Das„Hersorder Kreisblatt“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Vierteljährlicher un voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch nie auswärtigen Betriebestellen bezogen 1 M. 65 Pf. Bei Selbstabholung aus der Geschäftsstelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 50 Pf. Herforder Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pf. auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Petit zetle berechnet. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabat und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht unerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Ferd. Etzmann in Herford. Für den übrigen Teil: Fritz Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Verlag von Fritz Heidemann in Herford Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Nr. 369 Hannover. Nr. 233(enthält 12 Seiten). Sonnabend, den 4. Oktober 1913. 68. Jahrgang. Keine Einigung zwischen Krankenkassen und Aerzten in Sicht. Der Verband zur Wahrung der Interessen der deut schen Betriebskrankenkassen gibt bekannt: In den letzten Tagen sind verschiedene Nachrichten durch die Zeitungen gegangen, wonach eine Einigung zwischen den Krankenkassen verbänden einerseits und dem Leipziger Aerzteverbande und dem Aerztevereinsbunde anderseits nahe bevorstehen soll. Tarsache ist folgendes: Am 10. September hat in Bevlin eine unverbindliche und vertrauliche Besprechung zwischen einigen Herren der Aerzteorganisationen und des Betriebs trankenkassenverbandes stattgefunden, die zu keinem bestimmten Ergebnis geführt hat. Die Aerzteorganisationen haben dann dem Betriebskrankenkassonverbande einen Vorschlag für eine Verständigung unterbreitet. Im Einvernehmen mit den andern Kassenverbänden hat der Ausschuß des Be triebskrankenkassenverbandes darüber in einer Sitzung am 30. September beraten und die Stellung der Kassenvorbände der Aerzteorganisation in einem längern Schreiben bekannt gegeben, wonach auf der angegebenen Grundlage keine Mög lichkeit zu einer Verständigung zu erblicken sei. Einer Vereinbarung gemaß, handeln die Krankenkassenverbände in der Arztfrage nur in vollem Einvemohmen miteinander. S Deutsch=Südwest. Wolff's Telegr. B. berichtet uns: Ueber die aus Deutsch=Südwestafrika gemeldeten Kämpfe der Schutztruppen mit Buschlauten erfahren wir, daß es sich dabei lediglich um eine stärkere Patrouille der vierten Kom panie gehandelt hat, die auf Anweisung des Gouvernements den nordöstlichen Teil des Bezirks Grootfontein, in dem sich die Klagen über das Treiben der Buschleute in letzter Zeit vermehrt hatten, absuchen und von dem herumstreifenden gefährlichen Gesindel säubern sollten. Bei der Streife wurde ein größerer Erfolg deshalb nicht erzielt, weil nur auf den Farmen beschäftigte Buschleute als Führer der Patrouille dienten, die selbstverständlich ihre Stammesgenossen nicht verraten wollten und deshalb als Führer versagten. In folgedessen gelang es den verfolgten Buschleuten in den mei sten Fällen rochtzeitig zu entkommen. Auf der Flucht wur den drei Mitglieder einer Werft erschossen, zwei Weiber mit einem Kind wurden festgenommen. Ein politischer Bombenanschlag. Rudapest, 3. Okt. Im Archiv des Palastes des Gou verneurs von Fiume platzte heute um Mitternacht eine Bombe, die jedoch nur die Fensterscheiben des Palastes zer trümmerte, einige Aktenbündel belanglosen Inhalts vernich tete und keinen erheblichen Schaden zufügte. Die Polizei glaubt, daß es sich um einen politischen Anschlag handelt, und daß ihm die Absicht zugrunde lag, verschiedene im Archiv gufbewahrte für die italienischen Parteien der Krzlich aufgelösten Stadtvertretung von Fiume bloßstel kende Akten zu vernichten. Der Anschlag war keinesfalls gegen die Person des Gouverneurs, Grafen Wickenburg, gerichtet, da sich seine Wohnung in einem ganz andern Tei# des Palastes befindet, und da er überdies derzeit auf seinem Gute Wischenau in Böhmen weilt. Die Bombe wurde in einer Fabrik in Fiume erzeugt. Vier verdächtige Personen wurden verhaftet. Der Verdacht richtet sich hauptsächlich gegen einen verdächtig aussehenden jüngern Mann, der nachts in der Nähe des Palastes gesehen wurde. Luftfahrt. Der Wasserflieger Dahm abgestürzt. amburg, 3. Okt. Der Ingenieur Dahm, Dder mit Wasserflugzeug bekanntlich unlängst vom Bodensee zufwärts über Köln, Holland und Nordemey nach a geflogen war und seitdem in Altona eine rlage zum Weiterflug abwartet, ist heute nacht bald 2¼ Uhr zur Weiterroise nach Memel aufgestiegen. lufstiog erfolgte in Oevelgönne bei Altona. Der mnnächst elbabwärts, um auf die n. Leider ist Dahm bei dem untern Elbörtchen an, also schon bald nach dom Aufstieg, abgestürzt. Als reigmis geschah, beabsichtigte Tahm und sein Begleiter, ein Monteur, im Gleitflug aufs Wasser niederzugehen, ob gleich starker Nebel heruschte, der die Orientierung sehr er schwerte. Als der Elbspiegel gesichtet wurde, sprangen die Flioger ins Wasser und riefen um Hilfe. Elbfischer befanden sich glücklicherweise in der Nähe und nahmen die Verunglückten auf, während später ein Schlepper das stark be schädigte Flugzeug barg. Dahm und sein Begleiter wurden ins Krankenhaus gebracht. Der Monteur soll schwere Ver letzungen davongetragen haben. Ueber den Unfall wird weiter, nach Mitteilungen Dahms, berichtet: Schon bei Blankenese verhinderten dichte Nebel schwader die Ovientierung, so daß man mit dem Flugzeug weiter hemutergehen wollte. Aber noch ehe Dahm das Tiefensteuer handhaben konnte, hörte er einen explosionsartigen Knall, der so betäubend war, daß er die Besinnung verlor. Er glaubt, daß der Appavat in demselben Augenblick aus 150 Meter Höhe senkrecht herabgestürzt ist und daß er selbst, Dahm, hierbei aus dem Führersitz geschleudort worden ist. Beim Aufschlagen seines Körpers auf das Wasser hat er die Besinnung wiedererlangt. Er schwamm etwa zehn Minuten auf dem Strom und rief mit Kramer gemeinschaft lich um Hilfe. Da seine Kleider Wasser sogen, versuchte Dahm sich ihrer zu entledigen, was ihm aber nur mit der Lederjacke und den beiden Stiefelstulpen gelang. Immerhin wurde er hierdurch wieder für einige Minuten schwimmfähig. „in dem Augenblick, als er seine letzten Kräfte schwinden fühlte, bot sich ihm Gelegenheit, ein treibendes Stück der Flugzeugschvaube zu erfassen. Gleichzeitig bemerkte ein Zoll kreuzer den Verunglückten und gab Notsignale ab, die als bald von allen Seiten Fahrzeuge heranlockten. Eines davon nahm Dahm und den etwa 30 Meter von ihm entfernt treibenden Monteur Kramer auf, der sofort nach der Bergung das Bewußtsein verlor. Beide Verunglückte wurden in dem Orte Wedel bei Blankenese gelandet, wo schon ein Arzt zur Stelle gerufen war. Die Verletzungen des Monteurs sind sehr schwer. Er hat bedeutende Bein= und Kopfwunden er litten. Eine Verletzung am Hinterkopf wird einen operativen Eingriff erfordern. Das Flugzeug ist vollständig unbrauch bar geworden. Als Ursache des Unglücks vermutet In genidur Dahm einen Bruch der Schraube. Johannisthal, 3.Ot. Der Flieger Sablatnig hat heute einen neuen Weltrekord aufgestellt. Er ist mit fünf Passagieren etwas über 1000 Meter hoch gestiegen. Radium. London, 3. Okt. Der Frankf. Ztg. wird telographiert: Ueber das englische Radium=Institut sind seit seiner Grün dung vor zwei Jahren noch keine amtlichen Mitteilungen veröffentlicht worden. Erst jetzt gibt der Vorsitzende, der be kannte Chirurg Sir Frederick Treves, darüber einige Auf klärungen, die höchst günstige Aussichten für die Zukunft der Radiumbehandlung eröffnen. Das englische Institut ist durch die großartigen Dotationen der Stifter Sir Ernest Cassel und Lord Jveagh in die Lage gesetzt worden, vier Gramm Ra dium, die einen Wort von 1 600000 Mark darstellen, zu er werben. Dieses Radium ist von der denkbar reinsten Qualität, während es vielfach sonst halbe oder Viertelstärke hat. Man hat nun hier die Entdeckung gemacht, daß der Heilwert des Radiums auch dessen gasigen Emanationen beiwohnt, und es ist gelungen, für die Aufbewahrung und Versendung dieses Gases besondere Behälter zu konstruieren. Das Ra dium selbst vermindert sich trotz der fortwährenden Abgabe der Emanationen nicht. Das Institut versendet jetzt täglich 150 Milligramm dieser Radiumprodukte. Wo man fruher für eine Kur Radium im Werte von 20 000 Mark bedurfte, braucht man jetzt nur die Emanation, für die bloß 100 bis 250 Mark berechnet wird. Im letzten Jahre sind 3000 zahlende und 4300 arme Patienten behandelt worden. Ueber die Einwirkung des Radiums auf Krebs äußerte sich Treves mit Vorsicht, aber doch entschieden optimistisch. Von einer wirklichen Hailung will man nicht sprechen, ehe die Patienten zehn Jahre gesund geblieben sind, aber„anscheinende Heilun gen“ liegen vor. Das Radiuminstitut wird von den Stiftern noch erheblich vergrößert. Nach Erkundiguungen, welche der B. L.=A. in wissonschaft lichen Kreisen anstellt,ist der im obigenTelegraum geschilderte chemische Prozeß auch in deutschen Laboratorien seit Jahren „Viel hilft viel“ bekannt. Den Engländem gebührt allerdings der Ruhm, die Entdeckung gemacht zu haben. Der chemische Vorgang beruht auf der Eigenschaft des Radiums, nicht nur Strahlen, sondern auch Gase(Emanationen) zu entsenden. Und da war es neben anderen Gelehrten vor allem der englische Forscher Ramsay, der diese Gase mit flüssiger Luft in Verbindung brachte und so selbst eine Flüssigkeit herstellte, die man wie jede andere in Flaschen gießen und darin aufbewahren kann. Die Bedeutung der Londoner Nachricht liegt demnach nicht darin, daß sie eine neue Entdeckung verkündet, als vielmehr in dem Untstand, daß man in England nunmehr dazu geschritten ist, diesen in den Laboratorien gewonnenen flüssigen Stoff für Kliniken dienstbar zu machen. Da bei der Seltenheit des Radiums auch der Kostenpunkt eine nicht un wesentliche Rolle spielt, und da ein auf Flaschen gezogenes Radium selbstverständlich wohlfeiler ist als der feste Körper, so darf man jedenfalls den in England begonnenen Versuchen mit flüssigem Radium mit Interesse folgen. Kleine Chronik. Berlin, 3. Okt. Infolgeverfehlter Speknlationen hat Amtsgerichtsrat Röder sich in der Nacht erschossen. In einem zurückgelassenen Briefe teilt er mit, daß er durch verfehlte Spekulationen einen großen Teil seines Vermögens verloren habe. Reichenbach, 3. Okt. Bahnunfall. Heute früh stieß ein aus Zwickau kommender Güterzug beim Ein fahren auf eine Leerrangiermaschine. Dabei wurden der Zugführerwagen und ein Packwagen des Güterzugs voll ständig zertrümmert und die beiden Lokomotiven stark beschädigt. Der Zugführer Robert Wunderwaldt aus Zwickau wurde getötet, der Lokomotivführer Kleinert aus Reichenbach wurde schwer verletzt. Die im Postwagen befindlichen Beamten kamen mit leichtern Verletzungen davon. Leipzig, 3. Okt. Verworfene Revision eines Todesurteils. Das Reichsgericht venwarf heute die Revision der Witwe des Karusselbesitzers Köckritz aus Drebkau, die am 28. Juni in Kottbus zum Tode vevurteilt worden ist, weil sie im Februar d. J. ihren Geliebten, den Arbeiter Karl Fröh lich, ermordet und dessen Leiche in ihrem Hause verbrannt hatte. Paris, 3. Okt. Freigesprochen hat das Schwurgericht von Beauvais den Landwirt Portier, der seinen Vater auf Anstiftung seiner Mutter getötet hatte. Die Verhandlung ergab, daß der Ermordete, der eine Zeitlang in einem Irrenhause untergebracht war, seine Frau und seine Kinder in der grausamsten Weise gequält und unaufhörlich mit dem Tode gedroht hatte. Madrid, 3. Okt. Durch den Zusammenstoß zweier Züge in der Nähe von Miranda wurden vier Personen getötet und 23 verletzt.„ Newyork, 3. Okt. Der Befund der Leichenschaujury im Falle Aumüller lautet, daß der Priester Schmidt für den Tod der Anna Aumüller verantwortlich zu machen ist. Während der Verhandlung bekam Schmidt einen Tobsuchsanfall. Er zerriß seinen Rosenkranz und schleuderte ihn unter die Vertreter der Zeitungen. Newyork, 3. Okt. Unwetter. Wie aus Austin gemeldet wird, sind infolge zweiwöchiger Wolkenbrüche die Wasserläufe in Südteras ausgetreten. Der Schaden betragt 50000 Dollar. 12 Menschen sind in den Fluten umge kommen. Produktenbörse. Berlin, 3. Okt. Sachsenweizen ist andauernd angeboten, findet aber angesichts des schwierigen Exportsgeschäfts wenig Käufer. Im Lieferungsgeschäft erfolgten nur einRoggen ist vom Inlande und von Rußland nicht viel „„„#ant hmr naten an Unternehmunngslust. Weizen Oktober Dezember Mai.. Roggen Oktober Dezember Mai still 192.00 19600 202 25 still 159.25 164.00 168 00 vorige heunge still 158 25 162 00 166.00 still 142 50 145.00 149.00 still 158.00 162.00 166.00 still 142 50 145.00 149.00 schon eine verleihen. git nicht für Liebig's Fileisch-Estrakt. Schon ein wenig bilfe,einan das ist es, ves In. Vv. Lurbengenem reosien- kratigen Geschmnsck nn. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Bielefeld, 4. Okt. Stadttheater. Der Spielplan der kommenden Woche ist wieder auf künstlerischer Grund lage aufgebaut, er bringt am Dienstag den ersten Abend im Moliere=Zyklus. Mit Interesse sieht man dieser Veran staltung entgegen, bietet doch Moliere mit seinen Werken, die wahre Perlen der Weltliteratur sind, dem Zuschauer einen künstlerischen Genuß. Seine Bühnendichtungen sind nicht nur Spiegelbilder seiner Zeit, das ewig Menschliche, das er behandelt, stempelt sie„u unvergänglichen Charakter gemälden. Für den ersten Abend ist„Der eingebildete Kranke“ ausersehen, dem eine altfranzösische Farce„Advokat Patelin“ vorausgeht, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Die Operette bringt die Novität„Der lachende Ehemann“. Die anerkannt beste Neuerscheinung auf diesem Gebiet und im Schauspiel wird„Der Sommernachtstraum“ wiederholt. Herten, 3. Okt. Werver. Der 20jährige Bergmann Alfred Röschel gnt. Klar, früher hier wohnhaft, ist Werbern für die Fremdenlegion in die Hände gefallen. Er schrieb seinen hier wohnenden Eltern, daß er sich zurzeit in Marokko in der Fremdenlegion befinde, Briefe dürfe er nicht mehr schreiben, noch würden ihm solche ausgehändigt(?). Weiter geht aus dem Schreiben hervor, daß R. zunächst in Ruhrort auf einem Kanalschiff sich als Schiffsknecht anmustern ließ. Später begab er sich nach Sedan, wo ihm in einer deutschen Wirtschaft ein fein gekleideter Fremder sich anbot und ihn zum Wein einlud. R. wurde berauscht und hat dann einen Verpflichtungsvertrag für die Fremdenlegion für 5 Jahre unterschrieben. Bonn, 3. Okt. Der Kaiser will seinen zuerst nur auf einen Tag berechneten Besuch auf drei Tage aus dehnen. Er wird am 15. Oktober nachmittags hier eintreffen und am 17., abends 11 Uhr, von Bonn nach Leipzig fahren. Osnabrück, 3. Okt. Mesothorium. Die städtischen Kollegien beschlossen gestern für Mesothorium städtische Mittel noch nicht zu bewilligen, da die Frage der Heilerfolge doch nicht hinreichend geklärt sei und zudem die erforderlichen Mengen vorläufig noch nicht zu haben seien. Außer dem hätten bisher nur große Kommunen Mittel hergegeben. Bremen, 3. Okt. Ein Schwindeltrick hat, laut „Wes.=Ztg.“, durch die hier erfolgte Verhaftung des Täters seine Aufklärung gefunden. Ein in Gelsenkirchen wohnender Arbeiter machte im Juli dieses Jahres auf dem Bahnhof in Münster die Bekanntschaft eines Unbekannten, mit dem er zusammen nach Essen fuhr. Dort wußte der Unbekannte den Arbeiter zu bestimmen, ihm ein Darlehen von 110 M zu geben. Als Pfand übergab der Unbekannte dem Ar beiter ein Sparkassenbuch der Bremer Sparkasse, das ein Guthaben von 722 0 aufwies. Als nach einigen Tagen die versprochene Rückzahlung des Geldes unterblieb, schöpfte der Arbeiter Verdacht. Bei einer Nachfrage an der hiesigen Sparkasse wurde er gewahr, daß das Buch gefälscht und darauf nur ein Betrag von 2 A eingezahlt war. Einem ähnlichen Schwindel fiel ein in Elberfeld wohnender Lehrer zum Opfer. Er erhielt ein Sparkassenbuch mit 4140 M Guthaben und gab dafür ein Darlehn von 440 M. Auch er mußte die unangenehme Erfahrung machen, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Der Gauner wurde gestern in der Person eines Mannes aus. Bayern verhaftet, der hier unter falschem Namen in einer Wirtschaft wohnte Hamburg, 3. Okt. Wegen des Einbruchs in das Gold= und Uhrenwarengeschäft von Dietrich Rosenbrock ist der 25jährige Maler Vollhardt aus Hamburg vergangene Nacht in Altona verhaftet worden. Die gestohlenen Wertsachen wurden noch sämtlich bei ihm vorgefunden. Die größte Talsperre Europas. In diesen Oktobertagen wird ern neues Meisterwerk deut scher Wasserbautechnit eröffnet, die größte Talsperre Euro pas, die Edertalsperre, die selbst die kürzlich eingeweihte Möhnetalsperve noch um 70 Mill. Kubikmeter Stauinhalt übertrifft. Beim Homfurth i Waldeck ist die mächtige An lage erstanden; in der Hauptsache wird sie dem Zwecke dienen, den Niodrigwasserstand der Weser zu erhöhen und in Ver bindung damit den Rhein=Hannover=(Mittelland=Kanal zu speisen. Oberweser wie Kanal werden von nun ab während des ganzen Jahres schiffbar sein; zugleich worden die verderblichen Fruhjahrsuberschwemmungen im Eder=, Fulda= und Wesergebiet beseitigt. Natürlich wird auch hier eine elek trische Ueberlandzentrale errichtet für die Landwirtschaft, die Kleinindustvie nund die Städtebeleuchtung. Auch eine ratio nelle Fischzucht größeren Stils kommt wohl in Frage. Eine rege Schiffahrt wird sich hier schnell entwickeln, da der neu: Stausee zwei Bahnstrecken, Bad Wildungen=Corbach und Marburg=Warburg, verbindet. Die Besichtigung des neu geschaffenen Riesonwerkes erfolgt am besten von Bad Wildungen, Waldeck oder Hemfurth aus, mit der Bahn bis Buhlen; von dort ist die Talsperre in ¾ Stunden erreichbar. Tort, wvo an einer Biegung der Edor in der„Ura“ am Irenkopf und dem 422 Meter hohen Micholskopf sdie den Fluß begleitenden Berge bis fast auf 100 Meter herantreten, wurde die Spermmauer errichtet. Etwa 200 000 Kurbitmeter Erde und Steine mußten ausgehoben werden, um auf den felsigen Urgrund zu kommen. Hier an der Sohle iist die Maner 270 Meter llang und 34 Meter breit; die Kronenlänge beträgt 390 Meter, die Breite 5 Meter; die Höhe erreicht 48,6 Meter. Die. zum Bau benötigten 290000 Kubikmeter Steine wurden iin den benachbarten Bergen gebrochen. Das Nirdenschlagsgebiet der Sperre um faßt 1490 Okm.; die Wasserfläche hat eine Länge von 25 Kilometer und eine größte Breite von 2 Kilometer. Der Stausee wird 202 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. 250 Kubikmeter Wasser können in der Sekunde abgegeben werden durch sechs in der Talsohle befindliche Rohre von 1,35 Meter lichter Weite; außerdem sind 12 Oeffnungen von je 2,50 Me ter Breite in der Mitte der Mauer geschaffen; zum Abfluß des Hochwassers ist die ganze Mauerkrone als Ueberfall aus gebildet. Die Gesamtkosten werden sich auf über 20 Millionen Mark belaufen, von denen etwa 8 Millionen Mark auf den Grunderwerb kommen. Erbauer ist die preußische Wasser bauverwaltung in Hannover. Die Sperre ist im Verhältnis zu ihrer Wassermenge die billigste aller bisher gebauten Sperren infolge der günstigen natürlichen Bedingungen Wie bei der Möhnetalsperre verschwinden auch hier ganze Dörfer vom Erdboden, so Berich und Bringhausen mit ihren Gemarkungen, das Dorf Asel mit sämtlichen Wiesen und Ackern, Teile von Harbshausen und Herzhausen sowie 10 Hektar der Gemarkung Hemfurth; außerdem im Tal der Werbe ein großer Teil von Nieder=Werbe sowie eine Anzahl einzelner Gehöfte, Mühlen und Vorwerke. Die aus dem Staugebiet verzogenen 125 Grundbesitzer mit rund 800 Angehörigen sind teils nach dem Osten Deutschlands, teils in die benachbarten hessischen Gebiete abgewandert, teils haben sie sich im Waldecker Lande angesiedelt. Die Be wohner von Berich sind in corpore nach Neu=Berich bei Arolsen übergesiedelt, Bringhausen ersteht als neues Dorf auf dem Daudenberg. Die Lage des Stausees ist infolge der zahlreichen Buch ten und Landzungen sehr schön, namentlich an der Sperrmauer, von der man über den ersten Teil des Sees hinweg das Schloß Waldeck, 218 Meter über dem Tal, 420 Meter über dem Meere, liegen sieht. 3000 kerzige Glühlampen. Seit einigen Jahren haben hochkerzige Glühlampen von 200 bis 1000 Kerzen Leuchtkraft mit einem Stromverbrauch von ungefähr 0.8 Watt für die Kerze die Reinkohlebogenlampen von ähnlichen Kerzenstärken fast verdrängt, und nur noch die Bogenlampen mit Effektkohlen konnten ihnen im Wettbewerb standhalten, da die Lichtstärke dieser Lampen fast ausschließlich oberhalb der angegebenen Werte liegt. Neuerdings steht eine weitere Umwälzung in der elektrischen Starklichtbeleuchtung bevor. Die Auergesellschaft bringt jetzt neue Osram=Halbwatt=Lampen von 600 bis 3000 Kerzen Leuchtkraft auf den Markt, die nur noch einen Stromverbrauch von ½ Watt für die Kerze haben. Hiermit tritt die Osram=Lampe auch in das Gebiet der eigentlichen Starklichtbeleuchtung ein, und sie dürfte, falls nicht seitens der Bogenlampenindustrie ganz außerordentliche Verbesserungen erzielt werden, auch dieses Gebiet erobern. Jede verständige Mutter gibt ihren Kindern Kathreiners Malzkaffee. Kathreiners Malzkaffee erhält die Kinder frisch und träftig und macht den Kleinen die Milch schmackhaft. Tausende von Arzten empfehlen ihn. Einladung 111P des Rindviehzuchtverbandes Minden=Ravensberg am Freitag, den 10. Oktober 191., nachm. 3 Uhr im Vereinshaus zu Bielefeld Tages-Ordnung: I. Eingänge. 2. Umwahl des Vorstandes. 3. Endgültige Beschlußfassung über die Erhöhung der Körgebühren für Bullen und Kühe, S 8. Abs. 3 der Satzung. 4. Weitere Ergänzung des§ 8. Abs. 3. 5. Ergänzung des Ausschusses. 6. Zuwahl des Vorsitzenden der angeschlossenen Bullengenossenschaften in den Ausschuß. 7.„Die Bedeutung der Abstammung für die Weiterentwickelung der Zucht.“ Berichterstatter: Herr Zuchtinspektor Dr. Schmehl. 8. Verschiedenes. Münster, den 10. September 1913. Der Vorsitzende: Der Geschäftsführer: Dr. Caesar. Schraeder. Von der Steinbrede ist noch Land zu verkaufen in jeder Größe freihändig oder auch als Rentengut. Theodor Menke, Eickum 4. GEORG A.JASMATZI“ A.G. DRESDEN“ GROSSTE DEUTSCHE CIGARETTENTABRIR Große Ersparnis kann die Hausfrau gewinnen, wenn sie die millionenfach bewährte Schuhkrem Diamantine mit Sparsieb in ihrem Haushalt verwendet. Faoriranr: Rud. Starcke, Melle i. H. Für Jofort oder Später wird gutgebende flotte Cirtschaft oder auch größeres rentables Reitaurant zu pachten evtl auch zu kaufen gesucht. Offerten unter Nr. 9575 an die Exp. d. Bl. erbeten. Trauer-Kleidung jeder Art finden Sie in meiner grossen SpezialTrauer-Abteilung in bedeutendster Auswahl. 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Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisdlatt.— Postfach 47. Sonnabend, den 4. Oktober 1913. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gedr. Heidemann in Herford. 68. Jahrgang. Bringt Opfer. (Ein Wort zum Erntefest.) Eine Gesellschaft von Reisenden und Jägern war in en.. den Bergen von Nebraska. Dort fanden sie eine hohe glatte des Marktpreises dazu verwendet, der Innung die Fost Felswand, die von weit, von den bewohnten Ortschaftensetzung eines Verkaufspreises unter dem Marktpreis zu er her, zu sehen war. Die Männer machten sich die Mühe, möglichen. Die Preisherabsetzung gilt nicht für Militäran diese Felswand mit großen Buchstaben das Wort zu küchen, Offizierspeisemnstalten, Gasthöfe und ähnliche ge schreiben:„Wenn ich mit Menschen= und mit Engelzungen werbliche Betriebe; auch darf an keinen Käufer mehr als 1 redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Kilogramm abgegeben werden. oder eine klingende Schelle.“— Der das erzählt, der] Es hat sich num bei der Durchführung der Verträge ge Dichter Schoenaich=Carolath, fügt hinzu: lzeigt, daß mit der in Ulm getroffenen Organisationen zu? vor# 12 Quli d. J. bestimmnte Geschlechter, Völler werden auferstehen, Tleischversorgung eimn Zesgugnsezupirsen von Produzenten, Iaar Gutscheibung zugnunde ltäegenden Rechtsfrage chaudelte 65 gehen: 1.: Die das Stadtschultheißamt in Uhm mitteilt, war so-Kaffechause zur Unterhaltung der Gäste spielten und dafür Die Liebe mag und wird kein Ende haben. lwohl das Verhaltus zu der Gengsenischgft als zu der„Fich, eine Entschädtzung bezogen, die auf das ganze jahr berechnet Nein, die Liebe wird kein Ende haben. Aber die Men= scherinnung gurchaus gefriedigen, und das Schweinefleisch den Vernag von 2000) Mk. überschritten hätte. Ein Umstand schen, die ohne Liebe sind, die ihre zeitlichen Güter, ihre keuns, gu jedem Mittwoch um 10 Pfg. billiger, als der La- dieser Art kann aber, wie in der gedachten Entscheidung ausErnteerträge hüten und vergraben, die werden ein Endenpien war, abgegeben werden.(geführt ist, für die Beurteilung, ob eine Versicherungspflicht spätester Vierteljahres einzukleben sind. Ueber die Berechnung der Verdienstgrenze von 2000 Mk. im Simme der Reichsversicherungsordinung sind in einer grundsätzlichen Entscheidung des Reichsversicherungsamts haben, ein armseliges Ende, ein armseliges Leben. Denn es ist die Bestimmung Gottes für das Menschengeschlecht in der Welt, daß wir einander lieben und einander helfen. Wer diese Bestimmung Gottes nicht erfüllt, der lebt umsonst. Das Erntefest ist eine passende Gelegenheit, um das einmal vor aller Welt laut auszusprechen, damit das Ge würm der glattverständigen Philister1 vorliegt oder nicht, nicht maßgebend sein. Es genügt nicht, um die Versichenungspflicht zu begründen, wenn die Musiker während ihner Beschäftigung in dem in Rede stehenden Lokal Die Sozialdemokratie und die Arbeitslosenfrage. Wie bereits aus dem parteiamtlichen Epilog zur roten leinen Verdienst gehabt haben, der auf das Jahr berechnet den JZenaer Tagung im„Vorwärts“ hervorging, wird in den unBetrag von 2000 Mk. überschreitet. Es wird vielmehr zu bequem gewordenen Erörterungen über den Massenstreik und lprüfen sein, ob nicht durch geringere Einnahmen in anderen seine Nebenerscheinungen zum Abmarsch geblasen und als! Stellungen und durch Zeiten der Beschäftigungslosigkeit der „## Philister in seine Höhlen flieht vollgültiger Ersatz die Frage einer staatlichen Regelung des regelmäßige Jahresarbeitsverdienst hinter 2000 Mt. zurück und endlich aufhört, uns ihr Sprüchlein zu wiederholen: Arbeitslosenproblems zur öffentlichen Diskutierung aufge=lbleibt. An dieser grundsätzlichen Auffassung für die BerechSelber essen macht fett!— Ale„„„„„„„„„„„ Selber essen macht fett!— Als ob fett werden ein würdiges worfen. Der,Vorwärts“ ist nun kvampfhaft bemüht, in dieser nung der Verdienstgrenze wird auch nach dem Inkrafttreier hiel für den gottgeborenen Menschen wäre!! Sache die Masse in Fluß zu bringen. Seine Erfolge scheinen der Reichsversicherungsordnung festgehalten werden müssen Man meint, daß die Menschen auf dem Lande, die dasl aber recht problomatischer Natur zu sein, denn er sieht sich Brot auf dem Felde wachsen sehen, leicht zum Glauben unnmehr veranlaßt, ein donnerndes„Arbeitslosen heraus!"