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T ä g l i c h dos bebüherte Unter, ungeolatt und Sonntags die sechzehnseitge Beilage„WE3 am ... Für unverlangt eingesandte Beiträge wird keine Gewähr übernommen Druck u. Verlag: Westfälische Landeezeitung G. m.b.H., Dortmund, Reinoldistr.19. Fernruf 30441 Ausgabe s) 49. Jahrgang- Jolge 250 Amtliches Blatt der National-Sozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei je Mlillimeter der Rleinspal Oreislisten. EErmäßigte Ore gesuche 12 Of., Gelegenheited markt“ 15 Of. je Millimeter. sind die in der Oreieliste vorgesehen Postscheckkonto Dortmund 450.— irkeausgaben besondere ngebote 15 Of. Stellenubrik„Rleiner Anzeigenng der Anzeigenaufträge Erfüllungsort Dortmund.— ie Wochentags=Ausgabe bis 2 Uhr nachmittage, für die Sonntags=Ausgabe die freitan abend 6 Uhr. Die Jugend unserer Zeit-gesund und hart Der Appell der Hitler-Jugend vor Führer 7 Die größte Gemeinschaft der Welt (Von unserer Nürnberger Schriftleitung) E. Ae. Nürnberg, 12. September. Ein gewaltiger Aufmarsch der HitlerJugend vor dem Führer bildete am Samstagmorgen die dritte große Veranstaltung während des Reichsparteitages. 45000 Jungen und 5000 Mädel des BdM, Vertreter der geeinten und wieder glücklichen Jugend, füllten die riesige Kampfbahn des Stadions. Vor uns stand ein junges Geschlecht, das heute einig in all seinen Schichten und Klassen, gläubig und zukunftsfroh heranwächst zu Männern und Frauen, denen der Führer einmal das Schicksal in die Hände legen will. Auch die Hitler=Jugend hat, wie alle Organisationen der Partei, einen Weg des Opfers und des Verzichts hinter sich und in langen Jahren des Kampfes Gut, Gesundheit und Leben für den Aufstieg unseres Volkes hingegeben. Vor zehn Jahren erst auf dem ersten Parteitag in Weimar wurde die HitlerJugend gegründet, damals ein kleines Häuflein vaterlandsliebender Jungen, heute die Jugend eines ganzen Volkes und die größte Gemeinschaft in der Welt. Disziplinierter Aufmarsch Lange dauert es, bis sich das Stadion gefüllt hat. Unaufhörlich marschieren die Jungen ein, die sich auf diesen Tag ein ganzes Jahr lang schon gefreut haben, die den Weg mit ihren Fahnen aus allen Gauen des Reiches, aus Nord und Süd, Ost und West, zu Fuß zurückgelegt und in wochenlangen Märschen Deutschland kennen und lieben gelernt haben. Man sieht an den braunen und frohen Gesichtern, daß dort eine Jugend heranwächst, der auch gar nichts mehr von der Vergangenheit anhaftet, die in ihren Herzen Glückseligkeit empfindet über das wieder sinnvolle Leben, das ihr der Führer geschenkt hat. Und daß sie sich dieses Geschenkes auch würdig erweist, zeigt nun am besten die unermüdliche und rührige Arbeit, die heute die HJ auf allen Gebieten des menschlichen Lebens vollbringt. Gegen 9.15 Uhr war der Einmarsch, ein Bild williger Disziplin und Ordnung, beendet. Die breiten und tief gestaffelten Aufmarschblocks füllen das Innere der Kampfbahn, und die Tribünen, diesmal nicht mit Zuschauern, sondern mit Hitlerjungen besetzt, sind ein wogendes Meer von braunem Tuch. Scharf heben sich aus ihm zwei weiße Felder ab, die das Weiß der Blusen des BdM bilden. 45000 Hitlersungen harren erwartungsvoll ihres Führers! In vorbildlicher Ordnung stehen die Kolonnen, als Hartmann Lauterbacher dem Reichsjugendführer die Vertreter der gesamten deutschen Jugend zum Appell angetreten meldet. Um 10 Uhr erscheint dann der Führer, nachdem immer lauter werdende Heilrufe sein Kommen angekündigt hatten, unter einer Begeisterung, der nur jugendliche Herzen fähig sind. Er nimmt die Meldung des Reichsheute bringt das Programm des Reichsparteitages: 8.00 Uhr: Appell der SA, SS und des NSKK in der Luitpoldarena vor dem Führer. Anschließend Marsch durch die Straßen: Wodanstraße, Allersberger Straße, Bahnhofsplatz, Frauentorgraben, Plärrerstraße, Ludwigstraße, Kaiserstraße, Fleischbrücke. 11.30 Uhr: Vorbeimarsch am Adolf=Hitler=Platz. 18.30 Uhr: Fortsetzung des Parteikongresses. Der Rundfunk überträgt: 7.50 Uhr: Appell der SA, SS und des NSKK. 10.30 Uhr: Funkbericht vom Aufmarsch der Kolonnen zum Adolf=Hitler=Platz. 11.15 Uhr: Funkbericht von der Situation am AdolfHitler=Platz und der Erwartung des Vorbeimarsches. 11.25 Uhr: Orchesterkonzert und Marschmusik. Einlage: Funkberichte vom Marsch der Kolonnen. 15.00 Uhr: Fortsetzung der Funkberichte vom Vorbeimarsch der SA, SS und des NSRK. Sie lesen heute: Alarm gegen die Weltgefahr Von Dr. Fr. K. Pfafferott Bekenntnis zu Deutschland Ein Bildbericht vom Reichsparteitag Das Gesicht des Bolschewismus Die Solovetski-Inseln, Hölle der Verbannten Wir schaffen Deutschland 700 000 DAF-Mitglieder im Gau Westfalen-Süd Deutsche Dichtung jenseits der Grenzen Eine Aufsatzreihe von Maria Kahle Christian Dietrich Grabbe Zum 100. Todestag des westfälischen Dichters Deutschlands Filmleute bei der Arbeit Heitere Erlebnisse und Anekdoten „WLZ“ am Sonntag Die bebilderte Wochenendausgabe. Aufnahme: Presse-Bild-Zentrale „Indem ich euch überblicke, weiß ich, mein Lebenskampf ist nicht umsonst gekämpft!“ Der Führer vor seiner Jugend auf dem Reichsparteitag der Ehre 1936 jugendführers entgegen, blickt dann lange über das weite Feld und grüßt immer wieder die Jungen, die seinen Namen tragen. Trommelwirbel und Fanfarengeschmetter geht über die Kampfbahn, und nach wenigen Sekunden feierlicher Stille ziehen durch die fünf Tore unter dem Gesang eines 3600 Jungen starken Chores und unter den Klängen von Musikzügen die Fahnen der HI und des Jungvolkes auf die Gänge rings um die Tribünen. Und während immer wieder aus 3600 jungen Kehlen die Worte: Vor uns marschieren mit sturmzerfetzten Fahnen Die toten Helden der jungen Nation, Und über uns die Heldenahnen Deutschland, Vaterland, wir kommen schon in den frühen Morgen hallen, haben die Fahnen aus Rot und Schwarz eine Mauer um das Stadion aufgerichtet. Nach dem chorischen Spiel, einem glühenden Bekenntnis der jungen Generation an ihren Führer, das den Geist offenbarte, der heute eine Jugend erfüllt, die die nationalsozialistische Weltanschauung von Geschlecht zu Geschlecht in die ferne Zukunft trägt, gab Baldur von Schirach dem Führer einen Rechenschaftsbericht über die bisher in langen Jahren geleistete Arbeit der HJ. Garant der Unsterblichkeit Die Rede des Reichsjugendführers Der Reichsjugendführer führte aus: „Mein Führer! In diesen Wochen sind es fünf Jahre, da Sie mir die Aufgabe stellten, die Führung der nationalsozialistischen Jugend zu übernehmen. Damals haben Sie meinen Mitarbeitern und mir die Idee dieser Jugendorganisation entwickelt. Das, was Sie damals uns als Ziel und Forderung und als Idee predigten, mein Führer, das ist hier vor Ihnen Gestalt geworden. Sie forderten damals von mir und meinen Mitarbeitern, daß wir eine Gemeinschaft der Jugend errichten sollten, in der es kein anderes Gesetz des Aufbaues geben sollte als das der Leistung. Hier unter den Führern der Hitler=Jugend stehen die Söhne der Aermsten und befehligen Hunderttausende. Was sind überhaupt die Begriffe der Armut und des Reichtums vor der Wirklichkeit dieser Gemeinschaft? In einer späteren Zukunft wird man nur den arm nennen, der in seiner Jugend nicht zu dieser Gemeinschaft gehörte. Und weiter forderten Sie, mein Führer, von meinen Mitarbeitern und von mir, daß wir die Jugend nicht nur in Begeisterung zusammenschließen sollten, sondern auch in Zucht und Ordnung. Wir haben jahrelang und mühevoll um unsere Form gerungen, aber heute ist auch diese Ihre Forderung verwirklicht und stolz fühlen wir uns als ein würdiger Teil Ihrer großen nationalsozialistischen Bewegung. Nur einer anderen Forderung, die Sie uns stellten, mein Führer, gegenüber waren wir ohnmächtig. Sie sagten uns damals, es würde Ihnen als ein ungeheurer Erfolg erscheinen, wenn es uns gelingen würde, 100 000 der deutschen Jugend in einer Organisation zusammenzufassen. Mein Führer, Sie vergaßen dabei, daß Sie dieser Gliederung Ihren Namen gegeben hatten. Hunderttausend forderten Sie und alle sind gekommen. Und die Zahl dieser Jugend ist auch etwas, auf das diese Jugend stolz ist. Sie hat damit bewiesen. daß es eins gibt, das noch stärker ist als Sie, mein Führer: Die Liebe des jungen Deutschland zu Ihnen. Im Jahre der Jugend gibt es viele frohe stunden, diese aber ist in jedem Jahr unsere glücklichste, denn mehr als alle anderen, mein Führer, fühlen wir uns durch den Namen, den wir tragen, an Ihre Person gekettet. Ihr Name Glück de Jugeno, Jor Name, mein Führer, ist unsere Unsterblichkeit, unsere Energie. Siegheil, Siegheil, Siegheil!“ Nach Baldur von Schirach wandte sich der Führer an seine Jugend. Seine Rede war ein flammender Appell an die Ideale männlicher Harte, neuen Schönheitssinnes und unzerstörbaren Glaubens an das ewige Deutschland. „Kaum glaubhafte Schönheit“ Bewundernde Pariser Stimmen ∆ Paris, 12. September. Der Aufmarsch der Politischen Leiter auf der Zeppelinwiese in Nürnberg wird von der tastichste Schars.:“ das größte und phantastischste Schauspiel bezeichnet, das der Nationalsozialismus bisher gezeigt habe. Der Anblick sei nach übereinstimmender Auffassung von einer kaum glaubhaften Schöne###en und habe einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen. Von allen großen Kundgebungen, so sagt der Sonderberichterstatter der gentur Havas, die der Nationalsozialismus seit vier Jahren veranstaltet habe, sei die vom Freitagabend die phantastischste gewesen. Der Sonderberichterstatter des„Journal“ schreibt, man habe gefühlt, daß es sich nicht um eine anonyme Zusammenkunft gehandelt habe, wobei jeder seinen Haß und feine sozialen Forderungen mitgebracht hätte. Alle diese Parteimitglieder seien keine Anhänger, sondern Soldaten gewesen, die gekommen seien, um ihr Herz und nicht die Faust zu erheben. Während andere Länder sich im Innern in tödliche Meinungsverschiedenheiten zerreißen, fühle man in Deutschland, daß nur ein Gedanke in diesen Seelen lebe, nämlich der, dem Glauben an die ewige Zukunft des Vaterlandes Der Sonderberichterstatter des„Figaro“ betont, es bestehe kein Zweifel darüber, daß die gunderttausende, die gestern abend auf der Zeppelinwiese angetreten gewesen seien, glücklich, begeistert und überzeugt seien. Der Berichterstatter des Blattes will es sich nicht veragen, bei dieser Gelegenheit auch der deutschen Gastfreundschaft und dem Entgegenkommen, das man den Ausländern überall erweise, seine Anerkennung auszusprechen. Die Rede des Führers wird von den Blättern ebenfalls sehr ausführlich wiedergegeben, wobei besonders auf die erneute Versicherung hingewiesen wird, daß Deutschland den inneren und äußeren Frieden wünsche. Alarm gegen die Weltgefahr (Von unserer Nürnberger Schriftleitung) Dr. Pf. Clemenceau, der große Deutschenhasser, prägte 1919 das geflügelte Wort, daß der Bolschewismus die Krankheit der Besiegten sei. Er hat den Widersinn seiner Behauptung nicht mehr erleben dürfen. Heute nagt am Mark seines eigenen Vaterlandes das bolschewistische Gift. Spanien, ein Land, das am Weltkrieg nicht beteiligt war, ist der internationalen jüdischen Weltpest verfallen und zerfleischt sich in einem blutigen Bürgerkrieg. Die Tschechoslowakei, ein sogenannter Siegerstaat, ist Aufmarsch= und Einflußgebiet der roten Machthaber im Kreml geworden, und selbst auf seinen Kriegsschiffen spürt das siegreiche England die kommunistische Wühlarbeit. Die Teilung der Welt in Sieger und Besiegte hat sie vor der Völkerkrankheit des Ostens nicht retten können. Adolf Hitler, der Gefreite einer als„besiegt“ geltenden Armee, war weitschauender als der große Hasser jenseits des Rheins. Er bereitete in unermeßlich schwerem Kampf sein Volk vor, den Bolschewismus zu überwinden. Er wußte, daß die asiatisch=jüdische Zersetzungslehre nicht nur eine Krankheit der Besiegten war. Er erkannte in ihr die Weltgefahr für alle zivilisierten Völker der Erde. Er wurde zum Retter seines Volkes, zum großen Warner Europas. Er war der bessere Europäer als Clemenceau. Was hat dieser Mann Hitler aus dem deutschen Volke gemacht! Millionen innerlich anständiger Volksgenossen kannten einst keinen höheren Sinn des Lebens, als alles zu verneinen und zu zerstören. Geistig und körperlich verloddert lebten sie ein freudeloses Leben. Hunderttausende deutschblütiger Arbeiter kämpften einst verbissen=begeistert in einer „roten Armee“ für ein Sowjet=Deutschland. Wo sind sie heute? Heute ziehen sie lachend und singend, geordnet und sauber durch eine geschmückte, herrliche Stadt. Früher ballten sie die Faust, heute nehmen sie willig Strapazen auf sich, die jungen Männer des Arbeitsdienstes und der HI und die Politischen Leiter und SA=Männer. Der Führer öffnete ihnen das Auge für ihr herrliches Vaterland, gab ihnen Sozialismus und Glauben. So glaubt heute der Aermste am treuesten an Deutschland! Welches herrliche völkische Leben in diesem Nürnberg! Hier zeigt sich täglich und stündlich, was aus diesem Deutschland geworden ist, seit der rote Spuk durch die Kraft seines Führers verflog. Was aber wurde seitdem aus Europa! Ein Erdteil der Unruhe und der Krisen! Streiks und Klassenkämpfe, Zerrissenheit und wirtschaftliche Störungen, Hunger und Bürgerkrieg sind die Kennzeichen einer von Moskau bestimmten Gegenwart bei vielen anderen. Welche fortdauernden Erschütterunim Frankreich der„Volksfront“! Auch die Goldschätze der Bank von Frankreich sind kein Beruhigungsmittel gegen diese Erscheinungen. Deutschland kennt die Gründe dieser Unrast der Völker. Das nationalsozialistische Deutschland hat von Nürnberg aus nochmals, vielleicht in letzter Stunde, Europa und die Welt gewarnt vor der zersetzenden Weltkrankheit des Bolsa„wismex.. Die Reden von Dr. Goebbels und Alfred Rosenberg waren in ihrer Eindringlichkeit nicht mehr zu überbieten. Sie bedeuten höchste Alarmstufe. Erschütterndes Tatsachenmaterial wurde vorgelegt. Schonungslos stellten nackte Zahlenangaben die in Rußland regierende jüdische Verbrecherschicht bloß. Der spanische Bolschewisierungsversuch erstand in erschreckender Klarheit. Ein Appell an alle Menschen. der Erde, die guten Willens sind wie er leidenschaftlicher nicht gehalten werden konnte! So saß der Bolschewismus noch nie wais der Anklagebank vor dem Forum der Noch wissen wir nicht, ob man unsere ##ren wird und win. Aber wir sind sicher, daß es in allen Ländern Europas ernste Männer geben wird, die sich Gedanken machen über das unnatürliche Bündnis zwischen Frankreich und dem roten Rußland. Vielleicht wird der Warnruf von Nürnberg dazu Kämpfer der ldee (Von unserer Nürnberger. Schriftleitung) E. Ae. Heute marschieren in Nürnberg die braunen Sturmkolonnen der nationalsozialistischen Revolution. Es marschiert des Führers SA und SS, die in blutigen Saalschlachten und in todbringenden Kämpfen auf der Straße gegen die roten Mordgesellen Moskaus das neue Deutschland eroberten. Es marschieren im Ehrenkleide der Bewegung Männer aus allen Schichten des Volkes. Arbeiter der Faust und der Stirn, die Standesdünkel und Klassenhaß zerschlagen haben und heute warnend künden: Nur Arbeit und Leistung im Dienst des Volkes machen einen Mann! Den bösen Stimmen, die nach der Bedeutung des SA=Mannes fragen, sei geantwortet: Die SA ist Träger und Hüter unserer Weltanschauung, die im großen Kriege geboren wurde und die ein geknechtetes Deutschland den Weg in die Freiheit und Ehre hat antreten lassen. Man darf nicht vergessen, daß in den Sterbestunden eines Horst Wessel und Hans Maikowski eine Jugend auferstand, die als eine verschworene Gemeinschaft im Sturm Deutschlands Schicksal zu wenden begann. Vaterlandsliebe und Opfermut, Gemeinschaftssinn und grenzenlose Liebe zum Führer sind die Tugenden, durch die die SA unser Volk wieder glücklich machte.„ Was hat die SA alles erduldet in schweren Jahren! Zu einer Zeit, als die Söldlinge Moskaus in Deutschland für offenen Mord den Freibrief in der Tasche hatten, als volksfremde Verführer die Heimat verdarben und die Selbsterniedrigung Triumphe feierte, tat der SA=Mann still aber verbissen seinen Dienst auf der Straße. Als ein Teil des deutschen Volkes verzweifelt den sicheren Untergang vor Augen sah, Hunger litt, als ein 6=Millionen=Heer von Arbeitslosen nicht wußte, die hungrigen Münder der Kinder zu stopfen, zu gleicher Zeit aber jüdische Parasiten mit deutschem Volksgut schacherten, schlechte Deutsche in Ueppigkeit praßten, da feiges Bürgertum händeringend um seine Bankguthaben fürchtete und tatenlos der immer näher kommenden roten Welle entgegensah, focht die SA für ihr Vaterland. Sie hatte den Glauben an die Kraft ihres Volkes nicht verloren, sie wollte es einfach nicht wahrhaben, daß Bruderhaß vollbringen sollte, was eine Welt von Feinden nicht vermochte. Der SA=Mann hat sich nie geschont. Er hat keine Rücksicht genommen auf sein Leben, seine Stellung, auch nicht auf seine Frau und Kinder. Deutschland mußte leben, auch wenn der einzelne zugrunde ging. Ehrfurchtsvoll schauen wir Jungen empor zu jenen Männern, die auf den Aermeln ihrer Uniformen breite und schmale Streifen tragen und deren Rangabzeichen beweisen, daß es ihnen nicht um äußere Ehren ging, viel weniger noch um materiellen Lohn. Sie sind glücklich, daß ihr Führer heute der Führer des ganzen deutschen Volkes geworden ist. Sie sind zufrieden, jetzt, da der Bestand der Nation für ewig gesichert ist, an einem Arbeitsplatz ihren Dienst der Gemeinschaft weihen zu dürfen. Vergeßt die alten Kämpfer nicht! Vergeßt aver auch nicht die Toten; der Beweauna! Wenn der Führer heute in der Luitpold=Arena mit dem Chef des Stabes der SA und dem Reichsführer SS den langen steinernen Weg zum Gefallenendenkmal durch die braunen Mauern seiner SA nimmt, werden das für uns Minuten stiller Einkehr und dankbaren Gedenkens sein. Unter den roten Bannern der nationalsozialistischen Revolution hat die beste deutsche Jugend alles gegeben, Gut, Gesundheit und Leben. Ueber 400 Tote sind die Ehrfurcht gebietenden Zeugen eines Kampfes um die Seelen und Herzen der deutschen Menschen, wie er unerbittlicher noch nie geführt wurde. Wie bei allen Organisationen der Partei sind auch die Aufgaben der SA nach der Machtübernahme größer geworden. Die SA sichert der Nation den inneren Frieden und glaubt an die Erfüllung ihres Sehnens: die Brüderlichkeit des deutschen Volkes. In Deutschland ist kein Platz mehr für Eigenleben mit Sonderinteressen, für nie Lernende, die sich allzugern der sozialistischen Umformung entziehen möchten. Daß dies niemand ungestraft tun kann, dafür sorgt die SA! Nicht mit Worten will sie es lehren, sondern mit Taten. Nicht mit Gewalt will sie bekehren, sondern die Herzen durch das vorbildliche Beispiel gewinnen. Wann jemals hätte eine Gemeinschaft von Männern einem Staatsoberhaupt unter fühlbaren Opfern des einzelnen Waffen zur Verteidigung des Vaterlandes geschenkt, wie die SA ihrem Führer ein Jagdgeschwader? Die SA will nicht, daß das von ihr eroberte Reich das Opfer imperialistischer Machtgelüste eines anderen Landes werden könnte. Sie will vor allem aber nicht, daß der Bolschewismus nach der Niederlage im Innern von außen siegreich sein könnte. Was beweist mehr Gemeinschaftswillen als das Dankopfer der Nation, durch das die S° Tausende von Siedlungshäusern für den deutschen Arbeiter schafft? Die SA hat weder früher noch heute gefragt: Was bekommen wir für unser Tun und unsere Arbeit, obgleich sie die Berechtigung dazu gehabt hätte. Die Männer der SA mühen sich ab und kämpfen in dem Bewußtsein, daß die für die Gemeinschaft geleistete Arbeit doch schließlich wieder dem einzelnen zugute kommen muß! Dr. Goebbels vor den „Güchlbissen und Charakter, Braunhemd und Buch gehören zusammen!“ beitragen, in die dunklen Machenschaften des glatten Völkerbundsdiplomaten Litwinow hineinzuleuchten. Vielleicht, daß nun doch jene Kreise des Bürgertums und der Intelligenz, die den Bolschewismus der roten Unterwelt für harmlos halten, zur Besinnung kommen. Einmal muß doch die Erkenntnis dämmern, daß es für Europa verhängnisvoll ist, die Völker in falsche Fronten aufzuspalten und den Weltfeind zu ignorieren, nur weil die jüdische Profitclique das völkische Deutschland haßt. Deutschland hat alles getan, Europa vor dem bolschewistischen Verfall zu retten. Es hat die schwersten Opfer besten deutschen Blutes gebracht. Nun liegt die Entscheidung bei den anderen Völkern. Das aber wissen wir: Angesichts der roten Brandfackel in Spanien und in anderen Ländern wäre eine weitere Unterteilung der Welt in Sieger und Besiegte verbrecherisch. Die Völker haben dem Bolschewismus gegenüber gleiche Interessen. Mißtrauen aus irgendwelchen undefinierbaren Motiven wäre zwecklos. Versailles mit seiner „Siegerkrankheits"=Theorie ist tot. Nur ein freies Europa gleichberechtigter Staaten gibt Gewißheit für eine autoritative Ordnung und für ein Glück der Völker. Der alte Weg führt bei vielen dahin, wo Spanien heute steht. Die Hauptentscheidung liegt zweifellos bei Frankreich. Deutschland hat nicht nur gewarnt, es hat auch deutlich die Friedenshand geboten. Frankreich hat sie noch nicht ergriffen, wenigstens seine Politiker nicht... Denn darüber sind wir uns klar: Wäre das französische Volk in Nürnberg, würden junge Franzosen mit in den Massenquartieren liegen oder auf dem Zeppelinfeld unter unseren Arbeitsmännern stehen, würden sie hier mit eigenen Ohren und Augen hören und sehen, es stünde besser um Europa, und der bolschewistische Wahnsinn wäre schneller verflogen. Bis dahin wird das nationalsozialistische Deutschland nicht müde werden, gegen die rote Flut auf der Wacht zu sein. Auch für Europa. Diplomatenempfang in Nürnberg Heß begrüßt die Missionschefs X Nürnberg, 12. September. Zu Ehren der zur Zeit in Nürnberg auf dem Reichsparteitag weilenden ausländischen Missionschefs veranstaltete der Stellvertreter des Führers, Reichminister Rudolf Heß, am Freitagmittag auf der Kaiserburg einen Empfang, bei dem die ausländischen Diplomaten mit führenden Persönlichkeiten der nationalsozialistischen Bewegung und der deutschen auswärtigen Politik vereint waren. Im Rittersaal der Kaiserburg empfing der Stellvertreter des Führers die ausländischen Diplomaten, und zwar die Botschafter von der Türkei, Polen, Japan, Italien, Chile, China und Brasilien, die Gesandten von Schweden, Bolivien, Aegypten, Peru, Rumänien. Argentinien, Griechenland, dem irischen Freistaat, Finnland, Portugal, Columbien, Uruguay, der Union von Südafrika, Kuba, Iran, Jrak, Lettland, Afghanistan, Jugoslawien, Ungarn, Nicaragua und der Dominikanischen Republik, sowie die Geschäftsträger von Guatemala, Panama, Ecuador, Bulgarien, Estland, Venezuela, Litauen, Dänemark, Tschechoslowakei, Mexiko, Schweiz und Oesterreich. Von deutscher Seite nahmen an dem Empfang teil: die Reichsleiter Dr. Frick, Dr. Goebbels, Reichsführer SS Himmler, Stabschef Lutze, Dr. Ley, Rosenberg, Dr. Frank, Hierl, Baldur von Schirach, Bouhler und Fiehler, ferner Reichsaußenminister v. Neurath, Botschafter SSGruppenführer v. Ribbentrop, Korpsführer Hühnlein, Reichssportführer v. Tschammer und Osten, Gauleiter Bohle, die Hauptamtsleiter Dr. Todt und Hilgenfeldt, Stabsleiter Sprenger vom Verbindungsstab, SS=Brigadeführer General a. D. v. Massow, Obersturmbannführer Rodde und die Reichsfrauenführerin Frau Scholtz=Klink, sowie vom Auswärtigen Amt Ministerialdirektor Dr. Dieckhoff, der Chef des Protokolls, RSKK=Oberführer v. Bülow=Schwante und die Legationsräte Kotze und Schmidt. „Geeinte und mächtige Nation“ Stimmen der Londoner Presse A London, 12. September. Wiederum berichtet die englische Presse in großer Aufmachung und lebendigen Schilderungen über den Aufmarsch der Politischen Leiter auf der Zeppelinwiese in Nürnberg und über die Ansprachen des Führers. Die „Times“ hebt hervor, der Haupteindruck, den die Worte Hitlers und die riesige Begeisterung seiner Anhänger hervorgerufen hätten, sei der, daß die Nationalsozialisten heute überzeugt seien, Deutschland in eine geeinte und mächtige Nation verschmolzen zu haben. „Daily Telegraph“ schreibt, die Begeisterung der Nationalsozialisten habe beim Aufmarsch der Politischen Leiter ihren Höhepunkt erreicht. Das Eintreffen Hitlers im Stadion sei mit einem heftigen Sturm der Begeisterung begrüßt worden. Die Szene auf der Zeppelinwiese sei eines der großartigsten Beispiele nationalsozialistischer Organisation gewesen. In der„Daily Mail“, schreibt Ward Price: „Was ich heute Nacht gesehen habe, kann ich ohne Uebertreibung als das herrlichste menschliche Schauspiel beschreiben, das die Geschichte jemals gesehen hat. Die Ansprache des Führers wird von den Blättern auszugsweise wiedergegeben. Dabei werden besonders seine Aeußerungen über den Friedenswunsch Deutschlands und seine Erklärung hervorgehoben, daß die deutschen Sturmfahnen hochfliegen würden, wenn die Widersacher Deutschlands einen Angriff versuchen sollten.„Daily Telegraph“ schreibt, Hitler habe eine Warnung an jede Nation gerichtet, die es wagen sollte, Deutschland anzugreifen. Diese Warnung beziehe sich wahrscheinlich auf Sowjetrußland. X Nürnbera. 12. September. Im Mittelpunkt der Sondertagung des NSStudentenbundes, die am Freitagnachmittag im altehrwürdigen, stilvoll geschmückten Kapellensaal des Katharinenbaues, der Meistersinger=Kirche von Nürnberg, im feierlichen Rahmen stattfand und auf der zunächst Reichsstudentenbundesführer Derichsweiler Richtlinien für die künftige Arbeit des Bundes aufstellte, standen grundsätzliche, bis zum letzten Wort mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte und immer wieder von jubelndem Beifall unterbrochene Ausführungen des Reichsleiters Dr. Goebbels. Dr. Goebbels beschäftigte sich zunächst mit der Propaganda in ihrem Verhältnis zur Politik und wandte sich gegen die merkwürdige, mehr als abwegige Auffassung, als sei Propaganda eine gewissermaßen schimpfliche Abart geistiger Betätigung. Diese Meinung mache sich vor allem in Kreisen breit, die die Bedeutung der Propaganda mit einem gewissen Neid erkannt hätten und denen es mangels solcher Veranlagung wie dem Fuchs gehe, dem die Trauben zu hoch hängen.„Die Propaganda, mit der in den Jahren des Kampfes fast unsere ganze Arbeit auch auf den Hochschulen ausgefüllt war, ist keineswegs ungeistig, und es ist unerläßlich, das, was wir als geistiges Eigentum besitzen, möglichst populär an die Oeffentlichkeit heranzubringen. Eine gute Idee wird um so besser in den breiten Massen des Volkes und auch in den sogenannten gebildeten Kreisen verankert werden können, je geschickter sie angepackt und je psychologisch klüger sie der Oeffentlichkeit dargelegt wird. Mit solcher Propaganda haben wir nicht nur die Hochschulen, sondern das ganze deutsche Volk erobert. Es gehört nicht nur zu den Wesenszügen einer wirklich guten Regierung, das Richtige im richtigen Augenblick zu tun, sondern das Richtige, das im richtigen Augenblick getan wurde, auch dem Volk richtig zur Kenntnis und zum Bewußtsein zu bringen. Eine Staatsführung darf nicht bloß handeln, sie muß ihr Handeln auch vorbereiten und begründen und ihm die richtige Argumentation zur Seite stellen. Das aber ist nichts anderes als Propaganda. Rotwendigkeit des Fachwissens In dem nun folgenden Hauptteil seiner Rede, der im wesentlichen dem Thema„Charakter und Wissen“ gewidmet wär und die gerade für den Nationalsozialisten unumgängliche Notwendigkeit der Aneignung ausreichenden Fachwissens unterstrich, zeigt Dr. Goebbels die Gefahren auf, die sich aus der an sich durchaus gesunden, oppositionellen Kampfeinstellung gegen den bürgerlichen Intellektualismus für die Pflege und die Förderung des Wissens selbst ergeben könnten.„Ich stehe gewiß nicht in dem Verdacht, den Intellektualismus zu verteidigen und das überzüchtet Geistreichelnde in Schutz zu nehmen. Sonst hätte ich mich ja auch nicht", so rief der Minister unter dem lang anhaltenden Jubel der Studenten aus, „in das Herz einer 4½=Millionen=Stadt hineinreden können. Aber es darf auch hier des Guten nicht zu viel getan werden, und es darf die berechtigte und notwendige Ablehnung und Verachtung des Intellektualismus nicht schließlich zur Verachtung der Bildung an sich führen. Wissen und Charakter sind nicht Gegensätze von Natur aus, sie brauchen es nicht zu sein, sondern können sich vielmehr auf das Glücklichste und Harmonischste einander bedingen und eraänzen. Es kann jemand sehr charaktervoll sein und gleichzeitig ungeheuer viel wissen, und ich kenne“— minutenlanger tosender Beifall braust auf, als Dr. Goebbels dies feststellte—„keinen Staatsmann, der charaktervoller wäre als Adolf Hitler und zugleich mehr wüßte als.er.“„Auch in unserem Zeitalter ist Wissen noch Macht. Zweck und Sinn auch in staats= und nationalpolitischer Hinsicht hat es allerdings nur dann, wenn es geordnet ist und souverän gemeistert wird. Lebende Konservationslexika sind für den Staat gänzlich zwecklos. Es gibt Universitätsprofessoren, die wandelnde Wissensberge sind und soviel wissen, daß sie mit ihrem Wissen nichts anzufangen wissen“, so rief Dr. Goebbels unter stürmischem Beifall aus. Wissen im Dienst der Nation „Wir haben genügend fähige Nationalsozialisten für die Führung unseres öffentlichen Lebens zur Verfügung. Was sie für diesen Zweck brauchen, ist dazu ein solides fachliches Wissen, das sie auch in dieser Beziehung den reaktionären Musterknaben überlegen macht. So sehr auch Wissen an sich den Menschen einseitig macht, so sehr ist doch gerade der Nationalsozialist der für fachliches Wissen geeignetste Mann, weil ihm mehr als jedem anderen seine umfassende Weltanschauung die Möglichkeit gibt, diese Einseitigkeit immer wieder aufzuheben. Wir können uns schon getrost auf Sondergebiete verlegen, ohne Gefahr zu laufen, da zu vermuckern. Das Problem„Partei und Staat“, so stellte der Minister unter stürmischem Beifall fest, wird um so leichter gelöst, je mehr nationalsozialistische Fachleute in Zukunft für Staat und Partei zur Verfügung stehen!“ Dr. Goebbels erinnerte die Studenten an die glückliche Lage, in der sie sich heute, nach Jahren des Kampfes und der anschließenden Aufräumungsarbeiten, befinden und die ihnen besser als jeder anderen Generation die Möglichkeit bietet, unbehindert und ungestört an die positiven Probleme des Deutschen Studentenbundes heranzugehen. Als die selbstverständlichen und grundsätzlichen Voraussetzungen, die man beim Studenten erwarten müßte, nannte er Charakter und Gesinnung. Sie aber erwüchsen im nationalsozialistischen Staat allein in der nationalsozialistischen Bewegung, und nur in ihrem Rahmen könnten sie vertieft und verfestigt werden. „Buch und Braunhemd“, diese Parole gab er den Studenten mit,„müssen sich einander ergänzen. Wenn der deutsche Student wieder lernt, sich auf der einen Seite vor geistigem Hochmut zu hüten und sauf der anderen Wissen und Erfahrung immer wieder in Beziehung zur Nation zu bringen, dann wird er in das beste und innigste Verhältnis zu unserem Volke kommen.“ Aenderung der Militärstrafgerichtsordnung (Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung) Berlin, 12. September. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht sowie der Reichsminister der Justiz haben zur Aenderung der Militärstrafgerichtsordnung eine Verordnung erlassen, die jetzt im Reichsgesetzblatt vom 11. September d. J. veröffentlicht wird. Nach dieser Verordnung, die am 1. Oktober 1936 in Kraft tritt, heißt das Oberste Gericht der Wehrmacht künftig„Reichskriegsgericht". Der Sitz des Reichskriegsgerichts ist Berlin, jedoch kann der Führer und Reichskanzler in Kriegszeiten und während kriegerischer Unternehmungen den Sitz des Reichskriegsgerichts oder einzelner Senate verlegen. An der Spitze des Reichskriegsgerichts steht als Präsident ein General oder Admiral, er hat Rang und Dienststellung eines Kommandierenden Generals. Er wird auf Vorschlag des Reichskriegsministers vom Führer und Reichskanzler ernannt und ist unmittelbar dem Reichskriegsminister unterstellt. Der Präsident leitet die Geschäfte des Reichskriegsgerichts, an der Rechtsprechung nimmt er nicht teit. Der Präsident des Reichskriegsgerichts hat die Aufgabe, dem Reichskriegsminister über seine Erfahrungen in der Strafrechtspflege der Wehrmacht zu berichten. In den Fällen, in denen das Reichskriegsgericht in erster und letzter Instanz zuständig ist, ist er Gerichtsherr. Bei dem Reichskriegsgericht werden Senate gebildet, deren Zahl der Reichskriegsminister bestimmt. Jeder Senat besteht aus einem Senatspräsidenten und der erforderlichen Zahl von Reichskriegsgerichtsräten und Offizieren. Die Senate sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen. In Kriegszeiten und während kriegerischer Unternehmungen kann der Reichskriegsminister ständig angestellte, richterliche Beamte als Hilfsrichter bestellen. Die Senatspräsidenten und Reichskriegsgerichtsräte sind richterliche Militärjustizbeamte. Sie werden auf Vorschlag des Reichskriegsministers vom Führer und Reichskanzler auf Lebenszeit ernannt, müssen zum Richteramt befähigt sein und mindestens 35 Jahre alt sein. Im übrigen regelt sich ihre Rechtsstellung nach den Vorschriften für die Mitglieder des Reichsgerichts. Die Offiziere werden auf Vorschlag des Reichskriegsministers auf die Dauer von mindestens zwei Jahren ernannt und müssen mindestens im Rang der Stabsoffiziere stehen. Aufgaben des Großen Senats Beim Reichskriegsgericht wird ein Großer Senat gebildet, der aus neun Mitgliedern, darunter vier Offizieren, besteht. Will ein Senat in einer Rechtsfrage von der Entscheidung eines anderen Senats oder des Großen Senats abweichen, so entscheidet der Große Senat. Der Große Senat entscheidet ohne vorherige mündliche Verhandlung nur über die Rechtsfrage. Vor der Entscheidung ist der Oberreichskriegsanwalt zu hören. Beim Reichskriegsgericht wird eine Reichskriegsanwaltschaft gebildet. Sie wird von einem Oberreichskriegsanwalt geleitet, dem Reichskriegsanwälte in der erforderlichen Zahl beigegeben sind. Der Oberreichskriegsanwalt und die Reichskriegsanwälte werden gleichfalls vom Führer und Reichskanzler auf Lebenszeit ernannt. Sie sind nichtrichterliche Beamte, müssen zum Richteramt befähigt und 35 Jahre alt sein. Der Führer und Reichskanzler kann sie jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzen. Im übrigen regelt sich ihre Rechtsstellung nach den Vorschriften für Oberreichsanwalt und die Reichsanwälte. Der Oberreichskriegsanwalt ist dem Präsidenten des Reichskriegsgerichts unterstellt. Zuständigkeit des Reichskriegsgerichts Das Reichskriegsgericht ist in erster und letzter Instanz, soweit nicht das mobile Verfahren Platz greift, unter anderem zuständig in Fällen des Hochverrats, des Landesverrats, des Kriegsverrats, des Angriffs gegen den Führer und Reichskanzler und der Wehrmittelbeschädigung. Der Präsident des Reichskriegsgerichts kann bis zur Erhebung der Anklage Strafsachen von geringerer Bedeutung an den sonst zuständigen Gerichtsherrn verweisen. Die Werkscharen vor dem Führer X Nürnbera, 12. September. Am Sonnabendfrüh um 8.30 Uhr traten am„Deutschen Hof“ 3000 Mann der Werkscharen der Deutschen Arbeitsfront mit drei Spielmannszügen und Kapellen vor dem Führer an. In Begleitung des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley besichtigte der Führer die angetretenen Werkscharen, die aus Abordnungen des ganzen Reiches bestanden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich K. Pfafferott. Stellvertretender Hauptschriftleiter: Ewald Löbbert. Verantwortlich(auch jeweils für die Bilder): Für Politik Fritz Bormann. für Wirtschaft Dr. Ilelmut BarthVork, für den Allgemeinen Teil Heinrich Elsenpeter, für Kunst und Unterhaltung 1. V. Günther Stöve, für Schrifttum und Heimatpolitik Günther Stöve, für Westfalen-Rheinland Hermann Thlen, für Sport Ernst Schulte, für den Schlußdienst Hans Wirtz. Leiter der gesamten Lokal- und Provinztelle: Ewald Löbbert, verantwortlich die jeweils am Ende der Ortsausgabe bezeichneten Schriftleller. Verantwortlich für den Anzeigenteil Bernhard Stadie, Anzeigenleiter: Karl Kirschner, sämtlich in Dortmund. Berliner Schriftleitung: Hans Graf Reischach, Berlin. Druck und Verlag: Westfälische Landeszeitung G. m. b. H. Dortmund D.-A. August 1936: über 180 000 Davon D.-A. D Bezirksausgabe Dortmund und Umgebung66 490; D.-A. B Bezirksausgabe Bochum-Witlen: 23 950 D.-A. H Bezirksausgabe Hlagen: 18 750; D.-A. A Bezirksausgabe Sauerland(Arnsberg) 14 500; D.-A. G. Bezirkeausgabe Herne-Wanne-Eickel-Gelsenkirchen-Recklinghausen: 14 400: D.-A. S. Bezirksausgabe Hamm-Soest und die Börde: 14 700; D.-A. R Reichsausgabe: 16 000; D.-A. L Bezirksausgabe Lüdenscheid: 11 900(z. Zt. Preisliste Nr. 5 gültig). Schwierige Neutralitätsverhandlungen Schwindende Erfolgsaussichten in London 7 Englische Vorstellungen in Paris (Von unserem Vertreter) h. d. London, 12. September. Die britische Oeffentlichkeit beschäftigt sich noch immer ausführlich mit den etwas„problematischen“. Aussichten der Londoner Neutralitätskonferenz. Der Londoner Ausschuß besitzt bekanntlich keinerlei Ueberwachungsvollmachten. Er kann außerdem keine Beobachter an Ort und Stelle entsenden und entbehrt erst recht jeder ausübenden Gewalt. Der Erfolg der Neutralitätskonferenz hängt also, wie beispielsweise „Manchester Guardian“ schreibt, von dem guten Willen der Beteiligten ab und bestehe letzten Endes darin, zu verhindern, daß der spanische Bürgerkrieg sich zu einer allgemeinen europäischen Krise auswächst. Dieses Ziel sei in der Tat der wirkliche Zweck der Konferenz, die, wie heute „Morning Post“ schreibt, ein Auftakt zur„erhofften Fünf=Mächte=Konferenz“ darstelle. Die Erwartungen, die man hier an praktische Ergebnisse der Londoner Beratungen hegt, sind allerdings trotzdem bescheiden. Man befürchtet, daß man sich letzten Endes doch in mehr oder weniger theoretischen Unterhaltungen erschöpfen wird. Großbritannien selbst scheint es allerdings mit der strikten Durchführung seines Neutralitätsstandpunktes ernst zu nehmen. Auf dem Londoner Flugplatz Croydon stehen fünf Flugzeuge, deren Abreise von den Behörden verhindert wurde, und die polizeilich bewacht werden. Vier von ihnen sind Ankäufe einer spanischen Firma. Das fünfte gehört einer britischen Gesellschaft und sollte„Zeitungen" nach Paris bringen. Trotz des Protestes der Besitzer hat das Foreign Office bis jetzt die Maschinen nicht freigegeben. Das Schicksal der Neutralitätserklärung hängt aber, wie man hier zugibt, im wesentlichen davon ab, ob Frankreich bei der Stange bleiben kann. Der Druck der französischen Linken wird deshalb hier mit Sorge und Mißtrauen beobachtet. Mißtrauen deshalb vor allem, weil Informationen darüber vorliegen, daß Geld, Kriegsmaterial und Freiwillige den Weg nach Spanien auch jetzt noch finden. Nach einer Meldung aus Paris hat die britische Regierung eine diplomatische„Anfrage“ an die französische über das„Gerücht", daß bewaffnete spanische Miliztruppen aus Irun durch französisches Gebiet nach Barcelona transportiert wurden, gerichtet und auf das„große Risiko“ eines derartigen Schrittes hingewiesen. Die britische Regierung soll durch die Blume erklärt haben, sie werde sich aus„dieser schwierigen und leidigen Nichteinmischungs=Affäre“, gänzlich zurückziehen, wenn Frankreich seine Verpflichtungen nicht einhalte. Es verlautet, daß Paris überediesen diplomatischen Schritt keineswegs erfreut gewesen sein soll. Er habe Blum gezwungen, seine Stellung nochmals zu präzisieren und die Einigkeit der„Volksfront“ in diesem kritischen Augenblick aufs Spiel zu setzen. Auf der anderen Seite sieht man in der britischen Warnung allerdings gewisse Ermüdungserscheinungen. Auch die oppositionelle Haltung der Gewerkschaften und der Labour=Party in der britischen Neutralitätspolitik drückt auf die Handlungsfreiheit der maßgebenden Stellen. Der Kongreß in Plymouth hat sie zwar als das„kleinere Uebel“ gebilligt, jedoch Vorbehalte gemacht, die die offizielle Haltung zu beeinflussen drohen. — 2. Blatt 7 Jolge 250 Westsälische Landeszeitung= Rote Erde Sonntag, den 13. September 1936 Immer erneutes Bekenntnisz-Deutschland Mit der Kamera durch die Stätten der Willenskundgebungen und des jubels Aufnahmen: Weltbild(3), Scherl(2). Presse-Photo(1), Bittner(1). In der Kongreßhalle eröffnete Freitag nachmittag die Reichsfrauenführerin ScholtzKlink die Tagung der NS-Frauenschaft Blick in den Großen Rathaussaal während der Eröffnung der Tagung der Presseumtsleiter durch Reichspressechef Dr. Dietrich Das bunte Bild deutscher Trachten bot sich dem Blick in die Teilnehmerreihen der NS-Frauenschaftstagung Im Katharinenbau in Nürnberg fand Freitag die Tagung des NS-Studentenbundes statt. auf der Goebbels und der Reichsstudentenbundführer sprachen. Reichskriegsopferführer Oberlindober begrüßt die Opfer des Krieges, die Ehrengäste der Nation auf dem Parteitag Selbst die Motorhauben und Dächer der Omnibusse mussen beim Vorbeimarsch der Formationen den begeisterten Zuschauern als„Tribünen“ dienen Junge deutsche Mädel trugen auf dem Reichsparteitag 1936 zum erstenmal die neue kleidsame Tracht des Frauenarbeitsdienstes DEUTSCHLAND- NIEDERLANDE BEILAGE DER WESTFALISCHEN LANDESZEITUNG ROTE ERDE Bedeutung der Utrechter Herbstmesse Die deutsche Sonderschau macht ausgezeichneten Eindruck (Von unserem holländischen Ht-Mitarbeiter) Beim deutsch-holländischen Handel sind diejenigen Probleme, die infolge der Kontingentierungen, der Clearing-Vereinbarungen und anderer, die Geschäfte keineswegs immer belebenden Bestimmungen, dringend gelöst werden müssen, im Verlaufe der letzten 8 Monate wieder zahlreicher geworden. So erklärlich es ist, daß holländischerseits verschiedene Wege eingeschlagen werden, um zunächst die Krise vom niederländischen Standpunkt aus wirksam zu bekämpfen, so gefährlich bleiben Versuche, deren Mißglücken Nachteile von längerer Dauer mit sich bringen. Zu dieser Ueberzeugung sind inzwischen auch maßgebliche Mitglieder der holländischen Regierung gelangt, so daß u. a. bei der geplanten Industrie-Finanzierung stets eine sorgfältige Prüfung der Vorschläge erfolgt, bevor Kredite angewiesen werden, die zwar eine Anzahl Arbeitslose in neuen Fabriken unterbringen, aber dafür unvermeidlich zur Folge haben. daß in anderen Betrieben Leute entlassen werden müssen. Bei dem gegenwärtigen Tausch-System regelt sich die Ein- und Ausfuhr nach einem Barometer, der täglich kontrolliert werden kann, und auch Holland gegenüber werden in dieser Hinsicht scharf umrissene Bedingungen der Gegenseitigkeit eingehalten. In Utrecht und Leipzig ist für Holland und Deutschland der Schlüssel zu finden, um beide Länder in die Lage zu versetzen, trotz der ungeheuren Schwierigkeiten beim internationalen Welthandel einen Austausch zu ordnen, der den kommerziellen Aufbau nach geschichtlichen Grundsätzen berücksichtigt, so daß auch hinsichtlich der Bezahlung eine gerechte, somit beide zufriedenstellende Vereinbarung getroffen werden kann. Das teilweise noch hart umkämpfte Clearing-System in seiner jetzigen Form bringt eine Störung nach der andern, die sich indessen auch die Niederlande nicht länger zu gestatten in der Lage sind, weshalb mehr und mehr holländische Stimmen sich zu Wort melden, um schnellstens eine Aenderung zu erreichen, da sonst der holländische Export nach Deutschland verloren zu gehen droht. Deutsche Sonderschau Daß eine Einigung moglich ist, zeigt die deutsche Sonderschau anläßlich der vor einigen Tagen eröffneten 35. Herbstmesse. Die deutsche Wirtschaft und Industrie möchte einen so wertvollen Kunden wie die Niederlande nicht gerne verlieren und gibt sich ebenso, wie die sonstigen deutschen Exportbetriebe die größte Mühe, den holländischen Abnehmer. bzw. Interessenten zu überzeugen, daß auf die Dauer eine erhöhte Lieferung deutscher Waren nach Holland auch für Holland erfahrungsgemäß die beste Richtlinie bleibt. Die geschlossen organisierte deutsche Abteilung macht einen ausgezeichneten Eindruck und läßtt erkennen, daß die Deutsche Handelskammer für die Niederlande, Amsterdam, unter Leitung ihres Präsidenten Franke wiederum sorgfältige Vorbereitungen getroffen hat. Die holländischen Kunden zufrieden zu stellen, wird infolge der verschiedenen neuen Faktoren, wobei die Parole: Kauft holländisches Fabrikat! auch weiter vorgedrungen ist, unzweifelhaft schwieriger. Aus diesem Grunde war es notwendig, Spitzenleistungen vorzuführen, um die deutsche Beteiligung lohnend zu gestalten. Wir brauchen eigentlich nicht zu wiederholen, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht immer und immer wieder darauf hingewiesen hat, daß Deutschland große Mengen der durch Holland und seine Kolonien angebotenen Waren aufnehmen wolle, aber dies nur gehe, wenn Deutschland die Möglichkeit geboten werde, die eigenen Erzeugnisse genügend abzusetzen. Der Hinweis scheint nur deshalb nicht abwegig, um aufs neue zu bestätigen, daß die deutsche Reichsregierung nach wie vor den Wunsch hat, die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem befreundeten Holland nicht nur wie bisher zu pflegen, sondern möglichst zu erweitern. Die Messe in Utrecht, die sich durch zähe Arbeit einen Platz von internationaler Bedeutung erworben hat, bildet daher hinsichtlich des deutsch-holländischen Handels, der schließlich für die Niederlande vorläufig noch der wichtigste ist, eine Börse, die fruchtbare Arbeiten leisten könnte. Wir erinnern uns der Worte des Präsidenten der Deutschen Handelskammer für die Niederlande, Amsterdam, der uns damals sagte:„Wir haben glücklicherweise erreicht, daß Holland in Leipzig nunmehr repräsentativ vertreten ist und hoffentlich in Zukunft stets sein wird. Wenn sich andererseits der deutsche Exportkaufmann einmal umschaut. wer nach dem Zusammenbruch der deutschen Exportwirtschaft infolge des Krieges von den alten Kunden treu blieb, so erfaßt er zwangsläufig Holland, das nämlich immer noch der beste Kunde geblieben ist, denn es kauft von Deutschland soviel, wie ganz Nord- und Presse und Wehrmacht Wie die holländische Presse nicht arbeiten soll (Von unserem holländischen Ro-Mitarbeiter) Die nach nationalsozialistischen Grundsätzen reorganisierte deutsche Presse hat holländischerseits manche Kritik, die nicht nur sehr scharf, sondern auch unberechtigt war. über sich ergehen lassen müssen. Inzwischen wird aber auch in IIolland zugegeben, daß es in gewissen Fällen sicherlich für den Staat von großem Wert sein kann, wenn die Zentralisation gut fundiert ist. Der militärische Mitarbeiter des„Nieuwen Rotterdamsche Courant“ beschwert sich darüber, daß die Mitarbeit der holländischen Presse hinsichtlich der Landesverteidigung zu wünschen übrig lasse. Er schreibt u. a. wie folgt:„Es ist eine bekannte Tatsache, daß das Interesse des holländischen Volkes für die Wehrmecht von der Spannung am internationalen politischen Horizont abhängig bleibt, denn in ruhigen Zeiten sinkt das Interesse nicht selten bis zum Gefrierpunkt, und entwickeln sich antimilitaristische Vereinigungen, die aus ihrer Auffassung kein Hehl machen. Des Zeitabschnittes nach dem Weltkriege erinnern wir uns noch genau. aber andererseits freuen wir uns darüber, daß in diesem Sommer der erste Schritt zum Wiederaufbau eines Organs unternommen worden ist, das die Selbständigkeit unseres Volkes gegebenenfalls verteidigen und sichern wird. Es ist auffallend, wie schnell die Meinung in unserem Volke hinsichtlich der Verteidigungsfrage verändert werden konnte, wobei gleichzeitig ein gesundes Nationalbewußtsein wiedererwacht, nachdem die Regierung schärfer gegen unterminierende Elemente aufgetreten ist. Ueberall kommt das Nationalbewuktsein zum Ausdruck, und wir wollen nur den Einfluß, den es auf die Wehrmacht ausübt, betrachten und die Rolle untersuchen, die die Presse dabei spielt. In der betreffenden Periode waren Offiziere und Soldaten gerade gut genug, um in humoristischen Blättern lächerlich gemacht zu werden. Augenblicklich melden sich dagegen jährlich Tausende freiwillig, um in NiederländischIndien zu dienen, und mehr oder weniger nationale Filme werden wochenlang einem begeisterten Publikum gezeigt, das am Ende der Vorstellung spontan die Nationalhymne anstimmt. Die Wehrmacht ist sich der Tatsache bewußt, daß der größte Teil des Volkes wieder mit ihr lebt und sich für sie interessiert. Bei dieser Entwicklung kann die Wehrmacht vor allen Dingen nicht auf die Unterstützung der holländischen Presse verzichten. Leider läßt dies in unserem Lande noch zu wünschen übrig, denn beispielsweise schrieb die„Vlissingsche Courant“ einen abwegigen Artikel, weil der Kommandant der Luftwaffe den Militärfliegern untersagt hatte, an dem Scheldeflug teilzunehmen. Es hieß darin u. a.: „Unsere Militär-Flieger scheinen ausschließlich Schönwetter-Flieger zu sein, so daß es eine internationale Vereinbarung geben müßte. wonach der Feind nur bei gutem Wetter nach Holland kommt, vorher in den Niederlanden die Wetterberichte anfordert und sich erkundigt, ob ein Angriff den holländischen Militärfliegern in Soesterberg paßt! Falls letzteres nicht der Fall sein sollte, dann wird natürlich mit dem Luftkrieg nicht begonnen... Solange die Wetteraussichten ungünstig bleiben, braucht niemand zu starten.“ „Eine derartige Berichterstattung“, so beschließt der militärische Mitarbeiter des „Nieuwen Rotterdamschen Courant“,„ist weder eine zweckmälige, noch dient sie dem Ansehen der Wehrmacht, somit auch dem Ansehen des holländischen Volkes. Südamerika zusammen. Außerdem bleibt unser Nachbar leicht zu erreichen, so daß bei der Suche nach Absatzmöglichkeiten für seine Waren der holländische Exporteur zunächst mit Deutschland in Berührung kommt.“ In diesr Beziehung dürfte kaum von einer lenderung die Rede sein können, so daß denn auch die 33. Utrechter Herbstmesse den Weg anweist, wie bei beiderseitigem guten Willen trotz Clearing und Kontingentierung eine Lösung zur gegenseitigen Zufriedenheit erreicht werden kann. Mit obigen Worten meinte Präsident Franke den Deutschen offen sagen zu müssen, daß beim Export nach den Niederlanden gewisse Tatsachen niemals aus dem Auge zu verlieren sind. Herr Fentener van Vlissingen. als Vorsitzender der Utrechter Messeverwaltung und Präsident der Internationalen Industrie- und Handelskammern, glaubt richtig zu handeln, wenn er seinen Landsleuten ebenfalls die Dinge beim richtigen Namen nennt, denn er erklarte u. a.: „Alle Geschäftsleute in Holland denken an den Export,— hierbei hauptsächlich an die Ausfuhr von Erzeugnissen nach Deutschland! — aber fast niemand erörtert die damit inzwischen untrennbar verbundene Frage des Imports.“ Diese, um es einmal auszudrücken, kompetent fachmännische Meinung deckt sich mit derjenigen des deutschen Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht. Diese Einstimmigkeit kann nur den gegenseitigen Interessen dienlich sein, und sind wir auf Grund der letzten Beobachtungen auch nicht berechtigt, von einer Umkehr in den Niederlanden hinsichtlich Clearing, Kontingentierung, Industriefinanzierung usw. zu berichten, so steht immerhin fest, daß diese Materie in sorgfältiger Beratung ist, weil die Zeit drängt und viel verloren zu gehen droht. Das Abschluß-Ergebnis in Utrecht wird diesmal interessanter sein, als iemals zuvor und läßtt vielleicht auch schon den Beweis ermitteln, ob mit einer Kursänderung gerechnet werden kann. Während in Utrecht die deutschen Firmen um holländische Kunden werben, veranstaltet die internationale Hafenstadt Rotterdam in derselben Woche einen Propagandatag, bei dem es gilt, sich deutsche Kunden zu sichern. Auch dies möge als Beispiel dafür erwähnt werden, daß von einem gut funktionierenden deutsch-holländischen Handel in den Niederlanden noch so manches mehr abhängt, was nicht nur gehalten werden muß, sondern ebenfalls noch ausgebaut werden kann. Die Clearing-Bestimmungen sind auch für den Hafenund Schiffahrts-Verkehr, von dem sozusagen ausschließlich die Niederlande profitieren, nicht belebend und fallen somit in dieser Gruppe quasi ergänzend unter die Kategorie, die einer Aenderung unterzogen werden müßlte, sollen keine Stockungen eintreten. Die holländische agrarische Abteilung Die agrarische Messe ist ein Experiment, obwohl der Landbau stets mehr an Bedeutung gewinnt, denn gerade durch den Ausfall der Ausfuhr nach Deutschland wird genau beleuchtet, welche Rolle diese Abteilung für das gesamte volkswirtschaftliche Leben in den Niederlanden spielt. Gleichzeitig tritt deutlich in den Vordergrund, daß ohne Absatz nach Deutschland der niederländische Land bau nicht existieren kann. Ein holländischer Ex-Minister versicherte daher wörtlich:„Ich vertrete noch stets die Auffassung, daß die Landbau-Erzeugung nicht zu groß ist, sondern es lediglich der Verbesserung der Absatzwege bedarf.“ Da Klarheit darüber herrscht, daß Deutschland der beste Kunde bleiben kann, wenn so trägt die agrarische Abteilung, wenn nicht schon in diesem Jahre, so doch bestimmt später, in nicht geringem Maße dazu bei, sachlich jeden in Holland davon zu überzeugen, daß in Deutschland noch ein fruchtbares Arbeitsfeld bracht liegt, vorausgesetzt, daß die nötigen Entscheidungen im Haag nicht zu lange auf sich warten lassen. Aufnahme: Scherl Prinzessin Juliane und Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld Holland in froher Stimmung Herzliche Anteilnahme der Bevölkerung an der Verlobung im kgl. Haus (Von unserem holländischen Hg-Mitarbeiter) Partie an der St. Nikolas-Kirche in Amsterdam Aufnahme: van Agtmal Diesmal haben nicht die Diplomaten und solche Personen, die sich aus beruflichen Gründen mit politisch- diplomatischen Angelegenheiten befassen müssen, recht behalten, sondern die holländischen Geschäftsleute. Die schon lange erwartete Verlobung der holländischen Prinzessin Juliane hat bereits seit ungefähr zwei Jahren die Gemüter in den Niederlanden und auch im Auslande in Spannung gehalten, aber alle Kombinationen erwiesen sich als falsch, so daß es gewagt schien, während der letzten Monate irgend eine Annahme zu äußern. Eine fast übertrieben vorsichtige Haltung wurde sogar im Haag eingenommen, aber als vor einigen Wochen in dem Gesetzentwurf zwecks Aenderung der Verfassung das Gehalt des zukünftigen Gemahls der Kronprinzessin ebenfalls zur Erörterung stand, war die Behauptung nicht unberechtigt, eine Ueberraschung werde bald folgen. Trotzdem war überall, vor allen Dingen in diplomatischen Kreisen, strengste Verschwiegenheit zu beobachten, und selbst die sonst gut unterrichteten Journalisten riskierten keine Prophezeiung mehr, nachdem schon zu oft ein Fiasko erlitten worden war. Auf der Börse in Rotterdam versicherte uns dagegen ein Reeder, der sich grundsätzlich, wie er betonte, nicht um Politik kümmert:„Schreiben Sie ruhig, daß unsere geliebte Prinzessin sich bald verloben wird. Zum Beweise möge der neue Gesetzentwurf dienen; denn ich schließe keine Transportversicherung ab. wenn ich keine Güter zu verschiffen habel“. Dieser unpolitische und, was er selbstbewußt erklärte, diplomatisch ungeschulte Schiffahrtsmann aus der Maasstadt, der allerdings nur in Rotterdam Geld verdient, es im Haag verzehrt, da er nämlich in der Residenz wohnt, hat die Dinge richtig kommen sehen. Dänemark, Schweden, ja selbst England wurde „ausgeschaltet“ und wiederum einem Deutschen, wenn man es so nennen will, der Vorzug erteilt— unsere holländischen Freunde sagen: „würdig befunden!“. Dieses Ereignis ruft historische Erinnerungen wach. Als der bejahrte König im Jahre 1888 infolge eines chronischen Nierenleidens außerstande war, die Staatsgeschäfte zu regeln, war es notwendig, die Vormundschaft über die damalige Kronprinzessin und jetzige Königin Wilhelmina zu ordnen, denn im Mai 1899 lautete das Urteil der Aerzte: „Der König wird in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, die Staatsgeschäfte abzuwickeln“. Die unsichere Lage wurde durch den Tod des Regenten am 23. November 1890 insofern geklärt, als die Königrn-Witwe Emma sich dazu verstand, für ihre zehnjährige Tochter als Regentin aufzutreten. Inzwischen hatte der Parteienstreit das holländische Volk trotz der vorgenommenen Verfassungsänderung zersplittert. Die Schwierigkeiten wurden immer größer und als am 31. August 1898 die 18jährige Fürstin die Stelle als Regentin von ihrer Mutter übernahm, war ihre Aufgabe nicht beneidenswert, denn auch außenpolitisch bildeten sich dunkle Wolken. Die Rolle des Prinzen Heinrich von Mecklenburg-Schwerin Inmitten dieser Ereignisse, die von der jungen Königin äußerste Wachsamkeit verlangten, vermählte sie sich am 7. Februar 1901 mit dem damals 24jährigen Prinzen Heinrich Wladimir Albrecht Ernst, Herzog von Mecklenburg-Schwerin, dem jüngsten Sohne des Großherzogs Friedrich Franz II. Die Gesetze vom 14. und 26. Januar 1901 regelten die Rechtslage des Prinz-Gemahls, der Holländer wurde und den Titel„Prinz der Niederlande, Königliche Hoheit, sowie Generalmajor“ erhielt. Schon bald erwarb sich der deutsche Prinz die Zuneigung des ganzen holländischen Volkes. In den Monaten des Burenkrieges, der für Holland nie dagewesenen Streiks der Eisenbahnleute und in sonstigen kritischen Zeitabschnitten erwies sich Prinz Heinrich, später „Hendrik“, als guter Berater der jungen Königin, nicht zuletzt auch bei den vielen anderen politischen Gefahren. Eine aue deutsc-holländische Familientradition, denn die Königin-Mutter war bekanntlich ebenfalls deutscher Abstammung, erleichterte in manchen Fällen das Treffen wichtiger Entscheidungen, wenn auch nach außen hin Prinz Hendrik keine politische Rolle im eigentlichen Sinne des Wortes spielte. Am 30. April 1909 wurde nach mehrmaligen bitteren Enttäuschungen während der 8 Jahre der erwähnten fürstlichen Heirat die Prinzessin Juliane geboren, und dies erweckte allgemeine Begeisterung und Vertrauen in die Zukunft des Landes. Wir sind von deutschem Blut In der Nationalhymne wird mit dem Vers: „Wir sind von deutschem Blut“ die Abstam: mung bewußt betont. und wie im Jahre: 1901 die Heirat der jetzigen Königin mit einem deutschen Prinzen, dann später im Jahre 1909 die Geburt der Prinzessin eine zuversichtliche Stimmung schuf, so bedeutet auch nunmehr die Verlobung mit dem Prinzen von Lippe einen sich nach der optimistischen Seite auswirkenden Faktor. Die Freude ist allgemein, denn das holländische Volk war immer innig mit der königlichen Familie verbunden, teilt Freud und Leid mit ihr. Die junge Prinzessin steht mitten im Leben, d. h. sie hat sich in die Krise und Arbeitslosigkeit eingeschaltet, indem sie das KrisenKomitee errichtete und beim Roten Kreuz an Stelle ihres verstorbenen Vaters den Ehrenvorsitz übernahm. Sie studierte Jura, Theologie und Literaturgeschichte, so daß ihr am 31. lanuar 1930 das Ehrendoktorat verliehen werden konnte. Für alle Parteien gleich Wehr-Abtellungen bleiben In Holland verboten In der Ersten Kammer wurde nunmehr der Gesetzentwurf angenommen, nach welchem es politischen Organisationen untersagt ist, WehrAbteilungen zu errichten. Der nationalsozialistische Abgeordnete van Vessem von der Mussert-Bewegung legte zunächst Protest ein, nachdem er festgestellt hatte, die NSB. habe keine Veranlassung gegeben, ein solches Gesetz in Kraft treten zu lassen. Im übrigen, so betonte der Abgeordnete, müsse sich das Verbot auf alle Gruppen beziehen. Der Justizminister erwiderte, daß er dafür Sorge tragen werde, daß kein Unterschied gemacht werde, und es sei ferner nicht die Absicht des Ministeriums, eine Maßnahme zu ergreifen, die sich, wie irrtümlich behauptet werde, gegen die Mussert-Partei richte. Zum Schluß versprach der Justizminister, die Beschwerden der Mussert-Partei hinsichtlich unzureichenden Schutzes bei politischen Veranstaltungen sorgfältig zu prüfen, wobei er die Polizei, die angeblich gegen die Nationalsozialisten ungerecht in Amsterdam vorgegangen sei, nicht ausschließe. Verantwortlich: Dr. Helmut Barth-York, Dortmund. A Ge e, EEEEE Ae-e ze- e--S ean EINN L• LEMEIIEEFE SSEL--K----ZE- Sie-SAnn ean--Pre A Die Balkanreise König Eduards ∆ London, 12. September. „News Chronicle“ meldet in großer Aufmachung, daß der Reise des englischen Königs durch die Balkanstaaten und durch Mitteleuropa in den betreffenden Ländern eine politische Bedeutung beigemessen werde. Allgemein glaube man, daß der Besuch des Königs viel dazu beigetragen habe, um in denjenigen Ländern, die an den anläßlich des italienischabessinischen Konfliktes getroffenen Mittelmeerabmachungen beteiligt gewesen seien, das Vertrauen zu England wiederherzustellen. Gut unterrichtete Kreise seien der Ansicht, die herzlichen Besprechungen des Königs mit Kemal Atatürk hätten diesen davon überzeugt, daß die Türkei sich der gegenwärtigen britischen Politik anschließen müsse. Man sage, daß die Besprechungen König Eduards zur Schwächung der türkisch=sowjetrussischen Freundschaft beigetragen hätten. Roosevelt empfängt die Weltkraftkonferenz Epp und Dorpmüller bei dem UsA-Präsidenten I ∆ Washingion, 12. September. * Präsident Roosevelt empfing am Freitag im Weißen Haus alle offiziellen Vertreter der Weltkraftkonferenz. Direktor Krecke von der Bewag, der die deutsche Vertretung führt, überreichte dem Präsidenten ein Exemplar des Kommentars von Dr. Melchinger zu dem neuen deutschen Gesetz zur Förderung der Energiewirtschaft mit einer kurzen Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, daß die deutschen Delegierten als äußeres Zeichen ihrer Bereitschaft zur Mitarbeit dem Präsidenten dieses Werk zu überreichen sich erlaubten. Präsident Roosevelt dankte herzlichst für das Gechenk und erklärte, er könne immer noch heutsch lesen und werde das Buch gern tudieren. Die Förderung der Energiewirtchaft besonders im Sinne einer volkswirtchaftlichen Reform ist eine der Regierungsaufgaben, die Roosevelt stark beschäftigt und zu deren Lösung er gern und eifrig fachwissenschaftlichen Rat entgegennimmt. Dies brachte der Präsident auch Freitag nachmittag zum Ausdruck, als er vor den versammelten über 2000 Delegierten und vielen Gästen in der Verfassungshalle eine große Rede hielt, in der sein brennendes Interesse an den von der Weltkonferenz behandelten Fragen und sein Streben nach Förderung der Energiewirtschaft im Zuge der Erzielung besserer Lebensbedingungen für die Volksgesamtheit klar zutage traten. Im Anschluß an seine Rede drückte der Präsident auf einen elektrischen Kontakt und öffnete damit die Schleusen des gewaltigen Boulder Dammes im fernen Colorado=Fluß, einer der größten Ingenieurschöpfungen der Welt, die den reißenden Fluß gezähmt und in ein Riesenreservoir für Wasserkraft, Berieselung und Stadtwasserversorgung für sechs Staaten verwandelt hat. Mit den Anlagen des Boulder Dammes verbunden und von ihm gespeist wird gleichzeitig ein großer Freizeit= und Naturschutzpark. Reichsstatthalter General Ritter von Epp und Generaldirektor Dr. Dorpmüller, die zur Teilnahme an der Weltkraftkonferenz in Amerika weilen, sind am Freitag von Präsident Roosevelt im Weißen Haus empfangen worden. Englische Vorwürfe gegen Mexiko Mexikanische Waffenlieferungen nach Spanien ∆ London, 12. September. Der politische Korrespondent der„Morning=Post“ meldet, daß nicht nur das Verhalten Portugals, sondern auch dasjenige der mexikanischen Regierung die Arbeiten des internationalen Ueberwachungsausschusses beeinträchtige. Die Tätigkeit des Ausschusses werde durch die offene Art und Weise, mit der Mexiko der Madrider Regierung durch Lieferung von Waffen helfe, schwer bedroht. Tatsächlich würde man kaum überrascht sein, wenn die mexikanische Regierung in der nahen Zukunft öffentlich ihren Entschluß kundgeben würde, die Madrider Regierung zu unterstützen.