Nr. 221. Brangshrrec vierteljährlich M. 250. Anzeigenpreis dis einfache Spaltenzelle oder deren Raum 15 Pfennig Dienstag den 20. September. 1904. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Fernsprecher Nr. 39. Erstes Blatt. Eintadung zum Wezug der für das N. Vierteljahr 1904. Die Hagener Zeitung wird wie bisher ihre Leser über alle Ereignisse in der inneren und äußeren Politik schnell und zuverlässig unterrichterz. i. gl.g Die Hagener Zeitung erscheint laglich, mil Ausnahme des Sonntags, zum Bezugspreise von 2.50 Mark pro Vierteljahr einschließlich der zweimal wöchentlich erscheinenden Unterhaltungs=Beilage. Ihre Bezieherzahl beträgt über 13000. Infolge dieser starken Verbreitung ist die Hagener Zeitung das wirksamste Insertions=Organ für den Kreis Hagen darf aber als solches auch für die Nachbarkreise, namentlich Schwelm, Altena und Iserlohn, in denen sie über 2500 Bezieher zählt, eine hervorragende Bedeutung beanspruchen. Insertionsgebühr 15 Pfennig die Petitzeile. Damit in der Zustellung des Blattes keine Störung eintritt, bitten wir unsere geehrten Postbezieher, die Neubestellung auf die Hagener Zeitung möglichst bald auszuführen. Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß die Briefträger Bestellungen und die Bezugsbeträge entgegennehmen können. Neu hinzutretenden Beziehern wird die Hagener Zeitung schon von jetzt an kostenlos geliefert. Hagen, im September 1904. Verlag der Hagener Zeitung. Was die Einnahmen anbetrifft, so ist eine weitere Steigerung der Verkehrseinnahmen und damit auch der Ueberschüsse von Post, Telegraphie und Reichseisenbahnen zu hoffen. Auch die Einnahmen aus der Zuckersteuer sind steigende, nachdem die Uebergangszeit infolge der internationalen Konvention überwunden ist. Die Haupteinnahmen des Reichs aber stellen jetzt die Zölle(560 Millionen) dar, nachdem die lex Stengel dieselben vollständig auf das Reich übertragen hat. Heute aber lassen sich diese Einnahmen noch gar nicht schätzen, vielleicht auch kaum, wenn die neuen Handelsverträge vorliegen. Denn es fragt sich auch alsdann, wie finanziell die Uebergangszeit wirken wird. Es stehen ja durchweg Zollerhöhungen in Frage. Bevor dieselben in Kraft treten, wird man sich bemühen, noch möglichst viel zu den bisherigen niedrigeren Zollsätzen einzuführen, während nachher die Einfuhr zunächst sich entsprechend geringer stellt. Auch wenn nicht die lex Trimborn vorgeschrieben hätte, einen großen Teil des Ertrages der Zollerhöhungen bei den Lebensmitteln zur Reliktenversorgung zu reservieren, wird daher im ersten Jahre nach Inkrafttreten eines neuen Zolltarifs auf erhebliche Mehreinnahmen nicht zu rechnen sein. Nach alledem ist allerdings Ursache vorhanden, bei der Aufstellung des Etats, die eben jetzt im Reichsschatzamt in Augriff genommen ist, den Knopf auf den Beutel zu halten und, bevor man sich auf irgend welche Heeresverstärkung von erheblichem Umfange einläßt, sich zu vergegenwärtigen, daß zu keiner Zeit seit 1871 die politische Situation dies weniger angezeigt erscheinen ließ. Frankreich ist außerstande, seine Präsenz zu erhöhen, und Rußland hat nach den letzten Erfahrungen außerordentlich verloren in der Schätzung europäischer Gefahren. Daß an ein neues Flottengesetz wenigstens in diesem Jahre nicht gedacht wird, darf man jetzt wohl als sicher annehmen. Zum neuen Reichshaushaltsetat. X Berlin, 18. September. Eine Korrespondenz, die von manchen Zeitungen noch für offiziös gehalten wird, es auch zu Miquels Zeilen gewesen sein mag, berichtet, daß der Etat für 1905 nur bei Ergreifung früher nicht üblicher Maßnahmen zur Balancierung werde gebracht werden können. Der Schatzsekretär habe schon in der vorjährigen Budgetkommission Angaben gemacht, wonach auf einen Fehlbetrag von nicht weniger als 80 Millionen zu rechnen sei.— Was heißt denn überhaupt„Fehlbetrag“ im Reichshaushalt? Was durch die sonstigen Einnahmen nicht gedeckt wird, muß hier Deckung finden teils durch Anleihen, teils durch Matrikularbeiträge. Die Anleihen sowohl wie die Matrikularbeiträge aber waren im vorigen Jahr um ein vielfaches höher als 80 Millionen. Zudem kommen dem neuen Etat für 1905 aus dem Finanzergebnis von 1903 zwei Beträge zugut, die weit günstiger sich stellen als die entsprechenden Ziffern aus 1902 im Etat für 1904. Die letzteren hatten aus 1902 ein Defizit zu decken von 30608000 M. Der Eiat für 1905 wird aus dem Jahr 1903 mit einem Defizit belastet von nur 6344825 M. Das ist von vornherein eine Erleichterung bei den Ausgaben um mehr als 24 Millionen M. Ferner hat das Jahr 1903 bei den Ueberweisungssteuern zugunsten des Reichs ein Plus ergeben von 22 745 002 M., während für 1902 dasselbe nur 8 404818 M. betrug. Dieses gegen das Vorjahr um über 14 Millionen M. größere Plus ist vom Anleihebedarf des neuen Etatsjahres von vornherein abzuschreiben. Diesen günstigen Momenten gegenüber kommt nun allerdings in Betracht die planmäßige Steigerung der Marineausgaben, die aus lausenden Mitteln zu decken ist und sich für den ordentlichen Etat auf 8 bis 10 Millionen belaufen wird. Es sind ferner zu erwähnen ein Plus von etwa 6 Millionen M. bei den Schuldzinsen infolge der Anleihen zur Deckung des vorjährigen Bedarfs, dazu die erste Jahresrate für die neue ostafrikanische Bahngesellschaft im Betrage von 713224 M. Die Reichsinvalidenversicherung wird wiederum einige Millionen mehr beanspruchen. Beim Militäretat spielen die Ausgaben für den Naturalbedarf eine Hauptrolle. Für Roggen, Haser, Heu und Stroh beläuft sich der Bedarf auf über 70 Millionen. Maßgebend für die Veranschlagung sind die in diesem Oktober gezahlten Preise. Nur für Heu und Stroh wird für die Hälfte des Bedarfs der Durchschnitt der Preise in den drei Vorjahren berechnet. Daß der neue Anschlag keinesfalls niedriger ausfallen wird als im Vorjahr, ergibt sich schon aus den hohen Futterpreisen. Im vorigen Oktober waren die Preise für Heu und Stroh außerordentlich niedrig. Auch die„Mundverpflegung“, welche für 1904 auf ca. 80 Millionen Mk. veranschlagt war, wird bei höheren Kartoffel= und Fleischvreisen mehr beanspruchen. Mit dem neuen Militäretat soll wieder ein neues Auinquennat beginnen. Man spricht von Mehrausgaben, welche allein im Ordinarium 10 Millionen Mk. betragen sollen. Es kommt weiterhin in Betracht, ob bei der Feldartillerie jetzt mit der Beschaffung von Rohrrücklaufgeschützen und Schutzschilden ein Anfang gemacht werden soll. Dergleichen Artillerieausgaben hat man bisher nicht aus Anleihen, sondern aus lausenden Mitteln beschafft. Unlängst wurde berichtet, daß die lausenden Kohlen der China=Expedition, etwa 12 Millionen M., vom neuen Etat ab nicht mehr aus der Anleihe, sondern aus lausenden Mitteln sollen gedeckt werden. Das wäre nur rationell, denn es handelt sich hier nicht um eine werbende Anlage für die Zukunft, sondern um eine Anlage, welche die auswärtige Politik der Gegenwart mit sich gebracht hat. Daß bisher diese Kosten aus der Anleihe gedeckt wurden, fand eine gewisse Rechtsertigung darin, daß die Kriegsentschädigung Chinas noch dazu hinreichte. Jetzt aber reicht der Betrag derselben zu weiteren Anweisungen darauf nicht mehr aus; es steht der Ziuszahlung Chinas ein ebenso großer für denjenigen Teil der Reichsschuld gegenüber, den die Expeditonskosten seit 1900 uns verursacht haben. Einen dunklen Schatten auf den neuen Etat wersen die Kosten der Expeditionen nach Südwestafrika zur Niederwersung des Herero=Aufstandes. Die ersten Kredite dafür sind pro 1904 im Reichstage bewilligt worden ohne Anweisung von Deckungsmitteln. Seitdem sind ohne Bewilligung des Reichstages noch weit größere Summen verausgabt worden. Was im neuen Etats= jahr dort gebraucht werden wird, liegt vollständig im Dunkeln. Die Ansprüche der geschädigten Farmer und Ansiedler haben sich bereits bis auf 14 Millionen Mk., den siebensachen Betrag der bisher bewilligten Summen, gesteigert; auch sollen noch kostspielige Anlagen der verschiedensten Art fün Eisenbahnen, Telegraphen für diese armselige Kolonie in Frage kommen. Erwähnung muß auch finden, daß die Novelle zum Servistarif den Reichshaushalt mit 2 Millionen Mk. belastet, die im lausenden Etat keine Deckung haben. heben. Was damals bei der Beratung im Reichstage gesagt wurde, gilt noch heute, daß nämlich die rücksichtslose Verurteilung von Uebergriffen und Mißständen in aller Oeffentlichkeit die Disziplin nicht erschüttert, sondern vielmehr stärkt, weil sie jedem Soldaten die Ueberzeugung beibringt, daß jede Ungesetzlichkeit ihre gebührende Mißbilligung und Ahndung findet. Die Oeffentlichkeit im Militärstrafverfahren. In wenigen Tagen könnten wir, wenn wir sonst jubilaumssüchtig wären, eine kleine Erinnerungsfeier veranstalten, denn am 1. Oktober werden genau 4 Jahre vergangen sein, seit die Militärstrafgerichtsreform in Kraft getreten ist. Eine Jubiläumsstimmung ist aber mit diesem Ereiqnis umsoweniger verknüpft, da sich nur ein Teil der Hoffnungen, die man an die Reform des Militärstrasverfahrens knüpfte, erfüllt hat und da gerade im Laufe des letzten Jahres die Klagen über Mängel und Mißstände in der Handhabung des Militärstrafverfahrens sich wesentlich gemehrt haben. Der durch die Militärstrafgerichtsordnung vom 1. Oktober 1900 erzielte Fortschritt bestand in der Ständigkeit der Gerichte und in der Mündlichkeit und Oeffentlichkeit des Verfahrens. Allein der Grundsatz der Oefsentlichkeit, der in der neuen Militär= strafgerichtsordnung schon theoretisch ein großes Loch hatte, ist in der Praxis noch immer weiter durchlöchert worden, sodaß es heute den Anschein hat, als ob bei einer großen Kategorie von Militärvrozessen, insbesondere bei den Verhandlungen gegen Vorgesetzte, der Ausschluß der Oeffentlichkeit die Regel und die Oeffentlichkeit die Ausnahme bildet. Der§ 283 der Militärstrafgerichtsordnung bestimmt, daß das Gericht die Oeffentlichkeit für die ganze Hauptverhandlung oder für einzelne ihrer Teile wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit oder militärdienstlicher Interessen oder der Sittlichkeit, ausschließen kann. Daneben sollte der Kaiser die Voraussetzungen des Ausschlusses der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Tisziplin bestimmen. Zur Ausführung dieser Bestimmung erging am 28. Dezember 1899 eine Kabinettsordre, welche hierüber folgende Vorschriften erließ: „Die Disziplin verlangt, daß auch im gericht. lichen Verfahren das Ansehen der Kommandogewalt, der militärischen Einrichtungen, Verordnungen und Gebräuche erhalten, der Sinn für die unbedingte Unterordnung der Untergebenen unter den Vorgesetzten jedes Grades gewahrt und dem berechtigten Ehraefühl aller Beteiligten, insbesondere demjenigen des Offiziersstandes, Rechnung getragen wird. Sobald dieser Grundsatz gefährdet ist, sei es nach dem Gegenstand der Anklage, nach den Eigenheiten des zur Verhandlung kommenden Falles, nach der Persönlichkeit des Angeklagten oder der Zeugen. nach zeitlichen oder örtlichen Verhältnissen, ist die Oeffentlichkeit auszuschließen.“ Trotz dieser weitgehenden Bestimmungen ist der Ausschluß der Oeffentlichkeit in den ersten drei Jahren seit dem Bestehen der Militärstrafgerichtsordnung verhältnismäßig maßvoll gehandhabt worden, bis mit dem sensationellen Prozeß gegen den Leutnant Bilse den Verfasser des Buches„Aus einer kleinen Garnison“, im November v. J. hierin eine Wendung eintrat. Das Prozeßverfahren spielte sich in vollster Oeffentlichkeit ab, und sogar der Reichskanzler Graf Bülow erklärte am 10. Dezember v. J. im Reichstage, daß die Oeffentlichkeit sich in diesem Falle als„ein heilsames Korrektiv“ erwiesen habe, und daß die rückhaltslose Aufdeckung von Mißständen nützlich sei. Dies war auch die nahezu allgemeine Ueberzeugung. aber im August d. J. wurde bekannt, daß zehn Tage vor jener Erklärung des Reichskanzlers, am 1. Dezember 1903, eine Kabinettsorder ergangen war, welche den entgegengesetzten Standpunkt vertrat. In dieser Kabinettsorder wurde getadelt, daß im Bilse=Prozeß von dem Ausschluß der Oeffentlicbkeit in einem Umsang Abstand genommen sei. der das Ansehen der Armee und im besonderen des Offizierkorps beeinträchtigt habe. Den Mitgliedern des Kriegsgerichtes wurde „ernstes Mißfallen“ darüber ausgesprochen, daß sie„nicht verstanden haben, die Interessen ihres Standes besser zu wahren.