Nr. 243 10. Jahrgang „Fürs deutsche Haus für das Lenne=Thal Illustrierte Gratisbeilage Die„Neue Hohenlimburger Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der„„„—„ Insertionspreis: die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum für Sonn= u. gesetzl. Feiertage.— Der Abonnementspreis beträgt monatl. 50 Pfg. Höhenlimburger Verlag 15 Pfg., Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender frei ins Haus; durch die Post bez. vierteljährl. 1.50 Mk. ohne Gebühr für die Zustell. G. m. b. H. 3 Rabatt. Alle Annoncen=Expeditionen nehmen Anzeigen zu Originalpreisenentgegen. Bestellungen nehmen jederzeit alle Postämter und Briefträger sowie unsere Boten und Geschäfsstellen entgegen. Redaktion und Geschäftsstelle: Oegerstraße 55. Fernsprecher Nr. 71. Donnerstag, den 17. Oktober 1907. Zweiggeschäftsstelle Freiheitsstraße 19 Fernsprecher Nr. 346. Häusliche Arbeit für die Schule. Das Provinzial=Schulkollegium in Posen hat gegen die übermäßige Inanspruchnahme der Schüler der höheren Lehr anstalten durch die häuslichen Arbeiten einen Erlaß gerichtet. Herr Unterrichtsminister Dr. Holle hat diesen Erlaß den ihm unterstellten Schulbehörden mitgeteilt und die von dem Po sener Provinzial=Schulkollegium getroffenen Bestimmungen, ohne sie sich durchaus zu eigen zu machen, zur Nachahmung empfohlen. Selbstverständlich wird die Empfehlung des Herrn Unterrichtsministers ausreichen, sämtliche Provinzial Schulkollegien zu veranlassen, ähnliche Bestimmungen wie die Posener Schulbehörde zu treffen. In diesen Bestimmun gen ist im wesentlichen gesagt, daß die Schüler der höheren Lehranstalten für die häuslichen Schularbeiten im Durchschnitt nicht länger als anderthalb Stunden täglich in An spruch genommen werden sollen.— Bis vor kurzem galt zwei stündige häusliche Arbeit als ein guter und wohl erträglicher Durchschnitt für die Zöglinge der höheren Schulen. Wir erinnern uns einer Zeit, in der man täglich dreistündigen häuslichen Fleiß für den Schüler als notwendig und angemessen ansah.— Es ist möglich, daß früher die Ansprüche an den häuslichen Fleiß zu hoch gewesen sind, daß man auf die Notwendigkeit körperlicher Uebungen und überhaupt auf hygienische Rücksichten zu geringen Wert legte. Inzwischen hat man die Anforderungen an die Schüler der höheren Lehranstalten in manchem Betracht wesentlich ermäßigt, die Klaf senziele bedeutend herabgedrückt, verschiedene Schuldiszipli nen, die frühere den Schrecken der meisten Schulen bildeten griechisch und lateinisch— in der wohlwollendsten Weise nach der Seite der Bequemlichkeit umgestaltet. Auch in der Mathematik sind die Wissensanforderungen an die Gymnasiasten viel bescheidener geworden. Daraus müßte sich eigentlich von selbst ergeben, daß die Schüler nicht mehr in dem gleichen Maße wie früher zu häuslichen Schularbeiten angehalten zu werden brauchen. Sie sind ja nicht dümmer ge worden, der Durchschnitt ihrer Intelligenz hat nicht nachge lassen. Es ware somit wohl begreiflich, daß der Gymnasiast und der Realschüler von heute mit anderthalbstündigem häuslichem Fleiß täglich auskommen, wo Gymnasiast, und Realschüler von früher dreistündigen häuslichen Fleiß täglich nötig hatten. Auf der anderen Seite ist zu bedenten, daß die Zöglinge unserer höheren Lehranstalten nicht in allen Disziplinen die Anforderungen an ihr Wissen haben zurück gehen sehen. Auf manchen Gebieten— Naturwissenschaften, Geschichte usw.— sind die Anforderungen gewachsen, hat das Schulpensum eine nicht unbeträchtliche Ausdehnung erfahren. Damit werden die Ansprüche an den häuslichen Fleiß wieder erhöht. Wie sollen es nun die Gymnasiasten und Realschü ler möglich machen, unter Verminderung des häuslichen Fleißes auf die Hälfte des früher üblichen Durchschnitts gleichwohl das Schulziel zu erreichen? Das Provinzial=Schul kollegium in Posen muß das für möglich halten— Beweis: sein Erlaß, den wir oben erwähnt haben— und der Herr Un terrichtsminister muß an die gleiche Möglichkeit glauben Beweis: seine Empfehlung des Posener Erlasses zur Nach achtung an alle ihm unterstellten Schulbehörden. Wenn man selbst annimmt, daß der Herr Unterrichtsminister in Uebereinstimmung mit dem Posener Provinzial=Schultolle gium der Meinung gewesen ist, daß die gesundheitlichen Rück sichten unter allen Untständen voranstehen müßten— worin wir ihm unbedingt beipflichten würden— so ist es doch zugleich außer Zweifel, daß man bei der obersten Leitung unseres Schulwesens sich nicht dazu verstehen würde, auf einem Umwege und gewissermaßen heimlich eine weitere Reduktion der Schulauforderungen vorzubereiten. Verlangt die Rücksicht auf die Körperpflege und die Gesundheit der Schüler eine Ermäßigung der Unterrichtsanforderungen, so wird man das offen sagen, nicht aber die Kürzung des häuslichen Fleißes gleichsam vorwändlich anordnen. Der gleichen hat weder der Minister noch das Posener ProvinzialSchulkollegium beabsichtigt. Die Erklärung des scheinbaren Widerspruchs ist darin zu finden, daß in den obigen Darle gungen auf die Fortschritte der Pädagogik und der Unterrichtskunst im engeren Sinne des Wortes nicht Rücksicht genommen worden ist. Diese Fortschritte sind sehr beträchtlich. Die Schule kann heute im Unterricht selbst weit mehr leisten als sie früher vermochte. Während sie früher darauf angewiesen war, die Erfüllung eines großen Teils ihrer Aufgaben auf das Haus und den häuslichen Fleiß abzuwälzen, tut sie jetzt diese Arbeit im wesentlichen selbst, schon während des Unterrichts, der eindringlicher, faßlicher gestaltet worden ist und nicht mehr die