— Der Führer vor den deutschen Frauen „Ich bin überzeugt, daß die Bewegung von niemand mehr verstanden wird als von der deutschen Frau!“ X Nürnbera. 12. September In seiner Rede vor den nationalsozialistischen Frauen in der Kongreßhalle sprach der Führer einleitend von der großen Erziehungsmission des Nationalsozialismus, deren Resultate von Jahr zu Jahr mehr sichtbar werden. Wieder fand der Führer zu Herzen gehende Worte über die Aufgabe und für das Leben der deutschen Frau. Aus der Fülle der Gedanken geben wir die nachstehenden wieder: „Wie ist unser ganzes Volk heute von Optimismus überleuchtet! Was haben wir doch wieder für eine herrliche, strahlende Jugend in Deutschland! Es ist alles so lebensfroh geworden, so zuversichtlich! Glauben Sie mir: Das ist das Notwendigste, was der Mensch zum Leben braucht. Wer selbst das Auge nicht mehr freudig öffnen kann, der wird auch keine Freude mehr empfinden. Man braucht diesen Optimismus zum Leben. Er beginnt schon beim Kinde. Welch ein Optimismus gehört doch dazu, überhaupt einem Kinde das Leben zu schenken! Wie kann es werden? Wie wird es werden? Jede Mutter ist überzeugt, daß ihr Kind das Kind ist. Es ist dies der gesündeste Optimismus, und wenn das Kind geboren ist, empfängt es die Mutter mit leuchtenden Augen. Für sie ist dieses kleine Wesen ein Abgott, etwas Herrliches!(Stürmischer Beifall.) Und das Kind beginnt diesen Weg in einem unermeßlichen Optimismus. Es will leben, und es geht in dieses Leben hinein mit der ganzen, alles bändigenden Zuversicht, die ein solch kleines Wesen hat. Es hat diesen Optimismus, den wir nun durch das ganze Leben verfolgen, im Grunde genommen sogar über das Leben hinaus. Denn, wenn die Zeit kommt, da dieses Leben sich dem Ende zuzuneigen scheint, dann erhebt sich der menschliche Optimismus zum Allergewaltigsten. Er überwindet die furchtbare Erkenntnis der BeendiSptimismus einer Forisetzung dieses Lebens. Man saat mir oft: Sie wollen die Frau aus Mehe monn Monschen oner wenn ein Volk den Berufen drücken. Nein, ich will ihr nur beutschen Frau.(Langanhaltender, subelnder seines Lebens mit dem strahlenden und Lebensgenosse des Mannes gewesen. auch nicht an den Divisionen, die wir aufstellen, sondern an der Spitze der Beurteilung des Erfolges dieser Arbeit steht das deutsche Kind, steht die deutsche Jugend. Wenn das wächst, dann weiß ich, daß unser Volk nicht zu Grunde gehen und unsere Arbeit nicht umsonst gewesen sein wird.“ „Ich bin überzeugt, daß die Bewegung von Wehe, wenn Menschen oder wenn ein Volk diese Fähigkeit verlieren!“ Jedes Jahr können wir feststellen, daß die innere Zuversicht des deutschen Menschen wieder gewachsen ist, daß er wieder das Gefühl bekommt seiner eigenen Würde, seiner festen Stellung auf dieser Welt und damit des Vertrauens zu sich und unserer Gemeinschaft. Menschen zu gewinnen, die gläubig und zuversichtlich mitgehen, das ist die Voraussetzung auch für die Erfolge jeder politischen Führung. Muß ich nicht selbst— so rief der Führer unter minutenlangen begeisterten Heilrufen aus— der größte Optimist unter euch sein?“ Die wahre Gleichberechtigung Und wenn das Ausland sagt:„Ja, die Männer! Aber die Frauen, die können bei euch nicht optimistisch sein, die sind gedrückt und geknebelt und versklavt. Ihr wollt ihnen ja keine Freiheit, keine Gleichberechtigung geben“ — so antworten wir:„Was die einen als Joch ansehen, empfinden eben andere als Segen, was dem einen als Himmelreich vorkommt, das ist für den anderen die Hölle. und umgekehrt.“ In sarkastischer Weise fertigte der Führer die Unlogik dieser Kritik ab:„Solange wir ein gesundes männliches Geschlecht besitzen— und dafür werden wir Nationalsozialisten sorgen—, wird in Deutschland keine weibliche Handgranatenwerferinnen-Abteilung gebildet und kein weibliches Scharfschützenkorps. Denn das ist nicht Gleichberechtigung, sondern Minderberechtigung der Frau.“ „Eine unermeßliche Weite von Arbeits möglichkeiten ist für die Frau da. Für uns ist die Frau zu allen Zeiten der treueste Arbeits den Berufen drücken. Nein, ich will ihr nur n weitestem Ausmaße die Möglichkeit verchaffen, eine eigene Familie mitgründen und kinder bekommen zu können, weil sie dann unserem Volke am allermeisten nutzt!“ verpflichtendes Vorbild“. Schirach weihte beim BoM=Reichstresfen 367 Untergauwimpel X Bambera. 12. September. Das BdM=Reichstreffen in Bamberg erreichte mit der Abendfeier am Freitag auf dem althistorischen Domplatz seinen Höhepunkt. Im Mittelpunkt der Feier stand eine Ansprache des Reichsjugendführers Baldur von Schirach an die 5000 BdM=Führerinnen. Der Reichsjugendführer verwies einleitend auf die herrliche Geschlossenheit der heutigen deutschen Jugend. Dann wandte er sich an die BdM=Führerinnen und würdigte ihren freudigen Einsatz beim Aufbau der größten Mädchenorganisation der Welt. Durch vorbildliche Zucht und Ordnung habe die im BdM stehende weibliche Jugend Deutschlands alle beschämt, die den Bestrebungen und Zielen dieser Organisation kritisch und mißtrauisch gegenübergestanden hätten. Der BdM sei zu einem überzeugenden Symbol des Nationalsozialismus geworden. Es sei nicht wahr, daß der BdM eine Vermännlichung der weiblichen Jugend anstrebe. Das Volk müsse stolz darauf sein, eine Gemeinschaft von Mädeln zu besitzen, die zu jeder Stunde bereit ist, für die Fahne der neuen Zeit sich restlos einzusetzen. Wenn es auch für die Organisation des BdM keine Vorbilder gebe, so habe doch der von der weiblichen Jugend des neuen Deutschland geleistete Einsatz in dem Wirken der deutschen Frauen für Heimat und Volk während des Weltkrieges ein großes Vorbild.„Jene Frauen, die während der schwersten und schicksalhaftesten Zeit mit ihrem ganzen Herzen und unter Einsatz und Aufbietung all ihrer Kräfte in der Heimat für ihr deutsches Vaterland gewirkt haben, in ihnen sollt ihr“, so rief der Reichsjugendführer aus,„euer großes und verpflichtendes Vorbild sehen.“ Der Reichsjugendführer schloß: Die Zeichen, die wir einst einsam entrollten, sind zum PaPläne gegen Oesterreich Weisungen an die österreichischen Kommunisten 7 Volksfront=Pläne ∆ Wien. 12. September. Seit einigen Tagen schon führt die christlich=soziale Reichspost einen scharfen Kampf gegen den in Brüssel tagenden sogenannten Friedenskongreß. Aus dem Hauptorgan des Heimatschutzes, der„Heimatschützler“, erfährt man nun am Freitag, daß Oesterreich bei diesem Kongreß durch eine Abordnung unter Führung eines Vertreters des österreichischen Gewerkschaftsbundes namens Dr. Viktor Matejka vertreten war. Der„Heimatschützer“ erklärt, dieser Dr. Matejka spiele eine hervorragende Rolle in der Wiener Volkshochschule. Er habe es dort soweit gebracht, daß diese zum Tummelplatz kommunistischer Agitation geworden sei. In sehr interessanter Weise berichtet dann das Blatt von Weisungen aus Moskau an die marxistischen Vertrauensleute in Oesterreich:„Vielleicht ist es ein Zufall, aber es muß auf jeden Fall festgehalten werden, daß zur gleichen Zeit, als der Friedenskongreß und die österreichische Teilnahme daran vorbereitet wurde, vom Politischen Büro der Kommunistischen Partei in Moskau an die Vertrauensmänner in Oesterreich geheime Weisungen ergangen sind, die die größte Aufmerksamkeit verdienen. In diesen Weisungen wird den kommunistischen Vertrauensmännern in Oesterreich aufgetragen, unerfüllbare Forderungen auf wirtschaftlichem Gebiet, besonders für den kleinen Mittelstand und für die kleinen Bauern und Händler zu erheben, damit Unzufriedenheit und eine Atmosphäre erzeugt werde, in der der bolschewistische Weizen blühen und gedeihen könne. Charakteristisch ist in diesen Weisungen, daß den kommunistischen Vertrauensmännern der strikte Befehl erteilt wird, eine Zusammenarbeit mit den demokratischen Parteien jeglicher Richtung in Oesterreich anzustreben, um die Grundlage für eine Volksfront zu legen. Ist diese Gemeinschaft hergestellt, dann soll mit direkter Unterstützung von Moskau gegen das faschistische Regime vorgegangen werden. Die bolschewistischen Instruktionen greifen auch auf die Außenpolitik über. Es wird darin angekündigt, daß die Zentrale in Moskau auch mit den demokratischen Parteien anderer Länder Fühlung nehmen werde, um sie gegen Oesterreich in Stimmung zu bringen, um Oesterreich zu diskreditieren und die ständische Autorität zu untergraben. Auf diese Weise sollen die außenpolitischen Lebensbedingungen Oesterreichs durchkreuzt werden und zu den angestrebten inneren Schwierigkeiten soll die Isolierung von außen kommen. Diese Tatsachen beweisen, daß der Bolschewismus augenblicklich auf Oesterreich besondere Hoffnungen setzt. nier einer ganzen Nation geworden. So sollt ihr diese Stunde als eine Verpflichtung be greifen, die weit über euer persönliches Da sein hinausreicht, sollt in dieser Stunde eine Wendung sehen, die in die Ewigkeit reicht, sollt in den Zeichen, die euch übergeben werden nicht die Zeichen eines kleinen Bundes sehen sondern eines großen Volkes. Ihr sollt darin nicht die Symbole einer Partei, sondern die Ewigkeit erblicken. Mit dem festen Entschluß sie so und nie anders zu betrachten, möget ihr sie entgegennehmen, möget ihr sie in euren jungen Händen halten, treu und tapfer bewah ren in allen Stürmen unseres Lebens und unseres Volkes, mit diesem Gelöbnis weihe ich eure Wimpel. Nach der Ansprache des Reichsjugendfüh rers wurden die 367 Wimpel entrollt. Mit einem gemeinsamen Gesang klang die Feier stunde aus. Sabotageakt auf amerikanischem ∆ Neuyork, 12. September. Der Leiter der Marinewerft von Brook lyn veröffentlicht am Freitag eine Mitteilung derzufolge am 25. August auf dem 10 000 Tonnen=Kreuzer der amerikanischen Marine „Indianapolis“, ein Sabotageakt verübt worden sei. Der Kreuzer befand sich damals zwecks Durchführung der üblichen Ueber holungsarbeiten in der Marinewerft, als ein kleiner Brand entdeckt wurde, der infolge eines Kurzschlusses in einem Kraftstromkabel aus gebrochen war. Die sofort angestellte Unter suchung ergab, daß in eine Stromleitung im Heizraum des Kreuzers zwei Nägel und eine andere Stromleitung ein weiterer Nage getrieben worden war. Zweifellos handelt es sich dabei um eine vorsätzliche Tat mit dem Zweck, durch Kurzschluß größere Brände zu verursachen. Die verspätete Mitteilung des Werftdirektors erfolgte im Zusammenhang mit einer Meldung einer Zeitung in Los Angeles wonach angeblich zahlreiche Grammophon Nadeln und Nägel in die Stromleitung der „Indianapolis“ getrieben worden seien. Ob es sich um einen kommunistischen Sabotageakt handelt, ist noch nicht genau festgestellt. Verhaftungen in der Schweiz Ausländische Kommunisten ausgewiesen ∆ Zürich, 12. September. Die schweizerische Depeschenagentur teilt mit: Auf Grund wiederholter polizeilicher Feststellungen, wonach in der Schweiz ausländische Kommunisten unangemeldet tätig sind, wurden an verschiedenen Orten Hausdurchsuchungen vorgenommen. Bei dieser Aktion wurde eine größere Anzahl ausländischer Kommunisten verhaftet, die sich zum Teil schon seit längerer Zeit unangemeldet in Wohnungen von Gleichgesinnten aufgehalten haben. Einige dieser Ausländer sind schon früher aus der Schweiz ausgewiesen worden. Es steht fest, daß sie in unser Land zurückgekehrt sind, sei es mit gefälschten Pässen oder unter Umgehung der Grenzkontrolle, um hier illegal ihre politische Tätigkeit auszuüben. Das beschlagnahmte Material ist sehr umfangreich. Aus der vorläufigen Sichtung ergeben sich Anhaltspunkte über die Rolle der„Roten Hilfe“ bei der illegalen Emigration. Auch über geheime Radiosender wurden vorläufige Feststellungen gemacht. Beifall.) Wenn unsere Gegner meinen, daß wir in Deutschland ein tyrannisches Regiment über die Frau aufrichten, so kann ich demgegenüber nur das eine verraten, daß ich ohne „Wenn heute eine weibliche Juristin noch o viel leistet und nebenan eine Mutter wohnt gübe zuer Brog.1ag, Füghren gsguge bie Postet mit fünf, sechs, sieben Kindern, die alle gesund###ster,###, Siege führen können.(Erneuter und gut erzogen sind, dann möchte ich sagen:] P3415#12 Wz e12,—.4 in schlimmen Zeiten Vom Standpunkt des ewigen Wertes unseres! Und ich weiß, daß auch in schlimmen Zeiten, Volkes hat die Frau, die Kinder bekommen wenn die Neunmal-Weisen und die Ueberund erzogen hat und die unserem Volke damit sklugen unsicher werden, die Frauen ganz sicher das Leben in die Zukunft wiedergeschenkt hat, aus ihrem Herzen heraus zur Bewegung stehen und sich mit mir für immer verbinden. Telegramm des Stabschefs der 6A an Heinrich Anacker Nürnberg. 12. September Der Stabschef der SA, Viktor Lutze, gee beglückwünschte den Träger des diesjährigen geben: Wir erziehen für die deutsche Frau, für Preises der RSDAP für Kunst, Parteigenosse das deutsche Mädchen die männliche Jugend, Heinrich Anacker, mit dem nachfolgenden die kommenden Männer." Telegramm: „Ich glaube, daß wir auf dem richtigen. Zur, Verleihung des Preises a# sind zur Erziehung eines gesunden Ge-] für Kunst spreche ich Ihnen als dem Kampfdichter der Sturmabteilungen meine und der gesamten SA Glückwünsche aus. Lutze." mehr geleistet, mehr getan! Eine wirkliche Staatsführung hat die Pflicht, zu versuchen, jeder Frau und jedem Mann die Wahl des Herzens zu ermöglichen oder wenigstens zu erleichtern. Wir versuchen, diese Aufgabe zu ösen, indem wir— auf dem Wege unserer Gesetzgebung— vor allem die Geschlechter gesund erziehen. Ueber diese rein gesetzgeberische Ar beit hinaus haben wir der Frau noch etwas ge Wege sind zur Erziehung eines gesunden Ge- für Kunst spreche ich Ihnen als dem ersten schlechts. Das möchte ich all den literarischen Besserwissern und den Gleichberechtigungsphilosophen noch mitteilen: Täuschen Sie sich nicht, es gibt zwei Welten im Leben eines Volkes: die Welt der Frau und die Welt des Mannes. Die Natur hat es richtig eingeteilt, daß sie den Mann noch vor die Familie stellt und ihm noch eine weitere Verpflichtung aufbürdet, den Schutz des Volkes, der Gesamtheit. Die Welt der Frau ist, wenn sie glücklich ist, die Familie. Ihr Mann, ihre Kinder, Freiwillige für die Lustwasfe Einstellung im Frühjahr 1937 X Berlin. 12. September. Das Reichsluftfahrtministerium gibt bekannt: 1. Im Frühjahr 1937 werden bei der Flieihr Heim. Von hier aus öffnet sich dann ihr gertruppe und Luftnachrichtentruppe Frei Blick für das große Gesamte. Beide Welten willige eingestellt. Bewerber können sich schon zusammen erst ergeben eine gemeinsame, in jetzt melden, und zwar bei jedem Truppenteil der ein Volk zu leben und zu bestehen ver mag. Wir wollen diese gemeinsame Welt der beiden Geschlechter aufbauen, bei der jedes die Arbeit erkennt, die es nur allein tun kann und daher auch nur allein tun darf und muß". Arbeit für die Zukunft „Ich bin diese 18 Jahre meines Kampfes einen Weg gegangen, den mir die Erkenntnis und das„Pflicztheggßtsgi zu gehen ausgr##.#tarischen ooer staatlichen Wienststeuen sino nur dann einen Sinn, wenn unser Volk der Fliegertruppe und der Luftnachrichtentruppe. Auskunft über die sonstigen Bedingungen für den Eintritt als Freiwilliger in die Luftwaffe und über den vorher abzuleistenden Arbeitsdienst erteilen die Truppenteile der Fliegertruppe und der Luftnachrichtentruppe, die Wehrbezirkskommandos und die Wehrmeldeämter. Sie werden außerdem in der Tagespresse und im Rundfunk wiederholt bekanntgegeben werden. 2. Einstellungsanträge bei anderen militärischen oder staatlichen Dienststellen sind zum Nachteil des Bewerbers. 3. Bei der Flak=Artillerie und beim Regiment General Göring werden im Frühjahr 1937 keine Freiwilligen eingestellt. 4. Den Zeitpunkt für die Meldungen von Freiwilligen für die Herbsteinstellungen bei der genau so gehören, wie im selben Augenblick tttentruppe u.10 P.eptt:t, September durch weiterlebt, wenn ein gesundes Geschlecht heranwächst. Wenn ich so durch Deutschland fahre, dann sehe ich in all den Millionen Kindern nichts anderes als das, was diese ganze Arbeit überhaupt erst sinnvoll werden läßt. auch mir.(Stürmischer Beifall.) Wenn ich diese wunderbare heranwach sende strahlende Jugend sehe, wird mir immer wieder das Arbeiten so leicht, dann gibt es gar keine Schwäche für mich. Dann weiß ich, für was ich das alles tun und schaffen darf, daß es nicht für den Aufbau irgendeines sämmerlichen Geschäftes ist, das wieder vergehen wird, sondern daß diese Arbeit für wird im Laufe des Monats September durch Presse und Rundfunk bekanntgegeben werden. Zusatz zum Beamteneid Verpflichtung zum Kampf gegen den Bolschewismus A Lissabon, 12. Sept. Die Regierung erließ am Donnerstag eine etwas Ewiges und etwas Bleibendes geleistet Verordnung, derzufolge alle Beamte und wird. Mit dieser Zukunft unlösbar verbun=[Anwärter auf Staatsanstellungen sowie die den sehe ich das deutsche Mädchen, die deutsche Angestellten der staatlichen Betriebe eine Frau, die deutsche Mutter, und so treten wir Erklärung abzugeben haben, daß sie auf dem auch dem Mädchen, der Frau, der Mutter Boden der Verfassung vom Jayre 1933 stehen entgegen.“ l und dem Kommunismus und allen zersetzenden Ich messe den Erfolg unserer Arbeit nicht Ideen aktiv entgegentreten werden. Wahram Wachsen unserer Straßen. Ich messe ihn heitswidrig abgegebene Erklärung bedingen die nicht an unseren Fabriken, ich messe ihn auch sofortige Entlassung. Der Fahneneid, dis nicht an unseren neuen Brücken, die wir bauen, Militärs wird der Erklärung gleichgesetzt. Neue anarchistische Massenmorde Anwerbung minderjähriger Franzosen für die Madrider Regierung ∆ Paris, 12. September. An dem französischen Grenzabschnitt gegenüber der spanischen Landschaft Cerdana sind strenge Ueberwachungsmaßnahmen durchgeführt worden, um den Uebertritt spanischer Anarchisten auf französisches Gebiet zu verhindern. Diese verschärften Maßnahmen wurden getroffen, nachdem bekanntgeworden ist, daß die Anarchisten in Puigeerda in der Nacht zum Freitag 27 Geiseln erschossen haben. Die Erregung der französischen Bevölkerung angesichts dieses Massenmordes ist so groß, daß man Zwischenfälle befürchtet, falls spanische Anarchisten französischen Boden betreten. Nach einer Mitteilung des Hauptquartiers der Militärgruppe aus Burgos sind im Verlaufe des Freitags sieben spanische MarxistenFlugzeuge in der Gegend von Talavera und drei andere an der Nordfront abgeschossen worden. Wie aus Teneriffa verlautet, ist der spanische Regierungskreuzer„Niquel Cervantes“, der sich in den Hafen von Malaga in Schutz begeben hatte, nunmehr von der Besatzung verlassen worden, da das Schiff untauglich geworden ist. „Journal“ veröffentlicht am Sonnabend in großer Aufmachung einen Bericht über die Anwerbung von minderjährigen Franzosen, die in den Reihen der spanischen Regierungstruppen gegen die Militärgruppe kämpften Das Blatt stützt sich in seinem Bericht auf einen ihm zugegangenen Brief einer Pariser Familie, deren 17jähriger Sohn von der sogenannten„Internationalen Arbeiterpartei“ angeworben worden und mit 13 anderen Freiwilligen nach Spanien abgereist sei. Alle Bemühungen der Eltern, ihren Sohn ausfindig zu machen, seien ergebnislos geblieben. Auf ein Schreiben an den Chef der Pariser Sicherheitspolizei habe man sie an das Büro für die Suche nach Familienangehörigen verwiesen, aber dort habe der Angestellte sich geweigert, den Auftrag entgegenzunehmen. Er habe erklärt, daß sie nicht die ersten seien, die nach ihren Kindern suchten, daß er aber strenge Anweisungen habe und deshalb nichts für sie tun dürfe. Auch im „Internationalen Büro“ des Polizeipräsidiums habe man ihnen die gleiche Antwort gegeben und hinzugefügt, daß ihre Forderung keine Aussicht habe, weitergeleitet zu werden. Das französische Außenministerium und der französische Botschafter in Spanien seien ebenfalls in Kenntnis gesetzt worden.„Journal“ fragt die Regierung, welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenke, damit diese Minderjährigen unverzüglich ihren Eltern zurückgegeben würden. Wie der Sonderberichterstatter der„Times“ in Valencia meldet, seien die marxistischen Luftstreitkräfte durch die Ankunft von 50 ausländischen Fliegern, darunter drei Engländer und über 20 Franzosen, sehr verstärkt worden. An Maschinen scheint kein Mangel vorhanden zu sein. Gesicht des Bolschewismus! HAKANVNe ARCNymS MK, 26 Ceursbos. fTr. A. M. KATAHORHG, RTONA, XPVIIIEB, ATPAHOB(SSMNApKONGRygeSR) un buau ornorgenn CTpOKTeabeTne Mrhesnolopondure Nocra y er. Xadaa, ravbokas surmaa Aacönnkone P KOUPYNCRAs Boawckoro pasona. S Huarpose cocroskoct coöpanne naprakrnes erpouresen, ua koropon HA CHHMKE(CeGT NaNLSbON! ToSToum CAPAIT(3au. Nau erpouremerral RTOnA, A. M. Scharpallbr erponteäberso. Bo.i## Dr. Goebbels:„Nicht Diktatur des Proletariats besieht heute in Die Galerie jüdischer Typen zeigt von links nach rechts den Mordbrenner Bela kun, der überall dort auftaucht, wo der Blutrausch Orgien feiert und der jetzt auch wieder in Spanien hinter den Kulissen wütet. Das Mittelbild zeigt die Juden Firin(Chef der Zwangsarbeitslager), Jagoda(Chef der GUU.). Kaganowitsch(die rechte Hand Stalins und sein Schwiegervater), Kogan (Chef der Bauarbeiten in den Zwangsarbeitslagern). Rechts präsentieren sich die GDU.= Juden Berman und Firin. Wie es in den unter ihrer Knute stehenden Zwangsarbeitslagern aussieht, schildert der nachstehende Aufsatz. Die Solovetski-Inseln##### Die Hölle der Verbannten Die Solovetski=Inseln im Weißen Meer sind der furchtbarste Verbannungsort, den die Sowjetmachthaber für ihre Gegner geschaffen haben. Sie liegen einsam,— volle neun Monate von allem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten, in arktischem Klima. Die Durchschnittjahrestemperatur beträgt 30 Grad. Wer einmal dorthin verbannt ist, gewöhnliche oder politische Verbrecher, muß mit dem Leben abschließen. Dreiviertel des Jahres toben Schneestürme und beißend kalte Nordostwinde um die sechs verlassenen Inseln an der Mündung der Onegabucht. In den beiden Sommermonaten dagegen kann ebenso, unvermittelt eine Welle sibirischer Hitze hereinbrechen. Unzählige Mücken aus Sümpfen und Mooren beginnen ihr kurzes Dasein und verbreiten unter den Gefangenen die zum großen Teil lungenkrank sind, die Malaria. In den verschiedenen Konzentrationslagern der Inselgruppe halten sich bis zu 5000 Menschen auf. Von ihnen und ihrem traurigen Sterben ist in der Sowjetpresse natürlich nicht die Rede. Dagegen wurde kürzlich anläßlich des Besuches des norwegischen Außenministers Koht in Moskau von den gemeinsamen Kulturtaten Norwegens und der Sowjets in der Arktis ausführlich berichtet. Auch in den Bankettreden waren sich dabei Wirte und Gäste einig, daß ihre Kulturarbeit im hohen Norden vom Geiste des großen norwegischen Menschenfreundes und Polarforschers Frithjof Nansen beseelt sei. Grund genug für uns, einen Blick auf die „weiße Hölle“ der Solovetski=Inseln zu werfen, die ja nicht allzu weit von den letzten norwegischen Fjorden entfernt sind. Ursprünglich erhob sich ein in der ganzen orthodoxen Welt bekanntes Kloster auf den Inseln. Es war reich und wehrhaft und führte seine Geschichte bis auf das Gründungsjahr 1429 zurück. Die Mönche von Solovetski waren berühmt für ihre asketische Lebenshaltung. Auch für sie war das Dasein am nördlichen Ende der Welt kein Idyll. Sie lebten und wirkten unter Heiden, soweit sie zu einem Wirken kamen unter den nomadisierenden ostfinnischen Stämmen und karelischen Pelzjägern. Das Kloster wurde reich durch fromme Schenkungen aus ganz Rußland. Die Mönche mußten ein eigenes Militärkontingent zur Verteidigung ihrer Schätze aufstellen. Schließlich hatten sie nicht nur Infanterie, sondern auch eigene Artillerie. Ihre geistigen Waffen erstreckten sich wirksam über ganz Nordrußland und bis ins Innere des heutigen Finnlands hinein, wo lappische und ostfinnische Zauberkulte im Laufe der Jahrhunderte von den dunklen goldverbrämten Madonnenbildern verdrängt wurden. Während der ersten fünf der Sowjet-Union, sondern Diktatur des Judentums über die gesamte übrige Bevölkerung!“ Aufnahmen: Scherl Der Ungeist und sein Werk: Zerstörung, Brand, Mord, Zusammenbruch. Das rauchende Spanien blickt die Welt an! Jahre nach der bolschewistischen Revolution blieb dies Kloster unberührt bestehen. 1922 aber wurde es in fürchterlicher Weise verwüstet. Die Hälfte der Mönche fand dabei den Tod, die Gebäude gingen in Flammen auf, mit ihnen ungeheuer wertvolle Ikonen und die ganze weltberühmte, in Jahrhunderten ernster Arbeit geschaffene Bibliothek. Bolschewistische Gottlosenpropaganda hat sich in diesem Zerstörungsakt verbündet mit den letzten Resten heidnischen ostkarelischen Hasses gegen die geistige Zwingburg der großrussischen Kolonisatoren in ihrer nordischen Heimat. Auf den Trümmern dieses Klosters erwuchs in den nächsten Jahren die furchtbare bolschewistische Strafanstall, über deren erstes Stadium wir durch den Bericht eines Augenzeugen, des im Jahre 1925 geflohenen Strafgefangenen und ehemaligen Weißgardisten S. A Malsakof, unterrichtet sind. Zu seiner Zeit war auf der Popofinsel, der größten der sechs allein ein Kontingent von 5000 Sträflingen in verschiedenen Lagern untergebracht. Sie waren in drei Gruppen aufgeteilt. 1. Gegenrevolutionäre(Weiße und ehemalige Bürgerliche), 2. patriotische Gefangene (russische Sozialrevolutionäre, Sozialdemokraten und Anarchisten), 3. gewöhnliche Verbrecher Gegenrevolutionäre und Verbrecher wohnten teilweise in den alten Klosterzellen und den Ruinen der Kirchen. Die patriotischen Gefangenen indessen, marxistische Einzelgänger, die sich der Generallinie der Bolschewisten nicht rechtzeitig angepaßt hatten, genossen die„Freiheit“ auf die Eremitensiedlungen über die ganzen Inseln hin verteilt zu sein. Malsakof schildert, wie die Sowjetfunktionäre, selber unter der langen Winternacht leidend, sich grausam an ihren Gefangenen vergingen. Es gab und gibt wohl auch heute praktisch keine Kontrolle. in die letzte Zeit hinein die weiße Hölle ihren schrecklichen Ruf aufrecht erhält, beweisen die Veröffentlichungen des russichen Professorenehepaares Tjernavin. Der Professor hatte als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines sowjetistischen Fischereitrusts in Murmansk sinnlose Anforderungen des Fünfjahresnicht erfüllen können und war daher als „Schädling“ zusammen mit vielen anderen nordrussischen Landwirtschafts= und Ernährungssachverständigen schuldlos in die Hände #### gefauen. Er schildert, wie einer der Sündenböcke, der 70jährige Professor der Landwirtschaftsakademie T. G. Farmanow, dem beide Leine im Gefängnis gelähmt wurden, zu 10jährigem Aufenthalt nach den SolovetskiInseln geschickt wird und er beschwert sich über die Behauptung, die nordrussischen Strafkolonien, über die mit der Zeit einige unbehagliche Wahrheiten von norwegischen Seeleuten der europäischen Oeffentlichkeit berichtet wurden um„Die sowjetistischen Schriftsteller, wie Gorki schreiben Romane und Komödien, in denen sie das Lob der Zwangsarbeitet Bie a mu im Shutz dieler Reklame arbeitet die G.P.U. im Dunkeln und verdient noch dazu an ihrem Sklavenhandel mit Strafestepeggerz beißt es in Professor Tiernavins Buch, das den Titel„Ich spreche für die Stummen“ trägt. Die Sowjets sind aber zur Zeit mit Erfolg bemüht, Norwegens und Frithjof Nansens guten Namen auszuleihen, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen, die die ErstarHölle mit letzter Kraft durchbrochen haben. Hans Gurdis. A CHAFF E IR EUZEIT Wir schaffen für Deutschland 700000 DAF-Milglieder im Gau Wesijalen-Süd Nachdem in ganz Deutschland am 1. Mai 1933 zum ersten Male die deutschen Arbeiter der Stirn und der Faust geeint unter dem Banner der nationalsozialistschen Revolution marschierten und den Tag der nationalen Arbeit feierten, wurden am 2. Mai 1933 schlagartig alle freien Gewerkschaften und einige Zeit später die christlichen, Hirsch=Dunckerschen und gelben Gewerkschaftseinrichtungen durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei übernommen. Der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation, der Kampfeinheit der Bewegung für die Betriebe, wurde die Aufgabe übertragen, die Führung aller Gewerkschaftsverbände zu übernehmen. Damit waren alle Gewerkschaften unter nationalsozialistischer Führung. Der Führer ernannte den Reichsorganisationsleiter, Parteigenossen Dr. Robert Ley, zum Leiter der Deutschen Arbeitsfront, die fortan die große Organisation aller Schaffenden war. Große Leistung— wenig Aufwand Der Gau Westfalen=Süd war in der Zeit des Kampfes immer der stark umstrittene Platz aller Parteien. Es war daher erstaunlich, wie reibungslos die Uebernahme der Gewerkschaftsverbände hier vor sich ging. Es stand aber ein geschulter Stab von Mitarbei tern der NSBO zur Verfügung. Die Männer, die in den harten Jahren des Kampfes und der Verfolgung ihre Pflicht taten, treten auch heute an allen Stellen der Deutschen Arbeits front als Amtswalter, in Erscheinung. In echter nationalsozialistischer Kampfgemeinschaft standen im harten Ringen Hoheitsträger der Bewegung und NSBO=Männer Schulter an Schulter. Einen großen Anteil an dem Erfolg der NSBO hat der Gauleiter, Parteigenosse Josef Wagner, der als genauer Kenner des Gebietes Westfalen dieser Organisation seine besondere Aufmerksamkeit schenkte. Heute marschiert der Gau Westfalen=Süd an der Spitze aller deutschen Gaue. Alle Dienststellen der Gauwaltung sind in dem Gebäude des früheren Bergarbeiterverbandes in Bochum zentral vereinigt. Eine solche Zusammenlegung der einzelnen Abteilungen an einer Stelle ermöglicht selbstverständlich eine viel schnellere Erledigung der umfangreichen Arbeiten und zahllosen Aufgaben der Arbeitsfront. Nicht weniger als rund 700000 Mitglieder sind in unserem Gau von der DAF erfaßt. Im Vergleich zu dem Aufwand von Raum und Organisation der früheren Gewerkschaften stellt die Gauwaltung der Arbeitsfront noch recht bescheidene Ansprüche. Während früher Dutzende von Gewerkschaftsfunktionären und=sekretären irgendwo ein Büro unterhielten und dort unkontrollierbar arbeiteten, ist heute die Gauwaltung der DAF ein auf das Mindestmaß beschränkter und besteingerichteter Verwaltungsapparat, der unter den Augen der breitesten Oeffentlichkeit seine Aufgaben erledigt. 45 000 im Dienst der DAJ In der Gauwaltuna Westfalen=Süd, deren Leitung in den bewährten Händen des Gauwalters, Parteigenossen Ernst Stein, liegt, werden alle Aufgaben zentral bewältigt, die auf Grund des Gesetzes zur Ordnung der Nationalen Arbeit und im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung und ihrer Auffassung über Arbeit und Arbeiter für die soziale Betreuung aller Schaffenden Südwestfalens zu erfüllen sind. Durch die Waltungen in den Kreisen, Orten und Betrieben werden bis in die letzte und kleinste Arbeitsstätte die und Frauen, sowie die ob Gefolgschaftsmitglied werktätigen Männer Jugendlichen erfaßt, oder Betriebsführer. Nicht weniger als 45000 Volksgenossen stehen im Dienst der Deutschen Arbeitsfront, von denen die weitaus größte Zahl ehrenamtlich tätig ist. Das Gebäude, in dem die Gauwaltung ihren Sitz hat, ist durch einige bauliche Veränderungen umgestaltet worden und unserer heutigen Auffassung von der Schönheit der arbeit angepaßt. Freundlich ist jetzt der Eindruck des gesamten Gebäudes mit den schönen gärtnerischen Anlagen und seinen lichten Farben in den Innenräumen. Eine Vorstellung von dem Maß der zu bewältigenden Arbeit kann man sich auch auf Tatsache machen, daß im Durchschnitt täglich 600 bis 800 Postsendungen ausgehen und ebensoviele eingehen. Eine pünktje Diensteintenung, peinlichste Ordnung in allen Abteilungen und tägliche Besprechungen der Hauptreferenten mit dem Gauwalter gewährleisten eine einwandfreie und schnelle Erledigung aller Angelegenheiten des inneren Betriebes und den Verkehr mit den Dienststellen außerhalb. W. Perl. Grabschrift Von Heinrich Lersch Es ist erst drei Monate her, daß das harte Schicksal den Arbeiterdichter Heinrich Lersch aus dem Leben rin und ihn, der erst im vergangenen Jahre durch die Verleihung des rheinischen Dichterpreises die gröllle Anerkennung seines Schallens erhielt, in dem Augenblick plötzlich verstummen ließl, als er auf der Höhe seines Lebens stand. Wohl hatte Heinrich Lersch bereits ein Lebenswerk vollendet, aber in ihm glühte noch das Feuer der Jugend und die Leidenschaft des unermüdlichen Kämpfers. Nun ruht der Hammer, aber das Werk seiner Hammerschläge wird weiterleben. Am 12. September wäre Ileinrich Lersch 47 Jahre alt ge worden und im Gedenken an diesen Pionier der deutschen Arbelterdichtung und der bekenntnisstarken Soldatenlieder bringen wir heute an der Stelle, wo wir in den vergangenen Jahren so oft den Dichter der Arbeit haben sprechen lassen, ein kleines Gedicht, das In den Jahren des Wellkrieges entstanden ist. Wanderer, steh! Ich du dich heut abend zum sage dir, wenn Schlafen legst Und nicht nach den toten Soldaten frägst: Wer starb heut für mich? Und nicht den letzten Gedanken mir schenkst, Sondern an deine Freuden denkst, Dann steh' ich auf und lauf zu dir Und küsse dich mit meinem zerschossenen Munde Und zeige dir meine blutende Wunde, Daß du die ganze Nacht von mir träumst, Wenn du das versäumst. Denn ich und alle, die wir hier liegen, Starben für Deutschland in Kämpfen und Siegen. Und nun muß Deutschland uns'rer gedenken und für uns steh’n, Sonst mag und wird Deutschland zu Grunde geh’n. Wanderer, geh! „Volk zu Schiff“ Jakob Schaffners„Kraft-durch-Freude“-Buch In der Hanseatischen Verlagsanstalt Hamburg erschien„Volk zu Schiff". Zwei Seefahrten mit der„KdF“=Hochseeflotte, von Jakob Schaffner, 168 Seiten, 2,85 RM. Für Menschen, die den Dichter Jakob Schaffner kennen, war es von vornherein klar, daß ein Buch über einen aktuellen Gegenstand leicht Anlaß zu einer Rechtfertigung, zur politischen Stellungnahme, vielleicht sogar zu einem Angriff bieten würde. Jakob Schaffner ist Schweizer. Er hat weder in Deutschland, noch in seiner Heimat Hehl aus seiner Gesinnung gemacht, die er jetzt offen nationalsozialistisch nennt. Daß ihm dieses Bekenntnis nicht überall Freundschaften eingetragen hat, ist angesichts der europäischen Meinungsverwirrungen, um einen schärferen Ausdruck zu vermeiden, sicher. Und es bedarf kaum der Feststellung, daß das neue Buch, das Schaffner„der kommenden neuen schweizerischen Volksgemeinschaft in Liebe und unverbrüchlichem Glauben“ gewidmet hat, dem Dichter seine persönliche Stellung in der politischen und literarischen, europäischen Welt nicht gerade erleichtert. So ist das Werk„Volk zu Schiff" zunächst einmal eine mutige Tat, und das besonders aus dem Grunde, weil Schaffner als moralische Persönlichkeit, als von Charakter und leidenschaftlicher Idealist bekannt ist. Ueber einen Verdacht ist er selbst beim schärfsten Kriechertum unterwühlt die Gemeinschaft Ausmerzung unlauferer Elemente ein lebensnotwendiges Erfordernis Die innere Festigkeit jeder Gemeinschaft hängt von dem mutigen und verantwortungsbewußten Einsatz aller ihrer Glieder für die gemeinsamen Ziele ab. In jeder Menschengruppe, gleichgültig aus welchen Gründen und zu welchen Zwecken sie sich zusammengefunden hat, werden stets auch schwächliche Charaktere zu finden sein. Sie besitzen weder die Entschlußkraft noch den selbstverantwortlichen Mut, sich aus innerer Ueberzeugung heraus aktiv aufbauend zu betätigen, sondern sie werden immer nur Mitläufer bleiben. Es kommt nun darauf an, daß in jeder Gemeinschaftszelle dieser schwächliche Teil möglichst klein bleibt und von der Stoßkraft der Stärkeren mitgerissen wird. Hierbei ergibt sich häufig eine Schwierigkeit, die unmittelbar aus dem Mangel an Kraft bei einigen wenigen erwächst. Seelische Schwäche läßt manchen Menschen seine persönliche Ueberzeugung unbedacht aufgeben und sie feige jeder anderen unterordnen, wenn diese nur mit der nötigen Willensstärke vertreten wird. Mag selbst die Fehlerhaftigkeit der letzteren klar zutage liegen, so ist die Bereitwilligkeit zur energielosen Unterwürfigkeit häufig dennoch so groß, daß dieser Mensch widerspruchslos auf jeden eigenen Persönlichkeitswert verzichtet. In dieser saft= und kraftlosen Jämmerlichkeit liegt die Quelle des Kriechertums. Ein Mensch, der seine Ueberzeugungen und demzufolge sein gesamtes Verhalten allein durch die von außen einwirkenden Umstände bestimmen läßt, gibt die Gestaltung des eigenen Schicksals und desjenigen seiner Gemeinschaft aus den Händen. Er schwankt zwischen den jeweiligen Augenblicksforderungen hin und her, verläuft sich früher oder später doch einmal und verwickelt sich leicht in innere Widersprüche. Tritt plötzlich ein derartiger Fall ein, so wird der Schwächling mangels aller Grundlagen in Ueberzeugung und Leistung zu jedem gerade heranschwimmenden Strohhalm greifen, um sich vor dem Ertrinken zu retten. Das bedeutet für die Praxis: Er wird die eigene Verantwortung abzuwälzen und die Schuld für einen persönlich begangenen Fehler einem andern in die Schuhe zu schieben bemüht sein. Ist es erst einmal so weit mit ihm gekommen, so geht es auf der abschüssigen Bahn sehr schnell weiter abwärts. Die einzige Möglichkeit zum persönlichen Vorwärtskommen sieht er bald nur noch darin, sich an seine Vorgesetzten anzuschmusen und sich in ihr Vertrauen zu schleichen. Das aber wird auf die Dauer nur dann möglich, wenn die liebedienerische Unterwürfigkeit immer wieder von neuem unter Beweis gestellt zu werden vermag. Die Länge der Zeit erfordert eine dauernde Steigerung der Aufgabe aller Eigenpersönlichkeit und die Anwendung immer verwerflicherer Mittel zur bloßen Existenzerhaltung. Aus dem überzeugungslosen und liebedienerischen Schwächling wird auf diesem Wege leicht der Kriecher in seiner ganzen Jämmerlichkeit und Nichtswürdigkeit. Er bespitzelt seine Kameraden und trägt deren Ansichten und Meinungen halb verstanden und später bewußt entstellt weiter. Hierin sieht er schließlich das alleinige Mittel, um seine vermeintliche Beliebtheit bei seinen Vorgesetzten in voller Werthöhe zu erhalten. Daß er inzwischen zum schlimmsten Feinde der Gemeinschaft geworden ist, daß er das Vertrauensverhältnis zwischen Gemeinschaftsführung und Gefolgschaft, ja daß er das Kameradschaftsgefühl des einen zum andern unterwühlt, will er nicht wahr haben. Dabei frißt sich das Mißtrauen zwischen den einzelnen Angehörigen der Gemeinschaft immer weiter und gefährdet die Lebensgrundlage aller, falls nicht doch einmal mit rücksichtsloser Schärfe durchgegriffen und dem Kriecher sein schmutziges Handwerk gelegt wird. Je größere Erfolge ein solcher aufzuweisen hat, um so mehr findet sein verwerfliches Beispiel Nachahmung bei anderen Jämmerlingen. Die blinde Eigensucht bei ihm und seinesgleichen zerfetzt die Fahne der Gemeinschaftsidee und setzt an ihre Stelle wieder die glücklich überwundene gehässige Feindschaft aller gegen alle, wie sie im liberalistisch=marxistischen System bestanden hat. Die Verseuchung der Gemeinschaftszelle dringt allmählich auch in den Gesamtorganismus der Nation weiter ein, das Kriechertum verbreitet sich aus der Betriebsgemeinschaft mit der Zeit wieder in die Volksgemeinschaft. Die moglichst restlose Ausbrennung dieses Krankheitsherdes, die Ausrottung dieser Bazillenträger liegt daher nicht nur im Interesse jedes aufrechten Volksgenossen und jeder wahren Gemeinschaftszelle, sondern sie wird auch zum nationalen Erfordernis. Die Säuberungsaktion hat in jeder einzelnen Gemeinschaftszelle einzusetzen und zunächst diese ihrer stärksten Gesundung entgegenzuführen. Persönliche Ermahnungen und Verwarnungen des Kriechers durch seine unmittelbaren Arbeitskameraden, ein etwaiges gemeinsames Nichtkennenwollen und verächtliches Behandeln dieses Jämmerlings wird der erste Erziehungsversuch sein müssen. Der nächste Schritt ist die Verständigung der Vertrauensmänner vom Vorhandensein und dem Wirken einer derartigen Wühlmaus. Damit entsteht die Möglichkeit, durch den Betriebsführer eine Buße über den Kriecher zu verhängen oder sein verwerfliches Verhalten auf ehrengerichtlichem Wege ahnden zu lassen. Jedes Kriechertum bedeutet eine Schädigung der Gemeinschaftsidee und einen Verstoß gegen die soziale Ehre, so daß die Bestimmungen aus dem Gesetze zur Ordnung der nationalen Arbeit anwendbar sind. Es wird dabei zunächst auf erzieherischem Wege vorgegangen werden müssen und nur im Notfalle zu Bestrafungen zu greifen sein. Denn jeder Volksgenosse muß, solange es irgend vertretbar ist, der Gemeinschaft als lebenswichtiges Glied erhalten bleiben. Die Ausmerzung unlauterer Elemente aus ihr ist aber bei deren Unbelehrbarkeit ein lebensnotwendiges Erfordernis zum Bestande und der Weiterentwicklung jeder Gemeinschaftszelle und der Volksgesamtheit. H. Kl. mich auf Gegner erhaben: über den Verdacht der Konjunktur. Und das ist es, was für ihn persönlich erschwerend wirkt, so eigenartig es klingen mag. Jakob Schaffner hat Stellung genommen, und er ist dabei sehr deutlich geworden:„Ich gebe jetzt meine Zurückhaltung auf, was den Nationalsozialismus angeht, und erkläre heute offen und verantwortlich, daß ich die Grundzüge des Nationalsozialismus als maßgebend betrachte für den Neuaufbau Eurovas. Um von diesen Grundzügen einen Begriff zu geben, erstatte ich umfassend Bericht über eine Unternehmung des neuen Geistes in Deutschland, an welcher der Nationalsozialismus, zu deutsch„Volksgemeinschaft", besonders gut und anschaulich kennenzulernen ist.“ Jakob Schaffner hat den Gegenstand, über den er schreibt, die„KdF“=Seefahrten nach Norwegen und Madeira, eingehend studiert. Er hat seine Informationen vom Urlaubervolk selbst bezogen, und er war, wie der Schreiber dieser Zeilen als Fahrtgenosse des Dichters aus vielen Unterhaltungen an Bord bezeugen kann, ein sehr unerbittlicher und überaus findiger Kritiker. Er hielt weder vor den Urlaubern noch vor den verantwortlichen Reiseleitern und Mitgliedern der Besatzung, weder vor alten Kämpfern der Bewegung noch vor Journalisten des In= und Auslandes mit seiner persönlichen Meinung zurück. Sein letztes Wort nach der Norwegenfahrt war deshalb doch:„Ich habe mi niemals so jung gefühlt wie diesem Schiff unter diesen Menschen!“ Und das ist wohl, was Jakob Schaffner mit so großem Optimismus erfüllt— die verjüngende Kraft der Reisen, die ja nur ein Ausfluß der umfassenden jungen Idee des Nationalsozialismus sind. Es ist in der gegenwärtigen politischen Situation verständlich, daß das Buch„Volk zu Schiff“ in erster Linie politisch und weniger als dichterisches Zeugnis gewertet wird. So sehr es auch um ewige Probleme, um Volk und Gemeinschaft, um Gott und die Welt geht,— Tatsache ist, daß diese Probleme gerade jetzt auf der politischen Bühne abgehandelt werden und dementsprechend eine politische Resonanz finden. Das weiß auch der Dichter Jakob Schaffner. Es wäre aber ungerecht und überaus einseitig, diesem Werke die literarische Würdigung vorzuenthalten, nur weil der Anlaß ein aktueller ist. Das Buch„Volk zu Schiff“ hat den großen Vorzug, daß es in seinen persönlichsten Partien eine wirkliche Dichtung ist. Ein starker pädagogischer Zug— nicht im Sinne der unmittelbaren Belehrung, sondern mehr in der betrachtend=aktiven Weise, die man bei Schaffners großem Landsmann Pestalozzi, bei Jean Paul und Wilhelm Raabe findet— ist wie vielen Büchern des Dichters auch diesem jüngsten Werke eigen. Er hat die Menschen auf den„KdF“=Schiffen gut beobachtet:„Ergreifende Dinge kann man da erfahren, schwungreiche, humorige, sinnvolle, und immer auf der Linie der guten, alten, tiefen Lebenskameradschaft, die du getrost heilig nennen kannst, wenn du willst. Das ist das Ewige. Das überdauert alle Zusammenbrüche. Die Hilfsaktionen der sogenannten Gesellschaft aber nenne überheblich, ahnungslos und verderblich.“ Von solchen Wendungen findet man viele im Fahrtenbuch„Volk zu Schiff". Wir Reichsdeutschen können uns über diesen Beitrag des Schweizers Jakob Schaffner zur ständig wachsenden Schriftenreihe der„Kraftdurch=Freude"=Reisen freuen. Was Schaffner beabsichtigte, ist ihm gelungen, er hat„die neue, freie, tatsächliche Volksgemeinschaft“ gepredigt. Wir wünschen ihm und uns, daß diese Predigt überall gehört und ausgenommen werden möge, wo man noch etwas auf das Zeugnis eines berufenen Dichters gibt. Helmus Jahn Verantwortlich: Hans Viefhaus. Dortmund Auf Nr. 206045 fiel das„Große Los“! Noch vor 2 Tagen eine Hoffnung— heute eine Million Wieder einmal ist bei vielen tausenden deutscher Volksgenossen unvermutet das Glück eingekehrt. Denn in der Preußisch=Süddeutschen Klassenlotterie, wie sie eben zum Abschluß kam, ist der Hauptgewinn trotz seiner Höhe von einer Million Reichsmark nur ein kleiner Teilbetrag: insgesamt werden in 5 Klassen 67.591.680.— Reichsmark auf 343.000 Gewinnlose ausgespielt. 800.000 Lose sind im Spiel— fast jedes zweite Los muß gewinnen! Das ist überhaupt das Besondere der Staatslotterie: sie sorgt dafür, daß mit geringem Einsatz(ein Achtellos für eine Klasse kostet nur 3.— Reichsmark) bedeutende Summen ebenso gewonnen werden können, wie zahlreiche mittlere und kleinere Beträge. Schon ein Achtellos kann 100.000.—Reichsmark gewinnen. Alle Gewinne sind einkommensteuerfrei. Am 20. Oktober 1936 beginnt die Ziehung der ersten Klasse für die 48. Preußisch=Süddeutsche(274. Preußische) Klassenlotterie. Der amtliche Gewinnplan und jede gewünschte Auskunft sind bei den staatlichen Lotterie=Einnehmern erhältlich. Der Präsident der Preußisch=Süddeutschen Staatslotterie UUT Losnummern und Zitter ohne Gewähr für Druckfehler Hochertreut zoigen wir die Geburt unseres dritten Kindes, eines prächtigen Mädchens an Milde Feldmann geb. Tigge: Dr. med. Franz Feldmann Holzwickede, den 11. September 1936 Unsere Lydis-Barbare hat ein Brüderchen bekommen. In denkbarer Freude Sophie RuC geb. wittholdt Paul Ruc serlohn, den 12. 9. 1936 z. Z. Ellsabeth-Hospliat Dr. Heinz Brüggemann Elisabeth Brüggemann geb. Krüsemann Vermählte Bochum. den 13. September 1936 Schützenbahn 5 STAMK#RN Hans Richard Floitgraf Mülle Floitgraf geb. Dreyer VERMÄHLTE Dortm.-Barop, 12. Sept. 1936 Am Bellstück 69 Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jes. 43. 1. Gott der Herr rief am Freitagmorgen plötzlich und unerwartet die 2. Vorsitzende unserer Frauenhülfe Frau Emma Brauchmann zu sich in sein himmlisches Reich. Seit Gründung unserer Frauenhülfe hat sie dem Verein mit großer Treue und Hingebung gedient. Von der Liebe Christi gedrungen, stellte sie selbstlos ihre ganze Kraft der Gemeinde zur Verfügung. Wir danken ihr für alle Liebe, die sie uns gab und werden ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren. Johannes-Frauenhülfe, Bez. I. I. A.: Frau Luise Donsbach. Dortmund, den 11. September 1936. Die Beerdigung findet Montag, den 11. September, mittags 12 Uhr vom Trauerhause, Zimmerstraße 16 zum Nordfriedhof statt.— Trauerfeier eine halbe Stunde vorher. Die Mitglieder werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden entschlief heute nachmittag 4 Uhr in Bad Wildungen, wo er Heilung suchte von seiner Krankheit, unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder. Schwager und Onkel, der Dachdeckermeister Carl Schwarze Er starb im 70. Lebensjahre, nach einem arbeitsreichen Leben, gestärkt durch den Empfang der hl. Sterbesakramente. In tiefer Trauer: Josef Schwarze Dr. med. Wilh. Schwarze Maria Schwarze Aenne Schwarze geb. Strotkötter und 3 Enkelkinder Bochum-Gerthe, den 10. September 1936. Die Beerdigung findet statt Montag, den 14. September 1936, nachmittags 4· Uhr von der Friedhofshalle Bochum-Gerthe aus. Das Seelenamt ist Montag morgen 7.10 Uhr in der Pfarrkirche. Danksagung Für die uns von allen Seiten so überaus herzlich und zahlreich bewiesene Teilnahme beim Hinscheiden unseres geliebten Sohnes und Bruders Kurt sagen wir allen, insbesondere Herrn Pastor Dr. Bartelheimer, Herrn Vikar Morlinghaus, den Führern und Kameraden der NSDAP., Ortsgruppe Lüdenscheid-Ost. der Motorstandarte 68, der Staffel IIIM 68, dem Sturm 12/M 68 und dem Lüdenscheider Turnverein 1861 sowie seinen Freunden und Arbeitskameraden unsern innigsten Dank! Lüdenscheid, im September 1936. Carl Feldhaus und Frau Klere geb. Zeininghaus Carl Feldhaus jun. □ Statt Karten Eisbeth Hermann Emll Overthun geben Ihre Verlobung bekannt! Brambauer 13. Sept. 1936 Waltrop Wir betrauern tief den Verlust des Herrn Alexander Post Hagen Als Mitglied des Aufsichtsrates der uns angeschlossenen Köln-Hagener Versicherungs-Aktiengesellschaft hat er unseren Bestrebungen stets ein warmes Interesse gewidmet und uns fördernd zur Seite gestanden. Sein Andenken wird in Ehren bei uns fortbestehen. Köln-Hagen, den 12. September 1936. Gerling-Konzern Der Aufsichtsrat und Vorstand Weinet nicht an meinem Grabe Gönnet mir die ew'ge Ruh. Denkt, was ich gelitten habe. Eh' ich schloß die Augen zu. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute 15 Uhr meinen innigstgeliebten, unvergeßlichen Mann, unsern nimmermüden. treusorgenden Vater. Großvater. Schwiegervater. Bruder, Schwager, Onkel und Vetter Heinr. Hagedorn nach langem, schwerem Leiden, kurz vor Vollendung seines 65. Lebensjahres zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Die trauernden Hinterbliebenen. Dortmund-Deusen(Deusenerstr. 130). Kamen, Huckarde, Rahm. Schwieringhausen und Eving, den 11. Sept. 1936. Die Beerdigung findet am Montag, dem 14. September, nachmittags 16 Uhr vom Trauerhause aus statt. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene diese als solche. Frl. ohne And., katd., Anf. 30er, angen. Aeußere, mittelgroß, tadell. Vergangenh., bietet sol., strebs. Herrn(mittl. Beamter angenehm) Einheirat in schön. schuldenfr. Landhaus m. groß. Garten in einer Kreis= und Industriestadt am Rande d. Sauerlandes. Strengste Verschwiegenb. wird zugesich. Nur ernstgem. Zuschriften m. Bild(zurück) u. Klarlegung der Verhältnisse erbeten u. W. L. 7025 an WeZ., Dorim.( Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich — habe Glauben gehalten: hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit. Heute morgen 10½ Uhr entschlief plötzlich und unerwartet meine liebe Frau, unsere gute, stets treusorgende Mutter. Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Frau Emma Brauckmann geb. Hanko im Alter von 66 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Heinrich Brauckmann Dortmund(Zimmerstraße 16), Kiel, Sorau, den 11. September 1936. Die Beerdigung findet am Montag. dem 14. September, mittags 12 Uhr vom Trauerhause. Zimmerstr. 16, aus zum Nordfriedhof statt. Trauerfeier im Hause ½ Stunde vorher. Kleiner Anzeigenmarkt Gelegenheitsanzeigen nicht geschäftlicher Art, wie Kaufangebote, Kaufgesuche, Vermletungen, Mletgesuche, Tauschverkehr und ähnliche— ein- und zweispaltig bis 100 mm Höhe— kosten In dieser Rubrik nur 15 Pfg. je Mililmeter und erschelnen In der GesamtauflageH In der Rubrik„Heiraten“ finden nur ernstgemeinte Gesuche erbgesunder Personen Aufnahme.— Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß die von gewerbsmäßigen Ehevermittlern auf Chiffre-Anzeigen eingereichten Angebote nicht weiterbefördert werden. Alleinsteh. Fräul., 38 J., aus guter Fam., evgl., sehr häuslich, wünscht passenden Herrn in fester Stellung IV. Heiral kennen zu lernen. Ww. mit Kind nicht ausgeschloss. 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Frl., 28 J., ansehnl., dunkelbl., 1.67 groß, evgl., spars., w. bald. Neigungsehe mit nettem, aufrichtigem Herrn. Witwer mit Kd. angenehm. Off. unt. 640 an die Ortsvertretg. d. WLZ., Bielefeld, Gebrenberg 34. Ig. geb. Witwe, evgl., auf. 30er I., 1 Kind, mit schönem Heim, möchte lieb., aufrichtig. Herrn in gut. Stell. treue Lebenskameradin sein. Angebote u. N. 1583 an die WLZ., Dortm. Fräul., 40 J., blond, angen. Erschein., sehr bäusl., wünscht Bek. m. Herrn in gl. Position zwecks späterer Heirat. Str. Diskret. Ausf. Zuschr. erb. u. A. E. 100 postlagernd Siegen i. W.( Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen herrlichen Blumen- und Kranzspenden, die wir beim Heimgange unseres lieben Verstorbenen erhalten haben, sagen wir allen, die unserer in so freundlicher und liebevoller Weise gedacht haben, unseren Arnsberg, den 12. September 1936. aufrichtigsten Dank! Bertha Engel Georg Engel Fräulein, 28 J., kath., gutes Gemüt, sucht pass. Witwer mit Kin dern ang. 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WeZ., Dim.( Jungges., 30 J. kath., berufstätig, sucht a. d. Wege ein geschäftstücht liebes Mädel zw. Heirat kennen zu lernen. Ang. m. Bild u Nr. 137 an die Wests. Landesz., Recklinghausen. Witwer, 35 J., i väterl. Gesch. tät. m. 2j. Kind, sucht zwecks Heirat treue Gattin, die seinem Sohn eine liebe Mutter sein will. Vollst. 2=3 Einrichtung vorb. Ang. u. F. 1617 an W23. Dortm Höh. Staatsbeamt. in sehr gut. Stell., Mitte 40, m. sich wieder verheiraten Möb. vorb. Gr. gut ausseh. Da men, wenn mögl. mit etw. Verm., woll. ihre Off. m Bild angeb. unt B. 4516 an die WLZ., Hagen. Tüchtiger AutoFachmann, durchaus groß. Streber, gute vorn. Erschein., solide, mit edlem Charakter, sucht ral wo Auswirkung möglich. Damen im Alter bis 30 J. bitte ich um Zuschr. mit Bild unt. E. N. 7018 a. WeZ., Dim.( Eine tüchtige Metzgersfrau sucht mein Verwandter, 41 Jahre, mittelgroß, katholisch, stille, charatterfeste Strebernatur, mit vor züglichem Ruf, aus anges. Familie. Demnächst käufl. Uebernahme(desh. 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Das war schwerer ausgeführt, als es hier in die Reiseschreibmaschine jetzt nach glücklicher Vollendung dieser Aufgabe, getippt ist. Uebrigens zieht unten gerade ein Wachkommando unserer Wehrmacht mit dem Musikzug durch die Königstraße— und die Dortmunder Parteigenossen, von denen ich mich soeben verabschiedete, stehen unten auf der Straße und sehen dem schneidigen Marsch unserer Soldaten und Marinesoldaten zu. Die wie silberne Vögel über die Dächer und Zinnen Nürnbergs schwirrenden Flugzeuge unserer Wehrmacht— bei diesem blauen und sonnenüberstrahlten Himmel ein phantastisch schöner Anblick— hatten sie schon früh aus den dern“ geworfen. Nach fast stundenlangem Fragen und Suchen hatte ich dann glücklich eine Gruppe von Dortmundern erwischt, die am AdolfHitler=Platz stand und sich einen der schönen Nürnberger Brunnen anschaute und die für den Vorbeimarsch vor dem Führer errichteten Tribünen besichtigten. Und da ich sie nicht mehr los ließ, konnten wir im Laufe des schönen Vormittages dann auch noch mit vielen anderen zusammen kommen. Zu einer Rundfahrt mit einem der kleinen, wendigen Omnibusse sind wir zunächst gestartet, und ich kann hier nur versichern, daß wir eine Stunde erlebten, die allen unvergeßlich bleiben wird. Blendend erledigte sich der Fremdenführer seiner Aufgabe, uns die Bedeutung der Stadt der Reichsparteitage zu erläutern. Wir fuhren an der alten Burg, an den alten Domen, dem Rathaus, dem Haus Frauen der NS-Frauenschaft des Kreises Dortmund bei einem Bummel durch Nürnberg So etwas sieht man nicht alle Tage, da lohnt es sich schon, eine Aufnahme zu riskieren. Hans Sachsens usw. vorbei, wie wir hierbei auch Gelegenheit hatten, eine Anzahl der monumentalen Bauten kennenzulernen, die jetzt erst entstanden sind und sich wirkungsvoll in den Rahmen dieser Stadt einpassen. Mit Landsleuten aus anderen deutschen Gauen, besonders mit den in ihren malerischen Trachten in Nürnberg so zahlreich vertretenen Frauen aus den deutschen Gauen haben wir zusammengestanden und uns viel erzählt. Dann sind wir durch die Gassen und Gäßchen sowie durch eine Reihe sehr alter Höfe mit wunderschönen Fachwerkhäuschen gewandert. Die Bilder vermitteln einen kleinen Eindruck von dem, was wir alles gesehen und erlebt haben.„So einen schönen Vormittag muß man sich immer wieder nehmen, wenn man nach Nürnberg kommt“, sagte mir ein Dortmunder Parteigenosse.„Er ist ein Erlebnis für sich, und die Streifzüge vermitteln einem immer etwas Neues, selbst wenn man glaubt, Nürnberg schon wie seine Westentasche zu kennen.“ O. P. B. Rummernschilder in Ordnung halten Eine Mahnung an belehrbare Kraftfahrer! Der Polizeipräsident teilt mit: Wiederholt ist in der Presse darauf hingewiesen worden, daß die Kennzeichen an den Kraftfahrzeugen in tadellosem, gut lesbarem Zustand zu halten sind. Wie neuerdings von den Revieren und Außenbeamten- gemeldet wird, sind in den letzten Tagen infolge des regnerischen Wetters wieder eine Reihe von Kennzeichen in verschmutztem Zustand beobachtet worden. Alle verantwortungsbewußten und belehrbaren Kraftfahrer werden nochmals darauf hingewiesen, daß verschmutzte Kennzeichen sofort zu reinigen sind und der einwandfreie Zustand der Kennzeichen fortlaufend vom Führer zu prüfen ist. Nachlässigkeiten in dieser Hinsicht werden unnachsichtlich mit Geldstrafen nicht unter 20 AM. geahndet; bei wiederholten Verstößen wird mit Entziehung des Führerscheins vorgegangen werden. Zum Erntedankfest zum Bückeberg Kein großes Ueberlegen gibt es, wenn man die Möglichkeit hat, für 3,90 Mark am 4. Oktober am Erntedankfest auf dem Bückebera teilnehmen zu können. Insbesondere werden die Ortsbauernschaften auf die billige Fahrgelegenheit mit „KdF“ aufmerksam gemacht. Anmeldungen müssen sofort vorgenommen werden. Aufnahmen: O. P. Brandt In den festlich geschmückten Straßen der Reichsparteitagstadt Und wieder der Freitag...! Neun Verkehrsunfälle, ein koter, fünf Verletzte Am Freitag wurde wiederum ein junges Menschenleben durch einen Verkehrsunfall vernichtet. Die 21jährige Elisabeth Theimann, Huckarderstraße 134 wohnhaft, befuhr gegen 20.50 Uhr die Huckarderstraße mit einem Fahrrade. In anderer Richtung fuhr ein Lastkraftwagen mit Anhänger mit mäßiger Geschwindigkeit. Als der Lastkraftwagen die Radfahrerin überholt hatte, bog diese, nicht ahnend, daß der Kraftwagen noch einen Anhänger hat, nach links ein um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Infolge der Dunkelheit fuhr sie direkt gegen den Anhänger und wurde überfahren. Sofort den Städtischen Krankenanstalten zugeführt, verstarb sie dort zwei Stunden nach ihrer Einlieferung. Die bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß den Fahrer des Lastkraftwagens keine Schuld trifft. Der 4 Jahre alte Günther K., Klarenbera 13 wohnhaft, wurde am Freitag gegen 9.50 Uhr auf der Benninghofer Straße von einem Personenkraftwagen angefahren und am Kopfe verletzt. Das Kind wurde dem Josefshospial zugeführt. Es trägt an dem Unfall selbst die Schuld, weil es die Straße überquerte, ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten. Die Radfahrerin Lydia O., die am Freitag gegen 14 Uhr die Münsterstraße befuhr, wurde in Höhe des Hauses Nr. 231 von einem Personenkraftwagen angefahren. Sie zog sich dabei eine Quetschung der linken Hüfte und einen Bluterguß am linken Knie zu. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes der Münsterstraße wurde am Freitag gegen 18 Uhr der Invalide Otto M. aus der Schützenstraße von einem Lieferkraftdreirad angefahren. Er erlitt Prellungen am linken Fuß und Ellenbogen. Auf der Hamburger, Ecke Saarbrücker Str. wurde am 11. 9. 1936 gegen 20 Uhr der Radfahrer Wolfgang Sch. von einem Lastkraftwagen angefahren. Er trug schwere Prellwunden im Gesicht davon und wurde dem Johanneshospital zugeführt. Außerdem ereigneten sich am Freitag nock vier weitere Verkehrsunfälle, bei denen großer Sachschaden zu verzeichnen war. Städtische Konzerte Dortmund Die diesjährige Konzertspielzeit wir eröffnet. mit einem Chorkonzera, das in Ge meinschaft mit dem Dortmunder Musikverein an Sonntag, dem 27. September, nachmittags 4.30 Uhr im Fredenbaum stattfindet. Zur Aufführung gelangt unter Wilhelm Siebens Leitung die Misse solemnis von Beethoven, die ursprünglich auf der 29. März 1936 angesetzt war und infolge de Reichstagswahl auf diesen Tag verlegt werder mußte.