!„—„„„ e I.. die Itnahan binausanschneien. In seinan derart über= Zur Frage der Verzichtleistung des Prinzen an Gott kommen. Aber ich habe manchen Landmann ge=auf die Straßen hinauszuschreien. In seinem derart über troffen, der mitten in diesem Leben der Natur stand, der! schriebenen Leitartikel bringt das Blatt auch den Satz:„Ist seine Saat bestellte und der von Sonnenschein und Regen anfangs auch die Zohl der versammelten arbeitslosen Arbei abhängig war, der seine Ernte einbrachte und seine Taschen##ter klein, dann hat die herrschende Klasse um so weniger die Ernst August süllte, ohne auch nur einen Gedanken an Gottes Segen Ausrade, daß die Hilfe nicht möglich sei zu haben. Ich habe in der Stadt Menschen getroffen, die doch den Anschein, als ob die sagten: Wenn ich vom Morgen bis zum Abend die Hände rühre, dann habe ich meinen Verdienst; damit hat Gott nichts zu tun, der gibt mir nichts! Und andererseits habe ich in der Stadt so gut wie auf dem Lande Menschen ge funden, die in jeder Gabe die freundliche Hand Gottes spüren Diese sind es, die nicht nur nehmen, sondern auch geben, seitig Sympathien entgegengebracht wird. bringen die Fuantfurter Nachrichten eine Mitteiluung, welche Lanach hat es denn#mmmme##m Runde durch Düdenen es eine Freude ist zu geben. Ob sie nun im Geschäft gehenden Arbeitslosenfürsorge werden auch die Kreise der sprachung states, au der u. a. Prinz Eruft Augur“ und gut verdient oder eine gute Ernte eingebracht haben, sie Bevölkerung zustimmen, die an der schweren Last der sozial= wprcchung, Vgumn min: a. Pranz####uchlstun gut verdient oder eine gute Ernte eingebracht haben, sie! Bevölkerung zustimmen, die an der schweren Last der sozialmachen sich die Freude, Opfer zu bringen und anderen politischen Leistungen am meisten zu tragen haben, einer Arbeitslosenversicherung aber werden sie nicht allein aus finanziellen Gründen und mit dem Hinweis auf eine hier finanziellen Gründen und mit dem Hinweis auf eine hier= Prinz uund erklärte klar uund bestimmt:„Für mich und u aus resultierende weitere Erschwerung der internationalen###s kommr in###ter Linie die Ehre und erst in zwe 4%gPStHG#otroten mzsen mmeil as einer faschen Lidic die Liebe.“ Dann verließ er das Zunmer, in dem quch Deshalh entasgentreton miitien„„„ 1% auch deshalb entgegentreten müssen, weil es einer solchen Versicherung so gut wie unmöglich ist, den Würdigen von dem Unwürdigen zu unterscheiden, und weil sie ferner, vorvom Hause Hohenzollern Prinz August Wilhelm teilnahmen. In dieser Konferenz wurde dem Puinzen Ernst August ein Verzicht auf Haunover nahegelegt. Sofort erhob sich der Für mich und mein eiter die Konferenz stattfand. Prinz August Withelm holte den Prinzen Ernst August wieder zurück. Die Verlobung wurde gefeiert und voröffentlicht ohne daß die Frage des Verzichts ge eite der wohlzutun. Das sind die Glücklichen, die feiern wirklich ein Erntefest. Fleischversorgung. Die Stadt Ulm hat mit der Genossenschaft für rationelle Schweinezucht in Neu=Ulm einen Vertrag geschlossen, wo-n############ u. in A waer.(Gan„„. F Isherr und volbiseninhr ohn wun nach letztere in den Jahren 1912—1916 eine entsprechende e" ge“6 6/g* irhg der gferegarte Hireszptente bitrchges klärt war. Offenbar war man auf preußischer Zahl von Mastschweinen liefert. 1912 waren bis zu 1000l ictarg####den wi. de, eine sehr narte Hire„e und indit stei Meinung, man würde den Herzog von Cumberland umstim Stück zu liefern, für die weiteren Jahre soll diese Zahl gees deuten würde, Darauf hat schon Dr 13s auf dem men, wenm man erst ezungl persönlich mit ihu habe Fiühsteigert werden. Für die auf städtischem Eigentum errichtete Dritten Deutschen Städtetag hingewiesen:„Solange die ehmen können. So kam die Zusamzuenkunft en HomHam nicht 8i. am 22::.#S 81 1122,#burg v. d. Höhe, zu der auch der Reichskanzler gezogen wurde. . Mnarhen: I—.: M-=6—9asmutam Hach“##. deutschland Der##rzog verharrte auf seinem Standpunkt, die VerloSein Sohn könne die Prinzessin Viktoria Lwise heiraten, auch wann er micht auf den byamschweigischen Thron gelange, aber ein Verzicht auf Hannover würde weder von Ueber das Einkleben der Beitragsmarken lseinem Sohne, noch von ihm ausgesprochen werden.„Die nimmt die von der Genossenschaft zu liefernde Anzahl ag............ ganze Art der Verhandlungsführung war von preußischer Schweine bei einem Preise von 63 Mark für den Zentnerl ist mit den§§ 1428, 1429 und 1434 der Reichsversicherungs=]Seite durchaus unklar. Auch der Reichskanzler' hatte in Schlachtgewicht oder 50 Mark für den Zentner Lebend=sordnung Bestimmung getroffen. Danach sind dic Beitrags= Homburg v. d. H. durchaus keine Klarheit geschuffen, doch gewicht. Sinkt der allgemeine Marktpreis für den Zentner marken, bei der Lohnzahluing und, wenn der Versicherte durch nahm man auf welfischer Seite un, daß alle staatsrechtlichen Schlachtgewicht wenigstens ein Vierteljahr lang da unter 63 Mark, so ermäßigt sich auch der Übernahm der Stadt. Nach einem weiteren Vertrage übernimmt die freie vor, daß bei langfnistigen Arbeitsverhältissen auf jeden!Ernst August an den Reichskanzler. Der Brief war auf VerFleischer=Innung sämtliche ihr von der Stadt überwiesenen! Fall im Ende eines jeden Kalendorvierteljahres Beiträge zu anlassung des Reichskanzlers geschrieben worden. Er hoffte, Schweine zum Preise von 63 Mark für den Zentner sentrichten sind, auch dann, wenn der Lohn in llängeren Zeit=lmit diesem Brief die öffentliche Meinung beruhigen zu Schlachtgewicht. Schlachtgebühren und Schlachtviehver=Traumen bezahlt wird. Die Vorschrift in§ 1428 der Reichs=können. Der Herzog von Cumberland und Prinz Ernst sicherung trägt die Innung. Die Verwertung der Schweinel versicherungsordnung, wonach der Arbeitsgeber„bei der! August haben dem Reichskanzler gegenüber aber keine Unsteht im Belieben der Innung. Diejenigen Innungsmit= Lohnzahlung“ für die Dauer der Beschäftigung Marken nach klarheit gelassen, daß dieser Brief kein Verzicht des Prinzen Mästereianlage ist von der Stadt Ulm eine Verzinsung Saitess Deutschen Städtetag hingewiesen: von 4 v. H. der Baukosten im Ansatz von 15.000 Mark über=Spgialdemoltalte nommen worden. In jeder Maststation auf städtischem Eigentum sind 200 bis 250 Schweine einzustellen, und zur Bestreitung der Futterkosten ist der Genossenschaft von der Stadt ein ständiger unverzinslicher Kredit von 60 Mark für jedes Schwein eingeräumt worden. Die Stadt übermüssen, dieser Partei die Geldmittel an die Hand zu geben, um sich die Mehrheit zu verschaffen.“ ir den Zentner maren, bei der Loynzahluing imp, wenn der Versicherte burch nahm man sauf welfischer Seite a, wdaß alle staatsrechtlichen lang dauernd Vertrag für mindestens ein Vierteljahr zur Arbeit verpflich Schwierigkeiten gehoben seien und der Thronbesteigung des bernahmepreis ltet ist, spatestens in der letzten Woche jeden Vierteljahres ein= Prinzen Ernst August ohne Verzicht auf Hannover nichts im zukleben.“ Daraus geht mit zwingender Deutlichkeit her- Wege stände. Dann kan die Veröffentlichung des Prinzen dem örtlichen Marktpreis, und zwar ist der Verkaufspreis sicherungsamts ausgeführt ist, die eigenartige Folge ergeben, Form. so doch in der Sache ausgesprochen habe, als eine um so viel wiedriger als der allgameine Verkaufspreis festzu= daß Beiträge erst nach fünf Jahren zu entrichten wären, also Brüskierung. Hierdurch erklärt sich die damals einsetzende setzeu, als der von der Stadt berechnete Preis(63 Mark)] zu einem Zeitpunkt, wo die etwa bereits vordem erworbenel scharfe Tonart der Welfen. Der Herzog habe zu dem Welniedriger ist, als der Marktpneis; der Preisunterschied muß Anwartschaft erloschen sein würde. Der Vorschrift des1 fenführer gesagt, er rechne heute mehr denn je auf ihre mindestens 6 Pfg. für ldas Pfund betragen. Steht der I§ 1428 der Reichsversicherungsordnung eine solche Tragweite] Treue und weitere tatkräftige Unterstützung. Die KundMarktpreis verhältnismäßig hoch, so ist es der Stadt ge= beizumessen, hut dem Gesetzgeber solbswerständlich feruge= gebungen von welfischer Seite seien in vollständiger Über einstimmung mit dem Herzog von Cumberland erfolgt. Als dann allerdings der scharfe Ton der welfischen Presse zu kange angehalten habe, habe der Herzog von Cumberland den Welfenführern nahegelegt, nunmehr mildere Saiten aufzuziehen, da der welfische Standpunkt jetzt auch vor der Offentlichkeit klargelegt sei. Nunmehr komme es darauf an, dem Reichskanzler goldene Brücken zu bauen, die es ihm ermöglichten, im Bundesrat eine Mehrheit für die Aufhebung der bekannten Bundesratsbeschlüsse zu finden. Der Berl. L.=A., der manchmal zu offiziösen Auslassungen benutzt wird, schreibt: Die öffentliche Erörterung beschäftigte sich hier in letzter Zeit wieder mehr mit dem bekannten Schreiben des Prinzen Ernst August an den Reichskanzler, und von welfischer Seite wird jetzt mit besonderem Nachdvuck die Ansicht vertreten, daß dieser Brief nicht als ein Verzicht des Prinzen aufzu fassen sei. Ueberraschenderweise pflichtet jetzt auch ein Teil der übrigen deutschen Presse diesem Standpunkte bei und er klärt, die an den Reichskanzler gerichtete Mitteilung des Prinzen als ungenügend. Man fordert eine staatsrechtliche Klarstellung der prinzlichen Erklärungen durch den Bundes rat. Dieser Unischwung in der Stellungnahme nichtwelfischer Blätter zu der braunschweigischen Thronfrage iist auf die Treibereien wellfischer Kreise zurück zuführen, die sich den Anschein geben, als würde ihre Auffassung, das prinzliche Schreiben enthielte keinen aus drücklichen Verzicht auf Hannover, auch am Hofe zu Gmun den getoilt.Tatsächlich wäre es aber durchaus nicht wahrschein lich gewesen, daß der Herzog von Cumberland sich mit diesem Standpunkt der Welfenpartei idenvifizierte. Vielmehr gewann man nach Bekanntwerden des Schreibens durch den Reichskanzler den Eindvuck, als wurden die in ihm enthal tenen Erklärungen auch in Gmunden im Sinne eines Ver zichts des Prinzen aufgefaßt. Seitdem ist eine Roihe von Wochen dahingegangen, ohne daß aus der Umgebung des alten Herzogs eine Kundgebung erfolgtist, die gegen die welfischen Treibe reien Stellungnimmt. Es entsteht somit die Frage, ob auch in Gmunden sich inzwischen ein Umschwung in der Beurteilung des erwähnten Schreibens in staatsvechtlicher Hinsicht vollzogen hat, und ob etwadie in dieser An gelegenheit bereits erzielten Resultate wiederin Frage gestellt werden sollen. Daß die Erklärungen des Prinzen Ernst August an deutschen maßgebenden Stellen als ausreichende Grundlage für eine spätere staatsrechtliche Regelung der braunschweigischen Frage angesehen wurden, ist kein Geheimnis. Es fragt sich nur, ob angesichts der von welfischer Seite abgegebenen Er klärungen nicht eine abermalige Prüfung die ser Zusagen geboten ist. Die Lage am Balkan. Die Türkei und die Mächte. Konstantinopel. 3. Okt. Ueber die in der demitschen Presse bemerkbare Verstimmung gegen die Türkei wegen der jüngsten von Dschawid Bei kundgegebenen finanziellen und politischan Abmachungen mit Frankreich sagt der Jeune Turc im heutigen offenbar offiziösen Leitartikel, diese Verstimmung sei ungerechtfertigt. Die Türkei kehre keines wegs ihren getreuesten Freunden den Rücken, und werde nie mals die wertvolle deutsche Freundschaft und Vevmittlung während der jüngsten schweren Zeiten vergessen. Dennoch aber werde die Türkei ebensowenig die hundertjährige Freundschaft Frankreichs vernachlässigen. Die Türkei will also die Freundschaft für Deutschland und Frankreich gleich hoch bewerten. Ebenso gäbe es auf wirtschaftlichem Gebiet für Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder ein so ausgedehntes Arbeitsfeld in Anatolien, daß sie einan der nicht den Rang streitig zu machen brauchten. Der Ar tikel schließt mit der Versicherung, daß weder in movalischer noch wirtschaftlicher Hinsicht deshalbMißverständnisse zwischen den verschiedenen Mächten aufzutreten brauchten; die Türkei wolle zwischen allen das Gleichgewicht von Freundschaft und Einfluß aufrechterhalten, das allein die Wiederaufrichtung der Türbei in friedlicher und ruhiger Arbeit sichern könne. Paschitsch in Wien. Wien, 3. Okt. An dem Frühstück im Ministerium des Aeußern zu Ehren des serbischen Ministerpräsidenten Paschitsch nahmen Teil die Ministerpräsidenten Graf Stuergöh und Graf Tisza, der serhische Gesandte witsch, gemeinsamer Finanzminister v. Bilinski und die Sek tionschefs Frhr. v. Macchio unnd Graf Vorgach. Wien, 3. Okt. Ministerpräsident Paschitsch äußerte über seine heutige Unterredung mit dam Grafen Berchtold einem Vertreter der Neuen Freien Presse gogenüber unter anderm folgendes: Meine Unterredung mit dem Grafen Berchtold tung ein freundschaftliches Gepräge. Ich hatte und habe die Ueber zeugung, daß die Kontroversen zwischen uns und Oesterreich Ungarn nicht solcher Natur sind, daß sie nicht überbrückbar wären. Wenn auf beiden Seiten guter Wille ist, so könne sie unschwer ausgaglichen werdon. Ich hatte den Eindruck, daß hier in Wien guter Wille herrscht, und darum sehe ich hoffnungsvoll in die Zukunft. Es wurden Fragen ange schnitten, die in naher Zukunft den Gegenstand von Unter handlungen zwischen uns und Oesterreich=Ungarn bilden sollen: die Frage des Handelsvertvags und die Frage der Eisenbahnen. Fürst von Albanien. Wien, 3. Okt. Die Meldung des Deutschen Volksblatts, der Prinz zu Wied werde demnächst, wahrscheinlich um die Mitte ldieses Monats, in Wien eintreffen, wird bestätigt Von hier wird der Prinz sich nach Rom begeben. Der Zweck seiner Reisen ist einmal die Vorstellung bei den leitenden Porsönlichbeiten, dann die Erkundung der Bedingungen, unter denen eine etwaige Bewerbung des Prinzen um den albanischen Fürstenthron erfolgen solle. Nach denn Ergebnis dieser Erkundung wird der Prinz seinen endgültigen Ent schluß über die Annihme der Kandidatur fasson. Bulgarisches Dementi. Die„Agence Bulgare" bezeichnet die Meldungen von einer Mobilisierung in Bulgarien als vollständig unbegründet. Sie ist ferner enmächtigt, die Meldungen über eine Bandenbildung zum Einfall in Serhien bestimmtes zu dementieren. Ein türkischer Armeebefehl. Konstantinopel, 3. Okt. Der Generalissimus hat an alle Armeekorps einen Tagesbefehl gerichtet, in welchem er von der Unterzeichnung des türkisch=bulgarischen Frichdensvertrages Mitteilung macht. Er sagt:„Nach den großen militärischen Unglücksfällen und den ernsten Gefahren für den Bestand des Reiches wurde eine feste Grenze erreicht und die durch geschichtliche Traditionen mit der Türkei verknüpften Städte wurden zurückerobert. Die Regierung gewann die politische Situation. Diese glücklichen, alle Hoffnungen übertreffenden Resultate sind die Folge der Ausdauer, Festig keit undd Ruhe, welche die Aumee bei Ausführung der Wünsche des Sultans und der Bestrebungen der leitenden Männer an den Tag legte.