vielfachen Repetitionen zu Haus verlangt wie vordem. Gibt es doch Pädagogen, die behaupten, die Schule müßte eigentlich sich selbst geuug sein, müßte der Unterstützung durch den häuslichen Fleiß völlig entraten können. So weit sind wir freilich nicht, so weit kommen wir auch in absehbarer Zeit noch nicht. Aber der Fortschritt in jener Richtung ist vorhanden und erkennbar, und die Empfeylung des Posener Erlasses durch den Unterrichtsminister zeigt das Maß des Fortschritts an. Politische Uebersicht. Deutschland Fürst Bismarck und Hofprediger Stöcker. Hofprediger a. T. Stöcker veröffentlicht im Wort eine Artikelserie„Aus meinem Leben“ und berichtet darin über einen Zusammenstoß mit dem Fürsten Bismarck im Jahre 1880 wegen seines antisemitischen Angriffes auf Bleichröder. Er erzählt, daß deswegen sowohl der Kanzler wie der Kultusminister Bericht eingefordert hatten, und gibt den Wortlaut seines in dieser Angelegenheit an den Kaiser gerichteten Rechtfertigungsschreibens wieder; alsdann fährt er fort:„Fürst Bismarck hat, wie ich später in den Tagen der Waldersee=Versammlung erfuhr, von zwei Ministern gefordert, sie sollten mich aus Berlin ausweisen wie alle Sozialdemokraten; natürlich geschah dies nicht. Die Blätter des Reichskanzlers haben dies immer geleugnet; aber ein Minister hat mir erzählt, er habe dem Reichstanzler offen erklärt, er könne das nicht; ich sei schon als Militärgeistlicher als einer der königstreuesten Männer bekannt gewesen. Darauf sei es unterblieben. Nachher sei dann durch kaiserliches Schreiben die Sache, offenbar Bismarck zuliebe, getadelt. Der Kanzler aber sei, das erzählte mir der Oberkirchenratspräsident, bei dieser Gelegenheit über die Aussprache bei Seiner Majestät dem Kaiser so in Zorn und Wut geraten, daß er dieselbe nicht habe hören wollen.“ Staatsminister v. Otto hat, wie aus Braunschweig gemeldet wird, seine Dienstgeschäfte wieder übernommen. Die welfische Behauptung, daß der Staatsminister vom Urlaub auf seinen Posten nicht zurückkehren werde, hat sich daher als unrichtig erwiesen. Die technischen Privatangestellten beim Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg. Der bereits angekündigte Empfang einer Abordnung des sozialen Ausschusses von Vereinen technischer Privatangestellter durch den Staatssekretär des Innern ist nunmehr, wie wir hören, endgültig auf den 19. Oktober festgesetzt. An dem gleichen Tage will der Staatssekretär auch die Vertreter des Deutschen Werkmeister=Verbandes, darunter den Reichstagsabgeordneten Dr. Potthoff, empfangen. Der Nachtfalter. Original=Roman von Ant. Freiherrn v. Perfall. (35. Fortsetzung.) Cordelia erschien wieder auf der Bühne, sie weite sich mit klassischen Bewegungen dem Flammentode, dann war es, als ob helle Lohe sie umzügelte, Dampf stieg auf und hüllte sie ein, immer höher, immer gieriger umzüngelten sie die Flammen. Die Täuschung des Schleierspiels war eine vollständige. - Zuletzt sank sie in einem feurigen Wirbel zusammen, ver schwand urplötzlich, no ein zartes Wöltchen stieg auf von dem Platz, wo sie gestanden. Der Beifall war ohrenbetäubend, und wieder erschien sie lächelnd, blühend von Schönheit und Jugend. Von dem Tische, an dem Spa saß, ergoß sich ein Blumen regen über sie, und sie warf dem Spender Kußhände zu. Der größte Teil des Publikums brach jetzt auf, ohne die weitere Folge der Vorstellung zu beachten. Beppo war unschlüssig, was tun. Cordl brauchte keinen Freund mehr, sie hatte ja einen ganzen Tisch voll, sein Eid band ihn also nicht mehr— oder erst recht? Was war denn der Sinn seines„Nachtfalters", der ihn auf die Höhe gebracht? Er will sich zum Licht erheben, aber die schwere Erde haftet an ihm, hemmt seinen Aufschwung. Hat er ihn von selbst genommer“ Lüge! Auch ihm mußten sich hilfreiche Hände bieten— Johanna! Beppo ging, Cordl abzuholen. Er traf sie vor ihrer Gar derobe, in den roten Mantel gehüllt; der Impresario sprach heftig auf sie ein:„Sie werden sich noch das ganze Geschäft verderben und mir mit— die Herren sind einfach empört! Wegen so einem obskuren Menschen— glauben Sie vielleicht, ich habe Sie für den gemacht, da täuschen Sie sich!— Wenn Sie nicht parieren, hol' ich mir eine andere für den Zauber, und Sie können wieder zurück in die„Himmelsleiter“!“ „Seien Sie etwas vorsichtig mit dem Namen," ließ sich plötzlich Beppos Stimme hinter dem Impresario vernehmen. „Man sucht Sip dort schon lange als den besten Freund des Zinker. Mein Name ist nämlich Beppo. Ich hatte bereits einmal das Vergnügen, es war in derselben Nacht, welche Ihren Freund in so große Ungelegenheiten brachte. Es handelt sich um den Einbruch bei dem Fabrikanten Rau! Erin nern Sie sich nicht mehr?" „Nein, durchaus nicht! Sie irren sich wohl?" „Ich irre mich nicht! Ich sah Sie zweimal in der einen Nacht, einmal in der„Himmelsleiter“, und dann noch wo anders, ich könnte es jetzt beschwören.“ „Ich habe keine Zeit, Ihr verworrenes Gerede mitanzuhören; ich überlasse das Signora Cordelia.“ Der Mensch entfernte sich, sichtlich erschreckt. „Laß ihn doch, er hat viel für mich getan,— mehr als andere Leute, jawohl! Aber ich bin keine Nachträgerin. Wohin, mein lieber Junge?" Beppo fühlte sich diesem Weib gegenüber schüchtern wie ein Kind. „Na, ich will dir darauf helfen. Kannst du dich denn des „Cafee Francais" noch erinnern, in der Märzstraße, mit den großen Glasscheiben und rotsammetenen Vorhängen, Anstern, Hummern, Champagnerflaschen in der Auslage? Wie wir oft mit hungrigem Magen davor standen und all die Herrlichkeiten bewunderten? Dahin, dahin, o meln Geliebter, laß uns zieh'n!