen Marie Pichler von München, das vom 8. bis 13. Mai in der Wohnung des Zitherlehrers Fahrnholz durch Werfen von Kohlenstückchen einen„Geisterspuk" inszenierte. Das Amtsgericht hat das Mädchen freigesprochen Es ergab sich, daß das Mädchen erst durch den Schreck anderer über ein zufälliges Geräusch auf die Idee gekommen ist, diesen Schreck zu nähren. Amtsanwalt und Gericht nahmen an, daß sich das Mädchen einer Strafbarkeit bewußt gewesen sei. Es erfolgte Freisprechung Das Gericht ließ unschwer durchblicken, daß die Erschreckten die Lächerlichen seien. Die Dienstfrau des Mädchens meinte, als sie kleine Kohlenstückchen ans Fenster fallen hörte, ihre jüngst verstorbene Großmutter könnte einmal Steinkohlen gestohlen haben und gehe nun um indem sie Kohlenstückchen herumwerfe. Konstatiert wurde, daß der Pfarrer gegen den Spuk zu Hilfe gerufen wurde. Als er kam siel das Bild der Großmutter zum allgemeinen Entsetzen von der Wand. Auch der katholische Pfarrer meinte, daß es nicht ganz geheuer sei und besprengte die Wohnung mit Weihwasser Recht charakteristisch ist, schreibt die„Franks. Zig.“, daß das Mädchen erklärte, das Fürchtigmachen habe es, nachdem die Sache einmal in Fluß gekommen war, so sehr gefreut, weil die Leute gar so dumm waren. Lübeck, 16. Juli. Eine abenteuerliche Seefahrt hat ein Mann mit drei Kindern gemacht, die mit dem Dampfer Soithiod hier eintrafen. Die Familie entstammt der Insel Fehmarn und führte eine Ziege und ein Segelboot bei sich. Am Mittwoch voriger Woche war der Mann namens Westphal aus Burgstaaken nebst einem kleinen Sohn und zwei kleinen Töchtern mit einem Segelbost ausgefahren, um Verwandten in Hollenhusen eine Ziege zu überbringen Als Westphal eine Zeitlang gefahren war, überraschte ihn dichter Nebel. Das Boot trieb nun zwei Tage auf See umher. Hunger und Durst plagte die Insassen, die einzige Nahrung bot die Milch der Ziege. Das Boot war ziemlich voll Wasser geschlagen, die Schiffbrüchigen dem Verzweifeln nahe. Da nahte der schwedische Schoner Laura aus Oskarshamn, der von Lübeck nach Schweden unterwegs war. Er nahm die Hilflosen samt dem Boot und der Ziege an Bord und brachte sie nach dem nächsten schwedischen Hafen, von wo aus man zuerst Nachricht in die Heimat sandte. Dann wurde die Reise nach Calmar angetreten, wo Kapitän Blomberg vom Dampfer Soithiod die Gesellschaft an Bord nahm und sie kostenlos nach Lübeck überführte. Heute mittag haben die Schiffbrüchigen die Reise nach Burgstaaken angetreien. 15. Juli. Die Strecke Lengerich=Ibbenbüren der Teutoburger Wald=Eisenbahn wird bereits im September d. J. eröffnet werden. Osnabrück, 15. Juli. Dem Pastor Weingart hat Blättermeldungen zufolge die Witwe des Herzogs Ernst von Sachsen=Koburg= Gotha, Alexandrine, eine 80 jährige Dame, ein großes Bild ihres verstorbenen Gemahls mit einem Schreiben übersandt, welches in herzlichen Worten gehalten ist. Weingart stammt aus dem Gotha'schen der verstorbene Herzog leinte den damaligen Studiosus kennen und war ihm auch in seiner Karriere behilflich. Stettin, 15. Juli. Das Urteil im Prozeß Arnim und Genossen lautet gegen Direktor Thym auf sechs Monate Ge Wirtschaftlicher Wochenbericht. Die Krisis an der Börse dauert weiter an Wohl war es durch Interventionskäufe seitehs der grossen Banken hier und in London gelungen, dem rapiden Kurssturz während der letzten Woche einen vorübergehenden Einhalt zu gebieten und etwas Ruhe in den panikartig erregten Verkehr am Effektenmarkt zu bringen, die Bemühungen bedeuteten aber nicht mehr und nicht weniger als ein Notverband für die Heilung einer schweren Wunde Der Anfang der Woche brachte einige Kursaufbesserungen. die jedoch gegenüber dem seit Mitte April erfolgten Kurssturz kaum in Betracht gezogen werden können. Und auch diese leichte Erholung wurde fast wieder völlig verwischt, als neue ungünstige Nachrichten aus Shina, Südafrika, vor allem aber bedenkliche Meldungen vom inländischen wie ausländischen Eisenmarkte eintrafen. Die Börse vom letzten Preitag verlief in ausgesprochen flauer Haltung, selbst der günstigere Reichsbankausweis und die Herabsetzung des Reichsbankdiskontos vermochte nicht der abwartsgehenden Kursbewegung nachhaltig entgegenzutreten Der Boden des Effektenmarktes ist unterminiert und zwar durch die voraufgegangene Ueberspekulation und Ueberbewertung der meisten industriellen Papiere in erster Linie der Montanaktien Die wenig erfreullichen Nachrichten aus Shina, der neuerlichen Meldungen über Schlappen der englischen Truppen in Südafrika haben wohl das äusserliche Signalzu den hastig drängenden Verkäufen, vornehmlich in Hlütten- und Kohlenwerten gegeben, aber die Ursache für die Entwertung der verschiedenen Paßiere#t in ihnen nicht zu stichen Diese legt Wie schon angedeutet, weiter zurück; sie ist fast ausschliesslich in der Ueberspannung der Bedeutung der Hochkonjunkt#r in der Montanindustrie zu suchen. Der Untergrund, auf dem man das luttige Haussegebäude aufgebaut hatte, hat sich als Moorboden erwiesen, der leichte ihn überziehende Rasenboden, den man künstlich mit allerhand Blumen geschmückt hatte wankt und schwankt. Das Ende der Kata strophe ist unseres Erachtens noch nicht gekommen in absehbarer Zeit dürften denen, die sich auf diese schwankende Moordecke gewagt haben, vor deren Betreten i seit Jahren ernstlich warnten noch recht unliebsame Ueberraschungen bringen. Am besten belehrend über die Deroute am Mon tanaktienmarkt dürfte ein kurzer Ueberblick über die inzwischen eingetretenen Kursverschiebungen sein, die wir der#Deutsch. Zig entnehmen Es hotierten: Baroper Walzwern Bielefelder Maschinen Dürkopp Bismärckhune Bochumer Gusssta Bösperde Walzwers sängnis und 3000 M. Geldstrafe und gegen Direktor Uhsade auf sechs Wochen Gesängnis und 3225 M. Geldstrafe. Bei beiden wurde die Gefängnisstrafe als verbüß erachtet. Die übrigen Angeklagten, Graf v. Arnim. v. Blumenthal, Meyer und Hempel, wurden freigesprochen Prag, 15. Juli. In Rauth äscherte ein großer Brand 37 Anwesen ein, wodurch 400 Personen obdachlos wurden. Das Feuer griff auf den Nachbarort Kirez über und äscherte auch dort mehrere Häuser ein. Hamburg, 15. Juli. Im Dorfe Slate wurde durch Selbstentzündung des Heues das Schulgehöft eingeäscher!. Die Frau des Lehrers ist in den Flammen umgekommen. Wertpapierbörse. Berlin, 17. Juli. Die Börse nahm gegenüber den Vorgängen in China eine beruhigende Haltung ein. Infolgedessen konnten die wirtschaftlichen Momente heute wieder zur Geltung kommen. In erster Linie waren Kohlenaktien savorisiert, auch Eisenaktien besserten ihren Kursstand Banken wesentlich erholt ebenso Fonds Privatdiskonto 4% Anfangs waren: Kreditaktien 208,90, Diskento=Komm 175,25, Deutsche Bank 188,25, Dresdner Bank 147/75, Darmstädter Bank 132, Handelsgesellschaft 48,50, Staatsbahn 140,.50, Lombarden 25,70, Marienburger—.