Das„Herforder Kreisblatt“ erscheine täglich mie Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Vierteljährlicher im voraus zu zahlender Bezugspreis 1 M. 50 Pf. Durch die auswärtigen Betriebsstellen bezogen 1 M. 65 Pf. Bei Selbstabholung aus der Geschäftsstelle 1 M. 25 Pf. Monatlich 30 Pf. *„ Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mit 12 Pf., auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Petitzeile berechnet. Etwaiger Nabatt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhalb 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Jerd. Etzmann in Herford. Für den übrigen Teil: Friyz Heidemann in Herford. Geschäftsstelle: Mönchstraße 5. Herforder Kreis=Zeitung. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt. reis=Anzeiger. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gebr. Heidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Hannover. Nr. 1(enthält 8 Seiten) Donnerstag, den 2. Januar 1913. 68. Jahrgang. Neujahrswünsche für 1913. Das Mind. Kreisblatt hat an bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Bitte gerichtet, inskurzen Worten zum Ausdruck zu bringen, welche Sorgen' und Wünsche sie heuer an der Jahreswende bewegen. Ihm ist darauf, wie die Schriftleitung erklärt, eine Fülle tiefer Gedanken und Empfindungen übermittelt, welche Zeugnis ablegen von dem Ernst der Zeit, aber auch von=frohem und starkem Hoffen. Nachstehend bringen wir daraus einige Auszüge: Dr. Walter Bloem: „In den zweiundvierzig idyllischen Friedensjahren, die dem neuen Deutschen Reiche blühten, sind unserm Volke in seiner Mehrheit einige jener Eigenschaften abhanden gekommen oder mindestens verblaßt, die ihm zur politischen Einheit und Größe verholfen haben. Was man so mit einer altmodischen Bezeichnung„die Ideale“ nannte, das stelt heute nicht mehr im Allerheiligsten unserer Nation, sondern ist in die Raritätenkammer oder auf den Plunderspeicher verbannt worden. Das fette Sicherheitsgefühl, auf dessen schwappendem Sumpfboden die mammonistische Lebensauffassung unserer Zeit aufwuchern konnte, ist nun freilich durch die Wirrungen der jüngst vergangenen Monate tief erschüttert worden. Wenn aber diese Erschütterung eine Neubelebung jener heroischen Weltanschauung zur Folge haben sollte, in deren reinem Hauch allein die Völker aufblühen und erstarken— dann segne ich diese Wirrungen, und ich würde selbst einen großen, folgenschweren Krieg— an sich die widrigste und schauerlichste Lebenserscheinung, die ich mir vorstellen kann— ich würde ihn segnen, wenn seine Vorboten nicht genügen sollten, um die deutsche Atmosphäre von den Giftkeimen der Überzivilisation zu säubern.“ * Friedrich A. J. von Bernhardi, General. d. Kav. z. D.: „Jedem wohl, der mit hellen Augen um sich sieht, drängt sich die Frage auf, ob sich das deutsche Volk auch in Zukunft der großen Vorbilder würdig erweisen wird, die ihm das Jahr 1813 vor Augen führt. Gewiß hat es auch in seinen Einigungskriegen große kriegerische Taten vollbracht, die zu stolzer Hoffnung berechtigen; in Zukunft aber stehen uns doch wohl noch ganz andere Prüfungen bevor, als sie uns in jenen Kriegen auferlegt wurden: Prüfungen vielleicht, wie wir sie im siebenjährigen Kriege und in den Freiheitskriegen zu bestehen hatten. Im Fall eines europäischen Krieges wird Österreich nicht mehr seine Gesamtkraft gegen Rußland aufstellen können. Und wenn ihm vielleicht auch Italien über die Adria hinüber zu Hilfe kommt, so wird es doch voraussichtlich einen Teil seiner Streitkräfte an der serbischen und montenegrinischen Grenze verwenden müssen; auch die Türkei fällt wenigstens für die nächste Zeit als Bundesgenosse fort. Das wirkt natürlich auch auf unser Verhältnis zurück. Wir müssen heute mehr Truppen an unserer Ostgrenze stehen lassen, wie bisher und können dementsprechend nur schwächere Kräfte gegen Frankreich und England einsetzen. Unter solchen Umständen ist es nicht zu erwarten, daß wir, wie in unseren letzten Kriegen, nur Siege erfechten werden. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, daß wir trotz aller Tapferkeit auch einmal geschlagen werden können, daß vielleicht auch der Gegner Teile unseres Vaterlandes in Besitz nimmt, und wir mit der äußersten Anstrengung und Hartnäckigkeit um unsere europäische Stellung und unsere Weltgeltung in wechselvollem Kampfe ringen müssen. Wird unser sieggewohntes, in wachsendem Reichtum aber scheinbar nur noch dem Frieden nachstrebendes Volk sich auch schweren Schicksalsschlägen gewachsen zeigen? Wir dürfen auch heute einem Kriege gegen die Überzahl unserer Gegner mit Vertrauen entgegensehen, wenn wir alle unsere nationalen Kräfte zusammennehmen und unser ganzes Volk zu den Waffen rufen. Leider müssen wir uns gestehen, daß wir in dieser Richtung viel versäumt haben, während unsere vermutlichen Gegner mit der äußersten Energie gerüstet haben. Wir haben die allgemeine Wehrpflicht, die Wurzel unserer Kraft tatsächlich preisgegeben und damit einen großen Teil unseres Volkes wehrlos gemacht, und während alte Landwehrleute und Familienväter ins Feld ziehen müssen, um die Lücken der Armee zu schließen, bleiben die jungen waffenkräftigen Leute zu Hause. Reich genug ist unser Volk, um seine Sicherstellung in Gegenwart und Zukunft zu bezahlen, und auch der Wille ist vorhanden, die erforderlichen Opfer zu bringen. * Professor Dr. Max Dessoir: Wer von der Mahnung des Jahresendes dazu aufgerüttelt wird, mit Ernst das eigene Schicksal zu erwägen, findet es enger als sonst dem Geschick der europäischen Völker verbunden. Kein Zweifel, daß der große Krieg droht, kein Zweifel, daß seine Verwirklichung uns alle aufs tiefste treffen wurde. Es handelt sich nicht um jene äußeren Streitpunkte, die die Erörterung des Tages beherrschen, sondern um die Auseinandersetzung des germanischen Kulturkreises mit dem slawischen. Der Kampf zwischen diesen beiden Welten muß jedenfalls ausgefochten werden, und die Frage ist nur die, ob es in der gewaltsamen und verhängnisvollen Form des Krieges geschehen soll. Ich für mein Teil würde es als eine Anklage gegen den erreichten Grad menschlicher Kultur betrachten, wenn die Spannung der beiden gegeneinander wirkenden Energien nur so zu lösen wäre, daß Menschenleben ohne Zahl wie auch unermeßliche wirtschaftliche und geistige Werte zerstört werden.“ * Alexander Freiherr von Gleichen=Rußwurm: „In ernsten Zeiten besinnt man sich mehr als in heiteren Tagen auf sie selbst und das Interesse an politischen Fragen drängt sich auch denen auf, die sonst in satter Behaglichkeit diese Dinge ablehnen. Mein Wunsch, ja meine Hoffnung, geht zur Jahreswende dahin, daß die jetzige Krise solche Trägheit beende und die führenden Männer(seien sie Industrielle, Finanzleute, Schriftsteller, Künstler usw.) veranlasse, im Staatsleben die ihnen gebührende Stelle einzunehmen und wenn nötig zu erkämpfen.“ * Hermann Graf von Keyserling: „Niemand, weder in Deutschland noch anderswo, wünscht den Frieden um jeden Preis. Gibt es aber viele, die sich dessen bewußt sind, daß eine äußere Conflagration, gleichviel zu welchen äußeren Ergebnissen sie führen möge, in einem tieferen Sinne, als solcher diplomatischen u. wirtschaftlichen Siegen innewohnt, höchstwahrscheinlich einen Segen bedeuten würde?— Niemals schienen die Lebensprobleme unlösbarer als gerade heut. Dieses aber nicht deshalb weil es der heutigen Menschheit an äußeren Ressourcen fehlte, sondern weil es ihr an der nötigen inneren Kraft gebricht. Diese Kraft fehlt uns nicht wirklich: sie schläft bloß. Und sie wird wiedererwachen, sobald die entsprechenden äußeren Umstände eintreten. Heute nun, wo die Menschheit mehr an der Oberfläche lebt, als irgendwann seit dem Untergange der Antike, und wo diese Oberfläche zugleich bis zur Uneinnehmbarkeit verschanzt erscheint, wird es wahrscheinlich ungeheurer Erschütterungen bedürfen, um sie zum Bewußtsein des Mittelpunktes zurückzurufen. Und da wir ohne Zweifel verloren sind, wenn dieses Bewußtsein nicht baldigst wiedererwacht, so kann ich nicht umhin zu wünschen, daß die gewaltsamen Umwälzungen, die früher oder später doch eintreten werden, nicht zu lange auf sich warten lassen mögen. Die neue Unfallgesetzgebung. Mit dem Beginn des neuen Jahres wird die Unfallversicherung nach den neuen Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung geregelt und damit in eine neue Phase ihrer Entwicklung eintreten. Nachdem verschiedene vergebliche Anläufe gemacht waren, kam im Jahre 1884 das erste, auf das Gewerbe bezügliche Unfallversicherungsgesetz zustande; ihm folgten das landwirtschaftliche, das Tiefbau= und das See=Unfallversicherungsgesetz. Mit dem 1. Oktober 1885 eröffneten die ersten gewerblichen Berufsgenossenschaften ihre Tätigkeit. Ihnen haben sich viele andere Berufsgenossenschaften angeschlossen, auch anders geartete Träger der Unfallversicherung traten in Funktion. Mit dem 1. Januar 1913 nehmen zwei neue Berufsgenossenschaften, die Gärtnerei= und die Detailhandels=Berufsgenossenschaft, aber auch das ganz neue Organ für die Kraftfahrzeug= und Reittierbesitzer ihre Tätigkeit auf, verschiedene alte Berufsgenossenschaften übernehmen für ihnen neu zugewiesene Betriebe die Unfallversicherung. Der Kreis der Unfallversicherten hat damit eine neue Erweiterung erfahren. Man wird also auch damit rechnen können, daß die Zahl der Unfallrentner, die jetzt schon eine Million überstiegen hat, sich demnächst mehr als in letzter Zeit steigern wird. Das materielle Unfallversicherungsrecht war in der Nowelle, die zu Beginn des Jahres 1900 in Kraft trat, zum ersten Male wesentlich umgestaltet. Auch jetzt erfährt es durch die Reichsversicherungsordnung Aenderungen. Es ist zu wünschen, daß sie sich bald einleben, damit der ganze staatliche Unfallversicherungsapparat keine Störung erleidet. Unter allen staatlichen Versicherungsarten hat von jeher die Unfallversicherung der ehrenamtlichen Tätigkeit das weiteste Feld geboten. Dabei bleibt es auch in Zukunft. Es ist sicher, daß die deutschen Arbeitgeber wie unter den alten, in den neuen Verhältnissen die übernommenen Pflichten voll erfüllen werden. Wie sie die Versicherungskosten ganz zahlen, tragen sie auch die Hauptlast der Verwaltung. Beides ist ihnen auch nach dem neuen Gesetze geblieben. Wie bisher, werden die deutschen Arbeitgeber es aber auch in Zukunft als ihre erste Aufaabe ansehen, die Unfälle der Arbeiter möglichst zu verhüten. Die unverletzten Arbeiter und deren Angehörige zu entschädigen, ist schön, schöner aber den Unfällen vorzubeugen. Hoffentlich wird diese Tätigkeit der Arbeitgeber künftig mehr als bisher von den Arbeitern selbst unterstützt. Zur Finanzkraft der Arbeiterschaft. Die Einnahmen der sozialdemokratischen Gewerkschaften betrugen im Jahre 1911 62 Millionen Mark, diejenigen der übrigen Gewerkschaften noch 8,8 Millionen Mark. gesamt haben also die deutschen Arbeiter im genannten Jahre mindestens 80,9 Millionen Mark aufgebracht, von denen 67,6 Millionen Mark verausgabt wurden, während der Rest zum Vermögen geschlagen wurde, das gegenwärtig über 70 Millionen Mark beträgt. Dieses Vermogen hat die Tendenz schnellen Anwachsens, so daß die deutsche Arbeiterschaft vielleicht nicht mehr gar so weit von dem Zeitpunkte entfernt ist, da ihr Kriegsschatz so hoch ist, wie der vom Deutschen Reiche nach dem siegreichen Kriege 1870/71 gebildete und im Spandauer Juliusturme liegende von 40 Millionen Talern. Diese Tatsache ist, wie manche andere, ein Beweis für die Unhaltbarkeit der sozialdemokratischen Theorien von der Verelendung der Massen und dem Existenzminimum, insofern sie zeigt, daß die Arbeiter imstande sind, beträchtliche Summen zu erübrigen. Noch deutlicher zeigt sich das darin, daß die Summe nicht nur absolut, sondern auch relativ von Jahr zu Jahr wächst. Im Jahre 1891 entfielen erst 6,68 Mark Einnahmen auf den Kopf des(sozialdemokratischen) Mitgliedes, im Jahre 1905 20,68 Mark, 1911 26,76 Mark. Dazu kommen noch die Betrage für Lokalzwecke an die Gewerkschaften, die bei einzelnen Berufen bis zu 46,80 Mark jährlich ansteigen. Es gibt Arbeiterberufe, deren Angehörige nachweislich gegen 100 Mark jährlich für wirtschafts= und allgemein politische Zwecke aufbringen. Man kann sich leicht ausmalen, welcher Nutzen für die Arbeiterschaft, wie überhaupt für die gesamte deutsche Volkswirtschaft zu erzielen ist, wenn es gelingt, die Opferwilligkeit und Sparfähigkeit der Arbeiterschaft in die Richtung der Kapitalbildung für wirtschaftsfriedliche statt wirtschaftsstörender und klassenkämpferischer Ziele zu leiten. Dazu gehört in erster Linie Aufklärung der Massen über Wesen und Wert des Sparens als wichtigsten Faktor der Kapitalbildung und Mittels des sozialen Aufstiegs aller Klassen. Der Mittelstand wäre froh, wenn es ihm so gut ginge wie der Arbeiterklasse. Die Friedenskonferenz. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus London: Die Vertreter der verbündeten Balkanstaaten äußern sich höchst ungehalten über die türkische Verschleppung. Was die hier und in Sofia ausgesprochenen Drohungen anbelangt, von verbündeter Seite die Verhandlungen abzubrechen, falls die türkischen Vorschläge nicht die Gebietsforderungen der Verbündeten als Grundlage annehmen, so werden sie nicht durchweg allzu ernst genommen. Die„Times“ meint, daß wahrscheinlich der wichtigste Teil und die Hauptarbeit der Verhandlungen außerhalb der Konferenz getan werde, und daß der Zwischenraum zwischen dem, was die Türkei zuzugestehen bereit sei und die Verbündeten unwiderruflich verlangten, wohl nicht mehr sehr groß sei. Hinsichtlich Adrianopels, das die Türken aus Gefühlsgründen ungern preisgeben, teils wegen seiner altberühmten Moscheen und teils, weil es fast 100 Jahre vorKonstantinopel ihr Hauptsitz in Europa gewesen sei, das aber die Bulgaren aus sehr erklärlichen Gründen unbedingt forderten, sei am Ende eine Verständigung in dem Sinne möglich, daß die Stadt den Bulgaren zufalle, die Moscheen dagegen unter türkischer Verwahrung bleiben und unter extraterritoriale Bürgschaften gestellt werden. Die Botschafter=Reunion, velche heute in London wieder tagt, dürfte sich, wie Reuters Bureau erfährt, nicht sofort mit der Frage der Abgrenzung Albaniens befassen, da dieser Gegenstand, insbesondere der Einschluß Skutaris oder eine andersgeartete Behandlung dieser Stadt, zur Zeit zwischen den Kabinetten von Wien und Rom beraten wird. Erst wenn die österreichisch=ungarische und die italienische Regierung die Abgrenzungsfragen, die den Gegenstand ihrer Unterhandlungen bilden, abgeschlossen haben, wird die Angelegenheit in der Botschafterkonferenz in London zur allgemeinen Beratung gestellt werden. In Serbien sind die Wehrpflichtigen letzten Aufgebots, die zu Beginn des Krieges nur zu einer Kontrollversammlung einberufen worden waren, zur Ausübung des Garnisondienstes einberufen worden. Die rumänische Regierung hat dem bulgarischen Kabinett ihre Forderungen bekannt gegeben. Rumänien beansprucht von Bulgarien die Abtretung eines Gebietes von dreitausend Quadratkilometer Umfang sowie den Schutz der Rechte der Kutzowallachen in Mazedonien. Bukarest, 31. Dez. In der Kammer verlas heute der Abgeordnete Gorga eine Petition der Rumänen Serbiens, deren Zahl sich auf 150000 beläuft und die sich über den Druck von seiten der serbischen Regierung beklagen, die sie entnationalisiere. Gorga verlangte, daß Serbien den Rumänen den gleichen Schutz gewähre, den die Serben in Rumänien genießen, die sich der Freiheit erfreuten, Schulen und Kirchen zu haben.(Beifall.) Neujabrsfeier bei Hofe 1913. Interview mit dem russischen Kriegsminister. Berlin, 31. Dez. Der russische Kriegsminister Suchomlinow hat nach seinem Empfang beim Kaiser einem Vertreter der„Täglichen Rundschau“ eine Unterredung gewährt. Er erklärte:„Ich versichere, daß die russische Regierung durchaus friedfertig ist und an einen Krieg nicht denkt. Der beste Beweis dafür ist der längere Urlaub, den ich, der Kriegsminister, angetreten habe. Wären wir kriegerisch gesinnt, so würde ich Petersburg gewiß nicht auf mehrere Wochen verlassen haben.“ Dann kam der Kriegsminister auf den gestrigen Empfang durch den Kaiser zu sprechen:„Der Kaiser war von gewinnender Liebenswürdigkeit und unterhielt sich lange Zeit mit unserm Botschafter und mit mir. Von Politik ist nicht gesprochen worden. Der Kaiser sprach mit mir hauptsächlich über kavalleristische Fragen und über Jagd. Ich habe von dem freundlichen Empfang, den er mir bereitet hat, den besten Eindruck mitgenommen. Das Gespräch wendete sich dann dem Gesundheitszustand des russischen Thronfolgers zu.„Ich ermächtige Sie in aller Form zu erklären, daß alle Mitteilungen in der europäischen Presse über den angeblich beängstigenden Gesundheitszustand des Zesarewitsch frei erfunden sind. Es ist auch unwahr, daß ein Berliner Professor nach Petersburg gerufen werden sollte. Die Wahrheit ist, daß sich der Thronfolger durch einen Sturz eine Verletzung zugezogen hat, deren Folgen aber jetzt schon beseitigt sind. Das Befinden des Zesarewitsch ist im gegenwärtigen Augenblick recht gut. Er unternimmt schon wieder Spaziergänge und geht wie bisher seiner täglichen Beschäftigung nach. Das Befinden des hohen Patienten hat niemals Veranlassung gegeben, der Thronfolgerfrage irgendwie näher zu treten.“ Sitzung der Friedenskonferenz. London, 1. Jan. In der heutigen Sitzung der Delegierten verlas Reschid Pascha die neuen türkischen Vorschläge. Sie lauteten: 1. Die Türkei tritt alles Gebiet westlich des Vilajets Adrianopel ab. 2. Albanien wird autonom; die Bestimmung seiner Grenze und seiner politischen Verfassung wird den Großmächten überlassen. 3. Wegen des Vilajets Adrianopel schlägt die Türkei vor, mit Bulgarien wegen der Feststellung der türkisch=bulgarischen Grenze allein zu verhandeln. Auf den dritten Punkt der türkischen Vorschläge erwiderten die Verbündeten, daß alle Verhandlungen mit den Verbündeten zusammengeführt werden müßten. Die Türken erklärten sich dann damit einverstanden, daß die Verhandlungen so geführt würden. 4. Hinsichtlich Kretas weisen die türkischen Vorschläge darauf hin, daß es sich empfehlen würde, daß man eine Entscheidung treffe, die Mächte um ihre Meinung zu befragen, da die Insel den Mächten ins Depot gegeben sei. Die Verbündeten antworteten, daß sie sich selbst an die Mächte wenden würden. Jetzt verlangten sie, daß die Türkei alle Rechte aufgebe, die sie in Kreta besitze. 5. Bezüglich der ägäischen Inseln erklärten die Türken, daß diese zu Kleinasien gehörten; folglich könnten sie keine einzige von ihnen abtreten. Die Verbündeten erwiderten, daß sie auf der Abtretung der Inseln bestehen müßten. Im Verlaufe der Debatte über Adrianopel sagten die Vertreter der Balkanstaaten, da die türkischen Mitteilungen über die Feststellung der Grenze zu unbestimmt seien und ersuchten die Türken, in der nächsten Sitzung eine Landkarte vorzulegen, welche die vorgeschlagene Grenzlinie zeigen solle. Reschid Pascha erklärte dann, er würde weitere Instruktionen von Konstantinopel erhalten. London, 2. Jan. Reutermeldung. Die heutige Sitzung der Friedenskonferenz war im allgemeinen dadurch gekennzeichnet, daß die Sprache der ottomanischen Delegierten viel versöhnlicher war. Zu den Forderungen betreffend die ägäischen Inseln sagten die Türken, die Türkei sei bereit, mit den Großmächten über jene Fragen zu verhandeln, die auf sie Bezug hätten. Als die Balkandelegierten fragten, was die Türkei mit diesen Fragen meinte, antworteten die Türken, sie bezögen sich auf die Reformen, die dort eingeführt werden sollten. In Kreisen der Balkandelegierten hat dies den Eindruck erweckt, daß diese sogenannten Reformen eine Art Autonomie für jene Inseln bedeuten dürften, obgleich ein Kompromiß nicht unwahrscheinlich ist, und zwar in dem Sinne, daß einige Inseln an Griechenland abgetreten werden könnten, während der Rest türkisch bleiben solle. In Kreisen der Balkanvertreter gab man der Zufriedenheit mit den Ergebnissen der heutigen Sitzung Ausdruck. Der serbisch=italienische Zwischenfall. Durazzo, 1. Jan. Der italienische Konsul erhielt vom Platzkommandanten eine Antwort auf seine Note betreffend den Zwischenfall mit dem Dampfer Caprera. Die Antwort erklärt, der Hafenkapitän habe die Absicht gehabt, den Dampfer Caprera zu durchsuchen, da dessen Kommandant nicht den Zweck des Aufenthalts des Dampfers im Hafen noch die Dauer seiner Anwesenheit angegeben hatte. Oberst Popowitsch erklärte in einer Unterredung, die der italienische Konsul darauf mit ihm hatte, der Hafenkapitän wolle den Verkehr zwischen dem Dampfer und dem Konsulat nicht hindern. Jedenfalls habe er infolge der Erklärung des Konsuls, daß die Caprera zur Verfügung des italienischen Konsulates für die funkentelegraphische Verbindung stehe, was übrigens der serbischen Regierung bekannt gewesen sei, nichts mehr zu sagen, und man könnte die Angelegenheit als erledigt betrachten. Berlin, 1. Jan. Gegen 8 Uhr morgens wurden auf dem Königl. Schlosse die Karserstandarte, die Königsstandarte und die brandenburgische Flagge gehißt. Das Trompeterkorps des 2. Gaide=Dragoner=Regiments blies von der Galerie der Schloßkuppel den Choval„Lobe den Herrn“. Gleichzeitig waren auf dem kleinen Schloßhof die Spielleute der 2. Garde=Infanterie=Bvigade und die Hoboisten der GardeFüsiliere aufmarschiert und begannen das Große Wecken. Der Kaiser und die Kaiserin waren um 8½ Uhr im Automobil vom Neuen Palais abgefahren und trafen gegen 9½ Uhr hier ein, vom Publikum herzlich begrüßt. Die Majestäten nahmen in der Schwarzen Adler=Kammer die Glückwünsche des Königlichen Hauses und um 9¾ Uhr im Kapitelsaal diejenigen der Hofstaaten entgegen. Bald nach 10 Uhr begann in der Schloßkapelle der feierliche Gottesdienst. Der Domchor mnter Professor Rüdel begleitete den Einzug des Hufes mit dem a capella vorgetragenen Pfalm 98 („Singet dem Herrn ein neues Lied"). Hinter den Pagen und den Herren des großen Vortritts erschienen der Kaiser, in Generaluniform mit dem Bande des Schwarzen Adler ordens und der Kette des Hausordens von Hohenzollern, und die Kaiserin, die das gleiche Ordensband über einer grünseidenen Robe trug. Es folgten der Kronprinz mit der Prinzessin Eitel Friedrich, Herzog Albrecht von Württemberg mit der Kronprinzessin, Prinz Heinrich mit der Prinzessin Viktoria Luise. Es schlossen sich an die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert, August Wilhelm, Oskar, Joachim und der Erbprinz von Hohenzollern. Die Majestäten nahmen dem Altar gegenüber Platz, neben und hinter ihnen die anderen oben genannten Fürstlichkeiten. Nach Gemeindegesang und Liturgie, welche der Bläserbund begleitete, prodigte Oberhofprediger D. Dryander über den vom Kaiser selbst ausgewählten Text Ep. Pauli an die Philipper II, 12:„Alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters". Das Niederländische Dankgebet, vom Gemeindeund Domchor gesungen, von den Posaunen und Kesselpauken der Bläser begleitet, schloß die Feier. Als dann die Musik das„Wilhelmus von Nassauen“ intonierte, bewegte sich der Zug des Hofes nach dem Weißen Saal hinüber. Der Kaiser und die Kaiserin traten vor die Stufen des Thrones, dessen zwei Sessel von Leibpagen flankiert wurden, die Prinzen traten rechts, die Prinzessinnen links neben den Thronhimmel, und während Märsche und Polonäsen ertönten, und die Leibbatterie des 1. Garde=Feldartillerie=Regiments im Lustgarten einen Salut von 101 Schuß abfeuerten, begann die Gratulations=Defiliercour. Daran schloß der Botschafter, des Staatsministeriums und der kommandierenden Genevale und Admirale. m 12¼ Uhr ging dder Kaifer, der das Band des Schwarzen Adlerordens über dem Mantel trug, gefolgt von seinen sechs Söhnen und den Herren des Hauptquartiers, zu Fuß nach dem Zeughaus hinüber, vom Publikum im Lustgarten und an der Schloßbrücke mit Hochrufen empfangen. Am Schloß stand eine Abteilung Pfadfinder. Das Zeppelinluftschiff Hausg überflog den Lustgarten. In der Ruhmeshalle des Feughauses wurde darauf die Nagelung der Fahnen für die neu errichteten Bataillone vorgenommen. Die Parole lautete wie immer im Vorjahre„Königsberg=Berlin“. Kaiser kehrte nach der Feier zu Fuß in das Königliche Schloß zurück. Um 1½ Uhr war Frühstückstafel. Hierbei saß die Kaiserin zwischen dem Herzog Albrecht von Württemberg und dem Prinzen Heinrich, der Kaiser gegenüber zwischen der Fürstin Radolin und der Palastdame Gräfin von Harrach. Der Kaiser fuhr Nachmittags bei den Botschaftern vor. Berlin, 1. Jan. Heute abend um 6¾ Uhr war Familientafel beim Kaiserpaar, an der auch Prinz Heinrich und Herzog Albrecht von Württemberg teilnahmen. Um 8 Uhr war im königlichen Opernhause auf allerhöchsten Befehl Prinzessin Viktoria Luise der Vorstellung bei; in den Nebenegsn. rschzienen der Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich, Konterni, August Wilhelm, Oskar und Joachim und der Erbprinz von Hohenzollern. Soltische Rundschau. Berlin, 1. Jan. Der Kaiserund die Kaiserin haben den Reichs kanzler mit ihrer Vertretung bei der Bestattung des Staats sekretärs v. Kiderlen=Waechter beauftragt. Der Reichskanzler begab sich heute abend nach Stuttgart. Auszeichnung. Der Kaiser hat dem Staatssekretär des Innern, Staatsminister Delbrück, der in seiner militärischen Stellung Hauptmann der Landwehr a. D.