— Nur kalt, ich bezahle den ganzen Krempel.“ Als Beppo spät in der Nacht mit weinschwerem Kopfe nach Hause kam, glühte er vor Begeisterung und Liebe. Er wankte mit einem Licht in das Atelier neben seinem Schlafzimmer und beleuchtete nacheinander seine Arbeiten und Ent würfe in Ton und Gips. Wie langweilig, wie leblos ihm das alles jetzt vorkam! Sehr einfach, weil er selbst das Leben bisher nicht kannte, Dieses Leben, das in einer Sekunde mehr gibt als ungezählte solche Leben, wie er bisher gelebt in einem Jahre. Dieses Leben, das allein zum Künstler macht, dieser heilige Brand des ganzen Innern, aus dessen Gluten alle vornehmen Meisterwerke entstanden sind. „Cordelia— Flammenweib— Göttin!— Ich liebe dich!“ „Wird der Josua gucken, wenn ich anstatt seinem vielverheißenen Sisyphus die göttliche Cordelia bringe— den „Nachtfalter“!“ Den mußte er sich noch einmal ansehen, ehe er schlafen ging. Er wankte mit dem Lichte vor den Gipsabguß. ist ja— ja— nicht wahr!" lallte er lachend.„Du bist ja— längst auf und davon geflogen,— nur ich— steh' noch auf der Erde,— ich will aber— nicht mehr!— Nimm mich— auf deine Schwingen— Cordelia!"“ Er sank zu den Füßen der Statue, das Licht entfiel seiner Hand. Lange lag er so im Halbschlaf. Als er zu sich kam und aufwärts blickte, war es ihm, als ob ein großer Nachtvogel seine Schwingen über ihn gebreitet hätte, oder ein Dämon. Es war kalt im Atelier; es fröstelte ihn. Ernüchtert schlich er in sein Schlafzimmer. Als er erwachte, schien die Sonne in das Zimmer, und Josna stand vor ihm in seiner ganzen Breite. „Nun, kommt der Sisyphus, kann ich gehen?" Beppo mußte sich erst zurecht finden.„Ja, er kommt, der Sisyphus,“ sagte er, sich erhebend.„Sie können gehen.“ Josua machte nichts weniger als ein erfreutes Gesicht. „Also wirklich, so gefallen hat er Ihnen?— Und doch, Sie werden schon sehen; die Beine taugen nix— aber wenn Sie meinen—“ „Ich meine gar nichts. Sie können auch bleiben,— nur jetzt lassen Sie mich in Ruhe.“ „Wirklich? Darf ich? Nur sehen möcht' ich, ob er auch im Taglicht Stich hält. Das ist ganz was anderes, wenn die ganze Schmiere weg ist, mit der sie ihn anstreichen. Na, ich will nir g'sagt hab'n.“ „Sie haben mir doch selbst den Rat gegeben—“ erklärte Beppo ärgerlich. „Schon— schon— jetzt reut's mich halt, wenn man so mitten d'rin ist— also wenn S' erlauben, so komm' ich in einer Stund' wieder, da wird er schon da sein, der Franzos’.“ „Gut, kommen Sie wieder.“ (Fortsetzung folgt.) — Professor Schillings, der im Laufe des Sommers in das Kolonialamt berufen wurde und am 1. Oktober sein! neues Amt antreten sollte, ist am genannten Zeitpunkte nicht in das Amt eingetreten, wie es heißt, weil er erkrankt war. Man sieht seinem Erscheinen in nächster Zeit entgegen. Bebel gegen die Genossen Kolb und Frank. Im Vorwärts kritisiert Bebel das Verhalten der badischen Abgeord neten Kolb und Frank, die sich bekanntlich an der Beisetzungs feier für den Großherzog von Baden beteiligt haben. Bebel weist darauf hin, daß der Großherzog zu den eifrigsten Geg nern der Sozialdemokratie gehört habe. Er mache dem Ver storbenen daraus keinen Vorwurf. Er habe getan, was er nach seiner Ueberzeugung und seiner Stellung glaubte tun zu müssen.„Aber ob diese Stellung des verstorbenen Großher zogs gegen unsere Partei zwei Vertreter unserer Partei im badischen Landtage— und als solche nahmen sie an der Lei chenfeier teil, nicht als Privatpersonen— veranlassen durfte dem Verstorbenen durch ihre Beteiligung an der Leichenfeier eine Huldigung darzubringen, ist eine andere Frage. Mit Gründen der Würde und des Taktes hat diese Huldigung nicht das geringste zu tun, sie stellt sich vielmehr vom Stand punkte der Partei als eine grobe Verletzung der Würde und des Taktes dar, die beide ihre Stellung in der Partei schul deten, sie verrät einen Mangel an Nackensteifheit, die das erste Gebot für einen Mann ist, der im öffentlichen Leben steht.“ Nun der Parteipapst den Bannfluch über die Genos sen geschleudert, sind sie ja wohl vogelfrei. Frankreich. Erst das Vaterland, dann die Partei. Die Sozialisten des Pariser Stadtrats erklären in einem Maueranschlag, daß jeder Sozialist wegen Nichtswürdigkeit aus der Partei aus geschlossen werden würde, wenn er im Kriegsfall nicht seine Bürgerpflicht der Landesverteidigung ohne Zögern erfüllen würde. Erst nach dem Friedensschluß ist es angebracht, die Verantwortlichkeit der Regierung zu prüfen. Jede Propaganda gegen die Landesgesetze zugunsten der Gewalt sei als anarchistisch anzusehen und habe keinen Platz in der sozialistischen Organisation. Vielleicht senden die französischen Genossen Herrn Dr. Liebknecht ein Exemplar dieses Maueran schlages. Rußland. Ein Handelshafen an der Nordküste von Sibirien. Die Sonderkommission des russischen Handelsministeriums sprach sich für die Erteilung der Konzession an der Polar Ural=Eisenbahn=Gesellschaft aus zur Errichtung eines See handelshafens im Arktischen Meer und eines Flußhafens am Ob. Die genannte Gesellschaft soll gleichzeitig berechtigt sein, von den Schiffen für Benutzung der Anlegestellen Docks, Krähne und der Lotsen eine Gebühr zu erheben. Amerika. — Die japanische Einwanderung nach Kanada. Vor etwa vierzehn Tagen wurde in Tokio geäußert, daß Japan zwar keine Verletzung des englisch=japanischen Handelsvertrages dulden werde, aber andererseits bereit sei, Schritte zu tun, um die Einwanderung in Britisch=Columbia und in die Vereinigten Staaten einzuschränten. Aus der Statistik, die der kanadischen Regierung zuging, war zu