88000 Abonnenten. Nr. 84. 20. Jahrgang. Dortmund, Montag, den 25. März 1907. Abonnenten 88000 Erscheintwöchentlich sieben Mal. Bezugspreis: für Dortmund 55 Pfg monatlich. im übrigen 60 Pfg. Mit der Wochenbeilage „Dortm. Lustige Blätter“ nur 10 Pfg. mehr. Bei der Post mit den Beilagen: Vierteljährlich.25 Mk. Postzeitungs=Nr. 2914. Berliner Bureau. Berlin SW. Markgrafenstraße 19. Cbefredakteur: Karl Richter Dortmund. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Giesbert Tiefensee. für den Inseratenteil: Julius Reitemeier. Dortmund. Telephon= Auschlüsse: Dortmund: Nr. 404 und 761. Haupt=Agentur Avlerbeck Nr. 128.(H. Kümver). fAr Tertmnnd und die Größte und verbreitetste Zeitung im westfälischen TelephonAnschlüsse: Haupt=Agentur Herne Nr. 124.(B Anton.) Hirde Nr. 135(M gerse), Haupt=Agentur H5 Haupt=Agentur Unna Nr. 2 Haupt=Agentur Wanne Nr. Haupt=Agentur Witten Nr. poror zcr. 125. 4Py, pops.) Tin Redaktion und 856(E Frießel.) Vortmund, pa(C. Thever, Feinoldistraße 11. KK. 18 Sartung. Insertionsbreis. 25 Pfa. die Kolonelzeile für auswärtige Inserate 30 Pfa. Reklamen die KolonelZeile 80 Pfa Westsnten Industriegebiet. Unparteiisches Organ für Jedermann. Für die Aufnahme von Inseraten an bestimmtvorgeschriebenen Tagen wird keine Garantie übernommen. Druck und Verlag: „General=Anzeiger Dortmund“. G. a. b. 6. Drittes Blatt. Die heutige Nummer enthält drei Ausgaben und das vierseitige Unterhaltungsblatt zusammen —14 Seiten— Die rumänischen Revolten Der Bauernkrieg in Rumänien wütet noch immer fort. Soweit die Lage zu überschauen ist, scheint auch keine Aussicht zu sein, daß die Rebellion schnell und energisch unterdrückt werden kann. So erklärt sich das Gerücht, daß die Regierung demissionieren, und daß Herr Sturdza ein neues Kabinett bilden werde, dessen erste und vornehmste Aufgabe es sein würde, die Ordnung wiederherzustellen. In der Kammer sprach gestern der Abgeordnete Carp über die Unruhen. Er erklärte, es sei unwahr, daß jüdische Gutspächter die Unruhen verschuldet hätten; die liberale Partei treffe der größte Teil der Schuld, weil sie gehetzt und ein Programm aufgestellt habe, das die Bauern zu Forderungen veranlassen und zum Aufruhr führen mußte. Heute werden in Bukarest zahlreiche Versammlungen abgehalten, man befürchtet nach denselben Krawalle. Umfassende Maßregeln wurden getroffen. Wien, 23. März. Aus Czernowitz wird gemeldet daß in Jassy allgemein für den morgigen Sonntag ein Hauptschlag der Bauern befürchtet wird. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung ist deshalb nach Czernowitz geflüchtet. Der antisemitische Agitator Professor Cusa hat für morgen eine Studentenversammlung einberufen. Ein großer Teil der Truppen der Garnison ist nach auswärts abkommandiert. Die neuesten Berichte melden, daß die Stadt Bucesci von Bauern größtenteils niedergebrannt sei. In Bacau wurde der Staatsanwalt von Bauern gefesselt und mehrere Stunden lang festgehalten. Auch ein Oberst wurde von den Pauern mißhandelt, als ein Oberstleutnant eine Truppe von 400 Mann feuern ließ, wurden fünf Bauern getötet und sechs schwer verwundet. In Vaslui wurden die Truppen am 23. März von eindringenden Bauern zurückgeworfen. Der Kommandant mußte flüchten, um von den Bauern nicht erschlagen zu werden. Czernowitz, 23. März. Mit dem Mittagszuge langten heute Flüchtlinge aus Botuschani, Dorohoi und Halniyestie an, die wegen der für morgen angedrohten Bauernausschreitungen in größte Angst versetzt worden sind. In Bukarest wurde ein Geheimverein entdeckt, der die Inszenierung von Judenhetzen besorgt. In Galatz ist ein Hafenarbeiterstreik ausgebrochen, der mit der Agrarbewegung in Verbindung steht. Bukarest, 23. März. Die Zuckerfabviken Maioresti und Sascut im Distrikt Putna, die von Bauern bedroht sind, haben militärischen Schutz verlangt. Die Ortschaften Alexandria und Zimnicca in der Walachei sind teilweise zerstört, die Bauern bedrohen auch Rosiori de vede, das um Hilfe telegraphierte. Wichtige Ministerbeschlüsse stehen bevor. Ermordung eines französischen in Marollo. Paris, 23. März. Der französische Gesandte Renault in Tanger erhielt, wie von dort gemeldet wird, die Nachricht von der Ermordung eines französischen Arztes Mauchamp durch Eingeborene in Marrakesch. Dr. Mauchamp befand sich mit dem Chepaare Genty seit mehreren Monaten in Marrakesch, wo er durch gebührenfreie Behandlung der Eingeborenen deren Vertrauen zu gewinnen suchte. Er glaubte auf seinem Hausdache ungehindert wissenschaftliche Apparate anbringen zu können, die, wie es heißt, geodätischen Zwecken dienten. Ein Teil der Bevölkerung scheint aber angenommen zu haben, daß Dr. Mauchamp eine Station für drahtlose Telegraphie errichten wolle, und eröffnete alsbald ein Steinbombardement gegen das Dach, wobei Dr. Mauchamp seinen Tod fand. Das Ehepaar Genty hielt sich indessen verborgen, doch gilt deren Sicherheit für gefährdet. Der Vizekonsul von Mazagan wurde beauftragt, unverzüglich alle möglichen Maßnahmen zum Schutze des Ehepaares zu treffen.— In der französischen Kammer erregten die ersten Meldungen über die Ermordung Mauchamps nachhaltige Bewegung. Wohl weiß man, daß die scherifische Regierung fast ohne Einfluß auf die Verwaltung der dem sogenannten„Poeten=Prinzen" unterstehenden Provinz Marrakesch ist, gleichwohl aber soll der Gesandte Renault die volle Verantwortlichkeit des Sultans betonen und in Tanger sofort Schritte unternehmen, die von größter Tragweite sein könnten. Das diplomatische Korps in Tanger, das von Renault nicht direkt, sondern durch dessen Sekretär verständigt wurde, hält darauf, in dieser Angelegenheit das gesamte europäische Interesse zu wahren. Mauchamp waren 37 Jahre alt. Vor anderthalb Jahren sandte ihn das„Komitee für friedliches Vordringen in Marokko" nach Marrakesch. Pobjedonoszew+. Petersburg, 23. März. Der frühere Oberprokurator des Heiligen Synods Pobjedonoszew ist heute Abend gestorben. Mit Konstantin Pobjedonoszew schied ein Mann aus dem Leben, der fost ein Menschenalter hindurch in die Geschicke Rußlands entscheidend eingegriffen und in den Annalen der innerpolitischen Geschichte des Zarenreiches tiefe Spuren zurückgelassen hat. Geboren zu Moskau 1827, erhielt er seine juristische Bildung an der Rechtsakademie zu Petersburg und wurde dann Professor der Universität seiner Heimatstadt. Im Jahre 1860 wurde er vom Kaiser Alexander 2. mit dem Unterrichte mehrerer junger Großfürsten vertraut, unter denen sich auch Alexander Alexandrowitsch, der spätere Zar Alexander., befand. 1872 in den Reichsrat berufen, wurde Pobjedonoszew im Jahre 1880 zum Oberprokurator des Heiligen Synods ernannt. Damit war er am Ziele seiner Wünsche angekommen. Bald gestaltete er das Amt von Grund aus um; aus einer untergeordneten Verwaltungsinstanz, welche lediglich die Wünsche der russischen Kirche beim Zaren zum Vortrage zu bringen hatte, schuf er ein absolutistisches Ministerium und verstand es, in der fast allmächtigen Stellung des Oberprokurators fast 25 Jahre hindurch Kirche, Zar, Minister und Reichsrat nach seinem Willen zu leiten. Er war ein Mann von glänzenden Geistesgaben. Auch seine staatsmännische Tätigkeit, die ihn zur höchsten Macht führte, läßt seine hervorragende Bildung, seine Klugheit erkennen. Aber diese Macht gereichte dem Lande und der Kirche, der er vorstand, nicht zum Segen. Sie hielt die Geistlichkeit wie auch das gesamte Volk im Banne der Unwissenheit, sie erzeugte viel Unwillen und wirkte zersetzend ein auf das Lepe Anläßlich des bevorstehenden bitten wir unsere Abonnenten, von etwaigen WohnungsVeränderungen uns ungesäumt Mitteilung zu machen, damit in der Zustellung unseres Blattes keine Unterbrechung eintritt. Geschäftsstelle des„General=Anzeigers“, Reinoldistraße 19. ben des ganzen Landes. Und die meisten reaktionären Maßnahmen Alexanders 3. werden in Rußland auf den Einfluß Pobjedonoszews zurückgeführt. Mit dem Siege der Ideen des Fortschrittes in Rußland unter Zar Nikolaus 2. ging naturgemäß auch der Einfluß Pobjedonoszews zurück. Seit einigen Jahren schon war seine Macht im Schwinden, und als Ende Oktober 1905 der Zar die Enthebung Pobjedonoszews von seinem Amte in gnädigen Worten verfügte, war dieser schon lange nicht mehr der einflußreiche Ratgeber am Zarenhofe, der er früher gewesen. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Berlin, 23. März. Das militärische Ehrengericht hat nach einer Meldung der„Augsb. Abendztg.“ in der Verhandlung gegen den anläßlich der Tippelskirch=Affäre vielgenannten Major Fischer auf schlichte Entlassung aus dem preußischen Heere erkannt. Das Urteil ist dem Kaiser zur Bestätigung unterbreitet. Berlin, 23. März. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt in ihrem Wochenrückblick:„Die Rede des Oberpräsidenten Freih. v. Schorlemer auf dem Provinziallandtage der Rheinprovinz hatte bekanntlich den ganz besonderen Zorn der führenden Zentrumsblätter, der„Kölnischen Volkstg.“ und der„Germania“ erweckt. Nun ist es eine alte Taktik gerade des rheinischen Zentrumsblattes, unbequeme Erscheinungen als quantité négligeable zu behandeln, um die eigene Leserwelt über die Bedeutung aller innerhalb des Katholizismus gegen das Zentrum gerichteten Aktionen im Dunkeln zu halten. In dieser Weise suchte sie auch die wohlberechtigte Vorhaltung eines katholischen Oberpräsidenten gegen das Zentrum von oben herab abzutun. Nun aber die einhellige Vertrauenskundgebung des rheinischen Provinziallandtages, über die die Kölnische Volkszeitung einen vollen Tag lang die Sprache verloren hatte, und erst 24 Stunden später als sie ihr vorgelegen hat, mit einer hilflosen, nichtssagenden Begründung abzutun. Jedenfalls hat diese Demonstration rheinischen Provinziallandtages bewiesen, welchen Widerhall die wackeren Worte des Oberpräsidenten gefunden haben. Des weiteren spricht sich das offiziöse Organ dahin aus, daß mit den Wahlen die Bewegung unter den nationalen Katholiken keineswegs ein Ende genommen habe, was aus der Rede des Oberpräsidenten hervorgehe. In ihrer Wochenschau schreibt die„N. Allg. Ztg.“ in einem Rückblick über den Sessionsabschnitt des Reichstages: Die Präsidentenwahl, die Bewilligung der Kolonialkre= dite, die gemeinsamen konservativ=liberalen Anträge in der Budgetkommission, die teilweise auch im Plenum durchgesetzt wurden, die gegenseitige Rücksichtnahme der Blockparteien während der Etatsberatung, die taktvolle Zurückhaltung der FreiFürsten Estermonolog. Die„Berl. Morgenpost“ schreibt: „... Ja, die leichte Mütze, natürlich.... und die Kniehosen, die hohen englischen Strümpfe und die gelben Schuhe, selbstverständlich... pack' nur alles hübsch ordentlich ein, August!... Wir wollen's uns recht bequem machen da unten... so ganz behaglich leben, wie richtige Ferienbummler. Was? Bücher? Nicht in die Hand! Höchstens den Bädeker und den Büchmann— die sind unentbehrlich... Ist der Koffer voll, August? So, dann ordentlich verschließen und verschnüren...“ Er wirft sich in einen bequemen Klubsessel, kehnt den Kopf zurück und schließt zufrieden lächelnd die Augen. Dann fährt er in seinem Selbstgespräch fort: „Ds können sie nicht bestreiten! Das werden sie alle sagen: der Mann hat seine Osterferien verdient. Noch nie ist ein leitender Staatsmann so leichten Herzens auf Urlaub gegangen. Das sollen Feiertage werden an der schönen Riviera di Levante, wo es so viel Sonne gibt— und gottlob, wenig Engländer. Bin ich nicht wirklich ein Auserwählter des Schicksals? Denen, die Gott liebt, gedeiht alles zum Besten. Mögen sie schimpfen und spotten: Angriff und Verleumdung gleiten an mir ab wie Regentropfen an einem Mackintosh. Ich stehe auf blumiger Höhe jenseits der unsicheren Zone, in der Menschen sich blamieren können; auch ich darf sagen: Es ist erreicht. Ich bin Fürst, ich habe Millionen geerbt und die Gnade meines Herrn leuchtet mir wolkenlos wie immer. Was kümmert mich, ob in Marokko die französtsch=spanische Polizei die letzte Erinnerung an den deutschen Namen aus dem Lande fegt! Ob der türkische Sultan Sehnsucht nach englischen Pfundnoten fühlt? Ob Eduard in Paris mit Clemencau heimlich Zusammenkünfte hält! Ich bin der Diplomat, der Deutschland in der Welt voran führt— der Reichstag ist in die Ferien gegangen, ohne mir ein böses Wort zu hinterlassen, obgleich ich ihn durch Wochen geschnitten und mich gestellt habe, als tage er in Kamerun, nicht in Berlin. Ich sage, daß alles gut geht, und man glaubt es mir. Alle Welt in Deutschland vierdient Geld, und solange die Woge des industriellen Aufschwunges mich trägt, bin ich ein staatsmännisches Genie. Ich habe den Aufschwung nicht gemacht; das taten das Talent und Wissen unserer Ingenieure und Chemiker, der Unternehmungsgeist unserer Kaufleute, der Fleiß und die geschickten Hände der deutschen Arbeiter— aber warum soll ich die Früchte nicht vom Baum pflücken, Meine Wahlparole hat das Gegenteil erzielt. das Zentrum ist ungeschwächt zurügekommen. Aus eigener Initiative auf selbständige Verabredungen hin hat das Bürgertum die Sozialdemokratie geschwächt— mir legt man Cäsars Lorbeerkranz ums Haupt: der geniale Feldherr sigt auch im Schlaf. Ich bin der erfolgreichste Premierminister der Gegenwart. Und womit habe ich diese Erfolge erzielt, deren ich mich rühmen darf? Wie einfach ist das politische Rezept! Ein bißchen Liebenswürdigkeit— das ist alles. Ich habe die Völker gern: sie sind ja so bescheiden, so dankbar. Ein Herrscher, der nicht gerade Mikrocephalengehirngewicht hat, gilt ihnen bald als Genie. Sie wollen ihre Leiter lieben, sie überreden sich selbst, in ihnen Qualitäten zu entde, in, von denen die angeblichen Besitzer persönlich-, genug erst mit Ueberraschung hören. Ein huldvolles Lächeln, eine unverbindliche Freundlichkeit, ein höfliches Wort tun Wunder. Ein Kanzler, der statt mit Wasserstiefeln Fußtritte anzuteilen in Eskarpins Kratzfüße macht, ist ein Erenzgel, und wenn er statt Rücksichtslosigkeiten klassische Zitate spricht, ist er ein Mann von Geist. Wie wenig verstehen diese Demokraten das Volk, als dessen Vertreter sie sich aufspielen! Die Nationen wollen geführt werden— nur nicht, an der Kette, sondern am Gängelband. Sie wollen nicht selbst verantwortlich sein, und sie beugen sich vor dem Apisntier, wenn sie ihn nur gelegentlich zum Sündenbock wandeln können. O ihr Oldenburge und Schuckmänner, wie lächle ich über euch, wenn ich allein mit meiner Schwiegermutter im Salon sitze! Ihr wundert euch, daß man euch haßt und höhnt, da Haß und Hohn jedes Wort aus eurem eigenen Munde ist. Seid so reaktionär wie ihr wollt, verteuert dem Landsgenossen Brot und Fleisch, verschlechtert ihnen die Schule, verbietet ihnen das Reisen, erschwert ihnen das Briefeschreiben: aber tut es mit ein paar glatten, eleganten zu nichts verpflichtenden Worten, und ihr werdet sehen, wie viel Gewalt und Aerger ihr euch hättet sparen können. Beklagt ihr euch über in Eseitigkeit? Ich bin mit den Agrariern Agrarier und mit den Kommerzienräten Kaufmann, mit den Künstlern Künstler. Ich plaudere mit allen und benutze sie alle. Ich sage jedem, was er hören will, und beeinflusse ihn, was er tun soll. Ich stelle mich, sie alle ernst zu nehmen, und heimlich belustige ich mich über alle. Ich gebe vor, von jedem Rat anzunehmen, und lasse nicht eine Minute die Hand vom Ruder. Ich verneige mich scheinbar vor allen und in Wirklichkeit überdauere ich alle. Sehet die Binsen an über dem Wasser! Wie spielte ich mit dem Reichstag. Sie sind nur Bauern in meiner Schachkombination! Wie sein habe ich Pod aus dem Sattel gehoben! Ich habe ihm die Kehle zugeschnürt, aber nicht verabsäumt, mir dazu Frack und Handschuhe anzuziehen. Mag der schwere Kürassier seinen Zein niederreiten— ich, flotter Husar, setze über ihn hinweg mit keckem Sprunge. Herrliche Wochen liegen vor mir. Wenn nur mir, dem Arbeitsgewohnten, die Ferienmuße in Blumenduft und Sonne nicht bald zur Qual wird! Ein wenig Beschäftigung braucht der Geist... Ich weiß, was ich tue! Zu meiner Zerstreuung schreibe ich ein Werk, in dem ich die Rssenz meiner Kunst niederlegen werde.„Das Buch vom Kanzler“— Macchiavelli war so im Grunde mein Kollege... August, pack' auch Tinte und Schreibpapier ein!" Er erhebt sich und geht lächelnd ins Nebengemach, der Schwiegermutter die glückliche Idee zu unterureiten. sinnigen in der Debatte über die Wahlbeeinflussungen und über die polnische Schulstreikfrage— all das und noch anderes mehr, beweist, daß wir bei der neuen nationalen Mehrheit, mit einem weit dauerhafteren und innerlich geschlossenerem Gebilde zu tun haben, als es sich die guten Freunde von der Mitte und von der äußersten Linken haben träumen lassen. Nach alledem erscheint die Hoffnung vollberechtigt, daß es der nationalen Mehrheit durch rechtzeitige Verständigung, wie sie im abgeschlossenen Sessionsabschnitt in allen wichtigen Fragen erzielt worden ist, gelingen wird, die großen Aufgaben, die des Reichstages im kommenden Sessionsabschnitt zwischen Ostern und Pfingsten harren, in befriedigender Weise zu erledigen. — Der frühere Landwirtschaftsminister von Podbielski erfreut sich nach einer Meldung der „Post“ gegenwärtig wieder einer fast enormen Gesundheit. Durch den Kurgebrauch in Wiesbaden hat sich sein altes Gallensteinleiden derart gebessert daß nach ärztlichem Dafürhalten eine vollständige Genesung nicht ausgeschlossen erscheint. — Die Legende von der„Dande“. In einer der letzten Reichstagssitzungen hat der Abg. Bebel mit Bezug auf die Auflösung des Reichstags geäußert: „In jenen Tagen war die Nachricht verbreitet worden, es solle aus Bückeburg ein Telegramm eingetroffen sein, in dem es geheißen habe: ich werde die ganze„Bande“ auseinanderjagen. Der das telegraphiert haben soll, war aber ein ganz anderer, als ein Sozialdemokrat.“ Die„Nordd. Allg. Ztg.“ wiederholte daraufhin gestern ihre frühere Meldung, wonach sie diese auf den Kaiser gemünzte Geschichte als eine„plumpe Erfindung" bezeichnet hatte. — Puttkamer und Fischer. Die Hauptverhandlung gegen den Gouverneur v. Putttamer findet am S5. April vor der kaiserlichen Disziplinarkammer für den Regierungsbezirk Potsdam unter dem Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Ehrenberg in Potsdam statt; die Anklage wird dem Vernehmen nach von einem Kammergerichtsrat vertreten werden.— Einem mit Bestimmtheit auftretenden Gerücht zufolge ist der durch die Tippelskirchaffäre bekannt gewordene Major Fischer vom Oberkommando der Schutztruppe in dem gegen ihn eingeleiteten Disziplinarverfahren mit dem schlichten Abschied bestraft worden. Das Urteil bedarf, bevor es amtlich bekannt gegeben werden kann, der Bestätigung durch den Kaiser. — Der boykottierte Bülow. Die Zentrumsabgeordneten des Reichstags haben auch gesellschaftlich ihre Beziehungen zu Bülow gelöst dadurch, daß sie nicht, wie sonst üblich bei Beginn der Tagung ihre Karten bei ihm abgegeben haben. Die parlamentarischen Abende beim Kanzler werden demnach ohne die Herren Spahn, Gröber und Erzberger von statten gehen. Ein Zentrumsblatt begründet diese Boykottierung Bülow's wie folgt:„Wenn jemand, der von einem Bekannten ohne jeden Grund einen Fußtritt erhält, diesem zu verstehen gibt, daß er mit ihm nichts mehr zu tun haben wolle, so ist das doch keine Verrufserklärung, sondern Wahrung der eigenen Würde.“ " scchenaicher des„Scherar-Anzeigere“. Die Ermordung des Arztes Mauchamp im Marrakesch hat bis jetzt keine weiteren Verwickelungen nach sich gezogen. Zwar ist nach einem Telegramm aus Tanger auf das Haus des britischen Konsularagenten in Marrakesch mit Steinen geworfen worden, jedoch wurde niemand verletzt. Alle Engländer befinden sich wohlbehalten in ihren Häusern. Der Pascha von Marrakesch hat Schutzwachen vor die Konsulate und die von Europäern bewohnten Häuser stellen lassen. Weitere Meldungen aus Marrakesch besagen, daß alles ruhig sei und daß die Häuser noch bewacht würden.— Diese Nachrichten wurden durch einen speziell zu diesem Zwecke von dem englischen Konsul in Magazan gecharteten Dampfer nach Tanger überbracht. Einem gewissen Teile der Pariser Presse muß auch dieser Zwischenfall dazu dienen, eine Hetze gegen Deutschland in Szene zu setzen, der Versuch scheint aber selbst in Frankreich wenig Anklang zu finden. Wir erhalten dazu folgenden Spezialdrahtbericht: Paris, 24. März. Aus der Tangerer Lügenfabrik war gemeldet worden, daß der in Marrakesch ansässige Arzt Dr. Holzmann die Steinigung seines Kollegen Mauchamp direkt veranlaßt hatte. Alle hiesigen Blätter verweigern die Veröffentlichung dieses Widersinnes, eines ausgenommen, das die Nachricht sogar als durchaus unwahrscheinlich hält. Dasselbe Blatt rät zur sofortigen Besetzung von Udjida, weil das Erscheinen des Kreuzers„Jeanne 'Are“ und der Vorräte mitführenden Kreuzers „Lalland“ an der marokkanischen Küste bewirke, den Ernst der französischen Berichterstatter zu betonen. Alle anderen Journale bringen das Vorhaben des Maghsen, die Funkentelegraphie den Deutschen abzutreten, mit der Erregung in Marrakesch in Zusammenhang. Sie beschuldigen Deutschland, den Sultan gegen die Reformen von Algeciras einzunehmen und dies in einem Augenblick, da in Fes alle dort vorgelegten Ausführungsbestimmungen ohne Protest unterzeichnet worden sind. Der Wahrheit am nächsten scheint folgende Darstellung zu kommen: Die marokkanischen Zollbehörden haben letzthin Material beschlagnahmt, daß die nicht konzessionierte französische Funkentelegraphen=Gesellschaft aus Europa kommen Reß. Als nun auf dem Dache Mauchant an einer 2 Meter hohen Stange eine weiße Fahne gehißt wurde, verlangte der Pascha von Marrakesch Aufklärungen, die vielleicht nicht befriedigten. Daraushin wurde das Steinbombardement eröffnet. Das Ehepaar Genty, dem dieses Signal galt, hielt sich in dem jüdischen Quartier, das stets von Soldaten bewacht ist, verborgen. Genty selbst telegraphiert hierher, daß weder für seine Familie, noch für ein anderes Mitglied der französischen Kolonie Gefahr bestehe. Im Pariser Publikum, das seit langer Zeit an der systematischen Deutschenhetze den Geschmack verloren hat, wird das Ereignis weit leidenschaftsloser besprochen, als seitens der Preßorgane, von der Eigenart des„Matin“ und des„Echo de Paris“. Selbst der auch heute wieder keineswegs deutschfreundliche„Temps“ weist darauf hin, daß man Deutschland nicht für so verblendet halten dürfe, eine Fremdenhetze in Marrakesch künstlich zu züchten. Diese Anschauung ist auch die aller verständigen Parlamentarier. Die Hauptgefahr des Angenblicks besteht darin, ob jene Militärpartei, die das unfriedliche Eindringen in Marokko seit Jahren in ihr Programm aufgenommen hat, aus der gegenwärtigen Lage Nutzen für sich ziehen wird. Ausbreitung der rumänischen BauernUnruhen. Während in der Moldau infolge der Zusammenziehung starker Truppenmassen die Unruhen weniger gefährlich erscheinen, haben sich die Bauernunruhen in gefährlicher Weise auf verschiedene Bezirke der Walachei ausgedehnt. Flüchtlinge eilen von dort über die Donau nach Bulgarien. Aus der Hauptstadt ist Militär nach dem Petroleumbezirk Staua Romana abgegangen. Wir erhalten folgende Spezialdrahtberichte: Bukarest, 24. März. Walacheiische Bauern verwüsteten die Orte Radautzi und Zimitschea und begaben sich dann plündernd und brennend in die Nachbardörfer. Auch bei Kraijewo raubten die Bauern auf den Gütern und verbrannten große Mengen Getreide, ebenso in der Umgegend von Alexandria. Die Juden flüchten überall. Ein Pfarrer, Türgul Fuhrmanns, wurde als Anstifter verhaftet. Aufruhrszenen werden auch aus dem Bezirk Terleormans gemeldet. Im ganzen sind schon hunderte von Dörfern und Gütern verwüstet. Der hiesigen Bevölkerung bemächtigen sich Unruhen. Bukarest, 24. März. In Canchina werden Unruhen befürchtet. Ein Teil der Beamten aus Steauer Romana ist nach Bukarest geflüchtet. Ein Bataillon ist zum Schutze der Petrolenmindustrie bereits eingetroffen, wodurch teilweise Beruhigung eintrat. Sofia, 24. März. Aus Sistowo wird gemeldet: Das rumänische Donauufer ist voll von Flüchtlingen. 