Nr. 39. Siegen, Freitag, den 16. Februar 1900. 12. Jahrgang. 85 Die Zeitung„Das Volk“ erscheint an jedem Wochentage avends. Bestellungen sind bei dem bucknrechenden Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzuabingen WBestellingent iie außen der. Poste die Geschsfsteles entaegen Weis für die Stadtabonnenten M. 1.25 ftrei ins Haus. 40 Pf, meyr, sütr alle Wostabonnenten M. 1.35 frei us Haus=40 Pie meche Pagen: Schriftleitung und Geschäftestelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Berlin: Agentur: NW Klopstockstraße 7. (D. v. Oertzen.) Durch die Zeitung„Das Volk“ finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen les hanen Reicheh, Preis den Sgepalegen Provinzen Rheinland und Wesfioken,„Helsepesgge###### Sete herzoatum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Auftrage sind gesäiligst der Geschäftstelle, oder duch em Ainzeigen=Ver mittelungs=Geschäft zu berg: Wilh. Bestellugen auf die Zeitung,„Bos, Boltuiotzis goppezhengpehu, eitzehen, uene daitz Gseagensangng Treiden. Geiszweld: Wiüh, Schell, Weldenatk,lchsenghn, Hederhandlung.—, Willenburg:, Carl Fr. Hedkautp, Ind. Geora, Pllel, Sachngenn Keiern, At FTüit das obers Gosenbacherstr. 10. Aus dem Großherzogtum Hessen. Die„Wormser Zeitung" bringt unterm 17. Januar d. I. NüRü BAue aup an cde un. he chee erste Ausstellung des Verbandes rheinhessischer und Vogelschutzvereine und zugleich die zehnte Geflügel= und Vogelausstellung statt, womit eine große Verlosung von Gesütgech berbanden it. Das Greghihetzshlshe, Mihtisheshere erlaubt, daß hierzu 12.000 Lose 2l ssgegegen werden dürfen und 60 Prozent des Lotterieerlöses aus dem Wersianst ei.=Aose uune Pkash der Gennebeiweiiek wehen. u. s. w Wir bemerken, daß der 8. April der Palmsonntag ist, der im Größherzogtum Hessen seit 1771, also seit beinahe 130 Jahren als der allgemeine Buß= und Rettag gefeiert wird. Eine Erläuterung zu dieser erschütternden Gegenüberstellung: Buß= und Bettag und Eröffnung einer Geflügelausstellung ist eigentlich kaum nötig, man sollte es wenigstens glauben. Aber die Thatsachen reden lauter. Diese unglaublich klingende Sache die bereits in Hessen anfängt, Entrüstung hervorzurufen verdient, der weiteren deutschen Oeffentlichkeit,vorgelegt zu werden Man fragt sich: Darf man es einem sich christlich nennenden Volke schon bieten, daß an einem seiner ernstesten religiösen tage eine Geflügelausstellung eröffnet wird? Kämpft eine Obrigkeit die das erlaubt, auch für„Religion, Sitte und Ordnung Hat weder das zuständige Kreisamt Wonmns noch das Ministerium in Darmstadt dafür ein Gefuhl, daß solche Dinge von allen kirchlich= und religiösfühlenden Kreisen des Volkes als ein Faustschlag ins Gesicht empfunden werden? Hoffentlich wird in dieser Sache auf der demnächst tagenden Landessynode von unabhängigen Abgeordneten ein kräftiges Wort geredet, das nach oben hin nicht des Wprechenden Wderhalls eumangein müchhe S. 18 Der Krieg in Südafrika. Das englische Kriegsamt ist in der letzten Zeit sooftin der Oeffentlichkeit genannt worden, daß eine kurze Beantwortung der Frage, welche Personen von Fleisch und Blut sich eigentlich hinter dieser juristischen Person verbergen von allgemeinem Interesse sein dürfte. Der gegenwärtige Staatssekretär für den Krieg ist Marquis von Lansdowue. Er steht an der Spitze der Armeeverwaltung und ist, da er niemals dem Militärstande angehört hat, in allen militärischen Fragen auf den Rat anderer angewiesen. Marquis von Lansdowne wurde im Jahre 1845 geboren. Er bezieht ein Jahresgehalt von Lstrl. 5000(Mr. 100000). Der parlamentarische Unterstaats sekretär für den Krieg ist Mr. G. Wyndham. Er ist Ab geordneter für Dover und diente 1885 als Leutnant im Sudan Weiter gebracht hat er es nicht. Er wurde 1863 geboren. Sein Jahresgehalt beträgt Lstr. 1500. Der Finanzsekretär des Kriegsamtes ist der 60jährige Mr. Powell Williams, Abgeordneter für Birmingham, Zivilist. Er bezieht Lstr. 1500 jährlich. Der 64 jährige Sir Ralph Knox ist ständiger Unterstaatssekretär des Krieges. Er bezieht als solcher einen Gehalt von Lstr 2000 jährlich. Der 6rjährige Lord Wolseley ist Generalkommandant. Von ihm gehen nur die Armeeverordnaen und Ernennungen im Heere aus.#### hat ein einkommen von Lstr 4500. Generalmajor Sir. dagh der im 60 Lebensjahre steht, ist Generaldirektor des Militärfonds. Er bezieht Lstr. 1500 jährlich General Sir H. Harrison(geboren 1837 Gehalt Lstr 2100) ist Generalinspektor der militärtechnischen Abteilung des Ministeriums. Ihm unterstehen 10 Oberste Generg Sir H. Brackenbury (geboren 1837 Gehalt Lstr. 2100) steht an der Spitze des Militärdepots. Die Körperschaft die unter dem Namen Armeeverwaltung(Army Board) bekannt ist, besteht aus dem Generalkommandanten und den Häuptern der einzelnen Departements und hat sich mit militärischen Fragen zu bewerden. Der veralenden Korperschndes#ngm (War- Office Consultative Couneih) gehören außer dem Staat sekretär Lansdowne der Unterstaatssekretät, der Finanzsekretär und die Chefs der einzelnen Departements an. Diese Körperschaft wird übrigens nur bei besonderen Anlässen einberufen Dem Landesverteidigungskomitee das nur in Kriegszeiten zusammentritt und aus Mitgliedern des Ministerinms zusammengesetzt ist, gehören Lord Salisbury Mr. Balfour der Herzog von Devonshire, Lord Lansdohne und Mr. Goschen an. Da seit einigen Tagen die Nachrichten vom Kriegsschauplatze einer verschärften Zensur unterworfen werden so sind bis auf weiteres alle einlaufenden Meldungen mit besonderer Vorsicht zu genießen Etwas sonderba##lingt folgende Debesche aus Brüssel, datiert vom 14. Februar In einem brieflichen Bericht des Petit Bleu aus Pretoria wird versichert, daß in den letzten Tagen des Dezember 2000 englische Soldaten an den Ufern des Moputaflusses an der Grenze zwischen Swasiland und dem portugiesischen Gebiet angekommen seien Sie sollen sich während des Rückzuges von Dundee(22. Oktober) von den Truppen Whites gerrennt haben und wochenlang im Zululande umhergeiert sein Sie seien ohne Stiefel und stark ausgehungert auf vortugtesischem Gebiete angelangt, wo sie entwaffnet wurden Man nahm bisher an, daß diese 2000 Engländer mit General White in Ladymith eingeschlossen seien“ Abgesehen davon, daß sich bis jetzt die von Brüssel aus verbreiteten Nachrichten selten bestätigt haben erscheint es auch sehr unwahrscheinlich, daß sich 2000 englische Soldaten unbemerkt an 3½ Monat im Land umhertreiben können.— Die Londoner Pall Mall Gazette veröffentlicht folgende, in Gaberones am 2. d. M. aufgegebene Meldung aus Mafeking ohne Datumangabe: Baden=Powell erhielt von Roberts eine Mitteilung in der ihm versprochen wird, daß ihm in wenigen Wochen Hilfe gesandt werden würde. Die in Mafeking werden ausreichen. Die Buren haben die Absicht kundjegeben, die Garnison nicht durch Kampf, sondern durch Auszungern zur Uebergabe zu zwingen. Das Reutersche Bureau meldet aus Rensburg vom 14. Februar: Die der englischen Truppen aus ihren Stellungen einschließlich des Coleskop nach westlich gelegenen Positionen wurde nötig, da sich herausstellte, daß auf dem Bastardsnek, der das ganze Gelände in der Runde beherrscht, eine starke Burenstreitmacht mit einem schweren Geschütz stand.— In Aldershot sind am Dienstag für die achte Division Befehle eingegangen dieselbe mit der für Südafrika bestimmten Kleidung und Ausrüstun zu versehen.— In Woolwich sind Befehle eingetroffen, nac Afrika mehrere Batterien Maxim= und Nordenfeldtgeschütze zu entsenden.— Die Lage in Kimverrey soll nachgerade eimne vollständig unerträgliche geworden sein. Die Bevölkerung besteht aus 14,000 Weißen und 19,000 Farbigen. Auf je 1000 der ersteren kamen im Dezember 60 durch Epidemie veranlaßte Todesfälle. Von den Farbigen starben 138 vom 1000. In jenem Monate wurden für Erwachsene nur noch täglich ein Viertel Pfund Fleisch ausgegeben, das noch dazu zum größten Teile aus Pferdefleisch bestand, und gegenwärtig dürfte man auch diese geringfügige Menge nicht einmal mehr zu verteilen vermögen. London, 13. Febr. Einem Telegramm der Daily Mail aus Rensburg zufolge ist der englische Rückzug auf einen schwereren Kampf zurückzuführen, als man anfangs glaubte. Die Verluste auf beiden Seiten sind groß. Es ist zweifelhaft, ob die Engländer Rensburg ecte 18. Sehee i aner Bchien sich gsten der estische Dampfer Mount Libanon ein, um 700 ungarische Pferde für England nach Südafrika zu befördern. Im Laufe dieses Monats werden vier weitere englische Dampfer behufs Verladung von 3000 ungarischen Pferden in Fiume eintreffen. Siegen den 15. Februar. — Zu der Angelegenheit Hahn Szmula schreibt die Der. Versuche eines., Albgeordneten, hüf die Abstimstung einer anderen Fraktion einzuwirken, ist nur dann nicht als Privatsache anzusehen wenn dieser Abgeordnete entweder bei seinen Parteigenossen ein außergewöhnliches Maß von Ansehen genießt oder doch in deren Auftrage haudelt. Ist beides nicht der Fall so kommen seine politischen mutungen vom politischen Standpunkte gar nicht in Betracht, und es ist ein Beweis von sehr mangelhaftem Urteil, wenn man glaubt, derartiges zur Kenntnis der Fraktion bringen zu müssen, wie es der Abgeordnete Szmula gethan. Der Abg. Dr. Hahn gehört eben keiner Fraktion des Reichstages an und vermag deshalb weder außerordentlichen Einfluß in Anspruch zu nehmen, noch im Auftrage irgend einer Partei zu Sice derseibene Brnichelegencheitc emneldersheite die Hertns Haht nahestehende„Deutsche Tagesztg." Die Angelegenheit Szmula=Hahn ist durch Austausch gegenseitiger Erklärungen erledigt. — Ausweisung eines evangelischen Pfarrvikars aus Oesterreich. In unterer Mittwoch=Nummer konnten wir berichten, daß sich das Gerücht über die Ausweisung des Herrn Vikars Klein in Turn bei Teplitz erfreulicherweise nicht bestätige. Jetzt ist der„Voss. Zig folgende Meldung aus Wien zugegangen„Die böhmische Statthalterei hat der Einsprache des evangelischen Pfarrvikars Karl Lemmer aus Deutschland, gegen das Erkenntnis, womit er aus Oesterreich ausgewiesen wurde, keine Folge gegeben eine Berufung dagegen wurde ihm nicht gestattet, und er hat im Auftrag der politischen Behörde das österreichische Gebiet sofort zu verlassen. Lemmer der zuletzt in Nieder=Langenau wohnte, war für die Uebertrittsbewegung namentlich im Bezirke Hohenelbe thätig. Wie die„##brsch Rundsch. meldet, sollen nun an Lemmers Stelle zwei neue Vikare treten. Wahrscheinlich erfolgte die Ausweisung Lemmers aus demselben Grunde wie diejenige des Herrn Pfarrers Everling aus Krefeld der bekanntlich zur„Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ausgewiesen wurde Uebrigens sind in Haida am Sonntag fünf erwachsene Personen zum Protestantismus — Mahmud Pascha, der durchgebrannte Schwager des Sultans soll sich nach Blättermeldungen mit der Absicht tragen, nach Konstantinopel zurück zu kehren. Wie von verschiedenen Seiten übereinstimmend berichtet wird, fanden seine bekannten Geldforderungen beim Sultan kein Gehör. Er sah deshalb ein daß sein weiterer Aufenthalt im Ausland un sein Schimpfen auf den Sultan zwecklos sei. Der Schein eines politischen Märtyrers den er sich zu geben versuchte ist damit gründlich vernichtet. — Die Rentabilität des deutschen Eichenschälwaldes geht von Jahr zu Jahr zurück und unsere Schälwaldbauern gey trüben Zeiten entgegen, wenn nicht die von uns stets vertretene Forderung eines angemessenen Zolles auf Quebracho zur Durchführung kommt Der„Staatsbürger Zeitung wird aus Süddeutschland zur Schälwaldfrage folgendes geschrieben Unter welch bittere: Not die deutschen Schältpaldbauern leiden, weiß nachgerade jeder Mensch und wenn manche Zeitungen und Parteien diesen Notstand zu leugnen suchen, thun sie das eben im Interesse der Großgerbereien und der jüdischen Großfinanz. Daß sich aber ein deutscher findet, der gegen einen Schutz des Schälwaldbetriebes durch Schutzölle eintritt, hätten wir nicht für möglich geyalten, wenn dies nicht die„Frankfurter Zta.