Die Zeitung erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei dem entsprechenden Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen. Bestellungen für Siegen außer der Post die Geschäftsstelle entgegen Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1.25 frei ins Haus 40 Pf. mehr, für alle Postabonnenten M. 1,35 frei ins Haus 40 Pf. mehr. Politische Die sog lex Heinze, das Gesetz zur Bekämpfung der käuflichen Laster, wie sie besonders in den Großstädten herrschen hat in abgelaufener Woche den Reichstag in vielen Sitzungen beschäftigt. Es stehen hier im wesentlichen drei Auffassungen neben einander. Zunächst die liberale, die von irgend einem Eingreifen des Staates überhaupt nichts wissen will. Diese Richtung, von der freisinnigen und jüdischen Presse aufs lebhafteste befürwortet, sieht Laster und Unsittlichkeit nicht als Uebel, sondern als eine Sache an, die jenseits von gut und böse liegt, als eine Privatsache, die nur den etwas angeht, der sie ausübt, am allerwenigsten aber den Staat Selbst die anständigste der freisinnigen Zeitungen, die Vossische spricht offen die Hoffnung aus, es möge aus der ganzen Sache nichte werden, denn nur die Orthodoxie habe ein Interesse daran, daß die Vorlage Gesetz werde.— Eine zweite Richtung, und hierher gehört die Regierung sieht die Prostitution als ein Uebel an, aber als ein notwendiges, dessen Bekämpfung im Grunde hoffnungslos sei. Man geht daher auch weniger darauf aus, das Laster zu bekämpfen, als Mittel und Wege, bez. eine Form zu finden, wie es möglichst unauffällig sein Wesen treiben könne. Man will lokalisieren Aber natürlich werden die Lokale nicht da geduldet werden, wo die reichen Leute wohnen sondern nur in geringeren Gegenden mit der Moral der kleineren Leute glaubt man kürzeren Prozeß machen zu können als mit dem ästhetischen Gefühl der Reichen.— Endlich eine dritte Richtung und erfreulicher Weise hat sie durch Einmütigkeit der Katholiken die Mehrheit im Reichstag ist die christliche Soweit sich evangelische Abgeordnete dazu bekaunten, war Stöcker ihr Wortführer Diese Richtung will nicht alles gehen lassen und dulden auch nicht verhüllen und reglementieren sondern einen rechtschaffenen Kampf. Gewiß giebt man sich auch hier keinen Tcuschungen darüber hin, daß es sich um einen unausrottbaren Feind handelt aber Diebstahl und Mord sind auch unausrottbar, und doch will neimand den Kampf dagegen aufgeben. Gewiß ist man sich auch hier klar darüber, daß die wichtigsten Waffen gegen den Feind nicht auf politischen sondern auf sittlichem und retigiösem Gebiet liegen#und daß die sittliche und geligiose Einwirkung vor auem Sache der Kirche ist. Aber es macht doch einen gaus gewaltigen Unterschied ob der Staat sich diesen Einwirkungen freundlich oder feindlich gegenüber stellt, ob die Verführung erleichtert oder erschwert wird. Auch der Staat kann durch rechte Handhabung seiner Machtmittel tausend Versuchungen und Anfechtungen besonders der Jugend aus dem Wege räumen und vor allen Dingen hindern daß die Sünde, statt auf der Flücht gehalten zu werden sich Polster zurechtlegt, daß sie nicht mehr gesucht werden muß sondern das Recht und den Freibrief bekommt, sich aufzudräugen Unnachsichtig müssen besonders alle die Vorwände zerstört werden, unter denen Kuppelei und sinnliche Reizung betrieben wird. Dahin gehört vor allem die angebliche Kunst wie sie in gewissen Theatern, Spezialitätenbühnen und Singspielhallen geübt zu werden pflegt. Nur das Laster nicht die Kunst, würde verlieren, wenn man diesen Höhlen ernsthaft zu Leibe ginge. Es ist wirklich kein Bedur###s daß unsere deutschen Großstädte mit Paris in einen Konturrenzkampf der Schamlosigkeit eintreten und unsere Jugend entnerven, wie die französische entnerbt ist. Ob es aber diesmal endlich gelingen wird etwas Gutes zu Stande zu bringen, steht leider doch noch dahin. Denn die Regierung sperrt sich gerade die besten Beschlüsse des Reichstags anzunehmen. Jedenfalls trifft aber die Schuld wenn wieder auf Grund der noch bevorstehenden deitten Lesung alles beim alten bleiben sollte, nur die Bureaukratie, die voll Aeugstlichten i. äftig zuzugreiten Und dech sollte hier welth irgendio, das alte Spuicht##in seine zweiten Hälfte beherzigt werden. Greif niemals in ein Wespennest enn u#eiesen In den letzten Tagen der Woche hat dann endlich uch die Beratung der Flottenvonlage begonnen Und die Verhandlungen haben bestätigt was man zum Voraus üßte daß mit Ausnahme der Sozialdemorraten und einiger##dikalen bürgerlicher Demokraten, vielleicht auch einigenPar#i# lavisten der Reichstag nicht nein sagen werde Freitschuch nicht ohne weiteres ja. Die Entscheidung liegt beim Centrum und das Centrum schiebt die Dechungsfrage in den Vordergrund Es will die Vorlage nur nicht in dieser F##m und in diesem Umfang annehmen aber auch keineswegs von Grund aus ablehnen. Diese Taktik des Centrums ist bekannt und bewähr Man geh in den einleitenden Erklätungen bis an die Greuze der Schrohe Bedente zuscammn##agen Aber man aßt ter miit sich reden vielleicht auch haudel Und in dem vorliegenden Fllei die vorsichtige Haltung der Kathalttei auch suchlich so vollkommen= gerechtfertigt, daß man nur wünschen könnte, die Konserbativen möchten mit gleicher Entschiedenheit das Interesse der Steierzahler wahrnehmen. Die Flottenvorlageird hiernach in die Kommon gehen Und in der Kommissten wird man Mittel und Wege ausfindig achen, wie die große Neubelgstung die agfähigsten Schulten zu legen sei. Der nationalliherle= Abgeordnete Bassermann hat seinerseits den theoretisch sehr richtigen Gedauten der Reichserbschaftssteuer aufgenommen aber wir bezweisell trotzdem dar er durchdringen wird bei den Praktikern Zunächst heißt es sich gedulden. Denn die Arbeit der Kommission wird Wochen in Anspruch nehmen. Der üda anische Kri# istimmer noch so nnentschieden, wieer von Anfang an gewesen. England macht verzweifelte Anstrengungen, seine Truppen zu verstärten und den schon zwei Mal mißglückten Eutsatz von Ladyfmith in einem dritten Anlauf zu erzwingen aberernsthaft vorwärts gerommmen ist man bishe sich Gleichwehl haben alle Niedertagen den Schirifkleitung und Geschäftsstelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Berlin: Agentur: NW Klopstockstraße 7. (D. v. Oertzen.) Durch die Zeitung„Das Volk“ finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westfalen, Hessen=Nassau und das Großherzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen=Verzu erteilen. Widerstand der britischen Nation bisher nicht brechen können, und die politische Schulung des Volkes und seiner Vertretung ist eine so gute, daß mit Ausnahme der Iren auch nicht ein einziger Oppositionsmann den Mut hat, die Verlegenheiten des Kabinetts im eigenen Vorteil auszunutzen. Im Gegenteil, man bewillig alles, was zur Fortführung des Krieges sich als nötig herausstellt. Eben darum muß man sich aber auch heute noch aller Vermutungen über den Ausgang des Krieges enthalten. Es stehen zwei Gegner im Felde, die beide an Kraft und Hilfsmitteln reich sind, beide entschlossen, dem Feind auch nicht um Haaresbreite nachzugeben. Und die Sache verspricht um so langwieriger zu werden, als die Buren sich so eigensinnig auf die Defensive beschränken, daß sie selbst glänzende Siege nicht im mindesten durch Verfolgung des geschlagenen Heeres ausnutzen, sondern diesem immer wieder gestatten, sich zu sammeln und von neuem anzugreifen. Natürlich bleiben die deutschen Sympathien unwandelbar auf der Seite des kleinen tapferen Volkes, das für seine Freiheit kämpft, und die Abneigung gegen die Engländer hat nur zunehmen können, seit Regierung und Parlament sich zusammengefunden haben in dem heuchlerischen Pathos, diesen frivolsten aller=Kriege für einen notwendigen und gerechten zu erklären. Den Ausfall der Engländer in gegen Suprise Hill schildert der##=jährige Denys Reitz ein Sohn des transvaalschen Staatssekretärs in der„Deutschen Wochenzeitung in den Niederlanden in folgender anschaulicher Weise: Am Morgen nach der Bestürmung des Lombardkops durch die Engländer wobei eine unserer Kanonen in die Luft gesprengt worden war, kamen die Rotjacken auf uns los wurden aber zurückgeworsen. Nachts bezogen wir die Brandwacht auf ungefähr 600 Schritt Abstand von dem Kopfe worauf eine kleine Haubitze stand Unter diesen Kopfe lagen andere Brandwachen, die entweder verräterischerweise oder aus Sorglosigkeit die Engländer vorbeiließen Ungefähr um 1 Uhr nachts hörten wir die Engländer auf dem Kopfe Hurrah rufen. Wir meldeten dies sofort dem Feldkornet Zeederberg aber bevor dieser kan, sprang die Haubitze in die Luft. Die Engländer riesen nochmats Hurrah. Da wurden wir dech# witend, daß wir in den Wald liefen, um sie im Rückmarsch aufzuhalten. Wir waren zu acht und es war natürlich stockfinster Als wir eine Weile gelaufen waren, hörten wir rufen: Haltl„Who goes there?“ Wir schossen eine sarsie(Charge) in die Richtung der Stimmen und liesen dann, so schnell wir konnten nach einem hinter uns liegenden Graben. Nachdem wir dort einige Minuten gewartet hatten, gingen wir wieder in den Wald Ungefähr eine Meile mochten wir gelaufen sein, als ein Trupp Engländer auf uns schoß. Wir beantworteten ihr Feuer Hier bekam Sampie van Zil dicht neben nir zwei Rugeln durch, die Kehle und Lunge, sie schossen seine Kleider in Brand. Er stanb nicht gleich der fröhliche Junge wir legten ihn gegen die Böschung und gaben ihn Wasser. Dann mußten wir ihn verlassen, denn die Engländer waren vor und hinter uns Wir liesen nach der gegenubertiegenden Böschung, dort sprang ein Engländer auf mich los und wollte mich mit dem Bajonett stechen er stand aber zu hoch und traf mich nicht. Daranf riefer„Throw down vour gun and Iwontit sheot. Ich sagte Throm down vour gun or shall shoot!“ und ich würde ihn auch niedergeschosfen haben, aber er warf sein Gewehr weg. Darauf destelle er an seiner Brust herum, wahrscheinlich um seine Parrontasche abzunehmen ich dachte er wolle einen Revolver heransziehen, und da auch noch die Kameraden riefen Skiet hom, Reitz, skiet kom hätte ich beinahe abgedrückt, aber ich konnte es doch nicht übers Herz bringen einen Mann auf zwei Schritte Abstand totzuschießen und so sagte ich ihm„Püt un vour hands“, was er sofort that. Inzwischen kauten die Eugländer heran. Wie konnten alles hören, was sie sagten. Sie waren i den Wolten und ahnten unsere Gegenwart nicht Wir warteten bis sie auf zehn Schritt vor uus standen es waren so gegen 200 Mann, dann schossen wir in den dichten Hausen Sie blieben stehen und riefen Pifle Brigade Sicherlich halten sie uus in der Dunkelheit ## ihre Landsleute. Als sie den Iertum bemerkten, einer Lei us enarge#in Offizier Kapitan Palay, giug auf uns zu und bekam zwei Schüsse Joubert(der 9=fährige Bruder des Schreibers schoß nochmals und da fiel er über uns hin Vier Engländer singen Jan Lutter sie schlugen ihn mit ihren Gewehren auf den Kopf und stachen ihn mit dem Bajonett in den Bauch Er packte zwei an der Kehle und schrie Heip kerels Die zwei Kameraden neben ihm setzten den Engländern die Gewehrläufe auf den Leib und schossen sie t# aber vanach kamen die Engländer in hellen Haufen, sodaß sie uns hatten tottreten können. Nun drückten wir uns gegen die Grabenwand und verhielten uns mänschenstill. Sie kamen einzeln auf sechs Schritte Abstand an uns vorber Wären wir mehr an Zahl gewesen, so hätten wir weiter geschossen Ein paar von ihnen irrten vom Wege an und wären beinahe zu uns in den Graben gefallen. Es tagte schon, als sie alle an uns vorbeimarschiert waren. Wir sanden 29 Todte und Verwundete Kapitän Palay lebte noch und wir thaten für ihn was wir vermochten, aber wir hatten kein Wasser und so stach er denn kurz danach. Jeder der Verwundeten, darunter ein Major und ein Korporal, hatte mehrere Wunden Deshalb mußte einer der Gefangenen nach Ladysuhit laufen um Doktoren zu holen. Wir gingen dann durch den Wald zu den Unseren zurück liegt kaum etwas Erwähnenswertes vor Dr. Leyds hat sich am Donnerstag abend von Berlin nach Brüsel zurückbegeben. Ver seiner Abreise erklärte er die letzten Nachrichten vom Kriegsschauplatze ließen ihn ganz ruhig. Jeder Freund Transvaals, der das Land kenne, werde mit Gleichmut den nächsten Ereignissen entgegensehen. In der That ist auch seit Wochen keinerlei Ereignis eingetreten, das irgend eine wesentliche Veränderung der Lage bedeutete. Der Kranskloof, den die Briten für so wichtig halten, liegt nordöstlich von Potgietersdrift, seine südlichen Ausläufer reichen gerade bis an das große Tugelaknie heran, das der Fluß hier bildet. „Auf dem Marsch nach Ladysmith" befinden sich die Briten eben so sehr oder so wenig, als vor 14 Tagen am Spionkop. Aus London wird wieder einmal gemeldet, die Regierung beabsichtige 37 neue Batterien zu schaffen und für zahlreiche Regimenter dritte Bataillone zu bilden. Wie man das möglich machen will, wird nicht gesagt. Reuters Bureau meldet aus dem Quartier der Buren vor Ladysmith vom 8. ds. 9 Uhr morgens über Lourenco Marques vom 9. Februar 11 Uhr 30 Min. morgens: Die englischen Truppen, welche im Besitz des Molenspruit=Kopjes waren, haben dasselbe heute morgen aufgegeben, nachdem die Artillerie der Buren das Kopje bombardiert hatte. Die Engländer haben sich über den Tugela in ihre alte Stellung zurückgezogen. Heute vormittag wurde am Tngela mit Unterbrechungen eine Kanonade unterhalten. Es hat fast den Anschein, als ob die Buren nichts lieber sehen, als wenn die Briten einen neuen„Vormasch über den Tugela antreten. Denn so oft die Briten über den Fluß gehen, genau so oft werden sie mit bedeutenden Verlusten zurückgeschlagen. Die Stockung in Bullers Augriff der am Montag in Ladysmith in Gemeinschaft mit White zu Mittag essen wollte, wird in London durch die Notwendigkeit erklärt, neues Geschütz in Position zu bringen, verursacht aber gleichzeitig die sorgenvolle Erwägung, daß die Buren inzwischen wertvolle Zeit gewonnen haben, das weitere Vordringen in bekannter Weise zu erschweren. An Nachschüben sollen in diesen Tagen bis nächsten Montag wieder 13000 Mann und 3000 Pferde nach Südafrika abgehen. Aus Pietermaritzburg wird ergänzend vom 7. d. Mts gemeldet Bei Ngutu im Zululande fand ein Gefecht zwischen Engländern und Buren statt. Die Engländer standen unter dem Befehl eines Lokalbeamten namens Hiquette. Sie waren an Zahl den Büren überlegen mußten sich aber ergeben. Sie wurden sämtlich nach Helpmakgar als Kriegsgefangene abgeführt Die Zulus befinden sich sämtlich in großer Aufregung. Das Burenkommando von Helpmakgar hat eine starke Truppenabteilung nach Buffalo River gesandt. Die Zahl der gefangenen Engländer ist nicht bekannt. Im übrigen liegen noch folgende Einzelmeldungen vor: 8. Febr. Maedonald hatte sich gestern den ganzen Tag der Angriffe der Buren aus seine Stellung um Koodoosberg zu erwehren. Die Engländer verloren fünszig Mann. London, 9. Febr. Ein Telegramm aus Rensburg vom 8 Februar berichtet, daß die Engländer während einer ganzen Stunde die Burenstellungen, welche östlich gegenüber Slingersport liegen, beschossen. Das Feuer war hauptsächlich gegen die Burenbatterien gerichtet. London, 9. Febr.