— Gotthard 136, Central 141,—, Schweizer Nordost 89,20, Jura=Simplon 87,20, Prince Henri 112,20, Bochumer 193.—, Dortmunder 99,20, Laura 210,20, Gelsenkirchener 189,.50, Harpener 183,10, Hibernia 205.20, 3proz. Reichsanleihe—.— Italiener 92.90, 6proz. Mexikaner— Türkenlose—.— Spanier 71,60, Northern 71.90. Berlin, 17. Juli. Weizen per gun—.— per Aug. 159.25, per Sept. 160.25 Roggen per Juli 145.50, per Aug 142.25, per Sept. 142. Hafer per Juli 132.— per Aug 129.50. Mais amerik Mixed loko, niedrigster Preis do höchster Preis 110.80, per Juni Rüböl per Juli 59.20, per Oktober Spiritus 50er 70er 50.40. Wetter: Heiß. Köln, 17. Juli.(Fruchtmarkt.) Weizen M. Roggen— Heu, altes M. 9,20,—11.50, Maschinenstrel)(Roggen=) 2.90, Richtstroh (Flegeldrusch) 3.30, Krummstreh M. 2.20 die 100 Kile. Neuß, 17. Juli.(Fruchtmarkt.) Weizen 1. Sorte M. 17.20, 2. 16.70, 3. 16.20. Roggen 1 Sorte M. 15.60, 2. 14.80, 3. 14.30. Haser 1 Sorte M. 15 2 alles die 100 Kilo. Kartoffeln M. 2.50—3.30, Hen M. 3.40 3.90, Luzernenhei M. 4.40 die 50 Kilo. Maschienstroh M. 12. Flegeldrusch M. 15.— die 500 Kito. Kleie M. 5,20 die 50 Klo. Preise unverändert. artiges Vorgehen nur billigen. Allerdings sind bisher nur vereinzelte Käufe gethätigt worden, die zuversichtliche Stimmung auf dem Kuxenmarkte ist noch nicht allgemein geworden, sonst würde dieselbe nicht gleich durch einige schlechtere Berliner Börsen in solchem Maße in Mitleidenschaft gezogen werden, wie dies in den letzten Wochen so ost geschehen und am Schlusse dieser Woche wieder in Erscheinung trat. So konnten die meisten Kohlen= und insbesondere die schweren Werte ansänglich eine ziemlich bedeutende Kurssteigerung erzielen, mußten jedoch nachher ihren Gewinn zum größten Teil wieder einbüßen. Mont Cenis und Dorstfeld notieren Mark 13.500. bezw. M. 10.500.— nachdem sie von M. 13205. auf M. 13900.—= bezw. 10.100 auf M. 10800. emporgeschnellt waren. Lothringen, die eine Avance von M. 400.— erzielt hatten, mußten dieselben volltändig wieder aufgeben. Cons. Nordfeld wurden bis M. 5550.— gehoben, gingen aber dann bis M. 5100. zurück, zu welchem Preise sie allerdings lebhaft gefragt bleiben. Sonst wurden vorübergehend Konstantin der Große König Ludwig, Goltessegen Eiberg, Siebenplaneten, Stock& Scherenberg, Borussia und Schürbank& Charlottenburg gehandelt, deren Kurse durch die Nachfrage mehr oder minder gehoben wurden, die aber zumeist aus dem Niveau der Vorwoche schließen. Der Kalimarkt entbehrte jeder besonderen Anregung. Trotzdem auch hier die Kurse billig genannt werden können, so ist das Privatpublikum doch durch die vielfachen Enttäuschungen in dieser Industrie ehr zurückhaltend geworden. Die Ausbeute gebenden Werte wurden vereinzelt zu etwas höheren Kursen aus dem Markt genommen, wie Glückauf Sondershausen und Hedwigsburg. Fast alle anderen Kuxen mußten sich weitere Rückgänge gefallen lassen insbesondere Wintershall, Hohenzöllern, Kaiseroda, Schlüssel und Bernhardshall. Der Erzkuxenmarkt, auf dem lange Wochen vollständige Geschäftslosigkeit geherrscht hatte scheint sich etwas beleben zu wollen, wenigstens verkehrten einige Kuxe zu etwas erhöhten Kursen Wildberg wurden zu einem um M. 500. höheren Preise gefragt Callerstollen hielten ihre Geldnotz#nf M. 2500. während in Peterszeche und Kuhlenberger Zug Umsätze zu vorwöchentlichen Kursen zu Stande kamen. Die hauptsächlich gehandelten Werte notierten am Schlusse der oche: etwa 200 Stück. Nächster Markt: Biehmärkte. 17. Juli.(Schweinemarkt. Znrifft Preise 2.50 M. die Alterswoche Handel flott. Dienstag, 24. Juli. 16. Juli.(Behmarkt) Austrieb 417 Stück Stück Faselschweine und Ferkel. Handel ziemlich lebhaft 6=Wochenserkel Mark 12—16, 10=Wochenferke M. 20 25, halbjährige Schweine M. 35 40 das Stück. Mochenbericht der der Märkischen Bank, Bochun(Iieieniederigung Herne Wanne, Witten üder Kohlen=, Kali= und 0 Bochum. 16. Juli 1900. Im Anfang unserer heutigen Berichtswoche machle sich eine zuversichtliche Stimmung geltend, die sich von Tag zu Tag befestigen konnte. Festere Berliner Börsen sowie die Erwägung daß manche Werte des Kuxenmarktes zu dem jetzigen reduzierten Preise wohl zur Kapitalanlage geeignet sind, gaben hierzu den Anlaß. fanden manche Käuse von Privaten statt, besonders in solchen Werten, die eine gute Verzinsung gewähren und bei etwas andauernder fester Stimmung die größte Aussicht auf Kurssteigerung haben. In Anbetracht, daß sper. die Lage des Kohlenmarktes bisher eine durchaus gesunde ist und zu erwarten steht, daß dieselbe aller Voraussicht nach noch weiter günstig bleiben wird, kann man ein der Concordia Bergwerk Konsolidation Donnersmarekhütte Dortmunder Union Düsseldorfer Eisenhütte Eschweile Bergwerk Eschweiler Eisen Friedrich Wilhelmhütte. Geisweider Eisenwerk Gelsenkirchener Gussstahlwerk Hannover Maschinen Egestorff Harpener Hasper Eisen libernia Hochdahl Bergwerk Hörder Bergwerk Hlösch Eisenwerk Kattowitze Bersbaugesellschaft Kirchner Maschinen Kölner Bergwerksverein.. König Wilhelm Bergwerk... Königsborn Bergwerk.. Laurahütte Massen Bergwerk Mathildenhune Menden und Schwerte Nordstern Steinkohlenbergwerk Phönis Bergwert.. Rheinische Bergbau u. Hütteng Rombacher- Hlütten Schlesische Zinhittenges Westfallsche Drahtindustrie Westfälische Stahlwerke. Wittener Qussstahlerke Inzwischen ist allerdings Wiede holuns eingetreten, aber sie kann angesichts einer solchen Devastation kaum in Betracht gezegen werden Dass Bankaktien, Eisenbahnwerte sonstige Industriewerte und Rententitres mit in den Strudel hinabgezogen wurden, kann nicht auffällig erscheinen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Abwärtsbewegung der Kurse noch nicht zu Ende und ebenso wahrscheinlich hat#die vielgerühmte Hochkonsunktür in Eisen und Kohle ihren Höchstp#nt schon seit geraumer Zeit übetschritten. Die Gefahr einer Konkurrenz Nordamerikas auf dem deutschen Eisenmarkt scheint eher grösser, als kleiner werden zu wollen, das Angebot von ausländischem Roheisen zeigt auf einmal grosses Entgegenkommen in der Preisnermierung Wie verlautet sell in der letzten Woche ausländisches Roheisen um 10 bis 15 M für die Tenne billige angeboten worden sein Mit Spannung sicht man in Interessentenkreisen der Entwickelung der Dinge in der amerikanischen Eisenindustrie entgegen Setzt Nordamerika seine Produktion im gleichen Masse wie bisher fort 8e ist es fast unausbleiblich, dass der enseits des Ozeans nicht unterzubringende Teil der Erzeugung einen Abfluss nach dem Auslande sucht und speziell der deutschen Hütteninduistrie eine schwere Konkurrenz bereitet. Wie skruppellos die Amerikaner in einem solchen-Wettkampfs vorzugehen pflegen das hat das Verhalten der Standard Oll Company dargethan Kohlen Nachfrage Alte Haase Blankenburg Vorussia Konftantin der Große Dahlhauser Tiefbau Dorstfeld