Das„Herforder Kreisblatt“ erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage. Vierteljährlicher im voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 pf. Durch die auswartigen Betriebestellen bezogen 1 M. 65 Pf. Bei Selbstabholung aus der Geschäftsstelle 1 M. 25 Monatlich 59 Pf. Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pf., auswartige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Deritzeile berechnet. Erwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhalb 4 Wochen nach Erlalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Ferd. Etzmann in Herford. Für den übrigen Teil: Friy Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt. Oesterreich und Serbien. Aus Petersburg wird der Köln. Ztg. telegraphiert: Der bekannte Politiker Mitjukow bespricht den Zündstoff, der inen Krieg zwischen Österreich=Ungarn und Serbien entfachen könne. Sein aus Belgrad datierter Brief beschäftigt sich zunächst sehr eingehend mit der Broschüre Mandls über die geschichtliche Entwicklung der Beziehungen der beiden Länder.(Über die das Kr.=Bl. am Freitag einen Artikel frachte): So wenig man in Österreich=Ungarn gegen das Erstarten Bulgariens, Griechenlands und Montenegros habe, so pessimistisch schaue man auf Serbien. Dann schildert er, wie das Anwachsen der großserbischen Idee zu einer steten Gefahr der Herausforderung für Österreich=Ungarn geworden sei. In Wien habe er erfahren, daß während der gegenwärtigen Krise schon dreimal durch halbamtliche Unterhändler versucht worden sei, in Belgrad zugunsten einer Abkehr von dem Vertrauen auf Rußland und für die Annahme einer freundlichern Haltung gegen Österreich=Ungarn zu wirken. Im Anfang des Krieges sei Dr. Redlich in Belgrad gewesen, um den Zollvertrag abzuschließen. Die Belgrader Politiker behaupten, Österreich=Ungarn habe damals sogar auf ein freies unabhängiges Albanien verzichten wollen Nach Redlichs ergebnisloser Reise sei Massorik zur Vermittlung zwischen Paschitsch und Berchtold benutzt worden. die an der adriatischen Hafenfrage scheiterte. Ganz neu sei ein dritter geheimnisvoller Besuch in Belgrad, über den er nicht sprechen dürfe, der aber anscheinend ebenso wie die ersten beiden nichts genützt habe. Jetzt wolle Österreich=Ungarn anscheinend das, was es im guten nicht habe erreichen können, mit Gewalt erzwingen. Man sage sich in Wien, es sei besser, ein= für allemal Serbien zu zwingen, seine Politik gegenüber Österreich=Ungarn zu ändern, als in regelmäßigen Zeitabschnitten immer Riesensummen für Mobilmachungen ausgeben zu müssen. Dagegen lasse sich kaum etwas sagen beweise nur, in welch schwieriger Lage sich Österreich gegenüber den Südslawen befände. Die Serben erschienen als die von Österreichs Liebesmühe Umworbenen. Sie sollten aber ruhig warten und den Zersetzungsprozeß, der mit der Zeit Österreich aufzehre, wirken lassen. Wenn Österreich mit dem Schlimmsten drohe, solle Serbien deshalb jetzt klug sein und die Verwirklichung seiner nationalen Ideale auf einen günstigeren Zeitpunkt verschieben. Aus diesem Gesichtswinkel betrachtet, gewinne die Arbeit der Diplomatie für die#ri, Jung des Friedens ein ganz anderes Gesicht. (Miljukows Artikel und Ratschläge an Serbien sind ganz im Sinne der Wiener Kriegspartei gehalten. Sie werden, wenn sie in Wien bekannt werden, dort aufreizend wirken.) Die Werlvereine. Auf der letzten Hauptversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands hat Kommerzienrat Dr. Karl Goldschmidt=Essen einen Vortrag über die Werkvereine gehalten, der besondere Beachtung verdient und aus dem wir folgende Stellen hier wiedergeben: Während der Gedanke des Segens der Organisationen der Gedanke des Tarifvertrags seinen Siegeszug durch Deutschland hält und mit ihm die Sozialdemokratie als die energischeste Vertreterin dieser Gedanken und der Idee des Klassenkampfes, bereitet sich in den Köpfen vieler Arbeiter und zwar gerade der ruhigeren, älteren und gebildeteren eine dieser landläufigen entgegengesetzte Auffassung über die Stellung des Arbeiters in dem modernen Wirtschaftsleben heraus. Alle die Glaubenssätze der Arbeiterorganisationen, im besonderen der sozialdemokratischen, wurden nachgeprüft und einer nach dem andern als irrtümlich und gefährlich beseitigt und anhand der Erfahrung durch einen andern ersetzt. 1. An die Stelle der Auffassung vom unüberbrückbaren Gegensatze zum Kapital und Unternehmer tritt der Grundsatz der überwiegenden Interessengemeinschaft. 2. An die Stelle der Lehre von der Allmacht der Organisation tritt die Auffassung, daß nur Fleiß, Zuverlässigkeit und Sparsamkeit den Arbeiter frei und zufrieden machen nine, und daß die Orgonisation nur soweit berechtigt sei als sie die Arbeiter in dieser Beziehung unterstützen und ihnen helfen kann. 3. Nicht allen gleicher Lohn, sondern Lohn nach Maßgabe der Leistung, nicht Sozialismus, sondern Individualismus. Nicht soziale Revolution und Gemeineigentum, sondern Ausbau unseres in tausendjähriger Entwicklung entstandenen Wirtschaftslebens und Anteilnahme des Arbeiters an den Montag, den 20. Januar 1915. Vorteilen des Kapitalbesitzes durch Erwerb mittels Fleiß und Sparsamkeit. 5. Nich. Internationalismus, sondern Anschluß aus ge meinsame Vaterland, nicht Beschimpfung unseres in ruhmreicher Geschichte entstandenen Deutschen Reiches und seiner Verfassung, sondern Freude an demselben und Mitarbeit zur weiteren Entwicklung. 6. Anerkennung der Notwendigkeit von Heer und Flotte, Freude an diesen Einrichtungen, Opferbereitschaft zur Aufrechterhaltung dieser zwei Schutzwehren, ohne welche die deutsche Selbständigkeit und der deutsche Wohlstand undenkbar wären, wie das gerade die Vorgänge im letzten und in diesem Jahre jedem zeigen, der nicht absichtlich die Augen schließt. 7. Nicht Ablehnung unserer Kolonialpolitik, die gerade dem deutschen Arbeiter Arbeitsgelegenheit sichern soll, sondern Unterstützung derselben. 8. Nicht grundsätzlicher Freihandel und Ablehnung aller Zölle, sondern sachliche Prüfung aller Maßnahmen zur Förderung des heimischen Wirtschaftslebens. Daß diese Verschiedenheit der Auffassungen nun in Taten sich umsetzte, daß sie zur Bildung von Organisationen führte die eine entgegengesetzte Tendenz hatten, als die bisherigen Arbeiterorganisationen, hat nun seinen Grund fast ausschließlich in der Unduldsamkeit, in dem Terrorismus und dem Übermut der sozialdemokratischen Gewerkschaften. Zur Abwehr der Übergriffe dieser Gewerkschaften schlossen sich diejenigen zusammen, die mit dem Vorgehen der letzteren unzufrieden waren. Sie waren zum Zusammenschluß gezwungen, da der einzelne dem Zwange der Gewerkschaften nicht widerstehen konnte. Dieses Bild zeigt sich fast überall, und ganz von selbst ergab sich dabei der Zusammenschluß der auf einem Werke Beschäftigten. So entstanden die Werkverseine im Kampfe gegen die sozialdemokratischen Gewerk schaften. Die sozialdemokratischen Organisationen und die sozialdemokratische Weltanschauung, die sie verbreiten, liegt mit drückender Schwere auf unserm ganzen Volke, nimmt ihm vielfach den Glauben an eine Besserung seiner Lage durch eigene Kraft, die Freude am Dasein, an den großen Errungenschaften unseres Volkes, läßt die weitesten Kreise verzweifeln an der Hoffnung, es könnte aus diesem Drucke sich je wieder befreien. Wenn auch unsere Kreise den Druck nicht so sehr empfiner doch mit unerträglicher Schwere auf jenen Bevölkerungsschichten, die mit der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft in nähere Berührung kommen oder von iyr abhängen. Dies kam deutlich zum Ausdruck in den Kia gen, die auf der Tagung der wirtschaftsfriedlichen nationa en Arbeiterbewegung in Essen 1912 ein Vertreter eines Gesellenverbandes vorbrachte. Er schilderte, wie die Bäcker= und Metzgermeister durch den Terrorismus der noch nicht einmal zahlenmäßig starken sozialdemokratischen Gesellenverbände gezwungen werden, mit diesem Tarife abzuschließen, nur so zialdemokratisch organisierte Gesellen einzustellen und sogar schwere Steuern an die sozialdemokratische Gewerkschaftskasse zu zahlen, weil sonst ihre Namen zum Zweck des Boykotts der aus Arbeitern bestehenden Kundschaft mitgeteilt würden. #####. nicht sozialdemokratischen Kreise werden von ihren inkäufen bei den Meistern, welche die Forderungen der so zialdemokratischen Gewerkschaften nicht bewilligt haben durch die niederträchtigsten Maßnahmen abgehalten. Dieser Terrorismus ist bei den letzten Landtagswahlen so deutlich in die Erscheinung getreten, daß es in einigen Bezirken mit vorwiegender Arbeiterbevölkerung geradezu unmöglich war Wahlmänner für eine der bürgerlichen Parteien zu finden, Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Hannover. 68. Jahrgang. Mit dem Motor ins Innerste Afrikas. Von den Stanleyfällen kongoaufwärts. von Oberleutnant Paul Graetz. (Nachdruck verdoten) 2—sf— VIII.(Fortsetzung. und neuerdings lesen wir bereits, daß die Führer der Sozialdemokratie ihre Anhänger auffordern, diejenigen Gewerbetreibenden, die nicht sozialdemokratisch wählen oder sich betätigen sollten, bekanntzugeben, damit sie dem wirtschaft lichen Ruin entgegengeführt werden könnten. Niemand weiß eine Antwort zu geben, was wir im Reiche anfangen sollen, wenn so fortschreitend die Sozialdemokratie einst die Mehrzahl der Sitze im Reichstage haben wird. An eine„Mauserung“ glaubt wohl heute taum noch jemand. Die Organisation der sozialdemokratischen Partei ist auf den Radikalismus zugeschnitten, der letzten Endes auch noch immer gesiegt hat. Ein Staatsstreich wird von manchen gehofft, von den meisten Vaterlandsfreunden wohl gefürchtet. In dieser verzweifelten, aussichtslos erscheinenden Lage haben einige mutige Männer sich zusammengeschart, den Druck abzuschütteln, der, alles erstickend, auf unserm Arbeiterstand, auf unserm ganzen Vaterlande ruht. Am 25. Oktober, am Tag nach der Ankunft in Stanleyville, wird die„Hygiama“ mittels Kran auf zwei aneinander gekoppelte Trollys gehoben, um nach dem 125 Kilometer entfernten Ponthiasville transportiert zu werden. Der 1,01 Meter breite Schienenstrang verbindet die zweite und dritte schiffbare Zone des Flußlaufs. Hart oberhalb Stanleyville bilden die aus vielen Katarakten bestehenden Stanleyfälle ein absolutes Hindernis für die Schiffahrt. In dem durch ein Verdeck geschützten Stahlboot Adams wird ein Sonntagsausflug nach den Fällen unternommen, an dem außer Monsieur und Madame Adam noch die beiden deutschen Kaufleute von Stanleyville, Herr Walther von Vett und Herr Drewitz, teilnehmen. An dem Eingeborenendorf Stanleyville verlassen wir das Fahrzeug und spazieren durch die Reihen der Hütten arabischen Stils. Hier beim Fischervolk der Wagenia beginnt die Ara arabischen Einflusses, dessen Bekämpfung den Belgiern so viele blutige und teuere Expeditionen gekostet hat. Von allen Seiten schallt uns der Jambo“=Gruß des Kisuaheli entgegen. Näher und näher erklingt das Rauschen der Fälle. Wir klettern über eine hochgelegene zerrissene Felsplatte, und das prächtige Naturwunder mit seinen Steinterrassen, schäumenden Wassermassen und Schnellen liegt vor uns. Über die ganze Breite der Fälle ziehen sich haushohe Fischstauen, Gerüsten vergleichbar, in welche die aus Binsen gefertigten Reußen eingelassen sind. Die tägliche Beute des Fischfanges ist enorm. Der Eindruck der Stanleyfälle ist imposant durch die gewaltigen Wassermengen und ihre laute Kraft, doch gleicht das Ganze mehr einem Riesensteinwehr und vermag einen Vergleich mit den einzigschönen Victoriafällen des Zambesi nicht standzuhalten. Nachdem ich das Gruppenbild der Sonntagsausflügler auf den wild durcheinander gewürfelten Steinquadern mit der weißen Mauer der Stanleyfälle als Hintergrund auf den Film gebracht, steigen wir in den Strahlen der wundervoll zur Rüste gehenden Sonne zum Kongo hinab, um die Heimfahrt anzutreten. Oberhalb der Stanleyfälle trägt der Strom den Namen Lualaba, welcher als Bindeglied gilt zwischen dem Kongo und dem bisher als Quellfluß des Kongo angesprochenen Kuleshi in Haut=Katanga. Ich bin an einem wichtigen Punkte meiner Forschungsfahrt angelangt, wo die Beweisführung einsetzt für den Ursprung des Kongo, welcher mit seiner Länge von seiner bisher angenommenen Quelle des Kuleshi bis zur Mündung an zweiter Stelle unter den afrikanischen Flüssen stand, und dem mein Nachweis, daß der südlich des Tanganyka entspringende Chambesi der Quellfluß des Kongo ist, den ersten Rang einräumen wird. Wohl haben sich schon Stimmen erhoben, welche die Quelle des Kongo in das südliche Randgebirge des Tanganyka verlegen nach dem geographischen Grundsatz, daß die in ununterbrochener Wasserlinie am weitesten von der Mündung eines Stromes entfernt liegende Quelle als sein Ursprung anzusehen ist, ungeachtet, daß auf dieser Linie Zuflüsse mit ungleich bedeutenderen Wassermengen, von ungleich bedeutenderer Breite münden.