Das„Herforder Kreisblatt“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Vierteljährlicher im voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch die auswärtigen Betriebsstellen bezogen! M. 65 Pf. Gei Selbstabholung aus der Geschäftsstelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 50 Pf. Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 D). auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Peritzelle berechnet. Etwaiger Rabutt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeite. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Ferd. Ezmann in Herford. Für den übrigen Teil: Friz Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Nr. 235(enthält 10 Seiten). Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Dienstag, den 7. Oktober 1913. Verlag von Frisz Heidemann in Herford. Druck von Gedr. Heidemann in Herford. Vertretertag der Handwerkskammer. Bünde, 6. Okt. Die hier gestern im Stadtgartensaal stattgefundene Versammbung war von 500 Herren besucht. Der Vorstand der Handwerkskaurmer eröffnete die Sitzung mit einer Begrüßung der Anwesenden. Die Vertreter der Behördon dankten für Einladung, bedauerten, daß der Herr Regierungspräsident und Herr Landrat nicht daran teilnehmen konnten, überbrachten deren besten Wunsch und wünschten der Sitzung besten Verlauf. Herr Bürgermeister Straubel begrüßte die Versammlung im Namen der Stadt Bünde. Herr Handwerkskammersekretär Sackmann erstattete der Jahresbericht, danach bestehen im Bezirk der Kammer 154 Zwangsimungen, 27 freie Innungen, 23 allgemeine gemischte Innungen, 117 sonstige Vereinigungen, das bedeutet eine Zunahme gegen das Vorjahr um 4 Zwangsinnunge und 6 gemischte Innungen. Letztere sind entstanden weger des meuen Krankenversicherungsgesetzes. Meisterprüfungen fanden im Vorjahre 314 statt, wovon 19 nicht bestanden haben. Als neue Einrichtungen der Kammer sind die Lehrstellenvermittlung und das Preis= und Verdingungsamt zu veumerken, letzteres wird auch in einiger Zeit in Arbeit treten. Dann machte Herr Sackmann noch darauf aufmerksam, daß ganz bestimmt in diesem Winter eine neue Novelle zur Gewerbeordnung kommen würde, welche eine vollständige Umändepug des Paragraphen 1000 vornehme. Nachdem verschiedene Teilnehmer zu obigem Bericht Stellung genommen hatten, hielt Herr Sekretär Sackmann einen Vortrag über die Bekämpfung der Tuberkulose in Handwerkerkreisen. Herr Medizinalrat Dr. Rapmund, welcher diesen übernommen hatte, war leider am Erscheinen verhindert. Zum Schluß empfahl Redner sämtlichen Handwerkern angelegentlichst den Beitritt zum Heilstättenverein. Einen sehr interessanten Vortrag hielt alsdann Architekt Wrba über die Handwerkerschule in Bielefeld, welche insbesondere für befähigte junge Leute im Handwerk bestimmt ist. Herr Assistent Burkert hielt einen Vortrag über die kaufmännische Einrichtung der Handwerker. Herr Sekretär Sackmann hielt dann einen Vortrag über die technischen Geschäftseinrichtungen des Handwerks. Nach Schluß der Referate setzte eine lebhafte Tiskussion ein, worin noch besonders auf den Nutzen der Handwerkerfortbildungsschulen hingewiesen wurde. Nachdem noch verschiedane Klagen über die Mißstände im Handwerk vorgobracht wurden, hielt Landtagsabgcordneter Lieneweg einen burzen Rückblick über die Vertretung uund Arbeiten des Handwerks im Landtage. B. T. Bl. Preußischer Städtetag. Breslau, 6. Okt. Der Proußische Städtetag trat heute hier zu seiner achten Tagung zusammen. Vertreton sind 124 Städte. Der Vorsitzende, Oberbürgermeister Wermuth eröffnete die Tagung mit einem Hoch auf den Kaiser und König. Nach den üblichen Begrüßungen wurde zunächst die Aufnahme solcher Städte in dan Städtetag genehmigt, die die Einwohnerzahl von 25 000 erst nach der letzten allgemeinen Volkszählung erreicht haben. Dann sprach der Geschäftsführer des Preußischen Städtetags Dr. Luther über das Ge meindeabgabenrecht und seine bevorstehende Aenderung. Das ungeheure Anwachsen der städtischen Aufgaben trotz des gleichzeitigen Steigens der Stauerkraft und trotz der Nutzbarmachung neuer Einnahmequellen hat jetzt in vielen Gemeinden zur Uoberlastung einzelner Steuevarten, darunter der Einkommenstouer geführt. Deswegen muß der Anspruch auf neue Stouerquellen für Gemaindem erhoben werden. Als solche kommen vielleicht in Betracht eine Kapitalrentensteuer und eine auf die freion Berufe zu legande Beufsstouer. Auch die nach dem Kommunalabgabengesetz den Gomeinden stehende Abgabenstelle bedarf vielfach des Ausbaues. So wird für die Beiträge eine Neugestaltung des gesamten Veranlagungsverfahrens gefordert. Die Feuerversichenungsanstalten sollen zu Beiträgen oder Gobühren herangezogen werden können. Die Sätze des Marktstandgeldes, die aus dem Jahre 1872 stammen, sollen erhöht werden können. Die Gemeinden sollen auch die Möglichkeit erhalten, Automobilsteuern zu erheben. Von besonderer Wichtigkoit wird die Beseitigung aller Beschrändungen bei der Heranziehung bei der Gemeindeeinkommensteuer sein. Deshalb sind Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht der Gemeindeeinkommensteuer zu uterwerfen, ovenso Genossenschaften und Vereine, die wirtschaftliche Zwecke verfolgen. Auch die Steuerpuivilogien der Beamten, Offiziere und Geistlichen sind unter Schonung aller erworbenen Rechte zu beseitigen oder mindestens zu beschränkon. Auch die Heran ziehung des ausländischen Vermögons zur Einkommensteuer ist sicherzustellen. Der Vortragende ging dann auf die Realsteuern ein und fonderte a erster Stelle die Ausdehnung der Gewerbesteuer auf die gewerblichen Unternehmungen des Reiches und Staates. Im Gebiete der Gnundstouern wunde die Frage der Stouer nach dem gemeinen Wert erörtert, ohn daß jedoch der Referent zunächst zu dieser Frage Stellung nahm. Der Referent unterbreitete dann der Versammlung Leitsätze, die sich eng an seine Ausführungen anschließen, zur Beschlußfassung. Die Leitsätze wurden unverändert angenommen, außerdem der Wunsch zu Protokoll gegeben, daß bei der Neuordnung der Wertzuwachssteuer die kreisangehörigen Städte nicht geschädigt werden. Die Versaninilung wandte sich sodann der Besprechung des Wohnungsgesetzentwurfes zu. Das Gesamtthema ist in vier Einzelthamata eingeteilt. An erster Stelle sprach Bürgermeister Sahm(Bochum) über„Die Verteilung der Aufgaben des Wohnungswesens auf Reich, Staat und Gameinde und die Inanspruchnahme der städtischer Finanzen durch den Wohnungsgesetzentwurf.“ Der Redner legte nach langen Ausführungen folgende Leitsätze vor: „Das Bestreben der Staatsregierung, das Wohnungswesen zu fördern, wird gern und danbbar anerkannt. Der Wohnungsgesetzentwurf behandelt aber wur einzelne Ausschnitte der Wohnungsfrage, und zwar gerade diejenigen Ausschnitte, die in das Tätigkeitsgebiet der Gemeinden fallen. Die wichtigsten Teilaufgaben der Wohnungsfrage sind nach Art und Umfang dem Zugriff der Gemeinden überhaupt entzogen, so die umfassende Regelung des Realkroditwesens, das gesamte Hypothekenrecht und vieles mehr. Hier liegen die eigentlichen Aufgaben für Reich und Staat. Die Neigung des Wohnungsgesetzentwurfes, im eigentlichen Tätigkeitsgebiet der Gomeinden die Selbstverwaltung durch staatspolizeiliche Zuständigkeit zu ersetzen oder einzuengen, muß als ein Fehlgriff bezeichnet werden. Die Gemeinde darf in Erfüllung ihrer eigenen Aufgabe nur der allgemeinen Staatsaufsicht unterworfen werden. Der Wohnungsgesetzentwurf erwähnt in Text und Begründung die finanzielle Belastung der Gemeinden durch die Fürsorge für das Wohnungswesen überhaupt nicht. Die Gemeinden bedürfen aber, um grundlegende Verbesserungon im Wohnungswesen durchzuführen, der Erschließung neuer Einnahmequellen. Die Leitsätze wurden angenommen nurd sodann die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt. Kleine Chronik. Berlin, 6. Okt. Eindreister Einbruch in der Friodvichstraße, der den Dieben allendings nicht den erhofften Gewinn brachte, wurde in der vergangenen Nacht verübt. Die Einbrecher drangem, nachdem sie sämtliche mit Alarmglocken verbundenen Leitungen zerschnitten hatten, durch die Flurtür in die Lagerräume der Militäreffektenfabrik von F. Brandt, Friodrichstraße, ein uund durchbohrten die Diele, um in das im Parterve liegende Lotteriegeschäft von H. Rendelmann zu gelangen. Sie wurden jedoch gestört und begnügton sich mit Kleidungsstücken unnd Militarschußwaffen sowie einer kleinen Summe Geldes, die sie aus dem Geldschrau des Militäreffektengeschäfts raubten. Berlin, 6. Okt. Bestechliche Gendarmen. In den letzten Tagen sollen in Berlin, so meldet die„B. Z.“ mehreve Gendaumerie=Wachtmeister, man spricht von dreien, verhaftet und nach der Festung Küstvin gebracht worden sein. Die Beamten, die auf den Berliner Renubahnen Dienst taten, sollen sich seit Jahren von Buchmachern bestechon lassen haben, die dafür ungestört und unbehelligt auf den Rennbahnen ihre Tätigkeit entfalten konnten. Die Fälle sollen schon zehn Jahre zurückreichen. Königsberg, 6. Okt. Heftiges Schneetrei ben setzte heute hier ein. Breslau, 6. Okt. Am Löwenkäfig. Der im zoologischen Garten im Raubtierhaus beschäftigte Hilfswärter Stehlik wurde, als er durch das Gitter eine Löwin streichelte, durch einen Tatzenschlag am Arm zerfleischt. Ein zufällig anwesender Handwerker stieß das wütende Dier mittels einer Eisonstange fort und befreite den verletzten Mann, der, schwer verletzt, in die Universitätsklinik gebracht wurde. Zwickau, 6. Okt. Notenfälscher. Hier hat sich eine Gesellschaft von Bürgern des Mittelstandes zusammengetan, u gemeinsam gefälschte Hundertmarkscheine in Umlauf zu setzen. Der Fabrikant dieser Fälschungen war der Steindmickermeister Max Fround aus Berlin, der vor einigen Monaten nach Rußland verschwand, dann aber wieder nach Berlin zurückkehrte, nachdem er mit den Zwickauer Fälschern in Verbindung getreten war. Dort wurden von der Polizei mehrere falsche Hundertmarkscheine entdeckt, die allendings. zunächst nur im Blandruck hergestellt worden waren. Mehrere der beteiligten Personen sind ermittelt und verhaftet wonden. Freund wurde gestern in seinem Berliner Schlupfwinkel ausfindig gemacht. Dresden, 6. Okt. Gräfin Montignoso kündigt die Erstaufführung ihres nauesten Werkes, einer dreialtigen Operette„Die bizarre Prinzessin“ an. Die Aufführung soll im Teatro nazionale in Rom am 15. Oktober erfolgen. Wenn die Operette Beleidiinungen des Königs oder eines Mitgliedes des Königlichen Hauses enthält, will das Hausministerium geeignete Schritte finanzieller Art ergreifen. Bekanntlich ist die Rente, die die Frau Toselli vom sächsischen Hofe bezieht, schon früher anläßlich der Veröffentlichung ihrver Memoiven von 40000 auf 20000 Mark herabgesetzt worden. Straßburg, 6. Okt. Als Erfindung gekennzeichnet. Die Blättermeldung, wonach ein Mitglied des Kaiserhauses während seiner Studienzeit in Straßburg ½ Millionen Schulden machte und mit gewerbsmäßigen Geldvermittlern Verbindung suchte, bevuht, der Straßburger Korrespondenz zufolge, von Anfang bis zu Ende auf Erfindung. Innsbruck, 6. Okt. Großfeuer. In der vergangenen Nacht ist der Sommerfrischenort San Pelegrino im Pellegrinotale, einem Seitengebiete des Fassatales in Südtirol, das bekannte große Hotel Manzoni samt dem Zollamt und der Finanzwache=Station ein Raub der Flammen geworden. Krakau, 6. Okt. Verhaftete Raubmörder. Gester wurden hier vier Individuen verhaftet, die an der Ermordung des Buchhändlers Siszczowski beteiligt sind. Die Mörder haben ein volles Geständnis abgelegt. Von der geraubten Summe wurden bei ihnen noch 7000 Kronen vorgefunden. Paris, 6. Okt. Autounglück. In Faubourg=St. Honoré wollte ein Autoomnibus einem Automobil ausweichen und fuhr dabei auf den Bürgersteig. Siebzehn Personen, darunter mehrere Kinder, wurden mehr oder minder schwer verletzt. Düneborg, 6. Okt. Bahnunfall. Bei der Einfahrt in den Bahnhof stieß ein Schnellzug aus Kiew mit einer Lokomotive zusammen. 14 Personen wurden getötet, 17 schwer und 11 leicht verletzt. Algier, 6. Okt. Feuer an Bord. Der französische Petroleum=Transportdampfer, der im hiestigen Hafen von Anker lag, ist in Brand geraten. Bei den Löschversuchen wurden der Kapitän und mehrere Mann der Besatzung durch explodierende Tanks lebensgefährlich verletzt. Infolge der zahlreichen Explosionen ist es unmöglich, sich dem Schiffe zu nähern. Die Mannschaft konnte unter großen Schwierigkeiten gerettet werden. Colombo, 6. Okt. Durch große überschwemmungen wurden auf Ceylon die Eisenbahnen zerstört. 