Friedrich der Große Gottessegen Graf Schwerin Helene u. Amalie Johann Deimelsberg König Ludwig Lothringen Mont Cenis Cons. Nordfeld Schürbank Charlottenburg Trappe Tremonia Vorwärts 900 2150 14600 1950 10500 4900 7900 3775 10100 12000 13500 5150 1675 2775 3775 2060 Angebot 950 2850 2200 14850 2025 10650 9200 4950 8600 18100 3850 10300 12200 13650 5200 125 3850 2200 ali Beienrode Bernhardshall Karlsfund Einigkeit Glückauf Sondershausen Hansa Hedwigsburg Hohenfels Hohenzollern JustusI Kaiseroda Schlüssel Wallmont Erze. Bautenberg Callerstollen Henriette Kuhlenberger Zug Markircher Neue Hoffnung Pascha Peterszeche Titus II Viktoria Littfeld Wildberg Wichelm II. Nachfrage Angebot 7000 1800 5500 6825 9600 725 7250 2450 2500 1600 1950 750 1700 2500 1550 975 3200 1000 2200 10200 1150 7100 1875 5600 6900 1900 9700 75 350 2560 85 2550 1700 2000 860 1750 2600 1000 3500 1025 3250 1050 1200 In Betracht gezogen wurden ferner gerüchtweise Mitteilungen, nach denen inländisches Roheisen unter dem Syndikatspreise unter der Hand offeriert worden sei und dass Krupp demnächst mit Arbeiterentlassungen vorgehen wolle. Die Bestätigung dieser Nachrichten, speziell der letzteren, bleibt ja abzuwarten, aber schon ihre beharrliche Wiederkehr lässt vermuten, dass die betreffenden Gerüchte nicht gänzlich aus der Luft gegriffen sind. jedenfalls ist der Ausblick in die Zukünft der heimischen Eisen- und Kohlenindustrie nicht gerade rosig. Die Bemerkungen eines hiesigen Börsenblattes, des#Klein Journ zu dieser Thatsache sind, als von solcher Seite gefallen, zu charakteristisch, als dass wir sie hier nicht wiedergeben sollten. Das genannte Blatt schreibt u. a.: Aus der Prosperität unserer Hütten und Gruben wollte man eine Hochkemjunktür ohne gleichen für unser grosses deutsches Wirtschaftsgebiet herauskonstruieren, wobei man übersah, dass unsere bedeutende Textilindustrie, dass unsere nicht minder gewaltige Landwirtschaft und viele andere Erwerbszweige nichts von der augenblicktichen BlütePeriode merkten. Wir empfehlen denen, die heitte in startem Schrecken auf die Devastation an der Börse blicken sich einmal die Handelstatistik der eurobäischen Staaten näheranzuschen Das Unglanb. liche wird glaublich, wenn„Mernmassig der Nacht eis ver uns liegt, dass der deutsche Handel bei wenem nicht die prozentuale Steigerung des englischen, amerikanischen i selbst des Kanzösischen Handels aufweist. Eine Schein- Konunkinn, die sich ausschliesslich auf dem guten Er#age eine einzgen Industhe aufbaut, mussin dem Momente klägich zusammenbrechen, wo dieser Industrie an igend einem Erdenwinße ein gefähtlicher Konkuent entsteht. Scweit die Aeusserungen des dle sich mit unseren, bereits ver#ngere Zeit zum Ausdrück Sebee Asehe e macht einen beinalle Kaglichen Eindruek wenn angescteAe 1 e blätter versuchen, die üble Situation zu verschleiern und dem gutsaubigen Pablikam imme ieder Sand in die Augen zu Stteuen Die Reichsbankterwallung hat die Herabsetzung des Bankdiskents umn#e beschlessen Dass dieser niedrige Sat- jedoch wahrseheinlich ven licht allzulanger Dauer sein witd, lassen die Erklätungen des Reichsbankprasidenten deutlich erkennen. Der Status der Banl hat sich erfreulichenweise wesentlich gekräftigt, aber im ntergrande warten in absehbarer Zeit grosse Ansprüche seitene der Industrie, der Landwirtschaft und des Hendels, sedass wir der Börse nur recht geben können, wenn sie die Diskontermassigung der Reichsbaut sch bescheiden bewertete,## Preussische Krenz- 21g. No. 100. 12. Jahrgang. Volkswirtschaftliche Beilage zur Zeitung„Das VollDonnerstag den 19. Juli 1900. Börsen-Nachrichten. Getreide. Central-Stelle der Preussischen Landwirtschafskammern Notierungsstelle, 16. Juli 1900. a) für inländ. Getreide ist in Mark per Tonne gezahlt worden: Weizen Gerste Uckermark 152—157 Mittelmark, Prignitz 150 155 Neumark 145—156 Lausitz 152-156 Magdeburg 145—154 Altmark 148 156 Merschurg östl. 141—151 de westl d. Mulde 140—155 Erfürt Stettin(Bez.) Stolp(Piatz Anlam(Platz) Greifswald(Platz) Danzig Thorn Elbing Tilsit Insterburg Allenstein Breslau Striegan Namslau Brieg Strehlen Posen Bromberg Bomst kempen. Lissa Grätz Filehne Kiel Oldenburg Flensburg Kasse 140 157 160 160 Roggen 152—155 144 148 140—146 147—155 15016 145—156 45 159 147—155 146—165 142 147 144—150 Gerste 130—140 140—145 135—150 135 140 142 155 134—145 6—150 140—145 140—160 130—144 Hafer 143150 140 160 134—155 145—160 147—160 140—147 140 160 150—158 135—160 139—150 144—150 Statlt Berlin Stettin(Stadt) Königsberg i. Pr. Breslau Pösen Neuss Hannover Mannheim Hamburg b) Nach privater Ermittelung: 755GrpL. 712 GrpL 573 Gr. p.L. 450 Cr. p.L. 158 158 153 155 152 163 172 176 158 150 146 138 150 142 164 156 154½ 155 132 144 153 141 137 150 143 148 c Weltmarkt auf Grund heutiger Depeschen per To. inel. Fracht, Zell u. Spesen, aber ausschlieslich der Qualitäts-Unterschiede 16.7 Loko 185 3/8 Cents= M. 178,00 Juli 76 5/8 Cents=„ 174,75 Sept.16 sh 2% d.—18125 Loko 190 Kop. 475.25 Juli Nov. Loko Von Neu-Vork n. Berlin Weizen Chicago„ Liverpool„„ (desse„ We 0 In Paris Amsterdam n. Köln Neu-Vorkn Berlin Roggen Odersn„„ 0 Rig„ Amsterdam n. Köln Okt 6% 6 sh 2⅝ d. 90 Kop. 94 Kop. Feiertag 194 hl. fl. 64¼ Cents 74 Kop. 75 Kop. 131 hl fl. 175.50 152.50 154,00 150.00 14./7. 180.25 178.00 183.00 74.00 173,50 175.50 155.25 5525 150/00 „1445014450 Berlin, 14. Juli.(Marktpreise nach Ermittelungen des Königl. Polizei-Präsidiums. Höchste und niedrigste Preise.) Per 1 dz für: Weizen oggen 15,00 tergerste 15,20, 14,80.— Hafer, gute Sorte, 16,50, 15.50, Mittelsorte 15,40, 14.50, geringe Sorte 14,30, 13,30.— Richtstroh 6/16, 5/32.— Hieu 770, 5.50.— Erbsen, gelbe zum Kochen 4000 25,00.— Speisebohnen, weisse 45,00, 25,00.— Einsen 70,00, 30,00.— Kartoffeln(neue) 14,00, 6,06.— Per. 1 kg: Rindfleisch von der Keule 1,60, 1.20, do. Bauchfleisch 1.20, 1.00.— Schweinefleisch 1,60, 1.10.— Kalbfleisch 1,60, 190.— Hammelfleisch 1,60, 110.— Butter 2.60, 580.— Eier 60 St. 3,60, 2.20.— Per 1 kg: Karpfen 0,00, 0.00, Aale 2,80, 1.40. — Zander 2,60, 120,— Hechte 2,40, 1.20,— Barsche 1,80, 0/80.— Schleie 2,40 1/20.— Bleie 1.40, 0/80.— Krebse. 60 Stück 20,00, 2.50. Hamburg, 14 Juli.(H. B.-H. Weizen ruhig, Mecklenburger 128—130 Pfd. und Ost-Holsteiner 128130 Pfd. M. 159 162, Niederelber 128 130 Pfd. 159 162, unverzollt ex Schiff loko und schwimmend: Kansas II M. 136 bis 137, Northernspring I 140 145, Australier 140-145, La Plata 135 144, Northernspring 11 Duluth 135—145 WallaWalla 135 145 per 10 dz.— Roggen ruhig. Holsteiner 122—125 Pfd. M. 160 162, Mecklenb. 123—128 Pfd. 164 bis 168, feine Sorten über Notiz, unverzollt ex Schiff: Süd-Russ., Donau und Amerikanischer 112—110 per 10 dz.— Gerste Futterware fest. Holsteiner u. Mecklenburger Mk. 140—150, Westpr., Oderbruch und Schles. 