Nr. 150. Donnerstag, den 81. Dezember 1905. enlimbun 8. Jahrg. 29 6 Allgemeine Zeitung Fürs deutsche Haus“ 2 für das Lenne=Thal Illustrierte Gratisbeilage Abonnementspreis pro Quartal Mlk. 1.50. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag: Hohenlimburger Verlag, Louis Ebbinghaus. Schriftleitung: C. Dowell, Hohenlimburg. Insertionspreis für die zspaltige Oetitzeile oder deren Raum 10 Ofg. außerhalb des Leserkreises 15 Ofg., Reklamezeile 50 Ofg. Der außerordentliche Alldeutsche Verbandstag. Zur Erörkerung der plötzlich so spruchreif gewordenen, mit einander in innigstem Zusammenhange stehenden Vorgänge der inneren und auswärtigen Politik hatte der Alldeutsche Verband für heute einen außerordentlichen Verbandsbandstag anberaumt, über dessen Verlauf berichtet wird: Leipzig. 17. Dez. Die öffentliche Versammlung(eine Vorstandssitzung ging voraus) war stark besucht. Nach dem Bericht des Herrn Kapitänleutnants a. D. Weyer zur Flottenvorlage sprachen General Liebert, Kaidirektor WinterHamburg, Admiral Riedel=Lübeck, Hopf=Dresden. Die eingehende Besprechung war besonders gegen Kaidorffs Behauptung gerichtet, die Flotte könne aus technischen Gründen nicht rascher hergestellt werden. Zum Gegenstand wurde folgende Entschließung angenommen: 40 Der außerordentliche Verbandstag des Alldeutschen Verbandes begrüßt die jüngste Flottenvorlage der verbündeten Regierungen mit Freude, insbesondere die Forderung vollwertiger und den Schiffen anderer Nationen ebenbürtiger Linienschiffe und Panzerkreuzer, die Vermehrung der Torpedoboots-Divisionen und die Förderung der Unterseebootfrage. Der Verbandstag spricht aber die Ansicht aus, daß das Geforderte für die Wahrung unserer stetig wachsenden Seeinteressen und angesichts der ernsten Weltlage noch nicht genügt. Er erwaitet, daß der Reichstag darüber hinausgehend eintritt für: 1. einen möglichst schnellen Ersatz der minderwertigen, in der Novelle zum Flottengesetze wiederum als Linienschiffe aufgeführten Fahrzeuge; 2. eine möglichste Verkürzung der Bauzeit der neuen Schiffe; 3. eine grundsätzliche Verminderung der Lebensdauer der Schiffe. Ueber die bedrohte Lage des Deutschtums in Rußland sprachen Geschäftsführer Geiser und mehrere Deutschbalten. Der Geschäftsführer Geiser legle ausführlich die furchtbare Gefahr dar, in welcher die dortigen Deutschen schweben; in lettischen Versammlungen wurde mehrfach die Nieder= metzelung aller Deutschen gefordert. Da werden Pässe entweder nur langsam und mit großen Kosten oder gar nicht ausgestellt. Die Versammlung nahm folgende Entschließung an: „Der Verbandstag des Alldeutschen Verbandes hält nach sorgfältigen Erkundigungen das gesamte Deutschtum Rußlands in Eigentum und Leben für ernstlich geführdet durch die russische Revolutionsbewegung. Die russische Regierung erscheint außerstande dasselbe wirksam zu schützen. Besonders bedroht ist die Lage für die Deutschen in den baltischen Provinzen. Der Alldeutsche Verband bittet daher die deutsche Regierung 1. um sofortige Entsendung deutscher Kriegsschiffe und Transportdampfer in die Häfen von Riga, Libau und Reval zum Schutz des Lebens und Eigentums zahlreich dort lebender Reichsdeutscher und zu möglichst weitgehender Gewährung des Asylrechtes für alle bedrohten deutschen Volksgenossen. 2. um energische Verhandlungen mit der russischen Regierung zur Vereinfachung der Beseitigung der umständlichen Paßoorschriften für alle die Reichsdeutschen, die gewillt sind zur Sicherung ihres Lebens das russische Reich zu verlassen. 3. Der Verband begrüßt mit lebhafter Freude die Gründung eines Hilfsausschusses zur Unterstützung der ndtleidenden Deutschen Rußlands und fordert seine Mitglieder auf die eingeleiteten Sammlungen nach Kräften zu fördern. Größtem Interesse begegnete der Voitrag des Ausschußmitgliedes, des Herrn Professors Samassa über die Wahlrechtsfrage in Oesterreich. Der Vortragende— ein gebürtigter Oesterreicher— glaubt an eine Verständigung zwischen Krone und Koalition in Ungarn, da die Schwäche der Koalition erwiesen sei. Sie könne nicht mehr die Massen mobil machen, die Nationalitätsbewegung nicht mehr unterdrücken. Die Absicht der Wahlrechtsvorlage in Oesterreich gehe dahin, das Deutsche durch das allgemeine Wahlrecht zu schwächen, das Parlament werde dadurch jedenfalls nicht arbeitsfähiger gemacht werden. Mehr und mehr wird die Entscheidung politischer Angelegenheiten durch Straßen demonstrationen herbeigeführt. Politische Chronit. Berlin. 20. Dezember 1905. — Gegen das neue Schulgesetz hat sich auch der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. in einer ausführlich begründeten Eingabe an das Abgeordnetenhaus gewandt. Die Eingabe gipfelt in der Beschwerde darüber, daß die Mitwirkung der Kommune und der Schuldeputation an der Schulverwaltung durch den Gesetzentwurf schwer beeinträchtigt werde. Von den Berliner Stadtverordneten Cassel, Mommsen und Dinse ist bei der Stadtverordnetenversammlung von Berlin nachstehender Antrag eingebracht worden: Durch den von der Staatsregierung beim Abgeordnetenhause eingebrachten Gesetzentwurf betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen droht der Selbstverwaltung der städtischen Gemeinden an ihren Schulen eine Verkümmerung und Aufhebung ihrer bisherigen Rechte in vielen wesentlichen Beziehungen. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat um Auskunft, ob und welche Maßnahmen derselbe gegenüber dem vorberegten Gesetzentwurf zur Echaltung des Rechtes der Stadtgemeinde an ihren Schulen und an deren Verwaltung zu ergreifen beabsichtigt. — Professor Paasche hat von Deutsch=Ostafrika in seinem schon erwähnten Vortrage über seine Reise ein verlockendes Bild entworfen. Das Land sei schön, es sei für den deutschen Bauer außerordentlich geeignet. Der Neger sei zur Arbeit zu erziehen. Der Bur sei als Vorarbeiter sehr wertvoll. Verfehlt sei es, an Bauern, die daheim mit einer Kuh wirtschaften, zu viel Land zu verschenken. Die Löhne für die Neger seien zu niedrig. Die vielen bureaukratischen Verordnungen über Jagd usw. erregen Unzufriedenheit, die vielen Zwangsmaßregeln, Empörung und der häufige Beamtenwechsel Mißtrauen; die Beamten lernten die Leute nicht kennen, der eine wolle das, der nächste das Gegenteil usw. Wenn er nicht Kinder und Kindeskinder hätte, würde er nach Ostafrika auswandern. — Daß bei der Strafprozeßreform eine Aenderung der Schwurgerichte nicht zu besorgen, die Wiedereinführung der Berufung gegen die Urteile der Strafkammer zu erwarten sei, hat der bayerische Justlzminister in der bayerischen Kammer verraten. — Im liberalen Bürgerverein in Bonn sprach der frühere Staatssekretär von Rottenburg in nahezu 2 stündiger Rede über die zukünftige Gestaltung unserer Schulgesetze. Ohne auf eine nähere Kritik einzugehen, wies er in eingehender