“ in N. 10. Februar mit großer Befriedigung konstatierte. Jentsch heißt der Mann, der unter Zuhilfenahme von geschickter Zahlengenrppietung in einem unter obigem Titel in den Jahrbüchern für National=Oekonomie und Statistik" veröffentlichten Aussatz zu dem Resultat kommt, auf ausländische Rinden und auf das Quebrachoholz könne nur wenig und nur vorübergehend nützen. Zum Teile seien die Schälwaldbesitzer an ihren Rückschritten durch hafte Wirtschaft selbst schuld. Jo, Herr Porstmester Jentisch beweist sogar, daß der Reinertrag der Schlwpaldungen, im Vergleiche mit dem Hochwalde, auch bei den vreisen noch zu hoch sei, notabene„bei guter Wirtschaft und auf guten Bödens. Als Rezehr zur witklchen Gesundung verdauernde Beseitigung des Notstande im Schälwalde kann demselben Weg kommen, indem seine Besitzer entschlossen an ihm unretbar krank ist, das Gesugdheitsfähige aus eigener Kraft durch sachgemäße und sorgfältige Behandlung des Waldes und seines Produktes kräftigen und die Verwertung der Rinde in Bahnen leiten, wie sie das moderne Verkehrsleben unweigerlich fordert.“ Nun weiß der arme Schälwaldbauer im Odenwald, im Siegerland, oder in der Eifel doch endlich, wo er anzupacken hat um in die Forstmeister Jentsch möge nun noch einen zweiten Aufsatz veröffentlichen, worin er seinen Patienten miteilt, wo sie den guten Booen für ihren Wald und die Mittel zum rationelleren Betrieb hernehmen sollen, nachdem sie der Staat durch Laissez allers zu Grunde gerichtet=hatz## Soweit das obengenannte Blatt. Leider ist Herr Forstmeister Jentsch nicht der einzige Forstmann, der sich von der Einführung eines Zolles auf ausländische Gerbstoffe keinen fü die Schälwaldbesitzer verspricht. Wir hatten kürzlich Gelegenheit einer Versammlung beizuwohnen, in der sich ein höherer Forstbeamter dahin aussprach, daß die sogenannten Schnellgerbereien nach Einführung eines Zolles auf ausländische Gerbstoffe einfach dazu übergehen würden, iyr Leder auf chemischem Wege zu gerben. Die chemischen Mittel seien allerdings noch nicht erfunden, aber nach Quebrachozolles würde man sich sofort an die„Erfindung begehen. Wie Möglichteit, dieser Annähme solls gewiß nicht bestritten werden, aber vorerst sind wir noch nicht soweit und deshalb sollten gerade die Forstmänner für die Einführung eines Zolles eintreten. Die Schälwaldbauern gehen sonst zu Grunde. (Von unserer Agentur.) Berlin, 14. Febr. Der Reichstag hat gestern den Etat der Schutzgebiete in Angriste genemgg# größten Teil erledigt. Auf Anregung des Abg. Richter schied man die sämtlichen auf Eisenbahnbauten in Deutsch=Ostafrita und Deutsch= Südwestafrika bezüglichen Etatspositionen aus, und behielt diese für eine besondere Debatte vor. In der Debatte kamen grundsätzliche und praktische Fragen zur Erörterung Die erste grundsätzliche Frage war die, ob Unterbeamte Christen sein müßten, oder auch Mohamedaner sein dürften. Die Kommission wünscht, daß die Unterbeamten aus der eingeborenen christlichen Bevölkerung entnommen werden sollen. Im Zusammenhang damit soll das Schulwesen in Ostafrika dahin reformiert werden, daß auf das#aldige Verschwinden der religionslosen Schulen hingearbeitet wird und daß an ihre Stelle staatlich unterstützte Missionsschulen treten. Diese Resolutionen wurden auch von einer aus dem Centrum und der Rechten bestehenden Mehrheit angenommen. Kolonialdirektor v. Buchka war grundsätzlich einverstanden, sah nur jerigkeiten der Praxis, die einstweilen schwer zu überm sein würden. Beim Etat für das südwestafrikanische Schutzgebiet hielt dann, wie immer beim Kolonialetat, der alte phartscäische Schwätzer Bebel wieder ein Mal den Augenlick aekomehte, wod. er. die Sitlichteit des, Heutschen Reiches retten müsse. Die Sittlichkeit seiner Parteigenossen zu retten und den dicken Schmutz um sich her auszukehren, hat Herr Bebel gar keine Eile. Wenn es aber Mitglieder der besitzenden Klassen zu enthüllen“ giebt, dann ist er auf dem Posten, und in Bezugs auf die Zuverlässigkeit seiner Infor: mationen keineswegs peinlich Gestern begann er Frage ob dem Kolonialdirektor bekannt sei, daß in Ostafrika ein Leutnant habe und sei. Da cirr Geveleweverchen Rumen un irgend einen Thatbestand anzuführen wußte und da man von der ganzen Sache bisher nie etwas gehört hat, blieb nur die Annahme bestehen, daß es sich hier wieder um em Bebelsches Phantasiestück handelt, nach Art der Geschichte mit dem brief mit dem Unterschiede, daß die Geschichte diesmal einen weniger bösartigen Hintergrund hat, als damals Herr von Buchka begnügte sich zunächst zu erwidern, daß ihm davon bekannt sei, erst im Verlauf der Beratung erklärte er, daß die Verurteilung eines Leutnants in Ostafrika nicht er ist. Der ganze Kolonialetat wäre nun wohl in Bausch und Bogen gestern abgethan worden, wenn nicht der Fall des Prinzen Prosper Arenbera beim Etat von Südwestafrika, ebenfalls von Bebel, zur Sprache gebracht wäre, der dann Anlaß gab, auf den Fall Peters zurückzukommen. Kolonialdirektor von Buchka gab Bebel zu, daß es sich, wenn die Zeitungsberichte genau seien, um eine That handeln würde, gegen welche sich jedes menschliche Gefühl empören müsse. Zu seinem Bedauern könne er aber zur Zeit über die Sache nichts mitteilen, weil dieselbe sich noch im Stadium der Untersuchung befinde. Das Verfahren werde ohne Ansehen der Person geführt. Erst nachdem Prinz Arenberg der Schutztruppe überwiesen worden, habe sich herausgestellt, daß er wegen Meißhandlung in seiner früheren Stellung zu zehn Tagen Stubenarrest verurteilt worden sei. Er bitte, den Fall nicht zu verallgemeinern. Es handele sich um eine Ausnahme Was an ihm liege, werde geschehen, um ähnliche Vorkommnisse zu verhindern, namentlich durch sorgfältigste Auswahl der Personen, Aba. Bebel sprach die Befürchtung aus, daß den Uebelthäter trotz des vorliegenden wohlüberlegten Mordes wohl nur eine geringe Strafe treffen und daß er nach wenigen Monaten begnadigt werde. Abg. v. Kardorff führte hierauf gegen Bebel den Fall Peters ins Treffen. Dr. Peters sei ein gewaltiger, von Bebel verleumdeter Mann(Lachen bei den Sozialdemokraten) der mehr wert sei, als alle Sozialdemokraten zusammen.(Große Heiterkeit.) Bebel erwiderte, daß Dr. Peters der Brutalität und Gemeinheit gerichtlich überführt sei. Wer ihn dennoch verteidige, müsse verlernt haben, schamrot zu werden. Letztere Aeußerung wurde durch den Präsidenten mit einem Ordnungsruf gerügt. Die Spezialetats für Ostafrika, Kamernn, Togo, Südwestafrika, Neuguinea, sowie für die Karolinen= Marianenund Palau=Inseln wurden mit dem oben erwähnten Vorbehalte durchweg nach den Anträgen der Butgetkommission erledigt. Das Abgeordnetenhaus begann gestern die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Im Vordergrunde der Besprechung stand die Frage der besseren Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten, die vom Abg. Frhrn. v. Zedlitz(st.) angeregt wurde. Dieser hielt ferner eine Teilung des Regierungsbezirks Potsdam zur Neuregelung der Verwaltungsverhältnisse von Berlin und Umgebung für weniger zweckmäßig als die Schaffung eines besonderen Oberpräsidiums für Berlin. Minister des Innern v. Rheinbaben erklärte, daß eine organische Regelung der Verhältnisse in und um Berlin nur durch Schaffung eines besonderen Oberpräsidiums für Berlin werde erreicht werden können. Die Selbstverwaltung solle Berlin dabei in keiner Weise genommen werden. Der Minister erkannte ferner an daß die jetzige Vorbildung der Verwaltungsbeamten unbefriedigend und nicht zweckmäßig sei. Doch sei die Frage nicht leicht zu entscheiden, in welcher Richtung hier Wandlung geschaffen werden könne. Die Regierung befrage augenblicklich die sachverständigsten Instanzen die Oberpräsidien, und werde s. Z. dem Hause von dem Ergebnis Mitteilung machen Auf eine Anregung des Abg. Kreitling(ir. Vp.), der das neue Oberpräsidium für Berlin eine„Präfektur im schönsten Sinne des Wortes“ nannte, erklärte der Minister schließlich, daß das Oberpräsidium nicht mit dem Polizeipräsidium von Berlin vereinigt werden sollte, sondern beide Behörden nebeneinander gedacht seien. Abg. v. Jazdzewski regte durch Vorbringung von Beschwerden seitens der Polen eine Polendebatte an. Der Minister des Innern trat den Ausführungen in energischer Weise entgegen. Zur Sache Samula=Hahn wird gemeldet, daß Herr Hahn den Abgeordneten Szmulg auf Pistolen habe fordern lassen. Ob sie ihre Meinungsverschiedenheit mit Pistolen ausfechten werden oder nicht, wird an dem Urteil über die Sache wenig ändern. In der Sache aber haben beide Unrecht:#err Hahn darin, daß er mit einem politischen Gegner recht unvorsichtig geschwatz, Herr Szmula darin, daß er aus der Mücke einen Elefanten gemacht hat, und endlich auch noch Herr von Wangenheim, indem er in mindestens zweifelhafter Sache ein Dementi von unerhörter Deutlichkeit formulierte das nur mit großer Vorsicht des Ausdrucks am Platz gewesen wäre. Am schlimmsten freilich treiben es die Liberalen, wenn sie den Dr. Diedrich Hahn sortwährend den Konservativen an die Rockschöße hängen während Dr. Hahn der nationalliberalen Partei seit langen Jahren angehört hat. Von großer Bedeutung ist das Ganze nicht. Es handelt sich um eines der tausend Mißverständnisse, wie sie so oft im Leben vorkommen. Im Kaiserhof feierten gestern die Steuer und Wirtschaftsreformer die eigentlichen alten„Agrarier ihr 25jähriges Jubiläum. Diese Vereinigung von dem geistvollen M. A. Niendorff ins Leben gerufen hat zeitweilig große Bedentung gehabt, und der Gesetzgebung viele wertvolle Anregungen gegeben Neuerdings hat sie vor dem Bunde der Landwirte zurücktreten müssen. Db dieser Tausch der Landwirtschaft zum Nutzen ausgeschlagen ist, kann zweifelhaft sein An Lebhaftigkeit der Agitatton ist der Bund ja ohne Zweisel den alten Reformern über Aber im Punkte der Besonnenheit und ruhigen Ueberlegung, nur seste ausgereiste Pläne an die große Oessentlichtei zu bringen, werden auch hier wohl die Alten einen gewissen Vorsyrung vor den Jungen behalten. Berlin, 14. Febr Ein polizeilicher Bericht über den von uns in der heutigen Beilage gemeldeten Gattenmordversuch in der Oderbergerstraße kautet: Der Telegraphenleitungsgusseher Neumann, der am Montag nachmittag seiner Frau zwei Beilhiebe auf den Kopf versetzte, hai mit seiner Frau ausgenommen geringfügige Streitigkeiten in getem Einvernehmen gelebt. Am Samstag besuichten sie gemeinsam einen Maskenball, der erst um 6 Uhr morgens beendet war und beide haben dann gemeinschaftlich bis abends gegen 12 Uhr in verschiedenen Lokalen sich ausgehalten und getrunken Er glaubt wahrgenommen zu haben, daß seine Frau mehrmals fremde Herren angesehen habe und dann herausgegangen sei. Sie sei aber jedesmal nach 16— 15 Minuten wieder im Lokal erschienen. Nach der Rückkehr in die Wohnung habe er bis Montag früh 6 Uhr geschlafen. Er habe seiner Frau erllärt, er wünsche sie nach seiner Rückehr nicht mehr in der Wohnung zu finden. Als er mittags zurückkam stand die Frau am Feuerherd und machte Feuer an. Nach einem Wortwechse habe er sie am Arm ergriffen, um sie aus der Wohnung zu werfen. Als sie sich heftig sträubte sei unglücklicherweise sein Blick auf das Beil gesallen Er habe es ergriffen und der Frau zwei Schläge versetzt. Als sie hinstürzte habe er nicht weiter geschlagen Vor allen Dingen sei er nicht in der Absicht nach Hause zumilgekehrt, um seine Frau zu töten. Nur der zufällige Umstand, daß er in seiner Erregung das Beil bemerkte, habe ihn zu der That gebrach. Lichtlose Wagen der Großen Merliner Straßenbahn kann man jetzt allabendlich durch die Straßen fahren sehen. Die Beleuchtungsanlagen der Akkumuatorenwagen erhalten ihre Krast nicht von der Oberleitung sondern aus den Akkumulatoren und die Drahtverbindungen sind zum größten Teil schon stark abgenutzt Sobald die Glühlampen eingeschalter werden brennt die Verbindung durch, und ohne Beleuchtung des Innenwagens und ohne Signallicht durchstreifen die Wagen die Straßen Verlius. Die lichtlosen Wagen werden eine bedeuende Gefahr für den Verkehr, da sie in dunkleren Straßenzügen gespensterhaft und ungetlmgleich plötzlich aus dem Dunkel heivortauchen Die Notlampen, die sich in jedem Wagen befinden, sind allem Anscheine nach nicht in Ordnung dieselben werden Die Flottenvorlage in der Sonagoge. Wie die Bresl. Morgenztg schreibt, hat in Nachahmung des Magdeburger Rabbiners Dr. Nahmer der Vreslauer Rabbiner Dr. Rosenthal an gewechter Stätte Veranlassung genommen, die Heizen und Geister seiner Andächtigen für die neue Flottenvortage zu erwärmen“. Das Man bemerkt ganz richtig dazu:„Ein Gotteshaus ist doch wirklich nicht dazu da, politische Propaganda zu treiben.