Nr. 17. Siegen, Sonntag, den 21. Jannar 1900. 12. Jahrgang. Die Zeitung„Das Volk“ erscheint an jedem Wochentage abends. Bestellungen sind bei dem entsprechenden Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen. Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschäftsstelle entgegen Preis vierteljährlich für die Stadtabonnenten M. 1.25 srei ins Haus 40 Pf. mehr, für alle Postabonnenten M. 1,35 frei ins Haus 40 Pf. mehr. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Sandstraße 18. Fernsprech=Anschluß Nr. 205. Berlin: Agentur: NI Klopstuckstraße 7. (D. v. Oertzen.) Christlich=sozialer Verenn in Breslau, Mittwoch, den 24. Jannar, abends 8 Uhr, findet im Vereinslokal bei Kunicke, Bischofstraße 13, Zimmer 4a, im ersten Stock eine Vereins Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag über das Kaiserwort: „Die bisherigen Richtungen haben leider in sozialer Beziehung vollständig versagt. Wir laden freundlichst zu recht zahlreicher teiligung ein und sind Gäste herzlich willkommen. Der Vorstand. gez. Küntzel, P. Die Berichtswoche ist in unseren Parlamenten im allgemeinen eine stille gewesen. Man hat sich an die Etats herFolge hätte, als den Sprechminister zu einer Auskünft zu veranlassen. Nur eine gewichtige Sitzung hatte das preußische Abgeordnetenhaus am Schluß der vorigen Woche zu verzeichnen, wir meinen die Anfrage der Konservativen an die Regierung, wie werden känne, mit Geist und Wort der Versassitüh zu verenbasen Der Gang der Veryandlung gestaltete sich durchaus zu einem moralischen Erfolg der Konservativen. Alle Parteien des Hauses traten ihnen rückhaltlos bei und die Regierung wußte auf die berechtigten Vorhaltungen wenig zu erwidern. Ja, sie gab gewissermaßen ihr Unrecht zu indem sie aufrecht Die Sache ist zunächst von Bedeutung, weil zum erstenmal wieder seit Jahren die Konservativen einen festen und unabhängigen Ton der Regierung gegenüber wieder gefunden haben. Aber die Frage wer in dem vorliegenden praktischen Falle Recht oder Unrecht hat, ist doch nicht die Hauptsache Das Wesentliche bleibt vielmehr die Zukunftsfrage; wird es in Preußen von jetzt an überhaupt noch möglich sein, daß Verwaltungsbeamte um ein Mandat werben, und daß sie es annehmen, wenn es ihnen übertragen wird? Liberale Redner und in der fraglichen Sitzung entschieden dafür eingetreten, daß den Beamten das artive und passive Wahlrecht entzogen werde die Konservativen dagegen haben diese Frage nicht auf die Spitze treiben wollen. Ihr Hauptargument zu Gunsten der Beamtenwahlen ist immer das, daß der praktische Verwaltungsbeamte auch die praktische Wirkung der Gesetzvorlagen am besten werde beurteilen können, und daß mutmaßlich die Redaktion der Gesetze noch etwas schlechter ausfallen dürfte, als bisher, wenn die Beamten aus den Parlamenten einfach ausgemerzt würden. Wir unsererseits stehen in diesem Fall doch mehr auf seiten der Liberalen, als der Konservativen. Wir meinen, es werden sich auch ohne die Beamten der sachverständigen Abgeordneten hinreichend finden, die Gesetze korrekt zu redigieren verstehen. Es scheint uns dabei eine ziemlich leere Fiction zu sein, wenn man auf der Rechten plötzlich wieder den altständischen Eharakter des Landrats hervorhebt. Daran glaubt niemand mehr Der Laudrat ist heute nicht mehr und nicht weniger, als der französische Präsekt ein Agent der Regierung. Nur darin liegt der Unterschied, daß bei dem parlamentarischen Regiment in Frankreich mit jedem Regierungswechsel auch die Präfekten wechseln müssen, während bei uns die größere Stetigkeit in der Regierung solchen Wechsel nicht nötig macht. Wie die Dinge heute liegen, vertritt der Beamte die Regierung vor dem Volk, der Abgeordnete dagegen#oll das Volk mit seinen Wünschen, Ansprüchen, Hoffungen# der Regtenung vertreten. Wo man beides vereinigen will sind die schwersten Konflikte unausbleiblich Aber nicht niur diese unvermeidlichen Konstikte, sollten zun Aufhebung der Wählbarkeit führen Auch die konserdatibe Partei hat viel und schwer unter der Ueberzahl offiziöser Stimmen in ihrer Mitte gelitten. Wie oft in den letzten 30 Jahren ist sie, statt ihrem Programn und Grundsätzen zu folgen, den schwankenden, unsachlichen Direktiven der Regierung gefolgt#und hat große Kapitalien an Zuneigung und Synpathie im Volke#nmötig aufs Spiel gesetzt und verloren Nicht am wenigsten in der Behandlung der soziglen Fragen Wir unsererseits conntens dahe nur begrußen wenn die Wählbarkeit der Beamten beseitigt würde. Viel unzulässiger oft unlauterer Wahldruck wurde vernieden werden, und die öffentliche Meitung weit underfälschten, als bisher zum freien parlamentarischen Ausdruck gelangen Zu Abgeerdneten fund nur cutzerlich d imerlich gang unabhege Leste Amuchhas Ei Anige Kcchsiches Aen ne ch en ache dem hoffentlich gedeihlichen Frieden nahe gebracht worden Die Berliner Produktenb#nse wird wieder oisiziell in Thätigkeit treten. Es ist bekannt, daß agrarische Wünsche das neue Börsengesetz so gestalter hatten, daß die ausnahmsvaten Börse den Wirkungen des Gesetzes zu entziehen Besonders peinlich wagen die Herren davon berührt, daß sie di Preisnotizen nicht mehr selbständig und unkontrölliert feststellen sollten sondern daß Vertretern der Landwirtschaft die Beschuis erteilte Würde, aluch ihhesseits ein weitch dähe mithh wirken. Bisher war die Regierung der„wilden Börse gegenüber sehr milde. Es scheint aber, daß sie nun, wo man die landwirtschaftlichen Abgeordneten für den Kanal so dringend erfordert, etwas andere Saiten aufgezogen und die Widerspenstigen bedroht hat. Diese haben sich denn auch zähmen lassen und halbwegs nachgegeben mutmaßlich in der sicheren Zuversicht, daß sie doch das Heft in den Händen behalten, und nach wie vor bei den„Produkten ihr Schäfchen scheren werden. Thatsächlich ist die Sache mehr Machtfrage, als Rechtsfrage, und die Macht hat unbestritten das jüdische Börsenkapital schon deshalb in Händen, weil es tausend geheime Wege zur Erreichung seiner Ziele zu gehen bereit ist, die der Produzent teils gar nicht kennt, teils niemals aus sittlichen Gründen gehen würde, auch wenn er sie kennte. Einen sehr unangenehmen Eindruck hat die Internationalität des Kapitals auch insofern in verflossener Woche hervorgerufen, als festgestellt ist, daß thatsächlich Herr Krupp für England Geschosse fabrizierte, obschon ganz Deutschland von Herzen den tapferen Buren den Sieg wünschte und drauf und dran war, in schweren Konflikt mit England zu geraten. Unsere Regierung selbst hat aus Gründen der Neutralität die Lieferung verboten. Ob Herr Krupp sich aber beruhigt, steht noch dahin. Es wird jetzt gemeldet, Italien habe bei Krupp Bestellungen im Werte von 50 Millionen Mark gemacht. Diese Bestellung errege aber in unterrichteten Kreisen größte Verwunderuug Man traut Italien unter den jetzigen Umständen eine solche Bestellung nicht zu In der That liegt der Gedanke nahe, daß wieder die Engländer das Königreich Italien geographisch und völkerrechtlich als Brücke für Geschützlieferungen nach Südafrika benutzen. Sollte sich diese Meldung bewahrheiten so würde Italien eine Rolle als Schleppträger Englands einnehmen, die sich mit seiner Stellung als europaische Großmacht nich vereinigen ließe. Etwas besser steht es um die englischen Uebergriffe zur See. Freilich ist jetzt erst der in Durban festgehaltene deutsche Dampfer Bundesrat freigegeben. Aber die englischen Blätter lenken ein Der„Standard drückt seine Genugthuung über die befriedigende Erledigung des Zwischenfalles aus #und sagt, es sei bedauerlich daß jede der ersten drei beschlagnahmten deutschen Schiffe sich nach der Untersuchung als Fall grundtosen Verdachtes herausstellte Solche Irrtümer müßten von Zeit zu Zeit vorkommen wenn das Durchsuchungsrecht ausgeicht werde, da es Seekaptänen nicht immer möglich sei, vorher solche Information zu erlangen, die die Beschlagnahme schuldloser Schiffe verhindern würde. Aber in Anbetracht der Stimmung, welche die Beschlagnahmen in Deutschland geweckt haben, sei es schade, daß nicht mehr Mühe darauf verwandt worden sei zuverlässige Beweise zu erlangen. Und die„Tines schreibt:„Wir ermangeltei Beweise beizubringen, daher müssen wir hinlängliche Entschädigung zahlen. Wir bedauern, daß unsere Offiziere in allen drei Fällen falsch unterrichtet waren. Weit wichtiger als diese Kundgebungen der öffentlichen Meinung sind aber die diplomatischen Erfolge unseres auswärtigen Amtes, welches wenigstens leidliche Garantien in London gegen die Wiederkehr ähnlicher Gewaltthätigkeiten wie wir sie erlebten, erzielt hat. England hat in Schiedsgerichte über den Schadenersatz eingewilligt und zugesagt, daß es in neutralen Gewässern, wie bei Aden unsere Handelsstotte nicht weiter belästigen wird Glänzend sind ja diese Resultate obfertio nicht. Aber es ist alles, was wir vernunftiger Weise erreichen konnten, so lange wir keine Flotte haben, die uus erlaubt gur deutsch mit den britischen Vettern zu sprechen. Uebrigens hat die heutige Beratung im Reichstag von neltein erwiesen, daß die Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten beim Grasen Bülow in den besten Händen liegt und daß von ihm geschehen wird, was geschehen Sohn,. Sahre und Bschen des Reiches im Alslande## Der sühe dafniccnsche Ben ise nichte weitetz als ur acht Tagen. Eine Entscheidutng scheint unmittelbar bevorzustehen. Aber gefallen ist sie nicht. Esmag sich rächen, daß die Buren ihren Sieg über Buller so wenig ausgenitzt und den in Unordnung ftiehenden Feind so wenig verfölgtchaben, wie denn ihre Taktik imn kleinen hervortagender scheint, als ihre Strategen Jetzt steht der geschlagene Feind neu gesammelt und erholt vom Schlage ihnen wiederun sampsbereit gegenüber Immerhin darf man hoffen, daß ste wie bisher auch jetzt das Rechte finden werden, und daß Gon der Heerr auch feiner sie in ihrem Suten Kampfe schützen, und ihnen Sieg geben wicd, wie Viel iste es anch=cheute nicht, wons am handfesten Nachrichten vom Rriegsschauplatze vorliegt, aber die Meldungen sind im Laufe des gestrigen Tages doch etwas reichlicher geflossen und wir wollen aus dem Wust der vorliegenden Meldungen diejenigen heraus schälen, die geeignet#nd ein möglichst klares und zuverlässiges Bild über die gegenwärtige Kriegslage zu geben Während man bisher allgemein der Ansicht war, daß die Buren den Generäten Buller und Warren den Uebergang über den Tugelafluß berwehren wirden wird jetzt amtlich gemeldet, daß sowohl Buller wie Warren den Uebergang Flücklich vollzogen haben und zwar ohne auf irgend welchen Widerstand zu stoßen. Es hat fast den Anschein, als hätten die Buren den Uebergang gewunscht, um die Engländerin eine Falle zu tocken. In aller Gemutsruhe konnten englische Soldaten über den Fluß schwimmen, die am nördlichen Ufer der Potgietersdrist liegende Fähre holen und damit die Truppeniüberführung einleiten an anderer Stelle schlugen sie sogar eine Pontonbrücke über den Fluß, und so ging denn im Laufe der letzten Tage die ganze Division Warren, die Brigade Dundonald und die Brigade Lyttleton über den Fluß, Wächrendbei Solenso=Frere thatiächlich nur Cterh mit einem Durch die Zeitung„Das Volk“ finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westfalen, Hessen=Nassau und das Großherzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen=Vermittelungs=Geschäft zu erteilen. Etappenkommando zurückgeblieben zu sein scheint und Buller mit seinem Stabe und einem kleinen Truppenrest zwischen kleiner und großer Tugela sein vorläufiges Hauptquartier aufgeschlagen hat. Auf dem nördlichen Ufer gehen dann die britischen Truppen in Stellung; und hier zwischen dem hochgehenden Fluß und den Laufgräben der Buren, müssen sie nun die Entscheidung wagen; durch das Passieren der Tugela haben sie gleichsam die Schiffe hinter sich verbrannt. Die englische Darstellung, als seien die Buren durch Bullers Bewegung völlig überrascht worden, erscheint nicht glaubwürdig. Mit einer Truppenmacht von über zwanzigtausend Mann— auf so viel schätzen wir die Zahl der Buller am Tugelafluß zur Verfügung stehenden Leute pürscht man sich nicht unvermerkt an Burenspäher heran. Den Bau einer Feldbahn von Frere nach Springfield haben die Briten unter den Augen des Feindes betrieben; ihr ganzer Aktionsplan konnte unmöglich den Buren verborgen bleiben. Man kann also nur nach den Gründen fragen, warum wohl der Flußübergang der Briten den Buren erwünscht war. Auf diese Frage werden die Ereignisse der nächsten Tage wahrscheinlich eine klare und deutliche Antwort geben. Die Kunde, daß Buller und Warren den Tugelafluß überschritten haben, hat in London die Stimmung derart gehoben, daß der Wunsch den Ereignissen jetzt weit vorauseilt. So war bereits gestern abend in London das Gerücht verbreitet, Ladysmith sei nach einem vollständigen Siege über die Buren entsetzt worden. Dieses Gerücht war auch in das Kriegsministerium gedrungen und man hat sich infolgedessen dort zu der Erklärung veranlaßt gesehen, daß man zwar zuversichtlicher Hoffnung sei und glaube jenes Gerücht werde durch die Thatsachen bestätigt werden, daß man aber zu der Annahme neige, es werde dem Entsatze von Ladysmith voraussichtlich ein ernstes Gefecht vorhergehen müssen. In dieser Annahme wird man sich jedenfalls nicht täuschen. Wahrscheinlich ist, daß die Buren den Feind über den Tugela gelockt haben, um ihn jenseits des Flusses zwischen ein Kreuzfeuer nehmen und endgültig vernichten zu können Jedenfalls ist die Lage in Natal seit einigen Tagen eine total veränderte geworden und wir sind der Ueberzeugung, daß die veränderte Lage von den Buren selbst gewünscht wurde und daher zu ihren Guusten sich zuspitzen wird Von den vorliegenden Nachrichten bringt ein Reutersches Telegramm aus Mount Alice, der Potgieters Driftbeherrschenden Höhe, vom 15 Januar folgende Einzelheiten über die bisherigen Bewegungen Bullers: Die Vorwärtsbewegung zum Entsatze von Ladysmith begann am Mittwoch(10. Januiar) von Frere und Chieveley. Wenige Kilometer hinter Frere auf dem Wege nach Springfield kamen die Truppen an Uebungsschießscheiben der Buren vorüber. Sie stellten eine in kleiner Gefechtsordnung vorrückende Truppe dar und waren von den Buren von den benachbarten Hügeln beschossen worden. Nachdem Aufklärungsmannschaft berichtet hatten, daß Springfield von den Buren verlassen sei, wurde dieser Ort von den britischen Truppen besetzt. Der Zug der vorrückenden Truppe erstreckte sich auf mehrere englische Meilen und umfaßte wahrscheinlich 5000 Wagen. Die Truppe rückte dann nach Mount Alice vor nachdem alles verdächtige Gelände sorgfältig abgesucht worden war. Ein Teil der Kolonialtruppen schwamm unter Feuer durch den Fluß. General Buller schlug sein Hauptquartier in einem Gehöfte auf, das dem Buren Martinus Pretorius gehört, der verschwunden ist. Am Freitag wurde eine starke Explosion verommen. Wie nunmehr festgestellt ist, hat der Feind die im Bau begriffene Brücke 12 Kilometer oberhalb der Potgieters Drift(also die von Warren bei Trichards Drift geschlagene Pontonbrücke) zerstört General Buller erließ einen kraftvollen Auftüf und einen Tagesbefehl, der beginnt. Wir schreiten zum Entsätze unserer Kameraden in Ladysmith, es giebt kein Zurück und davor warnt, die weiße Flagge als verläßliches Zeichen der Uebergabe anzusehen. Die Stimmung der Truppen ist zuversichtlich und begeistert, der Gesundheitszustand ausgezeichnet. Die nächsten Tage werden ja zeigen, was die züversichtliche Begeisterung der Bullerschen Truppen vermag Ziuh Vriegslage liegen noch folgende EinzellelMR Löndon, 19. Jan In hiesigen militärischen Kreisen glaubt man, daß der Erfolg der Bullerschen Operationen hauptsächlich von Warrens Flankenumgehung abhängt. Man nimmt an, daß General Warzen nit 14.000 Mann nordwärts in der Richtung nach Dewdrop marschieren durste und hofft, daß diese Operation nicht nur die Aufhebung der Belagerung von Ladysmith, sondern auch die Umzingelung und Vernichtung des Hauptteiles der Burenarmee zur Folge haben wece Brüssel, 19. Jan. Die hiesigen Transpgalkteise sind durch die Leichtigkeit, womit General Buller die Tugela überschritt, sehr erstaunt. Man glaubt an eine Kriegslist seitens der Buren. Jedenfalls wud jetzt eine große Entscheidungsschlacht zwischen den Truppen des Genetals Buller und den Buren erwartet, von deren Ausgang auch das Schicksal von Ladyfmich abhängt. Im übrigen ruft der Uebergang Bullers über die Tugela keinerlei Entmutigung hervor. Loudon, 19. Jan. Ein Telegramm aus Pieternaritzburg vom # Januar lautet: Ein Spezialtouner der„Times of Natal b#ingt Mitteiluingen aus Ladysmith vom 6. ds Mis, aus denen hervorgeht, daß der Angriff der Buren gegen die Stadt am 6 Januar von zwei Seiten vor sich ging. Das Gefecht dauerte Stunden Man socht auf beiden Seiten mit großem Heldenmit uund es war größtenteils der Haltung der Infanterie sowie dem bewunderungswürdigen Angriff des Devonshireregiments zu danken, daß der Feind zurückgeschlagen worden ist. Das Regiment leichter Kavallerie, welches sich an diesem Kampfe beteiligte, hat schwere Verluste erliten Von 10 Ofizieren dieses Regiments wurden 8 verwundet. Die vom Feinde entwickelten Truppen wurden anf 10000 Mann geschäßzt. Weitere Meldungen besagen, daß vom 6 bis 10 alles ruhig war. London, 19 Jan Antlich wird bekannt gegeben, daß die Artillerie=Verstärtungen, bestehend aus 72 Kanonen, 3710 Mann und S116=Pferden, wächrend der niüchsten Woche noch Stähchftikg 0 Sesen 6 Seissenithg. 