Nr. 143. * * Siegen, Freitag, den 22. Juni 1900 4 0 12. Jahrgang. Die Zeitung„Das Volk“ erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei dem entsprechenden Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen. Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschäftsstelle entgegen. Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1,25 frei ins Haus 40 Pfg. mehr, für alle Postabonnenten M. 1.35 frei ins Haus 40 Pfg. mehr. Schrifkleitung und Geschäftsstelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Berlin: Agentur: NW Klopstockstraße 7. (D. v. Oertzen.) An unsere Teser. Beim Quartalswechsel richten wir an unsere lieben Leser die freundliche Bitte, nicht nur selbst das Abonnement auf das „Volk zu erneuern, sondern auch in Bekanntenkreisen kräftig für dasselbe zu werben, damit der Abonnentenstand zunimmt und das„Volk“ in der Lage ist, inhaltlich immer mehr bieten zu können. Nachstehend geben wir einer Zuschrift Raum, die uns aus dem Leserkreise zugeht. Es wäre doch von außerordentlicher Wichtigkeit, daß sobald wie möglich der treffliche Gedanke, den vor einigen Wochen der Vorstand der Westdeutschen Verlagsanstalt ins Auge gefaßt, nämlich eine Ausgabe des„Volk“ für das Reich und eine zweite Lokal=Ausgabe für Siegen herzustellen, zur That würde. Zu dem Zweck ist es aber erforderlich, daß die Gesinnungsgenossen viel eifriger an unserem„Volk“ und seinem Ausbau arbeiten, als bisher Andere neuere Zeitungen verschiedener Richtung, allerdings häufig unparteiische Blätter, sind doch hochgekommen, wie„Tägliche Rundschau",„Deutsche Zeitung"„Deutsche Warte u. a. Und sollten wir„Das Volk“ nicht hoch bringen können? Darum auf zum Sammeln von Annoncen aller Art, zum Werben von Abonnenten, zum Verbreiten der christlich=sozialen Handbücher! Alles was wir für unser Parteiorgan, Das Volk thun, ist für unser deutsches Wols geston 72 Die deutschen Interessen in China. Gerade in diesem Augenblick, wo China im Brennpunkt des politischen Interesses steht ist der nachstehende Bericht aus Shanghai, 8. Mai, der die deutschen Interessen am oberen Yangtse schildert, besonderer Beachtung wertVor einigen Wochen ist die deutsche Schiffahrt auf dem Yangtse eröffnet worden. Zunächst laufen die Dampfer der Rickmersschen Yangtselinie regelmäßig zwischen Shanghai und Japan und die der Familie Melchers& Co. gehörigen Linie zwischen Swatau und Hankau. In der vergangenen Woche ist der erste von drei weiteren Dampfern vom Stapel geShanahaf und 2 wuce- Sehamfe aufwärts von Hankau nach Ichang und Chanking und im Bau. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo die deutsche Flagge dauernd auf dem gewaltigsten der Ströme des chinesischen Reiches wehen wird, soweit dieser überhaupt fahrbar ist. Es ist wiederholt von den verschiedensten Seiten darauf aufmerksam gemacht worden, daß es dringend geboten ist, daß die deutsche Kriegsflotte auch auf diesen Straßen der Handelsflagge folgt. Vorläufig fehlt es an den dazu geeigneten Fahrzeugen allerdings vollständig. Die modernen deutschen Kanonenboote vom Iltis=Typ können für den Dienst auf dem Yangtse nur bis Hankau in Frage kommen. Von da ab flußaufwärts versagen sie vollständig. Vor allem gehen sie viel zu tief es sind Schiffe nötig, die einen ausnahmsweise geringen Tiefgang haben und dabei über ungewöhnlich starke Maschinen verfügen, die im Stande sind über die Stromschnellen des Flusses hinwegzukommen oder auch in die Nebenflüsse einzulaufen. England ist eben jetzt beschäftigt, Kanonenboote, die diesen Anforderungen entsprechen in größerer Anzahl zu bauen. Es besitzt deren bereits mehrere. Derartige Schiffe braucht die deutsche Marine hier draußen bitter nötig. Die Begehrlichkeit der Flußpiraten, die seit Jahr und Tag schon soviel Unheil unmittelbar unter den Mauern Kantons anrichtet, wird mit der Zunahme des Handels= und Schiffsverkehrs auf dem oberen Yangtse sich auch dort bemerkbar machen und voraussichtlich in einer weit gefährlicheren Weise als auf dem Tsekiang, der immerhin noch von größeren Fahrzeugen befahren werden kann. Die Versuche des„Iltis den Perlfluß hinaufzufahren, waren im letzten Herbst vergeblich. Das Schiff lief wiederholt auf sein Führer mußte schließlich umkehren, ohne das gewünschte Ziel erreicht zu haben, wollte anders er nicht das Schiff in ernste Gefahr bringen; aber bis Kanton kann wenigstens zu jeder Zeit ein deutsches Kriegsschiff gelangen. Ganz anders liegen die Dinge auf dem Yaugtse oberhalb Hankaus. Dort fehlt auch jede Möglichkeit, den deutschen Handel in angemessener Weie zu schützen. Wir werden ausschließlich auf den Schutz und den guten Willen Englands angewiesen sein, wenn einem unserer Handelsdampfer dort etwas zustößt. Für die ganze Entwickelung des deutschen Handels und der deutschen Schiffahrt in den weiten reichen Gebieten der Provinzen Hupeh, Szechuan und Yünnan, die heute noch fast vollständig dem Außenhandel verschlossen sind, ist der Schutz des Reiches dringend geboten. Das erste Mittel ihn auszuüben sind Flußkauonenboote. Aber es wäre falsch, sich auf diese allein verlassen zu wollen. Westching wird für die deutsche Industrie ein Absatzgebiet werden können, von dessen Bedeutung man sich daheim auch kein annähernd richtiges Bild macht. Die Erzeugnisse der deutschen Industrie beginnen schon jetzt dort Eingang zu finden. Noch ist allerdings der Sinn der chinesischen Bevölkerung, ihrer Kulturstufe und ihrem kindlichen Geiste entsprechend, mit Vorliebe auf mehr nutzlose Dinge, wie z. B Spielsachen, als auf nützliche Gegenstände gerichtet, das hindert aber keineswegs daß man auch in den entlegensten Städten Szechnaus es lei hier nur des fast ganz von Tibetanern bewohnten Tachien=la gedacht) Waren mit der Aufschrift Mace in Germany findet. Die deutsche Kaufmannschaft Chinas schickt sich an, in diesem weiten und großen Gebiete festen Fuß zu fassen. Mit welcher Aussicht auf Erfolg das geschieht, ist aus der Thatsache zu erkennen, daß in dem heutigen Ausfallsthor dieses Gebietes, in Hankan, bereits der deutsche Kaufmann ausschlaggebend ist. Dort hat er den Engländer weit überflügelt, es ist fraglich, ob es diesem gelingen wird, die einstige Stellung zurückzugewinnen und Hankau wieder zu einem Platz mit vorwiegend englischen Juteressen zu machen. Es scheint, als hüten die Engländer das selbst bereits als unwahrscheinlich erkannt. Sie sind deshalb weiter stromaufwärts gegangen. Eine klare Vorstellung von der wirklichen Lage in China ist auch heute noch nicht möglich. Ueber das Schicksal der Gesandtschaften und der Ausländer in Peking sowie der deutschen Entsatztruppen herrscht noch völliges Dunkel. Diese vollständige Nachrichtensperre, die nun schon fast acht Tage dauert, läßt sich kaum anders als dadurch erklären, daß die Gesandten und ihre Schutzbefohlenen zum mindesten ihrer Freiheit beraubt sind und scharf bewacht werden und daß die chinesische Regierung selbst diese Absperrung von der Außenwelt billigt oder veranlaßt hat. Von der deutschen Regierung als Sachverständige herangezogene genaue Kenner der chinesischen Verhältnisse bezeichneten es übereinstimmend als unwahrscheinlich, daß die Gesandtschaften in Peking sich gegen etwaige Angriffe nicht halten konnten, da die Gesandtschaftsgebäude stark befestigt und von kleinen, aber gut bewaffneten Schutzmannschaften besetzt sind. So ist also Hoffnung vorhanden, daß der deutsche Gesandte Frhr von Ketteler doch noch am Leben ist. Die deutschen Streitkräfte in China haben durch den Befehl an den Ablösungstransport für die Garnison Tsingtau, sofort nach Taku weiterzugehen, folgende Stärke erreicht: der Geschwaderchef Vizeadmiral Bendemann verfügt an Bord seiner fünf zum Geschwader gehörigen Kreuzer bei vollem Besatzungsetat über 2033 Mann; der Ablösungstransport brachte weitere 1200 Mann. Dem Gouverneur von Kiautschou, Kapitän zur See Jaeschte, sind als ständige Besatzung des gesamten deutschen Gebiets auf der Schantunghalbinsel einschließlich der Chinesenkompagnie etwa 1800 Mann unterstellt. Die beiden Kanonenboote Iltis und Jaguar haben weitere 242 Mann an Bord. Der zweite auf dem Wege nach Ostasien befindliche Ablösungstransport kommt für die Mannschaftsstärke nicht in Betracht, da er sich in der Hauptsache nur aus Offizieren usw zusammensetzt. Es kann also deutscherseits in Ostasien zu Lande und zu Wasserwt einer Gesamtstärke von ettva 5300 Mann gerechnet werden, die sich auf die Schiffsbesatzungen, die Besatzung des Kiautschougebietes und den eben auf der„Köln Mcnnn nn n nison von Kautschonim gegenwärtigen Augenblicke schwerlich ein erhebliches Truppenmaterial abgeben kann, möglicherweise sogar die Garnison Tsingtau selbst noch Verstärkungen benötigt, so beträgt die verfügbare Truppenstärke einschließlich der Schiffsbesatzungen im günstigsten Falle etwa 3500 Mann. Davon kommt aber natürlich nur ein Teil für den Vormarsch nach Peking in Betracht Schleunige Verstärkung seiner Truppenbestände in Ostasien dürfte sich demnach auch für Teutschland als unabweisbar erweisen. Die Frage, ob diese Verstärkungen aus den Mannschaftsbeständen der in der Heimat garnisonierenden Seebataillone oder aus Freiwilligen der Landarmee zu bilden wären, hat insofern schon ihre vorläufige Entscheidung gefunden, als zwei Seebataillone Befehl erhalten haben, nach China abzugehen. Auch die Absendung weiterer Schiffe nach China scheint, wie aus verschiedenen Anzeichen hervorgeht von den maßgebenden Marinekreisen bereits erustlich ins Auge gefaßt zu sein. Von den heite vorkiegenden Meldungen teilen wir noch die nachstehenden mitBerlin, 20. Juni. Auf, Befehl, des Kaisers werden die beiden Seebatatl lone durch Freiwillige aus der Armee auf Kriegsstärke gebracht und für den Transport nach China vorbereitet. Außerdem soll das Personal für sechs bespannte Geschüctze von Kiautschou gestellt und eine vollständige Batterie mit Personal aus den Beständen der Armee abgegeben werden. Wilhelmshaven, 20. Juni. Für den Transport zweier riegsstarken Seebataillone sind die Lloyddampfer Frantfürt und„Wittekind geschattert. Der Transport wird in acht Tagen nach China abgehen. London, 20. Juni. Die„Times melden aus Shanghaf vom 19. d.: Un einer dringenden Aufforderung nach Peking zu kommen, Folge zu leisten, verläßzt Li Hung= Tschang am Freitag Kanton. Mit Rücksicht hierauf und da sie auch andere Symptome als ein Zeichen dafür ansehen, daß die Mandschupartei die Hoffnung aufgegeben habe, den Mächten Widerstand zu leisten, wechselten die eingeborenen Beamten vollständig die Front. Um diese Ansicht zu stärken, meldet die einheimische Presse, die Regierung habe die Verhaftung des Generals Tung=Pusiang und des Vizekönigs von Petschili angeordnet und beide dem Strafgericht übergeben Der Korrespondent der„Daily Mail meldet unterm 19 ds aus Yokohama. Wie ich erfahre, hat die japanische Regierung die Vertreter der Machte zu einer Konferenz eingeladen, um die von Japan auf Grund der Vorgänge in China unternommenen Schritte zu besprechen. In einem andern Telegramm, welches heute die Zeitung des Direktors der Eisenbahnen veröffentlicht, wird gemeldet, daß die britische Flagge gestern über dem südlichen Thore von Peking wehte(?) Man nimzut an, daß dies auf die Ankunft der Truspenabteilung des Admirals Seymour in Peking hindeute.