12. Jahrgang. Nr. 88. Siegen, Sountag, den 15. April 1900. Die Zeitung„Das Volk“ an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei dem entsprechenden Postamte(Nr. 7128 der Zeitungsliste) oder bein Landbriefträger anzubringen Bestellungen für eserschlalboanschen Al. 8 e süie gale Postabonenten M. 1.35 sei its, Hats 40 Ple mniehe. Schriftleitung und Geschäftsstelle. Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Berlin: Agentur: NW Klopstockstraße 7, (D. v. Oertzen.) Ostern. Nahezu zweitausend Jahre sind verflossen seitdem der Gottmensch Jesus Christus auf Erden wandelte, der erlösungsbediürftigert, Menscheit, seite, ewigen, Heilswähtheitestepen kündete, gekreuzigt wurde und starb— um in voller Glorie am dritten Tage wieder aufzuerstehen von den Toten und nahezu zweitausend Jahre feiert die christliche Welt das Gedächtnis dieses erhabenen Gotteswerkes in unverganglichem Dankgefühle in der Karwoche und den darauf folgencharftestag und. Osteienre— welchs en, Kontrastis Die Jahre laug hatte der anfangs unbekannte Zimmermannssohn von Nazareth in seinem Volke gelehrt und gewandelt drei Jahre lang hatte er seine Wunder verrichtet, vor denen es erstaunte, innerhalb dieser drei Jahre hatte er einen so bedeutenden Anhang gewonnen, daß er unter dem lauten Hossannal des Volkes seinen Einzug in Jerusalem halten konnte— und doch brachten es die Schriftgelehrten und Pharisäer dahin, daß dasselbe Volk, welches Hosiannah gesungen nun rief Kreuzige ihn— daß derselbe Landpfleger Pontius Pilatus, der erklärt hatte ich finde keine Schuld an diesem Gerechten, doch das Urteil vollstrecken ließ um seine Popularität zu bewahren,— und zwei Feinde wurden über diesem Urteil Freunde. Zwei Jahrtausend sind im Strome der Zeiten dahingerollt, und heute wie damals werden Pilatus und Herodes über einem falschen Urteil Freunde heute wie damals ist das Kreuz den spottenden Juden ein Aergernis und ven Heiden den so gewaltig klugen modernen Heiden eine unglaubliche Thorheit heute wie damals aber giebt es auch eine Schar von glaubensmutigen, kampfesfrohen Christen, denen das Kreuz ihres Herrn ein unfehlbares Zeichen des Sieges ist, ein Siegeszeichen im Leben eine Hoffnung im Sterben und endlich ein Symbol der Auferstehung und eines ewigen seligen Lebens An dem Tage von Golgatha erlitt das Christentum, mit dem Zeichen der Schmach gebrandmarkt, in seinem Stifter scheinbar den Todesstoß die Juden triumphierten mit den Heiden um die Wette und um das Kleid des Erlösers wurde das Los geworfen. Aber wie der Heiland am dritten Tage in Glorie wieder auferstand nachdem er durch ein Leiden Sünde und Tod überwunden, zum größten Schrecken seiner Feinde, so ersteht auch allezeit das Christentum, wenn seine Feinde es tor sagen zu immer neuem Leben; es nimmt seinen unüberwindlichen Siegeslauf über alle Länder und Völker der Erde sie befruchtend und verjüngend Immer und überall wird aufs neue erkannt, wenn aller menschlicher Witz abgewirtschaftet hat und die Meuschheit vor einem Abgrunde stehtEs ist in keinem Andern Heil auch in den Dingen dieser irdischen Welt, als in ihm, welcher die Welt überwindet und hinführt zu ewiger Klarheit und Wahrheit, zu zeitlichem und ewigem Heil. Karfreitag und Ostern sind die schönsten und tröstlichsten Feste, die es geben kann. Der gläubige Christ weiß: du bist von Schuld erlöst durch den Tod des Heilands du bist des ewigen Lebens gewiß durch die Auferstehung des Heurn und nach diesem dornenvollen mühseligen irdischen Leben winkt dem Gläubigen im Jenseits der Lorbeer des Sieges die Palme des Friedens. Wer je des Lebens Bitternisse gelostet, wer an einem Sterbebette oder am offenen Grabe eines lieben Heimgegangenen gestanden, der muß die unerschütterliche Ueberzeugung gewonnen haben, daß in solchen Momenten aller menschliche Witz, alle Philosophie auch den kühnsten„Denker im Stich lassen, daß dann der einzige Trost im Glauben an Den liegt der dem Schmerze die ätzende Schärfe, dem Tode den Stachel genommen und ihn überwunden hat und der wahrhaftig auferrichten. Statt der gewünschten Aufschlüsse über das noch immer in Dunkel gehüllte Gefecht bei Meerkatsfontein oder De Wets Dorp bringen die Telegraphenagenturen nur Einzelheiten über die Kämpfe bei Elandslaagte. Ein ReuerMeldung aus dem Burenlager bei Glencoe vom 11. ds. lautet: „Am 10 ds rückten bei Tagesanbruch die Streitkräfte der Buren gegen die Höhenrücken in der Nähe des englischen Lagers vor und eröffneten mit ihrer Artillerie ein Feuer auf dieses Die Beschießung dauerte den ganzen Tag Das Ergebnis ist günstig. Die britischen Verluste müssen schwer sein. Einige Geschosse krepierten unter ihren Truppen. Den Buren wurden nur drei Maulesel uno zwei Pferde getötet.“ Man sieht also, daß die Buren auch hier eine sehr energische fensive eröffnet haben. Eine Meldung Reuters aus Ladysmith vom 11 sucht diese Thatsache abzuschwächen„Man erwartet nicht heißt es darin,„daß sich aus der gestrigen Demonstration der Buren bei Elandslaagte weiteres entwickelt. Die Engländer sind noch Herren der Brücke über den Sonntagsfluß Man glaubt, daß die Streitkräfte der Buren jetzt auf dem der englischen Stellung gegenüberliegenden Kopje zusammengezogen sind. Heute fanden mehrere Scharfnützel statt. Die Stellung der Buren, wie sie sich gester erkennen ließ erstreckte sich auf eine Länge von reichlich 24 Kilometer über eine fortlaufende Reihe von Hügeln hin. Der Satz, die Engläuder seien noch Herren der Brücke über den Sonntagsfluß klingt nicht sehr zuversichtlich und läßt den Zeilen lesen, daß diese Brücke stark bedroht ist. D Daily Mail“, deren Berichterstatter in Brandfort bekanntlich zuerst die immer noch unbestätigte dritte Niederlage der Briten bei Meerkatsfontein meldete äußert sich jetzt wie folgt:„Die aus Burenquellen stammende Meldung hat noch immer keine Bestätigung erfahren und wir können hoffen, daß sie gänziich unbegründet war oder auf übertriebene Meldungen von dem Gefechte bei Reddersburg zurückzuführen ist. Jedenfalls müssen wir uns noch einen Tag gedulden, bevor wir etwas Sicheres erfahren, da uns Berichte über britische Niederlagen immer mit einiger Verspätung erreichen. Das ist ganz natürlich, wenn wir bedenken, daß die Abteilungen im Freistaatin beträchtlicher Entfernung vom Hauptquarte operieren Aber mit dem einen Tage Geduld ist es nicht geschehen, denn auch heute ist das Dunkel das über diese angebliche englische Niederlage bei Meerkatsfotein gebreitet ist nicht gelichtet. Wir müssen es also auch fernerhin der Darky Mail, die sich mit ihrem vollen Ausehen für die Nachricht ihres Korrespondenten verbürgt hat überlassen, das Dunkel zu lichten Inzwischen lenkt sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Vorgänge bei Wepener, wo nach einer Meldung Reuters aus Aliwal North von Brabauts Division die 1 und 2. Kastratschle=Schützen, Die berittenen Rastschützen, eine Koupggne der Schottischen berittenen Infanterie mit zwei 15=Pfündern, zwei 12=pfündigen Schiffsgeschützen einer Hotchkißkanone und zwei 7=Pfündern eingeschlossen sind. Die Belagerten haben mehrere Ausfallversuche gemacht, die aber von den Buren zurück geschlagen wurden. Ereignisse von Bedeutung werden sich vor ausfichtlich in den nächsten Tagen in der Umgegend von Ladysmith abspielen. Die Buren sind dort sehr rührig und greifen tapfer an Zu entscheidenden Gefechten ist es aber bisher nicht gekommen dem Karfreitag— den auch jedes Menschenherz hat— ein stimmen kann in das alte Österlied Christ isterstanden Nur Dem kann auch die erwachende Natur des Frühlings einen wirklichen Gottesdienst halten, der in ihr ein Abbild und Symbol der Auferstehung Dessen erblickt, welcher eint auch die mühselige und beladene Kreatur frei machen wird vom des vergänglichen Lebens Der Krien in Südafrihn. Als am Weihnachtsfeste aufs neue die Botschaft durch die gesamte Christenheit ging„Friede au Erden und Christ ist geberen da rollten und grollten in Südaftika die schweren Geschütze Zwei ebangelische Völker rangen mit einander in heißem Kampfe. Nun ist es Ostern geworden aber von Osterfrieden ist in Südafrika nichts zu bemerken. Es sieht mehr als je nach Kampf und Verderben aus. Wannwird die Zeit kommen, da diese beiden Völker die auf denselben Jesusnamen getauft und denselben teuren Glauben bekennen sich die Hand reichen zum Frieden und zwar zum dauernden Frieden Wird das stölze England sich demütigen, wirdes sein Unrecht einsehen Wit bezweifeln es. Und so wird denn auch wohl noch das Pfingstfest kommen und gehen ohnle daß an Frieden zu denken ist. Mancher Burenjüngling der am Ostertage seine Knie beugt vor dem lebendigen Gott und dem Auferstandenen zujauchzt er liegt am Pfingstfest kalt und bleich in der Gruft hingemordet von eine feindlichen Kugel Aber g#ch viele viele Söhne Englands, die heute noch mit dem Schwert in der Haud kämpfen, sie werden am Pfingstfest nicht mehr sein. Aber die Zeit wird kommen, da diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die dieses Blutbad verschuldet haben. Wir können nichts weiter thun, als das Burenvöllchen in unser tägliches Gebet einzuschließen und das Uebrige dem allmächtigen Gott zu überlassen Er wird es auch hier wie übere einmal herrlich hiansführen Vom Kriegsschauplatze ist heute nicht viel neues zu beWir verzeichnen noch die folgenden Meldungen: Pretoria, 11 April. Den letzten Nachrichten zufolge dauern die Kämpfe bei Elands Laagte und Dewetsdorp fort. Einzelheiten darüber fehlen noch— Hier ist das Gerücht verbreitet, Oberst Baden=Powell sei in Maseking gestorben. 11 April. Da die für die Versorgung der Gefangenen ungünstigen Verhaltnissen täglich von neuem zu Tage treten, so beabsichtigen die Behörden, alle Gesangenen sobald als möglich nach St. Helena zu verschiffen. Der Krankheitsstand läßt nach. Seit Montag ist eine Verson gestorben. London, 12. April Reuter meldet aus Durban vom 11. ds. Zuverlässigen hier eingetroffenen Mitteilungen zufolge sind in einer Anzahl Minen Johannesburgs Löcher gebohrt zur Vorbereitung für die Zerstönung durch Dynamit im Falle einer endgültigen Niederlage London, 11. Aprik. Ein Veleguchum des Lord Roberts vom 1I. de besagt. Wie General Buller meldet, guff der Feind gestern den rechten Flügel an, als derselbe seine Stellung änderte. Die britische Artillerie brachte die Geschütze der Buren zum Schweigen. Die Buren erneuerten den Angriff nicht. Die englischen Verluste betragen Wies Soie und 805 Vermmwüels. London 12 April Der„Standard" berichtet aus Durban vom 1 ds.: Eine ganze Brigade ging von Natal ab, um zu Roberts Truppen zu stoßen Zwei weitere Regimenter schiffen sich heute ein. General Hunter übernimmt das Kommando über die Brigade. Die Times meldet aus Loureneo Marques von gestern: Der öster reichische Finanzmann Spler welcher die Stelle eines Hauptmannes der Randminenpolizei bekleidet, ging mutig vor, um die den Minen drohende Zerstörung zu vereiteln Als er erfuhr, daß Leute ausgesandt seien, um zum Zwecke der Zerstörung der Minen Löcher zu bohren verhaftete er den Führer der aus 14 Mann bestehenden Abtetlung Staatsingenieur Munnik erhob Einspruch und erklärte, die Leute handelten auf seinen Besehl. Epler verlangte einen schriftlichen Befehl, welchen Munnik den Leuten ausstellte, worauf ihnen gestattet wurde ihre Arbeit fortzusetzen. Infolge von hierauf erhobenen Vorstellungen bei der Regierung in Pretoria wurde Munniks Besehl aufgehoben. Seitdem sperit Epler die Minen unter seiner Oberaussicht ab.— Die Daily News mieldet aus Kapstadt vom 10. d.: 400 gefangene Buren wurden heute nach St. Helena eingeschifft.— Die Times berichtet aus Bloemfontein vom 10# d.: Die britische Truppenabteilung bei Wepener besteht aus 400 Mann. Berlin, 12. April. Der Lokal=Anzeiger meldet aus London Nach Telegrammen aus Bloemfontein nähern sich die vermanenten Verteidigungswerke von Bloemsontein ihrer Vollendung. Es wird auch ein großes Kavallerielager gebildet. Lord Kichener ist mit berittenen Truppen in Burgersdorp in der nördlichen Kap=Kolonie, wo die Aufständischen viel Schwierigkeiten bereiten.— Aus dem Lager bei Glandslaagte wicd von Mittwoch abend gemeldet. Die Buren machten einen energischen Angriff auf die englische Stellung und kamen bald in Verührzuing mit unseren Vorposten. Es folgte ein ununterbrochenes G Der Angrisf wurde schließlich abgeschlagen. Die Buren Durch die Zeitung„Das Volk“. finden Anzeigen weiteste Verbreitung im des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für Provinzen Aheinland und Westfalen, Hessegzsglsge und Pecrg herzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durg, ein Anzeigen=Vermitteltugs=Geschäft zu erteilen. sind offenbar bestrebt, das Lager von Ladysmith abzuschneiden. Weitere London, p, Abptik., Der. Daich Maik wird aus Louteneo Marquez telegraphiert: 35.000 Buren mit 90 Geschützen sind auf einer Hügelreihe zwischen Kroonstad und Winburg konzentriert. Die ganze Linie ist befestigt und die Stellung fast uneinnehmbar. Siegen, 14. April. — Zur Berufung des Professors König nach Bonn uns ein Leser aus Rostock Mit besonderer Freude erfüllt mich die Haltung des„Volk in der„Affäre Prof. König, denn von einer solchen kann man ja beinahe schon reden. Hier Rostock sehen wir den verdienten Gelehrten—den die meisten nur deshalb nicht kennen, weil er ihnen zu gründlich arbeitet und somit auch wieder tüchtige Arbeit verlangt alle nur ehr ungern scheiden zumal da es sehr zweifelhaft erschien, an diese Universität ein annähernd so tüchtiger käme. Endlich ist nun der endlos lange offizielle Weg bis zum Ziele zurückgelegt und die Berufung des„63jährige Privatdozenten(wie in einigen Zeitungen veröchtlich schon vor einiger Zeit zu lesen stand, natürlich in solchen, dieselbe Kerbe hauen, wie die, die die„###are König" geschaffen) Volk aus Greifswald ist erfolgt Herr Prof. Volk, der stach langer Thätigkeit in Dorpat einge, Semester in Greifswald gewirkt hat wird dem Rufe Folge leisten und Gott will, bestimmt am Anfang des Sommer=Semesters seine Vorlesungen in Rostock aufnehmen — Gegen die Regierung in Arusberg hatte jüngst die Nationialliberale„Rheinisch=Westfälische Zeitung mehrere scharfe Artikel gebracht, daß namentlich die Regierung die Selbstverwaltung der Städte zu wenig respektiere und alles durch die Landräte besorgen lasse Hierauf antwortet jetzt das Central= Volksblatt in Arnsberg folgendes Die„Rhein.=Westf. Ztg.