Begründung nach, daß die Kirche in unserem modernen Staat ein Recht auf die Schule nicht beanspruchen kann. Die Lehrtätigkeit der Kirche muß auf die Religion als ihr natürliches Gebiet eingeschränkt bleiben und auch der Religionsunterricht sollte aus der Volksschule ausgeschaltet, wenigstens jedes konfessionellen Charakters entkleidet werden. Die Richtigkeit dieser Forderungen bewies Redner insbesondere an der Hand der Erfahrungen in Amerika. Dort ist der Religionsunterricht bedingungslos von der Volksschule ausgeschlossen. Der Unterricht beginnt täglich mit einem Gebete unter Verlesung einer Bibelstelle, aber das Gesetz untersagt es den Lehrern, Verschiedenheiten in den Dogmen der einzelnen Konfessionen auch nur zu erwähnen. Kein Geistlicher darf Mitglied ein körperschaft sein, welche eine öffentliche Schule zu beaufsichugen hat. Anderseits ist vorgeschrieben, daß die Schulbücher nichts enthalten dürfen, was zum Unglauben und zum Geringschätzen der Religion verleiten könnte. Jede Schule hat Schulsäle für den Religionsunterricht zu stellen und in dem Schulplan eine freie Zeit für die Erteilung des Religions=Unterrichts vorzusehen. — Das neue deutsche Feldgeschütz stellt die franz. Presse unter das französische, weil dessen hallistische Leistung besser sei. Dazu wird uns aus militärischen Kreisen geschrieben, daß diese Talsache durchaus kein Vorteil zu sein braucht, da die höhere Schußleistung stets durch Nachleil erkauft werden muß, nämlich größeres Gewicht der Lafette und erschwertes Feststellen der Lafette beim Schuß. Es genügt beim französischen Geschütz nicht, wie bei den Krupp'schen und Ehrhardt'schen Geschützen, ein Sporn am Lafettenschwanz zum Feststellen für den Schuß, sondern es müssen außerdem noch die Räder auf Hemmschuhe gestellt werden, wodurch die Feuereröffnung und auch ein Zielwechsel sehr verzögert wird. Diesem Nachteil gesellt sich das erheblich höhere Lafettengewicht hinzu. Es ist zum wenigsten zweifelhaft, ob der Vorteil der größeren ballistischen Leistung so schwerwiegend ist, daß man um seinetwillen vor allem die verzögerte Feuereröffnung mit in Kauf nehmen soll. Außerdem ist diese ballistische Ueberlegenheit garnicht so bedeutend. Die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses ist zwar um 65 Meter(in der Sekunde) größer, auf 1000 Meter Entfernung beträgt der Unterschied der Fluggeschwindigkeit des Geschosses aber nur noch 32 Meter und auf 3000 Meter nur 16 Meter. Aehnlich verhalten sich auch die Fallwinkel. Man muß also sagen, daß dieser Vorteil nur gering anzuschlagen ist und durch die größere Beweglichleit und schnellere Feuerbereitschaft unseres neuen(aptierten C 96) Geschützes Gerd Seiferts Tagebuch. Eine Vorweihnachts=Geschichle. „Sie machen mich mit Ihrem beständigen Suchen ganz nervös, Seifert“, sagte der alte Bureauvorsteher Klassen mißbilligend zu dem jungen Schreiber hinüber, der hastig in den umherliegenden Aktenstücken blätterte. Haben Sie dern etwas verloren oder glauben Sie vielleicht, daß der Nikolaus in den Akten für Sie Pfefferkuchen versteckt hat? Der junge, blasse Mensch wurde blutrot. „Verzeihen Sie, Herr Bureauvorsteher.... mir ist wieder nämlich vor einigen Tagen ein Oktavheft abhanden gekommen, mit blauem Deckel unbeschriebenem Etikette.“ „Wert fünf Pfennig", vervollständigte Herr Klassen die schüchterne Entschuldigung.„Ihre Sparsamkeit in allen Ehren, Seifert... aber Sie dürfen darüber auch nicht kindisch sein. Seit drei Tagen haben Sie überhaupt keinen anderen Gedanken mehr.“ „In dem Heftchen stand etwas drin, was ich keinen andern lesen lassen möchte. Herr Bureauvorsteher:“ Klassen sah sich die jungen verzweifelten Augen des Sprechers vergnügt an und schmunzelte verständnisinnig: „Schadet trotzdem nichts, Seifert. Schadet gar nichts. Am Ende stehen Geschichten drin, hm? Vor Weihnachten kann man allenfalls mit sowas seine Freistunden vertrödeln. Ich glaube beinahe, daß ich in Ihrem Alter auch daran gelitten habe.“ Gerd Seifert senkt den Kopf auf die weißen Bogen und schweigt beharrlich. Dann beginnt er allmählich mit feinen, steilen Buchstaben die leeren Seiten zu beschreiben. Was bleibt ihm auch anderes zu tun übrig?“ Soll er dem alten, mißtrauischen Mann, dessen Zutrauen er auf ihm unerklärliche Weise gewonnen hat, sagen, was dieses verlorene Heftchen barg? Nein, das brachte er nicht über die Lippen... Es gibt Gefühle, die sich nicht in Worte zwingen lassen. Ihnen ergeht es wie den kostbaren Steinen, die zu zerbrechlich sind, um eine Fassung zu vertragen. Was würde Herr Klassen ihm wohl erwidern, wenn er sagen wollte: „Seitdem meine Eltern gestorben sind und ich von der Untersekunda fort... hier in die dunkle Schreibstube mußte, weil mein Vormund das für den verwaisten Jungen für das richtigste erachtete, habe ich nun das Vertrauen zu den Menschen verloren. Ich habe den harten Mann auf den Knien gebeten, daß er mich das Abitur machen lassen sollte, damtt er ich später studieren könne. Bei Heller und Pfennig hätte ich ihm das Verauslagte zurückbezahlt... Er hat mich einen Narren gescholten. Nun will ich niemals mehr jemand bitten! Aber aussprechen muß ich mich doch können. Darum habe ich mir das Heft gekauft. Sonst wäre ich an meiner Verzweislung erstickt. Und eben dieses Heft habe ich verloren. Es muß mir bei der Arbeit aus der Tasche geglitten sein. Alles hatte ich ihm anvertraut... auch das Große und Stolze, was ich begraben mußte, als ich hierher ging. Verstehen Sie nun, daß ich es wiederhaben muß, Herr Bureauvorsteher, damit es nicht fremde Augen erblicken.“— Der alte Klassen würde schallend über solche Rede gelacht haben. Der wußte doch nicht, wie es tut, Sehnsucht zu haben. So wenigstens meinte Gerd Seifert. Und um zu wissen, daß es oft nur eines einigen Klanges bedarf. um sie im Herzen zu wecken, dazu war er noch viel zu jung. Er kämpfte plötzlich mit den Tränen. Ein Ohnmachtsgefühl, daß alle durch die Anspannung seiner Energie entstandenen guten Vorsätze ins Wanken brachte, kam über ihn. Auf die große, schwarze Schrift fiel ein großer, warmer Tropfen. Der alte Klassen bemerkte es mit scharfen Blick. Ein Lächeln kam darüber in sein faltiges Gesicht. „Was machen Sie denn jetzt schon wieder, Seifert?“ „O.... habe.... den Schnupfen, Herr Bureauvorsteher.“ In diesem Augenblick schob sich aus dem Nebenzimmer eine große, vornübergeneigte Gestalt über die Schwelle. Dadurch wurde das begonnene Verhör jäh beendet. Herr Fips, der erste Schreiber, wollte augenscheinlich ein Anliegen vortragen. „Ich wollte nur sagen, Herr Bureauvorsteher," flüsterte er mit zaghafter Stimme,„daß ich heute zehn Minuten vor Sieben nach Haus gehen möchte. Die Kleinen sind ausnahmsweise bis Acht im Kindergarten... und man will doch heimlich zu Weihnachten ein bischen für sie zurechtzimmern.