REDACTION: Lütkegasse Nol/ a. Sprechstande: 10—11 Uhr Morgena). BTPEDITION: Domplats. TELEORANN-ADRESSE „Verkur, Münstorwostf.“ FARNSPRECH-ANSCHLUSS No. 112 für Minster und den niederrheinisch-westfälischen Industriebezirk. Verlag und Rotationsdruck der Westfällschen Vereinsdruckerei vorm. Ceppenrath'schen Buchdruckerei ERSCHEINT TAG1IOH in rwei Ausgaben (Vormittags und Abends). ABONNEMENTS · PREIS viorteljährlich: in Münster bei der Expedition Mk. 2.00, bei allon deutschen Postämtern Jik. 2.50 Einzolne Blätter Mk. 0.10. INSERTIONSCIFBUHR für die Petitzolle oder deren Raum: 20 Plg., für Münster und den Reg.-Beurk 15 Plg.; bei Reelamen 50 Pig. Gratis-Beilage:„Illustrirtes Münsterisches Sonntagsblatt“. 99 891. MorgenMünster, Montag, den 3. Juli 1899. Ausgabe.] 78. Jahrgang. u CPC. Landtags=Verhandlungen. Abgeordnetenhaus.— 86. Sitzung vom 1. Juli. 12¼ Uhr. Das Andenken des am 30. Juni verstorbenen Abg. Mattfeldt wild) ehrt das Haus in der üblichen Weise. Das Haus beschäftigt sich „unächst mit Wahlprüfungen, und zwar werden für gültig erklärt die Wahlen der Abgg. v. Grabski(Pole), Dr. Baarth= Posen(cons.). Kuhr(frs. Vgg.) und Macco(ntl.). Die Wahl des Abg. v. Colmar=Meyenburg(cons.) wird beanstandet. Hierauf gelangt eine Resolution zur Annahme, welche die Regierung auffordert, energisch dahin zu wirken, daß sowohl bei den Wahlmännerwahlen, als auch bei den Abgeordnetenwahlen die Namen der gewählten Candidaten stets ausgeschrieben, alle Abkürzungen aber, sowie sonstige Zeichen dabei unbedingt vermieden werden. Es folgt die 3. Berathung des Ausführungsgesetzes zum Reichsgesetz, betreffend die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung. Auf Antrag Dr. Porsch(C.) wird die Vorlage en bloc angenommen, ebenso in 3. Berathung das Ausführungsgesetz zum Handelsgesetzbuch. Es folgt die 2. Berathung des Gesetzes über die freiwillige Gerichtsbarkeit. Art. 1—37 werden debattelos angenommen. Bei Art. 38 wird ein Antrag Schmitz=Düsseldorf(C.) angenommen, wonach der Justizminister für sotche Bezirke, in denen dazu ein Bedürfniß besteht, die Amtsgerichte ermächtigen kann mit der Vornahme und der Beurkundung einer freiwilligen Grundstücksversteigerung, die außerhalb der Gerichtsstelle erfolgen soll, einen Gerichtsschreiber zu beauftragen; der Gerichtsschreiber soll nur mit Zustimmung der Betheiligten beauftragt werden. Bei Art. 78, welcher bestimmt, daß in der Regel nur Rechtsanwälte zu Notaren ernannt werden sollen, wird ein Antrag Kirsch(C.), der diesen Artikel streichen will, abgelehnt. Bei Art. 124 wird ein Antrag Meyer=Diepholz(ntl); wonach wie in Ostfriesland und Harlingerland, so auch im Regierungsbezirk Osnabrück zur Vornahme und Beurkundung freiwilliger öffentlicher Versteigerungen von Grundstücken besondere Beamte(beeidigte Auctionatoren) angestellt werden können, abgelehnt.„„„„„ Imerssam 95 Bei Art. 187 macht Abg. Nadvyl(C.) barauf aufmerisam, baß nach § 1824 der Notar zur Uebernahme eines unbesoldeten Amts in der Gemeindeverwaltung und der Gemeindevertretung nicht der Genehmigung seiner Aufsichtsbehörde bedürfe, und fragt an, ob es sich nicht empfehlen würde, diese Bestimmung dahin zu erweitern, daß gesagt würde:„Ebenso wenig bedarf ein Notar der Genehmigung seiner vorgesetzten Dienstbehörde zur Uebernahme der Stellung eines Vorstandsmitgliedes, Aufsichtsrathsund Verwaltungsmitglieds bei Genossenschaften, bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und bei Gegenseitigkeits=Gesellschaften. Minister Schönstedt erwidert, vorläufig könne er die Frage noch nicht beautworten, er werde aber in der dritten Berathung dazu in der Lage sein. Damit schließt die Discussion.§ 137 wird angenommen, ebenso der Rest der Vorlage. Es folgt die 1. Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Gewährung von Zwischencredit bei der Rentengutsbildung M. Abg. Hirsch(frs. Vp.) spricht sich gegen die Vorlage aus.— Abg. Frhr. v. Wangenheim(B. d. L.) erblickt in der Vorlage ein Mittel, um die Rentengutsbildung zu fördern und das Parcellirungswesen in gesunde Bahnen zu lenken. Redner beantragt, die Vorlage an die auf 21 Mitglieder zu verstärkende XII. Commission zu verweisen. Abg. Graf Kanitz(e.) bittet, bei Ausführung des Rentengutsgesetzes mehr als bisher auf die Ansiedelung von Arbeitern Bedacht zu nehmen, um der Abwanderung nach dem rheinisch=westfälischen Industriebezirk entgegenzuwirten...( Märt king Truund, e.. Abg. Schmitz=Dusseloorf(C.) ertlart, seine Freunde ständen dem Gesetz sympathisch gegenüber. Vielleicht biete die Commissionsberathung noch Gelegenheit, nach der einen oder anderen Richtung die bessernde Hand anzutegen.„„„„ Parl wird.##: Damit schließt die Discussion.— Die Vorlage wiro an die auf 21 Mitglieder verstärkte 12. Commission verwiesen. Es folgen Petitionen.— Eine Petition, betr. Reformirung des Irrenwesens, beantragt die Commission der Regierung als Material zu überweisen.— Abg. Kirsch(C.) fragt an, in welcher Richtung von der Regierung eine Reform des Irrenwesens geplant sei.— Abg. Wallenborn(C.) theilt mit, der Regierungsvertreter habe in der Commission erklärt, die Reform werde sich in erster Linie in der Richtung bewegen, daß bezüglich der Qualification der Irrenärzte und Leiter von Irrenanstalten schärfere Bestimmungen getroffen würden. Damit schließt die Discussion.— Der Commissionsantrag wird angenommen. Montag 12 Uhr: Zweite Lesung der Gebührenordnung für Rechtsanwälte, dritte Lesung des Gesetzentwurfs, betr. freiwillige Gerichtsbarkeit, Petitionen.— Schluß 4¼ Uhr. Herrenhaus.— 13. Sitzung vom 1. Juli.— Eröffnung 1 Uhr 15 Min. Das Haus ehrt das Andenken der verstorbenen Mitglieder Prof. Dambach, Henrici und Oberbürgermeister Jäger=Elberfeld in der üblichen Weise.— Ohne Discussion wird der Staatsvertrag zwischen Preußen und Württemberg, betr. Aufhebung der Flo ßerei auf dem Neckar, angenommen. Es folgt die Berathung des Lehrer=Relictengesetzes. Die Commission empfiehlt Annahme in der Fassung des Abgeordnetenhauses.— In der General= discussion bemerkt Finanzminister Dr. v. Miquel, daß die Regierung aus der Erhöhung des Zuschusses von 360 Mark auf 420 Mark, obwohl sie dieselbe für zu weitgehend erachte, keinen Kriegsfall machen wolle. Er empfehle, die Regierungsvorlage insofern wieder herzustellen, als die kreisfreien Städte von der staatlichen Unterstützung ausgeschlossen werden sollen. Obergermeister Becker=Köln bittet, den Gesetzentwurf in der Fassung anzunehmen, wie er aus dem Abgeordnetenhause hervorgegangen sei.— Cultusminister Dr. Bosse bemerkt, es sei dringendes Bedurfniß, daß der Gesetzentwurf zur Verabschiedung gelange, man möge nichts thun, was das Zustandekommen des Gesetzes hindern könne. Im Weiteren äußerte er sich im gleichen Sinne, wie der Finanzminister. Oberbürgermeister Bander=Breslau tritt für die Fassung des Abgeordnetenhauses ein.— Damit ist die Generaldebatte beendigt.— In der Specialberathung werden die§§ 1—13 ohne Discussion unverändert in der vom Abgeordnetenhause vorgeschlagenen Fassung angenommen. Zu§ 14 beantragt Graf v. d. Schulenburg insofern Wiederherstellung der Regierungsvorlage, als sämmtliche kreisfreie Städte von dem Staatszuschuß ausgeschlossen werden. In der Begründung bemerkt Redner, er könne sich nicht denken, daß kreisfreie Städte existirten, welche die Last nicht tragen könnten. Sein Antrag entspreche der Gerechtigkeit. Graf Ziethen=Schwerin tritt für die Fassung des Abgeordnetenhauses ein.— Geh. Rath Germar bittet, den Antrag des Grafen v. d. Schulenburg anzunehmen. Der Antrag Schulenburg wird abgelehnt,§ 14 in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Der Rest des Gesetzes wird ohne Debatte en bloc angenommen.— Schließlich wurde eine Petition des Magistrats von Lehe in Hannover um Erlaß eines VolksschulUnterhaltungsgesetzes für die ganze Monarchie ohne Discussion der Regierung als Material überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft.— Nächste Sitzung Montag 1½ Uhr. Tagesordnung: Interpellation des Grafen Lynar und Genossen, betr. Regulirung des Spreegebietes. Communalbeamten=Gesetz. Petitionen. Schlut 3 Uhr. Aus der Canalcommission. CPC. Berlin, 2. Juli. Die Canal=Commission des Abgeordnetenhauses hat am Samstag ihre Berathungen beendet. Bei Beginn der Sitzung, welcher die Minister Dr. v. Miquel, Thielen, Frhr. v. Hammer stein und Brefeld beiwohnten, schlug der Vorsitzende vor, die Verlesung des schriftlichen Berichts auf den 1. August festzusetzen. Am 7. August würde das Abgeordnetenhaus seine erste Sitzung nach der Vertagung abhalten, und da wolle der Präsident die Canal=Vorlage sofort auf die Tagesordnung setzen. Er schlage vor, eine Subcommission von 5 Mitgliedern zu ernennen, welche bei Verlesung des schriftlichen Berichts denselben im Wortlaute zu fixiren haben solle. Die Commission war mit diesem Vorschlage einverstanden. Von dem Abg. Engelbrecht(fre.) ist noch ein Antrag eingegangen, die Staatsregierung aufzufordern. noch vor der Abstimmung über den Mittelland=Canal eine Kostenrechnung aufzustellen über die Fortführung des Dortmund=Ems=Cauals nach der unteren Weser und unteren Elbe. Sodann beschäftigte sich die Commission mit den Petitionen, welche für das Project sind. Von diesen Petitionen wird eine, betreffend Schiffbarmachung der Lippe, der Regierung als Material überwiesen. Eine Petition des Canalvereins zu Hagen, betr. den Ruhrzubringer und die Leine, wird ebenfalls als Material überwiesen. Bei einer Petition des Magistrats der Stadt Emden trat Abg. Engelbrecht(fre.) mit Rücksicht auf den Getreide=Export des Ostens warm für die Ausführung des Projects eines Canals von der unteren Ems nach der unteren Elbe ein. Eisenbahn=Minister Thielen bemerkte, daß dieser Canal für die östlichen Landestheile keine Vortheile, sondern nur Nachtheile bringen würde, denn er wäre wahrhaft ein Einfallsthor für das Ausland. Der Mittelland=Canal verdiene daher entschieden den Vorzug vor dem KüstenCanale. Der Antrag Engelbrecht wurde hierauf mit 14 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Eine Reihe von Petitionen, welche sich mit der Entschädigung Pommerns beschäftigten, wurden der Regierung als Material überwiesen. Die Zahl der Petitionen betrug im Ganzen 136. Davon sind durch die früher gefaßten Beschlüsse als erledigt erklärt worden alle für den Canal oder gegen den Canal eingegangenen Petitionen, die mit dem Canalprojecte direct zusammenhingen; alle anderen, besonders die, welche Compensationen betrafen, sind der Staatsregierung als Material überwiesen worden. Nachdem noch Graf Limburg=Stirum dem Vorsitzenden v. Eynern den Dank der Commission für seine Leitung ausgesprochen, schloß die Sitzung. Vom Tage. &am Das Abgeordnetenhaus wird am heutigen Montag für einige Wochen auf Urlaub gehen. Dazu nöthigt nicht allein der Mangel an Berathungsstoff, sondern auch die völlige Erschöpfung derjenigen Mitglieder, auf denen die eigentliche Arbeitslast ruht. Wohl dauert die Session bis jetzt noch nicht ungewöhnlich lange und wohl ist das erledigte Pensum noch nicht übermäßig groß, aber 1) steckt in verschiedenen Gesetzen doch mehr Arbeit, als man ihnen äußerlich ansieht, 2) war die Session namentlich in den letzten Wochen reich an Reibungen und kräfteverzehrenden Kämpfen, und endlich 3) fällt Allen die Unklarheit der Lage, die in der Luft schwebende Krisis, die Unabsehbarkeit eines Endes der Arbeit auf die Nerven. Kurz, man muß einmal ausspannen. Und da man doch einmal dazu gezwungen ist, will man die Pause auch so ausdehnen, daß man sich inzwischen wirklich erholen kann. Präsident v. Kröcher beabsichtigte zunächst, sie bis zum 7. August dauern zu lassen. Das ist ein Montag; an einem solchen pflegt man nicht anzufangen. Jetzt ist als frühster Termin für den Wiederbeginn der Sitzungen der 9. August in Aussicht genommen; vielleicht werden noch ein paar Tage zugelegt; von vielen Seiten wird entschieden dafür plädirt. Die Rücksicht auf das Herrenhaus spielt bei der Ausdehnung der Vertagung eine untergeordnete Rolle. Ob es wirklich so viele Wochen zur Erledigung der Justizgesetze gebrauchen wird, wie angekündigt worden ist, erscheint fraglich. Möglicher Weise geht es in seiner Commission rasch, wenn diese nur erst angefangen hat. Diese Commission hat sich vorsorglich bereits am 17. Januar constituirt; sie will aber die Arbeit erst am 12. Juli aufnehmen. Das Plenum gedenkt nur bis zum 5. Sitzungen abzuhalten. Acht Tage machen also die Herren wieder Pause, vermuthlich um sich für die Commissions=Berathung vorzubereiten, wiewohl anzunehmen ist, daß ihnen die Vorlagen nicht mehr unbekannt sind. Mögen nun die Professoren und Juristen rasch oder langsam arbeiten, das Abgeordnetenhaus wird vor dem in Aussicht genommenen Termin nicht zurückkehren. Die Vertagung wird wohl in der Form geschehen, daß dem Präsidenten die Anberaumung der nächsten Sitzung überlassen wird. Auf die Tagesordnung beabsichtigt er die zweite Lesung der Canal=Vorlage zu setzen. Da das Haus am Montag ohne Zweifel nicht beschlußfähig sein wird, kann ihn Niemand daran hindern. Durch die Ansetzung der zweiten Berathung der Canal= Vorlage für die erste Sitzung nach der Vertagung ist die Erledigung der Wahlrechts=Reform vor der Canal=Vorlage sehr unwahrscheinlich geworden. Scheitert die Canal=Vorlage, so fällt die Reform ohne Weiteres unter den Tisch. Wird sie angenommen, so werden die Verschleppungs=Tactiker jedenfalls Alles thun, um die Verabschiedung der Reform vor der Canal=Vorlage zu verhindern. § In Belgien droht die anstehende Reform des Wahlrechts zur Revolution zu führen. Die Regierung muß daher vor der drohenden Gefahr den Rückzug antreten und die Vorlage ganz zurückziehen, oder sie vertagen. Am Samstag Vormittag hatten die Bürgermeister von Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Gent eine Audienz beim König, in welcher sie denselben baten, die Regierung zur Zurückziehung der Wahlrechtsreform=Vorlage zu veranlassen. Der König nahm diese Vorträge mit großer Aufmerksamkeit entgegen und verabschiedete die Bürgermeister mit dem Hinweise, daß er constitutionell zu handeln verpflichtet sei. Die Regierung läßt keinerlei Mittheilungen über diese Audienz in ihren Organen machen. Von der Opposition erwartet die Regierung Eröffnungen über ihre Wünsche hinsichtlich der WahlrechtsreformVorlage. Der Antrag Théodor ist noch unbekannt und wird wahrscheinlich die Ausdehnung des ProportionalwahlSystems auf sämmtliche Wahlkreise die mindestens drei Abgeordnete wählen, bezwecken. Auf Seiten der Linken ist man entschlossen, das Proportional=Wahlsystem für das ganze Land für sämmtliche Wahlkreise zu verlangen. Einstweilen stimmt die liberale Presse Siegeshymnen an, zugleich Drohungen gegen die Regierung ausstoßend für den Fall, daß dieselbe am Dienstag nicht die Forderungen der Linken annehme. Die Hauptforderung der Linken ist die Entlassung Vandenpeereboom's. Der König hatte eine lange Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Vandenpeereboom.„Petit Bleu meldet, der König beabsichtige, falls im Laufe der Woche keine Einigung der Parteien über die Formulirung des neuen Wahlgesetzes erzielt werde, die Kammer aufzulösen und das Land zu befragen. Es werde angenommen, daß General Brialmont bei dieser Gelegenheit ein Manifest zu Gunsten der allgemeinen Wehrpflicht erlasse. ** Dreysus ist, wie schon drahtlich berichtet, in der Nacht zum Samstag in Frankreich angekommen. Pariser Privatmeldungen darüber ist noch zu entnehmen: Die Landung Dreyfus' erfolgte unter den größten Schwierigkeiten. Inmitten eines tobenden Orkans bei hohem Seegang, dickem Nebel, Blitz und Donner wurde Dreyfus in eine Schaluppe ausgeschifft und an Land gerudert. Als sein Fuß französischen Boden betrat, stürzten unaufhaltsam Thränen aus seinen Augen. Dreyfus fuhr, ohne zu sprechen, in dem bereitstehenden Wagen zur Bahn; auch während der Fahrt im Sonderzuge nach Rennes sprach er kein Wort. Der Zug sollte ursprünglich nur bis zur nächsten Station vor Rennes fahren; die Fahrt bis ins Gefängniß sollte dann zu Wagen erfolgen. In letzter Stunde jedoch änderte man den Plan und fuhr direct bis Rennes mit der Bahn. Der Bahnhof war bei der Ankunft fast menschenleer. Um 6¼ Uhr befand sich Dreyfus im Gefängniß. Dieses hatten seit Mitternacht trotz des strömenden Regens viele Hunderte von Menschen, auch Damen, umstanden. Der Präfect ließ die Journalisten auffordern, heimzugehen, mit dem Versprechen, jeden einzelnen von ihnen alsbald nach der Ankunft von Dreyfus zu benachrichtigen. Dreyfus vertauschte in seiner Zelle die Civilkleidung mit der Uniform. Morgen soll er die Besuche seiner Vertheidiger Demange und Labori empfangen. Frau Dreyfus betrat am Samstag Morgen um 8½ Uhr in Begleitung der Frau Havet die Gefängnißzelle ihres Mannes. Die Zusammenkunft war äußerst rührend. Die Ankunft der Frau Dreyfus war nicht bemerkt worden. Vor dem Gefängniß waren Gendarmen als Posten aufgestellt, doch erwies sich diese Maßnahme als unnöthig, denn es ereignete sich kein Zwischenfall.