“ Nach Vollendung des neuen Domes am Lustgarten werden die irdischen Reste der verstorbenen Mitglieder des Hohennhauses die vorläufig in der Interimskirche an der Oranienburger Straße beigesetzt sind, nach der Grust am Lustgarten übergeführt werden. Diese Grust erstreckt sich unter der ganzen Bauanlage des neuen Domes, also unter der sogenannten Gruftkirche, der von der Kuppel überwölbten Predigtkirche und der für Taufen und Trauungen bestimmten Nebenkirche. Ihre Gesamtlänge beträgt gegen 105 Meter und ihre lichte Höhe 4,5 Meter. Von der Gruftkirche die der Predigtkirche zur linken Seite wie eine Choranlage angefügt ist und sich nach Norden in der Richtung zur Nationalgallerie erstreckt, führt eine breite Treppe in den gewaltigen Raum der Gruft hinein. Auch gestattet eine kreisrunde, im Fußboden der Grustkirche angeordnete weite Lichtöffnung einen Blick nach unten. Kurze gedrungene Säulen tragen die Gewölbe der Gruft und gewähren in ihrer ausgedehnten Aufeinanderfolge eine wirkungsvolle Perspektive, Irgend welche Gefährdung dieses Raumes durch das Wasser der Spree ist ausgeschlossen, sodaß bedauerliche Vorkommnisse, wie sie bei der Gruft unter dem alten Dome stattgefunden haben, sich nicht mehr ereignen können. Auch der höchste Wasserstand vermag der Gruft, die durch ihre verhältnismäßig hohe Lage völlig gesichert ist, nichts mehr anzuhaben Hervorragende Denkmäler werden in der Gruftkirche ihren Platz erhalten. Diese ist zu diesem Zwecke mit einem Kranze von fünf Kapellen umgeben von denen jede fast acht Meter lang und ebenso breit ist. Ihr Licht empfängt die Gruftkirche nicht durch Seitenfenster, sondern von oben Der Zugang zu ihr erfolgt von der Predigtkirche aus und auch durch einen Eingang vom Lustgarten her, und zwar durch die Vorhalle unter dem nördlichen Glockenturm. Aeußerlich ist die Grustkirche als eine solche deutlich gekennzeichnet. Schon der eigenartige Schmuck über der Attika in der Form von Sarkophagen läßt erkennen, welchen Zwecken dieser Teil der großartigen Anlage dient. Aber die meist solchen Bauten anhaftende Wirkung des Düstern und Niederdrückenden ist in glücklichster Weise vermieden worden. Daß der innere Ausbau des Domes noch etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen wird, ist kürzlich bereits mitgeteilt worden. Erst nach diesem Zeitraum wird auch die Gruft ihrem Zweck übergeben werden. Von dem gesetzlichen Neunuhrschluß, dem vom 1. Oktober ab alle offenen Geschäste unterliegen, sind die Apotheken ausgenommen. Da aber gerade die angestellten Apotheker einen sehr verantwortungsreichen, angestrengten Dienst haben, so haben dieselben dem Reichstage eine von etwa 1100 angestellten Apothekern und auch von Apothekenbesitzern unterzeichnete Petition zugehen lassen in welcher um gesetzlichen Neunuhrschluß der Apotheken gebeten wird. Dem Publikum entsteht durch den früheren Schluß kein Schaden, da für eilige Fälle auf den Ruf der Nachtglocke der Apotheker zu jeder Nachtstunde zur Stelle ist, wofür keineswegs eine Preiserhöhung eintritt. Ueber die Einsprüch gegen das Hochbahnprojekt bezw den Hochbahnhof und die anschließende Rampe der elektrischen Stadtbahn am Nollendorf=Platz haben, wie ein hiesiges Blatt gehört haben will, auf dem Polizeipräsidium bereits Vorbesprechungen stattgesunden Das Haupthedenken, welches von der Gemeinde Schöneberg gegen die Bahnhofsaniage geltend gemacht wird, daß nämlich die jetzt durch den Nollendorf=Platz getrennten Teile der Motz= und der Maaßenstraße durch die geplante Bahnhofsüberführung, zu einem breiten Verkehrswege vereinigt, direkt über die Mitte des Platzes geführt werden sollen, während sie jetzt in die den Platz umkreisende Fahrstraße einmünden hält die Aussichtsbehörde keineswegs für eine Verkehrsverschlechtenung, sondern eher für eine Verkehrsverbesserung Die Einsprüche gegen die Rampe welche hinter dem Nollendorf Platze beginnt und etwa bis zur Eisenacher Straße reicht, werden zum Teil zwar für nicht unbegründet gehalten, indes glaubt man, den Bahnbau nicht länger aushalten zu dürfen, nachdem die jahrelangen Verhandlungen eine bessere Lösung des Projektes nicht zu Tage gefördert haben. Die Bedenken wegen der Verunstaltung des Nollendorsplatzes mußten den Verkehrsinteressen nachstehen die gleiche Beschwerde hätten auch die Anwohner der elektrischen Stadtbahn in anderen Straßenzügen vergeblich erhoben. Die Planfeststellung dürste danach höchstwahrscheinlich im Sinne des ausgelegt gewesenen Projektes erfolgen nachdem in Gemäßheit der des Kleinbahngesetzes zuvor ein Termin abgehalten worden ist. Die Hilfe der Tollwut=Schutzstation muß der 7 Jahre Ane Karl Baumgartner, der Sohn eines Bauern aus Niederbayern, in Anspruch nehmen. Als der Knabe vor einigen Tagen auf dem väterlichen Gehöst in der Stube saß, kam plötzlich eine abgemagerte weiße Katze, die die Magd vom Hose verscheucht hatte, in das Zimmer hineingesprungen, lief aus ihn zu und bis ihm ins Bein. Auf das Geschrei des Jungen eilte sein Vater herbei und erschlug die Katze. Ein Tierarzt, dem man den Vorfall berichtete, schickte den Kadaver an die Tollwut=Schutzstation ein und hier bestätigte man seinen Verdacht, daß die Katze tollwutkrank gewesen war. Der gebissene Knabe ist mit seinen Eltern in Berlin angekommen, um sich ambulatorisch behandeln zu lassen. Der Centralverband deutscher Kaufleute und Gewerbetreibenver hat ein Immediatgesuch an den Kaiser gerichtet mit der Bitte, auch die Konsumvereine in die geplante Besteuerung der Warenhäuser Bazare 2c. einzubeziehen namentlich aber den Konsumvereinsbestrebungen,„die in vielen Fällen zur Ausbreitung der Sozialbemokratie dienen und die also neben den wirtschaftlichen Gesahren noch politische in sich bergen, mehr Einhalt zu gebieten Desgleichen ist in besonderen Eingaben hinsichtlich des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Weitbewerbs hervorgehoben daß dasselbe in seiner Auslegung sich wenig oder gar nicht mit der praktischen kaufmännischen Aussassung deckt. Ferner sollen demnächst praktische Vorschläge zur Beseitigung der Mißstände im Auktions= und Ausverkaufswesen an die Regierungen gelangen. Aus dem Reich. Berlin, 14 Februar. — Nachdem dem Kaiser Meldung von der Gründung eines Lippischen Landesausschusses des deutschen Flottenvereins unter dem Protektorat des Grafregenten gemacht worden war, antwortete der Kaiser telegraphisch folgendermaßen: An Se. Erlaucht Grafregenten zur Lippe Für die fteundliche Meldung von der erfolgten Bildung eines Lippischen Landesausschusses des deutschen Flottenvereins unter Ihrem Protektorat spreche ich meinen freudigen und verbindlichen Dank aus Wilhelm 1. R — Prinz Heinrich hat gestern vormittags 11½ Uhr unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin den Oberbürgermeister Kirschner im königlichen Schlosse empfangen. Der Prinzhat auf die Begrüßung durch den Oberbürgermeister in der herzlichsten Weise seiner Freude über den ihm in der Reichshauptstadt bereiteten Empfang Ausdruck gegeben und den Oberbürgermeister beauftragt der Bevölkerung Berlins für diesen Enpfang seinen Dank auszusprechen. — Die Erwiderung des Prinzen Veinrich auf den Trinkspruch des Kaisers bei dem gestrigen Festmahl im königlichen Schlosse lautete folgendermaßen Eure Majestät wollen mir allergnädigst gestatten meinen unterthägsten#eigesühlten und herzlichsten Dauk für die gnädigen Worte auszusprechen sowie für den Empfang, den Eure Majestät heute für mich zu befehlen geruht haben. Der größte Sporn meiner bisherigen Thätigkeit war der daß ich wuce Eure Majestät standen Ainter mir, wie hiuter Euver Majestät Flotte. Dieser Gedanke befähigte nich sowohl wie die Ossizierkon im Auslande zu immer neuen erfeischenden ermutigenden Thaten Auch michte ich nicht versehlen, am heutigen Tage wo ich das erste Mal wieder in Gegenwart Eurer Majestät sein darf auszusprechen, wie patriotische und treue Unterthauen jeue Deutsche sind die ich in Ostasien verlassen habe, um nach meiner Heimat zurückzukehren. Eurer Majestät danke ich seiner für das anentwegte Vertrauen, welches mir während der beiden vergangenen Jahre bezeugt worden ist und ich versichere, daß wo es auch sein möge jedweder Dienst für Eure Majestät#und für das Vater#und nich nuch in Zuhhft auf dem Posten finden wird. Ost erklang im fernen Osten der Ruf, der die Deutschen draußen un uus Kameraden iu Ostasten beseelte ei mmmenn Zusammensein, bei festlichen Anläßen. Dieser Ruf mag auch heute laut erschallen! Mit Genehnigung Eurer Majestät fordere ich eine Besprechung der Minister v. Thielen, Brefeld und Frhr. v. Hammerstein stattgefunden, in welcher, wie offiziös berichtet wird, Uebereinstimmung über die demnächst dem Landtage zu machende Kanalvorlage erzielt wurde. — Die wegen Wiedererrichtung der Getreidebörse und des Frühmarktes gemachten Vorschläge haben die Genehmigung des Ministeriums erhalten. — Die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses erklärte mit 11 Stimmen gegen 1 die Wahlen der Abgeordneten der Stadt Breslau, Schneder, Wetekamp und Gothein für ungültig. die Herren auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und Herr hurrah, hurrah, hurrah Die ungünstige Wendung im Befinden des Dr. Lieber hält an; der Kranke wurde abends von Schüttelfrösten befallen, infolgedessen sinken die Kräfte rasch. — Der frühere Minister Herrfurth ist heute vormittag gestorben. Der Verstorbene der im 76 Lebensjahr stand, wurde nach der Entlassung v. Puttkamers am 2. Juli 1888 zum preußischen Minister des Innern ernannt und nahm am 9. Augnst 1892, als er mit seiner Opposition gegen die Miqnelschen Steuerreformpläne iusbesondere die Grundsteuerreform nicht durchdrang seine Entlassung — Beim Finanzminister Dr. v. Miquel hat am Samstag — Die Wahlprüfungskommission des Reichstags beanstandete die Wahl des Frhen von Stumm. — Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Bestimmungen über die Militärdienstzeit der Volksschullehrer und der Kandidaten des Volksschulamtes vom Jahre 1900 ab. Danach sind Volksschullehrer u.s w., welche ihre Befähigung für das Schulamt in vorschriftsmäßiger Weise nachgewiesen haben sofern sie nicht als Einjährig=Freiwillige dienen, nach einjähriger aktiver Dienstzeit bei einem Infanterieregiment zur Reserve zu beurlauben. Ein Recht auf die Wahl des Truppenteils haben die einzustellenden Lehrer nicht aber den Wünschen der Lehrer ist möglichst Rechnung zu tragen. Die Volksschullehrer nehmen, soweit es möglich ist, an der Rekrutenausbildung der Einjährig=Freiwilligen teil und sind, wenn dazu geeignet, zu Unteroffizieren des Beurlaubtenstandes auszubilden. Hinsichtlich der Heranziehung zu den Uebungen im Beurlaubtenstande werden die Volksschullehrer wie die übrigen Mannschaften behandelt. Karlsruhe, 14 Fehr. Die Budgetkommission der zweiten Kammer gewährte fünfzigtausend Mark zur staatlichen Unterstützung von Gewerbetreibenden und Arbeitern zum Besuch der Pariser Ausstellung. Reichstag. Berlin, 14. Februar. Am Tische des Bundesrats: Frhr v. Thielmann, Frhr. v. Richthofen, Dr. v. Buchka, Schulz. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Beratung der Eisenbahntitel des Kolonialetats. Zunächst werden Titel des Etats für Ostafrika beraten. Fortsetzung der zweiten Veratung des Etats der Schutzgebiete bei Eisenbahnen des ostafrikanischen Schutzgebietes. Der Referent berichtet über die Kommissionsverhandlungen. Abg. Dasbach(Centr.) führt aus, es wurden für die Kolonien in diesem Jahre 30 Millionen gefordert. Ob das alles werbendes Kapital sei, sei sehr zweifelhaft. Für die Usambarabahn werden wieder über zwei Millionen gefordert, sodann für die Vorarbeiten und die Fortführung von Korogwe bis Momba 72.000 Mi. Den letzteren Betrag beantrage er zu streichen. Die im vorigen Jahre gehegten Hoffnungen hätten sich nicht verwirklicht; die Kaffeeplantagen hätten gelitten; eine Pflanzung mit Kaffeebau sei bereits aufgegeben worden. Hier sollte das deutsche Kapital sich beteiligen, von dem man immer sagt, es habe Neigung, ins Ausland zu gehen. Auf Grund der mangelhaften Unierlagen könne der Reichstag keine Beschlüsse von nenneswerter finanzieller Tragweite fassen. Der Beweis, daß die Mrogorobahn jemals rentabel werde, ist nicht zu erbringen; die für diese Bahn geforderte fabelhaft große Summe könne ohne nähere Nachweise nicht bewilligt werden. Direktor v. Buchka meint, der Vorredner stehe auf dem Standpunkte des ängstlichen Privatmannes. Es handele sich hier um eine große Sache, wofür das Reich eintreten musse Die Einstellung des Kaffeebaues in Korogwe habe mit der Usambarabahn nichts zu thun, der Niedergang desselben sei eine Folge der großen Dürre. Jetzt nach Beendigung der Dürre sei ein Aufschwung der Kaffeeplantagen bemerkbar. Abg. Richter(Freis. Vv.) Der Privatmann lasse sich nicht auf nachteilige Unternehmungen ein, weil er mit dem eigenen Kapital wirtschafte Das Reich arbeite aber mit dem Gelde der Steuerzahler und solle man es solchen unrentablen Unternehmungen zuwenden? In Deutschland würde sicherlich keine Bahn mit Staatshilfe gebaut werden für welche so wenig wirtschaftliche Voraussetzungen vorliegen, wie für jene afrikanischen Der Beweis für die Rentabilität der sogenannten Kaffeebahn ist mit keiner Silbe erbracht. Nach den früheren Beobachtungen sollte die Usambarabahn in diesem Statsjahre 117.000 M. einnehmen, jetzt sind es nur 7000 M. Ehe man die Mittel für die Bahn fordent, sollte man die volkswirtschaftlichen Verhältnisse untersuchen welche Aussichten sie für den Erfolg der Bahnbauten bieten Abg. v. Arnim(Rp.). Während Richter sonst die Finanzen immer glänzend schildert, ist dies bei den Kolonialangelegenheiten das Gegenteil Richters Meinung werde jedoch von einem so geringen Teil der Nation geteilt, daß ein Eingehen darauf sich kaum verlohne. Es giebt übrigens zahlreiche Produtte, die angebaut und an die Küste befördert werden können man könne im Jnnern auch Rindvieh züchten. Abg Freese(Freis Va. meint, der Reichstag habe in den letzten Jahren bewiesen, daß er etwas für die Kolonie thun wolle, aber wenn 30 Millionen ausgegeben werden, müsse man mit großer Vorsicht verfahren. Die Ausgaben für die Usambarabahn stehen in einem Mißverhältnis mit den Erwartungen Redner beantragt, den Titel Eisenbahn an die Komyission zurückzuverweisen. Abg Bebel(Sozialdem, meint, was er für die Kolonien vorausgesagt habe, sei steis eingetroffen, während die Kolonialschwärmer nur enttäusch sein könnten. Die Usambarabahn werde sich nicht rentieren, denn die Gegend werde zurch die Hungersnot heimgesuch, welche die Hälfte der Bevolkerung hingerafft habe. Abg Dasbach(Cente führt aus, daß das Reich, da es mit den Mitteln der Steuerzahler operiert, um so sparsamer sein sollte. Er müsse sich wundern, daß hier von amtlicher Stelle dem deutschen Kapital der Patrseusmus abgesprochen werde. Der Asfessorismus sei gerade in der Kolonialverwaltung verderblich. Wir sollten nach dem Beispiel Englands Kaufleute als Gouverneure in die Kolonien senden. Aus Privatbriefen sei bekannt, daß die Zustände der Kolonien durchaus nicht so günstig sind, wie sie in den amtlichen Mitteilungen dargestellt werden. Direktor v. Buchta tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen In England sei die Vorbildung der Gouverneure wesentlich dieselbe wie bei uus. Es handle sich nicht um eine Centralbahn sondern um eine Stichbahn. Abg. Graf zu Stolberg(kons will einen ehrlichen Versuch machen die Koionien ertragreich zu machen. So lange wir uns nicht überzeugt haben, daß der Versuch vergeblich ist, werden wir mit der Regierung an dem Ausbau der Kolonien arbeiten. Das Centrum hat seinen Standpunkt völlig geändert es legte früher das Hauptgewicht auf die kalturelle Mission und stellt jetzt die wirtschaftliche Rentabilität in den Vordergrund. Wenn man Afrika erschließen wolle, müsse man Eisenbahnen bauen. Besser wäre es ja wenn man Flüsse hatte. Hätten wir einen unternehmenden Mann wie Cecil Rhodes, so konnte man damit rechnen, daß das Privatkapital Bahnen baute. Abg. Richter(Freis. Vo. führt aus, daß, als wir die Kolonten übernahmen es hieß, das Reich solle nur den völkerrechtlichen Schutz übernehmen. Jetzt gehen wir so weit, daß wir in den Kolonien Bahnen bauen auter Voraussetzungen unter denen wir in Europa nie daran denken würden. Wo wirklich enwas zu holen ist, ist das Seutch#uch für koloniale Unternehmungen zu haben Vorteile von afrikanischen Bahnen sind nur zu erwarten, wenn das ganze Land von Bahnen durchkreuzt und wenn es überhaupt ein Kulturland würde. Daran ist aber derzeit nicht zu denken. Es sei zweifelhaft, ob nicht die Verbindung des Missionswesens mit der politischen Kolonisation mehr schadet als nützt. Wir schreiten bei unseren kolonialen Unternehmungen überhaupt auf ganz falschen Bahnen.(Sehr gut links.) Abg. Stockmann(Rp.) meint, gerade der Weiterbau der Usamibarabahn verspreche eine bedeutend erhöhte Rentabilität derselben. Nach einer weiteren Bemerkung des Abg. Dasbach(Centr.) hebi Abg. Siemens(Freis. Vg.) hervor, daß bei Eisenbahnen die Rentabilität oft sehr lange warten lasse, wie bei der Berliner Stadtbahn, die gewiß gut sei, und daß es heute nicht mehr wie vor 50 Jahren heißen könne, wer in Europa herrsche, herrsche in der Welt Wir brauchen Kolonien und müssen alles an sie wenden. In großen Dingen dürfe man nicht kleinlich sein. Auch eine Bahn von Nordnach Südafrika werde gebaut werden; nur Philister könnten daran zweifeln, wie die Philister auch seinerzeit die Möglichkeit einer Bahn zwischen Leipzig und Dresden bezweifelten. Abg. Bebel(Sozialdem.) fragt, warum denn die Deutsche Bank nicht die Sache mache, wenn sie so gut ist. Dann würde Redner selbst vielleicht in seinen Ansichten wackelich werden. Nach Bemerkungen der Abgg. Hasse, v. Richthofen Oertel und Siemens wird ein unbestrittener Titel angenommen und alles übrige an die Budgetkommission verwiesen. Morgen 1 Uhr: Rest der heutigen Tagesordnung und Antrag Münch=Ferber auf Errichtung deutscher Handelskammern im Auslande. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 14. Februar. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbaben Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Min Die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Ausgaben Titel Minister Abg Kopsch beklagt, daß von den Landratsämtern noch immer Wahlbeeinflussungen ausgeübt werden. Redner führ Fälle in Ostpreußen an. Der Kreisschulinspektog in Ragnit sorderte in einem amtlichen, portofrei versandten Schreiben die Lehrer des Bezirkes auf, für die Verbreitung des konservativen agrarischen Preußischen Volksfreundes zu wirken und über den Erfolg binnen 14 Tagen Bericht zu erstatten. Die ganze Verbreitung agrarpolitischer, konservativer Parteiblätter, Broschüren und Kalender gehe vom Regierungsprasidenten in Gumbianen aus. Minister v. Rheinbaben entgegnet, in materieller Hinsicht spreche er den Behörden seine Anerkennung für ihr Vorgehen aus Ganz Ostpreußen werde von den Sozialdemokraten systematisch bearbeitet, dem entgegenzutreten hätten die Behörden nicht nur das Recht, sondern dies sei ihre Pflicht. In sormeller Hinsicht mißbillige er die porto freie Versendung denn die Angelegenheit gehöre nicht zu den Dienstgeschäften im engeren Sinne, er habe diesbezüglich das Nötige veranlaßt. Abg Wellstein(Centr.) bespricht den Zwiespalt zwischen dem Kreistag in St. Goar und der Regierung bei der Landratswahl. Der vom Kreistage vorgeschlagene Kandidat wurde nach halbjährigem Warten von der Regierung abgelehn und von letzterer ein Landrat einannt; das widerspreche der Kreisordnung. Dadurch werde das Vorschlagsrecht des Kreistages illusorisch. Minister v. Rheinbaben erwidert, der Landrat in Adenau, der acht Jahre lang das Landratsamt zur vollen Zufriedenheit, auch der kathelischen Bevölkerung, verwaltet hat, bat aus Gesundheitsrücksichten um Versetzung nach St. Goar. Es lag lein Grund vor, dem nicht zu willfahren Es wurde nun eine künstliche Agitation ins Leben gerufen und vom Kreistage ein anderer Landrat vorgeschlagen der von der Regierung nicht bestätig werden konnte. Die Gründe zu erörtern sei peinlich und er betone nur ausdrücklich, daß es keine konsessionellen waren. Er bitte überhaußt im Interesse des Friedens, nicht immer auf die konfessionelle Seite zu schlagen. Die Regierung lasse sich nur von materiellen Gründen leiten. Abg. Lotichius(nat=lib. ist auch dafür, daß bei den Landräten nicht immer auf die Konfession gesehen werde. Die Hauptsache sei, daß der Landrat die Interessen aller Kreiseingesessenen wahrnimmt und Toleranz übt. Abg Wellstein(Centr. titt den Ausführungen des Ministers entgegen. Die Aguation war keine künstliche. Die Mehrheit des Kreistages war lange über die Person des vorzuschlagenden Landrats einig, ehe von der Person des Landrates von#enau die Rede war Abg Heydebrand von der Lasa(kons.) erklärt, das Verhalten der Regierung hierin sei vollkommen korrett er bedauere nur, daß der Minister, selbst auf Anregung aus dem Hause, darauf eingegangen sei den einzelnen Fall hier zu besprechen. Hinsichlich der Ausbildung der Verwaltungsbeamten und Organisation der Behörden ist Redner im allgemeinen mit den gestrigen Ausführungen des Abg. v. Zedlitz einverstanden. Abg. Schmitz(Centr. führ aus Abg. Wellstein tal nur für das dem Kreise verfassungsmäßig zustehende Vorschlagsrecht ein und unternahm keinen Angriff auf Kronrechte. Der Minister that deshalb nur seine Pflicht wenn er sachlich auf sachliche Bemerkungen Wellsteins antwortete. Redner bespricht sodann auch die Ausbildung der Verwaltungsbeamten. Abg. Felisch(konso bespricht die Feuergefährlichten der Warenhäuser; er wünscht den Erlaß der Bestannung, daß nur einer bestimmten Anzahl Persogen gleichzeitig der Aufenthalt in einem Warenhause gestatter werde. Minister v. Rheinbaben erwidert, die Vorschläge des Vorredners schössen übers Ziel Gemeinschaftlich mit dem Handelsministerium werde eine Kommission eingesetzt welche die Frage der Feuergefährlichkeit der einzelnen Bazare prüsen und dann entsprechende Vorschläge formulieren solle. Abg Friedberg(natlib kritistert die Ausführungen des Ministers über das Verhalten der oswpreußischen Beamten und bespricht sodann die Vorbildung der Verwaltungsbeamten. Abg. Goldschmidt(Freis Vv.) bedauert, daß der neue Minister nicht den Recheschen Schießerlaß aushob Er kritsiert sodann die Antworten des Ministers auf die Beschwerden Redner bittet am Schlusse seiner Ausführungen den Minister, von der Schneidigkeit abKlcen Minister v. Rheinbaben erwidert, auf den Schießerlaß, sowie auf ## vom Vorredner berühne Frage der Bestatigung Kuschners einzugehen lehne er glatt ab. Bei der Verbreitung des Volksfreundes in Oswreußen handte es sich nicht um eine Agitation sondern um ein entschiedenes Auftreten gegen die aushetzende Thättglei der Sozialdemotratie. Abg. Barth(Freis. Vg.) führt aus jede Partei habe das Recht nach gleichem Maß behandelt zu werden. Die Beamten hatten nichts als die Pflicht diese Auforderung nachzukommen. Der Bund der Landwie## für die Begierung viel gefährlicher als die Sozialdemotratte. Abg. v. Jagow(kons.) nimmt die politischen Beamten gegen die Angriffe Barths in Schutz. Redner bespricht dann das Verhalten der Polen. Die Polenpolitik der Regierung sei völlig richtig. Abg. v. Jazdzewski(Pole) erklärt: Ich sagte gestern nur, daß die Polen auf nationalem Gebiet seit Jahren nichts wie Mißgunst erfuhren. Nationalität ist das höchste Gut. Die wirtschaftliche Wohlfahrt kommt erst in zweiter Reihe. Abg. Kelch(freik.) bedauert das Scheitern des Vereinsgesetzes. Abg. Werner(Deutschsoz. Rp.) wendet sich gegen die Namensänderungen der Juden. Wenn sie früher keine Aristokraten waren, so werden sie es auch durch die Namensänderung nicht. Weiterberatung morgen 11 Uhr. Die Kohlenarbeiterbewegung in Sachsen und Oesterreich hat sich sehr verschärft. Auch in den sächsischen Steinkohlenrevieren Zwickau und Oelsnitz=Lugau ist der Ausstand ausgebrochen, nachdem die Zechenverwaltungen die Forderungen der Arbeiter sowohl wie die Vermittelung der Behörden abgelehnt haben. Ob derselbe ein allgemeiner werden wird, steht noch nicht fest. In einem Lugauer Schacht ist der Ausstand schon am 12. d. M. ausgebrochen. In den gesamten Kohlengruben des Königreiches Sachsen sind rund 24,000 Bergarbeiter beschäftigt. Auch die neueren Nachrichten aus dem Braunkohlenrevier Weißensels Zeitz Meuselwitz lauten wieder beunruhigend. Die Einigungsverhandlungen sollen auf Widerstand stoßen. Da die Kohlennot in Sachsen schon jetzt groß ist und bereits eine Neihe von industriellen Etablissements wegen Kohlenmangel den Betrieb ganz oder teilweise eingestellt haben, sind die Folgen des Ausstandes der sächsischen Bergleute zunächst gar nicht abzusehen. gär übrigens auch m oberschlesischen und mittelschlesischen (Waldenburger) Kohlenrevier. In Sachsen und Thürengen bemüht man sich bereits, englische Kohlen über Hamburg einzuführen. Für den mährisch=schlesischen Kohlenbezirk(Ostrau=Karwin) sind die Verhandlungen des Einigungsamtes gescheitert, und der Ausstand soll nun weiter geführt werden, bis eine der streitenden Parteien nachgeben muß. Im Ostrauer Revier befürchtet man, daß auch die Heizer und Maschinenwärter sich dem Ausstand anschließen. Im Steierischen Kohlenbezirke ist es vorläufig zu einer Verständigung gekommen.