Das„Heiforder Kreisbiatt erscheim taglich mit Avenadme der Sonn= und Feiertage. Bierteljahrlichet m voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch die auswärtigen Betrievsstellen bezogen 1 M. 65 Pf. Sei Selbstabbolung aus der Geschäftostelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 50 Pf. mnzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pf. autwartige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Perit zette berechnet. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenravat und kann geweigert werden, wenn die Zahlung innerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Zür den polttischen Teil: Ferd. Etmann in Herford. Für den übrigen Tell: Fritz Heidemann in Hersord. Geschäftsstelle: Möachstraße 5. Nr 200(enthält 8 Seiten). 5 Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Mittwoch, den 27. August 1913. Post=Scheck=Konto: Nr. 369 Hannover. 68 Jahrgung Luftfuhrt. Berlin, 20. Aug. Dem Luftschifführer und Mitarbei ter des Grafen Zeppelin, Dr. Eckener wurde der Rote Adler orden 4. Klasse verliehen. Dr. Eckoner ist jetzt betanntlich Direktor der„Delag“ in Friedrichshafen. ohannisthal, 26. Aug. Der Aviatik=Pilot Stöffler startete heute morgen 5 Uhr 45 Minuten auf einem Aviatik=Doppeldecker in Mülhausen im Elsaß zu einem Ueberlandfluge und landete nach einer Zwischenlandung in Altengrabow um 4 Uhr auf dem Flugplatz Johannisthal nach Zurücklegung von 700 Kilometern in 7 Stunden 15 Minuten. Nachmittags um 5,27 Uhr ist er wieder aufgestiegen. Johannisthal, 26. Aug. Der Aviatik=Pilot Viktor Stöffler ist um 7½ Uhr 40 Kilometer vor Insterburg glatt gelandet. Die Entfernung Mülhausen=Berlin=Inster burg ist die größte Leistung, die bis jetzt von einem deutschen Flieger an einem Tage vollführt worden ist. Stöffler beab sichtigt, von Uustonburg nach Berlin zu fliegen, um am Sonntag an dem Wettflug„Rund um Berlin" teilzunehmen. Helgoland, 26. Aug. Das Wasserflugzeug D 7, Führer Leutnant v. Gorrissen, das um 3 Uhr 12 Min. die Kugelbake bei Cuxhaven mit einem Beobachter zu einem Fluge nach Helgoland verlassen hatte, traf um 4 Uhr 2 Min. in Helgoland ein. Es landete bei der Helgoländer Düne in glattem Gleitfluge auf dem Wasser und durchfuhr noch 500 Meter Wasserstrecke. Die 35 Seemeilen Fahrt hatte es in 50 Minuten zurückgelegt. Das Flugzeug wurde in die neue Flughalle am Kriegshafen bugsiert. Es wird an den Ma növern der Hochseeflotte teilnehmen. Es treffen, ebenfalls in den nächsten Tagen, 18 Unterseeboote ein. Neumünster, 26. Aug. Der Flieger Bruno Steffen stieg heute nachmittag um 12,34 Uhr zu einem Dauerfluge um einen Preis der Nationalflugspende auf und landete nach unnnterbrochenem Fluge von 6 Stunden 47 Min. um 7,23 Uhr, weil sein Benzinvorvat vollständig verbraucht war. Er erhielt 6000 Mark und eine Monatsreute von 2000. Der bisherige Rekord wurde von Leutnant Canter mit 6 Stun den 19 Minuten gehalten. Liebau, 20. Aug. Im Acroplan über die Schneekoppe. Der Flugzeugführer Friedrich, dessen Fernflug von Insterburg nach Berlin wir jüngst meldeten, ist gestern früh 4½ Uhr hier mit einer Etrich=Mercedestaube gestartet und über die Schneckoppe weg in 1800 Meter Hohe im Nebeldunst über Johannisbad, Freiheit nach Trautenau in Böhmen geflogen, dort gelandet und später wieder mit Herrn Etrich als Passagier nach Liebau zurückgeflogen. Es ist dies der erste Ueberflug in Deutschland mit einem Passa gier über ein Gebirge. Auf der Spur des Fremdenlegionärs Müller Das„Stuttgarter Neue Tagblatt“ hat eine Spur des Fremdenlegionärs Müller aufgefunden und schreibt: Der 19 Jahre alte Sohn der Kaufmannswitwe Schweizer in Stuttgart, Alfred Schweizer, geboren am 20. Februar 1890 in Stuttgart, gab am 2. April 1909 an, er trete eine Stellung in Heilbronn an. Er reiste aber zu seinem Bruder nach Zürich, um dort eine Stelle zu suchen. Am 4. oder 1909 verschwand er spurlos und blieb bisher verschollen. Die Familie nimmt an, daß er sich für die Fremdenlegion anwerben ließ. Sie wurde in dieser Auffassung bestärkt durch die Nachricht, von der Anfang Januar 1910 in Udscha erfolgten Erschießung eines Fremdenlegionärs Müller, der wegen Desertion vor dem Feinde kriegsgerichtlich verurteilt worden war. Der Verschollene hatte nämlich einen Freund namens Hermann Müller, der in Feuerbach bei Stuttgart als Postanwärter angestellt war. Die Familie vermutet, daß Schweizer den Namen seines Freundes Müller angenommen hat, um unerkannt in der Fremdenlegion verbleiber zu können, zumal er keinerlei Legitimationspapiere bei sich hatte. Als er dann später in Algier seine Nationale angeben mußte, nannte er sich bei seinem richtigen Namen Schleizer, worauf die Eintragung in die Liste der 13. Kompe 1. Fremdenlegionärregiments unter dem Schweizer=Müller erfolgt sein dürfte. Hierauf ist auch wohl die Verwechslung zurückzuführen, daß man in dem Erscho senen einen Schweizer namens Müller sah. Räuberischer Ueberfall auf einen Schnellzug. Wien, 26. Aug. Eine Gruppe von Strolchen überfiel heute nacht in überaus verwegener Weise nach dem Vorbild russischer Banditen den von Stanislau nach Lemberg abgegangenen Schnellzug der Staatsbahn. Nach Mittemnacht gab jemand im Eisenbahnzuge vor der Einfahrt in die Station Sichow bei Lemberg durch Ziehen an der Leine das Notsignal. Der Lokomotivführer brachte infolgedessen den Zug zum Stehen. In demselben Augenblick umringten vierzehn mit Revolvern bewaffnete junge Leute die Lokomotive und den Postwagen. Der durch die Strolche bedrohte Lokomotivführer zog sich in den Nachbarwagen zurück, wogegen der Heizer gefesselt wurde. Die Banditen, die zahlreiche Revolverschüsse abfeuerten, richteten den Angriff gegen den Postwagen, dessen Türe das Dienstpersonal noch rechtzeitig von innen zu verriegeln vermochte. Unter den Reisenden entstand eine große Panik, zumal dieselben fast aus nahmslos unbewaffnet waren. Ein Kondukteur sprang von einem Wagen herab und begab sich eiligst zum nächsten Wächterhaus, von wo er die Lemberger Hauptstation auf telephonischem Wege um Hilfe bat. Gleichzeitig organisierten im Zuge befindliche Militärpersonen eine Abwehraktion der Passagiere. Da es den jugendlichen Banditen nicht gelang, den Postwagen im raschen Anlauf zu berauben, ergriffen sie die Flucht und verschwanden im nahegelegenen Wald. Die Untersuchung ergab, daß die Straßenräuber ungefähr 30 Schüsse abgegeben hatten. Im Postwagen waren sämtliche Fensterscheiben zertrümmert und die Türflügel durch Re volverschüsse durchlöchert. Erst nach einiger Zeit setzte der Zug die Fahrt fort. In der Station Persenkowka bestieg eine Abteilung Gendarmerie den Zug, der um 2 Uhr nachts in Lemberg eintraf. Der Lokomotivheizer scheint bei dem Überfall mit im Spiele gwesen zu sein. Er wurde verhaftet Kleine Chronil. Berlin, 20. Aug. Verhaftete Eisenbahn attentater. In den letzten Wochen sind in Pankow mehrfach auf durchfahrende Eisenbahnzüge Attentate began gen worden, indem die Züge mit Steinen beworfen und Schüsse auf sie abgegeben wurden. Den Bemühungen der Pankower Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, drei Bur schen in dem an die Eisenbahn grenzenden Laubengelände, wo sie sich seit längerer Zeit aufhielten, zu ergreifen, und ihnen nachzuweisen, daß sie die Täter sind. Die Eisenbahn behörde hat den Beamten, denen die Ueberführung der Bur schen gelungen ist, sofort eine Belohnung ausgezahlt. Monitz, 26. Aug. Bahnunfall. Bei der Durch fahrt des D=Zuges 10 von Flatow in den Bahnhof Krojanke um 10 Uhr 59 Min. lief heute der letzte Wagen außerhalb des Gleises. Beim Ueberführen einer Kreuzungsweiche schlug der Wagen um und der Zug kam sofort zum Halten. Entgleist ist nur der letzte Wagen, anscheinend durch Achsen schenkelbruch. Getötet wurde eine Militärperson, schwer ver letzt wurden zwei, leicht verletzt 10 Personen. Königshütte, 20. Aug. Ausschreitungen. In der vergangenen Nacht kam es hier zwischen Bergleuten und Polizisten zu einem bösen Renkentre, das schließlich zu einer blutigen Schlägerei ausartete. Die Schutzleute waren schließlich gezwungen, blank zu ziehen. Ein Bergmann wurde durch die Säbelhiebe eines Schutzmannes schwer verletzt. Er wurde zur Wache gebracht, aber obwohl ärztliche Hilfe sofort zur Stelle war, konnte der Mann nicht mehr gerettet wer den. Er starb nach etwa einer halben Stunde. Heidelberg, 26. Aug. Radiumankäufe. Das hiesige von Geheimrat Czerny gegründete Samariterhaus zur Behandlung Krebskranker bestellte bei der Pariser Ra diumbank 200 Milligramm Radiumbromid. Stuttgart, 26. Aug. Einbruch. In dem dem Frhrn. v. Crailsheim gehörigen Schlosse Mohrbach bei Lau genbach wurde heute Nacht ein schwerer Einbruchsdiebstahl vollführt, bei dem den Dieben 20,000 Mark in die Hände ge fallen sein sollen. Ostende, 26. Aug. Drama. Als zwei gestern morgen in einem großen Hotel eingetroffene Damen bis abends nicht zur Tafel erschienen, wurde wiederholt an ihre Türe geklopft. Als niemand öffnete, drang man ein und fand zwei Leichen. Die jüngere der Frauen lag mit einem Spitzentaschentuch im Munde erwürgt auf dem Teppich, die ältere hatte sich an einem Türpfosten aufgehängt. In der Tasche der einen fand man 80 K. sowie eine Karte mit der Inschrift:"20. August 1913 abends.“ Man weiß noch nicht, wer die beiden Frauen sind und welches Drama sich bei ihrem Tode abgespielt hat. Nur soviel steht fest, daß die jüngere von der älteren erwürgt worden ist, da die Strangulationsmerkmale an ihrem Halse von deren Hand herrühren. Brüssel, 26. Aug. Fuwelenraub. Einem Pariser Juwelenhändler ist im Schnellzuge Paris—Brüssel eine Brieftasche mit Kunststeinen und Perlen im Werte von 25000 Fres. gestohlen worden. Der Händler bemerkte den Diebstahl erst in Brüssel, erinnerte sich jedoch zweier Personen, die ihm bei der Grenzstation Quesy im Gange des Personenwagens stießen und ihm dabei wahrscheinlich die Tasche raubten. Lonnon, 26. Aug. Schwerer Diebstahl. Aus der Kantine des Schlachtschiffes„Herkules“, das im Hafen von Portsmouth liegt, verschwand ein ganzer Geldschrank. Man fand ihn nachher in einem anderen Teile des Schiffes zertrümmert vor. Der Inhalt des Schrankes im Betrage von 1800 Mark wurde gestohlen. Die Untersuchung ist bis jetzt vergebnislos erlaufen und man steht vor einem Rätsel, wie es den Dieben möglich gewesen ist, unbemerkt den schweren Schrank aus der Kantine zu schaffen. Philadelphia, 26. Aug. Engelmacher. In einem gynäkologischen Institut wurden zwei Aerzte und zwei Wärterinnen, die im Verdacht stehen, gewerbsmäßige Engelmacherei betrieben zu haben, verhaftet. Die vier Personen sollen in den letzten Jahren über tausend Kinder ermordet haben. Reichsversicherungsordnung. Wichtiges für kaufmännische Prinzipale und Angestellte. Mit Beginn des nächsten Jahres treten die Vorschriften der Reichsversicherungsordnung über die Kran kenversicherung in Kraft. Es werden damit außerordentlich wichtige Aenderungen eingeführt, die von den Kaufleuten und ihren Angestellten genau beachtet werden müssen. Unter anderem sind ab 1. Januar 1914 alle Handlungslehrlinge ohne jede Ausnahme krankenversicherungspflichtig. Es ist also ganz gleichgültig, ob die Lehrlinge von ihrem Prinzipal irgendeine Vergütung erhalten oder nicht. Ferner ist zu be achten, daß die Versicherungsgrenze von 2000 Mark auf 2500 Mark hinaufgesetzt worden ist, so daß weite Kreise von Angestellten, die bisher versicherungsfrei waren, versicherungs pflichtig werden. Sodann muß beachtet werden, daß die freiwillige Fortsetzung der Mitgliedschaft bei Orts=, Betriebs und Innungskrankenkassen nur noch zulässig ist bis zu einem Gesamteinkommen von 4000 Mark. Wer also durch jahre lange Beitragszahlung Rechte auf Krankenhilfe und Sterbegeld in einer Zwangskrankenkasse erlangt hat, verliert sein Anrecht, wenn sein gesamtes jährliches Einkommen 4000 Mark übersteigt, er ist somit in vorgerückten Jahren, sobald er ein auskömmliches Gehalt erreicht hat, unversichert. Einsichtige Prinzipale werden daher von vornherein ihre Lehrlinge und Angestellten einer kaufmännischen Ersatzkranken kasse zuführen, in der die Rechte der Versicherten nach jeder Richtung gewahrt bleiben und mit der Dauer der Mitglied schaft wachsen. Außerdem sind die Beiträge bei den kaufmännischen Krankenkassen durchweg niedriger als bei den Zwangsklassen, die Leistungen dagegen höher. Als bedeu tendste und größte kaufmännische Ersatz=Krankenkasse ist die des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig anzusehen. Diese Kasse, welche neuerdings auch eine Familien= Harkortstr. 