Weslsälische Bezugspreie mit Justellungsgebühr und Versandkosten 60 Ofennig für die Woche. Post=Bezug monatlich 2,50 Mark einschl. 56 Ofennig Dostzeitungsgebühren. Hierzu 42 Ofennig Bestellgeld. Kinzel=Stück 15 Ofennig, Sonntags 20 Ofennig. Erscheint wöchentlich siebenmal. Täglich das bebilderte Unterhaltungoblatt und Sonntags die sechzehnseitige Beilage„WL3 am Sonntag". Für unverlangt eingesandte Beiträge wird keine Gewähr übernommen. Druck u. Verlag: Westfälische Landeezeitung G. m.b.H., Dortmund, Reinoldistr. 19. Fernruf 30441 der Nati Amtliches Blatt Sozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei Sczeilüng Anzeigenpreie je Millimeter der Rleinspalte 36 Os. in der Gesamtauflage, für die Bezirksausgaben besondere Oreiolisten. Ermäßigte Oreise: Für Jamilienanzeigen 12 Of., Stellenangebote 18 Of. Stellengesuche 12 Of., Gelegenheitsanzeigen nicht geschäftlicher Art in der Rubrik„Kleiner Anzeigenmarkt“ 15 Of. je Millimeter.— Für die Berechnung und Ausführung der Anzeigenaufträge sind die in der Oreieliste vorgesehenen Bedingungen maßgebend.— Erfüllungsort Dortmund.— Postscheckkonto Dortmund 450.— Anzeigen=Annahme für die Wochentags=Ausgabe bis 2 Uhr nachmittags, für die Sonntags=Ausgabe bie Freitag abend 6 Uhr. Ausgabe □ 49. Jahrgange Jolge 23 — Freitag, den 24. Januar 1936 Holland 18 Cente, Belgien 1.50 bire. Frankreich 1 Fr., Schweis 20 Rappen Einzel-Stück 15 Dfg. Weltkongreß für Freizeitgestaltung in Hamburg Eine Unterredung der„Westfälischen Landeszeitung- Rote Erde“ mit dem Leiter des Kongresses Bekenntnis der Völker zur Lebensfreude“„ Ein würdiger Auftakt zu den Olympischen Spielen * Vom 23. bis 31. Juli 1936 findet in Hamburg der zweite große Weltkongreß für Freizeit und Erholung statt. Zu diesem Kongreß werden Abordnungen fast aller Länder der Erde erscheinen. Parteigenosse Rentmeister, der Leiter dieses Kongresses, beantwortete dem d.-h.-Mitglied unserer Berliner Schriftleitung einige Fragen über die Aufgaben der Hamburger Tagung. Ueber diese Unterredung drahtet unsere Berliner Schriftleitung: Frage: Welche Erwägungen zu der igungen haben Einberufung des Kongresses geführt? Antwort: Bereits auf dem Freizeit=Kongreß 1932 in Los Angeles wurde auf Antrag deutscher Vertreter der Beschluß gefaßt, den Kongreß des Jahres 1936 in Deutschland durchzuführen. Auf diesem Kongreß in Los Angeles wurde ein internationales BeratungsKomitee aus Vertretern verschiedener Nationen gebildet, das unter dem Vorsitz des Präsidenten der amerikanischen Freizeitorganisation steht und die Aufgabe übernahm, die Freizeitbestrebungen auf allen Gebieten zu fördern. In verschiedenen Ländern bestehen Organisationen mannigfachster Art, die sich mit Freizeit= und Erholungsfragen befassen und selbstverständlich ein lebhaftes Interesse besitzen, ihre Erfahrungen gegenseitig auszutauschen und zu fördern. Frage: Wie weit sind die Vorbereitungen für den im Juli in Hamburg stattfindenden Kongreß gediehen? Antwort: Auf Anordnung des Reichsleiters der Deutschen Arbeitsfront, Parteigenossen Dr. Ley, wurde aus der Deutschen Freizeitorganisation„Kraft durch Freude" als der Trägerin der Freizeitgestaltung in Deutschland heraus ein Organisationsausschuß gebildet, der die Aufgabe hat, den Kongreß in Hamburg vom 25. bis 31. Juli 1936 vorzubereiten und durchzuführen. Dieser deutsche Organisationsausschuß steht in ständiger Verbindung mit den maßgeblichen Persönlichkeiten des internationalen Beratungskomitees und den Organisatoren des Kongresses 1992. Die bisherige Fühlungnahme läßt erhoffen, daß die in den nächsten Tagen an die Regierungen, Organisationen und Persönlichkeiten ergehenden Einladungen den stärksten Widerhall finden werden. Es ist zu erwarten, daß der Kongreß infolge seiner starken Bekeiligung aus In- und Auslande zu einem Friedensfaktor werden wird; denn gerade die Devise „Freude— Friede“, unter die der Kongreß gestellt ist, soll ausdrücken, daß in den Freizeitbewegungen der Völker ein wertvoller Mittler zwischen den Nationen zu erblicken ist. Frage: Was sind die Ziele des Kongresses? Antwort: Die Ziele des Kongresses sind: 1. die internationale Berichterstattung und den Austausch der gegenseitigen Erfahrungen zu fördern; 2. Verständnis für die Freizeitbewe gungen und Bestrebungen in den einzelnen Ländern zu wecken: 3. in der zwischenvölk lichen Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Freizeitgestaltung ein Mittel zur An näherung der Völker zum Frieden zu gewinnen. In der RSG.„Kraft durch Freude“ ist eine Freizeitorganisation geschaf fen, die zweifellos dem Auslande viel Anre gungen zu bieten vermag, wie umgekehrt es in vielen Ländern Organisationen gibt, die aus der Eigenart ihrer Volkscharaktere Wert volles geschaffen haben, das auch für Deutsch land von Interesse ist. Frage: Wie wird sich der Kongreß im ein zelnen vollziehen? Ist schon ein bestimmtes Programm aufgestellt? Antwort: Selbstverständlich liegt das Pro gramm in den großen Grundzügen fest. Das Kongreßprogramm zerfällt in drei Teile. 1. Die Arbeitstagungen. Das universelle Gebiet der Freizeitgestaltung wird in voraussichtlich 12 Hauptthemen gegliedert, z. B. Schönheit der Arbeit als Vor aussetzung des Feierabends, Freizeitgestaltung der Jugend, Freizeitgestaltung der Frau, Frei zeitgestaltung durch Sport usw. Zu jedem Hauptthema wird eine Reihe von einzelnen Fragen zur Diskussion gestellt, die in beson deren Kommissionen bearbeitet werden. Die maßgeblichsten Persönlichkeiten des In= und Auslandes werden von uns eingeladen, zu den einzelnen fachlichen Gebieten in Referaten Stellung zu nehmen. Zweifellos wird sich aus der Arbeit der Kommissionen eine Fülle von Anregungen ergeben, die als Empfehlung für die künftige Freizeitarbeit allen beteiligten Nationen weitergegeben werden können. 2. Die praktische Darstellung der Freizeitgestaltung durch die Leistungsschau der deutschen Freizeitorganisation, um auf diesem Wege unseren Gästen Einblick in das deutsche Freizeitschaffen zu gewähren, weiter durch das Volksfest der Nationen in Hamburg, auf dem auserlesene Volksgruppen die Eigenart ihrer Nation im volkstümlichen Lied, durch Musik, durch Tanz und Volksspiele zur Darstellung bringen werden und in einem großen deutschen Festzuge, durch welchen den ausländischen Gästen ein lückenoses Bild des deutschen Volkstums geboten wird. Dieses Volksfest der Nationen soll ein Bekenntnis der Völer zur Lebensfreude sein, denn gerade in der Pflege des volkstümlichen Tanzes, der Musik und der Spiele spiegelt sich das Volkstum am ursprünglichsten wider. Deshalb ist das Kennenlernen der völkischen Eigenarten des anderen ein Weg zur Achtung fremden Wesens und zur Förderung der Erkenntnis, daß die Betonung des nationalen Eigenlebens kein Hindernis für das gegenseitige Verstehen der Völker bedeutet. 3. Die Reichswerbewoche„Kraft durch Freude“. In allen Gauen finden im Anschluß an den Hamburger Kongreß bis einschließlich 9. August große„Kraft=durch= Freude"=Volksfeste statt, auf denen die ausländischen Volksgruppen mitwirken werden. Diese Feste im Reiche werden den hunderttausenden Fremden, die anläßlich der Olympischen Spiele nach Deutschland kommen, einen unauslöschlichen Eindruck deutschen Volkslebens und deutscher Gastfreundschaft übermitteln. Alle diese großen Veranstaltungen in Hamburg und im Reiche sollen in weitestgehendem Maße dem Volke zugänglich sein. Auch der Aermste darf sich nicht ausgeschlossen fühlen, deshalb wird voraussichtlich durch den Vertrieb einer kette zum Preise von 20 Pfg. sich jeder die Teilnahme zu diesen Veranstaltungen im Freien sichern können. Bei geschlossenen Veranstaltungen braucht darüber hinaus jeder nur einen kleinen, leicht erschwinglichen Zuschlag zu entrichten. Es ist weiterhin dafür Vorsorge getroffen, daß aus allen deutschen Gauen Volksgenossen mit„Kraft=durch=Freude"=Zügen nach Hamburg fahren werden. Das Amt für Reisen, Wandern und Urlaub in der NSG„Kraft durch Freude“ wird anläßlich der Hamburger Festtage die KdF=Flotte in Hamburg versammeln. Frage: Es ist klar, daß, wenn Vertreter einer derartig großen Anzahl von Nationen sich zu gemeinsamen Beratungen zusammenfinden, sprachliche Schwierigkeiten entstehen. Ist nun eine besondere Sprachregelung getroffen, oder sind bestimmte Kongreßsprachen eingeführt? (Fortsetzung auf Seite 2) Schwere Zusammenstöße in Damaskus Mit Tanks gegen die Menge 7 Arabischer Nationalistenführer verhaftet erfolge der B A Jerusalem, 24. Januar. Wie aus Damaskus gemeldet wird, ereigneten sich dort erneut schwere Zusammenstöße. Die Bevölkerung und einige Nationalistenführer beteiligten sich an der Beerdigung der beiden bei den letzten Unruhen getöteten Demonstranten. Nach dem Leichenbegängnis trieben Militär und Polizei die Menge auseinander. Es wurden sogar neun Tanks eingesetzt. In der Menge befanden sich besonders viel Studenten. Zum ersten Mal in der syrischen Geschichte haben sich auch Frauen an diesen Auseinandersetzungen beteiligt. Die Bäcker und Metzger hatten zum Zeichen Protestes ihre Läden geschlossen. Sie wurden jedoch von der Regierung gezwungen, ihre Geschäfte wieder zu öffnen. Der verhaftete Nationalistenführer Barudi wurde nach Djesiren verhannt, das in der Nähe der türkischen Grenze liegt. Auch in Aleppo, wo die Zusammenstöße bereits vier Todesopfer forderten, und über 200 Verhaftungen vorgenommen wurden, halten die Unruhen an. Die Oeffentlichkeit Palästinas und die Presse ve mit wachsender en die Vorgänge in Syrien esorgnis. Danktelegramm König Eduards an den Führer X Berlin. 24. Januar. Seine Majestät König Eduard VIII. von England hat die Beileidskundgebung des Fühund Reichskanzlers zum Ableben des rers mit einem Danktelegramm in Uebersetzung wie folgt Königs Georg V. beantwortet, das lautet: „Die Königin, meine Mutter, vereinigt sich mit mir in aufrichtiger Danksagung, Herr Reichskanzler, für Ihre freundlichen Beileidsbezeugungen und die Versicherung des Mitgefühls der deutschen Reichsregierung und des deutschen Volkes an dem schweren Leid, das durch den Tod des Königs, meines geliebten und verehrten Vaters, über uns und die bri tischen Völker gekommen ist. Edward VIII.“ Das Programm für den 30. Januar Ehrentag für die alte Garde der 6A/ Die beiden dienstältesten SA-Männer eines jeden Sturmes aus dem Reich marschieren vor dem Führer 7 Wiederholung des historischen Fackelzuges () Berlin, 24. Januar. Zum dritten Male jährt sich am 30. Januar der Tag, an dem in Deutschland vom Fels zum Meer, in Ost und West, jubelnd die Hakenkreuzbanner aufgezogen wurden. Nach vierzehn Jahren Kampf war der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, war der oberste SA=Führer Kanzler des deutschen Reiches geworden. Ein Jubel ohnegleichen ging durch Deutschlands Gaue. Die Opfer derer, deren Namen von den Feldzeichen und Sturmfahnen leuchten, waren nicht umsonst gewesen. Spontan sammelten sich in allen Städten und Dörfern die Männer der Bewegung. SA= und SS=Einheiten veranstalteten Fackelzüge und himmelan leuchteten die Freudenfeuer der zusammengeworfenen Fackeln. Durch das Brandenburger Tor und die Wilhelmstraße marschierte zum ersten Male die SA, die aktivsten politischen Soldaten des Führers, die in unzähligen schweren Saalund Straßenschlachten an erster Stelle diesen Sieg erringen halfen und damit den Weg zur Uebernahme der politischen Macht frei machten. Nach drei Jahren wird nun wieder zu Ehren ihres obersten SA=Führers die SA marschieren. Aus ganz Deutschland werden die beiden dienstältesten SA=Männer jeden Sturmes nach Berlin kommen. Zu derselben Stunde, zu der der Führer am 30. Januar Kanzler wurde, werden auf dem Berliner Lust garten 25000 Männer der alten Garde der SA zum Appell vor ihrem obersten SA=Führer angetreten stehen und ihr Führer wird zu ihnen sprechen. Gleichzeitig werden sprechen der Stabschef und Reichsminister Dr. Goebbels. Am Abend werden dann die 25000 Mann auf der Charlottenburger Chaussee in Zwölferreihen antreten, mit ihnen werden antreten je ein Marschblock der Berliner Standarten, Ehrenabordnungen der SS, der Hitlerjugend und des RSKK, so daß im ganzen 35000 Mann zum Fackelzug angetreten sein werden. Um 8 Uhr abends wird sich der Fackelzug in Marsch setzen und durch das Brandenburger Tor, über die Linden und durch die Wilhelmstraße marschieren. An der Reichskanzlei wird der Führer den Vorbeimarsch dieser 35000 Männer abnehmen. Nach Beendigung des Vorbeimarsches, der ungefähr 1½ Stunden dauern wird, wird vom Kaiserhof her der sich aus drei Musikzügen zusammensetzende„SA=Ruf“ anrücken, und dem Führer wird zum erstenmal der„SA=Ruf“ gebracht werden. Der„SA=Ruf" wird in Zukunft der Zapfenstreich der SA sein. Der Fackelzug und der„SA=Ruf" werden durch Rundfunk übertragen werden, desgleichen die mittags beim Appell gehaltenen Reden. Für die gesamte deutsche SA ist für diese Sendung Gemeinschaftsempfang angeordnet. Alle SA=Männer Deutschlands werden in ihren Sturmlokalen und Unterkünften teilnehmen an diesem Ehrentag der SA, einem Tag, der allen, die ihn miterleben, Gelöbnis und Ver pflichtung zugleich sein wird. 24. Januar. sich unter dem Führers der Partei, Amtsleiter des das die der Gruppenführer der im historischen Festsaal der Führertagung in München □ München, Am Donnerstag versammelte Vorsitz des Stellvertreters gesamte obere Führerkorps Reichsleiter, Gauleiter und Reichsleitung sowie die SA, SS und NSKK des alten Münchener Rathauses— erstmals seit seiner Wiederherstellung— zur Fortsetzung der am Mittwoch begonnenen großen Arbeits tagung. In instruktiven Vorträgen wurden die Ver sammelten über wichtige Einzelfragen infor miert. Der Reichssendeleiter des deutschen Rundfunks, Parteigenosse Hadamovsky, gab einen Ueberblick über die deutsche und europäische Rundfunksituation und kennzeich nete die beabsichtigte zukünftige Entwicklung des deutschen Rundfunks. Anschließend sprach Generalleutnant Parteigenosse Milch, der dem Führerkorps der Partei einen ausführ lichen Bericht über den gegenwärtigen Stand der deutschen Luftwaffe gab. Wir bringen heüte: Sicherung Deutschlands In einem Gespräch legt Reichsbauernführer Darré die Grundlagen der nationalsozialistischen Ernährungspolitik dar. Die Sorge für den Schaffenden Drei Jahre Nationalsczialismus— drei Jahre sozialistischer Aufbau. Krieg und Dichter Werner Beumelburg, der Verfasser des Buches„Sperrfeuer um Deutschland“. spricht zu uns von sich und seinem Kriegserlebnis. Soldaten im Weisen Olympia Zu den wieder aufgenommenen Wettbewerben in den Weltwinterspielen zählt auch der Militärpstrouillenlauf, in dem die deutschen Teilnehmer gute Aussichten haben. Sind wir ein gesundes Volk? Das jetzt veröffentlichte Ergebnis der Musterung des Jahres 1935 gibt einen deutlichen Einblick in den Gesundheitszustand des deutschen Volkes. Genfer Gaukelspiel Litwinows bolschewistisches Theater Man hat in Genf in aller Eile die Szenerie gewechselt. Der neue Hintergrund wirkt nicht überzeugend. Es scheint, daß die Akteure durch entsprechendes Pathos das Auditorium überzeugen wollen und man legt dabei offensichtlich größeren Wert auf die Regie als auf die Stichhaltigkeit des Themas. Mit Donnerrollen inszenierte man den Fall Uruguay. Herr Litwinow. in bürgerlichem Gewande, mit weltrevolutionärem Herzen und demagogischer Rabulistik, machte aus dem erlauchten der um das Recht kämpfenden Nationen einen Rummelplatz selbstgefälliger Zweckpolitik. Es war nicht leicht, in Genf eine klare Erkenntnis darüber zu gewinnen, ob man dort bereits soweit ist, die Grenzen dessen, was man international bisher Politik zu nennen pflegte, nicht einmal mehr nach außen hin wahren zu wollen. An praktische Voraussetzungen fühlt man sich dort ja bereits seit langem nicht mehr gebunden— vorausgesetzt, daß man es je getan hat—; denn sonst würde darüber zu verhandeln sein, daß das Verhalten des sowjetrussischen Gesandten in Uruguay, Minkin, beweist, daß Sowjetrußland seine, ihm durch die Mitgliedschaft im Völkerbunde erwachsenden Pflichten völlig außer acht läßt. Die Völkerbundssatzung hätte zu einer Aussprache über diese Frage genügend Bestimmungen aufgewiesen, die eine völkerrechtliche Grundlage abgegeben hätten. Statt dessen vertauscht man wieder einmal die Rolle des Angeklagten mit der des Klägers. Die Erklärungen Litwinows sind in demselben Maße gegenstandslos, wie sie überheblich sind. Der sowjetrussische Außenkommissar sprach mit Ironie von dem„kleinen Staat“ und es fehlte nur noch, daß er hinzufügte, daß Sowjetrußland mit einem kräftigen Atemzug diesen Staat aufsaugen könnte. Auf der einen Seite erklärte er, daß es für Sowjetrußland„bedeutungslos“ wäre, ob es mit Uruguay diplomatische Beziehungen pflege oder nicht, um im gleichen Atemzuge zu behaupten, daß sich das 170=MillionenVolk Sowjetrußlands den Abbruch der diplomatischen Beziehungen nicht mit Ruhe ansehen werde. Um die Reihe der Gedankensprünge vollzumachen, gab er dem Rat zur Kenntnis, daß er die ganze Frage überhaupt nur ihrer grundsätzlichen Bedeutung wegen aufrolle, und forderte zum Schluß den Rat auf, die Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Uruguay durch eine Entschließung wiederherzustellen, allem Anschein nach in der Hoffnung, den südamerikanischen Staat durch den Völker bund zwingen zu lassen, die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen. Es wurde inzwischen ein Berichterstatter für dieses Problem ernannt. Man wählte Herrn Titulescu. Ebensogut hätte man Herrn Litwinow selbst mit der Berichterstattung beauftragen können. Das Ablenkungsmanöver Nr. 1 ist damit vom Stapel gelaufen und zeigte ebensoviel Pathos, wie es Würde vermissen ließ. Es ist aber nicht nur ein Ablenkungsmanöver, was sich am Mittwoch in Genf abspielte. Man wird sich bewußt sein müssen, daß es eine offensichtliche Demonstration dessen war, was die sowjetrussischen Politiker in Zukunft entschlossen sind, vor dem Genfer Forum zu bieten. Inzwischen bereitete Eden mit Eiser das Ablenkungsmanöver Nr. 2 vor und es scheint, daß er seinem sowjetrussischen Amtskollegen nicht nachstehen will. Jedenfalls heißt es in Genf, daß Eden beabsichtige, in der Danziger Frage erhebliche Forderungen zu stellen. Eine Bestätigung derartiger Vermutungen war bis jetzt noch nicht zu erhalten, aber soweit über die Verhandlungen, die zwischen dem Danziger Senatspräsidenten, dem polnischen Außenminister und dem Berichterstatter in der Danziger Frage, Eden, Nachrichten durchsickerten, scheinen die Gespräche eine ernste Note angenommen zu haben. In diesem Zusammenhang müssen die Genfer Ansichten beachtet werden. Man spricht hier allgemein davon, daß Eden eine neue Politik einleite, die darauf ausgehe, den Völkerbund als machtpolitisches Instrument voll und ganz zum Einsatz zu bringen. So erklärt man sich auch hier das taktische Vorgehen Edens, der einerseits durch seine Berichte zu einer scharfen Aktion gegen Italien ansetzt, während auf der anderen Seite die Bereitschaft anklingt, mit Mussolini doch— nach zwei bis drei Monaten— Verhandlungen aufzunehmen. Allerdings erst, wenn Italien sich der Völkerbundssatzung und damit den englischen Wünschen gebeugt habe. Von diesem Gesichtspunkt aus wird auch die Haltung verständlicher, die der englische Außenminister dem sowjetrussischen Spiel entgegenbringt. Sarraut beauftragt Heute Lösung der Kabinettskrise? rd. Paris, 24. Februar. Nachdem sowohl Herriot als auch Delbos. der Vorsitzende der radikalsozialistischen Kammerfraktion, die Berufung des Staatspräsidenten, eine neue Regierung zu bilden, abgelehnt haben, hat soeben der ehemalige Ministerpräsident Sarraut den Auftrag Lebruns im Prinzip angenommen. Albert Sarraut war bereits im Laufe dieser Legislaturperiode Ministerpräsident gewesen. Er stürzte nach einer 3=monatigen Amtszeit über das Finanzproblem. Ihm gehört die„Depsche de Toulouse". Als radikalsozialistischer Senator hat er eine bedeutende Rolle innerhalb der Partei gespielt. Seine Absicht ist es, für die Zeit des Wahlkampfes eine absolut unpolitische Regierung zu finden und die laufenden Geschäfte zu erledigen. Es ist anzunehmen, daß die Radikalsozialisten und auch die Marxisten diese Lösung begrüßen werden, und daß sich eine Mehrheit für dieses Kabinett schnell finden lassen wird. Im Laufe des heutigen Vormittags wird Sarraut dem Staatspräsidenten seine endgültige Antwort übergeben. Sudetendeutsche Volkshilfe arbeitet Reichenberg, 24. Januar. Eine ungefähre Uebersicht über das Ergebnis der„Sudetendeutschen Volkshilfe“ bis Ende 1935 ergibt, daß während ersten fünf Wochen der Sammeltätigkeit der mehr als 3¼ Millionen Kronen in GeldSachwerten aufgebracht wurden. und Ernährungspolitik Eine Unterredung mit Reichsernährungsminister Darré7 Sicherstellung der Kleinverdiener Schafsung neuen Ackerbodens der Nation anzuziteg, Wenn Deutschland einen Man spricht viel von der deutschen Ernayrungslaae. von der deutschen Bauernvolitik, von den agrarpolitischen Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung. Je nach Temperament und Laune werden diese Probleme von den verschiedensten Menschen verschieden behandelt, der eine ärgert sich, daß er nicht das sonst übliche Quantum an Eiern verzehren kann, der andere ist ernst und fleißig bemüht, Mittel und Wege zu finden, um zu seinem Teil dazu beizutragen, die deutsche Ernährungslage zu sichern und die Auslandspresse schließlich benutzt ihre Unkenntnis deutscher Verhältnisse dazu, um über die Zustände in Deutschland das Blaue vom Himmel herunterzulügen. Es wird viel von der nationalsozialistischen Agrarpolitik und viel von dem Mann, den das Vertrauen des Führers an die Spitze des Nährstandes gestellt hat und in dessen Händen die Verantwortung für die deutsche Ernährungs= und Bauernpolitik liegt, gesprochen. Was will Darre, was tut Darré, was hat Darré vor, so schwirren die Fragen durcheinander. Der Leiter unserer Berliner Schriftleitung, Graf Reischach, hat den Reichsbauernführer Parteigenossen Darré gebeten, sich mit ihm über diese Probleme zu unterhalten, damit man nicht von Darré, sondern einmal mit Darré über diese Dinge spricht. Von der allgemeinen Weltlage, von großen politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus kommt die Unterhaltung auf die ernährungspolitische Lage Deutschlands, auf die Marktregelung und die Möglichkeiten, durch eine vorausschauende Marktpolitik dem deutschen Volke die Nahrung zu sichern. Der Minister betont, daß er es als seine wichtigste Aufgabe ansieht, eine mengenmäßig möglichst große Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte zu ermöglichen uno zu sichern und die Ernte zu einem möglichst gerechten Preis Ueberfluß landwirtschaftlicher Produkte erzeugen könnte, dann wäre der saisonmäßigen Mangellage leicht zu steuern. Das Ideal wäre, die Erzeugung so einzurichten, daß die bei guten Ernten angesammelten Reserven ausreichen, um die bei anderen Ernten entstehenden Lücken auszufüllen. Entscheidend sei es, meint der Minister, daß das deutsche Volk sich einmal zu der fundamentalen Erkenntnis aufschwinge, daß der Ausfall der Ernten und damit die Menge der zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Produkte vom lieben Gott abhängig ist, nicht aber vom Wollen und Können der Staatsführung und des Ernährungsministers. Ein Leichtes wäre es selbstverständlich, beim Auftauchen einer Mangellage ausländische Märkte zu beanspruchen. Das nationalsozialistische Deutschland halte es aber für wichtiger, die geringe Menge der zur Verfügung stehenden Devisen zur Anschaffung von Ronstoffen zu verwenoen, um dadurch Durchführung und Fortgang der Arbeitsschlacht zu ermöglichen. Sehr aufschlußreich ist der Hinweis, daß das deutsche Volk 1916/17, also zwei Jahre nach Beginn des Krieges, als es noch im Besitz großer und ergiebiger Reservoire für landwirtschaftliche Produkte war— man braucht nur an Posen, Westpreußen, die Kornkammern Oesterreich-Ungarns zu denken— den Steckrübenwinter erlebte, während Deutschland zwei Jahre nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, ohne daß ihm diese fruchtbaren Gebiete zur Verfügung standen, außer saisonmäßig bedingten Mängeln bei wachsender Kaufkraft, großen Volkskäufen und dadurch bedingtem steigenden Bedarf über durchaus ausreichende Nahrungsmengen verfügte. Diese Tatsache beweist schlagend, wie umsichtig die nationalsozialistische Argrarpolitik handelte. Als seine größte ernährungswirtschaftliche Aufgabe bezeichnet Darré die SicherstelWeltkongreß für Freizeitgestaltung in Hamburg (Fortsetzung von Seite 1) Antwort: Auf dem Kongreß sind fünf Sprachen zu Kongreßsprachen erklärt, uno zwar Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch und eine weitere europäische Sprache, über deren Verwendung nach Eingang der Delegiertenanmeldungen entschieden wird. Auf dem Kongreß wird die moderne DolmetscherUebertragung eingesetzt, wie sie sich bereits im Film=Kongreß praktisch bewährt hat. Für die Betreuung der Volksgruppen stehen natürlich in Hamburg eine große Zahl von Dolmetschern in allen Sprachen zur Verfügung. Frage: Inwieweit wird der Kongreß mit den unmittelbar nach Kongreßschluß in Berlin beginnenden Olympischen Spielen in Zusammenhang gebracht? Antwort: Organisatorisch besteht kein Zusammenhang. Der Hamburger Kongreß ist eine vollkommen selbständige Veranstaltung. Ideell laufen die Fäden natürlich zusammen, und man darf wohl sagen, daß die Hamburger Veranstaltungen einen würdigen Auftakt der Olympischen Spiele bilden werden. Ein Zusammenhang ist selbstverständlich allein schon aus der Tatsache gegeben, daß durch die theoretische und praktische Behandlung der Sportfragen in Verbindung mit der Freizeitgestaltung in Hamburg gewissermaßen die Sportleistungsidee in ihrer breiten Wirkung für das ganze Volk herausgestellt wird, während bei den Olympischen Spielen die aus dieser Breitenarbeit sich ergebenden Höchstleistungen in friedlichem Wettbewerb der Nationen gezeigt werden. Außerdem wird der Kongreß mit einem feierlichen Schlußakt am 31. Juli in Berlin beendet werden, am Vorabend des Beginns der Olympischen Spiele. Im internationalen Beratungskomitee sind ferner eine Reihe von Persönlichkeiten vertreten, die zugleich bei den Olympischen Spielen führend sind, u. a. Graf BailletLatour, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Staatssekretär a. D. Lewald als Präsident des Deutschen Organisationskomitees, van Rossen als Präsident des Niederländischen Olympischen Komitees, Dr. Schmidt, Präsident des Oesterreichischen Olympischen Komitees, der Schwede Edström als Präsident des Internationalen Leichtathletik=Verbandes und Dr. Szukovathy, Direktor der Staatlichen Hochschule für Leibesübungen in Budapest. Aus meinen Darlegungen werden Sie selbst den Eindruck gewonnen haben, daß der Kongreß in Hamburg und die ihn begleitenden Veranstaltungen in einem Rahmen zur Darstellung kommen, der der Bedeutung Deutschlands als Gastgeber der ganzen Welt anläßlich der Olympischen Spiele würdig ist und den schaffenden deutschen Volksgenossen die Größe und Bedeutung ihrer einzigartigen Organisation, der NSG„Kraft durch Freude", als eine der wunderbarsten Schöpfungen der deutschen Revolution sinnfällig vor Augen führt. Litwinows Hetzrede gegen Aruguay Die Sowjetbeschwerde vor dem Völkerbundsrat 7 Der Vertreter Uruguays brandmarkt die roten Umtriebe A Genf. 24. Januar. Die sowjetrussische Beschwerde gegen Uruguay wegen des Abbruches der diplomatischen Beziehungen wurde am Donnerstagvormittag vom Völkerbundsrat in öffentlicher Sitzung behandelt. Der sowjetrussische Vertreter Litwinow gab in weitschweifigen Ausführungen, die von unbewiesenen Behauptungen und belanglosen Phrasen strotzten. eine ausführliche Darstellung des Streitfalles, wobei er sich selbstverständlich bemühte, alle Schuld auf Uruguay zu schieben. Litwinow bemühte sich um den Nachweis, daß der Abbruch der diplomatischen Beziehungen einen„Bruch" im Sinne des Artikels 12 und eine offensichtliche Verletzung des Völkerbundspaktes darstellen. Uruguay spreche lediglich Vermutungen aus, und auch diese seien in der Hauptsache nicht seine eigenen. Scheinheilig erklärte der Vertreter der Sowjetunion, daß weder die Sowjetregierung noch die Sowjetvertretung in Montevideo noch irgend welche andere Beauftragte der Sowjetregierung kommunistische Kreise in Uruguay oder in einem benachbarten Staat aufgewiegelt oder unterstützt hätten; denn„die Sowjetregierung hält unabänderlich an ihrer Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten fest“.