— Die Verurtheilung von Dreysus erfolgte am 19. December 1894. Am 4. Januar 1895 wurde er degradirt. Die Ueberführung des zu lebenslänglicher Deportation Verurtheilten erfolgte wenige Tage darauf, und am 12. März 1895 traf Dreyfus auf der Teufelsinsel ein. Seine Gefangenschaft hat also ungefähr 4 Jahre und 4 Monate gedauert. Deutsches Reich. Berlin, 2. Juli. * Der Kaiser hielt am Samstag in Lübeck bei dem Frühstück des neu gegründeten Lübecker Yachtclubs eine Ansprache und dankte zunächst für die Begrüßung durch den Bürgermeister Klug und begrüßte gleichzeitig den neu begründeten Lübecker Yachtelub. Der Kaiser sprach, laut Lüb. Anzeiger“, die Hoffnung aus, daß dies ein Zeichen sei für den Zug der Nation, die Zukunft immer mehr auf dem Wasser zu suchen. Es sei selbstverständlich, daß darin die Hansastädte vorangingen, um so mehr, als in Lübeck jeder Zoll Boden und jeder Fuß Wasser Bände von Geschichten davon erzähle, was das Bürgerthum in seiner Kraft zu schaffen im Stande sei. Er erinnere sich an das alte Wort:„Das Fähnlein ist zwar leicht an die Stange gebunden, es kostet aber viel, es herunter zu holen.“ Es sei das ein Gedanke, dessen mancher Wettsegler eingedenk sei, wenn er Morgens an den Start gehe. Er hoffe, daß das Aufblühen des Segelsports dazu beitragen werde, das Interesse für die deutschen Unternehmungen im Auslande zu stärken und die Ausbildung tüchtiger Yachtmatrosen zu fördern. Er hoffe ferner, daß das Fähnlein, welches der hochselige Kaiser Wilhelm l., wie dies Nelson einst gethan, nicht nur an die Stange gebunden, sondern daran genagelt habe, nur wieder herunter geholt werden könne, wenn Gott es gefalle, hoffentlich auch dann für uns mit Ehren. Der Kaiser trank hierauf auf die Stadt Lübeck und den neuen Yachtelub. .c Die andauernd unklare und„kritische“ Lage scheint auch die Minister nervös gemacht zu haben. Daß„Reibungen" und Meinungsverschiedenheiten die Eintracht im Ministerium bedenklich erschüttert haben müssen, ist in diesen Tagen wiederholt öffentlich zum Ausdruck gekommen. Bei den Verhandlungen über die Mündelsicherheit der Papiere von Hypothekenbanken stritten sich die Minister v. Miquel, Frhr. v. Hammerstein und Schönstedt offen wegen der Voigt'schen Broschüre herum und desavouirten sich einander daß es nur so„eine Art hatte". Wohl wurde scheinbar in aller Freundlichkeit darüber gesprochen, aber es war ganz deutlich zu erkennen, daß die Herren sich, wenn sie allein zusammen im Ministerzimmer saßen, sehr unangenehme Dinge gesagt haben müssen. Am Samstag gab es im Herrenhause bei der Berathung des Lehrer=Wittwen= und Waisen=Gesetzes einen Zusammenstoß zwischen Herrn v. Miquel und dem Cultusminister Dr. Bosse, der ebenfalls auf vorhergegangene Kämpfe hinter den Coulissen schließen ließ. Herr v. Miquel erklärte, nachdem beide Minister sich schon an der Debatte betheiligt hatten, für ihn sei die Frage, ob Staat oder Gemeinde Träger der Schullasten sein solle, nicht bloß eine finanzielle, wie für den Cultusminister, sondern eine principielle. Aergerlich und spitz entgegnete der Cultusminister, auch für ihn sei die Frage eine principielle, er habe kein Wort gesagt, das eine andere Deutung zulasse. Alsdann begaben die Beiden sich in eine Ministerialsitzung, wo sie vielleicht ihren Streit noch fortgesetzt haben.— Das Herrenhaus nahm das Gesetz in der Fassung des Abgeordnetenhauses an. Da ein Antrag, die kreisfreien Städte aus dem Gesetze herauszunehmen, abgelehnt wurde, ist es nach den Erklärungen der Regierung nicht ausgeschlossen, daß das Gesetz noch im Hafen scheitert. *# Bei der dritten Berathung der Charfreitags=Vorlage haben die conservativen Abgg. Frhr. v. Plettenberg=Mehrum, v. Quast, v. Staudy, Frhr. v. Bodenhausen, v. Colmar=Meyenburg, Frhr. v. d. Goltz und Dietrich gegen den zweiten Absatz gestimmt, der die Rücksichtnahme auf die überwiegend katholischen Gemeinden ausspricht. Da die„Kreuzztg.“ offenbar auf Wunsch der Genannten dies ausdrücklich feststellt, wollen auch wir den Lesern die Namen dieser duldsamen Herren nicht vorenthalten. b Die amtlichen„Lübeck'schen Anzeigen“ sind bezüglich der Nachricht über die angebliche Aeußerung des Kaisers, Lübeck und Bremen müßten durch den Mittelland=Canal gegenüber Hamburg gekräftigt werden, zu der Erklärung ermächtigt: Richtig sei nur, daß der Kaiser sich neuerdings in freundlicher Weise über die drei Hansestädte und ihre staatlichen Einrichtungen geäußert und dabei den Wunsch ausgesprochen habe, daß auch Bremen und Lübeck, neben dem mächtig aufblühenden Hamburg wirthschaftlich gedeihen möchten. Von irgend welchen hiermit in Verbindung stehenden Aeußerungen über den Mittelland=Canal und dessen Bedeutung für die drei freien Städte sei dagegen an unterrichteter Stelle nichts bekannt. * Wegen Majestäts=Beleidigung hatte sich am Freitag der Bahnarbeiter Edmund Ingelmann aus Gr.=Algermissen, Landkreis Hildesheim, vor der Strafkammer in Hildesheim zu verantworten. Derselbe hat im März d. J. gelegentlich der Musterung als Militärpflichtiger das Hannoveranerlied mit einer Abänderung gesungen, die eine schwere Beleidigung des Königs von Preußen enthält. Das Gleiche hat er schon einmal vor etwa einem Jahre gethan. Ueber den Angeklagten, der fast den Eindruck eines Idioten macht, sagen sämmtliche Zeugen aus, daß er äußerst beschränkt sei und nicht einmal grobe mechanische Arbeiten ohne stetige besondere Anweisung auszuführen vermöge. Er sei deshalb auch außer Stande, sich seinen vollen Lebensunterhalt zu verdienen. Am Tage der Musterung sei er außerdem betrunken gewesen. Die Staatsanwaltschaft beantragte für jede Majestäts=Beleidigung das niedrigste zulässige Strafmaß von 2 Monaten Gefängniß und eine Gesammtstrafe von zwei Monaten und einer Woche Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte gemäß diesem Antrage. -f Die Eisenbahn=Verwaltung hat, den„Berl. N. Nachr.“ zufolge, in den letzten Tagen die Beschaffung von 5000 Güterwagen eingeleitet. Hiervon werden 4000 Stück der Wagenbau=Vereinigung übertragen, welche sich auf Erfordern bereit erklärt hat, die bisherigen Preise nicht zu erhöhen. Spanien. * Barcelona, 1. Juli. Bei der Eröffnung des Municipalraths in Barcelona wurden aus der Mitte der dort versammelten Menscheumenge Schüsse auf die Räthe abgegeben; drei derselben wurden getödtet neun verwundet. * Barcelona, 2. Juli. Wie nachträglich aus Badalona gemeldet wird, trägt der gestrige Vorfall rein localen Charakter. Beim Amtsantritt des neuen Municipalrathes kam es zu einem Zusammenstoß der verschiedenen Parteien. Einer der Getödteten ist ein Beamter des Municipalrathes Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. + 918 0 * Locales und Provinzielles. Münster, 8. Juli. 8 Die gestrige althergebrachte Wallfahrts=Procession zum ehrwürdigen Gnadenbilde der Gottesmutter in Telgte war begünstigt von nicht besser zu wünschendem echten Processionswetter. Kurz nach 5 Uhr zog die Procession gestern früh von der Ueberwasser=Kirche aus. In Telgte wurde die Procession von dem hochwürdigsten Herrn Weihbischofe Grafen v. Galen und der Pfarrgeistlichkeit von Telgte an der historischen Linde feierlichst mit dem Gnadenbilde eingeholt. Das feierliche Hochamt wurde vom hochw. Herrn Weihbischofe Grafen v. Galen gehalten und im Anschlusse daran die Festpredigt von einem Franciscaner=Pater. Gegen 5½ Uhr langte die Procession wieder in Münster an, eingeholt von den Schulkindern der Ueberwasser=Pfarrgemeinde und vielen anderen Pfarrangehörigen hiesiger Stadt.— In Betreff der Betheiligung erhalten wir von Jemand, welcher beim Auszug der Procession die Theilnehmer in den letzten Jahren jedesmal an der Promenade gezählt hat, folgende Zahlen: Frauen waren es diesmal circa 1125, voriges Jahr circa 1150, vor zwei Jahren 850; Männer diesmal 950, voriges Jahr circa 1000, vor zwei Jahren 850. Dazu kommen noch Diejenigen, welche auf der Warendorferstraße die Procession erwarteten und sich dort anschlossen. Dieselben schienen diesmal noch zahlreicher zu sein, als in früheren Jahren, und zwar wurden die zwischen Promenade und der Bahnüberführung Stehenden von unserem Statistiker auf circa 500 bis 550 geschätzt(voriges Jahr 400—500), davon die Mehrzahl Männer. Die Procession hat also ihre vorjährige Höhe auch diesmal inne gehalten. Die Ordnung im Zuge, wie von Seiten der Zuschauer bei der Heimkehr der Procession war diesmal eine bessere, als im vorigen Jahre. * Ein gewiß seltenes goldenes Jubiläum durfte aus Anlaß der gestrigen Wallfahrt nach Telgte ein Bürger unserer Stadt feiern. Es war das 50. Mal, daß er in Treue und Rüstigkeit den Weg zur schmerzhaften Mutter Gottes pilgerte. Die Congregation, mit welcher der Jubilar stets gegangen war, ehrte denselben durch Ueberreichung einer Statue der Mutter Gottes, sowie eines goldenen Myrthenzweiges und eines Gedenkbuches mit Gedicht. Möge der Jubilar noch oft in der alten Rüstigkeit an der ihm zum Bedürfniß gewordenen Wallfahrt theilnehmen können! □ Der Besuch unseres Zoologischen Gartens ist in den letzten Wochen, ein anhaltend guter gewesen. Namentlich in der vergangenen Woche war dieses der Fall. An einem Nachmittage stieg die Besuchsziffer auf 1020; es besuchten also den Garten außer den Mitgliedern 1020 Entrée zahlende Personen, was einer Casseneinnahme von 510 Mark gleichkommt. Am gestrigen sogen. billigen Sonntage war der Besuch wiederum außerordentlich groß. ∆ Lortzing=Theater. Am heutigen Montag gelangt Strauß' Meisterwerk:„Die Fledermaus" zur Aufführung mit Selma Schoder als„Rosalinde", Dienstag„Die schöne Helena mit Selma Schoder in der Titelrolle, worin dieselbe eine Glanzleistung bietet.— Es sei nochmals erwähnt, daß Dutzend=Billets nur im Lortzing=Theater zu haben sind und daß der Verkauf von Einzel=Billets nicht an der Theater=Kasse, sondern nur lin der Coppenrath'schen Buchhandlung, Musikalienhandlung von Bisping und im Cigarren=Geschäft von Engelkamp stattfindet. * Aus der„Verl. Corr.“ Der als Hülfsarbeiter im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten beschäftigte MeliorationsbauInspector Nolda aus Münster i. W. ist zum Regierungs= und Baurath ernannt und ihm die ständige meliorationstechnische Hülfsarbeiterstelle in diesem Ministerium verliehen worden.— Ernannt: Zum Wasserbau=Inspector Regierungs=Baumeister William Schmidt in seinden.— Versetzt: die Eisenbahnbau= und Betriebs=Inspectoren Janensch, bisher in Hameln, als Vorstand der Betriebs=Inspection 1 nach Berlin; Kullmann, bisher in Jülich, als Vorstand der Betriebs=Inspection I nach Trier; Smierzchalski, bisher in Altona, als Vorstand (auftrw.) der Betriebs=Inspection nach Jülich; Waechter, bisher in Erfurt, als Vorstand(auftrw.) der Betriebs=Inspection II nach Hameln. Der Regierungs= und Baurath Hesse, bisher Mitglied der königl. Eisenbahndirection in Essen a. d. R. ist in den Ruhestand getreten. * Aus dem„Reichsanzeiger“. Dem Vice= und Deputy=Consul der Vereinigten Staaten von Amerika, Gordon Scott in Aachen, ist namens des Reichs das Exequatur ertheilt worden.— Die von der Stadtverordneten=Versammlung zu Essen getroffene Wahl der bisherigen Stadtbauräthe Friedrich Wiebe und Karl Guckuck als besoldete Beigeordnete der Stadt Essen ist für die gesetzliche Amtsdauer von zwölf Jahren und die von der Stadtverordneten=Versammlung zu Kalk getroffene Wahl des unbesoldeten Beigeordneten, Sanitätsrath Dr. Joseph Reipen in gleicher Eigenschaft auf fernere sechs Jahre und des Fabrikbesitzers Wilhelm Krüger als unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Kalk auf sechs Jahre ist bestätigt.— Der Landgerichts=Director Dumreicher in Elberfeld ist in Folge seiner Ernennung zum Reichsgerichtsrath aus dem preußischen Justizdienst geschieden.— In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen der Gerichts=Assessor Kempkes bei dem Landgericht in Essen, der Gerichtsassessor Heix bei dem Amtsgericht in Königswinter. o Lippborg, 2. Juli. Der etwa 68 Jahre alte Kötter und Topfbinder W. Westerhoff aus Vellinghausen wurde gestern Nachmittag im hiefigen Kirchspiel unweit der Wesendahler Fähre an der Lippe todt aufgefunden. Westerhoff, welcher fast täglich unterwegs war, befand sich wegen Kränklichkeit auf dem Rückwege nach Hause und hat ihn kurz vor dem Ziele der Tod ereilt. * Warendorf, 1. Juli. Im hiesigen Franciscaner=Kloster soll Gymnafiasten der oberen vier Classen Gelegenheit geboten werden, Exercitien zu halten. Dieselben werden beginn Fr. n..####.8 Semesters, am 15. August. Der Schluß wird so gelegt, dab die Theilneh darauffolgenden Freitag mit dem werden antreten können. * Bochum, 1. Juli. Da die Bewegung sich nordwärts in den Kreis Recklinghausen gezogen, ist gestern Abend im Landrathsamt Bochum durch Oberpräsident Studt, Regierungspräsident Winzer aus Arnsberg, Oberregierungsrath Müller, Gendarmerie=Brigadier v. Zastrow und die Landräthe aus Bochum, Recklinghausen, Gelsenkirchen und Dortmund eine Berathung wegen der zu ergreifenden Maßregeln abgehalten worden zur Niederhaltung der polnischerseits angezettelten Bewegung auf den Zechen„General Blumenthal“ und„König Ludwig' bei Bruch. Gegen den Berichterstatter der„Rheinisch=Westfälischen Zeikung ist, laut„Hann. Cour.“ wegen Beleidigung der Behörden und Beamten durch die Presse Strafantrag gestellt. Coblenz, 1. Juli. Der Chefredacteur der„Coblenzer Volksztg.“, Herr Reich= und Landtagsabgeordneter Dr. Eduard Marcour, welcher augenblicklich in Berlin weilt, um seinen parlamentarischen Pflichten obzuliegen, schaut am heutigen Tage auf eine 25jährige Thätigkeit im Dienste der katholischen Presse. Das genannte Blatt widmet seinem gegenwärtigen einen Festartikel, dem wir folgendes entnehmen. Nachdem Herr Dr. Marcour schon einige Zeit journalistisch und schriftstellerisch thätig gewesen war, trat er auf Veranlassung des seligen Frhrn. v. Loe in das neu gebildete literarische Bureau des Mainzer Katholikenvereins ein und übernahm einige Monate später die Leitung desselben. In dieser Stellung verblieb er, gleichzeitig Redacteur der„Katholischen Stimme“, bis der Mainzer Verein durch die preußische Regierung eines gewaltsamen Todes starb. Von 1880—1888 war er Mitredacteur der„Kölnischen Volksztg.“, übernahm dann die Chefredaction des„Westfälischen Merkur' in Münster und wurde 1891 zur Leitung der„Germania" berufen. Im Jahre 1894 übernahm er mit gleichgefinnten Herren käuflich den Verlag der„Coblenzer Volkszeitung“ und gründete mit jenen Herrn die damit verbundene Görresdruckerei. Die„Coblenzer Volksztg. hat unter seiner Leitung einen gewaltigen Aufschwung genommen und zählt über 18000 Abonnenten. Herr Dr. Marcour hatte ursprünglich eine ganz andere Laufbahn erwählt. Nach Vollendung seiner Studien in Münster, Göttingen und Bonn kam er nach seinem Heimathsorte Calcar, um sich dort auf die beabsichtigte Laufbahn als Archivar oder Privatdocent der Geschichte vorzubereiten. Aber:„Der Mensch denkt, und Gott lenkt!