“ Der Tagesbefehl dankt der Armee und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sie auf diesem Wege fortfahren werde, denn die Armee, die frei von persönlichem Ehrgeis dem Dienste für das Vaterland ergeben ssei, könne in naher Zukunft noch größere Erfolge erringen und Verlorenes wieder gewinnen. S. M. S.„Göben“. Die Meldung, daß S. M. S. Göben nach Dedeagatsch gogangen sei, ist unrichtig. Die Göban liegt nach wie vor in Pola. Grenzzwischenfall. Briey, 3. Okt. Gestern früh 9 Uhr überschvitten ein deutscher Hauptmann mit einer Maschinengewehrabteilung und drei Kavalleristen in Uniform aus Versehen die Grenze in der Nähe der Feume Villers aux bois, Gemeinde St. Marcel. Als sie bereits einige hundert Meter sich diesseits der Grenze befanden, wurden sie von auf dam Felde arbeitenden Landleuten darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich auf französischem Gebiet befänden. Der Offizier kehrte davauf mit der Truppe in größter Schnelligkoit auf deutsches Gebiet zurück. Politische Rundschau. Berlin, 3. Oktober. Der Kaiser tvaf heute um 1 Uhr nachmittags, von Rominten kommend, auf dem Hauptbahnhof in Königsberg ein und hat sich im Automobil, in den flaggengeschmückten Straßen lebhaft begrüßt, nach den neuen Kasernements seines Grenadierregiments König Friedvich Wilhalm I. begeben. Vor der festlich goschmückten Kaserne hatte das Re giment Aufstellung genommen; auch der Verein ehomaliger 3. Grenadiere war erschienen. Der Kaiser bgrüßte das Re giment unnd den Verein und nahm im Kreise der Offiziere das Frühstück ein. Kurz nach 3 Uhr fuhr der Kaiser nach dem Hauptbahnhof und reiste um 3 Uhr 30 Min. mit Sonderzug nach Danzig=Langfuhr ab, wo er kurz vor 7 Uhr eintraf. Zum Empfang war der kommandierende Geneval des 2. Armeckoups, Ganeval der Kavallerie v. Mackensen, anwesend. Der Kaiser begab sich im Automobil in das Kasino der Leib husarenbrigade.. Von Danzig ist S. M. um 10½ Uhr abends nach Potsdam abgereist. Der Bundesrat hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der braunschweigischen Frage noch nicht beschäftigen können. Richtigstellung. Die Meldung, wonach der Statthalter von Elsaß=Lothvingen Graf v. Wedel zurücktreten werde, ist umbegründet. Der Ausgleichfonds der preußischen Eisenbahn verwaltung wird am Ende d. Js. die Höhe von 360 Millionen Mark haben. Mit diesem planmäßig angesammelten Fonds ist eine äußerst wertvolle Grundlage für die Erhaltung des Gleichgewichts im Staatshaushalte geschaffen und die Möglichkeit geboten, daß in den Schwankungen der Eisenbahneinnahmen liegende Gefahr auszuschalten. Oesterreich. Der Frankf. Ztg. wird von ihrem Wiener G=Korrespondenten telegraphiert: Die Kuise im Generalstab ist mit der gestrigen Audienz des Generalstabs chefs Baron Conrad beim Kaiser als vollständig beendet an zusehen. Baron Conrad hat mit seinem Damissions gesuch alles erreicht, und eine Einschränkung seiner Kompetenz durch einen anderen Faktor verhütet. Ueber die Geschichte der Krise und ihre nicht erfreulichen Begleitumstände ist es noch nicht an der Zeit sich auszulassen. Es genügt zu sagen, daß auch die Gründe der äußeren Politik, die vom Grafen Berchtold energisch geltend gemacht worden sind, den Kaiser veranlaßt haben, sich mit großer Entschiodonheit für die Beibehaltung des Genevalstabschefs im Dienste auszu sprechen. antreich. Unter Hinweis auf die während der letzten Manöver gemachten Erfahningen verlangt der Deputierte sund ehemalige Kriegsminister Messimy im„Matin“ daß die Altersgrenze für Genevale auf 60 und für Obersten auf 58 Jahre herabgesetzt werde. Durch diese Maßnahme würde die Armoe einen unermeßlichen Kräftezuwachs erlangen. Nordamerika. Das Repräsentantenhaus dürfte die Tarifbill endgültig heute Nachmittag annehmen. Der Prä sidont wird sie sofort unterzeichnen, sodaß das neue Gosetz um Mitternacht in Kraft treten wird. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Herford, 4. Okt. Wetterwarte. 8 Uhr früh: Barometer 759 Millimeter. Thermometer+ 12. Bedeckt. Südsüdwestwind. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen. Veränderlich, strichweise Regenfälle, erwas kühler. Apotheken-Sonntagsdienst: Altstädter Apotheke. Herford, 4. Okt. Eine Anderung hat das Pro gramm der morgigen kirchenmusikalischen Feier in der Jakobikirche(abends 8¼ Uhr) noch zuletzt erfahren müssen, weil Herr Konzertmeister Pörsken=Dortmund plötzlich ver hindert wurde. Es ist aber gelungen, rasch einen sicherlich gleichwertigen Ersatz zu finden in dem Direktor des Ziskoven=Konservatoriums in Bonn, Herrn G. Gumprecht. Er ist ein Künstler von Ruf, den z. B. die Nieder= rheinische Zeitung(11. Febr. 1913) einen„hervorragenden Vertreter“ seines Instruments nennt, und von dem sie be sonders rühmt:„Überlegene Technik" und„eindringendes musikalisches Verständnis". Nirgends ein Haschen nach Effekt, sondern intimes Musizieren von innen heraus.“ Derselbe wird hier statt der im Programm für Viola alta vorgesehenen Stücke auf seinem Instrument, der Geige, vortragen: das Andante aus dem(=moll=Konzert von J. S. Bach, eine Arie von Lotti und das Andante aus dem C=durKonzert von Haydn. Auch diese sind dem Charakter des Programms entsprechend ausgewählt, so daß alles, was wir von diesem rühmten, volle Geltung behält.— Pro gramme(50 Pfg.) in der Buchhandlung Menckhoff und in der Schreibwarenhandlung Frensemeier. Herford, 4. Okt. VI. Volks=Symphonie Konzert. Mit vollem Akkord setzte gestern abend das erste musikalische Ereignis der„Saison“ ein. Der Konzertsaal des Schützenhofs war recht gut besetzt, ein Beweis hoffentlich, daß das Interesse an diesen Konzerten kein geringeres, sondern ein sich steigerndes ist. Die Aus führung des Programms war eine vorzügliche. Beethovens Coriolan=Ouverture in ihrem wilden Trotz hätte vielleicht eine geringere Beschleunigung vertragen können, wurde aber sonst inhaltreich interpretiert. Hervorragend war auch die schöne Ouverture zu Rosamunde,— überhaupt eine der schönsten Ouverturen mit— die einen großen Beifallssturm entfachte. Solist des Konzerts war Prof. Lutter=Hannover, der bekannte Pianist, der sich als Hauptwerk des Abends Schuberts mächtige Wanderer=Fantasie in der Bearbeitung für Klavier und Orchester von Fr. Liszt erkoren hatte. Mit welch grandioser Wucht spielte der Künstler das Allegro con fuoco, wie herrlich klang unter seinen Fingern das wunderbare Adagio, welchem Schubert ein Thema— dem Wanderer entnommen—(Die Sonne dünkt mich hier so kalt, die Blüte welk, das Leben alt, und was sie reden, leerer Schall, ich bin ein Fremdling überall) zu Grunde legte. Wie zart erklang das Thema abwechselnd in den einzelnen Solo=Instrumenten(dem Cellisten für seine Ausführung besonderes Lob), umrankt von perlenden Läufen; mit welch schmerzlicher Sehnsucht sangen es die Geigen, während die Läufe sich steigerten zu donnernden Passagen, den Sturm der Seele enthüllend. Herrlich ist auch der resignierte Schluß des Adagio in der Liszt'schen Bearbei tung. Das Presto ist ein echter Schubert und wurde ebenso wie das Allegro vom Pianisten in glänzender Weise gespielt. Den wilden Wogen der Leidenschaft und Kraft in der Wanderer=Fantasie folgte in ruhiger Heiterkeit(1. Satz), edler Lauterkeit(2. Satz), frischer Keckheit(3. Satz) und lustiger Ausgelassenheit(4. Satz), die kleine Nachtmusik(i=dur für Streichorchester(Quintett) von Mozart. Von den Stücken für Klavier=Solo, die Prof. Lutter mit wohlkultiviertem, bald innig=weichem, bald wuchtig=kräftigem Anschlag und brillanter Technik uns bot, nenne ich besonders— neben Liszt: Soirées de Vienne und Chopin: Prelude Des=dur ov. 28— die entzückend heitere Ecossaise von Beethoven. Dem Künstler dankte großer Beifall. Die nicht leichte Be gleitung zur Wanderer=Fantasie wurde vom Orchester in hochanzuerkennender Weise ausgeführt, und kleine TempoSchwankungen fielen nicht allzu sehr ins Gewicht. Die Palme des Abends aber gebührt(als Orchesterleistung) der Serenade und hierfür besonderes Lob und herzlicher Dank Herford, 4. Okt. Der Verein für Handel und Gewerbe hielt gestern im Hotel zur Post eine sehr gut besuchte Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Lukas, begrüßte insonderheit die Nichtmitglieder, die durch ihr Erscheinen der Tagesordnung Interesse entgegenbrachten. Der Geschäftsführer, Herr Koopmann, gab sodann Antworten auf verschiedene Eingaben bekannt. Mit der Regelung der Sonntagsruhe erklärt sich der Reichstagsabgeord nete Meyer im Sinne des Vereins einverstanden. Er verspricht ferner, dafür eintreten zu wollen, daß durch gesetzliche Regelung für größere Bezirke dieselbe Ordnung geschaffen werde, damit der Willkür der Ortsverwaltungen entgegengetreten werden kann. Auch mit der Stellung der Handelskammer zu der gesetzlichen Regelung der Sonntagsruhe erklärt sich die Versammlung einverstanden. Sodann wurde bekannt gegeben, daß die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ein hiesiges Schuhwarengeschäft, das vom Verein wegen unlauteren Wettbewerbs angeklagt war, eingestellt hat. Der Verein aber wird sich damit nicht einverstanden erklären und die Sache bei höherer Instanz nochmals anhängig machen. Hauptgegenstand der Tagesordnung war die Frage: Wie heben wir den Verkehr in Herford? Der Vorsitzende gab zunächst den Zweck der Verhandlung über diesen Punkt bekannt. Es ist nicht zu leugnen, daß der Geschäftsverkehr in Herford seit Jahren nachgelassen hat; Herforder Bürger und das kauskräftige Publikum aus der Nachbarschaft kauft mehr und mehr in Bielefeld oder in der Großstadt. Um den Verkehr nun wieder nach Herford zu lenken, sollen besondere Veranstaltungen getroffen werden In einer vertraulichen Sitzung in voriger Woche sei der Vorstand mit den Inhabern mehrerer größerer Firmen am hiesigen Orte in Verbindung getreten, um über die Aus gestaltung eines Verkehrstages zu beraten. Die Anregung des Vorstandes ist auf guten Boden gefallen. Sämtliche anwesenden Geschäftsinhaber haben ihre Unterstützung zugesagt, auch der Magistrat steht der Veranstaltung wohlwollend gegenüber. Der Verkehrstag ist für den 1. Adventssonntag geplant. Es soll damit ein SchaufensterschmuckWettbewerb verbunden werden. Das Publikum selbst soll das Preisrichteramt übernehmen. An dem Katalog, der für 10 Pfg. käuflich zu erwerben ist, befindet sich ein Kuvon, auf dem das Publikum das beste Schaufenster bezeichnet, mit Namensunterschrift versieht und dann in einem näher bezeichneten Kasten wirft. Die Kupons werden dann in eine Trommel gelegt und auf eine der Nummern fällt eine goldene Uhr, die dann gegen Vorzeigung des Katalogs am 24. Dezember von der Geschäftsstelle abzuholen ist. Der Katalog enthält außer Inseraten einen Führer durch Herford zu allen Geschäften, die sich am Wettbewerb beteiligen. Von 11 Uhr morg. bis abds. 6 Uhr ist Konzert vorgesehen und zwar abwechselnd auf dem Gänsemarkt, Alten Markt, Renntor u. Neuen Markt, um das Publikum in Bewegung zu erhalten. Für nachmittags und abends sind mehrere Veranstaltungen geplant, so ein Besuch des Kinos„Wittekind“ und ein bunter Abend im Theatersaal des Bürgervereins. Der Reingewinn aus den beiden letzten Veranstaltungen ist für die Herforder Armen bestimmt. Durch größere Reklame in den Lokalblättern der Nachbarorte von Rhaden bis Lemgo soll zu diesem Tage eingeladen werden. Der Etat für diese Veranstaltung sah in seinem Voranschlage eine Einnahme und Ausgabe von 1170 M vor. Mit der Kleinbahndirektion soll verhandelt werden, um eine Fahrpreisermäßigung für die Besucher aus den Nachbarorten zu erwirken. Auch soll der Magistrat ersucht werden, nicht nur für diesen Tag, sondern für die ganze Weihnachtszeit für eine bessere Straßenbeleuchtung zu sorgen. Mit dem Programm erklärte sich dann die Versammlung einstimmig einverstanden. Die weiteren Arbeiten wurden dem Vorstande, der sich aus den einzelnen Branchen der Geschäftswelt Interessenten hinzuwählen kann, übertragen: Allgemein anerkannt wurde, daß etwas geschehen müsse um die Geschäftswelt aufzurütteln, um dem Publikum zu zeigen, daß Herford in geschäftlicher Beziehung ebenso leistungs fähig ist wie die Nachbarstadt Bielefeld. Allgemein be dauert wurde, daß das Theater auf unabsehbare Zeit ge schlossen ist. Jetzt würden die Theaterbesucher auch vielfach ihre Weihnachtseinkäufe in Bielefeld besorgen. Gelegenheit macht Diebe. Aus der Versammlung heraus wurde dann die Frage ventiliert, ob sich die Stadt, als Besitzerin des Bürgervereins, besser stände, wenn sie noch einige Tausend Mark zur Renovierung oder zum Umbau hineinsteckte, und somit dem Mittelstande einen passenden Versammlungsraum schaffe, oder ob es besser sei, stillschwei gend jedes Jahr die Zinsen von 150000 M zuzusetzen Allgemein war man der Ansicht, daß auch nun das letzte Opfer gebracht werden müsse, damit das Haus das würde, was sein Name besagt. Dann würde sich die Bürgerschaft auch fester zusammenschließen, so daß über das Wohl und Wehe der Stadt nicht nur von einer Seite beraten würde. Für die nächste Versammlung wurde ein Vortrag über die Einschätzungsbestimmungen für die Gewerbesteuer be schlossen. Auch soll im Anschluß daran nochmals das Orts statut über die Kanalabgaben beleuchtet werden. Mit dem Wunsche, daß jeder nach Kräften dazu beitragen möchte, den ersten Verkehrstag recht fruchtbar und gewinnbringend zu gestalten, wurde die Versammlung geschlossen. Herford, 4. Okt. Eine Mitgliederversamm: lung des Rindviehzuchtverbandes Minden=Ravensberg findet am Freitag, den 10. Oktober 1913, nachm. 