ersehen, daß seit dem 1. Januar ctioa 3000 Japaner in Vancouver gelandet sind. Von diesen Einwanderern hatte nur ein Viertel direkte Pässe von Japan nach Kanada. Auf diese Weise kam Japan seiner Verpflichtung, nur eine beschränkte Anzahl von Auswanderern mit Pässen nach Kanada zu versehen, nach. Andererseits wurde diese Verpflichtung dadurch umgangen, oder wenigstens wertlos gemacht, daß die übrigen drei Viertel der Einwanderer über Honolulu kamen. Nach einer in Newyork eingelaufenen Nachricht hat die japanische Regierung nunmehr beschlossen, daß in Zukunft monatlich nicht mehr als 35 Leute nach Hawai auswandern dürfen. Den Auswande rungsgesellschaften wird verboten, mehr als 18 Leute monat lich zu versenden. Wenn sich bestätigt, daß die japanische Regierung diese Maßnahme traf, so würde die Einwanderung von Japanern nach Kanada und den Vereinigten Staaten bedeutend sinken, weil der Hauptstrom dieser Einwanderung. der über die Sandwich=Inseln führte, durch eine derartige Verfügung gestopft würde. Der Prozeß Hau vor dem Reichsgericht. Leipzig, 15. Okt. Das Urteil über die Revision Haus lau tete, wie bereits gemeldet, auf Verwerfung der Berufung in allen Punkten. Das Urteil des Schwurgerichts Karlsruhe, durch welches Rechtsanwalt Hau wegen Mordes seiner Schwiegermutter zum Tode verurteilt wurde, bleibt also zu Recht bestehen. Zur Begründung der Abweisung wurde aus geführt, daß die gerügte Stellung zweier Schuldfragen zulässig sei. Auch die Unterredung des Angeklagten mit dem Vorsitzenden, sowie der Umstand, daß das Sitzungsprotokoll erst 14 Tage nach der Hauptverhandlung fertiggestellt worden sei, biete keinen Anlaß zu einer begründeten Rüge. Mit Bezug auf die bemängelte Verlesung der Briefe der Verwandten bemerkte der Senat, die Verlesung von Privaturkunden und Briefen sei gesetzlich anerkannt, wenn sie den Zweck habe, den Inhalt der Urkunde festzustellen. Wäre der Zweck der Verlesung der gewesen, Zeugen oder Sachverständige zu ersetzen, dann hätte der Verteidiger berechtigten Grund gehabt, sich gegen diese Verlesung zu wenden. Da dies aber nicht der Fall sei, so sei auch die Rüge nicht stichhaltig, ebensowenig diejenige, die sich gegen die Beschlagnahme der Briefe von Frau Hau und gegen die Verlesung weiterer Briefe wendet. Weiter sei nicht stichhaltig die Einwendung, daß die Zeugin Louise Molitor nicht auch bei ihrer zweiten Vernehmung auf ihr Recht der Zeugnisverweigerung aufmerksam gemacht worden sei, und daß Pläne und Photographien zirkulierten. die angeblich der Verteidigung nicht bekannt gewesen seien ebenso die gerügte Nichtanwendung des Zeugniszwangsver fahrens gegen den Zeugen Lenk, da sie im Ermessen des Ge richtes gestanden habe. Daß der Staatsanwalt die Akten gegen den Zeugen Lenk dem Gericht übergeben habe, sei als Rüge schwer verständlich. Die Rüge wegen der Sachverstän digenvernehmung, die sich gegen Verwendung einer anatomi schen Zeichnung und gegen die Demonstrierung mit einem Die Landw. Lehranstalt Hagen beginnt am 5. Novemder ihr 13. Winterhalbjahr und damit das 7. in dem neuen Anstaltsgebäude. Die Anstalt soll den jungen Landwirten Gelegenheit bieten in zwei aufeinander folgenden Winterhalbjahren sich diejenigen Kenntnisse anzueignen, welcher der Landwirt unter den heutigen Zeitverhältnissen bedarf, um sein ihm anvertrautes Besitztum mit Erfolg bewirtschaften zu können oder als landwirtschaftlicher Beamter gerechten Anforderungen zu genügen. Auch soll die Anstalt dazu dienen, dem Schüler durch weitergehende geistige Ausbildung sich diejenige Stelle zu sichern, welche dem Hofbesitzer und wventnel auch Mitgliede der Gemeindeverwaltung zugebilligt werden muß. Diese Ziele dürften um so leichter und sicherer erreicht werden, als der Unterricht sich nicht auf die heorie zu beschränken braucht, sondern auch durch praktische emonstrationen, welche der vorhandene Viehbestand, die Versuchsfelder und Obstgärten ermöglichen, die erwünschte Erweiterung erfährt. Die Unterrichtsstunden fallen in die Zeit von 9—3 Uhr, sodaß die Schüler jeden Tag nach Hause zurückehren können. Für Benutzung der Eisenbahnzüge werden zu diesem Zwecke sehr billige Schülerkarten ausgegehen. Das Schulgeld beträgt 30 Mk. pro Winterhalbjahr. Mit Ansnahme des Samstags, an welchem Tage der Unterricht schon um 11 einhalb Uhr geschlossen wird, findet jeden Mittag ein gemeinsames Mittagessen für den Preis von 630 Pfg. unter Teilnahme zweier Lehrer in dem Speisesaal der Anstalt statt, sodaß der Besuch des Wirtshauses vermindert wird. Anmeldungen sind baldigst an den Direktor der Anstan. cerrn Dr. Kloepfer, Hagen, zu richten. Zur Berufswahl., Jungen Leuten, mit der Berechtigung zum einjährig= freiwilligen Dienst, welche geneigt sind, die Laufbahn zum Regierungs=, Steuer= oder Kreissekretär einzuschlagen, bietet sich zur gründlichen Vorbereitung Gelegenheit als Volontär beim Landratsamte in Iserlohn. Nähere Auskunft erteilt das Einkommensteuer=Veranlagungs=Bureau des Landratsamtes. Der allgemeine Schützenverein hierselbst hält am kommenden Samstag im Bäckerschen Lokale seine Generalversammlung ab. Bei der Wichtigkeit der auf der Tagesordnung stehenden Puntte ist ein recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder sehr erwünscht. Die Fleischversorgung der Städte. Der Landeskulturrat für das Königreich Sachsen hat einen Beschluß gefaßt, der die Fleischversorgung der städtischen Bevölkerung wesentlich erleichtern muß. Der Beschluß soll von den Kreishauptmannschaften einer Anzahl von Stadtverwaltungen zur Berücksichtigung unterbreitet werden. Es