“ hat sich in mehreren Aufsehen erregenden Artikeln mit der Verwaltungsmethode der Arnsberger Regierung beschäftigt und ist zu dem Schlüsse gekommen, daß viele uuliebsame Erscheinungen auf diesem Gebiete auf die Entfernung der Reg hauptstadt vom Mittelpunkt des Verkehrs zurückzuführen seien. Schlußfolgerung die Regierung müsse ius Kohlenrevier Dieses Lied kennen wir schon. Wir befürchten nicht, daß dasselbe m Berlin Gehör findet, aber wir geben zu, daß die Verbindluig zwischen Arusberg und den Industriekreisen piele Unbequemlichkeiten mit sich bringt. Die Schlußfolgerung müßte aber nicht sein daß nun der Sitz der Regierung von der Mitte in die des Bezirkes verlegt und dadurch für die Kreise außerhalb des Kohlenreviers erst recht unerreichbar gemacht werde, sondern daß mit allen Kräften dahin gestrebt werden müse, die an den Bezirksgrenzen liegenden Kreise der Hauptstadt näher zu bringen Woher kommt es denn, daß Arnsberg für die Herren im Industriegebiet so ennegen ist? Die direkte Entfernung nach Dortmund Kilometer, könnte also mit Schnellzug bequem in 50 Minuten zurückgelegt werden. Viel kürzer ist beispielsweise für die Bewohner Barmen und Krefeld die Reise nach Düsseldorf auch nicht, ganz zu schweigen von den großen Industrie=Centren des Oberbergischen, Remscheid und Lennep. Warum ist nun trotz geringer Entfernung der Verkehr mit Arnsberg so schwierig und zeitraubend? Warum fehlt die seit wielen Jahren sogehstlich angestrebte direkte Bahnlinie, Dortmund Schwertes Warnli verkehren auf der Strecke, Hagen Kassel nicht meht als zwei Schnellzüge? Warum bettelt unsere Handelskammer seit langem vergebens um einen elenden Lokalzug, der die mehr als traurige Morgens=Verbindung nach dem Industriegebiete etwas verbessern soll? Warum? Nun, weil all von den schönen Versprechungen bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen heute niemand mehr etwas wissen willz weil unsere Staatseisenbahn=Verwaltung ein reines Finanzinstitut geworden ist, das den Anforderungen de. verkehrs nicht etwa entgegenkommt, sondern sich unwillig schieben läßt und erst dann sich Verbesserungen entschließt, wenn die Mißstimmung der Verkehrsinteressenten den Höhepunkt erreicht hat. Schwerte witd nicht gebaut, weil es einträglicher ist, die Güter und Passagiere auf den Umwegen über Hagen oder Holzwickede spazieren zu fahren Schnellzüge fahren nicht auf der weil der Betrieb wegen der Steigung etwas teuter sein soll, als zum Beispiel auf der Altenbekener=Linie, den Lokalzug schafft man nicht, weil— nun weil er immerhin einige Mark Kosten verursachen würde. Hier sollte die Presse und die berufenen Vertretungen des Kohlenreviers den Hebel ansetzen. Mit aller Entschiedenheit sollte die Forderung erhoben und durchgefochten werden, daß für einen deutendsten Industriebezirke Preußens eine anständige Verom#n dem Sitz der Verwaltugsbehörden geschaffen werde. Die Entfernung ist so klein, daß bei Schnellzugsverbindung über Schwerte=Dortmund man von Arnsberg aus die Haupwplätze des Kohlenrei kehrt bequem in einem Vor= oder Nachmittag besuchen konnte, und mehr würde man billigerweise in Dortmund und Bochum nicht verWose Gerscke den Statsbahnbespalthiniche ist. bolkomintente bes rechtigt, wenn auch leider so lange Herr Thieren Minister ist wenig Aussicht vorhanden, daß es besser wird. Herr Thielen hat nur die Tendenz recht viel Geld zu machen. Dieselbe Unwilligkeit, das Staatsbahnnetz auszubauen und verkehrsreiche Orte demselben anzuschließen, wird auch im Siegerland und im Westerwald schmerzlich empfunden. Warum wird B Siegen Weidenan Netphen nicht gebaut— eine zweisellos rentable Strecke In der Fleischbeschauftage legt die Reichsregierung ihren Standtun“ vor der Oeffentlichkeit dar. Die öffiziöse Norddeutsche Allgeneine Zeitung veröffentlicht an leitender Stelle einen Artikel, in dem es u. a. heißt. Sachkenntnis und warmen Interesse für das landwirtschaftliche Gewerbe nich zu zweiseln ist haben offen anertannt, daß der Gesetzentwun gegenben dem jetzigen Zustande landwirtschaftlichen Standpankt aus einen wesentlichen Fortschritt bedeutet und deshalb den dissentierenden Vertretern der Laudwirtschaft den Abschluß eines Vergleichs nahelegt. Jene Politiker haben damit dem landwirtschaftlichen Gewerbe in Gegenwart und Zuhmnft jedenfalls einen größeren Dienst erwiesen, wie diejengen Vertrete der Landwirtschaft die diesen Gesetzentwur zu einer Kraftprobe gegenüber den verbündeten Regiengen benutzen wollen.“ Die„Deutsche Tageszeitung" das Organ des Bundes der Landwirte, nimmt zu dieser Auslassung dadurch Stellung, daß sie erklärt, die betreffenden Ausführungen seien angenscheinlich nicht auf Regierungskreise zurückzuführen Die„Kons Korresp.“ veröffentlicht folgende Erklärung zum Fleischbeschaugesetze: Die Stellungnahme, welche die Unterzeichneten hinsichtlich bestimmter Kompromißvorschläge in der„Vorstandssitzung des Bundes der Landwirte" zum Ausdruck brachten, ist, wie wir mehrfachen Augriffen gegenüber festzustellen uns für verpflichtet erachten, vollkommen übereinstimmend mit einem nahezu einheitlichen Beschlusse des geschäftsführenden(Elfer= Ausschusses der deutsch=konservativen Partei, gefaßt am Tage vor jener Vorstandssitzung des Bundes der Landwirte Beiläufig ist noch zu bemerken, daß sowohl der Ausschuß des konservativen Vereins der Provinz Ostpreußen wie auch die Versammlung der Delegierten des Bundes der Landwirte von Ostpreußen vom 19. bezw. 21. März— beide nahezu einstimmig— in gleichem Sinne Stellung nahmen, endlich der Vorstand der Landwirtschaftskammer von Ostpreußen Sofern das erforderlich, werden die Unterzeichneten zu den Vorgängen auf diesem Gebiete weitere gemeinsame Erklärungen abgeben. Erschwert werden letztere dadurch, daß der unterzeichnete Frhr. v. Manteuffel z. Z. eine Kur in Karlsbad gebraucht. Karlsbad und Sorquitten, am 11. April 1900. Freiherr v. Manteuffel=Crossen. Graf v. Mirbach. — iin der belgischen Repräsentantenkammer verlas der Ministerpräsident de Smet de Naeyer eine Mitteilung zufolge welcher der König seine unbeweglichen Güter dem Lande zum Geschenk macht. Die Rechte hörte stehend die Verlesung an, die vom Hause mit auhaltendem Beifall begrüßt wurde. Der Kammer ist ein besonderer Gesetzentwurf über die Annahme der Schenkung des Königs an den Staat vorgelegt. Das die Vorlage begleitende Schreiben des Königs an den Minister des Innern besagt: Aus Anlaß meines 65. Geburtstages liegt es mir am Herzen, dem Staate diejenigen meiner Besitzungen zu überweisen, die zur Annehmlichkeit und Schönheit der Oertlichkeiten, wo sie gelegen sind, beitragen. Von dem Wunsche beseelt, diese Güter ihrer Bestimmung die Umgebung zu verschönen zu erhalten, habe ich ständig darüber gewacht, daß sie durch keinerlei Bauten, die ihre Eigenart verändern könnten verunstaltet würden. Es wäre bedauerlich, wenn auch nur diese ihre Bestimmung zum Schaden des Landschaftsbildes und der Gesundheit verschiedener bevölkerter Bezirke zu nichte würde. In der Ueberzeugung, daß es sich empfiehlt, daß diese Güter dem Lande geyoren, habe ich beschlossen, sie Belgien darzubieten, und bitte Sie, die beiliegende Schenkungsurkunde den Kammern zu unterbreiten. — Eine Erklärung. Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der Evangelischen Arbeitervereine Deutschlands bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung. Der Unterzeichnete prostetiert im Namen des Gesamtverbandes der Evangelischen Arbeitervereine mit tiefster Entrüstung gegen die unerhörten Beleidigungen dieser Vereine durch die„Post“. Wir haben nie einen fadenscheinigen sondern stets einen treuen und uneigennützigen Patriotismus gehabt, und Seine Majestät der Kaiser hat uns noch jüngst den Dank für unsere Zustimmung zur Flottenvorlage aussprechen lassen Mit noch tieferer Eutrüstung protestiere ich gegen den Ausdruck„stark verschlissene Religiosität Wir sind gläubige evangelische Christen und werden uns am allerwenigsten von der Post unsern Glauben antasten lassen. Wir werden endlich nie in den Hafen der Sozialdemokkatie einlaufen sondern unsere Losung wird so lange ein Hauch in uns ist, bleiben„Mit Gott für Kaiser und Reich Lic. Weber Vorsitzender des Gesamtverbandes Evangelischer Arbeitervereine. (Von unserer Agentur.) Berlin, 13. April. Die„Berl Por Nachr deren Beziehungen zu Herrn v. Miquel oft besprochen worden sind, beschäftigen sich neuerdings mit der Deckung der Flottenkosten und sind der Meinung die Deckungsfrage werde, wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen werden für eine Verständigung mit den Parteien, die die Flottenbermehrung wollen, vorbereitet sein. Dagegen gehöre zu den Steuern, die in Aussicht zu nehmen seien, nicht die Reichserbschaftssteuer Der Reichsschatzsekretär hat schon in der Budgetkommission darauf hingewiesen, daß gegen diese Steuer besonders der preußische Finanzminister Bedenken geltend mache Dasselbe thun jetzt die„Berl Pol. Nachr. Von der Erschaftsneuer, wenn sie auf die Deszendenten ausgedehnt wird werde der ländliche Grundbesitz viel schwerer betroffen als das bewegliche Kapital Die Reichserbschaftssteuer greife auch tief in das wohldurchdachte preußische Steuershstem ein Auch die Steuerhoheit der Bundesstaaten werde dadurch verletzt. Kurzum man sieht, Herr v. Miquel will diese Steuer nicht. Es kommt nun darauf an, wie das Centrum sich zu dieser Frage stellen 8188 In Sachen des Fleischbeschaugesetz es ist ein Konflikt ausgebrochen zwischen den Konservativen und dem Bund der Landwirte. Graf Mirbach und Herr von Manteuffel erdie konservative Partei in ihrer letzten Sitzung sich schlüssig gemacht habe, der Regierung entgegenzukommen und einige der gararischen Forderungen llen u lassen gegen versichert die„Deutsche Tageszeitung wiederholt, daß der Bund der Landwirte sich an den Verständigungsversamen nicht beteiligen werde, und erklärt dann: Die deutsche Landwirtschaft ist in dieser Frage auf seiten des Bundes zu finden; man hat innerhalb derselben kein Verständnis für eine Nachgiebigkeit, die lediglich dem Auslande, insbesondere Amerika, zu gute käme, das uns in der ungeniertesten Art den Meistbegünstigungsvertrag gebrochen hat und zugenscheinlich eine Reihe von Zugeständnissen haben will, ehe es sich bequemt, seiner internationalen Pflicht nachzukommen. Demgegenüber werden die offiziösen„Berl. Pol. Nachr. sich vergeblich bemühen, den Bund der Landwirte zum Entgegenkommen zu bewegen, wenn sie schreibenDie Verbündeten Regierungen sind bereit, nicht nur in Bezug auf die Freiheit der Hausschlachtungen von der Fleischschau und dem Verzicht auf die Anordnungen obligatorischer Trichinenschau für das ganze Reich sondern auch in Bezug auf das Verbot der Einfuhr von Würsten und Büchsenfleisch und die nur bedingungsweise Zulassung von Pökelfleisch der Mehrheit des Reichstages weitergehende onzessionen zu machen. Man wird aber um so mehr verlangen können, daß die Mehrheit des Reichstages neben den für sie maßgebenden Gesichtspunkten auch die anderen bei dem Fleischbeschaugesetz in Betracht kommenden Rücksichten voll würdigt, und zwar um so mehr, als sie selbst durch die Beseitigung des Verbots der Hausschlachtungen und der obligatorischen Trichinenschau anerkannt het, daß neben den hygienischen auch wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen. Für alle Fälle mahnt die Kreuzzeitung sehr dringend die Mitglieder des Reichstags nach Ablauf der Ferien vollzährig zur Stelle zu sein. Man erwartet die weitere Anwendung der Obstruktionstaktik in verstärktem Maße. So soll in der Sozialdemokratie die Absicht bestehen, nicht nur der lex Heinze und dem Fleischbeschaugesetz gegenüber in der bekannten Weise zu widerstehen sondern auch das Zustandekommen des Unfallversicherungsgesetzes soll durch Massenanträge in Frage gestellt werden. Ob der Freisinn in allen diesen Fällen der Sozialdemokratie wie bisher Hilfe leisten werde, muß man abwarten. Unmöglich ist es nicht, daß die radikale Linke sich zu weiteren Obstruktions=Heldenthaten verbündet. Es dürfte also jedenfalls um einen rascheren Fortgang der Reichstagsverhandlungen sicher zu stellen alles darauf ankommen, daß die Sitzungen gut besucht werden. zur Kanalfrage hatte dieser Tage eine Korrespondenz gemeldet, die Regierung habe sich entschlossen den Gesetzentwurf über den Großschiffahrtsweg Berlin Stettin sofort nach den Osterferien einzubringen. Diese Maßnahme sei der Anregung des Kaisers zu danken, dessen Wohlwollen für die erste Hafenstadt der Monarchie bei den Beratungen des Ministeriums keine unwesentliche Rolle gespielt habe. Diese Nachricht erweist sich aber als falsch. Die N. A. Z versichert regierungsseitig, daß die Verzögerung in der Einbriugung des Gesetzentwurfs lediglich durch den Wunsch und den festen Willen veranlaßt sei, der Vorlage alle Vorbedingungen für die Annahme zu sichern. Von einer Trennung des Gesamtplans in Einzelvorlagen oder gar von einem Fallenlassen des Rhein=Elbe=Kanals sei, soweit die Regierung in Frage komme in keiner Form die Rede. Von eine. Zusammen kunf Kaise Wilhelms mit dem Zaren, die Ende Mai oder Anfang Juni in Danzig erfolgen soll, wird dem Verl. Lok=Anz gemeldet. Die Begegnung der beiden Monarchen würde ihre äußerliche Erklärung in der gleichzeitig stattfindenden Weihe des russischen Kreuzers„Nowik auf der Schichauwerft und des deutschen Kreuzers„# auf der Danziger Kaiserwerst finden. Um an den Ort ihrer Zusammenkunft zu gelangen werden die beiden Kaiser voraussichtlich den Seeweg benußzen. be#chiig Joager sich seränlaßt sich diese Ungezogenhei zu verbitten Runmehr geis der eine Bursche zum Messen und stach damit auf den Mann ein; die Stiche trafen jedoch den Der Angegriffene rief um Hilfe Ein gerade hinzugekommener junger Mann wurde durch einen Messerstich im Handgelenk verletzt, worauf die rohen Gesellen Reißaus nahmen. Die Burschen sind aber erkannt und ist die polizeiliche Anzeige bereits erfolgt. O Siegen, 14. April. Wie uns kurz vor Redaktionsschluß mitgeteilt wird, verunglückte heute vormittag in einer hiesigen Fabrik ein Arbeiter. Der Tod trat fast augenblicklich ein. Näheres konnten wie noch nicht in Erfahrung bringen. Wetterbericht. Das Depressions=Centrum ist nordostwärts bis zur mittleren norwegischen Küste gewandert. Von demselben erstreckt sich ein südwärts gerichteter Ausläufer weit in den Kontinent herein, sodaß sich der Einfluß des niederen Druckes bis zu den Alpen herab geltend macht. Die Witterung ist demgemäß in Central=Europa trüb und vielenorts regnerisch, doch ist es allgemein etwas wärmer geworden. Das barometrische Maximum ist nach dem Südwesten zurückgewichen. Ein neues Minimum ist aber bereits nordwestlich von den Hebriden angedeutet. Voraussichtliche Witterung Zunächst noch unbeständiges aber ziemlich mildes Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. Westsalen Ungunghausen, 12. April In vergangener Nacht verunglückte auf dem„Stahlberg" bei Müsen der 19jährige F. Dirtenbach von hier infolge Explosion mehrerer Dynamitpatronen. Der Bedauernswerte war bis zur Unkenntlichkeit entstellt und sein Körper war völlig auseinandergerissen, sodaß es nicht möglich war, die Glieder alle wiederzufinden.