15 Großpächter, jüdische und andere, haben sich hierher begeben. Kähne sind abgegangen, um weitere Flüchtlinge heranzubringen. Aus Nikopol wird telegraphiert: Im gegenüberliegenden Turun=Mogurilli und in Walacheischen Dörfern herrscht volle Anarchie. Nach Nikovol haben sich mehrere Großpächter, Rumänen und Juden sowie der Direktor der Filiale der rumänischen Nationalbank geflütet. Husarenritt und Landsturmtrotz. Unter diesem Titel veröffentlicht heute die„Wetn. am Montag“ einen Leitartikel, den uns unser Verliner Bureau wie folgt drahtlich übermittelt: Berlin, 25. März. Minister fallen wie die Butterbrote immer auf die rechte Seite. An diesen alten Erfahrungssatz hat der Kanzler zu wenig gedacht, als er die konservativ=liberale Paarung proklamierte, und er ist bisher nicht imstande gewesen, auf seinen preußischen Kollegen und auf die Konservativen des Abgeordnetenhauses im Sinne der Bleckpolitik einzuwirken, und sie von dem Techtelmechtel mit dem Zentrum abzuziehen. Gerade auf dem Gebiete der Schul= und Kulturpolitik wo der Liberalismus am deingendsten Entgegenkommen fordern muß, wird der alte reaktionäre Kurs um keinen Schritt geändert, und die Konservativen scharen sich in innigster Gemeinschaft mit den Ultramontanen als klerikale Schutztruppe, als reattionärer Landsturm, um ihren klerikalen Trunminister, den Herrn von Studt. " Der ewige Studt! wird mancher Leser augrufen. Ist denn dieser Mann persönlich so hervoeras gend, daß um sein Verbleiden im Amte soviel Tinte vergossen wird? Grwiß nicht, aber es ist,'n Trugg 5 M schein der Situation. Ueber die Unzulängligkeit und die staatsmännischen Qualitäten des Kultusministers, der nicht gerade zum Ansehen Preußens bereitz einen europäischen Sieg erlangt hat, denkt die Rechte im Grunde ihres Herzens und im vertrauten Gespräch genau so, wie alle Welt in Preuden und Deutschland. Aber well Studt nun einmal als der schwarze Mann der Liberalen gilt, sagt sie, nun gerade nicht, liefert eine Kraftprobe gegen die Linke, die Bülow so bedrohlich nahe an die Staats. krippe heranlassen will. Bei einem ängstlichen Bremser mit klerikalen Scheuklappen ist eine ernsthafte Kultuspolitik, die aufwärts und vorwärts geht jedenfalls nicht zu befürchten, und ob Preußen dabei zum Gespött des übrigen Deutschland und der an. deren, energisch fortschreitenden Kulturstaaten wird, das kann den Junkern ganz egal sein. Das ist die Signatur des Tages. Der unglückselige und hilflose Sieger freilich wird seines Triumphes kaum froh werden. Zu seinem Schrecken sah er jenen Mann gegen ihn eine stürmische Attacke zeiten, durch dessen Arbeiten um das Zustandekommen des Schulgesetzes der Minister, an dessen Ungeschick es noch im letzten Moment zu scheitern drohte, sich mit dem schwarzen Adler schmücken konnte. Den Führer der Konservativen, der vielgenannte Freiherr Oktavio von Zedlitz, forderte in einer groß angelegten Programmrede, die jedensalls nicht gegen die Intensionen des Fürsten Bülow verstieß, eine moderne Organisation des Kultusministeriums und die Schaffung eines besonderen Unterrichtsministeriums. Damit lief aber eine so vernichtende Kritik des Systems Studt mit unter, die ihm das Blut aus den Wangen trieb. Wehmütig und tief gekränkt ließ der also zerschundene einen Nekrolog über sich selbst vom Stapel, der eine mäßige Anzahl von angeblichen oder wirk. Flichen Fortschritten innerhalb seines Ressorts aufzählte, die sicherlich nicht seiner Initiative entsprungen sind. Diese dürftige Bitte um mildernde Umstände klang wie ein Schwanengesang, und in der Tat wird versichert, daß er nur deshalb noch im Amte bleibt, um das Ende des polnischen Schulstreiks abzuwarten, den sein bewährtes staatsmänaisches Geschick den preußischen Staaten zu guterletzt noch eingebrockt hat, während die Erbitterung über den Bremserlaß in der gesamten Lehrerschaft noch nachzittert. Dabei ist Herr von Studt sicherlich von den besten Absichten und von wohlwollender Gesinnung beseelt. Es geht ihm nur wie Goethes Werther:„Es ist das Los von unser einem, immer mißverstanden zu werden.“ Herr von Studt, dessen stattliche Erscheinung ihn in ihrer weltbewußten Würde noch immer zu der gern geübten Repräsentation hervorragend befähigt, ist als junger Affessor mit seinem Antritt als Repräsentant der kaukasischen Rasse in dem weit verbreiteten Seydlitzschen Leitfaden der Geographie verewigt worden. Als Repräsentant der europäischen Kultur unserer Zeit aber wird ihn niemand verzeichnen; ebensowenig als Vertrauensmann der deutschen Wissen#schaft und Kunst oder der preußischen Lehrerschaft, denen doch sein Wirken gelten sollte. Ein korrekter Bureaukrat mit engem Horizont, den ein widriges Geschick in ein Amt verschlagen hat, das Unbefangenen, klaren und scharfen Blick, weiten Gesichtskreis und hohen Flug der Gedanken erfordert, ein Träger 1 des Klerikalismus, jeder Redegabe und Schlagfertig bar, so wird Herr von Studt in der Nachwelt fortleben, das Ideal eines Verwesers des„Ministeriums des Geistes“, wie er nicht sein soll. Mit der bloßen Pflichttreue kann man sich bei einem Kalkulator oder bei einem Gendarmen begnügen, nicht bei einem Minister. Von seinem ersten Schreck erholte sich der Minister, als ihn der konservative Führer von Heydebrand beisprang, dessen Spezialität die Zentrumsfreundschaft ist, die er selbst beim Jesuitengesetz bewies. Die geknickte Exzellenz sprach sogar am nächsten Tage mit verspätetem Witz vom„Husarenritt" und„Husarenfieber" des Herrn von Zedlitz, der nicht einmal seine Praktion hinter sich hatte, eine Illusion, die freilich Herr von Kardorff dem Minister nahm. Der konservative Führer spuckte dem Freiherrn von Zedlitz und indirekt dem Fürsten Bülow in die Suppe, indem er ausdrücklich die konservativ=klerikale Mehrheit proklamierte und den Block verhöhnte, als ob W nie ein Reichstag aufgelöst wäre. Die wahren Junker haben den sicheren Instinkt, daß die Tage ihrer unumschränkten Herrschaft auch in Preußen gezählt sind, und sehen ihre Sitze schon u durch die drohende Reform des Landtagswahlrechts I bedroht, für die die Parteien des Landtages außer der konservativen, auch das gehätschelte Zentrum jetzt eintritt. Da will man wenigstens die Gegenwart noch ausnutzen. Das Beispiel der englischen Aristokratie, die Reform noch rechtzeitig vorzubereiten. ehe sie ertrotzt würde, tockt unsere uckermärkischen Granden trotz Bülows Empfehlungen nicht im Mindesten. Sie verspüren in sich keine Anpassungs. fühigkeit an die moderne Zeit und ihre Erfordernisse und ziehen es vor, als feudale Fossilien in die Museen von Natur= und Volkskunde überzusgeten. Was nun? Der konservativ=klerikale Landsturm mit der Devise:„Nur immer langsam voran“ wird jeden Versuch moderner Reformtätigkeit wie sie Bülow für seine neue Aera verkündet hat, nach wie vor bleiben lassen. Die Herren von der Rechten scheinen des Kanzlers Ernst. Kraft und politische Lebensdauer nicht gerade hoch einzuschätzen, wenn sie offene Rebellion treiben. Sie sehen freilich auch keine Einheitlichkeit und keine einheitlichen Ziele in der Regierung. Man munkelt von der Opposition Studt=Rheinbaben, von der Obstruktion Vosedowsky=Nieberding im Reiche. Fast scheint es, als ob Herr von Heydebrand die künftigen Nachtsaktoren besser zu schätzen vermag, als wie Herr von Zedlitz, und mit dem baldigen Scheitern oder Sturz des Gegners gleichfalls mit dem Bulows bestimmt rechnet. Freilich würde sich die Reoktion in den Wirkungen stark verrochnen. Die bittere Enttäuschung, die das Ausbleiben der versprochenen populären Reformen und die Kraftlosigkeit der Regierung im Volke hervorrufen müßte, würde eine neue demokratische Führung wohl erzeugen, die vielleicht die schwächlichen Abarten des Liberalismus sicher aber durch die konservativen Reaktionäre mit unwiderstehlicher Gewalt fortspülen würde. Vom Standpunkte der bürgerlichen Demokratie aus wäre eine solche Entwicklung der Dinge noch keineswegs besonders zu beklagen und kaum ein Schaden für die Sache der Freiheit und des Fortschritts. Kommt aber wider Erwarten der Bülowsche Reformkarren doch noch aus dem preukischen Sand, in dem er jetzt fest steckt, so soll man Gutes rund nehmen, woher es auch kommt, wenn es auch einmal vorwärts und aufwärts geht bei uns. Die Parteiekettierung soll uns wenig kümmern. Aber noch wartet das deutsche Volk vergebens auf eine Reform und Kraftprobe seines allzu geschmeidigen Kanzlers. Er gedenkt inzwischen fern der leidigen Politik seine Osterferien in dem sonnigen Süden in Rapalla zu verbringen. Wie es heißt, soll ihm dabei Professor Adolf Harnack Gesellschaft leisten. Bei ihm kann der preußische Ministerpräsident sich belehren, wie man offiziell Kulturpolitik fördern und treiben kann und selbst internationales Ansehen das heutige preußische Ministerium des Geistes in seiner engherzigen und mißtrauischen Bevormundung aller freien geistigen Regungen gemindert, zu heben. Der berühmte Gelehrte ist gewit alles andere„als ein Radikaler auf dem politischen und religiösen Gebiete. Aber seine Ernennung zum preußischen Unterrichtsminister(er selbst wird freilich diese schwere Bürde nicht aushalten wollen) würde in den Kreisen der deutschen Bildung wie ein freudiges Aufatmen begrüßt werden, als wenn ein schwerer Druck von ihr genommen werde. Studt und Harnack, eine Welt liegt zwischen diesen Namen wie zwischen weltumspannender Forschung und engem Aeppelsinn, zwischen Geistesfreiheit und Prügeldressur. Aber die Fata morgang die am Frühlingshimmel aufgestiegen ist, ist zu schön um wahr zu sein. Die Zeit, wo Preußen Eroberungen machte, ist längst geschwunden und lange nicht wieder da. Die Humboldt, Bismarck und Falk sind tot, heute leben und leiten die Studt und Schwarzkoppen, Porsch und Heydebrand und streichen die preußischen Lande schwarz an. Hier ist noch allenthalben düsteres gewölbt, keine Spur von jener Friedenshoffnung. G. Korn. Von Wilderern erschossen. Hirschberg, 25. März. In dem WildererProzeß, worüber wir eingehend berichtet haben, wurde Samstag das Urteil gesprochen. Vorher erklärte der Angeklagte Franz Kramer: Ich habe es gemacht, ich habe mich über den Förster geärgert und ich habe ihn erschossen. Ich habe aber die Tat allein ausgeführt, ich könnte die Hand aufheben und bei Gott schwören, daß es mein Bruder nicht gewesen ist. Ich komme bald vor Gott und will mein Gewissen mit falschen Anschuldigungen nicht belasten. — Angekl. Johann Kramer: Ich bin unschuldig, wenn ich verurteilt werde, werde ich unschuldig verurteilt. Nach der Rechtbelehrung seitens des Vorsitzenden Landgerichtsdirektors Knitter, begaben sich die Herren Geschworenen um ½3 Uhr in das Beratungszimmer. Der Obmann, Generalagent Raschemund, verkündete kurz nach 4 Uhr folgenden Spruch: Der Angeklagte Franz Kramer ist des Mordes schuldig, Johann Kramer der Beihilfe zum Morde schuldig. Staatsanwalt Engel beantragte gegen Franz Kramer die Todesstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte sowie Einziehung des Gewehres. Gegen Johann Kramer auf das höchste zulässige Strafmaß von 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Das Gericht erkannte gemäß dem Spruche der Herren Geschworenen gegen Franz Kramer auf Todesstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Gegen Iohann Kramer auf 8 Jahre Zuchthaus und 8 Jahre Ehrverlust. Die Angeklagten nahmen das Urteil ziemlich gefaßt auf. Sie wurden an den Händen gefesselt von mehreren Gefängnisbeamten i ndas Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. Strafversetzung und Rehabilitierung in der französischen Armee. Wie uns ein Telegramm aus Paris berichtet, ist der Kommandeur des französischen 20. Armeekorps General Baillond in Nancy, wegen der Anspache, die er vor den Soidaten des 26. Infanterie=Regimente an den Obersten Göpp gerichtet hat und die Anspielungen auf einen Revanchekrieg enthielt, nach Montpellier als Kommandeur des 16. Armeekorps versetzt worden. An seiner Stelle ist der bisherige Kommandeur des 16. Armeekorps, Pau, zum Kommandeur des 20. Armeekorps ernannt worden. Einen weiteren Beitrag zur Kennzeichnung der Taktik des Kriegsministers Piquard liefert das nachstehende Privattelegramm: Paris, 24. März. Leutnant Tisserant, der am 2. Mai 1906 wegen seiner in der Arbeitsbörse zu Paris gehaltenen sozialistischen Rede vom damaligen Kriegsminister Etienne seiner Funktionen enthoben wurde, ist jetzt vom Minister Piquard rehabilitiert worden. Ein erschütternder der zwei Menschenleben als Opfer gefordert hat, hat sich gestern im Often Berlins zugetragen. Im Hause Eckertstr. 4 haben der Krankenkassenbeamte Blaurock und sein 1 Jahr altes Kind durch Gasvergiftung den Tod erlitten. Frau Blaurock, die am Abend heimkehrte, sand ihren Gatten und ihr Kind tet vor und ist vor Schmerz und vor Schrecken zusammenge. beahen. Wir erhalten über diesen traurigen Vorgang folgenden Bericht: Berlin, 24. März. Der Schrifts=.. und Krankenkassenbeamte Reiteheis Staurock wohnte mit seiner Frau und seinem einjährigen Kinde im dritten Stock des Hauses Eckertstraße 4. Die Eheleute führten das glücklichste Familienleben und hatten mit keinerlei Sorgen zu kämpfen. Während am gestrigen Sonntagnachmittag Frau Blaurock bei Verwandten weilte, blieben der Vater und sein Kind zu Hause. Wahrscheinlich wollte er mit dem Kinde ein Mittagschläfchen machen und legte sich zu diesem Zweck aufs Bett. Durch ausströmendes Gas wurden Vater und Kind betäubt und erlagen schließlich dem Ausströmen des giftigen Gases. Als in später Abendstunde Frau Blaurock zurückkehrte, nahm sie einen durchrdingenden Gasgeruch wahr. Von schlimmsten Ahnungen getrieben, eilte sie ins Schlafzimmer, das völlig von Gas durchdrungen war, und fand dort ihren Gatten und das Kind leblos vor. Unverzüglich herbeigeeilte Hilfe konnte leider keine Rettung mehr bringen. Die unglückliche Gattin brach unter dem Eindruck des Unglücks völlig gebrochen zusammen, sodaß auch für sie ärztliche Hilfe notwendig wurde. Die Todesfälle sind auf Ausströmen des Gases zurückzuführen. Die Entführung eines zwölfjährigen Knaben über die wir im Unterhaltungsblatt ausführlich berichten, beschäftigt noch immer die Altonaer und Hamburger Polizei, ohne daß es bisher gelungen wäre, das Geheimnis vollkommen aufzuklären. Wir erhalten dazu folgendes Privattelegramm: Hamburg, 24. März. Trotz aller Recherchen, die von der Altonaer Polizei unternommen wurden, ist es bisher nicht gelungen, Spuren von den Entführern oder dem Knaben selbst zu finden. Die Annahme, daß der kleine Eddy Krieger in Hamburg versteckt gehalten wird, scheint hinfällig, da alle Ermittelungen nach dieser Richtung bisher erfolglos waren. Man vermutet, daß der Geraubte in dem Wagen nach Hamburg und von dortaus dem Vater im Automobil zugeführt wurde. Sämtliche Hafenstädte sind telegraphisch von der Entführung in Kenntnis gesetzt worden. Die Mutter setzte eine hohe Belohnung aus auf Wiederherbeischaffung ihres Kindes. uu1 acplasknfeziiamn Berlin, 24. März. Die Tage des Kultusministers v. Studt sind gezählt; allgemein ist in unterrichteten Kreisen die Meinung verbreitet, daß das Bekenntnis Studts zur geistlichen Schulaufsicht sein Schwanengesang gewesen ist. Man bringt sogar die Verzögerung der Reise des Kanzlers nach Rapallo mit dem Wechsel im Kultusministerium in Verbindung. Die Nachrichten über den Nachfolger Studts gehen zu weit auseinander, als daß wir uns an den auftauchenden Kombinationen zu beteiligen Neigung hätten. Wir erwähnen nur, daß ein Verwaltungsbeamter als mutmaßlicher Kultusminister genannt wurde. Den„Hamb. Nachr.“ zufolge beabsichtigt Fürst Bülow nicht, dem Kaiser die Ernennung eines der bisher bekannt Kandidaten— Schwartzkopff, Harnack, Delbrück— vorzuschlagen, seine Wahl soll vielmehr auf eine Persönlichkeit gefallen sein, die in den bisherigen Erörterungen öffentlich überhaupt noch nicht genannt worden, dennoch aber hinreichend bekannt ist, um ein Programm zu bedeuten. Die Entscheidung dürfte nach dem„Berl. Tageblatt" nahe bevorstehen. Lokale Nachrichten. Dortmund, 25. März. Königliche Vereinigte Maschinenbauschulen. Unter dem Vorsitz des Herrn Regierungs= und Gewerbeschulrats Professor Wolf aus Arnsberg wurde am 20. ds. Mts. die mündliche Reifeprüfung an der höheren Maschinenbauschule und am 21. und 22. d. M. an der Maschinenbauschule abgehalten. Der Prüfung unterzogen sich 21 Schüler der Höheren Maschinenbauschule und 49 Schüler der Maschinenbauschule. Von der mündlichen Prüfung konnten befreit werden 15 Examianden der Höheren Maschinenbauschule und 80 der Maschinenbauschule. Das Reifezeugnis erhielten: a) von der Höheren Maschinenbauschule: 1. August Abt, Sonnenberg, 2. Wilhelm Altenhöner=Bielefeld, 8. Nickels ArfstenNieblun, 4. Georg Baath=Reddern, 5. Ernst BräunigKabel, 6. Karl Döring=Limburg, 7. Heinrich GablerNiederlinxweiler, 8. Ludwig Gerke=Soest, 9. Robert Giesel=Fulda, 10. Konrad Heerdt=Melsungen, 11. Emil Kühn=Hombruch, 12. Wilhelm Leipold=Düsseldorf, 18. Hermann Merkelbach=Daaden, 14. Ernst Mieddelmann=Barmen, 15. Friedrich Musset=Gummersbach, 16. Karl Nägele=Stuttgart, 17. Rudolf Rimbach=Untermhaus, 18. Julius Schröder=Kapellen 19. Heinrich Steinmann=Rostock, 20. Heinrich Siegmann=Osnabrück; b) von der Maschinenbauschule: Klasse 1a: 1. Wilhelm Becker=Ahelle, 2. Wilhelm Beckmann=Hörde, 8. August Brunke=Georgmarien= hütte, 4. Hermann Daßler=Bismarck=Stendal, 5. Arthur Droste=Tortmund, 6. Otto Eib=Gotha, 7. Franz Gehlen=Paderborn, 8. Emil Grasekamp=Marten, 9. Bernhard Helling=Grumme, 10. Alber: Henrichs=Dortmund, 11. Ernst Hille=Uslar, 12. Bernhard Jürgens=Stottenhausen, 18. Albert Kattenborn Förde, 14. Robert Krause=Herbesthal, 15. Fritz Lohmann=Bielefeld, 16. Johann Georg LünemannVeckerhagen, 17. Georg Mickley=Schkolen, 18. Ernst Pinkwart=Rotthausen, 19. Adolf Refflinghaus=Dortmund, 20. Karl Rohe=Münster, 21. Willy SchmidtRummelsburg, 22. Friedrich Sodenkamp=Ober= massen, 23. Wilhelm Hüppe gt. Tönsmann=Bodelschwingh, 24. Wilhelm Wittler=Bielefeld, 25. Kranz Wullenweber=Nuttlar; Klasse 1b: 1. Johannes Barenberg=Günnigfeld, 2. Ernst Bergmann=Uchte, 8. Paul Bommert=Sieker, 4. August Bornemeier=Polle, 5. Paul Castrop=Lütgendortmund, 6. Wilhelm Eckardt=Brücherhof, 7. Vernhard Guddat= Schöneck= 8. Wilhelm Hegemann=Deininghausen, 9. Heinr. Hilkenbäumer=Asseln, 10. Hermann Hoffmann= Bochum, 11. Emil Hummel=Werne, 12. Hermann Jacobs=Schledehausen, 18. Rudolf Kamm=WickedeAsseln, 14. Wilh. Koerdt=Werne, 15. Heinr. Möllenhoff=Aplerbeck, 16. August Müser=Schüren, 17. Curt Raschke=Erfurt, 18. Otto Reimann=Dortmund, 19. Paul Schmidt=Niedervonsfeld, 20. Ewald StrunckDortmund, 21. Josef Stulenbrock=Hörde, 22. Ernst Tönniges=Wiemelhausen, 23. Heinr. Troeß=Conz. 24. Rudolf Trümpener=Dortmund. Uebungen. Vom 5. April d. Is. ab gelangen aus den Landwehrbezirken 1 und 2 Dortmund die gesamten noch übungspflichtigen Arbeitssoldaten der Reserve und Landwehr 1 auf dem Trunnenübungsplatz Senn=— Smnziehung. Die Reservisten haben 4#chen, die Landwehrleute 14 Tage zu üben. Der entlarvte Geldschrankknacker. Einer hiesigen Firma wurden seit Jahresfrist unausgesetzt Geldbeträge aus dem verschlossenen Geldschrank entwendet. Die Ermittelung des Diebes wollte nicht gelingen, ebenso fand man die Art und Weise der Ausführung des Diebstahls unerklärlich. Aber der Krug geht bekanntlich solange zu Wasser bis er bricht. Ein bei der Firma angestellter junger Lagerist war es, der sich die Kunst des Geldschrankschlosses zu eigen gemacht hatte. Er verstand es, den Geldschrank mit einem dazu angefertigten Instrument zu öffnen und die Kasse zu bestehlen. Festgestellt ist, daß er in der Zeit etwa 3500 Mark entwendet und in liederlichen Kreisen durchgebracht hat. Der Ungetreue wurde festgenommen und dem Gerichtsgefängnis überführt. Militärisches. Der dem hiesigen Bezirkskommando 1 zugeteilte Major z. D. und Pferdevormusterungskommissar Blecken von Schmeling wurde durch Allerhöchste Kauinettsordre vom 22. d. Mts. in gleicher Eigenschaft zum Bezirkskommando Bielefeld versetzt. An seine Stelle tritt der Rittmeister z. D. v. Bennigsen, bisher zur Dienstleistung als Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk 2 Altona kommandiert. Wer kann Aufschluß geben? Am Sonntag morgen wurde von Passanten in der Nähe des Klärteiches am Hoesch'schen Werke der Gelegenheitsarbeiter Karl Hecker mit erheblichen Kopfwunden besinnungslos aufgefunden. Man schaffte den Vorletzten mittels Krankenwagens in das Luisenhospital. Ob Hecker die Verletzungen von fremder Hand oder durch eigenes Verschulden erhalten hat, ist vorläufig noch nicht festgestellt. Aus dem nördlichen Schützenreiche. Dem vom Vorstand erlassenen Ruf an die Schützen, sich um das grün=weiße Banner zu scharen, hatte man Samstag abend zahlreich Folge geleistet. Der große Saal des„Blücher" war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Der Präsident, Herr Eppelsheim, eröffnete die Generalversammlung mit einem Hoch auf Se. Schützenmajestät Eduard 1. Herr Kaufmann Hannemann erstattete den Kassenbericht, aus dem sich ergab, daß das Barvermögen des Bundes 1020,52 Mk. beträgt. Namens der Revisionskommission berichtete Herr Deutmann sen., daß Herr Hannemann die Kasse in der musterhaftesten Weise geführt habe, weshalb seine Entlastung beantragt werde. Die Versammlung gab diesem Antrage ihre debattenlose Zustimmung. Herr G. E. Baccker dankte für das ihm als König des Bundes dargebrachte Hoch und rief allen Schützen ein herzliches Willkommen zu. Nunmehr wurde mit großer Majorität beschlossen, in diesem Jahre, und zwar am Sonntag, 30. Juni und Montag, 1. Juli am Fredenbaum ein Schutzenfest zu feiern, welches wieder ein glänzendes Glied in der Kette der bis jetzt getroffenen Veranstaltungen bilden soll. Eine kleine Debatte rief der Antrag des Vorstandes, auf Erhöhung des Beitrages von 4 auf 5 Mark hervor. Man betonte, daß diese Erhöhung angesichts der günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse wohl am Platze sei; es müsse etwas geschehen, um dem Bunde eine feste und gesicherte Grundlage zu geben und dazu gehöre in erster Linie ein eiserner Bestand. Der Vorschlag fand die überwiegende Mehrheit, und die Erhöhung des Beitrages wurde mit der Maßgabe beschlossen, daß 1,50 Mk. in die Kompagniekassen fließen und.50 Mk. dem Bataillon verbleiben. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Eppelsheim Stoltefuß, G. Tiefensee, Hannemann, Vogell und Fritz Wolff wurden einstimmig wiedergewählt, ebenso wurden die Herren Konrad Pörtner als Oberst und Herr Konrad Müller als Major wieder proklamiert, was großen Jubel hervorrief. Die wiedergewählten Herren, soweit sie anwesend waren, erklärten, die Wahl anzunehmen. Laute Bravorufe war die Antwort der Schützen. In die Revisionskommission wurden sodann gewählt die Herren Franz Sander, Lichtenstein und Deutmann jr. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Man blieb aber noch ein Stündchen mit dem Vorstande in angenehmer Unterhaltung zusammen. Die Generalversammlung des nördlichen Schützenbundes bildet stets die Ouverture zu dem Feste. Nächste Woche beginnen bereits die Appels. Interessieren wird noch, zu hören, daß sich der Vorstand an das Kriegsministerium gewandt hat um Ueberlassung von Gewehren für die Schützen. Die Antwort ist in den nächsten Tagen zu erwarten. Der Abschiedskommers der Gymnasial=Abiturienten gestaltete sich am Samstag Abend im „Schwarzen Raben" bei Musik, Reden, Pfefferpothast und schäumendem Kronenbräu zu einer ebenso erhebenden, wie gemütlichen Feier. Den Kaisertoast sprach der Abiturient Marquis, während Abiturient Bürmann die Festrede schwang. und den Lehrern den Dank aussprach für all die Mühen und Arbeiten, welche sie dem Wohle ihrer Schüler gewidmet. Herr Gymnasialdirektor Dr. Franz betonte in seiner Erwiderung die Bedeutung des Erfolges der jungen Herren, die nun hinausziehen in die akademische Freiheit und ließ es an freundlichen Fingerzeigen für die Zukunft nicht fehlen. Noch manche gutgemeinte Rede stieg, bis die vorgerückte Stunde zum Aufbruch mahnte. Besitzwechsel. Die beiden, dem Lademeister Bernhard Dickmann gehörenden Wohnhäuser Kirchenstraße 2 und 4 sind zum Preise von rund 50 000 Mark in den Besitz des Restaurateurs Johann Fuchs in Annen übergegangen. Unfall=Station. Die Unfallstation in der Krautstraße geht mit der Ingebrauchnahme der neuerbauten Polizeistation in der Steinstraße ein und wird in diese verlegt werden. Vermischtes. Berlin, 23. März. Hoffriseur Haby als Angeklagter. Vor der vierten Strafkammer am aundgericht 1 hatte si chheute der Hoffriseur Francois Haby, der bekannte Erfinder und Fabrilun des Bartwassers„Es ist erreicht" und Friseur des Kaisers, wegen Vergehns gegen das Musterschutzgesetz zu verantworten. Der Angeklagte, ein kleiner schwarzgekleideter Herr ist in Danzig geboren und 46 Jahre alt. Als Zeugen sind mehrere Patentanwälte, ein Druckereibesitzer und einige Friscusinnen geladen. Als Nebenkläger ist ein Friseur Ballast aus Frankfurt a. M. geladen, aber nicht erschienn. Der Friseur Ballast in Frankfurt a. M. hatte ein Haarwuchsmittel unter dem Namen „hae=pita“ in den Handel gebracht und sich diesen Namen patentamtlich schützen lassen. Haby hatte einem neuen, von ihm fabrizierten Nagelpolierstein den Namen Habyta zugedacht und beantragte bei dem Patentamt für den Nagelpolierstein Habyta den Schutz des Namens. Dieser wurde ihm versagt mit der Begründung daß der Name Habyta Anlaß zu Bewechselungen mit dem Namen„hae=pita“ geden würde, der dem Friseur Ballast geschützt war. Jedoch wurde Haby die Bezeichnung Habyta für kosmetische Mittel zur Hautpflege gestattet. Im Havoschen Katalog von 1906 erschien nun ein Präparat, das den Namen„Habyt“ führt und als vorzügliches Beförderungsmittel fur den Kopfhaar= und Bartwuchs empfohlen wurde. Es entspann sich darüber ein Briefwechsel zwischen Haby und Ballast, eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Hoffriseur Haby erklärte heute daß er geglaubt habe, ein kosmetisches Mittel, das zur Hautpflege des Gesichts verwendet werden dürfe, könne er auch für die Kopf= und Barthaut gebrauchen. Er bestritt, gegen den Musterschutz verstoßen zu haben. —(800 Diener undkeine Bedienung). Am französischen Hofe vor der Revolution fehlte es gewiß nicht an Dienern, und trotzdem wurde kaum ein Edelmann im damaligen Frankreich so schlecht bedient wie das Königspaar. Marie Antoniette hatte wie Lenotre im„Journal d’Universié" erzählt 572 Bediente zu ihrer Verfügung, von denen jedoch die meisten nichts oder fast nichts zu tun hatten. Eine der Damen mußte„Madame Royale“ von ihrem Zimmer zu dem des Königs geleiten; weiter hatte sie nichts zu tun. Eine andere brauchte sich abends nur vorzustellen, um zu fragen, ob ihre Dienste benötigt würden, eine dritte mußte allabendlich den Nachttisch an das königliche Bett rücken, und so fort. Dabei hatten die meisten Diener wieder ein Dienstmädchen oder eine Köchin zu ihrer Verfügung. Ueber die Frage, ob diese oder jene Dienstleistung diesem oder jenem Bedienten zukomme, entstanden in der großen Dienerschar die größten Streitigkeiten, und das Ende vom Liede war häufig genug, daß die Königin überhaupt darauf verzichten mußte. Nicht besser erging es dem König, der 800 Personen in seinem Dienst hatte. Schon in den glanzvollen Zeiten von Versailles lebte Ludwig der Fünfzehnte in seinem Zimmer fast wie ein Student in der Dachkammer. In seinem Schlafzimer war es so kalt, daß er sich häufig vor Tagesanbruch erheben und selbst Feuer anzünden mußte. Wollte er noch eine Suppe genießen, so setzte sich ein kleines Heer von Menschen in Bewegung. Darunter auch der Arzt, der gerade Dienst hatte. Dazu kommt, daß es damals viele Bequemlichkeiten nicht gab, die heute jedermann hat. Da Ludwig der Sechszehnte keine Klingel hatte, ließ er am Fußende seines Bettes einen Pagen schlafen, an dessen Arm eine Schnur gebunden war, deren anderes Ende im Bereich seiner Hand lag. Benötigte er also der Dienste des Pagen, so zog er einfach an der Schnur und weckte ihn auf. —(Ein Universitätstheater.) Die „dramatischen Vereinigungen“ erfreuen sich an den amerikanischen Universitäten einer besonderen Beliebtheit und sind in hohem Aufblühen begriffen. Die angesehensten Studentenklubs, der„Hasty Pudding und der„Pi Eta“ der Havard=Universität, der„Triangle=Club“ zu Princeton, deren Mitglieder den angesehensten amerikanischen Kreisen angehören, geben alljährlich mehrere theatralische Vorstellungen und zahlreiche andere studentische Liebhaber=Theater leisten ganz Vortrffliches in ihren szenischen Darbietungen. Der wichtigste dieser Vereine aber ist die„Dramatic Association“ der YaleUniversität, die während ihres Bestehens bereits vorzügliche Aufführungen von Shakespeare, Sherddan, Pinero, Ibsen u. a. gegeben hat. So hat der Verein Ibsens„Kronprätendenten" in Amerika aufgeführt. Mit einem Kostenaufwand von 75.000 Dollar hat sich nun die„Dramatic Association“ ein eignes Theater erbaut, das 1200 Sitze faßt und in dem regelmäßig Aufführungen veranstaltet werden sollen, in denen die ganze dramatische Literatur von komischen Burlesken bis zu klassischen Stücken und modernen Dramen zu Worte kommen wird. Für Aplerbeck und Umgegend liegt eine Beilage der Firma M. Herzberg, Aplerbeek bei. Westfalen und Rheinland. Schwerte, 24. März.(Telephondraht= Diebe.) Wie wir jetzt vernehmen, sind die am 16. März in Aplerbeck und Dortmund festgenommenen verdächtigen Telephondraht=Diebe nach ihrer gerichtlichen Vernehmung sogleich wieder entlassen worden. Inzwischen sind seitens der Aplerbecker Polizei zwei Personen ermittelt worden, die sämtliche Diebstähle(auch den letzten in Unna) ausgeführt haben. Leider sind diese Personen flüchtig. Eine dritte Person, die anscheinend nur an einigen dieser Diebstähle beteiligt gewesen ist, ist vorgestern in Aplerbeck festgenommen worden. Holzwickede, 22. März.(Gemeinderatssitzung). Es wurde beschlossen in diesem Jahre ein vierklassiges Schulgebäude im Norden der Gemeinde nach den vom Amtsbaumeister angefertigten Plänen und dem Kostenanschlag zu errichten. Ein Anbau an die Dudenrother Schule soll für das kommende Jahr im Auge behalten werden. Die Kosten sollen durch eine Anleihe bei der Landesbank oder Sparkasse gedeckt werden. Vertrag mit dem RheinischWestfälischen Elektrizitätswerk über die Straßenbeleuchtung. Die Beschlußfassung wurde ausgesetzt. Zur nächsten Sitzung soll Herr Oberingenieur Bran= dis zugezogen werden. Vertrag mit der Eisenbahnverwaltung über die Abrundungsflächen für die Unterführung. Mit dem Inhalt des Vertrages ist die Gemeindevertretung einverstanden, bis auf den Paragrap 2, der einen anderen Wortlaut haben soll. Es wird beschlossen, die Erbreiterung der Kreisstraßen und Anlage der Rinnen nach dem vom Amtsbaumeister gefertigten Kostenanschlag zur Ausführung zu bringen. Die Kosten sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Witten, 25. März.(Spende des Kaisers.) Die aus Anlaß der Roburitkatastrophe vom Kaiser gespendeten 25000 Mark gelangen heute durch das hiesige Steueramt an die Stadt=Hauptkasse hierselbst zur Auszahlung. Witten, 25. März.(Vorbeugende Maßnahmen.) Die Bahnstrecke Witten=Wetter ist in dem Eisenbahn=Einschnitte durch die sogenannten Wittener Köpfe des Ardeygebirges ganz besonders gefährdet. Es sind dort mehrfach Betriebsstörungen und Eisenbahnunfälle durch einstürzende Felsmassen herbeigeführt worden. Da nach dem strengen Winter derartige Felsstürze ganz sicher zu erwarten sind, so läßt zur Zeit die Eisenbahnverwaltung eine genaue Untersuchung der Felswände vornehmen, um nötigenfalls vorbeugende Maßnahmen zum Schutze des Betriebes treffen zu können. Herne, 23. März.(Ueberfallen) wurde in der verflossenen Nacht der Stadtverordnete Ludwig Bösser, als er sich auf dem Heimwege befand, kurz vor seiner Wohnung von einer unbekannten Person und mittels eines Gegenstandes zu Boden geschlagen. Der Schlag verursachte eine ca. 18 Zentimeter lange erhebliche Kopfwunde, und mußte sofort ärztliche Hilfe requikiert werden. Die Verletzung ist. wenn auch nicht lebensgefährlich, doch eine schwere. Der Täter konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Essen, 23. März.(GattenmordinAltenessen). In der vergangenen Nacht erschoß in Altenessen der österreichische Staatsanzehörige Koschu, in der Barackenstraße wohnhaft, nuch voraufgegangenem Wortwechsel seine Frau. Der Täter der vorher stark dem Alkohol zugesprochen hatte, wollte gestern nacht noch nach 11 Uhr seine Woh nung verlassen, um eine Wirtschaft aufzusuchen. Seine Frau machte ihm hierüber Vorhaltungen und versuchte, ihn von seinem Vorhaben ab gubringen. Koschu, der schon längere Zeit mit seiner Frau in Unfrieden lebte, war hierüber erbost und holte aus einem Nebenzimmer ein Gewehr, womit er seine Frau erschoß. Mitten ins Herz getroffen, brach sie sofort tot zusammen. Der Gattenmörder, Vater von 6 unmündigen Kinder im Alter von 2 bis 14 Jahren, wurde verhaftet. Bei seiner Vernehmung vor der Polizei gab der Mörder an, er habe seine Frau nicht erschießen wollen, sondern sie sei das Opfer eines Fehlschusses geworden. Er habe schon lange die Absicht gehabt, die Hauskatze zu erschießen und diese Absicht habe er in der Nacht ausführen wollen. Seine Frau habe ihn an dem Vorhaben hindern wollen. Der Schuß habe sich dann versehentlich entladen und seine Frau so unglücklich getroffen, daß sie sofort tot niederfiel. Der Täter ist ein jähzorniger gewaltätiger Mensch, der besonders im betrunkenen Zustande zu Gew alttätigkeiten neigt. Erinnerungsfeier an den eisernen Kanzler. Dortmund, 24. März. Wie alljährlich, fand am Samstag Abend eine Erinnerungsfeier für den ersten Kanzler Otto von Bismarck statt. Kurz vor acht Uhr traf der Festzug, die Giesenkirchensche Kapelle an der Spitze, am Bismarckturm ein, von dessen Zinne eine machtige Rauch= und Flammensäule in die Lüfte stieg. Die Kapelle spielte:„Heil dir im Siegerkranz“, darauf „Ich bin ein Preuße" und„Flamme empor. Dann intonierte sie das Lied„Deutschland, Deutschland über alles“, und hier fiel das Publikum mit Begeisterung ein.— Nach verhältnismäßig kurzem Aufenthalte am Turme wurde der Rückweg zur Kronenburg angetreten, und bald saß man dort im angenehm durchwärmten großen Konzertsaale bei Musikvorträgen, Gesang— und Bier. Die Eröffnungsrede hatte Herr Realgymnasialdirektor Dr. Auler übernommen, der zunächst unseres Kaisers und seiner Verdienste um das deutsche Vaterland gedachte und darauf hinwies, daß er durch sein Wirken alle Befürchtungen, die man bei seinem Regierungsantritt gehegt, verscheucht habe. Jusbesondere sei es sein Verdienst, den Frieden in Europa erhalten zu haben. Dann betonte Redner, daß unser alter Bismarck stets die Treue zum Kaiserhause gepflegt habe und forderte die Anwesenden auf, dasselbe zu tun. Nach dem nun folgenden Kaiserhoch wurde das„Heil dir im Siegerkranz" stehend gesungen Nach einem weiteren Musikvortrag sang sodann der„Ev. Männergesangverein" das Lied„Heil Kaiser und Reich“. das einen enthusiastischen Beifall fand. Hierauf folgte„Gruß aus Oberinntal“, das nicht minder warm aufgenommen wurde. Nunmehr hielt Herr Oberrealschullehrer Limper die Bismarckgedächtnisrede. In recht schwungvollet Weise gedachte Redner der Laufbahn des eisernen Kanzlers, von Schönhausen über Frankfurt, Paris und Petersburg, wo er dann Minister und Vertreter seines Königs wurde und diesem bis zu seinem Lebensende in unwandelbarer Treue und Hingebung zur Seite stand, nur bestrebt, das deutsche Vaterland mächtig zu machen, ihm eine erste Stellung unter den Nationen Europas zu verschaffen. Sein Wirken war von Erfolg gekrönt, und bald mußten die Völker, die mit einer gewissen Geringschätzung auf das kleine Preußen und seine Paladine herabgesehen, anerkennen, daß sie in Bismarck ihren Meister gefunden, einen Meister, der mit Blut und Eisen das gewaltige deutsche Reich schuf, das fortan durch seinen nunmehrigen Kanzler ein Machtwort im Rate der Völker sprach. Wie sehr die ganze Welt Bismarck kennen gelernt habe, geht schon daraus hervor, daß sein Name selbst von unkultivierten Volksstämmen, fern inAfrika und auf den Südseeinseln genannt wurde. Und dann gedachte Redner des Löwen, der sich freiwillig in Verbannung im Sachsenwalde begab. Kein Mensch, sondern die Zeit habe den Mann überwunden, der stets kühn und groß in seinem Handeln war, und als echter Deutscher den kommenden Geschlechtern zum leuchtenden Vorbild dienen möge! Nach Schluß dieser Rede spielte die Kapelle das Lied„Der Gott, der Eisen wachsen ließ", und auch hier sang das Publikum mit. Nunmehr folgte die Vaterlandsrede, gesprochen von Herrn Rektor Saarmann aus Berghofen, in der er unserer großen Männer und der Worte Bismarcks:„Wir Deutsche fürchten Gott, und sonst nichts in der Welt“, gedachte. Nach gemeinsamen Gesängen und weiteren Vorträgen des „Ev. M..=V. und der Giesenkirchenschen Kapelle brachte Herr Generalsekretär Zabel das Hoch auf die Frauen aus. Im großen und ganzen kann man mit Recht sagen, daß es auch diesmal wieder eine recht schöne Feier war, aber es fehlte etwas dabei — die kernigen plattdeutschen Vorträge unseres verstorbenen Herrn Westhoff.„Bismarck wass mien Mann, un nu iss hei daut!“ äußerte er, als er das letzte Mal in der Kronenburg den großen Kanzler nach seiner märkischen Art derb feierte. Und nun ist auch er, Westhoff, dahingegangen, wo allen Taten, aller Macht ein Ziel gesetzt wird. Mit diesen Worten der Erinnerung an unseren biedern Landsmann wollen wir unseren Bericht über den Bismarckkommers schließen. Dernburg über seine Keisen nach Ueber einen Besuch bei Dernburg berichtet Max Lesser im„Neuen Wiener Tagblatt“. Mit Begeisterung schildert er die starken und reichen Eindrücke, die er im Gespräch mit diesem Manne empfangen hat,„der an jener Stelle, wohin ihn Tüchtigkeit und Schicksalsgunst geführt haben und noch führen mögen, immer das Zentrum seines Wesens und Wirkens in seiner merkwürdig fesselnden Mischung von nüchternem Tatsachensinn und phantasievoller Anschauungskraft finden wird. in dieser gegenseitigen Durchdringung von Fähigkeit, die einander so gut in der Balance halten könnten.“ Dernburg spricht auch über die Reise, die er nach Ostafrika in einigen Monaten antreten wird. Wohl erst nach Schluß der Reichstagssession wird er sie antreten, etwa, wie schon erwahnt, in der Maimitte, vielleicht von Marseille, vielleicht von Neapel aus. Noch ist nichts bestimmt, und diese Einzelheiten sind ja auch gleichgültig. Die Regenzeit ist Ende Mai vorrei, unsere Hochsommermonate werden also gerade die rechte Zeit fur das tropische Afrika sein. Dernburg will sehen und lernen. Er wird gewiß mit klaren Augen(man traut es ihm zu, wenn man in seine Augen blickt) wahrnehmen, wo und wie an der Verwaltung etwas zu ändern sein mag. Er wird immer als das Wichtigste die wirtschaftlichen Gesichtspunkte betrachten. Manche aussichtsreiche Undernehmung will sich vorbereiten. Männer mit Weitblick und Kapitalsmacht möchten es mit der Anlage großer Plantagen wagen. Die Meinung ist, daß sich sch=Ostafrika wohl eignen würde für Baumwollkulturen im großen Stil. Daneben scheint die Kultur des Sissah=Haufs wichtig und fruchtbringend werden zu können. Das alles soll an Ort und Stelle untersucht werden; die Großindustriellen, die Neigung zu diesen Unternehmungen haben, werden Dernburg begleiten. Es wird zu prüfen sein, welche Verkehrswege demnächst gebaut werden sollen. Ohne jede Voreingenommenheit wird Dernburg an diese Aufgaben herantreten, aber die eine, die tragende und fördernde Voreingenommenheit bringt er doch mit, und er sagt es mit einem schnellen Aufleuchten der Augen, mit einem gewinnenden Lächeln, daß er von ihr nicht lassen kann, nämlich von der schonen vorgefaßten Meinung, daß die Kolonien nutzbar zu machen sein werden über alles Erwarten der Kleinmütigen hinaus. Sind sie denn nicht heute schon viel? so fragt er. Bedeutet denn ein Handel von hundert Millionen Mark gar nichts?— Ja, aber die Kosten!— Wie? Sind sie denn so groß! Darf man die militärischen Kosten hineinrechnen? Man sollte es nicht tun. Die begangenen Fehler werden ja nicht wiederholt werden. Was der Krieg in Südwestafrika gekostet hat, wäre zu sparen gewesen, wenn rechtzeitig für Risenbahnen gesorgt worden wäre. Dies nun ist geschehen, der Krieg ist beendigt, und die reinen Wirtschaftsfragen wollen aus sich selber und nach sich selber beurteilt sein.— Dernburg greift nach dem Etat und liest ein paar Zahlen vor.— Da haben Sie die Kosten unserer Kolonien. Zwanzig Millionen sind das Ganze, etwa ein Prozent des Reichshaushaltsetats. Und nun frage ich wieder: Sind die hundert Millionen, auf die sich schon jetzt der Handel mit den Kolonien beläuft, ein Nichts? Es werden ihrer mehr werden, es sind Möglichkeiten da, die in Bewegung gesetzt werden müssen. Man merkt, der Leiter der Kolonialverwaltung hat ein ganz bestimmtes, mit greifbarer Anschaulichkeit geprägtes Bild der zukünftigen Entwicklung in seinem Kopfe. Und vor allem sind es die Kräfte lebenspendender Initiative von Gesellschaften und Einzelnen, deren Wirksamkeit er in den Strom der Entwicklungsmöglichkeiten hineinlenken möchte. Was an Tüchtigkeit und fördersamer Energie in den vom Reich gestellten Kräften, in Militär und Beamtentum, zur Verfügung steht, soll genützt werden, kann auch nicht entbehrt werden, bleibt auch weiterhin so wichtig wie bisher; aber die neuen, sich regenden Kräfte der kaufmännischen, der industriellen, der landwirtschaftlichen Mitarbeit sollen am letzten Ende bestimmend werden. Was mit dem einträchtigen Nebeneinander von Kunst des Regierens und privater Initiative erreicht werden kann, das zeigen die englischsten Kolonien. Wird erst eine Eisenbahn von der Küste von Deutsch=Ostafrika an die Zentralafrikanischen Seen führen, so wird man erleben, was alles aus diesen, jetzt noch im Dämmer der Primitivität ruhenden ungeheuren Gebieten herauszuholen ist, zum Nutzen des Mutterlandes, zum Segen auch für diese Gebiete selber. Die Anschauungskraft Dernburgs sieht bedeutende Dinge werden, seine kluge Sachlichkeit, die sich von Etappe zu Etappe ruhig abwägend fortarbeitet, erwägt das Wie, auf dem das Ziel erreicht werden kann. Zum Schluffe bringt Lesser noch eine Enthüllung: Dernburg wird danach die Reise als Staatssekretär antreten und sich auf Südafrika beschränken. Ein Berliner Blatt hat sich bekanntlich anders geäußert. Sprechsaal. Pianos in vollkommenster Ausführung mit goldenen Medaillen auszeichnet, liefern franko zur Probe gegen bar mit hohem Rabatt oder gegen Raten von monatlich 20 Mk. ohne Anzahlung, ohne Zinsen und ohne Preisaufschlag. und Hermine Einig. Hilfsschaffner Otto Spangemacher und Luise Römer. Arbeiter Heinrich Müller und Wilhelmine Quell. Tischler Heinrich Wagner und Maria Hammerschmidt, Kutscher Heinrich Steimel und Selma Behnke. Ingenieur Max Reloffs und Friedrike Romberg. Postbote Andreas Szamocke un Luise Szidat. Brauereiarb. Gerhard Potthoff und Dorothea Bee. Anstreicher Emil Leweling und Gertrud Stader. Kutscher Heinrich Peters und Auguste Bandurski. Eheschließungen: Bureaugehilfe Paul Rüdiger und Hedwig Schrader. Wagenmonteur Franz Spielbusch und Wilhelmine Wahl. Magazinverwalter Wilhelm Osthoff und Hermine Wighardt. Former Arnold Rüßzmann und Maria Strieve. Gestorben: Maria Trierscheid, Langestr. 139, 8 M. Weichensteller a. D. Wilhelm Generotzky, Lungestr. 50, 56 J. Witwe Elisabeth Nierhoff, Südrandweg 6, 76 J. Buchhalterin Lisette Heimann, Seiligerweg 28, 19 J. Anton Thöne, Heinrichstr. 41, 8 J. Arbeiter Ernst Nolte=Ardey, 87 J. Standesamt 2. Geburten: Ein Sohn: Bauarbeiter Friedrich Schmidt, Dürenerstr. 19. Platzarv. Langemann, Inselstraße 6. Eine Tochter: Fuhrmann Raulf, Töllnerstr. 32. Kettenschmied Maus, Münsterstr. 263. Vorzeichner Bötner, Lünenerstraße 65. Schlosser Griescholt, Schmiedestr. 1. Kaufmann Wolff. Heiligerweg 29. Aufgebote: Klempner Heinrich Lagemann und Wilhelmine Eberling. Eisenwerkarb. Theophil Ksiazkiewicz und Rosalie Rojewski. Vorwalzer Aug. Nolte und Sophie Nolkenbur. Elektromonteur Friedrich Goring und Marie Hielscher. Eheschließung: Nieter Gustav Wienstrott und Anna Böhm. Gestorben: Kellner Franz Lücke, Schwanenstraße 5, 29 J Zimmermann August Steppke, Bornstraße 127 28 J. In der Zusammenlegungssache nördlich des Hellwegs vom Borsigplatz Dortmund bis zur Grenze von Brackel fand am 19. d. M. im Heinkeschen Saale in Cörne unter Vorsitz des Regierungsrates Melchior eine Versammlung statt, zu der die Herren Deputierten, die Stadt Dortmund, sowie mehrere frößere Interessenten geladen waren. Es handelte sich hauptsächlich darum, die Mittel aufzubringen für sie Ueberführung der Hafenbahn, welche sich auf ca. 200000 Mark belaufen. So notwendig diese Ueberführung auch ist, so kann man den Grundeigentümern schwerlich zumuten, pro Morgen 90 Mark zu zahlen, da dieselben auch noch 20—25 Prozent ihres Grundbesitzes für öfentliche Wege und Plätze verlieren. Vn Ostern dringt die neue Heilsbotschaft Ail Osters des Früblings in die Welt und wie eine Heilsbotschaft hört es sich an, was Tausende von Aerzten in den letzten Jahren von der Tuberkulose verkündeten: daß sie besonders in den Anfangsstadien sehr wohl heilbar sei und daß man nur die nötige Vorsicht üben müsse, um ihr nicht rettungslos zu verfallen.— Zu diesem günstigen Resultate aber ist man vielfach durch die Anwendung des„Sirolin Roche“ gelangt, welches n Sshattrich Kurin seit Jahren bekannt und ein unentbehrliches Mittel im Arzneischatze geworden ist.— Erhaltlich nur i Originalpackung in allen Apotheken zu Mk..20 per Flasche. 11137 Roth amp Junius Katalog gratis Hof. Vagen! M 420 und franko, Pianofabrik stäg vis ie wus Tu# Malerigung leiner engl. Damen-Moden von Albert Rosenberg, Schwauenwall 55.I. Die Privat=Mädchen=Mittelschule von Fräulein Marie Reinders nimmt zu Ostern für alle Klassen Schülerinnen auf, um deren Anmeldung umgehend gebeten wird. Wir verweisen auf das heutige Inserat. Es ist, worauf wir besonders hinweisen möchten, volle Gewähr dafür geboten, daß die Anstalt in den bisherigen Bahnen unverändert fortgeführt wird. Die Leitung der Anstalt liegt während der Dauer der Beurlaubung der Vorsteherin in den Händen des Herrn Stadtschulrats Dornheckter und der Lehrerin Fräulein Elisabeth Cordes. Letztere nimmt in ihrer Wohnung, Sonnenstr. 