V für Dorsten(Herrlichkeit LembeckMarl-Hüls und Bocholt emeiner beneral=Anzeiger für Marl-Hüls. Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Recklinghausen. Anzeiger für die Bürgermeisterei Sahlen. General-Knzeiger für Dorsten. Krei Haus monat! 2.20 Udk. Anzeigenpreis: 1 mm die Yspaltige Zetle im Ortsverkehr 10 Psg. des We. breitungsgepietes und amsich= z. Bie P.,slte un murwinen Rubriken 8 Via. Anzeigen von außerbalb und amtliche 12 Pfa., Reklamen 60 Pfa. Vereinokalender die Zeile 30 Pfa Bei Betriebsstörung Streik Störung in der Papierzufuhr usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf eine Nachlieserung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Für telephoni'sch aufgegebene Anzeigen und Abbestellungen übernimmt der Verlag keine Verantwortung Bei nicht pünktlicher Zahlung, zwangsweiser Beitreibung des Rechnungsbetrages und bei Konkurs kommt der Rabatt in Fortfall.— Gerichtsstand für beide Teile Oberhausen. Hauptaeschäftsstelle: Dorsten. Markt 14. Fernspr. 39; sprecher 461: Marl. Brassertstr. 120. Fernsprecher 47: sprecher 3380. Hauptschriftleiter: Erwin Gehrts. Oberba bura: für Kommunalvolitik. Lokales und den übrigen Carl Lange Verlaa. Verantwortlicher Geschäftsleiter: Anzeigenteil verantwortlich: Otto Zornow. Oberbausen. keine Gewähr übernommen. Einsendungen sind an die Hervest=Dorsten Halterner Straße 95. FernHülls. Viktoriastr. 14: Bocholi. Osterstr. 48. Fernusen. Verantwortlich für Politik: Curt Pöhnisch. DuisTeil: Dr Erich Kretzer. Dorsten.— Druck Verlaasdirektor Johann Theve. Obexhausen., Für den — Für unverlangt eingesandte Manuskrivte wird Schriftleitung. nicht an einzelne Schriftleiter zu richten. Nummer 282 Dienstag, 15. Oktober 1931 12. Jahrgang Der Reichstag vor der Entscheidung. SPD.- und Wirtschaftspartei-Beschluß erst nach der Kanzler-Rede. Zentrum und Baur. Bpt. hinter Brüning. In der Sitzung der Zentrumsfraktion des Reichstages, die für Montag angesetzt war, sprach die Fraktion sämtlichen Zentrumsministern und dem Reichskanzler ihr volles Vertrauen und ihren Dank für ihre geleistete Arbeit aus. Der Reichskanzler gab einen ausführlichen Bericht über die politische Lage und schloß mit der Forderung, daß die Entscheidung des Parlaments in dieser politisch schweren und bedeutungsvollen Zeit unbedingt herbeigeführt werden musse, falle sie aus, wie sie wolle. Die Aussprache der Zentrumsfraktion ergab, daß sie geschlossen hinter dem Reichskanzler steht und ihn und seine Politik rückhaltlos unterstützen wird. Auch die Bayerische Volkspartei wird gegen einen Mißtrauensantrag stimmen, weil sie den Sturz des Reichskabinetts nicht will. Aber sie macht ihre Haltung gegenüber der Notverordnung abhängig von einer Reihe von Abänderungsanträgen, die sie am Montag in ihrer Fraktionssitzung formuliert hat. Da sie aber den Sturz des Kabinetts nicht will, dürften diese Abänderungsanträge zunächst nicht den Bestand dei Reichsregierung erschüttern Die sozialdemokratische Fraktion beschloß am Montag, daß sie ihre Beschlüsse erst nach der Rede des Reichskanzlers fassen werde In einer Reihe von Anträgen fordert die Fraktion eine wirksame Kürzung der großen Pensionen und hohen Gehälter, eine Neuaufrollung der Fürstenabfindung. die scharfe Kontrolle des Bank- und Kartellwesens, die Belebung des Baumarktes sowie andere Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftsnot der breiten Masse insbesondere durch eine ausreichende Winterhilfe für Erwerbslose. Sozialrentner und alle anderen Hilfsbedürftigen In der Aussprache der Fraktion über die politische Lage und insbesondere über die Harzburger Tagung der Opposition wurde darauf hingewiesen, daß„die Zusammenkunft der sogenannten nationalen Opposttion in Hareburg der gesamten arbeitenden Bevölkerung die ungeheuren Gefahren aufgezeigt hat dic ihr von der Rechten drohen Unter der Führung von Schwerindustriellen Bankfürsten und Hohenzoller iprinzen hatten sich dort alle Kräfte versammelt. die den Arbeitern. Angestellten und Beamten die politischen Rechte rauben ihre Lebenshaltung brutal herabdrücken Sozialgesetzgebung und Tarifrecht vernichten wollen In Bad Harzburg ist aber auch die Losung aufgenommen worden wonach durch eine neue Inflation der gewerbliche Mittelstand und die breiten Massen der kleinen Sparer und Rentner zum zweiten Male zugunsten der Schwerindustriellen und Großkapitalisten enteignet werden sollen.“ Im Zusammenhang mit dieser Beurteilung der politischen Lage in der SPD. ist die gemeinsame Beratung der Spitzengewerkschaften bemerkenswert, die sich in allererster Linie ebenfalls mit der Oppositionstagung in Harzburg befaßte und die in folgender Verlautbarung ihren Niederschlag findet: „Die Spitzengewerkschaften aller Richtungen, einschließlich der Beamtenverbände, kamen am Montag zu einer Besprechung zusammen. In erster Linie galt diese Besprechung der Abwehr der Gefahren, die durch die Umsturzpläne der Reaktion, insbesondere für die Lohn= und Sozialpolitik entstanden sind. Die Besprechungen werden fortgesetzt.“ Der Gewerkschaftliche Pressedienst teilt hierzu weiter mit, daß sich der Deutsche Beamtenbund und der Allgemeine Deutsche Beamtenbund der Erklärung, die die Spitzenverbände gegen das Harzburger Manifest abgegeben haben, angeschlossen haben. Die„#eimanta“ nimmt in einem Leitartikel in ihrer Dienstag=Morgenausgabe zur politischen Lage nach Bad Harzburg und vor der heutigen Kanzlererklärung im Reichstage Stellung und schreibt: „Dr Brüning wird in der heutigen Sitzung des Reichstages eine kurze und bündige Erklärung zur Politik abgeben. Er wird im Anschluß daran einen großen umfassenden Rechenschaftsbericht ablegen über alles, was in der Zwischenzeit geschehen ist, und er wird über Vergangenheit und Gegenwart hinaus sich auch der Zukunft und ihren dringendsten Aufgaben zuwenden. Dann wird nur noch das Parlament zu sprechen haben.“ Die nationale Opposition“, so heißt es dann weiter,„hat zum Generalangriff geblasen. Wir sehen von einigen Mißklängen ab, die für unsere Beurteilung nicht entscheidend sind. Es kommt darauf an, die politische Bedeutung dieser Hugenberg=Hitler=Bewegung mit kühler Sorgfalt abzuschätzen.“ Das Blatt richtet dann an Hitler die Frage, ob er mit dieser Begegnung jetzt habe dokumentieren wollen oder sogar müssen, daß er sich endgültig dem Großkapital und dem Großgrundbesitz verschrieben habe. Die Tagung von Harzburg täusche hinweg wie es mit dieser Aktion wirklich stehe Sie sei höchstens eine parlamentarische Front zum Sturze der Regierung Brüning Eine politische Front für einen homogenen Aufbau sei sie nicht Der Reichskanzler könne ruhigen Gewissens in den Kampf gehen. der ihm im Parlament bevorsteht. Sein Kurs zeige eine klare gerade Linie. Es könne ihn deshalb auch nicht anfechten, wenn der politische Ehrgeiz des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zum Antreiber für eine Pose wird, in der er nicht mehr ernst genommen wird, und in der man jedes Verantwortungsgefühl vermissen müßte. „Der Husarenritt Schacht's in Harzburg", so schreibt das Blatt weiter,„war eine Zügellosigkeit. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung. Das Parlament mag zeigen, ob seine Mehrheit in der Lage ist, die Probe zu bestehen und die politische Vernunft sprechen zu lassen, die notwendig ist, damit wir unsere nationale und wirtschaftliche Kraft wiedergewinnen.“ Die Reichstagsfiaktion der Wirtschaftspartei kam in ihrer am Montag mit dem Parteivorstand gemeinsam abgehaltenen Sitzung ebenfalls nicht zu einer Entscheidung über ihre endgültige Stellung zum neuen Kabinett Brüning. Die Aussprache, die sich an den Bericht des Fraktionsvorsitzenden Mollath über die politische Lage knüpfte, soll am Dienstag nach der Plenarsitzung fortgesetzt werden. * In parlamentarischen Kreisen hat ein lebhaftes Rätselraten über den voraussichtlichen Ausgang der Reichstagsverhandlungen eingesetzt. Das Ergebnis läßt sich noch in keiner Weise voraussagen. Man wird annehmen müssen, daß außer der Volkspartei mindestens auch die Wirtschaftspartei sich gegen das neue Brüning=Kadinett erklärt. Zweifelhaft bleibi auch noch die endgültige Haltung des Landvolkes. Rein zahlenmäßig würde sich für die Regierung eine kleine Mehrheit ergeben, wenn man damit rechnet, daß Volkspartei und Wirtschaftspartei nicht restlos der Parole der Führung folgen und die 136 Sozialdemokraten andererseits geschlossen für die Regierung eintreten Man weiß aber, daß bei den Sozialdemokraten sich die Opposition gegen die Haltung der Parteiführung nicht nur auf die sieben Abgeordneten beschränkt, die Langnamverein gegen Juslation. Düsseldorf, 13. Okt. In einigen Blätiern war behauptet worden, daß die westliche Industrie eine Inflationspolitik verfolge. Der Langnamverein erklärt dazu: „Noch am 29 September haben die Spitzenverbände in er gemeinsamen Tagung dem Herrn Reichozler die grundlegende Notwendigkeit zum Ausoruck gebracht, die Währung gesund zu erhalten und die Gefahren, die ihr von der Beibehaltung iner falschen Finanz= und Wirtschaftspolitik drohen, rechtzeitig zu beseitigen. Jedes Währungs=Experiment müsse ganz entschieden abgelehnt werden. Der Langnamverein stehi auch heute noch voll und ganz hinter dieser Erklärung.“ aus der Fraktion ausgeschieden sind sondern daß ein weiterer Teil der Fraktion bei früheren Abstimmungen seiner abweichenden Auffassung dadurch Ausdruck gegeben hat, daß er sich an der Abstimmung nicht beteiligte Man wird also auch auf die 136 Sozialdemokraten nicht voll rechnen können. KpD. will Hitler, Hugenberg, Schacht, Seldte und Düsterberg verhaften lassen. Auf Beschluß des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands hai die kommunistische Reichstagsfraktion nachfolgenden Antrag gestellt: „Der Reichstag wolle beschließen: Adolf Hitler, Hugenberg, Schachi Seldte und Düsterberg, die auf der Harzburger Tagung der sogenannten Nationalen Opposition durch ihr Komplott zur Herbeiführung einer neuen Inflation sich des Hoch= und Landesverrats an den Interessen des Der Völkerbund in der Zwickmühle. Japan gegen jede Einmischung.— China droht mit Krieg, falls Völkerbund versagt. London, 12. Oktober. Ein außerordentlicher Kabinettsrat in Tokio befaßte sich am Montag mit der mandschurischen Frage. Amtlich wurde bekanntgegeben, daß die japanische Regierung jede Einmischung sowohl der Vereinigten Staaten als auch des Völkerbundes in den chinesisch=japanischen Streit energisch zurückweisen werde und daß sie auch weiterhin auf einer direkten Regelung zwischen der chinesischen und der japanischen Regierung bestehe. Der japanische Botschafter in Washington habe Auftrag erhalten, den Staatssekretär Stimson dringend aufzufordern. den japanischen Erklärungen zu vertrauen, daß Japan keine weiteren Vorrechte in der Mandschurei, dagegen eine baldige Beilegung des Zwischenfalles anstrebe. Der chinesische Präsident Tschiangkaischek hielt am Montag auf einer politischen Versammlung in Nanking eine Rede, in der er sich mit dem chinesisch=japanischen Streit befaßte. Er erklärte unter anderem: Sollten der Völkerbund und die Signatarmächte des Kellogpaktes ihre heiligen Verpflichtungen China gegenüber nicht erfüllen, so würde China nicht zögern in den Krieg zu ziehen, um die Würde und die geheiligten Rechte internationaler Abmachungen aufrechtzuerhalten und den Weltfrieden sicherzustellen, selbst auf die Gefahr hin, selber das höchste Opfer eines völligen Zusammenbruches für ein halbes Jahrhundert bringen zu müssen. Tschiangkaischek sagte ferner, China habe den Völkerbund angerufen, weil es als Völkerbundsmitglied verpflichtet sei, alle Einzelheiten des Statuts genau inne zu halten. Die japanische Unterstellung, das China sich um Schutz an den Völkerbund gewandt habe, sei falsch. Falls der Völkerbund versage, müsse China die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen. Japanische Truppen in Schanghai. Zur Verstärkung des Schutzes für die japanischen Staatsangehörigen sind in Schanghai von einem japanischen Kreuzer 300 japanische Seesoldaten gelandet worden. Am Sonntagabend veranstalteten 2000 Japaner in dem chinesischen Stadtteil eine Kundgebung und vernichteten japanseindliche Plakate. Es kam zu Zusammenstößen mit Chinesen. Die Japaner brachen, wie„Daily Telegraph“ meldet, in Läden ein und zerschlugen Fenster, auf denen japanfeindliche Plakate aufgeklebt waren. Wie der Korrespondent des„Daily Telegraph“ in Tokio meldet, wird der vormalige Kriegsminister General Oshima nach der Mandschurei gehen, um als inoffizieller Vermittler zwischen den japanischen Militär= und Zivilbehörden zu dienen. Der General hatte gestern eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten und dem Außenminister. Nach einer russischen Meldung aus Charbin sind in der Mandschurei kleinere Aufstände unter der Führung der kommunistischen Organisation, Großes Messer“ ausgebrochen. Die Regierung in Kirin hat vom japanischen Oberkommando die Erlaubnis zur Bildung von Truppenteilen zum Kampf gegen den Kommunismus erhalten. Stimson und Briand für schnelle Beilegung. Der amerikanische Staatssekretär Stimson hat dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Note zum japanisch=chinesischen Streitjall übermitteln lassen. Stimson betont, daß die Zusammenarbeit zwischen dem Völkerbund und Amerika auch weiterhin von den Grundsätzen geleitet sein müßten, die bereits für die bisherige Behandlung des Streitfalles durch den Völkerbund maßgebend gewesen seien. Die amerikanische Regierung werde bei beiden Parteien deutlich zum Ausdruck bringen. daß sie keineswegs die Verpflichtungen aus dem Auge lassen werde, die Japan und China nach dem Kelloggpakt und dem Neun=Mächte=Pakt von 1922 eingegangen seien. Außenminister Briand, der am Montagabend in Genf eintraf, erklärte einem Pressevertreter, daß es notwendig sei, den bedrohlichen Streitfall schnell u beenden, da eine weitere Verschleppung ernste folgen haben könnte. Diepreußische Aufrückungssperre beseitigt Aufhebung der Bestimmung der preußischen Notverordnung vom 12. September über das Aufrücken in eine höhere Gehaltsgruppe. Berlin, 12. Okt. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: In den Besoldungsordnungen des Reiches und der Länder fand sich bisher die Bestimmung, daß die planmäßigen Beamten und Lehrpersonen, soweit sie aufsteigende Gehälter oder Gehälter mit Mindestgrundgehaltssätzen beziehen, bis zur Erreichung des Endgehaltes ihrer Gruppe stets nach Ablauf von zwei Jahren in eine höhere Stufe ihrer Gehaltsgruppe aufrückten. Die preußische Notverordnung vom 12. Septemberg 1931 hat diesen Zustand im Rahmen der sonstigen„Maßnahmen zur Sicherung des Haushaltes“ dahin abgeändert, daß diese Zwei jahresspanne einmalig auf vier Jahre verlängert wurde, daß also praktisch ein Aufrücken der Beamten um zwei Jahre hinausgeschoben wurde. Diese Maßnahme wurde in der begründeten Annahme vorgenommen, daß die Reichsregierung in ihrer Notverordnung eine für die Reichsbeamten gültige Bestimmung gleichen Inhaltes treffen würde. Da die inzwischen veröffentlichte dritte Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten diese Bestimmung nicht enthielt, glaubt die preußische Staatsregierung diese Regelung nicht aufrecht erhalten zu können. Das preußische Staatsministerium hat deshalb in seiner Sitzung vom 12. Oktober die Aufhebung jener Bestimmung beschlossen und somit die preußischen Beamten in Bezug auf die Aufrückungsverhältnisse innerhalb der Gehaltsgruppen den Reichsbeamten gleichgestellt. höpler-Aschoff kritt zurück. Berlin, 12. Okt. Wie die Tel.=Union erfährt, hat der preußische Finanzminister Höpterf in einem Schreiben an den Innenminister Severing, der zurzeit den erkrankten preußischen Ministerpräsidenten vertritt, am späten Abeno des Montag seinen Rücktritt nach gesucht. Der Rücktrittsbeschluß des preußischen Finanz= ministers dürfte auf den Beschluß der preußischen Regierung zurückgehen, die Aufrückungssperre für die Beamten wieder aufzuheben, wobei der Finanzminister keinen finanziellen Gegenwert sieht, ferner aber auch darauf, oaß am Montag der Minister im Landtagsausschuß überstimmt worden ist Der Ausschuß hatte beschlossen, daß der preußische Staat den Sparkassen und Giroverbänden weitere Summen im Zusammenhang mit der durch die Reichsnotverordnung für diese geschaffene Lage zur Verfügung stellen solle, und diesem Beschluß war das preußische Kabinet als solches beigetreten. Der Finanzminister hai allem Anschein nach geglaubt, die Verantwortung hierfür nicht tragen zu können. Teibute sollen nicht mehr gezahlt werden. Ausschußbeschluß im Preußischen Landtag. Berlin, 12. Okt. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages nahm am Montag bei Stimmenthaltung der Regierungsparteien mit den Stimmen der Rechten einen Antrag der Deutschen Fraktion an, der das Statsministerium ersucht, auf die Reichsregierung einzuwirken, die sofortige Revision des Youngplanes zu verlangen bezw. die Einstellung jeder weiteren künftigen Tributzahlung zu veranlassen. Der Ausschuß beschloß ferner, die Regierung zu ersuchen, der durch die Wohlfahrtserwerbslosenlasten weiter steigenden Notlage vieler Gemeinden die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Regierungsvertreter hatte erklärt, daß über die Reichshilfe hinaus keine Mittel zur Verfügung gestellt werden könnten, man hoffe jedoch, mit den Reichsmiteln auszukommen. werktätigen Volkes schuldig gemacht haben, sind sofort zu verhaften.“ Dieser Antrag der Reichstagsfraktion wurde, wie dazu mitgeteilt wird, durch die Rede veranlaßt, die Reichsbankpräsident a. D. Dr. Schachi auf der Harzburger Tagung der Rechtsopposition gehalten hat. Heute nur Kanzler=Rede. Berlin, 12. Okt. Der Aeltestenrat des Reichstages hielt am Montagnachmittag unter starker Beteiligung aller Parteien, auch der Deutschnationalen und Nationalsozialisten, eine Sitzung ab, in der der Plan für die nächsten Reichstagssitzungen festgesetzt wurde. Es wurde beschlossen, am Dienstag nach der Rede des Reichskanzlers den Reichstag zu vertagen. Sämtliche auf dem Gebiete der Innen= und Außenpolitik gestellten Anträge werden mit der Aussprache verbunden. Ein Antrag der Reichsrundfunkgesellschaft, die Rede des Reichskanzlers durch Rundfunk zu übertragen, wurde abgelehnt, nachdem sich die Vertreter der Deutschnationalen und der Kommunisten dagegen erklärt hatten. Erhöhte Polizeibereitschaft in Berlin. Berlin, 12. Oktober. In Anbetracht des Wiederzusammentritts des Reichstages wird sich die Polizei am Dienstag wieder in erhöhter Bereitschaft befinden. Das Regierungsviertel wird ganz besonders gesichert sein, ebenso die Zufahrtsstraßen zum Reichstags= und Landtagsgebäude, außerdem werden starke Polizeikräfte unterwegs sein, um eventuelle Störungsversuche bereits im Entstehen ersticken zu können. von Eynern legt sein Mandat nieder. Berlin, 12. Oktober. Am Sonntag hat der Direktor beim Preußischen Landtag vom Abgeordneten von Eynern ein Schreiben erhalten, in dem dieser die Niederlegung seines Mandats als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei mitteilt. Ueber die Frage seiner Nachfolgerschaft im Amt des dritten Vizepräsidenten des Preußischen Landtages wird eine Entscheidung voraussichtlich erst in der für Dienstag vorgesehenen Sitzung der Landtagsfroktion der Deutschen Volkspartei fallen. Sonderbares Versteck für ein Millionen=Vermögen. Neuyork, 12. Oktober. Auf Veranlassung ihres Neffen wurde bei einer 93jährigen Greisin namens Ida Wood, die seit Jahren in einem Hotelzimmer in größter Zurückgezogenheit lebte, ein Betrag von etwa 4 Millionen Mark in Banknoten gefunden, die größtenteils etwa 50 Jahre alt sein mußten. In einem Gürtel, den die Alte täglich trug, fand man einen Betrag von 40 000 Mark. Außerdem entdeckte man eine Summe von mindestens 1,6 Millionen bis zwei Millionen Mark in Packpapier eingewickelt. Der gefundene Schatz wurde jetzt bei einer Bank hinterlegt. 17 Todesopfer des Edinger Explosions-Unglücks. Gdingen, 11. Oktober. Die Explosionskatastrophe in Gdingen hat, wie jetzt festzustehen scheint, insgesamt 17 Todesopfer gefordert. Vier Leichen liegen noch unter dem Trümmerhaufen; man hofft, sie bis Montag früh zu bergen. Die Beisetzung von 11 Todesopfern erfolgt Montagvormittag 9 Uhr. Um 11 Uhr ist ein Lokaltermin an der Unglücksstelle anberaumt worden. der Reichsbank verlängert Berlin, 12. Okt. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Der Verwaltungsrat der B5Z. hat beschlossen, den von der BJZ. un die Reichsbank gewährten und am 4. November fälligen Kredit in Höhe von 25 Millionen Dollar auf drei Monate, d. h. bis 4. Februar 1932, zu verlängern. Die Leitung der BJZ. wird nunmehr mit den am Reichsbankkredit beteiligten Zentralnotenbanken, der Bank von Frankreich, der Bank von England und der Federal Reserve Bank von Neuyork in Verbindung treten, damit diese Banken eine Verlängerung ihrer in gleicher Höhe übernommenen Anteile für den gleichen Zeitraum vornehmen. Goldwährung in Finnland aufgehoben. Helsingfors, 12. Ott. Die finnische Goldwährung ist bis auf weiteres aufgehoben und der Diskontsatz auf 9 Prozent erhöht worden. Livingston, 12. Oktober. In Nord= und Südrhodesia ist beschlossen worden, die Goldwährung aufzuheben. Braunschweiger Bankhaus stellt die Jahlungen ein. Braunschweig, 12. Oktober. Das altangesehene Bankhaus N. S. Nathalion Nachf. hat sich gezwungen gesehen, seine Zahlungen einzustellen. Uruguay erklärt ein Moratorium. Montevideo, 11. Oktober. Die uruguayische Deputiertenkammer hat der vom Senat bereits angenommenen Gesetzesvorlage zugestimmt, durch die ein obligatorisches Moratorium für kommerzielle Verpflichtungen in ausländisser Währung erklärt wird. Das Moratorium wird bis zum 31. Dezember in Kraft bleiben; von da ab sind die Schulden in monatlichen Raten von je 20 Prozent bis zum 31. Mai 1932 zu tilgen. Devisenkonferenz von der B35. beschlossen Basel, 12. Okt. Der Verwaltungsrat der B33. hat am Montagnachmittag seine Beratungen abgeschlossen. Einen breiten Raum nahm in den Verhandlungen die Besprechung der allgemeinen Währungslage ein, wobei auch auf die ungünstigen Auswirkungen der Devisennotverordnung hingewiesen wurde. Um zu vermeiden, daß durch weitere Deviseneinschränkungen der gesamte Devisenhandel allmählich erdrosselt wird und gleichzeitig Handel und Wandel lahmgelegt werden, wurde die Direktion der BJZ. vom Verwaltungsrat ermächtigt, die Vertreter derjenigen Lentralbanken, die solche Verordnungen erlassen haben, demnächst zu einer Konferenz nach Basel einzuberufen. Es sollen Wege gesucht werden, um die veschiedenen Devisenbestimmungen einander anzugleichen. Ferner sollen Mittel gefunden werden, um die schweren Nachteile der Devisenverordnungen auszuschalten. Die BJZ. soll zur Vorbereitung dieser Konferenz eine Rundfrage bei den Zentralbanken der betreffenden Länder— unter anderem Deutschland, Oesterreich, Ungarn, die Tschechoslowakei— über die getroffenen Maßnahmen und gewisse Vorschläge zur Erleichterung veranstalten. Die Frage der Beibehaltung der Goldwährung wurde gleichfalls eingehend erörtert. Die Mehrheit des Verwaltungsrates hielt das Festhaltenander reinen Goldwährung im Hinblick auf die ungesunden Goldaufspeicherungen namentlich in Frankreich, der Schweiz und Holland für unzweckmäßig, da sie zur Schmälerung der Kreditbasis führe und sprach sich für die Beibehaltung der Gold=Devisen=Währung aus, wie sie ja auch in Deutschland gehandhabt wird. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat Basel bereits verlassen. Dietrich gegen Schacht. Berlin, 12 Okt. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich beschäftigte sich Montag mittag vor Vertretern der Presse mit den Ausführungen, die der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht auf der Harzburger Tagung über die Wirtschaftslage Deutschlands gemacht hat. Der Minister wandte sich in scharfen Worten gegen die Aeußerungen Dr. Schachts, die geeignet seien, das deutsche Ansehen in der Welt auf das schwerste zu gefährden. Es bleibe jedem überlassen, an den Maßnahmen einer Regierung Kritik zu üben und einer Regierung Schaden zuzufügen. Man dürfe aber niemals so weit gehen, die Interessen des ganzen deutschen Volkes zu schädigen Finanzminister Dr. Dietrich bezeichnete die Behauptung, die Reichsbank sei den öffentlichen Finanzinstituten zu Hilfe gekommen, als absolut unrichtig. Die Reichsbank habe niemals durch Hergabe von Barmitteln oder durch Diskontierung von Schatzwechseln die öffentliche Hand unterstützt. Es sei völlig unwahr, wenn behauptet werde, die Reichsbank habe die Illiquidität der öffentlichen Hand verschleiert. Was die Akzeptbank betrifft, so sei es kein Geheimnis, daß sie die Aufgabe hatte, die Illiquidität der Banken und Sparkassen zu beseitigen und gewisse Summen, die insbesondere bei der Darmstädter und Nationalbank und bei der Dresdner Bank festgefroren waren, wieder flüssig zu machen. Ebenso unzutreffend seien die Behauptungen, die Reichsregierung sei nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Diese Behauptungen würden am besten durch die Tatsache widerlegt, daß die Reichsregierung von den 420 Millionen schwebenden Schulden des laufenden Jahres während der letzten sechs Monate bis zum 1. Oktober 287 Millionen zurückgezahlt hat. Wenn auch gewisse finanzielle Schwierigkeiten durch die Notlage der Gemeinden entstanden seien, so dürfe man auch dabei nicht vergessen, daß von den insgesamt 55 000 Gemeinden nur etwa 2000 bis 3000 in Schwierigkeiten seien. Man spreche immer von diesen notleidenden Gemeinden und bedenke aber nicht, daß 52.000 bis 53000 gcordnete Finanzen hätten Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging der Minister auf die Aeußerungen ein, die Dr. Schacht bezüglich der ausländischen Verschuldung Deutschlands gemacht hat. Der Minister erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß Dr. Schacht bis vor 1½ Jahren selbst Reichsbankpräsident gewesen sei und daher ja eigentlich selbst Gelegenheit genug gehabt hätte, Klarheit über die Höhe der Auslandsverschuldung zu schaffen. Leider habe jetzt festgestellt werden müssen, daß unsere ausländische Verschuldung tatsächlich höher sei, als man bisher angenommen habe. Die Statistiken darüber seien noch nicht abgeschlossen. Die Reichsbank habe aber nur die Möglichkeit, die über die Banken laufenden ausländischen Forderungen nachzuprüfen. Direkte Auslandsverschuldung entzöge sich ihrer Kontrolle. Zum Schluß wandte sich der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich gegen die Art und Weise, wie die politischen Probleme in Deutschland behandelt würden. Er bezeichnete es als das Unglück des deutschen Volkes, daß es auch in Notzeiten nicht in der Lage sei, über die engen Parteigrenzen hinauszusehen. Die ganze Gefahr für das deutsche Volk liege lediglich in seiner Nervosität. Sowohl die Ernte wie auch der Viehbestand und der Bestand an Kohlen und Zucker reichten völlig aus, um die gesamte Bevölkerung durch den Winter zu bringen und bis zur nächsten Ernte vor Hunger zu schützen Erklärung der Reichsbank. Die Reichsbank teilt hierzu mit, daß die in der Rede des früheren Reichsbankpräsidenten Schacht erwähn ten Dinge, soweit sie den Tatsachen entsprächen, der Oeffentlichkeit niemals vorenthalten worden seien. Die Inanspruchnahme eines Rediskontkredites zur Auffüllung des Gold= und Devisenbestandes entspreche der internationalen Uebung gegenseitiger Unterstützung seitens der Notenbanken. Die Reichsbank weist weiter darauf hin daß der Oeffentlichkeit ebenfalls bekannt sei, daß ein Teil der Wechsel der Reichsbank=Portefeuilles, Finanz= wechsel und Nichtwarenwechsel sei. Diese Finanz= wechsel würden sich automatisch vermindern, sobald die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nach Ueberwindung der augenblicklichen Wirtschaftskrise sich wieder erhöht habe Reichsbankpräsident a. D Schacht äußerte sich der Tel.=Union gegenüber, daß diese Auslassungen der Reichsbank im Grunde ja nur das Gleiche sagten, was er in Harzburg ausgeführt habe. Die Aufregung, die seine Rede vielfach hervorgerufen habe, sei ihm völlig unverständlich. Der Calmeite-Prozeß in Lübeck. 14 Verteidiger, 40 drei Wochen. Lübeck, 12. Oktober. Der sogen. Calmette=Prozeß gegen die Lübecker Aerzte hat am Montagvormittag begonnen. Damit hat eine Gerichtsverhandlung ihren Anfang genommen, die 2—3 Wochen dauern wird. Schon einige Zahlen illustrieren die Bedeutung dieser Gerichtssitzung, die einen so tragischen Hintergrund hat: den Tod von 76 Kindern. Im Laufe der nächsten Wochen kommen in Lübeck 16 hervorragende Vertreter der deutschen medizinischen Wissenschaft zu Worte. Ueber 40 sollen gehört werden. Nicht weniger als 14 Rechtsanwälte sind als Verteidiger bezw. als Rechtsvertreter der als Nebenkläger zugelassenen Eltern im Gerichtssaal anwesend. Der Gerichtshof setzt sich auf Grund ver neuen Notverordnung, da die Verhandlung nicht vor dem Schöffengericht, sondern vor der Strafkammer stattfindet, aus drei beamteten Richtern und zwei Laienrichtern unter' dem Vorsitz von Amtsgerichtsrat Wibel zusammen. Schon dieser Umfang des Prozesses, vor allem die Notwendigkeit, für die als Nebenkläger im Verhandlungsdauer zwei bis Gerichtsaal erscheinenden Eltern Platz zu schaffen, machte es erforderlich, die Verhandlung aus dem Gerichtshause in die Haupt=Turnhalle zu verlegen. In würdiger Form hat man den großen Turnsaal zum Gerichtssaal umgestaltet. Ein großer grüner Tuchvorhang verkleidet einen Teil der Halle, in der sich Kletterstangen, Recks usw. befinden. Auf einem erhöhten Aufbau findet der Gerichtshof(Richter und Staatsanwälte) Platz. Vor den Richtern befindet sich ein großer, grünbezogener Tisch. Auf der rechten Seite sitzen in der ersten Reihe an drei Tischen die Angeklagten Prof. Dr. Klotz, Laboratoriumsschwester Anna Schütze und Obermedizinalrat Dr. Altstedt mit ihren Verteidigern, während hinter ihnen Dr. Deycke mit seinen drei Verteidigern Platz gefunden hat. Im Hintergrund auf dieser Seite sind Tische für das Gesundheitsamt und die Behördenvertreter reserviert. Den Angeklagten gegenüber auf oer linken Seite sitzen nebeneinander die sechs Vertreter der als Nebenkläger zugelassenen Eltern, darunter auch Rechtsanwalt Dr. Frev und noch drei weitere auswärtige Rechtsanwälte. Die Sachverstän digen sind gegenüber den Richtern plaziert. Die Vertreter der Presse sind zu beiden Seiten des Saales untergebracht. Es haben sich ungefähr 50 Journalisten angemeldet, darunter Vertreter mehrerer ausländischen Zeitungen und zweier amerikanischer Agenturen. Die Galerie ist zum Teil reserviert für Vertreter von Universitäten und Krankenkassen sowie für Zuhörer. Gegen 9.45 Uhr erscheint der Gerichtshof. Amtsgerichtsrat Wibel eröffnet die Verhandlung und beßinnt mit dem Aufruf der Angeklagten, Verteidiger, der als Nebenkläger zugelassenen Eltern, Zeugen und Sachverständigen. Von den geladenen Sachverständigen sind u. a. bereits anwesend Dr. Bruno Lange, Dr. Ludwig Lange, Dr. Colle, Dr. Haas, Dr. Uhlenhuth, Dr. Much, Dr. Schürmann. Rechtsanwalt Dr. Wittern=Lübeck. der als Rechtsbeistand der Eltern sungiert, unternimmt einen überraschenden Vorstoß gegen die Zuständigkeit des Gerichts. Er stellt den Antrag, das Gericht möge prüfen, ob es so, wie es hier erschienen ist, der gesetzliche Richter ist, dem sich die Angeklagten nicht entziehen dürfen. In einer langen Rechtsbegründung führt er u. a. aus, durch die Notverordnung sei eine einzige Tatsachen=Instanz geschaffen, durch die eine Berufung unmöglich geworden sei. Die Prozeßparteien hätten auf Grund der neuen Notverordnung nicht den Einfluß, der ihnen gesetzlich zustehe. Der Redner erörtert dann die Möglichkeit, daß durch einen Reichstagsbeschluß morgen oder übermorgen die Notverordnung wieder aufgehoben werde, und fragt, was dann geschehen solle. Es sei hier mit leichtfertiger Hand in geordnete Dinge eingegriffen worden. Er kommt zu dem Schluß, daß die Rechtsgrundlage für die jetzige Zusammensetzung des Gerichts fehle. Er gibt dem Gericht anheim, zu beschließen, ob es zuständig oder nicht zuständig sei. Der Antrag Dr. Witterns ruft eine ordentlich lebhafte Debatte hervor. Dr. Wittern richtet einen Appell an den Reichstag, schon mit Rücksicht auf diesen Prozeß die Notverordnung aufzuheben, die e##ien schweren Eingriff in die Rechtspflege darstelle. Der Antrag Witterns findet lebhafte Unterstützung durch Rechtsanwalt Frey=Berlin, der betont, daß die Notverordnung, soweit sie die Rechtspflege betrifft, als rechtsungültig anzusehen sei, da man niemals das Grundrecht der Verfassung außer Kraft setzen könne, das bestimmt, daß niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden könne. Dr. Frey betont, daß Ausnahmegerichte unstatthaft seien. Oberstaatsanwalt Dr. Lienau widerspricht unter Hinweis darauf, das Gericht hätte lediglich zu prüfen, ob die Notverordnung richtig verkündet worden ist. Keinesfalls könne man hier von einem Ausnahmegericht sprechen. Rechtsanwalt Dr. Alsberg=Berlin gibt dann im Namen sämtlicher Verteidiger der Angeklagten die Erklärung ab, daß Einwendungen nur erhoben werden könnten, wenn verfassungsmäßige Rechte der Angeklagten verletzt seien. Nach Ansicht der Verteidigung sei das nicht der Fall. Dr. Alsberg bezeichnet es als völlig abwegig, von einem Ausnahmegericht zu sprechen. Das Vertrauen, daß auch dieses Gericht ein gerechtes Urteil sprechen werde, könne man ohne weiteres haben. Nachdem noch Rechtsanwalt Dr. Wittern kurz repliziert hat, nimmt Dr. Frey=Berlin Gelegenheit, sich scharf gegen Dr. Alsberg zu wenden. Aus einem Satz Dr. Alsbergs glaube er herausgehört zu haben, daß die Verteidigung der Ansicht sei, die Wissenschaft werde aus diesem Prozeß große Lehren ziehen. Er betont, daß es den Rechtsvertxetern der Eltern vor allem auf ein gerechtes Urteil ankomme. Es sei nicht der Zweck des Prozesses, wissenschaftliche Lehren zu erbringen. Sofort erwidert Dr. Alsberg, er müsse sich dagegen verwahren, wenn man ihm unterstelle, er hätte sagen wollen, dieser Prozeß würde nicht um die Frage der Schuld oder Unschuld der Angeklagten, sondern um der Wissenschaft halber geführt. Darauf zieht sich das Gericht zur Beratung über den Antrag Dr. Wittern zurück. Die Beratung des Gerichtshofes dauert nahezu zwei Stunden. Der Vorsitzende verkündet dann folgenden Beschluß: „Der Antrag, das Gericht für unzuständig zu erklären und die heutige Hauptverhandlung zu vertagen, wird abgelehnt.“— Das Gericht ist der Ueberzeugung, daß die Notverordnung, da sie vom Reichspräsidenten und dem Reichskanzler unterzeichnet und in der gesetzlich vorgesehenen Weise verkündet wurde, rechtmäßig sei. Auch ein Verstoß der Notverordnung gegen Art. 105 der Reichsversassung liege nicht vor. Man könne ebenfalls nicht von einem Ausnahmegericht sprechen. In seiner heutigen Zusammensetzung sei das Gericht zuständig. Darauf wird in die eigentliche Verhandlung eingetreten und der Eröffnungsbeschluß verlesen. Die Anklage lautet bekanntsich auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung, bei Anwendung und Durchführung der Calmette=Fütterung. Die Verlesung der Liste der gestorbenen Kinder wird im Saal mit tiefem Schweigen entgegengenommen. Als erster Angeklagter wird sodann Obermedizinalrat Dr. Altstedt vernommen. Die Vernehmung zieht sich bis zum Schluß der Sitzung hin, ohne daß man auf die Lübecker Ereignisse selbst zu sprechen kommt. Dr. Altstedt äußert sich über das Calmette=Verfahren und erörtert auf Vorhalten des Vorsitzenden die Anlegung der verschiedenen Kulturen. Er erklärt, daß das Reichsgesundheitsamt vor vier Jahren noch von einer Einführung der CalmetteFütterung abgeraten habe. Die hygienische Sektion des Völkerbundes, die im Oktober 1928 in Genf tagte, sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß die B. C. G. unschädlich sei und daß keine Gefahr bestehe, daß der Bazillus virulente Tuberkulose erzeugen könne. Der deutsche Vertreter in Genf, Dr. Schlottmann, habe nach der Tagung einen Bericht veröffentlicht, in dem er auch zu dem Ergebni kommt, daß man den Calmette=Bazillus als unschädlich bezeichnen könne. Dr. Altstedt erwähnt auch ein Rundschreiben Loucheurs vom Jahre 1929 an alle Präfekten Frankreichs, in dem er sich für die Einführung des Calmette=Verfahrens im weitesten Untfange einsetzt. Dann wird die Verhandlung abgebrochen und auf Dienstag vormittag vertagt. Geständnis des Eisenbahn-Attentäters. Wien, 12. Okt. Der verhaftete Matuschka, der unter dem Verdacht steht, den Eisenbahnanschlag von Bia Torbagy ausgeführt zu haben, wurde Montag vormittag erneut verhört. Er verharrt auf dem Standpunkt, an dem Attentat unbeteiligt zu sein. Die Oberstadthauptmannschaft Budapest dementierte telephonisch die Gerüchte, daß Matuschka der Budapester Polizei als Kommunist bekannt sei oder einen Bruder habe, der Kommunist sei. Am Montag meldete sich der Chauffeur, der Matuschka am 30. 7. zur Munitionsfabrik Wöllersdorf sowie nach Bluman gefahren hatte. Matuschka hatte damals dem Chauffeur mitgeteilt, daß er Materialien zur Sprengung eines Eisenbetonrauchfanges sowie für einen Steinbruch in Ungarn benötige. Der Chauffeur erkannte, als er Matuschka' gegenüber gestellt wurde, in ihm seinen damaligen Fahrgast wieder. Den Verdacht gegen den Kaufmann Sylvester Matuschka, am Eisenbahnattentat in Jüterbog beteiligt zu sein, hat der Budapester Detektiv= inspektor Hein während seines Aufenthaltes in Berlin ausgesprochen. Die Berliner Polizei hatte daraufhin in Berlin Ermittlungen darüber angestellt, ob und wo Matuschka in Berlin bekannt sein könnte. Diese Ermittlungen waren zunächst ergebnislos, da sie einerseits sehr vorsichtig geführt werden mußten, andererseits ein Lichtbild des Verdächtigten noch nicht zur Stelle war. Ferner mußte darauf geachtei werden, daß die österreichischen Behörden in ihren Untersuchungen nicht gestört werden. Da das Bild Matuschkas in einer Reihe von Zeitungen veröffentlicht worden ist, kann man damit rechnen, daß brauchbare Fingerzeige eingehen. Nur die Tatsache, daß er in Wien am 30. Juli 10 Kilo, Ekrasit, 100 Sprengkapseln und 100 Glühzünder kaufte, läßt ihn verdächtig erscheinen. Besonders trug dazu auch der Umstand bei, daß beim Attentat von Jüterbog Explosivwirkungen festgestellt wurden, wie sie sich bei der Verwendung von Ekrasit beobachten lassen. Matuschka gibt zu, mehrfach in Berlin gewesen zu sein, für die Tatsache, daß er während der Zeit vom 5. bis 11. August aus seiner Wohnung in der Hofgasse in Wien verschwunden war, hat er immer noch keine Erklärung beigebracht. Die Vernehmung der Zeuginnen, in deren Geschäft in der Zeit vom 6. bis zum 8. August ds. Is. der„Materialienkäufer“ die für das Attentat bei Jüterbog verwendeten Eisenröhren und den Klingeldraht kaufte, ist fortgesetzt worden. Mit voller Sicherheit haben die Zeuginnen ihn nach den Bildern als den Käufer nicht erkennen können. Das Geständnis Matuschkes. Wien, 12. Okt. Wie von einer der Polizei nahestehenden Seite verlautet, hat der Kaufmann Matuschka Montag abend nach stundenlangem Verhör ein in die phantastischsten Erzählungen gehulltes Geständnis abgelegt, bei den Eisenbahnanschlägen von Jüterbog und Bia Torbagy Beihilfe geleistet zu haben. Doch wird die Hauptrolle hierbei von Matuschka einer dritten Person zugeschrieben. * Wien, 12. Oktober. Sylvester Matuschka gab an, daß er für einen ihm nicht bekannten Mann auf dessen Aufforderung das Ekrasit gekauft und auch dem Unbekannten übergeben habe. Er habe ihm auch einige Sprengkapseln verschafft, alles in Kenntnis dessen, daß das Ekrasit und die Sprengkapseln für ein Attentat verwendet werden soll. Es sollte, sagte der Unbekannte, nach den Angaben Matuschkas, einem Lastzuge gelten. Matuschka gab auch zu, zur Zeit der Attentate bei Jüterbog und bei Bia Torbagy mit dem Manne, von dem er nichts näheres wissen will, in Berlin und in Budapest gewesen zu sein. Er bestreitet aber, an dem Attentat von Jüterbog beteiligt gewesen zu sein. Auch bei dem Attentat von Bia Torbagy will er unmittelbar nicht mitgewirkt haben. Matuschka behauptet ferner, daß er in dem D=Zuge, der bei Bia Torbagy verunglückte, gefahren sei. Er erklärt, daß er in dem Waggon gewesen sei, der mit den zwei anderen nach der Katastrophe vor dem Viadukt stehen geblieben ist. Damit erklärt er sich auch, daß er nur leichte Verletzungen erlitten hat, die lediglich von Glassplittern herrührten. Schwerer Eisenbahnunfall bei Koblenz Zwei Personen schwer, mehrere leicht verletzt. Koblenz Am Montagmorgen gegen 6 Uhr ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Urmitz bei Koblenz ein schweres Eisenbahnunglück. Infolge Ausbesserung einer Weiche mußten Umleitungen vorgenommen und die Hauptstrecke streckenweise eingleisig befahren werden. Durch falsche Umleitung fuhren ein Großraumgüterzug und eine aus entgegengesetzter Richtung kommende alleinfahrende Lokomotive aufeinander. Durch den hestigen Zusammenstoß wurde die alleinfahrende Lokomotive aus dem Gleise geworfen, wodurch die beiden Hauptgleise der Strecke Koblenz=Köln versperrt wurden. Der Lokomotivführer und der Heizer der entgleisten Maschine trugen schwere Verletzungen davon und mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Das Bedienungspersonal der Güterzugmaschine kam mit leichteren Verletzungen davon. Nach etwa einstündiger Aufgleisungsarbeit konnte eines der Hauptgleise wieder freigemacht werden. Das zweite Hauptgleis war gegen 11 Uhr wieder frei. Durch den Unfall erlitten die Züge auf der vielbefahrenen Rheinstrecke empfindliche Verspätungen. Tagung der rhein.