— Von anderer Seite geht uns über den Unglücksfall noch folgender ausführlicher Bericht zu: Der Vorfall ereignete sich rurz vor 1 Uhr. Der Verunglückte war damit beschäftigt gewesen, einen Schuß herzustellen und zu diesem Zweck das nötige Pulver und aus einem Kasten herauszunehmen Auf unerklärliche Weise, wahrscheinlich durch Herabfallen des Lichtes ist dann der Kasten explodiert Der Schuß wurde weithin gehört. Als die Mitarbeiter infolge des frühzeitigen Schusses herzueilten, bot sich ihnen, als sich der Pulverdampf etwas verzogen hatte, ein schrecklicher Anblick dar. Der Körper war bis zur unkenntlichen Masse zersetzt und in Stücke zerrissen. zeigt dieser Vorfall aufs neue, wie flüchtig und hinfällig das Menschenleben ist und daß der Mensch keinen Augenblick vor dem Tode sicher ist, ob jung oder alt. Gemeinsame Ortskrankenkasse des Amtes Eiserfeld. Samstag den 21. April al., abends 8 hr: Generalversammlung im Lokale des Gastwirts Steinseifer zu Eiserfeld. Anfertigung von Eingaben, Gesuchen, Klage= und Bittschriften, Verträgen aller Art, Testamenten, Erbschafts=Theilungsregulirungen, Steuer= und Militär=Reklamationen, Einziehung von Forderungen, über □ Siegen, 14. April. Osterglocken Welch liebliches Klingen für das Ohr eines Christenmenschen Ostersonne! Welch herrliches Licht für die gläubigen Augen eines Kindes Gottes. Ostern feiern Welch seliges Aufjauchzen des Herzens, welch heilige Feier für die Beterschar Nach vielen trüben wehmutsvollen Tagen ein Freudensest. In der Natur beginnt sich alles zu regen; es keimt und blüht und sprießt und sproßt allmählich in den Gärten und auf dem Felde Osterfeuer lodern hier und da empor auf Bergen und Höhen, und in manchen Gegenden erwarten die Bewohner den Aufgang der Östersonne, weil sie nach einer alten christlichen Sage am Ostermorgen freudig hüpfen soll. Was ist es das Menschen und Natur so freudig belebt? Wie am Weihnachtstage die Engel die frohe Botschaft verkündeten Fürchtel euch nicht, Christ ist geboren“, so auch hier der Siegesruf: „Fürchtet euch nicht, Christ ist erstanden, wahrhaftig auferstanden. Er Ja er lebt und alle Gläubigen mit Ihm. Die Trauer auf Golgatha ist durch diese frohe Botschaft in Freude verwandelt. Er der sich von seinen Feinden hat schmähen und martern lassen, ist nun Sieger, Herrscher und König im Himmel und auf Erden. Dankbar blicken wir auf zu unserm Gott, möge Er uns allezeit diese feste Ueberzeugung erhalten, daß wir uns stets als wahre Christen erweisen die wert sind, den Namen zu tragen, wert sind des Opfers am Kreuz, wert sind Gottes Kinder zu heißen. Stehen wir auf diesem festen Grunde, erkennen wir allezeit, was wir in Christum haben und bekennen wir allezeit, was wir durch Ihn sind, so wird Gott uns stärken in den Anfechtungen und Prüfungen des Lebens und uns einst leuchten lassen das ewige Licht! Siegen, 14. April. Gestern abend gegen 11 Uhr befand sich ein Kürschner von hier auf dem Wege nach Hause, wurde jedoch in der Marbucgerstraße von zwei des Weges kommenden Burschen Cehe 13. April. Nach einem Telegramm aus London wird vom Donnerstag mittag gemeldet: Bei dem Gefecht am Mittwoch nachmittag hat in der Gegend von Elandslaagte kein weiterer Kampf stattgefunden. Die Berichte, welche hierher gelangt sind, besagen, daß die Buren gegen Dewdrop im Westen und gegen Weefen im Süden vordringen. Lonson, 13. April. Reuters Bureau meldet aus New=York: Die Transvaal=Regierung habe Portugal formell mitgeteilt, daß sie die Landung von beitischen Truppen und Kriegsmunition in Beira einem feindlichen Akt seitens Portugal gleich erachte. Portugal habe noch nichts erwidert. Dieser Schritt der Buren=Regierung dürfte die Landung der britischen Truppen in Beira kaum beeinträchtigen. Petersburg, 13. April. In den hiesigen Hofkreisen ist von einer angeblichen Zusammenkunft zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm in Danzig nichts bekannt. London, 13. April. Das Kriegsamt erklärt nunmehr, daß die Meldung über eine Niederlage der Engländer bei Meerkatsfontein vollständig erfunden sei. In hiesigen militärischen Kreisen wird die Nachricht bestätigt, daß die beiden Buren=Republiken an Portugal eine formelle Note gerichtet haben, in welcher die jungsten NeutralitätsVerletzungen als feindliche Akte bezeichnet werden. Daily Telegraph berichtet aus Durban: General Buller wird augenblicklich von den Buren hart bedrängt. Vorpostengefechte finden fortgesetzt bei Ladysmith statt. Die Burendringen gegen die Stadt vor, während sich die Engländer zurückziehen. Auch General Clery mußte seinen Rückzug antreten. Daily Mail berichtet aus Kimberley: Die dortigen Behörden seien über die neueste Wendung der Dinge äußerst beunruhigt. Aus Mafeking berichtet dasselbe Blatt, die Lage der Stadt sei hoffnungslos. Das Fieber raume unter der Garnison gewaltig auf.— Aus Aliwal North wird vom 12 ds berichtet: Die Beschießung wurde heute fortgesetzt. Die Buren stellen einige weitere Geschütze auf.— Aus Kroonstad wird vom 12. gemeldet, daß der holländische Militär=Attache, welcher kürzlich verwandet wurde, infolge der Operation gestorben ist.— Aus Bloemfontein wird vom 12. gemeldet: Den letzten Nachrichten aus Wepener zufolge hat die Kolonne des Obersten Dalgoty die Stadt geräumt. Die Buren aus Rourville besetzten alsdann Wepener. London, 14. April. Nach Meldungen aus Bloemfontein beabsichtigt Lord Roberts Ende der seinen Vormarsch anzutreten. Seine Streitmacht beträgt Lourenco Marquez, 14. April. Der Sohn des von den Engländern gefangen genommenen Cronje hat geschworen, die rächen. Er versichert, daß es ihm gel gdig in seine Hi Kitchener tot oder lebendig in seine gen genommenen Generals Niederlage seines Vaters zu elingen würe, Lord den Schriftstücke, sowie Abhaltung von Anktionen 2e. besorgt billigst, auch wird Auskunft in allen Sachen erheil Montanus, Rechtskonsulen Weidenau, Siegstraße 52. Gasthof Schüler Kaan 2. age: Tanzdergnügen. Kosen. sroße Auswahl und niedeigen Rosen empfiehn Alber: Kab G Positpen COcSAUTE COcOSMARE nn C. Sommer Siegen, Stegbrücke Kartoffeln, Engländer, Magnum bonum, Frührosen und rete empfehlen in bester Qualität Gimbel, Wurm& Cie., Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Siegen, Koblenzerstr. u. Eintracht. 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Heute Morgen entschlief nach längerem schweren Leiden unser Theilhaber August Michel im Alter von 80 Jahren. Seit Gründung unserer Buchhandlung hat er ununterbrochen in treuer Weise seine Kraft derselben gewidmet. Wir bewahren ihm mit allen Freunden ein ehrendes Andenken. Weidenan, den 13. April 1900. A. Michel& Cie. (Statt jeder besonderen Anzeige.) Am Karfreitag, morgens 3 Uhr, ging unser lieber Vater, SchwiegerGroß= und Urgroßvater Johs. Heinr. Schnutz zur ewigen Ruhe ein. Er starb sanft nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im 81. Lebensjahre. Verwandten Freunden und Bekannten widmen diese Traueranzeige mit der Bitte um stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen. Geisweid, Dilluhütten und Bottenbach, den 14. April 1900. Die Beerdigung findet statt am zweiten Östertage nachmittags 2 Uhr. per. Pd 2=00. 2.50 3.00, 4.00 und 5.00 Cacao, garantirt rein, Pfd 1.50, 2.00 2.40 Chokoladen v. Pfd. 1.00 bis 3.00. Nach auswärts portofrei. H. 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Auch eine Österbetrachtung. Feget den alten Sauerteig aus so ruft der Apostel Paulus den Christen in Korinth zu. Es ist die Epistel des ersten Ostertages, welche diese Mahnung enthält. Was will Paulus damit sagen Mit dem„alten Sauerteig meint er das schändliche heidnische Wesen, das in der jungen Christengemeinde wieder Eingang gefunden hatte. Korinth war eine üppige Stadt, Sitenlosigkeit und Schamlosigkeit waren an der Tagesordnung. Und davon hatte sich die Gemeinde in Korinth nicht frei gehalten. Ein Fall schande war allgemein bekannt, aber man that nichts gegen den Blutschänder, vielleicht weil man wegen seiner Stellung oder wegen seines Geldes glaubte, durch die Finger sehen zu heiligem Zorn ruft Paulus den korinthischen Christen zu:„Feget den alten Sauerteig aus Diese Mahnungist auch heute noch sehr zeitgemäß. Dieser alte Sauerteig heidnischen Wesens durchsäuert und verdirbt den ganzen Teig der Kirche Man kann diesen Sauerteig auch mit dem kurzen Worte„Welt bezeichnen. Die Welt hat sich allenthalben eingedrängt und vorgedrängt. Die allerletzte Zeit hat es besonders wieder gezeigt, wie nötig die Mahnung ist: Feget den alten Sauerteig aus Vor einiger Zeit ist ein Pastor vom haunoverschen Konsistorium abgesetzt worden, weil er auf der Kanzel die leibliche Auferstehung Jesu in Abrede gestellt hatte. Es ist gewiß recht geschehen, daß man den offenbaren Sauerteig des Unglaubeus ausgefegt hat. Aber ich finde keine rechte Logik darin diesen einen setzt man ab und hundert andere, die dasselbe denken und sagen und schreiben, bleiben im Amte. Als damals die Broschüre des Superintendenten Hollenberg die Gemüter erregte, da wurde auf seine 46jährige geseguete Wirksamkeit hingewiesen Da litt man den Sauerteig Wo hat denn ein Mann, wie der ehemalige Osnabrücker wieder vor einem Rätsel: der Staat stellt manche Professoren an und besoldet sie dafür, daß sie ihren Hörern den Unglauben vortragen— und wenn aus den Studenten Pastoren geworden sind, und sie predigen das, was sie auf der Universitgt gelernt haben, dann werden sie abgesetzt. Wie reimt Toch Es wird so viel von der„Gleichberechtigung der beiden verschiedenen Richtungen gesprochen. Ja wenns nur„Richtungen würen Dann könnte man sich ja vielleicht vereinigen. Aber es sind Gegensätze, die sich ausschließen Feuer und Wasser vertragen sich nicht mit einander Es giebt keine Brücke zwischen dem Glauben und dem Unglauben Das ist nicht der Gegensatz, wie er so oft genaunt wird „liberal" und„positib“. Sondern der Gegensatz ist:„gläubig und ungläubig Man kann gut positio sein und doch nicht im lebendigen Glauben stehen Es ist noch ein Unterschied zwischen rechtgläubig und recht gläubig Aber wir brauchen gar nicht in die modernen und liberalen Strümungen hineinzublicken, um zu erkennen, daß die Welt in die Kirche eingedrungen ist wenns auch christliche Welt ist— wir finden denselben alten Sauerteig auch da, wo wir entschiedenes lebendiges Christentum zu finden gedachten. Anstalten= christlicher Liebe zur Förderung äußerer oder innerer Mission werden doch eine Ausnahme machen? Diakonen= und Diakonissenhäuser werden doch frei sein vom Sauerteige der Welt? Missionshäuser, die den Kampf gegen das Heidentum führen werden doch klar davon geschieden sein? Jünglingsvereine Blaukreuzvereine, welche die Rettung und Bewahrung von Seelen als ihre Aufgabe bezeichnen, werden doch mit der Welt in ihren Reihen nichts zu thun haben So sollte man meinen! Aber allenthalben finden wir den alten Sauerteig weltlichen Wesens Es giebt Jünglingsvereine die ihr Jahresfest mit Theatervorstellungen und Tanzvergnügen seiern. Als vor einiger Zeit das Jahresfest eines Jünglingsvereins gefeiert wurde, da fragte ein gläubiger Besucher: ist es denn voran gegangen mit eurer Sache? Und man wies ihm mit Stolz die Theaterbühne, die man im vergangenen Jahre angeschafft hatte!— Es giebt Blaukreuzvereine, oder es gab bis vor kurzem solche, da wurden an Stelle von Bibelstunden Vorlesungen aus Fritz Reuters plattdeutschen Werken gehalten. So will man Trinker retten Ach wenn man die Vereine durchwandert und die Gemeinschaften, christliche Anstalten besucht und Gesellschaften wie viel Welt tritt uns allenthalben entgegen Man könnte ein Buch darüber schreiben oder wenigstens eine Broschüre, wie Pastor Cürlis in Altendorf gethau hat:„Was unserer evangelischen Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts zu wünschen ist. Zum Teil in erschreckendem Umfange finden wir den Sauerteig der Welt an Stelle des Süßteigs der Lauterkeit und der Wahrheit Feget den alten Sauerteig aus Das ist eine zeitgemäße Mahnung Wir müssen zur Bibel zuruck. Wir müssen wieder biblisch denken, biblisch reden biblisch handeln lernen. Die Bibel muß wieder die Richtschnur werden in der Wirklichkeit und nicht nur dem Namen nach Wir haben alles, was wir brauchen, wenn wir die Bibel haben. Denn in der Bibel haben wir Jesum keinen toten, sondern einen lebendigen Heiland, der noch heute wirksam ist, da, wo man Ihn wirken läßt. Unsere Einrichtungen, das alte Herkommen eingewurzelte Sitten und Gebräuche beengen sein Wirken oft, daß es ein Jammer ist. Wer die Kirche lieb hat, wer den Wunsch hat, daß Zion gebaut wirrde, der muß es mit Paulus wünschen: Feget den alten Sauerteig aus Fort mit der Welt, in welcher Gestalt sie sich auch eingeschlichen hat. Und wenn sie guch einen christlichen Anstrich hat sie ist und bleibt doch immer: Welt. Wo der Sauerteig ist, da durchscuert er alles. Wenn die Welt in der Kirche bleibt dann geht die Kirche zu Grunde an der Welt. Und wenns besser werden soll, dann mußt du, lieber Leser an deinem Teile damit anfangen Es gilt im kleinen gerade so gur wie im großen, dem Einzelnen wie der Gesamtheit: Feget den alten Sauerteig aus! M Wie könnt leicht den Menschen werden Das ersehnte volle Wollte nur der Mensch auf Erden Größer sein, als sein Geschick Ein 25(Nachdruck verboten.) „Die Staatsanwaltschaft wird darthun, wie die Anklage diese verdächtige Pariser Reise auslegt.. Die Angeklagte hatte eine kühle, fast überlegene Ruhe bewahrt, war aufmertsam dem Gedankengange des Präsidenten gefolgt, hatte ihn, ohne daß eine Erregung an ihr bemerkbar geworden wäre, fragen lassen und ihm schlagfertig, aber sachlich ohne Hasten und ohne Aufdringlichkeit geantwortet. Bei dem Hinweise des Präsidenten auf die Staatsanwaltschaft und die erneute Auslegung vermochte sie ein Aufblitzen der Augen und ein nervöses Zucken um die Lippen nicht zu unterdrücken. Aber sie gewann die Beherrschung über sich schnell zurück, als der Vorsitzende zu fragen fortfuhr. bei Amerikanerinnen ja wohl nichts Seltenes, daß sie mit Schußwaffen umzugehen wissen Kannten Sie die Handhabung von Ihrer Jugend her?“ Sie verneinte gleichmütig. „Muß es da nicht um so mehr auffallen, daß Sie gerade in der Woche vor dem Morde sich dem ungewohnten Sporte e es dürften zu gleicher Zeit noch mehr Morde verübt sein, mit denen ich ebenfalls nichts zu thun hatte„Wie kamen Sie plötzlich auf den Schießsport?“ „Alus Aungpteile „Hi Wie lange hielt der Sport vor?“ „Einige Wochen.“ Erlangten Sie Fertigkeit?