(*) Der Direktor der chinesischen Telegraphen hat einen zeitweiligen Kurierdienst eingerichtet, um Tientsin mit der nächsten Station im Süden zu verbinden. Washington, 19. Juni. Die russische Botschaft teilte dem Staatssekretät Hay mist, daß 4000 Mann russische Tr#ppen von Fort Arthur nach Taku abgesandt seien. Paris, 19 Juni. Eine Rote der Agenee Havas befagt: Die französischen Streitkräfte, welche sich bereits in China befinden, oder noch zur See nach Taku unterwegs sind und zwischen dem 25 Juni und 3. Juli don eintreffen, belaufen sich auf etwa 2000 Mann. Die Streitktäste, die Frankreich am 29. Juni in zwei Transportschissen verlassen werden, werden 2200 Mann betragen. Mit der Kreuzeidwision, die gegenwärtig armielt wird und spätestens am 29. d. M. von Frankreich abgeht, werden sich folgende französischen Schiffe in den chinesischen Gewässern befinden Kreuzer Aviso und 4 Kanonenboote. Shaughei, 20. Juni. Berichte aus chinesischen Quellen, welchen von den hiesigen ftemden Beamten Glauben beigemessen wird, melden daß die Gesandtschaften in Peting am 17. Juni in Sicherheit sich befanden und Seymon mit der fremden Streitmacht Durch die Zeitung„Das Volk“ finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westfalen, Hessen=Nassau und das Großherzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen=Vermittelungs=Geschäft zu erteilen. London, 20. Juni. Die„Times“ melden in der zweiten Ausgabe aus Shanghai vom 20. d.: Ein durch Kurierdienst des Telegraphendirektors Sheng überbrachtes Telegramm bestätigt die Nachricht, daß Admiral Seymour und die ausländische Truppe am 17. d. in Peking eintrafen. Es fehlen jedoch Einzelheiten über etwaige Verluste oder den Stand der Dinge in Peking; bezüglich dieser Wient, 20. Jsuni. Wie das Neue Wiener Abendblat erächet, erging seitens des Marinekommandos gestern der Befehl, die erste Kreuzerdivision, bestehend aus den Torpedorammschiffen Karl VI., Kaiserin und Königin Maria Theresia und Kaiserin Elisabeth, zur Abfahrt nach China bereit zu stellen. Das vor Talu befindliche Kanonenboot Zenta bleibt bis auf weiteres dort und soll sich eventuell der Kreuzerdivision anschließen. London, 20. Juni. Daily Expreß berichtet aus Shanghai vom 19. d.: Bei dem Kampf um die Takuforts fielen 700 Chinesen in den Forts; 100 wurden an Land auf dem Rückzuge durch russische und deutsche Mannschaften abgefangen. Die Deutschen und die Russen nahmen den neuen chinesischen Kreuzer Haiyana. In Shanghai verlautet, die russischen Entsatztruppen, die über zahlreiche Geschütze verfügten, seien vor den Thoren Pekings eingetroffen und hätten die Stadt sofort von zwei Seiten angegriffen. Der Krieg in Lord Roberts telegraphiert aus Pretoria vom 20. daß die Vorhut Hunters am 18. d. Krügersdorp ohne Widerstand besetzte. General Methuen, welcher einen großen Transport nach Heilbron geleitete, schlug gestern eine Truppe Buren unter Christian Dewet in die Flucht, welche sich bemühten, ihm den Einmarsch in Heilbron zu verwehren. General Huttons berittene Infanterie eroberte zwei Geschütze des Kommandanten Duplessis. Die Eisenbahn und die telegraphische Verbindung mit Kapstadt sind wieder vollständig hergestellt. Die Läden in Johannesburg sind wieder geöffnet. Der Handel wird täglich lebhafter. Reuters Bureau meldet unterm 18. d. aus Hammonia. Eine große Streitmacht der Buren hat sich gegenüber der Front des Generals Rundle konzentriert und sucht südwärts durchzubrechen. An ihrer Spitze stehen Devilliers und Herder Bruder des Präsidenten, welch letzterer ud ist. Die Hauptstadt des Oranzefreistaats der Buren wurde 5 Meilen näher an Ficksburg verlegt. Die Buren beschossen heute das englische Lager bei Ficksburg. Die Yeomanrys waren auf der Linken und in der Frout mit Unterbrechungen den ganzen Tag über in Aktion. Die Transvaalburen gehen vor den Truppen des Generals Buller zurück und stoßen zu den Freistaatburen. Lourenco Marques, 19. Jumi. Die Mutaranebrucke ver Hektorsprlit an der Eisenbahn, etwa sieben Meilen westlich der portugiesischen Grenze, ist zerstört worden. London, 20. Juni. Chamberlain sprach gestern nachmittag in einer Unionistenversammlung, wobei er auf die Beilegung des Krieges in Südafrika Bezug nahm und erklärte, daß sie unzweifelhaft schwierig sein würde; aber jeder Versuch einer Schlichtung, der den beiden sudafrikanischen Republiken ein ungerechtfertigtes Maß von Freiheit gäbe, würde durch die überwältigende öffentliche Meinung zum Stillschweigen gebracht werden. Die Beilegung des Streites müßte eine endgültige sein, die verhinderte, daß eine neue Saat zukünftiger Mäißhelligkeiten daraus entstände. manus Steim, 1 Jumk. Stegen= 2. Bei der entscheidenden dritten Lesung der Flottenvorlage haben auch zwei Nationalliberale gefehlt. Wir teilen dies nur deshalb besonders mit weil unserem Abgeordneten Stöcker von liberaler Seite es vorgehalten wurde, daß er bei der zweiten Lesung gefehlt habe. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen Im übrigen haben nach dem nunmehr vorliegenden amtlichen Bericht über die letzte Reichstagssitzung bei der Gesamtabstimmung über die Flottenvorlage vom Centrum mit Nein geantwortet: Aigner, Baumann Beck(Aichach), Breuer, Cramer, Echinger, Ehrhart, Dr. Heim, Frhr d. Hodenberg, Hubrich, Kohl, Langer, Lehemeir, Mayer(Landshut), Moritz Götz von Ranner, Ritter Frhr v Schele=Schelenburg, Frhr v. Wunstorf, Strzöda, Szmula, Frhr. v. Wangenheim=Wake, Werthmann. Von den Konservativen haben von BoninBahrenbusch und v. Treuenfels gegen die Vorlage gestimmt. Krank waren Dr. v. Dziembowski=Pomian, Dr. Lingens, Richter Schippel, Schmidt(Elberfeld)(man erzählt sich, daß die großen Freisinnshelden Eugen Richter und Schmidt(Elberfeld) die Seekrankheit bekommen haben. Beurlaubt waren Bindewald v Bonin=Neumark, Fitz, Haußmann(Böblingen), Dr. Heiligenstadt, Dr. Frhr. v. Hertling, Hesse, Lerno, Frhr. v. Maltzan, Müller(Waldeck), Payer, Dr. Schädler, v. Strombeck, Freiherr v. Wangenheim(Pyritz), entschuldigt waren Graf v. Bernstoff(Uelzen), Braun, Graf Carmer, Gamp, von der Gröben=Arenstein, Haußmann(Balingen), Knörcke, Roeren, v. Vollmar, Dr. am Zehnhoff. Ohne Entschuldigung haben gefehlt Ahlwardt, Aichbichler, Baron ArnswaldtHardenbostel, Beckh(Koburg), Bräsicke, v Brockhausen, Brotmann, Brückner Prinz Czartoryski, Delsor, Graf DohnaSchlodien, Graf Galen v. Glebock, v. Grand=Ry. Haase (Königsberg), Hähnle Dr. Hänel, Freiherr v Hammersteit, Hauß, Heine, Herold, Hilpert, Dr. Höffel, Jacobsen, Johannsen, Graf Kanitz, Kauffmann(Liegnitz), Kloß, Köhler, Dr. von Komierowski, Dr. Kropatscheck, Dr. Krzrzmiuski, Küchly, Gräf Kwilecki, v. Lama, Lanzinger, Lenzmann, v. Manteuffel, MeierJobst, Mérot, Dr. Müller(Schaumburg), Nißler, Pauli (Potsdam), Pierson v. Janta= Polczinski, Fürst Radziwill, Röllinger, Sabin, Schöttgen Dr. Schmitt(Mainz), Schuler, v. Sperber Dr. Stephan, Dr. Udo Graf Stolberg=Wernigerode Dr. Vonderschür, Wattendorff, Winterer, Witzlsperger Das Warenhaussteuergesetz hat im wesentlichen folgenden Inhalt Der Steuer unterliegt, wer iden Kleinhandel einen Jahresumsatz— einschließlich desjenigen aus Zweigniederlassungen, Filialen und Verkaufstätten— von mehr als 400,000 M. hat. Ob der Kleinhandel im offenen Laden, trieben wird, Kleinhandelbetrieb über mehrere Orte, so tritt die Steuereflicht nur insoweit ein, als seine Verkaufsstätten in demselben die oder unmittelbar benachbarten Orten, mehr als eine der vier Warengruppen führen. Die vier Warengruppen sind a. Material= und Kolonialwaren, Eß= und Trinkwaren und Genußmittel, Tabak und Tabakfabrikate(auch Rauchutensilien), Apothekerwaren, Farbwarendroguen und Parfümerien; b. Garn und Zwirn, Posamentierwaren, Schnitt= Manufaktur= und Modewaren, gewebte, gestrickte, gewalkte und gestickte Waren, Bekleidungsgegenstände(Konfektion, Pelzwaren), Wäsche jeder Art, Betten und Möbel jeder Art, Vorhänge, Teppiche, Möbelstoffe und die zu deren Verarbeitung dienende Anfertigung von Zimmerdekorationen; c. HausKüchen= und Gartengerätschaften Oefen Glas= Porzellan=, Steingut= und Thonwaren, Möbel jeder Art und die dazu dienenden Möbelstoffe, Vorhänge und Teppiche; old=, Silber= und sonstige Juwelierwaren, Kunst= Luxus, dalanteriewaren, Papp= und Papierwaren, Bücher und Rusikalien, Waffen, Fahrräder, Fahr= Reit= und Jagdutensilien, sonstige Sportartikel, Nähmaschinen, Spielwaren, optische, physikalische, medizinische und musikalische Instrumente und Apparate. Waren, die zu keiner dieser Gruppen gehören, werden nicht als besondere Gruppe gezählt. Durch die Zerlegung eines Warenhauses in mehrere gesonderte, selbständige Betriebe werden diese von der Steuer nicht frei, wenn die begleitenden Umstände erkennen lassen, daß die Zerlegung zur Verdeckung des Warenhausbetriebes stattfindet. Die Steuer beträgt bei einem Jahresumsatz von 9— uls mehr a 400.000 450.000 500600 550,000 6000,00 650,000 700,000 750.000 800.000 850,000 900.000 950,000 1.000 000 1,100,000 Steuersatz M. 4000 5500 7500 8560 9500 10.500 11.500 12.500 13.500 15,000 16,500 18.000 20000 98.000 bis M. 450,000 50000 550,000 600,000 650,000 700.900 750,000 800.000 850.000 900.000 950.000 1.900.000 1.110.000 1,200,000 und so fort für jede 100,000 Mk. mehr 2000 Mi. Steuer mehr. Die Veranlagung der Warenhaussteuer erfolgt alljährlich im Anschluß an die Gewerbesteuerveraulagung durch den ortlich zuständigen Steuerausschuß der Gewerbesteuerklasse 1. Maßgebend für die Veranlagung ist der Umsatz des abge. Ssches, Besche der Vetich nach eir. Zohr. bungh, 0 is. der Umsatz nach dem zur Zeit der Veranlagung vorgenden Anhalt zu schätzen. Die Steuer wird zum erstenmal für das Rechnungsjahr 1901 erhoben. Die bei Verbfentlichung des Gesetzes bereits bestehenden Warenhäuser haben für 1901 die Steuer nur zur Hälfte zu entrichten. Ueber das Ergehen der Baseler Missionare in Kumassi frika), das seit längerer Zeit von den Aufständischen berichtet ein Brief des Missionars Obrecht aus Abetifi, datiert vom 10. Mai. Derselbe schreibt: Heute mittag #an ein Flüchtling von Kumassi, namens Koft Siri, ein Christ, hier an, einer der wenigen Getreuen, die bei den Geschwistern auf der Station ausgehalten. Er saghte, er seicheute vor 14 Tagen, als er für die Missionare Wasser hoten wollte plötzlich von den Rebellen abgefaßt und gefaugen genommen worden. Einige haben ihn gleich töten wollen, wurden aber von der Mehrheit noch davon abgehalten. Denselben Tag seien haun die Rebellen auf die Missionsstation hereingekommen und die Missionare haben noch knapp das nackte Leben retten Panen Ramseyer habe seine Frau(dieselbe ist von der früheren vierjährigen Gefangenschaft her noch gelähmt in ein das Fort gebracht. Die bellen seien dann auf der Missionsstation eingezogen Koft Siri, der Augenzeuge, sei darauf in ein Lager gebracht worden, in in welchem etwa 5000 Leute gewesen seien. Es sollen vier solcher Rebellenlager um Kumassi herum sich befinden. Zwei Tage darauf wurde Kofi Siri zu einem der Führer in das Missionshaus geschickt. Da sah er, welch schreckliche ZerNe sche n ae n nn atten. Thüren und Fenster waren herausgerissen, Küsten ni Kommoden, überhaupt alles Hausgeräte gänzlich vernichtet; Bücher, Schriften und andere Gegenstände lagen auf der Straße und im Busch herum; viele der Rebellen hatten Kleider der Missionare an einer sei sogar in Missionar Ramseyers Kirchenrock dahergekommen Erst nachdem die Rebellen vier Tage auf diese Weise auf der Station gehaust, seien sie vom Fort aus durch Truppen, die mit Maxungeschützen bewaffnet waren, vertrieben worden Die Rebellen zogen sich in das Lager zurück Kofi Siri wurde tags darauf freigelassen, unter der Bedingung, daß er nicht nach Kumassi zuruckkehre. Seitdem haben auch die Missionare in Abetifi sichts mehr von den in Kumassi eingeschlossenen Geschwistern gehört. Offenbar sind dieselben in großer Bedrängnis haben wahrscheinlich auch weder Wäsche noch Kleider. Die Zerstörung der Station in Kumassi ist auch in pekuniärer Hinsicht wieder ein großer Verlust für die Basler Mission. Berlin, 20. Juni. — Nach erfolgter Annahme des Warenhausstenerge setzes wird nunmehr regierungsseitig darauf hingewiesen, daß es Aufgabe der kleinen und mittleren Handel= und Gewerbetreibenden sei, schleunigst im Wege der Selbsthilfe biejenigen Organisationen und Einrichtungen zu schaffen, welche die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe zu der für einen erfolgreichen Mitbewerb mit den Warenhäusern erforderlichen Höhe zu heben geeignet seien iusbesondere durch Errichtung von Einkaufs= und Verkaufsgenossenschaften für preiswürdige Waren und loh Absatz zu sorgen der Staat habe des Seinige h Au dem gewerblichen Mittelstande sei es jetzt, durch iche Selbsthilfe sich die Lebensfähigkeit gegenuber der großkapitalistischen Konkurrenz zu sichern. Kiel, 20. Juni. Der Kaiser hat gestern abend kunz vor seiner Abfahrt von Brunsbüttelkoog an Bord des dort liegenden Linienschiffes Kaiser Friedrich III. die Preisverteilung an die Sieger der Elbregatta des Norddeutschen Regattavereins vorgenommen. Heute vormittag empfing der Kaiser den Chef der Marinestation der Nordsee, Vize=Admiral Thomsen, sowie den Kommandanten des türkischen