3, ist wie uns mitgeteilt wird, gern bereit, genaue Aufklärung über die vorerwähnten neuen Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung zu geben, und zwar völlig kosten frei an selbständige Kaufleute, wie an Angestellte ohne Rücksicht auf etwaige Verbandsmitgliedschaft. Ebenso sind die in allon Städten Deutschlands vorhandenen Geschäftsstellen und Kreisvereine des über 100000 Mitglieder zählenden Leipziger Verbandes angewiesen, an alle Anfragen kostenlos Auskünfte zu erteilen. Ferkelmarkt. Altenessen, 26. Aug.(Amtl. Bericht). Auftrieb 3117 Ferkel und Schweine. Durchschnitts=Engros=Preise: Ferkel imAlter von 6—9 Wochen 18—22 Mk., von 8—12 Wochen 22—34 Mk., Läufer im Alter von 3—4 Monaten 34—70 Mark. Tendenz: Langsam. Ueberstand. Streifzüge durch die neue Türkei. Von Dr. Adolf Grabowsky. (Fortsetzung aus dem ersten Blatt.) Gründungen der Deutschen Bank sind die Deutsch=Levan tinische Baumwollgesellschaft und die mit dieser zusammen hängende Anatolische Handels= u. Industriegesellschaft. Die Deutsch=Levantinische Baumwollgesellschaft hat den Baum wollbau in Cilizien so mächtig gefördert, daß die Produktion der cilizischen Ebene innerhalb weniger Jahre von kaum 30 000 Ballen auf 100 000 Ballen Baumwolle gestiegen ist Cilizien ist schon jetzt ein sehr beachtenswertes Baumwollgebiet und wird es sicher in Zukunft in noch sehr viel größe rem Maße. Die klimatischen Bedingungen für den Anbau der Baumwolle sind ausgezeichnet. Die Anatolische Handels= und Industviegesellschaft mit dem Sitz Konia vertreibt vor allem landwirtschaftliche Ma schinen und wirkt so auf eine nationale Bodenkultur in Anatolien. Die Schwierigkeiten, die gerade diese Gesellschaft zu überwinden hat, sind jungeheuer. Die Bauern sind ge wöhnt, noch mit den primitivsten landwirtschaftlichen Ge raten zu arbeiten und es ist sehr schwer, die hölzernen Pflüge, die aussehen, als ob sie aus trojanischen Zeiten stammten, dem anatolischen Landmann abzugewöhnen. Viel schwerer natürlich ist es noch, moderne Säcmaschinen, Mähmaschinen und Dreschmaschinen einzuführen, von Tampfpflügen gar nicht zu reden. Hat der Bauer glücklich— sagen wir eine Mähmaschine gekauft, so läßt er das Ding im Winkel liegen, sobald irgend etwas darau entzwei geht. Die Maschinen funktionieren aber in der Regel sehr schnell nicht mehr, da der Bauer völlig ungeschickt in der Handhabung ist. Zu dem Verkauf also muß eine regelrechte Unterweisung hinzutreten, wobei jedoch eine einmalige Unterweisung nicht genügt. Die Gesellschaft hat deshalb neuerdings den Gedanken gefaßt, eine landwirtschaftliche Zeitung in türkischer Sprache herauszugeben, die unentgeltlich an die Dorflehrer geschickt werden soll, damit diese— die ja in der Regel die einzigen Schreib kundigen sind—den Bauern den Inhalt vorerzählen. In der Zeitung soll außer Beschreibungen landwirtschaftlicher Maschinen namentlich auch die Darstellung der Düngungs= methoden sich befinden. Den Erfolg halte ich freilich für zwei felhaft. Weit wichtiger wäre es wohl, wenn Angestellte der Gesellschaft iim Lande herumreisten und immer wieder den Bauern persönlich den Gebrauch der Ackergeräte zeigten. Da neben müßten an vielen Punkten des Landes Reparatur werkstätten eingerichtet werden. So hat also die Anatolische Handels= und Industriegesellschaft noch ein weites Bestä tigungsfeld vor sich. Sie hat sich auch auf den Vertrieb von Nähmaschinen gelegt, doch kann sie hier sehr schwer mit der amerikanischen Singergesellschaft konkurrieren, die eine be wundernswerte Organisation besitzt und dem Bauern die Maschinen auf kleinste Teilzahlungen abgivt. Man kann sich denken, wieviel Nähmaschinen die Singergesellschaft verkaufen muß, damit sich die hohen Einziehungskosten, die mit diesen Teilzahlungen in dem großen Lande verbunden sind, rentieren. Singer arbeitet auch schon seit drei oder vier Jahrzehnten in Kleinasien. Die Erfahrungen, die er mit der Kreditwürdigkeit der Bewohner gemacht hat, sind vorzüglich. Die besten und sichersten Zahler sind die Türken, aber selbst Griechen und Armenier zahlen, im Vergleich etwa mit Balkanverhält nissen, recht gut. Der brave Provinztürke— und damit tritt seine Anständigkeit und Ehrlichkeit am schönsten bewor spart sich das Letzte ab, um nur den Gläubiger zu befriedigen und kauft vor allem nichts, wovon er nicht um Voraus über zeugt ist, daß er es bezahlen kann. Die Kaufkraft des ana tolischen Bauern ist dabei viel größer als man in Europa annimmt. Fur die nächste Zeit wird die gute Ernte dieses Jahres das wieder ersetzen, was der Kriog dem Lande ange ran hat. Es ist deshalb geradezu unverständlich, daß nicht noch viel mehr deutsche Firmen sich in Anatolien festgesetzt haben. Im Innern des Landes trifft man, wenn ich von der Anato lischen Handels= und Industriegesellschaft absehe, kein ein ziges deutsches Handelshaus,das Importgeschäfte betreibt. An Exportfirmen kenne ich auch nur ein Unternehmen, und die ses ist, obwohl sein Inhaber Reichsdeutscher von Geburt ist, österreichisch. Ich meine den anatolischen Eierhandel, den ein Herr Kaul aufs beste organisiert hat, ein Handel, der übvigens in den letzten Jahren infolge der inneren Wirren wieder zurückgegangen ist. Kaul exportierte in den guten Jahren Millionen von anatolischen Eiern recht guter Qualität. Anders liegen die Verhältnisse natürlich in den großen Hauptstädten am Schwarzen Meer, anders auch in Smyra und seiner Umgebung. Schließlich rechnet auch die eilizische Ebene für sich. Dort steht vor allem die Bodenkultur auf sehr viel höherer Stufe als im sonstigen Kkeinasien. Den Baumwollbau habe ich bereits erwähnt, aber auch der Weizeubau wird sehr intensiv betrieben. In Cilizien sind— wie einige behaupten schon 80— nach meiner Schätzung etwa 40 Dampfpflüge in Tätigkeit, die von Unternehmern mietweise auf Tage abgegeben werden. Zwischen der Baum wolle wird Sesam gepflanzt, der guten Raum hat, da die Baumwollstanden ziemlich weit auseinanderstehen müssen; dies zeigt schon, wie eifrig jeder Fußbreit Boden ausgenutzt wird. Freilich ist der oilizische Boden— ganz Cilizion ist Alluvialland— weit fruchtbarer noch als der Boden in irgend einem anderen Teil Kleinasiens. Um so mehr Veranlassung für uns, auf Cilizien besonders zu achten. Auch deutsche Reisende und deutsche Kataloge verirrten sich bisher kaum nach dem eigentlichen Anatolien. Die Be wohner sind überhaupt durch Geschäftsreisende nicht ver wöhnt. Die Inhaber der großen Kaufhäuser— und es gibt sehr große Detailgeschäfte— gehen zweimal im Jahre nach Konstantinopel, um hier einzulaufen— entweder bei Fir men, die selbst in Konstantinopel sitzen oder bei Kommis sionären europäischer Häuser. Würden deutsche Firmen ihre Reisenden direkt ins Land schicken, sic würden es nicht zu be renen haben. Gebraucht wird alles, was etwa auch in Süd amerika gebraucht wird, wo deutsche Reisende doch schon so tätig sind. Jetzt wo die Bahn das Land quer durchschneidet, liegt es auch nicht mehr außerhalb der Welt. Mindestens aber sollten die deutschen Warerchäuser und Versandgeschäfte ihre Kataloge nach Kleinasien senden, wie es Pariser Häuser schon lange machen. In diesem Frühjahr hat der Paviser Printemps, das bekannte Warenhaus, ganz Anatolien mit seinen Katalogen überschwemmt. Deutsche Ingenieure der anatolischen Bahn haben mir bekannt, daß sie daraufhin beim Printemps große Bestellungen gemache hatten. Meiner Frage, weshalb sie denn nicht bei einem deut schen Hause kauften, kamen sie schon mit der Gegenfrage zuvor:„Weshalb entschließt sich kein deutsches Versandge schäft, Kataloge hierher zu schicken?" Diese Kataloge müßten natürlich,außer in deutscher Sprache,in türkischer Sprache hergestellt werden. Die französische Sprache könnte und müßte man sich dagegen vollständig schenken. Der Printemps ist äußerst kulant; er verlangt mit der ersten Bestellung eine kleine Anzahlung, später begnügt er sich mit Zahlung nach Empfang der Ware. Er scheint dabei doch keine schlechten Erfahnungen gemacht zu haben. Das Allerrichtigste und Allerwichtigste für Deutschlands Industrie und Handel wäre es aber, wenn sich eine große Reihe von Industrie= und Handelsfirmen zusammentäten und in den größten Orten Anatoliens Musterläger errich teten. Immer wieder bin ich in Anatolien von Deutschen gefragt werden, warum man denn in Deutschland nicht auf diese naheliegende Idee käme. Schwierig freilich— ich geb das zu— wird es sein, die geoigneten Leiter für diese Muster läger zu finden. Es müßten Leute sein, die das Land aufs genaueste kennen. Europäische Kaufleute, die dies von sich sagen können, gibt es wenig, und so bleiben denn eigentlich nur Griechen und Armenier, die bekanntlich mit größter Vor sicht zu genießen sind. Man kann vielleicht so verfahren, daß ein Grieche oder Armenier dem Musterlager vorgesetzt wird und daß die Oberaufsicht immer über 2.3 oder 4 Läger ein Deutscher führt, der ständig von einem Lager zum andern reisen müßte. In einigen Jahren aber, wenn das Interesse für Anatolien in Deutschland allgemein geworden sein wird werden wir hoffentlich schon genug Deutsche für alle diese Posten zur Verfügung haben. Zum Schluß möchte ich noch von der Bewässerungsge sellschaft in der Konigebene sprechen, die ein Gebiet vor 50 000 Hektar in fruchtbarstes Land verwandeln wird. Von diesem großartigen Unternehmen aber, das ebenfalls auf die Deutsche Bank zurückgeht, soll in einem besonderen Artike die Rede sein. Aus erster Ehe. Roman von H. Courths=Mahler. (38. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Götz war am nächsten Morgen nach der Stadt gefahren, wo er mit den Gutsbesitzern der Umgegend eine Zusammenkunft hatte. Es war die erste Trennung von seiner jungen Frau, die ihn länger als auf Stunden fortführte. Vor Mit ternacht konnte er nicht hoffen, zurück zu sein. Eva hatte noch das Frühstück mit ihm eingenommen. Als er fort war, schrieb sie zunächst einen lieben, langen Brief an ihre Mutter. Sie berichtete ausführlich von ihrem Leben und Treiben, da sie wußte, daß sich die Mutter für alles in teressierte. Als sie mit ihrem Bvief zu Ende war, wurde sie eine Weite von häuslichen Geschäften in Anspruch genommen. Dann ging sie im Park spazieren. Das einsame Mittagsmahl ge fiel ihr gar nicht. Götz fehlte überall. Mit Allgewalt über kam sie die Empfindung, daß er ihres Lebens Inhalt gewor den war. Nach Tisch lief sie unruhig durch alle Zimmer. Die Stunden schienen ihr zu schleichen. Sie schalt sich selbst aus und überlegte, wie sie am schnellsten die Zeit verbringen konnte. Und da fiel ihr die Bibliothek ein. Sie hatte noch gar nicht Zeit gefunden, in den Büchern herumzustöbern. Das sollte nun geschehen. Froh, etwas vorzuhaben, ging sie in die Bibliothek. Auch hier war alles verändert, nur die hohen Bücherregale an den Wänden waren in dem alten Zustande belassen worden. Eva sah unschlüssig an den Bücherreihen entlang und griff dann aufs Geratewohl einen Band heraus. Mit diesem setzte sie sich in die tiefe Fensternische in einen hohen, mit Leder bezogenen Sessel. Ein Weilchen sah sie erst noch durch das geöffnete Fenster in das Tal hinab. Sie seufzte tief auf. Was war sie für ein närrisches Ding! So schwer lag ihr das Herz in der Brust, weil ihr Mann für einen einzigen Tag fern von ihr war. Aber nein— daran war wohl nur die schwüle Luft schuld. Es war so heiß heute, wie im Hochsommer. Fast schien es, als wenn ein Gewitter in der Luft lag. Und da sie, wie alle sensitiven Menschen, sich davon sehr beeinflussen ließ, so suchte sie sich ihr gedrücktes Wesen damit zu erklären. Vorläufig waren zwar nur einige kleine Wolken am Himmel; aber ganz fern, drüben über dem Walde stieg ein dunkler Streifen auf. Dieser Streifen konnte sich wohl zu einer Wolkenwand auswachsen. Hoffentlich kam Götz nach Hause, ehe das Gewitter heraufzog. Da war sie schon wieder bei Götz. Energisch klappte sie das Buch auf, das sie im Schoße hielt, um zu lesen. Da flatterte ein Briefblatt heraus und fiel zu ihren Füßen. Sie bückte sich, um es aufzuheben und erkannte Tante Marias Schrift. Sie lächelte über die etwas wunderlichen Schnörkel der alten Dame.