„Morning Post“ berichtet, daß in den Wandelgängen der Kammer von einem bevorstehenden Kredit von 400 Millionen Mark zu Kriegszwecken die Rede sei. Berlin, 9. Fehr. Der„Lokal=Anzeiger berichte aus Pest: Eine hiesige Firma kaufte für englische Rechnung 5000 Pferde, die in der nächsten Woche nach Durban geschickt werden. Brüssel, 9. Febr. Der Antwerpener„Matin“ erhält von seinem Spezialkorrespondenten, der sich an Bord des von Marseille nach Lourenco Marques abgegangenen Dampfers„Yangtse“ befindet, die Mitteilung, daß zwei Söhne des französischen Generals Chareste, sowie zwölf andere Franzosen als Passagiere für Trausvaal mitfahren, außerdem ein russischer Militär=Attache, welcher sich zu Jouberts Stab begievi, und ein— englischer Spion. Londa Fehr Mehrere Telegramme aus Spearmans Camp von gestern melden, daß bewaffnete Kaffern auf seiten der Buren am Kampfe beteiligt waren; ein englischer Offizier ist durch einen Kaffer verwundet worden.— Die Abendblätter veröffentlichen ein Telegramm aus dem Lager bei Sterkstroom von heute, daß eine britische Patronille, bestehend aus einem Sergeanten und sechs Mann der Brabant=Reiterei, in einem Scharmützel gestern früh gesangen genommen ist. Siegen, den 10. Februar. — Zu den Berliner Wahlen schreibt uns ein Freund unseres Blattes. Die Berliner Briefe gehören zu meiner Lieblingslektüre. Ob sie uns Thatsächliches aus der Reichshauptstadt berichten oder ob sie Reflexionen darüber anstellen: Die Briefe sind immer interessant. Dies schließt Kritik nicht aus, sondern vielmehr ein. Was im letzten Berliner Brief vom 3. Februar(Nr. 30) über die Kandidatur Damaschkes zur Stadtverordnetenwahl geschrieben wurde das konnte nicht klären und nicht überzeugen; das war ein Meisterstück diptomatischer Redeweise mit: Ja—— Aber. Die Nationalsoziglen ziehen unter einer hübschen Fahne ins Feld aber wir können nicht gut hinterdrein ziehen. Herr Damaschte hat ein Programm aufgestellt, dem wir in den meisten Punkten nur zustimmen können aber— wählen können wir ihn doch nicht gut. Seine Person und sein Promm ist vorzuziehen im Vergleich mit den Kanoioaren der aber— erist zu eintönig rein national=sozial Also nicht die Person Damaschtes nicht sein Programm ist der entscheidende Grund des Zögerns der Bedenken, sondern die Zugehörigkeit zu den bösen National=Sozialen. Eine solche Stellungnahme mag durch mancherlei Erfahrungen im Kleinkampf der Parteien wohlbegründet sein; aber, wer außerhalb der Stimmungen und Verstimmungen, außerhalb der Reibungen und Zusammenstöße steht und von objektiver höherer Warte urteilt kann diese Stellungnahme nimmermehr gut heißen. Bei einer Wahl, für welche ein eigener Kandidat nicht aufgestellt werden kann, liegt doch die Frage sehr klar nach welcher die Entscheidung zu treffen ist: Welcher der Kandidaten steht uns am nächsten, oder, wenn man lieber will, am wenigsten fern? Welcher bietet die größte Sicherheit, daß er seinen ganzen Einfluß einsetzt für energische und verständige kommunale Sozialreform und für Wahrung des christlichen Charakters, besonders des Schulwesens? Welcher Kandidat wird für die christlich und vaterländisch gesinnten Arbeiter, überhaupt für die kleinen Leute und ihre Interessen am warmherzigsten, am thatkräftigsten und ohne schädlichen Radikalismus eintreten? Wird die Frage so gestellt, so sollte die Frage nicht allzu schwer zu beantworten sein nach der Uebersicht, welche unser verehrter Briefschreiber selbst giebt. Daß Damaschke in Fragen der städtischen Sozialpolitik bewandert ist, hat er bewiesen durch sein neuestes Buch„Vom Gemeindesozialismus(Preis 1 Mk.) Vor Jahresfrist habe ich selbst einen Vortrag Damaschkes über dieses Thema in Heilbronn gehört: Mit wenig Ausnahmen konnte ich ChristlichSozialer den Ausführungen herzlich zustimmen. Aber: Steht er nicht„in den Fragen des Christentums auf anderm Boden" als wir? Damaschke gehörte zu denjenigen welche seiner Zeit bei der Gründung des national=sozialen Vereins für reinliche Scheidung der Religion und der Politik eintraten, aber wie er mehrfach betonte aus Hochachtung vor der Religion Dieser Standpunkt ist falsch. Nachdem sein Standpunkt nicht durchgedrungen, hat er ausdrücklich dem§.7 der Grundlinien der Nationalsozialen zugestimmt:„Im Mittelpunkt des geistigen und sittlichen Lebens unseres Volkes steht uns das Christentum, das nicht zur Parteisache gemacht werden darf sich aber auch im öffentlichen Leben als Macht des Friedens und der Gemeinschaftlichkeit berühren soll. Das Allermindeste was wir aus dieser Zustimmung, wie überhaupt aus der Zugehörigkeit zu den National=Sozialen schließen und hoffen dürfen ist, daß Damaschke christliche Ueberzeugungen und Einrichtungen achten und nie Maßregeln zustimmen wird, durch welche christliche Ueberzeugungen und Einrichtungen verletzt und angegriffen werden. Zum Schluß noch eine rein praktische Erwägung: Wird in dieser Wahl von unserer Seite Stimmenthaltung empfohlen, so wird, da die Aussichten des konservativen Kandidaten offenbar ganz gering sind, nur die Sache des Freinuns oder der Sozialdemokratie gefördert. Dessen dürfen wir uns nicht schuldig machen Gewichtige grundsätzliche und taktische Differenzen bestehen zwischen uns und den National=Sizialen aber darüber darf und soll das Gemeinsame nicht vergessen werden — im Interesse der Sache der Einführung und Fortführung sozialpolitischer Gesichtspunkte und Maßnahmen auf dem Gebiet der Kommnalverwaltung Wir behalten unserem Mitarbeiter„Eberlin" die Entgegnung vor. — Die besonderen Kohlenausfuhrtarife beabsichtigt sicherem Vernehmen nach die preußische Staatsbahnverwaltung schon in allerna hster Zeit aufzuheben nachdem sich wie wir gestern an dieser Stelle meldeten, die Budgetkammission des Reichstages mit 19 gegen 1 Stimme für die Aufhebung der Ausfuhrtalise ausgesprochen hatte Sie waren ursprünglich eingeführt um unseren Kohlenzechen den Absatz zu erleichtern sie haben jetzt ihren Zweck erfüllt und sind unnötig geworden seit es den Kohlenzechen nicht einmal mehr gelingt, den Inlandbedarf zu befriedigen. — Die ler Heinze in der Form wie sie in zweiter Lesung im Reichstage beschlossen worden ist erklärt die halbamtliche Verl Korr nachmals für völlig uannehmer für die Regierung wegen der Heraussetzung der Schutzgrenze si junge Mädchen wegen des Arbeitgeberparagraphen und wegen des sogenautten Theaterparagraphen Die Regierung hoffe, daß die Mehrheit des Reichstages in dritter Lesung zu Entschließungen gelangen wird, durch welche die mit den Zielen der einheitlichen Rechtsprechung und den Verhältnissen des praktischen Lebens unvereinbaren Mehrheitsbeschlüsse der zweiten Lesung beseitigt werden Falls der Reichstag zu einer veränderten Stellungnahne in dem augedeuteten Sinne sich nicht bereitfinden lassen sollte so wäre die vorliegende Novelle zum Strafgesetzbuche als gescheiter zu betrachten. Die verbündeten Regieruugen wirden jedenfalls auf lange Zeit hnans darauf verzichten müssen mit neuen Vorlagen zur Bekampfung der Unsittlichten und Unzucht an den Deutschen Reichstag heranzstreten, da ihre Anträge bisher im Reichstage nich das ausreichende Maß von Entgegenkommen gefunden haben. Sie würden aber auch sich nicht daz verstehen nnen durch pofitive Anteilnahne ernente Beratungen des Reichstages über elw eingebrachte Initistiganttäge der oben geleunzeschneten Art zu unerstützen Dagegen spricht der Reichsbote mit Recht die Hoffnung aus daß der Bundesrat sich eines Besseren besinn Der Bundesra wurde seiner Autorität gerade in den sittlich erusten Veltstreifen au deren Vertrauen es ihn doch vor allen ankommen muß einen argen Stoß versetzen wenn er diese Beschlüsse der Reichstagsmehrheit ab— und sich von den Sezi#ldemokraten der Sorge de Sittlichtei übertreffen ließe Möchte man die Kon##zen hierven wohl bedenten— sie wiegen schwerer, als die vorgebrachten#nen ristischen Bedenken — Der Unterausschuß der böhmischem Abteilung der Verständigungs=Kouserenz beschaftigte sich die aus Wien gemeldet wird am Donnerstg mit der Sprachenfrage bei den autonemen Behürden Böhmens Nach eingehender Beratung wurde in einigen Punkten eine Annäherung der beiderseitigen Anschauungen erzielt und die Storterung über mehrere Asher noch ossen gebliebenne Fragen der nächsten am Montag vormittag stattfidenden Sitz#g vorbehetten Von anferer Asenr Berlin, 9. Febr Der begonn gesten der überfüllten Zuho#erihnnen, aber bei nich aulhistart besetztem Saale die eiste Lesung der Novelle zum Ferhengeset die der Staatssekreth des Reichsmarmeamtes Vize=Admiral T##rpis enleitete Es war lein glüchverheißende Stern, unter den dies E##gsred sand Der Sta## sprach tontes s#ckend und mehrfach traten veinliche Pausen ein, beben der Redier nachden er sich der Schweiß von der Stirne gewisch das Wort wiederfand Seine Darlegungenumschrieben den auch ohne wirksame neue Momente zu bieten, die Einle##ngsede von den verbändeten Regierungen vorgeligten Deutschri die absomnte Notwendigkeit einer starten Schlachtstatte sei erwiesen und da man#egsmarinen nicht improvisieren kann so seies eben nicht zu umgehen, daß schon im zweiten Jahre des Serennats das neue Ftottenprogramm der Genehmigung des Reichstages unterworfen werde Hinsichtlich der Deckungsftage verwies der Vertreter des Reichsmarineamts a den Reichsschatzsekreich Beisall betan der nnglücklich Marineminister nicht denn das Haus merkte st, das er geender habe, als der Präsiden schon den Nachteiger das Wort gab Erster Redner aus dem Hause war der bayerische Centrumsabgeordnete Dr. Schadler. Auch das Centrum wolle eine starke Kriegsstotte müsse dahe ber in Betracht ziehen einmal aufer Landheer— unsere Stärke nun einmal aus dem Tande— und dann die Sei# unseres Volkes. Auch dürften wir nicht außer acht lassen, daß wir nicht allen Feinden gleichzeitig die Spitze bieten können. Wir könnten nicht gleichzeitig zu Lande und zur See die ersten sein. Der Reichstag stehe, um ein Wort des schwer leidenden Abg. Dr. Lieber zu gebrauchen, vor einem völligen Umsturz des Flottengesetzes von 1898.„Einen solchen können wir nicht mitmachen, und daher habe ich im Namen meiner sämtlichen politischen Freunde zu erklären; wir sind für das Gesetz in der Form und dem Umfange, wie es uns hier vorliegt, nicht zu haben.“„Die Wasserpatrioten und KathederMarinisten" hätten gut reden und hüteten sich wohl, ihren Patriotismus umzumunzen. Uebergehend zur Deckungsfrage verbreitete sich Redner über die Finanzlage des Reiches, die keineswegs rosig sei. Man verweise auf einen neuen Millionen=Pump, aber sei das wirtschaftlich? Erst müsse die Deckungsfrage gelöst werden, ehe weitere Bewilligungen erfolgen könnten. Die Kosten müßten die Interessenten tragen. Jedenfalls müßten die leistungsfähigen Schultern herangezogen werden und die Lösung der Deckungsfrage dürfte nicht im Sinne der Resolution Mirbach im preußischen Herrenhause (Erhöhung der indirekten Reichssteuern erfolgen. Das Eentrum fürchte das Gespenst einer Reichstagsauftösung nicht. Es sei nicht gegen eine starke Flotte es wisse, was es der deutschen Flagge schulde, aber man müsse auch fragen, ob das Volk die neuen Lasten tragen könne. Der bayerische Centrumsdemokrat sprach schärfer als es Dr. Lieber gethan haben würde, doch konnte immerhin der Abg. Bassermann(nl.) nachher erklären, daß das Centrum keineswegs alle Brücken abgebrochen habe und daß vielleicht schon nach Beendigung der Verhandlung in der Budgetkommission die Erklärungen des Centrums viel freundlicher als jetzt lauten würden. Die Deutschkonservativen sind wie Herr von Levetzow sagte, obwohl— keineswegs— Flottenschwärmer, doch aus nationalen Gründen und aus Rüchsicht auf die Erhaltung der deutschen Weltmachtstellung bereit für die Flottenvermehrung einzutreten die Deckungsfrage beschwert ihn nicht, da sie ja auch in der Vorlage keine Erwähnung finde. Auf einen gänzlich ablehnenden Standpunkt stellen sich die Sozialdemokraten sie sehen wie Abg Frohme ausführte in einer großen Schlachtslotte eine vermanente Bedrohung des Friedens. Als ob unser stirkes Landheer in den letzten 50 Jahren den Frieden bedroht hätte Redner schloß mit einem warmen Appell zur Einigkeit in nationalen Fragen, warnte das Centrum davor es zu einer Auftösung kommen zu lassen und sprach unter dem Widerspruch der linken Seite die Hoffnung aus, daß der Abgeordnete Richter in der Flottenfrage einen Teit seine Fractionsgenossen oder doch wenigstens seiner Wahler nicht hinte sich haben werde. Von den übrigen Parteien kam nur noch der Vertreter der bayerischen Bauernbündler Abg Hirper zum Wort, der in rednerisch wenig glücklicher Weise sich gegen die Vorlage aussprach. Die Beratung wurde vertagt. In dem Duell zwischen der Germania und der agrarischenD Tageszig hat jetzt das katholische Blattwieder einen Schuß abgegeben. Da heißt esWir glaubten, die Deutsche Tageszeitung hätte izwischen Zeit und Gelegenheit gesunden in den ihr nahestehenden Kreisen Erkundigungen einzuziehen und heute abend will dieselbe feststellen„daß von den koufervativen Abgeordneten, die dem„Bunde der Landwirte näher stehen keiner eine Unterredung mit einem Centrumsabgeordneten gehabt hat wie sie-von der Germanig durgestellt worden Bei der nochmaligen Wiederholung ihre Forderung Namen zu nennen glauben wir der Deutschen Tageszeitung einen noch deutlicheren Fiugerzeig geben zu sollen, als dies bereits in unserem oben erwähnten Artikel geschehen ist. Der konservative Abgeordnete Freiherr##n Wangen heim Vorsitzender des Bundes der Landwirte wbird sich gewiß noch der neuerlichen Unterhaltung mit einem Centrumsabgeordneten au dem Wege vom Abgeordnetenhause zum Reichstage erinnern deren Inhalt wir wiedergegeben haben— Im Anschluß daran hatten#bir an einen ähnlichen Fall erinner welcher sich im Frühjahr 1899 anläßlich der Militärnovelle ereiquete Auch damals trat eine hochgestellte Person Mitglied der konservativen Partei welche sich des Vertrauens der allerhöchsten Kreise erfreut, an Mitglieden des Centrums heran um solche zum Festhalten an dem Abstrich von 7000 Man zu ermutigen wahrend die konservative Parte geschloßsen für volle Bewilligung eintrat dieser Abgeoduete var der D#. Udo Graf zu Stolberg Wernigerode Oberpräsiden D. Generalmajor a suite der Armee Will die Deutsche Tageszeitung auch dies bestreiten, so mag sie uns Gelegenheit geben vor Gericht den Beweis der Wahrheit zu führen. „Var Gericht wird diese Sache wohl kaum verhandettwerden. Aber Herr von Wangenheim wird ein Wort der Aufklärung nicht schuldig bleiben. Auf das Gesetz Heinze kommt