(zuletzt von den Landwehr=Jägern 1. Aufgebotes) war, am heiligen Abend den Charakter als Major verliehen. „Aus Anlaß des Jahreswechsels haben Marchese di San Giuliano, Reichskanzler v. Bethmann Hollweg und Graf Berchthold herzliche Glückwunschtelegramme ausgetauscht, in denen sie auch ihre ehrerbietigen Wünsche für die Monarchen zum Ausdruck bringen. Der russische Kriegsminister Suchomlinow ist gestern nachmittag nach Nizza abgereist. Diedeutsch=britische Vereinigung in Ber in empfing im Auftrage des Königs und der Königin von England ein an den. Gründer, den Generalsekretär Lionel Caro, gerichtetes Telegramm:„Ich bin beauftragt, Ihnen, Ihrem Konritee und den Mitgliedern der deutsch=britischen Vereinigung den Dank Ihrer Majestäten des Königs und der Königin für Ihre guten Wünsche auszusprechen und Sie zu versichern, daß Ihre Majestäten Ihre Adresse zu würdigen wissen, die Sie so viel zur Festigung der guten Beziehungen zwischen den boiden Ländern tun.(gez.) Ponsonby. Eindeutscher Sieg. In dem von Polen und S Sganz besonders heiß umstrittenen Wahlkreis Schlber i. Westpr. hat vorgestern eine Ersallwahl zum Reichstag stattgefunden, die mit dem Sieg des deutschen Kandidaten im ersten Wahlgang geendet hat. Es erhielten der Kandidat der Reichspartei, der von allen doutschen Parteien unterstützt wurde, Landrat v. Halem, 8017 Stimmen, der Pole v. SaßJaworski 7855 Stimmen, der Sozialdemokrat 33 Stimmen. Vermögenszuwachssteuer. Zu den Meldungen, daß sich das preußische Staatsministerium entschlossen habe, auf die Erbschaftssteuer zu verzichten und dem Bundesrat eine Vermögenszuwachssteuer vorzuschlagen, will ein Berliner Blatt erfahren haben, daß ein Entschluß des preußischen Staatsministeriums zur Besitzsteuervorlage überyaupt noch nicht erfolgt ist. Es stehe noch garnicht fest, ob das preußische Staatsministerium noch vor oder erst nach der Konferenz der bundesstaatlichen Minister in Berlin zu der Frage Stellung nehmen werde. Es entspreche uber den Tatsachen, daß der Reichskanzler dem Gedanken einer Vermögenszuwachssteuer sympathisch gegenüberstehe. Es sei aber zu berücksichtigen, daß ein nicht geringer Teil der verbündeten Regierungen die Meinung vertrete, daß durch eine Vermögenszuwachssteuer das steuerliche Hoheitsrecht der Gliedstaaten in bedenklicher Weise angetastet wird. Die erste Sitzung der zuständigen Ausschüsse des Bundesrats im neuen Jahre findet am 4. Jannar statt. Die nächste internationale Tubertulosenferenz findet vom 22. bis 26. Oktober in Berlin statt. Sie ist die elfte Jahresversammlung der„Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose“, die auf Anregung Friedrich Althoffs am Geburtstag der Kaiserin 1902 mit dem Sitz in Berlin ins Leben gerufen wurde. Der Vereinigung sind im vergangenen Jahrzehnt 28 Länder beigetreten, so daß sie die zivilisierte Welt fast in demselben Umfange wie das 1864 in Geuf begründete Rote Kreuz umfaßt. Präsident ist Leon Bourgeois in Paris, Vorsitzender der Berliner Verwaltung Präsident Bumm in Berlin, Genevalsekretär Prof. Pannwitz=Hohenlychen. Ueber die Konferenz, die drei allgemeine öffentliche Sitzungen abhalten wird, gibt die Geschaftsstelle Charlottenburg Berliner Straße 137, Auskunft. Ungarn. Die Wahlreformvorlage, welche Ministerpräsident Lukacs dem Abgeondnetenhause unterbreitete, vermehrt die Wählerzahl um 800 000 Wähler oder um 75 Prozent der bisherigen Wählerzahl. Das Wahlrecht beginnt für die Absolventen von Mittelschulen mit dem erreichten 24. Jahre, für alle anderen Wähler mit dem 30. Jahre. Industrielle Arbeiter müssen ständige Beschäftigung während zweier Jahre, landwirtschaftliche Arbeiter eine solche von fünf Jahren nachweisen. Analphabeten erhalten das Wahlrecht nur, wenn sie 40 Kronen Steuerleistung oder 16 Joch Grundbesitz nachweisen. Die Abstimmung ist in größeren Städten geheim, in den ländlichen Bezirken öffentlich. Drei Mitglieder haben ihren Austritt aus der Regierungspartei angemeldet, weil sie die Ausdehnung des Wahlrechts für nicht weitgehend geuug halten. " Frankreich. In Paris fand heute aus Anlaß des Neujahrsfestes beim Präsidenten Fallieres Empfang des diplomatischen Korps statt. Der britische Botschafter als Doyen feierte die zivilisatorische und den Frieden so mächtig fördernde Rolle Frankreichs während des Septennats des Präsidenten Fallieres. Dieser dankte für die Glückwünsche des diplomatischen Korps und fügte hinzu, Frankreich habe die Pflicht gehabt und werde die Ehre haben, in Zukunft in derselben Rolle fortzufahren, die Zivilisation zu fördern und die guten internationalen Beziehungen aufrechtzuerhalten und zu befestigen. Marokko. Aus Asemmur wird ein schwerer Uebergriff französischer Truppen gegen einen Deutschen gemeldet. Der deutsche Landwirt Stössel, früher bei der Kameruner Regierung, bebaut dort seit 15 Monaten friedlich sein Land. Ein Franzose Lescoul versuchte sich dieses deutschen Eigen tums zu bemächtigen, zuletzt am 20. Dezember, mit Gewalt. Stössels Angestellte verhinderten das. Darauf ließ die französische Militärbehörde Stössels Angestellte verhaften und sein Land durch den Kaid von Asenrmur in Beschlag nehmen. Am 27. Dezember erschien eine Truppe Gums und Kaidsoldaten unter der Führung eines französischen Leutnants auf Stössels Land, verhaftete Stössel und brachte ihn militärisch bewacht nach Masagan, wo der französische Kommandant ihn dem deutschen Vizekonsul zuführte. Nordamerika. In New York traf Castro, der frühere Präsident von Venczuala, ein. Die Hafenbehörden brachten ihn nach der Einwandererstation Ellis Island, wo er solange verbleibt, bis die Untersuchung darüber beendet ist, ob er nach den Einwanderungsgesetzen zugelassen werden kann. Castro sprach den Wunsch aus, auf einem deutschen Dampfer nach Europa zurückzukehren und in Hamburg zu landen. Die Breslauer Spionageverhaftungen. In dem Hause Fürstenstraße 28 hatte sich die Familie Kohler eingemietet, die vorher eine Kellerwohnung in einer Seitengasse des Lehmdamm innehatte und dort sehr dürftig lebte. In der neuen Wohnung aber machten die Leute einen auffauigen Aufwand. Zudem war der Mann plötzlich in den Besitz eines Automobils gelangt und machte als angeblicher Chauffeur große Ausfahrten, die sich bis nach Russisch=Polen erstreckten. Später befand er sich gar im Besitz eines zweiten Autos, für das er sich einen Chauffeur mietete. Die Ausfahrten wurden nun immer eifriger fortgesetzt. Das blieb selbstverständlich der Kriminalpolizei nicht verborgen, und Kohler wurde, nachdem er lange von der Polizei beobachtet worden war, verhaftet, ebenso seine Frau und ein junger Mann, der seit längerer Zeit bei Kohler ein und ausging. Es war dies am 7. November. Die Haussuchung ergab hinreichendes Material dafür, daß Kohler im Dienste eines fremden Staates Spionage getrieben hat. Die vorgefundenen Briefschaften, eine Summe ausländischen Geldes, Karten und Zeichnungen wurden beschlagnahmt, ebenso die beiden Automobile. Schulspeisungen. Die Einrichtung der Schulspeisungen ist schon einige Jahre alt. Schon im Jahre 1908 waren von 487 Städten mit mehr als 10000 Einwohner 201 vorhanden, die dergleichen Speiseeinrichtungen besaßen, und unter diesen wurden 42 von den Gemeinden selbst, 78 von Vereinen und 69 von beiden zusammen besorgt. Für ein ganzes Land ist die Schulspeisung in England durch Gesetz vom Jahre 1906 geordnet worden, in Deutschland dagegen ist es im wesentlichen den einzelnen Gemeinden überlassen geblieben, ärmere Kinder, die ohne genügende Ernährung in die Schule kamen und deren Lernfähigkeit und Aufmertsamkeit dadurch beeinträchtigt wurde, mit Frühstück oder gar mit Mittagbrot zu versorgen. Berlin hat neuerdings erhebliche Mittel zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. In Stuttgart ist die Schulspetsung als schulhygienische Maßnahme durchgeführt, und es wird allen bedürftigen Kindern Frühstück gewährt. Der von der Medizinal=Abteilung des preußischen Kultusministeriums veröffentlichte Bericht über das Gesundheitswesen in Preußen im Jahre 1909 bringt ein reichhaltiges Material über die Schul speisungen, namentlich in größeren Städten, so in Königsderg, Breslau, Hannover, Frankfurt a. M., Wiesbaden und anderen Städten. Meist ist die Schulspeisung auf die Wintermonate, hier und da auch nur die Monate der strengsten Kälte beschrankt. Infolge der Teurung hat sich namentlich im letzten Winter die Einrichtung weiter entwickelt. So unterzog München die Maßnahme einer eingehenden Reorganisation und ergänzte die bisherige Mittagspeisung durch Gewährung eines warmen Frühstucks, welches in den Schulen verabreicht wird. Dabei wird Brot zum Frühstück so reichlich gegeben, daß die Kinder davon für die Pausen zurückbehalten können. Auch in Köln hat sich die Gemeinde der Sache angenommen und im Jahre 1911 zunächst Milchfrühstück an 6000 bedürftige Schüler verteilt. Auch weniger große Städte, wie Rostock, und kleine, wie Bernau, haben sich diese Einrichtung zum Wohl armer Kinder angelegen sein lassen. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Herford, 2. Jan. Wetterwarte. 8 Uhr früh: Barometer 764 mm. Thermometer+-5. Trüb. Südwestwind. Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observatorium Aachen. Veränderliche Bewölkung, strichweise Regen, Temperatur wenig geändert. Herford, 2. Jan. Silvester— Neujahr. Nun gehört das Jahr 1912 der Vergangenheit an. Unter einem Sternenhimmel voll funkelnder Pracht hat sein Silvesterabend Abschied von uns genommen. Vom Turme herab hat man ihm den Scheidegruß geblasen, und mit Kling und Klang und Liedern wurde sein Davonziehen gefeiert. Sein Glück und sein Leid gehören der Erinnerung an; kein Wunsch kann's wenden.— Unter dem Festgeläut der Glocken und dem Jubel fröhlicher Menschen ist dann das Jahr 1913 über die Schwelle getreten. Neues Hoffen hat sein Erscheinen in die Herzen gesenkt. Mit Wünschen sonder Zahl hat man sein Kommen begrüßt und es gefeiert, hier im trauten Kreise der Familie und Freunde, dort in schimmernden Festsälen. Gewaltige Scharen festfroher Menschen in Dorf und Stadt haben ungezählte„Prosit Neujahr“ in seinen ersten Morgen hineingerufen. Freilich, wie schön in der Tat dieser junge Tag heraufzog, war in der Straßen Enge nicht zu spüren. Wer sein Anbrechen aber im tiefen Frieden der stillen Flur beobachten konnte, dem wird dieser erste Morgen der Jahres 1913 einen hohen Genuß geboten haben. Möge er ein gutes Prognostikon für die neuen Tage sein! Gestern lockte heller Sonnenschein zum Spaziergang ins Freie, und viele sind diesem Rufe gefolgt, und haben es nicht bedauert. Heute beginnt nun an allen Ecken und Enden das neue Schaffen. Möge es überall ein gesegnetes sein, damit in Wirklichkeit 1913 werde ein glückliches neues Jahr! Herford, 2. Jan. Die Silvester= und Neujahrsfeiern der verschiedenen Vereine waren heuer durchweg sehr gut besucht. Die Gunst der Witterung, die in den Straßen einen lebhaften Verkehr zuließ und unterstützte, war auch den Festen förderlich. Manches von ihnen fand erst sein Ende, als am wolkenlosen Himmel bereits die Morgenröte stand. Einen besonders guten Besuch erzielten das Konzert im Kaiserhof und die Silvesterfeiern des Turnerbundes im Berggarten, der„Sängerwarte“ in Brinkmanns Sälen und der„Union“ in dem Restaurant„Neue Welt".— Das Konzert im Schützenhof, an das sich ein flottes Tanzkränzchen schloß, war gestern von annähernd 200 Personen besucht; auch die Konzertveranstaltungen im Restaurant A. Kropp, die Variete=Aufführungen im„Jägerhof“ und die abwechslungsreichen Darbietungen der Kinos hatten eine gute Besuchsziffer zu verzeichnen. Die Feier des Mitteldeutschen Vereins reisender Schausteller, Handelsleute und Berufsinteressenten im Lindenhof stand voll und ganz auf der Höhe dieser Feste früherer Jahre und fand den ungeteilten Beifall der Besucher. Herford, 2. Jan. Stadttheater. Gestern wurde als Novität für Herford das neue französische Sensationsstück„Alles für die Firma“ aufgeführt. Daß dieses Stück alle Eigenschaften des modernen französischen Lustspiels besitzt, bedarf wohl kaum der Feststellung. Gespielt wurde im allgemeinen recht gut, so daß das gut besetzte Haus mit Beifallskundgebungen nicht zu geizen brauchte. Herford, 2. Jan. Aus dem Stadttheaterbureau schreibt man uns: Am Freitag, den 3. Januar 1913 geht eine Lustspielnovität„Heiligenwald“ erstmalig in Szene. Nach der überaus erfolgreichen Berliner Uraufführung schrieb die Presse:„Das Stück ist bestimmt, die fühlbare Lücke die nach„Alt Heidelberg“ eintrat, auszufüllen.— Der Sieg dieses deutschen Lustspiels drückt sich nicht zuletzt darin aus, daß man der begeisterten Aufnahme aller ersten Bühnen, wie Wien, Hamburg, München, Frankfurt,„Heiligenwald“ zur Aufführung erwarben.