— Als Solisten wirken mit: Helene Fahrn (Sopran), Lore Fischer(Alt), Heinz Martei (Tenor) und Karl Oskar Dittmer(Bariton). Die bereits für dieses Konzert gelösten Karter behalten ihre Gültigkeit. Weiter wird darauf hin gewiesen, daß die neu zutretenden Vormieter diese Spielzeit auf die Eintrittspreise dieses Konzerte eine Ermäßigung von 25 Prozent erhalten. Die Tücke des Objekts, liebe Freunde, wir alle haben sie schon einmal an uns erfahren. So handgreiflich unfreundlich und herzlos, wie sie sich meinem guten Bekannten Friedrich gegenüber äußerte, tritt sie zum Glück nicht eben oft auf. Der kommt zu Beginn dieser Woche in abendlicher Stunde heim, greift in die gewohnte Tasche und findet den Schlüsselbund nicht. Als abgeklärter Mann läßt er durch diesen Zwischenfall sein zartes Nervensystem nicht in Unordnung bringen, sondern sucht mit Ruhe alle Taschen ab, in die sich die zum Oeffnen der Tür unentbehrlichen Gegenstände verkrümelt haben könnten. Nichts fand er darin, was Aehnlichkeit mit seinen Schlüsseln aufwies. Weg waren die Dinger, vielleicht mit dem Taschentuch herausgezogen und unter das Fußvolk geraten. Soll man sich dadurch die Laune vermorxen lassen? Durchaus nicht. Gleich um die Ecke war ja eine Wirtschaft, und in der Wirtschaft Telefon und Einwohnerbuch. Mit deren Hilfe konnte man es schnell heraushaben, wo der nächste Schlosser wohnte. Den würde man anrufen, in Nahrung setzen, und in wenigen Minuten in der Wohnung sein. So dachte Friedrich und so handelte er, doch sollte es noch eine lange Weile dauern, ehe er sein trautes Heim betreten konnte. Denn der erste ans Telefon gerufene Meister bedauerte sehr, aber er stehe fertig gerüstet um zum Kegelabend zu gehen. Der aber sei der Lichtblick in seinem trüben Dasein, das müsse der Herr doch verstehen. Aber sein nächster Kollege, zu erreichen unter Nummer Soundso, der würde gewiß mit seinen schmucken Dietrichen gern zur Verfügung eilen. Das erwies sich leider als ein böser Aberglaube. Auch der zweite Meister war verhindert, weil er, so dröhnte es mit rollendem Baß unserem Friederich aus der Hörmuschel entgegen, die Geschäftsbücher richten müsse. Das Finanzamt sei so schrecklich eigen in diesen Sachen und er stecke jetzt gerade so schön mitten drin im dividieren von Gewinn und Verlust, da könne er nicht aufhören. Wie ging es beim Anruf des dritten Meisters? Nun, der begann fürchterlich zu lachen an der anderen Seite des Drahtes, als der inzwischen leicht ungeduldig gewordene Friederich sein Begehr nach einem Meister der Türöffnekunst darlegte. Das sei ein guter Witz— haha, aber ihn könnten die Stammtischbrüder doch nicht auf den Arm nehmen— haha. Mitten in der Nacht vor eine fremde Tür jagen, den Zahn sollten sie sich nur ziehen lassen— haha, wenn sie die Stimmen auch ganz gut verstellt hätten, hahaha! Da hat's bei Friederich gedämmert, daß er hier verkannt wurde, und daß der Meister den telefonischen Notschrei für einen faulen Zauber seiner Stammtischbrüder genommen hatte. Und dann ist die Suche nach dem rettenden Schlossermeister weitergegangen, auf immer größere Entfernungen von seinem Wohnbezirk. Eine Mark und zwanzig Pfennig wanderten dem Telefonautomaten in den Schlund— so versichert Friederich— und jeder bedeutete einen bedauernden Schlossermeister, von denen einige ganz deutlich ausdrückten, sie dächten gar nicht daran, wegen einer lumpigen verschlossenen Tür sich nach Feierabend noch die Beine abzulaufen. Erst als der arme Friederich vor Kummer beinahe ohnmächtig zu werden begann, da hat ihm die Nummer dreizehn Glück gebracht, da meldete sich ein wackerer Meister aus der Hermann=Göring=Straße und kam zum Mittelpunkt der Stadt und brachte die Sache in Ordnung. War das Kundendienst, so frage ich, und die Antwort muß durchaus verneinend ausfallen. Soll der Friederich ruhig ein bißchen übertrieben haben, ziehen wir von dem Dutzend vergeblicher Anrufe getrost 33½ vom Hundert als Glaubwürdigkeitsskonto ab, dann bleibt immer noch eine ganze Reihe wenig gefälliger Meister, die uns den Verlust des„Hausknochens“ außer der Werkzeit als ein wahres Unglück erscheinen lassen. * Ganz anders auf den„Dienst am Kunden“ versessen war ein junger Polizeibeamter, der am Sonntag, den schönen dienstfreien Feiertag zu genießen, mit seinem angetrauten Weibe— aber nein, halt ein bißchen, sie sind ja doch wohl erst verlobt— auf dem Motorrad spazieren fuhr. Mitten auf dem Westfalendamm verursachte er dem schönen Kinde plötzlich keinen geringen Schrecken, als er plötzlich„einen Zahn drauftat", daß die Gummiräder wie toll auf dem Kopfpflaster zu trommeln begannen.„Pirat der Landstraße in Sicht“— so etwas ähnliches verstand das Mädchen wohl, aber troßzdem konnte es sich nicht denken, daß die wohlachtbar aussehende Limousine, die da vor dem Motorrad herflitzte, damit gemeint sein konnte, führte die doch weder eine Piratenflagge noch sonstige auffällige Kennzeichen. Die Jagd lief so aus, daß der Kraftwagen schließlich gestoppt wurde. Der darin saß, war ein bleich gewordener junger Mann, dessen fortgeschrittene Intelligenz zwar hingereicht hatte, diesen Wagen zu klauen— den sechsten in seiner Laufbahn— aber nicht erfassen konnte, warum er„aufgefallen" war. „Die Praxis machts, die Praxis und ein gewisser Riecher“— sagte der junge Polizeibeamte als nach solcher unvorhergesehenen Unterbrechung die Sonntagsfahrt fortgesetzt wurde. Und diesen Riecher bewährte er am selben Abend noch einmal, als er einen Kraftwagen um die Grafenhofecke mit einer Kurventechnik herumkommen sah, wie sie einem Bernd Rosemeyer alle Ehre gemacht hätte. Wenden und hinterherfahren waren eins, und da konnte er gerade noch sehen, daß der Wagen mit zwei Rädern über den Bürgersteig ging, und Fußgänger an dieser Stelle wild auseinanderstoben. Wie der junge Polizeibeamte die Sache zu Ende brachte, das war bildschön. Krach im Führersitz bei der freundlichen Aufforderung, zur nächsten Polizeiwache zu lenken; aber wenn ein Mann ohne Führerschein am Steuer sitzt, ganz gleich ob er nach hochprozentigem Sprit duftet oder nicht, dann steht die Sache für ihn immer schlecht. Das mächtig dicke Ende wird nachkommen, und es kann gar nicht dick genug sein für den, der kostbares Menschenleben so leichtsinnig gefährdete. * Und nun noch ein Wort von Spazierstockträgern, wenigstens über eine gewisse Sorte dieses Spezies, die auch zu den„Gefahren der Straße“ gehört. Eigentlich ist der Spazierstock heute wohl nicht mehr„modern", weil die Männer gelernt haben, ohne Stütze zu gehen. Trotzdem begegnet man dem Herrn mit dem Spazierstock noch verhältnismäßig oft, es sind da noch prächtige Stücke im Gebrauch, solche mit Elfenbeinknöpfen und Silberkrücken, neben dicken Eichen und Malakkas. In der Menge der Durchschnittsmenschen beachtet man den Herrn mit dem Stock recht wenig, doch kann es geschehen, daß man recht unangenehm auf ihn aufmerksam gemacht wird. Zum Beispiel geschieht das auf der Plattform der Straßenbahn, wenn wir mit Geschick bestrebt sind, den Zeitgenossen auszuweichen, die uns ein Loch in den Rock zu brennen entschlossen sind. Gerade in den Kurven erfordert das viel Aufmerksamkeit, und gerade dann kann es geschehen, daß sich eine eisenbeschlagene Spitze energisch in das Oberleder unseres Schuhes bohrt, und unser Schmerz übertönt wird von einem freundlichen„Hoppla, war das ihr Fuß?“ Oder wir gehen die Straße entlang und treffen gleich zwei dieser Stockträger, die ihre Stecken hinter sich gestellt haben und sich gemütlich darauf stützen. Stolpern wir in Gedanken über einen solchen Stock, dann haben wir es schon verdorben, dann wird uns versichert, daß wir nie im Leben ein feiner Mann werden können. Sieht man das Hindernis, dann muß ein großer Bogen geschlagen werden, denn zwei Mann mit Stöcken, das heißt ein gesperrter Bürgersteig. Aber der ist uns noch immer lieber als ein Spazierstockschwinger, der sein Wanderholz verwegen durch die Gegend schwenkt, Köpfe und Hüte in Gefahr bringt und das für sein gutes Recht hält. Immerhin, sie sind nicht zahlreich, sonst müßte man wahrhaftig noch Verkehrsregeln für sie entwerfen, aber das wird nach dieser wohlmeinenden Mahnung wohl kaum noch nötig sein. Otto. Zeichnungen: Erika Pilius-Beccard JJué Vurnbuiß Juc Ceosu.- Punibe#b-oni#nu6 Wohl selten war die„Westfälische Landeszeitung Rote Erde“, besonders die Ausgaben vom 1. bis 16. September, derart stark gefragt, als gerade in der Woche, in der dieses große Preisausschreiben lief. Vor allem erfreuten sich die umfangreichen Sportbeilagen mit ihren reichhaltigen Berichten und interessanten Interviews mit den erfolgreichen Sportlern einer besonders starken Beachtung, galt es doch, 68 Goldmedaillen=Sieger zu erkennen und mit ihren Vornamen zu benennen.— Und sie sind erkannt worden! Aus der Fülle der vielen tausend Einsendungen gingen derart zahlreiche richtige Lösungen hervor, daß aus ihnen allein sämtliche 140 Preise ausgelost werden konnten. Ein schönes Zeichen für die große Sorgfalt und vor allem für das rege Interesse, mit dem die Leser der „WLZ.(Rote Erde“ an die Lösung der ihnen gestellten Aufgabe herangingen. Es war sicherlich keine leichte Arbeit und mancher von ihnen wird nach langen, verzweifelten Versuchen kurz vor der„Aufgabe“ gestanden haben, doch die vielen wertvollen Preise lockten zu sehr uno zum Schluß zeigte sich denn auch hier, daß Beharrlichkeit doch zum Siege führt. Und die vielen und schönen Geldpreise der glücklichen Gewinner werden schnell Arbeit und Verdruß— denn den wird es sicherlich gegeben haben, wenn sich trotz aller Mühen der Vorname nicht finden lassen wollte— vergessen lassen. Aber auch die vielen anderen Teilnehmer, die diesmal nicht zu den Gewinnern zählen, haben ihre Arbeit nicht umsonst geleistet, denn sie haben bewiesen, daß sie an dem großen Erleben auf der XI. Olympiade in Berlin nicht spurlos vorübergegangen sind und gezeigt, wie stark sie sich mit dem deutschen Sport als dem Hüter deutscher Volksgesundheit verbunden fühlen. Deshalb sei allen Teilnehmern nochmals gedankt, vor allem aber für das Interesse, das sie damit der„WLZ.(Rote Erde“ gegenüber bekundeten. Um nun noch einmal allen Gelegenheit zu geben, ihre Ergebnisse mit der Lösung, wie sie als richtig prämiiert wurde, zu vergleichen, lassen wir diese nachstehend folgen: Die Auslosung der Gewinne erfolgte, wie bereits angekündigt, durch einen Notar. Auszug aus dem Protokoll mit der gleichzeitigen Nennung der durch das Los bestimmten Gewinner finden Sie nachstehend. 1. Preis RM. 100.— Karl Plöger, Dortmund, Scharnhorststr. 87. 2. Preis RM. 50.— Helmut Bergmann, Münster Westf., Urbanstraße 11. 3. Preis RM. 30.— Heinrich Obers, Essen, Stadtwaldwende 6. 4. Preis RM. 20.— Willy Wilke, Dortmund, Arnold-Böcklin= Straße 43. 5. Preis RM. 10.— Hedwig Schober, Dortmund, Missundestr. 7. Preise zu RM. 5,— Gerhard Gruschczyk, Dortmund=Hombruch, Harkortstraße 71. Hans Schwake, Bochum=Langendreer, Lünsenderstr. 4 Wilhelm Dallwig, Castrop=Rauxel, Herner Str. 10. Paula Spottke, Dortmund, Kleverstraße 8. Wilhelm Schäfer, Dortmund, Althoffstraße 10. Karl Krischkat, Dortmund, Steinmetzstraße 17. Huldreich Hopfe, Dortmund=Hörde, Hermannstr. 70. Hilde Werner, Dortmund, Große Heimstraße 31. Willi Schwalbenbach, Dortmund, Steubenstraße 15. Helene Kröner, Dortm.=Mengede, Mengederstr. 688. Preise zu RM. 3.— Irmgard Helmus, Dortmund, Horst=Wessel=Platz 21. Fritz Tiras, Dortmund, Märkischestraße 84. Franz Harren, Dortmund, Hüttemannstraße 46. Willy Irle, Dortmund=Hörde, Reiner=Daelen=Str. 4. Elisabeth Stridtzel, Dortmund, Betenstraße 19. Waltraut Ronnenbach, Dortmund, Märkischestr. 48. Emilie Jeding, Dortmund. Hohe Straße 133. Liesel Wolf, Dortmund, Hausmannstraße 13. Willi Hermannsmeier, Dortmund, Kesselstraße 40. Arnold Hofstadt, Dortmund=Mengede, Große Riedbruchstraße 29. Hans Annies, Dortmund=Löttringhausen, Am Trienensiepen 8. Karl Heimink, Dortmund, Kaiserstraße 176. Arthur Grapp, Dortmund. Rheinischestraße 11. Wilhelmine Selmikat, Dortmund, Münsterstr. 157. Frieda Köster, Dortmund, Corneliusstraße 9. Walter Bröcker, Dortmund, Düsseldorfer Straße 62. Hans Sikora, Dortmund, Burgholzstraße 65. Albert Pähler jun., Dortmund, Königswall 2. Adolf Richter, Dortmund, Brunnenstraße 34. M. Klapik, Dortmund, Westenhellweg 77/79. Inge Hollinde, Dortmund=Hörde, Seekante 45. Herm. Gottschalk, Dortm.=Dorstfeld, Knappenstr. 1. Paula Bellenberg, C.=Rauxel, Adolf=Hitler=Str. 96a. Wilhelm Sommer, Dortmund, Oesterholzstraße 121. Otto Buchis, Dortmund, Uhlandstraße 148. Frau Liebsch, Dortmund, Hohe Straße 133. Heinrich Venohr, Dortmund, Lessingstraße 13. Franz Wiese, Dortmund, Uhlandstraße 129. Willy Pahle, Dortmund, Bornstraße 107. Frau Marta Bohrmann, Dortmund, Sunderweg 18a. Herbert Kolditz, Dortmund, Burgholzstraße 240. Wilhelm Schulze=Warmeling, Dortmund=Mengede, Molkereistraße 1. Maria Jansing, Dortmund, Wambeler Str. 41. Friedrich Krüger, Dortmund, Brunnenstraße 26. Clärchen Rufer, Dortmund, Adolf=Höh=Straße 9. Kurt Schwandrau, Dortmund, Haydnstraße 50. Ernst Köster. Castrop=Rauxel, Kaiserstraße 102. Wilhelm Korte, Kirchderne, Derner Straße 383. Alma Ekardt, Dortmund, Brandenburger Str. 10. Heinrich Hausmann, Dortmund, Althoffstraße 10. Edelhardt Stark. Dortmund, Kohlgartenstraße 19. Ella Skudlapski, Dortmund, Uhlandstraße 31. Anna Radzuhn, Dortmund, Bornstraße 49. Artur von Wrede, Dortmund=Mengede, Georg=Hallermann=Straße 26. Paul Goedde, Dortmund, Wambeler Straße 28. Hildegard Ritter, Castrop=Rauxel, Wittener Str. 47. Karl Werner=Naumburg, Dortmund, Göringstr. 55. Walter Makel, Dortmund, Mallinckrodtstraße 113. Franz Volkhausen, Kamen, Kirchstraße 4. Heinrich Schnelle, Dortmund, Südwall 29. Preise zu RM. 2.— Heinz Müller, Dortmund, Schillerstraße 81. Hildegard Nockemann, B.=Werne, Wallbaumweg 14 Ellen Berger, Dortmund, Davidisstraße 7. Frau Ilse Albrecht, Dortmund, Meißenerstraße 37. Frau Hilde Halberstadt, Dortm.=Brünninghausen, Kühnstraße 2. Karl Eitner, Dortmund, Bleichmärschstraße 30. Ewald Pascha, Dortmund, Düsseldorfer Straße 49. Wilhelm Olczyk, Dortm.=Huckarde, Rahmerstr. 130. Frau Catha Kölling, C.=Rauxel 1, Ringstraße 27. E. Sonnenberg, Castrop=Rauxel 1, Ringstraße 93. Kurt Foerster, Dortmund, Halleschestraße 7. Walter Becker, Dortmund, Hohe Straße 284. Wilhelm König, Dortmund=Husen, Tiewinkel 18. Erich Todebusch, Dortmund, Münsterstraße 157. A. M. Bockenkröger, RAD. Abtlg. 6/205, Fröndenberg=Ruhr. Otto Fettweis, Dortmund, Liebigstraße 31. Heinrich Hustädt, Dortmund=Lütgendortmund, Dellwigerstraße 288. Lieselotte Düker, Dortmund=Westerfilde, Westerfilder Straße 25. Helmuth Both, Essen, Sommerburgstraße 85. Richard Batt, Dortm.=Wellinghofen, Preinstr. 103. Franz Tübbing, Castrop=Rauxel 1, Biesenkamp 20. Hermann Hopfeld, Dortmund. Neuer Graben 145. E. Hölscher, Dortmund, Moltkestraße 11. Wilhelm Franz, Dortmund, Gneisenaustraße 50. Walter Lawrenz, Dortmund, Wittelsbacherstr. 19. Gerhard Wachenfeld, Fröndenberg=Ruhr, Friedrich= Bering=Straße 13. Johann Hamburg, Dortmund, Schlageterstraße 3. Herbert Diecks, Dortmund, Sonnenstraße 208. Wilhelm Erdmann, Dortmund, Lange Reihe 112. Anton Schulte. Dortmund, Bonifatiusstraße 4. Frau Emmi Robbert, Fröndenberg, Haßleistraße 59. Paul Kamp, Dortmund, Heimbaustraße 12. Wilhelm Liebertz, Dortmund=Mengede, Natusstr. 1. Bruno Krüger, Castrop=Rauxel 4, Lackestraße 73. Helmut Glagowski, Dortmund=Berghofen, Kneebuschstraße 88. Anneliese Röhle, Dortmund, Kronprinzenstraße 19. August Taubhorn. Dortmund, Langestraße 40. Rudolf Hüncke, Dortmund, Erwinstraße 20. Fritz Teubner, Schwerte=Ruhr, Graf=Adolf=Str. 7. Georg Standke, Dortmund, Körner Hellweg 112. Karl Sernau, Castrop=Rauxel 1, Ringstraße 35. Karl Dieks, Dortmund, Sternstraße 42. Helene Werbinsky, Massen, Kr. Unna, Bockumweg 29 Herm. Mecklenboeck, Dortmund, Matthias=Grünewald=Straße 55. Inge Ventur, Dortm.=Hörde, Benninghofer Str. 1. Stephan Ludegge, Dortmund, Große Heimstraße 70. Ernst Normann, Dortm.=Barop, Am Beisenufer 4. Helmut Krause, Dortmund, Große Heimstraße 120. Fritz Meibert, z. Zt. Castrop=Rauxel I, Dortmunder Straße 26. Albert Schmitz, Dortm., Von=der=Tann=Straße 10. Wilhelm Lammeck. Dortm.=Lütgendortmund, Dellwiger Straße 292. Wilhelm Betzer, Dortmund, Wüstenhof 10. Viktor Lochen, Dortm.=Dorstfeld, Fine=Frau=Str. 92. Heinrich Heuner, Bergisch=Gladbach b. Köln, Paffratherstraße 48. Wilhelm Modler, Castrop=Rauxel 4, Tönnisheide 29. Elisabeth Hustedt, Dortmund, Osterlandwehrstr. 11. August Brauckhoff, Holzwickede, Krs. Unna, Hengserstraße 88. Hedwig Schmidt, Dortmund, Wilhelmstraße 82. Hans Jonas, Dortmund, Meißener Straße 44. Heinrich Jungmann, Dortmund, Steinmetzstraße 13. Th. Trappe, Dortmund, Alter Mühlenweg 44. Hugo Bothe, Dortmund, Landgrafenstraße 103. Marga Schulte, Dortmund, Hausmannstraße 20. Johann Unger, Castrop=Rauxel, Grünbergstraße 9. Max Bremer, Dortm.=Hörde. An der Gogmark 82. W. Wiese, Schwerte, Ostenstraße 5. Theo Spanke, Dortmund=Bodelschwingh, Bodelschwinghstraße 131. Walter Trust, Dortmund, Teewaagestraße 42. Sigurd Haarmann, Castrop=Rauxel, Amtstraße 61. Franz Sack, Dortmund, Vinckestraße 5. Rudolf Dillenhöfer, Dortmund, Hamburger Str. 75. Ludwig Böcker, Dortm.=Hörde, Wellinghöfer Str. 108 Richard Stoecker, Dortm.=Hörde, Hochofenstraße 36. Bergmann Franz Offert, Dortmund=Kirchlinde, Zollernstraße 23. Gerhard Sadlowski, Dortmund, Göringstraße 61. * Ich bescheinige hiermit, daß die Auslosung in einwandfreier Weise entsprechend den angekündigten Bedingungen erfolgt ist und die oben Aufgeführten als Preisträger ermittelt worden sind. Dortmund, den 8. September 1936. Friedrich Schmöle, Assessor, als amtl. bestellter Vertreter des Notars Wilhelm Stockheck. ARRTT Leichtathletik Jesse Owens, 100=Meter=Lauf, USA., Rüschenbeck. Jesse Owens, 200=Meter=Lauf, USA., Bierhaus. John Woodruff, 800=Meter=Lauf, USA., Mettner. John Edward Lovelock, 1500=Meter=Lauf, Neuseeland, Roland Gunnar Höckert, 5000=Meter=Lauf, Finnland, Schw.= Gajeck. Ilmari Salminen, 10000=Meter=Lauf, Finnland, Nordsee. Kitei Son, Marathonlauf, Japan, Böhmer. Volmar Iso Hollo, 3000=Meter=Hindernis, Finnland, Dissel. Harald Whitlock, 50=Kilometer=Gehen, Großbritannien, Ortner. Forrest Towns, 110=Meter=Hürden, USA., Herbold. Glenn Hardin, 400=Meter=Hürden, USA., Offenbach. Cornelius Johnson, Hochsprung, USA., Markus. Jesse Owens, Weitsprung, UISA., Groth. Naoto Tajima, Dreisprung, Japan, Grügelsiepe. Earl Meadows, Stabhochsprung, USA., Knabe. Kenneth Carpenter, Diskus, USA., Konsumverein. Gerhard Stöck, Speer, Deutschland, Vossen. Hans Woellke, Kugel, Deutschland, Kopfermann. Karl Hein, Hammer, Deutschland, Wieck. Glenn Morris, Zehnkampf, USA., Stadtsparkasse. Frauen Helen Stephens, 100=Meter=Lauf, USA., Hutt. Trebisonda Valla, 80-Meter=Hürden, Italien, Berns & Co. Ibolya Csak, Hochsprung, Ungarn, Schmitz. Tilly Fleischer, Speerwerfen, Deutschland, Cramer & Meermann. Moderner Fünfkampf Gotthardt Handrick, Deutschland, Kröger. Schwimmen Ferenc Csik, 100=Meter=Kraul, Ungarn, Vogelsang. Adolph Kiefer, 100=Meter=Rücken, USA., Schließer. Tetsuo Hamuro, 200=Meter=Brust, Japan, Hummel. Jack Medica, 400=Meter=Kraul, 1SA., Dehler. Dick Degener. Kunstspringen, USA., Gräf. Marshall Wayne, Turmspringen, USA., Schließer. Frauen Rie Mastenbroek, 100-Meter=Kraul, Holld., Klischan. Dina Senff, 100=Meter=Rücken, Holland, Heberlein. Hideko Machata, 200=Meter=Brust, Japan, ReweKrone. Rie Mastenbroek, 400-Meter=Kraul, Holland, Edeka. Margie Gestring, Kunstspringen, USA., Gasanstalt. Dorothy Poynton=Hill, Turmspringen, USA., Berthold. Turnen Alfred Schwarzmann, Langpferd, Deutschland, Sondermann. Konrad Frey, Seitpferd, Deutschland, Jurkeit. Georges Miez. Freiübungen, Schweiz, Kortmann. Alois Hudec, Ringe, Tschechei, Theisen. Alfred Schwarzmann, Zwölfkampf, Deutschland, Reuße. Schießen Torsten Ullman, Scheibenpistole, Schweden, Müller. Cornelius van Ohen, Schnellfeuerpistole, Deutschland, Bienfait. Willy Rögeberg, Kleinkaliberschießen, Norwegen, Diepenbrock. Fechten Giulio Gaudini, Florett=Einzel, Männer Italien, Reuße. Reiten Heinrich Pollay, Dressurprüfung, Einzelwertung, Deutschland, Schröder. Rudern und Segeln Gustav Schäfer, Einer=Rudern, Deutschl., Schmelter. Gregor Hradetzky, Faltboot=Einer, Oesterreich, Vanek. Ernst Krebs, Kajak=Einer, lange Strecke, Deutschland, Dtd. Eisenh. Gregor Hradetzky, Kajak=Einer, kurze Strecke, Oesterreich, Peters. Peter Bischhoff, Starboot=Klasse, Deutschl., Meyen Kaniel Kagchelland, Jollen, Holland, Liebler. Radfahrer Toni Merkens, 1=Kilometer=Malfahren, Deutschland, Legemann. Robert Charpentier, Straßenfahren, Einzelwertung, Frankreich, Verbandssparkasse. Arie van Vliet, 1=Kilometer=Zeitfahren, Holland, Heiland. Boxen Willi Kaiser, Fliegengewicht, Deutschland, Körling. Sten Suvio, Weltergewicht, Finnland, AutomatenHandel. Herbert Runge, Schwergewicht, Deutschland, Böhmer. Ringen (Griechisch=römisch) Lauri Koskela, Leichtgewicht, Finnl., K.=Hoffmann. Rudolf Svedberg, Weltergewicht, Schweden, Vemlinde. Axel Cadier, Halbschwergewicht, Schweden, R.& Ahrens. Kristjahn Palusalu, Schwergewicht, Estland, Baum. Schwerathletik Anthony Terlazzo, Federgewicht, USA., FinkeLeibstein. Mohammed Ahmed Mesbah. Leichtgewicht, Aegypten, Cramer& Meermann. Khadr El Touni, Mittelgewicht, Aegypten, Wolf. Louis Hostin, Halbschwergewicht, Frankreich, Becker. Josef Manger, Schwergewicht, Deutschland, Krick. Verantwortlich für Groß-Dortmund und Umgebung: H. Viefhaus in Dortmund. Luis Trenker Der Kalser von Hunderttausende sahen in kurzer Zeit diesen Film. Wollen Sie ihn versäumen? Gehen Sie sofort ins CAPITOL 3.30 5.40 8.00 So. ab 2.00 Uhr Nur noch bie Montag! Jugendliche über 14 Jahre haben Zutritt Stühle, Tische, Polstersessel Stuhl-Becker Dortmund, Burgwall 35, Telelon 32121 Höchste Auszeichnungen. Referenzen In tast allen Gegenden Deutschland: Ein UFA-Spitzenfilm packender, menschlicher Schicksele, durchwoben von den Klängen unsterblicher Musik, getragen von der begeisternden Kunst schauspielerischer Persönlichkelten, erfüllt von einmaliger Erlebniskraft In welteren Rollen: Peter Bosse, Theodor Loos, Maria Koppenhöfer, Paul Otto, Erich Ponto Die musikal. Darbletungen indlesem FIIm erfolgen unter Mitwirkung des Orchesters der Berliner Staatsoner und der Berliner Solisten-Vereinigung Prädlket: Künstlerisch wertvoll! Auf der Internationalen Fllmkunstausstellung in Venedig erhleit dieses Spitzenwerk der UFA den Theaterpreis 1936 Heute: 14.00 15.30 17.55 20.10 GB UEA PALAST DORTMUND UNSETET 4.50 Täglich 9.15 Der Beltel sludent mit LotteGarola Magda Okon Fritz Tellhelm letzt 25000 Selbstt.-Unlon 8 =abrikneue MarkenNähmaschinen BM. 98.-versenkb. schöne Ausstattung. Wily Witthoft Am Körnerplatz, Ecke 1. Kempstr. Versandn. all. Orten Großreinemachen eine Freude mit Reinigungs= und Pflegemittel Frenkel 4001. Verkaufsstelle: Wilhelm Timmerbrink, Farben u. Lacke, Dortmund, Kaiserstraße 72 Hersteller: Hermann Frenkel, Lackfabrik, Leipzig-Mölkau. C Jansschule Schoppmann Ende September beginnen die neuen Tanz-Gesellschaftskurse Auskunft und Anmeldung Hausmannstr. 14, Ruf 2 5933 tandedensten donpete Städtische Konzerte Dortmund Sonntag, 27. September 1936, 16.30 Uhr, Fredenbaum: CHORKONZERT mit dem Dortmunder Muslkverein L. v. Beethoven Missa solemnis Solisten: Helene Fahrni, Sopran Lore Fischer, Alt Ileinz Marten, Tenor Karl, Oskar Dittmer. Bariton Karten von Mk. 0.75 bis Mk. 3.— sind an der Stadttheaterkasse, im Verkehrsverein, Betenstr., und in den Buchhandlungen Krüger. Westenhellweg, und Brügmann, Hansastraßse, zu haben. MR. GREEN'S ENGLISCHE KURSE 4.— RM. den Monat. Beginn des Winterlehrgangs Dienstag, 15. u. Freitag, 18. Sept. 1936. Anmeldung jederzeit: Ba.kenstraße 18. Prentunterticht-—Gobersteungen Detektive BRENSCHEIDTG Co. Rut S2737 DORTMUND Reinoldistr. 5 erledigen streng diskret alle Ver trauensangelegenheiten, insbes. Heirats Auskünfte. Aliment., Ehescheidungen S 00, SLO Staatslotterie Ziehung I. Kl. 20./21. Okt. Lose zu haben in der Staatl. Lotterie= Einnahme Bell Dortmund, Kaiserstraße 10 Fernruf 347•38 Staatslose empfiehlt Dortmund-Hörde Staatliche Lotterie-Einnahme ferner a e Mitteistellen In Dortmurd-Aplerbeck Gustav Stucko, Cöln-Berliner-Str. 35 Dortmund-Hombruch Schmitz& Cle., Perkortstraße 88 K Krankenkasse Aufnahme bis zum 80. Lebensjahr Monatsbeitrag v. 4.- an (ohne ärztliche Untersuchung) Kein Krankensch., Prlvatpatlent Bez.-Dir. G. ERLER, Dortmund Burgwall 10—12 (Altersangebe erwünscht). Antragen nur scnriftlich bis zum 20. September. Schwerhörige im Straßenverkehr sind besonders gefährdet, wenn sie nicht den unauffälligen, klangreinen Hör-Apparat „Overhage“ benutzen. Preis von RM 27.— an. Vorführung unverbindlich, auch In Ihrein Hause. Oplische Anstalt overhage Dortmund. Markt 5 Betten, Das zuverlässige Fachgeschäft zeigt ihnen In einer Auswanl, die einzlgartig ist: Bettwäsche Bettiedern Daunen Inletts Oberbetten Kopfkissen Steppdecken Daunendecken Matratzen Bettstellen Feinlack-Möbel Kinderwagen Fachgemäße Aufarbeitung von Steppdecken, Daunendecken und Matratzen Bellen-Reinigung täglich Ruf 35786 Annahme von Bedartsdeckungsscheinen für Ehestandsdarlehen und Kinderbeihiltsscheinen Erleichterte Zahlungsbedingungen durch die Kunden-Kredit Gmbfl. Dortmund, Hansastr.#8. Wer kauff- schafff Arbeit! TeveModenzur neven JohreszeitNeue Schönhei, neue Eleganz. Mit großer Sorgfalt haben wir alles für Sie ausgewzählt: Aparte Macharten, die Geschmack beweisen; Guglitäten, die zeigen, was wir leisten:: So eröffnen wir die Spison. Bitte beuchten Sie die wunderzollen Herbst: neuheiten, die-wir4bumseren Schaufenstern ausgestellt haben, WESTENHELLWEG OSTENHELLWEG 4. Blatt/ Jolge 250 Westsälische Landeszeitung* Rote Erde Sonntag, den 15. September 1936 Ula-Palast: „Schlußakkord“ Mit den Besonderheiten, die diesen Film als Musikfilm kennzeichnen, haben wir uns bereits bei seiner westdeutschen Erstaufführung eingehend auseinandergesetzt, daß es sich erübrigt, nochmals darauf einzugehen. Musik und Leben sind geschickt zu einer Handlung verwoben, die die Schicksale der Menschen gelöster erscheinen läßt. Willy Birgel steht als Generalmusitdirektor Garvenberg im Mittelpunkt des Interesses und stellt in seiner Persönlichkeit die Verbindung her zwischen den beiden Polen der Handlung. Es geht von ihm ein Fluidum starker Männlichkeit aus, dem sich zu entziehen schwer ist. Mit weltmännischer Glätte und einer Nugnce von Schwermut zeichnet er den Garvenberg Willy Birgel und Lil Dagover in „Schlußakkord“ zu einem Menschen, der in seiner Ehe nicht die Er füllung fand. Lil Dagover als seine Gattin, ist eine Frau, die sich triebhaft an einen Menschen verliert, dessen Verheißungen ihr mehr versprechen als die künstlerische Atmosphäre ihres Heims. Maria Kopvenhöfer führt die Rolle einer Wirtschafterin zu einer eindringlichen Menschengestaltung, empor, die einer gewissen Dämonie nicht entbehrt. Auch Maria v. Tasnady schwingt sich in ihrer Rolle als kämpfende Mutter zu diesem hohen Rang der Darstellungskunst auf, die von Theodor Loos auch in die kleineren Rollen übertragen wird. Der kleine Peter Bosse bewahrte sich auch vor der Kamera eine angenehme natürliche Kindlichkeit. Neben der musikalischen Ausgestaltung, die durch die Berliner Staatsoper, die Berliner Solistenvereinigung und namhafte Solisten gesichert war, sind auch einige photographische und bauliche Leistungen hervorzuheben. Die Wochenschau zeigt einen ausführlichen Bildbericht von den Kämpfen in Spanien und den Auftakt des diesjährigen Parteitages. ho. Odeon: „Oberarzt Dr. Monet“. Gerade in diesem Jahre wurde im Film das Thema Arzt im Berufe, menschlich=persönliche Konlikte im Gegensatz zu seinen Gewissenspflichten, mehreremals angefaßt. Auch zwei deutsche Filme gingen daran, diesen Stoff, der, kraft seines Inhaltes, leicht ins Unwägbare führt, zu gestalten. Wir sahen„Arzt aus Leidenschaft" und, bedeutsam, tiefgründig,„Die ewige Maske". Die Paramount hat ebenfalls einen solchen Film herausgebracht und es läßt sich wohl behaupten, daß hier wieder einmal, an sich ein seltener Fall, gezeigt wird, was uns Amerika zu lehren hat. Im Brentwood=Sanatorium, einer Nervenheil anstalt, trifft ein neuer Chefarzt ein. Ein scharfer Gegensatz zwischen Dr. Mac Gregor, der glaubte Chefarzt zu werden, und dem„Neuen", Dr. Monet, führt beide in schwerste Konflikte. Dazwischen steht Dr. Everest, die bedeutsame Aerztin. Sie glaubt, nur noch ihre Arbeit zu kennen, nachdem ihr der Krieg das erhoffte Glück geraubt hat. Dr. Monet lehnt Frauen als Psychiater ab. Sein Urteil ist in diesem Falle ungerecht, dennoch erwacht die Frau. Dr. Mac Gregor verliert in seinem Haß jede Grenze und innere Distanz, die sein Beruf von ihm verlangt. Die dramatische Spannung, mehr seelisch als im Ereignis, löst sich in der Katastrophe und führt zu einem menschlich=fühlenden Ende Mensch und Pflicht! Wenn das Publikum einmal so weit ist, Filme nach ihrem Regisseur und nicht nach„Stars" zu werten, wird auch der Name Gregory La Cava seinen Platz finden. Die Synchronisierung ist einwandfrei gelungen. Leon Shamway fotografiert teilweise zur„Seele“ hin und Alexander Tobuloffs Bauten verraten große Schule an Innerlichkeit des Raumes, in der Nähe wie im Fernen, Ungewissen. Wie problemhaft die Fassungskraft der Kamera dort wird, wo sie seelische Momente erfassen soll, wissen wir. Hier ist es mit einfachen Mitteln der Gebärde, des Symbols und anderen gelungen. Manchmal packt der Film zu grausam=klar in die Menschen— eine Nervenheilanstalt!— Da tritt ein geistiges Problem nach dem anderen an den Regisseur heran. Er kann sie nicht umgehen, nur lösen und er löst sie. Claudette Colbert gibt den Dr. Everest als reife Frau, die hart ringen muß. Sie überrascht in ihrer Innerlichkeit. Charles Boyer, Dr. Monet, die Arztgestalt in starker, selbstbewußter Männlichkeit, Mac Grea als Mac Gregor, bald launisch, bald aufrecht. Alles fügt sich zu einem Ganzen, harmonisch, klar gezeichnet. Das Beiprogramm zeigt neben der Wochenschau und einem gelungenen Tierfilm einen Kulturfilm aus Ost=Thüringen. Ki. Gloria: „Arzt aus Leidenschaft“ Eine Szene aus dem Film„Oberarzt Dr. Monet“ Dieser Streifen schildert den Kampf eines jungen Arztes um ein Serum, dessen Entdeckung ihm sein Lebensziel bedeutet. Bis zu diesem Ziel hat er keine Arbeit und einmal auch keinen Winkelzug gescheut. Dieser eine Fehltritt im Leben macht ihn zu einem Einsiedler, der andere Menschen in dieses vermeintliche Verbrechen nicht hineinziehen will. Eine tapfere Frau gesellt sich zu ihm als Stütze in der schweren Zeit des Kampfes und als glückliche Lebensgefährtin nach dem Sieg. Albrecht Schönhals gestaltet diesen Arzt aus Leidenschaft mit der ganzen Herbheit und Männlichkeit, die ihm zukommt. Hans Söhnker ist neben ihm ein liebenswürdiger und herzengewinnender Kamerad. Die Gestalt von Gerda Maurus atmet die Abgeklärtheit, unter deren Oberfläche die Glut der Gefühle verzehrend lodert. Karin Hardt weiß sich als verwöhnte Patientin und liebende Kameradin die Herzen zu erobern. Karl Dannemann, Franz Weber und Otto Wernicke geben der Handlung auch in kleineren Rollen einen guten Rahmen, während Josef Eichheim und Joe Stöckel mit Eva Tinschmann für eine humorvolle Würze sorgen Decla: „Durch die Wüste“. Karl May wurde hier verfilmt und es entstand ein Werk, das sich wohltuend von einer ganzen Reihe wilder Abenteurerfilme unterscheidet, deren Inhalt in der Regel zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist.„Kara ben Nemsi, der große Jäger, fand seine prachtvolle Verkörperung in Fred Raupach. Und genau so wie Heinz Evelt den munteren Hadschi Halef Omar Ibn Ben Hadschi hier auf die Beine stellt, genau so haben wir ihn uns früher vorgestellt, als wir Karl May nicht lasen, sondern verschlangen. Noch manche andere schauspielerische Kraft, die im Film keine abgestempelte Marke darstellt, aber darum nicht schlechter ist als irgend ein„Star“, kommt in diesem abenteuerlichen Geschehen zur Geltung, das noch den einen großen Vorzug hat, gut fotografiert zu sein. Schauburg: „Der Mann mit der Pranke“. Eines Mannes Spiel reißt uns in diesem Film immer wieder zu restloser Bewunderung hin, und Juliana Doederlein und Toni Weiler in der Kurzoper„Susannens Geheimnis“, die auch in der heutigen Werbeveranstaltung wiederholt wird. dieser Mann heißt Paul Wegener. Wie er sich in die zwiespältige Rolle findet, die ihn auf der einen Seite als kalten Geschäftemacher großen Formats, auf der anderen aber als weichherzigen und feinfühlenden Menschen voll starker und echter Gefühle zeigt, das reißt uns immer wieder mit. Eine Frau spielt in sein Leben hinein, die Frau eines anderen, von Rose Stradner fein und zart gestaltet, voll echter fraulicher Innigkeit. Johannes Riemann, Grete Weisner und Curt Vespermann bringen einen heiteren Klang in das ernste Spiel. Hierzu läuft im Beiprogramm ein recht ansprechender Film„Alles für Dich“ und ein guter Kulturstreifen vom Leben und Treiben der Segelflieger. Palast-Theater: „Krach im Hinterhaus“ Böttchers Komödie„Krach im Hinterhaus“ ist ein Volksstück im besten Sinne. Ein lustiger und teilweise sohr ernster Kampf zwischen den Hausbewohnern, die sich ihr ohnehin nicht leichtes Leben noch schwerer machen, zeichnet das Geschehen. Eine resolute Frau, die Mutter der hübschen Ilse, steht im Mittelpunkt der Handlung. Sie wehrt sich nicht nur gegen die bösen Klatschmäuler, die es auf ihre Ehre abgesehen haben, sondern kämpft auch um das Glück ihres Mädchens. Mit viel Können stellt Henny Porten diese einfache Frau aus dem Volke dar. Besonders erfreut man sich an Rotraut Richter, die eine recht schnoddrige Berliner Göhre darstellt. An weiteren Schauspielern seien Reinhold Bernt als ungeschlachter Hausverwalter und Gerda Kuffner als dessen Frau sowie Gaston Briese als prächtiger Typ des um seinen guten Ruf bedachten kleinen Beamten und Eduard von Winterstein als freundlichen und menschlich verstehenden Richter genannt.— Das Beiprogramm bringt noch einen Film vom Deutschen Kraftfahrsport, einen Lehrfilm„Alexandrien“ und die neueste Fox=Wochenschau. Tivoli-Assauer: „Ein Walzer um den Stefansturm“ In den beiden Assauer Lichtspielhäusern ist wieder einmal ein unbeschwert heiteres Programm, an dessen Spitze„Ein Walzer um den Stefansturm" steht. Olga Tschechowa gibt vornehm verhalten die reiche polnische Erbin, neben ihr steht Gustel Huber sehr sympathisch als„kleines Mädel von den Bretteln". Als gleichwertige Gegenspieler der arme Taxichauffeur(Wolf Albach=Retty) und der ewig danebentretende Paul Heidemann, den frechen Lausbuben Hans Richters nicht zu vergessen. Leo Slezak ist der treue Freund und Diener in seiner bekannt derb=gutmütigen Note, wie man ihn nicht anders sich denken kann. Erwerbt eine Vormiete für die städtischen Konzerte! Das Streben nach einem durchaus eigenwüchsigen Musikleben in unserer Stadt der Kohle und des Eisens ist das Ziel der städtischen Musikdirektion. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es erforderlich, eine große, fest gefügte Musikgemeinde zu schaffen. Wenn sich auch erfreulicherweise die Zahl der Abonnenten für die städtischen Konzertveranstaltungen in den letzten Jahren vermehrt hat, so muß noch eine weitere Steigerung der Abonnentenzahl angestrebt werden. Nur dadurch wird dem städtischen Orchester und seinem Leiter, Prof. Wilhelm Sieben, Dank und Anerkennung gezollt. Wir richten deshalb noch einmal an die Musikinteressenten die Bitte, eine Vormiete zu erwerben, die zu äußerst günstigen Bedingungen zu haben ist. Die Einzeichnungsliste liegt nach wie vor im Stadttheater, Kuhstraße 16, Zimmer 21, auf. Konzertpläne mit den Bedingungen sind bei der städtischen Musikdirektion, Balkenstraße 34, im Stadttheater, Verkehrsverein und in den Buch= und Musikalienhandlungen kostenlos zu haben. Die ruhige Großstadt Ein Beitrag zur Bekämpfung des Straßenlärms Handball Im Kreise Dortmund Auftakt zur 1. Meisterschaltsserie Ein Volksgenosse aus Dortmund, der an der Bekämpfung des Straßenlärms als Straßenanwohner beteiligt ist, stellt uns folgende Betrachtung zur Verfügung: Wenn ich als Erholungsuchender Gelegenheit nahm, bei meinen Wanderungen durch das Sauerland und die Soester Börde auf den unnötigen Straßenlärm, insbesondere auf das mißbräuchliche Hupen in den kleinen und verträumten Städtchen des Sauerlandes und der Börde besonders zu achten, dann muß ich bei einem Vergleich mit den Dortmunder Verhältnissen zugeben, daß die Dortmunder Kraftfahrer besonders in letzter Zeit recht gute Verkehrszucht halten und wesentlich dazu beitragen, den Straßenlärm herabzumindern. Man versetze sich doch nur einmal ein Jahr zurück und erinnere sich des ohrenbetäubenden und nervenaufreibenden Lärms z. B. am Burator, der durch das unnötige Hupen dort verursacht wurde. Heute ist der Straßenlärm an dieser verkehrsreichen Stelle durch das Unterlassen des unnötigen Hupens viel erträglicher. Auch in der verkehrsreichsten Zeit hört man oft eine Viertelstunde lang nicht ein einziges Hupzeichen; dabei wickelt sich der Verkehr ebenso schnell, wenn nicht noch schneller ab, als früher. Ja, in bezug auf die Bekämpfung des Straßenlärms könnten die Kraftfahrer der kleinen Städtchen des Sauerlandes und der Börde von ihren Kameraden in der Großstadt noch recht viel lernen. Während nämlich die auswartigen Fahrer die schmalen und winkeligen Straßen meistens ohne Hupzeichen durchfahren, glauben die heimischen Fahrer in dem selbstbewußten Gefühl, hier im Orte Herr zu sein, dies nicht notwendig zu haben. Bei näherem Zusehen findet man unter ihnen viele, die auf Grund der fortschreitenden Motorisierung des Verkehrs erst vor Jahresfrist den„Hafermotor“ gegen einen„Benzinmotor“ vertauscht haben. Und wer vom Lande ist oder in einem Landstädtchen seine Jugend verbracht hat, der wird wissen, daß der Besitzer eines Gespanns, wenn er durch das Städtchen fuhr, mit der Peitsche knallte, daß es nur so eine Freude war. Das Peitschenknallen gehörte eben mit zu seinem Handwerk. Heute im Besitze eines schnittigen Kraftwagens scheint er sich mit der fortschreitenden Technisierung des Landverkehrs„zeitgemäß" umgestellt zu haben; er hupt vor jeder Straßenkreuzung und an jeder Biegung der winkligen Straßen, so wie er früher mit der Peitsche knallte, anscheinend nur zu seinem Vergnügen. Oder sollte ihn der Besitz eines schönen Viersitzers gar eitel gemacht haben. Dann hat er die in den letzten Jahren geförderte Motorisierung des Verkehrs allerdinas falsch verstanden. Ich erinnere mich, um nur ein Beispiel anzuführen, eines Falles, indem ein Jüngling, dem Aussehen nach der Sohn des Inhabers eines größeren landwirtschaftlichen Betriebes, zur Hauptverkehrszeit wiederholt eine der wenigen Hauptstraßen der Stadt Soest, fortwährend hupend, auf und ab fuhr, doch gewiß nur, um sich mit seinem vielleicht eben erst mit seines Vaters Gelde erworbenen Kraftwagen zu zeigen. Dieser Verkehrssünder ahnt vielleicht nicht, wieviel Schönes und Lauschiges er dieser alten und ehrwürdigen Stadt nimmt, wenn er mit seinem modernen Fahrzeug derart lärmend ihre stillen und verträumten Straßen durchbraust. Dem Heimischen wie dem Fremden ist dieses Zurschautragen eines ungesunden Geltungsbedürfnisses lästig. Ja, und wenn der aus der Großstadt kommende Besucher für diese überhebliche Torheit nur ein mitleidiges Lächeln hat, kann es ihm widerfahren, daß er als rückständig bezeichnet wird. Das, liebe Kraftfahrer aus dem schönen Sauerland und der Soester Börde, wollte ich euch als Besucher eurer schönen Heimat sagen. Tragt alle durch rücksichtsvolle Einfügung in die Verkehrsgemeinschaft und durch Unterlassung des unnötigen Hupens dazu bei, den Straßenlärm zu bekämpfen. Dieser Umstand wird nicht zuletzt dazu beitragen, daß sich der Fremde, der eure Stadt besucht hat, um so lieber der schönen Stunden der Entspannung und Erholung, die er in der Betrachtung der vielen Schönheiten eurer Heimat gefunden hat, erinnern und wiederkommen wird. Stadttheater Dortmund In der heutigen ersten Wiederholung des WerbeAbends mit der vollständigen Spielfolge, dirigiert Kapellmeister Willy ter Jung Weber's„Aufforderung zum Tanz“ und Schubert's ZwischenaktsMusik aus„Rosamunde". In den übrigen Werken die gleichen Leiter wie am ersten Abend. Auch der heutige Werbe=Abend, der um 20 Uhr beginnt, ist bereits ausverkauft. gung Sonntag, den 13. September Kreis Unna DAF Hemmerde. 18 Uhr: Amtswalterbesprechung im Lokale Wilke. Kreis Herne-Castrop-Rauxel DAF Castrop-Rauxel-Süd. 10 Uhr: Arbeitstagung bei Haller am Altstadtmarkt. Teilnahme aller DAF-Walter und-Warte erforderlich. 1. Kreisklasse Jahn Brechten— Sportgem. Einen interessanten Verlauf sollte dieser Kampf nehmen. Zwischen beiden Mannschaften besteht in punkto Spielstärke kaum ein Unterschied. Brechten hat den nicht geringen Vorteil, auf heimischem Boden spie len zu dürsen und sollte u. E. nach knapp gewinnen. Lünen=Nord— Vittoria 08 Viktoria hat am Vorsonntag erkennen lassen, daß die Elf noch weit von der früheren Form entfernt ist. Anders dagegen die Lünener, die in glänzender Verfassung mit den besten Aussichten die Punktesagd beginnen. Der Sieg müßte also in Lünen bleiben. S. H. Sommerberg=Höchsten—. Aplerbeck 09 Die benachbarten Kontrabenten werden sich einen erbitterten Kampf liefern, da sie ziemlich gleichwertig sind. Es könnte demnach leicht zur Punkteteilung kommen. VfL. Vereinigte Stahlwerke— Jahn, Dortmund Als Favorit der Gruppe startet der VfL. Die Mannschaft hat tatsächlich keinen Gegner zu fürchten. Dennoch sollte sie an jede Aufgabe mit größtem Ernst heran treten, denn eine Unterstützung des Gegners kann leicht zu Ueberraschungen führen. Gegen Jahn sollten sie zu einem eindentigen Siege kommen. Hansa, Huckarde— Hörder Verein Die Hanseaten befinden sich wieder in ansteigender Form, Wohl verfügen auch die Hörder über ansprechendes Können, doch sind diesmal ihre Aussichten geringer. Grüne Linde, Lütgendortmund— Tus Ickern In den Gesellschaftsspielen haben die Ickerner manch schönen Erfolg errungen und darf man gespannt sein, wie sie in den kommenden Punktekämpfen abschneiden. Jedenfalls muß Grüne Linde wohl auf der Hut sein, denn ohne Kampf wird die Gästeelf keinen Punkt fahren lassen. 2. Kreisklasse TV. Eintracht 48 II—. Phönix, Lindenhorst Die Reservisten Eintrachts werden sich in dieser Gruppe einen guten Namen machen und mancher Mannschaft das Nachsehen geben. Auch gegen Phönix besitzen sie berechtigte Aussichten. Eintracht, Brambauer— DAK. Der TAK. wird es den Eintrachtlern bestimmt nicht leicht machen. In spielerischer Hinsicht besteht zwischen beiden Gegnern nämlich kaum ein Unterschied. Vielleicht entscheiden die größeren Platzkenntnisse zugunsten Brambauers. SV. Hertha— Eintracht, Husen Kurl Hertha empfängt auf eigenem Boden die Husener und muß weit mehr zeigen als in den letzten Trefsen, wenn die Punkte nicht abwandern sollen. Minister Stein, Eving— B/B. Alemannia Alemannia bat sich von Spiel zu Spiel verbessert und müssen die Werksleute wohl auf der Hut sein, wenn Sieg und Punkte in Eving bleiben sollen. Postsportverein— Sportfreunde Lücklemberg Zwei durchaus gleichwertige Mannschaften trefsen hier auseinander. Das Ende ist somit kaum vorauszusehen. A. J. Wickede— Borussia Höchsten Borussia zeigte zwar am Vorsonntag eine gute Leistung, in Wickede steht ihnen aber eine welt schwerere Aufgabe bevor, die zu lösen wohl kaum möglich ist. VfL. Apierbeck— Gut=Heil Aplerbeck Gleich im ersten Punktekampf stehen beide Ortsrivalen gegenüber. Wir rechnen mit einem knappen Siege der Gäste, die augenblicklich gut in Fahrt sind. Tura Brackel— TV. Schüren Schürens erste Aufgabe in der Serie ist gleich zu schwer. Die eifrigen Gäste werden in Brackel kaum einer Niederlage entgehen. VfL. Hörde— Tus Oespel Oespel zählte noch im vorigen Jahre zu den spielstärtsten Mannschaften des Kreises. Die Elf muß auch setzt noch weit mehr zeigen, wenn sie in dieser Gruppe bestehen will. In diesen Kampf geht sie allerdings nicht ohne Aussichten. Arminia Marten— Germania Marterloh Stark verbessert erscheint die Germanenelf in dieser Terie. Marten kann nur in Hochform die Punkte einheimsen. Tbd. Rauxel— TV. Hörde 61 Durchaus offen erscheint der Ausgang dieses Kampfes. Gesellschaftsspiele Köln=Sülz—. Arminius Marten Einigkeit Barop— D. C. Rüdingbausen AXV. Dorstfeld— DSC. 95 Sportfr. 06— B/B. Lünen=Süd Tus Mengede— Lünen 62 Bövinghausen 04(komb.)— Westfalia Somborn Frauen DSC. 95— Kölner BC. zum Steinplatz macht sich bezahlt! KBUO fechl Ziehungsbeginn I. Klasse am 20. Oktober o 11 11 11 1 T 8 14 12 11 3.- 6.- 12.- 24.- je Klasse Fast jedes zweite Los gewinnt Versand auch nach auswärts Kleinere Gewinne der beendeten Lotterle werden schon Jetzt ausgezahlt Schmelter Rut 328 78 Staatl. Lotterie-Einnahme Dortmund, Westenhellweg 85 Postscheckkonto Dortmund 5226 Zurück Dr. med. u. phil. Nervenarzt Hansastr. 28 Habe meine Praxis wieder Dr. Hahn Facharzt für Chirurgie, Hohenzollernstraße 11. Zurück Dr. Holter Facharzt für innere Krankheiten Dortmund, Königswall 2. Ruf 36722 Zurück Augenarzt Dr. Meyer-Riemsloh Castrop-Rauzel 1 Sprechstunden von 9—12, 15—17 Uhr. Zurück Dr. Sybrecht Fecharzt für Hals, Nasen und Ohren Hansaplatz 2 —H. 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Selle erhielt zwar in diesem Kampf die Punktentscheidung für sich, aber das Urteil löste starken Widerspruch aus. Lediglich in den ersten Runden war der Westdeutsche im Vorteil. Seine wuchtigen linken Geraden landeten verschiedentlich gut, und in der dritten Runde mußte Kreimes kurz den Boden aufsuchen. Der Mannheimer kam aber gut erholt in die vierte Runde und gestaltete nun den Kampf ständig überlegen, so daß Selle fast nur auf dem Rückzuge boxte. Ein Unentschieden wäre dem Kampfverlauf gerechter geworden. Einen wenig angenehmen Gegner hatte der Köl ner Leichtgewichtler Albert Esser in dem Dresde ner Kretzschmar. Der Kampf wurde als Ausscheidung für einen Titelkampf ausgetragen. Verge bens versuchte der Kölner, seine schwere K.=o.=Rechte anzubringen. Immer wieder entwischte ihm der Dresdener auf alle mögliche und unmögliche Weise. Nicht zu verkennen war in den letzten Runden die größere Angriffsfreudigkeit Kretzschmars, die ihm einen mehr als knappen Punktsieg einbrachte, da Esser viel zu passiv war. Mit Spannung sah man dem Hauptkampf des Abends entgegen, der Adolf Heuser(Bonn), der lange nicht mehr in der Reichshauptstadt gekämpft hatte, mit dem Südafrikaner Dave Carstens zusammenführte. Carstens hatte sich im Olympischen Turnier in Los Angeles die Goldene Medaille geholt und trug auch in seiner anschließenden Laufbahn als Berufsboxer beachtliche Erfolge davon. Aber der Westdeutsche rechtfertigte auch in diesem Kampf sei nen Ruf als Boxer, der in der richtigen Form geradezu Dynamit in den Fäusten hat. Der Südafrikaner war Heuser an Größe, Reichweite und Gewicht klar überlegen. Doch schon sofort nach Beginn war der Deutsche der ununterbrochene Angreifer, der pausenlos auf seinen Gegner einhäm merte, so daß dieser bis„neun“ den schützenden Boden aufsuchte. Gut erholt kam Carstens in die zweite und dritte Runde, in der er mit einer schweren Rechten Heuser am Kopf traf und diesem eine alte Verletzung am linken Auge wieder aufriß. Trotzdem ließ Heuser nicht nach. Unter schweren Schlagserien brach der Südafrikaner in der vierten Runde zusammen, kam tapfer wieder bei„neun“ hoch, aber nur der Gong rettete ihn hier vor dem Ende, das nun unvermeidlich die fünfte Runde bringen mußte. Wie eine Klette war Heuser an seinem Gegner, drängte ihn mit beidhändigen Schlägen immer wieder in die Seile, und so wuchtig waren seine Angriffe,, daß Carstens seine Doppeldeckung verlor, vornüber fiel und kniend ausgezählt wurde. Stürmischer Jubel dankte dem Bonner für seinen prächtigen Kampf. Einen recht wechselvollen Schlußkampf lieferten sich die beiden Westdeutschen Willy Müller(Düsseldorf) und Erwin Klein(Solingen). Müller konnte seinen zuletzt errungenen K.=o.=Sieg über Klein nicht wiederholen. Er war zwar in den ersten vier Runden überlegen, fiel aber dann stark ab, so daß der technisch bessere Solinger einen klaren Punkterfolg errang. In der dritten Runde mußte Klein allerdings wegen Tiefschlags verwarnt werden Länderkampf Deutschland- Luxemburg Die Leichtathleten für Mainz Als letzte Großveranstaltung der deutschen Leicht athletik wird am 18. September in Mainz der Länderkampf zwischen Deutschland und Luxemburg ausgetragen. Die Vertretung der deutschen Farben wurde dem Gau Südwest übertragen, doch gehen im Verein mit seinen Spitzenleuten auch einige tüchtige Athleten aus dem Reich an den Start. So steht die Teilnahme des deutschen Olympiasiegers und Europarekordmannes im Kugelstoßen, Hans Woellke(Berlin) fest. Im Hochsprung startet der Deutsche Meister und Rekordmann Weinkötz(Köln), im 200=Meter=Lauf hat der vorjährige Deutsche Meister, Neckermann(Mannheim) seine Zusage gegeben. Außerdem wurden noch der Stuttgarter Dompert, der Dritte aus dem denkwürdigen 3000Meter=Hindernislauf bei den Olympischen Spielen und unser ausgezeichneter Weitspringer Leichum (Wünsdorf) eingeladen. Ihre Teilnahme steht zur Stunde noch nicht fest. Im Falle einer Absage werden hier Dehm(Frankfurt) am 1500=Meter=Lauf und Hassinger(Frankfurt) am Weitsprung teil nehmen. Unsere Voraussagen Sonntag in Horst=Emscher 1. R.s Odenwald— Freiheitslied— Lachendes Leben 2. R.: Partisane— Lockruf— Schwertlilie 8. R.: Cardea— Golf— Rücklauf R.: Stall Rösler— Perlfischer— Sonnenfalter . R.: H o r r i d o— A g n u s— P r e v o y a n t R.: Steinmetz— Limperich— Stauffen R.: Wellenberg— Ilona— Gräfin Mariza. Sonntag in Soppegarten 1. R.: Alexandra— Wörbzig 2. R.: Antoniazzo— Cyrillus 8. R.: Prinzregent— Ausonius 4. R.: Ehrenpreis— Buxus 5. R.: Trollius— Pfeiferkönig 6. R.: Contessina— Reichsfürst 7. R.: Pontifex— Neandertal Sonntag in Sannover 1. R.: Halbblutrennen 2. R.: Dorsch— Mönch 8. R.: Fra Diavolo— Pollux 4. R.: Halbblutrennen 5. R.: Murillo— Heidjer 6. R.: Caramba— Santini 7. R.: Boreas— Marna 8. R.: Paul Feminis— Hut ab Sonntag in München=Riem 1. R.: Christl II— Stowa 2. R.: Gilt— Marquis 3. R.: Palastherold— Treuer Husar 4. R.: Trabrennen 5. R.: Herzas— Stall Musy 7. R.: Gestütshöfe Isarland— Onega Sonntag in Lonachamp 1. R.: Vorlage— Marcius 2. R.: Stall Boussac— Mon Etoile 3. R.: Fantastic— Alcali 4. R.: Mousson— Jessie 5. R.: Stall Hennessy— Gold Ring 6. R.: Dorinda— Denebola. BV12 Gelsenkirchen gegen Röhlinghausen Fußball-Meisterschaftsspiele in der Gruppe Gelsenkirchen Der zweite Punkte=Sonntag der neuen Saison bringt in der Gruppe Gelsenkirchen sämtliche 12 Mannschaften an den Start. Erstmals greisen auch TB. Eickel, Röhlinghausen, Bottrop und Gelsenguß Gelsenkirchen in die Spiele ein. Auf das Abschneiden des letztgenannten Neulings in Recklingbausen gegen Viktoria dürfte man besonders gespannt sein. SC. Hassel Union Geisenkirchen Die Hasseler stellen eine stabile Kampfmannschaft, die namentlich auf eigenem Platze sehr gefährlich ist und sich im Angriff immer noch als verhältnismäßig durchschlagskräftig erwiesen hat. Union Gelsenkirchen ist ihnen technisch wohl überlegen, aber weniger gut ausgeglichen. Wenn die Gelsenkirchener auch in diesem Jahre nicht mit besseren Stürmerleistungen auswarten, werden sie wieder keine Lorbeeren ernten. Mit einer guten Hintermannschaft allein kann man keine Meisterschaft machen. Ihr erstes Spiel am Sonntag in Recklinghausen verloren die Gelsenkirchener trotz überlegenen Feldspieles sehr knapp. In Hassel wird es ihnen auch nicht besser ergehen, wenn fünf Stürmer keinen Torschuß zustandebringen. Sportfreunde Gladbeck— Union Recklinghausen Dieses Treffen in Gladbeck führt einen Neuling und den Ex=Ligisten aus Recklinghausen zusammen. Die Gladbecker Sportfreunde erlitten, am vergangenen Sonntag im ersten Spiel gegen 07 Gelsenkirchen an der Bismarckstraße ibre erste Niederlage, allerdings sehr knapp mit 1:2. Ebenso knapp, und zwar mit 1:0 konnte sich Union Recklinghausen auf eigenem Platze gegen den Namensvetter aus Gelsenkirchen behaupten. Die Gladbecker haben diesmal den nicht zu unterschätzenden Vorteil des eigenen Platzes, so daß eine Ueberraschung zugunsten der Sportfreunde nicht ausgeschlossen ist, zumal die Gäste im Sturm nicht gerade sehr durchschlagskräftig sind. TB. Eickel— SC, 07 Gelsenkirchen Es bleibt abzuwarten, mit welcher Mannschaft sich die Eickeler zu ihrem ersten Punktetressen dem Gegner aus Gelsenkirchen stellen. Die Gelsenkirchener Mannschaft ist technisch gut, war aber im Vorjahr reichlich unbeständig, so daß einstweilen die nächsten Spiele abgewartet werden müssen. Die Eickeler haben aber ohne Zweifel einen harten Kampf zu bestehen, den sie nur dann gewinnen können, wenn die Mannschaft mit weit besseren Leistungen auswartet als in den letzten Gesellschaftsspielen. BV. 12 Gelsenkirchen— SVag. Röhlinghausen Auf dem Platze an der Wannerstraße in Gelsenkirchen gibt es am Sonntag einen Kampf zweier stark rivalisierender Nachbarn, Die Verhältnisse haben sich vier gegenüber dem Vorjahr zu Ungunsten der Gelsenkirchener verschoben, da die BVer durch Spielerabwanderungen nicht unerheblich geschwächt worden sind. Die Röhlingbausener Mannschaft war gegen Schluß der vergangenen Saison in ausgezeichneter Verfassung, schaltete bekanntlich im Pokalwettbewerb eine ganze Reihe klassenhöherer Gegner aus, bis sie sich dann doch schließlich dem Deutschen Meister Schalke 04 beugen mußten. Es bleibt abzuwarten, ob die Röhlingbausener sich ihre gute Form des Vorjahres bewahrt haben. Die ausgetragenen Gesellschaftsspiele ließen diese Vermutung nicht aufkommen. Unter diesen Umständen haben die BVer auf eigenem Platze immerhin gewisse Aussichten. VfB. Bottrop— Schwarzgelb Gladbeck Auch in Bottrop steigt ein Kampf zweier nachbar licher Rivalen, die sich bereits im Vorjahr harte Kämpfe geliefert haben. Von den Bottropern hat man bisher noch nicht viel gehört, während Schwarzgelb Gladbeck am vergangenen Sonntag sich mit einem 3:1=Sieg über BV. 12 in die diesjährige Meisterschaft verheitzungsvoll einführte. Die Bottroper Mannschaft verfügt bekanntlich über ein außergewöhnlich starkes Schlußtrio mit einem ganz vortrefflichen Hüter. Andererseits Bottroper Angriff aber nicht sehr durchschlagskräftig. Immerhin haben die Bottroper in diesem Treffen den Platzvorteil, ein nicht unerhebliches Plus, das die Glad becker nur durch bessere Leistungen ausgleichen können Ob ihnen das gelingt, erscheint allerdings ein wenig fraglich. Viktoria Recklinghausen— Gelsenguß Gelsenkirchen Der Neuling aus Gelsenkirchen startet bier in Reckilngbausen zu seinem ersten Treffen in der Bezirks klasse. Der Kampf führt ihn sogleich nach Reckling hausen gegen die Viktoriauer, eine Aufgabe, die auch selbst dem spielstarken Neuling nicht leicht fallen wird. Die Gelsenkirchener, die eine sehr spielstarke Mannschaft stellen, die sich in ganz überlegener Manier den Aufstieg erkämpfte, ist technisch sehr gut und den Reckling= häusern in diesem Punkte wohl gleichwertig. Die Recklinghäuser werden gut daran tun, diesen Neuling sehr ernst zu nehmen, weil sie den Vorteil des eigenen Platzes haben. Die Gelsenkirchener Mannschaft wäre wohl in der Lage, für eine Ueberraschung zu sorgen Wir lassen den Ausgang vollkommen offen, wenn all gemein auch ein Sieg der Gastgeber erwartet wird. Eintracht Dortmund muß nach Werdohl Beginn der Handball-Meisterschaftsspiele im Gau Westfalen Als letzter der 16 deutschen Gaue hat Westfalen das vollständige Zehnerfeld der Handball=Gauliga für die neue Meisterschaftsspielzeit ermitteln können. Zu den sieben vorjährigen Gauligisten sind drei Neulinge. TV. Spenge, SV. Jahn Werdohl und Westfalia Somborn, gekommen, drei durchschlagskräftige Vertretungen, die bestimmt dazu beitragen werden, dem Handballgeschehen in Westfalen neuen Auftrieb zu geben. Der Gau Westfalen hatte in der letzten Spielzeit den großen Erfolg, in der wackeren PionierElf aus Minden den Handballmeister des Reiches stellen zu können. Dieser Erfolg verpflichtet auch die anderen Vereine, den Mindener Soldaten nachzueifern und an ihrem Beispiel zu lernen. Daß der MSV. Hindenburg Minden schon ein gutes Vorbild gewesen ist, beweist die Tatsache, daß der Minden=Bielefelder Bezirk heute mit vier Mannschaften in der höchsten Klasse vertreten ist. Bedauerlich ist dagegen, daß im Westen Schalke 04 nach wie vor allein auf einsamer Höhe steht. Weder Groß=Gelsenkirchen, noch Herne oder Bochum haben Mannschaften herausbringen können, die den Anschluß noch oben fanden. Der Kreis Hagen hat nach TuS. Eilpe in der Spielzeit 1934/35 auch noch im VfL. Hagen einen weiteren Handballpionier aus der Gauliga verloren, so daß nunmehr der DSC. Hagen als einzige Elf die ehemalige Handballhochburg des Gaues vertritt. Erfreulich daß sich wenigstens der SV. Jahn Werdohl in der Aufstiegsrunde durchsetzen konnte. Auch für die Entwicklung des Dortmunder Handballs wird sich günstig auswirken, daß neben den Eintrachtlern auch Westfalia Somborn der Gauliga angehört. Damit wird in Dortmund die doppelte Anzahl Gauligatreffen wie in der letzten Spielzeit stattfinden, was sicherlich zur Belebung des Handballsports beiträgt Der Meisterschaftsauftakt bringt drei Begeg nungen, die nur in einem Fall mit einiger Sicherheit den Sieger voraussagen lassen. Eintracht Neue Weltrekorde von Senff und Kieser Ihren am Dienstag aufgestellten Weltrekord im 100=Meter=Rückenschwimmen hat die holländische Olympiasiegerin Dina Senff bereits verbessert. In Aarhus schwamm Fräulein Seuff die 100 Meter in 1:15,4 Minuten und verbesserte damit ihre letzte Weltrekordleistung von 1:15,7 Minuten um drei zehntel Sekunden. Einen zweiten Weltrekord schaffte bei dieser Veranstaltung Adolf Kiefer(USA.) im 400=MeterRückenschwimmen. Der Olympiasieger konnte die bisherige Zeit von George Kojac von 5:16,8 Minuten auf 5:13,4 Minuten verbessern. Die 100 Meter Rücken schwamm Kiefer bei dieser Gelegenheit in 1:15 Minuten und wendete mit 2:35 Minuten bei 200 Meter. Das 100=Meter=Kraul= schwimmen der Frauen gewann die Dänin Eva Arndt vor Nida Senff in 1:10,3 Minuten. Die Holländerin Ipoie Waalberg holte sich das 100=Meter=Brustschwimmen in 1:26,8 Minuten vor der Dänin Alice Rasmussen. Fortung- Schalke im Oktober Mit Rücksicht auf die Pokal=Wiederholungsspiele kann der Fußballkampf zwischen Fortuna Düsseldorf und dem FC. Schalke 04 nicht, wie vorgesehen, am 20. September im Rheinstadion vor sich gehen. Das Spiel wird an einem noch bestimmenden Sonntag im Oktober ausgetragen werden; bis zu diesem Termin hat Fortuna Düsseldorf auch die geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten aufgeschoben. Dortmund müßte in Werdohl zu den ersten Punkten kommen, dagegen vereinen die Treffen wagen— Schalke 04 und das Bielefelder Lokaltreffen Arminia— Grün=Weiß Vertretungen, von denen man erst einmal die ersten Leistungen abwarten muß. SV. Jahn Werdohl— Eintracht Dortmund Sicherlich werden auch die Eintrachtler gut daran tun, ihren Gegner nicht zu unterschätzen, obwohl dieser in den Aufstiegsspielen nach ganz ausgezeichneten Leistungen wieder stark enttäuschte. Allerdings darf die letzte hohe Niederlage der Werdohler gegen Somvorn nicht als Maßstab genommen werden, da Ersatzeinstellungen und die Unwichtigkeit des Spieles den Kampf nicht mit letztem Einsatz durchführen ließen. Gegen die Eintrachtler wird die Jahn=Els zweifellos mit ganz anderen Leistungen auswarten. Die Dortmunder haben den großen Vorteil, in der gleichen, bewährten Aufstellung der vergangenen Spielzeit auch diesmal in den Punktekampf ziehen zu können. Ein klarer Sieg der Gäste ist zu erwarten, der allerdings erkämpft werden muß. DSC. Hagen— Schalle 04 Die Kämpfe dieser beiden Gegner verliefen recht wechselvoll. Zumeist gab der Platzvorteil mit nur geringem Torunterschied den Ausschlag zugunsten der einen oder anderen Partei. Auch in diesem ersten Kräftevergleich der neuen Spielzeit dürfte es nicht anders sein. Zudem erscheint uns im Augenblick die Hagener Elf in besserer Form zu sein. Der Angriff der Gelsenkirchener weist zudem einige Umstellungen auf. von denen man erst einmal eine Bewährung abwarten muß. Ein Erfolg der Schalker würde auf jeden Fall eine Ueberraschung bedeuten, wenn er auch nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Arminia Bielefeld— Grün=Weiß Bielefeld In der letzten Spielzett lagen diese beiden Bielefelder Vereine lange mit am Tabellenende, um sich zum Schluß aber doch noch gut zu behaupten. Auch in diesem Jahre werden es beide Mannschaften nicht leicht haben, den Anschluß zu behalten, zumal ihnen im dritten Bielefelder Verein, dem TV. Spenge, ein Gegner erwächst, der sie trotz seiner vorjährigen Bezirksklassenzugehörigkeit leicht übertrumpfen kann. Bislang behtelten die Arminen im Lokaltressen fast stets über die Grün=Weißen die Oberhand, wenn auch die Ergebnisse nur sehr knapp ausfielen. Auf jeden Fall wird das erste Meisterschaftstreffen in Bielefeld ein sehr großes Interesse auslösen. Klafeld Geisweid vor schwerer Aufgabe Fußball-Meisterschaftsspiele in der Gruppe Arnsberg Ein Ortstreffen in Rheine Fußball-Meisterschaftsspiele in der Gruppe Münster Eine sehr interessante Paarung gibt es am kommenden Sonntag in der Gruppe Münster, wo die Meisterschaftsspiele mit fünf weiteren Begegnungen sortgesetzt werden. Zweimal steigt Münster gegen Ablen, und zwar spielen in Münster die 08er gegen SuS. Ahlen und in Ahlen treffen sich Westfalia und Preußen. Im übrigen gibt es dann noch in Rheine bereits am zweiten Punktesonntag Ortstreffen. Borussia Rheine— SuS. 13 Recklinghausen Rheine bat am kommenden Sonntag einen großen Tag. Nachdem am Vormittag das Ortstreffen Rheine 09 gegen Rheine 10 ausgetragen wird, müssen sich am Nachmittag die Torussen dem Meister SuS. 13 Recklinghausen stellen. Der zweimalige Meister aus Recklinghausen wurde am vergangenen Sonntag etwas überraschend in Gronau mit 2:0 geschlagen. Aehnlich erging es den Rheiner Borussen, die in Münster bei den Preußen mit dem gleichen Ergebnis den kürzeren zogen. Die Borussen werden es sehr schwer haben, eine Niederlage zu vermeiden, denn die Recklinghäuser haben aus der Niederlage in Gronau die erforderlichen Konsequenzen gezogen und werden Sonntag in Rheine mit allerbestem Können auswarten. Dennoch ist aber die Partie für die Rheiner nicht aussichtslos. Warten wir ab, was das zweite Spiel bringt. Beide Mannschaften haben gleich gute Aussichten, möge die stärkere Mannschaft gewinnen. Westfalen Ahlen— Preußen Münster Nach dem schweren Treffen am vergangenen Sonntag müssen die Ablener Westfalen nun am kommenden Sonntag auf eigenem Platze gegen den Exligisten aus Münster antreten und stehen bier wiederum vor einer sehr schweren Aufgabe. Die Mannschaft kann etwas, ist technisch sehr gut und wenn der Sturm auf die volle Tourenzahl kommt, gibt die Elf einen sehr gefährlichen Gegner ab. Münsters Sturm bat aber im vergangenen Jahr viel hinzugelernt und wenn man die Preußen in diesem Jahre allgemein als Favoriten betrachtet, so nicht ganz zu Unrecht. Die Westfalen werden ihnen aber am kommenden Sonntag bart zusetzen, und wenn Münster nicht mit seiner Bestleistung auswartet, werden sie in Ablen straucheln, wie vor ihnen so mancher hohe Favorit. Münster 08— EuS. Ahlen Der zweite Vertreter Münsters erwartet Ahlens weiten Vertreter, die bekannten Spielsportler aus Ablen, die gegen Westfalia am letzten Sonntag 3:3 spielten und damit bewiesen, daß sie ebenfalls bereits recht gut in Form sind. Das kann man von den Münsteranern allerdings noch nicht behaupten, denn ihr erstes Punktespiel am letzten Sonntag in Rheine gegen BV. 10 ging ziemlich klar mit 0:2 verloren. Ablens Mannschaft ist sehr gut ausgeglichen, außerordentlich schnell und kampffreudig und den 08ern namentlich im Angriff um vieles voraus. Münster stellt allerdings die schlagsichere Deckung, hat einen ausgezeichneten Hüter und den Vorteil des eigenen Platzes, so daß wir mit einem vollkommen ausgeglichenen Kampf rechnen, dessen Ausgang vollkommen offen ist. SVag. Rheine 09— BV. R“eine 10 Nunmehr greisen auch die 09er aus Rheine in den Punktekampf ein, haben aber gleich im ersten Kampf ein Lokaltressen zu bestehen und treffen auf den energischen Widersacher des Vorjahres, den BV. 10. Die BVer haben sich im vergangenen Jahre als Neulinge ganz vortrefflich geschlagen. Im Vorjahre standen die Rheiner wiederholt kurz vor der Meisterschaft und es ist noch in frischer Erinnerung, wie sie ausgerechnet in den letzten Spielen die Nerven und die Punkte verloren. BV. Rheine hat sich bereits durch einen 2:0= Sieg über Münster 08 als spielstark erwiesen. Was uns die 09er am kommenden Sonntag zeigen werden, ist noch ungewiß. Vielleicht teilt man sich die beiden Punkte. SVag. Erkenschwick— SuS. Hüls Ein ganz besonderes und bochinteressantes Treffen steigt am Sonntag in Erkenschwick. Beide Mannschaften tragen ihr erstes Punktespiel in dieser Saison aus und Erkenschwick noch dazu sein Debut in der Bezirksklasse. Die Neulinge gelten als sehr spielstark, denn in überlegener Manier sicherte sie sich trotz stärtster Konkurrenz den Aufstieg. Als Gegner erwarten sie den Nachbarn aus Hüls, eine Mannschaft, die im vergangenen Jahre alles überrannte, als Neuling sich schon bald an die Tabellenspitze setzte, Favoriten bezwang und auf dem kürzesten Weg der Meisterschaft zueilte, als sie die Disqualifikation erreichte. Im anderen Falle wäre den Hülsern, das muß nachträglich noch festgestellt werden, die Meisterschaft nicht zu nehmen gewesen und Hüls wäre in spielerischer Hinsicht kein schlechter Vertreter der Gruppe Münster gewesen. Die Mannschaft wie der Verein werden aus dieser Tatsache für alle Zukunft die Lehren gezogen haben. Wir glauben, daß Hüls in diesem Jahre versuchen wird, alles wieder gutzumachen und wir erwarten sie mit an der Spitze. Erkenschwick wird ihnen am Sonntag zwar Schwierigkeiten machen, aber an einer Niederlage der Hülser können wir einstweilen noch nicht glauben. Die Gruppe Arnsberg hat es in diesem Jahre mit der Abwicklung ihres Programms ganz besonders eilig. Während bereits am vergangenen ersten MeisterschaftsSonntag sämtliche 12 Mannschaften am Start waren, sind auch für den kommenden Sonntag wieder sechs Spiele angesetzt, wobei besonderes Augenmerk auf die Neulinge zu richten sein wird, die sich am vergangenen Sonntag ausgezeichnet geschlagen haben. SVgg. Olpe— Klafeld Geisweid Nachdem am vergangenen Sonntag die spielstarken BCer aus Siegen sich in Olpe mit einem sehr dürftigen Unentschieden begnügen mußten, stehen am kommenden Sonntag die Klafelder vor der schweren Aufgabe, aus Olpe zwei Punkte zu holen. Was den Olpern allerdings gegen Siegen möglich war, sollte ihnen gegen Klafeld nicht unmöglich erscheinen. Die hinteren Reihen sind bei den Klafeldern mit dem ausgezeichneten Verteidiger der deutschen Ländermannschaft, Bender, bekanntlich sehr gut besetzt, aber im Angriff haperte es schon im Vorjahr bereits recht bedenklich. Technisch haben die Gäste zwar leichte Vorteile, aber Olpe ist auf eigenem Platze immer sehr stark, kampffreudig und außerordentlich zäh und hart, so daß die Klafelder unter Umständen hier sehr leicht zwei weitere Punkte einbüßen können. Jahn Werdohl— Sportfreunde Siegen Die junge Elf von Jahn Werdohl hat am Sonntag den Meister der Gruppe Arnsberg, die Siegener Sportfreunde, zu Gast und wird wohl kaum daran vorbeikommen, zwei weitere Verlustpunkte einzustecken. Die Siegener haben die feste Absicht, in diesem Jahre ihren Titel wieder mit Erfolg zu verteidigen und wenn die Mannschaft von Krisen verschont bleibt, hat sie auch alle Aussichten. Am letzten Sonntag gestalteten die Siegener ihr erstes Spiel gegen die sehr starken und favorisierten Klafelder zu einem 3:1=Erfolg. Die Werdohler haben daher auf eigenem Platze kaum Aussichten, gegen diesen starken Gegner zu einem Sieg zu kommen. Die größere Reise und die bessere Spielerfahrung ist auf seiten der Gäste und wenn diese nicht groß enttäuschen, wandern zwei weitere Punkte nach Siegen. RSV. Lüdenscheid=Höh—. Arnsberg 09 Nachdem der Neuling aus Höh am vergangenen Sonntag im ersten Punktespiel der Bezirksklasse gegen Menden 09 mit 0:1 die ersten Verlustpunkte eingebüßt hat, trifft er am Sonntag auf die 09er aus Arnsberg. Er hat aber diesmal den Vorteil des eigenen Platzes, daher recht gute Aussichten, diesen Kampf zum ersten Siege zu gestalten. Die Arnsberger, die am vergangenen Sonntag Jahn Werdohl mit 4:3 bezwingen konnten, sind schon recht gut in Schwung, so daß ein Sieg der Neulinge ohne hartnäckigen Kampf natürlich nicht möglich sein wird. Was Arnsberg durch die bessere Ausgeglichenheit und Reise als Vorteil hat, wird Höh durch den größeren Kampfgeist und den Vorteil des eigenen Platzes und der heimischen Umgebung ausgleichen, so daß es zu einem ausgeglichenen Kampf kommen wird, dessen Ausgang vollkommen offen ist. RSV. Eiserfeld 06— Menden 09 Mit Eiserfeld startet der zweite Neuling und man darf wohl sagen, diesmal mit recht guten Aussichten auf den ersten Sieg. Wir unterschätzen das Können, den Schneid und den Eifer der Gäste aus Menden keineswegs, aber in Eiserfeld haben bereits stärkere Mannschaften den Kürzeren gezogen und das wird um so mehr der Fall sein, wenn die Eiserfelder um Punkte zu kämpfen haben. Ihr Auftakt am vergangenen Sonntag in Hemer war recht verheißungsvoll und wir geben ihnen auch für dieses Treffen die besseren Aussichten. Wenn Menden am Sonntag mit kompletter Mannschaft erscheinen kann, sind die Aussichten natürlich gar nicht schlecht. Aber die Mannschaft muß mit einer Höchstleistung auswarten, wenn sie in Eiserfeld gewinnen will. SV. Herdringen— Hemer 08 Nach dem verhältnismäßig schwachen Auftakt am vergangenen Sonntag gegen Eiserfeld müssen sich die Hemeraner am kommenden Sonntag in Herdringen einem weiteren Neuling zum Punktekampf stellen und wenn nicht alles täuscht, wird es auch hier so leicht noch nicht zum ersten Siege reichen. Herdringens Mannschaft hat sich am letzten Sonntag in Weidenau ganz vortrefflich geschlagen und nur knapp mit 0:1 verloren. Diesmal haben die Neulinge den Vorteil des eigenen Platzes, also ein nicht zu unterschätzendes Plus. Die größere Routine, die technische Reise und schließlich auch eine sehr zuverlässige Deckung eröffnen den Hemeranern in Herdringen immerhin die besseren Aussichten, aber Hemer darf sich nicht überrumpeln lassen. BC. 07 Siegen— VfB. Weidenau Die BCer aus Siegen erwarten am Sonntag den alten Rivalen aus Weidenau und haben auf eigenem Platze gute Aussichten, zu ihrem ersten Siege zu kommen, nachdem das Spiel in Olpe ihnen bereits den ersten Verlustpunkt eingebracht hat. Die BCer wissen aus eigener Erfahrung, wie wertvoll so ein einziger Punkt unter Umständen am Schluß der Saison sein kann. Aus dieser trüben Erfahrung heraus werden es daher die BCer diesmal gleich vom Beginn an sehr ernst nehmen. Die Mannschaft gilt mit Recht als eine der stärksten in dieser Gruppe und hat auch mit Recht gute Aussichten auf die Meisterschaft. Die Weidenauer werden aber auf jeden Fall in Siegen einen sehr schweren Kampf zu bestehen haben. 