„Mein lieber Götz!" Wie das drollig aussah— ach— und da stand ja auch ihr Name. Also von ihr war auch die Rede in diesem Brief? Etwas neu gierig betrachtete sie das Datum. Es war das ihres Verlobungstages, oder vielmehr des Tages, da ihr Götz gesagt hatte, daß er sie liebte. Den Brief mußte sie lesen; da er offen in dem Buche lag, war es sicher keine Indiskretion, wenn sie es tat. Behaglich lächelnd lehnte sie sich in den Sessel zurück und las. Es war der Brief, den Götz erhalten hatte, als er damals von Woltersheim nach Hause gekommen war, in dem die Generalin ihn nochmals ermahnte, seine Werbung schnell anzubringen, ehe jemand davon erfuhr, daß Eva die Erbin Mrs. Folhams sein würde. Schon nach den ersten Worten war das Lächeln von Evas Gesicht verschwunden; und je weiter sie las, desto starrer wurden ihre Züge. Ein eisiger, furchtbarer Schrecken preßte ihr plötzlich die Brust zusammen Die Buchstaben tanzten vor ihren brennenden Augen und schienen sie höhnisch anzugrinsen. Das Herz drohte ihr still zu stehen; es war ihr, als ob eine grausame Hand an ihrer Kehle würgte, um sie zu ersticken. Sie las den Brief bis zu Ende und begann ihn nochmal von neuem, weil sie es nicht zu fassen vermochte, was sie da gelesen hatte. „Mein lieber Götz! Gerade komme ich von Mrs. Fokham. Wir haben ausgemacht, daß ich nächsten Sonnabend nach Woltersheim reise, um mit Herrn von Woltersheim und Eva zu verhandeln. Sie ist sehr froh, daß ich selbst mit ihnen sprechen will; und ich, mein lieber Junge, bin froh, daß du reichlich acht Tage Vorsprung hast. Nütze die Zeit gut. Bis Sonnabend mußt du unter allen Umständen mit Eva verlobt sein, denn später würde deine Werbung zu eigennützig aussehen. Jetzt hast du leichtes Spiel. Also sei vernünftig und lasse dich nicht durch sentimentale Bedenken beeinflussen. Solch eine Partie wird dir nie wieder geboten. Mrs. Fokham besitzt mehrere Millionen und Eva ist ihre einzige Erbin. Eine sofortige Mitgift von bedeutender Höhe ist dir sicher. Du bist dann aller Sorge ledig und ich preise mich glücklich, daß ich dir helfen konnte, diesen Gold fisch zu entdecken. Für heute leb' wohl. Sonnabend auf Wiedersehen. Und viel Glück zu deiner Werbung. Es bleibt bei unserer Verabredung, daß du gar nicht mit mir in Berlin zusammengetroffen bist, damit niemand Verdacht schöpft. In Liebe Deine Tante Maria.“ Langsam hatte Eva zu Ende gelesen, so langsam, als ob sie Blei statt Blut in den Adern hätte, als ob sie die Buchstaben erst mühsam aneinander reihen müsse. Nun sank sie wie vernichtet zusammen in sich selbst und sah mit starren toten Augen vor sich hin. Schien die Sonne noch? Lag da unten das Tal noch in derselben friedlichen Schönheit vor ihr, wie zuvor? War nicht ein schwerer, dunkler Schat ten über alles gebreitet, was ihr zuvor licht und schön er schienen war? Sie schauderte zusammen wie im Frost. Licht und Wärme waren plötzlich aus ihrem Dasein verschwunden. Hilflos, verstört sah sie sich um in dem hohen, gewölbten Gemach. Eines faßte sie nur: Daß hier in diesem Zimmer mit einem Male ihr ganzes, großes reiches Glück begraben wor den war. Sie würde nun nie mehr froh und glücklich sein können. Vorbei war es mit allem, was ihr das Leben jetzt so reich und schön gemacht hatte. Dieser furchtbare Brief hatte ihr das Köstlichste geraubt, den Glauben an die Liebe ihres Mannes. Götz ein Lügner!— Mit Berechnung und Vorbedacht hatte er sie an jenem Abend aufgesucht, nachdem er in Berlin von seiner Tante erfahren hatte, daß sie die Erbin ihrer Mutter sein würde,— sie war die reiche Frau, die er gesucht hatte, seit langem. Schnell war er zurückgekehrt, um sich ihre Hand zu sichern, ehe die Rückkehr ihrer Mutter bekannt würde; seinen scharfen Augen war es nicht entgangen, daß sie ihr törichtes junges Herz an ihn gehängt hatte. Vielleicht war es ihm sehr schwer geworden, dem„greulichen kleinen Monstrum“ Liebe zu heucheln. O, das schreckliche Wort, wie es sich scharf in ihre Seele bohrte, wie sie plötzlich wieder Götz mit spöttischem Lächeln und kalten,— ach, so kalten Augen vor sich sah. Daß sie es für möglich gehalten, seine Liebe gehöre ihr,— die er erst verabscheut hatte! Es war ihm wohl ein großes Opfer gewesen, eine schwere Überwindung, ihr Liebe zu heucheln. Die Not zwang ihn dazu; er mußte ja eine reiche Frau haben. Deshalb war er damals so leicht darüber hinweggegangen, daß sie arm war; er hatte gewußt, daß diese Armut durch ein reiches Erbe verdrängt wurde. Und sie hatte ihm geglaubt und war so selig gewesen, daß er sie liebte, trotz ihrer Arnut. Sie hatte ihm offen ge zeigt, wie grenzenlos sie ihn liebte, hatte ihm ihr ganzes Her; zu eigen gegeben. Vielloicht war ihm das sehr lästig gewesen.— O,— die Schmach, die Schmach! Wie sie sich schämte! Lüge,— alles Lüge! Sie stöhnte auf in wilder Qual und sah wie zerschmettert, wie zu Boden gedrückt vor dieser furchtbaren Entdeckung. Lüge war alles gewesen. Lüge seine Werbung, Lüge eine Liebesworte an jenem Abend, da er um sie warb. Lüge war dann auch alles, was folgte. Sie hatte sich mit Leib und Seele einem Mann zu eigen gegeben, der sie nicht liebte. Er war zu ritterlich, um es ihr mach der Hochzeit zu zeigen, daß nur ihr Geld ihm erstrebenswert gewesen. Und ein wenig war er ihr wohl auch dankbar, daß sie ihn aus quälenden Torgen befreit hatte. Deshalb zwang er sich zur Zärtlich eit, deshalb heuchelte er Empfindungen, die er nicht besaß. Wie schwer mochte ihm das gewesen sein. Sie sprang plötzlich auf in furchtbarer Erregung. Den schrecklichen Brief krampfhaft in der Hand haltend, lief sie wie gejagt durch die Zimmer. In ihrem Boudoir angekommen, sank sie in einen Sessel und las ihn noch einmal durch, als müsse sie sich jedes dieser Worte einprägen für alle Zeit. Dann verschloß sie ihn mit müden Händen in ihre Schmuckschatulle. Es war eine rein mechanische Bewegung; sie wußte nicht, was sie tat. Wie leblos fiel sie auf ein Ruhe bett. Ihr Körper rogte sich nicht, stundenlang lag sie unbeweglich. Aber die Gedanken kroisten wild und qualvoll hinter ihrer Stirn. Was sollte sie tun mit dieser fürchterlichen Gewißheit im Herzen? Sollte sie ihm sagen, daß sie den Bvief gefunden, daß sie nun wußte, er hatte sie nur des Geldes wegen geheiratet? Die Zähne schlugen ihr wie im Frost zusammen bei diesem Gedanken. Nein— tausendmal nein,— das konnte sie nicht. Ihm ins Gesicht sagen, daß sie seine Lüge durchschaut hatte, ihn anklagen, daß er mit Heuchelei ihr armes Herz betörte? Schuld und Scham auf seinen geliebten— ach so heißgelieb m Zügen sehen müssen,— nein— nein,— das war ihr nicht möglich, das brachte sie nicht über sich. Aber ebenso unmöglich war es auch, mit dieser Gewißheit im Herzen in der alten Weise neben ihm hinzuleben, Un wissenheit heuchelnd. Unmöglich, sich den Anschein zu geben, als glaube sie an seine Liebe. Und tausendmal unmöglich— furchtbarer Gedanke— sich seine erlogenen Zärtlichkeiten änger gefallen zu lassen.— Aber was dann? (Fortsetzung folgt.) tio Knuseveck, Xv. Lohne=Bahnhof 50, 10. E. Wefelmeyer, Enger 49“. 11. K. Wegener, Turnklub Stift=Bera 49, ker, Tg. Herford, Ebmeier, Westfalia Bünde je 47½, ffmeister, Tg. Herford, Fr. Sieger, desgl., Mühtel, falia Bünde je 46 1/8, 14. Ernst Ramsberg, Turnklub Stiftg. Stahl, Tv. Bünde je 45¼ 1d. W. Brand, Tg. Herford, rschelp, Tv. Bünde, Troistil l, Westfalia Bünde je 45, 16. Fr. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Herford, 27. Aug. Verzeichnis der beim Wettturnen des Mittelbezirks des Minden=Ravensberger Turngaues ausgezeichneten Sieger: I. Abt. Turner über 18 Jahre. 1. Freiübung, 2. Weitsprung, 3. 100 m Lauf, 4. Kugelstoßen. U. Abt. Turner von 16—18 Jahren 1. 100 m Lauf, 2. Dreisprung, 3. Werfen m. d. kleinen Ball, 4. Freiübung. III. Abt. Turner von 14—16 Jahren. 1. Weitsprung, 2. 100 m Lauf, 3. Kugelstoßen, 4. Freiübung. I. Abt. Sieger: 1. A. Eggert, Tv. Elverdissen 62½ Punkte, 2. Genke, Tv. Dünne 59 18, 8. Lehrer Pfetzing Tg. Bahnhof Bünde 57½, 4. Herm. Racherbäumer, Tg. Herford 54½, 5. Spanier, Westfalia Bünde 53, 6. Dahlkötter, Tv. Bünde, H. Steffen, Tg. Herford je 52 1/, 7. Müller, Tv. Bünde 52, 8. Huxhol Tv. Dünne 50, 9. Otto Knüsebeck, Tv. Löhne=Bahnhof 50. 10. E. Wefelmeyer, Concordia Enger 49“, 11. K M— 12. O. Boker, 15. G. Hoffmeister, Westfalia Bünde je 46 1/8, Berg, Oberschelp, Ellermann, Tv. Bünde, Busch, Westfalia Bünde, Fr. Grabenhorst, Tv. Friesen=Löhne je 44½3, 17. J. Störmer, Tv. Elverdissen 43 1/3, 18. Aug. Brinkmann, Tv. Elverdissen, Paaschen, Westfalia Bünde je 42½, 19. P. Bockermann, Thd. Herford 42, 20. Pollmann, Westfalia Bünde, H. Obermann, DeutscheEiche, Hunnebrock je 41½ und 20. Osk. Pott, Tv. Jahn Spenge, Klaffmann, Tv. Bünde je 40½ Punkte I. Abt. 1. Wittemeyer, Dtsch. Eiche Hunnebrock 67½, 2. Ladewig, Concordia Enger 65½, 3. Vogelsang, desgl. 61, 4. Süllwald, Tg. Herford, Weißenborn, Löhne=Bahnhof je 60 1/3. verdissen 58 1/, 6. Koch, Tv. Bünde 57, 7. Engeling, Tg. ord. Ramsberg, Germania Lübbecke je 56 1/8, 8. Propping, Tg. Herford, Karting, Tv. Bünde, Wittkämper, desgl. je 55½, 9. Bettenhausen, Dtsch. Eiche, Hunnebrock 55, 10. Beiderbeck, Tv. Bünde 54½, 11. Schweppe, Tg. Herford 54, Korte, desgl., Frohwitter, We Bünde je 53½ 13. Berkenkamp, Tg. Herford 58, 14. Wildl Löhne=Bhf., Henschel, Tg. Herford je 52½, 15. Windmann, LöhneBhf. 51½, 16. Niedick, Turnklub Stift=Berg 50 ½8, 17. Westfalia Bünde 49 1/8, 18. Sieker, Tg. Bhf.=Bünde 49, 11 desgl. 48 ½, 20. Korwey, Mtv. Lübbecke 48, 21. Kiel, Tv. Elverdissen, Platzmeier, Tv. Löhne=Bhf. je 46½, 22. Brinkmanu, To Bünde, Wehmener, Tv. Spradow je 46, 23. Distelhorst, Tv. Bünde 45 24. Tiemann, Tg. Herford, Breitenfeldt, Tv. Bünde, Berg, Westfalia Bünde je 44 1/8, Wilmsmann, Tv. Dünne, Schwidde, Tv. Hunnebrock, Spielfeld, Tg. Herford je 44, 26. Kollmeier, Tg. Bhf. Bünde, Holtmann, Tg. Herforo je 42, 27. Grabenhorst, Tv. Friesen=Löhne 41 1/, 28. Delius, Tg. Herford 41, 29. Barmeier, Tv. Besenkamp, Wippermann, Tg. Bhf.=Bünde, Hankel, Lenzinghausen, Oppermann, Hunnebrock, Schumacher, Tg. Herford, Ruwe, Tv. Bünde je 40 1 Punkte. III. Abt. 1. Herm. Pöhler 661/8, 2. Schemmel 56. 3. Alb. Brune 55, 4. Osterhellweg 54, 5. Carl Wittenborg 514. Heinz Huev 51, sämtlich Tg. Herford. 7. Tiemann, Conc. Ge 8. Herm. Wiegmann, Fr. Strunk, Heinz Stute, sämtl. Tg. Herford, je 49, 9. Asbrock, Tv. Jahr Osk. Schnittger, Tv. Bünde je 48, Rob. Dähn, Ta. Herford, Hurlbrink, Tv. Bünde, Reuter, Westfalia Bünde je 47, 11. Rud. Moll. W. Wortmann, be Herford je 46, 12. Wöhrmann, Conc. Enger, Schwarze, beide Tg. Herford je 45, 13. Ferd. Wittemeyer. Hunnebro 14. Jr. Lange, Tg. Herford, Wehmeyer, Westfalia Bünde, Husemann, Tg. Herford je 44, 15. Otto Mener 43, 10. Mühler 411/, sämtl. Tg. Herford, 17. Herm. Kaufmann, Tg. Her Mester, Conc. Enger, je 41, 18. Wusinger, Dtsch. Eiche Hunnebro18. W. Remmert, Tg. Herford 39½, 20. W. Altemeyer, Bünde, Bringer, Conc. Enger je 39 und 21. Werner Hartm Tv. Bünde 38 Punkte. gemeinde Herford gegen T.=V. Bünde 43:42, T.=V. Bünde T.V. Westfalia=Bünde 29: 20, T.=V. Bünde=Bahnhof gegen A V. Blotho 28:1.. 400 Meter Turner=Stafette. Synode# Bahn. Sekunden, T.=V. Elverdissen 45 Sekunden. 400 Jugend=Stafette.„Westfalia"=Bünde 50 Sekunden. Wipperfürth, 26. Aug Varhaftet wurde der steher des hiesigen Staatsbahnhofs wegen Unregelmäßig keiten in der Kassenführung. Oberrad, 26. Aug. Hohe Belohnung. Au Ermittelung der Täter, die in der Nähe der Station Oberverdächtig in Haft. Hildesheim, 20. Aug. Ortschaften, die ihren Einwohnern, statt Kommunal= steuern von ihnen zu erheben, noch Barzuwer machen in der Lage sind, gehört auch das im wunderhübsch belegene Dörfchen Steina(Kr. Osterode, Rab Hildesheim), das infolge reicher Steinbrüche in seiner Ge markung in der Lage ist, seinen 525 Einwohnern einen Bar zuschuß zu ihrem Einkommen zu gewähren. Hamburg, 20. Aug. Preissteigerung der Seefische. Die durch die allgemeine Werbung für den Seefischverbrauch gesteigerte Nachfrage nach Seefischen hat wohl von vornherein den Keim einer alsbaldigen Preiserhöhung in sich geborgen. Diese Tatsache ist vor kurzem insofern eingetreten, als der Verband der Fischdampser=Reedereien, der für seine Märkte sogenannte Mindestpreise eingeführt hat, unter denen nicht an Händler und Fischindustrien abgegeben werden darf, dazu übergegangen ist, diese Mindestpreise um 2 und 4 cH für das Kilo zu erhöhen, so daß der Satz nunmehr für die wichtigsten Fischarten 8 und 10 J(bisher allgemein 6 H) beträgt. Werden die Mindestpreise im Markt nicht erzielt, so geben die Reedereien ihre Ware zu entsprechenden Unterpreisen— oft zu 2 H— lieber an Düngerfabriken ab, eine Einrichtung, die schon oft lebhaften Widerspruch gefunden hat. Die Dampfer=Reedereien haben früher manches schlechte Jahr gehabt; neuerdings aber, wo der Fischverbrauch allgemein gestiegen ist, waren ihre Betriebsgewinne durchweg sehr gut. Die Gesellschaften wollen nun eben die ihnen günstige„Konjunktur“ ausnützen. Sie berufen sich auch auf angeblich stark vermehrte Betriebsunkosten, die durch Preiserhöhungen wieder eingebracht werden müßten. Dieses Bestreben ist, wie zu vermuten war, auf den entschiedensten Widerstand der Fischindustriellen und Händler gestoßen. Ihr geschäftliches Interesse besteht in möglichst niedrigen Einkaufs= und Verkaufspreisen, da nur Bekanntmachung. Nach§ 84 der Kreisordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Juli 1886 sind zum der Wahl der Kreistagsabgeordneten 3 Wahlverbände zu bilden: 1. der Wahlverband der größeren Grundbesitzer, 2„„„ Amtsverbände und 3.