“ „Sie hätten sollen Zimmermann werden, Fips“, erwiderte Klassen gallig. am Der lächelte krampfhaft über den schwachen Witz. Aber er nahm ihn als Zustimmung hin und verschwand ebenso schnell und geräuschlos, wie er gekommen war. Die beiden waren wieder allein. Gerd Seifert betrachtete den alten Mann mit verstohlenen Blicken; auf der blanken Dose, aus der zuweilen eine Prise nahm, tanzten ein paar blasse Sonnenstrahlen. Gerd Seifert empfand glühenden Neid. Alle, die mit Herrn Klassen zu tun hatten, erzählten, wie reich er sei. Und dazu noch Junggeselle. Alles was ihm erstrebenswert erschien, konnte der sich kaufen. Wenn nun jemand keinen unerfüllten Wunsch hat, ist ihm auch die Sehnsucht fremd... Jetzt räuspert sich der Alte und sagte brummend:„Die Menschen sind rein wild mit ihrem Weihnachten, nicht wahr, Seifert?“ „Jawohl, Herr Bureauvorsteher!“ „Wir beide machen uns weiter nichts daraus... Wir sind ein gut teil klüger, nicht?“ „Jawohl, Herr Bureauvorsteher!“ (Schluß folgt.) reichlich aufgewogen wird. Es gewinnt faßt den Anschein, als ob die ballistische Ueberlegenheit nur in Ermangelung eines besseren Grundes hervorgesucht wurde, um das franz Volk zu beruhigen, und daß man in Wahrheit die Vorzüge unseres Zukunftsgeschützes in Frankreich sehr wohl erkannt hat. — Der Kaiser hat gestern vormittag den General Trotha zur Meldung empfangen. — Zur Rettung der Deutschen in Rußland. Auf Veranlassung des Reichskanzlers sandte die HamburgAmerika=Linie die besden Dampfer Batavia und Kehrwieder nach Riga und Libau, um von dort Beförderung deutscher Reichsangehöriger nach Königsberg zu vermitteln. Die Batavia ist zur Aufnahme von 2750 Personen eingerichtet und nahm auch eine Anzahl Schwestern vom Roten Kreuz und Krankenpfleger an Bord. — Sämtliche Mandate für Hohenzollern im Landtag(2) und Reichstag(1) sind zur Zeit verweist — Fürst Bülow hat Samstag, wie die Ham. Korr. hört, den Oberlandesgerichtspräsidenten Spahn in Kiel telegraphisch nach Berlin berufen. — Der Abgeorduete Bassermann hat in seinem Wahlkreise Frankfurt an der Oder erklärt, daß er ein Gegner des liberalen Wahlbündnisses mit den Sozialdemokraten in seiner badischen Heimat gewesen ist.— Bassermann äußerte zu den Steuernvorlagen der Regierung, er halte es für möglich, den Tabak uach dem Werte zu besteuern; dann ware man in der Lage, die billigen Tabaksorten schonend zu behandeln und die Arten und aus dem Ausland eingeführte Waren kräftiger heranzuziehen.— Zur Erbschaftssteuer müßten auch die Deszendenten und Ehegalten hinzugezogen, dabei aber die Erbschaften geschont und ein zu liefes Eindringen in die Familienverhältnisse verhindert werden. — Die Nachricht, daß der Oberpräsident der Provinz Sachsen, v. Bötlicher, seine Entlassung eingereicht habe, wird der Nat. Zig. von unterrichteter Seite bestätigt. — Eine Zentralstelle des deutschen Städtetages soll zu Beginn des neuen Jahres in Berlin ins Leben gerufen werden. — Der Landesverein preußischer Volksschul lehrerinnen richtet eine Eingabe an den Landtag, in der eine Zuzieyung von Lehrerinnen zu den Schuldeputationen verlangt wird. Es wird gebeten,„den§ 28 Absotz 3 des Entwurfs des Schullastengesetzes dahin abändern zu wollen daß derselbe lautet:... mindestens 3 von des Erziehungs und Volksschulwesens kundigen Personen, unter diesen mindestens einem Rektor(Hauptlehrer) und einem Lehrer und einer Lehrerin an einer Volksschule.“ — 31 Arbeiter befinden sich unter den für 1906 in Augsburg ausgelosten 120 Schöffen. — Der Metallarbeiter=Ausstand in dehnt sich aus: Nachdem die Fabrikanten vor kurzem etwa 150 Arbeiter der Messerschlägereibranche ausgesperit haben, erläßt jetzt der deutsche Metallatbeiterverband eine Bekanntmachung, nach der sämtliche Messerschlägereien, Gabeln= und Scherengießereien in Streik erklätt werden. Es dürfte sich um 500—600 Arbeiter handeln, die streiken. — Die Prügelstrafe wieder einzuführen, haben mehrere Zentrumsredner in der bayerischen Kammer Freitag empfohlen. Der Justizminister wies das Verlangen unter dem Beifall der Linken scharf ab. — Die allgemeine Zeitung in München ist in den Besitz einer neuen Gesellschaft, zu der die nationalen Führer Bürkin, Böttinger, Buhl, der jetzige Chefredakteur Mohr u. a. gehören, übergegangen. —„Am liebsten an Polen sofort verkaufen“ möchte Herr Berliner aus Breslau eine Besitzung; das zeigt er im amtlichen Ostrowoer Kreisblait an. Im amtlichen Kreisblatt! — Die Schutztruppe in Kamerun. Hinsichtlich der Schutztruppe in Kamerun besteht ein tiefgehender Unterschied zwischen der allgemeinen Auffassung und derjenigen der Kolonialverwaltung. Durch den Nachtrag zum Etat für Kamerun für 1905 wurden die Mittel zur Rerstärkung der Schutztruppe um zwei Kompagnien bereitgestellt, und zwar bei den einmaligen Ausgaben. In den Erläuterungen zu dem Etat heißt es nun, es kann damit gerechnet werden, daß mit der zunehmenden Beruhigung des Schutzgebietes die Verstärkung in absehbarer Zeit wieder entbehrlich werden wird. Der Mehrbedarf wird als künftig fortfallend bezeichnet. Die Militärs forderten dagegen eine dauernde Vermehrung der Schutztruppe, die sie um so höher veranschlagen, als das Schutzgebiet einen großen Umfang hot, und an den verschiedensten Gegenden sich Unruhen zeigten. Dieser Ansicht pflichtet man in weiten Kreisen bei, namentlich im Hinblick auf die Erfahrungen in Südwestafrika. Die Kolonialverwaltung ist aber, wie hier deutlich ausgesprochen wird, anderer Ansicht. - Die Bahn Lüderitzbucht=Kubub. Nachdem der Reichstag die Forderung für den Bahnbau Lüderitz=Kubub genehmigt hat, wird sofort mit dem Bau begonnen werden. Den Bau übernimmt die Firma Lenz u. Co. In Lüderitzbucht befindet sich bereits der Bauinspektor Schlüpmann von der Kolonialabteilung, der die staatliche Bauaufsicht führt, ferner Ingenieur Nissen von der Firma Lenz u. Co., der den letzten Teil der Usambara=Eisenbahn gebaut hat und auch dort den Bau leiten wird. Nach einem Telegramm des Gouverneurs sind schon 150 farbige Arbeiter auf dem Wege nach Lüderitzbucht, und der Gouverneur wird bald im ganzen 300 bis 500 farbige Arbeiter stellen können. Am 15. d. M. reiste der Baumeister Reh von der Firma Lenz u. Co. mit 8 Mann Aufsichtspersonal nach Lüderitzbucht. Die für die erste Strecke des Bahnbaues erforderlichen Sprengarbeiten werden durch die in Lüderitzbucht stationierte Eisenbahn=Baukompagnie ausgeführt. Der eiste Teil der Materialien, für deren Lieferung die leitende Firma schon vorläufige Abmachungen getroffen hal, wird am 50. Dez. von Hamburg abgehen. Ausland. — Madrid, 18. Dez.