86. Ss er en Scien i eche Brücken an der Dordrechter Eisenbahn in die Lust. Loubag. 9 San In Duban eingetrofene englische Flüicht linge aus dem Freistaat berichten, daß die OranjeBuren Verteidigungswerke in einem Umkreise von sechs Meilen um Blömsontein herum anlegen. Das Land ist fast ohne jede männliche weiße Bevölkerung, da alle Erwachsenen sich an der Grenze befinden. London, 19 Jan. Der Staatssekretär des Innern, White Ridley, hielt gestern in Blackpool eine Rede, worin er bezüglich der Kritiken über die Kriegführung in seinem und seiner Amtsgenossen Namen erklärte, das ganze Kabineit trage die volle Verantwortung. Wie die Nation, sei es vom Beginn des Krieges an einig gewesen. Er zweifle nicht, daß, wenn die Zeit gekommen sei, eine Verteidigung der Minister angemessen sein werde. Es sei nicht die Aufgabe der Presse oder anderer, die tapferen Generale, die im Felde seien, abzuurteilen. Es sei nicht einer unter ihnen, der nicht das volle Vertrauen des Landes und der Regierung habe, während andererseits sich niemals in der Geschichte des Reiches die Soldaten besser geschlagen hätten. Der eventuelle Ausgang des Krieges stehe außer allem Zweifel, er sei nur eine Frage der Zeit und des Geldes. Farm, 18. Jan. Die Brigade Lyttletons mit einer Haubitzenbatterie überschritt ungehindert am 16. ds bei Potgieters Drift die Tugelg. Die Streitmacht ging plänkelnd und unter Besitznahme von keinen Kopjes in die Ebene vor. Am 17. ds. wurden die Laufgräben des Feindes stark mit Schiffsgeschützen und einer Haubitzenbatterie beschossen, wodurch eine Bresche in die seindliche Kanonenaufstellung, die mittels Sandsäcke hergestellt war, gelegt wurde. Alsdann sah man den Feind in keinen Trupps die Laufgräben verlassen, hierauf wurde auch der Hügel, welcher der englischen Stellung gegenüber lag, beschossen.— Inzwischen erzwang eine Abteilung des Generals Warren den Uebergang über die Tugela sieben Meilen aufwärts. London, 19. Jan. Die Times meldet in ihrer zweiten Ausgabe: General Warren befindet sich etwa 3 Kilometer jenseit des Tugelaflusses. Die Stellungen der Buren dehnen sich 9 Kilometer von dort in der Richtung nach Westen aus. Die Siellungen der Buren liegen erheblich tiefer als die unsrigen. Die Lage der Natakburen, die uns treu geblieben sind, wird mit jedem Tage kritischer. Sie sind Vergeltungsmaßregeln der Buren ausgesetzt. Aus der Reichshauptstadt. (Von unseter Agentur.) Berlin, 19. Jan. Im Reichstag förderte die Beratung des Etats des Reichsjustizamts wieder vielerlei Wünsche und Fragen zu Tage. Von Interesse war die Erörterung der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts in Dresden das die Sozialdemokraten als Personen minderen Rechtes behandelt hat, und das Urteil des Landgerichts zu Berlin, das den„Vorwärts freisprach weil dieser mit Recht aus dem sächsischen Erkenntnis die ungleiche Behandlung der verschiedenen Parteien herausgelesen und gefolgert habe. DerAbg. Oertel=Sachsen(dk.) machte sich zum Anwalt der sächsischen Justizkreise, die über dieses Urteil entrüftet sind, mußte aber vom Staatssekretär hören, daß die Reichsjustizverwaltung mit der Auslegung die der grobe=Unfug" Paragraph in Sachsen und anderen Staaten erfahren hat durchaus nicht einverstanden und einer Aenderung dieser Gesetzesbestimmung nicht abgeneigt sei. Um 6 Uhr wurde die Beratung abgebrochen. Das Abgeordnetenhaus beendete gestern in wenig mehr als zwei Stunden die erste Beratung des Etats für 1900. Es kam zunächst nochmals der Abg. v. Köller zum Wort, um sich in seiner humoristischen Weise mit seinen nationalliberalen Gegnern auseinanderzusetzen. Er bestreitet den Liberalen nicht, daß auch sier königstren bis auf die Knochen seien, aber nachdem seine Partei wegen ihrer Stellung zur Kanalfrage von den liberalen Parteien so heftig angegriffen worden sei habe er alle Veranlassung gehabt, hervorzuheben, daß die Konser vativen trotz ihrer abweichenden Meinung in dieser Frage doch die idealen Interessen des Vaterlandes in ihrer alten königstreuen Gesinnung hochhalten, und daß im Vergleich hiermit der Kanal allerdings eine erbärmliche Sache sei. Angesichts der ins Riesenhafte gestiegenen Lasten der Gemeinden und andererseits angesichts der Flut von Gesetzen im Reiche und im Lande wäre es kein Unglück, wenn auch einmal ein Gesetz das wiederum neue Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung stellte abgelehnt wurde Der Etat wurde zum größten Teil wie üblich an die Budgetkommission überwiesen. Zur Wiederhe stellung der Berliner Produktenbörse bringt die„Nordd Allg#e felgende offiziöhe Mitteitung: In einem Teite der Presse wird an die Mitteilitng von einem befriedigenden Ausgange der jüngsten Verhandlungen über die Rekonstruktion der Produktenbörse in Berlin die Bemerkung geknüpft, daß damit auch die Frage der Spiritusnotiz erledigt sei, die vorläufig in bisheriger Weise gehandhabt werden würde. Die beiden Fragen stehen uudessen nüferes Erachtens nicht mit einander in Zusammenhang. Dem Vernehmen nach wird diese Auffassung auch von dem Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg geteilt, der, an seiner früheren Forderung festhaltend, den Spiritushandel an der Börse alsbald beseitigt wissen will, da bis zur Wiederherstellung der Produttentbouse immerhin noch enige Zeit veraser Arte Die„reiztg etwartet, daß die Rteiktesten der Verlister Kaufmantschaft und der Verein der Bertiner Getreidehändler ein Konzessionsgesuch betreffs der Errichtung einer Produktenbörse einreichen und daß sodann eine Börsenordnung festgestellt und nach den Bestimmungen diese dnung ein Börsenvorstand gewählt werde Auf Grund von Erkündigungen an berufener Stelle darf sie mitteilen, daß diese Eingaben von der Regierning bald erledigt werden würden und die Wiedereröffntung der Getreidebhuse som in naher Aussich stehe Wie die Vossische erfährt, wird die Einigung bezüglich der Wiedereinrichtung der Produttenb###e in die Frage der Aushebung des Speriushandels an der Borse durch den Kursmakler keinen Ausschub bringen vielmehr steht enn Verhot für den Kursmatlen Stiriats zu handelt durch die Makterkammer unmittelbar bever. An der Situation des Spirtusgeschäfts am freien Mark, andert dies nichts ein anderer Makler springt dafür ein und die unter Kontrolle der Oeffentlichteit erzielte Lokonotiz wird nach wie vor und so lange bekannt gemacht werden bis nach Wiedererrichtung der Börse der amtliche Charatten der Bertiner Spirihsntiz wieder einteitt Des neue Zollt#rifscheme wie es dem wirtschaftlichen Ausschusse zur Beratung vorlag, unterscheidet sich in seiner Anordnung wesentlich von dem bisherigen Schema. Nach den offitziöten„Berl. Pol. Nachr. zersällt es in siebzehn Abschnitte und zwar 1) Erzeugnisse der Land= und Forstwirtschäft eitschließlich der entsprechenden Erzeugnisse fremder Klimate Nahrungsund Genußmittel, 2 Minerglische und fossile Rohstoffe, Mineralöte 3) Zubereitetes Wachs, feste Fettschuren, Parasfin, Walrat und ähnliche Kerzeustoffe, Wachswaren Lichte Seifen und andere unter Verwendung von Wachs Fetten oder Oelen hergestellte Waren: 4 Chemische und pharmazentische Erzeugnisse, Fauben und Farbwaren# Tienische und pslanzliche Spinnstoffe und Waren daraus 6 Leder und Lederwaaren Kürschnerwaren Waren aus Därmen Kautschuck= und Guttaperchawaren, Linoleum 8) Geflechte und Flechtewaren aus#lanzlichen Stoffen mit Ausnahme der Gespinnstfaden Besen Bürsten Pinsel und Siebwaren 10) Waren aus tierischen und bilanzichen uid Aen en en daraus12 Bicher, Bilder, Gemälde, 18) Waren aus Steinen oder anderen mineralischen Stoffen(mit Ausnahme der Thonwaren) sowie aus fossilen Stoffen, 14) Thonwaren; 15) Glas und Glaswaren; 16) Metalle und Metallwaren, 17) Verschiedene Waren, darunter Feuerwaffen, Maschinen Uhren, Fahrzeuge, Polstermöbel, Menschenhaare und Waren, daraus zugerichtete Schmuckfedern, Fächer und Hüte aller Art, Tonwerkzeuge und Kinderspielzeug dem Beich. Berlin, 19. Januar. — Der Kaiser nahm gestern mittag um 12 Uhr mit den anwesenden kapitelfähigen Rittern des hohen Ordens vom Schwarzen Adler im königlichen Schlosse zu Berlin die feierliche Investitur des Herzogs Albrecht von Württemberg und des Herzogs Nikolaus von Württemberg sowie des Generals der Kavallerie Generaladjutant kommandierenden Generals des 14. Armeekorps v. Bülow vor und hielt darauf ein Kapitel des Ordens ab. Das feierliche und glänzende Zeremoniel, das für diese Festakte vorgesehen ist, wurde auch heute innegehalten und so die Reihe der diesjährigen Hoffestlichkeiten aufs würdigste eröffnet. Die An= und Abfahrt der höchsten Herrschaften und der bei der Feier anwesenden Würdenträger hatte trotz des schlechten Wetters eine große Menschenmenge im Lustgarten versammelt. — Der Kaiser besuchte gestern nachmittag und ebenso heute morgen nach einem Spaziergang im Tiergarten den Staatssekretär Grafen v. Bülow. Infolge der bedenklichen Wendung, welche die Krankheit der Mutter der Kaiserin genommen hat, war das gestrige Prunkmahl, das im königlichen Schlosse aus Anlaß der Feier des Schwarzen Adler=Ordens stattfinden sollte, abgesagt worden. Die Kaiserin ist gestern abend abermals nach Dresden gereist wo nunmehr sämtliche Kinder der Herzogin Friedrich anwesend sind. — Die Kaiserin Friedrich leidet seit einigen Tagen an einem Nierenleiden. Hiermit dürfte eine Unterredung im Zusammenhang stehen, welche der Kaiser kürzlich mit dem Pros. Dr. Renvers hatte, der Spezialist für diese Krankheit ist. Dieser soll den Auftrag erhalten haben sich zu Reise nach Italien, wo sich die Kaiserm Friedtich gegenwärtig aufhält, bereit zu halten. Der Finanzmmnister v Miguel leidet seit gestern abend an einem Ertaltungssieber und muiß das Veit hüten Verssue 89, Sontig. Am Tische des Bundesrats Graf Pofadowsty, Graf v. Bükow, v. Tirpitz, v Podbielsk Fehe v. Thielmann, Dr. Nieberding. Die Bundesratsestrade ist dicht gefüllt. Das Haus in dem sich schon vor Beginn der Sitzung eine lebhafte Bewegung kundgiebt, ist fast zur Hälste befetzt, die Tribünen sind sämtlich überfüllt Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um Uhr 20 Min und erbittet und erhält die Ermächtigung des Hauses, dem Kaiser zu seinem Geburtstage die chefzrchtsvollsten Glüchwäinsche des Reichstages darzubringen. Zitr Verlefung gelangt die Interpellation Weiche Schritte haben die verbündeten Regierungen gegenüber der Beschtagnahme deutscher Schiffe durch Organe der englischen Regierung gethan Staatssekretär Graf v. Vilow ertlcätt sich zur Beantwortung der Interpellation bereitDas Wort zur Begründung der Interpellation nimm Möller=Dussburg(nl.) Nach dem, was die Zeitingen uns heute morgen verkündet haben, könnte man vielleicht der Meinung sein, daß die Interpellation hinfällig geworden sei ich bin aber nicht dieser Meinung und alle memne Freunde auch nicht. Wir halten dafür, daß nach wie vor bei dieser Gelegenheit der tiesen Entrüstung, die das deutsche Volk empfunden hat über die Art und Weise, wie man deutsche Schiffe behandelt hat, daß diesem Gefühl der Entrüstung ein kräftiger Ausdruck verliehen werden müsse(lebhafte Zustimmung), auch an dieser Stelle. Ich will nüchtern und kühl die Umstände vortragen, die Anlaß zu den Beschwerden gegeben haben Redner schildert die bekannten Vorgänge bei und nach der Einbringung der Dampfer Bundesrat, General und Herzog. Die den Postdampfern widerfahrene Störung sollte Anlaß geben zu einer internationalen Festlegung der Rechte der Postdampfer Hoffentlich haben keine weiteren Störungen in der Weiterbeförderung der Postsachen stattgesunden. Die materielle Entschädigung allein genugt nicht, wir müssen Genugthuung verlangen für die Verunglimpfung der deutschen Flagge und Chre. Einse psychologische Erklärung für das Vorgehen der Engländer liegt in dem Aerger und der Spionenriechere. Der Centralregierung in London sind offenbar die Zugel abhanden gekommen über die Marine und Kokonialpolitik. Die englische Regierung ist vermutlich guch absichtlich salsch unterrichtet worden durch Geschästsleute, welche den deutschen Handel schädigen wollten. Alles das aber ist keine Entschuldigung und befreit die englische Regierung nicht von der Pflicht der schuldigen Genugthuung. Die Löschung der Ladung des Bundesrat hätte statt nach drei in einigen Tagen geschehen können. Das sei eine Rücksichtslosigteit (Zurufe: Unverschämtheit. Dringend wünschenswer sei, daß neuerdings ein Versuch der festeren Regelung des internatzonalen Seerechtes gemacht werde, insbesondere wie weit das Rech der Beschlagnahne geht. Es wäre eine Pflicht der interationalen Höflichkeit gewesen, daß die Engländer uns mitgeteilt hätten ob und wie sich ihre Ansichten hierüber geändert hätten. Bis jetzt stelle sich die Handlungsweise der Engländer als eine Willkur dar.(Bravo Die Pflicht der englischen Regierung sei, volle Eutschädigung zu leisten. Wir müßten volle Genugthuung verlangen und mit allen seefahrenden Nationen Sicherheit für die Zucunft fordern. Falsche Spionenriecherei mag zu Beschlagnahme mit beigetragen haben. Die Engländer hätten sich vorher unterrichten lassen sollen, wie die Buren gerüstet seien. Die Buren hätten mehr Patronen, als im Kriege 870 verschossen worden sind. Sie seien also nicht auf die Zusuhr angewiesen. Präsident Kruger habe das Odium der Bestechung auf sich genommen, um die Rüstungen seines Landes zu fordern(Bravo!) Wir seien so neutral, daß es selbst den deutschen Wassenfabriken verboten sein soll, den kriegführenden Staaten Wassen zu liesern. Die Engländer als Menschen seien ehrenwert(Gelächter, aber ihre Organe hätten sehlerhaft gehandelt. Hier sei eine der seitenen Gelegenheiten, wo alle Parteien einig wären. England habe nicht inmer jene Neutralität bewahrt, durch die sich Deutschland jetzt auszeichnet Redner erinnert an den nordamerikanischen Seeessionskrieg. Die Engländer mogen sich hüten, nicht den Haß der ziviisterten Weilt auf sich zu ziehen (Lebhafter Beifall.) Staatssekrets Graf v. Bülow. Der Antragsteller hat am Eingange seiner Begründung mit Recht die tiefgehende Verstimmung hervorgehoben, welche die Beschlagnahme deutscher Dampfer durch englische Kriegsschifse in ganz Deutschland hervorgerufen hat. Schon im Hinblick auf die berechtigte Erregung der deutschen öffentlichen Meinung habe ich mich gern berei erklärt, die Interpellation zu beantworten. Anderseits werden Sie es verstehen, wenn ich mit Rücksicht auf die Tragweite der großen ernsten Angelegenheit sowie mit Rücksicht auf den Ernst der gesamten politischen Lage mich in meinen Ausführungen auf das sachlich Notwendige beschränke. Der Sachverhalt wurde in allen thatsachlichen Punkten vom Interpellanten in so zutreffender Weise wiedergegeben, daß ich seinen diesbezüglichen Darlegungen kaum etwas hinzuzufügen habe. Bevor ich mich zu unserer Haltung gegenüber diesen Vorgängen äußere, möchte ich zur völkerrechtlichen Seite der Angelegenheit folgendes sagen: Ich bin mit großem Interesse den diesbezüglichen sachkundigen Auseinandersetzungen des Interpellanten gefolgt. Der Antragsteller hat selhst hervorgehoben, daß es feststehende, für alle Seemächte bindende Rechtssätze über die Besugnisse der Neutralen, Handel mit kriegfüchrenden Ländern zu treiben, über die Besugnisse der Kriegsührenden gegen die Neutralen nicht gebe. Es ist wiederholt vorgeschlagen worden, auf dem Wege der internationalen Vereinbarung die strittigen Punkte des internationalen Seeitiegsrechtes zu regeln. Bis jetzt ist diese Regelung immer gescheiten an den Schwierigkeiten, die sich aus den divergierenden Ansichten der verschiedenen Mächte ergaben. Noch auf der Prager Friedenskouferenz ist der Versuch gemacht worden, diese Frage zu beraten und das Ergebuis war schließlich, daß man e eie ee, de Wege weiere#ntennattonaten o#en der Versuch gemacht werden, einerseits die Rechte und Pflichten der Neutralen und andererseits die Frage des Privateigentums zur See zu regeln. Das Deutsche Reich würde seine Zustimmung und Unterstützung nicht versagen, wenn unter der Mitwirkung der internationalen Mächte sich Aussicht böte, auf dem Wege internationaler Vereinbarungen einer internationalen Regelung der strittigen Punkte des Seerechtes näher kommen zu können, als es bisher möglich war. Vorläufig hat der Antragsteller nur zu recht, wenn er sagt, daß das Seerecht noch zu flüssig ist. Das Seerecht ist noch dehnbar und noch lückenhaft. Es besitzt noch zahlreiche Lücken, welche, wie die Verhältnisse nun liegen, im kritischen Augenblick nur zu oft mit der Seemacht ausgefüllt zu werden pflegen. Mit einem Wort: auf dem Gebiete des Seerechtes ist der Machtstandpunkt noch lange nicht überwunden durch den Rechtsstandpunkt. Als das praktisch gültige Recht, dessen Bruch nach unserer Auffassung sich als Verletzung völkerrechtlicher Verträge und völkerrechtlicher Gebräuche darstellen würde, möchte ich im Einverständnis mit den anderen diesseits beteiligten Ressorts die nachfolgenden Sätze aufstellen: 1. Neutrale Handelsschiffe auf hoher See oder in Territorialgewässern der Kriegführenden unterliegen nur dem im vorliegenden Falle nicht in Betracht kommenden Convoirecht, abgesehen von dem Visitationsrecht der Kriegsschiffe der kriegführenden Teile. Dies gill zweifellos für die vom Kriegsschauplatze nicht zu weit entfernten Gewässer. Für Postdampfer bestehen gegenwärtig noch keine besonderen Vereinbarungen. 