Das„Herforder Kreisblatt“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Vierteljährlichet imn voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch vie auswärtigen Betriebestellen bezogen 1 M. 65 Pf. Bei Selbstabholung aus der Geschäftostelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 30 Pf. Herforder Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pf., auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Petitzeile berechnet. Etwaiger Ravatt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerbalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. KreisVerantwortlich: Fur den politischen Teil: Ferd. Etzmann in Herford. Für den übrigen Tell: Friy Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Nr. 369 Hannover. Nr. 148(enthält 8 Seiten). Freitag, den 27. Juni 1913. 68. Jahrgang. Die Lage auf dem Balkan. An erster Stelle bringt die„Neue Freie Presse“ hierzu u. a. nachstehende Ausführungen: Heute wurde der Inhalt einer serbischen Note an Bulzarien veröffentlicht, und die Gegenüberstellung der darin erhobenen Forderungen und des vom russischen Gesandten ausgesprochenen Wunsches zeigt am deutlichsten, warum die Verstimmung in Belgrad so ernst geworden ist. Die Note verlangt, daß der Zar als Schiedsrichter die Teilung aller Gebiete durchführe. Die vier Ministerpräsidenten der Balkanstaaten sollen nach Petersburg gehen, und dort würde der Zar sagen, wo die Grenze zwischen Serbien und Bulgarien, zwischen Serbien und Montenegro, zwischen Serbien und Griechenland und zwischen Bulgarien und Griechenland abzustecken sei. Die gesamte europäische Türkei, mit Ausnahme des Stückchens zwischen den Meeren, das ihr gelassen wurde, soll eine einzige Masse bilden, und der Zar würde wie ein Oberherr und Geschenkspender verfügen, bis wohin die Wohnsitze der einzelnen Nationen sich zu erstrecken haben. Niemals zuvor hätte ein Herrscher diese Macht über die Ergebnisse eines Krieges gehabt, den andere geführt, in dem andere ihr Blut vergossen und ihre Kinder geopfert haben. Europa, die Botschafterkonferenz, die österreichisch=ungarische Monarchie, alles wäre verschwunden, und nur die Konferenz in Petersburg und der Schiedsspruch des Zaren hätten das Schicksal des Balkans festgesetzt. Der Kampf gegen die Türkei, die heldenhaften Anstrengungen der Völker hätten mit dieser Unterwürfigkeit geendet, und nicht das Schwert würde erobert, sondern die Gnade von Rußland würde geschenkt haben. Bulgarien wollte das nicht tun; es war dazu nicht zu bewegen und sagte, lieber in den Krieg hinein als nach Petersburg, lieber noch einmal zu den Waffen greifen, als das Recht der Selbstbestimmung verlieren und das eigene Wohl in fremde Hände legen. Es war auch russisch, und die Staatsmänner, die an der Spitze standen, Geschow und Danew, sind Führer der Gruppen, die stets die Anlehnung an das Kabinett von St. Petersburg empfohlen haben. Diese zwei Ministerpräsidenten waren niemals Anhänger einer Politik, die nähere Beziehungen zu der Monarchie hätte schaffen können. Aber die Seele haben sie niemandem verschrieben, nicht Rußland und nicht uns, und die Hinneigung zur Newa hat sie nicht vergessen lassen, daß eine wirklich bulgarische Politik und ein ernstes bulgarisches Gewissen die Möglichkeit selbständiger Entschlüsse retten müssen. Deshalb haben sie dafür gesorgt, daß der Weg zur Donau nicht verlegt werde und daß sie ihren freien Willen nicht als Geisel in die Gefangenschaft einer fremden Macht ausliefern. Serbien wird jetzt Gelegenheit haben, seine Erfahrungen mit denen von Bulgarien zu vergleichen. Das Kabinett von Sofia wird an einer Besprechung in Petersburg nur dann teilnehmen, wenn der Schiedsspruch des Zaren nicht auf Montenegro, nicht auf Griechenland und nicht auf die Verteilung der gesamten europäischen Türkei ausgedehnt, sonvern auf das beschränkt wird, was in dem Vertrage mit Serbien strittiges Gebiet von Mazedonien genannt wurde. Die Regierung in Sofia ist davon nicht abzubringen, und Serbien, das sich Rußland fast ohne Rückhalt anvertraut hat, wird aufgefordert, zurückzunehmen, was in der Note vor wenigen Tagen mit solchem Nachdruck gesagt wurde. Der russische Gesandte in Belgrad arbeitet mit Hochdruck für Bulgarien, das sich dem Kabinett von Petersburg nicht untergeordnet hat, und gegen Serbien, dessen Politik stets im Kielwasser des Zaren zu sehen war. Das serbische Volk kann schwerlich so voreingenommen sein, diesen Unterschied nicht zu merken. Die Rettung des Friedens ist sehr wahr1815. X 27. Juni. Vertrag zu Reichenbach. Der Vertrag zu Reichenbach, der am genannten Tage zwischen Rußland, Preußen und Oesterreich geschlossen wurde, bildete die Grundlage der für den nun folgenden Krieg eintretenden Waffenbrüderschaft, soweit dieser Ausdruck mit Rücksicht auf die beständigen Eifersüchteleien und Quertreibereien in den verbündeten Heeren gebraucht werden kann. In diesem Vertrage verpflichtete sich Oesterreich, für den Fall, daß seine Friedensbedingungen nicht bis zum 20. Juli (später 10. August) von Napoleon angenommen werden, die sofort den Krieg zu erklären und seine Waffen mit denen Preußens und Rußlands zu vereinigen. Es wurden als Heeresmacht für Rußland und Oesterreich je 100000 Mann, für Preußen 80000 Mann festgesetzt. Ferner wurde be stimmt, daß keine der drei Mächte sich in Einzelverhandlungen mit Frankreich einlassen durfte. Verlangt sollte von Na poleon werden:„Auflösung des Herzogtums Warschau und Teilung desselben unter Rußland, Preußen und Oesterreich, Vergrößerung Preußens infolge dieser Teilung und durch scheinlich geworden, und nur die in Balkanfragen nötige Vorsicht hindert, den Schlußpunkt anzusetzen. Serbien wird jedoch den Preis bezahlen, weil es nicht einsehen wollte, daß für ein kleineres Land nichts gefährlicher sein könne als der Irrtum, alle Pläne der Entwicklung auf der Gunst eines größeren aufzubauen. Der russische Gesandte hat gesprochen, als würden die Schlachten von Kumanowa und Monastir nie geschlagen worden sein. König Milan hat das stets gefürchtet, und sein politisches Testament, die Empfehlung des Einvernehmens mit der Monarchie ist noch nicht hinfällig und wird dereinst, wenn die Vernunft sich durchsetzt, erfüllt werden. Der Friede wird in Schmerzen geboren; aber für die seit vielen Monaten beunruhigte Welt komm er wie die Hoffnung auf bessere Tage. „Massenstreik?“ Unter dieser Ueberschrift schreibt Syndikus Dr. R. Schneider in der Zeitschrift des Bundes der Industriellen„Deutsche Industrie" u. a. „Die sozialdemokratische Partei droht nunmehr damit, in Preußen zur Erzwingung einer Wahlrechtsreform das in Deutschland bisher noch ungebräuchliche Mittel des„Massenstreiks anzuwenden. Als Vorbild haben da sicherlich die Vorgange in Belgien gewirkt, wo vor zwei Monaten der aus Wahlrechtsgründen unternommene politische Massenstreik wenigstens mit einem vorläufigen Teilerfolge geendet hat. Gleich nach den Vorgängen in Belgien begann die sozialdemokratische Presse, deren Nachahmung für Preußen zu empfehlen. Nunmehr, unmittelbar nach der Beendigung der preußischen Landtagswahlen, welche den Sozialdemokraten statt der früheren 6 diesmal 10 von den 443 Mandaten des preußischen Abgeordnetenhauses gebracht haben, wird die For derung nach dem Massenstreik bestimmter und ungestümer. Es hat in politischen Kreisen sehr viel Beachtung gefunden, daß der verhältnismäßig gemäßigte süddeutsche sozialdemo kratische Führer, Dr. Frank=Mannheim, am 10. Mai in Berlin in einer großen öffentlichen Versammlung über die Frage des Massenstreiks sprach und dabei sich so entschieden für die Anwendung dieses Kampfmittels zu politischen Zwecken aus sprach, daß er sich das uneingeschränkte Lob der anwesenden überradikalen Agitatorin Rosa Luxemburg verdiente. Und die Drohung, die vom rechten Flügel der Sozialdemokratie der Abgeordnete Frank ausgesprochen hatte, wurde zwei Tage später im Reichstage von dem radikalen Führer Ledebour wiederholt. Es ist auch gar nichts Neues, daß diesmal das Mittel des politischen Massenstreiks in der Sozialdemokratie ebenso von den gemäßigten wie von den radikalen Führern empfohlen wird; bei den früheren Erörterungen über das Thema Massenstreik, Generalstreik usw. innerhalb der sozial demokratischen Partei begegneten sich ja der Revisionist Bern stein und die Revolutionsprophetin Rosa Luxemburg in der gleichen Forderung. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Sozialdemokratie bereits vom Herbst dieses Jahres ab in Preußen den Massenstreik als Druckmittel für eine Wahlreform erproben wird, erscheint verstärkt, wenn man sich in dieser Hinsicht die schwierige parteipolitische Situation der Sozialdemokratie überlegt. Rein um ihre Anhänger zu lbefriedigen, um langjährigen, durch Wiederholung ermüdenden Drohungen nun auch einmal „Taten“ folgen zu lassen, um nach verschiedenen vergeblich angewendeten Mitteln zur Abwechselung ein anderes zu erproben, muß die Sozialdemokratie für den preußischen Wahl rechtskampf auf neue Mittel sinnen. Die parteipolitische Si tuation der Sozialdemokratie, die seit nunmehr zwei bis drei Menschenaltern in Deutschland agitatovisch hauptsächlich mit die Abtretung von Danzig Stadt und Gebiet, Räumung aller in Preußen und im Herzogtum Warschau von den Franzosen besetzten Festungen, Rückgabe der illyrischen Provinzen an Oesterreich, Wiederherstellung der Hansastädte in ihrer Selbständigkeit und ein Abkommen über die Abtretung der ogenannten 32. Militärdivision, zu der der Nordwesten Deutschlands gehörte. Wie man sieht, waren es wirklich sehr bescheidene Forderungen, die da an Napoleon gestellt wurden, Forderungen, deren Annahme Frankreich nach wie vor das Uebergewicht in Europa sicherten und Deutschland niemals zu einem Wachtfaktor werden ließen; Napoleon sollte Itaien und alles Land links vom Rhein behalten, der Rhein sund und das Königreich Westfalen sollten erst von einem be onderen Abkommren abhängen. Heute erscheint es uns unaßbar, daß Napoleon nicht mit Freunden auf diese Bedin gungen einging, zumal seine Lage, wie er selbst wußte, keine besonders günstige war und ihm die Verbündeten bald an Zahl, durch Oesterreichs Truppenmacht, überlegen sein muß ten. Unendlich viel ist über diese„Verblendung" Napoleons geschrieben worden; indes ist Napoleons Entschluß sehr wohl erklärlich durch den für ihn maßgeblichen Gedanken: es handelte sich um seinen Thron. dem Ausblick auf eine unmittelbar bevorstehende(aber niemals eintretende) Resolution arbeitet, ist ja keine leichte, trotz aller rednerischen und Stimmzettelbetätigung. Die sozialdemokratische Partei erscheint einem Trompeter vergleichbar, der immer wieder tief Atem schöpft und die Backen aufbläst, während seine gespannten Konzertabonnenten vergeblich darauf warten, daß er nun endlich einmal lostutet. Etwa seit 1897 beschäftigt sich die Sozialdemokratie intensiv mit dem Problem des preußischen Wahlrechts. Früher wollte sie dieses„elendeste aller Wahlsysteme“ sich selbst überlassen; es sollte zusammen mit dem ganzen übrigen Aufbau der bürgerlichen Gesellschaft„verfaulen und zusammenbrechen". Die Sozialdemokratie predigte für