(Elbe und Moldau.) Doch diese Stimmen, die dem Chambesi als dem Kongoquellfluß das Wort reden, wurden überschrien durch die Belgier, die den Kongo als ihren Fluß von der Quelle zur Mündung für sich beanspruchen. Und fürwahr— der Gegenbeweis ist noch nicht erbracht— noch nie ist ein Europäer dem Wasserwege gefolgt, welcher aus dem fernen Nord=Rhodesia durch den Banquelo und Neru=See, durch Busch, Wald, Sumpf und Steppe, durch Einöden und reiche Siedelungen, über Gebirge und Flachland, über Sand und Felsen durch Urwildnis und Zivilisation hinführt zum Atlantischen Ozean. Das Problem der Kongoquelle habe ich auf mein Banner gesetzt. Die Belgier nennen den Strom oberhalb der Stanleyfälle Lualaba, unterhalb nimmt er den Namen Kongo an. Ich werde durch meine Expedition den Beweis der Unrichtigkeit dieser von den Eingeborenen übemnommenen Benennung bringen.— Die Stanleyfälle stellen eine jener vielen Stufen dar im Flußbett des Kongo und begrenzen die zweite schiffbare Zone— von der Mündung an gerechnet bis hinunter zum Stanleypool(1610 Kilometer), von wo der Strom auf einer Entfernung von 350 Kilometer die aus 32 Absätzen bestehenden Livingstonefälle bildet mit einem Gesamtgefälle von 220 Metern. Bei Matadi beginnt dann die erste Schiffbarkeitszone bis zur Mündung— 150 Kilometer— für die großen Ozeandampfer fahrbar. (Fortsetzung im zweiten Blatt.) Die Rote der Mächte. Berlin, 18. Jan. Die von den Botschaftern in Konstantinopel gestern übergebene gleichlautende Note hat folgenden Wortlaut: „Die unterzeichneten Botschafter von Österreich=Ungarn, England, Frankreich, Rußland, Deutschland und Italien sind von ihren Regierungen beauftragt worden. S. E. dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten S. M. des Sultans die folgende Mitteilung zu machen: In dem Wunsche, der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vorzubeugen, glauben die genannten Mächte die Aufmerksamkeit der k. osmanischen Regierung auf die schwere Verantwortung lenken zu sollen, die sie auf sich nehmen würde, wenn sie, entgegen den Ratschlägen der Mächte, die Wiederherstellung des Friedens verhindern würde. Sie würde es nur sich selbst zuzuschreiben haben, wenn die Fortsetzung des Krieges zur Folge haben würde, das Schicksal der Hauptstadt in Frage zu stellen und vielleicht die Feindseligkeiten auf die asiatischen Provinzen des Reichs auszudehnen. In diesem Falle wird sie nicht auf den Erfolg der Bemühungen der Mächte rechnen können, sie vor den Gefahren zu bewahren, denen sich auszusetzen sie ihr bereits widerraten haben und auch weiter abraten. Wie die Dinge liegen, wird die k. osmanische Regierung nach dem Friedensschluß des moralischen und materiellen Beistandes der europäischen Großmächte bedürfen, um die Schäden des Krieges wieder gut zu machen, ihre Stellung in Konstantinopel zu festigen und die weiten asiatischen Gebiete in guten Stand zu setzen, deren Gedeihen ihre wirksamste Stärke bilden wird. Um dieses notwendige Werk zu unternehmen und durchzuführen, würde die Regierung S. M. des Sultans auf die Wirksamkeit der wohlwollenden Unterstützung der Mächte nur dann rechnen können, wenn sie ihren Ratschlägen folgen wird, die von den allgemeinen Interessen Europas und denen der Türkei eingegeben sind. Unter diesen Umständen glauben die europäischen. Großmächte, gemeinsam der k. osmanischen Regierung erneut den Rat geben zu sollen, der Abtretung der Stadt Adrianopel an die Balkanverbündeten zuzustimmen und den Großmächten die Sorge zu überlassen, über das Schicksal der Inseln des Agäischen Meeres zu befinden. Gegenüber diesen Zugeständnissen würden die genannten Mächte es sich angelegen sein lassen, den Schutz der mohammedanischen Interessen in Adrianopel und die Achtung vor den in dieser Stadt befindlichen Moscheen, religiösen Gebäuden und Grundstücken zu sichern. Ebenso würden sie dahin wirken, daß bei der Lösung der Frage der Inseln des Archipels jede Drohung für die Sicherheit der Türkei ausgeschlossen ist. Seeschlacht. Athen, 18. Jan. Die türkische Flotte lief heute aus der Meerenge aus und dampfte in südlicher Richtung nach der Insel Tenedos, wo sich eine Schlacht mit der griechischen Flotte entspann. Der Kampf dauerte zwei Stunden. Hierauf fuhr die türkische Flotte, von der griechischen verfolgt, nach den Dardanellen zurück. Über die Verluste des Feindes sind noch keine bestimmten Nachrichten hierher gelangt. Ssterreich und Rußland. Einer Meldung der Breslauer Zeitung zufolge wurden nachts wiederholt russische Aroplane über der galizischen Grenzgarnison Jaroslau gesichtet, welche mittels Scheinwerfers das Gelände erforschten. In der Nacht aus Samstag stürzte ein Aroplan ab, dessen Insasse, ein russischer Stabsoffizier, getötet wurde. Da hierdurch die Spionage bestätigt war, ordnete die österreichische Militärbehörde für die Zukunft scharfe Beschießung von nächtlichen Luftfahrzeugen an. Rumänien und Bulgarien. Sofia, 18. Jan. In den zwischen Bulgarien und Rumänien stattfindenden Erörterungen ist jede Spur von Verstimmung geschwunden. Auf beiden Seiten bekundet sich der beste Wille zur Erzielung eines Einvernehmens, das nicht mehr ferne ist. In den leitenden bulgarischen Kreisen wird mit Anerkennung der Rolle Österreich=Ungarns in dieser Angelegenheit gedacht, welches unter Enthaltung von jedem unmittelbaren Eingreifen in die Frage sich bemühte, das Ausgleichswerk durch wiederholte in freundschaftlichstem Ton gehaltene Ratschläge zu erleichtern. Montenegros Wünsche. Wie das Reutersche Bureau erfährt, haben die montenegrinischen Friedensdelegierten dem Staatssekretär Grey und den Botschaftern in London einen Denkschrift überreicht, in der im einzelnen die Gründe aufgeführt werden, aus denen Skutari, Ipek und Prizrend dem Königreich Montenegro einverleibt werden sollten. Montenegro wolle lieber als politischer Faktor von der Balkanhalbinsel verschwinden, als seine Ansprüche auf die genannten Orte aufgeben. Der Denkschrift liegt eine Karte bei, auf der die von Montenegro beanspruchten neuen Grenzen kenntlich gemacht sind. Wie das Reutersche Bureau weiter erfährt, bereiten auch die anderen Balkanverbündeten ähnliche Erklärungen zur Unterstützung ihrer Gebietsforderungen vor. Die Republik auf dem Berge Athos. Wie das Reutersche Bureau erfährt, haben die Londoner Botschafter der Großmächte beschlossen, daß der Berg Athos als unabhängige, geistliche Republik angesehen werden soll Auf der chalkidischen Halbinsel, im Südosten von Mazedonien, trägt deren höchstes und am weitesten in das Meer hinaustretende Vorgebirge den Namen„Berg Athos“. Er ist in der ganzen Levante als der heilige Berg(neugriechisch: Hagion Oros, italienisch: Monte santo) bekannt. Auf ihm befinden sich zwanzig Klöster, von denen einige schon in den ersten Jahren des byzantischen Kaisertums gegründet wurden, und viele Kirchen und Kapellen. Jede der verschiedenen, zur orthodoxen morgenländischen Kirche gehörenden Nationen hat hier einige Klöster, und Scharen von Pilgern aus Griechenland, Serbien, Bulgarien, Rußland und Kleinasien stellen sich alljährlich ein. Die Länge der ganzen Halbinsel beträgt etwa 8½ Meilen, hre Breite durchschnittlich 1 Meile. Die Berge im Norden ind nur etwa 600 Fuß hoch, weiter nach Süden steigen sie bis zu 1600 Fuß an, bis endlich der Athos, ein weißlicher Kegelberg aus Kalkstein, der mit dunklem Walde bedeckt ist, tark ansteigend die Höhe von 6550 Fuß erreicht. Das älteste Kloster soll von Helena, der Mutter Konstantins des Großen, errichtet sein. Kaiser und Fürsten griechischen Glaubens besiedelten die Täler und Wälder des heiligen Berges mit Kirchen und Klöstern, und verschiedene von ihnen zogen sich gegen Ende ihrer Tage in diese großartige, schöne Einsamkeit zurück. Die türkische Regierung hat die Mönche tets mit größter Rücksicht behandelt. Der einzige Moslem, der auf der Halbinsel wohnt, ist ein Beamter, durch den die Regierung in Konstantinopel mit der Synode von Karyes, der obersten Behörde dieser seltsamen Mönchrepublik, die Verbindung unterhielt. Er muß unverheiratet sein, da auf der Halbinsel keine Frauen, ja nicht einmal weibliche Tiere, geduldet werden. Die Synode besteht aus 20 Mitgliedern, jedes aus einem der Klöster und alljährlich neugewählt. Jedes Kloster hat eine Anzahl Laienbrüder, welche die körperlichen Arbeiten verrichten. Die Klöster sind meist reich begütert, nicht allein auf der Halbinsel, sondern auch in Thessalien, Mazedonien und in den Balkanstaaten. Die Gesamtzahl der Mönche des Athos soll 3000 betragen. Gelehrsamkeit findet man nicht unter ihnen, die Bibliotheken, welche noch Manuskripte von Wert enthalten mögen, sind ganz ungeordnet. In den Klöstern wird man freundlich aufgenommen, darf alles besichtigen, was man wünscht, erhält Unterkunft und Kost, so gut es der Tag gestattet. Der Wein ist gut, dagegen bekommt man selten Fleisch, da die Mönche, nach der strengen Regel des heiligen Basilius, nur von Fischen, Gemüse, Reis, Käse und Obst leben, ja während der Fasten nur von Brotsuppe und Gemüse. Beim Abschied pflegt man dem Laienbruder, welcher den Reisenden bediente, ein Geldgeschenk zu machen. Für Kost und Herberge darf man nichts zahlen, da die Klöster reich genug sind, um gastfrei zu sein. Politische Rundschau. Berlin, 19. Januar. Der Kaiser vollzog gestern im Rittersaal des königl. Schlosses die feierliche Aufnahme der neuernannten Ritter des Schwarzen Adlers, nämlich des Admirals Grafen Baudissin, des Staats und Kriegsministers General der Infanterie v. Heeringen, des Admirals v. Holtzendorff. des Generals der Infanterie v. Prittwitz und Gaffron und des Generals der Zufanterie v. Ploetz.— DerKaiser wohnt Ende Februar der Vereidigung der Marinerekwuten in Wilhelnshaven bei und besucht Helgoland und Bremerhaven. Zum ersten Malc dient das neue Linienschiff Kaiser als Woynschiff.Es geht am 15. Februar nach Withelmshaven ab. Der Kronprinz ist heute früh, von Danzig kom mend, eingetroffen und hat sich im Automobil nach dem Kronppinzenpalais begeben. Dem Reichstage sind neue Resolutionen zum Etat des Reichsamts des Innern zugegangen. Eine von der na tionalliberalen Partei eingebrachte wünscht eine Erhöhung der Anforderungen für die Seemannsheime im Auslande in nächstjährigen Etat. Eine zweite Resolution der gleichen Partei verlangt nach einer Kommission aus Weinbau= und Reblaus=Sachverständigen, besonders aus den mit Reblaus verseuchten Gebieten, welche die eintaufenden Beschwerden der Winzer über die Ausführung des Reblausgesetzes zu sammeln, zu prüfen und geeignete Vorschläge zur Beseitigung der Mißstände zu machen hat. Endlich wünscht Graf Posadowsky, unterstützt von Mitgliedern aller bürgerlichen Par teien, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, den Betrag für Arbeitsnachweise im nächstjährigen Etat angemessen zu erhöhen. Der Verein Deutscher Kaufleute nahm nach einem Vortrag über die Konkurrenzklausel und eingehender Aussprache eine Entschließung an, er könne dem jetzt dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf nicht zustimmen, da er selbst unter Berücksichtigung der bezahlten Karenz die bis herigen gesetzlichen Bestimmungen nicht günstiger für die Handlungsgehilfen gestalte, vielmehr in seiner Gesamtheit eine erhebliche Verschlechterung bedeute und in seinen Ein zelheiten geeignet sei, die Quelle fortgesetzter Prozesse zwischen Prinzipalen und Handlungsgehilfen zu bilden und damit den sozialen Frieden zu stören. Die Versammlung erblickte in dem Entwurf in seiner jetzigen Form keine geeignete Grund lage zur Neuregelung der Konkurrenzklausel und hielt baran fest, daß eine jede Form des Arbeitsverbots eine vollkommen unberechtigte und unbillige Erschwerung des Fortkommens des Handlungsgehilfen bedeutet. Sie forderte deshalb ein gesetzliches Verbot der Konkurrenzklausel. Schwei:. Der Bundesrat beschloß, bei den Verkehrs anstalten die Stundenzählung bis 24 einzuführen, voraus gesetzt, daß Deutschland und Oesterreich=Ungarn sie ebenfalls einführen. Die Gesandschaften in Berlin und Wien werden beauftragt, entsprechende Unterhandlungen einzuleiten, da mit am 1. Oktober 1913 oder am 1. Mai 1914 die mene Zählung eingeführt werden kann. Falls die Regierungen der beiden Länder sich nicht anschließen, behält sich der Bun desrat weitere Entschließungen vor. Frankreich. Die Dimission des Ministeriums ist von Fallieres angenommen worden, der Briand mit der Ka binertsbildung beauftragen wird. Maßgebend dafür war die Ueberzeugung, daß Poincare, als erwählter Präsident sich nicht den parlamentarischen Wechselfällen in seiner Eigen schaft als Ministerpräsident aussevzen dürfe. Rußland. Der Kaiser hat den Beschluß des Minister rats bestätigt, durch den die Petition des Finnischen Land tags abgelehnt wird, in der gegen die Verringerung des fin nischen Territoriums protestiert wird. Der Ministerrat er klärte die scharfe Form der an den Kaiser gerichteten Peri tion für unzulässig. Italien. Der König hat heute in Rom im Hofe der Kaserne Castro Pretorio eine Parade über die Deputationen und Fahnen der Truppen abgehalten, die an dem Tripoliskrioge teilgenommen haben. Der Kriegsminister feierte in urzer Rede die Tapferkeit der Armee und bctonte, daß die ganze Nation, die Armee und die Marine in dem hohen Ideal der Pflicht gegen das Vaterland sich um den König scharten. Während der Verteilung von Medaillen an die Fahnen läu teten die Glocken des Kapitols und der Engelsburg. Vom Marius= und vom Janikulus=Hügel wurden Salven abge geben. Die Musik spielte patriotische Hymnen. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Herford, 20. Jan. Wetterwarte. 8 Uhr früh: Barometer 754 mm. Thermometer+-4. Bewölkt. Südwind. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen. Veränderlich, mild, ausgebreitete, teilweise stärkere Regenfälle, südwestliche Winde. General=Versammlung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Herford. Der Landwirtschaftliche Kreisverein Herford hielt vorgestern nachmittag im Hotel„Deutscher Kaiser" zu Bünde eine, vom Herrn Landrat v. Borries geleitete Generalversammlung ab. In ihrem Mittelpunkt stand ein Vortrag des Herrn Professors Dr. Schulz in Herford über„Intensive Weidewirtschaft und die dazu am besten geeigneten Bodenarten". Der Redner, dessen Ausführungen von der recht gut besuchten Versammlung mit starkem Beifall ausgezeichnet wurden, legte dar, daß auch der Kreis Herford viele, einer intensiven Weidewirtschaft günstige Lagen besitzt. Sowohl seine günstigen klimatischen und Grundwasserverhältnisse, als auch seine durchweg guten Bodenarten und günstigen Absatz= und Verkehrsverhältnisse sollten ermutigend für eine intensiver als bisher betriebene Weidewirtschaft wirken. Beachtenswert müßten hierbei auch die Erfolge des benachbarten Kreises Wiedenbrück auf dem Gebiet der Viehzucht sein. Sie seien zweifelsohne zum großen Teil auch der dort im wachsenden Maße betriebenen Weidewirtschaft zuzuschreiben. Freilich erfordere der Betrieb einer intensiven Weidewirtschaft die Beachtung mancher Kleinigkeit, eine gewisse Passion und ein ernstes Studium verschiedener einschlägigen Verhältnisse, so daß es sich empfehle, bei der Einrichtung dieser Wirtschaft nur schrittweise und vorsichtig vorzugehen. Besondere Aufmerksamkeit sei von vornherein der Anlage und Ansaat der Weiden zu widmen.(Die hierfür gemachten Vorschläge des Referenten werden auf Anregung des Vorsitzenden im Druck erscheinen.) An Saatgut, das nur aus einwandfreien Bezugsquellen stammen sollte, dürfe nicht gespart werden; daneben dürfe dann aber auch die Pflege der Weiden nicht vernachlässigt werden. Beachte man alle diese Winke, dann sei die Weidewirtschaft ein gutes Mittel zur Vereinfachung des landwirtschaftlichen Betriebs und die beste Stütze der Viehzucht.— In seinem Dank an den Redner wies auch der Vorsitzende darauf hin, daß die Einführung der Weidewirtschaft nach dem Urteil von Fach männern die notwendige Vorbedingung für eine günstige Entwickelung der Viehzucht sei. Diesem Urteil habe sich einmütig auch die aus 25 Landwirten bestehende Kommission angeschlossen, die hier im Kreise eingesetzt sei und über Mittel und Wege zur Hebung der Rindviehzucht im Kreise Herford beraten habe. Möge daher jeder Landwirt prüfen, ob und wie weit er in der Lage sei, intensive Weidewirtschaft einzuführen.— Die ausgedehnte Aussprache über diesen Gegenstand, die dann in der Versammlung Platz griff, ergab im allgemeinen eine große Geneigtheit, den gegebenen Anregungen Folge zu leisten.— Im Anschluß an die Debatte teilte der Vorsitzende dann weiter mit, daß zum 1. Februar d. Is. mit der Anstellung des Wiesenbaumeisters Berg hierselbst ein Beschluß des Kreistages ausgeführt werde, der dazu dienen solle, den Landwirten des Kreises die Einholung fachmännischen Rates in Fragen der Wiesenkultur zu erleichtern. Der Kreistag erhoffe von dieser Anstellung eines Meliorations=Technikers eine günstige Beeinflussung des gesamten Wiesenbaues, wodurch dann auch die schon im Kreise vorhandenen Unternehmer für Wiesenbau erwünschte Mehrarbeit erhalten würden.— Ferner wies der Vorsitzende auf den Vortragskursus für praktische Landwirte hin, der am 11. und 12. Februar in Bielefeld abgehalten wird. Die Landwirtchaftstümmer hal für ihn eine Reihe der hervorragendster und Kenner landwirtschaftlicher Verhältnisse ver pflichtet, so daß jedem erfahrenen Landwirt die Teilnahm an diesem Kursus bestens empfohlen werden kann Zur Hebung der Rindviehzucht, insbesondere zur Ein ührung guter Zuchtbullen schlägt die oben schon erwähnt 25gliedrige Kommission den Ankauf eines im Kreise selb gezüchteten Materials und seinen Verkauf auf der in diesem Jahre in Enger stattfindenden Ausstellung de Landw. Kreisvereins vor. Die Versammlung war mi diesem Vorschlag einverstanden und wählte in die Ankaufs Kommission die Herren Oekonomierat, Ehrenamtmans Meyer=Rödinghausen, Kolon Vorwerk=Westerenger und Ritter gutsbesitzer Dr. v. Laer=Oberbehme.— Der Etat de genannten Ausstellung in Enger wurde in Einnahme und Ausgabe auf 9500 Mark festgesetzt. Die Gesamtsumm der Prämien soll 2346 M. und zwar für Rindvieh 1186 M. für Pferde 300 M., für Schweine 300 Mk., für Ziegen 120 M., für Geflügel 180 M., für Bienen 60 M., für landwirtschaftliche Produkte 100 M., für Obst 100 M betragen. Außerdem sollen noch für staatlich angekörte Mon. alte Erber der öffentlichen Deckstationer 200 M. und je ein Ehrenpreis im Werte von 30—50 M ür noch besonders festzusetzende Leistungen in der PserdeRindvieh= und Schweinezucht, sowie im Saatbau vergebei verden. Für die Beurteilung der ausgestellten Tier ollen auswärtige Preisrichter herangezogen werden, nu ie Verbände der Kleintierzucht sind berechtigt, einheimisch Preisrichter zu wählen.— Mit einer warmen Empfehlung der Hauhaltungsschule in Gohfeld und der Wanderhaus saltungsschule des Kreises wurde dann die Tagung durck den Vorsitzenden geschlossen. Herford, 20. Jan. Der gestrige Sonntag trug den Charakter eines milden Vorfrühlingstages und ließ es uns völlig vergessen, daß wir uns im kältesten Monat des Jahres befinden. Zahlreiche Spaziergänger hatten das Freie aufgesucht und belebten besonders die Straßen und Promenadenwege der Stadt, da infolge der Schneeschmelze die Pfade und Landstraßen nach außerhalb wenig einladend waren. Herford, 20. Jan. Gustav Ernstmeier F. Fast 70 Jahre alt, hat der Fabrikbesitzer Herr Gustav Ernstmeier gestern nach längerem Leiden die müden Augen zum letzten Schlaf geschlossen. Vom 1. Januar 1891 bis Ende 1896 gehörte der Heimgegangene dem Stadtverordnetenkolleg an, in welches ihn das Vertrauen der Bürgerschaft 1902 von neuem entscote. Am 9. März 1906 wurde er in den Magistrat gewühlt. Ende des Jahres 1910 legte er aus Gesundheitsrücksichten das Amt des Ratsherrn nieder. Mit dem Verblichenen ist wieder ein Mann heimgegangen, der still und schlicht das Seine tat und daneben mit klugem Rat und besonnenem Urteil an einer gesunden Entwicklung unseres städtischen Gemeinwesens und des ganzen Kreises Herford gern und ohne viel Aufhebens mitwirkte. Einfach und schlicht ist er seine Straße gezogen; arbeitsfreudig und weitblickend, hat er seine Fabrik zu ihrer jetzigen stolzen Höhe geführt. Geliebt von den Seinen, verehrt von allen, die ihm nahe standen u. mit ihm arbeiteten und schafften, hochgeachtet in allen Kreisen der Bürgerschaft, war er bestrebt, Freude um sich her zu breiten, frohe und zufriedene Meuschen zu schaffen. Nun ist der alte freundliche Herr von hinnen gegangen, sein Andenken aber wird gesegnet bleiben. Möge er ruhen in Frieden! Herford, 20. Jan. Zur Landtagswahl wird dem Han. Cour. aus Bielefeld mitgeteilt, daß bereits im November vorigen Jahres die Nationalliberalen des Wahlkreises Bielefeld=Halle=Herford(zurzeit vertreten durch zwei Konservative und einen Nationalliberalen) sowohl den Konservativen wie auch der Fortschrittlichen Volkspartei ein gemeinsames Vorgehen auf der Grundlage vorgeschlagen haben, daß jede Partei— Konservative, Nationalliberale und Fortschrittler— einen Kandidaten stellt. Die Fortschrittliche Volkspartei hätte dies abgelehnt und ihrersetts den Nationalliberalen ein Zusammengehen in Minden=Ravensberg vorgeschlagen. Auch die Konservativen hätten sich für den nationalliberalen Vorschlag nicht erwärmen können, wollten jedoch den Nationalliberalen, im Fall eines Zusammengehens mit ihnen, in Halle=Herford=Bielefeld zwei Mandate konzedieren, sodaß ihnen selbst nur noch eines bliebe. Die Nationalliberalen hätten indessen erklärt, daß sie an ihrem Standpunkt— einen konservativen, einen nationalliberalen und einen fortschrittlichen Kandidaten aufzustellen— festhalten und mit allen Mitteln für die Durchführung dieses Planes eintreten werden.„Die Nationalliberalen lassen sich“ — so heißt es weiter—,„hierbei einmal leiten von der Würdigung der Stärke der in Betracht kommenden Parteien 1908 wurden für die Konservativen und christlich=sozialen Kandidaten 450 Stimmen, für die liberalen 355 Stimmen abgegeben, während die 242 sozialdemokratischen Wahlmänner sich im zweiten Wahlgang der Stimme enthielten— und sie glaubten nicht, daß hierin diesmal eine wesentliche Verschiebung zuungunsten der Konservativen herbeizuführen möglich sein wird. Anderseits halten sie es aus allgemein politischen und nationalen Gründen für erstrebenswert, die bürgerlichen Parteien zum Kampf gegen die Sozialdemokratie zusammenzufassen. Bei dieser Sachlage ist es nicht ausgeschlossen, daß bei den Urwahlen alle Parteien getrennt vorgehen und eine Klärung erst bei der Abgeordnetenwahl bzw.bei einer dabei notwendig werdenden Stichwahl erfolgt.“ Herford, 20. Jan. Die neugegründete städtische Sparkasse wird ihren Betrieb am 1. Februar, vormittags 8½ Uhr, aufnehmen. Das Geschäftslokal befindet sich im Hause der Kämmereikasse, Wilhelmsplatz; Eingang links. Herford, 20. Jan. Maul= und Klauenseuche. Nachdem der Kreis Beckum für seuchefrei erklärt ist, hat der Herr Regierungspräsident in Minden auch den gemäß Absatz 2 seiner Bekanntmachung vom 22. Dezember 1912 für die Einfuhr von Vieh aus diesem Kreise noch gemachten Vorbehalt aufgehoben, so daß nunmehr die seinerzeit zur Bekämpfung der Maul= und Klauenseuche erlassene landespolizeiliche Anordnung vollständig aufgehoben ist. Herford, 20. Jan. Die Revision der Invalidenkarten wird in dieser Woche in folgenden Straßen fortgesetzt: Ahmser=, Karl=, Sachsen=, Gutenbergstraße, Unter den Linden, Friedhofstraße und Bielefelderstraße. Arbeitgeber und Versicherte wollen die Quittungskarten, Aufrechnungsbescheinigungen, Gesindebücher und KrankenkassenAbrechnungen bereit legen, damit die Revision unverzüglich erfolgen kann. Herford, 20. Jan. Der Revisor des gewerblichen Fortbildungs=Schulwesens, Herr Fortbildungsschuldirektor Meller aus Bielefeld unterzog vorgestern die Zeichenklassen der Herren Tischlermeister Breder, Ingenieur Nolte, Rektor Wulff, Fortbildungs=Schullehrer Niermann und Töchterschullehrer Schmalhorst einer eingehenden Prüfung, über deren Ausfall sich der Revisor sehr lobend aussprach. Herford, 20. Jan. Landwirtschaftlicher Kreisverein. Über die vorgestrige Generalversammlung befindet sich der Bericht auf der 2. Seite dieser Nummer unterm Strich. Herford, 20. Jan. Stadttheater.„Sein Prinzeßchen", Lustspiel von G. Schätzler= Perasini. Es ist ein harmlos heiteres Stück, das allen schweren Konflikten aus dem Wege geht, dafür aber die Zuschauer einige Stunden angenehm unterhält. Seine gestrige Aufführung war im großen und ganzen recht gut. Besonders gefiel wieder der Gast des Abends, Frl. Martha Bömly. Sie gab die junge Millionärin, die im lautesten Lärm der Großstadt ihren Krautjunker Hans v. Brenken auf Brenkendorf nicht vergessen kann, sehr frisch, anmutig und herzlich und war auch als Bühnenfigur derart, daß man verstand, wie ihr derbknochiger Hans sie sein Prinzeßchen nennen konnte.— Ihn selbst gab Herr O. Meurer=Eichrodt, der auch dem Stück eine sehr hübsche Inszenierung hatte zuteil werden lassen. Seine Darbietung war vortrefflich und entlockte dem recht gut besetzten Hause nach jedem Aktschluß und selbst bei offener Szene aufrichtigsten Beifall.— Ganz ausgezeichnet mimte dann aber vor allem Herr C. Remmers die Exzellenz v. Böbern. Die Rolle lag ihm sichtlich erkennbar sehr gut, und daher holte er auch aus ihr heraus, was herauszuholen war.— Recht gut waren weiter Herr R. Sacher und Frl. Beyschlag als Inspektor Koppus und Braut, sowie Herr Fred Himmighofen als Überbrettl=Literat und Herr Rich. Maynusch als Hofmeister Bellmann.