— In Dresden herrscht seit Montag große Kohlennot. Täglich kommen neue Fabriken aller Bezirke zum Stillstand oder zu starker Betriebsbeschränkung. Die Lieserfristen der Maschinengewerbe und Textilgewerbe sind vielfach illusorisch geworden Tausende von IndustrieArbeitern müssen feiern.— Die„Neue Freie Presse" meldet aus Wien Eine Abordnung der Prager Stadtgemeinde wurde am Montag bei den Ministern v. Körber und Rezei wegen der Kohlennot in Prag vorstellig Ministerpräsident Dr. v. Körber drückte der Stadt Prag seine volle Anerkennung aus für die großen Opfer, die sie im Interesse der Burgerschaft für groß angelegte kommunale Unternehmungen bringe, und versprach, alle von der Abordnung vorgebrachten Wünsche in genaue Erwägung zu ziehen und alles auszubieten, damit die Kohlenkalamität ihr Ende erreiche. Minister Dr. Rezek erklärte, den Staat werde diese Lage veranlassen, um eine systematische Aktion auf dem Gebiete der Kohlenbergbau=Gesetzgebung anzubahnen. Auf den von der Abordnung geäußerten Wunsch es möge ein Ausfuhrverbot für Kohle aus den nordwestlichen Grüben erfolgen, erwiderte der Minister, daß die Nachbarstagten ein solches Ausfuhrverbot mit einem Verbote der Einfuhr oberschlesischer Kohle beantworten würden, wodurch Nordböhmen bis Jungbunglau in eine noch schwierigere Lage geraten müßte. Minister Dr. Rezek entließ die Abordnung mit der Versicherung die Regierung werde alle Mittel anwenden, damit aus dem Kampfe der Vergarbeiter und Gewerken nicht für die übrige Gesellschaft weitere Kalamitäten entstehen.— Der Vorsitzende des Einigungsamtes in Teschen, Abg. Baron d’Elvert, begab sich nach Wien zurück, um der Regierung über den erfolglosen Abschluß der Verhandlungen persönlich Bericht zu erstatten. Der rasche Abschluß der Verhandlungen des Einigungsamtes hat im ganzen Ausstandsgebiete die lebhafteste Aufregung hervorgerufen Zahlreiche Industrielle müssen jetzt weitere Vorkehrungen treffen, da nunmehr eine noch größere Kohlennot zu erwarten ist. Das Scheitern der Verhandlungen des Einigungsantes wird überall lebhaft bedauert, da man auf seine Thätigkeit große Hoffnungen gesetzt hatte. Imaherahlenrevier scheint sich gleichfalls ein Ausstand vorzubreiten. In der Deutschen Berg= und Huttenarbeiterzeitung, dem Organe des sogen alten Verbandes, werden die Forderungen der beiden Vergarbeiterverhände veroffentlicht Die Beantwortung derselben wurde bis zum 1. März erbeten. Vor Aufstellung der Forderungen, die auch den Bergbehörden und der Regierung mitgeteilt wurden hat, wie das vorerwähnte Blatt bestätigt, eine Konserenz der Vorsitzenden der beiden Verbände zur näheren Verständigung stattgesunden Aus Böhmen wird dem Blatte berichtet, daß während des österreichischen Bergarbeiterstreites Kohlen aus den Gruben von Duisburg und Mörs nach Böhmen befördert wurden und zwar an die Eisenbahnstationen Freiheit und Tannwald. Am 3. Februar sind nach dieser Meldung von Seitenbeig sieben Waggon nach Freiheit zwei Waggon nach Tannwald und zwei Waggon nach Semil abgegangen Hervorgehoben muß werden, daß die Wagen bloß bis Seitenberg bezettelt sind und von dort erst die Papiere nach Böhmen ausgefeitig werden. Die Redaktion der Berg= und Hüttenarbeiterzeitung bemerkt hierzu.„Wir haben das noch nicht kontrolliert und können daher nicht sagen, ob die Kohlen direkt nach Böhmen verkauft sind, oder nach Seitenberg und von dort aus nach Böhmen gesandt werden. Wir warnen aber ganz ernstlich die rheinisch=westsälischen Zechenverwaltungen, durch Kohlenversandt in das böhmische Streikgebiet den Stein auch hier ins Rollen zu bringen. Die Sympathie der Ruhrbergleute für die böhmischen Kameraden ist sehr groß und Streitlust genug vorhanden Ein weiterer Artikel der Berg= und Hüttenarbeiterzeitung, der sich mit den aus dem österreichischen Bergarbeiterausstand zu ziehenden allgemeinen Lehren beschäftigt, rechnet bereits mit der Möglichkeit, daß die Forderungen der Koylenbergleute einer Ablehnung begegnen, und giebt für diesen Fall eingehende Verhaltungsmaßregeln, die in der Mahnung gipfeln„Haltei absolute Ruhe Bleibt zu Hause Meidet vollständig geistige Getränke während eines Ausstandes Zum Schluß wird den Bergarbeitern geraten diesen Artikel mit den Verhaltungsmaßregeln„für alle Fille aufzubewahren. In den Kreisen des Gewvertvereins der christlichen Vergarbeiter scheint man mehr Hoffnung zu hegen auf einen erfo greichen Abschluß der mit den Zechenverwaltuingen eingeleiteten Verhandlungen wenigstens läßt sich dieses aus der Haltung seines offiziellen Organs, des Bergknappen schließen, der in seiner jungsten Nummer vom 10 d. Mts, eine öffentliche Behandlung der Sache noch nicht für angezeigt hielt. 14. Febr. Die Arbeiterwohnungs=Genossenschaft hat in engerer Konkurrenz Projektskizzen eingeholt für die Errichtung von Arbeiterwohnungen auf dem hierzu bestimmten Block. Am 8. Februa hat das Sachverständigenpreisgericht einstimmig dem Entwurfe mit dem Kennwort„Heim des Architekten Eduard Endler in Köln den ersten Preis zuerkannt. In einer spateren Sitzung beschloß der Vorstand die Ausführung nach den Endlerschen Skizzen. Antwerpen, 14. Febr. Die Zahl der ausständischen Schiffsausbesserer beläust sich auf 2200. Sie durchziehen die Straßen, ohne die Ruhe zu stören. Die christlichen Arbeiter unterhandeln mit den Arbeitgebern getrennt von ihren sozialistischen Ausstandsgenossen. O Siegen, 15. Febr. Am kommenden Sonntag, den 18. ds. Mis. nachn, von ½2 Uhr ab, hält der Siegerland=Turngau im Lokale des Herrn Heinr. Klein, Koblenzerstraße, seinen 14. Gauturntag ab mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht für 1899. 2. Kassenbericht für 1899. 3. Wahl des Gauturnrats für 1900. 4. Beschluß. fassung über die Gau=Vorturnertage in 1900. 5. Bewilligung der Fahrgelder für die Vorturner zum Besuche der Gau=Vorturnertage. 6. Festsetzung der Gausteuer für 1900. 7. Beschluß über Ausführung einer Gauturnfahrt. 8. Bewilligung einer Entschädigung für einen auf dem vorigen Gauvorturnertage verletzten Vorturner. 9. Einführung der Kreiswettturnordnung. Westfalen. 2 Krombach, 14. Febr. Auf den 78. fröhlichen Abendam nächsten Sonntag sei schon jetzt hingewiesen, u. a. wird Herr Vikar v. Bodelschwingh von seiner Reise ins Morgenland erzählen. Letzte Nachrichten. Chemnitz, 14. Febr. Im Zwickauer Kohlenrevier ist heute ungefähr nur die Hälfte der Belegschaft eingefahren. Die Ausständischen sind meist jüngere Arbeiter. Magdeburg, 14. Febr. Unter den Hasenarbeitern ist nächster Tage wegen der Forderung einer Lohnerhöhung ein Ausstand zu erwarten. In der Getreideverladung sind bereits Stockungen infolge des Kornträgerausstandes eingetreten. Plauen i. Voigtl., 14. Febr. In der Nachbarstadt Auerbach und in einigen Städten des Erzgebirges sind die Schulen wegen Kohlenmangels geschlossen worden. Leipzig, 14. Febr. Die sächsische Staatsbahn läßt wegen Ausbruchs des Kohlenarbeiterausstandes in Sachsen von Montag an wesentliche Beschränkungen des Personenverkehrs eintreten. Prag, 14. Febr. In Smichow brachen sechs Knaben im Eise ein. Drei derselben ertranken. Pest, 14. Fehr. Der Ausstand der Eisenarbeiter in Reschitza ist heute beendet; die Arbeit wurde überall wieder ausgenommen. London, 14. Febr. Lord Roberts sendet folgenden telegraphischen Bericht vom 14. ds.: General French erzwang gestern den Uebergang über den Modderfluß bei Klipdrist, besetzte die Höhen nördlich des Flusses und eroberte drei Lagerstellungen der Buren mit ihren Vorräten. Zu gleicher Zeit überschritten die englischen Truppen über zwei andere Furten den Fluß und nahmen weitere zwei feindliche Lagerstellungen ein. General Freuch stieß nur auf unbedeutenden Widerstand; die Verluste der Engländer sind wenig zahlreich. Wertpapierbörse. Berlin, 14. Febr. Die Börse eröffnete in uneinheitlicher Haltung. Die Spekulation zeigte größere Zurückhaltung wegen der Versteisung auf dem englischen Geldmarkte. Türkische Weite teilweise etwas niedriger. Hüttenaktien fester, nur Laura schwächer. Banken still. Der Abschluß der Handelsgesellschaft blieb einflußlos. Am Fondsmarkte war der Verkehr äußerst still. Bahnen wenig verändert. Privatdiskonto 4%— Anfangs waren: Kreditaktien 237,20, Diskonto=Komm. 195,30, Deutsche Bank 213,30, Dresdner Bank 165,30, Darmstädter Bank 145,50, Handelsgesellschaft 172,10, Staatsbahn 140,75 Lombarden 27,70, Marienburger 82,25, Gotthard—.— Schweizer Central 144.20, Schweizer Nordost 93.10, Jura=Simplon 87,60, Prince Henri 114,75, Bochumer 273.—, Dortmunder 141,50, Laura 273,75, Gelsenkirchener 209.— Harpener 226,90, Hibernia 231,75, 3proz. Reichsanleihe—.—, Italiener 94.20, Sproz. Mexikaner—.—, Türkenlose 122.10 Spanier 68,60, Northern 76,40. Preduktenmarkt. Berlin, 14. Febr. Die von Paris und Nordamerika gemeldete Besserung unterstützte die aufgekommene Festigkeit. Trotz des spärlichen Verkehrs mußten die Käufer im Lieferungshandel für Weizen und Roggen wieder Mk. mehr bezahlen. Hafer preishaltend. Rüböl bekundete ziemlich feste Haltung. 7Der Spiritus erzielte trotz des deprimierenden Eindrucks der Januarstatistik M. 47.10. Umsatz 10.000 Liter. Wetter: Schneelust. uß des redaktionellen Teile SCOTT'S EMULSION aus feinstem mit Hypophosphaten, ist nur echt wenn nebenstehende marke auf dem Umschlag der Flasche angebracht ist und in Flaschen zu Mk. 3. In den Apotheken erhältlich. SOMOTZMARKE Von den kleinsten Kindern gerne genommen. und Zigarrenhandlung Amker-Geräthe-Geschäft E. 2 Ai Marburgerstraße Siegen, Hermann Jacob u. Vraunsisch, Berlin, Alexanderstraße 27a, gehören zu den großen Möbelgeschäften, bei denen man von vornherein weiß, daß man streng reell und doch billig bedient wird. Das Lager ist so reichhaltig in allen Genres vertreten, daß es eher einer großen Ausstellung als einem Verkaufsraume gleicht. Die Firma gestattet gern auch ohne Kaufzwang, die Besichtigung ihrer Fabrikate. Wer auf eine Okular=Inspektion verzichten muß, hat in dem großartig ausgestatteten Prachtkatglog wenigstens einen kleinen Anhalt. 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Rechnungsrat Karl StegemannBerlin. Witwe Marie Nolte=Bielefeld. Witwe Julie Wilmans geb. LausbergKöln. Konrad Hollender=Rees. Hermann Niggemann=Schalte. Justus Grede=Frankfurt a. M. Margarete Hegemer geb. Fück=Frankfurt a. M. Richard Wortmann=Düsseldorf Ober=Regierungsrat Orlovius=Berlin. Schutzmann Rudoif Plaueln=Frankfurt a. M. Witwe Anna Schreck geb. HettenhausenBielefeld Karl Friedrich Klappert=Campo Bom bei Novo Hamburgo Brasilien Für die Leitung verantwortlich: O. Beamann— Unterhaltungsteil: Dr. Burckhardt=Godesberg.— Anzeigen: Chr. Schlunz. Druck und Verlag der Wesideutschen Verlagsanstalt, E. G. m. b. H., Siegen, Sandstr. 18. Hierzu eine Beslage. den 16. Februar 1900. 12. Beilage zur Zeitung„Das Volks istlich. Verein Berlin. Freitag, den 16. Febr. 1900, abends 8 Uhr, Große Versammlung in der Ton-Halle, Friedrichstraße 112. Theng,„Die Sozialdemokratie“ eine vorübergehende Erscheinung, die sich austoben wird. Referent: Herr Reichstagsabgeordneter Hofprediger a. D. Stöcker. Die Mitglieder werden gebeten vollzählig zu erscheinen und Freunde mitzubringen.— Damen sind herzlich willWir bitten unser Partei=Organ„Das Volk“ bei der Post zu abonnieren, weil nur darin unsere Parteinachrichten bekannt gegeben werden. J. Auftr. Wartenberg. Burean der christl.=soz. Partei, Verein Berlin, Gräfestr. 