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KA Te TT T TTTTT Erschoint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiestage. .:. 2 A. durch die Post frei ino Haus 2,42 M. Niche Tägeszeitung für den Kreis Altena Altenaer Zeitung und Kreisanzeiger Fernsprecher Nr. 96. Angeigen urden de wengene 10 Uhr. erbeten. Die sechsgespeltene Garmondzeille oder deren Raum kostet 15 Pf., Reklamen die Zeile 40 Pf. Jede Rabattbewilligung ist Ainfällig bei der zwangsweisen Beitreibung der Gebühren. Nr. 284 (Erstes Freitag, den 4. Dezember 1914 S 81. Eine Rede Salandras. WIB. Rom, 3. Dez. Die Kammer nahm heute die Arbeiten wieder auf. Ministerpräsident Salandra erklärte unter gespannter Aufmerksamkeit des Hauses:„Dem Ministerium, das sich heute Ihnen vorstellt, ist sein Arbeitsprogramm unmittelbar durch die Notwendigkeit auferlegt, weil es in diesem kritischen Augenblick der Geschichte die Geschicke des Landes zu lenken hat. Während die durch wiederholte Beweise ihres Vertrauens gestärkte Regierung daran ging, nützliche Verwaltungssteuern und soziale Reformen vorzubereiten, brach ohne irgend eine Teilnahme oder ein Einverständnis von unserer Seite plötzlich und sehr schuel. der Konflikt aus, den wir zum Schutze des ens und der Zivilisation vergeblich zu beschwören trachteten. Die Regierung mußte erwägen, ob die Vertragsbestimmungen uns zur Teilnahme zwangen. Aber die gewissenhafteste Prüfung des Buchstabens und Geistes der bestehenden Vereinbarungen und die Kenntnis der Ursprünge und des augenscheinlichen Endzweckes des Konfliktes brachten uns zu der loyalen und sicheren Arberzeugung, daß wir nicht verpflichtet sind, an ihm teilzunehmen. Da wir dergestalt jeder anderen Erwägung enthoben waren, empfahl uns eine unbefangene und freie Beurteilung dessen, was die Wahrung der italienischen Interessen erforderte, unverzüglich unsere Neutralität zu erklären. Solandra sagte ferner: Dieser Entschluß war ein solcher, daß man sich auf leidenschaftliche Erörterungen und verschiedenartige Beurteilungen gefaßt machen mußte. Aber später begann allmählich für Italien und außerhalb die feste und allgemeine Ueberzeugung vorzuherrschen, daß wir unser Recht ausübten und in rechter Weise beurteilten, was am besten den Interessen der Nation entsprach. Indessen genügte die freie proklamierte und loyal beobachtete Neutralität nicht, um uns gegen die Folgen der ungeheuren Umwälzungen zu schützen, die jeden Tag größer werden und deren Ende von niemand abgesehen werden kann. In den Ländern und Meeren des alten Erdteiles, dessen politische Gestaltung vielleicht im Begriff ist,“ zu ändern, besitzt Italien viele Interessen, die es zu schützen, und gerechte Ansprüche, die es zu bekräftigen hat. Es muß seine Stellung als Großmacht behaupten und sie nicht nur unversehrt erhalten, sondern auch so, daß sie nicht durch die Verarößerungen anderer Staaten relativ vermindert wird. Daher mußte und wird notwendigerweise unsere Neutralität keine untätige oder lässige, sondern eine tätige und wachsame sein. Nicht eine ohnmächtige, sondern eine starke, bewaffnete, die jeder Möglichkeit gewachsen ist.(Andauernder lebhafter Beifall. Die gesamte Kammer erhebt sich und bringt dem Ministerpräsidenten eine lebhafte Huldigung dar.) Salandra fährt fort: Demgemäß war und ist die höchste Sorge der Regierung die vollständige Vorbereitung von Heer und Marine.(Beifall.) um dies durchzuführen, ist die Regierung nicht davor zurückgeschreckt, die schwere Verantwortlichkeit für weitere Ausgaben und für eine gewisse Abänderung der militärischen Organisation zu übernehmen. Die Erfahrungen aus der Geschichte und noch mehr aus den gegenwärtigen Ereignissen müssen uns überzeugen, daß wenn die Herrschaft des Rechts aufhört, die Kraft allein die Bürgschaft für das Wohlergehen eines Volkes bleibt. Die organisierten und mit allen kostspieligen und vollendeten technischen Verteidigungsmitteln ausgerüstete menschliche Kraft.(Beifall und Bravorufe.) Wenn auch Italien nicht das Ziel hat, irgend jemand mit Gewalt zu unterdrücken, muß es sich doch so gut wie möglich und mit der größten Stärke organisieren und rüsten, damit es nicht früher oder später unterdrückt wird.(Beifall.) Zu dieser unserer ersten Pflicht gesellt sich die weitere nicht unwichtige, die Wirkung der Krisis zu mildern, die infolge der vielverschlungenen Einheiten des internationalen Handels und der Weltwirtschaft ganze Industrien lähmt, Handelsunternehmungen umstürzt und tausende von Arbeitern früher als in anderen Jahren in das Vaterland zurückkehren ließ. Auch zu diesem Zwecke waren außerordentliche Maßnahmen notwendig. Jeweilige Abweichungen von dem gemeinen Recht, Beschleunigung öffentlicher Arbeiten und weitgehende Verfügungen über unsere Geldmittel. Die Regierung beantragt die alsbalvige Genehmigung aller dieser Maßregeln. Inzwischen können wir mit Genugtuung feststellen, daß der allgemeine wirtschaftliche Zustand unseres Landes sich schrittweise gebessert hat, daß Arbeit und Aredit auf dem Wege sind, zu normalen Positionen zurückzukehren und daß das Vertrauen des Publi# iums sich wieder einstellt, aber man würde sich geAfahrlich täuschen, wenn man glaubte, daß weitere eußerordentliche Maßnahmen unnötig seien. Die weiß wohl, daß alles aufgewandt werden und, um dem Lande genügende Vorräte der wichtigsten Stoffe zu sichern. Ihr Eingreifen wird nicht auf sich warten lassen, wo und wann die private Tätigkeit zu diesem Zweck nicht ausreicht. Auch der innere Frieden muß um jeden Preis gesichert werden. Die Regierung ist aber weit entfernt zu glauben, daß unser Volk ihn stören könnte. Es begreift, daß das Vaterland jetzt die Eintracht aller Sinne, die zu jedem Opfer bereit sind, für sein Wohlergehen und seine Größe braucht.(Beifall. Vertagen wir den politischen und wirtschaftlichen Streit, den Streit zwischen den Parteien, Ständen und Bevölkerung auf später. Heute muß ich in Wort und Tat das gemeinsame Gefühl aller Italiener feierlich bekunden(Bravorufe, langanhaldieses Beifall.) Das erste und erhabenste Beispiel dieses nationalen Gemeingefühls wird sicher die bevorstehende Beratung der obersten repräsentativen Körperschaften geben. Die Regierung, welche heute ein Urteil oder Bestrebungen vom Parteistandpunkt aus für eine Verletzung ihrer heiligsten Pflicht halten würde, ruft die ganze Volksvertretung zur patriotischen Mitarbeit auf. Nur vom Parlament empfängt sie die Kraft, die sie braucht, um ihre schwierige Aufgabe zu erfüllen. Die Stunde verlangt eine starke und sichere Regierung. Wenn Ihre Stimme uns Stärke und Sicherheit gibt, können wir die schwere Last unserer Verantwortlichkeit tragen und unsere emsige und unaufhörliche Arbeit fortsetzen, der wir die ganze Kraft unseres Geistes widmen, um die augenblicklichen Interessen des Vaterlandes wirksam zu verteidigen und sorgsam über der künftigen Bestimmung Italiens in der Welt zu wachen.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Die ganze Kammer erhebt sich zu einer stürmischen Kundgebung und ruft immer von neuem: Es lebe Italien! Hierauf begab sich das Ministerium in den Senat, um dort dieselbe Erklärung abzugeben, wie in der Kammer. WTB. Rom, 3. Dez. Meldung der Agenzia Stefani: In Kammer und Senat haben die Erklärungen des Ministerpräsidenten Salandra einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Die radikale Gruppe der Kammer trat am Nachmittag zusammen und beschloß einstimmig, die Regierungserklärung zu billigen. Sacchi wurde zum Parteiredner bestimmt, alle anderen Redner verzichteten darauf, hierzu in der Kammer zu sprechen. Die Gruppe der demokratischen Linken trat ebenfalls am Nachmittag zusammen und nahm eine Tagesordnung an, in der sie die patriotische Erklärung der Regierung zustimmend zur Kenntnis bringt. „Wenn ein ruhmvoller, ein glücklicher Friede erkämpft sein wird,“ so sagte Herr von Bethmann Hollweg,„dann wollen wir diesen Geist hochhalten als das heiligste Vermächtnis aus dieser furchtbar ernsten und großen Zeit. Wie vor einer Zaubergewalt sind die Schranken niedergesunken, die eine öde und dumpfe Zeitlang die Glieder des Volkes trennten die wir gegeneinander aufgerichtet hatten in Mißverstand, in Mißgunst und in Mißtrauen. Es ist wie eine Erhebung und wie eine Beglückung, daß einmal dieser ganze Wust des Unrats weggefegt worden ist, daß nun auch der Mann gilt, einer dem andern gleich, einer dem andern die Hand reichend für ein einiges, für ein heiliges Ziel. Ich brauche noch einmal die Worte, die der Kaiser bei Ausbruch des Krieges gesprochen hat:„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“ Wenn der Krieg vorüber ist, werden die Parteien wiederkehren, denn ohne Parteien und ohne politischen Kampf gibt es kein politisches Leben. Aber, meine Herren, kämpfen wollen wir dafür— und ich an meinem Teil verspreche Ihnen, es zu tun —, kämpfen wollen wir dafür, daß es in diesem Kampf nur mehr Deutsche geben darf. Diese Gewißheit wollen wir als ein heiliges Erbteil aus dieser großen Zeit mit herüber nehmen. Meine Herren, ich schließe meine kurzen Ausführungen. Es ist nicht Zeit für Worte, ich kann nicht über alle Fragen sprechen, die das Volk und mich aufs tiefste bewegen. Nur eins! In Treue und mit heißem Dank gedenken wir der Söhne Deutschlands, die auf den Schlachtfeldern in Ost und West, auf hoher See und an den Gestaben des Stillen Ozeans in unsern Kolonien ihr Leben für das Vaterland gelassen haben. Für ihren jetzt verstummten Heldenmut einigen wir uns in dem Gelöbnis, auszuharren bis zum letzten Hauch, damit unsere Enkel und Söhne in einem stärkeren Deutschland, sicher vor fremder Drohung und Gewalt, an der Größe des Reiches weiterarbeiten können. Dieses Gelöbnis soll hinausschallen zu unseren Söhpen und Brüdern, die weiter kämpfen gegen den Feind, zu dem Herzblut Deutschlands, das in Zahl und namenlosem Heldenmut aufwallt, für das wir bereit sind, alles herzugeben, was wir haben, hinausschallen zu unsern Landsleuten im Ausland, den Zurückgehaltenen, den Gefährdeten, den für uns Sorgenden draußen, Die Kanzlerrede. „Ich komme an der Spitze des Deutschen Reiches heute zu Ew. Exzellenz mit Glückwünschen besonderer Art.“ so schrieb am 29. Nanember der Kaiser dem Kanzler, als er ihm seine Geburtslagsgruße sandte und ihn gleichzeitig als an erster Stelle stehend bezeichnete unter den Männern, die fest und unerschütterlich, das Wohl des Vaterlandes vor Augen, zu kämpfen wissen bis das große Ziel erreicht ist. Und mit Glückwünschen besonderer Art kommt mit seinem Kaiser heut das ganze deutsche Volk zu des deutschen Reiches Kanzler, mit Glückwünschen besonderer Art und mit aufrichtigem Dank für die Worte, die Herr von Bethmann Hollweg in jener großen Stunde sprach, als zum zweiten Mal die Mitglieder des Reichstages sich zu einer Kriegstagung versammelt hatten. Wen von uns, die wir diese Worte lasen, hat nicht der Gedanke erfaßt: das deutsche Volk hat etwas gut zu machen an diesem Manne, der da so siegbewußt und zuversichtlich, so unerschrocken mannhaft ernst, so versöhnend und versöhnt zu demselben Reichstag sprach, der gerade gestern vor einem Jahre ihm sein„Kreuzige!“ entgegenschleuderte und ihm mit einer überraschend großen Mehrheit ein Mißtrauensvotum erteilte, weil?——— ja, weil der Kanzler, weiter schauend als die vom Parteinebel umfangenen Abgeordneten, sich anders zu jener damals das ganze Volk(wir wissen es heute unnötiger und sogar unberechtigterweise!) in seinen Tiefen erregenden und bewegenden unseligen Zabernaffäre stellte, als es der Mehrheit der Reichstagsmitglieder genehm war. In dieser großen Zeit sei jene kleine vergessen! Und dennoch mag es nützlich sein, ihrer heut kurz zu gedenken, denn erst an diesem Maßstab gemessen, erkennen wir die Gewalt der Stunde, vermögen wir die deutsche Einigkeit, die wir jetzt erleben dürfen, voll zu würdigen und den Schluß der Kanzlerrede als wundervolles Gelöbnis für eine bessere Zeit, die da kommen soll, dankbar zu erfassen. Rufen wir uns diese Kanzlerworte noch einmal ins Gedächtnis! Denn sie sind wert, immer und immer wieder gelesen und— vor allem!