— Die übrigen Rollen traten weniger hervor, waren aber einwandfrei besetzt, so daß die Aufführung starken und gern gespendeten Beifall hervorrief. Herford, 20. Jan. Der Gesangverein„Harmonie“, Dirigent Herr Fr. Niermann, feierte vorgestern abend in Tiemeyers Sälen sein 9. Stiftungsfest. Die große Zahl der Teilnehmer, von der die befreundeten Gesangvereine„Teutonia“,„Männergesangverein Herford“„Euterpe“, „Lyra“, und„Lätitia“ einen stattlichen Bruchteil stellten, wurde vom Vorsitzenden des festgebenden Vereins, Herrn Horst, in einer Ansprache willkommen geheißen. Das ganze Fest verlief zur größten Befriedigung aller Teilnehmer. Herford, 20. Jan. Kappenfeste und Maskenbälle treten ihre Herrschaft an. Die ersten von ihnen feierten am Samstag der Gesangverein„Eintracht" im „Lindenhof“ und der Flieger=Club„Freie Fahrt“ im Bahnhofshotel. Wie uns mitgeteilt wird, erfreuten sich beide Veranstaltungen eines guten Besuchs und eines schönen Verlaufs. Herford, 20. Jan. Das Maskenfest der Schützengesellschaft, das am 1. Februar als„Rosenfest in Nizza“ gefeiert werden soll, wird sich, nach den Vorbereitungen zu urteilen, diesmal in einem außerordentlich glänzenden Rahmen abspielen. Ihn zu schaffen, hat die Hofmöbelfabrik A. Stüßel hierselbst übemnommen. Die von ihr vorgelegten Dekorationspläne für die Säle sind von dem Festausschuß einmütig gutgeheißen worden und versprechen, daß die Dekoration nicht nur reich, sondern auch sehr geschmackvoll ausfallen wird. Herford, 20. Jan. Der Gardeverein hatte für seine gestrige Kaisersgeburtstagsfeier ein sehr ansprechendes Programm aufgestellt, dessen Abwicklung durch ein lebendes Bild und einen von Frl. Rabe gesprochenen Prolog in wirkungsvoller Weise eingeleitet wurde. Die Festrede mit dem Kaiserhoch als Schluß hielt Herr Direktor Hammacher. Das ganze Fesi, das zahlreiche Teilnehmer gefunden hatte, nahm einen vorzüglichen Verlauf. o Herford, 20. Jan. Gerettet wurde vorgestern abend vom Sohn des Schleusenwärters am Bergertor ein junger Mann, der in die Werre gesprungen war, weil er einem Maskenball fern bleiben mußte, den das von ihm heiß und heimlich verehrte Mädchen besuchte.— Geraubt wurde am Oetinghauserwege einem Arbeiter ein auf dem Sundern erstandenes Fäßchen Bier, das er zu einer Familienfeier nach Hause tragen wollte. Einer der Räuber ist jedoch ermittelt, auch das Fäßchen wieder aufgetrieben.— Aus der unverschlossenen Ladenkasse eines hiesigen Geschäfts wurden vorgestern 13 A gestohlen.— Der Verein für Luftund Sonnenbäder verkaufte auf Abbruch seine an der Werrestraße vor einigen Jahren erbaute Anstalt an Herrn Opitz.— Frau Overbek beabsichtigt, neben ihrer Flußbadeanstalt auch ein Institut für Luft= und Sonnenbäder einzürichten. Herford, 20. Jan. Ein Trauring, der genau vor 10 Jahren kurz nach der Hochzeit von der jungen Frau eines hiesigen Angestellten verloren worden war, wurde nun von dem damaligen Brautführer wiedergefunden. Der völlig unversehrte Reif hatte sich in der Wohnung des jungen Ehepaars vom Finger seiner Besitzerin befreit und versteckt. Diese Wohnung wurde jetzt von dem dereinstigen, jetzt auch verheirateten Brautführer bezogen, und beim Einräumen der Sachen fand sich der Ring, der sich 10 Jahre lang dem suchenden Auge seiner Herrin entzogen hatte. Laar, 19. Jan. Das Jahr 1913 ist reich an Erinnerungen großer geschichtlicher Ereignisse. Wir denken an die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms 1., des großen Soldatenkönigs, 1713; an den Frieden von Hubertusburg, der dem siebenjährigen Kriege ein Ende machte, 1763. Allenthalben denkt man mit Stolz an die Erhebung von 1813. Wir Ravensberger wollen aber einen Tag nicht vergessen, der in diesem Jahre sein 50jähriges Jubiläum feiern darf. Es ist der 2. Juli 1863. An dem Tage bereitete das königstreue ravensberger Volk dem Kriegsminister v. Roon eine großartige Kundgebung in Laar auf Sewingshofe. Es wollte sein mannhaftes Eintreten für den König, seine treue Arbeit für die Erneuerung des preußischen Heeres damit ehren. Damit diese Tat unsrer Väter nicht vergessen werde, beabsichtigt der Kriegerverein Hollinde=Laar in Laar einen Denkstein zu errichten, an der Stelle, an welcher der Kriegsminister seinerzeit den gewaltigen Festzug an sich vorüberziehen ließ. Löhne, 18. Jan. Betriebsunfall. Der in der hiesigen Düngerfabrik beschäftigte Arbeiter Meyer aus Gohfeld kam beim Rangieren von Eisenbahnwaggons mit einem Arm zwischen die Puffer der Wagen und erlitt eine Quetschung des Unterarms. Löhne, 18. Jan. Die Jahresrechnung der Kranken=Unterstützungs= und Sterbekasse Bischofshagen schließt ab in Einnahme mit 1005 M und in Ausgabe mit 886 M. Das zinslich belegte Vermögen der Kasse betrug am Jahresschlusse 2609#. Ihr gehören 137 Mitglieder an. Gohfeld, 18. Jan. Infolge Verbrühung verschied hier gestern das 2jährige Kind A., das in der Küche in einen großen Topf mit kochendem Wasser gestürzt war. Quernheim, 19. Jan. Der Kriegerverein hat um die Genehmigung der Fahnenführung nachgesucht. Salzuflen, 18. Jan. Ein Diebstahl wurde gestern hier auf der Ziegelei Raker von den jugendlichen Arbeitern Jean Br., G. und L. verübt. Sie erbrachen die Köpfe von den Maschinenöfen, schroben die Verkuppelungen von den Wagen los, die zur Beförderung von Lehm etc. dienen und stahlen die Eisenteile sowie verschiedene Gerätschaften. Sie verkauften den Raub an einen Althändler in Schötmar und verjubelten den Erlös. Lage, 18. Jan. Sternickel hat lt.„Vz.“, ca. 14Tage bei dem Pächter des städt. Sägewerks als Mühlensteinschleifer im letzten Herbste gearbeitet. Als die Frau des Herrn Plettner den ihr unsympathischen Menschen nicht mehr in ihrem Haushalte aufnehnten wollte und der unbekannte Mann sich in einer Gastwirtschaft einlogieren sollte, verschwand der Mühlensteinschleifer plötzlich. Bielefeld, 18. Jan. Strafkammer. Zigarrenarbeiter Wilhelm S. von Herford, welcher schon einmal wegen fahrlässiger Körperverletzung und Beleidigung vorbestraft ist, war beschuldigt, am 30. September 1912 vor dem Amtsgericht zu Herford und zwar in der Strafsache gegen seinen Nachbarn Wilh. Bruelheide, den vor seiner Vernehmung ge leisteten Zeugeneid aus Fahrlässigkeit falsch geschworen zu haben. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis.— Der 17jährige Schlosser Wilh. F. und der 18jährige Knecht Herm. K. haben im Dezember in Exter und Schwarzenmoor Hünner gestohlen. D. wurde in anbetracht seiner Jugend nur zu 1 Monat Gefängnis, K. dagegen zu 3½ Monat verurteilt. Münster, 18. Jan. Kirchenräuber. In dem nahen Dorfe Appelhülsen drangen nachts Diebe in die Kirche ein. Sie erbrachen das Tabernakel und nahmen die Gefäße mit der Hostie heraus. Dann trennten sie die wertvollen Teile der Gefäße los und nahmen sie mit. Die unechten Teile ließen sie zurück. Geraubt sind die Custodia, die mit Perlen besetzte Lunula, der Fuß der Monstranz und ein silberner Christuskörper. Der Taufstein lag, in mehrere Stücke zerbrochen, am Boden. Letzte Drahtnachrichten. (Wolffs Telegraphenbureau.) Konstantinopel, 19. Jan. Wie der Itdam meldet, wird die Pforte in der Antwort auf die Note der Mächre er klären, daß sie sehr für eine versöhnliche Haltung sei,und daher die Bemühungen der Mächte ,die auf die Aufrechterhaltung des Friedens abzielten, überaus würdige, daß es ihr aber unmöglich sei, auf die Inseln zu verzichten, die im Zusammenhang mit Asien stehen, auf Adrianopel und was dazugehöre. In diesem Punkt, der Leben oder Tod für die Türkei bedeute, könne die Pforte keinen weitern Opfern zustimmen, aber aus Achtung gegenüber den Mächten wolle die Pforte ein letztes Opfer bringen und könnte in Unterhandtungen eintreten über eine neue Grenze diesseits derjenigen, die bereits vorgeschlagen sei, die aber der Türkei Adrianopel und was dazu gehöre, belassen würde. Wenn gegenüber diesem Opfer, wel ches das Maximum darstelle, die Verbündeten nicht ebenfalls Opfer bringen wollten, werde die Verannwortung für die Wiederaufnahme der Feindeseligkeiten nicht auf die Pforte, sondern auf die Verbündeten fallen. Konstantinopel, 20. Jan. Ein Kommunique besagt: Der=Kampf zwischen Tenedos und Lemnos dauerte mehrere Stunden. Auf beiden Seiten waren die Verluste beträchtlich. Die türkische Flotte ist unversehrt zurückgekehrt. Die Verwundeten werden hierher gebracht. Frankfurt a. M., 20. Jan. Der Fr. Ztg. wird aus Konstantinopel telegraphiert: Die Pforte hat im Verlaufe weniger Tage zweimal durch den russischen Botschafter v. Giers die Erklärung erhalten, daß im Falle der Wiederaufnahme des Krieges Rußland seine Neutralität nicht mehr bewahren könne. Berlin, 20. Jan. Der Zentralausschuß der fortschritt lichen Volkspartei beriet gestern über Organisations= und Finanzfragen und nahm dann ein Referat des Abg. Dr. Wiemer über die Reichspolitik entgegen. Es waren nach der Präsenzliste anwesend 25 Reichstagsabgeordnete, 5 Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, die nicht dem Reichstage angehören und 51 sonstige Mitglieder des Zen tualausschusses. Berlin, 20. Jan. Bei dem gestrigen Pankett des Vereins deutscher Motorfahrzeugindustrieller nahm Prinz Heinrich als Gast teil und hielt eine Ansprache. Er fuhrte aus: Es liegt auf der Hand, daß wir, um florieren zu kön nen, nur Automobile herstellen müssen, die aus prima Ware bestehen. Ich bin wen entfernt, anzunehmen, daß dies bis her nicht überall der Fall gewesen sei, halte mich aber für ver pflichtet, ausdrücklich auf diesen wichtigen Punkt eines aller ersten Materials hinzuweisen. Prinz Heinrich sagte weiter: Wenn man einen Vergleich zieht zwischen Deutschland und seinen beiden Schwestewereinen Frankreich und England, so ergibt sich in Frankreich bei seiner Eimwohnerzahl von 38 Millionen und 88279 Fahrzeugen auf 441 Köpfe der Be völkerung ein Kuaftfahrzeug. In England kommt auf eine Bevölkerungszahl von 43 740000 Menschen und 175 245 Fahrzeuge auf 249 Köpfe ein Fahrzeug. In Deutschland kommt bei einer Einwohnerzahl von 65 Millionen, 70 000 Fahrzeuge auf 927 Köpfe ein Fahrzeug. Dieser Vergleich gibt zu denten. Für das Resultat weiß ich keine Erklärung. Es drängt sich hier die Frage auf, ob der Wohlstand bei uns geringer ist, als in den Nachbarländern, oder ob der Export bei uns so groß ist, daß wir nicht so viel Fahrzeuge im In land abzusetzen brauchen, oder ob etwa Vorurteile des Pub likums, vielleicht auch, ob die zu hohe Besteuerung daran Schuld tragen kann. Berlin, 20. Jan. Gestern abend wurde die Mark Brandenburg von einem starken Gewitter mit Hagelschlag und Schnresturm heimgesucht. Besonders wurden der Kreis Teltow und die Gegend um Potsdam betroffen. Worlin, 20. Jan. Das Schütte=Lanzluftschiff hat bei seinem Unfall am Sonnabend nachmittag weniger gelitten, als es im ersten Augenblick erschien. Für den schwerverletz ten Monteur Max soll keine Lebensgefahr bestehen. Köln, 20. Jan. Der 35jährige Bäckermeister Sieg aus der Stammheimerstraße in Köln=Rhiel wurde heute morgen gegen 5 Uhr durch das Gebell seines Hundes aus der tube gelockt. Als er aus der Haustür heraustrat, wurde er von einem Manne durch zwei Messerstiche in das Herz getötet. Man vermutet einen Racheakt. Der Mörder ist geflüchtet. Lonoon, 21. Jan. Frau Curchill, die Gemahlin des englischen Marineministers, en ug gestern mit knapper Not ernem schweren Unfall. Das entomobil, in dem sie mit 200 miral Beettv und 5 ssen Gattin saß, mnnte infolge des dichten Nebels mit einem anderen zusammen. Die Insassen kamen mit verhältnismäßig leichten Verletzungen dan Die Wagen aber waren so beschädigt, daß sie auf Lastwage begtransportiert werden mußten. Bekanntmachung. Diejenigen Personen, welche noch Forderungen an die städtische #erwatiung haben, werden hierdurch ersucht, ihre Rechnungen haldigst einzureichen. Da vermieden werden muß, daß in den Kassenrechnungen Beträge aus Vorjahren in Ausgabe erscheinen, 1o sind die Rechnungen für später auszufährende Lieferungen und Arheiten bis längstens zum Schlut des Rechnungsjahres 1 wrarz) einzusenden, wobei wir bemerken, daß für die Folge solche Unternehmer nicht wieder mit städtischen Arbeiten bedacht werden ollen welche mit Einreichung ihrer Rechnungen säumig Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß zu Rechnungsformuren nur große Bogen(ein ganzes Blatt) zu verwenden sind. Die Vormulate sind in den hiesigen Buchdruckereien zu haben. Herford, den 13. Januar 1918 Der Magistrat. Busse. Bekanntmachung. Alle im Jahre 1893 im hiesigen Stadtbezirk geborenen, ferner die zwar auswärts geborenen, aber hier wohnenden oder sich aufhaltenden männlichen Personen werden auf Grund des§ 57 der deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 hierdurch aufgefordert, sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar 1913, vormittags von 10 bis 12 Uhr behufs Aufnahme in die Rekrutierungs-Stammrolle auf dem Mili täramte— Rathaus I. Elisabethstraße Nr. 9. Zimmer Nr. 2.— anzumelden. Die gleiche Aufforderung ergeht an alle sich hier aufhaltenden oder hier ortsangehörigen Personen der früheren Jahrjänge, welche ihrer Militärpflicht noch nicht genügt oder noch keine endaültige Entscheidung über ihr Militärverhältnis erhalten haben, gleichviel ob dieselben hier oder auswärts geboren sind.