140 155, Saale 150 bis 190, unverzollt ex Schiff: Süd-Russ. M. 114—115, Donau, Bulgar u. Rumán. 115116, feine Sorten über Notiz, neue Böhm., Mähr. u. Ungar. 140—180. Alles per 10 dz.— Hafer fest. Amerik. u. Kanada M. 128130, Russischer 135—148, Holsteiner 144—154, Mecklenburger 144-154, feine Sorten über Nottz. Mais fest, unverzoilt ex Schiff: Amerik, mixed. M. 96.00-97,00 Cinquantin 122, Odessa 110-115, La Plata 110—115. Buchweizen ruh. Amerik. Prima State und Russ. M. 134 145, verzollt Holsteiner 150—160. Oelsaaten und Fettwaren. Breslau, 14 Juli. Oelsaaten. Schlagleinsaat fest, M. 26.50 bis 27.50, feinste darüber. Leindetter schwer verkäuflich 16.00 18.00-19.50. Hanfsaat ruhig. 19,00-20.00. Kleesamen ohne Umsatz, roter 20—30—50-00 55, hochfein darüber, weisser 20—30—50 60, feinster darüber. Dresden, 14. Juli. Rüböl raff. mit Fass M. 65.00. Rapskuchen, pro 1 dz. lange M. 12.50, runde 12.00. Leinkuchen I. 18,00 Hl. 17.00. Leipzig, 14. Juli. J. G. Stichel.) Rüböl geschäftslos; per 1 dz M. 60,00 B. Neuss, 14. Juli. Rüböl M. 62,00, do. fassweise 63,50, gereinigtes Oel 65,.00 per1 dz. Hamburg, 14. Juli. Rüböl ruhig, loko 48. Spiritus. Stettin, 14 Juli. Spiritus loko 42.50 bez. Prag, 13. Juli. Ruhig. Prompte Ware knapp bei unveränderten Preisen Triplo 113. Wien, 14. Juli. Die Preise haben sich heute befestigt, ohne dass ein Geschäft zu Stande kam. Prompter KontingentSpiritus notirte K. 44,30 G., 4470 B., mithin um 30 H. höher als am Schlusse der Vorwoche. Die andauernde Geschäftslosigkeit ist eine Folge der Abwesenheit des grössten Teiles der Interessenten. Dieselben haben, was Raffineure betrifft, für ihren Bedarf vorgesorgt, was Spekulanten anbelangt, ihre Engagements abgewickelt. Der Bedarf ist schleppend. Die Zufuhren stecken. Zucker. Magdeburg, 16. Juli. Kornzucker exkl. 88 pCt. Rendement Nachprodukt.„ 75 pCt. Rendement Gem. Raffinade mit Fass Gem. Melis mit Fass 15. Juli. Fest. 85 285 Stetig 14. Juli. 10.10—1035 Fest, ohne Ang. 885 97/35 Stetig Rohzucker I. Produkt Fransito f. a. B. Hamburg per per Juli 10.21 bz., 11 22½ B. per Aug. 11.25 bz. 11 27½ B. per Sept. 9/05 bz., 997½ B., per Okt.-Dez. 957½ G. 9.62½ B., Januar-Mär 9.70 bz., 9/72½ B. Stetig. Provisionen. Hamburg.(H. B.t. Schmalz Amerkk Steam M. 35.50, do. in Tierces Marke Armours Special 360.50, do. de. Shamberlain, Roe u Co 36.50, do. de. Choice Grocer) 36.25, div. Marken 36.00 30.25, alles per 50 kg Nette transito. In Firkins zu 50 kg 50 Pf. teurer. In Eimern zu 12½ k M. 1.50 teurer als Tierces Hamburger in Dritteitonnen: Marke Radbruch 45,00, de. Stern de Kreuz 43.00, d0 Schaub 40.50, alles per 50 kg, Nette verzolll. Pure Lard Kingan 36.75 für. Tierces per Netto-Cent, unverzollt. Cheice Grocery Lard der North Packing u. Provision Campan in Boston für Tierces loco 37.50, Hallbarrels zu 50 kg Netto loco 38,00, Buckets zu 25 kg do 39.00, Pails zu 12% kg de. 39,50 Pails zu 10 kg do. 40,00, alles unverzollt. New-Vork, 14 Juli. Schmalz Western steam 7,20, doRohe& Brothers 7.45. Chikago, 14. Juli. Schmalz per Juli 7.07(6,92½), per Inli 7.07(6,92½), Speck short clear 7,50(7.50), Pork per Mai 11.65(12.07½). Kartoffein und Kartoffelfabrikate. Breslau, 14. Juli. Speisekartoffeln pr. 2 Ltr. 10-12 Pfg. pr. 50 kg M. 1.60 2.00. Stärke fest. Kartoffelmehl pr. 1 dz inkl. Sack 19.75 Kartoffelstärke 19.00. Preise bei 100 dz. Nordhausen, 14. Juli. Kartoffeln Mk. 3.50—4,50 für 1 dz. Süesaaten. Breslau, 14. Juli. Lupinen fest, gelbe 975—10.25, blaue 8.00 bis 8.50, feinste über Notiz. Wicken gefragter 12,00 bis 13,00, feinste darüber. Hamburg.(H. B.-H.) Kleesaat per 50 kg. Brutte, weiss fest, gering und mittel M. 20 40, fein und hochfein 50 bis 60; rot fest, ungar. 60—65, russisch. 60-70, amerik. 43 bis 50; Alsike fest, gering und mittel 24—52, fein und hochfein 60 72, Tymothee fest, amerik 19 22, deutsche 23.00 bis 29.00. Wicken, inländische, kleine 145—160, do. grosse 160—175 Rapssaat, fehlt. Leinsaat. La Plata auf Abladung uni-Juli 278—283. Hanfsaat Russ. und Gallz. 225—245. Lupinen, gelbe 125—135. Toledo, 14. Juli. Rothklee stetig,(Bushel) 1oco 5,90, Okt 5,22½ Vor. Cours 5,00resp 5.10. Baumwolle. New-York, 14. Juli. Baumwolle Neu-Vork 10, do. für Lieferung August 9.12, do. für Lieferung Oktober 8,33, do. do. New-Orleans 10 8/16. Liverpool, 16. Juli.(Anfang.) Baumwolle. Mutmasslicher Umsatz 6000 B. Tendenz: willig. Tagesimport — B Kolonialwaren und Landesprodukte. Hamburg, 16. Juli. Kaffee. Good average Santos per September 43 per Dez. 44½ per März 45, per Mai 45½ Alles Geldpreise Petrelenm. New-Vork, 13 Juli. Petroleum Stand white in NewVork 7.85, do. do. in Philadelpbia 7,80, do. Refined(in Kases) 9,15 do. Credit Balances at Oil City 125. Metalle und Mineralien. Glasgew, 16 Juli. Roheisen. Mixed numbers warrants 67 sh. 10½ d. Ruhiger. New-Vork, 14. Juli. Zinn 32.00, Kupfer 16.25—16.50. Rer liner-Börse vom 16. Juli 1900. Bank-Dise. 5 Lombard 6 Geldsorten Emrechnungs- Sätze. Frand 480 österr.- Geld-Galden— 200 M. 1 Gule. österr. W 170N 1Gald.Rolländ.W=170N. 166ldabe- 320 M. 1 Dollar= 420 M 1 Liire Sten 2040 M. 1Rabe Beutsche Anleihen Deur Reichs-A. Preuss. Cons Ans ** Staats-Schuld-Seh Stadt-Anl Berliner 76=92.— Blelefelder Gasseler Dertmunder Belssaldonfen Dnisbarger Elberfeider Halberstädter 97. Hallesche 88 Hann. Frov.- Oblig Stadt-Anl. Biüdesheimen Kölner M 95.003 95=208 86.30 95.00 95.395 86.708 92.500 98•99 88.506 Ausländische Anleihen Deuz-Ost-Au.E.-Or. 1106 90 Anhall-Dessau un-nann 1-13. 15 . 18 ank. 1900 19 1910 20 Dt Gn Cr.Pr. Pfdbr.Pfandbr. Di Grundseh.-Obl. Dr. Hyp. B.-Pfdbr. Hamb. H. Pfdbr. alls Hannöv. Bodencrdt Mecklbg. Hyp.-Pfdb Str. H. B. Pl. Meininger Hyp.-Pf. Präm.-Pf. Mitteld, Bdnered-Pf. Nordd. Grd.-Ored. 3 Pomm. Hyp.-Br. 11 12 Hyp.-Br 99.35 99.90 96.00 98.60 99.90 89.756 91009 113•40 08003 98.805 98.800 S 98.50 98.75 91.25 95.006 91.506 99.50 91.25 92.60 1291256 92.50 99.259 93.408 91.809 98.00 99.75 9125 Er B-C.PId. Pr. Ctr.- B P 1899 Soi Pr### Pr. Pfbr- B #b. Hyp.P B.-Wsil B Sächstsche Schl Boden Schwb. HyoTeitVostd. B.-O 14.90 98.90 443 9000 22.00 5 9925 91.080 9950 98.40 94.50 98.65 82.80 99.40 99.95 Jeuisch. Eisp0-S6. Deutsche Eisenb.Nach.-Ma#men Aid-Colba Srölchafer ##tin-Lübeck st-Bburs 30.00 10 192=30 85.00 5 725 50 738 88.50 Deutsch.Eis.-St.-Pr A#d.-Colberg Bre.-Warsch. Serim. G. Ensch Marlenb. Mlaw Südbahn SC Strassenb.-Actien. Locu.Strb. Barmen-Alber Uhr.- Pferd Boch.Geis.-Strb. Braunschweiger Bresl Mlects Electr. Hochb. Gr. Berl. Strb. Hamb. Str.-B. Sichtüner 132.80 127.59 169.90 210.256 142.50 128.506 147,30 179.753 112=90 299.10 164•10 165.75 128•00 Ausl. Eisnb. Werthe Oest.-Ung. St. Südöst.(Lomb. Warsch.-Wien Sanad Pacifie Gotthardbahn Ital. Merid. Mittelmeer Jura-Simplon Lax. Pr. Henry Northern Pachie Schw. Central Nordost Union 140,406 28.60 86.50 136.006 89.50 87.10 4 45 141=25 89.45 d.