80, täglich von 12—1 Uhr die Anmeldungen entgegen. Drotmund. Vom 23. März. Standesamt 1. Geburten: Ein Sohn: Straßenbahnschaffner Niemann, Zimmerstr. 47. Maurer Wand, Hohensyburgstr. 76. Kokslader Feider, Falkenstr. 8. Eine Tochter: Hilfsschaffner Hauschild, Kurfürstenstraße 26. Berginvalide Terpin, Blücherstr. 20. Wagenmeister Schleep, Friedrichstr. 87. Hauer Liebsch, Krcuzstr. 112. Müller Lütke=Bexen, Westerbleichstr 58. Hauer Mrugalski, Siemensstr. 18. Hilfsbremser Papenbreer, Düsseldorferstr. 80. Rangiermeister Spitz. Union=Vorst. Markt 15. Aufgebote: Geschäftsführer Richard Langer und Anna West. Anstreicher Heinrich Elbracht und Elisabeth Breckmeyer. Stuckateur Philipp Hunkel Weichensteller- u. BahnwärterVerein, Dortmund. Zur Beerdigung des Kollegen Wilhelm Ceherotekg) treten die Mitglieder am Dienstag. d. 26. d. Mts., 8½ Uhr vormittags im Vereinslokal Oftwall 17 an.(21742 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Longrundeiden pass. für Lebensmittelbranche u. Einreichung d. Wirtschaftskonzession, an neuer Kolonie, im Kreise Bochum gelegen ist zu verkaufen. 8000 M. erford. Schr. Ang. u. L. K. 3005 a. d. G. d. H. Wohnhaus 2½ St. Anbau mit Stallung u. Gartenland, bei Zeche Mont=Cenis in Sodingen belegen, preiswert zu verkaufen. Für Metzgerei besonders geeignet. Anzahlung —6000 Mt.(11191 Briefe nut. D. 65 bef. Hauptagentur B. Anton. Herne. Haus gesucht. Suche in guter Lage ein Haus m.—5 Z. i. d. Etage m. kleiner Anzahl. zu kaufen. Schr Ang. u. B. K. 3093 a. d. Geschst. d. 3. 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Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung des in Dortmund belegenen, im Grundbu he von Dortmund Band 117 Blatt Nr. 799 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kauf nanns Oeinrich Busemann zu Dusseldorf und der Ida Gertrud Busemann zu Paris je zur Hälfte eingetragenen Grundlücks Flur 15 Nr. 891/192 Steuergemeinde Dortmund besteht, soll dieses Grundstück am 29. Mai 1907, vormittags 11 durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 103 versteigert werden.„(11160 Das Grundstück,.67 ar groß, ist Hövelstraße Nr. 22 gelegen und besteht aus Mohnbaus mit Hofraum und ist zu einem jährlichen Nutzungswert von 1183 Mark zur Gebünd Zeuer veranlagt. Der Versteigerungsvermerk ist am 23. November 1906 in das Grundbuch eingetragen. Dortmund, den 20. März 1907. Königliches Amtsgericht. gew. Stockfisch empfiehlt August Lock, Märkischestraße 13. Filiale: Markarafenstr. 2. Fernsor. 938. 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Für staatliche, kommunale und private Wohlfahrtseinrichtungen und Anstalten werden alle Untersuchungen unentaeltlich ausgeführt desgl. für nachweislich unbemittekte Personen. S 2. Von Privatleuten, geschäftlichen Unternehmern und Privatpatienten werden, soweit nicht im einzelnen Falle durch Vereinbarung etwas anderes bestimurt wird, nach Maßgabe, der folgenden Bestimmungen für Untersuchungen Gebühren erhoben: S 8. Bei einfachen bakteriologischen Untersuchungen(Diphtherie, Tuberkulose vo.) betragt die Gebühr 5 Ml. für die erste, 3 Ml. für jede weitere Untersuchung. Diese Gebühr erhöht sich auf 10—20 Mk., falls ein Tierversuch zum Zwecke der Diagnosenstellung gewünscht oder erforderlich wird. 8 5. Für Urinuntersuchungen, bakteriologische oder chemische, beträgt die Gebühr 10 Mk. .64. Für bakteriologische Untersuchung eines Wassers (Feststellung der Keimzahl) werden 10 Mk. berechnet. S 7. 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Prinz Franzvon Arenberg Mitglied des deutschen Reichstags und des preußischen Abgeordnetenhauses, ist gestern Vormittag nach langer Krankheit in der Familie seines Bruders auf Haus Pesch bei Krefeld verschieden. Schon seit Oktober vorigen Jahres war der Prinz leidend; man hielt die Krankheit anfangs für ein typhöses Fieber; als sich später ein innerlicher Abszeß als Ursache des Fiebers herausstellte, war der KräfteFranz Ludwig Maria Prinz von Arenberg wurde am 29. September 1849 auf Schloß Héverlé in Belgien geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Bonn und studierte an der dortigen Universität die Rechtswissenschaft. 1872 bestand er in Greifswald das Referendarexamen und war 1½ Jahr im praktischen Justizdienst beim Landgericht, der Kreisdirektion und dem Bezirkspräsidium in Metz tätig. Anfang 1874 trat er in den Dienst des Auswärtigen Amtes und wurde als Attaché der kaiserlichen Botschaft in Stockholm und London beigegeben. Nachdem er 1876 das Legationssekretärexamen bestanden hatte, wirkte er als Legationssekretär bis zum Frühjahr 1882 in St. Peiersburg und Konstantinopel, dazwischen war er als Hülfsarbeiter im Auswärtigen Amt zu Berlin tätig. Anfangs der achtziger Jahre trat Prinz von Arenberg aus dem Reichsdienste aus. 1882 trat er in das preußische Abgeordnetenhaus ein und zwar als Vertreter des ersten Aachener Wahlbezirks(Malmedy=Monjoie=Schleiden). Er vertrat diesen Wahlkreis seitdem ununterbrochen; 1890 betrauten ihn seine Wähler auch mit dem Reichstagsmandat für denselben Wahlkreis. Auch dieses Mandat hatte er bis zu seinem Tode inne; bei den letzten Wahlen wurde es ihm trotz seiner schweren Erkrankung nochmals übertragen. Prinz Franz von Arenberg f. verfall schon so groß, daß ein operativer Eingriff nicht mehr tunlich erschien. Die starke Natur des Patienten widerstand aber noch lange und zeitweise schien sogar eine Wendung zum Besseren nicht ausSeichen Die Katastrophe der „Jena“ und das rauchschwache Pulver. Im„Courrier Européen“ wird im Anschlusse an die Katastrophe der„Jena“ eine scharfe Kritik an Mißständen in der französischen Marine, in erster Linie an dem rauchschwachen Pulver, geübt. Nach einer Schilderung des chauvinistischen Stolzes, den 1886 die Erfindung Vieilles hervorrief, wird ausgeführt: Die Enttäuschungen stellten sich bald ein. Der Ausdruck„rauchlos“ mußte alsbald in„rauchschwach"! umgewandelt werden und in kurzer Frist war das französische Geheimnis Gemeingut aller Nationen. Dann traten die Enttäuschungen ein. Man bemerkte schnell, daß dieses Pulver sich zersetzte und Aetherdämpfe mit einer allerdings nicht sehr hohen Temperatur aufsteigen ließ. Erst achtete man wenig darauf, bis im Jahre 1896 an Bord des„Amiral=Du, perré“ ein erster Fall von Selbstentzündung eintrat. Andererseits legten sich die fremden Nationen sehr schnell darüber Rechenschaft ab, daß dieses Pulver schwere Nachteile hatte. Die englische Marine fand durch Zusatz von Nitroglycerin zur Nitrocellulose ein Mittel gegen die Selbstentzündung, führte aber dadurch den Mißstand herbei, daß die Kanonen mehrfach durch dieses Pulver gesprengt wurden. Auch die Marinen Italiens und der Vereinigten Staaten hatten grausame Enttäuschungen mit diesem Pulver zu verzeichnen. Nur die deutsche Marine scheint verschont geblieben zu sein. Der Admiral von Tirpitz konnte deshalb auf eine anläßlich der Katastrophe der„Jena“ an ihn gerichtete Frage im Reichstage antworten, daß die Vorkehrungen in der deutschen Marine derart seien, daß nach menschlicher Voraussetzung ein solches Unglück für sie nicht zu befürchten wäre. Es gibt also ein rationelles Mittel, die zerstörerische Laune des rauchschwachen Pulvers in Grenzen zu halten. Wir hatten das geahnt. Wir wissen nicht, durch welche Mittel sich die deutsche Marine von den Folgen der Zersetzung des rauchschwachen Pulvers zu schützen vermag. Aber alles, was uns von den deutschen Schlachtschiffen, von ihrer intelligenten und strengen Anpassung an die Zwecke, für die sie bestimmt sind, d. h. für den Krieg, bekannt ist, veranlaßt uns zu der Voraussetzung, daß man vor allem eine rationelle Einrichtung der Munitionskammern sichert. Diese rationelle Einrichtung mit Hilfe von Kühlapparaten genügt, um dort kritische Temperaturen zu vermeiden. Der Einwand, daß die Sonne in der Ostsee nicht so heiß brennt, wie im Mittelmeer und daß es in Wilhelmshaven und Kiel leichter ist, sich gegen hohe Temperaturen zu verteidigen, als an unserer„Cote dAzur, ist nicht stichhaltig, da doch die deutschen Schlachtschiffe, ebenso wie die französischen, durch Dampf betrieben werden und in ihren unteren Teilen die gleiche Seidenwurm=Temperatur herrscht wie in allen Schiffen. Nachdem 1900 auf den Schiffen„Descartes",„Vauban" und„Redoutable" Selbstentzündungen vorgekommen waren, bequemte man sich dazu, auf einigen Schiffen Kühlapparate einzuführen. Auch die„Jena" erhielt solche; aber ihre Einrichtung war so mangelhaft, daß, wenn man diese Apparate zum Funktionieren brachte, die Temperatur in den Pulverkammern noch weiter stieg. Die Apparate wurden deshalb ausgeschifft. Es ereigneten sich noch andere Fälle, wie im Dezember 1904 auf dem„Charlemagne“, über die man Schweigen zu wahren wußte. Man war also lange Zeit zuvor gewarnt. Bekanntlich spielt auch das Alter des Pulvers eine Rolle bei der Zersetzung. Es sind zwar Anordnungen erlassen, regelmäßige Revisionen der Vorräte von rauchschwachem Pulver vorzunehmen und die gefährlich erscheinenden Massen, die sich durch starken Aethergeruch kenntlich machen, ins Meer zu werfen, aber kein Kapitän hat noch eine solche Verantwortung zu übernehmen gewagt. Daher kam es denn, daß auf einigen Schiffen das Pulver durch Zersetzung bereits in flüssigen Zustand geraten war; in diesem ist es freilich nicht mehr gefährlich, auch für die Feinde nicht, aber unmittelbar vorher für die eigenen Mannschaften umso bedrohlicher. Der Verfasser ist übrigens in der Lage, sogar eine ministerielle Auslassung im Senate auf eine Anfrage des Senators Monis über die Fehler bei den Pulververladungen des Linienschiffes„Charles=Mariell“ vom 21. Dezember 1906 zitieren zu können, in der zugestanden wurde, daß die betreffenden Munitionen bereits zehn Jahre alt waren. Und dabei heißt es ausdrücklich in den ministeriellen Anordnungen, daß rauchschwaches Pulver auf den Kriegsschiffen nicht über sechs Jahre behalten werden dürfe. Die von Herrn Thomson angeordnete Untersuchung müsse alle diese Uebelstände schonungslos klarlegen, und auf ihre Abstellung muß mit allen Kräften hingearbeitet werden. ist die Ursache zahlreicher Unpässlichkeiten. beschleunigt die Verdauung und ist ein ideales Abführmittel infolge seines angenehmen Geschmacks und seiner prompten Wirkung ohne jedwede Beschwerden. Nur in Apotheken erhältlich. 1 Fl..50., 4 Fl. 1. 50 M. Bestandteile: Syr. Fiei Californ.(Speciali Modo California Fig Syrep Co parat.) 75, Ext. Senn. liguid. 20, Elix. Carpoph. comp. 8. Ueberall au haben. unentbehrliche Zahn-Creme 5188 erhält die Zühne rein, weiss und gesund. 7 Eine träge Verdauung Schreibmaschinen erstal. ren Fabrikation mit 2 jUhr. 10) big 24) M Gwrantie gegen Nonatsraten vos 10 bis 20 M. Prosp. S pa; gratis u. krei. Bial& Freund I. Bresias II. was Sich Beriin-erzann. Am 22. März waren fünfundsiebzig Jahre verflossen, seitdem Goethe in Weimar die Augen zum ewigen Schlummer schloß. Ob Goethe oder Schiller „der größte Dichter Deutschlands“, gewesen, ist eine sehr müßige, aber immer noch häufig aufgeworfene Frage. Aber die meisten Deutschen sind darüber einig, daß der Dichter der„Räuber“ volk#ümlicher ist, als der Olympier von Weimar. Schon Gocthe hat seinem Staunen über die Volkstümlichkeit Schillers Ausdr ick gegeben. „Ist Schillerwirklichindas Volkgedrungen?“„ n 2 Diese Frage drängte sich mir am 22. März auf. Ich beschloß, mir hierüber Gewißheit zu verschaffen, If dem jetzt so helichten Wege der öffentlichen undfrage. Ich wählte hierzu aber das mündsiche Verfahren. An einem Tazameter=Halteplatz sah ich, gerade als ich eine Troschke b steiger wollte, daß der Rosselenkei auf dem Lock in das Lesen eines Buches versei.“ war. Er keme####e nicht einmal, daß er einen Fahrgast hatte. „Heh, Kulscher! Fie leen wohl Schifler!“ Der Kutscher, ein etwa dreißigjähriger Mann mit gutmütigem Gesicht, Wanger, die in der Röte der Gesundheit leuchteten. und einem tornisterblonden. etwas struppigem Vollbart, wandte sich jäh um: Bard.ug— ach so! Wohin soll et jehen!“ „Ras doh.n Sie denn da eben gelesen!“ Der Kutscher wurde etwas verlegen, als wenn er auf etwas Ungehörigem ertappt worden wäre, und sagte dann: „Det is der„Iraf von Monte Christo“ von Dumas(er sprach„Duhmaß“ aus)— det habe ick mir uff'n Hof(damit meinte er den Fuhrhof seines Dienstherrn) von eenem Wagenwäscher jeborft!" Mit Schaudern erblickte ich den vergilbten Schmöker, den er mir jetzt entgegenhielt. Zwischen den Blättern dieses von Generationen zerlesenen, dicken Bandes hatten mindestens ein Dutzend Wanzen ihr vorzeitiges Erbbegräbnis gefunden— ganz abgeschen von den mancherlei Bazillen, die sich sicherlich beim„Grafen von Monte Christo" häuslich nieder gelassen hatten. Während der Kutscher bedächtig den linken Deckel seines Bocksitzes aufklappte und den Roman in das Fach neben Putzlappen und eine kurzstielige Tabakspfeife legte, sagte er mit einer Tonfärbung höchster Anerkennung: „Een dolles Buch! Wenn man anfengt, det zu lesen, klebt man fest— man muß weiter lesen! Wat der Monte Christo allens erlobt, det jeht ins Aschjraue. Man sollte et jar nich fier mecilich halten, dat sonne Sachen passieren. Aber passiert sind se— cen dolles Buch!“ „Kennen Sie Friedrich Schiller!“ fragte ich etwas zaghaft. „Hm— warten Se'mal, is bet nich der, der uff 'n Schandarmenmarcht steht!? „Gewiß!“ sagte ich sehr erfreut. „Den kenne ick janz jenau— da habe ick schon oft'ne Fuhre hinjehabt, namentlich in'n Gommer, wenn de Kremden da sind!“ „Und Sie wissen auch, wer Schiller ist?" „Natierlich— det is ja der Direkter von's „Schiller=Theater“.... Dieser Anfang meiner Enquête war nicht sehr ermutigend. Trotzdem setzte ich die Untersuchung for Ich sprach ein hübsches, dralles Dienstmädchen, das gerade vom Schlächter kam, auf der Straße an: „Entschuldigen Sie, Fräulein kennen Sie vielleicht Schiller— den großen Schiller?“ „Wie wer ick denn Schiller'n nicht kennen?! Natierlich! Sie meinen doch den jroßen Schiller, den langen Lulatsch, der bei's erste Jarderejiment jelmann war! Der Kerl is zwei Jahre mit mit jejang'n, bis'n mir ne Freindin wejjeschnappt hat, det Luder! Hm— wie kommen Sie aber uff Schillern? Is er vielleicht dodi!“ „Ja— das ister!“ Sie hatte eine Anwandlung von Weichheit: „Jotte doch— er is jestorben! So'n kreftijer baumlanger Mensch! Un ick habe ja nischt von jeheert! Er hat sich ja sehr ruppig jejen mir benommen, aber— det tut mir wirklich leid! Also Schiller is dodt— nee so wat!“ Sie hatte Tränen in den Augen; ich machte, daß ich fortkam.... „Aller guten Dinge sind drei“— sugte ich mir —„machen wir noch einen Versuch!“ Eine Zeitungsfrau kam des Weges, eine große, grobleinene Tasche, die mit Zeitungen vollgepfropft war, in der Hand. Ich habe lurme Austrägerinnen geistiger Nahrung für diese lurmer Sympathie empfunden. Ich betrachte sie gewissermaßen als Kolleginnen, die so freundlich sind, das, was wir Journalisten produzieren, dem Publikum zu übermitteln. Die Zeitungsausträgerin, die mir begegnete, war eine nette, saubergekleidete Alte, etwa Anfang der Sechziger. „Guten Tag, Frauchen“— redete ich sie an— wissen Sie vielleicht, wer Friedrich Schiller ist?“ Sie blieb stehen und sagte nachdenklich: „Schiller, Schiller!? Ach Sie mechten woll seine Adresse haben? Aber unter meine Kunden is er nich!“ „Nein, ich wollte nur wissen, ob Sie noch nie etwas von Schiller gehört haben, dem bekannten Dichter!? „Ick kenne nur eenen Rohrdichter(Arbei, ter, der Rohre dicht macht) aus de Mulackstraße; aber der heeßt anders!".... Ganz niedergeschmetdert sagte ich mir: „Schiller ist nicht in das Volk gedrungen!“ Zufällig fand abends in einem Vororts=Theater, einer jener kleinen Volksbühnen, wo man das Butterstullen=Publilum und eine ideale Begeisterung kindet, eine Aufführung von„Wilhelm Tell“ statt, und zwar„zu volkstümlichen Preisen“. Es schien mir sehr interessant, diese Vorstellung zu, besuchen. Das Theater war gerammelt voll. Was für ein Publikum? Kleinbürger, Handwerker mit ihrer Familien, Nähpussels, Heringsbändiger. kleine niedliche Arbeiterinnen, alle sehr sauber gekleidet einige sogar mit Handschuhen, die allerdings stark nach Benzin dufteten. Fast die Hälfre der Besucher und Besucherinnen hatte die kleinen, roten Reklam=Hefte in Händen und la### vor jedem Akt eifrig in dem„Tell“ Exemplar, sich so eine Vorfreude verschaffend. Das Stück und dies Darstellung weckten einen unbeschreiblichen Enthusiasmus. Tell wurde bei seinem ersten Erscheinen sofort mit stürmischem Beifall begrüßt, worauf er## das Barett abnahm und sich nach allen Seiten verneigte. Ich erwartete jeden Augenblick, daß er## „Horridoh!“ rufen würde. Als in der Rütli=Szene die Worte ertönten „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen noch Gefahr!“ rief eine dröhnende Stimme von der Galerie:„Bravo!“# Als ich mir während des großen„Tell“=Monologs die Nase schnaubte, wandte sich eine vor mir sitzende dicke Frau wütend zu mir um und zischelte: „Wozu sind denn de Zwischen=Akte dal Schnauben Se sich doch, wenn Pause is!“ Vor dem letzten Akt sagte ein kleiner, dicker jovialer Harswerker zu seinem Nachbar: „Sich' mal, Justav, der Herr dort in de zweiReihe hat cene Schiller=Neese!" „Det kann ick nich finden!“ „Aber kiel' doch, der hat in sein Leben so villig jedrunken, det seine Neese blau, rot und frien Solllers„ 1 Ich verließ beglückt das Theater und sagte mir: „Schiller ist doch in das Volk gedrungen!" B. B. E. ursesb Soter-Verkäufe Wsche Diese Preise gelten nur für diese Woche und sind sensationell billig! P Ca. 2000 Mir. Gardinen besten Hualitäten 65, Kc, 38 9l. 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Herden, Oppeln. Herr Georg Zenner, Holtenau bei Kiel. Herr Zenner litt an beständigem Ohrensausen im linken Ohr und etwas an Schwerhörigkeit. Er bestellte meinen Apparat und schon nach kurzer Zeit konnte er mir die erfreuliche Nachricht geben, daß er geheilt sei. Er stellte mie seine Photographie zur Veröffentlichung gern gur Versonung, )* 5 DEe heiten? Photogr. v. A. Jüttner, Natidor. Maria Grimm(12 Jahre alt),. Lucasine, Rattbor, o. S. Maria war von frühester Jugend an schwerLörig. Eine Uhr hörte sie in 18 bezw. 15 em. Entfernung ticken. Nach drei Tagen meiner Gesandlung gigte sich eine Besserung und aach vier Wochen hörte Maria die leiseste Stimme und die Uhr schon in zwei Meter Entfernung ticken.„Gott der Allmächtige wolle es Ihnen viel kausendnal vergelten, ich kann mit Worten nicht ausdrücken, wie dankbar ich Ihnen bin,“ schreibt der Vater. 20000 Bücher gratis. Prov. Keith=Harvey hat ein sehr lehrreiches Buch geschrieben. 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Die Reichstagsauflösung, der Wahlkampf, die Neuwahlen und die ersten Verhandlungen des Reichstags haben das allgemeine Interesse so sehr in Anspruch genommen, daß die Fragen der auswärtigen Politik mehr in den Hintergrund getreten sind. Und doch sind erst vier Monate verflossen, seitdem der nationalliberale Führer Bassermann an den Reichskanzler eine Interpellation richtete, aus deren Fassung und späteren Besprechung ernste Besorgnisse und Zweifel über unsere auswärtige Politik erklangen. Fürst Bülow gab sich zwar in seiner Beantwortung den Anschein, als ob zu solchen Besorgnissen und Zweifeln nicht der geringste Anlaß vorliege. Er forderte den Reichstag auf, alles Mißtrauen fallen zu lassen. Er fand damit nur einen einzigen Abgeordneten auf seiner Seite, den Zentrumsführer Spahn, der damals noch bereit war, in solchen Fällen mit dem Reichskanzler und der Regierung blindlings durch dick und dünn zu gehen. Selbst auf der Rechten hieß es damals:„Der Aufforderung des Reichskanzlers, alles Mißtrauen fallen zu lassen, können wir nicht nachkommen, soange wir in letzter Linie doch immer das Schwert geschliffen halten müssen, um gegebenen Falles die Fehler der Diplomatie wieder gut zu machen. Zu unserem Heere haben wir noch immer Vertrauen, zu allen anderen Faktoren haben wir es verloren“. Seitdem hat sich in mancher Hinsicht unzweifelhaft ein bedeutsamer Umschwung vollzogen. Die überraschende Energie, die Fürst Bülow bei seinem Bruch mit dem Zentrum bewiesen hat, und seine in den letzten Monaten betätigte Festigkeit in der inneren Politik haben ihm unzweifelhaft wieder das Vertrauen weiterer Kreise verschafft. Man hat jetzt auch zu seiner auswärtigen Politik mehr Zutrauen gefaßt, und wenn sie im Reichstage demnächst wohl auf die Verteidigung seitens des Herrn Spahn, nicht mehr zu rechnen haben dürfte, so würden ihr doch sicher aus den Reihen der neuen Mehrheit andere Verteidiger entstehen. Auch der Abg. Bassermann wird vielleicht in dieser Hinsicht eine ganz andere Meinung haben, als vor vier Monaten, nicht nur aus rein taktischen, sondern aus hr sachlichen Gründen. Das Urteil über den taatsmann Bülow hat sich eben seit dem 13. Dember wesentlich geändert. Er hat damals geeigt, daß er vor einer Krisis nicht unter allen Umständen scheu zurückweicht, daß er, wenn es nötig ist, den Stier beherzt an den Hörnern zu fassen versteht, und daß er, der von Natur höfliche, veröhnliche und nicht übermäßig kampfeslustige Mann, jebenen Falles auch ganz anders kann. Unzweifelhaft hat diese seine Entwickelung auf dem Gebiete der inneren Politik auch in die Ferne gewirkt und seine Stellung nach außen hin erhöht, wie anderseits zugleich der Ausfall der Reichstagswahlen den Respekt vor Deutschland draußen gewaltig vermehrt hat. Namentlich auf Frankreich ist die Wirkung nach beiden Richtungen unverkennbar und hat sich bereits in manchen Anzeichen erkennbar gemacht. Am deutlichsten ist sie vielleicht in der schroffen Zurückweisung des englischen„Abrüstungs=Vorschlages durch den sonst wenig deutschfreundlichen, mit dem Pariser Auswärtigen Amt in engsten Beziehungen stehenden„Temps“ hervorgetreten. Man hat jenseits der Vogesen, nachdem man neuerdings wieder bei uns die alle Hindernisse überwindende Nacht des nationalen Gedankens beobachten konnte, weniger als je Lust, für die Engländer die Kastanien aus dem deutschen Feuer zu holen. Das ist unzweifelhaft ein erfreulicher Fortschritt und eine Tatsache von berubigender Beeeutung. Die französische Regierung scheint bestrebt zu sein, im englisch=französischen Bündnis, ähnlich vie früher Rußland im rufsisch=französischen Zweibunde, die Rolle des Hemmschubs zu übernehmen. Nur is allerdings auf Frankreich, dieses ewig Weolichen inr onetilichn Goschagnr ahe Launen nur zu leicht zugängliche Land, kein sicherer Verlaß. Gelingt es der überlegenen englischen Diplomatie, der französischen den Glauben an eine übermächtige Koalition gegen Deutschland beizubringen, dann sind alle guten, friedlichen Vorsätze zum Teufel. Daran zweifelt kein Kenner der französischen Volksseele, für die auch nichts dauernder ist, als der Wechsel, namentlich der Stimmungen und Reigungen. Wir sehen denn auch in den letzten Monaten die englische Diplomatie, die sich in König Eduard verkörpert, nach kurzer Anstandspause zur Sammlung ihrer Kräfte wieder überaus geschäftig, um ihr nächstes Werk, die Einstreichung Deutschlands, zu vollenden. Die plötzliche Reise der schlimmsten Feindin Deutschlands, der Zarin=Mutter, nach London hat den letzten Schleier von den zwischen den Höfen Englands und