“"— Die auswärts geborenen Personen des Jahrgangs 1893 haben ihren Geburtsschein, ausgestellt von dem zuständigen Standesamt alle früher geborenen ihren Losungsschein oder ihren Gestellungs befehl vorzulegen. Sind Militärpflichtige zur Zeit abwesend oder durch Krankheit usw. am persönlichen Erscheinen verbindert, so haben ihre Eltern, Vormünder, Brot=, Lehr= und Fabrikherren die Verpflichtung, sie zur Stammrolle anmmelden. Wer die voraeschriebenen Meldungen zur Stammrolle unterwird mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft. wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen Militärpfllichtigen, deren Eltern auf Grund bäuslicher Verhältnisse reklamieren zu können glauben, dies bei der Meldung gleich anzu zeigen haben. grelcg ung Die Reklamationen werden demnach in einem besonderen den Beteiligten noch näher bekannt zu machenden Termin amtlich und unentgeltlich auf dem Militäramte aufgenommen. Zu diesem Zweck haben sich die Eltern schon jetzt mit ihren und den Geburtsscheinen sämtlicher Kinder mit Ausnahme der Militärpflichtigen zu versehen, damit sie dieselben als Beweisstücke bei Aufnahme der Reklamation sofort vorlegen können. Ebenso sind sonftige Zeugnisse usw., welche zur Begründung der Reklamation dienen können, als Beweisstücke mit zur Stelle zu bringen Familienmitglieder, auf deren Erwerbstätigkeit es bei der Be urteilung der Reklamation ankommt, müssen in dem Musterungsn nine mit erscheinen und sich daselbst erforderlichenfalls einer militärischen Untersuchung unterziehen. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, sich wegen des starken Andrangs in den letzten Tagen, recht frühzeitig zur Stammrolle anzumelden. Verspätete Anmeldungen werden ebenfalls bestraft. Herford, den 7. Jannar 1912. Zivilvorsitzende der Ersatz=Kommission des Aushebungsbezirks Herford Stadt. das unstreitig beliebteste Detlchenseifenpulver enthält reizende und nützliche Geschenke wie Messer, Scheren, Gabeln, Löffel, Portemonnaies Auguste Schnieder " Hugo Magnussen Verlobte. 8 6 Herford Hamburg## 19. Januar 1913. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Anmeldefrist für die im 1. Bauabschnitt(Frühjahr) dies. Jahres herzustellenden Fernsprechanschlüsse zum 1. März abläuft. Anmeldungen, die später eingehen, haben nur dann Aussicht auf baldige Berücksichtigung, wenn die Antragsteller die Mehrkosten zahlen, die der Reichekasse durch die Arbeiten außerhalb des Bauplans entstehen. Minden(Westf.), 9. Jan. 1913. Kaiserliche Ober=Postdirektion Mieden(Westf.). Koftenlos! 1 Köchin, 8 Küchenmädchen, 52 Haus= u. Küchenmädchen, 3 Zimmermädchen, 5 Zweitmädchen, 3 Kindermädchen. 6 Haushaltslehr= linge, 4 Landmädchen erhalten kostenlos gutbezahlte Stellen zu sofort und 1. April durch den Städt. Arbeitsnachweis Weibliche Abteilung Herford Waisenhausstr. 1. Fernspr. 102. Ersuche das werte Publikum künstliche Zähne und wenn auch zerbrochen, nicht wegzuwerfen, da ich dieselben zu den höchsten Preisen ankaufe. Nur Dienstag, den 21. Januar in Herford, Hotel Kaiserhof, I. Etage, Zimmer 1. Ungenierter Aufgang. Neue jg. 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Bekanntmachung. Nach Mitteilung des Kommandos der Schutztruppen im Reichs. kolonialamt werden Ein= und Mehrjährig=Freiwillige, deren Gesuche um Einstellung in die Kaiserliche Schutztruppe für Südwestafrika bis Januar im Schutzgebiet vorliegen, am 1. April, diejenigen, deren Gesuche bis Anfang Juli dort vorliegen, am 1. Ok tober eingestellt. Den Anträgen sind beizufügen: 1. eine Erklärung darüber, aus welchen Gründen der Bewerber seiner Dienstpflicht in der Schutztruppe zu genügen wünscht (§ 4 des A. V. vom 5. 12. 1902). 2. eine Aeußerung darüber, ob der Bewerber in der Lage ist, die dadurch entstehenden Kosten(§ 5 Abs. 2 a. a. O. und Ziffer 2 der Ausführungsbestimmungen des Herrn Reichskanzlers vom 16. 12. 1902) zu tragen. 3. ein unter Beachtung der Bestimmungen der Anlage 3 zu§ 7 der Schutztruppen=Ordnung auszustellendes militärärztliches Zeugnis. Die Anträge für die Einstellung zum 1. Oktober 1913 sind #testens 25. April d. Is. bei dem Unterzeichneten einzu Herford, den 15. Januar 1913. Der Zivil=Vorsitzende des Aushebungsbezirks Herford Stadt I. V.: Dr. Heß. Grunditücksverkauf. Das Haus der verstorbenen Wwe. Zornow in der Clarenstraße Nummer 15 soll verkauft werden. Von dem Testamentsvollstrecker bin ich beauftragt, Angebote bis zum 1. Februar dieses Jahres entgegen zu nehmen, der Zuschlag bleibt vorbehalten. Herford, den 11. Januar 1913. Lümkemann, Justizrat, Rechtsanwalt und Notar. Laden (großer, geräumiger), 2 hochseine Schaufenster, allerbeste Lage, mit oder ohne Wohnung per sofort zu vermieten. Offert. unt. E. W. 1101 a. d. Geschäftsst. d. Bl. Für unsern Betrieb suchen per bald einen gewandten Tischler I. Eisbach& Co. A.-G. Sie verkaufen Ihr Haus, Geschäft, Gut, Grundstück, Villa 2c. schnell, preiswert und diskret durch A. Weiss& Co, Duisburg, Hohestraße 60, Teleph. 2895 Habe zwei an der Waltgeristr. wunderschön gelegene Junger Mann, verheitatet, sucht sofort oder später Boten- oder Kalfiererstelle. Kantion kann gestellt werden. 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Für den übrigen Teil: Fritz Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Herforder Kreis=Zeitung. Fernruf Nr. 13. Herforder Kreis=Anzeiger. Telegramme: Kreisblatt. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Hannover. Nr. 16(enthält 8 Seiten). Montag, den 20. Januar 1913. 68. Jahrgang. Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 18. Januar. Auf der Tagesordnung stand zunächst die zweite Beratung eines Nachtrages zum Staatshaushaltsetat für 1912. Darin werden 60 Millionen für Bahnhofsanlagen und 900 000 Mark zur Unterstützung von Beamten vorgesehen. Von den Abgg. Bartscher und Gen.(Ztr.) lag der Antrag vor, di für die Beamten ausgeworfenen Beträge als Teuerungszulagen nach festen Grundsätzen, ohne Einreichung eines Ge suchs zu verwenden, zogen indessen den Antrag für die zweite Lesung zurück. Nach unerheblicher Debatte wurde die Vorlage angenommen. Ebenso wurde die Vorlage ohne Tebatte un mittelbar darauf in dritter Lesung endgültig angenommen. Es folgte die Fortsetzung der zweiten Beratung des Entwurfs eines Moorschutzgesetzes. Bei§ 9 wurde ein Antrag Wald stein(Volksp.), daß das Gesetz ausdrücklich auf die Provinz Hannover beschränkt werden soll, und eine Erweiterung auf andere Provinzen nur wieder durch ein Gesetz vorgenommen werden könne, gegen die Rechte angenommen. Hiermit war die zworte Lesung des Gesetzes beendet und das Haus setzte nun die Besprechung der Interpellation Fritsch(Natl.) über die Notlage des Realkredits in Verbindung mit dem Antrag Dr. Arendt(Freikons.) betr. Untersuchungen über den städtischen Realkredit fort. Abg. Dr. Crüger=Hagen (Volksp.) beschäftigt sich vornehmlich mit der Misere auf dem städtischen Hypotheken=Kreditmarkt, die Hand in Hand gehe mit einer Kreditüberschuldung und nachgerade die Allgemein heit in Mitleidenschaft ziehe. Den letzten Grund für diese Kalamität sieht er in der Wertzuwachssteuer und macht un serer Steuerpelitik den Vorwurf einer einseitigen Tendenz gegen den städtischen Hausbesitz, der infolge der auf ihm ruhenden Lasten fast unverkäuflich geworden sei. Der Redner fordert u. a. ein geordnetes Taxwesen(bezw. baldige Ein bringung der hierfür in Aussicht gestellten Regierungsvor lage), Nachprüfung unseres Hypothelenrechts und verlangt dabei, daß den Hypothetengläubigern unbeding: ein Anspruch auf die Mietr gewährt werden müsse. Den Hausbesitzern selbst empfiehlt er die Gründung von Hypothekenvermitt lungsanstalten. Nachdem sich noch die Abgg. Borchaudt(Soz.). der u. a. Enteignung der Grundbesitzer verlangt, Abg. Graf Spee(Zentr.),der den Bodenreformern sozialdemoknatische Neigungen machsagt, und Dr. Grunenberg(Zentr.) geäußert, wird der Antrag Dr. Arendt angenommen. Eine Petition des Verbandes der größeren preußischen Land gemeinden um Entlastung der Gemeinden mit mehr als Schutstellen hinsichtlich der Volksschullasten wird mich furzer Empfehlung durch die Abag. Frhr. v. Jedlitz(Frcikons.) und Dr v. Campe(Natl. der Regierung zur Envägung übewwiesen. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Aus der Provinz und den Nuchbarländern. Münster, 18. Jan. Der Rosenmontagszug soll heuer alle seine Vorgänger an Umfang und Pracht übertreffen. Allein für 12 Musikkapellen, die im Zuge verteilt werden, sind neue Kostüme in Arbeit. Namentlich die Fuß= und Reitergruppen werden in diesem Jahre zahlreich vertreten sein und für lebhafte Verbindung der einzelnen Prunk= und Ulkwagen sorgen. Extrazüge werden wie in den Vorjahren aus allen Richtungen nach Münster verkehren. Bocholt, 18. Jan. Überlistet. Vor einiger Zeit wurde ein hiesiger Geschäftsmann von einem holländischen Gericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, entzog sich aber der Vollstreckung der Strafe. Dieser Tage wurde der Verurteilte nun wie zufällig von einem ihm unbekannten Herrn zu einer Automobilfahrt eingeladen. Das Auto fuhr nach dem holländischen Ort Dinxperlo. Hier gab sich der freundliche Herr als holländischer Geheimpolizist zu erkennen und behielt seinen erstaunten Fahrgast wider seinen Willen zu längerm Besuch bei sich. Elberfeld, 18. Jan. Industrie=Spion. Die Strafkammer verurteilte den Techniker Pierre Guilland wegen Verrats von Fabrikgeheimnissen und Anstiftung dazu sowie wegen Diebstahls zu fünf Monaten Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe und drei Tagen Haft. Er hatte sich, obwohl er eine französische Ingenieurschule besucht hatte, als gewöhnlicher Dreher bei der Firma Bremsheg in Ohligs annehmen lassen, um deren Fabrikationsgeheimnisse auszukundschaften. Wie feststeht, hatte er seinem Vater, der in einer Konkurrenzfirma in Lyon Werkmeister ist, brieflich Auskunft über Maschinen und die ganze Fabrikationsweise gegeben. Auch hat er-versucht, Arbeiter und Meister zweier anderer Ohliger Firmen zum Verrat von Fabrikationsgeheimnissen zu verleiten. Durch diese Leute, die ihre Arbeitgeber verständigten, wurde er entlarvt. In seinem Besitz sand man bei der Haussuchung allerlei Material, das er sich widerrechtlich angeeignet hatte. Essen, 18. Jan. Reiche Stiftuna. Aus Anlaß seines 25jährigen Geschäftsjubiläums gab Dr. Hans Goldschmidt von der Firma Th. Goldschmidt A.=G. eine Stiftung von 100000 M bekannt, deren Zinsen zur Fürsorge für die Beamten und Arbeiter bestimmt sind. Essen, 19. Jan. Ein Schwindler, der sich in der Tunnelstraße zu Essen eingemietet hatte, wurde von seiner Wirtin dabei überrascht, als er die Koffer seiner Schlafkolle gen erbrach. Die Wirtin alarmierte die Hausbewohner. Als diese in die Wohnung drangen, gab der Verbrecher mehrere Revolerschüsse auf die Eindringenden ab, wodurch mehrere Personen verletzt wurden. Ein Mann erhielt einen Schuß in den Hals und wurde in schwerverletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht. Hierauf stach sich der Verbrecher mit einem Taschenmesser mehrmals in die Brust und verletzte sich lebensgefährlich. Neuwied, 18. Jan. Einemysteriöse Betrugs affare, in die eine Kölner Eisenbahnbau=Unternehmer firma verwickelt ist. Bei den Vermessungsarbeiten beim Bau der Westerwaldbahn soll die Firma mit gefälschten Meß apparaten zum Schaden des Eisenbahnfiskus gearbeitet haben. Mehrere Verhaftungen sind in dieser Angelegenheit bereits erfolgt. Hildesheim, 18. Jan. Wegen Konkursvergehens wurde der Inhaber des im April 1911 in Konkurs geratenen Bankhauses J. H. Pistorius, Geh. Kommerzienrat Theoder Pistorius, von der Strafkammer zu 1000 M Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt. Bei dem Konkurs des Bankhauses, der namentlich der ländlichen Bevölkerung des Stiftes Hildesheim bedeutenden Schaden verursachte, betragen die Aktiva 770000 M und die Passiva 2700000 M. Bremen, 19. Jan. Schwindel. 1912 gründeten drei angebliche Kaufleute in Bremen ein Import= und Exportgeschäft als Filiale eines in Agypten bestehenden Hauptgeschäfts. Sie machten bei Bremer und auswärtigen Firmen große Einkäufe mit monatlichem Ziel. Hauptsächlich kauften sie Wein, Käse und Zigaretten. Die Waren sollten dem Hauptgeschäft in Alexandrien zugeführt und im Inlande zu Geld gemacht werden. Als die Zahlungsfristen jetzt ablie fen und die Verbindlichkeiten auf 200 000 i angewachsen waren, trafen sie Anstalten zur Flucht. Sie hatten ihre Kof fer bereits zur Bahn gegeben, als es der Kriminalpolizei gelang, alle drei in einem Bremer Hotel festzunehmen. Hamburg, 18. Jan. Für die Spitzbergenexpe dition. Der Bürgerschaft ist ein von Mitgliedern aller Fraktionen unterzeichneter Antrag zugegangen, die Bürger schaft wolle beschließen und den Senat um seine Zustimmung ersuchen, daß von dem Hamburgischen Staat 5000 A zu den Kosten beigetragen werden, die zur Hilfeleistung für die Spitzbergenexpedition von Schröder=Stranz erforderlich sind. Luftfahrt. Leiptig, 18. Jan. Graf Zeppelin stiftete zum Ban des Leipziger Luftschiffhafens, der aus einer Luftschiffhalle für zwei Luftschiffe, Größe Zeppelintreuzer, und einem Flug platz mit Fliegerschuppen bestehen wird, 5000 Mark. Berlin, 18. Jan. Heute nachmittag wurde das Luft chiff„Schütte=Lanz“, das kürzlich von der Militärverwaltung übernommen wurde, bei einer Uebungsfahrt von einem Unall betroffen, der das Schiff mehrere Wochen betriebsunfähig macht. Das Schiff war von Biesdorf nach Potsdam geflo gen. Dort brach das Höhenstauer, doch gelang es mit vieler Mühe, nach Biesdorf zurückzukommen. Stark Windstöße gestatteten aber eine Landung vor der Halle nicht, und man fuhr weiter, bis sich ein günstiger Landungsplatz zeigte. Als der Valion etwa 20 Meter über der Erde schwebte, packte ihn ein neuer Windstoß und das Hinterteil des Schiffes stieß mit dem Dach eines Hauses zusammen, wodurch das Holzgerippe zertrümmert wurde. Kleine Chronik. Berlin, 18. Jan. Die Tragodie von Daben dorf. Der Brunnenbauer Kolbe aus Dabendorf, der mut maßliche Mörder des Magistratsassessors Behm, der in der vergangenen Nacht in einem Lokal in der Flottwellstraße verhaftet wurde, ist heute vormittag auf dem Berliner Polizei präsidium eingehend vernommen worden. Kolbe leugnet jode Beteiligung an dem Morde. Er will von der Tat überhaupt nichts wissen und meint, daß ein anderer Geliebter der Frau Behm den Tod ihres Mannes wayrscheinlich auf dem Gewissen habe.