“ Gleichzeitig wurde dem Generalkommando aufgetragen, dies den Mitgliedern des Spruchgerichts „unter entsprechender Erläuterung persönlich zu eröffnen,“ und es wurde bestimmt, daß den übrigen Offizieren und Kriegsgerichtsräten diese Order in vertraulicher Weise zur Kenntnis gebracht und für die Folge alljährlich einmal ins Gedächtnis gerufen werden sollte. In der Tat konnte festgestellt werden, daß seit dieser Zeit, insbesondere bei den Verhandlungen gegen Offiziere, der Ausschluß der Oeffentlichkeit in ganz besonders rigoroser Weise gehandhabt wurde. Wir erinnern nur an die beiden Nachspiele zum Bilse=Prozeß, an die Prozesse gegen den Leutnant Witte, die sich beide, sowohl der erste vom Juli d. J. wie auch der zweite, soeben in Frankfurt a. M. verhandelte, hinter verschlossenen Türen abspielten. Gegen diese Praxis, welche bei den Verhandlungen gegen Offiziere den Ausschluß der Oeffentlichkeit zur Regel zu machen scheint, hat der Reichstag, der bei der Beschlußfassung über die neue Militärstrafgerichtsordnung in Uebereinstimmung mit der Regierung die Oeffentlichkeit des Verfahrens zum Grundsatz erhob, alle Ursache Einspruch zu erDer russisch=japanische Krieg. Eine Verständigung unter den Kriegführenden? * London, 19. September. Der Daily Telegraph bringt aus Petersburg einen Beitrag zu den Gerüchten der letzten Tage. Sein dortiger Berichterstatter legt einer Persönlichkeit, deren Name, wenn er genannt werden dürfte, großes Aufsehen machen würde, das Wort in den Mund, es sei schließlich doch möglich, daß der Krieg viel früher als man allgemein annehme, ein Ende erreiche. An eine Vermittlung sei allerdings nicht zu denken, sondern an eine direkte Verständigung der Kriegführenden infolge der wachsenden Ueberzeugung, daß der Krieg enden werde ähnlich wie die Schlacht bei Liaojang, nach gewaltigen Opfern auf beiden Seiten ohne entsprechende Vorteile auf einer von beiden. Auf die Dauer könne Rußland durch die Aufbietung aller Kräfte Japan schlagen, ja vernichten, doch nur auf Kosten großer Erschöpfung, die unternehmende dritte Parteien in die Versuchung führen würde, ihre Stimmen vernehmlich zu machen und bei der Neuordnung der Dinge einzugreisen. Zwei Jahre seien der längste Zeitraum für einen Krieg wie den heutigen, wenn nicht der Sieger selbst zu Schaden kommen solle, und dann ergebe sich die Frage, ob man nicht besser tue, sich früher zu verständigen. Diese Frage sei vor Ausbruch des Krieges von denen aufgeworfen worden, die zwar die vollste Sachkunde, aber doch nicht den maßgebenden Einfluß besaßen; heute werde sie auch ernstlich von denen erörtert, bei denen das Verhältnis von Macht und Sachkenntnis umgekehrt liege. Man sei sich über die Stärke und die Ausdauer Japans klarer geworden, erkenne auch, daß ein Frieden in achtzehn bis zwanzig Monaten mit dem erbitterten, doch nicht vollkommen überwältigten Japan höchstens eine Waffenruhe bedeuten und bald zu einem neuen blutigern Kriege führen würde. Kurz, Japan müsse entweder vollständig zermalmt oder der Krieg bald durch einen herzlichen Freundschaftsvertrag abgeschlossen werden, der nur ein Uebergang zu einem Schutz= und Trutzbündnis der Regierungen gewesen sei. Die Vorbedingung einer solchen Verständigung wäre die direkte Einigung der Kriegführenden ohne jede fremde Vermittlung auf Grund der Ueberzeugung, daß Japan nicht nur den Frieden, sondern wirkliche Freundichaft wünsche. Denn wenn es sich nur um ein reculer pour mienx sauter handle, würde die Fortdauer des Krieges für Rußland besser sein als der Friede. Auf die Frage, ob sich wohl in Japan namhafte Staatsmänner finden würden, die bereit wären, auf diese Idee einzugehen, wurde Boron Kurino, der letzte japanische Gesandte in Petersvurg, bezeichnet. Der Sonderberichterstatter des Telegraph kündigt sonst noch an, die höhern Militärkreise hielten nunmehr einen Winterfeldzug für sicher. Die Leiden der Nichtkombattanten. * London, 17. September. Der Korrespondent der „Daily Mail“ in Mukden schildert in einem langen Telegramm die Leiden der Bewohner der Mandschuret. Zahlreiche chinesische Flüchtlinge treffen in Mukden ein, wie sie in früheren Stadien des Krieges nach Haitschöng und nach Lianjang flüchteten. Auf jedem Wege ziehen lange Züge chinesischer Familien schweigend heran. Chinesenkarren, von dürren Ponys und Eseln gezogen, tragen neben Frauen und zahlreichen Kindern die geringen Kornvorräte, die den armnen Leuten noch geblieben sind. Weniger Glückliche schleppen sich mübsam zu Fuß durch den mandschurischen Schlamm. Das einzige, was sie retteten, sind ihre Kinder. Die ganze Ernte und ihre Häuser mußten sie der zerstörenden Wut des Krieges überlassen. Das Tal des Hun und die Dörser am Wege nach Sinminting sind verödet, und die ganze fruchtbare Ebene des Südens ist entvölkert. Aber nicht nur nach Mukden, sondern auch weiter nach Westen fliehen die unglücklichen Leute über den Liaofluß hinüber, trotz der Gefahr, die ihnen dort von den Chunchusen droht. Im Osten geht die Flucht in dieselben Urwälder, in denen während des Boxeraufstandes die eingeborenen Christen von den Beeren des Waldes kümmerlich ihr Leben fristeten. Die Leute wissen eben nicht mehr, wohin sie fliehen sollen. Sie wissen nur, daß der Verbleib in der Heimat Tod und Verderben bedeutet. Die Granate respektiert keine Neutralität, und selbst diese Neutralität ist gefährlich, da jeder der Kriegführenden die neutrale Bevölkerung im Verdacht hat, mit dem Feinde zu konspirieren. Viele Törfer wurden einfach beschossen, weil man annahm, daß der Feind sich dort verborgen halten könne. Daraus erklärt es sich, daß in den Distr kten um Lianjang eine so große Anzahl von Dörfern in Flammen aufging. Die chmesische Bevölkerung wird sich jetzt erst des ganzen Elends des Krieges bewußt. Anfangs glaubte sie, aus dem Kriege Vorteil ziehen zu können, denn es fehlte nicht an Arbeit, und der Arbeiter wurde gut bezahlt. Für den Kuli schien eine heirliche Zeit angebrochen zu sein. Einige Händler mögen auch großen Profit gemacht haben, denn die Soldaten, die heute Lebensmittel und Feuerungs= material ohne langes Fragen nehmen, wo sie es finden, zahlten in der ruhigen Zeit ant für Brot, Branntwein und Zigaretten. Die chmesischen Farmer haben aber unter dem Kriege nur gelitten. Die Russen zahlten zwar in generösester Weise für die beorderten Lieferungen, aber schuftige Dolmetscher und gewandte Zwischenhändler schluckten das russische Geld. Zur Belagerung von Port Arihur. * Tschifn, 18. Sept. Militärische Sachverständige, die die Vorgänge dei Port Arthur genau verfolgten, schließen daraus, daß angenblicklich ein Sturm stautsindet oder unmittelbar bevorsteht. Sie gründen diese Ansicht auf die heftige Beschießung vom 15. September, da eine solche in der Regel einem solchen Sturm vorangebt. Die Ankunft wichtiger Botschaften zu einer Zeit, wo das Blockaderennen gefährlich ist, bestätigt auch diese Ansicht. Nach den neuesten zuverlässigen Nachrichten sind die Japaner mit den Belagerungswerken fertig. Japanische Berichte geben an, daß die Einwohner von Dalny schon vorgestern den Angriff innerhalb weniger Tage erwarteten. Es ist allgemein bekannt, daß die Japaner sich darüber klar sind, daß ihre Untätigkeit die russische Widerstandskraft erhöht, und deshalb wünschen sie, durch einen Sturm und mit Gewalt der Lage so schnell wie möglich ein Ende zu machen. Chinesen, Russen und Japaner stimmen überein, daß die Blockade von Port Arthur augenblicklich das Durchkommen von Dschunken nahezu unmöglich macht. Seit mehreren Monaten hatten Dschunken Depeschen und Vorräte in die Festung einzufahren vermocht. Im allgemeinen werden die Fahrzeuge von den Japanern versenkt und die Mannschaften nach Dalny geschickt. Russische Zivilversonen aus Port Arthur erklären, es sei Ueberfluß an Konservenfleisch vorhanden, doch fehle es an frischem Fleisch, außer von Pferden. Täglich würden zwölf Pferde geschlachtet. Wenn die Stadt nicht gerade heftig beschossen werde, sei das Leben dort nahezu dasselbe wie in Friedenszeiten. Der Gottesdienst werde wie gewöhnlich abgehalten, obgleich die Kirche beschädigt sei. Militärmusik spiele zweimal täglich. Die Russen behaupten, daß die Japaner bisher kein Fort der innern Verteidigungslinie besetzten. Die beschädigten Forts sind während der letzten 18 Tage, an denen verhältnismäßige Ruhe herrschte, ausgebessert worden und befinden sich in ausgezeichnetem Zustande. Die Russen sind überzeugt, daß Port Arthur niemals werde genommen werden.(Reuter.) * T s c h i s u, 1 6. S e p t. E i n K o s a k e n o b e r s t u n d z w e i deutsche Kaufleute, die in Dschunken von Port Arthur in Tschifu eintrafen, brachten die Post mit. Die Abfahrt erfolgte von der südlichen Taubenbucht. Diese Leute erzählten, daß während der letzten zehn Tage vor dem 15. Sept. Ruhe geherrscht habe, abgesehen von vorübergehenden Beschießungen, durch die viele Chinesen und einige Europäer ums Leben kamen. Am 14. Sept. erhielt General Stössel von Kuropatkin die Nachricht, er müsse bis Januar aushalten. Im Januar seien bedeutende Entwicklungen zu erwarten. Die Munition soll angeblich für fünf, Reis und Obst für sechs Monate ausreichen. Wenn die Japaner in die inneren Verteidigungswerke eindringen sollten, würde der letzte Widerstand in den Forts auf dem Goldenen und Elektrischen Hügel geleistet werden. Diese Forts sind mit großen Vorräten versehen. General Stössel hat den Europäern verboten, Port Arthur zu verlassen, und erklärt, sie müßten im äußersten Falle das Geschick der Soldaten teilen. Frisches Fleisch ist nicht mehr vorhanden. Die Garnison ist auf 8000 Mann zusammengeschmolzen. Die Bürgerwehr wird in die Forts gezogen. Funfzig bekannte Bürger aus Port Arthur sind gefallen. Es sind noch einige Damen in der Stadt. Die Frau des Generals Stössel besucht täglich, wenn gekämpft wird, mit ihrem Manne die Forts. Dreizehnjährige Knaben müssen Lazarettdienste tun. Die Chinesen verlassen hausenweise die Stadt. In den letzten Tagen trasen 500 in Tschifu ein, sie wurden von den Japanern aufs genaueste untersucht.(Daily Telegraph.) * Schanghai, 18. September. Die Japaner haben am 15. d. Mie. die Beschießung von Port Arthur von der Landseite eröffnet.(Morning Post.) * T s c h i s u, 1 8. S e p t e m b e r.( M e l d u n g d e s R e u t e r s c h e n Bureaus.) Der russische Leutnant Radziwill, der den Burenkrieg auf englischer Seite mitgemacht hat, ist als Ueberbringer von Depeschen von Generallentnant Stössel an den General Kuropatkin hier angekommen. Er erzählt, die Kriegführenden seien gegen einander von schonungsloser Wildheit beseelt, Parlamentär- und Uebergabeflaggen würden auf keiner Seite mehr beachtet. Generallentnant Stössel lege in einem Befehl an die Besatzung Nachdruck auf die Notwendigkeit, Widerstand bis zum letzten Blutstropsen zu leisten, da die japanischen Offiziere, wenn sie in die Festung eingedrungen wären, nicht in der Lage wären, ihre Soldaten davon abzuhalten, ein Blutbad anzurichten. Der Kommandierende hätte 300 Pflegerinnen geraten, die Festung zu verlassen, sie hätten aber geantwortet, sie wollten sich lieber einem Blutbad aussetzen, als ihre Posten verlassen. Radziwill führte folgendes Beisviel der Wildheit der Kriegführenden an. Bei dem letzten Sturm hätten zwei japanische Kompagnien, als sie sich abgeschnitten und der Gunde der Russen preisgegeben gesehen hätten, die weiße Flagge gezeigt. Die Russen aber hätten, absichtlich die Flagge unbeachtet lassend, Salven auf Salven auf die hilflosen Reihen abgegeben. Inzwischen hätten die Japaner, ihre Mißbilligung dieser Handlungsweise ausdrückend, auf ihre eigenen Kameraden geschossen. Die Folge wäre gewesen, daß 600 Mann aufgerieben und zwischen die verwesten Opfer früherer Angriffe gefallen seien. Die Verwundeten hätten noch Stunden nachher Taschentücher mit den Armen hochgehalten als Zeichen um Hilfe, aber die Russen hätten sich nicht hinausgewagt. Radziwill fügt hinzu, daß noch reichlich Munition für Geschütze und Gewehre vorhanden sei und daß die chinesischen Geschosse nur aus Sparsamkeitsrücksichten gebraucht würden. * Petersburg, 18. Septbr. Ein aus Port Artbur hier eingetroffener Offizier äußerte sein Erstaunen darüber, daß ausländische Berichterstatter sich entschließen, die Zeit zu bestimmen, bis zu welcher Port Arthur sich halten könne. Der Vorrat an Geschossen sei nur Stössel und Smirmow, sonst niemandem bekannt; daher seien alle bezüglichen Meldungen wertlos. Ein Bericht Kuropathius. * Petersburg, 18. September. Generaladjutant Kuropatkin meldet dem Kaiser unter dem gestrigen Datum: Die ganze mandschurische Armee ist durch die buldreiche Beurteilung ihrer Mühen und Kämpfe durch Eure Majestät überaus erfreut worden. Wir alle sind allein von dem Wunsch durchdrungen, den Feind zu besiegen und das Vertrauen, das unser oberster Kriegsherr in uns setzt, zu rechtfertigen. Ich bin überzeugt, daß die Truppen auch fernerhin mit Selbstverleugnung ihre Pflicht erfüllen werden. Der Rückzug aus Liaujang war unter den Umständen, unter denen er vollzogen wurde, in der Tat notwendig und eine bei ihrer Schwierigkeit hervorragende Tat. Sogar unsere Gegner sind diesmal äußerst bescheiden. In ihren Berichten werden weder die Gesangennahme von Mannschaften noch die Wegnahme von Geschützen und anderen Trovhäen erwähnt. Der amtliche Bericht Kurokis bestängt, dan am Morgen des 4. September die ganze Armee Kurokis, die zahlreichste von allen drei feindlichen Armeen, sich bereits auf dem rechten User des Taitseflusses besand und unter für sie günstigen Bedingungen die Truppen, welche Liaujang verleidigten, von den Truppen, die auf dem rechten User des Tauseflusses standen, hätte abschneiden können. Kriegsbeute der Japaner. “ T o k i o, 1 8. S e p t. M a r s c h o l l O n a m a h a t h e u t e früh gemeldet, daß General Oku in Lianjang dreizehn Russen zu Gefangenen gemacht habe. Er berichtet serner, daß die Japaner in Lianjang 30 Pferde, 2288 Gewehre, 127 Muniionswagen, 5892 Granaten, 659930 Patronen, große Mengen Holz, Mebl, Reis, Futter. Werkzeuge und Kleidung erbeutet hätten. Kuroki und Nodsu