2. Das Visitationsrecht ist möglichst schonend und ohne unnötige Belästigung auszuüben. Das Verfahren bei der Visitanon zerfällt je nach den Umständen des einzelnen Falles in zwei oder drei Akte: Anhaltung des Schiffes, Prüfung der Papiere und Durchsuchung des Schiffes. Die beiden ersteren Handlungen können jederzeit ohne weiteres vorgenommen werden. Besteht danach noch ein Verdacht, so ist die Durchsuchung des Schiffes zulässig. 3. Hat sich bei der Anhaltung ein neutrales Schiff widersetzt, oder ergiebt die Prüfung der Papiere Unregelmäßigkeiten, oder stellt sich das Vorhandensein von Kontrebande heraus, so kann das Schiff des Kriegführenden das neuttale Schiff aufbringen, damit die Sache von einen zuständigen Prisengerichte geprüft und entschieden werde. 4 Begriffsmäßig werden unter Kriegskontrebande nur für den Krieg geeignete und zugleich für eine der Friegsparteien bestimmte Gegenstände oder Personen zu verstehen sein. Welche Art von Waren hiemach unter den Beguiff fallen können, ist streitig und wird abgesehen etwa von Kriegswassen und Kriegsmunition, sich in der Reger nur unter Berücksichtigung aller Umstände des einzelnen Falles entscheiden lassen, es sei denn, daß eine kriegführende Macht ausdrücklich die Gegenstande, die sie als Kontrebande zu behandeln beabsichtige, den Neutralen in##ltiger Form bekanntgegeben und von diesen keinen Widerspruch erfahren hat. 5. Vorgefundene Kontebande unterliegt der Wegnahme,; ob mir oder ohne Wertersatz, hängt von der Lage des einzelnen Falles ab. 6. War die Aufbringung nicht gerechtfertigt, so ist der kriegführende Staat zur unverzüglichen Freigabe von Schiff und Ladung und vollständiger Schadenersatzleistung verpflichtes. Redner erörtert sodann einige Rechtssätze und fährt fort Hiernach war gegen die auf hoher See angekündigte und in Aden erfolgte Beschlagnahme der drei Dampfer der deutschen Ostasuika=Liniund gegen die Prüfung ihrer Papiere eine Einwendung aus der jetzigen Lage der Seegesetze nicht begründet, dagegen läßt dasselbe die thatsächlich ohne ausreichend begründeten Verdacht stattgehabte Verbringung der Dampfer Bundesrat und Herzog nach Durban und das Entlöschen der Ladungen des Bundesrat und des General als nicht gerechtfertigt erscheinen. Wie bei dieser Gelegenheit noch zu erwähnen wäre, waren wir anfangs bestrebt, die englische Regierung zu veranlassen, die betreffende Behandlung der nach der Delagoabai bestimmten neutralen Schiffe derjenigen völkerrechtlichen Theorie entsprechen zu lassen, welche dem Handel der Neutralen während des Krieges die größte Sicherheit gewährleistet. Diese Theorie, die in dem Satze gipfelt, daß für die mit neutraten Schiffen verfrachteten, aber von einem neutralen Hafen nach einem anderen neutalen Hafen konsignierten Waren der Begriff Kriegskontrebande, nicht Platz greisen könne wurde von der englischen Regierung beanstandet. Wir haben uns eine Erörterung hierüber für die Zukunst offen gelassen, da es uns einstweilen mehr darauf ankommen mußte möglichst schnell zu einer prattischen Lösung zu gelangen und sodann weil der thatsächlich aufgestellte Satz in der Theorie und in der Praxis noch nicht allgeneine Anertennung gefunden hat Der Standpunkt, den wir auf Grund dieser generellen Rechtsauffassung eingenommen haben, muß dahin zusammengesaßt werden Wir erkennen das Recht welches das Völkerrecht den kriezführenden Parteien gegenüber den neutralen Schiffen und dem neutralen Verkehr wirklich einräumt, an Wir verkennen nicht die Pflichten die der Kriegszustand den uentralen Rhedeen neutralen Kaufleuten und neutralen Schiffen auferlegt. Wir verlangen aber, daß die Kriegführenden ihre diesbezügliche Besugnis nicht über die Grenzen absoluter Kriegsnotwendigkeit hinaus ausdehnen(Beifall.) Wir verlangen, daß die kriegführenden Parteien die unveräußerlichen Rechte des legitimen Handels der Neutralen achten und wir fordern vor allem, daß die kriegführenden Parteien ihr Recht der Untersuchung und eventuellen Beschlagnahme eines neutralen Schiffes und neutraler Ware in einer Weise ausüben, welche der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des neutralen Handels und normaler Beziehungen zwischen den befreundeten und gesitteten Völkern entspricht. (Lebhafter Beifall. Von dieser Auffassung ausgehend, legten wir in London sofort ernste Verwahrung gegen das Vorgehen der englischen Seebehörden ein(Beifall. Wir verlangten die unverzügliche Freilassung der Reichspostdampfer Bundesrat: General" und „Herzog" Die Reichspostdampfer General und„Herzog“ sind auf unsere Forderung alsbald freigegeben. Die Freigabe des Bundesrat“ erfolgte gestem. 2. Wir forderten Schadenersatz für die ungerechtsertigt erfolgte Festhaltung der Schiffe und den dadurch den beteiligten Reichsangehörigen entstandenen Verlust. Die Schadenersatzpflicht ist von England prinzipiell anerkannt worden. Die britische Regierung hat sich bereit erklart, jede legitime Genugthuung zu geben. 3. Wir wiesen auf das Bedürfnis hin an die englischen Schiffskommandanten die Weisung zu erlassen, alle deuischen Handelsschiffe außerhalb der Nähe des Kriegsschauplatzes, jedenfalls aber von Aden ab norwärts, nicht zu behelligen. Die englische Regierung hat Instruttionen erlassen, wonach die Anhaltung und Duechsuchung weder in Aden noch zu gleichen oder weiteren Entfernungen vom Kriegsschauplatze stattfinden darf. 4 Wir haben im hohen Grade für wünschenswert bezeichnet, daß die englische Regierung die Schiffskommandanten anweise, die Dampfer, die mit der deutschen Postflagge nicht anzuhalten. Die englische Regierung hat Instruktionen erlassen wonach deuische Postdampfer nich auf bloßen Verdacht hin angehalten und durchsucht werden sollen. Diese Instruktion verbleibt in Kraft bis etwa zwischen den beiden Regierungen ein anderes Arrangement getroffen wicd. 5. Wir haben in London die Unterwerfung aller nicht anderweitig erledigter strittiger Fragen unter ein schleunig einzuberufendes Schiedsgericht vorgeschlagen. Die englische Regierung hat die Hoffnung ausgesprochen, daß es der Einsetzung eines Schiedsgerichtes nicht bedürfen würde, sich aber gegebenenfalls mit der Einsetzung eines Schiedsgerichtes für die Beiessung von Schadenersatzansprüchen einverstanden erklärt. Endlich hat die englische Regierung ihrem Bedauern über das Vorgefallene Ausdruck gegeben.(Hört Hört Beifall.) Wir geben uns der Erwartung hin, daß derantige bedauerliche Zwischenfälle sich nicht wiederholen wir hoffen, daß die englischen Seebehörden nicht wieder ohne ausreichenden Grund in übereilter unfreundlicher Weise gegen unsere Schiffe vorgehen werden.(Sehr gut!) Schon die Reellität und Loyalität der deutschen Rhedereien, die auch bei diesem Anlaß wieder bei der deutschen Ostafrikalinie sich bewährt hat, sollte dies verhinder(Sehr gut und die Rücksicht, welche man sich unter besreundeten Staaten schuldet, sollte es erst recht verhindern.(Zustimmung, Beifall.) Gerade weil wir aufrichtig bestrebt sind, gute und freundliche Beziehungen zwischen England und Deutschland aufrecht zu erhalten, wünschen wir, daß nicht Vorkommnisse einteten welche in hohem Maße geeignet sind, die Aufrechterhaltung solcher Beziehungen zu erschweren, die nur möglich ist auf der Basis voller Parität und gegenseitiger Rücksichtnahme.(Zustimmung und Beifall.) Das Deutsche Reich welches seit 30 Jahren seit seinem Bestehen, so oft bewiesen hat, wie sern ihm aggressive Tendenzen liegen, hat ein Anrecht darauf von allen anderen Staaten in der rücksichtsvollsten Weise behandelt zu werden(Lebhafter Beifall. Die dankenswerte Thatsache. daß die heutige Interpellation unterstützt ist von einer sehr großen Mehrheit des Haufes, beweist aufs neue, daß, wo es sich um die Wahrung des Rechsstandpunktes, um die Wahrung nationaler Rechtstitel handelt, zwischen dem Hause und den verbundeten Regierungen jene Uebereinstimmung herrscht, welche die wichtige Stütze unserer auswärtigen Politik ist.(Wiederholter, langauhaltender Beifall. Staatssekretär v. Podhielst teilt mit, daß schon seit Oktober die gesamte Post entweder auf einem deutschen Postdampfer oder über seie geeccnncn Dan uccn Sacnen d. M. von Kapstadt zurückgeschickt worden. Dieser Vorsall bedauf noch der Aufklärung. Die Post des Dampfers Bundesrat ist mit dem Condor nach der Delagoabai gegangen, die Post des Dampfers„General“ ist nicht angegriffen worden. Die Oeffnung deutscher Briefsäcke durch fremde Behörden ist nicht mit den internationalen Vereinbarungen übereinstimmend. Auch hier wird hoffentlich bald genügende Sicherheit geschaffen werden.(Beffall.) (Der Reichskanzler betrit den Saal.) Es folgt Forsetzung der zweiten Etatsberatung: Etat für den Reichskanzler(Reichskanzlei). Abg. v. Kardorff(Reichsp.) knüpft an eine seiner früheren Reden an, in welcher er der Regierung zu große Rücksichtnahme gegenüber dem Großkapital und der Sozialdemokratie vorwarf. Er halte dies aufrecht. Selbst das im überseeischen Handel angelegte Kapital könne nur florieren bei einer günstigen Lage der Landwirtschaft. Die freihändlerischen Zeitungen zollen der derzeitigen Regierung am meisten Beifall. Die Erklärung des Reichskanzlers betreffend die Sozialdemokratie käme einer Kapitulation der Regierung vor der Sozialdemokratie gleich Mit der auswärtigen Politik des Reichskanzlers erklärt sich Redner einverstanden. Hoffentlich werde die Landwirtschaft bei den neuen Handelsverträgen besser berücksichtigt. Die Maßregeln der Regietung gegen preußische Beamte hätten die Autortcht der Regierung schwer geschädigt. Der Reichskanzler erwidert, daß er auf die früheren Angriffe der Rechten nicht eingegangen sei, weil er geglaubt habe, daß ihnen keine besondere Bedeutung zukomme; denn die Aeußerungen hervorragender Politiker seien nicht immer von Bedeutung.(Heiterkeit. Ueber die Angriffe seitens des Herrn v. Kardorff habe sich Redner nicht gewundert, denn es beständen mancherlei Gegensätze zwischen ihnen, z. B. in der Währungsfrage. Fur den Antrag Kanitz habe sich Redner freilich nicht erwärmen können.(Heiterkeit.) Bei der Aufhebung des Verbindungsverbotes mußte Reduer sein Versprechen, welches zum Zustandekommen des Bürgerlichen Gesetzbuches gegeben war, einlösen. Staatssekretär v. Posadowsky erklärt, daß die Sozialdemokratie nie eine so große Ausdehnung gewonnen hätte, wenn nicht so viele Leute vom Staate abhängig wären, die den Staat für ihr Scheitern verantwortlich machen. Die Regierung könne die Sozialdemokratie nur auf Grund der bestehenden Gesetze bekämpfen. Das Gesetz betreffend den Schutz der Arbeitswilligen halte die Regierung guch heute noch für bepechstacb Lieherstnantn von Sonnenberg(Antis.): Wenn man uns bei der Interpellation auch das Wort abgeschnitten hat, so will ich doch jetzt erklären, daß die Erklärung des Staatssekretärs des Auswärtigen in keiner Weise das deutsche Voll befriedigen kann. Das deutsche Volk in seiner gewaltigen Mehrheit ist nicht damit einverstanden, daß unsere Regierung bemüht ist, die guten Beziehungen zu England zu pflegen, denn der Liebe Müh ist doch umsonst. Es ist ja nicht nötig, von dem perfiden Albion hier zu sprechen; man kann es ja in das Deutsche übersetzen und von dem hinterlistigen England sprechen(Heiterkeit.) Was bedeutet es, wenn Graf Bülow an England die Mahnung richtet, ja nicht die Sympathien Deutschlands zu untergraben? Sie sind schon lange endgültig und für immer untergraben. Der Reichskanzler braucht keine Besorgnis zu haben wegen der scharfen Worte, die hier im Reichstag fallen; ich entlaste ihn hiermit feierlichst von jeder Verantwortung.(Heiterkeit.) Heute hat sich der Reichstag genau so verhalten wie bei der Samoa=Interpellation, wo die nationalliberale Partei ihr tapferes Männchen, den Dr. Lehr im Stich ließ. Nicht eine Hetzrede gegen England habe ich damals gehalten, sondern eine Warnungsrede gegen England Schon früher mußte die Unverschämtheit Englands uns mit Entrüstung erfüllen. Herr Chamberlain hat ja mit seiner bekannten Unbefangenheit die Gründe mitgeteilt, aus denen er das Vorgehen gegen uns angeordnet hat. Ich habe von dem Schiffe Herzog einen Brief bekommen, darin heißt es:„Auf dem Schiffe sind fün Spione, wie können es ihnen nur nicht beweifen; aber zwei von ihnen haben wir schon so verhauen, daß sie ins Lazarett mitzten.(Große Heiterkeit. Wir hätten guch Vorwände, englische Schiffe anzuhalten, wir haben ja auch Strafexpeditionen in Afrika. Da könnten wir nachsehen, ob die englischen Schiffe nicht Kriegskontrebande in Form von Draht führen.(Heiterkeit.) Nun muß ich aber gegenüber den Interpellanten für eine schwer angegriffene deutsche Firma eintreten. Daß Krupp Waffen für England geliefert habe, halte ich für ganz unmöglich. Ja, ##enn die Fiumo Ludwig Löwe(aha in imtischen Zeiten mit Bontlanger in Verbindung trat, dann kann man es verstehen nach dem schönen Vers dessen zweite Zeile heißt Das Geschäft bringts mal so mit sich.(Heiterkeit.) Bei einer deutschen Firma kann ich ein so vaterlandsloses, so ehrloses Gebaren unmöglich voraussetzen(Beifall rechts) ebenso wie es ganz unmöglich ist, daß die Fiuma Krupp sich für die Erhaltung des Herrn Schweinburg als Flottensekretär interessiert haben soll.(Heiterkeit rechts.) Wäre der Vorwurf berechtigt, dann würde ich es der Marineverwaltung nicht verdenken, wenn sie die Ausrüstung der Zukunftsmarine der patriotischen Firma Creusot in Frankreich überwiese, die eine so unverschämte Zumutung, Waffen für England zu liesern zurückgewiesen hat. Ich rate auch dringend, auf Waffenlieferung nach Italien ein Augenmert zu haben; denn da sind auch Leute wie auf der Spielbank in Wiesbaden, die angestellt waren, auf die Goldstücke zu achten, die auf den Teppich sielen um dann mit ihren Pechsohlen darauf zu treten.(Große Heiterteit. Ein Minister, gegen den solche Vorwürfe erhoben würden, wie gegen Herrn Chamberlain, wäte bei uns nicht einen Augenblick möglich. Wir sind doch ein gesittetes Volk und können als solches verichngen, Mit einem solchen Sichat keine Bezichätigen und keine Geheimverträges zu haben. Jetzt verlangt man im deuischen Volke, für dessen Mehrheit ich hier spreche(großes Gelächter, das ist meine feste Ueberzeugung daß jener dunele Delagogventrag endlich gekündigt wird. Fürchtet man denn einen Krieg mit England? Bismarck hat nicht nur die Verantwortung für die auswärtige Polstik gehabt, er hat auch den Mut der Verantwortung gehabt. Ich bin ja kein Fremder in Israel(Heiterkeit), Bismarck hat das Vertrauen Rußlands zu erhalten gesucht, aber das Mißtrauen Rußlands kommt über diesen Knoten nicht hinweg. Rußland hat als Kolonisationsvolk eine große Kulturmission, England, das mit Opium und Branntwein demoralisiert, schädigt die Kultur. Herrn Chamberlain, der in ein friedliches Land Räuberbandens geschickt hat, kann man zutrauen, daß er einmal unsere offenen Städie bombardiert, hoffentlich nicht mit Kruppschen Granaten.