„„„ Städte. Der erste Wahlverband besteht aus denjenigen Grundbesitzern, welche von ihrem gesamten, innerhalb des Kreises belegenen Grundbesitze mit mindestens 225 Mk. zur Grundsteuer, und aus denjenigen Gewerbetreiben den, welche wegen ihrer innerhalb des Kreises betriebenen gewerölichen Unternehmungen in den Klassen 1 und 2 mit mindentens 800 Mk zur Gewerbesteuer veraulagt sind. Grundbesitz und Gewerbebetrieb in den dem Wahlverbande der Städte angehörenden Gemeinden zählen hierbei nicht mit Im Kreise Hersord gehören die in dem nachstehenden Verzeichnisse Aufgeführten dem Wahlverbande der größeren Grundbesitzer an. Dies wird, da in diesem Jahre eine Neuwahl zum Kreistage stattfindet, hierdurch mit dem kemerken veröffentlicht, daß Anträge auf Berichtigung des Verzeichnisses binnen einer Frist von 4 Wochen nach Ausgabe dieses Blattes bei uns anzubringen sind. Herford, den 22 August 1913. Der Kreisausschuss des Kreisee Herford: v. Borries. Abteilung A: Grundbelitzer. Täglich feisches Hammelfleisch bei mir zu haben Julius Löwenstern. Schlachtermeister, Bügelstraße 5. der Massenverbrauch einen befriedigenden Nutzen läßt, die Nachfrage nach Seefischen aber angesichts der dafür in Betracht kommenden minderbemittelten Käuferschichten abflauen muß, wenn die Preise heraufgesetzt werden. Unter diesen Umständen kann es nicht wundernehmen, daß sämtliche großen Vereinigungen von Fischhändlern und Fischindustriellen in Hamburg und Altona hier zur Beratung von Abwehrmaßregeln zusammengekommen sind. Kaufen Sie eln Bett od. Bettfedern, Deunen, fertige Bettinlette und Bettstoffe, so versäumen Sie nicht einen Besuch des ungewöhnlich großen Lagers ven Pecher& Co. In Herford B, Kurfürstenstr 34 Billige Preise und hohe Leistungsfähigkeit vieltausendf. anerkannt durch tägliche Nachbestellungs- u Dankesbriefe aus denormen Kreise von weit über 150 000 Kunden! Ausführliche Preislisten u. Proben kostenlos. Elektrisches Licht mit meinen dauerhaften HetallDrahllampen 7 ist billiger wie ### Petroleumlicht. Preise sind bedeutend ermäseigt. I. R. Mönkemöller, Herierd, Steinstrasse 1. r Str 31 314 316 Sb. Ste. N: 30 51 hzeits=Zeitungen Hochzeits=Gedichte Hochzeits-Einladungen Hochzeits-Lischkarten fertigen an ebr. Heidemann. T TT Phologr. Apporat 10:13 format) kompl. 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Für die Ankörung der Bullen im Kreise Herford sind gemäß § 4 Abs. 1 der Polizeiverordnung über die Bullenkörung in der Provinz Westfalen vom 30. Juli 1901 folgende Termine festgesetzt: 1. Freitag, den 12. September 1913, vormittags 9 Uhr, auf dem Marktplatz Ennigloh, eletete Aanus Enntan. 2. Freitag, den 12. September 19·3, vormittags 11 Uhr, Hoberg, Valdorf 9, getreten sind bei Gastwirt Horstkotte, Löhne=Bahnhof. woberg. Valdolf v, heirelen sinr. 3. Freitag, den 12. September 1913, nachmittags 2 Uhr, In unser Genossenschaftsregister ist bei der bäuerlichen Bezugs= und Absatzgenossenschaft Valdorf e. G. m. b. H. in Valdorf— Gn.=R. 3— heute eingetragen, daß die Landwirte Hermann Brandt, Valdorf 6, und Gustav Kopsmeyer, Wehrendorf 21, ausgeschieden und an deren Stelle die Landwirte August Lücking, Valdorf 11, und Friedrich den 12. September 1913, nachmittags 2 Ulenburger Allee, 4. Sonnabend, den 13. September 1913, vormittags 9½ Uhr, am Kleinbahnhof Oetinghausen, 5. Sonnabend, den 13. September 1913, vormittags 11¾ Uhr, am Hauptbahnhof in Enger, 6. Sonnabend, den 13. September 1913, nachmittags 2¾ Uhr, am Kleinbahnhof in Spenge, 7. Montag. den 15. September 1913, bei Gastwirt Höner zu Siederdissen in Diebrock, 8. Montag, den 15. September 1913, vormittags 11½ Uhr, auf dem Lübberbruche in Herford, 9. Montag den 15. September 1913, nachmittags 8½ Uhr, am Kleinbahnhof Horst bei Blotho. Es steht den Bulle besitzern frei, an welchem Orte sie ihre Bullen vorführen lassen wollen. Noch nicht 12 Monate alte Bullen werden von der Ankörung ausgeschlossen. Die Tiere müssen bei der Vorführung mit Nasenring versehen sein, widrigenfalls sie von der Ankörung ausgeschlossen werden können Falls es sich um bereits angekörte Bullen handelt, ist das frühere Deckbuch mit zur Stelle zu bringen. Die Kommission entscheidet unter Anwendung des Punktiersystems über die Brauchbarkeit des Bullen. Erachtet sie ihn für brauchbar, so erhält der Bullenbesitzer ein Deckbuch und damit zugleich die Befugnis, den angekörten Bullen, der im Deckbuch nach Alter, Farbe. Abzeichen und Abstammung genau zu bezeichnen ist, zum Decken fremder Kühe und Rinder auf ein Jahr, d. h. bis zu dem entsprechenden Körtermine des nächsten Jahres zu benutzen. Er ist verpflichtet, im Deckbuch bei jeder Kuh die von seinem Bullen gedeckt ist, unter genauer Benutzung des Vordruckes den Namen und Wohnort des Besitzers der Kuh und das Datum des Sprunges einzutragen. Das Mindestdeckgeld ist auf 1 Mark festgesetzt. Für jeden angekörten Bullen ist bei Aushändigung des Deck buches eine Gebühr von 3 Mark an den Vorsitzenden der Kör kommission zu entrichten. Letzterer hat die Gebühr an die Kreis kommunalkasse hierselbst abzuliefern. Wer einen nicht angekörten Bullen zum Dicken fremden Viehes benutzt oder benutzen läßt, sowie derjenige Bullenbesitzer, der es unterläßt, das vorgeschriebene Deckbuch ordnungsmäßig zu führen, wird mit einer Geldstrafe von 5—60 Mark oder entsprechender Haft bestraft. Eine gleiche Strafe trifft den Bullenbesitzer, der den Be stimmungen über das Mindestdeckgeld zuwiderhandelt. Viehbesitzer, die ihre Tiere von einem nicht angekörten fremden Bullen decken lassen, verfallen ebenfalls dieser Strafe. Falls in den einzelnen Gemeinden nicht genügend Bullen zur Ankörung vorgeführt werden, wird das Gesetz über die Ver pflichtung der wemeinden zur Bullenhaltung unnachsichtlich zur Anwendung gelangen und die erforderliche Zahl von Bullen auf Kosten der Gemeinden zwangsweise beschafft werden. Für diejenigen Bullen, welche die meisten Punkte erhalten, sind Prämien von 10—20 Mk vorgesehen. Herford, den 22. August 1913. Der Vorsitzende des Kreisaueschusses: v. Borries. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Julius Ruschkewitz zu Herford ist infolge eines von dem Gemeinschuldner gemachten zweiten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin auf den 9. September 191., vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier, Zimmer Nr. 16 anberaumt. Herford. den 18. August 1913. Königliches Amtsgericht. Vlotho, den 21. August 1913. Königliches Bekanntmachung. Der nächste Eichtag für Stadtund Landkreis Herford und Salzuflen wird am Sonnabend, den 30. d. M, im Hause Komthurvormittags 9 Uhr, straße 85 abgehalten Die Gebühren sind nach erfolg ter Eichung sofort zu entricht und die geeichten Gegenstände ingerhalbs Tagen abzuholen, wi drigenfalls Lagergeld erhoben werden muß. Herford den 26. August 1913 Der Magistrat. Foltzugshalber beadsichtige ich mein neuerbautes 2-Familienhaus bei geringer Anzah lung zu verkaufen. Einrichtung ist modern, mit Gas, elektr. Licht Badezimmern und Garten. 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Oktober 1913, vormittags 10½ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 16 versteigert weiden. Der Versteigerungsvermerk ist am 24. Juli 1913 in das Grundbuch eingetragen. Herford. den 16. August 1913. Königliches Amtsgericht. Zwangsversteigerung. August, mittags 121, Uhr, werde ich Jungee Brampaat sucht Wohnung, 8—4 Zimmer, auf sofort. Offerten mit Preis an die Geschäftsst. d. Bl. u. Nr. 8226. Koft und Logis für 2 junge Mädchen oder Herren frei. Stiftberg. Meierstr. 37 Kräftiger Laufbursche sofort verlangt Näheres Kurfürstenstr. 2 im Laden Koftenlon! vermittelt Stellen jeder ürt der Städt. Arbeitsnachweis Herford Waisenhausstr. 1 Fernspr. 102. Weibliche Abteilung. Es werden gesucht zu sofort und 1. Oktober: 1 Haushälterin, 1 Köchin, 1 Stütze. 40 Haus= und Küchenmädchen, 8 Zweitmädchen, 1 Kindermädchen, 2 Haushaltslehrlinge, 2 Lehrmädchen für Laden, 3 Fahri'arbeiterinnen Junger Mann, 21 J. m. höh. Scholbldg., der ber. 5 J. in erst. 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Auch Rußland ist mit seinen Offerten durchaus nicht dringlich, und so konnte sich im Lie ferungshandel zwar nicht eine anfängliche durch Deckungen und Käufe der Kundschaft veranlaßte Befestigung, wohl aber ungefähr die gestrige Preislage behaupten. waferin guter neuer Ware gefragt, in geringer sohr schwer verkäuflich. Lie ferung war gut behauptet. Weizen September Oktober Dezember Mai... Roggen September Oktober Dezember Mai Das„Herforder Kreisblgtt“ erscheine täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Vierteljährlicher um voraus zu zablender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch die auswärtigen Betriebsstellen bezogen 1 M. 00 Pf. Selbstabbolung aus der Geschäftsstelle 1 M. 25 Pf Monarlich 50 Pf. Anzeigen aus dein Kreise Hetiord werden mu 12 P). auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Perit zetle berechnet. Etwaiger Radutt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt Reklamen 15 Ps. pr. Zeile. Verantwortlich:—„„—„„—„ Fur den volitischen Teil: Ferd. Eßmann in Herford. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Verlag von Fris Zeidemann in Herford Für den übrigen Tetl: Fritz Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Post=Scheck=Konto: Nr. 369 Hanno Nr. 200(enthält 8 Seiten.) Mittwoch, den 27. August 1913. 68. Jahrgang Streilversicherung. Mit der wachsenden finanziellen und onganisatorischen Rüstung der Kampfgewertschaften ist die Streitgefahr für die Industrie zu einer allgemeinen und täglich drohenden Kala mität gewollden. Die industriellen Betriebe stehen; unter dem unerträglichen Druck eines fortwährenden Streikrisikos, welches die Aufrechterhaltung einer stetigen und geregelten Produktion jeden Augenblick gefährdet. Die Unternehmer folgen daher nur einem zwingenden Gebot der Selbsterhal tung und handeln zugleich im allgemeinen volkswirtschaft lichen Interesse, wenn sie sich gegen diese Gefahr mit allen Mitteln schützen. Durch solidarisches Zusammengehen bei allen Arbeitsstreitigkeiten und durch Bewitstellen starker Streikabwehrfonds ssuchen die un den Arbeitgeberverbänden organisierten Unternehmer in erster Linie von ungerechtfertigten Angriffen der Gewerkschaften entgegenzutreten und die Position des Unternehmers zu verteidigen. Als notwen dige Ergänzung zu diesen Hauptabwehrmitteln hat sich aber noch eine Einrichtung hevausgestellt, durch welche für jeden Streitfall,der den Unternehmer unverschuldeter Weise trifft, eine Entschädigung gesichert wird, deren Höhe von vorn herein nach bestimmten Grundsätzen festgelegt ist. Um die sem Bedürfnis nach einer Streikversicherung gerecht zu wer den, haben die einzelnen Arbeitgeberverbände besondere Streikentschädigungs= bezw. Streikversicherungseinrichtungen geschaffen. Für solche Verbände aber, deren besondere Verhältnisse die Schaffung einer eigenen Streitversicherungseinrichtung für ihre Mitglioder nicht gestatten, und um auch Einzelfirmen die Möglichkeit der Versicherung gegen das Streikrisiko zu bieten, hat die Vereinigung der Deutschen Ar beitgeberverbände, die Zentralorganisation der deutschen Ar beitgeber, die„Deutsche Streikentschädigungsgesellschaft“ ein gerichtet. Gegenüber den außenstehenden Streitversiche rungseinrichtungen gibt die Deutsche