(Meldung der Agence Havas.) Die Absicht. die Marokko=Konferenz nicht in Algeciras, sondern in Madrid abzuhalten, wurde beim letzten Empfang des diplomatischen Korps vom Minister des Aeußern den Vertretern der Mächte mitgeteilt, die hiervon ihre Regierungen in Kenntnis setzten. — Schanghai, 18. Dez. Die Chinesen revoltieren seit heute früh, sie haben die Hauptsraßen verbarrikadiert. Die Engländer besetzten das Zollamt und die Polizeistation. Deutsche Marinesoldaten vom Flußkanonenboot„Vaterland“ ind gelandet, das Freiwilligenkorps ist ebenfalls ausgerückt Am Nanking Road brennen verschiedene Häuser. Die Europäer werden vom Pöbel angegriffen und mit Steinen beworfen. Die Lage ist ernst. Kein größeres deutsches Kriegsschiff ist zur Stelle.(Frankf. Zig) — Schanghai, 18. Dez.(Reutermeldung.) Die Ausschreitungen wurden von der Polizei, Seeleuten und Freiwilligen unterdrückt. Der angerichtete Schaden ist unbedeutend. Eine Polizeistation ist teilweise verbrannt, eine Schänke wurde zertrümmert, ein Fahrradladen ausgeplündert. Elwa 20 Chinesen wurden getötet, einige Europäer verwundet, aber niemand von ihnen getötet. Die Straßen sind leer. Bewaffnete Patrouillen streifen überall umher. Aufstände in unsern Kolonien. Hamburg. 19. Dez. Die deutsche Regierung schloß mit Hagenbeck einen Vertrag ab auf Lieferung von 300 Kamelen zu Transportzwecken in Deutsch=Süowestafrika Curhaven. 19. Dezbr. Ein für Südwestafrika bestimmter Ersatztransport, 1 Offizier und 3 Mititärbeamte, 62 Unteroffiziere und Mannschaften, verließ gestern um 11 Uhr abends den Hafen, nach einer Abschiedsansprache des Stadtkommandanten. Berlin. 19. Dezbr. Gouverneur Graf Götzen tele graphieit aus Dar=es=Salaam: Am 28. November wurde die gut befestigte Etapenstation Liwale abermals erfolglos angegriffen. Hauptmann v. Schönberg mit 14. Kompagnie Matumbi=Berge eingetroffen, ein Zug unter Oberleutnant Wagner hatte Gefecht am Kitopeberg. Der Feind floh. Die Marineinfanterie unter Leutnant v. Engelbrecht ist gesund in Mpapua eingetroffen. Die Aufstandsbewegung in Rußland. Berlin. 18. Dez. Die Situation unserer bedrohten Volksgenossen in den baltischen Ostseelanden scheint sich vorläufig noch von Stunde zu Stunde zu verschlimmern. Die spätlichen Nachrichten, die von den von allen Verbindungen Abgeschlossenen zu uns gelangen, zeichnen(auch wenn bei den Schwierigkeiten der Uebermittelungen hier und da kleine Uebertreibungen mit unterlaufen sein mögen) wahrhaft er schütternde Bilder. Vom 15. Dezember datierte Meldungen aus Riga schildern die Lage des dortigen Gouverneurs als äußerst kritisch. Die Stadt befinde sich in den Händen der Aufständischen. Truppen seien nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Die Anführer seien ausgezeichnet mit Flinten und Nevolvern bewaffnet und hätten bei Kraßnoja Gorka, einer verrufenen Gegend der Moskauer Vorstadt(dem Arbeiter= und Russenviertel Rigas), den Truppen ein Gefecht geliefert, bei dem diese 14 Tote hätten zurücklassen müssen. In Dünamünde(dem Hafenort Rigas) seien die Truppen sogar völlig aufgerieben worden. Am Sonnabend solle es in Riga dann wieder ruhiger geworden sein; die Geschäfte hätten zum Teil wieder geöffnet, und auch in einigen Fabriken würde wieder gearbeitet, aber Post- und Telegraphenverkehr seien natürlich nach wie vor gespertt. Dagegen hat, wie man dem„L.=A.“ aus Eydtkuhnen meldet, dort der Zugführer des heutigen Frühzuges aus Petersburg erzählt, das Rigaer Militär sei zu den Revolutionären übergegangen. Die Stadt weide beschossen und brenne an verschiedenen Punkten. Petersburg. 18. Dez. Gestern fanden in verschiedenen hauptsächlich von Arbeitern bewohnten Vierteln Beratungen statt, in denen ein neues Exekutivkomitee der Arbeiter gewählt und die Frage eines Generalstreiks erörtett wurde. Auch in Moskau ist ein Generalstreik angeregt worden. Im allgemeinen glaubt man nicht, daß unter den gegebenen Verhältnissen der Generalstreik gelingen würde. Die am Sonnabend bei einer Sitzung des Arbeiterdeputiertenrates verhafteten 268 Personen sind bis auf 32, die ihren Namen nicht nennen wollten, wieder freigelassen worden. Lokales und Provinzielles. Hohenlimburg, den 20. Dezember 1905. „. Iserlohner Stadttheater!„Der Privat dozen!“, ein Stück aus dem akademischen Leben in vier Atten von Ferd. Wittenbauer. Ein bedeutsames Stück war es, welches Direktor Winter uns gestern bescherte. Der Verfasser hat sichtlich aus Erfahrung geschöpft, als er seinen Privatdozent“, schrieb, er ist mit den Lebensgewohnheiten ali der Personen, welche er auf der Szene erscheinen läßt, bekannt, er weiß, wie es in ihren Herzen aussieht, daß keines voll pulsierenden Blutes, voll Tieue und Begeisterung, voll anfopferndernder Liebe ist, daß vielmehr dei vielen ein hohler Raum des Herzens Stelle einnimmt, oder egoistische Interessen, verbunden mit Rücksichtslosigkeit gegen andere. Ein Privatdozent wird, trotzdem er schon 10 Jahre wartet, bei Seite geschoben, wiewohl er bei rauher Außenseite ein Edelmensch in des Wottes bester Bedeutung ist. Mit ausgesuchter Grausamkeit wird dieser Edelmensch verfolgt, man klammert sich an kleine Schwächen und bauscht sie ins Riesen hafte auf, sodaß er schließlich der Uebermacht weichen muß So auch geht es dem Held unseres Stückes. Dr. Obermayer, er muß weichen und zusehen, wie ein hohler Streber, sein eigner Schüler, den er selbst vorwärts gebracht hat, die Professur bekommt und nicht nur das, sondern sich auch mit einem von ihm geliebten Mädchen verlobt, freilich nur als Mittel zum Zweck, um die Professor zu erhalten. Rechtzeitig noch erkennt das Mädchen die Absichten des Strebers und es kommt daher nicht zur Heirat; aber auch die beiden sich im Herzen Liebenden finden zunächst sich nicht, wenigstens bleibt das der Zukunft vorbehalten Ob dieser Schluß alle befriedigt hal? wir glauben es kaum. Uns däucht, der Privatdozent, wenn er selbst sich auch einen Bauer nennt, hälte doch so viel Menschenkenntnis besitzen müssen, daß es ihm klar sein mußte, daß das von ihm geliebte Mädchen ihm nicht mißzuverstehende Zeichen ihrer Zuneigung gab. Er hätte also den gordischen Knoten einfach durchschneiden müssen, um sich in seinen Besitz zu setzen. Der Schluß des Stückes aber, wie ihn der Verfasser uns bringt, enthält die Mahnung: Mißverständnisse immer und unter allen Umständen rücksichtslos aufzuktären. Unendlich viel Unglück wird angerichtet, weil zur rechten Zeit das aufklärende Wort nicht„fällt. Das Stück ist ein Aufruf zur Offenheit und Wahrheit. Die Aufführung war tadellos. Walter Neumann verkörperte den Privatdozenten Dr. Obermeyer und bot in dieser Rolle eine vortreffliche Leistung. Valy Arnheim spielte seinen Gegner De. von Lukanus zufriedenstellend. Auch Heinrich Winolt fand sich mit seinem Hofrat gut ab. Ein durch und durch sympatischer Professor Prutz war Robert Preuß. Ellen Gersa verkörperte die weibliche Hauptrolle Else, sie wußte die rechten Herzenstöne anzuschlagen und erschütternd wirkte das Lachen über die falsche Nachricht von der Vorlobung