(!!) Die Tatsache, daß der brasilianische Revolutionär Prestes Kommunist sei, mache seine Revolution noch nicht zu einer kommunistischen.(?) Zum Schluß erklärte der Sowjetvertreter, die uruguayische Regierung habe bei ihrem Vorgehen zweifellos „auf die Vorurteile spekuliert, die in reaktionären Kreisen vieler Länder gegen die Sowjetsich in ebenso schtigungen Ita union gehegt würden“, wobei er törichten wie haltlosen Verdä gegen Deutschland und ging. Nach Litwinow ergriff der Vertreter Uruguays das Wort. Er betonte, daß das Vorgehen seines Landes eine Handlung der Solidarität mit seinen Freunden und Stammesverwandten in Südamerika gewesen sei und überdies ein Akt der Notwehr, über die allein das pflichtgemäße Ermessen der Regierung von Uruguay zu entscheiden habe. Die Verweigerung der weiteren Ausübung sei im vorliegenden Falle zur Sicherung der inneren und äußeren Ordnung des Landes unbedingt notwendig gewesen, da die kommunistische Propaganda in Südamerika ihr Gehirn in der Sowjetgesandtschaft in Montevideo gehabt und sich in dem benachbarten und befreundeten Brasilien in tragischer Weise ausgewirkt habe. Artikel 12 der Völkerbundssatzung sei nicht anwendbar, denn die Satzung beschäftige sich nicht mit Bürgerkriegen und Bürgerkriegsgefahren. Uruguay wolle Arbeit, Ordnung und Frieden. Die Sowjetpropaganda in der Welt und insbesondere in Südamerika richte sich gegen die Grundlagen der Familie, der sozialen Ordnung, der Religion und die Kultur überhaupt. Im übrigen wies der Vertreter Uruguays darauf hin, daß das Vorgehen seines Landes keineswegs vereinzelt dastehe. Gleich nach dem Kriege habe die Sowjetvertretung aus der Schweiz ausgewiesen werden müssen. England, Mexiko, die Vereinigten Staaten und andere hätten die gleichen Erfahrungen gemacht, und der letzte Kongreß der Komintern spreche eine so eindeutige Sprache, daß es auch nach Auffassung der amerikanischen Regierung, die im August vorigen Jahres der Sowjetregierung mitgeteilt worden sei, keines weiteren Beweises für die organisierte Wühlarbeit Moskaus bedürfe. Die Unterscheidung zwischen der Sowjetregierung und der kommunistischen Internationale sei nicht aufrechtzuerhalten, denn Stalin sei der tatsächliche Herr der Sowjetunion. Baron Aloisi wies nachdrücklich die in der Rede Litwinows enthaltene Anspielung auf Italien zurück. Nachdem die Vertreter der beiden Parteien alle ihre Gründe vorgebracht hatten, schlug der Ratspräsident vor, den rumänischen Außen minister Titulescu zum für diese Frage zu ernennen, bleibt, ob der Bericht bei der gegenwärtigen oder erst bei der nächsten Tagung vorgelegt werden soll. Nachdem die Vertreter von Chile und Argentinien die Zuständigkeit des Rates in dieser Angelegenheit angefochten hatten, da dieser Fall eine innere Angelegenheit(Uruguays darstelle, ergriff Litwinow nochmäls das Wort. Er erklärte, daß der Rat nicht nur schlichten, sondern auch ein Urteil fällen solle. Der Rat müsse ein Urteil fällen, wie es auch im vorigen Jahre der Fall gewesen sei, als der Rat den Bruchdes Versailler Vertrages durch Deutschland festgestellt habe. Die Aussprache wurde nach der demagogischen Hetzrede Litwinows„bis zum Eingang des Berichtes Titulescu" vertagt. Berichterstatter wobei offen lung der arbeitenden Kleinverdiener durch Fettversorgung. Es leuchtet ein, daß hier riesige Schwierigkeiten zu überwinden sind, wenn man sich die Tatsache vergegenwärtigt, daß Deutschland 80 Jahre lang von seiner bodenständigen Fett= und Fleischversorgung weggedrängt wurde. Es gilt hier nach einer jahrzehntelangen systematischen Zerstörung der bodenständigen Grundlage vollständig neu aufzubauen. Ein solcher Aufbau braucht natürlich Zeit und darum müssen entsprechende Devisenmengen auf diesem Sondergebiet zur Verfügung sein. Jede Verknappung wirkte sich und wirkt sich heute noch in kapitalistischen Ländern dahingehend aus, daß der Markt auf eine Verknappung mit einer Erhöhung der Preise reagiert. Während der Groß= und Mehrverdiener von dieser Preissteigerung gar nicht soweit getroffen wird, daß er seinen Eigenverbrauch mengenmäßig beschränken muß, ist der Kleinverdiener also der Großteil der arbeitenden Menschen oft außerstande, die für ihn lebenswichtigen Nahrungsmittel überhaupt zu erstehen. Diesem asozialen kapitalistischen System hat der Nationalsozialismus das System der Festpreise entgegengesetzt. Wenn eine Verknappung eintritt, dann haben alle die gleichen Unannehmlichkeiten zu tragen, der finanziell besser Gestellte ebenso wie der Kleinverdiener. Dem Kleinverbraucher muß auf alle Fälle mengenmäßig das zugestanden werden, was er auch sonst zu kaufen gewohnt ist. In solchen Zeiten darf ein Luxusverbrauch lebenswichtiger Nahrungsmittel nicht stattfinden. Als erschwerenden Umstand führt Parteigenosse Darré die Tatsache an, daß die Butterknappheit mit einer Weltfettknappheit zusammenfiel, eine Weltfettknappheit, die einmal dadurch bedingt war, daß im Jahre 1934 in Nordamerika ein Schweinemorden stattfand, das Amerika, das früher als großer Fettexporteur auftrat, zwang, auf Auslandsmärkten Fett zu kaufen, und die sich durch die— in Zusammenhang der Spannungen um Abessinien— Verproviantierungswünsche einiger Mächte noch mehr verstärkte. Von dieser Frage leitet Parteigenosse Darré die Unterhaltung auf die Möglichkeiten der Schaffung neuen Acerbodens durch Entwässerung von Sümpfen, durch Urbarmachung von Heide, also durch Meliorationen. Als ideal bezeichnet es der Minister, wenn alle Meliorationsmöglichkeiten hundertprozentig ausgenutzt werden könnten. Der Nationalsozialismus schaffe nur Bauernhöfe, die groß genug wären, eine Bauernfamilie zu ernähren. So seien bis jetzt ohne das Jahresergebnis 1935 10 000 neue lebensfähige Erbhöfe entstanden, dazu kämen weitere 22000 Erbhöfe, die durch Anliegersiedlung geschaffen wurden. Die Zahl von 32.000 Erbhöfen ist einmal in Anbetracht der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit und in Anbetracht des Umfanges anderweitigen für die Nation lebenswichtigen Landbedarfs als außerordentlich groß zu bezeichnen. Die italienische Presse unter„Bund sucht aus Anlaß der Moskauer der Räuber".„Beschwerde" über Uruguay die Wandlungen Moskaus gegenüber dem Völkerbund. Sie erinnert dabei an die reihenweisen Beleidigungen des Völkerbundes durch die„Genossen“ Stalin, Litwinow, Woroschilow usw., die auf der 90. Sitzung des Rates des Völkerbundes Hilfe in Genf gegen das weit entfernte Uruguay erbitten. Das erste schmückende Beiwort, das Moskau dem Völkerbund gab, war„ein Salon einer gutbürgerlichen Familie", wobei den Machthabern im Kreml die Familie, der Salon und endlich das„gutbürgerliche“, ein Dorn im Auge war. Stalin selbst zögerte deshalb nicht, sein Urteil über Genf schärfer, uno zwar in dem Wort ein„Bund der Räuver“ zu fassen.„Senosse" Litwinom, habe den „Bund der Räuber“ noch übertroffen, indem er ihn bei seinem Aufenthalt in Rom als einen „Leichnam“, aber„kein lebender Leichnam etwa“, bezeichnete.„Wie sagte doch Genosse Woroschilow auf dem 4. Sowjet=Kongreß — fragt„Tevere“— als Woroschilow die Genfer Politiker näher bezeichnen wollte... „Diese Herren von Genf bedecken ihr gemeines, raubgieriges Gesicht mit der Maske der Humanität...“ Und Genosse Litwinow setzte hinzu:„Die auf den Völkerbund gegründeten Hoffnungen sind absurd. Die Sozialdemokraten, die den Völkerbund verteidigen, verteidigen dadurch den internationalen Kapitalismus und verraten das Proletariat. Man muß den Proletariermassen einhämmern, daß der Völkerbund weiter nichts als ein Werkzeug des Imperialismus ist...“ Ein„Werkzeug des Imperialismun— fügt„Popolo di Roma“ bei— das Litwinow zum Wohlgefallen mit einer pathetischen Rede über die internationalen Verpflichtungen und die Notwendigkeit, die Satzung des Völkerbundes aufs strengste einzuhalten, gebrauchen wird.“ Wie man sieht, hat sich die Wahrheit über das wahre Gesicht Moskaus auch in der faschistischen Presse, die vor Jahresfrist noch von den„Aehnlichkeiten“, des italienischen Faschismus mit dem Moskauer Kommunismus sprach“, durchgesetzt. Daß diese Erkenntnis nicht auzu rasch kommt, beweist ein Aufsatz eines Herrn Bergeret in der„Sazzetta del Popolo“, wo es u. a. heißt:„Haben sich die Kommunisten auch überlegt, daß eine Schwächung der italienischen Macht einen deutschen Druck auf die Flanke Rußlands hervorrufen würde und der Artikel 16 der Völkerbundssatzung, dessen Vorkämpfer jetzt Moskau ist, bei einer veränderten politischen Situation einem westeuropäischen Heere den Durchmarsch durch Deutschland zu einem Marsch nach Rußland freigeben würde?"(!) Greiser verlangt Beweise Erklärung des Danziger Senatspräsidenten zum Bericht des Völkerbundskommissars A Genf, 24. Januar. Der Danziger Senatspräsident hat zu dem bekannten Jahresbericht des Völkerbundskommissars in einer ausführlichen Erklärung, die am Donnerstag vom Völkerbundssekretariat veröffentlicht worden ist, Stellung genommen. Die wesentlichen Stellen der Erklärung lauten folgendermaßen: „Sie, Herr Oberkommissar, vertreten den Standpunkt, daß die Regierung der Freien Stadt Danzig in ständig wachsendem Maße eine verfassungswidrige Politik getrieben habe. Dieser ungeheuerliche Vorwurf hätte nach meiner Auffassung eines Beweises bedurft, an dem es in Ihrem Bericht fehlt. Ich meine, daß eine Politik, die sich in Uebereinstimmung mit der unabhängigen Rechtsprechung des höchsten verfassungsmäßigen Gerichtshofes befindet, nicht gegen die vom Völkerbund garantierte Verfassung verstoßen kann. Artikel 79 der Danziger Verfassung gewährleistet die freie Meinungsäußerung durch Wort und Schrift nicht schlechthin, sondern nur innerhalb der gesetzlichen Schranken. Das gilt auch für die Presse. Solche gesetzlichen Schran'en sind durch das verfassungsmäßige zustande gekommene Ermächtigungsgesetz gezogen. Das politische Einschreiten gegen die Presseorgane war daher zilässig und notwendia, da die skrupellose Hetzarbeit der gemaßregelten Zeitungen nicht nur die öffentliche Sicherheit und Ordnung, sondern in einzelnen Fällen sogar die Staatssicherheit gefährdete. Ueber die Rechtmäßigkeit der Auflösung des Allgemeinen Arbeiterverbandes der Freien Stadt schwebt zur Zeit ein Verfahren vor der Verwaltungskammer des Danziger Landgerichtes. Mit Rücksicht auf das schwebende Verfahren hält der Senat die Erörterung dieser Angelegenheit zur Zeit für untunlich. Gleichwohl möchte ich schon heute darauf hinweisen, daß der Allgemeine Arbeiterverband seinem Wesen nach keine Gewerkschaft, sondern ein Verein mit politischem Kampfziel ist, dessen Zweck in der Bekämpfung des von der Regierung angestrebten Aufbaues der Volksgemeinschaft durch Propagierung des Klassenkampfes besteht. Diesen Zweck verfolgt er mit ungesetzlichen Mitteln. Vereine können nach Verfassung und Vereinsgesetz aufgelöst werden, wenn ihr Zweck den Strafgesetzen zuwider läuft. Das Schreiben fährt fort:„Wirklich ernste politische Ausschreitungen haben sich in Danzig weder im letzten Jahr noch in den ganzen zweieinhalb Jahren nationalsozialistischer Staatsführung ereignet, wie schon daraus hervorgeht, daß der politische Kampf in dieser ganzen Zeit kein Todesopfer gefordert hat. Soweit es zu Ausschreitungen gekommen ist, ist die Polizei, die ohne Ansehen der Person und Partei gegen jeden Rechtsverletzer vorgeht, ihrer ohne weiteres Herr geworden. „Die Danziger Oppositionsparteien, die sich ständig mit Petitionen über angebliche Verfassungswidrigkeiten unmittelbar an den Kommissar und an den Völkerbund wenden, scheinen übersehen zu haben, daß ihnen ein Weg nach Artikel 19 Absatz 2 der Verfassung offen steht. Diese Bestimmung verpflichtet den Volkstag, einen Untersuchungsausschuß einzusetzen, wenn auch nur ein Fünftel seiner Mitglieder es beantragt und die Gesetzlichkeit oder Lauterkeit einer Regierungs= oder Verwaltungsmaßnahme angezweifelt wird. Von dieser Möglichkeit haben die Oppositionspar= teien bisher keinen Gebrauch gemacht. Es scheint uns aber Grundsatz des Völkerbundsrates zu sein, sich erst dann mit den inneren Angelegenheiten Danzigs zu beschäftigen, wenn bereits alle rechtlichen und legalen Mittel einer anderweitigen Regelung erschöpft sind.“ Dr. Friedrich Stellvertretender Hauptschriftleiter: K. Pfafferott(z. Zt. krank) Hauptschriftleiter: Ewald Löbbert. Verantwortlich: Für Innenpolitik Fritz Bormann. für Aublenpolilik Wilhelm Juna. Leiter der gesamten Lokalund Provinzteile: Ewald Löbbert. verantwortlich die jeweils am Ende der Ortsausgabe bezeichneten Schriflleiler. Verantwortlich für Wirtschaft Dr. Helmut Barth-York, für den Allgemeinen Teil Heinrich Elsenpeter. für Kunst und Unterhallung Kurt Ziesel. für Schrifttum und Heimatpolitik Günther Stöve, für Westfalen-Rheinland Iubert Hausmann, für Sport Ernst Schulle, für den Anzeigentell Bernhard Stadle. Anzeigenleiter Karl Kirschner, sämtlich in Dortmund. Berliner Schriftleitung: Ilans Graf Reischach. Berlin. Chef vom Dienst: Heinrich Elsenpeter. Dortmund. Druck und Verlag: Westfälische Landeszeilung Gmbll., Dortmund. D.-A. Dezember 1935: über 178 000 Davon D.-A. D Bezirksausgabe Dortmund und Umgebung 65 215; D.-A. B. Bezirksausgabe Rochum-Witten: 23 355; D.-A. H Bezirksausgabe Ilagen: 18 095; D.-A. A. Bezirksausgabe Sauerland(Arnsberg): 14 005; D.-A. G. Bezirksausgabe Herne- Wanne-Eickel- Gelsenkirchen-Recklinghausen: 14 015; D.-A. S Bezirksausgabe Hamm-Soest und die Börde: 13 756; D.-A. E-R Bezirksausgabe Essen— Reichsausgabe: 19 100; D.-A. L Bezirksausgabe Lüdenscheid: 10 850(z. Z. Preisliste Nr. 5 gültig). A 2. Blatt/ Jolge 23 Westsälische Landeszeitung- Rote Erde Frzitag, den 24. Januar 1936 Das Musterungs=Ergebnis 1933 Ein Einblick in die Dolksgesundheit] Der Unterschied zu den Aushebungsergebnissen des Jahres 1913 Die Jugend hat besonders in der Kriegszeit, mehr aber noch in den Jahren nach dem Völkerringen in gesundheitlicher Beziehung gelitten. Ihr ist bewußt, daß sie der Nation nur dann ganz dienen kann, wenn sie kerngesund an Leib und Seele. ihre Kräfte dem Wohl des Volkes weiht. Die körperliche Ertüchtigung der Jugend in den Jormationen der Bewegung wird sich künftig segensreich für die Volksgesundheit auswirken. Durch das Gesetz zum Aufbau der Wehrmacht vom 16. März 1935 wurde die Allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt. Mit größter Beschleunigung mußten die notwendigen Vorarbeiten getroffen werden, um den wehrpflichtigen Jahrgang zu„erfassen", zu „mustern“ und damit die Voraussetzung für die spätere Aushebung zu schaffen. Dank der unermüdlichen Tätigkeit aller hierbei beteiligten militärischen und zivilen Stellen ist es gelun gen, die Erfassung, Musterung und Aushebung reibungslos durch zuführen. Wenn sich auch Schwierigkeiten an einzelnen Stellen ergeben haben, so haben diese den Gesamtablauf nicht beeinträchtigt und sind von allen Stellen nach dem altsoldatischen Grundsatz gemeistert, daß Schwierigkeiten dazu da sind, um über wunden zu werden. Es war zu mustern der Geburtsjahrgang 1914 zum Wehrdienst, der Geburtsjahrgang 1915 für den Arbeitsdienst. Außerdem wurden noch etwa 100000 Freiwillige untersucht. Unterschied gegen früher Zum letzten Mal wurden in der Vorkriegs zeit im Jahre 1913 die Ergebnisse der Muste rung zusammengestellt. Ein grundlegender Unterschied der jetzigen und der Vorkriegs berichte besteht darin, daß bis zum Jahre 1913 die Tauglichkeitsergebnisse der Aushebung, bei der eine nochmalige ärztliche Untersuchung stattfand, zusammengestellt wurden. Besonders wichtig ist es, sich diesen Unterschied zu ver gegenwärtigen, weil in der Vorkriegszeit bei der Aushebung der Ersatzbedarf genau bekannt war. Erster Zweck der Aushebung war, diesen Ersatzbedarf sicher zustellen. War dieses Ziel erreicht, brauchte auf die Ermittelung von Tauglichen kein Wert mehr gelegt zu werden. Bei der Musterung des Jahres 1935 war der Ersatzbedarf nicht be kannt. Der junge Wehrpflichtige war enttäuscht, wenn er nicht wenigstens„bedingt tauglich“ beurteilt wurde. Der Ersatzbedarf der Wehrmacht spielte für das ärztliche Urteil keine Rolle. Begreiflich scheint es auch, daß die musternden Aerzte durch die wehrfreudige Einstellung der Dienstpflichtigen beeindruckt, an mancher Stelle milder geurteilt haben mögen als in der Vor kriegszeit geurteilt wurde. Das subjektive Ur teil des Arztes, das durch Vorschriften und Be stimmungen nicht„normiert“ werden kann und soll, spielte bei den jetzigen Musterungen eine bedeutendere Rolle, da eine große Zahl von Aerzten eingesetzt werden mußte, denen die jahrelange Erfahrung der musternden Sani tätsoffiziere der Vorkriegszeit nicht zur Ver fügung stand. Unter diesen verschiedenartigen Gesichtspunkten sind die Ergebnisse der jetzigen Musterung zu beurteilen, wenn wir sie zu denen der Vorkriegszeit in Be ziehung setzen. Die Musterungsergebnisse 1935 In der Vorkriegszeit bestand die Bestimmung, daß auch bei stärkeren Fehlern oder deren gehäuften Auftreten Ueberweisung zur Ersatzreserve erfolgen konnte. Da nach der Wehrordnung der Vorkriegszeit der Ersatzreserve I jährlich jedoch nur eine bestimmte Zahl von Wehrpflichtigen zugewiesen werden durften, kam es nicht selten vor, daß Wehrpflichtige bei der Aushebung dem Landsturm überwiesen wurden, obwohl sie ihrer körperlichen Tauglichkeit zum Dienst im aktiven Heer oder in der Ersatzreserve l ohne Bedenken hätten verwendet werden können. Werden die Ergebnisse der Musterung 1935 mit denen des Jahres 1913 verglichen, so ergibt sich folgendes Bild: a) tauglich 1 und 2 b) bedingt tauglich c) beschränkt tauglich d) untaugl. f. Wehrdienst e) völlig untauglich t) zeitig untauglich Betrachtet man lediglich die Zahlen und setzt sie zu den jetzt geltenden Vorschriften in Beziehung, so ergibt sich, daß nach unseren jetzigen Vorschriften im Jahre 1935= 83 Prozent, im Jahre 1913= 76 Prozent für den aktiven Wehrdienst tauglich sind bzw. gewesen wären. Der große Unterschied in den „beschränkt Tauglichen“ der beiden Jahre be stätigt die schon angeführte Vermutung, daß in der Vorkriegszeit ein großer Teil im aktiven Wehrdienst gut verwendbarer Wehrpflichtiger aus Mangel an verfügbaren Stellen zum Landsturm überwiesen wurde. Da bei den Aushebungen der Vorkriegszeit über alle Vorgestellten endgültig entschieden werden mußte, gab es keine zeitlich Untauglichen, die jetzt etwa 6 Prozent der Untersuchten ausmachen. Sie sind im Jahre 1913 wohl durchweg in den„beschränkt Tauglichen“ (Landsturm) und unter den„untauglich für Wehrdienst" und„völlig Untauglichen“(Aus gemusterte) zu suchen. Die Musterungen der nächsten Jahre werden zeigen, inwieweit die jetzt ermittelten Tauglich keitszahlen bestehen bleiben oder sich ändern. In der Vorkriegszeit lieferten die Aus hebungsergebnisse häufig Unterlagen für„zahl reiche Arbeiten, die die„Tauglichkeit" zur „Wehrkraft und Volksgesundheit“ in Beziehung setzten. Jeder derartige Vergleich mußte aber daran kranken, daß die Aushebung nur dem Zweck diente, den notwendigen Heeresersatz aufzubringen. Der Einblick in die Volksgesundheit war nur sehr bedingt. alle volksgesundheitlichen Betrachtungen konn ten daher nur unter Einschränkung erfolgen. Je nach dem Zweck der früheren Arbeiten wurde diese Einschränkung stärker betont, nebensächlich behandelt oder gar nicht erwähnt. In der Spalte 6 sind nur Zahlen über die Untersuchten angegeben, die vor dem Kriege in der Regel zum aktiven Dienst nicht herangezogen wurden. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Zahlen 1913, so muß der große Anteil der wegen„allgemeiner Schwächlichkeit“ Untauglichen(13,7 Prozent(!) auffallen. Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen, sind einige Erläuterungen notwendig. Die „Allgemeine Schwächlichkeit", setzte sich aus mehreren Faktoren zusammen, die für das Jahr 1913 folgenden Anteil an der Gesamtzahl von 13,7 Prozent hatten: a) zurückgebliebene körperliche Entwicklung — ohne sonstige körperliche Fehler oder Entkräftung nach überstandenen Erkrankungen und Verletzungen= 4,04% b) nicht bedeutende Fehler, die beseitigt oder vermindert werden können, so daß Tauglichkeit eintritt= 4,41% c) schwache Brust oder Formveränderungen des Brustkorbs=0,5# d) schwache Knochen= und Muskelbau oder allgemeine Körperschwäche, sowie derartig verminderte Leistungsfähigkeit und Abgestumpftheit, daß den Anforderungen des Dienstes im stehenden Heer oder in der Ersatzreserve nicht genügt werden kann Wehrkraft des Dolkes untauglich Wehrpflichtige in Prozent Tauglich für aktiven Wehrdienst tauglich 1 und 2 75,91 bedingt tauglich 6,23 Gesamtzahl aller Freiwillige Untersuchten in Prozent, in Prozent 86.77 4.21 77.02 6.03 Summe 82,14 91,03 83,06 Unter ganz besonderen Voraussetzungen ist die jetzige Musterung erfolgt. Es galt nicht nur den notwendigen Ersatz für die Wehrmacht sicherzustellen, denn für diesen Zweck brauchte nicht der gesamte Jahrgang 1914 gemustert zu werden. Unabhängig vom Ersatzbedarf sollte ein Urteil über die Tauglichkeit aller Gemusterten abgegeben werden, zumal es der Wehrpflichtige auch nicht verstanden hätte, wenn er als beschränkt tauglich beurteilt worden wäre, weil augenblicklich die verfügbaren Stellen im Heer besetzt sind. Die jetzige Musterung gibt uns daher einen wesentlich besseren Aufschluß über die Wehrkraft, als es die Musterungen der Vorkriegszeit vermochten. Da die Musterung einen Einblick in die Volksgesundheit zu geben vermag, wie es besser bei keiner anderen Gelegenheit gewonnen werden kann, wurde bei der jetzigen Musterung nicht nur über die körperlichen und geistigen Fehler und Gebrechen berichtet, die das Tauglichkeitsurteil nach militärischen Gesichtspunkten beeinflußten, sondern es wurden sämtliche nennenswerten Fehler und Gebrechen, die bei der Musterung festgestellt wurden, aufgeführt. Hierin besteht ein grundlegender Unterschied zu den Aushebungsergebnissen der Vorkriegszeit, der für die gesamte Volksgesundheit von größter Tragweite sein dürfte. Ein Beispiel mag diese erläutern: Wurde in der Vorkriegszeit ein Wehrpflichtiger gemustert Untauglich seitlich untanglich beschränkt untauglich untaugl. f. Wehrdienst völlig untanglich 6,18 8.47 2,04 1,17 8.65 4,72 053 0.07 8,97 5.92 8.08 1,89 1,06 16,94 Summe 17,86 Es ist nicht verwunderlich, daß die Untersuchungsergebnisse bei den Freiwilligen noch besser sind, als die schon recht günstigen Tauglichkeitsurteile der dienstpflichtigen Jahrgänge. Den weiteren Ausführungen sollen nur die Ergebnisse aller Untersuchten zu Grunde gelegt werden. Die für die jetzige Musterung geltende „Anleitung zur Untersuchung Wehrpflichtiger und Freiwilliger“ ist in ihrer„Fehlertabelle" eng an die Fehlertabelle der Heeresordnung der Vorkriegszeit angelehnt und erlaubt mit gewissen Einschränkungen die weiteren Vergleiche. Es wurden danach beurteilt: Vorkriegszeit Fehlerfrei oder Fehler nach Spalte A tauglich zum aktiven Dienst im stehenden Heer „„„„ B Ersatzreserve 1 „„„„„ I. Landsturm U dauernd „„„„„ untanglich (ausgemustert) 1935(Uebersicht 2) Fehlerfrei oder Fehler nach Spalte A tauglich 1 u. 2 „„„„„ B bedingt taugl. „„„„„ L beschränkt tauglich —„„„„ U= untauglich *„„„ f. W e h r d i e n s t „„„„" vo= völlig untauglich Art des Feblers Aus hebung 1913 Von je 100 endaültig Abgefertigten waren untanglich zum aktiven Dienst Im stehenden Heer Musterung 1935 von je 100 Untersuchten waren beschränkt tauglich untauglich s. Wehrdienst völlig bedingt untauglich tauglich zeitlich untauglich tauglich Insgesamt Allgemeine Schwächlichkeit Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße Fehler und Gebrechen der Gliedmaßen Ohrenkrankheiten Augenbrechungsfehler Krampfadern u. Folgezustände Plattfuß, Knickfuß usw. Krankheiten des Nervensystems Verkrüppelungen und Formfehler der Wirbelsäule Schlechte Zähne Andere Augenkrankheiten einschl. Blindheit Krankheiten der Atmungsorgane Unterleibsbrüche Hautkrankheiten, Narben Chronische Erkrankungen der Knochen Chronische Leiden der Verdauungsorgane Krankheiten der Harn= und Geschlechtsorgane Kropf Stottern, Stummheit Krankheiten der Nase, Zunge und des Gaumens Allgemeinleiden (Rheumatismus, Gicht) Fettleibigkeit **** •** *•** 4.7% Summe= 13,65 Die meisten Fehler und einäugige Blindheit festgestellt, so konnte die Untersuchung abgebrochen werden, ohne daß festgestellt wurde, ob der Betreffende z. B. schlechte Zähne, Leistenbruch usw. hatte. Grund sätzlich erschien in der Vorkriegszeit in der Be richterstattung nur der Fehler, der das mili tärische Urteil bedingte. In der nach stehenden Uebersicht ist aufgeführt, durch welche Fehler bei der Aushebung 1913 und bei der Musterung 1935 das ärztliche Urteil bedingt wurde. Aus den verschiedenen erörterten Gründen sind im Jahre 1935 den untauglich Bezeichneten des Jahres 1913 auch die bedingt Tauglichen, zeitlich Untauglichen, beschränkt Tauglichen und bei einzelnen Fehlern die taug lich 2 Befundenen, denn in der Vorkriegszeit waren in der Zusammenstellung der Untauglichen alle zusammengefaßt, die zum aktiven Dienst im stehenden Heer nicht herangezogen wurden. Darunter befand sich zweifelsfrei auch ein großer Teil der Dienstpflichtigen, die im Jahre 1935 als tauglich 2 beurteilt worden wären. Mag die Zusammenstellung(Ueber sicht 4) über das militärärztliche Tauglichkeits urteil auch für den Nichtsoldaten von beson derem Interesse sein, so werden die in der letz ten Spalte dieser Uebersicht aufgeführten„sämt lich ärztlich festgestellte Fehler, Krankheiten und Gebrechen“ in noch höherem Maße die Beachtung weitester Volkskreise verdienen und finden. Fehler, die das Urteil in der Reihe der Häufigkeit bedingten: Bei der Musterung 1935 wurde bei je 100 Untersuchten festgestellt 8 19,02 3,76 11,81 . 5,98 W 23,91 ... 2,43 16,97 14,86 3.05 1,51 ... 4,86 12,25 2,19 4.77 1.57 4.99 0.75 8,59 0.89 0,12 Bei der Augenuntersuchung An erster Stelle der insgesamt festgestellten Fehler stehen die Fußschäden wie Plattfuß, Knickfuß usw. mit 23,9 Prozent. Es folgen Fehler der Gliedmaßen, wobei die Fehler des Fußes ausgenommen sind, mit 19 Prozent. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich bei dieser Gruppe um Folgenzustände von äußeren Verletzungen, Unfällen und Krankheiten, die mit einer Bewegungsbeschränkung oder Leistungsminderung einhergehen, die die militärische Verwendbarkeit aber meist nicht beeinträchtigen. An vierter Stelle der festgestellten Fehler stehen schlechte Zähne. Diese Tatsache erscheint besonders bedauerlich, und verdient besondere Beachtung aller Volkskreise, da es sich um ein Leiden handelt, das bis zu einem gewissen Grade durch geeignete Maßnahmen wesentlich gevessert werden könnte. Auch andere zahlreiche, weiterhin aufgeführte Krankheiten und Fehler liefern eindrucksvolle Teilausschnitte aus der Volksgesundheit. So wird man auch wohl allgemein nicht erwartet haben, daß im Durchschnitt jeder neunte gemusterte Dienstpflichtige einen Augenbrechungsfehler hatte. Wenn diese Zahlen auch nur die Gesamtergebnisse im Durchschnitt des Deutschen Reiches wiedergeben, so werden sie bei der weiteren Auswertung auch nach den verschiedenen Wehrersatzbezirken berechnet und in weiteren Veröffentlichungen weitesten Volkskreisen zugänglich gemacht. Wenn es auch nicht möglich ist, in kürzester Zeit aus dem vorhandenen ungeheuren Zahlenmaterial alle beachtenswerten Einzelergebnisse zu errechnen, so werden schon die mitgeteilten Zahlen aufschlußreiche Einblicke gewähren. Den für die Gesundheitsführung des deutschen Volkes verantwortlichen Stellen sind die amtlich festgestellten Ergebnisse wertvolle Grundlage und oft werden sie richtunggebend sein, auf welchem Gebiet und in welcher Weise der Hebel angesetzt werden muß, um die Wehrkraft des ganzen Volkes auf der Höhe zu halten und nach Möglichkeit zu bessern. Dr. Hans Müller, Oberfeldarzt im Reichskriegsministerium. General von Toßberg Glückwünsche zum 50jährigen Militärjubiläum X Berlin, 24. Januar. Aus Anlaß des 50jährigen Militär=Jubiläums, das General der Infanterie a. D. v. Loßberg, Lübeck, am 23. Januar beging, haben der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht sowie der Oberbefehlshaber des Heeres die nachfolgenden Glückwunsch=Telegramme an den verdienten General gesandt: „Anläßlich Ihres heutigen Ehrentages übermittle ich Ihnen, seyr verehrter Herr General, dem im Kriege und in der Nachkriegszeit gleich hochverdienten Generalstabschef und Truppenführer, meine und der Wehrmacht aufrichtigsten Glückwünsche. von Blomberg.“ „Zum heutigen 50jährigen Gedenktage des Dienstantrittes sage ich Ew. Exzellenz im Namen des Heeres aufrichtige Glückwünsche, denen ich in aufrichtiger Verehrung die meinigen hinzufügen darf. von Fritsch.“ Körpergröße, Gewicht und Brustumfang wird festgestellt 1h Der Arzt bei der Arbeit e* #4 Im Hintergrunde Monsieur Flandin Eine durchaus unparlamentarische Persönlichkeit, sehr selbstbewußt, sehr ehrgeizig! Pierre=Etienne Flandin wird nichts versäumen, um die Führung in Frankreich eines Tages wieder in die Hände zu bekommen. Er gehört zu den Glücklichen, die in der Wahl ihrer Eltern sehr vorsichtig waren. Sprößling einer alten und begüterten Parlamentarierfamilie, ist er sozusagen als Abgegeordneter auf die Welt gekommen. Eine phantastische Karriere: Mit 25 Jahren in die Kammer gewählt, mit 30 Jahren Unterstaatssekretär, mit 40 Jahren Minister und mit 45 Jahren Ministerpräsident. In des Wortes demagogischer Bedeutung ist er eigentlich nie populär gewesen. Schon äußerlich ähnelt er einem Briten mehr als einem Franzosen, und so gehen auch seine Sympathien nach England, wo er mit führenden Männern rege Verbindung unterhält. Freunde und auch Gegner geben Flandin eine große Zukunft in Frankreich. Eine„haarsträubende" Idee A Oslo, 24. Januar. Die Nachricht aus Genf, daß die Verhandlungen über die Oelsanktionen gegen Italien nicht nur die Oelausfuhr, sondern auch die Oelverschiffung treffen sollen, hat in der norwegischen Presse heftigen Unwillen erregt. Norwegen hat eine der größten und der modernsten Tankflotten der Welt; und gerade in den letzten Wochen, als die Oelsanktionen drohten, hat diese Tankflotte dem Lande einen guten Verdienst gebracht. Ein Lahmlegen dieser Flotte würde ein schwerer Schlag für das norwegische Wirtschaftsleben sein. Man spricht in der hiesigen Presse daher von einer„haarsträubenden“ Idee". Norwegens Außenminister Koth hat sich zu der Meldung aus Genf zurückhaltend geäußert. Er betont, daß noch keine Regierung einen derartigen Vorschlag eingebracht habe. Norwegen werde aber selbstverständlich loyal seine Pflichten gegenüber dem Völkerbund erfüllen. Das lat Frankreich! (Von unserem Pariser Vertreter Ottheinrich Schoetensack) Wir beschließen heute die Aufsatzreihe unseres Pariser Vertreters mit einer Darstellung der neuen volitischen Strömungen in Frankreich, die uns den Gärungsprozeß in der französischen Innenpolitik zeigt. III. Gab es im vergangenen Jahr nicht Augenblicke, die dazu verleiteten, den Ausbruch einer Revolution in Frankreich voraussehen zu wollen? Aufmärsche von Hunderttausenden, blutige Zusammenstöße, große Barrikaden in den Straßen, die die politischen Gegner in gesonderten Stadtvierteln säuberlichst getrennt hielten. Alles haben wir erlebt. Im Monat Juli, dann noch einmal kurz vor Jahresschluß schien links und rechts für Momente unweigerlich aufeinanderprallen zu müssen. Letzten Endes wagte aber keine Seite eine Kraftprobe. Konnte sie wohl auch nicht wagen. Es fehlte einmal der Grund für eine Erhebung, dann aber auch eine große tragende Idee. Bei der Beurteilung der politischen Ereignisse in Frankreich ist man leicht dazu verleitet, nur Paris, nicht aber die große weite und reiche Provinz zu sehen. Das Herz der Hauptstadt schlägt zwar wesentlich schneller, als das der Provinz. Die Provinz aber lebt noch weithin in den unverdauten Ideen von 1789. Sie träumt von persönlicher Freiheit und sträubt sich gegen alle Strömungen, die den Keim eines Wechsels der bisher üblichen Lebensgewohnheiten in sich tragen. Nur langsam kann sich die Provinz mit einer neuen Idee vertrautmachen. Allein die Bauernfront hat es vermocht, einzelne ländliche Gegenden aus ihrem Schlaf etwas aufzurütteln. Die Provinz regiert aber schließlich auch ein Parlament. Das Wahlsystem, das im ersten Wahlgang die absolute, im zweiten Wahlgang die proportionelle Mehr heit verlangt, ist die sicherste Stütze des heu tigen Systems. Ein Wechsel auf dem Weg über das Parlament kann so vorerst nicht er wartet werden. Die Provinz wird noch lange im Grunde ihres Herzens links=konservativ bleiben, sie wird radikalsozialistisch, sozialistisch, vielleicht jetzt auch in verstärktem Maße kom munistisch wählen. Aus dem naiven Glauben heraus sich so vor„faschistischen Gespenstern“ retten zu können. Paris hat in den vergangenen 150 Jahren Frankreich viermal mit Erfolg seinen Willen diktiert: 1789, 1830, 1848 und 1870. 1871 unterlag Paris bereits wieder. Das blutige Fanal der Nacht des 6. Februar 1934 schien bei voreiliger Betrachtung eine neue Epoche einleiten zu wollen. Diese Auflehnung gegen offensichtliche Mißstände im Lande mußte aber wieder zusammenbrechen, weil kein tragender politischer Gedanke vorhanden war und eine einheitliche Führung fehlte. Die Provinz hat damals überhaupt nicht verstanden, was sich in der Metropole abgespielt hatte. Doumerge, der seinerzeit vielen Franzosen wie ein Retter in der verworrenen Situation erschien, ließ die Möglichkeit, die sich ihm bot, die Verfassung zu ändern, unausgenützt. Die sogenannten Erneuerungsbewegungen, die sich anschließend erst richtig organisiert und entwickelt haben, scheinen sich zum guten Teil über ihr Ziel nicht im klaren zu sein. Der größte Verband, die Feuerkreuzler, trug durch seine disziplinierte Baldwin feiert das Königtum „Die geistige Macht der Krone Englands“ 7 Eine Botschaft Eduards VIII. ∆ London, 24. Januar. Im Unterhaus verlas am Donnerstagnachmittag der Sprecher folgende Botschaft König Eduards VIII.:„Ich bin sicher, daß das Unterhaus den Tod meines geliebten Vaters tief betrauert. Er widmete sein Leben dem Dienst an seinem Volk und der Erhaltung der verfassungsmäßigen Regierung. Er war stets von einem tiefen Pflichtgefühl erfüllt. Ich bin entschlossen, ihm auf dem Wege zu folgen, den er mir vorgezeichnet hat.“ Ministerpräsident Baldwin legte hierauf dem Hause zwei Anträge zur Annahme vor, deren einer eine Adresse des Beileids an den neuen König zum Hinscheiden König Georgs V. ist. Der zweite Antrag fordert eine Beileidskundgebung an die Königin Mary, die stets der Ergebenheit und der Zuneigung des Unterhauses versichert sein dürfe. In einer Rede schilderte Baldwin dann die Vorzüge der englischen Verfassung. Die geistige Macht der Krone Englands, so erklärte er, sei heute größer als zu irgendeiner Zeit der Vergangenheit. Sie halte das gesamte Reich des englisch sprechenden Volkes zusammen und ihre Verantwortlichkeit sei unendlich größer als in früheren Zeiten. Die Macht der Krone sei heutzutage nicht die Macht der Gewalt, es sei eine große moralische Macht, die von dem Charakter und den Qualitäten des jeweiligen Monarchen abhänge. Die Eigenschaften, die hierfür erforderlich seien, seien auch die Eigenschaften des verstorbenen Königs gewesen. Ministerpräsident Baldwin schilderte hierauf die Persönlichkeit des neuen Königs, der eine genauere Kenntnis aller Klassen seiner Untertanen habe als irgendeiner seiner Vorgänger. Er habe reiche Erfahrung in den Geschäften des Landes, besitze eine umfassende Verständigungsbereitschaft und besitze das Geheimnis der Jugend in der Reife des Alters. Nachdem Baldwin seine Rede unter dem Beifall des Hauses geschlossen hatte, unterstützte König Georgs letzte Heimkehr Der feierliche Einzug des toten Königs in der britischen Hauptstadt Major Attlee im Namen der arbeiterparteilichen Opposition die beiden Anträge des Ministerpräsidenten. Heute gebe es im Unterhaus keine Meinungsverschiedenheiten, denn alle seien vereint im Leid um den Verlust des großen und so sehr geliebten Souveräns. Kein früherer König habe so sehr die allgemeine Wertschätzung besessen wie König Georg. Attlee beendete seine Rede mit herzlichen Worten der Begrüßung an den neuen König, von dem alle wünschten, daß seine Herrschaft lang andauern, segensreich und friedvoll sein möge. Deutsch=polnischer Warenverkehr Sitzung des gemischten Regierungsausschusses ∆ Warschau, 24. Januar. In den Tagen vom 16. bis 22. Januar 1936 fand in Warschau eine gemeinsame Sitzung des deutschen und des polnischen Regierungsausschusses statt, deren Aufgabe es ist, den Warenverkehr vom 4. November 1935 ständig zu überwachen und richtungweisend für den Handelsverkehr zu wirken. Als Ergebnis der Besprechungen, die in einer Atmosphäre freundschaftlicher Zusammenarbeit stattfanden „und eine für beide Länder vorteilhafte Regelung der Aus= und Einfuhr zum Ziele hatten, wurde vor allem in der Frage der Regelung des beiderseitigen Warenverkehrs für den Monat Februar 1936 eine Verständigung herbeigeführt. Außerdem haben die Regierungsausschüsse die Fragen der Abdeckung der aus dem Kompensationsabkommen vom 11. Oktober 1934 noch ausstehenden polnischen Foroerungen erörtert und die Möglichkeit geschaffen, einen namhaften Teil dieser Forderungen avzudecken. Endlich wurde vereinbart, daß die nächste Sitzung der Regierungsausschüsse Mitte Februar 1936 in Berlin stattfinden soll. à London, 24. Januar. Der tote König wurde am Donnerstag von Sandringham in seine Hauptstadt übergeführt, in der er über 25 Jahre lang über die Geschicke seines Landes gewacht hat. Nachdem in der Kirche des Städtchens Sandringham ein kurzer Gottesdienst stattgefunden hatte, wurde der Sarg auf eine mit sechs Pferden bespannte Lafette gelegt. In dem Zug, der sich hierauf der etwa vier Kilometer entfernten Eisenbahnstation Wolferton zu bewegte, schritt unmittelbar hinter dem Sarge König Eduard VIII. in Begleitung seiner Brüder und seines Schwagers, des Lords Harewood. Ihnen folgten die Wagen mit den Mitgliedern des königlichen Hauses und anschließend Hunderte von Bewohnern des Städtchens Sandringham, wo die gesamte Bevölkerung Trauerkleidung angelegt hat. Auch das Lieblingspferd des Königs, ein weißes Pony, das König Georg oft auf der Jagd geritten hat, trottete im Trauerzuge mit. Barhäuptig standen zu beiden Seiten des Weges dichte Menschenmengen, als in langsamem Schritt die Lafette, auf der sich der mit der Standarte des Königs von England bedeckte Sarg befand, vorüberzog. Die Königin, ihre Tochter sowie die Herzogin von York waren völlig in Schwarz gekleidet und ihre Gesichter waren von schweren Kreppschleiern verhüllt. Ein Dudelsackpfeifer spielte dem König die letzten Weisen, und in den Pausen waren nur die langsamen Schritte der Teilnehmer des Trauerzuges auf dem hartgefrorenen Boden hörbar. In London harrten stundenlang Zehntausende auf den Straßen, um den toten König zum letzten Male zu grüßen. Vom Bahnhof wurde der Sarg zur Westminsterhall in feierlichem Zuge gebracht. Hier fand ein vom Erzbischof von Canterbury geleiteter Gottesdienst statt. Kein Vertreter Irlands bei der Königsproklamation A London, 24. Januar. Wie„Daily Expreß“ meldet, war der Kommissar des irischen Freistaates in London, Dulanty, bei der feierlichen Ausrufung des neuen Königs im St. James=Palast nicht anwesend. Auf Anfrage beim irischen Kommissariat wurde mitgeteilt, daß sein Fernbleiben auf eine Anweisung von Dublin zurückzuführen sei. Die Ausrufung König Eduards VIll. wurde in allen Staaten des britischen Weltreiches gleichzeitig vorgenommen. Wie„Daily Telegraph“ meldet, machte nur der irische Freistaat eine Ausnahme. Die irischen Behörden seien der Ansicht, daß eine förmliche Ausrufung nicht notwendig sei, da der Generalgouverneur beim Antritt seines Amtes die Treue für„König Georg, seine Erben und Nachfolger“ geschworen habe. W W Aufnahme: WLZ-Archiv Herbert Norkus Heute vor vier Jahren, am 24. Januar 1932. wurde der Berliner Hitlerjunge Herbert Norkus von Kommunisten ermordet. Die deutsche Jugend gedenkt heute dieses deutschen Arbeiterjungen, der als junger Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung sein Leben für Volk und Idee lassen mußte. und wuchtige Organisation unleugbar ein neues Moment in das politische Leben Frank reichs. Sein Anwachsen hat bis heute aller dings nur den Erfolg gehabt, die Linksgrup pen fest aneinanderzuschweißen. Der Führer der Feuerkreuzler, de la Rocque, will vom Parlament nichts wissen, behauptet aber gleich zeitig— auch alle revolutionären Methoden zu verwerfen, so daß in der Tat niemand weiß, auf welchem Wege er an die Macht zu kom men glaubt. Viele seiner jungen Anhänger brennen nach eindeutigen Entscheidungen. Sie wollen ein klares Programm, eine lebendige Aktion. Sie wollen wissen, wie sich ihr Führer zur Frage des Kapitalismus stellt. Gerade diese Frage hat in Frankreich wieder eine nicht zu unterschätzende Bedeutung erlangt Man gibt sich in diesem Lande heute gern „antikapitalistisch". Allerdings müssen wir uns hüten, diesen Begriff an Hand eines deutschen politischen Lexikons übersetzen zu wollen. „Antikapitalist“ sein, heißt für den Franzosen nur, die Macht zusammengehäuften Kapitals mit feindlichen Augen zu betrachten, gleich zeitig aber kapitalistische Güter selbst anzu streben, ja anzubeten. Das Kapital soll unab hängig machen, nicht aber brutal diktieren. Dabei betrachtet derselbe Franzose große fran zösische Industrieunternehmen, wie z. B. die weltbekannten Renault=Werke, keineswegs als kapitalistische Machtinstrumente. * Wenn die vielen neuen Strömungen in Fankreich bis heute im politischen Leben noch kein großer Faktor geworden sind, dann liegt das zweifellos auch an der Struktur dieses Landes, das in seinem großen natürlichen Reichtum eine wirkliche Not bisher nicht kennt. Nur wenige Berufe sind überfüllt. Der Konkurrenzkampf spitzt sich überall zu, zeigt aber noch nicht die Härten, wie wir sie in anderen Ländern sehen. Ein leichtes Ueberangebot trifft man nur bei den Ingenieuren und Technikern an. Den erwerbslosen Technikern steht aber immer das große französische Kolonial= reich offen, das noch äußerst aufnahmefähig ist. Junge Leute, die eine Kolonialschule besucht haben, sowie junge Techniker und ausgebildete Landwirke können heute schon mit 25 Jahren verhältnismäßig gutbezahlte Posten in Indochina, Madagaskar oder an der afrikanischen Westküste finden. Trotzdem ist die Zahl der jungen Franzosen, die sich für die Kolonialsache begeistern, noch überraschend gering. Diese Leute sagen sich, daß in Frankselbst noch genug Platz für sie ist. Der Aufbruch der französischen Jugend vollzieht sich heute aber auch auf Gebieten, die wir sozusagen bereits„besiegt“, haben: auf dem Gebiete des Sports, des Wanderns und Reisens. Man ringt teilweise noch um eine neue Auffassung des Lebens. Diese neue Entwicklung kann uns mit der Zeit Frankreich zweifellos auch innerlich viel näher bringen. Zur Stunde ist das ganze Land aber voller Gärung und dieser Prozeß wird noch sehr lange anhalten, bis sich ein klares Bild aus ihm herausschält. Politische Ueberraschungen sind aber trotzdem nicht ausgeschlossen, denn auf diesem Gebiet war Frankreich immer Meister und wird es wohl auch bleiben. Harte Kämpfe an der Nordfront Der italienische Heeresbericht Nr. 104 ∆ Rom, 24. Januar. Der neue italienische Heeresbericht, der als amtliche Mitteilung Nr. 104 veröffentlicht wird, besagt:„An der Eritreafront sind seit gestern harte Kämpfe im Gange, bei denen besonders eine Division Schwarzhemden in Anspruch genommen wird. Bei unseren politischen Behörden des Geralta=Gebiets haben sich einige Unterführer mit 114 Mann gemeldet, die ihre Waffen abgeliefert haben. An der Somalifront hat General Graziani in Negelli die ersten Weisungen für die politische und militärische Neuordnung des Gebiets Galla Borrana gegeben.“ Acht Kraft=durch=Freude=Dampfer fahren nach Lissabon und Madeira. Die diesjährigen MadeiraFahrten des Amtes„Reisen, Wandern und Urlaub“ in der NSG Kraft durch Freude finden im März und April statt. Im ganzen werden acht Ueberseedampfer in Hamburg auslaufen und rund 8000 deutsche Arbeiter auf einer großen Atlantik=Fahrt in die Hauptstadt Portugals und in das Paradics vor Afrika bringen. Goldabfluß aus der Bank von Frankreich. Im Zusammenhang mit der Ministerkrise beginnen sich wieder finanzielle Spekulationen auszuwirken. Dem „Matin“ zufolge sind in drei Tagen vom 19. bis 21. Januar bereits über 600 Millionen Franken Gold aus den Kellern der Bank von Frankreich ins Ausland abgeflossen. Französisches Wasserflugzeug verunglückt. Das seit Dienstag vermißte Wasserflugzeug der Linie Marseille—Tunis, das 30 Kilometer vor Korsika zur Notwasserung gezwungen war, wird als verloren betrachtet. Sechs Personen kamen bei dem Unglück ums Leben: der Flugzeugführer, der Maschinist, der Funker sowie drei Fluggäste, darunter eine Frau aus Paris, die zur Beerdigung ihres bei einem Kraftwagenunfall tödlich verunglückten Bruders nach Tunis fliegen wollte. Englische Rekordausfuhr von Flugzeugen. Die Ausfuhr britischer Flugzeuge und Flugzeugmotoren erreichte im vergangenen Jahre eine bisher noch nie dagewesene Höhe. Ihr Wert betrug rund 2,7 Millionen Pfund. Mehr als 70 Staaten und Gebiete traten als Käufer auf. Schulgeld an den höheren Schulen X Berlin, 24. Januar. Im Einvernehmen mit dem Reichs= und preußischen Innenminister und dem preußischen Finanzminister hat der Reichs= und preußische Erziehungsminister durch Erlaß an die nachgeordneten preußischen Behörden bestimmt, daß das Schulgeld an den öffentlichen höheren Schulen in Preußen 1936 den Betrag von 240 Mark nicht übersteigen darf. An den vom Staat unterhaltenen und vom Staat verwalteten höheren Schulen ist vom 1. April 1936 ab dieser Betrag zu erheben. Von den Erziehungsberechtigten, die durch Ausbürgerung die Reichsangehörigkeit verloren und nicht die Staatsangehörigkeit eines Landes erworben haben, bei dem die Gegenseitigkeit verbürgt ist, wird das Doppelte des für Inländer geltenden Schulgeldsatzes erhoben. Dadurch erzielte Mehreinnahmen sind zu Schulgeldermäßigungen für Begabte und bedürftige Schüler zu verwenden. Arbeitsdienstpflicht der Abiturienten X Berlin, 24. Januar. Der Reichserziehungsminister macht bekannt, daß Abiturienten mit Studiumabsicht mit halbjähriger Verpflichtung in den Reichsarbeitsdienst eingestellt werden, sofern sie das 17. Lebensjahr vollendet haben und arbeitsdienstlich tauglich sind. Die Meldung zum Arbeitsdienst hat persönlich oder schriftlich bis zum 31. Januar 1936 bei dem zuständigen Meldeamt des Arbeitsdienstes zu erfolgen. Hierzu haben sich die Abiturienten bei dem für sie zuständigen Polizeirevier einen Freiwilligenschein für den Arbeitsdienst zu besorgen. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß sich diese Anordnung nur auf die Abiturienten bezieht, die studieren wollen, um ihnen die Immatrikulation zum Herbst 1936 zu ermöglichen. Verantwortungslose Betriebsführer in Schutzhaft X München, 24. Januar. Die bayrische Politische Polizei hat verschiedene Personen in Schutzhaft genommen, die als Betriebsführer ihren Verpflichtungen zur Abführung der Krankenkassen= und Arbeitslosenversicherungsbeiträge nicht nachgekommen ind. Ein solches Verhalten stellt nicht nur eine chwere Schädigung der sozialen Einrichtungen dar, sondern auch eine Schädigung der betroffenen Arbeitnehmer, die im Falle von Krankheit oder Erwerbslosigkeit unverschuldeterweise schwere Nachteile erleiden. Massenverhaftungen in der Tschechoslowakei Neue Angriffe gegen das Sudetendeutschtum7 Durchsichtige Ablenkungsversuche (Von unserem Prager Mitarbeiter) ks. Prag, 24. Januar. Aus allen Teilen der Tschechoslowakei werden zahllose Verhaft ingen und Haussuchungen gemeldet, die in den letzten Tagen von der Staatspolizei und der Gendarmerie durchgeührt wurden. Nicht nur im sudetendeutschen Gebiet, wo in der letzten Zeit mehrere 100 Peronen— vor allem im Böhmer Wald und in Nordböhmen— verhaftet wurden, sondern auch in den slowakischen Teilen der Republik sind auf Grund des„Schutzgesetzes“ erneut zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden, die begreiflicherweise besonders in den slawischen Gebieten unter der Bevölkerung große Erregung hervorgerufen haben. In der Slowakei erinnert man sich der Massenverhaftungen im Vorjahre, wo in vier Orten allein 120 angebliche Spione ins Gefängnis geworfen und vor Gericht gestellt wurden. 90 von ihnen wurden zu insgesamt 400 Jahren Zuchthaus verurteilt, darunter auch der Slowake Fueloep, der 20 Jahre schweren Kerker erhielt. Die tschechischen Blätter nehmen diese Massenverhaftungen zum Anlaß, um— was die Verhaftungen im sudetendeutschen Gebiet anbelangt— vor allem gegen die Sudetendeutsche Partei zu hetzen und energische Maßnahmen gegen die„umstürzlerischen Organisationen“ zu fordern. Sie bedenken dabei nicht, daß in tausenden Fällen die Haltlosigkeit der gegen die Verhafteten eingebrachten Anschuldigungen nur einen Beweis für die Leichtfertigkeit der Behörden geliefert hat, so daß die„Spione" bald wieder freigelassen werden mußten. Zu den Verhaftungen in der Slowakei bemerkt die tschechische Presse, daß die östliche Slowakai ein wahres Verschwörernest sei und daß dort die Spione systematisch ausgebildet würden. So seien in der Vorwoche in Kaschau zwei 15jährige Knaben(!) der Spionage überführt worden. Es komme vor, daß in einzelnen slowakischen Dörfern oft die Hälfte der männlichen Einwohner wegen Spionageverdachts in die Gefängnisse gebracht werden müssen(!)— Wenn auch die Spionagefurcht eine ständige Erscheinung im politischen Leben der Tschechoslowakei bildet, so dürften die neuen, von der tschechischen Presse in großer Aufmachung berichteten Massenverhaftungen doch nicht zuletzt auch den Zweck haben, das Augenmerk der tschechischen Oeffentlichkeit von den zahlreichen Korruptionsaffären abzulenken, die in letzter Zeit in der Oeffentlichkeit eine große Erbitterung auslösten. Auch die innerpolitischen Schwierigkeiten und die wachsende wirtschaftliche Not lassen es wohl angebracht erscheinen, dem patriotischen Rückgrat des tschechischen Bürgers wieder einmal Gelegenheit zu geben, sich ein wenig aufzurichten! A Folge 23 Das Werk der Gemeinschaft Aufbau der Deutschen Arbeitsfront „Tlgunisieren heißt: wachsen lassen“— dieses Wort des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley trifft in vollstem Maße auch auf die Deutsche Arbeitsfront zu. Ihr Werdegang ist ein organisches Wachsen, das sich aus kleinsten Anfängen zu der gewaltigen, das ganze Volk umspannenden Organisation entwickelt hat, die heute die DAF darstellt. Wenn wir vom Wachstum der Deutschen Arbeitsfront reden, so trifft das nicht nur auf die äußerliche Entwicklung zu. Ein gesundes Wachstum braucht Zeit. Mit Gewalt läßt sich hier nichts erzwingen, sondern wie in einem Garten muß hier die Pflanze, aus der sich ein kräftiger, Sturm und Wetter trotzender Baum entwickeln soll, gehegt und gepflegt werden. Eine Organisation ist keine leere Form, wenn sie etwas taugt, sondern sie ist mit dem Leben durchpulst und durchblutet. Der Mensch ist der Träger einer jeden Organisation, wie er auch immer letzten Endes Ziel, Zweck und überhaupt Sinn eines jeden organischen Aufbaues sein kann. So konnte denn die Organisation der DAF nur so geformt werden, wie die Menschen, die ihre Träger waren, innerlich wachsen. Erst mußte der nationalsozialistische Mensch geformt werden, um dann mit ihm Schritt für Schritt die alten Gebilde wie Gewerkschaften und Verbände zu beseitigen und etwas neues und besseres an deren Stelle zu setzen. Nur wer diese Gedankengänge kennt und versteht, wird auch den Aufbau der Deutschen Arbeitsfront richtig begreifen und schätzen können. Allein so wird dem Fernstehenden der Aufbau und Entwicklungsgang der DAF begreiflich. Nicht als ein sinn= und planloses Organisieren stellt er sich dar, sondern wie er wirklich ist; logisch, planmäßig — mit einem Wort: organisch! Mit dem Tage der Machtergreifung durch die NSDAP, anschließend an die Gründung der Deutschen Arbeitsfront, waren wohl mit einem Schlage die marxistischen Organisationen zerschlagen— noch aber saß in Millionen die Wurzel marxistischen Denkens fest. Dieses Denken war nicht etwba als Anhänglichkeit an die verschiedenen Organisationsformen des Marxismus zu verstehen, war überhaupt nicht etwa bewußte marxistische Einstellung, sondern es war einfach die selbstverständliche Folge einer sechzigjährigen marxistisch=liberalistischen Vergiftung der Seele des deutschen Volkes. Das traf auch nicht nur etwa auf eine bestimmte Gruppe von Volksgenossen zu, etwa auf einen Stand oder eine„Klasse“, sondern erstreckte sich gleichmäßig auf alle Volksteile! Hätte die Deutsche Arbeitsfront ihre Organisation vom 1. Tage an so aufgebaut, wie sie heute ist, niemand hätte sie begriffen und ihren inneren Sinn verstanden. Deshalb war jener Weg über die Verbände der Arbeiter, Angestellten und Unternehmer nötig. Es war kein Umweg, sondern eine notwendige Zwischenlösung, die niemals zu umgehen war. In unermüdlicher Erziehungsarbeit hat die DAF dann an der geistigen Umformung ihrer Mitglieder gearbeitet. Ohne Unterbrechung werden täglich das neue nationalsozialistische Denken und die nationalsozialistische Auffassung von der Arbeit und ihrem Träger dem Volke vermittelt. Auch heute noch und so wird es auch für alle Zeiten sein müssen— stellt die DAF in erster Linie ein großes Erziehungswerk dar. Es sind keine materiellen Dinge, die bei ihre Formgebung maßgeblich sind, sondern die Erziehung zur Gemeinschaft steht im Vordergrund allen Denkens und Handelns. Aus dieser grundsätzlichen Einstellung heraus wurde die DAF aufgebaut und entwickelt. In diesem Sinne ist allein ihre heutige Gliederung zu verstehen und zu beurteilen. Hier ist das Zentralbüro mit seinen Aemtern für alle wichtigen Sachoracsur Sonderbeilage der Westfälischen Landeszeitung7 Rote Erde Geleitwort des Reichsleiters der DAF Ueber allem steht die Gemeinschaft. Dieser Grundsatz ist im neuen Deutschland Adolf Hitlers Wirklichkeit geworden. Ansere Arbeit trägt herrliche Früchte. Wirtschaft und Arbeit laufen nicht mehr nebeneinander, sondern sind eingespannt für das große Ziel, ein einiges deutsches Volk zu schaffen, das sich wieder den Platz an der Sonne erobert, der ihm auf Grund seiner Leisiungen auf allen Gebieten zukommt. Der Führer hat der Deutschen Arbeitsfront die Aufgabe gestellt, diese Volks= und Leistungsgemeinschaft des ganzen schaffenden Volkes herzustellen. Die Deutsche Arbeitsfront sieht in diesem Auftrag eine heilige Verpflichtung, die sie nur erfüllen kann, wenn jeder einzelne an diesem großen Werk mitarbeitet. Nicht jeder kann auf dem Kommandoturm stehen. Aber jeder muß an dem Platz, auf den er durch das Maß seiner Leistung gestellt ist, seine ganze Arbeitskraft einsetzen; denn Deutschland wird nur wieder durch Arbeit und Leisiung groß und stark werden. Der Grundsatz unserer Sozialpolitik sieht vor, daß die Menschen die Dinge, die sie angehen, selbst regeln sollen. Der Staat ist nicht die Amme für alles. Wir können nur den Weg weisen, der zu dem Ziel führt, das erreicht werden soll. Wenn wir auf das Geleistete zurückschauen, wollen wir mit Freude und Stolz bekennen: Deutschland ist schöner geworden! Dr. Robert Tey. Arbeiter ZIXT! * S au Nun S 1 Aufnahme: Hoffmann Meine deutschen Arbeiter! Ich bin aus Euch selbst herausgewachsen, bin einst selbst unter Euch gestanden, bin in 4½ Jahren Krieg mitten unter Euch gewesen und spreche nun zu Euch, zu denen ich gehöre, mit denen ich mich noch heute verbunden fühle, und für die ich letzten Endes auch kämpfe. Ich führe den Kampf für die Millionen=Massen unseres braven, fleißig arbeitenden, schaffenden Volkes. Ich war in meiner Jugend Arbeiter so wie Ihr, und ich habe mich dann durch Fleiß, durch Lernen und, ich kann sagen, auch durch hungern langsam emporgearbeitet. In meinem Innersten aber bin ich immer das geblieben, was ich vorher war. Adolf Hitler am 10. November 1933 vor den Siemensarbeitern. gebiete, darunter das Amt der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“, als eines der Hauptarbeitsgebiete. Dann ist die entsprechende Gliederung in Gaue, Kreise, Ortsgruppen, Zellen und Blocks gleichlaufend der Parteigliederung vorhanden. Hier liegt auch die Verwaltung der DAF. Daneben laufen die Reichsbetriebsgemeinschaften der DAF. Unterste Einheit der DAF ist der Betrieb. Er ist mit dem Betriebswalter als dem Beauftragten der DAF im Betriebe ein untrennbares Ganzes. Darin unterscheidet sich die DAF von der Partei, deren unterste Gliederung der Block bzw. die Straßenzelle ist. So ist der Aufbau der Deutschen Arbeitsfront ein Werk der Gemeinschaft. Ohne diese Voraussetzung wäre sie undenkbar. Sie hat daher nichts zu tun mit dem Korporations system Italiens oder dem österreichischen Ständewesen Spannscher Prägung. Das schaf fende deutsche Volk hat sich hier eine Organi sation aufgebaut, die einmalig ist und der nichts ähnliches gegenübersteht. Hans Bialles. Freitag, 24. Januar 1936 Zusammenarbeit in der Sozial- und Wirtschaftspolitik Es gehört zu den wichtigsten nationalsozialistischen Grundsätzen, daß es zwischen Wirtschaft und Arbeit keine Gegensätze mehr geben soll. Diese Grundhaltung wird im praktischen Wirtschaftsleben durch die Deutsche Arbeitsfront in ihrer Zusammenarbeit mit den Organisationen der gewerblichen Wirtschaft verwirklicht. Die wirtschafts= und sozialpolitische Zusammenarbeit kann nicht nur von den Zentralstellen aus erfolgen, sie muß vielmehr unten, möglichst dicht an den Betrieben ansetzen. Dazu sind bereits in vielen Wirtschaftsgebieten Arbeitsausschüsse eingerichtet worden. Das sind ganz kleine Aussprachekreise, in denen sich etwa je sechs Unternehmer und Gefolgschaftsmitglieder über sozialpolitische und wirtschaftspolitische Fragen unterhalten, die über eine reine Betriebsbedeutung hinausgehen. Ueber den Arbeitsausschüssen stehen die Gauarbeitsund Wirtschaftsräte bei den Gauarbeitskammern und schließlich der Reichsarbeits= und Wirtschaftsrat, der sich aus Angehörigen der Reichs arbeitskammer und Beiräten der Reichswirtschaftskammer zusammensetzt. Dieser Aufbau sichert die kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Sozialpolitik. Nach den Wirtschaftsorganisationen ist die Deutsche Arbeitsfront an der praktischen Durchführung beteiligt. Mit den Reichsbetriebsgemeinschaften ist sie für jeden Wirtschaftszweig eingeschaltet und die oberste Leitung der DAF beobachtet und fördert die Tätigkeit der Arbeitsausschüsse. Hier wird auch in Zukunft die wichtigste Arbeit geleistet werden! Es gibt viele praktische Fragen, die gemeinsam beraten werden können, wie z. B. Urlaub, Sonderregelung der Arbeitsbedingungen und Akkordfestsetzung. Sicher gibt es aber noch viele andere Dinge, die später einmal in den Arbeitsausschüssen behandelt werden. Besonders wichtig ist die Tatsache, daß von keiner Seite Interessenvertreter in den Arbeits ausschüssen sitzen. Dadurch kann es nicht mehr zu unerfreulichen Interessenkämpfen kommen. Andererseits muß auch von Anfang an dafür gesorgt werden, daß praktische Aufgaben gelöst und keine nutzlosen theoretischen Unterhaltungen gepflegt werden. Die Arbeitsausschüsse sollen sich aber nicht nur auf einzelne soziale Dinge beschränken. Die Gemeinschaft in den Betrieben und in der Wirtschaft setzt voraus, daß jeder Mitarbeiter auch über die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Betriebe Bescheid weiß. Betriebsführer und Gefolgschaft haben ein gleiches Wirtschaftsschicksal zu tragen und es ist nur recht und billig, wenn jedes Gefolgschaftsmitglied rechtzeitig über das Aufblühen oder über Schwierigkeiten seines Betriebes unterrichtet wird. In Notzeiten müssen alle Opfer bringen, die nach einer offenen Aussprache viel leichter eingesehen und getragen werden. Es genügt nicht, auf die Verbindung von Wirtschaft und Sozialpolitik im allgemeinen hinzuweisen und die wirtschaftlichen Fragen nur so weit zu behandeln, wie sie sich mit sozialpolitischen Dingen berühren. Jede Geheimniskrämerei in der Wirtschaft ist unzeitgemäß und beweist in vielen Fällen nur ein schlechtes Gewissen. Wir sind dabei, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Krisenjahre gemeinsam zu lösen. Im Begriff der Gemeinschaft wie der Volkswirtschaft liegt es, daß alle Volksgenossen, die in der Wirtschaft stehen, vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen. Die großen nationalsozialistischen Gedanken von der Gemeinschaft lassen sich nunmehr im Wirtschäfts= und Sozialleben praktisch durchführen. Der Aufbau von Arbeit und Wirtschaft, von den Arbeitsausschüssen bis zum Reichsarbeits= und Wirtschaftsrat schafft die Möglichkeit, daß sich alle Beteiligten an einen Tisch zur offenen Aussprache zusammensetzen. Dr. O. v. L. 5 Schutz und Hilfe in der Not Ein wichtiges Gespräch zwischen Meister und Arbeiter über die Unfallversicherung Im Maschinenraum eines Eisenwerks. Das Sausen der Räder, das Stampfen der Kolben und das Pochen der Hämmer vereinigen sich zum ehernen Gleichklang der Arbeit. Ein heller Schrei übertönt den Lärm, ein dumpfer Fall folgt. Erschreckt halten schaffende Hände eine Sekunde in der Arbeit inne. Dann springen Arbeitskameraden zu Hilfe. Einer von ihnen liegt, von einem zerbrochenen Werkstück getroffen, aus einer schweren Kopfwunde blutend am Boden. Die Werksanitäter eilen herbei. Ein Auto bringt den Verunglückten in das nächste Krankenhaus. Wenige Tage später besucht der Meister den Verletzten. Er weiß vom Arzt, den er vor dem Krankenzimmer gesprochen hat, daß zwar keine Lebensgefahr besteht, daß aber viele Monate vergehen werden, bis die Wunde restlos geheilt und die Folgen des Unfalls gebannt sein werden. Als der Meister an das Krankenbett tritt, blicken ihm aus einem dick verbundenen Kopf ein paar Augen voll wehen Jammers entgegen. Worte des Trostes und der Hoffnung stoßen auf müde Ablehnung. Die Unfallversicherung hilft „Sehen Sie, Meister, nicht die Schmerzen und die Angst vor den noch nötigen ärztlichen Eingriffen sind es, die mich mutlos und verzweifelt machen“, antwortet der Verletzte,„sondern die Gewißheit, daß ich monate=, vielleicht jahrelang arbeitsunfähig sein und dann der Fürsorge zur Last fallen werde. weil ich von keiner Seite Hilfe oder Unterstützung erwarten kann.“ „Nur gemach, mein Lieber, wissen Sie nicht, daß es im Rahmen der gesamten Sozialversicherung auch eine Unfallversicherung gibt, die den bei Betriebsunfällen verunglückten Arbeitern und Angestellten nicht nur die nötige Heilbehandlung zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, sondern auch bei fortdauernder Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit eine Rente gewahrt?" „Nein, Meister, von der Unfallversicherung habe ich nur unklare Kenntnis. Mir sind doch niemals Beiträge zur Unfallversicherung vom Arbeitslohn einbehalten worden.“ Wer bezahlt die Beiträge? „Es ist zwar richtig, daß Beiträge vom Arbeitslohn für die Unfallversicherung nicht abgezogen werden; denn die Aufwendungen für die gesamte Unfallversicherung, die in der Reichsversicherungsordnung gesetzlich geregelt ist, wird nur von den Unternehmern getragen. Diese sind zu diesem Zweck in Berufsgenossenschaften vereinigt, die fachlich gegliedert sind. So gibt es z. B. die Knappschafts=Berufsgenossenschaft, die die Unternehmer der Bergwerke umfaßt, die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik, die Steinbruchs=Berufsgenossenschaft u. a. m. Die landwirtschaftlichen Unternehmer sind in örtlich gegliederten landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften vereinigt. Es gibt zur Zeit 64 gewerbliche und 37 landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften. Daneben kommen noch das Reich, die Länder, Gemeinden oder Gemeindeunfallversicherungsverbände, die Reichsbahn und einzelne andere Körperschaften als Versicherungsträger in Betracht. Die Bedeutung der Unfallversicherung können Sie schon daraus ermessen, daß unter dem Schutz der gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften etwa 25 Millionen Versicherte stehen. Zur Zeit laufen über 100000 Renten an Verletzte und deren Hinterbliebene mit einem Jahresaufwand von rd. 260 Millionen Reichsmark.“ „Also kann auch ich damit rechnen, daß die zuständige Berufsgenossenschaft für mich sorgen wird?“ Jeder hat Rechtsanspruch! „Jawohl, Sie haben, da Sie das Opfer eines Betriebsunfalls geworden sind, einen Rechtsanspruch darauf, daß Ihnen die Berufsgenossenschaft nicht nur die erforderliche Krankenbehandlung, d. h. ärztliche Behandlung, Versorgung mit Arzneien und anderen Heilmitteln und die nötige Pflege zuteil werden läßt, sondern die Berufsgenossenschaft ist, wenn Sie durch Folgen des Unfalls über die 13. Woche hinaus in Ihrer, Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt sind, verpflichtet, Ihnen eine Rente zu gewähren. Für die Dauer der ersten 13 Wochen zahlt der Träger der Unfallversicherung bei Arbeitsunfähigkeit Krankengeld, sofern der Verletzte nicht schon aus der Krankenversicherung Krankengeld bezieht. Die Verpflichtung zur Gewährung der Rente beginnt bei Verletzten, die auf Grund der Reichsversicherung gegen Krankheit versichert sind, mit dem Wegfall des Krankengeldes aus der Krankenversicherung, spätestens mit der 27. Woche nach dem Unfall, bei anderen Verletzten mit dem Tage nach dem Unfall. Freilich gibt es nach den Vorschriften der 4. Notverordnung eine Rente jetzt grundsätzlich nur noch in den Fällen, in denen die Erwerbsfähigkeit des Verletzten infolge des Unfalls um wenigstens 20 v. H. beeinträchtiat ist. Renten in dieser Höhe werden, sofern die Erwerbsfähigkeit des Verletzten sich nicht schon früher hebt, aber auch nur 2 Jahre lang gewährt und fallen dann weg. Dagegen werden höhere Renten ohne zeitliche Beschränkung solange gewährt, wie die Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit durch Unfallsolgen andauert.“ „Wie hoch ist denn die Rente, die ich erhalten würde?“ „Das kann ich Ihnen nicht ohne weiteres sagen. Die Vollrente, die Sie für die Zeit Ihrer vollen Erwerbsunfähigkeit erhalten, beträgt zwei Drittel des Entgelts, den Sie im letzten Jahre im Betriebe bezogen haben. Wenn die Unfallfolgen nun noch eine teilweise Minderung der Erwerbsfähigkeit bedingen, so erhalten Sie eine entsprechende Teilrente.“ „Ich habe im letzten Jahre nicht nur eine erhebliche Anzahl Ueberstunden gemacht, sondern habe auch noch, wie es bei uns im Betriebe üblich ist, eine Sonderzuwendung aus Anlaß des Weihnachtsfestes erhalten. Werden diese Beträge bei der Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes berücksichtigt?“ „Jawohl, der Jahresarbeitsverdienst umfaßt den gesamten Entgelt, den der Versicherte in dem Jahre vor dem Unfall bezogen hat.“ Fällt Rente aus bei eigener Schuld? „Ihre Aufklärung, Meister, gibt mir neue Hoffnung. Wird aber nicht die Berufsgenossenschaft einwenden, ich hätte den Unfall selbst verschuldet und könnte deshalb eine Rente nicht erhalten? „Rein, dieser Einwand ist nach dem Gesetz unzulässig. Verbotswidriges und auch grob fahrlässiges Verhalten schließt den Entschädigungsanspruch nicht aus. Lediglich bei vorsäßzlicher Herbeiführung eines Unfalls ist ein Entschädigungsanspruch nicht gegeven. Eine Ausnahme hiervon bilden nur die Unfälle, auf dem Wege von uno zu der Arbeit, auf dem der Arbeiter oder Angestellte, der dem Schutz der reichsgesetzlichen Unfallversicherung untersteht, auch versichert ist. Hat aber bei der Entstehung eines Wegunfalls ein Verschulden des Versicherten mitgewirkt, so kann der Versicherungsträger den Schadenersatz ganz oder teilweise versagen. Im übrigen haben es sich die Versicherungsträger zur Hauptaufgabe gestellt, durch vorbeugende und aufklärende Maßnahmen Unfälle weitgehendst zu verhüten. Es werden sehr erhebliche Mittel jährlich aufgewendet, um Maschinen mit Schutzvorrichtungen zu versehen, die Gefolgschaft durch Unfallverhütungsbilder und aufklärende Schriften zur Vorsicht zu mahnen und durch immer neue technische Verbesserungen die Versicherten vor Schaden zu bewahren. Hier ist die verständnisvolle Mitarbeit der Gefolgschaftsmitglieder von besonderem Wert. Sie müssen einsehen, daß das Losungswort der Versicherungsträger„Unfälle verhüten ist besser, als Unfälle verguten“, nicht nur zum Besten der Volksgemeinschaft, sondern insbesondere auch zum Besten jedes einzelnen geprägt ist. Denn keine Heilbehandlung und keine Rente kann das kostbarste Gut des Menschen, die Gesundheit und Unversehrtheit des Körpers, ersetzen.“ „Das erkenne ich ohne weiteres an. Ich werde Ihrer Mahnung, Meister, stets eingedenk sein, wenn ich wieder in Arbeit stehe. Beschränkt sich denn die Unfallversicherung lediglich auf das Gebiet der Vergütung und Verhütung von Unfällen oder greift sie auch schützend bei Krankheiten ein?" Wer schützt vor Berufskrankheiten? „Der Schutz gegen Krankheit ist grundsätzlich Aufgabe der Krankenversicherung, trotzdem gibt es eine Reihe von sogenannten Berufskrankheiten, die aufgrund einer besonderen Verordnung des Reichsarbeitsministeriums unter den Schutz der Unfallversicherung fallen. Es handelt sich hierbei um Krankheiten, die bestimmten Berufszweigen als besondere Gefahren eigen sind, so z. B., um eine der wichtigsten Berufskrankheiten zu nennen, die Erkrankung an schwerer Staublunge in bestimmten Betrieben. Eine Entschädigung aufgrund dieser BerufskrankheitenVerordnung kann aber, was von den Versicherten häufig übersehen wird, nur dann gewährt werden, wenn es sich um eine Erkrankung handelt, die in der Verordnung genannt ist und wenn die Krankheit in einem Betriebe erworben ist, den die Verordnung bezeichnet.“ Anmeldung von Entschädigungsansprüchen „Nun sagen Sie mir bitte noch, was ich zu tun habe, um in den Genuß der Leistungen aus der Unfallversicherung zu kommen.