— beherzigt zu werden! den Gefangenen und den Mißhandelten. Wir halten durch, und ich bitte Sie, durch die Annahme unserer Vorlage es zu bekräftigen, wir halten durch, bis wir Sicherheit haben, daß niemand uns mehr unsern Frieden stören wird, einen Frieden in dem wir deutsches Wesen und deutsche Kraft pflegen und entfalten wollen als freies Volk! Das sind Worte voll sittlichen Ernstes, die uns alle veranlassen sollten, an unsere Brust zu schlagen und das heilige Gelöbnis abzulegen, daß wir durch die Tat dem Kanzler dafür unsern Dank abstatten wollen. Die Parteien drohten sich über das Vaterland zu stellen anstatt wie jener Spruch, der in goldenen Lettern im Reichstag prangt, sie mahnte das Vaterland über die Parteien zu setzen. Das soll und muß anders werden. „Wenn der Krieg vorüber ist, werden die Parteien wiederkehren, denn ohne Parteien und ohne politischen Kampf gibt es kein politisches Leben.“ Das weiß der Kanzler und das wissen wir. Aber die Art, wie dieser Kampf geführt wird, die muß sich von Grund aus ändern! Der ganze„Wust des Unrats“, der im Lauf der Jahrzehnte sich angehäuft hatte, er muß„weggefegt" werden. Deutsche heißen wir und als Deutsche wollen wir einer den anderen achten und nicht, wie es in den Streitereien und Zwistigkeiten der Parteien leider vielfach geschah, als Feinde uns befehden. Das Wort„Feind“ sollte es für Deutsche auf Deutsche angewandt nun nicht mehr geben! Der Feind wohnt jenseits unserer Grenzen! Noch ist der Friede nicht erkämpft, noch stehen in blutigem, furchtbar ernsten Ringen unsere Heere in Ost und West den feindlichen Armeen gegenüber, aber der Sieg muß sich an unsere Fahnen heften, dern die tapferen Streiter und auch wir wissen, wofür sie kämpfen: für ein größeres stärkeres Deutschland! Mächtig nach außen, einig im Innern! Ein freies Volk! Frei von den Schlacken kleiner Vergangenheit, geläutert durch den Ernst der großen Gegenwart, bereit zum Aufbau glückverheißender Zukunft. Das ist ein Preis, des schweren Kampfes wert! Daß der Gedanke von deutscher Einigkeit des Kanzlers Rede durchzog, macht sie so groß und bedeutungsvoll und darum nahen wir uns heute des Deutschen Reiches erstem Beamten zugleich mit unserm Kaiser„mit Glückwünschen besonderer Art.“ Dr. H. Richts Neues. WTB. Großes Hauptquartier, 3. Dez. Vormittags.(Amtlich.) Auf beiden Kriegsschauplätzen hat sich nichts besonderes ereignet. Oberste Heeresleitung. WTB. Großes Hauptquartier, 3. Dez. Amtlich. Seine Majestät der Kaiser hatte gestern in Breslau eine Besprechung mit dem Oberstkommandierenden des österreichisch=ungarischen Heeres, Sr. kaiserlichen und königlichen Hoheit dem ErzFriedrich, der von Sr. kaiserlichen und königlichen Hoheit dem Erzherzogthronfolger Karl Franz Joseph und dem Chef des Generalstabes General der Infanterie Freiherr von Hötzendorff begleitet war. Später besuchte der Kaiser die Verwundeten in den Lazaretten der Stadt. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage enthalten.) Der Kaiser bei Czenstochau. WTB. Großes Hauptquartier, 3. Dez. Se. Majestät der Kaiser besuchte heute Teile der in der Gegend von Czenstochau kämpfenden österreichisch=ungarischen und deutschen Truppen. Oberste Heeresleitung. Pour le mérite. WTB. Berlin, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Nach der „Kreuzzeitung“ wurde dem General der Infanterie Freiherrn v. Scheffer=Boyadel der Orden Pourlemerite durch folgende Kabinettsordre verliehen: Die schweren Kämpfe, die Sie in den letzten Tagen mit dem 25. Reservearmeekorps durchgefochten haben, werden für immer ein ruhmvolles Blatt in der Kriegsgeschichte bleiben. Ich verleihe Ihnen den Orden Pour le merite und ersuche Sie, Ihren unvergleichlichen Truppen meine Anerkennung und meinen Dank auszusprechen. Gott schenke Ihnen weitere Erfolge. Wilhelm I. R. Die Kämpfe im Osten. TU. Christiania, 2. Dez. Einer Petersburger Timesdepesche zufolge berichtet„Rjetsch“, daß die zwei deutschen Armeekorps, die vorige Woche durch die neu erschienenen russischen Streitkräfte bei Brzeziny mit Umgehung bedroht wurden, in folgender Weise durchgebrochen sind:„Die Deutschen sandten noch zwei Armeekorps durch eine Oeffnung in den russischen Umfassungsring hindurch dorthin. Was für zwei Armeekorps gefährlich war, gelang jetzt vieren. Sie brachen durch, wenn auch unter Verlusten.“ In einem Telegramm des russischen Generalissimus wird offiziell berichtet: Wir schießen auf vorzüglich befestigte Stellungen, welche die Deutschen äußerst hartnäckig verteidigten. Die Deutschen nahmen bisweilen die Offensive wieder auf. Dabei entstanden überaus wütende Bajonettkämpfe. Die Deutschen wurden durch zwei Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivision frischer Truppen verstärkt. In der Gegend von Klobutzko und Kaalin entdeckten wir eine mächtig verstärkte Position, die durch drei Reihen künstlicher Hindernisse gedeckt war.“ „WTB. Kopenhagen, 3. Dez. Die Zeitung„Politiren“, gibt folgende Meldung der Londoner „Times“ aus Petersburg wieder: Die Hauptstadt wartet ungeduldig auf Nachrichten aus Polen. Die vorliegenden Meldungen tragen vazu vei, die Spannung zu erhöhen. Trotz der klimatischen Schwierigkeiten halten die Deutschen ihre Stellungen bei Lodz und Lowicz und fügen den Russen schwere Verluste zu. Jetzt erwarten sie Verstärkungen, aber woher soll Deutschland die Verstärkungen nehmen? Die russische Ostseeflotte. * Kopenhagen, 2. Dez.„Politiken" berichtet aus Stockholm: Die russische Flotte befindet sich jetzt bei den Aalandinseln. In Marienhafen kamen verschiedene Kriegsschiffe an und andere sind auf dem Wege dorthin. Außerdem treffen täglich eine Menge Schiffe mit Kohlen und Lebensmitteln ein. Am Montag wurde ein deutscheLuftschiff über Aaland gesichtet. Hindenburgs Dank. WIB. Berlin, 3. Dez. Generalfeldmarschall Hindenburg bittet das Wolffbüro um Veröffentlichung folgender Danknotiz: „Gelegentlich meiner durch die Gnade des Kaisers und Königs erfolgten Ernennung zum Ge neralfeldmarschall sind mir zahllose Glückwünsche zugesandt worden. Das erfreut mich unendlich, doch bin ich leider außerstande, sie einzeln zu beantworten. Ich bitte daher meinen herzlichsten Dank allerseits lediglich auf diesem Wege aussprechen zu dürfen. Der österreichische Bericht WTB. Wien, 3. Dez. Amtlich wird verlautbart, vom 3. Dezember: Unsere Situation auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat sich gestern nicht geändert. Der stellvertretende Chef des Generalstabes v. Hoefer, Generalmajor. Die Vertreibung der Russen aus den Karpathen. TU. Budapest, 3. Dez. Nach Privatmeldungen wurde ein ansehnlicher Teil der über die arpathen eingebrochenen Russen umzingelt und gefangen genommen. Die Zahl der Gefangenen ist größer als in irgend einem der bisher in der Karpathen ausgefochtenen Kämpfe. Durch Satoraljanjhely wurden bisher 2000 Gefangene ins Innere des Landes gebracht. General Rennenkampf abgesetzt. WTB. Lodon, 3. Dez. Die„Morningpost“ meldet aus Petersburg: General Rennenkampf ist vom Oberbefehl enthoben worden, weil er in der Konzentrationsbewegung zur Einschließung der deutschen Armee seine Stellung zwei Tage zu spät eingenommen hat. Von der Westfront. TU. Amsterdam, 3. Dez. Die Zeitung„Tyd“ meldet aus Calais: In Belgien steht eine große Schlacht bevor. Die Deutschen haben in den letzten Tagen große Truppenmassen herangezogen, um die Front OstendeYpern zu verstärken. Man spricht von 70 000 Mann. Die Verbündeten, die dank ihres vorzüglichen Orientierungsdienstes über die Verhältnisse von feindlicher Seite sehr gut unterrichtet sind, haben gleichfalls große Reserven herangezogen, so daß man von einer Truppenmenge von 1½ Millionen Mann an der Schlachtlinie rechnen kann. Das Kommando von Calais wird von dieser Woche ab in den Händen der Engländer liegen. Alles weist darauf hin, daß man in den nächsten Tagen eine roße Feldschlacht erwarten darf. Dieser sage unternahmen Flieger der Verbündeten einen Flug über Brügge, Gent und darüber hinaus, in der Hoffnung, einen Teil des deutschen Stabes zu treffen. TU. Amsterdam, 3. Dez. Der„Telegraaf“ meldet aus Sluis vom 2. d. M.: Um ½11 Uhr vormittags begann der Kanonendonner, der später heftiger wurde. Jetzt kommt er aus der Richtung Ypern. Auch in Brügge konnte man gestern bemerken, daß an der Yser gekämpft wurde, da viele Verwundete durchkamen. Die Reihe der Karren, Wagen, Automobile der Truppen erstreckt sich von der Yser bis nach Mariakirch. Von dort bis Knocke befindet sich die ganze Küste im Verteidigungszustand. Kanonen, mit der Mündung auf die See gerichtet, aber sowohl von dort wie aus der Lust unsichtbar, sind aufgestellt worden. Das ist ein Beweis, daß die Deutschen auf alles vorbereitet sind. Die Beschädigung der Seeschleuse durch die englische Beschießung bestätigt sich. Die Typhusepidemie in Calais. WIB. London, 3. Dez. Die britische Rote Kreuzgesellschaft hat zur Bekämpfung der Typhusepidemie in Calais 10000 Pfund Sterling bewilligt. Die Verluste unserer Feinde. TU. Christiania, 3. Dez. Der militärische Mitarbeiter der„Times“ schreibt, wie aus London telegraphiert wird: Nach den Verlusten zu urteilen, sei die Schlacht in Flandern die größte der Weltgeschichte gewesen. Die Verluste auf Seiten der Engländer werden auf 50000 Mann geschätzt. Seit Ausbruch des Krieges hätten die Engländer insgesamt Verluste von 84.000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen gehabt TU. Rom, 3. Dez. Der Korrespondent des „Corriere della Sera“ in Nordfrankreich berichtet, daß bisher das französische Heer mindestens 50% an Toten, Verwundeten, Vermißten und Gefangenen verloren habe. Dies gelte übrigens nur für die Linie und die jüngeren Reserven. Wo die Territorial= truppen allein sich schlagen mußten, seien ihre Kontingente fast völlig aufgerieben worden. (2 London, 4. Dez. Der Kriegskorrespondent der„Times“ gibt die Verluste des britischen Heeres auf 84000 Mann an, was der der ursprünglichen Stärke des britischen Heeres entspreche, als es in die Front rückte. Die Verluste bei Ypern und Armentieres betragen ungefähr 50000, wovon etwa 5500 auf das indische Korps entfallen. WIB. London, 3. Dez. Die„Times“ veröffentlichen Briefe von Offizieren an der Front. Ein Brigadegeneral schreibt:„Die Offiziersfrage bereitet mir Schwierigkeiten, aber so gehts der ganzen Armee, denn wir hatten schwere Verluste an Offizieren, und es ist unmöglich, in ein paar Monaten gute Offiziere auszubilden. Derselbe Offizier schreibt:„An einer Stelle der Front pflegen die Deutschen, wie beim Scheibenschießen, englische Treffer und Fehlschüsse zu signalisieren. In zwei Fällen sah man Deutsche fallen, wenn Treffer signalisiert wurden. Das französische Gelbbuch. WTB. Kopenhagen, 3. Dez.(Nichtamtlich.)„Politiken" schreibt: Das französische Gelbbuch bringt nichts Neues über die Schuld am Kriegsausbruch. Wenn das Gelbbuch betont, daß die deutsche Militärpartei den Kriegsausbruch wünschte, so vergißt es, daß auch in Rußland eine sroße Militärpartei auf den Kriegsausbruch rängte. Für Dänemark ist es wertvoll, daß das Gelbbuch betont, daß Deutschland den Neutralitätsbruch der drei skandinavischen Reiche in keiner Weise befriedigt hätte, wie die politische Haltung dieser Staaten auch bewiesen habe. Die Wirkung der Kanzlerrede in Paris. TU. Genf, 3. Dez. Nach der Begegnung mit dem Britenkönig erhielten bei ihrer Rückkehr nach Paris Poincaree und Viviani den Text der Bethmannschen Reichstagsrede. Darauf gab das Pressebüro ungefähr folgende Richtlinien für die der Kanzlerrede zu widmenden Artikel aus: Frankreich bestreitet, daß seine Diplomatie vor dem Kriegsausbruch eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Es nimmt vielmehr in demselben Grade wie seine Verbünde ten die moralische Verantwortung in Anspruch. Dieser Grundgedanke entspricht dem Selbstgefühl des gegenwärtigen Regimes. Frankreich und Belgien. WIB. Paris, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Dem „Echo de Paris“ zufolge wird amtlich ein Uebereinkommen zwischen Frankreich und Belgien veröffentlicht, wonach in Frankreich befindliche belgische Deserteure von der französischen Gendarmerie gesucht, verhaftet und den belgischen Behörden ausgeliefert werden sollen, so lange sich die belgische Regierung in Le Havre befindet. Ein Aufstand der in Holland gefangenen Belgier. WTB. Amsterdam, 3. Dez.