des heimlich Geliebten. Ausgezeichnet war auch Dora Ealvo als ehrliche Freundin Obermeyer und Elses. Weiter müssen lobend erwähnt werden Marie Stähnisch als Frau Hofrat, Emmy Preuß als Frau Beiger und Käihe Waldburg als Käthe. Auch die übrigen Rollen waren gut vertreten. Nächsten Mittwoch kommt als Abschiedsvorstellung Beyerlein's „Zapfenstreich" zur Aufführung. Wir kommen darauf noch zurück. *. Der Gesang Verein„Eintracht u. Frohsinn“. n Holthausen feiert am 2. Weihnachtstage im Saale des Herrn C. Sengstmann sein übliches Winterkränzchen in althergebrachter Weise durch Konzert, Theater und Ball. Der Verein, welcher unter der bewährten Leitung des Herrn Lehrer Sch öder steht, gedenkt neben einigen Chören ganz besonders das deutsche Volkslied zum Vortrag zu bringen, welchen Anforderungen die Sängerschar mit tiefem Empfinden gerecht werden wird. Auch stehen dem Vereia betreffs der theatralischen Aufführüngen„Weihnachtsglocken“. Genrebild in 1 Aufzuge und„Der Dienstmann Nr. 112“ Lustspiel in 3 Aufzügen voll und ganz zur Geltung kommen werden. Der musikalische Teil ist dem Müller'schen Occhester in Hagen übertragen. Während des Konzeiles werden sich zwei Weihnachtsbäume im Lichterglanz zeigen. Es stehen somit j=dem Besucher genußreiche Stunden bevor. „“. Am Dienstag abend zwischen 7—8 Uhr besuchte eine Frauensperson 5 hiesige Shuhgeschäfte angeblich für einen Arzt und verschiedene Fabrikanten um eine Auswahl Schuhe zu erschwindeln, jedoch ohne Erfolg. Die Person ist mittelgroß, trägt einen flachen, schwarzen Hut, langen, dunklen Mantel und einen schwarzen Pelz. Unsere Leser werden vor diesem Marder gewarnt. * M i ß g l ü c k t e r E i n b r u c h s v e r s u c h. U n e r d e m S c h u t z e der nächtlichen Dunkelheit machten sich drei Einbrecher an der Haupteingangstür der Blaudruckerei und Färberei der Firma Edmund Camphausen hierselbst zu schaffen. Dank der Wachsamkeit des auf dem Werke wohnenden Werkmeisters Wellmann wurden die Gauner in ihrem Handwerk gestört und entzogen sich ihrer Festnahme durch schleunige Flucht. * Wintersonnenwende. An diesem Donnerstag den 21. Dezember nimmt der Winter seinen astronoschen Anfang, wir haben den kürzesten Tag und längste Nacht, die Sonne beschreibt ihren kleinsten Bogen über unserem Horizont und teitt damit in das Zeichen des Steinbocks. Dieser kürzeste Tag hat rur eine Länge von 7 Stunden 34 Minuten, die Nacht dagegen eine solche von 16 Stunden 26 Minuten. Am 26. Dezember beträgt die Zunahme des Tages 1 Minute und am letzten Dezember schon 3 Minuten. Es geht also schon wieder bergauf im ewigen Kreislauf des Jahres, einer besseren Zeit entgegen, langsam zwar, um einen Hahnenschrei lang, wie es im Volksmunde heißt, aber sicher. Die Sonne beginnt einen neuen Siegeslauf und damit zieht ein ncues Hoffen und Sehnen in unsere Herzen ein. Die alten Germanen, Römer, Perser, Inder und Aegypter begingen die Zeit der Wintersonnenwende zu Ehren des Sonnengottes durch festliche Veranstaltungen, auf welche manche noch heute übliche volkstümliche Sitte zurückzuführen ist. * Die Stadt Breslau hat den Kampf gegen die Mücken planmäßig aufgenommen. Geheimrat Flügge vom dortigen hygienischen Institut berichtet im Gemeindeblatt, wie er die überwinternden Mücken in Kellerräumen mit Räuchermitteln, die sich entwickelnden Mücken in Tümpeln mit einem Pulver„Larcinid", das, mit Wasser zu einem Brei verrührt, in einer Menge von 3 Gramm auf 1 Kubikmeter Wasser in die Tümpel gegossen wird, vernichte.— Die Mücken sind Anstickungsüberträger schlimmster Sorte. Der Plan ist von hygienischer Seite warm zu begrüßen. * W i t t e n, 1 8. D e z. D e r V e r e i n f ü r O c t s- u n d H e i m a t s kunde in der Grasschaft Mark hielt gestern hierselbst seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach dem Jahres= und Rechnungsberichte gehören dem Verein in veschiedenen Städten und Gemeinden der Grafschaft Mark über 600 Mitglieder an. Das Plojekt, nach dem vom Professor StierHannooer entworfenen Plane, hier ein Museum zu erbauen, ist denfinitiv fallen gelassen. Nach einem neuen Projekte wird in Veibindung mit dem Museum die Errichtung einer Volkslesehalle und Volksbücherei vorgesehen. Dem Museum wurden im Laufe des Jihres 161 Nummern an Gegenstanden im Taxwirte von 1752 Mt. zugewandt. Der Buchwert der Museumeschätze sleigt dadurch auf 34 425 Mark. * E l b e r f e l d, 1 8. D e z. U e b e r d i e F ö r d e r u n g d e s i n d i viduellen Sp#####bes wurde in der 19. Hauptversammlung des Bergischen Vereins für Gemeinwohl verhandelt. Stadtsyndikus Gölling=Hildesheim führte aus: Die Behauptung, daß der Arbeiter bei den teuren Lebensbedingungen nicht sparen könne, werde widerlegt durch eine Statistik vom Jahre 1903. Damals waren in Preußen bereits 7¼ Milliarden auf Sparkassen eingelegt, auf 9,77 Millionen Sparkassenbücher. Auf 4 bis 5 Einwohner kam somit ein Sparkassenbuch. Von diesen Büchern befanden sich 7,8 Millionen in Händen von Angehörigen der unteren und mittleren Klassen. Als Mittel zur weiteren Förderung des Sparsinns sei u. a. das Abholungsverfahren, die Prämiengewährung und die Verlosung, wie sie bei den Kruppschen Sparkassen eingeführt ist, zu empfehlen. Kommerzienrat Moritz Böker=Remscheid, sprach über die Spareinrichtung der Bergischen Stahlindustrie. Dort ist jeder unverheiratete bezw. jeder Arbeiter unter 25 Jahren verpflichtet, die Spareinrichtung der Gesellschaft zu benutzen, den andern ist es anheim gestellt. Der Wohlfahrtsfonds der Bergischen Stahlindustrie bezahlt zu den Zinsen der städtischen Sparkasse 2 Prozent vom ersparten Kapital als Prämie. Regierungsrat Erbsloe=Düsseldorf berichtete über die Lage des Fabrikensparkassenwesens im Regierungsbezirk. Er war der Meinung, daß der Sparsinn unter den Arbeitern einigermaßen festen Fuß gefaßt habe und das Mißtrauen gegen die Fabriksparkassen verschwinde. Seit 1902 hätten sich die Einlagen in den einzelnen Kassen erheblich vermehrt. vI. „Zum- Radssheinler! Wein-Restaurant I. Ranges, verbunden mit Stadtküche. Hagen i. W. Hochstrasse 92. Telephon 1149. Spezialausschank von Weinen Der Frewein'schen Kollersien Elberfeld. Diners, Soupers, Tagesplatten, Saisonspeisen, Englische und Holländische Austern, trisch. Hummer, russischen Caviar. Besondere Räume für Konferenzen, Familien-Festlichkeiten und Hochzeiten I. Etage. P. Runckel. Weinverkauf ausser dem Hause zu ermässigten Preisen. weiss, Berlin, Rathenowerstraße 68. Rüdporto. 