“ „Gewiß. „Schossen Sie mit Teschins, Pistolen, Revolvern?“ „Ja, mit allen drei Wasfen.“ „Nach der Scheibe „Auch Außerdem nach Glaskugeln und Thontauben. Die Glaskugeln spielten auf Wasserstrahlen, die Thontauben wurden geworfen? Trafen Sie auch mit dem Revolber?“ „Leidlich. Mit Teschins sicherer? „Ohne Frage Wollen Sie behaupten, mischte sich der Staatsanwalt ein daß mit dem Revolver überhaupt nicht verläßlich zu 16 ech kann nur von mir sprechen erklärte sie gleichmutig. Nun, und— forschte der Ankläger Nach meiner geringen Erfahrung bleibt der Revolver unzuvertässig Ich lasse mich aber belehten „Besaßen Sie eine eigene Waffe?“ ftagte der Vorsitzende. „NeinKauften Sie eine in Paris?“ Auch nicht. Ase Siegen, 14. April. — Für die Handlungsgehilfen hat mit dem 1. April d. von wenigen Ausnahmen abgesehen ein kritischer Zeitraum sein Ende erreicht. Mit diesem Tage werden sie fast alle in Ansehung ihrer Dienstverhättnisse dem neuen Rechte unterstellt sein, auch wenn ihre Dienstverträge noch unter dem alten Rechte, d. h. vor dem 1. Januar 1898 geschlossen worden sein sollten. Gemäß den Einführungsgesetzen zum Bürgerlichen Gesetzbuche bezw zum neuen Handelsgesetzbuche nämlich bestimmt sich ein zur Zeit des Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuches bestehendes Dienstverhältnis, wenn nicht die Kündigung nach diesem Inkrafttreten, also nach dem 1. Januar 1900, für den ersten Termin erfolgte, für den sie nach den bisherigen Gesetzen, d. h. nach dem alten Handelsgesetzbuche, zulässig war, für Handlungsgehilfen von diesem Termin an nach den Vorschriften des nelten Bndersgesetzhuches. Ein am 1 Januar 1900 bereits in seiner jetzigen Stellung befindlicher Haudlungsgehilfe, der gemäß seinem Dienstvertrage am 1. April 1900 infolge Kündigung aus diesen seiner Stellung hätte ausscheiden können in der That aber infolge unterlassener Kündigung nicht ausgeschieden ist, steht demnach in Aufehung seines Dienstverhältnisses von dem letztgedachten Zeitpunkte ab unter den Vorschriften des neuen Rechts Mit verschwindenden Ausnahmen aber werden alle am 1. Januar 1900 auf Grund älterer Verträge in Stellung befindlichen Handlungsgehilfen in der Lage gewesen sein, daß sie vor oder zum 1. Abril 1900 kündigten oder gekündigt erhielten, denn nach dem alten Handelsgesetzbuche war es Vorschrift, daß das Dienstverhältnis zwischen dem Prinzipat Run, wenn man stets auf Reisen i und größere Summen Geldes bei sich führ wie Sie, würde eine Schutzmaßregel ja nicht so unbegreiflich sein. „Ich fürchte mich nicht Und mir ist nie etwas zugestoßen. „Wußten Sie in Nizza, daß ein Kriminalbeamter auf Ihrer Spur war?“ „err Präsident, kann man nach Rauch ausschauen, wenn man nicht ahnt, daß es irgendwo gebraunt hat?“ Hm Wären Sie auch nach Deutschland zurückgekehrt, wenn Sie gewußt hätten, wessen man Sie beschuldigtes Erst recht. Diese Untersuchungshäft war nicht angenehm sie war unwürdig Aber trotzdem Eine zehnmal schlimmere Vortur hätte mich nicht abhalten können, mich zu stellen, Sie zu stellen und Sie neinerseits anzuklagen diese Beschuldigung istunstnnig, diese Beschuldigung ist fkluchwürdig. Sie stand stolz aufgerichtet, in kaltblütiger Abweisung Der Staatsanwalt schob dem Vorsitzenden einen Zettel hin Der Präsident warf einen Blick darauf und bemerkte: Angeklagte haben Sie die ermordete Hedwig von Viersen versöstlich gekannt „Sie wohnte doch gleichfalls in Berlin. Sie sind ihr nicht begegnet? Ich hatte nicht die Ehres Der Präsident erhob sich. Ehe ich mit der Beweisaufnahme beginne, unterbreche ich die Verhandlung auf eine Viertelstunde.“ Er entfernte sich für einige Minuten. KE SA Dr. Bendring trat während der kurzen Pause zu der Angeklagten und unterhielt sich mit ihr Bewahren Sie Ihre Ruhe, hat er.„Auch nachher, wenn der Staatsanwalt sprechen und alles hervorsuchen und zusammenbauen wird, was sich irgend im Sinne der Anklage ausnützen läßt. Jas Sie versprach es. Als erster echielt nach Wiederaufnahme der Verhandlung der Sachverständige Kreisphysikus Dr. Eßfeld das Wort. Er beschränkte sia, auf eine Zusammenfaffung des Thatbefündes und Feststellung der Todesurfache aus dem Ergebnuisse der Obduktion Ihm folgten der Amtsvorsteher, Hausen und Kietz, die ebenfalls über den Thatbestand gehört wurden, ohne über die ersten Ermittelungen des Amtsrichters hinaus neues Material beibringen zu können. Auf die stereotype Frage des Präsidenten ob kurz vor oder kurz nach dem Morde eine fremde Person in der Gegend bemerkt worden sei erfolgte ein ebenso stereothpes Nein der Zeugen War Herr Dr. Bendring in der Gegend nach irgend einer Seite hin verseindet? Die Zeugen verneinten übereinstimmend. Die Möglichkeiten der zufälligen Tötung oder der zurch Strolche die der Amtsrichter von Goos bereits an der Leiche erörtert hatte, wurden von dem Präsidenten wiederholt, ohne einen Anhalt zur Aufklärung zu ergeben. Die Verhandlung verflachte sich bis sie durch die Verwöchentlicher Kündigung aufgehoben werden konnte. Nur wenn durch Vertrag eine kürzere oder längere Zeirdauer oder eine kürzere oder längere Kündigungsfrist bedungen war, hatte es dabei sein Bewenden Eine solche Abweichung von der gesetzlichen Regel kommt aber erfahrungsgemäß in verhältnismäßig seltenen Fällen vor durchgängig wird vielmehr der 1. April d. I. der erste Termin gewesen sein zu dem zum erstenmale nach dem ersten Januar er. gekündigt werden konnte. Aber sei dem wie ihm wolle es kommt für den Handlungsgehilfen der einen Vertrag aus der Zeit vor dem 1. Januar 1898 hat, nur darauf an, daß ihm nicht nach dem 1. Januar 1900 auf den ersten Termin zu dem ihm gekündigt werden konnte, wirklich gekündigt worden ist, oder daß er in dieser Art gekündigt hat und daß darauf das Verhältnis gelöst worden ist. Ist dieser Termin überstanden, dann fällt, das Dienstverhältnis unter die neuen Vorschriften. Zu beachten ist dabei, daß es sich nur um Dienstverhältnisse handelt, die vor dem 1 Januar 1898 begründet wurden, da der Abschnitt des neuen Handelsgesetzbuches über Handlungsgehilfen, der auch die Vorschriften über die Dienstverträge entchält, bereits am 1. Jannar 1898 in Kraft getreten ist und alle nach diesen Zeitpunkte geschlossenen Verträge daher ohne weiteres hierunter fallen Von den hiemnach sich ergebenden Ausnahmefällen abgesehen ergiebt sich demnach daß unter den erörterten Voraussetzungen die neuen Vorscheiften über die Konnehmung Bendrings und des Kommissars Wilden sich neu belebte und in dem Verhör der Zeugin Blauche du Midi ihren Höhepunkt ewreichte. Dr. Bendring übertrug für die Zeit seiner Vernehmung die Verteidigung dem für diesen Zweck anwesenden Kollegen, eine Formsache, der aber genügt werden mußte, weil die Angeklagte auch nicht vorübergehend ohne Verteidigung bleiben durfte Der Vorsitzende ersuchte den Anwalt, seine Beziehungen zu der Angeklagten zu erläutern. Bendring kam der Aufforderung in kurzem sachlichem Vortrage nach Er bestatigte in vollem Umfange die Angaben der Angeklagten, wo und durch wen er sie kennen gelernt, daß er sie in Santerrenzo besucht und sie auch in Berlin gesehen habe. Herr Rechtsanwalt, fragte der Ankläger,„haben Sie — zu irgend einer Zeit— die Absicht gehabt, sich um die Hand der Angeklagten zu bewerben. Ob ich sie hatte scheint mir nebensächlich; sie ist jedenfalls nicht zur Ausführung und auch nicht zur Kenntnis der Frau Herlet gelangt. Ich möchte doch um deutlichere Erklärung bitten, beharrte der Staatsanwalt Frauen pflegen für eine ihnen entgegengebrachte Neigung ein seines Empfinden zu haben, war ein wärmeres Interesse in Ihnen aufgekeint, so dürfte es der Angeklagten nicht verborgen geblieben sein, und Ihr Schweigen hätte einen ersten Grund zur Erbitterung in ihr gelegt. „Zur Erbitterung wiederholte der Zeuge fragend Nicht höchstens zur Enttäuschung vielleicht zur Entmutigung.? Nein, bei dem energischen Charakter dieser Frau nicht stritt der Staatsanwalt. „Ein willensstärker Charakter überwindet," betonte der Anwalt. „werr Zeuge nahm der Präsident das Wort wieder auf,„Sie konnten doch vielleicht— die Sache ist ja steilich delikat— entgegenkommen. Die Angeklagte hat die Antwort auf die Frage ob sie Ihnen mit— mit ihren Empfinden und Wünschen— nennen Sie es Liebe oder Sympathie— zugethan war, abgelehnt. Aber ich meine doch daß Sie minder zart an Rücksichten gebunden und deshalb recht wohl in der Lage uind uns zu sagen ob ein Band der Liebe zwischen Ihnen bestand.“ will Ihren Wunsch erfüllen soweit ich dazu berechtigt bin, also so weit er mich selbst angeht Herr Präsident— Bendring sprach fest und nachdrücklich die heutige Angeklagte machte bei unserer ersten Begegnung Eindruck auf mich s# stehe aber zu lauge in der Welt, ich habe zu viel Eheeiend kennen geleint, und ich bin zu ernst geschult und zu besonnen besanlagt, als daß ich mich von den außeren Eindruck ohne Kritik hätte fortreißen und zu einer###ng bestimmen lassen können Ich sah die Dame im Glauze des Reichtuns, und ich bewunderte ihre bleudenden Eigenschaften aber ich mißtraute der bestechenden Hülle— ich will es offen sagen: ich zweifelte an der Tiefe ihres Gemitslebens. Das hielt mir den Mund geschlossen das dämpfte nein Empfinden ab, das machte die Frau mir ungefährlich, so oft ich ihr kurrenzklausel auch auf die alten Dienstverhslti ung finden Von besonderer Bedeutung in dieser Beziehung ist die neue Vorschrift, daß die mit der Konkurrenzklausel beabsichtigte Beschränkung der gewerblichen Thätigkeit des Gehilfen nicht auf einen Zeitraum von mehr als drei Jahren von der Beendigung des Dienstverhältnisses an erstreckt werden kann. Die in alten Verträgen durchgängig für einen längeren Zeitraum festgelegte Beschränkung mindert sich infolgedessen auf jenen Maximalsatz. Auch das ist neu, daß der Prinzipal aus der Konkurrenzklausel überhaupt gar keine Ansprüche geltend machen kann, wenn er ohne erheblichen von dem Gehilfen nicht verschuldeten Anlaß das Dienstverhältnis kündigt oder dem Gehilfen durch vertragswidriges Verhalten Grund giebt, seiner seits zu kündigen. — Die Hungersnot in Britisch=Indien wächst mit jedem Tage. Einer Unterredung eines Reuterschen Berichterstatters mit dem in London weilenden indischen Beamten Seaton, der die heimgesuchten Bezirke kürzlich im Auftrage der Regierung hatte entnehmen wir folgendes„Ich bereiste sowohl Central= wie auch einen großen Teil Westindiens und fand die Lage weit schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Im Umkreise von mehrern hundert Meilen fand ich keine Spur von Pflanze### alles war verdorrt und die Erde so hart wie Stein. Das ganze Land macht den Eindruck einer nackten, trocknen und verlassenen Wüste und selbst die tiefsten Eisternen enthielten nicht einen Tropfen Feuchtigkeit Die Sterblichkeit unter den Herden ist ungeheuer, da weder Futter noch Wasser zu beschaffen ist; ganz besonders haben die Provinzen Kathiawar, Pendschad un Nord=Bombay gelitten. Die Bevölkerung ist schon in frühern Jahren von der Hungersnot schwer heimgesucht worden und hal noch nicht die Beschwerden des Jahres 1897 überwunden. In verschiedenen Bezirken haben besonders schwächliche Kinder unter der Plage zu leiden, und die Fälle sind nicht selten, wo Eltern notgedrungen unter Zurücklassung der armen Wesen verschwinden. Die Regierung bietet alles in ihren Kräften Stehende auf, um die Not einigermaßen zu lindern kann jedoch bei dem Umfange, den die jetzige Nöt angenommen hat, nicht einmal die dringendsten Bedürfnisse berücksichtigen. Ich habe schon verschiedene ähnliche Zeiten durchgemacht, doch ist die jetzige die schlimmste, was den Umfang der Notbezirke betrifft. Die indische Regierung bedarf dringend weiterer größerer Geldmittel, und wan darf billig von dem Vereinigten Königreich erwarten, daß es dem bedrohten Lande zu Hilfe komme. England ist aber zur Zeit in Südafrika engagiert und muß sein ganzes Augenmerk dahin richten. Die Indier werden also von dieser Seite wenig zu erwarten haben. Aber die christliche Barmherzigkeit und Mildthätigkeit sollte hier thatträftig nresen Die Not ist groß. Aus der 13 April. Der Harmlosen=Prozeß wird eine zweite Auflage erleben! Das Reichsgericht hob das am 21 Oktober vorigen Jahres im Prozeß der„Harmlosen“ gegen von Kayser von Kröcher und von Schachtmeyer ergangene freisprechende Urteil des Landgerichts Berlin I aus und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, weil der Begriff der Gewinnsucht beim gewerbmäßigen Glücksspiel verkannt worden sei. Wie erinnerlich, halte Landgerichtsdirektor Denso am 21. Oktober in der Urteilsbegründung ausgeführt, die Freisprechung rechtfertige sich daher, daß die Angeklagten nicht ganz vermögenslos waren, daher sei anzunehmen, daß sie nicht aus Gewinnsucht und also auch nicht gewerbsmäßig gespielt hätten. Gegen diese Auslegung richtete sich die Revision des Oberstaatsanwalts Isenbie mit Erfolg. Wie bereits erwähnt ist der chemalige Reserendar von Kayser inzwischen nach Brasilien ausgewandert sodaß die ernene Verhandlung voraussichtlich nur gegen Hans von Kröcher und Paul von Schachtmeyer stattfinden kann. ###u Zig wird geschrieber„Nach Privatachrichten aus Dar=es=Salaam ist dort schon gegen Ende Febrags Oberst Gerding eingetroffen, um den Plan der Deutsch=Osta###anischen Centra bahn zu begutachten. Wie wir hören, spricht sich dieser hierüber# wie über die Entwicklungsfähigkei des Schutzgebietes äußerst günstig begegnen mochte Das bewirkte auch, daß ihr Bild erlosch, als die andere in meinen Gesichtskreis trat, die ich je länger, um so wahrer verehren und lieben lernte. Lassen Sie mich hinzufügen, daß ich einen echten und großen Charakterzug erst jetzt in ihrem Leide an der Angeklagten kennen und achten gelernt habe die starke Kraft des Ertragens, die Krast, dem gewohnten Glanze tapfer, ja mühelos zu entsagen und eine schwere Unbill standhaft und mit echter Seelengröße abzuwehren—“ „Die Verteidigung ist wohl noch nicht angebracht Herr Rechtsanwalt, siel der Vorsitzende ein„Ueber die Empfindungen der Frau für Sie wollen aber auch Sie Schweigen bewahren?“ „Ich glaubte die Antwori auch nach dieser Richtung gegeben zu haben; wenn ich die Dame für oberflächlich hielt, konnte ich tiefere Regungen in ihr nicht voraussetzen. „Sie glauben auch heute nicht daran fragte der Staatsanwalt. „Ich glaube heute, daß ich die Frau in ihrem Werte unterschätzt habe. Der Staatsanwalt bohrte weiter „Dap sie also der Neigung zu Ihnen fähig war?