Das„Herforder Kreisblatt“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Vierteljährlicher im voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch die auswärtigen Betriebsstellen bezogen 1 M. 65 Bei Selbstabhotung aus der Geschäftsstelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 50 Pf. Herforder Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pj. auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Petitzeile berechnet. Etwaiger Ravatt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Ferd. Etzmann in Herford, Für den übrigen Teil: Fritz Heidemann in Hersord. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Nr. 125(enthält 12 Seiten.) Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Verlag von Fritz Heidemann in Herford Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Sonnabend, den 31. Mai 1913. Der Friede am Balkan. Gestern mittag ist in London— wie wir noch in einem Teil der Freitagsnummer mitteilen konnten— das Präliminar=Friedensprotokoll zwischen der Türkei und den Staaten des Balkanbundes unterzeichnet. Es ist zu hoffen, daß der endgültige Friede damit gesichert wurde. Die K. Z schreibt zu dem Ereignis: Unwillkürlich entringt sich dem Mitteleuropäer ein Seufzer der Erleichterung, und man wird Sir Edward Grey dankbar dafür sein, daß ihm nach langdauernder höflicher Zuvorkommenheit endlich in den letzten Tagen die Geduld gerissen ist und er die Vertreter der Balkanverbündeten in London mit nackten Worten vor die Wahl gestellt hat, entweder den Frieden zu unterzeichnen, oder dem Saint James's=Palast den Rücken zu kehren. Als man die erste Nachricht von dieser kräftigen Sprache vernahm konnte man kaum hoffen, daß sie so rasche und gute Wirkung tun würde, war man doch nachgerade an die Hinterhältigkeit und die Winkelzüge der Balkandiplomaten gewöhnt worden. Damit hat das kriegerische Vorgehen der Balkanvölker gegen das Osmanische Reich nach siebenmonatiger Dauer ein Ende. Zu Beginn des Oktobers 1912 brachen die Montenegriner, Bulgaren, Serben und Griechen los, zur Befreiung, so hieß es, der christlichen geknechteten Untertanen des türkischen Reichs. Einmütig schienen sie, und von einem großen Plan geleitet schien das ganze Unternehmen. An die Stelle der osmanischen Herrschaft in Europa sollte ein großer Bundes= und Einheitsstaat der christlichen Völker treten Und um dieses angeblichen Zieles willen errang sich der Balkanbund mancherlei Sympathien im übrigen Europa. Das Antlitz, mit dem sich heute der Balkanbund uns darstellt, wenn überhaupt noch von einem solchen zu reden ist und dieses Wort nicht nur gewissermaßen als Abkürzung für die langen Namen der vier Staaten gebraucht werden soll, hat sich wesentlich geändert. Es ist zu Beginn des Krieges schon darauf hingewiesen worden, daß die so herausfordernd zur Schau getragene Einigkeit dieser Staaten nur als eine Einigkeit ad hoc anzusehen wäre. Die letzten Wochen haben die Quittung über diese Rechnung gebracht. Eine Ländererwerbsgemeinschaft, so nannten wir damals den Balkanbund, deren Glieder sich gegeneinander kehren würden, wenn das erste Geschäft erledigt sei. Es hat nicht einmal so lange gedauert, um diese Auffassung zu bestätigen: der Riß im Bunde hat sich viel früher gezeigt, und daß der Friede jetzt unterzeichnet worden ist, hat neben den kräftigen Worten Greys den Grund, daß die Stunde der Abrechnung untereinander früher zu schlagen beginnt, als die Balkanvölker zu Beginn ihres Unternehmens selber wohl ahnten. Keine Einheit, keine Gemeinsamkeit ist mehr da, nur Haß und Neid und Feilschen um die Beute. Der Friede ist geschlossen: Bulgariens Drohung, bei längerm Zögern einen Sonderfrieden abzuschließen, hat nicht wahrgemacht zu werden brauchen: die kleinern Brüder haben dem ältern nachgegeben. Der Grund dafür ist, daß bei allem herausfordernden Wesen die Griechen und Serben doch wohl nicht wagen, es jetzt auf einen Waffengang mit Bulgarien ankommen zu lassen. Die Entscheidung zu diesem Nachgeben aber dürfte, wie wir Grund haben anzunehmen, die veränderte Stellung Rumäniens gegeben haben. Noch vor kurzer Zeit schien ein Bruch zwischen Bulgarien und Rumänien unvermeidlich. Jetzt ist der Streit um Silistria endgültig und zu gegenseitiger Zufriedenheit entschieden. Welche Stellung wird Rumänien in dem Kriege der Balkanvölker untereinander einnehmen? Das ist die Frage, die in den letzten Tagen Serbien und Griechenland sich haben vorlegen müssen. Die Tatsache, daß die nachgegeben haben, die noch gestern unnachgiebig schienen, gibt die Antwort: sie fällt aus zugunsten Bulgariens. Durch die Entscheidung Rumäniens, nicht gegen Bulgarien aufzutreten, sind die Serben und Griechen bestimmt worden. nachzugeben und den Frieden zu unterzeichnen. Das aber ist wohl auch nur das Vorspiel zu einem endgültigen Nachgeben Serbiens und Griechen lands Bulgarien gegenüber. der Berechtigte noch nicht in den Rentenbezug eingetreten ist. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Dann entspann sich eine eingehende Debatte über die Frage der Steuerfreiheit der Fürsten. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt die ausdrückliche Einbeziehung der Fürsten in das Gesetz. Der Schatzsekretär erwiderte, die rechtliche Steuerfreiheit der Fürsten stehe außer Zweifel. Man könne auch sachliche Gründe für die Steuerfreiheit anführen, denn das Vermögen der Fürsten werde vielfach im Interesse der Allgemeinheit verwendet. Aber dies komme nicht in Betracht, da die Fürsten tatsächlich aus eigenem Antriebe sich bereit erklärt haben, den Vorschriften des Gesetzes entsprechend einen freiwilligen Beitrag zu entrichten. Er habe guten Grund zu der Annahme, daß dabei nicht kleinlich verfahren werde und eine Abrundung jedenfalls nicht nach unten hin erfolge. Materiell sei es also ohne jede Bedeutung, weitere Bestimmungen zu treffen. Rechtlich würde übrigens gerade durch die ausdrückliche Anführung der Fürsten die sonstige Steuerfreiheit der Fürsten anerkannt. Für die nichtregierenden fürstlichen Häuser stehe die Steuerpflicht fest. Der Staatssekretär —. Reichsjustizamts bestätigt diese Ausführungen vom juristischen Standpunkt aus. Das Zentrum schien der Auffassung der Regierung nicht beizustimmen. Ein Volksparteiler wandte sich ebenfalls gegen die Auffassung der Regierungsvertreter, die im Widerspruch stehe mit der Auf fassung des preußischen Ministers, daß die ausdrückliche Fest stellung der Steuerfreiheit im Gesetz notwendig sei. Der „Vertragswille“ könne nicht maßgebend sein, denn er müßte schriftlich niedergelegt werden. Er geve zu, daß ein Teil des fürstlichen Vermögens eine Art Aufwandsvermögens für Repräsentationszwecke darstelle. Dem entspreche der Antrag seiner Partei, wonach das der Repräsentation wie der Kunstpflege dienende Kronvermögen nicht beitragspflichtig sein soll. Ein Nationalliberaler hielt es nicht für zweckmäßig, bei dieser Frage die ganze staatsrechtliche Frage aufzurollen. Wesentlich sei ihm das Materielle, daß, wie auch immer das Gesetz werde, die Fürsten sich den Bestimmungen unterwerfen. Der Staatssekretär erklärte, es solle nach den Grundsätzen des Gesetzes bei den Bundesfürsten ver fahren werden, aber nicht in dem Sinne, daß etwa die Auf nahme des Vermögens von denselben Personen und nach den Bestimmungen des Gesetzes erfolge.„Nach Maßgabe der Gesetzesbestimmungen“ bedeute nach Maßgabe der Bestim mungen des publizierten Gesetzes. Der Staatssekretär des Reichsiustizamtes begründete darauf nochmals eingehend seine Auffassung. Der österreichische Generalstabsoberst als Hochverräter. in der Lage, weitere wichtige Nachrichten zu liefern, und wurde dazu durch die Drohung der Preisgabe des Geheimnisses gezwungen. Es fiel auf, daß lediglich geplante Maßnahmen von Rußland schon durch Gegenzüge beantwortet wurden. In dem kleinen Kreis der Eingeweihten befand sich auch Redl. Er war inzwischen durch gesteigerter Aufwand verdächtig geworden. Er soll im vergangenen Winter 100 000 Kronen bezogen haben und lebte überaus verschwenderisch, hielt zwei Automobile, veranstaltete Champagnergelage usw. Als Quelle seiner vermehrten Mittel bezeichnete er wenig glaubwürdig eine kleine Erbschaft. Redls verbrecherische Tätigkeit wird in ihren Einzelheiten wohl erst im Laufe der Zeit bekannt werden. Klar liegt bis jetzt, daß Redl erst ganz kürzlich die österreichischen Mobilmachungspläne für Galizien an Rußland verschachert hat, also ungefähr das wichtigste, was der russische Generalstab für seine Maßnahmen während der letzten Krise brauchte. Die Grenze Rußlands gegen Oesterreich ist bekanntlich fast durchweg offen und weist für die russische Strategie außerordentliche Schwierigkeiten auf. Neben der vielfach russenfeindlichen polnischen Bevölkerung ist es vor allem die Gestaltung der Bodenoberfläche, die glatt und eben weit in fremdes Gebiet hineinragt, und dadurch die Möglichkeit gewährt, die russischen Truppen von mehreren Seiten zu gleicher Zeit anzugreifen. Immer muß Rußland damit rechnen, daß es neben gleichzeitigem Angriff in der Front auch von Süden her durch österreichische Heere umfaßt wird. Der russische Aufmarsch beansprucht ferner bei der Weitmaschigkeit des Bahnnetzes und den gewaltigen Raumverhältnissen sehr beträchtliche Zeit. Aus diesem Grunde muß Rußland seine Heere längst vor Ausspruch einer Kriegserklärung im stillen unter harmlosen Vorwänden teilweise auf Kriegsfuß setzen und diesen versteckten Aufmarsch durch seine verstärkte Grenzwache schützen, die gegen Oesterreich und an der übrigen europaischen Grenze stets 24 mobile Brigaden stark ist. Um diese heimliche Mobilmachung ohne großes Aufsehen und ohne nachträgliche Verschiebungen und auffallende Verstärkungen ins Werk zu setzen, bedarf die russische Strategie der genauen Kenntnis der österreichischen Stellungen in Galizien. Hier hat Redls Tätigkeit eingesetzt. Er hat den Russen alle Bewegungen in den galizischen Festungen Oesterreichs, alle Neuformationen und Verstärrungen, ja auch alle Pläne für einen etwaigen Kriegsaus bruch mitgeteilt. Und so kam es, daß jeder österreichische Schachzug, noch ehe er vollständig ausgeführt war, auf russischer Seite einem prompten Gegenzug gegenüberstand, was man sich in Wien so lange nicht erklären konnte, bis die Auf ### der Redlschen Machenschaften des Rätsels Lösung Der Wehrbeitrag in der Budgetkommission. Sitzung vom 30. Mai. Es wurde festgestellt, daß die in der Presse veröffentlichte Bennlboill falten. Tir Jy W r. Un Uen Trpers mogen“ definieren, wurden ohne Erörterung angenommen. Zum§ 5, der das Kapitalvermögen behandelt, lag ein fortschrittlicher Antrag vor, der in der Form angenommen wurde, daß es heißen soll: bares Geld, Banknoten und Kassenscheine, ausgenommen die aus den laufenden Jahreseinkünften vorhandenen Bestände, soweit sie zur Bestreitung laufender Ausgaben dienen, werden zum Kapitalvermögen gerechnet. Ein weiterer Antrag der Volkspartei ging dahin, daß als Kapitalvermögen auch in Betracht kommen sollen: noch nicht fällige Ansprüche auf Lebens= und Kapitalversicherungen oder Rentenversicherungen, aus denen Wien 30. Mai. Das ungeheure Aufsehen, das der Fall Redl erregt, findet in den Artikeln der heutigen Morgenblätter starken Ausdruck. Die Erregung ist um so größer, als in diesem glänzenden Vertreter des Militärorganismus dieser selbst bloßgestellt erscheint. Man fragt sich, wie es möglich war, daß die Verräterei eines so hochgestellten Mannes solange unentdeckt bleiben konnte, und ob nicht doch die Prüfung und Beobachtung der Vertrauensmänner der leitenden Stellen des Heeres von den obersten verantwortlichen Behörden zu wenig gnndlich vorgenommen wird. Die menschliche Seite des Falles läßt freilich erkennen, daß Redl lediglich durch die Folgen seiner unnatürlichen Leidenschaft zum Landesverräter geworden und in eine Lage gedrängt worden ist, der seine Charakterstärke nicht gewachsen war. Den Verlauf dieser unheilvollen Entwicklung schildert am besten das Fremdenblatt. Danach wurde Redl zwei Jahre nach der Ernennung zum Hauptmann im Generalstab zum Studium der Spionage= und Gegenspionage=Organisation berufen. Während dieser Verwendung lernte er im Kaukasus Russisch. Er wurde zu einem der besten Kenner der zahlreichen Wege, die aus ausländischen Generalstabsbureaus nach Oesterreich=Ungarn führen, und der spionierenden oder spionageverdächtigen Personen. 