3 Uhr, im „Vereinshaus“ zu Bielefeld statt. Tagesordnung: 1. Ein gänge. 2. Umwahl des Vorstandes. 3. Endgültige Be schlußfassung über die Erhöhung der Körgebühren für Bullen und Kühe,§ 8 Abs. 3 der Satzung. 4. Weitere Ergänzung des§ 8. Abs. 3. 5. Ergänzung des Ausschusses 6. Zuwahl der Vorsitzenden der angeschlossenen Bullenhal tungsgenossenschaften in den Ausschuß. 7.„Die Bedeutung der Abstammung für die Weiterentwicklung der Zucht" (Berichterstatter: Herr Zuchtinspektor Dr. Schmehl.) Verschiedenes. Herford, 4. Okt. Vorträge. Um Aufnahme der folgenden Anzeige werden wir gebeten. Am Sonntag, den 5. Oktober, beginnt im Missions=Saal, Radewigerstr. 37 I, eine Serie populärer, religiös=wissenschaftl. Vorträge. Der Zweck derselben ist, den Glauben an die hlg. Schriften zu gründen, und die Antwort auf die Frage:„Was muß ich tun, um selig zu werden?; zu beantworten. Die Vorträge werden bis auf weiteres jeden Sonntag, nachm. 5 Uhr, und Mittwochs, 8½ Uhr abends, gehalten. Der Besuch der selben ist für Angehörige aller Konfessionen und Lebens anschauungen frei. Man wolle die Angabe der Themen an jedem Sonnabend in dem Anzeigenteil dieser Zeitung nach lesen. Ref.: P. Uldokat, Prediger. Herford, 4. Okt. Die Schiffbrüchigen. Am Montag geht das Werk hier auf dem Schützenhofe in Szene Man schreibt uns noch dazu:„Nochmals sei betont, daß kein widerliches Schauspiel, keine Skandalgeschichte, noch ein ooszönes Wort das Ohr, selbst etwas prüder Zuschauer, beleidigen wird, sondern ein interessantes Werk, dem jeder mit Andacht lauscht, um dankbar und erhoben das Theater zu verlassen. Der Anfang ist 8½ Uhr, Ende ca. 11 Uhr.“ Herford, 4. Okt. Ein Münchener Oktober fest, wie es hier noch nicht gefeiert ist, wird heuer im Brink mannschen Restaurant veranstaltet. Herr Brinkmann hat zu diesem Zweck sämtliche Räume seines Etablissements aufs prächtigste ausgeschmückt. Um den musikalischen An sprüchen gerecht zu werden, ist für den„Münchener Bier keller“ eine„echte“ Kapelle erworben. Herford, 4. Okt. Der Stenographenverein Stolze=Schrey traf in seiner gestrigen Versammlung die letzten Vorbereitungen für das hier am 12. d. M. stattfindende Kreisfest. Stiftungen für die Verlosung nehmen die Vorstandsmitglieder noch entgegen.„„ Herford, 4. Okt. Die„Weltläuferin: Mrs Harry Humphries passierte gestern Herford. Sie gedenk zufolge eines Preisausschreibens der amerikanischen Sport zeitung„The Polo Monthly“, in 4 Jahren um die Erde zu laufen. Sie begann den Spaziergang in Newyork im Juli 1911 und hat bereits 14000 Meilen durchlaufen und zwar die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Neufundland, Prinz Edward=Inseln, Neu= Braunschweig Nora Scotia, England, Irland, Wales, Schottland, Däne mark, Schweden, Norwegen. Herford, 4. Okt. Personale.„Fahrkarteggnsgeher C. Kinder bestand die Prüfung zum Eisenbahn=Assistenten vor der Prüfungskommission am 23. Sept. in Bannover und wurde aus diesem Anlaß gleichzeitig zum 16. Oktober nach Hannover versetzt. Herford, 4. Okt. Die silberne Hochzeit feiern morgen der Arbeiter Heinrich Abke. Adlerstraße, und Gattin. Möge das Jubelpaar dereinst auch noch des goldenen Kranzes sich erfreuen. Herford, 4. Okt. Ernannc zum Eisenbahn=Assisten ten wurde Herr A. Monnse hier. Herford, 4. Okt. Wegen liderlichen Umher.civens wurde vergangene Nacht durch die Kriminal polizei eine Frauensperson in Haft genommen. Herford, 4. Okt. Wegen Trunkenheit mußte ein Mann in Schutzhaft genommen werden, der auf dem Münsterkirchplatz liegend angetroffen wurde. Spenge, 3. Okt. Besitzwechsel. Die von P. H. Piel geführte Stellmacherei und Wagenbauerei ist durch Kauf in den Besitz des Stellmachers Hermann Bruning aus Enger übergegangen. Dem Vernehmen nach will Piel im kommenden Frühjahr eine Ansiedlerstätte in Ostpreußen übernehmen. Brake i. W., 3. Okt. Infolge Umwandlung des hiesigen Bahnhofs in einen solchen 3. Klasse, wurde Herr Oberbahnassistent Müller am 1. Oktober als Verwalter der Station von Visselhövede nach hier versetzt. Salzuflen, 3. Okt. Ein verwegener Dieb tahl wurde heute mittag im Schützenhausgarten verübt Dem Gastwirt Rache wurden aus einem hölzernen Käfig 1 Fasanenhahn, 1 Fasanenhenne und eine Turteltaube ge tohlen. Detmold, 3. Okt. Ein Raubüberfall, wobei dem Räuber rund 1800 u in die Hände fielen, wurde heute in den ersten Nachmittagsstunden auf der Pivitsheide, nicht weit von der Kottmeierschen Möbelfabrik, ausgeführt. Der Bote der genannten Firma hatte das Geld von der Dres dener Bank in Detmold geholt. Als er kurz vor der Fa brik auf dem sogen. Sandwege war, erfolgte der Überfall durch zwei Wegelagerer. Der Bote wurde zu Boden gechlagen und das Geld geraubt. In den Nachmittags tunden wurde die Verfolgung der Räuber mit einem Poli zeihund aufgenommen, ein Resultat ist jedoch bis jetzt noch nicht bekannt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Minden, 4. Okt. Einjährig=Freiwillige ind hier zum 1. Oktober eingestellt: beim Inf.=Regt. Nr. 15: 62, beim Mind. Feldart.=Regt. Nr. 58: 30, beim Hann. Pionier=Batl. Nr. 10: 25. Bocholt, 3. Okt. Eine eigenartige Ent deckung machte man dieser Tage im Krankenhause bei der Operation einer magenkranken Frau. Man fand in ihrem Magen ein Taschenmesser und zwei Schlüssel, dar unter einen mit einem Ring. Bocholt, 3. Okt. Blitzschlag. Gestern abend entlud sich ein kurzes heftiges Gewitter über der Stadt. Der Blitz schlug in die Biermannschen Arbeiterhäuser an der Münsterstraße und richtete erheblichen Schaden an. Von einem Hause brannte der Dachstuhl ab, die Nachbarhäuser wurden beschädigt. Essen, 3. Okt. 75 000 Mark überwiesen hat Herr Gesandter Dr. Krupp von Bohlen und Halbach der St. Maria=Himmelfahrtspfarre in Essen=West für die Errich tung einer neuen Kirche für den Bezirk Amalia. Aachen, 3 Okt. Schmuggel. In Henri=Chapelle haben gestern nacht belgische Zollbeamte auf einer von ihnen verbarrikadierten Straße ein deutsches Automobil, das in einem verborgenen Behälter 450 Liter Alkohol mitführte, beschlagnahmt und den sich stumm stellenden Lenker ver haftet. Hannover, 3. Okt. Prinz Waldemar von Preu ßen, der bekanntlich seit Mai d. J. bei der hiesigen Regierung beschäftigt ist, hat am 1. Oktober einen Informationskursus beim Landratsamt des Kreises Hannover=Land an getreten.„„„ Emden, 3. Okt. Dader Hafenarbeiterstreik verloren ist, haben die Hafenarbeiter heute beschlossen, ihn aufzuheben. Der sozialdemokratische Verband hat sich da mit eine schwere Niederlage geholt und viele seiner Mit glieder sehr geschädigt. Ein Deutscher als Spion verhaftet. Kovenhagen, 4. Okt. In Jüteborg wurde wegen des Verdachts der Spionage der Deutsche L. B. Baumann verhaftet. Er ist in Bayern geboren und Arbeiter von Be ruf. Die Polizei beschlagnahmte einen Brief, aus dessen Inhalt hervorgeht, daß Baumann den russischen Spionagebehörden anbot, Spionagedienste zu leisten. Reitunfall des Grafen Zeppelin. Zürich, 4. Okt. Graf Zeppelin unternahm gestern von Erlenbach aus einen Spazierritt. Auf dem Rückwege nach Erlenbach stürzte er vom Pferde und zog sich hierbei einige Verletzungen zu, die nicht ernster Natur sein sollen. Von einem Schutzmann erschossen. Gelsenkirchen. 4. Okt. Im Stadtteil Witmar wurde gestern nachmittag der Arbeiter Michael Wenzel aus Wanne von dem Schutzmann Pluterer erschossen. Wenzel hatte in einem Hause am Haverkamp mit mehreren Personen Streit gehabt, wobei der Wohnungsinhaber verletzt wurde. Als der herbeigerufene Schutzmann die angesammelte Volks menge zerstreuen wollte, trat ihm Wenzel dabei entgegen und versuchte, ihm im Handgemenge das Seitengewehr zu entreißen. Da Wenzel auf mehrmalige dringende Aufforderung nicht nachgab, sah sich der Schutzmann gezwungen, den Dienstrevolver zu ziehen und auf Wenzel einen Schuß abzugeben. Wenzel wurde in die Brust getroffen und auf der Stelle getötet. Neuere Entdeckungen und die Bibel. Religions-wissenschaftl. Bis auf weiteres Jeden Sonntaa 5 Uhr nschmittags und Mittwoch 8½ Uhr abends im Missions-Saal, Radewigerstr. 871. I. Vortrag: Sonntag. 5. Okt., 5 Uhr nachm. Thema: „Weshalb ist die Bihel Gotteswort u nicht Nenschenwerk“ Ref.: P. Uldokat, Prediger. 2. Vortrag: Mittwoch, 8. Okt., abds. 8½ Uhr. Thema: „Biblische Prophezeihungen und ihre Erfüllung als Beweis göttlicher Inspiration“. Zuteitt für Angehörige aller Confessionen und Lebensanschauungen Zwangsversteigerung. Am Montag, den 6 und Dienstag. den 7. d. Mis., nach mittags 1 Uhr, versteigere ich im Bürgerverein hierselbst 1 Partie Manufakturwaren bestehend aus: Herrenkleiderstoffe, Damenkleiderstoffe, Gemdentuch, Kostümstoff, Cheviot, Wolle Schürzenstoff, Blusenstoff, Leinen, Satin, Sammet, Unterhosen, Hemden, Damenjacken, Kinderanzüge und sonstige Sachen mehr öffentlich meistbietend gegen Barzahlung. Der Verkauf findet bestimmt statt Clittenburg, Gerichtsvollzieher. Letzte Nachrichten. Weitere Truppenmobilisierungen Serbiens. Belgrad, 4. Okt. Ein königlicher Erlaß ordnet die Mobilisierung auch des 2. Aufgebots der Gebirgsartillerie division an. Bei Prizrend wird noch gekämpf' Die Al bauer haben dort bedeutende Massen angesammelt. Deutsche Oekonomiesachverständige nach Serbien. Belgrad, 4. Okt. Auf Ersuchen der serbischen Re gierung ist der deutsche Sachverständige für Viehzucht, Oekonomierat Dr. Taumann, gestern hier eingetroffen Noch weitere Experten werden aus Deutschland erwartet Zum Zwecke der Erforschung der wirtschaftlichen Verhält nisse Neuserbiens sind die deutschen Sachverständigen von der serbischen Regierung vorläufig auf drei Monate ver pflichtet. Zu der deutschfeindlichen Stimmung französischer Handelskreise. Berlin, 4. Okt. Hinsichtlich des Ursprunges der gegen wärtig herrschenden deutsch=feindlichen Stimmung franzö sischer Handels= und Industviekreise wird die Handelskammer Stuttgart mit besonderem Nachdruck auf die Tatsache hin weisen, daß die Haltung der nationalistischen Presse gegen über deutscher Industrie zu einem nicht geringen Teil auf Maschinationen der englischen Konkurrenz, die den deutschen Fabriken weder in Qualität, noch in Preisen habe nachkom men können zurückzuführen sei. Fliegerunfälle. London, 4. Okt. Der Militärflieger Menick vom königlichen Fliegerkorps verlor gestern bei einem Fluge über die Territorry=Ebene durch einen Unfall sein Leben. Als er in einer Höhe von 300 Mtr. auf einem Store=Zweidecker flog, kippte die Maschine plötzlich vornüber und schleuderte ihn von seinem Sitz auf die Erde, wo er tot liegen blieb. Die Maschine landete alsdann fast unbeschädigt neben ihm. Frankfurt a. M., 4. Okt. Auf dem Flugfelde am Rebstock stürzte der Flieger Trautwein aus 10 Meter Höhe ab. Der Flieger erlitt Verletzungen an den Händen und im Gesicht. Der Apparat wurde vollkommen zertrümmert. Bekanntmachung. Es wird gebeten, weger Entlastung der Hauptschlachttage den städtischen Schlachthof zu schlachtungen von jetzt ab wöchentlich nur am Dienstag, Mittwoch und Freitag von nachmittags 2 Uhr und am Donnerstag von 9 Uhr vormittags an zu beuutzen. Herford, 1. Oktober 1913. Der Maaistra Bekanntmachung. Nach der Feststellung des beamteten Tierarztes ist unter dem Schweine=Bestande des Arbeiters Friedrich Schierholz zu Depenbrock 157 die Rotleusseuche ausgebrochen, was hier durch zur öffentlichen Kenntais gebracht wird. Lähne,—. Oktober 1913. Die Polizei=Verwaltung: Schrakamp, Amtmann Bauplätze an der Salzuflerstraße und in der Nähe des Renntors an der Karlstraße zum sofortigen Bebauen habe preiswert unter günstigen B.dingungen zu verkaufen. Baugelder können beschafft werden Otto Marcus. Comthurstr. Nr. 10, 1. Eig Der von der Firma Louis Steinhauer bisher innegehabte Laden mit Wohnung Rennstraße Nr. 43, ist zum 1. April 1914 oder früher zu vermieten. Auskunft erteilen Gresselmeyer und A. Eesmann. I. Etage Renntor 2(Breipohl) den 1. Aoril 1914 frei. 5 Zimmer, 1 Mansarde, eige Bodenkammer, Küche, Speisekammer und Zubehör. Preis Mt 600—. Eine Wohnung, 8—4 Räume nebst Küche zum 1. Januar gesucht. Offerten unter Nr. 9698 an die Geschäftsstelle d. B. Beamter sucht zum 1. 