“— Direktor Bömly hat ebenfalls keine Kosten gescheut, dieses reizende Werk auch hier herauszubringen. Es ist vom TheaterRegisseur Remmers auf das sorgfältigste einstudiert worden und wird auch hier sicher einen großen Erfolg finden. Herford, 2. Jan. Personalien. Hauptlehrer Brock in Herford ist zum Rektor, Lehrer Barner in Eikum zum Hauptlehrer ernannt. Versetzt ist Lehrer Kollmeier von Lenzinghausen nach Werther. Lehrer Kochbeck ist von Hölter nach Lenzinghausen berufen. Schulamtsbewerber Bähre in Südlengern einstweilig angestellt. Spenge, 31. Dez. Der Turnverein„Jahn“ verliert durch die Versetzung des Postboten Overbeck nach Bielefeld seinen langjährigen Vorsitzenden. Ungern sieht man ihn scheiden, da er sich durch eifrige Förderung der Vereinszwecke allgemein beliebt gemacht hat. An seine Stelle wurde in stattgefundener Ersatzwahl Herr Lehrer Lünstroht gewählt.„Gut Heil".— Die gestrige Gemeinderatsverstärkungswahl ergab die Wahl der Herren Wibbing(1. Abt.), Dr. med. Beckert(2. Abt.) Freese(3. Abt.) Schötmar, 31. Dez. Die Gemeindevertretung genehmigte: Die Anderung des Statuts, betr. Einquartierung. Darnach sind Einwohner, die weniger als 1 Mark Staatseinkommensteuer im Simplo zahlen, solange von den Quartierlasten befreit, als die Unterbringung der Einquartierung bei den höheren Steuerzahlern ermöglicht wird. Ferner wurden die Vergütungen erhöht. Sie betragen mit dem Zuschuß der Gemeinde für Gemeine 30 H, für Unteroffiziere 41 H.— Die Eingemeindung des Grundstückes der Firma Niedermöller u. Breder hierselbst,— das Grundstück hat genannte Firma von der Rentkammer Detmold zur Vergrößerung ihres Fabrikunternehmens erworben— wurde genehmigt. Bezüglich des Erweiterungsbaues der Kleinkinderschule ist mit den anliegenden Grundstückseigentümern, der Kirchenbehörde und Herrn Silberbach verhandelt. Dieselben lehnen den Verkauf ab. Die Vorlage wurde zurückgestellt.— Der Verkauf des Grundstückes der Gemeinde an den Fabrikanten Sprick hierselbst soll erfolgen, wenn er pro Quadratmeter 1 A zahlt.— Kanalisierung der Begastraße. Herr Regierungsbaumeister Dechmann bemerkt als Sachverständiger dazu, daß die Anlage eines Kanals für Oberwässer vorläufig genüge. Rinteln, 31. Dez. Vom Elektrizitätswerk „Wesertal“ in Hameln, das neben anderen Kreisen auch den Kreis Grafschaft Schaumburg mit elektrischer Energie versorgen soll, wurde die hier schon bestehende„Überlandzentrale Rinteln“ angekauft. Der neue Betrieb wird bereits am 1. Januar eröffnet. Letzte Drabtnachrichten. (Wolffs Telegraphenbureau.) Paris, 2. Jan. Am Schlusse der gestern im Boulognewäldchen stattgehabten Fußballwettkämpfe zwischen den Vertretern der französischen und schottischen Vereine, bei dem die letzteren einen glänzenden Sieg davon trugen, wurde der schottische Schiedsrichter Baxter von der über die Niederlage der Franzosen wütenden Zuschauermenge in arger Weise beschimpft, mit Stöcken bedroht und mit Kies beworfen. Schutzleute und Gendarmen mußten einschreiten, um ihn vor ernsten Mißhandlungen zu schützen. Paris, 2. Jan. Wie aus Brest gemeldet wird, herrscht unter der Fischerbevölkerung der Bretagne lebhafte Erregung, weil die meisten Sardinen=Konservenfabriken beschlossen haben, die Forderungen der Fischersyndikate abzulehnen. Mehrere Arbeiter, welche ungeachtet der Beschlüsse ihrer Syndikate die Lohnbedingungen in einigen Fabriken in Dourmenez angenommen hatten, wurden von der erregten Menge bedroht. Paris, 2. Jan. In Epernay verübte ein junger Steinbrucharbeiter Selbstmord, indem er sich eine Dynamitpatrone in den Mund steckte und anzündete. Man fand nur den gräßlich verstümmelten Leichnam, dem der Kopf vollständig abgerissen war. London, 2. Jan. Fürst Lichnowsky ist gestern abend hier wieder eingetroffen. Madrid, 2. Jan. Fast sämtliche konservative Deputierte verzichteten auf ihr Mandat, ebenso zahlreiche Senatoren. Die konservativen Vizepräsidenten der Kammer und des Senats legten ihr Amt nieder. Der Ministerrat beriet über die durch die Demission geschaffene Lage, die von den Ministern als sehr ernst angesehen wird. Graf Romanones erklärte, der Entschluß Mauras verursache ihm mehr Bedauern als Überraschung, er werde sein möglichstes tun, um ihn von dem Entschluß abzubringen. Peking, 2. Jan.(Meldung des Reuterschen Bureaus). In der Frage der Entschädigung der Ausländer für Verluste während der Revolution, welche kürzlich das Haupthindernis bei den Anleiheverhandlungen bildete, da Rußland und Frankreich auf Bezahlung ihrer Staatsangehörigen aus der künftigen Anleihe bestanden, hat China sich im Prinzip für ein Abkommen erklärt, wonach die 6 Mächte sich verpflichten, nicht auf eine sofortige Bezahlung zu drängen. Eine gemischte Kommission soll später die Beträge der Entschädigung festsetzen. Die Mittel für die Bezahlung werden wahrscheinlich aus einer Ergänzungsanleihe genommen werden. Es hat den Anschein, daß Rußland 300000 Taels beansprucht. Dieses Arrangement unterliegt aber nicht der Genehmigung der in Frage kommenden Regierungen. Briefkasten. K. D. Nach dem Tierhalter=Paragraph des B. G. B. ist der Besitzer für den Schaden verantwortlich. Die Freuden des Winters auch schwächlichen Kindern, besonders blutarmen und bleichsüchtigen, zugänglich zu machen, ist gewiß der Wunsch vieler Eltern. Da solche Schwächezustände oft nur die Folgen unrichtiger oder unvollständiger Ernährung sind, kann zu deren Behebung viel die Anwendung eines altbewihrten Kräftigungsmittels, wie wir es beispielsweise im Kasseler Hafer=Kakao besitzen, beitragen. Herford, den 1. Januar 1913. Der Verlag des von mir Anfang des Jahres 1881 erworbenen Herforder Kreisblatts ist heute von Herrn Fritz Heidemann übernommen. Die Beschwerden des Alters und die Erkenntnis, dass meine Arbeitskraft nachzulassen beginnt, bestimmten mich, diese Zeitung, für welche ich zweiunddreissig Jahre hindurch als Verleger und fast noch sieben Jahre länger als Schriftleiter, täglich gesorgt und eifrig nach bestem Wissen und Können gearbeitet habe, in eine jüngere Hand zu legen. Nicht ohne Wehmut scheide ich damit von einem Werke, das meines Lebens Stolz und Freude war. Von aufrichtigem innigen Dank erfüllt für das von einem treuen, ständig wachsendem Leserkreise mir in reichstem Maße geschenkte Wohlwollen, bitte ich, auch meinem Nachfolger die gleiche wertvolle Unterstützung zuteil werden zu lassen. Auf Wunsch des Herrn Fritz Heidemann werde ich noch eine zeitlang die Redaktion des politischen Teiles fortführen, und die bewährten Federn, welche ich als Mitarbeiter gewonnen, werden auch ferner für das Herforder Kreisblatt tätig sein. Hochachtungsvoll Ferd. Essmann. Herford, den 1. Januar 1913. Mit dem heutigen Tage habe ich nach Ablauf einer dreijährigen Pachtzeit den Verlag des„Herforder Kreisblatt“ übernommen. Herr Ferd. Essmann, der über dreissig Jahre als Verleger und Schriftleiter des Blattes tätig war, legte vertrauensvoll den Verlag in meine Hände, ich spreche ihm hierfür meinen besonderen Dank aus, umsomehr als ich dadurch in den Besitz des im Jahre 1845 auf Veranlassung des verewigten Herrn Landrats, Georg von Borries, von meinem Vater gegründeten Herforder Kreisblattes gekommen bin. Zugleich möchte ich die Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen, Herrn Ferd. Essmann auch an dieser Stelle für seine mühevolle, aufopfernde Tätigkeit, die er während eines Menschenalters dem Kreisblatt gewidmet hat, meinen aufrichtigsten Dank zu sagen. Dann aber gestatte ich mir, an die zahlreichen Leser des Herforder Kreisblattes die Bitte zu richten, das bis jetzt dem Verlage entgegengebrachte Wohlwollen und Vertrauen auch mir nicht versagen zu wollen. Für eine weitere Ausgestaltung des Kreisblattes werde ich stets eifrig bemüht sein und gebe mich der Hoffnung hin, mir dadurch die Gunst der Leser dauernd zu erhalten. Hochachtungsvoll Fritz Heidemann. Die Entstehung einer Küchensage! „Viel hilft viel“ dachte die Hausfrau, als sie zum ersten Male Liebigs’s Fleisch-Extrakt benutzte. Deshalb nahm sie gleich einen ganzen Löffel voll dieses ausgiebigen Produktes auf den Teller Suppe! Am nächsten Tage erzählte sie ihrer gläubigen Nachbarin, dass es„zu teuer“ sei——. b jene Hausfrau wohl auch ein Pfund Kaffee auf eine Tasse genommen hätte??—— Liebig’s Fleisch-Extrakt ist in Wirklichkeit ein äusserst wohlfeiles Küchenhilfsmittel. Lesen Sie den jeder Packung beigefügten Prospekt oder verlangen Sie die kostenlose Zusendung der Broschüre No. 277 von der Liebig Gesellschaft, Köln. Achten Sie bitte beim Einkauf darauf, dass Sie nichts anderes erhalten als Mobig! Pieisell-Extralt Bechanntmachung. Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldver schreibungen der preußischen konsolidierten 3%igen Staatsanleihe von 1908.=1904 und Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 8 1/2 vormals 4% igen Staatsanleihe von 1888 über die Zinsen für die 10 Jahre vom 1. Januar 1918 bis 81. Dezember 1922 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 2. Dezember d. Is. ab ausgereicht und zwar: durch die Kontrolle der Staatspapiere in Berlin SW. 68, Oranien= straße 92/94, durch die Königliche Seehandlung(Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrafenstraße 46a, durch die Preußische Zentralgenossenschaftskasse in Berlin O. 2, am Zeughause 2, durch sämtliche preußische Regierungshauptkassen, Kreiskassen. Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen, durch sämtliche Reichsbankhaupt= und Reichsbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene Reichsbanknebenstellen, Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abhedung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungsscheine(Anweisungen, Talons) den Ausreichungsstellen einzuliefern sind, werden von diesen unentgeltlich abgzegeben. Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind. Berlin, den 23. November 1912. Hauptverwaltung der Staatsschulden. von Bischoffshausen. Bekanntinachung. Diejenigen Militärpflichtigen, welche in den Jahren 1891, 1892 und 1893 und früher im hiesigen Amtsbezirke geboren sind oder sich darin aufhalten und über ihr Militärverhältnis noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben, sind nach§ 57 der deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 verpflichtet, sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar n. J. zur Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle zu melden. Zu diesem Zwecke habe ich besondere Meldetermine anberaumt, und zwar für die Gemeinden: 1. Gohfeld und Löhne am Mittwoch, den 15. Januar 1913 von vormittags 8½—11 Uhr im kleinen Saal des Hotels Horstkotte zu Bahnhof Löhne. 2. Mennighüffen, Beck=Uhlenburg und Obernbeck am Donnerstag, den 16. Januar 1913 von vormittags 8½—11 Uhr im kleinen Saal des Hotels Horstkotte zu Bahnhof Löhne. 3. Kirchlengern, Häver, Quernheim, Stift Quernheim, Klosterbauerschaft und Rehmerloh am Freitag, den 17. Januar 1913 von vormittags 8½—11 Uhr im Lokale des Wirts Bitter zu Kirchlengern. Die betreffenden Militärpflichtigen haben sich in diesem Termine zur Stammrolle anzumelden. Sind Militärpflichtige zeitig abwesend, so muß die Anmeldung durch die Eltern, Vormünder oder Dienstherrschaften erfolgen. Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrganges 1893, welche nicht im Amtsbezirk geboren sind, haben bei der Anmeldung ihren Geburtsschein, dagegen die übrigen der Jahrgänge 1891 und 1892 und früher den Losungsschein vorzulegen. Die Unterlassung der vorgeschriebenen Anmeldung wird gemäß§ 25 der Wehrordnung mit Geldstrafe bis zu 30 M oder mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Der Amtmann: Schrakamp. hat sich Kubalter das beste Schuhputzmitte! Gemickn 850 Grh Gumt kche unEingang verschafft in den weitesten Kreisen! Warum: Weil„Kavalier" das Leder durchaus nicht angreift, nicht abfärbt, wasserdichten Hochglanz gibt und das Leder geschmeidig macht! Union=Rugsburg Familie von 2 Personen such: zum 1. April 1913 eine abgeschl. Etage von 4 Zimmern, Küche Badezimmer und Zubehör, mit sreie: Aussicht zum bie 600 Mark Offerten mit Angabe des Preises unter A B. 100 an die Expedition dieses Plattes. 1. Sstage abgeschlossen, I. Slage 5 Zimmer, Küche und Zubehör zum 1. 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Die Musi: wird von der städtischen Kapelle unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Düngel ausgeführt. Herford, den 28. Dezember 1912. Der Vorstand der Schützengesellschaft. Bataillone-Befebl. Unteroffizierkorps hat in Uniform zu erscheinen. Der Oberst: Jacobsen. Geldlasche fnsen Godiat Gage id dung und giebeslicheren 2. 