„Handelsblad“ berichtet aus Zeist: In dem hiesigen Internierungslager wurde heute von den Belgiern Widerstand geleistet, worauf die niederländischen Bewachungsposten Feuer auf sie abgaben. 5 Belgier wurden getötet und 6 verwundet. Bereits gestern war ein gewisser Widerstand unter den Internierten bemerkbar geworden. Man hatte die elektrischen Leitungen durchschnitten. Es wurde sofort Polizei geholt und heute früh wurden Truppen zur Verstärkung aus Utrecht herangezogen. Es ist noch nicht vollständig gelungen, den Widerstand der Belgier zu brechen.— Nach einer anderen Meldung aus dem Haag beträgt die Zahl der getöteten Belgier 6, die der Verwundeten 9. Die Engländer benutzen Gewehrgranaten! TU. Rotterdam, 2. Dez. Nach einer Timesmeldung erlitten die indischen Truppen schwere Verluste beim Sturm auf deutsche Laufgräben, in denen Mörser aufgestellt waren. Auch viele Engländer wurden getötet. Der Berichterstatter fügt hinzu:„Unsere Gewehrgrana= ten zeigten sich schon von großer Wirksamkeit". Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ bemerkt zu dieser Meldung, daß Gewehrgranaten schon seit der Petersburger Konvention von 1868 völkerrechtlich verboten worden sind. England in Angst. (2 Frankfurt a. M., 4. Dez. Die„Frankf. Ztg.“ meldet aus Rom: Nach englischen Berichten rief die Aufhebung der bürgerlichen Freiheiten in England in der Bevölkerung Beunruhigung hervor, der einige demokratische Abgeordnete im Unterhause Ausdruck gaben. Die Angst vor der deutschen Invasion nimmt zu. Die ausgehobenen Truppen werden größtenteils nach der schottischen Küste gesandt. Gegen die Landung an der englischen Küste werden große Truppenlager eingerichtet. So werden in York 200000 Mann zusammengezogen. Was England vom meint. WTB. London, 3. Dez. Die„Westminster Gazette“ schreibt: Die Dauer des Krieges muß davon abhängen, welche Friedensbedingungen wir erreichen. Wenn wir unsere Friedensbedingungen durchsetzen, und die Welt vor dauernder Bedrohung befreien wollen, dürfen wir nicht von einem schnellen Friedensschluß träumen. Es wäre Torheit, davon zu sprechen, daß der Krieg schon zu Neujahr oder im Frühling nächsten Jahres beendet sein würde. Wie wars? WTB. München, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Die „Münchener Neuesten Nachrichten“ melden aus Amsterdam: Das englische Dampfschiff „Earl of Aberdeen“ ist, wie„Central News“ berichten, zwischen Aberdeen und Hull durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht worden. Die Mannschaft konnte gerettet werden.(Notiz des WIB.: Nach anderen Meldungen soll der Dampfer ein englisches Unerseeboot gerammt haben, in Hull festgehalten und Kapitän und Besatzung verhaftet worden sein.) Irland. WTB. London, 3. Dez.„Morningpost“ meldet aus Washington vom 28. November: Einer Chikagoer Depesche zufolge zeigte Clark Präsident der vereinigten irischen Gesellschaften Chikagos an, daß der deutsche Kaiser Sir Roger Calement versprach, Irland zu befreien wenn Deutschland siegreich wäre. Clark sagte, er kenne die deutschen Absichten betr. Irland und werde sie in Massenversammlungen und Demonstrationen bekannt geben, die gleichzeitig an verschiedenen Stellen Chikagos unter den Auspizien des deutschirischen Bundes„Amerika“ stattfinden werden. Die Einnahme von Belgrad. WIB. Budapest, 3. Dez. Der„Pester Hirlap“ meldet aus Semlin: Schwere Geschütze unserer Monitore begannen vor einigen Tagen die Festung Belgrad unter heftiges Feuer zu nehmen. Die ausgezeichnete energische Arbeit hatte bald den entsprechenden Erfolg. Die 28=Zentimetergeschütze des Feindes, die französischen Ursprungs sind, wurden zum Schweigen gebracht. Ihre Mannschaften erlitten schwere Verluste. Als die Spähposten den Bericht über die vernichtende Wirkung unserer schweren Geschütze erstatteten, vollführten unsere, am Semliner Ufer stehenden Truppen eine Bravourleistung. Sie setzten über die Donau, gelangten von dort nach der Zigeunerinsel und von dort in die feindliche Hauptstadt. Gestern früh, noch während der beiderseitigen heftigen Kanonade begann der Uebergang unerer Truppen auf der Eisenbahnbrücke, die ür den Fußgängerverkehr wieder hergestellt worden war. Inzwischen warfen die bei der Zigeunerinsel eingedrungenen Truppen die Serben aus den nächst dem Bahndamm gelegenen Deckungen heraus und nahmen Topschider und den ganzen Westteil der Stadt. Zugleich drang jener Teil der Truppen in die Stadt, der nach der Einnahme von Obrenowae an der Sawe entlang vorgerückt war. Unsere Truppen begannen noch im Laufe des Tages die Herstellung der Schiffbrücke, die von der Heeresleitung zur Verfügung gestellten Schiffe von Neusatz waren auf Semlin unterwegs. WTB. Budapest, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Die Blätter drücken ihre Freude über den Fall Belgrads aus. Das„Pester Journal“ schreibt: „Mit der Eroberung Belgrads wird die zweite Etappe des serbischen Feldzuges beginnen, deren Ziel kein anderes sein kann, als die vollständige Unterwerfung des Königreichs. Daß auf dem Wege zu diesem Ziel noch mancherlei große und harte Schwierigkeiten zu überwinden sein werden, daß das serbische Heer, so sehr es auch bisher gelitten hat, sich uns doch noch mit dem Mute der Verzweiflung entgegenstellen wird, darüber täuscht sich schließlich niemand. Aber ebenso gewiß sind wir auch, daß der Heldenmut unserer Truppen und der unbeugsame Wille zum Siege in Verbindung mit der Meisterschaft unserer Heeresleitung aller dieser Schwierigkeiten und aller dieser Widerstände Herr werden wird.“ —„Pesti Hirlap“ schreibt:„Wenn Serbien nicht nach dem zweiten Balkankrieg eine Beute des Größenwahns geworden wäre und von wilder Begehrlichkeit erfaßt, seine lüsternen Blicke auf Bosnien und Albanien geworfen hätte, so wäre dieses begabte, aber von Phantasmagorien leicht verwirrte Volk gewiß einer schönen Zukunft entgegengegangen, aber sein Mißgeschick hat es gestattet, daß seine Staatsmänner das Heil Serbiens in der Rolle der russischen Sarapie erblickten, das sich alle Raubzüge gestatten darf.“ Dem Verdienste seine Krone. WIB. Wien, 3. Dez. Der Kaiser verlieh dem Kommandanten der 5. Armee, General der Infanterie Liborius Frank in Anerkennung seiner hervorragenden Betätigung als Armeeführer das Großkreuz des Leopoldordens mit der Kriegsdekoration. Das siegreiche Vordringen der Oesterreicher in Serbien. WTB. Wien, 3. Dez. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Das siegreiche Vordringen unserer Truppen über die Kolubara zwang den Gegner, Belgrad, dessen Verteidigungsanlagen gegen Norden gerichtet sind, kampflos preiszugeben, um nicht die dortige Besatzung der Gefangennahme auszusetzen. Unsere Truppen drangen über die Save aus südwestlicher Richtung in Belgrad ein und besetzten die Höhen südlich der Stadt. Die öffentlichen Gebäude, auch die Gesandtschaftsgebäude Deutschlands und Oesterreich=Ungarns wurden sofort militärisch gesichert. An den übrigen Teilen der Gefechtsfront kam es gestern, da der Feind im Rückzuge ist und die eigenen Kolonnen auf den grundlosen Wegen nur langsam vorwärts kommen, nur zu kleinen Kämpfen mit den feindlichen Nachhuten, von denen etwa 300 Mann gefangen genommen wurden. TU. London, 3. Dez. Der„Times" wird aus Petersburg gemeldet, daß nach einem Telegramm aus Nisch die Zustände an der serbischen Grenze sehr ernst seien. Mehr als eine halbe Million Oesterreicher stehen den Serben gegenüber die sich jedoch noch rechtzeitig in Defensivstellungen zurückziehen konnten. In jedem serbischen Regiment sei die Zahl der Offiziere von 75 auf 8 bis 10 gesunken und die Serben hoffen nur noch darauf, daß die Russen bald in Budapest erscheinen. Waffenlieferungen für Rumänien? TU. Sofia, 3. Dez. Hier eingetroffene Blätter melden, daß in Predeal 22 Eisenbahnwagen mit Artillertemunition von Krupp für Rumänien angelangt seien. Die österreichisch=ungarische Regierung habe den Durchtransport gestattet. Rumanien sei gestattet worden, aus Deutschland und Oesterreich=Ungarn Benzin zu beziehen.(Eine Bestätigung dieser Meldung, die wir nur unter allem Vorbehalt wiedergeben, bleibt abzuwarten. D. Red.) Balkankämpfe. WTB. Sofia, 3. Dez. Meldung der Agence Bulgare. Nach authentischen Mitteilungen aus Saloniki griffen, wie bereits gemeldet, mazedonische Rebellen die Wache einer großen Eisenbahnbrücke über den Wardar, zwischen den Stationen Gradetz und Demirkapu an, tötete sie und sprengten die Brücke mit Dynamit in die Luft. Sodann wandten sie sich gegen eine kleine Brücke über den Fluß Vodissir südlich von Gradetz, die sie ebenfalls in die Luft sprengten. Diese Anschläge, das Ergebnis der Herrschaft einer tyrannischen Unterdrückung, die man im serbischen und griechischen Mazedonien zur Anwendung bringt, werden planmäßig von den serbischen und griechischen Zeitungen den sogenannten bulgarischen Banden in die Schuhe geschoben, die angeblich aus Bulgarien kommen sollen. Um diese Behauptung zu entkräften, braucht man nur an die von dem Berichterstatter großer russischer Blätter selbst im Verlaufe einer Reise angestellten Umfragen in den griechischen und serbischen Grenzgebieten zu erinnern, aus denen hervorgeht, daß tatsächlich eine Bewegung der mazedonischen Bevölkerung gegen die bulgarische Grenze, aber keineswegs eine solche gegen das Innere von Mazedonien existiert. So fiel letzthin eine Gruppe von Flüchtlingen, die aus den Bezirken Prilep und Veles jenseits Wardar fortgezogen waren, um in bulgarischem Gebiet gegen die zahllosen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, Schutz zu suchen, in einen serbischen Hinterhalt nahe der bulgarischen Grenze. Die serbischen Soldaten eröffneten das Feuer auf die unglücklichen Flüchtlinge. Da aber unter diesen einige Leute waren, die mit alten Flinten aus der Zeit der Organisation der Revolution bewaffnet waren, schossen sie sie nieder. Das Gewehrfeuer dauerte mehrere Stunden, bis die Flüchtlinge die Grenze überschritten hatten. In diesem Gefecht wurden zwei Bulgaren verletzt. Dies ist die wahre Lage an der serbisch=bulgarischen und der griechisch=bulgarischen Grenze. Am Suezkanal. * Mailand, 3. Dez. Die„Frankfurter Zeitung" meldet: Nach einer römischen Information des „Corriere della Sera“ marschieren 100 000 Türken gegen den Suezkanal. Der heilige Krieg. Konstantinopel, 2. Dez. Die Vorbereitungen Afghanistans zur Aufnahme der Feindseligkeiten müssen schon weit vorgeschritten sein, da die letzte der hier eingetroffenen afghanistanischen Zeitungen, die begreiflicherweise unter den gegenwärtigen Umständen ungewöhnlich lange unterwegs war, bereits von einer vollendeten Zusammenziehung der Streitkräfte des Emirs sowie von deren Verstärkung aus Beludschistan spricht. Die erwähnte Zeitung atmet einen glühenden Haß gegen England und verkündet, daß die Afghanen den Engländern ein zweites Kandahar bereiten werden. Das Manifest des Vizekönigs von Indien, das die Inder von der freundlichen Gesinnung Englands für die Mohammedaner und den Islam zu überzeugen suchte, ist durch den Aufruf angesehener mohammedanischer Inder beantwortet worden, der mit England wegen seiner Versündigungen gegen die Menschlichkeit und wegen der Verfolgung des Islams Abrechnung hält sowie die Mohammedaner aufruft, Grausamkeiten mit Grausamkeiten zu vergelten. Der Aufruf hat, trotz der Wachsamkeit der Polizei, eine sehr starke Verbreitung gefunden. Daß er gewirkt hat, ergibt sich u. a. daraus, daß die Inder bereits beginnen, ihre Geldeinlagen aus den englischen Bauken zurückzuziehen. Mit großer Befriedigung meldet der„Tanin, daß in den letzten Tagen eine gegen Rußland gerichtete politische Erregung in Persien zu öffentlichem Ausdruck komme und zwar in Kundgebungen, welche die Geistlichkeit und das Volk veranstalten. Aegypten. WIB. Konstantinopel, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Der Führer der ägyptischen Nationalpartei, Mohammed Ferit, der seit Jahren gegen die Besetzung von Aegypten durch die Engländer einen erbitterten Kampf führt und von Ausbruch des euorpäischen Krieges an hier weilte, erklärte in einer Unterredung, er zweifle nicht daran, daß die osmanische Armee mit Leichtigkeit und bedeutend rascher als man glaube, den Suezkanal überschreiten werde. Ebenso stehe außer allem Zweifel, daß die Aegypter, die die Engländer verabscheuen, sich erheben werden, sobald die osmanische Armee in Aegypten eindringe, nicht minder wie die Sudanesen, sodaß die Engländer zwischen vier Feuer geraten würden, nämlich der türkischen Armee, der Bevölkerung Aegyptens, der Senussi und der Sudanesen. Kämpfe in Marokko. WTB. Luop, 3. Dez.