— Ob Kolbe nochmals unter der Anklage des Mordes vor die Geschworenen gestellt wird, hängt von der Auffassung ab, die das Gericht sich über den Fall bilden wird. Da Kolbe in vorigen Jahre von den Geschworenen reigesprochen ist, kann eine neue Anklage gegen ihn nur dann erhoben werden, wenn er nach seinem Freispruch selbst ein glaubhaftes Geständnis abgelegt hat, daß er die Tat verübt habe. Nun ist Kolbe tatsächlich so unvorsichtig gewesen, nach seinem Freispruche, als er glaubte, daß man ihm nichts mehr anhaben könnte, meyreren Bekannten gegenüber damit zu prahlen, daß er Behm erschossen habe. Es ist die Frage, ob das Gericht diese Geständnisse als ausreichend im Sinne des Gesctzes ansehen wird. Berlin, 18. Jan. Eindreister Briitanten iebstahl wurde heute in der Wohnung eines Grafen am Viktoria=Luise=Platz ausgeführt. Unter der Vorgabe, die elegante 13=Zimmer=Wohnung mieten zu wollen, ließ sich ein sehr gut gekleideter, distinguiert aussehender Herr wieder holt die Zimmer zeigen. Heute kehrte er unter dem Vorwand zurück, seine Handschuhe beim letzten Besuch vergessen zu haben. Unvorsichtigerweise ließ ihn das Madchen einen Au genblick allein. Bald darauf fuhr der elegante Herr, der sich „Exzellenz“ titulieren ließ, in einem Auto davon. Als die Gräfin nach Hause kam, vermißte sie sofort ein sehr wertvolles, mit Brillanten besetztes Armband und einen Brillant ring von hohem Wert, die zweifellos der„neue Mieter“ mit genommen hatte. Swinemünde, 19. Jan. Schiffbruch. Bei Hamneren auf Bornholm ist in der letzten Nacht der Hamburger Dampfer Haparanda mit dem Bremer Dampfer Minos zu sammengestoßen. Die Minos sank nach zehn Minuten. Seine 15 Mann starke Besatzung wurde von der Haparanda auf genommen und hierher gebracht. Königsberg, 18. Jan. Vernntrenungen in Eisenbahngüterzügen. Der Wagenmeister Karpinsky und der Zugführer Sarunsky beraubten und unterschlugen während einer Reihe von Jahren Gütersendungen und trieben mit der Beute einen lebhaften Handel. Der Wert der unterschlagenen Güter ist sehr beträchtlich. Der Zugführer hat sich heute mit dem Handtuch in seiner Zelle endrosselt. Memel, 17. Jan. Raubmord. In der letzten Nacht wurde, wie das Memeler Dampfboot meldet, in Als zeiten=Jahn bei Kollaten ein unbekannter Russe von dem 16 Jahre alten Knecht Esins erschlagen, der bei ihm eine größere Geldsumme vermutete. Der Russe hatte jedoch nur fünf Mark russischen Geldes bei sich. Esins und sein Genosse wurden verhaftet. Breslau, 18. Jan. Gerhart Hauptmann hat der Ausstellungsleitung telegraphisch aus Pottrefina mitgeteilt, daß er das Festspiel zu der in diesem Jahre in Breslau stattfindenden Jahrhundertfeier vollendet habe. Das Festspiel wird durch Professor Reinhardt=Berlin inszeniert. Hirschberg, 16. Jan. Untreue. Der städtische Kassenassistent Böhme hatte die städtischen indirekten Steuern zu vereinnahmen und abends an die Stadthauptkasse abzu führen. Dabei hat Böhm nun, wie durch einen Zufall ent deckt wurde, seit längerer Zeit erhebliche Unterschlagungen begangen. Bis jetzt sind etwa 6000 Mark Unterschlagungen festgestellt, doch ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Der ungetreue Beamte ist flüchtig. Galle(Saale), 18. Jan. Fluch der bösen Tat. Der Bürgermeister Scherff in Kranichfeld, der als Direktor der dortigen Aktiengesellschaft Bankverein Kranichfeld 200000 Mk. unterschlug und flüchtete, hat sich in Wien er schossen. Leipzig 19. Jan. Autbungluck. Gestern abend stieß auf der Landstraße zwischen Güldengossa und Göhren vor dem Restaurant Park Meusdorf eine mit 4 Offizieren der Leipziger Garnison besetztes Automobil mit einem zweispän nigen Geschirr zusammen. Die Insassen wurden herausge schleudert. Zwei Offiziere waren sofort tot, die anderen beiden betäubt. Sie mußten nach dem Lazarett in Leipzig gebracht werden. Das Automobil wurde vollständig zer trümmert. Auch die beiden Pferde des Geschirrs wurden so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle abgestochen werden mußten. Der Chauffeur ist geflüchtet und soll sich erschossen haben. Zürich, 18. Jan. Sportunfall. Am Uetliberg fuhr ein Bobfleigh mit fünf Personen in einen Graben und überschlug sich. Zwei Mitfahrende, die Brüder Kägi aus Zürich, wurden schwer, die übrigen Insassen leichter ver letzt. Lüttich, 18. Jan. Aurounfall. Der französische Vizekonsul Rachuf Pillons ist gestern abend durch einen Auto mobilunfall getötet worden. Paris, 19. Jan. Fremdenlegion. In Oran wunde der Matrose eines deutschen Handelsschiffes Karl Dör mert verhaftet, weil er zwei deutschen Fremdenlegionären Zivilkleider verschafft und ihnen hierdurch zur Flucht ver holfen hat. Auf die entkommenen Fremdenlegionäre wird gefahndet. Oporto, 18. Jan. Gerettet sind jetzt sämtliche Passagiere des gestrandeten Dampfers Veronese. New York, 19. Jan. Einfurchtbarer Sturm in einer Stärke von 130 Stundenkilometer richtete schweren Schaden in Newyork an. Viele Personen sind verletzt; zahlriche Brände nahmen bei dem herrschenden Orkan große Dimensionen an. Ein Passant wurde vom Sturm zu Boden geworfen, geriet unter ein Automobil und wurde getötet. Ein Matrose wurde von Bord eines Kriegsschiffes in den dafen geschleudert und ertrank. Ferkelmarkt. Altenesssen, 18. Jan.(Amtl. Bericht). Auftrieb 3318 Ferkel und Schweine. Durchschnitts=Engros=Preise: Ferkel im Alter von 3—9 Wochen 20—25 Mk., von 8—12 Wochen 25—36 Mk., Schweine 36—70 Mk. Tendenz: Langsam; Ueberstand. Deutsche Namen für deutsche Waren. In einer Sitzung der Vereinigung Han. Handelskammern führte Herr Buddeberg, Vertreter der Bielefelder Handelskammer, aus: „Während in Frankreich eine eifrige Propaganda eingesetzt hat, um deutschen Waren dort den Absatz zu erschweren während in England fremde Waren den Stempel„Not british“ tragen müssen, können wir Deutschen die Fremdtümelei noch immer nicht abstreifen. Es hat für die Deutschen einen gewissen Reiz, eine Krawatte mit der Bezeichnung „His Majesty“, einen Kragen„Cumberland“, einen Hut „New London Style“ zu tragen. Leider wird von den Detaillisten und Fabrikanten dieser verwerflichen Sucht zu viel Rechnung getragen, und so findet men denn echt deutsche Ulster mit Bezeichnungen„English Fashion",„Tiger Make“, „Dest Tailor Made“, deutsche Krawattenschilder mit Bezeichnungen wie„Persians“,„for every Gentleman“,„Cheßboard Cravat“,„teh last Fashion“; eine Schlafanzug=Ankündigung mit„Sleep with the double Pyjama“; Damenpaletots mit„Fashionable Tailor made Dreß",„Ladies overwear Manufacturers".—Es ist eine Schmach, daß wir unsere gute deutsche Ware durch englische Namen erst zugkräftig machen müssen, während man im Auslande unsere Erzeugnisse meidet, nur weil sie deutschen Ursprungs sind. Hat man wohl jemals in England oder Frankreich ein englisches oder französisches Fabrikat mit deutscher Bezeichnung in einer Schaufensterauslage gesehen?— Jeder Ausländer würde sich gewiß kopfschüttelnd von solch einer Geschmacklosigkeit abwenden. Bei uns wird aber gar nicht darüber nachgedacht, welche Torheit wir begehen; uns scheint der nationale Stolz noch zu fehlen, der unseren Nachbarn solche Dummheiten von selbst verbietet. Wir fühlen uns im„Boarding house Hotel“, im neuen„Picadilly“ in Berlin wohl, wir lieben Ausdrücke wie„Nouveaute",„Genre“, eine nie wiederkehrende„Occasion“, obwohl wir gleich gute deutsche Worte dafür zur Verfügung haben.— Erfreulicherweise gibt es jetzt schon viele deutsche Herren, welche beim Einkauf deutsche Ware verlangen und z. B. deutsche Krawatten mit englischen Bezeichnungen, wie„The last Fashion",„Regence“,„For every Gentleman“ usw., sich weigern zu kaufen Soll hier eine durchgreifende Anderung eintreten, so liegt an uns Kaufleuten, sie herbeizuführen. Einmütig ist von den Lieferanten zu verlangen, deutsche Waren mit deutschen Bezeichnungen in den Handel zu bringen; dies ist ausdrücklich bei den Bestellungen auszubedingen und alles andere streng zurückzuweisen. Die Fabrikanten werden mit Freuden auf diesen Wunsch eingehen, wie von verschiedenen Seiten auch schon versichert ist. Wird es doch dazu dienen, den Wert deutscher Waren zu heben und das Nationalbewußtsein zu stärken.— Wir wissen, was wir vom Auslande zu erwarten haben, möge die Vereinigung für ganz Deutschland bahnbrechend sein, indem sie diesen Antrag annimmt! Deutsche Namen für deutsche Waren! das soll unsere Antwort auf das„Not british“ sein, mit dem England jetzt die unliebsame Konkurrenz der Ausländer fernhalten will und einer Herabsetzung deutscher Waren muß es gleich sein, sie mit ausländischen Namen in den Verkauf zu bringen. Das haben wir in der Hand, und das zu beschließen, ist der Zweck dieses Antrages.“ Strandgut. Ein Roman aus dem Westerländer Badeleben von Anny Wothe. Copyright 1912 by Anny Wothe, Leipzig. (2. Fortsetzung.)(Nachdr. verboten.) Mit einem Gefühl von Ingrimm und Neid sah Bünau wie Oberleutnant Ullinger den Mantel fast zärtlich um die Schultern des Mädchens legte, die den köstlichen, weichen Stoff mit beiden Händen um die Hüften zusammenraffte und lachend rief: „Hurra, Mama, heut' abend wird getanzt. Engagements schon alle im Wasser abgeschlossen.“ „Hoffentlich haben Sie mich nicht vergessen, gnädiges Fräulein?“ fragte Ullinger in einem heißen, leidenschaftlichen Flüsterton zu ihr hernieder. „Den zweiten Walzer," lachte sie auf,„haben Sie. Bin ich nicht gut?“ „Grundgut,“ gab der Oberleutnant mit aufstrahlenden Augen zurück. „Und ich?“ fragten Bünaus Augen. Wie Verwirrung flog es plötzlich über das kindliche Gesichtchen des Mädchens. Sie strich sich das braune Haar, in dem noch einige salzige Tropfen hingen, von der schmalen Stirn und nickte ihm mit einem köstlichen, süßen Lächeln das ihn ganz verwirrte, beruhigend zu. Dann eilte sie, fröhlich nach allen Seiten grüßend, in ihre Kabine. Bünau blieb, ohne sich von den anderen zu verabschieden wie gebannt stehen. Was hatten ihm diese Augen versprochen? Würde Syrta mit ihm tanzen? Hatte sie ihm einen Tanz reserviert? Plötzlich lachte er ganz laut auf. Baron Hasso von Bünau, der Menschenverächter im Ballsaal? Das war wirklich köstlich. Seit länger als fünfzehn Jahren hatte er nicht mehr getanzt und jetzt zitterte er, daß diese kleine Erzkokette, die lächelnd ein Dutzend Männer an der Strippe führte, ihn vergessen, ihn übersehen konnte? Natürlich war nur Imogen die Ursache, daß er ganz aus den Fugen geriet. Warum mußte er sie auch hier wieversehen, die schuld daran war, daß er einsam geblieben. Wie ihre süßen, blauen, halbverträumten Augen, hinter denen die Leidenschaft brannte, betteln konnten, und wie viel sie zu erzählen wußten von leidvollen Tagen. . r o n B ü n a u w u r d e e s h e i ß u n t e r s e i n e m P a n a m a. E r #u weit zu,u.: Da say er Imogen von Schol½, schon re ug angekleide, mit ihrem Töchterchen an der soeven aus der Badekabine schreiten und der Treppe zugehen, die hinauf zur Wandelbahn führte v. Augenblick war Hasso an ihrer Seite. Er wußte selbst nicht, wie es gekommen. „Ich bin glücklich, Baronin,“ sagte er, tief den Hut ziehend,„Sie noch hier begrüßen zu können.“ Bünau faßte dabei warm das ihm zärtlich entgegengestreckte Händchen des Kindes, das laut rief: „Du, Onkel Bünau, wir segeln, willst du mit?“ Er sah fragend in Imogens etwas blasses Gesicht, in das jetzt eine leise Röte stieg. Sie nickte mit einem süßen, traumhaften Lächeln Das triumphierende Aufleuchten ihrer halbverschleierten Augen verbarg sie unter den langen, schwarzen Wimpern „Mein Mann möchte hinaus auf das Meei, und der Junge quält so.“ „Und Sie, als gehorsame Gattin und Mutter, neigen ergebungsvoll das Haupt?“ Eine dunkle Falte grub sich in ihre weiße Stirn „Kommen Sie mit, Baron? Um drei Uhr.“ „Bedaure, Gnädigste, ich habe eine Verabredung.“ Nun war es entschieden, er ging doch in die Strandburg der kleinen Haßberg. „Wie schade!“ klang es matt zurück, und die Kleine schrie: „Au, Mama, du tust mir ja weh.