76. Aus der Berlin, 12. Febr. Ein Arbeiterstreit mit Unterstützung einer Innung dürfte auch in Berlin zu den Seltenheiten gehören. Die Kleber, eine Gruppe des Tapezierergewerbes, haben beschlossen, am nächsten Montag in den Ausstand zu treten, wenn ihre Forderungen bis zum Samstag abend nicht bewilligt werden und der Tarif von den Firmen nicht anerkannt wird. Auf das Ersuchen an den Vorstand der Berliner Tapeziererinnung, die Forderungen zu prüfen, ist ein Schreiben an die Lohnkommission eingegangen in welchem der Obermeister Kreß erklärt, daß die Kleber auf den Beistand der Innung bei der Durchführung der Forderung rechnen können. Die Innung erkennt an, daß die Schundarbeit, wie sie von den Gehilfen, die zu billigen Preisen Arbeiten leisten, das ganze Gewerbe schädige und daß es deshalb Aufgabe der Innung ist, dagegen Stellung zu nehmen. Die Kleber werden von dem Verbande der Tapezierer gleichfalls moralische und materielle Unterstützung erhalten. In der Emmausgemeinde, die immer mehr an Seelenzahl und Ausdehnung zunimmt, sollen zwei neue Kirchen erbaut werden. In der Glogauer Straße wird ein romanischer Bau nach den Entwürfen des Architekten Ernst Paulus, am Görlitzer Ufer eine gothische Kirche nach dem Projekt des Dombaumeisters Baurat Schwarzkopf Ein=Ausflug Berliner Studenten zur Weltausstellung nach Paris wird schon jetzt vorbereitet. Die Anregung ist vom Geh. Bergrat Professor Dr. Wedding ausgegangen, der im Anschluß an sein Kolleg Einleitung in die Eisenhuttenkunde am Schlusse des Sommerhalbjahres eine Exkursion nach der Pariser Weltausstellung zu unternehmen gedenkt. An der Studienfahrt können alle Studierenden der Technischen Hochschule und der Bergakademie teilnehmen; auch ehemalige Studierende, Familienangehörige werden unter den gleichen Vergünstigungen zugelassen. Verpflegung Führung durch Paris und die Ausstellung, Ausflug Reiseburean für den Preis von 185 Mark von Berlin aus, einschließlich der Fahrt. Der Betrag kann in Raten zu 5 Mark gezahlt werden Der Ausstellung werden fünf Tage gewidmet. Für das fachmännische Studium ist die Einteilung in 5 6 Gruppen in Aussicht genommen. Die Reise wird elf Tage umfassen. Die Abfahrt ist vorläufig auf den 19. Juli festgesetzt. Mehr als 3000 Portionen Essen sind am Montag von der neueröffneten großen Berliner Centralküche an die Arbeiterbevölkerung geliefert worden. Es gewinnt den Anschein, als ob mit dieser Einrichtung nicht nur den Wünschen der Arbeiter selber sondern auch den Bestrebungen der Unternehmer entsprochen wird, es haben eine Reihe von Etablissements direkte Bestellungen auf ein täglich zu lieferndes Quantum warmen Mittagessens gemacht und einen Raum zur Abnahme der Speisen in ihren Betrieben eingerichtet. In erster Linie bringen die Fabrikanten der Sache Interesse entgegen, die durch Einrichtung von Kantinen und Kaffeeschänken schon praktisch gegen den Alkoholgenuß unter der Arbeiterschaft zu Felde gezogen sind. Dieser Umstand wird eine Aenderung beim Betrieb insoweit nötig machen, als statt der großen Speisewagen mit 800 Liter Inhalt kleine Wagen demnächst verkehren sollen, die schnell weite Strecken überwinden und zur bestimmten Zeit aus den Fabrithöfen eintreffen können. Neben den 12 Kochapparaten, in denen jetzt das tägliche Gericht hergestellt wird, sollen demnächst noch drei Reserveapparate zur Aufstellung kommen. Um den Wünschen der weiblichen Bevölkerunge entgegen zu kommen, wird in Zukunst Kaffee, usw. zu billigem Preise verabfolgt werden. Die Nachricht, daß Brötchen mit Belag geliefert werden sollten, beruht auf Irrtum, es kann sich nach der ganzen Einrichtung der Centralküche nur um flüssige Speisen handeln. Die Arbeiterausschüsse in einigen Fabriken haben ihren Besuch der Verwaltung der Centralküche angemeldet, weil sie sich persönlich von der Einrichtung überzeugen wollen. Die Ueberfüllung der Berliner Krankenhäuser die jedes Jahr in den Monaten Februar und März wiederkehrt, mach sich in diesem Jahre in einer Weise fühlbar, wie nie zuvor. Seit etwa 10 Tagen ist in keinem Berliner Krankenhause ein Bett frei für innere Kranke. Das Berl. Tagebl. meint, das sei eine sehr bedauerliche Thatsache für eine Stadt, die berufen sein wolle, in Bezug auf sanitäre Einrichtungen an der Spitze zu marschieren. Der Hauptgrund ist in dem gänzlichen Mangel an Anstalten zur Aufnahme für chronische Lungenleidende zu suchen infolgedessen schon beim Eintritt der kalten Witterung die Krankenhäuser größtenteils von Schwindsüchtigen angefüllt sind, welche bis zum Frühjahr ohne Lebensgefahr aus diesem nicht entlassen werden können. Ein weiteres Kontingent stellte die Influenza, welche, wie wir schon mitteilten, in diesem Jahr sehr heftig austritt. Die früher so häufig bespöttelte„Modekrankheit“ ist doch nicht so harmlos, wie man bisher annahm, denn mit Ausnahme von ganz leichten Fällen zieht sie häufig Lungenentzündungen nach sich. Es ist zu hoffen, daß der Bau des neuen großen städtischen Krankenhauses in der Seestraße, das für 2000 Betten eingerichtet wird, derart beschleunigt wird, daß dem empfindlichen Mangel an Krankenbetten baldmöglichst abgeholfen wird. Die Notlage der Großen Berliner Straßenbahn und diejenige ihrer angestellten Bebriebsbeamten charakterisiert ein Vorkommnis, welches gegenwärtig im Stadtteile Moabit lebhaft besprochen wird. Die auf dem großen Bahnhof in der Waldenserstraße angestellten Schaffner der Großen Berliner Straßenbahn haben eine Perition an die Direktion der Gesellschaft ausgefertigt, in welcher sie um eine Erhöhung des Gehalts und Einschränkung der Dienstzeu im Interresse der Betriebssicherheit baten Bevor das von ca. 200 Beamten unterschriebene Bittgesuch zur Absendung gelangen konnte, erhielt der Inspektor v. W von dieser geplanten Bewegung Kenntnis. Er ließ den Rädelsführer vor sich kommen und machte ihm klar, daß die Geschäfte der Straßenbahngesellschaft jetzt nicht so besonders gut seien und dazu die enormen Ausgaben träten, welche durch die Umwandlung des Pferdebahnbetriebes in einen elektrischen hervorgerufen würden. Der betreffende Beamte sah dies ein; er machte seinen Kollegen von der gehabten Unterredung Mitteilung und dieselben erklärten sich schließlich damit einverstanden, daß die Petition bis zu gelegeneren Zeiten aufgehoben und erst dann zur Absendung kommen solle, wenn sich die Lage der Gesellschaft wieder bessere. Berliner Straßenbahngesellschaft hat im letzten Jahre„nur l#. Dividende gezahlt. Der Tod der Kartenlegerin. In der Schankwirtschaft vom Tode ereilt wurde am Samstag abend die 40 Jahre alte Olga Kamper, die„Karten=Olga“, die in allen Wirtschaften des Ostens als Kartenlegerin bekannt war. Ursprünglich Dienstmädchen, wandte sich Olga Kamper der Kunst des Kartenlegens zu, nachdem sie sich bei einem Unfall ein Bein gebroche#####tte und übte die Kunst im Umherziehen aus. Schon seit 15 Jahren hatte sie keine Wohnung mehr und übernachtete bald hier bald dort. Die Gewohnheit der Gäste sie mit Spirituosen zu traktieren überlieferte sie dem Alkohol, dem sie sich schließlich so sehr ergab, daß sie nur noch selte nuchtern war Vorgestern abendum 8 Uhrkam sie angetrunken in die Wirtschaft von K in der Kleinen Frankfurterstraße Nr. 14. Da man Mitleid mit iyr hatte, so gab man ihr in der Küche einen Platz am Ofen, damit sie sich ausschlafe. Eine Stunde später fiel sie vom Stuhl und war tot. Die Leiche wurde in das Schauhaus gebracht Ein blutiges Ehedrama spielte sich in der Oderbergerstraße ab Die dort wohnende Freu Karotine Neumann, die Postbeamten wurde von ihrem Mann, der Veranlassung zur Eifersucht zu haben glaubte, mit einem Holzhackmesser derartig über den Kopf geschlagen, daß die Schädeldecke gespalten wurde und das Gehirn herausquoll. Die schwer verletzte Frau wurde von drei Aerzten verbunden, und ein Wagen der Unfallstation führte sie nach dem Krankenhaus am Friedrichshain über, wo sie hoffnungslos daniederliegt. amten müsse eine weitans sachgemäßere sein und sich nicht auf eine rein formale Ausbildung beschränken. Redner bedauert, daß die Landratsposten jetzt lediglich als Durchgangsposten betrachtet werden; das alte preußische Landratsamt werde heruntergebracht, wenn es statt der alteingesessenen Landräte nur Streber habe. Minister v. Rheinbaben erklärt sich bezüglich der Teilung des Regierungsbezirks Potsdam mit Zedlitz einverstanden. Bezüglich der Vorbereitung der Verwaltungsbeamten wurde angeregt wieder zu dem früheren System zurückzukehren, wo man aus dem Justizdienst Assessoren in den Verwaltungsdienst übernahm. Hierzu sei ein Urteil ohne weiteres nicht abzugeben. Die einzelnen Verwaltungszweige würden ersucht um Abgabe ihres Urteils. Abg. Imwalle(Centr.) wendet sich gegen die Verordnung des Ministers, daß den Personen, welche von der Polizei als Zeugen vernommen werden, keine Zeugengebühren mehr gezahlt werden. Minister v. Rheinbaben erwidert, es handele sich um das polizeiliche Hoheitsrecht, dem sich jeder Staatsbürger zu fügen hat und für das eine Gebühr nicht am Platze ist. Abg. v. Jazdzewiski(Pole) kommt auf die Ausführungen des Ministers bei der ersten Etatsberatung zurück. Wenn der Minister die Pflicht betone, beruhigend einzuwirken, so habe er vollauf zu thun, dieser Pflicht nachzukommen Redner beschwert sich über die ungleiche Behandlung der Polen und Deutschen. Minister v. Rheinbaben weist in seiner Erwiderung darauf ym, daß die Blüte der polnischen Landesteile in erster Reihe der preußischen Regierung zu verdanken sei. Wir bekämpfen nicht die Polen, wir bekämpfen nur die demagogischen Umtriebe der Polen. Die Polen bemühen sich, systematisch die Klust zwischen sich und den Deutschen zu erweitern. Der Minister führt Belege an aus polnischen Kalendern und Zeitungen. Wenn die Polen gute Preußen geworden sein werden, so werde es Zeit sein, an eine Versöhnungspolitik zu denken, aber nichther Die Abg. Lotz und Vorster(freikons.) betonen die Notwendigkeit der praktischen, technischen Ausbildung der Verwaltungsbeamten. Abg. Glembocki(Pole) führt aus, die objektive Art, womi v. Jazdzewski die Klagen vorbrachte, stimmte nicht zu der erregten Art, mit welcher der Minister sprach. Diese machten einen agitatorischen Eindruck, nicht aber als ob der Chef der Verwaltung sprach. Der Wohlstand der polnischen Landesteile sei kein Ruhm Preußens; es war die Pflicht und Schuldigkeit der Regierung, für das annektierte Gebiet alle Kräfte einzusetzen. Die polnische Bevölkerung wird stets zurückgesetzt und unterdrückt. v. Rheinbaben erwidert, er werde natürlich die von den Polen vorgebrachten Beschwerden prüfen. Weiterberatung morgen 11 Uhr. Preußischer Landtag. Berlin, 13. Februar. Am Ministertisch Frhr v. Rheinbaben. Präsiden v Kröcher eröffnet die Sitzung um 12 Uhr. 15 Minuten. Etat des Ministeriums des Innern. Die Einnahmen werden nach unerheblicher Debatte bewilligt. Bei Titel Ministergehalt titt Abg. v. Zedlitz(kons.) für die Trennung Beilins von der Provinz Brandenburg ein. Mit einem eigenen Oberpräsidenten für Berlin werde auch jede Unzuträglichkeit für die Polizeiverwaltung der Vororte schwinden und sich die ganze innere Verwaltung vereinfachen lassen Die Vorbildung der VerwaltungsbeWerther 12. Febr. Die gestrige, infolge Schneegestöber nicht stark besuchte christlich=soziale Versammlung bei Kolon Herm. Schwarze in Schröttinghausen wurde durch den Vorsitzenden Ellerorok mit einem Hoch auf S. M. den Kaiser eröffnet. Alsdann ergriff unser Parteifreund Bauer aus Gadderbaum das Wort zu einem 1½stündigen Vortrage. zu hören war allen deshalb eine besondere Freude, weil er den vollständigen Beweis lieferte, daß auch ein vollkommen überzeugter für die Sache eifernder Sozialdemokrat durch chriftlich=soziale Arbeit für das Christentum kann zurück gewonnen werden. Redner erzählte aus eigener Lebenserfahrung heraus wie er seinerzeit in Wien mit Most, Oberwinder und anderen bekannt und von diesen in die sozialistische Arbeit hineingezogen wurde. In packender Weise schilderte er sodann das Leben und Treiben des Agitationskomitees, das Zusammenarbeiten mit diesen Männern, die Arbeitseinteilung, das Einpanten der nötigen Reden die auf alle möglichen Fälle zugeschnitten waren und größtenteils von Männern wie Geib Motteler, Hasenelever und Haselmann