hätten keine Gefangene gemacht, Kuroki habe 40 Pferde und Munitionswagen, 800 Gewehre, 300 Granaten, 600000 Patronen, einen telegraphischen Apparat und verschiedene Werkzeuge erbeutet: Nodsu seien 490 Gewehre, 1164 Granaten, 37880 Patronen, drei Heliographen, Telephonapparate, Werkzeuge und viel Mundvorrat und Holz in die Hände gefallen. Die Beute, die Oku gemacht habe, lohne die Errichtung eines Depots. Russische Rüstungen. * Getersdurg, 18. Sept. Der„Invalid“ meldet die Formierung von vier Gebirgs=(Schnellfeuer=) Batterien unter dem Namen Ostsivirische Gebirgsbatterie Nr. 9 bis 18 und fünf Ostsibierischer Artillerieparks No 2 und 9 bis 12. Sozialdemokratischer Parteitag. (Nachdruuck verbolen.) II. H. F. Bremen, 19. September 1904. Den ersten Gegenstand der heutigen Tagesordnung bildet der Geschäftsbericht des Vorstandes. Der Berichterstatter, Abg. Pfannkuch=Berlin, beinerkte einlettend: Es sei vielfach der Wunsch ausgesprochen worden, die Verhandlungen möchten nicht in derselben Tonart und in derselben Weise wie in Dresden geführt werden. Der Vorstand teile selbstverständlich diesen Wunsch, allein, mag man über die Verhandlungen in Dresden denken, wie man will, so viel stehe jedenfalls fest, die Dresdener Verhandlungen haben jedenfalls dazu beigetragen, die Gewissen zu wecken und zu schärfen. Dafür sprechen die verschiedenen Anträge, die aus Anlaß des Dresdener Parteitages gestellt worden seien. Wenn auch die scharfe Tonart auf dem Dresdener Parteitage zu bedauern bleibe, so haben doch die Verhandlungen in Dresden zweifellos damu beigetragen, die Einheit der Organisation und Agitation der Partei wesentlich zu befestigen. Wir können mit Stolz sagen: Die Partei hat seit dem Dresdener Parteitage eine geschlossenere Organisation erhalten. Die Partei hat an innerer und und äußerer Ausdehnung derartig gewonnen, daß die Arbeiten des Parteivorstandes immer umsangreicher werden, dafür sprechen die vielen Anträge, für verschiedene größere Orte und Provinzen Parteisekretäre anzustellen. Bezüglich der Aaitation hat man uns die Agitatien der sozialistischen Frauen als Muster vorgein. Ich muß darauf bemnerren: In der ersten Entwickelungszeit der Partei standen uns bedeutend mehr Agitatoren zur Verfügung. Damals war jeder, der sich der Partei anschloß, ein Agitator. Es darf serner nicht außer acht gelassen werden, daß die Gewerkschaftsbewegung eine solche Ausdehnung genommen, daß sie die politische Partei weit überflügelt hat. Wir sind stolz auf diese Bewegung. Dieselbe hat aber der Partei eine große Anzahl guter Agitatoren entzogen. Zu wünschen wäre es nur, wenn die Gewerkschaften sich offen und freimütig sozialdemokratische Gewerkschaften nennen würden. Sie wären trotzdem in der Lage, vor Gericht den Beweis zu führen, daß sie in ihren Organisationen keinerlei Politik treiden. Man hat der Parteileitung den Vorwurf gemacht, daß sie zu den politisch aktuellen Fragen nicht Stellung genommen hat. In erster Reihe wurde verlangt, daß die Partei zur Schulfrage Stellung nehmen solle. Der Parteivorstand hat sich wiederholt in eingehender Weise über die Schulfrage unterhalten und ist zu der Ansicht gekommen, die Schulfrage ist augenblicklich noch nicht so aktuell, daß die Partei dazu Stellung zu nehmen hat. Ebenso ist dem Vorstand der Vorwurf gemacht wurden, daß er nicht zu dem in der Luft liegenden Wahlrechtsraub Stellung genommen hat. Einmal solle man nicht den Teufel an die Wand malen, und andererseits ist diese Frage auch nicht aktuell. Der Partei haben auch nicht immer die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestanden, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Der Parteivorstand hat aber die Ueberzeugung: Wenn es not täte, würde ein einziger Aufruf genügen, um die Genossen zu veranlassen, der Partei alle ersorderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Es darf auch nicht außer acht gelassen werden, daß die Krankenkassen und Konsumvereine eine große Anzahl Kräfte der Partei entzogen haben. Oberschlesien und Posen hat dem Vorstand viel Kopfzerbrechen gemacht. Auch in Rheinland und Westfalen ist noch viel zu tun übrig. Aus verschiedenen Orten wird Klage geführt, daß zwischen den Genossen Differenzen vorhanden seien. Auch im Parteivorstand kommt es naturgemäß bisweilen zu Differenzen. Diese werden aber in so sachlicher Form erörtert, daß von persönlichen Differenzen keine Rede sein kann. Wenn es zwischen den betreffenden Parteigenossen zu persönlichen Differenzen gekommen ist, so sind die Meinungsverschiedenheiten eben nicht in sachlicher Weise erörtert worden. In der Frage der Maiseier werde der Parteitag wohl die Amsterdamer Resolution annehmen, die Frage hänge aber auch mit dem Generalstreik zusammen, und hier gelte es, zu einem Einvernehmen mit den Gewerkschaften zu kommen. Aber brennend sei diese Frage auch nicht. Lieb wäre es ihm gewesen, man hätte den politischen Streik unterstützt und den Generalstreik abgelehnt, aber beides hänge so zusammen, daß sich die gesamte Frage wohl gründlich erörtern lasse. Darüber könne man aber noch ein Jahr verstreichen lassen, damit die Frage ganz reif werde. Manche Parteigenossen glauben überhaupt, jetzt müsse es mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts gehen und die Sozialdemokratie könne überhaupt nur noch siegen. So liege die Sache aber doch nicht. Man müsse alle Kraft entfalten, um die vorhandenen Plätze zu behaupten, Rückschläge würden schwer zu ertragen sein. Im Anschluß an diese Rede erstattete der Abg. Gerisch den Kassenbericht. Zum erstenmale bemängelte er die geschmacklose und alberne Art, wie einzelne Spender die Mottos vielfach wählten. Neuerdings habe eine Gruppe von Genossen darauf bestehen wollen, daß man ihr Scherflein unter der Bezeichnung „Ferkelgelder des Schweineklubs K. Y. Z.“ registriere, das fordere doch berechtigten Spott heraus. Im allgemeinen, bemerkte Gerisch, seien die Kassenverhältnisse befriedigend, auch die Finanzverhältnisse der Parteipresse. Ju der nun folgenden Besprechung klagte Becker (Dortmund), daß das Ruhrrevier nicht genügend durch radnerische Kräfte unterstützt werde. Das sei umsomehr zu bedauern, da die Genossen im Ruhrrevier einen schweren Kampf zu führen haben, einmal gegen das Zentrum und andererseits gegen die dortige Uebermacht des Großkapitals. Schulz(Posen): Die Genossen in Posen haben einmal einen beftigen Kampf zu führen gegen die in der Provinz Posen herrschende Polizeiwillkür und andererseits gegen das Polentum. Im allgemeinen sei es in Posen schon besser geworden. Es sei aber dringend notwendig, daß die Parteileitung der Provinz Posen größere Aufmerksamkeit zuwende. Ullenbaum=Elberfeld bezeichnet es als notwendig, im Bergisch=Märkischen Bezirk besser zu agitieren und möglichs Reichstagsabgeordnete hinunterzuschicken. Adg. Sindermann=Dresden befürwortete den Dresdener Antrag, eine Statistik über die Bewegung in der Partei in den jährlichen Geschäftsdericht aufzunohmen. Betters=Gießen: Die Entlassung eines alten Maschinenmeisters in der„Vorwärts"=Druckerei in Berlin sei bei vielen Genossen unliebsam empfunden worden und habe zu höhnischen Angriffen der Gegner Veranlassung gegeben. Es sei dringend erforderlich, daß dieser Vorgang von beteiligter Seite richtig gestellt werde. Wolf!(Bochum): In Bochum und Umgegend sei es ungemein schwer, geeignete Lokale zur Abhaltung von Versammlungen zu bekommen. Sei dies aber einmal gelungen, dann sei es doch sehr erwünscht, eine Zugkraft zu erhalten. Die Bochumer Genossen wollen ReichstagsAbgeordnete als Redner, nicht als Paradepferde, sondern als Zugocdsen.(Stürmische Heiterkeit.) Die ReichstagsAdgeordneten sollen lediglich in den Dienst der Partei #reten. Damoch trat die Mittagspause ein. Deutsches Reich. * Berlin, 19. September. Der Kaiser ist am Montag früh gegen 5 Uhr von Kadinen, wo am Sonntag der Landwirtschaftsminister v. Podbielskt eingetroffen war, zur Elchjagd nach Paith abgereist. — Der am Sonntagvormittag in Friedrichsruh entschlafene Fürst Herbert Bismarck hat ein Alter von noch nicht 55 Jahren erreicht. Er trat im Jahre 1874 im Alter von 24 Jahren in den Staatsdienst ein, ohne wie sein— vor drei Jahren im Tode ihm vorangegangener— jüngerer Bruder Wilhelm die Prüfung für den höheren Verwaltungsdienst abgelegt zu haben. Vielmehr hatte er nur das sogenannte diplomatische Eramen gemacht. Im Jahre 1874 wurde er Attaché bei der Gesandtschaft in München, 1876 Gesandtschaftssekretär in Bern, 1883 erster Botschaftssekretär in London, 1884 Gesandter im Haag und 1885 Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, dem das Aufrücken zum Staatssekretär des Auswärtigen Amts folgte. Damals erst 88 Jahre alt, hat also Fürst Herbert eine ungewöhnlich schnelle Karriere gemacht. Seine militärische Laufbahn ist ebenfalls eine außergewöhnlich schnelle gewesen. Im Frühjahr 1870 trat der damalige Graf Herbert Bismarck bei dem 1. Garde=Drag.=Regt. als Avantageur ein und wurde am L. September 1870 zum Leutnant befördert. Am 16. August wurde er bei Mars=la=Tour schwer verwundet. Nach dem Kriege gegen Frankreich tat er einige Jahre Dienst beim Regiment und wurde dann, zum Auswärtigen Amt kommandiert, 2 la euite der Armee gestellt. Am 22. März 1878 wurde er Oberleutnant, am 11. Juni 1879 Rittmeister, am 16. September 1884 Major, am 25. Fedruar 1889 Oberstleutnant und am 27. Januar 1895 Oberst. Am Geburtstage des Kaisers im Jahre 1889 erhielt er den Charakter als Generalmajor. Die parlamentarische Arena betrat er 1884 als Erwählter des 10. Reichstags=Wahlkreises der Provinz Schleswig=Holstein(Herzogtum Lauenburg) und behielt bis 1886 dieses Mandat. Im Jahre 1893 nahm er wieder ein Reichstagsmandat an für den 8. Wahlkreis des Regierungsbezirks Magdeburg(Jerichow I und II) und blieb fraktionslos. Bis zu seinem Tode hat er diesen Wahlkreis im Reichstage vertreten. Seit 1898 saß er auch im preußischen Herrenhause.— In seinem Amt, in seinem gesamten Wirken, das im allgemeinen nicht gerade freundlich beurteilt wird, hat Fürst Herbert Bismarck im übrigen stets gewissenhaft seine Pflicht zu erfüllen gesucht. Das wird auch jeder seiner politischen Gegner bereitwillig anerkennen. Aber das Wirken des Staatssekretärs und später des Abgeordneten war nicht von so tiefgreifender Bedeutung, daß es dauernde, für die Geschichte erhebliche Ergebnisse zurückließe. Mit seinem Rücktritt aus dem Amt im Jahre 1890 hat Herbert Bismarck in Friedrichsruh sich fast ausschließlich mit der Verwaltung der väterlichen Besitzungen beschäftigt. Fürst Bismarck hinterläßt außer der Witwe Margarite geb. Gräfin Hoyos, mit der er sich am 21. Juni 1892 in Wien vermählte, drei Söhne, von denen der jüngste ein Jahr alt ist, und zwei Töchter. Der Titel Fürst Bismarck geht jetzt auf den ältesten Sohn des Fürsten Herdert, Otto Christian Archibald, über, der am 25. September 7 Jahre alt wird. — Der Tod des Fürsten Herbert Bismarck ist, nach der„Tägl. Rundschau", sanft und ruhig gewesen; schon seit Freitag abend hatte er das Bewußtsein verloren. Der Fürst ist an einer akuten Leberinsektion gestorben. Er hat bis an sein Ende nie gewußt, wie schlimm es um ihn stand. Er fühlte sich im Gegenteil bis vor nicht allzulanger Zeit verhältnismäßig wohl; man konnte ihn oft mit der Fürstin im Sachsenwalde spazieren fahren sehen. Noch bis zuletzt hat er während seiner Krankheit die feste Hoffnung auf Genesung ausge. sprochen. Seine Familie ist in der letzten Zeit mit der größten Sorgfalt bemüht gewesen, jede Aufregung vom Kranken sernzuhalten. Fürst Herbert Bismarck wird in der unterirdischen Gruft beigesetzt werden, dicht neben dem Reichskanzler und dessen Gemahlin, deren Sarkophage aus rotem Marmor oben in der Kapelle stehen. — Im nichtamtlichen Teil des„Reichsanzeigers“ wird dem Fürsten Herbert Bismarck ein Nachruf gewidmet, in dem es heißt: Wieder seien die Augen des ganzen deutschen Volkes nach Friedrichsruh gerichtet„wie einst in den Tagen, wo dort die Geschicke der Welt erwogen wurden“. Mit bezug auf die Leistungen des Fürsten Herbert Bismarck als Staatssekretär des Auswärtigen heißt es:„Sein Verdienst wird voll erst gewürdigt werden können, wenn dereinst die urkundlichen Zeugnisse der diplomatischen Geschäfte jener Jahre dem Historiker vorliegen. Mit berechtigter Genngtnung durfte der Sohn sich sagen, daß er wie kaum ein anderer dem Gedankenflug des Genius zu folgen und die Ausgestaltung der großen Entwürfe zu fördern verstand. Ganz ging der Sohn in dem Vater, der Jünger in dem Meister auf, und der Rücktritt des großen Kanzlers wurde nach des Grafen Herbert eigener Wahl auch der Abschluß seiner eigenen ministeriellen Wirksamkeit.“ — Aus Hamburg schreibt man der„Nat.=Ztg.“: Ein trauriges Schicksal hat den früheren Privat= sekretär des alten Fürsten Bismarck Dr. Chrysander betroffen. Er befindet sich in einem Irrenhaus in Hamburg und gehört dort zu den nach der dritten Klasse Verpflegten, d. h. zu den Mittellosen. — Den Gersichten über eine Verständigung in der Welsenfrage bereitet jetzt auch die„Nordd. Allg. Zta.