2 22# (neue und gebrauchte) unterhalte und offeriere zu billigsten Konkurrenzpreisen.—.— Transport franko. Fr. Streuber, Herford. Verlangen Sie nur: „Pielring“##X Lanolinin Tüben ud Doten. Nachahmungen weiee man zurbck. Vereinigte Chemische Werke Aktiengesellschaft, Chariettenburg, Salzufer 16, Abtl. Lanelin-Fabrik Martinikenfelde. Mehrere tüchtige Balchneider finden dauernde Stellung bei E. eisbach ap; v. Hordheim. Poghart Miien! mit sehr guter Pension frei. Unier den Linden 22. Möbliertes Zimmer mit oder ohne Pension zu vermieten Wo sagt die Expedition dieses Plattes unter Nr. 11795.— Gat möbliertes Simmer zu vermieten Eredenstroße 2! 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Monatlich 30 Pf. „* Anzeigen aus dem Kreise Herford werden mie 12 Pf., auswärtige Anzeigen mit 15 Pf. für die einspaltige Petitzeile berechnet. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt und kann geweigert werden, wenn die Zahlung nicht innerhald 4 Wochen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Reklamen 45 Pf. pr. Zeile. Verantwortlich: Für den politischen Teil: Ferd. Eßzmann in Herford. Für den übrigen Teil: Friy Heidemann in Herford. Sscitohelr Sbnchrotet. Herforder Kreis=Zeitung. Herforder Kreis=Anzeiger. Fernruf Nr. 13.— Telegramme: Kreisblatt. Verlag von Fritz Heidemann in Herford. Druck von Gedr. Zeidemann in Herford. Post=Scheck=Konto: Hannover. Nr. 1(enthält 8 Seiten). Donnerstag, den 2. Januar 1913. 68. Jahrgang. Eine Ueberlandzentrale. Dem Abgeordnetenhause wird sofort bei Wiedereröffnung des Landtages der„Entwurf eines Gesetzes betreffend den Ausbau von Wasserkräften im oberen Quellgebiet der Weser“ zugehen. Dieser Gesetzentwurf verlangt die Summe von 9 Millionen Mark zu dem angegebenen Zweck. Davon dürfen vorläufig nur 5 Millionen ausgegeben werden, während die übrigen 4 Millionen zurückgestellt werden sollen für den Bau eines Wasserkraftwerkes bei Hann. Münden. In einer ausführlichen Begründung werden die 9 Millionen folgendermaßen spezifiziert: Für den Bau eines elektrischen Kraftwerkes an der Edertalsperre bei Hemfurt 1.900000 M, für das Werk an der Diemeltalsperre bei Helminghausen 400000 M, für das Kraftwerk bei Hann. Münden 3 750,000 M, für die Starkstromverbindung dieser drei Kraftwerke 950000 M, für zwei Hochspannungstransformationsstationen, von denen die eine in Helminghausen, die andere in Göttingen gebaut werden soll, 300000 M und für die Hochspannungsleitungen in den einzelnen Kreisen 1 700 000 M. Die in den drei Werken erzeugte Kraft soll die hessischen Kreise Kassel=Land, Fritzlar, Homberg, Frankenberg, Melsungen, Wolfhagen, Hofgeismar, Witzenhausen, Kirchhain, Ziegenhain und Marburg, die hannoverschen Kreise Münden, Uslar und GöttingenLand, die westfälischen Kreise Brilon und Warburg und die waldeckischen Kreise Eder, Twiste und Eisenberg mit eleksrischer Energie versorgen. Zusammen ist dieser Landstrich 6500 Quadratkilometer groß mit zusammen 600 000 Einwohnern. Auch die Städte Kassel und Göttingen, sowie die Bahnhofsanlagen in Kassel sollen teilweise angeschlossen werden. Erzeugt werden zusammen 41 Millionen Kilowatt= stunden. Unternehmer der drei Werke ist der Staat, der die Energie an die Kreise, bezw. eine von diesen zu bildende Gesellschaft abgibt. Mit einer ganzen Reihe von Kreisen ist schon ein Vertrag abgeschlossen worden, nach welchem die Kreise unter günstigsten Bedingungen die Energie erhalten. Da die Talsperren in erster Linie dazu gebaut wurden, um den Rhein=Leine=Kanal mit Wasser speisen zu können, so soll von dem Ertrag dieser Werke auch ein Teil in die Kasse des Kanals fließen, und zwar erhält diese für jede Kilowattstunde 1 H, höchstens jedoch jährlich 200000 M. Man hat für das erste Jahr mit nur einem Bedarf von 10 Millionen Kilowattstunden gerechnet. Deshalb soll das teuerste der drei Werke, das Mündener, erst gebaut werden, sobald der Jahresbedarf 24 Millionen Kilowattstunden erreicht hat. Es soll auch zur Regulierung des Wasserzuflusses zur Weser dienen. Auch sind neue Anlagen für die Schifffahrt dabei vorgesehen worden, so eine große, 200 Meter lange Schleuse und ein großer Sicherheitshafen, der auch zu einem Fracht= und Umschlaghafen ausgebaut werden kann. Die Hauptverbindungsleitung der Werke untereinander wird 130 Kilometer lang werden, während das vom Staate zu erbauende Hochspannungsleitungsnetz eine Länge von 350 Kilometern haben wird. Dazu kommen dann noch die Kreisnetze, die jeder einzelne Kreis und die Ortsnetze, die jeder einzelne Ort zu bezahlen hat. Aus der Provinz und den Nachbarländern. Bielefeld, 31. Dez. Der städtische Fleischverkauf wurde nach dreimonatiger Dauer eingestellt, da der Ausgleich mit den Preisen der Schlächter nahezu erreicht ist. Bielefeld, 1. Jan. Stadttheater. Spielplan vom 5. bis 11. Januar. Sonntag: Der Opernball; Operette von Heuberger. Montag: Volksliederabend(Lieder zur Laute) von Freifr. v. Wolzogen. Ferner Lottchens Geburtstag; Lustspiel von Thoma. Dienstag: Waldmeister; Oprtte. von J. Strauß. Mittwoch: Gastspiel von Agnes Sorma Der Widerspenstigen Zähmung: Lustspiel von Shakespeare. Donnerstag: Flachsmann als Erzieher; Komödie von Otto Ernst. Sonnabend: Alt=Heidelberg.(Die Vorstellungen beginnen Sonntag um 7 Uhr, Montag 8 Uhr, sonst 7½ Uhr. Münster, 1. Jan. 21 Lehrerseminare besitzt zurzeit die Provinz Westfalen, 11 evangelische und 10 katholische. Sie haben ihren Sitz in Arnsberg, Büren, Coesfeld, Dorsten, Gütersloh, Hamm(2, ein evangelisches und ein katholisches), Hattingen, Herdecke, Herford, Hilchenbach, Lüdenscheid, Olpe, Paderborn, Petershagen, Recklinghausen, Rüthen, Soest, Unna, Warendorf und Werl. Davon befinden sich im Regierungsbezirk Münster 4(1 evangelisches und 3 katholische), im Regierungsbezirk Minden 5(3 evangelische und 2 katholische) und im Regierungsbezirk Arnsberg 12(7 evangelische und 5 katholische.) Bentheim, 31. Dez. Schreckliches Brandunglück. In der letzten Nacht entstand im benachbarten Ohne auf dem vom Pächter Beckmann bewirtschafteten SchulteWittingschen Hofe ein Feuer, das die Stallungen einäscherte. Von den zwei Knechten, die in dem brennenden Gebäude schliefen, konnte sich der eine retten, doch hatte er bereits so schwere Brandwunden erlitten, daß er nach kurzer Zeit starb. waren, weilt hier seit den Weihnachtstagen zum Besuch seines Die Leiche des anderen Knechtes liegt noch unter den Eufols eide Trümmern. Krefeld, 31. Dez.=Für den Theater=Neu bau wurden durch Sammlungen fast 600 000 M aufgebracht, während dafür außerdem 1 Million und 300 000 M aus städtischen Überschüssen zur Verfügung stehen. Epe, 31. Dez. Saccharinschmuggler versuchten nachts drei Pakete mit je 10 Kilogramm Saccharin über die Grenze nach Deutschland einzuschmuggeln. Die Schmuggler, zwei Österreicher, wurden verhaftet und nach Ahaus ins Gefängnis gebracht. Damit sind ihnen die Süßigkeiten gründlich versalzen worden. Uebach(Kreis Geilenkirchen), 31. Dez. Ein schwe rer Einbruch wurde heute nacht in der hiesigen Pfarrkirche vollführt. Aus der Sakristei wurden zwei Kelche im Wert von 1000 M gestohlen und der Opferstock seines Inhalts beraubt. Bad Ems, 31. Dez. Unterschleife. Der Hilfsschreiber Joseph Schnitzler am Amtsgericht in Ems hat einen Wertbrief mit 6000 M Beamtengehalt unterschlagen und ist geflüchtet. Saarbrücken, 31. Dez. Die Ruhe ist heute nirgends gestört worden. Die gestrige Abend= und die heutige Frühschicht sind auf allen Gruben vollzählig angefahren. Das Ergebnis der gestrigen Revierkonferenz wurde noch gestern abend durch Extrablätter überall bekannt gegeben. Es fanden auch in einer ganzen Anzahl von Plätzen Versammlungen und Besprechungen statt, in denen die Delegierten über die Lage Bericht erstatteten. Wenn hierbei auch manches kräftige Wort gegen die Gewerkschaftsleitung fiel, so ist es aber doch selbst in den Bezirken, deren Vertrauensmänner noch gestern erregt für einen Streik waren— weil sie sich angeblich nicht trauten, mit dem Vorschlage zur Beilegung des Streiks vor ihre Mitglieder zu treten— ruhig geblieben. Frankfurt a. M., 31. Dez. Liebesdrama. Ein 25jähriger Fahrradhändler mit Namen Walter Christian gab in Sachsenhausen auf seine Geliebte, eine 20jährige Arbeiterin, mehrere Schüsse ab, von denen einer dem Mädchen in den Hals drang und es schwer verletzte. Christian floh darauf in ein benachbartes Gebäude und gab von dort mehrere Schüsse ab. Es steht noch nicht fest, ob er sich damit töten oder die Verfolger abschrecken wollte. Er wurde in das städtische Krankenhaus eingeliefert, da er nach seiner Festnahme durch die herbeigeeilten Bewohner des Stadtteils übel zugerichtet worden war. Bremen, 31. Dez. Unheimlicher Fund. Am Weserufer wurde in einem Korbe verpackt der Rumpf eines etwa 14= bis 16jährigen Knaben aufgefunden. Die noch frische 14. Leiche war des Kopfes und der Glieder beraubt. Es steht noch nicht fest, ob der Korb angeschwemmt oder von dem Mörder an der einsamen Stelle niedergelegt wurde. Bisher konnte über den Tod und die sonstigen Umstände dieser geheimnisvollen Angelegenheit noch nichts ermittelt werden. Kleine Cbronik. Berlin, 31. Dez. Der Hoteldieb Löwy aus Wien, hatte sich heute vor dem Gericht zu verantworten. Der Angeklagte verübte seinerzeit in mehreren Berliner Hotels fortgesetzt Diebstähle. In einem einzigen Falle fielen ihm allein für etwa 8000 Mark Juwelen n die Hände. Bei seiner Festnahme bedrohte Löwy den ihn verfolgenden Beamten mit einer Browningpistole, so daß dieser sich gezwungen sah, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, wobei ein Vorübergehender verletzt wurde. Löwy wurde zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Berlin, 31. Dez. Eine achtköpfige Einbrecher= und Räuberbandr, deren Mitglieder aus Kindern von acht bis 13 Jahren bestand, wurde von der Neuköllner Polizei ermittelt und aufgelöst. Sie nannte sich nach berüchtigten Vorbildern„Vereinigung schwarze Hand“. An ihrer Spitze stand der 12½ Jahre alte Schüler Gustav Seydel aus der KaiserFriedrichstraße, der den Spitznamen„Der schleichende Fuchs“ führte. Als Spezialität betrieb die jugendliche Bande Diebstähle, Einbrüche und Räubereien bei Gastwirten. Es wurden ihr bereits 22 Einbrüche nachgewiesen. Die Uebeltäter sind zum Teil Söhne achtbarer Eltern. Rathenow, 31. Dez. Zum Kaiserjubiläum. Die städtischen Behörden haben beschlossen, zur bleibenden Erinnerung an das 25jährige Regierungsjubiläum des Kaisers eine gemeinnützige Einrichtung zur Förderung der Jugendpflege zu schaffen. Es sollen moderne Spiel= und Sportplatzanlagen, ferner eine Schwimmanstalt und Strandaulagen längs der Havel für Licht= und Luftbadczwecke errichtet werden. Es wurden 40 000 Mark hierfür bewilligt. Neumünster 31. Dez. Dasälteste Eehepaar Schleswig=Holsteins, der 107jährige Königl. Oberförster a. D. Jakob Feddersen und seine fast 106 Jahre alte Ehefrau Grete, die am 15. September ds. Is. 80 Jahre verheiratet Enteis. Beide Eheleute sind noch gesund und rüstig; sie gehen einen Weg von sechs bis sieben Kilometer hin und zurück noch ohne besondere Anstrengung. Erst seit einem Vierteljahr benutzt der alte Herr beim Lesen eine Brille. Seinen standigen Wohnsitz hat er jetzt auf den„weißen Dünen“ auf Sylt, wo er noch das Amt eines Strandvogts, wenigstens dem Namen nach, bekleidet. Das Ehepaar hat zwei Söhne, die aber beide bereits gestorben sind. Stettin, 31. Dez. Raubmörder. In Kortenhagen drangen nachts Einbrecher in die Behausung des Gastwirts Wendland ein und versuchten, die durch das Geräusch erwachten Eheleute zu ermorden. Der Mann erhielt zwei Beilhiebe in die Stirn, die Frau elf Messerstiche, von denen einer in den Hals lebensgefährlich ist. Posen, 31. Dez. Jagdunfall. Graf v. Skorzewski kam auf einer Treibjagd zu Tode. Der Leibjäger wollte ihm ein geladenes Gewehr überreichen und blieb dabei in einem Strauch hängen. Die Schrotladung entlud sich und drang dem Grafen in die Seite. Der Verstorbene war mit einer russischen Fürstin Radziwill verheiratet; er war ein bekannter Polenführer. alle(Saale), 31. Dez. Familiendrama. Der Juwelier Zanke, seine Frau und seine beiden Kinder sind heute in ihrer verschlossenen Wohnung tot aufgefunden worden. Sie hatten sich wegen schlechten Geschäftsganges durch Zyankali vergiftet. Die Frau sah einem Familienereignis entgegen. Halle(Saale), 31. Dez. Mädchenmord. Gemeindewald bei Dachre wurde die 18jährige Tochter eines Gutsbesitzers, an der ein Verbrechen begangen worden war, erdrosselt aufgefunden. Pößneck, 31. Dez. Stiftung. Der Seniorchef der Textilfirma Bernhard Siegel u. Schutz, die am 1. Januar ihr 40jähriges Bestehen feiert, Kommerzienrat Siegel, stiftete 