61. 12. Jahrgang. Siegen, Mittwoch, den 14. Marz 1900. ie-üter ung Die Zeitung„Das Volk“ erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei dem entsprechenden Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschäftsstelle entgegen Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1.25 frei ins Haus 40 Pf. mehr, für alle Postabonnenten M. 1.35 frei ins Haus 40 Pf. mehr. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Perlin: Agentur: NI Klopstockstraße 7. (D. v. Oertzen.) Durch die Zeitung„Das Volk“ finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westfalen, Hessen=Nassau und das Großherzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen=Vermittelungs=Geschäft zu erteilen. dem Kreise Wetzlar. In verschiedenen Teilen unseres Kreises ist schon seit Jahren die gänzliche Abgeschlossenheit von jeglichem Verkehr als ein in vieler Hinsicht höchst nachteiliger Uebelstand empfunden worden. Während in anderen Gegenden welche durch Eisenbahnen dem Verkehr erschlossen sind, die verschiedenartigen Zweige des Erwerbslebens emporblühen und der Volkswohlstand zunimmt, ist hier aus Mangel an Verkehr und Verkehrsmitteln ein Stillstand, wenn nicht ein Rückschritt eingetreten. In erster Linie gielt dies von der Landwirtschaft. Daß die Landwirtschaft in allen Teilen unseres Landes einen schweren Kampf um ihre Lebensfähigkeit zu kämpfen hat, und daß sie, wenn sie in diesem Kampfe nicht unterliegen soll, der kräftigsten Förderung und Unterstützung bedarf ist schon längst außer aller Frage. Das wird heute sogar auf seiten derer zugestanden, welche noch unlängst den Bestrebungen für Hebung und Förderung der daniederliegenden Landwirtschaft wenig Verständnis und Wohlwollen entgegenbrachten und alle berechtigten landwirtschaftlichen Klagen und Forderungen mit dem Schlagwort: Begehrlichkeit der Landwirte abzuthun versuchten. Angesichts der Notlage der Landwirtschaft und in der rechten Wertschätzung ihrer großen Bedeutung für unser gesamtes Volks= und Staatsleben ist denn auch der Staat auf ihre Hebung und Kräftigung eifrig bedacht. So wird auch in unserem Kreise von seiten der Kreisverwaltung der Landwirtschaft eine besondere wohlwollende Sorgfalt gewidmet, und was in dieser Hinsicht schon unternommen und erreicht worden ist verdient volle Anerkennung Indes kann man die Beobachtung machen, daß die auf Verbesserung des landwirtschaftlichen Betriebes und die damit verbundene Hebung des Wohlstandes der ländlichen Bevölkerung gerichteten Belehrungen und Bestrebungen in den der Bahn entlegenen Ortschaften weit weniger Beachtung und Befolgung finden, als in solchen, welche an der Bahn oder in der Nähe derseben gelegen sind und darum die ersteren hinter den letzteren zurückbleiben.— Und das hat verschiedene Gründe Einmal ist die Beschaffung von künstlichem Dünger besserer Saatfrüchte u. w wegen des weiten Transportes von der Bahn mit größeren Schwierigkeiten und zudem auch noch mit größeren Kosten verbunden; darum läßt man es lieber beim Alten, und das nicht etwa aus Mangel an Einsicht von der Richtigkeit der gegebenen Belehrungen oder gar aus Bequemlichkeit. Auch unsere Bauern haben ein Verständnis dafür daß heutzutage jeder, der vorwärts kommen und mit der auf allen Gebieten fortschreitenden Konkurrenz gleichen Schritt halten will sich die Forschungen und Verbesserungen in seinem Berufszweige zu eigen machen und anwenden muß. Wer ferner Gelegenheit hat, unseren Bauernstand tagtäglich zu beobachten, wie er mit staunenswertem Fleiß und Anspannung aller seiner Kräfte seiner Berufsarbeit obliegt, der wird gewiß auch nicht den Vorwurf der Bequemlichkeit gegen ihn aufkommen lassen. Nein, was unseren Bauern fehlt das ist— Geld und das ganz besonders in unseren von der Bahn und dadurch von dem Verkehr entfernten Gegenden. Und das hat zunächst seinen Grund in dem Mangel an genügendem Absatz und einer vorteilhaften Verwertung seiner Erzeugnisse Mastvieh Körnerfrucht Butter, Eier Obst u.s. w. muß bedeutend unter seinen wirklichen Wer losgeschlagen werden, zum Nachteil der Produzenten während nur der Zwischenhandel daraus den Vorteil und die Konsumenten daraus keinen Nutzen ziehen. Ja der Bauer muß oft noch gute Worte geben, wenn er seine Ware überhaupt, wenn auch zu einem niedrigen Preise los werden will, um Geld in die Tasche zu bekommen, mit dem er seine notwendigsten Ausgaben bestreiten muß Ein weiterer Grund des Geldmangels ist der Mangel an lohnendem Nebenverdienst. Unsere Bauern auch die mittleren und geringen— und das ist die Mehrzahl— sind fast durchweg auf das geringe Einkommen aus ihrem Landwirtschaftsbetrieb angewiesen und müssen sich kümmerlich durchschlagen. Wie mancher unter ihnen würde mit Freuden noch jede andere Arbeitsgelegenheit ergreifen, um seine geringen Einnahmen zu erhöhen Gerade dem bedrängten mittleren und geringen Bauernstande würde durch Darbietung eines Nebenverdienstes kräftig unter die Arme gegriffen und ihm die Mittel zur Verbesserung seiner Lage verschafft. Aber gerade daran fehlt es hier Bergbau und andere industrielle Anlagen existieren hier nicht weil ihr Betrieb wegen der weiten Entfernung von der Bahn und des damit verbundenen kostspieligen Transportes sich nicht lohnt. Wie steht es aber erst mit dem Arbeiterstand, welcher nur auf den Verdienst aus industriellen Betrieben angewiesen ist Man sieht Bergleute täglich stundenweite Wege zurücklegen, um auf entfernt liegenden Gruben für sich und die Ihrigen ihr Brot zu suchen. Wie viel Arbeitszeit und Arbeitskraft wird schon durch diese weiten Wege aufgezehrt Und oft liegen reiche Schätze an Eisensteinen und Erzen in allernächster Nähe, aber sie können nicht aufgeschlossen werden, weil der Betrieb wegen des weiten Transportes sich nicht rentieren würde. Dieser Arbeitsmangel in der Nähe birgt außerdem noch für unsere Gemeinden eine große soztale Gefahr in sich. Viele junge Leute, oft eben ers aus der Schule entlassen, verlassen ihre Heimat und suchen Arbeit in den Großstädten Und hier fern von der Zucht des Elternhauses und dem Auge des Seelsorgers, sind sie sich oft ganz selbst überlassen und den in religiösen sittlicher und politischer Hinsicht drohenden Gefahren der Großstadt ausgesetzt. Den verderblichen Einflüssen des unter der Arbeiterschaft der Großstädte größtenteils herrschenden Geistes unterliegen die meisten, und was sie hier hören und sehen und lernen, bringen sie in die Hetmat zurück. Wir haben, Gott sei Dank noch eine christliche königstreue vaterlandsliebende Bevölkerung Darum gilt es mit doppeltem Eifer darüber zu wachen, daß dieser Geist in unseren Gemeinden erhalten bleibe. Man schließe die Heimat durch Bahnen für den Verkehr auf, damit die Arbeiter unserer Landbevölkerung nicht mehr gezwungen sind, in den Großstädten Arbeit zu suchen. Aus diesen und aus noch vielen anderen Gründen ist man schon seit Jahren bemüht gewesen, für den Bau von Kleinbahnen in den dem Verkehr entlegenen Teilen unseres Kreises Sorge zu tragen. Als ganz besonders notwendig erweist sich aus den angeführten Gründen der Bau einer Bahn durch das Solmsbachthal. Vor längeren Jahren ist bereits ein Projekt zu einer solchen ausgearbeitet worden, welche im Westen — etwa bei Albshausen— in die Lahnbahn und im Östen in die Linie Usingen=Homberg einmünden sollte. Um dem von der Bevölkerung des Solmsbachthales immer schwerer empfundenen Mangel einer Bahn abzuhelfen und die in den einzelnen Gemeinden immer lauter werdenden Wünsche verwirklichen zu helfen, ist neuerdings nach zwei vorhergegangenen, zahlreich besuchten öffentlichen Volksversammlungen ein Komitee zusammengetreten, um die Verwirklichung des Projektes einer Bahn durch unser Thal mit aller Energie zu betreiben. Zunächst hat es sich unter ausführlicher Begründung mit folgendem Antrag an den Kreistag gewendet:„Der Kreistag wolle thunlichst bald Schritte thun die Aufstellung eines Projektes zu einem Kleinbahnnetz für den ganzen Kreis Wetzlar in die Wege zu leiten und erst dann, wenn dieses Projekt feststeht, an die Begutachtung oder Finanzierung einzelner Teilstrecken dieses Netzes herantreten. Man hofft, daß der Kreis Wetzlar nach dem wohl bewährten Vorgehen anderer Kreise die Projektierung eines Kleinbahnnetzes nicht allein in die Hand nehme, sondern dasselbe auch selbst ausbaue. Der Kreis würde dadurch allerdings einen mutigen und erfolgreichen Schritt thun zur Hebung und Förderung des Wohlstandes eines großen Teiles seiner Eingesessenen. Der Krieg in Südafrika. Die Meldungen, daß Friedensverhandlungen eingeleitet sind mehren sich Eine Depesche aus Brüssel besagt:„Das Petit Bleu veröffentlicht eine Depesche aus London welche auf das Bestimmteste das Gerücht bestätigen zu können glaubt, die Präsidenten Krüger und Steiin hätten an die englische Regierung telegraphiert und sich zum Friedensschl auf Grundlage der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit der beiden Republiken erboten. Die Sache habe sich in der Nacht von Dienstag cuf Mittwoch abgespielt: Mittwoch früh sei den beiden Präsidenten die Antwort der englischen Regierung telegraphiert worden Dieselbe trage einen unversöhnlichen Charakter schließe, die einzige Bedingung unter welcher England Frieden schließe sei die bedingungslose Uebergabe. Auf diese Bedingung werden nun freilich die Buren nicht eingehen sie werden lieber den letzten Blutstropsen daran setzen. als ihre Unabhängigkeit ohne weiteres zu opfern Weiter liegt eine Depesche aus London vor, die folgendes besagt„Der Daily Mail wird aus Pretoria vom 10. ds. gemeldet: Die Konsuln der fremden Regierungen sind gestern zu einer Konferenz eingeladen und ersucht worden, die Interveution der Mächte, deren Vertreter sie sind anzurufen um weiterm Blutbergießen Einhalt zu thun. Diese Meldung wird im Haag dahin bestätigt, daß Präsident Krüger sich mit der Bitte um Intervention an die Großmächte und zwar durch die Konfuln der in Pretoria diplomatisch vertretenen auswärtigen Regierungen sowie an die belgische, die holländische und die schweizerische Regierung gewandt habe. Die nächsten Tage werden sicherlich volle Klarheit darüber schaffen, welche Bewandnis es mit den Friedensverhandlungen hatWir können uns nicht denken, daß die Buren auf die Forderungen der Briten eingehen werden Freilich wünschen auch wir von ganzem Herzen, daß dem Blutvergießen ein Ende gemacht wird, doch wäre es zu bedauern, wenn es den Briten gelänge Südafrika unter seine Gewalt zu bringen Auf dem Kriegsschauplatze hat esich nichts ereignet, was auf eine wesentliche Aenderung der Kriegslage schließen lassen könnte Bei Driefontein hat ein Treffen stattgefunden doch lassen die bis jetzt vorliegenden Berichte an Klarheit zu wünschen übrig Bezeichnend ist, daß der Berichterstatter der Times meldet, daß der britischen Infanterie stellenweise die Munition ausgegangen sei, weil man den Leuten, um sie für den langen Marsch von zwanzig Kilometern zu entlasten, fünfzig Patronen weniger als sonst mitgegeben habe Immerhin scheint in dem Treffen bei Driefontein hart gekämpft worden zu sein, denn in militärischen Kreisen Londons sagt man, daß die Verluste Roberts bedeutender gewesen seien, als bisher verlaute. Der Widerstand der Buren setze die Militärbehörden nicht weiter in Erstaunen, sie seien neuer Gefechte gewärtig und verlangten Verstärkungen. Die Bewegung der Afrikander die zwei von Kitchener ausgesandte Regimenter in der Nähe von de Aar geschlagen haben, errege große Besorgnis Von den vorliegenden Meldungen teilen wir noch die folgenden mit: London, 12. März. Lord Roberts telegraphiert aus Driefontein vom 11 ds. Die Verbündeten haben sich unserem Vormarsche während des ganzen gestrigen Tages entgegengestellt und haben uns, da sie das Terrain kennen, arg zugesetzt. Dank der bewunderungswürdigen Haltung unserer Truppen sind wir nach unserem Bestimmungsorte vorgekommen. Die Division Kelly=Kenny wurde am meisten engagiert. Zwei ihrer Bataillone trieben die Buren mit dem Bajonett zurück. Die Buren, welche große Verluste hatten, ließen 102 Tote zurück. Wir haben 20 Gesangene gemacht. Ich kenne noch nicht genau unsere Verluste. Unter den Gesangenen befinden sich zwei Hauptleute und ein Gemeiner: unter den Verwundeten sind zweiOberste zwei Hauptleute und fünf Leutnants. London, 12. März Reuters Bureau berichtet aus Jamestown vom 10. d.: Die Abteilung Brabant marschierte bei Tagesanbruch von hier in der Richtung auf Aliwalnorth.