“ fragte er lauernd. „Allgemeiner daß Glätte und Gewandtheit nicht der hohle Kern, sondern die Hülle waren. „Sie sind vorsichtig— „Es wäre schlimm, wenn Sie mir das Gegenteil nachsagen könnten parierte der Zeuge Der Präsident beugte einem weiteren Wortgefechte mit der Frage vor: „Hat die Angeklagte Ihres Wissens Ihre Braut persönlich nicht gekannt? „Haben Sie seiner Zeit der Angeklagten Ihre Verlobung Sech „Bedaure“ „wur die Angeklagte Ihnen gratulierts „Selhstverständlich nicht. „Angeklagte, hatten Sie von der Verlobung Kenntnis?“ „Auf welchem Wege?“ „Durch die Zeitungen.“ „Angeklagte, wo lasen Sie die Nachricht?“ „In Berlin. Ich stand im Begriff die Stadt zu verlassen Sie reisten nicht infolge der Nachricht? „Bewahre.“ „Ich kann den Heren Zeugen seiner Aufgabe als Verteidiger zurückgeben— Herr Kommissar Wilden!“ Dr. Bendring trat ab und der ausgerfene Kommissar an seine Stelle. erttar un der von Ha#zmmann Schlobach ermittelten Trace einverstanden und befürwortet den sofortigen Beginn des Baues.“ Diese Reise des Obersten Gerding und sein Gutachten waren etwas verfrüht, denn wie erinnerlich sein wird, hat der Reichstag die zu Vorbereitungsarbeiten für die Centralbahn geforderte Summe gestrichen. Zum Kapitel jüdischer Namensänderungen liegt ein zweiterer Beitrag vor. Unter den vor einigen Tagen veröffentlichten Eintragungen in das Handelsregister des Amtsgerichts Hamburg finden wir unterm 5. April folgende Bekanntmachung: Albert Pincus u. Ko. Zweigniederlassung der gleichnamigen Firma Dundee. Der Familienname des alleinigen Inhabers Albert Pinucs ist in„Paullig“ verändert worden. Der Verein zur Besserung entlassener Strafgefangener hielt seine Monatsversammlung ab, in welcher die Pfleger ihre Berichte erstatteten. Beim Arbeitsnachweisebureau haben in der Zeit vom 13. März bis 9. April 292 Strafentlassene Arbeit nachgesucht; davon konnte 258 Sträflingen Arbeit nachgewiesen werden, und zwar fanden Arbeit: 193 als Land=, 33 als Erd= und 11 als Fabrikarbeiter, 10 als Handwerker, 7 als Kutscher und 4 als Schreiber. Seit Anfang des Jahres konnten von den 1077 Gemeldeten 947 Strafentlassene berücksichtigt werden. Wiederum ist es gelungen, einige ganze Familien in Arbeit zu bringen und es haben sich mehrere Gutsbesitzer gemeidet, welche bereit sind, ganze Familien aufzunehmen. Die neu gegründete Abteilung für Familienfürsorge des Vereins zur Besserung der entlassenen Strafgefangenen(AbteilungsVorsitzende Fräulein Marie Mellien) hielt am Montag ihre erste Monatssitzung ab, die äußerst zahlreich besucht war. Es wurden 40 Berichte erstattet über solche Familien, welche Unterstützung würdig befunden wurden. Nach den mündlichen und schriftlichen Berichten ergab sich so viel Elend und Not, daß es nur mit Freuden begrüßt werden muß, daß sich edle Helfer finden, welche sich uneigennützig in den Dienst der Sache stellen. Es war rührend, zu hören, wie sich die armen Mütter mit Arbeit quälen, um das Brot für ihre Kinder zu beschaffen, daneben sich aber noch in der Krankenpflege aufreiben, während der Ernährer im Gefängnis sitzt. In anderen Fällen sind die Kinder die Ernährer der Familien. So bestreitet z. B. ein 15 jähriges Mädchen, das im Chor an einem Variété=Theater singt und die Woche 9.20 M. verdient, den Unterhalt der Ihren; leider aber ist wenig Aussicht vorhanden, das Mädchen für einen anderen Beruf zu interessieren. Eine der recherchierenden Damen fand, daß fünf erwachsene Menschen in einem kleinen schmutzigen Raume wohnten. Ein Tisch oder Stuhl war dort nicht vorhanden, nur einige Lagerstätten auf der Erde. Der Kochherd diente den Leuten als Tisch. Die Mutter näht Herrenbeinkleider und bringt es in der Woche auf zehn Stück, wofür sie 5 Mark Lohn erhält. Ihr kleinstes Kind sitzt den ganzen Tag über in der Wiege und hat infolgedessen bereits eine Rückgratverkrümmung davongetragen Es wird nunmehr dafür gesorgt werden, daß das Kind in ein Krankenhaus gebracht wird. Kirche, Schule und Mission. D Frauksurt a. M. 11. April. Die diesjährige(28.) Helsische Konferenz des Deutschen evangelischen chulvereins wird am Mittwoch nach Ostern den 18. April ds. Is., im Hotel du Nord(Gr. Gallusgasse 17) hier abgehalten werden und zehn Uhr vormittags beginnen. Nach Eröffnung der Konferenz durch Gesang, Schriftverlesung und Gebet erstattet der Vorsitzende den Bericht des Ausschuffes Den Hauptgegenstand der Verhandlung bildet das ThemaGesängnis und Schule. Streiflichter auf die Resultate in Preungesheim bei Frankfurt am Main Diskussion des Vortrags.— Lehrer Lehrerinnen Geistliche und Schulfreunde werden zum Besuch der Konferenz freundlichst eingeladen vom Ausschuß 5 An Mä liessbeiträger und zum Agitationsfonde gingen ein von Pros Dr. B. in Gießen 3 Mk.— G. S. in Sinzig 6 Mk. v. L. in Treben(S.=A.) 2 Mi.— G. B. in Herford 5 Mk.— P in Godesberg Mk.— W. in Landeshut(Schlesien 3 Mk.— Besten Dank Die Erfurter Versammlungen finden nichtem Kaisersaall, ondern im alten Ratskeller statt. Näheres Programm bringen wir demnächst. Aus die Bitte der sächsischen Parteigenossen hin bemerke ich, daß ja in Erfurt die christlich=soziale Landesversammlung Freitag nachm 3 Uhr den 26 April, stattfindet und mögen nur die ächsischen Freunde don zahlreich erscheinen. Godesberg. Dr. Burckhardt. Für den Agitationsfonds des„Volk“ gingen ein von C. Sch. in D. 2 Mi. Herzlichen Dank Kann mir einer der verehrten Leser des„Volk“ ein sicher wirkendes Mittel gegen Keuchhusten angeben? V. U. Kreuzthal, 11 April. Ein Kuriosum berichtet die KölnZeitung von hier Dem Köln= Musener Bergwerksverein in Kreuzthal, der bei dem oberhessischen Orte Hungen einige Grübenfelder besitzt, ist von dem dortigen großherzoglichen Steuerkommissariat ein Steuerzettel zugegangen, laut dessen er für das Jahr 1900/190 sechsmal in Zwischenräumen von zwei Monaten einen Pfennig zu zahlen hat. Der Zettel elbst traf als portopflichtige Dienstsache in einem unfrankierten Umschlage ein sodaß der Empfänger noch mit 10 Pfa Porto belastet wurde, also mit 166 Prozent des Gesamtsteuerbetrages von 6 PfgErndtebrück, 16. April. Die gestrige Generalversammlung des landwirtschaftlichen Vereins war von annähernd 100 Personen besucht. Bei der Verlesung des Jahresberichtes machte nach einem Bericht der„Wittgenst. Ztg der Herr Vorsitzende noch ganz besonders auf die Anzeigepflicht bei ansteckenden Krankheiten aufmerksam. Zum Jahresbericht bemerkt Herr Hackebracht=Verleburg, daß er gegen die weitere Beschaffung von Fichtelgebirgshafer sei. Der Wittgensteiner Hafer bewähre ich besser, mindestens ebenso gut. Bezüglich der Schweinezucht rugt Herr Spies=Weidenhausen, wie sich die Zucht der MindenRavensberger Schweine im hiesigen Kreise bewährt habe Herr Spies=Alertshausen erklärt, daß sich diese Zucht sehr gut bewährt habe, was von mehreren Anwesenden bestätigt wird. Im Kassenbericht verlangte die Revisionskommission, daß in Zukunft eine Bescheinigung darüber beigebracht werde, daß das an die Musik abgegebene Bier auch wirklich getennken, parden — geliefert worden sei. Bei dem Bericht der Verlosungskommistion siel es besonders auf, daß 120 Gewinne überhaupt nicht abgeholt worden sind. Es sollen in Zukunft einige wertvollere Gewinne z. B. Wagen, Trieur ze mit verlost werden. Herr Spies=Weidenhausen bemängelt die Höhe der Ausgaben für die Justandsetzung bezy Herrichtung des Festplatzes auf dem Stünzel Herr Hönemann=Lagsphe begründet diese Ausgaben mit der allgemeinen Lohnerhöhung. Ein Antrag, diese Arbeiten in Zukunft in Akkordlohn zu vergeben wurde abgelehnt. Das Tierschaufest soll am 13. Juni abgehalten werden. Bei der Wahl der Ausschußmitglieder und der übrigen Kommissionen beantragt Herr AchenbachNiederlaasphe, daß die Ausschußmitglieder in Zukunft nur auf drei nachernanderfolgenden Jahre für dieses Amt gewählt werden können. Dieser Antrag wurde zum Beschluß erhoben. Die Namen der betreffenden für die verschiedenen Kommissionen Gewählten werden demnächst im Organ bekannt gegeben. Zim Schluß erging sich der Herr Vorsitzende noch in längeren ##er den praktischen Nutzen des Herdbuches Schirmheren der Landwirtschaft ei dreitaliges, begeistert aufgenommenes Hoch. Herr Spies=Alertshausen feierte die Verdienste des Herrn Vorsitzenden um den hiesigen landw. Verein und brachte diesem ebenfalls ein begeistert aufgenommenes Hoch. O Hilchenbach, 11. April. Die festgesetzte Gemeindesteuerliste für das Veranlagungsjahr 1900, enthaltend die mit einem Einkommen von nicht mehr als 900 M. veranlagten Personen, liegt vom 1. bis einschließlich 14. Mai d. J. auf dem Magistratsbureau hierselbst zur Einsicht der beteiligten Steuerpflichtigen aus. Gegen die Veranlagung steht den Steuerpflichtigen binnen einer Ausschlußfrist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist, die Berufung zu und zwar: a) wenn die Veranlagung durch die Voreinschätzungs=Kommission ohne Beanstandung erfolgt ist, an die VeranlagungsKommission. b) wenn die Festsetzung des Steuersatzes durch die Veranlagungs=Kommission stattgefunden hat, an die Berufungs=Kommission.— Die Aufnahme der schulpflichtig werdenden Kinder(das sind Diejenigen, welche bis zum Aufnahmetermin das 6. Lebensjahr vollenden) in die Seminarschule, finden am Donnerstag 26. April d. J. vormittags 10 Uhr in dem Unterrichtszimmer der 6 Klasse statt.— Die Gewerbesteuervolle der Stadt Hilchenbach für das Veranlagungsjahr 1900 liegt vom 17. April d. J. ab eine Woche auf dem Magistratsbureau hierselbst zur Einsicht der Steuerpflichtigen öffentlich aus. 0 Aus Minden=Ravensberg und Umgegend, Ia. April. Von den sogenannten Haushaltungsschulen wollen manche Leute nichts wissen; sie meinen, was die Mädchen dort lernten, sei nicht weit her. Es mag sein, daß viele trotz Besuches der Haushaltungsschule nichts Rechtes lernen, aber man darf die Fälle nicht verallgemeinern. Im ganzen sind und bleiben die Haushaltungsschulen doch recht nützliche Institute, denen man einiges Wohlwvollen entgegenbringen sollte. Die Wanderhaushaltungsschule des Kreises Herford beendigt in diesen Tagen den Kursus in Südlengern, den dritten seit dem Bestehen, um dann nach Löhne zu wandern. Die Schlußprüfung wird heute abgehalten werden. Zu derselben hat der Regierungspräsident sein Erscheinen in Aussicht gestellt. Wie in Hiddenhausen, so hat es sich auch hier erwiesen, daß die Schule in jeder Beziehung die in Aussicht gestellten Ziele erreicht und den jungen Mädchen eine Vorbereitung für den häuslichen Beruf gewährt, wie sie besser in solch verhältnismäßig kurzer Zeit nicht angeeignet werden kann. Dar seitens einzelner Arbeitgeber an anderen Orten den jungen Mädchen Schwierigkeiten für den Besuch der Schule in Aussicht gestellt wurden, wird durch besondere Begünstigung und Förderung andererseits reichlich aufgewogen.— Am nächsten Samstag findet in Dortmund ein Verbandstag der Geflügelzucht=Vereine von Westfalen statt, zu dem auch die Vertreter von Minden=Ravensberg eingeladen worden sind. Seitens des Bünder Vereins ist die Abhaltung einer ausstellung für 1901 beantragt. Ein Pferdeschlächter in Münster hatte das Fleisch eines krepierten Pferdes zu Wurst verarbeitet. Für diese Schandthat wurden dem Mann von der Strafkammer 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust zudiktiert. Das ist eine empfindliche aber gerechte Strafe.— Ein trauriges Familiendrama hat mit der erfolgten Auffindung der Leiche der Ehefrau Westerhoff aus Hamm seinen Abschluß gefunden. Am 20 Dezember v. J. hatte diese den 33jährigen Werkmeister Gustav Westerhoff geheiratet. Alles Glück schien dem jungen lebensfrohen Paare beschieden. Da nahm Westerhoff in Hamborn bei Ruhrort Stellung an. Seine Frau nahm unter Beihilfe ihres Bruders den Umzug vor. In Hamborn übernachteten die drei in einem Hause. Frau Westerhoff drehte beim Schlafengehen selber den Gashahn im Zimmer zu. Ob dies nun nicht in genügendem Maße geschehen, weiß man nicht kurz; am anderen Morgen waren alle drei betäubt. Der Mann erlag der Gasvergiftung, Frau und Bruder erholten sich nach einiger Zeit. Die Leiche wurde hier bestattet, die Frau verfiel in Tiefsinn und bald darauf war sie verschwunden. Da man eine weibliche Person in der Nähe der Lippe gesehen hat, auch ihr Schirm dort aufgesunden wurde, vermutete man sofort, daß die Frau freiwillig den Tod gesucht. Ihre Leiche wurde denn auch an der Stockumer Wehr aus dem Flusse gezogen. Kleine Chronik. — In Lupen feierte eine dort lagernde Zigeunerfamilie aus Argentinien Kindtaufe. Das wurde so gemacht: Vormittags bewegte sich der Taufzug von dem Lager zur katholischen Pfarrkirche der Unterstadt. Er bestand aus fünf Zigennern, der Wöchnerin, die ihren sechstägigen Säugling selbst in einem Tragtuche an einem über die Schulter gelegten Stocke auf dem Rücken trug, sowie zwei Eupenern, die die Patenstellen übernommen hatten. — Der neue Dampfer„Gutenberg“ der Düsseldorfer Gesellschaft, der auf deutscher Werst aus deutschem Material gebaut und mit deutschen Maschinen sund deutschen Kesseln ausgerüstet ist, macht am nächsten Samstag seine Probefahrt von Düsseldorf nach Köln. — In Münster werden für das laufende Rechnungsjahr an Gemeindesteuern je 100 Prozent der Einkommen=, Grund=, Gebäudeund Gewerbesteuer erhoben. Daneben wird von der katholischen und der evangelischen Schulgemeinde eine besondere Schulsteuer erhoben, die im vergangenen Jahre für die erstere sich auf 41 Prozent, für die letztere auf 25 Prozent belief. Hilchenbach=Stadt. Angemeldet im Monat März 1900. Geburten. Olga, T. d. Redakteurs Gustav Albert Bernhard Leitel, ev.— Klara, T. d. Gerbers Karl Stötzel, ev.— Otto, S. d. Gerbers Karl Heinrich Julius Irle ev— Friedrich Kurt Erich, S. d. Amtsgerichtssekretärs Otto Herper, ev.— Klara Maria, T. d. Handelsmanns Johs. Frevel, kath.— Harry, S. d. Witwe Rebeka Löwenstein, geb. Hony, israelitisch. Aufgebote. Präparandenlehrer Wilhelm Gustav Pauck in Laasphe und Witwe Maria Wilhelmine Karoline Bartel, geb. Hoffmann, beide ev.— Schreiner Oskar Krämer in Hilchenbach und Klara Helene Becker daselbst, ev.— Gerber Karl Wilhelm Linde in Hilchenbach und Emma Weber in Müsen, ev. Sterbefälle. Wwe. Hermann Heinrich Hein, Ernestine geb. Klein, 70 Jahre alt, ev.— Gerbermeister Wilhelm Stein, 71 Jahre alt, ev. — Wwe. Johann Georg Scheffe, Anna Magdalena geb Haas, 65 Jahre alt, evHilchenbach Land. Geburten. Lina, T. d. Fuhrmanns Hermann Aurand in Hadem, ev.— Robert, S. d. Maschinenschlossers Wilhelm Bruch in Haarhausen, ev— Friedrich Wilhelm, S.d. Landwirts Friedr Wilh. Klaus in Oberndorf, ev.— Wilhelm S. d. Landwirts Wilh. Menn in Watzenseifen, Gemeindebezirk Vormwald, ev.— Maria, T. d. Kaufmanns Eduard Menn lI in Lützel, Dissident.— Emilie, T. d. Gerbers Eduard Debus in Haarhausen, ev.— Katharina Minna, T. d. Fabrikarbeiters Friedr. Menn in Grund, ev. Aufgebote. Fabrikarbeiter Heinr. Menn in Grund, ev., und Emma Moll daselbst, eo. Manrer Aug. Stein in Allenbach mit Emma Kunze in Vormwald.