“ „Auf dem Gebiet der Unfallversicherung sind die Leistungen der Versicherungsträger an sich von amtswegen festzustellen. Da es aber aus mancherlei Gründen möglich ist, daß diese Feststellung unterbleibt, so empfiehlt es sich, bei der zuständigen Berufsgenossenschaft die Entschädigungsansprüche anzumelden. Denn binnen zwei Jahren nach dem Unfall muß der nicht von amtswegen festgestellte Anspruch bei dem Versicherungsträger angemeldet sein. Sonst besteht die Gefahr, daß sich der Versicherungsträger auf den Ablauf der zweijährigen Ausschlußfrist beruft und damit den Anspruch zu Fall bringt. Nach Ablauf der Frist können Ansprüche nur unter bestimmten, in der Reichsversicherungsordnung näher geregelten Voraussetzungen geltend gemacht werden. Ich weise übrigens darauf hin, daß die Unfallanzeige allein zur Anspruchsanmeldung nicht ausreicht. Nach den gesetzlichen Vorschriften hat der Betriebsunternehmer jeden Unfall in seinem Betrieb, der den Tod oder eine Verletzung zur Folge hat, die den Betroffenen für mehr als drei Tage völlig oder teilweise arbeitsunfähig macht, bei der Ortspolizeibehörde oder einer durch die Satzung des Versicherungsträgers bestimmten Stelle anzumelden. Die Ortspolizeibehörde hat den Unfall, sofern der Versicherte getötet oder so erheblich verletzt ist, daß er voraussichtlich nach acht Wochen noch nicht wieder voll erwerbsfähig sein wird, zu untersuchen, d. h. sie hat Veranlassung, Ort, Zeit, Hergang und Art des Unfalls festzustellen, den Versicherten und etwaige Zeugen des Unfalls zu vernehmen und andere zur Aufklärung notwendige Ermittlungen anzuDr. Ley begrüßt westfälische Bergmänner Aufnahme: WLZ stellen. Der Versicherungsträger wird dann in der Regel einen oder mehrere ärztliche Sachverständige hören und muß schließlich dem Verletzten einen Bescheid erteilen, indem zu der Frage der Entschädigung Stellung genommen wird Die Berufsinstanz Werden die Ansprüche des Verletzten abgelehnt oder glaubt er, höhere Entschädigungsleistungen, als sie ihm gewährt worden sind, geltend machen zu können, so steht ihm das Recht zu, binnen einem Monat nach Zustellung des Bescheides Berufung an das für seinen Wohnsitz oder Beschäftigungsort zuständige Oberversicherungsamt einzulegen. Er hat in dem Feststellungsverfahren das Recht, die Anhörung seines behandelnden Arzies zu verlangen. Er kann auch die Einholung seines Gutachtens von einem bestimmten Arzt, den er selbst ausgewählt hat, beantragen, muß dann allerdings u. U. die für die Anhörung nötigen Kosten vorschießen. Gegen das Urteil der Spruchkammer des Oberversicherungsamts, die mit einem Mitgliede des Oberversicherungsamts als Vorsitzendem und je einem Vertreter der Betriebsführer und der Versicherten besetzt ist, gibt es— mit Ausnahme bestimmter im Gesetz besonders aufgeführter Fälle— den Rekurs an das Reichsversicherungsamt. Ueber dieses Rechtsmittel entscheidet der Spruchsenat, der mit einem Senatspräsidenten als Vorsitzendem, einem ständigen Mitglied des Reichsversicherungsamts, einem Richter und je einem Vertreter der Betriebsführer und Versicherten besetzt ist.“ Aufklärung tut not! „Haben Sie Dank für Ihre Aufklärung. Sie haben mir neue Kraft und den Glauben gegeben, daß der einzelne Volksgenosse in Zeiten der Not durch die Sozialversicherung und Hilfe findet.“ schutz Gebote des läglichen Lebens Was muß der Angestellte von seiner Versicherung wissen? Versicherungspflichtig sind alle Angestellten, wenn der für ihre Beschäftigung gewährte Entgelt 7200 RM. jährlich nicht überzeigt. Zu den Angestellten gehören insbesondere Gefolgschaftsmitglieder in gehobener oder leitender Stellung, Büroangestellte, Handlungsgehilfen, Bühnenmitglieder, Musiker, Lehrer, Schiffsführer und Schiffsoffiziere. Der Angestellte läßt sich eine Versicherungskarte ausstellen und legt sie dem Unternehmer vor. Die Ausgabestellen befinden sich meist bei den Gemeinde= oder Polizeibehörden. Die Beiträge werden durch Verwendung von Marken entrichtet, die auf den Postämtern zu erhalten sind. Es sind zu entrichten in der Klasse A(Gehalt— 50 RM.): 2 RM., B(Gehalt— 100 RM.): 4 RM., C(Gehalt— 200 RM.): 8 RM., D(Gehalt— 300 RM.): 12 RM., E(Gehalt— 400 RM.): 16 RM., F(Gehalt— 500 RM.): 20 RM., G(Gehalt— 600 RM.): 25 RM. Die Versicherungskarte bietet Raum für 24 Marken und soll spätestens binnen 3 Jahren bei der Ausgabestelle umgetauscht werden. Die Marken beschafft der Unternehmer, klebt sie in die Versicherungskarte ein und entwerte sie dadurch, daß er auf ihnen den letzten Geltungstag handschriftlich oder mit Stempel vermerkt(z. B. 31. 3. 37). Für Versicherte, deren monatlicher Entgelt 50 RM. nicht übersteigt, sowie für Lehrlinge trägt der Unternehmer die vollen Beträge allein. Die übrigen Versicherten müssen sich bei der Gehaltszahlung die Hälfte des Beitrags avziehen lassen. Unterbliebene Abzüge dürfen bei der nächsten Gehaltszahlung nachgeholt werden, weiter zurück nur, wenn der Unternehmer die Beiträge schuldlos nachentrichtet. Der Unternehmer darf nur auf dem Wege des Gehaltsabzuges den Beitragsteil des Versicherten wieder einziehen. Der Angestellte kann freiwillig höhere Beiträge entrichten, als seinem Jahresarbeitsverdienst entspricht. Für die Zwecke der freiwilligen Höherversicherung stehen noch drei weitere Klassen zur Verfügung H(30 RM), 1(40 RM.) und K(50 RM). Wer aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheidet und mindestens vier Beitragsmonate aufgrund der Versicherungspflicht zurückgelegt hat, kann die Versicherung freiwillig fortsetzen. Bei der Weiterversicherung sind Beiträge in der dem jeweiligen Einkommen entsprechenden Gehaltsklasse, mindestens aber in der Gehaltsklasse B(4 RM.) zu entrichten. Der freiwillig Versicherte muß die Beiträge allein tragen. Bei der Entwertung der Marke fügt er ein„f“ hinzu. Jeder Versicherte, für den ein oder mehrere Beiträge entrichtet sind, hat eine„Anwartschaft auf die Leistungen der AV. Zur Erhaltung dieser Anwartschaft müssen jährlich mindestens sechs Beitragsmonate zurückgelegt werden. Den Beiträgen stehen die„Ersatzzeiten“, gleich, insbesondere Krankheit, Bezug von Arbeitslosenunterstüßung, Besuch einer staatlich anerkannten Lehranstalt. Die Ersatzzeiten sind beim Umtausch der Versicherungskarte nachzuwessen. Wenn z. B. ein Angestellter vom 1. Januar bis 31. März 1837 Beiträge entrichtet und dann vom 1. Apr'l bis 30. Juni 1937 eine staatlich anerkannte Lehranstalt besucht, so ist seine Anwartschaft für das Jahr 37 erhalten. Dauert der Anstaltsbesuich aber nur 2 Monate, so muß noch ein freiwilliger Beitrag entrichtet werden. Dieser Beitrag kann noch bis zum 31. Dezember 1939 nachentrichtet werden, wenn der Versicherte nicht vorher stirbt oder berufsunfähig wird. Wird der für 1937 fehende freiwillige Beitrag im Laufe des Jahres 37 nicht mehr entrichtet und stirbt der Angestellte am 1. 1. 38(oder wird er an diesem Tage berufsunfähig), so besteht jetzt keine Möglichkeit mehr zur Nachentrichtung und eine Rente kann nicht gewährt werden, weil die Anwartschaft erloschen ist. Eine Ausnahme besteht nur, wenn die zwischen dem erstmaligen Eintritt in die Versicherung und dem Versicherungsunfalle liegende Zeit mindestens in drei Vierteln durch Beiträge oder Kriegsdienst belegt ist. In diesem Falle gilt die Anwartschaft als erhalten, auch wenn in dem einen oder anderen Kalenderjahr nicht die erforderliche Mindestzahl von Beitragsmonaten nachgewiesen ist. Will der Angestellte sicher sein, daß seine Anwartschaft stets erhalten bleibt, so muß er bis zum Schlusse eines jeden Kalenderjahres die zur Erhaltung der Anwartschaft in diesem Jahre erforderlichen Beiträge entrichten. Die Wartezeir zum Bezug der Renten dauert 60 Beitragsmonate, sind aber weniger als 60 Beitragsmonate auf Grund der Versicherungspflicht zurückgelegt, so dauert die Wartezeit 120 Beitragsmonate. Beantragt ein Angestellter Ruhegeld wegen Vollendung des 65. Lebensjahres ohne berufsunfähig zu sein, so beträgt die Wartezeit 180 Beitragsmonate. Ruhegeld erhält der Versicherte, der a) zur Ausübung seines Berufs dauernd unfähig(berufsunfähig) ist oder b) vorübergehend berufsunfähig ist, wenn die Berufsunfähigkeit ununterbrochen sechsunozwanzig Wochen gedauert hat, oder c) das 65. Lebensjahr vollendet hat, wenn die Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft erhalten ist. Als berufsunfähig gilt der Versicherte, dessen Arbeitsfähigkeit infolge von Krankheit oder anderen Gebrechen oder Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte auf weniger als die Hälfte derjenigen eines körperlich und geistig gesunden Versicherten von ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten herabgesunken ist. Als berufsunfähig gilt auch, wer das 60. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens einem Jahr ununterbrochen arbeitslos ist. Witwenrente erhält die Witwe nach dem Tode des versicherten Ehemannes, auch wenn sie selbst nicht berufsunfähig ist. Waisenrente wird bis zum 15. Lebensjahr, bei Schul= oder Berufsausbildung oder bei Gebrechlichkeit bis zum 18. Lebensjahr gewährt. Das Ruhegeld besteht aus Grundbetrag(360 RM. jährlich), Steigerungsbetrag und Kinderzuschuß(90 RM. jährlich). Der jährliche Steigerungsbetrag jeden Monatsbeitrag in der Klasse B: 0,50 RM., C: 1.— RM., E: 2.— RM., F: 2,50 RM., H 4.— RM., I: 6.— RM., RM. RM., RM., RM. Die Witwenrente ist fünf Zehntel, die Waisenrente vier Zehntel des Ruhegeldes ohne Kinderzuschuß. Beispiel: Hat ein Versicherter 120 Beiträge der Klasse C(8 RM.) entrichtet, so erhält er jährlich den Grundbetrag von 360 RM. einen Steigerungsberag von 120 X 1 120 RM. 480 RM. Heiratet eine Versicherte nach Ablauf der Wartezeit und scheidet sie binnen drei Jahren nach der Verheiratung aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung aus, so ist ihr auf Antrag die Hälfte der für die Zeit vom 1. Januar 1924 bis zum Ausscheiden geleisteten Beiträge zu erstatten. Der Anspruch verfällt, wenn er nicht binnen drei Jahren nach der Verheiratung geltend gemacht wird. Die zur Invalidenversicherung und zur Angestelltenversicherung entrichteten Beiträge werden für die Erhaltung der Anwartschaft und für die Erfüllung der Wartezeit zusammengerechnet. Anträge auf Leistungen werden zweckmäßig an die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Berlin=Wilmersdorf, Ruhrstraße 2, selbst gerichtet. Mitglieder der Arbeitsfront können sich der Hilfe von ihr eingerichteten Rechtsberatungsstellen bedienen. Gegen den Bescheid der Reichsversicherungsanstalt ist Berufung an das Oberversicherungsamt und gegen dessen Urteil Revision an das Reichsversicherungsamt zulässig. Die Reichsversicherungsanstalt kann ein Heilverfahren einleiten, um die drohende Berufsunfähgkeit abzuwenden oder die bereits eingetretene Berufsunfähigkeit zu beheben. A Das Volk muß gesund bleiben Ein Wegweiser durch die Leistungen der Krankenversicherung Morgenlied der neuen Arbeites Von Heinrich Lerseh Leuchte, scheine, goldne Sonne Ueber dieses freie Land; Felder, Wälder, Städte hülle In dein helles Lichtgewand. Laß die welten Aecker reifen Und die kleinen Gärten blühn, Leuchte hell In die Fabriken, Wo wir uns Im Schatten mühn: Leuchte, goldne Sonne, scheine, Spende deines Segens Kraft. Bruder: deine Hand! Hier meine! Wer unterliegt der Krankenversicherung Wer der Krankenversicherungspflicht unterliegt, ist kraft Gesetzes versichert. Es kommt also nicht darauf an, ob er bei der zuständigen Krankenkasse gemeldet ist. Allerdings setzt sich der zur Meldung Verpflichtete(in der Regel der Betriebsführer) Strafen aus, wenn er die Anmeldung unterläßt oder spätere Lohnänderungen nicht mitteilt. Der Krankenversicherungspflicht unterliegt der größte Teil der Volksgenossen, die unter 3 600 Mark Einkommen im Jahre haben. Außerdem können auch versicherungsfreie Beschäftigte und Familienangehörige des Arbeitgebers, die ohne eigentliches Arbeitsverhältnis und ohne Entgelt in seinem Betriebe tätig sind, sowie Gewerbetreibende und andere Betriebsunternehmer, die in ihrem Betriebe regelmäßig keine oder höchstens zwei Versicherungspflichtige beschäftigen, der Versicherung freiwillig beitreten, wenn ihr jährliches Gesamteinkommen 3600 Mark nicht übersteigt. Welche Beiträge sind zu zahlen? Der Versicherungspflichtige selbst führt grundsätzlich seinen Beitrag nicht selbst an die Krankenkasse ab, vielmehr führt der Betriebsführer auch für das versicherte Gefolgschaftsmitglied den Betrag an die Krankenkasse ab. Von dem Gesamtbeitrag hat der Betriebsführer ein Drittel und der fVersicherte zwei Drittel zu zahlen. Der Betriebsführer zieht den Beitragsteil bei der Lohnzahlung ab. Sind die Abzüge für eine Lohnzeit unterblieben, so dürfen sie nur bei der Lohnzahlung für die nächste Lohnzeit nachgeholt werden. die Höhe des Beitrages ist bei den einzelnen Krankenkassen verschieden, da jede Kasse eine in sich geschlossene Einheit ist und ihre gesetzlichen und satzungsmäßigen Ausgaben im wesentlichen aus den Beiträgen ihrer Mitglieder bestreiten muß. Die Beiträge bestehen in einem bestimmten Prozentsatz des Grundlohns. An welche Kasse sind die Beiträge abzuführen? Welche Kasse im einzelnen die Versicherung durchführt, hängt von der Art und dem Ort der Beschäftigung ab. Ist für einen Betrieb eine Betriebskrankenkasse errichtet, so sind die Gefolgschaftsmitglieder bei dieser versichert. Handelt es sich um einen in einem Handwerkerbetrieb Beschäftigten, dessen zuständige Innung eine Innungskrankenkasse errichtet hat, so ist der Beschäftigte Mitglied der Innungskrankenkasse. Landwirtschaftliche Gefolgschaftsmitglieder gehören— soweit Landkrankenkassen bestehen— in diese. Für alle übrigen Versicherungspflichtigen ist die Allgemeine Ortskrankenkasse zuständig. Die in Knappschaftsbetrieben tätigen Versicherungspflichtigen sind auch bei der Reichsknappschaft gegen Krankheit versichert. Für die Seeleute besteht eine besondere See=Krankenkasse. Außerdem berechtigt der Beitritt zu einer Ersatzkrankenkasse in der Regel das versicherungspflichtige Mitglied, sich von der Versicherung bei seiner gesetzlichen Krankenkasse befreien zu lassen. In diesem Falle hat das Mitglied selbst den Beitrag zu zahlen, kann aber von seinem Betriebsführer die Rückerstattung des auf diesen entfallenden Beitragsteils beanspruchen. Welcher Ersatzkasse ein Versicherter beitreten kann, ergibt sich aus deren Satzung. Die Krankenhauspflege kann antelle der Krankenpflege und des Krankengeldes gewährt werden, und besteht in der Gewährung von Kur und Verpflegung in einem Krankenhause. Hierzu gehören ärzt= liche Behandlung, Versorgung mit Arzneien und Heilmitteln, Kost und Wohnung, Pflege, Bedienung und unter Umständen auch Bekleidung sowie der Transport ins Krankenhaus. Die Gewährung der Krankenhauspflege ist grundsätzlich von der Zustimmung des Vericherten abhängig. Nur in besonderen Fällen kann sie auch ohne Zustimmung erfolgen. Wenn die Krankenkasse die Krankenhauspflege bewilligt hat, kann sich der Versicherte regelmäßig selbst das Krankenhaus auswählen, welches er aufsuchen will. Nur unter bestimmten Voraussetzungen können Krankenhäuser ausgeschlossen werden. Es wird daher zweckmäßig sein, daß sich der Versicherte über die zugelassenen Krankenhäuser unterrichtet. Die Hauspflege besteht darin, daß der Kranke in seinem Haushalt oder seiner Familie bleibt, aber Hilfe und Wartung durch Krankenpfleger, Krankenschwestern oder ansonen Wochenhilfe erlangen können, die längere Zeit arbeitslos gewesen sind. Schon während der Schwangerschaft wird Hilfe bei Beschwerden gewährt, und zwar in der Form von Hebammenhilfe durch Arzneien und kleinere Heilmittel und— soweit erforderlich— auch durch ärztliche Behandlung. Infolge Schwangerschaft arbeitsunfähig werdenden Versicherten kann durch die Satzung in Höhe des Krankengeldes eine Beihilfe geleistet werden. Im Falle der Entbindung kommen neben der Hilfe durch eine Hebamme und einen Arzt noch Arzneien und kleinere Heilmittel sowie ein einmaliger Beitrag und Wochengeld oder Stillgeld in Frage. Mit Zustimmung der Krankenkasse kann auch ein Wöchnerinnenheim aufgesucht werden. Das Wochengeld wird für vier Wochen vor und sechs Wochen nach der Entbindung gewährt. Es kann durch die Satzung noch verlängert werden. Es hat die Höhe des Krankengeldes. Stillgeld erhalten die Wöchnerinnen, solange sie die Neugeborenen selbst stillen. Es beträgt die Hälfte des Krankengeldes. Beim Tode des Versicherten wird Sterbegeld gewährt, und zwar mindestens in Welche Leistungen werden gewährt? Die Krankenversicherung gewährt Hilfe bei Krankheit, Geburten und Tod. Die Leistungen zerfallen in Regelleistungen, die jede Kasse nach gesetzlicher Vorschrift leisten muß und in darüber hinausgehenden Leistungen, über deren Umfang die Satzung der einzelnen Kasse Näheres bestimmt. Im Falle der Krankheit, die eine Heilbehandlung notwendig macht oder die Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat, erhält der Versicherte Krankenhilfe. Die Krankenhilfe zerfällt in Krankenhilfe, Krankengeld, Krankenhaus= und Hauspflege, Haus= und Taschengeld sowie Genesendenfürsorge. Die Kranenpflege umfaßt die freie ärztliche oder zahnärztliche Behandlung sowie die Versorgung mit Arzneien, Brillen, Bruchbändern und anderen kleineren Heilmitteln. Zur Erlangung der ärztlichen Hilfe muß der Versicherte grundsätzlich vor der Inanspruchnahme einen Krankenschein lösen. Für seine Ausfertigung ist— soweit nicht ein Befreiungsgrund vorliegt— eine Gebühr von 25 Pfennig zu entrichten. Ebenso muß der Versicherte von den Kosten jeder Verordnung über Arzneien, Heil= und Stärkungsmitteln einen Kostenbeitrag von ebenfalls 25 Pfennig zahlen. Dieser Beitrag entfällt jedoch, wenn der Versicherte länger als 10 Tage arbeitsunfähig ist. Die Zahlung des Krankengeldes bezweckt, dem Versicherten den während seiner Arbeitsunfähigkeit entgangenen Verdienst wenigstens teilweise zu ersetzen und ihn vor Not zu schützen. Das Krankengeld wird in Höhe des halben Grundlohns für jeden Kalendertag gewährt, wenn die Krankheit den Versicherten arbeitsunfähig macht, uno zwar vom vierten Tage der Arbeitsunfähigkeit an. Kohlenhauer unter Tage Aufnahme: WLZ dere Pfleger auf Kosten der Krankenkasse erhält. Sie tritt mit Zustimmung der Kasse dann ein, wenn die Aufnahme eines erkrankten Versicherten in ein Krankenhaus an sich geboten wäre, aber nicht ausführbar oder aus wichtigen Gründen nicht zweckmäßig ist. Da die Krankenhauspflege an die Stelle des Krankengeldes tritt, würden die Angehörigen, deren Unterhalt der erkrankte Versicherte bis zum Beginn seiner Krankheit ganz oder überwiegend getragen hat, für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes oft völlig mittellos sein und damit der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen. Aus diesem Grunde wird einem Versicherten, der solche Angehörigen hat, ein Hausgeld in Höhe des halben Krankengeldes gezahlt. Taschengeld kann der in ein Krankenhaus eingewiesene Versicherte erhalten, für den kein Hausgeld gezahlt wird und zwar bis in Höhe eines Viertels des Grundlohnes. Solche Versicherte, die zwar nicht krank aber erholungsbedürftig sind, können besonders durch Unterbringung in einem Genesungs=, Erholungsoder Kurheim Genesendenfürsorge erhalten. Daneben wird ihnen— wie bei der Krankenpflege— Haus= und Taschengeld bezahlt. Diese Genesendenfürsorge ist ein wichtiges Mittel, um überstandene Krankheiten vollkommen auszuheilen, aber auch nach dem Grundsatz„Vorbeugen ist besser als heilen“ Krankheiten verhüten. Wochenhilfe erhalten solche weiblichen Versicherten, die nach einer bestimmt langen Zugehörigkeit zur Kasse niederkommen. Es ist Vorsorge getroffen, daß auch solche PerHöhe des zwanzigfachen des Grundlohns. Es dient in erster Linie der Bestreitung der Bestattungskosten. Die Sorge für die Jamilie Nach einer bestimmten Versicherungsdauer erhält der Versicherte Familienkrankenpflege, Familienwochenhilfe und Familiensterbegeld. Diese Leistungen werden grundsätzlich nur für die unterhaltsberechtigten Ehegatten und die unterhaltsberechtigten Kinder gewährt. Die Familienkrankenpflege besteht in der freien Gewährung ärztlicher Behandlung. Von den Kosten für Arzneien und kleinere Heilmittel wird die Hälfte erstattet. Durch die Satzung können diese Leistungen noch erhöht oder verlängert werden. Auch kann für die Familien= angehörigen Krankenhauspflege oder an deren Stelle ein Zuschuß gewährt werden. Bei Niederkunft der Ehefrau, der Tochter, Stief= und Pflegetochter des Versicherten, die mit ihm in häuslicher Gemeinschaft leben, wird Familienwochenhilfe gezahlt. Auch diese ist abhängig von einer bestimmt langen Zugehörigkeit des Versicherten zu der Krankenkasse (zehn Monate innerhalb der letzten zwei Jahre, mindestens 6 Monate im letzten Jahre). Die Leistungen sind im allgemeinen die gleichen wie bei der Wochenhilfe. Familiensterbegeld können die Krankenkassen gewähren und zwar beim Tod des Ehegatten oder eines Kindes oder sonstiger Angehöriger, die mit ihm in häuslicher Gemeinschaft lebten und überwiegend unterhalten worden sind. Die Höhe des Familiensterbegeldes kann für die Ehegatten bis auf zwei Drittel und für sonstige Angehörige bis auf die Hälfte des Sterbegeldes festgesetzt werden. Wie lange werden Leistungen gewährt? Die Krankenkassen können, da sie nach den Grundsätzen der Versicherung aufgebaut sind, ihre Leistungen nicht auf unbeschränkte Zeit gewähren. Daher ist für alle Leistungen eine bestimmte Höchstzeit festgesetzt. Sie beträgt für die wichtigste Leistung, nämlich die Krankenhilfe, 26 Wochen nach dem Beginn der Krankheit, kann jedoch durch die Satzung bis auf 52 Wochen verlängert werden. Bei den übrigen Leistungen ist die Zeitdauer schon erwähnt. Solche Versicherte können auf ihren Antrag von der Versicherungspflicht befreit werden, solange die Arbeitsunfähigkeit oder die Notwendigkeit der Heilbehandlung während der Fortdauer derselben Krankheit besteht. Auf diese Weise ist er von der Beitragspflicht befreit. Er erhält dann allerdings für seine Famile auch keine Leistungen mehr. Infolgedessen empfiehlt es sich für Ledige, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Wie erhält der Versicherte seine Leistungen? Wenn ein Versicherter krank wird, muß er für die Inanspruchnahme eines Arztes einen Krankenschein lösen. Er muß alsdann bei seiner Krankenkasse oder der von dieser bestimmten Stelle einen Krankenschein lösen. Im allgemeinen haben die Krankenkassen in allen Orten ihres Bezirks oder auch in den Betrieben Krankenscheinausgabestellen errichtet. Dieser Schein ist die Grundlage für die freie ärztliche Behandlung durch einen Kassenarzt. Die anderen Leistungen sind bei der Krankenkasse oder ihren Außenstellen zu beantragen. Der Anspruch auf Krankengeld muß innerhalb einer Woche nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit gemeldet werden, sonst verfällt er für die zurückliegende Zeit. Für die Behandlung aller sich aus dem Versicherungsverhältnis ergebenden Streitigkeiten ist regelmäßig das Versicherungsamt zuständig; dessen Entscheidung kann angefochten werden, alsdann entscheidet in den meisten Fällen das Oberversicherungsamt endgültig. Große CefahrenDas Knappschaftswesen, der ältest Knappschaftsversicherung ist die ständische Berufsversicherung für den deutschen Bergbau. Sie gehört zur reichsgesetzlichen Sozialversicherung und umfaßt folgende Versicherungszweige: 1. knappschaftliche Krankenversicherung, 2. Invalidenversicherung, 3. knappschaftliche Pensionsversicherung, 4. Angestelltenversicherung. Das Knappschaftswesen ist der älteste Zweig der sozialen Versicherung. Warum besteht eine besondere Sozialversicherung für den Bergbau? Der bergmännische Beruf bringt besondere Gefahren für die Gesundheit und das Leben sowie eine stärkere Abnutzung der Arbeitskraft mit sich, wodurch eine erhöhte soziale Fürsorge für die Bergleute bedingt ist. Welche Stelle führt die Knappschaftsversicherung durch? Versicherungsträger ist die Reichsknappschaft, die das ganze Reichsgebiet umfaßt. Sie besteht aus dem Reichsknappschaftsgesetz seit dem 1. Januar 1924 und ist an Stelle der früheren Knappschaftsvereine getreten. Für die Unfallversicherung der Bergleute ist als besonderer Versicherungsträger die Knappschafts=Berufsgenossenschaft vorhanden. Wie ist die Reichsknappschaft aufgebaut? Die Reichsknappschaft gliedert sich in 17 Bezirksknappschaften, die die einzelnen Bergbaugebiete betreuen. Sie sind die Verwaltungsstellen der Reichsknappschaft und dienen der Durchführung der Versicherung. Jede Bezirksknappschaft ist in Sprengel eingeteilt, zu deren Verwaltung Knappschaftsälteste und Knappschaftsärzte bestellt werden. In den knappschaftlichen Verwaltungen sind insgesamt 2400 Angestellte beschäftigt. Welche besonderen Einrichtungen bestehen bei der Reichsknappschaft? In den Hauptbergbaugebieten hat die Reichsknappschaft zahlreiche knappschaftseigene Anstalten. Sie besitzt 31 Knappschaftskrankenhäuser, 13 Erholungs, heime, 2 Heilstätten, 1 Augenklinik, 11 Zahnkliniken. Wer ist bei der Reichsknappschaft versicherungspflichtig? Der Versicherung nach dem Reichsknappschaftsgesetz unterliegen alle männlichen und weiblichen Arbeiter und Angestellten, die ausschließlich oder überwiegend in knappschaftlichen Betrieben beschäftigt sind, gleichviel, ob ihre Beschäftigung technisch, wirtschaftlich oder kaufmännisch ist. Was sind knappschaftliche Betriebe? Knappschaftliche Betriebe sind alle Betriebe, in denen Mineralien oder ähnliche Stoffe bergmännisch gewonnen werden, mit AusArbeitsbrüder, uns vereine Elne heil’ge Leidenschaft. Tu dich auf, du Tor der Halle, Sonne, breche hell hineln. Wollt ihr, werkende Maschinen, Neuen Volkes Helfer sein? Euer Rattern, euer Dröhnen Klingt wie freudig Ja-Geschrei. Kampf ist Arbeit, Arbelt Liebe. Kämpfend schaffen wir uns freit Hoch der Bergmann, der verloren Tief Im Schacht die Kohlen haut, Der mit Dynamos, Motoren, Kraft aus seinem Leib