— Die Blätter veröffentlichen eine Meldung, derzufolge am letzten Dienstag fünf Depeschen der Präsidenten Krüger und Steiin in holländischer Sprache bei der englischen Regierung eingetroffen seien, worin angefragt wird, unter welchen Bedingungen die Einstellung der Feindseligkeiten herbeigeführt werden könnte. Der Mitteilung wird noch beigefügt, es sei Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Regierung eine ihre Unnachgiebigkeit bekundende Antwort gegeben habe. London, 12. März. Der Times wird aus Lourenco Marques von vorgestern gemeldet: Gegenwärtig kommen Scharen von Ausländern aus Transvaal hierher, da dort infolge der jüngsten Ereignisse das Gefühl der Unsicherheit herrscht. Grubenarbeiter sagen aus, daß Regierungsbeamte und andere Persönlichkeiten offen den Entschluß ausgesprochen hätten, alle Maschinenanlagen der Hauptminen und die hervorragenden Gebäude von Johannesburg zu zerstören. Man nimmt an, daß in der Wenmermine und anderen Minen wegen des Abzugs der Arbeiter der Betrieb eingestellt werden muß. London, 12. März. Die Daily News meldet aus Britstown vom 9.ds.: Eine britische Abteilung kämpfte am Dienstag den ganzen Tag mit Aufständischen und kehrte am Mittwoch hierher zurück. Auf britischer Seite wurden 14 Mann verwundet, 9 werden vermißt. Auf seiten des Feindes beträgt der Verlust 5 Tote und mehrere Verwundete. Die Aufständischen räumten Houwater und zogen sich nach Prieska zurück. London, 12. März.„Morning Leader“ meldet aus Washington, daß die antienglischen Gefühle in den Vereinigten Staaten einen sehr bedenklichen Charakter annehmen und sich gelegentlich der Präsidentenwahl verschärfen dürsten Es sei nicht ausgeschlossen, daß es den Demokraten gelingen werde, die Regierung zu veranlassen, in Sachen des Krieges zu intervenieren obgleich die Regierung einem solchen Schritte abgeneigt ist. London, 12. März. Reuters Bureau meldet aus Kapstadt: Lord Kitchener befindet sich augenblicklich in Victoria Road, wo er für einen Vorstoß nach dem in Aufruhr befindlichen Gebiete Westgriqualands Truppen organisiert. London, 12. März. Die Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Durban, in welchem gemeldet wird, daß vier deutsche Offiziere, welche sich nach Pretoria begeben wollten, in der vorigen Woche in Lourenco Marques von den portugiesischen Behörden angehalten und festgenommen worden sind, nachdem Gewehre und Munition in ihrem Gepäck entdeckt worden waren. Brüssel, 12. März. Dr. Leyds erklärte einem Redakteur des „Stoile belge“ die Buren würden den Krieg bis ins Unendliche fortsetzen, so lange ihnen nicht ihre Unabhängigkeit gesichert sei.— Die Gerüchte, Präsident Krüger habe in der letzten Zeit Anstalten getroffen, sich in Sicherheit zu bringen, bezeichnet er als erfunden. Er sprach ferner seine Ueberzeugung aus, daß sich vorläufig keine Großmacht und daß der Krieg noch von längerer Dauer einmischen würde sein werde. London, 12. März.„Daily Telegraph" berichtet aus Kapstadt über ein Gefecht, welches englische Truppen unter dem Befehl des Obersten Aday mit einer Bande Rebellen in der Nähe von Britstowon hatten. Auf seiten der Engländer wurden 12 Mann des Warricks=Regiments verwundet, sowie einige Freiwillige. 9. März. In der Richtung auf Helpmakaar hat heute morgen ein Kampf begonnen Präsident Krüger ist, begleitet vom General Grobler aus Bloemfontein hierher zurückgekehrt General Joubert dürfte demnächst den Präsidenten Krüger besuchen. Siegen, den 13. März. — Ein Gesetzentwurf über die Postdampfschiffsverbindung mit Afrika ist dem Bundesrat zugegangen.### enthält die Ermächtigung für den Reichskanzler nach Ablauf des gegenwärtigen Vertrages die Einrichtung usw einer vierzehntägigen Verbindung mit Südafrika auf 15 Jahre an einen geeigneten deutschen Unternehmer zu übertragen unter Beihilfe von höchstens jährlich 350000 Mark. In einer Denkschrift zur Begründung heißt es u. a.: In Aussicht genommen ist ferner eine räumliche Ausdehnung des afrikanischen Reichspostdampfer=Unternehmens. Die afrikanischen Gebiete sollen auch vom Westen her mit Deutschland in unmittelbare Dampferverbindung gebracht werden, und zwar durch eine Linie die das Kapland in das afrikanische Unternehmen einbezieht. Die Gründe sind vornehmlich 1. die wirtschaftliche Bedeutung des Kaplandes für die Entwicklung unseres Handelsverkehrs. 2 die Eröffnung von Zugangshäfen nach dem wichtigen Transvaalgebiete, die schneller erreichbar sind, als die DelagoaBai, 3. die Möglichkeit, die hierin liegenden wirtschaftlichen mäßig geringen Kosten zu erreichen. Für eine Reichskaplinie wird die unter den verschiedensten Gesichtspunkten geradezu notwendige Selbständigkeit unserer überseeischen Verkehrsbeziehungen geltend gemacht sodann die Postinteressen. Die deutsche Linie würde in Zeiten kriegerischer Verwicklungen eine größere Gewähr bieten für eine sichere Beförderung der Post. Von besonderem Interesse ist dies auch für unsere Kriegsmarine. Ungeachtet der jetzigen kriegerischen Verwicklungen in Südafrika ist es ratsam, mit der Ausgestaltung des afrikanischen Reichspostdampfer=Unternehmens sobald vorzugehen, als die dazu erforderlichen Vorbereitungen es irgend gestatten, denn voraussichtlich wird nach Beendigung des Krieges die durch ihn zurückgehaltene wirtschaftliche Entwicklung alsbald einen lebhaften Aufschwung nehmen und das erweiterte deutsche Unternehmen am Platze sein müssen. Es ist deshalb in Aussicht genommen, den neuen Vertrag etwa am 1. April 1901 in Kraft treten zu lassen. Es liegt in der Absicht der Reichsverwaltung, die bisherige Unternehmerin die deutsche Ostafrikelinie zu berücksichtigen. Sollte dies aus irgend welchen Erwägungen nicht angezeigt erscheinen, so würde sich von selbst der freie Wettbewerb der engeren Ausschreibung ergeben. — In Frankreich tritt wieder einmal eine Art deutschenfresserischer Boulanger auf Der gegenwärtige Kammerpräsident, Heir Deschauel hat vor kurzem in Nogent eine Rede gehalten, die England in Schutz nahm aber Deutschland nach Art Deronledes in roher Weise angriff. An und für sich würde man sich daraus in Paris nicht viel machen, aber die Ausstellung steht vor der Thür, und man beginnt für ihren Erfolg zu fürchten. Viele Engländer werden ausbleiben des südafrikanischen Krieges wegen. Wie wärs, wenn auch die Deutschen ausblieben? Diese Erwägung hat bewirkt, daß man Deschauels deutschlandfeindliche Rede nun doch einer offiziellen„Berichtigung" bedürftig erachtet. Bei nächster Gelegenheit gedenkt Waldeck=Rossean eine große Rede zu halten, um Deschanels Auslassungen bezüglich Frankreichs äußerer Politik energischst zu bekämpfen und die gutnachbarlichen Beziehungen zu Deutschland hervorzuheben Aehnlich schreibt Yves Guyot im„Sieele", die nationalistischen und monarchistischen Bläter stellten täglich den Krieg mit England als unvermeidlich und unmittelbar bevorstehend hin. Sie bemühten sich um die Bevölkerung aufzureizen, um Konflikte und Verwickelungen herbeizuführen, die Frankreich entweder wolle Revauche für den vom Staatsgerichtshofe geführten Prozeß. Die Nationalisten hätten eingesehen, daß sie trotz aller Anstrengungen in Friedenszeiten die Republik nicht stürzen könnten und wollten deshalb einen Krieg herbei führen. der Reichshauptstadt. (Von unserer Agentur.) Berlin, 12. März. Wie der offiziösen Montags=Zeitung von angeblich gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat der Kaiser dem Finanzminister Herr von Miquel nach seiner Genesung ein äußerst gnädiges Handschreiben zugehen lassen, in dem der Monarch der Hoffnung Ausdruck gab, „daß die Kräfte des hochverdienten Staatsmannes noch lange dem Staate und dem Reiche erhalten bleiben mögen Jedenfalls sei der Kaiser gewillt, allen Wünschen des Ministers, die dessen völlige Wiederherstellung und Kräftigung betreffen könnten, im vollsten Maße Rechnung zu tragen Das Blatt bemerkt dazu:„Dieser erneute Beweis des kaiserlichen Wohlwollens und Vertrauens wird zweifellos dazu beigetragen haben, manche trübe und müde Verstimmung, die sich des Finanzministers bekanntlich seit den Kanaltagen bemächtigt hat, zu verscheuchen.“ Das Projekt der Verbesserung der Vorflut=Versältnisse an der unteren Oder geht der M. 8. zufolge einer Vollendung entgegen Es heißt, daß der Staat seinereits an dem Maßstabe von 41 festzuhalten beabsichtigt. Demzufolge würde, da die Ausführung des Projektes auf rund 45 Mill. Mark zu stehen kommen dürfte, auf den Staat 36 Millionen Mark entfallen, während die Interessenten und Provinzialverbände von Brandenburg und Pommern die restlichen 9 Mill. Mark zu tragen hätten. Es bleibt abzuwarten, wie weit hierzu Bereitwilligkeit vorhanden sein wird. Ob diese Vorlage als eine besondere oder in Verbindung mit dem Mittellandkanal den beiden Häusern des Landtages zugehen wird, darüber verlautet zur Zeit noch nichts. Kampf für die Lasterfreiheit hat gestern wieder in Berlin eine lärmende„Entrüstungs Versammtung stattgestunden. Der Prässdent hieß Saliuger, die beiden Redner Keyer und Löwenfeld. Natürlich hagelten Angriffe aller Art auf diejenigen nieder, die den Standpunkt christlicher Zucht und Sitte vertreten. Am weitesten im Kampse gegen das Gesetz haben es übrigens doch wieder die Sozialdemokraten gebracht. Der Vorwärts berichtet über einen Vortrag des Rechtsanwalts Heine u. a. folgendes Zum Schluß wandte sich Redner den sogenannten Kunstbestimmungen zu indem er mit vernichtendem Spott der Dunkelmänner gedachte die an den reinsten und schönsten Meisterwerken der Kunst etwas Schnutziges finden und ihre schmutzigen Gefühle auf andere übertragen. In den Varschlägen gegen die Kunst stecke der Geist ekelhafter=Heuchelei eine Scheu vor dem Wahren und Natürlichen, die nuicht ehrlich sein könne und die wo sie ehrlich ist, von ihm Redner, nur als krankhaft aufgefaßt werden könne. Nich aus dem Geiste der Sittlichkeit und des Anstandes seien die Bestimmungen geboren sondern aus einer Prüderie, die in ihrem inneren Kern unkeusch sei.(Großer Beifall.) Hiermit ist wohl ein unüberwindbarer„Record erreicht. Die wahre Sittlichkeit ist nicht beidenen zu finden welche der großstädtischen Lasterwelt ein wenig Abbruch thun möchten.— das sind die„Unkeuschen“— sondern bei den keuschen und reinen Seelen, die das B. T. und den Vorwärts schreiben, und den Untergang des Vaterlandes und der Kunst für besiegelt halten, wenn ein Paragraph des Strafgesetzhuchs ihnen offene„Schamlosigkeiten verbietet. Auch die Welt am Montag schließt sich heute der Meitte an und wirft dabei dem„Voll Unwahrhaftigkeit vor, weil wir drei Viertel aller Bertiner Bühnen für liederlich und ganz der rohen Fleischlichtei verfallen erklärt haben. Wir sind aber jeden Augenblick bereit, den Beweis der Wahrheit für diese Behauptung anzutreten, wenn man sie ernsthaft bezweifelte. Es ist ja nicht so daß immer in arten Theatern Liederlichkeiten gegeben, aber es ist kaum eine einzige Bühne da die sich von Anstößigkeiten grundsätzlich frei hielte. Die Bühne als solche hat sich von der Moral emanzipiert und in taufend Fällen ist die sogenannte „Kunst nichts anderes als der Zutreibe des Lasters Vor drei Wochen bestritt das auch kein Mensch. Bestritten wird es erst, seit dem Berliner Tageblatt sein„Entrüstungsrummel geglückt ist. Lch. Berlin, 12. März. Die Berliner Stadtmission seierte am gestrigen Sonntag ihr 23 Jahresfest unter sehr starker Beteiligung Voran ging ein seierlicher Festgottesdienst im neuen Predigtsaale, wo Pastor Dr. Conrad von St. Jakobi die Festpredigt über die Salbung Christi(Mank. 14.) hiell. Die Eingangsliturgie hatte Stadtmissionsinspektor P. Braun gehalten, die Schlußtiturgie übernahm Hosprediger Stöcker Der Kirchenchor verschönte die Feier Die allgemeinen Gesänge wurden vom Posaunenchor begleitet. Die Nachfeier schloß sich im alten Saale an der stark überfüllt war. Pastor Braun leitete den Abend. Die Kurrende und ein Männerchor ließen ihre Weisen ertönen. Hosprediger a. D. Stöcker erstattete den Jahresbericht im Anschluß an Offend Johannes 3 8. „Ich weiß deine Werke. Siehe ich habe vor die gegeben eine offene Thur Er stellte Evangelisation und Stadtmission einander gegenüber und widerstritt der Anschauung, daß jetzt eigentlich die Stadtmission in der Evangelisation aufgehen nüßte. Man lasse sich nur nicht durch vorübergehende Erscheinungen berauschen Auch Stadtmessonsarbeit ist Epangelsation, durchaus nicht so bloß„Lauserei Mit jeden Gange eines Stadtmissionars ist eine Mission, eine Evangelisation verbunden eit war, wenn die Stadtmissionare im verflossenen Jahre 101804 Besuche machten, ungerechnet die 15621 geschäftlichen Gänge. Daß sich die Berliner schon an die Stadtmission gewöhnt haben und sich freudig ihre Arbeit gefallen lassen beweist z. B die Thatsache, daß ein Stadtmissionar, der uin Zung Menher Wirmmtat Wiidemeii wurde. 