Panzerschiffes Assar Tewfik, Vize=Admiral Kalau vom Hofe und den Kommandanten des holländischen Kreuzers Noord=Brabant Kapitän van Worden, später besuchte der Kaiser die im Hafen liegenden Admiralsschiffe. Kiel, 20. Juni. Als die Dacht Hohenzollern mit dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich von Preußen an Bord in den Hafen einlief, gaben die i Hafen liegenden Schiffe Salut ab Sohald die Hohenzollenn an den Bose, Sesigemacht sen begaben sich die Admirale Köster und v. Tirpitz, sowie Vizeadmiral Hoffmann und Generalmajor Höpfner an Bord. Kiel, 20. Juni. Der Kaiser wohnte heute nachmittag mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich, dem Prinzen Waldemar, Grafen Waldersee und dem Gefolge der feierlichen Enthüllung der vor der Garnisonkirche aufgestellten Christusfigur von Eberlein bei. Der Oberpfarrer Rogge hielt die Weiherede, worin er aufforderte, der deutschen Flagge überall Ehre zu bringen. Admiral Köster dankte mit dreimaligem Kiel, 20. Juni. Wie wir erfahren, trifft die Kaiserin mit ihren jüngeren Kindern nach Beendigung der Kieler Woche anfangs Juli in Kiel ein, um der Enthüllung des in unmittelbarer Nähe des Kriegshafens errichteten Herzog FriedrichDenkmals beizuwohnen. Die Kaiserin schifft sich alsdann mit den Prinzen und der Prinzessin an Bord ihrer Schuneryacht Iduna ein und unternimmt Kreuzfahrten in der Ostsee an der schleswig=holsteinischen Küste. Zum 11. Juli, dem Geburtstage der Prinzessin Heinrich, trifft die hohe Frau wieder in Kiel ein und segelt dann mit ihrer Dacht nach den östlichen Gewässern, wo an der Küste der Insel Rügen und Pommerns gekreuzt wird. Guben. Der Nordostdeutsche Verband evangelischer Arbeitervereine hat am 16. und 17. Juni hierselbst seine fünfte Verbands=Versammlung abgehalten. Bei derselben waren zwölf Vereine durch Delegierte vertreten, vier Vereine hatten schriftliche Grüße gesandt. Die Fünfminuten=Berichte der Delegierten in der geschästlichen Sitzung gaben ein ersteuliches Bild von der Arbeit der Vereine, die fall alle an Zahl und Kraft gewachsen sind. Ueberall sucht man durch Hilfskassen und genossenschaftliche Unterstützung den Einzelnen ihre Stellung im Wirtschaftsleben zu erleichtern. Am meisten wurde bedauert, daß die Hilfe der höheren Stände, selbst wo es sich lediglich um den Dienst mit geistigen Kräften handelt, den Vereinen oft sehlt. Dem Verbande ein neues Organ zu schaffen war einer der wichtigsten Beratungsgegenstände: es wurde beschlossen, sich dem Berliner Vereinsorgan anzuschließen und es womöglich in allen Vereinen für alle Mitglieder obligatorisch zu machen. Auch die Gewinnung persönlicher Kräfte für das Vereinswerk wurde beraten Kurse für Arbeiter hielt man nicht für zweckmäßig, dagegen wurde die Bitte laut, die Provinzialvereine für innere Mission möchten eventuell durch Lehrkurse die Pastoren und Lehrer für Gründung und Leitung von evangelischen Arbeiter=Vereinen geschickt und willig machen, sie möchten auch für Bereisung der vorhandenen Vereine durch Agenten Sorge tragen, solange die Vereine noch nicht in der Lage sind, solche Reisen selbst zu bewerkstelligen. Eine Reihe weiterer geschäftlicher Fragen(betr. Mitgliederdiplome, Liederbuch, Eintragung der Vereine in das Vereinsregister, Beitrag für den Gesamtverband) hielt die Delegierten lange zur Beratung vereint. Am Sonntag wurde eine stattliche Zahl auswärtiger Gäste feierlich eingeholt, und ein Spaziergang durch die schönen Gubener Berge unternommen. Dann sammelten sich die Festgenossen um 2 Uhr im Gotteshause, wo P. Schwarszkopff=Berlin die Festpredigt über 2. Sam. 15, 21 hielt. In festlichen Umzug durch die Stadt begaben sich die Verbandsgenossen und ihre Freunde dann nach dem heirlichen Park am Schützenhause, wo sie von Oberbürgermeister Bollmann mit freundlichen, ihre Bestrebungen anerkennenden Worten begrüßt wurden. Die Festrede hielt P. HennigBerlin, Herr Mose=Guben erstattele Bericht für den Gubener Verein, der gleichzeitig sein 10jähriges Stiftungsfest beging und lauge auf den schönen Festtag dankbar und froh zurückschauen wird. DO Eisenach, 20. Juni. Die alte Wartburgstadt mit der ruhmreichen Lutherveste, dem historisch=klassischen Boden und den großartigen Naturreizen übt doch unaufhörlich große Anziehungskraft aus und auch dieses Jahr ist der Fremdenverkehr wieder recht lebhaft. Zur Abhaltung von Versammlungen und Kongressen politischer, nationaler, sozialer, wirtschaftlicher, religiös=kirchlicher, entschieden=christlicher u. a. Art wird Eisenach mit Vorliebe gewählt. Vorige Woche waren eiwa 140 Männer von der grünen Farbe aus d berschiedenen Thüringer Ländern und augrenzenden Gebieten zur 27. Versammlung Thuringe Forstwirte hier versammelt. Den Vorsitz führte Geh. Oberforstrat Dr. Stötzer hier. Viele der Teilnehmer hatten an der seit 70 Jahren hier bestehenden Forstlehranstalt ihre Ausbildung genossen. Als Festgabe war eine kleine von Dr. Stötzer verfaßte Schrift:„Die Eisenacher Forste“ erschienen. Der erste Versammlungstag(1. Juni) diente der Begrüßung der erschienenen Forstleute. Am 12. Juni unternahm man eine Exkursion durch den Eisenacher Forst bis ins Ruhlaer Forstrevier. Am sog. „Wachstein“ fand eine Erinnerungsseier an einen hervorragenden deutischen Forstmann, den vor 10 Jahren verstorbenen Oberlandforstmeister Dr. Karl von Grebe statt, der sich um die Entwickelung des Thüriger Forstwesens und der hiesigen Lehranstalt große Verdienste erworben. Zu dem Zwecke wurde eine Gedenktafel am Wachstein angebracht und in würdiger Feier enthüllt. Im übrigen fanden die Versammlungen in dem Saale der„Erholung“ statt und wurden u. a. folgende Vorträge gehalten: Forstrat Matthes=Eisenach über die künstliche Düngung im forstlichen Betriebe mit Vorführung von Präparaten; Forstmeister Trauweiter=Weimar über die Ausbildung des Forstschutz= und Hilfspersonals unter besonderer Berücksichtigung der Thüringer Verhältnisse“ Man einigte sich auch über den Beitritt des Thüringer Forstvereins zum Allgemeinen deutschen Forstverein. Professor Dr. Büsgen sprach über die Ernährungsgenossenschaft zwischen unsern wichtigsten Waldbäumen mit Pilzen Von verschiedenen Seiten wurden Mitteilungen über ein schädliches Insekt Lyda hypotrophica gemacht u. s. w. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Koburg gewählt. Am Donnerstag nahmen die Verhandlungen der deutsch=evangelischen Kirchen=Konserenz, die in zweijährigen Zwischentäumen hier im großherzoglichen Schlosse abgehalten werden, ihren Anfang hinter verschlossenen Thüren. Wie von gußerhalb berichtet wird, sind der bisherige Präsident Dr. von Burk, sowie dessen Stellvertreter Wirklicher Oberkonsistovialrat Dr. Braun wiedergewählt worden Dr. Braun=Rudolstadt und Oberhosprediger Dr. Ackermann=Dresden reserierten über die Erteilung und Beaussichtigung des Religionsunterrichts an den höheren Schulen. Bezüglich der Fürsorge für die Glaubensgenossen in der außerdeutschen Diasporg wurde einiges beschlossen Letzten Sonntag hatte der Evangelische Arbeiterverein aus Frankfurt a. M. in einer Stärke von ca 250 Personen einen Ausflug hierher und zur Wartburg unternommen. Die 10 Studentenkonferenz zur Vertiefung chriftlichen Lebens und zur Anregung christlichen Werkes unter der studierenden Jugend findet hier in den Tagen vom 9. 13. August statt. Nach dem Programm, das wohl an anderer Stelle im„Vollveröffentlicht wird, dürsten die Versammlungen interessant und anregend und w. G. segensteich verkaufen. sammelt, deren Zusammenstellung einen wenigstens teilwe Ueberblick über die Baugenossenschaftsbewegung ermöglicht. Die berichtenden Bau= u. s. w. Genossenschaften zählten Ende 1899 19 468 Mitglieder, die allen Berufsständen, zum weitaus größten Teil aber den abhängigen Erwerbsthätigen, kleine Beamte, Fabrikarbeitern, Handwerksgesellen u. s. w. augehören; das gesamte Betriebskapital betrug rund 22¾ Mill. Mark, wovon 4 Millionen auf das eigene Vermögen in Geschäftsguthaben und Reserven und 18¾ Millionen auf die angeliehenen Gelder entfallen. Während der Zeit ihres Bestehens bauten 28 der berichtenden Genossenschaften unter Aufwand von 5½ Millionen Mark 778 Häuser zum Erwerb durch die Genossen; in 664 solcher Häuser(über den Rest wurde nicht berichtet) befinden sich 1297 Wohnungen. Zur Vermietung der Wohnungen an die Mitglieder wurden von 58 Genossenschaften 522 Häuser mit einem Kostenaufwande von 15 Millionen Mark hergestellt, in 431 solcher Häuser befinden sich 2986 Wohnungen. Im Jahre 1899 bauten 8 Baugenossenschaften 46 Häuser mit zwei bis drei Wohnungen zum Erwerb durch die Mitglieder(Herstellungskosten 341,000 M.), 30 Spar= und Bauvereine 129 größere Wohnhäuser zur Vermietung der Wohnungen an die Mitglieder(Herstellungskosten 3½ Millionen) und 18 Genossenschaften gemischten Systems 107 Häuser zum Erwerb durch die Mitglieder und 24 Häuser zur Vermietung der Wohnungen. Vorstehende Ziffern geben einen annähernden Begriff von der umfangreichen und segensreichen Wirkung der Baugenossenschaftsbewegung, welche um so größere Beachtung verdient, als in ihr die Möglichkeit geboten ist, dem Mangel an ländlichen Arbeitskräften entgegenzuarbeiten. Wiesbaden, 20. Juni. Der Ausstand der Mauner dauert nunmehr länger als zwei Monate. In einer ihrer letzten Versammlungen haben die Ausständischen beschlossen, den Bau=Unternehmern den Oberbürgermeister Dr. v. Ibell als Schiedsrichter in Vorschlag zu bringen. Mainz, 20. Juni. Die gesamte Arbeiterschaft der städtischen Gaswerke ist wegen Verweigerung einer Lohnerhöhung ausständisch. Die Baugenossenschaftsbewegung, welche bekanntlich das Ziel verfolgt, der Wohnungsnot in den Kreisen der Arbeiter und mittleren Beamten abzuhelfen, ist nicht nur in städtischen Kreisen sondern in neuester Zeit auch in zahlreichen ländlichen Bezirken Deutschlands in fortschreitender erfreulicher Zunahme begriffen. Die letzte. Ende März 1900 vorgenommene Zusammenstellung verzeichnete bereits 322 in Deutschland bestehende Baugenossenschaften und Spar= und Bauvereine, gegen 244 um die nämliche Zeit des Vorjahres Im Gegensatz zu den Baugenossenschaften, welche in der Regel die Erbautung kleiner Wohnhäuser mit zwei höchstens drei Wohnungen zum Erwerb durch die Mitglieder bezwecken bezeichnen sich als Spar= und Bauvereine meist solche Genossenschaften, welche die Erbautung größerer, im Eigentum der Genossenschaft verbleibender Wohngebäude, deren Wohnungen an die Genossenschafter vermietet werden, als Aufgabe verfolgen. Es giebt aber auch bereits eine größere Anzahl von Genossenschaften, welche beide Zwecke vereinigend nach dem sogenannten gemischten System arbeiten. Der Allgemeine Verband der deutschen Erwerbs= und Wirtschaftsgenossenschaften, welchem 50 Baugenossenschaften und Spar= und Bauvereine angehören, hat von 86 solcher Genossenschaften Berichte über die Geschäftsergebnisse des Jahres 1899 sowie über die während der geutzen Zeit ihres Bestehens erzielten Resitliate ge#0 Christlich=soziale Partei. Verein Berlin. III. Wahlkreis. In der am 15. Juni stattgehabten, gut besuchten BezirksratsSitzung wurde der Buchdrucker Herr Rich. Jagdstein einstimmig zum 1. Vorsitzenden für den III. Wahlkreis gewählt an Stelle des aus dem Wahlkreise verzogenen Herrn O. Cuno, welchem für die fast 14jährige Thätigkeit der Dank seitens des Bezirksrats ausgedrückt wurde. Zum Stellvertreter des ersteren wurde ebenfalls einstimmig der Kistenfabrikant, Herr J. Kiefer gewählt. Beide dankten für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen und nahmen die Wahl an. 0 Siegen, 21. Juni. Am nächsten Samstag nachmittag trifft Herr Hofprediger a. D. Stöcker in Siegen ein, um von hier aus nach Netphen zu gehen, woselbst am Sonntag ein Missionsfest stattfindet. Stöcker wird vormittags und nachmittags predigen und ist somit seinen Freunden in der Umgegend Gelegenheit gegeben, ihn zu hören. Wenn die Zeit es erlaubt, wird Stöcker außerdem noch in Geisweid reden, doch können wir darüber noch nichts Sicheres mitteilen. Von hier aus fährt Stöcker weiter nach Heidelberg, woselbst er am Montag abend einen Vortrag zu halten gedenkt. Am Dienstag findet ein Fest der Inneren Mission in Speyer statt; auch hier hat Stöcker die Festpredigt und einen Vortrag übernommen. Von Speyer aus reist Stöcker in die Provinz Sachsen, um dort Vorträge zu haltest. O Siegen, 21. Juni. Die Gesangabteilung des evangelischen Gesellen=Vereins hat beschlossen, am Sonntag, den 8. Juli einen gemeinsamen Ausflug nach Fellinshausen zu unternehnen. Die Teinehmer sahren wr dem Zuge 1.