=westfäl. Dolksschullehrerinnen. Essen Die Provinzialvereine rheinischer und westfälischer Volksschullehrerinnen versammelten sich am Samstag im Essener Kruppsaal zu ihrer Jahrestagung. Sie wurde am Nachmittag eröffnet mit einer stark besuchten Mitgliederversammlung. Im Mittelpunkt der pädagogischen Fragen stand das Referat von Fräulein Pütt=Essen über „Möglichkeiten und Grenzen des Gesamtunterrichts der Oberstufe". Im Anschluß an die Berichte von Fraulein Uffelmann=Dortmund beschäftigte sich die Versammlung mit Junglehrerinnenfragen. Im Mittelpunkt der stark besuchten Haupiversammlung stand der Vortrag von Frl MosolfHannover über„Die Bildungsarbeit auf der Oberstuf der Volksschule". Die Rednerin führte u. a. aus: Die Sparmaßnahmen, von denen natürlich auch die Schule nicht verschont werden könne, dürften nicht den Lebensnerv der Volksbildung und damit die Zukunft der Nation treffen. Die Oberstufe, besser Hauptschule genannt, sei vielerorts durch die übersteigerten„Berechtigungs“=Auforderungen und die dadurch hervorgerufene Abwanderung in mittlere und höhere Schulen ein Torso geblieben. Trotz der inzwischen hereingebrochenen No: für Schule und Lehrerstand müsse und werde die Lehrerschaft mit ganzer Kraft die Gefahr für unsere Jugend bekämpfen und die Folgen abzuwenden versuchen, denn in der allgemeinen Unsicherheit, Radikalisierung und Erschütterung ittlicher Werte sei Erziehung, wahre Menschenbildung nötiger denn je. Der Unterschied von„höherer“ und„niederer“ Bildung müsse der Wertschätzung weichen, auf die jede Bildung, die diesen Namen verdient, Anspruch habe. Die Kinder vom 10. bis 14. Lebensjahre müßten für das Leben erzogen werden. Für viele Kinder höre mit dem 14. Lebensjahr die Bildung auf, und die Gefahr, der Phrase, dem Schlagwort und der urteilslosen Verhetzung anheimzufallen, sei groß, wenn nicht die Schule ein festes Fundament errichtet hat. Ueber allem lebendigen Schaffen stehe die oberste Erziehungsmacht: die Ehrfurcht. Die Erziehung zur Lebenstüchtigkeit müsse ebenso sehr für das künftige Berufslehen bilden, wie es den jungen Menschen seines Wertes auch bei Arbeitslosigseit bewußt machen solle. Die Versammlung, die der Rednerin Beifall spendete, nahm dann rei hen zur Notverordnung vom 12. September 1931 eine Entschließung u. in der es u. a. heißt: Die am 10. und 11. Oktober in Essen versamnelten rheinischen und westfälischen Volksschulehrerinnen können in der Notverordnung vom 12. September nur eine vorübergehende Maßnahme rblicken. Vor allem müssen sie es bitter als ungerechte Härte empfinden, wenn dem Lehrerstande und innerhalb desselben nochmals den Lehrerinnen größere Opfer zugemutet werden als den übrigen Beamtenkategorien. Die Hauptversammtung gibt sich der Hoffnung hin, daß die Staatsregierung ungerechtfertigte Härten aufheben und die Lasten auf alle tragfähigen Schultern innerhalb der Bevölkerung gerecht verteilen wird. Die in der Notverordnung geforderten Sparmaßnahmen auf dem Gebiet der Schule bedeuten eine Gefährdung unseres Volksbildungswesens. Wenn ein Volk leben will, darf nicht der Boden verwüstet werden, der die Zukunftssaat trägt. Die Sparmaßnahmen müssen ihre Grenze am Lebensrecht der Jugend des Jolkes finden. Diese Grenze aber ist überschritten, wenn Tausende berufsfreudiger Junglehrer und Junglehrerinnen aus der Schule entfernt, die älteren Lehrkräfte überlastet und Klassen zusammengelegt werden, wenn die Wochenstundenzahl verkürzt und die Schülerzahl erhöht wird. Es muß im Kampfe gegen das Berechtigungsunwesen und die„Verschulung" Illgemeine Ueberzeugung werden, daß die Volksschule— in Verbindung mit der Berufsschule— ein zwar anderartiges, aber dem der höheren Schule durchaus gleichwertiges Bildungswerk leistet. Die Bildung der Volksschule gilt dem deutsen Menschen, der erfüllt ist vom Sinn seines Daseins und bereit ist, als voll verantwortlicher Staatsbürger eine bessere Zukunft mitzugestalten. Jedem deutschen Knaben und Mädchen das Rect auf diese Bildung zu sichern, ist heute Aufgaballer. die die Dedeutung der Volksbildung für Deutschlands Zukunft erkennen. Entschließungen auf der Cagung des Reichsverbandes evangelischer Schulgemeinden. Essen Auf der Tagung des Reichsverbandes evangelischer Schulgemeinden wurden noch folgende Entschließungen einstimmig gefaßt. Erste Entschließung, angenommen in der Vertreterversammlung: Die am 10. und 11. Oktober 1931 in Essen tagende, von mehr als 500 Vertretern besuchte Vertreterversammlung des Reichsverbandes deutscher evangelischer Schulgemeinden beschäftigte sich eingehend mit den preußischen Sparmaßnahmen. Soweit durch sie die Volksschule betroffen wird, kam man zu folgender einmütiger Stellungnahme. Wir erkennen an, daß eine Notzeit wie die gegenwärtige besondere Sparmaßnahmen erfordert und daß auch die Volksschule davon nicht unberührt bleiben kann. Wir können uns aber des Eindrucks nicht erwehren, daß die Volksschule von dieser Sparmaßnahme ungebührlich stark betroffen wird. Wir müssen uns wenden: 1. gegen den wiederholten, weitreichenden Stellenabbau, 2. gegen die starke Erhöhung der Schülerzahl in den einzelnen Klassen, 3. gegen den Abbau der jungen Lehrergeneration, 4. gegen die Herabsetzung der Stundenzahl in den wichtigen Unterrichtssächern, 5. gegen die Aushöhlung und Beseitigung der verantwortlichen Schulleitung. Wir müssen unseren Einspruch und unsere Forderungen um unserer Kinder willen mit allem Nachdruck erheben, weil durch die genannten Maßnahmen die gesamte Unterrichts= und Erziehungsarbeit der Schule unerträglich beunruhigt, gehemmt und zerrissen wird. Wir müssen fordern, daß endlich einmal der Volksschule die ihr gebührende Stellung eingeräumt wird. Die zweite Entschließung hat u. a. folgenden Wortlaut: Wir fordern unsere christlichen Glaubensgenossen zum Kampfe auf gegen den Ansturm der Feinde unseres christlichen Glaubens, besonders gegen die Gottlosen= und Freidenkerverbände, mit den blanken Wassen des Geistes in Wahrheit, Gerechtigkeit und der Liebe, die wir auch den Irrenden schulden, aber auch in der unerschütterlichen Festigkeit und Gewißheit, daß unser Glaube der Sieg ist, der die Welt überwunden hat. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit! interesse gefährdeten.(!)— Nachdem der Vorsitzende die Angeklagten noch darauf aufmerksam gemacht hatte, daß sie evi. wegen versuchten Betruges und wissentlicher Gebrauchmachung von gefälschten Urkunden anstatt Urkundensälschung bestraft werden könnten, wird die Verhandlung auf Dienstag vormittag vertaal. Rechtsanwalt unterschlägt größere Geldsummen. Aachen Der hiesige Rechtsanwalt Pauli ist in Konstanz wegen größerer Unterschlagungen auf Veranlassung der hiesigen Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Rechtsanwalt Pauli hat im Laufe der letzten Zeit in der von ihm von einem Kollegen übernommenen Praxis größere Schulden gemacht und versucht, durch Unterschlagungen von Geldern, die ihm anvertraut waren, die Schulden zu decken. Die Unterschlagungen sollen den Betrag von 40000 Mark erreichen. Außerdem soll Rechtsanwali Pauli ungedeckte Wechsel in Zahlung gegeben haben. Es handelt sich bei den Geschädigten in der Hauptsache um Handwerker und Leute des Mittelstandes. Düsseldorfer SachlieferungsDüsseldorf Am 6. Verhandlungstage im Düsseldorfer Sachlieferungsprozeß bekundete u a. Direktor Wanders von der Wanders AG., Krefeld, die im Jahre 1925 ebenfalls Reparationszuckerlieferungen nach Frankreich getätigt hat, daß es den französischen Firmen weniger auf die Zuckerpreise angekommen sei, als hauptsächlich darauf, das Geschäft überhaupt zu machen, da sie auch bei höheren deutschen Preisen immer noch genügend verdienten. Die Firmen kauften nämlich von französischen Kriegsbeschädigten, die für zerstörtes Eigentum im Kriege von ihrer Regierung Warengutscheine im Werte von 100 und mehr Mark erhielten, diese Gutscheine zum Preise von 50 bis 40 v. H. auf. Es sei also diesen Firmen, die im Besitz von großen Mengen Zuckergutscheinen waren, immer noch möglich gewesen, glänzende Gewinne zu erzielen. Der Vorsitzende stellt fest, daß das Gericht sich bereits darüber schlüssig geworden sei, daß aus den Zuckerpreisen weder für noch gegen die Angeklagten etwas herzuleiten ist. Aus dem Gutachten eines Büchersachverständigen ist noch zu erwähnen, daß die 2,5 Millionen französischer Gelder, die in die Minerva geflossen sind, nicht zu persönlichen Zwecken der Angeklagten verbraucht worden seien, sondern daß sie innerhalb des Konzerns in andere Werke geflossen sind, um deren Verluste wieder wettzumachen. Interessant ist dann noch, daß in dem Begleitschreiben des Reichsfinanzministers für die übersandten Akten an das hiesige Gericht mitgeteilt wird, daß der Reichsfinanzminister einige Schreiben den Akten entnomen hat, da sie das StaatsEin neuer Aufstieg Professor Piccards. Brüssel, 10. Oktober. Wie neuerdings bekannt wird, liegt es in der Absicht Professor Piccards, einen neuen Aufstieg in die Stratosphäre zu unternehmen. Der Zeitpunkt stehe jedoch noch nicht fest, nur sei bereits festgesetzt, daß der Aufstieg des Ballons auch diesmal wiederum in Augsburg stattfinden soll. Verkehrs=Unglück in Unterfranken. Zwei Tote, 9 Verletzte. Neustadt a. d. S., 12. Okt. Auf der Straße von Mellrichstadt nach Oberstreu ereignete sich am Sonntagnachmittag ein schweres Verkehrsunglück. Zwei Kraftwagen, ein Postauto und ein Lieferauto wollten Personen zum Zeppelinbesuch in Meiningen befördern. Als das Lieferauto am Postauto vorbeifahren wollte, kamen im gleichen Augenblick aus entgegengesetzter Richtung drei Radfahrer. Das Lieferauto bog nach links ab und stürzte die 1,70 Meter hohe Böschung hinunter, wobei es sich zweimal überschlug. Zwei der Radfahrer wurden von dem Postauto erfaßt und überfahren. Einer von ihnen, angeblich ein Student aus Gotha, wurde auf der Stelle getötet, der andere starb nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Von den Insassen des Lieferautos wurden neun zum Teil schwer verletzt. Sie erlitten Schädelbrüche und innere Verletzungen. Duisburg, 12. Okt. Getreidebörse. Ostsee=Hafer 17—17,50, Pommernhafer, neuer Ernte 17,50—18, inländ. Gerste 19.50—20, ausl. Weizen 28,50—30, ausl. Roggen 22, ausl. Hafer 20,50, ausl. Gerste 19,55, Plata=Mais 20,75, Cinquantino=Mais 21,25, Weizenmehl 97% 33—33,75, dito mit Auslandsmehl 35,50—35.75, Roggenmehl, Konzern 30,25 bis 30,50, dito Ostmühlen 29—29,25, Weizenbollmehl 10,50 bis 11,50, Weizenkleie 8,50—10,50, Roggenkleie 8,50—9,50, Steffens Zuckerschnitzel 8. Tendenz: stetig. Duisburg, 12. Okt. Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 9 Ochsen, 38 Bullen., 102 Kühe, 21 Färsen, 5 Fresser, 62 Kälber, 3 Schafe, 872 Schweine. Preise für 50 Kilo Lebendgewicht in Mark: 1. Rinder: a) Ochsen—, b) Bullen —. c) Kühe: a) 33—36, b) 26—30, c) 18—22, d)—, Färsen, Fresser, Kälber und Schafe: nicht notiert, 4. Schweine: a) b) 50—52. c) 49—52, d) 46—49, e) 42—45, f)—. g) 35—42. Tendenz: Großvieh langsam, Schweine mittel, langsam geräumt. Essen, 12. Okt. Auftrieb: 85 Ochsen, 287 Bullen, 277 Kühe, 119 Färsen, 61 Fresser, 454 Kälber, 92 Schafe, 3588 Schweine, Preise für 50 Kilo Lebendgewicht in Mark: 1 Rinder: a) Ochsen: al) 36—39, a2)—, b1) 32—35, b2) bis d)—, b) Bullen: a)—. b) 28—30, c) 25—27, d) 21—24, c) Kühe: a) 32—35, b) 28—31, c) 24—27, d) 18—23, d) Färsen: a) 31—38, b) 33—35, c) 45—50, d) 35—43, 3. Schafe: a1) Weidem. 40. a2) Stallm.—. b) 30—36, c) 26 bis 28, d) 20—23, 4. Schweine: a)—, b) 48—50, c) 46—50, d) 43—46, f)—. g) 33—43. Tendenz: schlecht. Bochum, 12. Okt. Schlachtviehmarkt. Auftrieb: keine Ochsen, 19 Bullen, 72 Kühe, keine Färsen, 4 Fresser, 92 Kälber, 16 Schafe, 980 Schweine. Preise für 50 Kilo Lebendgewicht in Mark: 1. Rinder: a) Ochsen—, b) Bullen a) 26—28. b) 23—25, c)—. d)—, c) Kühe: a) 30—33, b) 26—29, c) 18—25, d)—, d) Färsen—, e). Fresser—, 2. Kälber: a)—. b) 52—55, c) 44—50, d) 35—42, 3. Schafe: —, 4. Schweine: keine Notierungen zustandegekommen.— Tendenz: Großvieh und Kälber langsam, bei ersteren Ueberstand. Schweine mittel. Dortmund, 12. Okt. Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 51 Ochsen, 222 Bullen, 509 Kühe, 90 Färsen, 22 Fresser, 424 Kälber, 98 Schafe, 3378 Schweine. Preise für 50 Kilo Lebendgewicht in Mark: 1. Rinder: a) Ochsen: a1) 35—41, a2)—, 51) 34—37, b2)—, c) 30—33, 0)—. b) Bullen: a)—. b) 28—30, c) 24—27, d) 20—23, c. Kühe: a) 33—36. b) 28—32, c) 24—27, d) 18—23, d) Färsen: a) 37—40, b) 33—36, c) 28—32, e) Fresser:—, 2. Kälber: a) —. b) 54—56, c) 50—53, d) 40—49, 3. Schafe—, 4. Schweine: a)—. b) 47—50, c) 47—49, d) 43—46. e) 40—42, )—. g) 38—45. Tendenz: Großvieh mittel, geräumt. Kälber langsam, Schafe gestrichen Schweine schlecht, kleiner Ueberstand. Köln, 12. Okt. Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 508 Ochsen, 361 Bullen, 626 Kühe, 98 Färsen, 22 Fresser, 1082 Kälber. 290 Schafe, 6720 Schweine Preise für 50 Kilo Lebendgewicht in Mark: 1. Rinder: a) Ochsen: al) 38—41, a2) 33—36, b1) 34—37, b2) 30—33, c)—, d)—, b) Bullen: a) 27—30. b) 24—26, c) 20—23, d)—, c) Kühe: a) 33 bis 36, b) 28—32, c) 23—27, d) 18—22, d) Färsen. a) 34 bis 37, b) 30—33, c) 25—29, e) Fresser 20—27, 2. Kälber: a) 62—73. b) 52—56, c) 45—50, d) 38—44, 3. Schafe: a1) Weidem. 36—40, a2) Stallm.— 5)—. c) 24—32, d) 18—23, 4. Schweine: a)—. b) 46—50, c) 45—50, d) 42—47, e) 40 bis 47, 1)—. g) 33—40. Tendenz: Großvieh, beste Tiere auch noch höher bezahlt, ruhig, Kälber ruhig, Schafe und Schweine schlecht. Berlin, 12 Okt. Produktenbörse. Märkischer Weizen 214—217, märk Roggen 184—186, märk. Braugerste 159—173, Futter= und Industriegerste 151—158, märkischer Hafer 141—149(für 1000 Klo), Reizenmehl 27,25—32, Roggenmehl 26,25—29, Weizenkleie 10,20—10,40, Roggenkleie 9.15—9,40, Viktoriaerbsen 20—27, Leinkuchen ab Hamburg 13,20—13,40, Erdnußkuchen 50% ab Hamburg 11,30, Erdnußkuchenmehl 50% ab Hamburg 11,40, Trockenschnitzel 6—6,10(Parität Berlin), extrahierter Soya=Bohnenschrot 46% ab Hamburg 11, desgl. ab Stettin 11,60 für 100 Kilo. Deutsche Bobs in Lake Placid. Hauptversammlung des Deutschen Bob-Verbandes. Auf der Hauptversammlung des Deutschen Bob=Verbandes am Wochenende in Berlin standen mehrere wichtige Punkte zur Beratung. In erster Linie beschäftigte man sich natürlich mit der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 1932 in Lake Placid. Der BobClub Garmisch hatte hierzu einen Antrag eingereicht, der nach längerer Aussprache angenommen wurde. Man hat bereits die Teilnehmer in Aussicht genommen, und zwar sollen für den Vierer=Bob Hauptmann Zahn und F. Grau als Führer und für den Zweier=Bob Kilian und Huth antreten. Gerhard Fischer ist als weiterer Teilnehmer vorgesehen. Der Ilmenauer konnte bekanntlich bei der letzten Weltmeisterschaft den zweiten Platz belegen Pferde-Sport Rennen zu Saint-Cloud. 1. Rennen: 1. Miridja 2(Rabbe), 2. nIdienne, 3. Cradle Sona. Toto: Sieg 50. Platz 22, 21, 46:10. Ferner: Fair Maid, Golden Wape, Janeton, Perle Japonaise, Hautefeuille, Hunting Box, Etoile du Manoir, Wianie, Little Girl, Lydia, Zelmira, La Monarchie, Civa, Rose de Savoie, Hauteneuve, Ninou.— 2. Rennen: 1. Mydas(Gibbs), 2. Staylace, 3. Maleriado. Toto: Sieg 33:10, Platz 17, 16, 36:10. Ferner: Gabelou, Findhorn, Cephalos, Kahena, Hon dy Ca, Cercrya.— 3. Rennen: 1. Rue Franklin(Durand), 2. Bel Ideal, 3. La Lizaine. Toto: Sieg 270, Platz 56, 17, 32:10. Ferner: Chanteau, Hold All, Strocco 4, Miltiade, Radoterie, Tralee, Belle Legende, Tchello, Flessingue, Saint Rieul, Trignan, Abracadabra.— 4. Rennen: I. Magnus Ner (Rabbe), 2. Bannexole, 3. Ris. Toto: Sieg 41, Platz 17, 21, 34:10. Ferner: Waleneia, Burlington Arcade, Termini, Viking, Christadelle, Keep Quiet, Chesnut Ronald, La Vapeur, Hotchkiß, Batna.— 5. Rennen: 1. Logarithme(Bonaventure), 2. York 4, 3. Borodino. Toto: Sieg 59, Platz 24, 36, 32:10. Ferner: Cidre, Honour Bound, Campinas, Dark Polish, Dent du Chat 2, Massinette, Parenthese, Paldebar.— 6. Rennen: 1. Sans Rancune (Gemblat), 2. Santoria. 3. Chef Noir Toto: Sieg 162, Platz 40, 41. 31:10 Fetner: Marsous, Kars, Scylla Samba, Ondulee, Madame Andre, Mirage 3, Jeare, Padele Unsere Doraussagen für Dienstag, 13. Gktbr. Grunewald: 1. Bekas— Miß Augias; 2. Herodias— Groll; 3. Palastpage— Goliath; 4. Margot — Rosenau: 5 Marie Louise— Reichsmark; 6. Geranium— Tarnschild; 7. Steinfeld— Ruhrpfeifer. Enghien: 1. Belluaire.— Mignapour; 2. Expreß Zita— Le Bayet; 3. La Caline— Tricard; 4. Emie — Jubilee 2; 5. Energic— Japon; 6. Thunderer — Abrek. Jahrgang 1931 Nummer 282 Dienstag, den 18. Oktober Mitträger der Nothilfe Eingaben des evang. Arbeitervereins. d Die am Sonntag im Saale des Gemeindehauses ebgehaltene Versammlung des evangelischen Arbeitervereins Dorsten war reich an Erledigungen. Nachdem zum„Geschäftlichen" das letzte Protokoll des Schriftführers Schmidt anerkannt war, wandte man sich vom Vorsitzenden Bingler angeregt, den hauptsächlichen Gegenwartsfragen zu. Die Gründung der Dorstener Nothilfe für diesen Winter wurde allseitig begrüßt, nur nahm die Versammlung mit Befremden davon Kenntnis, daß der evangelische Arbeiterverein nicht wie ähnliche Organisationen städtischerseits zu den ersten Beratungen hinzugezogen war. Mit nahezu 200 aktiven Mitgliedern glaubte der Verein ein Anrecht auf dergleichen Beachtung zu haben. Mit Rücksicht auf die veröffentlichte Fassung des Aufrufs der Stadt, der Organisationen und des Wohlfahrtsamtes. hielt es die Versammlung für die selbstverständliche Pflicht des evangelischen Arbeitervereins, in einem Schreiben an die Stadtverwaltung diese von der Bereitschaft zur tätigen Mithilfe in Kenntnis zu setzen und der Erwartung Ausdruck zu verleihen, daß der Verein bei den weiteren praktischen Maßnahmen der Stadt innerhalb der Notgemeinschaft mitwirkt. Ueber die etwaige Vorbereitung einer Weihnachtsveranstaltung entspann sich eine längere Aussprache, die damit endete, daß der Verein im Hinblick auf die Notzeit von einer eigenen. Feier Abstand nimmt. Für Sonntag, 25. Oktober, wurde gemeinsamer Kirchgang angesetzt. Die Mitglieder treffen sich eine Viertelstunde vor dem Hauptgottesdienst im Gemeindehause. In einer Eingabe an die Stadt soll die anderweitige Verkehrsregelung an der evangelischen Kirche während der Hauptgottesdienste erbeten werden. Man bezog sich in der Versammlung auf eine diesbezügliche Anregung des Stadtverordneten Weck vom Evangelischen Volksdienst in der letzten Stadtverordnetensitzung und bemängelte die für den Gottesdienst äußerst unangebrachten Störungen. Die Stadt soll gebeten werden, einen Beamten die fragliche Stunde über an der Kirche zu postieren und nach Möglichkeit durch diesen eine Umleitung des Fahrzeugverkehrs vom Südwall weg bewirken zu lassen. Der Theaterabteilung wurde für ihre Hingabe in der Erfüllung ernster Vereinsaufgaben Anerkennung gespendet. Diesen Sonntag über hatte sie wieder alle Hände voll zu tun für das Arrangement des im Koopschen Saale festgesetzten Theaterabends. „Hahn auf dem Dach!