— Fabrikarbeiter Heinr. Ewald Klos in Allenbach, ev., und Bertha Emilie Becker in Siegen, ev.— Hirte Philipp Eduard Dittmann in Vormwald und Karoline Stötzel daselbst, beide ev.— Sandformer Friedrich Wilhelm Haberkamm in Weidenau, ev., und Lina Schreiber in Allenbach, ev. Eheschließungen Maschinenschlosser Friedrich Karl Nöh in Haarhausen, ev., und Jenny Wurmbach in Hof Stöcken, ev.— Fuhrmann Friedr Karl Aug Kraus in Allenbach und Julie Schmitt, daselbst, ev. Sterbefälle Tagelöhner Hermann Rötz in Lützel, 59 Jahre alt, ev.— Fabrikarbeiter Albert Schwarzpaul in Allenbach, 24 Jahre Fahrräder! 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Bestellungen auf die Zeitung„Das Volk“ für die Monate April, Mai und Juni werden noch bei allen Postanstalten und Zeitungsboten, sowie in der Expedition entzegen genommen. Der Bezugspreis beträgt: für die Stadtabonnenten Mark 25 Pfg., für die Postabonnenten Mark 35 Pfg., durch die Boten oder Briefträger frei ins Haus 40 Pfennig mehr. Die Geschäftsstelle, Siegen, Sandstr. 18. Donnerstag, 19. April, in Elberfeld(Ver8½ Uhr abends. Tagesordnung: Beeßangelegenheiten. Dos neue Handbuch, ereinsangelegenheiten. Freitag, 20. April, in Erfurt im alten Ratskeller, nachmittags 3 Uhr und abends 8½ Uhr. Referate der Herren Reichstags=Abg. StöckerBerlin, Lic. Weber=M.=Gladbach, Parteisekretär Dr. Burckhardt=Godesberg. Um zahlreichen Besuch der Freunde in Thüringen und angrenzenden Staaten bitten Stöcker=Berlin. Fabrikant F. Wagner=Greiz. Dr. Burckhardt. Diakouus Hohlweg=Meiningen. Pastor Lauge=Salzwedel. Lehrer A. Ecke und Lehrer Ehringhaus=Erfurt. Pfarrvikar Joh. Blankenburg=Herbsleben. Finanzrepisor B. MeynerAltenburg. Pf. Anhalt=Tiefenort(Weimar). Superintendent Baarts=Weißensee. Pfarrer A. Dietrich= Stüzerbach. Diakonus Trebitz=Altkirchen. Oberprediger Windschild und Rendaut KlaußBernburg. Kammergutspächter Dr. Findler Thalbürgel bei Jeua. E. R. Fröde=Roedelberg. Diakonus Reichmann=Zerbst. Pf. Schlicke=Westgreussen. Winkelmann=Greussen. Archidiakonus Ziegler und Diakonus Kleikamp=Suhl. Samstag, 21. upril, nachmittags 4 Uhr, in Gemünden bei Westerburg(Westerwald) bei Gastwirt Betz. Samstag, 21. April, abends 8½ Uhr, in Westerburg im Gasthof zum Grünewald. Sonntag, 22. April, nachmittags 3 Uhr, in heuburg bei Gastw. Ad. Haas(WestendSonntag, 22. April, abends 8 Uhr, in Marienberg bei Rich Lotz. Montag, 23. April, mittags, in Lippe bei Gastwirt Ewald Hoffmann. Montag, 23 April, nachmittags 4 Uhr und abends 8½ Uhr, in Herborn(Metzlers Saalbau). Vorträge des Hiu, Reichstaus= Aha. Wospreon Stäcker=Verlich h des Hints r. Burckhärdt= Gadesberg. Jedermann ist freundlichst eingeladen. Christlich=soziale Versammlung in Siegen Dieustag, den 17. April a. er., abends 8 ¼ Uhr, im Lokale des Herrn Demandt, Marburgerthor, Vortrag des Herrn Dr. BurkhardtGodesberg über die Fleischbeschauvorlage Ans einer Verliner Varstadtgemeinde. Eine wertvolle Gabe hat die im Norden Berlius unweit des Stettiner Bahnhofs gelegene Versöhnungsgemeinde in ihrem neuen Gemeinde= und Pfa##hause erhalten, welches neben den Wohnungen für drei Geistliche die Diakonissenstation, den Küster und Kirchendiener zwei Konfirmandeufäle einen großen Saal für Gemeindeversammlungen und Familienabende zu 800 Personen, zwei Mietswohnungen und drei Zimmer für eine Krippe umfaßt. Das große dazu erforderliche Grundstück hatte die Muttergemeinde St. Elisabeth gleich nach dem Bau der Versöhnungskirche mit dieser von ihrem alten Friedhof in der Ackerstraße der Tochtergemeinde Die Kosten für den Bau sind aufgebracht. Der B# eneg wegen seiner Zweckmäßigkeit die Auerkennung aller Besscher und ist geeigne zu einem Brennpunkt aller christlichen= Liebesthätigkeit für diesen ammsten Stadtteil des armen, dichtbevölkerten Nordens zu werden. In den Sälen sollen außer den Koufirmanden zweier Bezirke der in drei Bezirke geteilten, langgestreckten Gemeinde die Jungsrauen= und Konfirmandenvereine, der Armen=Nähverein der Missionsverein der Parochialverein, die Strick= und Flickschule und die verschedenen Haudarbeitsschulen für Schul und konfirmierte Mdchen ihre Heimat finden. Der große Saal will gern den Fechiciltienabenden und christlichen patriotischen Volksfesten unserer und benachbarte Gemeinden eine Herberge bieten. Die Suppen küche vornehmlich für arme Wöchneren und A bestimut soll die Aumespflege wirksam unterstützen Ganz besonderes Jnteresse wird die r##n weitesten Kreisen finden. Denn hier soll für die Lieblinge armer und krauter Mütter ein fauberes und gesundes Asyl bereitet werden den Müttern und Kindern zum Segen. Uusere Schwestern bertichten imer wieder herzzerreißende Fälle, die jeden Menschen###nd von der Notwendigkeit einer Krippe ein erer armen, kinderreichen Gegend überzeugen missen Sie schreiben in ihrem Jahresbericht: „Augenblicklich haben wir verschiedene denen wir Säuglinge unterbringen müssen und wir issen nicht wohin. Frau die Frau eines Postboten ist seit 5 Monaten krank, seit der Gebi## ihres prichtigen#indchens Der Arzt wünscht schon lunge, daß sie m ein Krankenhaus geht und sich einer Kur unterzieht, die zu Hause nicht gemacht werden kann, aber wo bleibt das Kindchen?—— Frau B. die der Mann so mißhandelte, daß die Eltern sie wieder zu sich nahnten liegt im letzten Stadtum der Schwindsucht Ihr 9 Monate altes Kindchen kann sie aus verschiedenen Gründen nicht bei sich haben eine Freundin hat es aus Barmherzigkeit für kurze Zeit genommen. So oft wir die Kranke besuchen bittet sie flehentlich um ein gutes Unterkommen für ihr Kindchen aber wer nimmt es unentgeltlich?— Frau T. deren Mann lange krank lag und jetzt eben gestorben ist, hatte Arbeit gußer dem Hause sie mußte ja die Familie ernähren So lange der Mann noch auf war, konnte er für das 5 Monate alte Kindchen sorgen, nun kam sie und bat inständig, ob wir keinen Aufenthaltsort für ihr Kindchen wüßten.—.— Eister jungen Witwe mußten wir fast 3 Monate auf unsere Kosten eine alte Frau halten, die ihre 3 Kinder versorgte, damit sie ihre Arbeit nicht verlor, die sie den ganzen Tag vom Hause fern hielt. So könnten wir noch viele Fälle anführen. Die Krippe ist der barmherzige Samariter für unsere Kleinsten, der aufnimmt und verpflegt, was sonst ohne Nure ist und verkommen muß. Es ist der einzige Ort, dessen Thur sich öffnet ohne Unterschriften Vorschriften Atteste u. dergl. Es ist ein so brennendes Bedürfnis, daß wir das feste Vertrauen zu Gott und Menschen haben, bald in den Besitz der ersehnten Krippe zu kommen. Nun ist der Wunsch unserer Schwestern erfüllt. Die Räume sind vorhanden. Der Kapellenverein hat seit mehreren Jahren einen Beitrag von 500 M. gewährt. Ein Verein junger Mädchen hat sich auch zu dem Zweck gebildet, um die für die Krippe nötige Wäsche zu nähen. Das große und ein kleines Harmonium ist zugesagt. Die erforderlichen Kinderwagen und Betten hat ein hochherziger Gönner geschenkt. Aber wer beschafft die Mittel zur Einrichtung des Saales, der Diakonissenstation und Krippe, zur Gewinnung der nötigen Pflegekräfte und sonstigen Betriebsmittel. Wir brauchen 20 bis 30.000 M. um aller Sorgen entledigt zu werden. In Anerkennung der Armut der Gemeinde, wie der treuen gesegneten Arbeit der kirchlichen Organe und der Notwendigkeit dieser Liebesarbeit hat Ihre Majestät die Kaiserin sich huldvollst bereit finden lassen, das Protektorat über das Gemeindehaus zu übernehmen. Die Gemeinde ist ihr dadurch zu tiefem Dank verpflichtet. Nun bitten wir auch alle, welchen die Pflege unseres Gemeindelebens wertvoll erscheint um ihre Hilfe. Wer hilft durch eine einmalige größere Gabe? Wer will durch Zeichnung eines Jahresbeitrages Mitglied des Krippenvereins werden? Wir wären auch für die Darreichung eines Klaviers oder Flügels dankbar. Frauen aus Nord und Süd Ost und West haben uns schon sichtbare Zeichen ihrer Liebe gegeben. Aber wir bedürfen größerer, dauernder Gaben. Einmalige Beiträge sowie Meldungen zu Jahresbeiträgen nehmen die unterzeichneten Geistlichen der Gemeinde entgegen. Burckhardt, Schwartzkopff, Dirksen, Bernauerstraße 4. Soziales. Zeugengebühren für Arbeiter:§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Unmittelbar nach dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist von einzelnen Gerichten erklärt worden, daß den als Zeugen vorgeladenen Arbeitern Zeugengebühren nicht mehr ausbezahlt würden, weil der Arbeitgeber ihnen auf Grund des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs einen Lohnabzug wegen Zeitversäumnis infolge Erscheinen an der Gerichtsstelle nicht machen dürfe Gegen diese Auslegung und Anwendung des Gesetzes, welche zu einer Entlastung der Staatskasse auf Kosten der Arbeitgeber und, in manchen Fällen, auch der Arbeitnehmer führt, ist zahlreicher Widerspruch erhoben worden. Jetzt hat, wie die„Soziale Praxis“ meldet, das Landgericht Düsseldorf entschieden, daß auf Grund dieser Bestimmung die Zeugengebühr nicht verweigert werden dürfe, weil die Verpflichtung zur Entrichtung solcher Gebühren von der sich nur auf die Verhältnisse der Arbeiter zu den Arbeitgebern beziehenden Vorschrift des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gänzlich unabhängig und eine Aenderung insoweit nicht eingetreten sei. Diese Entscheidung entspricht dem Gesetze und es kann dieserhalb den als Zeugen geladenen Arbeitern, welchen die Zeugengebühr mit Bezug auf§ 616 versagt wird, nur empfohlen werden, den Weg der Beschwerde hiergegen zu betreten. Die Unterstützung des gemeinnützigen Wohnungsbaues durch die Landesversicherungsanstalten scheint durch Anordnungen des Reichsversicherungsamtes immer schwieriger zu werden, was sehr zu beklagen=ist. In der Novelle zum Invalidenversicherungsgesetze ist bestimmt worden, daß es bei Anlage eines Teiles bis zu 25 Prozent des Anstaltsvermögens über die Mündelsicherheit hinaus nicht mehr der Genehmigung der Garantieverbände bedan sondern diejenige des Reichs=Versicherungsamtes genügt Letzteres hat nunmehr unterm 5. Februar an die Austaltsvorstände ein Rundschreiben gerichtet, das darauf hinausläuft, daß dem Amte in der Regel jeder einzelne über die Mündelsicherheit hinausgehende Darlehusantrag gemeinnütziger Bauvereine für Erbaunng von Arbeiterwohnungen zur Genehmigung vorzulegen ist. Es liegt die Gefahr nahe, daß die Anstalten infolgedessen von einer weitern Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaues ganz absehen, da durch die Anordnung des ReichsVersicherungsamtes eine Centralisierung der Darlehnsgewähr eintritt die nur zu Verschleppungen führt Schon jetzt wurden durch den Umstand, daß über die Darlehnsgesuche der Gesamtvorstand der Anstalt zu entscheiden hatte, den gemeinnützigen Bauvereinen erhebliche Unbequemlichkeiten verurfacht die Austaltsvorstände haben aber wie auerkannt werden muß in entgegenkommendster Weise den gemeinnützigen Wohnungsbau unterstützt. Durch jene Anordnung aber würde die Thätigkeit der Vereine und die endgültige Zusage der Darlehen derart verlangsamt werden, daß die Bauvereine der erforderlichen finanziellen Unterlage entbehren. Es würde dadurch auch den Beteiligten die Freude an der guten aber schwierigen Sache benommen werden. Die gemeinnützigen Bauvereine werden sich deshalb auf diese beklagenswerten Schtvierigkeiten einrichten muissen Ai Der hier vor etwa 14 Tagen ausgebrochene Ausstand der Schneider ging gestemn zu Ende, ohne daß die Ausständigen ihre Forderungen durchgesetzt hatten. Jülich, II. April, Das christliche Gewertschaftswesen beginnt in unserem Kreise immer fester Wurzel zu fassen. So wurde am 8. d. Mis in dieser Richtung hier wieder eine neue Organisation ins Leben gerufen, nämlich ein Unterverband zu dem christlichen Papierarbeiterverband Deutschlands(M.=Gladbach), dem bis jetzt schon über hundert Mitglieder beigetreten sind. Kleine Chronik. — Der Kreistag in Mülheim a. Rh. wählte am Dienstag zu Provinziallandtags=Abgeordneten die Herren Graf v. FurstenvergStammheim und Geheimer Reaierungsrat Landrat v. Niesewand wieder dagegen neu den Rittergutsbesitzer Paul Andrege, Haus Mielenforst, anstatt des Kommerzienrats Th. Guilleaume. — Der Rentner Otto Jordan in Koonen der sich um die Erforschung der Altertüme verdient gemach hat,ir am Monte# an der Riviera gestorben. — Die Stadtverordneten in Elberfeld beschlossen am Diensug den Oberbürgermeister zu ermachtigen, zur Eröffnung der Schebebahn und zur Einweihung des neuen Rathauses im Herbst d. S# Kaiserpaar einzulgden schies. Thüringen und Sachsen, 1. April. Der Prävakand Konrad Schotz in Barby schöß sich je eine Revolvertugel im Walde in die Stirne, unter das Auge und in den Mund, weil er zu Östern nicht versetzt wird, und hatte dann noch Kraft genug, um in die Stadt zurückzukehren. Die Kugel in der Stirn wurde entfernt, die zweite hatte den Kiefer zerschmettert und die dritte sitzt noch unter dem Auge doch ist augenblicklich keine Lebensgefahr vorhanden— Der Rektor O. Döring in Maadeburg feierte am April dieses Jahres das fünfzigjährige Amtsjubiläum als Lehrer— Eisenberg. Der Transvaaltrieg reizt auch unsere Jugend zu allerlei Kriegsspielerei. So lange es bei den üblichen Keilereien bleibt, hat wohl niemand viel dagegen; anders ist es dagegen, wenn scharfgeladene Waffen verwandt werden, wie es hier passierte. Durch den hiesigen Polizeiwachtmeister wurden nämlich mehrere„Engländer“ dabei abgefaßt, als sie mit Revolverschüssen sich gegen die angreifenden„Buren" verteidigten.— Deliesch. Ende März sand hierselbst unter Vorsitz des ProvinzialSchulrat Friese=Magdeburg und Schulrat Muhlmann=Merseburg die Abgangsprüfung vom Seminar statt. Alle 39 teilnehmenden Seminaristen bestanden das Examen. Zwei davon wollten am 1. April gleich ihrer einjährigen Militärpflicht genugen. Das Aussatzthema lautete: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.— Merseburg. Der Provinzial=Landtag der Provinz Sachsen beschäftigte sich in der Sitzung im vorigen Monate zu Merseburg mit der Besoldung der Lehrer an Taubstummenanstalten unserer Provinz. — Altenburg. Auf dem Reuster=Berge soll hierselbst eine Bismarcksäule erlichtet werden. Die Sammlungen für dieselbe haben bereits einen beträchtlichen Betrag von 15000 Mk. eingebracht. Um für den Denkmalsbau noch bedeutende Gelder zu erhalten, soll eine große Festlichkeit veranstaltet werden. Herzog Ernst hat wertvolle Geschenke gestiftet für die nach dem Feste stattfindende Verlosung.