das Organ des Ministers des Innern die Ber Korr zurück, um es in der Fassung Rweite Lesung si unannehmbar zu erklären und zwar wegen der. Heraussetzung der Schutzgrenge für junge Mädchen, wegen unrunter uns inteSheater Baragraphen Die Regierung hoffe, daß die Mehrheit des Reichstags in deitter Lesung zu Entschließungen gelangen wird durch welche die mit den Zielen der einheitlichen Rechuchrschtiee#nd den Verhathise des#täktischen Lebens unvereinbaren Mehrheitsbeschlüsse der Zweiten Lesung beseitig werden Falls der Reichstag zu einer veränderten Stellungnahme in dem angedeuteten Sinne sich h bereit finden lassen sollte so ware die vorliegende Novelle zum Strafgesetzbuch als gescheitert zu betrachten Die verbündeten Regierungen würden jedenfalls lange Zeit hinaus darauf verzichten müssen it neuen Vorlagen zur Bekampfung der Unsittlichten und Unzuch in den Reichstag heranzutreten da ihre Anträge bisherim Reichstage nicht das ausreichende Maß von Entgegenkommen gefunden haben. Sie würden aber auch sich nicht dazu verstehen können durch posttibe Anteilnahme erneute Beratungen des Reichstages über etwa eingebrachte Initiattvanträge der oben gekennzeschneten Art zu unterstützen— Leideri zu füichten dan alles beim altei bleibt Aber es ist vom Reichstag nich zu verlangen, daß er einer Verschlimmerung des gegenwärtigen Zustandes zustimm nerr Dr. Lends hat Berlin verlassen um in Begleitung des Legationssertetcts Joncheer van der Speben nuch Brussel zurückzuiehren Man hat die verschiedenartigsten Vermatungen M u Aufenthalts dieses Staatsmannes in Berlin ein Zweck der dch die Teilnahme an dem Kausergebuistags#n des Reichsk#uzters nich erschönft sein konnte. Die Einen sprachen von Deagbabn=Frage de augeblich zu dislematischen Besprechungen Anlaß gegeben habe. Die Anderen behaupteten es häudele sich um Pulsfühlungen betreffend die Auerkennung der Unabhängigkei Trausvaals durch die Mächte Wie das Berl Tageb zu wissen glaubt, ist jedech keines dieser Themata in den Unterredungen, die der sudafrikanische Diplomar hier Sehan#uh nur ernstlich berüher werden Dagegen scheint Her Dr. Tend= seinen Aenchelt in Berlin dazu benutzt habe, um mit finanziellen Kreisen Fühlung zu nehmen behufs einer Transaktion, die der Südafrikanischen Republik die Beschaffung von Geldmitteln in größerem Umfange zu ermöglichen geeignet wären. Ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt waren, bleibt zur Zeit noch im Dunkeln. Mit den sozialdemokratischen Flotten=ProtestVersammlungen liegt es etwas anders, als wir gestern auf Grund unvellständiger Berichte glaubten annehmen zu sollen. Fast in allen diesen Versammlungen hatten sich Gegner der Sozialdemokratie meist Prefessoren eingefunden aber auch Vertreter des Vereins deutscher Studenten mit Dr. Wendtland an der Spitze, waren in der Versammlung des Rechtsanwalts Heine erschienen der früher selbst diesem Verein angehört hat. Hier war die Opposition am stärksten, sodaß es fast zu Thätlichkeiten kam. In der Diskussion versuchte Dr. Wendtland, der vielfach unterbrochen wurde, die Notwendigkeit der Flottenvermehrung nachzuweisen die erster Linie dem Schutz überseeischer Interessen dienen solle. Die Sozialdemokratie habe anscheinend kein Gesich für die Schmach, die dem deutschen Namen zgefügt se.(Läum. Der Vorsitzenbe veranlaßt den Redner dese Beleidigung der Versammlung zurückzunehmen. Dr. Wendtland fortfahrend Ich konstatiere, daß Sie heute das als eine Beleidigung empfinden, was Sie sonst ruhig hinnehmen(Lebhafter Beisall bei den Studenten Der Vorsitzende fordert diese au die Beifallsbezeugungen mit den Stiefeln— das Scharren zu unterlassen Große Heiterkeit. In anderen Versammlungen sprachen Professor Delbrück, Dr. von Wenchstern und andere und zum Teil sollen sie sehr gut und wirksam gesprochen haben Ein Erfolg wurde natürlich ningends erzielt denn in solchen wohl vorbereiteten Partei=Versammlungen haudelt es sich lediglich um die einfache Machtfrage. Nicht die besten Gründe verbüngen den Sieg sondern die Mehrzahl der lautesten Schreien die was auch gesagt werden möge, ihre vorgefaßte Meinung mit Hand und Fuß und Mund verteidigen. Berlin, 9. Februgt. — Der Kauer stattete dem englischen Botschafter gestern abend einen längeren Besuch ab und nahm alsdann an einem Diner beim Staatssekreth Grafen Bülow teil. Die Kaiserin krifft heute mittag zu einem Besich der Prinzen in Plön ein. Das Befinden Dr. Liebens war in der ersten Halfte der Nacht gut in der zweiten Hülfte durch lebhaftes Fieber unterbrochen Der Kräftezustand ist unverändert. Der Reichskanzler erkundigt sich täglich nach dem Befinden des Kranken. Der Landtagsabgeordnete Rohde=Wachsdorf ckons# ist heute Nachmittag hier gestorben. Braunsch weig. 9. Febr. Der dem Landtag zugegangene Gesetzentwurs betr. Vertragsbruch in landwirtschaftlichen Arbeitsverhättnissen schließt sich genau dem anhaltischen Gesetz an. dem Wien 9 Febr. Wie die„Neue Freie Presse meldet, würde von den Reservisten, welche bei der Kontrollversammlung in Gaya mit Dde antworteten, vom Brünner Militärgerich ein Unteroffizier wegen Meuterei zu 15 Monaten Festungshaft ein Oberjäger wegen Insubordination zu 8 Monaten Festungshaft und 5 Reservisten zu 6Monaten schweren Kerkers verurteitt. Petersburg, 8. Febr. In Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin sand gestern die Taufe des Sohnes des Größfürsten Alexander Michailowitsch und der Großfürstin Fenia statt. Der Täufling erhielt den Namen Nikita. Serbien. Belgrad, 8. Febr. Wie aus Nisch gemeldet wird werden am 6 März a. St. dem Tage der Proklamierung Serbiens zum Königreiche nur diejenigen Personen, die im Attentatsprozesse zu kleineren Strafen verurteilt worden sind, in Freiheit gesetzt den übrigen einstweilen eist die Strafen im Gnadenweg herabgesetz werden Ihre endgültige Begnadigung soll erst am Geburtstage des Königs Alexander am 14. August, stattfinden Türkei. Konstautiz###e 8 Febr. Die jüngst verhafteten 36 Bülgaren die unter der Beschuldigung mehrere Griechen ermordet zu haben, in verschiedenen Orten Macedouiens verhaftet worden waren, sind infolge eines Telegrannus, das ihre Frauen und Verwandten an den Sultan gerichtet haben, wieder freigelassen worden. Deutscher Reichstag. Berlin, 9 Februar. Am Tische des Bundesrats Graf Posadowsky, Tirpitz, Gra v. Bülow, Frhr v. Thielmann Gras Lerchenseld, Graf v. Hoheathal, später der Reichskanzler Furst zu Hohenlohe. Präsident Graf Vallestem eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. bei stant besetztem Haus und gefüllten Tribünen. Die erste Beratung der Flottennovelle wird sortgesetzt. Abg v. Arnim(Rpo führt aus: Wer unbefangen und vorurteilslos die Verhätnisse der letzten Jahre beobachtete begrüßt die Vorlag mit Genugthnung Die gegenwärtige Lage möchte ich mit derjenigen vergleichen, in der wir uns vor Durchführung der preußischen Militchrorganiscton besanden Möchten sich doch die demotratischen Parteien erinnern und daran denken, daß jetzt die Junker eher für die Flotte zu haben sind, als sie. Auch Amerika, das demotzatischste Land der Welt, sorgt für seine Flotte. Der Resonanzboden für die Flottenverlage sei die Nation. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die Gelehrten in Schlt nehmen, die durch Vorträge für die Flouenvermehrung eingetreten sind Gelegentlh der Kangtvorlage wurde uns Agraviern vorgeworsen, deß wir verkehrsseindlich seien Diese Vorwa###st nicht begrundet. Wir waren gegen den Kanal nur aus technischen Gründen. Hier beweisen vir das wir nicht vertehrsseindlich sind. Redner fährt ##t. In Berreff der echs nich angängig, den Reichshaushalt für eine so lange Reihe von Jahren zu binden, das könne man nicht einmal in einen Peioathaushalt. Bei dieser Vorlage wollen wir nich Früheres umswrzen, sondern es ausbauen und erweitern Bei dem Steigen der Bevölkerung wid es möglich sein, die finanziellen Erfordernisse der Vorlage ohne neue Steuern zu decken. Vor Anteihen dürfen wir nicht zurückschrecken. Wer die Reichfinanzresorn der Flottenvortage bercicken#ill, wird nur letztere zu Fall b#ingen Unsere Nation sühlt, duß sie dank ihrer Vitalität ber##en ist, zu geoßen wirtschäftlichen Aufgaben fenseits des Meeres Ichhoffe, daß der Reichstag dieses Gesuh zum Ausdruck bringen wird(Beisall rechts. Staatssekreich v. Posadowsky. Gestern wurde fast pöttisch über die Flottenschwäcmere geredet Mit Unrecht. Denn alle großen, Nationalen Bewegungen sind aus solcher Schwänmerei hervorgegangen Möge hierbei die Jugend überschäumen, darüber können wwir uns nur fteuen. Im übrigen kommt es nur darauf an ob die Vermehrung der Flotte genendig ist und ov das deutsche Volk eine solche tragen kann. In den letzten zehn Jahren stieg die deutsche Ein= und Ausfuhr um etwa 900 Millionen, der Wert der Einfuhr an Rohprodukten für die Industrie betrug un gleichen Zeitraum 500 Millionen Ungefähr 70 Proz der Ein= und Ausfuhr ist See=Ein= und Ausfuhr Der Wen der Einfuhr an Rohstoffen für die Industrie und für die Beschäftigung der Arbeiter und der Wert eines sicheren Expones unserer Artikel bedarf keiner Auseinandersetzung. Wie weit Südbeutschland an der deutschen Industrie und ihrer Ausfuhr beteiligt ist, muß man sich llat machen. Die Baumwollenfabrikaton Schafwollspinnerei, MaSpielarenndusteie chemische Industrie und andere * sind dort sehr bedeutend an sich und sind sehr stark an der Ausfuhr beteiligt.(Der Reichskanzler tritt ein.) Der Schutz, den die Kriegsmarine den Reedereien leisten kann, ist schon jetzt etwas größer geworden. Ueber die Leistungsfähigkeit unseres Volkes klärt uns der zunehmende Wohlstand desselben auf, wie er sich aus den Daten der preußischen Einkonmensteuerergiebt. Das kann auf die übrige Reichsbevölkerung übertragen werden Kathedermarinisten sind wir alle, weil wir nicht praktische Seeleute sind Gestern wurde behauntet, daß eine Anzahl Bundesregierungen bisweilen der Vorlage dissentierend gegenübergestanden hätte. Amtlich ist hiervon nichts bekannt. Das Protokoll beweist, daß in der ersten und zweiten Beratung im Bundesrate die Flottenvorlage einstimmig angenommen worden ist.(Hört, hört Beifall rechts.) Abg. Richter(Freis. Vo.) Die Ftottenschwärmerei ist nicht von unten gekommen, wie die Schwärmerei für das Reich, sondern von oben Damals viskierten die Schwärmer den Verlust ihrer Stellung und besangnis heute bekommen sie Orden.(Zustimmung inks.) Abg. v. Arnim sagte, wenn der Reichstag der notleidenden Landwirtschaft den Todesstoß versetzen wollte, müßte er das Doppelte des damals Gesorderten für die Floite bewilligen(Große Heiterkeit links.) Hen Bassermann erwidere ich meine Freunde sind so unabhängig in ihrer Stellung von ihren Fraktionsgenossen, wie in keiner anderen Partei. Wenn wir geschlossen stimmen, so liegt das nur an der Einheit unserer politischen Ueberzeugung. Die Nationalliberalen sind srelich eine organisierte Uneinigkei(Heiterkeit sie stimmen, wie ein machtvoller Minister befiehlt. Die Natonalliberalen haben zuerst die heutige Frage in die Parteipolitik hinabgezogen Die Vorgänge auf Manila zeigen, daß eine Machtentfaltung zur See an unrechter Stelle viel eher zu Verwickelungen führt als zu friedlicher Beilegung England hat allen Grund, Deutschlands Freundschaft zu suchen. Wir wissen ja auch, daß die Schiffsbeschlagnahmen suicht statfanden aus Befehl der Centralregierung sondern daß Kapitäne sie vornahmen, sei es aus eigene Machtvollkommenheit, sei es irregekeitet durch Denunziationen Die Beschlagnahmen komen gelegen, wie ein Attentat bei der Umsturzvorlage Ich teile die Entrüstung über die englischen Uebergriffe und überden frivol begonnenen Krieg, aber ich bin darum noch nicht bereit, eine Schuld von vielen Millionen zu kontrahieren. Daß sich die Konservativen in keiner Hurrastimmung befinden, glaube ich. Draußen im Lande ist man kühl bis aus Herz hinan. In Berlin, wo gegen die Sozialdemotraten der ganze Landsturm von Flottenprofessoren ausgeboten wurde, kam es zum Hurra, aber auf der Gegenseite(Heiterkeit Minister Mienel hat im Abgeordnetenhause als beachtenswerte Gründe gegen Anleihen angeführt hoher Zinsfuß und Teuerung des Materials Hier will man ungeheuere Summen leichthin aufnehmen. Wenn der Staatssekretär darauf hingewiesen hat, daß Reichstag und Flotte an einem Tage geboren wurden, vergitzt er, daß die Mutter Germania noch andere Kinder hat und daß eines der kraftigsten Landheere ihr ersigeborener Sohn ist. Wir stehen vor dem Abschluß der neuen Handelsverträge. Diese sind aber nur mit vollem Beutel abzuschließen. Man muß in der Lage sein, Zölle nachzulassen, wenn man von anderen Zollverminderungen verlangt. Wenn, wie Abg. von Levetzow sagte, die Vorlage kein Gesetz, nur gewissermaßen eine Resolution sein soll, frage ich Warum machen Sie denn ein Gesetz und nicht bloß eine Resolution Für die Zukunft begiebt sich der Reichstag in eine Zwickmühle. Bewilligt er keine Ergänzungsbauten, so muß er Ersatzbauten bewilligen und umgekehr. Sobald die Vorlage Gesetz wird werden auch die anderen Länder ihre Flotten entsprechend vermehren Dadurch werden wir gezwungen werden, von Jahr zu Jahr neue Mittel für die Flotte zu bewilligen. Die Tendenz der Vorlage ist ganz klar: man will das Eisen schmieden, solange es heißis Der Gedanke des Acternates ist geboren aus dem Mißtrauen gegen den Reichstag. Es ist durchaus falsch zu behaupten, wir hätten jede Vermehrung des Heeres und der Marine abgelehnt. Ich erinnere nur an unsere Haltung bei der Beratung des Mililäarseptennas von 1887 Hüten vir uns zu imperialistisch zu weiden, sonst machen wir die Erfahr#ngen, die England jetzt in Südafrika macht. Lassen wir uns nicht durch Stichworte gefangen nehmen Weltpolitt Als ob die Deutschen bis dahin auf den Thüringer Bergen gesessen und das Meer gar nicht gekannt hätten Wir halten uns in keiner Weise präjudizier durch meine Ausführungen, aber die Bedenken konstitutioneller und fianzieller Art machen es uns unmöglich, auf den Boden der vorliegenden Novelle zu treten.(Beifall links.) Staatssekretär Tirpitz. Auf Einzelheiten werde ich in der Kommission antworten. Ich habe nie behauptet, daß die bisher gesorderte Flotte einer der stärtsten Floen gewachsen sei. Auch die nunmehr geforderte Flotte ist an Zahl noch schwach.