“ das wohlverdiente Ende. Sie schreibt: „Unter mancherlei Ausstrenungen, die neuerdings in der sogenannten Welsenfrage durch die Blätter gegangen sind, fand die Behauptung, es seien zwischen Berlin und Gmunden Verhandlungen auf Grundlage von Abtretungen hannoverscher Landesteile an das welfische Haus im Gange, eine unverdiente Beachtung. Wir weisen deshalb diese Behauptung zurück und fügen hinzu, daß in der sogenannten Welsenfrage überhaupt keine Verhandlungen geführt sind oder geführt werden, weder mit noch geschweige ohne Kenntnis an amtlicher Stelle. — Die starke Einwanderung minderwertiger und mittelloser Elemente in Amerika bat bekanntlich die dortige Staatsregierung zu allerlei Schutzmaßnahmen veranlaßt. Es hat sich aber im Laufe der Zeit herausgestellt, daß diese Maßnahmen nicht ausreichend sind. Die Schwierigkeiten bei der Rücksendung sowohl als auch die bedeutenden Kosten, die den beteiligten Ländern dadurch entstehen, haben nun bei der amerikanischen Staatsregierung den Plan reisen lassen, in den Hauptanswanderungsdäsen sogenannte AuswanderungsInspektionen einzurichten, und zwar zunächst in Hamburg, Bremnen, Plymouth und Cherbourg. Jedem Auswanderungsinsoektor wird ein Arzt zur Untersuchung der Auswanderer beigegeben werden. Mit der deutschen Reichsregierung sind die Verhandlungen zurzeit im Gange. Wie die„Königsb. Hart. Ztg.“ erfährt, besteht auch auf deutscher Seite Geneigtheit, den amerikanischen Plan verwirklichen zu helfen. Sobald die Verhandlungen beendet sind, wird sich der anterikanische Kongreß mit der Angelegenheit beschäftigen.— Wie groß die Zahl der Zurückgewiesenen ist, mag aus der Tatsache erhellen, daß der Lloyddampfer„Friedrich der Große“ auf einer seiner letzten Reisen 81 Passagiere nach Breinen zurückbrachte. Ausland. Geoßbritannien. London, 19. September. Dem Reuterschen Bureau wird aus Lhassa gemeldet: Der Abmarsch der Engländer ist auf den 23. d. Mts. festgesetzt. Es friert dereits nachts. In den Bergen ist Schnee gefallen. Man befürchtet, daß die Leute, da sie keine Pelze haben, stark leiden werden. Serdien. Belgrad, 18. Septbr. Das Amtsblatt veröffentlicht das neue Krönungsprogramm, das gegenüber dem früheren Programm nur festsetzt, daß sich der König aus der Kathedrale in vollem Krönungsornate in den Konak begeben wird; ferner wurden der Erbprinz Danilo und dessen Gemahlin in den Krönungszug eingereiht. Der Stadtpräsekt erließ einen Aufruf, worin die Belgrader Bevölkerung ersucht wird, während der Krönungsseier durch ihr gutes Beispiel zur Erhaltung der Ordnung beizutragen und dadurch der Polizei ihre Aufgabe zu erleichtern. Vom Balkau.* Konstantinovel, 19. Septbr. (Meldung des Wiener K. K. Telegr.=Korresp.=Bureaus.) Die Linmesen haben gestern früh Prizrend verlassen. Gegenüder serbischen Blättermeldungen ist festzustellen, daß weder beim Eindringen noch beim Abzuge oder während des 11tägigen Aufenthalts der Liumesen in Prizrend Ausschreitungen gegen Christen stattgefunden haben. Westsälisch=Rheinisches. Rachbruck unserer mit Originalzeichen versehenen Vorrespondengen nur mie Quell enangabe gestattet. * Hagen, 20. September.[Ernennung.] Laut Ministerialerlaß sind die Lehrer an der hiesigen königlichen höheren Maschinenbauschule Regierungsbaumeister Menge und die Diplontingenieure Hunnius und Tepel zu königlichen Oberlehrern ernannt worden. * Hagen, 20. September.[Betreffs der Unterrichtszeit in den Fortbildungsschulen] hat der Handelsminister verfügt: Die Fortbildungsschule hat die Aufgabe, in Ergänzung der praktischen Lehre der gewerblichen Jugend die für ihren Beruf notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu übermitteln und sie zu tüchtigen Menschen und Staatsbürgern zu erziehen. Sie muß, um diese Aufgabe erfüllen zu können, von ihren Schülern ein um so größeres Maz geistiger Frische und ernster Arbeit in der Klasse verlangen, als die verfügbare Unterrichts. zeit sehr beschränkt ist und Forderungen an den häuslichen Fleiß der Schüler in den meisten Fällen sich nicht stellen lassen. Diesen Ansprüchen zu gentigen, sind junge Leute, die im Alter der Entwickelung und meist vom frühen Morgen an in angestrengter Tätigkeit stehen, abends kaum noch imstande. Bei der späten Lage der Unterrichtsstunden ist daher der Erfolg des Fortbildungsunterrichts und damit die nützliche Verwendung der dafür aufgewandten Geldmittel geradezu in Frage gestellt. Dies Bedenken muß um so schwerer wiegen, als sich auch gegen die körperliche Ueberanstrengung der jungen Leute ernstliche Bedenken erheben. Hierzu kommt schließlich noch, daß Fortbildungs= schüler bei spätem Schlusse des Unterrichts erfahrungsgemäß leicht geneigt sind, sich herumzutreiben und Ausschreitungen zu begehen.— Der Minister legt ferner Gewicht darauf, daß der Sonntag vom Zwangsunterrichte freibleibe. Der Sonntag gehört der Erbauung, dem Familienleben, der Erholung und freier Arbeit, nicht dem Schulzwange. Eine Veredelung der Lebensführung der jugendlichen gewerblichen Arbeiter, die im Interesse des Gewerbes und des Staats dringend wünschenswert ist, kann nur erreicht werden durch Hebung der geistigen und sittlichen Bildung. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, durch Einrichtung von Lehrlingsheimen mit Leseräumen, durch Veranstaltung von Vorträgen, gemeinsamen Ausflügen und Spielen die jungen Leute, denen oft der Familienauschluß fehlt, in ihren Erholungsstunden in freundschaftliche Berührung mit gebildeten Menschen zu bringen, sie zu verständiger Benutzung ihrer freien Zeit anzuleiten und ihnen Gelegenheit zu anständigen und gesunden Vergnügungen zu geben. Derartige Veranstaltungen werden in vielen Fällen zweckmäßig in irgend eine Verbindung mit der Fortbildungsschule zu bringen sein, wobei jedoch selbstverständlich jeglicher Zwang auszuschließen ist. * Hagen, 20. September.[Zur ReservistenEntlassungl ist eisenbahnamtlich eine bemerkenswerte Anordnung getroffen worden. Den Gastwirten auf den Bahnhösen wurde untersagt, an Reservisten=Transporte Branntwein in Flaschen zu verkaufen oder Bier in den Zug zu reichen. Diese Anordnung entspricht nicht etwa antialkoholischeu Bestrebungen, sondern geschah im Interesse der an der Strecke tätigen Arbeiter und der Passanten, die früher oftmals durch Werfen mit Flaschen und Biergläsern verletzt worden sind. Jede derartige Tat soll dem Streckenpersonal sofort gemeldet werden, damit der Täter vielleicht noch auf der nächsten Station ermittelt werden kann. * Hagen, 20. September.[Verbot des Korsetttragens in der Schule!! An die Vorsitzende des Verbandes deutscher Frauenvereine, Frau Minna Cauer, Berlin, ist unterm 20. Juni 1904 vom Minister der getstlichen, Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten folgende Antwort auf die Petition hinsichtlich des Verbots des Korsetttragens in den Schulen eingelaufen: „Auf die Eingabe vom 23. April erwidere ich Ihnen, daß ich vor Eingang derselben zum Gebrauch einer geeigneten Kleidung durch die jungen Mädchen Anregung gegeben habe, indem ich die mir unterstellten Behörden auf die hygienische Abhandlung des Dr. nied. Julius Krebs in Breslau:„Wie sollen sich unsere jungen Mädchen kleiden?“ aufmerksam gemacht habe. Wegen etwaiger weiterer Maßnahmen sind Erwägungen eingeleitet. * Hagen, 20. September.[Um zu ermitteln, wieviel an dem Feldzug 1870/71 Beteiligte noch am Leben sind,] wird der Verband deutscher Kriegsveteranen, der etwa 50000 Mitglieder zählt, an den Reichskanzler eine Petition richten, wonach die fragliche Zahl bei der nächsten Volkszählung festgestellt werden soll, und zwar durch Einfügung einer neuen Spalte auf den Zähllisten. Schätzungsweise wird angenommen, daß von 1 200000 veutschen Kombattanten des Krieges 1870/71 noch 550000 am Leben sind. * H a g e n, 2 0. S e p t e m b e r.[ S c h u l p f l i c h t.] I m m e r wieder wird die Frage aufgeworfen:„Wann endet die gesetzliche Schulpflicht?“ Immer wieder wird auf eine Kammergerichts=Entscheidung hingewiesen, wonach die Schulpflicht mit Vollendung des 14. Lebensjahres aufhört. Immer wieder wird aber dabei übersehen, daß nach dem Schulanssichtsgesetze die Bestimmung über das Ende der Schulpflicht den Königlichen Regierungen übertragen worden ist. Hiernach gelten für unseren Bezirk die Festsetzungen der Königlichen Regierung zu Arnsberg. Diese hat als Maßstab für die Entlassung aufgestellt: 1. die Kinder müssen 14 Jahre alt sein; 2. sie müssen acht Jahre lang ordnungsmäßig die Schule besucht haben; 3. der Schulbesuch muß von genügendem Erfolge gewesen sein. □ Hagen, 20. Sept.[Revision.] Der Architekt Herr B. Koch ersucht uns, mitzuteilen, daß das gegen ihn vom hiesigen Schwurgericht wegen Verleitung zum Meineid gefällte Urteil, gegen das er Revision eingelegt habe, bisher nicht, wie wir kürzlich berichteten, aufgehoben sei. Die Revision sei bis jetzt noch nicht vor dem Reichsgericht zur Verhandlung gekommen. m Hagen, 20. Septdr.[An die Reservisten.) Die von der Fahne zurückkehrenden Reservisten seten darauf hingewiesen, daß sie— abgesehen von der milltärischen Meldung— auch die Pflicht haben, sich innerhald 8 Tagen nach ihrem Anzuge unter Vorlegung ihres Militärpasses im Einwohnermeideamt zu melden, andernalls Bestrafung erfolgt. □ Hagen, 20. September.[Leichtsinnige Schützen.] In letzter Zeit wurden Anwohner der Körner= und Elberselderstraße durch Schießen mit Flovertdüchsen aus den umliegenden Gärten belästigt. Da auch mehrsach Fensterscheiden zertrümmert wurden, seten die Eltern der jungen Burschen darauf aufmerksam gemacht, daß sie für allen Schaden, der durch das Schießen angerichtet wird, hastbar gemacht werden. Flobertdüchsen sind kein Spielzeug für haldwüchsige Burschen. Haspe, 20. Sept.[Verkehrsverbesserung.] Mehrere Interessenten wandten sich an die Eisenbahn= direktion mit der Bitte, die im Sommer bestehende Früh=Verbindung mit Hagen auf der Ennepetalbahn auch im Winter bestehen zu lassen. Die Direktion hat nun die Einrichtung getroffen, daß im Winter auf der früheren rheinischen Strecke ein Personenzug morgens 6 Uhr 36 Min. ab Haspe=Heubing abfährt, der 6 Uhr 43 Min. in Hagen eintrifft. Da durch diese Einrichtung den Reisenden aus Haspe der Anschluß an sämtliche Frühzüge in Hagen ermöglicht wird, ist das Entgegenkommen der Direktion freudig zu begrüßen. 24 Bogelsaug, 19. September.[Tödlich verunglückt.] In der Bröckingschen Fabrik wurde heute morgen der Arbeiter C. Goldschmidt so unglücklich von dem Hebel einer Maschine an den Kopf getroffen, daß er einen Schädelbruch erlitt. Der Tod trat nach einigen Minuten ein. * Gevelsberg, 19. Septbr.[Diebstahl.]„Schließt Fenster und Türen“ ist eine nicht geuug zu beherzigende Mahnung. So wurde aus einem Hause an der Hochstr. in der Nacht vom Freitag auf Samstag eine goldene Damenuhr gestohlen. Die Kette, welche vielleicht zum Verräter hätte werden können, ließ man zurück. Acht Mark aus einem Portemonnaie, das als Nippsache die Kommode zierte, wurden mitgenommen, desgleichen ½ Dutzend silberne Messer und Gabeln. Die Löffeln, Broschen und Ringe ließ man liegen. ∆ Hohenlimburg, 19. Sept.[Tot aufgesunden] wurde heute morgen der Gelegenheitsarbeiter Meier aus Berchum. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist M. ein Opfer starken Alkoholgenusses geworden. Dahlerbrück, 19. Septbr.[Chausseebau.— Wegetafel.] Bereits seit drei Wochen ist man damit beschäftigt, die von Dahlerbrück zur Glörtalsperre führende Straße chausseeartig auszubauen, die insolgedessen für den Frachtverkehr gesperrt ist. In ungefähr 14 Tagen sehen die Arbeiten ihrer Vollendung entgegen.— An der Stelle, wo die Chaussee von der Volmestraße abzweigt, hat der S. G. V. eine Wegetafel anbringen lassen. □ Unna, 19. Sept.[Familiendrama.] Die Ehefrau H. Becker sollte über ihre Schwägerin, die Ehefrau des Formers A. Beckers Verleumdungen ausgesprochen haben. Der letztere begab sich deshalb gestern abend mit seinem Freunde Faßbinder in die Wohnung des Bruders, um seine Schwägerin zur Rede zu stellen. Es kam zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf A. Becker seiner Schwägerin einen Messerstich in den Hals versetzte. Der Tod trat sofort ein. Auch der Ehemann, der Bruder des Täters wurde so schwer verletzt, daß er in das Krankenhaus verbracht werden mußte. A. Becker und sein Freund wurden verhaftet. * Münster, 18. Sept. sen sechzehn Pflaumen den Tod geholt] hal sich die Frau eines hiesigen Zahnarztes. Nachdem dieselbe nach geraumer Zeit nach dem verhängnisvollen Genusse reichlich Wasser getrunken hatte, trat schon nach einigen Stunden der Tod ein. Vereinsnachrichten und Festlichkeiten. B. Hagen, 20. September.[Pensionsversicherung der Privatbeamten.] Der Vorstand des Westsälischen Verbandes in Sachen der Pensionsversicherung der Privatbeamten trat am verflossenen Sonntag in Bochum zu einer Sitzung zusammen. Mit Rücksicht darauf, daß nach Lage der augenblicklichen Verhältnisse ein Wirken in der weiteren Oeffentlichkeit, soweit gesetzgeberische Maßnahmen in Frage kommen, sich erübrigt, bis die Resultate der Enquete vom 15. Oktober 1908 statistisch verarbeitet sind, wurde in Gemäßheit der Entschließungen des Hauptausschusses vereinbart, mit allen Kräften für Gründungen von neuen Ortsvereinen einzutreten, hierzu die nötigen Rednerkräfte zur Verfügung zu stellen und auch den bereits bestehenden Ortsvereinen zur Belebung der Aaitation rednerische und agitatorische Kräfte nach Möglichkeit zuzuweisen. Ein noch genauer auszuarbeitender Agitations= und Organisationsvlan für die Provinz Westfalen wird der voraussichtlich im November stattfindenden Delegiertenversammlung unterbreitet werden. B Hagen, 20. September.