„Nouvellist" erfährt aus Tanger: Am 27. November haben die französischen Truppen in der Nähe von Taza die aufständischen Marokkanerstämme angegriffen, die zurückgeschlagen wurden und unter Zurücklassung beträchtlicher Beute und einer Anzahl von Toten und Verwundeten in die Berge fliehen mußten. Die französischen Truppen hatten 20 Tote und 27 Verwundete. Zwei Deutsche in Casablanca zum Tode verurteilt. TU. Genf, 3. Dez. Nach einer Meldung des „Temps“ aus Casablanca wurden durch das dortige Kriegsgericht der ehemalige Konsularagent Brandt und sein Geschäftsteilhaber Zell zum Tode verurteilt weil sie spioniert und den Eingeborenen die Waffen verschafft haben sollen. Kanadas Furcht von den Deutschen in Amerika. WTB. London, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Telegraph“. meldet aus Newyork: Tausende von deutschen und österreichischen Reservisten befinden sich noch hier. Sie veranstalteten eine Straßenpropaganda gegen die Verbündeten. Während der letzten Monate trat unter ihnen, da sie unbeschäftigt sind und an der Rückkehr nach Europa verzweifeln, große Unr auf. Viele werden unzweifelhaft bereit sein, an irgend einem abenteuerlichen Unternehmen an der kanadischen Grenze teilzunehmen. Die Kanadier untersuchen sorgfältig die Deutschen, die aus den Vereinigten Staaten dort eintreffen. Die Wachen auf den Brücken des Niagaraflusses wurden vermehr. Patrouillen durchstreifen Tag und Nacht die Gegend. Tsingtau japanischer Kriegshafen. 2 Berlin, 3. Dez. Die Petersburger Telegraphenagentur meldet aus Tokio: Der Hafen von Tsingtau wurde zum japanischen Kriegshafen erster Klasse erklärt. Handelsschiffen ist kein Zutritt gestattet. WTB. Frankfurt a. M., 3. Dez. Die„Frankf. Ztg.“ meldet aus Tokio: Ueber die Bedeutung der Eroberung von Tsingtau äußerte sich Ministerpräsident Okuma einem Vertreter des Hodschi gegenüber dahin, der Verlust von Tsingtau sei die erste Abschlagszahlung Deutschlands auf die Kriegskosten und das erste greifbare Resultat des Krieges. Andere lägen bisher noch nicht vor. Der Burenaufstand. WTB. Johannesburg, 3. Dez. Eine Abteilung von Buren setzte sich in den Bergen des Magakiesgebirges im Distrikt Krugersdorp fest. Sie senden Abteilungen aus, um Pferde und Gewehre auf den Farmen zu requirieren. Dewet gefangen? WIB. London, 3. Dez. Reutermeldung.(!) Amtlich wird aus Pretoria gemeldet, daß Dewet gefangen genommen worden sei. Aus Mexiko. WTB. London, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Die „Times“ melden aus Washington: Man verfolgt hier die Entwicklung der Dinge in Mexiko mit großer Besorgnis. Zapata beherrscht die Hauptstadt, Carranza ist in Verakruz und Villa irgendwo nördlich der Stadt Mexiko. Es scheint mindestens 3 revolutionäre Präsidenten zu geben. Die Presse unterzieht die mexikanische Politik des Präsidenten Wilson, besonders die Zurückziehung der Truppen aus Verakruz einer scharfen Kritik. Die freie Kommission des Reichstags. WTB. Berlin, 3. Dez. Die freie Kommission des Reichstags beschäftigte sich heute den ganzen Tag an der Hand der vorliegenden Denkschrift mit den wirtschaftlichen Maßnahmen aus Anlaß des Krieges. Die Beratungen gelangten gegen Abend zum Abschluß. Der englische Gesandte in der Schweiz. WTB. Bern, 3. Dez.(Nichtamtlich.) Meldung der schweizerischen Depeschenagentur. Bei Besprechung der Verletzung der schweizerischen Neutralität durch englische Fliegeroffiziere wird in einem Teil der schweizerischen Presse ein von süddeutschen Blättern gemeldeter angeblicher Neutralitätsbruch Englands durch den britischen Gesandten in Bern, Grant Duff, erörtert. Es ist richtig, daß Anfang November der englische Gesandte eine Automobilfahrt in die schweizerische Rhein= und Bodenseegegend unternommen und sich in Romanshorn aufgehalten hat, wo er mit Erlaubnis des dortigen katholischen Pfarrers den Kirchturm bestieg. Es ist festgestellt: 1. daß an dem betreffenden Tage nebeliges Wetter herrschte, Friedrichshafen und das deutsche Bodenseeufer mit bloßem Auge nicht sichtbar waren, 2. daß keiner der drei an dem späteren Flug beteiligten Aviatiker den Gesandten begleitet haben, ferner ist zu bemerken, daß der englische Gesandte zur Erlangung des notwendigen Passierscheins dem Armeestab im voraus genaue Angaben über die von ihm zu befolgende Route gemacht habe. Nachrichten über die vom Bundesrat beantragte oder zu beantragende Abberufung des Gesandten entbehren ebenfalls der Begründung. anserer Stadt. Altena, 4. Dez. 1914. Das Gold zur Reichsbank! Ihr sollt euer Gold zur Reichsbank tragen! Macht's nicht wie die Bauern in Urvätertagen, Versteckt's nicht im Bettstroh und filzigen Strümpfen, Verscharrt's nicht in Wäldern und stickigen Sümpfen! Verstreutes Gold ist Sand und Tand, Doch Zauber ist Gold in der richtigen Hand, Zauber, der tausend Quellen erschließt, Daß brache Flur wieder knospet und sprießt, Zauber, der rüstige Arme weckt, Zauber, der unsere Feinde schreckt, Goldzauber! Der Reichsbank gebt die gelben Dukaten! Da werden sie Arbeiter und Soldaten, Werden Brot uns schaffen Und Wehr und Waffen Und helfen, den herrlichen Sieg zu erraffen! Tu jeder das Seine, dann wird's schon gelingen, Ihr sollt euer Gold zur Reichsbank bringen! Ein Dank aus dem Felde. Wir möchten den Schülern der 2. Klasse der Freiheiter Schule Altena für die von ihnen gestifteten Liebesgaben auf diese Weise unsern herzlichen Dank aussprechen. Die alten Krieger der 4. Korporalschaft haben sich ein Kriegerheim in der Erde gebaut, das großartige Gebäude sieht aus wie ein Blockhaus aus Lederstrumps Indianergeschichten. Es ist 5 Uhr abends, wir sitzen gemütlich zusammen 10 Altenaer und einige Lüdenscheider, alles in schönster Unterhaltung, Thema: Friedensverhandlungen. Auf einer Seite sitzen Franzosen auf der anderen Deutsche. Die Sitzung wird interessant, eine lebhafte Diskussion setzt ein, als plötzlich ein Mann unser Friedenspalais betritt und ruft 4 Pakete mit Liebesgaben für die Altenaer der 8. Kompagnie. Diese Botschaft wirkt mehr als eine französische Granate. Die Pakete werden sofort ausgepackt. Selbstverständlich werden zuerst die Briefchen der kleinen Spender gelesen, denn Nachrichten aus unserer lieben Heimat werden förmlich verschlungen. Als erster Brief wird der von Luise Janson verlesen und ein donnerndes Hurra wird auf die Schreiberin des Briefchens im fernen Feindesland 500 Meter von den französischen Stellungen ausgebracht. Das zweite Paket öffnet unser Kamerad Ernst Ochel, der Zufall will es nun, daß ihm gerade der Brief seines eigenen Sohnes in die Hände fällt, in dem dieser schreibt, daß der Empfänger der von ihm gestifteten Mundharmonika, falls er nicht spielen kann, sich von seinem Vater Ernst Ochel etwas vorspielen lassen soll. Die Freude, die jetzt entsteht, kann sich jeder denken; sofort ertönt von Kamerad Ochel gespielt das Lied:„Ich vin so gern, so gern daheim.... und wieder ertönt ein Hurra für den Spender des 3. Pakets Ernst Tinghaus. Das vierte enthielt keinerlei Schreiben. Nun geht es an das Verteilen der Gaben, jeder bekommt das ihm Zugedachte, dann verteilen die einzelnen wieder an die Kameraden weiter. Hoffentlich sind die kleinen Spender darüber nicht böse, denn bei uns wird alles brüderlich geteilt; wir haben hier eine Gesellschaft m. b. H.——— Es folgen dann noch einige Lieder, dann wird es Zeit, daß wir uns für die Wache und Patrouille fertig machen und noch auf Posten im fernen Feindeslande denken wir an unsere Lieben in der Heimat und besonders an die Schüler der 2. Klasse Freiheitschule. Nicht vergessen möchten wir auch dem Herrn Lehrer, der die Sache angeregt hat noch besonders unsern Dank auszusprechen. Nochmals allen herzlichen Dank Die feldgrauen Altenaer der 8. Komp. ReserveInfanterieregiment 81. Aug. Koch, Ernst Ochel, Georg Böttner, Ernst Wigge, Ewald Gramm, Ernst Fuhrmann, Rudolf Göbel, Otto Göcker, Emil Hohage, Alb. Stallmecke. Wetterbericht für Samstag: Veränderlich, bei südwestlichen Winden, strichweise Niederschläge, mild. * Das Eiserne Kreuz erhielten Herr Regimentsstabsveterinar im württemberg. Ulanenregiment 19, Amhoff, ein Schwiegersohn des Herrn Ad. Haag in Altena sowie der 17jährige Kriegsfreiwillige Gerh. Wilmanns, ein Reffe des Herrn Pastor Weimann. * Das Eiserne Kreuz erhielt der Feldwebel der 3. Kompagnie, Brigadeersatzbat. 33, 4. Ersatzdivision Herr A. Schumacher. * Den Heldentod fürs Vaterland starb der Reservist Herr Hermann Steden. Ehre seinem Andenken! * Grüße aus dem Felde senden Rud. Bergfeld, Eick, Willy Holle, Schwanemann, Alfred Richter, Otto Hahn, Rudolf Stahl, Paul Röding, Heinr. Bock, Otto Nölle, Schallenbach. * Pakete für Kriegsgefangene in Frankreich. Nach einer Mitteilung der schweizerischen Postverwaltung läßt Frankreich Postpakete mit Wertangabe von Kriegsgefangenen und für solche nicht zu. Es dürfen also nur Postpakete ohne Wertangabe und ohne Nachnahme angenommen werden. * Die Jugendwehr tritt am Sonntag um 1 Uhr an der steinernen Brücke(Samstagkomp.) und an der mittleren Brücke(Montagkomp.) an. * Ansteckende Krankheiten wurden amtlich gemeldet in der Zeit vom 15. bis 21. November im Kreise Altena aus Noell 1 Erkrankung und 1 Todesfall an Diphtherie, aus Plettenberg 2, aus Werdohl 1 Todesfall an Tuberkulose, aus Altena 2, aus Werdohl 1 Erkrankung an Scharlach, aus Hinterveserde 1 Erkr. an Unterleibstyphus. Im ganzen Regierungsbezirk Arnsberg wurden in derselben Zeit gemeldet an Diphtherie 127 Erkr., 18 Todesfälle; an Kindbettfieber 6 Erkr., 5 Todesfälle; an Körnerkrankheit 7 Erkr., an Tuberkulose 47 Todesfälle, an Ruhr 1 Erkr., 1 Todesfall; an Scharlach 195 Erkr., 18 Todesfälle; an Unterleibstyphus 20 Erkr.(darunter 12 Krieger), 5 Todesfälle. Aus unserem Kreise. * Herscheid, 4. Dez. Das Eiserne Kreuz erhielt Herr Otto Herzog aus Vogelsang bei Herscheid. Aus aller WIB. Dortmund, 3. Dez. Das Dortmunder Schwurgericht verurteilte den Berginvaliden Wilhelm Zywitz von hier, der in der Nacht zum 21. Januar 1914 seine Frau zu Tode prügelte, zu 9 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. 2r Berlin, 3. Dez. Stadtverordneterr Dr. Glatzel ist heute früh gestorben. am# Mittenwalde, 3. Dez. Durch eine große Feuersbrunst wurden in der vergangenen Nacht in dem an der Isar gelegenen, durch seinen Geigenbau berühmten Marktflecken 26 Häuser eingeäschert. Der Schaden ist sehr groß. Es sind keine Menschenverluste zu verzeichnen. Die Abgebrannten, die wenig versichert sind, retteten größtenteils nur das nackte Leben. [=] Lissa, 2. Dez. Im Brennoersee bei Fraustadt ertranken der Schulknabe Malchen und dessen Schwester, die ihren Bruder retten wollte, beim Schlittschuhlaufen. Lehle Nachrichten rechmeldungen. Von der Westfront. ):( Köln, 4. Dez. Nach einer Kopenhagener Depesche der„Köln. Zeitung“ meldet„Daily Chroniele" aus Amsterdam: Die Deutschen hätten den vereinigten Hauptangriff auf die Stellung der Verbündeten an der Yser begonnen. Wahrscheinlich würde der Angriff von größeren deutschen Truppenstärken mit schwereren Geschützen durchgeführt, als jemals zuvor. * Berlin, 4. Dez. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Christiania über eine neue Beschießung von Arras: Die Stadt ist neuerdings das Ziel der deutschen Offensive. Diesmal haben die neuen Stadtteile sehr zu leiden gehabt. Sie sind so gut wie zerstört. Die französischen Berichte behaupten, daß die Verbündeten Fortschritte machten. Sie besetzen 4 Kilometer östlich von Arras mehrere Sürfer. Französische Kriegsberichte. WTB. Paris, 4. Dez. Der amtliche Bericht vom 3. Dez. 3 Uhr nachmittags besagt: In Belgien ziemlich heftige Kanonade gegen Nieuport und südlich Ypern. Die Ueberschwemmungen erstrecken sich südlich von Dixmuiden zwischen dem Lys und der Somme. Heftige Beschießung von Aixnoulette. Ruhe auf der Front an der Somme, an der Aisne und in der Champagne. In den Argonnen wurden mehrere Angriffe des Feindes zurückgeworfen. Wir rückten ein wenig vor. In Woevre zeigte die deutsche Artillerie eine gewisse Tätigkeit, doch sind die Ergebnisse unbedeutend. In Lothringen und in den Vogesen nichts von Bedeutung. Die Kämpfe im Osten. &* Berlin, 4. Dez. Der militärische Mitarbeiter der„Morningpost“ meint einer Rotterdamer Meldung des„Berliner Lokalanzeigers“ zufolge, daß die Lage in Polen für die Deutschen nicht ungünstig sei, falls sie genügende Truppen konzentrieren könnten. Die Russen würden durch die Zersplitterung ihrer Streitkräfte sehr beeinträchtigt. Der Kaiser an seine Schlesier. WIB. Breslau, 4. Dez.(Amtlich.) Die „Schlesische Volkszeitung“ veröffentlicht folgende Bekanntmachung des Oberpräsidenten v. Günther: „Der Kaiser beauftragte mich mündlich allergnädigst, seine Schlesier zu grüßen. Sein Besuch in Schlesien gelte der Provinz und ihren tapferen Söhnen. Majestät beglückwünscht die Provinz zu ihrer mannhaften Haltung in schwerer Zeit und zu den glänzenden Taten der Schlesier, insbesondere auch der schlesischen Landwehrmänner im Felde. Er habe das feste Vertrauen, daß sie alle weiteren Aufgaben erfüllen werden.“ Die russischen Frauen fliegen! * Berlin, 4. Dez. Das„Verl. Tageblatt“ meldet aus Rom: Aus Petersburg wird gemeldet: Fürstin Schawousky ist als erste Militärfliegerin in das gegen Deutschland kämpfende Russenheer aufgenommen worden.(Wenn die fliegenden Frauen schon mobil machen, scheint es Rußland an männlichen Fliegern sehr zu fehlen!) Archangelsk im Eise. 4 Berlin, 4. Dez. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Christiania: Ein aus Archangelsk hier eingetroffener Archangelskfahrer berichtet, daß vor einer Woche in Archangelsk 60 Schiffe festlagen. Die Eisverhältnisse bieten große Schwierigkeit, trotzdem die dort arbeitenden, aus Kanada herüberseschafften mächtigen Eisbrecher gute Arbeit getan satten. Rennenkampfs Absetzung. a Berlin, 4. Dez. Zu der Ab setzung des Generals von Rennenkampf, die angeblich erfolgte, weil er bei der Zusammenziehung der Truppen zur Einschließung der Deutschen seine Stellung zwei Tage zu spät einnahm, schreibt Major Moraht im„Berl. Tagebl.“: Auf General von Rennenkampf setzte Rußland große Hoffnungen. Im Kriege gegen Japan wurde sein Name bekannt. Vor dem Ausbruch des jetzigen Krieges trat er an die Spitze des Militärbezirkes Wilna und auf seine besondere Kenntnis der deutschen Grenze vertraute man, als man ihm das Kommando der Niemenarmee übertrug. Aber ihn ereilte das gleiche Geschick wie dem General Samsonow. Letzterer wurde von Hindenburg bei Tannenberg, Rennenkampf südlich von Insterburg völlig geschlagen. Nur mit knapper Not entging Rennenkampf der Gefangenschaft. Nun ist er offenbar noch einmal Hindenburg in die Arme gelaufen. Dem verspäteten Eintreffen des russischen Generals scheint man das Mißlingen der Einkreisung des deutschen Heeres zuzuschreiben. Ob dies zutrifft, kann erst eine spätere Zeit aufklären.“— Im„Berl. Lokalanz.“ wird gesagt, man habe Rennenkampf zum Sündenbock für die verunglückte so prahlerisch angekündigte Umzingelung in gemacht. Ob mit Recht, sei nicht unsere Sache. Rennenkampf habe kein Glück gehabt. ner Genesung entgegengeht. Zwei jüngere Söhne befinden sich gleichfalls als Offiziere im Felde. Ein verflogener Flieger. * Kopenhagen, 4. Dez. Der am Sonnabend bei Söndenburg niedergegangene deutsche Fliegeroffizier wurde nach Nordby übergeführt, wo er unter militärischer Bewachung in einem Hotel wohnt. Der deutsche Botschafter beim König von Italien. * Berlin, 4. Dez. Der deutsche Botschafter in Rom wurde gestern vom König empfangen und weilte etwa ¾ Stunden bei ihm. Graf Hertling über Bethmanns Rede. * Berlin, 4. Dez. Der zur Zeit in Berlin weilende bayerische Ministerpräsident Graf Hertling äußerte sich zu einem Mitarbeiter der „Kreuzzeitung" über die Rede des Reichskanzlers:„Ich habe nahezu vier Jahrzehnte dem Reichstage angehört. Ich weiß von Augenzeugen, welchen gewaltigen Eindruck die Begeisterung gemacht hat, von der der Reichstag am 4. August beseelt war. Aber so wuchtig, so zähe entschlossen und unbeugsam wie vorgestern ist der Reichstag nie gewesen. Der in seinem Ernst und seiner Stärke ergreifende Beifall der den markigen Worten des Reichskanzlers geworden ist, ließ erkennen, daß das deutsche Volk wie ein Mann entschlossen ist, zusammenzuhalten und daß jeder sich verrechnet, der glaubt, Deutschland werde sich zu einem Frieden verstehen, der nicht der blutigen Opfer wert ist, die wir gebracht haben. Für Flaumacher und Schwächlinge ist jetzt in Deutschland kein Platz. Der Kanzler hat, gestützt auf Material, das für unsere Gegner geradezu erdrückend ist, nochmals den Beweis erbracht, daß wir den Krieg nicht gewollt haben. Nun er uns aufgezwungen ist, werden wir ihn durchkämpfen, bis zum Einsatz der alleräußersten Kraft. Wir können der Zukunft mit ruhiger Zuversicht entgegensehen. Unsere Feinde haben den Opfersinn, die Einigkeit, die Stoßkraft des deutschen Volkes unterschätzt. der obersten Heeresleitung. WIB. Großes Hauptquartier, 4. Dez. Vormittags.(Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatze wurden französische Angriffe gegen unsere Truppen in Flandern wiederholt abgewiesen. Ebenso in der Gegend nordwestlich Altkirch, wo die Franzosen bedeutende Verluste hatten. Auf dem östlichen Kriegsschauplatze sind feindliche Angriffe östlich der masurischen Seenplatte mit großen Verlusten für die Russen abgewiesen worden. Unsere Offensive in Polen nimmt einen normalen Verlauf. Oberste Heeresleitung. WIB. Großes Hauptquartier, 4. Dez. (Amtlich.) Se. Majestät der Kaiser ist gestern Die Familie Ludendorff. * Berlin, 4. Dez. In der„Täglichen Rundschau“ wird gemeldet, daß sich die Gemahlin des Generalleutnants von Ludendorff, des Chefs des Generalstabes der Hindenburgischen Armee in einem Kurhaus in Schlachtensee befindet, von wo aus sie täglich ihren schwerverletzten ältesten Sohn besucht, der in einem Sanatorium in Berlin seiabend zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Oberste Heeresleitung. Verantwortlich für den Gesamtinhalt Dr. L. Hahn, Druck und Verlag von P. A. Santz, sämtlich in Altena. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten. in der luth. Gemeinde. Sonntag, den 6. Dezember 1914. 2. Advent. Kollekte für die bedürftigen Familien unserer Krieger. Morgens 10 Uhr: Herr Pastor Niemeier. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Nachm. 5 Uhr: Herr Pastor Birkenhoff. Anschließend Beichte u. Feier des heil. Abendmahles. Bibelstunde. Dienstag Abend 9 Uhr im Vereinshause.(MissionsFrauen=Verein.) Kriegsbetstunde: Mittwoch abend 8½ Uhr: in der luth. Kirche. Herr Pastor Rüter. S Nach§§ 43 und 96 des Feld= und Forstpolizeigesetzes vom 1. April 1880 werden diejenigen mit Geldstrafe bis zu 50 Mk. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft, welche entgegen der Verordnung vom 30. Juni 1839 Brennholz oder unverarbeitetes Bau= und Nutzholz in Ortschaften, ohne Holzlegitimations=Attest einbringen. Dieses gilt insbesondere auch von Bandstücken(Reifstäben) jeder Holzart, birkenen Reisern, Korbruten, Faschinen und jungen Nadelhölzern(Weihnachtsbäumen). Altena, den 1. Dezember 1914. Die Polizei=Verwaltung: Büscher. Bekanntmachung. Unter dem Rindviehbestande des Landwirts Peter Tilke zu Oberbrenscheid ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. Lüdenscheid, den 3. Dezember 1914. Die Polizei=Verwaltung: Strosser, Amtmann. Reformierte Gemeinde. Sonntag, den 6. Dezemb. 1914. 2. Advent. 10 Uhr: Herr Pastor Weimann. 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Abends 8 Uhr: Kriegsfamilien= abend. in jeder Ausführung und Größe liefert billigst Von Sonntag mittag 1 Uhr ab ist die Alte Apotheke Buchdruckerei P. A. Santz Fernsprecher 96.— Kirchstr. 26. geschlossen. Linscheiderbach oder Neustadt für eine Filiale gesucht.. 7535 Näheres in der Geschäftsstelle ds. Bl. Tüchtiger Verzinter bei gutem Lohn für dauernde Beschäftigung sofort Gedr. Knipping, C. m. ö. 9. 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M. nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des Johanniter Krankenhauses aus statt. Zur Beeröigung des auf dem Felde der Ehre erkrankten und hier gestorbenen Wehrmanns Karl Müller von der 2. Komp. des Landwehr-Inftr.-Regts. Nr. 87 treten die sämtlichen militärischen Vereine am Samstag, den 5. d. M., nachmittags ½3 Uhr Im Bungern an. Altena, den 4. Dez. 1914. Die Vorstände. Nachruf. Auf dem Felde der Ehre starb den Heldentod unser lieber TurngenÖsse Hermann Steden. Wir werden dem Gefallenen ein ehrendes Andenken bewahren. Der Turnrat. Am 5. Dezember wird das„Altenaer Kreisblatt“ in erheblich verstärkter Auflage als Welllnachtsunbeiger erscheinen. Anzeigen haben in dieser Nummer ganz besonders großen Erfolg. Wir bitten, uns die Anzeigen möglichst frühzeitig aufzugeben, damit für geschmackvollen Satz Sorge getragen werden kann. Spekulatius " Aufa empfiehlt täglich frisch Konditorei Wiemann. 7543 Fernsprecher 324. Am Samstag morgen, den 5. 