25 Kulis wurden durch einen Erdrutsch begraben. Unter den zahlreichen Ertrunkenen befindet sich auch ein europäischer Farmer. Chicago, 6. Okt. 14facher Mörder. Hier ist ein Mann mit Namen Henry Spencer, der beschuldigt wird, die Tanzlehrerin Rexroat ermordet zu haben, verhaftet worden. Er soll diesen und dreizehn andere Morde, von denen er zehn im vergangenen Jahre begangen haben will, eingestanden haben. Produktenbörse. Berlin, 6. Okt. Weizen war angesichts der matten amerikanischen Nachrichten und infolge von Abgaben gegen Käufe inländischer Ware schwach. Zu ermäßigten Notierungen fanden sich aber vielfach Deckungen ein, die die Preise wieder sich befestigen ließen. Roggen zeigte sich von vornherein in besserer Haltung. Das Angebot auf Abladung ist klein. Die hiesigen Preise rentieren zum Versand. Hufer ist in besserer Ware knapp am Markt und fest. matt 155.75 161.25 165.25 still 143 00 146.00 149.00 Schlachtviehmärkte am 6. Okt. Die Preise verstehen sich für 50 kg. Schlachtgewicht. Auftrieb: Großvieh 924, hiervon 167 Ochsen, 292 Bullen, 465 Färsen und Kühe, 419 Kälber, 65 Schafe und 4421 Schweine. Tendenz: langsam, Großvieh 87 Ueberstand. Kleinvieh mittel. Es wurden verkauft: 664 zu 79 Pfg., 888 zu 78 848 zu 77 Pfg., 466 zu 76 Pfg., 298 zu 76 Pfg, 87 zu 74 Pfg., 75 zu 73 Pfg., 97 zu 72—64 Pfg Dortmund. Auftrieb: 947 Großvieh, 348 Kälber, Schafe, 8128 Schweine. Tendenz: langsam Greßvieh, sonst flott, Witterungsbericht der Herforder meteorologischen Wetterbeobachtungsstation über die Monate Juli, August und September 1913. Bei relativ niedrigem Luftdruck, der sein Maximum am 1. Juli mit 760.5 Millim. und sein Minimum am 6. mit 745.8 Millim. erreichte, zeitigte der Monat Juli verhältnismäßig geringe Temperaturen. Für den ganzen Monat konnte nur ein Sommertag mit einerWärme von über 25 Gr. Cels. vermerkt werden, und zwar der 27. mit 25.8 Gr. Die gesamten Tagestemperaturen blieben infolge der durch den ganzen Monat hindurch währenden feuchten Witterung weit hinter der für diese Jahreszeit gewohnten Wärme zurück. Das Monatsmittel, das nur 14.6 Gr. betrug, zeigte gegen das 10jährige Mittel ein Manko von 1 Gr. Die 19 Regentage des Monats brachten insgesamt 72.0 Millim. Regenhöhe, eine Menge, die in dem letzten Jahrzehnt nur 1905 mit 124.5 Millim., 1909 mit 113.5 und 1910 mit 148.1 Millim. übertroffen wurde. Die stärksten Niederschläge brachte der 10. Juli mit 11.7 Millim. Die trübe und feuchte Witterung bedingte auch den Mangel an Sonnenschein. Nur 96.9 Stunden Sonnenscheindauer konnten verzeichnet werden, während der Juli des Jahres 1911 208.3 Stunden und der gleiche Monat des Vorjahres, das auch vorherrschend naß war, 141.3 Stunden Sonnenscheindauer ergab. Unter diesem Mangel an Bestrahlung konnten sich auch die Erdbodentemperaturen nicht in der normalen Höhe halten. Sie zeitigten in 10 Ztm. Tiefe 17.0 Gr., in 20 Ztm. Tiefe 16.9 Gr., in 50 Ztm. Tiefe.15.3 Grad und in 100 Ztm. Tiese 14.2 Gr. im Mittel. Nicht ohne Einwirkung blieb die feuchte, kühle Witterung auf die Ernte, die dadurch sehr verzögert wurde. Der Monat August brachte bei den ausgeglichonen Luftdruckverhältnissen nur geringe, vorwiegend aus NN und SO wehende Luftbewegung. Der Luftdruck erreichte am 26. mit 763.2 Millim. sein Maxinra uund am 30. mit 749. Millimeter sein Minima. Auch die zahlreichen Rogenfälle in diesem Monat wirkten vielerorts hommend auf das Ein ernten des Sommergetreides ein. Die 16 Regentage. im Monat brachten insgesamt 45.1 Millim. Regenhöhe; die größte Niederschlagsmenge wurde am 12. mit 14.4 Millim. gemessen. An Sommertagen brachte uns der August nur 5 Tage mit mehr als 25 Gr. Wärme. Den wännisten Tag hatten wir am 23. mit 27.0 Gr., während die Nachttomperatur am 7. bis auf 5.4 Gr. fank. Im Monatsmittel, das 15.0 Gr. ergab, blieb die Wärme hinter dem 10jährigen Mittel um 2 Gr. zurück. Wirklich heitere Tage brachte der Monat nur 3. So kam es, daß auch infolge der ständigen Bewölkung der Sonnenscheinautograph nur 104.9 Std. Sonnenscheindauer reaistvieren konnte. Der gleiche Monat des Jahres 1911 ergab mit 208.9 Stunden fast die doppelte Sonnenscheindauer. Auch die Erdbodentempenatur blieb in diesem Monat wesentlich hinter dem Mittel zurück. In 10 Zentim. Tiefe ergab dieselbe im Monatsmittel 16.4 Gr., in 20 Zentim. 16.4 Gr., in 50 Zentim. 15.3 Gr., und in 100 Zentim. nur 12.5 Gr. Wesentlich günstiger stellte sich der September mit seinem vorherrschend heiterem Wetter. An 12 Regentagen brachte er uns die geringe Regonhöhe von 24.3 Millim. In seiner Trockenheit wurde er im letzten Jahrzehnt nur übertroffen durch den gleichen Monat des Jahres 1907, der 22.1 Millim. Regenhöhe ergab. Die Temperaturen erreichten die Sommergrenze, das Maximum war am 14. mit 23.4 Gr. zu buchen. In den klaren Nächten fiel infolge der Ausstrahlung der Erde die Temperatur bis nahe an den Gefrierpunkt. Die niedrigste Nachttemperatur hatten wir am 24. mit 2.5 Gr. Das Monatsmittel der Wärme betrug 13.2 Gr. und überholte damit das 10jähr Mittel um 0.1Gr. Diese günstige Wetterlage war bedingt durch das über Mittel=Europa sich konstant ausbreitende Hoch, das hier am 7. mit 762.7 Millim. den höchsten und am 14. mit 743.0 Millim. den niedtigsten Luftdruck ergab. Nur eine plötzlich am 9. September auftretende Toildepression, die keilartig aus Norden zur unteren Nordsee stieß, und die mit den sie begleitenden orkanartigen kalten Nordstürman dem Marineluftschiff L 1 zum Verderben gereichte, beinmihigte erst am folganden Tage die Atmosphäre des Kontinonts. Hier äußerte sich bei relativ hohom Barometerstande mit böigen Nordwestwinden, die zeitweise sturmartig auftraten. Verhältnismäßig hoch war die Sonnenscheindauer im September. Sie betrug bei dem klaren Wetter 117.3 Stunden. Der gleiche Monat des Vorjahres, der den diesjährigen September bezüglich des heiteren und warmen Wetters noch überbot, ergab 122.8 Stunden Sonnenschein. Infolge der ausgiebigen Bestrahlung der Erdoberfläche zoitigte auch die Erdbedeutemperatur höhere Werte als in den Vorjahren. Sie betrug im Mittel in 10 Zenitim. Tiese 13.9 Gr., in 20 Zentim. 14.3 Gr., in 50 Zentim. 14.2 Grad, und in 1 Meter Tiefe 14.1 Gr Mehr wie arm waren die 3 Sommermonate an Gewitterbildung. Der Juli und August brachten je eins und der September zwei, die sämtlich nur schwache elektrische Entladungen zeitigten, und die von geringen Niederschlägen begleitet waren. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Herford belegene im Grundbuche von Bauerschaft Radewig Band 27 Blatt 263 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Arbeiters Carl Meier zu Herford Bauerschaft Radewig 611 eingetragene Grund stück Flur 2 Nr. 2366/360, Hofraum und Hausgarten a. Wohnhaus Nr. 611. Oetinghauserweg und Stallanbau— auf der großen Bahnkuhle— groß 10,65 ar mit 460 Mark Gebäudesteuernutzungswert am 2. Dezember 1913, vormittags 10 Uhr durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 16, versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 30. Mai 1913 in das Grundbuch eingetragen. Herford. den 1. Oktober 1913. agliches Amtsgericht. Verdingung des Ausbaues der Wege und Gräben in der Zusammenlegungssache von Siele, Kreis Herford. Die Verdingung des Ausbaues erfolgt in 2 Losen. Die Kostenanschlagssumme für die Erdarbeiten, einschließlich Verlegen der Röhrendurchlässe, jedoch ausschließlich der Lieferung der Röhren beträgt: für Los I rd. 8800 Maik mit der Schutzmarke des Verbandes Deutscher Hord-Fabrikanten bieten Gewähr für erprobte Güte und Preiswürdigkeit. Achten Sie daher beim Kauf auf diese Marke! II 5600 Die Anzahl der zu liefernden Röhren für beide Lose zusammen id. 550 lfd. m. Die Kostenanschläge nebst den zugehörigen Massenberechnungen, Zeichnungen und Bedingungen liegen auf dem hiesigen Amtsbüro, Gartenstraße 51 zu Bünde Zimmer 2 zur Einsicht offen. Angebote find nach Prozenten der einzelnen Bausummen und mit der ausdrücklichen Erklärung, daß der Bieter sich den ausgelegten Bedingungen unterwirft, schriftlich in verschlossenem Umschlage an den Oberlandmesser Heuel in Bünde vor Beginn des Verdingungstermins abzugeben. Der Termin findet am Montag, den 13. Oktober 1913 in dem Hause des Gemeindevorstehers Höner zu Siele statt. Der Zuschlag erfolgt im Termin oder es wird in diesem die Zuschlagsfrist bekannt gemacht. Bünde, den 1. Oktober 1913. Königliche Spezialkommission. Bechanntmachung. Die Liste der Handwerker, welche an der Abstimmung über Errichtung einer Zwangsinnung für das Sattler=Polsterer= und Dekorateurhandwerk im Bezirk des Stadtkreises Herford teilgenommen haben, liegt während zweier Wochen vom 8. ds. Mts. ab auf Rathaus III Zimmer Nr. 7 in den Stunden von 11 bis 1 Uhr vormittags zur Einsicht und Erhedung etwaiger Einsprüche der Beteiligten öffentliv aus. Einsprüche, welche nach Ablauf obiger Frist angebracht werden, können nicht mehr berücksichtigt werden. Herford. den 2. Okt. 1913. Der Kommissar: Kiese, I. Stadtsekretär. Die Barterre- Wöhnung in dem Hause Kaiser=Friedrich= Wall Nr. 6 ist per 1. April zu vermieten. Gustav Landwermann, Kaiser=Friedrichwall Kr. 8 (Renntorwall) " Chnung 3 Räume nebst Küche, oder 5 Räume nebst Küche, im Mittelpunkt der Stadt gelegen, zum 1. 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Eintritt frei.) Abende 7 Uhr: Beginn der Abendfestlichkeiten unter Mitwirkung des Gesangvereins„Sängerwarte“. Mit der Tagung ist eine Ausstellung stenographischer Arbeiten und Kontoreinrichtungen verbunden. Die Besichtigung ist allen Interessenten unentgeltlich gern gestattet Der festgebende Verein ladet hiermit alle Stenographiefreunde und-Interessenten zu dieser Tagung erger enst ein Der Verein beginnt Ende Oktober einen neuen Anfänger-Kursus in dem System Stolze-Schrey. Anmeldungen werden jederzeit vom Vorstande, den Mitgliedern und im Vereinslokale(Geliker, Bügelstr.) entgegengenommen. Der Vorstand. egsreise nach posen 9 9 Einsach möbl. Timmer mit oder ohne Pension zu vermieten. Renutorwallür 17 Ein schön möbl. Ziumer mit voller Pension zu vermieten Weststr 27 1 Tr. Entogl- und Ruckuttich gesucht. Offerten mit Preis unter Nr. Ein vorzügliches Rezept. Für nur 10 Pfennig kann man 9743 an die Geschäftestelle d. 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Die Plätze können schon ein oder zwei Tage vorher belegt werden, die vorher gelösten Billets haben aber nur für den Abend, dessen Datum sie tragen, Gültigkeit. öbioinn Vertpaviere und Möbelsicherheit etc. erhalten reelle Personen jeden Standes. Für Beamte Rückzahlung innerhalb 10 Jahren. Tepohor L. fo, Setmatt Elektrisches Bogeleisen arbeitet spareamer wie Gas u. P Feuuerung. M. 10.— per Stück. A. A. Mönkemöller, Herferd, Steinstrasse 1. werde ich am Mittwoch, den 8. Okt., vorm. von 10 Uhr ab, das Wirtschafteinventar dee Babnbofe-Hotel zu Herford, bestehend in: 1 gut erhaltenen Plüschgarnitur, 9 Sofas, 10 St. kompl. Betten, 8 Bettstellen mit Matratzen, 6 Waschtischen, 6 Waschkommoden, 1 großen Küchenherd, 6 Oefen, 8 Büffets mit Bierleitungen, zirka 250 St. Wirtschafts= und Gartenstühlen, 45 St. Wirtschaftstischen, 1 franz. Billard mit Zubehör, 1 Klavier, 1 vollständigen Bühneneinrichtung, Kleiderschränken, 1 Wäschemangel, div. Spiegeln und Bilder, 1 Partie Tischdecken, 3 Uhren, 6 Kronleuchter, 2 Glaskästen, 7 Kegelkugeln mit 18 Hölzer, 1 Damenschreibtisch, 1 Vertikow, Garderobenständer und sonstigen mehr öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Die Sachen sind gebraucht, teils gut erhalten und 1 Stunde vorher im Saale des BahnhofsHotels zu besichtigen. Robert Formel, Auktionator. Restaurant Brinkmann. Münchener Oktoberfest. Dienstag, den 7. Oktober, abends 8½ Uhr: Konzert der städt. Kapelle und Tanzkränzchen. Münchener Bierkeller mit eigener Kapolle. Eintritt 85 Pfg. Dutzendkarten mit 15 Pfg Aufschlag gültig. Bad Salzuflen Restaurant Erbprinz Inh.: P. Faber Vom 8. bis 12. Oktober Erstes grosses Willzertest mit grosser Dekoration und feenhafter Beleuchtung. Am 9. und 10. Oktober nachmittags von 4 Uhr ab Café-Conzert Die gesamte Festleitung ist dem Komiker Walter Knlep aus Hannover übertragen. Am Sonntag Abend 12 Uhr verschied nach schwerer Krankheit unser lieber Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder und Schwager, der Maurermeister „ Kreitter im Alter von 67 Jahren. Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernden Hinterbliebenen. Herford, den 7. Oktober 1913. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den s. Oktober, nachm. 8 Uhr vom Trauerhause, Hellerweg, aus statt. HS.A Herforder Schwimmverein. Morgen(Mittwoch) abend 9 Uhr: * Nachruf. Am Sonntag, den 5. Oktober d. Js., entschlief der frühere Chef der Firma Wilh. Richter, der Maurermeister Herr Jobst Richter. Der Verstorbene war uns lange Jahre ein treusorgender, gerechter und vohlwollender Meister, dessen Andenken wir stets in hohen Ehren halten Jwerden. Er ruhe in Frieden! Die Arbeiter der Firma Wilh. Richter. Todes-Anzeige! Heute morgen 9 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Schwager, Bruder und Onkel, der ehemalige Kassierer Friedrich Weidenbrück im Alter von 60 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Wwe. Louise Weidenbrück, geb. Maus, nebst Kindern. Herford, den 6. Okt. 1918. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Oktober, nachmittags 8 Uhr vom Trauerhause, Stift Berg Kesselstrasse 19, aus statt. Heute morgen um 11½ Uhr verschied sanft nach schweren Leiden, unser lieber Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel, der Bahnarbeiter CasparBuschmann im 66. Lebensjahre. Dies zeigen mit der Bitte um stille Tellnahme an Geschw. Buschmann. Herford, den 7. Okt. 1918. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Okt., nachmittags ½8 Uhr vom Kreiskrankenhaus aus statt. Grosse Spezialabteilung Seudler Frauerkleider Trauerkostüme Frauerblusen Frauerrücke in großer Auswahl. Aenderungen in wenigen Stunden. Neuanfertigung binnen 24 Stunden. Albert Rosenbaum, Herford Spezialhaus für Damen-Moden. Krieger-P#Verein. Unser Kamerad Maurermeister Jobst Richter ist. gestorhen. Die Veerdigung findet am Donnerstag, den 9. d M., nachmittags 8 Uhr vom Trauerhause(Hellerweg 1) mit Musik statt, wozu unsere Mitglieder zu zahlreicher Beteiligung eingeladen werden. Antreten zum Abholen der Fahne um 2¾ Uhr beim Vorsitzenden Der Vorstand. Verein ehem. 13er Herford. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden lobst Richter (Hellerweg 1) treten die Mitglieder am Donner###tag nachmittag 2¼ Uhr im Vereinslokale an. Der Vorstand. Monats-Versammlung. Mittwech, den 8. d. M. Konatsverlammlang im Hotel sur Post. Tagesordnung: 1. Verbands=Ausstellung. 2. Verschiedenes. der florttant. Institut Bolls Prim. Abitur. Amenau 1. Thür. Prosp. frei. Garantiert reines Flowenschmalz à Pfund 90 Pfg., bei Abnahme von 5 Pfund à Pfund 85 Pfg. empfiehlt Wilhelm Biermann, Fernspr. 357. Neuer Markt. Vervielfältigungen, Abschritten etc. fertigt an: Büro„Smith Premier“ Alter Markt 7. Terrier Gegen abhanden gekommen. Belohnung abzugeben. Freiherrenstraße 16. Ein Wurf Terrierhunde abzugeben. Hermannstraße 20. 1 Tisch, 1 Rohrtischchen, 2 Waschtische, 1 Klavierlampe, 2 Kokosläufer 5 30X8,40 ferner 2 April=Küken zu verkaufen. Wasserstraße 79 Alte eichene Bettstelle mit Matraue für 12 Mk., sowie einzelue Matratze, 11 Kinderund 1 große Gadiwanne billig zu verkaufen. Zu erfragen unt. Nr. 100 in der Exp d. Gl. in Eietsleia“ Sonntag, den 12. Oktober, nachm. ½8 Uhr: 2 Herren- und 4 Jockey-Reiten Konzert-: Oeffentlicher Totallsator. Wettannahme bis 1 Uhr im Sekretariat. Sonderzug: Bielefeld ab 1°; Rennplatz ab 625. Oetingbaufen Aufruf an alle Tabakarbeiter! Am 15. Oktober finden hier die neuen Krankenkassenausschußwahlen statt. Es hat sich hier nun ein Ausschuß gebildet. Dieser richtet an alle konfessionellen Vereine, Kriegervereine, an die deutschen Turnvereine und die christ. lichen Gewerkschaftsmitglieder, sowie an alle christlich-nationalen Arbeiter den Aufruf, von ihrer Pflicht Gebrauch zu machen. Bisher haben wir dem sozialdemokratischen Treiben ruhig zugesehen, aber jetzt, wo wir das neue Gesetz und mit ihm die Verhältniswahlen haben, jetzt gilt es, auch die Kraft anzuspannen und die Mauer zu sprengen. Deshalb tretet am Mittwoch, den 15. Oktober, nach mittags von 1 bis 4 Uhr bei Meyer am Bahnhof an und wählt Mann für Mann,„Alle“ Wahloorschlag 2. Der Ausschuß für soziale Wahlen. GERWARTE Grösster Männergesangverein Herfords 125 aktive und passive Mitglieder. Jeden Mittwoch abend 9 Uhr im grossen Saale des Restaurante Brinkmann, Renntor. Gesangsabends: Kleineren Vereinen, die sich unserem Chor anschliesren wollen, weitgehendes Entgegenkommen zugesichert. Mit dem demigen Tage eröfnete Ditadenerstraße 88 ein Milchgeschaft und empfehle sämtliche Molkereiprodukte. Milch pro Liter 18 Pfg. Karl Zweifel. Die Hauptagentar=(mr. Inlasso) der Lübecker Lebens-Versicherungs=Gesellschaft —„(Gegr. 1848) für Herford ist an rührigen Herrn zu vergeben. i# Oferten sind zurichten an Gub=Lir. Ernst Echroer Sieldfend, Arndtstraße 11. Ls Erich von Geismar Bertha von Geismar geb. Höpker Vermählte. Oenabrück, den 7. Oktober 1913. eeeemeehbeeopenetennnnen: oomesensensenennnen Robert Opitz Grete Opttz geb. Hemesoth Vermählte. Hagen i. W., den 7. Oktober 1918. Lientsptelnaus Alter Markt 4. Aelteste Lichtbühne am Platze. Programm für Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, 7., 8., 9., 10. Oktober 1913, bestehend aus: 8 Dramen, 4 Humoresken, 1 Naturaufnahme. SHahe. —.— Grosses Drama in 2 Akten.—: Der bekannte Stoff der Oper„Undine“ nach der Legende des Freihorrn de la Motte-Touqué. Hervorragende Darstellung! Dramatische Handlung! * Tiefergreifendes Drama in 2 Akten. — Nach einer Erzählung von Fritz Reuter.— Im Gebiet des Rio Grande. Hochspannendes Amerika-Drama. Das Meisterwerk. Einlage. Lustige Komödie. Einlage. Schäferstündchen-Plauderei. Humoreske. Lachen ohne Ende! Lachen ohne Ende! Knetmüller. — Humoreske zum Totlachen.— Mabels Verehrer. Humoreske. m Sie lachen Tränen.— Polypenstöcke. —.— Hochinteressante Naturaufnahme.— 1 Rezitation: Herr Wiadimir Seidel aus Dresden. Das Theater ist täglich geöffnet. D werden zum Amarbeiten und Garnieren angenommen. Frida Dresing, Gehrenberg 22. Das„Derforder Kreisblatt“ erscheint täglich mit ausnohme der Sonn= und Feiertage. Vierteljäbrlicher me vetans u gaslender Baugoprei 2. 90 pf. durc die auswärtigen Betriebestellen dezogen 1 M. 65 Pf. Gei Seldstadholung aus der Geschäftostelle 1 M. 25 Pf. Somanich 14. 80. ***** aus dem Kreise Herford werden mit 12 P). auswärrige Anzeigen mie 15 Df. für die einspaltige Perts galle derechnet. Erwaiger Radutt gitt als Kassenrabag und kann geweigert werden, wenn die Jablung niche unerbald 4 Wochen nach Erbalt der Rechnung erfolgt. Peilamen 45 dt er. Jele. Geranmperig: VVTT Bronemornich: TSS PE — Zur den politischen Teil: Ferd. Eymann in Herford. Für den übrigen Tell: Heis Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße s. Verlag von Fris Heidemann in Herford Eine wirksame und entschiedene Mittelstandspolitik Irtessr mittsss 5s: Uhr, ordnen wir großes Festgeläut! Offizier den Feldzug gegen Lesternich mit, die Jahre 1870 .lso,.sehr die Forderzung des Tages, daß man über ihres unmittelbar an diesen anzuschleßen hot Vou= fol; denl(He 1871 hoiten in die Adhutanen des kommadierencdten Rcotwendigteit und Dringlichkeit kein Wort zu verlieren Tage, Sonntag, den 19 Drighn Aim teigenoenssovenerals des I1. Anmerktoms Groten Bose und führten ion braucht, Ledglich über de Art und den Wet der Mitel, sedesals im Haustgattedtense uel in alen Klechen— ale steitbrterteuten Gornsiatursider aut de Schagt. mit denen den bieher nach Naßgabe der gesehgeberschen Kirchengebet der geoßen vaterläindschen Predist und imnssecder von Aeberitun und Abirth, Spiter buidkt er Fürsorge arg vernachäsigten Mitteltande gehossen werden dacht werden, wobe in den Gemeinzen. d= sicher Kommisär ud Melitägnuiteritur der frini Lenn, Göngen. die Mezungen ausetnandergsehen. Aber auch reits am Tage vorder Fei venenuen in denen nicht be Krautzuriag bei der Anne in Frür, Sein Gio. kaiserers honse die Neishesgungt der Peie aie erg eus iun dage werger vengostesdent daechater worte Jaure bier ei der uune iun. Kdt, Sen boch vaver wilb ern Gesichtspunkt in den Reihen derjenigen, ist, die für diesen gegeber den Inieresse brachte er aber der kolonialen Sache entgegen; im Pscanissen ide Teieites helteisigerzugd sebewidten Mie Verwendung u sundene Geitesdtenterdung entbrechend(Kensundundtr und uie Korsteundeuidie dr Dutcher veitanospolisk stehen, augemeiner Zustimnung sicher seinz en hat: Joloniahgeselschot auntaltte ar dur u— es ist dies die Forderung, daß die Mittelstandsschichten, wenn ihnen Hilfe werden soll, in erster Linie vor neuen] Prinz Wisholm zu Wied Lasten und Adgaben bewahrt werden missen. Auf ihnen! Peunh Wildem zu Bed. Kolontalgesellschaft entfaltete er eine weitreichende und ersprießliche Tätigkeit. Dabei kam es ihm sehr zu statten, daß er hoch über allem Parteigetriebe stand, frei von allen Standesvovrteilen war, die Phrase haßte und nur den Mann sech sche werden müssen. Auf ihnen gu#., Sumtg Wwtcgeimt on Wiev.(desporuirtöklen war, die Phrase haßte ruhen an sich schon so bedeutende Lasten, insbesondere auf!. Vi Sproß des alten Dynastengeschlechtes im Lahngaus sind sem Werk eiwas geltent ließ. steuerlichem Gebiete werden sie, in der Folgezeit noch mehr scheint dazu ausersehen zu sein, die Regienung des neuzu] Im Jahne 1897 wunde Fürst Wilhelm zu Wied Präsident als bisher, in solchem Maße zu Leistungen und Verpflich= bildenden souveränen albanesischen Staates anzutreten. fishgmüßischen Herrenhauses und bieb es bis zum Jahre tungen herangezogen daß eine weitere Belastung von seiten Ueber den PrinzenWilhelm zu Wied und sein Haus bringt die des Reiches jedenfalls vermieden werden sollte. Im Hin=]N. Fr. Pr. einen längeren Artikel, dem wir folgende Aus=( Deu bedeutendsten Einfluß aber auf die gesamte fürstliche blick auf die Zusammensetzung des gegenwärtigen Reichs=(führungen entuehmon:—(Familie übte bis zu ehrem im Jahre 1302 erfolgten Tode die tages droht, vielleicht mehr als se, die Gefahr neuer sozialer] In den gesegneten Rheinkauden, da wo die Grasen von Keistvolle und reichbegabte Fürstin Marie zu Wied aus, die Lasten. Es ist daher ebenso zeitgemäß wie zweckmäßig, Wied, Runkel und Isenbung ihre reichen Besitzungen hatten, eine gebonene Prinzessin von Nassau war. Bei allen Angedaß die offizielle Vertretung des deutschen Handwerks und die dann später infolge Erbvertrages das gemeinschaftliche lecenthriten, die die fürstliche Fomilie betwafen, machte sich Kleingewerbes schon jetzt in einer Eingabe an den Reichs= niediatisierte Fürstentum Wicd bildeten, wo von bewaldeten ihr bestimmter Eimluß geltend. Mit großen geistigen alte Bungen uund malerische Ruinen in stille, Fähigkeiten ausgestattet, blieb sie bis zum Ende ihres Lebens die traueste und intimste Freuundin des bos Fr. se-ais aechel eseuesc. 2 Jahren die gesamte Arbeiterversicherungsschutzgesetzgebung des Reichs auf eine Grundlage gestellt ist, ist naturgemäß für Revision des„Systems der Sozialpolitik" Wohl aber ist die Mahnung berechtigt, daß die Bewegungs= während Prinz Maximilian sich durch seine kühnen For= wesenden Staatsmännern“ freiheit des gewerblichen Unternehmers, auch des selbstän= schungsreisen in die unbekannte Wilduis der brasilianischen traute Ratgeber in Neuwied. digen Handwerkers und Kleingewerbetreibenden in ver Urwälder den Ruf eines gediegenen Gelehrten erwavb. Seine Prinz Wilhelm, eine hochgewachsene, schlanke Erscheinung, hängnisvoller Weise eingeengt werden muß, wenn sozusagen wissenschaftlichen Werke„Reise noch Brasilien in den Jahren ist in den wesentlichsten Charakterzügen das Ebenbild seines jedes neue Jahr neue sozialpolitische Lasten bringt. Den 1815 bis 1817“ und„Reise durch Nondamerika“ haben den Laters. Von erster, aber freier Lebensauffassung und bürgerlichen Parteien des Reichstages muß diese Kund= Prinzen zu einem der bedeutendsten deutschen wissenschaft= Deutweise, verfügt er über ein gefundes Urteil in persöngebung des deutschen Handwerks und Kleingewerbes zum lichen Reisenden seiner Zeit genacht. lichen und politischen Dingen. Fest und bestimmt in setnen Bewußtsein bringen, daß die Stellungnahme gegen eine Pvinz Wölhelmn zu Wicd ist am 26. März 1876 zu Neu=(Entschlüssen, ist er in seinen Lebensgewohnheiten ein sehr übertriebene soziale Fürsorge für die positiv schaffenden Er= wied gebonen als Sohn des Fürsten Wilhelm und der Fürstin einfacher Herr. Gleich seinen Brüdern tat er zunächst in einem werbsstände in Stadt und Land ein gemeinsames und Marie geborenen Prinzessin der Niederlande. In der Gardekavallevieregiment in der Reichshauptstadt Dienst. einigendes Moment ist, das Berücksichtigung verlangt und kleinen stillen Residenzstadt am Rhein, wo hart am Strom=(Wegen seines strengen Gerechtigteitegefühls war er bei Kaverdient. Folgerichtig sollte man also in den Reihen der ufer von einem schönen Park aungeben sich das fürstliche menaden und Untengebenem geachtet. Durch eine nicht gebürgerlichen Parteien das Einbringen von sozialpolitischen Schloß erhebt, verbrachte der Prinz mit seinen Geschwistern wöhnliche militärische Begabung wurden höhere TruppenAnträgen und Resolutionen der sozialdemokratischen Partei eine umgetrübte frohe Jugendzeit. Der Vater überwachte führer auf den jungen Offizier aufmerksam, der jetzt als Lhsrlosenz., selbst, aber. den Wetlauf nicht mitmachen, der in versönlich mit Strenge insbesondere die törperliche Ausbil=(Hauptmann im großen Genenalstabe verwendet wich und eieser Richtung alljährlich anläßlich derWiederaufnahme der dung der Fürstenkinder. Die Lebensweise war sehr einfach, ldurch Fleiß und selbständiges Urteil bei seinen Vorgesetzten Reichstagsverhandlungen stattzufinden pflegt. geradez