geboren, Unsre neue Welt erbaut. * Tausend laute Räder brausen, Städte tönen, stromentlang Ziehn die schwerbeladnen Schlffe, Braust der Eisenbahn Gesang. In Millionen Menschenherzen Zieht der Glaube freudig ein: Was des Volkes Hände schaffen, Soll des Volkes eigen sein. Land und Frelheit unser Eigen, Menschenwürde unser Recht! Kraft soll sich der Schwachheit neigen, Brüderlich einander zeigen: Keiner Herr und keiner Knecht. * Leuchte, scheine, goldne Sonne, Unserm Vormarsch In die Welt, Uns, die nun Im Aufgang stehen, Keine Macht noch Fessel hält. Alte? Junge? Neue Menschen! Werkbeglückt einander nahn, Menschen, keinem andern Geiste Als der Liebe untertan. Drum mein Hammer schwing und schalle, Läute Frieden, Hammerschlag! Ruf mit delnem Stahlgesange Stadtvolk, Landvolk, Brüder alle In den großen Arbeitstag. erhöhte Fürsorge Zweig der sozialen Versicherung nahme der selbständigen Salinen und der selbständigen unterirdischen Betriebe der Industrie der Steine und Erden; außerdem diejenigen Betriebsanstalten und Gewerbsanlagen, gleichviel, welcher Art, die als Nebenbetriebe eines knappschaftlichen Betriebes mit diesem räumlich und betrieblich zusammenhängen. Daneben gilt die Knappschaftspflicht für bestimmte Unternehmerarbeiten, die in einem Bergwerksbetrieb ausgeführt werden und für eine Anzahl von Betrieben, die auf Grund früherer Vorschriften der Reichsknappschaft angehören. Worin liegt das Wesen der knappschaftlichen Pensionsversicherung? Die knappschaftliche Pensionsversicherung ist eine dem Bergbau eigentümliche Berufs= und Altersversicherung. Sie besteht für die in knappschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter neben der von der Reichsknappschaft als Sonderanstalt durchgeführten reichsgesetzlichen Invalidenversicherung. Folgende Renten werden gewährt: In der Altersabteilung: Invalidenpensionen für Knappschaftsinvaliden, Witwenpensionen, Waisengelder. In der Angestellten=Abteilung: Ruhegelder, Witwenpensionen und Waisengelder. Die Pensionierung erfolgt im allgemeinen bei dauernder Berufsunfähigkeit oder mit 65 Jahren; unter bestimmten Voraussetzungen jedoch mit 50 Jahren(Alterspensionen, Altersruhegeld). Welche besonderen Leistungen erhalten die Knappschaftsinvaliden und Ruhegeldempfänger sowie ihre Familienangehörigen? Sie erhalten aus der knappschaftlichen Pensionsversicherung neben ihren Pensionsbezügen freie ärztliche Behandlung und Arznei. Für die Fürsorge der Familienangehörigen bestehen bei den Betriebsknappschaften besondere Hilfskassen, deren Mitgliedschaft durch einen Mitgliedsbeitrag erworben werden kann. Die Mittel zur knappschaftlichen Krankenund Pensionsversicherung werden durch gemeinsame Beiträge von Versicherten und Unternehmern aufgebracht. Der Versicherte zahlt 1/ der Unternehmer 7/8. Außerdem leistet das Reich zur knappschaftlichen Pensionsversicherung der Arbeiter und Angestellten einen jährlichen Zuschuß von 105 Millionen Reichsmark. Die Anzahl der Mitglieder(ohne Saarknappschaft) betrug in der Arbeiter=Pensionskasse am 1. Oktober 1935 526 737, in der Angestellten=Pensionskasse 43 835. Hierzu kommen etwa 46 000 Arbeiter und Angestellte von der Saarknappschaft. In der Arbeiter=Pensionskasse betrug die Anzahl der Knappschaftsinvaliden. Witwen und Waisen am 1. Oktober 1935 404 638; in der Angestellten=Pensionskasse betrug die Anzahl der Ruhegeldempfänger, Witwen und Waisen 30 542. Schaffen und Freizeit nach drei Jahren sozialistischer Aufbauarbeit 3000 schaffende deutsche Menschen fuhren im vergangenen Jahre mit drei KdF-Schiffen nach Madeira, um sich unter der Sonne des Südens zu erholen und der Welt ein Beispiel zu geben von der Größe der Freizeitgestaltung durch die Deutsche Arbeitsfront. Während des ganzen Sommers waren die Schiffe der NSG„Kraft durch Freude“ auf großer Urlaubsfahrt in die norwegischen Fjorde. An Bord der„Kraft-durch-Freude“-Dampfer gibt es während der ganzen Fahrt nur eine große Gemeinschaft der Freude. Föhliche Spiele bringen die Menschen näher und lassen ein Gefühl des gemeinsamen Erlebnisses entstehen, das sich später auch auf die Arbeit fruchtbar auswirkt. Die Schilehrgänge der NSG„Kraft durch Freude" erfreuen sich einer großen Beliebtheit. In fast allen deutschen Gebirgen werden während des Winters acht- bis vierzehntägige Kurse durchgeführt. 30000 Volksgenossen werden in diesem Winter in die Kunst der Brettl eingeweiht, damit sie in Zukunft für die Winterurlaubsfahrten gerüstet sind. Durch die Kulturarbeit der Deutschen Arbeitsfront wird deutsche Kunst dem schaffenden Volk vermittelt. Der starke Besuch solcher Kulturveranstaltungen zeigt, daß das früher übliche Kunstprivileg einzelner Kreise keine Existenzberechtigung hat. Die große Der Schweizer Dichter Jakob Schaffner, der im vergangenen Jahre an einer Norwegenfahrt der NSG„Kraft durch Freude" teilnahm, schrieb darüber später in der schweizerischen Zeitschrift„Nationale Rundschau":„Wo hat sich überhaupt Volk vorher erleben können? Es ist nicht anders: Hier wächst etwas Neues, und es wächst nicht aus Worten, sondern aus dem Gefühl, aus Traum, aus— Freude. Sie gewinnen wirklich neue„Kraft durch Freude", das ist eine geniale Erfindung, aber es hat viel Not und Elend dazu gehört, um sie reif zu machen.“ Dies Urteil eines Ausländers mag der Bilanz vorweggenommen werden, die wir heute, wo die letzten Tage des dritten Jahres der Arbeit für den Aufbau einer Sozialordnung, die das Leben und Schaffen in Deutschland wieder lebens= und schaffenswert macht, ziehen wollen. Deutschland ist schöner geworden! Damit soll nicht gesagt sein, daß überheblicher Wahn es sich angemaßt hätte, das Gesicht der Natur zu korrigieren. Dazu lag beim besten Willen keine Veranlassung vor. Der Schöpfer hat das Herzstück Europas mit soviel Schönheit und Anmut bedacht, daß den Geschlechtern der Bewohner dieses Landes nur noch eines zu tun übrigblieb: sich innerhalb ihres Lebensraumes so einzurichten, daß eine natürliche Harmonie zwischen Mensch und Natur, zwischen Lebensgestaltung und erdschöpferischer Kraft, zwischen den Gesetzen des gemeinschaftsverbundenen Daseins des Volkes und den ehernen Formen des Wachsens und Werdens des unvergänglichen Bestandes der Erde zum Fundament einer Lebensordnung wurde, die Voraussetzung ist für den menschenwürdigen Entwicklungsgang der Geschichte eines Volkes. Als in den Jahren der marxistischen Zersetzung des Volkes das Band der Gemeinschaft zerrissen, die Einheit des Denkens und Handelns gespalten war, da kam zu dem wirtschaftlichen und sozialen Elend, das sich lähmend über das Leben des ganzen Volkes legte, noch die seelische und geistige Isolierung breitester Schichten. Für Millionen Menschen war das Leben nur noch ein kümmerliches Dasein. Verzweiflung und Verhetzung hatten eine Auffassung vom Leben, vom Sinn und Zweck des Daseins hervorgerufen, die jeglichen menschenwürdigen Inhalt vernichtete und den freien Blick für die Erfordernisse der Gegenwart und die Aufgaben der Zukunft nicht aufkommen ließ. Der offene, heroische Kampf um die Gestaltung des Lebens war herabgewürdigt worden zur plattesten materialistischen Beutejägerei. Die Situation war damals günstig für die Prediger der Lebensverneinung. Die Behauptung, daß die Erde ein einzigartiges Jammertal sei, schien sich zu bewahrheiten. Erst heute kann man in aller Klarheit erkennen, wie wenig doch die Apostel der Zersetzung und Vernichtung in die Herzen des Volkes gedrungen waren. Sie hatten es eben verstanden, in blenderischer Routine und marktschreierischer Aufdringlichkeit ihre persönliche verdorbene Ansicht vom Leben als die verbreitete Ueberzeugung des Volkes zu vertreten. Als sie es allzu verbrecherisch trieben, genügte ein kraftvolles Aufbegehren der gequälten Seele, um die Scharlatane und Drahtzieher der Vergangenheit abzuschütteln. Die Schäden und Sünden ihres jahrelangen verWandlung derblichen Treibens zu heilen erforderte allerdings mehr als eine energische Tat. Nur die zielklare, stündliche Arbeit der Erziehung, Formung und Führung konnte in wenigen Jahren das Volk zu einer derartigen Gemeinschaft gestalten, daß das Leben und Schaffen der Gesamtheit sich wieder ausrichten kann nach den ewig gültigen Gesetzen einer gesunden Auffassung vom irdischen Dasein. Im kurzen Ablauf des tagtäglichen Geschehens ist bei den wenigsten die Einsicht für die Bedeutung des kleinen Ereignisses im Werden einer großen Tat vorhanden. In der geordneten Rückschau auf die Kette der Geschehnisse eines größeren Zeitabschnittes erkennt man eindrucksvoller den sinnvollen Zusammenhang einzelner Begebenheiten. In diesem Zusammenhang muß auf ein Buch hingewiesen werden, das wie kaum ein anderes geeignet ist, einen Ueberblick zu geben über die Arbeit eines ganzen Jahres. Das Jahr 1935 hat für das schaffende Deutschland den Aufbau der Sozialordnung gebracht. Das Gesetzgebungswerk der ersten zwei Jahre hat jetzt einen gewissen Abschluß bekommen. Stein für Stein wurde in drei Jahren zum Bau einer Sozialordnung gefügt, die dem esen des deutschen Arbeitslebens gerecht wird. Wie diese Sozialordnung geworden ist, davon legt ein Buch(Dr. Robert Ley: „Deutschland ist schöner geworden", MehdenVerlag, Berlin SW 68) Zeugnis ab, das die Reden von Dr. Ley wiedergibt, die er im vergangenen Jahr gehalten hat. Die Vielseitigkeit der Themen, die bedingt ist durch die reiche Mannigfaltigkeit des Soziallebens, wurde durch die Herausgeber, Hans Dauer und Walter Kiehl, nach größeren Gesichtspunkten einheitlich geformt. Man muß dieses Buch in einer besonderen Art lesen, wenn man aus dem Inhalt die einzig mogliche Schlußfolgerung ziehen will. Es genügt nicht allein, daß man Seite für Seite liest, sondern man muß von Zeit zu Zeit das Buch zuschlagen und zurückdenken an die Vergangenheit, um die Größe des Neuen an der Niedrigkeit des Alten zu messen. Die Gegenwart sehen und erleben, die Vergangenheit in der Erinnerung vorbeiziehen lassen, so kommt man zu der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß in Deutschland im Leben und Arbeiten, im Wollen und Handeln sich ein Wandel vollzogen hat, der die tiefen Kräfte nur ahnen läßt, die dieses Werk vollbracht haben. Erst dann erkennt man die symbolische Wahrheit des Wortes in seiner tieferen Bedeutung, das Dr. Ley nach drei Jahren sozialistischer Aufbauarbeit geprägt hat und das er als Ergebnis seiner Arbeit dem Buche als Titel gab: Deutschland ist schöner geworden. Deutschland ist schöner geworden, weil die Augen seiner schaffenden Menschen wieder heller in die Zukunft schauen. Die Werktätigen arbeiten in den Betrieben im Geiste der Kameradschaft, sie erleben Deutschland als die Heimat ihrer Väter und Kinder im Bewußtsein der Ehre, die sie in die Gemeinschaft des Volkes als stolze Träger der Nation gleichberechtigt eingeordnet hat. Hans Viefhaus. Aufnahmen: Presseamt der DAF(4), Pressebildzentrale(2), WLZ(2), Ksinsik(1) Die sportliche Ertüchtigung aller Werktätigen ist eine unumgängliche Notwendigkeit zur Gesunderhaltung des ganzen Volkes. Die Sportämter der NSG„Kraft durch reude“ hapen Millionen Schaffende in die vielseitige Schule des Körpers gebracht. Alle Sportarten können in den Kursen in allen Städten des Reiches geübt werden. Der anständige Arbeitsplatz war nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Die unermüdliche Arbeit der Deutschen Arbeitsfront hat es erreicht, daß die Schönheit der Arbeit schon in vielen Betrieben verwirklicht ist und an allen Stätten der Arbeit als zu erstrebendes Ziel gilt. Das Amt für Schönheit der Arbeit hat in der kurzen Zeit seines Bestehens ungeheure Erfolge erzielt. Aus Fabrikhöfen wurden Erholungsstätten. Wo Schutt und Abfälle einen trüben Blick boten, wächst heute grüner Rasen und stehen Bänke zur Erholung in den Arbeitspausen. Durch die Berufsumschulung in der Deutschen Arbeitsfront wurden zahlreiche Volksgenossen für die Berufe ausgebildet. die durch die starken Anforderungen von Wirtschaft und Industrie nicht mehr genügend Facharbeiter aufweisen. Die neuausgebildeten Facharbeiter wurden sofort in ihrem neuen Beruf untergebracht. Unser Bild zeigt Motorenschlosser in der Albert-Forster-Schule bei praktischer Arbeit an einem Flugmotor. wenn deutsche Arbeiter ihre Urlaubsreise antreten, besie Glückwünsche der ganzen Gemeinschaft der Schaffenden. So werden selbst die Urlaubsfahrten zu überzeugenden Kundgebungen der grollen Kameradschaft des ganzen Volkes. Dortmund nach drei Jahren nationalsozialistischer Aufbauarbeit: Pflege und Anlage von Grünflächen Die Liebe zur Natur steckt dem deutschen Menschen im Blute. Ob er in den feuerdurchglühten Hallen der großen Werke seiner Arbeit nachgeht, ob er hinter dem Schreibstubentisch oder der Ladentheke seine Werktagsarbeit verrichtet, ob er tief im Schoß der Erde schafft, selbst in den Berufen in der freien Natur tätig ist, oder was er auch für einer Tätigkeit nachgeht, die Sehnsucht nach Grün und Sonne, nach einem Stückchen Land, das ihm die Schönheiten und Geheimnisse der Natur offenbart, treibt ihn zu jeder Freistunde hinaus und gibt ihm Freude, Erholung und neue Kraft, um die Sorgen des Alltaas zu überwinden und den Kampf um das Dasein zu bestehen. Doch in den Großstädten, in den Industriemittelpunkten, wird diese Frage weit schwieriger und doch gibt es kaum einen Teil im weiten Land, in dem der Wunsch des Bewohners nach der Stille und Erhabenheit, nach der Schönheit und der Heilquelle der Natur ausgeprägter ist als beim Volksgenossen, der im steinernen Meer der großen Stadt wohnt. Weit und schier unübersichtlich dehnen sich die Grünflächen im Großdortmunder Gebiet im Ausfallpforten nach den Hauptausflugsgebieten in den verschiedensten Stadtaußengebieten herzustellen. Seit seiner Tätigkeit beim Gartenund Friedhofsamt hat dann Gartendirektor Nohse angestrebt, möglichst große und zusammenhängende Grünflächen innerhalb des Dortmunder Stadtgebietes zu schaffen, einmal weil der gesundheitliche Wert derartiger Anlagen viel größer ist als eine Vielzahl kleinerer verstreut liegender Anlagen, zum anderen weil auch die Unterhaltungskosten im Verhältnis geringer sind. Weiterhin hat sich aber auch gezeigt, daß die erholungsuchenden Volksgenossen der Großstadt die großen Grünanlagen weitaus höher einschätzen als die kleinen und auch— das muß auch einmal gesagt werden— die Rücksichtnahme der Besucher auf die Anlagen an sich ist weitaus besser. Natürlich schließt das Anstreben großer geschlossener Grünflächen nicht aus, daß häßliche Lücken im Stadtbild beseitigt und durch grüne Anlagen verschönt werden. Wer von der Höhe des Ardeygebirgs auf die Grünflächen im Süden der Stadt schaut, wer durch den ausgedehnten Schloßpark RomDer 844een W 48. 9. 8. zen, daß gerade während der Jahre nach 1932 hier eine vorbildliche rege Tätigkeit geherrscht hat, nicht zuletzt Dank des restlosen Einsatzes vieler bisher erwerbsloser Wohlfahrtsempfänger, die nicht nur mithalfen, neue Grünflächen anzulegen, sondern auch die vorhandenen Flächen zweckentsprechend auszubauen und gärtnerisch auszugestalten. Zu einer wahren Zierde der Altstadt ist der Westpark geworden, der doch erst im Jahre 1933 ausgebaut worden ist, und wer heute durch die schattigen Wege zur Sommerzeit wandelt, sich ein stilles Plätzchen zur Ruhe sucht und das Leben und Treiben in diesem Park still beobachtet, erkennt deutlich, wie notwendig ein solches grünes Stückchen Erde der Gegend des Dortmunder Westens nötig war. Als ganz neue Anlage entstand ein Jahr später die„Danziger Freiheit“, die auch heute noch garten= und bautechnisch noch nicht vollendet ist und noch vielen Volksgenossen Arbeit gibt. Sie gehört wohl zu den schönsten Grüngebieten, die fast inmitten der Stadt liegen, und die Bevölkerung des Nordens wird mehr als dankbar sein für dieses Fleckchen Erde, das S Der Gondelteich der Buschmühle, der augenblicklich entschlammt wird. Im Süden der Stadt bieten Kaiserhain und Buschmühle dem Dortmunder Volksgenossen Erholungsmöglichkeiten Süden. Auch der Norden zeigt größere Erholungsflächen und waldähnliche Grüngürtel. Parks in sich abgeschlossen, oft nur klein und eng, dann aber auch breiter und geräumig weist der Westen auf und fast in allen Vororten der industriereichen Stadt sind den Bewohnern kleine Haine erschlossen worden, die sich abwechselungsreich in die Landschaft hineinbauen und wahre Zierden der Ortschaften und Lieblingsaufenthalte aller Volksgenossen geworden sind. Im Osten der Stadt, dort wo die Gemeinden bereits den Landschaftscharakter des Hellwegs annehmen, gibt es gar noch wald= und buschwerkbestandene Landstriche, die ohne den Einfluß der großstädtischen Pflege sind und in ihrer rauhen Naturpracht und wildem Wachstum wahre Jungbrunnen für jeden Freund der Natur sind. Vom Rande der Stadt aber bis zum verkehrsumbrandeten Mittelpunkt bringen Dauergärten und Grünstreifen, Alleen und Kinderpielplätze, baumbestandene Freizlätze und wohlgepflegte eingeaßte Beete und Rasenflächen Abwechselung in das eintönige Bild der Häuserfluchten und des Straßengraus und verraten dem Einheimischen wie dem Stadtbesucher, daß immer fleißige Hände am Werk sind, die Stückchen Natur, die die aufstrebende Stadt der Arbeit dem Menschen gelassen hatte, zu hegen, zu fördern uno zu erweitern. Man kann leicht in die Versuchung kommen zu glauben, daß die Anlage der Grünflächen willkürlich ist und die Stadt die natürlichen Gelegenheiten wahrnimmt, um der stetig wachsenden Forderung nach geeigneten Er holungsanlagen gerecht zu werden. Dem ist aber nicht so. Schon Stadtbaurat Strobel hat nach dem Generalbebauungsplan der Stadt Dortmund feste Pläne gehabt, um die Grünflächen derart anzuordnen, daß sowohl das Stadtgebiet ringförmig von derartigen Grünstreifen durchzogen war als auch grüne berg wandert oder auch den Fredenbaumwald und das Burgholz in den nördlichen Gebieten kennt, sich vielleicht gar die Mühe macht, die abgeschlossenen Erholungsgebiete in den Vororten zu durchstreifen, kann leicht in die Versuchung kommen, zu glauben, daß die Grünflächen Dortmunds ziemlich umfangreich und im Verhältnis zur Gesamtfläche des GroßDortmunder Gebietes ziemlich groß sind. Dem ist aber nicht so. Alle unter der Obhut des Garten= und Friedhofsamtes stehenden Grünflächen haben eine Größe von 300 Hektar oder, anders ausgedrückt, nehmen eine Fläche von 1200 Moraen ein. Da die Größe des Stadtgebietes mit 27·000 Hektar angegeben wird, ist also eben ein Prozent der Stadtfläche Grünanlage. Trotzdem verlangt auch bei dieser Größe die gärtnerische Betreuung der Anlagen viel Zeit und viele Arbeitskräfte. Die am stärksten besuchten und auch wohl größten Dortmunder Grünflächen sind das Westerholz— meist unter dem Namen Fredenbaumwald bekannt—, sind der Kaiser=Wilhelm= Hain einschließlich des Brunnenkamp, weiter Schloßpark Romberg, der Westpark(der alte Westenfriedhof), die Volksparkanlagen, das Burgholz, die Volksparkanlagen in Mengede, Bövinghausen und Lütgendortmund, die Danziger Freiheit und die Anlage An den Teichen in Eving. Dazukommen eine Anzahl kleinerer Anlagen und Kinderspielplätze sowohl in der Dortmunder Altstadt wie auch in den verschiedenen Vororten. Auch die gewiß nicht kleinen Gebiete der Kleingartendaueranlagen in den verschiedensten Gegenden des Stadtbildes sind so angelegt worden, daß sie eben falls als öffentliche Erholungsanlagen angesprochen werden müssen. Wenn auch die Gesamtfläche der GroßDortmunder Grünanlagen nur ein Prozent der Stadtfläche beträgt, darf nicht verkannt werden, daß gerade in den letzten Jahren außerordentlich viel zur weiteren„Durchgrünung der Stadt“ getan worden ist. Man kann wohl Erholungszwecken dient und dabei auch als Sportstätte und als Gebiet für praktischen botanischen Unterricht der Innenstadtschulen sich einen Namen machen wird. Im Jahre 1934 wurden aber auch die grünen Einfassungen am „Haus der Kunst“ und in der Betenstraße bei den städtischen Verwaltungsgebäuden geschaf fen. Daneben gab es noch zahlreiche Straßen anpflanzungen und bei zahlreichen Baublocks wurden zur Unterbrechung des eintönigen Straßeneinerleis ebenfalls grüne Streifen ein geschoben. Die meiste Arbeit brachte im Verhältnis auch wieder der Südbezirk mit sich. Nicht nur daß hier bei der dauernden Gelände aufschließung der begehrten Wohnviertel eine Reihe Straßen neu bepflanzt werden mußten, Die Grünfläche vor dem„Haus der Kunst“ und die Anlage der Vem inde geben dem breiten Grünstreifen der Wälle am Bahnhof den Abschluß. auch entstanden hier neue Grünflächen, die teilweise sogar größeren Umfang als beim Ehrenmal am Hein, beim Marktplatz in Aplerbeck, beim Lyzeum in Hörde, beim Schwimmbad in Wellinghofen und anderswo hatten. Mit einem fast zusammenhängenden Bauprogramm wurden Erneuerungen im KaiserWilhelm=Hain, an der Buschmühle und im Brunnenkamp vorgenommen und gerade an diesen Stellen, wo die Arbeiten wegen ihres Umfanges bis heute noch nicht zum Abschluß gekommen sind, läßt sich ermessen, welche Unmenge Kleinarbeit dazu gehört, auch alte Grünflächen nach den neuesten Erfahrungen und nach den besten Grundsätzen der Schönheit und der Zweckmäßigkeit umzugestalten. Im Nordbezirk war die Arbeit des Garten= und Friedhofsamtes nicht minder umfangreich und mannigfach. Besondere Erwähnung verdient hier die Neuaufmachung des Hoeschplatzes, der hier im Viertel der werktätigen Bevölkerung eine Sonderstellung einnimmt, zumal er als Kinderspielplatz einem Mangel abgeholfen hat, der sich im Norden der Stadt in früheren Jahren besonders bemerkbar machte. Auch der Platz an der Bayerischen Str. verdient Erwähnung, und die Beliebtheit der in derselben Zeit ausgebauten Anlage„An den Teichen“ geht aus der stattlichen Besucherzahl hervor, die sich auf Evinger Gebiet hier zu jeder Jahreszeit, auch im Winter aufhält. Der Platz an der Erwinstraße war von ebensolcher Bedeutung wie der vor dem Wichernhaus; und wenn dazu an den verschiedenen Straßen und älteren Plätzen des nördlichen Stadtteils weitere Nutz= und Schönheitsarbeiten ausgeführt wurden, so ist damit die Fürsorge der Stadtverwaltung in den letzten Jahren bei einem Stadtteil, der früher besonders arg vernachlässigt worden war, am besten gekennzeichnet. Die westlichen Außengebiete der Stadt sind besonders dankbar für den Ausbau der Volksgärten in Lütgendortmund, der eine recht stattliche Größe aufweist, und in Bövinghausen, für den das Sprichwort gilt: Klein aber fein. Man kann ruhig sagen, daß der Garten in Lütgendortmund mit seinen Tennisplätzen, seinem Schulgarten, seinen wohlgepflegten Anlagen und Wegen wie auch seinen ausgezeichnet liegenden Sportstätten anderer Art mit zu den idyllischsten Anlagen dieser Art überhaupt gehört. Nicht minder nett und darum ebensoviel besucht wie der Park in Lütgendortmund ist die Anlage in Bövinghausen, die in früheren Jahren zum Leidwesen der Bevölkerung fast vollständig fehlte. Im übrigen haben sich die Arbeiten im Westbezirk der Stadt durch das Garten= und Friedhofsamt darauf beschränkt, Grünanlagen kleinerer und mittlerer Art in den verschiede nen Gartenstädten zu schaffen, die Umgebun gen der Ehrenmäler in den Vororten würdig auszugestalten, die Freibäder im ordnungs gemäßen Zustand zu halten und durch Stra ßenanpflanzungen dazu beizutragen, daß das Gesamtbild der Stadt sich belebt. Bei der Größe des Gebietes und dem Umfang der Arbeiten gärtnerischer Art ist es selbstverständlich, daß der„Schloßpark Rombera“ in Brünninghausen eine besondere Stellung im Grünflächenausbau der Stadt einnimmt. Sieht man einmal von der eigentlichen Durchforstung der ausgedehnten Wald= und Niederungsanlagen ab, ebenso von den baulichen Ausbesserungen an den Mauerwerken und Teicheinfassungen, so wurde außerdem ein Arboretum geschaffen, das sich größter Beliebtheit bei der Bevölkerung erfreut. Gerade hier hat sich gezeigt, daß sich der Volksgenosse aus der Großstadt gern mit der Natur beschäftigt und darin neue Kräfte zur weiteren Arbeit sammelt. Er wird auf die Schönheiten der Natur hingewiesen, seine Liebe zur Heimat wird inniger und froher. Und auch der Gartenfachmann erhält aus solchen Anlagen nutzbare Anregungen, die sich später in dieser oder jener Form zweckmäßig auswirken. Kein Wunder, daß bei den übrigen, teilweise noch im Ausbau begriffenen Anlagen auch die Anteilnahme der Bevölkerung gleich groß ist, zumal schon der seit 1930 im Ausbau begriffene Botanische Garten ein Glanzstück gärtnerischer und botanischer Arbeit darstellt. Das wichtigste Aufgabengebiet des Gartenund Friedhofsamtes mit ist die Unterhaltung der rund 70000 Straßenbäume innerhalb der Stadtgrenzen. Der Laie kann sich kaum vorstellen, welche Fülle von Arbeit und Fürsorge in der Unterhaltung dieser Bäume, ohne die manche Straßenzüge im Stadtgebiet undenkbar wären, steckt. Der Straßenbaum führt gewissermaßen das Leben eines Wildtieres im Käfig, und wer die unheilvollen und schadhaften