“ Lustiges Schauspiel im Stadtzentrum. d Den Besuchern des Wochenmarktes wurde gestern ein amüsantes Intermezzo geboten. Auf dem Dache des Max Kohleschen Hauses hatte sich ein Hahn niedergelassen und stolzierte dort vergnügt hin und her. Als man ihn scheuchte, wagte er den Flug über die Essener Straße mit dem Erfolg, daß er wohlbehalten das Dach des Isphordingschen Gebaudes erreichte und sich weiterhin im Sonnenglanz bewundern ließ. d. Städtische Büros geschlossen. Aus Anlaß der Personenstandsaufnahme findet am heutigen DiensDas Echo Protest gegen die Personalunion. I Im Zusammenhang mit dem gestern von uns mitgeteilten Entscheid der Amtsversammlung des Amtes Hervest=Dorsten zur künftigen Führung der Verwaltungsgeschäfte findet heute(Dienstag) nachmittag 4 Uhr im großen Saal der Bonifatiusschule in Holsterhausen eine Protestkundgebung statt, die auch ihrerseits die Bildung einer Personalunion mit der Stadt Dorsten ablehnen will. l. Firmung in der Rhader Kirche. Am Samstagmorgen wurde der hochw. Weihbischof Dr. Scheifes am Eingang des Dorfes feierlich von der Gemeinde abgeholt. Glockengeläute und Gesänge begleiteten den Zug zur Pfarrkirche. Nahezu 200 Firmlinge hatten in der festlist geschmückten Kirche Platz genommen. tag bei der Stadtverwaltung Dorsten kein Publikumsverkehr statt. d Geldbörse gefunden! Am schwarzen Brett gibt die Polizeiverwaltung die Abgabe einer Geldbörse bekannt. Der Verlierer kann sich auf dem Polizeibüro melden. gd. Preuß. Gewerbe= und Handelslehrerverband, Ortsgruppe Gladbeck=Dorsten. Am 9. Oktober ds. Irs. fand bei Th. Wormland eine Vollversammlung statt, in der wichtige Fragen des Berufsstandes und der Berufsorganisation zur Erörterung standen und der Vorstand durch Wahl ergänzt wurde. Es wurde Bericht erstattet über die Protestversammlung der Zweigvereine Rheinland und Westfalen am 3. Oktober in Elberfeld und dabei folgende Entschließung bekanntgegeben, die dort gefaßt worden war:„Die am 3. Oktober 1931 in Wuppertal=Elberfeld versammelte Berufsschullehrerschaft Rheinlands und Westfalens erhebt einmütig schärfsten Protest gegen die sachlich begründete, das Gerechtigkeitsgefühl verletzende und die persönlich außerorden ich verbittern Ausnahmebehandlung der Berufsschule und ihrer Lehrerschaft durch die preußische Notverordnung vom 12. September 1931. Durch die Herabsetzung der an sich geringen Wochenstundenzahl der Berufsschüler, Erhöhung der Klassenstärke. Zusammenlegung der verschiedenen Berufe, teilweise Aushebung der Berufsschulpflicht(Hausgehilsinnen; usw. wird ein Abbau der Berufsschule heraufbeschworen, der in dieser Notzeit der Erwerbslosigkeit für die berufliche Ausbildung und die staatsbürgerliche Crziehung der berufstätigen Jugend geradezu verhängnisvoll werden muß. Alle Anwärter verlieren ihre Existenz, geraten in seelische und wirtschaftli be Not und fallen der öffentlichen Wohlfahrt zur Last. Die Kürzung des Gehalts der Berufsschullehrerschaft bedeutet eine Degradierung gegenüber anderen Beamtengruppen und der Oeffentlichkeit. Unter Bezugnahme auf den Beschluß des Preußischen Staatsrates erwarten wir eine sofortige Abänderung der Notverordnung. d. Der Marineverein Dorsten fand sich im Vereinslokal zur Monatsversammlung ein. Trotz der Ungunst der Zeit beschloß man einstimmig, am 6. Dezember eine Nikolaus= und zugleich Weihnachtsfeier zu veranstalten. Für die Kinder findet eine Bescherung statt. Am Abend treffen sich die Mitglieder mit Angehörigen zur Familienfeier. d. SGVer auf Herbstwanderung. Das prächtige Herbstwetter lockte 15 SGV.er hinaus zur frohen Wanderung durch die schöne Gottesnatur. Zunächst wurde die Wanderstrecke benutzt, die sich durch Ulskotte bis nach Schloßberge hinzieht. Stimmungsvoll leuchteten Feld und Wald. In der Höhe des Parkes von Schloß Beck bog die Wanderschar ab nach Feldhausen, wo nach zweistündigem Marsch der Kaffee trefflich schmeckte. Zurück ging die Wanderung auf dem breiten Aschenwege zur Gladbecker Landstraße und dann auf Wanderstrecke 9 dem Heimatstädtchen zu. Langsam senkte sich der weiße Nebelschleier. Der Ruf des neuen, von einem lieben, langjährigen Vereinsmitglied gestifteten Vereinshorn hielt die Wandergenossen zusammen. Frisch auf— Trara! d. Das Doppelquartett Concordia Dorsten gastierte zum Auftakt der Jubiläumswoche im Cafe Maus. Der gute Ruf des Quartetts und der altbekannten Gaststätte hatten ein gefülltes Haus auf die Beine gebracht, das sich trefflich unterhalten fühlte. Die Leitung des Quartetts hatte Gütervorsteher Brück inne. d. Die Damenabteilung des Schwimmvereins Dorsten fährt heute Abend punkt 7 Uhr ab Badeanstalt zum Training nach Gladbeck. Pünktliches Erscheinen ist erforderlich. Fahrzreis 30 bzw. 15 Pfg. d. Das Lichtspielhaus Dorsten zeigt heute(Dienstag) den Lustspiel=Schlager„Das Ekel“ mit Max Adalbert zum letzten Mal. Ein folgenschwerer Sturz I Auf der Provinzialstraße zwischen Erle und Raesfeld stürzte ein Motorradfahrer, daß er besinnungslos und mit schweren Kopfverletzungen zum Dorstener Krankenhaus geschafft wurde. Der Mitfahrer kam mit dem Schrecken davon. marschiert!“ Redeverbot für KPD.=Anhänger. ! Die NSDAP. Hervest=Dorstent hate für Sonntag in den Westfalenhof zur öffentlichen Versammlung aufgerüfen. Der Vorsitzende Steiger Becker eröffnet die Tagung. Parteigenosse Hamacher(Oberhausen) hatte das Referat„Hitler marschiert“ übernommen. Der Kampf der NSDAP. gehe nicht gegen eine Religion, sondern gewisse Parteien. Die Warnungen vor der Annahme des Youngplans seien verlacht und bekämpft worden, damit das System erhalten bleibe. Was die NSDAP. schon vor Jahren gefordert habe, sei jetzt durch Notverordnungen eingeführt. Das Geld aus den Maßnahmen der Notverordnungen sei nicht für die Arbeitslosen, Kriegs= und Arbeitsopfer zur Besserung der Lage der Armen und Bedrängten verwandt, sondern für Tributlasten. Unter solchen Voraussetzungen hätte Volk und Wirtschaft zusammenbrechen müssen. Das deutsche Volk wolle sich aus eigener Krast erhalten. Die heutigen Gehälter seien in vielen Fällen nicht der Notzeit angepaßt. Die NSDAP. wende sich mit aller Schärfe gegen die Spekulationen der Banken und Grundstücksbesitzer, ebenso gegen das Parteibuchbeamtentum. Das Zentrum trage am heutigen Elend die größte Schuld, es sei mit kirchen= und religionsfeindlichen Parteien in die Regierung gegangen. Der zur Diskussion eingeladene Parteisekretär van Dillen war nicht erschienen und so griff der Referent zum Schlußwort, da die Kommunisten nicht mehr zur Diskussion zugelassen werden Beratungslokal bleibt. Werbefeldzug der Kb. und Kh. ! Der Vorstand der Kreisgruppe des Kyffhäuserverbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen nahm bei Wächter in Herv.=Dorsten vom Sachberater Otto Kendziora einen Bericht über die Kreistaauna in Recklinghausen=West entgegen. Am 8. November, nachm. 4 Uhr, wird im Saale des Westfalenhofes eine öffentliche Werbeversammlung stattfinden, in der die Kameraden Dirend(Essen) und Blume(Recklinghausen) referieren. Mit Stimmenmehrheit wurde die Verlegung des Beratungslokals Grobe abgelehnt. Eine Beschwerde aus Rhade, wonach Mitglieder aus dem Kriegerverein ausgeschlossen sind, die der Kriegsbeschädigtengruppe Holsterhausen angehören, soll dem Vorstand des Kreiskriegerverbandes der Herrlichkeit Lembeck zur weiteren Veranlassung überwiesen werden. „Viktoria und ihr Husar.“ Festsetzung der Hervester Premiere. l Am Donnerstaa. 15. Oktober, findet abends um 8.15 Uhr im Saale des Westfalenhofes in Hervest eine einmalige Aufführung der Weltschlageroperette „Viktoria und ihr Husar" durch das Gemeindetheater statt. Fast sämtliche Bühnen wählen diese Operette, und überall sind die Vorstellungen ausverkauft. Bei der ersten Aufführung im Hamborner Stadttheater war ein unbeschreiblicher Erfolg zu verzeichnen. Direktor Theodor Bachenheimer, der Leiter Die Quartalsstatistik l. Im dritten Quartal 1931 war in den 7 Gemeinden des Amtsbezirks Hervest=Dorsten folgende Bevölkerungsbewegung festzustellen: Lembeck: Einwohnerzahl am Anfang des Vierteljahrs 2687, Zugezogene 56, Fortgezogene 40. Wanderungsgewinn 16, Geburten ohne Totgeburten 19, Sterbefälle 7, Geburtenüberschuß 12, Gesamtzugang 75, Gesamtabgang 49, Gesamtzunahme 26, Einwohner= zahl am Ende des Vierteljahrs 2715. Wulfen: Einwohnerzahl am Anfang 2104, Zugezogene 30, Fortgezogene 51, Wanderungsverlust 21. Geburten ohne Totgeburten 15, Sterbefälle 3, Geburtenüberschuß 12, Gesamtzugang 45, Gesamtabgang 54, Gesamtabnahme 9, Einwohnerzahl am Ende des Vierteljahres 2095. Hervest: Einwohnerzahl am Anfang 8200, Zugezogene 204, Fortgezogene 189, Wanderungsgewinn 15, Geburten ohne Totgeburten 52, Sterbefälle 18, Geburtenüberschuß 34, Gesamtzugang 256, Gesamtabgang 207, Gesamtzunahme 49, Einwohnerzahl am Ende des Vierteljahres 8249. Altschermbeck: Einwohnerzahl am Anfang 1257, Zugezogene 26, Fortgezogene 44, Wanderungsverlust 18, Geburten ohne Totgeburten 7, Sterbefälle Der Meister am Brett. Acht siegreiche„Schächer“. l Der Schachklub Holsterhausen hatte den Schachmeister Brune aus Gladbeck zu Simultanspielen verpflichtet, bei denen zahlreiches Publikum zugegen war. Nach 4½ stündiger Spieldauer beendete der Meister die letzte Partie. Von 25 Partien gewann er 12, 5 endeten remis und 8 gingen für ihn verloren. Folgende Holsterhausener konnten den Meister bezwingen: Budde, Schäfer, Kramer, Lohöfer, Nolte, Dobmeier H., Haring und Levers. Remis erzielten: Roßbach, Zibulka, Kurtlorz, Dominick und Feller. Mit den Resultaten kann der Schachklub Holsterhausen wohl zufrieden sein. ! Der Arbeiter=Samariterbund, Kolonne HervestDorsten, veranstaltet am Dienstag, 19 Uhr, in der Wirtschaft Beckmann(früher Hütter) einen öffentlichen Werbeabend. Bezirksleiter Luft aus Essen spricht über„Die Aufgaben des Arbeiter=Samariter= bundes". der Vereinigten Operettenbühnen, inszenierte das Werk. Da auch der gesamte Chor und das städtische Orchester Hamborn vollzählig beschäftig ist, wird die Aufführung auch in Hervest außerordentlichen Erfolg erzielen. I. Die Rektoratsgemeinde St. Bonisatius Holsterhausen empfängt den Weihbischof am Mittwoch. Die hl. Messe mit Kommunion der Firmlinge findet um 6,30 Uhr statt. Um 8,15 Uhr stellt sich die Gemeinde zum Empfang des Oberhirten in der Nähe der Kirche auf. Danach hl. Messe mit anschließend Spendung der hl. Firmung, Ansprache an die Gläubigen und Katechese mit den Kindern.— Die Pfarrgemeinde St. Antonius Holsterhausen bewillkommnet am Dienstag, nachdem um 6,30 Uhr die hl. Messe mit Kommunion für die Firmlinge stattgefunden hat, den Weihbischof um 8,80 Uhr. Unter Beteiligung der Bevölkerung und kirchlichen Vereine wird der Bischof in feierlicher Prozession zur Kirche geleitet. Nachmittags findet ein Dankgottesdienst um 3 Uhr statt. 1 Die Becker Mühlenbachtalgenossenschaft hielt bei Cosanne in Lembeck eine gut besuchte Versammlung ab. Wiesentechniker Streier erstattete Bericht über die bisher ausgeführten Arbeiten und Kreismeliorationsmeister Hambloch gab bekannt, welche Arbeiten noch zu leisten seien. Besonderes Interesse hatte man für einen Vortrag des Landwirtschaftsschuldirektors Preutenborbeck über die Kultur des Grünlandes. I. Bahnhof Deuten wird vergrößert. Das Bahnhofsgebäude in Deuten erhält auf der Südostseite einen Anbau. I. Baumfrevel. Einige der jungen Akazienbäumchen der Chaussee Lembeck—Kleinreken sind von ruchlosen Händen in halber Höhe abgeschnitten worden. l. Die Handarbeits= und Nähschule des Mechtildisstiftes Wulfen veranstaltete im Saale Oberheitmann einen Theaterabend. der lohnenden Besuch aufwies. Zur Aufführung gelangte das baktige Schauspiel„Micaela, das Zigeunerkind". Die jungen Mädchen entpuppten sich als kleine Künstler und lieferten ein gefälliges Spiel. Der Reinertrag war für das Mechtildisstift bestimmt. Schermbeck, 12. Oktober. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde dem Amtssekretär H. in Schermbeck sein fast neues Fahrrad vor dem Bürgermeisteramt entwendet. Kennzeichen Marke„Görike". keine, Geburtenüberschuß 7, Gesamtzugang 88, Gesamtabgang 44, Gesamtabnahme 11, Einwohnerzahl am Ende des Viertelzahres 1246. Erle: Einwohnerzahl am Anfang 1019, Zugezogene 19, Fortgezogene 24, Wanderungsverlust 5, Geburten ohne Totgeburten 4, Sterbefälle 4, Gesamtzugang 23, Gesamtabgang 18, Gesamtzunahme 5, Einwohnerzahl am Ende des Viertelsjahres 1024. Rhade: Einwohnerzahl am Anfang 1257, Zugezogene 17, Fortgezogene 10, Wanderungsgewinn 7, Geburten ohne Totgeburken 6, Sterbefälle 3, Geburtenüberschuß 3, Gesamtzugang 23, Gesamtabgang 18, Gesamtzunahme 10, Einwohnerzahl am Ende des Viertelzahrs 1267. Holsterhausen: Einwohnerzahl am Anfang 6304, Zugezogene 197, Fortgezogene 171, Wanderungsgewinn 26, Geburten ohne Totgeburten 20, Sterbefälle 16, Geburtenüberschuß 4, Gesamtzugang 217, Gesamtabgang 187, Gesamtzunahme 30, Einwohnerzahl am Ende des Vierteljahres 6334. Amtsbezirk Hervest=Dorsten: Einwohnerzahl am Anfang des Vierteljahres 22 828. Zugezogene 549, Fortgezogene 529, Wanderungsgewinn 20, Geburten ohne Totgeburten 123, Sterbefälle 51, Geburtenüberschuß 72, Gesamtzugang 672, Gesamtabgang 570, Gesamtzunahme 102, Einwohnerzahl am Ende des Vierteljahres 22 930. In voller Fahrt. Ueberfall auf eine Kartoffelfuhre. ! In frecher Weise versuchten Hamsterer zu billigen Kartoffeln zu kommen. Sie sprangen auf der Straße Klein=Reken—Lembeck auf den mit Kartoffelsäcken beladenen Anhänger eines Bulldogg und begannen avzuladen. Da der Fahrer nichts merkte, wäre den Dieben ihr Vorhaben geglückt, wenn nicht der Besitzer mit dem Motorrad hinterhergefahren wäre. Es glückte ihnen aber noch, 25 leere Säcke und 1 Ztr. Kartoffeln mitzunehmen. Die 9. T. verlassen. Beschluß des Brichter Sportklubs. Schermbeck, 12. Oktober. Der Sportklub Bricht hielt im Vereinslokal eine gut besuchte Versammlung ab. Es wurde beschlossen, aus der Deutschen Turnerschaft auszutreten, da der Sportklub in der Hauptsache Wassersport betreibt und dabei von der D. T. zu wenig Unterstützung findet. Bevölkerungszunahme überwiegt In der Herrlichkeit durchweg mehr Geburten als Todesfälle. Ein grosser Posten Steingut 7 Porzellan7 Glas und Haushaltwaren zum Teil mit kleinen Schönheitstehlern, auf Sondertischen in der Haushaltabteilung. *„„"* zu unerhört billigen Freisen! Jahrgang 193. Dienstag, den 15. Oktober Nummer 282 Gegen das Weltrüsten Kundgebung des Kriegervereins Holsterhausen. I Der Krieger= und Landwehrverein Holsterhausen hatte Generalversammlung. Kamerad Ilaer gedachte der in den Monaten August bis Oktober im Weltkriege gefallenen Söhne der Gemeinde. Dem Reichspräsidenten und Ehrenvorsitzenden des Kyffhäuserbundes widmete er zum 84. Geburtstag herzliche Worte. In ein dreifaches Hurra stimmte die Versammlung freudig ein. Nach Verlesung der Niederschrift durch den Kameraden Muthweiß wurde vom Vorsitzenden die vielbesprochene Sterbekassenangelegenheit erörtert. Es sei gleich, ob die jetzige Sterbekasse bestehen bleibe oder aber, ob man der Provinzialsterbekasse oder der Sterbeversicherung der Kriegerwohlfahrtsgemeinschaft beitrete, mit einem Vierteljahresbeitrag von 1,50 Mark könnten alle drei nicht mehr fundiert werden. Es müsse mindestens ein Monatsbeitrag von 60 Pfg. erhoben werden, wenn nicht das Vereinsleben zusammenbrechen solle, sonst müsse das Sterbegeld auf 75 Mark ermäßigt werden. Seitens der Kriegsbeschädigtengruppe wurde der Standpunkt vertreten, man solle lieber das Geld auf der Sparkasse anlegen, dann seien die Mitglieder auch bis ins späte Alter versorgt. Vom Vorstand wurde vorgebracht, daß der Verein beim Anschluß an die Kriegerwohlfahrtsgemeinschaft en der Lage sei, genau seinen Haushaltsplan aufzustellen, auch könne, wenn die Notzeit vorüber sei, aus der Sterbeversicherung wieder ausgetreten werden. Die Debatte währte etwa 90 Minuten. Bei Stimmzettelwahl entschied sich die überwältigende Mehrheit für den Beitritt zur Sterbekasse der Kriegerwohlfahrtsgemeinschaft. Nachdem der Vorsitzende erklärt hatte, daß die Kriegsbeschädigten jetzt statt 20, 30 Pfg. pro Monat und Mitglied an den Verein abzuführen hätten, sprach Kamerad Kendziora im Namen der Kriegsbeschädigten=Ortsgruppe sei die Gruppe Herrlichkeit Lembeck als vorbildlich hingestellt worden. Für diese Mitteilung dankte Kamerad Ilger besonders. Der Monatsbeitrag wurde ab 1. Oktober auf 60 Pfg. festgesetzt. Dem Antrag der Kriegsbeschädigtengruppe um Beihilfe für die Weihnachtsfeier konnte nicht stattgegeben werden, doch versprach der Vorsitzende, auf andere Weise eine Unterstützung zu beschaffen. Kamerad Ilger nahm dann zur Abreistungskonferenz Stellung. Nach längeren Ausführungen wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Wir erheben feierlichen Protest gegen die fortgesetzten außerordentlichen Rüstungen aller Staaten, die sich im Versailler Vertrag zur Abrüstung nach Aufgahe der deutschen Rüstungen verpflichtet haben. Das Wettrüsten der großen Mächte und ihrer Gefolgschaft wird im steigenden Maße fortgesetzt. Hunderttausende von Menschen, Millionen Bewaffneter, Milliarden an Geld sind für Kriegszwecke bereitgestellt. Deutschland steht einer geschlossenen Abrüstungsunion gegenüber. Wir haben ein unumstößliches vertragliches Recht, die Abrüstung der anderen zu fordern. Dieser Forderung soll und muß von den Vertragsmächten Folge geleistet werden, wenn nicht der Versailler Vertrag sich selbst als überflüssig und nichtig erweisen soll. Wir fordern, daß die Abrüstungsverhandlungen in Genf im Februar 1932 im Sinne des Rechts und der Gleichberechtigung geführt werden. Nur dann kann der Weltfriede hergestellt und gesichert werden.“ Begeistert wurde das Deutschlandlied gesungen. Ein gemütliches Beisammensein folgte. I Im Grün= und Flaggenschmuck. Weihbischof Dr. Scheifes weilt am Sonntag in Lembeck und am Montag in Wulfen, um das Sakrament der hl. Firmung zu spenden. Beide Gemeinden hatten anläßlich des hohen Besuches prächtigen Grün= und Flaggenschmuck angelegt. höhten zehn Minuten später bis zur Pause durch Halblinks auf 2:0. Mitte der zweiten Halbzeit stell ten die Platzherren abermals durch Halblinks das Endergebnis her. Tanken im Grenzverkehr. Einschränkung der Zollfreiheit. albt. Das Landesfinanzamt Düsseldorf teilt mit: Im Interesse einer Erleichterung des Verkehrs wurde bisher beim Grenzeingang von Landkraftfahrzeugen der gesamte im Hauptbehälter eingebrachte, dem Motor unmittelbar zuführbare Teeibstoff aus Billigkeitsgründen zollfrei belassen. Diese in normalen Zeiten wünschenswerte Zollerleichterung ist in letzter Zeit in größerem Umfange mißbräuchlich dazu ausgenutzt worden, um sich mit billigerem ausländischem Treibstoff zu versorgen. Um die inländische Wirtschaft vor ernstem Schaden zu bewahren, muß deshalb die bisherige Zollpergünstigung eingeschränkt werden. Zollfrei wird vom 12. Oktober 1931 ab bis auf weiteres beim Grenzeingang von Landkraftfahrzeugen der im Hauptbehälter eingebrachte, dem Motor unmittelbar zuführbare Treibstoff nur noch bis zu einer Menge von 20 Litern belassen. Aus dem Inland ins Ausland fahrenden Kraftfahrern kann auf Antrag vom Grenzzollamt auch ein Treibölausweis ausgestellt werden, der den Fahrer berechtigt, eine gleiche Menge von Treibstoff, wie sie im Ausweis angegeben ist, zollfrei mit seinem Kraftfahrzeug einzuführen. Wer lediglich ins Ausland fährt, um Treibstoff zu tanken, hat beim Grenzeingang wie bisher den gesamten Treibstoff zu verzollen. Hinterziehungen der Abgaben für Treibstoff beim Grenzeingang werden unnachsichtlich bestraft. Gladbecker Viehpreise. g. Der am 7. Oktober abgehaltene Viehmarkt war im allgemeinen gut beschickt. Aufgetrieben waren: 851 Schweine, 1 Ziege, durch 26 Händler. Davon waren 6 hiesige und 20 auswärtige. Für Schweine wurden gezahlt: für 6 bis 8 Wochen 5 bis 8 RM., für 8 bis 10 Wochen 8 bis 11 RM., für 10 bis 12 Wochen 11 bis 14 RM., für 12 bis 15 Wochen 14 bis 18 RM., ältere Scheine bis zu 45 RM. Handel war flau, Kauflust gering. Unter falscher Flagge. Gladbeck, 12. Oktober. g Ein Händler von hier fand Gefallen an einem alter, allerdings sehr klapprigen Kraftwagen, der ihm nach seinem Dafürhalten vielleicht noch gute Dienste leisten könnte. Um nun diesen Benzinesel einmal auf Herz und Nieren prüfen zu können, wurde eine Probefahrt gemacht. Der Fahrer brachte ein nicht richtiges Kennzeichen an, um die Polizei zu täuschen. Natürlich war der Wagen auch nicht versichert und im Falle eines Unglücks wäre keine Versicherung für evtl. Schaden, den Passanten erleiden konnten, aufgekommen. Der Angeklagte gab alles zu und erreichte auf Grund seines Geständnisses eine gekinde Bestrafung. 50 Mk. oder 10 Tage Gefängnis. Die öffentliche Meinun Streichmeitwuggt 98, Blerwurst BUER Gahlen huldigt seinem Seelenhirten Einführungsgottesdienst für Pfarrer Vorgardts.— Bürgermeister Wetzlar spricht in der Saalfeier. In der neuen Heimat ah Ein selten schöner, goldener Herbsttag brachte eine unübersehbare Schar von Gemeindegliedern in das altehrwürdige Gahlener Gotteshaus, das im schönsten Festschmuck prangte.: Liebe dtreue Hände haben in den Tagen vorher Wald und Blumengärten geplündert, um der Einführungsfeier des Pfarrers Borgards den passenden Rahmen zu schaffen. Unter Glockengeläut geleitete das Presbyterium den neuen Pfarrer nebst dem Superintendenten Müller aus Marxloh, Pfarrer Gutsch(Hünxe), Paschen(Schermbeck) und anderen Gästen vom Gemeindehaus zur Kirche. Dort führte der Superintendent den neuen Pfarrer in sein Amt ein, dessen Herrlichkeit er mit schlichten, eindringlichen Worten zeichnete. Im Anschluß daran hielt Pfarrer Bor Wie gestalten wir unsere höhere Knabenschule? Nach dem Wechsel spielten die Gäste erdrückend über legen. Nur ihrer guten und schlagsicheren Hintermannschaft können die Gastgeber die knappe Niederlage verdanken. 2. Mannschaft: Preußen Gladbeck 0:3. 1. Jgd. gegen Vorwärts Brauck 3:5. BV. Holsterhausen: Sportv. Erle 19 2:8. Wieder einmal ein Beispiel von Energielosigkeit. In der ersten Hälfte waren die Gäste einwandfrei die besseren, sodaß den Erlern die Lust am Siegen vollständig genommen war. Recht vielversprecheno gingen die Grünweißen schon nach drei Minuten durch den Linksaußen in Führung und gaben dann bis zur Pause den Ton an. Erle glich in der 20. Minute aus und schoß überraschenderweise zwei Minuten vor den Halbzeit den Führungstreffer. Als kurz nach Wiederbeginn die Gastgeber den dritten gards seine Antrittspredigt, in der er von den schwe= kurz nach Wiederveginn die Gastaeber den.. ren Aufgaben, Kämpfen und Mühen seines neuen Treffer anbrachten, machte der Gästehüter keine Be—.