13. Herbstregatta auf dem Baldeneysee Hier und dort noch eine Regatta, und dann klingt das Ruderjahr 1936 aus. Es hatte in den herrlichen deutschen Olympiasiegen seinen unvergeßlichen Höhepunkt. Auf dem Baldeneysee richtet am Sonntag Etuf Essen die 18. Herbstregatta aus. Die Herbstregatten müssen in ihren sportlichen Ergebnissen hinter den großen Rennen des Sommers naturgemäß zurückstehen; sie verfolgen auch einen anderen Zweck. Zunächst sollen sie dem Nachwuchs Gelegenheit geben, sich im Kampf zu versuchen, dann all denen, die Beruf und Ausbildung vom Sommertraining fernhielt, eine Startmöglichkeit bieten und kleinen Vereinen, die in großen Regatten wenige Aussichten haben, mit gleichwertigen Gegnern zusammenführen. Die Notwendigkeit der Herbstregatten wird deutlicher als durch alle Worte durch die von Jahr zu Jahr wachsende Beteiligung erwiesen. Auch in diesem Jahr hat die erfreuliche Entwicklung angehalten; das Meldeergebnis der von der Ruderriege des Etuf ausgeschriebenen Herbstregatta am kommenden Sonntag ist sehr befriedigend und verspricht guten Sport. Jungmann=Einer: RG. 97 Ruhrort, RV. Baver Leverkusen, Undine Saarbrücken, Etuf Essen 2. Boot, Etuf Essen 1. Boot, Werden RC. 96. Das Rennen ist sehr stark besetzt, doch dürfte die Entscheidung zwischen dem RV. Baver Leverkusen und Etuf liegen, die sich schon in Witten einen Zweikampf mit dem Siege von Etuf lieferten. Herbst=Vierer: Steeler RV., WSV. Mülheim=Ruhr, RG. Linden=Dahlhausen. In Witten fuhr der Steeler NV. den Sieg vor den gleichen Gegnern so sicher nach Hause, daß er auch auf dem Baldeneysee nicht gefährdet ist. Jungmann=Gigvierer: WSV. Krupp, Essen, WSV. Mülheim=Ruhr, Steeler RV., RV. 28 Waltrop. Waltrop schaffte in Witten vor Mülheim einen vielbeachteten zweiten Platz. Das Ende ist offen. Zweiter Jungmann=Vierer: Undine Saarbrücken, Etuf Essen 2. Boot, Etuf Essen 1. Boot. Für Saarbrücken wird wohl kaum etwas zu machen sein. Herbst=Einer: Etuf Essen, RG. 83 Krefeld. RG. 97 Ruhrort, Bayer Leverkusen. Ein durchaus offenes Rennen. Gig=Doppelvierer für Frauen: WSV. Krupp essen, Etuf Essen, RV. Bochum. Jungmann=Achter:„Etuf Essen, WSV. MülheimRuhr. In Witten mußte Mülheim aufgeben, auf dem Baldenevsee wird ein wirklicher Kräftevergleich möglich sein. Doppelzweier: Etuf Essen, RG. 97 Ruhrort. RV. Bayer Leverkusen. Etuf will sich für die Niederlage durch Leverkusen revanchieren. Altherren=Vierer: Etuf Essen, Renngemeinschaft RV. Bochum[RC. Witten, der Hamburger und Germania RC. Der Sieg der Hamburger auf der Alster ist nach den Umständen, unter denen er erkämptt wurde, kein Maßstab. Die zwei anderen Boote wetden ein ernstes Wort mitreden. Gig=Doppelvierer für Frauen: WSV. Krupp Essen, RV. Bochum, Etuf Essen. Herbst=Achter: WSV. Mülheim Ruhr, Etuf Essen. Zwei starke Achter. Wer siegen wird, steht dahin. will abtreten Der vierfache Deutsche Leichtgewichtsmeister, Schmedes(Dortmund), wird in der nächsten Zeit nicht mehr im Ring erscheinen. Der Dortmunder will erst eine Handverletzung, die ihm in letzter Zeit große Schwierigkeiten bereitet hat, völlig ausheilen lassen. Dann wird der sympathische Dortmunder sich in einer Abschiedsvorstellung vom aktiven Sport zurückziehen. Auftakt des Bielefelder Konzertwinters Der Bielefelder Konzertwinter 1936/37 wird am Freitag nächster Woche(18. 9.) mit dem ersten Sinfonie=Konzert des verstärkten Städtischen Orchesters in der Rudolf=Oetker=Halle eröffnet. Solist des unter Leitung von Musikdirektor Werner Gößling stehenden Abends ist Gaspar Cassado, der das Cellokonzert von Jos. Haydn spielt. Eingeleitet wird das Konzert mit Glucks Ouvertüre zur Oper „Alceste" und beendet mit Beethovens„Eroica". Wie im vergangenen Jahre, so sieht auch der kommende Konzertwinter wieder zehn große Sinfoniekonzerte des Städtischen Orchesters vor, von denen sieben vom städtischen Musikdirektor Werner Gößling und drei vom Leiter des Musikvereins der Stadt Bielefeld, Dr. Hans Hoffmann, geleitet werden. Solisten der weiteren Konzerte sind: Erna Berger, Georg Kulenkampff, Alfred Cortot, Cecilia Hansen, Eduard Erdmann, Edwin Fischer, Rudolf Metzmacher, Siegfried Borries und Elly Ney. Die Veranstaltungsreihe des Musikvereins der Stadt Bielefeld beginnt am 18. Oktober mit der Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie. Insgesamt will der Musikverein in diesem Winter fünf Konzerte geben, die u. ck. neben Beethovens„Neunter“ die Aufführung von Verdis„Requiem" und Joh. Seb. Bachs„Johannes=Passion" bringen. Kö. Theater-Beginn in Remscheid Mit einer Fest=Aufführung von Schillers unvergänglichem Freiheitsschauspiel„Wilhelm Tell“, dem die Klänge von Beethovens„Ouvertüre zur Weihe des Hauses" vorausgingen, wurde Sonntag die Theaterspielzeit in Remscheid eröffnet. Bevor der Vorhang sich hob, hielt Oberbürgermeister Dr. Hartmann vor zahlreichen geladenen Gästen der Partei und Behörden und einen im übrigen ausverkauften Hause eine werbende Ansprache, in der er auf die Notwendigkeit eines weiteren Wachsens der Theatergemeinde hinwies. Die Aufführung selbst, vom Intendanten Hanns Donadt inszeniert, war ganz darauf abgestimmt, die Zeitnähe in der Idee fühlbar werden zu lassen, so daß die Wirkung von nachhaltigstem Eindruck war. Internationaler AutorenkongreR tagt in Berlin Vom 28. September bis 3. Oktober tagt in Berlin der 11. Kongreß der Confédération Internationale des Sociétés d’Auteurs et Compositeurs. Die Confédération ist der Zusammenschluß aller europäischen und einiger außereuropäischen Gesellschaften, die die geschäftlichen und moralischen Urheberrechte der Bühnenschriftsteller und Komponisten schützen und verwerten. Der jährlich neu zu wählende Präsident ist gegenwärtig der italienische Propagandaminister Dino Alfieri. Auf dem Berliner Kongreß werden 27 Nationen durch mehr als 100 Abgeordnete vertreten sein. Bei der feierlichen Eröffnung des Kongresses in der Alten Aula der Universität wird voraussichtlich Reichsminister Dr. Goebbels die Gäste mit einer Ansprache begrüßen. Die Tagung, die vom Verband deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten und von der Stagma vorbereitet worden ist, besteht hauptsächlich aus nichtöffentlichen Arbeitssitzungen. Die Kongreßleitung schreibt der diesjährigen Tagung eine besondere Bedeutung zu, weil die grundsätzliche Stellungnahme der Autoren zu einigen wichtigen Problemen des Urheberrechts zum Ausdruck kommen wird. Gegen Hetzfilme Aus der Arbeit der Internationalen Filmkammer Gelegentlich der Internationalen Filmkunstausstellung in Venedig hatte die Internationale Filmkammer zu Sitzungen ihres Exekutiv=Komitees unter Vorsitz des Präsidenten, Prof. Dr. Lehnich, eingeladen. An den Sitzungen nahmen Vertreter von neun Nationen teil. Großes Interesse fand der von deutscher Seite vertretene Gebanke, beim Internationalen Olympischen Organisations=Komitee wegen Einbeziehung des Films in die Olympischen Kunstwettbewerbe vorstellig zu werden. Es wurde einstimmig beschlossen, dem Internationalen Olympischen Organisations=Komitee folgenden Antrag zu unterbreiten:„Die Internationale Filmkammer bittet das Internationale Olympische Organisations= Komitee, in Zukunft auch den Film in die Olympischen Kunstwettbewerbe einzubeziehen und die besten künstlerischen Filme, die den sportlichen Gedanken verherrlichen, mit denselben Medaillen auszuzeichnen, wie sie für die Architektur, Malerei, Plastik, Graphik, Musik und Literatur verteilt werden.“ Ein besonderer Beschluß befaßte sich im Interesse der Völker=Verständigung und der gegenseitigen Achtung der Nationen mit der Unterbindung von Hetzfilmen. Es wurde beschlossen, daß die Internationale Filmkammer auf Antrag eines jeden einzelnen Mitgliedes solche Filmvorhaben, die der Völkerverhetzung oder Herabsetzung der nationalen Würde dienen, auf Grund der bei ihr eingereichten Unterlagen prüfen wird. Sie wird nach Feststellung des Tatbestandes im Falle des Vorliegens einer solchen Verletzung der Grundsätze internationaler Verständigung bei den Regierungen der Länder, in denen diese Filme verbreitet werden sollen, gegen die Vorführung solcher Filme Einspruch erheben. Föfm(Opernhaus) Sonntag: Prinzessin Notretete, 20.15—23 Uhr. Reihe 7f. Montag: Geschlossen Dienstag: Prinzessin Nofretete, 20.15—23 Uhr. Reihe 2 a. Mittwoch: Prinzessln Nofretete. 20.15—23 Uhr. Reihe 3a Donnerstag: Prinzessin Nofretete. 20.15—23 Uhr. Reihe 1 8 Freitas: Prinzessin Nofretete, 20.15—23 Uhr. Reihe 5a Sonnabend: Fidello. 20—22.30 Uhr. Reihe 6 a Sonntag: Prinzessin Nofretete. 20—23 Uhr. Reihe 7 a. Kölm(Schausplelhaus) Sonntag: Morgenteler zu Grabbes 100. Todestag. 11—13 Uhr. Maushake hats hintern Ohren. 20—22.15 Uhr. Reihe 7 b. Montag: Maushake haf's hintern Ohren. 20—22.15 Uhr. Dienstag: Don Juan und Faust. 19.30—22.15 Uhr, Reihe 2b Mittwoch: Aunes Bernauer. 20—23 Uhr. Reihe 3 c Donnerstag: Elisabeth Charlotte. Herzogin von Orleans. 20—22.30 Uhr. Reihe 4 c Freitag: Maushake haf's hintern Ohren. 20—22.15 Uhr. Reihe 5 c. Sonnabend: Don Juan und Faust. 19.30—22.15 Uhr. Reihe 6c Sonntag: Elisabeth Charlotte. Herzogin von Orleane. 20—22.30 Uhr, Reihe 7 c. Krereid(Stadttheater) Sonntag: Morgenteler zum Gedächtnis des 150. Todestages Friedrichs des Großen. 11.15—13 Uhr. außer Stammiete. Lady Hamilion. 20—23 Uhr, außer Stammiete. Montag: Faust. 19.30—23.30 Uhr. A. 1. Vorstellung Dienstag: Lady Hamilion, 20—23 Uhr. C. 1. Vorstellung. Mittwoch: Die Waiküre, 19.30—23.30 Uhr. E. 1. Vorstellung Donnerstag. Christine von Schweden. 20—22.45 Uhr, B. 1. Vorstellung. Freitas: Faust. 19.30—23.30 Uhr, G. 1. Vorstellung Sonnabend: Die toten Ausen. 20—22.15 Uhr. M. 1. Vorst. Sonntag: Clivia. 20—23 Uhr, außer Stammiete. Münster i. W.(Stadttheater) Sonntag: Feierstunde anläßlich des 109. Todestages von Christian Dietrich Grabbe. 11.15—12.45 Uhr. Dichter und Bauer. 19.30—22.30 Uhr Montag: Dichter und Bauer. 20—23 Uhr. Miete: Mo., 1. Vorstellung. Dienstag: Grabbe-Feier: Der Einsame: hierauf: Marius und Sulla. 20—23 Uhr. Miete: Di. A. 1. Vorst. Mittwoch: Dichter und Bauer. 20—23 Uhr. Miete: Mi. A. 1. Vorstellung. Donnerstag: Grabbe-Feier: Der Einsame: hierauf Marius und Sulla. 20—23 Uhr. Miete: Do. A. 1, Vorst. Freitag: Grabbe-Feier: Der Einsame: hierauf: Marius und Sulla. 20—23 Uhr, Miete: Fr. A. 1. Vorst Sonnabend: Dichter und Bauer. 20—23 Uhr Sonntas: Der Freischütz. 19.30—22.30 Uhr. Miete: So., 1. Vorstellung Münster i. 1D.(Kammerspielhaus) Mittwoch: Leonce und Lena; hierauf: Der zerbrochene Krus. 1. Abend des Zyklus: Die europäische Komödie, 20—23 Uhr. Donnerstag: Snieder Nörig, 20—22 Uhr, Niederdeutsche Bühne. Der Kampf um die Wünschelrute Gegenwärtig wird in Bad Harzburg die Tagung des Reichsverbandes für das Wünschelrutenwesen abgehalten, an der zahlreiche deutsche und ausländische Gäste teilnehmen. In der Hauptversammlung beschäftigte sich Amtsgerichtsrat Dr. Behme (Hannover) in seinem Vortrag„Der Kampf um die Wünschelruten einst und jetzt“ mit der Beweisführung des Erfolges eines Wünschelrutengängers. Er berichtete u. a. über die vielfachen Hindernisse, die dem Wünschelrutengänger früher entgegenstanden und auch heute noch entgegenstehen. Von der zünftigen Wissenschaft seien meist von 100 Gelehrten 50 Gegner und 50 Bejaher der Wissenschaftlichkeit des Wünschelrutenwesens. Der Rechtsbeweis darüber, ob ein Rutengänger„erfolgreich“ war, d. h. ob an dem von ihm bezeichneten Punkt auch wirklich das gesuchte Wasser, Erz usw. zu finden sei, hänge von vielen Zufälligkeiten ab. Beispielsweise sei nur darauf hingewiesen, daß es unmöglich ist, ein Bohrloch lotrecht herunterzubringen, zumindest ergeben sich hier Abweichungen um 10 v. H. Was das bei Tiefen von 1000 und mehr Meter ausmache, lasse sich leicht errechnen. Zum Schluß seiner Ausführungen sprach der Vortragende die Hoffnung aus, daß sich die exakte Wissenschaft immer mehr um die Klärung der Probleme bemühen möge, die mit dem Wünschelrutenwesen verbunden seien. Sonnabend: Leonce und Lens: hierauf: Der zerbrochene Krug. Im Ziklus: Die europäische Komödie. 20—23 Uhr. Düsseldorf(Schausplelhaus) Sonntag: Ultimo. 20—22.30 Uhr, auber Miete. Montag: Geschlossen. Dienstag: Heinrich VI., 20—23 Uhr. Miete A Mittwoch: Ultlmo. 20—22.30 Uhr. außer Miete Donnerstag: Heinrich VI., 20—23 Uhr. aubler Miete. Freitag: Geschlossen Sonnabend: I'Itimo. 20—22.30 Uhr. außer der Reihe. Sonntag: Heinrich VI.. 20—23 Uhr. außler Miete. Düsseldorf(Opernhaus) Sonntag: Rienzi, 19—23.30 Uhr, außer der Reihe. Montag: Geschlossen. Dienstag: Geschlossen Mittwoch: Schirin und Getraude. 20—22.45 Uhr. Reihe 7 Donnerstag: Fürst Isor. 20—23.30 Uhr, außer der Reihe. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Die Bohème. 20—22.30 Uhr. außer der Reihe. Sonntag: Rienzi. 19—23.30 Uhr, außler der Reihe. Düssefdorf(Operettenhaus) Sonntag: Der blaue Heinrich. 20—22 45 Uhr. a. d. Reihe Montag: Schach dem König. 20—23 Uhr, Reihe 5 Dienstag: Schach dem König. 20—23 Uhr. Reihe 6 Mittwoch: Geschlossen, Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Schach dem König. 20—23 Uhr. Reihe 8 Sonnabend: Schach dem König. 20—23 Uhr. Reihe 9 Sonntag: Der Vetter aus Dinseda. 20—23 Uhr. a. d. Reihe (Opernhaus) Sonnabend: Die Meistersinger von Nürnbers, 18.30-23.30 Uhr. Sonntag: Der Betteistudent. 20—23 Uhr. Volkstümliche Werbevorstellung zu kleinen Preisen. Essen(Schauspielhaus) Dienstag: Herolsche Leidenschaften. 20—23 Uhr. Reihe B. Erstaufführung. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Herolsche Leidenschaften. 20—23 Uhr. Freitag: Spiel an Lord. 20—22 Uhr. Erstaufführung Sonnabend: Der Sprung aus dem Alltas, 20—22.30 Uhr. Wiederaufnahme Sonntag: Spiel an Bord. 20—22 Uhr. Bielefeld(Stadttheater) Sonntas: Der Zarewitsch. 19.30—22.15 Uhr. Dienstag: Der Rosenkavalier. 19.30—23.30 Uhr. A. 2. Vorst Mittwoch: Scherz. Satire. Ironie und tiefere Bedeutung, 20—22.30 Uhr. B. 2. Vorstellung. Donerstag: Prinz Friedrich von Homburg. 20—23 Uhr. C. 2. Vorstellung. Freitag: Die große Chance. 20—22.30 Uhr. NS-Gemein schaft.Kraft durch Freude“, Feierabendgemeinschaft A. Sonnabend: Der Zarewitsch. 20—22.45 Uhr Sonntag: Madame Butterfly. 19.30—22.45 Uhr. Iheaterplan vom 13. Bis 20. Jeptember 1936 Papierkorb, friß weiter! Will man sich bei der Mutter hoffnungsvoller Sprößlinge einschmeicheln, dann lobt man ihre reizenden Kinderchen in den höchsten Tönen und streichelt sie mit taubenzarten Und doch kommt es vor, daß die Kleinen aufbegehren und sich vor dem„bösen“ Onkel laut schreiend verstecken... Ja, wenn man's noch so gut meint! Wie einige Dichterlinge, die ihre zarten, patriotisch angetönten und geschmälzten Gefühle im triefenden Bade eines Bottichs von falscher Lyrik und unverdauten Komplexen zergehen ließen und ein Tränklein servierten, das sie als„naturell“ vorschmuggelten, um es dann im Spülstein der Nichtanerkennung höhnend verkluckern zu hören. Zuerst müssen sich die Pimpfe beträufeln lassen in einer Berliner Zeitung vom 23. August von einer empfindsamen Dichterin mit bonbonsüßen Worten. „Der Marsch ging heiß und fröhlich Durch maijunge Erde und Tau, Nun stehen sie dampfend und selig Im silbernen Morgenblau.“ Im Gehirnkessel(ist er frei von Kesselstein?) der Verfasserin hat es sicherlich auch gedampft vor Seligkeit und silberner Bläue. Doch unser Auge trübt sich, daß sie nicht gleichzeitig den ollen Wotan, vom süßen Schlummer aufgeweckt, schmunzelnd aus den Wolken hat blinzeln und mit segnender Gebärde die Pimpfe wegtreten lassen. Aber davon wären die Pimpfe nicht satt geworden, und so wünscht die„Dichterin“ den Pimpfen eine gesegnete Mahlzeit und hinterher einen guten Verdauungsschlummer, den der „Große“, ein Fähnleinführer mit streng nordischer Blickhaltung, bewacht. „Das Land steht ganz in Düften, Man spürt es bis ins Mark. Er trägt um seine Hüften Das Leder breit und stark.“ Schade, daß da nicht der„Große“ sich erhob, sein„Leder, breit und stark“ abschnallte und... auf daß sich der Geist solcher„Dichtung“„verdüfte"! Aber so wedelt sie noch einige Strophen mehr mit ihrer seelenvollen Feder umher, bis sie— leuchtender Funken des Genies!— wirklich mit einer mystischen Schlußdrehung aushaucht: „Und Gott im Weltenraume Gibt seinen Segen dazu.“ Wahrscheinlich aber nicht zu der Dichterin Geschreibsel. Und das könnten wir ihm auch nicht verübeln... Auf daß sich die„Hitlermädels" nicht benachteiligt fühlten,„dichtete“ diese Herr Hans Henning aus Holstein an. Ach, der versteht aber was von mädchenhaftem Empfinden und modebeschaulicher Geschäftigkeit, wenn er in erhabenen Worten sein Gefühl verströmt: „Stolz auf ihre braunen Westen Plaudern sie mit heißen Wangen, Gleich als wär ein heilig Feuer In den Herzen aufgegangen.“ Herr Henning hat sicherlich seine Gefühle an solchen„heiligen Feuern“ nicht genügend angewärmt, sonst hätte er einige Quentchen„Zeitnähe“ mehr hinzugefügt. Vielleicht so: „Stolz auf ihre braunen Westen Und die straffgespannten Röckchen Plaudern sie von Sonnwendfesten. Lieblich schimmern ihre Söckchen.“ Und jetzt, hoppla hopp, zitiert Herr Henning als willkommenen Deus ex machina den Führer selbsteigen auf eine frühlingsbunte Wiese, wo er von anmutigen Schäferinnen mit Butterblumen, Narzissen und Marienblümchen umkränzt wird. „Von den Blumen dieses Lenzes Möchten sie die schönsten pflücken, Um mit einem bunten Kranze Sein geliebtes Haupt zu schmücken.“ Bestände die geringste Hoffnung, daß wir einstmals Herrn Henning zwei Efeustengelchen als kümmerlichen Ansatz eines ihm zustehenden Lorbeerkranzes aneinanderfügen könnten, wir wären für heute zufrieden. Aber so können wir ihm nur eines empfehlen: Sich mit obenbekrittelter Pimpfenbesingerin zu vermählen und mit ihr gegenseitig Herzdrücken hinwegzudichten. Unseren Glückwunsch im voraus! Roschme. Ehrenlegion für— Richard Tauber Nach der Gastvorstellung der„Comédie Francaise im Deutschen Volkstheater in Wien verkündete der französische Unterrichtsminister Jean Zay die Ernennung von Hofrat Franz Herterich auf Grund seiner Verdienste um den Theaterkongreß, Hofrat Dr. Gregor für seine Verdienste um die Theaterausstellung, des Komponisten Oscar Strauß(!) und— Ehre, wem Ehre gebührt— von Richard Tauber zu Rittern der französischen Ehrenlegion. Tauber hat sich durch sein„Wirken“ in Paris das Wohlwollen gewisser Leute der Volksfront zugezogen. Wir gönnen ihm dieses Wohlwollen und auch das Pflaster für sein leidendes Knopfloch. Kurz-Feul lLeton Das Nationalsozialistische Reichs=Symphonie=Orchester, das in diesem Jahre vom Amt„Feierabend“ der NSGemeinschaft„Kraft durch Freude" zu über 200 Konzerten in allen Teilen des Reiches verpflichtet wurde, hat seine erste große Reise durch Schwaben, Franken, Sachsen, Ostpreußen und Pommern mit Konzerten in Berlin abgeschlossen. An 107 Tagen bat das Orchester unter Leitung Franz Adams(der neuverpflichtete Dirtgent Erich Kloß führte es durch Mainfranken und Sachsen) in 94 Städten 101 Sympboniekonzerte veranstaltet. In einer Reihe von Städten wirkte Erich Kloß als Interpret des Lisztschen Klavierkonzertes in Es=Dur mit. Das Orchester, das während der Dauer des Reichsparteitages in Nürnberg die großen Kongresse durch Festmusik eröffnen wird, beginnt bereits am 20. September eine neue Reise durch den Gau Saarpfalz, der noch im Oktober eine dritte Reise durch die Bayerische Ostmark sich anschließen wird. Zum Schlusse des Jahres finden noch Konzerte in Koblenz, Trier. Köln Nachen und Düsseldorf statt. „Sinsonischer Prolog“ zu Grabbes„Don Juan und Faust". Der Kölner Generalintendant Alexander Spring hat den Komponisten Robert Reban beauftragt, Grab„Don Juan und Faust“ zur Grundlage einer sinsonischen Komposition zu machen. Das nun vollendete Werk wird als„Sinsonischer Prolog“ zu Grabbes „Don Juan und Faust“ in einer Morgenseier im Kölner Schauspielbaus, die Grabbe und seinem Schaffen gewidmet ist, unter Leitung von Generalmusitdirektor Zaun am 13. September seine Uraufführung erleben. Als interessante Gegenüberstellung wird die Felerstunde durch die Wiedergabe von Lortzings Ouvertüre zu „Ton Juan und Faust“ eingeleitet. Schaffung eines„Halloren Muscums“ in Halle. In dem alten Lagerhaus der hallischen Pfännerschaft in Halle wird in Kürze ein„Museum der Halloren und der hallischen Psännerschaft“ eröffnet werden. Englischer Presse Sängerchor in Dresden. Am 15. September wird in Dresden von der„All People Association“ ein Konzert veranstaltet, dem im Hinblick auf die Vertiefung der deutsch=englischen Beziebungen besondere Bedeutung zukommt. Das Konzert wird bestritten von dem Fleet=Street=Cvoir, der aus Angehörtgen der englischen Presse besteht. Die Verhandlungen hat noch der verstorbene deutsche Botschafter von Hoesch geführt. Der Schutzherr des Chors ist der Dean of Windsor, der geistliche Berater der englischen Königssamilie. Wieder ein deutsches Theater in Reval. Von diesem Herbst ab wird Reval wieder ein ständiges deutsches Theater besiven. In den letzten Jahren setzte sich in der estländischen Hauptstadt das Rigaer Deutsche Theater (Intendant Dr. Hermann Grußendorf) für die deutsche Bühnenkunst ein. Das Revaler Deutsche Theater wird von Hans Hesse geleitet werden. Das Autorenverzeichnis der ersten Spielzett nennt u. a. auch den Namen Dietrich Eckart. Als Eröffnungsvorstellung wird Schillers Trauerspiel„Kabale und Liebe“ gegeben. Von 3 Beatheringen sind 2 aus Sellutun denn etwa 2 Drittel des gesamten Brathering-Bedarfe: in ganz Deutschland liefert die Schlutuper Fischindustrie; also: ein Qualitätsbeweis! HAIRHAN H-m Fabrikanten-Nachweis für Händler durch Fischhalle Gmbll., Lübeck-Schlutup 5. 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Fortsetzung So vergingen einige Wochen! Wie lang war doch dieses Jahr!— Sie konnte ja nicht mehr zurück; denn in der Stadt wartete Hans Schröder auf ihre Entscheidung... und sie vermochte sich nicht mehr für ihn zu entscheiden. Nie mehr!— Der Sohn des Schäfers war zwischen sie beide getreten... An einem Morgen, gleich nachdem Friedrich zur Arbeitsstätte aufgebrochen war, verließ auch sie das stille Haus, schlich sich durch das leere, ausgestorbene Dorf, und wanderte dem Silvesterhaus zu. Sie suchte nach Zernreuung und Ablenkung Der Tag war klar, aber über den Sümpfen lag eine dünne, zerrissene Nebeldecke, die in kleinen, weißen Wolken über die Erde strich. Aus der Ferne kamen Männerstimmen: es waren die arbeitenden Kolonnen, die langsam immer weiter gegen Altenried zu vordrangen. Und unter diesen Menschen war er, stieß vielleicht selbst den Spaten in die Erde, ungeachtet der Schmerzen, die ihm diese harte, ungewohnte Arbeit brachte... Solche Gedanken beschäftigten sie immer auf ihren Wegen durch das einsame Land. Nicht weit von dem Silvesterhaus entfernt weidete eine große Schafherde auf einer mageren Wiese, und am Wegrain saß der alte Schäfer. Der Hund zu seiner Seite spitzte plötzlich die Ohren und rannte ihr dann entgegen. Sie wunderte sich über den feinen Instinkt dieses Tieres, das mit solcher Liebe an ihr hing; es schien zu merken, daß ihr seine beiden Herren, der alte und der junge, sehr nahe gingen. Der Schäfer kauerte am Boden und blickte kaum auf, als sie ihm den Gruß bot.„Du bist's“ sagte er dann mit verdrossener Stimme.„Mir zwei sind wohl die einzigen im Ried, die nix arbeiten... Freilich, du kannst es ja nit, weil du's nit g'lernt hast, aber i könnt's und darf nit...!“ Wie eine Klage stieß er diese Worte hervor. Angestrengt horchte er in den grauen Morgennebel hinein, auf die Stimmen der arbeitenden Kolonnen. Hedwig betrachtete ihn halb verwundert, halb mitleidig: der Mann war traurig, weil ihn seine Aufgabe als Schäfer daran hinderte, selbst mit Hacke und Spaten dort drüben mitzuarbeiten...„Sie arbeiten doch!“ wollte sie ihn beruhigen.„Einer muß ja bei den Schafen sein, und es ist besser, wenn die Jungen die schwere Arbeit tun!“ „Die Jungen? Wir haben nit soviel Junge; es sind ältere dort als i bin!— Aber es will mich ja keiner ablösen! Einen Tag bloß, wenn i h ä t t' m i t s c h a f f e n k ö n n e n! B l o ß e i n e n e i n z i g e n Tag!— Denn es kommt amal a Zeit, wo s grün aufgeht da drüben, und jeder hat dann seinen Teil daran, weil jeder seinen Anteil g'schafft hat dran; bloß i allein hab' derweil g'faulenzt, i allein hab' untätig sein müssen!“ „Dafür haben Sie einen Sohn, der den hundertfachen Anteil an dieser Arbeit hat!“ wollte sie ihn in seinem Kummer trösten. „Was heißt da: Sohn?“ Der Alte schüttelte den Kopf.„Hab i deswegen a Recht, daß i d' Händ in d' Tasche steck? Der Christian g'hört da nit mir allein, allen g'hört er! Allen!— Und sie sollen ihn haben!“ Das erstemal sah sie in den kleinen, grauen Augen einen glücklichen Stolz aufleuchten, und darüber freute sie sich so sehr, als wäre ihr selber dieses Glück widerfahren... Da kam ihr ein erlösender Gedanke, der so groß war, so ungewöhnlich, daß sie sich scheute, ihn auszusprechen: was würde der Mann auch dazu sagen, wenn sie ihn jetzt bat, den Tag über bei den Schafen zu bleiben, und mit dem Hund die Herde über die Weide zu führen?— Hätte er nicht lachen müssen?— Und doch, sie wollte arbeiten, wollte teilhaben an dem Fleiß des Riedvolkes... „Du?“ sagte der Schäfer, als sie ihm doch endlich ihren Gedanken verraten hatte, aber er lachte nicht; er sah es ihr von den Augen ab, daß es ihr ernst damit war, und daß sie sich die Arbeit wohl zutraute. „Sie sagten doch selbst eben, daß wir beide die einzigen Unnützen an dem großen Werk sind. Den Spaten kann ich nicht handhaben, sonst hätte ich es schon längst getan!“ Die Verwunderung des Alten nahm immer mehr zu. Ihre Worte und ihre Haltung flößten ihm Achtung ein.„Du?“ wiederholte er mit ernstem Gesicht. „Ich werde keines der Schafe aus den Augen lassen; ich weiß; daß sie das Gut der Riedbauern sind!“— Dann wandte sie sich nach dem Hund um, der mit gespitzten Ohren ihrer kurzen Unterredung zugehört hatte, als hätte er die Worte verstanden.„Lux ist ein braver Hund, er wird mir dabei helfen!“ Da sprang der Hund an ihr hoch und schaute dann mit scharfen, wachsamen Augen über die Schafherde hin... Da legte der Schäfer die Schippe weg.„Es genügt, wenn du bloß da bist; der Hund kennt sich aus, und er bringt die Schafe in den Pferch wenn i bis dahin noch nit z'rück sein sollt'. Darauf zog er sein in Papier eingewickeltes Vesperbrot aus der Tasche und reichte es ihr. „L weiß nit, ob dir's schmeckt, aber es ist bloß für den Fall, daß dich recht hungert...“ Sie nahm es an und lachte ihm freundlich zu. Der Schäfer sprach noch einige strenge, eindringliche Worte an seinen Hund, und ging dann, so rasch ihn seine Füße trugen, querfeldein seiner Hütte zu... So war Hedwig Heider Riedschäferin geworden, und dieses bescheidene, kleine Amt machte sie stolzer als irgendeine große Bevorzugung daheim in der Stadt. Der Schäfer hatte ihr sein ganzes Vertrauen geschenkt, und das ehrte und beglückte sie solchermaßen, daß sie unverdrossen den ganzen Tag, oft bei drückender Schwüle, bei ihrer anvertrauten Herde ausharrte. Auf dem Kopf trug sie, nach Art der Bauerntracht geknüpft, ein geblumtes Seidentuch und in der Hand die lange Schäferschippe, mit der sie allerdings nicht viel anzufangen wußte. Aber in dieser bescheidenen Verkleidung übte das bildschöne Mädchen einen merkwürdigen Zauber aus: ihr sonst so blasses Gesicht wurde von der Sonne tief gebräunt, und die großen, schönen Augen leuchteten zufrieden über die weite Ebene. Sie hatte ja nicht viel zu tun; denn der kluge Hund blieb sich seiner Aufgabe voll bewußt, als wollte er ihr zeigen, was er leisten konnte. Selbst das einfache Vesperbrot des Schäfers, das sie mit dem treuen Hund teilte, mundete ihr besser, als ein kunstgerecht serviertes Tafelgelage zu Hause in der Stadt. Bei diesem einfachen Mittagsmahl wurde sie vom Jägerdoktor überrascht, der sie schon längere Zeit umkreist und beobachtet hatte, um sich zu überzeugen, daß sie wirklich die seltsame Schäferin war... Er grüßte sie mit einem vollen Lachen: „Sie treiben ja die merkwürdigsten Dinge hier und stellen Ihre Bekannten vor Rätsel, die niemand zu lösen versteht.“ Der Hund wollte knurrend auf ihn losfahren, und sie mußte ihn mit aller Gewalt am Halsband festhalten.„Brav sein, Lux!“ „Er scheint eifersüchtig zu sein“, lachte der Jäger etwas verlegen weiter, weil sie auf seine erste Anrede keine Entgegnung hatte.„Wie kommen Sie denn dazu, hier in dieser Oede Schäfer zu spielen?“ „Es ist kein Spiel, Doktor! Die Kultivierung bedarf aller Hände, und ich bin so froh, daß ich mich auch etwas nützlich erweisen kann!" „Dann haben Sie sich auch von dem jungen Idealisten anstecken lassen?— Schade für Sie!“ „Schade?— Warum schade?“ „Hm... Ich gestehe ja, daß Sie ein allerliebstes Schäfermädchen sind, aber es läuft doch jeder Empfindung zuwider, wenn man Sie auf dieser Arbeitsstufe ertappen muß! Ich lobe Ihren Willen, aber Sie müssen es mir schon verzeihen, wenn mich Ihr Verhalten etwas befremdet. Was sollen die Leute da von Ihnen denken?" „Was die Leute von mir denken, ist mir heute ziemlich gleichgültig. Ich bin ins Ried gekommen, um Frieden zu suchen, und wenn meine Wege auch etwas ungewöhnlich sind, so führen sie doch schließlich zum „Wirklich?“ „Ja, ich bin davon überzeugt!“ sagte sie bestimmt. Darauf trat ein langes Schweigen ein. Der Jägerdoktor bohrte mit seinem Stock ein Loch in den Sand, ind zeichnete spielerisch einige Zeichen darum...„Sie haben Ihren Besuch letzthin in der Jagdhütte so rasch abgebrochen...“, sagte er sehr verlegen. „Ich hatte dazu auch einige Veranlassung!" Er antwortete nicht gleich.„Ja, es stimmt", sagte er dann„... es war unhöflich von mir, mich in ihrer Gegenwart zu betrinken, und dafür möchte ich mich gleich in aller Form entschuldigen! Sie dürfen mir nicht böse sein! Ich weiß, daß man Sie vor mir scheu gemacht hat, und mein Benehmen war wirklich nicht dazu angetan, ein eingeredetes Vorurteil abzutun.— Schade! Ich hätte für Sie eine große Ueberraschung gehabt!“ „Ich bin nicht neugierig, Doktor!“ „Nicht?— Und wenn ich Ihnen einen Ihrer besten Bekannten vorgeführt hätte?" Jetzt sah sie ihn groß an... „Schröder...?“ sagte er. Sie wechselte die Farbe.„Hans Schröder war hier? Im Ried?“ „Er war zwei Wochen mein Gast!“ „Ihr Gast?— Dann ist er meinetwegen dagewesen!"— „Nicht ganz, vielleicht hat er sich auch meiner wieder einmal erinnert!— Uebrigens ist es ihm nie geglückt, Sie zu sehen!“ Sie antwortete ihm nicht weiter und hörte nichts mehr von dem, was der Jägerdoktor sonst noch von Hans Schröder und seinem Besuch im Ried erzählte. Hans Schröder...!— Mit einem Schlag standen wieder all die Gedanken auf und beschäftigten sie so auffällig, daß der Jäger manchen verwunderten Blick auf sie richtete. Hans Schröder war im Ried...! Hatte er sich etwa wieder eingebildet, daß sie ohne ihn zugrunde gehen müßte?— Dann sollte er sich sehr getäuscht haben: Mädchenträume haben nichts mehr zu tun mit der Liebe, der großen Liebe, die leidet und opfert... Ihre Augen wanderten wieder hinüber auf den grauen Dunstschleier, hinter dem fleißige Menschen die Spaten in die Erde stießen... Mechanisch ergriff sie die dargebotene Rechte des Jägers, ohne sein verwundertes„Also, auf Wiedersehn!" zu beantworten... 13. Die Schäferin Es war bald im ganzen Talkessel bekanntgeworden, daß das schöne, stolze Mädchen als Schäferin über das Ried zog, und die Riedbewohner fanden daran ein großes Gefallen: mit einemmal legten sie alle Scheu und Ablehnung beiseite, die sie sonst Fremden gegenüber zeigten; sie grüßten sie als eine der ihrigen, und sprachen mit ihr so, als hätte sie immer schon zu ihnen gehört. Dieses Gefühl der Verbundenheit beglückte Hedwig Heider außerordentlich, aber vor allem war es die Aufgabe, die sie sich selbst gestellt hatte; sie gab ihrem Leben das erstemal Zweck und Inhalt, und weckte in ihrem Herzen neue, ungekannte Freuden. Mit einem seltsamen Gleichmut und Stolz ertrug sie den Spott des Jägerdoktors, den sie in den folgenden Tagen noch öfter auf freiem Felde traf. Sie freute sich sogar darüber, ihn vor ein solch schwieriges Rätsel gestellt zu haben, und ließ sich gern von ihm beteuern, daß er noch nie einer solch schönen Schäferin begegnet sei, und daß er sich immer versucht fühle, ihre Gestalt in irgendeinem alten Märchenschatz zu suchen... So vergingen jeden Tag einige Stunden gemütlicher Unterhaltung. Nur von Hans Schröder sprachen sie kein Wort mehr... Friedrich Forster nahm die Sache ernster; er sah in ihrer seltsamen Beschäftigung eine Auswirkung der vielen einsamen Stunden, in denen er das Mädchen sich selbst überlassen mußte. Er drang nicht in sie mit Fragen und Verhören; er sah, daß sie glücklich dabei war, und das genügte ihm. Zusammen verließen sie am frühen Morgen das Haus, um ihre Arbeitsplätze aufzusuchen, und wenn sie spät am Abend zurückkehrten, waren beide viel zu müde, um sich über schwere Fragen zu unterhalten... Nur einer sagte nichts, gar nichts, und gerade von ihm hätte sie so gern ein anerkennendes Wort gehört: Christian Fähnle... War es ihm nicht genug, was sie tat? Wie hätte sie ihm ihre Liebe zu seiner Heimat besser bezeugen können als so, indem sie selbst Hand mit anlegte?— Oder glaubte er immer noch, daß sie seine Welt haßte?— Er war vielleicht so sehr in Anspruch genommen, daß er keine Zeit mehr fand, sich um diese Dinge zu kümmern... Eines Tages kam der alte Fähnle vorzeit## heim und löste sie ab. Die Gelegenheit benützte sie sogleich dazu, um selbst einmal das Entwässerungswerk zu besichtigen; sie lief mehr als sie ging über die trockenen Weiden hinüber zum Moor. Vor allem aber war es die lange stillgenährte Sehnsucht, die sie hinzog zu dem Manne, in dessen Händen das ganze Werk lag, an den sie jede Stunde denken mußte und auf den sie alle Tage vergebens gewartet hatte... Als sie an der Arbeitsstelle ankam, mußte sie über den gewaltigen Fortschritt des Werkes staunen. Vor ihren Augen breitete sich eine große, schwarze Fläche aus, unter der schon die Drainagen liefen. Nur die Bearbeitung des Bodens schien noch erhebliche Schwierigkeiten zu machen, weil hierzu die geeigneten Maschinen fehlten. In wohlgeordneten Reihen und Kolonnen arbeiteten die Männer weiter, unverdrossen und schweigsam: sie hielten zusammen im Kampfe um das Brot; das ganze Volk war aufgeboten, Männer, Frauen und selbst Kinder, soweit man sie schon zur Arbeit gebrauchen konnte. Alle waren erschienen und alle verrichteten ihre Arbeit... Weiter mußte sie sich über die fröhlichen Zurufe wundern, die ihr von allen Seiten zuteil wurden:„Unsere Schäferin!“ wurde es hier und dort laut, und sie erwiderte freundlich die Grüße. Dabei schaute sie immer nach Christian aus, um dessentwillen sie zum einfachen Hirtenmädchen geworden war... (Fortsetzung folgt). Von Bernt Angerhausen Copyright 1936 by Bernt Angerhausen, Buer’Westf. Zeichnungen: Jansen 7. Fortsetzung Leutnant Raven straffte sich, sein Blick war hart. „Kameraden! Wir brechen sofort auf, in Richtung West. Wir werden heute abend in Kaijara sein, dort gibt es Wasser. In einer Woche können wir wieder bei der Armee sein. Raven stockte einen Augenblick, dann hob er den Zettel, den sein Bruder geschrieben hatte, vor die Augen. Schaute noch einmal prüfend auf die Schar. Mit harter Stimme fuhr er fort: „Kameraden! Mein Bruder Hans Raven hat für euch alle tot zu sein, wie er es für mich ist. Er ist heute nacht mit einem wichtigen Befehl, mit dem Geld, das mir vom Kommando anvertraut war, und mit meinem Waffenrock verschwunden und zum Feinde übergelaufen. Er hat mir einen Brief geschrieben, in dem er sein Verbrechen eingesteht. Hört zu.“ Und Leutnant Raven verlas den Brief seines Bruders. In der lautlosen Stille dieser öden Bergwüste klang seine Stimme wie ein Signal. Er stand dort schmal und aufrecht vor seiner Truppe, unberührt von allem, was um ihn war, wie ein zum Tode Verurteilter. Er las laut und deutlich, ohne aufzublicken. Die Soldaten starrten geradeaus; jeder vermied es, seinen Nebenmann anzublicken. Die Asaker schauten den Offizier und seine Leute an. Sie verstanden kaum, was Leutnant Raven gesagt hatte; sie sahen nur, daß der Bruder des Kommandanten verschwunden war, und daß der Marsch begann, ohne daß man nach ihm suchte. Es war Krieg, es geschahen Wunder über Wunder. Der Effendi mußte wissen, was er tat. Er war der Führer, inschallah! Leutnant Raven machte eine Pause, knitterte den Zettel zusammen und steckte ihn ein. „Mit dem Verräter,“ fuhr er fort,„ist auch der Schütze Göbel verschwunden. Er hat seinen Posten verlassen und ist mit ihm gegangen. Das sind zwei Mann weniger!“ Leutnant Raven machte eine Pause, als warte er auf irgend etwas. Eins der Kamele scheute, riß an seinem Halfter. Schreien und dumpfes Hufgestampfe. Raven gab sich einen Ruck. „Los! Vorwärts! Marsch!“ Mit kleinen Schritten lief er zur Spitze. Dort war Lehnert. Sie gingen nebeneinander. Lehnert sagte irgend etwas. Raven hörte nichts. Es wurde furchtbar heiß. Die Karawane stieg langsam abwärts, zwischen Geröll, über feinen Sand. Manchmal gab es einen Aufenthalt, wenn eines der Tiere strauchelte. Müller hatte man auf ein Tragtier gesetzt, er glich einem Toten. Raven fiel neben Lehnert zu Boden; er hob ihn auf. Sie sahen sich einen Augenblick an. Lehnert erkannte seinen Leutnant kaum wieder; er hatte die Augen eines Irrsinnigen. Er hielt sich wachsam an seiner Seite, obschon auch ihn jeden Moment die Kräfte verlassen wollten. Ehe sie die flache Wüste erreichten, kamen sie noch über eine kleine Erhebung. Lehnert schaute zurück. Er überflog die Karawane, die sich wie ein dünner Faden durch das graue Land zog. Die Berge von Ain Schecha hoben sich fahl vom Horizont ab; in dem kahlen Grau der Felsen klaffte noch deutlich erkennbar der Spalt der schwarzen Schlucht. Kascinski hatte darin sein Grab gefunden. Nach der Wüstensitte hatten die Kameraden eine kleine Steinpyramide über seinem starren Körper errichtet. Gut, daß er tot war. Nur ein Toter konnte es dort in dem Lande des Graues aushalten. Lehnert fühlte eine Hand auf seiner Schulter. Leutnant Raven stand neben ihm. „Sie denken an Kascinski,“ sagte er mit heiserer Stimme.„Armer Kerl— vergaß ganz, von ihm Abschied zu nehmen. Ich wollte, ein anderer läge dort an seiner Stelle.“ Lehnert antwortete nicht. Sie schauten unverwandt hinüber. Die Kameraden stapften vorüber. Da war Marmullah, vor der Tragtierkolonne. „Herr Leutnant, Marmullah wollte Sie sprechen, schon heute früh. Ich habe es Ihnen schon ein paarmal gesagt, aber Sie verstanden nichts.“ „So? Marmullah!“ Raven rief. „Pek esi, effendi!“ Der Alte kam herbei. „Was wolltest du von mir?“ Raven sprach türkisch. Der Alte machte eine kleine Verbeugung, strich sich den grauen Bart.„Du hast gestern mit Nizam Khan gesprochen, Herr. Traue ihm nicht! Die Perser sind falsch, und er ist der schlimmste von allen.“ „Ist das alles?“ Marmullah schüttelte bedächtig den Kopf. „Er haßt dich!“ „Das will ich glauben.“ „Nicht nur, weil ihr Krieg miteinander habt, Herr. Du erinnerst dich wohl noch an Tell Mobarak, an den Angriff der Araber. Sie griffen nachts an, und die Engländer blieben in ihrer Stellung.“ „Ach, da warst du mit dabei, Marmullah. Wir haben es ihnen gut gegeben, das weiß ich „Pak eji, effendi!“ Der Alte kam herbei. „Was wolltest du von mir?“ Raven sprach türkisch. Der Alte machte eine kleine Verbeugung, strich sich den grauen Bart. noch. Sie kamen gar nicht bis an unseren Graben." „Sieh, du weißt es noch, Herr. Dann weißt du auch noch, daß dein Bruder und der Soldat, der mit ihm verschwunden ist, den Arabern zwei Gewehre wegnahmen, solche, die immer schießen?“ Marmullah sah Raven erwartungsvoll an. Ravens Blick wurde düster. Er wußte, was der Alte meinte. Sein Bruder und der lange Göbel waren während des Araberangriffs durch einen trockenen Wassergraben in die feindliche Stellung geschlichen und hatten dort zwei Maschinengewehre erbeutet. Diese Heldentat war einige Tage lang das Tagesgespräch an diesem Frontabschnitt gewesen. Als die Araber nach ihrer Niederlage in ihre Stellung zurückkamen, entdeckten sie den Verlust. Man hatte sich damals in der Nacht von Tell Mobarak das furchtbare Wutgeschrei der Wüstenräuber nicht erklären können, erst als Hans Raven und Göbel mit ihrer Beute angeschleppt kamen. Warum mußte ihn Marmullah an diese Nacht, an seinen Bruder erinnern! „Du weißt es, Herr, ich sehe,“ fuhr der Alte fort.„Später habe ich mit einem Schammar gesprochen, der tags darauf gefangen wurde. Er sagte mir, daß Nizam Khan den Angriff eingeleitet hat. Nizam Khan wollte den Engländern zeigen, wie man einen Graben erobern muß. Er ist furchtbar wütend gewesen. Er hatte den„Blonden Teufel“ fangen wollen, und da hat ihn der„Blonde Teufel“ so zugerichtet, daß ihn die Engländer auslachten. Er hat geschimpft, er wollte sich schon einmal an euch Teufeln rächen.“ Marmullah schaute Raven fast bedauernd an. Seine langen, braunen Finger strichen nervös durch den Bart. „Nun ist es zu spät, Alter,“ sagte Raven leise.„Nizam Khan kann mir nicht mehr schaden.“ Aber während er so zuversichtlich sprach, kroch lähmender Schreck in sein Herz. Was würde Hans dort erwarten, bei Nizam Khan. Nizam wußte nicht, daß Hans ihm diese Schlappe zugefügt hatte, aber er mußte ihn doch für den Leutnant halten, für den„Blonden Teufel". Karl kannte die furchtbare Grausamkeit der Orientalen. Er schloß die Augen, legte die Hand darüber. Ein furchtbares Stöhnen entrang sich seiner Brust. „Es ist gut, Marmullah, nun ist ja alles vorbei. Wir wollen weiter!“ Gegen Abend erreichte die Kolonne Raven die Oase Kaijara. Raven schickte Lehnert und Marquard vorauf. Sie schlichen sich vorsichtig an die Palmengruppe heran, die Oase war leer. In den Löchern hatte sich genügend Wasser ansammelt, es gab für jeden Mann, für jedes Tier genug. Karl Raven überließ Lehnert alle Anordnungen, die für die Sicherheit der Truppe unerläßlich waren. Hinter der Oase, einige hundert Schritt weiter, fließt der Tigris. Karl saß bis zum Morgem auf einer alten Ziegelmauer und lauschte in die Nacht hinein. Wie eine große, rötliche Scheibe stand der Mond hinter den schlanken Palmen, weckte glitzernde Reflexe auf den lautlos fließenden Wellen. Dort weckte ihn morgens schmetterndes Hornsignal. Es war ein sonniger Herbsttag, Ende September. Der Himmel strahlte in seidigem Glanze licht und hell gegen die dunklen Wälder auf den Bergen. In den Gärten mit den regelmäßigen Reihen der Reben hingen die vollen Trauben. Die ruhig fließende Mosel erfüllte das Tal mit einem fast unmerklichen Rauschen, das müde und still machte. Vom schiefergedeckten Turm der kleinen Kirche läutete es Mittag, die weichen Schläge schmolzen in die Stille wie die leisen Worte eines Träumers. Ueber die Uferstraße glitt ein offenes Auto in nicht allzu rascher Fahrt. Der Mann am Steuer schaute aufmerksam auf die gekurvte Straße, aber daneben lag in seinem braunen Gesicht noch ein seltsamer Ausdruck von Zerstreutheit, der nahe an Verbitterung streifte. Die Dame neben ihm trug ein Sportkostüm und einen Schleier. Sie sprachen nicht, aber ab und zu trafen sich ihre Blicke, sie hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt. Eine weite Kurve gab das langgestreckte Dorf vor ihnen frei. „Wir wollen hier halten“ sagte der Mann. Sie nickte. Langsam fuhr der Wagen ins Dorf. Ein sauberes Wirtshaus lag gleißh am Anang, eine schattige Veranda davor, Blick auf sen glitzernden Fluß. Als sie die Steintreppe hinaufstiegen, stutzte der Herr; er faßte den Arm seiner Begleiterin und deutete mit einem fragenden Blick auf das Wirtshausschild. „Alois Lehnert,“ las er.„Kennst du den Namen?“ „Lehnert?“ Er fühlte, daß ihr Arm zitterte. „Lehnert?“ wiederholte sie.„Ist es der aus dem Kriege, aus der Wüste?“ „Er hieß genau so. Aber wer weiß, wir wollen sehen.“(Fortsetzung folgt.) Folge 43 Dortmund, den 13. Sepiember 1936 Die Umsatzbesteuerung des Verkehrs Verbesserungen und Erleichterungen für die Schiffahrt Vor wenigen Tagen ist eine„Verordnung zur Aenderung der Durchführungsbestimmungen zum Umsatzsteuergesetz vom 21. August 1936“ erschienen, durch welche auch das Umsatzsteuerrecht des Verkehrs auf und an den Wasserstraßen geregelt worden ist. Danach ist steuerfrei„die Beförderung auf Wasserstraßen und das Schleppen von Schiffen und Flößen. ferner die Vercharterung und die Vermietung von Schiffen für die See- und Binnenschiffahrt, sodann die Benutzung von Anstalten an natürlichen und künstlichen Wasserstraßen, einschl. der Häfen, wenn die Entgelte nur in Höhe der zur Herstellung und Unterhaltung einschl. der Zinsen und Tilgungsbeträge erforderlichen Mittel erhoben werden, oder wenn die Entgelte die von gleichartigen Anstalten des Reiches, der Länder und der Gemeinden unter den gleichen Voraussetzungen erhobenen Sätze nicht übersteigen. Steuerpflichtig sind die Beförderungen von Personen und Gütern mit Kraftfahrzeugen, soweit sie von der Beförderungssteuer befreit sind oder die Beförderungssteuer allgemein nicht erhoben wird.“ Die infolge der Aenderung des Beförderungssteuergesetzes zwangsläufig einsetzende Umsatzsteuerpflicht für die Beförderungen auf Wasserstraßen ist nunmehr durch die Bestimmung des oben angegebenen Paragraphen vermieden worden. Die Umsatzsteuerfreiheit gilt sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr. Auch ein Fährbetrieb ist jetzt steuerfrei, der eine Beförderung auf der Wasserstraße darstellt. Das Schleppen von Schiffen und Flößen sowie die Vercharterungen und Vermietungen von Schiffen für die Binnenschiffahrt waren auch bisher freigestellt, die Aufnahme der Flöße dient lediglich zur Klarstellung. Von besonderer Bedeutung ist die Aufnahme der neuen Bestimmung, wonach Beförderungen auf Wasserstraßen und das Schleppen von Schiffen und Flößen auch dann umsatzsteuerfrei sind, wenn die Beförderungs und Schleppaufträger dem Unternehmer von einem anderen als dem Absender der Güter übertragen worden sind, was in der Binnenschiffahrt doch laufend vorkommt. Durch diese Bestimmung ist sichergestellt, daß nicht nur die Hauptfrachtführer, welche die Frachtverträge mit dem Absender abschließen, sondern auch die Unterfrachtführer von der Umsatzsteuer befreit sind. Diese Fälle sind auch bei den sogenannten Austauschkähnen gegeben. Die Bestimmung hat weiterhin Bedeutung für diejenigen Transportgenossenschaften, die im eigenen Namen und für eigne Rechnung BeRirderungsverträge mit dem Absender abschlieRen, die einzelne Transporte aber durch die ihnen angeschlossenen Genossen, entweder auf Grund der Satzungen oder eines Miet- oder Chartervertrages ausführen, lassen. Die neue Bestimmung hat auch Bedeutung für das Schleppgeschäft. Die Steuerfreiheit erstreckt sich jetzt auch auf diejenigen Unternehmen, die das Schleppen nicht selbst ausführen, sondern durch andere ausführen lassen, z. B. auch auf Schleppagenten. Die neue Verordnung tritt schon am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft. Sie dürfte mit der uneinheitlichen Handhabe der Steuerbefreiungsvorschriften durch die Finanzämter gegenüber der Binnenschiffahrt aufräumen, zumal durch einen besonderen Runderlaß die Finanzämter auf die häufigsten Fälle der Umsatzsteuerfreiheit in der Binnenschiffahrt noch besonders hingewiesen werden.—t. Zu dieser Anordnung kommt behalten. es nicht Es wird, wie aus folgendem Erlaß hervorgcht. von der Einrichtung der Bezirksverkehrsräte Absland genommen.„Bei Gelegenheit der Neuorganisation der gewerblichen Wirtschaft bin ich mit dem Reichs- und Preußischen Wirtschafts minister übereingekommen, die bezirklichen Interessen von Verkehrsträgern und-nutzern von besonderen Abteilungen bei den Wirtschaftskammern wahrnehmen zu lassen, so heißt es im Erlaß des Reichs- und Preußischen Verkehrsministers.Von der Errichtung der vorgesehenen Verkehrsräte sehe ich ab. Die bezirklichen Organisationen der Reichsverkehrsgruppen bleiben von dieser Neuordnung in jedem Falle unberührt.“ Aus dieser Feststellung, daß die bezirklichen Organisationen der Reichsverkehrsgruppen von dieser Neubildung in jedem Falle unberührt bleiben und in Verbindung mit der Tatsache, daß von der Errichtung der Bezirksverkehrsräte Absland genommen wird, geht hervor, daß die Verkehrsabteilungen der Bezirkswirtschaftskammern lediglich die den Verkehrsträgern und Verkehrsnutzern gemeinsamen Belange wahrzunchmen haben werden. Die Tätigkeit der Verkehrsabteilungen der Bezirkswirtschaftskammern wird sich also auf die ursprünglich den Verkehrsräten zugedachte Beratung von Verkehrsfragen des Wirtschaftsbezirkes beschränken. Diese Neuregelung ist ein weiterer Beitrag zur Vereinfachung des Organisationswesens innerhalb des Verkehrs und kann auch von der Binnenschiffahrt nur begrüßt werden. Il. Probefahrt Motorschiff„Athen“ Das von der Deutschen Werft, Hamburg, für die Deutsche Levante-Linie, Hamburg, erbaute Motorschiff„Athen“ von 7000 t Tragfähigkeit hat seine Abnahme-Probefahrt nach der Nordsee ausgeführt. Das Schiff hat auf der Probefahrt trotz stürmischen Wetters eine Geschwindigkeit von über 14 Knoten erreicht und wurde noch während der Probefahrt von der Reederei übernommen. Es wird sofort in Ladung gelegt und am 5. September 1936 seine erste Ausreise antreten. M. S.„Alhen“ weist eine Einrichtung für die Unterbringung einer kleinen Anzahl Fahrgäste auf. Sämtliche Hilfsmaschinen im Motorenraum und an Deck erhalten elektrischen Antrieb. Besondere Sorgfalt ist auf seine Ladeeinrichtung gelegt worden. Das Schiff hat einen Schwergutbaum zur Uebernahme von Ladungen im Stückgewicht von 50 t. Wie alle von der Deutschen Werft erbauten Schiffe, ist die„Athen“ mit D. W.Bug und Simplex-Balance-Ruder-Anlage versehen. sehen. Das Elsaß und die Rheinschiffahrt In einem größeren Artikel des„Elsässischen Kuriers“ wird ausgeführt, daß die elsässische Wirtschaft nur auf der Basis einer freien Rheinwirtschaft wieder gedeihen kann. Vom Mittelalter bis zur Neuzeit sei das Rheintal das ökonomische Zentrum des Kontinents und der Rheinstrom nicht nur die Brücke für die kulturelle, sondern auch für die wirtschaftliche Durchdringung der Völker gewesen. Das Elsaß habe als Schnittpunkt des Verkehrs verschiedener Länder im Herzen des Rheinraumes hieraus besonderen Nutzen gezogen, wobei die wirtschaftliche Entwicklung des Landes noch gefördert worden sei, durch seine reichen und kostbaren Natur- und Bodenschätze. h— Gut entwickelter Rhein-Seeverkehr Verkehrszunahme über Rotterdam ohne Umladung im I. Halbjahr 1936 Nach holländischen statistischen Angaben hat sich der direkte Rhein-Seeverkehr über Rotterdam, also der Rhein-Seeverkehr von und nach deutschen Rheinhäfen ohne Umladung in Rotterdam auch im ersten Halbjahre weiter gut entwickelt und so die aufsteigende Kurve des Rhein-Seeverkehrs der letzten Jahre fortgesetzt. Der Gesamtverkehr belief sich auf 614000 t gegen 560000 t in der Vergleichszeit des Vorjahres. Es entfielen auf den Verkehr von in- und ausländischen Nord- und Ostscehäfen nach deutschen Rheinhäfen 246 000 t (227000 t) und in umgekehrter Richtung 200 000 t(333000 t). Am stärksten war wiederum die Verkehrsentwicklung zwischen dentschen Rhein- und deutschen Nord- und Ostseehäfen. Hier betrug der Gesamtverkehr 550 000t gegen 448000 t. Am stärksten hat hier der Verkehr in der Richtung von deutschen Rheinhäfen nach deutschen Nord- und Ostseehäfen zugenommen, der von 246000 t in der ersten lälfte 1935 auf 323000 t in der gleichen Zeit des laufenden Jahres sich steigern konnte Nach deutschen Rheinhäfen aus deutschen Seeplätzen betrug der Verkehr 226000 t gegen 201 000 t.— Im Auslandsverkeur hat der Rhein-Seeverkehr fast mit allen Ländern inbußen erlitten. So ist der Verkehr mit Dänemark von 17000 t auf 13000 t zurückgegangen. Einigermaßen gehalten hat sich der ausgehende Verkehr mit England, der 18 500 t erreichte(20000 t). während in umgekehrter Richtung 13000 t gegen 15000 t verfrachtet Stimmen zum Abeichungsplan wurden. Der Verkehr mit Polen und Danzig ist von 10000 t auf 5000 t zurückgegangen. Bei den einzelnen Güterarten sind erhebliche Verschiebungen festzustellen, so ist der Kohlenverkehr im Rhein-Seegeschäft ausgehend zurückgegangen, indem nur 13000t gegen 47000 t in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verschifft wurden. Zugenommen hat dagegen, die Ausfuhr bzw. die Durchfuhr von Kunstdünger von 18000 t auf 20 000 t. Der Verkehr mit Metallen ist fast um 44000 t auf 50 000 t zurückgegangen. Gehoben hat sich die Ausfuhr an Natursteinen, sowie in Eisenblechen, Profileisen usw. Chemische Prorlukte und Farbwaren zeigen einen leichten Rückgang im Abtransport. Ganz besonders gehoben, hat sich der ausgehende Verkehr in Kunststeinen, der von 19000 t auf 35000 t stieg.— Der Versand an Papier hat sich mit 12 000 t halten können. Im Eingangsverkehr. nehmen landwirtschaftliche Produkte einschl. Mehl die erste Stelle ein. Es lolgen Iarze. Pech und Teer, sowie Pflanzen und Erdölprodukte, die bei letzterem aber auch einen erheblichen Ausgangsposten ausmachen. Hlolz und Holzschliff stellen ebenfalls einen ansehnlichen Eingangsposten im Rhein-Seeverkehr dar. Zugenommen hat auch die Kaffeeeinfuhr auf dem Rhein-Seewege, die auf 2400 t gegen 1880 t zu stehen kam. Bei der Betrachtung des Rhein-Seeverkehrs ist zu berücksichtigen, daß dieser nicht allein über Rotterdam bewerkstelligt wird, sondern auch noch andere Plätze als Durchgangspunkt direkten Rhein-Seeverkehrs in Frage des kommen. Im ganzen dürfte sich der direkte hein-Seeverkehr in den letzten Jahren seit 1932 verfünffacht haben, trotzdem nicht unerhebliche Verlagerungen und Ausfälle eingetreten sind.—m Das Für und Wider im Mittelpunkt des Interesses Die Frage der Fehlfracht Es ist Vereinfachte Organisation Die bezirkliche Gliederung des Verkehrs Im Gesetz über den organischen Aufbau des Verkehrs vom September 1935 war vorgesehen, daß zur Beratung von Angelegenheiten des Verkehrs neben dem Reichsverkehrsrat auch Bezirksverkehrsräte gebildet werden sollen. Die Festlegung von Sitz und Bereich der Bezirksverkehrsräte, die aus Verkehrsträgern und Verkehrsnutzern bestehen sollten, war einer besonderen Anordnung des Reichsverkehrsministeriums vordie Tragik beim Passionsweg der Rheinschiffahrt, daß immer wieder auch ernst hafte, richtunggebende Ideen, die ins Freie führen könnten, durch eine allzu üppig wuchernde Kritik- von vorn herein an jeder Entfaltung gehemmt werden.