20 Jahren wäre das nicht mo Da es oit: bingusgeworten schlecht behandelt u. f w. Man soll diese Art der Thätigleit der Stadtmission nicht gering achten in vielen Fällen hat sich auch dieser iedische Dienst direkt als Seelforge erwiesen. Dazu kommt aber noch die wirkliche Wortverrundigung, die sehr umfangreich ist. Auch die Schriftenverbreitung ist eine große Evannaich genen 108.000 Predigten in die Welt 20000 nach Bertin ferner 75.000„Sonntagsfreunde“. Der„Deutsche Volksbote hatte eine Auflage von über 100.000 Exemplaren und die anderen Kalender der Martha= und der Johannes=Kalender er. soiche von 29000 vezw. 10.000 Eremolaten. Am Toi wurden 565000 Predigten verteilt. Eine Evangelisation ist auch das Wirken der Kurvendechöre(sieben mit 105 Knaben). Die Vereinsarbeit it sehr rege. Die Müttergemeinschaft, die seit 9 Jahren bestehl, hat fast 200 Mitglieder der Jungsrauenverein des Stadtmissionshauses 126. 135 Kinder lernen stricken und flicken, von den ätteren erkernten 12 die Schneiberei, 14 das Maschinenähen. An andrer Stelle werden 63 Mädchen im Jungfrauenverein gesammelt, lernten 110 Kinder stricken und flicken, wurden im Mädchenhort 27 Kinder den Tag über verpflegt. Für die Kellnermission ist eine besondere Keaft angestellt. Im Asyl für entlassene Strafgefangene wurden 32 Leute neu aufgenommen. Der dunkelste Teil der Arbeit ist die Maadalenensache, die an zwei Stellen getrieben wird. 38 Mädchen suchten freiwillig Hilfe nach; im übrigen wurden von 1021 nur 457 angetroffen, darunter ein Kind von 11 Jahren. 114 kamen in Asyle, Anstalten usw. Mit dem Aufhören der Schutzalters steigt die Zahl der Dirnen sofort außerordentlich; das ist ein Umstand, den die Regierung auss ernsteste erwägen sollte. An andrer Stelle (im Krankenhaus) zeigten sich der Stadtmission 144 Mädchen zugänglich, von denen 131 untergebracht wurden.— Ein Stadtmissionar traf an einem einzigen Vormittag in einer Straße 11 wilde Ehen an. Von 61 bestraften Kindern in einer Gemeinde besuchte ungefähr die Hälfte noch den Konfirmandenunterricht In solche Verhältnissen geht die Stadtmission hinein und leistet den Geistlichen wesentliche Dienste. Was die äußeren Verhältnisse der Stadtmission betrifft, so ist besonders der Bau des neuen Geschäftshauses und der Druckerei zu erwähnen, die vom 1. April ab der Stadtmission ganz gehören wird. Die Buchdruckerei beschäftigt an 100 Personen. Die Jahreswenn nicht noch mehrere Legate angemeldet worden wären, u. a. von der verstorbenen Palastdame Gräfin Oriole(12.000 Mk.). Die Stadtmission braucht jährlich 190.000 bis 200000 Mk. und hat außerdem noch durch ihre Bauten Verpflichtungen das Geschäftshaus kostet 130000 Mk.) außerdem muß das Ferienheim in Wernigerode noch ausgebaut werden. Auch eine Verstärkung des Personals ist nötig. Jetzt stehen außer den Geistlichen 46 Stadtmissionare, 6 Kandidaten der Theologie und 10 Gehilfinnen in der Arbeit. Es bedarf darum thatkräftiger Unterstützung für das Werk! Stadtmissionar Wülfing berichtete über seine Arbeit in der Thomasgemeinde Hilfsprediger Arnold gab dem Dank gegen die Stadtmission Ausdruck, in deren Arbeit er in 3 Jahren viel für sein Pfarramt gelernt habe. Stadtmissionar Weber, der bereits 21 Jahre im Dienste der Stadtmission steht, gab Bilder aus seiner Thätigkeit in der Heilig=Kreuzgemeinde. Er erzählte neben vielen ersteulichen Erfahrungen auch von einem Manne, der ihm einmal sagte: Ich glaube den ganzen Blödsinn nicht, weder die Bibel, noch sonst was. Wenn nur meine Tochten enen strammen Mann kriegt und mein Magen immer was zu essen hat!"— Pastor Braun warb für die Kollekte. Den Schluß machte mit Gebet Prediger Fischer. Aus Berlin, 12. März — Der Kaiser ist an Bord des Linienschiffes Kurfürst Friedrich Wilhelm gestern mittag vor Helgoland einge troffen. Der„Kurfürst Friedrich Wilhelm sowie das gleich falls eingetroffene Geschwader gingen neben der Düne vor Anker. Das Wetter ist prächtig, die See leicht bewegt. Heute vormittag reiste der Kaiser mit dem Linienschiff„Kurfürst Friedrich Wilhelm wieder nach Bremerhaven ab. Von Bremen aus wird der Kaiser nach Kiel reisen um der Taufe des Sohnes des Prinzen Heinrich der Besichtigung des aus Ostasien heimgekehrten Kreuzers Deutschland und dem Stapellauf des russischen Kreuzers„Askold beizuwohnen. — Der Kaiser beförderte den Chef der Marinestation der Nordsee, Vize=Admiral Thomsen, zum Admiral und ließ dieses dem Geschwader durch Flaggensignal bekannt geben. des abgereist — Dem Bundesrat ist der Entwurf eines Gesetzes über die privaten Versicherungs=Unternehmungen zugegangen Hamburg, 12. März. In der deutschen Botschaft zu Konstantinopel sand zu Ehren der mit der „ugune Viktoria reisenden deutschen Offiziere vorgestern ein Diner statt, zu welchem die die Hamburg=AmeritaLinie am Bord reprisentierenden Herren geladen waren. Der Botschafter Frhr Marschall von Bieberstein überreichte bei dieser Gelegenheit Herm Dannenberg von der HamburgAmerika=Linie den Medschidie=Orden 3. Klasse und Herrn Kapitän Kämpff den Osmanie=Orden 3 Klasse durch welche der Sultan diese Herren auszuzeichnen geruht hatte. Anläßlich einer Audienz welche der Botschafter mit den deutschen Offizieren späterhin noch hatte gab der Sultan nochmals seinem Interesse für das deutsche Schiff Ausdruck. Der Sultan ersuchte den Botschafter der Auguste Viktoria seine kaiserlichen Grüße zu übermitteln uud verehrte dem Schiffe zwei kostbare Vasen zur Aufsteltung im Salon. Die„Auguste Viktoria unternahm dann bei herrlichem Wetter eine Fahrt durch den Bosporus an welcher der Botschafter Fehr von Marschall mit dem Personel der Botschaft und des Generalkonfulats teilnahm. Nach deren Beendigung erfolgte die Weiterfahrt nach dem Piräus und Athen. Oesterreich=Ungarn. Wien, 12. Marz Bein Empfange des Präsidiums des Abgeordnetenhauses durch den Kaiser sprach der Monarch den Wunsch aus das Parlament möge von seinen verfassungsmäßigen Rechten Gebrauch machen und zum Wohle aller Völker des Staates fleißig arbeiten Der Kaiser drückte seine Freude über die Wahl Prades und Zaceks zu Vizepräsidenten aus und bemerkte Zacek gegenüber er sei der tschechischen Nation sehr gewogen und bringe ihr Wohlwollen entgegen. Den beiden Vizepräsidenten gegenüber sprach der Kaiser den Wunsch aus, sie möchten zur Förderung des Friedenswerkes beitragen Türkei. Konstantinopel, 12 März Die Pforte hat gegen die Eröffnung von deutschen Postämtern in Smyrna Beirut und Jerusalen Einspruch erhoben. Der deutsche Botschafter antwortete auf diesen Einspruch mit dem Hinweis auf das Beispiel Oesterreichs, Frankreichs und Englands. Deutscher Reichstag. Berlin, 12. März. Am Tische des Bundesrats Frhr v. Thielmann Dr. Koch, Dr. v. Buchta. Das Haus ist ganz schwach besetz insbesondere ist die Rechte nur durch einzelne Mitglieder vertreten. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um Uhr 20 Min. In dritter Beratung werden verabschiedet die allzemeine Rechnung für 1895 und die endgültigen Uebersichten der Schutzgebiete für 1896 und 1897 sowie die vorläufigen Uebersichten für 1897 und 1898. Zweite Beratung des Gesetzentwurfs über Aenderungen im Münzwesen.— Abg. v. Kardorff(Reichsp.) erklärt von vornherein, daß er bei der Abstimmung über Artikel 4(die Einziehung der Thaler Auszählung beantragen werde(Unruhe), da er nicht wolle, daß ein solches Gesetz von beschlußunfähigem Hause verabschiedet werde.(Zuruf: Dabei ist es zweite Beratung, und so was wirft uns Obstruktion vor! Artikel handelt von der Einziehung der goldenen Fünsmarkstücke mit einjähriger Einlösungsfrist. Die Kommission hat beschlossen, daß die Bekanmmachung über die Außerkurssetzung außer durch das Reichsgesetzblatt auch durch die zu den amtlichen Betannmmachungen der umern Verwattungsbehörden dienenden Tageszeitungen erfolgen soll. Artikel 4 der Regierungsvorlage setzt den Gesamtbestand der Reichs#en der Be erhöht. silbermünzen zuf 14 M. auf den Kopf Kommission hat den Betrag auf 15 M. aus der Neuprägung soll zur Deckung der aus der Einziehung und Veraußerung der Thaler entstehenden Verluste verwandt werden. Die söllerung fest. Die Der Münzgewinn Kommission beantragt in einer Resolution, den Reichskanzler zu ersuchen bei Neuausprägung von Reichsgoldmünzen auf eine vermehrte Ausprägung von Kronen hinzuwirken. Berichterstatter Speck(Centr.) berichtet eingehend über die gesamten Verhandlungen der Kommission. Abg. Arendt(Rp.) führt aus, das Beste an dem Gesetze sei, daß es lange Zeit zu seiner Durchführung brauche. Die Hauptsache sei die Vermehrung des Goldbestandes der Reichsbank, um den hohen Zinsfuß zu vermeiden. Redner beantragt sodann einen zurückgezogenen Antrag Schwarze, zur Neuprügung Süberbarren anzukaufen. ##og. Rettich(konse) hat die schwersten Bedenken gegen die ziehung der Thaler; er wird dem Antrage Arendt zustimmen. Abg. Herold(Centr.) führt aus, das Centrum sei darin einig daß die Vorlage einen Einstuß auf die Währungsfrage nicht habe. Der Thaler passe nicht in das Marisystem. Der Antrag Schwarze wolle den derzeitigen Silberfonds intakt lassen. Staatssekretär v. Thielmann bezeichnet den Antrag Arendt, der einen der Vorlage grundsätzlich entgegenstehenden Standpunkt einnehme, als unannehmbar. Redner weist darauf hin, daß aus dem gewonnenen Silber nicht nur Fünfmarkstücke, sondern hauptsächlich die beliebten Zweimarkstücke geprägt werden sollen. Die Reichsbankstellen stellten fest, daß die Thaler für den Verkehr nicht überall beliebt sind, dagegen von der Handelskammer Westfalen die Begehrtheit der Fünfmarkstücke festgestellt worden sei. Der Antrag Schwarze sei zwar mit der Vorlage nicht konform, jedoch annehmbar. Schönlank(Sozialdem.) erklärt, die Sozialdemokraten werden für die Vorlage, eventuell für den Antrag Schwarze stimmen. Abg. Büsing(nat=lib.) meint, die Thaler könnten um so leichter entbehrt werden, als sie im Verkehr wie Scheidemünzen behandelt würden. Reichsbankpräsident Koch bezeichnet die Bedenken der Abgg. Arendt und Rettich gegen die Einziehung der Thaler als unbegründet. Die Abnahme der Thalerstücke beweist das Bedürfnis nach Scheidemünze, dem entgegengetreten werden solle. Abg. Fischbeck(Freis.=Vy. erklärt sich mit der Vorlage einverstanden. Die Partei des Redners werde für den Antrag Schwarze, aber gegen den Antrag Arendt stimmen. Abg. v. Schele=Wunstorf(bei keiner Fraktion) meint, in 40 bis 50 Jahren werde die allgemeine Silberwährung herrschen. Es wäre verkehrt jetzt die Thaler zu beseitigen. Abg. Broeme(Freis. Vg.) schließt sich den Ausführungen Fischbecks an. Abg. v. Kardorf(Reichsp.) erklärt, unter dem gegenwärtigen Stande der Währungsverhältnisse habe kein Stand so viel zu leiden wie die Landwirtschaft. Den Vorteil hätten nur die Kapitalisten. Die Goldbestände der Reichsbank hätten unter der Leitung des Präsidenten Koch sich um eine Viertelmilliarde verschlechtert. Abg Kirsch(Centr.) meint, das Fünsmarkstück sei eine wenig beliebte Münze; künftig sollten mehr Zweimarkstücke ausgeprägt werden. Die Fassung des Artikels sei unklar. Staatssekretär v. Thielmann meint, Artikel 1 sei so klar gefaßt, daß ihn jeder verstehen muß. Abg. Hahn(Bund der Landw.) kritisiert die Geschästsführung des Reichsbaukpräsidenten Koch. Die Goldwährung liege nur im Interesse des internationalen jüdischen Großkapitals, der sogenannten Hochzinsenpolitik. Nach Bemerkungen der Abgg. Gamp und Arendt schließt die Diskussion. Auf Antrag des Präsidenten Grafen Ballestrem wird die Abstimmung über Artikel 1 und 4 ausgesetzt. folgt die Debatte über 2 und 3, die Außerkurssetzung der Zwanzigpfennigstücke. Nach unerheblicher Debatte wird die Abstimmung über 2 und 3 ebenfalls ausgesetzt. Abg. Arendt(Reichsp.) beantragt einen Artikel 4a wonach niemand verpflichtet sei, mehr als 50 M. Fünfmarkstücke und mehr als 50 M. sonstiger Reichssilbermünze in Zahlung zu nehmen. Abg. Arendt begründet seinen Antrag; er will denselben an die Kommission zurückverweisen. Ueber Artikel 5 findet keine erhebliche Debatte statt. Die Kommission beantragt einen Artikel 6, wonach der Bundesrat ermächtigt wird, Fünfmarkstücke und Zweimarkstücke als Denkmünzen in einer anderen