# uncvon hier bis Geisweid und wandern dann von dort zu Fuß nach G. Siegen, Dl. Jauni, Dem Freisihnigen„Siezenet Volksblatzs ist ein Bericht zugegangen über die am Sonntag abend im Demandtschen Lokale stattgehabte christlich=soziale Versammlung. An sich ist es ja gewiß recht dankenswert, daß das genannte Blatt den ihm zugegangenen kurzen Versammlungsbericht aufgenommen hat. Leider hat aber der betr. Berichterstatter einen der Redner nicht richtig verstanden. Herr Laus hat nicht gesagt:„die Gründung von christlichen Gewerkvereinen sei gegenüber denen der Hirsch=Dunckerschen Richtung überhaupt nicht nötig gewesen“, sondern:„Wenn alle Mitglieder des Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereins von demselben Geiste beseelt wären, wie sein Vorredner, dann sei die Gründung von christlichen Gewerkvereinen nicht nötig gewesen." Vielleicht ist der Herr Berichterstatter so freundlich, seinen Bericht nach dieser Seite hin zu berichtigen, damit erledigen sich dann die an den Bericht geknüpsten Bemerkungen. X Siegen, 21. Juni. Von einem Mechaniker=Lehrling wurden am 9. d. Mts. einem Schulknaben mittels einer ihm vorgehaltenen Löthlampe im Gesichte erhebliche Brandwunden zugefügt, sodaß derselbe im Krankenhause untergebracht werden mußte. Heute ist der Knabe nun wieder entlassen und polizeilich verhört worden. Für den Lehrling kann die Angelogenheit noch ein unerwünschtes Nachspiel haben. Wetterbericht. Das nordwestliche Minimum hat sich etwas verliest und ist durch eine über die Nordsee, Sud=Skandinavien und die Ostsee verlaufende Furche mit dem östlichen Depressionsgebiete in Verbindung getreten. Gleichzeitig breitet sich von den britischen Inseln der niedere Druck in südwestlicher Richtung nach dem Kontinent herein aus. Dabei ist in Central=Europa das Barometer in starkem Fallen begriffen. Die Witterung trägt in Süddeutschland veränderlichen Charakter. Die Temperaturen liegen hoch. Die Neigung zu Gewittern hält an Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch fortdauernd warmes Wetter und Neigung zu Gewintern, dann Eintritt von unbeständigem Weter und Abkühlung. 20. Juni. Der andauernd günstige Stand der Industrie und besonders des Bergbaues forden naturgemäß auch die Vornahme von neuen Versuchsarbeiten und Gründung neuer Unternehmungen. Namentlich von auswärtigen Gesellschaften werden zu diesem Zwecke erhebliche Summen aufgewendet. So ist bekanntlich zu Niederschelden durch Zusammenlegung mehrerer ällerer, außer Betrieb gewesener Gruben im Rosengarter=Thal eine neue Gewerkschaft gebildet worden, welche den Betrieb wieder aufgenommen hat. Ebenso ist in der Heugsbach, wo gleichfalls mehrere ältere Gruben zum Erliegen gekommen waren, der Betrieb wieder begonnen worden. Hier sind u. a. die Grube Glücksbrunnen und Eiserner Union vereinigt; zur gemeinschaftlichen Förderung soll ein neuer Schacht angeleg werden. Die Leitung dieses Betriebes hat nach einem Bericht der „Sieg. Zig. Herr Obersteiger Kolb von Eiserfeld übernommen. Auch die Gruben Wilhelmshöhe und Eiserner Spies werden in nächster Zeit, nachdem sie ebenfalls in anderen Besitz übergegangen, wieder lebhafter betrieben werden. Lansphei Westt, 20 Juni. Hier wurde an den letzten beiden Tagen der vorigen Woche der 38 Verbandstag der Kreditgenossenschaften von Rheinland, Westfalen, Lippe und Waldeck abgehalten. Den Verhandlungen wohnten auch der Anwalt der deutschen Genossenschaften, Dr. Erüger=Potsdam, und der Verbandsrevisor MichelmannBlankenburg bei. Den Vorsitz führte in Verhinderung des Verbandsdirektors Ed. Morgs=Ruhrort dessen Stellverweter Pros. Dr. HindorfRührort. Der Verband bestehr aus 27 Genossenschaften, von denen 18 unbeschräntte und9 beschränkte Hastpflicht besitzen und 5 Aktiengesellschaften. Nach dem Geschaftsbericht ist eine ruhige und stetige Entwickelung der Genossenschaftssache(nach Schulze=Delitzschen Grundsätzen) zu verzeichnen. Die Mitteilungen aus den einzelnen Vereinen zeugten von einer Min i ee Win, n mntet. Der Annanen Scheckordnung. Es wurde die Eonennung von Vertrauensmännern als Vermittler zwischen den Mitgliedern und dem Vorstande füt wünschenswert bezeichnet, namentlich für solche Genossenschaften, welche sich über größere Bezirke ausdehnen bezw. landwirtschaftliche Mitglieder besitzen Zwei unerledigte Punkte beschloß man auf die Tagesord Mltucg, dese stlächtiähnigen Verbandstages zu setzen: Die Anliägs müßiger Gelder“,„Der Aufsichtstat und die Verbandsreviston Als Ort des nächsten Verbandstags wurde Meschede erwählt. Arnsberg, 20. Juni. Unter dem Vorsitze des Herrn Landgerichtsrats Schwemann begann Montag vormittag im hiesigen Landgerichtsgebäude die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode. Eröffnet wurde dieselbe durch den Vorsitzenden, der die Geschworenen begrüßte und mit ihren Obliegenheiten bekannt machte Verhandelt wurde gegen den Bergmann Clemens Susewind aus Gierskopp bei Olsberg wegen Sittlichkeitsverbrechens. Die Verhandlung, bei welcher die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war, endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 1 Jahr 6 Monaten Gesängnis, wovon zwei Monate durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden. Die zweite Anklage betraf wiederum Sittlichkeitsverbrechen. Angeklagt war der Arbeiter August Gerhardt(wohnhaft in Hüsten, gebürtig aus dem Kreise Wehlau in Ostpreußen). Die Verhandlung endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Dienstag wurde verhandelt gegen den Arbeiter Hubert Lahme aus Hoppecke bei Brilon wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todeserfolg. Zu der Verhandlung waren 1 Lomgen geiahen. Wiesbaden, 19. Juni. In der Nähe von Wiesbaden wurden heute zwei Fuhrleute von der Mainzer Aktienbrauerei von ihren scheugewordenen Pferden umgerannt und getötet. Aus Konitz. Man erinnert sich, daß, als das Gerücht von der Anwesenheit zahlreicher fremder Juden in Konitz am Mordtage auftauchte, es von der Presse, die auf jüdischer Seite arbeitet, rundweg abgestritten wurde. Dann, als sich die Zeugnisse dasür häuften, erklärte dieselbe Seite, eine liberale Wählerversammlung am 11. März sei die „harmlose“ Erklärung dafür. Es wurde darauf festgestellt, daß diese Verlammlung schon am 8. März statgefunden hatte, also nicht die n#che des jüdischen Zuwachses sein konnte. Daraushin wurde als neues, angebliches Moto ein Pferdemarkt in Goldap am 12. März angegeben. Jetzt wird der„Staatsb.=Ztg.“ mitgeteilt, daß am 12. gar kein Pferdemarkt in Goldap war. Der in Verdacht gezogene Hefenfabrikant, der von Konitz seit einiger Zeit nach Berlin übergesiedelt ist, soll nach einigen Blättern Schrauer(nicht Sohrauer) heißen. Ob dem Verdacht viel Wichtigkeit beizulegen ist, steht dahin.„Korrespondenz Dettbarn“ bringt folgende Einzelheiten: Der Matrose Wranke, ein Schulfreund des ermordeten Ernst Winter, ist hier eingetrosfen, um über seinen Verkehr mit W. an dem Mordtage und seine sonstigen Wahrnehmungen verhört zu werden. Die Eingabe des Fleischermeisters und Stadtverordneten Hoffmann an den Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann scheint doch Wirkung gehabt zu haben, denn es fanden auf Grund derselben umfangreiche Vernehmungen gegen den Schlächter Moritz Levy statt. Das Ergebnis ist noch unbekannt. Der Sohn des Arbeiters Müller, der am 15. März am Holzzaun des evangelischen Kirchhofes den rechten Arm Winters sand, wurde über diesen Fund erneut eingehend vernommen und bekundete als ganz neues Moment, daß es ein Mann gewesen sein müsse, der den Arm niedergelegt habe. Die Fußspuren wiesen zwar auf einen ziemlich schmalen Fuß hin, aber die Schuhe hätten breite Absätze gehabt. Der Gärtnereibesitzer Blaczyck erklärt, daß er an dem fraglichen Montage kein Blumenbouquet in das Levysche Haus gesandt habe, was verschiedene Zeugen beweisen könnten. Ob indessen sein Name gemißbraucht sei, wisse er nicht. Bürgermeister Deditus hat jetzt seinen sechswöchigen Erholungsurlaub angetreten und wird vorläufig durch Dr. Lemm vertreten. Sämtlichen Gastwirten ist die Konzession bezüglich der Längeraufhaltung ihrer Lokale als bis 10 Uhr einstweilen entzogen worden. Um 10 Uhr müssen alle Gastwirtschaften geschlossen sein. Der jüdische Stadt= und Beigeordnete und stellvertretende Bürgermeister Kaufmann Fabian hat sein Amt freiwillig niedergelegt mit der Begründung, daß er dadurch das Interesse der allgemeiten Beruhigung fördern könne. r Arbeiterverein(Gruppe Ost) in Berlin. 8 U h r, f i n d e t erankfurter Allee statt, wozu die Mutglieder Evangelischer Am Montag, den 25. Juni, abends 5 Nr. 56 eine außerordentliche Versammlung hierdurch herzlichst eingeladen werden. Die Verwaltungsstelle Berlin des christlichen arbeiterverbandes hält am Samstag, den 23. Juni, abends 8½ Uhr, Rüdersdorferstraße eine Versammlung ab, wozu die Mitglieder hierdurch sreundlichst eingeladen werden. Christlich=soziale Partei. Verein Berlin. III. Wahlkreis. Sonntag, den 24. Juni: Familien=Ausflug. Abfahrt vom Görlitzer Bahnhof 8,35 morgens nach Grüngu; Uebersetzen nach dem„Wendenschloß"; dort Frühstück. Dann Spaziergang am Wasser bis zu den Müggelbergen, vis-à-vis dem Denkmal; daselbst Mittagsrast im Walde. Von 2 Uhr ab: Kaffeekochen im Restamant„Teufelssee" Hierauf Spiele 2c. im Walde. Bei Sonnen=Untergang Auforuch nach Grunau; von dort Rückfahrt nach Berlin. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Den Vorstand. Letzte vest. 20. Juni. Der Fiskus nahm heute verschiedene Beschlagnahmungen gegen säumige Steuerzahler der Monterastraße vor, worauf zahlreiche Läden zum Zeichen des spruchs schlossen. Nichtsdestoweniger erklärte Villaverde, mit aller Stenge meiter vongehen zu wallen. Wirren in China. Kiel, 20 Juni Heute vormittag wurde eine ärztliche Untersuchung der Marine=Infanterie=Mannschaft auf ihre Fähigkeit zum Dienst unter den Tropen vorgenommen. Die Abfahrt von Wilhelmshaven ist auf den 30. Juni angesetzt. Die Kapelle des hiesigen Vataillons geht mit. 19. Juni. Nach Meldungen aus Tatu uind vort gestern 3000 Russen, seiner eine englische und eine deutsche Abteilung zum Schutze der Niederlassungen in Tientsin an Land gegangen. Das chinesische Nordgeschwader ist nach dem Yangtse abgefahren. Von dem Entsatzkorps unter Seymour ist seit dem 3 ds keine Nachricht nach Taku gelangt. 20. Juni. Nach einem Telegramm der„Dauy News aus Rom schweben zwischen den Mächten Unterhandlungen wegen Absetzung und Einsperrung der Kaiserin von Ching. Auch habe ein Meinungs=Austausch darüber stattgefunden, welche Form einer zeitweiligen Regierung in Peling unter der Aussicht der Mächte gewählt werden solle. Beifällige Aufnahme fand der Vorschtag der Vereinigten Staaten, den jungen Kaiser auf den Thron zu berufen mit Ministern, auf deren vernünftigen Haltung die Mächte bauen könnten. Zur Sicherung und Aufrechterhaltung der Ordnung sollen internationale Truppen in China verbleiben. Kiel, 20. Juni. Sowohl die Mannschaften der heamischen Schiffe wie diejenigen des ostasiatischen Geschwaders, deren Dienstzeit abgelaufen ist, gelangen bis auf weiteres nicht zur Entlassung. London, 20. Juni. Daily Expreß“ meldet aus Shanghai: Die chinesischen Tmuppen sollen anläßlich der Zerstörung der Forts von Taku säimtliche Fremden in Peking ermordet haben. Die Gesandtschaften hätten verzweifelt gekämpft und sich erst ergeben, als die Munition vollständig verbraucht war. Die chinesischen Verluste sind angeblich sehr bedeutend. In Yunnan Fu sollen angeblich 600 Christen ermordet worden sein. Die französischen Missionen wurden niedergebrannt, der französische Konsul und drei Missionare gefangen genommen. Die Deutschen und Russen nahmen den chinesischen Kreuzer Hayang mit einer Anzahl Offiziere gefangen. 20. Juni.