(Heiterkeit.) England hat so viel wunde Punkte an allen Ecken der Welt, seine Marinegeschütze schießen auf dem Laude ganz erbärmlich schlecht wie nun wohl erst auf den schaukelnden Wellen(Heiterkeit.) Da unser Instrument nach dem Grafen Bülow die Flotte ist, werden wir England die Flottentöne schon beibringen. (Große Heiterkeit.) Ich schließe mit dem Goetheschen Vers:„Feiger Gedanken, bängliches Schwanken endet kein Elend, macht uns nicht frei und füge hinzu: Was bringt zu Ehren? Sich wehren Abg. Graf Oriola(natl.) betont, ser glaube nichtsnötig zu haben, auf die Aeußerungen des Vorredners des näheren einzugehen. Seine Partei bringe der Politik des Reichkanzlers volles Vertrauen entgegen. Wie der Präsident mitteilte, soll am Montag die erste Lesung der Unfallgesetze beginnen und sich daran die Veratung der les Heintze anschließen. Morzen 1 Uhr. Stalsheratung. Pirche, Schnle und Mistan. Dillenburg, 20. Jan. Die auf, den 21. ds. Mts angesagte Kreiskonferenz der Fünglingsvereine des Dillkreises in Haiger muß 14 Tage nach dem angegebenen Temmine himausgeschoben werden. O Siegen, 20. Jon. Wit erhalten folgende Zuschrise mit. der Bitte um Abdruck. Was bezweckt der Verein christlicher junger Kaufleute und Bureaubeamten in Siegen und Umgegend? Den Lesern des „Volk und speziell auch den chriftlichen Kaufleuten und Buxesubeamten des Siegerlandes wird schon durch die häufigen Anzeigen in diesem Blatte die Existenz des obigen Vereins nicht unbekannt sein aber viele von ihnen dürften, wie wir wiederholt wahrzunehmen Gelegenheit hatten über die Teudenz desselben sich ein unrichtiges Urteil gebildet haben. Wir bitten daher die verehrliche Redaktion des „Volk uns freundlichst gestatten zu wollen, an dieser Steile einige empfehlende Zeiten im Interesse des genannten Vereins zu schreiben, die leider einerseits den Zweck der Abwehr auf hin und wieder erfolgte Angriffe verfolgen müssen, andererseits aber dazu dienen sollen uusere Ziele näher darzulegen und zum Besuche freundlichst einzuladen. Wie es bei neuen Vereinen meist der Fall ist, so blieben auch dem oben genannten Vereine im Laufe der nunmehr mit Gottes Hilfe zurückgelegten ersten Vereinsjahre Angriffe nicht erspantund zwar sind es in der Hauptsache 2 Vorwürfe, welche uns wiederholt gemacht wurden Der erste bezieht sich auf einzelne Mitglieder, die durch Aufrechthaltung eines Verkehrs mit weltlich gestunten Freunden und dabei vorgekommenen Ausschreitungen mnserem Vereine allerdings keine Ehre gemacht haben, denen hierüber aber auch seitens unseres Vorstandes unter Hinweis auf die Satzungen unseres Vereins Vorstellungen gemacht wurden. Es dürfte wohl kaum ein chriftlicher Verein existieren, der nicht mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte und wenn hiernach der ganze Verein beurteilt wird, so ist dies doch keineswegs gerechtfertigt. Der zweite Vorwur bestehr darin, uns aus dem Umstande, daß die Mitgliedschaft zu unserem Vereine auf besondere Berufsstände begrenzt ist Einseitigkeit entgegen zu galten man ist der Meinung, daß bei den vielen Junglingsvereinen des Siegerlandes unser Verein überflüssig sei. Diesem Vorwurse gegenüber betonen wir, daß es den Gründern unseres Vereins jedenfalls völlig fern gelegen hat, dadurch ettwa ihre Beziehungen zu den Jünglingsvereinen und ihren Mitgliedern zu lösen, sondern es wurde lediglich einem vielfach empfundenen Wunsche, wenn nicht geradezu einem Bedürfnisse Rechnung getragen, mit Freunden seines Standes auf christlicher Basis einen Verkehr anzuknupfen und sich dabei gegeneitig über Angelegenheiten, die der kaufmännische, wie der Vureau=Beruf mit sich bringt, zu unterhalten, ein Interesse, das gewiß durchaus berechtigt erscheint und mit dem ferner die Hauptaufgabe verknüpft ist, speziell unter dem Kaufmanns= und Bureaubeamtenstande zu wirken. Unser Verein bekennt sich von Herzen zu Gottes Wort, erkennt dieses als Norm und Richtung seines Lebens und Wirkens an und will nichts anderes sein, als ein Zweig der Jünglingsvereine, wie denn auch eine große Anzahl unserer Mitglieder gleichzeitig Jünglingsvereinen angehört. Wir fühlen uns mit letzteren voll und ganz verbunden in dem Bewußtsein, daß wir im Grunde doch ein und dasselbe Ziel verfolgen und das ist kurz ausgedrückt für uns kein anderes als das:„Die Jugend und speziell die der genannten Berufszweige aus der Welt und dem Verderben heraus für Jesum!" Wir wollen jungen Leuten unseres Berufszweiges Gelegenheit zu einer gesunden, geistigen und sittlichen Fortbildung, sowie zu geselliger Unterhaltung und Erholung gewähren, was erstrebt wird durch biblische Besprechungen, Vorträge von Freunden und Mitgliedern des Vereins geselliges Zusammensein, wobei auch Fragen kaufnichunischer und wissenschaftlicher Natur gers erörtert werden, und Pflege des Gesanges usw. An alle schristlich gesinnten Freinde des Kaufmanns= und Beamtenstandes richten wir die freundliche Bitte sich unserem Vereine anzuschließen und soweit sie dazu in der Lage sind, unsere Sache durch ihr freundliches Mitwirken fördern zu helfen. Aber auch Freunde anderer Berufsstände, welche sich für unseren Verein interessieren und an unseren Bibelbesprechungsstunden teil nehmen wollen, sind freundlichst eingeladen und uns stets willkommen. Unsere Vereinsstunden werden iu diesem Blatte jeweilig angekündigt. Siegen, den 19 Januar 1900. Der Vorstand des Vereins christlicher junger Kaufleute und Bureaubeamten für Siegen und Umgegend. □ Siegen, 20. Jan. Die„Sieg=Lahn=Zeitung“ druckt einen Artikel der„Rheinisch=westjälischen Politischen Nachrichten bemerkungslos ab, in welchem behanptet wird, Herr Dr. Burckhardt=Godesberg habe gelegentlich seiner letzten Anwesenheit im Siegerlande behauptet, die Nationalliberalen seien Gegner des Ausbaues unseres Eisenbahnnetzes. Das ist eine Verdrehung der Thatsachen. Iu den christlich=sozialen Versammlungen wurde lediglich festgestellt, daß die nationalliberale Presse, wie z. B.„Kölnische Zeitung“ und„Nationalzeitung es lebhaft bedauert hätten, daß dis Sekundärbahnvorlage vor Erledigung der Kanalvorlage im Abge###netenhause zur Beratung komme; mit anderen Worten, die genannten Blätter wünschten, daß die Sekundärbahnvorlage auf unbestimmte Zeit, jedenfalls aber bis nach Erledigung der Kanalvorlage hinausgeschoben würde. Das ist der wirkliche Sachverhalt, der sich auf Thatsachen stützt, die weder Sieg=Lahn=Zeitung noch„Rhein=Wests. P. N. hinwegleugnen können. Wenn die Mehrzahl der nationalliberalen Abgeordneten in der Sekundärbahnfrage einen anderen Standpunkt einnimmt, wie die führenden Parteiorgane, so beweist das nur, daß die naonalliberale Partei keine dem Gemeinwohl dienende, sondern eine einseitige Interessenpolitik treibt. Wir Christlich=Sozialen sind im Gegensatz zu der„Kölnischen und„Nationalzeitung“ der Ansicht, daß der Bau des Mittellandkanals nicht die geringste Eile hat, daß dagegen der baldige Ausbau des Eisenbahnnetzes eine zwingende Notwendigkeit ist. Ledigli# diese Ansicht ist auch in den christlich sozialen Versammlungen deSiegerlandes vertreten worden und wir sind dessen gewiß, daß die große Mehrzahl der Siegerländer Wähler diese unsere Ansicht teilt. Mutmaßliche Witterung am 21. Januar: Mildes, vorwiegend wolliges bis trübes, windiges Wetter mit Regen. 22. Januar Gelindes, teils heiteres, teils woltiges, windiges Wetter ohne ethebliche Niederschläge. Westfalen. r Niederschelden, 20. Jan. Kurz vor Redaktionsschluß wird uns mitgeteilt, daß auf dem Niederschelder Stahlwerk ein Zimmermann tötlich verunglückt sei. Näheres konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen. ### Nauholz, 20. Jan. In unseren Haubergen treibt sich schon seit einiger Zeit ein halbverwildertes Rind umher. Gestern versuchten eitige Ortseingesessenen es einzukreisen und dem Dorfe zuzuführen, doch waren die Bemühungen ohne Erfolg. Dem Vernehmen nach soll das Rind im vergangenen Herbst entlaufen sein und nach Helberhausen gehören. Es würde sich immerhin lohnen das Tier wieder einzufaugen. Vielleicht wird der Eigentümer durch diese Rotiz aufmiertsam Semach Gadderbaum 19. Jan. Das Wellmannsche Grundstück, auf welchem sich das Vergnügungslokal der sozialdemokratischen Partei Bielefelds befindet ist von der benachbarten Firma C.&cmp; H. Blaukennagel(Schraubenfabrik) angekauft. Professor Zimmerer hült Dienstag, den 23. Januar, abends 8 Uhr, in Berlin, Johannistisch 6, im Anschluß an die Versammlung der kirchlichesozialen Ficuengruppe einen Vortrag über den von ihm geleiteten Diakonieverein. Gäste willkommen. Berlin C. Gegründet 1830. Melkenmarkt 6. Besichtgung der Werkräume und Magazine erbeten lbum, Abbildungen kostenfreis Möbellabrik Ssch mache darauf aufreitsam, daß von den Herrn Minister der geistlichen, UmerBud engelugsnen n Bersin, am 15. Dezember 1899 für das Sschr 1cach eiste neite Alchiee ie erlchsen Mcek r Ne ce n. uus. si.= chen Verlagsbuchhandtung(permann Herzfelder zu Beilin Sw(Schönebergerstraße 26 sowie von allen inländischen Buchhandlungen Zum Preise von 20 M. zu. bes Ssce ee i Scuch Bosu Kashrgt an Königliche Oberötsiere, Siegen verkauft Montag, den 12 Februgt 9. J. vormnittags 10½ Uhr, beim Gastwirt Müller in Freudenberg, aus dem Schutzbezit Freudenberg, Distr. 79a(Trulich),###ce (Stöckerlöh 83#cd Obere und untere Mausbachseite) 88 c d(Zimmerbühl 92 ce(Landheege) meistbietend: Eichen 239 Stämme bis 5. Al. un 148 Jm., 2 Nm. Schichtnutzholz Kl., Buchen 70 Stämiste 3. bis 5. Kl. mit 29 Fiu. 392. Fichtenstäuime mit 178 Fir. 2 bis 5. Kl. (stark), Kiesern 11 Stämme 4. u. 5. A. mit 4 Sm., 608 Fichtenstangen 1 bis 3. 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In schlichter schmuckloser Darstellung erzählte der deutsche Kaufmann seine Leiden; aber dieser einfache Bericht über eine grausame mehrjährige Kerkerhaft gewinnt, trotzdem der Erzähler aus leicht begreiflicher Zuruckhaltung alle romanhaften Umstände mit lakonischer Kürze abthut, dadurch einen besonderen Reiz, daß wir in ihm zugleich ein objektives Spiegelbild der Verhältnisse im Sudan haben. Wir lernen die Leute dort in ihrem Treiben und Thun kennen, sie werden uus in ihrem Fühlen und Denken näher gerückt, wir bekommen eine genauere Kenntuis vom Sudan und der Mahdig, und so besitzt Neufelds„In Ketten des Khalifeneinen nicht gering zu veranschlagenden kulturhistorischen Wert. Wie Neufeld im Jahre 1887, als er von Wadi Halfa nach Kordofan aufbrach, um die hier lagernden wertvollen Warenvorräte in Sicherheit zu bringen, von allerlei Mißgeschick verfolgt wurde, in der Wüste mit seinen Begleitern kreuz und quer zog, ohne Wasser und den rechten Weg zu finden, wie endlich der eigene verräterische Führer die Karawane in die Gewält der Derwische lockte, das ist ja bereits früher von uns berichtet. Er mußte seinen Einzug in Omdurman halten, die Wut und der Fanatismus der Bevölkerung sah in ihm mehrere Stunden hintereinander den Gegenstand seiner Bethatigung. Der einfache deutsche Kaufmann man hatte in trotz seiner Ausweispapiere zum englischen Kriegspascha gestempelt — hätte sich am liebsten in einen der breittlingigen Speere geworfen, mit denen ihn die Derwische zum Spaß bedrohten und verwundeten. Aber schließlich was bedurste es des Selbstmordes? Wurde er doch auf den Richtplatz geführtund sollte gehängt werden. Aber im letzten Augenblick wurde er begnadigt und auf Befehl des Khalifen in den Saier, das gefürchtete Staatsgefängnis gebracht. Was er in diesem höllischen Raum, wo die Gefangenen wie die Sardinen eingepökelt wurden und von Lüftung von irgend welcher Sorge für unabweisbare körperliche Bedürfnisse durchaus keine Rede war, litt, das läßt sich kaum beschreiben.„Noch heute erscheint mir — so meinte der durch den Fall von Omdurman erlöste Märtyrer die Unterwelt wie ein Paradies gegen den fürchterlichen Saier der von Schmutz und Ungeziefer starrte. Dabei war der verpestete Raum mit Gefangenen dermaßen überfüllt, daß die Schließer, wenn sie die Thür öffneten, um noch mehr hineinzupferchen, die von innen dem Ausgang zu Dräugenden durch Bündel brennenden Strohes zurückscheuchen und außerHeint= Mochsichpe. Neitpferdweitschen zaus Laiheskeste e R n see Aber all diese entsetztchen Sucten auch der Durchpeitschtncg ist Neufeld nicht eitgangen haben wenigstes äußzerlich sichtbare Spuren nicht hinterlassen. Neufeld sieht kaum viel älter aus, als er in Wirklichkeit ist(er zählt Jahre), nur sein Haupthaar ist stark gelichtet, aber der braune Bart umrahmt in voller Ueppigkeit das sonnengebräunte Geaus dem Kraft und ungebrochener Unternehmungsgen blicken. Sein elastischer Gang erinnert kaum daran, daß er zwölf volle Jahre mit wenigen Unterbrechungen die Auszeichnung des Khalifen funfzig Pfund Eisen an den Beinen getragen hat. Bald war er im lebhaften GesprächEs hatten sich einige alte Schulfreunde von der Bromberger Realschule(dem jetzigen Realgymnastum) eingefunden Nun ging es an das Austauschen alter Erinnerungen Mit Lächeln erzählte der„Gefangene des Khalifen wie man ihn auf der Schulbank Karlchen Mießnick und Größoater getauft. „An meinen wechselvollen Schicksalen meinte er lauinig ist eigentlich nur das Griechische schüld. Ich war Realschulabiturient und begann in Leipzig Medizin zu studieren. Nun sollte ich, um meine ärztlichen Studten mit dem Staatsexamen abzuschließen, das Examen als Gymnasialabiturient nachmachen. Das war ein bischen viel verlangt. In Deutschland wäre ich eine verlorene Existenz geworden. So gingn ich gach dem Orient, um hier mein Glüch zu wachen Bald waren wir in unserer Unterhaltung in Omdurman. Der schicksalreiche Mann hatte den Ort eigentlich nur bei seinem Einzuge damals gab es fast gar keine festen Häuser und nach seiner Befreiung gesehen. Denn meistens weilte er ja in dem schaurigen Saier Aber auch hier verließ ihn der Mut nicht, hielt ihn die Hoffnung auf baldige Rettung aufrecht. Stand er doch mit der Außenwelt in ständigem Verkehr durch eine Abessinierin, Umm es Shole, der er sich auf Befehl des Abdullahi hatte antrauen lassen. Sie, die ihren Mann beim Fall von Khartum verloren hatte und deren Kinder zu Tode gequält wurden, haßte die Mahdisten glühend. Schon aus diesem Grunde war sie Neufelds natürliche Verbündete, sie bettelte nicht nur für ihn Nahrungsmittel zusammen, pflegte ihn in seiner Krankheit, sondern setzte sich auch den größten Gefahren seinetwegen aus Sie brachte ihm heimntlich Briefe von der Außenwelt. Einmal buk sie ein solches Schreiben in ein Brot und warnte den Zwangsgatten, das Brot vor den Leuten zu brechen. Ebenso heimlich nahm sie die Antwort mit. Wie schwer war es, diese zu geben Denn wurde einer der Gefangenen beim Schreiben betroffen, so hieb man ihm einfach, die Hand ab. Neben manch menschlichem Wesen wurden auch zwei Tiere ein Frosch und eine Maus, Neufelds gute Freunde im Kerker Sie kamen auf seinen Rar=herbet, Uuncd der Frasch. b, die. ice chee Mücken hinweg „Während die Exekutionen“ so erzahn der Vielgeprufte an Schwarzen fast etwas Alltägliches waren, wurde kein Europäer hingerichtet. Ja selbst wo Abdullahi nach dem Völkerrecht dazu befugt gewesen wäre, wie B bei Statin Pascha, der als sein eigener Gouverneur gegen ihn konspiriert hatte unterließ es Abdulkahi erklärte wiederholt in der bilderreichen Sprache des Orients der Mahdi habe ihm befohlen Christen und Europcer zwischen Brust und Hemde zu tragen. Freilich ob der Khalif nicht bei Neufeld noch zuletzt eine Ausnahme gemacht und ihn vor dem Einrücken der Engländer in ein besseres Jenseits befördert hätte, das glaubt der Erzähler selbst, doch beim Nahen der Engländer sloh Abdullahtreso über Hals und Käohf, daß er den beabsichtigten Gang= Atich dem. Staten vengahh Wie Neufeld, der von jedem Schritt, den die englander unternahmen, von Ueberläufern unterrichtet wurde, zwischen Furcht und Hoffnung schwebte, wie er bei seiner Befretung Kichener selbst ließ ihm die Ketten abnehmen infolge der Nervenüberreizung fast dem Wahnsinn nähe war das schilderte er uns in seiner schlichten Weise aber um so eindringticher Uud nach seiner Befreitung lernte er als die erste lechrischen Fortschtitte der##utüewelt die Schreibmnaschine und den Phonographen kennen Es wird ihm ganz wehntütig ums Herz, als der Phonograph die Engländer können mutunter auch liebenswürdig sein„Die Wacht am Rhein ertönen läßt. Das Deutsche hat er in der Gefangenzschaft fast völlig vergessen Wenn er mit Pater Ohrwalder sich alle drei oder vier Monate einmal unterhiell so wwan ihr Deutsch, schon uchr##bisch Meit##indig ist es bemercte der Vielgeprite gelegentlich daß ich im Fraum noch jetzt nur englisch spreche Es mag daher komiten, daß die ersten Eindrücke, die ich während und nach meiner Besreiung empfing von Engländern herrührtenUebrigens ist der Sudan nicht völlig von der Kultür unbelech. Der Khalif hatte Telephon zwischen Khartum ud Omdurman Oft genug mußte ich der ich zeitweise sein Prägemeister und Salpeterfabrskant nattrlich mit Ketten an den Füßen— wpar, die Elenen der Batterie iu. Ordmutig bringen. Auf meine Frage, ob er wieder nach dem Sudan wolle, versicherte er, daß es ihn jetzt erst recht hinziehe.