(Gelächter links. Das oerganisatorische Ziel, das die Vorlage anstrebt, durste als feststehend anzusehen sein Richter verwandte seine reichen Kenntnisse jahrelang dazu, unsere Marme so klein als möglich zu halten, das heiß nach unserer Meinung wehrlos. Ich will von ganzem Herzen hoffen, daß die Geschichte nicht einmal einen Urteilsspruch hierüber zu fällen haben wird. Abg. Ricker:(Freis. Va.) titt für die Vorlage ein Tirvitz habe als ehrlicher Mann offen bekannt, daß er die Verhältnisse# unterschätzt habe. Seine Partei erkenne die Notwendigken einer weiteren Flottenvermehrung an und ebenso, daß sich die Verhältnisse gründlich geändert haben. Es giebt zahlreiche Mitglieder der Freisinzigen Volkspartei, die mit seiner(Redners) Partei in diese Frage auf dem gleichen Boden stehen. Was die Franzosen thun können wir auch leisten Erwünscht sei eine gemeinsame Beratung der Deckungsstage. Redner ist einer Reichseinkonmensteuer nicht abgeneigt, besonders weil man sie Jahr für Jahr nach Bedarf guotisieren könne. Er hoffe auf eine Verständigung mit dem Centrum. Abg. Motty(Pole) führt aus, die Stellung seiner Partei sei dieselbe wie gegenüber der Vorlage von 1898, nämlich eine ablehnende. Abg. Liebermann v. Sonnenberg Rso. bemerkt eine ganz besonders songfältige Prüsung der Vorlage scheine geboten Man könne, wie seine Freunde, eine Verstättung der Flotte si notwendig halten und doch der Vorlage mit gemischten Gefühlen gegenüber stehen. Einen unmittelbaren Vortei von der Vorlage werde die Landwirtschaft nicht haben. Ihr droben vielmehr schweie Schldi gungen Englands Beispiel zeigt, woym em Staat Lo#t, wenn er die Wirzeln seiner Kraft, die Landwietschaft, vernachlässigt Pordert von der Landwirtschaft, so ist das Entgegenkommen in Duugen nötig beispielsweise ist das Fleischbeschauges###wischen zweien Leiung der Flottenvorla# Vor allem fehlen Garantien der Wahrung der Interessen des heimischen Landbaues bei den künftigen Handelsverträgen. Entscheidend ist die Deckungsfrage. Die Lasten müßten die leistungsfähigen Schultern tragen. Die Hansa mußte ihre Flotte selbst bezahlen, warum soll niar auch jetzt der Handel die Flotenkosten gufbringen? Die Hoffnung eines günstigen Ausganges der Kommissionsberatung brauchen wir nicht außzugeben. Meine Freunde werden sich von niemanden an nationalem Opfermut übertressen lassen, sind aber eingedenk, daß in der Landwirtschaft die nationale Kraft wurzelt. Abg. Smalakys(fraktionslos) erklärt seine Zustimmung zur Vorlage. Hierauf wird die Beratung vertagt. Es folgen persönliche Bemerkungen. Morgen 1 Uhr Weiterberatung. der Shudtag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 9. Februar. Am Ministertisch: Schönstedt. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Min. mit der Mitteilung von dem Ableben des Abg Rhode=Wachsdorf(dt.) Die Mitglieder erheben sich von den Plätzen. Beratung des Justiz=Stats. Auf Antrag des Berichterstauers Im Walle(Centr.) wird mit dem Tiel der Einnahmen der Titel 8 Kapitel 74 der Ausgaben„Gerichtsvollzieher in der Crörterung ver bunden. In dem Titel sind eingestellt 1447 Gerichtsvollz#eher mit 1500 bis 2700 M., 3038.700 M., 632 Gerichtsvollzieher mi 1400 bis 1800 M. 1011290 M. Es liegen eine Reihe von Anträgen und eine Resolution der Kommission dazu vor. Nch längerer Geschäftsordnungsdebatte werden die das Gerichtsvollzieherwesen betreffenden Titeln mit den dazu vorliegenden Anträgen an die Budgetkommission zur nochmaligen Beratung und schriftlichen Berichterstattung zurückverwiesen. Die Einnahmen werden debattelos bewüligt. Bei Titel Ministergehalt bemerkt Abg. Schmitz=Düsseldorf(Centr.) die Zahl der Richter hielt nicht den gleichen Schritt mit der Bevölkerungszunahme und der Vermehrung der Rechtsenwälte. Die Ausbildung der Richter für die Praxis könne nicht früh genug bezinnen; schon die Universität müsse damit beginnen Redner weist sodann auf den Zwiespalt zwischen dem Oberverwaltungsgericht und dem Reichsgericht hie und verlangt eine entschiedene Autorität für das Reichsgericht Abg. Weihe(tous bespricht die Mängel des Stafvollzuges gegen jugendliche Verbrecher und erklänt namens seiner Fraktion, daß für die Sühne von Bestialitäten die Prügelstrafe eingeführt werden müßte. In gleichem Sinne spricht Abg. Schall(kons.). Abg. Kisch(Centr. spricht für Verbilligung der Gerichtskosten er werde demnächst einen entsprechenden Initatioantrag einbringen. Der Justizminister erklärt, die Ausstellungen des Abg Schmitz betr. den Zwiespalt zwischen dem Oberlandesgericht und dem Reichsgericht seien berechtigt. Es fehle noch ein Gesetz, welches festlege, ob das höchste Landesgericht die Entscheidungen des Reichsgerichts umstoßen dürfe oder nicht Die Auschauungen der Autoritäten gingen hierin auseinander Das Staatsministerium werde sich baldigst mit der Frage beschästigen. Das Straffystem ist allerdings sehr verbesserungsbedünstig Bezüglich der Prügelstrafe legte sich in den letzten Jahren die Abneigung mehr und mehr, aber schon die Formulierung der Frage mache die größten Schwierigkeiten. Die neuen in Kraft geiretenen Ausführungsgesetze setzten die Gerichtskosten wesentlich herab und wirkten auch sonst erleichternd. Die Regierung sei der Ansicht erst den vollen Erfolg der Regelung abzuwarten, ehe man sich weiter mit der Herabsetzung der Gerichtskosten befasse Ein Entwurf betr die Herab#nderung der Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit werde in der nächsten Session dem Hause zugehen. Im Laufe der Debatte verlangt Abg. Porsch(Centr.) praktische Kurse für Studenten, damit die unselige Einpauterei aushöre. Der Justizminister wünscht auch dringend, daß die Einpankerei aufhöre, schon jetzt hätten einzelne Professoren eine Art praktischer Kurse eingerichtet. Abg Saeuger(Freis. Vp.). Die Stadt Frankfurt a. M. petitionierte bei dem Staatsministerium den Reglabitumenten das Studium der Jurisprudenz zu gestatten Er frage den Minister, ob er sich darüber schon eine Ansicht gebildet habe Redner ist peinzipieller Gegner der Prügelstrafe die nur verrohe. Ei spricht sich für die bedingte Verurteilung aus und bemängelt die geringe Besoldung und daher die ungenügende Qucklität der Gefängniswärter 1 darüber äußern. Die Einführung der bedingten Verurtenung liege zur Zeit nicht in der Absicht der Regierung. Wir haben dafür seit drei Jahren die bedingte Begnadigung. Wir müssen erst sehen, wie sie sich bewährt. Die Aufseherfrage ist keine Finanzfrage es fehlt an tüch#gem=Motetic Weiterberatung morgen 11 Uhr und X Köm a. Rh., 9. Febr. In der hiesigen evangelischen Gemeinde macht man jetzt energisch Front gegen eine zweifelhafte Wohltäthigkeit, wie sie besonders die Karnevalszeit zu Tage fördert. Wir begrüßen daher mit Freuden folgende Erklärung des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde.„Indem wir hiermit die in unserem Auftrag abzuhaltende Kollekte zur Vekleidung dürstiger Konfirmanden bestens empfehlen, machen wir hiermit bekannt, daß es uns nicht erwünscht ist, daß für diesen Zweck Konzerte und dergleichen veranstaltet werden und daß unsere Gemeindeglieder solche Unternehmungen durch Abnahme von Eintrittskarten unterstützen. Wir sorgen für unsere armen Konfiumanden selbst. Diese Erklärung die vor einigen Jahren noch undentbar, beweist wie in immer weiteren Kreisen die Anschauung sich verbreitet, daß der Karneval ein Fluch für Köln ist. Ausbruch des Ausstandes in dem sächsischen Steinkahlenrevier Zwicken=Oelsnitz=Lugan ist nun auf nächsten Montag. den 12 d. festgesetzt. In sämtlichen Kohlenschächten um Zwickau sollen Plakate angeschlagen worden sein, nach welchen von Montag ab kein Bergmann mehr anfahren soll. Bemerkenswert ist, daß einer der Leiter des alten Vergarbeiterverbandes auf der Rückreise aus dem böhmischen Ausstandsrevier auch dem Zwickauer Revier einen Besuch abgestattet und dort über den Ausstand in Oesterreich berichtet hat. Unter diesen Umständen erscheint es gar nicht ausgeschlossen, daß bei längerer Dauer der östemeichischen Ausstandsbewegung wir auch in Deutschland noch Ueberraschungen erleben Inzwischen ist in Ungarn in den Reschitzaer Eisenwerken ein Ausstand der Eisenarbeiter ausgebrochen, dem sich eventuell auch die dortigen Bergarbeiter anschließen wollen. Die Arbeiter verlangen neben Lohnerhöhungen vor allem den Achtstundentag Im böhmischen und mährisch=schlesischen Ausstandsgebiete ist die Lage im großen und ganzen noch die alte; aus dem Ostrau=Karwiner Revier wird sogar eine Verschärfung gemeldet. Trotz dem ministeriellen Rundschreiben fahren die unteren Verwaltungsorgane fort, Arbeiterversammlungen aufzulösen und Arbeiterblätter zu beschlagnahmen. Infolgedessen soll die Erbitterung unter den Arbeitern sortgesetzt steigen. In der Wiener Wochenschüift„Die Zeit“ nimmt Professor Breutano in warmen Worten Partei für die ausständigen öfterreichischen Vergleute. Er sucht die Durchführbarkeit und praktische Rentabilität des Achtstundentages im Kohlenbergbau nachzuweisen, und fordert die Regierung auf, zu Gunsten der Arbeiter zu intervenieren und die Organisationsbestrebungen der Arbeiter zu unterstützen. Mit der Organisation werde erst die Grundlage geschaffen, auf der geordnete und dauernde Zustände möglich seien Für den Agitationsfonds des„Volk“ gingen ein von Dr. W. in G.1 Mi. Herzlichen Dank O Siegen, 9. Febr. Der Stenographen=Verein„Gabelsberger Siegen veranstaltet zur Feier des Gebuustages des Altmeisters der stenographischen Kunst heute Samstag abend 8½ Uhr einen Vortragsabend Das zur Verhandlung stehende Themaslautet: „Was sichert dem Gabelsbergerschen Stenographensystenn die Zuk#st?“ Nach Schluß des Vortrages findet eine gemütliche Unterhaltung statt. Gäste sind willkommen. . Siegen, 10. Febr. Heute morgen ½0 Uhr entstand in den Räucherräumen den Wurstfabrik von Karl Weber in der Löhrstraße ein Feuer welches dank der masseven Mauern des Gebäudes eine größere Ausdehnung nicht annahm, vielmehr alsbald wieder gelöscht wurde. Dem Eigentümer soll jedoch ein großer Schaden entstanden sein, da eine große Menge Fleischwaren verbrannt sind, die nicht versichert waren.— Gestern stellte sich der hiesigen Polizei der Hirte Heinrich Schmidt aus Meiswinkel unter der Angabe, er werde von der Freudenberger Polizeibehörde wegen Diebstahls verfolgt. Nachdem per Draht letztere hiervon benachrichtigt worden war, kam denn auch direkt Bescheid zurück, der die Angaben Schmidts bestätigte worauf derselbe vernommen wurde, der dann auch ohne weiteres seine begangene That eingestand. Hierauf wurde er wieder entlassen Siegen, 10. Fekr.„Aberglaube und Rückständigkeit im Stöckerschen Lager Unter dieser Spitzmarke bringt des katholische Sieg=Rheinische Volksblatt“ einen Artikel über den von unseren verehrten Reichstagsabgeordneten Herrn Hofprediger a. D. Stöcker in Berlin gehaltenen Vortrag über Spiritismus Das Blatt erkennt an, mit den Ausführungen des Herrn Vortragenden einverstanden zu sein schiebt dann aber den ganzen Blödsinn, der in der nachfolgenden Diskussion von einigen Rednern zu Tage gefördert wurde, Stöcker und seinen Anhängern in den Schuh.— Glaubt denn das„Sieg=Rheinische Volksblatt“, daß zu dem interessanten Vortrage nur Stöckers Freunde und Anhänger erschienen seien, die dann gegenüber den sachlichen Ausführungen ihres Parteipräsidenten einen solchen Unsinn geschwätzt hätten? Wenn das der Fall sein sollte, so ist das verehrte Blatt doch wohl arg auf dem Holzwege, mit solchen abergläubischen Köpfen hat unsere Partei nichts zu thun, diese finden sich in ganz anderen Lagern. Jeder verständige Mensch weiß doch, daß in einer Versammlung, in der zu einer Frage Stellung genommen werden soll, Freunde und Gegne erscheinen und das ist gut. Man kann sich frei aussprechen und die Meinungen werden geklärt. Natürlich ist es den Spiritisten nicht zu verdenken, wenn sie ihre Sache verfechten aber warum bringt das verehrte SiegRheinische Volksblatt denn nicht die Erwiderungen die die Ausführungen der Spirttisten klar als Unsinn zurückwiesen? Es begnügt sich mit dem kurzen, für uns viel, für den Leser des Blattes nichtssagenden Satze:„Diese Ausführungen blieben allerdings nicht umwidersprochen. Dann folgt aber ein statker Sprung, indem es aus dem Stöcke schen Lager ein protestantisches Lager macht und diesem empfiehlt, die Katholiken ungeschoren zu lassen. Gewiß haben wir Evangelischen viel bei uns zu bessern aber was Aberglauben und Rückständigkeit anbetrifft, so sollte das Blatt darüber nur lieber schweigen und im eigenen Lager Umschau halten. Als Rückständigkeit ist doch wohl mu vollem Recht anzusehen, wenn man immer wieder von dem heil Jahre und seinem Ablaß spricht und schreibt, wie man es in derselben Nummer desselben Blattes in der Einladung zur Wallfahrt nach Rom lesen kann. Im übrigen kann man dem„Sieg=Rheinischen Volksblatt" dankbar sein, daß sie wenigstens auch die unpolitischen Reden unseres Reichstagsabgeordneten erwähnt und sie nicht wie die übrigen Siegener Zeitungen vollständig verschweigt. Mutmäßliche Witterung am 11. Febeuar. Zunehmend bewölkes, etwas gelinderes Wetter mit Schnee. 12. Ferruar: Wechselnd bewölktes, etwas wärmeres Wetter mit Niederschlagen. A Herborn 9. Febr. Am 29 Jannar beschlug Herr Hufschmiedemeister Jopp(genannt Naach) ein Pferd in 3 Minuten 45 Sekunden mit 4 Eisen und 32 Nägel in Gegenwart vom hiesigen Tierarzt und mehreren Zeugen Gewiß eine tüchtige Leistung Ebangelischer Bund in Berlin. Dienstag den 13. Februar, abends 8 Uhr, in Langenbeckhause hält Pfarrer Stacke einen Vorttag über Die Entwickelung deutsch=evangelischen Lebens in den Ostmarken Der Redner ist Leiter eines evangelischen Waisenhauses in der Mitte von Ansiedlungsgütern an der russischen Grenze Der Eintritt ist frei reservierte Plätze zu 0.50 M an der Abendtasse. Monat Jannar d. Js. sind als zefunden abgelles worden schwarze# Gut,2 Geldstücke, 1 Regenschum Peiz###ße 1 Geldbeutel mit Jnhel und Taschenmesser Die Eigenmmer werden aufgesordent, sich zur Geltendmachn ihter Rechte binnen 3 Monaten bei uns zu welden. ge den 10. Febr 900 Die Erben der Elelnte Johs. Agenbachin Wrenbern wellen den Horanm un Garteneellen Jlur 3 80 ns N- 360 der Aseinenbersetzung Hierzn habe ich Ternn n Ienn 8 un S Aberm Die Wrslaruen uber Gerchmi8 en Verkaufe see enge hachedle Sieie ganz billig abn 5. Souan. Oberförsterei Snuchen bei Deuz i. W. versteigen Mittwoch 21. Februar d. 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Septuagesimae. 8 Uhr vorm.: Pfr. Kühn. 9½„„ Pfr. Abramowski, Inspektor der Stadtmission zu Berlin. Hl. Abendmahl. 2„ nachm.: Pfr. Winterhager. Im Hauptgottesdienst Kollekte für die Berliner Stadtmission. Sonntag, den 11. Februar Ausstattungen preiswerth, reeil! Nachmittags 5 Uhr und Abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Vorführung der neuesten Begebenheiten vom sudafrikanischen Transvaal. Reise nach dem Monde. In der Nachmittags=Vorstellung ermäßigte Eintrittspreise: Sperrsitz 60 Pfg., I. Platz 50 Pfg., II. Platz 30 Pfg., Gallerie 20 Pfg. Kinder die Hälfte. Billetts zu der Abend=Vorstellung sind vorher im Theaterlokal zu haben: Sperrsitz 75 Pfg., I. Platz 60 Pfg., II. Platz 40 Pfg.— Abend=Kassenpreise wie bekannt. Berlin, ##07 Dresdenerstrasse 07 S zw. Prinzen= u. Alexandrinenstr.### Illustr. Musterbuch gratis. Nach auswärts frachtfr Siegen, Sandstraße 34. Am Sonntag, den 11. d. Mts, Abends 8¼ Uhr, Evangelisationsversammlung. Redner: Prediger G. 