„„—„„ mühungen mehr, auch nur einen einzigen Ball zu halten. Hinzu komnt, daß der Mittelläufer in der zweiten Hälfte absackte und der Halblinke durch Eigennützigkeit vorne alles verdarb. Beim Stande von 5:1 kam Holsterhausen zum zweiten Treffer. Reichsbahnsportverein Hervest=Dorsten: VV. Holster hausen 1b 0:3. Amtes sprach. Er vergaß nicht, zu betonen, daß er sich als der Nachfolger einer Reihe der Gemeinde in lebendiger Erinnerung stehender Amtsträger fühle. Nach dem Gottesdienst fand bei Schult auf dem Kamp die Nachfeier statt. Der große Saal vermochte kaum die Menge der Teilnehmer zu fassen. In der Begrüßungsrede übertrug Pfarrer Gutsch den Vorsitz des Presbyteriums der Gemeinde Gahlen dem neuen Pfarrer, und mit dem Gelöbnis treuer Nachbarschaft wünschte er ihm für seine Amtsführung Gottes reichen Segen. Nach einer längeren Kaffeepause wechselten Begrüßungsansprachen seitens des Superintendenten Müller, des Bürgermeistecs Wetzlar im Namen der Zivilbehörden, der Familien Richter und Bick, der Pfarrer Offerhaus(MülheimBroich), Paschen(Schermbeck) und des Kandidaten Bido mit Deklamationen, Orchester= und Chordarbietungen ab. Zusammenfassend hielt Pfarrer Vorgards, die Schlußrede. Sein Dank galt allen, die sichtbar oder unsichtbar zu dem Gelingen dieser Feier beigetragen hatten. Alter Sitte folgend schilderte er seinen Lebens= und Werdegang. Krieg, Studium und bisherige Amtstätigkeit hätten in ihm nach vielem unruhigen Wechsel den Wunsch lebendig gemacht, nun endlich seßhaft zu werden und Wurzel zu schlagen. Die Gemeinde Gahlen sei dazu der geeignete Ort. Der Verlauf der Feier habe in ihm die feste Hoffnung geweckt, daß er, der als ein Fremder zu den Gahlenern kam, bald ganz einer der Ihrigen sein würde. Mit dem gemeinsamen Lied:„Run danket alle Gott!“ schloß die für die Kirchengemeinde Gahlen denkwürdige Feier. Der neue Pfarrer wird bis Freitag, 16. Oktober, in allen pfarramtlichen Angelegenheiten bei Wilhelm Wolter, Oestricher Straße 12, und von da ab im Pastorat zu sprechen sein. Ab Sonntag, 19. Oktober, beginnt der Gottesdienst wieder um 10 Uhr. Der erste Gottesdienst auf der Hardt findet am Sonntag, 25. Oktober, nachmittags 3 Uhr, statt. Der Konfirmanden= und Katechumenenunterricht wird in der übernächsten Woche, also vom 18. bis 25. Oktober, wieder in derselben Weise und zu derselben Zeit wie vor Ostern ausgenomr: Zum Meisterschaftsspiel trafen sich obige auf dem Platz des BV. Holsterhausen. Die Reichs bahner. die mit riesigem Eifer bei der Sache waren, hätten auf Grund ihrer Leistungen ein Ehrentor wohl verdient gehabt. Nach.20 Minuten gingen die Platzherren durch den Mittelstürmer in Führung und erd. In der augenblicklichen Zeit, wo die wirtschaftlichen und politischen Ereignisse die Aufmerksamkeit Aller fast vollständig in Anspruch nehmen, darf das uns Naheliegende nicht vergessen werden. Der Abbau oder der Umbau unserer höheren Knabenschule ist für Dorsten und den westlichen Teil des Landkreises Recklinghausen von so großer Wichtigkeit, daß man daran denken sollte, rechtzeitig die notwendigen Schritte zu unternehmen, und sich die Frage vorlegen: Wie gestalten wir unsere höhere Schule? Soll der Abbau der Realschule durchgeführt werden, ohne einen Ersatz dafür zu schaffen? Im Augenblick der Sparmaßnahmen und der Umstellung müssen wir dafür sorgen, eine höhere Schule zu erhalten oder zu bekommen, die den Verhältnissen und den Anforderungen der Zeit gerecht wird, und dabei tragbar ist für die in Frage kommenden Gemeinden Var und bei der Umgemeindung sind so viele übergemeindliche Probleme, wozu auch das höhere Schulwesen gehört, angeschnitten, und dessen Durchführung in Aussicht genommen, der werr Landrat hat so viel zu tun versprochen, aver es ist bis heute der Schulfrage, soweit in der Oeffentlichkeit bekannt ist, noch nicht die genugende Aufmerksamkeit geschenkt. Die akademischen Berufe sind überfüllt, so stark überfüllt, daß auf Jahre hinaus der Bedarf an Akademikern gedeckt ist. Infolge der Sparmaßnahmen werden weiterhin Kräfte frei und verfügbar, die bei Bedarf erst wieder eingereiht werden müssen. Hat es da einen Wert, nur eine höhere Schule zu unterhalten, die den überfüllten Berufen noch weiteren, in absehbarer Zeit nicht verwendbaren Nachwuchs liefert. Ist es nicht richtiger für eine BilGegner dungs=Anstalt zu sorgen, die für das praktische Leben die nötigen Unterlagen schafft oder besser gesagt, die den Söhnen des Mittelstandes und der Arbeiter eine reale Bildung gibt, die für praktische Berufe(Handwerker, Kaufmannsstand, Industrie) wichtiger ist. Es wird der Leitung unserer höheren Schule vielleicht schwer fallen, hier eine Aenderung vorzunehmen, aber es kommt heute darauf an, reai zu denken und zu handeln. Manche Maßnahme ist hart, aber das eiserne Muß zwingt uns klar in die Zukunft zu schauen und rechtzeitig eine Umgestaltung vorzunehmen, die uns die Erhaltung einer höheren Schule überhaupt ermöglicht. Wie weit es kommen kann, zeigt uns die augenblickliche Lage; was man vor einigen Wochen nicht für möglich gehalten, ist eingetreten. So wird auch diese Frage vielleicht über Nacht kommen, unvorbereitet. Man wird beim Lesen dieser Zeilen vielleicht denken, diese Frage ist doch nicht welterschütternd, zunächst müssen wir Brot schaffen. Gewiß es gibt im allgemeinen Dinge, die wichtiger sind, aber es wird im Schulausschuß des Gymnasiums keine wichtigere Fragen geben. Zum Schluß möchte ich die folgenden Fragen stellen: Ist die Umgestaltung unseres Gymnasiums in ein Realgymnasium möglich und angebracht? Soll nach Abbau der Realschule die Möglichkeit wieder geschaffen werden, von der U. 3 an beim Gymnasium eine Teilung vorzunehmen mit neusprachlichem Ersatzunterricht, um auf diese Weise die Realbildung bis U. 2 durchzuführen? Ist die Schaffung einer Real= und Oberrealschule richtiger? Gymnasien haben wir in der Umgebung fast in allen Städten, aber eine neuere Schulart, wie oben angeführt, würde für Dorsten zweckmäßiger sein, da bei dieser auf bedeutenden Zuzug von auswärts gerechnet werden kann; die Rentabilität würde gesteigert. Für selbstverständlich halte ich, daß die Schule auf breiterer Basis aufgebaut werden muß. Der Herr Landrat möge doch sein Herz für Dorsten mal schlagen lassen und die Initiative ergreifen, bevor es zu spät ist! T. in Dorsten Sportvereinigung Dorsten. An der Sandstraße gewann die 1b=Mannschaft gegen die gleiche des Sportvereins Hardt 6:0. Die 1. Jgd. verlor gegen Preußen Gladbeck 4:1. Sport in der Herrlichkeit Spiel u. Sport Hervest=Dorsten: Sportklub Dahlbusch 2:0. In Gelsenkirchen konnte Spiel und Sport dem Tabellenletzten eine Niederlage heibringen, die dem Spielverlauf nach hätte weit höher ausfallen müssen. Die Schwarz=Grünen halfen mit ein neues Gelände einweihen, auf dessen schwerem Boden sie sich vor der Pause nicht richtig entfalten konnten. Blut- und Leberwurst: Pfund Herlnassalat Majonalse ¼ Pfund 20* ¼ Pfund 28• 80 Nordseekrabben Bess 1m gr. v0 Seelachs in Schelben 1/ Pfd. 42 Oelsardinen.3 Dosen I.Zungenwurst und 98. Schwartemagen Pi. Schnittbohnen- Kllo-Dose 45P Blockhäss o. R.: Ftund sog TIIslter 20%. e Ffund 50“ Holländer 40%."-Ffund 80 Allg. Schweizer: Pfund Camenbert vollfelt, Schachtel 25 Vollreis Hartgrieß* Kornkaftee** Schnittnudein: Weiße Bohnen Plund 14° Pfund 257 Pfund 22P Pfund 40* * Pfund 17° Sülze nach Hausm. Art Pfund Plockmurs: schnittfest: Pfund Semüse Erosen KüoDose gar, Plianzendl-Feir: zg, 15 Altholl’s Flisderselle 48 LLant ante Qual= Stück Kllo-Dose 487 Pfund 50 Pfund 1.Spekulatius: Sehioteneespinte snt r. Fichtennadelseise# 55 -lelachand.""" 3 Stück Weißwein... Tarragona* Wermuth* Alten 38% Liter 3.25 Liter 75% Liter 95P Liter 1 Liter 1.25 Tolletteseife„ 50 sar½ Teilechal u. busch. Rein.Dreizingbergzel: 9#5# großer Stlg. Riegel 3 Rlexe bekannt gute Qual ertrischend** irs mild.“:“. su 65 nicht wieder un nlieteg gewonenen Greiss zur Geschlrr aus vorzellen oder Steingut schon ausgenutst. Ann Jahrgang 1931 Dienstag, den 13. Oktober Nummer 282 Sachlieferung als Steuerzahlung Hilfe für die Landwirte Koblenz, 11. Oktober. Einer Anregung von landwirtschaftlicher Seite folgend, hat der Oberpräsident der Rheinprovinz den Gemeinden und Gemeindeverbänden eindringlichst empfohlen, in Anlehnung an Maßnahmen, die in anderen Landesteilen, besonders in Niederschlesien, mit Erfolg durchgeführt worden sind, auch in den ländlichen Gemeinden der Rheinprovinz zu versuchen, die Schwierigkeiten bei der Steuereinziehung von Landwirten und bei der Aufbringung der Geldmittel für die Fürsorgeleistungen dadurch zu mindern, daß steuerpflichtige Landwirte an Unterstützungsempfänge Sachleistungen, z. B. in Brot, Kartoffeln, Milch und gegebenenfalls Brennholz gewähren, die auf Steuerverpflichtungen und Fürsorgeansprüche angerechnet werden. Die räumliche und sachliche Begrenzung, die durch die Verschiedenartigkeit und Verflochtenheit der wirtschaftlichn Verhältnisse in der Rheinprovinz geboten ist, muß natürlich dabei beachtet werden. Den behördlichen Stellen ist es zur Pflicht gemacht, einer nachhaltigen und wirkungsvollen Durch. führung der Maßnahmen ihr besonderes Interesse zu schenken. pr Ueberfall im Bankgebäude. In Köln verübte ein junger Mann im Schalterraum der Filiale der Deutschen Bank einen Raub, indem er einer Kundin, die einzahlen wollte, 5000 Mk. entriß, womit er hinausstürzte. Einige Beamte und Leute aus dem Publikum nahmen die Verfolgung auf und stellten das Haus fest, in dem der Räuber verschwunden war. Als er nach kurzer Zeit herauskam, zwar ohne Lederjacke, die er vorher getragen hatte, wurde er von der inzwischen herbeigerufenen Polizei festgenommen und abgeführt. Das geraubte Geld wurde in vollem Umfange wieder herbeigeschafft. pr Keine Solinger Spezialisten für Frankreich. In der Oeffentlichkeit wird in den letzten Tagen vielfach der Versuch eines in Frankreich ansässigen deutschen Fabrikanten erortert, Solinger Spezialarbeiter nach Frankreich zu ziehen. Wie wir hierzu von zuständiger Seite erfahren, ist bisher in keiner Weise festgestellt worden, daß ein derartiger Versuch von Erfolg gewesen sei. Man muß nach unseren Informationen den Eindruck haben, daß es sich nur um Mutmaßungen handelt, deren Tragweite sehr schwer zu übersehen ist. Der deutsche Wetterdrachen über China. Neues von Sven Hedins Zentralasienexpedition. und so gehen wir mit dem Wind 400 bis 500 Meter weit. Die Mongolen ergreifen den Drachen und stellen ihn gegen den Wind, der Student trägt rasch das Landungsseil aus. „Alles fertig?“ „Ja, ja.“ Da hebe ich rasch den Arm hoch, die Leute an der Winde drehen an, die Mongolen laufen ein kurzes Stück mit, und auf„Los“ lassen sie ihm die Zügel schießen. Sämtliche guten Wünsche begleiten ihn, wenn er emporschießt und pfeisend das Landungsseil nach sich reißt. Hat der Drachen seine Pflicht getan und etwa 1 Stunde lang Feuchtigkeit, Temperatur und Höhe registriert, so wird er eingeholt. Die Handwinde muß gedreht werden und weil das ein ermüdendes Geschäft ist, wird gegenseitig abgelöst. Wir alle beteiligen uns, einer aber paßt mit der Uhr in der Hand auf und ruft die Ablösung. Wenn 3000 Meter Draht draußen sind, dauert es etwa eine dreiviertel Stunde, bis der Vogel in 300 Meter Höhe herausschwebt und nun kommt der spannende Moment: Wie wird die Landung? Geht's gut oder gibt es Bruch? Es bedarf ja nur einer kleinen Sandhose oder einer kräftigen Bö. die den Drachen im ungünstigen Moment, d. h. in großer Bodennähe trifft, dann schießt er zur Seite und rennt sich den Kopf am harten Steppenboden ein. Da stehen 3 Mann ausgeschwärmt und nun ist es Ehrensache, den Ring schnell zu erhaschen. Hat ihn einer gefaßt, so läuft er rasch in der Zugrichtung des Drachens, die andern beiden aber springen dem herbeigleitenden Vogel entgegen, um ihn aufzufangen und vor hartem Aufschlag zu bewahren. Alles atmet auf. Es ist gut abgelaufen. Dr. Haude nimmt den Meteorographen in Empfang, um den Erfolg nachzuprüfen, und da ist er leider recht schwer zufriedenzustellen, und es ist wahr: wirklich guter Drachenwind ist selten, besonders jetzt in der Monsunzeit Pritz Mühlweg. Copyright 1931 by AKADEMIA, Berlin. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Aka. Am 30. März 1927 begann der deutsche Meteorologe Dr. Haude, nachdem ihn Sven Hedin von Potsdam nach China in den wissenschaftlichen Stab seiner großen Expedition berufen hatte, seine Arbeit an der meteorologischen Eroberung Mittelasiens. Heute existieren bereits 4 feste Stationen, die schon wieder von Schülern Dr. Haudes versorgt werden. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Arbeiten für die Ersorschung der Gesetzmäßigkeiten unserer Erdatmosphäre und besonders für die langfristige Wettervorhersage hat die Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaft sie in großzügiger Weise unterstützt. Vor kurzem ist hier ein neues Gerücht aufgetaucht, daß vor Hami sich ein neuer Räuberhauptmann etabliert habe, der den Namen„der Mann mit dem weißen Hute“ führt, und trotz dieses friedlichen Titels schon viele Leute umgebracht habe. Die Wege nach Paotow und Kwatura sind aber sonst zur Zeit als ruhig bekannt. Unsere Drachen steigen jetzt beinahe regelmäßig, um, wie Dr. Haude sich fachwissenschaftlich ausdrückt, die ersten Messungen in der freien Atmosphäre in Zentralasien vorzunehmen. Frühmorgens, wenn ein frischer Wind weht, was leider nicht immer der Fall ist, wird der Drachen aus dem„Stall“ geholt, d. h.„Stall“ kann man eigentlich nicht sagen, es ist vielmehr ein viereckiges Erdloch, das mit dem großen Sonnensegel unseres grünen Zelts zugedeckt ist. Dort wird noch einmal nachgeprüft, ob alles in Ordnung ist. Dr. Haude macht inzwischen den Meteorographen für den Aufstieg fertig und notiert die Anfangsdaten der Instrumente. Dann wird die Winde aufgedreht, das Instrument im Drachen eingebaut und dieser mit dem Draht verbunden. Nun beginnt das Austragen des„HimmelsVogels“, wie ihn die Mongolen nennen. Dambit und Odburrung, die Geschicktesten unserer Mannschaft, nehmen ihn hoch, ein chinesischer Student faßt ihn am Schwanz, d. h. dem Landungsseil, ich halte den Kopf des Vogels hoch n Explosionsunglück in Gdingen Der eingestürzte Neubaublock in der polnischen Hafenstadt Gdingen. 13 Hausbewohner fanden bei der Leuchtgas=Explosion, die fast den ganzen Neubaublock sprengte, den Tod, 16 Menschen wurden schwer verletzt. Alkoholschmuggel in Särgen Ein neuer Trick der amerikanischen Unterwelt. Schmuggelnde„Leichenzüge“. k. Die amerikanische Polizei kann sich noch so große Mühe geben, den Alkoholschmugglern das Werk zu legen, ganz wird es ihr nie gelingen. Die Bootlegger wenden immer neue und raffiniertere Tricks an, die es fast unmöglich machen, den Alkoholschmuggel im angeblich trockenen Amerika zu unterbinden. Dies beweist deutlich ein Fall, der sich vor einigen Tagen in Chicago=Ost zugetragen hat und der viel besprochen wird. Am Nachmittag bewegte sich ein pomposer Leichenzug durch die Straßen von Chicago=Ost. Der Sarg war über und über mit Kränzen beladen und eine riesige Menschenmenge wollte scheinbar dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen. Unter den wundervollen Kränzen war der Sarg ganz versteckt, und viele Autos folgten dem Trauerwagen. Dem Leichenzug schritt eine Kapelle voran, die ergreifende Weisen spielte. Es sah ganz so aus, als ob ein ganz prominenter Bürger Chicagos zu Grabe getragen wurde. Ehrfürchtig blieben die Passanten stehen und zogen die Hüte vom Kopf. Niemand ahnte daß dieser Zug nicht anderes als ein groß angelegter Alkoholschmuggel war. Lediglich einige Polizisten waren über das prunkvolle Leichenbegängnis erstaunt, weil sie keine Kenntnis davon erhielten, wer bestattet wurde. Sie geboten daher kurz entschlossen dem Trauerzuge ein Halt. In wenigen Sekunden entstand eine nicht zu beschreibende Panik. Die angeblich Trauernden flohen nach allen Richtungen, die Autos machten kehrt, ein großer Wirrwarr entstand und der Leichenwagen selbst war plötzlich ohne jegliche Begleitung. Die verwunderten Beamten sahen sich jetzt den Leichenwagen genauer an und entdeckten zu ihrer nicht geringen Ueberraschung, daß in den Kränzen geschickt viele Schnapsflaschen versteckt waren. Auch der Sarg war nur mit dem in Amerika so begehrten Alkohol gefüllt. Der Leichenzug, d. h., der nur übrig gebliebene Leichenwagen wurde zur nächsten Polizeistation dirigiert, wo man dann nochmals das Gefährt gründlich untersuchte. Die Untersuchungen ergaben dann, daß das pompöse Leichenbegängnis nichts anderes als ein neuer Trick raffinierter Schnapsschmuggler darstellte. Handball der Turner Tklb. Sterkrade: Tv. Oberhausen 73 6:2(4:1). Einen ganz kläglichen Reinfall erleblen die 73er in Sterkrade, der allredings nicht ganz unerwartet kommt. Hatten die Gäste schon mal zunächst den fremden, unzulänglichen Platz gegen sich, so war es aber auch der mangelnde Zusammenhang, an dem die Mannschaft zershellte. Vor allen Dingen versagte bei Oberhausen die Verteidigung, die den gegnerischen Sturm viel zu oft freie Bahn machte. Es ist nicht zu verkennen, daß Sterkrade mehr vom Spiel hatte. Vor allen Dingen wurde auf deren Seite viel eifriger und ruhiger um den Ball gekämpft. Thd. Osterfeld: Tbd. Oberhausen 8:5(4:3). Erstim Endspurt konnten die Österseider den verdienten E rringen. Ter 2:0=Vorsprung wurde von Oberhausen lI aufgebolt. Abwechselnd stellten die Mannschaften; Ergebnis auf 4:3. Nach der Pause steht man ungefah: das gleiche Bild wie in den ersten 30 Minuten. Allmählich siel aber der Oberhausener Sturm mehr und mehr aus, während vom Gegner das Gegenteil behauptet werden muß Österfelds Sturm machte der guten Gegnerhintermannschaft recht viel zu schaffen. Durch Ueberbelastung fiel den Gastgebern der Sieg in den Schoß. Sterkrade 69: Tbd. Bottrop 9:4(4:1). Die größte Ueberraschung in der Bezirksklasse ist dieses große Ergebnis der 69er. Die Bottroper waren in keiner Weise wirdezuerkennen. Trotzdem die 69er mit Ersatz kämpflen, kamen sie zum verdienten Sieg. Die Bottroper erlaublen sich einige Mätzchen, sanden aber beim Gegner dafür kein Verständnis. Allerdings ist bei Bottrop auch ein Lichtmoment festzustellen insosern, als sie den Halbzeitrückstand schließlich bis zu 4:8 ermäßigten. In dem weiterhin auf und ab wogenden Kampfe finden die 69er Stürmer aber besser den Kontakt, den sie in den vielen Torerfolgen ausdrüden. Jahn Königshardt: Tv. Biefang 2:2(2:2). Hier erzielten die Gastgeber den ersten halben Ersolg. Ganz allgemein wurde das Spiel recht hart durchgeführt, besonders von seiten der Gäste. Die Schuld ist beim unfähigen Leiter zu suchen. Biefang geht in Führung, muß sich aber den Ausgleich gefallen lassen. Der abermaligen Führung der Gäste machten die Königshardter durch den zweiten Treffer ein Ende. Die Königshardter bekommen mehr vom Spiel, aber der Gast macht den„Laden" zu und verhindert einen verdienten Sieg der Gastgeber. Tv. Oberhausen 73 2.: Sterkrabe 69 3. 2:2(1:1). Ein ausgeglichenes Spiel, das allerdings den besseren Stürmerteistungen der 69er entsprechend eigentlich einen knappen Sieg der Gäste zeitigen mußle. Tv. Lirich 2.: Tbd. Osterfeld 2. 3:1(1:1). Wohlweislich den Gegner richtig einschätzend, stellten die Liricher ihre Arbeit zweckmäßig ein, mit der sie zwar etwas glücklich, aber nicht unverdient gewannen. Jugend. Tv. Lirich: Thd. Oberhausen 3:5(0:4). Zv. Alstaden: Tv. Oberhausen 73 3:1(2:0). Freundschaftsspiele. Turnerinnen Tv. Duisburg 48: Tbd. Oberhausen 15:0(8:0) Wenn die Gesamtmannschaft von Oberhausen auch unter „Form“, spielte, so ist die Hauptschuld an diesem„Schützenfest" doch bei der Torhüterin zu suchen, die allerdings nicht die nötige Unterstützung bei der Abwehr sand.— Die zweiten Mannschaften trennten sich nach zähem Kampf mit einem gerechten Unentschieden. Turnerinnen Tv. Oberhausen 73: Sterkrade 69 2:1(1:1). Fri. Szym ist 25 Jähre in unserem Hause fätig. hat das Aufblühen des Geschäftes von Aufang an mitgemacht und sich dadurch grosse Verdienste an den Entwickelung des kaufhauses Husten erworben. sie leltet mit grossem Geschmack die Abtellungen: —Kurzwaren.-Damer-Modewaren Potre- Besätze Handarbetten. u. Korsett-Wäsche. 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Ganz besonders empfehlen wir den Besuch allen denen, die bisher noch nicht bei uns waren. Unsero Jubiläums-Geschenkeerwarten Si Jahrgang 1931 Dienstag, den 15. Oktober Nummer 282 Als Frau in der Fremdenlegion Die Erlebnisse eines englischen Frauenlegionärs.