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In den letzten Tagen wollten verschiedene Gerüchte wissen, daß japanische Truppen auf dem Wege nach Europa oder daß wenigstens Verhandlungen über ihre Absendung im Gange seien, und zwar wollte das eine Gerücht von einem Seetransport der Japaner nach Marseille, das andere von einer Beförderung mit Hilfe der sibirischen Eisenbahn nach unserem östlichen Kriegsschauplatz wissen. Anscheinend beruhen diese Gerüchte auf der angeblichen, von dem nicht unverdächtigen Pariser„Temps“ übermittelten Aeußerung des japanischen Premierministers Grafen Okuma,„daß Japans Teilnahme am Kriege mit der Eroberung von Kiautschou nicht abgeschlossen sei; Deutschland müsse damit rechnen, daß es während des Krieges weiter dem japanischen Heere und der Flotte begegnen werde". Im entschiedenen Gegensatz zu dieser angeblichen Erklärung hat jetzt aber der Sekretär der japanischen Botschaft in London einem englischen Blatte zufolge versichert, daß der Transport japanischer Truppen nach Europa eben nur ein Gerücht sei. Die stärkste Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es sich in der Tat nur um ein Gerücht handelt, das schwerlich irgend welche Berechtigung hat. Im übrigen sei gleich vorweg bemerkt, daß uns selbst die Bestätigung dieses Gerüchtes in keiner Weise zu beunruhigen brauchte, denn wenn wir mit so vielen anderen Gegnern fertig werden, solls uns auch auf ein paar Japs nicht ankommen. Allzu viele könnten es ohnehin nicht werden, denn die Möglichkeit des Seetransports ist für große Massen nicht gegeben, und ebenso ist die Leistungsfähigkeit der mandschurischen Eisenbahnen beschränkt, ganz abgesehen davon, daß der Transport japanischer Trumnen in dieser Jah. reszeit durch das russische Kältegebiet ein bedenkliches Unternehmen wäre, wozu sich die schon für die russischen Truppen kaum noch zu überwindenden Verpflegungsnöte gesellen. Diese letztere Erwägung müßte es sogar der Regierung des Zaren höchst bedenklich erscheinen lassen, auch nur um japanische Hilfe zu bitten, denn bei der Requierierung der schlecht verpflegten Japs könnten Väterchens Untertanen einiges erleben. ##wenn auch der Dreiverband der schon so heruntergekommen ist, daß er bei dem Kleinstaat Portugal um Hilfe bettelt— im übrigen scheint man in Lissabon noch immer zu schwanken— so sind doch die Japaner nicht so dumm, einen solchen törichten Streich zu begehen, ganz abgesehen davon, daß sie garnicht dazu in der Lage sind, weil es ihnen an Geld zum Kriegführen fehlt. In den japanischen Staatskassen herrscht Ebbe, und ein ernstlicher Krieg, besonders einer, der fern vom Heimatlande geführt werden müßte, könnte leicht den Staatsbankerott für das Land der aufgehenden(?) Sonne bedeuten. Das ist auch der Grund, warum die Opposition gegen das Kabinett Okuma und seine Kriegspolitik bereits so scharfe Formen angenommen hat, daß die oppositionelle Presse das Vorgehen gegen Kiautschou als„Kadsibadolobo“, als Brandstattdiebstahl bezeichnet, nämlich als Diebstahl von Leuten, die bei dem Brand eines Hauses unter dem Vorwand, retten zu wollen, die geretteten Sachen rauben. Freitag, den 4. Dezember 1914 Das Kabinett Okuma hat aber noch mehr Gründe, dem Hilferuf des Dreiverbandes Gehör zu versagen, nämlich die Rücksicht auf China und die nordamerikanische Union. Man weiß im„Reiche der Mitte“, daß nicht nur Kiau tschou, sondern ganz Schantung den Japanern als Siegesbeute unter englischer Garantie zufallen soll, und wenn auch China, dem es nicht nur an Geld, sondern auch an einem schlagfertigen Heere fehlt, zu schwach ist, um wider den Stachel zu löcken, so würde doch das Kräfteverhältnis sich wesentlich ändern, sobald Japan so verrückt wäre, seine Heere auf den europäischen Schlachtfeldern verbluten zu lassen. Aber nicht nur vor China, sondern auch vor den Vereinigten Staaten von Amerika müssen die Gelben auf ihrer Hut sein, denn man weiß in Tokio, daß Chinas vergebliche Proteste von Washington souffliert wurden, wo man nicht nur um die Handelsfreiheit in China, sondern seit dem japanischen Vorstoß nach Jaluit immer ernstlicher um die Hawaiinseln und die Philippinen besorgt ist, auf die Japan längst seine begehrlichen Blicke geworfen hat. Die Uebergriffe Englands gegen den neutralen Handel tragen aber gewiß nicht zur Hebung der Stimmung in der Union bei. Endlich aber hat Japan sich nicht nur vor China und den Vereinigten Staaten, sondern nicht minder vor— Rußland und England in Acht zu nehmen. Erklärt doch die japanische Presse offen:„Deutschland spart uns einen Krieg gegen Rußland und die Vergrößerung unserer Armee, die unser armes Land nicht erschwingen kann.“ Des perfiden Albions Plan zielt dahin, zunächst seine beiden europäischen Konkurrenten Frankreich und Rußland recht gründlich zu schwächen, und jetzt möchte es seinem gefährlichsten Nebenbuhler in Ostasien, dem japanischen„Bundesgenossen", das gleiche Geschick bereiten. Dieses aber denkt garnicht daran, für die lieben Engländer Harakiri zu verüben, und wir zweifeln nicht, daß, wenn die noch mit irgendwelchen ernstlichen Absichten tragen, diese nicht für Deutschland, wo sie ja beim besten Willen nichts holen könnten, sondern vielmehr für Rußland(Mandschurei) und für das britische Imperium(Indien, für das sie ja bereits ihre„Hilfe“ angeboten haben!) bedenklich werden könnten. Mehr Ursache als in Berlin hat man wahrlich in Petersburg und London, vor der japanischen Gefahr besorgt zu sein. Der Landsturm einst und jetzt. Der ältesten Landsturmordnung kann sich Oesterreich rühmen, denn sie geht dort bis auf das Jahr 1511 zurück. Auch Ungarn besaß schon sehr früh eine allgemeing, Landsturmpflicht, und die von Karl IV. ###:) in Prag errichtete Bürgerwehr, sowie die in Wien vom Jahre 1529 sind ebenfalls hierher zu stellen. Indes gerieten alle diese Verordnungen wieder in Vergessenheit, und nur Tirol erneuerte sie mehrfach. In Preußen wurde der Landsturm durch Kabinettsorder im Jahre 1813 errichtet. Er ollte alle wehrfähigen Männer vom 15. bis 60. Lebensjahre umfassen, die nicht dem Heere oder der Landwehr angehörten, und nur im Fall der Nor burch den im ganzen Lande eingerichteten Signaldienst aufgeboten werden. Waffen und Munition mußte jeder selbst stellen, ebenso dreitägigen 81. Mundvorrat. Für die Knechte hatten ihre Herren, für sonstige Unbemittelte aber die Bezirke zu sorgen. Das Fußvolk stand in Abteilungen von 80 bis 100 Mann unter Führung eines Hauptmanns, während ein Rittmeister etwa 40 bis 50 Reiter befehligte. Irgendwelche Uniform war nicht vorhanden, doch trugen die Offiziere schwarz=weiße Armbinden. Bewiesener Heldenmut wurde mit den gleichen Auszeichnungen des stehenden Heeres belohnt. Für die im Kampfe arbeitsunfähig gewordenen Krieger aber war eine Pension, und für die Hinterbliebenen der Gefallenen eine ausreichende Versorgung verheißen worden. Zu einer Verwendung des Landsturms im großen kam es jedoch 1813 nicht, wohl aber wurde er teilweise in Schlesien aufgeboten. Er blieb auch bis nach der Schlacht an der Katzbach(26. August) unter den Waffen und leistete gute Dienste auf dem Schlachtfeld als Feldgendarmerie, sowie beim Aufsuchen der Verwundeten. Seine Feuerlaufe erhielt der Landsturm bei einem Ausfall der Besatzung von Beuthen, an dem er mutig kämpfend teilnahm. Im Jahre 1814 wurde er dann ein dauernder Bestandteil der Wehrmacht und seine Zugehörigkeit vom 17. bis 50. Jahre zur Pflicht gemacht. Der Norddeutsche Bund setzte 1867 die Altersgrenze auf das vollendete 42. Lebensjahr herab. Weit wichtigeren Beschluß aber brachte das Jahr 1875, das den Landsturm militärisch organisierte und ihn unter das Völkerrecht stellte. Heute ist durch das Gesetz vom 11. Februar 1888 die Zugehörigkeit bis zum vollendeten 45. Jahre ausgedehnt, während Oesterreich=Ungarns Landsturm, der, wie im Deutschen Reiche, zwei Aufgebote hat, Mannschaften im Alter von 19 bis 42 Jahren umfaßt. Auch in anderen Ländern, so in der Schweiz und in Italien, in Frankreich Belgien, Rußland, Serbien und Japan wurde der Landsturm militärisch gegliedert und damit ein wichtiger Bestandteil der Wehrmacht. Dr. I. B. Das Bajonett. Die Kugel ist eine Törin, das Bajonett ein ganzer Mann, so wertete der siegreiche Feldherr Suworow(1729—1800) diese Waffe. Und in der Tat, das zum Sturm aufgepflanzte Bajonett stei gert Mut und Entschlossenheit des Soldaten, ist der letzte und entscheidende Akt im Nahkampf.— Der Name weist nach der Stadt Bayonne am Fuß der Pyrenäen. Hier soll die Verwendung des Gewehres als Stoßwaffe durch Einfügung einer mit Holzheft versehenen Stahlklinge in den Lauf erfunden worden sein. Es ist jedoch wahrscheinlicher, daß die Holländer den Gebrauch des Bajonetts von den Malayen übernahmen, die ihren Dolch in dieser Weise aufpflanzten, worauf erst die Franzosen das Bajonett als 3= oder 4kantige Klinge für ihre Schützen zur Abwehr der Reiterei und seit 1640 bei der ganzen Infanterie einführten. Im 18. und bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus ist das Bajonett, das bald seitlich abgebogen und am Gewehr befestigt wurde, um ein Feuern zu ermöglichen, die schlachtentscheidende Nahwaffe der Infanterie gewesen.„Das Feuer, so die Infanterie machet, ist zur Defensive, und ihr Bajonett dienet zur Offensive“, unterwies Friedrich der Große seine Generale. Die blutigen Opfer, die solcher Ansturm ohne vorbereitendes wirksames Feuergefecht kostete, berichtigten aber bald diese Auffassung und mit der Einführung weittragender Gewehre und der erhöhten Wirkung verlor das Bajonett immer mehr an Bedeutung. Dazu kam noch, daß sein Gewicht die Treffsicherheit herabsetzte, so daß man schließlich ganz vom Bajonett absah und statt dessen zuerst in Frankreich das Seitengewehr aufpflanzte, wenn ein Nahkampf bevorstand. Seit 1870 wurde dieser neue Brauch mit Ausnahme von Rußland in allen Armeen eingeführt. Im russisch=japanischen Kriege(1904/5) gewann das Bajonett dann weiter an Bedeutung; erkannte man doch, daß trotz aller Vervollkommnung der Feuerwaffen der Sieg über einen hartnäckigen tapferen Feind nicht durch die Kugel allein zu erringen sei, sondern die blanke Waffe ihn aus seinen festen Stellungen werfen müsse.— Trotzdem nennt die Statistik der Kriegsverletzungen nur eine auffallend geringe Zahl von Bajonettwunden, wenn man damit vergleicht, wie oft der Nahkampf erst den Sieg entscheidet. Genaue Angaben beziffern die hierdurch bewirkten Verluste der Japaner bis einschließlich der Schlacht von Liaujang, in der das Bajonett am furchtbarsten wütete, auf 17. 35, für die Russen auf noch nicht ½%. In beinen Valkankriegen aber hatten die Bulgaren nur 1%. Und dabei sind die meisten Bajonettverletzungen Weichteilwunden, von denen kaum 3% tödlich verlaufen, da häufig Blutgefäße, Nerven, Sehnen und Därme dem Stoß ausweichen! — Dennoch vermag nur eine Truppe von eiserner Disziplin und heldenhaftem Mute dem Bajonettangriffe standzuhalten wenn todesmutige Männer ihn mit brausendem Hurra in die bereits erschütterten Reihen tragen. 30. Roman von F. Klinck=Lütetsburg. Fortsetzung. „Welcher Zufall? Peter Kantzius war in einer nicht zu beschreibenden Aufregung. Seine Hände zitterten in nervöser Hast und sein Herz schlug überlaut und unregelmäßig. „Er hatte was schreien hören“, entgegnete Friederike.„Er war doch mit Friedrich Bahn von L.... gekommen. „Ja, aber doch nicht über den Hexenweg“, kam es ungeduldig aus Kantzius heraus. „Wenn du gleich„so“ bist, sage ich garnichts mehr", trotzte Friederike. „Ich möchte aber zu gerne wissen, wie Leidhold dorthin gekommen ist“, lenkte ihr Gatte ein.„Er wollte doch gefahren und in Rheidermoor von Friedrich Bahn erwartet worden sein!“ „Das kann auch alles so stimmen. Du kennst die Gelegenheiten nicht und darum kann man es dir auch nicht klar machen. Der Weg nach Rheidermoor läuft an einer Stelle dicht auf einen Kamp, durch den man nur zu gehen braucht, um auf den Hexenweg zu kommen. Leidhold ist vorübergefahren, hat was schreien hören und ist der Richtung, von wo es gekommen ist, nachgegangen.“ „Er war doch mit einem Wagen?“ „Bahn ist ja bei ihm gewesen. "„Mit dem will er aber erst in Rheidermoor zusammengetroffen sein!“ „Ach, was weiß ich! Vielleicht hat er das Pferd angebunden.. „Das leuchtet mir nicht ein. Um einem Schrei nachzugehen! Hast denn du nichts gehört?“ „Ja, doch. Ich dachte aber es wären Eulen gebesen. Ich habe mich gefürchtet.“ „Heinrich Garrelt“— der Rechtsanwalt sprach den Namen offenbar nur mit Widerstreben aus —„hat er Leidhold gesehen?“ „Nein— der weiß nichts davon“, sagte Friederike unwirsch. Laß das Nachfragen sein. Ich habe mir noch unge nichts vorzuwerfen. Daß ich mit Garrelt Legangen bin, war nicht so schlimm. Er hat nuch freien wollen und der Vater mochte nichts davon wissen. Wir mußten uns doch einmal aussprechen, und ich hatte gesagt, daß ich ihn vor dem Dorfe treffen wollte. Wir sind dann nach dem Hexenweg gegangen, weil dort keine Leute gehen. Ich bin auch immer ein ganzes Stück Weges vorausgegangen, damit mich keiner mit ihm sehen sollte.“ „Warum hast du Leidhold Geld gegeben?“ Peter Kantzius' Stimme war vollständig heiser vor Erregung. „Das geht dich nichts an, es ist nicht von deinem Gelde. Leidhold sitzt manchesmal in der Klemme, und dann habe ich ihm was geborgt. Er bezahlt es aber auch wieder. Das geht gar nicht anders. Und nun frag' nicht mehr. Du weißt wahrlich was feines für so eine Fahrt ausfindig zu macen: „Friederike, die Sache ist zu ernst, als daß wir uns so darüber hinwegsetzen könnten. Wenn Leidhold in jener Nacht am Hexenweg gewesen ist, so hat er auch um den Mord gewußt!“ „Ach was, es ist so wie ich dir sage“, sagte Friederike geringschätzig.