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Beilage zur Zeitung„Das Volls Minden=Ravensberg. Christlich-soziale Versammlung. Sonntag, den 11. Februar, nachmittags 3 Uhr, in Schröttinghausen b. Werther bei Neubauer Herm. Schwarze. auf dem Westerwald am Sonntag, den 11. Februar nachm. 2½ Uhr, in Marienberg bei Gastwirt Lotze: am Sonntag, den 11. Februar, abends 8 Uhr, in Unnau bei am Montag, den 12. Februar, abends 8 Uhr, in Westerburg im Gasthaus„um GrüneJedesmal Vortrag des Herrn Dr. Burckhardt in Godesberg über das Thema: „Die wahren Freunde des Volks“ und Besprechung des Gesuches an das königliche Oberbergamt wegen Jnbetriebsetzung der Gruben. Jedermann ist freundlich eingeladen Im Dienst der Fünde. Wie ein prächtiger Blumengarten stehst Du mir da. Du liebe deutsche Jugend, in der vollsten Pracht Deiner Blüte und da kommt der Sturmwind und reißt Euch alle, alle nieder oder wiels im Liede heißt„Es fiel ein Reif in der Frühlingszeit“. Heilig ist die Jugendzeit hat einst Uhland gesungen; aber wie unheilig ist sie doch so oft bei unserem von der Sünde so verderbten Geschlecht. Was einst der Augenlust, der Herzensfreude war, kahl, öde mit zerbrochenem Herzen liegt es da, am Grabe der eignen Ehre, des eignen Gewissens. Im Reichstag ist neulich die alte Sache„#es Heinze erörtert und verhaudelt worden. Und es sei den wackeren Männern, die kräftig eintraten für Sitte und christliche Lebensideale all hier an dieser Stelle herzhaft die Hand gedrückt Es bedarf wohl keiner Frage Christen, die Ernst machen in der Nachfolge ihres Heilandes können nicht se zu erörterten Gesetzesvorlagen sagen und ich begreife gar nicht, wie man überhaupt im christlichen Staat groß Wesens darüber machen kann ob Bordell ob Kasernierung oder Lokalisierung das Richtige sei, diesem Unwesen zu steuern. Das Richtigste und Gott Wohlgefälligste ist dech wohl das, daß der Staat diese unsauberen Sachen durch ein Gesetz von der Welt schafft. Es wird mir gewiß jetzt entgegengehalten, das läßt sich überhaupt nicht aus der Welt schaffen, verbietet der Staat, jemehr uneheliche Kinder hat er zu erziehen usw. O. lieben Freunde, da seid Ihr doch grausam auf dem Irrwege wißt Ihr wols fehlt? Es fehlt allen der Begriff der Sünde. Die jungen Leute berufen sich zum größten Teil auf ihnen gemachte Vorhaltungen stets auf das Der Staat erlaubt's ja, und deshalb ist's keine Sünde Stiehlt ein armer Bettler nur eine Kleinigkeit, er wird gewiß an dem Kragen gepackt um zu büßen und das auch mit Recht. Und Ihr die Ihr Genossen jener Sünde seid, geht frei aus,'s ist ja auch erlaubt. Du sollst nicht stehlen habt Ihr alle nal in Euren Kinderjahren gelernt, aber noch weiter auch Du sollst keuschund züchtig leben in Worten und Werken und noch weiter Die Hurer und Ehebrecher werden das Reich Gottes nicht ererben O ja Ihr seinen Diebe, die Ihr Eurer Mitschwester mit schwellender Wollust die Ehre ihre Keuschheit ihren Glauben ihr Gewissen rauben könnt für Euch giebt's keine Gottheit kein göttliches Gebot kein göttliches Gericht mehr. Ja, Ihr könnt die jugendlichen Blüten im Garten Eures Gottes brechen, aber vermögt sie nimmer wieder außzurichten. Es ist traurig, wenn eine Stadt eine gauze Straße solcher Dirnen aufzuweisen hat, wo Haus bei Haus ein solch armes Menschenkind zu finden ist. Ach wüßten's alle, was für ein Elend, solch ein Haus, solch ein Meuschenkind in sich birgt. Sind die traurigen Stunden der Wollust vorbei, v. so folgen noch traurigere trübere, das Gewissen regt sich es erinnert an Eltern und Geschwister an fröhliche Kinderjahre, an die Zeit des Konfirmationsalters. Doch es kann nicht los, das arme Pflänzlein die ernsten Gedanken werden ersäuft in sich immer mehr und mehr steigernder Wollust. Und das Ende im Krankenhaus oder im dunklen Gäßchen vergessen verlassen von aller Welt, langsam oder schnell dahinsiechend an der tötlichen Krankheit, der Körper ist verseucht, noch ein letzter Fluch und das Leben, die Seele löst sich los, um einer noch viel schrecklicheren Zukunft entgegenzugehen. Verloren in der Zeit, verloren in der Ewigkeit, wie traurig? Hier trauernde Eltern und Geschwistern, denen das Herz vor Gram gebrochen, dort weinende Engel ja der weinende Heiland selber. Wie oft hab' ich meine Küchlein versammeln wollen und sie sie haben nicht gewollt. Liebe Freunde wollt ihr das dann bedenkt unser Vaterland wird zu Grunde gerichtet. Wie der Zahn der Zeit am Stein frißt, so auch diese grauenhafte Sünde am Volksleibe, ihn zerbröckelnd in ein endloses Nichts, in endlose Not und Elend. Die Geschichte der Völker weist Beweise dieser Art genug auf Ein gottentfremdeter Freigeist hat dem Volke das Gewissen die Volksseele geraubt, sollen wir nun zugeben, daß es so weiter geht zur Zerstörung des ganzen Volkskörpers und als das betrachte ich meinem schwachen Verstande nach die Sünde der Unkeuschheit. Wir müssen unser Voll schützen vor Verrohung und Verwilderung, darum zurück zum Glauben der alten Väter zurück zum Glauben eines Luther eines Spener und Franke und wie der Glaubensmänner alle heißen. In Christo da ist Leben, in Christo Seligkeit, dieser Glaube der weltüberwindend ist, wird den Sieg behalten, denn die Rechte des HErrn behält den Sieg. Darum ihr Lehrer und Erzieher der deutschen Jugend trachtet und arbeitet dahin, daß unser HErr Christus wieder Leben gewinnt unter dem jungen Volk macht ihnen den Begriff der Sünde immer klarer, aber auch den Begriff der Gnade Jesu Christi am klarsten und Er der den Kindern das Himmelreich verheißt, wird seinen Segen dazu geben, das seid gewiß. Auch Euch ihr deutschen Jünglinge und Jungfrauen ihr deutschen Männer und Frauen, Euch liegt eine ernste sehr ernste Missionsarbeit ob. Laßt Euren Warnruf erschallen und sagts Euren gefallenen Schwestern und Brüdern, wie selig sich's bei Jesu rüht, und daß es gegen sein Gebot, gegen seinen Willen gegen seine Liebe ist, in die Sünde zu willigen, sagt ihnen aber auch von dem Blute das auch für sie am Kreuzesstamm floß und ihnen ewige Vergebung zusichert. Aber Euch besonders, deutsche Frauen, an die sich setzt immer mehr und mehr der Gedanke sozialen Denkens und Wirkens herandrängt, rufe ich es besonders zu werdet Missionsarbeiter an Euren Schwestern, ihr kennt besser Leid und Freud einer Frau wie wir Männer, steht nicht müßig am Markte arbeitet kämpfet, daß wir dastehn, das alteVolk des Siegs, ja es ist ein Kreuzzug, es ist ein heitiger Krieg, so hat einst Körner zur Zeit der Befreiungskriege gesungen laßt uns diese Worte heute wieder singen daß wir jenen alten Erbfeind der Menschheit, die Fleischeslust zurückdrängen hinaus zu den Thoren unseres Vaterlandes Wiebekannt arbeitet schon das weiße Krenz im Segen in dieser Sache aber lieben Leser, das ist nur eine kleine Zahl in der großen Meuschheit, es sei ihnen Herzensdank dafür Laßt uns alle mit Hand an den Pflug legen in tr###er Arbeit, in ernstem Gebet, mögen dann der Gesetze heißen, wie sie wollen keine Macht kann uns hindern zu kämpfen für des großen Gottes Ehr und Reich Lasset uns arbeiten und vielen Seelen durch Gottes Gnade Seligkeit und Frieden bringen. ∆ dann wird das Gärtlein Gottes lustig blühen und fröhlich gedeihen Dann wirds wahr was der Dichter singt: Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schar? Träget jeder eine Krone, Glänzen wie die Sterne klar, Hallelujah singen all. Loben Gott mit frohem Schall. Es sind die so wohl gerungen Für des großen Gottes Ehr. Haben Welt und Tod bezwungen, Folgend nicht dem sündigen Heer; Die erlanget auf den Krieg Durch des Lammes Blut den Sieg. Dazu helfe uns Gott! E. Stöckers Reichstagsrede am 31. Jannar 1900. (Fortsetzung der Beratung des Etats der Post= und TelegraphenVerwaltung.) Meine Herren, ich konnte gestern leider nicht bis zum Schluß der Sitzung hier bleiben und möchte nun heute einige Angelegenheiten allgemeiner Art, die noch nicht erwähnt sind, zur Besprechung bringen. Die neue Reichspostmarke ist gestern unter dem Gesichtspunkt der Schönheit und Kunst erwähnt. Ich möchte sie erwähnen in Bezug auf einen Vorgang, der bei Einweihung des Reichs=Postgebäudes in Straßburg stattgefunden hat. Die Stadt gab dort den Beamten ein Fest; dabei ist eine Aeußerung gefallen, welche als Speit über die bayerische Ablehnung der neuen Postmarke aufgefaßt werden muß. Nun hat Freiherr von Crailsheim bei der Beratung des Post= und Eisenbahnetats in Bayern diesen Scherz eine„subalterne Ungezogenheit genannt und dadurch d## Schein erweckt, als hätten Beamte den Fehler begangen. Freunde aus dem Elsaß haben mich gebeten, hier zu erklären, daß kein Postbeamter dabei irgendwie beteiligt ist. Vielmehr war es ein Komiker, den die Stadt zur Unterhaltung der Gesellschaft herangezogen hatte,— dieser hat dann den geschmacklosen Vers citiert; die Postbeamten sind ganz unschuldig. Ich glaube, daß es gut ist, da in der bayerischen Kammer die Sache vorgetragen ist, auch hier festzustellen, daß der Ausdruck„subalterne Ungezogenheit“ nicht zutrifft. Ich möchte ferner ein Wort über die Rechtschreibung sagen, die von der Postverwaltung angeordnet worden ist. Bekanntlich hat ein Erlaß der Postverwaltung nicht die sogenannte Puttkamersche Orthographie, sondern die des bürgerlichen Gesetzbuchs für die Postbehörden vorgeschrieben. Ich habe nichts dagegen sondern halte die letztere für besser. Man kehrt von falschen Neuerungen wieder zum alten zurück. Aber nun haben wir doch in den Schulen und an vielen Stellen die Puttkamersche Rechtschreibung, jetzt kommt die neue hinzu; außerdem giebt es noch verschiedene andere Arten, sodaß neulich semand, der außer seinem Amte für verschiedene Archive und Zeitungen schreibt, mitteilte, er müsse sich fünf Arten von Rechtschreibungen angewöhnen, um bestehen zu können. Das ist doch ein Unfug Ich möchte den Herrn Staatssekretär des Reichs=Postamts bitten, auch einerseits, so viel in seiner Macht liegt Schritte zu thun, daß dieser Vielfältigkeit der Orthographie möglichst ein Ende gemacht werde, und endlich eine Einheitlichkeit in der Rechtschreibung eintrete Wir haben so viel Einheitliches, es ist doch ein Aergernis, daß in der Schreibweise die Uneinigkeit so fortbesteht. Dann möchte ich noch ein Wort über den Sonntag sagen. Der Herr Staatssekretär hat ja in der dankenswertesten Weise Besserungen eingeführt Es sollen jetzt die Postbeamten jeden zweiten Sonntag für den Gottesdienst frei haben; aber so viel ich weiß doch nur die Schalterbeamten, die Abfertigungsbeamten nicht Wenigstens wurde mir mitgeteilt, daß ein solcher unter zehn Sonntagen nur drei frei gehabt habe Vielleicht könnte eine Einrichtung getroffen werden, daß die Einen den Anderen zur Hilfe kämen. Ich muß besonders dafür danken, daß diese Bestimmung auf die Anträge der Provinzialshnode zu Posen Die Versöhnung auf Original=Erzählung von E. J. (Nachdruck verboten.) Halt, Mutter, rief der Baron, laß die Beiden sich zuerst allein ihr Herz ausschütten Gerhard kann seine Duleinea im Garten aufsuchen Du wirst sie ja wohl sinden können? Lächelnd summte er Ach wer dem perzen teuer ist, den weiß man wohl zu finden—„Nicht wahr, Mutter fuhr er dann fort der Baronin seine kräftige Hand hinstreckend, wir finden uns auch immer wieder Die zarten Hände umschlossen seine dargebotene Rechter sie hat mit einem Lächeln, welches ihre leidvollen Züge engelhaft verklärte, zum ihm auf und nickte stumm „Fir denn hinunter in den Garten Die Treppe führt Dich auf den Flur durch den Du kamest; da wirst Du die Hinterthür schon sehen. Wie Du Dich dann mit Elsbeth abfindest, ist Deine Sache, rief er dem Davoneilenden scherzend nach Die Thüre schloß sich hinter ihm und Gerhard eilte seinem Glücke entgegen. Wie im Fluge war er die Treppe hinab leicht fand er die Hinterthür und schritt mit froher Erwartung in den Garten, welcher sich an die Hinterseite des Gebäudes anschloß Derselbe bestand aus einem kleinen Plateau welches durch eine niedrige, brustwehrartige Mauer von dem steil abfallenden Bergesabhange getrenn war Steinvasen mit Agaven bepflanzt krönten die Mauer in bestimmten Abständen Ueber das schmale tiese Thal sah man den jenseits mächtig wieder aufsteigenden Bergwald mit seinen gewaltigen Gipfeln aufragen Gerhard hielt die Hand über die Augen und spähle im Garten umher Den Vordergrund bildete ein geschmackvollangelegtes Teppichbeet, welches wohl dem Freiherrn zu Liebe die Gestalt und die Farben des Familienwappens zeigte dichte Gebüschgruppen weiter hinten verwehrten den Blich in die Tiese des Gartens Zuerst wollte Gerhard sich aufs Suchen begeben. Da fiel ihm hart an der Brustwehr eine grünumrankte Laube ins Auge auf dem Tisch schiene.. genstände zu liegen welche die Nähe eines menschlichen Wesens verrieten. Sofort eilte er auf die Laube zu Sie war leer, aber auf dem Tisch lag eine angefangene Blumenguirlande und eine Fülle abgeschnittener Blumen daneben eine Scheere ein Knauel Garn und ein großer Strohhut mit blauem Bande Gerhard klopfte das Herz vor Freude bei dieser Enthenng Da hatte das liebe Müdchen gesessen und Kränze zu seinem Empfange gewunden. Da er ihre baldige Rückkehr vermutete so beschloß er, sich in der Laube versteckt zu halten und sie zu überraschen. Er setzte sich auf die Bank nieder, nahm eine Rose in die Hand und sog den sußen Duft ein Bald war er in holde Träume versunken Nun sollte er sie ja wiedersehen die Stunde, die er sich so oft in Gedanken ausgemalt, war da er weilte in dem Hause ihrer Eltern Bisher hatte er sie nur in der Fremde gesehen, jetzt sollte er sie nun in dem ganzen süßen Zauber der Häuslichkeit kennen lernen. Und seine Gedanken flogen weiter Er sah sie als seine kleine Frau schalten und walten in seiner eigenen Häuslichkeit Ihm ward so traumhaft zu Mute, daß er ganz die Gegenwart vergaß. Er hatte zu Anfang von Zeit zu Zeit au seinem grünen Versteck hinübergespähl nach dem Wege, auf welchem er sie erwartete jetzt hatte er ganz in seine Gedanken versunken, nicht mehr daran gedacht Plötzlich schreckte er auf Ein leichter eiliger Schritt näherte sich der Laube, ein leises Knirschen des Kieses— da stand sie im Eingange. Ihre Wangen waren lephäft gerötet von der warmen Septembersonne mit beiden Händen hielt sie die Enden der Schürze empor, welche mit Blumen gefüllt war. Gerhard war aufgesprungen. Ein leiser Aufschrei der Ueberraschung Elsbeths Hände ließen die Schürze fahren, eine Flut von Blumen ergoß sich dem entzückten Bräutigam entgegen und sie selbst sank beglückt in seine Arme. Nach der ersten stürmischen Begrüßung zog Gerhard sie neben sich auf die Bank und er ergriff ihre beiden Hände. „Du böser lieber Mann schalt Elsbeth, indem die helle Freude aus ihren Augen strahlte,„wie konntest Du mich so erschrecken zur Strafe mußt Du mir alle meine armen Blumen aussammeln!