die preußischen Landtagswahlen strengste Wahlenthaltung. Dann änderte sie ihre Taktik. Sie beteiligte sich an den Wahlen, sie errang geringe Erfolge. Sie trat in den offenen Kampf gegen dieses Wahlrecht ein, der schließlich 1910 in Berlin und anderwärts zu großen Straßendemonstrationen und namentlich in kleineren preußischen Industriestädten zu scharfen Zusammenstößen zwischen den Wahlrechtsdemonstranten und der Polizei führte. Aber die Parteiführer können z. B. in Berlin auf die Dauer den Arbeitern nicht zumuten, daß sie jeden schönen oder regnerischen Sonntag in großen, auf die Dauer doch langweiligen Zügen durch die Straßen der äußeren Stadtteile ziehen. So etwas ermüdet, und die Partei muß auf neue Mittel sinnen. Es ist deshalb überaus wahrscheinlich, daß der von den Führern seit langem erörterte und in den Massen zweifellos populäre„Massenstreik“ binnen einigen Monaten praktisch erprobt wird. Und zweifellos vervient diese Angelegenheit in hohem Maße die Aufmerksamkeit der deutschen Industriellen. Die politische Frage der preußischen Wahlrechtsreform gewinnt hier unmittelbare Beveutung für die wirtschaftliche Lage der Industrie; Grund genug, diesen Dingen auch hier unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wenn man zunächst einmal nüchtern erörtert, auf wen die Sozialdemokratie mit dem Mittel des Massenstreiks einen politischen Druck ausüben will, so ist die Lage die, daß sie mit diesem Kampfmittel ganz andere Kreise und Interessen trifft und schädigt, als sie für eine Aenderung des preußischen Landtags=Wahlrechts im Auge haben müßte. Auf den preußischen Staat vermag die Sozialdemokratie hierbei keinen Druck auszuüben. Insbesondere in unserem größten Staatsbetriebe, bei den preußisch=hessischen Eisenbahnen, machen es die Zusammensetzung des Personals, die Disziplin und Ordnung des Betriebes für die Sozialdemokratie feststehendermaßen unmöglich, irgendwie nach ausländischem, holländischem, französischem, belgischem Muster einen Eisenbahner streik auch nur irgendwie zu beginnen. Und wenn unter den verschiedenen Erwerbsständen sicherlich vor allem der preußische Großgrundbesitz an der Aufrechterhaltung des jetzigen Wahlrechtes interessiert ist, so wird die Sozialdemokratie durch Massenstreiks auch auf den großen Grundbesitz, wie überhaupt auf die ganze Landwirtschaft keinen Druck auszuüben vermögen. Wenn sie zum Massenstreik übergeht, so wird sie damit vorwiegend die Industrie treffen. Nun steht es aber außer allem Zweifel, daß die Industrie als solche weder für das preußische Wahlrecht verantwortlich ist, noch von diesem Wahlrecht politischen Nutzen oder Einfluß gewinnt, noch auch auf die Abänderung des Wahlrechts wesentlichen Einfluß auszuüben vermag. Die preußische Industrie wird zwar sicherlich in aller Ruhe den angekündigten politischen Massenstreiks entgegensehen; sie wird auch auf dem Posten sein, um durch ihre starken Organisationen, Arbeitgeberverbände und leistungsfähigen Streikversicherungen nach Kräften für Abwehr zu sorgen und die wirtschaftlichen Schädigungen auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken; auch der Niedergang der Konjunktur dürfte Wasser in den Wein der Massenstreikschwärmer gießen,da die Furcht vor dauernder Stellenlosigkeit bei vielen den Zorn über das Wahlrecht vertagen wird. Aber trotzdem wird man die Frage aufwerfen dürfen, wie kommt die Industrie dazu, hier die Sünden des preußichen Wahlrechts zu bezahlen? Diejenigen überaus einflußreichen Kreise, die jetzt im Herrenhaus und Abgeordnetenhaus über die Mehrheit verügen, die Einfluß auf Gesetzgebung, Verwaltung und Stellenbesetzung haben, die auch Preußens Einfluß im Bundesrate für ihre Interessen wirken lassen können,— die würden in aller Ruhe zusehen können, wie im sogenannten„Kampfe um die Wahlrechtsreform“ ein Teil der industriellen Arbeiterschaft Massenstreiks zum Schaden der Industrie und des Gewerbes inszeniert. Wahrhaftig, ein törichtes und zweckloses Spiel! Und obendrein ein gefährliches Spiel, das inmitten einer niedergehenden Konjunktur, bei den immer schwieriger werdenden Weltmarktverhältnissen, bei steigendem Steuerdruck und Wettbewerb für viele schwer ringende Industriebetriebe zum Unheil führen könnte. Aller Schaden aber, den die Industrie erleidet, trifft ebenso hart auch die industrielle Arbeiterschaft. Daran sollten die Agitatoren denken, die jetzt aus parteipolitischen Bedürfnissen und nach ausländischen Vorbildern in eine Agitation für den Massenstreik eintreten!“ Die Kieler Woche. Kiel. 25. Juni. Längs der Uferlinie und auf den Landungsstegen vom Bellevue bis zur Reventlou=Brücke und dem Schloßpark hinab stehen in Kiel neugierige Scharen, die trotz des hemmenden Werktages sich freimachen konnten, um die Ankunft der stolzen Jacht Hohenzollern mit dem Kaiser an Bord abzuwarten. Studenten, Schüler und Schülerinnen, die gerade— es ist 1 Uhr mittags— dem Kolleg und der Klasse entflohen sind, Bürgersleute, die das Essen und die Arbeit vergessen, Offiziere, Soldaten, Matrosen und viele junge Damen, alle umdrängen erwartungsvoll den Kairand und die Geländer und schauen, wo noch nichts zu sehen ist, oder bummeln in gelassener Erwartung die Strandprome nade auf und ab, hier und da Ausschau haltend nach Norden, wo im nächsten Augenblick— der Kaiser ist pünktlich— hinter den bläulich=grauen Einheiten des zweiten Geschwaders der Hochseeflotte der weiße Rumpf der hochgebordeten Hohenzollern auftauchen muß. Ein scharfes Auge entdeckt schon die hochragende Kaiserstandarte, die aus der Mündung des Ka nals bei Holtenau herauskommt. Wie auf einen Wink be ginnen alle auf der Reede liegenden Kriegsschiffe, die alle Flaggengruß gehißt haben, den donnernden Salut zu feuern, auch die weiter nach Südost ankernden Schiffe des noch unvol lendeten dritten Geschwaders, auch der schwarze italienische Panzer dazwischen, der Tags vorher, seinem König voraus eilend, hier eingetroffen ist. Das kurze Aufblitzen der schnell hintereinander abgefeuerten Schüsse, das nachhallende dumpfe Knallen, der wie ein zusammengedrückter Wolkenball auf steigende und die Schiffskörper teilweise verhüllende Pulver dampf, das alles täuscht der Phantasie einen Augenblick den Moment einer Seeschlacht vor. Doch schon verstummt das Geschützfeuer. Wimpelreihen ziehen sich über die Masten der Segel= und Dampfjachten, Flaggen flattern von überall, wo Spitzen in die Luft ragen; die Hohenzollern gleitet bei halb geöffnetem heitern Himmel zwischen den dunkeln Kolossen der Schlachtschiffe hindurch. Ein dreimaliges kräftiges Hurra begrüßt den obersten Kriegsherrn bei der Vorbeifahrt am ersten, dann am zweiten Kriegsschiff usw. Die Mannschaften stehen in Weiß wie eine Girlande geordnet am Deckrand und schwenken beim Hurragruß die Mützen. Auch der italienische Panzer schickt sein kraftiges wurra dem verbündeten Monarchen entgegen. Schnell strebt das Kaiserschiff, gefolgt von dem kleinen flinken Sleipner, dem Ankerplatz vor der Re ventloubrücke zu. Die Anker rasseln auf den Grund. Ma jestätisch und hochragend ruht das stolze Schiff, das dem Kai ser Wohnung ist, wie eine Felsenburg im Meer. Und rings herum eilen Boote und Dampfpinassen herzu und legen rechts und links in buntem Gewimmel an. Kiel, 26. Juni. Bei der Internationalen Segelwett fahrt des Kaiserlichen Jachtklubs auf der Kieler Förde er hielt in der 8m=Klasse Mariechen den Ehrenpreis der Stadt Kiel. In der 7m=Klasse wurde Veb Erster, Panne Zweiter und Star II Dritter; Dad hatte nicht gezeitet, Paul nicht gestartet. In der 6m=Klasse erhielt Windspiel den ersten, Harald V den zweiten, Schelm den dritten, Hans Jürgen III den vierten, Feinsliebchen IX den fünften Preis; Wawi brach den Mast, Ilse hatte nicht gezeitet, Flapper gab die Fahrt auf, Sirocco und Mosquito hatten nicht gestartet. In der am=Klasse erhielt Achmed den ersten Preis. Die Wind stärke betrug fünf bis sechs Sekundenmeter. Das Ergebnis der Wettfahrten der Sonderklasse auf der Kieler Förde ist: Erste Resi, zweite Tilly XVII, dritte Molch, vierte Serum, fünfte Angela VI; Elisabeth, Jeck IV, Sonntagskind II und Lucifer gaben die Fahrt auf, Lunula und Gertrud IV starteten nicht. Der Kronprinz und Prinz Adalbert von Preußen steuerten ihre Jachten selbst. Prinz Heinrich von Preußen führte das Steuer der Tilly XVII. Zahlreiche gutbesetzte Begleitdampfer, Pinassen und Boote waren bei der Regatta anwesend. Wehrbeitrag und Reichstag. Stempelgesetz in zweiter Lesung angenommen. In vierstündiger Sitzung hatte der Reichstag die zweiten Lesungen erledigt; da er schon um 11 Uhr zusammengetreten war, ging er zu ungewohnt früher Nachmittagsstunde auseinander. Morgen will man schon um 10 Uhr zusammenkommen, um kleine Anfragen, den Rest der entscheidungsreifen kleineren Vorlagen sowie die zweite Lesung des Restes der Deckungsvorlagen zu erledigen. Demnach scheinen diejenigen Recht zu behalten, die die Vertagung zu Ende der Woche prophezeit haben. Die Budgetkommission des Reichstages hat heute vor der Plenarsitzung noch den Bericht über die letzten Deckungsgesetze festgestellt. Aus dem Bundesrat. Berlin, 26. Juni. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurden folgende Vorlagen dem Reichskanzler über wiesen: 1. Entwurf eines Gesetzes betreffend die Beschaffung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht. 2. Entwurf einer Ver ordnung betreffend die Tagegelder und Reisekosten der Schöf fen und Geschworenen. 3. Vorschriften über die Rechnungs egung der Krankenkassen. 4. Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die weitere Ausdauer bei Vertretern der Arbeit geber und der Versicherten bei den Versicherungsanstalten. Entwurf eines Gesetzes über Angestelltenversicherung der Privatlehrer. Dem Beschluß des Reichstags, die Bindung für die Aus gabe kleiner Banknoten preiszugeben, wurde zugestimmt. Zum Vorsitzenden der Berufungskommission für das Ergän zungsverfahren wegen verbotenen Börsenterminhandels wurde Unterstaatssekretär Dr. Richter, zum stellvertretenden Vorsitzenden Direktor im Reichsamt des Innern Müller gewählt. Der Antrag des Königlich sächsischen Bevollmäch tigten zum Bundesrat betreffend zollfreie Einfuhr von Tauf gegenständen, Priestergewändern und Glocken für die in Leip zig errichtete russische Gedächtniskirche wurde genehmigt. Weiter wurde beschlossen, daß die Erhebung von Vorzugs zinsen auf dem Gebiete der Zivil= und Reichssteuern, abge sehen von besonders außergewöhnlichen Ausnahmefällen, un zulässig ist. Der Vorlage betreffend die Befreiung von der Versicherungspflicht nach§ 1232 Reichs=Versicherungs nung und dem Antrag Preußens betreffend die Ausführung des Börsengesetzes hinsichtlich der Metallbörse wurde die Zu stimmung erteilt. Dem Entwurfe eines Gesetzes betreffend Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige wurde in erster und zweiter Lesung zugestimmt. London, 26. Juni. Von der heutigen Unterredung Sir Edward Greys mit dem französischen Minister des Außern erwartet man, daß sie noch in letzter Stunde den drohenden Ausbruch des Balkankrieges aufhalten wird. In Londoner politischen Kreisen ist man etwas optimistischer, weil man glaubt, daß König Peter dem Druck der Tripleentente nachgeben wird. Politische Rundschau. Berlin, 26. Juni. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Gegenüber den mehrfach in der Presse auftauchenden Meldungen von einem bevorstehenden Besuch des Kai sers in Gmunden sind wir ermächtigt, mitzutetlen, daß in den nächsten Monaten, für die Seine Majestät bereits Dispositionen getroffen hat, ein solcher Besuch nicht beabsichtigt ist. Wie die„Köln. Volksztg.“ aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist die Heeresverwaltung gesonnen, die vom Ausschuß gestrichene Zulage für die Unteroffiziere an der Westgrenze in der dritten Lesung aufrecht zu erhalten. Sie hält diese bei der jetzt schon schwierigen und bei der Neuaufstellung der Wehrvorlage noch schwieriger sich gestaltenden Werbung von Kapitulanten für diese Truppenteile für durchaus erforderlich. Holland. Heute nachmittag hat ein außerordentlicher Ministerrat stattgefunden, in welchem das Wahlresultat be sprochen wurde. Der Ministerpräsident wird sich morgen zur Audienz bei der Königin nach Schloß Loo begeben. Großbritannien. Präsident Potncare besuchte heute das Schloß Windsor und legte einen Kranz an den Grä bern des Königs Eduard und der Königin Viktoria nieder. Nach der Rückkehr nach London folgte er einer Einladung der französischen Kolonie zum Frühstück. Norwegen. Soeben hat das Storthing mit 22 gegen 23 Stimmen das Vetorecht des Königs gegenüber den Storthingbeschlüssen abgeschafft. Frankreich. Der Panzer„Verite“ hat bei Torpedoschießübungen sich selbst angeschossen. Die Steuerung eines Torpedogeschosses versagte und dieses kehrte im Kreise nach dem Panzer zurück und riß die Panzerung untevhalb der Wasserlinie auf. Dies ist der dritte derartige Unfall, der in kurzer Zeit in der französischen Marine vorgekommen ist.— Die Regierung brachte in der heutigen Kammersitzung einen Nachtragskredit von 208½ Millionen Francs für die Kosten der Besetzung von Marokko im Jahre 1912 ein. Oesterreich=Ungarn. Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß die Nachrichten über eine gemeinsame Gründung einer albanischen Bank durch österreichische und ungarische Banken verfrüht seien, daß jedoch gewiß sei, daß die großen Banken Oesterreich=Ungarns und Italiens bei der Dos Konkurrenzklauselgesetz vertagt. Die Kommission für die Konkurrenzklausel hat heute vor der Plenarsitzung beschlossen, die zweite Lesung der Vorlage auf den Herbst zu verschieben, vorher aber noch einen geplanten Gründung zusammengehen werden. vorläufigen Bericht über die bisherigen Verhandlungen zu! Italien. Das italienische Königspaar wird nach dem veröffentlichen. In der Kommission hat bei allen Parteien soeben bekannt gegebenen Programm am 1. Juli nach ohne Ausnahme die ausgesprochene Absicht vorgewaltet, po= Deutschland abreisen. Am 3. Juli morgens erfolgt die Ansitive, die berechtigten Klagen der Handelsangestellten be= kunft in Kiel. Am gleichen Tage findet an Bord der ita rücksichtigende Reformen zustande zu bringen. Auch den Re= lienischen Königsjacht die Zusammenkunft des lta gierungsvertretern müsse zugestanden werden, daß sie den lienischen Königspaares mit dem Kaiser und der Kaiserin Wünschen der Kommission, soweit sie in den Beschlüssen der statt. Nachmittags wird das Königspaar dem Schlußrennen ersten Lesung zum Ausdruck kamen, weit entgegen gekommen; der Kieler Woche beiwohnen. Am 4. Juli verlassen König seien. Wenn noch Einigung über die Höhe der Gehalts= Emanuel und Königin Elena an Bord ihrer Jacht in Be grenze zwischen Kommission und Regierung erzielt wäre, gleitung des bereits in Kiel eingetroffenen italienischen Kreu würde ein Kompromiß, das einheitlich von allen Parteien zers Kiel, um am 5. in Stockholm zum Besuche des schwebeantragt wäre, noch in diesen Tagen zur endgültigen Er= dischen Königspaares einzutreffen. ledigung des Gesetzes zustande gekommen sein. Aber an der]. Spanien. Der Prozeß gegen den Attentäter Sanche, bestimmten Forderung der Zweitausend=Mark=Grenze und der im April auf den König Alfons geschossen hat, hat gestern dem ebenso bestimmten„Unannehmbar“ der verbündeten Re gierungen sei das Kompromiß gescheitert. Deshalb müsse die zweite Lesung des Gesetzentwurfs paragraphenweise Punkt für Punkt neu durchgeführt werden, und diese Arbeit könne bei der parlamentarischen Geschäftslage jetzt nicht mehr be gonnen werden. Auf die Frage, ob die umlaufenden Gerüchte begründet seien, daß die verbündeten Regierungen den Gesetz entwurf zurückziehen würden, gab Staatssekretär Dr. Lisco die bestimmte Erklärung ab, daß die verbündeten Regierungen daran nicht dächten. begonnen. Der Angeklagte ist ruhig und gibt das Attentat zu, erklärt aber, als Epileptiker im Augenblick der Tat nicht gewußt zu haben, was er tat. Mitwisser hat er nicht gehabt. Der Staatsanwalt hat Todesstrafe beantragt. Portugal. Bei einer Finanzdebatte im portugie sischen Senat kam es zu einer erregten Auseinandersetzung swischen dem Senator Juao Feirtas und dem Bruder des Ministerpräsidenten Costa. Als Costa auf Feirtas zuschritt, zog er einen Revolver, um auf ihn zu schießen. Er wurde jedoch von seinen Parteifreunden entwaffner. Die Sitzung wurde vertagt. Sitzung vom 26. Juni. Der Reichstag hat seine heutige Tagesordnung über raschend schnell aufgearbeitet: Wehrbeitrag und Stempel gesetz wurden in zweiter Lesung angenommen. Grund legende Anderungen wurden an keiner der beiden Vorlagen mehr vorgenommen. Beim Wehrbeitrag wurden vom Kapitalvermögen auf Grund eines Antrages Bassermann auch ausgeschieden Bank= und sonstige Guthaben, soweit sie zur Bestreitung der laufenden Ausgaben für drei Monate dienen. Dagegen wurden herangezogen noch nicht fällige Ansprüche auf Lebens= und Kapitalversicherungen oder Rentenversicherun gen, aus denen der Berechtigte noch nicht in den Rentenbezug eingetreten ist. Einstimmig angenommen wurde weiter ein Kompromißantrag Groeber, wonach die Einsichtnahme und Prüfung der Geschäftsbücher tunlichst in der Wohnung oder den Geschäftsräumen des Beitragspflichtigen erfolgen soll. Gegen den Widerspruch des Schatzsekretärs wurde auch ein polnischer Antrag angenommen, den Veranlagungsbescheid nicht nur auf Verlangen des Beitragspflichtigen, sondern obligatorisch mitzuteilen. Durch einen weiteren Beschluß wurde eine Bestimmung angenommen, die den Veranlagten vor einer Beschränkung seines Berufungsrechts schützen soll. Der Zahlungstag für die beiden Mehrbeitragsraten 1915 und 1916 wurde abermals zurückgestellt, und zwar auf den 15. Februar. Alle übrigen Anträge, die meist von Konservativen oder Sozialdemokraten ausgingen, wur den abgelehnt. Auch beim Stempelgesetz wurden die Anträge der gleichen Parteien zurückgewiesen. Die Konservativen erneuerten ihre kapitalfeindlichen Anträge, ebenso die Sozialdemokratie den Antrag auf Einfügung einer verschleierten Vermögenssteuer, beide ohne Erfolg. Angenommen wurde lediglich die Befreiung der Feuerversicherungen unbeweglicher Gegenstände von der Stempelpflicht, doch wird— wie schon in der Kommission— dieser Beschluß in dritter Lesung wieder aufgehoben werden. Der serbisch=bulgarische Konflikt. Paris, 26. Juni. Nach dem„Echo de Paris" waren am vergangenen Sonnabend in Sofia bereits die Prokla mationen gedruckt, welche die Kriegserklärung gegen Serbien und Griechenland verkündeten. Es gelang jedoch den Diplomaten der Großmächte, Bulgarien zu überreden, seine kriegerischen Maßnahmen einzustellen und nicht das äußerste zu wagen. Heute nimmt die Regierung in Sofia eine ver söhnlichere Haltung ein und ist zu einem friedlichen Aus gleich mit seinen Verbündeten bereit. Petersburg, 26. Juni. Die hiesigen diplomatischen Kreise haben die Hoffnung auf eine friedliche Beilegung des Balkankonflikts aufgegeben. Der Abbruch der diplomatischen Beziehung zwischen Bulgarien und Serbien steht unmittel bar bevor. Belgrad, 26. Juni. Nach einem Berichte des Militärblattes„Piemont“ hat der Krieg mit Bulgarien durch die Kämpfe am Zletowoflusse begonnen. Eine bulgarische Kavalleriepatrouille griff die serbischen Vorposten an und nachts folgte eine starke Truppenabteilung. Die Serben erhielten jedoch Verstärkung und schlugen die Bulgaren nach heftigem Gefecht zurück. Die Zahl der Verwundeten und Toten soll sehr groß sein. Sofia, 26. Juni. Die Belgrader Nachrichten über einen bedeutenden Kampf beim Flusse Zletowo entsprechen nicht der Wahrheit. Es hat vorgestern nacht bei dem von den Serben besetzten Dorfe Zletowo ein Gefecht stattgefun den zwischen serbischen Truppen und einer von Abazow befehligten bulgarischen Bande, welche eine aus 70 serbischen Soldaten bestehende Abteilung von den benachbarten Höhen aus dem rechten Ufer des Flusses vertrieb. Das Gefecht begann gestern von neuem. Die Serben feuerten etwa 20 Granaten in der Richtung gegen Istip ab. Die im Auslande verbreitete Nachricht vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien ist ebenfalls unwahr. Serbien. In der Skuptschtina gab vor Eintritt in die Tagesordnung Ministerpräsident Paschitsch bekannt, daß er dem Hause mitzuteilen habe, weshalb die Regierung die Abhalrung einer geheimen Sitzung verlange. Der Präsident der Skuptschtina, Nikolitsch, ordnete die Räumung der Ga lerien an und eröffnete um 10 Uhr 30. Min. die geheime Sitzung. Türkei. Der deutsche kleine Kreuzer Dresden ist ange kommen. Der Sultan verlieh allen Mitgliedern der deut schen Abordnungen des Roten Kreuzes Ordenszeichnungen. Die leitenden Aerzte Liebert aus Ulm, Heinrich Luxemburg aus Köln und Dreyer aus Breslau erhielten den Medschidieh orden dritter Klasse. Vereinigte Staaten. Präsident Wilson bezeichnete den Richter James Gerard vom Obersten Gericht des Staates New York für den Botschafterposten in Berlin. Herr Gerard ist 1867 im Staat New York geboren. Seine Studien machte er an der Universität Columbia in seinem Heimatstaat. Indes wurde er erst 1902 zur Anwaltschaft zu gelassen. Dagegen war er vielfach als Politiker im Interesse der Demokraten tätig, deren Wahlfeldzüge er vier Jahre lang als Vorsteher des Parteivorstandes für die Graf schaft New York leitete. Sein Richteramt bekleidete er erst seit 1908. Herford, 27. Juni. Wetterwarte. 8 Uhr früh: Barometer 757 Millimeter. Thermometer+ 12. Bedeckt. Westwind. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen. Kühl, wolkig, vereinzelt Regen. Herford, 27. Juni. Schöffengericht. Vorsitzen der: Gerichtsassessor Volkening. Schöffen: Malermeister Peter und Uhrmacher Hoffmann. Amtsanwaltschaft: Amtsanwalt Behre. Freigesprochen wurden die Reisenden B. und O. aus Berlin, die beschuldigt waren, ohne gewerbliche Niederlassung Druckschriften und Zeitungen in Spenge ver trieben zu haben.— Aufgehoben wurde die gegen den Handelsmann F. aus Eschersheim angesetzte Verhandlung.— Der Gelegenheitsarbeiter K. von hier war beschuldigt, in ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm erregt und einem Polizeibeamten, der dagegen einschritt, Widerstand entgegengesetzt zu haben. Urteil:3 Tage Haft wegen ruhestörenden Lärms und 1 Woche Gefängnis wegen Widerstandsleistung.