— Der Abeichungsplan hat seinerzeit in der Zentralkommission eine weitgehende positire Einstel lung erfahren, und alle Rheinuferstaaten haben den Entwurf in seinen wesentlichen Grundzügen gebilligt. Lediglich über die Art der Durchführung ist es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. eber die Steigerung der Kosten, die der Abeichungsplan notgedrungen mit sich bringt. äußerte sich Dr. Schwörbel, Syndikus der Duisburg-Ruhrorter Schifferbörse, daß die Sorgen vor einer Steigerung der Unkosten zweifellos übertrieben seien.„Ein Betrieb, der seinen Schiffspark zur Zeit noch hundertprozentig beschäftigen kann, wird naturgemält eher eine Einbuße leiden. Doch stehen nicht Einzelfälle zur Beurteilung, sondern die Gesamtauswirkungen. Glaubt denn einer der Kritiker im Ernst, daß ein so erfahrener Sachkenner, wie Generaldirektor Dr. Welker, selbst Leiter einer der größten Rheinreedereien, bei seinem Vorschlag der Abeichung die gesunde Kalkulationsbasis verlassen würde? Es müssen doch mit der Abeichung gewisse Ausgleichsfaktoren wirksam werden, die gegenüber den verringerten Ausnutzungsmöglichkeiten die Kostensteigerung weitgehend abzufangen geeignet sind. Im normalen Verlauf der Dinge wird die Rheinschiffahrt auch mit etwas erhöhten Sätzen stets gegenüber der Reichsbahn bestehen können. Auch hierfür gibt die Erfahrung verschiedener Jahre eine starke Stütze Im Jahre 1934. dem typischen Jahr des Kleinwassers, betrug gegenüber einem gegenwärtigen niedrigen Durchschnittsfrachtsatz von RM. 0.90 je Tonne Basis Ruhrort-Mannheim der mittlere Satz z. B. im März 1.20 RM., im April 1,20 RM. und im Mai 1.30 RM. Man hat nichts davon vernommen, daß diese unter der Wirkung des Kleinwassers aufgebesserten Sätze irgendwie zu einer Ablenkung des Verkehrs vom Rhein geführt hätten.“ Dr. Schwörbel wies weiter darauf hin, daß eine Weiterbildung der Schiffsgestellungsverträge, eine andere Verteilung von Transporten und ähnliche Dinge, so begründet sie bis zu einem gewissen Grade auch sein mögen, keine tatsächliche Mehrbeschäftigung. keine stärkere Inanspruchnahme von Kahnraum und Schleppkraft herbeizuführen vermögen. Ein namhafter holländischer Reeder äuflerte sich vor einiger Zeit,„ohne eine künstliche Raumeinschränkung durch internationale Verständigung werden alle anderen Bemühungen, durch nationale Güterverteilung oder Meldestellen allein eine Besserung zu bringen, ganz bestimmt mit noch größeren Enttäuschungen enden.“ Die positive Seite des Planes ist nach Meinung Dr. Schwörbels, daß der Abeichungsplan elastisch sei, den jeweiligen Transportbedürfnissen angepaht werden kann, und seine Durchführbarkeit keine besonderen Schwierigkeiten und keine nennenswerten Geldmittel erfordere. Die Kontrolle kann denkbar einfach gestaltet werden, in vier bis sechs Wochen können erforderlichenfalls die technische Seite ihre Erledigung finden. ihre Selbst Die Ansicht eines Partikulierschiffers Ein Partikulierschiffer schreibt uns aus Höchst: „Ein Rhein-Herne-Kanal-Kahn von 9.50 Meter Breite ist 1350 bis 1400 Tonnen groß. Wird der Kahn 30 Prozent abgeeicht, bleiben 955 bis 980 Tonnen. Er darf aber im Rhein-Herne-Kanal heute nur mit 2,30 Meler abladen. Das sind 1180 bis 1200 Tonnen. Dies macht schon einen Tonnageverlust von ca. 12 Prozent. also kommt bei diesem Schiffstyp nur eine 18prozentige Tonnageverminderung in Frage. Die Braunkohle-Reederei hat entlader-Kähne aus Zweckmäßligkeitsgründen schon längere Zeit abgeeicht. Also käme auch hier keine Tonnageverminderung in Frage. Die Partikuliere lassen heute schon in der Talfahrt 8 bis 10 Proz. zurück. Kähne, die Leichtgut laden, z. B. Holz, Koks oder gemischte Güter, lassen 10 bis 30 Prozent zurück. Kähne unter 600 Tonnen werden nicht ab geeicht. Die durch die Abeichung betroffenen restlichen Kähne werden durch schnelle Be- und Entladung auch einen schnelleren Umlauf haben. Wenn man dies alles in Betracht zieht, wird eine 30prozentige Abweichung höchstens eine 10 bis 15 prozentige Tonnageverminderung bringen. Da von handelspolitischer Seite aus gesehen eine Frachterhöhung wohl kaum in Frage kommt wird der Partikulierschiffer aus der Abeichung gar keinen Nutzen ziehen. Zumal die Reedereien in kürzester Frist ihre abgeeichte Tonnage voll und ganz durch Motorschiffe ersetzt haben wer den, von denen man jeden Tag neue auf dem Rhein sicht. Sämtliche deutsche Schiffswerften sind vollauf beschäftigt mit Motorschiffsbau. Heute fahren diese Motorschiffe schon Massengüter. So kann man läglich beobachten, daß Molorschiffe mit Erz, Kohlen, Papierholz usw. bergwärts kommen. Ein Motorkahn braucht für dieselbe Reise 20 bis 25 Tage. Also macht ein Motorkahn zwei Reisen in einer Zeit, in der ein Schleppkahn eine Reise macht. Ein 1500 To. Kahn 30 Prozent ab geeicht bleibt 1050 To, groß, ist also 50 To. klei ner. Also macht ein Motorkahn die Abeichung von 4 mal 1500 To. Reedereikähnen zunichte. Wenn man bei den Partikulieren die Wartezeit Betracht zicht, dann wird sogar die Abeichung von acht 1500 To. Kähnen durch einen Motorkahn illusorisch gemacht. Warum schreitet man nicht zur Gütervertei lung, dann würden die Neubauten von selbst unterbunden? Wenn nur beim Kohlentransport talwärts reihenfolge gefahren würde, wie es vor 9 Jahren noch der Fall war, dann wäre uns Parlikulieren schon ein gut Stück geholfen.“ Eine Entscheidung über einen Holztransport zu Berg Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte sich in einer Entscheidung mit der Frage der Fehlfracht für einen Holztransport zu befassen. Es lag folgender Tatbestand zugrunde: Die Beklagte hatte der Klägerin den Transport von zwei mit einem Seedampfer in Rotterdam eintreffenden Holzsendungen„ab ankommendem Seeschiff von Rotterdam bis zu einem noch näher zu bezeichnenden Löschplatz in Mannheim zur Fracht von fl. 3.75 je Tonne einschl. Kleinwasserzuschläge“ auf Grund der allgemeinen Transport- und Konnossementsbedingungen der Mannheimer Reedereien übertragen. In beiden Bedingungen war bestimmt, daß bei nicht genügender Vertragserfüllung bzw. Nichtanlieferung des Transportgutes durch die Beklagte ohne Verzugssetzung und Einhaltung einer Wartezeit oder Bereitlegung des Fahrzeuges die Hälfte der bedungenen Kontraktfracht als„Fautfracht“ als Entschädigung zu zahlen sei. Im vorliegenden Falle sind die ergänzenden Mannheimer Reedereibedingungen maßgebend, da der Vertrag nach den Mannheimer Konnossementsbedingungen abgeschlossen worden ist. Nach dem Gutachten eines Sachversländigen dürfen die unter die Fehlfracht im Sinne des§ 34 BSCHG. und den Bedingungen billigerweise die reinen Seedampferlöschkosten, die mit fl. 1.25 angegeben werden, nicht gerechnet werden, auch wenn sie in einem Einheitssalz mit der Frachtberechnung im Uebernahmevertrag zusammengezogen sind. Denn diese Kosten sind nur reine Barvorlagen für die Klägerin gewesen, die beim Fortfall des Transportes sowieso in Wegfall gekommen wären. Auch sei unzutreffend, dal nach Mannheimer Usance unter„bedungener Fracht“ als Fehlfrachtberechnungsgrundlage nur die reine Wasserfracht vom Orte der Anlieferung bis zuni Löschplatz zu verstehen sei, vielmehr sei auch die Vergütung für die mitübernommenen Speditions- und Umschlagleistungen vom Seeschiff in den Rheinkahn und vom Rheinkahn auf den Löschplatz einzubeziehen.— r1. 50 Jahre deutsche Fischdampfer 40jähriges Bestehen des Fischereihafens Wesermünde-Bremerhaven Die deutsche Dampferfischerei dürfte wohl die jüngste unter ihren Schwestern gleicher Art rund um die Nordsee sein, also gewissermaßten das Nestküken. Aber, wie es im Leben oft so geht, hat sich der Nachkömmling ganz vortrefflich gesund gezeigt und kräftig entwickelt. Was für ein Wunder auch, hatte das Kind doch eine prächtige und robuste Mutter: die deutsche Hochsee-Segelfischerei, der es— wiederum wie manch ein Menschenkind— schließlich über den Kopf wuchs. So ist es gekommen, daß man heute die Dampferfischerei zusammen mit der Heringslogger-Fischerei, die„Große Hochseefischerei“ und die ältere Segelkutter- bzw. Motorkutter-Fischerei die „Kleine Hochseefischerei“ nennt. Als im Februar des Jahres 1885 der erste deutsche Fischdampfer„Sagitta“(P. G. 3) von dem Geestemünder Fischgroßhändler F. Busse auf die erste Fangreise in die Nordsee geschickt wurde, und als diesem im Dezember 1886 ein zum Fischdampfer„Solea“ umgebauter Lotsendampfer des späteren Hamburger Fischauktionators H. Köser folgte, konnte niemand ahnen, welche Entwicklung die Dampferfischerei nehmen, welche Bedeutung ihr für die Ernährung des an Zahl ständig wachsenden deutschen Volkes zukommen würde. Aber keineswegs gilt dieser Entwicklung allein das Jubiläum der Dampferhochseefischerei am Ende dieses Monats, sondern sie soll auch eine Gedenkfeier und eine mahnende Ehrung sein für die in den letzten fünf Jahrzehnten auf ihrem Felde der Arbeit ums Leben gekommenen 2300 wackeren Seefischer. Zu dieser Toten Ruhm und Andenken wird nach Professor Höger’s Entwurf ein gewaltiges Ehrenmal im größten Fischereihafen des europäischen Kontinents, in Wesermünde, errichtet, und gleichzeitig, ebenfalls von Professor Höger entworfen, für den Begründer der deutschen Dampferfischerei, Fritz Busse, ein Denkmal erstehen. Wie ist nun der Werdegang der deutschen Dampferfischerei gewesen? Die ersten Ergebnisse waren keineswegs erfreulich. Es galt zunächst mit oft trüben Erfahrungen und mit finanziellen Opfern eine Lehrzeit zu überwinden. Und sie ward mit Mut und Zuversicht überwunden. 1890 befischten 18 deutsche Dampfer die Nordsee und in den nächsten fünf Jahren wuchs diese Spezialflotte auf 72 Schiffe an. 1905 wurden 166 und im Jahre 1913 gar 251 deutsche Fischdampfer gezählt. Dann kam der Weltkrieg mit seinen furchtbaren Begleiterscheinungen und Folgen— auch für die deutsche Hochseefischerei. Zum Kriegsdienst stellte man naturgemäß die größten und stärksten Schiffe ein. Als Vorpostenschiffe, Minenleger, Minensucher und Wachboote und zu ähnlichen Zwecken fand eine große Anzahl dieser seetüchtigen Fahrzeuge Verwendung und dementsprechend waren die Verluste an Schiffen und Menschen ganz verheerend und konnten auch durch den bes hleunigten Neubau nicht ausgeglichen werden Da die veralteten Dampfer zumeist in den Häfen untätig liegen mußten, blieb überwiegend minderwertiges Schiffsmaterial für die Nachkriegszeit erhalten. In den ersten sogen.„Friedensjahren“ betrieb man mit allen Mitteln den Wiederaufbau der Fischdampferflotte und so wurde diese bis zum Jahre 1926 auf 396 Schiffe gebracht und damit zahlenmäßig der höchste Stand erreicht. Die während des Krieges nur ganz wenig befischte Nordsee ergab zunächst sehr gute Fänge, aber es trat bald eine Ueberfischung ein, und diese zwang dann zur Aufsuchung anderer weit entfernter Fanggründe. Für räumlich und zeitlich ausgedehnte Fangreisen aber eigneten sich die alten kleinen Dampfer durchaus nicht mehr und so war man gezwungen, diese außler Dienst zu stellen und durch leistungsfähigere' Schiffe zu ersetzen. Das führte zur Verkleinerung der Schiffszahl, gleichzeitig aber zu einem Anwachsen des Raumgehaltes, der Maschinenstärken und der Besatzung der Dampfer. Während die alten Schiffe selten über 400 Kubikmeter groß waren und zumeist nur Maschinen von etwa 275 PS fuhren. führt der FischereiAlmanach von 1935 unter 318 Schiffen(313 Dampfer und 5 Motorschiffe) 30 Schiffe von 1105 bis 1396, 5 Kubikmetern und Maschinenstärken bis zu 830 PS auf. Bei den Neubauten dieses Jahres aber ist man noch weiter gegangen und Fischdampfer mit 33 bis 56 Meter Länge, einer Maschinenstärke bis zu 1000 PS und 14 Seemeilen Fahrtleistung werden noch nicht die Grenze nach oben bilden. hat doch England sogar in Deutschland Fischdampfer von 60 Meter Länge und 8.5 Meter Breite(die Neubauten deutscher Flagge messen 8.2 bis 8.3 Meter in der Breite) in Auftrag gegeben, die zum Teil schon fertiggestellt sind. Mit dem fünfzigjährigen Jubiläum der Dampferfischerei feiert WesermündeBremerhaven gleichzeitig das 40 jährige Bestehen seines Fischereihafens, der in dieser Zeit eine einzigartige Entwicklung erlebte. Vor dem Kriege schon waren die Anlagen in Geestemünde und Bremerhaven nicht mehr ausreichend für Liegeplätze, Verkehr und fischindustrielle Unternehmen. Die Erweiterung wurde während des Krieges in Angriff genommen und dann besonders von 1920 bis 1925 und in neuester Zeit großzügi weitergeführt. 550 Hektar Fläche decken heute die Fischercihafen-Anlagen von Weser mümle-Bremerhaven: 10 riesige Auktionshallen stehen zur Verfügung, von denen jede 30 000 Zentner Fische aufnehmen kann. Es sind 60 Fischräuchereien, Marinieranstalten. Kon servenfabriken, Eiswerke, Tran-, FischmehlFabriken usw. in großer Zahl vorhanden. Von den heute etwa 350 deutschen Fisch dampfern sind allein 200 in WesermündeBremerhaven behcimatet und die in den Landanlagen festgelegten Werte belaufen sich auf etwa 60 Millionen Reichsmark. Unvollständlig wäre das Bild von der Bedeutung der deutschen Fischdampferflotte ohne einige werigstens auszugsweise Angaben über ihre Fänge, deren Verwertung und der durch die Hochseefischerei direkt und indirekt Lohn und Brot findenden Zahl deutscher Volksgenossen. Der Versteigerungsumsatz in Frischfischen an den deutschen Küstenplätzen betrug 1935: 3658951 Zentner(1934 2009 122 Zentner) im Großhandelswert von 29087 072 RM.(1954: 24 507 408 RM.). 32 Prozent dieser Frischfischmenge wurde unter land gefangen. Die Besatzung der deutschen Fischerflotte besteht aus 30000 Mann. Fischindustrie und Fischhandel beschäftigen über 100000 deutsche Volksgenossen, wobei diejenigen Iändler, welche Fische und Fischwaren nur als Nebenartikel führen, nicht mitgezählt sind. Nach Wesermünde-Bremerhaven sind die Hlauptlandungsplätze für Frischfische die ischereihäfen von Hamburg-Altona und Cuxhaven. Hamburg-Altona hat den größten Umsatz. an Frischheringen und die bedeutendste ischindustrie. Für den Salzhering sorgen dagegen hauptsächlich die Heimathäfen der deutschen Loggerflotte: Emden, Leer, BremenVegesack und Glückstadt, während die Ostseehäfen als bedeutende Fischlieferanten nicht über hier beheimatete Fischdampfer und Ieringslogger für die„Große Hochseefischerei“ (mit einer Ausnahme) verfügen. Als erfreulichster Fortschritt auf dem Gebiete der deutschen Hochseefischerei aber ist zu buchen, daß jetzt auch ernstlich für das leibliche und geistige Wohl der deutschen Männer. die bei allerhärtester Arbeit und einem Leben voller Entsagungen unter Island, in der Arktis bei der Bäreninsel, an Norwegens Küste, in der Weißen See und in der Barent-See für des deutschen Volkes Ernährung in ununterbrochenem Kampfe leben, gesorgt wird. Menschenwürdige Aufenthalts- und Schlafräume, Waschräume, Radioanlagen und Aehnliches sollen ihnen das Dasein lebenswert machen, und die Funkanlagen aller neuen Dampfer erhöhen die Sicherheit für Schiff und Besatzung. Für eine stetig ansteigende Blüte unserer lochseefischerei muß das deutsche Volk sorgen durch die von der Vernunft gebotene Steigerung des Seelischverbraucnes. Was hier noch erreicht werden muß, sagen einige wenige Zahlen mit unwiderleglicher Klarheit. Im Jahre 1934 kamen auf den Kopf der Bevölkerung in Norwegen 31 kg. in England 25 kg und in Deutschland 8.8 kg Fischkost! 1054 betrug der Verbrauch an Fischen je Haushalt in Stettin 41.3 kg. in Hamburg 27.7 kg. in Bremen 26.3 kg. in Frankfurt a. M. 11.3 kg und in München 8.4 kg! Bei den heutigen Transportmöglichkeiten kann auch der küstenferne deutsche Binnenländer durchaus frischen Seefisch essen und multe ihn in viel größerem Umfang dem Speisezettel einfügen. Das aber ist Sache der deutschen Frau. Wir können es uns als Volk ohne Raum nicht leisten, den deutschen Fleischverbrauch noch über den englischen zu steigern, den wir mit 50.5 gegen 51.5 kg je Kopf in England fast erreicht haben. Und der Seefisch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel, um dessen preiswürdige Beschaffung sich Fischerei und Fischhandel gleichermaßen bemühen. Ludwig Adolf. 80 S — — 7 0 — # * 8 Kr 20 — * — — C — 8 6 8 E (o ——•• ∆2 0 S 9 S7———— —— 2 2 2 02•—*-"— * 0——"—..— ***—= "-—„„„— n„.„„„——7S 0% 0 —-„.—.„ z. 3 9—..** *•=* * 09——— . 2 0 I."— U S B SrOüSSTARRESRSS SOSTSSASESSFER S; Zeichnungen: Hindersin; Idee: Scheurich; Text: Voko Auf ärztliche Verordnung Fu Sauerbrot, mit Herzverfettung, Soll zu seines Herzens Rettung Und um lebensfroh zu bleiben, Sich dem Radsport schnell verschreiben, Dieses erste kann von allen, Die hier hängen, schon gefallen. Und bei all dem Fett am Herzen Wär' der Preis wohl zu verschmerzen. Also heißt es hier verzichten Und sich nach den Beinen richten, Doch, sind diese noch so knapp, Lehnt man Damenräder ab. 0 Grose: Udee Wippupp hat jedoch vor'm Weichen Einen Einfall sondergleichen, Den der Freund, schon sehr verstimmt, Zur Erleichterung vernimmt. in diien Pra: Somit führt der ernste Schaden Augenblicks in diesen Laden, Um ein Fahrrad zu erwerben Und noch lange nicht zu sterben. Ae Doch den Beinen fehlt die Länge, Im Verhältnis zum Gestänge, Und der Weg bis zum Pedal Macht dem Fassungslosen Qual. Alches Ein Verkäufer muß verkaufen, Und bevor die Kunden laufen, Führt der Wunsch, sie zu versteh'n, Zu den spaßigsten Idee'n. * #1000 Und der Sport, vom Arzt verschrieben. Wird auf diese Art betrieben, Die für Fette sich zumeist Als bekömmlicher erweist. „„„ 2 SS 5. „„ 1 „„ Die alte Kräutersammlerin Skizze von Konrad Beste In einem abseitigen kleinen Tale des großen Waldes, der seine ungeheuren Holzmassen dicht an das einsame Dorf Wenthusen heranschob, lag die. Hütte der Kräutersammlerin Maria Riemenschneider. Es war ein Wald, der zwar an seinen Rändern und in seinen Tiefen Siedlungen und kleine Dörfer hatte wachsen lassen, der aber auch dem einzelnen ein völlig lautloses Versinken in seinen meilenfernen Einsamkeiten sicherte. Der Drang, allein mit einer großen Natur zu leben, mochte auch den Vater der Riemenschneider bewogen haben, sein Haus an diesem Ort zu erbauen, dessen spärliches Garten= und Ackerland er aus dem Eichenwalde hatte heraushauen müssen. Er war hierhergekommen als Witwer und als Vater zweier kleiner Töchter— er hatte dieses Haus mit seinen Händen erbaut, ohne die Hilfe von Handwerkern, und ohne die Hilfe von Menschen auch hatte er seine Töchter erzogen und unterrichtet. In der tiefen Einsamkeit dieses Lebens hatte er in sich die Fähigkeit entdeckt und entwickelt, dem Walde seine Geheimnisse abzulauschen, die Gesetze zu ergründen, nach denen er gewisse magische Kräfte an den Wuchs seiner Pflanzen bindet. Er wußte, daß die Pflanzen ihre Zeit und ihre Stunden haben, zu der sie gebrochen werden wollen, um den Inbegriff ihrer heilenden und ihrer zerstörenden Wirkungen ganz zu erfüllen. Die Klagen der Aerzte über die Unzuverlässigkeit gewisser Drogen waren für ihn ohne Bedeutung, denn er wußte es, daß etwa der Fingerhut verlangte, am zweiten Tag des vollen Mondes um die Mittagsstunde gepflückt zu werden und nur im hellen Schein der Sonne— und er vermutete vielleicht nicht mit Unrecht, daß hier ein letztes Aufkochen des heilenden Giftes erfolgte—. er wußte, daß die Tollkirsche die Nacht bevorzugte, um den Saft ihrer Blätter ausgären zu lassen. Er hatte die Demut, sich vor jenen dunklen Zusammenhängen zu beugen, übersehen vom Hochmut der Wissenschaft, der immer noch die„Erklärung" über der„Tatsache" stey..... Und diese Demut hatte ihm Macht gegeben, eine Macht, die er auch auf die Töchter vererbte. Dachses, der sich den Keller wohnlich eingerichtet hatte. Und der Garten war überwuchert von den riesigen Blättern des Huflattichs, die alles Wachstum erstickt hatten— sie bargen in den sumpfigen Niederungen ihrer Schatten die Frösche, die mit ihrem eintönigen Gequarr die Erbin dieses Hauses begrüßten, als sie nach zehnjähriger Abwesenheit heimkehrte. Maria Riemenschneider brachte es nicht übers Herz, das vertrauensvolle Wuchern dieser Wildnis mehr zurückzudämmen als es die notwendigste Ausbesserung des Daches und die Instandsetzung eines Zimmerchens erforderte. Bei der Küche schon machten ihre Bemühungen um eine menschliche Bequemlichkeit halt: Das erfüllte sie immer wieder mit Genugtuung, daß die Bachstelze, die sich ihr Nest auf einem Wandbrett gebaut hatte, nicht für einen Tag verscheucht worden war, daß der Igel sein Lager nicht verlegt aus der Holzkiste im Winkel. Ja, die Igelmutter warf bald nach Marias Rückkehr sogar acht rosige Junge, die sie unschwe, an die regelmäßig dargereichte Milch ihrer Ziege gewöhnte. So wurde ihr dieser Einzug im Frühling zu einem Empfang durch die dunkel sprießende Güte jener Kräfte, die den Wald durchweben von Ewigkeit... Hier also hauste sie wieder seit fünfundzwanzig Jahren und hier hatte sie immer tiefer hineingefunden in ihren Beruf, den einzigen, der ihrer in solches Dunkel heimgekehrten Seele gemäß war. Von hier aus unternahm sie ihre Streifzüge in den Wald und in die Dörfer, allabendlich wieder einmündend in ihre gesegnete Einsamkeit und unerreicht von der Unrast der Menschen. Auf den Wanderungen durch die Unendlichkeit des Waldes nahm sie dankbar alles hin, was er ihr freigebig bot. Sie brach den jungen Steinpilz, wenn er im ersten helleren Schwellen durch die Feuchtigkeit der Buchenblätter hervordrängte, sie sammelte das weiche Gold des Hahnenkamms und der Eierschwämme, sie ging dem erdig=fetten Braun der Morcheln nach und sie fand unter ihren hochgewölbten Erdbuckeln das unterirdische Sprießen der Trüffeln. Sie wußte den bleichgrünen, giftigen Schimmer des Knollenwustlings vom satten Gelbweiß des köstlichen Waldchampignons zu unterscheiden. Den Eichhasen fand sie in diesem uferlosen Walde, diese launige Verästelung von Pilzen auf einem dicken tragenden Mutterstamm. Sie fand die Totentrompete, deren düsteres Grau aus morastigen Abhängen gespenstisch aufstand und den würzigen Reizker, schillernd in den goldbraunen Ringen seines Hutes,, sammelte sie mit der großen Familie der Täublinge in Körben zu Zentnern... Sie sammelte diese Pilze, zog sie an Fäden auf und ließ sie trocknen in der Sonne und in dem Winde, der sich bis in dieses Tal verirrte... Kleine Geschichten Zweifelhafte Ehrung Ein heiterer Zwischenfall trug sich einmal vor dem Kriege in einer Sitzung des Stadtverordnetenkollegiums einer Kreisstadt zu. Ein Stadtverordneter referierte nämlich über die Benennung neuer Straßen und führte aus,„daß sich die Aerzteschaft wohl sehr geehrt fühlen werde, wenn drei Straßen die Namen Behring=, Koch= und Röntgenstraße erhalten würden.“ Unter stürmischer Heiterkeit führte hierauf ein anderer Stadtverordneter aus, daß alle drei Straßen Zugangsstraßen zum Kirchhof bildeten und es daher sehr zweifelhaft sei, ob sich die Aerzte durch die vorgeschlagenen Benennungen besonders geschmeichelt fühlen würden. König und Kellnerin Der letzte König von Württemberg trank einmal gelegentlich eines Ausfluges nach der bayerischen Grenzstadt Lauingen in einem dortigen Weinrestaurant einen Frühschoppen. In dem Gasthause verkehrten auch immer sehr viele Stuttgarter, die von dem benachbarten Lande herüberkamen und nicht gerade im Rufe standen, mit Trinkgeldern sehr freigebig zu sein. Beim Zahlen nun gab der König der Kellnerin, gleichfalls einer Württembergerin, ein Zehnmarkstück seines Landes und winkte ab, als sie ihm herausgeben wollte. Da sagte die Jungfrau, ihn nachdenklich mit seinem Bilde auf der Münze vergleichend: „Sie send au net von Stuegert!“ Original-Schnitt von Leo Tilgner Arbeiter am Blockwärmeofen Während er selbst nur für sich einen bescheidenen Gebrauch von diesen Fähigkeiten machte, die freilich er anzuwenden vermochte, wie immer es ihm beliebte, zum Werke des Heilens und zu dem des Zerstörens, als Kundiger der weißen und auch der schwarzen Magie, so machten seine Töchter aus ihren ererbten Künsten eine jede ein Gewerbe und sie teilten sich redlich in ihr Erbe. Denn die eine wählte den Tod und die andere das Leben. Die ältere, die den Tischler Wollenweber heiratete, wurde die Zuflucht der Verfeindeten, der Mißgünstigen, die danach lechzten, einander Schaden zu bereiten durch böse Tränke und Besprechungen. Die jüngere, die Frau und frühe Witwe des Maurers Riemenschneider, half denen, die im Vertrauen auf die heilenden und versöhnenden Kräfte ihrer Tränke und Salben, ihres wohlverwahrten Karfreitagswassers, ihrer ererbten Sprüche kamen. Und es kamen viele zu ihr, in nie enttäuschtem Vertrauen auf eine Güte, die freilich von der launenhaften Natur in das Gewand einer erschreckenden Häßlichkeit gehüllt war Maria Riemenschneider war nach dem Tode ihres Mannes aus Wenthusen in ihr Vaterhaus zurückgekehrt, das der Wald schon wieder in Besitz genommen hatte. Das geduldige Moos hatte sich schon bis über die Schwelle getastet, aus dem halbeingestürzten Dache hatte sich durch die morschen Sparren eine Eberesche herausgezwängt und die Vögel, die in den Zimmern ihre Nester gebaut, hatten auch den Samen von mancherlei Kräutern ins Haus getragen— so waren sie aufgeschossen in den Fensterbänken und hatten die Fenster ganz geschlossen mit ihren bunten, wuchernden Wänden. Denn da waren die zitternden Gräser und die Farren und zwischen dem feindselig dichten Blattwerk der Nesseln drängten sich die Dolden der Schafgarbe und der wilden Mohrrühe.— Die Vögel hatten sich nicht beirren lassen durch das Lager eines alten einsiedlerischen Dort, wo der Erde spröde Schätze In Massen schmelzen in der Glot, Damit der Mensch zum Herrn sich setze Und meistre jenes starre Gut, Bedroht des rohen Stoffs Gewalt Den, der ihn zwingt zur Neugestalt. Es wäre müßiges Beginnen Des Menschen, stünde er allein, Aus grobem Erz Stahl zu gewinnen; Nie zwäng ers ab der Glutenpein. Nur wo sich viele Hände einen Gelingt, was sonst zu schwer wollt scheinen. Martha Heinemann. — 2— Kreuzwort-Rätsel Fern und nah! Du siehst ihn in den USA Beinah’ in jedem Ilaus Der City; denn sonst kämst du ja Mit deiner Zeit nie aus. Doch kannst du ihn bei uns auch sehn In Kleinstädten sogar (Mußt bloß mal ins Theater. gehn) Drei, vier, fünf.— Ists nicht wahr? Magisches Silbenquadrat *** M i t t a g s r u h e *** fürkisch. Ehrentitek *** Kampfbahn di— di— e— e— fen— on—si— sta— sta Die aus diesen Silben zu bildenden Wörter sollen waage- und senkrecht gleichlauten. Nur zweisilbig, aber kernig! Tobt durch das 1 der 2, Zerstört er mancherlei. Oft in dem großen Krieg Verhalf 1—2 zum Sieg. Lösungen in der nächsten Wochenend-Ausgabe Lösungen aus der letzten Wochenend-Ausgabe Kreuzworträtsel Waagerecht: 9. Lese, 6. Saat. 9. Boxer, 10. Ornat. 11. Mandoline, 12. Esse. 13. Esel. 14. Ette, 17. Eilt. 20. Reisender, 21. Idiot, 22. Tegel, 25. Anne, 24. Esau. Senkrecht: 1. Texas, 2. Kanne. 3. Lome, 4. Sensation. 5. Erde. 6. Sole, 7. Aristides, 8. Tael, 14. Erda, 15. Teint, 16. Este, 17. Ente. 18. Legat, 19. Treu. Silbenrätsel Waagerecht: 1. Meeresbucht: 4. Nebenfluß der Donau; 7. Stimmung; 9. Pöbel; 11. Rätselhafte Naturkraft: 12. Ort bei Köln: 14. Tonstufe; 16. Biblische Person; 17. Männlicher Vorname: 21. Weiblicher Vorname; 22. Griechische Göttin; 24. Japanischer Ueberwurf: 27. Himmelsrichtung: 28. Abschiedswort: 29. Bedürfnis; 31. Körperteil; 32. Exotische Nutzpflanze. Silben Aus den 50 Silben: a— 3— à— a— a— al— ba— ba— bel — de— die— di— die— dscha— e— e ge— g0e— ha— 1— ka— koh— la— land — le— le— 11— list— ma— ma— mitt— na— pi— por— ra— ragd— ran— re — rhein— Ti— sma— stein— ster— ta— te— tel— ter— ti— tra— woch sollen 16 Wörter gebildet werden, deren erste und vorletzte Buchstaben, diese in entgegenReihenfolge gelesen, einen Vers aus „Wilhelm Tell“ ergeben.— Die Wörter bedeuten: Senkrecht: 1. Süddeutscher Staat: 2. Wiesenplan; 3. Nebenfluß der Donau; 5. Elektrische Einheit: 6. Windstoß; 7. Fahrtmesser; 8. Buchhülle: 10. Ruhe heischender Laut; 13. Berühmter Schriftsteller; 15. Jahreszeit: 18. Stadt in Südamerika: 19. Behälter: 20. Fluß in Rußland: 23. Kielwasser; 25. Weiblicher Vorname: 26. Arbeitsstelle im Bergwerk; 30 Umlaut. Rätsel 1.— 2. 3. +.— 3. 6. I. Drachme, 2. Italien, 3. Erinnye, 4. Walther, 5. Emblem. b. Lorelei, 7. Trapezunt, 8. Willi(j), 9. Industrie. 1o. Roland, 11. Devise, 12. Sanatorium. 15. Cannstatt. 14. Halma, 15. Oldenburg. „Die Welt wird schoener mit jedem Tag.“ Skataufgabe A hat Kreuz- und Pikbuben; Kreuz: As. 10. König. 9, 8. 7: Pik: 8. 7. B hat Herz- und Karobuben: Herz: As. 10, König. Dame: Pik: As. 10. König: Kreuz: Dame. C hat Karo: As. 10, König, Dame. 9. 8. 7; Hlerz: 9. 8. 7. Aus Ramlers„Fabellese“ kIEINod, schANDau, untERBann. frEIZeit. kUSTos, trakEliNen, lelSTung, aBRUzzen, haDERsleben, im PFLing, rICHThofen. Einander beizustehen. ist Bruderpflicht! Wer der Vorderste ist 1. Försterel: 2. UtE; 3. Editll: 4. HalunkE; 5. Ruwek: 6. TieflanD); 7. DevisE. .. fuehrt die Herde!(Wallensteins Tod.) Wie sich die Zeit ändert! 1. Römische Göttin; 2. Nymphe; 3. Bericht- 7erstatter; 4. Brennmaterial; 5. Uebersichtstafel; 6. Stern; 7. Provinz; 8. Buchabschnitt: 9. Aus 9 lese; 10. Schwärmer; 11. Edelstein; 12. Bühnenwerk; 13. Berühmter Geigenbauer; 14. Indischer Fürst; 15. Wochentag; 16. Feine Gipsart. Magisches Gitter ******* Ilafenstadt in Tunesien **** *.***** Kampfbahn *** ******- schwerbewallnete Reiter im Mit(telalter Stadt in den Niederlanden ana b dd eeceee gg hh ililili m nn 0o rrri ssss tttt Die hieraus zu bildenden Gitterstäbe sollen waage- und senkrecht gleichlauten. 10. 11. 12. 13. 14. 12. 16. SOMMER— Morsen— Nestor— Oberst IIERBST. Sommer— Herbst. September-Wetterregel WAShington, herDER, tA UGenichts, USTeri. verNiChtung, schlachl TKreuzer, bOf Ium. osT. Wind noRDDeich, untERStand. FEPTII, rEM Brandt. tauERN, miCIael, nolßRemse, hanse ATEN. Was der August nicht kocht, wird der September nicht braten! Magisches Geviert (Lösung in Wortfolge: Biwak, Ideal, Werra, Aarau, Klaus). Silbensucher mit zwei Möglichkeiten Lösung 1):„I“: Ka-li. Wil-li— Li-non. Li-se. Lösung 2):„na“: Ka-na. Wil-na— Na-non, Na-se. 15— Der Halin Von Heinz Scharpf Das Gehöft des Ambachers, wo wir uns zur Sommerfrische eingemietet hatten, lag ganz versteckt hinten im Tal, dem Staub der Landstraße entrückt, die Wandervögel flogen weit draußen vorüber und das Motorrad, die Folter des zwanzigsten Jahrhunderts, schien für diese Gegend noch nicht erfunden. Ein herrliches Sanatorium für verbrauchte Nerven, dachten Trude und ich, dazu die Bauersleute biedere Menschen, die im Sommerfrischler nicht nur die fette Kuh sahen, die sie mit Butter versorgte. Alles wäre schön in diesem idyllischen Winkel gewesen, in dem sogar die Mistanlage im Verborgenen duftete, wenn der Haushahn nicht gewesen wäre. Das heißt, auch der war schön, aber wie häßlich krähte der Kerl! Er hätte Gesangsstunden bei einem Pfau nehmen können. Und er krähte sich immer noch eins. Er krähte bei schönem, bei schlechtem und veränderlichem Wetter, er krähte die Stille an und das Echo, den Wind und die Flaute, die Morgen= und die Abendröte, das Danach, nach dem dieser Kikeriki nicht krähte, gab es noch nicht. Oft warf ich wutentbrannt einen Stein nach ihm, aber er mißverstand meine Geste, lief ihm nach, machte tucktuck, was die gesamte Hühnerschar herbeirief, schlug mit den Flügeln— und krähte. Immer mehr gelüstete es mich, dem Ruhestörer den Hals umzudrehen, aber Trude hielt mich zurück. Die Ambachers waren so nette Leute, und was man einem Bauern am Vieh antut, das tut man ihm selbst an. Einmal wollte ich beim Ambacher wegen seines geräuschvollen Hühnervogels ein Wörtchen anbringen, aber er schob nur die Pfeife aus einer Zahnlücke in die andere und sagte treuherzig:„Heut' singt er wieder lustig, der Gockel!" Da brachte ich es nicht übers Herz, gegen den Bruder Lustig zu wettern. So drohte mich also der Gockel zum Haus hinaus zu krähen, da ergriff endlich Trude die Waffe der Frau, die List, um ihm an den Leib zu rücken. „Ambacherin“, sagte sie,„legen die Hennen auch ohne Hahn Eier?“ Pennen auch „Freili, freili“, lachte die Gefragte über das naive Stadtkind. „Zu was braucht Ihr dann den Hahn?" forschte Trude weiter.„Bruteier setzt Ihr doch erst wieder im Herbst an, habt Ihr gesagt?!“ „Freili, freili.“ „Nun, dann ist ja der Hahn jetzt augenblicklich überflüssig auf dem Hof. Und jetzt hört, Ambacherin. Ich hätte eine Bitte. Mein Mann ißt so gern Hahnenfleisch. Für einen geistigen Arbeiter ist das nämlich das Beste. Es enthält die meisten Vitamine." „A wohl, davon hab' ich schon g'hört“, nickte die Bäuerin. „In der Stadt kriegt er jede Woche seinen gebratenen Hahn. Ich tät' ihn euch gut bezahlen.“ Die Ambacherin überlegte. Dann sprach sie bedächtig:„Eigentlich ist schad' um den Gockel, er ist recht tüchtig in seinem Fach, a drei, vier Markl wird er schon kosten.“ „Gut", sagte Trude,„hier sind vier Mark. Dann braten wir ihn gleich zu Mittag.“ „A wohl“, meinte die Bäuerin, und schickte Loisl, den Knecht, aus, um den Mittagsbraten zu fangen. Nie habe ich mit solcher Wollust in einen Hahn gebissen, wie in diesen knusprig gebratenen welschen Schreier. Zur Vorsicht aß ich gleich die Hälfte von ihm auf. Ein halber Hahn singt nicht mehr. Und obendrein ertränkte ich ihn noch in genügend viel Wein. Ja, mein lieber Hahn, legte ich die Serviette weg, jetzt kannst du krähen in meinem Magen soviel du willst, ich werde nur mit vollem Bauch dazu lachen. Der Nachmittag verlief himmlisch, kikerikilos bis zum Abend. Glücklich entspannt, begab ich mich frühzeitig zu Bett. Ach, wie wollte ich diese Nacht durchschlafen! Und ich schlief sie durch. Ungestört. Bis der Morgen kam. Da wachte ich jäh auf. Was war das? Rebellierte der Hahn in meinem Magen? Befielen mich Halluzinationen? Ich hörte nicht nur einen Hahn schreien, sondern eine ganze Hahnenskala. Jetzt fuhr auch meine Frau empor. „Kiteriki!" starrte ich sie entgeistert an. Mit einem Satz sprang Trude aus dem Bett und stürzte die Treppe hinab. Die Bäuerin war schon auf. „Um Himmels willen, was ist denn los?“ Die Ambacherin legte den Finger an den Mund und lächelte geheimnisvoll. „Ja, wissen's“, sprach sie in ihrer mütterlichen Art,„Ihna Herr is so a lieber Mensch, es soll ihm nix abgeh'n bei uns, und da hab' ich gestern im Dorf gleich sechs schöne junge Gockel kauft, die tu' ich ihm heimlich hermästen.“ Nervöser Sport Auf die Frage nach seinem kuriosesten PatientenErlebnis erzählte ein bekannter Nervenspezialist in Hamburg folgende Anekdote: Eines Tages kam zu ihm ein körperlich sehr rüstiger Mann, der über unerträgliche Nervosität klagte. Er wurde gründlich untersucht. „Arbeiten Sie viel?“ fragte dann der Arzt. „Nein, überhaupt nicht. Ich habe Geld genug Zeichnungen: Bruhns „Hallo!— Sie hatten doch wegen eines entlaufenen Hundes inseriert?— Ich habe ihn eben gefunden!" nd verbringe meine Zeit hauptsächlich mit ggeln. „Sonderbar!“ meinte der Arzt.„Das ist doch n sehr gesunder Sport, der Ihre Nerven eigentch kräftigen müßte!" „Das mag im allgemeinen richtig sein, Herr rofessor. Aber fischen Sie mal fortgesetzt ohne Witze der Wöchte „Hier ist das Frühstück für deinen Vater", sagte Frau Schmidt zu ihrem Jungen,„lauf und leg' es in einen Omnibus!" „In welchen Omnibus, Mutti?“ „In irgendeinen— Papa arbeitet auf dem Fundbüro, und so kommt es am raschesten hin! Aus der B. J. Z. * Der Volksredner im Hyde=Park zu London hatto eine zundende Ansprache gehalten... „.... und wenn ich, werte Zuhörer, auch nur mit einem Wort die Unwahrheit gesagt habe, dann soll mich auf der Stelle der Blitz treffen...“ Gerade, als er so weit gekommen war, brach die große Seifenkiste, auf der er stand, mit gewaltigem Krach zusammen. Der Redner verschwand in einer Staubwolke. Nach wenigen Sekunden kam er, etwas beschädigt, zum Vorschein. Da ertönte aus dem Hintergrund eine Stimme: „Schade, der Blitz ist daneben gegangen!“ Aus der B. J. Z. * Vater und Klein=Anni haben Mutter zur Bahn gebracht. Als sie in die Wohnung zurückkehren und der Vater dem Töchterchen den Mantel abnimmt, sieht die Kleine ihn fest und bedeutsam an und sagt:„So— nun hast du zu bestimmen!" Aus der B. J. Z. * Eine Dame, deren Körperfülle nach ihrer Ansicht am falschen Platz war, fragte bei ihrer Zeitschrift an:„Können Sie mir ein unfehlbares Mittel gegen mein Doppelkinn mitteilen?“ Sie unterschrieb schamhaft den Brief mit„Franz Kulicke".— Nach Tagen spannender Erwartung fand sie im„Briefkasten" die Antwort:„Lassen Sie sich einen Vollbart wachsen!" Aus der B. J. Z. * Der nette alte Doktor Müller begegnete einem Patienten, den er vor langer Zeit behandelt hatte: „Na, Herr Schmidt, wie geht es denn immer?" Schmidt lächelte etwas verlegen und erwiderte: „Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Doktor, aber ich fühle mich wirklich recht wohl!" Aus der B. J. Z. — —* D unng uu c W u Wci u Wiohin N Win cgee W e Auee W nn W UENTE siqnale der Seele! Charakterkundliches über den Ausdruck der Hände:: Von H. Schubert Sie sehen da einen Menschen, irgendwo, in Ruhestellung. Seine Arme hängen am Körper herunter, gleichsam als hätten sie nichts zu tun mit diesem. Oder: als könnten sie auch irgendwo anders hängen; oder: sie brauchten gar nicht da zu sein. Und ebenso die Hände. Willenlos gleichsam sind sie, diese Arme und Hände. Der ganze Mensch scheint zu sein in einem Zustand der Nichttätigkeit. Da, plötzlich, irgend etwas hat seine Augen gefesselt; ein kleiner unmerklicher Ruck strafft die Arme, die Hände. Das heißt: sie hängen auch jetzt noch, die Arme und Hände, aber nicht mehr willenlos; sie werden jetzt förmlich getragen— als seien sie bereit, handelnd mit einzugreifen in das Geschehen der Welt. Und so entsteht beim Betrachter der Eindruck, daß diese getragenen Hände und Arme Entschlossenheit künden; im Gegensatz zu den hängenden. Das ist der Grund, warum Strehle von hängenden Armen spricht, und von getragenen.(Dr. Hermann Strehle, Analyse des Gebarens! Verlag Bernard& Greefe, Berlin SW 68). Ein Redner. Er ist noch nicht ganz sicher; deshalb sucht er Halt— mit beiden Händen. Die niedergeschlagenen Augen verstärken den unsicheren Eindruck noch. Ein kleiner, fast unmerklicher Unterschied liegt zwischen diesen beiden Möglichkeiten, und dennoch: es sind zwei Welten; die Welt der Ruhe, der Abgeschiedenheit, der Tatenlosigkeit, und die Welt der Spannung, der Aktionsbereitschaft, der Tat. Erinnern Sie sich an das Bild eines vielgenannten europäischen Diktators, der, wenn er zu den Massen spricht, oder sich von ihr bewundern läßt, die Hände in die Hüfte legt, und so die Arme zwingt, einen Winkel zu bilden? Man findet diesen Winkel häufig, nicht nur bei Diktatoren— sondern auch bei solchen, die es sein möchten. Insonderheit aber bei den Menschen, die nicht auf eine solche herausfordernde Geste des Selbstbewußtseins verzichten möchten; denn mit ihr verbunden ist ja dieses breite Herausdrücken der Brust; breiter wird sie dadurch, männlicher; der Kopf legt sich in den Nacken, und damit wird die ganze Haltung Ausdruck des Selbstbewußtseins, wenn nicht gar der Selbstüberhebung. Aber nicht immer ist diese Geste eine Geste der Selbstüberhebung. Wir erinnern uns an einen Streit, der ausbrach zwischen einigen „stattlichen", Marktweibern. Die turbulente Tätigkeit des Mundes, das ist bei solchen Vorfällen Bedingung, wurde unterstützt durch Arme, die in die Seite gestützt waren. Nicht wie Eitelkeit sah das aus, auch nicht wie Selbstbeweihräucherung(wenn auch davon etwas bei war); nein, hier hatten diese Hände etwas von Kampf an sich; es war so, als warteten sie auf den ersten Schlag der Gegenseite— der dann zum Auftakt werden könne für eine zukünftige Keilerei. Nochmal das Bild des Diktators. Mit Armen, die über der Brust gekreuzt, steht er vor dem Volke. Hört man nicht bei dieser Geste die Worte des vierzehnten Ludwig:„# etat cest mor:— Der Staat bin ich!— Selbstherrlicher und herausfordernder kann eine Pose nicht sein. Aber wir kennen auch noch andere über die Brust gekreuzte Arme. Man findet sie bei Menschen die auf irgend etwas warten; die verstrickt sind in ihren eigenen Problemen; Menschen, die sich bewußt zurückhalten; um das, was auf sie einstürmt und einwirkt, besser aufnehmen zu können, um es besser zu verarbeiten. Sie sperren sich gleichsam gegen laute Einwirkungen der Umwelt, der besseren Konzentration willen. Man sieht also wieder: jedes Ding hat zwei Seiten— auch die Ausdrucksbewegung. Also: aufpassen, und kein vorschnelles Urteil! Und was bedeutet es, wenn einer einherspaziert, die Hände auf dem Rücken liegend, dort etwa, wo der Rücken anfängt nicht mehr Rücken zu heißen? Ueberlassen wir die Antwort Strehle:„Auch die auf dem Rücken gelegten Hände bedeuten, daß sie sich aus dem Getriebe der Welt zurückgezogen haben. Als Dauerstellung sind sie darum bezeichnend für passive, reservierte oder besinnliche Naturen, während sie im Gebaren des Betriebsamen, der stets alle Hände voll zu tun hat, nur selten und für Augenblicke auftreten." Jedes Ding hat zwei Seiten, sagten wir. Die zweite Seite dieser auf dem Rücken liegenden Hände ist: Aengstlichkeit, Hemmungen, Unsicherheit. Die Hände werden geradezu versteckt, da der Träger der Hände nichts mit ihnen anzufangen weiß— sie sind ihm im Wege. So grenzen sich zwei Seiten deutlich voneinander ab; aber doch nur für den, der scharf zu beobachten vermag. Das Schließen der Hand zur Faust kennen wir alle aus einer Zeit, die noch nicht allzulange hinter uns liegt. Sie war zum Symbol geworden für Millionen Menschen, zum Symbol einer Weltanschauung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die bestehende Ordnung zu stürzen. Dieser gewaltigen und brutalen Kampfansage folgte die geballte Faust als politischer Gruß. Grußformel für die Anhänger, Bannfluch für den Gegner! Vielleicht wurde dieser Handgruß, die geballte Faust, unbewußt gewählt, aber umsomehr spricht sie für den tiefen Sinn, der jeder menschlichen Geste innewohnt. Hier wurde sie zum Experiment im Großen: die Die Hand vor dem Munde! So was macht man nur. wenn man einen Schreck bekommt, aber den anderen nichts merken lassen will. Faust als Waffe! Und dennoch wurde sie besiegt von der offenen Handl Aber die geballte Hand, die Faust, muß nicht immer Waffe sein. Sie kann auch anderes ausdrücken: Kraftanstrengung, Macht und Ohnmacht. So wie geöffnete Hände zum Ausdruck des Bittens werden, oder Bedürftigkeit darzustellen vermögen, oder Hilfe erheischen. Dieselbe Bewegung, mehr nach unten— die Bitte wird zur Schenkung, zum Opfer; es ist die erfüllende, gebende Hand. Und wenn die Schenkung, das Opfer, schnell erfolgt, hastig, achtlos, zu schnell, so kann das leicht den Eindruck erwecken— als würde einem etwas vor die Füße geworfen. So stark kann der Ausdruck wechseln in geringem Rahmen. So können Hände nicht nur drohen, bitten, geben und schenken; sie können danken und erfüllen; sie können bescheiden sein und anmaßend. Beten können die Hände, und— fluchen. Betteln und bitten. Hände können herabzerren, und emporheben; sie können weich sein und hart, liebevoll und haßvoll. Von Ohnmacht können Hände aussagen und von Macht, von Wille und Unwille, von Freude und von Zorn. Hände— Signale der Seele! Wie sagt Strehle?„Hände und Arme sind die eigentlichen Werkzeuge des Handelns. An ihrem Verhalten wird sich darun besonders deutlich zeigen, ob ein Individuum bereit ist, sich handelnd mit der Umwelt auseinanderzusetzen, oder ob es sich ihr gegenüber untätig verhält". Mit anderen Worten: an ihren Handlungen werdet ihr sie erkennen! Vorausgesetzt, daß man nicht Meistern der Verstellung begegnet wie etwa dem Diplomaten Tayllerand, von dem Marschall Lannes in soldatischem Tone einmal feststellen mußte: „Wenn jemand Herrn von Tayllerand während einer Unterhaltung einen Fußtritt in den Hintern versetze, würde er keine Miene verziehen!“ Zweifel and Ratlosigkeit. Unschlüssig spielen die Hände mit der Zigarette. Dopuiid ip ung un sum W N uu Siloe W Winoh otunl„Aog uung uigiu ii Mt ii i sg t un Von Hans Friedrich Blunck Zeichnungen: Erika Pilius-Beccard Jeden dritten Tag kommt Johann Alwin Weeg mit seinem Wagen vor meine Gartentür gerattert, um Kalender, Messer und Zwirne oder auch Fische und Feinkostwaren anzubieten, was er gerade auf Lager hat. Johann Alwin Weeg, genannt Jan Allerwegs, ist ein unermüdlicher kleiner Händler; vor drei Jahren schob er noch einen Kinderwagen mit Gelegenheitswaren an unserer Tür vorbei, später kam er mit einem Dreirad, das er auch in größter Hitze unermüdlich längs staubiger Landstraßen trieb. Jetzt hat er sich einen alten Wagen gekauft, dessen Sitze zum Aufnehmen von Kisten und Paketen ausgeräumt sind, mit dem er fauchend Dorf um Dorf abfährt und den Menschen viel unnütze und ab und zu auch allerhand nützliche Sachen vor die Tür bringt. Jan Allerwegs hat nur einen Fehler: er kann keinen Frieden halten. Wenn ich ans Fenster trete, weil der starke Rauch seines Wagens bis in mein Arbeitszimmer beizt, höre ich gewiß gerade, wie er sich mit dem Mädchen zankt; wenn die Gänse einkommen, schnattert er ihnen entgegen und bläst sie an, bis sie die Hälse lang recken; wenn er nur zur Pforte will, hat er bestimmt seinen Streit mit dem Hofhund, aber sobald er in Sicherheit ist, kann er es nicht lassen und steckt ihm die Zunge heraus, was das Tier durchaus nicht vertragen kann. Irgendein Streit muß gewesen sein, erst dann klettert Jan Allerwegs, befriedigt über einen oder zwei Groschen Verdienst, in seinen Wagen, übt noch drei Kehren vor meiner Tür und braust in einer Wolke blauen Dunstes davon. Ich sage, Jan Allerwegs ist mir allzu streitlustig. Aber das Aergste ist, daß er meistens recht behält— nicht weil er im Recht wäre, sondern weil er den besseren Kehlkopf hat. Einmal hat er jedoch klein beigeben müssen, und das hat uns allen so wohl getan; ich stecke mir noch heute schmunzelnd die Pfeife frisch an, nur aus Behagen an der Erinnerung. Eines Tages nämlich ist Jan Allerwegs wieder bei uns; er will durchaus eine große Kruke Honig verkaufen. Obgleich er in mein Allerheiligstes dringt, will ich aber durchaus keinen Honig kaufen, weil ich zum Winter schon bei Nachbar Imker bestellt habe. Das entrüstet den Händler; da hat er das Beste vom Besten für mich aufgespart und ich bin ein Dummkopf und greife nicht zu! Murrend, mit schiefem Gesicht geht er aus der Tür, schilt noch eine halbe Stunde in der Küche mit dem Mädchen und läßt seinem Unmut über meine schlechte Gesinnung freien Lauf. Seine etwas raspelnde Stimme stört mich schließlich in der Arbeit; ich möchte wissen, wann Jan Allerwegs ankurbelt, und schaue ungeduldig nach dem Wagen hinaus, der auch schon sehr auf seinen Herrn wartet. Der Wagen— staune ich— sonderbar, der Wagen ist in einen braunen schwirtenden Glast gehüllt und hat überm Sitz etwas wie einen Auswuchs bekommen. Potztausend, da ist ein wilder Bienenschwarm gekommen und hat sich bei Jan Allerwegs zu Gast begeben. Im gleichen Augenblick schwirren mir auch schon zwei Tierchen um den Kopf und ein Flug von Kundschaftern summt ums Haus. Ich ziehe mich vorsichtig zurück und will das Fenster schließen. Gerade da kommt Jan Allerwegs aus der Küchentür, mit dem Rücken zuerst, weil er noch bis zuletzt seine Meinung über einige notwendige Bestellungen anbringen möchte. — Schleicht, sage ich, vorsichtig nach dem Hund ausspähend, über den Hof. Und stoppt nun auch, wie er seines Wagens ansichtig wird, und zieht den Hut über die Augen und zieht ihn wieder hoch, erstaunt, daß seine Karre gleichsam ohne ihn brummt und schwirrt. Und dann klappt er gegen sein ungeschütztes Genick, beginnt mit beiden Armen zu wirbeln und reißt den Mund auf und schreit plötzlich so sehr um Hilfe, daß ich mein Lachen aufstecke und nach unten laufe, besorgt, die Bienen hätten den armen Mann schon ins Gehirn gestochen. Auf der Treppe erwische ich das Mädchen und sage noch, es soll rasch dem Nachbar Imker Bescheid geben, er könne einen schönen Schwarm einfangen. Weil das Geschrei auf dem Hof aber inzwischen wieder aufgehört hat, bleibe ich in der Tür stehen und warte, was weiter kommt, es wird sonst doch nur wieder ein Streit daraus. Und ich sehe, auch Jan Allerwegs nimmt die Sache von der guten Seite; er hüpft ab und zu einmal, er führt den Hut im Bogen um seinen Krauskopf, aber er lächelt, als begrüße er das Volk, das sich da seinen Wagen zum Schloß gewählt hat. Ja, er schüttelt vergnügt beide Hände; ich ahne, er stellt sich innerlich auf Bienenzucht um, der Schwarm kommt ihm wie gerufen. Da wage auch ich mich näher; wir sehen beide staunend dem Wunder zu und betrachten, wie die junge Frau Königin von einem braunen und schwärzlich wimmelnden Kloß Bienen umhüllt und geschützt wird. Wir nicken sogar friedlich dem Nachbar Imker entgegen, der, einen Drahtkorb um den Kopf, dicke Handschuhe um die Fäuste, im Trab herbeieilt, und beobachten, wie er den aufstäubenden Schwarm von Jan Allerwegs Wagen löst und behutsam in einen schönen Bienensack zu Gast bittet. Obwohl einige Tiere unruhig schwärmen und zornig bis zu uns herübersummen, hat der Nachbar solch besänftigend freundliche Worte und Pfiffe für sie, daß sie sich die neue Stube gefallen lassen; ich denke, sogar Allerwegs streitlustiges Gesicht müßte sich an solchem milden Bild väterlicher Fürsorge freuen. Er klopft auch, sobald die Arbeit getan ist, recht freundlich dem Imker auf die Schulter: „Na, also schönen Dank“, sagt er. Und dann: „Nun gib her!" „Hergeben?“ fragt der Nachbar verblüfft. „Das ist aber jetzt mein Schwarm,“ erklärt er, mitleidig über die ungeklärten Rechtsanschauungen Jan Allerwegs. „Wieso,“ schreit der Händler,„auf meinem Wagen geholt, und du willst ihn behalten?“ „Und wenn er sich dir auf den Bauch gesetzt hätte,“ lacht der Imker behäbig,„der Schwarm ist mein.“ Jan Allerwegs schüttelt den Kopf; seine Augenlider zucken, Widerspruch kann er nicht vertragen.„Und wenn du meinen Wagen in deinen verdrehten Sack gesteckt hättest, wäre er wohl auch dein?" bellt er den Nachbarn an. Dachte ich's nicht? Es gibt wieder Streit. Aber der Imker ist friedfertig; er überhört solche Kniffe, er hebt die Achseln und will auf sein Feld zurück. „Du tust mir keinen Schritt weiter,“ rollt Jan Allerwegs von unten herauf und stellt sich ihm krebsrot in den Weg.„Du tust mir keinen Schritt weiter, ehe ich den Sack nicht auf meinem Wagen hab. Denkst du, ich weiß nicht über Mein und Dein Bescheid, denkst du Honigschlecker, ich ließe mir ein Volk Immen aus den Fingern gehen, wo jeder weiß, man kriegt einen Wochenverdienst dafür auf den Tisch gelegt?“ Und er stellt sich fechtbereit vor den Nachbarn, obschon ich nun besänftigend dazwischentrete und Jan Allerwegs sein falsches Eigentum erklären möchte. Aber der kleine Imker will mit diesem Menschen gar nicht erst streiten; er setzt den schützenden Korb nieder, sieht sich den groben Feind von unten bis oben an und grinst in die Sonne.„Na ja“, sagt er trocken,„dann sollst du deinen Schwarm wiederhaben, Jan Allerwegs.“ Und er zerrt mit einem Griff ein winziges Loch in seine Bienenstube; da sprühen die ersten Tiere zornig heraus.—„Aber der Sack ist mein“, sagt der Imker. „Was, wieso?“. Und der Händler tut einen Satz zur Seite. „Du kannst wohl nicht bestreiten, daß der Sack mein ist,“ sagt mein Nachbar noch einmal und nestelt wieder an der Oeffnung. Ich bin im Sturmlauf in der Haustür, drehe mich in ihrem Schutz aber neugierig um, die Klinke in der Hand. Und ich sehe, der Händler hat immer noch Einwände, er schlägt die Hände überm Kopf zusammen über des Imkers Unverstand und Hinterlist. Da macht der eine dritte bedeutsame Handbewegung zur Bienenöse. Und das ist wohl genug: Jan Allerwegs blökt vor Entrüstung und wirbelt mit beiden Armen, dann ist er mit einem Satz auf seinem Wagen und faucht und knarrt und räuchert dröhnend über den Kantstein von dannen. Der Imker blickt sich dreimal schmunzelnd um, winkt zu dem hübschen Mädchen am Küchenfenster hinüber, nickt mir zu und hebt seinen allmächtigen Sack mit Bienen auf, sehr behutsam und liebevoll. oed Gung 300 Vilbljg udg glom u h eno gun ubnogg n neh uung ohn u uzsbazge 2oa Siu Wog Wchnt uh u ocn ueß G ver lag Von Paul Raché Originalzeichnungen: Jan Ja, seht ihr, Kinners, sagte der Kapitän Brammer von der Hapag, als man so hübsch gemütlich im„Grünen Papagei“ am Baumwall in Hamburg beisammen saß und das Gespräch wieder einmal auf die Frauen gekommen war, ich verstehe nicht, weshalb das Weibsvolk jetzt überall dabei sein will. Für mich ist’ne Frau nun mal'ne Frau. Und Mann bleibt Mann. Und doch ist es mir einmal passiert, daß ich mich einer Frau gegenüber so elendiglich klein gefühlt habe, wie noch nie in meinem Leben. Es war Ende der neunziger Jahre, ich fuhr damals den„Grafen Waldersee", einen der mächtigen Riesenkasten der Hapag. Für damalige Begriffe. Wir waren wieder mal drüben gewesen und glücklich vom Pier in Hoboken losgekommen. Ich stand auf der Kommandobrücke und war froh, daß alles so hübsch geklappt hatte. Da kam einer von meinen Leuten und überreichte mir eine Karte. Die Dame möchte mich sprechen, es wäre sehr dringend.„Miß Pogson“, stand auf der Karte. Und darunter„Representative of The Burns.“ Burns, das wußte ich, war eines der größten Detektivinstitute in den Staaten. Nun habe ich Detektivinnen nie leiden mögen. Ich sagte also meinem Mann, er möge der Miß bestellen, daß ein Kapitän kurz nach der Abfahrt seines Schiffes aus Neuyork noch einiges andere zu tun hätte. Wenn es aber wirklich so dringend sei, dann könnte mich die Miß ja in zwei Stunden in meiner Kabine aufsuchen. Als ich dann runter kam, wartete sie schon. Es schien ihr höllig pressiert. Sie setzte sich mir gegenüber und wippte nervös mit den Beinen. Die waren ganz hübsch. Auch sonst war die Frau nicht übel. Dazu ein paar verdammt kluge Augen. Das ganze Persönchen, wie sie mir so gegenüber saß, von einer raffinierten Koketterie. Na, so was habe ich bei Weibern grad gern. Sie merkte bald, daß sie bei mir nicht an den Rechten gekommen war. Jetzt fing sie auch an, ganz ruhig und sachlich zu erzählen, und mit den Beinen wippte sie auch nicht mehr. Sie sei der weibliche Chefdetektiv von Burns. Und man hätte sie mit einer ganz besonderen Aufgabe betraut. Hier an Bord befände sich nämlich ein ganz berüchtigter Hochstapler. Ich hob abwehrend die Hände. „Miß, Miß“, sagte ich,„hören Sie bloß auf. Immer wieder dieselbe Geschichte. Noch nie habe ich eine Reise gemacht, wo es nicht hieß, daß irgendein Hochstapler hier auf dem Schiff einen Schlag vor hätte. Und nie ist etwas gewesen.“ „Doch, doch“, ereiferte sich die Miß,„diesmal ist es aber ganz bestimmt so. Als Mr. Shephard aus Brooklyn steht er auf der Schiffsliste. Ich habe mir, um den Burschen diesmal ganz sicher zu fangen, einen besonderen Plan zurechtgelegt. Meine Gesellschaft hat mir ein ungemein kostbares und auffallendes Schmuckstück mitgegeben. Hier ist es.“ Sie holte ein Etui hervor und zeigte mir einen großen Stern an einer goldenen Kette, der so über und über mit blitzenden Steinen besetzt war, daß das Ding fast jahrmarktsmäßig unecht aussah. „Was glauben Sie wohl, was der Schmuck wert ist“, meinte Miß Pogson. Ich zuckte die Achseln.„Vielleicht 3000 Dollar, vielleicht auch 5000.“ Miß Pogsons Stimme hatte vor innerer Erregung einen fast heiseren Klang, als sie entgegnete.„R#oo... Du lieber Gott... 80 000... Achzigtausend! Mr. Shephard wird das auf den ersten Blick sehen. Darauf baue ich meinen Plan. Ich werde den Schmuck vom dritten Abend an tragen. Mr. Shephard wird dann, Sie können das beobachten, sofort ein besonderes Interesse für mich zeigen. Ich werde natürlich entgegenkommend sein. Risiko des Berufes“, fügte sie lächelnd hinzu.„Und eines Tages oder wahrscheinlich eines Nachts, wird der Schmuck verschwunden sein. Ich wollte Ihnen das nur mitteilen, damit Sie im Bilde sind und auf Mr. Shephard ein scharfes Auge haben.“ Nun entwickelte sich alles programmäßig. Beim Dinner am dritten Abend erschien Miß Pogson mit ihrem Stern, der natürlich lebhafte Bewunderung erregte. Mir fiel auch auf, daß sich von jetzt an Mr. Shephard auffällig um die Miß bemühte. Vielleicht war also doch etwas an der Geschichte. Aber es passierte nichts. Mr. Shephard war übrigens ein reizender Mensch. Er nahm jede Gelegenheit wahr, um mit mir ein paar Worte zu=wechseln. Richtige Hochstapler pflegen sonst um den Kapitän einen weiten Bogen zu machen. Jedenfalls, mir gefiel der Mann mit dem frischen offenen Gesicht, während mir die nervöse Miß Pogson von Tag zu Tag uniyinpathischer wurde. Wir waren nun schon zehn Taze unterwegs # und am elften sollten wir mittags in Kuxhaven anlegen. Am Abend das übliche Kapitänsdinner, das große Abschiedsessen mit der Eisblockkavalkade der Stuarts zum Schluß, damit die Passagiere noch einen besonders nachhaltigen Kaviargeschmack an den Aufenthalt auf dem Schiff haben sollten. Das war der letzte Abend, an dem der Stern von Miß Pogson strahlen konnte. Einige Stunden später klopfte es an die Tür meiner Kabine. In dieser letzten Nacht vor der Ankunft in Kuxhaven war ich natürlich auf. Etwas erstaunt war ich aber doch, als vor mir Mr. Shephard stand. „Ich störe wohl nicht besonders, Herr Kapitän, ich weiß ja, daß Sie sich nicht zur Ruhe begeben haben. Ich möchte Ihnen aber, bevor wir ankommen, auch ein kleines Geheimnis enthüllen. Genau wie Miß Pogson.“ Ich stutzte natürlich, als er den richtigen Namen der Miß nannte, er aber fuhr fort: „Sie sehen, Herr Kapitän, daß ich vollständig im Bilde bin. Aber ich bin nicht der berüchtigte Hochstapler von Miß Pogson, sondern ebenfalls ein Angestellter der Firma Burns. Es handelte sich für uns darum, das überaus wertvolle Schmuckstück sicher hinüberzubringen. Da unsere Direktion glaubte, sich auf Miß Pogson allein nicht verlassen zu können, wurde ich iyr als geheimer Begleiter — 13— wie sich die vielen hundert Angestellten unseres über ganz Amerika verbreiteten Instituts nicht kennen. Ich mußte, um sie und das Schmuckstück überwachen zu können, viel in ihrer Nähe sein. Damit das nicht weiter auffiel, wurde die Geschichte von dem Hochstapler erfunden. Die gute Miß Pogson bildet sich ungeheuer viel auf ihre Scharfsinnigkeit ein, aber viel ist mit ihr, im Vertrauen, nicht los. Wie wenig Verlaß im allgemeinen auf Detektivinnen ist, das sehen Sie denn hier... hier ist der berühmte Schmuck.“ Bei diesen Worten zog Mr. Shephard aus seiner Brusttasche das Etui hervor, das schwarze Etui mit der blauen Seide innen und dem kostbaren blitzenden Stern. „Es war eine Leichtigkeit, es ihr wegzunehmen“, meinte Mr. Shephard. Und als er meinen, über diese Fingerfertigkeit doch etwas erstaunten Blick bemerkte, fuhr er lächelnd fort: „Ja sehen Sie, Herr Kapitän, solch kleine Kunstgriffe muß unsereins eben verstehen, das gehört zum Handwerk. Die Hauptsache ist, daß wir den Schmuck sicher hinübergebracht haben. Und nun wollte ich Sie, Herr Kapitän, bitten, den Schmuck an sich zu nehmen. Er scheint mir bei Ihnen doch am sichersten zu sein. Sie bleiben ja wach, während ich mich noch ein paar Stunden aufs Ohr legen und ruhig bis zur Ankunft des Dampfers schlafen möchte.“ Damit überreichte er mir das Etui und verabschiedete sich. Ich nahm das Etui und sah mit stiller Freude dem Augenblick entgegen, wo Miß Pogson zu mir stürzen und jammernd den Verlust des Schmuckes melden würde. Der Augenblick kam auch, aber ganz anders, als ich mir das gedacht hatte. Wir waren schon ziemlich nahe an Kuxhaven, als Miß Pogson auf mich zueilte. „Der Schmuck ist gestohlen! Der Schmuck ist weg.“ Ich, mit unerschütterlicher Ruhe: „Ja, weg ist weg.“ Sié:„Lassen Sie sofort bei Mr. Shephard nachsuchen.“ Ich:„Fällt mir gar nicht ein.“ Sie:„Sind Sie denn?...“ Ich:„Nein, ich bin nicht. Aber Mr. Shephard ist auch kein Hochstapler, liebe Miß, er ist sogar ein Kollege von Ihnen. Und damit Sie sich den Schmuck nicht wieder stehlen lassen, hat er ihn mir zur Aufbewahrung übergeben. Hier.“ Mit einem Hochgefühl, wie ich es selten empfunden habe, zog ich das Etui aus der Brusttasche. Miß Pogson hatte aber kaum einen Blick auf den Schmuck geworfen, als sie zusammenknickte und sich auf einen Sessel fallen ließ. „Die Steine sind falsch“, sagte sie, fast tonlos,„eine Imitation, sogar eine herzlich schlechte...“ Und dann sah sie mich an mit einem Blick so maßloser Geringschätzung, daß ich zusammenzuckte. „Sie sind doch... Sie sind... o Sie, Sie!...“ Mehr brachte sie nicht heraus. Anscheinend fand sie nicht den rechten Ausdruck für meine Riesendummheit. Um es kurz zu machen: wir suchten natürlich sofort nach. Shephard war nirgends zu finden. Da meldete sich ein Matrose. Ihm sei sein Anzug abhanden gekommen. Und nun löste sich das Rätsel. Früher pflegte jedesmal, wenn ein großer Dampfer von Amerika zurückkam, eine Barkasse mit Herren der Direktion dem Dampfer entgegenzufahren, um zu hören, was sich wichtiges an Bord ereignet hätte, oder auch, um die Post mitzunehmen, die dann immer einen halben Tag früher an Land war, als wir mit unserem großen Kasten. Das alles wußte der Gauner natürlich ganz genau. Und da hat er sich an Bord der Barkasse, die ganz früh, als fast alles auf dem Schiff noch schlief, angelegt hatte, in der Kleidung eines Matrosen mit durchgeschmuggelt. Natürlich hat man von dem Kerl nie wieder etwas gesehen. Und von dem Schmuck erst recht nicht. „Na, da haben Sie mal Ihren schwarzen Tag gehabt, Kapitän“, sagte mein Direktor, als ihm die Sache vorgetragen wurde. Aber innerlich dachte er vielleicht dasselbe, was damals wohl auch Miß Pogson gedacht haben mochte, als sie mich so mitleidsvoll ansah: daß ich ein Riesenroß sei. dang Tag! a; joja dbdug, ni Aotpoclogn Pr.. =pnuhS sog gun z uun ng Wuue ug W W b n Su W u Wi uig Gil dia W i uue i uglbbslu #iom Uberraschung Vern Ebe Originalzeichnungen: Jansen Er gehört zu den sonderbaren Menschen, die am Reisen keinen Genuß haben. Er ist wahrhaft seßhaft. Das zeigte sich schon darin, daß die Firma, die seine Arbeitskraft verwertete, ihn auch in der magersten Zeit nicht zu entlassen vermocht hatte. Und es zeigte sich darin, daß„Teddy“ nie Ausflüge unternahm. Das Geschiebe auf den Bahnsteigen, die Fülle in den Gartenlokalen und das Geschimpfe auf der Heimfahrt waren seinem friedfertigen Gemüte ein Greuel. Teddy war Junggeselle, da er die Ruhe liebte. Das Unverheiratetsein war aber auch seine einzige Untugend. Im Büro mochten sie ihn alle. Seine Gutmütigkeit führte regelmäßig dazu, daß kurz vor dem Letzten so ungefähr die halbe Firma bei Teddy verschuldet war. Da er unbeweibt war, konnte er dieser Passion huldigen, woraus man wiederum ersehen kann, daß jedes Ding zwei Seiten aufweist. Das war es aber nicht nur, was Teddy so beliebt machte. Die eigentliche Ursache war eine ideelle: Teddy war Endstation für alle Betriebsklatschereien. Er konnte schweigen, und er schwieg! Diese Eigenschaft, vereint mit einem abgrundtiefen Haß gegen Neid, Neugier und Klatsch, sollten aber zu der großen Ueberraschung führen, von der hier berichtet werden muß. Eines Tages fragte Fräulein Schön, die Direktionssekretärin, während sie die Arbeit aus der Maschine zog: „Sag mal, Teddy, ist es wahr, daß du Land gekauft hast?