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Sind Militärpflichtige zur Zeit abwesend, so haben ihre Eltern, Vormünder, Lehr=, Brod= oder Fabrikherren die Verpfsichtung, dieselben zur Stammrolle anzumelden. Wer die vorgeschriebene Anmeldung versäumt, wird nach§ 33 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai 1874 mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Hohenlimburg, den 11. Dezember 1905. Der Bürgermeister: Funke. Die Bestimmungen meiner Bekanntmachung vom 5. Dezember 1904 Amtsblatt S. 870,71, betreffend die Sonntagsruhe im Barbier= und Friseurgewerbe erhalten auf Antrag der beteiligten Gewerbetreibenden einige Aenderungen und wird demgemäß der Abschnitt e meiner Bekanntmachung, betreffend Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit für Gewerbe zur Befriedigung täglicher Bedürfnisse vom 21. März 1895, Amtsblatt S. 149, 180, 225, 257 und 305 bei gleichzeitiger Aufhebung der obengenannten Bekanntmachung vom 5. Dezember 1904 durch folgende Bestimmungen ersetzt: e. Barbier= und Friseurgewerbe: 1. In den Städten Altena, Castrop, Gelsenkirchen, Hagen, Hattingen, Herne, Hohenlimburg, Lippstadt, Lüdenscheid, Olpe, Schwelm, Soest, Siegen und Witten, in den Kreisen Hagen— unter Ausschluß des von jeder Arbeit freizulassen. Wenn die Arbeiter durch die Beschäftigung an Sonn= und Festtagen am Besuch des Gottesdienstes behindert werden, so ist ihnen an jedem dritten Sonn= und Festtag die zum Besuch des Gottesdienstes erforderliche Zeit freizugeben. Arnsberg, den 14. Dezember 1905. Der Regierungs=Präsident: Freiherr von Coels. Vorstehende Bestimmung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Hohenlimburg, den 18. Dezember 1905. Die Polizei=Verwaltung. Der Bürgermeister: Funke. Die Verteilungsliste der Beiträge zur Handwerkskammer auf die einzelnen Handwerksbetriebe der hiesigen Stadtgemeinde für 1905 liegt vom 22. d. Mts. ab 14 Tage lang auf dem Rathause zur Einsicht der Beteiligten aus. Einsprüche gegen die Liste sind innerhalb vier Wochen, vom Tage des Beginns der Auslagefrist ab gerechnet, bei den Unterzeichneten anzubringen. Hohenlimburg, den 19. Dezember 1905. Der Bürgermeister: Funke. Trikotagen-Verkauf Extra ausgelegt: Die Woll- und Baumwollpreise steigen rapid, darum solle sich jedermann rechtzeitig decken solange er noch zu alten Preisen kaufen kann Durch rechtzeitige Abschlüsse sind wir nun in der Lage, vorläufig noch die alten billigen Preise gewähren zu können. Ausserdem bieten wir noch einen Posten Lagerware zu nebenstehenden billigen Preisen an Wir bitten höflichst, nach Möglichkeit die Einkäufe auch in den Vormittagsstunden zu besorgen. Ein Posten Herren=Tricot=Hemden, allerbeste Vigogne-Qualität in 3 Grössen Ein Posten Herren=Tricot=Hemden, prachtvolle Kammgarnart-Qualität in 3 Orössen Ein Posten Herren=Tricot=Hosen, allerbeste Vigogne-Quälität in 3 Grössen Ein Posten Herren=Tricot=Jacken. allerbeste Vigogne-Qualität in 3 Grössen ca. 400 a la. 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Januar 1906 beginnt der Kursus im Zuschneiden und bitte ich die Damen, welche daran teilnehmen wollen, um früh zeitige Anmeldung. Frau Leopold. Hasen! Erhielt von einer Treibjagd eine Partie extra schwere Hasen und empfehle dieselben billigst. C. Stein Ww. — — Gesellschaft„Erholung.“ Dienstag, den 26. Dezember, abends 8 Uhr im grossen Saale des Bentheimer Hofes: Weihnachts=Bal. Die Vergnügungs-Kommission. Sola in Karton ist eine aus den besten Rohstoffen(geläutertes Rindernierenfett und viel süsser Sahne) hergestellte feine Delikatess- Margarine! Solo in 90r“ Karton feinste Delikatess-Margarine— besitzt die Eigenschaften bester Meiereibutter und ist von dieser weder im Aroma noch im Wohlgeschmack zu unterscheiden. Der Männer-Gesang-Verein Elsey feielt am 2. Weihnachtstag,(26. Dezember) im Saale des Herrn Heinrich Sträter zu Elsey sein diesjähriges Winter=Kränzchen bestehend aus Konzert und Ball. Entree: Konzert 50 Pfg., Ball 1 Mk., Konzert und Ball 1.25 Mk., letztere im Vorverkauf 1 Mark. Zu zahlreichem Besuch lade: steundlichst ein der Vorstand. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt. NB. Wegen des reichhaltigen Programms ist der Anfang auf punkt 4 Uhr festgesetzt. August König empfiehlt unter Garantie: Eröffne meinen Lursus im Kleidermachen am 3. Januar 1906 und halte mich den geehrten Damen von Hohenlimburg zur Teilnahme an demselben bestens empfohlen. Frau Herm. Judith Lenneufer 29. Für den Weihnachtstisch empfehle: Cigarren in reichhaltiger Auswahl und eleganten Packungen von 25, 50 und 100 Stück. Zigaretten, Rauchtabake, so letztereauchin ¼ u. ¼ Pfd.=Pack. de. Nur teinste Fabrikate. K Ernst Erdelen, Freiheitstraße 30. Solo in 9Ore Karton — feinste Delikatess-Margarine— bräunt, schäumt und duftet wie beste Butter, spritzt nicht aus der Pfanne und ist vorzüg. lich zum Rohessen! Solo gertin — feinste Delikatess-Margarine— ist überall erhältlich! 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Jahrg. 2 2 Allgemeine Zeitung Fürs deutsche Haus für das Lenne= Illustrierte Gratisbeilage Abonnementspreis pro Quartal Mk.(.50. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag: Hohenlimburger Verlag, Louis Ebbinghaus. Schriftleitung: C. Dowell, Hohenlimburg. Insertionspreis für die zspaltige Oetitzeile oder deren Raum 10 Ofg. außerhalb des Leserkreises 15 Ofg., Reklamezeile 50 Ofg. — Wissenschaft und Leben. — Geheimrat Delitzsch(Babel und Bibel) ist von einer längeren Forschungsreise aus dem Orient nach Berlin glücklich heimgekehrt. — Der Heidelberger Schloßverein hat sich in seiner Hauptversammlung noch einmal gegen die Wiederherstellung des Ottoheinrichbaues ausgesprochen und für das Erhalten des geschichtlich Gewordenen mit seinem ganzen poetischen und ästhetischen Reiz. — Das neue Münchener Adreßbuch zählt 1662 Künstler auf, darunter 1232 Maler und Malerinnen. Unter den Malern erscheint zum ersten Male Franz von Stuck als Ritter des Verdienstordeus, mit dem der persönliche Adel verknüpft ist. — Die alte deutsche Flotte vom Jahre 1848 wird demnächst im Bilde vor uns entstehen— eine sehr zeitgemäße Erinnerung an jene Tage, in deuen auch die deutsche Demokratie einmütig im Lager der jetzt von ihr so verrufenen „Flottenschwärmer" stand. Es ist merkwürdig, welche Schwierigkeiten es macht, zuverlässige Abbildungen von den einzelnen deutschen Kriegsfahrzeugen aus jener Periode des ersten erfolglosen Anlaufs deutscher Marinepolitik zu erlangen. Manche Dokumente befinden sich im Besitz der noch lebenden Gattin des ersten deutschen Admirals Brommy. Mit vieler Mühe ist es gelungen, die authentischen Abbildungen zusammenzubringen und sie zu einem demnächst im Verlage von Dietrich Reimer in Berlin erscheinenden Buch zu vereinen. Unrühmlich genug war ja das Ende jener ersten deutschen Flotte, die unter dem Hammer des Auktionators gesprengt wurde. Ohne Flagge,„um das Publikum nicht zu reizen“, wurde die Fregatte„Deutschland“ im Jahre 1853 versteigert and der jämmerliche Erlös von 9200 Talern von dem Auktionator damit entschuldigt, daß das Schiff„50 Jahre alt, zweimal kondemniect und von jeder Assekurranz aus geschlossen“ sei. Der Rückblick auf das Schicksal der ersten deutschen Flotte, wie es durch die bevorstehende Veröffentlichung wieder vor unseren Augen lebendig wird, erinnert aufs neue an das erfüllte Sehnen und Streben unserer Väler und an die Pflichten, die wir als ihre glücklicheren Erben zu erfüllen haben, wenn wir das seither Errungene in der Welt eorenvoll behaupten wollet. Aus aller Welt. Hamburg, 18. Dez. Am Elbufer beschäftigte Personen bemerkten dieser Tage, daß in der Nähe von Falkenthal unweit Blankenese auf dem vorübersegelnden Finkenwärder Fischkutter H. F. 145(Schiffer v. Eitzen) der Schiffsjunge gewaltig geprügelt wurde. Als der Schiffer endlich von dem Jungen abließ, sprang dieser plötzlich über Bord, kämpfte noch eine Zeitlang mit den Wellen und sank dann in die Tiefe. Die am Ufer stehenden Personen konnten nichts zur Rettung unternehmen, da kein Boot zur Stelle war und der hartherzige Schiffer tat, als ginge ihn die ganze Geschichte nichts weiter an; er setzte seine Fahrt fort ohne sich im ge Gerd Seiferts Tagebuch. Eine Vorweihnachts=Geschichte. (Schluß.) „Seifert, Sie lügen ja bewußt. Sie machen sich gerade so viel daraus wie alle anderen. Warum verbergen Sie das vor mir? Bin ich Ihnen gegenüber vielleicht ein Wülerich?“ Gerd Seifert machte sich wieder mit seinem„Schnupfen“ zu schaffen. „Als ich so jung war wie Sie, Seifeit... Du lieber Gott... da wußte ich gar nicht, wie schnell ich die Nächle hinbringen sollte. Mit dem erstem Dezember fing's an. Da klebten wir Ketten und sangen Weihnachtslieder, und Mutter verteitte Bratäpfel unter uns".— Er lachte hart auf „Sehen Sie, so was steckt wahrhaftig an. Auch ich bin ganz aus dem Konzept geraten.... Zeigen Sie mal schleunigst Ihr Aktenstück rüber... Bungs kontra Neubeit ... interessanter Fall, was?“ Und nun begann er weitschweifig.... mehr zu sich als zu Gerd Seifert sprechend, seine Ansicht zu enthüllen. Diese Weshnachtsstimmung flog wieder davon, und Gert Seifert fand sich mit seinen Schmerzen ab, so gut er es vermochte. Die kurzen Tage hatten jetzt beständig trübe Augen und brachten viel Schlafbedürfnis. Der alte Klassen hatte wirklich Mühe, im Bureau die Ordnung aufrecht zu erhalten. Alle waren voller Heimlichkeiten und Vorfreude. Er versicherte täglich mehrmals, daß er und Gert Seifert damals die einzigsten Vernünftigsten wären. Eines Tages hatten sie den alten Mann aber auch angesteckt. Er war genau so unruhig und zitterte wie die Schreiber nebenan. In seinem Geschäft wartete eine große Frage auf Antwort. Fips raunte es zuerst dem Bureaudiener zu: „Wissen Sie vielleicht, was der Alte hat?“ ringsten um den Ertrinkenden zu kümmern. Erst in Blankenese schien er Gewissensbisse zu empfinden, er kehrte mit seinem Fahrzeug nach der betreffenden Stelle bei Falkenthal zurück und suchte nach der Leiche, ohne sie zu finden. Auf erfolgte Anzeige hin wurde Schiffer v. Eitzen in Untersuchungshaft genommen, da er beschuldligt wird, den Schiffsjungen mißhandelt zu haben; ferner wird ihm der Vorwurf gemacht, daß er nicht die nötigen Anstalten zur Rettung des Jungen getroffen hat. Berlin, 18. Dez. Wie die„Deutsche Tageszeitung“ mitteilt, hat der bekannte Politiker und Parlamentarier Graf Mirbach auf einem Jagdgang einen Wilddieb erschossen, als dieser auf wiederholtes Anrufen das Gewehr auf den Grafen anschlug. 18. Dez. Ein Gewürzfälscher en gros. Das Landgericht verurteilte den Gwürzmühlenbesitzer Schilling in Leipzig wegen Betrug und Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 2 Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe. Schilling hatte Gewürze, wie Pfeffer, Pimens, Zimmt, Nelken usw. dadurch verfälscht, daß er Stengel, Kakaoschalen, Rippen, Rindenstückchen und dergleichen Abfälle mehr mit vermahlen ließ. Es waren nicht weniger als sechs Sachverständige und gegen 50 Zeugen aus Dresden, Chemnitz. Zwickau, Berlin, Hannover und anderen Städten geladen, wo Schilling, dessen Umsatz sehr bedeutend war, seine Kundschaft hatte. Wegen gleicher Vergehen war Schilling bereits vor drei Jahren zu 400 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Der von ihm als Kontrolleur mit 300 Mk. Jahresgehalt angestellte Chemiker Dr. Prager, welchem zur Last gelegt wurde, die Kontrolle nicht mit pflichtgemäßer Sorgfalt ausgeführt zu haben, wurde freigesprochen. Halle, 18. Dez. Ein„Kleinbahnidyll“ besonderer Art wird aus Annaburg, Bezirk Halle, berichtet. Dort hat seit einigen Tagen die Kleinbahn Pettrin=Annaburg den Frachtverkehr eingestellt, weil der Güterwagenpark— vom Gerichtsvollzieher gepfändet ist. Veranlassung zu dieser fatalen Situation hat eine Hildesheimer Wagenfabrik gegeben, die bisher von der seit vier Jahren bestehenden Gesellschaft vergeblich Zahlung gefordert hat. Bernburg, 18. Dez. Aufsehen erregte hier eine Schießaffäre, die sich wegen einer Liebesgeschichte abspielte. Ein verheirateter Mann aus den ersten Gesellschaftskreisen, der mit einem jungen Mädchen ein Verhältnis unterhielt, wurde von seiner Gattin bei dem Stelldichein überrascht. Er gab darauf auf seine Frau einen Revolverschuß ab und verletzte sie am Arm. Seit diesem Aufteitt ist das junge Mädchen verschwunden. Die besorgten Eltern haben sich an die Polizei wegen Ermittelung desselben gewandt. Paris, 18. Dez. Ein furchtbares Unglück ereignete sich in den Stahlwerken von Homecourt, Departement Meurtheet Moselle. 24 Arbeiter waren mit dem Reinigen der Röhren beschäftigt, als sich vlötzlich eine Menge Kohlenorydgas aus bisher noch nicht festgestellter Ursache in den Röhren entwickelte. Die zunächst befindlichen Arbeiter schcieen um Hilfe. Zwei Werkführer drangen ein, erlagen Der wußte es aber auch nicht. Er befragte indes umgehend Gert Seifert: „Sie sitzen ihm doch den geschlagenen Tag gegenüber. Sie müssen es doch eigentlich wissen.“ Gert Seifert hatte auch noch nicht das Geringste von einer Veränderung wahrgenommen. Der Morgen schlich zu Abend und der Abend zum Morgen... noch hatte der Stadtteich offene Augen und die Schneeflocken hielten sich nicht auf Erden... Aber die Luft war bereits kalt und schneidend und von den Dächern herab hingen erstarrte Tränen... Des alten Klassens Heiterkeit und Ungeduld wuchs immer weiter... Eines Morgens fiel sie sogar dem Chef auf. „Was in aller Welt ist denn in Sie gefahren, Klassen“ fragte der junge Anwalt, der von seinem Onkel die Praxis übernommen hatte, neugiertg.„Sonst knurrten Sie gerade um diese Zeit am lautesten...“ „Wie habe ich das zu verstehen, Herr Rechtsanwalt?“ „Wie es gemeint ist. In meines verstorbenen Onkels Garten steht eine alte Tanne. Sie söllte im Frühjahr fortgenommen werden, weil kein Tropfen Saft mehr in den Aesten war. Gestern sah ich, daß sie während des Sommers einen neuen grünen Zweig getrieben hat. Ich mußte plötzlich an Sie denken, als ich das sah. Sie sind ja wie ein Junger. der sein Weihnachten nicht erwarten kann, weil er weiß. Vater schenkt ihm die ersten Schlittschuhe und der liebe Gott ganz fraglos das erste Eis dazu.