bürgerlich, denn der Fürst haßte jeden Luxus. Das besondere Hoffnungen erweckt. Seit 30. November 1906 ist einzige, worauf er bedeutende Mittel verwendete, war dis der Prinz mit Prinzessin Sophie von Schönburg=WaldenUnterhaltung eines glänzenden Marstalls. Selbst ein kühner burg venmählt, deren Ahnen sich bis ins zwölfte Jahrschrockener Reiter songte der Vater dafür daß die Söhne hundert zuvick verfolgen lassen und dessen Fürsten über einen Die kirchlichen Feiern am 18. Oktober. Der Oberkirchenrat verfügte: Da der 18. Oktober in diesem Jahre auf einen Sonnabend fällt, ist davon Abstand genommen worden, einen Festgottesdienst allgemein für diesen Tag vorzuschreiben, tigen und umfassenden Allgemeinbildung Wir legen aber doch besonderen Wert darauf, daß schon] Im evangelischen Glauben erzogen, wunde bei den Kinder 18. Oktober möglichst allgemein, namentlich überall in dern von frühester Jugend an der Gadanke religiösen Frieden Städten durch einen Festgottesdienst, für den die nach= dens und konfessioneller Eintracht gepflegt. Die Achtung stehende Gottesdienstordnung Anleitung erteilt, ausgezeich= vor der Ueberzeugung Andersgläubiger und Andersdenkender net wird, und empfehlen daher den Gemeindekirchenräten ist seit Jahrhunderten im Hause Wied zur Tradition gewor(Presbyterien), eine Feier an diesem Tage zu beschließen. den, die auch die Stadt Neuwied vollständig das Gepräge der Für diesen Festgottesdienst erachten wir 11 Uhr vormittags ausgesprochenen Stadt der Toleranz trägt. als die angemessene Zeit. Der Gottesdienst soll jedenfalls Trotz der Abgeschiedenheit des Wohnsitzes war der Haust die Dauer einer Stunde nicht übersteigen und möglichst des politischen Lebens im fürstlichen Schloß deutlich zu verdurch fanen Alugen Sinn und frundlsches, ofenes Wesen schon in jungen Jahren so viel Hoffnungen im Elternhause erweckte. Große Getreide=Einfuhr nach Frankreich. Vor einigen Monaten ist in der Presse darauf hingewiesen worden, daß im ersten Halbjahr 1913 eine überraschend große Anzahl Lieferungen von Getreide und Mehl nach Frankreich stattfand, wie sie in früheren Jahren nie1813. nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern nur aus polirischen zu eritäten waren. Dazu schreibt ein halbämtlich e t i s c h e n z u e r k l ä r e n w a r e n. D a z u s c h r e i b t e i n h a l b a m t l i c h echt französisch gesinnt. Immerhin hatte der König so ge= bedienter Berliner Mitarbeiter: Es handelt sich unzweifelischret Eei der Schwarmee“ 8.21 uu wi schickt zu lavieren gewußt, daß er wenigstens das Stellen haft um eine Versorgung für den Fall eines Krieges. In Kriegsrat bei der Hauptarmee— Vertrag zu Ried. von Truppen für Napoleon nach dessen Rückkehr von Ruß= den beiden letzten Monaten hat diese starke Ausfuhr an Seit elf Tagen war am 8. Oktober die Hauptarmee der land zu umgehen verstand. Angeblich brauchte er seine! Getreide und Mehl angehalten und ist sogar teilweise noch erbündeten schon in Bewegung, ohne daß die beabsichtigte Truppen gegen die heranrückenden Österreicher; insgeheim weiter gestiegen. Die Ausfuhr an Hafer der doch stel ais beoseaenh ide ashacde ecge secesie ecahickeaeices anide hecde d.P elschick len. Mlch otnreitsh die Ansicht vertrat,„daß nun die Zeit zu entscheidenden Dadurch, daß Metternich Bayern eine Machtstellung zu d. Is. belief sich die Ausfuhr auf 322 493 gegen 39.049 Operationen gekommen sei und daß man jetzt in Eil= gestand, die weit über das hinausging, was Bayern als im Jahre 1912. Die Ausfuhr an Weizen, von dem bemärschen auf Leipzig vordringen müsse.“ Aber dabei blieb Rheinbundland nach den früheren Vereinbarungen der Ver= kanntlich Deutschland einen großen Teil seines Bedarfs es. Es ging auch weiter: immer langsam voran. bündeten erwarten durfte, auch nicht einmal erwartet hatte, selbst aus dem Ausland deckt, betrug im Juli 362 882 D.=Z. Am 8 Oktober kam es zu dem Vertrage von Ried stellte er dem norddeutschen Preußen einen süddeutschen und im August 33.091 D.=Z.; im ganzen sind bisher in zwischen Bayern und Österreich, durch welchen Bayern end= Machtfaktor entgegen. In jenem Vertrage wurde der Grund diesem Jahre 1,6 Millionen D.=Z. nach Frankreich auslich den Verbündeten beitrat. Der bayerische König war gelegt zu den späteren deutschen Wirren und dem Kriege geführt gegen 0.5 Millionen im Vorjahre. An Roggenmehl niemals sonderlich Napoleon geneigt gewesen, hatte aber von 1866. Der Vertrag, erst nach dem Abschluß Preußen bezog Frankreich aus Deutschland im Juli 8623 Doppeldie Rheinbündelei mitmachen müssen, um nicht des Thrones bekannt gegeben, mußte von diesem anerkannt werden, um zentner und im August 11 535 D.=Z.; in den ersten acht verlustig zu gehen. Dagegen war sein Minister Monteglas nicht die weiteren Kriegsoperationen zu gefährden. Monaten d. Is, wurden nach Frankreich ausgeführt 190.377 Doppelzentner gegen 84 291 D.=Z. im Vorjahre. Dabei sind aber die Zahlen des Jahres 1912 auch schon ungewöhnlich hoch gegenüber den Vorjahren. Beispielsweise haben wir im ganzen Jahre 1910 nach Frankreich 50 D.=Z. Hafer, 120 D.=Z. Roggen und 9320 D.=Z. Weizen ausgeführt. Vergleicht man diese Zahlen mit denen des Jahres 1912, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß es sich um Bezüge handelt, die einer Kriegsversorgung dienen. Eine Aenderung in der Behandlung der Welfenfrage deutet die„Neue Preußische Korr.“ an, in der nochmals darauf hingewiesen wird, daß der Brief des Prinzen an den Reichskanzler, wenn auch nicht formell, so doch sinngemäß den gewünschten Verzicht enthalten habe, da er ausdrücklich dartut, daß der Prinz niemals auch nur das geringste gegen Preußen zu unternehmen beabsichtige. Erst die Auslegungen, die dieser Brief des Prinzen bei den welfischen Anhängern erfahren hat, und besonders das menschlich begreifliche Zögern von seiten Gmundens, die Welfen abzuschütteln, mußten es Preußen notwendig erscheinen lassen, Garantien zu fordern, die an dem Verzicht des Prinzen in staatsrechtlicher Beziehung nicht den geringsten Zweifel lassen. Ohne die maßlose Agitation der welfischen Kreise würde der Brief des Prinzen Ernst August an den Reichskanzler von preußischer Seite vermutlich als ausreichend anerkannt worden sein, da mit der Annahme, der Herzog von Cumberland könnte noch andere Rechtsnachfolger erhalten, die die ererbten Ansprüche auf Hannover geltend machen würden, nach menschlicher Voraussicht nicht zu rechnen ist. Erst die Kundgebungen der welfischen Anhänger des Herzogs machten eine andere Stellungnahme der preußischen Regierungskreise notwendig. Wenn also bei der ganzen Angelegenheit überhaupt von einer Schuld gesprochen werden kann, so kann es nicht zweifelhaft sein, wo diese liegt. Zur Reise Poincarés. Paris, 6. Okt. Unter Hinweis auf die aus Anlaß der Reise Pomoarés und der Meldung über eine französischspatrische Entante in Umlauf gesetzten Gerüchte erklärte Graf Romanones den Madrider Sonderberichterstatter des„Gaulois“, es werde keine spanische Anleihe und auch keine Rentenkonversion geplant. Von einer geheimen oder öffentlichen, auf die Eventualität eines europäischen Krieges bezügliche Militärkonvention könne keine Rede sein. Die von einigen Blättern gebrachte Meldung, daß im Falle eines deutsch=französischen Krieges Cartagena ein wichtiger Flottenstützpunkt sein werde, und den afrikanischen Truppen Frankreichs die freie Durchfahrt durch Spanien gestattet würde, erklärte Graf Romanones als Erfindung. Die wichtigste Aufgabe der französisch=spanischen Entente wäre ein ehrliches und beständiges, vor allem militärisches Zusammenwirken der beiden Völker in Marokko, das durch ein wirksames, aber ausschließlich auf die marokkanischen Unternehmungen beschränktes Militävabkommen geregelt werden sollte. Neuer Zwischenfall an der französischen Grenze. Paris, 6. Okt. Nach einer Blättermeldung aus Nancy entstand in einem Schnellzuge im Bahnhof von Longuyon wegen eines Platzes ein Streit zwischen einem Beamten des Finanzministeniums namens Berger und einem deutschen Reisenden. Berger stieß den Deutschen von dem angeblich für ihn bestimmten Platz, worauf der Deutsche ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzt habe. Die Zeugen des Auftritts mißhandelten den Deutschen, der evklärte, daß er beim deutschon Konsul und bei der Polizei Klage erheben werde. Krisis im Dreibund? Das„Giornale d'Italia“ veröffentlicht ein Interview mit einem alten englischen Diplomaten, dessen Namen das Blatt jedoch nicht nennt. In dem Interview heißt es: Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß der Dreibund nie auf schwächeren Füßen stand, denn heute. Man mag deswegen in erster Linie die österreichisch=feindliche Haltung Italiens anklagen. Ich gebe zu, daß die europäischen Kanzleien ängstlich auf Österreich achtgeben und auf alles, was in dieser außergewöhnlichen Phase von Österreich vorgenommen wird. Österreich macht augenblicklich schwere Krisen durch, die uns noch einmal überraschen dürften. Auch in den Beziehungen zu Deutschland befindet sich Österreich in einer Krise. (Es läßt sich nicht verkennen, daß gewisse Kreise in Österreich eifrig bestrebt sind, das Donaureich mit Rußland und Frankreich anzubiedern.) Die Lage auf dem Balkan. Der Köln. Ztg. wird— inspiriert— aus Berlin telegraphiert: Vom Balkan liegen heute Meldungen über weitere militärische Vorbereitungen Bulgariens, Serbiens, Montenegros, Griechenlands und der Turkei vor. Es ist im Augenblick nicht nachzuprüfen, inwieweit die Meldungen sich auf bereits durchgeführte Maßregeln beziehen oder inwieweit es sich bloß um Ankündigungen handelt. Bisher hat sich jedenfalls nichts ereignet, woran die neuen türkischgriechischen Friedensverhandlungen scheitern müßten. Wenn, wie es einstweilen den Anschein hat, die Insolfrage ausgeschaltet bleibt, so wird man an der Voraussicht festhalten können, daß an den übvigen Streitpunkten eine Einigung und damit der Friedensschluß zwischen der Türkei und Griechenland sich, wenn auch vielleicht nicht ohne längere Verhandlungen, wird herbeiführen lassen. Die Wirren in Albanien. Belgrad, 6. Okt. Nach den neuesten Berichten sind die bulgarischen Banden und die Reste der albanischen Bauden im Bezirk Monastir vollständig vernichtet worden; die serbischen Behörden sind wieder eingesetzt, die Ordnung wiederhergestellt. In dem letzten Kampfe in der Gegend von Prisren gelang es, den Feind zwischen zwei Feuer zu bringen, auf der einen Seite von uunsern Truppen vor Prisren, auf der andern Seite durch Verstärbungen, die von Tetowo herangekommen waren. Auch bei Wranitza wurden die Albanier geschlagen. Belgrad, 6. Sept. Den letzten Nachrichten zufolge sind die Albanier in Ljuma durch die serbischen Truppen umgingelt. Man erwartet die Uebergabe der Führer des Aufstandes. Die Präsidentenwahl in China. Pekin g, 6. Okt. Mit 506 Stimmen ist im dritten Wahlgang Juanschikai auf fünf Jahre zum Präsidenten der chinesischen Republik gewählt worden. Man erwartet, daß sämtliche Großmächte morgen die Republik anerkennen. Der greise Staatsmann, der einst von der Kaiserin Tsehsi zur Rettung der Dynastie berufen wurde und dann unter großen Schwierigkeiten das Geschick der jüngsten Republik mit eiserner Energie als provisorischer Präsident geleitet hat, konnte einzig als definitives Oberhaupt in Frage kommen. Yuan ist persönlich, wenn er auch keine fremde Sprache spricht und nie ein fremdes Land sah, ein moderner Mensch, der von der Notwendigkeit von Reformen in seinem Vaterlande stets überzeugt war. Er ist ein schlauer, ruhig erwägender, kühler Kopf, der das chinesische Staatssystem des Hinhaltens und zweifelhafter Versprechen bis ins Feinste beherrscht, der aber auch vor energischen Handlungen und vor Strenge nicht zurückschreckt. Der Grundgedanke seiner Staatsauffassung ist der, daß er durch alle Fährlichkeiten hindurch ein ungetvenntes China, gleich unter welcher Staatsform, erstrebt und für einen bedächtigen Fortschritt eintritt. Von mancher Seite wird ihm nachgesagt, daß in Eine Erbschaft des Kaisers. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Wie seinerzeit gemeldet wurde, hat der am 18. Juli d. J. in Kauschwitz bei Plauen gestorbene Gutsbesitzer Hermann Knorr in seinem Testament bestimmt, daß sein Vermögen dem zur Zeit seines Ablebens regierenden Deutschen Kaiser zufallen und für das deutsche Heer oder die deutsche Marine verwendet werden solle. Seine Majestät hat zur Verwirklichung des mit der Zuwendung verfolgten vaterländischen Zweckes die Erbschaft angenommen. Die Witwe des Testators, die seine einzige gesetzliche Erbin gewesen wäre, erhält die ihr zustehende Hälfte des gesamten Nachlasses, der nach den bisherigen Schätzungen über 800 000 M beträgt. Im übrigen sollen auf Bestimmung Seiner Majestät die Grundsätze zur Richtschnur genommen werden, die bei Stiftungen und Zuwendungen an juristische Personen maßgebend sind. Der Landwirtschaftsminister genehmigt: einen Antrug des Berliner Magistrats auf Verlängenung der Fleischeinfichr bis zum 1. Januar 1914. Oesterreich. Die irredentistischen Kundgebungen, die bei der Durchreise des itatienisch. Königspaares durch Trient Anfang Juli stattfanden, hatten jetzt vor dem dortigen Kreisgericht ein Nachspiel. Wegen Aufwiogelung wurden eine Anzahl junger Leute, die Transparente mit der Inschvift:„Es lebe unser König!