1900 kam er in das Nachrichten=(Evidenz=) Bureau des Generalstabs und blieb hier mit einer Unterbrechung sieben Jahre. Damals leistete er als militärischer Sachverständiger in Spionageprozessen glänzende Dienste, in diese Zeit fällt aber auch der Anlaß zu seiner Landesverräterei. Sittliche Verfehlungen, deren er sich als etwa 30jähriger Mann schuldig machte, lieferten ihn den Erpressungen seiner Mitschuldigen aus, auch einer seiner Burschen, der sich vor einiger Zeit in Prag ertränkte, soll an ihm Erpressungen begangen haben. Dadurch geriet er mmer tiefer in Schulden und in die Gefahr, aus seiner glänzenden Laufbahn geschleudert zu werden. In dieser Gemütsverfassung erlag er der Versuchung der russischen Spionageagenten, für die er als Offizier des Nachrichtenbureaus und gerade zur Zeit der Annexionskrise als dessen stellvertretender Leiter ein überaus wertvoller Spion war. Nach einem Zwischendienst als Bataillonskommandeur wurde er im vorigen Jahre Generalstabschef des 8. Korps in Prag. Er war nunmehr .# schreibt; 14 Jayre, so heißt es, hat Oberst Redl die wichtigsten Geheimnisse der Landesverteidigung die nur wenigen Auserwählten überhaupt bekannt werden. einem fremden Staat ausgeliefert, nur um schnöden Geldgewinn. Ein Sklave niederster Lüste wußte er keinen andern Weg, sich die Mittel zu ihrer Befriedigung zu beschaffen, als Verrat an seinem Kriegsherrn und seinem Vaterland. Als er erst einmal diese Bahn beschritten hatte, gab es kein Zurück mehr, er wurde immer weiter vorwärts getrieben und mußte in einem Augenblick, wo der Krieg auf des Messers Schneide stand, das willenlose Werkzeug der Menschen bilden, die ihn in ihre Klauen zu ziehen gewußt hatten. Der österreichisch= ungarische Generalstab gilt als ein ganz ausgezeichnetes Korps, dem anzugehören das Ziel des brennendsten Ehrgeizes ist. Außerst scharf sind die Anforderungen, die an die wenigen Offiziere gestellt werden, die in ihn berufen werden ihre Fähigkeiten werden immer wieder auf die Probe gestellt, und die rasche Beförderung muß durch angestrengteste Arbeit errauft werden. Man konnte im österreichisch=ungarischen Heer wohl manchmal die Ansicht aussprechen hören, daß leicht die Träger des grünen Waffenrocks und des Hahnenfederbusches geneigt seien, sich der wahren Kameradschaft zu entfremden, den Zusamenhang und das Verständnis für die Aufgaben des Frontoffiziers zu verlieren und eine Kaste für sich auszumachen, aber niemals ist der Gedanke aufgetaucht es könne auch nur die entfernte Möglichkeit bestehen, daß ein Generalstabsoffizier seine Dienstpflicht, seinen Treueid mit Füßen treten, seine Ehre so in den Kot ziehen könne, wie es Oberst Redl getan hat.———.— In Österreich bildet gegen den Hader der Nationalitäten das Offizierkorps den eisernen Ring, der die widerstreitenden Reichsteile zusammenhält, und es gewann die Kraft dazu aus der unerschütterlichen Anhänglichkeit an seinen Kriegsherrn, der in glorreicher Vergangenheit ihm ein leuchtendes Vorbild aller Soldatentugenden gewesen war. Man könnte sagen, das Offizierkorps ist habsburgisch, an seinen Kaiser und König durch Bande gefesselt die ein mittelalterliches Treuverhältnis darstellen. Und nun wut der Ehlenrock mit widerlichem Unrat befleckt. Dem Ausländer steht es nicht zu, eine Prüfung anzustellen, ob nicht längst diese Eiterbeule hätte ausgeschnitten werden müssen, in einem solchen Augenblick kann es sich für uns in Deutschland nur darum handeln, den treuen Kameraden unseres Offizierkorps zu versichern, daß wir aus dem gemeinen Verbrechen eines Einzelnen keinerlei unzutreffende Schlüsse auf die tadellos dastehende Gesamtheit ziehen. Jeder großen Körperschaft liegt es einmal ob, ein schlechtes Element zu beseitigen, die unerbittliche Schärfe, mit der es geschehen ist, zeigt am besten, daß an der Donau ein guter Geist herrscht. Daß diese Auffassung in dem verbündeten Deutschland und vor allem in seinen Offizierkorps maßgebend ist, davon kann man in Österreich=Ungarn überzeugt sein. Politische Rundschau. Berlin, 30. Mai. Die Jugendgerichtskommission des Reichstages führte heute ihre Beratungen zu Ende. Bei dem besonders strittigen Paragraph 2 einigte man sich, daß, soweit ein Bedürfnis besteht, besondere Abteilungen(Jugendgerichte) gebildet werden. Zu Schöffen sind Personen zu berufen, die in der Jugend erziehung besonders erfahren sind. Im weitern Verlaufe der Sitzung wurde der Rest des Gegenentwurfes entsprechend den Kompromißanträgen der sämtlichen bürgerlichen Parteien angenommen. Kinderschutzgesetzkommission. Die Kom mission zur Vorberatung eines Gesetzes über das Verbot der Herstellung und des Verkaufs von Kindersaugflaschen mit Rohr und Schlauch beriet heute über den§ 1 des Gesetzes. Die Zentrumsmitglieder waren geteilter Auffassung, die übrigen Parteivertreter mit Ausnahme der Konservativen waren der Ansicht, daß das Gesetz in dieser Fassung unan nehmbar sei. Die Abstimmung wird in der nächsten Sitzung vorgenommen. Bundestag der deutschen Post= und Telegraphenarbeiter. Die heutige Hauptsitzung, der als Vertreter der Staatssekretär des Reichspostamts Postrat v. Kirchen beiwohnte, nahm nach dem Referat des Bundesvorsitzenden Valenthin=Berlin eine Reihe von Resolutionen und Anträgen an.. In einer Entschließung spricht der Bundes tag die zuversichtliche Erklärung aus, daß in Bälde eine all gemeine Lohnerhöhung gewährt werden möge und daß eine Berechnung der Arbeiter= und Handwerkerdienstjahre auf das Besoldungs= und Pensionierungsdienstalter ermöglicht und unverzüglich erfüllt würde. In weiteren Resolutionen wird die Verkürzung der Arbeitszeit und die Umgestaltung der Tagelöhne verlangt. Der Landtag für Elsaß=Lothringen wurde heute durch kaiserliche Verordnung geschlossen. Oesterreich. Wie die Allg. Ztg. erfährt, wurden vor einigen Tagen in Wien drei Personen unter Spionageverdacht verhaftet. Die Verhaftung weiterer Personen steht be vor. Der Majorauditor Worlitschek, der die Untersuchung leitet, soll auf die Spur einer Mittelsperson gekommen sein, die durch Redl schwer kompromitiert ist. Ihre Verhaftung soll in Kürze bevorstehen. England. Bei einem Festmahl in London sagte in seinem Toast auf den König Botschafter Fürst Lichnowsky, er freue sich über die Gelegenheit, aussprechen zu können, wie herzlich die englischen Majestäten nicht nur von der kaiserlichen Familie, sondern auch vom ganzen deutschen Volk ohne Unterschied der Parteien und Klassen empfangen worden sei. Der großartige Erfolg des Besuches des Königs und der Königin beweise wiederum, wie unbegründet und irrig die Gerüchte von einer unfreundlichen Stimmung in Deutschland seien. Der Besuch sei als ein neues Zeichen der bestehenden Sympathien zwischen den beiden Höfen gewürdigt worden. Er habe einen tiefen und freudigen Eindruck hinterlassen und würde als ein neues Zeichen des friedlichen Zusammenwirkens in der Erinnerung bleiben. Der Botschafter betonte, daß die Presse sehr zu dem Erfolg des Besuches beigetragen habe. Das britische Publikum habe durch sie erfahren, wie der Besuch der englischen Majestäten sich ganz natürlich von einem hohen Familienfest zu einem Ereignis entwickelt habe, an dem die ganze deutsche Nation ein lebhaftes und sympatisches Interesse genommen habe. Der Vorsitzende Spender brachte dann ein Hoch auf den deutschen Kaiser aus, das be geistert ausgenommen wurde. Italien. Der„Corviere della Sera“ meldet aus Neapel, daß die italienische Königsjacht„Trinacria“ nach Kiel abgegangen ist. Der König Viktor Emanuel fährt mit der Bahn nach Kiel und begibt sich von dort, durch zwei italienische Kriegsschiffe geleitet, zum Besuch des Königs Gustav von Schweden nach Stockholm. Auf der Rückreise von Schweden trifft er mit Kaiser Wilhelm zusammen. Spanien. Das Kabinett Romanones ist zurück getreten. Derkanadische Senat hat die Flottenvorlage der Regierung abgelehnt. Aus der Provinz und den Nachbarländern Herford, 31. Mai. Wetterwarte. 8 Uhr früh Barometer 759 Millimeter. Thermometer+ 19. Dunstig Südostwind.— Gestern war der höchste Thermometerstand in der Stadt 29, in den Feldmarken 28,02. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen Nach weiterem Gewitterregen wechselnde Bewölkung und Abkühlung. Apotheken-Sonntagsdienst: Altstädter Apotheke Herford, 31. Mai. Zur Landtagswahl. Eine gestern in Bielefeld stattgefundene, stark besuchte Wahl männer=Versammlung der nationalliberalen Partei aus Bielefeld=Stadt und=Land hat, im Einverständnis mit ihren Parteifreunden aus Herford=Halle, einstimmig beschlossen, als Gegenleistung für die konservative Unterstützung von Landwirt Meyer zu Jerrendorf sofort im ersten Wahlgange für den konservativen Malermeister Lieneweg zu stimmen dagegen wurde, ohne Gegenleistung, die Wahl des christlich sozialen Kandidaten abgelehnt.— Die Aufstellung des Kan didaten für das dritte Mandat bleibt den Beschlüssen der Parteimitglieder aus Herford=Halle vorbehalten, deren Verhandlungen mit der Fortschrittlichen Volkspartei noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Herford, 31. Mai. Westf. Provinziallandtag. Der Bericht über die gestrige Sitzung befindet sich im dritten Blatt. Herford, 31. Mai. Gewitterbildungen waren gestern abend rundum am Horizonte zu beobachten. Überall ohte Wetterschein, am heftigsten im Westsüdwesten. Gegen Mitternacht kam denn auch dort ein Wetter hoch, zog aber mit ernem Grollen an unsern Fluren vorbei, sie nur erquickend mit willkommenem Naß. Herford, 31. Mai. In Brinkmanns Konzert„arten werden gegenwärtig umfassende Vorbereitungen ür eine große Gartenfestwoche getroffen. Überall werden auschige Nischen eingebaut, Rondele angelegt, Veranden erbreitert und anderes mehr hergestellt, so daß der hübsche Garten sich jedenfalls von einer ganz neuen, aber ebenso chönen, wie eigenartigen Weise präsentieren wird. Was diese Gartenfestwoche sodann an musikalischen und sonstigen Genüssen und Überraschungen bringen wird, geht aus dem Inserat und den einzelnen Tagesanzeigen hervor, die wir der Beachtung unserer Leser bestens empfehlen. Herford, 31. Mai. Unfall. Als gestern in Bielefeld ein hiesiger Kaufmann mit seinem Rade in der vorschriftsmäßigen Weise eine Straßenecke nahm, kam ihm eine Droschke entgegen, die falsch fuhr. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem dem Radfahrer durch die Deichsel des Gespanns mehrere Rippen eingeknickt wurden, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Herford, 31. Mai. Gutabgelaufen. Am Hellerweg kletterte gestern ein Junge auf ein Milchfuhrwerk, als der Milchhändler in eine Wohnung gegangen war, um seine Ware abzusetzen. Der Gaul des Gespanns zog an, und nun suchte der Knabe sich durch einen Sprung vom Wagen in Sicherheit zu bringen. Er kam jedoch zu Fall, und das Hinterrad des Wagens ging ihm über Schulter und Nacken. rotzdem trug er keine Verletzungen davon, schrie nur vor Schreck auf und rannte davon. Herford, 31. Mai. Festgenommen wurde durch die Kriminalpolizei ein von der Kgl. Amtsanwaltschaft Bieefeld wegen Unterschlagung gesuchter Mann und dem Kgl. Amtsgericht hier zugeführt. Löhne Ort, 30. Mai. Gedenkstein. Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers hat der hiesige Turnverein auf dem Vorplatze der Schule einen Jahn=Gedenkstein errichtet, dessen Einweihung am nächsten Sonntag tattfindet. Mehrere auswärtige Turnvereine haben ihre Teilnahme zugesagt. Löhne, 30. Mai. Servisklasse. In einer Versammlung der am Bahnhof Löhne stationierten Unterbeamten wurde einstimmig beschlossen, sich petitionierend an das Ministerium zu wenden mit der Bitte, die Ortschaft„Bahnhof Löhne“, welche der niedrigsten Ortsklasse angehört, in eine höhere Klasse zu versetzen. Die Petition soll damit begründet werden, daß die Mietspreise für Wohnungen andauernd gestiegen sind und die Lebensmittelpreise hier ebenso soch sind, wie in den Nachbarstädten, die einer höheren Orts lasse angehören. Die zuständigen Abgeordneten des Wahl reises sollen um Unterstützung des gewiß begründeten An trages gebeten werden. Salzuflen, 30. Mai. Auszeichnungen. Der Furst verlieh aus Anlaß seines Geburtstages folgende Auszeichnungen: Dem Ratsdiener Emil Böhne die Lippische Verdienstmedaille, dem Lehrer Otto Imker das Kreu, zum Leopold=Orden, den Salzsiedern Heinrich Eggert und Ludwig Hüls die Lippische Verdienstmedaille, der Badefrau Marie Deppe von hier für langjährige treue Dienste eine Anerkennungsurkunde. Salzuflen, 31. Mai. Die Bade=Verwaltung hatte gestern zur Feier des Geburtstages des Fürsten Leopold dem Publikum freien Zutritt zum Kurpark gestattet. Aus nah und fern waren denn auch Hunderte von Besuchern eingetroffen, um der prächtigen Illumination des Parksees und dem großartigen Feuerwerk beiwohnen zu können. Das im Kurhaus stattgefundene Festessen verlief glänzend und etwa 70 Herren nahmen daran teil. Salzuflen, 31. Mai. Interessantes Gastspiel. Am 3. Juni treten einige der besten Kräfte des Königlichen Balletts vom Königl. Hoftheater in Hannover hier auf.„In einer Reihe charakteristischer Tänze ist die Königl. I. Solotänzerin und Prima ballerina, Fräulein Henni Lebeling eine der hervorragendsten Tanzkünstlerinnen ihres Faches zu bewundern. Neben Anmut und Grazie, verbindet Frl Lebeling in all ihren Ausführungen eminente Spitzenkraft und Leidenschaft zu einem harmonischen Ganzen. Auch die Leistungen der Damen: Frl. Gustel Kiepel, Frl. Mimi Herrmanns, Frl. Agnes Günthel und Frl. Martha Hünsing junger und talentvoller Kgl. Tänzerinnen des Ensembles werden viel Geschmack in ihren eleganten Tänzen zeigen Geleitet wird das Gastspiel von dem Kgl. Ballettmeister und Choreographen Herrn Willy Strigel, welcher sich auch als einer der gewandtesten Solotänzer, in der Theaterwelt Deutschlands, wie des Auslandes einen Namen erworben hat. Den orchestralen Teil führt die Fürstliche Kurkapelle aus.— Karten zu 1,50 und 1 M sind an der Theaterkasse und bei Hoflieferant Uekermann zu haben.— Das I. Künst lerkonzert und zugleich Richard Wagner=Gedächtnis=Feier findet am 10. Juni statt.“ Detmold, 30. Mai. Der Fürst hat dem Reichstags abgeordneten Dr. Neumann=Hofer den Professortitel ver liehen. Bielefeld, 30. Mai. Zum 22. Westfälischen Bundesschießen in Bielefeld wird mitgeteilt, daß der Regierungspräsident v. Borries für Sonntag und der Oberpräsident Prinz Ratibor für Montag ihren Besuch des Festes angekündigt haben. Oeynhausen, 30. Mai. Im I. Künstlerkonzer wirkte der berühmte Kgl. Kammersänger Feinhals=München als Solist. Er fesselte die Zuhörer ganz besonders durch die glänzende und vollendete Wiedergabe des Bajazzo=Prologs und durch die Arie aus Hans Heiling:„An jenem Tag“ Der Sänger wußte besonders die dramatischen Stellen hin reißend zu gestalten und entwickelte dabei Töne von seltener Kraft in herrlichem Glanz. Er dankte nach stürmischem Beifall mit dem Ständchen aus„Don Juan". Das Orchester brachte unter der vortrefflichen Leitung des Mus. Ladewig die Paukenschlag=Symphonie, das Vorspiel zu Hans Heiling und die Leonoren=Ouvertüre 3 zur Auf ührung und erntete damit starken und wohlverdienten Beifall. Recklinghausen, 30. Mai. Der Mörder Nowack hat jetzt ein Geständnis abgelegt. Nach seiner Angabe ist er mit einer Frau von Scherlebeck zunächst nach Harlem in Holland gereist und von dort am 7. Mai zunächst zurückgekehrt. Die Nacht zum 8. Mai verbrachte das Ehepaar im Oberhausener Wartesaal, angeblich, weil Nowack beabsichtigte, auf der Zeche Konkordia Arbeit zu suchen. Auf dem Wege dorthin gingen die beiden durch den Grafenbusch, wo sie am Grabenrand frühstückten. Nowack stellt die Sache so dar, als ob während des Frühstücks zwischen seiner Frau und ihm eine Eifersuchtsszene stattgefunden hätte. Durch spitze Redensarten sei er derart in Wut gebracht worden, daß er der Frau die Kehle zugedrückt habe. Frau Nowack suchte sich zu wehren und griff mit der einen Hand, in der sie ein rotes Taschentuch hielt, nach der Hand ihres Mannes, um sich zu befreien. Nowack hielt die Hand aber fest und drückte das Taschentuch so lange auf ihren Mund, bis sie tot war. Nach vollbrachter Tat eilte er schreckerfüllt nach Osterfeld und fuhr von dort nach Hause. Die Schwester der ermordeten Frau ist an der Tat nicht beteiligt gewesen. Sie ist, wie der Duisburger Generalanzeiger meldet, bereits aus der Haft entlassen worden. Borken, 30. Mai. Erschossen. Heute früh wurde die Ehefrau des Ackerers P. in der Feldmark, an einem Waldrande sitzend, tot aufgefunden. Die Leiche wies eine ganz durch den Kopf gehende Schußwunde auf. Ob ein Verbrechen oder Unglücksfall vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Anscheinend liegt jedoch ein Unglücksfall vor. Die Getötete war mit Kühehüten beschäftigt, und man nimmt an, daß bei Ausübung der Jagd ein verirrter Schuß der Frau den Tod gebracht hat. Bracht, 29. Mai. Fünf Personen vom Blitz gerroffen. Bei einem hier niedergehenden Gewitter wurden fünf Frauen, die Feldarbeiten verrichteten und sich zum Kaffee niederließen, vom Blitz getroffen. Ein junges Mädchen, das den Kaffee brachte, wurde getötet, die übrigen Personen wurden betäubt und kamen mit geringen Brandwunden davon. Barmen, 30. Mai. Vermächtnis. Der Rentner Johannes Stiefelhagen, der vor kurzem in Hamm i. W. starb, hat der hiesigen evangelischen Gemeinde Unterbarmen 50000 A vermacht. Aus den Zinsen dieses Betrages sollen ältern, nicht vermögenden Frauen besserer Stände Wohnungsgelder gewährt werden. Der Stadt Barmen hat Stiefelhagen 3000 A zur Verschönerung und Pflege des Hardtbusches überwiesen. Duisburg, 30. Mai. Ehedrama. In einem Hause an der Emmericherstraße zu Meiderich fand man heute morgen die Ehefrau des Bergmanns Str. mit durchschnittener Kehle tot auf. Als die Polizei im Keller erschien, wurde aus dem Dunkel ein Schuß auf sie abgefeuert. Die Polizei feuerte in der Richtung und fand dann den Ehemann Str mit einem Schuß im Kopfe schwer verletzt auf. Man nimmt an, daß er der Mörder seiner Frau ist; die Tat dürfte eine Folge des leidigen Kostgängerwesens sein. Moers, 30. Mai. Wertzuwachssteuerprozeß um 40 000 M. Von der Bestimmung des Wertzuwachssteuergesetzes, wonach die vor dem 1. Januar 1911 getätigten Eigentumsübergänge von der Steuer befreit bleiben, wollten auch Grundbesitzer profitieren, die ihre Grundstücke gemeinsam im Dezember 1910 für einen schönen Preis an die Gewerkschaft„Wilhelmine Mevissen“ verkauften. Merkwürdigerweise passierte dem amtierenden Notar bei der Abfassung des Kaufvertrages das Versehen, nur drei der Besitzer aufzuführen. Aus diesem Grunde beanstandete der Grundbuchrichter die Auflassung des Kaufaktes und im Dezember 1911 wurde dann ein berechtigter Kaufakt getätigt. Das Zuwachssteueramt veranlagte hierauf die vier Grundbesitzer zu 39399 M Zuwachssteuer und erklärt auf ihren Einspruch, daß der Eigentumsübergang erst im Jahre 1911 erfolgt sei und demnach die Bestimmungen über die Steuerbefreiung nicht mehr zutreffen. Die Grundbesitzer klagten hierauf beim Bezirksausschuß, erzielten jedoch keinen Erfolg, denn der Bezirksausschuß entschied heute, daß die Klage abzuweisen sei, weil die Heranziehung zur Steuer zu Recht erfolgt sei, denn erst durch den berechtigten Kaufakt vom Dezember 1911 sei der Eigentumsübergang vollzogen worden. Zur Lohnbewegung im Malergewerbe wird uns von der Geschäftsstelle des Gau II(Rheinland und Westfalen) des Arbeitgeberverbandes für das Malergewerbe Sitz Barmen geschrieben: Der Protest gegen die Abstimmung über Annahme der Berliner Schiedssprüche ist vom Hauptvorstande abgelehnt worden. Der Vorstandsrat des Gau II, dem sämtliche 50 Ortsgruppen in Rheinland und Westfalen angehören, hat in der am Donnerstag, den 29. d. M. in Düsseldorf stattgehabten Sitzung beschlossen, die Abstimmung über die Annahme oder Ablehnung der Schiedssprüche vorläufig auszusetzen, um den Mitgliedern Gelegenheit zu geben, die Tragweite dieser Beschlüsse in aller Ruhe zu übersehen. Während dieser Zeit bleibt es bei den bisherigen Beschlüssen, daß die Sperre aufgehoben wird und die Arbeitnehmer unter dem vom Gau II herausgegebenen Tarifschema arbeiten können. In diesem Tarifschema ist auch eine der historischen Entwicklung folgende Lohnerhöhung von 1 Pfg. pro Stunde und pro Jahr vorgesehen. Aus Velbert wird uns mitgeteilt, daß dort die Gehilfenschaft am Mittwoch, den 28. d. M., vollzählig und bedingungslos die Arbeit wieder aufgenommen hat. Aus freien Stücken haben auch hier die Arbeitgeber, der Parole des Gauvorstandes folgend, 1 Pfg. pro Stunde und pro Jahr zugelegt. Insbesondere waren es die verheirateten Arbeitnehmer, die sich von den Agitatoren der freien sozialdemokratischen Gewerkschaften nicht länger an der Nase herumführen lassen wollten. Zahlreiche Austritte aus den Gewerkschaften ist allenthalben die Folge. Letzte Drahtnachrichten. Berlin, 31. Mai. Über die gestrige Rede des Reichskanzlers sagt die Post: Wenn etwa hier und da aus den vorsichtigen Außerungen des Kanzlers geschlossen werden sollte, er sei im Begriff, in der Frage der sogenannten Ausnahmegesetze einen Rückzug anzutreten, so halten wir diese Auffassung für durchaus irrig und unhaltbar.— Die Rundschau erklärt, daß der größte Teil der Nationalliberalen gegen die elsaß=lothringischen Anträge sei, nur ein kleiner Teil der Fraktion werde für diese Anträge stimmen. Das Zentrum, die fortschrittliche Volkspartei, die Polen, die Elsässer und die Sozialdemokraten seien unbedingte Gegner. Unter diesen Umständen seien die Aussichten der Vorlage zurzeit schlecht. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß ein Umschwung eintrete, wenn die reichsländische Regierung ihr Material vorlegen werde. Berlin, 31. Mai. Die Festlichkeiten zum Regierungsjubiläum beginnen am 8. Juni mit der Einweihung des Stadion im Grunewald. Am Nachmittag folgt die Jubiläumsregatta in Grünau. Am 13. Juni findet die Huldigungsfahrt der Automobilisten und das Jubiläumsturnier des Kartells für Reit= und Fahrsport statt. Am 14. ist Empfang der Abordnungen und Deputationen, am 15. Feldgottesdienst auf dem Tempelhofer Felde, am 16. Morgenständchen der Gemeindeschüler Berlins, Gratulationscour der Fürstlichkeiten, große Gratulationscour im Weißen Saale, Empfang der Kaiserkompagnie, Paroleausgabe im Zeughause, Galatafel, Festoper, am 17. Fackelzug der Studentenschaft. Berlin, 31. Mai. Im Gohraer Forst bei Finsterwalde hat sich gestern ein Wildererdrama abgespielt. Dort wurde auf der Jagd der Stadtverordnete und frühere Fabrikbesitzer Kurt Hahn aus Finsterwalde von Wilderern erschossen. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Karlsruhe, 31. Mai. In den Weinbergen des Mark gräfler Landes sind starke Hagelschläge niedergegangen. An vielen Orten wurden Hagelraketen mit Erfolg losgelassen. Im Hochschwarzwalde bedeckten Eisstücke 10 Zentimeter hoch den Boden. Paris, 31. Mai. Der elsässische Journalist, Vertreter des Matin in Straßburg, Bourson, kam nach Paris, um den Vertreter eines Berliner Blattes Karl Eugen Schmidt zum Zweikampfe herauszufordern, weil er sich durch dessen Artikel über die Stimmung im Elsaß beleidigt fühlt. Paris, 31. Mai. Die Regierung hat in der heutigen Sitzung der Kammer den kürzlich vom Ministerpräsidenten im Senat angekündigten Gesetzentwurf gegen die Treibereien des Allgemeinen Arbeiterverbandes eingebracht. Durch die Vorlage sollen diese Gewerkschaften und ihre Verbände gezwungen werden, ausschließlich mit ihren fachlichen Interessen sich zu beschäftigen. Paris, 31. Mai. Die Polizei verhaftete zwei streikende Bäckergehülfen, die versuchten, durch das Kellerfenster einer Bäckerei Sand in den Teig zu werfen. Ein Bäckermeister erstattete Anzeige, daß ausständige Bäckergehülfen in der vergangenen Nacht Glassplitter in den Teig geworfen hätten. London, 31. Mai. Heute abend fand hier ein Bankett statt, welches die englischen Journalisten zur Erinnerung an ihren Besuch in Deutschland im Jahre 1907 veranstalteten uno zu dem sie den deutschen Botschafter Fürsten von Lichnowsky, die Herren von Kühlmann, von Schubert und von Hoesch von der deutschen Botschaft sowie die hiesigen Korrespondenten der deutschen Presse eingeladen hatten. Das Bankett verlief sehr angeregt. Im Verlaufe des Abends brachte der deutsche Botschafter ein Hoch auf den König von England aus(siehe Rundschau: England). Sodann ergriff der Vorsitzende Mr. Spender von der Westminster Gazette das Wort und hielt eine längere Rede, in der er des gastlichen Willkomms gedachte, der vor sechs Jahren den Vertretern der englischen Presse in Deutschland bereitet worden war. Er schloß seine Rede mit den Worten: Wir kommen in einer Woche zusammen, in der die herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern durch den Besuch unseres Herrschers bei ihrem Herrscher aller Welt kundgetan werden. Wir können auf einen Zeitraum zurückblicken, in der die vereinigten Bemühungen der beiden Regierungen, die in vollkommener Harmonie zusammenarbeiten, in einer Zeit großer Gefahr wirksam zur Erhaltung des Weltfriedens beigetragen haben. Wenn wir fortfahren, zusammenzuarbeiten, können wir Europa vielleicht vor dem Schrecken eines Krieges und der Furcht vor einem solchen bewahren. Washington, 30. Mai. Staatssekretär Bryan teilte mit, daß Italien, Großbritannien, Frankreich, Brasilien, Schweden, Peru und Rußland das amerikanische Friedensprojekt günstig beantwortet und ihn aufgefordert hätten, Vorschläge über die Einzelheiten zu machen. Rio de Janeiro. 30. Mai. Die Heizer der brasilianischen Schiffahrtsgesellschaften sind in den Ausstand getreten. Freitaglohnzahlung in städtischen Betrieben. Wir haben kürzlich zu diesem Thema einige Ausführungen gebracht und auf die Zweckmäfigkeit einer solchen Aenderung hi gewiesen. Wie wir heute erfahren hat die hiesige Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehilfen Verbandes den Magistrat in ein#er ausführlich begründeten Eingabe aeb ten, die Verlegung der Lohnz hlung auf den Freitag oder auf einen andern Wochentag für die städtischen Betriebe anzuordnen Wir werden unsere Leser über die Antwort der Stadtverwaltung unterrichten. Lotterie. Den Herren, welche uns zur Erforschung der Gewinne ihre Losnummer angaben, zur Nachricht, daß davon gezogen sind: Am 30. Mai vormittags: 111778 mit 500 Mk. 111960, 167 262, 167273, 167407, 169012, 169033, 169357, 169359, 169448 mit je 240 Mark. Am 30 Mai nachmittags: 16201, 111793, 111933, 111961, 111973, 167109, 167224, 167256, 167263, 167341, 167424, 169127, 169228, 169296, 169422 mit je 240 Mk. Am 24. ds. Mts. ist der Bulle des Kolons W. Lütkehölter in Elverdissen Nr. 28 angekört worden. Farbe: Schwarz=bunt mit Stern, 69 Punkte, Abstammung: Ostfriese= Kreuzung. Herford, den 28. Mai 1913. Der Borsitzende des Kreisausschusses. Küaler, Regierungs=Assessor. Bekanntmachung. Durch Beschluß des Bundesrats ist für den 2 Juni d. Is. die Vornahme einer Zwischenzählung der Schweine im Deutschen Reiche angeordnet worden. Wir richten an alle Einwohner die Bitte, den mit den Zählgeschäften beauftragten Zählern die gewünschten Angaben zu machen Die Zählung der Schweine dient nur statistischen Zwecken. Herford, den 28. Mai 1913. Der Maaistrat. Wirischafts-Verkauf. Die in Sildlengern an der Grenze von Bünde an der Kreisstraße Bünde=Herford— Ecke des Weseletweges— belegene, im flotten Betriebe befindliche Bartling'sche Wirtschaft nebst Kolonialwarenhandlung soll zur baldigen Uebernahme sofort verkauft werden. Zahlungsfähige Käufer wollen sich gefl. wenden an w. Rautenberg, Bünde 1. W. Eschstraße 20, woselbst auch nähere Auskunft erteilt wird. Grundstück-Verkauf Das Bielefelderstr Nr. 1, am Wasser gelegene Grundstück, ca. 41 ür groß, soll teilungshalber verkauft werden. Kauflustige lade zur näheren Besprechung auf Donnerstag, den 5. Juni d J., vorm. 11 Uhr zu Hotel Stadt Biemen, hier(Herrn Wilh. Görges) ein. Fritz Raabe. 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Soweit unsere Rechte auf Grund der früheren Bahnverträge durch das englischtürkische Abkommen berührt werden, ist unsere Zustimmung erforderlich. Hierüber sei ein Meinungsaustausch eingeleitet worden. Einzelheiten mitzuteilen, müsse er sich leider versagen. Er hob aber hervor, daß die Bestimmung, wonach die Bahn in Basra endigen soll, auf der Voraussetzung beruht, daß der Schattel Arab von Basra bis zum persischen Golf schiffbar gemacht und dauernd in diesem Zustande erhalten wird. Darauf wird der Rest des Reichs= und Staatsange hörigkeitsgesetzes ohne wesentliche Debatte mit geringfügigen Aenderungen in der Kommissionsfassung angenommen; zwei Resolutionen wurden abgelehnt.— Die Abänderung des Reichsmilitärgesetzes sowie des Gesetzes betr. Aenderung des Vehrpflichtgesetzes vom 11. Februar 1888 werden angenommen. Die Sozialdemokratie interpellierte die Regierung darüber, ob beim Bundesrat Anträge der Elsaß=Lothringischen Regierung auf Einschränkung des Reichsvereins= und Preß gesetzes für Elsaß=Lothringen vorliegen und ob der Reichs kanzler mit diesen Anträgen einverstanden sei. Abg. Em mel(Soz.) begründet die Interpellation: Es wird vorge schlagen, das Reichspreßgesetz soll für Elsaß=Lothringen auf gehoben werden. Das widerspricht aber der Reichsverfassung. Das Vorgehen stellt ein bedenkliches Novum dar und würde unter den heutigen Verhältnissen geradezu das Gegenteil dessen bewirken, was die Regierung bewirken will. Die Regierung sollte ausniahmsweise einmal vernünftig denken.(Große Heiterkeit). Vizepräsident Dove rügt den Ausdruck. Abg. Emmel ff.): Redner nimmt dann die zu bekämpfenden Vereine in Schutz. Nun heißt es, es handele sich nicht um eine Ausnahmebedingung gegen das elsaß=lothringische Volk, sondern gegen die Nationalisten. Wir verzichten auf die Mitwirkung der Regierung im Kampfe gegen den Nationalismus. Man kann nur bedauern, daß die elsaß=lothringische Regierung nicht mehr Taktgefühl besessen vat, als sie das Reich in diese Dinge hineingezogen hat. Durch einen solchen ungeschickten Eingriff sollte die allmähliche Aus söhnung nicht gestört werden. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg tritt für seine Person Vorstellungen entgegen, die sich namentlich in Elsaß=Lothringen an die Anträge geknüpft haben. Die durch die Verfassung gewährte Selbstän digkeit bleibt völlig unberührt. Bei Erlassung der Verfassung hatte ich das Vertrauen, daß der Kern der Elsaß Lothringer nichts anderes wollte, als unter Wahrung seiner Eigenart friedlicher Arbeit nachzugehen und so die Ver schmelzung der Reichslande mit dem Reiche besser als zuvor zu fördern. Hieran halte ich auch jetzt fest, trotz des Wider spruchs, dem ich wohl dafür auf der rechten Seite des Hauses begegnen werde. Die Bestimmungen, über die sich der Vor redner beschwerte, sind nicht gegen Elemente gerichtet, die eine ruhige und friedliche Verständigungspolitik wollen, sondern gegen den Nationalismus, der der größte Feind Elsaß Lothringens und der gesamten deutschen Politik ist. Diese Ausnahmebestimmungen sind in keiner Weise eine Abkehr von der Politik, die zu der Verfassung geführt hat. Mitschuld am unrichtigen Urteil sind maßlose Uebertreibungen in der französischen und deutschen Presse. Ich hoffe, man wird auch in Elsaß=Lothringen immer mehr Verständnis dafür finden, daß es ganz unerträglich ist, wenn auf deutschem Boden eine Presse ihr Wesen treibt, die sich häufiger schlim mer gebärdet als die deutsch=feindlichste Presse des Auslandes, und daß Vereine an der Arbeit sind, die nicht die Zwecke des Inlandes, sondern die des Auslandes fördern. Wenn die elsaß=lothringische Regierung den Wunsch hat, viesen Machen schaften entgegenzutreten, so geschieht dies im Interesse des Landes. Ich bitte mit ruhiger Erwägung an die Materie heranzutreten, denn es handelt sich hier darum, die ruhige und friedliche Entwicklung Elsaß=Lothringens im Rahmen Sonnabend, den 31. Mai 1913. der gegebenen Verfassung zu fördern.(Lebh. Beifall rechts.) Abg. Fehrenbach(Ztr.) ist damit einverstanden, wenn im Rahmen des Rechts alle Mittel zur Bekämpfung des Na tionalismus ergriffen werden, aber hier handle es sich um Ausnahmegesetze, deren Berechtigung man nicht anerkennen kann, da von einer drohenden Gefahr nichts zu sehen ist. Die Arbeit, die seit Bestehen der elsaß=lothringischen Verfassung von der Reichsregierung geleistet worden ist, ist eine ganz vor zügliche. Elsaß=Lothringen war deutsch, ist deutsch und bleibt deutsch.(Lebh. Bravo.) Abg. Dr. Oertel(kons.) ist mit einer Aenderung des Vereinsrechtes einverstanden und hält auch die Bestimmungen gegen die Presse für notwendig. Die Hauptgefahr liege darin, daß die in französischer Sprache er scheinenden Zeitungen in Frankreich viel gelesen werden und so die Bande zwischen den französischen Chauvinisten und den elsaß=lothringischen Nationallisten immer fester werden.(Beifall rechts.) Aus der Provinz und ben Nachborländern. Unna, 29. Mai. 36 Schafeerschlagen. Bei dem Gewitter wurden einem Landwirt 36 Schafe auf der Weide vom Blitz erschlagen. Bochum, 30. Mai. Handelskammer und Professor Brentano. Bekanntlich hatte seinerzeit die Bochumer Handelskammer zu der geplanten Wehrabgabe Stellung genommen und vor allem die Opferfreudigkeit der in ihrem Bezirke eingesessenen Kreise betont. Dieser Beschluß fand in einem Artikel des bekannten Universitätsprofessors Dr. Brentano, erschienen am 20. März in der „Vossischen Zta“ mit dem Titel„Die geplante Reichsvermögenssteuer“, eine kritische Würdigung. Der Verfasser meinte, der Entschluß sei den im Bezirke der Handelskammer Bochum Wohnhaften umso leichter geworden, als sie meist Produzenten seien, die von der Milliarde am meisten profitieren würden. In ihrer heutigen Vollversammlung nahm die Handelskammer zu diesen Ausführungen Stellung in einer Entschließung, in der sie es bedauert, daß eine so bekannte und in weiten deutschen Kreisen angesehene Persönlichkeit, wie Prof. Brentano, es nicht begreifen könne, daß rein nationale Beweggründe zu einem derartigen Beschluß maßgebend gewesen seien. Sie strafe die Ausführungen mit Verachtung und beschloß darauf den Übergang zur Tagesordnung. Bad Kreuznach, 30. Mai. Soolquelle. Bei der Ausschachtung auf der sogenannten Roseninsel stieß man auf einen Spalt, der nach der Öffnung eine dreimal so große Menge emanationhaltigen Soolwassers quellenartig hervorbringt, als bisher auf der ganzen Saline zutage kam, näm3600 Kubikmeter am Tage. Diese Entdeckung im Mittelpunkt des Badegeländes ist von wesentlicher Bedeutung für den weiteren Aufschwung des Bades. Wiesbaden. 30. Mai. Zum Kaiserjubiläum. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer heutigen Sitzung, aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers ein Siechenhaus zu errichten. Die Stadt wird das erforderliche Gelände und die auf 200000 A veranschlagte Bausumme zur Verfügung stellen, wie auch die Verwaltungskosten der Anstalt übernehmen. Ferner wird die Stadt die Zinsen eines Betrages von 150000 A mit jährlich 6000 M für bedürftige würdige Veteranen bereithalten. Für andere wohltätige Zwecke sind außerdem 25 000. zur Verfügung gestellt worden. Endlich ist noch ein Betrag von 1000 M zur Verfügung gestellt worden zum Ankauf patriotischer Bücher, die an die Jugend verteilt werden sollen. Kleine Chronik. Berlin, 30. Mai. Mehr Höflichkeit im Bahnhofsschalterdienst. Die Eisenbahndirektion Berlin hat an ihre Bediensteten und Verkehrsämter nach stehende Verfügung erlassen:„In letzter Zeit ist es unlieb sam aufgefallen, daß sich die Beschwerden der Reisenden über unhöfliches Benehmen der bei dem Verkauf von Fahrkarten und bei der Abfertigung des Gepäcks beschäftigten Bedien steten, insbesondere der dabei beteiligten weiblichen Bedien steten, mehren. Es wird mit Recht darüber geklagt, daß die 68. Jahrgang. Bediensteten gegen die Reisenden, die in begreiflicher Eile eine beschleunigte Abfertigung wünschen, sich gleichgültig, schnippisch oder gar ausfallend benehmen, in unhöflicher Weise nach ihren Wünschen fragen, gegen die handschriftliche Aus fertigung der Fahrkarten unbegründete Einwendungen erheben, die Fahrkarten und die Wechselbeträge den Reisenden in unhöflicher Weise hinwerfen, Kupfermünzen zurückweisen und während der Abfertigung der Reisenden Nahrungsmittel zu sich nehmen. Wir erwarten, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die Bediensteten ihrer Pflichten gegen das Publikum eingedenk werden zu lassen und sie zu einem höflichen, einwandfreien Benehmen gegen die Reisenden zu veranlassen. Berlin. 30. Mai. Der Große Kreuzer Blücher ist heute nacht bei dichtem Nebel im Großen Belt nördlich der Insel Romsö festgekommen. Das Schiff hat, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, keine Beschädigung erlitten. Zwei Linienschiffe und ein Kreuzer der Hochseeflotte ankern bei der Unfallstelle. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalls sind Fahrzeuge der Kaiserlichen Werft Kiel zum eventuellen Leichtern des Schiffes nach dem Großen Belt in See gegangen. Berlin, 30. Mai. Der heiße Tag. In Großberlin hat heute die Temperatur ihren bisher höchsten Stand in diesem Jahre erreicht. Der 1. Mai, der mit 27.7 Grad Celsius im Schatten den Rekord innehatte, ist um ein beträchtliches übertrumpft worden. Nachdem die Temperatur heute nacht nur auf 17.5 Grad gesunken war, zeigten die Thermometer im Berliner Wetterbureau in den frühen Nachmittagsstunden 30 Grad Celsius im Schatten. Lichtenberg, 30. Mai. Verhängnisvolle Explosion. In der Wollwarenfabrik von Leibholz in der Rittergutstraße ereignete sich in der letzten Nacht eine schwere Explosion, bei der vier Arbeiter schwer und einer leicht verletzt wurden. Ludwigsburg, 30. Mai. Durch Starkstrom getötet. Bei einer Uebung einer Sanitätskompagnie kamen 5 Mann mit einer Signalstange der Hochspannleitung der Straßenbahn in Berührung. Alle fünf fielen betäubt zu Boden. Einer von ihnen war tot: 3 wurden zum Lazarett gebracht, einer erholte sich bald wieder. Dresden, 30. Mai. Vermächtnis. Der in Ber lin verstorbene Dr. jur. Schlief hinterließ seiner Vaterstadt Guben und seinem langjährigen Wohnort Dresden je eine halbe Million Mark zur Begründung von Kinderheimen. Wien, 30. Mai. Familiendrama. Frau Helene Maubach wurde von ihrer Schwester, Frau Türk, durch Dolchstiche schwer verletzt. Frau Türk erstach sich selbst. Der Grund zu der Tat war, daß Frau Türk die seelischen Leiden ihrer Schwester, die mit ihrem Gatten im Scheidungsprozeß stand, enden wollte. Brüssel, 30. Mai. Einsensationeller Prozeß wird sich in Brüssel abspielen. Die Herzogin von Orleans, eine geborene Erzherzogin von Oesterreich, die bei ihrer Mutter, der Erzherzogin Clothilde, in Ungarn wohnt, hat ihren Mann wegen böswilligen Verlassens verklagt. Sie ist schwer erkrankt und verlangt eine Leibrente und die Rückzahlung größerer Summen, die sie dem Herzog vorgeschossen hat. Bourges, 30. Mai. Fliegersturz. Als der Flieger Leutnant Kreyder nach einem Fluge über dem Polygon landen wollte, wurde sein Apparat 20 Meter über dem Erdboden von einer Bö erfaßt und umgeworfen. Leutnant Kreyder stürzte ab und starb nach einigen Minuten. London, 30. Mai. Der Dampfer Haverford von der American Line, der bei der Einfahrt in die Reede von Cork auf Grund geraten war, ist wieder flott geworden und wohlbehalten im Hafen von Cork eingelaufen. Czernowitsch, 30. Mai. Ueberfall aufeinen Postwagen. Auf der Straße von Nowy=Mcasto nach Czernowitsch an der russisch=bukowinischen Grenze wurde der Postwagen von Banditen überfallen. Die Räuber erschossen drei Reisende und raubten über 50,000 Rubel. Bisher fehlt jede Spur von den Banditen. Moskan, 29. Mai. Revolte im Gefängnis. Im Butyrki=Gefängnis überfielen mehrere Gefangene, die sich zur Flucht rüsteten einen Aufseher, erwürgten und entwaffneten ihn und verwundeten dann noch drei andere Aufseher. Es wurde Militär zu Hilfe gerufen, das eine Salve auf die Gefangenen abgab und fünf von ihnen verwundete. Habe einen grossen Posten reinwollene Mousseline neueste Muster zu bedeutend herabgesetzten Preisen abzugeben. Wilb. Mönkemann 28 Lübberstrasse 28 Fernruf 259 Fernruf 259. 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Hierdurch warne ich jedermann, in mit meiner Firma versehene Flaschen, Kaffee, Benzin, Oel und dergleichen zu füllen, sondern dieselben sind nur für Bier und Mineralwasser bestimmt. Wenn Jemand beim Kauf mann oder in einer Restauration 5 oder 10 Pfg. dafür bezahlt hat, so gilt dieses nur als Pfand und nicht ale Kaufpreis. Ich muß dringend darum bitten, Flaschen mit meiner Firma sofort nach Entleerung in die Verkaufsstelle zurückzubringen, auch bleiben dieselben stets mein Eigentum und können nicht käuflich erworben werden. Von jetzt an werde ich jeden, der meine Flaschen mißbraucht gerichtlich belangen und hat die Folgen sich selbst zuzuschreiben. Hochachtungsvoll Carl Wittenborg, Herford, Bierdepot, Mineralwossertab ik und G ob=Devillation. per Pfund 40 Pfg., abzugeben. Heinrich Limberg, Bäckerstraße 1. Gärtnerei H. Beckert, Friedhofstraße 10. 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Eine einzige Schlupfe in unbegrenzter Länge kann niemals schön sein und entbehrt auch jeder Berechtigung. Dagegen erscheinen zwei bis drei Schlupfen, etwa 15 cm hoch, stets hübsch. Ist der Hutkopf sehr breit, befestigt man die Gar1864. Langer Mantel mit Revers und Pattengarnitur. An dem Mantel aus braunem Kammgarn=Cheviot ist der Umlegekragen in halber Breite mit Samt bekleidet: Die Menera ionhanf, L M 180. Langer Mantel mit Revers und Pattengarnitur. nitur am besten am oberen Kopfrand. Die sinngemäßeste und darum die schönste Garnitur bildet ein Blumentuff, dessen Stiele eng umbunden werden. Hierbei möchten wir erwähnen, Blumen ja nicht zu billig zu kaufen, sie sind im Tragen wirklich zu teuer. Denn entweder verlieren sie bei heißer Sonne sofort die Farbe und werden unansehnlich, oder sie verlieren, besonders grüne Blätter, die Farbe durch den Regen und ruinieren dann zugleich den Hut. Gute Blumen und Blätter behalten ihre Farbe, sehen immer gut aus und machen sich dadurch, daß sie keiner Erneuerung bedürfen, bezahlt. Eine überaus praktische und zugleich die modernste Garnitur bilden Bänder, glatt und farbig, und zwar besonders in großen Breiten. 1915. Nachmittagskleid mit leicht gerafftem Tunikarock. Goldbrauner Epinglé glacé ist mit gleichfarbiger Seide, getöntem Tüll und Spachteleinsatz, und einer in Gold, Grün und Schwarz ausgeführten Stickerei zusammengestellt. Tüll und Spitze sind nebst Säumchenseide für den eigenartig geformten Satz zusammengesetzt. Seide umrandet den Taillenausschnitt und das Armloch und bildet den Faltengürtel. Die Tunika, die über den vorn und hinten gefalteten Rockvolant fällt, ist leicht gerafft. Halblange Aermel mit Spitzendolant. 1800. Langer Mantel mit apartem Kragenbesatz. 1915. Nachmittagskleid mit leicht gerafftem Tunikarock. aufgesteppte Taschen mit Patten. lappen; im Rücken je ece e ee e ee ele e Wo ist 0 den: Spielplan nur Sonnabend.— F nOpII. Herrliche Naturaufnahme. Mariechen Du süßes Viehchen. Tonpüc. Woist Coletti Mariechen, Du süsses Viehchen. Tonbild Als Einlagen: Das verlöhrerische BlId. Amerikan. Drama(Imp.-Film). Seine Orossmutter. Humoreske Preise für die Coletti-Vorstellung 45 bis 75 Pfg. Herr Direktor Carl Haase hat sich in liebenswürdigster Voranzeige: Dienstag in den Victoria 100000 Mk. Belohnung! Wo ist Coletti? 100000 Mk. Belohnung! Wo ist Coletti? 100000 Mk. Belohnung! Wo ist Coletti? 100000 Mk. Belohnung! Wo ist Coletti? Wo ist Coletti? wird augenblicklich in den vornehmsten Lichtspielen Berlins „Marmorhaus-Lichtspiele“ täglich vorgeführt! Wo ist Coletti? ist der erste Autoren-Film von Franz v. Schönthan. In dieser baktigen Kinoposse wirken mit: Hans Junkermann Anna Müller-Linke Heinrich Peer Magde Lessing Max Laurence H. 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Weise bereit erklärt,„Woist Coletl“ Sonntag und Montag in den„Mittekind-Lichtspielen“ zu rezitieren Lichtspielen als Zugabe ohne Preisaufschlag: Die Heldin von St. Honorée. Wo ist Coletti2 Sonntag nachmittag 4 Uhr Galdfrieden Sonntag morgen 7½ Uhr Frühkonzert. Grosses Millär-Extra-Konzert Restsauant am diel ausgeführt vom gesamten Tromnatarkouns o... n... ausgeführt vom gesamten Trompeterkorps des 1. Nass. FeldArtillerie-Regimente Nr. 27 Oranien aus Mainz unter persönlicher Leitung des Obermusikmeisters F. Henrich ##r###. im Vxyersau a 50 Pfg. in den Zigarrenhandlungen H. A. Wessel, Gehrenberg und Gebr. Meyer Bäckerstrasse Kassenpreis 60 Pfg. incl. Steuer. Kameradschaftl.Verein Stiftberg. Versammlung Sonnabend. den 31. Ma., 8½ Uhr abends. Tagesordnung: 1. Erhöhung des Bundesbeiträge. 2. Prov. Krieger=Verbandstag in Bielefeld. 3. Teilnahme an der Roonfeier in Hollinde. 4. Kaiserjubiläumsfeier. 5. Kreis=Krieger=Verbandstag. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Fürstl Bad Salzuklen. Dienstag, den 3. Juni, abends 8½ Uhr im Fürstlichen Konversations-Saale Einmaliges Ballet-Gastspiel vom Königlichen Hoftheater in Hannover. Königlicher Balletmeister Willy Strigel; 1. Königliche Solotänzerin Hennt Lebeling: Königliche Tänzerinnen Gustl Klepel, Mimmi Herrmanne, Agnes Günthel und Martha Hüsing Orchester: Die Fürstliche Kurkapelle. Karten à 1.50 und 1.— an der Theaterkasse und —— bei Hoflieferant Uekermann—— Dienstag, den 10. Juni, abends 8½ Uhr Künstlerkonzert (Richard Wagner Gedächtnis-Feler.) Solist: Königl Preuss. Kammersänger Rud. Moest. Bad Oeyphausen. Sonntag, den 1 Juni: Grosses Waldborn Quarteit-Konzert ausg führt von den königlichen Kammermusikern der Hofkapelle In Hannover. Elateil 40 Pig. Ralang 4 Uhr. Nach dem Konzert: Tanzkränzchen. Herford Herford Auf dem Lübberbruche! Nur noch heute Sopnabend und morgen Sonntag! Die zwei letzten Tage! Sonntag, den 1 Veslug, Gei 1. JUni. Tanzkränzchen. — Es ladet ein Milb. Spilker. Frühlingsfest-I 3bUMUL pahe Dinx grahsunzuli 8 —„„ 1I Telearamm. Anrese ahytyn Kameradschaftlicher Verein Schwarzenmoor feiert am Sonntag, 1. Juni cr., bei Gastwirt Hüffmann sein diesjähriges Stiftungsfest. Karufsel, Spielbuden und Ruchenbuden am Platze. Es ladet ergebenst ein Der Vorstand. des Verbandes der Bäcker, Konditoren u. Zuckerwar nar beiter am Sonnabend den 31. Mal, abends 3½ Udr. in den Sälen des Berggarten. Eintritt 50 Pfa. und 25 Es ladet ein Fr. Grockmann Generalversammlung de Ortskrankenkasse für die Handwerker der Stadt Herford am Montes, den 2 Juni er. abends 9 Uhr i: Hotel„Zur Post“(Steinmeler, Hämelingerstr.) Tagesordnung Punkt 1 Rechnungslage Punkt 2 Verschiedenes der Vorstand gssgetne BOCHUM Persseragsz 271 und Lager u. Büro Kanalstr. 