— Angeklagt waren 5 Arbeiter im Alter von 18 bis 21 Jahren, nämlich K., M. und R. aus Vilsendorf, T. aus Laar und H. aus Stedefreund, die am 21. März in Laar gemeinschaftlich mittels dicker Knüppel den Seidenweber L. aus Niederjöllenbeck vorsätzlich körperlich mißhandelt haben. M. aus Vilsendorf, T. aus Laar und H. aus Stedefreund wurden mit je 75 M und K. aus Vilsendorf mit 50 M bestraft. R. wurde freigesprochen. Herford, 27. Juni. Die Gastpredigten in der Münsterkirche werden an den kommenden Sonntagen beginnen, da Herr Pfr. Fliedner uns zum 1. August verlassen wird. Wie wir hören, predigt am nächsten Sonntag im Vormittagsgottesdienst um 10 Uhr Herr Pfarrer Zauleck aus Weidenau, ein Sohn des bekannten Pastor D. Zauleck in Bremen, des eifrigen Förderers des Kindergottesdienstes in Deutschland. Herford, 27. Juni. Eine Weserfahrt nach Porta veranstaltet die Direktion der Herforder Kleinbahnen am nächsten Montag. Die Abfahrt ab Bergertor erfolgt um 1 Uhr mittags. Die Unterhaltungsmusik an Bord und in Porta liefert die Städt. Kapelle. Herford, 27. Juni. Der Vereinehem. 55er beschloß in seiner letzten gut besuchten Versammlung, an der Einweihungsfeier des Roon=Steines in Laar am 6. Juli teilzunehmen und versammelt sich zu diesem Zweck am genannten Tage mittags 12¼ Uhr bei der Wirtschaft Spilker, Bielefelderstraße. An dem in Aussicht genommenen Fackelzuge zur Hundertjahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober wird der Verein ebenfalls teilnehmen. Nach der Versammlung fand ein Kommers zur Feier des Regie rungs=Jubiläums Sr. Maj. des Kaisers statt. Herr Rechts anwalt Schulz hielt die Festrede. Froher Liedersang, div. Vorträge und gemeinsame Erinnerungen an die verflossene Soldatenzeit hielten die Kameraden noch mehrere gemütliche Stunden beisammen. Herford, 27. Juni. Der Christl.=vaterländ. Männerverein feiert sein diesjähriges Sommerfest an diesem Sonntag auf dem Hofe des Kolons Bernhard Wittenbreder auf der Otterheide. Die Mitglieder und Freunde des Vereins werden dazu herzlich eingeladen. Für Erquickung(Kaffee, Kuchen usw.) ist gesorgt. Die Ansprache hält Herr Lehrer Reinecke. Herford, 27. Juni. Der Brieftaubenliebhaber=Verein erzielte guten Erfolg bei dem Wettfluge von Landsberg an der Warthe(438 Kilom.), welchen 348 Tauben der Wesertaler Reisevereinigung am 15. d. Mts. auszuführen hatten. Der Verein beteiligte sich an dem Fluge mit 46 Tieren von 9 Schlägen und konnte 11 Tiere von 8 Schlägen in die Preise bringen. Von der Zahl der für ihn möglichen Preise erwarb er also 23,91%/0. Die erste Taube des Vereins war die 16. der 70 Preistiere der Reisevereinigung, und unter der ersten Hälfte dieser Tiere ist der Verein mit 5 Tauben von 4 Schlägen vertreten. Die Flugleistung des schnellsten Vereinstieres betrug 1134,93 Meter in der Minute, gegenüber 1164,29 Meter bei der schnellsten Taube der Vereinigung. Herford, 27. Juni. Die Turnlehrerprüfung an der Centralturnanstalt in Spandau haben von 29 Kandidaten, die von Herrn Oberturnlehrer Schmale=Bielefeld privatim vorbereitet waren, 28 bestanden, darunter 2 Herren aus Hekford, Lehrer Petersen an der Bürgerschule Friedenstal und Lehrer Lohmann an der Bürgerschule Stiftberg. Herford, 27. Juni. Die Meisterprüfung vor der Meisterprüfungskommssion legte Herr Friedr. Niedernolte von hier ab. Genannter hat dadurch gemäß§§ 129 und 133 der Reichsgewerbeordnung seine Befähigung nachgewiesen und die Berechtigung zur Führung des Meistertitels und zur Ausbildung von Lehrlingen erworben. Herford, 27. Juni. Eine Erneuerung der Asphaltplatten auf der Rennstraße findet gegenwärtig statt; hoffentlich wird der neue Belag dem starken Verkehr au dieser Straße länger Widerstand leisten, als der bisherige. Salzuflen, 26. Juni. Städtisches. In der gestern abend anberaumten gemeinschaftlichen Sitzung der städtischen Kollegien fand zuerst eine Besprechung über die Bauung eines 2. Hochbehälters des hiesigen städtischen Wasserwerkes statt. Bürgermeister Klappert teilte mit, daß man das frühere Projekt, wonach auf dem Vierenberge ein 2. Hoch behälter mit einem Kostenaufwande von 13 500 M erbaut werde solle, fallen gelassen habe, und der Magistrat, wie auch der Sachverständige Zivilingenieur Leithäuser aus Cassel der Ansicht seien, daß der Hochbehälter am Obernberge errichtet werden müsse. Hierfür spräche in der Hauptsache der Umstand, daß es heute schwer falle, den westlichen Stadtteil immer ausreichend mit Wasser zu versorgen, na mentlich dann, wenn in den anderen Stadtteilen ein größerer Wasserverbrauch vorhanden sei. Der hinzugezogene Sachverständige Herr Zivilingenieur Leithäuser erläuterte dann eingehend das Projekt und empfahl dringend, namentlich mit Rücksicht darauf, daß Wasser genügend vorhanden sei, den weiteren Hochbehälter nicht am Vierenberge, sondern am Obernberge zu errichten. Nachdem noch an den Sachver ständigen verschiedene Fragen gestellt waren, wurde dieser Punkt verlassen.— Wegen der Erhebung der Steuersimpla im laufenden Rechnungsjahre ist auf die Beschwerde der Stadtverordneten=Versammlung hin eine Verfügung Fürstlicher Regierung eingegangen. Bekanntlich wünschte die Stadtverordneten=Versammlung nur die Erhebung von 6 Simpla Einkommensteuer, während der Magistrat die Erhebung von 8 Simpla beschlossen hat. Fürstliche Regierung spricht in ihrer Verfügung die Erwartung aus, daß eine Einigung unter dem Kollegium erfolgt, widrigenfalls sie Entscheidung treffen werde, eventuell würde sie sich auch veranlaßt sehen, Zwangsetatisierung vorzunehmen. Zugleich geht aus der Verfügung hervor, daß auch die Regierung der lnsicht des Magistrats ist, wonach die Sparkassenüberschüsse nicht alle zu den laufenden Mitteln verwandt werden sollen, ondern zum Teil für spätere Jahre zurückzulegen sind. Bürgermstr.Klappert teilte darauf mit, daß der Magistrat beschlosen habe, aber lediglich mit Rücksicht darauf, um die Sache aus der Welt zu schaffen, ein halbes Simpla nachzulassen, o daß 7½ Simpla Gemeindesteuer erhoben werden sollten. Aus der Mitte der Stadtverordneten=Versammlung wurden Simpla vorgeschlagen. Die später in getrennten Räumen erfolgte Abstimmung ergab, daß der Magistrat 7½ Simpla und die Stadtverordnetenversammlung 7 Simpla beschlossen hatte. Die Stadtverordneten=Versammlung wird in der nächsten Sitzung zu der Angelegenheit nochmals Stellung nehmen.— Als Ausschußmitglieder für die Wahl der Schöfen und Geschworenen wurden die Herren Kaufmann Con rad Barkhausen und Inspektor König gewählt. Detmold, 27. Juni. Hünenring=Festspiele Detmold 1913. Im heutigen Anzeigenteil finden unsere Leser den Spielplan der in der Zeit vom 20. Juli bis 10. August in Detmold stattfindenden Festspiele, deren Leitung dem Direktor des Harzer Bergtheaters, Dr. Ernst Wachler, übertragen ist. Wir möchten nicht unterlassen, auch an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, daß ein Vorver auf von Eintrittskarten mit Preisermäßigung in der Zeit vom 1. bis 15. Juli stattfindet. Weiteres ist aus der Anzeige zu ersehen. Osnabrück, 26. Juni. Soldatenerkrankungen Die„Osnabrücker Zeitung" schreibt über die Ursache der oldatenerkrankungen: Wie die amtlichen Untersuchungen nunmehr ergeben haben, sind die Erkrankungen auf Fleisch giftung zurückzuführen. Es ist festgestellt worden, daß an dem Fleisch äußerlich nichts Verdächtiges zu finden war Das Rind war im hiesigen Schlachthof geschlachtet, tier ärztlich untersucht und für gesund befunden worden. Den Lieferanten trifft demnach keinerlei Schuld. Münster, 26. Juni. Die Westfalen im Kaiser manöver. An den Kaisermanövern, die in der Rhein und Maingegend stattfinden, und die die bisher größten Kaisermanöver sein werden, da sechs Armeekorps daran teil nehmen, wird voraussichtlich auch das 7. westfälische Korps sich beteiligen. Münster, 26. Juni. Tödlicher Sturz. Ein chaffner aus Dortmund kam auf dem hiesigen Bahnhofe zu Tode. Er wurde, als die Maschine kräftig anzog, durch den plötzlichen Ruck zu Boden geworfen und schlug mit dem Kopfe derart heftig auf, daß er eine Gehirnerschütterung erlitt. Auf dem Wege zum Krankenhaus starb der Schaffner. Hamm, 26. Juni. Überfahren. Auf der Chaussee von Hamm nach Heessen wurde ein zehnjähriger Knabe von einem Automobil überfahren und sofort getötet Bocholt, 26. Juni. Erholungsheim. Der Bocholter Verband für Armenpflege und Wohltätigkeit hat inmitten großer Kiefernwaldungen am Holtwicker Bach ein Walderholungsheim für Lungenkranke errichtet. Es sollen auch Kinder dort ausgenommen werden Dorsten, 26. Juni. Automobilunglück. Bei einem Automobilunglück auf der Chaussee nach Gahlen trug der Chauffeur tödliche Verletzungen davon. Alle fünf In sassen, zwei Damen, zwei Herren und ein Knabe wurden, als das Auto mit voller Gewalt gegen einen Baum fuhr, aus dem Wagen geschleudert. Von diesem wurde ein Landwirt aus Gahlen ebenfalls schwer verletzt. Der Kraftwagen wurde vollständig zertrümmert. Düsseldorf, 26. Juni. Selbstmord. Um eine größere Unterschlagung zu verdecken, schützte der Filialleiter einer hiesigen größeren Firma einen Einbruchsdiebstahl vor. Die Staatsanwaltschaft glaubte ihm jedoch nicht und leitete ein Verfahren ein. Daraufhin hat der Mann Selbstmord be gangen, indem er eine Flasche Lysol trank. Osterfeld, 26. Juni. Schweres Unglück. Auf der Kokereianlage der Zeche Vondern ereignete sich ein schweres Unglück, wobei ein Monteur tödlich und zwei andere lebensgefährlich verletzt wurden. Beim Ausstoßen des Koks schlug plötzlich eine Stichflamme heraus und ver brannte alle drei schwer am ganzen Körper. Gummersbach, 26. Juni. Rohe Raufbolde Zwischen drei deutschen und ebenso vielen italienischen Ar Oldenburg, 26. Juni. Schwer bestraft. Das Schwurgericht verurteilte den Arbeiter Hilperts aus dem Jeverlande wegen Ermordung seines Logisgebers Holter mann zu 15 Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen. Die Frau des Ermordeten, die unter Anklage der Anstiftung stand, wurde freigesprochen. Hamburg, 26. Juni. Der Dampfer Imperator der Hamburg=Amerika=Linie hat gestern fahrplanmäßig Newyork verlassen. Die durch einige Blätter verbreiteten Berichte von Schwierigkeiten, welche das Personal gemacht haben soll, sind unzutreffend. Der Direktion sind keinerlei Beschwerden von Seiten der Mannschaft zugegangen. Luftschiffahrt Berlin, 26. Juni. Der Flieger Brindejonc de Moulinais telegraphiert über seinen gestrigen Flug von Reval nach Stockholm der B. Z. am Mittag zufolge folgende Einzelheiten:„Ich habe Reval morgens 3 Uhr 30 Min. verlassen und bin über die Dago=Inseln geflogen, deren äußerste Spitze ich 5 Uhr 10 Min. überflog. 180 Kilometer legte ich in 2000 Meter Höhe zurück. Ich bemerkte hinter den Inseln das erste der acht Torpedoboote, die der russische Marineminister zur Verfügung gestellt hatte und die in Abständen von 10 Meilen Aufstellung genommen hatten. Mich nach dem Kompaß richtend, flog ich geradewegs auf Stockholm zu. Das Wetter war bedeckt und auf dem Meere lag leichter Nebel, so daß ich gezwungen war, niedrig zu fliegen, um die Schiffe er kennen zu können. Um 7 Uhr russischer Zeit langte ich bei den Inseln an, die Stockholm umgeben und die ich zuerst für Wolken hielt. 