-Gelberg Bergisch-Mär Braunschweig Landesb Dortm.Gr. Basel Halb.-Blkenbe s 3 ½ usl. Eisenb. 9b. Kasch.-Oderb. 6 Kronpe Rur Oest.-Ung. Stb. ##döst- Cemb. ang--Derlbe Koclow- Woren Fursk-Klen osch-Kursk osen-Ritsan Mos-Smol B##san- Koston Beblass Cente-Pac. Nortb. Pac. 4% % Instollsche 1 fotthardbahn ##ienische ste de Min Portaglestsche 8 Südtialienische 85.90 87•106 192=50 95.30 95.60 96.79 99.30 95.30 95.89 93560 65.10 96.69 94.50 94.90 7168 5050 5190 8 5/80 Futtermittel. Danzig, 14. Juli.(H. v. Morsteln.) Weizenkleie feine 3.85 per 50 kg gehandelt. Roggenkleie 4,30, per 50 kg. gehandelt. Nerdhausen, 14. Juli. Heu M. 5,00 5.50, Richtstroh 2.50—3.00 für 1 dz. Magdeburg, 14. Juli Richtstroh 4,00 4.50, Krummstroh 2.50 3.50, Heu 6,00####00 Alles für 1 dz. Hamburg, 14 Jul. l. B.-H.) Weizenkleie fest. Gute gesunde lcko M. 0.20-9.40, gute gesunde grobe 9.40 bis 9.80, feine-leko 9.20 bis 10.00 per 100 kg. Netto in Leihsäcken Roggenkieie fest, feine und grobe loko und auf Lieferung 940 11.00 per 100 kg. Netto in Leihsäcken Oelkuchen fest Rapskuchen 100 bis 125 per 10 dz Leinkuchen 140 150 per 10 dz. Palmkuchen Deutsche 110 per 10 dz. Cocos 120—140 per 10 dz. Erdnusskuchen 130 145 per 10 dz. Baumwollsaatkuchen 125 135 per 10 dz. Köln, 14 Jul. Hleu M. 9.20 11.50, Richtstroh(Flegeldruch 3.30, Krummstroh 2.20, Maschinenstroh(Roggen) 2.90 Bes 1 5.00 13.90 195.50 — ge, Dampfsch. Bresl schader Sines. Küsten Ham. Am. Pack Hansa, Ompfsch Katte, D. Elbsch Nordd. Lloyd Schles. Dof. Co. Stettin. Dol. Co. 193.506 20.50 191.30 2250 5375 79.75 199.90 92.756 Bank-Actien A#sch. Bk. Rbeink u. W Barmer Bank-V. Bergisch-Märk Berliner Bank Serl. Hand.-Ges. Bochumer Bank Braunschw. Bk. Credit Bresianer Disct „Nechslerk Chema. Bk.-V. Coburger Credit Comm. a. Dise. Darmstädter Bk. Deutsche Bank „ Genesssch. Dlscot-Com. Dresd. Bank Ousseldorfer Glberk. #sssner Credlt Goth.Grundcred Hamb Hyp.-Bk. Hannoversche 1289106 123.50 48.750 110.60 48.10 199.256 113=259 11.800 134.906 112=90 104.500 112.80 99.595 113.40 132•00 188.00 108.25 174.80 122.75 148.50 121=90 122.256 139/25 121•906 150.806 124.750 137=256 cin. Wechslerb V.-B Geipziger Bank Credtt Magdeb. Bak-V. Peivalh. Bk. 40 Egpothek. Str.Hn.-B Meln. IIn.-B. 70 Mitteld. Boder. Gr.-Bk. Nationalb. f. D. Nordd. Credit-A. Grunder: Seskr- Leoes ###nabritcker G. Ostdentsche Peters&am Co. Krel Pom. Ho.-Wnz4 Pr. Bodener.-Bk Gentr.-Bod. Pr. Hypeth.-Bk. Reichsbank Thein. Hyp.-Bk. Bb.-West.-Bder. Schslsche Schaaffh. B.-V. Schles Bank-V. Westdleutsch. Br Westd Bodener Westfällsch. Bk. 37.50 10170 10.75 63.50 70.5 19.75 198.50 26.00 183•90 199.956 25=69 98.75 10.90 33.76 21.00 92.00 299=10 11.50 16.00 15460 137.60 137=99 164.10 199.600 15625 116.75 133.750 130.50 143.755 20.25 109.20 115.89 ndustrie-Aetien. Brausralen Bert Uulonsbr. Bockbrauere Böhm. Brauh. Patzenhofer Pfefferberg Schöneb. Seh. Schultheiss Bochumer Dortmunder Br. Löwen „ Unlon Victorie Düsseld. Höfe Jermania. Dort. Eindenbr. Unna Lindener Aecumuter. F. Alfeld-Gronau llg. Berl. Omn. ##lg. Eloctr.-G. Aluminum-Ind Angto-Ct.-Guan Anhalt, Kohlen Aplerbek. Steink Arenberg. Bergb Baroner Walzw. Berl. Electr.-W. „ Packetfahrt Berzellus 3 Bleisfeld Bismarekhütte Boch. Bgw-Vz.-C , Gussstahl Bönifacins Braunsch. Kohl #. „ule-Ap10. Masch. 10.25 228=59 215.500 249.90 228•00 2975908 2275259 307=006 191•90 170•906 194.500 10.538 399.90 28.75 138.006 210.00 226•10 149.259 93.50 192•60 109•99 1239 167=00 197475 410/00 160.10 244.00 255.50 83.90 191.69 151.50 162•10 170.90 198.90 66•09 Bresl. Ostan Soritfab Warb-Linke „ Vorzag Butzke& Co. Met. B#ssler Polers „ Trebertrock Shem.E. Bache Joacordis Bab. Sousold. Schalk url. Bergmer Scöllw. Papier Dionenbaum Dossauer Gas Deut. Gas-lül Spiegelgis Waff. u. Man Donnersm.-/ Jortm. Unlon C A#sseld. Cham Elsbd. Wag Kamm Sanamtt Teus Salze #herl. Farben Electr. Kumme Lichta Kraf #schweller Bra sen Sraustädt. Zuck Gelsenkirchen Gussstah ##rg Marienh S.-Pr #es.f. electr. Sal ladb. Seinn lanzig. Zucker törl. Eienbhnb. Masch.cony agener Gusset all. Maschinen Hamb. Blect, W. Hann. Bau St-P " Immobilien „ Msch. St. P. HarkertBr.con St Pr Harpener Berg Hartm. Mascht Harzer St.-Act. Nasper Elsenw. Hallos, Elec. Ges Heugstenbg. M. Herbrand Wagg. Hibernia Hildebrand Mhl Hirschb. Leder Masch Höchster Fürbg. Hörderhütte 4 Hasch Eisen Hoffmann Stärk. Helmann, Wagg #e Bergw. Kallw. Aschers. Kapler Masch. Kattowitzer Kölner Bergwrk. Eloct.-Anl. „Müsen Bar König Wülh. env. „ St. Pr. Körbisdt Zuck. Lauchhsinmer 8987 Laurahütte 8 1.75 174.00 245.50 191.906 189.00 300 100.256 296.50 345.25 297=999 1050 210.80 288.50 62=99 982-80 239400 225.50 98.40 84.000 241.256 95-09 48.90 43.00 296.30 27.259 02.90 227=50 550 63.75 8290 175.50 12700 137.25 3599 123.50 98 298.9 1 142=60 98.50 1100 329109 108.003 18190 146.59 15530 288•80 385 86.90 151.00 294.00 74=90 136/906 108•00 366•80 181.506 188.50 174=90 263.00 142.50 14500 197.750 295.00 396.90 84.80 56.50 263•00 325.75 115.25 87/16 113=253 209190 360175 Saise Tlerb. 8 St.-Pr Bauban Bergger 81P Mühlen Marienh. Kolza Masch. Kappe „ S t e u b e Ber Mech. Web.LinMacheraleh Bra Magsener Wize onden& Sch Näbmasch,Koe Vordd. Wiswer Gume Jate-St. Nordstern Kob Oberschi. Ch " Bisnb. Bes n Kokswerke Perll-Gun Adenbe 1en Depeln. Cames Deenst.& Kopne Onsbr.## P##al Berz# Steinke Posener Speitl B##ensbg. Sein Redenhlltte Boaln-Nassen tel „ S t a h l w e r „ Induste „ Westl Ka Nebeck Montan Zoalte Braunk Zucke-Eb Sächs. Guss. WebsinhlSchalker Graben Schering Gb. Schlas Ssgesellsch Koblenwerke Lein Kramst Port#Cem Schuckert Elert. Schultz-Knaudt SiemensHalske Stett. Bred Port Cham. Electe Vulcan B. St-Pr. Stoewer Nähm Stolberger Ziak Strals. Spielk. Thale Eisb. St Pr. Ualon, Chem. Fb Union, Electrie. Ver. Köln-Rottw. Vietorta Fahred Vog.&a Wa Vorwärts. Spin. Valoan, Daisb. Warstela. Grab Wasserg. Gelsk. Weste Westf.Draht lad Stahlw 99.255 289.006 99.25 67.90 5 9910 50.90 3.20 50 # 1232 48 90 34.10 77.10 80 3820 00 13.10 * 48 10 8=94 090 70000 1 19.60 21275 69.00 299.50 20 28 220.006 33.50 75 0 29590 126.006 136.75 169.90 349/90 42.50 29.10 109.35 88.00 150.50 124.806 118.50 13 3/50 59.50 137.754 193.806 68•00 18 9906 19775 11.806 8958 156.50 188.75 4 125 Nr. 160. 12. Jahrgang. Sozialpolitik in der heiligen Schrift. Von O. v. S.(Stuttgart, Steinkopf.) 