Prägung herstellen zu lassen. Hierzu liegt ein redaktioneller Antrag Kirsch vor, ferner ein Antrag Fischbeck auf Streichung des Artikels. Abg. Fischbeck(Freis. Vv.) bezeichnet es für bedenklich, dem Bundesrat eine solche Vollmacht zu geben Es könne keicht aus dieser Bestimmung eine Unsitte werden. Nach weiteren Bemerkungen folgt das Referat über die Petitionen zum Gesetz. Hierauf vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr Tagesordnung: Rechnungssachen, lex Fleinze, Abstimmung über das Munzgesetz. Mit der Antwort des Vereins für die bergbaulichen Interessen auf die Forderungen der Bergarbeiter beschäftigt sich das Organ der christlichen Bergarbeiter der Bergknappe“, in einem längeren Artikel. Der„Bergknappe“ ist mit der Antwort im allgemeinen zufrieden:„Wenn der Vorstand auch noch keine Berechtigung unsererseits anzuerkennen vernag, für die Ruhrbergleute, speziell unsere Mitglieder Forderungen aufzustellen so hoffen wir, daß derselbe sich doch noch gelegentlich zu anderer Ansicht bekennen wird. In der Antwort selbst liegt schon eine gewisse Anerkennung dieses Rechtes der Organisation. Zudem vermissen wir in ihr den so schroffen, ablehnenden Ton, wie er bei früheren Gelegenheiten gerne gebraucht wurde, was uns zu der Annahme veranlaßt, daß man, wenn auch noch mit Widerstreben, die gute Absicht der Leitung der Organisation erkannt hat und zu würdigen weiß. Die Einzelbelegschaften werden aufgefordert munmehr dort, wo noch Uebstände vorliegen, hervorzutreten und durch Delegierte an der zuständigen Stelle um deren Beseitigung zu ersuchen. Zwischen den beiden Verbänden soll das getrennte Vorgehen in dieser Bewegung aufrecht erhalten werden, wie es bisher geschah: ## haben nach wie vor keine Veranlassung, mit demalten Verde gemeinsam in Versammlungen zu tagen und demselben die uns zur Verfügung stehenden Säle zur Agitation freizugeben. Jeder Verband mag da für sich allein sorgen und Versammlungen für sich abhalten— Auch der Vorstand des Berg= und Hüttenarbeiterverbandes richtet in der neuesten Nummer seines Organs an die Belegschaften die Aufforderung im Sinne der Antwort des Werkbesitzervereins sich an ihre Grubenverwaltungen mit ihren speziellen Wunschen zu wenden. Eine Anzahl Belegschaften haben schon unlängst diesen Weg bechritten und gute Erfolge gehabt. Die berr Werksleitungen erklärten sich anstandslos bereit, soweit wie eben möglich entegen zu kommen.„Wir unseverseits so erklärt der Verandsvorstand ermahnen die Kameraden sich durchaus ruhig und friedliebend zu verhalten. Der Verbandsvorstand will keinen Streit sondern nur eine Aufbesserung der Arbeiterlage oweit es unter den gegebenen Verhältnissen möglich ist. Maßregelungen sind wie der Verbandsvorstand hinzüfügt gegenwärtig nicht zu befürchten da die Werke sehr wohl wissen, daß es heute sehr gefährlich ist. Oel ins Feuer zu gießen Krefeld, 12. März. Mit 17b gegen 7 Stimmen beschlossen die hiesigen Holzarbeiter gestern in geheimer Abstimmun am nächsten Samstag die Kündigung einzureichen falls die Meister bis dahin nicht die neunstündige Arbeitszen bewilligt hätten. Die jüngern Gesellen, 80 an der Zahl erklärten sich bereit, sofort nach dem Beginn des Ausstandes die Stadt zu verlassen Mörs, 12. März. In der großen mechanischen Seidenweberei Schröder& Co. hat heute morgen ein Ausstand begonnen Kreuznach, 12. März. Die Maler= und Anstreichergehilfen sind wegen Nichtbeachtung ihrer Lohnsordelung in den Ausstand getreten. 12. März. Der christliche Textilarbeiterverband für Bocholt und Umgegend erläßt in den hiesigen Lokalblättern folgende Bekanntmachung Unseren Mitgliedern zur Kenntnisnahme, daß infolge eines Beschlusses der Vertrauensmännerversammlung in Zukunft alle Verbandsmitglieder, welche ohne Genehmigung des Vorstandes (besonders unter Kontraktbruch) in den Ausstand treten, sofort aus dem Verbande ausgeschlossen werden." Dieser Schritt des Verbandes ist veranlaßt durch kontraktwidrige Arbeitseinstellung in einer hiesigen mechanischen Weberei und in einer Fabrik des benachbarten Industrieortes Rhede. Guben, 12. März. Wegen verweigerter Lohnerhöhung streiken 150 Grubenarbeiter der Niederlausitzer Kohlenwerke. Prag, 12. März Gestern wurden elf Arbeiterversammlungen zbgehalten, die alle ruhig verliefen. Nach Schluß sammelten sich etwa Personen auf dem Wenzelplatze zu einer Kundgebung zu Gunsten der Kohlenarbeiter. Um 5 Uhr nachmittags kam es aus einer bisher noch unbekannten Ursache zu einem Zusammenstoß mit Polizeibeamten, die mit Steinen beworfen und mit Stöcken und Fäusten geschlagen wurden. Ein Schneidergehilfe erhielt einen Säbelhieb über den Kopf. Personen wurden verhaftet. Schließlich wurde die Menge zerstreut und der Platz geräumt. #O Laubach, 11. März. Am Mittwoch abend hielt unser christlich=sozialer Verein eine Versammlung, in der Pfarrer tock von Oberbreidenbach einen Vortrag hielt über Mittelstandspolitik. Redner schildert die Lage des Handwerkerstandes, des Bauernstandes und des Standes der kleinen Kaufleute. Er betrachtet das Verhalten der einzelnen Parteien zu diesen Ständen und zeigt dann, wie die christlich=soziale Partei helfen wolle. Am eingehendsten verweilte er bei dem Handwerkerstand. Darauf fand eine sehr eifrige Diskussion statt an der sich besonders Dr. Vogel, Pfarrer Fritsch und Fabrikant Rönchel beteiligten. Die nächste Versammlung soll auf einem der Nachbarorte sein. Lokales. O Siegen, 13 März Die Jahrhundert=Postkarten finden noch immer reißenden Absatz Beim hiesigen Postamte waren diese Karten schon wiederholt ausverkauft und mancher, der sich eine solche erstehen wollte, hat enttäuscht den Postschalter verlassen, weil ihm die Antwort wurde:„Die Jahrhundertkarten sind ausverkauft. Die Reichsdruckerei kann eben nicht so viel dieser vielbegehrten Karten herstellen, um der Nachfrage zu genügen. Seit längerer Zeit waren keine Jahrhundertkarten mehr zu bekommen jetzt ist eine neue Auflage erschienen und sind beim hiesigen Postamte wieder Karten zu haben. Wer sich eine Anzahl davon erstehen will möge dies bald besorgen, denn es wird wahrscheinlich nicht lange dauern, dann prangt am Postschalter wieder das Schild Jahrhundertkarten sind ausverkauft. R. Siegen, 13. März. Die Firma Siegener Maschinenbau=Aktien=Gesellschaft hierselbst beabsichtigt, in diesem Jahre ungefähr7 Arbeiterhäuser bauen zu lassen. Wo dieselben ihren Platz finden werden, ist noch nicht bestimmt, aber aller Wahrscheinlichkeit nach in der Eiserner Straße * Mutmaßliche Witterung am 14 März. Ziemlich heiteres meist trockenes, nachts etwas kälteres, am Tage mildes Wetter Westfalen. O Aus Minden=Ravensberg und Umgegend, 12. März. Am Mittwoch stattete der Herr Oberpräsident von Westfalen, Excellenz Freiherr von der Recke der Stadt Minden einen Besuch ab.— Steckbrieflich verfolgt wird der seit dem 6. März verschwundene zu Ascheloh geborene Musketier Wilhelm Meyer der 5. Kompagnie des Infanterie=Regiments Nr. 158 zu Paderborn.— Die Posteirektorstelle in Bünde ist zum April Herrn Firneisen aus Bernburg(Anhalt) übertragen worden.— Sanitätsrat Dr. Lenzberg in Salzuflen ist nach längerem Leiden gestorben.— Das an der Credenstraße in Herford gelegene Goldsteinsche Haus ist vollständig niedergebramt— Auf der Salzuslerstraße wurde ein dreijähriges Kind überfahren und schwer verletzt V Betzdorf, 12. März Gestern Sonntag abend fand in Sassenroth bei Betzdorf zwischen polnischen Arbeitern eine furchtbare Schtägerei statt, wobei das Messer eine große Rolle spielte. Der Vorsteher des Ortes Herr Morgenschweiß, wollte Ruhe stiften wurde aber dabei schrecklich zugerichtetindem ihm der Leib aufgeschlitzt wurde, sodaß die Eingeweide heraustraten und er nach Kirchen ius Krantenhaus gebracht wurde, wo er hoffnungslos danieder liegt. Der Wirt und ein anderer Sassenrother Bürger liegen ebenfalls schwer verletzt im Krankenhaus zu Betzdorf. Es wäre zu wünschen, daß den Anstiftern dieses Blutbades eine exemplarische Stuufe zu teil würde. Wetzlar, 12 Mürz Die outsüblichen TagelohnSlitwach, Rachipiktag 3 r#soll im hiesigen minderwertiges fleisch pro Pfund zu 40 Pf. verkauft werden. Die Lieferung des Brotes für die Armen in den Monaten April, Mai und Juni soll dem Mindestfordernden übertragen werden Verschlossen Angebote sind bis zum 29. 3. Mts. mit der Autschlis Brotlieserung die Armen" versehen imn Armenan (Zimmer Nr. 1 des Nathufes einzuliefern Die Lieserungsbedgungen liegen im Armenamte zur Einsicht aus. Siegen, den 10. März 1900. Die Armenverwaltung Wen hilfts Wohlzuthun und 2 Ein brager aber armer in meiner Gemeinde Rückenunankleidend, M lbst u#r dienen bittet in Not mitleid Christen um Unterstüchting Gaben zu sensen an Schlege uten Garantiert frische a Pd. 05 M Gamen g S 15 sowie Verkauf von samtlichen Munstwaren und Büle. echer Geismel Alsral mit event, auch Wohnung allein, in der Nähe vom Bahnhafe ist zu vernethen. N8 Su Untere Friedrcch#r 2. sätze werden durch eine Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten zu Koblenz für sämtliche Bürgermeistereien des Regierungsbezirks abgeändert. Für die Bürgermeistereien des Kreises Wetzlar stellen sich die neuen Sätze wie folgt: Arbeiter über Arbeiter unter 16 Jahre 16 Jahre männl. weibl. männl. weibl. Stadt Wetzlar Braunfels(Stadt und Land) Aßlar Atzbach Greifenstein Launsbach Hohensolms Rechtenbach Schöffengrund Diese Sätze treten 6 Monate nach ihrer Veröffentlichung, also vom 28. August ds. Is. ab in Kraft. Nach den ortsüblichen Tagelohnsätzen werden bekanntlich die Krankenkassenbeiträge rc. berechnet. Elberfeld, 11. März Am Donnerstag den 15. März wird der große Militärbefreiungsprozeß vor der ersten Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts beginnen. Die Verhandlung, die bekanntlich schon am 15. Februar stattfinden sollte, wurde damals in letzter Stunde vertagt, da der Hauptangeklagte Zigarren und Weinagent Otto Strucksberg aus Köln, ein Mann von 61 Jahren, der sich seit Dezember 1898 in Untersuchungshaft befand, schwer erkrankt war. Strucksberg ist nun vor einigen Wochen gestorben. Inzwischen ist der Mitangeklagte Di. Clemens August Ziel, praktischer Arzt in Köln in Untersuchungshaft genommen worden Er soll dem Strucksberg der die„Freimacherei seit einer langen Reihe von Jahren in großen Maßstabe betrieben haben soll, behilflich gewesen sein. Zu den Helfershelfern des Strucksberg soll auch noch der Drognist Heinrich Eues aus Köln gehört haben. Dieser befindet sich auch unter den Angeklagten Er soll die von Steucksberg bezw. Dr. Ziel verordneten Pillen vielfach angefertigt haben. Ob Eues dabei wissentlich gehandelt hat wird die Verhandlung ergeben Unter den 31 Angeklagten befinden sich drei, die dem verstorbenen Strucksberg Schlepverdienste geleistet haben sollen Die anderen Angeklagten sind zumeist junge Leute sämtlich den wohlhabenden Ständen angehörig die durch Einnehmen der ihnen von Strucksberg gegebenen Pillen usw. den Versuch gemacht haben sollen sich dem Militärdienst zu entziehen. In einer Anzahl von Fällen soll dies auch gelungen sein. Neben diesen jungen Leuten sind auch mehrfach deren Väter angeklagt, die durch schweres Geld den Strucksberg bestimmt haben sollen an ihren Söhnen das Militär=Befreiungsexperiment vonzunehmen Strucksberg hat sich nämlich für jedes derartige Experiment 2500 bis 3000 M. im voraus zahlen lassen Je kräftiger und größer die Gestellungspflichtigen, desto höher war der Preis den Strucksberg für das Freimachen forderte. Da der Hauptangeklagte Strucksberg sich dem irdischen Richter entzogen hat, so dürfte sich die Verhandlung die ursprünglich auf 14 Tage auberaumt war wesentlich kürzer gestalten. Meinz, 12. März Nach einer aus dem Kriegsministerium eingetroffenen Mitteilung werden die in Bockenheim=Frankfurt garnisonierenden drei Schwadronen 13er Husaren mit dem Stab zu den zwei Schwadronen nach Mainz verlegt. Es wird zu diesem Zweck neben der Husarenkaserne an der Mombacherstraße eine neue Kasemne errichtet wozu das Gelände schon erworben wurde. Eine neue Artilleriekasenne wird wie jetzt auch sicher steht, in der Nähe des Vororts Zahlbach erbaut Hierzu kommt noch die für ein ganzes InfanterieRegiment bestimmte große Kaserne in der Neustadt, die als Ersatz für die in den Besitz der Stadt übergehende Schloßkaserne dienen soll. Die Pläue sind schon fertig gestellt und lassen erkennen, daß diese Kaserne auch architektonisch reich ausgestattet wird.