Streikentschädigungs gesellschaft dem Arbeitgeher deshalb eine erhebliche vollere Stütze, weil er durch sie an die Gesamtvertretung der Arbeitgeber, die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberver bände, angeschlossen wird und ihm sonach neben der finan ziellen Deckung auch die gesamten Machtmittel der vereinig ten Arbeitgeberschaft zur Verfügung stehen. Auch finanziell bietet die Deutsche Streikentschädigungsgesellschaft ihren Mitgliedern noch eine ganz besondere Gewähr,weil das Risiko noch eine bei der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberver bände eingerichtete Rückversicherung gedeckt ist. Mit der Schaffung dieser Streikversicherungseinrichtung hat die Ver einigung der Deutschen Arbeitgeberverbände dem System ihrer Abwehrmittel ein wertvolles Glied eingefügt und einem weiteren Schritt zur organisatorischen und solida rischen Stärkung des deutschen Unternehmertums getan. Welscher Schwindel. Die angebliche„Franzosenschlacht in München", von der, wie gestern berichtet wurde, ein im„Matin“ veröffent lichter Beschwerdebnief der beiden„Opfer“ eine so entrüstete Schilderung entwarf, erweist sich, wie kaum bezweifelt wer den kann, als dreister Schwindel. Bei der Münchener Poli 1815. Die Schlacht bei Dresden 2. Tag— Rückzug der Verbündeten. Der zweite Tag der Schlacht bei Dresden, 27. August, dazu bestimmt, den Rückzug der Verbündeten zu decken, vollendete deren Niederlage. Die Nachricht von dem Napoleon zu Hilfe eilenden Vandamme, den der Herzog Eugen dauernd nicht zurückhalten konnte und das Ausbleiben des Korps Klenau wirkten ohnehin lähmend. Im Hauptquartier hatte man unschlüssig hin und her beraten, was nun geschehen solle, da Napoleon mit seinem Heere zur Stelle war. Der Gedanke, Dresden noch zu erobern, wurde aufge geben, aber man wollte auch nicht zurückweichen und beschloß daher, stehen zu bleiben und die Maßnahmen des Kaisers abzuwarten. Feurig ergriff dieser am 27. August morgens die Offensive. Während der Nacht hatte er immer befürchtet, daß die Verbündeten abziehen könnten. Jetzt ließ er sein; beiden Flügel vorgehen, um den Gegner in den Flanken zu umfassen und ihm die Rückzugstraßen nach Böhmen zu sperren. Dann sollte er ins Gebirge geworfen und zu Tode gehetzt werden. Auf dem rechten Flügel der Verbündeten standen 24 Russen und Preußen, in der Mitte 120000 Österreicher, Russen und Preußen, auf dem linken Flügel 24.000 Österreicher. Navoleon hatte unter Murat, St. Cyr und Mortier 45000 Mann zur Verfügung. Um 7 Uhr morgens be gann der Kampf auf der ganzen Linie. Bis gegen Mittag befand sich der rechte Flügel der Franzosen soweit, um die Verbündeten umgehen zu können, im Zentrum uno auf den Uinken Flügel war der Kampf zum Stehen gekommen. Um 3. Uhr war der linke Flügel der Verbündeten durch den Sturmangriff des Marschalls Viktor derartig zermalmt und zeidirektion ist nicht das allorgeringste über eine derartige „Franzosenschlacht“ in der Neuhauser Straße bekannt ge worden. Die„München=Augsburger Abendzeitung“ hat auch die Inhaber des betreffenden Ansichtskartengeschäfts be fragt und meldet, daß keiner der Ladeninhaber in irgendeiner Weise mit Franzosen derart in Berührung gekommen sei. Außerdem ist festzustellen, das gerade in diesem Jahre der Franzosonbesuch in Munchen im Vergleich zu den früheren Jahren bedeutend höher ist. Streifzüge durch die neue Türkei. Von Dr. Adolf Grabowsky. IV. Deutsche Arbeit in Kleinasien. Forscht man nach der Arbeit, die Deutschland in Kleinasien getan hat, so wird man immer wieder auf zwei Worte stoßen: Deutsche Bank. Direkt oder indirekt geht beinahe alles, was im deutschen Interesse dort geleistet ist, von der Deutschen Bank aus. Zunächst und vor allem natürlich die anatolische Bahn, das Rückgrat Kleinasiens, wie man sehr richtig gesagt hat. Sie läuft vom Haidar Pascha— gegen über von Konstantinopel auf der asiatischen Seite— bis nach Konia. Dort beginnt die Bagdadbahn, die bis Basra, dem jetzt in Aussicht genommenen Endpunkt, über 200 Klm. Länge hat. In Kleinasien selbst läuft die Bagdadbahn nur etwa 400 Klm., von denen das meiste bereits im Betrieb ist. Bis zum 1. Juli 1911 waren nur 200 Klm. der Bagdadbahn — bis nach Bulgurlu, 10 Klm. hinter Eregli— eröffnet; seitdem aber ist viel hinzugekommen. Jetzt kann man von Konia bis nach Kara=Pounar über 253 Klm. weit fahren und gelangt damit schon in das Herz des cilizischen Taurus. Dann allerdings gibt es eine schlimme Lücke: den schwierigsten Teil der Strecke über den Taurus hat man noch nicht bezwungen. Auf der anderen Seite des Taurus, wo das Gebirge in die cilizische Ebene abfällt, beginnt dann in Dorak wieder die Bahn und geht über Adana bis nach Mamouré an den Fuß des Amanus heran. Diese in der cilizischen Ebene gelegenen Strecken haben eine Gesamtlänge von etwa 115 Klm. Es besteht dann in Cilizien noch die 1886 eröffnete Bahn Adana—Mersina, die ursprünglich englisch war, später aber von dem Konzern der Bagdadbahn übernommen wurde. Die von der Bagdadbahn abzweigende Linie nach Alexandrette(Topra Kaleh—Alexandrette), die der Bagdadbahn ebenfalls untersteht, läuft schon nicht mehr in Kleinasien, sondern bereits in Nordsyrien. Diese Zweiglinie, die den sehr wichtigen Hafen Alexandrette mit Waren speisen soll, die von der Bagdadbahn herangebracht werden, wird schon Ende Oktober oder Anfang November dieses Jahres eröffnet. Die anatolische Bahn hat außer der geraden Verbindung Haidar Pascha—Konia noch eine Nebenlinie, die nach Angora führt. Eigentlich ist das sogar die Hauptlinie, weil nach dem ursprünglichen Plan die anatolische Bahn ganz anders geführt werden sollte. Man wollte sie über Angora und Kaisarii(das alte Cäsarea) nach dem Euphrat durchbrochen worden, daß 9000 Österreicher die Waffen strecken mußten. Hier war die Niederlage vollständig. Auch die Preußen im Zentrum, die sich am längsten gehalten hatten, mußten zurück; nach Mitternacht gaben sie ihre Stellungen auf. Mit einem Gefolge von 12000 Gefangenen, 26 Geschützen und 15 Fahnen ritt der Imperator in Dresden ein. In der Schlacht wurde der aus der Revolutionszeit bekannte französische General Moreau neben dem Zaren tödlich verwundet. Der Rückzug der gesamten verbündeten Armee sollte auf der Straße nach Teplitz erfolgen und dem russischen General Barclay de Tollay war die Aufgabe übertragen, mit 100 000 Mann diesen Rückzug zu sichern, nachdem der Herzog Eugen von Württemberg die Straße mit so großen Anstrengungen vorläufig frei gehalten hatte. Barclay hielt die ihm gewor dene Aufgabe für unausführbar, gab die Pirnaer Straße dem Feinde frei und zog sich auf demselben Wege wie das geschlagene Heer nach Böhmen zurück. Eine furchtbare Katastrophe erschien unausbleiblich. Napoleon zögerte nicht, die dazu nötigen Maßregeln zu ergreifen. Seine Marschälle sollte der geschlagenen Armee der Verbündeten folgen. Er selbst wollte mit Vandamme auf der Pirnaischen Straße neben dem Gegner hermarschieren, ihn in Böhmen überholen und beim Abstieg aus dem Gebirge in Empfang nehmen. Da traf die Nachricht ein, daß Oudinot bei Großbeeren geschlagen war. Der Sieg Bülows rettete die böhmische Armee der Verbündeten. Napoleon sah sich verhindert, sie mit seiner ganzen Macht zu verfolgen; er mußte sich gegen die Nordarmee bereit halten. Jetzt, da der Kaiser zurückbleiben mußte, versagte die Energie bei der Verfolgung der böhmischen Armee. Diese hatte einen schweren, gefahrvollen Rückzug, aber ihre Vernichtung war nicht erreicht. leiten und wollte auf diese Weise den schwierigen cilizischen Taurus vermeiden. Man hätte aber auf dieser Route statt eines großen Gebirges eine Reihe von kleineren gehabt und hätte außerdem sehr viel weniger wichtige Teile erschlossen als jetzt. So ist das Stück Eskischehir=Angora eine Sackbahn geworden. Seit langem schon will man die Linie über Jozgad nach Sivas fortführen, aber einmal sind starke russischfranzösische Einflüsse dagegen und dann ist im Augenblick überhaupt nicht die Zeit, allzu viel deutsches Geld für aus wärtige Unternehmungen abströmen zu lassen. Es ruhen fast völlig selbst die Arbeiten zur Durchstechung des Taurus wie auch diejenigen im Amanus. Viele Ingenieure sind entlassen worden und man beschränkt sich jetzt darauf, die leitenden Ingenieure, die man nicht entlassen wollte, bei kleineren Arbeiten.— Wasserleitungsarbeiten und ähnlichen— zu verwenden. In deutschen Kreisen Anatoliens ist man darüber ziemlich aufgebracht, doch ganz mit Unrecht. Hierbei seien einige notwendige Worte über die Deutschen im Auslande eingefügt. Sie sind überaus leicht erregt. Der deutsche Oppositionsgeist, der sich in der Heimat durch prinzipielles Opponieren äußert, tut sich in der Fremde durch ein ewiges Mißtrauen, man werde vom Reiche vernachlässigt, kund. Deshalb haben die deutschen Konsuln im Auslande auch den schwersten Stand ihren eigenen Kolonien gegenüber. Meist steht sich die deutsche Kolonie mit dem deutschen Konsul herzlich schlecht. Dadurch aber werden manche Konsuln, die es ihren Kolonien besonders recht machen wollen, leicht in einen Gegensatz zur offiziellen Politik des Reiches gedrängt. Sie treten möglichst forsch auf ohne Rücksicht auf die Politik des Gesandten und des Auswärtigen Amtes, verpatzen dadurch viel, haben aber natürlich die Angehörigen ihrer Kolonie auf ihrer Seite. Beispiele dafür gibt es gerade im Orient nicht selten. Gewiß hat das Deut sche Reich die Verpflichtung, jeden Auslandsdeutschen energisch zu schützen, und es ist gar kein Zweifel, daß in dieser Beziehung noch viel verabsäumt wird. Das Deutsche Reich kann aber nicht, bekommt Herr Schulze in Mersina nicht 20 ihm zustehende Piaster von einem Armenier, deshalb gleich ein Kriegsschiff in Bewegung setzen. Und das verlangt die Mehrzahl der Auslandsdeutschen. Sie verweisen immer auf England, das die Interessen seiner Staatsangehörigen in der ganzen Welt bis zum Außersten vertrete. Das mag richtig sein, aber der Auslandsengländer kommt dem Mutterlande auch nur mit wichtigen Dingen. Jeder Engländer im Auslande betrachtet sich als Gesandter seiner Nation und gerade deshalb weiß er, daß er die Verpflichtung hat, sich in die allgemeine Politik seines Landes einzufügen. Wir würden weltpolitisch sehr viel weiter sein, wenn das die Deutschen im Auslande ebenfalls verstehen würden. Gewiß geht der Deutsche häufig in die Fremde, weil er dort mehr verdienen will als im Inlande; dieser Verdienst sei ihm gern gegönnt, denn er ist das Aequivalent für viele Mühen und Sorgen, die der Auslandsdeutsche ertragen muß. Aber er sei dennoch mehr als Kaufmann, er sei Vertreter deutschen Einflusses und deutscher Kultur. Freilich wird man auch von Deutschland verlangen müssen, daß es solche Deutsche nicht einfach als Völkerdünger für fremde Länder betrachtet; es muß sie vielmehr ansehen als Pioniere eines größeren Deutschland und es muß dabei auch dieses größere Deutschland ernstlich wollen. Nur weil der Brite sich im Auslande als Vorbote britischer Expansion fühlt, hat er das nationale Bewußtsein, das ich schilderte. Das nationale Ansehen zu verbreiten, hat die Deutsche Bank in Kleinasien vorzüglich verstanden. Natürlich muß sie als Erwerbsgesellschaft die Interessen ihrer Aktionäre berücksichtigen, aber sie hat dabei doch stets weitere Interessen im Auge gehabt, allgemein deutsche Interessen und hat es hierdurch fertig gebracht, daß alles, was die Deutsche Bank leistet, im Orient den Großtaten des deutschen Volkes zugerechnet wird. Man betrachtet die Deutsche Bank beinahe als eine ideelle Gesellschaft, weil sie stets auch immaterielle Ziele gehabt hat. Zum Vergleich nehme man nur die Deutsche Orientbank, die von der Dresdener Bank, dem Schaffhausenschen Bankverein und der Nationalbank für Deutschland gegründet worden ist. Obwohl das Haupttätigkeitsgebiet der Orientbank in Agypten liegt, hat sie doch auch in Kleinasien eine ganze Reihe von Filialen; ja, die Deutsche Bank hat ihr das Filialengeschäft sogar völlig überlassen und sitzt selbst nur in Konstantinopel, wo sie sich fast ausschließlich mit großen Finanzierungen beschäftigt. Das Platzgeschäft der Orientbank etwa in der cilizischen Ebene in Adana oder Mersina— ist recht bedeutend. Sie ist in Adana vor allem landwirtschaftliche Vorschußbank und hat in dieser Eigenschaft an kleinen Orten Ciliziens noch eine Anzahl von Agenturen. Dennoch spielt die Orientbank