[Kaufmannsgerichtswahl.] Wir konnten neulich schon mittetlen, daß Aussichten auf ein einmütiges Zusammengehen der verschiedenen Berufsvereine der hiesigen kaufmännischen Angestellten gelegentlich der Wahlen der Beisitzer für die Kaufmannsgerichte vorhanden seien. Heute können wir erfreulicherweise berichten, daß die diesbezüglichen Vorschläge inzwischen die Zustimmung sämtlicher in Betracht kommenden Organisationen gefunden haben. Zu näherer Aussprache traten am verflossenen Samstag die Vorstände der verschiedenen kaufmännischen Berufs=Organisationen zusammen und wurde einstimmig beschlossen, zur Vorbereitung und Durchführung der gemeinsamen Aktion einen Ausschuß zu bilden, welchem als Mitglieder angehören sollen je ein Delegierter der betr. Organisation und der von derselben präsentierte Beisitzer=Kandidat. Der Vorsitzende des Vereins für staatliche Pensionsversicherung der Privatbeamten wurde auch zum Vorsitzenden dieses Ausschusses gewählt. Die Verhandlungen ergaben im übrigen völlige Uebereinstimmung in der Frage des taktischen Vorgehens. Der Ausschuß tritt dennächst wieder zusammen und bereitet die weiter zu tuenden Schritte und Veranstaltungen vor. * Hagen, 20. Sept.[Protest=Versammlung.] Die am Samstagabend stattgefundene Versammlung christlicher Arbeiter beschäftigte sich ebenfalls mit der Frage des Anschlusses der städtischen Gas= und Wasserwerke an den neugebildeten Arbeitgeberverband. Zur Annahme gelangte einstimmig folgende Resolution: „Die heutige im Kaisersaal stattgefundene öffentliche Versammlung des christlichen Gewerkschaftskartells erhebt Protest gegen den Anschluß des städtischen Gas=, Elektrizitäts- und Wasserwerks an den Arbeitgeberverband. Die Versammlung erklärt, daß die Arbeitgeber das Recht haben, sich zu organisieren, sie erwartet aber von den vereinigten Mitgliedern, daß sie in ihrem Verbande wahrhaft sozial wirken.“ () Hagen, 20. Septemder.(Obstausstellung. Die Obstausstellung, welche mit dem landwirtschafttichen Feste am 24. und 25. d. M. verbunden sein wird, dürfte sich, da die Obsternte in unserm Kreise eine gute ist, besonders reichhaltig gestalten. Den Ausstellern wird es nun von Interesse sein zu erfahren, oaß der Obstbauverein ausschließlich in erster Linie Wert auf nachfolgende Obstsorten legt, die er für unsern Kreis empfohlen und bestimmt hat: 1. Prinzen=Apfel, 2. Gravensteiner, 8. Engsische Winter=Goldparmäne, 4. Große Kasseler Reinette, 5. Gold=Reinette von Blenheim, 6. Harberts Rambour= Reinette, 7. Champagner=Reinette(Doppelter Zwiebelapfel), 8. Pariser Ramdour=Reinette, 9. Geflammter Kardinal, 10. Graue französische Reinette, 11. Roter Herdst=Kalvill. An Birnen: 1. Speckbirne, 2. Williams Christbirne, 3. Köstliche von Charnen, 4. Grummkower Butterbirne, 5. Diels Butterdirne, 6. Forellendirne, 7. Napoleons Butterbirne, 8. Hardenvonts WinterButterdirne, 9. Liegels Butterbirne, 10. Gute Luise, 11. Rote Bergamotte. Bei der Auswahl der auszustellenden Odstsorten berücksichtige man die Tatsache, das dasjenige Obst das beste ist, welches Luft und Licht — Sonne— gehabt hat; dann wird minderwertiges Obst der Ausstellung fern bleiden. Bei jeder Obstsorte lassen sich die sogenannte Sommer= und Winterseite schnell konstatieren. Nun kann es ja vorkommen, daß noch die eine oder andere der oben nicht aufgeführten Sorten prämiierungswürdig ist, ihre Ausstellung ist zulässig. Jeder Aussteller hat die Namen der Sorte selbst anzugeben, die Brämiierungs=Kommission prüft die Richtigkeit der Angaden. Die Ausstellung hat ihren größten Wert, wenn sie ein getreues Bild vom zeitigen Stande des Obstdaues im Kreise gibt und anspornend wirkt. dem gestern vom Radfahrer=Verein Halver veranstaltetem Radfahrerseste erhielten im Korsofahren der Verein„Stahlrad“=Dagen den 1. Preis, der RadfahrerVerein„Tempo“=Boele den 2. Preis. Den Vereinen zu diesen Erfolgen ein kräftiges A# Og.. nge O bagen, 20. Septbr.[Hohe Auszeichnen wurden auf der großen internationalen BindekunstAusstellung in Düsseldorf vom 17.—20. September der hiesigen Blumenhandlung Louis Engelke, Elberfelderstr., zuteil. Unter starker Konkurrenz des In- und Auslandes errang sich genannte Firma folgende Preise: Für einen Blumenkranz die silberne Medaille, für einen Blätterkranz die bronzene Medaille, für ein Trauerkrenz den zweiten Preis(Geldpreis), für eine Phantasie=Zusammenstellung aus Feld, Wald und Wiese den ersten Preis (Geldpreis), ein Nelkenstrauß erhielt ein Ehrendiplom; außerdem für einen Palmenkranz den zweiten Ehrenpreis der Firma F. W. Cohnen=Aachen. Für hervorragende Gesamtleistung wurde serner vom Preisgericht noch der Ehrenpreis der vereinigten Blumenhandlungen der Stadt Magdeburg(große Bronze=Vase) verliehen. □ Wetter, 20. September.[Radfahrerverein.] Die erste Veranstaltung des in den letzten Tagen gegründeten„Radfahrer=Vereins Wetter“ sand am Sonntag morgen statt und zwar war es ein Wettfahren WetterWitten und zurück. Es waren 5 Preise ausgesetzt und wurden diese errungen von den Herren: Hans Hammerl 1., Leo Heimann 2., Alsons Ott 3., Emil Michel 4., Viktor Engelmann 5. Die durchschnittliche Fahrzeit der Sieger betrug 28 Min. 48 Sek. All Heil! Industele, Handel und Verkehr. (0 Köln, 19. Sept. Am Samstag den 17. September fand hier vor dem Justizrat Notar Riffart die Gründung der„Wirtschaftlichen Vereinigung deutscher Gaswerke“, Aktien=Gesellschaft, statt, die den gemeinsamen Vertrieb von Gaskoks und anderer Rebenerzeugnisse der beteiligten Gaswerke, sowie den etwaigen Ankauf von Ge= und Verbrauchsgegenständen zum Zweck hat. Die neue Aktien=Gesellschaft, deren Grundkapital Mk. 60000 beträgt, umfaßt vorerst 70 größere und kleinere Gaswerke Westdeutschlands, darunter diejenigen der Städte Vonn, Köln, Elberfeld, Essen=Ruhr, Hagen i. W., Bielefeld, Minden, Hildesheim, Wiesbaden, Mannheim, Karlsruhe, ferner die der Gasbeleuchtungs=Gesellschaft zu Dortmund, Mülhausen i. E., Straßbura, Metz, weiter die der Deutschen Kontinental=Gas=Gesellschaft zu Dessau, in M.=Gladbach, Erfurt und Gotha; endlich die der Imperial=Kontinental=Gas=Association zu London in Nachen, Frankfurt=Main und Hannover. In den aus 4—6 Mitgliedern bestehenden Aufsichtsrat wurden gewählt die Herren Direktor Söhren=Vonn(Vorsitzender), Beigeordneter Bleßinger=Elberfeld(stellvertretender Vorsitzender), Bürgermeister Ritter=Mannheim, Erster Bürgermeister Dr. Johannsen=Minden. Zum Vorstand wurde vorläufig Generalsekretär Steller in Köln ernannt, während die Anstellung eines geeigneten Fachmannes dennächst erfolgen soll.— Neben den gesetzlichen Organen der Gesellschaft besitzt diese einen Beirat von 10—15 Mitgliedern. zu dessen Vorsitzenden Direktor Prenger in Köln gewählt wurde. Ihre eigentliche Geschäftstätigkeit wird die neue Aktien=Gesellschaft erst mit Beginn des Jahres 1905 aufnehmen, da die Gaswerke allgemein ihren Koks bis 31. März nächsten Jahres verkauft haben. * Neuß, den 19. Septhr. 1Bruchtbörse.] Weizen neuer 1. Qual N. 19,00, 2. Qual. M. 17.50, 3. Qual. u—.— per 100 Kilo, neuer Roggen 1. Qual. M. 14,20 2. Qual. M. 12,70, s. Qual oi.— per 100 Kilo, alter Haler M.—.—, neuer Haser 1. Qual. M. 14,70, 2. Qudi. M. 19.70 per 100 Kllo, Kartosseln per 30 Kilo M. 3— bis 4,00, Heu per 50 Kilo M. 3,00 bis 4.—, Luzernerbeu per 60 Kilo N. 4./40, Maschinenstroh per 500 Kilo M. 18.—, Blegeldrusch per 500 Kile Pl. 29.—. Butter per Kile M. 2.30, Eier per Schock(130 St.) M. 8//0 Raps per 100 Kilo 1. Qual. M. 20.75, Raps per 100 Kilo 9. Qual. M. 19.75, Aveel(Rübsen) 1. Oual. M. 19.75, 2. Qual. M.—.— per Klie per 100 Kilo in Partien von 100 Ctr.(ohne Faß) 17 46.30 Nabs! per 100 Kilo sahweise(ohne Gaß) M. 48.00, gereinigtes Oel per 100 Kllo M. 3.— höher als Rüböl, Preßkuchen per 10.30 Kilo M. 102,—, in kleineren Partieen M 105.—, Weizen=Vorschuß 00 per 100 Kilo M.—.—, Kleie per 50 Kilo M. 6.50. Letzte Nachrichten. W Berlin, 19. Septbr.(Amtliche Meldung.) Reiter Gustav Förster, geb. am 19. 12. 1882 in Ober=Herwigsdorf, Kreis Zittau, ist am 18. 9. im Lazarett Okahandja an Typhus gestorben. Reiter Alfred Sedello geb. in Rastenburg, früher im Inf.=Regt. Nr. 87, seit 10. August bei Okateitei vermißt. Unteroffizier Fritz Müller, geb. 16. Februar 1879 in Groß=Wesenberg, Kr. Stormarn, früher im 9. Jägerbataillon, am 14. September im Lazarett zu Waterberg an Typhusgestorben. W Itzehoe, 19. September. Der Luftschiffer O. Liesche aus Hanburg, welcher gestern abend in Itzehoe im Netz ohne Gondel aufgestiegen war, ist in der Nähe von Wilste bei dem Landungsversuch abgestürzt und hat schwere innere Verletzungen sowie Armund Beinbrüche erlitten. W Binsdorf, 19. Septbr. Nach amtlicher Angabe sind 104 Gebäude abgebrannt. 500 Personen haben ihr Hab und Gut verloren und sind obdachlos. Der Schaden an Gebäuden wird auf 500000 Mark, der an Mobiliar und Vorräten auf 300000 Mark geschätzt. Der Minister des Innern Dr. v. Pischek besichtigte gestern den Brandplatz und versprach eine rasche und durchgreifende Hilfsaktion. W Rom, 19. Sept. Der Straßenbahn= und Droschkenverkehr funklioniert regelmäßig. In allen gewerblichen Betrieben wird wieder gearbeitet. Die Stadt zeigt das normale Aussehen. W Rom, 19. Sept. Die Arbeiter in Florenz, Livorno und Neapel haben beschlossen, heute die Arbeit auf 24 Stunden einzustellen. Die Geschältsläden in diesen Städten sind jedoch geöffnet. Auch in Venedig besteht ein Ausstand, doch sind dort die Läden geschlossen. W Rom, 19. Sept. Der Ausstand in Ancona, Forli und Como ist beendet. In Siena, Carrara, Ascoli Piceno und Novara haben die Arbeiter die Arbeit eingestellt. W Mailand, 19. Sept. In einer heute Nacht hier vom Eisenbahnpersonal abgehaltenen Versammlung wurde der Vorschlag eines Ausstandes abg — Die Züge verkehren regelmäßig auf allen Bahnhöfen. W Senna, 19. Sept. Der Ausstand ist beendet, die Eisenbahnen verkehren regelmäßig, die Arbeiter, einschließlich der Hasenarbeiter, haben die Arbeit wieder ausgenommen. W London, 19. September. Daily Chroniele meldet aus Liaujang vom 14. d. Mts.: Die Japaner entdeckten mehrere nicht explodierte Minen in der Nähe der russischen Verteidigungswerke. Die Russen entfalten südlich von Mutden eine lebhafte Tätigkeit. Die Japaner stellen die Eisenbahn im Süden von Lianjang wieder her und bauen Brücken über den Fluß. Durch Fernsprecher gemeldet: * Berlin, 20. Sept. In Winkel wurde der 70jährige Einwohner Hoenner von seinem Sohne im Streite getötet, hierauf brachte der Täter mittelst eines Knüppels auch der Mutter Verletzungen bei. * Außig, 20. Septbr. Die Elbschifffahrtsgesellschaft hat versuchsweise die Schifffahrt von Torgan aufwärts wieder ausgenommen. * Straßburg, 20. September. In Münster hat ein wahnsinnig gewordener Italiener das Haus einer Witwe in Brand gesteckt. Hierauf warf er seine Kinder zum Fenster hinaus, eines blieb tot. Infolge des starken Windes steht der ganze Häuser=Komplex in höchster Gefahr. Der Italiener ist geflüchtet. Tokio, 20. Septbr. Die Russen machten einen Ausfall aus Port Arthur, um die Höhen bei Etzseschan zurückzuerobern. Die 6 Bataillone, die an dem Ausfall teilnahmen, wurden von den Japanern mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Wetterbericht der deutschen Seewarte in Hamburg. Telegramm vom 20. September, 9 Uhr— Minuten. Voraussichtliches Wetter für den 21. September. Ruhiges, heiteres, trockenes, kaltes Wetter stellenweise Nachtfrost wahrscheinlich. gillen Brieskasten der Schriftleitung. Anfragen ist die letzte Bezugs=Quittung beizutügen. Kamenlose Anfragen bleiden unbeantwortet.) Merkur. 1) Bez. Dänemarks ist uns solches nicht bekannt, wohl für England. 2) Die Tranung ist auch in Deutschland gültig, wenn nicht Hindernisse vorliegen, die eine Heirat in Deutschland unmöglich machen würden, z. B. zu nahe Verwandtschaft. Die fehlende elterliche Einwilligung bei noch nicht volljährigen Personen kann übrigens in Deutschland durch ministeriellen Dispens erlassen werden. 3) Die standesgemäße Aussteuer kann ev. im gerichtlichen Wege erzwungen werden. C. E. Vielleicht wäre es richtiger, zu sagen,„am Fuße der letzteren“, aber salsch angewandt ist Ihre Fassung auch nicht, wenn auch das Sprachgefühl sich gegen die zweimalige Anwendung des Wortes„dieser“ sträubt. S. F. 8. Warum soll Ihnen denn der Staat oder die Stadt für das Jahr, in dem sie die Ehe schließen oder ein Geschäft eröffnen, die Steuer erlassen? Die Steuerbehörden geben keine Hochzeitsgeschenke und keine Geschäftsbeihilfen. Wer hat Ihnen das denn aufgebunden? 