— In der hiesigen Armee=Konservenfabrik wird u. a. auch Eierzwieback aus Eiern Zucker Milch und Mehl hergestellt mit dem eben bei einzelnen Truppenteilen Versuche angestellt werden. Dieser Zwieback dient als Ersatz für Brot und wird ausschließlich neben einer Mittagmahlzeit bestehend aus gemischten Könsserven(Fleisch mit Gemüsen) genossen Die betreffenden Truppenteile machen während des Versuches vier Tage lang Dauermärsche bei dieser Ernährung. Zehn Arbeiter erstickt. Durch ausströmende Gase sind in dem Kohlenbergwerk von Trelys bei Alais 10 Arbeiter erstickt. Zwei Leichen sind zutage gefördert. Kindermord. In Cherson wurden in einem Hause acht Kinderleichen entdeckt. Die verhaftete Besitzerin des Hauses leugnet jede Schuld Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die Verbrechen erst kürzlich verübt worden sind. Zwölf Kaiserbilder beschädigt. Im zweiten Stock des alten Rathauses in Nürnvera wurden 12 Kaiserbilder und zwar diejenigen von Karl l. bis Leopold II. durch Schnitte erheblich beschädigt. Die Thäter sind noch nicht entdeckt. Letzte Nachrichten. Ventersplei, 12. März. Seit dem Gefecht bei Driefontein marschierte Lord Roberts Streitmacht schnell hierher, wobei die Kavallerie vor dem Hauptkorps avancierte. Heute früh wurde berichtet, daß ungefähr 12.000 Buren mit 18 Geschützen eine Position auf einer Reihe von Anhöhen hielten, die den geraden Weg nach dem nunmehr bloß 26 Kilometer entsernten Bloemfontein beherrschten. Unsere Streitmacht unging die Stellung des Feindes. London 12. März. In hiesigen wohlunterrichteten Kreisen herrscht kein Zweifel darüber, daß die Transvaal=Regierung jüngst einen Vorschlag an die britische Regierung gelangen ließ, man weiß aber nicht, wie derselbe formuliert ist. In offiziellen Kreisen ist aber irgend welche zuverlässige Mitteilung darüber nicht zu erlangen, ob die Regierung einen derartigen Vorschlag erhalten hat. Die Meldung, daß der in letzter Woche abgehaltene besondere Ministerrat diese Angelegenheit beraten habe, war unbegründet. 12. März Hier sind zwei neue Erkrankungen an Pest vorgekommen; seit dem Ausbruch der Seuche waren 15 Fälle zu verzeichnen, von denen 6 tötlich verliefen, 8 noch in ärztlicher Behandlung sind und in einem Falle Heilung eintrat. 12. März. In einem von Italienern bewohnten Miethause in Newark(New=Jersey) brach eine gewaltige Feuersbrunst aus, bei der soweit bis jetzt bekannt ist, 15 Personen ums Leben kamen, der größte Teil der Verbrannten sind Kinder. Das Feuer ist vermutlich angelegt worden. Neu=York, 12. März. Der World wird aus Washington telegraphiert: Der hiesige niederländische Gesandte v. Weckherlin äußerte in einer Unterredung, er wisse nichts von Unterhandlungen zwischen europäischen Mächten im Hinblick auf eine Intervention in Südafrika. Der Stand der Dinge sei leider so, daß es für jede europäische Macht unmöglich sei, an England, jedoch ohne die Gefahr einer Abweisung, heranzutreten Wenn eine mit England auf dem Fuß herzlicher Intimität stehende nicht=europäische Macht Unterhandlungen beginnen und den Weg eröffnen sollte, so würden nach seiner Ueberzeugung alle europäischen Mächte den Plan sördern. Berlin, 12. Man. Die Börse eröffnete ruhig bei ziemlicher Festigkeit in Hutten und Bergwerksaktien. Auch der Bankenmarkt sprach sich preishaltend aus Von heimischen Fonds 3proz Reichsanleihe bis 86,70 gefragt. Eisenbahnen blieben ohne Anregung. Im weiteren Verlaufe der Börse wurden Montanwerte ungleichmäßig und schwankend, nur Hüttenaktien blieben behaupter Uebrige Gebiete unändert.— Privatdiskonto 54%— Anfangs waren Kreditaktien 235,70, Diskonto=Komm. 197.—, Deutsche Bank 212,40, Dresdner Bank 165, Darmstädter Bank 141,50, Handelsgesellschaft 172.70, Staatsbahn 139,50, Lombarden 29.40, Marienburger 81.75, Gotthard 143 Schweizer Central 144,25, Schweizer Nardost 92,70, Jura=Simpton 89,25, Prince Heuri 116.25, Bochumer 278,80, Dortmunder 140,90, Laura 275,90, Gelsenkirchener 213, Harpener 22925, Hibernig 241/75, 3proz. Reichsanleihe 86,70, Italiener 94.90, 6proz. Mexikaner—.—, Türkenlose 122,80, Spanier 71,10, Northern 75,30. Sonntag, den 18. März, nachmittags 4 Uhr, in Riederdresselndorf, bei Hru. Gastwirt Montag den 19. März abends 8 Uhr, in in der Schule. Referent jedesmal Dr. Burckhardt. Jedermann iut freundlich eingeladen. des redaktionellen Teils. 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Friedrich Höynck=Sieghütte(64 J.) Rentner Wilhelm Ludwig SornbergerBensheim a. B.(43 J.) Frau Helene Juliana Wilcke geb. SchwartzKöln(72 Heinrich Elfgen=Mülheim a. Rh.(80. J.). Frau Hermann Siebert geb. WanslebenGodesberg(75 J.). Frau Laura Buchholz geb. Graber=Lennen (86=J.) Albert Hammel=Frankfurt a. M.(58 J.). Schneidermeister Konrad Klein=Rövelheim. Wwe. Marie Matthes geb. Nispel=Friedberg(Hessen)(89.J.. Frau Marie Koch geb. Tippel=Hungen. Frl. Dorothea Feller=Dillenburg(40 J.). Eduard Vorwerk=Wetzlar(17 J.). Kaufmann Heinrich Büschenfeld=Bielefeld 66 Kolon Arnold Brand=Gadderbaum(93.J.). Für die Schriftleitung verantwortlich. O. Beckmann S t e n U u t e r h a l t u n g s t e i l D r. B u r c k h a r d t= G o d e s b e r g.— A n z e i g e n C h r. S c h l u n z Druck und Verlag der Westdeutschen Verlagsanstalt, E. G. m. b. H., Siegen, Sandstraße 18. Hierzu eine Beilage. Mittwoch, den 14. März 1900. Beilage zur Zeitung„Das Volks Verein Berlin. Freitag, den 16. März 1900, abends 8 Uhr, Greße Versammlung im Stadtmissions-Saal vor dem Halleschen Thor, hinter der Kreuzkirche. Johannistisch 6 und Johanniterstr. 6. Thema: Künstler und Gelehrte im Kampf gegen den Reichstag Referent: Herr Reichstagsabgeordneter Hofprediger a. D. Stöcker. Die Mitglieder werden gebeten vollzählig zu erscheinen und Freunde mitzubringen.— Damen sind herzlich willKoE Wir bitten unser Partei=Organ„Das Volk“ bei der Post zu abonnieren, weil nur darin unsere Parteinachrichten bekannt gegeben werden. J. Auftr. Wartenberg. Burean der christl.=soz. Partei, Verein Berlin, Gräfestr. 76. Fall Meingart. I=ch. Berlin, 11. März. Zum Fall Weingart nahm eine große öffentliche Volksversammlung Stellung, die von der Evangelisch=kirchlichen Vereinigung einberufen, am Freitag abend in der Tonhalle tagte. Der Besuch war gut und füllte den Saal und die erste Gallerie. Das Publikum hatte einen etwas anderen Charakter als in den jetzt wieder regelmäßig von der christlich=sozialen Partei veranstalteten Freitagsversammlungen. Es waren mehr Geistliche da und auch viele Studenten und jüngere Leute, unter denen, wie sich herausstellte, auch eine Anzahl Gegner der Einberufer sich befanden. Als erster Vortragender war der klassische Philologe Professor Dr. phil. Blaß aus Halle gewonnen, dessen Interesse für die kirchlichen Angelegenheiten bekannt ist. Er sprach über Bibel und Wissenschaft unter dem Titel: Die Geltung der Bibel in der evangelischen Kirche. Wegen des starken Zugwindes auf der Bühne des Tonhallensaales wurde das Präsidium und der Rednerplatz vom Vorsitzenden Tischlermeister Nehmann nach der Gallerie verlegt, wodurch die Temperatur auch im Saale erträglicher wurde, weil der Vorhang herabgelassen werden konnte. Professor Dr. Blaß führte unter anderem aus: Zwei Mächte stehen sich in der evangelischen Kirche gegenüber; die Bibel und eine Theologie, welche sich„Wissenschaft" nennt. Es wäre thöricht, diese sich„Wissenschaft“ nennende Theologie der Bibel als Nebenbuhlerin ebenbürtig an die Seite stellen zu wollen. Es giebt eine Theologie, die sich der Bibel unterordnet und eine andere, die die Bibel sich unterordnen will. Nur diese letzte Richtung sei Gegenstand der Besprechung und von der Bibel sei nur das Neue Testament in Frage, da der zu dieser Versammlung Anlaß gebende Fall aus Osnabrück sich ebenfalls darauf beschränkt. Die von der„Wissenschaft“ angegriffene Lehre von der Auserstehung ist erst von den Augenzeugen der ache von Mund zu Mund weitererzählt, dann aufgeschrieben worden und von vielen Aufzeichnungen wurden dann die vier Evangelien, die von der Autorität der Apostel getragen waren, ausgewählt. Daß diese Evangelien inspiriert sind, ist einem klassischen Philologen nicht schwer zu glauben, denn auch Plato spricht von der Inspiration der Dichter und vergleicht die Durchdringung der Dichter, der Schauspieler und der Zuhörer mit derselben Idee, mut der magnetischen Kraft, die sich allen mit dem Magnet zusammenhängenden Eisenringen mitteilt. Wie das Eisenstück vom Magneten, so hat der Prediger von der Schrift sich durchdringen zu lassen um in der Denkweise der Zeit immer dieselbe Wahrheit wirken zu lassen. Nun kommt aber die sich Wissenschaft nennende Theologie und erklärt den kraftgebenden Magneten für unwirksam. Ist denn die Theologie überhaupt ein Wissen? Giebt es ein Wissen der übersinnlichen Dinge? Die Theologen fassen ihre Wissenschaft selbst gar nicht so auf. Wie nach Sophokle, die Kenntnis der metrischen Regeln der Poetik noch keinen Dichter macht, wie jemand, der auf Grund erlernter mechanischer Regeln ein Dichter zu sein beansprucht, der Lächerlichkeit oder der Nichtbeachtung anheim fällt, so macht die Kenntnis des äußeren Materials der Theologie noch keinen Theologen und keinen Prediger. Wenn die Theologie sich von der Bibel trennt, auf die sie sich gründen soll, und sich in Gegensatz zu ihr stellt, so müssen wir prüfen, wer größer und wertvoller ist: die Bibel und ihre Verfasser oder die Theologen und Professoren. Was ist mehr wert unsere Bücher über die griechischen und römischen Schriftsteller des Altertums oder diese selbst? Was ist wertvoller: Homer, der ein halbes Kilogramm wiegt, oder die Homerlitteratur, die vielleicht auf tausend Kilogramm angewachsen ist? Ohne Zweifel sind die alten Schriftsteller, ist vomer mehr wert als alles, was erst seinen Wert von ihnen herleitet. Ist nun das Neue Testament mehr wert, oder die Litteratur darüber, und wenn sie 100.000 Kilogramm wiegt? Was ist die ganze Theologie der Vergangenheit und Gegenwart gegenüber dem kleinsten Evangelisten, vor dessen Worten selbst der Kaiser aufsteht? Wer steht auf, wenn die Worte des größten Professors verlesen werden? Alle Vornehmen und Gebildeten jener Zeit sind vergessen, aber die armen Fischer und verachteten Zollpächter stehen noch heut in höchsten Ehren. Markus bildet den Anfang der Litteratur unzähliger früher barbarischer Völker. Anstatt nun diesen ehrwürdigen Schriften anzuhängen ihre Kraft daraus zu schöpfen, kritisieren die Theologen diese Schriften. Gewiß ist Kritik berechtigt, aber solchen Schriften gegenüber, doch nur mit höchster Bescheidenheit und größtem Respekt. Viele thun das. Ich sage nichts gegen die Theologie im allgemeinen. Aber es giebt eine„Wissenschaft“, die sich mit der Bibel um den Vorrang streitet. Und doch giebt es kein Wissen darüber, sondern nur und zwar sehr viele philosophische Meinungen, die oft einander entgegengesetzt sind. Nun bezeugen Matthäus und Markus, Lukas und Johannes, Petrus und Paulus ganz klar und wiederholt die leibliche Auserstehung Jesu— Redner citiert die Stellen— also von aller Welt heute noch hochverehrte und maßgebende Persönlichkeiten, und da wagt es ein Pastor auf der Kanzel zu St. Marien in Osnabrück, die für die Predigt der Auferstehung gemacht ist, diesen Zeugen der Auferstehung den Vorwurf der Unwahrheit ins Gesicht zu schleudern. Dafür wurde er schließlich abgesetzt. Es ist in der That ein seltsamer Anspruch, einen neuen Glauben zu verkündigen auf einer Stelle, die für den alten Glauben gemacht ist, aus einem Munde, dem der alte Glaube zu essen giebt.(Beifall.) Woher nimmi der Pastor, der doch 1900 Jahre später lebt, die Kühnheit, zu behaupten, jene seien alles falsche Zeugen. Er glaubt, er sei gedeckt durch seine Lehrer. Aber woher wissen die das. Von ihren Lehrern! Aber dann klafft eine Lücke von 1800 Jahren, in denen die Thatsache der Auferstehung nicht angezweifelt wurde. Sie schöpfen, wie sie sagen, ihren Widerspruch aus Pauli Briefen, der nur eine geistige Auferstehung meine, der sein Erlebnis vor Damaskus auf gleiche Stufe mit den Erscheinungen des Auferstandenen in den 40 Tagen stelle. Aber Paulus spricht auch davon, daß Christus begraben und auferstanden sei. Der Geist wird nicht begraben. Und die Erscheinung vor Damaskus war nicht bloß eine objektive Vision, sondern eine wirkliche Erscheinung, die auch auf die Begleiter wirkte. Auch Professor D. Otto Pfleiderer giebt zu, daß Paulus den auferstandenen Leib als identisch mit dem getöteten dachte,„mindestens nach der Form, wenn auch nicht nach dem Stoff". Paulus und Lukas(in der Apostelgeschichte) unterscheiden streng zwischen visionären, traumhaften und wirklichen Erscheinungen.