“— hier trat eine merkwürdige, providentielle Wendung ein. Als nämlich im Mai 1874 der damalige Dechant von Calcar, Herr Pfarrer Tüffers, in Folge der Maigesetze gepfändet wurde, erhielt der Gerichtsvollzieher aus Cleve beim Passiren der angesammelten Volksmenge einige Stöße, was zu einem Aufgebot der bewaffneten Macht und zur Verhaftung mehrerer Personen führte; das damalige Kreisblatt sprach sogar von einem Aufruhr in Calcar. Diesen Aufruhr beleuchtete Herr Dr. Marcour in mehreren, Aufsehen erregenden Artikeln im Clevischen Volksfreund“, welche die Aufmerksamkeit des Frhn. v. Loe und anderer Herren auf den jungen Schriftsteller lenkten. So wurden diese Artikel Veranlassung, ihn der katholischen Journalistik zuzuführen, der er, wie wir sagen dürfen, stets zur großen Zierde gereicht hat und der er hoffentlich noch lange seine schätzbaren Dienste leisten wird. g Trier, 1. Juli. Der Gauverbands=Congreß der satholischen kaufmännischen Vereinigungen Mitteldeutschlands findet am 30. Juli hierselbst statt. Vermischtes. * Potsdam, 1. Juli. Das Landgericht verwarf die Bezusung in dem Proceß gegen die Schwester Karola und den Korbmacher Bastian wegen körperlicher Mißhandlung bezw. Beihülfe dazu. Somit ist das freisprechende Urtheil der ersten Instanz bestätiat. innen sofort nach Schluß des d so, ge#gt, duß, In Theilnehmenden am 10Uhr=Zuge die Reise in die Ferien * S t a r u b e r g, 1. J u l i. I n A n w e s e n h e i t d e s M i n i s t e r= P r ä s i d e n t e n, Staatsministers Frhru. v. Crailsheim als Vertreter des Prinz=Regenten, fand heute an der Rottmannshöhe am Starnberger See die feierliche Enthüllung des Bismarck=Thurmes statt. * Großmeseritsch, 1. Juli. In Folge eines Wolkenbruchs ist hier Hochwasser eingetreten, welches bedeutenden Schaden anrichtete, der 100 000 Gulden weit übersteigen dürfte. Die Brücken sind fortgerissen, der Verkehr ist gestört und drei Personen sind umgekommen; mehrere Häuser drohen einzustürzen. * Zürich, 1. Juli. Der sechste allgemeine deutsche Journalisten= und Schriftstellertag, zu dem über 400 Theilnehmer erschienen waren, wurde heute Vormittag im großen Festsaale der Tonhalle eröffnet. Prof. Vogt entbot den Willkommengruß der Journalisten Zürichs, Regierungspräsident Stößel und Stadtpräsident Pestalozzi begrußten die Anwesenden im Namen der cantonalen und städtischen Behörden. Redacteur Zabel=Berlin dankte und brachte ein Hoch auf die Stadt Zürich aus.— In der heutigen Sitzung des Journalisten= tages führte Eugen Zabel=Berlin den Vorsitz. Die Versammlung faßte einen Beschluß gegen die Anwendung des§ 360 Ziffer 11 des Strafgesetzbuches(betreffend groben Unfug) auf Aeußerungen durch Schrift und Druck und gegen den ambulanten Gerichtsstand. * Stuhlweißenburg, 2. Juli. Gestern fand in der hiesigen Großhandlung von Reinitz eine Benzin=Explosion statt. Von den im Geschäfte anwesend gewesenen Käufern sind zwei verbrannt, während der Geschäftseigenthümer und acht Angestellte gefährliche Brandwunden davontrugen. * Kairo, 1. Juli. In den letzten drei Tagen sind 7 neue Pesterkrankungen gemeldet worden; 2 Pestkranke sind gestorben und 2 als geheilt entlassen. Allerlei. * Das Avancement im amerikanischen Heere. Ganz famose Principien scheinen das Avancement im amerikanischen Heere zu bestimmen. Die Langwierigkeit des Kriegszuges auf den Philippinen erscheint als nicht so ganz unverständlich, wenn man einige der beglaubigten Erzählungen Eingeweihter anhört. Im Wandelgange des amerikanischen Kriegsministeriums traf ein vielgenannter Publicist eines Tages einen Apothekergehülfen, der sich trotz seiner bescheidenen bürgerlichen Stellung der hohen Protection des Präsidenten erfreute. Der Herr Provisor trug eine gar trübselige Miene zur Schau, und man fragte ihn nach der Ursache seines Leides.„Ich möchte gern Capitän im Quartieramt werden, aber da hat mich der Präsident zum Obersten im Ingenieur=Corps machen lassen.„Nun, ich denke, da sollten Sie sich doch gratuliren. Wie ist es denn zugegangen?"„Als ich um die Stellung als Capitän im Quartiermeisteramt einkam, schaute der Präsident die Liste nach und fand keine einzige Vacanz. Dann schaute er in einer anderen Liste nach und fand, daß nichts übrig war, als eine Oberstenstelle bei den Ingenieuren. Der Apotheker war nun deshalb so unglücklich, weil er nicht die geringste Ahnung davon hatte, was er in seiner Stellung überhaupt zu thun haben werde! * Eine niedliche Auskunft ertheilte, wie der„Berl. Ztg.“ gemeldet wird, jüngst ein Gemeindevorsteher des Kreises Pr.=Eylau dem zuständigen Bezirkscommando zu B. Letzteres hatte den Vorsteher der betreffenden Gemeinde zum Bericht darüber aufgefordert, ob die Eltern eines näher bezeichneten Militärpflichtigen noch am Leben seien. Hierauf traf umgehend bei der genannten Militärbehörde folgender Bescheid ein:„Die Eltern sind verstorben, hauptsächlich aber der Vater. Ob die Mutter noch lebt, kann diesseits nicht angegeben werden, eventuell ist dieselbe anzufragen.“ * Die Toncur. Ein englischer Erfinder hat nach der„Inventors Review einen ganz merkwürdigen Apparat construirt, der vielleicht auf einem gar nicht so unrichtigen Grundsatze beruhen mag, über den man aber kaum mit vollem Ernst sprechen kann. Der Schöpfer dieses neuen Instrumentes, das den Namen Vibratorium erhalten hat, ging von der Ansicht aus, daß der menschliche Körper durch Musik heilsam beeinflußt werden kann, und zwar gründet er diese Ansicht auf die allgemein anerkannte Wirkung, die eine Reihe von harmonischen Tönen auf die menschlichen Gemüthsbewegungen ausübt. Das Vibratorium besteht aus einer Hängematte oder einem Kasten, der von leichten Stäben getragen und von Orgelpfeifen umgeben ist, die durch das Spielen einer Claviatur in Schwingungen versetzt werden. Der Patient wird in den Apparat hineingebracht, dann beginnt die Musik, und zwar wird die Auswahl der Tonstücke für jedes besondere Leiden vorgeschrieben. Der unmittelbar mechanische Effect wird geschildert als eine Art durchdringender vibrirender Einwirkungen auf den Körper, die der Empfindung bei elektrischen Schlägen ähnlich ist, aber mehr andauernd und besänftigend wirkt. Bisher hat sich der Erfinder noch nicht über die Behandlung der einzelnen Leiden mittelst seines Apparates ausgelassen, aber er soll der Ueberzeugung sein, sein System könne so weit entwickelt werden, daß die Heilkraft des Vibratoriums eine ebenso unbegrenzte Anwendung finden könne, wie die Combination harmonischer Löne selbst. Bis dahin wird der Mann dem Schicksale nicht entgehen, durch seine Erfindung in erster Linie den Witzblättern einen willkommenen Stoff geliefert zu haben. * Soldatenwitz. Bekanntlich hat jedes Regiment seinen Spitznamen, der sich meistens aus der Farbe der Aufschlage und Achselklappen ergeben hat. So heißen die Soldaten des hessischen Regimentes nach den gelben Aufschlägen und Achselklappen„Kanarienvögel" und werden beim Passiren anderer Truppentheile von diesen angezwitschert. Das war auch wieder der Fall, als das 117. und 118. Regiment letzter Tage auf dem Griesheimer Sand bei Darmstadt zu Schießübungen zusammengezogen waren. Den Umstand nun, daß jüngst ein 117er Nachts beim Postenstehen auf einem Außenwerk bei Mainz eine verirrte Kuh mit 5 Schüssen tödtete, als sie auf Anrufen keine Antwort gab, nahmen die 118er zum Anlaß, den 117er„Muh, muh!“ zuzurufen. Auch bezeichnen sie die 117er, welche den Namenszug V. M.(Victoria Melitta) auf den Achselklappen tragen, mit„Vieh=Mörder“. Deut 8 K Vom Büchertisch. eft 7 des Prachtwerkes: Die katholische Kirche in land, Oesterreich= Ungarn, Luxemburg und der Schweiz, welche die österreichische Leo=Gesellschaft als zweiten, aber auch für sich selbst ein vollständiges Ganze bildenden Band des großartigen Gesammt=Prachtwerkes:„Die katholische Kirche unserer Zeit und ihre Diener in Wort und Bild“ erscheinen läßt, ist soeben in unsere Hände gelangt. Mit wachsender Genugthuung erfreuen wir uns jeder neu ausgegebenen Lieferung, seines classischen Textes über die Verhältnisse der Kirche und auch über die socialen Verhältnisse der einzelnen Diöcesen, sowie der vollendet ausgeführten Illustrationen, welche die Portraits der hervorragendsten kirchlichen Würdenträger der betreffenden Diöcesen und die Bilder der bedeutendsten kirchlichen Bau= und Kunstdenkmäler derselben darstellen. Heft 7 behandelt die Diöcesen Augsburg, Passau, egensburg und beginnt die Abhandlung über die Kirchenprovinz Gnesen und Posen. Wie in den vorangegangenen Lieferungen wird auch hier u. A. jedesmal ein kurzes Lebensbild des betreffenden bischöflichen Oberhirten entworfen. Jeder einzelne Aufsatz bietet auch gleichzeitig einen kurzen Abriß der Diöcesangeschichte, so daß, wenn das Werk vollendet ist, gleichsam eine summarische Geschichte der Kirche Deutschlands, Oesterreich=Ungarns, Luxemburgs und der Schweiz vorliegt. Redigirt sind die Aufsätze dieses Heftes sämmtlich von Herrn Professor Dr. Jos. Schlecht in Freising. Von den trefflichen dem Texte bei= und eingefügten Illustrationen glauben wir besonders hervorheben zu sollen: die beiden Tafelbilder: Msgr. Dr. Michael von Rampf, Bischof von Passan, und Msgr. Dr. Iguatius von Senestrey, Bischof von Regensburg, das Gruppenbild, darstellend die Benedictiner=Aebte Bayerns, Darstellungen der betr. Kathedralkirchen und Kunstschätze aus denselben, sowie der Wallfahrts=Orte und=Kirchen von Altötting, Mariahilf bei Passau u. s. w. Dieses neue Heft schmücken nicht weniger als 41 Illustrationen, alle gleich interessant und technisch vollendet ausgeführt. Das ganze Werk, sowie jedes einzelne Heft à 1 Mark ist durch alle Buchhandlungen, sowie durch den Verlag der Allgemeinen Verlagsgesellschaft(Berlin, Friedrichsstraße 240/241) zu beziehen. Neueste Nachrichten und Drahtberichte. W Brüssel, 3. Juli. Nach den hier aus der Provinz einlaufenden Nachrichten herrscht, von einzelnen unbedeutenden Kundgebungen abgesehen, überall Ruhe. V Paris, 2. Juli. Der gestrige Tag ist in Rennes vollkommen ruhig verlaufen. Commandant Carrière wird den Gefangenen heute besuchen. In Paris fand weder ein Zwischenfall, noch eine Kundgebung statt.— Der Proceß Zola, der vor dem Geschworenengerichte zu Versailles am 11. Juli zur Verhandlung angesetzt war, wird wahrscheinlich auf die nächste Session verschoben werden. V Paris, 3. Juli.(Drahtb.) In St. Cloud wurde gestern für Deroulede von den Zeugen in seinem jüngsten Processe ein Ehrenpunsch veranstaltet. Deroulede erklärte in einer Ansprache, daß er Dreyfus für schuldig halte, er werde sich aber, wenn das Kriegsgericht in Rennes Dreyfus freisprechen werde, diesem Urtheilsspruche beugen. W Nennes, 3. Juli.(Drahtb.) Demange, Labori, Matthien, Dreyfus und dessen Frau trafen gestern Abend hier ein. * Rom, 3. Juli. In Folge des Decrets über den Schluß der Parlamentssession richtete die äußerste Linke ein von 65 Deputirten unter. zeichnetes Manifest an das Land, in welchem sie über ihre Arbeiten während der letzten Session des Parlaments Rechenschaft giebt.— Der socialistische Deputirte Andrea Costa wurde am 1. Juli, Abends, als er das Parlamentsgebäude verließ, verhaftet. Derselbe hat noch wegen eines im Jahre 1894 begangenen Preßvergehens eine Gefäugnißstrafe von 2 Monaten zu verbüßen. V Madrid, 3. Juli. In einer Unterredung des Ministerpräsidenten Silvela mit dem Kriegsminister erklärte dieser, daß er geneigt sei, die Friedenspräsenzstärke des Heeres auf 80000 Mann festzustellen, statt der von 108000 Mann, die im Budget aufgestellt worden ist. W Barcelona, 2. Juli. Bei dem gestrigen Aufruhr hier wurden 30 Personen verwundet, und unter diesen mehrere tödtlich. w Barcelona, 3. Juli.(Drahtb.) Nach dem Schlusse einer Versammlung, die gestern zu Gunsten der Revision des Processes der Gefangenen von Montjuich abgehalten wurde, zogen die Theilnehmer nach dem Jesuitenkloster und veranstalteten dort eine Kundgebung Gendarmerie, welche einschritt, wurde mit Steinen beworfen; sie gebrauchte darauf hin die Waffe. Viele Personen wurden verwundet. W Valencia, 3. Juli. Die Verkäuferinnen in den Gemüsehallen verursachten vorgestern Abend einen Tumult. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Im weiteren Verlaufe der Nacht kam es zu schwereren Ausschreitungen. Es wurden Barrikaden errichtet. Die Truppen schossen scharf.— Die Unruhen begannen damit, daß zahlreiche Gruppen den Verkehr der Pferdebahnwagen zu stören suchten. Als dann die Gendarmerie einschritt, wurde sie von der Menge mit Steinwürfen empfangen. Die Gendarmerie und die Truppen waren in Folge dessen genöthigt, zu schießen, so daß mehrere Personen verwundet wurden. Abends nahmen die Unruhen noch größere Dimensionen an. Die Hauptpunkte der Stadt wurden von Truppen besetzt. Die Aufrührer errichteten Barrikaden, von denen eine von der Cavallerie genommen wurde. nachdem von beiden Seiten lebhaft gefeuert worden war. Es wurden zahlreiche Personen verwundet; ob auch Leute getödtet wurden, ist bis jetzt nicht bekannt. Die Aufrührer wollten auch gegen ein Kloster einen Angriff richten, wurden aber von den Truppen und der Gendarmerie daran gehindert. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. In der Nacht traten die Generale zu einer Berathung über die Sachlage zusammen. Der Bürgermeister veröffentlichte eine Proclamation, in welcher er die Bevölkerung zur Ruhe auffordert. Man befürchtet, daß sich die Unruhen heute erneuern werden. W Valencia, 3. Juli.(Drahtb.) Gestern kam es hier zu neuen Unruhen. Die Menge bewarf die Gendarmerie mit Steinen. 1 Hauptmann der Gendarmerie wurde verwundet. W London, 3. Juli.(Drahtb.) Aus Crewe in der Grafschaft Chester wird gemeldet: In dem benachbarten Winsford fuhr in der letzten Nacht ein Güterzug über den Prellbock eines Seitengeleises hinaus und entgleiste. Darauf stieß ein Güter=Schnellzug mit den Trümmern des ersten zusammen, wodurch eine Brücke zum Einsturz gebracht wurde. Schließlich fuhr ein Vergnügungszug in beide Züge hinein, wobei viele Personen verwundet wurden. Etwa 50 Wagen sind zertrümmert. W Valparaiso, 3. Juli.(Drahtb.) Das Flotten= Arsenal von Talcahuans wurde durch Feuer zerstört. Es wird vermuthet, daß das Feuer angelegt wurde, um so die Unterschleife zu verbergen, welche von den Regierungs=Beamten begangen wurden. WWashington, 3.Juli.(Meldung des„Reuter'schen Bureaus“.) Die Arbeiten der Samoa=Commission nehmen einen befriedigenden Fortgang. Sollte das Abkommen der Commissare auch den Rücktritt des Oberrichters Chambers einschließen, so würde derselbe wahrscheinlich für einen anderen Posten bestimmt werden. Es wird indessen vermuthet, Chambers werde freiwillig zurücktreten. Betreffs der Abschaffung des Königthums wird in amtlichen Kreisen Uebereinstimmung der Mächte als wahrscheinlich angesehen. Verantwortl. Redacteur: I. V. Theodor Warnecke in Münster. Neueste Nachrichten über die Bewegungen der Dampfer der Hamburg=Amerika=Linie. D.„Alesia“ auf der Ausreise, 27. Juni in Port Said. D.„Akaba“ 28. Juni 7 Uhr Vm. in Montreal. D. Calabria“ 27. Juni in Vera Cruz. D. Canadia“ 29. Juni 5 Uhr Vm. in New=York. D. Cheruskia" 28. Juni 4 Uhr Nm. in Philadelphia. D.„Dorothea Rickmers“ 28. Juni in Saigon. D. Heim' von St. Thomas, 30. Juni 8 Uhr Vm. in Hamburg. T. Helvetia“ von St. Thomas, 30. Juni 8 Uhr Vm. in Hamburg. D.„Markomannia" von Boston, 28. Juni 8 Uhr 30 Min. Abends in Hamburg. D. Maroa' von Baltimore nach Hamburg, 27. Juni Nachm. auf der Elbe. D. Norderney“ 25. Juni in Cindad Bolivar. D.„Palatia' von New=York, 29. Juni 10 Uhr 30 Min. Abends in Hamburg. D.„Patricia“ 29. Juni 12 Uhr Nachts in New=York. D.„Syria“ von St. Thomas, 30. Juni 8 Uhr Vm. in Hamburg. D.„Valesia“ 27. Juni in St. Thomas. Meteorol. Beobachtungen in Münster Morgens 7½ Uhr. ** S 8 Thermometer u. R. 5° C.— 4° K.+ 9.5, Max.+ 16,0, Min.+ 80. Wetter=Aussichten auf Grund der Berichte der Deutschen Seewarte. (Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.) 4. Juli. Vorwiegend heiter bei Wolkenzug, warm, stellenweise Ge witter. uun, Ferd. Meyer, Prinzipalmarkt 44. Specialgeschäft für natürliche Aafheraforannen Loltuing=Theater. Operetten=Ensemble v. Bastineller. Montag, den 3. Juli 1899: Gastspiel der Kaiserlich Russischen Hof=Opernsängerin Selma Schoder. Die Fledermaus. Rosalinde..... Selma Schoder als Gast. Dienstag, den 4. Juli 1899: Die schöne Helena. Burleske Operette in 3 Acten. Musik von Offenbach. Helena...... Selma Schoder a. G. In Vorbereitung:„Die Gelsha“.(5023) Sommertheater, Festhalle. Montag, den 3. Juli 1899: Am weissen Kossl. Lustspiel in 3 Acten von Blumenthal und Kadelbure. 15018) Dienstag, den 4. Juli 1899: * N o u! N e u! Der Schlalwagencontrolleur Schwank in 3 Acten von Bisson. * —— Mikrotilmaschit der deutschsprachigen Presse e.V. REDACTION: Lütkegasse Nol /a. Sprechstunde: 10—11 Uhr Morgens). EXPEDITION: Domplats. TELEGRANN-ADRESSE: „Merkur, Münsterwestf.