Rußlands gesponnenen Fäden gerissen. Das Netz, das Deutschland übergeworfen werden soll und das bisher nach der östlichen Seite ein großes Loch hatte, scheint nun auch in dieser Hinsicht vollständig zu sein. Rußland, noch immer der Verbündete Frankreichs, scheint nun auch an Englands Triumphwagen geschmiedet zu sein. Die Fesseln sind vielleicht dauerhafter, da es sich um keine Liebesheirat, sondern nur um eine Vernunftehe mit sehr metallischem Untergrund handelt. Die nächste Russenanleihe wird die Morgengabe sein, die Englands Finanzgewaltige der neuen Freundin zu Füßen legen werden. Es wird einsam und immer einsamer um uns. Zwar singen die Offiziösen der Berliner Wilhelmstraße und der römischen Consulta anläßlich der bevorstehenden Zusammenkunft des deutschen Reichskanzlers mit dem ttalienischen Minister des Aeußeren Tittoni bereits Jubellieder über die„herzlichen, innigen und vertrauensvollen“ Beziehungen Italiens zu Deutschland. Aber seit Algeciras ist ja hinlänglich dafür gesorgt, daß auch die harmlosesten Gemüter derzeitige Loblieder annähernd zutreffend zu bewerten wissen. Man wird wohl in Berlin ganz zufrieden sein, wenn es dem Fürsten Bülow bei dieser Zusammenkunft gelingen sollte, Italien auf der bevorstehenden Haager Friedenskonferenz von einer allzu offenkundigen und intimen Unterstützung der englischen Pläne zur Isolierung Deutschlands abzubringen. Viel höher gehen unsere Wünsche und Hoffnungen inbezug auf diesen„Bundesgenossen“ kaum noch. Was den anderen, Oesterreich=Ungarn, anlangt, so tritt in Berliner unterrichteten Kreisen mit wachsender Bestimmtheit die Ueberzeugung zutage, daß trotz aller nachträglichen Ableugnungen, trotz der offiziösen Bemühungen, die Sache so harmlos und unpolitisch wie möglich, erscheinen zu lassen, dem jüngsten Besuch des Erzherzogs Franz Ferdinand beim deutschen Kaiser eine gang außerordentliche Bedeutung beizumessen sei. Der österreichische Thronfolger spielte in der Berechnung derer, die Deutschlands vollständige Isolierung planmäßig betrieben haben, bisher eine beträchtliche Rolle. Man zweifelte nicht daran, daß es gelingen werde, ihn von Deutschland abzuziehen und damit die Einkreisung Deutschlands zu vollenden. Diese Hoffnung soll aber nunmehr nach der langen Aussprache unter vier Augen zwischen dem Kaiser und dem Erzherzog zuschanden geworden sein. Man nimmt an, daß die unveränderte und ungeschwächte Fortdauer des deutsch=österreichischen Bündnisses auch für die Zukunft gesichert sei. Das ist allerdings ein sehr wichtiges und beruhigendes Moment, wohl geeignet, unsere auswärtigen Sorgen, die nicht gering sind, einigermaßen zu beschwichtigen. Bleibt Oesterreich=Ungarn an Deutschlands Seite, dann erhält König Eduards Plan eine Lücke, die ihn leicht zum Scheitern bringen könnte. Immerhin gibt es am eurspäischen Horizont so viele dunkle Wolken und so viele bedenkliche Konstellationen, daß unsere Divlomatie ihre ganze AufmerkRenit un bechehleiech eihelien uier anche um nicht durch plötzliche Ereignisse unliebsam überrascht zu werden. Die„Paarung“ in agrarischer Veleuchtung. Auf der sächsischen Landesversammlung des Bundes der Landwirte, die am Samstag in Dresden stattfand, hielt der Abgeordnete Rösicke eine Rede über die konservative und liberale Paarung. Herr Rösicke führte etwa folgendes aus: „Es seierfreulich, daß diese„Ehe“ geschlossen und nicht bloß eine Verlobung gewesen sei, die dann zurückging. Wer sei der Mann in dieser Vernunftehe? In der Ehe sei der Mann immer der Folge richtigere und das sei zweifellos die konservative Partei. Die Liberalen hätten eben gerade dadurch, daß sie in äußerst lobens= und anerkennenswerter Weise zu der Rechten herübergekommen seien, doch immerhin einen Schritt getan, den sie früher nicht zu tun können glaubten, und damit haben sie dokumentiert, daß sie der weibliche Teil sind. Die Rechte würde die Höflichkeit, die man den Frauen schuldig sei, stets wahren und es der Linken nicht schwer machen, mit ihr zu gehen. Möge kein ernstes Zenwürfnis die Ehe trennen; die Rechte würde sich aber stets als der führende Teil, als der Mann zeigen, auch in Wirtschaftsfragen, denn gerade darin müsse der Mann der Führer sein. Der Redner sprach den Wunsch aus,„daß das Ehegesponst“ der Rechten, die Liberalen, auch in wirtschaftlichen Fragen mit der Rechten gehen möge“.(Lebhafter Beifall.) Es, sei erfreulich, daß der Reichskanzler so schöne Worte für den Bund gefunden habe, aber wenn ein Diplomat von der Bedeutung des Fürsten Bülow so streichle und lobe, dann habe er in der Regel noch eine Hinterabsicht, und das werde hier wohl die sein, den Bund für eine Rückwärtsrevidierung der Börsengesetzgehung zu gewinnen. Der Bund werde sich neue Gesetzesvorlagen über diese Materie zwar nicht mit„Scheuklappen“, aber mit Vergrößerungsgläsern ansehen und niemals dafür zu gewinen sein, daß unser Volk dem Börsenspiel und der Ausbeutung zum Opfer falle. Rumänien sei ein warnendes Beispiel. Möge man im deutschen Volke nicht vergessen, daß die Industrie, der Mittelstand und die Arbeiterschaft ihre Lebenskräfte von der Landwirtschaft beziehen.“ Das„Verl. Tageblatt" bemerkt dazu: Gerade weil diese Auslassungen des Abgeordnetenten Rösicke die Höflichkeit nicht vermissen lassen, bedeuten sie für den Liberalismus eine Demütigung. Es sieht fast so aus, als sollten die Liberalen unter die Fittiche des Bundes der Landwirte genommen werden. Dafür wird sich jeder aufrechte Liberale bestens bedanken. Ueber die Frage, wer bei der„Paarung“ als der männliche und wer als der weibliche Teil anzusehen ist, wollen wir mit Herrn Rösicke nicht disputieren. Aber im allgemeinen ist es doch wohl der Mann, der das Wirtschaftsgeld zahlt. Und die Landwirtschaft ist unseres Erachtens der empfangene Teil. Wesfalen und Nheinland. Löttringhausen, 24. März.(Elektrisch Licht). Dank der Gemeindevertretung hat unser Ort nun auch Straßenbeleuchtung erhalten. Gestern abend waren die Straßen zum ersten Male beleuchtet. Eine Wohliat für die Bewohner unseres Ortes und der Umgegend, daß sie jetzt die dunkle Straße von und zum Bahnhof nicht mehr im dunklen zu, wandern brauchen. Auch für den vielen Fremdenverkehr, den unser Ort an schönen Tagen aufzuweisen hat wird es angenehm empfunden werden, daß jetzt die Staße zum Bahnhof beleuchtet ist. Die Lichtanlage geht von den Wirtschaften Wittich und Meinberg bis zur Station Löttringhausen. Das Ein= und Ausschalten wird von dem Wirt Herrn Wittich besorgt. Das Licht soll voraussichtlich, bis der letzte Personenzug abgefahren fist, 12½4 Uhr nachts, brennen. Castrop, 97. März.(Tödlich verunglückt) ist heute vormittag auf Zeche Erin der Maschinensteiger Friedrich Helfer. Terselbe war auf der Schachtanlage tätig und geriet infolge eines Fehltrittes in das Baggerwerk, in welchem er buchstäblich zerquescht wurde. Helfer ist 82 Jahre alt, verheiratet und Vater von einem KindMünster, 24. März.(Der Bezirksaussch u ß) hat die Klage der Bergwerksgesellschaft„Hibernia“ bei Recklinghausen gegen den dortigen Magistrat auf Ermäßigung der für 1906 in Ansatz gebrachten, nach der Zahl der im„Hibernia“=Betriebe in 1905 beschäftigten Arbeiter berechneten besonderen Gemeinde=Gewerbesteuer(Kopfsteuer) abgewiesen. Die Gesellschaft meinte, die Steuer sei zu hoch angesetzt, weil bei Ermittelung der durchschnittlichen Arbeiterzahl(monatlich 4155), wie der Magistrat sie angestellt habe, entgegen den Vorschriften der hierbei zugrunde zu legenden Steuerordnung auHeracht gelassen worden sei, daß in die Zeit von Januar und Februar 1905 der Bergarbeiterausstand falle, der sich auch auf„Hibernia“ erstreckte. Nach statutarischer Vorschrift aber seien die Ermittelungen hier in Rede stehender Art die Monate, in denen gestreikt worden, außer Ansatz zu lassen. Demgemäß rechtfertige sich der Widerspruch der Gesellschaft. Der Vertreter des Magistrats erbrachte dagegen den Nachweis, daß die Berechnung des Durchschnitts und darufhin die Veranlagung durchaus im Rahmen der einschlägigen Vorschriften und gänzlich irrtumsfrei vorgenommen worden sei. Essen, 25. März.(Selbstmord.) Gestern morgen gegen 11 Uhr machte ein Spaziergänger im Stadtwald in der Nähe des Markenweges einen grauenhaften Fund. Als der in seiner Begleitung befindliche Hund immer wieder winselrcd nach einem dichten Gebüsch in der Nähe des Weges hindrängte, folgte der Mann dem Tiere und gewahrte eine männliche Leiche, die einen Schuß in der Schläfe aufwies. Der Tote hielt den Revolver, mit dem die Tat begangen worden war, noch in der linken Hand. Aus den bei dem Selbstmörder vorgefundenen Papieren ging hervor, daß es sich um den 20jährigen Arbeiter der Firma Krupp, Paul.=Schade, Frohnhauserstraße 49 wohnhaft, handelt. Aus dem von dem Selbstmörder an den Hauswirt gerichteten Priefe ging hervor, daß der Mann die Tat aus Liebesgram begangen hat. Seine Braut Anna, die in der Bismarckstraße bedienstet ist, hatte ihm einen Absagebrief geschrieben. Er traf mit seiner Geliebten am Samstag vor acht Tagen noch einmal zusammen, um sie zu bewegen, ihm doch die Treue zu halten. Als seine Bitten erfolglos blieben, verließ er das Mädchen und wurde seit der Zeit vermißt. Handel, Gewerbe und Verkehr. Essen, 24. März. In der gestrigen Hauptversammlung der Essener Kreditanstalt, in der 120 Aktionäre mit 45 296 Stimmen ein Kapital von 27141600 Mark vertraten, knüpfte der Vorsitzende Kommerzienrat Müller an den Rechnungsabschluß eine Reihe von Erläuterungen, aus denen kurz hervorzuheben ist, daß die beträchtliche Erhöhung sämtlicher Ziffern wesentlich mit der Aufnahme des Westfälischen Bankvereins in Münster zusammenhängt. Im einzelnen wurde mitaeteilt, daß sich unter dem Wechselbestand von 46 Millionen Mark Prima=Privatdiskonten befinden, daß die mit 5 Millionen Mark aufgeführten Gemeinschaftsgeschäfte meist fest verzinsliche Werte betreffen. und daß auf den Besitz von 85 Millionen Mark Deutscher Reichsanleihe und Konsols vorweg 200000 Mr. Kursverlust vor Feststellung des Jahresgewinnes abgeschrieben werden mußten. Die mit 25 Mill. Mark aufgeführte Rechnung der Barckgebäude werde sich im laufenden Jahre um mindestens 1 Mill. Mark erhöhen, da wegen des fortwährenden Ausbaues der Geschäfte ein Neubau in Essen notwendig geworden sei und auch das neue Bankgebäude in Münster hinzutrete. Ueber die allgemeine Lage führte Kommerzienrat Müller aus, daß eine schwere Börsenkrisis, in der Hauptsache ausgehend von Amerika, hereingebrochen sel und auch in Berlin zu einem empfindlichen Rückschlage geführt habe, obwohl gerade Berlin unter dem Einfluß wiederholter Warnungen erster Banken große Mäßigung an den Tag gelegt habe, so daß die Kurse eigentlich niedriger gewesen seien als zu Anfang des Jahres 1906. Zurzeit sei die Industrie noch lohnend beschäftigt. Man könne indes nicht verlangen, daß die außerordentlich günstige Konjunktur ewig dauere. Er glaube jedoch, daß die der Konjunktur drohenden Gefahren leidlich überwunden werden könnten, sofern die großen Syndikate der Industrie erneuert würden. Auch da sei augenblicklich, insbesondere beim Stahlwerksverband und beim Kalisyndikat die Lage kritisch, aber man dürfe wohl das Vertrauen haben, daß von allen Beteiligten Entgegenkommen gezeigt und Opfer gebracht würden. um die Verbände wieder zustande zu bringen, mit deren Hülfe man auch eine günstigere Geschäftslage überstehen könne. Dagu komme noch, daß endlich eine Refoum des Börsengesetzes in Ausscht Riet it euit eil uer btench eseche. wirken werde. Die Essener Kreditanstalt könne beruhigt allen Möglichkeiten entgegensehen, weil sie über große Rücklagen verfüge und ihr Vermögensstand so flüssig sei, wie kaum bei irgend einer anderen Bank. Ueber das Geschäft des laufenden Jahres teilte das Vorstandsmitzlied Konsul Hil noch mit, daß das Geschäftsjahr 1907 sich für die Kreditanstalt außerordentlich lebhaft angelassen habe, daß die beiden ersten Monate einen Mehr. umsatz von 100 Mill. Mark gebracht haben und in der Form von Depositen 4 Mill. Mark neues Geld hereingekommen seien, ein deutlicher Beweis für das Vertrauen, das die Anstalt genießt. Kennzeichnend für die Lage seien einmal die Börsenverhältnisse und auf der andern Seite der hohe Geldstand. Erstere käme für die Kreditanstalt weniger in Betracht, da sie das Hauptgewicht auf das Geschäft in laufender Rechnung lege. Bei der augenblicklichen Bewegung an der Börse müsse man berücksichtigen. daß auch nach unten hin gesündigt werde, ebenso wie bei der Aufwärtsbewegung. Demgegenüber müsse man ruhig Blut behalten und nicht die Papiere kopflos auf den Markt werfen. Was den hohen Geldbestand anbelange, so sei er bei der ganzen Entwicklung der Dinge durchaus erklärlich Die Konjunktur sei eine Weltkonjunktur. Sie habe überall, in Deutschland, in England, in Amerika und in Italien den Geldbedarf außerordentlich gesteigert. Die Preise für Kohlen, Eisen, Baumwolle, Wolle und Seide seien außerordentlich gestiegen, und die Umsätze erforderten vermehrte Mittel. Daraus erkläre es sich, daß man augenblicklich einen Geldstand habe, wie er seit dem Frühjahr 1870 noch nicht dagewesen sei. Die Essener Kreditanstalt habe dies indes schon frühzeitig vorausgesehen und demgemäß ihre Maßnahmen getroffen. Sie verfüge infolgedessen im Augenblick über 66 Mill. Mark greifbare Mittel, also mehr als ihr Grundlapital, und sei in der Lage, nicht allein chre guten Schuldner zu schützen, sondern auch helfend einzugreifen, wenn etwa andere Kräfte versagen sollten. Der Rechnungsabschluß wurde hier nach einstimmig genehmigt, der Verwaltung Ent. lastung erteilt und die Dividende auf 8½ Prozen! festgesetzt. Drei der Reihe nach ausscheidende Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. Ar Stelle des nach Amerika verzogenen Herrn Julius Forstmann in Werden wurde dessen Associe Herr Ernst Huffmann in Werden sowie ferner das frü. here Vorstandsmitglied Heinrich Willers in Essen neu in den Aufsichtsrat gewählt. Vermischtes. „.„(Ein katholischer Pfarrer und Ritter eines Narrenordens über die Orden.) Der Pfarrer von St. Martin in Freiburg, der bekannte Dichter Hansjakob, der einstmals den Zähringer Löwen ausschlug, hat den HansKuonh=Orden 1. Klasse mit Brillanten angenommen, den ihm der Stockacher Gerichtsnarrenrat wegen seiner Schilderung der Stockacher Fastnachtsbräuche verliehen hat. Durch eine Abordnung, zu der auch der Narrenbüttel im Ornat gehörte, wurde ihm der Orden am Sonntag feierlich in Freiburg überreicht. Nach der Ansprache und Ueberreichung des Ordens schrieb der Gefeierte, wie das „Stock. Tagebl.“ berichtet, in das Stammbuch: Bin ohne Titel, ohne Orden Gottlob ein alter Mann geworden. Wollt eitle Titel nie erwerben, Und schlicht auch ohne Orden sterben. Nun kommt Alt=Sockachs Narrengericht, Das meinen Vorsatz jäh durckbricht: Zum„Ehrenlaufnarr“ klipp und klar Hat's mich erwählt in diesem Jahr. Hat mir Hans Kxonds 1. Klasse Verlieh'n im Ernste, nicht im Spaße, Mit Diplom und in Brillanten, Wie nur in Stockach sie vorhanden. Das Alter schützt vor Narrheit nicht Vernimm es drum. du Narrengerich. Ich nehme Titel an samt Orden, Wie mir sie sind guteil geworden. Doch kür dazu auch meinen Gruns, Der eingig mich bestimmen kunt, Den Rarrentitel anzunchmen Und mich des Ordens nicht zu schämen. Hans Kuony hatte echten Sparren, Den Orden stiftet er für Rarren; Narren sind.; das Kinzt sa bitter— Die allermeisten Ordensritter. Drum,„grobgünstiges Narrengericht“, Verschmäh auch ich die Ehrung nicht. Denn närrisch war allzeit und grol Dein„Abrenlauiuer“ Genstekeh. Rheinische Automobil- Fach- Schule, Abt. Chaufteurschule, büsselder! Nächster Kurins April. Programm durch die GeschäftsKelle Graf Ado sKraße 31, 9487 Tassewors. Meimarbeit Existenz. Näd. Bachmeier, Orauienbura. Waldstr. 68. Postk, genügt. Vere Banndelsbaufnanuig. Echwerte=Ruhe„ sucht per 1. April tüchtigen Verkäufer! 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Da auch die uns empfohlenen Hausmittel und Bäder in Weizen=Kleie, Salz etce, wirkungslos blieben, der Zustand der Kranken aber immer trostloser wurde, gaben wir mit der entsunkenen Hoffnung auch alle weiteren Heilversuche auf. Auf dringendes Anraten und Empfehlung einer uns bekannten Familie, welche jedoch in ähnlichen Leiden Heilung gefunden, machten wir zu unserm Glück noch einen letzten Versuch bei Herrn Julius Overmann in Hagen. Mit allerdings sehr berabgemindertem Vertrauen versuchten wir die Heilmethode dieses alten Praktikers, dem es denn auch tatsächlich gelang, in verhältnismäßig kurzer Zeit meine beiden Knaben wieder herzustellen. Nachdem etwa ein Jahr nach der Heilung verflossen und keine Spuren der Krankheit geblieben oder sich wieder zeigten, drängt mich das. Gefühl blieben oder sich wieder zeigten, drängt mich das, Gefühl der Dankbarkeit einerseits und das Pflichtbewußtsein der leidenden Menschen durch diese Bekanntgabe einen werthollen Dienst zu leisten, andererseits dazu, vorstebende Tatsache gebührend au veröffentlichen. Unserem Wohltäter Herrn J. Lpermann aber ein„Vergelts Gottl und herzlichsten Dank!“ Laugendreer. Hubert Kick, Zenerdlatust. Grosser-Kusverkauf wegen Umbau unseres Ladenlokals Oelen, Kochberde, Waschmaschinen, Wringmaschinen, Mangelmaschinen, Gaskocher etc. Um Platz für diese Artikel zu gewinnen, haben wir während einiger Wochen das Ladenlokal Müblenstr. 8 gemietet und daselbst ohige Artikel mit staunend billigen Preisen zum Ausverkauf gestellt. Günstige Gelegenheit für Brautleute zum Einkauf ihrer Kücheneinrichtung. 4748 Berthold& Kühndahl, Dortmund Münsterstr.—8, direkt am Hauptbahnhof. 25 bleiderschranke, Bettstellen und Mhastratzen, **- Pe ui Herde) Mittel gratis und portofrei. 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Nr. 85.(3. Prosessor Fes kifft or 0 Soeben trifft die Aihmnte Priner! Wliesbaden, und er eiem ic, nachdem hin derufenen Profes früheren Assistenten Hannoner, sweimal Hinscheiden und die Mannes, der erst ir unter Teilnahme wei Geburtstag feierte,1 Wiesbaden, 25. mann ist hier soe Wochen weilte er chiasleidens und u starke Erkältung zu verlassen. Am an Ileuserscheinu: und auf seinen 88 ihm weilenden E Hannover herberuf hier ein und nahm Operation vor, di zung eines künstlich Rücksicht auf das Narkose, nur unte Anästhesie ausgefü Ernst Der Zustand g als großer KräftTage trat leider d ten Fistel nichte Bergmann einer zweiten Ot wieder ohne Nar. Kräfteverfall nahr schwächer und mit ein. Prof. Bram willig hierher, ti Lehrer nur sterbe heute nachmittag. vor dem Tode v. ein, in der er sich Die Leiche des E übergeführt werd Bezüglich des Le angesehen werden n der vorstehenden 2 seit fünf Jahren scheinungen, welche im oberen Teil des Dreimal traten An letzte vor einen3 ungemein kräftigen überwunden wurde mann selbst in dem eine Annahme, die auch teilen mußte. Das Ruge (Von 1 Der Führer gahrzeug unter Stilstand und e sich mit seinem tage sein, das ge das sich seine Op Schiff, dem der weil nur dann möglich wird, die Annäherung an Durch ein Sehro strahlen auffaggl vermittelt, fallen Bootes, und erst gegnerischen Obi Aktion. Der Fül allein auf sein wenn er nicht unter dem Mee Zweck seiner Tä schweren Schäder dem Zweck entsp das gestatten einem Male zu handenen Instri ausfühbar. Mit Regel ausziehba der Beobachter, mit dem Okular demnach in jede Stellung zur Kil durch eine mecha des Sehrohres das Sehseld Raumver, nimmt diese Anspruch. Mat hat d1 versucht, daß jektive nach waren, in ein nach den verst agprcheind Nr. 85.(3. Blatt.) General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Dienstag, 26. März 1907 or v. Bergmann+. Soeben trifft die Trauerkunde ein, daß der beAhmte Berliner Chirurg Exzelleng von Bergmann Wiesbaden, wo er zur Kur weilte, plößlich georben ist, nachdem er von dem telegraphisch dorthin derufenen Professor Dr. Schlange, einem seiner früheren Assistenten und bekannten Chirurgen in Hannover, zweimal operiert worden war. Ueber das Hinscheiden und die letzten Lebenstage des großen Mannes, der erst im Dezember vorigen Jahres unter Teilnahme weiterer Kreise seinen siebzigsten Geburtstag feierte, wird gemeldet: Wiesbaden, 25. März. Professor von Bergmann ist hier soeben verschieden. Seit einigen Wochen weilte er hier zur Kur wegen eines Ischiasleidens und wohnte im Hotel Nassau. Eine starke Erkältung zwang ihn, das Zimmer nicht zu verlassen. Am Freitag erkrankte er plötzlich an Ileuserscheinungen(das ist Darmverschluß) und auf seinen Wunsch wurde durch seinen bei ihm weilenden Sohn Professor Schlange aus Hannover herberufen. Dieser traf am Sonnabend hier ein und nahm noch an demselben Tage eine Operation vor, die sich zunächst auf die Anlezung eines künstlichen Afters beschränkte und mit Rücksicht auf das hohe Alter des Patienten ohne Narkose, nur unter Anwendung der Schleichschen Anästhesie ausgeführt wurde. Der Wiederaufbau der Burg Altena. Wir berichteten über die hierselbst am Donnerstag abgehaltene Sitzung des Ausschusses für die Jubelfeier der Grafschaft Mark. In dieser Sitzung hatte Herr Professor Frentzen=Aachen sich in schärfster Form über die von den Herren Professor Dr. Ehrenberg und Osthaus gegen den Plan des Wiederaufbaues der Burg Altena erhobenen Bedenken und Einwände ausgelassen. Dazu schreibt jetzt Herr Professor Dr. Ehrenberg dem W. A. Erst durch Ihr geschätztes Blatt erfahre ich den vollen Umfang der Angriffe, die Herr Professor Frentzen aus Nachen am 21. d. Mis. gegen mich wegen meines Widerspruchs gegen seine Altenaer Pläne in Dortmund gerichtet hat. Um seine sehr heftigen Ausfälle gegen mich zu begründen, hat er Worte, die ich in ganz anderem Zusammenhang gebraucht habe, so vorgetragen, als ob ich damit den Ausschuß für die Jahrhundertfeier der Grafschaft Mark habe beleidigen wollen. Demgegenüber erkläre ich, daß mir nichts ferner gelegen hat, als persönliche Beleidigung und Verdächtigung, und daß ich stets bemüht gewesen bin, bei aller sachlichen Schärfe, zu der ich mich leider gezwungen sah, persönlichen Zwist fernzuhaltenIch kann daher das Urteil über die Frentzenschen Ausfälle gegen mich getrost jedem Dritten überlassen und kann insbesondere gegenüber seinen Versuchen, nicht bloß meinen Chrakter, sondern auch meine wissenschaftlichen Kenntnisse und Fähigkeiten herabzusetzen, mich damit trösten, daß die namhaftesten und angesehensten neutschen Kunstgelehrten, darunter Männer der allerverschiedensten künstlerischen Anschauung und Richtung, mir freudig ihre Zustimmung ausgesprochen haben und zum Teil in noch viel schärferer Foim, als ich es getan, den fraglichen Plau mißbilligen. Münster i. W. 23. März 1907. Professor Dr. Ehrenberg. Ernst von Bergmann F. Der Zustand gestaltete sich insofern bedenklich, als großer Kräfteverfall eintrat. Am gestrigen Tage trat leider der erwartete Effekt der angelegten Fistel nicht ein; auf Wunsch des Herrn von Bergmann schritt daher Prof. Schlange heute zu einer zweiten Operation, zum Bauchschnitt, der wieder ohne Narkose ausgeführt wurde. Der Kräfteverfall nahm zu, der Puls wurde allmählich schwächer und mittags gegen 12 Uhr trat der Tod ein. Prof. Bramann aus Halle kam heute freiwillig hierher, traf aber seinen ehemaligen Lehrer nur sterbend an. Die Sektion erfolgt heute nachmittag. Vom Kaiserging heute kurz vor dem Tode v. Bergmanns noch eine Depesche ein, in der er sich nach dem Befinden erkundigte. Die Leiche des Entschlafenen soll nach Potsdam übergeführt