— Dem Geliebten freiwillig in die Verbannung gefolgt. k. In England erregt augenblicklich ein Buch größtes Aufsehen, in dem ein Frauenlegionär über die Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion berichtet. Das Buch ist von der Legionärin nicht selbst verfaßt worden, vielmehr hat ein Schriftsteller die Tagebuchaufzeichnungen und sonstige geschilderte Erlebnisse einer Engländerin literarisch umgewandelt, ohne dabei von der Wahrheit der Unterlagen abzugeben. Der Schriftsteller nennt die Heldin seines Buches„Mary Ambree“. Dieser Name ist selbstverständlich ein Pseudonym, denn das Geheimnis über die Abenteuerin, die sich fünf Jahre in der Fremdenlegion aufhielt, ist und wird wohl auch vorerst nicht gelüftet werden. Der Schriftsteller erhielt vor kurzer Zeit einen anonymen Brief, in dem er um Antwort gebeten wurde, ob er bereit sei, die Erlebnisse eines englischen Frauenlegionärs zu beschreiben. Der Schriftsteller antwortete der Briefschreiberin, die sich Mary Ambree nannte, daß er damit einverstanden sei, die Erlebnisse zu schildern. Vorerst überzeugte er sich davon, daß die geheimnisvolle Frau auch tatsächlich fünf Jahre in der Fremdenlegion gelebt hat und ob ihre Tagebuchaufzeichnungen keine Erfindung seien. Es gelang ihm festzustellen, daß Mary Ambree wirklich Frauenlegionär war und die im Tagebuch verzeichneten Abenteuer bestanden hat. Diese merkwürdige Geschichte, die, wie besonders bemerkt werden soll, den Tatsachen entspricht, hat folgende Bewandtnis: Die Legionärin verbrachte ihre Jugend in dem irischen Militärlager Curraab, da ihr Vater dort stationiert war. Es konnte nicht ausbleiben, daß sie von allen militärischen Dingen Kenntnis erhielt, denn in ihrer nächsten Umgebung sprach man ja nur über derartige Angelegenheiten. Als Spielgefährten hatte sie den Sohn eines Freundes ihres Vaters, der ebenfalls in Curragh einen militärischen Posten bekleidete. Dieser Spielgefährte schlug auch die militärische Laufbahn ein, ihm schien auch eine gute Karriere beschieden zu sein, aber er verdarb sich selbst seine besten Chancen. Er frönte nämlich dem Laster des Trinkens und dem des Kartenspiels. Nach Hinterlassung erheblicher Schulden floh er aus dem Militärlager. Die Engländerin war inzwischen nach Paris gefahren und der Zufall wollte es scheinbar, daß sie dort fast vor Ende des Weltkrieges den Jugendfreund in einem Restaurant wiedersah. Wie sie von ihrem einstigen Spielgefährten selbst erfuhr, war er inzwischen zum Militär zurückgekehrt und zum Major befördert worden. Man kann sich leicht vorstellen, daß dieses plötzliche Wiedersehen festlich gefeiert wurde. Die beiden Jugendgefährten trafen sich von jetzt ab wiederholt, aber die Engländerin mußte bald zu ihrem Entsetzen feststellen, daß der Jugendfreund sich genau wie früher dem Trunke ergab. Trotzdem hielt sie fest zu dem Major, der inzwischen zu ihrem Geliebten geworden war. Die Trunksucht des Engländers wurde ihm zum Verhängnis. Er erteilte völlig berauscht einen Befehl, der sein Regiment fast vernichtet hätte. Wiederum floh er, schrieb jedoch fortgesetzt seiner Freundin. Es gelang ihm sogar, ihr einen Posten im Felddienst zu besorgen. Als im Jahre 1918 das Schlachtgetümmel ein Ende hatte, informierte er die Geliebte, daß er unmöglich nach England zurückkehren könnte. Er sei fest entschlossen, in die französische Fremdenlegion einzutreten. Die Engländerin antwortete postwendend, daß sie sein Los teilen wolle und ebenfalls beabsichtige, Legionärin zu werden. Der Freund bestach mehrere Bekannte und Beamte, um seiner Freundin den Eintritt in die Legion zu ermöglichen. Fast wäre sie jedoch der militärärzt= lichen Untersuchung zum Opfer gefallen. Bekanntlich wird jeder Legionär eingehend untersucht. Die Engländerin beeinflußte einen französischen Offizier, der zufällig ein Jugendfreund ihres Geliebten war, bei der Untersuchung als Arzt zu fungieren, damit ihr Eintritt in die Legion nicht verhindert wurde. Es kam auch tatsächlich so, daß der französische Offizier als Arzt auftrat, selbstverständlich ohne die Engländerin zu untersuchen. Alle weiteren Formalitäten wurden ohne jeglichen Zwischenfall erledigt. Die Engländerin berichtet nun von den Abenteuern, die sie als Frauenlegionär gehabt hat. Niemand ahnte oder wußte, daß sie eine Frau war. Die Liebe zu ihrem Jugendfreund erleichterte ihr alle Strapazen. Als richtiger Legionär kämpfte sie gegen die Araber, wobei sie sich manchmal in gefährlichen Situationen befand. Nach fünf Jahren trat sie freiwillig aus der Fremdenlegion aus. Edward Brownwell. Der Mann, der vergessen wurde seltsame Schicksal eines deutschen Offiziers.— um geheimen Auftrag zu den maurischen Stämmen. Eine Kriegstragödie k. Die in Turin erscheinende italienische Zeitung „Stampa“ veröffentlichte vor einigen Tagen den sensationellen Bericht ihres Mitarbeiters aus Südmarokko, der die Schilderung des Schicksals eines deutschen Offiziers in der Sahara wiedergibt. Es handelt sich um den bayerischen Kavallerie=Offizier Erich von Satzen, der im Jahre 1916 in geheimer Mission zu den maurischen Stämmen entsandt wurde und von der deutschen Regierung vergessen worden ist. Der Journalist Paolo Zappa enthüllte diese Tragödie aus dem Weltkrieg, die umso ergreifender ist, als sich bis heute kein Mensch um diesen deutschen Offizier, der jetzt bei den Marokanern Kadi ist, gekümmert hat. Der Leutnant gab dem Berichterstatter folgende Schilderung: Ich wurde 1916 im offiziellen geheimen Auftrag von der deutschen Regierung nach dem maurischen Wüstenland geschickt, um einen Aufstand der„blauen Krieger“ gegen die Franzosen zu organisiieren. Am 10. November 1916 traf ich mit dem früheren deutschen Konsul in Fez, Herrn Probster, und dem türkischen Offizier Achmed Hairi Bey im Lager der Rebellenstämme, die wegen ihrer Gesichtsfarbe„olaugesichter“ genannt werden, ein. Der Herrscher der Wüstennomaden befand sich in einer trostlosen Lage. Auf dem Papier verfügte der„Hiba“ über 12000 Soldaten, tatsächlich aber lagen die Dinge ganz anders. Die Marokkaner, besonders wenn sie verheiratet sind, halten es nicht lange bei den Waffen aus.— Es kommt häufig vor, daß ganze Stämme, denen der Kriegsdienst zu langweilig wurde, ihre Posten verlassen und davonlaufen. Ich mußte also zunächst damit beginnen, die Maroktaner an Disziplin zu gewöhnen. Außer der militärischen Unterstützung verlangte der„Hiba“ Geld, denn nur Geld könne das Wunder bewirken, ein aus maurischen Nomaden bestehendes Heer kampffähig und kampflustig zu machen. Der deutsche Konsul versprach ihm auch Kanonen, Gewehre, Munition und Geld, erklärte aber, er müsse, um das zu beschaffen, vor allem schnell nach Deutschland zurückkehren.—„Ihr wollt mich verlassen?" fragte der„Hiba“ argwöhnisch. —„Nein, im Gegenteil“, antwortete Konsul Probster, „Leutnant von Satzen wird hier bleiben, um deine Leute auszubilden.“— Und damit verabschiedete sich der Konsul auf Nimmerwiedersehen! So blieb ich also als angeblicher Instrukteur des„Hiba“, in Wirklichkeit als Geisel in seinem Lager zurück. Seit 15 Jahren bin ich nun von der zivilisierten Welt völlig abgeschnitten, und erst zwei Jahre nach Friedensschluß erfuhr ich überhaupt, daß der Weltkrieg zu Ende war. Nach vier Jahren sah ich zum ersten Mal einen Landsmann. Es war am 20. August 1920, als mich der„Hiba“ bat, sieben Männer mit Kappis, die nördlich von Tiznit gefangen worden waren, zu verhören. Mit unsicheren, schwankenden Schritten und mit dem Rufen„Kamerad, Kamerad“ näherte ich mich der Gruppe Fremdenlegionäre, die mich entgeistert anstarrten.—„Leutnant Erich von Satzen vom 2. Ulanenregimet. Hier in Mission des Kaisers. Ein Mann löste sich aus der Gruppe.—„Hier Hauptmann Max von Hofer vom 3. Bayerischen InfanterieRegiment“. Unwillkürlich stand ich stramm. Der Mann war ohne Kopfbedeckung und seine Uniform hing in Fetzen herunter. Als ich mich von der ersten Ueberraschung etwas erholt hatte fragte ich ihn:„Offizier und in der Fremdenlegion? Weshalb sind Sie nicht desertiert? Weshalb sind Sie nicht an der Front?“—„An welcher Front denn?"—„Nun, im Osten oder im Westen!"— Die sieben Legionäre sahen mich mit seltsamen Blicken an, völlig verständnislos: „Ja, wissen Sie denn nicht, daß der Krieg zu Ende ist?“— Mit schwacher Stimme brachte ich heraus: „Wer hat gesiegt?“— Hauptmann von Hofer antwortete kurz:„Wir haben den Krieg verloren! Uns hat der Hunger besiegt. Und der Hunger war es auch, der mich verführte, mich in die Fremdenlegion aufnehmen zu lassen.“— Jetzt verstand ich, daß der Krieg auch für mich verloren war, daß der Konsul Probster nie wiederkommen würde und daß ich keine Aussicht hatte, je wieder von hier wegzukommen. Ich versuchte nach diesem Zusammentreffen mit dem Hauptmann Max von Hofer, der Fremdenlegionär ist, mein Vaterland zu vergessen. Manchmal dachte ich daran, an meine arme alte Mutter zu schreiben, die nicht weiß, daß ich noch am Leben bin. Aber was hätte das schon genützt, denn der Brief wäre ja doch nicht weggekommen. Nachdem ich meine europäischen Kleider völlig aufgebraucht hatte, legte ich den Burnus an und ließ mir den Bart und die Haare nach maurischer Art wachsen. Der„Hiba“ gab mir seine Tochter zur Frau und ernannte mich zum Kadi. So geht es mir leidlich und vor allen Dingen: Ich lebe! Ich habe zwar sehr großes Heimweh und meine Mutter tut mir unendlich leid. Bis hierhin der Bericht des bayerischen KavallerieOffiziers von Satzen. Der Mann, der von der deutschen Regierung vergessen wurde, erzählte dem Journalisten Paolo Zappa dann noch weiter, daß er dafür dankbar wäre, wenn man seine Mutter, die in München lebt, von ihm grüßen würde. Der Berichterstatter wurde gebeten, der Welt zu sagen, daß im Süden von Marokko ein Leutnant Erich von Satzen vom 2. Ulanen=Regiment lebt, der im Jahre 1916 von der Regierung mit einer geheimen Mission betraut und von einer anderen Regierung vergessen wurde. Eine solche Nachricht könnte vielleicht bewirken, daß irgend jemand an ihn denke und vor allem wird diese Nachricht für seine Mutter, wenn sie noch am Leben ist, ein großer Trost sein. Man wird verstehen, daß der Bericht des Journalisten größtes Aufsehen erregte. Man hat sofort Untersuchungen eingeleitet, ob tatsächlich ein Leutnant Erich von Satzen im Jahre 1916 im geheimen Auftrage zu den maurischen Stämmen geschickt wurde. Leider verliefen alle Bemühungen bisher ergebnislos. In München konnte keine Frau von Satzen festgestellt werden, und das bayerische Kriegsarchiv= amt teilte mit, daß in den Heeresakten weder der Name Leutnant von Satzen noch der des Legionärs Hauptmann von Hofer zu finden sei. Merkwürdigerweise stimmt aber der Name des deutschen Konsuls in Fez und auch die Angabe der Truppenteile. Man neigt jetzt dazu, den Bericht des Journalisten nach drei Versionen hin auszulegen. Es ist möglich, daß der Reporter den Namen nicht richtig verstanden hat und deshalb aus seinem Gedächtnis heraus über die Abenteuer eines Erich von Satzen erzählte. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß der Leutnant mit Absicht einen falschen Namen genannt hat. Sehr wahrscheinlich ist auch die Annahme, daß der Name Erich von Satzen in den Kriegsakten nicht vermerkt ist, weil er ja in geheimer Mission in die Sahara geschickt wurde. Diese Maßnahme hat man vielfach im Weltkriege getroffen, und meist wußten nur die Chefs der Formationen von diesen Angelegenheiten. Diese Möglichkeit liegt tatsächlich sehr nahe, denn Erich von Satzen handelte ja im geheimen Auftrag, sodaß die Akten keine Auskunft geben. Man bemüht sich auch weiterhin, das Geheimnis um den bayerischen Kavallerie=Offizier zu lüften; ob es gelingt, ist eine Frage für sich. Auf jeden Fall dürfte es stimmen, daß ein deutscher Offizier, der Name soll jetzt keine Rolle spielen, seit 15 Jahren in der Sahara schmachtet und daß die Regierung diesen Mann veraun..... zumal der Soldat im Auftrage einer anderen Regierung zu den Blaugesichern entsandt wurde. Mag man die Schilderung des Journalisten mit noch so großer Vorsicht entgegennehmen, etwas wahres ist bestimmt an ihr, Man darf, mit Recht darauf gespannt sein, was die weiteren Nachforschungen ergeben. eine„„Brunnenkur“. Worüber man in k. Jüngst hatte ein ennischer Abgeordneter ein Erlebnis, das er nicht so leicht vergessen dürfte und über das man in ganz Estland mit einem Beigeschmack köstlichsten Humors sprach. Man glaubt immer noch vielfach, daß Estland weit hinter den anderen Ländern Europas hinsichtlich den Fortschritten in Wissenschaft und Technik steht. Dies stimmt aber keineswegs, denn gerade in Estland bedient man sich der modernsten Errungenschaften, was jedoch nicht ausschließt, daß sich gewisse uralte Bräuche bis auf den heutigen Tag erhalten haben und im estnischen Volksleben kaum fortzudenken sind. So trifft man in alle Gegenden dieses Reiches noch Ziehbrunnen an. Ein estnischer Abgeordneter machte nun mit solch einem Ziehbrunnen sehr trübe Erfahrungen. Während seines Urlaubs fuhr er mit seinem Wagen in sein Heimatsdorf. Er steuerte das Auto selbst und erfreute sich an den Schönheiten der Natur und der Gemächlichkeit des estnischen Volkslebens. Langsam breitete die Nacht ihre Schatten über das Land aus. Der Abgeordnete war allein und dachte über die verschiedensten Probleme nach, als plötzlich sein Auto nicht weiterfuhr. Er stieg aus und bemerkte, daß sich im Kühler kein Wasser mehr befand. In der Nähe sah er ein galgenförmiges Gebilde, das unzweifelhaft ein Ziehbrunnen war. An dem Brunnen befand sich aber kein Gefäß. Der Abgeordnete band kurz entschlossen seine Ledermütze an einen langen Ast und wollte mit diesen Hilfsmitteln nach Wasser angeln. Als er sich über den Brunnen beugte, gab es plötzlich einen Knax, morsches Holz hatte nachgegeben und der Abgeordnete fiel in den Ziehbrunnen. Glücklicherweise reichte ihm das Wasser nur bis zu den Knien, auch hatte er sich bei dem Sturz keine Verletzungen zugezogen. Seine Hilferufe hörte niemand. Erst am nächsten Morgen befreite ihn eine Bäuerin aus seiner ungemütlichen Lage. pr Haftbefehle ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen mehrere Personen, die in die Angelegenheit der Unregelmäßigkeiten bei der Krefelder Straßenbahn verwickelt sind, Haftbefehle erlassen und bereits vollstreckt. Der Industrie=Verlag Spaeth& Linde gibt eine neue Zeitschrift„Der Kurzberichter“ heraus. Unserer heutigen Ausgabe liegt eine Sonderbeilage darüber mit Einladung zum Bezuge bei. Selbffhilfeverkauf Schneider's Schuhhaus. falt 24 Jahre in Oberhausen u. weit darüber hinaus bestens bekannt, stellt sich mii einer gewaltigen RadikalAnstrenguna auf die schwere Mirtschaftslage um. Ab Dienstag veranstallen wir unter dem Molto„Selbsthilfe-Yerkauf“ einen Riesen-Massen-Verkauf In Schuhwaren aller Art Wir wollen unsere Läger verkleinern. Wir müssen uns aut die schlechte Zeit einstellen. Wir wollen deshalb Alle mit billigen und doch guten Schuhwaren versorgen. Eine derartige Gelegenheit bietet unser Selbsthilfe-Verkauf, welcher alle bisher von uns seit Jahren veranstallelen Sonder-Verkäute gewaltig übertnifft. Wir nennen keine Preise. Sehen Sie sich unsere 5 großen Schaufenster an. Wir sind nicht zu übertreffen. Wir bleiben bahnbrechend. Schneider’s Schuh-Haus Oberhausen Marktstrasse 47—49 Oberhausen Fahrsang 1931 Dienstag, den 13. Oktober Rummer 282 Nur einmal gibt das Schicksal die Chance Analogien mit der Vergangenheit Wer die Vorgänge aus dem Jahre 1918 noch frisch im Gedächtnis trägt, wer sich noch der Parolen des Durchheltens erinnert, wer die überstürzende Entwicklung in den letzten Wochen vor dem dunklen Zusammenbruch sich wieder plastisch vergegenwärtigt, wird das beklemmende Gefühl nicht los, daß die heutige Situation jener in ihren Stimmungen und Tendenzen ähnelt: empfindsame Gemüter und klare Vernunft spüren und überschauen die kommenden Dinge, und das Volk verharrt ob des drohenden Unwetters in banger Ahnung, in Resigniertheit und Erwartung. Es ehrt die Tugend der Beharrlichkeit, tootz aller Niederlagen immer noch an der Front zu stehen, wie der verzweifelte Kampf den Kanzler ehren mag, daß er unter Aufopferung seiner persönlichen Gesundheit durchhält. Aber die gefährlichen Verschleierungsmethoden von anno 18 sind auch heute noch im Schwange. Hjalmar Schacht, den man in vielen Dingen doch wohl als Sachkenner ansprechen muß, hat auf der Harzburger Tagung erklärt, daß unsere finanzpolitische Lage stets viel unglücklicher gewesen sei, als sie dem Publikum suggeriert worden sei; unsere ausländische Verschuldung sei beispielsweise viel höher, als sie im Baseler Bericht angegeben sei; aver niemand wage es, dies öffentlich zu sagen. Hier wird ausgesprochen, was wir seit langem als falschen Optimismus gegeißelt haben, und wie wenig klar die leitenden Stellen die ganze Situation beurteilen, geht aus der neuesten Meldung hervor, nach der das Reichst der Dresdener Bank 150 Millionen an indirekter Subvention zuleiten muß. Bekanntlich hat das Reich nach dem großen Bankdebakel für die Dresdener Bank 300 Millionen Mark in Schatzanweisungen hingegeben, mit der Bestimmung, daß nicht vor einem Jahre das erste Drittel in Bargeld fällig sei; mit dieser Bestimmung wollte das Reich die Sache nach außen decken. Jetzt muß es schon nach einigen Wochen die Hälfte— 150 Millionen— einlösen. Und woher nehmen, wenn nicht stehlen? Nun, das Reich nimmt die Gewinne aus der neuen Silberprägung— eine Summe, die das Riesendefizit im Haushalt decken helfen sollte. Wer den Ernst der Situation nicht schon an unseren Ausführungen in der letzten Woche erkannt hat, dem wird vielleicht jetzt diese grelle Schlaglichtbeleuchtung mehr sagen. Die Lage reizt noch zu einem anderen Vergleich. Die Leser erinnern sich noch der Darlegung über die Absichten, den General Scheicher, der jetzt befördert worden ist, in den Vordergrund zu schieben. Eine gut informierte Zeitung des Westens hat einige Tage später auch auf dieses Spiel hingewiesen. Schleicher ist der Favorit der Wirtschaft; man hat aber jetzt nicht gewagt, diesen Schachzug durchzuführen; nachdenklich stimmt aber die Zusammenfassung des Wehr= und Innenministeriums in der Hand Gröners, eine Vorstufe zu weiterem Einsatz der potestas. Die Analogie lieg: nun auf einem anderen Gebiet. Ludendorff im Hauptquartier mußte von den Frontgeneralen über die wahre Lage aufgeklärt werden; sie rieten ab von jeglichem Unternehmen. Verschiedene Wehrkreiskommandos, die heute in etwa Berlin gegenüber die Rolle der Front spielen, stehen zu einer Diktatur Schleichers im Sinne der Restaurierung des Kapitalismus in vollem Gegensatz, weil sie aus der unmittelbaren Berührung mit dem Leben die Dinge tiefer sehen; sie glauben nicht mehr an den Sieg des Kapitalismus. Sie warnen, und an gewissen zentralen Stellen ist man daher tief bekümmert Auch diese Einzelheit ist ein Stein aus dem großen bunten Mosaikbilde unserer Zeit; sie ist ein kleines Beweisstück zu den Tausenden, wie die Krise Kapitalismus alle Schichten und Kreise in zwei Lager spaltet. „Bolschewistenland“ politisch näherte? Oder etwa Frankreich, das für eine deutsch=französische wirtschaftliche Verständigung den Preis der Beteiligung am deutschen Russengeschäft wünscht? Es hat uns nachdenklich gestimmt, als wir in einem vertraulichen Schreiben des Pommerschen Landbundes(Nr. 11016 H. vom 9. September 1981) folgendes lasen: Der Pommersche Landbund bat die politischen Parteien um eine Unterstützung zu einem Vorstoß gegen das Kalisyndikat, dem auch die SPD. zustimmen würde. Es heißt in dem Schreiben:„Um die Dinge ins Rollen zu bringen, haben wir uns deshalb im Frühsommer an alle uns nahestehenden Parteien gewandt mit der Bitte, einen solchen parlamentarischen Vorstoß zu unterstützen. Unserer Bitte hat die D. N. V. P. voll entsprochen, die Parteien der Mitte haben sich zum mindesten nicht ablehnend geäußert, ohne allerdings ihrerseits etwas zu veranlassen. Lediglich die N. S. D. A. P. hat abgelehnt); das Kalisyndikat sei international gebunden, hätte sich in die deutsch=französische Wirtschaftsverständigung einspannen lassen, fände deshalb die Unterstützung aller derjenigen Personen, die an einem Paneuropa interessiert seien; infolgedessen sei gegen das Syndikat wenig zu machen, außerdem habe es mit seinem Millionengeschenk ja ohnehin für die Landwirtschaft etwas getan. Diese Stellungnahme der N. S. D. A. P. ist von uns natürlich nicht ruhig hingenommen, sie steht in absolutem Gegensatz zu dem, was seitens der N. S. D. A. P. in Wort und Schrift sonst in der Oeffentlichkeit gesagt wird. Man fühlt mit Schrecken, daß der Arm des Kalisyndikats auch in die Reihen der N. S. D. A. P. reicht.