„Daily Expreß“ meldet aus Shanghai: Hier verlautet, daß der Kaiser von China nicht mehr am Leben sei. Weitere Unruhen werden aus verschiedenen Provinzen gemeldet, wo die Vizekönige die Teilnahme an dem Kriege gegen die Fremden verweigerten. Der Krieg in Südafrika. Kapstadt, 20. Juni. Der Kapstadt=Argus veröffentlicht ein Telegramm aus Lourenco Marques, nach welchem Feldmarschall Roberts Botha aufforderte, sich zu ergeben, um einem weiteren Blutvergießen vorzubeugen. Botha suchte um einen fünftägigen Waffenstillstand nach, der aber abgeschlagen wurde. Der Kampf wurde wieder aufgenommen. Die Nahrungsmittel in Johannesburg billiger als vor Ausbruch des Krieges. 20. Juni. Der amerikanische Hauptmann Loosberg, der in der Buren=Artillerie dient, ist hier eingetroffen und teilte mit, daß die Munitionsfabrik von Transvaal sich jetzt in Lijdenburg befinde. De Wet habe 6000 Mann im Freistaat, Botha 2500 Mann in Transvaal. Außerdem hätten sich 1500 Mann in kleine Abteilungen geteilt. Letzte Depeschen. Berlin 21. Juni. Ueber die deutschen Rüstungen gegen China wird folgendes berichtet: Sofort nach dem Eintreffen des Mobilmachungsbefehls in Kiel wurden die Dispositions=Urlauber sofort zurückberufen. Die Offiziere wurden auf ihre Fähigkeit für den Torpedodienst geprüft. Die Deck=Offiziere und Mannschaften werden morgen geprüft. Es wird angenommen, daß die Truppen innerhalb 10 Tagen in voller Kriegsstärke für den Marsch reisefertig sind. Das Marine=Detachement wird auf dem Kanonenboot Luchs nach China befördert. Berlin, 21. Juni. Dem Börsen=Courier wird aus Kiel gemeldet, daß das Marine=Detachement auf den Krenzern Freya und Viktoria Luise nach Ostasien abgehen werde und daß diese Schiffe erforderlichen Falls auch noch den großen Krenzer Vineta und den kleinen Kreuzer Geier im Gefolge haben werden. London, 21. Juni. Eine aus Shanghai von gestern 3 Uhr 55 Min datierte Depesche besagt, daß nach einem mühevollen durch Kämpfe unterbrochenen Marsche die vereinigten europäischen Truppen am Sonntag vormittag in Peking eingetrosfen sind. Sie wurden von den Chinesen angegriffen, wobei die Chinesen mit großer Tapferkeit fochten. Die Verluste der Chinesen werden auf 500 Tote berechnet, die der Europäer sind noch nicht ermittelt. Paris 21. Juni. Das französische Geschwader in den chinesischen Häfen wird aus 10 Schiffen mit 226 Geschützen und 21 Torpedos bestehen. Der Bestand an Truppen beträgt 171 Offiziere und 350 Mannschaften. Niederschelden. Den geehrten Abonnenten in NiederBoten ausgetragen wird. Wir bitten daher die Bestellungen recht bald bei Hrn. Chr. Sonneborn, GosenbacherNste R ch h Berlin christlich-soziale Partei Berlin see she 8 Juli, von nachmittags 4 Uhr ab im Garten Geschäftsstelle der Zeitung „Das Volk“. Fichten=Rutzholz=Verkauf. Dienstag, den 10. Juli, nachm 3 Uhr, soll in der Lieseschen Gast wirtschaft zu Würdinghausen bei Kirchhundem der ca. 60jährige Fichtenbestand im Forstort Gründchen des Revieres Adolfsburch=Bruch von ca. 60 Morgen Größe in einem Lose zum Verkaufe auf dem Stamme mit Zahlungsausstand, ausgeboten werden. Das Holz bestehl nur aus Bauholz und stärkerem Grubenresp. Schleifholz und steht an guter Abfahrt, fast unmittelbar an der öffentlichen Straße nach Altenhundem. Förster Färber zu Oberhunden wird auf Wunsch das Holz vorzeigen. Herdringen, den 18. Juni 1900. Der Oberförster. acht Misstonsfest in Netphen am Sonntag, den 24. Juni. Festprediger: Morgens Herr Hosprediger a. D. Nachmittags: Derselbe und Herr Missionar Dassel aus Vorneo u. Neu=Guineg. Zunt Besuch des Festes ladet steundlichst ein Das Presbyterium. jetzt Sonntag 9 Uhr und Suni, morgens hm. 2 Uhr. Festprediger ist Herr Pastor Steil vom Tannenhof bei Lüttringhausen. Nachmittags wirken alle Chöre mit. Herzlich ladet dazu ein Der Vorstand. Dienstag, den 26 Juni er., nachmittags ½3 Uhr soll im Vereinshaus zu Rlederhtessen ene größere Versammlung stattfinden. Ansprachen werden halten. Hern Pastor Stein=Rödgen und Herr Inspektor Mandel aus Neukirch. Gemeinschaftliches Kaffetrinken findet nach der Versammlung statt. zu Rinsdorf Sonntag, den 24 3 Uhr Festred #4 ühr Zemedner P. Fi Anfang edes##. Fiusterbusch. Niederschelden, P Stein, Rodgen, und eschien Wiete, che missionshauses, — Gesangvorträge des Gesang=Vereins„Geselligkeil“ Dirigent dem E. Ostender. Keice cke ausgeführt von der Kapelle des meisters Hermn Zimmermann. Festrede, gehalten von Herrn Hofprediger a. D. Stöcker. Am Schluß Fackelzug der Kinder unter Begleitung der Musikkapelle. Bei ungünstigem Wetter findet das Fest im großen Saale statt. Eintrittskarten im Vorverkauf a Stück 20 Pfennig sind zu haben bei Amberg, Rittergasse 9 11, Paul Kluge, Unter den Linden 20, Hof IV; Pophal, Schützenstr. 6 Laden, H. Gruning, Blücherstr. 15, Laden, Rich. Jagdtstein, Sebastianstr. 84, Hof IV, O. Schietzel, Oranienstr. 5 Laden; H. Seeger, Alexandrinenstr. 56, Laden; W. Stehmann Reichenbergerstr. 142, 1, O. Löffler, Markusstr. 41; A. Hersing, Grüner Weg 37, Laden; E. Hofmann, Lothringerstr. 68, 11; J. Jordan, Sophienstr 26/27; F. Aschenbrenner, Perlebergerstr. 19, Laden, H. Falk, Katzbachstr 22, IV, A. Thiel, Fehrbellinerstr. 24; W. Ehrhardt, Neue Hochstr. 31, III, Eing. 1. Tr., Ed. Pelz, Lehrterstr. 36, III; Tischlermeister Kauschke, Fehrbellinerstr. 97; Oekonom Haase, Johannistisch 6 und im Bureau der christlich=sozialen Partei, Gräfestr. 76, 11, bei Wartenberg. An der Kasse Eintritt 25 Pfg. Kinder zahlen 10 Pfennig, wofür eine Stocklaterne verabfolgt wird. 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Magendrücken, Schwindel, Appetitlosigkeit, Mattigkeit in allen Gliedern und zeitweilig heftige Schmerzen in denselben, Reissen in Nacken und Muskeln der Oberschenkel und Gicht in dem grossen Zehgelenk mit bedeutenden Schmerzen und Geschwulst bis an die Waden, ich fühle mich verpflichtet, Ihren Citronensaft aufs wärmste zu empfehlen. Fettsucht Bitte mir umgehend für 6 Mark Citronensaft zu senden, muss Ihnen zu meiner Freude Tetiodent, mitteilen, dass ich in 7 Tagen 8 Pfund abgenommen habe, und werde den Saft für künftig iun meinem Flause nicht ehlen Iasehn. u aaaaanan nin ian Sat für Günfie Schtgugstol Frau A. Fürle, Restaurst. Berin, Gr. Görschenstrasse 40. Ischas vierr packermeister n. Peters in Niederndodeleben schreibt am 5. Juli 1899; Ich litt seit zwei svwianesws Jahren an hochgradiger Ischias. Durch Ihre Citronensaftkur bin ich nun gänzlie befreit und sage Ihnen hiermit meinen besten Dank. Halsleiden Fau Mossner, Berlin, Bergstr. 42, schreibt am 25. Mai. 1899, Von einerheftigen HalsHalsleiden, entzündung befallen, wendete ich Ihren Citronensaft an: ich füllte ein halbes Weinglas mit demselben, setzte eine halbe Messerspitze Kochsalz hinzu und goss nun das Glas mit heissem Wasser voll. Mit dieser Mischung gurgelte ich täglich 3 mal, spürte sofort Linderung und war nach 14tägigem Gekann ein halbes Weinglas mit Citronensaft jedem als bestes Zu Küchenzwecken. Tegfecin faer unich schlschmnechend dis authn bereich froaien geihalehn hoete Rüire Aisfts Srärmpete Sspmnpisbieneni aucd Güite zmühertreflich, s sch, Kann, bhren Citronensast nur aufs warmste empienten. Maria S., geb. v. Scheve, Custmn Zu Limonaden sengen sie miur wieder eine grosse Verschlusstlasche Citronensaft,#er ist schr Eimonaden, ertrischend, intensu sauer und giebt 1 Theelöffel auf 1 grosses Glas Wasser köstliche Limonade, dies sollten Sie in Ihren Annoncen betonen, denn die Kur braucht doch nicht jedermann wohl aber gute billige Limonade im Sommer. Lüders, Berlin W. 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Glage, P# M., Ihr habt einen andern Geist! Eine Untersuchung des innersten Schadens der Ritschlschen Theologie. 12220 Ritter, G., Metropolitan in Heff. Lichtenau, Das Gleichnis von der sprießenden Saat. Vortrag auf der allg hess. Pastoralkonferenz zu Hanau im Sept. 1899 gehalten. 30 Schäfer, D. Th. Die Innere Mission in der Schule. Handbuch f. d. Lehrer. 5., verb. Aufl. 2,40 M., geb. 3 M. Schaefer, lie theol. R., Das Passah=Mazzoth=Fest nach seinem Ursprunge, seiner Bedeutung und seiner innerpentateuchischen Entwicklung im Zusammenhange mit der istaelitischen Kultusgeschichte untersucht. 5,60 M., geb. 7,50 M. Stosch, P. G., Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in der apostol. Zeit und in der Gegenwart. Vortrag auf der VBieleselden luch, Konserenz un Nech 1800 gechalene 40 b. A. 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Ainm Bestellungen auf die Zeitung „Das Volke Nier 568 des Pehunsice mit Sonntagsblat, volkswirtschaftlicher und litterarischer Beilage für das 3. Quartal 1900 werden von allen Postanstalten, den Zeitungsboten und in der Geschäftsstelle in Siegen, Sandstraße 18, entgegen genommen. Volk“ erscheint täglich in mindestens anderthalb mittelgroßen Druckbogen, Sonntags mindestens zwei Bogen, auch in der Woche Extra=Beilagen nach Bedarf. Volk“ hat durch seine eigene Agentur in Berlin eine unmittelbare Berichterstattung aus der Reichshauptstadt. „Das Volk“ bringt stets wörtlich die Reden des Reichstagsabgeordneten Stöcker, unterrichtet über alle wichtigen Vorkommnisse im Reich und in den Provinzen. „Das Volk“ bringt Lokal=Nachrichten aus Ryeinland=Westfalen, Hessen=Nassan und Großherzogtum Hessen. „Das Volk“ enthält die vollständigen Ziehungslisten der Koniglich Preußischen Staatslotterie. Der Abonnementspreis beträgt trotz dieser Reichhautgten##r die Stadtabonnenten Mark 25 Pfennig für alle Postabonnenten Mark 35 Pfennig durch den Briefträger oder Boten frei ins Haus 40 Pfennig mehr. „Das Volk“ ist in christlichem Geiste redigiert, der Unterhaltungsteil so, daß das Blatt in jeder Familie mit Interesse gelesen wird. „Das Volk“ will nur das Wohl des ganzen aller Stände, keine einseitige Interessenpolitik, es will den sozialen Frieden herbeizuführen mitwirken. Unsere Freunde bitten wir aber herzlich, uns durch Zuweisung von Inseraten, Drucksachen und Werbung von neuen Abonnenten zu unterstützen. Bem Wir bitten rechtzeitig zu vestellen, damn in der Zusteuung der Zeitung keine Verzögerung eintritt und die vielen Nachbestellungen vermieden werden. Probenummern überallhin kostenfrei. Geschäftsstelle des Siegen, Sandstraße 18. An die Parteifreunde von Sachsen und Thüringen. Die Parteivereinigung für Sachsen und Thüriugen ist geschaffen. Was haben wir nun zu thun, daß auch etwas Nützliches dabei herauskommt? Zunächst ist es wohl Pflicht aller christlich=sozial Denkenden, sich uuserer Vereinigung anzuschließen; es darf keiner aus Bequemlichkeit fernbleiben. Zu allererst alle Leser des„Volk“. Wir müssen unbedingt wissen, gerne bereit, sie durch Vorträge zu unterstützen. Am besten ist es sie wenden sich an unseren Vorsitzenden, Herrn WagnerGreiz, damit von diesem eine Reise zusammengestellt wird und die einmal gewonnenen Redner gleich in mehreren Orten nach einander sprechen können. Die Vorträge können nun vor eingeladenen Personen oder besser öffentlich mit nachfolgender Besprechung gehalten werden. Das macht aber doch Unkosten, wer soll diese denn tragen? Znnächst kann man ja ein kleines Eintrittsgeld erheben oder man sammelt eine Kollekte Reicht dieses nicht, nun dann muß eben die Parteikasse etwas drauflegen. Ich meine die Parteikasse des Thüringer Verbandes. Denn daß wir einen Fonds sammeln müssen, ist eine Grundbedingung; einmal um Vorträge in den verschiedenen Orten halten zu lassen und dann um für die Zeit der Wahlen Mittel zu haben, um aussichtsvolle Kandidatutren unterstützen zu können. Zunächst in unserem Lande, dann auch im Reiche. Jeder Parteifreund giebt freiwillig, wieviel ihm die Sache wert dünkt Ferner kann auch bei frohen Familienfesten und in Freundeskreisen dafür gesammelt werden. Wir dürfen nur die Mühe nicht scheuen. Auf diese Weise wirds möglich sein, christlich=soziale Gedanken überall auszustreuen und bestehende Vorurteile zu vernichten. Die Zahl unserer Parteifreunde wird sich vermehren Keiner darf denken; ach, es nützt ja doch nichts, in meinem Wahlkreis ist nichts zu machen. Nun, wir wollen ja auch jetzt nicht in jedem Wahlkreis Kandidaten aufstellen, aber mithelfen wollen wir, daß aussichtsvolle Kreise erobert werden. Dies ist meine Meinung, und nun liebe Freunde Thüringens schreibt auch ihr, wie ihr darüber denkt. Immer mit Gott vorwärts Karl Künze, Zeitz. uns auch persönlich kennen zu lernen und gegenseitig auszusprechen. Die Christlich=Sozialen eines Ortes bilden einen Verein und wenns auch nur zuerst 2 3 Mann sind es werden schon mehr werden Selbst ein einzelner wird die Arbeit in die Hand nehmen müssen. Dies wird die Organisation sein, die im Sommer gethau werden müßte. Im Herbst nun treten die Vereine oder einzelnen Personen an die Oeffentlichteit. Unsere Führer sind Wohl, ich will das Sorgen lassen Und zu Ihm Vertrauen fassen. Wie er mich auch führen will, Meine Seele halte still. 