werden. Bezüglich des Leidens, welches als Todesursache angesehen werden muß, erfahren wir in Ergänzung der vorstehenden Mitteilungen folgendes: Schon seit fünf Jahren zeigten sich von Zeit zu Zeit Erscheinungen, welche auf eine bösartige Neubildung im oberen Teil des Mastdarms hinzudeuten schienen Dreimal traten Anfälle von Darmverschluß auf, der letzte vor einem Jahre, welche aber alle von dem ungemein kräftigen Organismus des Patienten überwunden wurden. Die Diagnose hat v. Bergmann selbst in dem letzten Jahr auf Krebs gestellt, eine Annahme, die seine ärztliche Umgebung wohl auch teilen mußte. Ein Flaggschiff der Marine des Großen Kurfürsten. durch bewahrt, daß seine Fertigstellung sich verzögert hatte. Es soll nunmehr erst im Anfang des Monats seinem Bestimmungsorte zugeBerlin, 25. März. Der Große Kurfürst, der im Jahre 1640 die urch den bisherigen Verlauf des Regierung des durch Dreißigjährigen Krieges sehr verwüsteten brandenburgischen Landes angetreten hatte, war im Jahre 1684 von seinem Vater nach Holland gesandt worden. Hier hatte er mit eigenen Augen gesehen, wie ein kleines Land und ein verhältnismäßig schwaches Volk es zu Macht und Wohlstand bringen könne, wenn es unter Leitung geschickter Staatsmänner alle Vorteile, die ihm seine Lage bietet, ausnützt. Wenn der junge Kurprinz den blühenden Zustand des hochgebildeten und reichen Hollands mit den Zuständen seiner Heimat verglich, so setzte er sich eine ähnliche Kultur zum Ziele seiner Regierung. Sein weitschauender Blick zeigte ihm auch den Nutzen des Seehandels, den er nach Antritt der Regierung tatkräftig begünstigte. Aus diesen Anschauungen heraus entstanden die damaligen überseeischen kurbrandenburgischen Verbindungen, der Erwerb von Besitzungen an der Guineaküste und die Schaffung einer entsprechenden Kriegsflotte— Errungenschaften, die von den Nachfahren des Großen Kurfürsten fallen gelassen wurden. Im Kunstgewerbe=Museum ist jetzt ein rekonstruiertes Modell eines Flaggschiffes der kurbrandenburgischen Marine ausgestellt, welches in schiffsbautechnischer und künstlerischer Beziehung gleich bemerkenswert ist. Es ist das Modell der kurbrandenburgischen Fregatte„Friedrich Wilhelm zu Pferde“, ein Geschenk des Vereins deutscher Schiffsbauwerften an das deutsche Museum in München. Wie vielleicht erinnerlich, wurde s. Z. durch den Einsturz der Decke im Deutschen Museum in München ein großer Teil von Kunstwerken der schiffbautechnischen Abteilung vernichtet oder doch erheblich beschädigt. Vor einem gleichen Geschick wurde das hier abgebildete Kunstwerk der Schiffbautechnik danächsten führt werden. Der Verfertiger des in jeder Beziehung erakten Meisterwerks ist der technische Inspektor im Kunstgewerbe=Museum P. Karl, der nach Augaben des Geh. Rats Busley die Rekonstruktion vornahm. Die wirkliche Fregatte hatte eine größte Länge über alles von 50.5 Meter, eine größte Breite von 4,6 Meter, eine Wasserverdrängung von 1150 Tonnen und eine gesamte Segelfläche von 1150 Quadratmeter. Die Besatzung bestand aus 250 Mann. Die Fregatte führte 72 Geschütze von vier verschiedenen Kalibern. Bei dem Modell ist es zum erstenmal gelungen, die aus wirklicher Segelleinwand bestehenden Segel gebläht darzustellen. Die Schwellung der Segel ist wunderbar gelungen, das ganze Schiff erhält dadurch einen stolzen, lebendigen Ausdruck. Die minuziöse Kleinarbeit, die bei Herstellung des Modells aufgewendet wurde, ließ aber auch in anderer Beziehung ein Kunstwerk entstehen, welches uns durchaus in jene alte Zeit der Schiffahrt zurückversetzt. Auf solchen Schiffen mit ihrer scheinbar regellosen und doch so peinlich geordneten Takelage konnten allein jene Schiffsmärchen und Sagen entstehen, welche alle die Phantasien unserer Jugend beschäftigt haben. Die technische Ausführung grenzt bei dem geringen Maßstabe, der zur Verwendung gelangte, aus wunderbare. Die kleinsten Teile erfüllen ihren der Wirklichkeit angepaßten Zweck, und es wurden die verschiedensten Materialien verarbeitet. Man wird die stolze Freude des Künstlers verstehen, die er empfand, als er dem Kaiser sein Kunstwerk präsentieren durkte. Der Monarch faßte sein Urteil in die beiden Worte zusammen:„Einfach vollendet“. Eine höhere Anerkennung konnte dem Künstler nicht zuteil werden. Lokale Nachrichten. Dortmund, 26. März, Mit dem 1. Januar 1906 übernahm der Landkreis Dortmund den Betrieb der Straßenbahnen in eigene Verwaltung. Zur Lösung der Frage nach Beschaffung guter Wohnungen für die Angestellten soll der Versuch gemacht werden, durch Errichtung von Rentengütern auf Grund des Gesetzes vom 7. Juli 1891 den Angestellten mit geringerem Einkommen eigene Wohnstätten zu schaffen. Nach Maß gabe des Ministerialerlasses vom 8. Januar 1907 würde sich die Bildung der Rentenstellen wie folgt gestalten:—10 Ptoz. des Wertes sind von Rentengutsnehmern bar auszuzahlen; drei Viertel werden von der Rentenbank zu 5 Proz. Zinsen und 1 Proz. Tilgung gewährt. Der dann noch verbleibende Rest würde vom Kreise in Form einer Hypothek an 2. Stelle zu den gleichen Bedingungen zu gewähren sein. Zur Verhinderung spekulativer Ausnutzung des Besitzes sind Beschränkungen dem Rentengutsnehmer aufzuerlegen, die u. a. die Teilung des Rentenguts oder seine Vereinigung mit anderen Grundstücken untersagen, ihn zur Einholung der Genehmigung der Generalkommission bei Veräußerung verpflichten, den Betvieb des Schankgewerbes verbieten und die zu bebauende Fläche auf 10 Proz. des ganzen Grundstückes und die Größe des Wohnhauses beschränken. Der Kreis=Ausschuß hat sich ein in unmittelbarer Nähe der Kraftstation gelegenes Grundstück von 4 Morgen zum Preise von 25 Mark für die Quadratrute für die Errichtung von Arbeiter=Renten=Gütern an die Hand gegeben. Die Kosten für ein Einfamtlienhaus sind mit rund 4750 Mark offeriert. Die Gesamtkosten einer Rentengutstelle würde sich demnach auf rund 7000 Mark belaufen. Diese Summe würde in folgender Weise aufzubringen sein: 8 Proz. des Wertes, Barzahlung des Rentengutsnehmers gleich 560 Mk. dreiviertel des Wertes der Stelle von der Rentenbank gleich 5250 Mk., die Resthypothek des Kreises 1190 Mk., zusammen 7000 Mk. Von den Rentengutnehmern sind demnach zu zahlen: an die Rentenbank 3 Prozent Zinsen und 1 Proz. Tilgung von 1100 Mark gleich 47,60 Mk., im ganzen 257,60 Mk. Diesen Betrag werden die Angestellten der Straßenbahn aufbringen können, umso eher, als sie hierdurch ein Eigentum von ½ Morgen erwerben. Der Wert der Landnutzung ist auf 60—70 Mk. zu schätzen Es verbleiben demnach für die Wohnung 200 Mr., derartige Beträge müssen auch jetzt von den Angestellten für Miete aufgewendet werden. Eine Belastung des Kreises tritt durch die Errichtung der Rentengüter nicht ein. Wird zur Errichtung von derartigen Rentengütern in größerem Umfange übergegangen, so würden die erforderlichen Mittel durch Aufnahme einer Anleihe bei der Landesversicherungsanstalt aufzubringen sein. Diese gewährt für die Zwecke der Ansiedelung von Arbeitern Darlehen zu 8 Prozent Zinsen und 1 Prozent Tilgung, also zu den gleichen Bedingungen, die dem Rentengutsnehmer vom Kreise aufzuerlegen sind. Vom Stadtausschuß. Die Zahl der im verflossenen Vierteljahr beim hiefigen Stadtausschuß eingegangenen Anträge auf Erteilung der Genehmigung zum Gast= und Schenkwirtschaftsbetriebe. Kleinhandel mit Branntwein#p. betrug insgesamt 78. Von diesen wurde die aufgesuchte Erlaubnis erteilt in 15 Fällen versagt in 11 Fällen, 8 gestellte Anträge wurden vor der Entscheidung zurückgezogen und 49 blieben unerledigt. Bezeichnung der Schnel= und Eilzüge in den Fahrplänen. Der preußische Eisenbahnminister hat die Königliche Eisenbahndirektion angewiesen, in den amtlichen Fahrplänen die Schnellzüge und die künftigen Eilzüge in besonderer Weise zu kennzeichnen; den übrigen deutschen Eisenbahnverwaltungen ist gleichzeitig empfohlen werden, in ihren Fahrplänen in derselben Weise zu verfahren. Auch mit dem Reichspostamt ist vereinbart worden, im Reichskursbuch dieselben Zeichen für die schnellfahrenden Züge anzuwenden. In den amtlichen deutschen Fahrplänen und dem Reichskursbuch werden alle Schnell= und Eilzüge durch fette Schrift bei der Angabe der Stunden und Minuten der Ankunfts= und Abfahrtszeiten bezeichnet. Die Schnellzüge, für die ein Zuschlag erhoben wird, enthalten außerdem links von den Ankunfts= und Abfahrtszeiten eine gestrichelte Linie. Soweit die Schnellzüge mit Korridorwagen ausgestattet sind, wird dies durch ein D. ausgedrückt, das der Nummer des Zuges vorgesetzt wird, also z. B. D 17. wie dies schon bisher geschehen ist. Vom 1. Mai d. J. ab heißen, was noch wenig bekannt sein dürfte, die zuschlagsfreien Schnellzüge„Silzüge“. Dortmund, das„westfälische Wittenberg“. Angesichts des regen kirchlichen Lebens, welches zur Zeit in den evangelischen Gemeinden Dortmunds herrscht und sich augenblicklich u. a. auch in den Reibungen zwischen den sogeannten Positiven und der freieren Richtung in der Reinoldigemeinde äußert, dürfte es nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, daß Dortmund einstmals das„westfälische Wittenberg“ genannt wurde. Es war dies gegen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, wo das Dortmunder Archigymnasium den Zentralpunkt lutherisch=theologischer Bildung bildete. Eines ganz besonders großen theologischen Rufes erfreute sich der damals als Lehrer am Gymnasium wirkende M. Scheibler, dessen theologisches Gutachten von nah und fern in streitigen Fällen eingeholt wurde. Ein solches Gutachten wurde z. B. von dem Rat der Stadt Essen, welcher auch einige Prediger in Dortmund ordinieren ließ, eingeholt und für ihn als entscheidend angesehen. Dortmund verlor diesen großen theologischen Ruf erst im 30jährigen Kriege, wo auch die frühere Bedeutung des Gymnasiums sehr zurückging. Eine Auskunftstelle für Zugverspätungen läßt die Königl Eisenbahn,Direktion Essen, anläßlich des Osterverkehrs auf mehreren großen Stationen des Bezirks errichten, unter anderen auch auf dem hiesigen Hauptbahnhof. Diese anerkennungswerte Maßnahme hat ihren Grund in den Schwierigkeiten, welche durch die unzureichende Vormeldung und Bekanntgabe der Verspätungen von Schnell= und Personenzügen beim Weihnachtsverkehr entstanden sind. Die„Auskunftsstelle für Zugverspätungen" ist für das Publikum als solche von außen gekennzeichnet und geöffnet von vormittags 6 bis nachmittags 11 Uhr und zwar in der Zeil vom 27. März bis 2. April. Besetzt wird sie mit einem erfahrenen Beamten, dem der Lauf der Züge, die Wartezeiten und Anschlüsse bekannt sein müssen. Dieser soll den Reisenden auf Befragen Auskunft in Verspätungsangelegenheiten geben. Auch auf den Bahnsteigen an gut sichtbaren Stellen und in den Wartesälen sind die Verspätungen den Reisenden rechtzeitig und übersichtlich anzukündigen. bas Ruge des unlersetböbles. (Von unserem Mitarbeiter.) Der Führer des Unterseebootes muß, wenn sein Fahrzeug unter dem Meeresspiegel versenkt ist, im Stillstand und während der Fahrt stets wissen, wo c sich mit seinem Boote befindet und er muß in der zage sein, das gegnerische Objekt zu erkennen, gegen das sich seine Cperationen richten. Das feindliche Schiff, dem der Angriff gilt, soll ihm sichtbar sein, weil nur dann die Verwendung der Kriegsmittel möglich wird, die das Unterseeboot bei unbemerkter Annäherung an den Feind zu verwerten imstande ist. Durch ein Sehrohr, das durch eine Linse die Lichtstrahlen auffangt und sie dem Beobachter im Boot vermittelt, fallen die Lichtstrahlen in den Raum des Bootes, und erst das klare Bild des zu beobachtenden gegnerischen Objektes zeigt das Ziel der eignen Aktion. Der Führer des Unterseebootes ist demnach allein auf sein Sehrohr(Periskop) angewiesen, wenn er nicht ziel= und planlos seine Bewegungen unter dem Meeresspiegel ausführen und damit bei Zweck seiner Tätigkeit gefährden, ja sein Fahrzeug schweren Schäden aussetzen will. Das am besten dem Zweck entsprechende Sehrohr wäre ein solches, das gestatten würde, den gangen Horigont mit einem Male zu übersehen. Mit den zur Zeit vorhandenen Instrumenten aber ist dies noch nicht ausfühbar. Mit den einfachen Sehrohren, die in der Regel ausziehbar in die Boote eingebaut sind, muß der Beobachter, um den ganzen Horizont abzusuchen, mit dem Okular sich im Kreise drehen. Er nimmt demnach in jedem einzelnen Augenblick eine andere Stellung zur Kiellinie des Bootes ein und kann nur durch eine mechanische Vorrichtung am inneren Ende des Sehrohres ablesen, in welcher Richtung er eben das Sehseld beobachtet hat. Bei den beschränkten Raumver, nissen im Innern des Bootes aber nimmt diese Art des Absuchens sehr viel Zeit Anspruch. Mat hat diesen Uebelstand dadurch zu beseitigen versucht, daß man mehrere Periskope, deren Objektive nach verschiedenen Richtungen angeordnet waren, in ein Rohr vereinigt hat und daß man dann nach den verschiedenen Richtungen des Sehrohres abwechselnd lediglich durch Drehen des Kopfes beabschtels. Aber auch bieie Nenkruktien bat nicht völlig ihrem Zweck entsprochen. Die Gesichtsfelder der einzelnen Objektive waren nicht groß genug, daß ihre äußeren Ränder sich gedeckt hätten und es machte sich daher trotzdem eine Drehung des Gesamtinstrumentes notwendig. Ferner konnte man den einzelnen Sehrohren nur einen verhältnismäßig geringen Durchmesser geben, um nicht einen allzugroßen Durchmesser für das ganze Instrument zu erzielen und es dadurch unhandlich und zu voluminös zu gestalten. Der geringe Durchmesser der einzelnen Rohre aber verminderte die Helligkeit so sehr, daß eine Beobachtung des Sehfeldes bei trübem Wetter überhaupt nicht mehr möglich war. Um überhaupt nur eine einigermaßen genügende Lichtstärke zu erreichen, mußten diese Rohre im Verhältnis sehr kurz gehalten werden, da bei größeren Dimensionen,— etwa vier bis fünf Meter— eine angemessene Helligkeit überhaupt nicht mehr erreicht werden konnte. So war man denn im Innern des Unterseebootes darauf angewiesen, die Orientierung durch eine Reihe von aufeinanderfolgenden Einzelbeobachtungen durchzuführen, und dazu war es eben nötig, daß der Beobachter seine Stellung wechselte. Dies aber schloß eine schnelle und genaue Orientierung aus Ein neuerdings konstruiertes Panorama=Periskop wird nun die wichtigsten Mängel der Beobachtung in den Unterseebooten behoben haben. Es gestattet vermöge seiner Konstruktion, in der kurzen Zeit von fünf bis zehn Sekunden den ganzen Horizont zu übersehen, beziehungsweise abzusuchen, ohne daß der Beobachter am Okular seine Stellung, die er in der Kiellinie einnimmt, zu wechseln braucht. Die neue Konstruktion erleichtert die Lagebestimmung zum Objekt, das der Beobachtung unterzogen werden soll, durch eine in das Gesichtsfeld eingeschaltete Teilung, die nach Steuerstrichen eingeteilt ist und von einem beweglichen Zeiger bestrichen wird. Die Stellung des Zeigers gibt die jeweilige Sehrichtung des Periskops an, da der Zeiger an der Bewegung des Sehrohres teilnimmt, so daß, wenn z. V. die Sehrichtung in„Fahrt voraus“ liegt, der Zeiger dies auf der Teilstala an einer bestimmten Stelle derselben selbsttätig anzeigt. Erfährt die Sehrichtung eine Ablenkung nach der Steuerbordseite, so wird auch der Zeiger der Skala entsprechend sich drehen, was der Beobachter dann auf der Teilung genau ablesen kann. Die Teilung besitzt überdies noch ein Radenkreuz, wodurch das Panorama=Perislop auch als Zielfernrohr und Richtinstrument denutzt werden kann, weil damit Fahrtkorrektionen in einfachster Art vorgenommen werden können. Die Art des Einbaues des Periskops in das Unterseeboot ist darauf angelegt, eine möglichst rasche Drehung desselben zu gestatten. Das Sehrohr selbst kann auch während der Fahrt eingezogen werden. Für Nachtfahrten wird die Teilung und der Zeiger durch Glühlampen beleuchtet, sodaß selbst dann eine genaue Orientierung möglich ist. Die Panorama=Sehrohre werden in verschiedener Länge ausgeführt. Ihre Lichtstärke richtet sich naturgemäß unter anderem nach dem Durchmesser des Robres, der zur Erzielung einer möglichst großen Helligkeit nicht zu klein vorgeichen berden bart. Zur Wissenschaft vom Käudien. Eine Geschichte von dem Gebrauch, den der Tabak zu Rauchzwecken erfahren hat, gibt der französische Arzt Valentin Ralpasse, der sich mit diesem kulturgeschichtlich und medizinisch gleich interessanten Thema seit langem beschäftigt, in einer ausführlichen Abhandlung. Er spricht von der Entdeckung des Tabaks durch die Spanier, die den Gebrauch dieser Pflanze bei den Indianern beobachteten, erzählt von der Verwendung des fremdartigen Krautes als Heilpflange und von der Kulturtat des französischen Gelehrten Jean Nicot, der den Tabak nach Kontinental=Europa brachte und dessen Name in dem Worte Nicotin unsterblich geworden ist. Seit Nicots Tagen hat sich der Tabak unter den Genußmitteln der Welt eine dominierende Stellung erobert und alle Angriffe und Verbote, die sich dagegen erhoben, glücklich überdauert. Die Geistlichen eiferten zunächst sehr gegen das Teufelskraut aus dem Heidenlande und in Rußland ging man sogar soweit, daß einem jeden, der mit einer Pfeife angetroffen wurde, die Nase abgeschwitten werden sollte. Während so die einen dem Tabak die schädlichsten Folgen nachsagten und ihn nicht nur als Sünde gegen die Religion, sondern auch als schweres Verbrechen gegen den eigenen, dadurch entnervten Leib verpönten, regte sich andererseits früh eine ganze Lobliteratur über das vielgeltebte Rauchkraut und in Gedichten, Abhandlungen und Traktoten wurde das„Lob des Knaster=Tobacks“ verkündigt, der wie nichts anderes„dem Leben und der Gesundheit so nötig und dienlich sei“. Die moderne Medizin findet zwischen diesen widerstreitenden Meinungen den Mittelweg. Nach den genauen Untersuchungen des Dr. Nalpasse ist Tabak nur der Gesundheit schädlich, wenn er im Uebermaß gebraucht wird, hat dagegen, mäßig genossen und verständig angewandt keine unheilvollen Folgen.„Ich will diejenigen, die sich an regelmäßiges Rauchen noch nicht gewöhnt haben, nicht zum Rauchen ermutigen, meint er.„aber andererseits muß man zugeben, daß Tabak ohne jede schädliche Wirkung gebraucht werden kann. Freilich nur von gesunden Menschen. Leute, die irgendwelche Disposition zu einer Krankheit haben oder schon krank sind, müssen sich des Rauchens enthalten. Vor allem ist er bei allen Erkrankungen des Nervensystems zu vermeiden. Ueberhaupt darf niemand rauchen, der nach dem Genuß einer Zigarre sich unbehaglich fühlt oder eine Schädigung eines körperlichen Allgemeinbefindens konstatieren muß. Natürlich muß Tabak in jeder Form auch Kindern und ganz jungen Leuten ferngehalten werden.“ Doch auch die Heilkraft des Tabaks, der man im 17. Jahrhundert so wunderliche und phatastische Wirkungen zuschrieb, darf man in der Gegenwart immerhin nicht unterschätzen. Der Tabak tut bei der Bebebung von Verdauungsstörungen gute Dienste. Auch zur Verhütung oder Heilung von Brechreiz kann er mit befriedigender Wirkung angewandt werden. Jedenfalls sind die übertriebenen Schilderungen von der Verderblichkeit des Tabakgenusses, die auch heute noch von manchen Gesellschaften und Vereinen verbreitet werden, durchaus falsch. Nur bei unmäßigem und ausschweitzendem Gebrauch des Tabaks ist eine schwere Schadigung der Gesundheit zu befürchten. Freilich gibt es aber auch eine Hygiene des Rauchens, die der Gewohnheitsraucher nicht außer Acht lassen sollte. So soll er die Zigarre nach dem Essen bei vollem Magen vermeiden und niemals in seinem Schlafzimmer rauchen. Drei Zigarren oder höchsten vier an einem Tage oder die gleiche Menge Tabak in der Pfeife sind das Aeußerste, was sich der Gewohnheitsraucher erlauben darf. Die Zigarre soll weggelegt werden, wenn sie zu Dreiviertel etrd geraucht ist, ebenso die Zigarette. Der Brauch, Zigarrenstummel, die ja mit Nikotin ganz durchtränkt sind, zu rauchen, ist ganz toll, unappetitlich und auf das entschiedenste zu verurteilen. So etwas tun heißt den eigentlichen Sinn und Genuß des Tabakrauchens völlig verkennen. Der vernünftige Raucher wird seine Zigarre oder Pfeise nie wieder anstecken, weil er weiß, daß der Rauch des wiederangesteckten Tabaks unrein ist. Erfahrene Raucher wissen, daß die ersten Züge bei einer Zigarre oder Pfeife die genußreichsten sind, während die letzten Züge bitter und schlecht schmecken, den Gaumen reizen und häufig zum Husten zwingen. Die Orientalen, die ja die Kunst des Rauchens mit viel größerem Eifer pflegen und zu höherer Vollkommenheit gebracht haben als die Europäer, sagen verächtlich:„Die Leute in Europa wissen überhaupt nicht, wie man raucht.“ Und sie haben nicht ganz Unrecht. Wirklich ist bei den Völkerr des Ostens die Hygiene und Technik des Rauchens ganz unvergleichlich besser ausgebildet. Die verschiedenen Arten des Tabaks werden in der feinsten Weise gemischt un erhalten durch ein zugefügtes Jurfüm ihren beson deren Duft. Zugleich wird das scharfe Tabakskrau dadurch gemildert und die Wirtung des Nikotins geschwächt. Ueberhaupt ermöglicht die türkische Nargileh eine sehr hygienische Art des Rauchens. Dabei wird der Tabak in einem kleinen Metallofen erhitzt, der Rauch wird dann durch ein Rohr und ein Gefäß mit reinem Wasser oder Rosenwasser geführt und dann durch eine zweite Pfeife zu den Lippen des Rauchers geleitet. Noch mehr der Gesundheit gemäß rauchen die Japaner, die wie in allen Formen des Lebens auch hier ein weises Maßhalten und ein höchstes Raffinment durchführen.„Ich habe die Rauchmethoden der Japaner eingebend studiert,“ erzählt Ralpasse.„Ihr Tabak ist in Fäden geschnitten. so fein und dünn wie Seide. Dieser gangz fein geschnittene Tabak wird in eine außerordentlich kleine Pfeife gestopft und von jeder Pfeife nimmt der Japaner nur zwei Züge, nicht mehr als zwei. Jeder Raucher hat viele Pfeifen, die er aber nicht mit Streichhölzern, sondern mit brennenden fidibusartigen Dochten anzündet., Ich halte diese Art des Rauchens für sehr hygienisch.“ Auch bei der Wahl seines Tabaks soll man vorsichtig sein, denn die in den mannigfachen Tabaksarten enthaltenen Nikotin. mengen sind sehr verschieden. Orientalischer Tabai enthält nur wenig Nikotin, anderer Tabak viel mehr so der ungarische 9 Prozent, der von Brasisien Maryland und Birginien Mengen, die zwischen .20 und 6,85 Prozent vartieren. Die beste Methode das Einatmen von Rikotin zu vermeiden, ist das Rauchen durch eine Pfetie mit einem langen Rohr und einem Kopf, wie sie in den Nargilchs und Tschibuks der Türken und Perser vortrefflich ausge bildet sind. Bestyzwechsel. Das Haus Bismarckstraße 21, Louis Brügmann Erben gehörig, ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Ingenieurs R. Raßbach hier über; vermittelt durch das Immobiliengeschäft J. Helmus, hier, Hansastraße 57. Großfeuer. Gestern Vormittag gegen 10 Uhr war ein Klempner mit Reparaturarbeiten an der an dem Schuppen des Händlers Völker, hier Zimmerstraße 10, befindlichen Wasserleitung beschäftigt. Hierzu bediente er sich einer Benzinlötlampe, von welcher eine Stichflamme das im Schuppen lagernde Stroh entzündete. Das Feuer konnte, da die Wasserleitung abgesperrt war, im Entstehen nicht gelöscht werden, und stand in kurzer Zeit der ganze Schuppeninhalt in hellen Flammen. Die Feuerwehr war in einigen Minuten zur Stelle und griff das Brandobjekt sofort mit drei Schlauchleitungen an, da eine große Gefahr für die Nachbargebäude bestand. Nach fast zweistündiger anstrengender Tätigkeit war das Feuer gelöscht und der Brandherd aufgeräumt. Verbrannt sind Gegenstände im Gesamtwerte von über 500 Mark. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.— Hierbei sei noch erwähnt, daß es immer noch Fuhrleute gibt, welche nicht zu wissen scheinen, daß sie mit ihren Fahrzeugen, sobald die Feuerwehr angefahren kommt und ihr Glockensignal gibt, an die Seite zu fahren und zu halten haben. Bei der Fahrt zu dem bezeichneten Feuer wurde auf der Brückstraße ein Wagen, da der Kutscher sich an die Signale nicht störte, angefahren, doch ging die Sache noch glimpflich ab. Für das Wilhelm=Auguste=Viktoria=Kinderheim, Wittbräucke, schenkten ferner: Maschinenfabrik Wilhelm Böhme eine Glocke; aus den Sammel= büchsen beim Standesamt gingen ein 75,27 Mk., Verwaltungsgeschäft Heinrich Schmitz 10 Mk., durch Frau Alice Hücking(Sammelbüchse) 5,44 Mk.; Kollekte in der St. Reinoldikirche 30 Mk. Weitere Gaben werden vom Vorsitzenden des Wohltätigkeitsvereins, Herrn Stadtrat Rath, oder von der Geschäftsstelle, Betenstraße 35a, angenommen. Ein jugendlicher Spitzbube, der 15 Jahre alte Fürsorgezögling Josef., wurde in vergangener Nacht dabei erwischt, als er einen Sack mit Apfelsinen stehlen wollte. Er stahl den Sack mit Inhalt von einem Hof am Berge, schaffte ihn über eine Mauer und wurde dann bemerkt und festgenommen. F. hat sich seit einigen Monaten umhergetrieben und seinen Unterhalt durch Verübung von Diebstählen bestritten. In der Sonntag Nacht fanden, wie mitgeteilt, Bergleute in der Oesterholzstraße, in der Nähe des Teiches des Eisenwerkes Hoesch, einen Mann, der aus vielen Kopfwunden blutete und besinnungslos war. Durch den Krankenwagen der Feuerwehr wurde er ins Luisenhospital gebracht, wo er am Nachmittag, der 24. d. M. seinen Verletzungen erlegen ist. Die Feststellungen ergaben, daß man es mit dem arbeitsund wohnungslosen Gelegenheitsarbeiter Karl Hecker von hier zu tun hatte. Ein Verbrechen scheint ausgeschlossen und wird wohl nur ein Unglücksfall vorliegen. e Stadtverordnetensitzung in Dortmund. Dortmund, 25. März. Herr Stadtverordnetenvorsteher Tewaag eröffnete die Sitzung um 6¼ Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte man sich damit einverstanden, daß das Haus Spikhof 2 für städtische Zwecke zu einer jährlichen Pacht von 3500 M. angemietet wird. Ebenso erteilte das Kollegium seine Zustimmung dazu, daß die Zins= und Tilgungstermine für die neue 36 Millionen=Anleihe zusammengelegt werden. Herr Justizrat Tewaag bemerkte hiernach, daß die nächste ordentliche Sitzung geschäftsmäßig am Mittwoch, 3. April stattfinden musse, weil der erste Montag des April auf einen Feiertag falle. Er glaube jedoch, diese Sitzung ganz ausfallen zu lassen, wenn es gelinge, heute den Stat unter Dach und Fach zu bringen. Sparkassen=Zweigstelle im Westen. Der Magistrt beantragte, zur erstmaligen Einrichtung einer Sparkassen=Zweigstelle im Hause Rheinischestraße 58 einen Betrag von 3000 Mark zu Lasten der Sparkasse, zur laufenden Unterhaltung dieser zugleich als Steuerhebestelle dienenden Sparkasse einen Betrag von 5000 Mark zu bewilligen, letzteren Betrag Betrag ebenfalls ebenfalls zu Lasten der Sparkasse, jedoch unter Gewährung einer Beihülfe der Kämmereikasse in Höhe von 2000 Mark wurde angenommen. Für Mehrbedarf an Kohlen bei dem südlichen Stadtbade im laufenden Rechnungsjahre wurde ein Betrag von 11 000 Mk. bewilligt. Der Stadthaushaltsplan. Nunmehr trat man in die Beratung des Stadthaushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1907, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 12 650000 Mark, im Extraordinarium mit 5988000 Mark, beim Legaten= und Stiftungsfonds mit 35 228,20 Mk., sowie des Haushaltsplanes der Rücklagen des Kämmereifonds und der gewinnbringenden gewerblichen usw. Anlagen, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 952 477,25 Mk. Vorerst nahm jedoch Herr Stadtrat Rath das Wort, um ein Bild über die Finanzlage Dortmunds zu geben. Das Vermögen der Stadt beträgt 89 Millionen Mark. Davon sind nutzbringend 53 Millionen, erragslos 86 Millionen, während sich die Schuldenlast auf 59 Millionen beziffert, die bis zum Betrage von 39 Millionen in gewerblichen Anlagen festgelegt und, während die übrigen 20 Millionen Mark in anderen Gebäuden der Stadt, wie Krankenhaus., Schulgebäuden u. s. w. liegen. In dem Vermögen ist die neue 9 Millionen=Anleihe noch nicht einbegriffen, sondern lediglich der Vorschuß davon in Höhe von 3½ Millionen Mark. Der Magistrat hat beschlossen, von den 36 Millionen vorläufig 9 Millionen erst zu begeben. Der Rücklagefonds beträgt 3½ Millionen Mark. Diese Rücklagefonds sind ganz bestimmten Zwecken zugewendet: Sie bilden den eisernen Betriebsfonds, dienen zur Schulden= und Zinsentilgung, Errichtung gewerblicher Anlagen, während Reserven für den Fall eines eintretenden Notstandes noch nicht angesammelt sind. Aus diesen Rücklagefonds haben sich allmählich Jahresüberschüsse in Höhe von 1 Million angesammelt. Aus dem letzten Jahr konnten aus diesem Fond 880000 Mark in den vorigen Etat als Ueberschuß eingestellt werden, um dadurch einen Ausgleich zu haben. Der Rest von etwa 700000 Mark ist nur ein buchmäßiger und auf die Hauptverwaltung übergeschrieben worden, wo sie tatsächlich als Jah. geseinnahmen gebucht werden können. Die Anforderungen an die Stadt haben sich ganz erheblich gesteigert. Das ergibt sich naturgemäß aus der zochentwickelten Konjunktur; die anziehende Bevölkerung mache starke Ansprüche an Schulen, Polizeiwesen und die rKankenhaus= und Armenlasten steigen stetig. Demgegenüber ist zwar die Steuerkraft gestärkt, aber nicht in dem Umfaage, wie es wünschenswert erscheint. Es ergibt sich also die Notwendigkeit, daß die Stadt zu höherer Steuerkraft greifen müsse. Herr Stadtrat Rath betont, daß aber trotzdem das Endergebnis der Steuerveranlagung ein recht erfreuliches Bild gebe. Bei der Veranlagung der dische Personen habe sich die Steuer von 1510000 auf 1780000 Mark erhöht. Hiernach konnte sich die Steuerkommission bei ihren weiteren Vorschlagen richten. Die Finanzkommission hat eine 15prozentige Erhöhung der Grund= ud Gewerbesteuer sowie der Einkomensteuer veranschlagt und die Gewerbesteuer auf 280 Prozent normiert unter Erhöhung der Kopfeuer von 10 auf 16 Mark. Der Magistrat hat sich über seine Vorschläge noch nicht schlüssig gemacht. Wenn aber nach der Etatsberatung der Betrag so bleibt, wie er ist, so ist der Magrstrat der Meinung, daß nur eine 5prozentige Erhöhung der Steuern erforderlich wäre, unter Ausschaltung der Erhöhung der Kopfsteuer. Wird aber die Kopfsteuer im Sinne der Fnanzkommission erhöht, dann bedarf es einer Erhöhung der übrigen Steuern überhaupt nicht, denn die 6 Mark der Kopfsteuer betragen so viel wie 5 Prozent der übrigen Steuern. Der Etat ist mit Vorsicht aufgestellt, größere Abstriche werden daher nicht gemacht werden dürfen. Auch weist der Etat einen größeren Spielraum auf, als in den letzten Jahren. Die verhältnismäßig günstige Lage in diesem Jahre müsse dazu benutzt werden, größere Reserven zu schaffen. Der Abschluß über das letzte Jahr liegt noch nicht vor. Redner glaubt nicht, daß Ueberschüsse daraus zu erwarten sind, denn durch Uebernahme von Einnahmeresten aus dem vorigen Jahr sind die Ueberschüsse, die zu erwarten waren, schon erheblich verbraucht. Herr Stadtrat Rath bittet zum Schluß die Versammlung, davon abzusehen, weitere Abstriche zu machen und den Etat, wie er vorliegt, zu genehmigen. Aus den Darlegungen de Referenten ging hervor, daß die letzste Sitzung der Finanzkommission das erfreuliche Resultat ergeben habe, daß die Steuern überhaupt nicht erhöht werden brauchten, weil das Steuersoll der physischen Personen von 1780000 Mark auf 1620000 Mark gestiegen sei. Es stehe überhaupt nicht schlecht mit unserer Finanzlage. Zwei Drittel der Schulden wären in gewinnbringenden Anlagen angelegt. Wir ständen gegenüber anderen gleich großen Städten viel günstiger besitze doch die Stadt Dortmund allein 2200 Hektar Grundbesitz und dieser steige fortgesetzt im Werte. Man trat sodann in die Besprechung der einzelnen Titel des Haushaltsplanes ein. Der Titel: Allgemeine Verwaltung forderte für Vermehrung der Beamtenstellen einen Betrag von 86000 Mart. Dagegen erklärte sich namens seiner Freunde Herr Sternau. Man münsche für die einzelnen Stellen besondere Vorlagen. Für diesmal wären seine Freunde bereit, einen Posten von 50000 Mark einzustellen, erwartetn abr für nächstes Jahr eine nähere Begründung über die Notwendigkeit der neuen Stellen. In Bausch und Bogen lasse sich eine derartige Summe nicht bewilligen. Herr Geh. Justizrat Haarmann stellte sich auf den Standpunkt des Vorredners. Bei einer Reihe von Stellen habe er doch starkes Bedenken, denn er vermöge nicht einzusehen, ob diese alle unumgänglich notwendig wären. Der Magistrat möge darüber eine bestimmte Vorlage machen. Herr Oberbürgermeister Schmieding bemerkte, die neuen Stellen machten sich notwendig durch die starke Zunahme der Bevölkerung, welche die Verwaltungsgeschäfte in erheblicher Weise in Anspruch nehme. Herr Stadrat Dr. Fluhme bat, es sei ganz unmöglich, über die einzelnen Stellen noch besondere Vorlagen einzubringen. So wäre beispielsweise über die Stelle eines Wirtschaftssekretärs für das Luisenhospital schon eine halbe Stunde debattiert worden. Ob man diesen Posten noch einmal besprechen wolle. Die Stelle werde zum 1. April besetzt, weil man eine neue Buchführung einführen wolle. Herr Pork erklärte sich im Prinzip mit den Ausführungen der Herren Haarmann und Sternau einverstanden. Zur gkatten Erledigung der Geschäfte möge man jedoch die 86000 Mark unter Vorbehalt genehmigen, man könne dann wichtige Stellen noch einer besonderen Beratung unterziehen. Beispielsweise werde die Stelle eines Brandmeisters gefordert; darüber lasse sich heute unmöglich so ohne weiteres hinweggehen. Herr Möller mahnte zur Sparsamkeit, er sei schon mit der vorigjährigen Erhöhung der Steuern nicht einverstanden gewesen. Wen n deshalb noch etwas zu streichen wäre, möge man ruhig die Abstriche vornehmen. Der Titel wurde im Sinne des Herrn Pork bezw. des Referenten geehmigt. Die Frage einer staatlichen Polizei für den Industriebezirk wurde im weiteren Verlaufe der Etats=Lesung angeschnitten. Herr Oberbürgermeister Schmieding führte dazu aus, die Frage über Einführung einer staatlichen Polizei im Industriebezirk sei zum ersten Male vor dreiviertel Jahren aufgetaucht. Die Regierung habe damals die Absicht zu erkennen gegeben, die Polizei in einer Anzahl von Gemeinden zu verstaatlichen, so auch in Essen, aber nicht in Dortmund. Man habe im Magistrat die Sache erörtert, dieser stehe indessen auf dem Standpunkt, es liege im Interesse der Selbstverwaltung, wie auch im allgemeinen Interesse, daß die Polizei in städtischer Regie bleibe. Allerdings sei nicht zu verkennen, daß, je größer die Stadt anwachse, auch die Ansprüche an die Polizeiverwaltung stiegen, und man werde über kurz oder lang dazu übergehen müssen, einen selbständigen Leiter des Polizeiwesens auf der Basis eines Gerichts= oder Regierungsassessors anzustellen. Die Gemeinden seien im Drrchschnitt nicht gerade von der Errichtung einer sraarlichen Polizei erbaut, es heiße jedoch, der Minister wolle auch gegen den Willen der Gemeinden seinen Plan durchsetzen; ob das wirklich geschehe, stehe noch dahin, jedenfalls würden die Kosten für eine staatliche Polizei keine geringe geringen sein. Im übrigen könne es sich wohl nur darum handeln, daß die Sicherheitspolizei in staatliche Regie übergehe, die Baupolizei etc. bleibe in Händen der Gemeinden. Man müsse das Weitere der Zukunft überlassen. Vorläufig sei nicht beabsichtigt, in Dortmund die staatliche Polizei einzuführen. Er für seine Person sei der Ansicht, wenn man einen Teil des Volizeiwesens verstaatlichen wolle, so möge man die Verwaltung den Landräten übertragen. Denn wenn diese auch Regierungskommissare wären, so wären sie doch mit den Verhältnissen besser vertraut, als andere Beamte, die im Industriebezirt vollständig unbekannt seien.(Sehr richtig!) Herr Ruhfus wirft die Frage auf, wie es komme, daß die Ausgaben für Desinfektionen so wesentlich gestiegen seien. Herr Stadtarzt Dr. Köttgen erwidert daraufhin, die Zahl der Desinfektionen habe sich ungemein vermehrt, namentlich infolge der Zunahme der Scharlachkrankheit(950 Fälle gegen 300 i..) Er bittet, an dieser Summe ja nichts zu streichen. Geschah auch nicht. Die weiteren Beratungen ergaben zunächst trockene Zahlen und nennenswerte Debatten unterblieben. Beim Titel: Verwaltung des Luisenhospitals hob Herr Stadtrat Dr. Fluhme hervor, es habe sehr viele Mühe gekostet, die Krankenkassen zu bestimmen, den erhöhten Pflegesatz von 2,50 Mark zu zahlen. Die Vertreter dieser Kassen hätten erklärt, sie würden ihre Kranken nur noch in ganz dringenden und eiligen Fällen dem Luisenhospital überweisen. Infolgedessen würden sich die Einnahmen geringer stellen, weshalb er bitte, einen Einnahmeposten von 8000 Mark, den die Finanzkgmmission eingestellt, auf 4000 Mark zu ermäßigen. Ueber diesen Antrag entspann sich eine längere Debatte, welche jedoch zu keiner Abänderung des Etats führte. Dagegen wurde der neue Wirtschaftssekretär für das Luisenhospital genehmigt. Noch keinen Feierabend. Nach Erledigung des Ordinariums stellte Herr Brand den Antrag.— es war mittlerweile 8 Uhr geworden— die Sitzung morgen fortzusetzen, denn es mache einen schlechten Eindruck, de nEtat in dieser Weise durchzupeitschen. Die einzelnen Sachen müßten doch überlegt werden. Man möge ruhig morgen wieder zusammentreten. Der Herr Vorsitzende befürchtete, man werde morgen nicht beschlußfähig sein. Er bat daher, den Etat heute zu Ende zu bringen. Der Antrag Brand wurde mit 18 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Die Beratungen gingen weiter. Der Titel: Feuerlöschwesen forderte die Beschaffung eined neuen Dampsspritze, welche 15000 Mark kostet. Herr Beuckelmann empfahl, diese Position zurückzusetzen, bis die Frage der Errichtung einer Feuerwache im Norden gelöst sei. Herr Baurat Kullrich bat, den Posten zu bewilligen. Der Kessel der vorhandenen Spritze sei allmählich aufgebraucht und müsse repariert werden. Während der Reparatur habe man also keinerlei Si cherheitsvorrichtungen, was bei Ausbruch eines Großfeuers sehr verhängnisvoll werden könne: Herr Beuckelman erwiderte, er könne gar nicht glauben, daß der Kessel, der erst vor 6 Jahren angeschafften und nur wenig gebrauchten Dampfspritze schon so schlecht sei, daß er durch einen neuen ersetzt werden müsse. Man möge die noch guterhaltenen Spritzen der Freiwilligen Bürgerfeuerwehr in Benutzung nehmen, wenn sich die Dampfspritze in Reparatur befinde. Er stelle den Antrag, über die neue Dampfspritze eine besondere Vorlage zu machen. Dieser Antrag fand Annahme. Die schlechten Wege des Westens wurden einer wiederholten Erörterung unterzogen. Scharf vom Leder zog Herr Bickhoff bei Beratung des Ditels: Tiefbauamt. Schon seit Jahren ertönten die Klagerufe, die Lange=, Turm= und Tremoniastvaße in Stand zu setzen. Aber nichts sei geschehen. Kurzlich habe ein Mitglied des Tiefbauamts die Gegend durchquert. Er wünsche keinem Menschen etwas schlechtes, aber in diesem Falle hätte er doch nichts dagegen gehabt, wenn der betr. Herr auf die Nase gefallen wäre, damit er den Schmutz in seiner ganzen Tiefe kennen gelernt hätte.(Heiterkeit.) Auch die Fortsetzung der Beurhausstraße müsse endlich in Stand gesetzt werden. Was wohl notwendiger wäre, die Promenaden und vornehmen Straßen der Altstadt zu asphaltieren, oder die Straßen von dem Schmutz zu befreien, die tagtäglich von tausenden Arbeitern passiert würden? Herr Baurat Bovermann meinte, Herr Bickhoff wende sich an die falsche Adresse. Nicht an das Tiefbauamt, sondern an die Finanzkommission hätte er seine Beschwerde richten müssen. Die Finanz= kommissio habe eine Million von den geforderten Straßenbaukosten gestrichen. Das Tiefbauamt sei bestrebt, allen Wünschen gerecht zu werden. Herr Suhrmann beklagte es ebenfalls, daß die Finanzkommission an den geforderten Mitteln einen solchen„Kaiserschnitt" vorgenommen habe. Nach seiner Ansicht tue man gut, 5 Prozent Steuern mehr zu erheben und dafür alle bedürftigen Straßen in Stand zu setzen. Diese Ansicht stieß auf den Widerspruch des Referenten, der den Antrag stellte, im Hinblick auf die Wichtigkeit der einzelnen Positionen für heute Schluß zu machen und morgen die Beratungen fortzusetzen. Dieser Vorschlag wurde dankbar angenommen. Schluß 8¾ Uhr. Tatjana Leontieff vor Thun, 25. März. Montag vormittag nahm die Schwurgerichtsverhandlung gegen die Russin Tatjana Leontieff, die des Mordes an Herrn Charles Müller aus Paris angeklagt ist, im hiesigen Schlosse ihren Anfang. Die Vorgeschichte dieses Prozesses ist vor einigen Tagen in diesem Blatte ausführlich erzählt worden und es ist bekannt, daß die Angeklagte ihr Opfer für den ehemaligen russischen Minister Durnowo hielt, dem ihr Anschlag galt. Schon vor 8 Uhr morgens war der mächtige Torbogen zum Thuner Schloß von Journalisten aller Herren Länder und den wenigen Personen, die als Zuhörer Zutrittskarten in den kleinen Assisensaal hatten ergattern können, belagert. Punkt 9 Uhr öffnete sich die kleine Tür neben dem Portal, und unter scharfer Kontrolle der Karten durch Polizeiorgaue begann die Jagd nach den Plätzen. Mit Pressen und Drücken wurden schließlich alle untergebracht. Unter den Zuhörern nahm auch die Mutter der Angeklagten Tatjana Leontieff Platz. Eine ältere Dame, in Schwarz gekleidet, hat sie eine Gesellschaftsdame zur Seite. General Leontieff selber, der Vater der Angeklagten, soll derart angegriffen sein von all den Vorgängen, daß er in Bern krank darniederliegt. Es ist unsicher, ob er den Verbandlungen beiwohnen wird. Um 9½ Uhr erscheinen der Gerichtshof, die Experten und die übrigen Funktionäre. Gleich nachher tritt unter allgemeiner Spannung, begleitet von zwei uniformierten Polizisten. die Aigeklagte Tatjana Leontieff in den Saal. Sie trägt ein dunkles Kleid, auf dem schlicht aufgewickelten dunklen Haar eine einfache Sportmütze. Ihre schmalen Gesichtszüge sind blaß und zeigen die deutlichen Spuren der langen Untersuchungshaft. Tatjana Leontieff setzt sich sofort vor ihren Verteidiger Dr. Brüstlein auf die Anklage. bank. Vor der Angeklagten steht ein kleiner Tisch, auf den sie ein kleines Notizbuch und ein Aktenbündel legt. Dann grüßt sie, den Kopf neigend, ihre Mutter im Zuschauerraum. Die Verhandlung wird eröffnet, die beiden Uebersetzer werden vereidigt, und Tatjana Leontieff gibt mit leiser, kaum vernehmbarer Stimme ihre Personalien an: Sie ist geboren am 7. Januar 1888 als Tochter des russischen Generals Alexander Leontieff und seiner Gemahlin Alexandra. Der Verteidiger Dr. Brüstlein stellt eine Vorfrage. Er beantragt, die vom Schwurgerichtspräsidenten vorgenommene Beschränkung des Zutritts für das Publikum durch Kartenausgabe als der Gerichtsordnung zuwiderlaufend aufzuheben. Das Gericht lehnt das Begehren ab, und es bleibt bei den getroffenen Anordnungen. Die Familie des Erschossenen Charles Müller, vertreten durch Dr. König=Bern als Zivil=Anwalt, verlangt eine Zivilentschädigung. Hierauf wird die Anklageschrift verlesen, deren wesentlicher Inhalt bereits mitgeteilt ist. Sie enthält die Schilderung der Mordtat, deren Opfer am 1. September 1906 im„Grand=Hotel Jungfrau" zu Interlaken der Pariser Rentier Charles Müller geworden ist. Die Anklageschrift beschäftigt sich sodann mit dem hier schon wiedergegebenen Lebenslauf der Leontieff, mit ihrer Teilnahme an einem Attentat gegen Trepow, ihrer Internierung in der Peter= und Paul=Festung, der damals erfolgten Untersuchung ihres Geisteszustandes usw. Aus alledem folgert die Anklageakte, daß die Tat aus politischen Motiven verübt worden ist. Das Verhalten der Leontiew in der Voruntersuchung gab keinen Anlaß zur Annahme, daß man es nicht mit einer intelligenten und geistig gesunden Person zu tun habe; sie selbst bestreitet, daß sie geistig nicht normal sei. Indessen ließen es die Erhebungen betreffs des Vorlebens der Angeklagten, insbesondere der Bericht über ihre frühere Geisteskrankheit, angezeigt erscheinen, auch in dieser Richtung der Vollständigkeit der Untersuchung Genüge zu leisten. Die Angeklagte wurde deshalb den Irrenärzten der Anstalt Münsingen behufs Beobachtung und Begütachtung zur Verfügung gestellt. Das unterm 16. November 1906 von den Herren Dr. Glaser und Dr. Good abgegebene psychiatrische Gutachten kommt im wesentlichen zu folgendem Schluß, die Angeklagte sei zur Zeit der Ermordung des Müller ihrer Straftat und deren Strafbarkeit bewußt und zur Zeit der Tat nicht geisteskrank gewesen. Sie sei eine geistig wohlentwickelte und zurzeit auch körperlich gesunde Person. Infolge erblicher Belastung und eines von jeher leicht erregbaren Nervensystems habe sie vor nicht langer Zeit eine Geistesstörung durchdemacht. Infolgedessen sei sie in hohem Grade disponiert gewesen, auf die ungesunden Zustände leidenschaftlich zu reagieren und ein üeberzeugtes Mitglied der terroristischen Partei zu werden. Der Umstand, daß sie infolge ihrer psychopathischen Natur von der revolutionären Bewegung fortgerissen wurde, sei geeignet gewesen, ihre Willensfreiheit zu vermindern. Sie habe daher die inkriminierte Tat im Zustande verminderter Willensfreiheit begangen.