wird darin als notwendig bezeichnet, das an allen größeren Schlachthöfen, die mit Viehhöfen verbunden sind, ein Vertaufsvermittler angestellt wird, der nicht nebenbei ein selbständiges Geschäft als Händler oder Kommissionär führt. Ferner sollen die Fleischer in den Städten veranlaßt werden, Vieheinkaufsgenossenschaften zu gründen, damit sie ihren Bedarf möglichst unmittelbar decken können. Die Stadtverwaltungen sollen veranlaßt werden, diese Bestrebungen zu unterstützen. Polizeischule. Der nächste Kursus für Polizeimannschaften findet in der Zeit von Januar bis März 1908 in ortmund statt. Gleichzeitig soll wieder ein Kursus für mittlere Eretutivbeamte CKommissarkursus) abgehalten werden. Für die Teilnahme an dem Kursus wird ein Schulgeld von 75 bezw. 50 Mark erhoben. Anmeldungen zu den Kursen sind bis zum 15. k. Mts. an den Oberbürgermeister in Dortmund einzureichen. Zu Postaufträgen nach dem Auslande wird vom Publikum an Stelle des am 1. Oktober eingeführten neuen Formulars irrtümlicherweise oft noch das alte Formular gebraucht. Dies ist unzulässig und schädigt die Interessen der Versender, da durch die Weiterverwendung der veralteten Formulare sich die Erledigung der Postaufträge im Auslande verzögert. Die alten Formulare werden an den Postschaltern gegen neue Formulare umgetauscht. Weiterbenutzung der Zweipfennig=Marken. Im Publikum findet man die Ansicht vertreten, daß nach dem 1. Okt. die alten Freimarken und Postkarten zu 2 Pfg. an den Postchaltern nicht mehr umgetauscht werden könnten. Dem ist nicht so, vielmehr ist der Umtausch dieser Wertzeichen bei den Verkehrsanstalten auch weiterhin unter den bisherigen Bedingungen gestattet. Ferner dürfen nach wie vor Briefe usw., die mit 2 Pfennigmarken frankiert sind, sowie 2 PfennigPosttarten, die durch Aufkleben von 3 Pfennigmarken auf den gültigen Portosatz von 5 Pfg. gebracht worden sind, von den Postanstalten nicht beanstandet worden. Immerhin wird man gut tun, einen etwaigen Vorrat an diesen alten Wertzeichen möglichst bald aufzubrauchen oder an den Postschaltern gegen neue umzutauschen, damit man nicht schließlich doch noch zu Schaden kommt. Ueber die Wahrung des Telephon=Geheimnisses hat der bayerische Verkehrsminister folgende billigenswerte Versügung an das Telephonpersonal gerichtet:„Vor einiger Zeit wurde die mit der Bedienung einer öffentlichen Telephonstelle betraute Beamtin von einer Privatperson ersucht, ein von der öffentlichen Telephonstelle aus geführtes Gespräch unter Benutzung des zweiten Hörrohrs mitanzuhören. Die Beamtin kam diesem Ersuchen nach. Später wurde sie in einem Rechtsstreit, dessen Entscheidung von dem Inhalt des Gesprächs abhing, dem Gericht als Zeugin benannt. Durch eine derartige Inanspruchnahme des Personals kann das Vertrauen des Publikums auf die unbedingte Wahrung des Telephongeheimnisses nur zu leicht eine Einbuße erleiden. Auch ist es aus allgemeinen dienstlichen Rücksichten unerwünscht, daß das Personal auf solche Weise in fremde Angelegenheiten verwickelt wird. Den mit der Wahrnehmung des Telephondienstes betrauten Personen wird deshalb untersagt, sich fernerhin dem Publikum auf Ansuchen als Zeuge telephonischer Gespräche zur Verfügung zu stellen.“ * Neuer Fernsprechtarif. Neue Sätze für die Fernsprechgebühren dürften in absehbarer Zeit zur Einführung gelangen. Es bestätigt sich, daß die Reichs=Telegraphen=Verwaltung sich mit der Frage zurzeit beschäftigt. Da die Höhe der jetzigen Gebühren durch ein Gesetz festgelegt ist, so kann eine Aenderung derselben nur durch Reichsgesetz erfolgen. Etwaige Neuerungen müssen also erst vom Bundesrat und vom Reichstage beschlossen werden. Die Reichs Postverwal tung pflegt außerdem alle Neuerungen von grundsätzlicher Bedeutung zuvor mit der bayerischen und der württembergi schen Verwaltung zu vereinbaren. Ueber die Höhe und die Gestaltung der künftigen Gebühren für den Fernsprecher läßt sich zurzeit etwas Bestimmtes noch nicht angeben, da Ent schließungen noch nirgends gefaßt sind. Die neuen Sätze dürften aber ohne Zweifel der Absicht entsprechen, die Gebühren mehr als bisher den Leistungen der Verwaltung anzupassen. Einzelne Anschlüsse in öffentlichen Lokalen, Läden usw. nehmen das Amt fast während des ganzen Dienstes ohne Unterbrechung in Anspruch, während andere das Vermittelungsamt weniger oder selten beschäftigen. Man hat berechnet, daß bei einzelnen Anschlüssen die entrichtete Gebühr nicht einmal zur Bezahlung der Beamtenkräfte ausreicht. Diesem Mißverhältnis kann man entweder dadurch begegnen, daß man die Einzelgebühr für alle Anschlüsse vorschreibt, wie sie jetzt schon für die mit Grundgebühr besteht, oder daß man die Teilnehmer klassifiziert, wie dies in Amerika geschieht. Dort unterscheidet man zum Teil zwischen Anschlüssen für Geschäfte und solchen in Wohnungen. Nächste Feldbrief= und=unrerpost. Die nächste Feldpost nach Afrika geht wieder von Hamburg am 25. Oktober ab. Sie benutzt den an diesem Tage in See gehenden Dampfer der Deutschen Ostafrika=Linie auf seiner westlichen Rundfahrt. Der Dampfer ist planmäßig am 17. November in Swakopmund und am 18. November in Lüderitzbucht Dieser deutsche Dampfer befördert sowohl Feldpostbriefsen dungen als auch Feldpostpakete. Feldpostpakete gehen unmittelbar von Hamburg aus. Sie müssen so zeitig den heimi schen Postanstalten übergeben werden, daß sie spätestens am 22. Oktober in Hamburg vorliegen. Die Feldbriefpost geht vom Marine=Postbureau in Berlin am 22. Ottober, nachmittags, ab. Briese und Posttarten müssen also am 21. oder 22. Oktober