40 000 Mark, und zwar sollen die Zinsen von 25000 Mark alljährlich an verdiente Arbeiter ausgezahlt werden, 10 000 Mark erhält der Verschönerungsverein und 5000 Mark die Diakonissenkasse. Darmstadt, 31. Dez. Große Aufregung erregt hier die Verhaftung des langjährigen Direktors der landwirtschaftlichen Bank, Kommerzienrat Ihrig, des Hauptgründers des im August 1911 in Konkurs geratenen Niedermodauer spar= und Darlehnsvereins. Als Gründer der Frankfurter Verwertungsgesellschaft, die den Zweck hatte, die Finanzgeschäfte des in Schwierigkeiten geratenen Niedermodauer Vereins zu regeln, soll er hauptsächlich in seine eigene Tasche gearbeitet haben. Er wurde gegen eine Kaution von 300 000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt. Stuttgart, 31. Dez. Ein leichter Erdstoß wurde hier und auf der Schwäbischen Alb heute abend 6 Uhr 49 Min. verspürt. Augsburg, 31. Dez. Das alte Hotel„Zu den drei Mohren“, in dem seiner Zeit ein Fugger den bekannten Schuldenbrief Kaiser Karls V. vernichtete, beschloß der Magistrat für 453000 Mark anzukaufen. Es soll entweder das Hotel weitergeführt oder ein Amtsgericht darin eingerichtet werden. Wien, 31. Dez. Dreijunge Leutevergiftet. In einem hiesigen Cafe erschienen gestern um Mitternacht drei junge Leute, nahmen an einem abseits stehenden Tisch Platz und verlangten Tee. Nach einiger Zeit fielen die drei Freunde von ihren Stühlen auf den Boden und wanden sich vor Schmerzen. Als einige Aerzte herbeikamen, waren die drei Unbekannten schon tot. Sie hatten sich mit Zyankali vergiftet. Die drei jungen Leute haben Abschiedsbriefe hinterlassen. Der Eine erklärt, er habe Verdruß im Geschäft gehabt: auch ein Mädchen wird in dem Briefe erwähnt. Charbin, 31. Dez. Banditen. Zwischen den Stationen Mangou und Duitsinschan wurde ein Personenzug von Chunchusen überfallen und beraubt. Vier chinesische Pasagiere wurden verwundet, darunter einer tödlich. Die Chunchusen entkamen. Newyork, 31. Dez. Streikder Kellner. Der sofortige allgemeine Ausstand der Hotelkellner ist in Newyork angeordnet worden. 4 Hafer HaterRakds wird bei Blutarmutund Bleichsucht als Kraftigungsmittel tausendiech arztlich empfohlen. Nur echt in biauen Hartons für 1 M. niemale 10se — Im Zuge der Not. Roman von C. Dressel. Nachdruck verboten.(Fortsetzung.) Jella zuckte auf. Ob seiner Worte, ob des dumpfen Getöns, das plötzlich durch den Forst hallte, wer wollte es sagen. Jählings aber veränderte sich die Szenerie. Die schwand. Die Vögel tirilierten nicht mehr, angstvoll flatierten sie durch das Gezweig in den Schutz des Nestes, und was sonst an Getier unterwegs war, suchte die Schlupfwinkel. Noch einmal gelang es dem Licht, die schweren Wolkenwände fortzudrängen, dann ward es von neuem hinter die dunkel sich auftürmenden Kulissen gedenn nun trat der Sturm auf und meisterte die In den Baumkronen fauchte ein wildes Getose, mimmern“( gelaute schienen die erschreckten Dryaden zu „Es kommt,“ sagte Vollrad kurz mit besorgtem Blick #I, seine Begleiterin, die er letzthin beinahe vergessen Sie nickte ruhig.„Trab, dann haben wir in zehn Minuten die Försterei erreicht. Furcht habe ich nicht, aber das Naßzwerden ist kein Pläsier, wenn man nicht gleich die Kleider wechseln kann.“ Sie brausten dahin wie die wilde Jagd. Die Gäule, llschutz witternd, bedurften keines Ansporns, der Instinkt beflügelte sie. Blitze zuckten, der Donner knatterte, aber noch fiel der Regen nicht. „Um so böser,“ meinte Vollrad,„trockene Gewitter sind die gefährlichsten.“ Jella hob nur die Schultern und stürmte weiter, das zitternde Roß fest in der Hand. Dämonisch schön sah sie aus mit ihrem furchtlosen energischen Gesicht, in dem ein seltsamer Fanatismus lohte, der in ihr rief:„Was tut's denn. Trifft mich der Blitz, nur zu— ich habe in dieser Stunde gelebt— es ist genug.“ .„Doch die Vlitze züngelten vorbei und der in vielsachem Echo unheimlich widerhallende Donner erschütterte nur die Nerven. Es geschah ihnen nichts, und nun war die Försterei erreicht. Als sie abstiegen, fielen die ersten Tropfen, groß wie Markstücke. Gleich danach aber rauschte ein förmlicher Wolkenbruch hernieder. „Schadet nichts,“ lächelte Jella,„wir sind unter Dach und warten das Wetter einfach ab.“ Die Försterei hatte Wirtschaftsbetrieb und gute Stallungen, in denen die Pferde wohl versorgt waren, und Jella ließ es sich zudem nicht nehmen, das Abreiben der erhitzten Gäule zu überwachen. Dann erst suchte sie mit ihrem Genossen ein kleineres Privatzimmer auf, wo es sich gemütlicher saß als in dem auf Massengäste eingerichteten Saal. Große Küche führte das ländliche Haus nicht, aber ein einfaches warmes Frühstück konnten sie haben und dazu ein Münchener Originalbräu, das sie heißen Getränken vorzogen. Wohl mundete es nach dem weiten Ritt, nur die geistige Elastizität wollte mit der körperlichen Kräftigung nicht recht Schritt halten, schien vielmehr zu erschlaffen. Die Frau zum mindesten verlor zusehends die frohselige Stimmung und verfiel in eine finstere Melancholie, die auch Vollrad zu drücken begann. „Sie ist ermüdet,“ dachte er,„oder diese Gewitterluft schlägt ihr auf die Nerven. Es gibt ja Menschen, die sehr davon beeinflußt werden, und die schöne Frau ist nur ein Bündel Nerven, das weiß ich längst.“ Er machte vergebliche Versuche, eine leichte Unterhaltung in Fluß zu bringen, und ging endlich, nach den Pferden zu sehen und das Wetter zu begutachten. Das war böse genug. Das Gewitter grollte freilich schon im Abzuge, aber aus dem wolkenbruchartigen Guß, der in strömenden Rinnsalen auf den Wegen stand, hatte sich mittlerweile ein stetiger Landregen entwickelt, dessen Ende nicht abzusehen war. „Warten wir's dennoch eine Weile ab,“ sagte Jella müde.„Durch diese Sintslut kann man nicht reiten.“ „Ich werde einen Wagen für Sie requirieren, gnädige Frau, und bringe die Pferde später zurück,“ schlug Vollrad vor. Sie schüttelte den Kopf.„Das könnte lange dauern, Sie wissen ja nicht Bescheid in der Gegend. Ich mag auch nicht derweil allein bleiben.“ Ein nervöser Schauer rann ihr durch die Adern. „Nein, gehen Sie nicht fort, Klüven. Sie müssen hier schon mit mir aushalten. Wird's wirklich ein Dauerregen, kommt mein Mann hoffentlich auf den Gedanken, den Wagen nachzuschicken. Er weiß ja die Richtung, da ist das Finden nicht allzu schwer. Also abwarten. Inzwischen bestellen Sie, bitte, starken Kaffee, der wird unsere verklammten Geister ein bißchen anregen. Auch ein kleines Holzfeuer könnte nicht schaden, ich finde es jetzt abscheulich kühl. Da verlasse sich einer auf den April. Ohne Launen geht's nun mal nicht bei ihm ab.“ „Bei schönen Frauen auch nicht,“ sagte sich Vollrad, während er ihrem Wunsch nachkam. Guter Kaffee wurde gebracht, das Feuer prasselte im eisernen Oefchen, das schnell angenehme Wärme aushauchte, und so ließ es sich wirklich freundlicher an, zumal Frau Jella gnädig bemerkte:„Sie dürfen gern rauchen, Klüven.“ Er ließ sich das nicht zweimal sagen und brannte mit Vergnügen die Zigarre an, die freilich keine Henry Clay war, sondern ein bescheidenes Fünfzehn=PfennigStück. Wie an manche andere Inferiorität, hatte er sich im Lauf der Zeit auch an diese geringere Sorte gewöhnt. Es ging. Wahrhaftig, es ging auch so. Es gab schlechtere Zigarren und mißlichere Dinge, als sie ihm noch vergönnt waren.—9 Während er den figurenreichen Rauchwölkchen versonnen nachsah, fragte Jella unvermittelt: „Sie haben eine Schwester, nicht wahr?“ Da wurde er beredt. Nicht genug konnte er der ruhigen Barbara gute und hohe Eigenschaften rühmen, ihre Anspruchslosigkeit und Geduld, ihr warmes, schlichtes Gemüt und echtes Christentum. Und er verschmieg auch nicht, daß ihm gerade auf den Ruinen seines Vaterhauses das Glück selbstloser Schwesterliebe erblüht sei. Ihre matten Augen belebten sich.„Einen Menschen zu haben, der mit uns fühlt, denkt, sorgt— wie schön das ist. Ich beneide Sie um diese Schwester, Klüven.“ „Sie haben einen lieben Bruder, gnädige Frau.“ „Gewiß. Lothar ist ein prächtiger Mensch, aber ich habe doch weniger einen Halt an ihm, als daß ich ihm, sozusagen, ein gutes Mütterchen bin. Er lebt eben sein eigenes Leben, und heiratet er, was alle Tage geschehen mag, wird ihm natürlich die Frau die Nächste sein. Da haben Sie doch wohl mehr an Ihrer Schwester, die nicht mehr an das Heiraten denkt, wie Sie sagen. Ich aber bin sehr, sehr einsam,“ schloß sie traurig, und so leise sprach sie, als gestände sie das nur sich selber. Und als er stumm blieb, weil er wirklich nichts zu sagen wußte darauf und von banalen Redensarten auch nichts hielt, sprach sie gleich leise weiter:„Mein Mann, so gut er ist, konnte mir seinen Jahren, seinen Anschauungen nach niemals der traute Herzgesell sein, wie es das kleine alte Minnelied so innig bezeichnet. Ich wurde ja so blutjung verheiratet und sah in dem bedeutend älteren Mann immer eher den Berater und Schützer als den gleichgesinnten Gatten. Dann seine ihn völlig hinnehmende geschäftliche Tätigkeit, sie ließ mich so viel allein, und tut es noch heut.“ „Das Kind?“ murmelte Vollrad. „Kommen auch Sie mir mit dem Allerweltstrost? O ja, ich habe ihn lieb, meinen wilden schönen Jungen. Wie hätte ich sie denn ertragen ohne ihn, die kalte gleißende Leere. Meinen Sie aber, ein so junges Kind sei die einzig wahre und fördernde Gesellschaft für eine warmherzige Frauenseele? Ich sehnte mich auch neben meinem kleinen Harald nach gleichaltrigen Gefährten. Und diese immer wachsende Sehnsucht verlangt das Ihre, ich— Anfertigung aller Garderobenstücke i nach unseren Standard=Schnittmustern sptelemd-teücht, u# für Damen, die nicht schneidern geternt haden Schnittmuster zu allen Abbildungen in den Normalgröhen 44 u. 48 liefert umere Expebition an Abonnenten zum billigen Preiie von nur 30 Pf. re Stüd Mode-Brief Einen nicht kleinen Raum im Reiche der Mode nimmt die Kindergarderobe ein. Auch sie lehnt sich, obgleich sie naturgemäß eigene Wege gehen muß, an die herrschende Modelinie. So war ihr die Kimonomode überaus günstig, während der lange, schlanke Aermel ihr weniger vorteilhaft, der geraffte Rock für sie unmöglich ist. Nun, sie entschädigen sich mit dem Faltenrock, der ja bald allem auf das rasche Wachsen Rücksicht nehmen und deshalb die Form so wählen, daß sich eine Aenderung keicht vornehmen läßt. Die augenblickliche Mode der zweierlei Stoffe ist diesen Aenderungen ja überaus günstig. Neben Samt, der überall paßt, lassen sich einfarbige Stoffe mit gemusterten und umgekehrt gemusterte mit glatten verwenden. Auch zwei verschidene Farben lassen sich verarbeiten, wie z. B. weiß=schwarz, blau=rot, für Kinder besonders günstig, rotschwarz, blau=grün und andere. Für kleinere Kinder apart und auch vorteilhaft ist die Hängermode, die man ebenfalls durch einen breiten farbigen Vorstoß ergänzen kann. Hübsch wirkte ein Hänger aus weißem Wollbatist, der dem runden Ausschnitt entlang, an Aermel und Rockrand mit einer blauen Soutachekante besetzt war, während gleichfarbiger Stoff den breiten Vorstoß bildete. Sie brach ab. Ihre Augen irrten wie in bangem Suchen über Vollrads Gesicht und fanden doch nur höfliche, oder vielleicht höchstenfalls menschliche Anteilnahme, aber nicht das Verständnis, das ihrer schmerzlichen Sehnsucht entgegengekommen wäre. Sie atmete tief und schwer. Eine Pause entstand, in der Vollrad auf die singenden Flammen des Ofenfeuers lauschte, Jella aber auf den hämmernden Schlag ihres Herzens, den sie vergebens zu beruhigen strebte. Endlich sagte sie anscheinend gelassener:„Da habe ich mir oft eine Schwester gewünscht, und weil sie nun mal nicht da ist, die mir blutsverwandte, soll es die wahlverwandte sein. Ich habe an Annelise Overlach gedacht. Viellleicht, ja vielleicht finde ich in ihr die Schwesterseele.“ Da kam tiefere Bewegung in Vollrads Züge. Ob er es achthatte, daß sein konventionelles Gesicht plötzlich Feuer und Flamme war, daß er sich lauschend vorneigte, um mehr zu hören von Jella Brügges Sympathie für die liebreizende Annelise? Jella gewahrte es, und in ihre auflodernde Eifersucht mischte sich ein dämonisches Gelüst. Mit lauerndem Blick in seine gespannten Augen fuhr sie bedeutsam fort:„Wie bald aber werde ich sie wieder hergeben müssen, denn auch Lothar liebt sie. Eines Tages wird er sie mir nehmen, und ich werde einsam sein wie zuvor.“ Was ging ihn das an? Sein Herz wurde hart gegen die Frau, die ihn verwundete. Aber die eigene Qual verzehrte ihn, drängte ihm die fiebernde Frage über die Lippen:„Und Fräulein Overlach, sie liebt den Baron?