7 Uhr 30 Min. fand ich endlich festen Boden. Ich landete in einem Getreidefelde, um nach dem Weg zu fragen, und erfuhr, daß Stockholm 30 Kilometer weit entfernt läge. Mit Hilfe von Bauern, die ich an den Haaren her beiziehen mußte, schob ich meinen Eindecker auf einen Acker und konnte wieder aufsteigen, überflog den Mälarsee und kam 8 Uhr 30 Min. russischer Zeit in Stockholm an.“ Letzte Drahtnachrichten Duisburg, 26. Juni. Heute abend fuhr an der Ecke der Mußfeldstraße und dem Sonnenwall ein Straßenbahnwagen mit voller Wucht gegen den um die Ecke biegenden Mineralwasserwagen des Fabrikanten Wehges. Der Fabrikant und sein Schwager, die auf dem Bock saßen, wurden herabgeschleudert. Wehges erlitt mehrere Verletzungen und wurde ins Vincenzhospital gebracht, während sein Schwager mit leichteren Hautabschürfungen davonkam. Hamburg, 27. Juni. Nach dem Genuß von rohem Fleisch erkrankte in einem hiesigen Restaurant auf St. Pauli ein Altonaer Gefängnisbeamter mit seiner Familie. Unter den gleichen Erscheinungen erkrankten einige Angestellte des Lokals; eine Köchin befindet sich in bedenklichem Zustande in einem Krankenhause. Wien, 26. Juni. Aus Gmunden meldet der Korrespondent des„Wiener Tageblatts“, daß zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Welfenhause die Vereinbarung getroffen sei, daß Herzog Ernst August am 31. Oktober dieses Jahres die Regentschaft in Braunschweig antritt und seinen feierlichen Einzug in Braunschweig hält. Lemberg, 27. Juni. Aus Zolkiem wird gemeldet: Gestern vormittag 11 Uhr näherte sich auf dem Hofe des hiesigen Gymnasiums der 18 Jahre alte Schüler Michael Michalczuk, der wegen einer von ihm unter den Schülern betriebenen russophilen Agitation vor zwei Monaten relegiert worden war, dem Direktor Elias und forderte von diesem die Rückgabe angeblich ihm gehöriger Bücher. Nachdem er einen abschlägigen Bescheid erhalten hatte, begann er mit einem eisernen Instrument auf den Direktor loszuschlagen. Der Direktor brach bewußtlos zusammen. Er hatte schwere Verletzungen erlitten. Michalczuk ergriff darauf die Flucht, wurde aber von zwei Schuldienern verfolgt und festgenommen. Paris, 27. Juni. Die Kammer setzte am Donnerstag die Beratung über das Gegenprojekt Augagneurs zur dreijährigen Dienstzeit fort, das die Beibehaltung der zweijährigen Dienstzeit fordert und die an der Ostgrenze fehlenden Truppen durch die Beseitigung der Militärmusiker und Ersatz der Militärhandwerker durch Zivilarbeiter gewinnen will. beitern kam es in Becke zu Streitigkeiten, die damit endeten, Ministerpräsident Barthou verglich die Friedensstärke der daß die Deutschen mit 30 Pfund schweren Hämmern auf ihre Gegner einschlugen. Dabei erlitt ein Italiener derart schwere Verletzungen, daß er seinen Geist aufgab, ein zweiter trug einen Schädelbruch davon. Die rohen Burschen wurden festgenommen. Koblenz, 26. Juni. Zum Kommandierenden General des achten Armeekorps wurde Generalleutnant Tülff, Kommandeur der 12. Infanteriedivision in Neiße, ernannt.— Durch Kabinettsordre, datiert Kiel, den 25. Juni, hat der Kaiser das Abschiedsgesuch des Generals der Infanterie v. Ploetz genehmigt und ihm unter Belassung in seiner Stellung a la suite des Königin=Elisabeth=Grena dierregiments Nr. 3, mit der gesetzlichen Pension zur Dis deutschen und der französischen Armee. Er erklärte schließlich, daß die Regierung das Mittel, den bestehenden Unterschied auszugleichen, in der Annahme des von der Armeekommission befürworteten Reinach=Montebelloschen Antrages sehe. Der bemerkenswerteste Punkt dieser Ausführungen Barthous ist derjenige, daß er sich nicht mehr als undedingter Anhänger der ursprünglichen Regierungsvorlage erklärt, die eine strickte Durchführung der dreijährigen Dienstzeit forderte. Er bekannte sich zur Reinach=Montebelloschen Vorlage, die eine derartige Vermehrung der Friedensstärke verlangt, daß alle Einheiten der Armee eine vom Obersten Kriegsrat festgesetzte Mindeststärke erhalten. Nach der Ansicht der Linken baut die Regierung damit eine Brücke, um auch einer Vorlage zuposition gestellt unter Verleihung des Kreuzes und des stimmen zu können, die auf die vollständige dreijährige Sterns der Comthure des Hausordens von Hohenzollern. Durch Kabinettsordre von demselben Tage wurde der Ge neral der Infanterie v.Westernhagen, Gouverneur von Köln, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt und gleichzeitig zum Chef der Landgendarmerie ernannt.— Das Abschiedsgesuch des früheren Kommandeurs des 8. Armee korps v. Ploetz ist aus eigener Entschließung erfolgt v. Ploetz hatte schon im vorigen Jahre sein Abschiedsgesuch eingereicht, wurde aber gebeten, bis nach dem Regierungs jubiläum noch im Dienst zu bleiben Jugenheim, 26. Juni. Erdbeben. Seit heute früh 6 Uhr 17 Min. sind die Apparate der hiesigen Erdbebenwarte ununterbrochen in Bewegung infolge eines starken Fern bebens. Die Erschütterung dauert zurzeit noch an, doch scheint das Maximum vorüber zu sein. Der Herd ist 10 000 Kilometer entfernt Trier, 26. Juni. Gegen den Militärboykott Der Bund deutscher Gastwirte, der hier seine 21. Tagung abhält, nahm eine Resolution an, in der die Bundesleitung ersucht wird, dafür zu sorgen, daß der militärische Boykott für alle deutschen Wirte aufgehoben wird. Dienstzeit verzichtet und sich mit einem Kompromiß begnügt, der allerdings der 36monatigen Dienstzeit nahe kommen muß. Wien, 27. Juni. Aus Sofia wird gemeldet, daß sich die bulgarische Regierung nach dort eingetroffenen Nachrichten über eine nachgiebigere Haltung des serbischen Kabinetts entschlossen habe, sich aus Friedensliebe noch einige Tage zu gedulden. Sollte in Serbien die Entscheidung über die Annahme des Schiedsspruches fallen, dann wird die bulgarische Regierung auf die beschleunigte Errichtung eines Kondominiums hinwirken. Belgrad, 27. Juni. Trotz der serbischen und bulgarischen Dementis behaupten private Nachrichten, daß an dem Kampfe am Zletowoflusse zwei serbische und bulgarische Divisionen beteiligt waren. Saloniki, 27. Juni. Die griechischen Behörden fanden in der Nähe der Werkstätten der orientalischen Eisenbahn ein Faß mit Schießbaumwolle, das von bulgarischen Arbeitern dorthin gebracht worden sein soll, um ein Attentat gegen die Bahn zu begehen. Auch in verschiedenen Häusern, u. a. im Grandhotel, wurden Waffen gefunden. Mehrere verdächtige Personen sind verhaftet worden. 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Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. 148(enthält 8 Seiten“. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 15.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Freitag, den 27. Juni 1913. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Nr. 369 Hannover. 68. Jahrgang Poincares Mission. In der gesamten politischen Welt Englands herrscht kein Zweifel mehr darüber, daß der Londoner Besuch des Prä sidenten der französischen Republik Raymond Poincare mehr darstellt als einen bloßen Höflichkeitsbesuch, zu welchem tat sächlich kein besonderer Anlaß vorlag. Denn ginge es nach der üblichen Etikette, so hätte der König Georg von England vorerst den Besuch zu erwidern, den der frühere Präsident Fallieres dem englischen Königshofe abgestattet hat. Man erfährt auch, daß der gegenwärtige Londoner Präsidentenb. such keineswegs auf einer nach Paris gerichteten Ein ledung des großbitannischen Monarchen beruht, daß er vielmehr von der Londoner französischen Botschaft angeregt und von der englischen Regierung mit Vergnügen angenommen worden ist. Die Initiative ist also von Frankreich ausgegangen, und schon aus dieser Tatsache ergibt sich, daß man von allem Anfange an im Elysee damit andere und wich tigere Ziele verfolgte, als einen Händedruck mit dem König und den Staatsmännern Englands. Der gegenwärtige Präsident der französischen Republik unterscheidet sich von seinen Vorgängern hauptsächlich dadurch, daß er als Fach mann in auswärtigen Fragen gilt. Er hat in schwierigen keiten die auswärtige Politik seines Vaterlandes geleitet und stand im Mittelpunkte dieser Politik, als die Wogen hochgingen und der Erdteil vom Kriege bedroht war. Auch sein Begleiter auf der Londoner Reise, Stephen Pichon, wird als einer der besten Minister des Außern geschätzt, welche die Republik aufzuweisen hat. Also zwei ihrer ausgezeichnetsten Staatsmänner und Diplomaten weilen in die sem Augenblick in der englischen Hauptstadt, und das ist sicher kein Zufall, wenn man bedenkt, daß der Dritte im Bunde, Herr Theophile Delcasse, unterdessen an der Newa die Fäden geschäftig weiterspinnt, die in London gezogen werden. Das diplomatische Talent der drei Männer wird nicht an den Kleinlichkeiten der Etikette und eines rein höfi schen Besuches verschwendet. Es gilt einer Mission von großer internationaler Tragweite, und deshalb muß man der Londoner Reise des französischen Staatsoberhauptes eine besondere Beachtung schenken. Geheimnisse werden übrigens an der Themse nicht ver abredet, und jedermann weiß, um was es sich handelt. Der Zweck von Poincares Erscheinen in London ist die Befesti gung der englisch=französischen Freundschaft und mittelbar des Dreiverbandes. An sich wäre es eine Torheit, zu glauben, daß die gegenseitigen Sympathien der Franzosen und Engländer irgendwie erkaltet sind und einer Aufwärmung bedürfen. Sie bestehen ebenso ungeschwächt fort wie die Antipathien, die beide dem so mächtig aufstrebenden und deshalb allgemeinen Neid einflößenden Deutschland entgegen bringen. Aber Eduard VII. lebt nicht mehr, und sein Nachfolger erblickt in Deutschland nicht mehr den Feind, den man zuerst einzukreisen und dann zu vernichten hat. Georg V. ist ein Mann der behaglichen Ruhe, der selbst einen siegreichen Krieg gegen Deutschland als ein großes Unglück für England erachtet, weil er eine dauernde und verhängnisvolle Feindschaft zwischen den beiden Ländern hervorrufen müßte. Ganz so denkt auch seine Regierung. Überdies sieht man in London schon voraus, daß bei der vielleicht sehr nahe bevorstehenden Lösung der kleinasiatischen Frage, der Dardanellenfrage usw. England in Interessengemeinschaft mit Deutschland und in Gegensatz zu Rußland treten werde. Bekanntlich ist Frankreich in allen Dingen, in denen russische Interessen in Betracht kommen, der willenlose Schleppenträger Rußlands. Folglich wird England in seinem klein asiatischen Interessenstreite gegen Rußland auf Frankreichs Hilfe nicht rechnen können. Um so wertvoller ware ihm daher der Beistand Deutschlands. Das alles kennt man in Paris sehr genau, und da man gleichzeitig weiß, daß John Bull sich niemals von Gefühlspolitik leiten läßt, hat man dort sehr befürchtet, daß England, ohne die persönlichen Sympathien für Frankreich aufzugeben, sich allmählich vom Dreiverbande loslösen werde. Poincares Mission besteht nun darin, dies zu verhindern. Denn Englads formeller oder tatsächlicher Rücktritt vom Dreiverbande müßte in erster Linie Frankreichs Weltstellung in ungünstiger Weise beeinflussen. Es hätte dann nur einen einzigen Verbündeten, auf den es sich, wie Andree Lefevre jüngst im Palais Bourbon ohne Widerspruch behauptete, nicht einmal mit vollster Sicherheit verlassen kann. Wird die Mission Poincares in London vom Erfolge begleitet sein? Die Frage darf direkt verneint werden. Eng land vollzieht, indem es zwar den Dreiverband nicht kündigt, aber sich von ihm entfernt, eine Evolution, die es seinen In teressen nützlich erachtet, und niemals war etwas in der Welt imstande, das Inselreich vom reinen Nützlichkeitsstand punkt abzubringen. Der Trinkspruch des Königs Georg beim Festmahle zu Ehren des französischen Präsidenken im Buckingham Palace ist in dieser Beziehung kennzeichnend. Er lautet für Herrn Poincare sehr schmeichelhaft und verbreitet sich über die hervorragenden persönlichen Eigenschaften und Tugenden des fanzösischen Staatsoberhauptes. Aber er enthält bloß schöne Worte, kein praktisches Versprechen, und Herr Poincare wird in die Heimat die verstärkte E kenntnis mitbringen, daß die schönen Tage Eduards VII für die Republik, einstweilen wenigstens, vorüber sind. Weshalb wir Deutschen uns jedoch keineswegs Illusionen in bezug auf die englische Freundschaft hingeben dürfen. Denn lediglich Englands Interesse verlangt zurzeit ein A rücken vom Dreiverband. Uns gilt aber in erster Linie Deutschlands Interesse, das wir gerade in der jetzige. Lage unbedingt gewahrt sehen mochten.