im nationalen Sinne keine sehr große Rolle in Kleinasien; sie gilt als Bank, wie alle andern Banken auch und nimmt durchaus nicht die Vorzugsstellung ein, die der Deutschen Bank eingeräumt wird. Der Grund ist eben, daß sie das traditionelle Bankgeschäft betreibt und darauf verzichtet, sich auf Vorposten zu begeben. (Fortsetzung im zweiten Blatt.) Kaisertage in Posen. nosen, 20. Aug. Der Kaiser und Prinzr int Ludwig von Bayern sind um 7.15 Uhr hier eingetroffen. Die Westforts feuerten einen Salut von 33 Schuß ab. Zur Be grüßung hatten sich eingefunden: der Kronprinz, die Prin zen, der kommandierende General des 5. Armeekorps, der Kommandant der Festung, der Oberpräsident, sowie der Ehrendienst des Prinzregenten. Der Kaiser und der Prinzregent begaben sich, von einem zahlreichen Publikum stür misch begrüßt, im Automobil in das Residenzschloß, wo sie Wohnung nahmen. Die Parade des 5. Armeekorps. Die Kaiserin hat sich um 9 Uhr in geschlossenem Automobil nach dem Paradefeld bei Lawica zur Parade des 5. Armeekorps begeben. Der Kaiser und die übrigen Parade gäste trafen um 9½ Uhr auf dem Paradefelde ein. Mit dem Kaiser fuhr der Kronprinz. Der Parade wohnten u. a. bei die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des könig lichen Hauses, Prinzregent Ludwig von Bayern, die Generalfeldmarschälle Graf Haeseler und Freiherr v. d. Goltz, der italienische Oberstleutnant Pollio mit anderen italienischen Offizieren und viele hohe Militärpersonen. Es fand nur ein einmaliger Vorbeimarsch statt, bei dem der Prinzregent sein Infantevieregiment und der Kaiser das Regiment Kö nigsjäger zu Pferde vorführte. Nach Schluß der Parade hielt der Kaiser eine Besprechung ab, nahm militärische Meldungen entgegen und mtt dann die Front der Kriegervereine und Sanitätskolonnen ab. Als Fahnenkompagnie diente eine Kompagnie des Grenadier Regiments Nr. 6 und als Standarteneskadron eine Schwadron des Regiments Königsjäger zu Pferde. Nach der Parade kehrte die Kaiserin zu Wagen, der Kaiser, der Prinzregent und die Prinzen zu Pferde an der Spitze der Feldzeichen gegen 11 Uhr nach Posen zurück. Posen. 26. Aug. Heute abend war bei Ihren Majestäten im Königlichen Residenzschloß Paradetafel für das V. Armeekorps im Großen Festsaale und im Wisbysaale. Zur Tafel führte Prinzregent Ludwig von Bayern die Kaiserin, der Kaiser führte die Kronprinzessin und der Kronprinz die Prinzessin August Wilhelm. Bei der Tafel saß der Kaiser rechts neben der Kaiserin. Links neben der Kaiserin saß Prinzregent Ludwig. Im Laufe des Mahles brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: Mein Glas gilt dem V. Korps, welches die Gelegenheit hatte, heute vor mir in tadelloser Verfassung zu erscheinen und damit die Probe in der Friedensausbildung zu leisten. Ich erwarte von dem Korps, daß es im Ernstfalle den Gaisbergstürmern nacheifern und gleichen Ruhm an seine Fahnen heften wird. Drei Hurras für das V. Korps. Hurra, hurra, hurra! Um 9½ Uhr begann der große Zapfenstreich im Ehrenhof des königlichen Residenzschlosses unter Leitung des ersten Armeemusikinspizienten Professor Grawert. Kopf an Kopf stand das Publikum vor dem Königsschlosse. Die Majestäten, der Prinzregent und alle anderen Fürttlichkeiten erschienen an den geöffneten Fenstern des Schlosses und wurden mit brausenden Hochrufen begrüßt. Erinnerungsfeier an die Schlacht an der Katzbach. Liegnitz, 26. Aug. Unter lebhafter Beteiligung der Einwohner feierte heute die Stadt Liegnitz die Erinnerung an den heute vor hundert Jahren vor ihren Toren an der Katzbach erfochtenen Sieg der Schlesischen Armee über die Franzosen. In den Anlagen des Stadtparkes wurde vormittags ein Gedenkstein für zwei erfolgreiche Truppenführer der Befreiungskriege, Friedrich von Hellwig und Heinrich von Wedel, enthüllt, welche beide in Liegnitz begraben liegen. Mittags wurden die auf dem Wilhelmsplatz errichteten Bronzebüsten der vier Heerführer in der Katzbachschlacht, Blücher, Gneisenau, York und von Sacken der Öffentlichkeit übergeben. Die Büsten sind Stiftungen Liegnitzer Bürger. Nachmittags bewegte sich ein imposanter Festzug mit zahlreichen Gruppen in historischer Tracht durch die reich geschmückten und beflaggten Straßen der Stadt. Auf dem Friedrichsplatz hielt der erste Bürgermeister Charbonnier eine patriotische Ansprache. Die Lage auf dem Balkan. Der K. Z. wird aus Berlin telegraphiert: Angaben aus bulgarischer Quelle über neue Vorstöße türkischer Truppen in bulgarisches Gebiet finden in den aus Konstantinopel vorliegenden Berichten keine Bestätigung. In glaubwürdigen Mitteilungen an die Botschafter der Mächte hat die Pforte die ihr zur Last gelegten neuen Übergriffe mit Entschiedenheit bestritten. In dem türkischen Heere in Thrakien gibt es auch nichttürkische Beobachter aus verschie denen Ländern, und auch diese melden nichts von weiteren Verletzungen alten oder neuen bulgarischen Gebiets. Daß aus Sofia gegenteilige Behauptungen kommen, ist erklärlich. Man sucht dort nach einer Handhabe für ein Einschreiten der Mächte. Eine solche hat aber die Türkei bisher nicht geboten, und sie wird wohl auch fernerhin auf ihrer Hut bleiben. Der einem hiesigen Blatte aus Sofia gemeldete Gedanke, daß die Londoner Botschafterkonferenz oder ein europäischer Kongreß über eine Entschädigung für Bulgarien entscheiden solle, hat kaum Aussicht auf Verwirklichung. Die Botschafterversammlung ist vertagt; sie würde vor Anfang November kaum wieder zusammentreten, und für das Zustandekommen eines europäischen Kongresses liegen keine Anzeichen vor. Die Nachrichten mehren sich, daß man in Sofia anfange, sich mit dem Verzicht auf Adrianopel abzufinden, und daß direkte Verhandlungen zwischen Bulgarien und der Türkei eingeleitet seien. Die Schmollpolitik ist der Regierung von Sofia nicht gut bekommen. Sie hatte tausendmal recht, als sie sagte, daß die Pflicht, den Londoner Vertrag, der Adrianopel den Bulgaren zuweist, zu schützen, von den Großmächten erfüllt werden müsse. Allein die Bulgaren hätten sich die Frage vorlegen müssen, ob irgendeine europäische Macht ein so großes Interesse an der Gestaltung der Besitzverhältnisse in Thrazien habe, um der türkischen Armee von dreihundertausend Mann die entsprechenden Kräfte des Widerstandes entgegenzuwerfen. Sollte dies etwa Rußland tun, das im letzten Kriege nur zu deutlich den Wunsch gezeigt hat, Bulgarien möglichst fern von Konstantinopel zu halten? Das fortwährende Rufen nach den Großmächten war nur der Ausdruck der Verlegenheit eines erschöpften Landes und konnte zu sicheren Ergebnissen nicht führe... Endlich scheint in Sofia die Einsicht zu dämmern, daß in unseren Tagen jeder Staat verloren sei, der sich auf fremde Hilfe verlasse. Bulgarien wird schmerzliche Zugeständnisse zu machen haben. Adrianopel, für das Tausende und Tausende ihr Leben und ihre Gesundheit verloren haben und das eigentlich der Anstoß zu dem Vertragsstreite mit Serbien geworden ist, bleibt verloren, da die Türkei nur mit Gewalt herausgetrieben werden kann und niemand Lust hat, sich dafür einzusetzen. Die von den Großmächten in London bestimmte Grenze von Enos nach Midia ist schon jetzt nur eine geschichtliche Erinnerung. Aber das bulgarische Volk hat allen Grund, den Streit mit der Türkei nicht zu verschleppen, sondern durch einen Vertrag zu schlichten. Die Vergangenheit ist einmal nicht auszulöschen, und die Folgen der Verirrungen des Herrn Danew wüssen getragen werden. Bulgarien muß seine Blicke auf die Zukunft richten, seine Kräfte sammeln, seine Wunden heilen und so rasch als möglich in den Genuß eines wirklichen Friedens kommen. Verschlimmerung der amerikanisch=meritanischen Beziehungen. Washington. 20. Aug. Der K. Ztg. wird telegraphiert: Die Behandlung der mexikanischen Angelegenheit war heute nacht einer Krisis mahe. Wilson und Bryan hatten am Abend eine Besprechung mit den Ausschüssen des Kongresses, die die morgige Botschaft des Präsidenten begut achten sollten. Bei dem anschließenden Journalistenempfang um 11 Uhr erklärte der Präsident, die Botschaft sei einmütig gutgeheißen worden. Obwohl den Teilnehmern an der Be sprechung der Mund versiegelt ist, ist doch soviel durchgesie kert, daß die Lage schlimmer geworden ist. Die Botschaft ge brauche eine ziemlich scharfe Sprache gegen Huerta. Weiter ist bekannt geworden, Huertas Antwortnote sei so feindselig, daß eine Erwidarung ausgeschlossen sei. Ferner erwäge man, ob man sich von den sozialistischen Konstitutionalisten Carranzas(don Maderisten) zum Einmarsch in Mexiko solle ein laden lassen. Gegen Mitternacht traf eine Nachricht aus Mexiko ein, deren Inhalt bis jetzt noch unbekannt ist. Mexiko. 20. Aug. Der Abgesandte des Präsidenten Wilson, Lind, hat sich von dem Minister des Auswärtigen, Camboa, verabschiedet und reist heute über Veracruz nach Washington zurück. Die letzte Unterhandlung hat keine An zeichen dafür ergeben, daß Meriko von seiner vorher einge nommenen Stellung gegenüber Wilsons Vorschlägen zurück weiche. Es wird gemeldet, Präsident Huerta habe die moisten im Ruhestande lebenden Offiziere zu den Fahnen zurückberufen. Washington, 20. Aug. Auf die Nachricht, daß Lind Mexiko verläßt, hat sich Präsident Wilson endgültig ent schlossen, heute die mexikanische Botschaft vor dem Kongreß zu verlesen.(Siehe jedoch unten.) Die Verhandlungen mit Huerta sind, soweit sie Lind betreffen, beendigt. Weitere Mitteilungen müssen durch den amerikanischen Geschäfts träger in Mexiko gehen. Die Botschaft ist in freundschaft lichem Ton gehalten. Sie stellt die Freundschaft Amerikas gegenüber Mexiko fest, erklärt aber Amerikas unabänder lichen Einspruch gegenüber mexikanischen Regierungen, die auf eine von der Regel abweichende Art ans Ruder gekom men sind und von ehrgeizigen Persönlichkeiten geleitet werden. Die Botschaft kündigt formell an, daß Huertas Regierung nicht anerkannt wird, und erklärt, daß keine Aufhebung der Sperre auf Waffen und Munition eintreten werde. Weder Huerta noch seine Gegner würden Waffen oder Mu nition aus den Vereinigten Staaten erhalten. Zum Schluß heißt es, es sei Wilsons Absicht, wenn nötig, die Grenzposten zu verstärken, um seine Politik durchführen zu können. Newyork. 26. Aug. Aus Washington wird gemeldet: Auf Ersuchen des mexikanischen Ministers des Acußern ver schob der Präsident seine Sonderbotschaft über Mexiko bis morgen. Politische Rundschau. Berlin, 26. Aug. Eine Erinnerung an die Marokko=Kerisis im Sommer 1911. Der englische Botschafter in Wien, Cartwright, ist zurückgotreten. An seine Stelle tritt der Bot schafter in Madrid, de Bunsen. Herr Cartwright hat von seinem Wiener Posten aus während der Marokkokrisis im Sommer 1911 die Presse in deutschfeindlichem Sinne bearbeitet und dabei auch einen Deutschland und den Kaiser schwer beleidigenden Artikel in die„Neue Freie Presse“ gebracht, wie nachher von dieser öffentlich festgestellt wurde. Herr Cartwright hatte allerdings den Mut, diese Bohaup tung amtlich abzuleugnen, so daß diplomatische Schritte Deutschlands erfolglos bleiben mußten. Die Fragebogen für die Erhebung der einmaligen Wehrabgabe werden, wie die„Tägl. Rundschau“ erfährt, gegenwärtig im Reichsschatzamt gemein sam mit den übrigen Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über den einmaligen Wehrbeitrag ausgearbeitet. Die Frage stellung wird äußerst sorgfältig vorgenommen, um ein mög eichst klares Bild über die Vermögenslage der einzelnen Zen siten zu gewinnen. Das auf diese Weise gewonnene Materia wird eine wichtige Unterlage für die Beurteilung des deut schen Nationalwohlstandes sowie für das Vermögenszu wachs=Steuergesetz bilden, das im Jahre 1916 eingeführ" wird. Die Fragebogen werden im Januar ausgegeben und im Februar zugestellt werden. Drei Monate nach der Zu stellung muß das erste Drittel des Wehrbeitrages bezahl sein. Bis längstens Wai 1914 wird daher das erste Dritte des Wehrbeitrages eingegangen sein. Oesterreich. Der ruissische Botschafter, Buron v. Giers, überbrachte heute dem Kaiser die Einladung des Zaren zur Einweihung der russischen Gedächtniskapelle in Leipzig. Der Kaiser teilte dem Botschafter mit, er werde den Erzherzog=Thronfolger mit seiner Vertretung bei dieser Feier betrauen.