“ Gerhard bückte sich dienstwillig und reichte ihr Blume um Blume dar sie nahm ihr Knäuel und wand sie in die Guirlande ein, und bald saßen die Beiden in traulichem Gespräche während ihre zierlichen Hände die Kränze weiter flochten. Aber nun sage, Liebster, fragte Elsbeth,„wo kommst Du jetzt her: Wir haben Dich erst heute Abend erwartet.“ Gerhard erzählte, daß ihn die Sehnsucht getrieben sich schon gestern von seinem Ministerium Urlaub zu verschaffen, um seine Braut zu überraschen. Du Säumiger schalt sie und nun kommst Du erst gene Da berichtete er ausführlich seine Abentener im die Begegnung mit dem Müller und dem Förster und endlich sein Nachtquartier in der Försterei. Elsbeth ließ die Hände sinken und hörte ihm aufmerksam zu; besonders, als er von dem sonderbaren Seufzer der letzten Nacht erzählte, sah sie ihn angstvoll an. Hast Du dem Förster davon gesagt?“ fragte sie. „Der Förster entgegnete er,„war heute früh schon in den Wald gegangen, da habe ich seine Rückkehr gar nicht abgewartet sondern nich durch den Waldhüter herführen lassen. Und nun bist Du da!“ rief sie, ihn zärtlich umfassend, der Förster ist eine goldtreue Seele, einen besseren Freund unseres Hauses giebt es nicht; aber, fügte sie besorgt hinzu, der Müller ist ein böser Mensch; der Vater hat längst gedroht ihm die Pachtung zu nehmen, nur meine Bitten haben seine Kündigung seither verhindert. Ichfürchte immer, seine Rachsucht könnte sonst dem Vater ein Leid anthun.“ „Was will er thun?“ warf Gerhard ein,„wir leben doch in einem geordneten Staate mit kräftiger Polizei. Das mag ja sein, entgegnete Elsbeth, indem sieihre Arbeit wieder aufnahm,„aber mein ahnungsvolles Herz ängstigt sich so leicht.— Gieb mir noch die roten Astern, — noch etwas Reseda, nun noch ein wenig Grün— da! nun ist die ganze Pracht fertig!“ Sie ließ die Guirlande durch die Hände gleiten und überschlug ihre Lange. „Das haben Deine lieben Hände nun alles mir zur Freude geschaffen rief Gerhard, und drückte ihre Hand zärtlich an seine Lippen„Halt unterbrach er sich dann ich will Dir auch ein Kränzchen machen. Er ergriff das Knauel und sing an, kunstgerecht einen Kranz von Rosenknospen und Vergißmeinnicht zu winden. Mißtrauisch hob er von Zeit zu Zeit das fertige Stück hoch, um zu sehen, ob es auch fest zusammen halte Lächelnd schaute ihm Elsbeth zu Er hatte einen halben Kranz gebunden nun ließ er jedes Ende in eine zierliche Epheuranke auslaufen. Triumphierend hielt er sein Kunstwerk in die Höhe und befestigte es an ihrem braunen Haare. Mit kindischer Freude betrachtete er das schöne Mädchen welches unter dem Rosenkranze strahlend hervorlächelte „Elsbeth!“ rief er begeistert aus,„ist kein Maler zur Stelle?“ D doch rief sie lachend tüncht gerade einer den Pferdestall „Nein,“ vief er in komischer Verzweiflung,„wie proschisch Du bist(Fortsetzung folgt getroffen ist. Auch in Bezug auf einen zweiten Antrag, daß doch nicht Sonntag morgens über 9 Uhr hinaus die Austragung der Briefe geschehen möchte. Nun ist ja hierin einiges geschehen dadurch, daß nur noch eine Austragung stattfindet. Aber da, wo die Beamten auf Eisenbahnzüge warten und erst um 8, 8½ Uhr anfangen auszutragen, ist das nicht erreicht. Dann dauert der Dienst doch wieder bis in den Gottesdienst hinein. Dann möchte ich noch einmal auf das zurückkommen, was ich im vorigen Jahre über die Paketpost gesagt habe. Es ist angeordnet, daß am Sonntag über 12 Uhr mittags keine Postwagen durch die Straßen fahren sollen. Aber dadurch ist der Uebelstand nicht beseitigt, daß während des Gottesdienstes die Wagen fahren. Wenn der Herr Staatssekretär einmal diesen Uebelstand auf sein Herz nehmen möchte, so würde ich ihm sehr dankbar sein. Ich weiß ja, daß dabei Schwierigkeiten vorliegen. Gerade am Samstag abend wird in den Geschäften noch alles abgefertigt, was fort muß. Aber ich bin überzeugt, sobald Sonntags keine Pakete mehr ausgefahren werden, können sich die Leute darauf einrichten und ihre Pakete früher absenden. Ich kann nicht anders, als das Gefühl des Unrechts haben, wenn die Wagen der Reichs=Postverwaltung während des Gottesdienstes durch die Stadt fahren, während es jedem anderen Betriebe verboten ist. Wir haben keine rechte Sonntagsruhe, wenn nicht das Reichs Postamt hierin mit gutem Beispiel vorangeht. Dafür, daß die Nachmittagsstunden am Sonntag freigegeben sind bin ich dankbar. Es ist ja freilich der Telegraphenbetrieb geblieben. Aber vielleicht wird es möglich sein, auch ihn von diesen Stunden zu verlegen. Manche Sachverständige glauben es daß es angehen würde. Jedenfalls ist in Einzelheiten immer noch viel zu verbessern. Ich bin aber dankbar für das was geschehen ist, und überlasse das Weitere vertrauensvoll dem Herrn Staatssekretär. der Berlin, 9. Febr. Innere Kolonisation. Im Norden der Provinz Ostpreußen, so meldet die„Elb. Ztg.“ werden gegenwärtig große fiskalische Moorflächen von etwa 45.000 Hektar durch die Generalkommission entwässert und urbar gemacht. Die Arbeiten sind soweit gefördert, daß im Laufe dieses Jahres bemit der Besiedelung begonnen werden kann, die dann vom nächsten Jahre an in großem Maßstabe sortgeführt werden soll. Die Ansiedler erhalten je nach ihren Mitteln eine kleine oder größere Fläche urbar gemachten Moores nebst Haus auf etwa 18 bis 24 Jahre verpachtet; nach Ablauf dieser Periode werden je nach der Entwickelung der Kolonie entweder mit den Pächtern neue Pachtkontrakte für weitere Zeiträume abgeschlossen, oder die Flächen werden ihnen in Form von Rentengütern als Eigentum überlassen. Was die Größen der auszugebenden Stellen betrifft, so sind teils Kätnerstellen mit 3 Hektar, teils Bauernstellen mit 15 Hektar Fläche in Aussicht genommen. Dieselben sollen etwa in der Weise ausgegeben werden, daß zunächst je eine Parzelleum die andere besetzt wird, also immer eine Stelle zwischen zwei bewirtschafteten frei bleibt, wodurch die Möglichkeit der Vergrößerung der besiedelten Stellen gelassen wird. Jede Stelle soll ein den dritten Teil der Gesamtfläche betragendes Stück Grasland erhalten, um auf diese Weise den die Grundlage der Bewirtschaftung dieser Moore bildenden Futterbau und Viehhaltung von vornherein sicher zu stellen. Die Haupteinnahmequelle der Ansiedler wird der Kartoffel= und Zwiebelbau bilden, weicher sich auf früher bereits urbar gemachten a##### nördlichen Ostpreußens als recht lohnend erwiesen hat. Als Anfangspachtpreis wird sich nach den bisherigen Erfahrungen etwa der Betrag von 18 Mk. für den Hektar annehmen lassen. Die urbar gemachten Flächen sollen in erster Linie der in jener Gegend vorhandenen meist littanischen Landbevölkerung die Möglichkeit bieten sich gunstig anzusiedeln daneben werden aus anderen Provinzen des Ostens, sowie auch aus Westdeutschland geeignete Ansiedler heranvon Bauernsamilien auf den bisher ungenutzten Ländereien angesiedelt werden können. Elektrisch nach Tegel wird man im Frühling fahren können. Pirektion der Großen Berliner Straßenbahn=Gesellschaft hat gestern das Projekt der Umwandlung der Straßenbahn=Linie Charlottenstraße (Hotel de Rome)=Tegel für den elektrischen Betrieb dem Kgl. PolizeiPräsidium und der städtischen Verkehrsdeputation zur Genehmigung eingereicht. Die ganze Strecke wird für den Oberleitungsbetrieb eingerichtet werden in der Friedrichstraße, zwischen Karl= und Elsafser Straße ist derselbe schon für die Ringbahnlinie vorgesehen. Berliner Verbehr. Im Jahre 1899 wurden in Berlin durch die Stadt= und Ringbahn, die Straßenbahnen und Omnbusse im ganzen über 414 Millionen Menschen befördert das macht auf den Tag berechnet durchschnittlich 136 116 Personen und gegen das Jahr 1808 eine Zunahme von 142 706 Personen mehr, die täglich diese Verkehrsmittel benutzt haben. Im ganzen Jahre beträgt die Zunahme des Personenverkehrs 52 Millionen mehr Von den 414 Millionen benutzten über 242 Millionen die Straßenbahnen, 9#4 Millionen die Stadt= und Ringbahn und 75 Millionen Menschen die Omnibus=Linien An der Bewältigung dieses Verkehrs bekeiligten sich die 1784 Wagen der Großen Berliner Straßenbahn mit 188.000000 Personen(16.000 000 mehr als im Jahre 1898), die Westliche Berliner Vorortbahn mit 6265.000 Versonen(2219288 mehr als im Jahre 1898), die erst seit dem 1. Juli G Sudliche Berliner Vorortbahn mit 735.000 Personen, die #######v#n der Berlin=Charlottenburger Straßenbahn mit 11042 215 Personen(452 215 mehr als im Jahrs 1898); die 198 Wagen der Neuen Berliner Pferdebahn beförderten 27 680.000 Personen 2930000 mehr als im Jahre 1898), die 153 Wagen der Elektrischen Straßenbahn Siemens u. Halste 9 717.403 Personen(3817341 mehr als in Jahre 1898), die11 Wagen der seit dem 21. Oktober im Betriebe defindlichen Straßenbahn Berlin Hohen=Schonhausen 136.203, die 12 Wagen der erst seit dem 18. Dezembe bestehenden Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen 58.066 Personen und die Allgemeine Berliner Omnibus=Aktien=Gesellschoft mit 39 420 155 Personen DrOst eutsche Jünglingsbund veranstaltet am Montag im großen Saal So####enstraße 15 einen Familien= abend(Bundesabend). Die Festrede hält Hof= und Domprediger Mit lauter Stimme gelobte der junges Geistliche, seiner Gemeinde mit voller Hingabe zu dienen. Dann sprachen noch Herr Pfarrer Huber und Herr Pfarrer Tomka einige Worte und legten unter Segenssprüchen ihm die Hand aufs Haupt. Da glänzten in vielen Augen Thränen freudiger Rührung und bekundeten, wie dankbar die Gemeinde für die gnadenreichen Führungen Gottes war, die sie im letzten Jahre erfahren hatte. Hierauf wurde das Lied„Nun danket alle Gott“ angestimmt. Wohl gab das durch die Nässe des Kellers wiederum verdorbene Harmonium nur kümmerliche Töne von sich, wohl war die Lust in dem eng gefüllten Raume fürchterlich, wohl fühlten sich Bänke, Stühle, Altarleuchter u. s. w. iufolge der überall durchdringenden Feuchtigkeit naß an— ein Nebenraum war, trotzdem daß draußen die Sonne schien, mit dichtem Nebel erfüllt—, aber das konnte alles nicht die Begeisterung der versammelten Gemeinde beeinträchtigen. Mit atemloser Spannung folgten alle der Predigt, in welcher der nun in sein Amt eingewiesene Geistliche mit einfachen, aber herzlichen Worten erläuterte, daß er in seinem Berufe immer die Nachfolge Christi vor Augen haben wolle. Nach der Predigt wurde dem Pfarrer der Muttergemeinde noch eine freudige Ueberraschung bereitet, indem ihm im Namen der Fürstenfelder zum Zeichen der Dankbarkeit ein großes Bild überreicht wurde. Das Bild stellt den sinken den Petrus dar und ist darum ein treffendes Sinnbild der kleinen Fürstenselder Gemeinde. Den Schluß des Gottesdienstes bildete die Feier des heiligen Abendmahles. Abends 6 Uhr fand im großen Saale von Pferschys Gasthof ein Familienabend statt. Die Beteiligung an demselben war außerordentlich groß. Bis aus den letzten Stuhl waren alle Plätze besetzt. Unter den Ansprachen, die gehalten worden sind, sei vor allem die des Herrn Pfarrer Eckardt hervorgehoben, der an die Vertreter der Stadt Fürstenfeld herzliche Worte des Dankes richtete und die Gemeinde zum treuen Festhalten an ihrem evangelischen Glauben und zum treuen Ausüben ihrer Bürgerpflichten ernstlich ermahnte Herr Vikar Ilgenstein hielt sodann einen längeren Vortrag über Theodor Fliedner, dessen 100. Geburtstag gerade auf den 21. Januar stel. Im Anschluß an denselben wurde für das Diakonissenhaus in Gallneukirchen eine Tellersammlung veranstaltet, deren Gesamtergebnis sich auf 28 Kronen belief. Am meisten verschönt wurde jedoch der Familienabend durch allerhand Darbietungen deklamatorischer Art. Musikstücke, Gesänge und Gedichte wurden in bunter Rethenfolge vorgetragen, wobei sich die evangelischen Kinder von Fürstenseld ganz besonders hervorthaten und unser Bewunderung und Anerkennung wiederholt hervorriesen Es war ein schöner Tag! Er wird uns allen unvergeßlich bleiben Nur eines konnte die Festfreude trüben, nämlich der Umstand, daß drei Presbyter, darunter zwei wegen schwerer Erkrankung leider nicht kommen konnten. Möge Gott geben, daß die beiden Kranken bald wieder genesen. Eirche, Schule und Missian. #nnenfeld, 8. Fehr. Ein herrlicher Festäg war für unsere kleine Gemeinde der 25. Januar. Er bezeichnete für uns den Höhepunkt der Freudigkeit, die uns seit der Wirtsamkei des Herrn Vitar Ilgenstein in unserer Mitte beseelt. Denn an diesem Tage wurde uuser Seelsorger nach seiner bereits am 14. Januar in Graz erfolgten Ordination uns von Herrn Pfarrer Eckardi als berufener Diener der Kürche vorgestellt und in sein Amt feierlich eingeführt. Es hatten sich hierzu allehiesigen Glaubensgenossen sowie viele Protestanten aus Ungarn eingefunden und schon lange vor Beginn des Gottesdienstes war unser Betsaal im Eiskeller, wovon die„Volk=Leser ja schon stüher gelesen haben, dicht gefullt. Ja selbst in den Vorräumen auf der Straße und jenseits derselben im Schnee standen dicht gedrangt vie Andachtigen, begierig, von den gehaltenen Reden ein Wort zu erhaschen. Auch zwei Geistiche aus Ungarn, die Herren Pfarrer Huber aus Kaltenbrunn und Tomka aus Ellendorf waren erschienen. Aus Ilz hatten sich Her Lehrer Kossak mit Famille und Herr Benndorf, aus Hartber, Her= Dr. Misches, aus Graz Schwester Ida eingesunden. Die Stadt Fürstenfeld war durch einige Gemeinderäte und Herrn Landtagsabgeordneten Sutter vertreten, welche obwohl nicht evangelisch, es sich nicht nehmen ließen, der kleinen Gemeinde an ihrem Ehrentage ihre Sympathie zu beweisen. Nach dem Eingangslied und dem Altargebet sangen der von uuseren Vikar gegtündete Kinderchor und der Frauenchor mit großer Sicherheit einige Lieder und die Tochter unseres verdienten Kassierers Heren Muhr, tüg einen dichterischen Gruß vor und überreichte im Namen des Kirchenchores dem Gründer desselben einen schönen Strauß mit Widmungsschleifen. Tiefe Bewegung ergriff alle, als Herr Pfarrer Eckardt mit dem Herrn Vikar zum Altar om unter Zugrundelegung von Joh. 25, 15.