9. Speier, Wie Reinhard Kappelmann Rentier wurde. Einer mündlichen Ueberlieferung nacherzählt. N. 800 Hott=ener (Nachdruck verbotelt.) Als ich nach vielen, im Wundfieber verträumten Tagen und Nächten wieder zu klarem Bewußtsein erwachte, fand ich mich im besten Gastzimmer des Hauses unter seidenen Decken. Vor meinem Bett stand eine Pflegeschwester in fremder Tracht, deren sauftes friedenvolles Antlitz mir sogleich Vertrauen einflößte. Das war Schwester Anna, eine Diakonissin aus Kaiserswerth, die zur Pflege einer hochgestellten Dame bereits drei Monate im Haag verweilte. Der Leibarzt des Königs, der sich am Abend des Festes unter den Gästen befunden und mir den ersten Verband angelegt hatte wußte, daß die kranke Dame die Diakonissin entbehren konnte und hatte sie für das Haus des Generals gewonnen, in dem eine Krankenpflegerin sehr nötig war. Denn die gnädige Frau war am Tage nach dem Fest schwer erkrankt, vielleicht infolge der Anstrengungen, denen sie sich unterzogen, vielleicht durch den Schrecken über den Mordversuch des Fürsten. Ichs fühlte wich so schwach, daß ich nur im Flusterton sprechen konnte und es mir Mühe machte, die Hand zu erheben Doktor Gruner der Hausarzt, war aber bei seinem nächsten Besuch über meinen Zustand zufrieden und sagte„Nun ist das Schlimmste überstanden. Jetzt haben wir nur mehr dafür zu sorgen, daß der Patient die große Schwäche überwindet und das wird bei seiner guten Konstitution nicht solange dauern.“ Dank Schwester Annas treflicher Pflege, kam ich, min das Fieber gewichen war, wpänderbau schnell, wieder zu Kräften. Wenige Tage, nachdem ich meine Besinnung zurück erhalten, durfte mich Junker Vittor besuchen. Er kam Abschied von mir zu nehmen. Wegen der Krankheit seiner Mutter und um meines bedenklichen Zustandes willen war sein Urlaub verlängert worden, nun müßte er zurück in seine Garnison. Aber nur Abschied nehmen, gebor Doktor Gruner, teinerlei Auseinandersetzungen. Jede Aufregung ist dem Patienten schädlich. Dem Junker traten Thränen in die Augen, als er mich so bleich und abgezehrt daniederliegen sah. Er bög sich über mich hin und küßte michsie iche Dire danken Joltl, miein Bieinhacde, das eschaich Die Generalversammlung des Vereinn für christliche in Kheinland und Westfalen fand in Verbindung mit dem 18 Vereinstage am 14. Juni, nachmittags ½3 Uhr in Köln im Lesesaale des Evangelischen Vereinshauses statt. Der Vorsitzende, Pastor Lie. Weber=M.=Gladbach, begrüßte nach einem einlettenden Gebete die Versammelten, indem er zugleich mit kurzen Strichen Ziele und Aufgaben des Vereins skizzierte. Wenn auch das abgelaufene Jahrhundert unverkennbar auf den mannigfachsten Gebieten des Volkslebens große und erfreuliche Fortschritte gezeitigt habe, so könne doch die Arbeit des Vereins für christliche bildung im Blick auf die kommenden Zeiten keineswegs als überflüssig erachtet werden. Im Gegenteil, es gelte mit neuem Mute und größerer Treue den volksverderbenden Mächten die rettende und heiligende Kraft des Evangeliums entgegenzustellen. Es sei zu beklagen, daß verhältnismäßig nur kleinere Kreise zur thatkräftigen Unterstützung und Förderung der Vereinsbestrebungen sich bereit finden lassen. Eine Reihe von Grüßen von Herren, die am Erscheinen verhindert waren, wurden zur Kenntnis der Versammlung gebracht. Unter anderen hatten Herr Generalsuperintendent Nebe von Münster und Herr Oberbürgermeister Becker von Köln ihr Fernbleiben entschuldigt. Das Miütglied des Vorstandes Herr= Landrat Spüde von Bochum, der infolge seiner Ernennung zum Overregierungsrat nach Arnsberg übergesiedelt ist, bat, ihn von seiner Mitgliedschaft zu entbinden. Es wurde beschlossen, Hermn Landrat Hartmann in Hagen zu bitten, zum Ersatz in den Vorstand einzutreten. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Berichte sei hervorgehoben, daß der Verein vor allem durch Veranstaltung von Vortrags= und Familienabenden, sowie durch Flugblätter zu wirken sucht. In M.=Gladbach, Wickrathberg, Haan, Gräfhalten worden Dieselben durften sich zum Deit einer überaus regen Beteiligling erfreuen Zehn verschiedene Flugblätter sind im Laufe des letzten Jahres vom Verein herausgegeben worden Einige der Ueberschriften seien genannt„Aufruf von Amalie Sieveking an die Frauen Deutschlands. Die gegenseitige Annäheruug der Stände, ein Haupterfordernis für die Gesundung des Volkslebens(Rektor Horn) Kampf gegen den Mißbrauch des Alkohols Die hausliche Erziehung der Töchter unseres Volkes Die Gesamtzahl der zur Verbreitung gecommenen Flugblätter war 5 320. Iu besonders großer Auflage nicht. Ich werde mein Leben lang. Dein Schuldner bleiben müssen.“ Ich schüttelte den Kopf und zeigte nach oben Dem Henen gebühtteder Dankas acte sche, ch war Füh ein Werkzeug in seiner Hand. Aber ein williges Werkzeug, bemerkte er darauf und setzte sich an ineit. Bett. „Mein Vater läßzt, Dich fragen, ob er füt die zwei. Jahre, die Du noch zu dienen hast, Dir einen Stellvertreter kaufen darf. Meine Eltern möchten Dich gerne in ihrer nächsten Nähe behalten. „Dann bleiben Sie aber allein, Junker „Um mich brauchst Du. Dich nicht mehr zu sorgen, lieber Reinhard, sagte er sehr bestimmt„durch Sabinens vertrauende Liebe hin ich gefeit gegen jegliche Versuchung. Das habe ich auch meinen Eltern gesagt, die Gott sei Lob und Dank daftik wieder an mich glauben und mich ohne Sorge ziehen lassen Und lange bleibe ich auch nicht mehr allein lieber Reinhard, setzte er mit strahlenden Augen binzu,„Sabine hat eingewpilligt, in Herbst die meine## Werdent: Schwester Anna mnahnte jetzt freundlich daratt, den Besuch zu enden.„Unser Patient haät auf jeder Wange einen roten Fleck und der gesällt mir nicht sagte sie. Junker Vittor stand gut.„Was sollich meinem, Vater sagen, Reinhards Daß sichtihne, dankhans und ganz, einverständen binerwiderte ich,„bleiben Sie nur fest und stark, gnädiger= Herr. Er stand vor mir hoch aufgerichtet. Wie männlich und hübsch er doch aussah. Das geordnete Leben hatte die eingefallenen Wangen wieder gerundet und ihnen die Blüte der Gesundheit zurückgegeben Sabinen= Liebe machte ihn stolg und glücklich. (Gost= sechlte Sie und Shre liebe, Brahtie, scäite scheshes rührt und dann ging er Nußer der gnädigen Frau, deren Genesung nur sehr langsam fortschrith, besuchten mich nach und nach die Hausgenösfen alle. Auch mein Mariechen durfte an einem Sonntag Nachmittag in Stinas Gefellschaft ein paar Stunden bei imir sein. Das gute Kind wäre, wie mir Stina später ein mal erzählte, vor Angst und Sorgen um mich, um ein Haar selber krank geworden. Uhr. Schwester Annck die nörige Ruhe, oder auch einen Gang ins Freie zu gewähren, loste Stina sie manchmal ab. Bei ihr erkündigte ich mich auch nach dem Schicksal des rüssischen Fürsten, der mich durch sein schaufes Stilet beinahe vor der Zeit in das Jenseits befördert hätte Er hatte die That wirklich in einem Anfall von Wahnsinn begangen und den Herren, die ihn von mir fortgerissen ganz M n pflegen die Blätter verbreitet zu werden, die zu Fest= und Gedenktagen, Jahreswende, Kaisers=Geburtstag, Weihnachten Ostern, Pfingsten, Erntefest u. s. w. erscheinen. Die Flugblätter sind von dem Sekretär des Vereins, Herrn Görcke in M.=Gladbach, zu mäßigem Preise zu beziehen. Auch wird von dort auf Wunsch der ausführliche Bericht über den letzten Vereinstag gern kostenfrei zugesandt. Da der Kassierer Herr G. Hölters=M.=Gladbach der Versammlung nicht beiwohnen konnte, trug der Vorsitzende den Kassenbericht vor. Es war eine Gesamteinnahme von M. 6558,19(Mitgliederbeiträge, Erlös für Flugblätter u. s. w.) zu verzeichnen. Die Gesamtausgabe belief sich auf M. 5717,31, sodaß ein Ueberschuß von M. 840,88 der Kasse verblieb. Außerdem verfügt der Verein über einen Reservefonds im Betrage von M. 2271,08. Nach Prüfung der Rechnung wurde dem Herrn Kassierer mit Dank für seine Mühewaltung Entlastung erteilt. Empfehlend machte der Vorsitzende auf das Volks=Universal=Lexikon — Dennert aufmerksam, das in Lieferungen zu sehr geringem Preise erscheinend, in volkstümlicher Weise auf streng wissenschaftlicher Grundlage das gesamte Gebiet menschlichen Wissens unter christlicher Beleuchtung dem Verständnisse erschließt. Des weiteren referierte der Vorsitzende über die von ihm aufgestellten Thesen. Bei dem Thema:„Die Fürsorge für die heranwachsende Jugend“ wurde besonders die große Bedeutung des neuen Zwangs= oder Fürsorge=Erziehungsgesetzes hervorgehoben und auf die überaus wichtige Bestimmung desselben aufmerksam gemacht, wonach Kinder, die, ohne einer strafbaren Handlung sich schuldig gemacht zu haben, der Verwahrlosung anheimzufallen drohen, in staatlich überwachte Erziehung genommen werden können. Wenn die Wohlthat dieser Bestimmung möglichst vielen zu gute kommen soll, dann müssen allerdings alle Volksfreunde mitwirken, nicht nur die, die amtlich dazu berufen sind. Als sehr zweckmäßig wurde es erachtet, durch eine kurze Darstellung der einschlägigen Verhältnisse Pfarrer und Lehrer mit denselben bekannt zu machen und sie zu bitten, gegebenen Falles die Aufmerksamkeit der Behörden auf Kinder, die unter das Gesetz fallen müßten, zu lenken. Da der Rheinische Provinzial=Ausschuß für Innere Mision in seiner Jahresversammlung am 12. Juli in Bonn die Neuregelung der Zwangserziehung zum Gegenstande der Verhandlung zu machen gedenkt, so wurde beschlossen, an denselben die Bitte zu richten, die Ausführung jeues Gedankens in die Hand zu nehmen. Bei der Besprechung über„Volks=Hochschulkurse“ wurde die Notwendigkeit betont, daß die christlichen Kreise sich an dieser Bewegung beteiligten, damit der christliche Geist an der Beeinflussung derselben nicht ausgeschlossen bleibe. Die dritte Reihe der Leitsätze deckte zeinen gottlosen und geistlosen Naturalismus in Litteratur und Kunst“ auf. Es wurde dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß die sogenannte lex Heinze doch schließlich nur in verstümmelter Form angenommen worden sei und zwar besonders von dem Gesichtspunkte aus, daß der Grundgedanke bei dieser Gesetzesvorlage doch die Socge um die Bewahrung unserer so vielfach sittlich gefährdeten Jugend gewesen sei. Für uns Christen ist und bleibt die auf Gottes Wort gegründete Sittlichkeit das oberste Gesetz, dem sich auch die Kunst unterordnen muß. Daß dieser Grundsatz in weiten Kreisen der Künstlerschaft nicht geachtet wird ist ein Schade, dem nach Kräften zu wehren, gewiß auch Sache wahrer christlicher Volksbildung ist. Höchst bedauerlich ist serner die Art und Weise, wie in so vielen, in Tausenden von Exemplaren verbreiteten„Witzblättern“ die Grundsäulen menschlicher Ordnung„Kirche, Obrigkeit, Ehe, Familienleben“ verhöhnt und verspottet werden. Könne das Vorhandensein wirklicher Schäden bei den Vertretern und Vorkämpfern jener göttlichen Ordnungen vielfach auch nicht geleugnet werden, so ist von dieser Art der Behandlung doch weniger eine Besserung als vielmehr eine Unterwühlung aller Autorität Ai 8een Die Ausführungen des Vorsitzenden zu den verschiedenen, Leitsätzen wurden durch mancherlei Aeußerungen von anderen Teilnehmern an der Versammlung erweitert und bestätigt. Widerspruch wurde nicht laut, vielmehr erklärte die Versammlung, daß sie dem Vorgetragenen gerne zustimme. Nachdem noch die ausscheidenden undsmitglieder wiedergewählt waren, wurde beschlossen, als Ort Sie Rach chces ache Besacd in ushicht zu nchuen alsdann gegen 6 Uhr die Generalversammlung geschlossen. Kiiche, Schule und Mission. Hannover, 18 Juni. In der vergangenen Woche fand= hier wieder die sogenannte Pfingstkonferenz der(positiven) Geistlichen unserer Landeskirche statt. Es sprachen Pastor Thielmann Bergen über:„Die Gewißheit der leiblichen Auferschaffen wollen, weil er ihm Fräulein von Altern nicht gönnte. Am Tage nach der That war es nötig gewesen, ihn in