66 S. Pr. M. 80. Eine eigentümliche Schrift, die von einem in Schwaben nicht seltenen mystischen Chiliasmus ausgehend, auch die politischen Fragen mehr dogmatisch als ethisch behandeln will. Wir sind vielfach ganz außer Stande, dem=Verfasser zu folgen, schon weil wir manche seiner Schriftauslegungen für mindestens zweifelhaft halten. Gleich bei der Behandlung des Manna geht er uns zu weit. Den Bedingungen, unter denen das Manna gegeben wurde, legt er weissagende sozialpolitische Bedentung bei, z. B. die Gleichheit des Erwerbes, das Verbot für den nächsten Tag zu sparen, die Gleichheit des Verbrauchs. Unseres Erachtens heißt das nicht auslegen, sondern unterlegen. Die Gleichheit lag in der Natur der Wundergabe. Und die Unmöglichkeit es aufzuheben, sollte nicht antikapitalistische Bedeutung haben, sondern lediglich Israel zum Volk des Glaubens erziehen. Bei der Erwähnung des Hallund Jubeljahres legt Verfasser den Ton darauf, daß man es nicht gehalten habe. Hier gerade scheint uns aber als Lehre für die Gegenwart im Vordergrund zu stehen, was Gottes Absicht war, nicht was sündige Menschen daraus gemacht haben. Hinsichtlich des neuen Bundes geht Verfasser von der Ansicht aus, daß eigentlich die Kirche Christi eine ganz andere Entwickelung hätte nehmen müssen, als sie thatsächlich genommen hat. Das kann ja sein, kann aber auch nicht sein. Was Verfasser Seite 25 über den Widerspruch gegen den Glauben an die Wiederkunft des Herrn sagt, scheint uns Uebertreibung. Wo immer das Evangelium verkündigt wird, verkündigt man auch den Advent der Zukunft. Seite 27 und 28 erblickt Verfasser in der Sozialdemokratie den Gipfel der Macht der Finsternis und behauptet, daß noch nie in der Weltgeschichte“ eine Partei die Religion so konsequent bekämpft habe. Darüber wird man streiten können. In den Tagen der französischen Revolution ging es in dieser Hinsicht doch auch recht lebhaft zu. Seite 31 stellt der Verfasser in Aussicht, daß mit dem Siege der Sozialdemokratie die bisherige im Königtum gipfelnde Staatsverfassung,„ebenso sicher“ aber auch das Papsttum fallen werde, keineswegs aber mit diesem die katholische Kirche". Die Richtigkeit dieser Prophezeiungen ist uns ebenso zweifelhaft, wie der ganze vom Verfasser auf den folgenden Seiten vorgetragene Chiliasmus. Die katholische Kirche ohne Papsttum wäre auch nicht mehr die kathölische. Seite 38 behauptet Verfasser den Beweis geliefert zu haben, „daß von christlich=gläubiger Seite aus unsere staatlichen und gesellschaftlichen Zustände im großen und ganzen nicht mehr geändert werden können." Die Ueberzeugungskraft dieses„Beweises bestreiten wir durchaus. Die Arbeit christlicher Politiker Christi Bild auch in den Einrichtungen des Staates auszuprägen, hat noch in den letzten 10 Jahren auch im Deutschen Reiche einige Fortschritte gemacht. Wenn diese Fortschritte nicht größer waren, als sie leider sind, so liegt das zum Teil an den Feinden des Reiches Christi, zum guten Teil aber auch an solchen Pessimisten, wie der Verf, der die Arbeit(S. 38) für hoffnungslos erklärt auf Grund von Grübeleien, die man weder beweisen noch bestreiten kann. S. 39 setzt leider Verf. die Gemeinschaften und die Kirche in Gegensatz und behauptet, daß„ausgehend von diesen Vereinigungen ein Netz von christlichen Anstalten und Liebeswerken unsere Zeit durchziehe. Wir wollen die Gemeinschaften nicht im mindesten herabsetzen wir wünschten vielmehr daß sie sich über ganz Deutschland verbreiteten und überall Fuß faßten. Daß aber das große Netz der christlichen Anstalten und Liebeswerke wesentlich nur von den Gemeinschaften ausgehe, ist thatsächlich unrichtig. Die Werke der Inneren Mission blühen auch da, wo es gar keine Gemeinschaften giebt. Alles in allem Der Ertrag dieser Schrift ist für den christlichen Sozialpolitiker sehr gering. Die Pflicht zu christlicher Politik besteht nach unserer Auffassung für jeden Christen als Teil der Missionspflicht überhaupt. Denn in einem christlichen Volk sollen sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Gesetze und Einrichtungen bekehren. Gute Gesetze helfen das Reich Gottes bauen. Gewiß bietet ihre Durchsetzung große Schwierigkeiten. Aber Schwierigkeiten sind bekanntlich dazu da überwunden zu werden. Griebens Reisebücher Band 20 Salzkammergut, Tirol und Oberbayern 22 Auflage für 1900 und 1901.(Berlin, Albert Goldschmidt Pr. M. 4 Auch dieses Bändchen vereinigt in sich alle Vorzüge der früher angezeigten Griebenschen Reisebücher und kann allen Reisenden und Touristen als sicherer Führer empfohlen werden. Ueber den Eigensinn der Kinder bringt das vorzügliche Volks=Universallexikon von Dr. Dennert(27 Lieferungen a 30 Pfg folgende beachtenswerten Ausführungen„Wenn Eigenstn auch manchmal angeboren oder anerzogen# so liegt ihm doch immer das radikale angevorene Böse in der menschlichen Naturt(Kant) zu Grunde. Wenn manche den Eigenst nur als eine geistige Kinderkraukheit, nicht aber als Sünde und Folge der Erbsünde ausehen## degegen zu sagen# Er zeigt sich bei allen Kindern, wenn auch mit großen Unterschieden, 2. das eigensiunige Kind hat ein böses Gewissen. Der Eigensinn muß mit allen Mittel gebrochen werden und zwar schon in den ersten Jahren dadurch, daß dem irrenden Willen des Kindes ein fester stärkerer Wille entgegentritt Tarnm age unbedingt nein wenn das Kind etwas Verkehrtes oder Böses will! 2. Mute dem Kinde nie etwas Unnnögliches oder zu Schweres zu und versage ihm unschildige Freuden und Wunsche nicht, sage also guch nicht imer nein 3. Laß dir durch die Beharrlichteit und Willensstärte des Kindes nicht impenieren und dein Nein in ein Ja verwandeln 4. Laß dich nicht auf lange Unterhandlungen über das Warim eines Vervotes ein 5 Bitte ein eigensinniges Kind nicht um Gehorsen drohe aber nichts Unwahres und führe vor allein die Drohung auch aus! 6. Gieb nicht zu viele Gebote aber bestehe anf den wenigen Vermeide Reckereien und alles, was das Kind herausfordern und lannisch machen könnte! 8. Beuge der Langeweile des Kindes vor durch angemessene Spiele und Beschäftigungen und seiner Verdrießlichkeit durch aufgeräumtes, fröhliches Wesen 9. Beuge deinen eigenen Willen unter die gottgeordneten Antoritäten(Mütter welche die Autorität des Vaters mißachten, sind dem Eigensinn der Kinder gegenüber machtlos) 10. Bete mit eigensinnigen Kindern und für sie Pädagogische Abhandlungen Herausgegeben von Bartholomäus. Jährlich 18 Hefte Halbjährlich 2 Mk. Bielefeld A. Helmichs. Vorliegende Hefte behandeln„Inwiesern ist zu befürchten daß unsere ärmere ländliche Bevölkerung im Strudel der Gegenwart an Leib und Seele zu Grunde geht, und was ist zu thun, um dies zu verhüten?— Psychopathische Minderwertigkeit im Kindesalter.—„Der Lehrer al Apostel der den 19. Juli 1900. Mäßigkeit in Schule und Haus" Zu letzterer Abhandlung sei bemerkt, daß die Schule genug zu lernen und besonders auswendig zu lernen hat. Wie kann man nur verlangen„die zehn Gebote gegen den Branntwein lernen zu lassen. Sonst sind die Vorträge recht gediegenen Inhaltes. Ma. Dir Aenderung der Koufirmationspraxis. Referat auf der Freien kirchlich=sozialen Konferenz in Erfurt am 18—20. April 1900 von Hofprediger a. D. Stöcker. Mit Diskussion und Preßstimmen Preis 0.50 M. Verlag der Buchhandlung der Berliner Stadtmission Berlin SW. 61., Johanniterstr. 