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Er macht entgültig den schönen Traum des Kobur gers zu einem Balkanischen Kaisertum zunichte, wonigstens auf Jahre hinaus. Denn die im letzten Kriege Bulgarien geschlagenen Wunden worden nicht so leicht vernarben und es wird jahrolanger Arbeit bedürfen, ohe Bulgarian sich erholt haben wird. Gewiß ist eine Vergrößerung des Reiches erfolgt und es ist gelungen, die Grenze bis zum Aegäischen Meer auszudehnen, aber man hat doch einen großon Teil des Gebietes, das man unter schweren Opfern erobert hatte, wie der herausgoben müssen; Adtianopel verbleibt den Türken trotz der nurgehauren blutigen Opfer, die die Eroberung der Festung seinerzeit gekostet hatte. Es mag die Bulgaren bitter angekommen sein, ein devartiges Zugeständnis zu machen, aber sie waren am Ende ihrer Kraft. Und wirgens wollte sich eine Hand zu ihren Gimsten regen. Nicht einmal in Peters bung, wo man sich anfänglich der Bulgaren annehmen wollte, schließlich aber doch davon Abstand nahm, weil man befürchtete, sich dabei die Finger zu verbrennen. Mit dem Balkan ist ja überhaupt ein eigen Ding, nie weiß man, was da morgen kommt; houte die günstigsten Aussichten auf bardigen Eintritt der Ruhe und am nächsten Tage wieder ein neuer Zwischonfall, der alles über den Haufon stürzt. Während die türkischen und bulgarischen Telegierten in Konstan tmopel über den Frieden beraten entspinnt sich ein neuer Konflikt der Türkei mit Griechenland in der Frage der Aegäischen Insoln. Das Glück in Thrazien chat die Herr schaften in Konstantinopel erwas üppig gemacht, man glaubt, das Spitl auch gegenüber Griechonland wiederholen zu können, und will mit einem Male nicht daran gehen, früher übernommene Zusagen einzulösen. Griechenland läßt sich das aber nicht gefallen, es zoigt den Türken die Zähne und diese sehen wohl ein, daß es nicht gut wäre, mit don Grie chen Kirschen zu essen, weshalb man im Goldenen Horn schließlich einzulenken versuchte. Griechen und Bulgaren sind eoben nicht dasselbe; die Bulgaven lagen ohnmächtig dansover uund konnten sich nicht zur Wehr setzen, Griechenland ist aber im Kriege erfolgreich gewesen, das Selbstbewußtsein ist ge wachsem aud man würde frischen Mutes in emen neuen aufgezwungenen Kampf gogangen sein, dessen Folgen für die Türken wahrscheinlich nicht die besten gewesen wären. Mitten in das alles hinein platzten dann die Differenzen zwischen den Serben und don Albanern. Aus welchen Gründen der Aufstand ausgebrochen ist, liegt nicht klar vor Augen. Von albanischer Seite wird angegeben, die von der Londoner Botschaftervereinigung gegen Serbien festgesetzte Grenze sei so unglücklich gewählt worden, daß— umn mit einem Wort Issa Boljctinatz', eines der alba wrischen Führer, zu reden— die furchtbarsten Gebiete dam Lande genoumen und nur fahle Felsen ihm gelassen worden wären. Die alten Märkte, auf deuen die Albanier ihre Waren zu verhandeln gewohnt waren, sollen durch die Ser bon den Albaniern verschlossen wordon sein: der kräftige Ein spmich dagegen ist der Aufstand. In Serbien dagegen wild die Bohauptung aufgestellt, daß man sich in einem Falle Notwohr den Albaniern gegenüber befinde, und daß die Schließung der Märkte nichts anderes darstelle als das ein zige Mittel, den Uebergriffen der Albanier zu steuern. Man betont, daß alles, was Sorbien an Mannschaftsangebot gegen die Westgrenze gesandt habe, nur zu dem Zweck geschehen sei, ein für allomal dort die Ruhe herzustellen. Die Nachrichten von den Kämpfen, die aus diesem Grunde stattgefunden haben, sind so widersprechend wie nur möglich. Es liegt auf der Hand, daß die Albaner schließlich muterliegen müssen; 1815. Blüchers Entschließungen. Am 5. Oktober, als Blücher sein Hauptquartier nach Düben verlegt hatte, stand er schwerwiegenden Entschlüssen gegenüber. Der schwedische Kronprinz und Bülow hatten die Elbe überschritten und es lag für die Tatkraft eines Blücher nichts näher, als mit den vereinten Kräften gegen Leipzig zu marschieren und Napoleon anzugreifen, bevor er seine Truppen vereinigen konnte. Die Lage war ganz eigenartig. Blüchers Ankunft vor Leipzig konnte, wenn sie zu früh erfolgte, mehr schaden als nützen; er ware dem Plane Napoleons entgegengekommen und der Ausfall einer Schlacht ohne die Hilfe der Hauptarmee wäre mindestens zweifelhaft geblieben. So entschloß sich Blücher denn, vor läufig an der Mulde stehen zu bleiben und sich abwartend zu verhalten. Gefecht bei Flöha— Boyen über die Sachlage. Am 6. Oktober kam es bei Flöha zwischen den Franzosen und der Hauptarmee der Verbündeten zu einem Gesecht, das für die Österreicher schlecht ausfiel und noch schlimmer hätte ausfallen können. Murat hatte mit starken Kräften die Truppen Gyulais angegriffen; die völlige Ungleichwohl birgt aber die ganz Angelegenheit mancherlei Komplikationen in sich, sobald es den Serben einfallen sollte, das Maß einer Strafexpedition zu überschreiten und Versuche zu machen, große Teile des Landes zu okkupieren und damit natünlich die Großmächte auf den Plan zu bringen. Bei dicen dürfte aber schwerlich Neigung vorhanden sein, das schwere Werk der Schaffung des autonomen albanischen Staates durch Servien erschüttern zu lassen. Man würde sicherlich von dieser Seite Serbien in den Arm fallen. Vielleicht daß dieses die Gelegenheit benntzt, für sich moch einige Konzes sionen herauszuschlagen. Jodenfalls zeigt aber die ganze Angeleganheit, daß es an der Zeit ist, den provisorischen Zu ständen in Albanien ein Ende zu machen und ihm endlich ein Oberhaupt zu geben, dem es gelingt, eine Konsolidierung der Verhälmisse zu ermöglichen und das neue Staatengrbilde einer glücklichen Entwicklung entgegenzuführen. Seit Jahren ist man an der Seine eifrig am Werke, Spanien möglichst eng mit Frankreich beziehungsweise dem Dreiverbande zu verknüpfen, ohne daß diese Bemühungen einen wesentlichen Erfolg aufzuweisen hatten. Jetzt will man aber im Sturmschritt vorwärts und glaubt, daß der bevorstehende Besuch Poincarés in Madrid das Werk zustande bringen werde, indem bei dieser Gelegenheit ein Bündnisvertrag abgeschlossen würde, der politische und wirtschaftliche Vereinbarungen festlegen soll. Die Liebe ist aber eine etwas einseitige, in Spanien denkt man allem Anscheine nach gar nicht daran, sich so eng an Frankreich zu binden, und wenn man vielleicht über die eine oder andere Angelegenheit Abmachungen treffen mag, so geschieht dies lediglich, soweit das Spanien als in seinem Interesse liegend erachtet, eine feste Bindung, wie man sie in Paris gern haben möchte, wird man in Madrid unter keinen Umständen eingehen. Der der Regierung nahestehende„Imparciol“ gießt bereits etwas Wasser in den Wein der Freude, indem in einer zweifellos offiziösen Auslassung erklärt wird, es sei zu hoffen, daß engere Freundschaft geschlossen würde, aber man dürfe nicht bis zu einem neuen Schutz= und Trutzbündnis gehen und müsse die Freundschaft jedenfalls auf das Unternehmen Spaniens in Marokko beschränken. Das läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und ist gleichzeitig eine Mahnung an Frankreich, nichts Unmögliches zu fordern, da man sich sonst unbedingt einen Korb holen würde. Spanien will eben seine volle Unabhängigkeit wahren, weil es dadurch mehr zu erzielen vermag, als wenn es durch bestimmte Verpflichtun gen gebunden ist und der andere Teil der Unterstützung unbedingt sicher wäre. Aus der in Paris geplanten Ehe dürfte also kaum etwas werden, Spanien wird ledig bleiben. Italien sind in dieser Woche die Neuwahlen ausgeschrieben worden, die nach einem neuen Wahlrecht vor sich gehen, durch das die Ziffer der Wahlberechtigten ganz beträchtlich erhöht worden ist, da der Regierung daran liegen muß, eine möglichst kompakte und sichere Mehrheit zu erzielen, so hat sie gleichzeitig ein Kommuniqué veröffent licht, das ihr Programm darlegt. Dieses ist sehr liberal gehalten und legt namentlich auf eine entschiedene Sozialpolitik großen Wert. Was die äußere Politik anlangt, so wird des Dreibundes ganz besonders gedacht, dessen Politik den Weltfrieden erhalte, und sich oft genug in dieser Hinsicht bewährt habe. Gleichwohl hält man aber es für notwendig, um volle Geltung im Rate der Völker zu be halten, für die Stärkung der Rüstung zu Wasser und zu Lande neue Mittel zu fordern, da man angesichts des Wettrüstens der Nationen nicht hinter den Übrigen zurückbleiben dürfe, wenn man nicht Schaden leiden wolle. Diese Verstärkung ist um so mehr notwendig, als allem Anscheine nach Italien jetzt eine intensivere Mittelmeerpolitik treiben will, wie das auch zwischen den Zeiten des Kommuniqués hindurch zu lesen ist. Im fernen Osten scheinen jetzt die Wolken zu verzichen, ganz sind sie freilich moch nicht geschwunden. Die Differenzen zwischen China und Japan könnten als beigelegt gelten, nachdem der chinesische General zur verlangten Entschuldigung sich bereit erklärt hhatte, indessen win man sich jetzt in Japan nun mit einem Male nicht mohr zufrieden geben, sondern rückt mit weiteren Forderungen heran. Das macht den Einduuck, als weimn Japan cüinen Konflikt mit den Chincsen um jeden Preis haben wolle, und wenn auch die Meldungen von großen Rüstungen und dergleichen von der Regierung in Tokio dementiert werden, so deutet doch manches darauf hin, daß sich allmählich Dinge vorbereiten, die für die Entwicklung ist Ostasien von ungameiner Tragweite sein können. H. T. B. Niedriger hängen. tätigkeit der in unmittelbarer Nähe stehenden österreichischen Reserven verschaffte dem französischen Führer einen leich ten Sieg; er warf seinen Gegner mit erheblichen Verlusten über Schellenberg auf Waldkirchen und Grünhainichen zurück und hätte seinen Erfolg noch weiter ausbeuten können, wenn er rechtzeitig genügende Unterstützungen nachgezogen hätte. Seine Lässigkeit rettete die Österreicher vor einer schweren Niederlage.„ Es sei hier eine Stelle aus Boyens Dentwürdigkeiten angeführt, die in geradezu plastischer Anschaulichkeit die Situation jener Tage wiedergibt:„Menschlicher Wahrscheinlichkeit nach hätten wir ohne das Zutreten fremder Einwirkungen noch lange vor Wittenberg weilen können; der Kronprinz gefiel sich mit der Elbe vor der Front, seinem Quartier in Zerbst ganz gut, und in der sogenannten Großen Armee unter Schwarzenberg fehlte Einheit und Unter nehmungsgeist. Glücklicherweise bildete der rastlose Tatendurst Blüchers und Gneisenaus Scharfblick eine Vereinigung, die Kraft genug besaß, alle diese Hindernisse zu be siegen; der ebenso kühn gedachte als geschickt ausgeführte Marsch der Schlesischen Armee aus der Lausitz gegen Wit tenberg ist unbestritten eine der wichtigsten Handlungen dieser Periode und die Haupteinleitung zur siegreichen Schlacht bei Leipzig.“ * Was für Machwerke eine gewisse Sorte von„Dichtern", denen die Verhetzung Lebenszweck ist, der deutschen Arbeiterschaft, ausgerechnet in dem Gedenkjahr 1915, als Posie vorzusetzen wagen und vorsetzen dürfen, das mögen nachstehende Proben kennzeichnen, die wir der Neuen Korrespondenz entnehmen: Der„Volksfreund“(Karlsruhe) brachte vor einiger Zeit folgendes Machwerk: Deutschland, Deutschland über alles, lber alles in der Welt! Permanenter deutscher Dalles, Große Possen und kein Geld! Neue Militärvorlage, Neue große Steuernot; Allergrößte Sorgenplage; Für den Hurra=Patriot! Krieges=Wau=wau, blinder Glaube, Schutz dem lieben Vaterland! Ja und Amen=Steuerschraube, Deutscher Dummheit Unterpfand! Bleibe chronisch, deutscher Dalles, Von der Etsch bis an den Belt, Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt! Pister. Fast zur selben Zeit stand in der„Mannheimer Volksstimme“ ein„rotes Preußenlied“, das der Genosse Davidsohn„gedichtet“ hat. Einige Verse dieser Sudeleien lauten: Ich bin ein Preuße! Kennt ihr meinen Jammer? Ein Proletarier! Kennt ihr meine Not? Den bleichen Säugling schon in dumpfer Kammer Umschleicht der Hunger und der kalte Tod. Der Schnitter mäht in Scharen Die Saat des Proletaren, Das Kind des Reichen blüht im Sonnenschein— Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein! Die Schulpflicht ruft! Die jungen Preußen lernen Vom König viel und viel vom lieben Gott, In ihren muffig engen Schulkasernen Wird die Vernunft zum blöden Kinderspott, Knapp kennen unsre Söhne Der Muttersprache Schöne, Des Reichen Kind lernt Englisch und Latein Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein! Soldat! Soldat! Sie brauchen eure Glieder, Sie zwängen euch hinein ins bunte Tuch. Dem Volke haltet ihr die Freiheit nieder, Und euer Dasein wird dem Frieden Fluch. Die Arbeitsbrüder schaffen, Ihr starrt in Wehr und Waffen, Ihr schützt der Reichen goldgespickten Schrein Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein! Die Sorge naht, früh furcht sie Stirn und Wangen, Die Kraft erlahmt, des Lebens Rest verfliegt, Dem Alter naht der Proletar mit Bangen, Ihm lacht kein Glück, bis er im Grabe liegt. Kein König hat Erbarmen, Mit euch, ihr Bettelarmen, Bohrt euer Lied dem Volk in Mark und Bein: Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein! Die erbärmlichen Machwerke tragen freilich sichtbar genug den Stempel der Gehässigkeit an sich. Aber immerhin sind solche Nichtsnutzigkeiten ein bemerkenswertes Zeichen, wie weit sozialdemokratischer Verhetzungswille den Geist und Geschmack der„Genossen“ zu verderben imstande ist. Träumende Menschen. Roman von Dora Duucker 11. Fonsetzung. (Rachdruck verbeten.) Berta setzte ihre Vorstellung fort:„Fräulein Reimann.