„Ich habe nun den Sudan gründlich kennen gelernt, seine Sprache und seine Sitten und nicht zum wenigsten seine Bewohner. Ich dürfte es ruhig wagen, was bisher noch kein Europäer that, nach Mekka zu pilgern. Man würde mir dem„Bruder Nofel so sprachen die Sudanesen in ihrer vokalarmen Sprache meinen Namen aus ohne Mißtrauen begegnen. Habe ich durch den Sudan mein Vermögen verloren, so will ich es dort wieder erobern. Aber nicht nur für mich will ich die teuer erworbenen Kenntnisse nützen, sie sollen auch Anderen, vor allem meinen deutschen Landsleuten, zu Zute kommen. Auf meine Frage ob für uns die Verhältnisse im Sudan günstig lägen, erwiderte Neufeld:„Günstiger denn je Durch die Siege der Engländer steht der Sudan nun jedem Ausländer offen. Da die Lage der Briten durch die südafrikanischen Wirren auch hier mißlich geworden ist, so haben wir ein um so günstigeres Operationsfeld Außerdem haben die Sudanesen eingesehen, daß sie sich nicht selbst regieren können; doch auch gegen fremde Regierungsbeamte haben sie ein nur zu sehr berechtigtes Mißtrauen. Ich stehe ihnen nicht als„Regierungsmann gegenüber, vielmehr als freundlich beratender Europäer, auf dessen Intelligenz und Aufrichtigkeit sie vertrauen. Im Sater war ich ja mit allen einflußreichen Personen des Sudan zeitweise zusammengesperrt. Denn Abdullahi, der sehr eisersüchtig auf seine Macht als Khalif war, beförderte jeden, dessen Einfluß ihm zuzunehmen schien, auf Monate oder Jahre— die Richter waren ja seine gefügigen Werkzeuge in den Kerker. Diese schwarzen Politiker sind zum größten Teil meine guten Freunde geworden und stehen mit mir in regem Briefwechsel." Es wies mehrere Schreiben an den Btuder Rofels in den krausen grabischen Zücen vor. D. Fliedners 100. Geburtstag. #8 Scmns 1906 Ein Missichssahrhundert ist das 19. Jahrhundert genamst worden weil es auf dem Gebiete der Aeußeren und Inneren Mission in ihm so rüstig vorwärts gegangen ist. Namentlich ist ein Zweig der Inneren Mission innerhalb der evangelischen Kirche zur hohen Blüte gelangt, das Diakonissenwesen. Das Hauptverdienst hat sich dabei D). Theodor Fliedner erworben, dessen 100jähriger Geburtstag am 21. Januay wiederkehrt. Zwar hat er mit dem Digkonissenamt keine neue Einrichtung in der Kirche geschaffen, vielmehr ist es ein altkirchliches Amt das mit seinem Ursprunge bis in die apostolische Zeit zurückreicht. Aber es war so völlig erstorben, daß es bis zu Fliedners Zeit nicht eine einzige Diakonisse in der evangelischen Kirche gab. Er ist es gewesen, der das Diakonissenamt in unserer Kliche neu und kräftig belebt hat und darict zir Recht ut, dein Ncamen des„Digkonisenpaters Kecb Mnnen 1. Dtis, deim, Praxrhchuse zu. ESphsteint in der=Nähe von Wiesbaden hervorgegangen, hat er bei dem frühen Tode des Vaters und den bedrängten Verhältnissen der zahlreichen Familie schon in jungen Jahren den Ernst des Lebens kennen gelernt, aber auch durch die Erfahringeigener Not ein empfängliches Herz für alle fremde Kümmernis gewonnen. Dies Herz hat ihn bei der kleinen und armen evangelischen Gemeinde zu Kaiserswerth a Rh., wöhin er 1822 berufen worden wan, festgehalten, als sie dem Zusammenbr#che nahe war und hat den von Natur schüchternen Mann zum beredten Anwalt der Gemeinde bei den niederlähtdischen und englischen Glaubensgenossen werden lassen dies Herz hat ihn zu Errichtung von allerhand. Wohlsahrtseinrichtungen in seiner Gemeinde getrieben und seine Fursorge auch noch über diese hinaus getragen, daß er den Fußtapfen des John Howard und der Elisabeth Fry in England folgend, das tächrige Lös der Gesangenen zu lindern unternahm. Meite, der nicht ohne Meüche, gestatteten Gottesdiensten im Arresthause zu Düffeldorf uunger an und schritt daun, unerSislime Rovele dics, Bautzsäand pot. Grust Schiil en Nuchs Leg hatte heute nach der ansgreifenden mehrs tägigen Eisenbahnfahrt, dazu noch bei den Unbequemlichkeiten der dritten Klasse, wo die ungepolsterten Bänke und das oft rohe Publikum den Schlaf meist unmöglich machten, das Bedürfnis nach Schlaf und er war froh geben den manschelnden Geschäftsleuten noch etwas Für. Seine, Blüthe Zur Hetottiertz, sobach er sich, llescrächen nd Kcn e Ale er erwachte, uingab ihn ein Lebhaftes Stimengewier und sein erster Gedanke war an ein Eisenbahnuunglick Blitzschnell hob erssich über die Lehne und sah nach den beiden Damen Sie waren erwacht, wie die anderen Passagiere und berieten offenbar datüitber, ob man Aleicgen 5 9 tchh Aschsch ercäe 2e ii ch n Losowaga angelgugt und die Gepächttagen aren in den Waggon gestüirzt mit der Melduing, toan mitte gussteigen da der Waggon hier bleibe. Obdwohl sich, duch niutr solche Phaffagtere in wesen eggon gesetzt hatten, die in die Kuim suhren blieben die eiftigen Träger bei ihrer dringlichen Mahnnng, auszusteige. Die einen von den Reisenden beriefen sich ausf das Schild an der Außenwand des Wagens, die anderen krainten ihr Gepäck zusammen und stiegen eitig aus KN RRR A rienten zusamitens Wbir tüisen Gusfteicgen Sutsetzlich ber der Nacht Isch triege gleich meinen en RRE RR R Koshe Aie Aigg Mch ##Rein, man tann hier bleiben Der Wagson geh Sarch ue Sca nnsche Rusähsch R e ch chhe c nn sund noch eitige der stächgehliebenent.Bteisenden, die noch an ihren Bündeln schnallten und schnütchten R C Hercus, unid Hereintragen sich eist. Srintscgeld, Verdienten. Se us Acggn r ne ch Samite veruhigten sich die Passagiene und. Led hörte neben sich Emilie leise sagen. Das war eine ganz bekannte Stimite Beinahe eriutterte sie wich an Herin Wac O A R r KR MRRR SCRRE R A Ae R n Gott weiß Isch habe solch ein merkwürdiges GeDächtnis fiür Stiminen bisher habe ich wich selten getchuscht „Dummheiten Wenn der Waggon sicher in die Krint geht, so wollen win wieder versüchen zu schlafen Uund wieder ward es stillzund die Darten schliefen bis in den Dag hinein, während Leo mit hohem Interesse die schneefreien Steppen Südrußlands sah, durch die das Dampfroß südmärts teuchend seine Wagenreihe zog Weit und breit kein Baumn, kein Staauch, oft auch keine Erhebung des Bodens, nicht als schwarzes nasses Ackerfeld oder aufgewweichte Wiese Nur hier und da kam eie Thalsenkung, in die sich ein Nusteidorf gegen den Wind hineingestüchter zu haben schien, oder von Baumchmpflanzungen seundlich Angeben eine deutsche Koldute Sein Nachbar, der alte Kolonist, namnte diese Gegenden seine Heimat und konnte Ved sio ischnchenlei ücber die Sitten und Gebräkuche, Wohl g c Alls= die, Saiten erwächten uund nrotdürftige Reisetoilette Hemtächt hatten, hielt Loo#s für unmüäöglich sichs länger in der Fedne zu halten, und als Emille zum ersten Mal herMM Das ttuge Alchochen wütrde blutiot, veichte shit aber e sechee c seicn O R en N ihn als alten Bekannten begrüßte Natürlichs mutzte er sich sebt zu den Damen setzen und dort ganz zuerst des Fraueins ganzes Klageregiter über das gtäßlich großer Rußcud und die„schrecklich schwere Reise und all dus Slend Seschöten, das darin bestände wenn zwei so unetfahrene Damen eic solche Reise mnächen imüßten R, ür i c en mit einigen schonen Ablegern vergessen, die ich mir aus Dorpat mitgenommen hatte und in Moskau ließ ich im Waggon ein kleiuche, Pappkästchen, in dem so schöne Dorpater Proggen und kleine Tötchen von Lupinger(venommierter Kondttor in Dorpat waren und meinen rechten Handschuh hat man mir jedentalls gestohlen und ein schrücktezses olheice ich uic wrih estenn ersch öch Me „Der letzte Verlüst ist am bedenklichsten, wenn man wie Sie den Reuchhüsten gehabt hat und seither den Husten und das Seufzen nicht wieder los wird, sagte Led= tebenswichich, wachrend, CScilie, die MNäcketei wmerkend, ME segen alene, Hüisten= Gehen, Wichezsetzt in, den. Stüden S das ist schon prachtvoll, so immer gegen Süden zu fahren, daß es immer mehr und mehr mit des Winters Herrschaft ein Ende hat, meinte sie dann. #a ein Herr sagte mir gestern; wir würden in Jalta schon Veilchen und manche andere Blume blüchend finden weni wir jetze hinkommen, sagte Leo. E e h 5 Bhe Bei dem so befonders ausgesprochenen Wörchen Wit zuckte Leo zusammen. Da waren ja die verhängnisvollen Stcumereien über Singular und Plural auf eichinal(aus ausgesprochen und noch dazu von ihr selbst. Und er fühlte ihre tiefen blauen Augen so besonders forschend auf sich gerichtet und kam sich vor wie ein ertappter Schuljunge, wein nicht zum Glück Fräulein Michelbein in diesem Augenblick erwas gesagt hätte über das Glück, daß sie jetzt einen Beschützer bekämen, so waren wohl die beiden scnrchen enscheneirder Verlegen geshohhest ud alles über das bloße Wi seche sbe erhitede ech bestischset, Iiu. Srzächleit, Wo er ges wesen in der letzten Zeit, und mußte seinerseits anhören, wie schön ver Aufenthalt in Dorpat gewesen, wvie besonders tiefen Eindeuck auf Stile sener Vortrag über Mönchtum Ssitid Cchescesäen in dershlicg seiäche hätte uich, deichleichen. sdtesen Rteistächebeihtich piel schnslen arls die anderene sacte Smilie osfenheizig, als sie aim Abend sich dem Endziel der Eisenbahnfahrt stäherten c und mir ist ein Stein vom Herzen, daß wir doch einen Weschützer haben rief Fchtlein Michelheit, gtlücklich „Nicht wahh, Herr Biatzng Sie fahren in dasselbe Hotel, in welchen wir wohnen werden, dann trinten wir so um sehn Uhr Kassee, beim tüchtichscsschlasen müssen wir— dann gehts zusahtiuet nach Jalich Heutlich ubelte Echilte mit kindlicher Freude und herrlicht klang es wieder in Leos Herzen So leicht und ftoh, wie heüte abend, war er kausit jemals zür Rühe gegangen und das Hotel von Franz. Schneiderin Sicfer#p#ol barg heute in denNrn. 16 und 22 Herzen, die da beide tschmiten den Traumt von dem Wörtchen„zuschmitien der eir eichiigt im Leben den Zauberglang seliger Früchlincgs müdlich im Werben für seine menschenfreundlichen Pläne, vorwärts bis zur Gründung der ersten deutschen Gefängnisgesellschaft für Rheinland und Westsalen(1826), die das Hauptgewicht auf die gründliche Besserung der Gefangenen durch Predigt, Seelsorge und Unterricht, sowie auf die Fürsorge der aus der Haft Entlassenen legte und das Vorbild für die zahlreichen gleichartigen Vereine in ganz Deutschland geworden ist. Er war es auch, der das erste Asyl für entlassene weibliche Strafgefangene in Kaiserswerth errichtete, der Erstling der gegenwärtig etwa 50 Pflegestätten dieser Art in unserem Vaterlande, der Anfang auch zu den großen Anstalten werkthätiger Liebe, die nach und nach durch Fliedners Hand in Kaiserswerth entstanden sind. Denn was bisher geschehen war, waren nur die Vorläuser von dem großen Werke, das als das eigentliche Lebenswerk Fliedners bezeichnet werden kann, nämlich die Erneuerung des Diakonissenamtes in unserer evangelischen Kirche. Als ein zweiter Aug. Herm. Francke kaufte er ohne Geld in der Tasche, aber mit einem selsenfesten Gottvertrauen im Herzen das größte Haus im Städtchen und richtete es zum Diakonissenhause ein. Und Gotkes Segen ruhte sichtbar auf der jungen Anstalt, dessen Seele Fliedner war, aufs treueste unterstützt von seiner ersten und zweiten Gattin, die mit ihm in einem Geiste arbeiteten. Bald konnte er rühmen:„Schnell hat der Herr das Diakonissenfünklein zu einer Flamme angefacht.“ Nicht nur daß die Kaiserswerther Anstalten sich ausdehnten durch Errichtung eines Waisenhauses, eines Lehrerinnenseminars und verschiedener Wirtschaftsgebäude, sowie durch einen Erweiterungsbau des Mutterhauses selber, auch anderwärts wurden Diakonissenanstalten gegründet, für die bis auf diese Tage zumeist die Hausordnung maßgebend geblieben ist, die Fliedner für Kaiserswerth entworfen hat. Zu dessen Lebzeiten sind 30 selbständige Mutterhäuser entstanden teils von ihm selbst, teils unter seinem Beirat gegründet, seitdem ist ihre Zahl auf 80 angewachsen, und wo es im Anfange des Jahrhunderts noch keine evangelische Diakonisse gab, zählt man am Ende desselben deren 14.000 Ueberall sind die Kaiserswerther Schwestern auf dem Plane gewesen, wo eine Not ausbrach, mochte es eine Krankheitsnot sein wvie der Hungertyphus in Schlesien, oder eine Kriegsnot wie an den Düppeler Schanzen, wo sie zum ersten Male den verwundeten Söhnen unseres Volkes aufopfernde Pflegerinnen geworden sind. Aber auch außerhalb der deutschen Grenzen weiß man von des Diakonissenvaters segensreichem Wirken zu sagen, in Jerusalem, Alexandrien, Konstantinopel und Smyrna, wo er Kranken=, Waisen= und Erziehungshäuser gegründet hat und wo die Hilfe der Kaiserswerther Schwestern nach dem Blutbade der Drusen(1859) in Beyrut und Umgegend unvergessen sein wird. Vorzeitig hat die gewaltige Arbeitslast, die Fliedner sich im Dienste helfender Samariterliebe auferlegte, seine Kraft verzehrt, er starb am 4. Oktober 1864. Sein Andenken aber wird in der evangelischen Kirche, der er das Diekonissenamt wiedergegeben hat und die ihm so viel verdautt, zuf immer in dankbarem Segen bleiben. Kirche, Schule und Mission. Der Rechtsstreit zwischen der Gemeinde Schwelm und dem Regierungspräsidenten in Arnsberg. Der I. Senat des Oberverwaltungsgerichts hat einen wichtigen Rechtsstreit erledigt, der zwischen der Gemeinde Schwelm und dem Regierungspräsidenten in Arnsberg schwebte. Für sämtliche Volksschulen in Schwelm und auch für die dortige Töchterschule war ein Rektor gewählt und bestätigt worden Durch einen spateren Ministerialerlaß waren aber die Regierungen angewiesen worden, dahin zu wirken, daß die Riesenrektorgte beseitigt und dafür Hauptlehrer bezw. Rektoren an die Spitze der einzelnen Schulsystene gestellt würden. Die Stadtgemeinde Schwelm lehnte indessen jede Mitwirkung bei einer solchen Neuregelung ab. Die Regierung ernannte aber zwei Lehrer zu Rekteren in Schwelm und führte sie auch in ihr Amt ein Der Magistrat und die Schuldeputation waren schließlich auch mit dem Vorgehen der hoffnung hat, einerlei ob auf ihn je eine Wirklichteit folgt, wo alles so wird, daß man dasteht wie ein Träumender und jeden Augenblick fürchter, aus dem Traum zu erwachen oder ob der Traum für das Alltagsleben seinen Schein verliert und im fernsten Nebelduft zu Grabe geht. Am andern Tage fuhr man in einem gemieteten Reisewagen nach Falta. Die Chaussee führt durch malerische Talsenkungen waldige Schluchten und an jahen Felsahhängen hin über den Kamm des Jailagebirges Dort, wo der Riese unter den Krimschen Bergen, der Tschamit=Dagh. mit der Felsenschulter an seinen niedtigen Kameraden, Demerdschi, stützt, ii die höchste Stelle der Kunststraße. Bis hierher können die kalten Nordoststürwe, die Zwingherrn der Steppe vom Ural bis zu den Karpathen, ihre rauhen, gierigen Hände ausstrecken aber weiter reicht ihr Regiment nicht. Oft aber schleudern sie Schnee und Frost über die Steppe der Krim und werfen ihre eisigen Vorposten bis in die Schluchten am Nordhang des TschatuirDagh, und wenige Werst weiter der Südküste zu duften schon die Rosen über dem blühenden Farbenglanz der Gartenbeete, und der sieche Residenzier von der Newa atmet mit Wohlbehagen in der wärmen, weichen Luft der Scssensten Aehirtlich gings heute, guch An der=Rordseite sah wan gefrorene Lachen vom letzten Regen und Schneeftöälchen unter jedem Busch, selbst an den breiten Stämmen der mächtigen, unalten Buchen von Tauschan=Bazar tiebte das Glateis. Die Reisenden saßen in warme Pelze gehüllt unter dem schirmenden Dach eines halbverdeckten Wagens und als es jetzt die letzten steilen drei Werst zum Gebirgspaß im Schritt hinaufging, konnte sich Fräulein Michelbein nicht enthalten, zu sagen„So kalt hätte ich mir die „Es wird wohl weiter nach Süiden besser werden, tröstete Leo. Ach, es ist ia, eigentlich hier anch schon herrlich. Diese prachtvollen Bäume, dort die Felskuppe mit der Schneehaube nach Rorden und dann der waldige, gewundene Weg! rief Emilie entzuckt. Ich habe von der schönen Natur wenig, wenn mit die Füße so frieren. Wenn man, wie ich, immer noch an den heimlichen Resten eines schrecklichen Keuchhustens zu leiden hat und befürchten muß, daß der Husten wieder anfängt, da wird man gewissermaßen innerlich geknechtet und hat kein Auge für die Gegend. Aie Kaichen in e ie ch een me das junge Mädchen. Einerlet, Du bist jung und ich bin alt. Du wirst noch erleben, daß ich am Husen gerbe gitwortete 0s Pahssch R Regierung einverstanden, die Stadtverordnetenversammlung weigerte sich aber entschieden, die Mehraufwendungen für die neuen Rektoren zu bewilligen. Der Regierungspräsident verfügte darauf eine Zwangsetatisierung, die aber von der Stadtgemeinde beim Oberverwaltungsgericht angefochten wurde. Ein Vertreter des Regierungspräsidenten suchte dagegen das Vorgehen der Regierung als gesetzlich nachzuweisen. Es seien im Regierungsbezirk Arnsberg zur Beseitigung der Riesenrektorate gegen 136 Rettoren ernannt worden; in den meisten Gemeinden sei die Sache friedlich erledigt worden, nur Witten, Dortmund, Iserlohn und Schwelm hätten Schwierigkeiten gemacht. Die Regierung sei befugt, Rektoren ohne Mitwirkung der Gemeinden zu ernennen. Die Gemeinden hätten die Kosten aufzubringen. Das Oberverwaltungsgericht indessen erachtete die Klage der Stadtgemeinde für begründet. Zwar sei die Regierung berechtigt, auch gegen den Willen der Stadtgemeinde die Riesenrektorate zu beseitigen und dafür einzelne Rektorate zu schaffen; würden aber von den Schulaussichtsbehörden für Volksschulen Anforderungen gestellt, die durch neue oder erhöhte Leistungen der zur Unterhaltung der Schule Verpflichteten zu gewähren seien, so werde nach dem Gesetz vom 26. Mai 1887 in Ermangelung des Einverständnisses der Verpflichteten die zu gewährende Anforderung, soweit sie innerhalb der gesetzlichen Zuständigkeit nach dem Ermessen der Verwaltungsbehörden zu bestimmen sei, bei Landschulen durch Beschluß des Kreisausschusses, bei Stadtschulen durch Beschluß des Bezirksausschusses insbesondere mit Rücksicht auf das Bedürfnis der Schule und auf die Leistungsfähigkeit der Verpflichteten festgestellt. Gegen diese Beschlüsse sei nur die Beschwerde an den Provinzialrat zulässig. Da jedoch die Schulaufsichtsbehörde ein Beschlußverfahren noch nicht eingeleitet habe, so hätte der Regierungspräsident die Zwangsetatisierung auch noch nicht verfügen dürfen. 