61. Generalsuperintendent Pfeiffer erklärte auf der Berliner Pastoralkouferenz vom 13. Juni die Konfirmationsreform für die wich tigste kirchliche Zeitfrage Stöckers obengenannter Erfurter Vortrag hat sie in den Mittelpunkt des Interesses gestellt Stöcker verlangt in tief bewegenden Ausführungen eine Erweiterung der Konfirmation, derzufolge Bekenntnis, Gelübde und Erstempfang des hl. Mahles erst nach einem gesetzlich festzustellenden Zeitraume durch diejenigen Eingesegneten stattfinde, die sich freiwillig dazu melden Aehnliche Reformen wurden bereits früher von Schleiermacher Wichern, Buchrucker, Theodosius Harnack gefordert, und Männer wie Prof. D. Achelis, Prof. D. Kähler und Pastor Funke haben sich mit Stöcker durchaus einverstanden erklärt; auch in der Debatte nach Stöckers Vortrag in Erfurt zeigte sich nur Zustimmung zu seinem Grundgedanken; die starkbesuchte Hauptversammlung der Freien kirchlich=sozialen Konferenz machte sich Stöckers Anschauung durch einstimmigen Beschluß zu eigen Auch mancher Widerspruch ist laut geworden, in allen Kirchenzeitungen und auf sehr vielen Konferenzen wird das Für und Wider der Konfirmationsreform ausführlich erörtert. Es ist keinem möglich, ohne eigene Lektüre von Stöckers Vortrag sich ein selbständiges Urteil zu bilden Der Vortrag hat bereits heute kirchengeschichtliche Bedeutung erlangt. Der Kampf gegen die Hafenmühlen als die Schädiger der binnenländischen Müllerei und Landwirtschaft von Theod. Leipzig, Verlag des deutschen Müllers. Preis 60 Pfg. Das vom Verfasser geschriebene Vorwort zur zweiten Ausgabe mag die beste Empfehlung sein Das vorliegende Schriftchen dessen erste Ausgabe im August 1898 erschien hat viel Beachtung gefunden und einen gewissen Einfluß auf die Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Müllerei ausgeübt. Die Schrift richtete sich hauptsächlich gegen die ungerechtfertigten Zoll Geschenke an die sogenannten ExportMühlen. Dieser eine Mißstand ist nunmehr beseitigt, da mit dem 1. Januar 1900 ein neues Zoll Regulativ für Mühlen in Kraft getreten ist, das die frühere übermäßige Vergütung ausschließt. Diese Schrift hat das Ihrige zu dieser Wandlung der Verhältnisse beigetragen. Wenn nun auch damit ein Teil der hier vorgesteckten Ziele bereits erreicht ist, s0 harren doch einige andere der hier erörterten Mißstände noch der Beseitigung und somit behält das hier Dargestellte noch immer seinen Wert. Die Nachfrage nach der vorliegenden Schrift, deren erste Ausgabe völlig vergriffen war dauert denn auch immer noch fort, weshalb diese Neu=Ausgabe mit einigen entsprechenden Ergänzungen veranstaltet wurde. Es sind dabei auch die Erörterungen über die Zoll=Vergütung in ihrem wesentlichen Teile wiedergegeben einmal deshalb, weil diese Angelegenheit einen tiefen Einblick in mancherlei Verhältnisse gewährt außerdem aber weil viele Müller bis heute ohne aue Kenutnis von diesen Thatsachen und Vorgängen geblieben sind; denn diese Augelegenheit ist in der Fachpresse nicht überall richtig dargestellt worden. Die erste Ausgabe dieser Schrift hat übrigens in den Kreisen der beteiligten Behörden der Volks=Vertreter und der Landwirte viel mehr Beachtung gefunden als unter den Müllern selber Es ist aber jedem Müller nützlich sich über diese Dinge zu unterrichten weil sie ihm vieles in neuem Lichte zeigen und manches Rätsel lösen. Zugleich bilden die hier gegebenen Darlegungen gleichsam ein Stück wirtschaftliche Entwickelungs=Geschichte der modernen Müllerei und sie werden daher auch noch von Jnteresse bleiben wenn sie von den Ereignissen überholt sind Ich habe deshalb diese zweite Ausgabe hauptsächlich für die Kreise der Müller bestimmt und will wünschen, daß sie dazu beiträgt, diesen zahlreichen rechtschaffenen Stande, der in neuerer Zeit so vielfach verlästert und des Selbstvertrauens beraubt worden ist, seine Lage zu offenbaren und die wirklichen Schädiger seines Berufes dentlich zu zeigen Denn die heutige Natlage der Müllerei ist vielfach auf die Unklarheit zurückzuführen in die man die müllerischen Kreise einzuwiegen gewußt hat. Die Schrift giebt einen Schlüssel für das Verständnis der heutigen Lage des Mühlen=Gewerbes. Möge der Mütter klar seine Feinde und seine wahren Freunde erkennen, so wird er wieder mit Vertrauen in die Zukunft blicken und seinen Beruf wieder zu Ehren und Wohlstand bringen. Sheldon Richard Bruce. Uebersetzung von Emmy v. Feilitzsch Der Volksbücher achter Band Kasse Rötiger 220 S. PreisM. Sheldous neues Werk ist in derselben Tendenz geschrieben wie sein dielgelesenes Buch In Seinen Fußtapfen das mit Recht in der Ehristenheit Amerites und Europas Aufsehen gemacht hat. And diese Teudenz ist die, daß durch die Schildenug goße christlicher Bewegungen und wahrhaft Brccktischen Schristenbeides d#### kömte, aber nicht ist der Wille des Lesers geweckt und auf das eine Ziel gerichtet werden soll. wahrhaft o#e est und tlatin der Nachfelge Jest zu stehen. Diese fnuchtbare Wirkung kann guch die vorliegende Erzählung auf empfängliche Leser ausüben trotzden di Schilderungen ebenso wie in In Seinen Fußtapfen den Stempel der Unwirklichten tragen, selbstherständlich echt amerisanisch und manchmal sogar Wie die Szenen in der Schule wo gar nicht einzusehen ist weshalb die verrohten Knaben nicht erst in eine echt#äterliche Züchtigungsschule genommen werden äußerst wunderlich sind Was inmitten der unwirklichen Schilderungen das Wirkliche und Eindrucksvolle ist, das sind die christlichen Charatter in ihrer unerschütterlichen Kouseguenz denen man abfühlt das ist das Wahre so konnten s# llten wir als Christen sein Auch daß uns der Verfasser mitten in das moderne r#send eilige Getriebe der Großstadt stellt und an dem kurzen Stück Lebensgeschichte des jungen Schriftstellers Richard Bruce den Christen so recht mitten im Kampf ums Dasein mit allen seinen Versuchungen zeigt, macht sein Buch wirkungspoll Möchte es trotzdem es uuns manchmal fremnd, sehr amerikanisch und unwirklich anmutet, dem Zwecke dienen den sein Verfasser im Auge hatte und viele Leser finden, die mit empfäniglichen Herzen alles darin enthaltene Wahre auf sich wirken lassen Noch sei bemerkt, daß die Uebersetzung die packende, frische Schreibweise des Verfassers sehr gut wiedergiebt. G. D. Zerstörende und aufbauende Mächte in China. Von C. I. Boskamp, Missionar Zweite Auflage. Berlin, Evangelische Missionsbuchhandlung 82 S. Pr. 80 Pfg. In diesen Tagen, wo China durch die betrübendsten Vorkommnisse in den Kreis unseres allernächsten Interesses getreten ist, wird die Anzeige dieser Schrift vielen willkommen sein und zum Bestellen derselben, die wir bestens empfehlen, veraulassen. Ein Missionar lernt das Volk, unter dem er arbeitet, besser kennen als ein Reisender, ein Kaufmann, ein Mitglied der Gesandtschaft Missionare haben auch die Katastrophe, die jetzt über die Fremden in China hereingebrochen ist, lange vorausgesehen und vorausgesagt. Die vom Verfasser geschilderten zerstörenden Mächte des himmlischen Reiches sind Opium, Spielsucht Grausamkeit, Unwahrhaftigkeit Ungerechtigkeit, Vielweiberei, Geheimbünde. Dem Büchlein sind elf gute Bilder eingefügt.