2) Das betr. Regiment ist uns augenblicklich nicht bekannt. S. 6s. Am besten Holzwolle oder Asche. Ein Polsterer, vielleicht aber noch besser ein Postbeamter kann Ihnen zweckdienliche Auskunft geben. Treuer Abonnent Neuenrade. Die Schuld ist verjährt und können Sie evtl. in gerichtlichen Termin sich auf die Verjährung berusen, worauf Abweisung des Klägers erfolgt. Da aber ein ehrlicher Mensch, wenn er kann, seine Schulden bezahlt, ohne Verjährung vorzuschützen, ist es besser, Sie bieten dem Kläger Ratenzahlungen an. Wenn er vernünftig ist, wird er damit zufrieden sein. Der betreffende„Privat=Unternehmer“, der die Schuld einklagen will, hat nicht mehr Recht als jeder andere Privatmann. Sollte der betreffende Rechtskonsulent oder wie er sich nennen mag, auch noch„Gebühren verlangen, so lehnen Sie die Zahlung der letzteren ab, denn zur Erhebung von Gebühren sind solche Leute nicht berechtigt. Seine Bemühungen mag er sich vom Auftraggeber bezahlen lassen. Nach Dahl. Jeder Teilnehmer an dem Zuge kann bestraft werden wegen Veranstaltung eines Aufzuges ohne Genehmigung. Da es sich um eine Uebertretung handelt, dürfte die Strafe 3 Mk. nicht übersteigen. Nr. 190. Die Anfrage ist nicht verständlich, wollen Sie diese ausführlicher fassen und den Tatbestand mitteilen, sonst ist eine Beantwortung nicht möglich. J. P. Bis zum Einbruch der Dunkelheit müssen Sie eine Besichtigung der Wohnung gestatten. An Sonn= und Feiertagen nicht, an Werktagen also wie üblich von 9—12 Uhr, nachmittags von 2—6 Uhr. Die Zeiten sind natürlich nicht überall dieselben und können nur allgemein angegeben werden. A. M. Am besten wenden Sie sich an den hiesigen israelitischen Kultusbeamten, dessen Adresse Sie leicht erfahren können. H. V. Wenn nicht gerichtlich die Konfiskation der Waffe ausgesprochen ist, muß seitens der Polizei die Rückgabe erfolgen. W. H. Der Vater ist in Ihrem Falle nicht haftpflichtig. Nr. 200 T. Im Zollhafen Hamburg wird der Zoll erhoben, im Freihasengebiet nicht. Verantwortl. s. d. polit. u. allgem. Tell Karl Maron, für den provinziellen Teil Karl Hartenfels, für die Anzeigen G. E. Krüner, sämtlich in Hagen, Schriftleitung und Geschäftsstelle: Hagen, Mittelstr. 22. Beste Seife für Rüche, Werkstatt, Bureau, Fabrik! Ueberall zu haben, 10 Pfa. pr. Stück. Abrador beteteteeteletetteteieteethe Margarete Krone* Emil Rüsen Verlobte. Rath bei Düsseldort, den 19. September 1904. Wilhelm: Krause 3 Kornelle Krause* 9 gob. Sturm Vermählte. &a Hagen, 20. Soptemb. 1904 Bwangsver fleigerung. Am 21. 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Am Samstagabend entschlief sanft nach kurzem Leiden unser treuer, gewissenhafter Arbeiter und lieber Arbeitskollege Emil Brenne im zwanzigsten Lebensjahre. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Vogelsang, 19. September 1904. Hasenclever& Sohn, zugleich im Namen unserer Arbeiter. Am 10. Oktober d. J. beginnen in Dortmund in dem eigen## zu diesem Zwecke auf dem Grundstücke der Handwerkskammer in Dortmund errichteten Gebäude, Kaiserstraße 78, die Meisterkurse für Schuhmacher, Schneider, Schlosser und Schreiner. Dieselben haben den Zweck, die Teilnehmer mit den Neuerungen und Spezialtechniken, sowie mit den Werkzeug- und Kraftmaschinen ihres Gewerbes, sowie mit der gewerblichen Buchführung und Kalkulation vertraut zu machen und sie zu besonders tüchtiger und mustergiltiger Ausführung der in ihr Handwerk einschlagenden Arbeiten zu befähigen. 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In dieser Versammlung von Vertretern epanglischer Pfarrvereine hat sich klar gezeigt, daß auch von geistlicher Seite die Beseitigung der geistlichen Schulaussicht gewünscht wird. Die liberalen Parteien haben seit langem die Abschaffung der jetzt bestehenden Einrichtung und die Einführung einer fachmännischen Schulaufsicht gefordert, ohne bisher mit diesem Verlangen durchdringen zu können. Für diese Bestrebungen ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung, daß jetzt auch die Funktionäre der geistlichen Schulaussicht selbst ihr Einverständnis mit der allgemeinen Einführung einer fachmännischen Schulaufsicht kundgeben. Auf dem Pfarrertag in Posen hat der Pfarrer Schrader=Hersseld die Frage, ob geistliche oder Fachaussicht, als hinreichend geklärt und spruchreif bezeichnet und ausgeführt, daß die Mehrzahl der Pfarrvereine gegen eine technisch=fachmännische Schulaufsicht vom kirchlichen Standpunkte nichts einzuwenden hätten. Nur die preußischen Vereine im Osten(mit Ausnahme von Posen und Berlin) hielten an der geistlichen Schulaufsicht fest. Mit Recht legte der Referent dar, daß das Amt eines Schulinspektors heute einen ganzen Mann erfordere, das sei eben eine naturgemäße Folge der Entwickelung der Schule, die selbständig geworden sei. Die Tage der geistlichen Schulaussicht seien gezählt. Diese Entwickelung aufhalten zu wollen heiße gegen Windmühlen ankämpfen. Zu dem gleichen Ergebnis kam auch der zweite Berichterstatter Psarrer TodiObermeisen, der hervorhob, daß der Pfarrer dem Volk und der Behörde freier gegenüberstände, wenn er nicht das Amt eines Schulaufsichtsbeamten bekleide. Diesen Ausführungen entsprechend hat der deutsche Pfarrertag eine Resolution angenommen, in welcher anerkannt wird, daß das Wohl und Wehe der Kirche wie der Gemeinde nicht abhängig sei von der Aufrechterhaltung der Schulaufsicht in ihrer jetzigen Gestalt. Damit hat der deutsche Pfarrertag grundsätzlich seine Zustimmung zu der von liberaler Seite stets geltend gemachten Forderung ausgesprochen, daß die geistliche Schulaussicht abzuschaffen ist. Der Pfarrertag hat anerkannt, daß die Kirche andere Aufgaben hat als die Schule und daß der Geistliche nicht berusen ist, die Schulaussicht auszuüben. Das ist Sache der Fachmänner, die durch ihren Bildungsgang und ihre Tätigkeit mit den Bedürfnissen der Schule vertraut sind. Der deutsche Pfarrertag will aber die Schulaussicht nicht ohne„Kompensationen“, aus der Hand geben nach dem Muster politischer Tauschgeschäfte, wie sie heutzutage an manchen Stellen beliebt sind. In der Resolution des Pfarrertages wird gefordert, daß eine grundlegende Aenderung auf dem Gebiete der Schulanssicht nur durch ein Unterrichtsgesetz herbeigeführt werden könne, durch welches das Aufsichtsrecht der Kirche über den Religionsunterricht festgelegt und das kirchliche Vermögen der Schulstellen sichergestellt wird. Dieser Kompensationsforderung können wir nicht zustimmen. Daß das Verlangen nach allgemeiner Einführung der fachmännischen Schulaussicht grundsätzlich berechtigt ist, hat der deutsche Pfarrertag selbst anerkannt. Die Ersüllung dieser Forderung darf nicht an eine„Kompensation“ geknüpft werden, gegen welche gewichtige Bedenken geltend zu machen sind. In dem Schulgesetz des Grafen Zedlitz hat eine ähnliche Bestimmung, wie sie in der Resolution des Pfarrertages gefordert wird, lebhaften Widerspruch hervorgerufen und nicht zuletzt zum Scheiteru des Entwurfe beigetragen. Durch das Zedlitzsche Schulgesetz sollte in bezug auf die Beaussichtigung des Religions= unterrichtes in den Volksschulen den mit der Leitung des Religionsunterrichtes von den betreffenden Religionsgesellschaften beauftragten Geistlichen das Recht beigelegt werden, dem Religionsunterricht in der Schule beizuwohnen, an die Kinder Fragen zu stellen, den Lehrer nach Schluß des Unterrichts sachlich zu berich* 24) Dunkle Wege. Roman von Conring. (Schluß.) Ihm, dem strengen Katholiken, blieb Konstanze das Weib eines anderen, selbst dann, wenn die bürgerliche Scheidung ausgesprochen worden wäre. Rooneck wollte sich nicht in Versuchung bringen, um so mehr als die schmerzliche Süßigkeit ihrer Nähe schon eine Gefahr für seine Ruhe bedeutete. Wie ein Mondenstrahl, leise und zart, glitt sie durch das alte graue Haus. Der weiche Ton ihrer Stimme berührte ihn wie eine Liebkosung und der scheue, traurige Blick, der bisweilen wie in flehender Bitte an ihm haftete, machte sein Herz stürmisch klopfen. Er schalt sich selber über solche Schwäche und zwang sich zu ruhiger Kühle. Sie war seiner Großmut schutzlos anheim gegeben und sein Gast, ihm dadurch aber noch tausendmal heiliger. a. Sie selber sprach von Abreise. Eine kleine, ganz nlue Wohnung in Münster, wo niemand sie suchen würde, weit draußen im Grünen. Das wünschte sie und erwähnte es mehrfach. Rooneck war dagegen: „Ich halte alle Pläne für verfrüht. Wenn ich in Walddorf etwas erreicht habe, sprechen wir weiter davon. Bis zu meiner Rückkehr bleiden Sie jedenfalls in Gerdringen unter Frau Hindebergs Schutz.“ Sie fügte sich. Rooneck reiste ab und Konstanze erwartete seine Rückkehr in gefaßter Ruhe. Sie war so ergeben, daß Frau Hindeberg, die ganz genau wuste, was für Mutter und Kind auf dem Spiele stayd, im stillen verwundert war: Das hatte doch etwae Unnatürliches, wenn man sich in solcher Lage denehmen konnte, wie immer. Am Abend des zweiten Tages kam Rooneck zurück. Er stand plötzlich, ohne daß Konstanze seinen Wagen gehört hatte, im Wohnzimmer. Mit festem Druck nahm er ihre Hand. „Ihr Gatte ist sehr krank,“ sagte er.„So krank, daß er an keine Gewaltmaßregeln denken kann. Sie können über Kurts Schicksal außer Sorge sein.“ Er sagte nicht, daß er mit eigener Lebensgefahr den Tobsüchtigen gebändigt hatte, bis es den Knechten gelungen war, ihn zu fesseln und wie ein wildes Tier in den Wagen zu schleppen. Die grauenhafte Szene, die er da durchlebt, das Jammern und Hilferufen des bedrohten alten Mannes, den sie allein bei dem Rasenden gelassen hatten, die feige Flucht der Knechte, die nur durch Roonecks Drohungen bewogen werden konnten, ihm deizustehen, das Schreien und Toben des Kranken und seine schreckliche, hilflose Wut, als er endlich übertigen, sowie entsprechend mit Weisungen zu versehen. Die kirchliche Oberbehörde sollte befugt sein, im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten den Ortsgeistlichen ganz oder teilweise mit der Erteilung des Religionsunterrichtes zu beauftragen. An diese Bestimmung hat offenbar der Pfarrertag gedacht, wenn er fordert, daß durch ein Unterrichtsgesetz das Aussichtsrecht der Kirche über den Religionsunterricht festgelegt werden soll. Es bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung, um darzutun, daß eine solche Regelung der Beaussichtigung des Religionsunterrichtes von liberaler Seite nicht zugestanden werden kann. Vielmehr hat auch der Katholikentag in Regensburg nicht verlangt, wenn er den Satz aufstellt, daß in der Schule die Geistlichkeit zu regieren habe. Die Schule ist eine staatliche Einrichtung, und die Geistlichkeit hat nach unserem Dafürhalten überhaupt nichts in der Schule zu tun. Daß der Religionsunterricht nicht zu kurz kommit, dafür wird der Kultusminister schon sorgen.— Darüber können die Geistlichen ganz ruhig sein. * H a g e n, 2 0. S e p t b r.[ G e g e n d i e K a r t o f f e l Verteuerungen] werden jetzt behördliche Maßnahmen getroffen. Die Kartoffel= Verteuerungen entspringen mancherlei Gründen, wenngleich bei rationeller Volkswirtschaft eine Verteuerung gerade dieses bevorzugten Nahrungsmittels nicht einzutreten brauchte. Statistisch ist bereits festgestellt, daß wegen der Dürre auf dem Hochlande eine Mißernte in Kartoffeln herrscht. Was indessen das Hochland nicht bringt, wird in großer Menge von den Niederungen und bewässerten Landstrichen gebracht, so daß ein Ausgleich wohl mönlich wäre. Man muß bedenken, daß dem Bauern im Flachund Hochlande wegen der mißratenen Heuernte das ersorderliche Futter für das Vieh fehlt. Es kann ihm daher nicht verdacht werden, daß er seinen geringen Kartoffelertrag festhält, um ihn, mit Häcksel 2c. vermengt, für die Fütterung seines Viebes zu verbrauchen. Von zahlreichen Landratsämtern wird nun die Landbevölkerung darauf hingewiesen, im eigensten Interesse keine Kartoffeln an Großhändler und Agenten zu verkaufen. Einmal würden sie durch die Kartoffelverkäufe eines wichtigen Viehfutters beraubt und müßten sich dieres dann später für teures Geld wieder einkaufen, anderseits würde dem Preistreiben durch die Spekulanten das Lebensmark genommen werden. Es ist ermittelt worden, daß eine Gruppe von Großhändlern mit allen Schikanen bemüht ist, die Kartoffeln auf dem Lande aufzukaufen, um sie zu gegebener Zeit mit ungeheurem Aufschlag auf den Markt zu bringen. Schon heute kostet der Doppelzentner Kartoffeln im Kleinverkehr 8 Mark und mehr; gelingt der Gruppe ihr Vorhaben, so dürfte der Doppelzentner für den Kleinhandel auf 12—16 Mark zu stehen kommen. Diese landratsamtlichen Auslassungen werden noch erweitert durch die Mitteilung, daß u. a. viele Großhändler zur Ausfuhr nach anderen Ländern Kartoffelvorräte anzukaufen bemühl sind. * Schwerte, 19. Sept.[Von einem traurigen Unglücksfall] wurden heute morgen zwei Dienstmädchen des Gutsbesitzers Wortmann hierselbst betroffen. Mit Strohbinden beschäftigt, kamen dieselben dem Gövelwerk der im Betriebe befindlichen Dreschmaschine zu nahe, wurden von der Maschine ersaßt und erlitten ziemlich erhebliche Verletzungen an Armen und Beinen. Mittels Wagens wurden sie dem Krankenhause in Schwerte zugeführt. Wie das Unglück hat entstehen können, ist noch nicht aufgeklärt, da das Getriebe und die Stangen vorschriftsmäßig bedeckt waren. * Courl, 18. Sept.