(Magd. Zig.) Poincares Englandfahrt. London. 26. Juni. Der Londoner Korrespondent des„Matin“ meldete, daß beim gestrigen Empfang Porn cares ein Engländer gerufen hätte:„Es lebe Lothringen!“ Diese Meldung beruht auf einer leichtfertigen Erfindung des Korrespondenten.— Die Preßkommentare zum Besuch des Präsidenten Poincare sind heute herzlicher und aufrichtige als die Tage zuvor. Die„Times“ sagen:„Wenn auch Frankreich und England den Frieden aufrecht erhalten haben, so wissen wir doch von Sir Edward Grey und aus anderen Quellen, daß auch Deutschland fest daran gearbeitet Par 20 Jo. Die Pariser Presse macht kein Hehl daraus, daß bei der offiziellen Begegnung Poincares mit König Georg in London keinerlei Fragen von politischer Tragweite berührt werden können, knüpft aber desto größere Hoffnungen an die Unterredung der beiden Minister des Außern. Diese werden sich über die albanische Frage, die Arbeiten der Pariser Finanzkonferenz, die Rüstungsfrage und die Orientbahnangelegenheit unterhalten. sondere die Bagdadbahn anlangt, soll Pichon der Ansicht sein, daß Frankreich an den deutsch=englischen Verhand lungen über diese Bahn teilnehmen muß, damit sich Europa darüber künftighin nicht mehr zu beunruhigen braucht London, 20. Juni. Sir Edward Grey hab heute abend in den Räumen des Auswärtigen Amts ein Feutmahr Ehren Poincares, an dem auch der Prinz von Wales, ver Herzog von Connaught, und die Mitglieder des Kabinet teilnahmen. Nach dem Festmahl wohnte der Präsident eine von den englischen Masestäten ihm zu Ehren Ballfest bei, an dem 3000 Personen teilnahmen. Zum fest bei den Majestäten war auch das gesamte diplomatische Korps erschiene. Die dreijährige Dienstzeit. Paris, 20. Juni. Die Nammer setzte heute die Beratung über den Gesetzentwurf betreffend die dreijährige zeit fort. Morin(sozialistisch=radikal) verteidigte den Geg entwurf Augagneur. Leygues bekämpfte ihn. Er warnn vor den Fehlern des Kaiserreichs vor 1810, das sich durch Weltfriedensträume habe einschläfern lassen. Frankreiche Verbündete könnten nur ihre, nicht auch noch Frankreichs Pflichten erfüllen.(Bewegung). Wenn Frankreich für Armeekorps auf den Effektivbestand der Exenstruppen brächte, so würden diese über mehr als tausend Kilometer ve teilt stehen, während die entsprechenden fünf deutschen— mit drei weiteren als Reserven— sich nur über dreihundert Kilo meter verteilen würden. Es sei jedenfalls ein Unglück für die Welt, daß Frankreich und Deutschland uneinig seien. Welch Glück wäre ihre Einigkeit(lebhafter Beifall auf der äußersten Linken), aber die geschichtlichen Erinnerungen lasteten auf Frankreich mit allen ihren durch Generationen vererbten Pflichten.(Beifall im Zentrum und auf verschie denen anderen Bänken.) Die Kammer müsse entscheiden, ob Frankreich nach dem Wunsche des Generals von Bernhardi als europäische Macht verschwinden solle.(Lebhafter Beifall auf der Rechten und im Zentrum und auf verschiedenen Bänken der Linken. Siebenschläfertag ist heute am 27. Juni. Die großen Hitzewellen, die die Erde zur Zeit der Sommersonnenwende umspülen, fordern gewis sermaßen die bodenständige Feuchtigkeit heraus und ver anlassen sie zu Verdunstungserscheinungen. Somit ist gerade jetzt außerordentlich starke Neigung zur Regenbildung meistens vorhanden. Das Volk weiß damit Bescheid und hat ja manches Sprüchlein auf den Siebenschläfertag geprägt. So heißt es:„Wie's Wetter war am Siebenschläfertag, so bleibt es sieben Wochen danach“. Ein anderes Sprüchlein nimmt eine kürzere Regenperivde an. Es lautet:„Wenn die sieben Schläfer Regen kochen, so regnet es vier lange Wochen". Da diese Sprüchlein allgemein im Volke bekannt sind, ist der Siebenschläfertag auch ein recht berüchtigter. Vor allem fürchten ihn die Schulkinder, denen er leicht die ganze Ferienfreude verderben kann. Die Ueberlieferung, nach der der heutige Tag seinen Namen führt, ist auch nicht uninteres sant. Die sieben Brüder der Maximianus, Malchus, Mar tinianus, Dyonisius, Hohannes, Serapion, Constantinus hatten sich bei einer Christenverfolgung unter Kaiser Decins im Jahre 251 in einer Höhle verborgen. Sie verrielen als bald in tiefen Schlaf, aus dem sie erst im Jahre 440 wieder erwachten und starben. Die katholische Kirche gewährte dem Andenken dieser sieben Schläfer den heutigen Tag, den 21. Juni als Erinnerungstag. Mit dem regenkündenden Volksglauben hat natürlich die erwähnte kirchliche Ueberlieferung in keiner Weise etwas zu tun. Kleine Chronil. Berlin, 20. Juni. Konferenz der Finanz= dezernenten. Ende dieses Monats findet hier eine Konferenz der Finanzdezernenten der deutschen Städte statt, die sich mit der Frage der Errichtung städtischer Hypothekenämter befaßt.„ Berlin, 20. Juni. Zum Nachfolger des Professors Erich Schmidt als Direktor der Berliner Universitat soll nach einer dem„Berl. Tagebl.“ zugehenden Mitteilung Professor Edward Schröder in Göttingen ernannt sein. Schröder wurde 1858 in Witzenhausen geboren, er studierte in Straßburg und Berlin und war zuerst in Göttingen Privatdozent. Im Jahre 1887 kam er als außerordentlicher Professor nach Berlin und wirkte dann in Göttingen und Marburg. Leipzig, 20. Juni. Im Spionageprozeß Jänicke wurde der Angeklagte heute nachmittag wegen vollendeten Verbrechens gegen das Spionagegesetz zu 6 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Diese Strafe wird mit der ihm in Aurich wegen Diebstahls auferlegten Zuchthausstrafe von 3½ Jahren zu einer Gesamtstrafe von 9 Jahren Zuchthaus vereinigt. Das Reichsgericht hat auf Grund der drei Sach verständigen=Gutachten angenommen, daß Jänicke die Geistesstörung nur simuliert. Er hat auf Veranlassung von Glauß den Obersignalmaat Ehlers bewogen, ihm Teile des geheim zu haltenden Signalbuches der deutschen Marine zu geben, die Glauß dann an die englische und die französische Regierung verraten hat. Dresden, 27. Juni. Ein anscheinend toll wütiger wund sprang gestern abend auf den Sohn seines Besitzers Götze und zerfleischte ihn an Kopf und Schultern so, daß der junge Mann in fast hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Der Hund wurde erschossen und der Kadaver in die Tierarznei gebracht, wo festgestellt werden soll, ob er an Tollwut gelitten hat. Die Hundesperre sollte in den nächsten Tagen in Dresden aufgehoben werden, wird aber nun voraussichtlich wieder verlängert werden. Frankfurt(Main), 26. Juni. Die angebliche Spionenverhaftung. Nach neueren Londoner Feststellungen stellt sich die angebliche Verhaftung zweier hiesiger Bauräte in Folkestone als ein harmloses Rencontre mit einem anscheinend angeheiterten englischen Soldaten heraus. München. 25. Juni. Der 82jährige Senior des bayerischen Könighauses, Herzog Ludwig von Bayern, Schwager des Kaisers Franz Josef, läßt sich von seiner 40 Jahre jüngeren zweiten Gemahlin Antonie von Bartolf genannt Barth, scheiden. Herzog Ludwig, der schon in jungen Jahren viel von sich reden machte, hat zweimal bürgerliche Damen geheiratet. Seine erste Gemahlin, eine geachtete Schauspielerin, starb am 12. Juli 1891. Eine Woche nach Ablauf des Trauerjahres war der Herzog wieder verheiratet und zwar ebenfalls mit einer bürgerlichen Dame. München. 20. Juni. Beim Stiftungsfest der Universität München erschienen zum ersten Male auch die weißgekleideten weiblichen Chargierten des Vereins studierender Frauen im samtnem Künstlerbarrett mit weißblauer Kokarde im Zuge unter den übrigen Kommilitionen. London. 20. Juni. Der Alexandratag. Der Alexandratag, welcher gestern in London und in anderen Städten Englands durch den Verkauf von Heckenrosen gefeiert wurde, hat einen außerordentlich großen Erfolg gehabt. Die Königinnen Mary und Alexandra fuhren in einem offenen Wagen durch die Hauptstraßen der Stadt, um das Treiben zu beobachten. Präsident Poincare kaufte zwei Blumen für fünf Pfund. Paris, 20. Juni. Reiche Beute. Dem auf der Durchreise befindlichen amerikanischen Botschafter in Petersburg Curtis Guild wurden in einem hiesigen Hotel mehrere Brieftaschen mit bedeutenden Geldsummen und Kreditbriefen im Betrage von nahezu 60 000 Franken gestohlen. Newyork. 20. Juni. Folgenschwere Entgleisung eines Zuges. Ein westwärtsfahrender Schnellzug der Canadian=Pacific Railroad ist sechs Kilometer westlich von Ottawa entgleist. Vier mit Reisenden dicht besetzte Wagen stürzten den Bahndamm hinab und fielen in den Ottawafluß. Neun Personen sind getötet, gegen 50 schwer verletzt Die Myrrholin-Seife ist die einzige feine hnajenische Toiletteseife welche den kosmetischen Bestandteil„Murrbolin“ mit, auerkannter und bewährter Schönheitswirkung auf die Haut enthält. Preis 60 Pfg. das Stück. Jahresversammlung des Westfälischen Hauptvereins der GustavAdolf=Stiftung in Soest. Wie üblich trat auch in diesem Jahre am Gedenktage der confessio Augustana der Westfälische Gustav=Adolf Verein diesmal in der schön geschmückten, kunstreichen Stadt Soest zu seiner Jahresversammlung zusammen. Die festliche Tagung wurde durch eine Versammlung der Abgeordneten eingeleitet, aus deren Verhandlungen kurz mitgeteilt sei, daß in die erste Klasse der unterstützungs bedürftigen Gemeinden 25 Gemeinden ausgenommen wur den. In Klasse 2 und 3 traten keine wesentlichen Verän derungen ein. Die Höhe der diesjährigen Liebesgabe betrug 1380 Mk Zum Empfang der Liebesgabe wurden folgende Vorschläge gemacht: Huckarde, Olsberg und Petristift Hörter. Die Versammlung stimmte diesen Vorschlägen einmütig zu. Aus dem Kassenbericht, den Regierungsrat Kranold Münster erstattete, ergab sich folgendes: Der Gesamtabschluß war bedeutend günstiger als im Vorjahre. Gesamteinnahme betrug 62 161 Mk., über 2000 Mk. mehr als im Vorjahre. Die Gesamtausgabe 60 049 Mk., bleibt ein Bestand von 2112 Mk. Die Einnahme des Orts= und Frauenvereins betrug im Ganzen 75 112 Mk., zirka 4000 Mk. mehr als im Vorjahre Im