“ Das Kind zwischen sich, es fest an den kleinen Händen haltend, schritten die beiden Menschen die Wandelbahn entlang, als müßten sie sich Schutz suchend an die Kinderhändchen klammern. Das Meer, das erst so träge geträumt, war jetzt lebhaft bewegt. Hoch auf zischte der weiße Gischt. Silberne Berge hoben sich auf. Weiter, immer weiter gleißte das silberne Licht um endlich weit dahinten am Horizont in einem Goldstrezu versprühen. Imogens Blick war Hassos Augen gefolgt die unablässig über das schimmernde Meer schweiften. „Es gibt Sturm, gnädige Frau. Sie sollten die Segelpartie aufschieben.“ Imogen zuckte die Achseln. „Ich bin da ganz machtlos. Mein Mann wünscht es. und die Kinder betteln.“ „Ich habe Sie nie so gefügig gekannt.“ „Gekannt? Haben Sie mich denn überhaupt gekannt?“ Er hob abwehrend die Hand. Warum an Vergangenes rühren?ung „Ich war damals ein Kind,“ murmelte Imogen. „Warst du ganz klein, Mama?“ fragte die kleine Alix „so wie ich?“ „Sieh mal, Alix, da drüben das große Schiff," lenkte Hasso von Bünau ab. Die Kleine jauchzte. kann man fahren. Weit fort, um die ganze Welt.“ „##e fort,“ wiederholte die schöne Frau, und ihre blauen, schwermütigen Augen gingen sehnsuchtsvoll dem Schiff nach, das fernab fast gespenstig seine Bahnen zog. „Welch ein Zufall," begann Baron Bünau,„daß wir uns hier nach sechzehn Jahren wiederfinden. Was liegt alles zwischen heute und damals?“ „Eine ganze Welt, und ein ganzes Leben, Baron“ War es glücklich für Sie, Imogen? Ich habe bis jetzt noch gar keine Gelegenheit gehabt, Sie allein zu sprechen Es würde mich freuen, von Ihnen zu hören, daß sich Ihr Leben freundlich gestaltet hat.“ Die schöne Frau lächelte schmerzlich. —„Es wäre undankbar, zu behaupten, daß ich glücklos bin. Sehen Sie das süße, kleine Ding da an, und meinen stolzen blonden Jungen, Hasso heißt er, wie Sie.“ Bünau stand betreten still. Einen Augenblick tauchten seine dunklen Augen heiß in die ihren. Ein Lied ging ihm durch den Sinn, ein Lied das sie selber einst gesungen: „Du bist vermählt? Ja ich bin's. Und auch ein Knabe ward mir. Deinen Namen hab' ich ihm gegeben. Nenn' ich ihn, so ruf' ich ihn zugleich mit dir.“ War das ein Geständnis? Hasso schüttelte den seltsamen Schauer, der ihn überlief energisch ab. „Ich meinte es nicht so, Baronin, ich meinte; ob Sie in Ihrer Ehe das gefunden haben, was Sie suchten. Es wäre mir eine Beruhigung, das von Ihnen zu hören.“ Imogens Augen blitzten fast zornig auf, dann aber legten sich wieder die dunklen Wimpern über die zarten Wangen während ein fast mutwilliges Lächeln ihren Mund umspielte. „Sie fragen etwas spät, mein bester Baron. Was verlangen Sie eigentlich von mir, daß ich Ihnen eine weitumfassende Schilderung meines Familienlebens gebe? Wie abgeschmackt! Ich fühle mich sehr wohl, ich lache, ich flirte, ich tasse mir den Hof machen, ich habe Vergnügen an schönen Miricren. Mein Mann legt meinen etwas kostspieligen Wünschen und Gewohnheiten keinen Zügel an. Ich kann reisen, wann und wohin ich will, ich kann Feste geben nach meinem Sinn und Gefallen, ich kann mir sogar Courmacher halten, so viel ich Lust habe, mein Mann sieht das gar nicht Was wollen Sie mehr?“ „Was sind das,„Courmacher“, Onkel Bünau“, fragte das Kind, das zwischen dem Paar lustig einherhüpfte Ein vorwurfsvoller Blick aus den ernsten Männeraugen traf die schöne Frau, in deren Antlitz dunkel das Blut stieg. „Das sind Leute, die es nicht ehrlich meinen, Kind“ gab Bünau zurück. „Dann bist du kein„Courmacher,“ lachte Alix, und schmiegte sein glühendes Gesichtchen liebkosend gegen Hassos Hand,„denn du bist gut.“ Bünau lachte hell auf. „Wenn du mich nur nicht überschätzt, mein kleines Fräulein. Das Rind aber wandte sich schon wieder den bunten Strandfahnen zu, die es zu zählen versuchte war bis zur ersten Strandhalle gekommen. Das Meer funkelte graugrün in einem seltsam flimmernden Licht Ein Schauern war's und Glänzen wie von leuchtenden „ und Hasso dachte, daß da unter den schimmernden Wellentälern dunkel das Verderben drohte Baronin,“ nahm er gepreßt das Wort,„daß Sie glücklich sind, daß das Opfer nicht umsonst gebracht wurde.“ „Glücklich, was gehört zum Glück? Nur die Dummen sind glücklich. Menschen, die nicht das fieberheiße Heimverlangen kennen, nach etwas Unsagbarem, Großem, Unendlichem, die wunschlos ihre Straße ziehen und die Hand küssen, die sie schlägt.“ „Wie arm an Glück müssen Sie sein, Imogen, wenn Sie es so definieren. Nein, das Glück naht sich uns denn doch in etwas anderer Gestalt, als wie Sie meinen.“ „Ja, voll Rauschgold und Flitter,“ lachte die schöne Frau hart auf.„Ich kenne Ihre Ansichten darüber zur Genüge.“ „Nicht so, Baronin. Es gibt auch ein stilles Genügen eine Abgeklärtheit, die wirklich nicht Dummheit zu sein braucht, wenn wir erkennen, wie schal unser Leben ist mit seinem Drängen und Hasten.“ „Also wunschlos sein, das nennen Sie Glück.“ ..„Jedenfalls trägt Wunschlosigkeit viel dazu bei, uns die Glückseligkeit zu erhalten.“ „Ich danke für dieses hausbackene Glück! Und was sprachen Sie von Opfern? Wer brachte Opfer? Ich? Sie täuschen sich, bester Freund. Ich fand ja alles, was ich in meiner Ehe erwartete; Reichtum, Macht, sogar Liebe.“ „Und doch sind Sie zu leidverloren, Imogen, daß ich weinen könnte, wenn ich in Ihre Augen blicke.“ Ein gequälter Blick traf den Baron, dann aber irrte ein stolzes, selbstbewußtes Lächeln um die roten Frauenlippen als sie, wie in scheuer Hast, entgegnete: „Wir wollen doch nicht sentimental werden, Baron. Ich bitte Sie, zwei junge Menschenkinder wie wir damals! Sie ein mittelloser, junger Offizier, und ich ein armes Mädel, ohne Aussicht, je die Kaution aufbringen zu können. War es nicht das richtige, daß wir uns trennten?“ „Ich hätte ausgehalten,“ gab Bünau zurück,„aber Ihnen, Imogen, graute vor der langen Wartezeit und vor einem Leben voller Einschränkungen und Entbehrungen.“ „Die das Grab der Liebe bedeuten. Sie haben recht zugrunde gegangen in der Enge häuslicher Verhältnisse. „Und Sie gaben mich unbedenklich auf, während mein Herz blutige Tränen weinte, und reichten lächelnd dem reichen Manne die Hand, der Ihnen ein Leben im Luxus und Glanz ermöglichte.“ Finster runzelten sich die dunklen Brauen der schönen Frau. „Ob es lächelnd geschah,“ entgegnete sie leichthin,„wollen wir unerörtert lassen, lieber Bünau. Daß es geschah, ist nicht abzuleugnen. Ich hoffe aber, Sie zürnen mir nicht mehr weil ich damals die Vernünftigere von uns beiden war" „Wer war vernünftig, Mama?“ fragte das Kind.„Ist das was Gutes?“ „Es kann auch oft etwas sehr Törichtes sein,“ gab Imogen mit bitterem Lächeln zurück, fester die Hand ihres Kindes fassend. #ben Sie n„mt, bereu., Imogen,“ fragte Bünau dringlich, seine dunklen Augen fest in die ihren senkend,„als Sie bald nach Ihrer Verheiratung hörten, daß ich durch den unglücklichen Sturz meines Vetters bei einem tollen Ritte Erbe des Majorats geworden? Eine Möglichkeit, an die niemand gedacht, die aber mit einem Schlage alle Hinvernisse zwischen uns hinweggeräumt hätte?“ „Sie fragen viel Baron. Sie vergessen aber, daß ich da##e# verheiratet wa., und mein kleiner Hasso schon „Deinen Namen hab' ich ihm gegeben“ es durch Baron Bünaus Seele, und eine heiße Glutwelle flutete wie ein Schlag durch sein Herz. „Der Junge macht Ihnen Freude,“ lenkte er mühsam ab „Er ist mein ganzes Glück! Er wird auf Wunsch meines Mannes, leider, im Lichterfelder Kadettenhause erzogen Mein Mann legt sich selber dadurch große Opfer auf, daß er den Jungen nur zu den Ferien sieht, aber da Hasso doch Offizier werden will, und wir beide leider zu nachsichtige sinn, halten wir die strenge Ordnung und Zucht im Kadettenhaus für den wilden Jungen sehr heilsam, und haben ihn schweren Herzens hergegeben.—— Weshalb sehen Sie mich so eigen an? Sie hätten das wohl nicht getan?“ „Ohne besonders zwingende Gründe gewiß nicht“ Imogen senkte verwirrt die dunklen Wimpern. Der Seeise sesen den ue einst geliev., der sollte nicht in „Ach, Papa, Papa!“ schrie plötzlich Klein=Alix, sich losund mit ausgebreiteten Armen einem Manne entgegenfliegend, der im dunkelblauen, leichten Jacketanzug und dunkelblauer Mütze, von der Kurhaus=Strandhalle her durch das Gewühl der Spaziergänger, die sich vor dem Musik pavillon angesammelt hatten, auf das Paar zuschritt. (Fortsetzung folgt.) Esperanto. Gar nicht am Platze ist der mitleidige Ton. in welchamamem meist entgegengchalten wird, wenn man für Eaperanto eine 1.an er. Des Volapüks brauchen wir uns nämlich keineswegs zu schimen Hanz.: ihm doch um eine deutsche Erfindung, um das arst Sy. sich bei ständigen neutralen Sprache, die veröffentlicht wurd- ur di0n gewissen Verbreitung brachte. Das Krosse Aufest und die en nuch zu einer bezeugt uns, wie schr das Bedürfais nach oinem internationale zggruche gachte. wird. Volapok konnte sieh nicht halten u. dar 212gan eich.„empfunden anstrengung, die seine Eriernung erlordert Darum braucht ahg. jedes System einer künstlichen Sprache untauglich zu sein. Hann nich:“p war hier unpraktikabel, sondern nur Volapdk war as Tam g. ncht dis Prinzip Mängel des Volapdk, und deshalb kann os dessen Schiat--1ruud sohlen die Regein der Esperarto-Gracamatik beschrünken sich auf einis. ganzen 17 grammatische Endungen. Das Zeitwort, der Schrackan eine fremde Sprache erlernt, wird durch 12 Endungen konere. der 2268 Endungen bein französlschen Verbum. Auf wahrhaut. apemüber u. B. Schöpfer des Eaperaato die Wörterfrage gelöst. Sein Vokabulas 900 Wörter. Neben diessa W örtern bestehen en. 20 g. Opbigf. umistst ungetäbr mit dem Stammworte in Verbindung bringt, dessen Sinn... Richtung hin ändern. Mathemstisch liessen sich auf Wörter bilden, wenn es ebensoviele Begrifle Sprachen eind die am leichtesten vorständlichen Stam.#. ereitetster Dingen diejenigen zahlreichen Rrorter mit benutst worden, die fast aliag 1at geineinsam sind, die etso heute bereits ein internationales Vokabular darstallDeutschen entstammt der vierte Tell des gasamsan zirz zonspuiur darstellen. Dem heit des Raperanto iet ne unbastriten, wie seine vclig groszen Kongressen bewiesen ist. Seit 1903 hat jührlich eine dis.: nalen Zusammenkönfte stattgofunden. Dis erste hasuchtssu Gieder iniotnatte von 22 Nationen, auf der letzten im vorigen Jahre vertraten ais ge. Anschörize nehmer 41 Nationen. Rian unterhielt sien, redste diettrste 2000 Tell. schliesslich in Esperanto und fühlte sich, befreit van das#:#“ Ferbundelte Aus Sprachenverschiedenheiten, brüderlich einig in de: str.. cermu der jedem Nenschen teuren Muttersgrache aber aund zrs:##ven nich Erhaltung der zusiehen für das wohllautende Faperanto, weichss ur enischlassen, fernerhia diokünstliche Lillfesprache, die naben den naenztiche s:.**.“ vein will als eine werden soll, wie etwa die Stenographie Mit dem Motor ins Innerste Afrikas. den Stanleyfällen kongoaufwärts. von Oberleutnant Paul Graetz. (Nachtruck verboten.) (Fortsetzung aus dem 1. Biatt.) Der Zug pfeift. 9.30 Uhr vorm., 28. Oktober. Ich sitze mit dem Betriebsleiter, den Adam zur Fürsorge für das bereits 6 Uhr morgens per Güterzug abgegangene Motorboot mitfahren ließ, hinter den Scheiben des Aussichtswagens des letzten im Zug. Die Schienen gleiten unter uns weg. Rechts und links dichter Urwald mit herrlicher Vegetation. Bei dem staatlichen Sägewerk machen wir längeren Halt Die Lokomotive nimmt Holz und Wasser. 12.15 Mittags passieren wir den Aquator— zum fünften Male auf unserer Fahrt. Wir frühstücken. Kilometer 120. Notpfiff. Notbremsen. Ich sehe einen Neger am Bahndamm die Hände verzweiflungsvoll über den Kopf zusammenschlagen—Krach! Wir sind von unseren Sitzen geschleudert— alles poltert wüst durcheinander. Wir sind in einer Kurve auf den Güterzug aufgefahren. Ich reiße die Tür auf. Zwei Schienen sind von dem als Unterlage für das Boot dienenden Stapel abgealitten und haben sich eine Strecke weit in den Bahndamm eingewühlt. Die„Hygiama“ hat von den Enden der hochstehenden Schienen zwei Löcher in der Wandung abbekommen, die sofort nach Ankunft in Panthierville vom Tischler sauber geschlossen werden. Die„Hygiama“ erhält ferner Firnißanstrich und schaut gar properer aus als sie vom Zug zu Wasser gebracht wird. Am Morgen des ersten November sind alle Europäer von Ponthierville am Start der„Hygiama". Ich starte. Das Bild der Flußlandschaft gewinnt mit jedem Kilometer. Malerisch schön ziehen sich am hügeligen Uferrand die Dörfer der Wagento hin, die in dichten Gruppen staunend das Boot vorüberziehen lassen. Die frischgrünen Bananenhaine treten bis dicht an den Fluß heran, von der Höhe herabkletternd. Ziegen und Schafe weiden am Wiesenhang. Die Schwarzen tragen Kanzu und Turban die arabische Gewandung. Die Namen der Dörfer erinnern an die einstmaligen Machthaber des Landes— Benen=Taba=Unakanda=Bakama, wo ich den ersten roten Fez erspähe. An dem meilenlangen Dorf Kirundu entlangsteuernd, begegnen wir dahertreibenden Rußklötzen: Ein Dampfer muß in nächster Nähe halten. Er hat die Kesselfeuerung üder Bord geworfen. Wir biegen im Schein des Abendrots um einen Landvorsprung— da liegt vor der sauberen Residenz des arabischen Sultans ein großes Regierungsschiff. Mehrere Europäer grüßen von Deck herüber, unter ihnen Gouverneur Malfait mit seinem Stabe, der mich zum Diner bitten läßt.