1897 für die westindische Mission 40.000 Mi. geleistet, aber die dortigen Gemeinden zusammen er 40.000 Seelen haben vier mal so viel aufgebracht für ihre Kirchen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß diese Gemeinden sich jetzt in besonders schwieriger Lage befinden. Die erhöhte Zuckerproduktian in anderen Ländern hat eine schwere Krisis hervorgerufen, die die wirtschaftliche Existenz Westindiens in Frage stellt. Das Ziel unserer Missionen ist überall, die gesammelten Gemeinden auch peknuiähr allinählich selbständig zu machen Ein französischer Bischof über das Vibellesen Vor zwei Monaten schrieb die katholische Zeitung ie XX. siéeles Was den Protestanten ermöglicht trotz ihrer Zersotitternng ein Band unter einander zu bewahren, das ist das ständige Lesen des Evangeliums. Es ist auffallend, daß wir Katholiken nicht mehr darin lesen Deshalb steht auch uuser Lehen nicht mehr unter seinem unmittelbaren Einfluß Es ist höchste Zeit, daß wir des heilige Buch wieder öffnen. Nun hat die Redaktion des klerikalen„Deuple francaist eice Volksausgabe der Bibel veranstaltet, die ihr folgende Zuschrif des Bischofs von Viviers einteng:„Ich kann Sie nicht genug loben, daß Sie sich so viel Mühe geben um das Ebangelium heute des nötigste und unbekannteste Buch, in aller Hände zu briugen. Einst hatte es seinen Platz in allen Häusern. Ist nicht sein Verschwinden aus der Famitie, aus der Schule, ja sogar aus unseren Katechismen schuld am Niedergang der christlichen Gesinnung in miserer Zeit und in auseren Lande Landarbeiterheim der Provinz Sachsen. Den Bemühungen des Rittergutspüchters Rehfeld=Eiswannsdarf der seit Jahren als eines der wichtigsten Mittel zur Hebung der Arbeiterngt die Seßhaftigkeit des Arbeiters auf eigener Schoue empfiehlt, ist es nun gelungen in diesen Tagen auf einer Versammlung in Halle eine Genossenschaft unter dem Namen Laudarbeiterheim der Provinz Sachsen zu gründen. Diese Genossenschaft verfolgt das Ziel billige und dabei gesunde Wohnungen für Landarbeiter herzustellen und ihnen die Mäglichteit zum Erwerb derselben bein trenen Ausharren bei irem Arbeitgeber zu bieten. Der Direktor der andwertschaftlichen Genossenschaften der Provinz Sachsen Oetonomien# v MendelSteinfels betchute daß der Gedanke der n duich die Gründung der genannten Genossenschaft verwirslicht wird seitens der in Frage kommenden Behorden ein durchaus gesunder und volkswirtschaftlich beden euerangt werde und darum guf nachdrucktiche Frdernug seiner Ziele rechnen dufe. Für landliche Arbeier# die Errichtung von Einsamilienhautern gepichtt bestehend ais een Wohnhaus mit Stube oder 2 Kemmern##che Bodenkammer und Speisekammer sowie verschiedenen Stalktugen zur Unterbringung von Sleinvieh,##ldfruchten Kohlen nach den aufgestellten Enttwürfen tasse sich eine Wohnnug ur eica 300 Mark herstellen Enisprechend billige Kapitalten wrden sich zu Diesem Zweae dutch die Attens= und Subatditälsper sicherung bezio, durch die Berufsgenossenschaften als Hypotheken beschaffen kossen. Mitglieder der Genossenschaft ouen alle selbständigen Laudwerte Eigentumer und Pichter der Provinz Sachten und des Herzogtans Auhalt werden Jedes Mitglied hat einen Geschäftsanten zu übernehmen der eine Barzahlutig von 100 Mark und eine Sascumme von 100 Mart bedingt. Jn den Vorstand der Genossenschaft wurden gewählt, Rehseld=Eismannsdorf Wanderlehrer Zecher=Halle und Amtmann Hubbe=Kaltenmart in den Aufsichtsrat=Amtmann Rudloss=Wormlitz, Freiherr v. d. BuscheKassel und Rittergutspächter Heinze=Zerben. Wer da weiß welch trautige Wohmuugen auch in der Provinz Sachsen oft noch den Landarbeitern angeboten werden deren Verbesserung bei der heutigen landwirtschaftlichen Nottage nicht immer in der Macht des einzelnen steht, wie das Vorgehen der Genossenschaft Landarbeiterheim= mit der größten Freude begrüßen. Denn gesundes und biliges Wohnen auf eigener Scholle hat noch immer zur Forderung der Sittlichteit und Hebung der wirtschaftlichen Lage beigetragen, ganz abgesehen davon, daß es alich ein esprobtes Mittel gegen die LandKuschk= Wegen Nötigung von Arbeitswilligen miter sehr fellsamen Amständen hatten sich vor der Straftammer in Mainz drei Arbeiter zu verantworten. Die Fuhrleute Röhrig Schmitt diese Arbeit Lohnerhöhung. Als diese abgelehnt wurde verließen sie die Arbeit, wvorauf ihre Enttassitng erfolgte. Die Firma stellte nun andere Arbeiter ein Die Streikenden drohten diesen sie in den Rhein zu wersen, wenn sie die Arbeit nicht niederlegen würden. Die Arbeitswilligen legten die Arbeit auch nieder aber hierauf nahmen die Streikenden die Arbeit selbst wieder zu den alten Bedingungen auf und sind bis auf den Schmitt noch heute bei der Firma in Diensten. Das Gericht vernrteitte den Röhrig wegen Nötigung zu einer Woche Gesängnis wegen der beiden anderen Angeklagten wunde die Verhandlung vertagt weil einer der von ihnen bedruhten Arbeitswilligen nicht erschienen war. Wir sund sehr B e geahudet werden, aber dieser Fall beweist wieder, daß die bestehenden Gesetze dazu vollkommen ansreichen und es keiner Ausnahmegesetze bedarf. Die Bäckergesellen in Mainz haben der dortigen Bäckerinnung vor kurzem ein Schreiben unterbreitet, worin sie mit 14 Forderungen an die Mitglieder der Innung herantreten mit der Bemerkung, daß, wenn dieselben nicht bewilligt würden sie 8 Tage vor dem Beginn der Gutenbergseier die Arbeit niederlegen würden. Sie wollen, entgegen der seitherigen, in der Eigenart des Geschäfts begründeten Einrichtung, nicht mehr im Hause des Meisters schlafen und auch nicht mehr an dessen Tisch essen. Die Wohnungsverhättnisse bein Meister sind vielfach so unzulänglich, daß es den Gehilfen nicht verdacht werden kann, wenn sie hierin eine Besserung wunschen. Hoffentlich wird sich eine gegenseitige Verständigung erzielen lassen, da durch einen Streit beide Teile schwer geschödigt würden. Neue Gewerkschaft. Mit dem Janiar und mit einem monatlichen Beitrag von M. 1 ist eine über ganz Deutschland sich verbreitende Gewerkschaft aller in den Redaktionen und Expeditionen der sozialdemokratischen Parteipresse beschäftigten Personen ins Leben gerufen worden. Der Sitz der Gewerkschaft ist Halle a. S. und bis zur Konstimuierung des Vorstandes hat die provisorische Leitung Herr Thiele, Redakteur des„Halleschen Volksblattes übernommen. Diese Idee wurde schon vor einigen Jahren angeregt, siel aber damals nicht euf fruchtbaren Boden. Im Ausstandsgebiet von Schlau ist die Lage unverändert, die Ordnung wurde nicht gestört. In Kladno simm der Ausstand zu die Arbeiter sordern u. a. den achtstündigen Arbeitstag und Erhöhlug der Löhne. Die Forderungen werden dem Einigungsante unterbreitet werden.— In Wannsdorf ist es trotz der Bemühungen des Bezirkshauptmannes und des Gewerbeinspektors nicht gelungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern, die u. a. einen zehnstindigen heitstag verlaugen, eine Einigung herbeizuführenZur Arbeitslosigkeit der Diamantschleifer wird aus Nutwerpen gemelder Zweitausend Arbeiter hiesiger Diamantschleifereien, die seit längerer Zeit ohne Beschäftigung sind, befinden sich in einer solch elenden Lage, daß auf Betreiben der Diamantschleifereibesitzer eine öffentliche Suhskription zu ihren Gunsten eröffnet wurde. Mehrere Arbeitgeber zeichneten sofort Summen von je 1000 M. Die Arbeitskosigkeit wird vorausfichtlich noch längere Zeit dauern Die Aubdeitslossceit ist bekanntlich eine Folge des üdaftichnischen Ariozes. Zum Ausstand in St. Stienne wind aus Pauis gemeider: Im letzten Augenblick hat der rallirte Abgeordnete Gay##in Jntorpellation über die Ausstände von St. Etienue, die Donnerstag zur Verhandlung kommen sollte, zurinkgezogen. Als Grund dieses Entschlusses wird angegeben, Gay wolle die Unterhandlungen, die in St. Etienne zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Gange sind, nicht durch eine mentarische Verhandlung stören. Ob dies der wirkliche Grund eiche canträllieren Hagen, 19. Jan. Eiter großen Gefahr entgüng der vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr auf der Siegener Strecke in den hiesigen Bahnhof einlaufende Personenzug. In der Nähe der Station Heugstei war eine Schranke nicht geschlossen und infolgedessen tam ein Fuhrwerk auf den Bahndamn in dem Angenblick, als der Personenzug schon heranbrauste. Das Lokomstivpersongl hatte die Gefahr bemerkt, und so wunhe kangsamer gefahren hierduich fand der Führmann Zeit, sem Gefähr zurückzufahren, als auch gerade die Schranke niederging und zwar zwischen Pferd und Wagen, sodaß weder ein Vor noch rückwärts möglich war Immerhin war soviel Platz gewonnen, daß der Zug, wenn auch laugsam, ohne Schaden zu nehmen vorbeifahren kannte. Gütersloh, 19. Jan. Der hiesige Tumverein beschloß in seiner letzten Versammtung die Rechtsfähigkeit durch Eintragung ins Vereinsregister zu erlaugen. Die hierzu ausgearbeiteten Satzungen wurden vorgelesen und genehmigt. Außerdem wurde beschlossen, an den diesjährigen Gautag den Anstracg zitez stellen, derselbe wöge das Gautrufest, naäch Güteksloh M Warmen, 19. Scm. Gestern vormittag fand die feierliche Enthüllung des Bismarck=Deufmals welches auf dem Vorplatz vor dem alten Nathaufe Ausstellung gefunden hat, in Gegenwart der Spitzen der städtischen Behörden und eines geladenen Publikums statt. Die Feier wurde eingeleitet durch einen Choralvortrag der Kapelle des Halberstädter Künassierregiments dessen Chef Fürst Bismarck war. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Bismank=Denkmal=Komitees Erbslöh. der den Altreichskanzler als Schöpfer der deutschen Einheit und Freihen seiente. Das Dentmal, das der Stadt nicht uuur zur höchsten Zierde gereiche, sondern auch dauernd die Vorübergehenden an die Pflege nationaler Gesinmiug und des Patrsotismus mahne, wurde damit der Stadt zum Eigentum übergeben Oberbürgermeister Dr. Leutze nahm unter dem Ausdruck des Dankes an die Stifter das Denkmal in die städtische Obhu Während der beiden Reden saug ein aus 300 Sängen bestehender Männerchor unter Mitwirkung des Städtischen Orchesters die Chöre. Die Himmel ühmen und Ein blankes Wort Das Denkmal ist nach dem Entwurfe eines noch jungen Berliner Bildhauers Hugo Lederen von der Firma Noat in Deutsch=Wilmersdo## der Berlin gegossen es hat eine Höhe von Meter die Figur nißt 3.25 Meter Höhe. Der aus schwedischem EGramt gefertigte Sockel mißt ## Meter im Qusdra Die Frontseite des Sockels wird von der überlebensgroßen Figur der Klio eingenommen Im Anschluß an die Deutmalsenthültung fand ein Festessen in der Stadthalle statt, an dem ca 300 Personen sich beteiligten An Abend fand in der Stadthalle bei freiem Eintlitt R S n e e 6 Büsfeldorf, 19. Jan. Ein disteres Sittenbhild entrollte eine Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgericht. Am 25. November 1899 durcheilte abends 8 Uhr die schaurige Kunde die Stadt, daß auf einer der belebtesten Straßen der Altstädt eine junge Frau von ihrem eigenen Manne erstochen worden ei. Die öffentliche Meinung ergriff selbstverständlich gegen den sofort verhafteten Thäter Parte. Doch als am anderen Tage die näheren Umstände der grgüsigen That zur Kenntieis gelangten, de wandte sich die vor popun mit ihrem ganzen Jugrimm gegen die eigentliche Urheberin der geschehenen That Es war dies die leibliche Mutter der Erstochenen. Der Tageköhner Joseph. Busch nahezu 2 Jahre alt hatte im März vorigen Jahres die Anna Gerst kennen lernen und dieselbe am 27. August 1899 geheiratet unten dem Versprechen seitens seiner Frau und deren Mutten, daß der frühere Geliebte des Haus nicht mehr betreten dürfe. Der junge Ehemann der von der Militärpflicht als einziger Ernährer seiner Mutter entbunden worden, und bis zu seiner Heiret seinen Verpflichtungen nachgekommen war kümmerte sich fortan nicht mehn um seine Mutter. Diese stellte deshalb den Antrag, daß ichr Sohn, da derselbe die in ihn gesetzten Voraussetzungen tiche besäige eineichc ggen dle. Dies baßte der Schwiegermutter, Frau Gerst, nicht. Sie brachte ihre verheiratete Tochter mit den früheren Geliebten namens Hölters wieder in Verbindung. Der Angeklagte erhielt am 24. November Kenntnis von dem Besuche des Hölters in seiner Wohnung und hatte abends dieserhalb eine vielleicht wohlberechtigte Auseinandersetzung mit seiner Ehehälfte. Am folgenden Mittag begegneten Schwiegermutter und Frau des Angeklagten dem Mitarbeiter Nowack und äußerten diesem gegenüber, daß Busch nicht mehr nach Hause zu kommen brauche, da Hölters wieder das alte Verhättnis fortsetzen sollte. Diese Aeußerung gab Nowack seinem Mitarbeiter Busch zur Kenntnis. Am Abend kam nun Busch von der Arbeit durch den Hofgarten und sah kurz vor sich hergehen seine Frau und Schwiegermutter Er stellte beide wegen der Aeußerung zu Nowack zur Rede. An der Neubruckstraße frug Busch=seine Frau.„Bist du mein oder dem Hölters? und stieß ihr sein Taschenmesser in die Brust. Der Tod des Frau trat kurz darauf ein Busch wurde sofort verhaftet, und als ihm bald nachher auf der Wache mitgeteilt wurde, daß seine Frau tot sei weinte er bitterliche Thränen. Durch die heutige Verhandlung wurde der Beweis erbracht, daß die Schwiegermutter, Frau=Gerst, einzig und allein die Schuld trug an dem liederlichen Lebenswandel ihrer Tochter und daß der Angeklagte unter dem Druck der ihm ver Nowack mitgeteilten Aeußerung seiner Schwiegermutter sich in eine wohlberechtigten Erregung befand. Die Geschworenen verneinten die Hauptftage auf Totschlag bejahlen aber die Hilfsfrage, wegen schwerer Körperverletzung mit tötlichem Ausgang und bewilligte mildernde Umstände. Der Gerichtshof zog jedoch die traurigen Familienverhältnisse in die der Angeklagte geraten wan in Betracht und verurteilte den Busch zu Jahr Gefängnis Trier, 19 Jan. Die geplante Errichtung einer Lungenheilstätte für den nördlichen Teil des Regiertugsbezirkes Trier scheint nunmehr der Verwirklichtng entgegen zu gehenIm Hotel Porta Nigra fand die angekündigte Verschmmlung statt Nach herzlichster Begrüßung durch den Herrn Regierungspräsidenten zur Nedden verbreitete Herr Dr. Pannewitz in einem längeren Vortrage sich über das Wesen der Lungenheitstätten Herr Landrat Mannkopfempfahlals geeigneten Platz den Grunewald bei Wittlich, der vom Kreise zur Errichtung der Heilstäte unentgeltlich zur Verfügung gestellt werde Zustimmende Ausprachen hielten noch die Herven Ober###dent Nasse, Eisenbahndirektionspräsiden Dr. Schwertug und Bischof Korum. Im vorigen Jahre ist seitens des Kreises Saarbrücken unter opferwilligster Mitwirkung von Industriellen undanderer die Errichtung einer Heilstätte auf dem Sonnenberg zu 100 Betten für männliche unbemittelte Luugenkrau Angriff genommen worden mit einem Kostenauschlage von 400, 600 Mer. Ihre Eröffnung wird für den Olkober des lausenden Jahres erwartet Ueberhaupt hat in der Rheiprovinz durch die=Auregung des Herrn Oberpräsidenten die, Heilscteithessegg schon große Fortschritte gemacht. Seumischtes. Todesurteil. Vor dem Schwinrgericht in Mannheim hatte sich der 23 Jahresalte Schreiner Aloys Lin aus Landa wegen Mordes zu verantworten. Es handelte sich um einen an einem 6½ Jahre alten Mädchen veribten Atmde dessen Einzelheiten so schrecklich sind, daß an die Nerven der Geschworenen starte Anforderungen gestellt wurden. Der Augeklagte wurde nach neunstündiger Verhandlung zum Tode und ein Jahr Zuchthaus verurteitt. Das letzte Hyfer des traurigen Eifestbahnungtlüickes bei Aischweiler der Lokomotiosichter Staßburger Bürgerhospital seinen Verletzingen erlegen Die Aerzte hatten alles aufgeboten, um ihn am Lehen zu erhatten, und eine Zeit lang schienen ihre Bemühungen Erfolg zu verheißen Baumgarten erblindete gegen Gude noch vollständig. Des Eisenbahnungküick hat im ganzen funf Menschenleben gefordent Die Biene im Bürgerlichen Gesetzbuch. Das Bürgerliche Gesetzbuch unterscheidet wilde zahme und gezähmte Tiere Merkwürdigerweise gehärt die Biene imn B. G.=B zu den wilden Tieren. Die Biene hat, so klein sie ist, von seher weil sie die Gewohnheit hat auszuwandenn#und sich anderwäints niederzulhffen, dem Gesetzgeber Schwierigkeiten bereitet und hat eine besondere gesetzliche Behandlung erfahren. Schon die Römer hatten ein besonderes Bienenrecht. Die alten deutschen Volksquellen bezeichnen sie als en wilt Das haben die Juristen bis in unsere Tage nachgespröchen, und das ist die kleine Biene, unbekümmert um die Naturwissenschaft, auch im Bürgerlichen Gesetzbuch geblieben, wo ihr die§8 961. 964 gewidmet sind. Die Frage, ob die Biene ein zahmes oder Haustier oder ein wildes Tier ist, hat große Bedeutung für die Erwerbung und den Verlust des Bienenschwarmes. An Haustieren, wie Hund und Katze, geht das Eigentunt wenn sie sich verlaufen, nicht verloren. An wilden Tieren verliert man aber das Eigentum, wenn sie in die natürliche Freiheit zurückgekehrt sind; es sei denn, daß der Eigentümer das Tier unverzüglich verfolgt.„Mit dem Augenblick aber wo er die Verfolgung aufgiebt, hört sein Eigentum auf und das Tier wird herreulos. So foll es mit der Biene sein. Wenn der Schwarm entweicht, mußt man ihn verfolgen und kann ihn herausverlangen, wenn er in eine fremde Bienenwohnung, die unbesetzt ist, einzieht. Man kann dabei auch fremde Grundstücke betreten kann die fremde Wohnung zum Zweck des Einfangens öffnen und hat nur den Schaden zu ersetzen. Denn man verfolgt sein Eigentumsrecht, wonach man nur zum Ersatze des wirtschaftlichen Schadens verpflichtet ist. Ist aber die freme Bienenwohnung besetzt, so kann man seinen Bienenschwarn nicht mehr herausverlangen. Der alte Schwarm ist Hert in seiner Wohnung, der die fressde Biene in sich aufKcmn Standesamt Siegen. Angemeldet vom 8. bis 18. Januar cr. Geburten Ernst Paul, S. d Schneiders Christ. Wetter, ev. Norbert Wilh, Karl, S. d. Lokomotipheizers Joh. Augast Weisgerber, kath. Karl Eugen, S. d. Handlungsgehilfen Karl Ewald Solbach, ev. Karl, S. d. Sandformers Johs Anton Friedr. Beyer ev. Anna, S. d. Schlossens Bernhard Ludw. Bosch, kath. 1 2 d. Schornsteinsegermeisters Ad. Friedr Braun, er August, S.d. Lehmformers Aug, Jak. Schäfer eo Maria Anna, 2 d. Lagerarbeiters Peter Heim Scheckel, kath. With Hein Friedr Karl Oskar, S. # Maurers Wilh Bernshausen er Friedi Paul, S. d Maschinenwärters Friedr. Bäcker ev. Kau Wilh Ferdinend, S. d Maschinenmeisters Kaul Buch, er Paul Nax Rudolf, S.d Braumeisters Rudolf Reimann, ev 2. d. Fabrikarb. Wichelm Mach, kach. Werner, S. d. Fabrikanten Heinr Richard Stauf, evAufgebote Hilfsbremser Joh. Kaspar gen Kaul Kühlmann mit Elisabeth gen Reging Meiswinkel, hier Maschinenschlosser Aug. Hermann Hein in Müsen mit Bertha Müller, das Kesselschmied Jak. Anton Karl Knester in Bürbach mit Bertha Schreiber, das. Schlosser Friedr. Wilh Hern Paul Holzklau mit Withelmine Pauline Bechtel hier Stationsdiäter Heinr. Adolf Karl Gucker mit Margareihe Amalie Lina Reis, hier Maschmenwärter Gust Adolf Dopprichhier, mit Lina Wörster in Weidenau Breuser Wäh Joest mit Regina Withelmine Fiegener hier Schreiner Karl Stepeing in Westerburg mit Emilte Rubertus in Gemünden. Hilfsbremser Wich. Ludwig Rausch mit Alwine Amalie Güthing, hier. Verehelichungen Sandsornter Friedr Karl Georg Schweissurch mit Katharina Maria Amhäuser, en Maschinensormer Rob. Jul. Klötzel mit Anna Maria Helene Gilberg, kach Puddler Christ. Karl Mayer, Witwer, nii Marie Johanna Störmer## Sterbefille. Theodor Ehristian S. Hittenarbeitens Gustav Fieund 3 Mon all, ed Georg Wich Karl, S. d. Formers Karl Weichenbach, 4 J. 9 Mon. 19 T. allt, tach. s##il S. d. Sandformers Johs. Anton Friedr Beyer Stunde alt, 6. Färbereibesitzer Ludw Prinz, 89 J alt ev. Kaufmann Eduard 74 J. alt, er. Hermann Theob Emil, S. d Anstreichermeisters Heinr Gresser 3 J. 4 Mon 3 T. all, ev. Walter, S. d. Anstreichers Jak. Lehmann, Mon 12 T alt eo. Eisenbahnschlosser Mantit, Kcar Wilh, Kridelbach, 30. J. Alt. 89 Scdin, 18. Jan, Rleinten Wiehnichek.