— Wir benutzen zugleich die Gelegenheit, ein Buch zu nennen, das dem „Volk“ nicht zur Besprechung vorgelegen hat, uns aber auf anderem Wege bekannt geworden ist und alle Empfehlung verdient. Es ist dies: Zehn Jahre in China. Von I. Flad, Missionar. Calw und Stuttgart=1899, Vereinsbuchhandlung. Mit 29 Bildern. 312 S. M. P. D. Der moderne Hauslehrer. Eine gesellschaftliche und pädagogische Studie. Von Karl Haase. Haunover, Karl Meyer. 64 S. Preis 75 Pfg. Im theologischen und philologischen Beruf herrscht zur Zeit eine Flut von geistigen, zur Arbeit willigen Kräften, daß viele Kandidaten ins Mannesalter treten, ehe sie eine feste Anstellung und hinlängliche Versorgung erlangen. So ist denn eine große Anzahl derselben genötigt, als Erzieher und Lehrer in Familien einzutreten deren äußere Lage Privatunterricht und Privaterziehung gestatte: Ein solche Stellung hat der Verfasser jahrelang innegehabt und verwertet nun die gemachten Erfahrungen um Kandidaten, die in eine ähnliche Stellung eintreten Winke zu geben über das Verhältnis des Hauslehrers zu seinen Schülern zu deren Eltern, dem dienenden Personal dem Pastor des Kirchspiels dem kirchlichen Oberhirten der Provinz der Schulaussichtsbehörde Alles, was der Verfasser sagt, ist nüchtern, klar und gut er ist eine tiefer angelegte Natur, wie aus dem ganzen Schriftchen, besonders auch aus dem, was auf S. 49 u. f. über die Einsamkeit gesagt wird, hervorgeht. P. D. Die Errichtung einer Handelshochschule in Berlin Verlag von Karl Heymann, Berlin W. 8. Preis 1 Mark. Der Verfasser Dr. Mar Apt Syndikus der Kfm. in Berlin plädiert in diesem Heft für die Errichtung einer Berliner wandelshochschule und kann man ihm durchaus zustimmen meinen aber, daß die reiche Stadt Berlin diese Handelshochschule in Verbindung mit den interessierten Kreisen errichten könnte. Verfasser hat die Wichtigkeit und Notwendigkeit derselben überzeugend nachgewiesen und können wir das Heft nur empfehlen. Dr. B. Zeitschriften. Nachrichten aus der estafrikanischen Mission. Preis jähr lich 1.50 M. Zeitungsliste Nr. 5248. Dieses bekannte Monatsschriftchen bringt außer dem interessanten Texte recht klare Kärtchen und eine Kindergabe. Die letzte Nummer behandelt das Leben eines schwarzen Jungen namens Daniel Kassuku. Kunstwart Herausgeber Ferd. Avenarius, Dresden Verlag von Gea D. W. Callwey, München(vierteljährlich 3 M., das einzelite Heft 60 Pfg.). Inhalt des ersten Juliheftes Ein Goethe=Stiftung.— Kunst und Wissenschaft als Völkerwertmesser. Von Adolf Bartels.— Volkskonzerte. Von Hermann Teibler.— Optik und Naturgenuß.— Lose Blätter:„Olympischer Frühling“ von Karl Spitteler.— Rundschau: Litteravische Satire.„Die Bedeutung des Wortes.“ Beiliner Theater Münchener Theater Liedertexte auf Programmen. Die Ausstellung der Berliner Sezession Von der Weltausstellung.— Notenbeilage: Tom der Reimer, Ballade von Karl Loewe.— Bilderbeilagen: Max Klinger, Elend nnd Versuchung.— Textbild: Busfet von J. V. Cissarz. Zur Gutenberg=Feier dem 500. Geburtstage des Meisters, bringen Westermanns Illustrierte Deutsche Monatsheite in ihrer Juni=Ausgabe aus der sachkundigen Feder W. L Schreibers einen an kulturhistorischen Aufschlüssen reichen Aussatz über die Anfänge der Buchdruckerkunst. Wer sich jemals über diese Frage selbständig hat Aufklärung verschaffen wollen, weiß, wie schwierig dieses Thema zu behandeln ist und daß man eine wirkliche Anschauung von den Dingen nur erlangt, wenn mit dem Texte eine Reihe authentischer Abbildungen Hand in Hand gehen, die die einzelnen Entwickelungsphasen der schwarzen Kunst illustrieren Alle diese Anforderungen sind hier erfüllt, sodaß wir den Beitrag als eine der besten Arbeiten über den schwierigen Stoff aufrichtig empfehlen können, zumal da die Verlagshandlung für die Abbildungen diesmal auch von dem Farbendruck reichlichen Gebrauch gemacht hal. dem weiteren Inhalt des Heftes verdienen hervorgehoben zu werden ein geschichtliches, an neuen Thatsachen reiches Lebensbild der Fürstin Rosalie Lubomirska(mit zwei Büdnissen) von Pros Dr. Arthur Kleinschmidt eine biographische Studie über den Chemiker Robert Wilhelm Bunsen von Pros Dr. Richard Meyer mit Bildnis) ein von zahlreichen höchst originellen Abbildungen begleiteter Aufsatz über das Ameisenleben von Dr. Friedt. Kuaner und eine farbenftohe Reiseschilderung aus der Trümmerwelt Griechenlands von Dr. Paul Pfitzner, ein Beitrag, der wiederum mit siebzehn Abbildungen nach Originalphotographien geschmück ist. Die ganze Sphäre der alljährlichen archäglogischen Ausflüge Pros Dörpfelds ist hier eingehend und liebevoll geschildert Weitere Artikel desselben Hestes übergehen wir, um zu Schluß nur noch auf den Roman von Sophie Junghaus„Junge Leiden" und auf die Novelle„Ihr Schwanenlied“ von Hedwig Dohm hinzuweisen. Der Eürmer Monatsschrift für Gemüt und Geist Herausgeber Freiherr v. Grotthuß Pieis vierteljährlich 4 M., einzelne Hefte M. 50 0.(Stuttgart, Greiner& Pfeisfer.) Auszug aus dem Inhalt des Julihestes: England als Kulturstaat und Weltmacht. Von Dr. Ernst Seraphim.— Die Halben Ein Roman aus unserer Zeit. Von Jeannot Emil Frhrn v. Grotthuß. (Foitsetzung Sprachliche Plaudereien Von G. Traub. Armenpflege Von Karl Bechstein.— Kritit: Streitende Gedanken aus Hebbels kritischen Schriften Von Erich Schlaitfer Kipling Neues Dschungelbuch und anderas. Rundschau Die Erdkunde in 19 Jahrhundert(Ruckblick und Umschau.) Von Dr. Franz Violer Zur Berliner Schulkouferenz. Von Dr. Erich Meyer Eduald Mörike als Pfarrer Ein Erinnerungsblatt zu des Dichters 25 Todestage am 4 Juni 1900. Von Dr. Harry Mayne. Musikdramatische Neuheiten der verflossenen Spielzeit. Von Dr. Karl Storck. Stimmen des In und Auslandes Viktor Hugos Heirat. Von der serbischen Litteratur. Von Georg Adam.— Offene Halle Zur Schulreformfrage Von Dr. W Schott Das Medium Home Erbschleicher? Von Else Wagenbach. — Türmers Tagebuch: Warum dem Türmer unsere Rolle in China nicht behagt und Herr Arthur Zapp seine Kinder nicht taufen läßt? — Kunstbeilage: So mutterseelenallein Von Karl Raupp(Phatogravure. Alle hier besprochenen Bücher sowie auch alle von anderer Seite angezeigten Werke sind von der Westdeutschen Verlagsanstalti Siegen zu beziehen. Aufträge von M. 3 auswärts liefern wir portofrei durch Deutschland und Oesterreich Für die Schriftleitung verantwonlich O. Beckmann.— Unterhaltungsteil: Dr. Burckhardt=Godesberg.— Anzeigen: Chr Schlünz. Druck und Verlag der Westdeutschen Verlegsansalt E. G. u. b. H. Siegen, Sandstraße 18