26 34, empflehlt ihre Abtellungen EISEN I EISENWAREN Schrauben, Muttern, Niend —. Stab-, Facon, und Bandeisen, Eisenbleche, schwarz, verzinkt, verbleit etc, Röhren. blank gezogenes Eisen □□— u profil., kompr. Wellen etc. Stahl aller Art ten" Unterlegsscheiben Drahtstifte, Huf- und Wagenbeschlag- Artikel Baugewerks- Geräte etc. Werkzeuge:: Metalle:: Maschinen. Verein ehem. Jäger u. Schützen Herford. Sonntag, den 1. Juni: Uebungsschießen in Schötmar. Einschleßen d. Neuen Hillärgewehre. Abfahrt 243 Staatsbahnhof. Der Vorstand. Frauenhülfe Statt Mitteilung im Gemeindeboten. Montag, den 2. Juni Zusammenkunft um 3 Uhr— im Vereinshaus. Tapeten Gene alverTammigag Hobillar- Unterlistzungsvereis für den Verlorder Landbeziik am Mittwoch den 4 Juni er nachmittags 5 Uhr im evangel. Vereinshause. Tagesordnung: 1. Verwaltungsbericht, 2 Rechnungsabschluß, 3. Verschiedenes Herford, den 27. Mai 1913. Direktorium: von der Schulenburg. Niederbäumer. von den billigsten bis zu den feinsten in Richtung. Grösste Auswahl in den so sehr beliebten Gobelin-Tapeten „anz hervorragende Stoff-Effecte. und vorjährige Sachen zu jedem Preise. Paul Haase Nachf. Inh. Walter Fouquet Rennstraase 50, Fernruf 233 Infolge der vorgeschrittenen Saison verkaufe ich von heute ab zu Herabgesetzten Treisen sämtt. Damen- und Kinder-Konfektion Sommer-Kleiderstoffe- Strümpfe.- Handschuhe. 4 AEE Herford, Olter Markt. Erstklassige Einkaufsstätte für Damen-Moden. D. H. V. Statt Karten! Die Verlobung unserer Tochter Helene mit dem Kaufmann Herrn Walter Meversieck beehren wir uns anzuzeigen. Otto Fleer und Frau Anna geb. Uphoff. Herford, Mai 1913 Helene Fleer Walter Nleversieck Verlobte. Herford. Preuss. Oldendorf. Mai 1913. Restaurant Kropp. Heute Sonnabend abend 8½ Uhr: = Frei-Konzert. Die Verlobung“ meiner Tochter Elisabeth mit Herrn Ober-Postpraktikant Wilhelm Zimmermann in Darmstadt beehre ich mich ergebenst anzuzeigen. Lina Schreiber geb. Brinckmann. Herford, im Mai 1913. Meine Verlobung mit Fräulein Elisabeth Schreiber, Tochter des verstorbenen Herrn Carl Schreiber und seiner Frau Gemahlin Lina. geb. Brinckmann in Herford beehre ich mich ergebenst anzuzeigen Wilhelm Zimmermann Ober-Postpraktikant Darmstadt, im Mai 1913 Fliegenschränke, Fliegenglocken empfehlen Gebr. Landmann. b####r, u### be„ Die Geburt eines gesunden Töchterchen zeigen hocherfreut an„ 1 Eurt Schultze u. Frau. Sonntag, den 1. Juni, von vormittags 11½ Uhr Frei-Konzert und Tanzkränzchen. Restaurant Brinkmann. Sonntag nachmittag von 4 Uhr an: Tanzkränzchen. Schalplattan 25 cm, deppelseitig, neueste Schlager M 1.— sonst M 2.—. Alte Platten werden zu 50 Pfg. pro Stück in Zahlung genommen. Verlangen Sie Verzeichnis von Versand Kämmerer, Leipzig, Kochstrasse 4. Mehrere Geldstücke im Werte von 70 Mart(zu einer Halskette gehörend) auf d. Lübberdruch verloren. Gegen 10 Mt Belohnung abzugeben in der Geschäfte stelle d Bl. u. Nr. 5737. Brinkmanns Konzertgarten. mit auserlesenem Programm von Dienstag, den 3. Juni bis Dienstag, den 10. Juni. Eröffnungs-Konzert Prof. Alschausky u. die städt. Kapelle. Feuerwerk. Illumination. 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Pottebaum. Obermeister. a. glanzhellen Apfelwein a Liter 40 Dfg. empfiehlt Heinrich Nolting, Rennstraße. Ziehung 18. Juni 1913. Westfälische Automobil- und PferdeXotterie 4868 Gewiane im Werte von M. I. Haupigew.: 1 Antomobil= M. 2. Hauptgew.1 Zweisoänner— M. 11. 9. W. Los à 50 Pig. Porto und Liste 30 Pig extra emplichlt und versender 6. Pfordte sowie alle durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. Sie brauchen keine Seife Seifenpulver, Soda oder sonstige Waschzusätze, wenn Sie mit Persil waschen, denn dessen selbsttätige Wirkung wird dadurch nur beeinträchtigt und sein Gebrauch unnütz verteuert. Persil wäscht ganz von selbst ohne Reiben und Bürsten, nur durch einmaliges etwa halbstündiges Kochen. Also denkbar einfachste Anwendung, bei grösster Zeitersparnis und Schonung des Gewebes. Da Persil gleichzeitig stark desinlizierende Wirkung besitzt, so eignet es sich besonders vorteilhaft für die Reinigung von Kranken- und Kinderwäsche die dadurch vollkommen keimfrei gemacht wird. 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Vierteljährlicher em voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch die auswärtigen Betriebsstellen bezogen 1 M. 65 Pf. Bei Selbstabholung aus der Geschaftsstelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 50 Pf. Herforder Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pf., auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Petitzeile berechnet. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Ferd. Etzmann in Herford. Für den übrigen Teil: Friy Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt.— Postfach 47. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Nr. 369 Hannover. Nr. 125(enthält 12 Seiten.) Sonnabend, den 31. Mai 1913. 68. Jahrgang. Die vaterländische Volksversicherung. Nachdem das sozialdemokratische Versicherungsunter mehmen„Volksfürsorge“ die Genehmigung des Aufsichtsamts für Privatversicherung erhalten und am 17. d. M. die Eintragung in das Handelsregister stattgefunden hat, ist die dritte der drei großen Organisationen, die kurz nacheinander das Volksversicherungsgeschäft neu ausgenommen haben, ins Leben getreten. Der„Vorwärts“ hat daraufhin ungesäumt die Parole ausgegeben: Jetzt heißt es: Hinein in die„Volks fürsorge“! Kein Zweifel, daß dieser Ruf in den von der So zialdemokratie begründeten und beherrschten Gewerkschaften, Genossenschaften und Konsumvereinen hunderttausendstimmigen Wiederhall finden und befolgt werden wird. Die Dis ziplin und Organisation in diesen Verbänden, die sich bisher musterhaft bewährt haben, müßten plötzlich versagen, wenn es nicht so wäre. Aber der sozialdemokratischen„Volksfürsorge“ ist ein viel weiteres Ziel gesteckt: sie soll das Werkzeug werden, das auch da der revolutionären Partei die ersehnten Erfolge verschafft, wo sie bisher vergebens Einlaß begehrte. Dir Arbeiter= und Mittelstandskreise in Stadt und Land, die dem Liebeswerben der Sozialdemokratie bisher noch widerstanden haben, sollen jetzt dadurch der Par tei gewonnen werden, daß man ihnen lockende' materielle Vor teile und Leistungen in Aussicht stellt. Zu Tausenden werden die sozialdemokratischen Agenten und Einnehmer in die Häuser und Wohnungen, in die Familien Einlaß begehren, und überall hin die Vorstellung zu verbreiten suchen, daß es in erster Linie die Sozialdemokratie sei, die sich der Hilfsbedürftigen annehme und für die Zeit der Not die rettende Hand darreiche. Aber damit noch nicht genug: jedes einzelne Mitglied der sozialdemokratischen Organisation, also weit über= Millionen Personen, wird ein eifriger, noch dazu völlig umsonst arbeitender Freiwerber für das neue sozialdemokratische Unternehmen sein. Diesen Bestrebungen gegenüber heißt es nun, zum mindesten die der Sozialdemokratie noch fernstehenden Arbeiterkreise den Volksversicherungsunternehmungen zuzuführen, die entweder neutralen Charakter tragen oder zweckbewußt als Gegenorganisationen gegen die sozialdemokratische„Volksfürsorge" begründet sind, da nach Lage der Gesetzgebung vorauszusehen war, daß dieser die Konzession zum Versicherungsbetrieb erteilt werden mußte. Diesen Gesellschaften bei der schweren und für unsere vaterländische Wohlfahrt ungemein wichtigen Aufgabe, vor der sie stehen, behilflich zu sein, ist die Pflicht aller, die angesichts der neuesten und stärksten Vervollständigung, die die Rüstung und die Macht der Sozialdemokratie erfahren soll, die Hände nicht in den Schoß legen wollen. Seitens der Reichs= und Staatsbehörden ist helfend und fördernd eingegriffen. Der Reichskanzler hat in die„Deutsche Volksversicherung A.=G.“, in der sich dreißig der größten deutschen Lebensversicherungsgesellschaften zu einem gemeinnützigen Unternehmen auf nationaler Basis zusammengeschlossen haben, einen Reichskommissar in der Person des Geh. Oberregierungsrats Dr. Wuermeling, Vortragenden Rats im Reichsamt des Innern, mit dem Auftrage abgeordnet, die gemeinnützige Zweckbestimmung des Unternehmens— die Verzinsung des 2 Million betragenden Aktienkapitals(1 Million Organisationsfonds) ist statutenmäßig auf 4 v. H. beschränkt — dauernd zu überwachen. Mit Genehmigung des preußi ichen Ministeriums des Lnnern vom 11. Januar d. J. hat ich der„Verband der öffentlich=rechtlichen Lebensver icherungsanstalten“ aufgetan. Auch dieses Unternehmen, das gleichzeitig eine eigene Rückversicherungsgesellschaft in der Form einer Aktiengesellschaft begründet hat, schließt jede Erwerbsabsicht aus und leistet Verzicht auf Tantiemen und Dividenden. Ferner hat u. a. die im vorigen Jahre errichtete Provinzial=Lebensversicherungsanst 2 Brandenburg, eine rein gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts, jetzt auch den Betrieb der Volksversicherung ausgenommen. Diese ermöglicht die Wohltaten einer Versicherung den Bevölkerungsschichten, denen aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen der Abschluß einer sogenannten großen Lebensversicherung nicht möglich ist. Endlich sind noch die gleichfalls auf gemeinnütziger Basis errichtete und seit 1½ Jahren bereits tätige Vereinsbank in Düsseldorf, bei der ein Teil der nationalen Arbeiterschaft und der evangelischen Ar beitervereine versichert ist, und die Volksversicherung des Deutschen Kriegerbundes zu nennen, die nicht nur 2 Milionen Mitgliedern des Bundes, sondern auch den Staats arbeitern und den Angehörigen vaterländischer Arbeiter organisationen zugänglich ist. Somit ist eine hinreichende Zahl sicher fundierter und genügend leistungsfähiger Volksversicherungsorganisationen vorhanden, die ihre Mittel nicht dazu hergeben werden, im Sinne der Sozialdemokratie„soziale Aufgaben lösen zu helfen“, wie der„Vorwärts“ triumphierend und drohend angekündigt hat. Diese auf dem Bodendes nationalen Staates stehenden Organisationen verdienenrückhaltlose Unterstützung. Man unterschätze nicht die Bedeutung dessen, was auf dem eniele steht! Von 15 deutschen Volksversicherungsgesellschaften waren im Jahre 1912 rund 8½ Millionen Versicherungen mit einer Versicherungssumme von etwa 1¾ Milliarden Mark abgeschlossen. Aber die englische, auf Großbritannien und Irland und seinen 45 Millionen Einwohnern beschränkte Versicherungsgesellschaft„Prudential“ hatte im Jahre 1911 19 Millionen Policen, die über 3,8 Milliarden Mark, und die amerikanische„Metropolitan“ in New York hatte 9 Millionen Policen, die über 5½ Milliarden Mark lauteten. Das Volks= und Lebensversicherungsgeschäft ist also in Deutschland noch einer außerordentlichen Ausdehnung fähig. Aber es besteht die eminente Gefahr, daß die Sozialdemokratie— der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Bauer(Breslau), zweiter Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften, sprach bereits öffentlich von Millionen, die die„Volksfürsorge“ ansammeln würde— den Löwenanteil bekommt und diese Riesensummen für ihre 1813. Breslau von den Franzosen besetzt— Hamburgs Leiden beginnen— Waffenruhe. Am 1. Juni in aller Frühe machte sich die Breslauer Deputation auf den Weg, um bei Napoleon persönlich günstige Bedingungen für die Stadt zu erwirken. In Neumarkt wurde sie(Oberbürgermeister von Kospoly und dre Stadtverordnete) sofort zu Napoleon geführt, der sich wieder einmal von seiner liebenswürdigsten Seite zeigte. Er rühmte in dem langen Gespräche Schlesien als einen großen Garten, erkundigte sich nach Land und Leuten, nach der Universität, nach Landwehr und Landsturm und forderte von der Stadt nur mäßige Opfer. Nach der Unterredung wurde den Breslauern ein Frühstück vorgesetzt, das ihnen sehr gut mundete, da sie seit 24 Stunden nichts genossen hatten. Der Einzug der Franzosen in Breslau vollzog sich in Ruhe und Ordnung. Daß sie tatsächlich nicht übermäßige Forderungen stellten, geht daraus hervor, daß ein großer Teil der Truppen auf Straßen und Plätzen lagerte und schlief, den Tor nister als Kopfkissen. 