„Haben Sie einen zuverlässigen Lotsen für die Schnellen von Kilindi?“—„Nein, nur eine Flußkarte.“— „Das genügt nicht.“ Ich erhalte den letzten schwarzen Steuermann des Dampfers für die Fahrt nach Kindu.— Am 2. November 2 Uhr Nachmittag komme ich los. Beni Musa's Riesendorf wird in einstündiger Fahrt passiert. Kinder, Frauen und Männer begleiten uns springend. Die Araber in gelben und weißen Kanzus stehen in ruhiger Würde am Uferrand. Der Araber hat mit seinem Krämersinn den Neger angesteckt: Kanus angehäuft mit Bananenstauden gleiten stromauf und=ab. Am Spätnachmittag wirft uns ein Tornado gegen die Uferwand. Wir machen fest, von Regenströmen übergossen. Der Tornado streicht quer über den Fluß hinweg, genau eine Viertelstunde anhaltend. Wir fahren weiter in die Nacht hinein bis zum ersten Licht, das im schwarzen Dunkel der Uferwand aufblitzt: Das Wagenidorf Busali. Der 3. November bringt der„Hygiame“ die härteste Leistungsprobe der ganzen bisherigen Fahrt. Als wir 6 Uhr morgens losfahren, fragt der Lotse, ob er es wagen dürfte, mit dem Boot die kürzere aber an Strom stärkere Route zu nehmen. Als wir uns den Kilindischnellen nähern, bittet er um mehr Kraft. Ich gebe. Jetzt beginnt der Kampf. Rings um das Boot tanzen kreisend schmutzige Schaumbatzen, der Schweiß des Kongo, der sich hier durch die Felsen zwängt. Mit beiden Fäusten drücke ich die Kurbel des Akzelerators noch um eine Rast weiter. Der Kiel senkt sich, wir schießen vorwärts im Kreislauf des Wassers. Endlich erreichen wir die sich erweiternde Ausfahrt. Fünfunddreißig Minuten für zwei Kilometer!, Nach elfstündiger Fahrt winkt von steil in den Fruß fallender grüner Bergwand Lowa, gegenüber der Mündung des gleichnamigen Nebenflusses. Über Fächerpalmen streben die Masten der Telefunkenstation in den weißblauen Himmel. Am 4. November wird das Wachstum der Ufer auffallend lichter, wir verlassen den Gürtel des äquatorialen Urwalds. Am Nachmittag kämpft sich ein Dampfer langsam an uns vorüber, den wir beim nächsten Holzposten wieder hinter uns lassen. Der Himmel färbt sich dunkelgrau, gelb und rot. Ein hochziehender Tornado, dem wir jedoch ruhig entgegensehen. Wir steuern in der schmalen Wasserstraße zwischen einer langgestreckten Insel und der hohen Uferwand. Kaum haben die Boys die Seitengardinen des Verdecks niedergelassen, als ein kanonenschlagartiger Donner loskracht Dann prasselt der Regen. Über Fluß und Grün senkt sich wie ein dunkles Netz der Wolkenbruch. Grausame Herren regieren nicht lang. Als wir die breite Mündung des Ulindi oberhalb der schützenden Insel schneiden, saugen die Sonnenstrahlen bereits das Wasser von Motor und Planken. Wir liegen die Nacht an der Mündung des Kasuku. Mit dem ersten Schein des Tages wird gestartet. Lichter Laubwald wechselt mit Palmenbestand. Zahlreiche kleine Siedlungen folgen rasch aufeinander. Von der idyllisch gelegenen Faktorei Waika winkt eine schlanke weiße Frau mit dem Taschentuch herüber, ein seltener Gruß in diesen Breiten, dankbar von mir erwidert. Senkrecht aus dem Wasser hochsteigende grün überwucherte Felswände erhöhen den Reiz der Landschaft. Der Regierungsstation Lokandu sind mehrere kleine Inseln vorgelagert, von denen eine als Dampferanlageplatz hergerichtet, da die Dampfer wegen der längs der ganzen Ortschaft hingestreckten Sandbank nicht am Ufer anlegen können. Als wir mit Flaggengruß vorüberfahren, hat gerade ein Dampfer festgemacht. Der Fluß ist von Kanus belebt, die alle nach der kleinen Insel hasten, auf der sich Furopäer, Soldaten und Volk zusammendrängen. In zwölftündiger Fahrt nach Süden legen wir trotz des stellenweise tarken Stromes bis zum Elilanebenfluß 98 Kilometer Flußstrecke hinter uns und erreichen am Morgen des 6. Novemnber Kindu, die Ausgangsstation der Eisenbahn, welche die Fälle von Ngwele und die Portes d’ enfer, die„Höllenpforte" umgeht und die dritte hinter uns liegende schiffbare Zone mit dem oberen Kongo, nicht Lualaba, verbindet. Straußenzucht und Korkeichen. Südwestafrika. Die ersten Straußenkücken sind, wie die Deutsch=Südwestafrikanische Zeitung schreibt, auf der Straußenfarm Goanikontes(Karl Hagenbeck=Stellingen und Hauptmann a. D. Weitzenberg) ausgekommen. Die Elterntiere, aus Deutsch=Ostafrika stammend, sind nur anderthalb Jahr im Lande. Der erste Erfolg, von 11 Eiern neun lebende kräftige Kücken, die sich inzwischen schon zu ansehnlicher Größe entwvickelt haben, muß als besonders günstig bezeichnet werden. Die Elterntiere sind als Kücken in der Steppe ge fangen worden und sind erst über Stellingen nach Südwest afrika gelangt. Herr Hagenbeck hofft, aus dem vielen ehe maligen wilden Straußenmaterial, daß durch seine Hände geht, durch richtige Auswahl, das Beste vom Besten, und durch vichtige Zuchtwahl mit der Zeit ein Federtier zu züch ten, das den Kapschen Straußen ebenbürtig werden soll Es stehen außer ostafrikanischen noch Senegalstrauße in Goani kontes zur Verfügung, beides Arten, die als Steppentiere, da eben in ihrer Heimat fast das ganze Jahr hindurch frisches grünes Futter zu finden ist, sehr gute Federn besitzen. Die Nachzucht solcher Tiere, mit der schönen Swakopluzerne ge füttert, von der Hauptmann Weitzenberg bereits für einige hundert Strauße genügend angebaut hat, wird sicherlich schon eine recht gute Feder aufweisen, denn sonniges Wetter und Luzerne bedeuten für Kücken wie für erwachsene Tiere bei nahe alles. Im Dezember kam das zweite Gelege mit sieben kräftigen Kücken in Goanikontes aus; es ist eine Kreuzung zwischen Senegalhahn und Ostafrikahenne. Ende Dezember wurden auch noch einige beste südafrikanische Straußen=Zucht paare in Goanikontes eingestellt. Neben der natürlichen Brut wird dann auch mit der Brutmaschine gearbeitet wer den, zu welchem Zwecke ein langjähriger erfahrener Fach mann von Stellingen nach Goanikontes unterwegs ist.— Das Gouvernement unternimmt Versuche mit dem Anbau von Korkeichen. Die von einer Stuttgarter Firma gesandten Samen, die aus Spanien(Prov. Sevilla) stammen, sind in Windhut und in Grootfontein ausgelegt worden. Der An bauversuch verdient um so größeres Interesse, als Spanien und Portugal, die beiden Hauptländer für Kork, die Ausfuhr durch hohe Ausfuhrzölle unterbinden wollen, und man auf dem Korkmarkt davon ein dauerndes Anziehen der Preise befürchtet. Ueber 1/# uion werzen Gaslicht wurden für die tuug des Automobilsalons in Paris verwandt. Diese ungeheure Lichtfülle w. roe zum Teil von Pharos=Preßgaslampen(4000 und 1000 Kerzen) und zum anderen Teil von Niederdruck=Gaslampen .4##, deren Konstruktion dem bekannten Aner=Hängebrenner ler(115 und 300 Kerzen) entspricht. Die Beleuchtung erstreckte sich auf die Fassaden sowie das Innere der Hallen. *** t Geie Über 34,000 ähnlich lautende schriftliche Anerkennungen! Die Anfertigung aller Garderobenstücke tt nach unseren Standard=Schnittmustern sp#elend leicht, selbst für Damen, die nicht schneidern gelernt haben Schnittmuster zu allen Abbildungen in den Normalgrößen 44 u. 46 liefert umere Expedition an Abonnenten zum billigen Preise von nur 50 Pf. pro Stück 1701. Kleid mit Spitzenpasse für Mädchen von 10—12 Jahren. 1701. Kleid aus dunkelretem Wollsatin mit Spitzenpasse für Mädchen von 10 bis 12 Jahren. Das auf Futter gearbeitete Kleidchen erhält nur markierten Vorderschluß. Man kräuselt die Blusenteile dem Futter auf, setzt dann die viereckige Passe aus Spitzenstoff auf und umgibt diese mit einem 7 Zentimeter breiten plissierten Stoffvolant. Dann näht man die mit Bogenverzierung versehenen Aermel ein, und setzt das glatte nur mit Bogen verzierte Röckchen der Bluse an. Den Ansatz deckt ein 6 Zentimeter breiter Gürtel aus dunkelroter Seide, der rückwärts mit einer Rosette verschlossen wird. 1714. Bluse mit abgeschrägten Vorderteilen und dreiviertellangen Aermeln. Zu dunkelgrünem Tuch bildet etwas grüne, plissierte Seidengaze und weißer Spachtelstoff, sowie eine in Grün, Schwarz und Gold ausgeführte Stickerei die Garnitur. Die glatten Vorderteile öffnen sich über einem Latz aus plissierter Gaze. Die Ränder begrenzt Vorstoß aus schwarzem 1714. Bluse mit abgeschrägten Vorderteilen und dreiviertellangen Aermeln. Samt und eine grüne Zierstichlinie; hieran schließt sich auf dem linken übergreifenden Vorderteil eine nach####en sich verbreiternde Stickerei, die sich im Rücken und auf dem linken Vorderteil fortsetzt. Die Aermel, die mit Vorstoß eingesetzt sind, erhalten schmalste Säumchen, die auch durch schmale Samtbändchen ersetzt werden können. Stehkragen aus Spitzenstoff mit Vorstoß aus grüner und schwarzer Seide. 1638. Schulkleidchen aus kariertem Stoff, für Mädchen von 8 bis 10 Jahren. Das vorliegende Modell kann so als vollständiges, zusammenhängendes Kleid gearbeitet oder als Kleid für auswechselbare Blusen eingerichtet werden. Man arbeitet eine Juttertaille mit Passen, Stehkragen und Aermel und arbeitet dann die Blusenteile selbständig mit dem Rock zusammenhängend auf. Die Blusentaille hat breite, abhaltende Schulterteile. Das Röckchen ist in Jalten geordnet, die nach hinten gerichtet sind, so daß vorn eine Tollfalte entsteht. Ledergürtel. 1638. Schulkleidchen für Mädchen von 8—10 Jahren. 142 1 F ## S## Statt besonderer Anzeige. Heute morgen 5 Uhr entschlief sankt nach längerem Leiden mein teurer Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Grossvater der Fabrikbesitzer Gustau Ernstmeier im 69. Jahre seines arbeitsreichen und gesegneten Lebens In tiefer Trauer: Johanna Ernstmeier geb. Matthias. Gustav Ernstmeier u. Frau Elisabeth geb. Böckelmann. Eduard Weddigen, Kapitänleutnant, und Frau Lydia geb. Ernstmeier. Carl Ernstmeier und Enkelkinder. Herford, Cuxhaven, den 19. Januar 1915. Beerdigung Mittwoch, den 22. Januar 1913, 3½ Uhr nachmittags; Feier im Trauerhause, Mindenerstrasse 5, 3¼ Uhr. Nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse wurde uns heute morgen unser verehrter Senior-Chef durch den Tod entrissen. Wir verlieren in dem Entschlafenen einen gerechten, für das Wohl seiner Arbeiter stets besorgten Chef. Durch seine vornehme Gesinnung hat er sich in unseren Herzen einen dauernden Ehrenplatz gesichert Er ruhe in Frieden! Die Arbeiter der Firma Gustav Ernstmeier. Stadtverordnetenausschußsitzung. Mittwoch, den 21. Januar 1915, abends 5¼ Uhr. Herford, den 20. Januar 1913. Der Vorsitzende Lücken Bekanntmachung. Dem Bürovorsteher Fritz Wehmeier in Schweicheln Nr. 40 ist ein Hund zugelaufen Der Eigentümer desselben kann sich innerhalb 8 Tagen im hiesigen Amtsbüro melden Herford, den 17. Januar 1913 Der Amtmann: von der Schulenburg Morgen nachmtttag 4 Uhr soll auf dem hiesigen Bahnhof ein Wagen, 15000 kg. Fettschlammkohlen bestmöglichst verkauft werden. Güter=Abfertigung Z. T 3—: SB ·.! 6 82 82# Plös —„ *— • G EIS 22 S 8 — n 1 8. —" 2 SSäz, — 5**„ : 5 x □ *##. e. □ E E2 5 2.127 I. „ 16—18 Jahre alt, für leichte Lagerarbeiten per sofort ge* sucht. J. Elsbach& Co. A.=G. Zum Ordnen der Geschäftsbücher für die Abendstunden ein Buchhalter gesucht. Off. unter Nr. 1304 an die Geschaftestelle d.#l. mit guter Schulbildung zu Ostern gesucht. Eick Nachf. Für sofert ein Mädchen zur Ausbülfe oder eine saubere Arbeitsfrau gesucht. Frau Marie Donike, Löhrstraße 12. Suche zum 1. April sauberes Hausmädchen. Frau Btockmann, Veragarten. Suche für meine Tochter, 15 J alt, welche an dem Unterricht der Handelslehranstalt teilgenommen hat, zum 1. April eine Lehrstelle auf einem hiesigen Kontor. Degen, Rennstr. 10. II. Etage, 4 Zimmer, Küche und Zubehör, zum 1. April zu vermieten. Unter den Lieden 3 Suche zum 1. April kleine freundliche Wohnung (3 Zimmer mit Zuhedör). 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Brinkmann durch Konzert, Aufführungen und Ball. Ansang 8½ Uhr. Fremde müssen durch Mitglieder eingeführt werden. Zentral-Verband der Handelsleute und Berufsgenossen Deutschlands (Sitz Berlin) Sektion Herford Masten=Ball Stadt-Theater Verford. Dienstag, den 21. Januar, abends 8¼ Uhr: Zum ersten Male! Die im Schatten leben. Drama von Rosenow In 3 Akten grüns Heringe eingetroffen bei Julius Riedel, Peterillienstr. 9. Wohn- u. Schlafzimmer am Sonnabend, de 1. Febr. im Saale des Lindenhofes (Fr. Liedike). Anfang: 7 Uhr 59½ Minuten Ende: Wenns vorbei ist. Herrenkartea 75 P/g., Damenkarten 35 Pfg. sind bei den Mitgliedern, sowie bei Johannpeter, Buxbaum, Neuer Markt, Fr. Liedtke, Zigarrengeschäft Steinstr. 6 und an der Kasse zu haben. Freunde und Gönner berzlich willkommen. Der XI. Rat. bei Vorsicht Kauf oder Beteiligung Wer ein Geschäft, Gewerbebetrieb, Grundstück 2c. kaufen oder sich an rentabl. Unternehm. beteil. will verl. konenfr. Ang., habe steis aute Objekte allerorts an Hand. E. 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