— Giebichenstein bei Halle. Von einem Eisenbahnzuge wurde in Giebichenstein der Eisenbahnbeamte Liebegott erfaßt und überfahren und sogleich trat der Tod von den schweren Verletzungen ein. Der Untergang der„Mexican". Der Untergang der „Mexiean“ hätte fast vielen Hunderten das Leben gekostet, und es ist fast wie ein Wunder zu betrachten, daß dieses Aeußerste glücklich vermieden ist. Die„Mexican" war eins der schönsten und schnellsten Schiffe der englischen Handelsmarine, das zwischen Kapstadt und England fuhr. Es war wiederholt von der Regierung gechartert worden und wurde im Jahre 1885, als man einen Krieg mit Rußland befürchtete, sogar als„gepanzerter Kreuzer ausgerüstet und jener Flotte zugeteilt, welcher die Verteidigung der afrikanischen Küste zugedacht wurde. Auch auf ihrer letzten Fahrt leistete die„Mexican" thatsächlich Kriegsdienste; sie führte die Kontingente des North Lancashire=Regiments, der Seeforths, der Gordon Highlanders und Lord Lochs=Leute nach Südasrika, wo sie am 14. März eintraf, und auch, als sie am 4. d. M. von dort die Heimreise antrat, brachte sie Verwundete und Invaliden zurück. Daneben war sie Post= und Passagierdampfer und hatte ihre schnellste Fahrt von Kapstadt bis Southampton in 17 Tagen und 12 Stunden zurückgelegt. Ihr Kommandant, Kapitän B. Cobb, war einer der ältesten Offiziere der Union Castle=Linie, welcher der 4661 Tonnen haltende, 378 Fuß lange, 47 Fuß breite und 29 Fuß tiefe Dampfer gehörte Die„Mexikan" hatte Kapstadt am Donnerstag abend verlassen und befand sich kaum 60 Kilometer vom Lande entfernt, als plötzlich ein dichter Nebel sie einhüllte. Kurz darauf erschien am Stern der mächtige Bug eines anderen Schiffes, und ehe einer der beiden Dampfer seinen Kurs ändern konnte, erfolgte der Zusammenstoß mit dem Truppentransportschiffe„Winkfield" Die„Mexikan“ wurde in der Mitte nächst dem Maschinenraume getroffen und bis unter die Wasserlinie gespalten daran, das Schiff über Wasser zu halten, war nicht zu denken. Die schlafenden Passagiere eilten meist fast unbekleidet, angstvoll auf Deck, aber der Kapitän beruhigte sie mit der Versicherung, es bliebe genug Zeit, um alle in die Boote zu retten und so eilten die meisten hinunter, um sich rasch anzukleiden und ihre Wertsachen wenigstens zu retten. Die Bbote wurden sofort herabgelassen, die See war fast spiegelglatt, und so brachte man zwischenfalllos und in kürzester Frist zuerst die Frauen und Kinder und dann die übrigen auf die„Winkfield“, welche obwohl selbst gefährlich beschädigt, bei der Nähe des Landes und der absoluten Ruhe des Meeres darauf rechnen durste, den Hafen der Kapstadt noch glücklich zu erreichen Sie führte Remonten. Ihr Bug war nahe über der Wasserlinie eingestoßen und auch neben der Maschienstube hatte sie schwere Beschädigungen davongetragen. Ihr Vorderteil füllte sich rasch mit Wasser und bei etwas unruhiger See ware auch die Winkfield verloren gewesen So retteten sie ihre wasserdichten Wbeilungen Die Merican sank plötzlich und schneller, als der Kapitän gehefft halte während die Mannschaft noch mit der Rettung der Postsäcke beschästigt war. 125 der leßzteren gelang es, in die Boote zu wersen, dann mußten die letzten Matrosen über Bord springen, um nicht in dem Strudel des sinkenden Schiffes mit zu verschwinden. Der Konitzer Knabenmord. Große rote Plakate, welche an allen Ecken von Konitz angeschlagen wurden, veröffentlichen abermals eine Bekanntmachung des Königlichen Ersten Staatsanwalts, worin es zum Schlusse heißt: Es fehlen jetzt noch der Kopf, der linke Arm, das rechte Bein, der linke Unterschenkel und der größte Teil der Eingeweide, ferner fehlen seine Kleider und sonstigen Sachen. Winter war bei seinem Verschwinden bekleidet mit dunkelblauem Krimmerüberzieher mit Sammerkragen und im Futter eingestickten Monogramm, dunkelblauem Joppenanzuge baumwollenen bräunlichen Unterkleidern, dunkelblauem seidenen Shlips, bläulichem seidenen Halstuch mit roten Tupfen und schwarzem Filzhute, er trug eine sitberne Zylinderuhr mit fünfeckiger Nickelkette und vergoldete Stulpenknöpfe. Die Uhr war eine silberne Schlüsseluhr mit Goldrand und 10 Steinen in Messingkapfel Dieselbe trägt die Gehäusenummer 143087, serner ist darin die Kontrollnummer 3.052 klein eingekratzt Wahrscheinlich war sie mit der Firmabezeichnung C. Jägermann Nachs, Berlin, versehen. Auf die Ermittelung der Thater ist von Behörden und Privatversonen insgesamt eine Belohnung von 6700 Mark ausgesetzt worden Ein Teil der Belohnung soll auch den Findern der noch sehlenden Leichenteile gezahlt werden. Die bisherigen Ermittelungen sind ergebnislos geblieben. Jeder, der etwas über die That oder die Thäter zu bekunden vermag, wird um schleunige Mitteilung ersucht Weiter wird gemeldet, daß sich der Schreiber der im Wortlaut mitgeteilten, an den ermordeten Obertertianer Winter unterm 10. Februar d I gerichteten Postkarte freiwillig gemeldet hat. Es ist ein Jungling aus Konitz, der die Postkarte angeblich im Auftrage eines jungen Mädchen(nach der„Staatsb=Ztg. Jüdin) geschrieben haben will. Die Behörde will den Eindruck gewonnen haben, daß es sich nur um einen hacmlosen Scherz gehandelt habe. Wir würden mißtrauischer sein, nachdem wir gesehen haben, daß die judoliberale Presse kaum daß der Mord bekannt wurde, den ermordeten Schüler sofort als frühreisen Von Juan hinstellte, welcher einem Zuhälter zum Opfer gefallen sei. Im völligen Gegensatz zu diesen bisher über den Charakter des Ermordeten gemachten Mitteilungen schildert jetzt der Bäckermeister Lange in Konitz seinen früheren Pensionär als einen harmlosen jungen Mann der bei aller Aufgewecktheit weit entfernt davon gewesen wäre, sich in schmutzige Liebesabenteuer einzulassen Es fallt noch auf, daß dieselbe Presse, die früher so genau die Ursache des Mordes dahin deklarierte, jetzt plötzlich anderer Meinung wird und nun von Zerstückelung aus„Aberglauben oder mit ebenderselben Bestimmtheit schreibt. Besonders zeichnet sich darin die„Danz Ztg aus welche sich schreiben läßt:„Wer die Bevölkerung jener Gegenden kennt, der muß als durchaus wahrscheinlich zugeben, daß der unselige Aberglaube mitgespielt hat. Wie oft komm es dort und leider ja auch in der nächsten Umgebung Danzigs vor daß Leichen nächtlicherweile ausgegraben, einzelne Teile (Nieren Lebern Näge Haare 2c. abgelöst, zerkleinert gekocht oder souft zubereite und irgend einem Kranken als„Sympathiemittel“ eingegeben werden Unerhörte Dinge sind in dieser Beziehung vorgekommen, und es wäre vielleicht der Mühe wert, nach dieser Richtung hin Recherchen anzustellen. Endlich wird dem Graudenzer„Geselligen von einer in der Danziger Straße wohnhaften Dame die Angabe gemacht, wonach sie erklärt, den jungen Winter in Begleitung zweier jungen Leute anscheinend Gymnasiasten noch gegen Uhr in der Danziger Straße gesehen zu haben. Eine Personenverwechselung ist nach der Behauptung der Dame vollständig ausgeschlossen. Bisher konnte mit Sicherheit nur nachgewiesen werden, daß der Ermordete noch gegen 2 Uhr gesehen worden war. Die„Staatsbürgerzeitung erzählte jungst, ein jüdischer Kaufnann in Konitz habe in einer Gastwirtschaft erklärt die Juden brauchen Christenblut zu Ostern" Aufgefordert, Namen zu nennen, bezeichete sie den Kaufmann Seelig Zander in Konitz als denjenigen, der dem Gastwirt Stolpmann gegenüber die betreffende Aeußerung gethan hat. Das„Verl. Tagebl.“ kann diese Feststellung nicht anfechten, nennt aber unter eine Fiut seiner üblichen Redensarten seinen Glaubensgenossen ein wegen Meineids mit Zuchthaus bestraftes Individuum". Er ist als ein gefährlicher Querslaut und Verleumder weit und breit ver##en Trotz dessen wird eine gerichtliche Vernehmung dieses Querulanten nun kaum zu umgehen sein. Der Transvaal=Präsident Paul Krüger gilt als ein bedeutender Gärtner. In dem englischen Wochenblatt„The Gardener“ finden sich(nach der„Frankfurter Zeitung") folgende interessanten Mitteilungen: Die selbstgezogenen Flammenblumen (Phlox) in Ohm Krügers Garten zu Pretoria sind weit berühmt. Wenn früh morgens Mitglieder der Exekutive dem Staatsoberhaupt einen Besuch machten, fanden sie unfehlbar auf dem Tisch an dem Seine Ehren saß, auf dem grünen Tischtuch vier Vasen, in denen rote, weiße und rosafarbige Phlox prangen. Und als einmal ein Besucher bemerkte: „Diesen Phlox nach zu schließen giebt es Leute, die viel übrige Zeit haben" erwiderte Ohm Paul schlau:„Ach, Frauen kümmern sich um dergleichen Kleinigkeiten. Thatsächlich verbrachte Ohm Paul viele Stunden inmitten seiner Pflanzen, machte Experimente, setzte Samen, pfropfte oder schnitt Zweige ab. Im Hof seines Hauses stehen auf den Brettern Töpfe mit seinen Lieblingspflanzen Rote Geranien liebt er ausnehmend. Besonders entzücken ihn gelbe Blüten; Calceolaria neben roten Geranien ist seine bevorzugte Mischung. Auch Nelken hat er gezogen, gelbe und rote in Töpfen; doch gelang es ihm nicht, sie fortzupflanzen. Wenn Fremde ihn besuchen, spricht er mit Vorliebe von seinen Pflanzen, um die Lieblingsbeschäftigung seines Besuchers zu erfahren, und wenn sie darauf eingehen, fragt er sie um Rat, was er in seinem Garten ziehen solle. Azaleen blühen in Töpfen im Garten des Präsidenten, aber es sind keine guten Arten; dagegen gedeihen Hydrangeen(Hortensien) vortrefflich, doch bedauert Ohm Paul, daß es keine roten oder prange Blüten sind. Orchideen(Chamberlains Lieblingspflanzen) verschmäht er. Die gelbe Narzisse hegt und pflegt er und man trifft sie in allerlei stehenden oder hängenden Töpfen in allen Winkeln des Hauses an Einmal schickte eine französische Dame aus Nizza, die von dem alten Herrn in Pretoria freundlich empfangen worden war ihm aus Erkenntlichkeit eine Auswahl seltener Veilchensorten, einige weiße, aber besonders viele blaue gefüllte Sorten. Die weißblühenden Pflanzen wurden sorgfältig gesetzt, aber die blauen auf den Düngerhaufen geworfen; denn alle blau sund purpurn blühenden Pflanzen sind in Ohm Pauls Augen bloß Unkraut. Ohm Pauk hat auch versucht, die Zwiebeln der europcischen Narzisse in seinem Garten einzubürgern aber der NewYorker„Evening Sun zufolge, ohne Erfolg obschon er die besten Sorten aus Europa bezog Vermutlich sind Klima oder Erdreich in Transbaal nicht günstig. Wie in Transvaal das Gold gewonnen wird, dürfte auch viele von unseren Lesern interessieren. Die Gewinnung ist keineswegs eine einfache sie erfordert einen ungeheuren Aufwand von Maschinen von technischen und chemischen Hilfsmitteln. Der goldführende Quarz wird im Innern der Erde mittels Sprengung mit Dynamit ausgebrochen und mit Maschinen auf die Oberfläche gebracht. In zerkleinerter Form kommt er dann in die Pochwerke oder„mills hier wird das Gestein mit Wasser und Quecksilber in Stahltrögen durch Stahlstempel, von welchen immer 5 in einem Trog aus und niedergehen, in seines Pulver verwandelt. In diesen Trögen fängt der Prozeß, den man„Amalgamation nennt, bereits an, d. h. das im Quarz enthaltene Gold wird von dem Quecksilber teilweise aufgenommen. Dies wird fortgesetzt in der Weise, daß man das flüssige Gemenge von Quarzpulver und Wasser über lange Tischefließen läßt deren Oberfläche aus mit Quecksilber überzogenen Kupferplatten bestehl. Der größte Teil des Goldes verbindet man kannsagen legier sich mit dem Quecksilber zu sogenanntem„Amalgam dieses wird mit Spateln von der Kupferplatte abgeschabt, kommt in eiserne Retorten und wird darin in besonders konstruierten Oefen stark erhitzt. Hierbei verflüchtigt sich das Quecksilber ein großer Teil desselben wird durch Oestillation wieder gewonnen, und das Gold bleibt in ziemlich reinem Zustande in der Retorte zurück, es enthält steis Silber, durchschnittlich 10 Prozent des Goldes Es wird alsdann in Graphittiegeln geschmolzen in Barren gegossen und kommt so auf den Markt, meistens nach London. Im Jahre 189s waren 137 Goldgruben im Betrieb, welche ein Nominal=Kapital von über 1000 Millionen Mark darstellen Von diesen 137 Goldgruben zahlten 45 Dividende. Es waren beschäftigt Weiße Beamte und Arbeiter 12.000(rund) farbige Arbeiter 89.000(rund) Die Ausgaben für Gehalte Löhne und Materialien bei sämtlichen Goldgrüben waren über 200 Millionen Mark, davon für Gehalte und Löhne der weißen Arbeiter 67 Millionen, der Löhne der farbigen Arbeiter 52 Millionen für Dynamit 23 Millionen fur Kohlen und Holz 16 Millionen für Chemikalien 6 Millionen für Werkzeuge und Eisenmaterial 8 Millionen. Die Beulenpest herrscht bekanntlich seit längerer Zeit in Sydnen Der„K Ztg“ wird von dort unterm 7. März geschrieben. Die Beulenpest ist zum erstenmale bei uns eingekehrt, und der lähmende Schrecken, der Handel und Wandel zu beeinflussen beginnt macht allerorten sich bemerkbar und hat schon Hunderte zur Flucht veranlaßt. Die Regierung greift den Feind tapfer an; jedes Haus besonders der älteren Stadtteile, wird untersucht, dunkle Gassen und Winkel werden geräumt, damit Luft und Licht hinzukann, jedes ankommende Schisf wird von oben bis unten durchstöbert und insbesondere den Ratten der Krieg bis aufs Messer erklärt. Alle mit diesen Arbeiten beauftragten Personen sinv der Schutzimpfung mit Antitorin unterworsen worden. Die Zahl der unter Beobachtung stehenden Peisonen augenblicklich 49 steigt fortwährend, besonders beunrühigen die in Annandale vorkommenden neuen Erkrankungen Schlimm schein es noch immer auf Neucaledonien zu stehen; dort kamen in der Zeit vom 17 bis 27. Februar elf Todesfälle an der Pest vor, darunter fun von Europäern. Die erkrankten Kulis sterben fast ausnahmslos In der Strafanstalt zu Neponi erlagen in drei Tagen weitere sechs Sträflinge es sehlt von an Pesthymphe. Zu den letzten Opfern der tichschen Krankheit in Numen gehört der bekannte Stadtrat Chamboneau, Mitglied des Lokalparlaments; er hatte sich freiwillig zum Santätsdienste gestellt und mußte nach wenigen Tagen seinen Opsermat mit dem Tode bezahlen. Dänische Erfinder machen neuerdings viel von sich reden troffene Mitteilung nach Rückkehr des Besitzers eines solchen Apparates laut wiedergieht, ist jetzt eine Erindung zu nennen, die ein Telephonieren um die Erde oder wenigsteus zwischen Europa und Amerika ermöglichen soll. Sie stammt von dem dänischen Ingenieur Sinding Ehristensen und dem Amerikaner M. Mengis her und ist auf einer künstlichen Linie von 4000 engt. Meilen mit gutem Ergebnis erprobt worden Beide Erfinder sind auf dem Wege nach Suropa begriffen um nach Erwerbung der Patente Versuche auf einen der t#asatantischen Kabel vorzunehmen.