(Amiticher VBersche) trieb 998 Schweine, à M. 50##. b. 4148 e 45#40. cn c Mace B tonungebenden Märkte hiell sich die Kauflust hier noch reservierter als vergangene Woche. Die Erfolge des Verkehrs maren infolgedessen, sowohl was die Kursgestaltung betrifft, als was die geschäftlichen Transaktionen nach Zahl und Umfang anlangt, nur mäßig. Weizen findet im allgemeinen nur schleppenden Absatz, weil der Konsum sich dem großen Angebot auskändischer Ware gegenüber ablehnend verhält und nur inländische Qualitäten berücksichtigt. Roggen war entschieden flauer und ist bei unseren Müllern die Kauflust merklich geringer geworden. Gerste wird nur spärlich gekauft und sind die Preise daher schwer zu halten. Hafer war ruhig und gab nicht zu größeren Schwanlungen Anlaß. Mais blieb unverändert, die Konsumenten verharrten in der früheren Reserve. Futterstosse lagen still. Spelzspreu und Torfstreu weisen zunehmende Befestigung auf. Am Mehlmarkt herrschte matte Tendenz. Weizen ab unserer Umgegend eirca Mark 15.25 do frei hier Mark 15,50 bis 15,60, do. La Plata und Kausas(klebereicher Weizen) Mark 16,50—17,00, do Redwinter und russische Sorten (klebereicher Weizen) M. 16.75—17,25, Roggen, hiesiger M. 15,— bis 15,25, Braugerste(je nach Qualität u. Herkunft) M. 16,00—17,00, Hafer(je nach Qual.)(exquis. 25—50 Pf. über Notiz), M. 14,00—1425, Mais(ges Mixed) M 10.50, Weizenkleie M. 9—9.25, Roggen#leie M. 10,00—10,25, Malzkeime M. 8.75—9.25, getrocknete Biertreber M. 9.75—10.25, Spelzspren per Zentner M.—.90 Michbrot und Brotmehl im Verband M. Weizenmehl(automatisches) Nr. 6 eirca M. 24.00, do. ea. M. 22.00, do. IlI ca. M. 20,00, do(erquisite Qualitäten) pr. Sack M. 1,50. 2 über Notiz, Roggenmehl Nr. 0 M. 23.50—24— 0s1 M.(1,25—1,50 darunter. Torfstreu per Ztr. M. 1.20. Die Preise verstehen sich per 100 Kilo ab hier häufig auch loco auswärtiger Stationen bei mindestens 10.000 Kilo. des redaktiouellen Teils. „Nur 3 Pfg, täglich koster Sie meine Kur mit unserem Natron Lithion. Wasser gegen Insluenza u. Folgen, Heiserkeit, Verschleimung, Husten, Verstopfuung Hämorrhoiden Griesbildung Rheumatismus, Blutarmut, Bleichsucht, Migräne, Neuralgie und dergl. Selbst diesen geringen uns gezahlten Betrag erhalten Sie zurück, salls unsere Kur erfolglos bleibt. Dr. Günther schreibt in seiner Analyse: Der Geschmack des Wassers ist rein, erfrischend, säuerlich, prickelnd, schwach eisenartig. zeichnet sich aus durch einen relativ hohen Gehalt von doppelt=kohlenf. Lithion und freier Kohlensäure Dasselbe dürfte geeignet sein, sowohl als Tafelwasser, wie auch für medizinische Zwecke mannigfache Anwendung zu finden. Analyse mit Attesten senden wir gers kostenkos Nach allen Orten Deutschlands schicken wir 1 Probepostkolli franko gegen Nachnahme von 1 Mark 50 Pig. 50 große Flaschen liesern wir loco Bahnhof Stockhausen a.Lahn zu 10 Mark. Flaschen und Kisten werden zum Selbstkostenpreis berechnet und bei gutem Erhalt zurückgenommen. Die Verwaltung des Karissrudes Bsruche Pric Archen, nahe der Seitersergrenze. regiert die Welt“ dieser Grundsatz ist nie so bethätigt worden, wie in den letzten Jahrzehnten. Wissenschaft und Praxis, Hand in Hand gehend, haben uns eine Errungenschaft nach der anderen gebracht. Besonders in allen Zweigen der Industrie ist dies zu merken. Nicht an letzter Stelle steht da die NahrungsmittelIndustrie und da wiederum hat offenbar vor allem die deusche MaggiGesellschaft die vorstehende Maxime auf ihre Fahne geschrieben. Kaum hat sich des allbekannte, nach feinem Erfinder benannte„Maggi“ zum Würzen von Suppen usw die Herzen der Hausfrauenwelt erobert, so werden wir mit einer Anzahl neuer Produkte überrascht, welche ihrer vorzüglichen Qualität, als auch des billigen Preises und der praktischen Verwendbarkeit wegen dazu berusen sind, Volksnahrungsmittel im eigentlichen Sinne des Wortes zu werden. Für nur5 Pfennige erhält man mit Maggis Früchstücks=Suppen ein ausgezeichnetes Kakao=Frühstück von hohem Nährwert. Eine Reihe verschiedener Sorten, wie Panille, Anis, Kola, Spezial, sorgt für angesiehzeite Mhmschsetüg Frankkurter Getreisemartibericht von 18. Januar. 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An der Spitze ein hoher Offizier in glänzender Uniform Da stehen ein paar Knaben am Wege„Du“, sagt der eine zum andern,„der auf dem Pferde, mit dem Säbel in der Hand, das ist mein Vater!„Welcher?“ fragt der andere,„der Große in der Mitte?“„Ja, der! O, wie die stolze Freude aus den Augen des Knaben leuchtet, so einen Vater zu haben Und gar erst, als der Offizier seinen Sohn bemerkt und ihm lächelnd einen Gruß zuwinkt, da wird der Knabe vor lauter Freude rot bis hinter die Ohren ES istz etwas, auf Erden eisten Vater haben, über den man sich herzlich freuen kann, auf den man stolz sein kann. Als neulich der jüngste Sproß des Hohenzollernhauses geboren wurde, da haben Kanonenschüsse das frohe Ereignis verkünder Wenn Gott den kleinen Prinzen heranwachsen läßt, wie wird ihn die stolze Freude erfüllen ein Sproß des edlen Hohenzollernhauses, der Sohn eines so ritterlichen Helden zu sein Aber es giebt eine noch viel größere Freude ins Herz, wenn man sich als ein Kind Gottes weiß, wenn man in Wahrheit sagen kann Der große, allmächtige Gott, der ist mein Vater Kanut. Luo. 109s= 8h= chen Wer das sagen kann, der kann auch mit Paulus sprechen: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Das verleiht Sicherheit und unzerstörbare Seelgnruche, wenn man weiß, Gott ist für mich, weil ich sein Kind bin. Die Feinde mögen nochso stark sein Gott ist stärker. Es liegt Selig=keit in dem Bewußtsein, ein Kind Gottes zu sein. So wenig ein Kind auf dem Arm der Mutter sich Sorgen macht, so wenig ein Kind Gottes in der Hut seines Vaters. Wenn du Sorgen hast, lieber Freund, Zukunftssorgen, Nahrungssorgen, Familiensorgen, Berufssorgen dann gebe ich dir den Rat, ein Kind Gottes zu werden. Sofort ist es aus mit deinen Sorgen. Die ganze Sorge übernimmt dann dein Vater Und der weiß damit fertig gu werden. Und du hast allerlei zu leiden, gerade weil du ein Kind Gottes bist. Die Leute brüllen wie Löwen. Sieh nur einmal genau zu: die Löwen können dir nichts thun, sie liegen ja an der KetteSie dürfen nur soweit gehen, als Gott es zuläßt. Gott ist für dich, nun sei ganz ruhig und getrostUnd wenn du ganz allein ständest einer ungläubigen Menge gegenüber, fürchte dich nicht einer mit Gott, das ist immer die Majorität. Seit dur nur für Got, dann ist, Gott, auch für dich. Liebe Seele ich frage dich: Bists du ein Kind Gottes Die Anstalt Bethel bei Vielefeld. (Eigenbericht des Volk) VI. Gieber Leser, du weißt, daß es auch selbst auf unsern neuzeitigen Steinstraßen(geschweige denn, Landwegen, wir wir sie in Weftfalen auch noch aufzuweisen haben) nicht immer glatt weg geht, sondern es zeitweilig manchem Stein, oder gar Loch, auszuweichen gilt. Nun so sei du auch (zu Anfang des Jahrhunderts namentlich!) hübsch sepheahe Pus esehen still, wenn uns, bei der Fahrt durch die Stätten der Barmherzigkeit, anscheinend die Zügel einmal aus den Händen fallen, bezw dem Programm, das wir uns in etwas zurecht gelegt hatten, schnurstracks zuwider gehandelt wird. Das geht in der That nicht anders, weil wir doch nicht schemotisieren und rubrizieren, sondern doch nur und hauptsächlich sprechen wollen, wie es uns das(liebes Brüderchen Sch wittre nicht schon wieder einen„Kraftausdruck') Herz auf die Zunge treibt. In einer Bücherei sind ja wohl uch nicht alle Bände von einer Größe und Form. So kommen denn auch die Bildchen erwas bunt durcheinander. Aber sie sind doch alle von Stätten eines Geistes, was man von einen Bücherei nicht eben sagen kann. Das Bildchen der Anstaltsziegeleten, schliesßt sich indes immerhin in etwas an die Handwerksstätten unseres letzten Artikels an Freilich wurde die Ziegelei nicht geschaffen, um eine Arbeitsstätte für epileptische Ziegler zu haben, sondern in erster Reihe um den immer größeren Bedarf an Steinen billiger decken zu können. Aus einem kleinen Feldofen sind nunmehr 3 Ringöfen, mit einer Leistungsfähigkeit von jährlich 6 Millionen Steinen, Falz=Hohlziegeln usw., geworden. Daß dabei natürlich auch„Judustriespargel“ gebaut werden mußte, d. h. Fabrikschlote ihren nicht eben angenehmen Odem(hier glücklicherweise entfernt genug von Stätten wo Menschenlungen Nahrung suchen müssen) in die Lüfte blasen, versteht sich von selbst. Zu einem großen Betriebe gehören Maschinen und Maschinen erfordern Kraft, d. h. Dampf und Rauch. Letzteren allerdings dürfte unser neues Jahrhundert wohl in sehr absehbarer Zeit das große Maul stopfen d. h. ablösen. Verwendet man doch auch hier schon den unsauberen Gesellen nur, um mit 200 bis 600 pferdekräftigen Maschinen die geheimnisvolle Kraft der Elektricität zu erzeugen, sodaß man im Stande wäre 5000 Lampen zu speisen Sämtliche Ziegeleimaschinen, dabei eine Bahn zum Heranschaffen des Lehms, werden mit Elektricität betrieben, desgl. das gleich zu erwähnende große Waschhaus, die besondere Waschanstalt des Diakonissenhauses Sarepta, Mühle, Bäckerei, Tischlerei(Säge= und Hobelmaschinen), Schlosserei, Konsumgeschäft(elektrischer Aufzug und Kaffeerösterei), Chirurgische Klinik(Aufzug), Brockenhaus(Drehbänke) usw. Natürlich unterliegt nunmehr auch das ganze weite Gebiet der Anstalten elektrischer Beleuchtung. Die frühere Gasbeleuchtung kostete ohnehin jährlich 10000 Mark, verdarb die Luft in den Schlafräumen und war namentlich, den Kranken gegenüber, mit großer Gefahr verknüpft. Daß für einen Betrieb von gegen 4000 Köpfen und Köpfchen, namentlich wo es zum großen Teile Kranke anlangt, auch schließlich eine Generalreinigungsanstalt des äußern Menschen, oder vielmehr dessen, was der äußere Mensch haben muß, nötig ist, ist so selbstverständlich, wie sich nicht jeder Westfale oder sonstiger Schwarzbrotliebhaber seinen Pumpernickel selbst backen kann. So ist denn auch das große Gebäude der Waschanstalt entstanden, ausgerüstet mit all den Erfordernissen einer solchen Einrichtung, TrockenApparat, Plättsaal usw. Ueberall sieht auch hier der Leser die freundlichen Weißmützchen, die Diakonissen, als still leitende Kräfte, verteilt. Ob es sonst auch hier vorkommt, wie das leider nur noch zu oft geschieht, wo die Maschine so eingehende (intime) menschliche Thätigkeit ablösen soll, wie es doch nun einmal die Wäscherei ist(und zwar eher als es Seife gab), daß wohl Flecken raus, aber auch Löcher reingewaschen werden, kann der Schreiber dieses nicht verraten. Das Asapheum(nach dem Pfalmensänger Assaph von einem Kranken so genannt entspricht, wie im letzten Artikel schon erwähnt, dem ärztlicherseits so betonten Bedürfnis, den Kranken eine entsprechende Stätte gemeinsamer Erholung zu bieten, um namentlich dort die für das Nervensystem so wohlschätige Musik zu pflegen. Ein großer, mit Bühne ver sehener Saal willfährt denn dem auch völlig. Obendrein hat die Anstalt damit endlich einen Raum gewonnen, in welchem die mit dem Leben derselben eng verknüpften Versammlungen einigermaßen würdig abgehalten werden können. Hier wurde die Kaiserin von aberhundert kleinen Kerlchen der Kinderschulen begrüßt, werden, bei ungünstigem Wetter, z. B. die Verhandlungen des jetzt jährlichen theologischen Kursus, auf dem die Professoren Cremer und Schlater ihre Vorträge halten, abgehalten, u. s. w. Und wenn wir noch einmal auf die musikalischen Aufführungen kommen sollen, die hier zum weitaus größten Teil von Kranken und für Kranke veranstaltet werden, so müssen wir ehrlich gestehen, daß wir einmal als z. B. Haydns „Schöpfung“ gegeben wurde, mit rechtem Zagen hineingegangen sind, weil wir fürchteten, wir würden das erleben, was man so ungefähr erleben kann, wenn ein Eskimo ein Harmonium unter die Finger kriegt.— Nun und— wir sind bewegt bis auf gangsthor zu dieser Behausung unterschied sich von unserer üblichen Art dadurch, daß es ein kreisrundes Loch darstellte, so hoch, daß man hineinreiten konnte. Während unserer kurzen Rast, wo uns alsbald Thee und Gebäck und kandierte Früchte angeboten wurden— der Chinese läßt keinen Gast unbewirtet gab uns der kleine sechsjährige Sohn des Hauses eine kleine GratisVorstellung. Er führte pantomimische Tänze auf, schlug dazwischen Rad, lief auf den Händen und vollführte allerhand dergleichen Kunststückchen, wie man sie sonst nur bei„wohlerzogenen“ Sprößlingen von Akrobatenfamilien findet, wo der Herr Papa mit Zentnerstückchen Ball fängt und die Frau Mama Spezialistin im Tanzen auf dem turmhohen Seil ist. Auf unsere Frage, woher der kleine Schelm seine Kunststückchen habe, wurde uns bedeutet, daß er sie einer herumziehenden Theaterbande zu chinesisch Neujahr, der Karnevalszeit Chinas abgelauscht habe. Man sieht, der Boote nach längerer Fahrt mehr tot als lebendig verläßt, überhaupt sich diese Rauchfänge erfolgreicher zum Räuchern von Bückingen oder Schlackwürsten als zur Weiterbeförderung menschlicher Individuen verwenden ließen, so wird man zugeben, daß sich in dieser Beziehung die Chinesen wieder einmal als feine Psychologen behauptet haben. Es ist kein Wunder, daß wir, d. h. Herr Missionar Genähr, Dr. med. Schreiber und ich mit einer gewissen Resignation den Sarg" bestiegen, Missionar Rieke hatte mit Or. Schreiber sen den Landweg gewählt, um ihm noch einige seiner Filiale zu zeigen—, um auf den Ostfluß herab uns der circa eine halbe Million Einwohner zählenden Kreishauptstadt Tungkun zuführen zu lassen. Da lagen wir nun barhäuptig und barfüßig denn die Höflichkeit gegen die Bootseigentümer gebot, daß wir uns mit Rücksicht auf ihr„Allerheiligstes“ des Schuhwerkes entledigten — und zählten die Stunden, die langsam genug, Anstaltaziegolei. lättlaerl. den Grund der Seele wieder hinaus gegangen Gewiß mochte Schule und Uebung manigfach fehlen und die Auswahl des Materials auf manche Schwierigkeiten gestoßen sein Eine Disharmonie haben wir nicht gehört, und erhebend war das Gefühl, zu bemerken, wie jeder das Beste leisten wollte und leistete, wie gehoben sich auch ein Kranker fühlt, in so hervorragender Weise seinem Gott eine Jubelhymne bringen zu dürfen. Auch„Elias“ u.s w. sind über diese„Bretter der Barmherzigkeit“ gegangen. Wie der Leser sieht, wird auch hier der leibesstärkenden Turnerei obgelegen Desgleichen befindet sich hier eine Oekonomie, wo eine größere Anzahl Besucher beköstigt u. w. werden können. Ja selbst die„hängenden Gärten der Semiramis“ wenn auch wohl ein hübsch Endchen billiger, sind(siehe Bild) auf dem Dache bei der so geeigneten abschüssigen Lage vertreten und bilden den Tummelplatz der armen kranken Mädchen des unmittelbar(auf dem Bilde sichtbar) dahinter gelegenen Hauses Bethel. Na, also nicht böse, lieber Leser Grüß Gott Chinesische Keise Skiizen aus der Inspektionsreise des Barmer Missionsinspektors Dr. Schreiber in Süd=China. 793 Pastor Th. Kriele im Berliner Findelhaus zu Hongkong, (Nachdruck verboten.) nser Aufenthalt auf dem Filial verlief so resultatlos, wie vorausgesehen Die Leute waren draußen auf den Feldern. So machten wir eine kurze Rast in dem einem Christen gehörigen Hause, in dem auch die Gottesdienste abgehalten wurden Dies Haus selbst war ein wahres Labyrinth von Höfen, Gängen, Hallen, dunklen Zimmern; die ganze Einrichtung hatte etwas Ruinenhaftes. Gegenstände, die oft schweres Geld kosten, wie z B. die ebenholzgeschnitzten Stühle und Ruhebetten läßt der Chinese einfach verkommen ein Reinmachen der Räume, ein Abstäuben der Möbel kennt er nicht; so kommts, daß neue Einrichtungen schon nach einem Jahre einen ganz verwahrlosten Eindruck machen. Das EinC Nachahmungstrieb ist bei Chinesenkindern gleich stark entwickelt wie bei unseren Kindern, und unserem kleinen Helden mag wohl als Ziel höchster menschlicher Vollkommenheit das Original vorgeschwebt haben, das er hier unermüdlich vor uns zu kopieren suchte. Der folgende Tag führt uns dem letzten Ziele unserer Reise, der großen Kreishauptstadt Tungkun zu. Es heißt zwar„Ein Vergnügen eigener Art ist ja eine Wasserfahrt. Nun, in China sind jedenfalls solche Wasserfahrten mehr eigenartig als gerade ein Vergnügen; wenigstens gewähren 10 Stunden auf einem kleinen chinesischen Flußboot in einem Raum, der knapp 1½ Meter im Geviert hat und von einem nur Meter hohen Dach überwölbt ist, gerade keinen Hochgenuß. Den freibleibenden Teil am Vorder= und Hinterteil des Bootes beanspruchen die Bootsinhaber zur Handhabung ihrer Ruder, der Stangen oder des Steuers Beginnen die Leute noch obendrein, was man ihnen ja bei längerer Fahrt nicht verübeln geschweige denn wehren kann, sich auf dem Hinterdeck ihr Essen zu kochen, so erfüllt bald den schon so wie so luftbeengten Raum ein aus undefinierbaren, venetranten Gerüchen sich zusammensetzender Qualm Der Chinese hat einem solchen Boot den charakteristischen Namen„Sarg" gegeben. Und wenn man bedenkt, daß man diese der Langsamkeit unseres Bootes entsprechend, vorwärts schlichen Was wir gethan haben, ist bald gesagt, etwas gelesen, etwas geschlafen, etwas geplaudert, wieder etwas gelesen, wieder etwas geschlafen, wieder etwas geplaudert; von Zeit zu Zeit auch unsere Knochen befühlt, von deren Vorhandensein wir dank des stundenlangen Liegens auf den harten Brettern übrigens auch sonst hätten überzeugt sein können, und schließlich haben wir auch nicht von jenem Zeitvertreibe den ausgiebigsten Gebrauch zu machen unterlassen, der von allen Reisenden anerkannt und oft mit ganz erstaunlicher Virtuosität betrieben wird, nämlich uns mit peinlichster Gewissenhaftigkeit an eine rationelle Vertilgung des sehr reichlich mitgegebenen Reiseproviants gemacht. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, heißt es zwar. Aber ist nicht das stundenlange Ertragen einer Lage, in der man schlechterdings zum Nichtsthun verarteilt ist, auch eine Arbeitsleistung? Sicherlich hatten wir kein schlechtes Gewissen, als wir der Kochkunst der lieben Frau Rieke, von der wir in Gestalt einer schmackhaften Sülze ein deutliches Unterpfand vor uns hatten, alle Ehre anthaten. (Fortsetzung folgt.) Die Maus. Soziale Skizze von Max Wundtke Kachuusch uosthoten.) Das war einfach unerhört! Wenn man's nicht selber erlebt hätte man hätte es nicht glauben können. Und die Natur war dabei nicht einmal aus den Fugen gegangen; die Steine hatten nicht zum Himmel emporgeschrien! Aber wenn Steine schweigen, werden Menschen reden, oder so ähnlich. Und sie redeten redeten schon Tage lang, die Frauen des erleuchteten Städtchens Klugenthal. Es war aber auch in der That schrecklich! Hatten die Mitglieder der patriotischen Ressouree das diesjährige Winterfest veranstaltet unter striktestem Ausschluß des weiblichen Elements als Herrenabend Man hatte ja schon vorher davon gemunkelt, als es noch Zeit war zum Einschreiten, aber da hatten die Frauen von Klugenthal, insbesondere aber Frau Amalia, Gattin des Ressourcepräsidenten Fabrikbesitzer Kunibert Immerfroh, ein heilloses Lachen angestimmt und ihre Glossen gemacht und sich kichernd zugewispert: „Was können die denn ohne uns anfangen? Es ist ihnen ja gar nicht möglich, ein Fest zu feiern ohne Damen. Laßt sie nur machen; sie werden schon ganz von selbst reumütig zurückkehren und de= und wehmütig um unsere Teilnahme bitten. Aber dann....!“ Und nun war das unmöglich Scheinende doch geschehen! Die Herren der Ressource hatten nicht nur ihren Herrenabend abgehalten sie hatten sich auch kolossal schneidig amüsiert, wie der Schluß um die sechste Morgenstunde und die Verfassung, in der die Herren zu ihren Gebieterinnen zurück kehrten, deutlich genug bewies. Das war einfach unerhört Das wagte man ihnen, den Frauen Klugenthals, das sonst an der Spitze des Fortschritts zu marschieren pflegte, anzuthun? Lebte man denn noch in den Zeiten des Mittelalters? Wolle, man die Frauen Gtyg, wieder zu rechtloset höchstens amüsiert über Amalias Reden an die deutsche Nation und war im übrigen so freundlich und nett, als befände man sich im tiefsten Frieden. Er hatte für den Ernst der Situation so wenig Verständnis, daß er fand, diese komische Begeisterung und ihr heiliger Zorn ständen seiner Frau ganz reizend. Er war viel zu verliebt in sie, um ihr böse zu sein, und er kannte sie zu genau, um nicht zu wissen, daß ihr Kunibert nicht doch schließlich das Alpha und Omega ihres ganzen Lebens war, und diesen kleinen Anfall konnte er sie ruhig austoben lassen es machte ihm obendrein Spaß. Frau Amalia war mit einer so geringschätzend. überlegenen Auffassung gar nicht einverstanden. Er war halt zu verbohrt in seinen Ueberlegenheitsdünkel, in seinen beschränkten Gewaltstolz, aber es würde eine neue Zeit heranbrechen und schrecklich würde es den Herren der Schöpfung tagen Es war ganz unheimlich, wieviel Zigarren Herr Immerfroh in dieser Zeit verbrauchte. Nicht etwa, weil er stärker rauchte, sondern weil er sie Geschöpfen, so zu sagen zu Menschen zweiter Klasse herabdrücken? Draußen in aller Welt tagen Frauenkongresse, die mit Eifer kämpfen für die Befreiung des Weibes von den Ketten der Abhängigkeit, der Vorurteile, der Bevormundung, und hier wagte man es, das Rad der Weltgeschichte um ein paar hundert Jahre zurückzudrehen. Im Hause des Vorsitzenden, Herrn Kunibert Immerfroh, jagte eine Vorlesung die andere Die ganze überschäumende Freiheitswut eines lange geknechteten Volkes fand seine schönste Illustration in den Sturmreden von Frau Amalia Immerfroh, und wenn Herr Immerfroh seinem Namen nicht gar so viel Ehre gemacht hätte— es wäre wohl zu furchtbaren Kriegsszenen in seinem Heim gekommen. In Frau Amaliens Gardinenpredigten lohte der gesamte Eifer um die in den Staub getretene Würde des weiblichen Klugenthal empor, aber dieser abscheuliche Mensch, dieser Machtprotz, dieser brutale Unterdrücker hielt es gar nicht einmal der Mühe für wert, den ihm stündlich zehnmal vor die Füße geworfenen Fehdehandschuh aufzuheben. Er hatte das pfiffig=harmloseste Gesicht von der Welt aufgesteckt, lächelte Findelhaus zu Pongkong. meist zerbiß, um sein übermütiges Lachen bei Amalias Apostrophen wenigstens etwas zu verstecken. Jawohl, den Männern würde es schrecklich tagen. Auch die Frauen tagten bereits schrecklich. Vertrauliche Besprechungen beim Kaffee, Vorversammlungen bei verschlossenen Thüren wurden abgehalten und endlich kündigte Frau Amalia Immerfroh, jetzt nicht mehr Präsidentenfrau, sondern selbst Präsidentin des„fortschrittlichen FrauenEmanzipations=Klubs von Klugenthal“, aller Welt und ihrem Gatten an, daß die„besseren“ Frauen Klugenthals am nächsten Donnerstage eine große Versammlung abhalten würden, in welcher man definitive Beschlüsse fassen wollte, wie man sich in Zukunft zu dem Geschlecht stellen werde, das die Gutmütigkeit des andern Geschlechtes bisher in ganz unerhörter Weise gemißbraucht hat und das sich lächerlich genug das„starke“ nennt Diese Versammlung wird natürlich nur von Damen besucht werden, doch ist der Beschluß gefaßt worden, den Präsidenten der Ressource zur Anwesenheit aufzufordern, damit er die Stimmung der Gegner kennen lerne und die Entschließungen des fortschrittlichen Frauen=Emanzipationsklubs von Klugenthal den Mitgliedern der Ressource zur Kenntnisnahme unterbreiten könne. Kunibert Immerfroh verriet nicht das geringste Unbehagen. „Du wirst doch hinkommen, Kunibert?“ erkundigte sich die Präsidentin des Klubs bei dem Präsidenten der Ressource. „Aber natürlich, Schatz!“ entgegnete der jovial. „Muß mir den Rummel doch mal ansehen kann ein ganz kapitaler Spaß werden.“ Frau Amalia kochte, d. h. vor Aerger. Dieser Gleichmut brachte sie fast um „Es ist Dir vielleicht ganz gut, mal gründlich die Wahrheit über euch Männer zu hören. Von mir glaubst Du sie ja doch nicht!“ hatte sie spitz erwidert„Zeit wirst Du ja finden; die Versammlung findet erst gegen Abend statt.“ „Das ist vernünftig“, bemerkte Kunibert trocken. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. „Das sieht Dir ähnlich, solche heilige Sache für ein Vergnügen zu erklären“, gab sie zurück. „Verzeihe, Herz“ antwortete der Gatte mit unerschütterlichem Gleichmut,„ich muß Dir schon wieder Recht geben: Es ist wirklich kein Vergnügen. Aber lieber Gott, wir Männer sind ja nicht so! Wenn's Euch nur Spaß macht Amalia war schon aus der Stube gelaufen. Ueber Kuniberts Gesicht flog ein lustiges Leuchten. Wer ihn kannte, wußte, daß er einen seiner stadtbekannten lustigen Streiche ausgeheckt hatte. Worin der bestand, das sollte sich am Donnerstag schrecklich offenbaren. Sämtliche Frauen von Klugenthal, die Anspruch erheben konnten auf die Bezeichnung„Dame“, waren im„blauen Esel“ versammelt zu löblichem Thun. Nur die junge Frau Rektor fehlte, obwohl auch ihr Mann damals für den Herrenabend strengster Observanz gestimmt hatte. Sie verlangte partout, wenn sie erscheinen solle, dann müsse es ihr gestattet sein, ihre„Männe“, d. h. ihren lieben guten Kerl von Ehegemahl, mitzubringen, da sie sonst vor Langerweile sterben würde. Anfangs begriff man nicht, wie einem weiblichen Wesen jegliches Gefühl für seine Würde derartig abhanden kommen könne, sah schließlich in der Sache ein neues Beispiel für den demoralisterenden Einfluß des Mannes und gab die Frau Schulrektor als vorläufig noch nicht reif zur Erlösung auf. Bescheidentlich in eine Ecke des Saales gedrückt, saß der Präsident der Ressouree als Gast und hörte mit scheinbar ganz zerknirschtem Gemüt die niederdrückenden Anklagen und die furchtbaren Drohungen an, die hier von holden Frauenlippen gegen die ruchlose Männerwelt geschleudert wurden. Zuweilen nur flog ein ganz unsagbarpfiffiger Zug um die Mundwinkel; dann fuhr seine Hand in die Tasche, als wollte sie sich überzeugen, ob die Schätze, die er darinnen verwahrte, auch noch vorhanden seien. Eben hatte Fräulein Eulalie Dürrling, Leiterin des Klugenthaler Mädchenpensionates, eine fulminante Rede beendet, in welcher sie streng wissenschaftlich nachgewiesen, daß die Frau in jeder Beziehung dem Manne bedeutend überlegen wäre und daß es endlich an der Zeit wäre, der lächerlichen Redensart von dem stärkeren Geschlecht ein Ende zu machen. „Der Tag der Freiheit ist angebrochen“ so schloß die Rednerin, deren Name sich so harmonisch ihrem Wesen anpaßte;„wir wollen endlich die Stellung einnehmen, die uns gebührt. Stehen wir fest zusammen wenn es nicht lächerlich wäre, würde ich sagen, wie ein Mann! Wir haben geistige Kraft und Mut genug in uns, einer Welt zu trotzen! Kämpfen wir für unsere Rechte, für welche die Natur uns bestimmt hat und die wir uns aus schwächlicher Gutmütigkeit von den Männern haben entreißen lassen. Kämpfen wir für unsere gesellschaftliche und soziale Stellung mit dem Mut einer Löwin, die ihre Jungen verteidigt; dann wird die Männerwelt uns respektieren lernen und genötigt sein, uns als gleichbefähigt und darum auch als gleichberechtigt anzusehen!“ Es waren etwa dreißig Damen im Saale aber fast hätte man behaupten können, daß tausendstimmiger Beifall die Rednerin lohnte. das war eine Begeisterung, wie ihrer die entartete Männerwelt kaum noch fähig war Lange dauerte es, ehe die Erregung sich so weit gelegt hatte, daß die an sich nicht sehr scharfe Stinme der Präsidentin sich bemerkbar machen konnte „Wir wollen jetzt in die Beratung über unsere Resolution eintreten“ begann Frau Amalia Immerfroh,„wobei ich darauf hinweisen möchte, daß es aus praktischen Gründen nicht empfehlenswert ist, der Würde dieser Versammlung auch wenig entsprechen würde, wenn mehr als zwei Damen zu gleicher Zeit das Wort ergreifen. Fräulein Dürrling hat in so schönen Worten und mit so großer wissenschaftlicher Schärfe unsere Ueberlegenheit über die Mannswelt dargethan, daß es unrecht wäre ihr nicht zu glauben. Beweisen wir es jetzt durch unsere Haltung, durch unsere Entschlüsse. Sehen die Männer erst einmal, daß wir ihrer nicht im mindesten bedürfen, daß wir ihnen mindestens gleich sind an Intelligenz, an persönlichem Mut, an Entschlossenheit, dann wird man uns auch nicht mehr so von oben herab behandeln. Wie hochmütig, uns als das schwächere Geschlecht zu bezeichnen Wir bedürfen ihres Schutzes nicht, wir sind selber Verzeihung, meine Damen Mannes genug, jeder Gefahr zu begegnen. Gehen wir jetzt ans Werk. Geben wir dem Vertreter des anderen Geschlechts, der unter uns weilt, ein Beispiel unserer Entschlossenheit und unserer Stärke! Die Liebe der Männer ist ein Almosen, sie ist ein Verrat an unserer Würde!“ einzelne Rufe des Entzückens und der Begeisterung werden laut„O über die schwachen Seelen unter uns, die vor den Nöten und Stürmen des Lebens Schutz suchen in den Armen eines Mannes Ein Beispiel wollen wir geben allen Frauen der Welt, ein Beispiel von Frauenmut und Frauenthatkraft Keine Macht der Erde soll uns hindern unser Werk zu vollenden Streiten wir, wie meine Vorrednerin so schön sagte, für unsere Rechte mit dem Mute, mitz dem eine Lchwin für ihre Guticgen Kam Ein satanisches Lächeln hatte einen Augenblick aum die Züge des Ressourcepräsidenten gezuckt, danni### O. Beckmann. eine unauffällige Bewegung mit der Hand, und dann saß er wieder mit der harmlosesten Miene da und zählte aufmerksam die Glasprismen am Kronleuchter. Dreißig Paar Frauenaugen richteten sich triumphierend auf ihn und sahen ihn an, wie etwa der Hahn den Regenwurm ansieht, den er zu verspeisen im Begriff ist. Plötzlich kreischte die Frau Amtsgerichtsrat Fettig im höchsten Diskant: „Um Himmelswillen eine Maus! Eine Maus!“ „Allmächtiger! Eine Maus! Zu Hilfe! Hilfe! Eine Maus!“ schrie es jetzt mit einem Male durcheinander. Eine furchtbare Panik entstand. Einige Damen fielen in Ohnmacht, die übrigen kletterten auf die Stühle. Frau Amalia war furchtbar bleich geworden, hatte sich dann aber als die mutigste von allen auf den Schoß ihres Gatten geflüchtet, ihre Arme um seinen Hals gelegt und wehklagte nun in den herzzerreißendsten Tönen: „Rette mich, Kunibert! Rette mich eine Maus Dann hatte sie den Kopf auf seine Schulter gelehnt, war noch bleicher geworden und hatte einstweilen ihren Geist, mit dem sie momentan nichts anzufangen wußte, aufgegeben. Die Frauen standen auf ihren Stühlen, wie Bildwerke auf ihren Sockeln; nur ganz so steif waren sie nicht. Sie vollführten im Gegenteil in ihrer Herzensangst die seltsamsten Kapriolen, schrien und wünschten dazwischen absolut zu wissen, warum gerade ihnen dieses entsetzliche Unglück passieren mußte, und stöhnten dann, wohl im Zustande völliger Geistesabwesenheit Jammerlaute hervor, aus denen auch ein wenige, geübtes Ohr die Namen der diversen Ehegatten heraushören konnte. Merkwürdigerweise erschienen in der plötzlich geöffneten Thür sämtliche Ehemänner des fortschrittlichen Frauen=Emanzipationsklubs von Klugenthal, als hätten sie da längst auf den fürchterlichen Moment gewartet, stürzten sich mit hochroten Gesichtern(Verleumder wollen behaupten, daß diese hochrote Farbe von unterdrücktem Lachen und nicht etwa von der Aufregung des Augenblicks hergerührt habe in den gefährlichen Saal und führten ihre bedrohten besseren Hälften in das gesicherte Heim. War es Vergeßlichkeit War es Scham über den schmählichen Ausgang dieses Meetings? Von einer weiteren Sitzung ist nie mehr die Rede gewesen. Zu Hause lag Frau Amalig alle Augenblicke in den Armen ihres Mannes, lachelte, schmollte 15 Kace „Alch, Kunibert, ich haber wich doch, 19. 66 Acet“ „Ja, wenn Ihr uns Männer nicht hättet!“ lachte er „Kunibert, wir wollen Frieden schließen, ja?“ „Aber selbstverständlich Gott sei Dank! Den kriegerischen Geist wären wir los und eine Maus hätten wir glücklich auch weniger „Eine Maus. „Aber freilich, Schatz, die ich gestern expreß habe fangen müssen!“ „Kunibert! Abscheulicher!“ „Laß gut sein, Schatz, sie hat ihre Schuldigkeit gethan“, lachte er und umarmte seine Amalia, die bald fröhlich in sein Lachen einstimmte Albumblätter. Verzage nicht, o Herz, Auf deinem Lebenswege! Dem liebsten Kinde giebt Man schärf're Rutenschläge; Wenn's Gold im Feuer ist, So ist der Schmelzer nah Der Weg zum Himmelreich 8c ies Salgen esach Vaterland, ans teure, schließ dich anDas halte fest mit deinem ganzen Herzen. . Sthch. Halt dich klein, Halt dich rein, Sei gern allein, Mach dichsnicht gemein. Wer Mut hat, weiß zu raten, Wie auch des Weltkampfs Hohn, Wer keinen Mut besitzt, Hat keine Religion. Am Familientisch. Silbenrätsel. bant, bet, bra, bri, da, e, c, ga, ga, ge, ha, he jas, kraft, le, lens, min, na, nord, 0, pa, pal, ran, reth, ring, Ur, Wil, 2a. Aus vorstehenden 28 Silben sind 10 Wörter zu bilden von folgender Bedeutung: 1. Zierpflanze. 2 wichtigste mongolische Stadt. 3. aus der Bibel bekanntes Städtchen. 4. erhebt die Seele. 5 weiblicher Vorname. 6. Sinnbild eines Bundes.7 mächtiger innerer Antrieb. 8. Edelstein. 9 kleine als meteorologische Station bekannte schwedische Stadt. 10 niederländische Provinz. Sind die richtigen Wörter gefunden, so ergeben die Anfangs= und Endbuchstaben im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort. Bilderrätsel. e- u ag Ppramide. * ** *** **** Bokal Ausruf. kleines Kunstwerk. Ie dess Ehugenes. glückliche Gemütsanlage. Von der Spitze aus ist jede weitere Reihe durch Hinzufügung eines neuen Buchstabens unter beliebiger Stellung der ührigen Zeichen zu bülden. ∆ 88 Kapfelrätfel. 6 e B och. el. Die Punkte sind durch Buchstaben zu ergänzen, die im Zusammenhang ein bekanntes Citat ergeben. Die mit diesen Buchstaben ergänzten Wörter haben in anderer Reihenfolge nachstehende Bedeutung: Willensausdruck=Fruß.— Sport, Gewürzpflanze, Kartenbezeichnung, Getränk, am Baum, französische Stadt, Fanggerät. Auflösungen: Lösung des Zahlenrätsels Ksuncg ies Kagchgtuhtge Mt echer Pstung der Gehtschuschthte Baue nach Lust dein Feld, Nach deinem Bedarf dein Haus Und sieh auf die tolle Welt Tohgatcg uum gerister sunauth. Lösung des Gleichtlang: Alter Pestunc ie, Bhershe Prinawechsel. Verantwortlicher Redakteur: Druck und Verlag der Westdeutschen Verlagsanstalt, E. G. m. b. H., Siegen, Sandstraße 18.