128 Ungleich schlechter erging es Hamburg, dessen strengste Bestrafung für seinen Aufstand gegen die Franzosen Napo leon selbst angeordnet und dessen Besetzung er dem Marscha Davout, dem strengsten aller Generale übertragen hatte; unter diesem schaltete der in der Kriegsgeschichte als Muster von Brutalität bekannte Vandamme. Am 1. Juni zogen Dänen in Hamburg ein, jedoch nur als Schrittmacher der Franzosen; gegen Mittag verließen die Dänen Hamburg wieder und am Abend war Hamburg in den Händen der Franzosen. Und damit begann Hamburgs schwere Leidenszeit, die bis zum Jahresende dauerte. Am 1. Juni kam es auch zu einer 36stündigen Waffenruhe zwischen den seindlichen Heeren auf dem Kriegsschau platze, als Vorläufer des Waffenstillstandes. Napoleon gegen Österreich— Kriegsrat der Verbündeten. Angst der Franzosen in Breslau. Napoleons Hauptsorge war und blieb das Verhalten Österreichs. Am 2. Juni schreibt er an den Vizekönig von Italien, daß dieser sich darauf einrichten müsse, eine Wien bedrohende Stellung einzunehmen; Österreich müsse durch die Gefahr, auch von Italien aus energisch angegriffen zu werden, über die Torheit und Lächerlichkeit seiner Forderungen aufgeklärt werden.(Dabei waren diese Forderungen lächerlich gering; aber Napoleon blieb auf dem Standpunkte stehen, daß er nach wie vor das Recht des Eroberers geltend machen könne.) Am 2. Juni wurde bei den Verbündeten in Graditz in der Wohnung des preußischen Königs ein Kriegsrat abgehalten. Der Oberbefehlshaber Barclay verlangte entschieden den Rückgang der Truppen über die Oder, weil er den Waf fenstillstandsverhandlungen Napoleons nicht traute. Rußland strebte unaufhaltsam über die Oder zurück, um Polen sich zu sichern. Als die preußischen Generäle fragten, was denn aus Preußen und seinen Rüstungen werden solle, wenn man den Russen nach Polen folge, war Barclays achselzuckende Antwort: die Preußen müßten sich eben so gut zu helfen suchen, als es gehe, in sechs Wochen wolle er von der Weichsel mit frischen Kräften zurückkehren. Die Folgen, die dieser Plan, die Preisgabe Prcußens an Napolcon, haben mußte, sind kaum auszudenken. Daß die frühere Anmaßung und Sicherheit der Franzo sen als Sieger einer gewissen Niedergedrücktheit und Unsicherheit Platz gemacht hatte, geht aus einem Vorfall in Breslau an diesem Tage hervor. In der Nacht ertönten plötzlich die Feuerhörner. In tödlicher Angst stürzten die Franzosen, kaum bekleidet, aus ihren Quartieren, glaubend, der Landsturm habe sich erhoben. Nur mit großer Mithe konnten sie beruhigt und von größeren Mißhandlungen der Bewohner abgehalten werden. golitischen Zwecke verwendet. Das sollte unter allen Umständen, soweit irgend möglich, verhindert werden, und daeu müssen alle staatserhaltenden Erwerbs= und Berufsstände, indem sie sich zu entschlossener, opferwilliger Tat zusammenfinden, energisch und zielbewußt mithelfen. 54. Westfälischer Provinziallandtag. eb. Münster i. W., 30. Mai. In seiner heutigen Sitzung beschäftigte sich der Prov.= Landtag mit der weiteren Beteiligung des Provinzialverbandes an den durch den Ausbau der medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelmsuniversität entstehenden Kosten. Der Prov.=Landtag hat im Jahre 1910 sein großes Interesse an dem Ausbau der Hochschule dadurch bekundet, daß er einstimmig beschloß, die Regierung zu ersuchen, auf den Ausbau der Universität zu einer Vollanstalt möglichst bald Bedacht zu nehmen. Als noch weitere Eingaben an die Regierung gelangten, so vom Rektor und Senat und der 84. Versammlung Deutscher Naturforscher u. Arzte, erklärten ich im Frühjahr d. J. die Finanzverwaltung und die Unterrichtsverwaltung grundsätzlich bereit, die Universität Münster voll auszubauen, indem ihr die noch fehlende Hälfte der medizinischen Fakultät angegliedert und außerdem eine evangelisch=theologische Fakultät errichtet werde.— Auf Grund der damaligen Sachlage hatte der Prov.=Ausschuß eine Vorlage für die jetzige Tagung des Landtages ausgearbeitet, in der zum Schluß folgender Antrag gestellt wurde: Der Landtag wolle dem Staat für den vollständigen Ausbau der medizinischen Fakultät einen Beitrag von 250000 M in der Voraussetzung anbieten, daß die Stadt Münster mindestens den doppelten Betrag zur Verfügung stellt, sowie ferner genehmigen, daß der Betrag im Wege einer Anleihe aufgebracht wird, welche bei der Westf. Landesbank zu dem für kommunale Darlehn üblichen Bedingungen, wobei die Tilgung 1,5% betragen soll, ausgenommen wird. — Am Tage nach der Ausarbeitung dieser Vorlage durch den Prov.=Ausschuß fand im Herrenhause die bekannte Sitzung statt, in der die Regierung die von ihr geforderten Summen näher formulierte und zur unliebsamen Überraschung aller kund gab, daß sie 900000 M statt 250000 M fordere, welche Forderung der Kultusminister dann aber doch auf 700 000 A herabsetzte. 250 000 i wollte die Provinz leisten, es blieb also eine Differenz von 450000 M. Mit erfreulicher Fixigkeit hat der Prov.=Landtag nun die Angelegenheit wieder ins Gleichgewicht gebracht, indem er heute mit allen gegen 2 Stimmen beschloß: Der Prov.=Landtag bewilligt für den vollständigen Ausbau der Westfälischen Wilhelms=Universität einschließlich einer evangelisch=theologischen Fakultät einen Beitrag von 500000 i unter der Voraussetzung, daß die Stadt Münster mindestens den gleichen Betrag zur Verfügung stellt.— Das Referat für den Antrag hatte Fürst zu Salm=Horstmar übernommen, der es als großes, aber hoffentlich letztes Opfer bezeichnete, das zu bringen ist. Abg. Windthorst=Hamm tritt gleichfalls warm für die Vorlage ein und nimmt die Gelegenheit wahr, um lauten Protest zu erheben gegen die von anderer unverantwortlicher Seite erhobene Beschuldigung gegen die Stadt Münster, als wenn hier gerade die Sittlichkeit der Studenten in besonders hohem Maße gefährdet sei. Als alter Münsteraner weise ich diese Verleumdung mit Entschiedenheit zurück.(Lebh. Bravo!) Nur das eine ist wahr, Münster hat sich stets durch die Schönheit seiner Frauen und Mädchen ausgezeichnet.(Bravo und Heiterkeit.) Und das ist doch wahrlich nicht ein Fehler, der für die Sittlichkeit unserer jungen Herren gefährlich werden könnte. Der zweite Punkt der Tagesordnung betrifft die Errichtung eines„Naner Milhelm 2 Unterstützungs= und Wohltätigkeitsfonds für die Provinz Westfalen anläßlich des Regierungsjubiläums S. Majestät des Kaisers. Hierzu beantragt der Prov.=Ausschuß wie folgt: 1. aus den Ueberschüssen des Rechnungsjahres 1911=12 eine Summe von 103000 Mk. zur Verfügung zu stellen, dieser Betrag mit dem Bestande des allgemeinen Unterstützungs= und Wohltätigkeitsfonds für den Reg.=Bez. Arnsberg in Höhe von rund 197·000 Mk. zu vereinigen und dem so gebildeten Fonds von 300000 Mk. Die Bezeichnung„Kaiser Wilhelm 2 Unterstützungs= und Wohltätigkeitsfonds für die Provinz Westfalen beizulegen. 2. für die Verwaltung des Fonds die bei gelegten Satzungen zu genehmigen und die bisherigen Satzungen für den bisherigen Fonds des Reg.=Bez. Arnsberg auf zuheben. Die Kommission hat den Antrag empfohlen wobei Abg. Nauck darauf hinwies, daß die Vorlage im Wesentlichen ein Geschenk des Reg.=Bez. Arnsberg sei. Im Plenum wurde die Vorlage angenommen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft die Festsetzung der Provinzialsteuer, die nach Vorschlag des Provinzial=Ausschusses 13,5% betragen soll. Das Haus erklärt sich nach Entgegennahme der Hauptrechnung einverstanden. Damit ist die Tagesordnung der diesjährigen Sitzung beendet und der Oberpräsident Prinz von Rativor Corvey erklärt nach einem Dankeswort an die Abgeordneten den 54. Westf. Prov. Landtag für geschlossen. Patrizierblut. Roman von Reinhold Ortmann. (1. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Cäsar und auch meine Großtante kannten mich zur Genüge, um zu wissen, daß davon nicht die Rede sein ronnte, nachdem es einmal ausgesprochen war. Daß sie mir aber ihre Bedenklichkeiten ganz und gar verhehlen sollten, konnte ich nach allem, was ich von ihren Anschauungen wußte, weder erwarten noch verlangen“ Die Heiterkeit auf dem Gesicht des Malers war einem nachdenklichen Ausdruck gewichen. Eine kleine Weile blinzelte er nach dem Ufer hinüber, als wäre er mit sich selber nicht ganz im reinen, ob er aussprechen solle, was ihm auf dem Herzen lag. Dann aber raffte er sich doch dazu auf. du, Liebling, daß ich mir zuerst ganz fest ssnxäefis, der perr Konsul selbst hätte es auf dich abHelga veränderte die Farbe. ##in Vetter Cäsar?— Wie konntest du nur auf solche Vermutung kommen?— Sein Benehmen gegen mich hat dir doch sicherlich keinen Anlaß dazu gegeben.“ "—.„ weiß nicht.— Und dann— er ist heute kaum mehr als dreißig Jahre alt.“ „Vierunddreißig,“ unterbrach Helga. Aber er ging mit einem Achselzucken über die kleine Berichtigung hinweg hast mir erzählt, daß du seit deinem fünfzehnten Jahre in seinem Hause gelebt hast.“ seiner Großmutter,“ fiel sie ihm abermals in die Rede.„Das ist doch wohl nicht dasselbe. Und verstehe ich nicht, wie dieser Umstand dich auf solche Gedanken bringen konnte. Der Senator Frederitsen und mein Großvater waren Brüder. Seine Witwe und seine Entel sind die einzigen Verwandten, die mein Bruder und ich hier in Hamburg haben. Lag es da nicht sehr nahe, daß sie mir eine Zuflucht in ihrem Hause gewährten als ich nach dem Tode meines Vaters völlig verwaist dastano?. Ich war damals noch ganz und gar ein Kind. Und ich sah in meinem älteren Vetter immer nur die Respektsperson, die er ja auch in Wirklichkeit für mich wie für alle anderen war. Du mußt eben bedenken, daß er mit kaum fünfundzwanzig Jahren die selbständige Leitung der ererbten väterlichen Firma übernommen hatte, und 9aß.„ d. u. die Zahl der angesehensten Hamburgischen Kaufleute eingetreten war. Er selbst aber— oh, er hätte wohl an alles andere eher gedacht als daran, mich zu irgendeiner Zeit für sich zu vegehren. Er ist mir stets ein treuer, fürsorglicher Freund gewesen, und ich werde ihm wie meiner Großtante immer die wärniste Dankbarkeit bewahren. Von anderen als freundschaftlichen Empfindungen aber ist zwischen Cäsar und mir nie die Rede gewesen.“ Sie hatte mit großer Ruhe und Bestimmtheit gesprochen. Nur bei den letzten Worten war ein leiser Klang von Unsicherheit in ihrer Stimme gewesen. Hubert schob seinen Hut zurück und fuhr sich mit der kräftigen Hand durch das dichte, dunkle Haar. „Ja, ja, das ist gewiß alles richtig. Aber am Ende mußt du's doch verstehen, daß die Situation für mich ein bißchen bedrückend ist. Ich soll Hamburg verlassen und soll dich hier auf so und so viele Monate unter dem Einfluß von Menschen wissen, die mich vielleicht nicht geradezu hassen, die mir aber doch sicher nicht sonderlich wohlgesinnt sind. Das ist an und für sich schon nicht sehr behaglich. Aber wenn ich nun obendrein denken sollte, daß es da jemanden gibt, der dich mir noch aus anderen, seht persönlichen Gründen abwendig machen möchte— ich weiß wirklich nicht, Helga, ob ich das aushalten würde.“ Sie hatte das Segel herumgelegt und hielt jetzt gerade auf das Ufer zu. Erst als das kleine Manöver beendet war, fragte sie: „Hast du so wenig Vertrauen zu mir, Hubert? Und eine so geringe Meinung von der Ehrenhaftigkeit meines Betters: Mit einer lebhaften Bewegung warf er den Kopf zurück, und seine Brauen zogen sich zusammen. „Ah, Ehrenhaftigkeit!