— Die Wiener freisinnige Presse erörtert die Erlasse des Triester Statthalters Prinzen Hohenlohe gegen die Verwendung von reichsitalienischen Staatsbürgern in den städtischen Diensten der Stadt Triest und deren Besprechung in der reichsitalienischen Presse m übermäßig breiter Weise. Gegen die Maßregel des Statthalters ist an sich gewiß nichts einzuwenden, da in Oesterreich nach dem Staatsgrundgesetz nur österreichische Staatsangehörige in öffentlichen Diensten beschäftigt werden dürfen und die liberalen Triester Stadtgewaltigen mit Vorliebe unter Zurück weisung der Bewerber österreichischer Staatsangehörigkeit Reichsitaliener anstellen. Zu beklagen ist nur die unge schickte Wahl des Zeitpunktes für die Herausgabe der Er lasse und die unnötige Schroffheit derselben, wodurch die na tionale Ueberempfindlichkeit des italienischen Volkes gerade jetzt gereizt wird, nachdem die internationale Lage eine er freuliche A.inäherung zwischen beiden Staaten und ihren Be völkerungen herbeigeführt hat. Frankreich. Geneval Bernard, der zur Verfügung des Kriegsministers gestellt worden war, wird denmächst die Leitung des Militärflugwesens übernehmen, dessen Grund lagen das Parlament durch Bewilligung der Kredite zu Be ginn der außerordentlichen Session sicherstellen wird. Ge neval Bernard wird vor Wiederbeginn der Kammerverhand lungen diejenigen Maßnahmen prüfen, vorschlagen und anwenden, welche geeignet sind, dem Flugwesen eine den Um ständen entsprechende Ausdehnung zu geben. Südafrika. Die seit längerer Zeit wegen der Ge gensätze zwischen Botha und Hertzog bestehende Spaltung in der nationalen Partei tritt in eine neue Phase ein. Die Anhänger Hertzogs entwickeln eine bedeutende Propaganda und große Energie. In dieser Woche sind zwei gleichzeitige Versammlungen in Distrikt Rustenburg beabsichtigt. Die Reste der alten Krügerpartei, die jetzt Hertzogs Anhänger sind, suchen den Gegensatz zwischen den beiden Führern noch weiter zu verschärfen. Die Partei Hertzogs besteht auf dem Rücktritt Bothas und droht, wenn Botha nicht friedlich geht, mit Gewalt. Nach zuverlässigen Meldungen kaufen d##e Buren anormale Mengen Munition. Kenner der Verhält nisse betrachten eine revolutionäre Bewegung als unver meidlich, wenn Botha den Rücktritt verweigert. China. Bei Nanking haben in den letzten Tagen hef tige Gefechte stattgefunden. Nach den letzten Nachrichten schließen die nordchinesischen Truppen unter General Changfhun die Stadt ein. Sie sind jetzt endgültig im Be sitz des Purpurberges, der den Schlüssel nach Nanking bildet. Ein neuer Deutschenmord in Mexiko. Wie der„Lokalanz.“ hört, ist die Meldung über einen abermaligen Raubmord an einem Deutschen in Mexiko eingetroffen. Nachdem erst vor wenigen Tagen, wie berichtet, der Deutsche Hans Locht mexikanischen Mörderhänden zum Opfer. gefallen war, handelt es sich im vorliegenden Falle um den in Mexiko lebenden Erich von Thaden(oder Thadden? D. Red.), der in der Nähe von Coahuaccan zusammen mit einem Engländer namens Seymour Loughton, ermordet auf gefunden worden ist. Beide sollen über eine Million Dollar in Banknoten bei sich gehabt haben, die bei ihnen nicht mehr vorgefunden wurden. Der Werftarbeiterstreik darf als erledigt betrachtet werden. Stettin, 26. Aug. Bei der Vereinigung der Eisenindustriellen und deren Arbeitsnachweisen ist heute gegen abend folgender Anschlag angebracht worden: Nachdem für sämtliche Arbeiterkategorien der drei Stettiner Werften die Erklärung abgegeben worden ist, daß sie zur Wiederaufnahme der Arbeit durch den Arbeitsnachweis in dem angeforderten Umfange bereit sind, wird die Arbeiterannahme für die Stettiner Werften am Mittwoch, den 27. August, wieder geöffnet werden. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Herford, 27. Aug. Wetterwarte. 8 Uhr früh: Barometer 770 Millimeter. Thermometer+ 11. Heiter, doch in der Ferne dunstig. Ostwind. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen. Zeitweise Zunahme der Bewölkung, vorwiegend trocken und warm, Gewitterneigung. Herford, 27. Aug. Beurlaubt sind die Herren Lehrer Lepper von der Bürgerschule Stiftberg und Lehrer Heinz von der Bürgerschule Wilhelmsplatz zur Teilnahme an einem Einführungskursus für Fortbildungsschullehrer, der am nächsten Montag in Gelsenkirchen beginnt und vier Wochen dauert. Herford, 27. Aug. Ausbildung der Lehrer im Sanitätsdienst. Die bereits gestern von uns gemeldete Vorführung der beiden ersten Klassen des hiesigen Lehrerseminars im Sanitätsdienst erstreckte sich in ihrem ersten Teile auf das theoretische Wissen, das dann im zweiten Abschnitt der Prüfung als praktisches Können vorgeführt wurde. Nach Beendigung des Ganzen nahm Seminardirektor Tesch das Wort zu einer Ansprache, die der Anerkennung über das Gesehene und Gehörte Ausdruck gab, die Bedeutung der Ausbildung bei einem Wirken des Leh rers in kleinen und entlegenen Orten hervorhebt und darauf hinwies, daß es bei aller Friedensliebe des deutschen Volkes und seines Kaisers nicht außer dem Bereich der Möglichkeit liege, daß die jetzt ausgebildeten Seminaristen ihr Wissen und Können einmal auf dem Schlachtfelde im Dienste des Vaterlandes verwerten müßten. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß sie auch dann ihre Pflicht tun würden. Der Redner schloß dann mit einem Hoch auf das Vaterland und einem herzlichen Dankeswort an Dr. med. Brücher, der auch in diesem Jahre wieder die Ausbildung vorgenommen hat. Herford, 27. Aug. Die Jagd auf Rebhühner ist gestern eröffnet worden, uno zahlreiche Jäger waren daher unterwegs, um sich gleich am ersten Tage einen Teil der leckeren Beute zu sichern. Herforo, 27. Aug. Das gestrige Konzert in Brinkmanns Garten war gut besucht und fand allgemeinen Beifall. Herford, 27. Aug. Ein Promenadenkonzert wird morgen, Donnerstag, nachmittags 6 Uhr auf dem Wilhelmsplatz ausgeführt. Zum Vortrag kommen: 1. SchererMarsch von Skalla. 2. Fest=Ouverture von Eilenberg. 3. Selektion a. d. Oppte.„Dollarprinzessin“ von Fall. 4. Noch sind die Tage der Rosen. Lied von Baumgartner 5. Operettenrevue von Morena. Herford, 27. Aug. Der Landwirtschaftliche Ortsverein nahm im Vorsommer d. Is. einen Ausflug in den Kreis Wiedenbrück in Aussicht. Es sollen dort vornehmlich Weidewirtschaften besichtigt werden. Wie wir nun hören, wird dieser Ausflug vielleicht in der ersten Hälfte des Monats September zur Ausführung gelangen, vorausgesetzt, daß bis dahin die Haupternte geborgen ist. Herford, 27. Aug. Den Kampf ums Banner werden am Sedantage die Spielabteilungen der Bürgerschulen Wilhelmsplatz und Mindenerstraße ausführen. Sie sind als Sieger aus den Ausscheidungskämpfen hervorgegangen. Herford, 27. Aug. Der Herforder Schwimmverein hält sein diesjähriges Schwimmfest nicht am nächsten Sonntag, sondern am Sonntag, den 7. Sept. ab. Herford, 27. Aug.„Die Auferstehung" von L. Tolstoy im Film. Den ergreifenden Roman des großen Russen in einem zweiaktigen, mimischen Schauspiel wiederzugeben, unternimmt in diesen Tagen das Lichtspielhaus „Wittekind“. Wie die Filmzentrale schreibt, kommt die hohe dramatische Wirkung des Romans mit Hilfe einer raffinierten Inszenierung und unter der Mitwirkung erster russischer Hofschauspieler in höchster Vollkommenheit in diesem Film zur Geltung. Demnach wird das Haus„Wittekind“ also etwas ganz Hervorragendes bieten, das sich seine zahlreichen Freunde jedenfalls nicht entgehen lassen werden. Herford, 27. Aug. Ein Vorfall, der wenige Minuten später hätte großes Unheil anrichten können. vollzog sich gestern kurz vor Mittag auf dem Hellerwege. Wenige hundert Meter vor dem Bahnübergange an der Elverdisserstraße verlor ein Knecht des Bauunternehmers Wittland die Gewalt über ein mit Ziegelsteinen beladenes Fuhrwerk. Mit rasender Geschwindigkeit gings dem Bahnübergange zu. Die Erhöhung des Bahnkörpers brachte das eine Pferd zu Fall und glücklicherweise den Wagen zum Halten, so daß das wertvolle Tier mit einigen Hautabschürfungen davongekommen zu sein scheint. Der Führer des ersten Wagens bog, die Gefahr rechtzeitig erkennend, in die Falkstraße ab. Wenige Augenblicke später belebten dann nach Schulschluß viele Kinder die Straße. Herford, 27. Aug. Flüchtig ist seit dem 23. d. M. der Postagent Menke aus Nordenham=Avens nach Entwendung von etwa 800 M. Fluchtrichtung unbekannt. Personalbeschreibung: Wuchs: schlank, Größe 1,70—1,75 Mtr., Gesicht: länglich, Farbe: rot, Haare: dunkel, Stirn: gewöhnlich, Augen: blau, Nase: etwas nach rechts gebogen, Zähne: gesund, Anflug von Schnurrbart, Sprache: Oldenburger Dialekt, Stimme: gewöhnlich, Kleidung: dunkler Anzug mit wenig sichtbaren Streifen. Geboren 28. Oktober 1887 in Esensham, Amt Butjadingen, Oldenburg; ledig. Sachdienliches wolle man der hiesigen Kriminalpolizei melden.— Vermißt wird der in Hannover, Kopernikusstraße Nr. 20 wohnhafte Schüler Willy Schulze, geboren am 28. 10. 1900 zu Köln, der sich seit dem 15. d. M. früh mit den Schulbüchern aus der elterlichen Wohnung entfernte. Anzunehmen ist zwar, daß er sich herumtreibt und sich vielleicht nach Köln begibt, von wo er erst kürzlich mit seinen Eltern nach hier zugezogen ist, doch ist auch nicht ausgeschlossen, daß er Selbstmord begangen hat oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Schulze ist 1,50 Mtr. groß, hat hellblonde Haare, dunkelblonde Augenbrauen, blaue Augen, gesunde Zähne, rundes Kinn, untersetzte Gestalt, aufrechten Gang und spricht Kölnischen Dialekt. Bekleidet war er mit dunkelgrauem Joppenanzug mit Kniehose, ebensolcher Mütze, Stehkragen und Kravatte,schwarzwollene Strümpfe und Sandalen. Zweckdienliches wolle man der Kriminalpolizei melden. &a Vlotho, 27. Aua. Bannerwettkampf am 7. September. Der Ehrenausschuß für das große Wettturnen hat sich jetzt konstituiert. Neben den Vertretern der Geistlichkeit aller Konfessionen gehören ihm die Herren Amtmann Brüggenschmidt, Amtsgerichtsrat Middeldorf, Rektor Dr. Weineck und Rektor Blome an. Der Beginn des Festes ist auf 2½ Uhr festgesetzt. Unter den Klängen der Feuerwehrkapelle wird sich der Zug von der neuen evangelischen Schule aus durch die Langestraße zum Festplatz an der neuen Weser begeben &ap Vlotho, 27. Aug. Zur Lage der Tabakarbeiter. Bekanntmachungen der Hamburger Fabrikanten. die hier Filialen unterhalten, besagen, daß lange nicht so viel Betriebseinstellungen erfolgen werden, wie in auswärtigen Blättern angedeutet waren, es handelt sich lediglich um einige ganz kleine Betriebe. Demgegenüber stehen bevorstehende Vergrößerungen anderer Filialen.— Der Betrieb der Zigarettenfabrik„Mister Bromr“ ist vollständig eingestellt worden. Sämtliches Personal ist entlassen. &a Bad Oeynhausen, 27. Aug. Theaterneubau. Man begann heute morgen mit dem Fällen der schönen alten Bäume neben dem Theater. Wenn man diese Arbeit beobachtet, kann man die vielen Eingaben verstehen, die für den Bau einen anderen Platz gewünscht hätten verwaltung weist übrigens darauf hin, daß alle Schreiben in der Bauangelegenheit an die neuerrichtete Königl. Bauabteilung zu richten sind.— Vom Museum. An vem Altertumsmuseum im Musikhaus gehen die meisten Besucher Oeynhausens achtlos vorbei; augenblicklich ist als besondere Schaustück ein silberner Becher, der auf der großen Kolonial= ausstellung prämiiert wurde, und ein Stock aus dem eines Nilpferds mit Goldbeschlag in wu dervol r. Handarbeit aus dem Besitz des berühmten Afrikaforschers Majors von Wißmann ausgestellt. Detmold, 26. Aug. Landtagskandidatur. Als reisinniger Kandidat für das durch den Rücktritt des Abg. Brakemeier=Horn erledigte Landtagsmandat der 3. Klasse des 1. Wahlkreises(Städte Detmold, Horn, Lage, Schwalenberg) wurde von der Wahlkreiskonferenz Professor Dr. Neumann=Hofer einstimmig aufgestellt. Schneidermeister Brakemeier wurde im Februar 1913 in der Stichwahl mit 30 Stimmen Mehrheit gegen den Stadtv. Eggen(soz.) gewählt. Detmold, 26. Aug. Gefährlicher Fund. In der Nähe des Bahnhofs Blomberg fand ein zwanzigjähriger Bauernsohn aus Ruensiek eine verschlossene Blechbüchse. Er nahm sie mit nach Hause und versuchte dort, sie zu öffnen. Hierbei explodierte die Büchse plötzlich mit einem fürchterlichen Knall. Dem jungen Manne wurden zwei Finger der linken Hand und fast die ganze linke Gesichtshälfte mit dem Auge weggerissen. Der schwerverletzte junge Mensch wurde sofort dem hiesigen Landeskrankenhause zugeführt, doch ist es sehr fraglich, ob er mit dem Leben davonkommen wird. Oerlinghausen, 26. Aug. Ein furchtbares Unglück ereignete sich gestern abend kurz vor der Station Ehlenbruch. Auf einem Bahnübergang, der aber nicht durch Schranken geschlossen wird, wurde ein 12jähriger Knabe, der aus Leopoldshöhe stammen soll, von dem Abendzuge erfaßt und überfahren. Etwa 30 Meter wurde er von dem Zuge mitgeschleppt und furchtbar zugerichtet, so daß der Tod sofort eintrat.