— Im Gegmsatz zu diesen Ausführungen der Irrenärzte gibt die Anklageschrift der Ansicht Ausdruck, daß Tatjana Leontieff zur Zeit der Tat im vollen Besitz der Willensfreiheit und Zurechnungsfähigkeit gewesen sei. Sie hat sich des Mordes schuldig gemacht; hieran ändert der Umstand nichts, daß sie sich in der Person des Ermordeten geirrt hat. Auch bei Vorliegen des behaupteten Irrtums muß ihr die strafbare Handlung nach Gesetz als eine vorsätzliche angerechnet werden. —(Gefärbte Blumen.) Schon mancher, der im Frühjahr in einem Blumenladen grüne Nelken und Lilien stehen sah, mag sich bei diesen seltsamen Farbenkombinationen über die reizenden Capricen der Natur gewundert und gesreut haben, ohne zu ahnen, daß hier der Menschenwitz der Natur wieder einmal einen Streich gespielt hat. Denn diese reizvollen hellgrünen Farbentüpfelchen, die zart in dem Weiß der Blütenblätter leuchten, sind auf künstlichem Wege erzeugt. Die weißen Nelken werden bei der Blurtenfärbung mit Vorliebe verwendet, weil sie die Farbe am leichtesten absorbieren. Die Blumen werden geschnitten, ehe sie völlig aufgeblüht sind und man stellt dann ihre Stengel in eine Lösung von Anilinfarbe. Die Blumen saugen nun die Lösung in sich auf; die Farbenpartikel, gehen in die einzelnen Zellen der Blütenblätter über und überziehen das Blatt mit feinen grünen oder roten Farbentönen. Bei diesem Verfahren sind diese beiden Verfahren die bevorzugtesten, aber man kann die Blumenfärbung auch mit jeder anderen Farbe bewerkstelligen. Bei Naturliebhabern und Kennern stößt übrigens diese Kunst, die Natur zu korrigieren, nicht selten auf erbitterten Widerspruch. Sie betrachten es als eine Barbarei, die natürliche Schönheit nicht zu respektieren und an ihr Verbesserungen vornehmen zu wollen. Sie wissen, daß es in der Natur weder rote Narzissen, noch grüne Lilien, Nelken oder Stiefmütterchen gibt und sie sind daher auch schwer zu bewegen, die künstlich gefärbten Blumen zu kaufen. So sind es denn zumeist keine Blumenkenner, die für die grünen Nelken und roten Narzissen die Kundschaft abgeben. Einem neuen Sedan entgegen. Unter dem Titel„Einem neuen Sedan entgegen“ hat der französische Major Driant ein Buch veröffentlicht, das auch in deutscher Uebersetzung erschienen ist und gerade in Deutschland eine sehr große Verbreitung gefunden hat. Was Driant, der als einer der Vertreter Frankreichs den letzten deutschen Kaisermanövern beiwohnte, mit seiner interessanten Schrift bezwecken will, geht aus dem Titel hervor: er will seine Landsleute darauf aufmerksam machen, daß sie auf dem Wege sind, ihre Heeresmacht zu ruinieren— einem neuen Sedan entgegentreiben. Einem Briefe, den Driant neuerdings an den Verleger der deutschen Ausgabe seines Buches, Gerh. Stalling in Oldenburg, gerichtet hat, entnehmen wir die Begründung dieser seiner Anschauung. Dort lesen wir u..:„Als ich meine Zeitungsberichte über das deutsche Kaisermanöver in Broschürenform unter dem Titel„Einem neuen Sedan entaegen““ — vers un notvean Sedan— veroffenklichte um sie durch einen Vergleich mit der französischen Armee ergänzte, verfolgte ich damit keinen anderen Zweck als den, als guter Franzose einen Alarmrus in die Welt zu senden. Er sollte den Versuchen unserer Sozialisten entgegenwirken, welche diest Armee durch Untergrabung der Disziplin zerstören wollen, sowie den Bestrebungen unserer heutigen (französischen) Lehrer, die das patriotische Gefühl aus der Seele der Kinder reißen wollen..... Weil jetzt noch Zeit ist, gegen diese Politik Fron# zu machen, welche uns an das Schlepptau Englandt zesselt, und weil ich Vertrauen in die schließlich Einsicht meiner Landsleute setze, die sich gegenwär. tig durch den englischen Agenten Clemenceau täuschen lassen, so sage ich die Dinge so, wie ich sie sehe.... Das Uebel kommt im großen und ganzen von einer Anzahl parteipolitischer Minister (ministres sectaires), von einigen höheren charak. terlosen Führern und einer geringen Anzahl von Strebern im Offizierkorps.... Was die Militärvereine anbetrifft, derentwegen Sie mir schrieben, so kann ich nicht umhin, aufs höchste die Stärke der Fürstentreue zu bewundern, die sie beseelt, und ihre treue Ergebenheit, die den kaiserlichen Thron mit unvergleichlichem Glanze umgibt. Ich wünsche für unsere Armee die Rückkehr zu politischer Neutralität und zur Förderung der Disziplin. Ich wünsche endlich für Frankreich einen Führer, der sich wie Ihr Kaiser in gleicher Weise die Verbesserung sozialer Mißstände angelegen sein läßt, welche die sozialistischen Umtriebe aussichtslos macht, wie auch die Größe des Vaterlandes durch Aufrechterhaltung der Ordnung, durch die Achtung vor den religiösen Ueberzeugungen und die Pflege der historischen Ueberlieferungen.“ D Anläßlich des bevorstehenden Wohnungsumzuges bitten wir unsere Abonnenten, von etwaigen Wohnungs. Veränderungen uns ungesäumt Mitteilung zu machen, damit in der Zustellung unseres Blattes keine Unterbrechung eintritt. Geschäftsstelle des„General=Auzeigers“, Reinoldistraße 19. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Stadttheater. Am Mittwoch, den 27. März wird uns ein früheres Mitglied unserer Bühne mit seinem Besuche erfreuen, Frl. Toni Seiffert, welche an diesem Tage als Rezia(„Oberon") von Karl Maria von Weber auftreten wird. Fräulein Seiffert wurde bekanntlich seinerzeit von Direktor Gelling entdeckt und für das Essener Stadttheater gewonnen. Die Künstlerin wirkt nunmehr am Kgl. Hoftheater in Cassel als Primadonna. * Konzert. Wie alljährlich veranstaltet der Konservatoriums=Chor am Charfreitag ein populäres geistliches Konzert, abends 8 Uhr in der Reinoldikirche. Im ersten Teil kommen dem Tage entsprechend Orchesterwerke zur Aufführung, der zweite Teil bringt den Psalm 90 vom Fürsten Reuß, der beim Konzert am Fredenbaum so großen Eindruck auf die Zuhörer gemacht. Zur Deckung der entstehenden Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 50 Pfg erhoben Zur Generalprobe ist Schülern der Eintritt gegen 20 Pfg. gestattet. musscht gename jenigen Kolleger her der Vereinig zukommen zu 10 Eintrittsgeld an daher auch an d bald in unsere 9 schluß angesichts uns nötiger als möglich unser steckte Ziel zu er die Starke. Die in Rahm statt. Da die Loko# ihrer Lage bestr des Sprechsaala zeigers“ berufer zugeben, die Lot usw hervor un erfor derlich. Sel führer aus Schl auch u. bedingt Vorgesctzten des tet und.s Heiz sein müssen, wol viele mittleren tenarbeitern hei Herr Einsend.r Volksschulkenmy# Kenntnissen au. vorgegangen, de nur wenige der sonst müßte er eine Beamtenka bessern sucht, gr fen, denn dadus sondern der gan motivführerberu während der vie sie nichts oder: Arbeiterstande! Beamten, von wöchentlich aber bildungsschule b achschulen für Die Tüchtigsten Leute werden de angezogen, da außer Kenntnis und Entschlosser führers, wie ar führer dieses vo Pflichttreue anb amtenkategorie Nacht bei Schne Spitze des Zuges und uns tausen anvertraut sind, Unaufmerksamke zigen Haltesigne können dadurch führe hätte sch. Sprung rettenk zurück und wie seine Mitmensa Stelle sind uns zollt worden. St Stolz darauf, d wird und desha eine unseren Be gemessene Beme Herr Einsender hmmern, möge zur Lehre diene Stand Das 10. Volkskirchenkonzert in der Paulus. kirche findet am Karfreitag, abends 7 Uhr statt. Ihre Mitwirkung haben zugesagt Frl. L. Plankemann (Sopran) sowie das Soloquartett des Dortmunder Lehrer=Gesangvereins. Außerdem wird der Organist der Pauluskirche, Herr Fr. Stork, einige Werke vortragen. Programme zu 10 Pfg.(an der Kasse 20 Pfg.) an den bekannten Stellen. * Nachdem Berlin Treptow die Ouverture der Radrennsaison eröffnet hat, wird auch die Dortmunder Bahn im Kaiser Wilhelm Tal in Bälde den Fliegern und Stehern ihre Pforten öffnen. Die Bahn ist für die Saison 1907 von dem Hl. Carl Prutzmann, Duisburg, gepachtet; die Renovierungsarbeiten sind in vollem Gange, sodaß die ersten Rennen bereits Ende April stattfinden können. Die gesamte westfälische Rennmannschaft wird in den nächsten Tagen das Training aufnehmen und der Sportplatz wird wieder ein buntbewegtes Bild zeigen. Der junge, vielversprechende Dortmunder Steher Jac. Schilling hat bereits ein anstrengendes Straßentraining hinter sich und wird, sobald gelindes Wetter eintritt, seine Arbeit hinter Motorführung aufnehmen. Als erste Rennen sind ein großer Frühlingspreis für Steher sowie mehrere Seratchrennen für Flieger vorgesehen. Die Person des neuen Pächters der Bahn, der auch den Duisburger Sportplatz erbaut und langjähriger Leiter desselben war, bürgt für reguläre und erstklassig besetzte Rennen, sodaß das Dortmunder sportliebende Publikum vollauf auf seine Rechnung kammen wird. Das genaue Programm zur Saisoneröffnung wird in nächster Zeit bekanntgegeben; so viel aber dürfen wir schon verraten, daß am ersten Renntage die bekanntesten Matadore des Zements in heißem Ringen um die Siegeslorbeeren kämpfen werden. Auf Burg Hohensyburg findet am zweiten Ostertag ein großes Militärkonzert von der KürassierKapelle(von Driesen), Münster statt unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters. Nach dem Konzert Gelegenheitstänzchen. Glektrisch Straßen= und Bergbahn im Betrieb. Die am Sonntag beim Kameraden Clemens Henrichs, Ostenhellweg, anberaumte Versammlung ehem. Angehöriger des Infantr.=Regts. Prinz Moritz von Anhalt=Dessau, 5. Pommersches Nr. 42, war wiederum gut besucht. Es wurden nochmals die Ziele der Vereinigung eingehend besprochen und einstimmig beschlossen, dem 50jährigen Jubelfest des Regiments in Stralsund und Greifswald in corpore beizuwohnen. Als Vereinslokal wurde das Lokal des Kameraden Clemens Henrichs bestimmt. * Die Vereinigung selbständiger Bäcker und Konditoren des Amtes Dorstfeld hielt am Sonntag den 17. d. M. im Innungshause zu Marten eine Versammlung ab. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung nicht wie angesetzt um 5 Uhr sondern um 6 Uhr und hieß die Anwesenden, die trotz des schlechten Wetters recht zahlreich erschienen waren, herzlich willkommen. Es fand dann die Zahlung der Beiträge statt. Um den Kassenbestand zu heben wurde vom Vorsitzenden der Vorschlag gemacht die Rabattgelder nicht wie ursprünglich vorgesehen vierteljährlich, sondern jährlich an die Mitglieder auszuzahlen worin die Versammlung einstimmte. Eine Unterstützungs. bezw. Sterbekasse zu gründen wurde i# Geburten straße 78. Stei werkarb. Neuha Beurhausstr. 61 31. Bergm. Nor rin, Schillerstr. linenstr. 5. W Kaufmann Luko 1 Tochter: I 182. Bauuntern mann Poppensie hausen, Leopold Aufgebote und Maria Bi Rosewick und Ei Uthmann und 2 nes Otterbach u Sterbefä Südrandweg 6, Beurhausstr. 40, hoff, Hohestr. 28 Grävinghoff, 1. berg, Treibstr. 7 Die Beleidigung geg Heuchmer nehme als: zurück. Frau Dä Altermühlenweg. Ich warne einen die Hühner und Ente meinem Garten, Fell zu halten, weil ich G Friedrich Heuze, 2 10095 erin Verlorer soldene Damen mit s dem Wege Ostwall n. mühle. Wiederbringe Belohn. Ostwall 56, Broche mit Photoverloren. Wiederbr. kung. 1. Kampft. 24, Auf dem Wege Hoh er Kreustr. emne Damenuhr verloren. ##bringer erh. Belo Abzugeb. Schützen Gonkie-Bonat bund, auf den „Hausknecht“, hörend aufen. Vor Ankauf w parnt. Wiederbr. er ohnung. Kr. Schmidt, Hucka 86. Wirtschaft. Ganz kl. schw. Rehpinsch bhanden gekommen. git r. Hinterfuß, bö kamen„Pussi“. Geg Ohnung abzugeben. Sonnenstra Am Montag, den 11. in gebaefleckter Fer tlaufen. Wiederbrit Sune Burcbolatte aussicht genommen. Sodann wurde beschlossen, denjenigen Kollegen des Amtes Dorstfeld, welche bisher der Vereinigung noch fernstehen, eine Einladung zukommen zu lassen und vom 1. Juni d. J. ab das Eintrittsgeld auf 10 Mk. zu erhohen. Wir bitten daher auch an dieser Stelle alle Kollegen, doch recht bald in unsere Reihen zu treten, da ein Zusammenschluß angesichts der heutigen wirtschaftlichen Lage uns nötiger als je erscheint und nur dann ist es uns möglich unser Interessen zu fördern und das gesteckte Ziel zu erreichen; denn in der Einigkeit liegt die Starke. Die nächste Versammlung findet im Mai in Rahm statt. Sprechsaal. Da die Lokomotivführer um eine Verbesserung ihrer Lage bestrebt sind, so fühlt sich der Einsender des Sprechsaalartikels in Nr. 80 des„General=Anzeigers“ berufen, dieses zu kritisieren und hervorzuleben, die Lokomotivführer gingen aus Schlossern usw hervor und es waren nur Volkschulkenntnisse erfor verlich. Selbstverständlich gehen die Lokomotivführer aus Schlossern usw. hervor und ist dieses ja auch u. bedingt erforderlich, da ja auch die höheren Vorgesctzten des Lokomotivführers praktisch gearbeitet und als Heizer u. Lokomotivführer tätig gewesen sein müssen, wohingegen die meisten Unter= und sehr viele mittleren Beamten aus Stations= bezw. Rottenarbeitern hervorgehen wie auch jedenfalls der Herr Einsender des genannten Artikels. Was die Volksschulkenmnisse anbetrifft, so sind mit diesen Kenntnissen ausgerüstet, schon große Männer hervorgegangen, doch der Herr Einsender scheint sich nur wenige derselben angeeignet zu haben, denn sonst müßte er wissen, daß es nicht passend ist, eine Beamtenkategorie, welche ihre Lage zu verbessern sucht, grundlos in der Tagespresse anzugreifen, denn dadurch leidet nicht nur eine Kategorie sondern der ganze Beamtenstand. Die sich dem Lokomotivführerberufe widmenden jungen Leute müssen während der vierjährigen Lehrzeit, während welcher sie nichts oder nur wenig, wohingegen die aus dem Arbeiterstande hervorgegangenen, oben angeführten Beamten, von Jugend an Geld verdienen, zweimal wöchentlich abends und des Sonntags die Fortbildungsschule besuchen, auch hat man in letzter Zeit Fachschulen für Lokomotivführeranwärter errichtet. Die Tüchtigsten und Intelligensten dieser jungen Leute werden dann spater zum Heizerdienst mit herangezogen, da sich nicht jeder dazu eignet, denn außer Kenntnissen gehören auch Geistesgegenwart und Entschlossenheit zu dem Beruf des Lokomotiv= führers, wie auch die Instruktion für Lokomotiv= führer dieses vorschreibt. Was Verantwortung und Pflichttreue anbetrifft, stehen wir hinter keiner Beamtenkategorie zurück, denn wenn wir in dunkler Nacht bei Schneegestöber, Nebel und Sturm an der Spitze des Zuges den Elementen Trotz bieten müssen und uns tausende von Gütern und Menschenleben anvertraut sind, dann bedarf es nur der kleinsten Unaufmerksamkeit oder das Ueberfahren eines einzigen Haltesignals und die grauenhaftesten Folgen können dadurch entstehen, wie mancher Lokomotivführe hätte schon sein Leben durch einen kühnen Sprung retten können, aber die Pflichttreue hielt ihn zurück und wie mancher hat schon sein Leben für seine Mitmenschen aufs Spiel gesetzt. An höchster Stelle sind uns schon mehrere Mal Anerkennung gezollt worden. Stolz sind wir auf unseren Beruf und Stolz darauf, daß er an höchster Stelle gewürdigt wird und deshalb streben wir auch dahin, daß wir eine unseren Beruf und unserer Verantwortung angemessene Bemessung erzielen, ohne uns, wie der Herr Einsender um andere Beamtenkategorien zu sümmern, möge auch der genannte Herr sich dieses zur Lehre dienen lassen. Ein Lokomotivführer. Standesamt Dortmund. Standesamt 1. Vom 25. März. Geburten. 1 Sohn: Bergm. Leifels, Adlerstraße 78. Steinarb. Wiese, Siemensstr. 1. Eisenwerkarb. Neuhaus, Langestr. 64. Schlosser Suggel, Beurhausstr. 61. Bildhauer Lunemann, Langestr. 31. Bergm. Nowak, Neue Radstr. 4. Nieter Schaffrin, Schillerstr. 10. Eisenwerkarb. Wengler, Paulinenstr. 5. Wirt Bergermann, Münsterstr. 16. Kaufmann Lukowski, Hohestr. 57. 1 Tochter: Lokomotevführer Metz, Rheinischestr. 182. Bauunternehmer Schwenk, Kreuzstr. 14. Bergmann Poppensiecker, Leierweg 52. Pflasterer Mühl. hausen, Leopoldstr. 38. Aufgebote: Hülfsbremser Thomas Schramke und Maria Brandenburg. Bierbrauer Wilhelm Rosewick und Emilie Dinkloh. Anstreicher Gerhard Uthmann und Maria Tegethoff. Bandagist Johannes Otterbach u. Maria Arens. Sterbefälle: Witwe Elisabeth Nierhoff, Südrandweg 6, 76 J. Witwe Maria Schürmann, Beurhausstr. 40, 68 J. Privatmann Arnold Steinhoff, Hohestr. 28, 81 J. Hülfswagenmeister Friedr. Gravinghoff, 1. Kampstr. 112, 62 J. Anna Schomberg, Treibstr. 71, 14 T. Margarete Klaus, 6., Die Beleidigung geg. Frau Heuchmer nehme als unwahr zurück. Frau Dähne, Altermühlenweg.(22110 Ich warne einen jeden, die Hühner und Enten aus meinem Garten, Feldstraße, zu halten, weil ich Gift säe. Friedrich Heuze, Wickede, 10995) Krimmstr. Verloren soldene Damen mit Kette a. dem Wege Ostwall n. Buschmühle. Wiederbringer erh. Belohn. Ostwall 56.., r. Broche mit Photographie verloren. Wiederbr. Belohkung. 1. Kampft. 24, 2. Etg. Auf dem Wege Hohestr. b. Er Kreuzstr. eine goldene Tumenuhr verloren. Wie=pbringer erh. Belohnung. Abzugeb. Schutzenstr. 28. Dunkle Bolldogge Hund, auf den Namen „Hausknecht" hörend, entaufen. Vor Ankauf wird geIImnt Wiederbr. erh. Bewinung.„„ 21933 Fr. Schmidt, Huaarderstr. — Wirtschaft. Ganz kl. schw.(22225 Rehpinscher bhanden gekommen, hinkt nit r. Hinterfuß, hört auf kamen„Pussi“. Gegen BeOhnung abzugeben. Sonnenstraße 82. Am Montag, den 11. März. in gebaefleckter Foxterriet ##laufen. Wiederbring. Bezwung, Burcholsstrahe 58. 25(Kir. Vertikows spottbillig zu verkaufen.##### 11293 Vornstraße 4#0 7Stück..-Raninchen bill. z. verk. Hüttemannstr. 51, I. Ausschachtskarre zu verkaufen. Kreusstraße 13. Zgebr.Karten.I Ziehkarte preiswert abzugeben. 22116) Kavellenstraße 18. 25 Kleiderichränke spottbillig zu verkaufen 143 11192 Vornstraße Kind, besser. diskr. Herk., gleich nach der Geburt als eigen zu verschenken ohne gegenseitige Vergütung. Schr. Ang. u. H. St. 4868 a. d. Geschst. d. Zta. 18429 Kräft. 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Sterbefälle: Ehefrau Maria Pietzel, phanstr. 17, 36 J. Witwe Bergrat Schultz, Arndtstraße 41, 60 J. Wilhelmine Barnitzki, Körnebachstraße 67, 5 J. Buchhalter Gustav Knops, Bergmannstr. 6, 37 J. Markscheiderkandidat Waldemar Löbbe, Weidenerstr. 20, 23 J. K Ein bewährtes Hausmitte! ist Hausnafalan(Retortenmarke) in Tuben. Nafalan 50, Lanolin 15, Paraffin 15, Zinkweiß 10. Jeder Versuch damit bringt einen Erfolg.(11235 Wir wollen nicht verfehlen, auf das heutige Inserat der„Gewerbl. Privat=Fortbildungsschule" des Herrn Fr. Kauermann hinzuweisen. Dieselbe besteht seit 15 Jahren und hat, wie der Prospekt der Anstalt ausweist, allein in den letzten 1½ Jahren 25 Schüler für die Bergschulen in Bochum und Aachen, für die Elektromonteurschule in Köln und für die hiesige Königl. Maschinenbauschule vorgebildet. Am 1. April d. J. beginnt die Erneuerung der Versicherung für Dienstboten und alleinstehende Personen auf freie Kur und Verpflegung im städtischen Krankenhaus— Luisenhospital.— Die Bedingungen liegen bei der Stadthauptkasse, Berswordtstraße 2 zur Einsicht aus und werden daselbst mündliche und schriftliche Anmeldungen entgegengenommen. Der Versicherungsbeitrag beträgt für das Jahr 6 Mark und berechtigt zur Verpflegung eines erkrankten Dienstboten auf die Dauer von 18 Wochen. Den bereits Versicherten wird der Versicherungschein für 1907 in nächster Zeit zugestellt werden. 11266 Dortmund, 19. März. Die Verwaltung des Luisenhospitals. Stadt Unna. Einladung zur Sitzung der Stadtverordneten am Mittwoch, den 27. d.., nachmittags 5 Uhr. Tagesordnung. 1. Offentlicher Teil. 1. Antrag auf Erteilung der Entlastung zur Rechnungsablage der Sparkasse für das Rechnungsjahr 1906 und Beschlußfassung über die Verwendung der Sparkassen=Zinsüberschüsse. 2. Wahl des Beigeordneten. 3. Antrag auf Bewilligung der Kosten von 6200 Mk. zur Verlängerung der Gasrohrleitung des Bockumweges aus Anlaß einer neuen Fabrikanlage. 4. Antrag auf Bewilligung der Mehrkosten von 1661,80 Mt. für die Ausführung der Kabelverlegung für die Verbindung des Rathauses für Feuermeldezwecke und mit der Gasanstalt.(Gesamtkosten 4661,30 Mk.) 5. Antrag auf Erhöhung der Vergütung für die Verwaltung der Bibliotheken der Realschule. 6. Erteilung der Zustimmung zu dem Beschlusse des Schulvorstandes, wonach für die für Königsborn und Colonie in Aussicht genommene Haushaltungsschule zum 1. Oktober d. J. eine Haushaltungslehrerin angestellt werden soll. 7. Antrag auf Erteilung der Zustimmung zur Einrichtung eines Klassenzimmers in dem alten Gerätehaus am Hertingertore zur Unterbringung der hiesigen Haushallungsschule. 8. Erteilung der Zustimmung zur Aenderung des Vertrages mit dem Provinzial Schul=Kollegium betreffend die Entschädigung für die dem Lehrerseminar zu überweisenden Schulkinder. 9. Vorlage des Planes der Oberpostdirektion über die Anlage einer oberirdischen Telegraphenlinie. 10. Vorlage eines Schreibens des Landratsamts zu Hamm betreffend die Uebertragung der Nahrungmitteluntersuchung an das Untersuchungsamt der Stadt Hamm. 11. Mitteilung eines Schreibens der Eisenbahndirektion Elberfeld auf den Antrag wegen Erweiterung der Fußgängerunterführung am Bahnhofstore. 12. Beschlußfassung über die endgültige Anstellung des Wegemeisters Klein. 18. Beschlußfassung über die Besetzung einer Bureau=Assistentenstelle. 14. Mitteilungen des Magistrats. Unna, den 23. März 1007. gez. Eylardi, Stadtverordnetenvorsteher. Frische reine Naturbutter! Netto 8 Pfd. 7,80 Mk. fr. Nachn. W. Sievers, Friedrichshof, Ostpr.(22107 Dogeart neu, billig zu verkaufen. Barov, Heidestraße 55. Gebr. Brauereiwagen sehr leicht. Gang, preiswert zu verkaufen.(22070 Kavellenstraße 18. Drei 4“ Wagen, eine u. 3· Sturzkarre, 2 Federwagen m. 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Rheinland, Westfalen, Schleswig=Holstein, bayrisch. Pfalz und Teile von Bayern und Sachsen sind der Hauptsitz seiner Bewunderer, in ganz Deutschland blickt man mit Stolz auf ihn, und die Armeen ganz Europas zollen ihm, dem Strategen, die gebührende Achtung. Obige Anekdoten geben ein Bild von dem Charakter u. den Eigenarten dieses seltenen Mannes„Einsiedler von Harnekop und zugleich Generalfeidmarschan“. C. L. Kruge., (3. uns. do. 21. Buch= und Mutikalten=Handlung in Dortmund * KSTT **** ** 6000 Die glückliche Geburt eines prächtigen Mädchens zeigen hocherfreut an. Dortmand, 25. März 1907 Herm. Bell und Frau Maria geb. Tritfterer. U Strammer OM angekommen.(11287 — a la Papa.— Schalke, 23. März 1907 Hugo Abraham u. Frau Johanna geb. Spiegel. Geboren: Herrn Fabrik. A. Wilke in Hannover eine Tochter. Herrn Karl Helbera in Bonn ein Sohn. Herrn Augenarzt Dr. Juna i. Köln eine Tochter. Verlobt: Frl. Julie Jac= ques mit Herrn Heinrich Eifel in Düsseldorf. Fräul. Maria Watendorff in Borghorst mit Herrn GerichtsAssessor Dr. jur. Wilhelm Billmann in Burasteinfurt. Frl. Adele Neuhaus in Barmen mit Herrn Heinr. Weide ir. in Haspe. Gestorben: Herr Kasvar Krämer in Essen, 63 Jahre. Frau Wwe. Christian Körker in Hannover. 73 Jahre. Frau Anna Kümmel in Hannover, 28 J. Frl. Maria leichen in Bonn, 21 J. Herr Johann Oehmen in Emmerich, 77 J. Frau Jos. Flecken in Köln, 36 J. Herr Hotelbesitzer E Adolf Schurr in Köniaswinter, 41 J. Frau Geora Heinrich Dörken in Gevelsberg, 39 J. Fraulein Gerbrud Hulsmann in Köln, 11 Jahre. Patentbureau M. Zoch Regierungsbauführer und 21917 Zivilingenieur Dortmund, Ostwall 28. Mittlere Mädchen-Handelsschule Dortmund, Ostrandweg 15. Jahres-Vollkursus mit 24 Stunden wöchentlich. Zweck: Gründliche Vorbereitung auf die kaufm. Kontorlaufbabn. Enge Anlehnung an die Praxis.— Besondere Betonung des Maschinenschreibens und der Stenographie. Schulgeld: 25 Mk im Quartal.— Halbe Freiplätze.— Für auswärtige Schülerinnen Fahrpreis=Ermäßigung. Aufnahmebedingung: Gutes Elementarschulzeugnis d. obersten Klasse.- Zurückweisungsrecht während des ersten Schulmonats. Stellen vermittelt nach erfolgreicher Schlußprüfung die Schulleitung nicht unter 50 Mk. monatl. Anfangsgehalt. Schulbeginn: 16. April.— Ferien wie an den höheren Schulen. Aumeldungen und Prospekte Ostrandweg 15 von 12—1 vormittags und—7 nachmittags.(11279 Der Kaufm. Verband f. welbl. Angestellte. E. V. Grosser-Holz-Verkauf. Am Dienstag, den 2. April ds. Is., vormittags 10 Uhr werde ich im Oeerener Holz, Forstort„Hobelweg“: ca. 120 Nummern Elchendurchtorstungsholz geeignet zu Baum= und Heckenpfählen, Frechtungspfählen und Stangen, sowie Brennholz öffentlich meistbietend gegen Kredit verkaufen.(11243 Haus Heeren, den 22. März 1907. in Heeren bei Kamen. Der Rentmeister: Krenz. In dem Konkursverfahren über das Vermögen: 1. des Zigarrenhändlers Franz Säcker, in Dortmund, Ostenhellweg 22. 2. des Kaufmanns Oeiurich Wilhelm, in Dortmund, Weiherstraße 23/25. 3. der offenen Handelsgesellschaft Perger& Comp. in Dortmund, Münsterstraße 80, wird der Kaufmann S. Segall in Dortmund, Münsterstraße 1, zum Konkursverwalter an Stelle des bisherigen Verwalters. Rechtsanwalts Amecke, ernannt, da dieser seine Pflichten als Konkursverwalter nicht gebörig erfüllt. Es wird eine Gläubigerversammlung zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des neu ernannten oder die Wahl eines anderen Konkursverwalters, sowie Termin zur Abnahme der Schlußrechnung des bisberigen Verwalters auf den 18. April 1907, vormittags 10 Uhr Zimmer Nr. 89. anberaumt. Dortmund, den 20. März 1907.(11399 Königliches Amtsgericht. Offeriere z. d. billigsten Preisen neue Herren=Anzüge, Hosen u. Taschenuhr. Jakob Jansen, Wilhelmstr. 7. Mittelschweres(11355 Arbeitspferd billig zu verkaufen. Rich. 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