“ „Mein Eis ist schon längst da, Herr Rechtsanwalt“ schmunzelte Klassen.„Und Ihre Schlittschuhe schenke ich einem Jungen. Passen Sie mal auf, zu welcher Kunstfertigkeit der es mit der Zeit bringen wird...“ Mehr bekam der Chef auch nicht aus dem Alten heraus. Der einzige, der Klassen nicht mit Fragen störte, war Gerd Seifert. Seitdem sein stiller, kleiner Kamerad, das Tagebuch verschwunden war, schien er innerlich gänzlich einzuschlummern. Als Klassen das ungeduldige Watten auf Gerd Seiferts Fragen nicht länger ertragen konnte, stellte er sich dicht vor jedoch, ebenso wie 12 Arbeiter den Wirkungen des Gases. Die Verunglückten sind zumeist Italiener. Washington, 17. Dez. Der Präsident Roosevelt kündigte am Freitag formell die Verlobung seiner Tochter Alice mit dem Kongreßmitglied Longworth an. Die Hochzeit findet wahrscheinlich Mitte Februar statt. Die Wertschätzung des Turnens au höheren Lehranstalten erfährt eine eigenartige Beleuchtung aus einer neueren statistischen Zusammenstellung. In Deutschland erwirbt ein Schüler einer höheren Lehranstalt das Reifezeugnis für den Hochschulbesuch mit 20000 bis 25000 Schulund Hausarbeitsstunden bei im ganzen etwa 1000 Turnstunden, in Frankreich mit etwa 19000 Schul= und Hausarbeitsstunden bei 1300 Turnstunden, in England mit etwa 16 500 Schul= und Hausarbeitsstunden bei etwa 4500 Turnstunden. In England wird den Leibesübungen der Jugend demnach 4½ mal mehr Zeit gewidmet, als bei uns. Daß die Mehrzahl der deutschen Schüler höherer Lehranstalten nicht zur Vollkcaft des menschlichen Körpers gelangen, ist danach wohl begreiflich. Und dabei ist das moderne Turnen seit Guts=Muths und Jahn als wichtiger Zweig der Erziehung anerkannt worden! Die Belästigung einer anständigen Dame ist dem Tapezierer Paul Stephan aus Rirdorf sehr teuer zu stehen gekommen. Wegen Beleidigung und Körperverletzung war St. heute vor dem Schöffengericht angeklagt. Der Angeklagte hatte eines Tages Ende Oktober dieses Jahres mit mehreren Freunden und Bekannten eine fidele Kneipfahrt durch Berlin unternommen. In etwas angeheiterter Stimmung passierte er gegen abend die Dresdenerstraße. Plötzlich bemerkte er eine junge Dame vor sich gehen, die ein größeres Interesse in ihm erweckte. Er näherte sich in sehr„zutraulicher" Art der Dame, welche die Gattin eines in der dortigen Gegend wohnhaften Kaufmanns war. Als er natürlich glatt abgewiesen wurde, wurde der Angeklagte etwas kühner und faßte die Dame um die Taille. Als Antwort erhielt er eine wohlgezielte Ohrfeige, durch welche sein Kneifer herunterfiel und zerbrach. Aus Wut darüber drang der „Kavalier" nunmehr auf die Dame ein und versetzte ihr einen derartig wuchtigen Schlag in Gesicht, daß sie gegen die Häuserfront taumelte und dann ohnmächtig zu Boden stürzte. Erst jetzt kamen Passanten der Dame zu Hilfe, der Angeklagte wäre beinahe einer wohlverdienten„Lynchjustiz“. verfallen, wenn nicht ein Schutzmann rechtzeitig auf der Bildfläche erschienen wäre. Vor Gericht bat Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowicz, dem Angeklagten, der sich allerdings in der Trunkenheit zu einem höchst bedauerlichen Exzeß habe hinreißen lassan, mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheif eine milde Strafe zu teil werden lassen. Der Gerichtshof hielt indessen eine Geldstrafe nicht für eine ausreichende Sühne, da derartige Belästigungen anstandiger Damen auf der Straße immer mehr überhandnehmen, und erkannte auf 3 Wochen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 6 Wochen Gefängnis beantragt. ihm auf... nahm seine Hände und sagte leise: „Sie haben dochmal ein Buch verloren, nicht wahr? Ein Sechserheft. Ich habe es neulich gefunden. Es hatte sich nämlich in das Aktenstück geschoben, das ich mit mir nach Hause nahm. Es hatte viel zu dünnes Papier. Ich habe Ihnen schon hundertmal gesagt, Sie sollen nicht von Gegenüber kaufen. Na, zuerst habe ich natürlich gedacht, daß es zu den Akten gehörte und... habs.. gelesen.“ Gert Seifert schlug die Hände vor das Gesicht. Also auch das war nun nicht mehr sein Eigentum... „Gelesen“, trompetete Herr Klassen, um seine Rührung zu verbergen.„Jawohl. Und als ich damit fertig war, sagte ich mir, daß der liebe Gott das so gewollt haben musse. Und er zog den blassen armen Jungen fest in die Arme. „Ich will dir nun auch eine Antwort auf Dein Geschreibsel geben, Gerd Seifert. Du bist mir dadurch ans Herz gewachsen. Du bleibst drin. Was in dem Ding steht, versteh' ich alles. Bis Weihnachten, wie ich mir das vorgenommen hatte, kann ich doch nicht mehr den Mund halten. Ich werde sonst zu lustig, und darunter leidet mein Autorität. Mit Deinem Vormund bin ich schon einig. Du kommst zu mir... Du wirst mein Junge. Du sollst noch mal aufs Gymnasium und nachher studieren... Ich war mal zu dumm dazu... Und wenn's dir so um's Herze ist... kannst Du auch„Vater“ zu mir sagen...“ Gerd Seifert schluchzt am Herzen des Alten. Er hat plötzlich gar keine Scheu mehr vor dem strengen faltigen Gesicht... Dann neigt er sich herunter und küßt die welken Hände... Anders kann er ihm noch nicht danken. Das Glück, das ihm diese Stunde schenkt, ist zu groß. Der alte Klassen reißt ihm die Hände fort und gibt sich Mühe, seiner Stimme den alten poltrigen Klang zu geben... „Du benimmst Dich wahrhaftig wie eine alte Jungfer. Den ganzen Bart hast Du mir naß geheult, Junge...“ In Wayrheit hatte er aber diese Tränen selbst geweint! Zeitschriften aller Art als: Ueber Land und Meer. Die Gartenlaube. Daheim. Illustrierte Zeitung Leipzig. Illustrierte Zeitung Berlin. Die Woche. Für's Haus. Kindergarderobe. Die Große Modenwelt. Mode und Haus. Der Bazar. Wiener Mode. Vom Fels zum Meer. Moderne Kunst. Zur guten Stunde. Velhagen& Klasings Monatshefte. Kunstwart. Lustige Blätter. Illustrierte Frauenzeitung. Der Thürmer. Sonntagszeitung für Deutschlands Frauen. Die Mappe. Für alle Welt. Buch für Alle. Aus aller Welt. Fliegende Blätter. Blätter für Geflügelzucht. Dies Blatt gehört der Hausfrau. Illustriertes deutsches Familienblatt. Feierstunden. Die Gegenwart. Globus. Die Grenzboten. Preußische Jahrbücher. Das Immergrün. Kanaria. Kunst für Alle. Das Lehrerheim. Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung. Lehrerzeitung für Westfalen. Meggendorfer Blätter. Westermanns Monatshefte. Praktischer Ratgeber. Deutsche Ruve. Deutsche Rundschau. Wahrheit. Die Wahrheit. Hohe Warte. Die Zukunft u. s. w. werden zu Originalpreisen geliefert u. pünktlich durch unsere Boten zugestellt. Hohenlimburger Verlag Telephon Nr. 71. Annahmestelle: Ad. 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