“ Sie duzten ihn alle, schon wegen der Monatsdarlehen. Unwillig sah er von seiner Arbeit auf:„Wer hat nun das wieder aufgebracht?“„Das wissen doch alle!“„So, so, in dieser Schwatzbude bleibt aber auch nichts geheim!“ „Also ist es wahr!“ triumphierte Fräulein Schön. Einer der Kollegen meinte:„Daß es kein Rittergut ist, wissen wir, s aber wohl so'n anständiger Landsitz, wie?“ Teddy wollte nicht antworten. „Na, sag' schon— ist es viel Land?“ „Was man so braucht", gab Teddy vorsichtig zur Antwort. „Erzähl doch!“ Aber hierzu war er nicht zu bewegen. Es half auch nichts, daß Fräulein Hagen, die bereits seit Jahren Teddys Kollegin war und von der behauptet wurde, daß sie die einzige war, bei deren Anblick der hartgesottene Junggeselle nicht ganz gleichgültig bleibe, sich aufs Bitten verlegte. Teddy schwieg. Und er hatte seine Gründe. Er hatte tatsächlich Land erworben. Beim Notar der Firma war der Kaufvertrag perfekt geworden. Es ärgerte ihn, daß in diesem Betrieb nicht die geringste Privatangelegenheit unbekannt bleiben konnte. Teddy beschloß, etwas zu unternehmen. Vorläufig wurde das Thema„Erbhof“ nicht weiter erörtert. Erst als Teddy eines Morgens, die Arme voll Flieder, im Büro auftauchte, wurde er wieder mit neugierigen Fragen bestürmt. „Redet nicht, verteilt den Flieder untereinander— fertig!“ Als sie ihm danken wollien, wehrte er ab: „Ach was, das Zeug ist mir nur im Wege.“ Einer fragte, ob Teddy auch die Reichsnährstandsausstellung besuchen würde, worauf Teddy ein kurzes„Möglich“ zur Antwort gab. „Ja, hast du denn richtige Felder und auch Viehzeug auf deinem Gut?“ wollte Fräulein Schön wissen. „Was man so braucht... Viehzeug, ja, da ist allerhand Viehzeug.“ O, wie beneideten sie den glücklichen Teddy. Dann kam der Tag, wo Teddy mit einem Korb schönster Spargelstangen erschien, und wieder einige Zeit hernach schob er sich, möglichst unauffällig, mit einem Korb Erdbeeren ins Büro. Das gab eine Aufregung.„Man merkt erst jetzt, was einem in der Stadt für ein matschiges Zeug vorgesetzt wird.“„Nein, wie herrlich, so richtig vollreife Früchte.“„Und wie groß die Dinger sind— muß guter Boden sein.“„Teddy, du bist ein Prachtmensch!" „Immer denkt er auch als Landwirt an uns!“ So ging es durcheinander. Wieder lehnte er allen Dank ab, meinte geringschätzig:„Das 0). 8— ∆ 7 0 # # S 9. E Zeug verfault einem sonst ja doch. Was soll ein vernünftiger Mensch mit einer solchen Masse anfangen?" Dieser Reichtum war unfaßbar. Jemand fragte Teddy, wie lange er noch bei der Firma bleiben wolle. Als Grundbesitzer hätte er das doch nicht mehr nötig. Ein Erwerbsgut in der Nähe einer Großstadt — Goldgrube! Das war keine ganz selbstlose Frage. Dahinter steckte die Furcht, die rettenden Monatsendvorschüsse sowie die angenehmen landwirtschaftlichen Kostproben zu verlieren. Doch Teddy beruhigte sie. Er sprach von Bauten, die erst ausgeführt werden mußten, und dann sei es für ihn, als eingefleischten Großstädter, wohl auch zu einsam da draußen. „Wir müssen für Teddy eine Frau suchen", schlug Fräulein Schön vor.„Es ist nicht gut, daß der Mensch...“„Eine vom Lande, so eine dralle, die melken kann.“„Quatsch!" mischte sich die Hagen ins Gespräch,„manche Städterin hat sich schon fein ins Landleben hineingefunden. Ich lese da einen Siedlerroman..." Das Gespräch wurde abgebrochen, da der Prokurist sich nach dem Grund des aufsallend lebhaft geführten Geschwätzes erkundi— 12— gen wollte. In den nächsten Wochen fiel nichts vor. Regelmäßig, am frühen Samstagmittag, sahen die Kollegen und Kolleginnen mit stillem Neid den Agrarier das Büro verlassen. Der hatte es gut! Und wenn er Montags wiederkehrte, erholt und sonnenverbrannt, brachte er ihnen, wie um sie auszusöhnen, aus der Fülle seiner Bodenschätze etwas mit. Da hatten sie es gut! Das wäre so weitergegangen, wenn nicht Michelmann mit seinem Motorrad gegen einen Leiterwagen gefahren wäre. Es war am Montag früh. Er mußte das Rad in der Ortschaft lassen und mit der Bahn die Fahrt fortsetzen. Auf dem Bahnsteig der Ortschaft traf er Teddy! Jetzt wußten sie im Büro, wo der sagenumwobene Bauernhof lag. Am kommenden Sonnabend, als Teddy das Büro verlassen hatte, rief Fräulein Schön:„Wißt ihr, ich schlage vor, wir überfallen ihn einfach und fahren alle zusammen aufs Gut!“ Hallo, das war ein Plan! Nicht umsonst ist so ein Köpfchen Direktionssekretärin. Abgemacht! Die kleine Hagen wollte Einwendungen machen. Sie wurde überstimmt.„Du bist die einzige, die ihn versöhnen kann, wenn ihm unser Wochenendbesuch wirklich ungelegen kommt!“ Also traf man sich nach Büroschluß an der Sperre. An Verpflegung hatte niemand gedacht. Natürlich nicht. Nach einer Stunde Bahnfahrt kamen sie an, trotz Hitze und Enge, in bester Laune. Der Mann an der Sperre wußte nichts von einem Bauernhof. Auch sonst konnte ihnen niemand den Weg zeigen. So gingen sie planlos in die recht einförmige Gegend. Es war ein prachtvoller Tag, die Sonne noch in bester Vollkraft, so etwa 30 Grad im Schatten. Doch wo war hier Schatten? Nur weite Felder und endlose Wiesen. Fräulein Hagen war selig.„Wie denkt ihr euch denn die Landwirtschaft? Park und Springbrunnen, Teiche mit Schwänen drauf?" „Ja, ja“, antwortete ihr Fritz, „im Schweiße deines Angesichts— also los, über die Schollen und durch den grünen Klee.“ Nach einer halben Stunde waren sie so ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Sie trieften. „Laßt uns wenigstens dort drüben zur Hecke gehen— etwas Schatten ist besser als gar keiner.“ Sie stolperten zur Hecke. Es war eine niedrige Fliederhecke, die einen Rasenplatz umfriedete. Als sie hinüberschauen konnten, blieben sie alle wie angewurzelt stehen und auch wie verhext: drüben auf dem Rasen lag behaglich ausgestreckt, den Kopf im Schatten— Teddy! Was nun folgte, rollte schnell wie ein Film ab. Der Schläfer wurde geweckt. Er war sehr verwundert. Den ganzen Sommer hatte noch nie jemand ihn in seinem Idyll gestört. „Führe uns doch auf dein Gut", bat Thea, die noch nichts begriffen hatte.„Was für ein Gut?“ fragte Teddy erstaunt.„Na, dein...“ „Habe ich, oder habt ihr von einem Gut gefaselt? Ich habe nur zugegeben, daß ich Land erworben habe. Eure Schwatzhaftigkeit und Neugier haben aus den paar Quadratruten ein Rittergut gemacht.“ „Ja, aber der Spargel, die Erdbeeren?“ „Könnt ihr jedes Jahr vom Markt kaufen, wie ich es getan habe. Sie werden euch hoffentlich genau so munden. Und was euren jetzigen Durst anbetrifft: einiges habe ich ja da. Wenn ihr mich im nächsten Jahr besuchen wollt, wird es hier ja ein wenig besser aussehen. Ich will mir nämlich ein Häuschen auf dem Grundstück errichten— ich sage Häuschen, daß ihr mir nicht ein„Palais“ daraus macht. Ich gedenke nämlich Sommer und Winter hier draußen zu wohnen.“ Bei diesen Worten sah Teddy zu Fräulein Hagen hinüber, und es ist möglich, daß sie diesen Blick nicht anders deutete, als er gemeint war. Es wurde jedenfalls ein ganz vergnügter Abend. Die Vorräte, die der Hausherr sich für das Wochenend mitgebracht hatte, reichten für eine gute Mahlzeit auf grünem Rasen. Als die kleine Gesellschaft zum letzten Zuge aufbrach, gab es fröhlichen Gesang. uu gu 22 obi! u uct aiid dic“ M u Hiicunl 1 M n W uig c Wht ud Gi Für die Kinder Regenkahrt Unterwegs im schönen Deutschland Müde von den Anstrengungen der Tagesfahrt waren wir in dem Städtchen angekommen. Die Herberge lag kaum zwanzig Schritte vom Strom entfernt, der dicht an der Stadt vorbeifließt. Vor dem Abendessen gingen wir zu einem tüchtigen Bad, um damit einen Teil der Müdigkeit aus den Gliedern und Knochen zu spülen. Vorm Schlafengehen machten wir noch alles klar zur Weiterfahrt am anderen Morgen, vor allem unsere Fahrräder, die wir nachsahen und ölten. Es tat ihnen not! Hatte sich doch tagsüber mehr als einmal beim 40Kilometer=Tempo der Freilauf heißgelaufen. Als wir in der Frühe des anderen Tages erwachten, war es grau und dämmrig im Schlafraum. Den Vorhang zurückgezogen und ein Blick durchs Fenster: der ganze Himmel eine einzige graue Decke, aus der leise, aber unaufhörlich feiner Sprühregen herniederrieselt. Das ist nicht gerade erfreulich, aber auch noch nicht entmutigend. Vorgestern war es am Morgen nicht viel anders gewesen, und doch hatte es einen herrlichen Tag gegeben. Leise, damit die anderen nicht erwachen, trommle ich unsere Gruppe zusammen. Sporthose anziehen und dann hinaus in die frische Luft zur Gymnastik, damit die Nachtluft aus den Lungen gepumpt wird. Dann Waschen und hinein in die Kluft. Draußen war es ungemütlich kühl. Die warme Milch und die butterbeschmierten Bauernbrote schmecken. Bettenmachen, aufräumen. Dann suchen wir unsere Siebensachen zusammen und packen die Affen aufs Rad. Keine Eile dabei! Vielleicht hört der Regen inzwischen auf. Da er das jedoch nicht tut, sondern sogar zeitweise stärker wird, schlendern wir ins Städtchen, wo wir ein paar längst fällige Karten an die Eltern und an Freunde schreiben. Manchmal wird es ein wenig heller. Aber dann setzt mit verstärkter Heftigkeit der Regen von neuem ein. So wird es 9 Uhr, wird es 10 Uhr und noch ist an kein Fortkommen zu denken. Es sei denn, wir fahren hinaus in das rieselnde Naß. Wir beschließen im Kriegsrat, die Hauptmahlzeit des Tages schon jetzt einzunehmen und dann auf alle Fälle loszufahren. Um 12 Uhr klettern wir endlich auf unsere Räder. Um den Affen haben wir vorsichtshalber die Zeltbahn gewickelt, damit unsere Klamotten trocken bleiben. Die Leute, die uns im Städtchen erstaunt nachsehen, tragen alle Schirme. Die Straßen glänzen wir lackiert, und in den Kurven müssen wir aufpassen, damit wir auf dem glatten Asphalt nicht ausrutschen. Jetzt weht nur noch ein feiner Sprühregen. Bald sind wir auf der freien Landstraße, die uns bergauf und bergab führt. Eine Stunde fahren wir so und sind leidlich mit der Lage zufrieden. Wir müssen unbedingt unseren Fahrtenplan einhalten, um rechtzeitig wieder nach Hause zu kommen. Manchmal müssen wir schwer in die Pedale treten, so steil steigt die Straße. Dazu haben wir Gegenwind. Nässe von außen und nun auch Nässe von innen: wir schwitzen tüchtig vor Anstrengung. Aber wir schaffen es. Für eine Viertelstunde setzt das gleichmäßige Rieseln einmal aus; es scheint heller werden zu wollen. Doch dann hebt es von neuem mit verdoppelter Stärke an, und die zweite Stunde unterwegs sieht uns langsam naß und nässer werden. Aber wir haben unsere Strecke festgelegt, und so strampeln wir weiter. Theo beginnt allmählich der ungemütlichen Lage überdrüssig zu werden und steckt die anderen mit seinem Unmut an. Der und jener schimpft über das blödsinnige Wetter und wünscht es zum Kuckuck.„Besser gar kein Wetter, als so ein Wetter!“ meint einer. Die Stimmung beginnt bedenklich zu sinken und erreicht bald den Nullpunkt. Zuerst waren noch manchmal Witzworte hin und her geflogen oder es wurde ein schaurig=schummriges Lied versucht. Dann aber nahm der Stumpssinn überhand. Die Beine treten nur noch ganz mechanisch in die Pedale, die Hände halten wie angeschmiedet die Lenkstange, und die über unsere Gesichter unaufhörlich fließenden kleinen Rinnsale sind wir fast schon gewöhnt. Waren wir die letzte halbe Stunde fast ohne ein Wort zu reden nebeneinanderher gefahren, so brach nun mit einem Male der ganze bis jetzt gestaute Unmut und Aerger über das Pech mit diesem Hundewetter hervor. Notgedrungen geben wir es auf. Wir kapitulieren vor der Macht des Regens. Wir geben uns geschlagen und brechen unsere Fahrt ab. Hier geht der Weg zum Bahnhof, wie wir sehen. Dorthin nehmen wir Kurs. Rasch unsere Räder in den engen Flur. Wir haben es satt, ständig wie unter der Brause zu stehen. Ein Blick auf den Fahrplan belehrt uns, daß der nächste Zug, der uns zum Ort der Jugendherberge bringen soll, erst in zwei Stunden geht, da haben wir Zeit zum Umziehen. Der Wartesaal ist leer und kalt. Sämtliches Papier des Papierkordes wandert in den Ofen, der damit schon halb vollgestopft ist. Schon prasselt Ich hatte es immer bedauert, daß wir keinen Webstuhl hatten, an dem ich das Weben von Grund auf lernen konnte. Endlich bot sich mir einmal unverhofft eine Gelegenheit, die ich mir natürlich nicht entgehen ließ. Unsere Frau Nachbarin,„Bößlings Mudder“, besuchte uns und erzählte so beiläufig, daß sie jetzt Handtücher webe.„Hat denn Elfrieden keine Lusten dortau? Eck well ehr dat woll eis wiesen!“ „Ooch, Bößlings Mudder, ji weetet jo nich, wat för nen Gefallen ji mi daut. Schall eck denn bolle kamen?"—„Jo, Deern, wenn du wutt!" So war nun der„Arbeitsvertrag“ geschlossen, und ich ging am nächsten Tag(denn länger konnte ich vor lauter Ungeduld nicht warten) zum Weben. Bei Bößlings Mudder stand ein riesiger Webstuhl, ein Spinnrad und Linolschnitt von Martin Gailers, 12 Jahre alt — 5— ein Feuer, das wir mit ein paar Holzscheiten, die wir neben dem Bahnhof entdecken, unterhalten. Die Affen abgeschnallt. Hoffentlich kommt jetzt niemand, denn wir ziehen uns um! Der Wartesaal des kleinen Bahnhöfchens sah für eine Zeitlang aus, als hätten Zigeuner ihr Lager aufgeschlagen. Mit der Wärme, die die trockenen Kleider unserem Körper wiedergeben, hebt sich auch die Stimmung. Inzwischen regnet es draußen immer weiter und die Schauer klatschen, vom Wind getrieben, nur so an die Fenster. Wir aber sind froh, dem Unwetter entronnen und im Trockenen zu sein. Als es das erstemal läutete, zum Zeichen, daß der Zug auf der Strecke sei, war der Wartesaal längst wieder in Ordnung. Die Wasserlachen und kleinen Rinnsale auf dem Boden konnten wir freilich nicht gut mit unseren Taschentüchern oder Hemden aufwischen. Nach ein paar Stunden Bahnfahrt stiegen wir von neuem auf unsere arg verspritzten Räder, um durch die kleine Stadt zur Jugendherberge zu fahren. Eine milde Sonne tag über der Landschaft und verklärte sie mit dem weichen Licht eines sinkenden Abends. Der Regen hatte aufgehört und ein feuchter Brodem dampfte über den Gebirgstälern. ein Haspel in der Küche. Nach der ersten Begrüßung wollte ich mich gleich hinter den Webstuhl klemmen, aber ich hatte nicht mit Bößlings Mudder gerechnet. „Nee, nee, dat geiht nich! Vörn Wörken kummt dat spinnen. Kiek eis tau, denn kannst du dat woll lehrn.“ Mit einer leichten Herzbeklemmung machte ich mich nun an die Arbeit. Nachdem ich mich dann eine halbe Stunde abgemüht hatte und der Faden einmal zu dick und einmal zu dünn gesponnen war, wußte ich bald meine Arme und Beine am Spinnrad zu gebrauchen. Dann ging es an den Webstuhl. Puck— puck— puck— flog das Schiffchen. Ab und zu lockerte sich der Faden im Kamm, aber der Fehler war leicht zu beheben. Einige Male flog das Schiffchen mit der Spule klirrend durch die Fäden auf den Steinfußboden, aber da bückt man sich eben, und alles war gut. Ich hatte mir das Ganze schwerer vorgestellt. Aber hätte ich nicht Bößlings Mudders Rat gehabt, so wäre sicher recht viel falsch geworden. Bald stand es bei mir fest: ich mußte auch einen Webstuhl haben. Es konnte ruhig ein alter sein, der konnte nicht viel kosten. Ich ging in die umliegenden Dorfer und fragte überall, aber vergebens. Dann gab ich in einer kleinen Zeitung eine Anzeige auf. Ein Angebot! Aber dieses eine Angebot erfüllte alle meine Wünsche. Als mir der alte weißhaarige Bauer die Balken und Schäfte, Schiffchen und alles, was dazu gehörte, zeigte, da wußte ich, daß unter dieser Kruste 50jährigen Staubes— so lange stand er schon unbenutzt auf dem Boden— ein gutes Holz war. Ich kaufte ihn gleich und fuhr dann zufrieden ab. Eines Tages stand ein Lastwagen vor unserem Hause. Abladen, oberflächliches Saubermachen— das gründliche Säubern nahm allerdings acht Tage in Anspruch und eine Bürste und zwei Pfund Schmierseife gingen auch drauf. Aber Spaß machte es natürlich, als so ein Stück nach dem anderen blank wurde, und endlich stand er fertig da. schöner, geschnitzter Eichenholzwebstuhl. Aber er sollte auch eine schöne Umgebung haben, und nicht diese häßliche graue Tapete. Also, die Tapete wurde abgerissen, ein Eimer Farbe wurde geholt, und die Wände bekamen eine hellgelbe Farbe. Beim Pinseln habe ich tüchtig Fahrtenlieder gesungen; denn mit Musik und Rhythmus geht alles noch einmal so gut! Und nun bin ich fleißig am Weben. Die Arbeit häuft sich. Jeder will aus seinen alten Stoffresten, die sie mir in Streifen geschnitten und auf Knäuel gewickelt bringen, etwas gearbeitet haben— Läufer, Teppiche und Wandbehänge. Zuerst kann es sich keiner so recht vorstellen, aus alten Sachen— Strümpfen, Kleidern und überhaupt allen Stoffarten etwas Neues herzustellen. Mein Webstuhl und ich! Was werde ich noch alles darauf weben, und wie werde ich mich bei jedem Stück freuen, das einfach, prartisch und schön ist— gutes, gediegenes Handwerk. Mein Welstuke Kkeine Neidklandkakrt im Tagebuck Mit einem Fischdampfer ins Land des Nordens 5. August: Da wir nur drei Mann sind, hatte der biedere Käpten des kleinen norwegischen Fischdampfers gemeint, daß es den ollen Blechplatten nichts ausmachen würde, wenn sechs Beine mehr auf ihnen herumtrampelten. Daher kam es, daß wir schon heute abend in Landvik am Sogne=Fjord waren. Morgen werden wir unseren Marsch ins norwegische Land hinein beginnen, immer den Sogne=Fjord entlang. Uebrigens fragte ich den Käpten, wie es nur käme, daß er ein so gut verständliches Deutsch spräche. Was er mir erwiderte, ist wert, hier in unserem Fahrtenbuch festgehalten zu werden.„Tja“, meinte er,„das war ja wohl gleich zu Beginn des Weltkrieges, als ich von einem deutschen Unterseeboot gekapert wurde. Da hatte uns die verdammte Bannware wieder einmal den Hals gebrochen. Die deutschen Seeleute schleppten uns in einen kleinen deutschen Hafen an der Holstein=Küste, hab keine Ahnung mehr, wie das Nest hieß. Später wurden wir ins Hinterland verschickt und lange vier Jahre interniert. Tja, da habe ich denn nun in Deutschland gesessen und mir mal Land und Leute genauestens angesehen. Und glaub's mir, mein Junge, ihr Deutschen seid ein sauberes Volk! Der kleinste Trimmer hier auf meinem Nordseeschlepper hat Hochachtung vor der schneidigen Art, mit der ihr euch jetzt in den letzten Jahren wieder aus all dem Dreck hochgerappelt habt. Von euch könnten viele noch was lernen.“ Wir haben uns alle über diese freimütigen Worte unseres Käpten gefreut, zumal er uns gleich hinterher einlud, die Nacht über auf seinem Dampfer zu bleiben. Wir dankten ihm und blieben. Am Abend glühten die Berge des SogneFjords in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Lagvik lag dagegen ganz im Dunkel am Fuße des Bergmassivs. Wir beugen uns jetzt über die Karte und suchen einen Weg nach Aardal. 6. August! Das war ein schwerer Tag! Verdammt, diese Kletterei! So recht etwas für uns drei Norddeutsche, die wir heute nur etwas über zwanzig Kilometer geschafft haben und jetzt sofort todmüde in unser Spitzzelt kriechen werden. Daß wir nicht weitergekommen sind, mag weniger an der Beschwerlichkeit des Weges gelegen haben, als an der unglaublichen Schönheit dieser norwegischen Landschaft, die sich uns in jedem Augenblicke anders zeigte. Wir sind schließlich fast alle hundert Meter stehengeblieben und haben uns umgeschaut. Oben am Rande des Fjords marschierten wir. Ganz weit und tief unten lag der grünlich schillernde Wasserspiegel des Fjords. Hin und wieder rauschte ein Fischkutter mit weißer Bugwelle in der Richtung zum offenen Meer vorüber. Wie angeklebt lagen die winzigen Fischerhäuschen mit lustigen roten Dächern an den hohen Wänden, zwischen denen das Wasser in tiefer Rinne fließt. Teufel, bin ich müde! Die Kameraden schlafen schon fest. 7. August: Wir werden Aardal doch nicht schon morgen erreichen. Dagegen hoffen wir, morgen abend um diese Zeit in Sogndal zu sein. Heute liegen wir mit unserem Zelt nach einem 40=Kilometer=Marsch vor einem Fischerdörfchen. Die Fischer umstanden uns eine Zeitlang mit Kind und Kegel. Da wir uns nicht mit ihnen verständigen konnten, wir ihnen aber gerne gesagt hätten, was für Landsleute wir sind, zeigten wir ihnen unsere Hitlerjugend=Abzeichen. Wie groß war unser Erstaunen, als einer der Fischer davonlief und nach wenigen Minuten mit einer arg zerrissenen Hakenkreuzfahne wiederkam. Gar zu gern hätten wir erfahren, wie unsere Flagge in diese Bergeinsamkeit gekommen ist.— Die Fischer sind freundliche Leute, sie bringen uns Essen und Trinken, daß wir kaum alles schaffen können. 8. August. In Sogndal: Der lange Stettiner ist doch ein zu leichtsinniger Draufgänger, oder seine Flachlandbeine gehen jedesmal mit ihm durch, wenn er ein Stück Fels sieht. Bei einer seiner vielen Klettereien stürzte er heute von einem zu seinem Glück niedrigen Block heruntex und verletzte sich leicht am Knie. Er marschierte auch trotz der Verletzung weiter mit. Er muß mächtig die Zähne zusammengebissen haben. In Sogndal wollen wir wegen unseres „Kranken“ ein paar Tage bleiben. Vor einer Stunde erst saßen wir unten am Hafen dieses wundervollen Nestes. Die Sogndaler Fischerflotte zog gemeinsam zu großem Fang aus. Auf der niedrigen Hafenmauer standen die Frauen und Kinder der Männer und nahmen Abschied von Freunden und Angehörigen. Ich wunderte mich eigentlich darüber, daß dabei kaum ein Wort gesprochen wurde. Es sind, seltsame Menschen hier oben. Einer von uns dreien sagte heute, daß sie wie das Land seien, in dem sie wohnen. Dimpke im Funkkaus Probe für die Sendung/ Ein bißchen Lausbüberei Am Freitag sollte um 18.15 Uhr unsere Sendung steigen. Da wir vorher noch proben sollten, mußten wir um 5 Uhr im Funkhaus sein. In der Eingangshalle wurden wir gleich nach dem Sendesaal II verwiesen. An einem Flügel saß noch ein Spieler und übte mit einem Sänger noch Lieder für eine Sendung um 7 Uhr ein. Wir standen solange in der Tür und hörten zu. Dann konnten wir von dem Saal Besitz nehmen. Da gab es viel zu gucken! An den Wänden waren in bestimmten Abständen Schallkästen angebracht. Die Vorderseite war mit lauter Schlitzen versehen. Die Mitte des Saales war mit einem dicken Teppich belegt. Vor den Fenstern hingen fabelhafte dicke Samtvorhänge. Man hörte keinen Schritt. Auch fiel uns gleich auf, daß unsere Stimmen so dünn klangen. Korbjessel und Tische standen an mehreren Stellen herum. Es war überhaupt so viel zu sehen, daß Richard gar nicht alle Fragen schnell genug beantworten konnte. In einer Ecke standen drei Sprachrohre, in einer anderen eine riesige Posaune, die sogleich von uns ausprobiert wurden. Leo tutete recht vernehmlich auf der Posaune. Der Flügel stand noch aufgeklappt. Marga fing an zu spielen und wir standen andächtig dabei, Leo tutete noch ein bißchen lauter— da kam ein Angestellter herein und machte uns gehörig den Magen rein. Richard mußte sogar sein Notenblatt vom Flügel nehmen, legte es aber gleich wieder hin. Dann kam Heiner, begrüßte uns Sensation des Londoner Zoologischen Garten Aufnahme: Scherl Im Londoner Zoo ist eines der seltensten Tiere, die es überhaupt gibt, zu sehen: Ein kapi. Es hört auf den Namen„Kongo“ und wurde auch in Belgisch-Kongo gefangen. Das Okapi ist ein sehr spät entdecktes und äuferst selten vorkommendes Tier, das nur an einigen wenigen Plätzen im zentralafrikanischen Urwald vorkommt. — 0— freundlich und fragte:„Ihr seid doch nicht an die Instrumente gegangen? Nicht an den Flügel lehnen! Dann heißt es wieder:„Natürlich die Hitler=Jugend!“ Wir sagten:„Die wissen hier noch nicht, daß verbotene Früchte süß schmecken!“ Mittlerweile kamen immer mehr Mädels und Jungens hinein. Heiner stellte uns dann die Rundfunkspielschar 4 vor und flunkerte uns vor, er hätte sie für 6 Uhr zum Ueben bestellt und nicht an die Sendung gedacht. Wir glaubten ihm das aber nicht; da lachte er. Eben vor 6 Uhr kam der Techniker. An der einen Wand ist eine große Glasscheibe, dahinter ein kleiner abgeschlossener Raum. Da wurde ein Tisch heruntergeklappt, Apparate aufgestellt und dann mußten wir nochmal kurz proben. Hundertmal hatten wir vordem zu hören bekommen:„Wenn eure Stimmen da so dünn klingen, dann fangt nicht an zu schreien, im Mikrofon ist es laut genug.“ Nun vergaß es Heiner selbst und feuerte uns zu immer lauterem Sprechen an, bis der Techniker hereinstürzte und sagte:„Viel zu laut! Die Kleine da hat ja eine Stimme! Wie soll das noch mal werden, wenn sie groß ist!" Nun übten wir noch einmal sanfter, die Trommel mußte noch einige Meter zurück, die Einzelsprecher erhielten Weisung, zwei große Schritte bei ihren Stellen vorzugehen, dann war alles gut. Die große Uhr an der Wand neben uns zeigte 18.15. Wir standen aufgebaut, drei Meter vor dem Mikrofon. Die Singschar des Senders setzte sich auf den Teppich. Rechts von uns stand der Flügel, den wir dahin geschoben hatten. Wir hatten den Ton sonst immer nach der Geige bekommen, aber im ganzen Funkhaus war keine aufzutreiben. Im letzten Augenblick kam noch ein Geiger mit einer Geige unter dem Arm herein, riß ein Notenblatt von einem Ständer und wollte gerade wieder davoneilen, als der Scharführer in die Stille hinein sagte:„Mann, lassen Sie mir die Geige hier!" Der sah ihn an und schüttelte den Kopf und weg war er. Wir wagten nicht mehr zu lachen, denn der Zeiger stand auf der 13. Der Techniker hinter der Scheibe hob den Finger. Ich dachte noch mal schnell an meine Eltern und an unsere Leute und sah sie alle zu Hause sitzen, dann noch an unseren alten Freund Nerne, der uns geschrieben hatte, daß sein Zug im Arbeitsdienst Erlaubnis bekommen hätte, die Sendung zu hören. Die saßen nun auch da in ihrer Baracke an der Nordsee,— da glühten die beiden roten Lampen auf, Heiner trat vor das Mikrofon, Richard nahm schnell sein Blatt vom Flügel, die Sendung begann. Nun hatten wir keine Zeit mehr, an was anderes zu denken. Keiner von uns hatte Angst, daß die Sendung nicht klappen würde. Am schönsten war der Schluß. Auf ein Zeichen von Heiner standen unsere Zuschauer schnell auf, und wir sangen alle zusammen das Schlußlied: „Jetzt müssen wir marschieren, ich und mein Kamerad“ — Elcine Geschichten * aer Wet Falltaff in irland Auf dem Friedhof einer kleinen Gemeinde im Westen Irlands wurde vor einiger Zeit ein ganz von Efeu umsponnenes, altes Grab entdeckt, das eine überaus kuriose Inschrift enthielt. Es hieß dort: „Hier ruht John Oliver Brown, geb. den 25. Mai 182., gest. den 12. November 191.. Der in Gott Entschlafene hat in seinem Leben eine einzige Tugend besessen, und die war das Bier. Deshalb ist er auch so alt geworden. John Oliver war immer betrunken. Es gab wohl keinen im ganzen Ort, der ihn je in nüchternem Zustand gesehen hätte. Sein Rausch war oft so gewaltig, daß sich selbst der Tod vor ihm fürchtete. Eines Tages aber hat sich John Oliver Brown doch vergessen— er blieb nüchtern. Und nun traute sich auch der Tod an ihn heran und holte ihn ab. Ruhe seiner Asche!“ Noch heute erzählen in der Tat die Enkel verer, die diesen Falstaff von Irland erlebt und gekannt haben, von dem„Gevatter Brown“, der ewig betrunken, aber trotzdem allem Anschein nach sehr beliebt war. Schauspielerin, Erzherzogin, Bettlerin Auf dem Warschauer Armenfriedhof wurde vor einigen Tagen eine 58jährige Bettlerin zu Grabe getragen. Kein einziger Trauergast gab der Toten das letzte Geleit, und niemand kümmerte sich um das Armenbegräbnis, das in der Millionenstadt ein alltägliches Ereignis ist. Auf dem schlichten Holzkreuz, das den Grabhügel ziert, stand in einfachen Lettern der Name der Dahingegangenen: Wilhelmine Adamowicz= Wölfling. Diese Frau, so erfährt der Besucher des Armenkirchhofs, die hier in aller Stille ihre letzte Ruhestätte fand, war die Gemahlin eines Mitglieds des kaiserlichen Hauses der Habsburger gewesen, eine authentische Erzherzogin. Vor 30 Jahren war ihr Name in aller Leute Mund. Es war, als der Sohn des letzten Großherzogs von Toskana=Habsburg, Erzherzog Leopold Salvator, aller seiner Thronrechte und Würden als Erzherzog und österreichischer General entsagte, um die bildschöne Wilhelmine Adamowicz, eine Schauspielerin, zu heiraten! Als Leopold Wölfling lebte er, sich den verschiedensten Berufen widmend, seither im Auslande, bis er im Vorjahre in armseligen Verhältnissen in Berlin starb. Der eiferlüchtige Ehegatte Der Antiquitätenhändler Joseph Barber wurde vor einigen Tagen von seiner vierten Frau ermordet. Die Gattin, die ohne weiteres die Mordtat zugab, behauptete, daß die grenzenlose Eifersucht des Gatten sie dazu getrieben hätte, ihren Mann zu erschießen. Das einzigartige in diesem Fall ist, daß Mr. Barber mit der Mörderin in vierter Ehe lebte und daß die drei früheren Ehen deshalb geschieden wurden, weil in jedem Fall die Gattin einen Mordversuch auf ihren Ehemann unternahm. Das Motiv des Mordversuchs sämtlicher Gattinnen Mr. Barbers war die Eifersucht des Ehemanns. Zuerst heiratete Mr. Barber ein Mädchen mit Namen Betty Blain. Die Ehe war anfangs glücklich, aber die unbegründete Eifersucht von Mr. Barber veranlaßte seine junge Frau, ihn mit Arsen zu vergiften. Der Mann wurde gerettet und die Frau zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem die Ehe geschieden worden war. Wenige Jahre später verheiratete sich Mr. Barber zum zweitenmal. Die grenzenlose Eifersucht, mit der er seine Frau verfolgte, veranlaßte diese, sechs Kugeln auf ihn abzuschießen. Mr. Barber wurde nur leicht verletzt. Die Ehe wurde geschieden und die Frau erhielt sieben Jahre Gefängnis. Die dritte Frau Barbers versuchte ihn nach achrzehnmonatiger Ehe mit einem Messer zu erdolchen. Barber wurde erheblich verletzt, die Ehe wiederum geschieden und die Frau starb in der Untersuchungshaft an einer Lungenentzündung. Trotz der schlechten Erfahrungen konnte Barber das Heiraten nicht lassen. Er heiratete zum viertenmal und dieses Mal gelang es der Frau, die von den Mordanschlägen ihrer Vorgängerinnen nicht das geringste wußte, Mr. Barber durch einen Revolverschuß zu töten. Die Eifersucht Barbers, die allerdings nicht verhinderte, daß er sich neben der Jrau Geliebte hielt, war der Grund für alle Mordanschläge und für sein unzeitgemäßes Ende. Ein Mann will ins Gefängnis Der seltsame Fall, daß ein rechtskräftig zu Gefängnis verurteilter Mann Schwierigkeiten hat, seine Strafe abzusitzen, hat sich in Liverpool ereignet. Es handelte sich um den 35jährigen George Santus, einen Mechaniker, der wegen eines kleineren Vergehens zu 3 Monaten Haft verurteilt worden war. Santus verbrachte vier Tage im Gefängnis, beschloß aber dann Berufung einzulegen. Er wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Bis seine Berufung verhandelt werden sollte, würde noch geraume Zeit vergehen, erklärte man ihm. So besann er sich also eines anderen und entschloß sich, seine Strafe anzutreten. Mit dem Urteil in der Hand wandte er sich an die Direktion der Strafanstalt in Walton, wo er bereits vier Tage gesessen hatte. Hier verweigerte man ihm die Aufnahme, da noch nicht alle Formalitäten erfüllt seien. Noch dreimal machte Santus den Versuch, aufgenommen zu werden, wurde aber abgewiesen. In seiner Verzweiflung suchte er den Richter auf, der ihn verdonnert hatte, und wagte einen fünften Versuch. Mit einem besonderen „Empfehlungsschreiben“ versehen glückte diesmal sein Unternehmen. Nach viermaligem vergeblichem Anklopfen am Gefängnistor atmete Santus nun erleichtert auf, wie einer, dem das Leben neu geschenkt war... „Sagen Sie ruhig dumme Gans zu mir!“ Es war in Berlin, ein Jahr nach dem Siebenjährigen Kriege. Der spätere Kultusminister von Zedlitz gab eine Gesellschaft. Unter den ersten Gästen, die in den Nachmittagsstunden im Park lustwandelten, befand sich auch die 15jährige Tochter Amalie des verstorbenen preußischen Feldmarschalls von Schmettau, die durch ihr seltsames Verhalten Erstaunen und Heiterkeit hervorrief. — 11— Denn als die Gesellschaft die Standbilder des Apoll und der Venus passierten, trat die Komtesse aus der Reihe und verneigte sich ehrfurchtsvoll vor den Plastiken. Die nicht erwartete Wirkung ihres Tuns verwirrte die Komtesse, die auf Befragen mit hochrotem Kopf ihre völlige Unkenntnis preisgab und erklärte, daß sie geglaubt habe, es handele sich um die Bilder der Gottesmutter und eines Apostels. " Die Peinlichkeit der Situation versuchte Zedlitz dadurch zu mildern, daß er der Komtesse begütigend auf die Schulter klopfte:„Aber du wirst schon ein gutes Hausmütterchen werden!" Doch daraufhin drehte sich die Tochter Schmettaus auf der Stelle um und rief mit tränenerstickter Stimme, aber blitzenden Augen: „Sagen Sie ruhig dumme Gans zu mir, aber einmal wird man noch anders von mir sprechen!“ Sie behielt recht. Aus der kleinen dummen Komtesse wurde eine der klügsten und geistreichsten Frauen der Geschichte, welche die besten Köpfe ihrer Zeit um sich sammelte, und der Goethe in Verehrung zugetan war,— die Fürstin Amalie von Gallitzin. Schweres Mißverltändnis Vor dem Weltkrieg weilte einmal der berühmte chinesische Staatsmann Lihungt=schang zu Besuch bei dem verstorbenen König Georg V. von England. Der Chinese äußerte sein besonderes Gefallen über zwei Hunde des englischen Monarchen, prächtige Scötch=Terriers. Kurz darauf bereitete nun König Georg V. Lihungtschang eine große Freude. Er sandte ihm einen auserwählt schönen Scotch=Terrier. Wie groß war aber wohl das Erstaunen, als er folgendes Danktelegramm erhielt: „Herzlichen Dank für das wunderbare Geschenk. Selten hat mir etwas so vortrefflich gemundet, wie dieser köstliche Leckerbissen!" Die Gegenkraft Die verstorbene Fürstin Bülow hielt viel auf Formen; Verstöße gegen die guten Sitten bei Tisch oder im Salon verzieh sie selten. Die jungen Offiziere der Berliner Garnison fürchteten ihre Einladungen, denn es brauchte nur das Geringste zu geschehen, so erhielt man einen strafenden Blick und wurde niemals wieder gebeten. Einst mußte nun ein blutjunger Leutnant feststellen, daß er auf das schneeweiße Tafeltuch einen kleinen Fleck von Bratensoße gemacht; nicht weit von ihm saß die Fürstin und würde den Schaden unbedingt bemerken. Da kam dem Offizier ein guter Gedanke. Er zog heimlich ein wenig am Tischtuch, um den Fleck in die Nähe des Tellers zu zerren und dann mit diesem zu verdecken. Erleichtert aufatmend stellte er fest, daß sein Vorhaben gelang; niemand merkte etwas, auch die Tischdekoration kam durch das Ziehen nicht in Unordnung. Aber nach wenigen Minuten sah der Leutnant den braunen Fleck wieder vor sich; er zerrte ihn weg, der Fleck kam wieder. Der junge Mensch wußte nicht, wie ihm geschah, bis er zufällig aufblickend sein Gegenüber betrachtete. Ein junges Mädchen saß da und schaute ihn hilfeflehend an; der Leutnant zog schon wieder, mechanisch fast, am Tischtuch und spürte, daß drüben auch gezogen wurde. Dicht vor dem Teller der jungen Gräfin war auch ein brauner Fleck. Der Leutnant verbeugte sich leicht, die Dame dankend errötend; ihr Fleck verschwand, der junge Offizier aber wurde nie mehr zur fürstlichen Tafel gezogen. e asler Wi W Wonug g gun nocm P Wo uuc Wie Auuictioniert ein Reisverseliluß? Von Karu Hast du dir eigentlich schon einmal überlegt, wie ein Reißverschluß funktioniert?... Du meinst: einfachste Sache von der Welt: man zieht daran und das Ding ist offen; man zieht wieder daran(in entgegengesetzter Richtung natürlich) und gehorsam schließt sich der Reißverschluß wieder! Hm. man zieht dran und fertig ist die Laube.—— Aber, wie geht das vor sich? Paß mal auf, ich will dir das erklären. Zunächst vorweg: Der Reißverschluß sah nicht gleich so aus wie das kleine adrette Ding von heute, sondern er war ursprünglich bei seiner Geburt ein ziemlich unbeholfener Geselle. Denk dir, der erste Reißverschluß, der vor mehr als fünfzig Jahren von seinem Wiener Erfinder Poduschka angemeldet wurde, war wohl eben so plump wie das erste ehrwürdige Auto von Benz im Vergleich mit den schnittigen Wagen der Jetztzeit. Du lächelst?... Nun, uns soll keine Spottlust ankommen, denn überall bedarf es einmal des Beginns OBERER T-ZAPFEN und hier haben wir eben den„Großvater“ unseres heutigen Reißverschlusses vor uns. Der Erfinder Poduschka dachte sich die Sache folgendermaßen: An den Rändern eines Kleiderschlitzes sollte je ein Leitriemen oder eine glatte Kordel befestigt werden, gewissermaßen zwei Führungsschienen. Dann sollte das eigentliche Verschlußband(ähnlich unserer Schuhlasche) auf welchem mehrere nach unten gebogene Klammern befestigt waren, über die Leitkordel (Führungsschiene) geschoben werden und so den Verschluß tätigen. Natürlich das Ganze oberhalb der Schlitzkanten, nicht darunter, wie beim Schuh. Zwar war das wohl eine Art Reißverschluß, aber mit dem Knöpfen ging's bestimmt schneller. Na, das war also noch nicht, was man sich wünschte. Der zweite Erfinder, der mit seiner Idee überhaupt bis an die Oeffentlichkeit gelangte, Max F. Wolf, dachte sich das auch und schlug vor, an beiden Rändern des Schlitzes Oesen anzubringen. Sie sollten sich von beiden Seiten des Schlitzes immer ergänzen, also links eine, rechts eine, so daß sie wie Zähne an Zahnrädern ineinandergriffen. Schon einleuchtend, nicht wahr?—— Aber dann... machte auch Wolf die Sache umständlicher, als die ganze Knöpferei war, indem er vorsah, durch die lange Wechselreihe von Oesen... einen Faden zu ziehen und zu verknüpfen! Wie du siehst: es war mal wieder nichts! Dann schlief die Reißverschluß=Idee erst einmal 25 Jahre, von unwesentlichen neuen Versuchen in der Zwischenzeit abgesehen, bis ein Nürnberger eine kleine Verbesserung der Wolfschen Idee vornahm, indem er statt des Fadens—(wie naheliegend)— einen Stahldraht verwendete. Jetzt ging die Sache zwar schneller, aber diesesmal auf Kosten der Biegsamkeit. Erst der große Krieg veranlaßte neue Angriffe auf das umkämpfte Problem. Du kannst dir ja wohl denken, warum?— Nun, der Krieg brachte leider auch viele Armverstümmelungen mit sich und im Interesse dieser Armverletzten bemühten sich die Erfinder nun weiter.— Doch halt, dich langweilt die Vorgeschichte? Dann laß mich jetzt von der modernen Form sprechen. Jene Versuche, von denen ich bisher erzählte(sie sind viel zahlreicher unternommen!) hatten noch grobe Mängel. Jetzt aber kamen Lösungen auf, die die Fehler der früheren vermieden, natürlich auch mit Unterschieden.— Ein Erfinder baut ja fast immer auf den Fehlern und Erfahrungen seiner Vorgänger auf!— Wir wollen nun aber nicht mehr eine besondere Ausführung betrachten, sondern wollen vielmehr im Prinzip ergründen, wie der moderne Reißverschluß funktioniert. Also frisch drauflos, wir konstruieren selbst einen Reißverschluß! Wenn wir unsere Aufgabe richtig überlegen, dann kommen wir schnell darauf, daß wir versuchen müssen, die Kanten des zu betätigenden Verschlusses so zu gestalten, daß durch ein einfaches Verfahren die beiden Kanten zusammengeschlossen oder zusammengeklinkt werden und dann der Verschluß vollzogen ist. Gibt es da vielleicht schon Vorbilder? Wie meinst du, Haken und Oesen in irgendeiner verbesserten Form? Tja, da muß ich dir erwidern, daß eine solche Lösung sehr leicht ein selbsttätiges Oeffnen des Verschlusses zuläßt. Aber wie wäre es etwa mit sich selbsttätig einklinkenden Keilen? Feine Idee, nicht wahr? Will ich auch meinen; aber wir wollen doch gleich erst mal untersuchen, ob die Sache nicht den berüchtigten Haken hat.— Natürlich, hat ihm schon! Stell dir das doch nur einmal vor! Bedenkst du denn gar nicht, daß solch ein Keilverschluß doch nur funktioniert, wenn seitlicher Zug wirkt und dadurch die beiden Kanten zusammengezwängt werden, daß er aber sofort auseinanderfällt, wenn durch Bewegung der Zug aussetzt. Das ist doch ganz klar, dann werden doch die Einzelkeile aus der Reihe herausgeschoben! Mit diesem Keilverschluß haben wir also so etwas wie ein Türschloß konstruiert, welches sich von außen her öffnen ließe! Und die Folgerung?— Wie, du meinst, dann ginge es damit eben nicht? Oho!!! Wir müssen nur eine Sicherung gegen dieses ungewollte Oeffnen einbauen. Ist gar nicht so schwer, wir haben doch etwas Phantasie! Richten wir die Keile so ein, daß sie sich gegenseitig sperren. Paß mal auf, der Keil kriegt eine neue Form(Zeichnung 1). So etwa, nicht wahr, das kann man besser verstehen. Guck dir das mal genau an, da haben wir schon unsere Sicherung. Aus dem Keil habe Zeichnung 2 ich eine Form wie ein sehr flaches lateinisches T gestaltet, natürlich in der verwendbaren abgerundeten Form. Im wesentlichen wird nun unser Verschluß aus vielen solcher T=Glieder bestehen. Die Sicherung wollen wir damit erreichen, daß wir den Schaft des T etwas unterhalb des T=Balkens durchbohren und die lichte Weite dieser Bohrung soll so groß sein, daß sich ein T=Zapfen(der obere oder untere Teil des TBalkens) hineinschieben läßt. Außerdem — 10— Zeichnung 3 denken wir uns den Schaft unten am Fuß auch noch geschlitzt, damit wir den Stoff dazwischenklemmen und durch Zusammenpressen befestigen können. Verstanden? Natürlich!— So, nun setzen wir diese T=Glieder, ähnlich wie einst der Erfinder Wolf mit seinen Oesen getan, an den Schlitzrand. Ich will das zum besseren Verständnis skizzieren(Zeichnung 2). Denken wir uns, wir hätten sie schön fest bekommen und nun wollen wir den ersten Versuch unternehmen.— Was die Zahlen bei den einzelnen Gliedern sollen? Ach, das wirst du gleich sehen; sie erleichtern das Verständnis. Also los! Sieh mal, hier unten haben wir Glied 1. Wir schieben nun Glied 2 zum Verschluß heran. Was geschieht? Der nach unten gelagerte T=Zapfen des Gliedes 2 schiebt sich in die Durchbohrung des Schaftes von Glied 1, zu gleicher Zeit aber schiebt sich der obere T=Zapfen von Glied 1 in den Schaft des Gliedes 2. Damit du mich recht verstehst, immer nur bis zur Hälfte der Durchbohrung, um den Gegenzapfen Raum zu lassen. So geht es nun Glied um Glied, jedes erfährt eine vierfache Sperrung dadurch, daß es sich mit seinen beiden T=Zapfen jedesmal in die Nachbarschäfte einschiebt und durch die T=Zapfen der Nachbarglieder selbst wieder im Schaft arretiert wird.(Zeichnung 3). Aha, nun hast du verstanden; ist unser Verschluß nicht fein?. Nanu, du machst ja noch so ein unbefriedigtes Gesicht? Ach so, du vermißt die Strippe, an der man zieht. Nimm's nicht übel, ich wollte sie dir gewiß nicht vorenthalten, denn sie ist dasselbe, was der Schlüssel für das Schloß darstellt, gehört also dazu. Ich wollte dir nur erst Gme:. G.Plian her(liodor an sich klarRachen.— Stelle dir einmal ein lateinisches H vor, dessen Schenkel an den Enden nach innen gebogen sind. Dieser H=Schlüssel ist so groß, wie es der zusammengeklinkten Gliederreihe des Reißverschlusses entspricht, links läuft die linke, rechts die rechte, unten treten durch die schräge Führung innerhalb des H=Schlüssel die Reihen der Glieder eingeklinkt und unlöslich wieder aus. Ueber das Glied 1 kann er aber nicht hinausgeschoben werden. Ziehe ich nun an der Strippe, die sich am Schlüssel befindet, in entgegengesetzter Richtung, so klinkt sich erst Glied 2 bei 1 und dann umgekehrt ein, dann 3 in 2 und ebenfalls umgekehrt und nun 4 in drei und so weiter. Bei umgekehrten Zug aber, der beispielsweise bei Glied 12 beginnt, gibt der Schlüssel die Glieder nacheinander frei. Na, das kannst du dir ja vorstellen. An tausend Dingen des Alltags finden wir heute den Reißverschluß und es wird eine Zeit kommen, in der wir uns kaum noch vorstellen können, daß wir einmal Haken und Oesen oder Knöpfe verwendet haben. Uuug W S uu i un gun u su ut ut au n — U e -eelg Geule 1. pi Toni Spenemann: Reichsparteitage in fraulicher Betrachtung Wer sie einmal miterlebt hat, der weiß, was ihnen innewohnt. Als im Jayre 1933 nach endlosem Kampf der Nationalsozialismus zur Macht kam, da rief im September desselben Jahres der Führer seine Mitkämpfer nach Nürnberg in die alte deutsche Stadt. Damals war ich eine der wenigen Frauen, die mitfahren konnten. Nie hatte ich Parteitage gesehen, und nun lebte in mir die Erwartung auf die kommenden Tage. Die Fahrt stimmte uns schon festlich, und der Dank an den Führer kannte keine Grenzen. Unsere Herzen schlugen heißer, als wir durch unser schönes Vaterland fuhren, Land, das wieder auferstanden war. Nach zwölfstündiger Fahrt grüßte uns Nürnberg. Erdrückend war das erste Bild. Ich stand da wie ein Kind am Heiligen Abend, wenn es nach langen Stunden den strahlenden Lichterbaum sieht. Der Abend zeigte mir Nürnberg in seiner ganzen Schönheit.— Fahnen, Grün, Blumen, Licht und festlich gestimmte Menschen woben um mich einen Zauber, der mir Tränen entlockte. Doch über allem leuchtete der Name des Führers. Diese Tage waren ein einziges Bekenntnis zum Nationalsozialismus und zum neuen Deutschland. Der wunderbarste Augenblick aber war, als ich am Sonntag den Führer selbst ganz aus der Nähe sah. Wenn man in seine Augen sah, dann wuchs in einem die Kraft zu neuer Arbeit. Da verstand ich erst so ganz die Worte: Wer einmal dem Führer in die Augen gesehen hat, der bleibt sein Leben lang ein Fanatiker des Glaubens an den Nationalsozialismus. Die Weltpresse schrieb„Demonstration der Nazis in Nürnberg". Nein, es war wie eine Wallfahrt zum Höchsten, das wir uns neu errungen. In welcher Schlichtheit führte unser Führer sein Leben! Er war die Einfachheit selbst. Kein Beherrscher der Menschen, sondern Diener einem ganzen Volke. In stolzen Worten zeigte er uns den neuen Weg, den wir gehen mußten, aber er legte uns auch eine große Verantwortung aufs Herz. Wir verstanden den neuen Befehl und nahmen ihn auf. Wir erlebten daher keine rauschenden Siegesfeste, sondern Stunden der Besinnung auf ernste Arbeit und eine tiefe Kraftquelle. Wieder kam ein neues Jahr und mit ihm Reichsparteitag„1934“. Die Schar der Frauen war schon größer, und dieses Mal fuhren drei Mitarbeiterinnen mit in die alte Noris. Das Herz voll Erwartung. Sie konnten es nicht begreifen, daß ich noch genau so voll Freude war wie sie. Ein Jahr hatte uns wieder gezeigt, was wir alles errungen mit unserm Führer. Bewegten Herzens fuhren wir den Rhein entlang. Wieder Deutschlands Strom, und jenseits des Stromes ein Kind unserer Mutter Deutschland. Das lag in heißem Ringen um seine Rückkehr ins Vaterhaus: das Saarland! Als wir längst an der alten Feste Ehrenbreitstein vorbei waren, da bewegten uns noch die Worte des Führers, die er kurz vorher da oben zu den Schwestern und Brüdern von der Saar gesprochen hatte.„Die Pforte zum Reich steht euch offen und wenn der Tag endlich da ist, dann holen wir euch zurück zu einem Vaterland der Ehre und Freiheit.“ Wieder umfing uns der alte Zauber Nürnbergs. Die Herzen schlugen schneller und die Freude wurde noch größer. Gleich am ersten Morgen sahen wer den Führer. Wir standen stumm und ergriffen. Wie oft sahen wir den Führer in diesen Tagen! Immer ihm feste ins Auge geschaut, mit dem Gelöbnis unserer Jugend auf den Lippen: Führer, dir gehören wir! Lied vom Volke Von Wolfram Brockmeier Du bist die Kette ohne Ende. ich bin nur deiner Glieder eins, was ich beginne, was vollende, ist nur Vollendung deines Seins. Ahn und Enkel fallen, werden bald zunicht. Mächtig aus uns allen wächst du, Volk, ans Licht! Wer für dich fällt, stirbt nicht vergebens, du trägst ihn in die Ewigkeit. so sind wir Pfänder deines Lebens, und Bürgen deiner Herrlichkeit. Ahn und Enkel fallen. werden bald zunicht. Mächtig aus uns allen wächst du, Volk, ans Licht! Du hast uns längst, eh wir geboren, genährt mit deinem heilgen Blut. so sind wir ewig dir verschworen als deines Lebens sterblich Gut. Ahn und Enkel fallen, werden bald zunicht. Mächtig aus uns allen wächst du, Volk, ins Licht! Was wir alles gemeinsam erlebten! Der große monumentale Rahmen, die alten verträumten Winkel und Gassen der Stadt, die Kongresse oder Aufmärsche, immer nahmen uns die Tage aufs neue gefangen. Das Bekenntnis eines Volkes zu seinem Führer wurde wieder abgelegt. In einer Größe und von einer Gewalt, wie es kein Staat der Welt je zustande brachte. Der Führer und seine Mitarbeiter legten Rechenschaft ab vor ihrem Volk. Wieder wurden uns neue Aufgaben gestellt. Aber wir sind an Arbeit gewohnt, und der tägliche Kampf um die Seele des deutschen Menschen hält uns wach und läßt uns die gegebene Aufgabe lösen. Nun wieder Abschied von Nürnberg, nein, losreißen aus einem Erleben, das uns zutiefst aufgerüttelt hat. Wie schnell ein Jahr vergeht, wenn jeder Tag bis an den Rand ausgefüllt ist. Wir sind wieder vor den Toren Nürnbergs angekommen, geöffnet, schenken uns die Tage — 7.— neues tiefes Glück. Diese Parteitage wiederholen sich nicht, sie sind immer neu. Sie werden großartiger, der Rahmen wird weiter. Immer mehr Menschen kommen an den Ort des nationalsozialistischen Bekenntnisses. Hier wird das große Vertrauen lebendig, das ein Volk seinem Führer bringt. Hier offenbart sich seine ganze große Liebe. Erlebnisse steigern sich von Tag zu Tag, aber das größte ist und bleibt unser Führer. Einfach und klar, Mensch mit uns allen. Er gibt seinem Volk wieder Rechenschaft und zeigt ihm neue Zukunftswege. Wir aber sollen seine Sendboten sein und in treuer Pflichterfüllung die reine Lehre vom Nationalsozialismus weitertragen. —. Unsere Kraft wächst mit den Aufgaben, ganz gleich, an welcher Stelle wir stehen. Als deutsche Frau und Mutter kenne ich meinen Weg, weiß, was dem deutschen Frauengeschlecht not tut und wohin die Führung geht. Stolz sollen einmal unsere Kinder und Kindeskinder auf ihre Mütter sein, wenn sie unsere Zeit einst in die Geschichte mit eisernem Griffel geschrieben finden. Damit es dann heißt, die Frauen damals waren ein tapferes, aber ein noch gläubigeres Geschlecht. Nun stehen wir wieder an der Schwelle der Parteitage von 1930. Um uns die Welt in Unruhe. Bei uns ist Frieden. Während der Bolschewismus versucht, die Fackel des Krieges anzuzünden, da stellen wir ihm unsere Parteitage des Friedens entgegen.— Von diesen Tagen soll wieder in unsere Tage die Kraft ausstrahlen. Aus der Glut dieses Feuers sollen die deutschen Herzen fester geschmiedet werden. Dem Führer unser Gruß. Unsere Liebe ist unwandelbar, unser Glaube bleibt bestehen, unsere Treue ist unser Leben für Deutschland. Die Schule der kommenden deutschen Frau Nach den letzten Ausführungen der — Reichsreferenten des BdM. Trude Mohr=Bürkner, soll gemäß der vom Führer wiederholten der BdM solle starke und tapfere Frauen erziehen, die weltanschauliche Schulung und vor allem die körperliche Extuchtigung noch wesentlich verstärkt werden. Gewähr zur Durchführung sollen neben der aktiven Füh Perionernschast nund 13/gu, Seschuse wrgen sein, die im vergangenen Jahr geschult konnten. Wesentliche Unterstützung dieser Sportarbeit wird die BdM=Sportschule in Berchtesgaden sein. Um eine noch stärker o tiefte Ausbildung der BdM=Führerinnen der größeren Einheiten zu gewährleisten, ist außerdem parallel zur Akadepre, der, 28.tr,„gge schweig der Bau einer Akademie des BdM in Sammoner gersond. Mit bekonderem Nachdruck wies Trude Mohr=Bürkner auf die zehn Haus haltungsschulen des BdM hin, deren Anzahl verdoppelt werden soll. Des weiteren Wanderschulung des BdM, die in die ländlichen Gegenden erfaßt, noch intensiver ausgebaut werden, und zwar ir,„ZSzelggeugg; arbeit mit der Reichsanstalt für Volksgesund heitsdienst. Als Fallschirmpilotin in italien Von H. S. von Broich Unsere Frauenwelt schätzt den Boden der Tatsachen im praktischen Leben; wenn sie tüchtig sind, stehen unsere Lebenspartnerinnen sehr fest darauf. Was soll man aber von einer Frau sagen, die diesen sicheren Boden immer wieder verläßt, um ins Bodenlose zu stürzen? Irmgard Krafft hat das zu ihrem Beruf gemacht. Sie ist Fallschirmpilotin geworden. Nach ihrer Rückkehr von fast zweijähriger Arbeit aus Italien, ist Gelegenheit, mit dieser Frau über ihren eigenartigen Beruf zu sprechen. Nach Italien kam sie durch Vermittlung des Berliner Fascio, als sie hier ihre Prüfung abgelegt hatte. Irmgard Krafft hat allen Grund, zufrieden auf ihre Tätigkeit zurückzublicken. Man könnte denken, sie sei in Italien gleich mit offenen Armen ausgenommen worden, da es keine Italienerin gibt, die Fallschirmabsprünge macht. Weit gefehlt! Ein halbes Jahr saß sie schon an der Ligurischen Küste, eifrige Sprachstudien treibend, da sagte man ihr wenige Tage vor der ersten großen Flugveranstaltung auf ihre Bewerbungsschreiben ab. Irmgard packte ein Köfferchen, setzte sich auf die Bahn, fuhr nach Rom, drang bis zum Leiter des italienischen Flugsportwesens, Herzog Diaz, vor— und gewann seine Zusage. Die so oft an ihr beobachtete Selbstsicherheit und Ruhe mag ihre Wirkung auf den sehr überraschten Herzog Diaz ausgeübt haben. Zwei Tage später wurde sie im Wagen zum ersten Absprung geholt. Bologna. Tausende Schaulustiger, der oberste Kommandostab des Flugwesens, alles starrt nach oben zu dem Caproni=Eindecker. Die Deutsche wird gleich abspringen! Man wartet. Es dauert schon zu lange. Die Offiziere versuchen mit den Ferngläsern zu erspähen, warum der Absprung nicht längst erfolgt ist. Oben auf dem Flugzeug durchlebt eine Frau einen schrecklichen Augenblick. Beim Durchklettern der Verstrebungen des Doppeldeckers ist sie hängen geblieben. Sie weiß nicht, ob sie frei ist. Bleibt sie irgendwo mit dem Fallschirm oder der Verschnürung hängen, ist es ihr Tod. Sie kann nicht mehr warten. Ihr Ruf steht auf dem Spiel. Sie springt ab. Es geht gut. Nach der Landung beglückwünscht sie der Fliegergeneral Duca d'Aosta: „Seht diese tüchtige Tochter Deutschlands!“ sagt er zu seinen Offizieren,„sie macht mir Freude". Er stellt ihr ein Tiefdecker=Verkehrsflugzeug für ihre künftigen Absprünge zur Verfügung; er will die überflüssige Gefahr, die ihr heute drohte, ausschalten. Irmgard Krafft wird Tagesgespräch. Ein Journalist schreibt:„Ich rate euch gut, ihr italienischen Männer, heiratet diese Frau nicht. Sie springt aus jeder Ehe, die ihr nicht paßt.“ Nun, Journalisten machen manchmal eine Bemerkung um ihres Witzes willen. Irmgard Krafft ist keineswegs der Typ einer abenteuerlustigen Amazone. Sie widmet sich in der Muße mit Vorliebe der Handarbeit und liebt ein gemütliches Heim.(Ich könnte sie mir sehr gut als Ehegattin vorstellen mit einem Mann an der Seite, der ihr die nötige Achtung entgegenbringt.) Ihr Beruf hat sie weit herumgebracht. Sie ist gefeiert worden. Unwillkürlich denkt man an die Kehrseite des Glanzes, die Gefahr des Berufes und damit an andere Unfälle. Ein Pilot, mehr als hundertmal abgesprungen, packt aus übergroßer Sicherheit seinen Fallschirm verkehrt zusammen.— Todessprung. Eine Pilotin kehrt nach einem ihrer vielen erfolgreichen Absprünge per Flugzeug nach Haus zurück; die Maschine stürzt ab. Wie weit kann man sich vor der Gefahr schützen? Irmgard Krafft meint, Besonnenheit und Ruhe helfe viel, aber Pech könne sehr verhängnisvoll sich auswirken. Ein italienischer Kamerad, der mit ihr zusammen in Mailand absprang, wurde vom Winde auf das Glasdach eines Filmateliers getrieben und fiel durch; er mußte einige Wochen im Krankenhaus zubringen.„Wenn ich aus der Kabine eines Verkehrsflugzeuges springe, will ich sehen, Es hat geklinget, der Briefträger kommt und gibt einen Stoß Briefe ab. Frau Hilde, seit vierzehn Tagen verheiratet, betrachtet neugierig einen an ihren Mann adressierten Brief. „Nanu, wer hat denn da geschrieben? Die Schrift kenne ich doch gar nicht?“ Eins, zwei, drei ist der Brief geöffnet. Dann ein helles Auflachen! Mit dem geöffneten Brief geht sie zu ihrem Mann.„Du, Karl, denk' mal, da schreibt dir dein Freund Peter...“ Der Ehemann Karl ist starr:„Hast du vielleicht den Brief, der an mich adressiert war, aufgemacht?“ Frau Hilde schüttelt verwundert den Kopf: „Aber warum denn nicht? Ich bin ja schließlich deine Frau!“ „Deshalb darfst du noch längst nicht Briefe öffnen, die nicht an dich adressiert sind. Hast du noch nie etwas vom Briefgeheimnis gehört?“ „Briefgeheimnis gibt es aber doch zwischen Eheleuten nicht!" „Da bist du im Irrtum, mein Kind! Das Strafgesetzbuch lautet im§ 299:„Wer einen verschlossenen Brief oder eine andere verschlossene Urkunde, die nicht zu seiner Kenntnisnahme bestimmt ist, vorsätzlich und unbefugterweise öffnet, wird mit Geldstrafe bis zu 300 Mark oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft, die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein.“ wohin es ungefähr geht,“ sagt Irmgard Krafft; „es läßt sich zwar selten richtig abschätzen, denn der Wind hat in 700 bis 1000 Meter Höhe oft eine andere Richtung als auf der Erde, aber meine Ruderbewegungen, über die viel gelacht wurde, wenn ich am Fallschirm herunterkam, haben mich vor mancher Landung in einem Baum bewahrt. In Neapel war allerdings nichts zu machen. Die Luft war durch die unerträgliche Hitze so dünn geworden, daß der Schirm nicht genügend Widerstand fand. Ich landete so hart, daß ich eine halbe Stunde bewußtlos blieb.“ „Wäre es nicht am sichersten, wenn man wartet, bis einen der geöffnete Fallschirm abhebt?“ „So machen es zwar die Fallschirmpiloten bei der italienischen Militärfliegerei, aber für mich wäre das ein gräßliches Gefühl; ich fahre auch nie mit dem Aufzug abwärts,“ erklärt sie lustig. Das ist nun wieder die echte Frau: Aufzug fahren— nein; vom Flugzeug abspringen— warum nicht? In Deutschland wurde sie von ihrem Verband kameradschaftlich aufgenommen, und im kommenden Sommer werden wir sie sicher bei mancher Flugveranstaltung begrüßen können. Bis dahin wird sie sich tüchtig im Segelflug umtun. Hat sie vielleicht eine neue Kombination Segelflug=Fallschirm vor? Aber darüber schweigt sie... „Du könntest also jetzt beantragen, daß ich bestraft werde?" fragte Frau Hilde erschreckt. „Ja, das könnte ich— allerdings würde wohl für dich keine hohe Strafe dabei herausspringen. Im übrigen gebe ich dir die Erlaubnis, meine Briefe zu öffnen, hiermit offiziell— du kannst also„befugterweise' jetzt meine Briefe aufmachen!" „Aber du als Ehemann kannst doch wohl ohne weiteres meine an mich adressierten Briefe öffnen? Männer werden vom Gesetz doch immer bevorzugt?!“ Doch der Ehemann schüttelte lächelnd den Kopf:„Vor diesem Paragraphen sind Mann und Frau gleich—, wenn du mir nicht ebenfalls offiziell die Erlaubnis erteilst, das Briefgeheimnis zwischen uns aufzuheben, dann dürfte ich deine Briefe nicht anrühren. Allerdings gibt es da eine Ausnahme...“ „Wo ist die Hintertür?“ „Das ist keine Hintertür—, sondern diese Ausnahme ist im Sinne eines geordneten Familienlebens nur gerecht; wenn ich nämlich den begründeten Verdacht hätte, daß du einen Briefwechsel führst, der mit deinen Pflichten als Ehefrau nicht in Einklang zu bringen ist, und wenn ich meinte, daß die an dich gerichteten Briefe mir darüber Aufklärung geben könnten, so habe ich das Recht— du im gleichen Falle natürlich auch!—, deine Briefe zu öffnen!“ „Nun, das wird wohl zwischen uns beiden nicht nötig sein. Uebrigens kann ich mich erinnern, daß meine Mutter alle meine Briefe las, die an mich kamen. Das war mir manchmal gar nicht recht, du weißt ja, daß man als Backfisch öfter mal einen Brief bekam, in dem angeschwärmt wurde— es war mir immer peinlich, wenn Mutter solche Briefe las. War das eigentlich auch eine Verletzung des Briefgeheimnisses?“ „Nein, die Eltern haben das Recht, sämtliche Briefe, die an ihre Kinder kommen, zu lesen— wenigstens bis zur Großjährigkeit ihrer Kinder, das ist Erziehungsrecht. Es gibt sogar Fälle, wo Eltern noch über das 21. Lebensjahr der Kinder hinaus das Recht haben, den Briefwechsel zu kontrollieren.