“ FERNSPRECH-ANSCHLUSS Ne. 112 für Münster und den niederrheinisch-westf#lischen Industriebezirk. Verlag und Rotationsdruck der Westfülischen Vereinsdruckerei vorm. Coppenrath'schen Buchdruckerei ERSCHENT TAOLICH in zwei Ausgaben (Vormittags und Abends). ABONNENENTS · PREIS vierteljährlich: in Münster bei der Expedition Mk. bei allen deutschen Postämtern Mk. 2.50. — Einzelne Blätter Mk. 0.10. INSERTIONSGEBUHR für die P’otitzelle oder deren Raum: 20 Pfg., für Münster und den Rog.-Bezirk 15 Pfg.; bei Reelamen 50 Pig. Gratis-Beilage:„Illustrirtes Münsterisches Sonntagsblatt“. 912 8en. AbendMünster, Montag, den 3. Juli 1899. Ausgabe.] 78. Jahrgang. K Die Hetze gegen das katholische Waisenhaus in Potsdam hat nunmehr ihren Abschluß gefunden mit einer gründlichen Ziederlage der neumodischen Culturkämpfer. Dir Strafkammer in Potsdam als Berufungs=Instanz hat das Urtheil des Schöffengerichts, das die angeklagte Schwester und den becheiligten Wärter freisprach, bestätigt, nachdem die wiederholte Beweiserhebung die Unwahrheit der gegen die Anstalt und die Angeklagten erhobenen Beschuldigungen zweifellos dargethan hatte. Ja, der Rechtsanwalt des angeblich mißhandelten Jungen mußte unter der Wucht der Entlastungsbeweise sogar das Zugeständniß machen, daß dieser Fall„nicht besonders schwer zu beurtheilen" sei. Und doch hatten die freisinnigen Parteigenossen dieses Rechtsanwalts(Munckel), sowie die Socialdemokraten und die von Singer genasführte Berliner Stadtverordneten=Versammlung aus dem unerheblichen Züchtigungsfall eine Haupt= und Staatsaction zu machen gesucht! Die Staatsanwaltschaft war von irgend welchen Sympathien für die Anstalt oder die Angeklagten gewiß frei. Das ersah man schon aus der Einlegung der Berufung gegen das wohlmotivirte freisprechende Urtheil des Schöffengerichts(wofür wir, nebenbei bemerkt, der Staatsanwaltschaft dankbar sein müssen, weil sie zur durchschlagenden Niederlage der Hetze geführt hat). In der Verhandlung vor der Strafkammer trat der Staatsanwalt auch noch gelegentlich scharf gegen die Angeklagten auf, indem er z. B. aus der Thatsache, daß die Schwestern zur Züchtigungs=Handlung nicht einen einarmigen Wärter nahmen, sondern einen anderen, unverkrüppelten Wärter herbeiholten, die Folgerung ziehen wollte, „daß etwas Besonderes vor sich gehen sollte". Und schließlich mußte doch der Staatsanwalt anerkennen, daß nach dem ganzen Verhalten des Knaben die Angeklagten subjectiv und objectiv vollständig berechtigt waren, ihn körperlich zu züchtigen, und daß die vielbeschrieene Zahl von 59 Schlägen, die auch noch in der letzten Anklageschrift figurirte, vollständig in Dunst und Nebel aufgegangen sei. Es sei nichts weiter erwiesen, als daß der Knabe 20—25 Schläge bekommen habe, und wegen dieser Zahl liege noch keine Mißhandlung vor.(Wir fügen hinzu, daß die 20—25 Schläge mit einem dünnen Stöckchen auf die Winterhose des Knaben ausgetheilt sind.) Der Staatsanwalt gestand ferner zu, daß die Verhandlung nicht das Allermindeste erbracht habe, was die Neigung der Angeklagten oder der Anstaltsleitung beweisen könnte; es sei vielmehr festgestellt worden, daß die Verwaltung des Waisenhauses ernste Remedur habe eintreten lassen, wenn Uebergriffe eines Wärters gemeldet worden seien. Zu einem Antrage auf eine kleine Strafe kam der Staatsanwalt nur deshalb, weil er annahm, der Knabe habe geblutet und deshalb sei das Züchtigungsrecht(ohne böse Absicht) überschritten. Der Gerichtshof sprach in seinem Urtheil(dessen Worttaut leider noch nicht verliegt) sich dahin aus, daß die im St. Josephs=Waisenhause vorgekommenen Züchtigungen sich im Allgemeinen in der in solchen Erziehungsanstalten üblichen Grenze gehalten haben. Für den vorliegenden Fall nahm der Gerichtshof zwar eine objective Ueberschreitung des Züchtigungsrechts an, aber die Angeklagten seien sich dessen nicht bewußt gewesen, also jubjectiv nicht schuldig und freizusprechen! Was nun diese„objective“ Ueberschreitung des Züchtigungsrechts angeht, so scheint der Gerichtshof auch über die angebliche „Blutung" oder den Schorf“ nicht hat hinweg kommen können. Wer die Einzelheiten der Verhandlung, namentlich das wiederholte Gutachten Bergmann's prüft, wird den„Schorf" als ganz belanglos bei Seite lassen, wie es sogar der Staatsanwalt gethan, und an die Blutung“ wird er überhaupt nicht glauben. Niemand hat in der Hose, in der Wäsche, im Bett des Kindes Blut gesehen; die„Blutung“ ist ebenso erdichtet, wie die 59 Hiebe. Herr v. Bergmann bestreitet aus medicinischen Gründen die Blutung; er machte den Vorschlag, ein Obergutachten des Medieinal=Collegiums einzuholen, wenn man ihm nicht glaube. Das Obergutachten ist nicht eingeholt, wahrscheinlich deshalb nicht, weil der Gerichtshof den subjectiven Strafausschließungsgrund als Hauptsache betrachtete. Uebrigens ist nach unserer Ansicht die Blutfrage überhaupt nebensächlich. Man kann ein Kind zu Schanden hauen, ohne daß ein Tröpfchen Blut fließt, und andererseits kann bei einer leichten Züchtigung zufällig ein Aederchen zum Durchbruch kommen, auch kann das geschlagene Kind durch Kratzen an den juckenden Stellen Bluterguß herbeiführen. Auf diese Einzelheit kommt nichts an. Entscheidend ist das Gesammtbild, das sich nach der Verhandlung und den erwähnten Bezeugungen ergiebt: Ein wirklich bösartiger Junge war wegen wiederholten Entlaufens aus der Anstalt nicht gezüchtigt worden; erst als er die anderen Kinder beharrlich zur Meuterei aufreizte, also gemeingefährlich wurde, strafte man ihn ab, und zwar nicht in Zorneswallung oder„aus dem Handgelenk“, sondern nach allseitiger Ueberlegung und Vorbereitung. Die 20—25 Hiebe auf das bedeckte Sitzfleisch sind so milde verabreicht worden, daß der Junge durchaus nicht krank oder schulunfähig gewesen ist, sondern sich noch acht Tage lang wie gewöhnlich unter seinen Kameraden bewegt hat, bis er wieder nach Berlin fuhr. Irgend welche Nachtheile oder auch nur Spuren der Züchtigung sind am Körper des Kleinen nicht zu finden. Das ist der ganze Hergang. Alles Uebrige, was die Presse über die grausige Execution und die Hartherzigkeit der Angeklagten gebracht hat, steht als Verleumdung gebrandmarkt da! Die freisinnig= demokratische Berliner„Volkszeitung', welche an der Spitze des Verleumderchores marschirte, muß jetzt mit einem gedrückten Tone nach allerlei Ausreden suchen, um ihre Niederlage zu bemänteln. Sie beschränkt sich nothgedrungen schließlich auf die Hoffnung,„daß die Verhandlung eine belehrende und heilsame Wirkung auf Alle ausüben wird, denen unglückliche Waisenkinder zur liebevollen Pflegel anvertraut sind.“ Gewiß, Belehrung kann man aus Allem schöpfen, auch aus dem erfolgreichen Kampfe gegen Hetzer und Verleumder. Ob die Belehrung und das Heil gerade nach dem Sinne der Lügner ausfallen, ist eine andere Frage. Das Waisenkind, um das es sich hier handelte, war nicht gerade„unglücklich“, sondern konnte die beste Pflege und Erziehung genießen. Wenn der Junge schon aus einem Berliner städtischen Waisenhause in zarter Jugend ausriß, dann die Schwäche seiner„Ziehmutter“ gründlich mißbrauchte, und endlich in der Potsdamer Anstalt sich als gewohnheitsmäßiger Ausreißer und Aufwiegler unerträglich machte, so war das seine Schuld, oder, wenn man bei den Kindern noch nicht von Schuld reden will, ein trauriger Ausfluß seiner schlechten Anlagen und Triebe. Wenn aus einem solchen Bengel überhaupt noch etwas Brauchbares werden soll, so bedarf es einer strammen Erziehung. Wer ihm diese gewährt, handelt liebevoll; aber wer das saubere Bürschlein verzärtelt und verherrlicht, der schadet ihm. „Liebevolle Pflege“! Die ist in Potsdam auch dem Burschen zu Theil geworden; vielleicht hätte man ihn schon eher— als er mehrfach ausriß— prügeln sollen. Aber die rechte Liebe muß auch strenge sein können, wo es nöthig ist. Und besonders fällt ins Gewicht: die ewige Nachsicht gegen einen Jungen, der eine ganze Anstalt in Aufruhr zu bringen droht, wäre eine Lieblosigkeit gegen die 69 Kameraden desselben. Wie kann eine Anstaltsleitung es verantworten, wenn sie unbehindert die guten Zöglinge der Gefahr ausgesetzt läßt, verführt und vielleicht beim Ausreißen 2c. in das schwerste körperliche und sittliche Unglück zu gerathen! Die Berliner Stadtverordneten=Versammlung hatte bekanntlich die Forderung der Berliner Katholiken, erst den Abschluß der Verhandlungen abzuwarten, hochmüthig abgewiesen. Ihr Beschluß, dem Potsdamer Waisenhause die Kinder zu entziehen, wird gebrandmarkt durch das Urtheil des Gerichts, daß die Potsdamer Anstalt durchaus nicht schlechter ist, als die anderen Anstalten. Man wird nun wahrscheinlich recht laut sagen, die Unterbringung der Waisen in Familien sei vorzuziehen. Aber man stelle erst mal eine Untersuchung an, ob es nicht da vielfach zu Züchtigungen kommt, die viel schlimmer sind, als die methodische Verabreichung von 20—25 leichten Stockschlägen auf die Hose. Für uns und unsere Freunde möchten wir aus den Vorgängen noch eine praktische Lehre ziehen. Es hat sich hier, wie in ähnlicher Weise beim Alexianer=Proceß gezeigt, daß es nöthig ist, gleich in der ersten Instanz zur Vertheidigung die tüchtigsten Kräfte und Mittel heranzuziehen. Man darf sich da nicht auf seine Unschuld allein verlassen, sondern muß der Tücke der Gegner gleich gewaffnet entgegentreten. Deutsches Reich. Berlin, 2. Juli. * Ein Kaisertoast von Prof. Dr. Beyschlag. In Nordhausen feierte am Feste Peter und Paul der Gustav=Adolf=Verein der Provinz Sachsen sein 55. Jahresfest. Als Vorsitzender des provinzialsächsischen Hauptvereins eröffnete Herr Professor Dr. Beyschlag von Halle diese Versammlung mit einer längeren Rede über die finanziellen Erfolge des Gustav=Adolf=Vereins und über die Los von Rom=Bewegung in Oesterreich. Nach der Versammlung versammelten sich die Festtheilnehmer zum gemeinsamen Mittagsmahle im„Riesenhause“(!), an dem etwa 150(!) Personen theilnahmen. Die„Saale=Zeitung', 3. Beiblatt zu Nr. 302 vom 30. Juni, berichtet darüber: Deu Kaisertoast brachte Herr Professor Dr. Beyschlag=Halle aus, ausgehend von dem Gedanken, daß im Aufblick zu der Höhe des Thrones uns evangelischen Deutschen oft zu Muthe sein könne, als ständen wir in einer schönen Berglandschaft, wo doch die höchsten Spitzen von einem dumpfen Nebel umlagert seien. Wir Alle wüßten, welches der Nebel sei, der drückend auf unserem nationalen Leben laste: die ausschlaggebende Macht des Ultramontanismus. Unser Kaiser habe dies leidige Erbe aus der Vergangenheit überkommen, habe aber diesen auf dem Volksleben ruhenden Bann noch nicht, wie wir einst gehofft, gebrochen. Aber durch den Nebel hindurch würden uns doch wieder sonnige Aufblicke zu Zeiten vergönnt: wenn wir unseren Kaiser in die Schloßkirche von Wittenberg oder in das heilige Land begleiteten, sein schlichtes Bekenntniß zu praktischem Christenthum vernähmen und hörten, wie er, angewidert durch ein in hohlen Formen und eitlem Prunk erstarrtes Christenthum allein mit sich selbst am stillen Oelberg und im einfachbescheidenen Bethlehem sich wohlgefühlt habe, dann schlügen unsere Herzen freudig für den Träger der deutschen Kaiserkrone in der Gewißheit, mit ihm uns eins zu fühlen in echt evangelischer Art, und in der Hoffnung, daß unser Kaiser endlich doch einmal den Nebel aus deutschen Landen bannen würde. Dem Herrn Prof. Dr. Beyschlag und seinen Festgenossen scheint das Gefühl zu fehlen, daß ein solcher„Kaisertoast“ mehr einer Beleidigung als einem Lobspruche ähnlich sieht. * Die„Kreuz=Ztg.“ veröffentlicht folgendes Dementi:„Von glaubwürdiger Seite wird uns die Nachricht von der Erkrankung des Erbprinzen Danilo von Montenegro und von der Verschiebung der Hochzeit„bis auf Weiteres“ als eine böswillige Erfindung bezeichnet. Der Erbprinz ist kräftig und gesund, und es liegt nichts vor, was der auf den 27. d. M. anberaumten Hochzeit in Cettinze hindernd in den Weg treten 21 P Der Advocatenbauer. Eriminalroman von Dietrich Theden. —(Nachdruck verboten.) Grotthus wollte jedes Aufsehen vermeiden und begab sich ohne Begleitung des Gendarmen nach dem Sod. Er traf den Bauer vor einem mit Acten und Papieren aller Arten bedeckten Tisch. „Meugen,“ grüßte Oldekop.„Nanu, sind Sie nicht der Wittkamp von Tonndorf? Höllisch'rausgeputzt heute. Den Donner, man sollte doch nicht meinen, was die Kleidung aus dem Menschen nacht...“ „Ich scheine Sie in einer wichtigen Beschäftigung zu unterbrechen?“ fragte Grotthus ruhig. „Na, ich bin bald zu Ende. Vor meiner Uebersiedelung von Hamburg hierher hatte ich, weil sie überraschend und vor Allem überrumpelnd schnell kam, nicht die gehörige Zeit, die laufenden Geschäfte abzuwickeln. So blieb Manches nachzuholen, und hat mir jetzt einige Umstände gemacht. Auch deshalb, weil ich nicht mehr mit derselben Lust bei der Sache hin. Aber den Leuten, die mich mit ihrem Vertrauen beehrt hatten, mußte doch ihr Recht werden. Ein paar Incasso=Geschäfte harrten der endgültigen Verrechnung— meistens Bagatellen, aber doch für die Clienten wichtig. Und mir Ehrensache. Da war eine alte Dame— wollen Sie mal in mein Buch mit hineinsehen?— nach einem Incasso gut für mich Mark elf vierzig. Strich durch. Ein Krämer gut für sich nach Abzug der Kosten Mark fünfundsiebzig— mit Postanweisung erledigt. Ein ehemaliger Budiker, Rinkens, armer Teufel, gut einhundertneunundzwanzig Mark— erledigt durch Posteinzahlung. Eincassirter Lohnrückstand für ein Dienstmädchen vierundzwanzig Mark— weg ohne Kostenberechnung, und so weiter. Die Acten sind für mich ohne Werth, für die Clienten durchweg auch— der Ordnung halber werfe ich das Porto hinaus und lasse sie sämmtlich ihren Eigenthümern zugehen.— Womit kann ich Ihnen heute dienen,Herr..e.. Wittkamp—?“ „Ich habe die Ehre,“ erklärte der Commissar,„einen Befehl des Untersuchungsrichters Dr. Mackens gegen Sie zur Ausführung zu bringen, und erkläre Sie hiermit für verhaftet.“ Oldekop verfärbte sich. „Sie sind—?“ Der Befragte nannte Namen und Amt und legte den Haftbefehl vor. „Wegen— Unterschlagung, Betruges und Mordverdachts—“, las Oldekop und schrie wüthend:„Herr, sind Sie des Teufels?!“ „Ich ersuche Sie, mir die Ausführung des Befehls nicht unnöthig zu erschweren. Um das Peinliche der Situation für Sie so viel als möglich zu mildern, bin ich ohne uniformirten Beamten gekommen— ich hoffe, Sie werden das würdigen und mir dafür danken—“ „Vollkommen der Ihre, Herr— Grotthus=Wittkamp. Gestatten Sie aber, daß ich mich von meiner Frau verabschiede—“ „Sie befindet sich—?“ „In der Küche. Thür erster Hand.“ Der Commissar ließ den Verhafteten nicht aus den Augen, öffnete die ihm bezeichnete Thür und rief halb über die Schulter nach der Frau, die gleich darauf eintrat. „Frau, denk' Dir diese Schurkerei—,“ fauchte Oldekop.„Sst! die Ruhe bewahren. Der— Herr hier— hat den Auftrag, mich verhaften— mich— lächerlich! Nimm Dich zusammen, daß die Leute—— Du verstehst! Ich muß ja bald zurückkommen—— sehr bald—— traurige Justiz— aber sie sollen mich kennen lernen, die mir da aus dem Hinterhalte einen Strick drehen wollen——“ Die Frau sank in einen Stuhl, so faßte sie der Schreck. „Gieb mir den Pelz!— Herre... e— Sie sind das Werk einer teuflischen Infamie! Aber ja— ich folge Ihnen— selbstverständlich. Macht geht vor Recht, ich erfahre es am eigenen Leibe. Adjöh, Frau. Paß' auf die Wirthschaft, bis ich zurück bin. Lange kann's ja nicht dauern. Laß das Geheul... Herr— ich bitte—“ Er schritt zur Thüre, wandte sich noch einmal zu seiner Frau und forderte:„Laß Alles auf dem Tische da unberührt— die Herren sollen ihre Nasen hineinstecken und darin stöbern, so lange sie nur mögen.... Die Frau war sprachlos und vermochte sich nicht zu rühren. Der Commissar und der Verhaftete gingen Seite an Seite. Die Herren fielen auf und die ihnen Begegnenden sahen ihnen nach, ohne daß Jemand den Zusammenhang ahnte oder auch nur entfernt Böses vermuthete. Erst auf dem Bahnhofe in Neumünster stutzte eine auf dem Perron promenirende Dame, als sie an den beiden Männern vorüberging. Sie kehrte um und suchte eine zweite Begegnung. Oldekop zog den Hut und der Beamte folgte seinem Beispiele, als er die Dame scharf gemustert und in ihr Frau Wichbern erkannt hatte. Die Promenirende dankte mit kaum merklichem Neigen des Kopfes. Sie schritt ruhig weiter, trat ins Wartezimmer erster Classe und winkte einen Diener zu sich, der sich in ihrer Nähe gehalten hatte. „Ich werde einen Gang durch die Stadt machen, Johann. Nehmen Sie Anna in Empfang und tragen Sie Sorge, daß die Koffer sogleich ins Hotel geschafft werden.