— Gibt es so etwas denn überhaupt in Herzensangelegenheiten? Wenn ich dich nicht hätte erringen können, ohne dich zuvor einem anderen abzugewinnen— meinst du, daß ich auch nur einen Augenblick gezögert hätte, es mit allen Mitteln zu versuchen? Wer ehrlich verliebt ist, der fragt den Teufel nach alteren Rechten und nach sogenannten Forderungen der Ehre.“ „Cäsar dürfte darin anderer Meinung sein. Wie ich ihn kenne, weiß ich, daß auch das lockendste Glück ihn den Gesetzen der Rechtschaffenheit niemals abtrünnig machen würde.“ „Er dürfte stolz darauf sein, wenn er dich hören könnte Leute, von denen man eine so hohe Meinung hat, pflegen einem in der Regel nicht ganz gleichgültig zu sein.“ Sunn hätte ich auch gesagt, daß er mir gleichgültig irr— Ich weiß, daß ich keinen besseren und zuverlässigeren Freund habe als ihn. Und mein Vertrauen in lässigeren Freuno habe als ihn. und mein seine Ehrenhaftigkeit ist ganz unerschütterlich: Die Falte über Hubert Almröders Nasenwurzel hatte sich vertieft. „In einer gewissen Hinsicht rangiere ich also doch erst hinter diesem deinem besten und zuverlässigsten Freunde Mit freiem, offenem Blick, der etwas wie leises Erstaunen ausdrückte, sah sie ihm in das erzürnte Gesicht „Aber da lassen sich doch gar keine Vergleiche anstellen,“ sagte sie einfach.„Cäsar ist mein Freund. Und dich— dich habe ich lieb.“ Wie vor einem Windhauch zerstoben war all seine eifersüchtige Erregung. Und hätten sie sich nicht in einem chwanlenden Boote befunden, er wäre sicherlich aufgesprungen, um sie in seine Arme zu ziehen. „Verzeih' mir, mein Herzensliebling, wenn ich wieder einmal Unsinn geschwatzt habe. Es muß doch wohl was Wahres daran sein, wenn die Leute sagen, daß die Liebe nicht von Vorteil ist für den Verstand.“ Er lachte ihr treuherzig zu, und auch auf ihren Lippen war wieder ein Lächeln. Von Wind und Strömung begünstigt, näherte sich das Boot jetzt schnell dem Ufer. Und Helga steuerte es geschickt jener Stelle zu, wo sich der weiße Turm einer Villa, die fast schon das Aussehen eines zierlichen Schlößchens hatte über den grunen Laubmassen einer parkartigen Gartenanlage erhob. 2. Kapitel. Ein ältlicher Diener in schlichtem, schwarzem Anzuge Peguggen„Deg##e r siben„äzmm behllsuch gewesen, die „Ellida“ in den kleinen Hafen zu landen, in dem noch ein größerer nutte, und zwei Ruderboote lagen. Die schuldigen Ritterdienste beim Aussteigen aber hatte Hubert Almröder seiner Verlobten geleistet. gi ern, da sie auf dem festen Lande nebeneinander nangen, wu.„ ex recht offenbar, ein wie prächtiges ich da zusammengefunden hatte. Er, weit #r Miti lgröße emporgeschossen, mit breiten Schuliern und mächtig gewölbter Brust, ein Bild prangender Geunoyett und urwüchsiger, vielleicht erwas brutaler männlicher Kraft— das Mädchen an seiner Seite nur um ein Geringes kleiner als er, gertenschlank und elastisch, in jeder Linie ihres ebenmäßigen Körpers der Typus einer vornehmen, durch keine unedle Blutmischung verdorbenen Rasse. „Ist die Frau Senator im Garten?“ wandte sich Helaa an den schweigsamen Diener.„Und der Konsul? Ist er schon aus der Stadt zurück, Meiners?“ „Nein, Fräulein Frederiksen!— Der Herr Konsul hat etraosien derr Heury Frederisen ist vor einer Stunde ein Bewegung höchster Ueberraschung drehte ### sich schon halb zum Geyen gewendet hatte, „Wer?— Mein Bruder Henry?— Ohne daß er sich garsC scher geede date:— Sind Sie Ihrer Sache auch ##ch selbst h#e Herrn Frederiksen empfangen, gnädiges Trauism!— Er in augenblicklich noch bei der Frau „Hier unten im Garten?“ # Sc#rm— die Herrschaften, haben sich in die Gemächer der Frau Senator hinaufbegeben.“ auberfi Eakit iaruraut der Steue begrüßen.— Komm, st ja prächtig, daß du meinen Bruder nun ## vor deiner Durchreise durch Berlin kennen lernen .. Sie, hatt, den Arm des Malers genommen und zog hn rasch mit sich fort über die fast pedantisch sorgsam g pflegten Wege des ganz in englischem Geschmack angeEr aver schizen bestrebt, ihre Eile zu meine Gegenwart bei eurer ersten Begrüßung nicht etwas störend wirken, Liebling?“ fragte er.„Du hast deinen Bruder seit längerer Zeit nicht gesehen.“ „ei hat seit dem Weihnachtsfest keine Zeit mehr zu gefunden. Der arme Henry ist bei dem raschen Emporwachsen seines Geschäfts so surchtbar mit Arbeit überbürdet. Aber von einer Störung durch deine Anwesenheit kann selbstverständlich nicht die Rede sein. Mein Bruder wird sich von Herzen freuen Säis, Zekanntschaft, zu machen. Nach seiner Briefe anläßlich unserer Verlobung brauchst du doch wahrlich nicht zu besorgen, daß es anders sein könnte.“ nicht!— Es wäre sehr erfreulich für mich gewesen, wenn der Eindringling überall in deiner Familie Willkomm gefunden hätte wie bei ihm. Aber, wenn er oben bei deiner Großtante ist— du weißt die Frau Senator——“ Schon im nächsten Augenblick jedoch wurden alle seine dem Fröhlichen Ausrat. umterdrag ihun mit Henrin dier. von:— Er sucht mich!— Helga hatte den Arm ihres Begleiters fahren lassen und eilte leichtfüßig dem dunkelgekleideten Herrn entgegen der eben über die Stufen der Gartenterrasse herabkam. Er war etwa dreißigjährig, blond und schlank wie die Schwester, aber von schmalerem und— wenigstens in diesem Augenblick— auffallend bleichem Gesicht. Er beschleunigte seinen Schritt nicht, um die auf ihn Zufliegende früher zu erreichen, und das Lächeln, das sie begrüßen sollte Gesicht einen eher schmerzlichen als „Meine liebe Helga!“ .#us war auler, was er herausbrachte, als sie ihren #„ um se. in Nacken legte und für einen Moment ihre Wange an die seine schmiegte. Erst als er des taktvoll zurückgebliebenen Fremden ansichtig wurde, reckte er seine Schme ge in eder. 4iuroder, Schwefterchen— mein Herr „Ja, das ist mein schüchterner Verlobter!“ scherzte sie während ihre Augen doch schon wie in forschender Frage über sein blasses Gesicht hinflogen.„Du mußt freundlich Berih ase Hie Karchels Slande belnache, dach er sch en Pogesz, de; sungen Banter. Schon in der nächsten #### aber war er mit weltmännischer Artigkeit auf den höflich grüßenden Maler zugetreten. „Ich freue mich, endlich auch von Angesicht den Mann „ wyill.— Helga und ich sind von Kindesbeinen an so treue Geschwister gewesen, daß Sie sie mir gewiß nicht ganz abspenstig machen werden— nicht wahr?“ Borde“ sehr scharse oden im kühlen Tergen#r scharfhörig geworden für jeden Klang echter gichkeit, und sey., da er diesen Klang aus der Rede des künftigen Schwagers in nicht zu mißdeutender Aufrichtigkeit zu vernehmen glaubte, ließ er sich ohne Widerstreven vor wran s lchrtrgsl Impuis seines warmblütigen Tempera"„Es soll nur auf Sie ankommen, mein lieber Herr Frederiksen, ob Sie zu der treuen Schwesterliebe nun auch noch die eines Bruders haben wollen. Daß Sie mir als er Saite,u ensige aus Heigas Verwandtschaft mit rück##„Vein en entgegengekommen sind, hätte ich Ihnen ohnehin nicht vergessen.“9 „Sie schüttelten sich die Hände, während Helga still danevenstant und ihren Bruder unverwandt ansah. Lanasam war die sonnige Fröhlichkeit aus ihren Zügen veres auf in ir reinen Stisrn. du orgenvollen Ernstes lag sile.„Hat sie dich so bald esante, Henryk“ fragte „Ich durfte mich nicht aufhalten, da ich nach Hambura Lest pit Gude“#nchen. Ich boffte, ihn zur Frühstücksden Fernsprech wisen lastler er mie drinnen in va darf ich woyl keine Zeit p. a. Minuten wirst du doch wohl vorher für mich übrig haben,“ sagte sie im Ton einer ernsthaft gemehr gehabt: sa so lange nicht Henry Frederiksen sah auf seine Uhr. „Aber es werden— ganz buchstäblich genommen— nicht meyr als ein paar Minuten sein dürfen, Schweiter Verlobten darute Ju Pasheteuen geige iiden Dr beilte er sch, stalt ihrer „Ich wäre ohnehin durch eine grausame Verpflichtung gezwungen gewesen, mich innerhalb der nächsten fünf verabschieden. Ich werde ja wohl die Freude eber## sie während Ihres hiesigen Aufenthalts noch . Scein Aufenthalt in Hamvurg dürfte diesmal nur Stunden bemessen sein. Aber es läge mir allerdings arun, Sie vor meiner Abreise noch zu sprechen das Opfer bringen, um fünf Uhr in den „Vier Jahreszeiten“ mit mir zu speisen?" Helga schien erstaunt. „Aber willst du denn nicht hier bei uns——“ „Es wird sich kaum einrichten lassen, Schwesterchen“ unter##ch e: ge hastig.„Ich habe in Hamburg allerlei zu ..99 muß hausbalten mit meiner Zeit. Darf ich also ..## Vergnugen Ihrer Gesellschaft hoffen, Herr Almr Schp Hät ggt#erguwillig zu, uuno sie verabredeten, daß der in den„Vier Jahreszeiten“ abgestiegen Biz zur Gart. 4##re seinem Zimmer aufsuchen werde dag Gelaisp grtspart gaven die Geschwister dem Maler Wörte, mit derau.. hersliche, warmtlingende Worte, m., denen die beiden Herren dort vorläufigen Ab schied voneinander nahmen. Helga blieb am Gitter stehen, solange sie ihren VerSteisp, epen konnte. Und ern, als er sich an der nächsten henkreuzung unter fröhlichem Hutschwenken zum letzten „Es ist ein unerfreulicher Anlaß, der dich heute nach Hamburg geführt hat, Heuros. nach „Wie kommst du darauf?— Man hat dir schon deutungen gemacht, nicht wahrs. 900 00 „Nein, mit keinem Wort.— Aber ich habe emt„“ icht gelesen, Zse., du, mich vorhzin begrüßtest:“ Ende würde es dir sa doch nicht lange meyr ein Gebend erschosen.e Sozius Thiele hat sich gestern „Oh!“ ne bei: Popisteizug aufrichtigsten Entsetzens, mit dem sie seine Mitteilung ausgenommen hatte. Und für einen Do. st Ja; Gerei.au dem Gescht gewichen. „Das ist ja schrecklich, Henry!— Und weshalb weshalb hat er das Fürchterliche getan?“ „Errätst du's nicht?— Weil er ein Schurke gewesen .., und ein Feigling obendrein, wie es alle Schurken Die so lange mühsam zurückgehaltene Erregung brach ,8Pruageeeige und was Heiga setzt in 953. e##erschien ihr wie tiefste Verzweiflung. Mit beiden Händen faßte sie nach seiner abermals mechanisch zu der feuchten Stirn erhobenen Rechten.0 alles agen ae willen„ du mußt mir alles— aues sagen!— Was hat er getan?“ „Betrogen und gestohlen hat er!— Mich— unsere Bizhtend eines z.. et und bestohlen Während eines kurzen halben Jahres hat er in unsinnigen SKsleonene vergehiuter meinen Rücken nahezu andertalb (Fortsetzung folgt.) Marke: Unser Kaiser 0P Gg. d. Stck Salem flleikum. (hohlmundstück.) (Soldmndstck. 18. Kar. Sold) ligaretten. Tlo. 10-10 Pfg. ö. Stck lo. 5-5 Pfg. ö. Stück Garantiert nakurell, bekömmlich mild, rein orienkalischer Tabak. Echt mit Eirma: Orienk. Cabak u. ligaretten-Labrik. Lenidze. Dresden. Lrustfrei! Das Geheimnia zur Erhaltung des Tein offenbart Ihnen die Morrholinseife halt an Myrrholin eine unübertroffene Schönheitswirkung besit Bekanntmachung. anstelt in Batei Pn Provinzial=Hebammen=Lehr Kursus zur Ausbildung von Wochenbettpflegerinnen stattfinden. 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V.: Winnigstedt, Kreissekretär AsBekanntmachung. Am Sonntag. den 1. Juni d. Js., ist der Eisenbahnüber gang bei Rorig's Hotel von vormittags 6 Uhr für den öffentlichen Verkehr gesperrt Der Fußgängerverkehr erfolgt durch den neben dem EisenbahnÜbergange befindlichen Personen tunnel. Der Fuhrwerksverkehr er folgt durch die Unterführungen im kleinen Felde und der Sophienstraße. Herford, den 23. Mai 1913 Die Polizeiverwaltung Die Grasnutzung im Verkoppelungsgelände der projektierten Straßen soll am Zienstag, den 3. Juni, abends 6½ Uhr meistbietend verkauft werden. Versammlungspunkt: neue Wiesebrücke. Nachdem findet der Verkauf der Sichenblöcke am Lnkmeyer'schen Ufer statt. J. A.: Der Genolsenschaftsvorltand Gustav Linkmeyer Möbel sucht Beschäftigung fabrik. Angebote erbeten unter C. R. 5556 an d. Geschäftsstelle d. Bl 2 tüchtige selbstständige Holzmaler für sofort bei hohem Lohn gesucht. Herm. Beyhoff. 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