“ Der Briefträger war während dieser Unterredung bis zum vierten Stock gestiegen, wo er einen Brief an Herrn Schulze abliefern wollte. Dieser Herr Schulze war aber nicht aufzusinden, und deshalb mußte der Briefträger diesen Brief als„unbestellbar" wieder mitnehmen. Da aber auf dem Umschlag kein Absender stand, mußte die Post den Brief öffnen, um so den Absender ermitteln zu können. Die Reichspost jedoch kann man nicht wegen Verletzung des Briefgeheimnisses belangen—, denn die Post hat jederzeit das Recht, unbestellbare Sendungen zu öffnen. Doch die Ehefrau darf nicht so ohne weiteres die Briefe ihres Mannes aufmachen—, denn jeder Mensch hat das Recht auf ein Eigenleben, Aufnahme: Scher! Der kleine Kavalier oder: Früh übt sich, was ein Meister werden will. — 8— Darf sie seine Briefe lesen? Wie weit reicht der Schutz des Briefgeheimnisses Die Fraueninsel Von Ellen Fechner Es scheint fast, als gäbe es keine Männer auf Zlarin, dieser kleinen, etwas kargen und doch so reizvollen Insel, einer der vielen, die in die blaue Weite der Adria hineingestreut sind, wie von der launischen Hand eines Riesen, deren dunkle Konturen sich in der Morgenund Abenddämmerung in langen, nebelhaften Ketten aus dem Meere heben und der dalmatinischen Landschaft ihren eigenartigen, einzigartigen Zauber verleihen. Es scheint wirklich, als gäbe es nur Frauen in Zlarin! Schon wenn man in Sibenik das Trabaccolo besteigt, eine Art großes, schweres Segelschiff, das von einem Rohölmotor getrieben wird, um die kurze Fahrt nach dem kleinen, felsigen Eiland anzutreten, fällt es auf, daß außer dem Kapitän und seinem Matrosen eigentlich nur Frauen an Bord sind. Das ist ein Kichern und Flüstern, ein Auf und Ab von dunklen Kopftüchern, blitzenden Goldfiligranohrringen, weiten, wippenden schwarzen Röcken und klappernden Stricknadeln, denn die Frauen von Zlarin haben keine Zeit, müßig zu sein, müssen sie doch außer ihren Hausfrau= und Mutterpflichten den größten Teil des Jahres hindurch auch Männerarbeit tun. In Zlarin gibt es tatsächlich keine Männer, abgesehen von den alten, müden, verbrauchten, die höchstens noch für den Fischfang daheim tangen. Die andern, die jungen, ziehen in den ersten warmen Tagen, die das Jahr bringt, aufs Meer hinaus, um Jagd zu machen auf Herbstfreude Franz Cingia schenkt den süßen Wein Die Erde lächelnd aus. Und froher Sonnenschein Grüßt weit ins Tal hinaus. * In bunte Farbenpracht Ist ganz der Wald gehüllt. Es hat der Freude Macht Das Land so tief erfüllt. Und singend wanderst du Noch einmal durch die Au. Und lieblich winkt dir zu Die schöne Sonnenfrau. den seltenen rosenroten Schatz, den die Tiefe der Adria birgt, auf die Koralle. Außer den Fischern von Zlarin weiß niemand mehr die geheimnisvollen Plätze, an denen sie vorkommt, und so ziehen sie denn alljährlich hinaus, auf ihren kleinen gebrechchen Fahrzeugen, denen man die Seetüchtigeit auf den ersten Blick nicht so ohne weiteres itrauen würde, und die ihnen doch während der Sommermonate einzige Zuflucht und Behausung sind. Am Tage ihrer Ausfahrt versammelt sich die ganze Bevölkerung wie zu einem Fest, und angesichts des Kruzifixes segnet der Priester die Boote. Sind sie dann fort, wird es still in den schmalen, winkligen Gassen des kleinen alten Dorfes. Die Tage vergehen, einer nach dem andern, ausgefüllt von der Arbeit auf dem Felde und im Hause. Es scheint, als kämen die Frauen Zlarins mit dem Wäschewaschen nie zu Ende. Von früh bis spät sieht man sie an dem großen Spülstein am Hafen hocken, der ihnen die Waschküche ersetzt, und eifrig schrubben, dabei steht das Mundwerk keinen Augenblick still. Ueber ihnen wölbt sich der südliche Himmel in tiefem Blau, mit den Farben der Adria wetteifernd und der Widerschein der dalmatinischen Sonne leuchtet aus der Heiterkeit ihrer lachenden Gesichter. Der Abend findet sie auf den Steinstufen und Bänken ihrer Häuser sitzend. Die jungen Mädchen gehen langsam zu zweien und zu dreien Arm in Arm am Kai oder auf der Mole auf und ab. Die weiten Röcke, deren seltsamer Faltenwurf ein wenig an den Cul de Paris erinnert, den unsere Mütter einst trugen, lassen die Taille noch schlanker und zierlicher erscheinen, als sie ohnehin ist, die kleinen Füße, die in selbstgestrickten weißen Strümpfen und schwarzen Spangenschuhen stecken, treten leicht und sicher zugleich auf, und die Augen schweifen sehnsüchtig über die dunkle Inselkette am Horizont, hinter der die Boote verschwunden sind, auf denen auch der Liebste mitfuhr. Wo mag er sein in diesem Augenblick? Wird das Meer ihn zurückgeben? Wird er wiederkommen im Herbst, in den letzten warmen Tagen, wenn die Boote heimkehren? Mannigfach sind die Gefahren, die den Korallenfischer bedrohen, und manch einen von ihnen behielt das Meer. Die alte Kirche des Dorfes weiß um all die heimlichen Seufzer, um all die inbrünstig gestammelten Gebete, die aus geängstigtem, gepreßtem Herzen aufsteigen, um den Gatten, den Sohn, den Geliebten! Und das Bild Marias, der allerheiligsten Jungfrau, der Schmerzensreichen, lächelt tröstend auf die Betenden herab. Pazienza! scheint es zu flüstern, Geduld! Geduld! Geduld haben und warten! Das ist das Los der Frauen Zlarins! Und vielleicht ist es letzten Endes das Los ihrer Schwestern auf der ganzen Welt, denn diese immer bereite, wartende Geduld der echten Frau ist es, die dem Mann, der draußen kämpft und schafft, die Kraft dazu gibt, ihm von neuem das Gefühl von Sicherheit und Heimat schenkt. Sie wissen es nicht einmal, daß sie es schwer haben, die Frauen Zlarins! Sie lassen ihre Männer ziehen ohne zu klagen; es ist seit — 9— Generationen so gewesen, also muß es so sein, sie kennen es nicht anders. Die Zeit scheint stillzustehen auf ihrer kleinen Insel, obgleich der Zeiger auf der Uhr des alten Rathausturms unerbittlich die Sekunden, die Minuten, die Stunden mißt, halten sie zäh fest an den Gebräuchen ihrer Vorfahren, ihrer Kleidung, ihren Sitten, ihrer Art zu denken, und damit bewahren sie sich die Kraft und die Unschuld, die sie so stark macht. für die Woche vom 14. bis 20. September 1936 Montag: Fleischfrikadellen aus Resten mit Salat und Kartoffeln. Dienstag: Fisch im roten Rock mit Kartoffelpüree. Mittwoch: Bratwurst mit Bohnensalat und Kartoffeln. Donnerstag: Milchsuppe, Reibekuchen mit Preißelbeeren. Freitag: Fischkotelett mit gedämpften Apfelscheiben und Kartoffeln. Sonnabend: Gemüsesuppe, Schokoladenpudding. Sonntag: Ochsenschwanzsuppe, Rollbraten mit Rotkohl und Kartoffeln, Dicken Reis mit Zimt und Zucker. Herausgegeben von der Abteilung Volkswirtschaft=Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk, Gau Westfalen=Süd Die größte Talsperte estdeutschkands Die Kür-Talsperre Schwammenauel in der Eifel im Bau/ Werteschaffende Arbeitsfürsorge) 2000 Arbeiter am Werk 7 1,7 Millionen Kubikmeter Erdbewegung/ 1 Million Tagewerke/ Fertigstellung im Herbst 1937 Heimbach(Eifel). Die gewaltigste Talsperre des Westens entsteht in der Nähe von Heimbach in der Eifel: Ein Werk von überragender wirtschaftlicher Bedeutung, dessen Ausführung man schon lange vor dem Kriege geplant hatte. Erst unter dem Nationalsozialismus konnten die schwierigen Grundstücksfragen, endlich auch eine Einigung in der Frage der Verteilung der hohen Kosten eine Lösung finden. Im Mai 1934 wurde mit dem Bau der Rur=Talsperre Schwammenauel, die etwa 12 Kilometer von der Urft=Talsperre entfernt ist, begonnen. Sie hat den Zweck, die gesamten Vorflutverhältnisse bis in die Düren=Jülicher Gegend zu klären. Vor allen Dingen soll sie die weltbedeutende Papierindustrie des Dürener Bezirks mit Wasser versorgen. In regenarmen Zeiten schafft die Talsperre auf Grund ihres Wasservorrats einen Ausgleich, und bei Hochwassergefahr reguliert sie die Wasserfluten. Die Schwammenauel=Talsperre gibt außerdem Möglichkeit, gewaltige Mengen Energie,(16 Millionen Kilowattstunden Jahresleistung) zu erzeugen; sie ist auf natürliche Weise in die Landschaft eingebaut. Man sieht keine unschönen Betonklötze, sondern eine dem Gelände angepaßte wuchtige und breitausladende Staumauer. Der Talsperrenbau kostet über 12 Millionen RM., wodurch die Industrie große arbeitschaffende Aufträge erhält. Es besteht ein gewaltiger Bedarf an Zement und anderen Baustoffen. Die Firma Krupp hat allein 1500 Tonnen Eisen zu liefern. Die am Fuße der Eifel gelegenen Gebiete um Schleiden und Monschau sind durch den Bau der großen Rur=Talsperre von einsatzfähigen Wohlfahrtserwerbslosen befreit worden. Da in der näheren Umgebung der Baustelle geeignete Leute nicht zur Verfügung stehen, stellen auch die Wohlfahrtsämter der weiteren Umgebung Gewaltige Mengen Erde fressen die vielen Bagger Dieses Gelände wird demnächst überflutet sein Aufnahmen: Palmen Notstandsarbeiter. So kommen aus dem M.= Gladbach=Rheydter Bezirk 200, aus dem Kölner Bezirk 450, aus Aachen, Düren, Jülich 800 Arbeiter. Dadurch werden Volksgenossen, die jahrelang der Arbeit entwöhnt waren, wieder der Arbeit zugeführt. Von der gesamten Belegschaft sind 1200 lagermäßig untergebracht. Das Arbeitslager besteht aus 15 stabilen Baracken im Erstellungswerte von je 1500 RM. Eine eigene Heizungsanlage, zahlreiche Bad= und Brausebädergelegenheiten u. a. m. sorgen für die notwendigen Annehmlichkeiten. Welches Ausmaß die Bauarbeiten an dieser Talsperre nehmen, kann man aus nachfolgenden Zahlen ersehen: 1 Million Tagewerke und 1,7 Millionen Kubikmeter Erdbewegungen. Das Maschinenmaterial umfaßt u. a. 25 Lokomotiven und 350 Kastenkipper mit einem Faßvermögen von etwa 5 Kubikmeter. Nach dem Entwurf des Regierungsbaurats Schatz wird die massive Sperrwand aus einer Sohlenbreite von 340 Meter bis zu einer Kronenbreite von 10 Meter in 53 Meter Höhe über der Talsohle in einer Länge von 400 Meter talquer aufgeführt. Damit die Arbeiten überhaupt vonstatten gehen konnten, mußte die Rur durch einen Bergstollen umgeleitet werden. Mit der Vollendung des unvorstellbar großen Werkes rechnet man zum Herbst 1937. Nach Fertigstellung der Gesamtanlage wird hier ein neuer großer Eifelsee entstehen, der neben seinen wirtschaftlichen und sozialen Zwecken auch den Naturfreund und Wassersportler begeistern wird. Der Stausee hat eine Länge von mehr als 22 Kilometer und faßt 110 Millionen Kubikmeter Wasser.(Die Urft=Talsperre dagegen nur 45 Millionen Kubikmeter.) Der Talsperre fallen etwa 300 Hektar Land zum Opfer, dafür entsteht aber durch die Regulierung der Rur auf der anderen Seite ein Landgewinn von mehr als 3000 Hektar. Aus einem Gebiet unseres Vaterlandes, das bisher nur wenigen Volksgenossen bekannt war, wird durch die Aufbauarbeit des Nationalsozialismus in absehbarer Zeit ein vielbesuchtes Reiseziel an der Westgrenze des Deutsches Reiches geworden sein. P Weinberge werden geschlossen Ahrweiler. Die Trauben gehen der Reife entgegen. Schon zeigt sich zwischen den grünen Rebenblättern ein bläulich=roter Schimmer; ein sicheres Zeichen dafür, daß es nur noch wenige Wochen dauert bis die Lese, die Ernte des Winzers, beginnen kann. Um sich vor Diebstählen zu sichern, werden die Weinberge während dieses Reifestadiums geschlossen, d. h. keinem Unbefugten ist das Betreten des Weinberggeländes bis zur Lese mehr gestattet. Auch der Winzer darf ohne besondere Genehmigung nicht mehr in seinen Weinberg. In den Winzerorten der Ahr wird die Schließung der Weinberge im Laufe der Woche ausgesprochen. Richtfest der Jugendherberge Düsseldorf Düsseldorf. Am 19. September 1936 ist in Düsseldorf=Oberkassel das Richtfest der neuen Jugendherberge. Die Jugendherberge wird der größte Neubau, den das Jugendherbergswerk nach der nationalsozialistischen Revolution errichtere. Auf dem Richtfest sprechen Gauleiter Staatsrat Florian und der Leiter des Landesverbandes Rheinland für DIH., Oberbannführer Paul Conrad. Die Jugendherberge soll am 1. März 1937 fertiggestellt sein, damit sie für die große Ausstellung„Schaffendes Volk“ bereit steht. Viele hundert Hände wirken auf dem Bauplatz im schönen Eifeler Land Ein Winzerjahr an der Mosel Denkt an die Mühe des Winzers, wenn ihr den Patenwein trinkt! gibt kaum einen, der gedenket, Wenn er den Wein, den man ihm brachte, So leichter Hand ins Glas sich schenket, Der Müh' und Sorge, die er machte.“ Allzusehr wird bei der üppig rankenden Weinpoesie die Prosa des Winzerlebens vergessen. Wer denkt beim Genuß einer Flasche Wein an die unendliche Arbeit, die in dieser Flasche steckt! Eine Arbeit, die keinen Achtstundentag kennt, die das ganze Jahr nicht ruht, und von der die wenigsten einen Begriff haben. An der Mosel gibt es keine Rebgärten, hier haben die Weinberge eine Steigung bis zu 60 Grad. In steilen, terrassenförmigen, vielstöckigen Zeilen ist die letzte Felsspitze nutzbar gemacht. Hart ist das Leben und das Schicksal der Winzerfamilien. Der Ertrag ihrer Arbeit ist oft sehr gering, zumal der Besitz fast nur aus Kleinstparzellen besteht. Im allgemeinen geht der Besitz nicht über 2000 bis 3000 Weinstöcke hinaus, was einer Ernte von 2 bis 3 Fuder in guten Jahren entspricht. Von diesem Erlös müssen vielfach kinderreiche Familien ein ganzes Jahr leben. Um uns ein richtiges Bild von der harten Arbeit der Moselwinzer machen zu können, wollen wir den Ablauf des Winzerjahres schildern. Zuerst muß der Weinberg angelegt werden, d. h. nach entsprechender Bodenvorbereitung wird er mit jungen Reben bepflanzt. Erst nach drei oder vier Jahren kann man die ersten Trauben ernten. Die Neuanlage eines Weinbergs ist zeit= und geldverschlingend; aber diese Arbeit kann nicht sorgfältig genug durchgeführt werden, weil von ihr Alter und Ertrag wesentlich abhängen. Sonne und Wasser braucht die Rebe. Die heißesten Hänge sind ihr gut genug, ihr Fuß jedoch braucht Wasser. Der Boden wird deshalb vorher tief rigolt, d. h. umgeworfen, mitunter bis zu 1,20 Meter tief. Das ist auf dem steinigen Untergrund eine beschwerliche Arbeit.— Wenn sich der umgearbeitete Boden gesetzt hat, beginnt das Pflanzen. Je Quadratmeter rechnet man einen Stock.„Stelle mich frei, und ich trage für drei“, heißt eine weise Winzerregel. An der Mosel wird sogar allgemein nach Stock gerechnet und versteigert, stets in der Annahme 1 Quadratmeter— 1 Stock. Die Pflanzung selbst geschieht im Frühjahr uno zwar heute meist mit Wurzelreben; das sind Stecklinge, die in der Rebschule ein oder zwei Jahre vorgetrieben wurden. Wurzelreben haben gegenüber den einfachen Stecklingen, auch Blindholz genannt, den Vorzug, daß die Anlage schneller in Ertrag kommt und auch das Anwachsen sicherer und regelmäßiger geschieht. Es ist immer schwierig und kostspielig, in einer bestehenden Anlage Lücken auszufüllen. Die jungen Setzlinge werden wie Kindlein gehegt und gepflegt. Ein Schieferdächlein schützt vor Ueberschlammung uno zu starkem Sonnenbrand. Torfmull hält ihr Bett weich und feucht. Im zweiten Jahr bekommt jede Pflanze eine Unterstützungsvorrichtung. Die Rebe ist eine Kletterpflanze. Früher erhielt jede Rebe einen starken Pfahl, das ist auch heute noch überwiegend an der Mosel der Fall; aber hier und dort findet man auch schon Drahtanlagen, in denen die Reben wie Spalierobstbäume in sanft ansteigenden Reihen gezogen werden. Diesen sogen. Rahmenbau, in der Pfalz allgemein üblich, bevorzugten die Römer, während man vermutet, daß überall dort, wo die Rebe am Pfahl gezogen wird, der Weinbau schon vor Römerzeiten Eingang gefunden hatte. 900 Es ist Tatsache, daß es Frauen gibt, die von ihrem Persil viel mehr Nutzen haben als andere. Persil entwickelt bei diesen. klugen Frauen ganz erstaunliche Eigenschaften, und 4 C„) zwar einfach dadurch, weil es richtig ausgenutzt, d.h. K###) genau nach Vorschrift gebraucht wird.— Lassen Sie Persil nur richtig arbeiten— dann sollen Sie mal sehen, was selbsttätiges Waschen eigentlich heißt! Paso Westfälische Landeszeitung Wolk und Wecht Wöchentliche Beilage Befreiung von der Angestelltenversicherungspflicht für Familienangehörige Nach einer Verwaltungsübung der Reichsversicherungsanstalt, die sich auf§ 1617 BGB. stützt, sind Söhne und Töchter, die im Haushalt des Geschäftsinhabers leben und das Geschäft voraussichtlich später übernehmen. von der Angestelltenversicherungspflicht befreit. Befreiungsvordrucke sind bei der Reichsversicherungsanstalt erhältlich. Sind bereits Beiträge entrichtet, so kommt auch eine Erstattung in Betracht. Die Versicherungsfreiheit erstreckt sich nach einem neuen Bescheid der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte vom 27. 5. 36(1 2275/36) an die Reichsgruppe Industrie nicht auf die Fälle, in denen der Arbeitgeber eine offene Handelsgesellschaft, eine Kommanditgesellschaft oder eine juristische Person ist. Die Tatsache, daß ein Elternteil zu den Gesellschaftern gehört oder an der Handelsgesellschaft oder juristischen Person mit einem Kapital beteiligt ist, ändert daran nichts. Werden Kinder von Betriebsinhabern der jetzigen Verwaltungsübung der Reichsversicherungsanstalt gemäß für die Angestelltenversicherung in Anspruch genommen, während sie nach der früheren milderen Verwaltungsübung bisher freigelassen worden sind, so wird seitens der Reichsversicherungsanstalt von Fall zu Fall geprüft, inwieweit etwa für die Zeit vor dem 1. 1. 1935 von der Einziehung der Beiträge abgesehen wird.— th Nationalsozialistische Rechtsschöpfung Reichsparteitage als Kraftquell des deutschen Rechts 7# Von Dr. Schepp, Abteilungsleiter im Sozialamt der Da# Die Parteitage der NSDAP. sind mehr als eine Heerschau der Hunderttausende und ein gemeinschaftlicher Dank an das große Werk des Führers. Sie sind eine stets wiederkehrende Kraftsammlung für die Zukunft. jener Erkenntnis unterscheidet sich der Nationalsozialismus von der materialistischen Geschichtsauffassung, daß nicht Ereignisse und Umstände, sondern die Kraft des Willens und die Ziele des Handelns das Schicksal eines Volkes bestimmen. Hierin liegt auch die Bedeutung der Parteitage. Im Rahmen jedes Reichsparteitages hat auch das Recht des Volkes und seine Verteidigung seinen Platz. Nur die Gesetzgebung, die von solcher Quelle ausgeht, kann das wirkliche Recht schaffen. Man kann es nicht dadurch schaffen, daß man den einen Paragraphen durch den anderen ersetzt und lediglich aus der Macht des Staates von oben herab neue Gesetze erläßt. Der geistige Umbruch gegenüber der Vergangenheit kann nur aus einem völlig neuen Rechtsdenken kommen, das im Nationalsozialismus verwurzelt und damit im Gefühl des Volkes verankert ist und in großen gemeinsamen Erlebnissen seinen Ausdruck findet. So steht auch das Recht unter dem Zeichen des Reichsparteitages. Verfügungsrecht über Eisenbahnfrachtgut Wann entsteht das Verfügungsrecht des Empfängers im Eisenbahn-Frachtgut? Nach§ 72 EVO.(Eisenbahnverkehrsordnung) Ziff. 13 erlischt das Verfügungsrecht des Absenders, auch wenn er das Frachtbriefdoppel besitzt, sobald der Empfänger nach Ankunft des Frachtgutes auf dem Bestimmungsbahnhof den Frachtbrief eingelöst oder seine Rechte aus § 75 EVO. Ziff. 2 schriftlich geltend gemacht hat. Nach§ 75 EVO. Ziff. 2 ist der Empfänger nach Ankunft der Gutes am Orte der Ablieferung berechtigt, die durch den Frachtvertrag begründeten Rechte gegen Erfüllung der sich daraus ergebenden Verpflichtungen im eigenen Namen gegen die Eisenbahn geltend zu machen. Es ist dabei gleich, ob er hierbei im eigenen oder fremden Interesse handelt. Er ist insbesondere berechtigt, von der Eisenbahn die Uebergabe des Frachtbriefes und des Gutes zu verlangen. Dieses Recht des Empfängers erlischt nur dann, wenn der Absender der Eisenbahn eine zulässige entgegenstehende Verfügung im Sinne des§ 72 EVO. erteilt. Dem Empfänger stehen vor Ankunft auf dem Bestimmungsbahnhof keinerlei Rechte zu; das Verfügungsrecht des Empfängers erwächst nach Ankunft des Gutes auf der Bestimmungsstation ohne Rücksicht darauf, ob die Lieferfrist der Eisenbahn noch läuft. Falls während der Beförderung Teilverlust oder Minderung eingetreten sind, so genügt die Ankunft der Restsendung, um für den Empfänger die Möglichkeit, sein Verfügungsrecht geltend zu machen, zu begründen. Auch wenn durch Versehen der Eisenbahn eine auf dem Bestimmungsbahnhof angekommene Sendung wegbefördert wird, bleibt der Empfänger verfügungsberechtigt unter der Voraussetzung, daß er sein Verfügungsrecht im eingangs erwähnten Sinne angetreten hat. Der Einlösung des Frachtbriefes steht bei dessen Verlust die Einlösung eines Ersatzfrachtbriefes oder eine Vereinbarung gleich, nach der dem Empfänger auch ohne Einlösung die Wirkungen derselben zustellen sollen. Das Verfügungsrecht des Empfängers ist seinem Inhalt nach von dem des Absenders wesentlich verschieden. Es kann keine Abänderung des Frachtvertrages zum Gegenstand haben, sondern sich lediglich auf die Abnahme des Gutes beziehen. Der Empfänger kann nach dieser Richtung verfügen, daß die Sendung mit neuem Frachtbrief weiter abgefertigt wurde. Der Empfänger kann einen Dritten zur Abholung bevollmächtigen oder mit der Eisenbahn die Aushändigung an einen Dritten gemäß § 328 BGB. vereinbaren oder seine Ansprüche auf Aushändigung an einen Dritten abtreten und dieses der Eisenbahn im Sinne der§§ 409, 410 BGB. anzeigen. Dem Empfänger stehen grundsätzlich alle durch den Frachtvertrag begründeten Rechte zu, aber sie haben nach Ankunft des Gutes und nach Einlösung des Frachtbriefes nicht mehr ihren vorherigen Umfang. Dr. Uwe. Bösartige Pferde Als bösartig sind solche Tiere anzusehen, von denen wegen ihrer eigentümlichen Veranlagung Beschädigungen zu befürchten sind. Auch Pferde, die zu Mutwilligkeiten neigen, deren Folgen unabsehbar sind, sind als bösartig anzusehen. Es ist praktisch kein Unterschied, ob ein Pferd aus Futterneid oder sonstiger schlechter Charaktereigenschaft beißt; entscheidend ist allein die Tatsache, daß es, wenn auch nur beim Fressen, nach vorübergehenden Menschen schnappt. Das Kammergericht hat im Urteil vom 14. Januar 1936. 1 Ss 572/35, in solchem Verhalten des Pferdes eine strafbare Handlung erblickt. Die zuständige Polizeibehörde kann nach§ 24 RStrVO. Anordnungen wegen Anlegung eines beißsicheren Maulkorbes oder wegen Kenntlichmachung „Bissig“ ergehen lassen. Das deutsche Volk will ein Recht, das seiner Selbsterhaltung, seinem sozialen Frieden und seiner Freiheit dient! Diesen Geist hatte das alte deutsche Recht, ehe mit dem römischen Recht ein rein äußerliches, sachlich überspitztes Rechtsdenken über den deutschen Menschen sowie über Blut und Boden des deutschen Volkes gestellt und damit der Grundstein für den Liberalismus und den Kapitalismus gelegt wurde. Dieses römische Recht des Verfalles war dem Volke fremd und hat damit auch den Richter dem Volk entfremdet. Heute hat sich die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß das Recht der Selbsterhaltung nicht die Unterjochung des deutschen Volkes durch fremde Rassen und seine Zersetzung durch fremde Bluteinflüsse duldet. Der Begriff des Volkes und seines Schutzes war dem römischen Recht unbekannt. Deshalb konnte es dazu kommen, daß deutsche Volksgenossen ihren Grund und Boden durch jüdische Grundstücksspekulanten verloren, daß das Brot durch Börsenmakler verteuert, der Bauer vom Hof gejagt, die Familie zerstört wurde und der Arbeiter sein Leben mühsam fristen mußte, während Dividendenkönige ihre Reichtümer in das Ausland verschoben. Alles auf der Grundlage des damaligen Rechtes und der römischen Rechtsauffassung sowie auf Kosten der nationalen Selbsterhaltung. Demgegenüber stellt das nationalsozialistische Recht wieder das Volk und die Familie in den Mittelpunkt des Denkens. Das deutsche Volk will ferner eine unbedingte soziale Gerechtigkeit. Sie war niemals unter dem römisch=rechtlichen Liberalismus möglich. Das liberalistische Recht kannte rein äußerlich nur einen Arbeitsvertrag und überließ alles weitere dem Kampf zwischen Unternehmer und Arbeiter, der ein Kampf zwischen dem Stärkeren und dem Schwächeren war. Zusammengehörigkeit von Führer und Gefolgschaft, Gefolgschaftstreue und Führertreue waren unbekannte Begriffe. Das nationalsozialistische Recht machte aus dem Arbeitsvertrag ein Treueverhältnis, und die Staatsführung wacht über jeden, der gegen das Treueverhältnis verstößt. Die soziale Gerechtigkeit duldet es nicht, daß Mitglieder der Gefolgschaft unterdrückt oder auf Grund einer sogenannten schlechten Konjunktur auf geringe Löhne gesetzt werden, während der Betrieb übermäßige Gewinne für den Unternehmer abwirft. Nach der anderen Seite verbietet die soziale Gerechtigkeit die Gewaltanwendung durch Streikmaßnahmen. Zur sozialen Gerechtigkeit und damit zum neuen deutschen Recht gehört ferner der Schutz des alrbeitenden Volksgenossen vor Existenzlosigkeit, die Gewährleistung der Arbeitsfreude durch den nationalsozialistischen Geist im Betriebe wie durch soziale Betriebseinrichtungen, die Sicherung einer Erholung während des Urlaubs und die Teilnahme jedes Volksgenossen an der Kultur und an den Schönheiten des Lebens. Führer und Gefolgschaftsmitglieder sind durch die Gemeinschaft des Betriebes miteinander verbunden. Die soziale Gerechtigkeit erlaubt es nicht, daß der eine sich auf Kosten des anderen bereichert. Dasselbe gilt für Erzeuger und Verbraucher, für Fabrikanten und Händler. Der gerechte Preis ist der Preis, durch den jedem Beteiligten ein angemessener Anteil am Gewinn gesichert und die alleinige Herrschaft der Konjunktur ausgeschaltet wird, die den Stärkeren auf Kosten des Schwächeren und auf Kosten der Allgemeinheit bereichert. Die soziale Gerechtigkeit duldet keine Riesengehälter neben Hungerlöhnen. Sie duldet nicht, daß ein Teil des Volkes in Not lebt, während der andere Teil Reichtümer aufhäuft. Wenn Notzeiten kommen, so müssen sie von allen gemeinsam getragen werden. Zur sozialen Gerechtigkeit gehört es aber auch, daß jeder sein Teil beiträgt und Verpflichtungen übernimmt, um der Gesamtheit zu dienen. Im Blut des deutschen Volkes und seiner Vorfahren liegt der ausgeprägte Wille zur Freiheit. Damit ist nicht die römisch=rechtliche Freiheit des liberalistischen Zeitalters gemeint, die nur eine Freiheit auf dem Papier war, oder gar jene Freiheit, die zur Selbstzerstörung und zur Anarchie führte. War je der Arbeiter frei, der für die Aeußerung seines freien Willens mit Arbeitslosigkeit und Not bestraft wurde? Oder der Bauer. der seinen Zinsgläubigern das Korn auf dem Halm zu einem Schleuderpreis verkaufen mußte? War der deutsche Volksgenosse frei, der seine Ehre nicht verteidigen konnte, weil die Gesetzgebung den Begriff der sozialen Ehre nicht kannte und dem Inhaber der wirtschaftlichen Macht praktisch eine größere Ehre zuerkannt wurde, als dem einfachen Mann? War das deutsche Volk frei, als es seine Würde und seine Ehre von bolschewistischen Literaten in den Schmutz ziehen lassen mußte? War es frei in den Fesseln einer kapitalistischen Internationale? Wo war die Freiheit des deutschen Volkes, als seine Tributpflicht an das Ausland und die Kontrolle seiner Lebensäußerungen mit überstaatlichen Verträgen begründet wurde, die nach dem römisch=rechtlichen Denken als frei abgeschlossen galten? Nein, die Freiheit setzt ein Recht voraus, das jedem Volk dient und keinem gestattet, auf Kosten der Gemeinschaft seinen persönlichen oder politischen Trieben freien Lauf zu lassen. Sie ist nur vorhanden, wenn ein Volk einig zusammensteht, und sich so nach innen und außen behaupten kann. Deshalb ist die Freiheit niemals ein Gebäude von Paragraphen, sie ist der Inhalt einer Lebensanschauung und der Ausdruck der gemeinsamen Kraft einer Nation. Aus dieser Kraft schöpft der Nationalsozialismus das neue deutsche Recht. Auch der kommende Parteitag wird wieder eine Kraftund Rechtsquelle für das Gemeinschaftserlebnis des deutschen Volkes sein! Liberalistische Grundsätze ausgerottet Nationalsozialistisches Denken im Wietschaftsrecht Wie auf allen Gebieten, setzt sich auch im Wirtschaftsleben das nationalsozialistische Denken durch. Durch den Erlaß zur Reform der Organisation der gewerblichen Wirtschaft wurde ein weiterer Beitrag zum Auf bau des neuen Wirtschaftsrechtes hinzugefügt. Dieser Erlaß führt die Richtlinien weiter, die das Gesetz über den organischen Aufbau der deutschen Wirtschaft vom 27. Februar 1934 ausgesprochen hat. Um die Bedeutung dieser Neuschaffung zu verstehen, ist es nötig, sich einmal klarzu machen, welche Wandlung und Umwertung der Werte sich im Wirtschaftsleben vollzogen hat. Vor noch nicht allzulanger Zeit waren viele überzeugt, daß die Wirtschaft die oberste Macht im deutschen Staatsleben darstelle. Als solche erstrebte sie die Führung in der Politik und hatte es verstanden, sich im Parlament großen Einfluß zu verschaffen. Die großen Finanzmänner stellten sich hinter die einzelnen Parteien im Reichstag und in den Länderparlamenten, und mit Hilfe ihres Geldes war es ihnen möglich, auf alle wichtigen Entschlüsse einen maßgeblichen Einfluß auszuüben. Man hatte daher zu jener Zeit sehr irrige Auffassungen vom Recht in der deutschen Wirtschaft, da der einzelne nur die Verwirklichung seiner Ziele, die zu seinem eigenen Nutzen und Wohlstand führen sollten, für recht hielt und die gegenteiligen Interessen der anderen bekämpfte. Eine verantwortungsbewußte Staatsführung muß die Wirtschaft lenken, und nach deren Befehlen und Anweisungen hat sich die Wirtschaft zu richten. Nicht durch Willkür und Zufall werden Erfolge errungen, sondern durch planmäßige gemeinschaftsfördernde Arbeit werden wirkliche Leistungen vollbracht. Heute ist der Parteienstaat beseitigt, und an die Spitze des deutschen Volkes ist eine autoritäre Regierung getreten, die ihre schweren Aufgaben ernst nimmt und sich verpflichtet fühlt, nur für das Wohl des gesamten deutschen Volkes zu arbeiten, und die notwendigerweise verlangen muß, daß sich auch die Wirtschaft ihrer Leitung unterwirft. Die Politik muß die Wirtschaft führen. Der Paragraph als und Helfer Kahl erhielt einmalige Kinderbeihilfe: Oktober vorigen Jahres hatte Max Kahl sich um Zubilligung einer Beihilfe beworben, wie sie für kinderreiche Väter vorgesehen ist. Es handelte sich damals um eine einmalige Zahlung, die nachwuchsgesegneten Familien zugedacht wird, wenn sie vier oder mehr zum elterlichen Haushalt gehörige Kinder, die das sechzehnte Lebensjahr nicht vollendet haben, umfassen. In den Bestimmungen ist vorgesehen, daß bis zu 100 Reichsmark für jedes unter 16 Jahre alte Kind gewährt werden. Natürlich muß Bedürftigkeit vorliegen. Da alle Voraussetzungen, die der Gesetzgeber zur Bedingung gemacht hat, für Vater Kahl erfüllt waren, hatte sein über die Stadtverwaltung an das Finanzamt gerichtetes Gesuch Erfolg. Sein Aeltester zählte eben erst 15 Jahre, so daß Kahl mit seinen fünf Sprößlingen demnach günstigenfalls auf 500 Mark rechnen durfte. Wenn er auch nicht soviel bekam, so machte der ihm sofort zugebilligte Betrag immerhin ein hübsches Sümmchen aus, das sich noch vergrößerte, als die Mutter Kahl einem sechsten Kind das Leben schenkte. Denn für jedes Kind, das nach der Gewährung einer Kinderbeihilfe lebend geboren wird, kann, solange die Grenze von 1000 Reichsmark nicht erreicht ist, jeweils eine weitere Kinderbeihilfe im Betrage bis zu 100 Reichsmark bewilligt werden. Jetzt kann er außerdem laufende Beträge beim Finanzamt beantragen: Nun schmolz das Geld indes bald dahin, weil Kahl, wie wir seinerzeit schon schilderten, eine lange, traurige Zeit der Arbeitslosigkeit hinter sich hatte und sich mühsam aus den Beschränkungen bitterer Not wieder aufrichten mußte. Längst notwendige, aber wegen Mangels an Mitteln immer von neuem zurückgestellte Anschaffungen kamen an die Reihe; und als das Dringendste endlich gekauft war, blieb von der Beihilfe wenig übrig. Deshalb begrüßte Kahl die Zeitungsnachrichten mit lebhafter Freude, in denen bekanntgegeben wurde, daß seit dem 1. Juli laufend Kinderbeihilfen gezahlt werden dürfen. Die Zahlung wird für das fünfte und jedes weitere Kind gewährt: Anfangs war Kahl nicht ganz über die Einzelheiten im klaren; darum zögerte er mit einem Gesuch; denn er meinte, nachdem er schon in den Genuß einmaliger Zuwendung gelangt war, fiele er für die neue Vergünstigung aus. Dem ist aber nicht so. Es sollen nämlich neven den bisher an Kinderreiche gewährten einmaligen Kinderbeihilfen laufend Unterstützungsbeiträge in Höhe von 10 RM. im Monat für das fünfte und jedes weitere Kind an Volksgenossen gezahlt werden, deren Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Die Grenze liegt bei 185.— RM. Monatslohn: Die wesentlichsten Voraussetzungen zur Gewährung von laufenden Kinderbeihilfen sind: 2. 1. Die Familie muß fünf oder mehr Kinder, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, umfassen. Als Kinder in diesem Sinn gelten neben den Abkömmlingen auch Stiefkinder, Adoptivkinder und Pflegekinder und deren Abkömmlinge. Der zum Unterhalt der Kinder Verpflichtete muß sich in einer invaliden= oder krankenversicherungspflichtigen Tätigkeit befinden oder im Zeitpunkt des Eintritts seiner Erwerbsunfähigkeit in einer solchen befunden haben, oder er muß Arbeitslosenunterstützung beziehen. 3. Der ungekürzte Monatslohn des zum Unterhalt der Kinder Verpflichteten darf 185.— RM, nicht übersteigen. Da Kahl nur 40.— RM. je Woche verdient, hat er Anspruch auf regelmäßige Beihilfe von 20.— RM. im Monat: Der Wochenlohn unseres Kichl beläuft sich auf 40.— RM., zu seinem Haushalt gehören unter Einrechnung des erst vor einigen Monaten zur Welt gebrachten jüngsten Mädchens sechs Kinder unter 16 Jahren. Ihm stehen also mit Wirkung ab 1. Juli 1936 fortlaufend 20 RM. je Monat zu; er brauchte lediglich einen begründeten Antrag zu stellen; den Vordruck holte er sich beim Finanzamt, das dafür keinerlei Kosten erhob und ihm nach Bewilligung regelmäßig das Geld zugehen lassen wird. Keine Anrechnung auf andere Unterstützung: Ein Bekannter des Kahl, namens Rentsch, ist arbeitslos und Vater von ebenfalls sechs Kindern. Auch ihm gebührt natürlich die gleiche Behandlung; auch er erhält von nun an 20.— RM. Beihilfe, ohne daß ihm seine Wohlfahrtsunterstützung deshalb irgendwie gekürzt werden durfte. Denn eine Anrechnung der laufenden Kinderbeihilfen auf Arbeitslosenunterstützung, Krisenunterstützung, Wohlfahrtsuntersti zung oder dergleichen ist nicht zulässig. Die laufenden Kinderbeihilfen stellen unter allen Umständen eine zusätzliche Hilfe und demgemäß eine Verbesserung der sozialen Lage der kinderreichen Familie dar. Ueberdies ist der Anspruch auf Auszahlung der laufenden Kinderbeihilfe nicht pfändbar. Rentsch hat ferner keinen Grund zu der Befürchtung, man könnte jemals mit der Forderung an ihn herantreten, er solle die laufende Kinderbeihilfe zurückerstatten. Auch der Saisonarbeiter braucht richt leer auszugehen: Eigenartig liegen die Verhältnisse bei einem dritten kinderreichen Vuter. Voigt ist in einem Industriezweig beschäftigt, der starken Saisonschwankungen unterworsen ist, so daß jener in manchen Monaten erheblich mehr als die im Maßstab angeführten 185.— RD. verdient, in anderen Zeiten, im Winter, dagegen merklich weniger nach Hause bringen kann. Ihm kommt eine vom Reichsfinanzminister für die Bewertung solcher Fälle erlassene Verfügung zugute, daß bei der Berechnung des Monatslohnes die einzelnen Monate für sich betrachtet werden müssen und eine ausgleichende Durchschnittsberechnung nicht gestattet ist. Der Saisonarbeiter Voigt, der sich im Sommer eines höheren Monatslohnes als 185,— RM. erfreut, aber bei Kälteeinbrüchen nur eingeschränkt tätig sein kann oder sogar vorübergehend auf Arbeitslosenunterstützung angewiesen ist, kann nichtsdestoweniger in den Genuß laufender Kinderbeihilfen treten, und zwar für die Zeit, da sein Einkommen unter 185.— RM. liegt. Allerdings muß er sich gefallen lassen, daß der Verdienst seiner ältesten Tochter, die einen Beruf ausübt, aber bei ihren Eltern wohnt, bei Bewertung seiner Einkommenslage mitberücksichtigt wird. Sollte dem Voigt, der kränklich ist, das Ungemach widerfahren, daß er monatelang daniederliegt und lediglich Krankengeld bekommt, so dürfte ihm bei Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen gleichfalls Kinderbeihilfe gewährt werden. Die Präsidenten der Landesfinanzämter können laufende Kinderbeihilfen ausnahmsweise auch dann gewähren, wenn eine alleinstehende Frau für weniger als fünf Kinder unter 16 Lebensjahren zu sorgen hat.(Fortsetzung folgt.) Anspruch auf die Staatsführung hat die Wirtschaft also nicht; dennoch ist nicht zu verkennen, daß die Wirtschaft wichtige Staatszwecke zu erfüllen hat. Um die Wirtschaft dem ganzen Volke nutzbar zu machen, mußte die Regierung eine Organisation, einen Rahmen schaffen, in dem die Wirtschaft nach einheitlichem Plan ihren Zweck erfüllen konnte. So mußte mancher Grundsatz aus der vergangenen liberalen Zeit fallen. Das jedermann zustehende Recht, ohne Rücksicht darauf, ob ein Bedürfnis vorlag und ob damit den Interessen der Allgemeinheit ein Dienst erwiesen würde, ein Geschäft oder einen Betrieb zu eröffnen, ist mit diesem neugewonnenen Grundplan nicht mehr zu vereinen. Zwar hatte diese grenzenlose„Freiheit" zunächst einen starken Aufschwung zur Folge, doch bald war die Macht des Kapitals ins ungeheure gewachsen, und aus dem freien Konkurrenzkampf wurde eine Ausbeutung des wirtschaftlich Schwachen durch den wirtschaftlich Starken; kleine Betriebe konnten sich kaum noch halten, ja das übermächtige Kapital brachte sogar durchaus gesunde Betriebe zum Bankrott. Die Wettbewerbsfreiheit führte zu unerträglichen Entartungserscheinungen; unlautere Geschäftsmethoden, denen besonders die Juden huldigten, machten sich breit, und der wirtschaftliche Verfall trat in den Nachkriegsjahren deutlich in Erscheinung. Wenn heute der Staat regelnd und ordnend in die Wirtschaft eingreift, so erfüllt er damit eine notwendige Aufgabe, die das Wohl des gesamten Volkes fordert. Daß man dies auch schon ganz vereinzelt in der früheren Zeit erkannt hatte, zeigt die Person Friedrich Lists, der Wesentliches über die wirtschaftspolitische Gestaltung Deutschlands gelehrt hat. Heute ist die Auffassung Allgemeingut des gesamten Volkes geworden, und auf ihr wird eine Rechtsordnung aufgebaut, die ein in Interessentengruppen zerspaltenes Parlament niemals hätte schaffen können. Der heute die Wirtschaft gestaltende und ordnende Nationalsozialismus läßt sich aber keineswegs zur Anordnung von übermäßigen Zwangsmaßnahmen verleiten. In seinem ihm zustehenden Bereich trägt mehr als früher jeder„Wirtschaftler die volle Verantwortung für sich selbst. Diese kann und will ihm auch keine Staatsführung abnehmen. Der Staat schützt, ordnet und lenkt die Wirtschaft, aber es ist nicht seine Aufgabe, den Bestand jedes einzelnen Unternehmers um des einzelnen willen zu garantieren. Im Rahmen der geschaffenen Umgrenzung muß sich jeder selbst helfen. Was gesund und stark ist, wird sich durchsetzen. Das Ziel einer vernünftigen Wirtschaftsführung kann es nur sein, möglichst viele dazu zu bringen, sich aus eigener Kraft zu erhalten. Die staatliche Führung verweigert dem einzelnen nicht das Maß an Freiheit, das er braucht, um den Lohn seiner Leistungen zu erringen. Ueber dem einzelnen steh; aber die Gemeinschaft, in die ihn das Schicksal gestellt hat. Nicht das Wohl des einzelner, sondern das Gemeinwohl zu fördern ist das Ziel der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung. Bz. Tagesfragen aus dem Steuerrecht Kürzlich brachten wir an dieser Stelle eine Notiz über die Auskunftspflicht der Banken nach§ 175 der Reichsabgabenordnung dem Finanzamt gegenüber. Die in dem Urteil des Reichsfinanzhofes vom 24. 6. 1936 IV A 54/36 festgestellte erweiterte Auskunftspflicht betrifft natürlich alle Geldinstitute, also die Banken, die öffentlichen Sparkassen und die gewerblichen Kreditgenossenschaften ebenso, wie auch die von uns erwähnten Spar= und DarlehnskassenVereine. In dem dem Urteil zugrunde liegenden Falle hat es sich lediglich um einen Spar= und Darlehnskassen=Verein gehandelt. Zur Vermeidung von Mißverständnissen weisen wir hierauf besonders hin. Sonntag, den 13. September 1936 Sonderbellage Westfälische Landeszeitung Rote Erde Eimmmmmmmmmmmmmmm Die verrequete Aussenausnallte Mit Humor geht's besser 7 Heitere Erlebnisse und Anekdoten August und September haben das beständigste Wetter, so sagt man wenigstens. Also die große Zeit für die Außenaufnahmen. Welchen Unterschied vom Bühnenstück bedeuten sie für den Film! Frei von Gebundenheiten an einen Bühnenraum, an die engen Grenzen der Kulissen, an künstliches Licht, können die wechselvollen, vom Himmel belichteten Bilder der Landschaft mit den Menschen und Geschehnissen des Films zusammenwachsen, zu ihrer Gestaltung und Sinndeutung beitragen. Was auf der Sprechbühne das Dichterwort vom Sein dieser Welt zwischen den Tiefen des Ozeans und dem Gipfel des Mount Everest beschreiben kann, das alles weiß die Kamera auf ihre Art in die Eigengesetzlichkeit der Filmkunst abzuwandeln. Nur eins benötigt sie unbedingt zu ihrer Wirksamkeit im Freien: Licht, Sonne! Und so sind wieder in diesen kaldendarischen Gutwetterwochen in vielen Teilen Deutschlands die Filmleute draußen am Schaffen: hoch in Oberbayern, im Isarwinkel hinter Lenggries dreht Hans Devve mit Paul Richter, Hans Adalbert Schlettow und Georgia Holl Landschaftsszenen, die in der Verfilmung von„Der Jäger von Fall“, Ludwig Ganghofers dramatischem Liede von Jägers Leid und Lust, einen breiten Raum einnehmen, unweit davon im Josefstal hinterm Schliersee, auf einer Eine Neuerwerbung für den Film Tresi Rudolnh von der Staatsoper Berlin, die Regisseur Baky für den in Kürze erscheinenden Tobis- Rota-Film„Intermezzo“ entdeckte großen Wiese zwischen einer herrlichen Bergkulisse, die der Wendelstein abschließt, hat Franz Seitz alles, was zu einem zünftigen Schützenfest gehört, aufgebaut, um mit den Mitgliedern des berühmten Schultes Bauerntheater aus Rottach=Tegernsee Szenen aus Anzengrubers „Der G'wissenswurm“, lebendig und bodenecht für den Film zu gestalten. In Mecklenburger Landschaft arbeitet Erich Waschneck an Fritz Reuters„Onkel Bräsig“, an der Ostseeküste bei Königsberg finden die Außenaufnahmen für„Das Fräulein von Schragg“ ihre Vorbereitung, in Würzburg will die Kamera die schönsten Rokokofassaden und malerische Straßenwinkel einfangen für„Das kleine Hofkonzert“ des erlauchten Serenissimus und so fort und fort. Wenn es regnet... Aber neben den Gefühlen begeisterter Schaffensfreude am neuen Filmwerk müssen alle, die draußen dabei sind, auch Platz lassen für Geduld, ja für unendlich viel Geduld, denn die Sonne hört weder auf Bitten noch Fluchen der Produzenten und Regisseure und ebensowenig der schlimmste Feind der Außenaufnahmen: der Regen! Und wenn es dann den ganzen Tag Bindfaden regnet, wenn z. B. Carl Hoffmann auf einer paradiesischen Donauinsel bei den Aufnahmen der Filmkomödie„Die Leute mit dem Sonnenstich“ seine 22 Filmleute um sich versammelt und seine Lichtmaschinen, Kameras und Requisiten in der Natur aufgebaut hat und es dann 14 Tage lang in Strömen gießt und die Filmleute immer wieder von neuem frieren, fluchen, hoffen und warten— dann braucht man eben Geduld, die sich dreinschickt, die jede Entmutigung verscheucht. Glücklich dann das Ensemble, das einige humorgesegnete Mitglieder bei sich hat, die mit ihren Erzählungen, mit Lachen und Heiterkeit über die Langeweile hinweghelfen, die Stimmung aufrechterhalten. In solcher verregneten Stunde öffnet ein heiteres Gemüt seine Vorratskammer voll spaßhafter Begebenheiten, Anekdoten und Witzen, die dann einen neuen Kreislauf beginnen durch Atelierkantinen, Filmbüros, Bühnengarderoben, Zeitungsecken— zurück zu verregneten Außenaufnahmen. Einige solcher Geschichten, die bei langem Regen in einer primitiven Bauernscheune das Warten milderten, sollen hier wiedererzählt werden. Die schönen Titel Willy Forst dreht in Wien den Film „Burgtheater". Das erinnert daran, daß am Burgtheater die Schauspieler, die dort schon länger engagiert sind, Titel haben. Der eine, wie Otto Treßler, ist Hofrat, der andere, wie Heine oder Herterich, führt den Titel „Professor". Kürzlich geschah es nun, daß die Rüpelszene aus einem Shakespeare=Lustspiel geprobt wurde, in der auch zwei titelreiche Mimen=Senioren beschäftigt waren. Da meldete sich die Stimme des jungen Regisseurs, unterbrach und flüsterte zur Bühne:„und an dieser Stelle wollen Herr Hofrat den Herrn Professor in den Allerwertesten zwicken...“ Das Luada Als der Ufafilm„Das Weiberregiment“ bei Berchtesgaden gedreht wurde, wohnten viele Bauern den Aufnahmen als Zaungäste bei und kontrollierten mit sachverständiger Strenge den Dialekt der Schauspieler. Besonders war man mit Erika von Thellmann zufrieden, über die es hieß:„So a Weibsbild gibts nur bei uns in Bayern. Solchene Drachen hob’ns net bei die Preißn droben, die müssens scho bei uns z' Leih nehma". Als dann Erika von Thellmann den Einheimischen gestand, sie wäre aus Dalmatien gebürtig, sagte ein Bauer ganz erbost:„Wos, Sie san a Welsche und nachher spuins(spielens) a Bayrin?“ Frau Thellmann wollte die Situation retten und machte ein neues Geständnis: Aber ich spiele ja schon seit Jahren in Berlin.“ Daraufhin neuerlich der grollende Bauer: „Wos, aus Preißn kemmas, i hob gemoant, Sie san a Urbayrin, o mei, san Sie a Luada!" Der Plärrer Ein bekannter Kammersänger beschäftigte sich in seiner freien Zeit als Landwirt auf seinem Gut. Eines Tages fuhr er zum Viehmarkt, wo er ein paar schöne Ochsen kaufen wollte. Er sah ein paar prachtvolle Tiere, fragte nach dem Preis, der Händler nannte eine große Summe. Erschrocken versuchte nun der Kammersänger zu handeln. Da meinte aber verschmitzt der Viehhändler:„Ja, sixt, Herr Kammersänger, für dich ist dös gar koan Geld. Du tuast im Hoftheater oder im Film a Plärrer mehr, und nachher host da schon wieda a paar Ochsen ersunga!“ Und da— zahlte der Herr Kammersänger lächelnd! Nervöse Kühe Aber auch in Westfalen sind die Landsleute nicht auf den Kopf gefallen. Da mietete ein Produzent einen Bauernhof für Aufnahmen. Hundert Mark wurden vereinbart. Das Bäuerlein schmunzelte: Son paar Kientopp=Apparate und Filmleute auf dem Hof und dafür hundert Mark!— Als die Aufnahmen beendet sind, wird die Summe bezahlt, aber der Bauer präsentiert noch eine Extrarechnung. Ja, die hundert Mark waren eben nur für die Miete. Aber da wären noch 10 Mark zu zahlen für die Behinderung des Bauern, während der Drehzeit das bereits gemähte Heu einzubringen, 5 Mark wären zu zahlen für Auflesen von Nägeln, die auf der Wiese verstreut waren— ja und dann die Milchproduktion— die hätte während der Filmproduktion gelitten, denn seine Kühe seien durch die Filmleute nervös geworden und hätten deswegen weniger Milch gegeben, infolgedessen 5 Mark für den Ausfall... Nervöse Filmleute kennt man ja, aber nervöse Kühe—— das dürfte neu sein! Figaro erzählt Der Cutter und die Cutterin sind die Leute, die die Filme schneiden und kleben. In einem der Filmateliers ist ein Barbier, der wie ein echter Figaro immer Neues zu berichten weiß. Als er Paul Hörbiger unterm Messer hat, fragt er ihn:„Wissen Sie schon, Herr Hörbiger, wie man jetzt die Cutter grüßt?“ „Rleven Sie wohl, schneiden tut weh!“ Die Rechnung In einer Berliner Weinstube hatte ein Filmautor seinen ersten großen Erfolg mit einem Freunde gefeiert. In früher Morgenstunde reichte der Kellner jedem die Rechnung. „Was“, brummte der Autor, fünf Flaschen Wein soll ich allein getrunken haben?“ Mein Magen faßt ja gerade nur vier Flaschen!“ „Deshalb ist Ihnen auch die fünfte Flasche in den Kopf gestiegen“, antwortete der Kellner schlagfertig. Gute Aussicht Während der Olympiade arbeitete ein Kameramann im Schwimmstadion hoch oben auf einem Aufnahmekran. Als er herunterkam, fragte ein junger Berliner ganz bescheiden:„Sie Mann, wird der Platz jetzt frei?“ H. S. Linde Die schönerische Pause Werner Hinz. sein Weg Der Tonfilm stellt die Verantwortlichkeit des Schauspielers dem Gesamtwerk gegenüber klar heraus, klarer, als das in der Natur des stummen Films jemals liegen konnte. Der Schauspieler setzt sich heute sofort selbst außer Kurs, wenn er nur als Figurant erscheint und nicht über die Mittel eindringlicher Sprachgestaltung verfügt. Diese Erkenntnis stand am Anfang vieler neuer Filmkarrieren,— vor allem auch solcher Filmkarrieren, die nun den großen Schauspielern zufielen, die erste Rollen an den repräsentativen Theatern im Reiche spielten. Mehr und mehr mußten die Filmregisseure ihren Blick auf diese Bühnen und ihr Schauspielermaterial richten,— eingedenk der Tatsache, daß viele dieser Bühnen Wesentliches dazu beigetragen hatten, dem deutschen Kulturleben ein besonderes Gesicht zu geben. Sie hatten wesentlichen Anteil daran, daß die deutsche Theaterkultur ein unverlierbarer Besitz des ganzen deutschen Volkes wurde. Es ist ja bei uns nicht wie in vielen anderen Ländern, wo man eigentlich nur die Metropole meint, wenn man den Namen des Landes ausspricht, — wo also auch nur die Metropole über eine besondere und weithin berühmte Theaterkultur verfügt, während die Provinz eine Besonderheit auf diesem Gebiete nicht vorzuweisen vermag. Das ist bei uns anders. Das deutsche Theaterleben hat überall im Reiche seine Pflegestätten. Berlins hohe Theaterkunst hat Ruf und Ruhm in der ganzen Welt erwerben können, aber auch die anderen großen Städte des Reiches haben über ihr Heimatgebiet hinaus und über die Grenzen des Landes hinweg einen Ruf gewonnen, der Deutschland einen besonderen Platz in der Theaterkunst, im Leben der Bühne anweist. Der Tonfilm konnte also an dem Schauspielermaterial nicht vorbeigehen, das auch den Bühnen im Reiche Gesicht und Haltung gab, und so kam auch Werner Hinz, der heute in dem Film„Weiße Sklaven“(„Panzerund seine neue Aufgabe kreuzer Sebastopol“) unter der Regie Carl Antons seine zweite große Filmrolle spielt, im vorigen Jahr zu seiner ersten Filmaufgabe. Das Publikum hat ihn in starker Erinnerung aus dem Film„Der alte und der junge Könia", wo er den Kronprinzen spielte und im Zusammenspiel mit Emil Jannings diesen großen geschichtlichen Vater=Sohn=Konflikt schauspielerisch eindringlich und überzeugend gestaltete. Heute steht er nun wieder im Atelier. Er ist kaum wiederzuerkennen. Er trägt einfache moderne Kleidung,— seine Miene, seine Haltung,— alles ist so ganz anders;— er spielt die Konfliktrolle in diesem Film„Weiße Sklaven“, der den Untertitel„Panzerkreuzer Sebastopol“ trägt und eine Episode aus der beginnenden russischen Revolution, aus der Zeit des Zerfalls der Zarenmacht darstellt. Wie ist es wohl nun zu erklären, daß schen diesen beiden großen Filmrollen fast ein Jahr liegt, ein Jahr, in dem Werner Hinz. der junge Hamburger Staatsschauspieler, wieder an das Hamburger Schauspielhaus, dessen hervorragendes Mitglied er ist, zurückging. Wie ist diese Pause zwischen den beiden Filmen wohl zu erklären? In allen solchen Fällen gibt es eine sehr leichte und bequeme Erklärung: Es gebe für den Typ, den der betreffende Schauspieler repräsentiert, keine geeigneten Rollen. Das ist eine allzubequeme Antwort, die zwar oft gegeben wird, die aber trotzdem meist nicht zutrifft. Der Film braucht eine besondere Fülle der Erscheinungen, er kann sich nicht wie die Bühne allzusehr darauf verlassen, diese Fülle der Erscheinungen dadurch zu erreichen, daß immer die gleichen Schauspieler, nur in einer anderen Maske, die verschiedensten Menschen und Charaktere darstellen. Die neuere Entwicklung geht dahin, daß das menschliche Gesicht für den Film möglichst wenig verändert werden soll,— der Gebrauch der Schminke ist ein viel sparsamerer geworden, und die WahrUeber was mögen die beiden sich wohl freuen? Aufnahme: Terra Lisl Karlstadt und Karl Valentin in dem neuen Terra-Film„Donner, Blitz und Sonnenschein“ heit der Darstellung nimmt zu, wenn der Schauspieler den spielt, der er ist, wenn er sich also nicht in Masken hineinzwingt, die einen Charakter nur vortäuschen. Darum braucht der Film eine solche Fülle der Gesichter, der Erscheinungen, der Charaktere, denn nur dann wird er das Leben spiegeln können, nur dann wird er zur letzten Wahrheit vorstoßen,— wenn nämlich nicht allzuoft„Maske gemacht" wird. Es sind also genügend Rollen für jeden Schauspieler da, der bewiesen hat, daß er ein festgeprägter künstlerischer Charakter ist. Wenn ein Schauspieler wie Werner Hinz während eines ganzen Jahres nur zwei Filmrollen gespielt hat, so hat das also wohl seine wohlbegründete Ursache. Werner Hinz ist ein Gestalter, der weiß, daß der Schauspieler die geistige Gesamthaltung des Filmwerks, in dem er eine hervorragende Rolle spielt, in einem hohen Maße mitverantworten muß. Das kann er aber nur dann, wenn er nicht Filmrollen am laufenden Band spielt, sondern wenn er zwischen zwei großen Aufgaben eine Pause einlegt, die dann auch immer zu einer schöpferischen Pause werden wird. Zwar braucht eine solche schöpferische Pause nicht immer auf ein Jahr bemessen zu sein, aber ein großes Filmwerk bedarf der Vorbereitung, der Versenkung in die Rolle, die darzustellen ist. Das wird besonders dann zu einer Voraussetzung der Filmarbeit, wenn der Darsteller kein Operettenheld uind kein Liebhaber der üblichen und bequemen Art ist. Wenn er, wie Werner Hinz, ein Charakter ist, dessen ganze Art zur großen Problemrolle neigt, so ist eine solche Versenkung in das Thema der Rolle und vor allem auch in Art und Charakter des Films von besonderer Wichtigkeit. Die beiden Filmrollen, die Werner Hinz nun gespielt hat, sind Rollen, die ein ganz besonderes psychologisches Einfühlungsvermögen bedingen. Dieses psychologische Einfühlungsvermögen verlangen zwar die Bühnenrollen, die er spielt, auch, aber dort steht der Darsteller an jedem Abend einer geschlossenen Aufgabe gegenüber,— beim Film ist das ja anders. Hier werden kleinste Teile des Geschehens bruchstückweise und nicht chronologisch aufgenommen. Die Beherrschung der Rolle verlangt eine Intensität und Sicherheit im Gebrauch der gestalterischen Mittel, eine Erlebniskraft des Darstellers, die ganz ungewöhnlich ist, besonders bei einer Rolle, die ein schwieriges Menschenschicksal so erschöpfen soll, wie es die Aufgabe des Staatsschauspielers Werner Hinz in dem Film„Weiße Sklaven“ war, dessen Hauptszenen in den schicksalsreichen Tagen des Jahres 1917 auf dem Panzerkreuzer Sebastopol spielen. Der Weg des Schauspielers Werner Hinz von der ersten zur zweiten Rolle war weit,— er konnte nur zum Ziel führen, wenn zwischen der ersten und der zweiten Rolle eine schöpferische Pause lag. Die neue Prodülition der Toobis Ein Spaziergang durch den Verleihkatalog Die Tobis=Europa hat nun ihre Filme für die kommende Saison angekündigt. Der Verleihkatalog zeigt in technisch=raffinierter Form eine Auslese an vielversprechenden Filmen. Der Katalog selbst stellt schon eine halbe Filmidee dar und verrät durch geschickte und geschmackvolle Ausschnitte vollendete Ausarbeitung. Eine Reihe von Filmen läßt besonders aufhorchen. Regisseure, wie: Willi Forst, Gustaf Gründgens, Carl Froelich, Werner Hochbaum und Leni Riefenstahl haben die Dramatisierung einiger Filme übernommen, was eine Reihe reifer Werke verspricht. Die Hauptrollen übernahmen zum Teil hervorragende Darsteller: Rudolf Forster scheint dieses Jahr sich wieder mehr als bisher zu zeigen, was dem Künstlerischen des Filmes manches erleichtern wird. Sein Film der Tobis,„Seine Lordschaft serviert", spielt er nach eigenem Drehbuch. Auch Gustaf Gründgens kehrt wieder mehr zur Leinwand zurück. „Ein Frauenherz" läuft unter seiner Regie. „Die Frau ohne Bedeutung“ sieht ihn in der Hauptrolle, zwei Filme, deren Bedeutung nicht zu übersehen ist. Leni Riefenstahls dramatischer Hochgebirgsfilm„Das blaue Licht", der die nötige Beachtung vor drei Jahren nicht fand, kehrt wieder. Willi Forst führt in zwei Filmen Regie: „Allotria“, sein wundervolles Lustspiel, ist bereits über„die Bretter“ gegangen. Außerdem dreht er mit Werner Krauß sein„Burgtheater“. Wir hoffen, daß daraus ein echter „Willi=Forst=Film“ entsteht. Bedeutung kommt ebenfalls Carl Froelichs neue Schöpfung mit Paula Wessely zu mit„Die Fabrik des neuen Menschen". Hoffentlich gelingt es, dieses packende Werk der russischen Dichterin in ein ebenso wertvolles Drehbuch neu zu gestalten. Daneben läuft eine Reihe bedeutender, sowohl dramatischer, wie auch humoristischer Spannungsfilme. Für dieses Jahr wurde der Tobis=Kulturfilm angekündigt. Erstmalig herauskommend, erwarten wir einige gelungene Werke auf dem schwierigen Gebiet des Kulturfilmes. So führt uns der Verleihkatalog in gut gewählten Bild= und Textausschnitten durch das Reich der Kamera und verrät uns, daß wir allerlei erhoffen dürfen. Rast nach der Schwadronsübung am Morgen„ Aufnahme: Uta Viktor Staal als Wolski und Willv Birgel als Staniewski in dem Film„Ritt in die Freiheit“ Wir hören das neue Rundfunk-Programm Vom 13. September bis 16. September 1936 I Sonntag, 13. September Reichssender Köln 000 Von Hamburg: Bremner Hiafenkonzert. An Bord des Schnelldampfers„Bremen“ des Norddeutschen Llosd Das grole Geldute vom Bremer Dom. Choral.— 7.45 Sendepause,— 7.50 Von Nürnberg: Reichssendung: Appell der SA, SS und des NSKK.— 9.45 Von München: Reichs sendung: Vormillagskonzert.— 20.30 Aus Nürnbers Funkbericht vom Aufmarsch der Kolonnen zum Adoll Ilitler-Platz.— 11.15 Von Nürnberg: Reichssendung: Funkbericht von der Situation am Adolf-Hitler-Platz und der Erwartung des Vorbeimarsches.— 11.25 Von Nürnberg Reichssendung: Orchesterkonzert und Marschmusik. Ein lage: Funkberichte vom Marsch der Kolonnen.— Aus Köln: Glückwünsche,— 13.05 Von Berlin: Musik am Mittag. Kapelle Ilans Bund. Mandolinen-Orchestei „Napoti“, Leitung: Willi Rosenthal.— 14.55 Sendepause. — 15.00 Von Nürnberg: Reichssendung: Fortsetzung del Funkberichte vom Vorbeimarsch der SA, SS und des NSKK, anschließlend: Konzert.— 16.00 Von Saarbrücken: Reichssendung: Deutsches Konzert, ausgeführt von der Saarbrücker Orchestervereinigung, Leitung: Albert Jung. 18.00 Wo bist du, Kamerad? Funkappell alter Frontsoldaten.— 18.30 Sommersegen. Nach Gedichten von A. Sergel. Romanze A-Dur für Klavier von Jean Sibelius Ausführende: Milli Engelmann-Gillrath(Sopran); Grape(Klavier),— 18.50 Die letzte Szene. Ein Hörbild zur Erinnerung an Grabbes hunderisten Todestag om 12. September. Von Eduard Reinacher. Spielleitung: Josef Kandner. Die Personen des Spiels: Grabbe: Albert Oettershagen: Immermann: Paul Apel.— 19.05 Zur Unterhallung. Es spielt das Kammerquintett.— 19.45 Sportvorbericht — 2000 Wie es euch gefällt! Ein großer Unterhallungs abend.— 2200 Zeit, Wetter, Nachrichten.— 22.30 Von München: Musik zur Guten Nacht. Es spielt das Münchener Tanzfunkorchester. Leitung: Karl Michalski, Mitwirkend Erster Münchener Handharmonika-Club, Leitung: Lotte Junghans. Deutschlandsender 600 Aus Bremen: Iafenkonzert von Bord des Schnell dampfers„Bremen“ des Norddeutschen Lloyd. Das großle Geläute vom Breiner Dom. Choral.— 7 50 Reichssendung. Aus Nürnberg: Appell der SA. SS und des NSKK. — 9.45 Reichssendung. Aus München: Vormitlagskonzert. Dazwischen Funkbericht vom Anmarsch der Kolonnen zum Adolf-Ilitler-Platz.— 11.15 Reichssendung. Aus Nürnberg: Funkbericht vom Adolf-Hitler-Platz in Erwartung des Vorbeimarsches.— 11 25 Reichssendung. Aus Nürnberg: Unlerhaltungs- und Marschmusik. Dazwischen Funkbericht vom Marsch der Kolonnen.— 13.00 Aus Königsberg: Musik zum Mittag. Das Kleine Orchester des Reichssenders Königsberg. Leitung: Eugen Wilcken.— 1400 Aus München: Musik zum Mittag. Es spielt das UnterhaltungsFunkorchester. Leitung: Franz Mihalovic.— 15.00 Reichssendung. Aus Nürnberg: Fortsetzung der Funkberichte vom Vorbeimarsch der SA, SS und des NSKK, AnschlieBend: Musik aus dem Funkhaus Nürnberg.— 16.00 Reichssendung. Aus Saarbrücken: Deutsches Konzert. Die Saar brücker Orchestervereinigung, Leitung: Albert Jung.— 18.00 Heiter und bunt(Schallplatten).— 20 00 Aus Köln: Wie es euch gefällt. Ein großer Unlerhaltungsabend. — 2200 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten.— 22.20 Eine kleine Nachtmusik.— 22 45 Deutscher Seewetterbericht.— 23.00 Ilja Livschakoff spielt. Montag, 14. September Reichssender Köln 5.45 Morgenlied. Wetterbericht für den Bauer.— 5 55 Von Stuttgart: Leibesübungen; anschließend: Wiederholung der zweiten Abendnachrichten.— 6.30 Von Frankfurt(aus Trier: Frühkonzert.— 7.00 Von Frankfurt: Nachrichten, anschließend aus Köln: Morgenlied, Morgenruf.— 8.00 Kalenderblatt, anschließlend: Zeit, Wetter, Wasserslandsmeldungen.— 8.10 Hilde Breinus: Frauenturnen.— S 25 Ratschläge für den Küchenzettel der Woche.— 8.35 Sendepause.— 9.45 Zeit, Nachrichten. Wasserstandsmeldungen.— 10.00 Vom Deutschlandsender: Im Reiche der Ameisen. Ein Kinderfunkspiel von Martin Jank.— 10.30 Richard Heinemeyer: Was brachte der Sportsonnlag?— 10.40 Kleine Musik(Schallplatten).— 10.55 Sendepause. — 11.00 Von Nürnberg: Reichssendung: Konzert. Ein lage: Auszeichnung der Siegerstürme der SA.— 12.00 Von Hamburg(aus Hannover): Schloßlkonzert. Das Niedersächsische Sinfonie-Orchester, Leitung: Adolf Secker. Milwirkend: Eva Schlee(Sopran).— 1300 Mitlagsmeldungen. Glückwünsche.— 13.15 Von Hamburg: Konzert.— 13 55 Sendepause.— 1400 Von Nürnberg: Reichssendung: Großes Konzert. Einlage: Vorführungen der Wehrmacht. — 19.30 Von Nürnberg: Reichssendung: Fortselzung und Schluß des. Parleikongresses.— 2200 Zeit, Wetter, Nachrichten.— 22.30 Das Schatzkästlein.— 22.55 Sende pause.— 23.00 Von München: Reichssendung: Nachtkonzert.— 0.00 Von Nürnberg: Reichssendung: Zapfenstreich der Wehrmacht vor dem Führer. Deutschlandsender 6.00 Guten Morgen, lieber Ilörer! Glockenspiel, Morgenruf. Wetterbericht für die Landwirtschaft.— 6.10 Fröhliche Schallplatten mit Walter Scholz.— 7.00 Nachrichten des Drahtlosen Dienstes.— 8 00 Sendepause.— 9.00 Sperrzeit.— 9.40 Sendepause.— 1000 Grundschulfunk. Im Reiche der Ameisen. Ein Kinderfunkspiel von Martin Jank. Spielleitung: Otto Wollmann.— 10.30 Sendepause.— 1100 Reichssendung. Aus Nürnberg: Musik zur Unterhaltung.„Dazwischen Berichte von der Auszeichnung der Siegerstürme der SA.— 1200 Aus Breslau: Musik zum Mitlag. Das Kleine Funkorchester. Leitung: Gerhard Ewald Rischka.— 12.55 Zeitzeichen der Deutschen Seewarte.— 13.00 Glückwünsche.— 13.45 Neuesle Nachrichten.— 1400 Reichssendung. Aus Nürnberg: Großes Konzert. Dazwischen Berichte von den Vorfüh rungen der Wehrmachl.— 19.30 Reichssendung. Aus Nürnberg: Schluß des Parteikongresses.— 2200 WellerTages- und Sportnachrichten.— 22 20 Eine kleine Nachtmusik.— 22 40 Deutscher Seewetterbericht.— 23.00 Reichssendung. Aus München: Nachtkonzert.— 24.00 Reichssendung. Aus Nürnberg: Zapienstreich der Wehr macht vor dem Führer. opern(Schallplatten.— 1945 Momentaufnahme.— 20 00 Erste Abendmeldungen.— 20.10 Ein lustiger Abend mit Willi Reichert. Leitung: Gustav Kneip,— 22 00 Zeit. Weiter. Nachrichten.— 22.20 Deutsch für Deutsche. Lob der deutschen Sprache bei alten Meistern. Einführende und verbindende Worte: Eduard Reinacher. Sprecherin: Achne v. Werden.— 22 35 Kurzschriftdiktat(Ferdinand Sonnlag).— 22.45 Englische Unterhaltung(Sprecher: Dr. Jäger— Dr. Ilildegard Schmidt).— 23.00 Funkstille. Deutschlandsender 6 00 Guten Morgen, lieber Ilörer! Glockenspiel, Mor genruf. Weiterbericht für die Landwirtschaft.— 6.10 Fröhliche Schallplatten mit Walter Scholz— 7.00 Nach richten des Drahtlosen Dienstes.— 8 00 Sendepause.— 9.00 Sperrzeit.— 10.00 Aus Nürnberg: Rückblick für die Jugend vom Reichsparteilag 1936(Aufnahmen). 11.00 Fröhlicher Kindergarten. Leitung: Elfi von Cra nach.— 11.15 Deutscher Seewetterbericht.— 11.30 Sind Tomaten gesundheitsschädlich?(Iermann Ertel).