“ Sollten tatsächlich die besorgten Gemüter recht behalten, die behauptet haben, daß Paläste und unrentable Unternehmungen langsam mit dem liberalistisch=kapitalistischen System zu verfilzen drohen? Mehr als 6 Millionen Wähler haben vor Jahresfrist der Partei ihr Ja gegeben; bei einem neuen Wahlgang könnte die achte überschritten werden. Kreise, die dieser Bewegung nahestehen, aber den Nationalsozialismus mit Besorgnis verfolgen, haben vor kurzem in der„Deutschen Freischar" geschrieben:„Besonders erschwert wird diese Aufgabe dadurch, daß sie sehr schnell und gründlich gelöst werden muß, daß den Nationalsozialisten nicht, wie den russischen Intellektuellen der Vorkriegszeit, die Ruhe der Schweizer Verbannung, noch wie den Faschisten die Scherheit und die Hilfsquellen bajonettumgebener Ministerialbüros gewährt sind. Die Unzulänglchkeit, mit der diese Aufgabe heute innerhalb des Nationalsozialismus gelöst wird, ist bekannt; man kann nur darüber erschüttert sein, in welchem Mißverhältnis der geistige Inhalt und die intellektuellen Hilfsmittel zu der Glaubenskraft der Bewegung stehen". Auch viele, die den Zweifel sich nicht in diesem Umfange zu eigen machen, glauben immerhin eine Gefahr zu sehen in der Tendenz, das der Sozialismus in der Führung immer schächer zu werden droht. Selbst alle dogmatischen Bedenken beiseite gestellt, erwartet man jett eine ganz klare Entscheidung, wie der Nationalsozialismus sich zu der kapitalistischen Frage stellt; Freund und Gegner rufen nach dem gestaltenden Programm für die gegenwärtige Aufgabe. Sozialismus und Kapitalismus stehen wie Feuer und Wasser zueinander; das Feuer des Sozialismus kann das Wasser des Kapitalismus in Dampf, der der Menschheit dient, verwandeln; das Wasser kann auch das Feuer löschen. Schon einmal hat Deutschland dieses Naturgeschehen erlebt in der Staatspartei: das Wasser des Kapitalismus löschte das Feuer. Harzburg war eine theoretische Feuerwehrübung Hugenbergs. Aber schließlich soll man nicht immer Zweifler sein. Warum sollte man nicht Hitler und Hugenberg die Chance zum Beweis der Tüchtigkeit geben? Aber die Geschichte vergibt große Chancen nur einmal: das hat die Sozialdemokratie am bittersten erfahren müssen, sie, die 1918 diese Chance verspielt hat. Vor der Geschichte besteht man nur durch Taten. Hitler hat zunächst die Mission des Trommlers erfüllt. Niemand weiß, was aus dem Trommler wird. Wird die Bewegung einen Marschall gebären? Diese Bewegung erlebt jetzt ihre Schicksalsstunde. Aber niemals als nationale Opposition! Nur als soziale Gestalterin! Erwin Gehrts. Brüning: Ja, nein, ja, nein...? Freund und Berater zweier Präsidenten Zum Tode Dwight W. Morrows, des Multimillionärs, den das Geld nicht mehr interessierte. Wie in einem beliebten Kinderspiel mag der Kanzler jetzt am parlamentarischen Gänseblümchen abzählen, ob er im Waffengang dieser Woche noch eine Mehrheit finden wird. In der vorigen Woche schrieben wir, daß„die Aussicht, eine parlamentacische Mehrheit zu gewinnen, von Tag zu Tag geringer“ werde. Jetzt 12 Stunden vor der Reichstagseröffnung da diese Zeilen zu Papier gehen, vermag niemand mehr zu sagen, durch welche Zufälligkeiten eventuell noch eine schwache Mehrheit zustande kommen kann. Die ganze Situation ist überreich an komischen Grotesken; höchstens mit Hilfe parlamentarischer Spielregeln dürfte der Kanzler sich auf dem schmalen Steg halten. Niemand weiß, wie die Abstimmung über die eingehenden Mißtrauensvoten erfolgen wird, niemand weiß, wer alles„krankheitshalber“ verhindert ist, oder, um mit dem Bibelwort zu reden, nicht in den parlamentarischen Weinberg kommen wird, dieweil er ein Weib nehmen muß. Es ist im Grunde genommen auch völlig gleichgültig, ob Brüning II. leben bleibt oder gar Brüning III. auferstehen wird; es ändert an dem Schicksal nichts, ob nun die Rechte das Szepter nimmt; ja, nicht einmal von einer Neuwahl erwarten wir eine Aenderung, weil wir jeglichen Lösungsversuch auf parlamentarischem Wege für erfolglos halten. Wie denkt sich eigentlich die Deutsche Volkspartei ein Zusammengehen mit der nationalen Opposition, die u. a. den Antrag auf Reuwahlen einbringen will? Es ist kaum anzunehmen, daß Rechtsanwalt Dingeldey, aus Angst vor dem Sterben nun noch gar Selbstmord begehen will, indem er diesem Akt demokratischer Hinrichtung seiner Partei zustimmen wird. Der dramatische Zerfall dieser Partei ist ein warnendes Zeichen für den Liberalismus; und auch Hugenbera, der nur auf einem Pseudo=Konservatismus basiert und lediglich liberalistisch=kattitalistisch eingestellt ist, der schon einmal mit einer sozialen Geste über hundert Stimmen einfing, aber an seinem eigenen Versprechen zerschellte, sollte diese Flammenschrift an den Wänden des Wallotbaues nach ihrem letzten Sinn deuten. Es genügt nicht, alten Wein in neue Schläuche gießen. „Ja, nein, ja, nein....“ Nun, was will man noch von einem Verlegenheitskabinett erwarten? des Amerikaners k. Zu Morrows Tod hat der Präsident der Vereinigten Staaten einen Nachruf herausgegeben, in dem er den Verstorbenen als den Typ des Amerirnaners feiert, der das Land groß gemacht hat. Mellon bezeichnet Morrows Ableben als ein nationales Unglück, und Stimson erklärte, daß sein Tod gerade in diesem Augenblick, wo die wichtigsten Vorbereitungen für die Bekämpfung der internationalen Krise beschlossen werden sollten, als die größte Tragödie. Der mexikanische Präsident aber, um des Geldes willen nachjagt, Lügen. Als in brenzlichster Siiuation 1927— die Gewehre gingen schon diesseits und jenseits der Rio Grande los— sein Freund Coolidge ihn bat, als Botschafter nach Mexiko zu gehen, vertauschte er sofort seine lukrative Morganpartnerschaft mit dem 12000 Dollar=Gehalt, das die Vereinigten Staaten ihren Botschaftern zahlen. Man hat damals in Amerika vermutet, daß diese Trennung vom Hause Morgan nur vorgetäuscht, daß Morrow in Wirklichkeit nur ais Vertieter dieses Bankhauses nach Meriko ging, um die mexikanische Schuldenfrage, die Oelfrage, die Frage der Landenteignung im Sinne der amerikanischen Gläubiger zu lösen. Die Uebung Und damit kommen wir zur„Nationalen Opposition". Wenn die Harzburger Tagung der Anfang zu einer parlamentarischen Gemeinschaft sein soll, dann bedeutet sie gleichzeitig den Markstein eines Endes. Der Jungvolkparteiler Frank Glatzel hat am Vorabend der Harzburger Zusammenkunft die Lage scharf gekennzeichnet.„Von der Tagung der Nationalen Opposition in Bad Harzburg wird erwartet, daß sich hier die Gegenfront gegen das Kabinett Prüning und seine Anhänger formieren solle. Aber außer der Tatsache des Machtwillens sind programmatische Aeußerungen über das, was die Nationale Opposition beabsichtigt, nicht vorhanden. Man kann nur indirekt folgern. Auch bei einem Versuch der indirekten Feststellung trifft man auf die Schwierigkeit, daß bisher ganz verschiedenartige Tendenzen von der Agitation der beiden dort vereinigten Hauptgruppen, Deutschnationale und Nationalsozialisten, vertreten worden sind. Während die Nationalsozialisten in den Betrieben Flugblätter gegen Finanzhyänen, Generaldirektoren und Lohnraub verbreitet haben, hat Hugenberg das Programm„Zurück zum Privatkapitalismus!“ aufgestellt. Gemeinsam war beiden nur der Kampfruf„Gegen den Marxismus und die Gewerkschaftsbonzen! Wie denkt sich die Volkspartei ein Zusammengehen mit der„Nationalen Opposition“, wenn Dingeldey am Sonntag in Breslau von der„Anerkennung der Privatwirtschaft", spricht und der Nationa'sozialist Graf Reventlow in einem Leitartikel des „Reichswart“ schreibt:„Die nationalen Parteien und Bünde wollen... die Aufrechterhaltung des Klassenstaates, sie wollen die alte„Führerschicht“, die seinerzeit so schön versagt hat, dauernd, sozusagen verfassungsmäßig weiter reaktionär führen lassen, sie wollen den Kapitalismus und betrachten die Arbeitnehmerschaft als denjenigen Teil der Bevölkerung, welcher den Willen der Führerschicht auszuführen, überhaupt ihr und den„oberen Klassen" zu dienen habe.“ Eine Opposition, die nur um der Opposition willen sich zusammenfand, ist keine Opposition; die Stoßkraft einer Opposition liegt nur in der Gemeinschaft der Idee. Und, was hat Harzburg gebracht? Frank Glatel weist auf den Vorwurf hin, der immer von der Rechten gegen Brüning erhoben worden sei: der Kanzler habe es nicht verstanden, ein Programm von wengen Hauptpunkten aufzustellen; auch an dieser Stelle in Harzburg ist immer wieder auf den Mangel einer einheitlichen Idee verwiesen. Aber was sagt Hjalmar Schacht in diesem Augenblick, da eine halbe Welt die Antennen ihrer Hoffnung auf die Harzburger Welle eingestellt hat?„Die Gesundung Deutschlands ist nicht eine Frage von einzelnen Programmpunkten, ist nicht eine Frage der Intelligenz, sondern eine Frage des Charakters.“. Charakter ist eine Selbstverständlichkeit, die allerdings — das geben wir zu.— rar ist wie Gold: aver Voraussetzung des Erfolges ist die Idee. Wie eine Million erst entsteht, wenn vor die sechs Nullen eine Einz tritt, so erhalten politische Charaktere erst Wert durch die von Hjalmar Schacht so mißachtete kleine Eins, nämlich die Idee. Auf der Tagung haben Redner den Schatten des Alten Fritz heraufbeschworen. Der ehrwürdige Alte von Sanssouci mit seinem Krückstock würde heute sicherlich mit aller Deutlichkeit auf die Tugend des Dienens hinweisen und dem Prinzip, daß auch die Wirtschaft Dienerin der Gesamtheit und nicht um ihrer selbst willen da sei, Geltung und Achtung verschaffen. Adolf Hitlers Harzburger Manifest, das mit großer Spannung erwartet wurde, bringt neben der Erklärung, die Verantwortung zu übernehmen, die Kampfansage gegen den Bolschewismus. Aber dieser Kampfansage hat der Führer keinen Inhalt gegeben.„Unser Kampf gegen den Bolschewismus,“ so heißt es,„um eine neue Zukunft der Nation ist damit zugleich ein leidenschaftlicher Kampf für die Interessen der deutschen Arbeiterschaft". Aber München sollte in aller Ehrlichkeit sich einmal fragen, wieweit es der Bewegung gelungen ist, den Namen „Arbeiterpartei“ zu rechtfertigen. Wer den Marxismus überwinden will, muß dem Kavitalismus einen deutschen Inhalt geben und ihn vollenden. Nur das kann die Mission einer neuen Botschaft sein. Aus den Kinderschuhen der 25 Programmpunkte hätte man längst in die Kürassierstiefel eines geschlossenen, aktiven Programms hineinwachsen müssen. Und wie ist es zu verstehen, daß„Sympathie und Freundschaft uns verbindet mit jenen Nationen, die uns in der Durchführung dieses Kampfes entweder schot vorangeschritten sind oder gleiche Ziele mit uns verfolgen?“ Gilt die Sympathie Mussolini, der mit Rußland Handelsverträge schloß und sich dem Ortis Rubio, konnte nicht seinen Tränen verbergen, als er die Trauerbotschaft erhielt. * Morrows Laufbahn war typisch amerikanisch. 1873 als Sohn eines gewiß reich mit Gütern gesegneten College=Präsidenten in Westvirginia geboren. arbeitete er sich— heute würde man sagen als Werk. student— durchs Amherst College. Aus dieser Zeit datiert seine Freundschaft zu Coolidge, der mit ihm die gleiche Klasse besuchte. Man erzählt sich, so schreibt W. Schulze in der Voss. Ztg., daß bei der auf amerikanischen Universitäten am Kurjusschluß üblichen Abstimmung, wer wohl der im Leben erfolgreichste Student sein würde, Morrow alle bis auf eine Stimme auf sich vereinigte. Die eine fiel auf Coolidge— und war von Morrow abgegeben. 1899 trat er als junger Jucist— er hatte einen abschließenden Kursus auf der Columbia=Universität in Neuyork absolviert— bei der angesehenen Anwaltsfirma Simpson, Thatcher and Bartlett für das königliche Gehalt von 6 Dollar wöchentlich ein, wurde aber schon 1905 zum Partner dieser Firma gemacht. Als solchen iernten ihn die Morgan=Partner Davison und Lamont kennen, und als nach dem Tode des alten I. P. Morgan der Sohn nach einem neuen Juniorpartner Ausschau hielt, zögerten die beiden nicht, Morrow dafür vorzuschlagen, obgleich dieser niemals praktisch im Bankfach gearbeitet hatte. Morgan junior lernte den jungen Anwalt bei einem intimen Herrenabend kennen und entschloß sich noch am gleichen Abend, Morrow in seine Firma auszunehmen. Am 1. Juli 1914, gerade noch vor Kriegsbeginn, vertauschte Morrow sein Anwaltsbüro mit dem Schreiotisch in dem kleinen Eckhaus, 23 Wall Streat, seine bescheidenen Anwaltshonocare mit dem jährlichen Fixum von einer Million Dollar und der dazu gehörenden Beteiligung am Reingewinn des Morganhauses. Der Krieg in seiner letzten Phase brachte ihn nach London, wo er als Mitglied des Allied Maritime Transport Council die nautischen Kenntnisse erwarb, die später— 1930— den äußerlichen Grund für eine Entsendung zur Londoner Abrüstungskonferenz als amerikanischer Delegierter abgaben. Der innere Grund lag tiefer. Schon damals wußte Hoover, daß es in ganz Amerika vielleicht nur noch ein solches Verhandlungsgenie wie Marrow gab: den für diese Konferenz aber völlig unbrauchbaren Owen D. Young. Jourualistische Beobachter behaupten denn auch, daß immer da, wo Stimsons starre juristische Einstellung ein Kompromiß zu verhindern drohte, die geschickte, aber zurchaus nicht weichere Hand Morrows Bürcken baute. Wie viese Landsleute, strafte auch Morrow die Redensart der Amerikaner, die angeblich dem Gelde Vielleicht hat auch das Bankhaus Morgan so oder ähnlich spekuliert, als es seinen Partner ziehen ließ. Dann muß das Erwachen aus diesen Illusionen aber häßlich gewesen sein, denn gerade Morrow, der Botschafter, war es, der die stärlste Opposition gegen das von seinem früheren Kollegen Lamont abgeschlossene Fundierungsalokommen betrieb. Und dem es schließlich auch gelang. das Abkommen für die Mexikaner einigermaßen erträglich zu gestalten. Dramatisch cie Situation, mit der Morrew bei der Regierung Calles debütierte. Amerika und Mexito waren über Nicaragua in die h ftigsten Konflikte geraten. Nördlich vom Rio Grande wurden schon Marinetruppen mobilisiert, als südlich des Grenzflussesein Diebstabl in der amerikanischen Botschaft Calles Material in die Hände spielte, durch das dem damaligen Botschafter einwandfrei Intecoentions= abbsichten noch im tiessten Frieden nachgewiesen werden konnten. Der schlaue Calles ließ dieses Material Coolidge zustellen, der Botschafter wurde abgerufen, Morvow wurde entsandt. Aber oben in den Nordstaaten saß einer, der mit der friedlichen Beilung keineswegs zufrieden war: der Zeitungskönig Hearst, dessen riesige mexikanische Ländereien in Gefahr standen, beschlagnahmt zu werden. Ihm war zuzutrauen, daß er auch den Krieg gegen Mexiko anzetteln konnte. In diesen kritischen Stunden, wo zweitausend Hearst angeschlossene Zeitungen in allen achtundvierzig Staaten der Union mit Hochdruck gefälschte mexikanische Dotumente auf den Markt warfen und die Stimmung gegen den südlichen Nachbarn bis zur Siedehitze aufpeitschten, gelang Morrow, trotzdem er erst wenige Wochen in Mexiko saß, sein diplomatisches Meisterstück. Er veranlaßte Lindbergh, Amerikas vergötterten Flieger, einen Nonstopflug von Washington nach Mexiko City zu unternehmen. Und der begeisterte Empfang, den die Mexikaner unter Calles persönlicher Führung„ihrem" Lindbergh zuteil werden ließen, die wirklich königlichen Ehrungen, die der im Herzen so bescheidene Ozeanflieger über sich ergehen lassen mußte, warfen die Stimmung in den Vereinigten Staaten zugunsten Maxikos um. Das Duell war beendet, Morron hatte über Hearst gesiegt. Morrow aber gewann durg, die. sen Coup nicht nur dipolmatisches Ansehen, sondern auch einen angenehmen Schwiegersohn eben in der Person dieses sympathischen„Lucky Lindy". Gurgie auch auf der Straße! natürlich trocken mit „ S 52 = O.• S 0* ** 2—.—— •**„ * Oc S SRSTEPR 1392 „„„„E*E. = ànn üm" G• 0 —.A—"—„— a 5UTA = □— E * STTGT SSSSSSSE.GG . S S B•2K———— □ „∆RO G SeS• ·W• 1 G 0—*. ****** 9# K0 — 10 00* (2e S Gonn G 7 Snse n. 9T" B•78 □ * SAR für Grittie haben wollte. Es war mein Fehler, daß ich sie zu zwingen drohte... Ich hab'’ es auch wieder gutmachen wollen— der Esel, der Staempfli, hätte nicht erst in mich hineinzureden brauchen wie in eine kranke Kuh. Ich wußte alles, was ich zu tun hatte. Ich wollte— äh, ganz gleich...“ Er zog Jutta auf seine Knie. Sie verstand ihn nicht, hatte aber Erbarmen für ihn. Es ging eine tiefe Erschütterung durch den alten Mann, weil er spüren mußte, daß die zähe Widerstandskraft der Erlaus, wie in ihm, so auch in seiner Tochter lebte. Liebevoll drückte er ihren Kopf an seine Brust.„Jetzt bin ich ganz allein— ganz allein, Jutta“, sagte er klagend.„Was soll aus dem Erlenhof werden? Verkauft ihn— und scharrt mich irgendwo ein!“ „Großvater, rede nicht so! Ich lebe doch auch noch!“ „Für deinen Vater; nicht für mich.“ „Für euch beide!“ Nun wurde sie unwirsch und sprang auf. „Vater und ich könnten schon morgen den Erlenhof übernehmen— er hängt nicht mehr an seinem Posten... Aber er kennt dich, und du kennst ihn: Zwei Menschen wie ihr kommen schwer zueinander. Das fürchtet er.“ „Unsinn, Jutta! Ich würde euch den Deubel in die Quere geraten. Nehmt ihr die Klitsche— gut, da könnt ihr euch ohne mich mit der Schwefelbande am Schieferbruch und in den Fabriken zanken und den Melkern in die Botten gucken! Ich zieh' mich zurück. Ich könnte— könnte Gritties Villa in Interlaken kaufen; die braucht sie ja nicht mehr, wenn sie erst in Hamburg sitzt und die Schweiz hinter sich hat.:. Grittie“, rief er der Eintretenden entgegen,„was soll deine Villa kosten?“ Grittie schrak ein wenig zusammen, als sie, noch an der Tür, die ihr laut zugeworfene Frage hörte. Sie wußte nicht, was das heißen sollte. Aber sie sah Juttas aufgeheitertes Gesicht und ihr listiges Augenzwinkern, lief ihrem Vater entgegen, mit jungen Schritten und lachender Miene, umschlang ihn und sagte:„Du wolltest mich wieder mal fröhlich sehen, Papa? Schau mich nur an! Ich bin es, weil ich glücklich bin!“ Und da wurden dem gefühlszermürbten Alten unwillkürlich die Augen feucht.„O du Range!“ gluckste er und hielt sie fest und küßte sie ein paarmal, wie er sein Kind seit zwanzig Jahren nicht geküßt hatte. Am Abend wiederholte sich die Verlobungsfeier bei vorgeschriebener Speisekarte, wie sie gestern ein Frühstück nach Hamburger Menü gewesen war. Im Speisesaal saßen Erlau, Grittie, Ewerle und Jutta an einem blumengeschmückten Sondertisch. Erlau war aufgefrischt und in Laune, trank rasch und ließ sich von Ewerle unermüdlich von seinen Geschäften erzählen und seinen weltumgreifenden Handelsbeziehungen. Stiller waren die Damen, kamen auch wenig zu Wort, aber waren innerlich froh.— Der alte Erlau schien sich in das unvermeidlich Gewordene gefunden zu haben. Er blieb auch weiter auf gutem Fuß mit Ewerle und setzte sich häufig mit ihm am Abend im Barraum des Hotels fest, während Grittie und Jutta in der großen Halle verblieben, wo sie Anschluß an einen kleinen Kreis liebenswürdiger Ausländer gefunden hatten. Ewerle plante im geheimen baldige Abreise. Er liebte diese anorganische Betriebsamkeit nicht und ging der Masse Mensch gern aus dem Wege. Aber auch Erlaus jähe Anhänglichkeit wurde ihm unbequem. Seine feine Zunge sträubte sich gegen die Unmenge verschiedener Cocktails, die der Alte in die Kehle goß, wenn sie in den Sesseln des Barzimmers saßen, immer an denselben Plätzen, und er wußte auch bald nicht mehr, was er Erlau immer noch vorerzählen sollte. Setzte man sich, so schlug der ihm auf die Schulter und rief:„Na, und nun erzählen Sie mal! Wo waren wir denn stehengeblieben? Ja: Kuba— der Rohrzucker...“ Und Ewerle mußte immer wieder seine Geschichten spinnen, bis der Alte mit den Augen zu blinkern begann und müde wurde. Nur an den Vormittagen hielt er sich noch frisch. Dann machte er seinen Spaziergang und stellte sich öfters vor der Villa Rosa auf, wölbte die Hände um den Mund und schrie mit gewaltiger Stimme nach Jutta. Die mußte stets zu seiner Verfügung sein; doch auch sie merkte, daß irgend etwas im Gedankenapparat des Großvaters nicht mehr so recht in Ordnung war. Der Januar näherte sich schon seinem Ende, als Erkau wieder einmal, die Schneeschuhe auf dem Rücken, vor der Villa stand und nach Jutta brüllte. Sie schaute aus dem Fenster, und er rief ihr zu:„Hallo, komm herunter, Kind! Wir wollen mit der Bahn nach Mürren! Da frühstücken wir und sausen dann bergab über die Grütschalp— es ist ja herrliches Wetter! Aber beeil dich ein bissel! In zehn Minuten geht der Zug...“ Man mußte zweimal umsteigen, sand aber immer Anschluß, hatte Fensterplätze, sah eine Lawine flimmernden Schneestaubs von der Jungfrau zu Tal stäuben, stieg höher auf der Drahtseilstrecke, vorüber am Geeck des Schwarzen Mönchs und hatte dann die ersten Häuser Mürrens vor sich. Erlau war wenig gesprächig. Der ganze Umkreis der Höhen, Spitzen und Gletscher erinnerte ihn immer wieder an eine Jugend.„ Auf dem Weg durch Mürren begann er auch davon zu sprechen. „Lange nicht hier gewesen“, sagte er.„Warte mal: Zwanzig, dreißig Jahre her— da hat mich das Schilthorn gelockt. Ging ohne Führer bs. und daun überraschte mich ein Schneesturm. Es war eine verteufelte Geschichte; denn jeden Moment lief ich Gefahr, in eine Spalte zu kugeln. Schließlich überschlug ich mich, schoß einen Purzelbaum und blieb halb ohnmächtig liegen. Wachte auf— die Sonne schien wieder— aber ich wußte nicht, wo ich war. Irrte weiter, stundenlang; sah dann eine Hütte vor mir— da konnte ich rasten uno zur Nacht bleiben. Fand auch Orientierungskarten, und da wurde mir klar: Ich hatte mich gründlich verirrt oder vielmehr verrutscht. Ich mußte über den Tellis abwärts steigen ins Kiental... Na, und da war ich denn auch bald zu Hause...“ Jutta war vor einem Gasthof stehengeblieben.„Wolltest du nicht in die Regina?“ „Ja— da gab's früher einen recht guten Malanser. Will mal sehen, ob man den noch auf der Karte hat. Los, Jutta!“ Aber ihre Füße wurzelten plötzlich im Boden. Sixtus Caylus trat aus dem Hause, fuhr zurück, stürzte vorwärts, schrie auf:„Herr von Erlau! Jutta!“ Erlau erkannte ihn sofort.„Ider Deibe!— Graf Caylus! Mein Erschwiegersohn, Nummer—— weiß die Nummer nicht mehr. Tag, Graf! Was machen Sie denn hier oben? Malen, kraxeln oder tanzen?“ Die Hände schlugen ineinander. Jutta spürte den Druck in allen Nerven. „Weniger Tanzen als Malen und Kraxeln, Herr von Erlau“, erwiderte Sixtus.„War eben im Begriff, nach Grindelwald zu fahren, um die Herrschaften zu begrüßen.