“ „Also doch!“ murmelte sie unterwegs, und die beobachtete Erregung Oldekop's ließ ihr keinen Zweifel, daß nur eine Deutung der Begegnung möglich war, daß das Geschick den Mann ereilt hatte. Sie promenirte die breite Hauptstraße in die Stadt hinein, kehrte nach viertelstündiger Wanderung um und begab sich alsdann ins Hotel. Sie war in der Frühe von Hamburg abgefahren, hatte sich von einem Diener begleiten lassen und Anna den Befehl ertheilt, mit dem Gepäck nachzukommen. Eine merkwürdige Unruhe hatte ihr den Aufenthalt in der einsamen Villa verleidet. Nicht einmal das Packen der Koffer mochte sie abwarten. Sie blätterte daheim im Inseraten=Anhang eines Coursbuches, wählte nach den Annoncen ein Hotel in Neumünster, bestellte telegraphisch die für sich und die Dienerschaft nöthigen Zimmer, notirte dem Mädchen die Adresse und fuhr voraus. Das Hotel war eines der besten der Stadt und dicht am Bahnhof gelegen. Als Frau Wichbern von ihrem ersten Gange heimkehrte, beschied sie den Hotelier zu sich. „Ich werde unbestimmte Zeit— unter Umständen einige Wochen — wohnen bleiben. Haben Sie einen Wagen zur Verfügung?“ „Gewiß; auch einen Schlitten, gnädige Frau.“ „Schlitten? Gut. Ich belege Wagen und Schlitten für mich, so daß sie für jede Stunde und jeden Weg zu meiner Verfügung stehen. Ihre Berechnung—?“ Der Hotelier nannte den Preis, und Frau Wichbern stimmte zu. „Kennen Sie das Gut Depenau?“ forschte sie. „Allerdings...“ „Wie weit von hier?“ „Mit Wagen und Schlitten, gnädige Frau?“ „Ja. „An zwei Stunden. Sie können aber auch bis Reickendorf mit der Eisenbahn fahren und von dort in einer halben Sunde—“ Sie wehrte ab. „Ist die Schlittenbahn gut?“ „Vorzüglich—“ „Der Besitzer des Gutes ist ein Adeliger?“ „Der Eigenthümer? Nein. Durch Zufall weiß ich aber, daß der Inspector des Gutes einer alten holsteinischen Adelsfamilie angehört. Herr von Löhnau war erst in voriger Woche hier." Die alte Dame fuhr auf. „Wer?“ fragte sie kurz und zweifelnd. „Bernd von Löhnau. Sie kennen den Herrn?" „Nein!“ klang es ablehnend. „Verzeihung—.“ Also wieder eine Lüge ihres redlichen Vermittlers! Kein Bauerntölpel, kein Mensch von niedriger Bildungsstufe, sondern ein Mann in offenbar leitender Stellung und aus gutem Hause. „Ist die Stellung eines Inspectors verantwortlich?“ fragte sie, um sich zu vergewissern. „Ueberall und auf Depenau in erhöhtem Maße, weil der Gutsherr Böhm kränkelt und die Verwaltung des Besitzes ausschließlich in den Händen des Inspectors ruht.“ „Dieser Herr von Löhnau— so sagten Sie doch— ist tüchtig?“ „Ich habe nie etwas Anderes über ihn gehört. Er ist noch jung, aber er soll manchen alten Inspector in den Schatten stellen.“ „Ich danke.“ Sie überlegte. „Der Schlitten soll um zwei Uhr vorfahren. Ich wünsche um eins zu speisen. Auf meinem Zimmer.“ Der Hotelier verbeugte sich. „Wie Sie befehlen, gnädige Frau Frau Wichbern ließ sich von ihrem Diener, der in einfache dunkelblaue Livrée gekleidet war, auf der Schlittenfahrt begleiten.— „Depenau!" befahl sie. Der Weg, der sich bald über freies Feld, bald zwischen Knicks oder durch Waldung hinzog, hatte für die Städterin etwas Neues und Reizvolles. Der Schnee war von blendender Weiße und deckte die Erde ebenmäßig und nicht höher, als für eine Musterschlittenbahn nöthig und erwünscht war. So konnten die Pferde, zwei nicht gerade schöne Thiere, aber gute Läufer, so rasch vorwärts kommen, daß das landschaftliche Winterbild ein in schneller Folge wechselndes war und Ermüdung nicht eintreten ließ. Im Winterschmuck wie die Dörfer lag das Endziel der Fahrt. Die Bäume der langen Allee, die in gerader Richtung auf das Gut zuführte und das Herrenhaus schon von ferne erkennen ließ, waren in glitzernden Reif gehüllt; der Rauch aus den Schornsteinen des Herrenhauses kräuselte über weißen, in der Sonne leuchtenden Dachflächen. Arbeiterhäuser, Scheunen und Ställe lagen wie das Gutshaus weiß in weiß, und nur in die lichte Silhouette des Parkes zeichneten die aufragenden, schneefreien Stämme der Bäume dunkle Linien—. (Forts. folgt.) see) Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. 44 könnte.“ Dieses Dementi kommr angeblich aus Neustrelitz. Im montenegrinischen Lager wird dagegen, wie man aus Wiener Privatdepeschen ersteht, die Meldung vom Aufschub der Vermählung aufrecht erhalten. * Die Mehrzahl der Reichs=Staatssecretäre und der preußischen Minister wird während des Monats Juli auf Urlaub von Berlin abwesend sein, jedoch zur Berathung der Canal=Vorlage am 7. August wieder vollzählig hierher zurückkehren. Der Reichsschatzsecretär Frhr. v. Thiel mann verläßt bereits heute Abend Berlin, um sich auf seine Besitzung nach Kreuth zu begeben, und in den nächsten Tagen werden der Staatssecretär des Auswärtigen Amtes, Graf Bülow der wiederum seinen Urlaub auf dem Semmering verbringen wird, und Reichs=Justiz=Secretär Dr. Nieberding, sowie der Handelsminister Brefeld abreisen. Der Staatssecretär des Reichspostamtes v. Podbielski ist von seiner schweren Erkrankung an der Gesichtsrose so weit wiederhergestellt, daß er vor einigen Tagen wieder das Bett verlassen konnte; er hofft, sich demnächst auf sein Gut Dallmin bei Wittenberg begeben und gegen Mitte des Monats seine Dienstgeschäfte wieder in vollem Umfange aufnehmen zu können. Graf Posadowsky wird nicht vor Anfang August auf Urlaub gehen können. Eine ganz besondere Arbeitslast aber wartet während des Sommers des Justizministers Schönstedt und seiner Räthe, die zunächst jeden Urlaubsgedanken aufgeben müssen, da gleich nach Verabschiedung der preußischen Justizgesetze durch den Landtag ausführliche Erlasse über die Ausführung im Einzelnen an die Gerichtsbehörden gerichtet werden müssen. * Posen, 2. Juli. Am Feste Peter und Paul tagte hier eine polnische Volksversammlung, an der über 2000 Personen, darunter höchstens 200 Polen der höheren Stände, alles andere Handwerker, Arbeiter und Bauern theilnahmen. Um 12 Uhr begrüßte Prinz Czartoryski die Erschienenen. Seine zündenden Worte, fanden Wiederhall, denn stürmische Beifallsrufe unterbrachen ihn oft. Dann las Prinz Czartoryski eine ganze Reihe Telegramme von Mitgliedern des Hochadels vor, die nicht nach Posen kommen konnten. Zunächst ergriff Rechtsanwalt Wolinski das Wort und sprach über„Formalitäten beim Einberufen von Volksversammlungen“. Vor Allem sollten die Redner vorsichtig sein, damit die Versammlung in Folge eines unbedachten Wortes nicht aufgelöst würde. Lehrer a. D. Kurzaj sprach über„Imparität in der Schule". Redner sprach aus Erfahrung und erzählte unter Anderem, daß jetzt noch Hunderte polnischer Kinder den Religionsunterricht in deutscher Sprache erhalten. Sehr oft wurde dieser Redner durch Zwischen= und Beifallsrufe unterbrochen. Der dritte Referent, ein Landmann, Jankowski aus Oporowo, sagte, daß er und seine Altersgenossen besser deutsch sprächen, als seine Kinder, obgleich, oder vielmehr weil sie in fremder Sprache unterrichtet werden. Die Lehrer, welche nach Kamerun gehen, müssen vorher die Sprache der dort lebenden heidnischen Völker erlernen, aber die Lehrer, die jetzt ins Posensche kommen, verständen kein Wort der Sprache ihrer Schuler. Der Bauer Cieslak aus Pickary bei Posen sagte: Wir Bauern haben bis jetzt geschwiegen, nun thun wir's nicht mehr, denn man könnte draußen in der Welt glauben, die Bauern seien zufrieden mit den jetzigen Schulverhältnissen. Dies sei durchaus nicht der Fall. Die sog. Intelligenz habe Geld und könne ihren Kindern Privatunterricht ertheilen lassen event. selbst unterrichten. Nicht so der Bauer. Dieser hat kein Geld und keine Zeit. Er muß von früh 3 bis Abends 10 Uhr arbeiten. Bauer Trawinski aus Zamystowo fordert Ertheilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache, andernfalls würde schließlich die heranwachsende Jugend, wenn sie nach dem Westen geht, dem Socialismus und Anarchismus in die Netze fallen. Filipinski aus Swierczyna wünscht Aenderung des Schulwesens auf Grund der Wiener Traktate. Wenn es hoch kommt, erhalten die polnischen Kinder jährlich 30 Stunden Unterricht in der Muttersprache. Rogalski und Pudykiewicz sprachen über„Imparität in der Handhabung des Rentengesetzes", Konezynski aus Toniszewo über„Die Liebe zur Heimath“, Dr. Ulatowski aus Gnesen über„die Hakatisten", Budzisz aus Jersitz über„Die Petitionen, Beschwerden und Proteste der Polen", Muth aus Dembsen über Inhibirung polnischer Vergnügungen“, schließlich Mikolajczak aus Posen über„Die Polen in amtlichen Stellungen". Darauf verlas Prinz Zdislaw Czartoryski die Resolutionen, 7 an der Zahl: 1) Die Generalversammlung beschließt, daß von nun ab öfter Volksversammlungen abgehalten werden und zwar nicht nur in Posen, sondern auch in kleinen Städten der Provinz. 2) Wir verlangen, daß der Religionsunterricht in allen Stufen nur in der Muttersprache ertheilt werde; ferner Errichtung von confessionellen Schulen. Die Oberaussicht über katholische Schulen, die von Polen besucht werden, müßten polnisch sprechende katholische Inspectoren haben, endlich verlangen wir, daß nur die Eltern die Nationalität der Kinder bestimmen. 3) Wir verlangen die Aufhebung der Verfügungen vom Jahre 1895, welche das Rentengesetz zu Ungunsten der Polen beeinflussen. 4) Wir verdammen die Thätigkeit der Hakatisten als unchristlich und als der constitutionellen und jeder andern Freiheit entgegen arbeitend. 5) Des väterlichen Erbes — namentlich ländlichen Besitzthums— soll sich kein Pole entäußern, sondern es vermehren durch Arbeit und Sparsamkeit. 6) Gegen alle Verbote, Strafmandate u. s. w., wenn sie ungerecht erscheinen, soll Berufung eingelegt event. gerichtliche Klage eingeleitet werden. 7) Wir protestiren gegen das übliche System der wirthschaftlichen Schwächung der Polen und empfehlen inständigst die Arbeit an der Hebung unseres Volkes auf allen für dasselbe erreichbaren Gebieten. Die Resolutionen gelangten zur Annahme. Die Versammlung hatte 5 Stunden lang gevon Mittags 12 bis 5 Uhr. * Haag, 1. Juli. Von der FriedensconferenDer Ausschuß für die Redaction des Schiedsgerichts=Vorschlages ist heute Nachmittag wieder zusammengetreten und hat auf Antrag des amerikanischen Delegirten Holl's an den Codex über das schiedsgerichtliche Verfahren noch eine Bestimmung zugefügt, welche von der Zulässigkeit der Revision schiedsgerichtlicher Entscheidungen handelt. Der Ausschuß ging dann zur zweiten Lesung des von dem englischen Delegirten Pauncefote gestellten Antrages über. Hier wurde die nenderung getroffen, daß das Schiedsgerichts=Tribunal den Namen„Ständiger Schiedsgerichtshof" tragen soll. Die nächste Sitzung findet am Montag statt.— Beernaert reist morgen nach Brüssel ab.— Die von den amerikanischen Delegirten aufgeworfene Frage wegen Schutzes des Privateigenthums auf See wird vielleicht nächste Woche in der Plenarcommission vorgebracht werden, eine Verhandiung dürfte aber nicht stattfinden. Frankreich. * Nennes, 1. Juli. Die Feuer der„Sfax' kamen gestern Abend um 9 Uhr von Haliguen in Sicht, einem kleinen Hafen auf der Halbinsel Quiberon. Die Ortschaft besteht aus alten, von Fischern bewohnten Häusern. An dieser Stelle ist das Meer so tief, daß große Fahrzeuge sich ziemlich nahe an die Küste vorwagen können. Als die„Sfax' außerhalb des Hafens vor Anker gegangen war, näherte sich ein Schleppdampfer und nahm Dreyfus an Bord. Auf dem Damme war eine Compagnie Infanterie aufgestellt. Neugierige waren kaum zur Stelle; Wind und Regen hatten sie vertrieben. 1½ Kilometer westlich von Haliguen liegt Quberon, der Endpunkt der Bahnlinie, die von Aurey nach Quberon die Halbinsel durchschneidet. Der Sonderzug für Dreyfus war um 4 Uhr Nachmittags von Aurey nach Quiberon abgelassen worden. Dreyfus stieg aus und wurde in einem Wagen ins Militär=Gefängniß gebracht. Er trug einen blauen Anzug und einen Kneifer mit dunklen Gläsern. An Bord der„Sfax' hat Dreyfus große Entschlossenheit gezeigt, obgleich er über seinen Fall kein einziges Wort gesprochen hat. Weitere ergänzende Meldungen beziehen sich auf das Aussehen Dreysus'. Er erscheint abgemagert und gebeugt. Die Haut ist stark gebräunt, aber sie scheint gelb durch, was zu der Vermuthung Anlaß giebt, die Nahrung sei nicht reichlich gewesen. Dreyfus hat den Bart stehen lassen; das Haupthaar ist ergraut. Indeß scheint seine geistige Kraft, seine Willensstärke, duraus nicht gelähmt. Frau Dreyfus wurde in der frühesten Morgenstunde von der Ankunft ihres Gatten benachrichtigt. Schon um 8½ Uhr erhielt sie Zulaß zu ihm. Es war, wie sich denken läßt, eine rührende Zusammenkunft. Ein Beamter war zwar anwesend, hielt sich aber abseits. Als Frau Dreyfus nach einer Stunde das Gefängniß verließ, war sie sehr angegriffen. Sie findet ihren Gatten gealtert. Er weiß durchaus nichts von den Ereignissen der beiden letzten Jahre. Noch im letzten Augenblick vor Abfahrt des Sonderzuges, der Dreyfus von Quberon nach Rennes führte, entstand ein Zwischenfall dadurch, daß ein Beamter des Gesundheitsamtes Dreyfus nicht abreisen lassen wollte, weil er von den Colonien komme. Selbstverständlich wurde diese Angelegenheit schnell geregelt. Verbandstag der rheinisch=westfälischen Haus= und Grundbesitzer=Vereine. ∆ M.=Gladbach, 2. Juli 1899. Heute fand hier der diesjährige ordentliche Verbandstag der rheinischwestfälischen Haus= und Grundbesitzer=Vereine statt. Von Vormittags 10 Uhr ab wurde im Hotel Rothen unter Leitung des Verbands=Vorsitzenden, Rechtsanwalt vom Grafen=Köln, die Verbandssitzung abgehalten. Derselben wohnten etwa 150 Delegirte bei, die die Vereine in Köln, Düsseldorf, Aachen, Krefeld, Elberfeld, Barmen, Duisburg, Remscheid, Wesel, Solingen, Ohligs, Mülheim a. R., Essen, Bochum, Münster, Minden, Bonn, Coblenz, Düren, Viersen, Cleve, Hagen, Bielefeld, Rheydt, Reuß u. A. vertreten. Nach dem Berichte des Vorsitzenden gehören dem Verbande jetzt 27 Haus= und Grundbesitzer=Vereine mit zusammen etwa 11000 Mitgliedern an; der innere Ausbau des Verbandes ist im vergangenen Jahre durch die Festlegung der neuen Statuten wesentlich geregelt worden; die Rechnungsablage ergiebt einen Cassenbestand von 526,80 Mark, doch sind, wie der Cassirer bemerkte, noch mehrere Vereine mit ihren Berbands=Beiträgen im Rückstande. Baumeister Leisel=Elberfeld gab in einem längeren Bericht Anregungen zur Aufmachung von neuen Steuer=Vertheilungsplänen nach dem Vorgehen der Städte Elberfeld und Aachen. Bei den Communal=Verbänden herrsche nach dieser Richtung hin zu viel Willkür; die jetzige Vertheilung der Realsteuer, 4 pCt. auf die Hausbesitzer und kleinere Gewerbetreibende und nur 2 pCt. auf die Großbetriebe, sei eine Ungerechtigkeit, der die Vereine mit Nachdruck entgegentreten müßten. Nothwendig wäre die Einführung einer Kopfsteuer, wodurch die größeren Betriebe, mehr als es bis jetzt der Fall sei, an den Gemeindekosten mit zu tragen hätten. Redner erinnerte an eine Aeußerung des Finanzministers v. Miquel, wonach dieser das jetzige Communal= Abgaben=Gesetz für gut halte, weil sich bis jetzt noch keine Hausbesitzer über dasselbe beschwert hätten; die Hausbesitzer sollten jetzt endlich energisch vorgehen, und beim Minister gegen die jetzige ungerechte SteuerVertheilung Einspruch erheben, solchen Massen=Petitionen gegenüber könne sich der Minister auf die Dauer nicht verschließen. Die Ausführungen des Redners fanden lebhafte Zustimmung. Baumeister Schlegel, Vorsitzender des Kalker Vereins, bekämpfte ebenfalls das jetzige Communal=Abgaben=Gesetz und empfahl zum Schlusse folgende Resolution, die auch einstimmig angenommen wurde: „Der Provinzial=Verband der rheinisch=westfälischen HausbesitzerVereine erkennt in Dankbarkeit die Thätigkeit der Herren Abgeordneten an, die, ohne Rücksicht auf Regierungs= und Volksgunst, für die überlasteten Realsteuerpflichtigen eingetreten sind. Der Verband hält aber die in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 11. April d. J. angenommene Resolution für ungeeignet, die Entlastung des städtischen Haus= und Grundbesitzes herbeizuführen. Eine solche ist vielmehr nur auf folgender Grundlage zu erreichen: a. Die Aufwendungen für allgemeine öffentliche Zwecke fallen auch in der Gemeinde allen Einwohnern in Gestalt de## Einkommen=Steuer=Zuschläge zur Last. Die" Eigenthümer von bebauten und unbebauten Grundstücken, sowie die Gewerbetreibenden haben durch Realsteuern nur diejenigen communalen Aufwendungen zu decken, welche ihnen zum besonderen Vortheil gereichen oder durch sie veranlaßt sind und noch nicht in anderer Weise, wie z. B. durch Gebühren, Beiträge und Mehrbelastung eine Ausgleichung erfahren haben. d. Zuschläge über den vollen Satz der Staats=Einkommen=Steuer hinaus, sowie mehr als 100 pCt. der staatlich veranlagten Realsteuern #dürsen der Genehmigung. c. Die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn der Beschluß über die Steuer=Vertheilung dem Grundsatze von Leistung und Gegenleistung nicht entspricht. Die Frage, ob die Steuer=Vertheilung dem Grundsatze von Leistung und Gegenleistung entspricht, unterliegt der richterlichen Entscheidung.