dieser Sammelstelle für Feldpostbriefsendungen vor liegen. Kein Abschließen der Eisenbahnabteile. Es ist in letztei vorgekommen, daß die Zugbegleitpersonale, um ein Ent weichen von Reisenden, sei es wegen Fahrgeldhinterziehung, Beschädigung oder Vernnreinigung zu verhindern, das Ab teil des besetzten Personenwagens abgeschlossen haben. Ab gesehen davon, daß das Verschlossensein der Wagentüren bei dem geringsten Unfall große Gefahren für die Insassen in sich birgt, macht die Eisenbahnverwaltung jetzt erneut darau aufmerksam, daß diese Maßnahmen an und für sich strafbar seien und daß gegen Zuwiderhandlungen seitens des Perso nals strengstens eingeschritten werde. pagen, 1. Okt. Auf Veranlassung des Provinzialschultollegiums zu Münster wurde im Ottober des vergangenen Jahres im hiesigen städtischen Gymnasium zunächst auf die Dauer eines Jahres ein pädagogisches Seminar für Kandidaten des höheren Lehramts eingerichtet. Die Stadtverordneten lehnten in ihrer letzten Sitzung einen Antrag des Pro vinzialschulkollegiums und des Kultusministeriums auf dauernde Beibehaltung des Seminars einstimmig ab. Grund zu diesem Verhalten ist der Umstand, daß die Stadtverordneten in keiner Weise wegen der Einrichtung befragt oder sonstwie benachrichtigt waren. Der Oberbürgermeister Cuno erhob scharfen Einspruch gegen die Mißachtung der Selbstverwaltung durch die Regierung und ihre Organe. Altena, 17. Okt. Hier sand ein Junge eine Schachtel mit Cyankali in einem Aschenhaufen. In dem Glauben, es wäre Zucker, aß er davon und verabreichte solches auch seinen Spielgenossen. Den Kindern wurden der Mund und die Hände ganz erheblich verbrannt. Sofort wurden von einem rasch herbeigeholten Arzt wendet zu sein scheint. Allerdings sollen zwei Kinder auch innerlich schwer verletzt sein. Altena, 1.. Okt. In den Waldungen zwischen Hellecke und Einsal entstand am Montag ein Waldbrand, welcher so an Ausdehnung gewann, daß schließlich die Nachrodt=Ostfelder Feuerwehr alarmiert werden mußte. Die dort befindliche Tannenschonung hat durch den Brand nicht unerheblichen Schaden gelitten. Das Feuer ist jedenfalls durch die Unacht samkeit der Spaziergänger entstanden. Schwerte=Ruhr, 1.. Okt. Verunglückter Radfahrer. Dienstag nachmittag passierte einem auswärtigen Radfahrer hier das Unglück, daß er im Straßenbahngeleise hängen blieb. Das Rad überschlug sich sofort und der Radfahrer stürzte mit solcher Wucht auf das Pflaster, daß er mehrere Arm= und Rippenbrüche davon trug. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus überführt, wo er besinnungslos darnieder liegt. Ostwig, 14. Okt. Als Vorboten des Wie#ers zogen am Dienstag gegen Abend einige Schwärme Kraniche in dem be kannten Hakenzuge über unsern Ort gegen Süden. Demnach würde es, wenn man diesen Wetterpropheten Glauben schen ken wollte, mit dem herrlichen Herbstwetter bald zu Ende sein. Hoffentlich haben sich auch diesmal die Kraniche wieder geirrt. Dortmund. 1. Okt. Gestern morgen 7 einhalb Uhr wurde in der Propsteikirche unter einer Bank ein weißer Schuhkarton, der ein lebendes neugeborenes Mädchen enthielt, gefunden. Das Kind war in weiße Tücher gehüllt. Zwei Damen des Fürsorgevereins nahmen sich des Findlings an. Ein von der unbekannten Mutter geschriebener Zettel enthielt folgendes: Nehmt euch doch dieses Kindchens an, denn ich als armes Weib kann es nicht ernähren. Taufet es und schenkt es den Schwestern, denn ich bin nicht mehr mächtig, es zu behalten, und verhungern laß ich dich armes Kind nicht. Ich will wohl lieber hungern, als dich arme Seele umkommen lassen. Dortmund, 1. Okt. Der unter dem Verdacht des Lustmordes an der 1 einhalbjährigen Tochter des Schneiders Baubrink verhaftete Pferdeknecht Weimann hatte gestern das erste gerichtliche Verhör zu bestehen. Er leugnet hartnäckig. Die vorhandenen blutbefleckten Kleidungsstücke sind dem städtischen chemischen Untersuchungsamt zur Feststellung zu gesandt worden. Elberfeld, 17. Okt. Der 25 Jahre alte Arbeiter P. Günnemann, der auf einem Gerüst der Schwebebahn in Varresbeck arbeitete, stürzte gegen 5 Uhr ab und fiel in die Wupper. Kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ist er gestorben Münster, 11. Okt. Ein hier eingetretener Rekrut beschrieb in der Unterrichtsstunde seinen Lebenswandel wie folgt: „Minzter, den 12. 10. Ich Bengeboren 15. Merz 1885 In Kromotice Fater Lep noch Fon Sekz ja Besfiersen jar indie Schule gewesen. Fon fiersen Jahr Besnojzen jar Beifater gearbeitet Fonojzen gar Benich nach Westval Apkefaren In Westvalen Habich gearbeitet Derei Jar Fonwestvalen Habich Nachtemiter angetreten und An 8. Oktober 1907 Ven ich angerufen zur dem Infanterin 3 Regiment Herwarth von Biettenfeld westfalische N 13 Muskatier S.“ Nah und Fern Die Wüstenkur. Die fashionablen Damen der englischen Gesellschaft haben nun, wie eine Londoner Zeitschrift berich tet, eine neue Kur entdeckt, um ihre von den Anstrengungen der Saison geschwächten Nerven zu stärken. Es ist die Wü stenkur. Nicht jedermanns Sache wäre es, sich wochenlang in afrikanischen Sandwüsten zu vergraben und dort in der Einsamkeit seine Ferien zu verbringen. Aber die Damen erzählen mit Begeisterung von dieser„Kur“, die nach ihrer Schilderung die beste Nervenerholung ist. In den letzten Jahren sind in der Tat mehrere derartige Witstenpartien un ternommen worden, wochenlang haben die erholungsbedürftigen Schönen im einfachen Zelte genächtigt, leichte Klei dung ward angelegt, Luft= und Sonnenbäder füllten die Hauptzeit des Tages aus und die Stunden, die noch übrig blieben, sahen die