— Feuer brach gestern abend um 11 Uhr in Ehlenbruch aus. Es brannte dort eine Scheune von dem Wurstekruge bis auf den Grund nieder. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Düsseldorf, 26. Aug. Verhaftet. Der flüchtige Bankdirektor Steea vom A. Schaaffhausenschen Bankverein ist durch die Düsseldorfer Kriminalpolizei in Donaueschingen verhaftet worden. Düsseldorf, 26. Aug. Einmysteriöser Selbstmord. Ein Herr und eine Dame sprangen engumschlungen von der Rheinbrücke in den Strom und verschwanden in den Fluten. Obwohl der Doppelselbstmord von einem Schiffe aus bemerkt worden war und die Rettungsarbeiten sofort begonnen wurden, konnten die Leichen der Lebensmüden bislang nicht geborgen werden. Köln, 26. Aug. Gegen die Fremdenlegion. In einer gestern abend abgehaltenen, von ehemaligen Fremdenlegionären einberufenen, überaus zahlreich besuchten Volksversammlung versicherten die Redner entgegen früheren Behauptungen, daß bezahlte Werber namentlich in Rheinland und in den Reichslanden tätig seien, um junge Deutsche in die Fremdenlegion zu locken. Bei völlig ungenügender Kost habe der Legionär anstrengende Märsche durch heiße und sandige Gegenden zu leisten, wobei die vor Ermattung zusammengebrochenen Legionäre ihrer Waffen beraubt und alsdann erbarmungslos ihrem Schicksal über lassen blieben. Andere schlapp gewordene Leute würden an Pferde gebunden und dadurch gezwungen, weiter zu laufen. Die Strafen, die dem Legionär drohen, der sich verfehlt hat, seien überaus grausam. Im Arrest seien auf einer Stube 60 Personen zusammengepfercht, allein in 33 Paragraphen lautet im Strafgesetzbuch das Urteil auf Todesstrafe. Nachdem ein Redner einen energischen Appell an die jungen Militärpflichtigen gerichtet hatte, unter keinen Umständen der französischen Fremdenlegion beizutreten und mit den Worten schloß„Nieder mit Frankreich“, brach ein allgemeiner Tumult aus, der von den zahlreich anwesendenSozialdemokraten auszugehen schienen. Köln, 26. Aug. Für 20000 Pelzegestohlen. In einem Pelzwarengeschäft in der Neußerstraße wurde von unbekannten Tätern ein Einbruchsdiebstahl verübt. Es fielen den Einbrechern Pelzwaren im Werte von über 20 000 Mark in die Hände. Von den Tätern hat man bisher noch keine Spur. München=Gladbach, 26. Aug. Bei einem Einbruchsversuch in eine Fabrik in Burrist kam einer der Diebe der Starkstromleitung zu nahe und erlitt an beiden Armen schwere Brandwunden. Der Dieb wurde verhaftet und mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Die Wunden stellten sich dabei als derart schwer heraus, das dem Einbrecher beide Arme abgenommen werden mußten. Der Zustand des Schwerverletzten ist fast hoffnungslos. Kaldenkirchen, 26. Aug. 14 000 Bienenvölker verhungert. Die Bienenzüchter Rheinlands und Westfalens senden alljährlich in Extrazügen ihre Bienenvölker zum Sommer nach Holland in die große Peelheide, welche durch die Riesenflächen Heidekraut sonst den Bienen vorzügliche Nahrung bietet. In diesem Jahre hat sich aber die Heideblüte etwas verspätet, und etwa 14000 Bienenvölker sind tatsächlich verhungert. Ein nennenswerter Honigertrag ist jetzt nicht mehr zu erwarten. Bonn, 26. Aug. Unterschlagungen in Höhe von 65 000 u sind bei dem hiesigen Spar= und Darlehnsverein entdeckt worden. Der Rendant Holzmülheimer, der die Veruntreuungen verübte, wurde verhaftet. Er besitzt ein Vermogen von 45000 M, das beschlagnahmt wurde. Oberstein, 26. Aug. Schwindel. Mehrere Firmen der Steinschleifereiindustrie in Oberstein und Idar im Nahe tal sind einem Betrüger zum Opfer gefallen. Ein Wirt in Oberstein beauftragte einen Kommissionär, ihm von verschiedenen Firmen für 30000 i Halbedelsteine zu besorgen, da er einen Käufer für die Steine habe. Der Kommissionär kam diesem Auftrag nach und beschaffte sich von verschiedenen Firmen Halbedelsteine im Werte von 28000 M. Als er zu dem Wirt kam, teilte ihm dieser mit, daß der Käufer nicht anwesend sei, worauf der Kommissionär die Steine beim Wirt deponierte. Jetzt ist der Wirt mit den Edelsteinen verschwunden, und es war bis jetzt nicht festzustellen, wohin er geflüchtet ist. Karlshafen, 26. Aug. Eine Jagdumsonst und noch500Mndazu. Daß eine Gemeinde bei den heutigen hohen Jagdpachten noch Geld bietet, um ihre Jagd los zu werden, erscheint kaum glaublich. Tatsächlich aber bietet die Gemeinde Gottsbüren dem 500 M. der bereit ist, die Jagd mit Wildschaden zu übernehmen. Der Grund für diese schier unglaublich scheinende Tatsache ist darin zu suchen, daß in dieser Gemeinde der durch Wildschweine verübte Schaden sehr groß ist. Die Sache hat also doch einen Haken Letzte Nachrichten. Berlin, 26. Aug. In den letzten Wochen sind in Pankow mehrfach auf durchfahrende Eisenbahnzüge Attentate verübt worden, indem die Züge mit Steinen beworfen und Schüsse auf sie abgegeben wurden. Den Bemühungen der Pankower Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, drei junge Burschen in dem an der Eisenbahn angrenzenden Laubengelände, wo sie sich seit längerer Zeit aufhielten, zu ergreifen und ihnen nachzuweisen, daß sie die Täter sind. Berlin, 27. Aug. Der Unglückszug aus Königsberg, dem kurz vor der Station Krojante von dem letzten Passa gierwagen die vordere Achse brach, traf gestern nachnrittag gegen 4 Uhr auf dem Schlesischen Bahnhof ein. Es war angeordnet worden, die noch im Zuge befindlichen Verletzten ofort nach dem Bahnhof Friedrichsstraße zu bringen, wo der Bahnarzt mit einigen im Rettungsdienst geschulten Bahnboamten den Zug erwartete. Eine Dame, die den Anschein nach sehr schwer verletzt war, wurde in ein nahe gelegenes Hotel gebracht. Einigen anderen leichwerletzten Passagteren wurde im Zimmer des Bahnhofsvorstehers die erste Hilfe geleistet. Ein Passagier machte einem Mitarbeiter der Vossischen Zeitung folgende Angaben: Wir befanden uns im letzten Durchgangswagen, der von Passagieren mit dem Berlin dicht besetzt war. Unterwegs fiel uns schon auf, daß dreimal auf offener Straße angehalten wurde und ungefähr 50 Meter vor Krojanke vernahmen wir ein verdächtiges Surren. Gleichzeitig flogen Steine vor den Fenstern in die wone. Ein Herr war im Begriff, die Notleine zu ziehen, als ein dumpfer dröhnender Schlag erfolgte, wo ein markerschüt ternder Schrei der zu Tode erschrockenen Frauen und Kinder hindurchgellte. Unser Wagen war vollkommen umgekippt. Die Fensterscheiben schauten nur als drohende Scherben aus dem Rahmen heraus. Die Sitzbänke waren abgebrochen und die Passagiere lagen in einem wirren Knäuel durcheinander. Die Befreiung aus dem gungekippten Wagen fand durch Leitern statt. Man war kaum aus dem Wagen heraus, als man unter sich Flammen emporzüngeln sah. Berlin. 27. Aug. Gegen 10 Uhr gestern abend erschien der Chauffeur Kurau im Zigarvenladen der Frau Becker und verlangte von ihr Zusagen auf Grund des Ver hältnisses, daß sie, da sie mit ihrem Mann nicht glücklich lebte, seit einiger Zeit mit ihm unterhielt. Als die Frau dem Verlangen des Chauffours Widerstand entgegensetzte, nahm Kuran eine derart drohende Haltung ern, daß die Frau sich zur Notwehr berechtigt hielt und durch drei Revolverschüsse den Angreifer in den Kopf traf, sodaß er bald starb. Die Frau wurde von Hausbewohnern festgenommen und der Po lizei übergeben. Trepton, 27. Aug. Der Große Preis von Deutschland. der gestern(Dienstag abend) auf der hiesigen Rad rennvahn zum Austrag gebracht wurde, fand vor fast ausverkauftem Hause statt. Sieger wurde der Franzose Hourlier, der den Berliner Lorenz mit Radbreite nach heftigem Kampfe schlug; Dritter wurde der Italiener Gardellin, Vierter Arend. Baden=Raven. 27. Aug. In dem Orte Sinusheim überschlug sich ein mit vier Personen besetztes Automobil, das sich auf der Straße nach Iffezheim befand. Einer der Insassen, ein Herr, wurde schwerverletzt und stard nach weni gen Minuten, während die anderen Insassen, ein Herr und zwei Damen, mit lleichteren Verletzungen davonkamen. Misdroy, 27. Aug. Einer Ausländerin, die mit ihren Kindern hier zur Erholung weilte, ist gestern auf dem Wege zum Strand ihr jüngstes Kind von dem früheren Ehegatten entführt worden. Es wird vermutet, daß der Mann das Kindermädchen, das gleichfalls flüchtig geworden ist, bestochen hat. Übrigens hat der Gatte seiner Frau einen eingeschriebenen Brief gesandt, in dem er um Zusammenkunft in Budapest bittet, obwohl es ihm unmöglich ist, zu der angegebenen Zeit dort zu sein. Zürich, 27. Aug. In Balstan, im Kanton Solothurn, hat eine schwere Explosion großes Unglück bereitet. In einer Fabrik sind durch eine Explosion eines großen Kessels ein Arbeiter getötet und vier andere so schwer verbrüht worden, daß sie wenige Stunden nach den erlittenen Verletzungen starben. Ein sechster Arbeiter wurde schwewerletzt und liegt in hoffnungslosem Zustande im Krankenhause. London, 27. Aug. Eine schwere Schiffskatastrophe hat sich auf der Insel Palmouth zugetragen. Der Dampfer „Pormwald“ stieß während der Nacht mit einem großen Dampfer zusammen, dessen Name und Herkunftsort imbekannt geblieben ist. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der fremde Dampfer sofort sank. Einzelheiten über das Schicksal des fremden Schiffes waren noch nicht zu erhalten gewesen. Romanowskaja( Kubangebiet), 26. Aug. In der Nähe der Station Konakowo sind bei einem Zusammenstoß zweier Züge zwei Schaffner getötet und 70 Wagen zertrümmert worden. Mlagai. In verschiedenen Blättern las man kürzlich eine Notiz über den gewaltsamen Tod und die Ueberschuldung des Züricher Mühlen= u. d Schokolade=Industriellen Eugen Maggi. Die durch ihre Suppenartikel bekannte Maggi=Gesellschaft in Berlin und Singen legt Wert auf die Feststellung, daß dieser Eugen Maggi in keinerlei Beziehungen zu ihr gestanden hat. XI Beachten Sie mein Preisangebot, welches Freitag dieser Zeitung beiliegt. Billigste Kaufgelegenheit des Jahres! Seit Monaten vorbereitet! Beginn: Sonnabend, den 30. August, vormittags 8 Uhr. KX G Hermann Herzfeld. Herford Gehrenberg 15. Bekanntmachung. I. Nr. 1 des§ 8 der Lustbarkeitssteuerordnung vom 4./14. Jan. 1910 erhält folgende Fassung: die Festsetzung und Erhebung der Kartensteuer gelten folgende Vorschriften: 1. Die Kartensteuer beträgt für alle zu Veranstaltungen der im § 1 Nr. 1—10 und 12 bezeichneten Art ausgegebenen Einirittskarten bezw. sonstigen, die Stelle solcher vertretenden Ausweise: a) Bei einem Eintrittsgelde von 8 Mk. und darüber 30 Pfg. b)„„„ unter 3„ 20„ „„„„ 2„ 10„ „„„„I„ 5„ e)„„„„ 0.00„„„ Bei den Veranstaltungen der im§ 1 Nr. 11 bezeichneten Art: a) Bei einem Eintrittsgelde von 2 Mk. und darüber 30 Pfg. b)„„„ unter 2„ 20„ c)„„„„ 1.50„ 15„ d)„„„„ 1,00„ 10„ „„„„ 0,50„ 5„ II. Vorstehende Aenderung tritt mit dem Tage nach erfolgter Veröffentlichung in Kraft. Herford, den 8. Juni 1913. gez. Busse, Brand, Heinr. Schönfeld. Carl Höpker, Böckelmann. Auszug aus dem Protokollbuch der Stadtverordneten vom 27. Juni 1913. Nr. 1117 Vorlagen des Magistrats betreffend: a) Aenderung der Lustbarkeite steuerordnung vom 4./14. Jan. 1910 Nr. 1117 Die Vorlage wird angenommen. Die Stadtverordaeten: gez. Lücken, Modersohn, Nolting, Schiermeister, Kiese. Genehmigt auf Grund der§§ 18 und 77 des Kommunalabgaben= gesetzes vom 14. Juli 1893(G. S. S. 152). inden, den 30. Juli 1913 (L. S.) Namens des Bezirksausschusses. Der Vorsitzende: J. V.: gez. Steinbrück. Zu der vorstehenden Genehmigung wird gemäß§ 77 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 und dem Ministerer= lasse vom 26. Juni 1907(M. Bl. S. 236) die Zustimmung erteilt. Münster, den 21. August 1913. (L. S.) Der Oberpcäsident der Provinz Westsalen I. B: gez. Unterschrift. Vorstehende Aenderung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Herford, den 25. August 1913. Der Magisteat. ier- und Frili (früher R. Dullinger) = Radewigerstrasse= empfehle aufs Angelegentlichste. Toiletten jeder Art für Damen und Herren. Entgegenkommendste Bedienung. Erwin Mück. Friseur. Herforder Disconto-Bank Herford Kurfürstenstrasse 10. Telegr.-Adresse: Discontobank. Fernsprecher Nr. 6. Reichsbank-Giro-Conte. Postcheckconto Hannover Nr. 573. 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