“ aufstellten und durch ähnliche Rufe demon strierten, zu fünf Tagen bis zu einer Woche Arrest verurteilt. Schweden. Der König schlief in der Nacht zum Montag gut. Die Schmerzen waren geringer, das Allgemeinbefinden ist heute etwas besser. Der den König behandelnde Arzt enklärte dem„Aftonbladod“ zufolge, daß sich nicht das geringste Sympton zeige, daß der König an Krebs leide. Die portugiesische Regierung hat, wie der „Observer“ meldet, der bayerischen Regierung einen Protest zugehen llassen, weil diese in einem offiziellen Bulletin über den Gosundheitszustand der Gemahlin des Erkönigs Manuel für diese den Titel Königin von Portugal angewandt hat. Die portugiesische Regierung erklärt, daß seit Anerkonnung der portugiesischen Republik durch sämtliche Großmächte der Titel eines Königs und einer Königin von Portugal im diplomatischen Verkehr nicht mehr existiert. Der Sultan von Maskat ist heute gestorben. ein ältester Sohn, Prinz Daimur, folgt ihm auf dem Throne. Nordamerika. Präsident Wilsons Pläne zu einer Trustverfolgung nohmen eine bestimmtere Gestaltung an. Der Präsident sieht zunächst die Sprengung des Kohlentrusts und des Fleischtrusts sowie gleichzeitig ein Krimmnalverfahren gegen die Gründer sowie gegon die Aktionäre dieser Trusts vor Aus der Provinz und den Nachbarländern. Herford, 7. Okt. Wetterwarte. 8 Uhr früh: Barometer 756 Millimeter. Thermometer+ 7. Nebel. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen. Wechselnde Bewölkung, zeitweise leichte Regenfälle, nachts milder. Die Reserveübung im 11 Armeekorps. Geganüber den von sozialdemokratischen Blättern gebrachten Gerüchten, wonach bei einer Uebung der ReserveInfanteriebrigade des 11. Armcskorps eine ganze Anzahl Todesfälle und schwere Erkrankungen durch Ueberanstrengung vorgekommen seien, teilt das Kriegsministerium auf Grund amtlicher Feststellungen mit: 1. Es ist kein Todesfall vorgekommen. 2. Ueber don Entlassungstermin(1. Oktober) sind wegen Krankheit insgesamt 48 Mann zurückbehalten worden. Davon sind 21 inzwischen enklassen und 27 noch in Behandlung. 3. Es handelt sich durchweg nur um Leichterkrankte, meistenteils Fußkranke. Der Gesundheitszustand war während der Uebungen durchaus gut. 4. Von Ueberanstrengung der Leute kann keine Rede sein. Die Anzahl dder Fußkranken, der Erkrankton überhaupt ist im Verhältnis zur Gesamtstärke der Infanteriebrigade(6000 Mann) eine äußerst geringe. Politische Rundschau. „ Berlin, 6. Ottober. Der Kaiser yat sich haute vonmittag vom Neuen Palais im Automobil über Berlin zu mehrtägigem Jagdaufenthalt nach Hubertusstock begoben. Der Reichskanzler in München. Vormittags besuchte der Reichskanzler den Neubau des Deutichen Muscums auf der Isarinsel und die wissenschaftlichen Sammlungen im Gebäude des Deutschen Museums in der Maximilianstraße.— Heute mittag gab der Staatsminister des Innern, dung und für eine Sammlung von Apfeln und Birnen, die des Reichskanzlers eine sich für den Massenanbau eignen, je einen II. Preis. Overdiek=Elverdissen auf eine Sammlung Schöner von Boskoop Dr. Freiherr v. Soden zu Ehren Herford, 7. Okt. Zur Feier des 18. Oktober sollen auf ergangene Allerhöchste Anordnung überall Festgottesdienste stattfinden. Dieselben werden in größeren Städten, Garnisonorten usw. am Sonnabend, 18. Oktober, veranstaltet werden. Für unsere Stadt ist von der Abhaltung kirchlicher Feiern am Sonnabend Abstand genommen worden, zumal für diesen Tag bereits zahlreiche Festakte und sonstige Feiern vorgesehen sind. Am Sonntag, 19. Okt. werden vormittags 10 Uhr gleichzeitig in allen evangelischen Kirchen Herfords Festgottesdienste stattfinden. Die auf vaterländischer Grundlage stehenden Vereine werden dazu noch besonders eingeladen. Es ist erwünscht, daß die Vereine sich auf die verschiedenen Kirchen verteilen. Wünsche bezügl. Reservierung von Plätzen für Fahnendeputationen sind möglichst frühzeitig dem Pfarrer der gewählten Kirche mitzuteilen. Jedermann sei auf diese kirchlichen Feiern schon heute besonders aufmerksam gemacht. Herford, 7. Okt. Auf der Provinzial=Obst= und Gemüse=Ausstellung in Dortmund erhielt der Obst= und Gartenbau=Verein Herford auf sämtliche von ihm gelösten Aufgaben Preise. Auf das ausgestellte Normalsortiment des Kreises Herford entfiel bei sehr scharfer Konkurrenz ein la=Preis, die silberne Staatsmedaille und 75 M; auf Handlesobst in Verpackung ein II. Preis; auf Versorgung eines Haushalts mit Tafeläpfeln und=Birnen ein III. Preis und auf eine Sammlung von Tafeläpfeln und=Birnen, nach der Reifezeit geordnet, ein II. Preis. Die Gartenbaulehranstalt der Landwirtschaftskammer am Stukenberge erhielt für ihre Gemüse= und Obstkonserven die bronzene Staatsmedaille, einen Ehrenund Geldpreis. Auch die Einzelaussteller aus hiesigem Kreise können sich ihres Erfolges freuen. So erhielt Herr Kommerzienrat W. Siveke auf im Gewächshaus gezogene Weintrauben einen I. Preis, und für die Apfelsorte Ribstonpopping einen Ehrenpreis. Herr Landwirt H. RiepeAltstädter Feldmark erhielt für Verpackung einer Obstsente. der Reichskanzler zu einem Besuch der Kunstausstellung im Glaspalast und des Nationalnniseums. ohnungen in den neuen Garnisonsorten. Die Korrespondenz Piper meldet, dem Kriogsministerium seien aus einer Roihe von Städten, die neue Garnisonen oder Garnisonverstärkungen erhalten haben, lebhafte Klagen über Ein sieses Werk des Verfassers der„Roten Robe“ erschien, fand es vor allem von vornherein die größte Beachtung in den Kreisen, die der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten nahe standen. Sie gaben dem Stücke für seinen Weg über die Bühnen ein Vorwort mit, das u. a. seine Tendenz mit dem Satze kennzeichnet:„Das Werk Brieux' bezweckt: Wissen die Höhe der Wohnungsmieton zugegangen. Besonders an zu verbreiten über die Seuche, die furchtbarer in Europa die verbeinateten Offiziere würden vielfach Forderungen ge= haust, als Lepra, Pest und Cholera, steckt sich also ein hohes, schwer zu erreichendes Ziel. Aber Brieux hat ein Werk hoher Sittlichkeit und wahrer Menschlichkeit geliefert.“ Dem Eindruck konnte sich auch gestern abend keiner der Zuschauer entziehen, die der Aufführung des Stückes durch die Truppe des Herrn v. Bastineller im Schützenhof beiwohnten. Jener Eindruck würde freilich ein noch viel holtuene disser Secnundeirn ugesichts der Richtinne= ngchhaltigerer gewesen sein, menn dem Werke auch die wünhattung Onsser Zitsage ist, wie die genannte Korrespondenz) schenswerte und notwendige Inszenierung hätte zuteil wererfährt, die Hreresverwaltung mit Erwägungen beschäftigt, den können. Hiervon mußte ja im Konzertsaal des Schützendie Petheitateten Ossciete tonlben Vierfilch Foldetungen Pr. stellt, die den Wert des Gobotenen weit überstiegen. Auch Offiziere, die den betreffenden Garnisonen schon länger angehörten, hätten eine bedeutande Steigerung der Mieten erfahren. Die Heeresverwaltung habe von den Städten, die als Gamisonen in Frage kamen, ausdrücklich die Zusicherung verlangt, daß den verheirateten Offizieren preiswerte Wohnungen zur Verfügung stünden. Angesichts der NichtinneKommission Material vorgelegt werden, welches das Reichsamt des Innern aus der Vernehnrung von Sachverständigen über die Verhältnisse im Vieh= und Fleischhandel zusammengestellt hat. Es handolt sich um 180 Gutachten von Landw Viehhändlern, Schlächtern und Kommunalbeamten. Die Kommission dürfte an der Hand dieses Materials sich über etwaige Reformen auf dem Gebiete des Fleischhandels schlüsBeifall, der an jedem Aktschluß einsetzte. Die Vorstellung war gut besucht, auch von Damen. So weit unser Bericht über die Vorstellung an und für sich; im übrigen meinen wir, daß die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, mag sie auch von der größten Bedeutung für das Volksleben sein, nicht eine Aufgabe ist, zu dessen Lösung die Bühne da ist. Herford, 7. Okt. Hingewiesen ), 7. Okt. Hingewiesen sei hiermit auf demn uch de Tvum dm Sineer enr ne den heutigen Oktoberfestabend in Brinkmanns Restaurant, sig machen, auich die Frage der Eufuyrung ausländischen dessen Programm allen Teilnehmern genußreiche Stunden Fleisches dürfte besprochen werden. in Aussicht stellt. Herford, 7. Okt. Das Lichtspielhaus am Alten Markt 4, die älteste Lichtbildbühne am Platze. hietet— so wird uns von der Direktion berichtet— auch in seinem neuen Programm, das von Dienstag bis einschl. Freitag, 7. bis 10. Oktober, vorgeführt wird, ganz Hervorragendes. Es gelangen 3 Dramen, 4 Humoresken, 1 Naturaufnahme, die Oper„Undine", und„Die Nachbarskinder“, ein herrliches, tiefergreifendes Drama nach einer Erzählung von Fritz Reuter, zur Darstellung.— Das Theater ist täglich geöffnet. erford, 7. Okt. Übermangelhafte Beleuchtung der Bielefelderstraße wird neuerdings wieder lebhafte Klage geführt. Sollte dem nicht abgeholfen werden können? Herford, 7. Okt. Für Meinerzhagen gingen ferner bei uns ein: 3 A von I.— Weitere Gaben nehmen wir entgegen. Herford, 7. Okt. Wegen Bettelns wurde ein Mann in Haft genommen und dem Kgl. Amtsgericht zugeführt. Herford, 7. Okt. Gestohlen wurden 2 Anwohnern der Engerstraße Kaninchen aus dem Stalle. Spenge, 6. Okt. Für die Personenstandsaufnahmen zum. Zwecke der Steuerveranlagung sind folgende Termine im Amtsbezirk Spenge angesetzt worden: 1. Für die Gemeinde Wallenbrück am Donnerstag, den 16. Oktober 1913, nachm. von 3 bis 6 Uhr in der Gastwirtschaft Ellerbracke; 2. Für die Gemeinde Bardüttingdorf auch am Donnerstag, den 16. Oktober 1913, nachm. von 3 bis 6 Uhr in der Gastwirtschaft Voßhall; 3. Für die Gemeinde Lenzinghausen am Freitag, den 17. Oktober 1913 nachm. von 2 bis 6 Uhr in der Gastwirtschaft Menke; 4. Für die Gemeinde Hücker und Aschen auch am Freitag, den 14. Oktober 1913, nachm. von 2 bis 6 Uhr in der Gastwirtschaft Dieckmann; 5. Für die Gemeinde Spenge am Montag, den 20. und Dienstag, den 21. Oktober 1913, vorm. von 9 bis 12 Uhr und nachm. von 3 bis 6 Uhr im Amtsbüro. Bielefeld, 6. Okt. Im Prozeß Gunst gegen die Stadt Bielefeld auf Schadenersatz in Höhe von 400000 M wurde, wie die Westf. Ztg. meldet, vom Oberlandesgericht Hamm am Sonnabend in später Abendstunde folgendes Urteil verkündet:„Der Anspruch wird dem Grunde nach für berechtigt erklärt. Beklagte ist schuldig, dem Kläger den Schaden zu ersetzen, welchen er dadurch erlitten hat und noch erleidet, daß Beklagte in der Zeit vom 1. Mai 1902 ab mit ihren Straßenabwässern durch den Schloßhofteich und Mühlbach Schwebestoffe im Übermaße der Bleichereibesitzung des Klägers zugeführt hat und noch zuführt und hierdurch die Besitzung dauernd minderwertig und das Wasser zum Bleichen weniger brauchbar geworden ist. Die Sache wird zur weiteren Verhandlung und Entscheidung über die Höhe des Schadens an die erste Instanz verwiesen. Bielefeld, 6. Okt. Der dritte diesjährige Renntag des Ravensberger Rennvereins, Bielefeld, verspricht wieder außerordentlich interessant zu werden. Es werden 2 Herren= und 4 Jockey=Reiten gelaufen. Für erstere beiden sind zusammen 31 Nennungen eingegangen, während für die 4 Jockey=Rennen insgesamt 54 Unterschriften abgegeben worden sind. Nach den bis jetzt vorliegenden Bopenbestellungen zu schließen, wird es wieder gutbesetzte Felder geben. Porta, 6. Okt. Gräßlicher Unglücksfall. Der M. Z. wird geschrieben: Oberhalb des Bahnhofs Porta werden zurzeit die durch den Viergleiseausbau notwendig gewordenen Einengungsarbeiten der Weser am rechten Ufer vorgenommen. Hier, auf der Baustelle, fand man heute morgen die eine Baubude vollkommen niedergebrannt und zwischen den Trümmern die Leiche eines Mannes, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt war. Am Sonnabend abend hatten vier der Meister auf der Baustelle bis gegen Mitternacht gearbeitet. Dann hatten sich drei von ihnen zu ihrer Wohnung begeben, während der vierte, Schaufetter, zunächst in einer Wirtschaft in Hausberge eingekehrt war. Als er endlich auch an den Heimweg dachte, merkte er, daß er keinen Schlüssel hatte, also nicht in seine Wohnung gelangen konnte. Da ist der Unglückselige wohl auf den Gedanken gekommen, auf der Baustelle Unterschlupf zu suchen. Er fand ihn in einem Aufbewahrungsraum für Teer, Benzin usw., also lauter feuergefährlichen Sachen. Wie sich das Unglück zugetragen hat, durch Unvorsichtigkeit