Ganzen hat der Verein Westfalen 106 063 Mk. für die Zwecke des Gustav=Adolf=Vereins aufgebracht. Um 6 Uhr abends wurde die Tagung eröffnet durch einen liturgischen Festgottesdienst, in dem Pastor Meinberg Düsseldorf die Festpredigt hielt. Der altberühmte blaue Festsaal konnte am Abend die zahlreiche Festversammlung bei weitem nicht fassen. Mit herzlichen Worten grüßte Superintendent Wischnath die zahlreich besuchte Jahresversammlung des Gustav=Adolf Vereins, die seit 27 Jahren wieder einmal in Soest zusammengetreten sei. Viel Beifall rief die Mitteilung des Red ners hervor, daß der katholische Kreistag Meschede ihm 200 Mk. für die evangelischen Missionen zugesandt habe. Darauf erfolgte die Überreichung der Liebesgaben durch einige weißgekleidete Kinder und zwar Tauf= und Abend mahlsgeräte, silberne Leuchter, Kruzifix usw. Konsistorialpräsident von Sydow begrüßte die Festver sammlung, indem er das Fortbestehen des Gustav=AdolfVereins für ein Zeichen des Lebens in der evang. Kirche ansah. Pfr. Pröbsting=Lüdenscheid grüßte im Namen des Evangelischen Bundes mit dem Hinweis auf die beider seitigen freundlichen Beziehungen zwischen dem Ev. Bund und dem Gustav=Adolf=Verein. Es folgten Grüße aus Kurhessen, aus dem Rheinland, aus Wiesbaden und nach einem Liedervortrag des Kirchen chors Maria zur Höhe noch ein Gruß aus der Diaspora Galiziens durch P. Faust, der dabei manche interessante Streiflichter auf die sozialen wie staatlichen Verhältnisse Galiziens gab. Den Schluß der Begrüßungen machte Direktor Liz. Hymmen, der Leiter des landeskirchlichen Diasporaseminars. Namens der Stadtgemeinde Soest überreichte Pfarrer Josephson 1000 Mk. Liebesgabe, im Auftrage der Land gemeinden übergab 1•.Kuhr=Weslarn 1069 Mk., und namens der Gemeinden des Sauerlandes überreichte P. Rocholl Ramsbeck gleichfalls 1900 Mk. Pfr. Smend überreichte als Liebesgabe der Gemeinde Lippstadt 500 Mk. Für jeden einzelnen Geber hatte zum Schluß General superintendent D. Zöllner ein herzliches Wort des Dankes. Er erinnerte an die Geschichte von Soest, da vor Jahren die Bürger von den Wällen herab für ihren Glauben und ihre Freiheit kämpften. Er betonte, daß es viel Gemeinsames zwischen Katholiken und Evangelischen gäbe, daß es aber auch ein heiliges evangelisches Gut gäbe, das es treu zu bewahren gelte. Der deutsche Gedanke in der Welt soll auch der evangelische Gedanke sein. Gegen 11 Uhr abends fand die festliche Abendversamm lung ihr Ende. Der zweite Festtag der Hauptversammlung des Westfälischen Gustav=Adolf=Vereins wurde durch einen Kinder gottesdienst in der Paulikirche um 8 Uhr morgens einge leitet. Um 8½ Uhr traten die Abgeordneten aus der Provinz im evangelischen Vereinshause zu weiteren geschäftlichen Beratungen zusammen, in denen die Verbreitung des Rheinisch=Westfälischen Gustav=Adolf=Blattes, die Abhal tung der Hauskollekten u. a. zur Sprache gebracht wurde. Außerdem wurde auf zwei neue Lutherbilder hingewiesen, von denen das eine vor kurzem im Westdeutschen Luther verlag=Witten herausgegeben worden ist. Eine längere Debatte rief die Frage der Anstellung eines eigenen Sekretärs des Westfälischen Gustav=Adolf=Vereins hervor. Eine Beschlußfassung in dieser wichtigen Ange legenheit wurde für später vertagt. Als Festort für das nächste Jahr wurde Herford bestimmt. Um 10 Uhr predigte P’. Pröbsting=Lüdenscheid, der be kannte Vorkämpfer des Evangl. Bundes, in der Petrikirche über 1. Kor. 15, 10 vor einer dichtgedrängten Gemeinde. Selten wohl hat der Schützenhof in Soest solche Fülle von Menschen gesehen wie bei der Festversammlung des Gustav=Adolf=Vereins am Nachmittag. Nach den Chorgesängen des märkischen Lehrergesanges eröffnete Generalsuperintendent D. Zoellner die Versammlung, indem er be tonte, daß zur Jahresversammlung des Gustav=Adolf Vereins in erster Linie die Leiter zu Worte kommen müßten, die in der Heimat und im Auslande in der Diaspora für den Glauben tätig seien. P. Prein=Warstein, der lange Jahre in Südamerika tätig gewesen ist, forderte, daß die heimischen Gustav=Adolf Vereine eine heilige Pflicht hätten, der Auslandsdiaspora mit aller Kraft zu Hülfe zu kommen. Das sei Pflicht jedes Deutschen, aber besonders jedes Evangelischen. Er richtete das Interesse der Zuhörer besonders auf die Verhältnisse Brasiliens. 40 Jahre lang hat es gedauert, bis der erste evangelische zu den zahlreichen evangelischen Deutschen Brasiliens kam. Heute sind in Santa Katharina allein 50 evangelische Geistliche tätig. Aber es muß noch viel mehr geschehen. Zum Schluß richtete er besonders an die Westfälischen Frauenvereine der Gustav=Adolf=Vereine die dringende Bitte, sich der Deutschen Brasiliens anzunehmen. Konsistorialrat P. Schulze=Attendorn berichtete aus seiner Gemeinde über das vielfache Zuweitgreifen der andern Konfession. Dedekind=Elberfeld erzählte interessante Einzelheiten aus der Arbeit der Auslandsdiaspora. Mit dem Gesange:„O daß doch bald dein Feuer brennte“ schloß die erhebende Versammlung. Möchte auch durch diese Tagung in den evangelischen Kreisen unserer Provinz die charitative Tätigkeit des Westfälischen Gustav=Adolf=Vereins neue Unterstützung und Ausbreitung finden. Von der Sorte der Bülows. Unter dem Vorsitz des Fürsten v. Bülow fand dieser Tage im Kurhause von Heiligendamm der Familientag des Geschlechts v. Billow statt, bei dem der Exkanzler in einer kleinen Ansprache an die Versammlung auf vorbildliche Mit glieder des Geschlechtes hinwies und dabei laut„Mecklen burger Nachrichten“ folgendes erzählte:„Mein seliger Vater hat mir einmal erzählt, daß, als er den Fürsten Bis marck gefragt habe, ob er mich als Attache in den Auswärtigen Dienst übernehmen wolle— das ist schon lange her, das war vor vierzig Jahren— er es für seine Pflicht gehalten sätte, den Fürsten darauf aufmerksam zu machen, daß schon drei Bülows dem Auswärtigen Dienste angehörten: mein Vater selbst, der damals Staatssekretär des Auswärtigen war, der Geh. Rat Ernst v. Bülow, Bülow I, wie er während vieler Jahre im Auswärtigen Amt genannt wurde, und der angjährige Reisebegleiter unseres alten Kaisers und spätere Gesandte in Rom Otto v. Bülow. Mein Vater frug, ob vier Bülows nicht etwas zu viel wären, worauf der Fürst reundlich erwiderte:„Von der Sorte konnen wir nicht genug bekommen.“— Und als ich einige Tage päter dem großen Manne vorgestellt wurde,— ich sehe ihn noch vor mir, die Riesenfigur, die buschigen Augenbrauen, und unter den Augenbrauen das tiefe, unergründliche Auge—, da frug er mich in seiner humorvollen Art und mit der leisen u. feinen Stimme, die bei seinerReckengestalt doppelt eindrucksvoll war:„Haben Sie schon einmal einen dummen Bülow gesehen?“ Nun ich bin immer ehrlich gewesen, „Alle Bülows ehrlich,“ lautet unser alter Wappenspruch, und die Wahrheit ist, daß es auch bei uns— minder Erleuchtete gibt. Also ich antwortete dem Fürsten:„Jawoyl, Durch laucht,— aber nicht viele!“ Da lachte der Fürst und er zählte uns, in seinem elterlichen Hause habe ein Major von Bülow verkehrt, der ein großer Lhombre=Spieler gewesen sei und dabei einen unbändigen Stolz auf seinen Namen be sessen habe; der hätte mit Vorliebe, die Aeußerung des genialen, aber unglücklichen Dietrich v. Bülow wiederholt, der von seinem Bruder Friedrich Wilhelm, dem Dennewitzer, zu sagen pflegte:„Mein Bruder Friedrich Wilhelm ist der dümmste von uns Brüdern, aber immer noch der beste Offi zier der Armee.“— Fürst Bülow gedachte dann des Ju biläums der Freiheitskriege und der Regierung Wil helms II. und brachte zum Schluß das Kaiserhoch aus, zu dem er mit den Worten überleitete:„Mögen für alle Bi lows, mögen sie nun im Staatsdienste stehen oder die eigene Scholle bebauen, den Pflug führen oder mit der Feder hau tieren, immer maßgebend bleiben die Grundsätze strenger Ehrenhaftigkeit, vornehmer Denkungsart und jener echten Treue, die nicht den eigenen Vorteil sucht und die eigene Be quemlichkeit, sondern das wahre und dauernde Interesse des Fürsten und des Landes. Die Provinzialsteuern des Bezirkes Minden. Nach dem Beschlusse des 54. Westfälischen Provinzial landtages vom 30. Mai 1913 ist zur Deckung der Ausgaben des Provinzialverbandes für 1913 eine Provinzialsteuer von 13,5 Proz. des der Verteilung der Provinzial steuern nach§ 25 des Kreis= und Provinzialabgabengesetzes vom 23. April 1906 zugrunde zu legenden Steuersolls zu erheben. Demgemäß hat der Provinzialausschuß in seiner Sitzung am 24. Mai in Vorbereitung dieses Beschlusses die Provinzialsteuer für 1913 auf die einzelnen Land und Stadt kreise des Bezirks Minden folgendermaßen verteilt: Biele feld, Land 54 626.70 M, Bielefeld, Stadt 207 383.29 M Büren 27444.59 M. Halle 27294.95#, Herford, Land 10 061.13.A, Herford, Stadt 50 278.25.A. Hörter 58 884.98 I. Lübbecke 40 618.25 J. Minden 127 687,12 M. Pader vorn 73057,76 M. Warburg 32807,82 MA. Wiedenbrück 62 775,88 M. Roman von Reinhold Ortmann. (17. Fortsogumg.)(Nachdruck verboten.) Schritt für Schritt war er ihr näher gekommen, während er sprach, und nun, da er hart vor ihr stand, riß er sie plötzlich mit brutalem Ungestüm an sich, seine Augen in ihr Gesicht bohrend, als ob er sie damit unter das Joch seines Willens zwingen wollte. Helga machte keinen Versuch körperlichen Widerstandes. Regungslos, mit schlaff herabhängenden Armen ließ sie eine Zärtlichkeit über sich ergehen, die viel eher den Charatter einer Mißhandlung hatte; aver als sein heißes Gesicht dem ihrigen noch näher kam, sagte sie mit einer leisen Stimme, die fast ohne Klang war: „Laß mich los!— Du bist mir widerwärtig.“ Da stieß er sie mit einem rohen Wort von sich, daß sie taumelte, und stürmte mit langen Schritten bis in die Mitte des Ateliers zurück, wo das Porträt der Gräfin Wassilewska stand.„ „So geh in Kuckucks Namen, wohin es dir beliebt. Mein Leben aber gehört von Stund an nur noch dieser hier. Du hast es so gewollt.“ Er erhielt keine Antwort mehr, und als die Tür sich hinter seinem Weibe geschlossen hatte, lachte er so laut auf, daß es von den Wänden des hohen Raumes widerhallte. Nun war er frei, und der Weg zum Glück lag offen vor ihm da. Aber er mußte sich selber lachen hören, um daran glauben zu können, daß er des Bruches seiner Fesseln froh war. 18. Kapitel. Hubert Almröder sprang vor der Tür seines Hauses eben in den Wagen, der ihn nach dem Künstlerhause bringen sollte, als die Automovildroschke des Konsuls vorfuhr. Er sah den Verhaßten aussteigen, aber er kümmerte sich nicht darum, sondern warf den Schlag hinter sich zu, daß das Fenster klirrte. Cäsar Frederiksen, der grüßend den Hut gezogen hatte, blickte iym mit einem Ausdruck leichten Erstaunens nach, dann trat er in das Haus. Auf der großen Diele schon kam ihm Helga entgegen. „Es war also vergeblich?“ fragte sie, ihm die Hand reichend.„Du hast Henry nicht gefunden?" „Ich habe seine Spur verloren, als ich ihn schon erreicht zu haven glaubte. Aber du darfst nach meiner Ueberzeugung seinetwegen ganz beruhigt sein. Er war, wie ich vermutet hatte, bei seinem hiesigen Geschäftsfreunde und hat eine längere Besprechung mit ihm gehabt.