(Ob ich außer dem Leibe war, ich weiß es nicht, Gott weiß es.) Der Pastor, von dem die Rede ist, sagt selbst, Pauli Wahrheitsliebe sei über jeden Zweifel erhoben. Da kann man doch weiter nichts thun, als sich Paulus anzuschließen. Nun kommt aber ein Berliner Professor und sagt: Paulus hat nicht an eine leibliche Auferstehung geglaubt. Wenn in unserer Wissenschaft jemand behauptet, z. B.: Plato hätte nicht an die Unsterblichkeit der Seele glauben können, so nehmen wir den Mann nicht ernst.(Heiterkeit.) Nun wir brauchen diesen Professor der Theologie auch nicht ernst zu nehmen mit seinen Paradoxen (Beifall.) Paulus aber redet im Philipperbriefe von der wirklichen Auferstehung des Leibes:„Welcher auch unsern Leib der Erniedrigung umgestalten wird, daß er ähnlich werde seinem Leibe der Herrlichkeit.“ (Phil 3, 21.) Weiter wissen wir nichts. Wenn ich weiter reden wollte, so redete ich wie ein Blinder von der Farbe wie jener Professor auch(Heiterkeit.) Niemand kann sagen wie das Weiterleben ist. Wenn nun gesagt wird: Mit der nüchternen Kritik verträgt sich die Lehre vom leeren Grabe nicht, so hat das eine gewisse Berechtigung Nüchtern ist auch jener Mann Platos, der bloß aus angelernter Technik dichten will. Es mögen Dunkelheiten in der Darstellung der Evangelien bleiben, die nicht zur Befriedigung wissenschaftlicher Neugier geschrieben sind. Aber das leere Grab ist bezeugt und der feste Glaube der Jünger an die leibliche Auferstehung auch. Die scheinbaren Widersprüche der einzelnen Evangelien lösen sich meist auf. (Redner geht darauf ein.) Mit Wahrscheinlichkeiten kann man nicht operieren, an denen ist nichts weiter wahr als der Schein Das leere Grab ist bezeugt. Nehmen wir den Fall an nach dem Tode des Kaisers Wilhelm I. hätte ein Verrückter behauptet, der Kaiser sei auferstanden Nehmen wir den noch unwahrscheinlicheren Fall an, es hätten in Berlin sich Leute gefunden, die das glaubten, es wäre eine Volksbewegung darüber entstanden Dann hätte doch die Behörde das Grab untersucht und zur Beruhigung der Gemüt er mitgeteilt, der Leichnam liege unversehrt im Grabe. Sollte der hohe Rat in Jerusalem, dem die Lehre von der Auferstehung Jesu sehr unangenehm war, nicht auch so klug gewesen sein? Und wenn der Stein vor dem Grabe so schwer war, daß 20 Männer ihn nur heben konnten: der hohe Rat konnte 30 stellen und den Betrug rettungslos vernichten Das Grab war aber thatsächlich leer und jeder konnte sich davon überzeugen. Ein strenger Beweis der Auferstehung ist damit freilich nicht gegeben. Die Behauptung der Auferstehung ist so ungeheuerlich, widerspricht so jeder Erfahrung, daß niemand aus sich selbst daran zu glauben vermag, sondern von Gott selbst die Glaubenskraft dazu empfangen muß. Wir müssen daher mit denen, die nicht glauben, alle Nachsicht haben, aber sie sollen nicht behaupten, sie könnten aus wissenschaftlichen Gründen nicht glauben. Was thut statt dessen die liberale Theologie? Sie hat sich nicht gescheut, das Neue Testament für einen wahren Rattenkönig von Lüge und Fälschung zu erklären, und von den Schätzen, deren Hüter sie war, die Meinung zu verbreiten, es sei wertloses altes Eisen Freilich jetzt kommt man schon etwas davon zurück Professor D. Harnack erklärt in seiner Chronologie der alten christlichen Litteratur(Seite 8): Es hat eine Zeit gegeben und das große Publikum befindet sich noch darin, in der man die alte christliche Litteratur einschließlich des Neuen Testaments als ein Gewebe von Täuschungen und Fälschungen bezeichnen zu müssen glaubte... Das also war der ruhmreiche Fortschritt der Theologie des 19. Jahrhunderts, daß man ein Buch des Neuen Testaments nach dem andern für unwahr erklärte und dann einsah, daß man sich geirrt hatte. Harnack hat aber in den Hauptpunkten die meisten Einzelheiten der neutestamentlichen Bücher litterarhistorisch betrachtet, als wahrhaftig und zuverlässig erkannt. 50 Jahre hat die liberale Theologie gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen und weitere 50 Jahre vergehen vielleicht, um dem Publikum die bessere Erkenntnis wieder beizubringen. Bis dahin machte sich in der Kritik der liberalen Theologen gegen die altchristlichen Schriften ein Mißtrauen breit wie etwa das eines Staatsanwalts gegenüber dem Angeklagten. Tacitus, alle heidnischen Schriftsteller und wenn sie noch so vorurteilsvoll sind, sind für sie eine Autorität, aber die Apostel nicht. Was die geschrieben haben, braucht man nicht zu glauben. Ich rede nicht gegen die Theologie und nicht für die Bibel. Es wäre eine Anmaßung ohne Gleichen, als Beschützer eines Buches aufzutreten, hinter dem eine unsichtbare Welt steht. Die Bibel bedarf unserer nicht, sie bleibt ewig, aber wir bedürfen der Bibel. Lehnen wir sie ab, so wird sie in andern Völkern Geltung erlangen, aber das deutsche Volk würde den Schaden haben und unsere Kirche würde untergehen. Für die evangelische Kirche habe ich geredet, die auf die Bibel begründet ist. Ohne das Evangelium sind wir nicht evangelisch.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Hofprediger a.D. Stöcker, als zweiter Hauptredner, sprach über Bibel und Bekenntnis. Er legte dar, daß das Bekenntnis für den zeitlichen Bestand der Kirche nötig ist. Wer das leugnet, versteht nichts vom Wesen und der Natur der Kirche. Sie braucht Bekenntnisse nicht nur dem Staat, sondern auch anderen Kirchen gegenüber; sonst fände sich ja der Klügste in diesem Wirrwarr nicht zurecht. Sie muß doch den ihrigen klar sagen können; dies ist Wahrheit und jenes ist Irrtum, sonst läßt sie ihre Glieder unbeschützt dem Zweife und dem Unglauben verfallen. Sie muß ihre Diener auf Bekenntnisse verpflichten, um die Gewähr zu haben, daß sie auch im Sinne der Kirche wirken. Wenn nun die Liberalen verlangen, daß jede Gemeinde die Freiheit haben müßte, jeden Pfarrer zu wählen, der da predigen darf, was er will— so muß man erwidern; das giebt aber keine Kirche, keine Gemeinde, keine Predigt, sondern nur ein Hin= und Herreden, ein Geschwätz und ein Publikum von Zuhörern Lehrfreiheit und Lehrordnunn— die stehen vor uns wie Probleme. So unverständig ist aber wohl niemand, daß er verlangt, es müßte absolute Lehrfreiheit geben. Wenn ein Geistlicher in seiner freien Ueberzeugung z. B. einmal verkünden würde, daß der Papst das berechtigte Oberhaupt der Kirche sei und Maria göttliche Verehrung genießen müßte, so würde auch die freieste Gemeinde aufbrausen:„Das fehlte ja noch! So weit geht die Lehrfreiheit nicht!— So schwierig ist es auch mit der Lehrordnung. Keiner wird vom Pastor fordern, daß er sich nun jeden Buchstaben der ganzen Benntnisschriften zu eigen machen müßte, sondern daß er mit vollem Herzen und guter Ueberzeugung zum Wesen dieser Bekenntnisse stehe und in der Bibel seine Richtschnur finde. Ich nehme freilich an, und die Kirchengeschichte bezeugt es, daß die Bekenntnisse nicht ohne göttlichen Beistand zu Stande gekommen sind, aber sie haben freilich nur einen zeitlichen Wert und reichen nicht bis in die Ewigkeit. Sie sind nötig als Norm der Lehre Wohin sollte es kommen, wenn vormittags der Geistliche predigt: Chrst ist erstanden und am Nachmittag predigt der andere Geistliche; es stimmt nur nicht! Wie kann sich dabei ein Wahrheitsbewußtsein entwickeln? Wie soll da die Kirche auf die Seelen wirten und die Geister erziehen können? Es ist eigentlich ganz unbegreiflich, wie sich der Liberalismus so in seinen Irrtum verbohren kann Ich habe vor jeder Ueberzeugung Achtung, wenn ein Mann dahinter steht, aber wie kann man fordern, das Recht zu haben, die Grundlagen der Kirche zu zerstören, die man doch vertreten soll! Es wäre das etwa so als ob ein preußischer Offizier im Kriege aus Ueberzeugung mit Frankreich gegen Deutschland kämpft, aber doch preußischer Offizier bleiben möchte. Stöcker weist dann nach, daß die Betenntnisse den Inhalt der Heitigen Schrift aussprechen. Heute greift man schon die allgemeinen Glaubensgrundsätze an, ein Zeichen, wie der Unglaube vorrückt. Die Auferstehung erklärt man mit objektiven Visionen. Es ist ja eigentlich eine schlechte Theologie, daß man den lieben Gott Visionen machen läßt, denen nicht die Thatsachen entsprechen. Man macht doch damit den lieben Gott einsach zum falschen Zeugen, der den Die Fehler, die an dir du selbst nicht sehen kannst, Siehst du an Andern. Weißt, was du daran gewannst? Nicht bessern kannst du sie an Andern, doch vielleicht An dir; das ist der Dienst, den dir ein Spiegel reicht. Der Spiegel dient, dir selbst die Flecken zu entdecken; Am Spiegel wische nicht, an dir wisch ab die Flecken Rückert. Kriminal=Novelle aus dem Odenwalde von Georg Glück. (Nachdruck verboten.) Heinz hielt daran fest, sie hätten sich verirrt, während zahlreiche Zeugen diese Verirrung als Auflauerung angaben dritten Verhandlungstage wurde Graf Erbach vernommen. Er spendete dem Verstorbenen alles Lob, schilderte ihn als ein stets treuer Beamter, dessen Tod er sehr bedaure und dessen Person er sehr vermissen werde. Was Heinz anbelangt, so glaube er fest an dessen Schuld, denn„Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen“ Diesen Ausspruch des Grafen schreckte den alten Heinz zusammen, Thränen kamen ihm aus den Augen In schlichter, einfacher Weise verteidigte er sich und seinen Sohn, am Schlusse seiner oft mit Schluchzen und Thränen unterbrochenen Rede verwahrte er sich gegen den Ausspruch des Grafen seinen Sohn habe er gut aufgezogen und er habe doch wohl wenig Anlaß zu dieser Auslassung geboten.“ Der frühere Hauptmann des jungen Heinz stellte dagegen seinem ehemaligen Burschen ein gutes Zeugnis aus, wie erihn oft als ein Vorbild den andern Kameraden gegenüber hingestellt habe und hielt ihn für eine solche That nicht fähig. Der alte Eckert und sein Sohn wurden des öfteren vernommen. Ein Rätsel jedoch blieb, wie das Taschentuch an den Unglücksort gekommen sei, die Au#h der beiden lag auf der Hand, da sie beweisen konnten, daß sie zu dieser Stunde zu Hause waren. So zogen sich die Verhandlungen in die Länge, sodas die festgesetzte Zeit überschritten wurde Auf Antrag des Verteidigers wurde Fräulein AneW. als Zeugin geladen sie Somite jedoch intolge scheer anheit nicht erscheinen Der Gerch lehne den Autag auf Vertagung der Verhandlungen ab, trotz des Widerspruchs des Verteidigers. Die gesamte Presse beschäftigte sich mit dem Prozeß; aber nicht eine Zeitung trat für die Angeklagten ein, im Gegenteil sie verlangten strenge Bestrafung derselben Man war auf den Ausgang der Verhandlungen gespannt. Rechtsanwalt Sch hielt eine seiner glänzendsten Verteidigungsreden umsonst. Die Geschworenen erklärten die An geklagten für schuldig Nach 12tägiger Verhandlung wurde das Urteil verkündigt. Heinz junior wurde zu 10, sein Vater wegen Beihilfe zum Mord zu 5 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der EhrenRechte auf Lebenszeit verurteilt. So war denn ein Prozeß beendet, der die Gemüter seit Wochen in Anspruch nahm und der zwei Menschen für dieses Leben moralisch tot machte Im ganzen Lande wurde das Urteil mit Befriedigung aufgenommen, war doch eine Schuld gesühnt, die ihr Opfer gefordert hatte Nur ein kleiner Teil war dennoch von der Unschuld der beiden überzeugt, aber sie schwiegen dem Urteilsspruch gegenüber Wochen waren seit dem vergangen. Sowohl im Försterhause, wie auch im Bauernhaus in Würzberg waren Voschbonuen Scee #W war nach der Genesung ihrer Tochter nach Erbach hinuntergezogen und hatte dem Nachfolger Wis Platz gemacht Der Graf gab ihr einen schönen WitwenGehalt von annähernd 1000 Mark Frau Heinz mußte ihr ganzes Anwesen verkaufen, um für ihre Kinderschar sorgen zu können Viel Geld blieb nicht übrig nachdenso manche Schuld bezahlt war. Sie geriet in größte Not, es kanen schreckliche Tage für die gebeugte F##u die sich der Graf ihrer endlich erbarte und ihr Beschäftigun auf seinen Gute zugte Fau W lebte nunmehr mit ihrer Tochter in Erbach # war an einem Sountage, ein halbes Jahr nach der B u en e ahren Ann i ie Plötzlich klöpfte es an der Thüre. Auf ihr Herein, trat Herr Lehrer Baumann in die Stube. Sie hieß ihn freundlich willkommen und bat ihn, sich zu setzen. Herr Baumann sprach in rührenden Worten von ihrem heimgegangenen Gemahl, tröstete sie und versprach ihr Unterstützung. „Frau W.,“ sing er nach einer Weile an,„Sie kannten meine Stellung zu ihren Mann; er war mir ein lieber Freund und wie Sie wissen, versprach er mir einst seine Tochter. Der Unglücksfall hat die Sache wieder hinausgeschoben; aber jetzt halte ich es für angezeigt, mir die Freiheit zu nehmen und um Ihre Tochter anzuhalten.