oder sonstwie, ist noch nicht aufgeklärt. Münster, 6. Okt. Der Paderborner Arzt Arndts der vor kurzem vor dem hiesigen Ehrengerichtshof fünf Schüsse auf das Richterkollegium abfeuerte, und an dessen Zurechnungsfähigkeit man schon damals Zweifel knüpfte, ist nunmehr in die Heilanstalt Marienthal bei Münster zur Untersuchung seines Geisteszustandes übergeführt worden, da er in der Haft jegliche Nahrungsaufnahme verweigerte. Hamm, 6. Okt. Eineschwere Bluttat ereignete sich am Samstag abend in dem Wartesaal 4. Klasse des hiesigen Bahnhofs. Unter zwölf ausländischen Erdarbeitern entstanden Streitigkeiten, die damit endeten, daß einer getötet und mehrere schwer verletzt wurden. Der Getötete hatte nicht weniger als fünfzig Dolchstiche erhalten. Bochum, 6. Okt. Schwierige Löschung. Bisher ist es trotz größter Anstrengungen der vereinigten Feuerwehren nicht möglich gewesen, des Brandes auf der Chemischen Fabrik Weitmar Herr zu werden. Da bei der Eigenart des Feuers mit Wasser nicht viel auszurichten ist, geht man dazu über, Sand aufzuschütten. Die Bureauräume der Fabrik sind ebenfalls zerstört worden. An eine Rettung der Geschäftsbücher, Aktien usw. ist wegen der bestehenden Explosionsgefahr nicht zu denken. Wie es heißt, soll der Brand durch das Überlaufen eines Teerbehälters verursacht worden sein. 8 Duisburg, 6. Okt. Ehedrama. In der vergangenen Nacht überschüttete in Lintfort die Ehefrau des Bergmanns Sima den am Tisch schlafenden Mann mit Petroleum und zündete es an. Sima erlitt derartige Brandwunden, daß er kurze Zeit darauf starb. Die Frau wurde Mörs, 6. Okt. Schurkenstreich. In der Nacht ist in der Nähe der Arbeiterkolonie Merbeck auf ein besetztes Automobil ein verbrecherischer Anschlag verübt worden, indem ein schwerer Baumstamm quer über die Straße gelegt wurde. Der Führer bremste noch rechtzeitig. Eupen, 6. Okt. Schmuggel: In der vergangenen Nacht überraschten belgische Zollbeamte unweit der Grenze wieder einen Kraftwagen mit Spritschmugglern. Seine Insassen entkamen bis auf einen, nachdem sie ihre Ladung ausgegossen hatten. Wiesbaden, 6. Okt. Um 3 Merschossen Heute nachmittag erschoß der Inhaber der Eilbotengesellschaft Blitz, Reinhold Krieger, in seinen Geschäftsräumen nach kurzem Wortwechsel den 21 Jahre alten Radler August Ebel von hier. Die Meinungsverschiedenheit entstand wegen einer Forderung von 3 M, die Ebel, der seine Stellung bei der Gesellschaft vor einigen Tagen aufgab, noch von Krieger beanspruchen zu können glaubte. Krieger hatte das hiesige Geschäft vor einem halben Jahre gekauft. Er entging der Gefahr, von den Freunden und Arbeitskameraden Ebels gelyncht zu werden, nur durch seine Verhaftung. Krieger behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben. Magdeburg, 6. Okt. Böser Verdacht. In der Nacht zum Sonntag verunglückte, wie behauptet wird und schon gemeldet ist, auf der Landstraße bei dem Vorort Westerhüsen ein Kraftwagen, der aber nur unerheblich beschädigt wurde. Der Besitzer, ein Herr aus Magdeburg, und der Lenker blieben unverletzt, während eine in Schönebeck angestellte und von dort mitgenommene Kellnerin ums Leben kam. Soweit die Zeugenaussagen erkennen lassen, ist indessen ein Verbrechen nicht ausgeschlossen. Der Kraftwagenlenker wies eine Stahltrosse vor, die über den Weg gespannt gewesen sein sollte. Zeugen wollen Hilferufe des Mädchens aus dem Auto gehört haben. Anfangs glaubte man, das Mädchen habe einen Schädelbruch erlitten, später ergab sich aber, daß die Leiche Würgmale aufwies. Hamburg, 6. Okt. Die überseeische Auswanderung über Hamburg betrug im September 16 369(gegen 10 284 im Vorjahre). Davon entfielen auf Auswanderer aus dem Deutschen Reich 941(gegen 874 im Vorjahre). Für die ersten neun Monate betrug die Auswanderung 154 246(gegen 94 476) Personen. Tehre Nachrichten. Poincaré in Spanien. Irun, 6. Okt. Präsident Poincaré ist hier einge troffen.— Vor seiner Weiterreise erhielt Poincaré folgendes Telegramm von König Alfons: Im Augenblick Ihrer Ankunft in Spanien beeile ich mich mit wahrer Freude, Sie herzlich willkommen zu heißen und wiederhole Ihnen den Ausdruck der Gefühle aufrichtigster Freundschaft und leb hafter Sympathie für Frankreich, welche glücklicherweise das spanische Volk von ganzem Herzen teilt. Ich hege den aufrichtigen Wunsch, daß die Eindrücke Ihres Aufenthalts unter uns die angenehmsten sein mögen. Poincaré ant wortete: Ich danke Euerer Majestät für die liebenswürdigen Willkommenwünsche. Ich habe bereits beim Betreten Spaniens die Aufrichtigkeit der Gefühle des spanischen Volkes für Frankreich kennen gelernt. Ich bin glücklich, Ihnen meinerseits alle Wünsche meines Landes für Euere Majestät und Ihre edle Nation auszusprechen. Familiendrama. Berlin, 7. Okt. Der 68jährige Kutscher Scharner ließ seine Frau und seine drei Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren Not leiden. Die Frau verließ mit den Kindern das gemeinsame Heim und zog zu ihrem Bruder. Gestern abend erschien Scharner in der Wohnung seiner Frau und wollte sie zur Rückkehr bewegen. Als ihm dies nicht gelang, zog er einen Revolver und rief:„Nun müßt ihr alle dran glauben!“ Die Frau besaß die Geistesgegenwart und fiel ihrem Manne in die Arme, wodurch er am Schießen verhindert wurde, dann rief sie um Hilfe. Als der Täter den Bruder der Frau kommen hörte, richtete er die Waffe gegen sich selbst und erschoß sich. Der Propeller des versunkenen„L. 1“. Geestemünde, 7. Okt. Der Fischdampfer„Resi“. fischte gestern in der Nähe von Helgoland einen Propeller des am 9. September verunglückten Marineluftkreuzers „L. 1“ auf. Untreue. Delitzsch, 7. Okt. Unter Mitnahme von Amtsgeldern ist der Rendant Rudloff von der Stadthauptkasse spurlos verschwunden. Als er gestern früh nicht zum Dienst erschien, wurde eine Revision vorgenommen. Diese ergab, daß 6100 A fehlten. Das Geld kann sich Rudloff nur am Sonnabend in einem unbewachten Augenblick angeeignet haben, da die Kasse bis dahin in Ordnung war. Der Defraudant ist verheiratet. Die Stadtkasse ist durch die von ihm gestellte Kaution gedeckt. Flieger Pegond in Dresden. Dresden, 7. Okt. Die städtische Flugplatzverwaltung hat den französischen Saltomortalflieger Pegoud zu einem Auftreten, seinem ersten in Deutschland, auf dem Dresdener Flugplatz für den 31. Oktober verpflichtet. Tschechische Ausschreitungen. Brünn, 7. Okt. Gegen eine von deutschen Vereinen veranstaltete Feier kam es am Sonntag zu Kundgebungen von Seiten der Tschechen, die sich gestern in verstärktem Maße erneuerten. Am Abend zog eine tausendköpfige Menge gegen den Großen Platz. Die Polizei ging mit blanker Waffe gegen die Manifestanten vor, welche tschechische Nationallieder sangen. In der Rudolfgasse kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen der Polizei und der Menge. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. nichtfehende Hautcrême dem Rasieren eine Nohltes. Jube 20.60 100 ir eller Agptieher Moehenmarkt bericht. erford, den 7. Oktober 1913. Bekanntmachung. Zur Feststellung des Personenstandes behafs Aufstellung der Steuerlisten für 1914 wird in den nächsten Tagen jedem Hauseigentümer oder Verwalter eines bewohnten Hauses ein Formular zur Ausfüllung zugestellt werden. Die sorgfältige und genaue Eintragung der Personen hat nach dem Stande vom 16. Ottover ds. Is. zu erfolgen und es wird drivgend ersucht, das ausgefüllte Formular zur Abholung bereit zu halten. Nach§ 23 des Einkommensteuergesetzes in der F ssung der Bekanntmachuag vom 19. Juni 1906 bezw. des Gesetzes vom 18. Juni 1907 ist jeder Besitzer eines bewohnten Grundstücks oder dessen Stellvertreter, bezw. jeder Haushaltsvorstand für die richtige Ausfüllung des Verzeichnisses verantwoitlich. Unterlassungen oder unrichtige Angaben sind mit Geldstrafe bis zu 300 Mk. bedroht Gleichzeitig wird im eigenen Interesse der betr. Steuerpflichtigen darauf aufmerksam gemacht, daß es sich zum Zwecke einer richtigen Gemeindest= uerveranlagung empfiehlt, die Spalten 9 und 10 der Hausliste genau auszufüllen. alles übrige ist aus den auf den ausgegebenen Formulaten vorgedruckten Erläuterungen ersichtlich. Herford, den 7. Oktober 1913. Der Magistrat. Wochen- Spielplan des Stadttheaters Bielefeld. Mittwoch, den 8. Oktober 1913: Ausser Abonnement Liederabend von Lisa und Sven Scholander aus Stockholm Anfang 8 Uhr. Operettenpreise. Ende gegen 10 Uhr. Donnerstag, den 9. Oktober 1913: Der lachende Ehemann Operette in 3 Akten von Julius Brammer u. Alfr. Grünwald. Sonnabend, den 11. Oktober 1913 unbestimmt. Bestellungen auf Eintrittskarten werden für Herford bei Herrn Zintl(Kurfürstenstrasse) angenommen. Bekanntmacbung. Das Haus Bünderstraße 7 in Herford(Gastwirtschaft Feld) soll am Montag, d 13 Okt. d. J. vormittags 10 Uhr öffentlich meistbietend an Ort und Stelle auf Abbruch verkauft werden. Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegebeu. Herford, den 6 Oktober 1918. Kol Eisenbahn-Bausbtellung. Abgeschlossene 2. Etage (4 Zimmer, Küche, Badestube, Mädchenkammer) umständehalber per sofort oder später zu vermieten. J. Tscheche, Lübberstr. 30. Zwangsverkaus. Mittwoch, den 8. Okt. er., nachmittags 2½ Uhr werde ich im Auktionslokale beim Wirt Meyer in Oetinghausen 1 Kaftenwagen u. 1 Oferd (7 bis 8 jähr. braune Stute) öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Fullgrabe. Gerichtsvollzieder in Herford, Bielefelderstraße 48. Freivank. Morgen früh 8 Uhr: Schweinefleisch. Wir bieten strebsamen Herren jeden Standes an allen Orten durch die Uebernahme und Verwaltung e. Anzahl von Verkaufsstellen, die wir durch uniere Reisenden auf unsere Kosten für Ia. Konsumartikel dort vorhandenen Geschäften Übertragen. eine wirklich gute Serstenz. Eigene Verkaufstätigkeit und Aufgabe der sonstigen Beschäftigungen nicht erforderlich. Die Tätigkeit besteht in Inkasso der Einnahmen und Komplettieren dei Lagerbestände. Herren, die sich persönlich mit uns in Verbindung setzen können und über hare Betriebsmittel von 1000 Mark und mehr verfügen, wollen uns ausführliche Angeb machen. Rifiko ausgeschlossen, da wir vertraglich ein Einkommen von 2000—5000 Maik garantieren. 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Der Bericht des Magistrats zu Herford über die Verwaltung und den Stand der Gemeinde=Angelegenheiten in der Zeit vom 1. April 1912 bis 31. März 1913 ist erschienen. Das Berichtsjahr ist das zweite Jahr als eigener Stadtkreis. Der Abschluß der Kämmereikasse hat sich im Berichtsjahr noch günstiger gestaltet, als im Vorjahr. Er ergab einen überschuß von rund 40 000 M gegen 15 000 M des Vorjahres. Die Zahl der Buchungen betrug im Jahre 1912 im ganzen 90 876, im Vorjahr 84 325 und 1902 65 550. Der buchmäßige Geldumsatz stellte sich nach den Kassenbüchern im Jahre 1912 auf 24 452 478,95 M, im Vorjahr auf 20 244 638,12 M und 1902 auf 12 005 993,70 M. Die Hebebücher und Hebelisten über Steuern und andere Hebungen weisen nach 1912 58 083 Zahlungspflichtige und eine Isteinnahme von 2021 116,18 M gegen 54 763 Zahlungspflichtige und eine Isteinnahme von 1 854 199,64 M im Vorjahr. Neuaufnahmen von Darlehn sind in der Berichtsperiode nicht erfolgt. Das Vermögen der Stadt stellt sich nach dem Bestand an Gebäuden und bebauten Grundstücken auf zusammen 3 100 550 M, nach dem Bestand an Liegenschaften auf 1 521 028 M, nach dem Werte der Betriebswerte auf 1691149 M, nach dem Werte des Forstbestandes auf 102 150 M und nach den Kapitalien und Berechtigungen auf 1 287 742 M, also auf zusammen 7702619 M. Der Schuldenstand am 31. März 1913 ergibt sich aus folgendem: 1. Bestand am 1.Apr. 1912(Vorber. S.47) 6 370 644,84 M 2. Von der 1910er Inhaber=Anleihe begebener Restbetrag 347000,84 M4 82 884,69 M = 6 717 644,84 M4 3. Abgetragen wurde lt. den Tilgungsplänen Bleibt buchmäßiger Schuldenbestand am 31. März 1913= 6 634 760,15 Im Schulden=Tilgungsstock befinden sich: a) zur außerordentlichen Tilgung der Inhaber=Anleihe 1897=—.