[Ein surchtbarer Brand,] der schlimmer und schrecklicher wohl nicht gedacht werden kann, wütete heute auf der hiesigen Zeche„Courl“. Kurz vor 9 Uhr abends ertönten die Feuersignale. Es brannte im Schachtgebäude des Schachtes 2. Iin Nu war das ganze Gebäude ein Flammenmeer und die ganze Zeche sehr gefährdet. Ein wahrer Funkenregen sprühte vernieder und alles harrte ängstlich der Dinge, die da kommen würden. Hunderte von Menschen aus nah und fern strömten in Scharen herbei. Zur Zeit, als der Brand ausbrauch, befanden sich zirka 400 Bergleute in der Grube, die so schnell wie möglich gerettet werden mußten, weil eine Zerstörung der Luft- und Wasserpumpen zu wältigt war— das alles sollte die Frau nie erfahren. Es blieb schon genug des Traurigen, das man ihr nicht ersparen konnte. Nach einer langen Pause fragte Konstanze: „Wo ist er? In Walddorf!“ Und wer pflegt ihn da?“ „Nein, gnädige Frau. Es ist besser, Sie erfahren die Wahrheit. Ihr Gatte ist im Irrenhause.“ „Barmherziger Golt!“ Rooneck sah, wie ihre Tränen auf die abgemagerten weißen Hände herabfielen— unaufhaltsam, heiß und brennend: „Tann muß ich zu ihm. Es ist meine Pflicht, ihn zu pflegen. Vielleicht würde er mich um sich dulden. Jedenfalls muß ich's doch versuchen?!“ „Er erkennt niemand. Der Arzt wird Ihnen nicht gestatten, den Kranken zu sehen— Sie können ihm nicht helfen. Es geschieht alles für ihn. was möglich ist.“ „Was ist es mit meinem Mann! Sagen Sie mir alles. Ist sein Zustand gefährlich?“ „Ich will Ihnen nichts verhehlen. So manches kommt da zusammen. Die Kopfwunde, deren Narde auf das Gehirn drückte, dat überdies einen entzündlichen Zustand dervorgerufen und durch den unmätinen Genuß von Spiritnosen ist die Sache sehr bösartig geworden. Ich habe den Kranken in die Anstalt begleitet und den Oberarzt gesprochen. Dieser sagt, daß sich der Anfall, wie ich in Walddorf einen erlebt habe, voraussichtlich in kurzer Zeit wiederholen wird.“ „Und dann?“ „Dann wird ihn Herr van Harpen menschlichem Ermessen nach nicht überleben.“ Sechzehntes Kapitel. Es war im Mai des nächsten Jadres. Van Harven ruhte schon seit vierzehn Monaten unter dem schmucklosen Holzkreuze auf dem Friedhofe des Irrenhauses. Konstanze hatte sich mit der kleinen Summe, die ihr ihr Schwiegervater gab, in Münster eine ganz bescheidene Wohnung eingerichtet und lebte da mit Kurt. Es war noch immer dunkel und trübe um sie der. Kurt machte ihr schwere Sorge. In der Schule war er nur einige Wochen gewesen. Er konnte dem Unterricht nicht folgen. Seine Nervosität nahm in beängstigender Weise zu. Er weinte viel, schlief schlecht und hatte ein blasses, elendes Aussehen. Der Aufenthalt bei Doktor Schinidt hatte das nervöse, zarte Kind völlig ruiniert. Er konnte stundenlang von dem Leben dort reden und sich in eine solche Angst hineinsteigern, daß er schweißbedeckt, zitternd in Konstanzens Arme flüchtete und sie, mit der Todesbefürchten war. Die Förderung ging recht flott vorwärts. Doch leider fehlten um 3 Uhr diese Nacht noch zwei Familienväter, über deren Schicksal noch nichts bekannt geworden ist. Mehrere Male versuchten mutige Männer, in die Grube zu dringen und die Kameraden zu retten, mußten jedoch wegen schlechter Luft alsbald die Rettung aufgeben. Im Schachtgebände befanden sich die Luft= und Wasservumpen, die elektrische Kabelleitung sowie ein Reserveschacht für Personenförderung. In diesen Schacht ist ebenfalls das Feuer gedrungen und zwar schon 300 Meter ties. Der Förderkorb, dessen Seil von der Hitze geschmolzen, sowie eine schwere Seilscheibe sind mit einem gewaltigen Krach in den Abgrund gestürzt. Die Luftpumpen mußten zum Teil außer Betrieb gesetzt werden, um das Feuer nicht noch mehr zu schüren. Die Feuerwehr von Methler, Zeche „Preußen“ und„Gneisenau“ waren bald zur Stelle, doch konnten dieselben nicht viel ausrichten und mußten sich damit begnügen, das Feuer vom Hauptschacht fern zu halten. Ein großes Glück war es, daß Gegenwind herrschte. Es wäre sonst die ganze Zeche ein Raub der Flammen geworden, und das Los der zirka 400 Knappen wäre besiegelt gewesen. Wodurch das Feuer entstanden, ist noch unbekannt. * Bochum. 19. Sept.[Ein böser Gast] hat in Bochum Einkehr gehalten: die Diphtheritis. An der Krankheit liegt eine große Anzahl Erwachsener und Kinder darnieder. In einer Familie sind Mann, Frau und Kind erkrankt. An dem Manne mußte Donnerstag der Luftröhrenschnitt vorgenommen werden. * Hamm k. W., 19. September.[Opfer des Alkohols.] Aus der Abse, einem Nebenfluß der Lippe, wurde die Leiche einer Arbeitsfrau aufgefischt. Die Frau, die dem Trunke ergeben war und kurz vor dem Unglücksfall wieder einmal dem Schnaps zugesprochen hatte, war in der Dunkelheit vom richtigen Wege abgeraten und in den Fluß gestürzt. * Dahlhausen a. d. Ruhr, 19. September.[Entlassene Bergarbeiter.] Auf der Zeche Hasenwinkel, deren Belegschaft bei dem Uebergange aus dem Besitze des Bochumer Vereins in denjenigen der Aktiengesellschaft Friedlicher Nachbar im Frühjahr dieses Jahres um über 400 Arbeiter vermindert wurde, wurde neuerdings wieder 40 Arbeitern nade gelegt, ihre Abkehr zu nehmen. Bis jetzt haben zwölf Mann freiwillig gekündigt. * Barmen, 17. September.[Infolge von Blutvergiftung] ist der Fabrikarbeiter Emil Dickmann gestorben. Er war am 2. d. M. von einem Hunde in die Hand gebissen worden. D. hatte die Wunde wenig beachtet und in der chemischen Fabrik auf Eynern weiter gearbeitet, bis die Hand und der Arm auschwollen. Auf Anordnung eines Arztes wurde er dann nach dem städt. Krankenhause übergeführt, 1oo er gestern nachmittag an den Folgen der Blutvergiftung gestorden ist. * Barmen, 17. Sept.[Beschlaanahmte Leiche.] In der Nacht von Montag zu Dienstag starb plötzlich, wie es heißt, am Herzschlan, der 37jährige Wirt Karl Bosselmann in der Schwarzbachstraße. Die Beerdigung fand gestern nachmittag auf dem Nornberger Friedhof statt. Kurze Zeit nach der Beerdigung wurde auf Anordnung der Königl. Staatsanwaltschaft die Leiche im Grabe beschlagnahmt und nach dem städtischen Totenhause in Klingelholl gebracht, um dort durch Obduktion die Todesursache, über die Zweifel laut geworden waren, festzustellen. * Elberfeld, 19. Septhr.[Verhäugnisvoller Hundebeß.] Der Fabrikarbeiter Emil Tickmann, Neustraße 21, wurde am 2. September in einem Flaschenbierkeller in der Wirkerstraße 1, wo er sich eine Flasche Bier holen wollte, von einem Hunde in die rechte Hand gebissen. Als die Verletzung einen gefährlichen Charakter annahm, ist D. auf ärztliche Veranlassung am 12. ds. ins städtische Krankenhaus eingeliefert worden, wo er gestern nachmittag 2½ Uhr gestorben ist. Der Hund, von dem Dickmann gebissen worden war, lag in dem Keller an einer Kette. Dickmann war trotz des Verbotes des Eigentümers, an den Hund heranzutreten, doch zu dem Tier gegangen, das dabei um sich biß. D. arbeitete in der chemischen Fabrik Eynerngraben und soll sich an dem Tage. an dem er gebissen wurde, vorher mit Säure verbrannt haben. angst im Herzen, scherzen und lachen mußte, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Rooneck kam nur selten. Bisweilen fuhr er mit seinem hübschen Wagen vor und nahm Kurt zu einer Spazierfahrt mit. Das waren immer selige Stunden für den Jungen, der Rooneck vergötterte. Gegen Konstanze blieb er immer derselbe. Freundschaftlich und gütig, aber nicht mehr. Sie lebte von den seltenen Augenblicken, wo er sie besuchte— wunschlos, ergeben sah sie ihm nach, wenn er wieder ging. Sie hatte gelernt, sich zu bescheiden. Heute, an diesem warmen, strahlenden Maitage saß er Konstanze auf dem Balkon ihrer kleinen Wohnung gegenüber. Er war schon lange da, batte augenscheinlich etwas auf dem Herzen und wagte sich nicht damit bervor. Endlich, ganz unvermittelt, fast rauh, stieß er jetzt hervor: „Ich muß Ihnen etwas mitteilen. Ich habe mich entschlossen, wieder nach drüben zu gehen!“ Sie suß halb von ihm abgewendet und schützte die Augen mit der schmalen, durchsichtigen Hand. Als sie schwieg, fuhr er fort: „Geben Sie mir nicht recht, wenn ich frage, was soll ich hier? Es fehlt mir an Arbeit, an Gelegenheit. mich auszuleben. An eine Tätigkeit nach außen ist doch für mich nicht zu denken. Ich bin nun einmal deklassiert. Und dann, ich finde mich hier in den kleinen, engen Verhältnissen nicht mehr zurecht. Ich sehne mich nach Freiheit, nach meinem gedeihlichen Schaffen drüden zurück.“ „Und Gerdringen?" Sie fragte das tonlos mit leiser Stimme. „Gerdringen? Ich bitte Sie, das wird so tadellos bewirtschaftet, daß ich nur störend eingreifen könnte. Ich habe mich mit meinem Vetter Paul geeinigt. Er übermimmt das Gut und zahlt mir eine Summe aus, die ich in Südamerika dringend nötig habe, um meinen Besitz am La Plata zu erweitern.“ „Es ist also alles beschlossene Sache! Und wann gedenken Sie zu reisen?“ „Bald, in allernächster Zeit. Ob, wenn Sie wüßten, wie ich mich nach einem Ritt über die Pampas sehne! Da ist noch Freiheit und Freude am Schaffen! Ich bin kein reicher Mann und werde noch jahrelung dart arbeiten müssen, ehe ich es auch nur zu mäßiger Wohlhabenheit bringe— aber es ist dort alles so ganz anders wie hier! Dort adelt die Arbeit, dort fragt man mich nicht: was bist Du, wie heißt Du?— sondern, was kannst Du? Und das tut wohl, das macht stark und frei! Ach, das alte Europa mit seinen Vorurteilen und kleinlichen Nöten kommt einem wie ein enger Käfig vor— man liebt es, man sehnt sich auch vielleicht darnach— 1 * Düsseldorf, 19. September.[In den Rhein gesprungen.] Gestern nachmittag gegen 6 Uhr sprang ein Invalide aus Kettwig in selbstmörderischer Absicht in den Rhein. Er wurde indessen von einigen Herren wieder aufgefischt und aufs Trockene gebracht. Die Polizei nahm sich des Lebensmüden an und fand bei näherer Untersuchung, daß es sich um eine wegen Sittlichkeitsverbrechens steckbrieflich verfolgte Persönlichkeit handelte. Der Mann wanderte deshalb hinter Schloß und Riegel. * Düsseldors, 19. September.[Klingende Anerkennung einer wackeren Tat.] Ein hiesiger Arbeiter rettete gestern einen Rentner, der bei einer Kahnfahrt auf dem Rhein ins Wasser stürzte, vom Tode des Ertrinkens. Der Gerettete dankte seinem Retter und händigte demselben ein Geldgeschenk von 1200 Mark ein. * N i c h r a t h( D ü s s e l d o r f), 1 7. S e p t.[ K a n i n c h e n= plage.] Seit längerer Zeit sind in hiesiger Gegend die wilden Kaninchen eine wahre Plage für die Landwirtschaft, der sie fortgesetzt großen Schaden zufügen. Den vielen Klagen der Landwirte scheint man jetzt Rechnung zu tragen, denn seit einiger Zeit werden, nachdem die Behörde das Gebiet besichtigt hat, Treibjagden aus dieselben veranstaltet. Unsere Umgegend bietet auch ein ausgezeichnetes Feld für den Aufenthalt dieser Schädlinge. * Vorbeck, 16. Sept.[Verschiedenes.] Gestern abend kam der auf Eisenhütte Phönix mit Anstreichen beschäftigte Dachdecker Heinrich Lau so unglücklich mit seiner Leiter zu Falle, daß er sofort tot war. Er ist verheiratet und Vater eines Kindes.— In vergangener Nacht wurde in das Geschäft von Heumann an der Niederstraße eingebrochen, wobei Anzüge, Schuhe und Kleidungsstücke im Werte von 500 Mk. von den unbekannten Verbrechern gestohlen wurden. * Biersen, 19. Septhr.[Blutvergiftung.] Ein hiesiges Mädchen kratzte sich eine geringfügige Wunde an der Lippe mit dem Fingernagel auf. Es entstand eine Blutvergiftung, die nunmehr den Tod der Bedauernswerten herbeigeführt hat. * Immigrath, 19. Septbr.[„Spiele nicht mit Schiengewehr.“] Ein Geselle des hier ansässigen Schneidermeisters Jansens hantierte so unglücklich mit einer geladenen Salonbüchse, daß sich der Schuß entlud und die volle Ladung den jungen Mann in die Brust traf. Das Befinden des Verletzten ist hoffnungslos. * Köln, 19. Sept.[Ein aufregender Unglücksfall] ereignete sich gestern abend auf der Rheinwerft an der Bayenstraße. Dort spielte eine Kinderschar an einem Rollwagen, der mit geschlossener Bremse und Hemmklötzen unter den Hinterrädern auf der ziemlich abschüssigen Stelle stand. Während sich zwei kleine Knaben und ein Mädchen auf dem Wagen befanden, löste ein Junge die Bremse, ein anderer entfernte die Hemmklötze und ein dritter ergriff die Deichsel, die er nach dem Rhein zuwendete. Dadurch kam der Wagen ins Nollen, lief etwa 15 Meter weit und stürzte dann kopfüber von der Werstmauer ins Wasser, einen Knaben und das Mädchen mitreißend und unter sich begrabend. Dem andern auf dem Wagen stehenden Jungen war es im letzten Augenblick gelungen, abzuspringen. Sofort eilten mehrere Männer zur Hilfe herbei, doch gestaltete sich das Rettungswerk außerordentlich schwierig, da man erst Taue herbeiholen mußte, um den Wagen hochzuziehen. Da erschien im Augenblick der höchsten Not der in Diensten der Firma Koll u. Kubach stehende Fuhrmann Wilhelm Salchert und warf sich sofort in voller Kleidung in das Wasser. Er schwamm unter den Wagen und brachte beide Kinder hervor, die durch die Hülfe mit Haken bereitstehender Schiffer ans Ufer befördert wurden. Der Wirt Raffauf hatte inzwischen den Arzt Dr. Hardenbicker herbeigeholt und die Sanitätswache der Feuerwehr alarmiert, die sofort eintrafen, ebenso erschien Polizeikommissar Wüstemann auf der Unglücksstätte. Die von dem Arzt angestellten Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg, doch haben beide Kinder mehr oder minder schwere innere Verletzungen und Wunden im Gesicht erlitten. Der Knabe, dessen Zustand bedenklich sein soll, wurde in die elterliche Wohnung am Katharinengraben, das Mädchen durch den Krankenwagen zum Augustahospital gebracht. Ohne die heldenmutige Tat des Fuhraber man hat verlernt, sich seinen Anschauungen zu fügen. Sie schweigen noch immer? Habe ich Sie so sehr überrascht, daß Sie kein Wort der Billigung für mein Vorhaben finden?