schönen Britenfrauen mit Pinsel und Pa lette oder Laute und Zither unter Palmen im Dienste der Musen. Kaiserliche Privatbaubeihilfe. Durch einen furchtbaren Brand wurden am 1. September d. J. die Besitzer Krafft, Pohl, Laufmann und Kemart zu Czarnikau fast zu Bettlern gemacht, denn ihre ganzen Anwesen gingen in Flammen auf und wurden dem Erdboden gleichgemacht. Auf ein Bittgesuch an den Kaiser hin hat jetzt der Monarch den Abge brannten aus seiner Privatschatulle eine Spende von 2000 Mark überweisen lassen. Auch Provinz= und Kreisverwal tung sprangen helfend ein. * Die Bürgermeisterstochter als Mörderin. Ein Freiberger Photograph, so schreiben die Leipziger Neuesten Nachrichlen, hatte mehrere Bilder, die die Mörderin mit ihrem Bräutigam, dem ermordeten Ingenieur Preßler, und den verstorbenen Bürgermeister Beier zeigten, zur Ausstellung gebracht. Auch die beiden Freiberger Zeitungen hatten solche Bilder ausgestellt. Zu jeder Tageszeit waren nun die Schau kästen von Neugierigen belagert, so daß, besonders in den Abendstunden, Verkehrsstockungen entstanden, ein Beweis welches Aufsehen die Mordtat erregt. Jetzt ist nun das Aus stellen der Bilder verboten worden. In Brand und Freiberg kursieren jetzt verschiedene Gerüchte, die den Anschein erwecken, als ob noch mehr Schandtaten der Bürgermeistersfamilie ans Licht kommen sollten. Als wichtigstes sei verzeichnet, daß der Brand des alten Rathauses mit dem verstorbe nen Bürgermeister in Verbindung gebracht wird. Dabei verbrannten wichtige Aktenstücke, die ein schlechtes Licht auf den Bürgermeister zu werfen geeignet waren. Ob etwas Wahres an diesen Gerüchten ist, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Auch über die Tat selbst und über die Veranlassung dazu spricht man sich verschiedenartig aus; die unglaublichsten Dinge werden da von manchen Zeitungen ihren Lesern aufgetischt. Grete Beier ist übrigens im Untersuchungsge fängnis gar nicht niedergeschlagen, sondern manchmal sogar heiter! Jüngst sagte sie zum Untersuchungsrichter nach Been digung des Verhörs:„Sind sie jetzt fertig? Da kann ich wohl wieder in meinen Salon zurückgehen!“ Umillkürlich fragt man sich, ob dieses Mädchen denn normal veranlagt ist, und ob sie bei Begehung der Tat ihre fünf Sinne richtig beisam men hatte. Diese Frage dürfte auch bei der Verhandlung eine große Rolle spielen. Vielleicht aber rechnet die Mörderin darauf, daß sie auf diese Weise eine gelindere Strafe erhält. Lenn raffiniert scheint sie in hohem Maße zu sein, trotz ihrer gut zur Schau getragenen Harmlosigkeit. * Folgenschwerer Hauseinsturz. In Stuttgart ist auf dem Platze der ehemaligen Legionskaserne der innere Teil eines vierstöckigen Neubaues eingestürzt. Das Unglück ist, wie der Draht meldet, dadurch entstanden, daß sich ein Pfeiler im vierten Stock losgelöst hat, wodurch die obere Eisenbetonkonstruktion herunter gebrochen ist und die Decken der übrigen Stockwerke durchschlagen hat. Die Außenmauern stehen noch. Die Zahl der Toten beträgt drei, die der Schwerverletzten 5 Einige leichter Verletzte sind in der Nähe der Unglücksstätte verbunden worden. * Der Welfenschatz. Der Herzog von Cumberland hat nach der„Neuen Freien Presse“ den sogenannten Welfenschatz, der früher im Oesterreichischen Museum in Wien aufbewahrt wurde, kürzlich in aller Stille nach Gmunden überführen lassen, wo er im Cumberlandschen Schlosse aufgestellt wird. Der Welfenschatz, den König Georg, als er 1866 Hannover verließ, mit nach Wien genommen hatte, besteht aus einer kostbaren Sammlung kirchlicher Kunstwerke des Mittelalters, zumeist Arbeiten der byzantinischen und der niederrheinischen Kunst. Man findet darunter Reliquien und Altare aus dem 12. und 15. Jahrhundert, in Email gearbeitet, und Arbeiten in Gold und Silber. * Beim Spielen ertrunken. Der 8 Jahre alte Sohn des Gärtners Ludwig Dahms in Hangelsberg bei Fürstenwalde stürzte beim Spielen im Garten der Villa des Oberstleutnants a. D. v. Goerne in ein 2 Meter tiefes Wasserbassin und ertrank. Bei dem Vorfall war niemand zugegen. Als die Eltern den Knaben vermißten, kamen sie erst nach langem Suchen durch die auf dem Wasser schwimmende Mütze auf seine Spur. Nur noch als Leiche konnten sie ihr Söhnchen aus dem Wasser ziehen. f Bluttat eines Irrsinnigen. Eine furchtbare Tat verübte der geisteskranke Landwirt August Posewald in Regentbin (Kreis Arnswalde). Er steckte die Scheune seines Schwagers in Brand und stieß diesem, als er zu dem Feuer eilte, eine Heugabel in den Unterleib. Der Zustand des Verletzten ist hoffnungslos. Der Irrsinnige wurde in der Landes=Irrenaustalt in Landsberg a. W. interniert. Der Kampf mit einem Tiger. Der bekannte Tierbändiger Henriksen, der schon im letzten Winter während einer Vorstellung in Berlin von einem seiner Tiger angefallen und schwer verwundet war, ist nun in Lissabon nur mit knapper Not dem Tode entgangen. Während der Vorstellung im Collosseum sprang der Tiger„Zar“ plötzlich auf seinen Bändiger und warf ihn zu Boden. Trotzdem sofort Hilfe zur Stelle war, ließ die wütende Bestie von ihrem Opfer nicht ab. Endlich gelang es Henriksen, eine dreizackige Eisenstange zu ergreifen; mit letzter Anstrengung stieß er dem Tiere die Waffe in den geöffneten Rachen, die Bestie wich einen Augenblick zurück und nun vermochte man den Verwundeten aus dem Käfig zu ziehen. Henriksens Verletzung sind schwer, jedoch nicht lebensgefährlich. f Er wollte nicht geknipst sein. Saß da im Münchener Gefängnis ein etwa 50 mal vorbestrafter Vagabund, dessen Persönlichkeit nicht genau festgestellt werden