“ Baumeister Leisel=Elberfeld berichtete hierauf über die Baugenossenschaften und kennzeichnete unter lebhafter Zustimmung aus der Versammlung die Stellungnahme des Verbandes zu der selben. Die Genossenschaften wären gegründet worden, um der angeblichen Wohnungsnoth entgegenzutreten. In Wirklichkeit wäre eine Wohnungsnoth gar nicht vorhanden, wenn der Staat und die Gemeinden den Hausbesitzern und Grundeigenthümern in derselben wohlwollenden Weise entgegenkäme wie den Genossenschaften. Die Ausführungen des Vortragenden gipfelten schließlich in einer Resolution, die mit einigen aus der Mitte der Versammlung beantragten Zusätzen folgende Form erhielt: „Gegen die Förderung von Genossenschaften für die Herstellung und die Erleichterung des Erwerbs zweckmäßiger Arbeiter=Wohnungen ist an sich nichts einzuwenden, indessen erklärt der Provinzial=Verband der rhein.=westf. Haus= und Grundbesitzer, daß die heutige Besteuerung des städtischen Grundbesitzes in ungerechter und ungesetzlicher Weise stattfindet, sie belastet die schwachen Steuerkräfte zu Gunsten der stärkeren, sie vertheuert und verschlechtert die Wohnungen kleiner Leute, sie ist die einzige Ursache der drohenden Wohnungsnoth und sie ist das hauptsächlichste Hinderniß der Entwickelung der privaten Bauthätigkeit und der Errichtung von gesunden und billigen Wohnungen. Aus diesen Gründen protestirt der Provinzial=Verband mit aller Entschiedenheit gegen eine Bevorzugung der Baugenossenschaften durch staatliche, communale oder durch Mittel der Alters= und Invaliden=Versicherung, wenn die gleichen Vergünstigungen nicht auch Privat=Unternehmern für Arbeiter=Wohnungen zu Theil werden. Denn da bei der derzeitigen Ausführung des Communal=Abgaben=Gesetzes gerade die Hausbesitzer einen sehr großen Theil der Gemeinde=Einkünfte aufzubringen haben, würde ihnen zugemuthet, sich selbst vermittelst ihrer eigenen Mittel Concurrenz zu machen. Die Annahme der Resolution erfolgte einstimmig nach einer langen und sehr erregten Debatte, in der mehrere Redner ihre gegensätzliche Stellungnahme gegenüber den Baugenossenschaften in sehr entschiedener Weise vertraten. Zwei Punkte der Tagesordnung, betreffend Miethsverträge nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch und Versicherungs= und Genossenschaftswesen, mußten der vorgeschrittenen Zeit wegen vertagt werden bis zur nächsten Sitzung. Die Versammlung bewilligte sodann noch einen Zuschuß von 300 Mark für den im August d. J. in Elberfeld stattfindenden V#rbandstag des Centralverbands Deutschlands der Hausund Grundbesitzer und setzte dann als Ort des nächsten im December abzuhaltenden Verbandstages des Provinzial=Verbandes Köln fest. Der Vorsitzende schloß hierauf die Sitzung mit einem nochmaligen Dank an Alle für ihre lebhafte Betheiligung an den gepflogenen Berathungen. Es folgten sodann ein gemeinschaftliches Mittagessen und darnach ein Rundgang durch die Stadt. Locales und Münster, 3. Juli. (0) Das gestrige Radrennen auf der Sportbahn am Schifffahrterdamm war wegen des zweifelhaften Wetters nur mäßig besucht; auch war die Betheiligung an den Rennen sehr gering. Vielleicht wäre ein Rennen mit gut dotirten Preisen geeignet, das Interesse wieder mehr zu wecken. Der Verlauf ist folgender: I. Eröffnungsfahren(2000 Meter, 3 Ehrenpreise). 1. Vorlauf. Erster: Montag=Osnabrück; zweiter: Gerbracht=Münster; dritter Dettmann=Hamm. 2. Vorlauf. Erster: Kügler=Münster; zweiter: SieffckaDortmund; dritter: Helbrecht=Osnabrück. Im Endlauf wurde erster: Sieffcka mit 4 Min. 17 3/8 Sec.; zweiter: Kügler, ¼ Radlänge zurück; dritter: Montag eine weitere ¼ Radlänge hinter. II. Ermunterungsfahren(1600 Meter, 3 Ehrenzeichen, ein goldenes, zwei silberne). 1. Vorlauf. Erster: Montag=Osnabrück; zweiter: Grewing=Münster; dritter: Jacobs=Rorup. 2. Vorlauf. Erster: Helbrecht=Osnabruck; zweiter: Fröhlke=Bünde; dritter: Volbracht=Emsdetten. Im Entscheidungslauf wurde erster: Montag mit 2 Minuten 57⅜ Secunden; zweiter: Helbrecht mit 2 Min. 58 Sec.; dritter: Frohlke mit 2 Min. 58 1/8 Sec. III. Hauptfahren(4000 Meter, 3 Ehrenpreise). Es starteten vier Fahrer. Erster wurde Kügler mit 7 Min. 35 Sec.; zweiter: Sieffcka mit 7 Min. 35 1/8 Sec.; dritter: Gerbracht 7 Min. 36 3/8 Sec. IV Mehrsitzerfahren(3200 Meter, 2 Ehrenpreise). Drei Paare starteten. Als erstes Paar ging über's Band: Gerbracht=Schäfermeyer mit 5 Min. 45 Sec.; zweites Paax wurde Kügler=Sieffcka mit 5 Min. 45 5/8 Sec. V. Hindernißrennen(1600 Meter, 3 Ehrenpreise). Erster: Kügler mit 5 Min. 7 1/8 Sec.; zweiter: Jacobs mit 5 Min. 8 3/8 Sec.; dritter: Jacobs mit 6 Min. Es starteten bei diesem für Münster neuen Rennen 6 Fahrer. Sieffcka stürzte beim großen Hinderniß, und erlitt nicht unbedeutende Contusionen. Hoffmeister=Coesfeld mußte wegen Vorderrad=Bruchs ausscheiden. VI. Trostfahren(2000 Meter, 2 Ehrenpreise. Erster wurde Grewing mit 3 Min. 31 1/8 Sec., zweiter: Hoffmeister mit 3 Min. 32 Sec. % Lortzing=Theater. Mit dem Auftreten des Operetten=Ensembles von Bastineller ist etwas willkommenes Neues in die sonst stille sommerliche Zeit gebracht. Daß sich dies Unternehmen der besten Sympathien bei dem theaterliebenden Publicum Münsters erfreut, darf man wohl mit Recht aus dem guten Besuch der beiden ersten Vorstellungen schließen. Wir glauben auch nicht fehlzugehen in der Annahme, daß bei fortgesetzt guten Aufführungen sich das Interesse für die Darbietungen des Ensembles immer mehr steigern wird. Eröffnet wurde die„Saison" am Samstag mit der leichten Suppé'schen Operette„Boccaccio", am gestrigen Sonntag folgte die Aufführung der beliebten Strauß'schen Operette„Der ZigennerBaron". Man kann natürlich nicht nach Anhörung zweier Vorstellungen die Leistungen eines jeden einzelnen Acteurs nach ihrem Werth bemessen, aber als Gesammteindruck können wir doch hervorheben, daß wirklich tüchtige Kräfte unter dem Ensemble sich befinden. Die beiden Auführungen Hd. Pariser Weltausstellung 1900. —(Nachdruck verboten.) a. Der Elektrieitätspalast. Den glanzendsten Bau auf dem Marsfelde, das im Jahre 1900 in mancher Hinsicht hinter den Elyséeischen Feldern zurückstehen wird, soll der Elektricitätspalast bilden, dessen Ausführung dem Architekten Henard anvertraut ist. Dieser merkwurdige Bau, welcher zugleich die rohen Eisenmassen der gewaltigen Maschinenhalle, die zu einem Ausstellungsgebäude für Landwirthschaft und Nahrungsmittel umgewandelt wird, zu maskiren berufen ist, besteht aus einer Glaskuppelhalle, welche zu einer glänzenden Effectbeleuchtung Anlaß geben soll, und zwei Flügelbauten, die das Elektricitätswerk selbst aufnehmen. Vor diesem Bau und in unmittelbarem Anschluß an denselben wird sich der Wasserthurm erheben, der auch in decorativer Hinsicht mit dem Elektricitätspalast vollkommen verschmilzt. Drei Millionen wird dieser 70 Meter hohe Palastbau verschlingen, und doch soll er nach Beendigung der Ausstellung sofort wieder niedergerissen werden. Ein fackeltragender, von einer Krystallsonne umstrahlter Genius, welcher fast die Höhe der Notre=Dame=Thürme erreicht, wird ihn bekrönen und von allen Punkten der Stadt aus wird man das prächtige Sinnbild schauen können. Da der Glaskuppelbau sich hinter dem cascadenartigen Wasserthurm und den anschließenden Flügelbauten erheben soll, so erwuchs dem rchitekten die merkwürdige Aufgabe, hier eine Facade zu schaffen, die erst 45 Meter über dem Boden beginnt und eine Höhe von 70 Meter erreicht. Die ersten Decorationsmotive beginnen also in einer Höhe, in welcher man sonst nur mit groben kräftigen Gliederungen arbeiten kann, wenn sie überhaupt zur Erscheinung kommen und decorativ mitwirken sollen. Der Elektricitätspalast erreicht eine Länge von 420 Meter, nimmt also die ganze Breite des Marsfeldes ein. Im Uebrigen ist das 80 Meter hohe Gebäude in drei Theile gegliedert, deren mittlerer eine viereckige Halle bildet. Von den Endpunkten der beiden Seitengalerien aus führen nach der Mittelhalle zwei monumentale Treppen, welche nach dem Obergeschoß emporsteigen. In diesem Palaste wird man alle nur erdenklichen, den verschiedensten Anwendungsgebieten der Elektricität dienenden Apparate vereinigt finden. Auch Szepanik's Fernseher wird hier nicht fehlen. Heute steckt diese Erfindung ja noch in den Kinderschuhen, aber innerhalb eines Jahres kann sie noch eine hohe Vollkommenheit erreichen, und vielleicht wird man dann Vorgänge, die sich in anderen Ländern abspielen, ungeachtet der Entfernungen von vielen hundert Kilometer aufmerksam verfolgen können. Ferner wird das Gebäude als Kraftstation zum Betriebe aller Ausstellungsmaschinen dienen, denn die Zeit gewaltiger Dampfmaschinen und der Kraftübertragung durch große Hebel ist vorüber. Der Elektricitätspalast wird also die Quelle aller Kraft und alles Lichtes, im Grunde also die Seele der ganzen Ausstellung bilden. Für die Gliederung der Fronten kommen vorzüglich Metall und Glas in neuen eigenartigen Formen zur Anwendung. Die massiven tragenden Theile werden mit getriebenem Zink und bunten durchbrochenen Thonplatten bekleidet. Wie ein spitzenartiges Gewebe werden hier die Wandflächen erscheinen und in buntem Schimmer von lachenden harmonischen Farben erglänzen. Des Abends werden wechselnde Lichtspiele das Gefunkel des heiteren krausen Ornaments vertausendfachen; jede Füllung wird einen Feuerherd bilden und jede vortretende Linie des Baues im Lichte der Glühlampen erstrahlen. Formen und Farben sollen ununterbrochen unter der Einwirkung eines von unsichtbaren Händen bewegten Lichtregulators wechseln und das Auge stets aufs Neue überraschen. Aus dem Mittelbau des dem Elektricitätsgebäude vorgelagerten Wasserpalastes, dessen Front durch zahllose leuchtende Wasserstrahlen belebt wird, rauscht eine mächtige Cascade hervor und dieser bunte Wechsel von Licht= und Wasserspiegelungen wird eine geradezu feenhafte, nie zuvor erreichte Pracht hervorzaubern. Hierzu kommt noch der Eiffelthurm mit seiner 10000 Kerzen starken Glühlampenbeleuchtung und das strahlende Licht der benachbarten Paläste. Das Wasser der Cascade soll aus einer großen Frontöffnung von 33 Meter Weite und 11 Meter Tiefe hervorbrechen und als 10 Meter breiter Strahl aus einer großen prächtigen Schale herabstürzen. Das Wasser wird einem Sammelbecken der Seine entnommen, und zwar werden in jeder Stunde etwa 50000 Hektoliter erforderlich. Im Mittelpunkte all' dieser Wasserspiele findet eine 10 Meter hohe allegorische Gruppe Aufstellung. Sie bedeutet:„Die vom Fortschritt geführte Menschheit geht der Zukunft entgegen; zwei der Anmuth baare Gestalten, die, vom Genius des Vorwärtsringens niedergetreten, auf der Erde liegen, verkörpern den alten Schlendrian.“ Rechts und links vom Hauptbau lautfen hier zwei Galerien in einer Breite von 10 Meter um den Garten herum und endigen als Rotunden mit Kuppelbedachung. Eine dieser Rotunden dient als Eingang zum Elektricitätspalaste, und die andere führt zum Palaste der chemischen Wissenschaft. Zwei 140 Meter lange Rampen umgeben das Becken des Wasserthurmes und führen den Besucher nach dem ersten Stocke des Elektricitätspalastes hinauf. Die Inneneinrichtung besteht aus Grotten mit Ausblicken durch die Wassermassen, und es steht uns hier viel Neues und Unerwartetes in Aussicht. Das Ganze zeugt von einer äußerst reichen Erfindungsgabe und einer glühenden Phantasie, welche die Märchen aus Tausend und einer Nacht zu verwirklichen strebt. der Welt zum Hochschulstudium zugelassen werden, während in anderen Räumen mitgetheitt wurde, was die Frauen in den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft geleistet haben. Es wurde gezeigt, daß von Milch= und Fleischuntersuchungen bis zur Förderung der Astronomie überall der Frau besondere Aufgaben zugewiesen seien. Der populärste Theil des Programms war ohne Zweifel die Versammlung, in der die Bühne als Arbeitsfeld der Frau besprochen wurde, und zwar von mehreren der ersten Schauspielerinnen Euglands. Mrs. Kendal war für den socialen Fortschritt der Schauspielerinnen im Allgemeinen sehr dankbar, wußte aber über die praktische Frage der Berufswahl wenig mehr zu sagen, als daß der Erfolg auf der Bühne von gar vielen Vorbedingungen abhänge. Miß Genevieve Ward benannte als solche Vorbedingungen den Besitz vollkommener körperlicher und geistiger Gesundheit und ein vortheilhaftes Aussehen. Als weitere erforderliche Eigenschaften hob sie das gute Gedächtniß, ein frohes Gemüth und neben ausdauernder Arbeitskraft den Mangel an Nervosität hervor. Die bloße Schönheit habe zwar oft nur kurzlebige Triumphe auf der Bühne zu verzeichnen, aber eine äußerlich unansehnliche Frau überhaupt keine, es sei denn, daß sie mit Genie begabt sei. Im Uebrigen gebe es bei allen Nachtheilen und Mühen kein anderes Gebiet, in dem die Frau so viele Erfolge vor sich habe, wie gerade die Bühne. Unter den folgenden Vorträgen machte ein solcher von Fräulein Nina Mardon, einer jungen deutschen Schauspielerin, einen besonders angenehmen Eindruck auf die Versammlung. Fräulein Mardon beklagte, daß in Deutschland die Schauspielerinnen weit weniger günstig behandelt werden, als ihre männlichen Collegen, und namentlich auch schlechter bezahlt.(7) Weitere Besprechungen über die Rechtsungleichheit der beiden Geschlechter, das Clubleben für Frauen u. A. m. fanden in besonderen Sälen statt, während in einer Massenversammlung in der riesigen Queens Hall Abends wieder einmal die Frage der Verleihung des Stimmrechts an die Frauen mit Eifer erörtert wurde. 4. Juli. (Nachdruck verboten.) * London, 30. Juni. Vom internationalen Frauencongreß. Der Congreß machte gestern befriedigende Fortschritte. Die Abtheilung für Erziehungsfragen ist vom Kindergarten bis zur Universität vorgerückt, und in der großen Halle zu Westminster wurde über die Verhältnisse berichtet, unter denen die Frauen in den verschiedenen Theilen 1519. Tod des Johann Tetzel. Er war zu Leipzig geboren und trat 1489 daselbst in den Dominicaner=Orden. Wegen seiner Beredtsamkeit wurde ihm die Verkündigung des von Papst Leo X. ausgeschriebenen Ablasses übertragen, worüber Luther sich so ärgerte, daß er 1517 jene verhängnißvollen Thesen schrieb, mit welchen die sogenannte„Reformation“ ihren Anfang nahm. Texel starb zu Leipzig an der Pest. 1864. Tod des Dichters August Peters. Dieser Mann, pseudonym„Elfried von Taura“, war am 4. März 1817 zu Taura in Sachsen geboren, mußte Armuth halber das Studium aufgeben und wurde Artillerist. Später studirte er wieder weiter, nahm 1848 an der Revolution Antheil und wurde zum Tode verurtheilt, jedoch begnadigt, aber lange ins Zuchthaus gesetzt. Er starb zu Leipzig. Er schrieb mehrere Romane, z. B.„Die Tochter des Wilddiebs“,„Die Malerin von Dresden"; ferner „Erzgebirgische Geschichten“ 2c. eingen recht glatt natürlich die kaise Sowohl in der Roll zwei grundverschied spielerische Gestaltm bedeutende und kl statten kommt. Ih leisesten Piano ihre Vorzügen vereinigt Bühnenerscheinung. stellerinnen zurückz Das Orchester steh Großkopf, der den Mißgeschicken seinen Die Direction hatt Musiker zu enga Orchester vollständ am Clavier nachh seine Aufmerksamke amüfirte sich bei de Direction mittheilt, die Folgezeit gänzl ∆ Olfen, 2. eine im Auftrage d zwecks Besprechung bezw. Hiltrup über Industriebe Geistlichkeit und vertretung erschiene Zweckmäßigkeit der Auf Vorschlag des schuß zur weiteren dem Herrn Amtmai und aus der Lande □ Hamm, Stenograph verbunden mit eir Schreibmaschinen 2 Von Auswärtigen Dr. Mantzel=Elber Dr. Lohnen=Vierse bands=Angelegenhei erstattete der Vor den Jahresbericht. Gebiete 211 Verein Mitgliedern. Unte Personen, überhau; von den Verlernen Rheinland und W anstalten hat das fast sämmtlicher 9 Die Begrüßungs: Bürgermeister Mea Dieckmann=Dortmu Stolze=Schrey".