“ „Ich denke es. Ja sicher. Sie haben so viel miteinander verkehrt in Berlin, und Lothar hat mir längst seine Neigung für Annelise gebeichtet. Vorläufig freilich sitzt er mit kleinem Gehalt in Insterburg. Was tut das,— er wird aufrücken. Und währt das überlange, nun, so wird sich anderweitige Möglichkeit finden, diese beiden herrlich füreinander passenden Menschen zu vereinen, ehe ihre schönsten Jugendtage dahin sind. Ja, ich habe mein Herz an diese Verbindung gesetzt, und ob ich selber dadurch verliere, ich werde alles tun, aus meiner lieben jungen Schwester eine frohe Braut zu machen.“ Vollrad hatte wie auf glühendem Rost gesessen bei dieser Eröffnung, nun sprang er auf, kreideweiß im Gesicht. „Pardon, gnädige Frau, ich höre die Stute wiehern, da scheint etwas nicht in Ordnung,“ und schon war er hinaus mit raschen heftigen Schritten. Er hatte die Empfindung, als prasselten Steine über ihn nieder in dem Moment, wo ihm das stolze schöne Luftschloß einstürzte, in dem Seligkeit wohnen sollte und nun Verzweiflung auf zerfallenen Trümmern klagte. Die Enge des Zimmers beklemmte ihn bis zur Atemnot. Aber statt in den Stall lief er wie sinnlos in den Regen hinaus, in denselben Wald, an dessen sonnigem Lenzgeprange er vor kurzem noch die Maienhoffnungen seines seligen Herzens gemessen, die nun ebenso vernichtet waren, wie das vom Gewittersturm zerschlagene, in Kälte und Nässe zitternde Frühlingsgrün. O Sonne, wo bist du blieben!— Dann wieder lachte er hart auf. Narr, der er war. Hatte er ernstlich vermeint, solch ein liebes reizendes Mädel werde getrost darauf harren, daß ihm eines fernen Tages der arme Schlucker das karge Stückchen Brot biete? Das Herz mit seiner randvollen Liebe, zählt denn das? Und rechnet man damit, wenn man nichts Positives darüber weiß? Bewahre, da wendet nian sich doch lieber dem hübschen ansehnlichen Aristokraten zu, der Rang und Titel hat und ein reputierlicher Mann ist ohne eine wilde Vergangenheit. Wer sehnte sich nicht nach Luft und Sonne aus der dunklen Enge hinaus? Durste er ihren verlangenden Händen wehren, er, der ihr nichts, aber auch gar nichts zur Entschädigung zu bieten hatte? O das Geld, das miserable Geld, das dennnoch eine so gebielende Lebensmacht verkörpert! Er halte sie gedankenlos aus der Hand gleiten lassen. Ein kleiner Bruchteil von dem, was er ehedem wie Spreu verschleudert, und er wäre längst dem Baron zuvorgekommen mit seinem Erstlingsrecht. O die Not, die einengende, glücktötende Not! In diesen Augenblicken wilden Aufruhrs wußte er nichts mehr von ihrer erzieherischen Kraft, ihrer moralischen Gewalt zu sittlicher Erhebung und energischer Strebsamkeit, noch ihrenfördernden Fortschrittsdrang, du empfand er lediglich hie soziale Erniedrigung, in die sie ihn hinabgezwungen. Des Lebens Krone, dort hing sie im Bereich der sehnenden Blicke, aber die gefesselten Arme durften nicht nach ihr greifen, mußten es geschehen lassen, daß ein grüchte sie lich jauchzend auf das stolz getragene Haupt So lief er wie gehetzt durch den ächzenden regengepeitschten Wald, und als er endlich ins Haus zurückkehrte, rieselte das kalte Naß auch an ihm in Strömen hinunter, und er hatte dessen gar nicht achtgehabt. Jella schalt erschrocken:„Wie unbesonnen! Wo sind Sie nur gewesen? Sie werden sich schön erkälten.“ Da erst merkte er seine klägliche Verfassung.„Pardon, Gnädigste, wirklich, nichts weniger als salonfähig sehe ich „Ach, das ist Nebensache. Ich begreife nur nicht, der Stall ist nah und trocken auch——“ „Ich sah nach dem Wetter aus,— es ist das gleiche.“ „Wie Figura zeigt,“ lachte sie gezwungen.„Nein, wie unvernünftig. Sie werden sofort Glühwein trinken, sonst haben Sie morgen das schönste Rheuma.“ „Oho, was denken Gnädigste nur von einem jungen gesunden Sportfex. Wie oft bin ich bis auf die Haut naß geworden. Das tut einem doch nichts. Trotzdem, den Glühwein werde ich willig intus nehmen und mir auch vom Förster eine trockene Joppe leihen, sonst möchte meine kühle Nähe Sie selber erkälten, gnädige Frau, und das will ich lieber nicht auf mein Gewissen laden.“ Er sagte es in einem prahlenden übermütigen Ton, um seinen Mund zuckte ein Lachen. Staunend sah sie in seine verwandelte Miene. Die Stimmung, die sie verloren, er hatte sie anscheinend gefunden. Einerlei. Gut, daß sie da war. Noch besser gefiel er ihr so. War da eine kleine verirrte Neigung für Annelise in ihm gewesen, er hatte sie ausgemerzt, nun er vernahm, ein anderer habe höhere Chancen bei ihr. Bald danach trat er wieder ein in Jägerjoppe, die Stiefel sorglich gesäubert. Selber brachte er den Weinpunsch, zwei große Gläser voll. „So, gnädige Frau, Sie sehen, ich bin folgsam, aber Sie müssen mithalten. Freilich ein durchaus ländliches Gebräu, aber es hilft nichts, mitgefangen, mitgehangen. Prost, gnädigste Frau. Nun soll uns der Regen nicht mehr verschnupsen.“ (Fortsetzung folgt.) Orteltatut S 11. betreffend die Grundftückentwälferus#). Sind Wohnungen oder Räume im Sinne des 36e erweiz. ##emeu wallerung flich während eines ganzen Steuerjahres unbenutzt geblieben, im Btadtbezirk Hersor. lso wird auf Antrag die bereits gezahlte Gebühr dem Nu Stautoczira-Berterd. Auf Grund des§ 11 der Städteordnung für die Provinz Wesfalen vom 19. März 1856 und der S8 4. 69, 70 so wird auf Antrag die vereits gezühlle Gebahr dem Hauseigentümer zur Hälfte zurückerstattet. vinz Westfalen vom 19. März 1856 und der§§ 4. 69. 70„„ 9 12. und 90 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 18931.## Der berechnete Gebührenbetrag wird auf volle 10 wird hiermit unter Zustimmung der Stadtverordnetenver= sach oben abgerundet. sammlung und unter Genehmigung des Bezirksausschusses Di, im Stedtsehiet1: zu Minden nachstehendes Ortsstatut, betr. die Grundstück.Die im Stavigevier vorhandenen Wasserläufe gelten, soentwässerung im Bezirke der Stadt Herford erlassen: sweit sie Abwässer aufnehmen, als Teile des städtischen Kanalnetzes. ontldusserung in Gegirts der Stadr Hersord ertasfen! 1. Verpflichtung zum Anschlusse und Herstellung des Anschlusses. 8 1. S 14. Die Verpflichtung zur Zahlung der Gebühr entsteht für den Wohnungsinhaber mit Beginn desjenigen Monats, in welchem der Anschluß an den Kanal gebrauchsfertig hergestellt ist; für einen neu in das Haus einziehenden Wohdie städtische Kanalisation wird durch Polizeiverordnung nungsinhaber mit Beginn desjenigen Monats, in dem die vercgelt. 8 2.(Zehähr erische dte Ve ichtu- Ponate ahlung der Die Herstellung der Grundstücksanschlüsse vom städti=lbei dem Magistrat die Anzeige von der Beseitigung des Anschen Straßenkanal bis zur Straßenfluchtlinie erfolgt durch schlusses an die Kanalisation eingegangen ist, für einen aus Die Kosten für die Herstellung, Unterhaltung und et= jenigen Monats, in dem die Innehabung aufhört. Ist für waige Anderungen hat der zum Anschluß Verpflichtete nach diesen Monat die Gebühr schon von einem neuen Inhaber mäß 8 4 K8. A. G. festzustellen und spätestens 2 Wochen vor pflichtig. Beginn des Rechnungsjahres öffentlich bekannt zu machen§ 15. ist. Der festgesetzte Betrag ist binnen 2 Wochen nach Aufforderung vor Ausführung des Anschlusses bei der Kämmereikasse einzuzahlen. Bei dem ersten Anschluß jedes Grundstückes bleiben die Kosten der Anlagen zwischen städtischem Kanal und Grundstücksgrenze außer Ansatz. Die Kanalanschlußanlagen bis zum Revisionsschacht nebst Zubehör bleiben Eigentum der Stadt. § 3. Die Herstellung und Unterhaltung der innerhalb der Grundstücke erforderlichen Einrichtungen vom Revisionsschacht ab ist Sache des zum Anschluß Verpflichteten. Diese Einrichtungen unterliegen den polizeilichen Vorschriften. II. Gebühren. S 4. schen Kanalisation einschl. der Ausgaben für die Pe hebliche Tatsachen innerhalb einer angemessenen und Tilgung des aufgewendeten Kapitals(der Bedarf) werden durch Gebühren gedeckt. § 5. „„ Veränderungen im Miets= oder Nutzungswerte bleiben für das laufende Steuerjahr unberücksichtigt. III. Veranlagung und Erhebung der Gebühren. Verenle 16. is aie Sieenagung der Gebühren erfolgt durch den Madurch a.äer Pkanntmachung der Veranlagung geschieht burch Zustellung eines Steuerzettels. Nechtsmitr an gegte en gegen ihre Veranlagung die Rechlsmittel der§s 6911 des Kommunalabgabengesetzes zu. Dum Dmas..# 8 17. Zum Zwecke der Veranlagung ist jeder Eigentümer gistrats über bestimmte für die Berechnung der Gebüh Tatsachen schriftlich oder mündlich Auskunft zu geben. Die hiemnach den Eigentümern der gebührenpflichtigen Grundstücke und „ sven Wohnungsinhabern obliegenden Verbindlichkeiten lieDie Gebuhr ist von dem Eigentümer eines jeden an die gen in gleicher Weise ihren gesetzlichen Vertretern(VorKanalisation angeschlossenen Grundstücks zu entrichten. mündern, Pflegern, Vorständen und Vereinen, AktiengesellBefinden sich auf dem Grundstücke Wohnungen oder schaften usw.) sowie den von den Eigentümern mit der Versonstige Räumlichkeiten, die für mehr als 150 Mark für das waltzng der Grundstücke beauftragten Personen ob. Jay. vermietet, oder verpachtet sind und einen Anschluß an so., Heßisktagistrat ist bei der Veranlagung an die Angaben das städtische Kanalnetz(durch Ausguß, Ablauf oder Spül= gngeg##t grenpflichtigen nicht gebunden. Wird aber die Ausklosett) haben, so ist insoweit der Mieter oder Pächter zurig“#erteilung beanstandet, so sind dem Pflichtigen vor der Zahlung der Gebühr verpflichtet. Bei Untervermietungen heiretiggung die Gründe der Beanstandung mit dem Anist nur der Hauptmieter zahlungspflichtig..(Srie.# mitzuteilen, hierüber binnen einer angemessenen Mehrere Eigentümer, Pächter oder Mieter haften als Frist eine weitere Erklärung abzugeben. Gesamtschuldner. Ist die Gebühr vom Mieter oder Pächter nicht beizutreiben, so wird sie vom Eigentümer des Grundstücks erhoben. § 6. Die Gebühr ist zu entrichten: a) bei Wohnungen nach Prozenten des Mietwertes der Wohnung; b) bei unbebauten Grundstücken nach Prozenten des mit Grundsteuerreinertrages, S 18. c) bei Räumen, welche einen Pacht= oder Mietvertrag geseor. i, welche einen Pacht= oder Mietvertrag nicht haben, z. B. Kirchen, Fabriken, Anstalten, Dienstgebäude usw., nach Prozenten der Aufwendungen, welche notwendig wären, wenn die betreffenden Räume pacht= oder mietsweise beschafft werden müßten. Sie sind mindestens auf 5% des zum Erwerbe des Grundstücks und Geländes notwendigen Kapitals, einschl. der Kosten für Erweiterungsbauten, abzüglich der Kosten der jährlichen Unterhaltung des Grundstückes festzusetzen. K 7 Die Höhe der Gebuhr wird alljährlich vor Beginn des Rechnungsjahres vom Magistrat und den Stadtverordneten in der Weise festgesetzt, daß der Bedarf(§ 4) nach dem jeweiligen Bestande am 15. März auf die in Frage kommenden Mieten, Grundsteuerreinerträge und Aufwendungen umgelegt wird. n Der festgesetzte Prozentsatz ist spätestens zu Beginn des Rechnungsjahres bekannt zu machen. Der Mietwert...9 8 Der Mietwert der einzelnen Wohnungen, sowie die Aufwendungen im Sinne des§ 6e werden alljährlich vom Magistrat festgesetzt. § 9. Bei vermieteten und verpachteten Räumen gilt als Mietswert die vereinbarte Miete oder Pacht, einschließlich des Jahreswertes, der dem Mieter obliegenden Nebenleistungen. Außer Betracht bleiben Vergütungen an den Vermieter für Heizung und Beleuchtung. Bleibt jedoch für ein Grundstück der hiernach sich ergebende Gesamtmietwert hinter dem bei der staatlichen Veranlagung festgestellten Gebäudesteuernutzungswert zurück, so tritt an die Stelle des Mietwertes derjenige Teil des Nutzungswertes, der bei der staatlichen Veranlagung des Gebäudesteuernutzungswertes auf die einzelne Wohnung entfällt. Für Wohnungen im eigenen oder im Mietsbrauch stehenden Hause gilt die bei der Veranlagung zur Staatseinkommensteuer festgestellte Bruttomiete als Mietswert, mindestens aber der staatlich veranlagte Gebäudesteuernutzungswert. S 10. Bei Grundstücken, welche zum dauernden Aufenthalt von Menschen nicht bestimmt sind, und in denen die Kanalisationsanlagen nur vorübergehend und in geringem Maße benutzt werden, kann die Gebühr auf die Hälfte ermäßigt werden. aiste eemapig. Die Gebühren werden mit den direkten Gemeindesteuern vierteljährlich erhoben. Sie unterliegen der Beitreibung sosten. Ebenso die Anschlutz: S 19. Dieses Statut soll fünfjährige Gültigkeit haben und tritt 5 83 8. April 1912 in Kraft. Mit gleichem Zeitpunkte S####e Gevührenordnung vom 23. Juli 1894 außer Kraft Herford, den 5. März 1912 22. Oktober 1912. Der Magistrat. gez. Dr. Heß. Brand. Dr. Lange. Hrch. Schönfeld. Carl Höpker. Genehmigt auf Grund der§§ 8 und 77 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 in Verbindung mit§ 11 der Städteordnung vom 19. März 1856 mit der Maßgabe, daß vorstehendes Statut am 1. Januar 1913 in Kraft tritt. Minden, den 6. Dezember 1912. Namens des Bezirksausschusses Der Vorsitzende. I. V.: gez. Schmaucks. L.S. Nr. B. 917/12 * Vorstehendes Statut wird hiermit veröffentlicht. Herford, den 28. Dezember 1912. Der Magistrat. Dr. Heß. Diese Menge Gerstenmalz gehört zur Herstellung eines halben Liters Köstritzer Schwarzbieres aus der Fürstlichen Brauerei Köstritz. Daraus ergibt sich der auch ärztlich anerkannte hohe Wert des Köstritzer Schwarzbieres At p in#... als Nähr, Kraft- und Gesundheitsmittel für Rekonvaleszenten, Blutarme, Bleichsächtige, Vergöse, Ueberarbeitete, Schwächliche, stillende mutter und Wöchnerinnen. Köstritzer Schwarzbier ist ein vorzügliches Familien-Getränk. Jede Flasche muss ein Etikett mit dem Fürstlichen Wappen tragen. Nur echt bei Karl Lucas, Herford. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, meinen lieben Mann, unsern guten Sohn, Schwiegersohn und Schwager, den nach schwerem Leiden im kräftigsten Mannesalter zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Mit der Bitte um stille Teilnahme Frau Auguste Böhm geb. Führing. Herford, den 31. Dezember 1912. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 4. Januar 1913, nachmittags 2 Uhr. in Schötmar statt. Trauerfeier in Herford, vormittags 12 Uhr im Sterbehause, Bäckerstrasse Nr. 9. Heute mittag 1 Uhr starb nach schwerem Leiden der Assistent des Amtes Herford-Hiddenhausen Herr. ineim Bohm im 33. Lebensjahre. Er hat, trotzdem er seit Jahren leidend war, sein Amt mit vorbildlicher Treue und unermüdlicher Gewissenhaftigkeit ausgefüllt. Sein Heimgang bedeutet für das Amt Herford-Hiddenhausen und seine Mitarbeiter und alle seine Bekannten und Freunde einen schweren Verlust. Sein Andenken wird bei allen, die ihn im Leben gekannt haben, ein ehrendes und bleibendes sein. Namens des Amtes Herford-Hiddenhausen und der Amtsbeamten: v. der Schulenburg, Amtmann. Bekanntmachung. Gemäß§ 21 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907(G. S. S. 207) bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß die Nutzung der Jagd in dem gemeinschaftlichen Jagdbezirke Rehmerloh, bestehend r Gemeinde Rehmerloh zur Größe von 808 ha, mit gemischtem 1. Spri 1913 durch=Dauer von 6 Jahren beginnend mit dem #####u, offentlich meistbietende Verpachtung erfolgen soll. Die in Aussicht genommenen Pachtbedingungen liegen vom 1. Januar 1918 ab zwei Wochen lang in der Wohnung im Dienstzimmer des Unterzeichneten öffentlich aus. Jeder Jagdgenosse kann gegen die Art der Verpachtung und gegen die Pachtbedingungen während der vorbezeichneten Auszu Herford erheben. Bis zum Ablaufe derselben Auslegungsfrist sind etwaige Anträge gu, Bereinigung von Grundflächen mit Eigenjagdbezirken oder auf Aubschluß von Grundflächen aus einem gemeinschaftlichen Jagdbezirke bei mir zu stellen(§§ 7, 18 der Jagdordnung). Rehmerloh, den 31. Dezember 1912. Höke, Gemeindevorsteher. * Die glückliche Geburt einen ge## sunden Jungen zeigen hocherfreut an Julies duest und Frau Marie, geb. Kubmüller. Bebanntmachung. Der Kolona Emilie Meyer zu Hartum zu Elverdissen Nr. 3 ist ein Hund zugelaufen. Der Eigentümer desselben kann sich innerhalb 6 Tagen im hiesigen Amtsbüro melden. Herford, den 31. Dez. 1912. Der Amtmann: v. der Schulenburg. Heute entschlief sanft nach langen, schweren Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Wwe. Nagel geb. Berger im Alter von 62 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Nagel. Herford, den 31. Dezember 1912. Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. Jan., 8 Uhrnachm. vom Trauerhause, Bahnhofstr., aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben, unvergesslichen Entschlafenen sagen wir hiermit unsern innigsten Dank. Familie Honemeyer. Herford, den 2. Januar 1913. „„ tung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Herford belegenen, im Grundbuche von Bauerschaft Radewig Band 25, Blatt 167 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns Franz Husomann in Bersenbrück und des Agenten Ernet Diesselhoret in Osnabrück zu je ½ eingetragenen Grundstücke 1. Flur 29 Nr. 1026/232. Acker, in der Juritt, 22,68 ar groß mit 3.20 Talern Grundsteuerreinertrag 2. Flur 29 Nr. 1027/232, Acker, in der Juritt, 37,08 ar groß mit 5.23 Talern Grundsteuerreinertrag und zwar bezüglich der Miteigentumshälfte des Agepten Ernet Diesselhorst. am 25. Februar 1913, vorm. 10 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 17. versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 20. April 1912 in das Grundbuch eingetragen. Herford, den 23. Dezember 1912. Königliches Amtsgericht. Der Plan uder den Bau einer unterirdischen Telegraphenlinie über die Straßenbrücke des Bischofshagener Weges in Löhne(Westf) und über die Kreisstraße Löhne (Bhf)—Löhne(Ort) liegt bei dem Postamt in Löhne(Westf.) Bhf. von heute ab 4 Wotzen aus. Kaiserliche Ober=Postdirektion Minden(Eests.). Zwungsversteigerung. Freitag, den 8. Januar, vormittags 11½ Uhr versteigere ich in der Wirtschaft Gracksier 1 großen Posten verschiedene Sorten Wein. 1 Vertikow, 1 Schrank. Partie Nippes, 1 risch roffentlich meistbietend gegen Barzahlung. Herford, den 2. Jan. 1918. Wiegmann. Gerichts vollzieber. ##ragam Morgen fiüb 8½ Uhr: Rindfleisch. Ein kleiner Laden mit Wohnung per 1. Aptil zu vermieten Rebemigertrabe 88 Stadttbeater Verford Direktion: Alfred Bömly. Freitag, d. S. Jaunar 1913: Novität! Rovität! Zum 1. Male! Heiligenwald. Lustspiel in 3 Akten von Alfred Halm und Robert Saudeck. Anfang 8¼ Uhr. Gewerbe=Verein. Sonnabend, den 4. Dezemder, abends 8½ Uhr: Theater=Abend. Flachsmann als Erzieher von Otto Ernn. Vorverkauf im Theaterbüro 1 Rang und Mittelloge 75 Pfg., Parkenloge 65 Pfg„Parkett55 Pfg tarngeneinau e. B. Freitag, d. 3 d. Mts. Diederbeginn der Turnitunden in der Turnhalle am Lübberbruch der Turnwart Der Haushaltungspion der Maler=, Glaser u. LockiererInnung Herford liegt für das Jahr 1918 vom 2.—10. Jannar bei dem Schriftführer Carl Oetering offen. Herford, den 2. Januar 1913 Der Obermeister: M. Schael. Gische! Fische! Freitag früh: Feinsten, lebendfrischen Angelschellkisch sowie Schollen. V. Havemann sichf., Kurfürstenstr. 2. Telefon 306. Aufruf zur Gründung einer Krebs= und Lupusstiftung. Im Sommer 1913 naht das Regierungsjubiläum wenn anstatt persönlicher Geschenke die etwa zusammenkommenden Mittel wohltätigen oder gemeinnützigen Zwecken zugeführt würden. Diesem Wunsche entgegenkommend treten wir an alle Westfalen heran mit der Bitte, Mittel zu beschaffen zur Bekämpfung von der Volksgesundheit, Krebs und Lupus. Das einkommende Gelo soll verwandt werden, um eine Krebsund Lupusstiftung in Anschluß an die Westfälische WilhelmsUnvexsität zu begründen. Fast alle Krankheiten haben ihre größten Schlrunisse eingebüßt, nur der Krebs hat sich bisher noch nicht bezwingen lassen. Wahllos sucht er sich seine Opfer in allen Ständen und Kreisen und überfällt den Menschen in seiner besten iun oberliefern uavollen, langsamen Hinsterben rettungslos albt es beim Srebe noged esein, wie gegen die Schwindsuch. ich#.“ uih nicht und darum muß jeder, arm und reuh, dornehm und gering, täglich darauf gefaßt sein, daß die gam ihn trifft. Von 25 000 Krebtstoten wären 15.000 zu retten Dieser Bolseug ekannt werden können. Eiests Belisnot zu steuern, hat der berufenste Mann Deutschlands Ezergtechezdelberg, 40 Krebsanstalten gefordert. und anorerur iessende Flechte, Hauttuberkulose) sind Westfalen u. grenzende nieder sächsische Gebiete mehr als andere Landesteile beoroht. Diese Krankheit gehört ebenfalls zu den am schwersten zu bekämpfenden Krankveiten und zerstört ähnlich wie der Krebs in langsamer Nagetätigkeit den m uschlichen Körver. Glücklicherweise haben Krevs und Lupus eine sehr wichtige Bekämpfungsalt gemeinsam, die Behandlung mit Finseulicht, und s5 wulde eine Finsenanstalt zur Bekämpfung beider Krankheiten Freisende Füchig Fiusenanstalt es ermöglichen, daß die werdeg kann, scon im frühesten Anfangsstadium bekämpft Lier gilt es alle Kraft und allen Scharffinn einzusetzen, um G oen Volksseuchen richtig zu erkennen und die Mittel der abt ss woß im Sinne de Hand zu geben. Deshalb Diese Stiftung ist in der Weise gedacht, daß sie die experimentellen Versuche zur Erforschung der Krebs= und Lupuserkrankung durch Geldmittel, und die Pflege und Heilung durch Anweisung von Freibetten unterstützt. Wenn einmal, bie—38 biscten##z an der Wesifälischen Wilhelmsuniversität die meoizinische Halultät errichtet wird, so wird die Kiebs= und Lupusstiftung dafür sorgen, daß dort geeignete Einrichtungen #5., P Ezforschung und Pflege gerade dieser so gefährAchra Vollstrankheiten getroffen werden. Von der Höhe der einkommenden Mittel würde es abhängen, ob hier etwas geschaffen werden könnte, was anderswo nicht vorhanden ist und den nieder sachstschen Landen einen großen Vorsprung in der Behandlung und Erforschung dieser Krankheiten sichern würde. Mit einer kleinen Summe ist nicht viel erreicht, denn die Aufgabe ist xiesengroß, aher im gemeinsamen Zusammenwirken aller warbe Westsalen sia, vurch Schaffung einer Krebs= und Lupusstiftung ein ewiges Ehrendenkmal sichern. der Bezeichnung„Konto Krebsausschuß“ an den Westfälischen Bankverein hier, Alter Fischmarkt: an die Münsterische Bank hier, Königsstraße; an die Märkische Hasthehurra tr“ an die Wesideutsche Vereinsbank hier, auf Postscheckkonio. Nr. 16760„Krebsausschuß in Münster(Westf.), universitätsgebäude“; ferner direkt an den osausschuß in Münster(Westf.), Universitätsgebäude.“ Ferner nehmen Guben alle hiesigen Zeitungen entgegen. Karl Prinz von Ratibor und Corvey, Oberpräsident der Provinz Professor Krück. Westsalen, Ehrenvorstzender. Gae sa# am#mann, Rektor der Universität, erster Vorsitzender. Plosefsor Meister, Prorektor der Universität, zweiter Vorsitzender. Geheimrat Dr. Schmitz, erster Schriftführer. Geheimrat Dr. Siemon, zweiter Schriftführer. Bankdirektor Dortants, Schatzmeister. I„Vir, bitten, Gaben an die hiefige Kämmereikasse überweisen Herford, den 28. Dezember 1912. Der Magistrat. Busse. Versetzungshalber ist zum 1./ Ein gewissenhafter, solider Februar Buchenstraße 21 1 Etags 5 Zimmer und ZuI. Stage behör für 350 M. zu vermieten. Auskunft daselbs. Herrschaftl. Etage zum 1. April zu vermieten. Lehrer Schulse, Salzuflerstr. 15. 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Klein: Familie(1 Kind) sucht zum 1. April freundl Wohnung ca. 3—4 Jimmer Offerten mit Preisangabe unter Nr. 542 an die Exped. d. Blattes Möbliertes Zimmer mit Morgenkaffee zu vermieten. Radewigerstraße 17. Gute Pension frei. Elverdisserstraße 6= zu vermieten. H. Strathmann, Wellbrockerweg 1. Freundlich möbliertes Zimmer zu vermieten. Bergertorstr. 8. Gue möbliertes Wohn= und Schlafzimmer mit oder ohne Pension zu vermieten. Hermannstraße 24. Sander und and möbliertes Zimmer wird Nähe der Bahn gesucht. Gefl. Offerten unter Nr 545 an die Expedition dieser Zeitung. Anmeldungen neuer Schülerinnen für den am 6. Januar 1913 beginnenden, Ahendkursus in der Gewerbeschule für Frauen und Töchnr, aller Marlt 6 werden bis zum 4. Januar 1913 in der entgegengenommen. Teilnahme am Unterricht s gt, Wenn, die Schülerinnen sich in dieser Zeit noch nicht die nötige Selbstständigkeit angeeignet haben, dürfen sie den Unterricht länger besuchen. Diesbezügliche Wünsche sind an die Leiterin des Kursas zu richten, welche hierfür die Entscheidung zu treffen hat. Sollte eine Schülerin durch Unpünktlichkeit im Schulbesuch und burch Nachlusfigkeit in den Ausführungen der aufgegebenen Arbeiten. Betragen Anlaß zur Unzufriedenheit geben, so behält sich der Magistrat vor, solche Schülerinnen vom Unterricht auezuschließen. . Zweck des Unterrichts ist: Die Schülerinnen in nachstehenden nachern zu untertichten und in die Lage zu setzen, die eigene Garderobe(auch Kinderkleidchen), Wäsche, Hüte anzufertigen und in Stand zu halten: Gelehrt wird nach Wahl: 1. Handarbeit, wie Flicken, Stopfen, Weißsticken. 2. Maschinennäben, Anfertigen von verschiedenen Wäschegegenständen. 8. Schneidern, Anfertigen von Blusen, Röcken, Kinderkleidern, Modernisieren alter Garderobe. Putzmachen, Nähen von Hauben, Hutformen, Kinderhüten, Mützen, Garnieren und Modernisieren von Hüten. Unterricht ist zweimal wöchentlich von 8—10 Uhr abends. Die städtischen Behörden haben beschlossen, diese Einrichtung insofern zu unterstützen, als sie für jede Schülerin 2 Mark Zuschutz gewähren, sodaß jede Schülerin selbst nur 3 Mark monatlich aufzubringen hat. Diese Einrichtung wird zur Venutzung dringend Herford, den 16. Dezember 1912. Der Magiftrat. Busse. Unser erster diesjähriger Transport in belgischen u. französischen ist eingetroffen, welche bestens empfehlen Blanke& Co.