“ . Uebr oas schmale, blasse Gesicht des Langen zog ein stilles, beinahe andächtiges Lächeln. „Jerr Professor Andreas Reimann?!“ Er sagte es sagpgn, als ob er sich nicht getrau., den Namen auszu.. Cornelie nickte vergnügt.„Das ist mein Alter, ja. Und Sie waren heute bei ihm— und die Gans, die Dietrich, hat Sie nicht vorgelassen— ich war nämlich bei meiner Schwester— und mein alter Herr hat getobt.“ Edgar, der sich köstlich über Nellies Eifer amüsierte schlug vor, daß man sich setzen und die kritische Frage bei ee Schildkrötensuppe, die eben aufgetragen worden war, Wahl, der im nüchternen Zustande sich niemals als Gast zu Fremden gesetzt haben würde, folgte widerstandslos. Es war ein völliger Rausch bei dem Namen Reimann über ihn gekommen. Hans, ohne auch nur daran zu denken, ihn zum Munde zu führen, sagte er: "„och war bei Ihrem Herrn Vater, ja. Ich wollte ihm ein paar Steinproben aus dem Gebiet des Hoch=Sudan bringen, die mir besonders interessant und wertvoll erDiezsg. ich wax sehr zufrieden, daß die alte Frau mich „#te#.„hätte um nichts in der Welt Herrn Professor in der Arbeit stören mögen.“ . Der junge, stille Mensch ward beredt und immer begekannt haften 40n als Knaben hatten— er mochte nicht viel älter als Lotte sein und im fünfundzwanzigsten Jahre stehen— sahen sich verGus derm bsafr. 2Prassuae sagten:„Rlicht zu glauben, was ### der. blassen. kränklichen Menne Wahl, mit dem niemand spielen wollte, geworden ist!“ Reimanns glammiearein, d, wissenschaftlichen Bedeutung Reimanns„5.Mineraloge, die, weil er ein Privatgelehrter Staatsstellung und Orden war, lange nicht genug bekannt und gewürdigt sei. Für sie, die jungen Aufstrebenden, aber sei Andreas Reimann ein Halbgott. Cornelie hörte mit stolzem Lächeln zu. „Lassen Sie nur erst sein Buch fertig sein, Herr Wahl, dann wird die ganze Welt von ihm sprechen.“ „„Gott geb's!“ Und mitten zwischen Gemüse und Braten sprang Cornelie plötzlich auf und hätte, wenn es der Raum gestattet, einen Indianertanz aufgeführt vor Vergnügen darüber, daß sie ihre Wette gewonnen, Herrn Wahl gefunden hatte und ihre Schneiderrechnung bezahlt erhielt.— Um halb zehn brach die kleine Gesellschaft auf. Edgar Cornelie und Herr Wahl begleiteten Fräulein Maaß und Fräulein Heine ein gutes Stück Weges bis zu einer Straßenbahn, die sie in die Nähe des Bahnhofs brachte. Wahl ging mit Lotte hinter den anderen her. Das Mädchen hatte den ganzen Abend über kaum ein Wort gesprochen. Sie war ganz in Anschauen und Zuhören versunken gewesen. Bittersüß schien es ihr, die Menschen zu sehen, zu hören, zu beobachten, in deren Nähe Rolf Kohne fortab einen Teil seines Lebens verbringen würde Ein paarmal hatte Lotte reden, Fräulein Reimann sagen wollen:„Ich kenne Ihre Frau Schwester. Ich hatte einmal Gelegenheit, ihr gefällig sein zu dürfen.“ Dann wieder erschien es ihr unzart, auf diese Sache anzuspielen, sich einen Dank holen zu wollen. Frau von Lersch würde sich kaum ihrer Person, geschweige ihres Namens mehr erinnern. „ Eine Weile war der junge Wahl schweigend neben der Nachdenklichen hergeschritten. Jetzt sagte er: „Ueber dem seltsamen Zufall mit dem Herrn Professor sind wir ganz von unserem Gespräch abgekommen.“ In bittendem Ton fügte er hinzu: „# ich bald einmal zu Ihnen herauskommen, es fortzuführen? Ich habe Ihnen sehr, sehr viel zu sagen, Fraulein Lottchen. Alles, was ich in den langen Jahren gedacht, als ich da unten in Afrika war.“ Seine Augen sprachen mehr, als seine Lippen zu sagen vermochten. Aber sie sah nichts von dem beredten Blick dieser Augen und hätte ihn auch wohl kaum gesehen, wenn sie nicht im Dunkel des Tiergartens geschritten waren. Müde erwiderte sie:„Wann Sie wollen, Herr Wahl. Mein Vater wird sich gewiß sehr freuen, Sie wiederzusehen.“ Nachdem die Damen die Straßenbahn bestiegen hatten, empfahl sich Wahl, der sich nach der gleichgültigen Antwort Lottes nicht getraut hatte, seine Begleitung bis zum Bahnhof anzubieten. Edgar und Cornelie gingen allein die Viertelstunde Wegs, die sie vom Brandenburger Tor noch zu gehen hatten. Cornelie würde trotzdem pünktlich sein. Auch sie sprachen nicht viel mehr. Das schlackenlose Glücksgefühl innerlicher Zusammengehörigkeit war wieder einmal über sie gekommen und machte sie stumm. behren, was sie ihm gegeben hatte, und er wußte auch, sie hatte es ihm gern gegeben. Dennoch würde es ihm eine große Erleichterung gewesen sein, hätte er die Summe zurückerstatten können. Von dem, was Onkel Bogislaw ihm großmütig ausgesetzt, konnte er wohl leben, nicht aber seinen Leichtsinn wieder gutmachen. Erwerbsmöglichkeiten hatte er nicht. Das Geld von anderen leihen, um es Lena zurückzuzahlen, hätte die Lage nur noch mehr erschwert. Geld war heute rar und teuer. Er hatte es erfahren, als er einmal eine verhältnismäßig kleine Summe mit ungeheuren Opfern hatte bezahlen müssen. Einmal wieder mußte sich ja doch eine Chance finden! Denn was er, der junge Gardeoffizier, der schönen und verwöhnten Frau an Aufmerksamkeiten und Gefälligkeiten bieten konnte, war so unerheblich, daß auf diese Weise mie an ein Aequivalent zu denken sein würde Er reckte die Arme in der milden, weichen Luft. Fort mit den grüblerischen Gedanken. Der Maiabend war zu schön dazu. Aber er war auch zu schön zum Alleinsein! Wenn er nur irgend jemand gewußt hätte, mit dem er noch hätte plaudern, ein Glas Wein trinken und damit über seine heißen, sehnsüchtigen Gedanken, wie über seine grüblerischen fortkommen können! Nach Potsdam ins Kasino zu fahren, dazu hatte er gar keine Lust. Wenn man schon einmal in Berlin war! Er war, ohne daß er es bemerkt hatte, in die Dorotheenstraße eingebogen. Erst das elektrisch beleuchtete Portal des Wintergartens machte ihn darauf aufmerksam. Sollte er noch auf eine Stunde hineingehen? Aber heute schien ihm auch das stumpssinnig. Auch mochte das Maiprogramm wenig verlockend sein. Plötzlich fiel ihm ein, daß Kamerad von Selten, seit er auf Kriegsakademie kommandiert war, hier ganz in der Nähe wohnen mußte. Er sah auf die Nummern. Wahrhaftig keine zehn Häuser weit. Vielleicht war der Zufall günstig und er traf ihn zu Haus. Mindestens konnte er sehen, ob seine Parterresenster hell waren. Traf er ihn, wollte er ihn 11. Kapitel. Edgar hatte sich nicht entschließen können, sogleich zur Bahn zu gehen. Er hatte morgen erst um neun Uhr Dienst. Der Abend war so schön. So viel Leben noch auf den Straßen! Und sein Blut ging so ungestüm, sein Herz war so voll von Dank und Liebe. Gab es auf der weiten Welt ein lieberes, schöneres, klügeres Geschöpf als Cornelie Reimann? Er hatte an sich halten müssen, heute abend mehr denn je, sie nicht an sich zu reißen, ihr nicht zu sagen: Ich liebe dich über alles in der Welt, du Süße, Einzige. Er hätte ihren jungen, frischen Mund mit Küssen bedecken mögen. Aber er durfte es nicht, und er war sich dieser schweren Pflicht bewußt. Sollte er das Vertrauen, das man ihm schenkte, schmählich mißbrauchen? Durfte er ein Mädchen an sich fesseln, dem er keine andere Zukunft zu bieten hatte als seine Liebe? Für ein leichtes Liebesspiel aber war ihm Cornelie zu gut, liebte er sie zu heiß und aufrichtig, respektierte er sie zu sei, . U n d a u c h s i e w ü r d e s c h w e r l i c h i n e i n s o l c h e s g e w i l l i g t ven. allem Uebermut hätte sie sicherlich ihr Herz m. beide., H., den, festgehalten, ehe sie es ihm zu flüch tigem Spiel geschenkt hätte. Und hätte er Lena kränken, Schmerz bereiten dürfen, der e. dankte, daß er seines Königs Rock noch tragen durfte, daß seine Existenz nicht vernichtet war!? s„ a b S t u n d e n, i n d e n e n s e i n e S c h u l d g e g e n L e n a Edgar schwer drückte. Er wußte wohl, sie konnte entschon mobil machen. Trotzdem Selten jetzt mächtig büffelte war er doch ein fideles Haus. Glück muß der junge Mann haben! Wahrhaftig, die Fenster waren hell, und der dicke Portier stand in der offenen Tür und schöpfte noch nach Toresschluß Maienluft Der Oberleutnant hatte die Bücher gerade beiseite geworfen. Er schwankte, was er mit dem angebrochenen Abend anfangen sollte. Nichts konnte ihm willkommener sein, als der Besuch des Kameraden. „Ein grandioser Einfall, Lersch. Aber ich glaube, meiner ist auch nicht von Pappe. Ziehen wir beide Zivil an und gehen wir ein bißchen gründlich bummeln.“ Edgar war sofort dabei. Wenn er mit dem letzten Zug nach Potsdam fuhr, kam er noch immer zur Zeit An wenig Schlaf war er gewöhnt. „Willst du die graue oder die braune Kluft? Passen tun sie dir beide.“ Pa Edgar entschied sich für die graue, um dem Eigentümer den Vorzug der Modefarbe zu lassen. In einer Viertelstunde waren sie auf der Straße. Der Oberleutnant begann eine Reihe von Vorschlägen zu machen. Edgar schienen sie etwas ausgedehnt zu sein. .„Sei kein Philister. Wenn du den Zug versäumst schläfst du bei mir und fährst morgen mit dem zweiten Zug hinüber.“ 04 In der Friedrichstraße, kaum, daß sie die Linden überschritten hatten, spürte Edgar plötzlich eine Hand auf seinem Arm. Funs 9n „Ah, Herr von Loewengard.“ Edgar fühlte sich nicht even angenehm überrascht. Aber Loewengard war, wie der junge Offizier sofort merkte, nicht so rasch wieder loszuwerden. Edgar stellte die Herren einander vor. Selten war. wie jeder, der Loewengard zuerst sah, sofort fasziniert und gern dabei, vorerst mal hinüber ins Kaisercafé zu gehen und dort ein Programm zu machen. Wenn die Herren nichts dagegen hätten, täte er mit. Was konnte ein einsamer alter Junggeselle Besseres tun, wenn er— selten genug— angenehme Gesellschaft fand! . Loewengard bestel fe, ohne viel zu fragen, drei Absinth. Mit dem Programm schien es seine Schwierigkeiten zu haben. Endlich meinte Loewengard mit einem raschen Blick auf Edaar: „Wenn die Herren sich mir anvertrauen wollten! Ich garantiere einen vergnügten Abend.“ Edgar war mißtrauisch. Aber da der Oberleutnant sofort ja sagte, was blieb ihm übrig, als sich gleichfalls einverstanden zu erklären? Sie nahmen ein Auto, das Loewengard in einen entfernten Stadtteil dirigierte. „Ich wette auf ein neues Ballokal,“ meinte von Selten gutlaunig und zu allen Schandtaten bereit. Edgar schwieg und überließ es den beiden anderen, die Unterhaltung zu führen. Das Auto hielt vor einer alten, häßlichen Mietskaserne. Die zweite Etage war erleuchtet, die Fenster mit gelben ungurchsichtigen, bogenformig gezogenen Gardinen dicht Loewengard zog dreimal rasch hintereinander die Klingel neben dem schweren altmodischen Haustor. Die Tür wurde sofort von innen geöffnet. Loewengard griff in die Tasche und gab dem Hauswart ein Trinkgeld, das besonders ansehnlich gewesen sein mußte, denn der Mann, ein verkommen aussehender Vierziger quittierte grinsend. Dann schritten sie die halbhelle Treppe hinauf „Eine fidele Herrengesellschaft. Ein intimer Klub ohne hochtönenden Namen. Beste Gesellschaft— animierte Unterhaltung— ein guter Tropfen Wein und ab und zu ein# harmloses Jeu,“ erklärte Loewengard im Hinaufwar es unheimlich zumute. Aber er konnte plonlich zurück und davonlaufen wie ein ängstlicher „Ich werde nicht spielen," dachte er,„um keinen Preis,“ und ging den andern nach. " Oben öffnete ein Diener, dessen elegante Livree in mart um Vestand“ dem rupvigen Au=sehen des HausDern ealden, Plisterern. nahmn er de Stscke ob. Die Zile wurden mit hineingenommen. traten durch ein mit roten Teppichen ausgelegtes Vorzimmer in einen salonartig eingerichteten Raum, an feischungen stand Sekt in Kübeln, Limonaden, Rot= und Weißweine Kognak= und Likörflaschen. Mehrere geöffnete Kästen mit Zigarren und Zigaretten. Aus einem kleinen offen stehenden Nebenraum drang der Duft von Kaffee und Grog. In dem großen Raum war nur ein Sofatisch durch zwei Personen besetzt. Die Herren grüßten Herrn von Loewengard flüchtig und ließen sich im übrigen nicht in ihrer halblauten Unterhaltung stören. „Bitte, meine Herren,“ sagte Loewengard mit frivolem Lächeln,„darf ich Sie in das Allerheiligste führen?