Einflüsse beim Baumbestand der Stadt an den Straßen durch Kanalgrabungen, Kabellegungen, atmosphärische Industrieeinflüsse und dergleichen kennt, weiß, daß nur liebreiche Pflege und sorgfältige Behandlung diese Schmuckstücke der Großstadt und ihrer grünhungrigen Bevölkerung erhalten können. Ist es heute schon ein wirklicher Genuß und eine wunderwirkende Erholung für den Volksgenossen der Stirn und der Faust, wenn er nach des Tages Arbeit und des Lebens Sorgen sich am Wochenend und an seinen Urlaubstagen in den Grünanlagen der Stadt ergeht oder gar Wanderungen macht, so wird das in einigen Jahren, wenn alle Wünsche des Garten= und Friedhofsamtes der Stadt in Erfüllung gehen, noch besser werden. Gerade in einer Industriestadt wie Dortmund ist der Ausbau und auch die Vergrößerung der Grünanlagen eine berechtigte Forderung. Sind doch die Parks und Grünanlagen für viele Volksenossen die Gebiete zu ihrer Erholung in den Ferien und je größer, vielgestaltiger und schöner sie sind, desto mehr werden sie ihrem Zweck entsprechen, Lungen der Großstadt zu sein, Freude zu spenden, Ruhe, Ausspannung und Erholung zu geben und die Heimat dem Herzen aller Volksgenossen näher zu bringen. W. G. An der„Danziger Freiheit“ entsteht eineneue große Grünanlage, die in ihrer Ausdehnung so recht geeignet ist, eine Lunge der Großstadt zu werden Spiegel des Dortmunder Gerichts Allerlei Betrügereien vor dem Richter Ein lockerer Vogel geht ins Garn Am 17. April vorigen Jahres erhielt der 32jährige Ernst M. von der Firma Tillmann den Auftrag, mit 637 Mark an der Bank Wechsel einzulösen. M. aber zog es vor, sich seinen guten Lederkoffer von Hause zu holen und mit der Summe eine kleine Vergnügungsreise nach Aachen anzutreten, wo er es mit Leichtigkeit innerhalb von zwei Tagen und Nächten in lustiger Gesellschaft in Bars und anderen Vergnügungsstätten fertigbrachte, das Geld restlos zu verjubeln. Als dann in seiner Börse bedenkliche Ebbe eingetreten war, borgte er sich von einem Chauffeur 50 Mark, gab ihm als Sicherheit ein Sparkassenbuch, das ihm kurz vor seiner Abreise eine junge Dame in Dortmund anvertraut hatte, mit dem er aber die darauf stehenden 1010.57 Mark nicht abheben konnte, weil er das Stichwort vergessen hatte. Außerdem erhielt der Kraftwagenführer noch den prallen Briefumschlag für die Reichsbank, mit dem Hinweis, daß er 637 Mark abheben könne. In Wahrheit aber befand sich in dem Umschlag nur die Liste der nichteingelösten Wechsel. Der Chauffeur ist um insgesamt 107 Mark betrogen worden. Der Staatsanwalt wollte den lockeren Vogel mit sieben Monaten Gefängnis bestraft wissen. Das Gericht ließ Milde walten, denn ein Verwandter des Angeklagten hat den ganzen Schaden wieder ausgeglichen. Es erkannte nur auf fünf Monate Gefängnis wegen Betruges und Unterschlagung. Fluch der Vorstrafen Der Lebensweg des heute 26jährigen Alfred Sch. ist durch 12 Vorstrafen wegen verschiedener Betrügereien gekennzeichnet. Sein Maß sollte schon 1934 voll sein, als der Staatsanwalt die Anordnung der Sicherungsverwahrung beantragte. Zwei Monate nach seiner letzten Strafverbüßung verfiel er schon wieder in den alten Fehler, uno zwar aus Not, denn es wollte ihm nicht gelingen, lohnende Arbeit zu bekommen. Einem Friseur in Dortmund hat er mit dem Versprechen, sich zwei Jahre bei ihm rasieren zu lassen ein Jahresabonnement der Gartenlaube angedreht, um die Provision zu bekommen. Bei einem Zahnarzt bestellte er eine goldene Brücke für 120 Mark, obwohl er tags zuvor Weste und Joppe ins Pfandhaus gebracht hatte. Dann ist er in verschiedenen Gegenden des Sauerlandes herumgereist, hat logiert und nicht gezahlt, Pfarrer angepumpt und als er endlich auf einem Gut Stellung bekommen hatte, wurde er verhaftet. Doch alle diese Sachen waren ihm nicht als Betrügereien auszulegen, oder aber es handelte sich um Notbetrug, der keine Strafe nach sich zieht. Es blieben also nur zwei Fälle. Der Staatsanwalt war anderer Meinung gewesen und hatte drei Jahre Zuchthaus und Anordnung der Sicherungsverwahrung beantragt. Das Gericht erkannte auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis. So war Alfred Sch. noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Als er abgeführt wurde, klaute er noch schnell dem Wachtmeister ein Päckchen Tabak. Jrene und die Männer Mit ihren 22 Lenzen hat Irene L. schon fünf Vorstrafen, die von versuchter Urkundenfälschung, Diebstahl, schwerem Diebstahl und Betrug sprechen. 1935 kam sie nach Dortmund, nahm Dienst im Restaurant Romberg und stahl dort ihren Arbeitskolleginnen alle möglichen Dinge, so daß sich der Strafrichter wieder mit ihr befassen und sie für drei Monate ins Gefängnis schicken mußte. Nach ihrer Entlassung aus der Strafhaft zog sie zu dem 40jährigen Gustav W., der mit seiner Frau in Scheidung lebt. Die Lokale am Steinplatz waren ihr liebster Aufenthalt und hier lernte sie auch am Abend des 11. November vorigen Jahres jenen jungen Mann aus Thüringen kennen, der sie nach einem vergnügten Abend und ausgiebigem Essen mit in ein Hotel nahm. Irene hat dann dem schlafenden Freund die Börse mit 11 Mark, einer Fahrkarte und einem Gepäckschein als Inhalt gestohlen. Von dem Geld kaufte sie sich ein Kleidungsstück und Essen, mit dem Gepäckschein löste sie auf dem Hauptbahnhof einen Koffer ein, in dem unter anderem auch eine gute Hose lag, die sie säuberlich aufbügelte, um sie in W.s Kleiderschrank zu hängen. Ein Paar Stutzen zog W. gleich an. Irene wurde nun vom Schöffengericht wegen Diebstahls im Rückfall zu 9 Monaten, Gustav W. wegen Hehlerei zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Dann wurde Irene in einem anderen Verfahren zur Rechenschaft gezogen, weil sie einem Kavalier die goldene Uhr gestohlen haben sollte. Die beiden hatten gegen 22 Uhr wieder am Steinplatz eine ausgedehnte Bierreise begonnen, die erst um 5 Uhr morgens mit restloser Alkoholisierung des Mannes endete, der nachher nicht einmal mehr sagen konnte, wie er anstatt zum Bahnhof zu gehen, nach Scharnhorst gelangt war. Irene aber versicherte, daß ihr der Kavalier die goldene Uhr freiwillig gegeben habe. Den Erlös vom Pfandhaus habe sie für ihren Lebensunterhalt verwenden sollen. Da diese Einlassung nicht widerlegt werden konnte, mußte Irene freigesprochen worden. 50 Jahre Dortmunder Taubstummenverein Vor 25 Jahren starb sein Gründer Fr. Wilh. Schäffer Gerade heute sind fünfzig Jahre darüber vergangen, daß der Dortmunder Klempnermeister Friedrich Wilhelm Schäffer unter dem Namen„Allgemeiner Taubstummenunterstützungsverein für Dortmund und Umgebung eine Vereinigung gründete, die später eine der stärksten Stützen des Westfälischen Taubstummenvereins wurde und heute dem Reichsbund der Gehörlosen Deutschlands angehört. Klempnermeister Schäffer war im Jahre 1837 als Sohn eines Dortmunder Bäckermeisters geboren und gehörte einer schon seit 1639 in unserer Stadt ansässigen Familie an. Durch eine Krankheit verlor er in ganz jungen Jahren das Gehör, ließ sich aber davon nicht niederdrücken, wurde später Meister und machte sich in ganz Westfalen um die Sache der Taubstummen verdient. Als er im Jahre 1911 starb, richtete der Landeshauptmann ein sehr herzliche gehaltenes Schreiben an die Witwe Schäffers, das diese Verdienste besonders anerkennend hervorhob. Eine Büste Friedrich Wilhelm Schäffers, von der Hand des taubstummen Dortmunder Bildhauers Hans Falke angefertigt, befindet sich im Besitz der Dortmunder Stadt= und Landesbibliothek. Dortmunder Adreßbuch 1936. Der Druckbogen Bratz bis Bürger, Heinr. liegt am Freitag, dem 24. Januar, vormittags von 9—12 Uhr und nachmittags von 3—5 Uhr im Büro des Dortmunder Adreßbuches, Rosental 30, zur Einsichtnahme auf. Orgelmusik in der Reinoldikirche Die 133. Orgel=Feierstunde brachte ausschließlich Werke von Joh. Seb. Bach. Am Anfang stand der Orgelchor„Gottes Sohn ist kommen“ in seiner gottgläubigen Stille. Das Praeludium mit Largo und Fuga in C=Dur hörten wir in dieser Originalgestalt zum ersten Male. Bunk gestaltete sie einheitlich, indem er ihre Schlichtheit unterstrich. Das Largo erschien durch die kontemplative Tönung in wohlgefälliger Zufriedenheit. Die Aria in F=Dur, deren Spannungen zwischen einer melancholischen Beschaulichkeit und der Stimmung liegen, die ein irrationales Geschehen auszudrücken scheint, registrierte Bunk sehr feinsinnig in matten Farben. Beim Orgelconcerto in a=moll nach Vivaldi, das Bunk ornamental bis ins feinste durchgliederte, stach das spielfreudig beschwingte Allegro fein ab gegen die triste Schwere des Adagios; das Allegro bildete einen festen, sicheren Schluß dieses Teils. Im Mittelpunkt stand wohl die Fantasia et Fuga in g=moll. Neben der weitausgreifenden, kontrapunktisch vielstimmig verwickelten Fantasia in ausschwingender Dynamik erlebten wir die Fuga in strenger dynamischer Führung und abgestuftester Geistigkeit. Das Adagio des C=mollTrios schattierte Bunk einseitig düster, dem Allegro ließ er infolge seiner komplizierten Tönung mehr Spielraum. Im Schluß stand die D=Dur=Fuge in inbrünstiger Stärke, der Bunk im Sinne des kraftvollen Bach gerecht wurde. Se. Kulturfilm Morgenfeier am Sonntag im Ufa=Palast Eine ganz besondere Ueberraschung bereitet der Ufa=Palast den Kulturfilmfreunden am kommenden Sonntag um 11.15 Uhr. Es ist der Theaterleitung gelungen, den besten Kenner der südamerikanischen Verhältnisse, Dr. Rudolf Roch, mit seinem Film „Quer durch Südamerika" zwischen Amazonas und La-Plata=Strom für ein einmaliges Gastspiel zu gewinnen. Dr. Roch weilt besuchshalber in Deutschland und lebt seit 1920 in Argentinien und in Brasilien in führender Stellung. Gerade in Ueberseedeutschtumfragen(Zuwanderung, Wirtschaftsgeltung usw.) sind seine reichen Kenntnisse durchaus von der Reichsleitung anerkannt, weshalb er auch als Reichsredner für das Deutschtum im Ausland seitens der Propagandaleitung kürzlich eingesetzt worden ist. Stadt= und Straßenbild in der Malerei Lichtbildervortrag von Dr. R. Fritz im Museumsverein Vor Mitgliedern und Freunden des Dortmunder Museumsvereins sprach gestern abend im Saale der Stadt= und Landesbibliothek Museumsdirektor Dr. Rolf Fritz über„Das Stadtund Straßenbild, seine Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart". Er griff zunächst zurück bis in die Zeit Dürers und zeigte, daß Künstler und Drucker damals wenig Wert auf Genanigkeit der Städtebilder legten, setzten sie doch ohne Bedenken dasselbe Bild in die Beschreibung verschiedener Städte ein. Später kam man vor allem in Holland dahin, bei den Gemälden von historischen Ereignissen und den Schilderungen der Jahreszeiten naturgetreue Hintergründe von Städten und Schlössern damit in Beziehung zu bringen. Für die holländischen Meister der Delfter Schule wurden die gewaltigen Bauwerke, die im 17. Jahrhundert von den Holländern aufgeführt wurden, ein Ansporn für Städtebilder ohne jedes schmückende Beiwerk. Später setzte man sich auch mit Einzelheiten des Straßenbildes auseinander, und dabei war wieder ein Delfter, Jan ter Meer, bahnbrechend. Die alten Meister verstanden Farben zu mischen und zu setzen, wußten aber auch zu zeichnen und vertieften sich mit Liebe in Einzelheiten. Im Anschluß an ihr Vorbild breitete die Städte= und Straßenmalerei sich in vielen Ländern aus. Die alten Vorbilder wurden dabei übertroffen, aber auch immer wieder gern angewandt. Dr. Fritz schloß den von guten Lichtbildern belebten Vortrag mit dem Wunsch, daß auch die heute in gewaltigen Bauten sich auswirkende neue Architektonik ihre Maler finden möge. Unterbringung von Schwerkriegsbeschädigten Meldung auf 6rund des Schwerbeschädigten-Gesetzes Gefrierfleisch Ein Wort an die Hausfrau Durch die Fürsorge der Reichsregierung werden jetzt größere Mengen Gefrierfleisch in den Großstädten an bedürftige Volksgenossen zur Verteilung gelangen. Die ersten Transporte sind auch in Dortmund bereits angelangt und kommen jetzt zur Ausgabe. Es ist Fleisch, das an Qualität unerreicht ist und von besten argentinischen 2—3jährigen Ochsen stammt, die vor vielleicht 5—0 Wochen geschlachtet wurden. Sauber verpackt— erst Gaze, dann eine Jutehülle— kommt es auf besonderen Dampfern nach Hamburg und wird von dort aus verteilt. Nach sachgemäßem Auftauen ist Gefrierfleisch in der Zusammensetzung, in seinem Bau, in allen seinen Eigenschaften, im Nähr= und Genußwert nicht gefroren gewesenem frischen Fleisch völlig gleichwertig und gleichartig. Infolgedessen kann es ohne jede Einschränkung in der menschlichen Ernährung zu all den mannigfaltigen Zwecken verwendet werden, zu denen Frischfleisch benützt wird. Noch einige Worte über den Nährwert des Gefrierfleisches! Es ist ohne weiteres klar, daß beim Einfrieren und Lagern keine Verminderung des Nährwertes eintritt, eher eine geringe Erhöhung, weil ein gewisser Teil des Wassergehaltes verdunstet, um den sich der Anteil der Nährstoffe vergrößert. Eine erhebliche Einbuße an Nährwert wollen manche immer noch in dem möglichen Saftverlust beim Auftauen erblicken. Ganz abgesehen davön, daß sich der Saftaustritt durch sachgemäßes Auftauen so gut wie ganz vermeiden läßt, wird der Nährstoffgehalt des Fleisches stark überschätzt. Er enthält nämlich bei rund 88 Prozent Wasser nur knapp 10 Prozent Stickstoffsubstanzen und etwa 1 Prozent Salze. Selbst ein größerer Saftverlust bei fehlerhaftem Auftauen würde also den Nährstoffgehalt des Fleisches nur unwesentlich vermindern, der geringe Verlust würde durch die Erhöhung der Nährstoffkonzentration infolge der Wasserabgabe von vornherein ausgeglichen sein. Das für Dortmund und Umgegend bestimmte Fleisch wird im hiesigen SchlachthofKühlhaus sachgemäß aufgetaut, tierärztlich untersucht und dann durch die Fleischer=Innung an ihre Mitglieder verteilt. Betriebe, die 20 und mehr Gefolgschaftsangehörige beschästigen, sind auf Grund des Schwerbeschädigtengesetzes verpflichtet, der Fürsorgestelle für Schwerbeschädigte allmonatlich die Stärke ihrer Belegschaft zu melden. Diese Pflicht ist hier und da in Vergessenheit geraten. Im Interesse einer wirksamen Vermittlung der Schwerbeschädigten muß von allen Betrieben verlangt werden, daß sie die erforderliche Meldung an die Fürsorgestelle für Schwerbeschädigte erstatten. Alle Betriebe, gleichgültig, ob Saison= oder Baubetriebe, sind meldepflichtig, uno zwar auch dann, wenn nach Meinung des Betriebsführers die Beschäftigung eines Schwerbeschädigten unmöglich ist. Ueber die Beschäftigungsmöglichkeit, entscheidet nicht der Betriebsführer, sondern die Fürsorgestelle für Schwerbeschädigte in Verbindung mit der Hauptfürsorgestelle Münster. Das Handwerk, das Hoch= und Tiefbau=Gewerbe, der Großhandel und das Gastwirtsgewerbe werden hier besonders an ihre Meldepflicht erinnert. In Zukunft wird sich keiner mehr dahinter verstecken können, daß er die betr. Bestimmungen des Schwerbeschädigtengesetzes nicht gekannt habe. Die Fürsorgestelle für Schwerbeschädigte wird in den nächsten Tagen Betriebskontrollen durchführen, um an Hand der Lohnbücher festzustellen, wie groß die Gefolgschaft ist und ob der Meldepflicht genügt ist oder nicht. Wer sich daher vor Strafe schützen will, mache noch heute die fällige Meldung. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß das Schwerbeschädigten=Gesetz den Betriebsführer verpflichtet, alle Auskünfte zu erteilen, die zur Durchführung des Schwerbeschädigtengesetzes erforderlich sind. Auch Betriebsführer, die nicht mehr als 20 Gefolgschaftsleute beschäftigen, sind, zur Auskunftserteilung verpflichtet. Die übersandten Fragebogen müssen unverzüglich an die Fürsorgestelle zurückgesandt werden, da Fristversäumnis auf Grund der Strafbestimmungen des Schwerbeschädigtengesetzes empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen kann. Es wird von jedem Arbeitgeber erwartet, daß er nicht auf Grund der Strafbestimmungen, sondern schon auf Grund seiner sozialen Einstellung den ihm aus dem Schwerbeschädigtengesetz obliegenden Pflichten nachkommt und daß dieser Hinweis schon genügt, um die anscheinend in Vergessenheit geratenen Bestimmungen allen in Frage kommenden Personen wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. Unterrichtsfrei in der am 30. Januar 1936 Am Tage der nationalen Erhebung schließt sich die Deutsche Arbeitsfront den öffentlichen Schulen an und läßt am Abend des 30. Januar den Unterricht ausfallen. Schlachtruf der Jugend. Die für den 8. Dezember 1935 vorgesehene Kundgebung„Schlachtruf der Jugend“, ausgeführt vom Deutschen Jungvolk, findet nunmehr am Samstag, dem 25. Januar. 19 Uhr. im Hause Ziegler statt. Es sprechen Parteigenosse Dr. Pickhan und Oberbannführer Bierkämper, Standortführer der HI Groß=Dortmund. Das Sauerland meldet Schnee Im Sauerland hat es am Donnerstag den ganzen Tag lang geschneit. Alle Wintersportnachrichten von dort lauten günstig. Darum fährt am kommenden Sonntag„Kraft durch Freude" von Dortmund ins Sauerland. Die Fahrten finden in modernen, geheizten Autobussen statt. Eine geht nach Lüdenscheid. Fahrpreis 2.60 Mark. Eine andere nach Winterberg, Fahrpreis 3.50 Mark. Die dritte nach Meinerzhagen, Fahrpreis 2.90 Mark. Anmeldungen für alle drei Fahrten ab heute nachmittag beim DAF=Kreisamt„Kraft durch Freude“ gegen Bezahlung des Fahrpreises. Zwei weitere Nachmittagsfahrten „Ich gehe in den Fredenbaumer Wald.. Aus einem Luftschutzvortragsabend am Hafen Man sollte es kaum für möglich halten, daß es heute in Dortmund noch Volksgenossen gibt, die den zivilen Luftschutzgedanken damit abzutuen gedenken, indem sie sagen, sie würden im Ernstfalle einfach in den Fredenbaumer Wald gehen. Stellen wir uns einmal vor, ganz Dortmund würde dieser„weisen“ Idee des betreffenden Volksgenossen folgen, so setzte bei den ersten Alarmzeichen eine wahre Völkerwanderung ein und tausende wären schutzlos den Fliegerangriffen preisgegeben. Es würde sich ähnlich wie bei einem Kinobrand in Paris eine katastrophale Panik auswirken, wo über 100 Menschen totgetreten wurden, aber nur zwei verbrannten. Für solche unsinnigen Ausreden, in den Fred.nbaumer Wald zu gehen, hat man heute, nachdem in unzähligen Versammlungen und Werbeabenden des Deutschen Luftschutzbundes Aufklärungsvorträge gehalten wurden, kein Verständnis mehr. In dieser Weise äußerte sich recht interessant Untergruppenführer Willeke in einem Vortragsabend des RLB im Saal„Zum deutschen Hof“ am Hafen. Weiter ging der Redner mit den Hausbewohnern scharf ins Gericht, die aus irgendwelchen kleinlichen Zwistigkeiten dem Hauswart die Arbeit zu erschweren suchten. In vielen Fällen habe der Luftschutz eine bessere Hausgemeinschaft herbeigeführt und dies müsse überall der Fall sein. Familienzwistigkeiten dürften auf keinen Fall den Gedanken des zivilen Luftschutzes beeinträchtigen oder ihn gar sabotieren. Diesen mit Beifall aufgenommenen Ausführungen folgten Aufklärungen des Untergruppenführers über die Arten der Kampfstoffe und ihren wirksamen Schutz. Die Sänger tagten Tagung des Kreises Dortmund im DSB. Der Kreis Dortmund des Deutschen Sängerbundes hielt seine Jahresversammlung ab, die Kreisführer Parteigenosse Buhr(Hörde) mit dem deutschen Sängergruß eröffnete. Anschließend erstattete Parteigenosse Englert den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß auch im vergangenen Jahr rege Tätigkeit in allen angeschlossenen Vereinen und im Kreise selbst herrschte. Weiter erstattete Parteigenosse Ungewitter den Kassenbericht, aus dem zu entnehmen war, daß die nationalsozialistische Führung den Kreis Dortmund des Deutschen Sängerkreises vor zwei Jahren mit 600.— Mark Schulden übernahm, während heute der Kassenbestand rund 900.— Mark beträgt. Kreis=Chormeister, Musikdirektor Lamberts, sprach zum Thema„Wertungssingen". Es ist erfreulich, daß der Deutsche Sängerbund dem Gau Westfalen eine derartige Veranstaltung übertrug und daß nach den neuesten Richtlinien erstmalig am Sonntag, dem 26. April, im Fredenbaum ein Wertungssingen aufgezogen wird. Das Wertungssingen findet in drei Gruppen statt: Die erste Gruppe umfaßt 50 Sänger, die zweite Gruppe bis 100 Sänger und die dritte Gruppe über 100 Sänger. Ein Vortragsabend des Vereins für Feuerbestattung. Im großen Saal des„Reinoldus" prach im Rahmen eines Vortragsabends des Vereins für Feuerbestattung e. V. Dortmund PolizeiObermedizinalrat Dr. Hannemann über das Thema:„Die Feuerbestattung in ihrem Verhältnis zur Medizin uno zur Religion". Der Vortragende beschäftigte sich einleitend mit den verschiedensten Arten der Totenbestattung, die als Gradmesser des kulturellen Niveaus eines Volkes anzusehen sei. Die Anhänger der Feuerbestattung wollten durch ihre Bewegung einer bereits uralten Bestattungsart zum Durchbruch verhelfen, ohne sich vom Christentum zu entfernen. Anschließend hörte man noch einmal das Instrumentalquartett und mehrere Lieder von Frau Lore Ueckermann, dann wurden einige für die Feuerehrung werbende Lichtbilder gezeigt. Eichtage im Stadtteil Dorstfeld finden am 28., 29., 30., 31. Januar, 1. und 3. Februar, in der Wirtschaft Wilhelm Mück, Dorstfelder Hellweg 31, statt. Die Eichpflichtigen werden hierauf mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß die Maße und Wiegegeräte, gehörig gereinigt, tunlichst in den Morgenstunden bis 10 Uhr abzuliefern sind, damit den Eichbeamten die übrige Zeit zur Bearbeitung der eingelieferten Gegenstände zur Verfügung steht. Große Schatten— kleines Licht. Wir hatten am Montag unter dieser Zeile über einen leicht verunglückten Gesellschaftsabend im Fürstenhof berichtet. Nachträglich erfahren wir, daß die Gehaltlosigkeit der Veranstaltung nicht auf das Unvermögen der für diesen Abend eingesetzten Tanzschule Erna Rulau zurückzuführen ist. Sie ergab sich vielmehr aus notwendig werdenden Einschränkungen, die ihre Ursache in einer Unkenntnis der für solche Darbietungen zu beachtenden Anmeldepflicht hatten. Werbung für den Jahreshauptversammlung des Wieder einmal hatte sich die große Familie der Dortmunder SGVer im„Reinoldus" zusammengefunden um Rückschau zu halten auf die im vergangenen Jahre im Dienste des deutschen Wandergedankens geleistete Arbeit. Wanderfreund Parteigenosse Krahn gab den Geschäftsbericht bekannt, in dem er betonte, daß die letzten 12 Monate so arbeitsreich wesen seien wie nie zuvor. Mit freudiger Begeisterung hätten alle Mitglieder für den deutschen Wandergedanken geworben und dank ihrer Rührigkeit hätte die Mitgliedszahl auf 830 gesteigert werden können, obwohl der Abgang 70 Mitglieder betrug. Besonders erfreulich sei die Feststellung, daß nicht nur von den jungen, sondern auch von den an Jahren älteren Wanderfleunden die heimatliche Landschaft durchstreift wurde, und zwar aus ihrer Verbundenheit heraus zum Blut und Boden und aus der Heimalliebe und der Liebe zum Volk. Fast hundert Wanderungen seien durchgeführt worden, an denen sich insgesamt 1938 Wanderfreunde beteiligten. Daneben seien aber auch zahlreiche Unterhaltungsund Heimatabende durchgeführt worden, eine Adventsfeier und ein Heimat= und Trachtenfest, das den schönsten Verlauf nahm; aber auch Vortragsabende, die sich mit den Schönheiten des Sauerlandes und der bayrischen Berge beschäftigten, seien abgehalten worden. Im weiteren ging Wanderfreund Krahn auf die Tätigkeit der einzelnen Gruppen der Abteilung Dortmund des Sauerländischen Gebirgsvereins ein und betonte vor allem den Fortschritt der Schigilde. Der von dem Wanderfreund Beuckelmann gegebene Kassenbericht ließ auf eine rege Organisationsarbeit schließen und der Voranschlag für das Jahr 1936 erkennen, daß man auf dem bisher beschrittenen Wege, dem deutschen Volksgenossen seine Heimat wieder näherzubringen, weiter arbeiten will. Die Jahreshauptversammlung klang mit der Wiederwahl des bisherigen Abteilungsleiters Dr. Vietmeyer und An die beiden Sonntagsnachmittags=Kaffeefahrten, die zum Kaisberg und zur Remscheider Talsperre führen, wird noch einmal erinnert. Auch hier sind weitere Anmeldungen möglich. Sie werden recht bald erbeten, um die Teilnehmerlisten abzuschließen. Für die Harzfahrer Die Harzfahrer treffen sich am Samstag, dem 25. Januar, im Restaurant zum„Schwarzen Raben“, 20 Uhr. Es wird ein Bilder=Austausch vorgenommen und es soll ein gemütliches Beisammensein werden. „Der wachsame Hahn“. verabschiedet sich vom Gau Westfalen=Süd Der große Erfolg, den das Gaukabarett bei seinem ersten Auftreten im Goldsaal und bei seinen Gastspielen in den Ortsgruppen gehabt hat, veranlaßte das Kreisamt, noch ein Gastspiel dieser hervorragenden Künstlertruppe für Dortmund zu sichern. Das letzte Auftreten des„wachsamen Hahns“ in Dortmund ist Mittwoch, den 29. Januar, um 20 Uhr im großen Saal der Gaststätte „Zum Reinoldus", Reinoldistraße. Der Eintrittspreis beträgt 40 Pfg. Karten sind erhältlich beim Kreisamt„Kraft durch Freude“, Hansastraße 14, und bei sämtlichen Betriebswarten sowie in den kenntlich gemachten Vorverkaufsstellen. Wandergedanken Sauerländischen Gebirgsvereins der bisherigen Vorstandsmitglieder sowie mit der Aufforderung zur weiteren Mitarbeit im Dienste des deutschen Wandergedankens aus. Stadttheater Dortmund Heute„Tanzabend Mary Wigman". Deutschlands große Tänzerin Mary Wigman gibt heute abend im Dortmunder Stadttheater einen einmaligen Tanzabend mit ihrer Tanzgruppe. Auf dem neuen Programm stehen u. a. die „Tanzgesänge“, mit denen Mary Wigman bei den Tanzfestspielen in Berlin außerordentlich große Erfolge erzielte. Die Nachfrage nach Eintrittskarten zu diesem einmaligen Tanzabend ist sehr rege, wir empfehlen daher, noch möglichst schnell den Vorverkauf zu benutzen. Preise von 0,50 Mark an. Der Tanzabend beginnt um 20 Uhr. Nachmittags geschlossene Vorstellung für die Reihe 1 der Deutschen Jugendbühne; zur Aufführung gelangt„Der Widerspenstigen Zähmung". KleegJugend Gedächtnisstunden für Herbert Norkus Heute, am 5. Todestage von Herbert Norkus, weiht die Hitler=Jugend, Unterbann III/265 im Herbert=Norkus=Jugendheim, Dortmund=Wellinghofen, eine Ehrentafel für die gefallenen 21 Hitlerjungen ein. Die Feier beginnt um 20.30 Uhr. Alle Volksgenossen sind herzlich eingeladen. Morgen findet im Gedenken an Herbert Norkus im„Heidekrug", Dortmund=Wellinghoferheide eine Feierstunde des Unterbannes III/265 statt. Zu dieser Feier sind ebenfalls alle Volksgenossen herzlich eingeladen. Beginn 20.30 Uhr. Es spricht der Führer der Bannes 265, Unterbannführer Ohlendorf. Verantwortlich für Gron-Dortmund und Umgebung: H. Viefhaus in Dortmund. Steigerung des Kraftfahrzeugverkehrs Aus der Arbeit der Verkehrspolizei Unna. Es ist eine natürliche Folge, daß mit dem wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Kraftfahrzeugverkehr um ein Bedeutendes zugenommen hat. Welche Entwicklung der Kraftahrzeugverkehr im Kreise Unna genommen hat, sollen einige nachfolgende Zahlen heraustellen. Im Jahre 1934 wurden 519 Führercheine neu ausgestellt, im Jahre 1935 waren es 653, was einer Steigerung von rund 26 Prozent entspricht. Noch augenfälliger aber wird die gewaltige Steigerung des Verkehrs, wenn man die Zahl der Zulassungen betrachtet. Im Jahre 1934 wurden neu zugelassen 605 Krafträder und 391 Kraftwagen, insgesamt 996 Fahrzeuge, im Jahre 1935 aber dagegen 717 Krafträder und 610 Kraftwagen, insgesamt 1327 Fahrzeuge. Die Steigerung beträgt für 1935 gegen 1934 bei den Krafträdern 18,5 Prozent und bei den Kraftwagen 56 Prozent. Der durch diese Steigerung der motorisierten Fahrzeuge hervorgerufene stärkere Verkehr forderte leider, teils durch die Unvorsichtigkeit der Fahrer oder anderer Straßenbenutzer, teils durch die Nichtbeachtung der verkehrspolizeilichen Vorschriften, teils auch infolge unvorhergesehener Ereignisse manche Opfer. So haben sich im letzten Vierteljahr des Jahres 1935 im Kreise Unna 113 Unfälle ereignet. bei denen 5 Tote und 76 Verletzte zu verzeichnen waren. Die Polizei versucht alles, die Unfälle nach Möglichkeit zu mindern. Neben Verkehrsverbesserungen erfolgten allgemeine Belehrungen durch Wort und Schrift. Insgesamt wurden aber trotzdem im Jahre 1935 wegen verkehrspolizeilicher Uebertretungen 1471 Strafverfügungen und seit Juni 1935 3060 gebührenpflichtige Verwarnungen im Kreise Unna ausgestellt. Uelzen.