„Leidhold! Du denkst wohl gar der könnt's gewesen sein. Der— sicher nicht! Den werfe ich mit einer Hand um.“ Der Rechtsanwalt nahm von weiteren Fragen Abstand, um nicht den berechtigten Zorn seiner jungen Frau zu erregen. Seine Seele aber war erfüllt von schlimmen Vorstellungen und er blickte besorgt einer Zukunft entgegen, die er sich selbst erwählt, um sich vor den Widerwärtigkeiten des Lebens, vor einem peinigenden Ringen nach einer Existenz zu schützen. 11. Die junge Ehe des Rechtsanwalts Peter Kantzius entsprach nach keiner Seite den Erwartungen, welche sich an dieselbe geknüpft hatten, und von einer Zeit der Flitterwochen konnte nicht die Rede sein. Für den Gatten hatte der Hochzeitstag den Anfang einer Erkenntnis gebracht in welche nicht eingestandene Befürchtungen sich alsbald aufzulösen begannen. Es kam für ihn nicht ein einziger Tag, an welchem er Befriedigung über die getroffene Wahl empfand. Er hatte Friederike Steenhuus nicht aus Liebe geheiratet, aber auch nicht geglaubt, ihr Gefühle heucheln zu müssen, die er nicht gehegt und die zu erwecken sie sich nicht die geringste Mühe gegeben. Nichtsdestoweniger war er der Ueberzeugung gewesen, daß seine Ehe sich zu einer befriedigenden gestalten werde. Gerade die ihm seither unerläßlich schei nenden Vorbedingungen für eine glückliche Ehe varen erfüllt, Friederike brachte ihm alle diejenigen Dinge ins Haus, die er besonders hochgeschätzt und deren Mangel ihm seither Verdrießlichkeiten aller Art bereitet hatte. Auf Friederikens Veranlassung hatte er eine vornehme Wohnung gemietet, die glänzend ausgestattet worden war. Wenn diese Einrichtung auch nicht überall einem verfeinerten Geschmack entsprach, so gab sie Peter Kantzius doch ein Ansehen großer Wohlhabenheit, die ihm junge und alte Kollegen neideten. Wohlhabend sein: hatte Peter Kantzius Zeit seines Lebens für das höchste Glück gehalten. Sein Vater, als Bürgermeister einer kleinen Stadt mit knappem Gehalt, hatte freilich alles getan, um dem einzigen Sohn die Wege zu einer sorglosen Zukunft anzubahnen, mehr aber auch nicht. So hatte Peter Kantzius bis zum Tage seiner Hochzeit das beruhigende Gefühl einer sorgenfreien Existenz nicht kennen gelernt. Geld war immer knapp bei ihm gewesen und war es noch mehr geworden, als die Stunde geschlagen hatte, in welcher er aus eigenen Mitteln seinen Weg durch das Leben nehmen sollte. Von diesem Zeitpunkte an war auch nicht von einer einzigen sorgenfreien Stunde mehr die Rede gewesen; und der Wunsch, allen Mühsalen durch eine reiche Heirat ein Ende zu machen, hatte ihn in um so höherem Grade beherrscht, je mehr er die Schwierigkeiten erkannte, die sich ihm zu einer vollen Entwicklung seines Könnens entgegenstellten. Eigentlich war eine Erweiterung des Rechts anwaltsstandes in L... durchaus nicht erwünscht gewesen, und die Ankündigung von der beabsichtigten Entwicklung seiner Tätigkeit mochte von Kollegen nicht gerade mit freundlichen Blikken betrachtet worden sein; aber er hatte doch wenigstens sein Brot zu finden gehofft. Aber selbst dieser bescheidene Wunsch harrte noch immer seiner Erfüllung, und um so leuchtender waren ihm Friederikens Vorzüge erschienen, die in ihrem Reichtum gipfelten. Reichtum und Schönheit waren ihr geblieben. Daß sie andere Vorzüge nicht besaß, hatte er wähBei der Kriegsfreiwilligengestellung. Ein junger Berliner, der sich freiwillig bei einem Garderegiment gestellt hat, schreibt dem „Berl. Tageblatt“:„Der vierte Monat des Krieges ist zu Ende gegangen. Lord Kitchener läßt Musikbanden durch die Straßen Londons ziehen, damit dieses Schauspiel die Männer locke, sich in die Armee aufnehmen zu lassen, und es nützt ihm nichts. Der General Joffre macht die Jünglinge und Greise mobil und freut sich über jedes Tausend indischer und afrikanischer Truppen, das Frankreichs Boden betritt, um ihm zu Hilfe zu eilen. Wenn es doch diesen beiden Herren, die nicht genug von der„Erschöpfung" Deutschlands reden können, vergönnt wäre, einen Blick in die Aushebung von deutschen Kriegsfreiwilligen zu tun. Machte da neulich ein Gardeinfanterieregiment bekannt, daß es noch Kriegsfreiwillige suche. Die Meldung sollte um 8 Uhr morgens erfolgen. Ich machte mich frühzeitig auf den Weg und war, um nur ja einer der ersten zu sein, um 7 Uhr zur Stelle. Wie ich aber vor die Kaserne kam, mußte ich die Wahrnehmung machen, daß andere noch früher aufgestanden waren. Es wartete bereits ein ansehnlicher Trupp meist junger Leute. Manche waren mit ihren Schülermützen erschienen. Es waren Angehörige höherer Lehranstalten, die ihr Einjährigfreiwilligennotexamen machen wollen, nachdem sie angemustert sind. Sonst waren fast alle Berufsklassen vertreten. Als es 8 Uhr geworden, war die Anzahl zu einer stattlichen Menge angewachsen. Wir rend der kurzen Zeit seiner Verlobung bereits erfahren. Er vermißte an ihr alle Eigenschaften, die er in einem glücklichen Alter großmütig den Frauen zuerteilt haben würde. Dennoch war er überzeugt gewesen, daß nur das Zusammenleben mit einem alten, geizigen Vater unvorteilhaft auf sie gewirkt habe und daß es ihm mühelos gelingen werde, ein besseres Selbst, dessen auch sie gewiß nicht ermangelle, zu wecken. Er sah sich in seiner Erwartung getäuscht, aber er gab sich noch dem Glauben hin, daß er selbst schuld an einer Entfremdung sei, die sich seit dem Tage seiner Verbindung mit Friederike zwischen ihm und ihr auffällig vollzogen. Das änderte indessen an der Tatsache nichts, daß das erwartete Glück sich als Seifenblase erwies und seine glänzend eingerichtete Privatwohnung ihm in kurzer Zeit zu einer Stätte geworden war, die er so viel als möglich mied. Peter Kantzius hatte sich unendlich wohler gefühlt, als er, nach vergeblich durchhofften Sprechstunden, ein billiges Wirtshaus aufgesucht, um dort für wenige Groschen seinen Leib zu stärken. Der Schluß der Bürostunden brachte ihm jetzt keine Erholung mehr. Die Hochzeitsfahrt hatte eine böse Nachwirkung gehabt, wie er sich selbst gestand. Er hatte in dem darauf folgenden Tage noch einmal auf die während derselben geführte Unterredung zurückkommen wollen, war aber von seiner jungen Frau mit zornigen Worten zurückgewiesen worden. „Das Fragen nützt dir nichts, ich sage dir nur gerade soviel, wie ich dir sagen will“, hatte sie ihm in keifendem Tone erwidert.„Das kannst du dir merken.“ Jeder Versuch, versühnlich auf Friederike einzuwirken, erwies sich als ein vergeblicher, und diese Tatsache beunruhigte den jungen Rechtsanwalt nicht wenig. Die Vorstellungen, die er sich von dem Zusammenleken mit einer hübschen reichen Frau gemacht, waren Phantasien gewesen, die nichts mit der unerquicklichen Wirklichkeit zu tun hatten. Die Stunden, welche er mit Friederike zusammen verbrachte, dünkten ihn schon wenige Wochen nach der Hochzeit unerträglich, und er war mit einem Eifer bemüht, sie auf eine möglichst geringe Anzahl zu beschränken, die auch eine weniger mißtrauisch veranlagte Natur als die seiner Frau hätte aufmerksam machen müssen. Fortsetzung folgt. betraten den Kasernenhof und wurden in Gruppen von 100 Mann eingelassen. Nochmals wurde streng darauf hingewiesen, daß laut Bekanntmachung bestrafte Leute nicht angenommen werden. Diese sollten nur sofort wieder gehen. Doch es brauchte niemand den Saal zu verlassen. Alle waren wir unbestraft. Aber als es hieß, daß auch diejenigen, die noch nicht 18 Jahre alt wären, gleich austreten sollten, waren es schon einige, die mit betrübten Gesichtern von dannen zogen. Man hätte sie alle für älter gehalten, so stattlich sahen sie aus. Nun ging es an die Aufnahme der Personalien. Da stellte es sich denn heraus, daß auch ältere Leute unter uns waren, Mitte, sogar Ende dreißig. Dann kam die eigentliche Musterung in Trupps von dreißig Mann, die sich ihrer Kleider entledigt hatten. Wahrlich, Herr Kitchener und Joffre hätten ihre helle Freude gehabt, wenn sie diese Gestalten gesehen und— wenn sie ihnen zur Verfügung gestanden hätten. Das hatte man bei den Leuten mit den meist schlecht sitzenden Kleidern nicht vermutet. Nur sehr wenige wurden bei der Augenund Ohrenprüfung und dem Feststellen der Größe (Mindestmaß 1,68!) als unbrauchbar erklärt. Und nur sehr wenige hatten das erforderliche Brustmaß nicht. Bei der eigentlichen Gesundheitsprüfung herrschte wieder unerbittliche Strenge. Viel strenger noch ging sie vor sich, als damals, als ich mich zum erstenmale pflichtgemäß stellte. Und von den gesund Befundenen wurden wir— nach der Schönheit der Figuren ausgesucht.„Ja, meine Herren,“ sagte der Herr Stabsarzt,„es ist ausdrücklicher Befehl des Herrn Obersten, nur ausnahmslos schöne Figuren anzunehmen.“ Hier gefiel die Brustwölbung nicht, dort war es die Hüftlinie, ein dritter war gesund und gewiß tauglich, aber er war— nicht schön genug. Glückliches Deutschland, das sich heute, nach dem vierten Monat des Krieges, seine Soldaten noch nach der Schönheit aussuchen kann!! Von etwa 85 gesunden Kriegsfreiwilligen wurden etwa 12 Mann angenommen! Und dieses Dutzend machte glückstrahlende Gesichter! Während wir anderen— auch ich gehörte dazu— mit betrübten Mienen abzogen. „Versuchen Sie es bei einem anderen Regiment.“ Das war der tröstliche Rat, den man uns auf den Weg gab. Und—„wir haben ja von allen die Adresse. Wenn wir Sie nötig brauchen, schreiben wir Ihnen.“ Ja, Lord Kitchener und Monsieur Joffre, so geht es bei uns im fünften Monat nach der Mobilmachung. Das müßten Sie gesehen haben. Allerlei. Todesernte. Oktobernebel, schwarz ist die Nacht, Vor uns ein Wäldchen, wir halten Wacht. Ein Maschinengewehr, ein Zug Infanterie Ein jeder lauscht.—„Bald kommen sie—“ Schwarz ist die Nacht, wir spähen hinaus Unheimlich tönt des Windes Gebraus. Sonst alles still.— Doch in dem Wald Ein dunkler Knäul sich zusammenballt. Kein Laut, kein Ton, nichts kann man sehen, Doch dort in dem Wald, dort muß etwas stehen. Wir spähen und lauschen ins Dunkel hinein, „Du rechts da, das Schwarze, was mag das sein?" „Es ist nichts, die Nacht ist so schwarz, Kamerad, Ist der Gurt in Ordnung? Bist du parat? „S'st alles in Ordnung!“ So liegen wir Den Daum am Druckknopf, das Aug am Visier. Wir lauschen und spähen, jede Faser gespannt, Wenn sie nur kämen, es zuckt in der Hand. 3000 Patronen, ein gutes Gewehr Wer da hineingerät, entkommt nicht mehr. Es lauert der Tod in dem schwarzen Rohr Unheimlich schaun' die Gewehre hervor. „Was gilt's, lacht der Tod, heut gibt's’nen Strauß Heut' bring ich nur gute Ernte nach Haus. Wir lauschen und spähen,— da flammt ein Licht, Hier noch eins, dort auch eins. Auf einmal bricht Aus Dutzenden leuchtenden Kugeln ein Schein, Das wird der Anfang des Tanzes sein. Dort im Wald wird's lebendig, wir liegen bereit. „Laß sie nur kommen, noch sind sie zu weit. So auf 200 Meter, dann rein mit der Saat. Der Richtschütze schmunzelt:„Ich weiß Kamerad“. Da trifft ein gellend Geschrei unser Ohr, Zu tausenden bricht's aus dem Walde hervor. „Wir empfangen dich, Franzmann, komm nur heran.