— M d) zur desgl. der Inhaber=Anl. 1904= 134 757,97 M c) zur Tilgung der Inhaber=Anleihe 1910= 170 687,40 zusammen 305 445,37 M Sodaß die wirklichen Schulden Ende 1912 betragen 6 329 314,78 Das Vermögen beträgt= 7 702 619,— M Mithin Reinvermögen= 1 373 304,22 M Zur Einkommensteuer mit einem Einkommen von weniger als 3000 M waren veranlagt 1911 10 309 Perfonen, 1912 10 452 und 1913 11 089 Personen. Zu den höheren Stufen waren veranlagt 715 Personen im Jahre 1911, 760 Personen 1912 und 797 Personen im Jahre 1913. Nur in der Einkommenstufe von 11 500 M bis 12 500 A finden wir 1913 noch mehr als ein Dutzend Personen(16). In der folgenden Stufe sinkt die Personenziffer schon auf 11. Die Einkommenstufe von 22 500 bis 23 500 M zählt nur noch 5 Steuerpflichtige, und bei der Einkommenstufe von 82.000 bis 84000 M, in der wir 1911 noch 2 und 1912 noch 1 Steuerpflichtigen zählten, hören jetzt die steuerpflichtigen Personen bei uns auf. In den Jahren 1911 und 1912 hatten wir sogar noch einen Steuerzahler, der ein Einkommen von 170 000 bis 175 000 Mark hatte; er ist auch nicht mehr vorhanden. Nichtphysische Personen waren veranlagt 1911: 6 mit einem Steuersoll von 10 494 M 1912: 8 mit einem Steuersoll von 12 224 M 1913: 8 mit einem Steuersoll von 16 290 M Zur Staats= und Gemeindesteuer waren für das Steuerjahr 1913 insgesamt 11 936 Personen gegen 11 212 im Jahre 1912 veranlagt; bei Ansatz des Durchschnitts=Einkommens jeder Stufe ergibt sich ein Gesamteinkommen von 17·824 495 M, gegen 16 611 435 M im Vorjahre. Auf den Kopf der Bevölkerung kam ein Einkommensbetrag: 1911= 489,17 M 1912= 504,55 M 1913= 530,98 M Zur Staatssteuer waren veranlagt: 1911= 5528 Censiten= 17,70% der Gesamtbevölkerung 1912= 6009 Censiten= 18,22% der Gesamtbevölkerung 1913= 6732 Censiten= 20,05% der Gesamtbevölkerung. Zur Staats= und Gemeindesteuer waren veranlagt: 1911= 11023 Personen= 34,04% der Gesamtbevölkerung 1912= 11212 Personen= 34,00% der Gesamtbevölkerung 1913= 11886 Personen= 35,41% der Gesamtbevölkerung Das Veranlagungssoll der Ergänzungssteuer betrug: 1911= 39070,— M 1912= 36 779,— M 1913= 35 640,40 M Die Gewerbesteuer=Klassen waren, wie folgt, vertreten: Klasse I hatte 21 Steuerpflichtige, Klasse II 25, Klasse III 146 und Klasse IV 554 Steuerpflichtige Wie im Vorjahre wurden an direkten Steuern erhoben: 270% der Grund=, Gebäude= und Gewerbesteuern, 220% der Staatseinkommensteuer, 170% der Betriebssteuer und 200% von den fingierten Steuersätzen. Der wirkliche Ertrag war 921 747,82 M(1911= 901 955,21 M). Hierzu zahlten im Voranschlagsjahr 1912 die Staatsbahn 34 588 M und die Forensen 56 685 M. Der Erlaß einer Gewerbesteuerordnung für die Stadtgemeinde Herford wurde unterm 16. 1., 4. 9. 1912 beschlossen und fand die Genehmigung des Bezirksausschusses und des Oberpräsidenten. Bei den indirekten Steuern brachte die Umsatzsteuer eine Isteinanhme von 23 567,60 M. Die Zahl der veräußerten Grundstücke betrug im ganzen 219; von ihnen waren 130 unbebaut und der Rest bebaut. Von dem der Gemeinde gesetzlich zustehenden Anteile von 40% der Reichszuwachssteuer werden nebenher vom 7. November 1912 ab nach der Steuerordnung vom 4. Juni/6. August 1912 Zuschläge in Höhe von 100% erhoben. Bis zum Schlusse des Berichtsjahres kam dieser Zuschlag nur in bisher 7 Fällen mit 527 M zur Veranlagung. Zur Hundesteuer wurden 732 Zahlungspflichtige mit 10 432 A herangezogen. Der Haushaltsplan sah 11 400 A vor Zur Konzessionssteuer waren 7 Gast= und Schenkwirtschaften, denen Konzessionen erteilt waren, veranlagt worden; sie brachte einen Gesamtertrag von 2975 M. (Fortsetzung folgt.) Aus der Provinz und den Nachbarländern. Hagedorn bei Kirchlengern, 5. Okt. Denkmalseinweihung. Gelegentlich der Erinnerungsfeier am 18. Oktober wird das unter der sachkundigen Leitung unsers allbeliebten Pfarrers Uppenbrock von den Eingesessenen aus großen Kieselingen der Gemeinden Häver und Quernheim errichtete imposante Denkmal eingeweiht werden unter gleichzeitiger Pflanzung einer Erinnerungseiche. Alle Eingesessenen, Vereine und insonderheit die Schulen und die Jugend werden sich an der festl. Veranstaltung beteiligen. Bünde, 4. Okt. Die Standartenweihe des Kavallerievereins und der Fahne des Vereins ehemaliger Artilleristen zu Bünde wird Graf Haeseler am Sonntag, den 12. Oktober, auf dem Marktplatz vollziehen. Der General=Feldmarschall wird während seines hiesigen Aufenthalts in einem Privathause Wohnung nehmen. Nachdem der Festzug im Stadtgarten eingetroffen sein wird, findet vor Seiner Exzellenz ein Appell aller Veteranen der Vereine und der ehemaligen Angehörigen des 16. Armeekorps (Metz), die unter Seiner Exzellenz gedient haben, statt. Zwei Herolde, die sagenhaften Helden,„Hengist und Horsa“, Bünde's Wappenzier, werden dem Festzuge voranreiten und einen Festgruß an Seine Exzellenz und die erschienenen Vereine richten. Salzuflen, 5. Okt. Der hiesige Bezirksverein des Deutschen Werkmeisterverbandes feierte gestern sein 25jähriges Stiftungsfest. An dem Festmahl im prächtig dekorierten Kurhaussaal nahmen 130 Personen teil. Nach dem vom Herrn Fabrikanten König ausgebrachten Toast auf den Kaiser und den Fürsten, begrüßte der Vorsitzende, Herr Werkmeister Völlger die Gäste und brachte ein Telegramm zur Verlesung, in welchem das am Erscheinen verhinderte Ehrenmitglied Leberecht Hoffmann dem Verein herzliche Glückwünsche aussprach. Den Damen= toast brachte in packender Weise Herr Hörmann aus. derrn Dobertins Trinkspruch, der sich über Zwecke und iele des Verbandes verbreitete, galt dem hiesigen Bezirksverein, dessen Entwicklung Herr Völlger schilderte, dabei den Gründern die vom Verbande gestiftete Ehrenurkunde überreichend. Es sind dies die Herren: Hermann Belitz, Nanno König, Georg Möller, Karl Schneider, Heinrich Vogeler, Ludwig Döhring, Ernst Peine, Josef Jünnemann, August Frigge und Krahl. Schötmar, 4. Okt. In der Sitzung der Gemeinde Vertretung wurde Herrn Fbrkt. K. Funke, der für die Gemeindejagd das Höchstgebot mit 210 M abgegeben hat der Zuschlag erteilt.— Zur Kenntnis wurde gebracht, daß Dipl.=Ingenieur Dr. Humann=Hannover mit seiner Klage gegen die Dorfschaft abgewiesen fei. Humann hatte für die Gemeinde=Vertretung ein Elektrizitäts=Projekt ausgearbeitet, ohne dazu aufgefordert zu sein. Hierfür verlangte er 100 M.— Fabrikant Detert, Gemeinde=Vertreter der I. Klasse, hat sein Amt niedergelegt. Vorsteher Quest sprach Herrn Detert für seine Tätigkeit Dank aus. — Da mittags 2 Güterzüge den hiesigen Bahnhof passieren, wodurch die Schranken bei dem Übergang für längere Zeit geschlossen, die um diese Zeit von den Arbeitsstätten kommenden Arbeiter sehr in ihrer Mittagspause beschränkt werden, wurde beschlossen, die Eisenbahndirektion um Abhilfe zu bitten. Schötmar, 5. Okt. Grundstückswechsel. Kaufmann Jean Wouters hierselbst kaufte an der Lage'schen Straße eine Villa von Herrn Maurermeister Fritz Grefe. Als Kaufpreis werden 15000 M genannt. Bielefeld, 4. Okt. Strafkammer. Der 18jährige Handlungsgehilfe Max Hkl. von Herford hatte sich wegen Urkundenfälschung und Logisschwindels zu verantworten. Der junge Mensch war als Versicherungsagent tätig gewesen. Er fertigte sich eine Bescheinigung an, nach der er von der Generalagentur noch die Summe von 164 M zu fordern hatte. Mit diesem gefälschtem Schriftstück gelang es ihm, ein Darlehen von 90 M zu erschwindeln. Auf ähnliche Weise hat er seine Kostgeberin in Herford um 45 A betrogen. Er wurde zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.— Als ein sehr aufgeregter Mensch zeigte sich der Tischler Friedrich St. von Vlotho. Er schlug mit den Fäusten auf die Brüstung der Anklagebank und beschimpfte die Zeugen. Der Gerichtshof nahm ihn deshalb wegen Ungebühr in eine sofort zu vollstreckende Haftstrafe. Der wiederholt wegen Gewalttätigkeiten vorbestrafte Angeklagte wohnte im Frühjahr bei dem Heuerling Heithölter auf dem Sonntagschen Kolonate zu Laar. Am 2. Juni kam er auf den Hof und fing mit dem Verwalter Streit an, zog das Messer und stieß gefährliche Drohungen aus. Das Schöffengericht in Herford hatte ihn zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Auf die eingelegte Berufung wurde heute die Strafe auf 2 Mon. ermäßigt. Detmold, 5. Okt. Generalfeldmarschall Graf Haeseler wird, wie verlautet, am 13. Oktober zum Besuche seines langjährigen Adjutanten, des Obersten August Cäsar, in Detmold eintreffen. Bochum, 6. Okt. Eine Feuersbrunst wütete heute in der chemischen Fabrik Weitmar G. m. b. H. Der Brand brach um 5 Uhr auf unaufgeklärte Weise aus und wurde durch die Explosion eines Teerkessels auf die gesamten Fabrikanlagen, zwei benachbarte Wohnhäuser und den Hof des Landwirts Kapelle übertragen. Durch Funkenschlag und die gewaltige Hitze gerieten auf dem Bahnhof Weitmar mehrere Eisenbahnwagen in Flammen. Die Wohnhäuser und das Bauerngehöft sind bis auf den Grund niedergebrannt. Die Bewohner konnten das nackte Leben retten. Der Konsum=Verein Herford u. Umgegend beendete am 80. September sein 10. Geschäftsjahr. Der Umsatz betrug 1266 500.— Mk. Das bedeutet ein Mehr gegen das Vorjahr von 261 700.— Mk. In der Bäckerei des Konsum=Vereins wurden für Mk. 384 884,— Backwaren hergestellt, wiederum ein Mehr gegen das Vorjahr von 20 100.— Mk. In die Sparkasse waren bis zum 30. September Mk. 154500,— eingezahlt und haben sich die Spareinlagen gegen das Vorjahr um 48500.— Mk. vermehrt. An neuen Mitgliedern wurden im Berichtsjahre 478 Personen ausgenommen und waren am 30. September nach Abzug der Ausscheidenden 4835 Mitglieder vorhanden. Aus dem Sterbeunterstützungsfonds wurden Mk. 1885— ausgezahlt: In der Schrotmühle, die seit dem 4. September in Betrieb gesetzt ist, wurden bis zum 30. September 2200 Zentner Gerstenschrot hergestellt und hat auch dieser Produktionszweig bei den Mitgliedern gute Aufnahme gefunden, indem sich sämtliche, die den Schrot bezogen haben, von der Güte und Reinheit des hergestellten Gerstenschrotes überzeugen konnten. □161—5 RAOA 2“ GRORG A. JASMATZ“ AKTGES ORESDEN* Ocösers oobfecee Operstterfobrte Träumende Menschen. Roman von Dora Duncker. 13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten:) Das Gespräch war ihm ungemein peinlich. Helene deutcte seine wachsende Verlegenheit falsch. Denn plötzlich sagte sie abgebrochen, ohne daß eine Bemerkung Rolfs auch nur den geringsten Anlaß dazu gegeben hätte: „Sie empfinden gewiß richtig, Herr Köhne, und Fräulein Heine ist ein wertvolles Mädchen, vom Schlag der Starken, Tüchtigen, wie er jetzt mehr und mehr gedeiht, zum Heil für die Allgemeinheit und den einzelnen, besonders für den Mann. Wir Luxusfrauen werden mehr und mehr absterben. Wir taugen nicht mehr für die Anforderungen der neuen Zeit.“ Rolf wollte etwas erwidern, eine durchaus gegenteilige Ansicht entwickeln, aber sie war schon aufgestanden und zu den Kindern hinuntergegangen, deren frische Stimmen man jetzt ganz in der Nähe hörte. Eine quälende Vorstellung bemächtigte sich des Zurückgebliebenen: Er sah Helene für Lotte Heine bei ihm bitten. Er sah sie die Alltagsmisere, die zwischen ihm und dem Mädchen lag, beiseite schieben. War Helene nicht reich und folglich allmächtig? Er sah, wie sie ihnen den Weg zu einer auskömmlichen Existenz ebnete. Sie paßten ja so vortrefflich zusammen. Sie, die Volksschullehrerin, und er, der Erzieher ihres Sohnes! Und beiden glaubte sie Dank zu schulden. Dank! Wie er das Wort schon haßte! Es überlief ihn eiskalt in der heißen Sommerluft.—— In Reichenhall nahm das Leben der drei bald einen sehr ruhigen, durch die Kuren des Jungen regelmäßig vorgeschriebenen Gang an. Helene überließ Hans Herrn Köhne ohne jede Einschränkung. Nachdem er den Jungen durch zwei Monate vollkommen selbständig geleitet, hätte er eine Einmischung ihrerseits leicht für ein Mißtrauensvotum ansehen mögen. Auch fand Helene nicht den geringsten Grund zu veränderten Maßnahmen einer Lebensweise, die diese beiden nun auch in Reichenhall schon seit Wochen geführt hatten, die dem Jungen so trefflich anschlug und den Beifall der Aerzte hatte. Daß nicht alles so war, als ihr lieb sein konnte, daß sie im Grunde doch enttäuscht war, so wenig von Rolfs Gesellschaft zu haben, wollte sie sich nicht eingestehen. Durch einen Zufall waren seine Briefe in der großen, verschließbaren Schreibmappe liegengeblieben, die Helene nicht nur in Klein=Wlossow und Berlin benutzte, die sie auch auf all ihren Reisen begleitete, und die ständig alle ihre notwendigen, auch geschäftlichen Papiere enthielt. Als Helene die Mappe eines Morgens öffnete, während Hans im Bade war, hatte sie Rolfs Briefe aus Meran und Reichenhall in einer Seitentasche gefunden. Sie las einen nach dem anderen langsam, nachdenklich. Wie anders hatte er zu ihr gesprochen durch die große Entfernung hin. Wie viel wärmer war sein Ton, wie viel reicher, persönlicher waren seine Mitteilungen gewesen! Wie viel näher war er ihr durch diese Briefe gekommen, als jetzt, da sie sich täglich durch viele Stunden, wenn auch selten allein sahen! Sie standen ja doch auf neutralem Boden, Mensch zu Mensch! Losgelöst von aller Konvenienz der Heimat. Oder war dies gesegnete Bergland doch nicht das Nirgendwo, das dieser seltsam verschlossene Mensch brauchte, um seine Seele zu öffnen, in schöner Freiheit all den Reichtum zu entfalten, den er in sich trug? Lag die Schuld an ihr? Trug ihr Wesen unbewußt irgend etwas zur Schau, das das Leben ihr zur Gewohnheit gemacht hatte, das ihn zurückschreckte, verschlossen machte? Waren die Briefe, die sie Rolf aus Klein=Wlossow geschrieben hatte, gleichfalls wärmer, persönlicher, mitteilsamer gewesen, als sie sich jetzt im täglichen Beisammensein zu geben verstand? Helene seufzte ein wenig beklommen. Weshalb war das Leben so kompliziert, so wenig einfach? Weshalb nahmen die Menschen, die sich gern hatten, sich nicht einfach bei der Hand und sagten einander:„Laß uns Freunde sein, allen zum Trotz!