— 11.40 Der Bauer spricht- Der Bauer hört. Rauchen verboten. Schützt Ernle., Scheunen. Speicher und Ställe vor Feuerscnaden(Wilhelm Drees). Anschließend: Wetterbericht 1200 Aus Saarbrücken: Musik zum Mitlag.— 12 55 Zeitzeichen der Deutschen Seewarte.— 1300 Glück wünsche.— 13 45 Neueste Nachrichten.— 14.00 Allerlei von zwei bis dreil— 1500 Weller- und Börsenberichte Progr. amhinweise.— 15.15 Ein Tag im Mütterheim der XSV(Liane Jacob). Die Ernährung der werdenden Mutler. (iespräch zwischen einer Aerztin und einer Mutter(Jo hanna Haarer. Agnes Volbehr).— 15 45 Kleine Klaviermusik.— 1600 Musik am Nachmittag. Es spielt das Unterhaltungsorchester des Deutschlandsenders, Leilung: Otto Dobrindt.— 1650 Bremische Anekdoten von Karl Lerbs. Sprecher: Edzard Bruns.— 1800 Lieder der Völker. Litauische Volkslieder.— 18.20 Politische Zeiungsschau des Drahtlosen Dienstes(Hauptschriftleit lans Fritzsche).— 18 40 Zwischenprogramm.— 19.00 U'nd jetzt ist Feierabend!(Schallplatten).— 19.45 Deutsch landecho.— 1955 Die Ahnentafel. Wir forschen nach Sinpen und Geschlechtern.— 20.00 Kernspruch, anschlieGend: Wetterbericht und Kurznachrichten des Drahtlosen lienstes.— 2010 Klang in der Dämmerung. Zarte Melodien, gespielt vom Kammersextett Josef Krepela und zarte Verse. gesprochen von Hans Anklam.— 21 00 Zum hundertsten Todestag von Christian Dietrich Grabbe:.Die Vermannsschlacht“. Funkbearbeitung: P Walther Ilues. Musik: Herbert Windt: Personen: Hermann der Cherusker (Günther, Iladank): Thusnelda, seine Frau(IIilde Weißner) llerzog Segest(Philipp Manning); Varus. römischer Feldherr(Pelz von Felinau): Eggins. römischer Legat-(llans Mierendorf). Ort der Handlung: Die Gegend von Detmold. Zeit der Iandlung: Vor zweitausend Jahren. Spielleitung: Gierd Fricke(Aufnahme).— 2200 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, anschließend: Deutschlandecho.— 22 30 Eine kleine Nachtmusik.— 2245 Deutscher Seewetterbericht.— 23 00 Wir bitten zum Tanzl Ilja Livschakoff spielt. Mittwoch, 16. September Reichssender Köln 5 45 Morgenlied. Weiterbericht für den Bauer.— 5 55 Von Stuttgart: Leibesübungen; anschließend: Wiederholung der zweiten Abendnachrichten.— 6.30 Von Berlin: Frühkonzert. Kapelle Walter Raalzke.— 700 Von Berlin: Nachrichten, anschließend aus Köln: Morgenlied. Morgenruf.— 8.00 Kalenderblatt, anschließend: Zeit. Wetter, Wasserstandsmeldungen.— 8.10 Iilde Bremus: Frauenturnen.— 8.25 Sendepause,— 9 45 Zeit. Nachrichten Wasserstandsmeldungen.— 10.00 Von Breslau: Der Flieger von Tsingtau. Hörbilder aus dem Leben (ünther Plüschows.— 1030 Sendepause.— 11.50 Bauer. merk' auf.— 12.00 Die Werknause des Reichssenders Köln(in Verbindung mit der DAF'). Was sich die arbeilenden Volksgenossen des Sendegebietes wünschen. Ueberfragung vom Fabrikgelände der Firma William Prrm. G. m b. H., in Stolberg(Rhld.) Es spielt die Werkscharkanelle des Betriebes unter Leitung von Johannes Nießlen.— 13.00 Mitlagsmeldungen. Glückwünsche.— 13.15 Von Saarbrücken: Mittagskonzert. Es spielt das Landes-SinfonieOrchester Saarpfalz, Solist: Karl Zeitz(Fagott). Leitung: Albert Jung.— 14.00 Mittagsmeldungen.— 14.15 Vom Deutschlandsender: Allerlei von zwei bis drei.— 1500 Für unsere Kleinen. Die schöne goldene Blume.— 1320 Sendepause.— 15 45 Wirtschaftsmeldungen.— 16.00 Wir treiben Familienforschung. Ratschläge. Anleitungen und Antworten von Hugo Schünemann.— 1630 Uebertragung aus Bonn: Nachmittagskonzert. Es spielt das Orchester freistehender Berufsmusiker der Kreismusiker schaft Bonn-Euskirchen, Leitung: Theo Schumacher. 17.30 Die Plauderstunde. Klassik einmal unklassisch Eine vergnügliche Stunde unter lachenden, schmunzelnden Klussikern mit Klär Hoffmann und Ileinz Herkrath. Ver antwortlich: Ileinz Iläuschen.— 18 30 Bunte Platte(Schall plattenkonzert).— 10.45 Momentaufnahme.— 20 00 Erste Abendmeldunsen.— 20 10 Sendepause.— 20 15 Von München: Reichssendung aus Nürnberg: Stunde der jungen Nation, Nord— Süd— Ost— West. Mädel au deutschen Gauen erzählen von ihrer lleimat.— 20 45 Von Stutigart: Lampenlieber. Ein bunter Abend. Deutschlandsender 0 00 Guten Morgen, lieber Ilörer! Glockenspiel, Mor genruf. Welterbericht für die Landwirtschaft.— 6 10 Fröhliche Schallplatten mit Walter Scholz— 700 Nach richten des Drahtlosen Dienstes.— 8.00 Sendenause.— 9.00 Sperrzeit.— 9.40 Kleine Turnstunde für die Iaus frau.— 1000 Aus Stutigart: Deutsche Dichlung und Nusik. Künder unserer Zeit: Gerhard Schumann.— 1030 Fröhlicher Kindergarten. Leitung: Elfi von Cranach.— 11.00 Sendepause.— 11 15 Deutscher Seewetterbericht . 11.30 Sendepause.— 11.40 Der Bauer spricht- Der Bauer hört. Sauber und gesund mul die Wintersaat sein (Ernst Grimm). Anschließend: Wetterbericht.— 1200 Aus Königsberg: Musik zum Mittag. Alfred Stein(Basl) PPhilipp Schiede(Cello). Das Orchester des Reichssenders Könissberg. Leitung: Rudolf Kästner.— 12.55 Zeitzeichen der Deutschen Seewarte.— 1300 Glückwünsche.— 13 45 „Nachrichten.— 1400 Allerlei von zwei bis dreil 1300 Wetter- und Börsenberichte, Programmhinweise.— 15.15 Solistenmusik.— 1600 Mucik am Nachmittag Es spielt das Unterhaltungsorchester des Deutschlandsenders Leitung: Otto Dobrindt.— 16 50 Auf Lilienthals Spuren. Die Segelfliegerschule in den Stöllner Bergen.— 18 00 Zeitgenössische Lieder.— 1830 Christian Dietrich Grabbe in biographisches Gespräch nach Briefen und Dokumenten des Dichters und seiner Zeitgenossen. Von Johannes Paul Wozniak— 1000 Und jetzt ist Feierabend!(Schallplatten).— 19 45 Deutschlandecho.— 20 00 Kernspruch anschließend: Wetterbericht und Kurznachrichten des — 20.10 Kleine bunke Musik. 0.45 Stunde der jungen Nation. Nord— Süd— Ost West. Mädel aus deutschen Gauen erzählen von ihrer Ieimat(Aufnahme vom Reichssender München).— 21.15 Musik am Abend. „Das neue Leben“ Aufführung des Chorwerks von Ermanno Wolf-Ferrarl Als erste bedeutsame Veranstaltung des Großen Orchesters und des Kammerchors des Reichssenders Köln nach den Ferien erscheint ein Werk des Deutsch-Italieners Ermanno Wolf-Fer rari im Sendeplan. Der Komponist wurde am 12. Januar 1876 in Venedig geboren und lebt in Bayern. Sein Chorwerk„Das neue Leben“, das zu den bedeutendsten Schöpfungen gehört, die die neuere Zeit auf diesem Gebiet hervorgebracht hat. ist nach Worten Dantes gestallet.„La vita nova“ ist der Titel eines merkwürdigen kleinen Büchleins, das Dante vermutlich um das Jahr 1292 geschrieben hat, und in dem er uns die Geschichte seiner Jugendliebe zu Beatrice erzählt. Das Büchein verbindet so in Prosa eine Anzahl von Gedichten, die in den vorhergehenden zehn Jahren entstanden sind. Der zweite Teil des Oratoriums schildert den Tod Beatricens. Neben Orchester und Chor wirken in der Aufführung des Reichssenders Köln Theo Hannappel(Bariton) und Hilde Wesselmann(Sopran) als Solisten sowie Hans Hilgers(Orgel) und Hans Haass (Klavier) mit. Die Leitung der Sendung hat Herr Kapellmeister Josef Breuer.(17. September, 20.45 Uhr.) Sendungen, die man hören muß Eine bunte Folge Freitags zwischen vier und sechs Seit langem bemüht sich der Reichssender Köln, die Nachmittagsstunden in seinem Sendeplan nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gestalten. Die früher übliche starke Aufteilung des Nachmittags in viele kleine Einzelsendungen. in denen der Vortrag überwog, hatte gewisse Nachteile. Es wurde vor allem als störend empfunden, daß die einzelnen Darbietungen, deren Dauer oft auf 10 oder 15 Minuten begrenzt war, etwas beziehungslos hintereinander standen und durch die notwendigen Ansagepausen auseinandergerissen wurden. Die Pausen wurden oft dadurch noch verlängert daß die Abschätzung der Zeitdauer, die eine Sendung in Anspruch nimmt, niemals ganz genau sein kann. Da die im Programm angege benen Anfangszeiten immer ganz genau eingehalten werden müssen, so arbeitet der Programmgestalter in solchen Fällen stets mit einer gewissen Sicherheitsspanne von einigen Minuten, mit anderen Worten: er sorgt dafür dlaß eine Sendung eher etwas zu kurz als zu lang ist. Denn das„Ueberziehen“, das notwendigerweise den Ablauf des ganzen folgenden Sendenlans stört, ist die schwerste Sünde gegen die Disziplin der Rundfunkarbeit und soll unter allen Umständen vermieden werden. So kam es denn. daß der Hörer am Nachmittag des fteren durch kürzere Leerlaufzeiten zwischen zwei Sendungen verstimmt wurde. Die einheitliche Gestaltung des Nachmittags hat vor allem den Zweck, diese Leerlaufzeiten zu vermeiden und die aufeinander folgenden Sendungen in einen gefälligen Zusammenhang zu stellen. Die zwei Stunden„Freitags zwischen vier und sechs“— um ein Beispiel zu nennen— enthalten eine ganze Reihe von Sendungen verschiedenster Art, Wort und Musik in bunter Folge, die sich ohne Pause und mit durchachten Ueberleitungen aneinander anschlieRen. Diese Gestaltungsweise bringt es allernas mit sich, daß für die einzelnen Darbietungen keine ganz genauen Anfangszeiten angegeben werden können. Das ist aber auch n der Regel nicht notwendig. Die Sendefolge st immer so gehalten, daß der Ilörer fast in iedem Augenblick in die Sendung eintreten kann und sehr wohl zu folgen vermag, ohne as Vorhergehende gehört zu haben. Es hanelt sich bei den Wortsendungen durchweg um Darbietungen unterhaltender Art, deren Themen aus der bunten Fülle des Lebens gegriffen sind und auch bei. fortgesetztem llören durch zwei Stunden hindurch eine einseitige Ermüdung ausschließen. Die notwenligen Ruhepunkte zwischen verschiedenen Wortsendungen sind durch eingelegte Musik gegeben. Die Musik ist vielfältig und bunt Auch hier gilt als oberster Grundsatz:„Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“. Es ist vielleicht das wesentlichste Merkmal dieser einheitlich gestalteten Nachmittage, daß der genannte Grumdsatz folgerichtig bis zu den kleinsten zeitlichen Einheiten der Sendung durchgeführt wird. Für den Ilörer, der sich bewußt auf einen bestimmten Einzelbestandteil dieser Sendefolgen einstellen will. sind die ungefähren Anfangszeiten der zweistündigen Sendung angegeben. Die Erfolge, die diese Art der SendeplanGestaltung bisher aufzuweisen hatte, ermutigen den Reichssender Köln, auf diesem Wege fortzufahren. Die erste Sendung unter dem Titel„Freitags zwischen vier und sechs“ läuft am 18. September um 16 Uhr. Die letzte Szene Zu Christian Dietrich Grabbes hundertstem Todestag Am 12. September jährt sich zum 100. Male der Todestag des Dichters Christian Dietrich Grabbe. Nur 35 Jahre ging er über die Erde. In Detmold wurde er geboren, in Detmold schloß sich sein Lebenskreis. Es gab Monate herrlichen, beglückenden Schaffens und ebenso viel Jahre eines dunklen, elenden Lebens. Nie ist es ihm vergönnt gewesen, auch nur eine seiner gewaltigen dramatischen Schöpfungen über die Bretter gehen zu sehen. Auch der Mann, der wohl sein aufrichtigster Gönner war, Karl Immermann, millverstand Grabbes Dramen als solche und verschloß ihnen die Düsseldorfer Bühne: über die er gebot. Die von Eduard Reinacher verfaßte Gedächtnisszene, die der Reichssender Köln am 13. September um 18.50 Uhr bringt, schildert im Rahmen einer Vision Immermanns das tragische Verhältnis zwischen ihm und Grabbe und darüber hinaus den Humor, den Grabbe, des Erfolges nach seinem Sterben gewiß, dieser wie mancher anderen Tragik seines Lebens und Schaffens abzugewinnen wußte. Richtig Rundfunkhören— eine Kunst! Eine Betrachtung von Paul Heinrich Gehly Wenn die Tage kürzer und die Abende anger werden, wenn der Lautsprecher wieder Dienstag, 15. September Reichssender Köln 5.45 Morgenlied, Wetterbericht für den Bauer.— 5.55 Von Stuttgarl: Leibesübungen; anschließend: Wiederholung der zweiten Abendnachrichten.— 6.30 Frühkonzert. Das Westdeutsche Kammerorchester, Leitung: Hermann Hagestedt.— 7.00 Nachrichten. Morgenlied, Morgenruf. — 8.00 Kalenderblatt, anschließlend: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen.— 8.10 Milde Bremus: Frauenturnen.— 8.25 Sendepause.— 9.45 Zeit. Nachrichten, Wasserstandsmeldungen.— 10.00 Rückblick für die Jugend vom Reichsparteilag 1936.— 11.00 Grelel Weise: Kindergarlen.— 11 30 Sendepause.— 11.50 Bauer, merk' auf.— 12.00 Die Werkpause des Reichssenders Köln(in Verbindung mit der DAF). Was sich die arbeitenden Volksgenossen des Sendegebietes wünschen. Uebertragung aus dem Kasino der Firma Dr. C. Otto& Co., G. m. b. II., Bochum-Dahlhausen. Es spielt das Blasorchester der Schutzpolizei Bochum unter Leitung von Polizeiinspektor Rungenhagen.— 13.00 Mittagsmeldungen, Glückwünsche. — 13.15 Von Leipzig: Mitlagskonzert.— 14.00 Miltagsmeldungen.— 14.15 Lustiger Rätselfunk.— 15 00 Sendepause.— 15.45 Wirtschaftsmeldungen.— 16.00 Vom Deutschlandsender: Musik am Nachmittag. Es spielt das Unterhallungsorchester des Deutschlandsenders, Leitung: Otto Dobrindt.— 16.50 Schule und Ellernhaus. Aus dem Leben einer Großstadtschule.— 17.05 Zeitgenössische Komponisten.— 17.50 Ein neuer deutscher Erzähler: Werner Bergengruen.— 18.20 Vom Deutschlandsender: Politische Zeitungsschau.— 18.40 Aus Puccinis Meisterzum Mittelpunkt der Familie wird, mag auch ein Wort vom Rundfunkhören am Platze sein Wie es eine Kunst der Programmgestaltung im Rundfunk gibt. so gibt es eine Kunst des Rundfunkhörens, die beherrscht sein will. Der Rundfunk wendet sich, wie der Reichssendeleiter auf der Hamburger Intendantentagung im Juli ausgeführt hat, immer an eine Gemeinschaft. Sich dieser Gemeinschaft deutscher Rundfunkhörer bewußt zu werden, ist das erste Ziel der Hörkunst. Wie es falsch ist, das Rundfunkgerät den ganzen Tag laufen zu lassen, gleichsam als„Nebengeräusch“ zu allen Arbeiten und Beschäftigungen, so ist es ebenso falsch. den Lautsprecher wie eine Wasserleitung aufzudrehen und dann immer das gleiche, angenehme„Geplätscher“, nämlich Unterhaltungsmusik zu erwarten, Besinnung auf die zwar unsichtbare Gemeinschaft der Hörenden kann hier Wunder tun. Der Rundfunksendeplan zerfällt in feststehende Zeiten mit im Charakter ungefähr gleichen Vortragsfolgen, die eine reine Zweckaufgabe erfüllen, und in besonderen Darbietungen aus den verschiedensten Gebieten der Kunst und des Wissens, die besondere Anteilnahme des Hörers, ja, seine Mitarbeit fordern. Zu der ersten Art von Sendungen gehören die feststehenden Mitteilungen des Zeitfunks, die Frühkonzerte. Mittags- und Nachmittagskonzerte, endlich Nachtmusik und Tanz. Wenn uns die Morgenmusik den nötigen Schwung gibt. schneller in den Rhythmus des Tages und seiner Arbeit hineinzukommen, so ist ihre Aufgabe erfüllt, das Mittagskonzert soll durchaus Tafelmusik sein und ein Viertelstündchen der Ausspannung nach dem Essen bieten, wie es seine Abart, die Werkpause, besonders deutlich zeigt, die den Volksgenossen in den Fabriken und Werkstätten ihren Mittag verschönt. Auch Vesperkonzert. Nacht- und Tanzmusik vertragen eine Plauderei im häuslichen Kreise wollen gar nicht Selbstzweck und Mittelpunkt sein Anders die zweite Art von Sendungen, zu denen die ernste Musik, das Ilörspiel und die Oper, aber auch mancher Bericht aus dem Leben gehört. Hier ist Aufnahmebereitschaft und Vorbereitung des Iörers Voraussetzung für den Erfolg. Die Vorbereitung beginnt mit dem wöchentlichen Ueberblick über den Sendeplan, wie ihn Tageszeitungen regelmällig abdrucken. Persönliches Interesse für bestimmte Sendungen, Zeit und Möglichkeit, sie abzuhören, sind hier ausschlaggebend. Die Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Das ist nicht nur beim Theater so, beim Konzert, bei Reisen und Wanderungen, sondern auch beim Rundfunk. Diese Vorfreude zu wecken, ist wieder eine der Künste des Rundfunkhörens. Sie ist hier deshalb schwerer zu„üben, weil der Rundfunk es seinen Hörern Kußerlich so leicht macht. Der Kauf einer Eintrittskarte, ein festliches Kleid, der Platz in einem Raum mit erwartungsvoll gestimmten Menschen, geben dem Theater- und Konzertbesucher diese innere Vorbereitung und Umstellung schon von selbst. Aber damit ist nicht gesagt, daß der Rundfunkhörer sich nicht auch in Bereitschaftsstimmung versetzen könnte. Er wird zur Vorbereitung auf eine im Funk gesendete Oper. auf ein Konzert oder ein Ilörspiel sich einmal ein Buch kaufen oder leihen, das ihn über den Komponisten, den Dichter oder das Werk unterrichtet. Er wird im häuslichen Kreise cuf die Sendung hinweisen, sie in Ruhe mit seiner Familie anhören, vielleicht bei gedämpftem Licht, das die Konzentration fördert und die ablenkenden Dinge des Alltags verschwinden läßt. Er wird sich, wenn er die Kunst des Rundfunkhörens wirklich beherrscht, nicht nu der Gemeinschaft der Ilörenden erinnern. denen zu gleicher Stunde das gleiche Erlebnis zuteil wird, mit denen er also unsichtbar verbunden ist, sondern auch der Gemeinschaft der Künstler und Techniker, die ihm in aufopfernder Arbeit, nach zahllosen Proben und Versuchen dieses Erlebnis vermitteln. Dann wird auch seine Kritik am Sendeplan stets eine fördernde sein. Jeder Sender ist für Anregungen dankbar, wenn sie diesen Voraussetzungen entsprechen. Das Entspannungsmoment steht im Sendeplan des deutschen Rundfunks im Vordergrund. Der Anteil Sendungen ist zahlenmäßlig seinen Zusammenhängen wohl Großstädter, der vielleicht gestern in seinem Theater war und deshalb heute im Rundfunk keine Oper hören möchte, wird daran denken müssen, daßt unendlich viele Nenschen auf dem Lande und in kleinen Städten nur durch den Rundfunk ein solches Erlebnis haben können, daß diese wiederum seit Wochen auf eine derartige Sendung warten. Und se geht es mit fast allen Sendungen und Sendeformen, die sich über das Unterlaltungsprog.amm erheben. Nähere Erfahrung mit der Vielse.tigkeit des Sendeplanes, mit dem ungeheuren Reichtum an Sendungen, die der deutsche Rundfunk seinen Hörern bietet, wird auch dem Neuling im Laufe der Zeit Einsicht in die Notwendigkeit dieser Planung bringen. Doch nun genug der Theorie und viel Freude am deutschen Rundfunk! anspruchsvoller gering, aber in überlegt. Der Ein neuer deutscher Erzähler Werner Bergengruen spricht Der baltische Dichter Werner Bergengruen lat mit seinem Roman„Der Großtyrann und las Gericht“ in den letzten Monaten sich einen nuchhändlerischen Erfolg erworben. Mit dem buchhändlerischen Erfolg geht jedoch in diesem Falle wieder einmal aufs schönste gemeinsam in großer ideeller Erfolg Der Roman„Der Großtyrann und das Gericht“ ist ein Kunstwerk, wie es nicht alle Jahre entsteht. Dr. Wilhelm Schneider, der im Reichssender Köln den Bericht über dies wertvolle Buch übernommen hat, sagt mit Recht von dem Roman: Er ist kein geschichtlicher Roman im üblichen Sinne, vielmehr eine überzeitliche Dichtung Ein Reichtum von Beziehungen enthüllt sich, alles paßt zu allem; es gibt keine toten Stellen, kein zufälliges Oberflächengeschehen, kein überflüssiges Nebenbei und Drumherum. Diese gedrängte Fülle des Gehaltes und die edle. gemessene Sprache, die von keiner Effekthascherei weilt, machen das Buch zu einem klassischen Werk.“ Die Einführung Wilhelm Schneiders in das Schaffen des Dichters Werner Bergengruen und die sorgfältige Anzeige des Romans„Der Großtyrann und das Gericht“ läuft um 15. September von 17.50 bis 18.10 Uhr. Um 18.10 Uhr erzählt der Dichter Werner Bergengruen dann persönlich eine seiner Anekdoten, die im Grundgehalt die Stimmung und den Sinn se nes Romans schon vorausahnen lassen. Die Hörerschaft wird besonders auf diese eindrucksvolle und interessante Dichterlesung hingewiesen. Des Sommers letzte Rose Eine Hörfolge von Eduard Reinacher Wieder geht ein Sommer zur Neige, geht ein Jahr mit langsamen, aber unerbittlich unaufhaltsamen Schritten seinem Ende entgegen. Die letzten Blumen des Sommers nehmen Abschied, und wie der totentanzartige Farbentaumel des llerbstes sich vorbereitet, versinkt mehr und mehr die lachende Buntheit des Sommers. Die Rosen sterben... Das Volkslied„Des Sommers letzte Rose“ aus der Flotowschen Oper hat das Leitmotiv hergegeben, durch das der Dichter die knappen Szenen seiner Hörfolge indet. Die letzte Rose ist das Symbol eines Erlebnisses, das im Rhythmus des Daseins immer wiederkehrt was blühte, muß welken, was jung war, mul das Altern und Vergehen kennenlernen. Aber es gibt ein Vergehen im Einklang mit den Gesetzen der großen Mutter, in Hingabe und Schönheit. Auch as welkende Gras, auch das fallende Laub hat seine Schönheit. Die Nutzanwendung dieser Erkenntnis auf das menschliche Leben ist der Sinn der Hörfolge, die einzelnen Kurzszenen sind nur Abwandlungen dieses selben Gedanens. Das Welken des Herbstes ist Voraussage kommenden Frühlings, und die tiefste Trauer wandelt sich vor dem sehenden Auge in Hoffnungen der Zukunft. Der Reichssender Köln bringt die Ilörfolge„Des Sommers letzte Rose“ am 19. September um 19.00 Uhr. Die LORENZ-SUPER mit dem RADIO-HERZ Lassen Sie sich von Ihrem Funkhändler das Lorenz-Radio-Herz erklären! Es handelt sich hierbei um eine wertvolle fechnische Neuerung, die den Rundfunkempfang verbessert und die Betriebssicherheit erhöht. Höchstleistungen auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik sind seit 50 Jahren mit dem Namen Lorenz verknüpft. Die vier Lorenz-Kurzwellen-Richtstrahlsender in Zeesen, mit denen die Funkberichte über den Verlauf der Olympiade nach allen Ländern der Erde verbreitet wurden, sind jetzt wieder ein Meisterwerk der Lorenz-Nachrichtentechnik. Lorenz-Rundfunkgeräte in den Preislagen von RM 76.— bis RM 395.— in allen guten Fachgeschäften. Kn Buch und Nation Gute neue Klassiker=Ausgaben Die Werke zweier Niederdeutschen: Fritz Reuter und Cheodor Storm Literatur=Beilage Westfälische Landeszeitunn= Rote Erde Fritz Reuter, der erst mit 48 Jahren zur Feder griff, ist es fast als einzigem gelungen, mit seiner plattdeutschen Sprache auch außerhalb des niederdeutschen Raumes, also in Mittel= und Süddeutschland Fuß zu fassen, ohne den Umweg über eine Uebersetzung ins Hochdeutsche— wodurch plattdeutschen Werken meistens ein Großteil ihrer urwüchsigen Derbheit und Bildhaftigkeit genommen wird— gehen zu müssen. Es ist bekannt, daß Fritz Reuters Lebensweg alles andere als angenehm war und er als„Demagoge“ jahrelang von Festung zu Festung gebracht wurde, bis eine allgemeine Amnestie endlich auch ihn befreite. Auch nach 1840 arbeitete er mühsam zehn Jahre lang als Wirtschaftsgehilfe, als„Strom“ auf einem Gute, bis er 1850 sich als Privatgelehrter niederlassen konnte, Daran mögen wir immer denken, wenn wir seine fröhlichen und von klar geschilderten Menschentypen belebten Erzählungen„Ut mine Festungstid“ oder„Ut mine Stromtid" und all die anderen„Lauschen und Rimels" zur Hand nehmen. Allerdings sollen wir uns durch den Gedanken an die Bitternis, mit der diese humorvollen Geschichten sich erkauft werden mußten, nicht im geringsten verdrießen lassen und getrost aus voller Brust lachen. Und dazu geben uns zwei neue Ausgaben der gesamten Werke Fritz Reuters reichlich Gelegenheit. Inhaltlich bieten uns die beiden hier zu würdigenden Ausgaben dasselbe: nämlich das gesamte und lückenlose Werk des plattdeutschen Dichters, d. h. diejenigen Schriften, die er selbst in seine„Werke“ aufnahm. Hinzu kommen noch solche, die erst nach seinem Tode(wie die„Urgeschichte von Mecklen Reuter Läuschen un Rimels Die Ausgabe des Bibliographischen Institutes burg") bekannt wurden sowie eine kleine Zahl ganz früher Schriften. Der Unterschied dieser beiden Ausgaben, deren eine im Bibliographischen Institut, Leipzig, und die andere im Deutschen Verlagshaus Bong, Berlin, erschienen sind, ist vordringlich in der bibliophilen Ausstattung und der Anordnung der einzelnen Schriften zu suchen. Die Ausgabe des Verlagshauses Bong umfaßt sechs Bücher und ist in ihrem Typensatz verhältnismäßig klein gedruckt, so daß einzelne Werke wie z. B.„Ut mine Stromtid“ in einem einzigen Bande vereinigt vorgelegt werden können. Die hochdeutschen Erläuterungen zu dem plattdeutschen Texte werden in einem eigenen Anhange, einem platt deutschen Wörterbuch, beigegeben. Der Heraus geber Hans B. Grube stellt an den Anfang des ersten Bandes ein ausführliches Lebensbild Reuters und fügt einige nützliche Bemerkungen über seine Auswahl und Anordnung der gesammelten Werke an. Die zweite weit umfangreichere Ausgabe des Bibliographischen Instituts, Leipzig, die W. Seelmann und H. Brömse neu bearbeiteten, wählte ein festeres Papier und größere Drucktypen. Sie ist, da ihr größerer Umfang von 11 Büchern es gestattet, in ihrer ganzen Aufmachung heller und lichter. Der bekannte mecklenburgische Dichter Friedric Griese schrieb die Einführung, in der er kaum schöner und gerechter das Wesen seines großen Landsmannes ergründen konnte. Daß hier der Dichter über den Dichter schreibt, ist von besonderem Reiz, zumal beide mit ihrem Werke ganz in der mecklenburgischen Landschaft wurzeln. Außerdem sind die Bände alle mit ergötzlichen Zeichnungen von Fritz Koch, Gotha, geziert, die an sich schon kleine Kostbarkeiten sind und ihren Zweck, die heitere Wirkung der Reuterschen Schriften auch bildhaft zu unterstützen, auf eine herrliche Weise erfüllen Es ist also zweifelsohne, daß in der Ausgabe des Bibliographischen Instituts dem Bibliophilen mehr geboten wird, während die Ausgabe des Bongschen Verlagshauses betont einfacher und schlichter ist. Dieser Unterschied drückt sich denn auch sehr gerechtermaßen im Preise aus, der dennoch für beide Ausgaben in ihrer Art als billig gelten kann. Die Ausgabe des Bibliographischen Instituts kostet pro Band nur 1,90 Mark, die Gesamtausgabe von 11 Bänden(ein 12., der nach den Ankündigungen von großem, literarhistorischem Werte zu sein scheint und die Einführungen der fünf namhaftesten Reuterforscher enthalten soll, ist für eine baldige Herausgabe vorgesehen. Wir werden dann noch darauf hinweisen) also 20,90 Mark, während die des Deutschen Verlagshauses Bong pro Band 2,70 Mark, in der Gesamtausgabe von 6 Bänden also 16,20 Mark kostet. Zwei wertvolle Reuter=Ausgaben also, zwischen denen jeder nach Geschmack wählen möge. Zwei Ausgaben jedenfalls, die gewiß zu einer noch größeren Verbreitung der Reuterschen humorvollen Schriften beitragen werden. G. Stöve. * Storms Werke. Nach der von Theodor Hertel besorgten Ausgabe neu bearbeitet und ergänzt von Fritz Böhme. Mit einer Vorrede von Hans Friedrich Blunck und Federzeichnungen von Karl Wernicke. 9 Bände. Bibliographisches Institut, Leipzig. Als Theodor Storm zu Besuch bei Eduard Mörike in Stuttgart war, sagte der schwäbische Dichter über die Idylle„Im Sonnenschein":„Als ich das gelesen, da habe ich gleich gesehen, das ist so mit einem feinen Pinsel ausgeführt; das mußt du Satz für Satz lesen.“ Und dann:„Sie habe das an sich, so leise zu überraschen:„Es war eine andere Zeit!" Damit ist der junge Storm trefflich charakterisiert, die Zartheit seines Gefühls und die lyrische Reinheit seiner Farben, die sanfte Stille und tiefe Musik seiner Sprache. Aber vielleicht hat man sich lange von Theodor Storm nur ein wehmutsvollabgeklärtes Bild gemacht, den Klang der Gedichte im Ohr. Doch in seinen Novellen ist der Dichter später über die weiche, zärtliche Empfindung hin ausgegangen an die tragischen Abgründe des Schick sals, und die zitternden Lichtfunken über den schäumenden Wellen, worin der Schimmelreiter versinkt, sind wie Himmelserscheinungen, die das Menschenlos mit den dunklen Mächten der Ewigkeit vereinen. Die neue Ausgabe der Stormschen Werke hat den Vorzug der chronologischen Anordnung, wir können nun die Dichtungen in der Zeitfolge ihres Entstehens aufnehmen und den Weg von der seligen Gefühlshingabe bis zu der großen Reife und Klarheit des Alters nachschreiten. In früheren Ausgaben fand man die Anordnung„Gedichte" und „Aeltere Gedichte", oder„Gedichte" und„Nachlese zu den Gedichten"; jetzt ist die zeitliche Folge hergestellt, und besonders aus den Jünglingsjahren sind zahlreiche bisher ungedruckte Gedichte neu aufgenommen. Das Gedicht„Agnes“, vermutlich vor 1848 entstanden, gehört zu dem Holdesten, was wir dem Dichter verdanken. Auch eine Reihe von Gedichten, die verstreut im Druck erschienen waren, aber in die Gesamtausgabe nicht aufgenommen wurden, sind jetzt zu finden; so das tiefe„Mysterium“. Das bekannte Gedicht„Von Katzen“, diese anmutige Satire auf eine falsch verstandene Menschlichkeit, ist ergänzt um ein Nachspiel, das sich in einem unabgesandten Brief Storms fand. Die Einführung in Theodor Storms Leben und Werke von dem frühverstorbenen Herausgeber der Ausgabe von 1918, Theodor Hertel, ist übernommen, und das mit Recht, denn sie ist ebenso zuverlässig wie einfühlsam. Die autobiographischen Bruchstücke, die der rückschauende Dichter selbst niedergeschrieben hat, sind zu einem Kapitel„Aus dem eigenen Leben zusammengestellt, abschließend mit den köstlichen Er innerungen an Eduard Mörike. Auch mit dem Rezensenten und mit dem Märchenerzähler Storm werden wir in dieser Ausgabe bekanntgemacht, und sogar eine Komposition ist abgedruckt,„Ein Lied, welches der Herr Magister Wanst sang, als er den letzten Brief Vetter Michels gelesen hatte“, Hans Friedrich Blunck nennt in seiner Vorrede Theodor Storm„unseren unentbehrlichen Begleiter". Daß der Dichter der Innigkeit und der Lebenstiefe dies immer mehr wird, dazu wird auch diese schöne und wohlfeile Ausgabe beitragen, deren Wert durch die timmungsreinen Federzeichnungen Karl Wernickes noch erhöht wird. R. Gerlach. * Römische Charaktere. Von Theodor Mommsen. Insel=Verlag, Leipzig. 90 Pfg. Ein neues Insel=Bändchen gibt mit einer Auswahl aus Mommsen„Römischer Geschichte“ eine Galerie guter Charakterköpfe aus der republikanischen Zeit. Das Büchlein wird besonders demjenigen Freude machen, der ein reges historisches Interesse besitzt, ohne jedoch für ein ganzes Studium Zeit zu finden, d. h. für den angeregten Laien, der es nicht auf eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern auf eine menschliche Vertiefung seiner historischen Kenntnisse abgesehen hat. * Grabbe kehrt heim. Von Zdenko von Kraft. Verlag Stalling, Oldenburg. 2,60 Mark. Der bekannte Dramatiker Zdenko von Kraft ver sucht hier in einer Novelle das tragische Schicksal Grabbes zu gestalten. Allein, über den Versuch kommt das Büchlein, das von nicht ansprechenderen Zeichnungen des Autors begleitet ist, kaum hinaus. Es gelingt nicht, die inneren Beweggründe des im Leben gescheiterten Grabbe zwingend lebendig werden zu lassen, so daß sein Schicksal nur als traurig, nicht aber— wie es richtig ware und offensichtlich auch beabsichtigt war— als tragisch empfunden wird. G. Stöve Iritz Reuter Lebensbild Läuschen un Kimels Die Ausgabe des Verlages Bong Neue deutsche Romane Würdigung einer Anzahl junger epischer Werke bester Art Wenn man, ohne sich des Namens Karl Friedrich=Kossat, Verfasser eines Romans „Der Mönchrebell“, sogleich zu entsinnen, dieses wenig ansehnliche Buch„Die Nachbarn“ in die Hand nimmt, so scheint es auf den ersten Blick wenig an sich zu haben, das zum sofortigen Lesen zwingt.(Verlag Schmidt=Dengler, Graz.) So viel bedeutet uns bibliophil verwöhnten Deutschen heute schon der gute, der besonders geschickt und anziehend gestaltete Bucheinband. Nein, hier bei Kossat spricht äußere Schönheit wenig mit, und es ist gut, daß wir uns angesichts des großen Berges von Neueinsendungen daran erinnern, wie sehr andererseits Mißbrauch mit der äußeren Aufmachung getrieben worden ist und läppisches, eitel dummes Geschreibe sich ebensosehr hinter einer glanzvollen Ballonleinenfassade verkriecht, wie sich edelstes Literaturgut noch häufig mit pappenen, knisternden Decken begnügen muß, wie beispielsweise bei den„Nachbarn“ dieses unerhörten Schilderers und Beleuchters der menschlichen Seele Karl Friedrich= Kossat, eines Oesterreichers, der vom Rande der Welt, dort wo Menschen sich im weißen Krankenzimmer einer großen Anstalt auf den Weg über die Grenze von hüben nach drüben vorbereiten, berichtet, Menschen, die über Alter, Rangordnung, ja über Wesensverschiedenheiten und Charakter= unterschiedlichkeiten hinweg zu Nachbarn werden, Nachbarn zugleich der Erde, wie dem Tode. Nach zwei Seiten Lektüre schon war es unmöglich, das Buch heute noch wieder aus der Hand zu legen. Eine seltsame Welt tut sich schon mit den ersten Sätzen auf. Ein Krankenhaus in Wien, ein Zimmer in diesem, es ist Mai, und auf den Betten, ihrem Schmerzenslager, liegen fünf bis sechs Männer, die das Leben und ihre Krankheit hierhin geweht haben, den starrsinnigen Steirer Bauern, den Landstreicher, den Gendarmen, den Studenten, ja, auch einen kleinen Jungen, und einen Unbestimmten, der, nur da ist, Mensch von Menschen. Und nur von diesen erzählt der Dichter, wie sie langsam die Bahn des Lebens abwärts gleiten, wie sie wiederum dem neuen Leben entgegenreifen. In der innigen, behutsamen Zeichnung ihres Wesens steht die Erinnerung auf an einen der größten Dichter unserer Zeit, an Knut Hamsun, der das„Letzte Kapitel" schrieb, eine Geschichte aus dem Sanatorium, spielend unter arg Kranken, die auch ihr Pack zu tragen hatten, ähnlich wie bei diesem jungen Autor. Aber hier weht nicht der verbrämende Atem heiterer und überlegener mannlicher Reife über den Schicksalen, sondern ein jünglingshaft schwerer Ernst. Eine gründliche innere Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten des Lebens, mit Krankheit, Tod und Auferstehung sind der Grundton für diese ans Herz tief rührende melancholische Musik, die am Rande der Welt, abseits vom lauten Strom der Gesundheit erklingt. Das Krankenhaus als Erzieher des noch nicht erwachten, des im seichten Wasser der Unbekümmertheit dahinschwimmenden Individuums? Thomas Mann hat es in seinem„Zauberberg" unternommen, einen jungen Menschen humanistisch zu beugen und zu biegen, aber es war ihm nur möglich, die dazu erforderlichen Imponderabilien in luxuriöser Umgebung wirken zu lassen. Dieser junge österreichische Dichter bildet einen neuen Typ des Krankenromans aus, indem er seinen bildungsbedürftigen Jüngling in eine Nachbargemeinschaft hineinwachsen läßt, aus deren schwerVom Schlechten kann man nie zu wenig und das Gute nie zu oft lesen; schlechte Bücher sind intellektuelles Gift, sie verderben den Geist. Um das Gute zu lesen, ist eine Bedingung: daß man das Schlechte nicht lese: denn das Leben ist kurz, Zeit und Kräfte beschränkt. Schopenhauer. atmender, tragischer und manchmal kläglicher Ohnmacht ihn allein der ungebrochene Lebenswille und ein reines Herz erretten. Das Krankenhaus selbst steht kalt und wenig einladend abseits, es ist ein notwendiger, nüchterner Rahmen; nicht ein glanzvoll frisierter Palast voller Hysteriker, sondern ein hallendes Haus, in dem schlicht und wie selbstverständlich gelitten, gelebt und gestorben wird. Eine Insel darin dieses Krankenzimmer, in dem sich die Rache des Landstreichers für erlittene Unbill am totkranken Gendarmen in rührende Sorgfalt verwandelt, wo Gebildeter und Handarbeiter eine soldatische Kameradschaft gegen den Tod gründen, einander helfend, der eine mit dem Wort, dessen Gabe ihm mit dem Verstand verliehen ist, der anJensels der GrenzenEine Aufsatzreihe von Maria Kahle/ Folge 1 Nachdem wir vor längerer Zeit unseren Lesern in einer Aufsatzreihe ein knappes, umfassendes Bild der deutschen Dichtung unserer Gegenwart vermit telten, beginnen wir heute eine Folge, in der wir einen Teil der deutschen Dichtung ganz speziell behandeln werden: Die Dichtung, die unsere ausländischen Volksgenossen uns schenkten. Wir haben unsere westfälische Dichterin Maria Kahle, die lange Jahre in Uebersee, wo Deutsche siedelten, verbracht hat, gebeten, unseren Lesern einen Ueberblick über dieses in der heutigen volksbewußten Weltanschauung wieder zu ihrem Recht gekommene Gebiet deuttscher Dichtung zu vermitteln. In dem Auswandererbuche„Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“ fand ich ein paar Worte, die einfach und klar das auslandsdeutsche Schicksal und die Aufgabe des Mutterlandes umfassen:„Wir sind viele Millionen von einzelnen Tropfen, aber wir könnten ein großer, breiter Strom sein". Daß diese Worte nicht schon vor hundert Jahren ausgesprochen wurden, als die Verstreuung der Millionen Tropfen aus deutschem Blute stetig zunahm und zum Ende des Jahrhunderts hin wuchs bis zur Verschüttung und Versickerung in fremde Völker— daß diese Erkenntnis nicht die Geister im Mutterlande bewegte, hat bestimmend am auslandsdeutschen Schicksal mitgewirkt. Aber wenn die Worte des Amerikafahrers heute mit starkem Nachhall in uns klingen, ja wenn es uns jetzt als eine Selbstverständlichkeit erscheint, daß die verstreuten Tropfen in dem Strom der Volksverbundenheit münden und sich finden müssen, so wird uns dadurch bewußt, wie sehr der Gedanke der Bluts= und Seelengemeinschaft aller Deutschen, über Staatsgrenzen und Staatsbürgerbriefe hinweg, schon in uns Wurzel geschlagen hat. Wir haben uns aus der Verengung des kleindeutschen Staatsgedankens gelöst, die dahin führte, daß wir nur noch den kleindeutschen Staatsbürger und nur noch den Reichsdeutschen im Ausland zu unserem Volke rechneten. Die Ueberwindung der binnendeutschen Abkapselung und Ueberheblichkeit eröffnete uns die Schau auf den vielgestaltigen Reichtum des deutschen Wesens und deutscher Lebensgestaltung, auf die Form= und Farbenfülle der Abwandlungen unseres Volkstums im Auslande. Wir erkannten, daß es nicht nur eine Art gibt, deutsch zu sein, und Deutschtum zu leben, sondern daß der geprägte Kern deutschen Bluterbes in fremder Umwelt, unter anderen Daseinsbedingungen lebend sich entwickelt,— oft anders gebildet, als es uns vertraut ist, aber darum nicht weniger deutsch. Im Gegenteil: dort, wo im Auslande unser Volkstum sich in Sprache, Rasse und Kultur rein erhielt, war das Deutschbewußtsein stärker und kämpferischer als im Mutterlande, das erst in den Zeiten nach dem Kriege das Erwachen der kämpferischen, völkischen Kräfte seelisch erlebte und daraus Verständnis und Liebe für die Außendeutschen gewann. Bei diesen Außendeutschen hat der Zwang zu einer immer wiederholten Auseinandersetzung mit den Einflüssen aus fremdvölkischer Umwelt das ererbte Stammeswesen oft aufgelockert, es beweglich und aufgeschlossener werden lassen, hat Wesenszüge, die in der Gesichertheit des Mutterlandes vielleicht verkümmert wären, entfaltet; an den vielfachen Spannungen zwischen eigener und von draußen andringender fremder Kultur hat sich die schöpferische Kraft entzündet. Im Ringen um den Bestand des Deutschtums wuchs bei den Außendeutschen das starke Verantwortungsgefühl gegenüber der eigenen Volkheit. Volkstumskampf wurde zum innersten Volkstumserlebnis. Werte, die man verteidigen muß, werden durch ihre Bedrohtheit erst allen sichtbar und als kostbarster Besitz erkannt. Und daraus entspringt das Streben, die geistigen Güter und Leistungen des eigenen Volkes aufzuzeigen,— ein Bemühen um inneres Erkennen und Gewinnen dessen, was „ererht von den Vätern", ein Schmücken der deutschen Ruhmeshalle mit den Tugenden und schöpferischen Taten unseres Volkes. Es geschieht dies alles bewußter als im Mutterland, weil der Außendeutsche immer wieder angefochten wird, immer in wacher Bereitschaft leben muß. Diese Bewußtheit hat in der auslandsdeutschen Literatur die Gefahr heraufbeschworen, daß die Dichtung Tendenz wurde. Wir sehen in den Anfangszeiten vor allem des Siedlerdeutschtums ein Ueberwiegen volkserzieherischen und volkskundlichen Schrifttums. Seine Träger sind vorwiegend die Führer der Kolonisten, Lehrer und Pfar#r. allmählich bildet sich im Wachstum der Zeiten eine kulturell tragende Oberschicht heraus, die das geistige Leben der Volksgruppe ausweitet. Es ist dies ein ganz natürlicher Vorgang, da in der Frühgeschichte der Auslandskolonisation alle Kräfte durch den Kampf ums Dasein gebunden und durch das Einwurzeln in der ungewohnten Umwelt in Anspruch genommen sind. Erst wenn eine Erlebnisgemeinschaft organisch zusammengewachsen ist, gewinnt der versprengte deutsche Volksteil seine eigene Individualität und damit die Kräfte zu besonderer Formung, sobald aus der gebundenen Vielheit der Volkszugehörigen eine künstlerische Begabung aufbricht. Aus dem Bewußtwerden der Artgemeinschaft, der deutschen Aufgabe und besonderen Geschichte, aus den Einwirkungen des Raumes und der Landschaft, aus dem Erlebnis der Mittler= und Abwehrstellung zwischen fremden Kulturen entwickelt sich die Eigenständigkeit einer auslandsdeutschen Volksgruppe. So erklärt es sich auch, daß die einzeln in der Verstreuung lebenden Außendeutschen keinen Dichter hervorgebracht haben. Dichtung aus Gemeinschaft Gerade die auslandsdeutsche Dichtung beweist, wie sehr der Dichter aus seinem Volke lebt, den Boden des Volkstums braucht, und wie nur aus dieser Grundlage des Volksbodens Kräfte aufsteigen können, die in der Dichtung wie in einer Pyramide gipfeln. Die Eigenart dieser Volksschicht, ihr Glauben und Kämpfen, ihr gemeinschaftlicher Lebensstil tragen und durchdringen den schöpferischen Bau der Dichtung. Obwohl das auslandsdeutsche Schrifttum als Ganzes nur ein Bestandteil der gesamtdeutschen Literatur ist, so erhellt doch schon aus dem vorher Gesagten, daß es infolge seiner eigenen Art und Aufgabe eine Sonderstellung einnimmt und daß sich in diesen Bereich nicht einreihen läßt, was an dichterischem Schaffen auf geschlossenem deutschen Kulturboden, im rein deutschen Sprachgebiet entstand. Die Literatur der Grenzlanddeutschen in den entrissenen Gebieten und des Reichsdeutschtums in unseren Kolonien können wir da ebensowenig einbeziehen wie die von Deutschösterreich oder aus dere mit Handreichungen und dem Wohllaut des Herzens. So schwer in diesem Zimmer gestorben wird, so wunderbar wird auch gelebt. Es ist kein anderes Buch, das„aus der Tiefe" schreit, denn dieses, in dem so rückhaltlos und beglückend das Leben über dem Vergehenden triumphiert. Sind es auch Mensch wie du und ich, denen wir in der meisterhaften Zeichnung begegnen, so sind es doch wiederum andere, weil bessere. Sie stehen vor uns als ein Spiegel voller Klarheit, der unser Bild mit unsichtbarem, erhobenem Finger zur Mahnung zurückwirft: seid so wie diese, die unter der Krankheit leidend lächeln, weil sie der Auferstehung gewiß sind! „Die Nachbarn“, im leider wenig ansprechendem Einband, steht an einem Ehrenplatze meines Bücherschrankes, und über vielem braven oder naiven Gedruckten ziehe ich es oft hervor und lese vom Tode des Konstablers das Kapitel, oder von den goldenen Prophezeiungen des ungebrochenen Landstreichers, oder von der Liebe des Studenten zur Krankenschwester, die unfruchtbar bleiben muß, weil sie den letzten Rest uneingestandener Ichsucht im ungeläuterten Herzen bedeutet. * „Hotel Affenbrotbaum" von Wolfgang Weber, Ullstein=Verlag, Berlin. Wolfgang Weber ist als Journalist und Fotograf auf modernste und zeitgemäßeste Weise nach Afrika geflogen, in der Absicht, sich einmal den zivilisatorischen Genüssen einer Flugreise Berlin—Kapstadt hinzugeben. Aber unterwegs, mitten im schwärzesten Afrika packte ihn die alte deutsche Abenteurerlust, und er stieg bei einigen Wellblechhütten aus, kaufte sich ein altes Auto und schickte den Flugschein zurück. Nun sah die Welt plötzlich anders aus, als vom bequemen Sessel der Luftmaschine, und Weber genoß das halbwilde Dasein eines Autobummlers, nur von einem dunkelbraunen Boy begleitet, mit der richtigen Muße eines Globetrotters, der eines Tages wieder, schwerbeladen mit Erinnerungen, daheim sein wird. Angenehm plaudernd, voller Humor, ein richtiger Großstädter, der einen größeren Ausflug macht und manche des Berichtes würdige Perle mit zurückbringt, legt Wolfgang Weber ein unterhaltsames, leichtes Buch vor, reichbebildert mit eigenen Aufnahmen. Henry Bleckmann. den eigenstaatlichen Gebilden der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Danzig. Denn hier haben wir noch den großen Strom, in dem die einzelnen Quellen und Flüsse zusammenmünden in gegenseitigem Austauschen und Schenken, und die deutsche Literaturwissenschaft hat sie stets alle zusammengefaßt. Eigentlich gehören zu ihnen auch die Sudetendeutschen, denn sind Rilke, Kolbenheyer, Hohlbaum u. a. aus der reichsdeutschen oder österreichischen Literatur wegzudenken? Aber einige Bücher der jüngeren sudetendeutschen Dichter, deren Haltung von der geistigen Auseinandersetzung mit dem Slawentum bestimmt ist, werden noch besonders anzuführen sein. * Es ist für uns von großem Reiz zu verfolgen, wie das Auslandsdeutschtum und seine Dichtung sich geformt hat durch die Entwicklungen in der Zeit der räumlichen Abgetrenntheit vom Mutterlande. Aber die geistige Verbindung mit dem Mutterlande und seinen kulturellen Strömungen haben die auslandsdeutschen Dichter nie entbehren können, sosehr sie auch, in ihrer Volksgruppe lebend und aus ihr schöpfend, in der Stoffwahl sich häufig auf diesen Lebensumkreis beschränken. Wo die Verbindung mit dem Heimatvolk unterbrochen wird, verkümmert die schöpferische Kraft oder sie wird fremden Einflüssen untertan. So ist es nicht erstaunlich, daß die beiden ältesten deutschen Volksgruppen im Auslande, die Balten und die Siebenbürger Sachsen, in der auslandsdeutschen Literatur die stärksten Dichterpersönlichkeiten aufweisen. Jahrhunderte des Kämpfens und Reifens haben in diesen Volksteilen das Bewußtsein ihrer Eigenart ausgebildet, und daneben ist von Geschlecht zu Geschlecht die Verbundenheit mit dem Mutterland schon dadurch gewahrt worden, daß die Jugend an reichsdeutschen oder österreichischen Hochschulen studierte und daß der Zusammenhang mit dem geistigen Leben des Herkunftsvolkes zur Ueberlieferung gehörte. (Fortsetzung folgt) Hundert Jahre sind seit dem Tage verstrichen, da der westfälische Dichter Christian Dietrich Grabbe zum ewigen Schlafe die Augen schloß. Unerkannt in seiner genialen Größe, von wenigen überhaupt nur als Dichter erkannt, so starb Grabbe am 12. September 1836 in Detmold, seiner Vaterstadt, wohin ihn sein unruhiges Leben, das zwischen den Dämonen des Genies und den Nöten des kleinen Tages hin und her geworfen worden war, nach einer bunten und wirren Wanderung durch Deutschland, gebracht hatte.— Aus diesem Anlaß finden in diesen Tagen überall auf deutschen Theatern Aufführungen von Grabbes Werken statt. In Detmold selbst wird eine große Grabbe=Woche vom 26. September bis 2. Oktober veranstaltet über die wir noch ausführlich berichten werden. Es ist gewiß ein törichtes Unternehmen mancher Schriftsteller, bei allen großen Deutschen die Gedanken des Nationalsozialismus als Vorahnung finden zu wollen. Und doch dürfen wir uns nicht verwundern, wenn wir bei bedeutenden Persönlichkeiten der Vergangenheit auf Gedanken oder oft auch auf eine Lebenshaltung treffen, die der unfrigen sehr nahe verwandt sind. Der Nationalsozialismus in seiner Gesamtheit ist schließlich die zeitgemäße Verkörperung und Zusammenhaltung des Deutschtums überhaupt. Darum muß ein Acis enbePraie! Das Grab des Dichters Christian Dietrich Grabbe auf dem Detmolder Friedhof an der Meinbergstraße Mann der Vergangenheit, je ausgeprägter er ein Deutscher war, unserer Haltung und Anschauung nahe gewesen sein. Sein Werk ist es darum noch heute. Auch zu Christian Dietrich Grabbes Dichtungen lassen sich derartige Verbindungslinien ziehen, obwohl es nicht allein damit getan ist, ihn wegen seiner Gegnerschaft zu Heine zu einem Antisemiten zu stempeln. Ehemals steckte den Deutschen der Ekel vor dem Juden tief im Blute. Daß Grabbes Antisemitismus aus dem Blute kam und nicht aus einer grundsätzlichen Einstellung, ist durch seine zeitweilige Anerkennung wenigstens der Schriften Heines in der Düsseldorfer Zeit erwiesen. Und dabei vermochten gerade doch Heines Erzeugnisse den besten Ausgangspunkt eines überlegten Antisemitismus abzugeben. Es wäre verfehlt, Grabbe heute, da die Gewalt seiner Dichtungen anerkannt wird, aller Schuld für sein Lebensschicksal freizusprechen, als wäre er lediglich ein von dem Daimonion seines Genies getriebener Mensch gewesen, dessen Werk und dessen Größe zu seinen Lebzeiten von niemandem anerkannt worden seien und der darum notwendig habe im Elend enden müssen. Auch jene Milieu=Theorie, die alle Schuld dem Vaterhaus und der Erziehung des Jungen beimessen will, muß als überwunden gelten. Jeder Mensch ist für sein Schicksal selbst verantwortlich, und es hat genug einzige und von den Eltern verhätschelte Söhne gegeben, die trotzdem noch vortreffliche Männer geworden sind. Nein. schuldlos ist Grabbe an seinem menschlichen Verfall nicht. Eben deswegen aber ist sein Schicksal tragisch zu nennen. Immer dann nämlich, wenn sich sein Wille zu einiger Kraft aufgerafft hatte, traf diesen in Wirklichkeit sehr empfindsamen Menschen ein Schlag, der ihn in seiner innersten Seele verletzte und für dessen Härte uns Heutigen keineswegs das Verständnis abgeht. Grabbe war nämlich nicht nur mit den genialischen Einsichten des großen Dichters begabt; auch in seinem privaten Leben treffen wir auf Anschauungen und Empfindungen, die uns sehr sympathisch sein können. Daß der Dichter jedoch nicht die Kraft fand, sie zu einer Haltung zu verdichten und bedingungslos zur Richtschnur seines Lebens zu erheben, macht sein Unglück aus. Nichts hat ihn sein ganzes Leben lang so treu begleitet wie ein ausgesprochener Ekel vor der Kanaille, vor dem Typ. den wir heute allgemein als Spießer bezeichnen. Dieser Widerwille gegen eine Art Menschen, die nicht einmal einen schlechten, die überhaupt keinen Charakter ihr eigen nennen, kommt nicht nur in seinen Dichtungen und der Wahl ihrer Persönlichkeiten zum Ausdruck, sondern ist uns auch häufig genug in des Dichters eigenen Worten bezeugt. Begleitet ist diese zunächst intuitive und schon bald verstandesmäßig von ihm selbst erkannte Stellungnahme, die wir an den meisten wesentlichen Menschen aller Zeiten feststellen können, von einer ihr eng verwandten Verachtung für die Hohlheit erstarrter Formen; und auch sie ist dem Deutschen (im Gegensatz zum Franzosen) von je eigen gewesen. Ein Mann allerdings wie Grabbe, dem nichts mehr widerstrebte als Halbheiten oder Taktik", der immer nur Ganzheiten wollte(ohne sie zwar im eigenen Leben erfüllen zu können), dessen Ueberschwang sich von diesem Wollen völlig leiten ließ, mußte hier übers Ziel schießen und zum Verneiner jeder Form werden. Die Exzesse seiner Jugendzeit mögen darum lediglich als Proteste gegen eine verachtete Gesättigtheit und bürgerliche Wohlanständigkeit gewertet werden. Mag dem auf den ersten Anschein hin auch die Tatsache zu widersprechen scheinen, daß Grabbe auf die Wertschätzung seiner Werke gerade auch in den von ihm verschmähten und verspotteten Kreisen Wert legte, so werden wir bei näherem Zusehen doch gewahr, daß auch dieses Streben eigentlich seinem Zorn auf die seelische Verfettung entsprang. Denn nichts vermochte ihm mehr die Berechtigung, dem Spießer brüsk die Maske abzureißen, zu geben, als die Anerkennung seiner Größe eben bei diesen Menschen. Und an Brüskierungen hat Grabbe es dann ja auch nicht fehlen lassen. Alle Bedenken und Ratschläge seiner engsten Freunde erschienen ihm zuletzt als Ausgeburten jener Spießerhaftigkeit. Sein genialisches Wesen trieb sie alle von sich. Daß endlich sein späteres Luderleben nichts anderes war als ein— innerlich nicht mehr so begründeter— Rückfall in seinen Jugendtrotz, erweist nichts schlagender als die bisher leider zu wenig bekannte Tatsache, daß er inzwischen den Beweis erbracht hatte, auch in einem normalen Berufe etwas leisten zu können. Ja, unter dem Einfluß einer ihn mit stummem Glück beschenkenden Liebe hatte er sogar den Weg zu einem Leben gefunden, das nicht mehr von äußerlichen Extravaganzen zerfasert wurde. Als trauriges Schicksal muß man es hinnehmen, daß diese Liebe auf ein Mädchen gefallen war, das dem eigentlichen und wirklich genialen Grabbe auch nicht bei einem einigermaßen ruhigen Lebenswandel gerecht werden konnte. Eine Schuld trifft dabei weder ihn noch Henriette Meyer, es sei denn die, daß der prüfende Verstand nicht die Herrschaft über seine Empfindungen behielt. Aber ist abermals eine Frau gewählt hätte, die ihn noch weniger zu verstehen vermochte. So trieb es ihn — der noch immer zwischen dem Beamten und dem Dichter schwankte— rasch dem Alkohol und allen negativen Kräften zu. Endlich aber wagte er die große Entscheidung, die schon lange notwendig gewesen wäre, um seine innere Not zu wenden. Jetzt aber wirft ihm das Schicksal, das er so lange hatte warten lassen, Steine über Steine auf den Weg, bis er aus dem Stolpern ins Fallen kommt. Gönner, die seiner leiblichen Notdurft halfen, fand er zwar. Aber Freunde, die sein Werk förderten, blieben ihm versagt, obzwar mancher dazu die Mög lichkeit gehabt hätte. Wo hierfür die Gründe liegen können wir in einem Aufsatz nicht untersuchen; jedenfalls nicht in seinen Dramen! Denn in seiner Düsseldorfer Zeit war er zu jedem Zugeständnis bereit. Solche Gönner aber mußten seinen— keineswegs unberechtigten— Stolz aufs empfind lichste verletzen. Der Bruch mit ihnen war unaus bleiblich. Einen Dichter persönlich fördern und seine Arbeiten vernachlässigen, heißt, ihn beleidigen. Danach aber war nirgendwo mehr ein Halt, an dem sich der Dichter aus seiner teils durch Schuld, teils durch Schicksal hervorgerufenen seelischen Verkommenheit hätte aufrichten können. Aber das Maß seines Martyriums war voll. Der Tod verschonte ihn vor der weiteren Ausdehnung eines Leidensweges, der nur noch jämmerlich hätte anmuten können. Grabbe starb, nicht verkannt zwar, aber verloren. Der Einsame ging ein in die letzte Einsamkeit. Wenn wir hier das verborgenste Wesen des Menschen Grabbe aufspürten, statt seine Dramen zu behandeln, so taten wir das aus der Ueberzeugung heraus, daß diese von der Bühne eindringlicher zu sprechen vermögen als aus einer schildernden und wägenden Abhandlung. Zumeist aber lenkt uns auf das Leben Grabbes und dessen Werte der Gedanke, daß man ihm noch immer Unrecht tut, wenn man ihn lediglich ein verkommenes Genie nennt. Denn die Gefahr ist nicht zu verkennen, daß er gerade heute, wo uns Haltung und Energie an einem Menschen allein als wertvoll erscheinen, durch solch ein oberflächliches Urteil in Mißkredit kommen möchte, zumal eine Epoche, die an der Ver wesung ihre satanische und degenerierte Freude fand, glaubte, Grabbe für sich in Anspruch nehmen zu können. Vor beidem aber möchten wir unseren westfälischen Dichter bewahren. * In unserem Streben, Grabbe dem deutschen Volk zu erhalten, finden wir eine kräftige Stützung durch zwei Bücher der Gegenwart, die hier um ihres Wertes willen nicht übergangen werden dür 1.— ** * die Wesensart des Menschen eine Schuld? Im Bereich des Tragischen zwar, nie aber in dem der Sittlichkeit! Wohl aber muß es als eine Schwäche bezeichnet werden, daß Grabbe, statt nun endgültig unter Vermeidung aller Ausschweifungen allein ein Dichter zu sein oder aber ein Bürger zu werden, nicht den Mut zu solcher Entscheidung fand. Daß er sehr bald hernach— getrieben gleichermaßen von seiner Sehnsucht zum eigenen Heim, dem Starrsinn, der ihm, dem ewigen Kinde, stets eigen blieb, und der allgemein menschlichen Unüberlegtheit des enttäuschten Liebenden— sich verheiratete, wäre immerhin ohne Belang geblieben, wenn er nicht fen. Ein dichterisches: Hanns Johstens Drama „Der Einsame“(Verlag Langen Müller, München); und ein abhandelndes: Ferdinand Joseph Schneider „Grabbe“(Verlag C. H. Beck, München). Hanns Johst, der Dichter, gestaltet in seinen Bühnenbildern den Menschen Grabbe, dessen Gefühlsüberschwang sich in blindes Triebleben verliert, nachdem ihm seine einzige, echte Liebe zerbrach. Diese stark beeindruckende Darstellung findet auch in Schneiders Buch ihre abhandelnde Parallele. Während aber der Dramatiker vereinfachen mußte, konnte der Biograph all die verschiedenen und kleinen Anstöße zu Grabbes Untergang verfolgen. Günther Stöve Grabbes Sterbehaus(links). In dem rechten Hause unseres Bildes starb Ferdinand Freiligrath. Grabbe spricht zur Gegenwart Von Ferdinand hosef Schneider Heute, am 12. September 1936, jährt sich der Todestag Grabbes zum hundertsten Male. Unwill kürlich drängt sich da die Frage auf, was der Dich ter auch uns Heutigen noch bedeuten könne. Die Antwort darauf wird vielleicht am einfachsten mit einem Hinweis auf die überraschend vielen Wege gegeben, die aus dem Weltbild, dem reformatori schen Streben und künstlerischen Schaffen Grabbezu der großen geistigen Bewegung herüberführen, die jetzt das politische und kulturelle Leben unseres Volkes neu zu gestalten beginnt. Grabbe besaß ein geradezu flammendes Nationalgefühl. Es hatte bei ihm nicht mehr, wie das so mancher Dichter des 18. Jahrhunderts, eine bloße kulturelle, sondern auch schon politisch=soziale Färbung. Und es wurde, was das Entscheidende ist, in ihm nicht erst durch Bildungseinflüsse ausgelöst, etwa durch ein intensives Einleben in die große geschichtliche Vergangenheit seines Volkes, sondern es ist in ihm aus rassenhaftem Urgrunde entsprungen. Nicht allein durch romantische Tradition, sondern durch das Bluterbe niedersächsischer Herkunft wurden die großen Sympathien des Dichters für nordisches Menschentum ausgelöst. Herzog Theodor von Gothland und Heinrich der Löwe mit seiner eigenartigen Auslegung des Sinns der römisch=deutschen Kaiserkrone sind sprechende Belege für Grabbes nordisch gerichtete Geisteswelt. Dieses stark ausgeprägte stammestümliche Empfinden hätte einen anderen in politischer Hinsicht leicht zu einem engherzigen Partikularismus verführen könnnen; Grabbe nicht. Sein letzter und heißester patriotischer Wunsch war— wie die„Hermannsschlacht“ zeigt— der unter dem Zepter eines Fürsten stehende Nationalstaat, der alle Stammesgrenzen übergreifende politische Zusammenschluß der deutchen Velksstämme zu einer starken, mächtigen Einheit. Denn Nacht und Stärke ist nach Grabbe eine Hauptbürgschaft für die Größe des einzelnen, wie ür die eines Volkes und auch einer ganzen Epoche. Daher ja aues sein unausgesetzter Kampf gegen seine in ästhei scher Selbstgenügsamkeit weich und chlaff gewordere, tatenscheue Zeit. Immer hat er auch einem Velke seine Sympathien nur in dem Grade zugewandt, als es seine Stärke zur Selbsthilfe erwies.„Die Griechen sind Narren, wenn sie ich helfen lassen. Wer sich selbst nicht befreien kann, verdient keine Freiheit und bewahrt sie nicht", chreibt er unterm 8. August 1827 an Kettembeil. Und in„Heinrich VI.“ erwidert Tancred dem Grafen Acerra, als ihm dieser die Aussichten der Normannen auf fremde Hilfe eröffnet: Jedes Volk, das sich Nicht selbst befreit, verdient nicht frei zu sein, Und im Befreier trifft's den neuen Herrn. Ebenso nahe wie mit derartigen Anschauungsweisen rückt Grabbe dem Denken und Fühlen der deutschen Gegenwart mit der fast übergewaltigen Betonung des Führergedankens in seiner Dichtung, mit der Ueberzeugung, daß epochale Leistungen nur vom großen, heldischen, dabei lebensklugen und fernblickenden Einzelnen, nicht aber von der Masse zu erwarten sind, daß der Masse an den entscheidenden Taten der Weltgeschichte nur soweit ein Anteil gebührt, als sie sich in hingebungsvoller Gefolgstreue hinter die große Führerpersönlichkeit stellte. Sozialist im heutigen Sinne war unser Dichter natürlich nicht und konnte es nicht sein zu einer Zeit, wo die soziale Frage, in Deutschland wenigstens, noch nicht aktuell war. Aber mit derselben Wärme und Eindringlichkeit, mit der solche Forderungen auch an unsere Generation wieder gerichtet wurden, verlangt schon Grabbes Hannibal in der Botschaft, die er an die karthagischen Machthaber sendet, die völlige Hintansetzung und Unterdrückung aller egoistischen und materialistischen Sonderinteressen zum Wohl des staatlich organisierten Volksganzen:„sie sollten eins sein, keiner des anderen Säcke beneiden, und schließlich: das Vaterland geht sonst unter in Familienzwisten und die Familien mit ihm!" Diese, den Führer= und völkischen Gemeinschaitsgedanken miteinander verschmelzende dichterische Einstellung brachte es auch zuwege, daß Grabbe trotz seiner zeitweiligen Vorliebe für die materialistischen Tendenzen seiner Epoche und trotz seiner Abweisung von Standesvorurteilen und Legitimitätsansprüchen doch über die französischen Sozialpolitiker um 1830, in deren Theorien bekanntlich die ersten Keime der späteren marxistischen Lehre liegen, den Stab brach. Und mit der gleichen Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Denkens wehrte er sich überhaupt gegen den damaligen, zum großen Teil von Frankreich her importierten In diesen Tränen, die ich weine, spür' Ich es: es gab einst einen Gott, der war Zerschlagen— Wir sind seine Stücke— Sprache Und Wehmut— Lieb' und Religion un Schmerz Sind Träume nur von ihm. Christian Dietrich Grabbe Zeitgeist, der die literarische Tätigkeit der Deu schen mit Gewalt in seine Fesseln schlug. Grabbder mit seiner eignen Kunst so tief dem Volkstur verpflichtete Dichter, der eifrige Vorkämpfer für ei autochthones, von ausländischer Bevormundun freies Schrifttum, verfolgte auch mi Widerwillen oder Spott die Lieblings probleme des jungdeutschen Liberalismus, di Frauen= und Judenemanzipation und auch die gan unangebrachte, in Deutschland damals nachgerad ansteckend gewordene Polenschwärmerei. In alle diesen Zügen, die seine Zeit vielleicht als rüch schrittlich empfand, zeigt sich die weltanschaulich Verwandtschaft Grabbes mit Ideenbewegungen de jüngsten Vergangenheit. So gibt uns gerade ei allgemeiner Rückblick auf das geistige Weltbild de Dichters die Hoffnung, daß der hundertsten Wieder kehr seines Todestages ein Geschlecht gedenke wird, das verständnisinniger als alle vorausgehen den das Große und Einzigartige begreift, das in Lebenswerk dieses einsamen niedersächsischen Kul turkämpfers qualvoll nach Ausdruck und Gestal tung rang. * Obigen Aufsatz entnehmen wir der ausgezech Grabbe=Biographie von Ferdinand Josef Schneide die der Verlag Beck, München, herausbrachte und obe von uns schon erwähnt wurde Slschreibmaschinen sind schnelle Helfer im Schriftverkehr für jedermann! Kappel-Kleinschreibmaschinen in mehreren Ausführungen 117.50, 186.-, 234.-, 245.mit Koffer! Auf Wunsch bequeme Teilzahlung! Fordern Sie Angebot von schinenfabrik Kappel G. m. b. H., Chemnltz. Ste led. 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