— wurde Coblen Gästen ein Concer veranstalteten We Correctschreiben in einem Mitgliede baum, zuerkannt. * Witten, 1. heute zwei Arbeiter als Leiche, der And St Unter dem Vo feld wurde heu hiefigen königlichen zu Südlohn gebore gewesenen. Schuhm Untersuchungshaft genannten Tages, Röhring vorsätzlich eines Messers, b. 1 Tod des Verletzt den Verstorbenen: weil er sich in N folgendermaßen da Zu der noch: Angeklagte seit an Absicht der Bethei würde, zur Verehe einverstanden ware zu viel getrunken! der Fall war. Nachmittags Kändutt sich eut noniß zu dem Hause des Röhrin Heimweg und wur Abschiednehmen de wein getrunken he Paß eine Reihe be verbat, zum Fenst einigen Augenblick Ackergrundstück de Um diesen Angriff sich, das er auf d ließ sofort von i Tochter voller Sc geführt. Aus ein etwa eine Viertelst Die von Herren Kreiswundarzt Dr blutung als Tode Messerstich, der b Paß war dur noch am selben Al nahm. Auch bei den Eindruck von Zeit der That gat Einzelheiten ihm den Verletzten sehr satze zu dem Benel aussagen u. A. fei einem Chausseebar Herz! Ich muß widerte, sie wollte Die Anklageb anwalt Ehren! Sinne der Anklag zugleich die Zubil theidiger dagegen, für erbracht, daß habe und daher, n stürzung, Furcht sei. Sollten aber müßte jedenfalls: bejaht werden. Durch den W vorsätzlichen Körp Zubilligung milde beantragte, demge kennen, während! Mindeststrafmaß Strafe die Unterst hof verurtheilte de und legte ihm die * Braunsch) bürtig, in Saarl wegen Familienve § Twistring wandten verweilt aus Brasilien.## amt und Predig Brasilien, insbes seine Mission ein ca. 1000 Mark. seiner Abreise per gingen recht glatt von statten. Im Vordergrund des Interesses steht naturlich die kaiserl. russische Hof=Opern=Sängerin Selma Schoder. Sowohl in der Rolle des Voccaccio als der„Saffi“ im Zigenner=Baron— zwei grundverschiedene Rollen— bezeugte sie ihre außergewöhnliche schauaten Getaltungstgst, Jewie ihre vortreflich geschalte Fimue, deren bedentenbe und langvolle Tiefe ihr gerade bei diesen Rollen sehr zu nutten kommt. Ihre Vocalisirung ist dabei so genau, daß selbst beim leisesten Piano ihres Gesanges jedes Wort verständlich ist. Mit diesen Vorzügen vereinigt die Künstlerin noch den einer schönen und anziehenden Bühnenerscheinung.— Auf die Leistungen einzelner Darsteller und DarI s t e l l e r i n n e n z u r ü c k z u k o m m e n, w e r d e n w i r n o c h ö f t e r s G e l e g e n h e i t h a b e n. Das Orchester steht unter der Leitung des Herrn Capellmeisters Marco Großkopf, der den Dirigentenstab sicher zu schwingen weiß, aber auch bei Mißgeschicken seinen Muth nicht verliert. Das zeigte der gestrige Abend. Die Direction hatte sich die größte Mühe gegeben, für den Abend Musiker zu engagiren, aber es war nicht möglich geworden, das Orchester vollständig zu besetzen. So mußte der Capellmeister am Clavier nachhelfen, dabei gleichzeitig dirigiren und der Bühne seine Aufmerksamkeit schenken. Aber alles gelang vorzüglich, das Publicum amüfirte sich bei der sonst trefflichen Aufführung aufs beste. Wie uns die Direction mittheilt, ist eine Calamität in der Besetzung des Orchesters für die Folgezeit gänzlich ausgeschlosen. ∆ Olfen, 2. Juli. Heute fand hierselbst im Deitermann'schen Saale eine im Auftrage der Amtsversammlung einberufene Zusammenkunft statt, zwecks Besprechung des Plaues einer Eisenbahn von Münster bezw. Hiltrup über Lüdinghausen, Olfen Datteln nach dem * Industriebezirk. Es waren etwa 70 Personen, darunter die hochw. Geistlichkeit und fast sämmtliche Mitglieder der Stadt= und der Amtsvertretung erschienen. Die Nothwendigkeit eines Bahnanschlusses und die Zweckmäßigkeit der vorgeschlagenen Linie wurden einstimmig anerkannt. Auf Vorschlag des Herrn Amtmannes Fruntke wurde ein örtlicher Ausschuß zur weiteren Behandlung der Frage gebildet. Derselbe besteht aus dem Herrn Amtmann als Vorsitzenden und je 3 Mitgliedern aus der Stadt und aus der Landgemeinde. □ Hamm, 2. Juli. Der gestern und heute hier stattgehabte Stenographentag System Stolze=Schrey(Einigungs=System), verbunden mit einer Ausstellung stenographischer Lehrmittel, Literatur, Schreibmaschinen 2c., erfreute sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches. Von Auswärtigen nennen wir: Herrn Ferdinand Schrey=Berlin, Herrn Dr. Mantzel=Elberfeld, Herrn Max Bäckler=Berlin, Herrn Amtsrichter Dr. Lphnen=Viersen 2c. Der Samstag war der Berathung innerer Verbands=Angelegenheiten gewidmet. In der Haupt=Versammlung am Sonntag erstattete der Vorsitzende des Verbandes, Herr Lehrer Chr. Wolff=Köln, den Jahresbericht. Darnach bestanden am 1. Juni d. J. im VerbandsGebiete 211 Vereine mit 4758 ordentlichen und 1318 außerordentlichen Mitgliedern. Unterrichtet wurden im abgelaufenen Berichtsjahre 5328 Personen, überhaupt seit dem 1¾jährigen Bestehen des Systems, abgesehen von den Verlernenden in den alten Stolze= und Schrey'schen Vereinen, in Rheinland und Westfalen 12 468. An einer großen Anzahl höherer Lehranstalten hat das Einigungs=System Eingang gefunden. Die Capitulanten fast sämmtlicher Regimenter sind zum Einigungs=System übergegangen. Die Begrüßungs=Ansprache im Namen der Stadt wurde von Herrn Bürgermeister Matthaei gehalten. Den Festvortrag hielt Herr Wilhelm Dieckmann=Dortmund über„Die Debattenschrift des Einigungs=Systems Stolze=Schrey".— Als Ort der nächstjährigen Verbands=Versammlung wurde Coblenz gewählt. Nachmittags gab die Stadt Hamm den Gästen ein Concert auf dem Schützenhofe.— Bei dem von dem Verbande veranstalteten Wettschreiben wurde in der Abtheilung Schön= und Correctschreiben in einer Schnelligkeit von 80—100 Silben der erste Preis einem Mitgliede des münsterischen Stenographen=Vereins, Herrn Lürenbaum, zuerkannt. * Witten, 1. Juli. In einer Sandgrube am Crengeldanz wurden heute zwei Arbeiter von Sandmassen verschüttet. Der Eine wurde als Leiche, der Andere tödtlich verletzt hervorgegraben. Pfarrer Schmees im Gesellenhause vor zahlreichem Publicum über brasilianische Zustände. Da der Redner nur eigene Erfahrungen und Erlebnisse mittheilte, so ist es leicht begreiflich, daß der Vortrag viel Interessantes bot. Der Vicepräses, Herr Lehrer Börgermann, dankte dem Redner, wünschte ihm glückliche Ueberfahrt und fernere segensreiche Wirksamkeit; die Versammlung brachte ihre Zustimmung durch eine„Rakete" zum Ausdruck. Herr Pfarrer Schmees gedenkt anfangs August. wahrscheinlich mit seinem gegenwärtig in Rom weilenden Bischof, die Rückreise in seine überseeische Heimath anzutreten. * Wien, 1. Juli. Im Bezirk Rudolfsheim ereignete sich eine große Brandkatastrophe. Im Hause geriethen leere Obstkörbe in Brand, der mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Da das Haus Flammen umhüllten, mußten die Bewohner durch Sprung ins Freie sich retten. Zwei Personen sind verbrannt, mehrere erlitten erhebliche Brandwunden. ** Zürich, 2. Juli. In der heutigen Schlußsitzung des sechsten Journalisten= und Schriftstellertages wurde ein von Hamburg aus eingebrachter Antrag, betreffend eine organisirte Vertretung des deutschen Schriftthums auf den internationalen Preßcongressen, ebenso wie vom Verein„Berliner Presse" beantragte Reformvorschläge zum deutschen Gesetz über das Urheberrecht einstimmig genehmigt. Als Vorort wurde Berlin bestätigt. Als Ort der nächsten Versammlung ist Mainz in Aussicht genommen. Redacteur Zabel=Berlin schloß den Journalistentag mit einem Hoch auf Zürich.— Der Großherzog von Baden hat der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller eine größere Schenkung überwiesen. * Paris, 30. Juni. Letzten Freitag fanden Schutzleute im Thorweg eines Hauses der Rue Suger eine anscheinend dem Tode nahe alte Frau, die am Tage darauf im Charitespital auch wirklich starb. Es war die Millionärin Karoline Hirsch, 82 Jahre alt, Pariser Hausbesitzerin, der in Passy eine ganze Anzahl schöner Häuser gehört. Sie starb Hungers, weil sie aus Geiz schon mehrere Tage hindurch fast gar nichts zu sich genommen hatte. Allerlei. * Ein neuer Fall Brüsewitz! Die Berl. Ztg.“ schreibt: In der Nacht zum Sonntag wurde in das Elisabeth=Krankenhaus in Berlin ein Eisenbahnbeamter eingeliefert, dem ein vom Rücken ausgehender Stich den ganzen Körper durchbohrt hatte. Wie uns mitgetheilt wird, hatte der Beamte im trunkenen Zustande in der Bülowstraße drei Officiere durch Neckereien belästigt. Der eine von ihnen hatte darauf seinen Säbel gezogen und stieß ihn dem Fliehenden durch Rücken und Unterleib. Civilpersonen brachten den schwerverwundeten Beamten nach dem Krankenhause, wo er auf Tod und Leben darniederliegt. So der Sachverhalt, wie er uns von glaubwürdiger Seite dargestellt wird. Unsere Recherchen über den Fall sind noch nicht abgeschlossen; wir nehmen deshalb zunächst davon Abstand, die uns bekannten Namen der betheiligten Personen-zu nennen.— Das Kleine Journal erzählt, der Arbeiter, Tutta mit Namen, sei betrunken gewesen und habe die Officiere angerempelt; als einer derselben ihn zur Rede stellte, sei er sofort mit dem Stock auf ihn losgegangen. Der Officier habe zur Abwehr seinen Degen gezogen, ihn damit auf die Hand geschlagen. In dem Augenblicke, als der Officier den Degen wieder in die Scheide stecken wollte, stürzte sich der Heizer abermals auf ihn und versuchte dem Officier seinen Stock zwischen die Beine zu stecken. Der Officier beschränkte sich abermals nur auf die Vertheidigung und hielt den Degen, um den auf ihn Anstürmenden zurückzuhalten, diesem entgegen. In blinder Wuth fiel der Betrunkene in die vorgehaltene Waffe und brachte sich auf diese Weise selbst eine tiefe Wunde am Unterleibe bei. Wie andererseits weiter gemeldet wird, ist Tutta bei seiner Einlieferung in die Sanitätswache Steglitzerstraße nicht angetrunken gewesen. Er hat auch dort erklärt, daß er den Officier nicht belästigt habe. Näheres muß die Untersuchung ergeben. * UnerwartetepGlücksfall. Der deutsche Consul in San Francisco erhielt kürzlich die Meldung, daß ein nach Amerika ausgewanderter Richard Daverkofen als Erbe eines in der holländischen Landesbank hinterlegten Vermögens von 300000 Gulden gesucht werde. Der Brief war von der Schwester des Gesuchten aus Aachen und enthielt noch die Mittheilung, daß Daverkofen als Officier den deutsch=französischen Krieg mitgemacht habe und daß seine reiche und angesehene Familie in Arnheim in der Provinz Geldern wohne. Der Gesuchte wurde gefunden, und zwar im Gefängniß, wohin er geschickt worden war, weil er in bitterster Noth 30 Cents entwendet hatte. im Kohlenrevier. * Bochum, 2. Juli. Im Bochumer, Herner und Recklinghauser Revier herrschte heute überall Ruhe; die Straßen zeigen das gewöhnliche Leben. Cuirassierpatrouillen ritten vornehmlich zwischen Herne, Bruch und Recklinghausen. Versammlungen fanden nirgends statt. * Herne, 3. Juli. Hier ist auch heute Alles ruhig. Die Zahl der nicht angefahrenen Bergleute ist nicht größer als an jedem gewöhnlichen Montag, an welchem Tage bekanntlich stets eine Anzahl feiern. Die entlassenen Polen ziehen in Massen ab. Auf der Zeche „Shamrock“ sind allein 738 Mann entlassen worden, von denen aber 150 wieder angenommen werden können. Von dem Militär liegen jetzt drei Compagnien Infanterie und eine Schwadron Cuirassiere in Reckling= hausen bezw. Bruch. Recklinghausen, 3. Juli. Die Lage war hier gestern im Allgemeinen sehr ruhig. Das Straßenbild ist das gewöhnliche. Das einzige Auffällige ist das patrouillirende Militär. Platzcommandant ist Major Rasch vom 39. Infanterie=Regiment. Samstag ereigneten sich allerdings einige Zwischenfälle; so versuchte ein Strikender einen Arbeitswilligen mit Gewalt von der Arbeit fernzuhalten, er wurde sofort verhaftet. An einer andern Stelle wurden auf einen Anschläger der Zeche „König Ludwig“, welcher zur Arbeit ging, zwei Schüsse abgegeben. Nach dem Uebelthäter wird gefahndet. Am heutigen Montag ist auf Zeche „Blumenthal“ Alles angefahren; auf„König Ludwig“ fehlten nur Wenige, ebenso auf„Recklinghausen I und II“; auch auf Zeche„Ewald“ ist Alles ruhig, so daß die Vermuthung, der Strike würde sich in der Richtung nach Gelsenkirchen fortpflanzen, sich glücklicherweise nicht bestätigt, sondern der Strike als völlig erloschen gelten kann. Die Wege und Eingänge zu den Zechen werden allerdings noch von Cuirassier= und Infanterie=Patrouillen bewacht. Es feiern nicht mehr als sonst am Montage. w Herne, 3. Juli.(Drahtb.) Bei der heutigen Frühschicht ist auf sämmtlichen Zechen die ganze Belegschaft angefahren. Neueste Nachrichten und Drahtberichte. W Zweibrücken, 3. Juli.(Drahtb.) Bei dem Einsturze einer im Bau befindlichen städtischen Fäkaliengrube in Erlweiler verunglückten 7 italienische Arbeiter. 6 derselben wurden mehr oder weniger schwer verletzt. 1 war todt. w Wien, 3. Juli.(Drahtb.) Der Kaiser ist heute früh zum Sommeraufenthalt nach Ischl abgereist. w Eckernförde, 3. Juli.(Drahtb.) Der Kaiser und die Kaiserin verließen gestern Abend bei strömendem Regen an Bord der„Hohenzollern“ den Hafen von Travemünde und trafen 7½ Uhr wiederum bei heftigem Regenwetter hier ein. Die Majestäten wurden am Steg des Marien Louisen=Bades in Barby vom Landrathe, Bürgermeister sowie von den verschiedenen Corporationen und Vereinen und dem zahlreichen Publicum lebhaft begrüßt und begaben sich unter brausenden Hurrahrufen zu Wagen nach den Manövern bei Missunde. w Kiel, 3. Juli. Das erste Geschwader, sowie die Torpedo=Division A und B sind heute Vormittag nach der Nordsee und Helgoland ausgelaufen, um Uebungen vorzunehmen. w Missunde, 3. Juli.(Drahtb.) Der Kaiser nahm an den heutigen Manövern einige Zeit Theil. Die Uebungen wurden des schlechten Wetters wegen frühzeitig abgebrochen. W Brüssel, 3. Juli.(Drahtb.) Der„Gazette zufolge wurden in Alost bei den gestrigen Kundgebungn 10 Personen von Polizisten verwundet. 4 Verhaftungen wurden vorgenommen.— Nach dem„Patriote“ erhielt in Luttichkein Polizei=Commissar während der Kundgebungen einen Schlag mit einem Regenschirm. Die Socialdemokraten trugen ein Plakat umher, wodurch die Bürgergardisten aufgefordert werden, den Gewehrkolben nach oben zu tragen, wenn man ihnen befehlen sollte, gegen die Manifestanten zu marschiren. In einem socialdemokratischen Locale hielt ein Bürgergardist eine Rede, worin er sagte: Wir haben dem Könige und dem Vaterlande den Eid geleistet. Wenn aber der König seine Pflicht nicht erfüllt, werden wir nur rufen:„Es lebe das Vaterland!"— In Mons beschloß eine gestern Abend im Volkshause abgehaltene socialdemokratische Versammlusg, wenn die Regierung nicht die Wahlrechts=Vorlage am Dienstag zurückziehe, oder eine Vorlage, betreffend das allgemeine Wahlrecht, einbringe, werde sofort der Ausstand im Kohlenbecken von Mons erklärt werden. V Paris, 3. Juli.