“. Was hatten soziale Verhältnisse, was hatten arm und reich, was hatten alle diese außerlichen Unterschiede im Grunde mit dem einzigen zu tun, das ihrer Anschauung nach das Leben lebenswert machte, mit dem innigen Verstehen von Mensch zu Menschen, das sie lebenslang gesucht und niemals gefunden hatte!? Zwischen Rolfs Briefen lagen die Blätter, die kleinen Skizzen, die er für sie gezeichnet und gemalt hatte. Solange sie in Reichenhall war, hatte er weder Stift noch Pinsel angerührt. Mitten zwischen den Blättern lag der „Tannensteg“, den sie heimlich aus Hans' Mappe genommen hatte. Sie wurde ein wenig rot. Wie peinlich, wenn Köhne das Blatt vermißt hätte, wenn Hans auf den Gedanken gekommen wäre, daß es in ihren Händen geblieben sei!— Helene hatte ihre Zimmer, Schlafzimmer, Salon und eine schöne Veranda mit dem Blick auf den Stauffen und den Zwiesel, im Parterre. Im ersten Stock, wo der Junge mit Herrn Köhne logierte, war kein Platz mehr gewesen. Helene hatte mit ihrer Mappe auf der Veranda gesessen, von der ein paar Stufen direkt in den Garten führten, als sie Schritte auf dem Kiesweg unter sich hörte. Es war Hans, der eilig herbeigelaufen kam. Köhne schritt langsam, zögernd hinter ihm her. Er hatte Frau von Lersch' Veranda noch kein einziges Mal betreten. Hans hielt einen Strauß Zyklamen mit feinfiedrigen Farren zusammengebunden in der Hand. „Von Elsie, Muttel. Oben im Alpgarten gepflückt. Und Frau von Kappwoldt läßt dich grüßen, und ob wir heute nachmittag nicht zusammen einen Wagen zum Thumsee nehmen wollten? Nur daß Frau Nelbe nichts davon erfährt, Mutti! Sie hat Heern Köhne an der Saline schon wieder ausgehorcht, was wir nachmittags anfingen. Und ihr schwarzer Pudel mußte Herrn Köhne fortwahrend schöntun und ihm im Maul eine Rose bringen. Ich habe sie aber unterwegs ins Wasser geworfen.“ „Wie unartig, Hans!“ „Aber gar nicht, Mutti. Was hat die alte Schachtel immerzu bei uns rumzuschnüfseln! Alle Tage lädt sie Herrn Köhne zu Kaffee und Zigaretten in ihren Salon ein! Frau Prasident macht nie sowas.“ Rolf und Lena mußten hell auflachen, ob sie wollten oder nicht. Die Empörung des Jungen war zu drollig. Rolf stand noch immer unterhalb der Veranda auf dem Gartenweg. „Aber, so kommen Sie doch herauf, Herr Köhne. Wir wollten Mutti doch endlich das Blatt mit den Glyzynien zeigen, das Sie in Meran zuletzt gemacht haben. Alle Tage wollten wir das tun. Ich weiß, es steckt in Ihrer Brieftasche. Geben Sie es nur endlich her!“ „Bitte, Herr Köhne. Ich habe so lange nichts von Ihnen gesehen.“ Rolf nahm das Blatt heraus. Es war ein schmaler Streif. Auf weißem Grunde zog sich ein zartes Gewinde blaßlila Glyzinientrauben. „Ist das nicht reizend, Mutti?“ rief Hans, der zwischen den beiden über den Tisch lehnte. „Ich habe eine eigene Idee damit,“ sagte Köhne. „Wenn es nicht unbescheiden ist, möchte ich sie Ihnen erzählen, gnädige Frau.“ Drüben auf dem Wiesenhang, der den Garten gegen den Wald abschloß, stand Elsie und winkte mit dem Taschentuch. „Darf ich hinüber?“ fragte Hans. Kaum, daß Helene ja gesagt, war er davongeflogen wie ein Pfeil. „Wollen Sie sich nicht setzen, Herr Köhne?“ Rolf nahm auf dem Korbstuhl Helene gegenüber Platz. Helene hielt das Blatt in der Hand. „Es erinnert mich an die kleine Gartenstudie mit dem schmiedeeisernen Gittertor.“ „Es ist ein Motiv aus demselben Garten. Sie werden bemerken, keine eigentliche Blumenstudie.“ Helene nickte.„Es liegt etwas Stilisiertes darin," meinte sie ein wenig enttäuscht. Rolf lächelte. „Gerade das wollte ich. Ich dachte nämlich, ob diese Anwendung der Glyzinien auf dem glatten weißen Grund nicht am Ende ein verwendbares Motiv für einen Wandbehang abgäbe? Weißer Seidengrund mit blaßlila Farbentönen.“ Helene lächelte ein wenig zerstreut.„Wahrhaftig, sehr hübsch und originell und, wie ich glaube, nicht einmal besonders kostspielig in der Herstellung. Dann ließ sie das Blatt fallen und sagte ärgerlich: „Wie kommen Sie nur darauf? Für so etwas ist Ihre Kunst doch wahrhaftig zu schade!“ Und wollte sich's nicht eingestehen, daß sie einmal selbst bei einem Blatt von ihm daran gedacht, wie schön es in praktischer Verwendung sich ausnehmen müsse! Er lächelte ein klein wenig sarkastisch. —.„Das sollten gerade Sie nicht sagen, gnädige Frau. Sie, die Sie das Urteil Müllers über mich kennen.“ Damals auf dem Tannensteg hatte er zu ihr davon gesprochen. Unwilliger noch als damals schüttelte sie den Kopf. „Ich habe doch meine eigenen Augen und brauche Müllers Urteil nicht, das, wie jeder weiß, immer befangen ist, wenn es sich um eine neue Erscheinung handelt. Man braucht nur Ihre kleinen Skizzen anzusehen, sie sind echte Kunst.“ „Und braucht die Industrie, auf dem Standpunkt, auf dem sie heut steht, nicht die Mitarbeit der echten Kunst? Wer nicht das Zeug dazu hat, ein Künstler im großen zu werden, weshalb soll er mit seiner— sagen wir Kleinkunst— nicht die Industrie unterstützen? Besonders, wenn es ihm“— er fügte es halblaut in sehr warmem Ton hinzu—„eine besondere Freude ist.“ Rolf hatte sich im eifrigen Sprechen, hingerissen von einem Gegenstand, den er schon längst gern zur Sprache gebracht hätte, ein wenig über den Tisch zu Helene hinübergebeugt. Unten über den Kiesweg kamen Tritte, leise, vorsichtig. Eine eingeschnürte, gesucht jugendlich gekleidete, korpulente Figur. Ein moderner Strohhut mit wippenden Federn und üppigem Rosenflor auf strohblondem Haar. Eine langstielige Schildpattlorgnette vor impertinent suchenden, kurzsichtigen Augen. Rolf, der mit dem Rücken zum Garten saß, hatte nichts von der katzenartig vorüberschleichenden Nelbe bemerkt. Nur Helene hatte, ohne daß es zu einem Gruß zwischen den Frauen gekommen war, den hämischen Blick der alternden Kokette aufgefangen. Rolf sprach fort, ohne zu gewahren, daß der Schatten eines Unbehagens über Helenens Antlitz geflogen war. ..„Wenn Sie mich ein bißchen einweihen wollten in die Geheimnisse Ihrer Fabrikation, vielleicht daß ich doch dann und wann eine Idee beisteuern könnte. Es wäre mir eine große Freude. Ich habe eine ganze Menge Entwürfe im Kopf. Es wäre doch so etwas wie ein kleiner Dank.“ Er hatte das letzte kaum hörbar gesprochen. Sie freute und wunderte sich zugleich über seinen Eifer, über diese rasche, zupackende Art, die sie noch nie an ihm bemerkt hatte. Er las in ihrem ausdrucksvollen Gesicht. „Sie wundern sich über den Traumulus, gnädige Frau? Ich bin gar nicht solch ein Hans=Guck=in=die=Luft, solch schlapper Idealist, wie Sie wohl annehmen und die meisten Menschen mich beurteilen. Sie haben ja auch recht, die Menschen, nach dem, was sie von mir sehen.“ Helene wollte einen Einwand zu seinen Gunsten machen. Rolf schüttelte lebhaft abwehrend den Kopf. „Sie werden das süße tar niente in Ihrem Hause nicht als ernsthafte Arbeit bewerten, danach mich messen wollen, gnädige Frau! Hab' ich mir des Jungen Herz gewonnen und damit die Autorität über ihn, so ist das Glückssache. Nehme ich Ihnen für den Augenblick damit eine Last von den Schultern, so ist sie es doppelt. Aber Mannesarbeit ist es nicht. Sie kennen meinen Lebensgang. Hätte ich festhalten, fortschreiten können, da, wo es um meine Ueberzeugung ging, es wäre nicht solch ein Halber aus mir geworden.“ „Denken Sie an das Studium oder an die Kunst, Herr Köhne?“ „Mehr an das Studium, und auch an das eigentlich nur als Mittel zum Zweck. Die Kunst! Mehr und mehr sehe ich ein, sie ist mir doch wohl mehr eine unglückliche Geliebte, denn eine gewährende. Hätte ich das Studium vollenden können, wie gesagt, nicht einmal ein rein wissenschaftlicher Beruf hätte mir vorgeschwebt. Wohl aber die wünschenswerte abgeschlossene akademische Bildung, wie sie für ein Verlagsgeschäft, wie das meines Vaters, wenn auch nicht gerade vonnöten, so doch erstrebenswert gewesen wäre. Wäre das Geschäft noch zu retten, wieder auf die Höhe zu bringen gewesen, auf der es einstmals gestanden, mit Freuden hätte ich mich ihm ganz geweiht. Ein kaufmännischer Beruf, ganz gewiß, aber wenn ich so sagen darf, ein Handelsgeschäft mit edler Ware, bei der Schönheit und Kunst ein gewichtiges Wort mitzureden haben— wie bei Ihrem Geschäft, gnadige Frau.“ Helene sah ihn betroffen an. Sie hatte daran nie gedacht. Die Fabrik war ihr stets als ein unleidlich trockenes Ding erschienen, bei dem nur Zahlen und abermals Zahlen die entscheidende Rolle spielten. Sie sagte ihm das. Er schüttelte den Kopf. „Ich glaube doch nicht. Oft, wenn ich schöne dekorative Stoffe, geschmackvolle Wandbehänge sehe, denke ich mir, daß ein Künstler sie ersonnen haben könnte, und wieder, wenn sie geschmacklos, häßlich, roh in Zeichnung oder Farbe sind: wie schade, daß da kein Künstler mitempfunden, mitgeschaffen hat.“ Helene war sehr nachdenklich geworden. Weshalb hatte Bogislaw niemals so zu ihr gesprochen? Weshalb hatte es nie jemand verstanden, sie, die ein Kind fast, in all diese Dinge hineingekommen war, dieselben im rechten Licht sehen zu lassen? Sie von der Oberfläche fort in ihren eigentlichen Gehalt einzuführen? Einzig Loewengard hatte es, in früheren Jahren wenigstens, versucht, dann und wann ihr Interesse für die Fabrikation und den Betrieb zu wecken. Er aber hatte es aus keinem anderen Grunde getan, als weil er mußte, weil sie am Ende die Herrin war, der er Rechenschaft abzulegen hatte, deren Meinung, wenigstens der Form nach, einzuholen war. Rolf wußte nicht recht, was er aus ihrer schweren Nachdenklichkeit machen sollte. Um das Schweigen zu brechen, sagte er mit einem schwachen Versuch zum Scherz: „Ich habe Sie enttäuscht, gnädige Frau. Sie haben mich für einen Idealisten reinsten Wassers angesehen, und jetzt habe ich mich als schnöder Realist entpuppt, der praktischen Berufen das Wort redet.“ Sie sah zu ihm hin, wie eine aus verträumtem Schlaf langsam zum Leben Erwachende. Langsam schüttelte sie das Haupt mit den braunblonden lockigen Haaren, daß die Funken, die die Sonne darüber hinwarf, wie Gold aufleuchteten. „Nein,“ sagte sie,„nein.“ Sie wollte noch etwas hinzufügen, als vom Eßsaal her der Gong tönte, der zu Tische rief. Hans und Elsie kamen Hand in Hand den Rasenhang herabgestürmt. „Mutti,“ rief Hans kläglich,„ich habe Grasflecke in den neuen weißen Anzug gekriegt. Und außer Atem gelaufen habe ich mich auch. Bist du böse, Mutti?“ Aber Lena hörte gar nicht, was ihr Junge sprach. Ihre Augen gingen nachdenklich in die Weite. 13. Kapitel. Der Oberstleutnant von Wulfen stand am Parterrefenster seines Arbeitszimmers und sah mit ernsten und besorgten Blicken dem jungen Offizier nach, der eben das Haus verlassen hatte und drüben über den Straßendamm schritt. .. Ein Jammer war es um den jungen, prächtigen, rischen Menschen, den tüchtigen Offizier, der immer sein besonderer Liebling gewesen war. Wulfen seufzte gepreßt auf. Er hatte getan, was er konnte, ja mehr als das. Er hatte ihn gewarnt, und der junge Offizier wußte, was diese Warnung zu bedeuten hatte. Ließ er sich noch einmal hinreißen zu spielen, war es um ihn geschehen, mußte er den Dienst quittieren, des Königs Rock ausziehen. —. Mit langen Schritten durchmaß Wulfen das Zimmer. Wieder einmal bäumte es sich in dem freidenkenden, großzügigen Mann auf gegen den für notwendig erachteten äußeren Glanz des Militarismus. Wenn der Offizier das gute Recht des rechtschaffenen Bürgers hätte, aufzutreten nach seinen Verhältnissen, es würde weniger gescheiterte und verschuldete Existenzen, weniger ungleiche und folgerichtig unglückliche Ehen, weniger Sribstmorde in der Armee geben. Er fuhr sich mit der langen, schmalen Hand über die Scar Wichg eln kurzgeschnittene, schwarze mehr davon. Wozu sich aufbäumen gegen Unavanderliches: Wenn es ihm gelänge, den jungen Menschen zu retten, der soeben von ihm gegangen war, durfte er schon zufrieden sein. Wulfen setzte sich verdrossen an seinen Arbeitstisch. Seine glänzende Karriere freute ihn nicht mehr, sobald er auf die vielen sah, die vor und hinter ihm stürzten. „.„ Ein rascher, frischer, fröhlicher Krieg! Wenn man den so von heute bis morgen bei der Hand haben könnte! zür Prachifterse Leigen, seine Offizlere, was sie im Grunde für jeden der„io lange, faule Frieden war der — seven, vei em echtes Soldatenherz im Leibe er seinen Regimentskommandeur so in Gedanken zurückgelassen hatte, schritt Edgar von sch üher die Glienicker Brücke das Havelufer entlang. Es war sehr einsam hier um diese Stunde. Er brauchte iele Einsamkeit, um sich zu sammeln nach dem, was hinter Es war ein ganz privates, ein freundschaftliches Gehrn aenug geiagge“ aber es istertesena foc)