konnte, weil er seine Angaben fortgesetzt wechselte. Um Nachforschungen anstellen zu können, sollte der Brave photographiert werden. Doch er schnitt die schönsten Grimmassen, und als der Photograph trotzdem nicht locker ließ, nahm er einen Stuhl, mit dem er den Apparat kurz und klein schlug. Er schimpfte dabei wie ein Rohrspatz und verstieg sich zu einer Majestätsbeleidigung. Vor Gericht entschuldigte er sich damit, daß ihm das„ewige Photographieren zu dumm“ geworden sei. Urteil: 1 Jahr Gefängnis. Die Millionärin als Einbrecherin. Wie aus Newyork gemeldet wird, hat Raffles, der jüngste Theaterheld, der Amatenreinbrecher, im Leben seinen Rivalen gefunden Aber es ist kein Mann, der die Phantasie der Bühnendichter in den Schatten stellt, sondern eine Frau, eine junge, hübsche, sogar reiche Frau, eine der beliebtesten Persönlichkeiten der Gesellschaft von Milwaukee, die Gattin des Millionärs Charles I Romadke. Seit Monaten wurde in Chikago im vornehmsten Villenviertel eine Reihe geheimnisvoller Einbrüche verübt ohne daß es der Polizei gelungen wäre, den Tätern auf die Spur zu kommen. Endlich lenkten einige winzige Verdachtsmomente die Aufmerksamkeit der Behörde auf die junge Dame aus Milwaukee, man begann sie zu überwachen, und bald stellte es sich heraus, daß Mrs. Romadke nachts auf Einbrecherabenteuer ausging. Ihre Verhaftung bestätigte alles; sie gestand, daß sie ihre Freunde beraubt habe, eine„unsichtbare Macht“ habe sie dazu getrieben. Der Reiz und die Neuheit der mitternächtigen Unternehmungen übten eine solche Anziehungskraft auf sie aus, daß sie nicht zu widerstehen vermochte. Bei einem entlassenen alten Zuchthäusler, einem Neger, nahm sie in aller Form Unterricht und später wurde der Lehrer ihr Gehilfe und Komplice. Materielle Sorgen haben zu diesen abenteuerlichen Nachtfahrten nicht beigetragen, denn wers. Romadke erhält von ihrem Gatten alljährlich 8000 Mk. für ihre Toiletten, mehrere tausend Mark Nadelgeld, sie hat ihr Automobil und allen Luxus, den sie wünscht.„Ich weiß nicht, wie ich dazu kam,“ sagte sie bei ihrer Verhaftung weinend.„Ich konnte nicht anders. Ich weiß nicht, warum ich es tat. Ich weiß auch, daß ich Strafe verdiene, aber mein Herz blutet bei dem Gedanken an mein kleines Baby, meine Evelyn. Alles was ich brauchte, hatte ich, und dazu noch den besten Mann der Welt.“ Die Beute, die Mrs. Romadke bei ihren Einbrüchen gemacht hat, wird von der Polizei auf 40000 Mark geschätzt. Neueste Nachrichten. (Depeschendienst der„Neuen Hohenlimburger Zeitung".) 5 Kinder ermordet. München, 1.. Okt. In der Umgegend von GleitzheimTachau tötete ein 14jähriges Kindermädchen 5 ihr von den jeweiligen Herrschaften anvertraute Kinder, indem es ihnen mit einer Nadel die Schädeldecke durchstach. Das Mädchen ist geständig. Todesurteil. Stettin, 1. Okt. Das Schwurgericht Köslin verurteilte gestern den Maurer Preuß, der die 16jährige Dienstmagd Kirchawitz vergewaltigt und ermordet hatte, wegen Notzucht und Mordes zum Tode. Doppel=Hinrichtung. Beuthen, 1. Okt. Die Raubmörder Liberka und Kyoltika sind heute früh hingerichtet worden. Das Ende der Friedenskonferenz. Haag, 1r. Okt. Für den Freitag ist eine Schlußplenarsitzung der Friedenskonferenz angesetzt, in der viele Delegierte noch einmal das Wort ergreifen werden. Am Sonnabend sollen dann die einzelnen Konventionen mit Genehmigung der einzelnen Regierungen von den Delegierten unterzeichnet werden. Darauf wird Nelidow die Schlußrede halten. Neues vom serbischen Kronprinzen. Belgrad, 1.. Okt. Nach dem Diner, welches zu Ehren der belgischen Gesandtschaft im Palais gegeben wurde, kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen dem Kronprinzen und dem Kommandanten der Leibgarde, Major Dunjitsch, der vom Kronprinzen beschimpft und aus dem Palais gewiesen worden sein soll. Wegen fortgesetzter Mißhandlung des Hofpersonals durch den Kronprinzen soll demnächst auch ein Wechsel in einigen Hofämtern erfolgen, aus demselben Grund ordnet der König an, daß der Kronprinz, wie bereits berichtet, aus seiner Privatwohnung in das Palais übersiedelt. Berlin, 1 Okt. Der Oberreichsanwalt hat dem Rechtsanwalt Dr. Liebknecht die Weisung zugehen lassen, seine Strafe von 1 einhalb Jahren Festungshaft am 24. Oktober in der Festung Glaz anzutreten. Verantwortl. für den redaktionellen Teil Max Quandel, für den geschäftlichen Teil Paul Meier. Die junge mutter ist oft im Zweifel was sie dem Kinde nach der Entwöhnung für Nahrung geben soll. Der Zusatz von„„..., Kindermehl zur Milch erhöht den Nährwert deeselben, und die„Kufeke Suppe wird von Kiudern gern genommen und gut vertragen. Samstag. d. 19. Okt. abends 8 Uhr General-Versammlung Krieger-Kameradschaft Hohenlimburg. Sonntag, den 20. Oktober abends 6 Uhr im grossen Saal des Bentheimer Hofes Stiftungsfest- Kommers im Vereinslokale#bei Herrn H. Bäcker. Tagesordnung: 1. Festbericht. 2. Berichterstattung über die neue Scheibenstandanlage. 3. Winter-Kränzehen verbunden mit Kaisergeburtstagsfeier 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tages ordnung erwartet recht zahlreichen Besuch Der Vorstand. Sonnabend, den 1c. Oktober cr., abends 8 Uhr Feier des 28. jährigen Stiftungsfest im gr. Saale des Bentheimer Hofes durch anlässlich des 15jährigen Bestehens der Krieger-Sauitätskolonne vom Roten Kreuz Hohenlimburg, . verbunden mit der er Geburtstagsfeier Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta Victoria.# F Die Bürgerschaft ist zu diesem Kommers herzlich# 21 Willkommen. Der Vorstand. 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