herrührten. Die Seele des Ganzen war Most, welcher im Reden schier unergründlich war Redner charakterisierte seine Person, seinen Umgang mit den Genossen, zollte seiner Schaffens= und Arbeitsfreudigkeit hohes Lob und trat mit aller Entschiedenheit dem oft kolvortierten Märchen entgegen, Most hätte damals einem geheimen Laster gefröhnt. Nach Redners Ansicht sei der Grund für seinen satanischen Haß gegen göttliche Macht und alle weltliche Ordnung fast einzig und allein in den damaligen österreichischen Verhältnissen zu suchen. Es dürfte den wenigsten bekannt sein, daß auch er später für den Heiland gewonnen und schon seit Jahren in der Heilsarmee thätig ist. Schon dieses scheint dafür zu sprechen, daß in seinem Innern noch ein gewisses Etwas schlummerte, das zu einer Zeit erwachte. Redner ging dann dazu über, die Verhältnisse der österreichischen Arbeiterschaft zu schildern zeichDie Versöhnung auf Schloß Landeck. Original=Erzählung von E. J. achu geihoten.) Mit erhöhter Aufmerksamkeit beobachtete nunmehr Gerhard die zurückbleibende Schöne Eine Weile beugte sie sich über die Mauer offenbar um erst den Abstieg des Wagehalses abzuwarten, dann wandte sie sich langsam um und ging dem Hauss zu Mit gemütlicher Teilnahme schaute Gerhard, etwas vom Fenster zurücktretend auf sie herab jedoch plötzlich verwandelte sich seine Gemütsruhe in einen tötlichen Schreck„Eisbethl" durchfuhr es ihn Die schlanke Gestalt, der leichte Schritt, Haltung und Statur — alles stimmte zusammen, es war kein Zweifel möglich. Er hörte die Glasthür wieder leise klirren; sie war verschwunden Gerhards Gedanken drohten sich zu verwirren. Was hatte Elsbeth in dunkler Nacht dort mit einem Manne zu jeden, der auf diesem Diebeswege sich dem Schlosse nahte? Ein Romanheld hätte jetzt jedenfalls die dümmsten Streiche gemacht Glücklicherweise hatte Gerhard guch gar nichts von einem solchen an sich Zu seiner Ehre sei es gesagt, daß er auch nicht einen Augenblick die geringste Regung der Eifersucht empfand es ware ihm als Wahnsinn erschienen, an ihr zu zweifeln Aber was er empfand, war tiefe Betrübnis, daß sie vor ihm ein Geheimnis hatte und es so hartnäckig bewahrte. Nach längerem Sinnen war sein Entschluß gefaßt. Er mußte Klarheit haben, er konnte es nicht mehr ertragen, dieses geheimnisvolle Etwas zwischen sich und seiner Braut stehen zu wissen. Gleich morgen wollte er sie fragen und er war gewiß, auf eine offene Frage von ihr eine offene Antwort zu erhalten. ** Nachdem er diesen Entschluß gefaßt hatte, wurde er ruhiger, er schloß das Fenster und begab sich zu Bette, und es währte nicht lange, so verrieten seine Atemzüge, daß er sanft eingeschlummert war. Gerhard erwachte am andern Morgen von einem leisen Geräusch vor seiner Zimmerthür ein Klopfen, wie wenn Nägel eingeschlagen würden, war zu vernehmen.„Leise, leise, Heinrich“ ließ sich Elsbeth Stimme in halbem Flüstertone hören, damit wir ihn nicht wecken“ Hat nichts zu sagen, Fräulein, erklang des Dieners Stimme,„Bräutigams haben immer einen festen Schlaf Dann ein Rascheln und Rauschen von Laub, die Tritte entfernten sich wieder Gerhard erhob sich schnell; mit einem Schlage hatte beim Erwachen das ganze rätselhafte Ereignis vom gestrigen Abende wieder vor seiner Seele gestanden und ihm die Freude an diesem Tage doch leise getrübt. Er wünschte nur, daß er bald seinen Entschluß ausführen und mit Elsbeth sprechen könnte. Der Zufall schien ihm günstig zu sein. Als er aus seinem Zimmer trat, öffnete sich gleichzeitig die Thür eines gegenüberliegendes Gemaches, und die Gesuchte trat heraus. Nach herzlicher Begrüßung sprach sie glücklich:„Ich mußte. Dich heute morgen erst allein sprechen, mein Herz ist so voll! Komm, laß uns einen Augenblick auf den Balkon treten.“ Gerhard fand keine rechte Gelegenheit, mit seinem Anliegen herauszurücken und ging dehhalb etwas einsilbig neben ihr her. Sie führte ihn durch den Speisesaal. Die Tafel war schon gedeckt; der prachtvolle silberne Tafelaufsatz, ein springender Eber von der Meute angefallen war ein altes Schauftuck des Hauses, mit Stolz machte ihn Elsbeth darauf aufmerksant. die Blumenschalen und Vasen müssen noch gefüllt werden, sprach sie will mein Ritter seiner Dame dabei behilflich sein, nach dem Frühstück Blumen zu schneiden?“ Er nickte und folgte ihr schweigend zum Balkon, welcher vom Speisesaal aus seinen Zugang hatte. Elsbeth und Gerhard traten hinaus in die würzige, frische Morgenluft. Es war dasselbe Landschaftsbild, welches sie vorgestern vom Turme aus gesehen hatten; jetzt in der Morgenbeleuchtung hatte es einen neuen Reiz. Die Sonne stand ihnen im Rücken und warf ihren freundlichen Glanz auf das weite Thal, während die Berge im Hintergrunde im zarten Dufte zu verschwimmen schienen Innig umschlungen schauten die Beiden hinaus in den taufrischen Morgen „Gerhard,“ sprach Elsbeth leise„so hat mich dieser Blick noch nie ergriffen, es ist mir, als sei es ein Bild unsres eigenen Lebens. Heute, da unsre Verlobung öffentlich gefeiert werden soll, stehen wir ebenso auf hoher Warte und schauen hinaus in unsere Zukunft. Möchte sie ebenso sonnig sein.! Ich bin gewiß, fügte sie innig hinzu,„Gottes Gnadensonne geht nicht unter über denen, die ihn mit Ernst, fücheskteschhe schc „Haben die Eltern das auch erfahren in ihrem Leben?“ fragte er beklommen. Ganz gewiß,“ entgegnete sie zuversichtlich, „Immer?" lautete die zweifelhafte Frage. „Was meinst Du damit, Gerhard?“ erwiderte sie,„was ist Dir überhaupt heute morgen? Du bist so zerstreut und einsilbig. Gereut es Dich, daß Du mich erwählet hast?“ Sie sah schelmisch zu ihm auf. „Elsbeth“ sagte er indem er es vermied, ihren fragenden Augen zu begegnen,„ich möchte Dich um eine Auskunft bitten.“ Sie wurde zusehends ernster. „Ich wandle hier unter lauter Geheimnissen, überall stoße ich auf Rätsel. Ich habe bisher geschwiegen, aber was ich gestern abend im Garten gesehen, läßt mir nicht länger Ruhe. Elsbeth, ich soll doch Dein nächster Freund, der Vertraute Deines Herzens sein. Darf ich nicht teilnehmen an dem, was Euch alle so tief zu bewegen scheint“ Er hatte hastig gesprochen, denn es wurde ihm schwer, in diesem Augenblicke das peinliche Thema zu berühren, aber er mußte sein Herz erleichtern. Er blickte sie erwartungsvoll an, unsicher, wie sie seine Worte aufnehmen würde. Elsbeth war sehr ernst geworden; sie sah offen und ohne Verlegenheit zu ihm auf. „Gerhard,“ sprach sie mit Bewegung,„Du hast gewiß das meiste Anrecht, alles zu wissen, was mich und unser Haus angeht. Heute noch wird sich der Schleier lüsten, und dann, wills Gott, der dunkle Schatten für immer hinweg gethan sein. Wenn ich bisher nicht davon redete, so geschah es nur, weil es mir zu schmerzlich war, von der traurigen Angelegenheit zu sprechen, ohne daß Du zugleich den glücklichen Ausgang gesehen hättest. Darum bitte ich auch jetzt noch, gedulde Dich noch ein paar Stunden.“ (Fortsetzung folgt.) nete an einigen drastischen Beispielen die Unfähigkeit der Beamten gegenüber der politischen Arbeiterbewegung in den 70er Jahren, bis zum Tage seiner Ausweisung aus den österreichischen Kronländern Mit großem Interesse folgte die Versammlung den weiteren Ausführungen, als Bauer die Anfänge seines christlich=sozialen Denkens schilderte. Durch ein unscheinbares Vorkommnis— aber durch Gottes Fügung — sei ihm Stöckers Buch:„Christlich=Sozial“ in die Hände gekommen. Dieses Buch, enthaltend die Reden Stöckers über seine christl.=politische Thätigkeit namentlich aber über sein erfolgreiches Auftreten gegen Most, habe Redner eifrig studiert und unter diesem Eindruck immer mehrerkannt, daß nur die Verwirklichung der christl=sozialen Ideen eine thatsächliche Besserung unserer sittlichen und sozialen Zustände verbürgt Das spätere, öftere Hören Stöckers im Ravensberger Lande und das Bekanntwerden mit ihm habe ihn dann in seine# neuen Anschauung noch weiter bestärkt. Seitdem, so schloß Bauer unter lebhaftem Beifall, seien ihm die christlich=sozialen Ideen ins Herz geschrieben und für ihn das Morgenrot eines neuen Lebens geworden. Nach einer Pause sprach Kaufmann Budde jun Gadderbaum, über die politische Lage unter besonderer Berücksichtigung von Stöckers letztem wiederholten und wirksamen Auftreten im Reichstage Des weiteren führte er aus, daß an eine Besserung der Verhältnisse bezw. wirksame Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die Regierung und die sie dabei unterstützenden Parteien einstweilen nicht zu denken sei, so lange man die Judenwirtschaft und die mittelparteilichen Christusleugner für weniger gefährlich halte Redner besprach dann die Ziele der christlich=sozialen Partei auf sozialem Gebiete, wie Berufsorganisation, Wohnungsfrage Sonntagsruhe Witwenund Waisenversorgung, Beschränkung der Frauen= und Kinderarbeit u. s. w. Alles dies seien Forderungen, welche in den sittlichen Grundsätzen des Christentums wurzeln. Jeder habe nicht nur das Recht sondern die Pflicht, für diese Forderungen einzutreten. Wenn überall in christlich=sozialem Geiste gearbeitet würde, sei noch nicht viel verloren, aber noch vieles zu gewinnen. Es folgte noch eine längere lebhafte Besprechung über verschiedene praktische Fragen. Bei dieser Gelegenheit wurde wiederholt und von verschiedenen Seiten die Notwendigkeit betont, mit allen Kräften für die Verbreitung unseres Blattes„Das Volk“ zu sorgen Ein schriftlicher Gruß des in unserer Sache sehr rührigen Herrn Fabrikanten L Klein aus Freudenberg wurde vorgelesen und von der ganzen Versammlung mit lebhaftem Beifall begleitet und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß seine Wünsche für die Christlich=Sozialen in Minden=Ravensberg sich bald erfüllen möchten. Die Verammlung, mit Gesang begonnen, schloß in derselben Weise. Unsere Leser und Freunde bitten wir, bei freudigen und traurigen Familienereignissen uus stets eine diesbezügliche Anzeige zugehen zu lassen. Die große„Volk“=Gemeinde kann und muß gerade durch die Veröffentlichung derartiger Anzeigen bekunden, daß es ein gemeinsames Band der Treue und Auhänglichkeit ist, welches alle christlich=sozialen Freunde umschlingt. A. S. G. In Berlin bestehl ein Kindergärtnerinnen=Semmar des Fröbel=Vereins, SW. Johanniterstraße 9. Lassen Sie sich Prospekt kommen Das Schulgeld beträgt vierteljährlich Mk. 30.— Rheinprovinz. M.=Gladbach, 13. Febr. Die Stadtverordneten genehmigten das Pensionierungsgesuch des Oberbürgermeisters Kaifer zum 1. Oktober und bewilligten 10000 Ml. Ruhegealt. Die neue Stelle wird mit 10000 Mk. Gehalt und 500 Mk. Dienstaufwandskosten ausgeschrieben. Elberfeld, 13. Fehr. Der Hauptangeklagte in dem Militärbefreiungsprozesse, der 61jährige Agent Otto Strucksberg aus Köln, ist gestern im Gefängnis gestorben. Großherzogtum Mainz, 13. Febr. In Bodenheim ist die Witwe Codini, die jüngst ihren 104. Geburtstag gefeiert hatte gestorben. — Die Weberei und Spinnerei Gebrüder Kropp in Rheyt ist größtenteils niedergebrannt. 