“ Ein Regiment gegen kaum 100 Mann. Jetzt Feuer hinein in den dunklen Wald Ein einziger Schrei, ein taumelnder Fall, Zurück wogt der Ansturm— wohl dreimal erneut. Bis die aufgehende Sonne Erlösung uns beut. Was wir da gesehen, o fraget nicht, Wohl mancher der unsern, wand ab das Gesicht. Hell leuchtend begrüßt uns das Morgenrot Still über das Brachfeld schreitet der Tod. Vorstehendes Gedicht stammt von einem Volksschullehrer, der bei der Maschinengewehrkompagnie eines Infanterieregiments dient. Die Kompagnie wies im Oktober zusammen mit einer anderen Kompagnie einen Nachtangriff der Franzosen zurück. „Minna von Barnhelm“ im Schützengraben. Eine denkwürdige Aufführung hat, wie der „Düsseld. Ztg. aus dem Westen geschrieben wird, Lessings„Minna von Barnhelm" vor einigen Tagen erlebt. Der bekannte Schauspieler des Wiener Hofburgtheaters Max Paulsen, der als deutscher Reserveoffizier in Frankreich im Felde steht, ist seit langer Zeit der beste Darsteller des Majors von Tellheim aus„Minna von Barnhelm". Sehr oft erfreute er seine Leute des Abends, wenn Ruhe herrschte, aus diesem deutschen Lustspiel, das sich in so herzerquickender Weise gegen den französischen Geist richtet, und der Soldaten durch den soldatischen Geist sehr schnell lieb wird. Am Tage hatte er dazu keine Zeit, da er sich durch kühne Taten das Eiserne Kreuz erwerben mußte und außerdem Kompagnieführer geworden war. Eines Tages stellte es sich heraus, daß unter den jungen Ersatzmannschaften noch mehrere literaturkundige Leute waren, die teils von Berufs wegen, teils aus Liebhaberei„Minna von Barnhelm“ genau kannten. Es wurde also schnell entschlossen, eine Aufführung dieses Köstlichen Soldatenlustspiels im Schützengraben angesichts der Franzosen in Szene gesetzt. Die Regiearbeiten nahmen nicht sehr viel Zeit in Anspru# Auch die Dekoration hatte weniger Aehnlicht mit den Künsten Reinhardts als vielmehr mit einfachen Darstellungsweise der alten Shakespeg Bühne. Ein großer Zettel mit der Aufsche „Zimmer", der an einem Baum befestigt### wies darauf hin, daß man sich hier ein Zimmer Stile des achtzehnten Jahrhunderts zu den habe. Die unterirdische„Villa“ des Kompagy führers, der hier seine alte Rolle als Major Tellheim spielte, wurde als Ankleideraum zugleich als die Stätte verwendet, von der aus Schauspieler„auftraten". Dieser„Auftritt" zwar etwas beschwerlich, da die Villa bombensig angelegt ist, aber mit einigem guten Willen# mit etwas Uebung erreichten die Schauspie schon so viel, daß es ziemlich rasch vor sich g Am spaßigsten wurde die Minna, die Heldin Lustspiels, dargestellt. Ein junger Soldat h in Ermangelung einer erstklassigen Schauspiele den Auftrag, aus einem Exemplar des Lustspidas zur Hand war, die Rolle möglichst gefühl vorzulesen. Als Zeichen seiner weiblichen Wi hatte er ein Röckchen der schottischen Hochlän an, die bekanntlich von unsern Soldaten ihrer Röckchen als„Ballettratten“ bezeichnet den. Zum Ueberfluß trug er, damit wohl wechslungen ausgeschlossen blieben einen um den Hals gehängt, auf dem mit großen B staben„Minna von Barnhelm“ stand. Auch andern Rollen waren, soweit es angängig gut verteilt. Das Lustspiel hatte, da beson die Personen des Just in Tellheim gut darges waren, einen großen Beifall. Auch die Mi erregte Heiterkeitssalven unserer braven Trup Für kurze Zeit war diese Aufführung, die dem unbesieglichen Humor unserer tapfern ger selbst angesichts des Feindes ein schönes 8 nis ablegt, eine gute Erholung nach den Mit des Kampfes und eine angenehme Abwechsl Lessing aber, der begeisterte Vorkämpfer deut Wesens gegen französische Art, würde siche diese Aufführung seines Lustspiels in ei Schützengraben im Kriege gegen Frankreich als wertvollste angesehen haben, wenn sie auch Theaterfachmann nicht befriedigte. h we S Beschlagnahmeverfügung. 1. Alle Häute von Großvieh, die grün mindestens 10 kg., salzfrei„ 9„ trocken„. 4„ wiegen, und zwar von a) Bullen, das heißt unbeschnittenen männlichen Tieren, b) Ochsen, das heißt beschnittenen männlichen Tieren, c) Kühen, das heißt Muttertieren, die gekalbt haben oder belegt sind,„ uten meih d) Rindern, das heißt auen nicht unter c genannten weivüben Bero.etene ach. werden hierdurch für die Heeresverwallung beschlagnahmt. Die Häute unterliegen einer Verfügungsbeschränkung derart, daß sie nur zu Kriegslieferungen verwendet werden dürfen. 2. Um diese Verwendungen zu regeln, hat das Kriegsministerium eine Gesellschaft gegründet, die Kriegsleder=Aktiengesellschaft mit dem Sitze in Berlin W. 8, Behrenstraße 46, welche ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt und weder Dividende verteilt, noch das eingezahlte Kapital verzinst. Das Kriegsministerium, das Reichsmarineamt, das Reichsamt des Innern und das Königlich preußische Ministerium für Handel und Gewerbe sind im Aufsichtsrat dieser Gesellschaft vertreten. Kriegsleder=Aktiengesellschaft angegliedert ist eine Verteilungskommission, die nach einem von Zeit zu Zeit neu aufzustellenden und jedesmal vom Kriegsministerium zu genehmigenden Verteilungsschlüssel die Häute allen Gerbereien Deutschlands, welche zu Kriegslieferungen verpflichtet worden sind oder noch verpflichtet werden, zuzuweisen hat. 3. Die Häuteverwertungsverbände und die ihnen angeschlossenen Vereinigungen haben sich dem Kriegsministerium gegenüber verpflichtet, die Häute zu festen Preisen und Bedingungen der Kriegsleder=Aktiengesellschaft durch Vermittlung einer vom Kriegsministerium gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft, der Deutschen=Rohhaut=Gesellschaft m. b. zuzuführen. In ähnlicher Weise sind bisher mehrere Großhändler, deren Namen noch in den Fachzeitungen bekannt gegeben werden, vom Kriegsministerium verpflichtet würden.. i mm: ae 8 Kriegslieferungen im Sinne dieser Verfügung, also erlaubte Lieferungen, sind daher bis auf weiteres ausschließlich folgende 2) Die Lieferungen vom Schlächter bis in die Versteigerungs. läger der Häuteverwertungsgemeinschaften oder Innungen in derselben Weise wie bisher, b) die Lieferungen vom Schlächter an Kleinhändler(Sammler), soweit der Schlächter denselben Personen oder Firmen vor dem 1. August 1914 auch schon derartige Häute gec) die Lieferungen von dem Kleinhändler(Sammler) an die 0) die burch Vermitlung der Deutschen Rohhaut=Geselschaft m. b. H. und der zugelassenen Großhändler erfolgenden Lieferungen an die Kriegsleder=Aktiengesellschaft, e) die Lieferungen von der Kriegsleder=Aktiengesellschaft an Jede andere Art Lieferung sowie überhaupt jede andere Art von Veräußerung ist verboten. 4. Behandlung des inländischen Gefälles. Das von der Beschlagnahme betroffene Gefälle ist in der bisherigen Weise sorgfältig abzuschlachten; das Gewicht der Haut ist sogleich nach dem Erkalten festzustellen und in unverlöschlicher Schrift(z. B. auf einer Blechmarke oder durch Stempeldruck) richtig zu vermerken, außerdem ist die Haut unver5. Vorräte inländischen Gefälles der unter 1 gekennzeichneten Art, die nicht bei Häuteverwertungsgemeinscha,(3) lagern, sind gut zu konservieren und, sofern sie mehr als 100 Häute betragen, sofort der Kriegsleder=Aktiengesellschaft, Berlin W. 8, Behrenstraße 46, anzumelden. Vordrucke können von dort bezogen werden. 6. Vorräte ausländischen Gefälles, Besitzer von Vorräten ausländischer, von Tieren der Gruppen a bis c stammender Häute haben die Bestände gut konserviert zu erhalten und übersichtlich zu lagern. Sie haben ferner eine genaue Lagerbuchführung einzurichten und die bei ihnen lagernden eigenen und fremden Bestände, ferner ihre eigenen bei Spediteuren oder öffentlichen Lagerhäusern lagernden Bestände jeweils bis zum 5. jeden Monats nach dem Stande vom 1. desselben Monats der Kriegsleder Aktiengesellschaft, Berlin W. 8, Behrenstraße 46, in übersichtlicher Aufstellung zu melden.(Vordrucke können von dort bezogen werden.) den 22. November 1914. Der stellvertretende Kriegsminister: von Wandel. Wer die vorgeschriebene Anmeldung zur Stam relle versäumt, hat schwere Bestrafung zu gewärtig Altena, den 28. November 1914. Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission: Thomée, Landrat. Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht nach allgemeinen Landesgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, nach§ 9 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Arnsberg, den 25. November 1914. Der Regierungs=Präsident: v. Bake. Im Jahre 1915 finden in der Obst= und Gartenbaulehranstalt der Landwirtschaftskammer folgende Lehrgänge statt: Lehrgang 1 für Lehrer, Landwirte, Straßen= u. Wegemeister, im Frühjahr: vom 8. bis 20. März im Sommer: vom 1. bis 3. Juli im Herbst: vom 4. bis 7. Oktober. Lehrgang 2 für Straßen= und Wegewärter, vom 22. Februar bis 3. März. Der Unterricht bei Lehrgang 2 ist besonders anf die Behandlung der Straßenobst= und Wildbäume zugeschnitten, sodaß die Teilnehmer während der Zeit gute Kenntnisse erwerben Die Teilnahme an beiden Lehrgängen ist unentgeltlich, jedoch ist eine eine Eintragegebühr von 3 Mk. zu zahlen. Die für die Baumpflege nötigen Geräte sind mitzubringen; es sei darauf hingewiesen, daß sie am zweckmäßigsten in der Lehranstalt beschafft werden, damit sie auch geeignet sind. Die Kosten dafür betragen ungefähr 17 bis 18 Mark. 6 Anmeldungen sind an die Obst= und Gartenbaulehranstalte in Herford zu richten. Im Jahre 1915 wird auch ein 10 wöchiger Baumwärterlehrgang abgehalten werden. Der 1. Teil des Lehrganges findet vom 15. Februar bis 27. März statt. Unter Umständen kann den teilnehmenden Personen eine Beihilfe gewährt werden. Altena, den 27. November 1914. Der Landrat: Thomée. Anmeldung zur Rekrutierungsstammrolle. Alle jungen Männer, die in einem der zum deutschen Reiche gehörigen Staate heimatsberechtigt und 1. in dem Zeitraum vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember 1895 geboren sind, 2. dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht beim Ersatz= und Kriegsersatzgeschäft zur Musterung gestellt, 3 sich zwar gestellt, über ihre Militärverhältnisse aber noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben, werden hiermit aufgefordert, sich in der Zeit vom 1. bis 10. Dezember 1914 behufs Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle bei dem Bürgermeister oder Amtmann der Gemeinde, in der sie sich aufhalten, zu melden und ihre Geburtsscheine oder sonstige Ausweispapiere vorzulegen. Wer nicht im Besitze eines Geburtsscheines ist, hat sich trotzdem zur Stammrolle anzumelden und den sofort zu beschaffenden Schein später der Gemeindebehörde vorzulegen. Für die vorübergehend abwesenden Militärpflichtigen(auf Reisen befindliche Kaufleute usw.) haben die Eltern, Vormünder oder die Arbeitgeber in der obenangegebenen Zeit die Anmeldung zur Stammrolle zu bewirken. Im Anschluß an die Bekanntmachung des Herrn 8 Vorsitzenden der Ersatz=Kommission, betreffend Meldung Rekrutierungsstammrolle, wird hiermit, um Gesch störungen vorzubeugen, für den Stadtbezirk Altena folgen angeordnet: Am Dienstag, den 1. Dezember 1914 melden sich sämt Militärpflichtige, deren Familienname(Zuname) mit dem B staben A und C beginnt. Mittwoch, den 2. Dezember 1914, desgl. Buchstabe B Donnerstag,„ 3.„„„„ D, E, Fritog Samstag,„ 5.„„ MG. 9 Montog,„„„„„ Dienstag,„ 8.„„„„ K Mittwoch,„.„„„„„ Donnerstag,„ 10.. M. J. J Die Anmeldungen werden im Zimmer 9 Lüdenscheiderstraße 22, zweites Obergeschoß, in den Studden 9 Uhr vormittags bis 12½ Uhr mittags entgegengenomme Nicht in Altena geborene Militärpflichtige haben bei Anmeldung einen Geburtsschein des heimatlichen Stan amtes vorzulegen. Altena, den 28. November 1914. Der Bürgermeister: Büs Ordentliche Sitzung der Stadtverordneten zu Altend am Montag, 7. Dezember 1914, nachm. 4½ Uh Tages=Ordnung: 1. Wahl von Magistratsmitgliedern. 2. Festsetzung der Jahresrechnung der Schulkasse für 191 3. Festsetzung der Jahresrechnung der Kasse der gewerb Fortbildungsschule für 1913.— 4. Festsetzung der Jahresrechnung der Kasse der raufmunn Fortbildungsschule für 1913. 5. Festsetzung der Jahresrechnung der Kasse der höheren chenschule für 1913. 6. Festsetzung der Jahresrechnung der Kasse des Realg siums für 1913. 7. Festsetzung der Jahresrechnung der Gemeinverrann für 1913. n 5 8. Festsetzung der Jahresrechnung der stadtischen Wohl kasse für 1913. 9. Festsetzung der Jahresrechnung der Armentasse für 1 10. Festsetzung der Jahresrechnung der Schlachthofkasse f. 11. Festsetzung der Jahresrechnung der Gaswerkskasse für 12. Festsetzung der Jahr srechnung der Wasserwerkskasse 13. Abtragung und Weiterverzinsung der früher Thomal Hypothek. 14. Vergütung für Dienstreisen.. 7##„ 15. Veräußerung einer Fläche neben dem Hause Lennest 16. Abtretung einer bebauten Fläche Rahmedestr. 86. 17. Beihilfe zur Milderung der Kriegsschäden in Elsatz, 18. Einmalige Beihilfe für die Witwe eines im Krie fallenen Offiziers. 19. Anstellung eines Beamten. Altena, den 2. Dezember 1914. Der Vorsitzende: I. V.: Graumann.