“ Er stieß die nur zu einem Spalt geöffnete Tür auf. Edgar praute zurück. Ein Spielsaal, wie er sich zugeschworen ihn nie mehr zu betreten. Das gewohnte Bild: Das Baccnrat a deux Côtées. Der lange, grünbezogene Tisch, durch dessen Mitte ein heller Streifen aus aufgenähtem gelbweißen Tuch lief. Karten Gold und Scheine. An der Längsseite, den Rücken dem Fenster zugekehrt saß ein ältlicher, verlebter Mensch, mit kahlem Scheitel, eingedrückter Hemdbrust und verschobenem Schlips. Rechts und links vom Bankhalter die Spieler. Ein drückendes Schweigen lag über der Gesellschaft Ein einziger, mühsam zurückgedrängter heißer Atem. Nur ab und zu ein halblautes Wort aus der Gruppe, die abseits der Spieler stand. Kaum mehr als eine knappe Erläuterung der lebhaften Gesten. Loewengard war mit Selten sogleich an den Tisch getreten. Der Bankhalter gab gerade die Karten. Die Einsätze wurden gemacht. Loewengard, der auf der linken Seite spielte, warf drei Hundertmarkscheine auf den Tisch. Der Bankhalter deckte schweigend seine Karten auf. Coeur sieben— Carreau neun. Er hatte einen großen Schlag gemacht. Rechts und links zog er Geld und Scheine ein und legte sie zu dem großen Hausen, der schon vor ihm lag. Selten hatte nur einen kleinen Einsatz riskiert und verloren. Edgar war abseits vom Tisch stehengeblieben. Schattenhaft, wie durch einen Nebel, spielten die Vorgänge sich vor ihm ab. Er sah, wie die gebrauchten Karten in die Mitte des Tisches in den Panier geschoben wurden, wie ein neuer Abzug ausgeteilt wurde. Er hörte den Bankhalter sein„ich gebe“ sagen. Eine Stimme, die ihm bekannt, aber seltsam belegt vorkam, rief etwas, das er nicht deutlich verstand. Es mochte die Stimme Loewengards gewesen sein. Irgendwo sagte jemand Bac an. Plötzlich sah Edgar einen Berg von Scheinen vor Loewengard liegen. Ein paar Schläge mußten für ihn gefallen sein. Er mußte Einsatz und Gewinn haben stehen lassen. Der junge Gardeoffizier machte ein paar rasche Schritte näher auf den Tisch zu. Seine Augen hatten sich geweitet, kalter Schweiß war ihm auf die Stirn getreten. Ein Diener, der auf einem Brett schwarzen Kaffee und Limonaden servierte, ging an ihm vorüber. Hastig griff er nach einem Glas Limonade und trat dann ein paar Schritt weit wieder zurück, das Glas in zwei raschen Zügen leerend. Er lenkte seine Augen mit aller Energie von dem Haufen Gold und Scheinen ab, die vor dem Bankhalter und Loewengard lagen, und betrachtete sich die Spieler. Fast ausschließlich wildfremde Gesichter. Da und dort eine Physiognomie, die er irgendwo schon einmal gesehen zu haben glaubte. In Karlshorst, Hoppegarten oder auf de. Drunewaldrennbayn. Vielleicht auch in der Gesellschaft oder in einem der großen Berliner HotelRestaurants. Er hätte es nicht zu sagen gewußt. Vielleicht waren es auch nur typische Gesichter, die man überall wiederfand, wo es Pferde, Spiel, eine gewisse Sorte Weiber und Wein gab. „ F e r r t r a. z u i h m, d e r s i c h i h m v o r s t e l l t e. E d g a r tte den Namen nicht verstanden. Es war ein sehr junger Mensch, mit spitzem, schwarzem Kopf und einem kleinen bürstenartigen Schnurrbart. fragte ihn, weshalb er nicht mittue. Edgar schüttelte den Kopf und sah über den jungen Menschen fort, wieder auf den Tisch. Er bemerkte, daß der Berg Gold und Scheine vor Loewengard verschwunden war. Er hörte ihn mit erregter Stimme eine Perrier=Jouêt= Brut bestellen.= Perlier=0 Der junge Mensch sprach immer weiter auf ihn ein, bis irgendwo eine ärgerliche Stimme sich gegen die Unterauflehnte und hinzufügte: es finge eine neue Der junge Mensch ging rasch wieder an den Tisch zurück. Edgar sah, daß er neben Selten Platz nahm, der sich ohne Aufregung mit ganz kleinen Sätzen am Spiel beteiligte. Der Kamerad tat augenscheinlich nur mit, weil er einmal da war. Das Glück schien mit der rechten Seite zu sein. Loewengard gegenüber saßen zwei Herren, die seelenB9, Schlatz„#. Schzlg einzogen. Edgar sah auf den Bankhalter. Sein Gesicht war ein wenig fahler noch geworden. Die dünnen Haare klebten in feuchten Strähnen auf dem Schädel fest. Verschobener noch war sein Schlips, gänzlich verknüllt die weiche Hemdbrust Wieder gabger die Karten, jetzt mir einem flimmernden, unsicheren Blick auf die Spieler rechts. Die Einsätze wurgen, gemacht. Die unruhig gewordenen Hände des Bankhalters hielten einen Augenblick inne, bevor sie nach den eigenen Karten griffen. Dann fragte er heiser: Da packte es Edgar. Er konnte nicht länger an sich halten, er hatte genug gekämpft. Wenn er Glück hatte imn seiner Prustgsa für Lena und mehr .## t r a t a u f d i e r e c h t e S e i t e u n d w a r f a l l e s, w a s e r b## sich hatte, seinen ganzen Besiz, einen Hundertmarkschein, auf den Tisch. Im Nu hatte sich die Chance gewandt. Der Bankhalter kassierte rechts ein und zahlte der linken Seite, unbedeutende Beträge, aus. ####me Hundertmarkscheine waren für Loewengard „Darf ich Ihnen aushelfen, Herr von Lersch?“ fragte er und reichte Edgar, ohne eine Antwort abzuwarten, einen der Scheine hinüber. Der junge Offizier dankte mit stummem Kopfneigen per nächste Schlag war für ihn. Er ließ Einsatz und Gewinn stehen. In kaum zehn Minuten lagen elf blaue " ppen vor iym. Er zoa Einsatz und Gewinn und gab Loewengard seinen Schein zurück. saate Selten und nahm ihn fest beim Arm. Aber Edgar dachte nicht daran, jetzt, da er im Glück war, zu gehen. Die tausend Mark für Lena hatte er weshalb sollte er nicht auch für sich selber sorgen: (Fortsetzung folgt.) gerettete Familienglück. „.... und ig sage: tun Sie es ihm nicht dressen, before Sie setz' sein' Mutter an dem Tore!“ „Aber Miß! Er muß ihn doch anprobieren. Wo man hier auf dem Lande keinen Ersatz haben kann, und keine Näherin und nichts! Wenn was zu ändern ist, kann ich's doch bis morgen früh selber machen!“ „Au right! Unser ganzes feierliches Empfang wird verdorben sein. Tu' Sie dies Anglückskind sein weißes Anzug an! Ig nigt. Ig geh' nach mein' Zimmer!" „At 15, Miß Darling! Fall Sie nich über Ihr' Nasenspitz“!“— bemerkte hier ein unvermuteter Jemand. Die Miß klappte wütend die Tür zu.— Mamsell Burhenne aber faßte gottergeben unter den Tisch und zog richtig einen übel zerzausten kleinen Buben hervor. Er machte sich sogleich los und begann einen Indianertanz mit begleitendem Geheul.— Mamsell Burhenne fing ihn mit einiger Schwierigkeit wieder ein und verlegte sich auf's gütliche Zureden: „Fritz!— Fritzeken! Sei doch mal fünf Minuten gut!— Kuck den schönen Anzug! Den hat Vater geschickt! Damit du nett bist, wenn morgen Mutter kommt!— Bloß anprob’n sollen wir'n!— Denk' doch: wo die liebe Mama auf'n Tod gelegen hat in der Klinik! And beinah' überhaupt nicht wieder zu uns gekommen wäre!!"— Dies letztere Argument ging Fritzeken auf's Gemüt. Er ließ sich verhältnismäßig leicht einfangen, ausziehen und hielt sogar seine wenig sauderen Pfoten steif vom Leibe ab, als die Mamsell den fleckenlosen Leinenanzug über ihn streifte wie einen sauberen Kissenbezug. Eben wollte sie die Knöpfe schließen, als das Küchenmädchen hereinstürzte: „Jotte doch, Mamsell, die Juste is mit'n Daumen in die Wurstmaschine—!!!“ „Fritzeken— um Gotteswillen, bleib’ eine Minute so stehen! Gehe bloß nicht vom Flecke eine Minute— ich bin gleich wieder da, hörst du? Denk an die liebe Mama!!“ And Fritzeken stand allein, den neuen Anzug dreiviertel an. Er gab sich wirklich die redlichste Mühe, nicht vom Flecke zu gehen.— Aber man glaubt nicht, wie lang so eine dämlige Minute sein kann, wenn man sich nicht rühren soll. Gott sei Dank strich wenigstens, als sie zur Hälfte um war Mauzelchen herein, der älteste Sohn von Mietz, der Katze.— Mauzelchen war drei Wochen alt, schneeweiß mit schwarzem Schwanz; und er wurde von Frau Mietz so peinlich sauber gehalten, daß er wirklich selbst dem weißesten Anzug nicht gefährlich werden konnte. Fritzeken nahm ihn hoch, als er sich an seinem Schuh rieb und preßte ihn liebevoll an sich:„Mauzelmännchen, morgen kommt die Mama und bringt uns Schokolade mit!“ ug Die kleine Katze quiekte etwas unbehaglich. Aber Fritzeken drückte sie, durch die Aussicht auf die Schokolade zärtlich gestimmt, nur noch fester ans Herz. Plötzlich roch es sehr übel. Mauzel flog in die nächste Ecke und Fritzchen starrte entgeistert auf einen gelbbraunen Streifen, der über seine weiße Hose lief:„Da! So ein Biest! Und dabei sagte Mamsell, Katzen wären stubenrein!“ Sein erster Gedanke war: Waschhauskathrin! — Sein zweiter: Badewanne— denn die war näher. Er stürzte also ins Badezimmer hinüber und bearbeitete den gelben Streif mit dem Schwamm— und dem Erfolg, daß nunmehr das ganze Hosenbein gelbbraun wurde. Jum Ueberfluß knarrte just da die Treppe: Gott, da kam die Mamsell wieder!— Im ersten Schreck wollte Fritzeken wenigstens auf seinen alten Fleck zurückspringen. Aber er verhedderte sich in der Hast mit seinem kleinen Schulpültchen, und sauste holterdipolter mit Pult und allem an die Erde.— Eben als sich die Tür auftat, schoß das Tintenfaß im Bogen aus seinem Loche und entleerte sich über seinen Rücken. Die Mamsell, der dieser Knäuel JungePult=Bücher=Tintenfaß just vor die Füße rollte, ließ vor jähem Schreck ein Tragbrett fallen, auf dem sie das Besperbrot mit heraufgebracht hatte. And eine Tasse Milch, ein Kännchen Kaffee und ein Glas Himbeergelee machten im Nu der Tinte und dem Katzendreck den Rana streitig. Fritzeken, als man ihn aufgesammelt hatte, sah aus wie ein in jeder Beziehung mißratenes Oserei, und roch auch so. Mamsell Burhenne schluchzte fassungslos:„Was wird unse Herr sagen— was wird unse Herr sagen!“— And Miß Darling tobte:„Haben ich es nicht prophetet! Die ganze Empfang is verdorden!— Man wieo dem Anglückskinde einsperren mussen! — Wie ann man zeigen so eine kleine Swein zu seine liebe Mama!“ ——— Und der Empfang? Als die Mama am nächsten Morgen wirklich kam, stand unter den Girlanden des Gartentores ein blitzsauberer, weißer, frischduftender kleiner Bub, mit einem Rosenstrauß in der Hand. And die Mama weinte vor Rührung. und dankte jedem einzelnen, weil das Kind im Leben noch nicht so manierlich ausgesehen hätte Mamsell Burhenne dienerte strahlend, Miß Darling sah förmlich erhaben aus— und bloß die alte Waschhauskathrin bemerkte später zu ihrem Busenfreunde, dem noch älteren Kutscher: „Det von mir keen Mensch seredet hat, det nehm' ick sie ja nich weiter übel. Bei det Mittel hat man ja selber von't Waschen keene Arbeit mehr von. Aber det det janze Familisenjlück jerettet is, bloß weil ick den Jung sein neuet Zeuch die Nacht über in Perfil jestochen habe, det hätten se doch nu eisentlich dabei sagen können!“ ANANTN AA KII SEEEE für jede Art von Wäsche, besonders: Stickereien, Gardinen und sonstige zarte leicht zerreissbare Stoffe, die kein starkes Reiben und keine rauhe Behandlung vertragen. Für Woll- und Buntwäsche,(ie richt g.koch, sondern nur m stark handwarmer Persillauge etwa ¼, Stunde geschwenkt werden darl, um sie vollkommen rein zu machen. Hierauf die Wäsche gut ausspülen und ausdrücken, nicht auswringen. Die Wolle bleibt dann stets locker, grillig und filzt nie. Eür Krankenwäsche“es nen bakteriologischen Feststellungen stark desinlizierende Wirkung besitzt, Bakterien tötet und Krankheitskeime erstickt Für-Krankenwasche, und zwar schon bei einer Temperatur von 30—40° C. Für Kinderwasche, deren meist scharlen Geruch Persll beseitigt und die den frischen Geruch der Rasenbleiche erhält. In allen Fällen bewährt sich Persil hervorragend, die Reinigung ist eine vollkommene bei garantierter Unschädlichkeit. Man beachte jedoch, dass irgendwelche Waschzusätze, wie Seife, Seilenpulver etc. nicht erforderlich sind; diese beeinträchtigen nur die selbsttätige Wirkung von Persil und verteuern unnütz dessen Gebrauch. Ueberall erhältlich, niemals lose, nur in Original-Paketen. HENKEL& Co., DUSSELDORF. Alleinige Fabrikanten auch der allbeliebten KHIALIKE — 72 SRHAD G-I-EN VIII Roggen, Weizen, Gerste u. I. w. mit Veru=Guano gedüngt, bekommen einen kräftigen festen Halm und liefern viele und gute Körner Man verlange Oblendorff’e„Füllbornmark:“ und achte unbedingt darauf, daß mon diese Ware auch tatsächlich geliefert erhält. Besichtigungsreise nach Posen findet am Montag, den 18. Oktober er., abends 9 Uhr 1 Min. ab Löhne i. W. statt. Wer mitreisen will möge sich baldigst bei der unterzeichneten Geschäftsstelle melden, die unentaeltlich Auskunft erteilt. W. Kleffmann, Preuß. 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Fremde, sofern dieselben durch Mitglieder eingeführt werden, können am Feste teilnehmen und beträgt das Eintrittsgeld für dieselben zum Konzert à Person 0.55 Mr. zum Ball für Herren 1.60 Mk zum Ball für Damen 1.10 wr Einheimische, die nicht Mitglieder unserer Gesellschaft sind, haben keinen Zutritt. Die Musik wird von der städtischen Kapelle unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Düngel ausgeführt. Von 3 Uhr ab: Dreisschießen. Herford, den 27. September 1918. Der Vorstand der Schützen=Gesellschaft. Bataillons-Befehl. Das Unteroffizierkorps hat in Uniform zu erscheinen. Der Oberst: Niebaum. Turngemeinde e (M. d. D. T.) Die Männer= und Zöglings= abteilung tunnt von heute ab bis auf Weiteres jeden Montag und Donverbtag in der Turnhalle am Wilhelmsplan Der Turnwart Schützen-Verein Radewiger Feldmark. General-Versammlung am 4. Oktober d. Is., abends 8½ Uhr im Saale des Bahnhofshotels(Kittler) Turnerbund Horford (M. d. D. T.) feiert am Connabend, 4. Okt, in Brockmanns Berggarten sein diesjähriges Stiftungsfest verbunden mit Turnerlichen Auffübrungen Mitglieder, sowie Freunde und Gönner des Vereins ladet freund. lichst ein Das Komitee. Aufang 8 Uhr A. Middelmann Herford, Rennstr. und Löhne, Bahnhof Anerkannt als billigste Bezugsquelle für bessere Bettfedern, Daunen und Bettstoffe. Schuhmacher=Innung Herford. Kußerordentliche Generalversammlung am Montag, den 6. Oktober, abends 8½ Uhr bei A. Kropp Tagesordnung: Statutenänderung§ 21. Generalversammlung um 9 Uhr: Tagesordnung: 1. Prüfungsordnung. 2. Bericht über den Handwerkskammertag. 3. Fortbildungsschulunterricht. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Gewerbe-Verein. Sonnabend, den 4. Oktober, abends 9 Uhr im Bürgerverein: Hauptversammlung. Tagesordnung: Rechnungslage Vorstandswahl.— Wahl des Vorsitzenden und zweier Vorstandsmitglieder. Jahresbericht Wahl der Bücherkommission. Verschiedenes. Der Vorstand. Tapeten und Borden empfehle zu billigsten Preisen Heinr. 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