200 Arbeiter sind zur Zeit beschäftigungslos. Stettin, 13. Febr. Der Personen und Frachtdampfer Titania, der in regelmäßiger Fahrt zwischen Stettin und Kopenhagen läuft, wurde gestern nachmittag im Haff von Schiebeis zerdrückt und sank. Die Fahrgäste und die Mannschaft retteten sich aufs Eis, wurden vom Eisbrecher ausgenommen und nach Stettin gebracht Drei kleinere Dampfer Clara, Berlin und Pollux wurden vom Eis stark beschädigt, konnten aber Swinemünde erreichen. Ein kleiner Knabe in einer Schule von Nordhampton hat dem englischen Ackerbauministerium eine Zeit lang viel zu schaffen gemacht. Der Junge hatte irgendwo gelesen, daß das Ackerbauamt gerne bereit sei, allen, die darum ansuchen, Schriften über die Behandlung von Insektenseuchen vortofrei zuzuschicken Er ersuchte um Zusendung der Schriften und erhielt nach einiger Zeit in der That unter seinem Namen ein dickes Convert mit dem Siegel des Ministeriums, das die gewünschten Schriften enthielt Hocherfreut teilte er das seinen Schulkollegen mit, die nun ihrerseits auch nichts eiligeres zu thun hatten, als das Ministerium um nähere Informationen über die Behandlung der Insektenseuchen anzugehen. Die Sache ging von einer Schule zur auderen— und bald sah sich jeder zweite Schulknabe im Besitze eines von der Regierung gestempelten Converts Das Ackerbaumimisterium that eine Zeit lang sein Aeußerstes um der gesteigerten An frage genügen zu können, und sandte schließlich einen eigenen Beamten nach Northampton, um den besonderen Eharakter der Seuche, die sich so rapid auszubreiten schien zu erforschen Im Ministerium soll man sehr gelacht haben, als man erführ, wie viele Beamte durch den Einfall eines kleinen Knaben an der Nase geführt worden waren. Ein Metebrit von ungeheurer Größe ist nach einem Berichte von I. W. Nicolls in Rio de Ianeiro an die konig Istronomische Gesellschaft zu Londou in der Nähe von Porto Alegue zu Erde gefallen. Am 12. Februck v. J. gegen 7 Uhr morgens vernahm man in jener Gegend einen Schall ähnlich dem Kanonendonner und diesem folgte eine leichte Erderschütteruug Leute, die sich grade im Freien aufshielten und nach Worden blickten schen eine gewaltige Feu###ugel die aus den Wolken zu Erde herabsauste. In der Richtung des Falles fand man nachher auf einer oden Flache am Ufer des Rio dos Autos eine meteorische Eisenmasse die nicht wenigen als 26 Meter Höhe und an der Grundfläche einen Durchmesser von mehr als 17 Meter besitzt Hiernach gehört diese Eisenmeteon zu den größten, die jenals gesunden warden und und seine Untersüchung durch einen wissenschaftlich gebildeten Beobachter wäre hüchst wünschenswert. Die elektrischen Droschken scheinen sich in Amerik# schneller einzbnals in Deutschland Vielleich sind die dortigen Verhältnisse ihnen günstiger und haben verkehrspolizeiliche Bestimmungen dort weniger Einfluß auf ihre Bauurt und Einrichtung als der Zuspruch des Publikums in ihrer Benutzung. Wie die Zeitschrift„Automobile mitteilt, sind in Chieago 30 elektrische Droschken, sogenannte Hansom=Cabs, mit Erfolg in den Verkehr eingestellt worden, deren Bauart von der Berliner elektrischen Droschke weit abweicht. Entgegen dem allgemeinen Gebrauch ist die Antriebsmaschine mit der Vorderachse verbunden, während die Hinterachse über der der Wagenführer sitzt, zur Steuerung dient. Die größeren Wagen sind mit zwei Antriebsmaschinen zu je zwei es, die kleineren mit einer solchen Maschine und Differentialgetriebe ausgerüstet. Enfant terrible. Der kleine Fredi(zum Verehrer seiner Schwester, dessen Heiratsantrag heute mit Bestimmtheit erwartet wird):„Hast Du die Bombe mitgebracht?" Verehrer:„Welche Bombe?"— Der kleine Fredi:„Nun Schwester Ella hat doch heute früh gesagt, wenn Du abends kommst, wird die Bombe platzen. Bange Ahnung. Der kleine Hans muß stets mit denalten Kleidern und dem abgelegten Spielzeug seines älteren Binders Fritz vorlieb nehmen Eines Tages ruft er nach längerem Sinnen:„Mutter!"— Mutter:„Was denn mein Junge?" — Hans:„Muß ich später auch mal Fritz seine Witwe heiraten? Stoßseufzer Karlchen(bei den Schulaufgaben„Ach, wenn diese toten Sprachen doch einmal auch begraben wären!" Auf dem Balle.„Ach bitte, machen Sie uns doch mal ein Gedicht Herr Müller—„Bedaure sehr, meine Damen, ich dichte nur Sonntags.—„Ah, dann sind Sie sozusagen ein Sonntagsreiter auf dem Pegasus?“ Aus einem modernen Roman. Während der Graf und der Donner noch grollte zeigte das Mädchen und die Sonne schon wieder ihr lachendes Gesicht. Standesamt Weidenau. Angemeldet vom 4 bis 10. Februar 1900. Geburten: Emil Otto, S. d. Bergmanns Heinrich Bender in Seelbach ev.— Karl, S. d. Schuhmachermeisters Heinrich Wähler in Weidenau, ev.— Ernst S. d. Lageristen Heinrich August Nöh in Weidenau, Diss. Rudolf Heinrich, S des Fabrikarbeiters Karl Heß in Weidenau, ev.— Heinrich, S. d. Schriftsetzers Martin August Michel in Weidenau, ev.— Bertha, T. d. Puddlers Karl Otto in Weidenau, ev.— Erich S. d. Wirts Tillmann Eberhard Friedrich Wurm in Buschgotthardtshütten, ev— Friedrich Otto, S. d. Puddlers Friedrich Münker in Weidenau, ev. Eheschließungen Fabrikarbeiter Heinrich Friedrich Hermann Meinhard in Weidenau, ev und Dienstmagd Katharine Elisabeth Kloft in Weidenau ev.— Fabeikarbeiter Ernst Knetsch in Weidenau, ev., und Näherin Bertha Katharina Emma Hofheinz in Weidenau ev. Sterbefälle Lina, T. d. Hüttenarbeiters Johann Wagner in Weidenau ev., 2 J. a.— Emil Otto, S. d. Bergmanns Heinrich Bender in Seelbach, ev., 4 St. a.— Witwe Tagelöhner Jakob Gieseler, Katharina geb. Schäfer in Marienborn, ev., 63 J. a. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Die Aktienbanken beginnen jetzt ihre Abschlüsse für 1899 zu veröffentlichen, die infolge der hohen Zinssätze und der überaus jebhaften Thätigkent des Handels glänzende Gewinnziffern aufweisen Von besonderem Interesse ist stets der Abschluss der Bank des Berliner Kassen-Vereins, bei welcher meist die Börsengeschäfte reguliert werden Obwohl ein immer grösserer Teil der Effektenumsätze innerhalb der Kreditbanken erledigt wird und also gar nicht an die Börse gelangt, hat sich der Betrag der im ahre 1899 bei der Bank des Berliner Kassenvereins zur Einziehung eingelieferten Wechsel Effektenposten und Rechnungen doch gegen das Vorjallt um 3, gegen 1897 um 46 Milliarden gesteigert. Er belief sich nämlich 1890 auf 18/2, im ahre 1898 auf 15.1 Milliarden Mark. Allein der Ultimo-Verkehr stieg von 4492 auf 5297 Millionen M., während er in den letzten drei Jahren ziemlich konstant geblieben war. Man ersicht hieraus, dass sich das sogenannte Kontogeschäft thatsächlich immer mehr an die Stelle des früheren, jetzt für Industrie-Aktien verbotenen Ultimohandels gesetzt hat. Denn nach dem vorläufigen Bericht der Bank waren die Umsätze in Bergwerks- und Industmepapieren„Weitaus die grössten von allen Effekten“, und sie sind also bei der Steigerung der Ultimo-Regulierungen am meisten beteiligt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit hierin die Verfügung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 26. v M. Wandel schafft, nach welcher es den Kursmaklern fernerhin verboten sein soll,„Geschäfte in Anteilen von Bergwerks- und Fabriks-Unternehmungen zu vermitteln, welche ihnen als sogenannte Kontogeschäfte bezeichnet oder erkennbar sind“, und wonach dem Börsenvorstande untersagtist„die erwähnten Geschäfte bei der Kursfeststellung zu berueksichtigen Dei sogenannte„freie Verkehr“ scheint Mittel- und Nege gefunden zu haben, die offiziellen Börseneinrichtungen durch eine freie Vereinsthätigkeit auf dem Gebiete des modifizierten Ultimohandels und seiner Abwickelung zu ersetzen. Wenigstens war von irgend welchem Einflusse des Verbotes auf Umfang und Lebhaftigkeit des Handels in Industrieaktien bisher nichts zu verspüren, Wenn man bedenkt wie sehr in den weitesten Kreisen der grossen und mittleren Kapitalisten das Spekulieren an ausländischen Börsen, besonders an der Londoner zugenommen hat, muss diese Aufwendung riesiger Summen allein für die Agiotage Besorgnis erwecken. Sie bietet aber auch in höherem Grade, als wir bisher annahmen, eine Erklärung für die allgemeine Geichteuerung, für die Kursrückgänge der besten Anlagenapiere und auch für die Steigerung der Rohstoffpreise soweit an dieser der Hlandel den Ausschlag gegeben hat. ###ist bezeichnend, dass auch der jahresbericht der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft mit Rücksicht sowohl auf den Goldmarkt als auf die industrielle Konjunktur die Spekulation zur Vorsicht mahnt. Man wird dieser Autorität wohl mehr Bedeutung beimessen, als einem anonymen Zeitungsartike und wir können uns daher nicht versagen, hier einige Stellen aus dem Berichte wiederzugeben Nachdem dargelegt worden ist, woher die Geldknappheit des Jahres 1899 stammte, wird ausGeführt: „Handel und Industre weisen noch keine sichtbaren Zeichen eines Rückganges auf, die glänzende Lage der Wontanindustrie, aus welcher vielfach gefelgert wid, dass die Konuunktu ihren Höhepunkt noch nicht überschritten habe, ist allerdings kein Beweis dafür, weil der Bedarf an Eisen und Kohle natürlich erst nachlasst, wenn die diese Produkte benötigenden Industrien bereits weniger beschäftigt sind. Welche Ansicht von der Zukunft der Effektenmärkte man aber auch haben mag, immer ist im Auge zu behalten, dass auf jede Hlochkonjunktur schliesslich eine Zeit des Niederganges folgt Das in Industriewerten Gelder anlegende Publikum Wird sich daher die Frage vorzulegen haben, ob die Papiere, die es zu erwerben beabsichtigt, zu Kursen käuflich sind, die auch in weniger günstigen Zeiten als berechtigt betrachtet werden können.“ In der verflossenen Woche hat aus verschiedenen Gründen die Hausse der Kohlen-, Eisenund Elektricitäts-Aktien weitere erhebliche Fertschritte gemacht. Für die Aktien der Kohlenbergwerke wurde der Streik in Oesterreich und in Wurmreuter als Steigerungsgrund geltend gemacht, obwohl es den Anschein hat, als ob diese Streiks Erfolg haben, also die Preduktionskosten dauernd erhöhen werden, auch nicht ohne Einfluss auf weitere-Lohnerhöhungen in Schlesien, an der Rüht und Saar bleiben dürften. Aus dem Ruhrgebiet kommt ausserdem die Nachricht, dass die„Kohlennot nachzulassen beginne, trotz des wieder eingetretenen Frostwetters. Da nun auch mit Bestimmtheit die baldige Beseitigung der Kohlenausfuhrtarife auf den preussischen Staatsbahnen zu erwarten stcht, lässt sich nicht gerade behaupten, dass die Hausse in Kohlenaktien dem Gebot der Vorsicht entspricht. Für die höhere Kursbewertung der Eisenaktien wurde geltend gemacht, dass der Geldmarkt sich williger zeige und die Emission 4½ prozentiger Obligationen seitens der grossen Elektricitätsgesellschaften, die besonders unter der Geldknappheit litten, gestattet habe, woraus dann auf ein flotteres Geschäft in der Eisenindustrie schliesen sei Auch die Flottenvergrösserungen Deutschlands, Frankreichs, Englands und Russlands, die etwa 3 Milliarden Mark kosten würden, führte man als Haussemotiv an. Demgegenüber macht das„Centralblatt der Walzwerke“, das stets den Uebertreibungen der Börse warnend gegenübertritt, mit Recht geltend, die soliden Unternehmungen der deutschen Eisenindustrie würden den Mehrgennn der guten Jahre vorzugsweise für Erweiterungsbauten und technische Verbesserungen verwenden müssen, da eine Vergrösserung des Aktienkapitals zu solchen Zwecken nur auf Kosten der künftigen Rentabilität erfolgen könne und daher als unsollde Wirtschaft bezeichnet werden müsse, auch mache die soziale Fürsorge für die Arbeiter Mehraufwendungen nötig, zu denen die Industrie der Konkurrenzländer sich nicht herbeilasse. Aus allen diesen Gründen würden die deutschen Unternehmungen der Eisenindustrie den reichlichen Mehrgewinn der gegenwärtigen Hochkonjunktur zur Sicherung der Zukunft grossen Teils in Reserbefonds zurücklegen Der Kapitalist, der jetzt solche Aktien kauft, setzt sich also bei der Ditidendenerklärung seiner Gesellschaften veraussichtlich einer Enttäuschung aus. Es sei aber auch noch darauf hingewiesen, dass der Goldmarkt keineswegs die behauptete Besserung zeig. Der billige Privatdiskont der Börse ist offenbar künstlich beeinflusst, um für die Emissionen der Industris-Obhigationen Stimmung zu machen. Wie gering die Aufnahmefähigkei des deutschen Effektenmarktes in gut unterrichteten Kreisen eingeschätzt ird, ergiebt sich u. a. daraus, dass der ungarische Einanzmmhister davon abgesehen hat, eine neue Ausgabe ungarischer Geldrente in Deutschland zur Zeichnung zu stellen und sich trotz dringenden Geldbedarfs auf eine ihnere Anleihe beschranken muss Auch der neueste Reichsbankausweis zeigt, wie wenig auf eine Verbilligung des Geldes zu hoffen ist Während sonst der Februat Diskont-Ermassigungen brachte, muss in diesem Jahre die Reichsbank bei dem abnorm hohen Satze bleiben, um die Ausführ von Gold, die bereits wieder begonnen hat, hintanzuhalten. Trotz des höheren Diskonts haben die Rückflüsse sich nur ungefähr auf gleicher Höhe wie im Vorjahre gehalten, der Wechselbestand ist um 147 Millionen Mark grösser der Goldbestand um 30 Millionen Mark geringer Der Krieg und das Ausbleiben der Goldsendungen aus Transvaal machen sich hier aufs peinlichste fühlbar. Man begreift also wirklich nicht, wie unter solchen Umständen der Hausse-Enthusiasmus der Effektenspekulation sich steigern konnte IN. Pr.(Kreuz)-Zig.) Für die Leitung verantwortlich O Beckmann.— Unterhaltungsteil: Dr. Burckardt=Godesberg.— Anzeigen: Chr. Schlunz. Druck und Verlag der Westdeutschen Verlagsanstalt. E. G. m. b. H., Siegen, Sandstraße 18.