(Drahtbericht.) Der„Figaro" veröffentlicht ein Schreiben des Fürsten von Monaco an Dreysus, worin er ihren Gemahl einlädt, nach Beendigung des Processes zur Erholung auf dem Schlosse Marchais im Departement Aine Aufenthalt zu nehmen. Schwurgerichts=Verhandlungen. §§ Münster, 3. Juli. Unter dem Vorsitze des Herrn Oberlandesgerichtsraths Zeppenfeld wurde heute die dritte diesjährige Schwurgerichts=Periode am hiefigen königlichen Landgericht eröffnet mit der Verhandlung gegen den zu Südlohn geborenen, 22 Jahre alten und zuletzt zu Bocholt wohnhaft gewesenen Schuhmacher Karl Paß der sich seit dem 14. Mai d. J. in Untersuchungshaft befindet. Er stand unter der Anklage, am Abend des genannten Tages, einem Sonntage, zu Bocholt den Arbeiter Bernhard Röhring vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben, und zwar a. mittelst eines Messers, b. mit der Folge, daß durch diese Körperverletzung der Tod des Verletzten verursacht worden sei. Der Angeklagte räumte ein, den Verstorbenen verletzt zu haben, behauptete aber, nicht schuldig zu sein, weil er sich in Nothwehr befunden habe, und stellte den Thatbestand folgendermaßen dar: Zu der noch nicht 17 Jahre alten Stieftochter des Röhring stand der Angeklagte seit annähernd einem Jahre in einem Verhältniß, welches nach Absicht der Betheiligten, sobald Paß seiner Militärpflicht genügt haben würde, zur Verehelichung führen sollte, womit auch die Eltern der Beiden einverstanden waren. Röhring erhob dagegen nur Widerspruch, wenn er zu viel getrunken hatte, was nicht selten vorkam und auch an jenem Tage der Fall war. Nachmittags hatten die Familie Röhring und Paß einen Ausflug gemacht, sich gut unterhalten und waren nach 7 Uhr in bestem Einverständniß zu dem an der Chaussee von Bocholt nach Werth gelegenen Hause des Röhring zurückgekehrt. Gegen 10 Uhr begab sich Paß auf den Heimweg und wurde von seiner Verlobten bis an die Thür begleitet. Das Abschiednehmen der Beiden schien dem Röhring, der ziemlich viel Branntwein getrunken hatte, einigen Verdruß zu bereiten. Er häufte auf den Paß eine Reihe beschimpfender Redensarten und sprang, als dieser sich das verbat, zum Fenster hinaus und lief ihm unter Drohworten nach. Nach einigen Augenblicken erreichte Röhring jenseits der Landstraße auf einem Ackergrundstück den Fliehenden, ergriff ihn am Halse und würgte ihn. Um diesen Angriff von sich abzuwehren schlug Paß mit seinem Messer um sich, das er auf der Flucht hervorgezogen und geöffnet hatte. Röhring ließ sofort von ihm ab und wurde von seiner Frau, die sammt ihrer Tochter voller Schrecken den beiden Männern nachgelaufen war, heimgeführt. Aus einer Wunde in der Brust floß viel Blut hervor, und etwa eine Viertelstunde nach der That war der Verletzte schon eine Leiche. Die von Herren Kreisphysicus Sanitätsrath Dr. Munsch=Bocholt und Kreiswundarzt Dr. Eckervogt=Borken vorgenommene Obduction ergab Verblutung als Todesursache, herbeigeführt durch einen äußerst wuchtigen Messerstich, der bis in die rechte obere Herzkammer eingedrungen war. Paß war durch den Vorfall außerordentlich bestürzt und stellte sich noch am selben Abend der Polizeibehörde in Bocholt, die ihn in Haft nahm. Auch bei der heutigen Verhandlung machte sein ganzes Benehmen den Eindruck von aufrichtiger Reue. Er blieb jedoch dabei, daß er zur Zeit der That ganz bestürzt gewesen und der tragische Vorgang in seinen Einzelheiten ihm nicht mehr erinnerlich sei. Er hat sich auch damals um den Verletzten sehr besorgt gezeigt, und zwar in wohlthuendem Gegensatze zu dem Benehmen seiner Verlobten. Denn es ist durch die Zeugenaussagen u. A. festgestellt, daß, als Röhring nach dem Stich kraftlos an einem Chausseebaum seinen Halt suchte und klagend rief:„Mein Herz, mein Herz! Ich muß sterben!“, daß da die Stieftochter auf diese Klage erwiderte, sie wollte, er möchte am andern Morgen todt im Bett liegen. Die Anklagebehörde war vertreten durch den Herrn Ersten Staatsanwalt Ehrenberg, welcher die Schuld des Angeklagten im vollen Sinne der Anklage durch das Beweisverfahren erwiesen erachtete, jedoch zugleich die Zubilligung mildernder Umstände befürwortete. Der Verz theidiger dagegen, Herr Rechtsanwalt Gaßmann, hielt den Nachweis für erbracht, daß sich der Angeklagte thatsächlich in Nothwer befunden habe und daher, wenn er vielleicht auch die Grenzen derselben aus Bestürzung, Furcht oder Schrecken überschritten, straflos und freizusprechen sei. Sollten aber die Geschworenen den Paß doch schuldig finden, so müßte jedenfalls die Frage nach dem Vorhandensein mildernder Umstände bejaht werden. Durch den Wahrspruch der Geschworenen wurde der Angeklagte der vorsätzlichen Körperverletzung mit Todeserfolg für schuldig erklärt, unter Zubilligung mildernder Umstände. Herr Erster Staatsanwalt Ehrenberg beantragte, demgemäß auf eine Gefängnißstrafe von 2 Jahren zu erkennen, während der Herr Vertheidiger bat, über das gesetzlich zulässige Mindeststrafmaß nicht hinaus zu gehen, event. auf die zu verhängende Strafe die Untersuchungshaft in Anrechnung zu bringen. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahre und legte ihm die Kosten des Verfahrens zur Last. Vermischtes. * Braunschweig, 1. Juli. Der Kaufmann K., von Buchwald gebürtig, in Saarbrücken, zuletzt in Hannover thätig, erschoß hier wegen Familienverhältnisse seine 10jährige Tochter und dann sich selbst. § Twistringen bei Bremen, 29. Juni. Zum Besuche bei Verwandten verweilte hier einige Tage der Herr Missionspfarrer Schmees aus Brasilien. Am Sonntage hielt er zur Erbauung der Gemeinde Hochamt und Predigt. Er berichtete über die religiösen Verhältnisse in Brasilien, insbesondere im Staate Santa Catharina. Heute wurde für seine Mission eine Sammlung in der Kirche abgehalten. Dieselbe ergab ca. 1000 Mark. Einige nicht unbedeutende Gaben wurden ihm noch vor seiner Abreise persönlich übergeben.— Am Sonntag Abend sprach Herr Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. London, 3. Juli.(Drahtb.) Die„Times“ meldet aus Johannesburg vom 2. d. M.: Es herrscht hier vollständiger Stillstand der Geschäfte. Die Verarmung nimmt in Folge dessen in bedenklicher Weise zu. Allgemein wird der Wunsch ausgedrückt, daß der gespannten Lage bald ein Ende gemacht werde. Der„Standard“ meldet aus Johannesburg: Man gelangt hier immer mehr zu der Ueberzeugung, daß sich ein Ausgleich zwischen England und Transvaal als unerreichbar erweisen werde. W Konstantinopel, 3. Juli.(„Wiener Corr.=Bur.“) In Beantwortung der Note der Pforte vom 22. v. M. überreichte der serbische Gesandte der Pforte eine Note, welche besagt, die an der Grenze angestellten Untersuchungen hätten zu Ergebnissen geführt, die weit entfernt seien von den Angaben, auf welche die Note der Pforte sich stützte, das vorläufige Ergebniß habe gezeigt, daß der Angriff gegen die serbischen Wachthäuser vorbereitet gewesen und von türkischen Soldaten und Albanesen im Einvernehmen ausgeführt worden sei. Das definitive Ergebniß abwartend halte die serbische Regierung ihren in der Note vom 16. v. M. erhobenen Protest vollinhaltlich aufrecht. Verantwortl. Redacteur: I. V. Theodor Warnecke in Münster. Berlin, 3. Juli, 3,00 Uhr Nachmittags. Mitgetheilt vom Westfälischen Bankverein. voriger heutiger 99.60 99.80 99.40 100,30 100.50 100.10 97,10 97,10 159.15 171.00 196.40 163,60 145 90 183.10 165.00 91.25 91.50 210,75 111 40 Privardisconto 4%. 99.75 100,70 100,90 100.20 159.50 170,00 196.90 164.00 146.25 183,90 Bismarckhütte=Act. Bliesenbach=Bgw.=A. Bochum. Gußstahl=A. Köln. Bergw.=Actien Eschweiler Bgw.=A. Gelsenkirch. Bgw.=A. Harp. Bergw.=Actien Helios Elektr.=Actien Glückauf Brauerei=A. Königs=u. Laurah.=A. Massener Bergw.=A. Phönix abgest. B.=A. 199.25 Rh. Metallw.=Fabrik 227.00 Rh.=Westf. Kalkwerke 141.10 Witt. Gußstahlw.=A. 285.60 voriger heutlas 327.60 320.00 249.25 249.60 27810 267,90 350,90 356.00 246,75 239.00 207.25 206.90 176.40 196,00 273,00 169.50 199.25 207.00 201.50 169.50 199.75 264.25 171.00 191.10 227.75 136.90 270.50 Bankdisconto 4 1% de. beutige 3½% D. Reichs=Anl. Preuß. Cons. 6% Mexic. Rente. 5% Rumän. am. Rente 4% Ung. Gold=Rente 3½% Rheinpr. Obl. do. Serie X,XII-XVII B.=Märk. Bank=Act. Berl. Handels=Ges. Disc.=Comm.=Anth. Dresd. Bank=Actien Nat.=Bank f. Dtschl. Dortm. Gron. E.=A. Lüb.=Büchener E.=A. Ostpr. Südbahn=Act. Prince Heuri B.=A. Tendenz: fest. Lombard 5%. Wechsel=Course.(8 Tage.) Amsterdam 168,15. Paris 81,10. Belgien 81,00. London 20,42½. Italien 75,65. Wien 169.30. Berlin, 3. Juli, 2,35 Uhr Nachmittags. Mitgetheilt von Westfälischen Bankkommandite Ohm, Hernekamp& Co. 2 voriger heutiger P voriger Pomm. H.=Pfdbr. unkdb. bis 1906 do. Nd. Grer.=Pfdbr. unkdb. bis 1904 do. bis 1906 do. bis 1907 Italien. Rente Oesterr. Goldrent. Deutsche Bank=A. Osnabr. Bank=A. Hansa Dampfsch.= Actien..... Dortm. Un. La C. Fr. Wilh. Hütte Prior.=Act. Georgs=Marienh. St.=Act. do. St. Prior. Hasper Eis.=Act. Hochd. Vorz.=Act. Hörd. St. Prior.= La=Act. Hoesch St.=Act. Rhein. Bergb.= u. Hütt.=Act. 190,00192,00 597.00612,00 5 100,00 354,50 Privatdiscouto 3 7/8% Zucker beh. Juli 10,45, Sept. 10,62, Tendenz: Schluß schwächer. Reichsbankdisconto 4 ½%. *) Magdeburg, 3. Juli. Dec. 9,72. *) Hamburg, 3. Juli. 2,25 Uhr. Kaffee ruhig. Juli 28,25, Sept. 28.50, Dec. 29.25, März 30.00.— Zucker beh. Juli 10,42, Aug. 10.60, Dec. 9.70. *) Havre, 3. Juli. Kaffee k. beh. Juli 34,00, Aug. 34.50, Dec. 35.25. New=York, 1. Juli. Wechsel(60 Tage) Berlin 94 11/16. Paris 5,19⅜, London 4,85¼. Silberpreis 60½. Bericht über thatsächlich erzielte Getreidepreise in der Provinz Westfalen. Preis in Mark pro Doppelcentner oder 200 Pfand. (Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.) Montag, den 3. Juli 1899. Bremen 1./7.(Börse). Weizen 15,80—16,60 inl., 16,00—17,30 ausl. Roggen 15,00—16,60 inl., 15,10—16.20 ausl., Gerste 11,70—12,00. Paderborn, 1./7.(Amtl. ermitt.) Weizen 15,80. 1. Amtlich festgestellte Marktpreise der Stadt Münster für die Zeit vom 25. Juni bis 1. Juli. Die Marktpreise verstehen sich pro 100 resp. 1 Kilogr.: Weizen(inländischer) Mark 15,75—16,25, Weizen(ausländischer) 17,00—18,00, Roggen(inländischer) 14,80—15.20, Roggen(ausländischer) 16,50—17,50, Gerste(inländische) 13,00—15,00, Gerste(ausländische) 13,00—20,00, Hafer(inländischer) 14,50—15,50, Haser ausländischer) 15,50—17,25, Erbsen 21,00—25,00, Bohnen 22,00 bis 26,00, Linsen 40,00—50,00, Kartoffeln 7,50—9,00, Richtstroh 2,00—3,00, Krummstroh 1,50—2,50, Heu 5,00—6,00, Rindfleisch 1,00—1,30, Schweine= fleisch 1,00—1,30, Kalbfleisch 0,90—1,30, Hammelfleisch 1,00—1,20, Speck geräuchert) 1,20—1,40, Eßbutter 1,40—1,90, Eier(60 Stück) 3.00—3.30. Bei Verstopfung 8 □ 8 Käuflich bei allen Apothekern, Drogisten und Mineralwasser-Händlern.(3817) In Münster stets frisch vorräthig im Mineralwasser- Hauptdepot von Ferd. Meyer, Prinzipalmarkt 44 Keer daden wilt“! 111 yschütse des Gebände ratte. gell billig u. einfach gegen eufsteigend. Erdfeuchtigkent Vter daben Wirtt Enimhman Aephalt-Isolir-Platten. Muster, Prespeete postfrei. A. W. Andernach is Beuel. (3725) Städtisches. In der Stadtverordneten=Sitzung am Mittwoch, den 5. Juli d. Is., Abends 6 Uhr, kommen folgende Gegenstände zur Verhandlung: 1) Schreiben des Magistrats, betr. die Bewilligung eines Jahreszuschusses an den„Verein für katholische Arbeitercolonien in Westfalen"; 2) desgl., betr. die Stadterweiterung; 3) desgl., betr. den Tarif für den Stadthafen; 4) desgl., betr. den Ankauf von Grundstücken für den Erweiterungsbau des Stadtverwaltungs=Gebäudes; 5) desgl., betr. die Herstellung eines eisernen Gitters an der Turnhalle im Breul; 6) desgl., betr. die Bewilligung der Kosten für die Canalisirung der Friedens=, Heis=, Stern=, Rudolf=, Gerichts= und Fürstenstraße. Münster, den 1. Juli 1899. er Stadtverordneten=Vorsteher: F. Havixbeck-Hartmann. Croveeren, feinste Tafelsorten, Pfund 60 Pfg., beste zum Einmachen,„ 50„ für Bowlen," 40„ zum Einkochen,„ 30„ empfiehlt(3878) J. Tölle, = Drubbel 19.= Nachruf! Gestern starb im 79 Lebensjahre unser hochgeschätzter Mitbürger Herr Kaufmann Carl Schräder. Derselbe war seit fast 50 Jahren Mitglied des StadtverordnetenCollegiums, seit längerer Zeit Amts= und Beigeordneter, Mitglied des Kirchen= und Armen=Vorstandes und des Kreistages. Er entfaltete in seiner vielseitigen Thätigkeit eine seltene Gewissenhaftigkeit, Güte und ein unbegrenztes Wohlwollen für Alle, die mit ihm in Berührung kamen. Sein offener, biederer, im höchsten Maße liebenswürdiger Charakter verschaffte ihm die Achtung und Liebe seiner Mitbürger in hohem Grade; sein thätiges und nie erlahmendes Interesse für alle Fragen unseres Gemeindewesens werden uns den erlittenen Verlust für lange Zeit schmerzlich empfinden lassen. Er ruhe im Frieden! Telgte, den 1. Juli 1899.(5020) Namens des Amtes: Namens der Stadtverordneten: Der Amtmann. Der stellv. Gemeindevorsteher u. Beigeordnete. Schirmer. Director Dr. Knickenberg. Todes-Anzeige. Btraacbunger ApgeundtNüchste Ziehung 18. und 19. Juli 1899! Süngerhau.* Mk. 190000 mit 3931 ekr-Stterie sn g.“ u Geldgeriune Leid-Lotterr n: M. 80 000, 30000, 10000 ½ Original=Loos 3 Mk., ½ Original=Loos 1 Mk., 1½ Original=Loos 30 Mk., 1 Original=Loos 10 Mé. Porto u. Liste 25 Big, extra, J. Stürmer Strassburo I. E, und alle durch Placate empfiehlt der General=Agent am# SS Dier mier, unsrug n m, tenntlichen Verkaufsstellen. In Münster in der Geschäftsstelle des„Westfäl. Merkur“, Domplatz, des„Westfalen“, Cigarrenhdlg. GlasPassage, F. A. Schräer, Alb. Sevin Wwe.(3868) Loose Verkaufs= und Versandtstelle Aug. Rolok, Münster i. W., Drubbel 12.(3348) Brockhaus Oonv. Loxikon für 90 Mk. verkäuflich. 14.(neueste revid.) Jubiläumsausg. 17 nagelneue Prachtbände, compl. u. fehlerfrei. D. 500 postl. 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Wir bitten, der theuren Verstorbenen im Gebete zu gedenken. Epe, den 1. Juli 1899. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet statt am Dienstag, den 4. d. Mts., Morgens 8 Uhr.(5019) Pr PUTUR, Reiche Auswahl. Mäßige Preise. Bremen Schnelldampfer(3806) Besorderung Bremen-Amerika K! Todes-Anzeige. Lincrusta-Tapeten, besonders viel verwandt für Lambris, namentlich die neuerdings eingeführten billigeren Sorten. Reste, auch größere Partien ält.Muster, zu ganz billigen Preisen.(3773) A. F. Lücke, Klosterstr. 10. ESkUMSBHeR für Industrie und Gewerbe beste und sparsamste Betriebskraft. „Verkauft! 1896: 646 Stück 1897: 845„ 1898: 1263„ Total 8000 Stück. 49 Brasilien, Oftasten, Australien. Nähere Auskunft ertheilt in Münster i. W.: H.Coenen. IE In ein. besseren Restaurant am Niederrhein finden zu August Tsiange sah, Räödchen Gelegh. zur grdl. Erl. d. Küche u. d. Haushaltes. Verg. 200 Mk. jährl. inel. Wäsche. Familienanschluß. Offerten sub 5022 zu richten an die Geschäftsstelle d. Bl. Civilstand der Stadt Münster. (Nachdruck verboten.) Sheschließungen. 26. Juni. Bäcker Wilhelm Hückelkempken und Köchin Agnes Schimberg, beide von hier.— Maurer Heinr. Nortbeck und Arbeiterin Franziska Klaas, beide von hier.— 27. Juni. Bauunternehmer Anton Tripp von hier u. Johanna Bockhoff von Stadtlohn. — 28. Juni Feuerwerker=Geh. Johann Kaminski u. Büglerin Louise Mitzon, beide von hier.— 30. Juni. Arbeiter Bernard Oehlers u. Dienstmagd Elisab. Wüllenkemper, beide von hier.— Stuckateur Heinrich Kumbruck und Franziska Pohlmann, beide von hier.— Händler Franz Krüper und Kleidermacherin Elisab. Wonnemann, beide von hier.— Rentner Bernhard Sprick von Berlin und Hedwig Goesen von hier. Sterbefälle. 22. Juni. S. d. Briefträgers August Plath, 1 J.— Berufslose Maria Reusch, 25 J.— 23. Juni. Wittwe Anna Mehling, geb. Wemhoff, 66 J.— Ehefrau Ferdinande Bolick, geb. Willmann, 30 J.— Buchhalter Carl Hollweg, 80 J.— Schuhmacher Johann Greßhake, 38 J.—Wittwe Anna Mensing, geb. Velten, 80 J.— 24. Juni. T. d. Restaurateurs Joseph Laufenberg, 8 M.— S. d. Schneidermeisters Heiurich Kruse, 6 M.— 26. Juni. 9. v. Steinhauers Bernard Suresch, 2 W.— S. d. Kutschers Joseph Wagener, 1 J.— Stuckateur August Rabatscheck, 45 J.— 27. Juni. Ehefrau Bernardine Book, geb. Schwarze, 52 J.— Berufslose Anna Weverinck, 19. J.— Pfründner Anton Herbig, 77 J.— T. d. Maurers Wilhelm Hankmann, 14. J. — 28. Juni. Ehefrau Anna Schmitz, geb. Brinkmann, 30 J.— 29. Juni. S. d. Decorateurs Wilh. Lammertmann, 2 J.— 30. Juni. T. d. Bahnarbeiters Peter Meisen, 3 M. Heute früh 3 Uhr verschied nach kurzem Leiden, rechtzeitig versehen mit den hl. Sterbesacramenten, ruhig und gottergeben der Gastwirth Bernard Degener im Alter von 55 Jahren.(5026) Diese Anzeige widmen Verwandten und Bekannten mit der Bitte um Gebet für den Verstorbenen die trauernden Angehörigen. Breden, den 1. Juli 1899. Die Begräbnißfeier findet statt am Dienstag, Morgens 7½ Uhr. Bekanntmachung. Am 1. August wird auf der Zeche„König Ludwig" bei Bruch ein Postamt III mit der Bezeichnung„König Ludwig“ eingerichtet. Dasselbe wird mit dem Postamte II in Bruch folgende Postverbindungen unterhalten: täglich 713 700 1135 11“ Der Landbestellbezirk des Postamts König Ludwig umfaßt die nördlich von Bruch gelegenen, jetzt vom Postamte in Bruch bestellten Niederlassungen und die zum Postamte in Recklinghausen gehörige Bauerschaft Unter=Röllinghausen. Münster(Westf.), den 27. Juni 1899. Kaiserliche Ober=Postdirection. HEEEEE *6. 94 Piaggen in allen Grössen und Farben-Zusammenstellungen, von baumwolle## 4 nem Stoff, wie auch von Ia, wollenem Schiffs- Flaggentuch. Alle### Stoffe auch am Stück, sowie Quasten, Cordeln, Spitzen etc. Illuminations-Artikel, Wachsfackeln, Inschriften u. Wappenschilder. 5 v. i. Pheater-Zekoration u. Bühnenbau. Prinzipalmarkt 38 Unter dem Bogen 33. Inh: Aug. Zumhasch. 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