—1 in einsten und heizlichen Worten seine Amtspflichten aus Herz legte und die Gemeinde hat, die aufopfernde Treute ihres Seelsforgers mit dantkharer Liebe und mit standhaftem Festhalten an ihrem Glauben zu vergelten. Ueber die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe gab es in der letzten Stadtverordnetensitzung in Franksurta. M. wieder lange und heftige Kämpfe. Nach dem im Jahre 1892 erlassenen Ortsstatut ist dort die Beschäftigung von Gehilfen. Lehrlingen und Arbeitern im Handelsgewerbe an Sonn und Feiertagen nur vormittags von 10# bis Uhr gestattet. Die Handlungsgehilfen dringen aber schon lange auf Einführung der vollständigen Sonntagsruhe während die Handelskammer sich dagegen ausspricht solange sie nicht durch ein Reichsgesetz allgemein eingeführt werde Der Magistrat wollte zunächst die Arbeitszeit für Großgeschäfte am Sonntag herabsetzen die Stadtverordtieten=Versammlitig ließ aber in ihren Sitzung vom November v. J. so viele Ausnahmen zu, daß man schon damals sagen konnte, derartige Bestimmungen würden die Zustimmung des Magistrats schwerlich fiden. In der That ist der Magistrat jetzt mit einer neuen Vortage gekommen die auch die Sotntagsruhe im Kleinhandel begeln will Sie bestimm in der Hauptsache daß am Sonntag nur von bis 10 Uhr vommittags gearbeite werden darf und daß den Angestellten jeder zweite Sonntag stei gegeben werden muß Dagegen echob sich nun in der Stadtverordueten=Versammtung heftiger Widerspruch, es wurde die sofortige Ablehng der Vorlage beauttagt Oberbürgermeister Adickes unes darauf hin, daß die Lebensmittelgeschäfte gerade die Zeit von 8 bis 10 Uhr gewunscht haben um nachher ihre Laden schließen zu können und erklärte sich bereit für andere Geschäfte eine Arbeitszeit von1% bis Uhr zuzulassen. Es war auch angesichrt worden, daß Bonk= und andere Großgeschäft Weiktags erst um 9 Uhr beginnen, und daß die Angestellten Sonntags gern länger schiafen möchten anstätt um eine Stunde früher mit der Arbeit beginnen zu mussen. Die Ausführungen des Oberbürgermeisters und einiger Freunde der Vorlage bewirkten dann wenigstens, daß sie nicht vone weiteres abgelehn sondern zur Vorben##g an einen Ausschuß verwiesen würde. Der bayerische Eisenbahnerverband der 18.000 Mitglieder zählt, hat einen wichtigen Schritt zur Beseitigung der Wohnungsnot gethan. Nachdem der Verband über die Wohnungsverhältsisse von 4000 seiner Mitglieder Umftage gehalten und festgestellt hatte, daß die Hälfte davon in außerst gesundheitsschädlichen und sittengefährdenden Verhältnissen zu leben gezwlngen ist, ist er an die Gründung von Baugenossenschaften gegangen, die sich die Herstellitnig von gesttnden und billigen Wohnungen zur Aufgabe gestellt haben Derartige Baugenossenschaften sind nach der„Sozialen Prazis bereits zu Mitnchen=Laim, München Sid, München=L#, Nurnberg Rempten, Neu=Ulm, Simbach Rosenhein, Regensburg Augsburg Bamberg und Lindau ins Leben getreten Weitere Sschuicgentcstenschafen in Paste Schwei Mbg Weiden Eger und Aschaffenburg und in der Grindung begeiffen einem atnchen Bande non Sabtae- S S Die einem stattlichen Bande von 86 Folivseiten mit dem Titel Die Bangenossenschaften des Eisenbahnerverbandes herausgegeben von mchrit Schmid Sekretät des Eisenbahnerverh#ndes und vonden Architekten=August=Brüchte(Seitz und Schauter iu Munchen bezahlt werden muß; 3. Sonntags sind sechs Stunden als voller Tag zu berechnen; 4. Abschaffung der Akkordarbeit oder 10proz. Erhöhung der Alkordlöhne; 5. die Lohnauszahlung un. Schluß der Arbeitszeit erfolgt Samstags eine Stunde. an hoyen Feiertagen zwei Stunden früher; 6. Freigabe des 1. Mai als Feiertag. Alle Punkte wurden einzeln durchberaten und einstimmig angenommen. Eine längere Debatte entspann sich über das Akkordsystem in den Abzahlungsgeschäften. Nachdem eine Kommission gewählt war, die die einleitenden Schritte vorbereiten und diese einer demnächst statt zu findenden Versammlung zur endgültigen Beschlußfassung unterbreiten soll, wurde eine Resolution angenommen, wonach die gestellten Forderungen mit aller Energie durchgeführt werden sollen Nachen, 8. Febr. Auf den Wurmrevier=Gruben ist alles eingefahren bis auf Grube Maria, wo noch 37 Mann fehlen. Falls die uvermorgen erfolgende Löhnung ruhig verläust, ist der Ausstand jedenfalls zu Ende. Beim Eschweiler Bergwerksverein fehlen noch 35 Mann meist, Holländer, diese werden wohl überhaupt ausbleiben M.Gladbach, 7. Febr. Der Unternehmer der Erdarbeiten bei der Kabellegung des städtischen Elektrieitätswerkes bewilligte seinen Arbeitern die geforderte Lohnerhöhung, worauf die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Febr. Der Ausstand in der Eisengießerei von Friedr Spieß hat schon sein Ende erreicht. Die Firmeninhaber haben die Forderung der Arbeiter bewillich Breslau, 8. Febr. Die Waldenburger Bergleute wollen dieselben Forderungen an die Gewerkschaften stellen wie die ausständischen österreichischen Bergarbeiter, zu deren Unterstützung Ueberschichten verweigert werden sollen Rybnik(Schlesien) 8. Fehr. Auf der Charlottengrube bei Czernit, deren Besitzer Oesterreicher sind, sind an hundert Bergleute nicht eingefahren. Charleroi 8. Febr. Der Ausstand der Glasschneider dauert unverändert an. Die Zahl der bis jetzt gelöschten Oesen beläuft sich auf neun Unsere Leser und Freunde bitten wir, bei freudigen und traurigen omtienereignigsen un ners eine diesbezügliche Anzeige zugehen zu ie große„Volk“=Gemeinde kann und muß gerade dura die Veröffentlichung derartiger Anzeigen bekunden, daß es ein gemeinsamnes Seseaade eninischscheee eie elches alle Gheistlsihzssäclen Treue. Wenden Sie sich an den Parteisekretär Herrn Dr. Burckhardt in Godesberg a. Rh.— 2. Wir bitten um Einsendung des Manst W. P in G. Wie wollen uns erkundigen und Ihnen in einigen Tagen an dieser Stelle Auskunft geben. Pf. B. in Hirschten Wir bitten um Angabe Ihrer genauen Adresse. Ein an Ihre Adresse gerichteter Brief kam zurück, weil es mehrere Orte gleichen Namens giebt. gang min J. G. in D. Das ist offenbar ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz aus einer Rede Stöckers, die uns aber im Augenblick nicht vorliegt, um eine Richtigstellung veraklassen zu konnen. Wir kommen vielleicht noch einmal darauf zurück. #memum. Ein freundlicher Leser schreibt uns. Ich habe ein größeres Harmonium von Estay gehabt, dasselbe aber gegen eines der Firmg Mason umgetauscht. Ich finde letzteres solide gebaut und viel edler im Ton, sodaß beide gar nicht zu vergleichen sind. Eine empfehlenswerte Firma, welche Instrumente beider Fabriken führt, ist Th. Mann& Co. in Bieleseld. M. in A. bei Sch. Wir nennen Ihnen„Die Buren ein deutscher Bruderstamm Verlag Ernst Siedhoff in Bielefeld, Preis 9g. Ferer Der Kricg in Südafrika 1899/1900 und seine Vorgeschichte Verlag Liebelsche Buchhandlung, Berlin W., Kurfürstenstraße 18. H. V. in E. Warum anonym? Wir verraten Ihren Namen nicht ###ge: Kennt ein fteundlicher Leser ein sicheres Haarwuchsmittel? Die paare sind infolge einer schlimmen Kopfkrankheit stellenweise ausgefallen. Eintragung. Die Eintragung der Hypothek kann ohne Gegenwart des Gtaubigers bei Gericht beantragt werden. Die Kösten werden sich auf ca. 20 Mk. belaufen. eesansenten Zeichnungen der Situationsplägte, der Grunduo Acrie, sowie die genaue Kostenberechnung der Hällen Die bis jetzt gegründeten Baugenossenschaften besitzen bereits Tagwerl Baugrund Auf diesem Terrain sollen vorläufig 203 Häuser mit 1798 Wohnungen erbaut werden. er sind 600 Wohnungen mit 2 Zimmern und Abort, 408 Wohnungen mit 2 Zimmern, Küche und Abort, 326 Wohnungen mit 2 Zimmern Küche, Kammer und Abort und 464 Wohnungen mit 3 Zimmern Küche und Abort. Jede Wolnung hat einen für sich abgeschlossenen Gang. Ausguß, Wasserort befinden sich innerhalb des Wohnungsabschlusses Mit dem Bau der Häuser ist bereits begonnen worden in München in Laim, München=Berg am Laim, NeuUlm Kempten und Simbach. In Nurnberg Rosenheim, Regensburg, Agsburg und=München=Sendling, wird im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden. In einer Petition an das Abgeordnetenhaus hal der Verband um ein mit 3 Proz. zu verzinsendes Darlehen von 7 Millionen Mark nachgesucht dessen Bewilligung von dem Referenten des Kammerausschusses befürwortet wird. Zur Lohnbewegung der Tapezierer in Frankfurt a. M. Im Erlanger Hoft fand eine gutbesuchte Tapeziererversammlung statt, die sich nach einem Referat des Redaktens Zielowsky über den Wert einer Organisation mit den im nächsten Frühsahr an die Arbeitgeber zu stellenden Forverungen beschäftigte. ES wirden folgende Fordertugen aufsgestelltes. Neiniftündige Arbeitsseit bei gleich Lohnzahlung wie bisher, wo Stundenohn eigefüchr ist.##det eine proz Lohnerhöhuug stätt2. Ueberstunden werden bis 10 Uhr abends mit 33½ Prozent vergüte von 10 Uhr ab tritt Nachtarbeit ein die doppelt Westtalen. puchenbach, 8. Febr. Wie die hiesige Zeitung meldet, sollen die städtischen Anlagen auf dem Herrnberg durch Ankauf einer Fläche von über 6 Morgen eine Erweiterung erfahren Der Kauspreis wird teilweise durch freiwillige Beiträge hiefigen Bürger gedeckt. Hagen 9. Febr. Der Doppelraub mörder Kreitler ist gestern nachmittag wegen seiner beiden un begreiflich rohen Blutthaten zu doppelter Todesstrafe verurteilt worden, also für jedes der tierischen Verbrechen zum Tode verurteilt. Der Mörder nahm die Verkündigung des Urteils ohne jede sichtliche Gemutsbewegung auf, wie er ja auch während der ganzen Verhandlung nicht eine Spur von Reue gezeigt hat. So schwei es auch war, auch nur einen iigendwie sympathischen zug an dem unglücklichen Menschen zu entdecken, so berührte es doch wenigstens etwas angenehm, daß er seine Eltern gegenüber dem Leumundszeugnis ihrer Heimatsgemeinde zu verteidigen suchte. Der Urteilsspruch stimmt jedenfalls vollkommen überein mit dem Volksurteil über den unseligen Doppelmörder. Hoffentlich empfindet der Verurteilte doch noch Reue über seine furchtbaren Verbrechen. Herford, 8. Fehr. Endlich nach nähezu 3 Jahren hat das Reichsgerich in letzter Instanz in der Prozeßsache der Münsterkirchengemeinde(Stiftskirche) gegen den Fiskus dahin entschieden, daß bezüglich der Pfarrhäuser der Fiskus die Pflicht der Renovierung nicht aber die eines Neubaues habe.— Der Ankauf der alten Petzi=Kirche neben der Munsterkirche stößt bei der kirchlichen Vertretung auf Schwierigkeiten weil statt 12660 jetzt 15.000 Mark von der reformierlen Gemeinde verlangt werden, der eventuelle Kauf aber nur zur Folge haben durste, daß seitens der Behörden der Antrag auf Abbruch und Freilegung gestellt werden würde. ## Llotho, 8. Febr. Durch allerhöchsten Erlaß ist der hiesigen Stadt und dem Kreise Hersord welche gemeinsam die Herstellung einer Kaianlage an der Weser hier mit Gleisanschluß an den Bahnhof der Kleinbahn Herford- Salzuften= Plotho in Anguiff genommen, hierzu das Enteignungsrecht verliehen. Aus Minden=Ravensberg und Umgegend, 8. Febr. In Dermold hat sich ein Flottenverein gebildet.— Auf dem Güterbahnhof in Minden wurde am Montag abend dieara verstimmelte Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden Einige Meter von der Unglücksstelle lag der Westf Ztgzufolge ein Hut, Handschuhe und Stock. Auf diesen Gegenständen lag eine Karte, die auf einer Seite mit„Karl Duckstein Typograph, Magdeburg=Junkerplatz und auf der anderen Seite mit 1000 letzte Gruße, Karl beschrieben war. Es wird angenommen, daß der Mann sich von dem vorher eingelaufenen Eilzuge hat überfahren lassen.— Der Heizer Heinrich Schmidt in Gadderbaum hat Selbstmord begangen ohne daß man anfänglich den Grund zu dieser That kannte. Jetzt hat sich herausgestellt, daß Sch sich an einem 9=jächrigen Mädchen iu sittlicher Beziehung vergangen hat.— Bei der Geschäftsstelle des Deutschen Flottenvereins für Bielefeld= Land sind bis jetzt 270 Mitglieder angemeldet, von welchen eine größere Anzahl #0 ihres Jahreseinkommens als Jahresbeitrag gezeichnet hat.— Auf vielseitige Anregung hatte sich am 2. ds Mts. eine größere Anzahl Herren aus dem Stande der Landwirtschaft und des Gewerbes zwecks Beratung über den Bau einer Chaussee von Steinhagen über Obersternhagen und Ummeln nach Friedrichsdor mit Abzweigung von der Schule zu Obersteinhagen nach dem Bahnhofe Quelle beim Wirte Flöttmann in Obersteinhagen eingefunden. Es wurde zunächst die Richtung, die die neue Chaussee zu nehmen hat, festgestellt und zur Ausführung des Projekts für Steinhagen und Ummeln je eine Kömmission ge nür beste Fabrikate verschieNanmaschinennenster spsteme 1900er Modelle, schon jetzt lieferbar, mit Fanrraden wesentlichen Verbesserungen. Wasche Wengmaschinen bewährteste Systeme, letztere mit IEIMNWalzen, liefert unter weitgehendster Garantie See-erJung. Aeltestes und leistungsfähigstes Geschäft dieser Branche am Platze. Das Martinenm wählt. Dieselbe wurde beauftragt, mit Quelle, zwecks der Abzweigung dorthin weiter in Verbindung zu treten und namentlich für freiwillige Zeichnungen und Abgabe von Grundstücken mit den Interessenten in Verbindung zu treten. Die größte Anzahl der interessierten Grundbesitzer war in der Versammlung zugegen Dieselben erklärten sich bereit, nicht nur den Grund und Boden frei herzugeben, sondern auch namhafte Beiträge zur Herstellung der Chaussee zu leisten.— Am kommenden Sonntag hält der Ravensberger Imkerverein in Versmold eine Versammlung ab in welcher ein Vortrag gehalten werden wird.— Mit dem Ankauf von Grundstücken für die Kleinbahn Vlotho=Salzuflen ist seit einigen Tagen der Direktor der Kleinbahn mit den Mitgliedern der zu diesem Zweck ernannten hiesigen Kommission in Blotho beschäftigt. Mit einigen Grundstücksbesitzern wird wohl ein gütliches Uebereinkommen erzielt werden können, dagegen wird aber namentlich bei den Wasser bezw. Ufergrundstücen das Enteignungsverfahren eingeleitet werden müssen Letzteres wird auch bei den abzutretenden Grundstücken der St. Stephanigemeinde der Fall sein.— Das am Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Wohnhaus der Wwe. Ewert in Herringhausen ist total niedergebrannt. Nur das Vieh konnte gerettet werden. Aus Minden=Ravensberg und Umgegend 9. Febr. Der Fernsprechverkehr ist jetzt von Herford aus auch mit Köln, Mülheim Düsseldorf Benrath Reuß Hattingen Elberfeld Barmen, Langenberg und Neviges zugelassen.— Der bei einer Brünnenanlage in Werste beschäftigte Arbeiter Kuhlmeyer aus Melbergen wurde durch herabstürzende Erdmassen verschüttet und konnte nur als Leiche aus Tageslicht befordert werden.