“ Er schilderte der äußerst weich gestimmten Frau seine Stelle sein Einkommen und versprach ihr ein treuer Sohn zu werden. Und sehen Sie, ist die Sache einmal soweit, melde ich mich hinweg von dem Orte, der ja für uns alle schmerzliche Erinnerungen birgt. Frau W. hatte gegen den Antrag nichts einzuwenden „Ich war ja stets, seufzte sie„fur den Heinz eingenommen; aber der Schurke hat uns betrogen.“ Lehrer Baumann hatte sein Ziel erreicht, er hatte die Mutter auf seiner Seite die Tochter däuchte ihm nicht schwer zu gewinnen. Er entfernte sich und versprach bald wieder zu kommen. Kaum war er fort, so kam Anna zurück. Die Lust hatte ihr wohlgethan sie sah sehr frisch und blühend aus, wie zu Anfang des Jahres. Frau W. empfing ihre Tochter mit großer Zärtlichtent und seit dem Tode ihres Mannes lächelte sich heute zum erstenmal wieder Anna sah sofort, daß die Mutter etwas Besonderes habe und neugierig erkundigte sie sich nach dem Grunde Als nun Mutter und Tochter sich gegenuber saßen erzählte Frau W von dem Besuche und dem Grund desselben. Auna hörte ruhig u Sie überlegte Plötzlich erhob sie sich und gab ihrer Mutter die klärung ab. Ich werde ihn nehmen. Die Versobung wurde am Sonntag öffentlich bekannt gemacht und rief ein begreifliches Aufsehen hervor Fortsetzungs folgt) Jüngern etwas vorgemacht hat, was nicht der Fall ist. Aber das ist immer noch besser, als die ganze Sache auf Phantasie zu bauen. 1877, als der Sturm gegen das Apostolikum besonders stark war, ereignete sich eine wunderschöne Geschichte mit dem alten Kaiser in Gastein. Wir Hofprediger schrieben damals an die Domgemeinde einen Brief, wo wir auf die eine Seite die Sätze des Apostolikums und auf die andere die entsprechenden Bibelstellen setzten. Bei der kaiserlichen Tafel kam auch der Kampf um das Apostolikum zur Sprache und ein Hofherr meinte, man könne doch nicht alles glauben, was im Apostolikum stehe. Was denn nicht? fragte der Kaiser. Nun, die Höllenfahrt Christi, war die Antwort, von der stände nichts in der Bibel. Das ist nicht richtig! sagte darauf der Kaiser Meine Hosprediger haben in ihrem Briefe zwei Stellen angeführt, worauf die Höllenfahrt beruht. Ich habe sie aufgeschlagen und mich überzeugt. Thun Sie das auch!“ Die Bibel hat immer Recht,“ sagte der Kaiser im weiteren Verlaufe des Gesprächs. Luther war kein Buchstabenmensch; aber sein stärkstes Bekenntnis waren die schmalkaldischen Artikel, die er„die hohen Artikel göttlicher Majestät“ nennt,„von denen man nicht weichen kann". Und es sollte ja eigentlich schon die gesunde Vernunft jedem Menschen sagen, daß eine Gemeinschaft auch gemeinschaftlichen Geist haben muß und daß die welche dieser Gemeinschaft dienen, diesen Gemeinschaftsgeist auch in sich tragen müssen. Man baut doch nicht teure Kirchen, man läutet doch nicht mit den Glocken, man stellt doch nicht Tafeln auf„Schritt fahren", bloß weil der Herr Müller da drinnen sagt, was der Herr Müller denkt— das könnte er ja in jedem an deren Lokale, auch in der Tonhalle besorgen— sondern doch, weil man weiß; dort werden Dinge bezeugt, die von oben kommen, aus dem Munde des lebendigen Gottes, Dinge, die durch eine große gewaltige Geschichte bezeugt werden!— Lassen Sie sich, so schloß Stöcker, durch die ganze thörichte Agitation, die jetzt entwickelt wird, nicht irre machen! Wir wissen ja genau, was das in Berlin für Zwecke hat. Im Herbst sind Kirchenwahlen und da will man die Leute etwas dumm machen und deshalb thut man so, als ob die Geistesfreiheit in Gefahr wäre. Die ist aber gar nicht in Gefahr Die Kirche schließt keinen aus. Ein Prediger, der auf der Kanzel steht und da die Bekenntnisse wahren soll, kann nicht fordern, daß man ihm gestatte, sie anzugreifen, zu lehren was er will. Thut er das, so hat er dann nicht das Recht, ein Amt zu bekleiden!" Stürmischer anhaltender Beifall.) Eine Diskussion wurde nicht gewünscht. Darauf wurde gegen etwa 15 Stimmen(Studenten und einige junge Damen) folgende Erklärung angenommen:„Die am 9. März in der Tonhalle versammelten Männer und Frauen erklären ihren Unwillen über die unwahrhaftige und unevangelische Ausnützung des Falles Weingart. In Uebereinstimmung mit dem Wort des Apostels Paulus, daß„wenn Christus nicht auferstanden ist von den Toten, unser Glaube eitel und die Vergebung der Sünden nichtig ist“ sprechen sie es als ihre Ueberzeugung aus, daß ein evangelischer Geistlicher, der die leibliche Auferstehung Christi als Thatsache leugnet, ein Amt in der evangelischen Kirche nicht beanspruchen darf.“ Darauf erfolgte der Schluß der Versammlung. Berlin, 10. März. Am Tische des Bundesrats: Graf v. Posadowsky, Frhr v. Thielmann, Dr. Burchard, Dr. Köhler, Dr. Koch. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Graf Stolberg(de.), daß er, wenn er##ern anwesend gewesen wäre, bei der Abstimmung über§ 14a des Fleischschaugesetzes mit Ja gestimmt haben würde. Dritte Beratung der Reichsschuldenordnung. In§ 21 wird Grund eines von Mitgliedern aller Parteien gestellten Antrages die Bezugnahme auf§ 800 des Bürgerlichen Gesetzbuchs beseitigt und dadurch für die Schuldverschreibungen und Zinsscheine aus den vor dem 1. Januar 1900 erteilten gesetzlichen Anleiheermächtigungen die durch das Bürgerliche Gesetzbuch für die späteren Anleihen den Gläubigern gewährten günstigeren Fristen eingeführt In dieser Fassung wird das Gesetz, das am Tage der Verkündigung in Kraft tritt, verabschiedet. Hierauf wird die zweite Beratung des Fleischschaugesetzes fortgesetzt. Die§§ 3 bis 7 werden in der Fassung der Kommissionsvorlage nicht beanstandet. Den§ 8 des Regierungsentwurses, der die obligatorische Trichinenschau unter Befreiung der Hausschlachtungen einführen wollte, hat die Kommission insbesondere auf den Einspruch bayerischer und badischer Abgeordneten hin gestrichen. Die Sozial demokraten beantragen die obligatorische Trichinenschau unter Ausdehnung auch auf die Hausschlachtungen. Abg. Wurm(Sozialdem.) spricht zu dem Antrag und beantragt dazu namentliche Abstimmung. Abg. v. Oriola(nat=lib.) führt aus, der sozialdemokratische Antrag bezwecke nur, auch wieder die Hausschlachtung zu erschweren und so den kleinen Bauern gegen das Gesetz unzufrieden zu machen, während die Sozialdemokraten anderseits dem Import von Fleisch die größte Liberalität erwiesen. Präsident Graf Ballestrem teilt mit, daß über den## namentliche Abstimmung beantragt wird. Abg. v. Kliuckowstroem(kons.) führt aus, die Konservativen würden die Arbeiter zumal die ländlichen, über die Taktik der Sozialbemokraten aufklären.(Beifall rechts Lärm und Gelächter links! Abg. Singer(Sozialdem.) führt aus, der Antrag auf namentliche Abstimmung sei nicht aus Gründen der Obstruktion, sondern aus sachlichen Gründen gestellt worden. Wir erklären uns deshalb bereits damit einverstanden, die Abstimmung vorläufig abzusetzen. Präsident Graf Ballestrem bestätigt dies. Abg. Marbe(Centt.) empfiehlt die Streichung des§ 8. Abg. Schrader(Freis. Vg.) erklärt sich für den Antrag Albrecht. Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Köhler erklärt, seitens des Reichsgesundheitsamtes werde nach wie vor ein wesentlicher Wert auf die Trichinenschau gelegt. Der Antrag Albrecht geht allerdings zu weit. Die Regierungsvorlage will ja auch die Schau bei der Hausschlachtung nicht verbieten, sie will sie nur nicht obligatorisch machen, der Landesgesetzgebung überlassen. Es solgen weitere Bemerkungen der Abgg Holtz(Ry. und Müller=Sagan(Freis. Vp.), der energisch sür den Antrag Albrecht Abg Roesicke=Kaiserslautern(fraktionslos) bezeichnet den Entrüstungsrummel gegen das Gesetz als künstliche Mache. Abg. Vielhaben(Antisemit) schließt sich dem an Aba. Nißler(kons. erklärt namens der bayerischen Bauern, mit Freuden es begrüßen zu können, daß die Kommission den§ 8 gestrichen hat. Die Linke ergreife jede Gelegenhei um die kleinen Bauern zu belästigen Redner kenne seit langen Jahren die Verhältmite bei der Hausschlachtung. Bei selbst gezogenen, aut genährten Schweinen seien trichinöse Tiere selten. Glauben Sie nicht, daß der bayerische Bauer soweit zurück sei, daß er sein Vieh unreinlich schlachtet. Nein unsere Bauern sind ebenso reinlich wie Sie.(Stimmische Heiterkeit. Abg. Wurm(Sozialdem.) erklärt, die Sozialdemobraten bezweckten mit dem Antrage durchaus nicht, die Bauern zu schädigen oder unzusrieden zu machen Wir verlangen, daß das ausländische Fleisch eben so behandelt werde bezüglich der Trichinenschau wie das inländische wir wünschen, daß die Kosten der Trichinenschau der Reichskasse auferlegt werden. Wenn Abg. v. Klinckowstroem also behauptet, der Antag Albrecht laufe darauf hinaus, die Bauern unzufrieden zu machen, so sei dies eine objettive Unwahrheit. Da Lügen bekanntich kurze Beine haben, werde ihm niemand im Lande diese Behauptung glauben. (Präsident v. Ballestrem rust den Redner wegen des Ausdruckes Lüge zur Ordnung.) Abg. Wurm fährt fort. Nur durch die Annahme des sozialdemokratischen Antrages ist eine Gewähr geboten, daß die Arbeiter wirtlich unschädliches Fleisch bekämen. Bayern schiene nun auch das Reservatrecht, die Gesundheit zu schädigen haben zu wollen. Abg Schrempf(konfe hehauptet, für die schwäbischen Verhältnise sei die Trichinenschau namentlich bei den Hausschlachtungen, gar nicht durchführbar. Diejenigen, die hier für den Paragraph 8 stimmen sollten verurteilt werden als Trichmnenschauer im Schwarzwald angestellt zu werden.(Sehr richtig rechts. In Betreff der Reinlichtett ist der kleine Mann viel peinlicher als mancher Reiche(Sehr wahr rechts.) Die Fürsorge Wurms für die armen Leute ist beinahe christlich zu nennen, aber nur beinahe(Heiterkeit. Abg. Weißenhagen(Centr. Die Trichmnenbeschau sei einerseits in Bayern undurchführbar, anderseits überstüssig. Die Gefahr sei nhr gering zu verselben stehe die Plackerei in gar keinem Verhaltis Eine Fleischbeschau durch Laien sei nichts wert, durch Tierärzte aber viel zu kostspielig.(Beifall im Centrum.) Abg. Schwarz=München(fraktionslos). So wünschenswert auch allgemein die Rechtseinheit im Reiche sei, gebe es doch Umstände, die eine Durchbrechung dieses Prinzips als notwendig erscheinen lassen. Solche Umstände lägen hier vor. Die Maßregeln zur Bekämpfung der Trichinosis seien der Landesgesetzgebung zu überlassen. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Müller(Sagan) schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen des Abg. v. Klinckowstroemwelcher den Vorwurf, die Sozialdemokratie wolle Obstruktion treiben, zurücknimmt, und der Abgg. Singer(Sozialdem.) und Beckh=Koburg (Freis. Vp.). Der Antrag Albrecht wird gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Es folgt die namentliche Abstimmung über den§#8 der Regierungsvorlage, der mit 165 gegen 66 Stimmen gestrichen wird. Die§§ 9 bis 11 werden angenommen. Zu§ 12 befürwortet Abg. Singer(Sozialdem.) einen Antrag Albrecht, wonach Fleischhändlern und Gastwirten der Vertrieb brauchbar gemachten Fleisches nicht nur mit Genehmigung der Polizeibehörde, wie es die Vorlage will, sondern bloß auf erfolgte Anzeige bei der Polizei zu gestatten sein soll, um Chicanen zu vermeiden. Direktor Köhler empfiehlt die Vorlage. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt und§ 12 angenommen. § 13 der Vorlage, betreffend die Benachrichtigung des Besitzers des Fleisches, wenn die Untersuchung eine erhebliche Herabsetzung des Nahrungswertes ergab, ist von der Kommission gestrichen worden Abg. Stolle(Sozialdem.) befürwortet den Antrag Albrecht auf Wiederherstellung der Vorlage. Abg. v. Klinckowstroem(kons.) will den Paragraph streichen, der übrigens durchaus nicht erheblich sei für den Großgrundbesitz. Nach weiteren Ausführungen wird§ 13 gestrichen und§ 15 unter Ablehnung des Antrages Albrecht in der Kommissionsfassung angenommen, ebenso§ 16. § 17 behandelt die Verwendung von Pferdefleisch Die Vorlage schreibt vor, daß der Vertrieb und die Einfuhr von Pferdefleisch nur unter einer Bezeichnung erfolgen darf, die das Fleisch als Pferdefleisch erkennbar macht. Fleischhändlern und Gastwirten usw wird der Vertrieb und die Verwendung von Pferdefleisch nur mit Genehmigung der Polizeibehörde gestattet. Das Fleisch muß deutlich als Pferdefleisch bezeichnet und darf nicht mit anderem Fleisch in denselben Räumen feilgehalten werden. Der Bundesrat ist ermächtigt, diese Bestimmungen auf Esel, Hunde usw. auszudehnen. Die Kommission läßt die Vorlage im wesentlichen unverändert und verlangt nur beim Vertrieb aus der Einfuhr eine Deklaration in deutscher Sprache. Ein Antrag des Abg. v. Bismarck=Bohlen und Genossen will den Vertrieb von Pferdefleisch bei Gastwirten usw ohne besondere Konzession zulassen und die Vorschrift über das Feilbieten von Pferdefleisch gemeinsam mit anderem Fleisch streichen. Der Antrag Albrecht will an Stelle der polizeilichen Konzession die Anzeigepflicht der Gastwirte setzen. Abg. Langen(kons.) tritt für den Antrag v. Bismarck=Bohlen ein Das Pferdefleisch sei anerkanntermaßen kein minderwertiges Nahrungsmittel. In Paris würden jährlich 29.000 Pferde geschlachtet. Von dem Antrag hätte niemand Schaden, höchstens die Agrarier, da ein vermehrter Konsum von Pferdefleisch bei Abnahme des Vorurteils auf die Rindfleischpreise drücken würde. Direktor Köhler bemerkt, um volle Klarheit zu schaffen, genüge nicht der Aushang von Plakaten usw. sondern es sei die Konzessionspflicht nötig. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt, ebenso der Antrag BismarckBohlen. § 17 wird in der Kommissionsfassung angenommen. § 18 wird debattelos angenommen. Zu§ 19(landesgesetzliche Vorschriften über Schlachthäuser usw. werden aufrechterhalten) macht Abg. Vielhaben(Resormp.) Mitteilungen über Interna der Kommissionsberatungen unter Nennung vom Namen. Präsident v. Ballestrem sordert den Redner auf, den vertraulichen Charakter der Kommissionsberatungen zu wahren. Nach weiteren Bemerkungen wird der Paragraph angenommen, ebenso die weiteren Paragraphen debattelos. Zu§ 24 begründet Abg Vielhaben(bei keiner Fraktion) einen Antrag wird aber in seinen sehr ausführlichen Darlegungen nochmals vom Präsidenten unterbrochen. Der Antrag wird gegen die Stimme Vielhabens abgelehnt. Sodann wird der Rest des Gesetzes debattelos nach Ablehnung eines Antrages Akbrecht zu§ 29 in der Kommissionsfassung genommen. Die von der Kommission beantragte Resolution betreffend Einrichtung von Schlachtviehversicherungen wird angenommen. Nächste Sitzung Montaa 1 Uhr Rechnungssachen Münzgesetz. Abgeordnetenhaus. Berlin, 10. März. Am Ministertisch Studt. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 11¼ Uhr Die zweite Lesung des Kultnsetats wird fortgesetzt beim Kapitel Universitäten Berichterstatter Dr Friedberg inl.) Kapitel 19 Titel4 enthält für Breslau ein Extraordinariat für technische Chemie. Eine Reihe Titel wird genehmigt. Beim Kapitel Höhere Lehranstalten bemerk der Kultusminister folgendes Vier neue Provinzialschultollegien wurden gegründet und eine Anzahl neuer Gymnasten geschaffen Eine Reihe städtischer Gymnasien wurden auf den Staat übernommen. Die Verschiedenheiten in den festen Lehrerzulagen sollen ausgeglichen und die Untersuchung betreffend die Ueberbürdung der Lehrer fortgesetzt werden Im Interesse der Hilfslehrer erfolgte eine Vermehrung der Oberlehrerstellen auch sei eine Erhöhung der Remunerationen der Hilfslehrer beabsichtigt Er habe ein persönliches Interesse am Wohlergehen der Lehrer, möchte indessen auch verlangen, daß diese sich jeden agitatorischen Vorgehens enthalten, wie es der Würde des Standes und den althergebrachten Gepflogenheiten der preußischen Staatsbeamten entspreche. Abg v. Heydebrand(konse begrüßt die Ausführungen des Ministers mit Genugthuung und bespricht die vielfach angeregte Frage der Reform der humanistischen Gymnasien. Er unterschätze die technische Bildung nicht warne aber davor die humanistische Bildung ohne weiteles über Bord zu werfen. Die humanistische Bildung sei ein teueres Gut, das wir nich verkümmern lassen wollen. Der Kultusminister erwidert, er machte es sich von vornherein zur Aufgabe nicht nur das nationale, sondern auch das allgemeine Bildungsinteresse zu berücksichtigen Er revidierte in diesem Sinne verschiedene höhere Lehranstalten und kam dahin, nähere Feststellungen über die Gestaltung des Unterrichts durch eine Enquete vornehmen zu lassen Er könne sich also heute schon auf eine bestimmte Stellungnahme nicht einlassen. Aba Dittrich(Centr.) hält das Ueberwuchern des realistischen Einflusses für eine Gefahr Redner bespricht die Schrödersche Schriftüber die Sterblichkeitsverhältnisse bei den Lehrern, die eine wesentliche Bennruhigung hervorries. Es sei dankbar zu begrüßen, daß die Regierung jenen Ausführungen in der Dentschrift eutgegentrat. Abg. v. d. Borghi(natl.) führt aus. Ich fand noch niemals, daß mir die alte humanistische Bildung irgendwie das Verständnis des praktischen Lebens erschwerte Ministerialdirettor Althoff wendet sich gegen mehrere Auslassungen der Schröderschen Denkschrift. Wenn in der Denkschrift dem Ministerium Auswahl nach der Gesundheit bei der Beförderung der einzelnen Lehrer angeraten wird, so kann das Ministerium darauf nicht eingehen Im übrigen tritt die Sorge des Ministeriums für den Lehrerstand nach außen nicht sehr hervor, ist darum aber nicht minder rege. Dem Lehrerstand schadet nichts so sehr, alss die Befehdung seiner besten Freunde. Abg. Säuger(frs Vrg.) betont die Bedeutung der Reformgymnasien. Er halte indessen ein stuckweises Vorgehen, beispielsweise bei Zulassung von Resormabiturienten nach Ablegung der Lateinprüfung allein zum Studtum der Medizin nicht förderlich. Vom Gymnasium müßten Kinder, denen der Unterricht schwer falle, entfernt werden. Abg. am Zehnhoff(Centr.) führt aus, überall verbreitet sich die Befürchtung, daß das Gymnasium nicht mehr in der Lage ist, allgemeine genügende Vorbildung mit auf den Weg zu geben. Gründliches Wissen ist Hauptsache, deshalb müssen die humanistischen Gymnasten von allem nicht notwendigen Beiwerk entlastet werden dafür müssen aber mehr lateinlose Schulen geschaffen werden. Abg. Lotichius(nat=lib.) spricht sich gleichfalls für die humanistische Richtung der Gymnasien aus, wünscht aber auch, daß die Reformgymnasien zu einem günstigen Resultate führen mögen. Hinsichtlich des Titels mögen sich die Lehrer selbst über einen solchen einigen Abg. Rickert(fr. Vag.) ist der Ansicht, daß dasjenige, was gut an den Gymnasien sei, konserviert werden müsse. Redner betont die Wichtigkeit der Volksschule als Vorschule, kommt auf die Frauenbewegung zu sprechen und erklärt, die Frauen hätten ein Recht auf bessere Ausbildung. Wenn man den Mädchen das Eindringen in die Knabengymnasien verwehre, so müsse man ihnen eigene Gymnasien schaffen. Daher sei zu verstehen, wenn die Stadt Köln sich bei Ablehnung der Forderung nach einem Mädchengymnasium nicht beruhigen wolle. Er hoffe, daß der Minister die Forderung bewillige. Der Kultusminister erwidert, mit der Ablehnung der Kölner Petition habe er nicht die Absicht kundgegeben, solche Forderungen dauernd abzulehnen Die Frauenbewegung sei eine ernste Frage. Er könne nur erklären, daß er unter Berücksichtigung der deutschen Eigenart keine anderen Wege gehen werde, als die welche die Unterrichtsverwaltung bisher gegangen sei. Abg. Schmitz(Centr.) meint, für die Lehrer sei bereits so viel geschehen, trotzdem kehre in jedem Jahre der Ruf nach„Mehr wieder. Redner findet den Titel„Oberlehrer“ viel schöner als den Titel Professor. Die Agitation welche von den Lehrern selbst ausgehe, sei zu bedauern allerdings treffe der Vorwurf nur einen kleinen Teil der Lehrer. Abg. Schaube(srk.) verurteilt die Agitationsart Schröders mit der Mehrheit des Hauses, das enthebe aber die Regierung nicht der Pflicht, die Verhältnisse genau zu prüfen. Abg Metger(nl.) hält die Okthographie des Bürgerlichen Gesetzbuches für empfehlenswert, nur sie werde im Stande sein, der jetzigen Verwirrung auf dem Gebiete der Orthographie ein Ende zu machen. Ministerialdirektor Althoff erwidert, die Frage der Orthographie sei einer Kommission überwiesen worden. Redner bespricht die Ausstellungs= und Gehaltsverhältnisse der Oberlehrer. Die Weiterberatung des Kultusetats findet Montag 11 Uhr statt. Schluß 4¾ Uhr. Frage: Wer fertigt Formen zum Gießen von Zinnfiguren an? Vielleicht kann ein freundlicher Leser Auskunft geben. D D. Geisweid Einer besonderen Legitimation bedarf es nicht; wir glauben Ihnen, daß Sie Abonnent sind. Karten können in etwa 10 Tagen bei uns abgeholt werden. G. B. 16. Betrag ist angekommen Karten erhalten Sie sogleich nach Eintreffen. Sch. in S. Auf die letzte Klage folgende Heilung der Schuppenflechte das alte Uebel tauchte wieder auf nach Genuß von vielem Fleisch und Milch und steigerte sich durch China=Eisen=Wein zu einer schmerzhaften Hautentzündung: Vollbad 2 Stunden lang, danach kühl abwaschen, erst täglich, dann wöchentlich, monatlich Kost vegetabilisch täglich nur einmal Braten, Eier, Obst nichts Gesalzenes, kräftige Kost. O Siegen, 12. Lostales. März. Ein genußreicher Abend wurde eine gestern wiederum den Mitgliedern des evangelischen Gesellenvereins geboten. Die Anwesenden unternahmen im Geiste eine Fahrt längs der Meeresküste Englands und Schottlands und besuchten die interessantesten Punkte. Die Reise wurde in etwa 80 Bildern mittels des Skioptikons dargestellt und die einzelnen Photogramme von dem Vorsitzenden Herrn Pastor Vorlaender an der Hand eines Reisehandbuches erläutert Unter dem lebhaften Beifall der Versammlung machte Herr Pastor Vorlaender am Schluß noch auf die Notwendigkeit einer starken Flotte und die Bestrebungen des deutschen Flottenvereins aufmerksam was zur Folge hatte, daß eine Anzahl Mitglieder des Gesellenvereins, soweit dieselben noch nicht Mitglieder des deutschen Flottenvereins sind sich in die Liste dieses letzteren Vereins eintragen ließen. Netphen, 12. Marz In diesem Monat sind es 25 Jahre her, daß Herr Lederfabrikant August Hüttenhain Amtsbeigeordneter des Antes Netphen wurde. Er hat während dieser Zeit seine ganze Kraft in den Dienst des Amtes und der Eingesessenen gestellt. Dabei vertrat er nach jeder Seite und zwar mit Energie die Wahrheit und dieses machte ihn in den Augen aller rechtlich Gesinnten zu einem Ehrenmann in des Wortes vollster Bedeutung. Wenn Herr Hüttenhain, der auch durch seine übrigen Ehrenämter wefentlich in Anspruch genommen wurde in seiner Bescheidenheit keinen Auspruch auf Dank macht, so soll doch an dieser Stelle seiner gesegneten Thätigkeit mit dem Wunsche gedacht werden er möge dem Amte Netphen noch lange erhalten bleiben. Littfeld, 12. März. Auf Grube Viktoria bei Littfeld ereignete sich, wie uns mitgeteilt wird, am Samstag ein Unglücksfall wobei der Bergmann Hackler aus Feudingen unehe Ghas en 5. Evangelischer Bund, Zweigverein Berlin. Evangelische Volksversammlung am Mittwoch, den— Mär 1900, abends 8 Uhr, im Kaisersaal von Buggenhagen S. Moritzplatz Tages=Ordnung 1. Der Fortgang der evangelischen Bewegung in Oesterreich auf Grund eigener Anschauung Reserent: Der aus Oesterreich ausgewiesene Pfarrvikar Lemmer, bisher in Langenau in Böhmen, 2. Allerlei Romfahrten Prediger Professor O. Scholz. Der Eintritt ist frei. Alle evangelischen Mitbürger namentlich aus dem Süden Berlins sind zu dieser Versammlung eingeladen Die Mitglieder des Bundes werden um zahlreiche Beteiligung gebeten. Der Vorstand. I. A.: GymnasialOberlehrer Schmidt, S. Panufer 89. Schluß des redaktionellen Teils. billige wie wohlschmeckende da sind zunächst Maggi's zur sofortigen Herstellung dienen. Jede Kapsel entFür die Schriftteitung##ch O. Beckmann.— Unterhaltungsteil: Dr. Burckhardt=Godesberg.— Anzeigen: Echr. Schl“ schen Verlagsanstatt, E. G. m. b. H., Siegen, Sandstr. 18. Gemeinnützige Industrie. 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Als zweite Neuheit finden wir Maggis Gemüse= und Kraftsuppen in Würfeln: Jedermann kann sich in wenigen Minuten für 10 P zwei Teller vorzüglicher Suppe einfach mit Wasser herstellen Durch 25 verschiedene Sorten ist auch dem Wunsche nach Abwechslung Rechnung getragen Mit ihrer dritten Neuheit Maggis lösl. Frühstucks=Suppen in Würfeln, bietet die Maggi=Gesellschaft der Hausfrau wie dem Junggesellen die Möglichkeit, zu dem billigen Preise von 5 Pfg ein ausgezeichnetes besonders nahrhaftes Kakgo=Frühstück zu bereiten Was aber die sämtlichen Maggi=Produkte am meisten auszeichnet, ist neben der vorzüglichen Qualität und dem billigen Preis deren rasche praktische Verwendungsweise. So entsprechen dieselben recht eigentlich dem heutigen Zeitgeist,— deshalb gehört ihnen auch die Zukunft