“ „Sehr liebenswürdig! Aber vorläufig bleiben Sie noch ein bißchen bei uns! Wollen erst frühftücken und dann nach Grindelwald zurückskien. Da finden Sie einen Haufen Bekannte: Die ganze Pension Juttas— Sie wissen schon— tobt herum; Fräulein von Stetten mit ihrem Regierungsrat— der hat sich inzwischen ausgewachsen... Und die Grittie ist auch vorhanden: meine Tochter— Ihre Einstmalige, lieber Caylus... Sie heiratet demnächst, weil sie so lange nicht vermählt war!“ (Schluß folgt.) Rätsel-Ecke Nr. 294 Silbenrätsel. ar— bert— ohre— dau— de— den— di— diz— do— e— e— 6— en—0n— er— ern— fe— frank— ge— ge— gent— gir— han— in— in— ka— lan— lan— ment mit— mo— nef— nen— re— ren— reur— N— M— ris— te— te— te— tel— ti— ti— wie Aus diesen Silben sollen 19 Wörter gebildet werden, so, daß die Anfangs= und dritten Buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Zitat aus Schillers„Wilhelm Tell“ ergeben(ch ist ein Buchstabe). 1.————————— Landschaft in Mittelgriechenland 2.————————— Schwimmvogel 3.————————— Augenblick 4.————————— französischer Freischärler 5.——————— Alters= und Unfallversorgung 6.————————— Mädchenname 7.————————— deutscher Politiker 8.————————— Chorleiter 9.————————— Wagen 10.————————— Verdacht erregender Umstand 11.————————— französischer Dichter von Ritterepen 12.————————— Sammelzeit des Landmanns 13.————————— Verwandter 14.————————— Blumengewinde 15.————————— Heideblume: 16.————————— Kinderbett 17.————————— westeuropäisches Grenzgebirge 18.————————— Einsiedler 19.————————— Turngerät * Auflösungen: Nr. 292 Kammrätsel: Koenigswusterhausen, Koran, Elmar, Iltis, Sonne, Unkel, Taufe, Raupe, Anzug, Seife, Neger. Nr. 293 Besuchskartenrätsel: Godesberg. * Roman-Zeitung Ziclezach dürch die Liebe. Roman von Fedor v. Zobeltitz. 22. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Der Alte, der mehr und mehr seine Jahre zu spüren begann, hatte in letzter Zeit die Gewohnheit angenommen, sich nach dem zweiten Frühstück auf zwei Stunden ins Bett zu legen. Er schlief schlecht in den Nächten, aber er kämpfte mit aller Gewalt gegen die versagende Natur an. An den sonnigen Vormittagen ging er stundenlang spazieren, oft bis zu den Gletschern, schnallte sich auch zuweilen noch die Schneeschuhe unter die Sohlen oder rodelte auf der Bobbahn lustig drauflos. Dabei spürte er keine Ermüdung, doch sie kam nach, wenn er sich am Spätnachmittag an den Arbeitstisch setzte. Jede Post brachte ihm Sendungen des Sekretärs Berger vom Erlenhof, die er durchprüfen mußte, und immer war irgend etwas Verstimmendes darunter. Er ärgerte sich auch über jede Kleinigkeit, und, was schlimmer war, er hatte das Gefühl, die Gedanken nicht mehr so recht zusammenhalten zu können. Als ihm die Besuchskarte Ewerles überbracht wurde, saß er schon am Schreibtisch, die Briefe Bergers zur Hand. Aber er mußte erst überlegen: Wer war denn das, dieser Herr Ewerle? Dann fiel ihm ein: Ah ja, richtig— einer von den zahllosen Bekannten Gritties, die sie in allen Zipfeln der Welt besaß... Und nun kehrte die Erinnerung straffer zurück: Natürlich— das war ja der Hamburger mit dem Pantherfell und den Austern und dem Champagner! Und hatte Grittie ihm nicht gesagt, der wolle auch auf einen Rutsch nach Grindelwald kommen? Na, und wo blieb die Dame selbst? Hatte Jutta in Zürich abholen wollen— hatte noch Winterkleidung mit ihr zu besorgen oder derlei; aber das war doch rasch erledigt. Wo steckten denn die beiden? „Ich lasse den Herrn bitten“, sagte er zu dem Boy, der ihm die Karte gebracht hatte. Ewerle erschien, und Erlau schritt ihm entgegen. Im Zimmer brannte nur die elektrische Lampe auf dem Arbeitstisch. Einen Augenblick sahen die beiden Herren sich in die Gesichter; dann reichten sie sich die Hände. „Meine Tochter hat mir öfters von Ihnen gesprochen, Herr Ewerle“, begann Erlau.„Freue mich Ihrer Bekanntschaft! Darf ich bitten?“ Er rollte einen Sessel neben den Schreibtisch. Man nahm Platz. Erlau zog das Gefach des Schreibtisches auf, in dem seine Zigarren lagerten, schwankte, ob er dem Gast eine seiner teuren Havannas anbieten sollte, hielt es aber für unnötig und schob ihm eine Kiste mit Schweizer Stumpen zu.„Abrigens erwarte ich meine Tochter“, fuhr er währenddessen fort.„Eigentlich müßte sie schon hier sein.“ „Sie ist vor einer halben Stunde mit mir gekommen, verehrter Herr von Erlau“, erwiderte Ewerle freundlich.„Wir fuhren gemeinsam, weil wir uns in Basel zwecks unserer Verlobung getroffen hatten, was wir Ihnen auch gemeinsam anzuzeigen wünschten.“ „Was haben Sie gemacht?“ fragte Erlau und klappte die linke Ohrmuschel um.„Sie haben sich in Basel...“ Er brach den Satz ab und starrte den Besucher mit weit aufgerissenen Augen an. Jetzt stand Ewerle auf und blieb in achtungsvoller Haltung stehen, indes er weitersprach:„Herr von Erlau, Frau Grittie und ich haben eine so innige Freundschaft geschlossen, daß wir gesonnen sind, sie in einer Ehe fortzusetzen. Am siebzehnten Februar soll die Hochzeit stattfinden— in Hamburg, wo ich ansässig bin. Ich habe indes Grittie gebeten, mich schon vorher nach Hamburg zu begleiten, weil ich ihre umsichtige Hand bei der Einrichtung meines neuen Hausstandes nicht entbehren möchte. Versteht sich, daß ich sie bis zur Hochzeit in einem ersten Hotel unterbringe. Daß Sie an der Feier teilnehmen, erbitten wir herzlichst, und wir hoffen auf Ihre Zustimmung.“ In Erlaus Gesicht stieg eine heiß huschende Röte übermächtigen Zorns. Er wuchtete sich schwer in die Höhe.„Ist Ihnen bekannt, daß meine Wünsche in bezug auf das Schlußresultat der Ehen Gritties nach anderer Richtung liegen?“ „Genau bekannt, Herr von Erlau. Aber Ihre Wünsche gehen mit denen Gritties auseinander, und sie ist ja doch schließlich eine selbständige Frau— kein kleines Mädchen, dem man mehr oder minder gur zureden kann. Um ihr jedoch völlige Handelsfreiheit zu schaffen, wird sie vor unserer Heirat allen Erbansprüchen entsagen, auf die sie als Ihre Tochter ein Anrecht haben könnte.“ „Wie?“ fragte Erlau und setzte sich wieder.„Wiederholen Sie das, bitte!“ Ewerle tat es und sügte mit klugem und gütigem Lächeln hinzu„Auch ich habe meine Wünsche, Herr von Erlau. Ich will, daß Grittie in ihrer Ehe mit mir, in ihre letzte Ehe, nichts weiter mitbringt aus dem Vaterhaus als ein Herz voll Liebe.“ Das klang hübsch, und es traf auch. Erlau ruckte auf seinem Stuhl hin und her.„Sie hat mich nie geliebt—“, sagte er mit rostiger Stimme. „Vielleicht wurde ihr zu wenig Liebe entgegengebracht. Aber. Herr von Erlau, lassen wir den Vorhang über Gewesenes fallen! Grittie und ich— wir wollen uns in Herzlichkeit mit Ihnen einigen. Das ist keine Theaterspielerei— es ist unser ehrliches Empfinden. Wir beharren auf unserm Entschluß— so oder so. Soll es doch als Komödie enden?“ Erlau schob die Kiste mit den Schweizer Stumpen ins Schubfach zurück und holte die Havannas hervor.„Eine Corona gefällig?“ Ewerle griff zu.„Ist Ihnen noch mit Auskünften über mich gedient. „Merci! Wozu auch? Sie sind anscheinend ein reicher Mann?“ „Ich kann nicht klagen.“ „Und haben keine Angst, wie das alles werden kann— nach den drei verpfuschten Ehen Gritties? Durch die wehte der Föhn, und wie! Zuerst immer gut Wetter, mit wundervoller Beleuchtung, und dann Wolken und Sturm— und aus mit dem blauen Himmel!“ Ewerle hatte sich die Havanna angesteckt.„Ich rechne auf mein Hausbarometer“, entgegnete er.„Das ist Hamburger Fabrikat.“ Merkwürdig—: Nun lachte der alte Erlau.„Hamburger? Na ja— Föhn kennt ihr freilich nicht, bloß Regen. Ich war ein paarmal da— immer, wenn ich zu Schiff aus dem Ausland kam. Aber da hat's ewig gepladdert. Warum setzen Sie sich nicht, Herr Senator?“ Nun konnte Ewerle seines Sieges ziemlich sicher sein. Und da vernahm man von der Tür her eine zage kindliche Stimme:„Darf ich herein?“ Jutta flog in das Zimmer, stutzte, als sie Ewerle sah, rief ihm zu:„Grüß Gott, Onke! Tim!“ Und stürzte dem Alten in die Arme. Ewerle zog sich zurück. Noch einmal reichte er Erlau die Hand. „Darf ich Grittie zu Ihnen schicken?“ fragte er. Erlau nickte.„Ja— sie soll kommen!“ Kleine Pause.„Ich habe sie lange nicht fröhlich gesehen...“ Er strich mit der Hand über das Haar Juttas, die vor ihm auf den Knien lag.„And lassen Sie doch im Speisesaal einen Tisch für uns reservieren— wir wollen zusammensitzen!“ Ewerle verneigte sich und ging. Er schritt ruhig und gemessen, wie nach einer wichtigen kaufmännischen Konferenz, durch das Gemach. Doch draußen hatte er es sehr eilig. Er stürmte die Treppen hinab nach den Zimmern Gritties, klopfte an und rief ihr zu:„Fröhlich sein, Grittie! Befehl deines Vaters!“ Aber oben beim Alten schlug jäh die Stimmung um. Erlau hielt Juttas Kopf zwischen den Händen, sah indes über sie fort— mit glasigen Augen, wie in eine Leere hinein. „Großvater—!“ flüsterte Jutta. Nichts weiter. „Ja, mein Kind“, sagte er und suchte die Gedanken zusammen, als habe er geträumt.„Ich hörte, du nanntest ihn Onkel Tim... Du steckst also auch im Komplott?“ „Nein, Großpapa— so ist es nicht! Was sich zwischen ihm und der Mutter angesponnen hat, das hab' ich erst gestern erfahren. Aber ich bin nicht unglücklich darüber; ich habe den festen Glauben, daß alles gut wird. Ich kenne den Mann.“ „Er hat auch mir nicht gerade mißfallen, Jutta. Nein— es liegt etwas in seiner zubeißenden Offenheit. Er ist nur nicht der, den ich ce Jahrgang 1931 Dienstag, den 13. Oktober Nummer 282 Fußball im Reich. Rheinbezirk: Rhenania Köln: Alemannia Aachen 4:6 Waldbausen: Kölner BC. 1:2 Grün=Weiß Viersen: Baesweiler 2:5 Borussia M.Gladbach: Preußen Dellbrück 1:1 Viktoria Rhendt: SC M.Gladbach 3:1 V. f. B. Aachen: Bonner RV. 2:0 Sova. Sülz 07: Blau=Weiß Köln 3:0 Wickrath: Troisdorf 4:4 Dürener SV. 2 Rhendter SV. 1:1 Mülheimer SV.: Odenkirchen 0:5 Tura Bonn: V. s R. Köln 2:3 V. s. L. Sieabura: Bera.Gladbach 4:2 Vinast 05: Rhenania Würselen 3:1 Mittelrbein: V. f. R. Limbura: SC. Oberlahnstein 1:2 3V. Neuendorf: Koblenz 1900 5:2 SC. Horressen: RV. Engers 2:3 FsV. Boppard: SC. Niederlahnstein 5:2 SV. Elz: Germania Metternick 0:1 Bera.=Mark. Bezirk: SSV. Elberfeld: Germania Elberfeld 1:1 Küllenhahn: oFrtung Düsseldorf 0:8 Solingen 95: BC. 05 Düsseldorf 2:2 Hilden 03: V. f. L. Benrath 0:1 SSV. Oberkassel: Sonnborn 07 4:3 Schwarz=Weiß Düsseldorf: Langenseld 3:2 Gerresheim 08: Solingen=Gräfrath 2:1 FC. Schwelm: Tura Barmen 2:0 Viktoria Düsseldorf: FC. Obligs 2:4 Schwarz=Weiß Barmen: Turn Düsseldorf 6:2 V. f. R. Ohlias: BV 04 Düsseldorf 3:3 Lüttringhausen: Eller 04 7:3 Ruhrbezirk: Germania Bochum: Tus Bochum 0:2 Sportfreunde: Alemannia Dortmund 1:1 MBV. Linden: V. f. L. Hörde 3:1 Mengede: STV. Werne 3:2 Sportsrd. Essen: Rot=Weiß Essen 0:1 Schwarz=Weiß Essen: Essen=West 81 3:0 BV Altenessen: Horst=Emscher 6:2 Gladbeck: Werden 3:0 Westsalia Herne: Höntrov 1:0 Schalke 96: Schalke 04 1:7 Gelsenkirchen 07: Germania Herne 2:5 Castrov 1911: Rotthausen 8:2 Schalfe 04: Hertha=VSC.(Ges.=Spiel) 1:1 Westfalen: Bielefeld 07: Westsalia Ahlen 1:2 V. s. B. Bieleseld: Paderborn 08 1:2 Hammer Spielva.: Teutonia Lippstadt 3:1 Union Herford: S.u.S. Ahlen 4:4 Unna 08: Arminia Bielefeld 2:0 Borussia Rheine: V. s. L. Osnabrück 3:2 Gronau 09 2 Westfalla Scherlebeck 2:1 Sppa. Herten: SC. 1s Münster 2:2 Union: S. u. S. Reillinghausen 0:0 Preußen Münster: Hertba BSC. 1:2 Südwestsalen: Hagen 72: Hagen 1011 2:0 Hüsten 00: Hagen IK 1:1 Milsve: Lichtenplat#1: Jahn Weidohl: Sporlird. Siegen 5:1 V. I B Weidenau: Siegen 07 4:1 Brachbach: Plettenbera 4:1 Germania Mudersbach: Niederschelden 4:2 Bundespokal=Torrunde. Berlin: Brandenbura: Mitteldeutschland 4:3 Brannschweig: Norddeutschland: Baltenverband 4:3 Länderspiele Kovenhagen: Tänemark: Finuland 2:3 Brüssel: Belgien: Polen 2:1 Süddeutschland. Nordbanern: Spielva. Fürth: Würzburger Kickers 6:0 7V. 04 Würzbura: 1. FC. Banreuth 0:3 ASV. Nürnbera: V.f.R. Fürth 4:2 Südbavern: Bayern München= 1860 München 0:2(1) DSV München: SSB Ulm 1:1 Jahn Regensbura: Wacker München 3:1 V.f.B Ingolstadt: FC. Straubing 2:0 Württembera: Germania Brötzingen: Union Böckingen 2:2 V.f.R. Heilbronn: RV. Zussenhausen 0:1 Sportfrd. Eßlingen: aC. Birkenseld 1:2 Baden: FC. Villingen: SC. Rbeinfelden 6:1 SC. Freibura: Sova. Schrambera 3:1 V.f.B. Karlsruhe: RV. Rastatt 0:2 Main: Union Niederrad: Offenbacher Kickers 1:1 Germania Bieber: Spvg. Griesheim 3:1 V.f.L. Neuisenbura: Eintracht Frankfurt 1:3 FSV. Frankfurt: Germania 94 Krankfurt 3:0 Rot=Weiß Frankfurt: FSV. Heusenstamm 5:0 Hessen: Viktoria Urberach: RSV. 05 Mainz 0:4 Viktoria Walldorf: 1. FC. Langen 0:1 SB Wiesbaden: Wormatia Worms 1:5 Alemannia Horms: Olympia Lorsch 4:0 Va. Kastel: SV. 98 Darmstadt 3:1 R hein: V.f.L. Neckarau? Spva Mundenheim 2:1 SV. Waldhof: V.f.R. Mannheim 3:1 Amicitia Viernheim: KC. 08 Mannheim 3:1 FG. Kirchheim: Sppa Sandhosen 0:6 Saar: FV. Saarbrücken: FK. Pirmasens 3:1 Privatspiel: Karlsruher RV.: Graßhoppers Zürich 3:2 Norddeutschland Hamburg: St. Geora: FC St Pauli 3:1 Altona 98: Wacker 2:1 Hamburger SV.: 1. FC. Nürnbera(Ges.=Sp.) 1:3 Nordbezirk: Rendsburger BW.: Eintracht Kiel 2:2 Kilia Kiel: Borussia Kiel 2:2 Südbezirk: Spog. 97 Hannover: V.s.B Braunschweig 2:1 V.f.B. Peine: Eintracht Braunschweia 2:2 Hildesheim 06; SV Hötensleben 4:1 Arminia Hannover: Linden 07(Ges.=Sp.) 6:1 Mitteldeutschland. Nordwestsachsen: Fortuna Leipzia: Sportird. Markranstädt 2:0 Spielva. Leipzla: Olympia=Germania Leipzta 7•4 V.f.B. Zwenkau: T.u.B. Leiveio 1:3 Gesellschaftsspiele: Rina=Greilina Dresden: Dresdner SC. 2:1(h Risaer SV.: Rasensport Dresden 3:2 SB. 06 Dresden: Sportges. 93 Dresden 0:0 Brandenburg Dresden: SV. 08 Meitzen 7:2 Guts Muths Dresden: Minerva Bln.(Ges.=Sp.) 3:0 Südostdentschland Mittelschlesien: Svortird. Breslau: SC 08 Breslau 5:2 V.f.B. Breslau: Union=Wackrr Breslau 4:1 SB 05 Breslau: Vorwärts Breslau 2:4 FV. 06 Breslau: Hertba Breslau 3:1 a. Wohlfahrtsbriefmarken für die Winterhilfe. Vom 1. November an werden die Postanstalten und die Deutsche Nothilfe neue Wohlfahrtsmarken zu 8, 15, 25 und 50§ sowie eine Postkarte zu 8§ vertreiben. Für die Marke zu 8 s und die Postkarte wird zu Gunsten der allgemeinen deutschen Wohlfahrtspfiege ein Zuschlag von 4§ erhoben, für die andern Marken ein solcher von 5, 10 und 40 J. Die Marken zeigen folgende Bilder: 8 4 Dresdner Zwinger, 15 Z Breslauer Rathaus, 25 4 Heidelberger Schloß, 50 4 Lübecker Holstentor. Kyffhäuser=Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen Oberhausen. Die Beratungsstunden sinden von jetzt ab jeden Mittwoch von 7 bis 9 Uhr abends im Lokal Wirtschaft Graf Haeseler am Altmartt bis auf weiteres statt. Am Freilag, dem 9. ds. Mis verslarb nach kurzer, schwerer Krankheit dei Lagerverwalter uns rer Ableilung Verkehr im Alter von 46 lahren. Wir verlieren in dem Verstorbenen, der über 30 Jahre in unseren Diensten stand, einen pflichttreuen und gewissenhalten Beamten, dessen Andenken wir stets in Ehren hallen werden. Oberhausen Rhld., den 12. Okt. 1931 Gutehoffnungshütte Oberhausen Aktiengesellschaft S 3 Gladbeck Oeffentliche Steuermahnung. Spätestens am 15. Oktober 1931 sind folgende Steuern und Abgaben an die Stadtkasse Gladbeck zu entrichten: 1. Steuern und Abgaben vom Grundbesitz (Grundvermögenssteuer, Hauszinssteuer usw.) für Oktober 1931. 2. Lohnsummensteuer für die Monate Juli= September 1931. 8. Bier= und Getränkesteuer für September 1931. 4. Schulgeld für die höheren Schulen für Oktober 1931. Vom 16. Oktober an werden die Rückstände, Verzugszuschläge, Verzugszinsen und Gebühren im Wege der Zwangsvollstreckung eingezogen. Eine Behändigung von Mahnzetteln findet nicht statt. Der Verzugszuschlag beträgt für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefangenen halben Monat 5 v. H. des Rückstandes. Gladbeck, den 12. Oktober 1931. Stadtkasse. Eingetragen am 9. 10. 1931 in H.=R. A Nr. 794 bei der Fa. Kuhlmann& Reintgen in Oberhausen=Sterkrade: Die Firma ist erloschen. Amtsgericht Oberhausen. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung, sollen die im Grundbuch von Gladbeck, Band 49, Blatt 1427 eingetragenen nachstehend beschriebenen Grundstücke am 12. Dezember 1931, vormittags 10 Uhr an der Gerichtsstelle Friedrichstr. Nr. 68, Zimmer Nr. 8, versteigert werden. Gladbeck, Flurbuch Kartenblatt 11, Parzelle 3314/38, Grundsteuermutterrolle 1057, Gebäudesteuerrolle 890, bebauter Hofraum, Größe 3,89 Ar, Gebäudesteuernutzungswert 2815 RM. Flurbuch Kartenblatt 11, Parzelle 3318/28, Kaiserstr. 12, Größe 81 gm. Der Versteigerungsvermerk ist am 24. September 1931 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals die Witwe Kaufmann Emil van Ahlen, Antonie geb. Dume, gen. Roxel in Gladbeck und ihre Kinder: 1. Maria Bernhardine van Ahlen, geb. am 23. 4. 1902, 2. Emilie Agnes van Ahlen, geb. am 28. 4. 1908, 3. Theodor Maria van Aahlen, geb. am 10. 1. 1914, 4. Emil Alfred Josef van Aahlen, geb. am 29. 3. 1916, in ungeteilter Erbengemeinschaft eingetragen. Gladbeck, den 2. Oktober 1931. Das Amtsgericht Erstkl. Artist.=Familie sucht sof. jung. Mädel (15—17 J.) m. Vorkenntn. i. Turnen in d. Lehre auf Reisen. Beding. gut. anständ. Charakt. Pers. vorst. b. Joh. Oglos, Lichtburg, Oberhausen, (Bühne) Existenz Dame kann geg. Vergütung Frisieren erl. 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Oktober 1931 6,45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,05—8,00 Morgenkonzert(Platten) 1. Jauchzet dem Herrn, Thiel. 2. Fackellanz, B=dur, Meyerdeer. 3. Morgenblätter, Walzer, Joh. Strauß. 4. Marinarella=Ouverture, Fucik. 5. Zwei Lieder: a) Das Zauberlied, Meyer=Helmund; b) Du tollst der Kaiser meiner Seele sein, Stolz. 6. Melodien aus dem Sylvia=Ballett, Delibes. 7. Die fürkische Scharwache, Charakterstück, Michaclis. 8. NikiMarsch aus der Operette„Ein Walzertraum“, Oscar Strauß. 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und„Wasserstandsmeldungen. 10.15—11.00 Schallplattenkonzert. 11,00—11,15 Funkwerbung mit Schallplatten. 11.20—12,00 Schulfunk für Schüler aller Schulen v. 12. Lebensjahre an. 12,10 Schallplattenkonzert. 12,50 Wetterbericht. 12.55 Nauener Zeilzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Wolf. 1. Telefunken=Marsch, Evert. 2. Krolls Vallklänge, Walzer. Lumbye. 3. Ouverture zur Oper„Nebucad= nezar“, Verdi. 4. a) Ungarische Kinderszenen: b) Ungarisches Erniefest, Tohnanyf. 5. Melodien aus der Oper„Die Favoritin". Tonizetn. 6. Erotische Suile, Knümann, 7. a) Amare, Iniermezzo. Clemus; b) Soynenkind und Wolkenmann, Scherzo, Clemus. 8. Echo der Welt Potpourri, Zimmer. 15.30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe.. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—16,30 Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16.30—17,00 Aus dem Leben der höheren Schule. 1,00—18.00 Besperkonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundsunks, Leitung: Kühn, Soiist: Grape(Klavier). Zeitgenössische Tonseper. 1. Ouverture„Die Romantiker". Friedland. 2. „Hochzeusluchen“,(Wedding Cale), Walzer Capriccto für Klavier und Orchester, Saini=Sarns. 3. Tanzszene für Großes Orchester. Pensts. 4. Kleine Serenade für Streichorchester. Trunk 8.00—18.20 Für den Landwit! 18.20—18.40 Erste Reise(Erzählung). 18.40—19,00 Französische Unterhaltung 19.00—19.15 Wetterbericht, Zeilangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht 19.15—19,25 Zehn Minuten Funfnachrichten. 19.30—19,55 Verfassung und Verwaltung. 19.55 Erste Abendnmeldungen. 20,00 Abendmustk. Das Kleine Orchester des Westdeutschen Rundsunks, Leitung: Eyfoldt. 1. Vorspiel zur Oper„Carmen“, Vizei. 2. Aus Fiügeln der Nacht, Walzer, Faust. 3 Die Krone Indiens, Sutte. 4. a) Menuett, Stenberg: v) Marionetten Charakterstück, Weber. 5. Polpourn aus der Spereite„Vovel tanzt Walzer“. Ascher 21,00 Zauerbische Stunde, zeitgenössische Tichtung mit vorkendenter Mustk. modichte von Friedruch Schnack, Alfred Mombert und Hugo von Hofmannetha. 22,00 Letzte Meldungen, Bericht über das zeistige Leben. Sportberich:. 6,30 Gymnastik. Deutiche Welle. 1635 m 183.5 1rg. 35 f8. Anschl bis 7,30 Frühkonzert. 10,35 Nachrichten. 12.00 Landwirtschaft. Anschl. Lieder=Arien u. Duette (Schallplatten). 13,30 Nachrichten. 14,00 Schallplatten. 15,00—15.25 Kinderstunde. 15.30 Wetter und Börse. 15.45 Frauenstunde. 16,30—17.30 Konzert aus Leipzig. 17,30 Der Anteil deutscher Forscher an der Erkundung der Sabara. 18.00 Sozialismus als Wettanschauung 18,30 Hochschulfunk. 19.00—19,25 Englisch. 19,30 Vom Hamburg: Orgel mit obligalen Instrumenten. 20,15 Protestantismus und die geistige Lage der Gegenwart 21,00 Nachrichten. 21.00 Nachrichten. 21.10 Von Hamburg:„Mann in de Tunn!“. Ein besterer plattdeutscher Abend 22,13 Nachrichten. 22.30 Von Hamburg: Operetle und Revue. 23,30 Aus dem Kabarett der Komiker:„Die Nacht der Prominenten", Oberhausen Intendani: Ernst Hellbach-Kühn Jelet 21873 Dienslag, den 13 Oktober. 2.15 Uhr ! Abonnemenis Vorstellung der Reihe„A“ Zum 1. Male! K43 Frühlingsluft Operene in 3 Aken von K Lindau und Jul. Will elm.— Musik von losel Strauß. Minwoch den 11. 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