— In Ahmsen brannte das Haus des Kolone Meier Nr. 50 hier bis auf den Grund nieder Burbach, 7. Febr. Im benachbarten Wahlbach schweben der„Sieg Ztg zufolge Verhandlungen wegen Abtretung von Grundbesitz zur Errichtung einer Heilanstalt für die Lungenkranken des Bochumer Knappschaftsvereine. Die An lagekosten sollen Million, die jährlichen Unterhaltungskosten 200.000 Mi betragen. Es ist geplant, die Anstalt für mehr als 200 Betten einzurichten und die Aufnahme hiesiger Kranken Mich Acen elleite= stensfae Wiesbaden, 8. Febr Halb Oberreisenbeig der Bürgermeister an der Spitze befand sich am Samstag in Saale der Staafkammer des agl. Landgerichts dahier Es handelte sich laut Frankf Gen=Anz um eine Anklage wegen Beleidigung des Ortsoberhauptes, welche sich gegen den 34 Jahre alten Fabrikarbeiter Franz Beuth von Niederreifenberg aber in Obereisenberg wohnhaft richtete Beuth hatte am 29. November v. Jahres eine Eingabe an die König Regierung in Wiesbaden verfaßt und abgeschickt in der dem Bürgermeister von Oberreifenberg allerlei ehrenrührige Sachen nachgesag wurden. In der stilistisch merkwürdigen Schrift war u. a folgendes behauptel Der Bürgermeister plaudere die Amtsgeheimmss in den Wirtshäusern aus lasse Kaufbriefe monatelang liegen ohne sie zu erledigen, wolle jemand die Geburt eines Kindes eintragen lassen dann musse er wer weiß wie oft laufen bis die Einttagune geschehe und doch seider Bürgermeister Standesbeamten der Burgermeister habe ein paar Trunkenbolde zu denener sich in das Wirtshaus setze und mit denen er auch bis über die selbständig verläugerte Polizeistunde hinaus sitzen bliebe, einmal habe man ihn— den Bürgermeister— nach Hause tragen müssen, und dabei habe einer gesagt, als man den Trunkenen in dem Hausgang abgeladen haber S da leih(liege) Schon mehrfach habe sich der Bürgermeister von armen Burschen bezahlen lassen und auch für Tranungen habe er Geld genommen. Der Bürgermeister habe überhaupt seine Polizeibefugnisse mißbraucht, und sei schon zu jeder Stunde der Nacht nach Hause gekommen Weshalb habe die Oberreifenbeiger Feuerwehr die Prämie welche sie bei einem Brande verdient und erhoben habe, nicht zum Vertrinken erhalten? Weshalb die Gemeinderechnungen nicht aufgelegt worden seien, wisse man ja. So der ungefähre Inhalt der Eingabe Die Regierung zu Wiesbaden sandte diese Schrift an den Landrat zu Usingen. Der fand einen Teil der Beschuldigungen des Bürgermeisters Schmidt bestätigt. Als der letztere Kenntnis von dem gegen ihn erhobenen Anschlag erhielt, stellte er Strafantrag wegen verleumderischer Beleidigung Das Schöffengericht in Königstein verhandelte die Klage und kam zu dem Schluß, daß Beuth in allem, bis auf einen Punkt, wenn auch nicht den Wahrheitsbeweis erbracht, doch im guten Glauben gehandelt habe und daß er deshalb wegen dieser Punkte freizusprechen sei. Bezüglich des Punktes jedoch, der von der Trinkfestigkeit des Bürgermeisters handle, sei der Angeklagte zu verurteilen. Beuth erhielt drei Wochen Gefängnis. Er legte Berufung ein und dasselbe that auf Antrag des Bürgermeisters Schmidt auch die Staatsanwaltschaft. Aufheute wurden nicht weniger als dreißig Zeugen vorgeladen Ein Drittel derselben aber genügte, um zu ermitteln, daß Beuth zum mindestens in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Der Staatsanwalt selbst beantragte seine Freisprechung und diese erfolgte denn auch Das Gericht erkannte, daß B. als Gemeinde= und Staatsbürger ein berechtigtes Interesse gehabt hätte Vorwürfe, welche dem Bürgermeister zur Last fielen, zur Kenntnis der vorgesetzten Behörden desselben zu bringen und mindestens in dem guten Glauben gehandelt habe, daß das, was er von dem Bürgermeister behauptete, Thatsache sei. den 14. Februar, nachmittags 2 Uhr Bibelbesprechung im evangelischen Vereinshaus zu Dillenburg. Ephes 5, 11 ff. Herr Pfr. Conrad von Haiger. Jedermann ist freundlichst eingeladen. Standesamt Siegen. Angemeldet vom 36. Januar bis 6. Februar. Geborene. Mädchen des Kaufmanns Karl Hansberg, ev.— Luise Marie, T. d. Schuhmachers Heinrich Wilh. Aug. Dietermann, ev. Karl Konrad Heinrich, S. d. Briefträgers Heinr. Meiswinkel, kath. — S. d. Bäckers und Wirts Heinr Friedr. Meyer, ev.— Elisabeth T d. Erdarbeiters Johs Stötzel, kath.— Karl, S. d. Kesselschmieds Karl Michael Friedr Kantlehner ev. Ernst. S. d. Metzgermeisters Friedr. Wilh. Jung, ev.— Katharina Theresia Anna Maria, T. d. Küfers Heinr. Peter Wurm, kath.— Luise T. d. Gärtners Emi Heinr. Joh Petsch, ev.— Luise Lina Elisabeth, 2. d. Technikers Adam Alb. Bosch, kath.— 1 T. d. Küsters Heinr. Wolf, ev.— Heinr Paul, S. d. Klempnermeisters Joh Friedr. Schmidt. ev.— Wilhelm S. d. Pflastermeisters Wilh Hagen, ev.— Jean Joseph= Ernst, S. d. Fabrikarb Johs. Füllengraben, kath.— Helene Elisabeth T. d. Sandformers Wilh. Ferd. Aug. Kammler er.— Jakob Emil Ernst, S. d. Postboten Heinr Bald, ev.— Anna T d Metallschlossers Phil Wilh Weisgerber kath.— Franz Emil Heinr, S. d. Oberleutnants Wilh. Franz Paul Hemmerich, ev.— Wilhelm Emil, S. d. Hüttenarb Friedrich Dietrich evAufgebotene. Ingenteur perm. Heinr Aug Wulf in Darmstadt mit Anna Maria Jacobi, das. Kausmann Friedr. Noeker, Witwer, mit Agnese Katharina Kreuz, hier— Modellschreiner Heinrich Friedr. Wilh. Voller mit Luise Augustine Leukel, hier. Verehelichte. Kesselschmied Karl Debus hier, mit Rosa Lisette Weber in Ollendorf, ev.— Lokomotioheize Friedr. Wilh. Euteneuer mit Maria Feige, hier ev— Hilfsbremser Joh Kasper, gen Karl Kuhlmann mit Elifabeih gen Regina Meiswinkel, hier kath.— Schlossermeister Alb. Heinr. Hetzig, hier mit Katharina Heupel in Anzhausen kath. Sterbefälle Hospitalit Heinr Schweisfurth, 82 J. alt, ev.— Karl Wilh. S. d. Fabrikarb. Eberh. Killer, 1 J. 11 M. 27 Tage alt, ev. Ehefrau Kanzleigehilfe Heinr Heinbach, Bertha, geb. Spies, 34 J. alt, ev.— Marie Helene Eva Anna. T. d. Anstreichers Konrad Wilh Werthenbach, 2 J. 5 M. 21 T. all, kath.— Berginvalide Eberhard Becker 53 J. alt, kath.— Anna T. d. Metallschlossers Phil Wilh Weisgerber 2 Stunden alt kath.— Maschinenwärter Dominikus Linden, 26.J alt, kath.— Johanna Minna, T. d. Bergm. Georg Friedr. Müller, 3 J. 2 M. 8 T. alt ev. Angemeldet im Monat Januar 1900. Geburten. Paul S. d. Gerbers Wilhelm Roth, Bruchstr. ev— Albert Johannes, S. d. Schneidermeisters Karl Albert Grimm, ev.— Erich Georg, S. d. Gerbers Ludwig Limper er.— Else T. d. Sattlers Heinrich Stecher, ev.— Minna ehel. T. d. Witwe Wilhelm Heide, Martha geb. Setzer, ev.— Margarethe, T. d. Gerichtsdieners Wilhelm Schmitt ev. Aufgebote. Schlosser Karl Finger in Witten, zuvor in Hilchenbach, und Emma Bätzel in Witten, ev. Sterbefälle. Lederfabrikant Franz Richard Hüttenhein, 38 J. alt, ev.— Ingenieur Otto Groos, 59 J. alt, en Gelene Hoffmann, d. Gerbers Eduard Hoffmann, 9M. alt, ev.— Pensionierter Fußgendarm Heinrich Konrad Dreher, 51 J. alt, ev. Standesamt Hilchenbach=Land. Angemeldet vom 2. bis 29. Januar 1900. Geburten. Paul Erna. T. d. Leimsieders Wilhelm Dornhöfer in Vormwald, ev.— Martha, T. d. Waldarbeiters Wilhelm Müller in Lützel, ev.— Friedrich, S. d. Landwirts Friedrich Wilhelm Weiß in Ruckersfeld, ev.— Magdalena, T. d. Fabrikarbeiters Gustav Adolf Dornhöfer in Lützel ev Friedrich Wilhelm, S. d. Schmieds Friedr. Albert Kleb in Allenbach ev.— Hermann, S. d. Gastwirts Hermann Völkel in Grund ev.— Johanna, T. d. Landwirts Hermann Freudenberg in Lützel, ev Aufgebote. Dienstknecht Friedrich Hirsch in Hilchenbach und Johanna Helines in Helberhausen.— Eisendreher Gustav Eckhardt in Grund und Karoline Schenk in Vormwald.— Landwirt Heinrich Brombach in Ruckersfeld und Emilie Bäumer in Bühl.— Fabrikarbeiter Karl Menn in Lützel und Alwine Frank in Sohl, Gemeinde Fischelbach. Eheschließungen: Maurer Heinrich Menn in Allenbach und Martha Trittmann das, ev.— Landwirt Friedrich Wagner aus Afholderbach und Lina Stein in Oechelhausen, ev. Sterbefälle: Witwe Johann Heinrich Menn, Katharine geb Münker in Hadem, 80 J. alt, ev.— Karl Daub, S. d. Fabrikarbeiters Aug. Daub in Grund, 1 J.alt, ev.— Witwe Eckhard Brombach, Margarzthe geb. Kraus in Ruckersfeld, 87 J. alt, ev.— Wilhelm Eckhardt, S. d Leimsieders Karl Eckhardt in Haarhausen, 6 M. alt, ev— Tot, geborener Knabe der Ehefrau Johannes Heinrich Jüngst, Kalherin Philippine geb. Stenger in Lützel.— Ehefrau Johannes Heinrich Jungst Katharine Philippine geb. Stenger in Lützel, 41 J. alt, ev. Berlin, 9. Febr. Die Börse eröffnete in ziemlich fester Haltung. Die später in Erscheinung getretene Lebhaftigkeit in Montanwerten wirkte auf die übrigen Industrieaktien sehr anregend. Der Baukenmarkt lag still, doch fest. Fonds stetig Eisenbahnaktien wenig beachtet. In der zweiten Börsenstunde war der Verkehr allenthalben ruhig bei unveränderten Kursen. Privatdiskonto 3 5/8%. Anfangs waren: Kreditaktien 238,75, Diskonto=Komm. 196.20, Deutsche Bank 212.25, Dresdner Bank 165.60, Darmstädter Bank 146.40, Handelsgesellschaft 172.75, Staatsbahn 140,75, Lombarden 27.80 Marienburger 82,75, Gotthard 142.75, Schweizer Central 144.50, Schweizer Nordost 93,90, Jura=Simplon 88,10, Prince Heuri 115,70, Bochumer 276,50, Dortmunder 142, Laura 276,70, Gelsenkirchener 209.30, Harpener 227,75, Hibernta 235,— 3proz. Reichsanleihe.— Italiener 94.50, 6proz. Mexikaner—.—, Türkenlose—.—, Spanier 68,25, Northern 76,40. Produktenmarkt. Berlin, 9. Febr Etwas strengerer Frost und feste Auswärtsberichte bestärkten wiederum das Angebot in seiner Zurückhaltung und mußten die wenigen Käufer im Lieferungshandel für Weizen Mk. für Roggen Mk. mehr anlegen. Der Absatz ist noch immer schleppend, namentlich Roggen wenig beachtet. Hafer unverändert. Rüböl fest. Es zeigte sich ein ziemliches Angebot für 70er Spiritus zu Mk. 46,90, der Umsatz betrug 34,000 Liter. Wetter: Frost. Nur 3 Pfg. täglich kostet Sie eine Kur mit unserem Natron Lithion Wasser gegen Influenza u. Folgen, Heiserkeit, Verschleimung, Husten, Verstopfung Hämorrhoiden Griesbildung Rheumatismus, Blutarmut, Bleichsucht, Migräne, Neuralgie und dergl. Selbst diesen geringen uns gezahlten Betrag erhalten Sie zurück, falls unsere Kur nachweislich erfolglos bleibt. Herr Dr. Günther schreibt in seiner Analyse: Der Geschmack des Wassers ist rein erfrischend säuerlich prickelnd schwach eisenartig Es zeichnet sich aus durch einen relativ hohen Gehalt von doppelt=kohlens. Lithion und freier Kohlenfäure Dasselbe durfte geeignet sein, sowohl als Tafelwasser, wie auch für medizinische Zwecke mannigfache Anwendung zu finden Analyse mit Attesten senden wir gern kostenlos. 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Nach Gewittern, starken Regengüssen und bei plötzlichem Abgang des Schnees müssen alle Straßenrinnen und Wasserabflüsse ungesäumt und so gereinigt werden, daß das Wasser ungehindert Abzug hat. § 6. Bei Frost und nach Schneefall sind die Bürgersteige, die Rinnen, sowie der Zugang zum Hause von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, soweit es der Verreyr ersordert, von Eis und Schnee frei zu machen Bei Glatteis sind die Bürgersteige bis spätestens 8 Uhr vormittags mit Sand, Asche oder anderem tauglichen Material so ausreichend zu bestreuen, daß das Begehen derselben ungefährlich wird, und in diesem Zustande bis 8 Uhr abends zu erhalten. „ So tange der Schneefall anhält, muß durch Abkehren der Bürgersteige eine freie Bahn für Fußgänger in der Breite eines Meters gangbar erhalten werden. Abraum(Schnee und Eis) kann auf den Fahrdamm geschafft, darf aber nur längs des Rinnsteines bis auf 1 Meter Entfernung vom Bordstein und derart niedergelegt werden, daß die Rinnsteine, die Einflußöffnungen der Straßenkanäle, die Absperrschieber und Hydranten der Wasserleitung frei bleiben, auch darf der Fuhrwerksverkehr nicht wesentlich erschwert werden. Schnee von Dächern oder aus Hösen darf nur zum Zwecke des sofortigen Aufladens und Abfahrens auf die Straße geschafft werden. § 7. Bei Thauwetter muß jeder Verpflichtete sogleich nach erfolgter Bekanntmachung oder besonderer Aufforderung das auf den Bürgersteigen und in den Rinnen befindliche Eis losmachen und abfahren lassen oder dasselbe längs der Rinne auf der Straße bezw dem Bürgersteige niederlegen. # d e i F r o s t w e t t e r d ü r f e n f l ü s s i g e A b g ä n g e a u s g e w e r b l i c h e n A n l a g e n ebenfalls nicht, andere Abwässer, z B. Haus= und Wirtschaftswässer nur, wenn das Grundstück nicht an die städtische Kanalisation angeschlossen werden kann, in die Straßenrinne abgeleitet werden, wenn und soweit der Abfluß bis zum nächsten Einfallschacht nicht durch Eis behindert ist. zeeignet. Weißweine von 55 Pfg., Rotweine von 75 Pfg. an p. Liter empfiehlt Fr. Engelhardt. Weinkelterei in St. Goar am Rhein. Gegründet 1861. Prima Referenzen! Ganz hervorragend schöne Marken sind: Niersteiner“, Tischwein, 60 Pig p. Lr., 75 Pfg. p. Fl. Ven Seba“, ausgezeichneter, herrlicher Rotwein, vollster Ersatz für Bordegux,(da aus Vordeaux=Reben gezogen) Mk. 1.— p. Ltr. od. p. Fl. inel. Zu Pravan: Fäßchen von ca. 20 Liter und Sor Preisliste zu Stovin timentskisten von 12 Flaschen an gratis u. franke Gewichte 2c. eingezogen werden. Siegen, den 2. Februar 1900. Die Volizei=Verwaltung. Bekanntmachung. ##ie Aufnahme bezw. Erneuerung der Regenschirme für Damen. Herren und Kinder in den neuesten Stoffen und Stöcken von den billigsten bis zu den hochfeinsten. Shlipse, Hosenträger. Glacé Wild- und WaschlederHandschuhe. Wilhs Schweisturth. Weidenau a. d. Sieg, Wilhekmustr. 86 Pilzlüte und Mützen Militär=Reklamationen aus Anlaß des diesjährigen Ersatzgeschäftes habe ich folgende Termine angesetzt: a) für den Jahrgang 1878 u. ältere Februar, in allen Sorten. auf den 12. Februar, b) für den Jahrgang 1879 aus den 13. Februar, c) für den Jahrgang 1880 auf den 14., 15., 16. u. 17. Februar, jedesmal nachmittags von 2½ bis 6 Uhr, auf Zimmer Nr. 2 des Rathauses(Polizeibureau). Zur Begründung der neuen Reklamationen sind die Steuerzettel sowie Bescheinigungen der Gläubiger über etwa vorhandene Kapitalschulden vorzulegen. Es wird darauf hingewiesen, daß nur solche Reklamationen, welche der Ersatzkommission zur Prüfung vorgelegen haben, bei dem Ober=Ersatzgeschäft evtl. Berücksichtigung finden. Siegen, den 2. Februar 1900. Bürgermeister. Delius. Bekanntmachung. Anträge auf Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militärdienste der in diesem Jahre gestellungspflichtigen Militärpflichtigen des Amtes Weidenau können auf dem Amtsbüreau mündlich angebracht werden und zwar: Montag, den 12. Febr. 1900, Nachmittags von 2 bis 6 Uhr aus der Gemeinde Weidenau, Dienstag, den 13. Febr. 1900, Nachmittags von 2 bis 6 Uhr aus den Gemeinden Birlenbach, Buschgotthardshütten, Klafeld, Dillnhütten, Sohlbach, Mittwoch, den 14. Febr. 1900, Nachmittags von 2 bis 6 Uhr aus den Gemeinden Achenbach, Bürbach, Kaan, Seelbach, Trupbach und Volnsberg. Anbringung der Anträge sind die Geburtsscheine der Eltern falls solche noch leben, und der etwa vorhandenen Geschwister des Militärpflichtigen sowie die Staatssteuerzettel vorzulegen, die Größe und der Reinertrag bezw. Nutzungswert der Grundstücke und Gebäude anzugeben und etwaige Schulden nachzuweisen. Weidenau(Sieg), den 5. Fehr 1900 Der Amtmann Liebau. Rs-cheter Witwe Dilling. obere Friedrichstraße Nr. 153/1 in Weidenau nebst Ar Hofraum und Garten ist zu verkaufen. ist neu und eignet sich zum Geschäftsbetriebe. enthält 4 Kellerräume. Zimmer und 1 Küche. Resiektanten wollen sich mit mir venehmen. Weidenau. Stähler, Auctionscommissar. in Elberfeld will die Parzelle Slur 0 Nr. 2515/450 u. 2516/456 der Steuergemeinde Weidenan von 1.85 meistbietend verkaufen. Die beiden Grunsstücke liegen zwischen dem Siegfluß und der unterhals der — Reparaturen— prompt und billigst. § 98. Jede Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften dieser Polizei=Verordnung wird mit einer Geldstrafe bis zu 9 Mark oder mit Hast bis zu 3 Tagen geahndet. In unserem Verlage erschien soeben Richard Kracmer SIEGEN vis-à-vis der Eintracht empfiehlt sein Lager fertiger Möbel- Spiegel u. Polsterwaanen Specialität: Fertige Betten. Püima Bettfedern und Daunen. Kinderwagen und Rohrsessel Ein Weckhruf von Ad. Stöcker, Hosprediger a. D. 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