“ Sie nahm sich gewaltsam zusammen: „Es freut mich für Sie, gewiß, zweiseln Sie nicht daran, und ich beneide Sie um Ihre Energie. Natürlich tut es mir sehr leid, daß Sie fortgehen wollen. Und Kurt wird trostlos sein.“ „Was Kurt anbetrifft.“— Rooneck sah an Konstanze vorüber so angelegentlich auf den Blütenschnee des kleinen Kirschbaumes, als wollte er die einzelnen Blättchen zählen—„meinen Sie nicht, Frau Konstanze, daß aus dem nervösen Jungen drüben, durch den Klimawechsel und das freie Leben ohne Schulzwang, ein ganz anderer Mensch werden würde?“ Sie war aufgesprungen— blaß bis in die Lippen: „Herr von Rooneck! Sie wollen mir Kurt nehmen? Sie muten mir zu, mich von meinem Kinde zu trennen?“ „Wer sagt das, Konstanze. Trauen Sie mir soviel Härte zu! Ich habe Ihnen freilich kein glänzendes Los zu dieten, aber——“ Erglühend schlug sie die Hände vor das Gesicht: „Das nicht! Nicht so! Das ist Mitleid!“ „Ach nein.“ Seine tiefe Stimme zitterte in mächtiger Bewegung:„Weißt Du denn nicht, daß ich Dich immer geliebt habe und bis an das Ende meines Lebens lieben werde?“ Wortlos lag sie an seinem Herzen und er streichelte sanft das weiche, hier und da von Silberfäden durchzogene Daar: „Wirst Du es auch nicht bereuen? Du mußt ein Leben harter Arbeit mit mir teilen?“ „Ich bin's ja nicht wert,“ murmelte sie.„Und wenn es in Not und Tod wäre, ich ginge mit Dir!“ Er sagte ihr nicht:„Was wäre uns beiden erspart geblieben, wenn Du damals so gesprochen hättest"— er dachte vielleicht nicht einmal daran. Sie aber kam nicht darüber hinweg: „Und ich habe Dich verraten und verlassen können!“ „Konstanze.“ Er nahm ihre Hände in die seinen und sah ihr ins Auge. Sehr liebevoll und sehr fest sprach er: „Wir wollen die Vergangenheit begraben sein lassen. Sie darf nie wieder zwischen uns erwähnt werden. Vor uns liegt, nach Gottes Willen, ehrliche Arbeit und wir wollen Schulter an Schulter wie gute Kameraden ihr entgegen gehen und ihren Segen erbitten.“ manns Salchert, der 39 Jahre alt und Vater von fünf Kindern ist, hätten die beiden Kinder sicher ihren Tod in den Fluten gesunden. Den Eltern aber diene der Vorsall zur Mahnung, ihren Kindern das Spielen am Rhein zu untersagen, die Werstpolizei ist gegen das kleine, übermütige Volk so gut wie machtlos. Aus anderen Provinzen und Ländern. 17. Sept.[Zur Familientragödie.] Baron von Lengerke, der in Erbes=Büdesheim seinen Schwiegervater erschossen hat, befindet sich wegen der ihm zugefügten Verletzungen in ärztlicher Pflege. Sobald er aber trausportfähig ist, wird er in das hiesige Untersuchungsgesängnis eingeliefert. —“ Halberstadt, 17. Sept.[Eine verzweifelte Mutter.] Aus dem Klosterteiche bei Roederhof wurden vier Leichen gezogen. Es ist eine Mutter mit ihren drei Kindern, die Familie des Bahnarbeiters Stagge in Dingelstedt. Die unglückliche Frau ist anscheinend nur zu dem Zwecke hierher gereist, um ihren Entschluß aus. zuführen. Was der Beweggrund der Tat gewesen, ist noch nicht bekannt. * Belgard, 17. September.[Raubmord.] Auf der Chaussee wurde der Bäcker Röblitz das Opfer eines Raubmordes. Man fand die Leiche mit zertrümmertem Nasenbein und Wunden an den Schläsen. Der Mörder, ein Arbeiter, wurde verhaftet. Vereinsnachrichten und Festlichkeiten. ( Hagen, 20. September.[Blaues Kreuz.] Man schreibt uns: Nach Ablauf des Geschäftsjahres am 1. September d. J. ergibt die aufgestellte Statistik folgende beachtenswerte Zahlen: Anzahl der Mitglieder und Anhänger 115. Von den gewesenen Trinkern beobachten die völlige Enthaltsamkeit seit 10 Jahren und mehr 10, seit 5 Jahren und mehr 18, seit 1 Jahr und mehr 36. Die Resultate unserer Arbeit beweisen, daß das Interesse für das Blaue Kreuz wächst, wie auch besonders im letzten Jahre Trunksüchtige aus den besseren Gesellschaftskreisen uns zur Pflege überwiesen sind, auch sind die Fälle nicht selten gewesen, wo durch die Trunksucht heruntergekommene Personen aus eigenem Antriebe Hilfe und Rettung bei uns suchten und fanden. Das Arbeitsseld ist groß und wird von Jahr zu Jahr größer, leider sehlt es aber noch sehr an Arbeitskräften. Die angestrebte Anstellung eines Berufsarbeiters für das Blaue Kreuz kann noch nicht erfolgen, da dem Verein die nötigen Mittel zur auskömmlichen Besoldung einer Arbeitskraft bis jetzt nicht zur Verfügung stehen und die Ueberschüsse früherer Jahre teilweise zur Deckung von Mietsausfällen im Jahre 1903/4 haben verwandt werden müssen. Die Bürgerschaft Hagens, welche zu unserer Freude unsere Bestrebungen mit sichtlichem Interesse verfolgt, bitten wir um recht regen Besuch unseres Jahresfestes am 25. d. Mts. und verweisen des näheren über das Fest auf den Anzeigenteil dieses Blattes. sed vitse Nur ein Lehrjahr für Kanslente. Der einjährige Besuch der Kaufmännischen Fachschule zu Hagen, Elberfelderstraße Nr. 33 ersetzt vollständig die sonst übliche 8jährige Lehre. Uebungs=Kontor zur praktischen Ausbildung. Lehrzeugnis nach erfolgreichem Besuch. Kostenfreie Stellenvermittelung für Schüler. Unterricht in Einzelkursen für Damen und Herren in allen kaufmännischen Fächern und Freindsprachen. Ferner: Halbjahres=Kurse für Damen und Herren. Beginn neuer Kurse zu Anfang jeden Monats. Prospekte kostenlos. Anmeldungen nimmt entgegen 24075 die Schulleitung. " fcties (Saxlehner’s Bitterquelle) ist ein sicheres, angenehmes, mildes Abführmittel von gleichmässiger Wirkung. Aerztlich empfohlen bei habitueller und gelegentlicher Verstopfung, Congestionen, Verdauungsstörungen, Fettleibigkeit, Leberleiden, Anlage zu Gicht und Rheumatismus etc. Erhältlich in den Apotheken, Drogenhandlungen und allen Mineralwasserdepöts Asländieche Staate, Preriusialund Kommunal-Anleihen. N##(N. 4%) abg. Deutsche Reichsanleihe 14 ###5% alte dergleichen 14 3% dargleichen 345%(früher 4½) abg. Preuss. Konsols 101 alte dergleichen 104 3% dergleichen 88 3% Sächsische Rente 86 3% Brem. Staatsanl. v. 1903 87 Hamb. Steatsanl. v. 1909 8 6½% Rhein. Provinz.-Anl. Ausg. XXIV dergl. Ausg. XX-XXI14 3½ Westtal. Provinz.-Anl. 318 dergleichen dergleichen dergleichen 3½5% Barmer Stadtanleibe 4# dergleichen v. 1901 10 4% Bielef. Stedtanl. v. 1900 10 315% Bochumer Stadtanl. 4% Krefeld. Stadtanl. v. 19010 Dortmunder Stadtanl. 4% Düsseld. Stadtanl. v. 1809 10 4% Elberf. Stadtanl. v. 189910 4½ Remech. Stadtanl. v. 100010 315% Stett. Stadtanl. v. 1899 3½4 Wittener Stadtanl. 99 55 55 s bs 00.00 Ausländische Anseinen. 4½% Bukarester Stadtanl. von 1884 4½ dergl. von 1888 4½ dergl. von 1895 4½2% dergl. von 1896 Chines. Anl. von 1896 5% Mezikan, konn. Anleihe von 1800 4½ Oesterr. konv. Rente 9 4% dergl. Goldrente 101 4% Russische Staatsrente 91 4% dergl. Anleihe von 1902 4% Rumänische Rente von 1896 5% dergl. amort. Rente 4% Ung. Goldrente(1000 fl.) 4% dergl.(500 fl.) 4% dergl.(100 fl.) 4% dergl. Kronen-Rente Krrabsricht der Berliner Börse vom 19. September Die Auskunstei W. Schimmelpseng bildet mit der ihr verbündeten vornehmsten amerikanischen Auskunftei The Bradstreet Company eine große bewährte Organisation für kaufmännische Erkundigungen. Bureau für die Provinz Westfalen: Dortmund, Hoherwall 34. 0bzG 97.30 bi0 4% Preuss. Zentr. Dd. unkdb. bis 1909 102.30 G 4# dergl. unkdb. bis 1910 192.50 G 312% dergl. von 1894 95.30 bzG 312% dergl. unkdb. bis 1903 95.40 baG 312% dergl. Komm.-Obl. unkdb. bis 1906 99.00 G 4% Pr. Pfandbr. Bk. ankdb. bis 1910 4% dergl. unkdb. bis 1912 3½% dergl. unkdb. bis 1908 312% dergl. unkdb. bis 1912 4% Rhein.-Westf. Bd.Kr. unkdb. bis 1910 10 4% dergl. unkdb. bis 1912 10 315% dergl. ankdb. bis 1908 Westd. Bd. Kr. unkdb. bis 1900 10 4% dergl. unkdb. bis 1910 1l 31% dergl. unkdb. bis 1907 10° 50 biG 102.50 b10 95.50 U24 96.40 U6 230 h26 6.40 G 97.25 0 Phanäbriofe 4% Bayer Handelsbank unkdb. bis 1911 unkdb. bis 1912 4% Gothaer unkdb. bis 1900 4% Hamburg. Hypth.-Bank unkdb. bis 1910 102.00 bzG 4% Pr. Bodenkr.-Pfandbr. unkdb. bis 1911 101 906 Bisenbehn-Asleihen. 3½% Berg. Märk. Prt. 3½% Dortmund-Gronauer 4½% Iwangor.-Dombr. Prt. 99.90 bz 4% Mosco-Rjäsan(gar.) 96.90 1 4%„-Smolensk abg.(gar.) 95.00 bzG 4% Warschau-Wien 106.30 B 3% Italien. Eisenb.-Obl. 72.10 Anatol.(gar.) 103.40 bri: Banken. Barmer Bank-Verein 123.50 bi6 Bergisch Märkische Bank 161.00 biG Berliner Handels-Ges. 161.30 br Darmstidter Bant 43328 Deutsche Bank Diskonto Kommandit Dresdner Bank Essener Kredit„ 16899 G Nationalbank f. Deutschl. 123.70 bs Heichsbank 154.00 B Rheinische Diskonto-Ges. 134.50 Uz(: Schaaffhausen Bankverein 146.00 brG 44.40 be0 226.50 br 192.20 b26 156.30 26 165.00 0 Industrie-Obligationen. 4% Allgem. Elektr. rzh. 100 1 01.40 G 4% Elberfelder Farbenfabr. rzb. 105, gek. 1. 4. 05. 000.00 4½% Elektr. Liefer. rzb. 105 104.50 bzG 412¾ Ges. für elektr. Unt. red. 108 97.59 U2 4% Hag. Text. rzb. 105 101.750 4½% Höchst. Farbw.rzb. 103 106.10 G 4½% Köln. Gas- u. Elektr. reb. 108 103.00 G 4% Krupp Gusset.-F.rzb. 100 101.90 bz 412% Naphtba-Gold rzb. 100 101. 75 b 4% Nordstern 000.00 4½% Rombacher Hütte rab. 108 104.50b 4% Westf.Draht-Ind.rzb. 108 102.40 G Larammkämwols ..****%•„ G 0..„ Brauerel-Aktien. Bochumer Viktoria Dortmunder Aktienbr. " Löwenbr. „ Union "" Viktoria Germania Dortmund Gevelsberger Isenbeck& Co. Lindenbrauerei(Unna) Müser Langendreer Wicküler Küpper Wiesbadener Kronen b56 bas 90 538 156.78 C 210.00 baB 94.50 b26 99000 251.39 G 98750 Industrie-Aktien. Akkumulat.-Fabr. Hagen 23 Allgem. Elektr.-Ges. Annener Gussstahl Aplerbecker Steink. Arenberger Bergb. Baroper Walzw. Bedburger Woll-Ind Bismarckhütte Bliesenbach Bergw. Bochumer Guesstahl Bösperde Walzw. Charlottenhütte Konkordia Bergb. Konsolidation Bergw. Dortmunder Union C. abg. " Vorz.-Akt. Düsseldorfer Draht v. „ 8t. Eisenhütte Elberfelder Farbenfabr. Eschweiler Bergw. „ Walzw. Friedrichshütte Geisweider Eisen Gelsenkirch. Bergw. Georg Marienhütte Hag. Gussetahl Stamm-Akt. Vorz.-Akt. Hamburg. Amerika Paketf. Hansa Dampfschiff. Harkort Bergw. St. Prt. Harpener Bergbau Hasper Eisenw. Hörder St. Pr. Lit. A Hösch Eisen& Stahl Kannengiesser Köln. Gas& Elektr. Köln. Müsen Bergw. Königsborn Bergw. Laurahdtte Louise Tiefbau „„ St. Prt. Märk. Maschinenbau-Anst. Magdeb. Berzw. Massener Bergbau Meggener Walzwerk Menden und Schwerte Mülheimer Bergwerk 54.10 bB 40.60 C 800 br 258.75 be0 133.00 126 141896 222.60 d 111.20 b 75.00 G 115.10 b26 134.00 b20 216.25 br 203.10 b2G 149.00 B 216.75 52 155 Norddeutscher Lloyd Nordstern Kohle Oberschles. Eisen-Ind. Osnabrticker Drahtw. Phönix Bergwerk Rhein. Nassau Rhn.-Westf.(Dornap.) Kalk 118 Rombacher Hütten Schalker Gruben Schulz-Knaudt Siemens& Haleke Stadtberger Hütte Stolb. Zinkhütte Westfal. Draht-Ind. Westfal. Kupferwerke Westfal. Stahlwerke Wissener Bergw.-V. Wittener Glashütten Wittener Gussstahl Wurm-Revier Tendens: Die Börse verlief in fester Haltung. obwohl der Verkehr im allgemeinen gering war. Schluss ruhig. Bankdiskont 4% Privatchskont empfehlen SSs G Aosse Die zur nonturomasse des Nachlasses u. pfänder, Westsaliaggerte gedorigen Drogerie=Waren, photographischen Apparate nebst Zubehör werden im bisherigen Verkaufslokal billigst ausverkauft. 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Dezember(Richard Wagner-Abend), 7. Februar(Choraufführung: Legende von der Heiligen Elisabeth von Liszt) und 14. März. Für sämtliche Konzerte ist die Mitwirkung bervorragender Vokal- bezw. Instrumentalsolisten sowie des verstärkten Philharmonischen Orchesters(Hüttner) Dortmund gesichert. 25137 Auf Wunsch zahlreicher Konzertbesucher werden Abonnementskarten mit festen Plätzen ausgegeben, deren Preis für sämtliche 5 Konzerte Mk. 15.— exkl. städtischer Billettsteuer beträgt, während der Preis für Einzelkarten 1. Platz ausser Abonnement auf Mk. 3.50 exkl. Steuer festgesetst ist. Wir bemerken ausdrücklich, dass für die Abonnemente die besten Plätze des Saales reserviert werden. Die Verteilung derselben erfolgt, wie in den meisten grösseren Konzertinstituten üblich, durch Auslosung, jedoch haben die Mitglieder der Konzertgesellschaft das Vorrecht, eich ihre Plätze vor der Auslosung an noch näher bekannt zu gebenden Tagen au wählen. Bestellungen auf Abonnements bitten wir bis spätestens Ende dieses Monats an Herrn Carl Stracke, Buchhandlung hierselbst, Elberfelderstrasse zu richten, woselbst auch die Konzertprogramme zur Einsichtnahme aufliegen. Für den II. and III. Platz werden Abonnemente nicht ausgegeben und der Eintrittspreis beträgt wie bisber für den II. Plats Mk. 2.—, für den III. Platz Mik. 1.— erkl. Steuer.„„ Der vorstand. Ordentliches Mädchen zum 1. Oktober gesucht. Näheres Alte Friedrichstr. 16, 2 Treppen. 25202 Zuverlässiges Kindermädchen für nachmittags gesucht. 25275 Frankfurterstr. 31, I. Besseresjgs. Mädchen im Kochen und all. Hausarbeiten tüchtig, als Stütze gesucht. Eintritt zum 1. Oktober. 25294 Konkordiastr. 16. Ein fast neuer Flaschenbierwagen und eine leichte Karre hat billig abzugeben„ 25238 Fr. Breune, Hohenlimburg. Große Erfolge! Elektr. Wasserbad s. Selbstgebrauch(billig) bei Behandl. v. nervösem u. ehenmatischem Kopfschmerz. Blasenleiden. Näheres u. Prospekt kostenlos. 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