eine Irrenanstalt zu bringen. Wie man später hörte, war der Wahnsinn erblich in seiner Familie, er auch bereits früher geistig gestört gewesen. Doch besserte sich sein Zustand und die Aerzte der Anstalt gaben Hoffnung, ihn in nicht gar zu langer Zeit geheilt entlassen zu können. Mir wurde die Zeit der allmählichen Genesung innerlich zum großen Segen. Schwester Anna war eine erfahrene Christin, eine glaubensstarke, fromme Seele, die durch schwere Trübsal dazu gekömmen war, sich mit allen ihren Kräften in den Dienst der erbarmenden Liebe zu stellen. Obgleich wir in unserem Glauben und Streben viel Uebereinstimmendes besaßen, war doch Schwester Anna weit mehr gefördert im Christentum. Ich habe viel von ihr gelernt. Sie hat, was noch verworren in mir lebte, durch ihr einfaches, klares Zeugnis geordnet und geklärt, und mich in der Ueberzeugung gefestigt, die ich durch Erziehung und die Lehre unseres lieben alten Pfarrers gewonnen. Ungern ließ ich, ließen wir alle die liebe Schwester heimziehen nach Kaiserswerth, als meine Genesung weit genug fortgeschritten war Zwar blieb uns die Hoffnung auf ein Wiedersehen später im Sommer, zu welcher Zeit ich die Herrschaft begleiten sollte nach Baden=Baden, doch wußten wir, daß uns in diesem Leben niemals wieder eine so köstliche Zeit des Zusammenseins kommen konnte. Ich will jetzt zum Schluß eilen, lieber Onno, was ich noch weiter im Hause des Generals erlebte, ist in wenigen Worten gesagt. Wir reisten im Juli nach Baden=Baden, wo die gnädige Frau, wenn auch noch nicht, wie sie gehofft, völlige Genesung, doch spenigstens Linderung ihres Leidens fand und ich mich ganz erholte. Auf der Rückreise besuchten wir Kayerswerth und verlebten in Gesellschaft von Schwester Anna einen unvergeß136 299 Im Herbst wurde dann die Hochzeit des jungen Paares gefeiert, ganz still und einfach, wie sie es wünschten. Der prachtliebenden Generalin war es freilich nicht recht, daß der Sohn und Erbe der de Ranitz Hochzeit feierte wie ein Bürgersmann, doch fügte sie sich nach einigem Widerstreben dem Wunsch ihrer KinderJunker Viktor hatte einen längeren Urlaub erhalten, den er dazu benutzte, seiner jungen Gattin Italien und seine herrlichen Kunstschätze zu zeigen Nach der Heimkehr ließ sich das neuvermählte Paar in der hübschen Stadt A. nieder, wohin der Leutnant versetzt worden war. Mariechen ging als Kammerjungfer mit nach A. Jetzt teilten Mariechen und ich den Herrschaften unsere Seseschesce i und erbiten uns die Bltsche der Entkassing stehung Christi.“ Der Vortag war durch den Fall Weingatt veranlaßt. Pastor Uhlhorn Hameln sprach über die„Adiaphora im Leben und Amt des Geistlichen".— In einer Sonderversammlung sprach Hosprediger a. D. Stöcker=Berlin über die Aufgabe der evangelischen Kirche, sozialthätig zu sein. Der Saal war sehr stark besetzt, besonders viele Geistliche hatten sich eingefunden, sehr stark waren auch die Damen vertreten, viele Schwestern der Krankenanstalten waren anwesend, im übrigen waren die Zuhörer aus allen kreisen der Bevölkerung zusammengesetzt. Ueber den Verlauf der Versammlung berichtet der„Hann. Anz.“ Hosprediger Stöcker hat noch nichts von seiner hinreißenden Beredsamkeit verloren, das zeigte sich auch gestern. Bis zum letzten Worte folgten die Zuhörer mit angespanntester Aufmerksamkeit dem geistvollen Redner und dann brach brausender anhaltender Beifall los. Stöcker wurde auch gleich beim Erscheinen am Rednerpult, nachdem Pastor Wyneken aus Hildesheim die Anwesenden mit dem Zwecke der heutigen Zusammenkunft bekannt gemacht hatte, freundlich begrüßt. Der Gedanke, der wie ein roter Faden sich durch den ganzen reichlich einstündigen Vortrag des Redners hinzog, war der, daß die evangelische Kirche, wenn sie bestehen und wirklich Einfluß gewinnen wolle auf die breiten Volksmassen, sich um die öffentlichen Angelegenheiten kümmern, sich sozial bethätigen müsse. Während die katholische Kirche die Bedeutung dieser Aufgabe wohl verstanden habe, während an der Universität in Münster eine kirchlich=soziale Prosessur eingerichtet sei, um die jungen katholischen Theologen für die sozialen Aufgaben tüchtig zu machen, sei die evangelische Kiche mit ihrer Einwirtung auf die öfentlichen Angelegenheiten stundig ins Hintertreffen geraten. Der Grundsatz, die Dinge gehen zu lassen wie sie wollten, den Kapitalismus schalten und walten zu lassen— der Redner erwähnte dabei don Hannoverschen Straßenbahnbeamten=Ausstand— sei die Wurzel alles Uebels, an dem wir so furchtbar leiden. Die Kirche sei berufen einzuwirken auf öffentliche Angelegenheiten, wie Lohn und Arbeitszeit, Sonntagsruhe. In einer Kirchengemeinde müsse der Grundsatz maßgebend sein, daß nicht der Reichste der Erste, sondern der Edelste, Beste der Vornehmste sei. Das wirke sozial versöhnend. Der soziale Gedanke ziehe sich durch die ganze Heilige Schrift, durch das Neue Testament wie durch das Alte, und daraus gehe hervor, daß das Rennen und Jagen nach Geld und Gut nicht Gott angenehm sei. Im Alten Testament habe Gott soviel Liebesbethätigung zum Gesetz gemacht, daß man staunend davor stehe, und dieser Gedanke sei ebenso lebendig im Neuen Testament. Es sei keineswegs verboten, reich zu sein, wohl aber das Aufspeichern von Schätzen, denn wer im Ueberflusse lebe, der solle der Allgemeinheit davon zukommen lassen. Der Redner erinnerte an die Zeit, wo die große christlich=soziale Bewegung in Berlin begonnen habe, und gab Beispiele, in welcher prächtigen Weise damals an den Familienabenden höhere Offiziere und Arbeiter, Geheimräte und Handwerker mit einander verkehrt hätten, und wie langweilig, wie furchtbar langweilig seien, dagegen in der Regel die sogenannten besseren Gesellschaften! sei in der That bange um die Zukunft unserer geliebten Resormationskirche, wenn sie ferner so im Objektivismus untergehe. Die Entwickelung der Sozialdemokratie beruhe auf der Verschuldung anderer. Wie sei es nur möglich, daß die Sozialdemokratie sich mit 2¼ Millionen Stimmen zur stärksten Parrei des Reiches entwickelt habe und daß dies geschehen sei unter einer der glänzendsten Regierungen der Weltgeschichte, und wie komme es, daß die Sozialdemokratie in katholischen Gegenden nicht zu solcher Bedeutung gelange wie in evangelischen? Das komme daher, daß man nach Gründung des Deutschen Reiches, als die finstern Wolken sich bereits am Horizonte zusammenballten, auch nicht das geringste Entgegenkommen und Interesse des sozialen Ausgleichs zeigte, sondern in Börsenschwindeleien weiter machte. Und die letzte Frage, weshalb die Sozialdemokratie in katholischen Gegenden nicht zu solcher Bedeutung gelange, wie in epangelischen, sei dahin zu beantworten, daß die katholische Kirche sozial arveite, wayrend dies der evangelischen Kirche verboten sei, oder man habe keine Lust dazu. Der Vortragende erließ einen kräftigen Appell an die Anwesenden, für die soziale Bethätigung der Kirche zu wirken und persönlich daran teilzunehmen. Er gab hübsche Beispiele, wie man in den Familien durch samikiäre Behandlung der Dienstboten Hestal. Wärtg, fein könne und schloß mit dem Wunsche, daß diese Vervier gute Früchte tragen welde. Es sand dann eine Beim engenn Kreise stcoht. — Godesberg, 20. Jum. Die Herausgabe eines chifll.soz. Kalenders mußte für dies Jahr aufgegeben werden, da nur 1300 bestellt waren und nur größere Partien zu drucken sich lohnt, auch wohl die Zeit zu spät ist und die Notwendigkeit der Herausgabe bei den vielen schon vorhandenen guten Kalendern von manchen Freunden noch nicht eingesehen ist, auch durch unser neues Handbuch in diesem Jahr weniger dus Bedürfnis vorliegt. Hoffentlich kann die Herausgabe im nächsten Jahr in Verbindung mit einenr 3. Handbuch erfolgen. Dr. 6. Peschasten Unsere Leser bitten wir um Aufgabe von Adressen, an welche wir mit einiger Aussicht auf Erfolg Probenummern des„Valk“ senden könnten. Wir schicken das Blatt gern einige Zeit gratis und franko zu. Sanitas. Größere wissenschaftlich geleitete gute Natinheilanstalten, welche zugleich in entschieden christlichem, evangelischem Sinne die entsprechende, meist nicht weniger nötige heilende Seelenaus dem Dienst für spätere Zeit. das liebe Mädchen zuführte, ten sich der Meine Eltern, denen ich meine Wahl und freuZweimal noch reiste ich mit der Herrschaft nach BadenBaden. Jedesmal erholte sich die gnädige Frau nach der Badekur, doch nicht für lange, nach wenigen Monaten schon kehrten stets die Schmerzen und üiberhaupt der alte Zustand Peichk. Den letzten Winter ihres Lebens verweilten wir auf ihren Wunsch in dem ruhigen Freienwalde. Im Sommer konnte sie vor großer Schwäche die weite Reise ins Bad nicht mehr unternehmen, freute sich aber noch innig über den prächtig gedeihenden, ersten Eukel, den das überglückliche junge Paar den lieben Großeltern in die Arme legte. Im Herbst wurde sie erlöst von ihren schweren Leiden; sanft und still ist sie entschlafen. Die ehemals so gefeierte Dame der aroßen Welt, hatts an ihres Lebens Ende die muchugrett alles irdischen Treibens erkannt und ihr Herz der ewigen, unvergänglichen Freude zugewendet. Kurz nach dem Tode seiner Mutter wurde der junge Herr als Premierleutnant nach dem Haag versetzt. Er nahm kortan seine Wohnung bei seinem Vater in dem alten Familienhause, das sehr wohl drei große Familien unter seinem nesendach hätte beherbergen können. Run ich meinen guten, alten Herrn inmitten seiner Kinder und Enkel so wohl geborgen wußte, durfte ich an selber denken. Ich bat um meine Entlassung und übernahm mit meinen Ersparnissen ein kleines Geschäft in Steinkohlen und Holz von einem alten Freunde meines Vaters, der sich zur Ruhe setzen wollte. Die Zinsen des ansehnlichen Legats, das mir die Generalin aus ihrem Privawvermögen hinterkassen, verwendete ich dazu, meinen alternden Eitern ihren Lebensabend friedlich und sonnig zu gestatten. Im Hause des Generals, das ja nun auch das Heim der jungen Herrschaften und ihrer Kinder war, wurde nach Jahresfrist Mariechen und mir die Hochzeit ausgerichtet. Eine Hochzeitsreise machten wir aber nicht, weil das neue ausblihende Geschäft mieiner Gegenwant nicht entraten omnte. speise uundh belebendes Wasser für den inthenen Menschen bieten, giebts wohl zur Zeit noch nicht. In Nr. 24(16. Juni) der Wochenschrift „Licht und Leben" giebt Pastor Fischer=Essen bekannt, daß eine Anzahl Freunde der„reinen natürlichen Heilweise" beschlossen haben, eine solche auf evangelischer Grundlage stehende Heilstätte, eine christliche Naturheilanstalt zu errichten. Näheres über Plan, Beteiligung an dem Unternehmen u. s. w., ist zu erftagen von Oberlehrer Fricke in Bielefeld. N. G. Frage. Vor kurzem wurde im„Volk“ bereits Auskunft erteilt, wie und wo man eventl. in Paris gut unterkommen könnte während der diesjährigen Weltausstellungsperiode. Vielleicht kann einer der lieben„Volk“=Leser zu allgemeinem Nutz und Frommen insbesondere für solche, welche eventl. nach Paris reisen, aus eigener Erfahrung oder fonstiger Erkundigung einige praktische Winke und Ratschläge erteilen betr. Reise, Unterkommen, Preise, Sprache, Führer und anderes Wissenswerte und hat die Güte, gest. einige diesbezügliche Mitteilungen im l.„Volk“ zu machen? Treuer„Volk'=Leser N. Frage. Kann mir einer der lieben Leser ein sicher wirkendes Mittel gegen Krätze angeben: Ich habe schon viele arztliche Mittel erfolglos angewandt. l. R. . Pf. 3t. in J. b. S. Die gewünschen Wente werden wir Ihnen ortesung mnayer bezeichnen. Hagen, 19. Juni. Einige Bureau=Gehilfen sucht man bei der städtischen Verwaltung in Hagen. An Gehalt wird monatlich 80—100 M. ausgesetzt. Bisher haben sich bereits 200 Bewerber gemeldet, eine Zahl, die gewiß alles bisher Gebotene in diesem Artikel übersteigt. Wer mag wohl der„Glückliche, werden? Bochum, 19. Juni. Am Sonntag abend brannte kurz nach 8 Uhr die Eisenhütte Westfalia. Dieselbe liegt unmittelbar am Bergisch=Märkischen Bahnhofe. Weil die brennende Dreherei und Modellschreinerei an dem Einfahrtsgeleise des Bahnhofes liegt, so wurden, um bei den etwa einstürzenden Mauern Unglücksfällen vorzubeugen, die Eisenbahnzüge auf das erste Geleise geleitet. Gegen halb 11 Uhr war das Feuer gelöscht. Die Dreherei und Modellschreinerei sind vollständig ausgebrannt, dagegen ist die vor sieben Jahren abgebrannte und neuerbaute Eisengießerei nur zum Seil in Mitleidenschaft gezogen. Die Werkzeugmaschinen in der Dreherei sind vollständig vernichtet. Auf genanntem Werke arbeiten ungefähr 100 Arbeiter. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des Feuers soll ein Blitzschlag sein. Dortmund, 19. Juni. In unserer Stadt findet vom 18. bis 22. Juni der 27. deutsche Gastwirtstag statt. Viele hundert Vertreter des Gastwirtsgewerbes sind in diesen Tagen hier versammelt um hinsichtlich ihres Verbandes ihrer Standes= und Wohlfahrtsaund en der Kasteshiche e i. esereg. au. Schen de. Belegesehn Gastwirtetag geht die Versammlung der Bevollmächtigten der Vereine des Deutschen Gastwirtsverbandes vonaus. Kobleuz, 19. Jumni. Vor den Geschworenen hatte sich ein äußerst raffinierter Gauner, der einundvierzigjährige Schreiber Joh. Heinr. Theile aus Ewerswinkel, zu verantworten, welcher im März dieses Jahres, als er kaum das Zuchthaus verlassen, den Prozeß gegen den früheren Bürgermeister von Zell als Ausgangspunkt für seine Gaunerstücke benutzte. Er fälschte eine Anzeige des Inhalts, als ob ein hiesiger Hotelbesitzer der Staatsanwaltschaft anzeige, daß ein Zeuge aus Zell in seinem Hotel ein falsches Zwanzigmarkstück verausgabt habe. Nachdem er eine Verfügung des Ersten Staatsanwalts darunter geschrieben, begab er sich als Untersuchungsrichter Affessor Dr. Fischer nach Zell und stellte bei zwei dortigen Einwohnern, deren Namen er durch die Schwurgerichtsverhandlung erfahren, Ermittelungen an Er ließ sich die Kassen vorlegen und versiegelte das Geld mit Briefumschlägen, wobei er nach Taschenspielerart diese Briefunschläge mit solchen vertauschte, in denen sich nur Klosettpapier und einige dickel befanden. Beim Kaufmann B. brachte er auf diese Weise 340 Mt. in seinen Besitz, beim Hotelier T gar 1068 Mk. Letzterer aber entlarpte noch zeitig den Schwindler und ließ ihn verhaften. Das Urteil kautete auf fünf Jahre Zuchthaus und sechs Jahre Ehrverlust. 19. Jsuni. In der verstossenen Nacht gegen 2 Uchr entstand hierselbst Großfeuer. In der neuen beim Oberthor gelegenen Kallenschen Oelmühle nahm dasselbe seinen Aufang, griff dann auf die alte Kallensche Oelmühle über und ebenso auf die vorgelagerte Dampfmehlmühle von Müller& Inhoffen. Alle drei Etablissements sind gänzlich zerstört auch ist der Dachstuhl des historischen Oberthores abgebrannt. Die Lindensche Mühle konnte aus der Turbine stets unter Wasser gehalten werden und blieb deshalb verschont. Aus Düffeldorf hatte man die Dampsspritze requiriert. Dieselbe kam aber zum Einschreiten zu spät. Der Schaden beträgt mehrere Humdertansende. Wei der Mechlneüächle ist. für. Stwpg. 5600 Me. veireive verbrannt in der Oelmühle blieben die durch ein Gewölbe geschützten Oelsänge verschont, wodurch weiteres Unheil verhindent wurde. Die Bücher und Kassen der beteiligten Firmen wurden rechtzeitig geborgen. Neuwied, 18. Juni. Der hiesige Frauenverein zur Krankenpflege feierte in der Aula der Provinzial=Blindenanstalt sein 50jähriges Bestehen. Hiermit wurde die Feier des 25jährigen Bestehens des Ottohauses, in welchem aumne Wayentinger von evangelischen Diakonissen erzogen werden, sowie die Grundsteinlegung zum Erweiterungsbau des Krankenhauses verbunden. An der Feier beteiligten sich die Frau Fürstin zu Wied und die beiden Prinzessinnen, die städtische Vertretung, zahlreiche Gäste von Neuwied und aus anderen Städten und die Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins. Die Stadtvertretung bewilligte aus Anlaß des Jubiläums 10.000 M. für den Verein. Ferner wurden von dem englischen Vertreter für die von der Königin von Rumänien veranlaßte Puppen=Ausstellung in England für das hiefige Krankenhaus 10.000 M. überwiesen. Außerdem sind namhafte Geschenke von 5000 3000, 1000 ul. s. vv. Mark von Privatleuten dem Verein überwiesen worden. Essen, 18. Juni. Ueber die Gesamtzahl und Art der im Gebrauch befindlichen tragbaren Grubenlampen, Sicherheitslaupen und Reservelampen werden gegenwärtig auf Veranlassung des Bergbaulichen Vereins Erhebungen angestellt. Ferner werden Angaben über den verwendeten Leuchtstoff, über die Füllapparate, über die Lampenrevisionen durch Beamte de. und die Einsendung eines wenn auch nur scizzierten Grundnisses des Lampenreinigungs und Fülranmes sowie des Ausgabe= und Abgaberaumes gewanscht. Die Zechenverwaltungen werden ersucht drei neue Drahtkorbe und drei Zylinder und sofern Zhlinder und Körbe verschiedene Größe oder verschiedenen Materials verwendel werden von jeder Sotte drei Stüich ai, die Beragewpentschäftliche Berstuchssireite in Bisichre i Ab einzissenden Marbhurg, 19. Juii. Die vom hiefigen b#ttologischen Verein veraustattete große Hunde=Ausstellung sand gestern auf dem Sampfrafen und in der Datanstoßenden Ererzierhalle statt. Dieselbe var mit en. 480 Sunden der verschiedensten Rassen beschickt. Von Marburger Ausstellern echielten#. Leumant Di ir die beste Bechkechinen nd Jacobi für den besten getigerten Teckel je einen ersten Preis 93 Ehrenpreise waren von verschiedenen Seiten gestiftet worden. Die Ausstellung während der die hiesige Jägerkonzertierte, hatte sich eines über Erwarten zahlreichen Besuches von Nah und Fern zu erfreuen. vom Blitze erschlagen. # Vom Konitzer Mord. Die„Korrespondenz Detbarn“ bestätigt, daß die gegenwärtige Ruhe anhält. Ferner bringt dieselbe folgende Einzelheiten: In Uebereinstimmung mit der städtischen Sichersoll auf Beschluß der jüdischen Gemeindevertretung in den nächsten Tagen mit der Instandsetzung der arg demolierten Synagoge begonnen werden. Da man indessen, sicher unberechtigterweise, befürchtet, daß gegen die mit der Renovierung betrauten Arbeiter Ausschreitungen begangen werden, so soll die nähere Umgebung der Synagoge durch Militärposten abgesperrt werden. Auch sonst sollen die Arbeiter Schutz erhalten. Konitz hat jetzt fast überall elektrische Beleuchtung, wodurch in den Abendstunden heimlichen Zusammenrottungen vorgebeugt wird. Die Zeugen erhalten seit einigen Tagen ihre Vorladungen auf„Vernehmung in der Mordsache Winter“. Der Uebergang zu diesem Titel von der bisherigen Bezeichnung„Strassache gegen den Fleischermeister Hoffmann wegen Todschlages dürfte als Beweis dafür gelten, daß infolge Zusammenschrumpfung des Belastungsmaterials gegen Hoffmann dessen endgültige Außer=Verfolgungsetzung unzweifelhaft erscheint. Weiter meldet ein Berichterstatter aus Konitz: Der Matrose Wranke, ein früherer Schulkollege des ermordeten Ernst Winter, der mit ihm am Mordtage bis Nachmittag zusammen war und dessen Ankunft in Bremerhaven an Bord des Dampfers„Frankfurt bereits als bevorstehend gemeldet wurde, ist hier eingetrosfen. Er soll noch heute(Montag) vor dem Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann erscheinen, um vernommen zu werden. Auf seine Aussage ist man gespannt. Hoffmann soll in der That aus der Untersuchung ausgeschieden werden. Man spricht wieder von einer neuen Spur und nennt einen Hefenfabrikanten als angeblichen Thäter resp. Mitthäter oder Mitwisser.(Nach der„Welt am Montag“ ist es der jüdische Einwohner Sohrauer. D. R.) Positives ist aber noch nicht bekannt geworden. Der Verkauf einer schwarzumränderten Postkarte, welche drei Ansichten der Fundstellen Winterscher Leichenteile zeigt und auf rotem Grunde die Bekanntmachung bezüglich der Belohnung zeigt, soll in sicherheitspolizeilichem Interesse inhibient werden. Die Ermittelungen über die Synagogen=Brandstifter haben bislang keinen Erfolg gehabt. Das amtliche„Konitz=Dementi“ in den „Berliner Neuesten Nachrichten“, nach welchem ein im Synagogengrundstück beschlagnahmtes, Blut enthaltendes Fläschchen zwar nicht nach Berlin gesandt, wohl aber hier daraufhin untersucht wurde, ob es Menschen= oder Tierblut enthalte, und daß die Untersuchung ergeben habe es sei Geflügelblutt, ist unrichtig. Eine solche Feststellung ist, wie ich bestimmt versichern kann, hier gar nicht erfolgt. Die ärztlichen Sachverständigen, denen das Fläschchen zur Begutachtung zugestellt wurde, kamen zu dem Resultat, daß es nicht möglich sei, die Herkunft des Blutes, seines gefrorenen Zustandes wegen, genau zu bestimmen. Es scheine Geflügelblut zu sein. Was die Kostenfrage für die militärische Einquartierung anlangt, so haven nach dem„Konitzer Tageblatt" bereits Besprechungen des Regierungspräsidenten mit dem Landrat v. Zedlitz und dem Konitzer Bürgermeister stattgefunden, nach denen man hoffen darf, daß der schon ohnehin durch die Monate langen Unruhen schwer heimgesuchten Kommune Konitz nicht Opfer auferlegt werden, welche sie ohne dauernde Lähmung ihrer Finanzkraft zu bringen außer Stande ist. Ob sie zur Tragung der gesamten Kosten des militärischen Schutzes gesetzlich verpflichtet ist, darf ohnehin noch als nicht zweifelsfrei angesehen werden. Joseph Gönczi, der Mörder der„Gyps=Schulzen" und ihrer Tochter, weiß seit Montag vormittag, daß sein Kopf verfallen ist, wenn nicht die Gnade des Königs ihm sein armseliges Leben schenkt. Sein Verteidiger Dr. Fränkel suchte ihn in seiner Zelle im Moabiter Gefängnis auf und teilte ihm mit, daß das Reichsgericht die Revision verworfen und daß er nur noch eine kurze Frist zu leben habe. Es war dies die erste Nachricht, die Gönczi von der Entscheidung des Reichsgerichts, die seine letzte Hoffnung vernichtet, erhielt. Er fuhr zusammen, wurde leichenblaß und verlor einen Augenblick die Fassung. Aber in der nächsten Minute war er wieder ruhig und gefaßt und sagte zu seinem Verteidiger, es sei so am besten. Am Leben liege ihm nichts, und er ziehe den Tod dem lebenslänglichen Aufenthalt im Zuchthause vor. Seiner bisher gespielten Rolle getreu beteuerte er auch jetzt seine Unschuld und bat seinen Verteidiger, sich noch weiter zu bemühen, seine Unschuld an den Tag zu bringen, damit er nicht wegen eines Verbrechens, das ein anderer verübt habe, den Kopf verliere. Schließlich dankte er Dr. Fränkel für alles, was dieser bisher für ihn gethan habe. Gönczi ist seit einigen Tagen wieder gefesselt, um zu verhüten, daß er Selbstmord begeht. Wertpapierbörse. Berlin, 20. Juni. Während Fonds und Banken zu niedrigeren Kursen eröffneten, war die Haltung am Montanmarkte eine feste. Die„Times“=Meldung aus Shanghai wurde günstig ausgenommen. Eisenbahnaktien setzten nahezu ausnahmslos niedriger ein, konnten sich jedoch später teilweise erholen. Privatdiskonto 5⅛ Prozent. Anfangs waren: Kreditaktien 216.30, Diskonto=Komm. 178.40, Deutsche Bank 190,10, Dresdner Bank 150,.25, Darmstädter Bank 134,— Handelsgesellschaft 150.75, Staatsbahn 142,30, Lombarden 27,75, Marienburger 74.50, Gotthard Schweizer Central Schweizer Nordost 90,40, Jura=Simplon 86.20, Prince Henri 115,60, Bochumer 223,50, Dortmunder 105,50, Lauva 233,—, Gelsenkirchener 194,60, Harpener 261.90, Hibernia 214,50, 3proz. Reichsanleihe—.—, Italiener 94,10, Sproz. Mexitaner—— Türkenlose 109.90, Spavier 70. Northern 7885 Berlin, 20. Juni. Der mäßige Rückschlag in Nordamerika machte die ohnehin schwache Kauflust sehr vorsichtig und verschlechterte Weizen im Lieferungshandel nach einer kleinen Erholung um Mi. 0.50. Roggen war durch entgegenkommendes Angebot entsernter Liesersuisten zeitweise recht gedrückt und etwa Mk. 0,75 billiger. Hafer still. Ruböl unverändert. 7Der Spiritus ohne Umsatz, Preis sominell Mt. 50. etter bedeckt. Berlin, 20. Juni. Weizen per Jumi 158.75, per Juli 159.75, per Sept. 160.25. Roggen per Juni 147.25, per Juli 144.50, per Sept. 144.25. Hafer per Juni 132,— per Juli 127,75. Mais, amerik, Mixed loko, niedrigster Preis 112,— do höchster Preis 110.25, per Mai Rüböl per Mai 58.50, per Oktober Spititus 5der—(0er 50, Wetter Bedeckt. 20. Juni.(Fruchtmarkt.) Weizen, 1 Sorte M. 16,60, 2 16.10 3 15.60 Roagen, Sorte M. 15.30 2. 14.50, 3. 14. Haser 1 Sorte M. 14.80, 2 00.00. Alles die 100 Kilo. Kartoffeln M. 2.50 3,30, Heu M. 3,40—3.90, Luzernenheu M.0 die 50 Kilo. Maschinenstroy M. 12.00, Flegeldrusch M. 15.00 die 500 Kilo. Rleie M. 5.20 die 50 Kilo. Weizen und Roggen höher. Köln, 20. Juni(Fruchtmarkt. Keine Zufuhr Heu M. 8.20 bis 10 60, Maschinenstroh(Roggen=) 2.90, Richtsthoh,(Flegeldusch) 3.30. Krummstroh, MN. 2.20 die 100 Kih. Schluß des redaktionellen Teils. W SSEE R c ccch