“ „Ich durfte mit meinen Fragen naturlich nicht indiskret sein; doch habe ich immerhin mancherlei erfahren, das— für den Augenblick wenigstens— jede Befürchtung hinsichtlich der weiteren Entschlüsse Henrys unnötig erscheinen läßt.“ Sie waren in Helgas kleinen Salon getreten, und die junge Frau lud ihn ein, sich zu setzen. Es konnte dem Handelsherrn nicht entgehen, daß sie viel bleicher und müder aussah als vorhin. Und nachdem seine klaren Augen ein vaar Sekunden lang mit ernst prufendem Blick atf ihrem Gesicht geruht, sagte er: „Ich fürchte, Helga, du fühlst dich nicht wohl und tust dir übermenschlichen Zwang an, es zu verbergen. Es tul mir leid, daß dein Mann soeben ausgefahren ist, denn ich hätte sehr gern deinetwegen mit ihm gesprochen.“ Aber sie schuttelte mit einem bitteren Lächeln den Kopf. „Ich bezweifle, daß er sich dir für eine solche Unterredung zur Verfügung gestellt hätte. Zwischen ihm und mir ist während beiner Abwesenheit die Entscheidung gefallen. Ich werde das Haus meines Gatten heute für immer verlassen.“ So gut er sich sonst in der Gewalt hatte, diesmal vermochte der Konsul seine mächtige Ueberraschung nicht zu verbergen. „Fur immer, Helga? Ist das dein Ernst und dein fester, unwiderruflicher Entschluß „Ja. Aber ich würde dir bankbai sein, Cäsar, wenn du mir erließest, dir über die Gründe Ausschluß zu geben. Ich habe keinen Anlaß, einen Vorwurf gegen Hubert zu erheben— das ist dir genug, nicht wahr?“ Statt aller Antwort küßte er ihr die Hand, und sie lächelte ihm dankvar zu. Dann war es eine kleine Weile still zwischen ihnen, bis der Konsul fragte: „Und Margarete? Hast du sie vorbereitet?“ „Ja. Die traurige Nachlicht hat sie sehr schwer getrossen, und du wirst in der nächsten Zeit viel Nachsicht mit ihr haben müssen, Cäsar!“ „Ich wollte, du nähmest dich ihrer an, Helga! Ich habe wohl wenig Talent, ein junges Mädchen richtig zu behandeln.“ „Wenn du sie mir anvertrauen willst——. Daß ich sie wie eine Schwester liebe, brauche ich dir nicht erst zu sagen. Aber ich weiß ja vorerst selber noch nicht, wo ich mir eine Zuflucht suchen werde. Und schlitßlich wirst du doch auch wohl Bedenken tragen, sie der Obhut einer Frau zu übergeben, die sich von ihrem Manne getrennt hat.“ „Ja, ist es denn nicht deine Absicht, zu uns zurückzukehren, Helga? Ich habe es für unnötig gehalten, dir ausdrücklich zu versichern, daß mein Haus dir allezeit weit offen steht.“ „Dank für die gute Absicht. Aber davon kann selbstverständlich nicht die Rede sein. Der Leute wegen ebensowenig, als um meiner selbst willen. Du begreifst das, nicht wahr?“ Ihre Antwort schien ihn zu betrüben; aber er neigte nichtsdestoweniger zustimmend den Kopf. „Ich würde deine Entschlüsse achten, Helga, auch wo ich sie nicht verstände. Aber du mußt dir doch irgendeinen Plan für deine nächste Zukunft gemacht haben.“ „Ich werde euch nach Hamburg begleiten und dort in einem stillen, kleinen Pensionat bleiben, bis die Beisetzung vorbei ist. Darüber hinaus habe ich noch keine Pläne. Und ich möchte auch keinen Entschluß fassen, bevor ich mit Henry gesprochenzhabe.“ (Fortsetzung folgt) Einkochapparate Konservengläser „Küchenschatz“ sind Henderung der Fluchtlioie des Hasenbrinks Der durch Beschlüsse der städti schen OArnarschaftan nau. 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Zimmer Nr 14, zu Jedermann Einsicht offen. der angegebenen Ausschlußfriß bei uns angebracht werden. Herford, den 25. Juni 1913. Der Maginrat. N Bekanntmachung. Die bis Ende September 1913 anerkannten Invaliden und Rentenempfänger pp werden, behufs erneuter obermilitärärztlicher Untersuchung, der Invaliden=Prüfungs=Kommission, wie folgt vorgestellt: aus dem Bezirk des Meldeamts Bünde in Bünde am Mitt= Ebüringer Stangenkäle, woch, den 9. Juli und Donnerstag, den 3. Juli, vorm echten Emwenthaler Schweizerkäle, div. Sorten Holländer, I. vollfetten Tilliter, Ia.„ Edamer, Echter franz Gervals. Camembert, Roquefort, div. deutsche Camembeits, Kallerkäle, Frühltückskäle, Harzerkäfe, Landkäfe. 9.80 Uhr beginnend in der Wirtschaft Niemeyer, Hangbaumstr. Hopfenkäle, aus dem Bezirk des Meldeamts Herford in Herford am Freitag, den 4. Juli, Sonnabend, den 5. Juli und Montag, den 7. Juli, vorm. 8.15 Uhr beginnend in der Turnhalle— Wirt Aecker. Rllgäuer Romadourkäse, „ Delsertkäse, „ Limburger, Parmelankäle. Herforder Bank Zweiganstalt der Osnabrücker Bank Aktienkapital Mk. 14500000 Reserven Nik. 4375000 Besorgung aller in das Bankfach schlagenden Geschäfte. Hierzu wird bemerkt, daß den Beteiligten noch besondere Gestellungsbefehle durch das Bezirkskommando zugehen weiden. Soüte Schloßkäle, einem bis Ende September d. Is. anerkannten Invaliden oder große und kleine Kräuterkäse Rentenempfänger pp. ein diesbezüglicher Befehl nicht bis zum 25. 5ocs enn beete n. Juni d. Is. zugegangen sein, so hat sich derselbe umgehend beim zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden. Bad Königl. Bezirkskommando Detmold Heinr. Emmerich, Höckerstr. 13. Telefon 447. Salzuflen. . Herrschaftliche Wohnung im schönsten Villenviertel Herfords, bestehend aus 7 Zimmern, Küche, Badeeinrichtung und Zubehör zum 1. April 1914 zu vermieten. Offerten unter H. A. 6502 a d. Exp. d. Bl. erbeten. 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Juni Austlug zum vereinsmitgliede Kolon Wittenbreder, Otterheide. Abmarsch vom Vereinshause pünktlich 3¼ Uhr. Um zahlreiche Teilnahme bittet Der Vorstand Ortskrankenkasse der in den Confektions=, Zeinenund Wäschegeschäften, in der Näherei und Plätterei beschäftigten Personen. Generalversammlung Sopnabend, den 28 Juli 1915, abends 7 Uhr im Bürgerverein Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die Satzungen der neuen Reichsversicherungsordnung. 2. Verschiedenes. Richard Pilgrim, Vorsitzender. Wir verkaufen kleines Brennholz, solange Vorrat reicht zu 50 Pfg. pro Korb. Werth& Blumenthal. Nachhilfe fturden!I Erteile jetzt und während der großen Ferien zurückgebliebenen Schülern lateinischen Unterricht bis Quarta, griechischen Unterricht für Untertertia. Mäßiges Honorar. Gefl Offerten erbitte unter F. L. 6495 an die Erp. d. Bl Die Frage der Kleidwahl für die neue Saison wird am besten durch das geschmacksichere Favorit-Moden-Album, nur 60 Pfg, gelöst. 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Zollkasse zu Büren sämtliche Auftragszahlungen an Empfänger in der Stadt Büren und in allen Gemeinden des Amtes Büren und zwar in Abden, Barkhausen, Brenken, Eickhoff, Hart, Hegensdorf, Keddinghausen, Siddinghausen, Steinhausen, Weiberg, Weine und Wewelsburg zum1 Juli 1918; 2. die Königliche Zollkasse zu Warburg sämtliche Auftragszahlungen an Empfänger in der Stadt Warburg, in allen Ortschaften des Amtes Warburg und(aus dem Amtebezirke Borgholz) in den Gemeinden Daseburg, Lütgeneder, Cördecke, Rösebeck und Großeneder zum 1. Juli 1913 und..—. 3. die Königliche Zollkasse zu Wi denbrück sämtliche auftragszahlungen an Empfänger in der Stadt Wiedenbrück und in den Gemeinden Rheda, Lintel, Batenhorst, St. Vit und Langenberg zum 1. Oktober 1913 übernehmen. Minden, den 21. Juni 1913. Königliche Regierung. Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Korsten. Scheuermant Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts in Herford. In das Handelsregister, Abteilung A. ist bei der Firma Herforder Partiewarenbörse Carl Galling in Herford(Nr. 406 des Registers) am 23. Juni 1913 eingetragen worden, daß der Kaufmann Wilhelm Kenter zu Herford alleiniger Inhaber der Firma is. Geschäftsverteilung der bei dem Amtsgericht in Herford angestellten Gerichtsvollzieher. Hllkathol. Gemeinde. Sonntag, den 29. d. M., vormittags 11¼ Uhr Festgottesdienst zur Feler des 25jähr. ReglerungeJubiläume Sr Maj, des Kaisers in der Wolderus-Kapelle Der Vo stand Bekanntmachung. Nach§ 5 des Ortssatuts beir die Grundstücksentwässerung im Stadtbezirk Herford vom 5. 8 1912/22. 10. 1912 sind die Inhaber von Wohnungen oder Räumlichkeiten, die für mehr als 150 Mk. vermietet oder verpachtet sind, zur Zahlung der Gebühr für die Grund stücksentwässerung verpflichtet. Bei Wohnungswechsel erlischt die Verpflichtung zur Zahlung der Gebühr mit Ablauf desjenigen Monais, in dem die Zahlung der Miete aufhört Um= und Abmeldungen sind im Rathaus I, Elisabethür. 9 Zimmer Nr. 14 sofort nach dem Wohnungswechsel anzubringen Herford, den 28. Juni 1913 Der Maoistrat Bekanntmachung. Der Stadtausschuß hält Ferien vom 21. Juli bis 1. Sept. d. I Während der Ferien werden Termine zur mündlichen Ver handlung nur in schleunigen Sachen abgehalten. Auf den Lauf der gesetzlichen Pflichten bleiben die Ferien ohne Einfluß. Herford, den 25. Juni 1913. Der Stadiausschuß. Habe einen Posten Reste ausgelegt und gebe diese ausserordentlich billig ab. A. Middelmann, Rennstraße. Berggarten. Heute Freitag abend: 2 Liedervorträge Morgen Sonabend, abends 9 Uhr Versammlung. Der Vorstand Bekanntmachung. Verein enem. 15er Herford Unter dem Schweinebestande des Kolons Kammann in Ennigloh(Blanken), ist die Schweinepest ausgebrochen. Enniglob, den 25 Juni 1913 Die Pollzeiverwaltung Der Amtmann: Schäfe: Cohnung von 3—4 Zimmern zum 1. Okt. gesucht. Nähe Lübbertor bevorzugt. Offerten unter Nr. 6567 an die Geschäfte stelle d G. Junger Raufmann sucht möbl. Zimmer. Offerten unter M. 6557 an die Exv d. E. Freundlich möbliertes Zimmer mit Morgenkaffee sofort oder später zu vermieten Neuer Mark“ 5 Versteigerungen. Am Sonnabend, den 28. d. 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Zinsen„ 197574,08 Einnahmereste„ 41253,26 Weit des Inventars 670,— Sa M 1746475,— Passiva. Einlagen M 1586587.67 Geschäftsguthaben der Mitglieder..„ 2280.— Schulden in lausenden Rechnung bei der Ländlichen Zentroltasse....... 25910 20 Reservefonds Ende 1911.......„ 7221929 Reingewinn pro 1912 8117.57 Sa. M 1746476.— Mitgliederzugang in 1912: 16; Mitgliederabgang: 8; Mitgliederbestand Ende 1912: 456. Engerer Spar- und Darlehnskassen=Verein e. G. m. u. O. Beimfohr. Speckmann. Dreckmann. Instal. Wer einige Tausend Mark Betriebskapital besitzt und Energie mit Schaffensfreudigkeit verbunden, kann sich gute und lohnende Exinenz schaffen. Branchekenntnisse nicht erforderlich, Risico, da Cassegeschäft, ausgeschlossen. Rentabilität nachweisbar.„„„„„ Offerten unter K. 9750 an Daube& Co. Berlin SW 19. Möbl. Zimmer zu vermieten mit oder ohne Pension, auch für zwei. Bergertorste 8 Junger, kräftiger Mann, verh, sucht Arbeit in Herford oder nächster Umgebung. Derselbe war längere Jahre als Heizer u. 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Unsere Doltabonnenten, die ihr Abonnement für das nächste Vierteljahr noch nicht erneuert haben, werden hierdurch gebeten, dies umgehend nachzuholen und zu diesem Zweck untenstehenden Bestellzettel nebst Abonnementsbetrag dem zuständigen Briefträger oder Doftamt zu übergeben. Nur bei sofortiger Abonnementserneuerung kann darauf gerechnet werden, daß beim Quartalswechsel in der In stellung keine Unterbrechung eintritt. Für das 5. Vierteljahr 1913 bestellt Her per 100 Kilo Frachtparität frei Waggon Dortmund per 100 Kilo inel. Sack parität frachtfrei Doitmund Obige Quittung. Mark Pfg. sind heute richtig bezahlt. VIS. Post=Annahme.