— Ein dauischer Arbeiter Pete Christeuen hat eine Methode erfunden. Eier acht Monate hindurch stisch zu erhalten. Für das Vatent darauf erhielt er von einer englischen Esersirng 600 00 Kr. Wie aus einer Ertchtung des hiesigen Landwirtschaftlichen Versuchslabors##ri#ns bervorgeht erwies sich eine am 20. Mai v J eingelieserte Liste mit Eiern bei der Oeffnung am 5. Jannard. Is gesund und frisch Dennach dürsten in Zutunft faule Eier kna# werden — Eudlich haben die dänischen Ingenienre Maltn=Mlter und Ehlers eine neue Dampischiffsschraube konstruiert, die gleichzeitig als Propeller und Steuerapparet fungiert und das Ruder überflüssig macht. Es soll damit nicht bloß eine größere Fahrgeschwindigken, sondern auch größere Manöprierfähigkeit erzielt werden, sodaß die Gefahr von Zusammenstößen verringert würde. Aus dem Königreich Sachsen, 10. April. In Auerbach stürzte aus einer Erkerstube eines Hauses ein im vierten Lebensjahre stehendes Mädchen drei Stock hoch herab und erlitt schwere innere Verletzungen Das arme Kind liegt besinnungslos in der elterlichen Wohnung.— Anläßlich einer Familienfeier hat die mechanische Baumwollzwirnerei Karl Hetzer in Auerbach eine Stiftung errichtet, aus deren Mitteln die Arbeiter fortan mit Prämien bedacht werden sollen.— Ungedruckte Predigten von Johann Huß befinden sich in der Gersdorffschen Bibliothek zu Bautzen. Es ist Aussicht vorhanden, daß sie jetzt übersetzt und größeren Kreisen bekannt werden.— In Reinsdorf bei Zwickau wurde ein Fortbildungsschüler wegen Beleidigung seines Lehrers zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt.— Bei Wüstenbrand ist am Bahnwärterhaus Nr. 50 C der 59jährige Handarbeiter Röder aus Jägersgrün erfroren aufgefunden worden R. war beim Bahnbau beschäftigt. Herr Bürgermeister Bursian in Wilsdruff legt sein Amt als Bürgermeister im Juli nieder Die Ausschreibung dieser Stelle erfolgt in kurzer Zeit. — Aufsehen erregt in Zittau die polizeiliche Aufhebung eines männlichen Leichnames, weil man zuerst an ein Verbrechen glaubte. Dort wohnte ein 53 Jahre alter früherer Gartenbesitzer aus Herwigsdorf geboren in Spitzkunnersdorf. Derselbe war am Abend vorher betrunken schlafen gegangen. Am Morgen fand man ihn als Leiche auf der Diele liegend auf. Der Tote hatte Wunden an Kopfe und am Beine. Der Tod scheint, wie bestimmt angenommen werden kann infolge Gehirnschlages eingetreten zu sein. Ein gesundes Schulmädchen Die Schweizer Blätter machen Aufhebens von folgendem Vorfall. In Biel verläßt Ostern eine Schülerin die Mädchenoberklaffe der Elesentarschule welche während ihrem neunjährigen Schulbesuch keine einzige Stunde den Unterricht verschamt hat. Dieser Fall wurde von der dortigen Schulkommission dadurch gewürdigt, daß sie dem betreffenden Kinde ein Sparheft mit einer einmaligen Einlage hat schenkungsweise zukommen lassen, und die Direktion des Unterrichtswesens hat diesem Geschenk ein hübsches Buch als Anerkennung außerordentlichen Schulfleißes beigefügt. Was hier dem Fleiße zugeschrieben wird, kann zum guten Teil der Gesundheit und dem Mangel an Familienzwischenfällen auf die Rechnung gesetzt werden. Ueber die diesjährigen Passionsspiele in Oberammergan verschickt die Gemeinde einen Prospekt, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen Die Passionsspiele, welche seit dem Jahre 1634 mit kleinen Abweichungen alle 10 Jahre zur Darstellung gelangten, werden auch im Jahre 1900 wieder aufgeführt. Die Hauptprobe findet am 20. Mai statt. Als Tage der Aufführung sind bestimmt der 24 und 27. Mai, der 4, 10. 16., 17. 24, 29. Juni, der 1. 8., 15., 18, 22., 29. Juli, der 5. S., 12., 15, 25, 26. August der 2., 8. 9. 16, 23. 30. September Reicht der Zuschauerraum für die zu einer Vorstellung kommenden Gäste nicht aus, so wird das Spiel am nächsten Tage in gleicher Weise vollständig wiederholt. Die Spiele beginnen jedesmal morgens 8 Uhr und dauern bis nachmittags 5½ Uhr(Mittagspause 1½ Stunden.) Um die Zuschauer vor der Unbill der Witterung zu sschützen, hat die Gemeinde mit einem Aufwande von ungefähr 200.000 Mk. eine riesige Halle gebaut, welche von 6 eisernen Bögen mit einer Spannweite von 43 Metern und einer Höhe von 20 Metern gebildet wird. Die Halle hat einen Flächenraum von 2100 Quadratmetern und faßt bequem 4000 Personen. Während somit die Zuschauer vollständig gedeckt sind, bleibt auch in Zukunft die Bühne ungedeckt und Gottes freie Natur bildet den Hintergrund zu dem erhabenen Drama. Die Preise der Plätze sind 10 8, 6, 4 und 2 M. Oberammergau ist jetzt Bahnstation. Für Unterkuuft der Gäste ist reichlich gesorgt. Ueber 1900 Zimmer mit ungefähr 3500 Betten stehen zur Verfügung. Um solchen Besuchern der Passionsspiele welche keine persönlichen Bekannten in Oberammergau haben, eine gewisse Sicherheit wegen Erlangung von Eintrittskarten und passender Unterkunft zu geben, hat das Passionskomitee ein Wohnungsbureau eingerichtet. Dieses nimmt Bestellungen für Eintrittskarten und Wohnungen entgegen und erteilt auch sonst alle wünschenswerten Auskünfte. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß der Zwischenhandel mit Billeten strengstens verboten ist, daß keine auswärtigen Agenturen bestehen und deshalb niemand berechtigt ist, derartige Versprechungen zu machen. Eine gefundheitliche Aufsicht über die Seiraten. Unlängst hielt ein amerikanischer Arzt namens Rulison vor der Akademie der Medizin in Buffalo einen Vortrag in dem er die Aufmercsamten auf die Gefahren lenkte, die der Entwickelung des Menschengeschlechts durch die Vernachlässigung hygienischer Gesichtspunkte beim Heiraten erwachsen. Er verwies auf diealten Griechen dieihre Frauen mit Rücksicht auf Gesundheit und Kraft auswählten Jedenfalls kann hentzutage, wo der Einfluß der Vererbung nach vielen Seiten hin festgestellt ist, die hygienische Seite der Heirat gar nicht ernst genug behandelt werden. Darwin sagte bereits, daß der Menschdie Eigenschaften seiner Pferde seines Viehes und seiner Hunde vor der Paarung mit Sorgfalt zu prüfen pflege, daß er aber gewöhnlich alle Vorsicht außer acht lasse, wenn es sich um seine eigene Heirat handle. Beide Geschlechter sollten vom Heiraten zurückstehen, wenn sie mit einem besonderen geistigen oder körperlichen Gebrechen behaftet sind. Das ist jedoch vorläufig eine leere Hoffnung. Es ist vielmehr für die Gegenwart eine Thatfache, daß gerade krankhafte und lasterhafte Individuen besonders früh heiraten und zahlreiche Nachkommenschaft erzeugen während sparsame und tüchtige Personen eher spät heiraten und wenig Kinder haben. Bei den wilden Völkern werden die Schwachen bald ausgerottet, bei den zivilisierten Völkern geschieht alles Mögliche um die Kranken möglichst lange am Leben zu erhalten. Daher sind, sagt Rulison Verbrechen Geisteskrankheit und andere erbliche Krankheiten in einer erschreckenden Zunahme begriffen Es sei wirklich zu erwägen, ob der Staat nicht eine Pflicht habe, das Leben und die Gesundheit künftiger Generationen zu schützen, ebenso gut wie er das Leben und das Eigentum der gegenwärtigen schützt Gegen Diphtheritis, Blattern Scharlach, Cholera u. s. w. werden auch von staatlicher Seite die größten Anstrengungen gemacht, aber vor Heirgten, welche den Staat mit einer ungesunden Nachkommenschaft bedrohen ist kein Schutz vorhauden. Es int interessant, daß in Brasilien die höheren Gesellschaftsklassen sich selbst ein Gesetz auferlegt haben, wonach ein Mann, der eine Ehe eingehen will ein Zeugnis eine oder mehrere znedizinischer Autoritäten erder erne Tell dessen Gänge beim Beginn der Mahlzeit sämtlich fertig guf dem Tische stehen, enthält nur kalte Gerichte; dann folgen hintereinander die warmen Speisen welche, schon zu bequemen Bissen kleingeschnitten aufgetragen und derart genossen werden, daß man in der Eßschüssel ein einzelnes Stück aufwießt, an den Rand schiebt und mit reichlichem Saft herausschlürst, so etwa, wie wir Austern zu essen gewohnt sind. Zum Schlusse folgen als dritter Teil verschiedene Saucen, bei denen die Rester der chinesischen Seeschwalben die Hauptrolle spielen. Alles wird mit Essig und großen Quantitäten heißen Reisbranntweins hinuntergespült; doch sind die vornehmen Chinesen durchans keine Verächter unserer feinen europäischen Weine, unter denen sich namentlich der Champagner einer beBeschluß angenommen, daß die Eltern von ihren Schwiegersöhnen rew. Schwiegertöchtern eine rzurche GesundheitsbescheiVerlanden mußtenl. Ein seinen ameme Diner zerfällt, wie Freiherr von Schertuger berichtet in der Regel in drei große Abteilungen Für die Schuiftleitung verantwortlich: O. Beckmann.— Unterhaltungsteil: Dr. Burckhard:= Godesberg.— Anzeigen: Chr Schlunz. Bug und Verlag der Wessdeutschen Verlagsanstalt. E. G. w. H., Siegen, Sandstr. 18 artige Mahlzeiten für geladene Gäste finden keineswegs nur in den Mauern der Privatwohnungen statt, sondern werden häufig in den reservierten Räumen von Restaurationen veranstaltet Besonders ist dies in dem durchaus chinesischen Hinter=Jndien der Fall in dessen großen Städten der Anamit und Siamese sich seine Freunde ebenso in eine Restauration zu Tische zu laden pflegt, wie jemand in Berlin, der sich zu Hause in seiner Ordnung nicht stören lassen will. Will er noch etwas ganz Besonderes thun, so engagiert er ebenso viele Tänzerinnen, wie Teilnehmer an der Tafel beisammen sind. Aber honny soit, qui mal##pense! Sie sind in der That nur dazu da, um zu tanzen und Musik zu machen! O Kleine Nachrichten. Das Reichsgericht in Leipzig hob am Dienstag das am 21. Oktober v. J. im Prozeß der Harmlosen gegen v. Kayser, v. Kröcher und v. Schachtmeyer ergangene freisprechende Urteil des Landgerichts Berlin auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück weil der Begriff der Gewinnsucht beim gewerbsmäßigen Glücksspiel verkannt worden sei.— Der Burenkrieg hat in Metz ein sonderbares Ereignis gezeitigt. Ein fremder, älterer Herr freundete sich einem hiesigen einfachen Bürger auf dessen Spaziergängen an. Er gab sich als reicher Bürger von Transvaal aus, der dem Kriege aus dem Wege gegangen sei, ließ an seinen„Freund den Gesandten Dr. Leyds Briese schreiben, bestellte in einem Wirtshause ein nachher wieder zurückgezogenes Mahl für 14 Personen, versuchte einem katholischen Ordenshause eine größere Geldsumme geschenkweise zu übergeben und verschwand nachdem er einige Nächte bei seinem neuen Freunde Gastfreundschaft in Anspruch genommen hatte. Augenscheinlich hatte man es hier mit einem Geisteskranken zu thun. Der Betreffende nannte sich Joh. Müller aus Transvaal.— Der auf der Hamburger Werft von Blohm und Voß für Rechnung der Deutschen Ostafrika=Linie erbaute Doppelschraubendampfer Kronprinz lief am Dienstag nachmittag 2 Uhr glücklich vom Stapel. Das Schiff hat 6000 Tonnen Tragfähigkeit.— Auf der Strecke Weipert=Komotau entgleiste am Montag mittag ein gemischter Zug der Buschtiehrader Eisenbahn infolge von Erdrutschungen. Ein Bremser ist schwer, mehrere Personen sind leicht verletzt; der Güterverkehr ist auf etwa vier Tage unterbrochen.— Die Umgebung von Lundenburg ist vollständig überschwemmt; auch einige Häuser in Lundenburg sind gefährdet. Ein Verlust an Menschenleben ist bis jetzt nicht zu beklagen— Oberst a. D. Gönitz in Wien, der lange Jahre im Präsidialbureau des österreichischen Kriegsministeriums thätig war, tötete sich wegen eines quälenden Körperleidens durch einen Revolverschuß.— In Dresden befürchtet man einen Hochwasserstand wie im Jahre 1890. Die Elbe steigt gefahedrohend In vielen Straßen hat schon Kahnverkehr Platz gegriffen. Der Schaden ist bereits beträchtlich jetzt haben 1300 Arbeiter von Carmaux die Arbeit wieder aufgenommen. Der ehemalige Bürgermeister Calvignac, wurde„wegen Aufreizung und Verletzung der Arbeitsfreiheit“ verhaftet. O Kleine Nachrichten. In dem Dorfe Klappai bei Prag stürzten am Mittwoch abend 14 Häuser ein sechs andere sind stark bedroht und mehrere gefährdet— Aus Magyar Ovar(Komitat Wieselburg wird gemeldet: Die Leitha überschwemmte mehrere Grenzgemeinden und überflutete die niedriger gelegenen Häuser von Magyar Ovar und Luesony. Die Bewohner werden in Kähnen gerettet.— Nach weiteren Nachrichten aus Athen wurden der Kommandant Christomannos und ein Matrose des infolge einer Kesselexplösion gesunkenen Torpedoboots getötet, fünf Mann wurden verwundet, fünf werden vermißt, fün sind gerettet. — Bei Dresden hat das Hochwasser der Elbe am Mittwoch mit 480 Centimeter den höchsten Stand erreicht. Das Wasser beginnt langsam zu fallen.— Am Mittwoch wurde in Berlin eine 73jährige Lehrerin in ihrer Wohnung durch Messerstiche ermordet aufgefunden. Die Konfektionäre in Varis hatten mit dem Hinweis auf ein größeres Geschäft während der Ausstellung beim Handelsminister um die Ermächtigung nachgesucht, ihre Arbeiterinnen 9 Monate lang 12 Stunden und 60 Tage lang 13 Stunden beschäftigen zu dürfen Millerand antwortete ablehnend mit der Begründung, daß hierzu ein Spezialgesetz notwendig sein würde, dessen Einbringung insofern schwierig sei, als das Parlament eben erst die zehnstündige Arbeitszeit angenommen habe. Zudem könnten andere Industrien ähnliche Ansprüche erheben wodurch man schließlich dazu kommen könne, die ganze Gesetzgebung über den Schutz der Frauen= und Kinderarbeit wieder abzuschaffen— Das seit langer Zeit bestehende gespannte Verhältnis zwischen dem Landrat Scheche in Zabrze und dem Oberbergrat Hilger in Gleiwitz hat zu einer Duellforderung geführt die vom Landrat Scheche abgelehnt wurde. Die Angelegenheit ist dem Ehrengericht unterbreitet worden, und Landrat Scheche hat sofort einen außergewöhnlich langen Urlaub angetreten Wegen dieses Zwistes ist der Kreistag nicht beschlußfählg, da die Hilgersche Partei nicht erschienen ist. Krefeld, 10. April. Der heutige Wochen=Schlachtviehmarkt war mit 201 Stück Großvieh betrieben gegen 231 Stück in der Vorwoche. Der Besuch war lebhaft, die Nachfrage slott, das Angebot wurde bis zum letzten Stück abgesetzt. Die Preise sind gegen den letzten Markt wieder ohne Aenderung geblieben Erste Sorte kostete M 58—60, zweite Sorte M. 56 58, minderwertige M. 54 56, alles die 50 Kil. Schlachtgewicht. Fette Kälber waren der starken Nachfrage gegenüber nicht entsprechend angeboten die Preise halten sich auf bisherigem Standpunkt; die 50 Kil. stellten sich auf M. 40 45. In Häuten war das Angebot groß bei flotter Nachfrage und bisherigen Preisen; das Pid kostete 35 40 Pfg. Fett: Talg 24 Pfg., Nieren 31½8 Pfg. das Psd. Dinslaken, 10. April. Viehmarkt. Auftrieb 1154 Stück Rindvieh. Preise hoch Handel schleppend. Der Schweinemarkt war mit 621 Stück beschickt. Handel flott. Faselschweine M. 2,00—2,50 die Alterswoche, Saugschweine M. 2.50 3.00 die Alterswoche, fette Schweine M. 36,00 38,00 die 50 Kil. Lebendgewicht. Nächster Markt am 23 und 24. April. Essen, 10 April. Viehmarkt. Aufgetrieben 1038 Stück Großvieh, 103 Bautzen bezw Bullen, 2258 Schweine 2286 Kälber 77 Schafe. Handel langsam. Großvieh 1. Beschaffenheit M. 60—62, ausgesuchte Exemplare darüber 2. M. 56—59, 3 50—54, Bautzen bezw Büllen M. 53—61, Schweine 47—50, Schafe 55—62 die 50 Kil. Schlachtgewicht. Kälber M. 34——4 die 50 Kil. Lebendgewicht.