(Schwindler am Werk.) Vor einigen Tagen hielt an einer Tankstelle an der Reichsstraße Unna—Werl ein Kraftfahrer, um zu tanken. Er kaufte dazu auch noch einen Reifen und erhielt insgesamt eine Rechnung über 46 Mark. Plötzlich bemerkte er, daß er kein Geld bei sich trug. Er bot sich, seinen Führerschein zurückzulassen, und sofort nach Ankunft in Hannover, seinem Wohnort, das Geld per Post abzuschicken. Als das Geld nach einigen Tagen aber nicht eintraf, schrieb der Tankstelleninhaber an die von dem Kraftfahrer zurückgelassene Adresse in Hannover, jedoch kam der Brief als unbestellbar zurück. Nun wurde ihm klar, daß er von dem Kraftfahrer, einem ausgemachten Schwindler, geprellt worden war. Irgendwelche Mitteilungen, die zur Ermittlung des Schwindlers führen können, sind der Polizei des Amtes Unna=Kamen mitzuteilen. befängnis für einen Verleumder Beleidigung von Amtsträgern der Bewegung vor dem Richter Der heute 24jährige Josef M. aus Castrop= Rauxel war wegen Disziplinlosigkeit im Heer nicht mehr zu gebrauchen. Am 10. Juli vorigen Jahres hatte er am Vormittag seine Versorgungsgebührnisse abgeholt, die Hälfte zu Hause abgeliefert und mit dem Rest eine Bierreise angetreten nach alter Gewohnheit. In einer Wirtschaft traf er einen Bekannten St. von dem er aber nicht wußte, daß er Sturmführer war. Als ein anderer Sturmführer vorbeiging, sagte M. wegwerfend:„Das wollen nun alte Kämpfer sein, die haben ja gar nicht gekämpft. Ob die wohl glauben, daß wir von der Reichswehr alles Kommunisten sind? Ich bin Feldwebel, habe gerade Urlaub. Da habe ich einmal Glück gehabt und bei einer Uebung bei Hamm den Gruppenführer Schramme und den Brigadeführer Bauer in meiner Korporalschaft gehabt. Sterne gelten nun nichts bei der Reichswehr und ich habe sie geschliffen. Nachher haben sie mich mit nach Dortmund im Wagen genommen und wollten mich bei gutem Essen in einem feinen Hotel bestechen.“ Sturmführer St. nahm den üblen Schwätzer fest, der es magte, in dem Grunnenführer und dem Brigadeführer auf gemeinste Weise die alten Kämpfer und die gesamte SA öffentlich zu beleidigen. Eine über den Führer gemachte herabsetzende Aeußerung fiel mit ins Gewicht. Gruppenführer Schramme und Brigadeführer Bauer stellten Strafanträge. Das Urteil folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Es lautete auf sechs Monate Gefängnis wegen öffentlicher Beleidigung von Gruppenführer Schramme und Brigadeführer Bauer und auf Publikationsbefugnis in der Westfälischen Landeszeitung— Rote Erde auf Kosten des Verurteilten. Opferschießen in Ein erfreuliches Ergebnis Castrop-Rauxel. Das Schießen des Reichs kriegerbundes„Kyffhäuser“ auf acht Schieß ständen hatte trotz des unfreundlichen naßkalten Wetters eine gute Teilnahme zu verzeichnen Es konnte als Ergebnis ein Betrag von 229,— RM. abgeführt werden— eine schöne Summe, die von der Opferfreudigkeit der Kameraden der Krieger= und Landwehrkameradschaften zeugt. Faschismus und Nationalsozialismus Beginn der DAF-Amtswalter-Schulung Castrop-Rauxel. Die Schulung der Amts walter der Deutschen Arbeitsfront nahm im Saale Haller ihren Anfang. Professor Partei genosse Dr. Bäcker von der Hochschule für lehrerbildung in Dortmund sprach zu den zahl reich erschienenen Amtswaltern der Deutschen Arbeitsfront über das Thema:„Faschismus und Nationalsozialismus". Der Redner ver stand es, seinen Zuhörern die wesentlichen Grundsätze des Nationalsozialismus und oes italienischen Faschismus aufzuzeigen. Erstaufführungen in Castrop=Rauxel Kammerkonzert der Kulturgemeinde Castrop-Rauxel. Das große Orchester Kammerkonzert der RS=Kulturgemeinde am Sonntag, 26. Januar, um 20 Uhr im Wichernhaus in der Altstadt, das Städtischer Musik= direktor Max Spindler mit dem Städti schen Orchester Gelsenkirchen ausführt, bringt zwei Werke in westdeutschen Erstaufführun gen, auf deren Wiedergabe und Bekanntschaft man in Westdeutschland mit Recht gespannt sein darf. Das erste Werk ist die„Edda Suite“ des jungen deutschen Komponisten Klusmann, das erst beim letzten Musikfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Berlin im September 1935 uraufgeführt wurde. Als zweites Werk steht des Holländers Brandts=Buys siebensätzige Suite au der Vortragsfolge, in der er einen Einblick in die deutsche Romantik zu geben versucht. Zu sammen mit dem Gelsenkirchener Orchester pielt der Solist des Abends, der heimische Pianist Jean Nattermann, Haydns Kla vierkonzert in D=Dur. Daneben spielt das in unserer Stadt bestens bekannte Orchester unter Spindlers Leitung die„Abschiedssymphonie“ von Haydn und Mozarts„Concertantes=Quar tett für Bläser und Orchester". Am Nachmit tag des gleichen Tages findet um 17 Uhr das erste dieswinterliche Jugendkonzert der RS=Kulturgemeinde statt, bei dem die Ab chiedssymphonie und Mozarts Quartett eben alls gespielt werden. Castrop-Rauxel.(Der Obercastroper Schützenverein) hielt im Lokal Brune eine Jahreshauptversammlung ab. Schrift ührer Bergermann erstattete den Jah resbericht, während Kassenführer Thale den Kassenbericht gab. Castrop-Rauxel.(Varieté wie noch nie!) Der„Frohe Samstag=Abend“ der NSGemeinschaft„Kraft durch Freude" im Saale Felling im Stadtteil Ickern am Samstag, 25. Januar, verspricht, alle bisherigen Veranstaltungen dieser Art in den Schatten zu stellen. Eine erstklassige Varieté=Schau ist verpflichtet worden, dazu Pilz und Naumann...! Der Eintritt beträgt nur 50 Pfg. Beihilsen für Kinderreiche 40—50000 Mark entfallen auf Kamen Kamen. Auch in Kamen werden die Maßnahmen der Reichsregierung zur Herstellung eines Ausgleichs der Familienlasten über die Gewährung von Kinderbeihilfen durch das Wohlfahrtsamt tatkräftig durchgeführt. Nach den bis jetzt vorliegenden 137 Anträgen der kinderreichen Familien kann man bei vorsichtiger Schätzung annehmen, daß insgesamt nach Kamen 40—50000 Mark Gutscheine für die berücksichtigten Familien entfallen. Von den 137 gestellten Anträgen auf Zuwendung der Beihilfe entfallen auf Familien mit sechs und mehr Kindern 21 Anträge, auf Familien mit fünf Kindern 50 bis 60 Anträge; der Rest entfällt auf Familien mit 4 Kindern. Kamen.(Das Ende eines Landstreicherlebens.) In einem Schnellverfahren wurde vor dem Kamener Amtsgericht die in der vergangenen Woche festgenommenen beiden 59 und 61 Jahre alten Bettler abgeurteilt. Die Vernehmung ergab, daß einer von ihnen nicht weniger als 25mal, der andere 16mal vorbestraft worden war. Beide Angeklagten wurden im Schnellverfahren wegen Landstreicherei und frecher Bettelei zu sechs Wochen Haft verurteilt. Im übrigen werden sie nach der Haftverbüßung dem Arbeitshaus Benninghausen überwiesen. Bergkamen.(Tödlicher Grubenunfall.) Im Untertagebetrieb der Schacht anlage Grimberg I/II verunglückte am Mitt woch während der Morgenschicht der Gesteins hauer Aloys Klitsch aus Weddinghofen. Der Verunglückte geriet unter hereinbrechen des Gestein und seine Verletzungen waren so schwerer Art, daß seine sofortige Ueberführung in das Brüderkrankenhaus Dortmund erfor derlich war. Kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus ist K. an den schweren Ver letzungen gestorben. Erfolgreicher Schauspielabend Das Westfälische Landestheater in Lünen Lünen. Im Rahmen des Volksbildungs programms der NS=Kulturgemeinde brachte das Westfälische Landestheater im sehr gut be setzten Saale des Wichernhauses die Bauern komödie„Der G'wissenswurm" von Ludwig Anzengruber zur Aufführung. Das Ensemble bot eine gute Darstellung und stilechte Inszenierung. Der vom Schlag„g'streifte“ Bauer Grillhofer wurde durch Helmut Koch dargestellt, den scheinheiligen Schleicher, seinen Schwager Dusterer gab Karl Sumalvico Gert Tellkampf als Großknecht Wastl und Johanna Bärtges als die Horlacherlies zeigten ebenso wie Aenne Nau als Tantippe im Hause des Bauern Poltner, daß sie in ihren Rollen lebenswahre Gestalten formen konnten Da sich die Nebenrollen gut in das Spiel einfügten, kam ein guter Enderfolg heraus. Hans Albert Schewe hatte das Stück inszeniert und dabei besonderen Wert auf die Gestaltung der bäuerlichen Szenen gelegt. Ernst Hummel, der befähigte Bühnenbildner, hatte die stilechten Bilder geschaffen. Leistungszahlen aus Lünen Die Kartossel- und Kohlenversorgung durch das Winterhilfswerk Lünen. Die Segnungen des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes, des größten sozialen Hilfswerkes aller Zeiten, können so recht erst hort verspürt und gewürdigt werden, wo, wie im Kreise Lünen, ein Großteil der Bevölkerung vom WHW betreut wird. Lünen ist anerkanntes Notstandsgebiet. Von insgesamt 45374 Einwohnern, die es zählt, werden allein nicht weniger als 20 469 Personen vom WHW in der mannigfaltigsten Weise betreut. Soweit die Versorgung der hilfsbedürftigen Bevölkerung mit Kartoffeln und Kohlen als Winterhilfsleistungen in Frage kommen, soll deren Umfang durch nachstehende Zahlen veranschaulicht werden. Bei der Kohlenversorgung gehört Lünen zum 10=Zentner=Gebiet, d. h., bei jeder der zweimal während des Winterhilfsjahres vorgesehenen und erfolgten Belieferung mit Kohlen erhält jede bedürftige Familie als Normalleistung je 10 Zentner, also zusammen für den ganzen Winter 20 Zentner Kohlen. Die Belieferung erfolgt im Landabsatz durch die Zechen und im übrigen durch den heimischen Kohlenhandel. Für die erstmalige Belieferung mit Kohlen im Monat Oktober wurden 11 172 Gutscheine zu je 5 Zentner zu einem Gesamtgutscheinwert von 38 398,50 Mk. ausgegeben. Im Monat Januar wurden zusam men 10472 Gutscheine zu je 5 Zentner mit einem Gesamtgutscheinwert von 35 983.50 Mark den Bezugsberechtigten zugeteilt. Mengenmäßig wurden somit insgesamt 108 220 Zenrner Kohlen im Kreise Lünen an die Bedürftigen abgegeben, wofür durch das WHW insgesamt 74382 Mark aufzuwenden sind. Die Kartoffelversorgung wurde im Rahmen des festgestellten Bedarfs durchgeführt und kann nach restloser Belieferung der als bezugsberechtigt geltenden bedürftigen Volksgenossen als abgeschlossen betrachtet werden. nsgesamt 77 Waggonladungen mit zusammen 23665 Zentnern Einkellerungskartoffeln wurden angeliefert und gelangten zur Verteilung. Unter Zugrundelegung des für Einkellerungskartoffeln festgelegten Marktpreises von 3.20 Mark je Zentner stellt sich die finanzielle Leistung des WHW für die Durchführung der Kartoffelversorgung auf 75 728 Mark. Die Verteilung wurde von dem WHW in eigens eingerichteten Verteilungsstellen selbst vorgenommen. Die Durchführung der Versorgung der bedürftigen Bevölkerung Lünens durch das WHW mit Kohlen und Kartoffeln für den Winter entsprach somit einer finanziellen Leistung von insgesamt 150 110 Mark. Diebstähle auf der Reichsautobahn Strenge Bestrafung von Jahrraddieben Lünen. Geraume Zeit wurde die Baustelle der Reichsautobahn bei Lünen=Brambauer von Dieben und Einbrechern heimgesucht, so daß man dazu übergehen mußte, regelmäßige Polizeistreifen einzusetzen. Baubuden waren erbrochen und Material, Handwerkszeug, sogar Schuhe oder Arbeitszeug der Straßenbauer gestohlen worden. Der 43jährige Bernhard M. war nach langjähriger Erwerbslosigkeit von den Baufirmen Lenz& Co. und Hanebeck als Wächter auf der Baustelle angestellt worden, damit endlich die Diebstähle aufhören sollten. Er lernte eines Tages bei seinem Rundgang den 25jährigen Arthur K. und den 39jährigen Richard R. kennen, die ihn um die Erlaubnis baten, etwas Brennholz sammeln zu dürfen. Später kam noch der 36jährige Johann Mathias O. hinzu. Es blieb natürlich nicht bei der Brennholzsammelei, es gingen schließlich auch Bretter mit, die als Nutzholz zu bezeichnen waren. Ein anderer Bekannter aus Lünen=Brambauer„besorgte“ sich 3 oder 5 Spaten angeblich von einem Schrotthausen. M. wiederum verkaufte zwei alte Spaten für 1.— Mk. K. hatte sogar den Plan gefaßt, ganze Oelfässer an der Zentrale verschwinden zu lassen, um sie für 160 Mk. zu verkaufen. Als stille Teilhaber der Baufirmen betätigten sich außerdem noch der mehrmals wegen Eigentumsdelikten vorbestrafte 39jährige Josef B. und der achtmal vorbestrafte 26jährige Kasimir Ch., alle Das Lied der Arbeit in Castrop-Kauxel Schaffende Kräfte überall= Eine Industriestadt zu Beginn des Jahres IV der nationalsozialistischen Aufbauarbeit Castrop-Rauxel. Eine einzige Straße in der Industriestadt Castrop=Rauxel vermag gegenwärtig ein anschauliches und einprägsames Bild vorwärtsdrängender Schaffenskraft und unermüdlichen Fleißes zu geben. Es ist die Recklinghauser Straße im Stadtteil Ickern— eine Hauptverkehrsstraße zwischen Recklinghausen und Dortmund. Hier brandet zu jeder Tag= und Nachtstunde der Verkehr— hier klingt aber auch in vollen Akkorden das Lied der Arbeit. Schon von weitem hört man das ununterbrochene Hämmern und Pochen der Niethämmer, den Lauf vieler Räder und die Winden vieler Kräne Wie hat sich hier das Bild der Industrie in vergangener Zeit verändert. Vor noch nicht langer Zeit herrschte auch hier eine beängstigende Stille. Hin und wieder kroch ein Zechenzug der Klöckner=Werke über die Straße und ertönte ein Signal, das nicht vor Freude an der Arbeit widerhallte. Viele Erwerbslose gingen diese Straße freudlos und voll ohnmächtiger Wut gegen das Schicksal, das sie dazu bestimmte, untätig zu sein. Und heute? Das dritte Jahr nationalsozialistischer Aufbauarbeit geht zu Ende. Wir sehen den Unterschied zwischen dem„Früher" und dem„Heute“ deutlich und klar— an einer einzigen Straße, in einem einzigen Stadttteil. Es ist nicht, wie man annehmen könnte, eine Ausnahmeerscheinung. Nein, wie es in Ickern ist, ist es in allen Stadtteilen der Industriestadt, die heute nicht mehr zusammenhanglos sind und wie kleine Gemeinden eigennützig darauf bedacht sind, ihre Interessen gegeneinander bis zum letzten zu verteidigen. In der großen, einheitlichen Stadt Castrop=Rauxel ist der Hebel an vielen Stellen angesetzt worden. Das unter der nationalsozialistischen Führung der Stadt begonnene Arbeitsbeschaffungsprogramm hat Erfolge gezeitigt, die auch den kraffesten Gegner der nationalsozialistischen Gemeinschaftsidee überzeugen. In gerader Linie läuft das Band der Verbandsstraße IS III vom Süden nach Norden. Der letzte Bauabschnitt, die Errichtung der fünf Bauwerke zur Ueberführung von Eisenbahnlinien und Wegen, geht seiner Fertigstellung entgegen. Die großen industriellen Werke im Norden der Stadt haben ihre Produktion derart gesteigert, daß viele erwerbslose Volksgenossen wieder in Arbeit und Brot gebracht werden konnten. Die Förderung der Zechen im Stadtgebiet nimmt dauernd zu. Ihre großen Kohlenhalden, die zu wahren Bergen geworden waren, sind aus dem Stadtbild verschwunden. Die Stickstoffwerke der Gewerkschaft Viktor bieten ein Bild phantastischer Schaffenskraft. Ihre Neuanlagen an der Recklinghauser Straße, von denen nur die neue Benzinfabrik und das neue Verwaltungsgebäude genannt sein sollen, sprechen mehr als alle Worte— sie sind der Beweis für den erfolgreichen Aufbau! Ueberall in allen Stadtteilen wird gebaut. Ob es weit draußen am Kanal ist oder in Rauxel oder Castrop bis herüber nach Frohlinde und Schwerin— ganz gleich, das Lied der Arbeit hat hier überall den gleichen hellen Klang. Stein auf Stein wird festgefügt, Hammer auf Hammer zerschlägt die Ueberreste einstigen Unterganges und baut neu auf in viel stolzerer und dauernder Gestalt. Castrop=Rauxel bietet zu Begian des vierten Aufbaujahres ein Bild geballter Energie und kraftvollen Schaffensdranges. Obwohl gewiß noch manche Wünsche unerfüllt sind(die Zahl der erwerbslosen Volksgenossen ist noch so groß, daß alle Anstrengungen auch weiterhin auf deren Verringerung gerichtet bleiben müssen), erscheint der Ausblick in die Zukunft doch weit hoffnungsvoller als ehedem. Nicht mehr lange wird es dauern und auch in unserer Stadt setzt mit dem Beginn der, Bauarbeiten an der Reichsautobahn der gewaltige Schlag gegen die Erwerbslosigkeit ein. Weitere Bauprojekte der hiesigen Großindustrie sind in Vorbereitung. Auch sie vermag in nächster Zeit noch viele Volksgenossen aufzunehmen. J. D. W n me F Aufnahmen: Dera Unsere Bilder geben einen Ausschnitt aus den Neubauten, die gegenwärtig im Stadtgebiet Castrop-Rauxel errichtet werden. Links das neue Verwaltungsgebäude der Stickstoff-Werke der Gewerkschaft Viktor im Stadtteil Ickern und rechts industrielle Hochbauten auf dem Gelände der gleichen Werke an der Recklinghauser Straße. Die Aufnahme in der Mitte zeigt das neue Heim der HitlerJugend im Stadtteil Habinghorst, aus Lünen=Brambauer. Die beiden letztgenannten Angeklagten sind der Polizei in ihrem Heimatort als ehemalige Kommunisten bekannt. Sie haben sich auch zusammengetan, um Fahrräder zu stehlen. Der Staatsanwalt beantragte gegen K., L. und R. je zwei Monate Gefängnis, gegen M., der sich eines groben Vertrauensbruchs schuldig gemacht habe, 3 Monate Gefängnis, gegen die Fahrradmarder nahm er besonders scharf Stellung, da sie nicht nur eine gemeine Gesinnung gezeigt hätten, sondern auch unverschämt und dreist vorgegangen seien. Er beantragte gegen den rückfälligen B. 2½ Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust, gegen Ch. 1 Jahr 9 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Das Gericht erkante gegen B. auf 1 Jahr Gefängnis, gegen Ch. auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, gegen K. auf 7 Wochen, gegen O. auf 1 Monat, gegen R. auf 2 Wochen und gegen M. auf 2 Monate Gefängnis. Den beiden ersten Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren aberkannt. Lünen.(Die Ortsgruppe Lünen der NSKOV) hielt im Saale Möllmann ihren Jahresappell ab. Ortsgruppenobmann Hardt eröffnete die Versammlung und gedachte der im vergangenen Jahre verstorbenen Kameraden und Kameradenfrauen. Im Berichtsjahre fanden 42 Beratungsstunden statt, die in etwa 420 Fällen in Anspruch genommen wurden. Lünen.(Neuanschaffungen der Bücherei in Brambauer.) Die Städtische Volksbücherei hat für den Stadtteil Brambauer folgende neue Bücher angeschafft: „Sperrfeuer um Deutschland“ von Beumelburg, „Parteigenosse Schmiedeke" von Karrasch, „Der Glaube an Deutschland“ von Zöberlein, „Durch Asiens Wüste“ von Sven Hedin,„Der Flieger von Tsingtau“ von Plüschow,„Plattdeutsche Märchen“ von Lorensen,„Volk ohne Raum“ von Grimm,„Hitlerjugend“ von Schirach,„Kampf um Berlin“ von Goebbels, „Mein Bruder Horst“ von Ingeborg Wessel, „Rassenkunde des deutschen Volkes" von Günther,„Schlageter“ von Wener,„Hitler, wie ihn keiner kennt“ von Hoffmann,„Aus meinem Leben" von Hindenburg,„Herbert Norkus“ von Littmann,„Sturm 33“ von Hans Maykowski,„Die Wehrmacht“ von Haselmayr, „Weltgeschichte an der Saar“ von Karl Bartz Lünen.(Acht herrliche Urlaubstage in Oberbayern!) Nochmals sei an dieser Stelle auf die in der Zeit vom 8. bis 17. Februar nach Oberbayern in das Gebiet um Schliersee stattfindende Urlauberfahrt der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“, Gau Westfalen=Süd, hingewiesen. Eine Woche Winterfreuden in der Heimat des Wintersports. Besuch der Olympischen Winterspiele in Garmisch=Partenkirchen, ein unvergeßliches Erlebnis. Besondere Unkosten entstehen nicht. Wer Interesse an der Fahrt hat, die 49,40 Mark kostet, möge sich umgehend bei nachstehenden Dienststellen melden. Kreisamt Lünen, Goldtraße 7; Ortsgruppe Brambauer, Wittekindtraße.3; Ortsgruppe Lünen=Süd, Kaisertraße 145. Reichsautobahn über Eisenbahn Nächtlicher Brückenbau in Lünen Lünen. Eine technisch interessante Arbeit wird gegenwärtig des Nachts an der Baustelle der Reichsautobahn ausgeführt. An der Stelle, an der die Reichsautobahn die Eisenbahnstrecke Dortmund—Lünen=Hauptbahnhof kreuzt, werden gegenwärtig die gewaltigen Brückenträger eingebaut, die die Autostraße über die Reichsbahnstrecke leiten. Die Träger haben eine Länge von 40 Metern und eine Höhe von 2 Metern. Sie wiegen je 32 Tonnen. Auf drei schweren Waggons werden die Träger an die Baustelle herangebracht und nachdem der letzte Zug kurz nach Mitternacht die Strecke passiert hat, mit einem gewaltigen Krahn hochgewunden, gedreht und auf die Widerlager der Brücke verlagert. 1 Eichlinghofen oder Westerfilde? Fußball-Meisterschaftsspiele im Kreise Dortmund I. Kreisklasse, Gruppe R Viktoria Dortmund— SV. Berghosen Der SV. Berghosen bleibt trotz des schlechten Tabellenstandes, ein sehr ernsthafter Gegner, denn im Kampf gegen Phönix Lindenborst bewies die Mannschaft, daß sie nicht so ohne weiteres geneigt ist, wieder in die zweite Kreisklasse abzusteigen. In techntscher Hinsicht dürfte Viktoria allerdings ein Plus haben, aber der unbeugsame Kampfgeist der Berghofener wird dazu beitragen, daß es zu einer völlig offenen Auseinandersetzung kommt, in der wir aller dings Viktoria auf Grund des Platzvorteils die grö ßeren Aussichten auf den Sieg einräumen. Der Kampf in der ersten Serie endete ebenfalls mit einem knappen 3:2=Sieg der Dortmunder. Sportverein 08 Dortmund— BfR. Sölde Der Sportverein 08 gebt in diesem Jahre gut vorbereitet in die Punktekämpfe. Die Mannschaft stützt sich im wesentlichen auf ibre bekannten Spieler aus dem Vorjadre. Kleine Veränderungen wurden zwar vorgenommen, die sich aber in den letzten Spielen als durchaus angebracht erwiesen. In der augenblicklichen Form werden die Platzherren selbst gegen die spielstarken Sölder einen ebenbürtigen Kampf liefern. Der VfR. Sölde hat sich im Lause der ersten Meisterschaftsserie zu einer der stärksten Mannschaften in der Gruppe entwickelt und stellte auch im Kampf gegen Viktoria Dortmund unter Beweis, daß das Mannschaftsgefüge nach wie vor stabil ist. Phönig Lindenhorst— Hansa Dortmund In dem Treffen der beiden Rivalen aus dem Dortmunder Norden ist ein barter Kampf um die Punkte zu erwarten. Lindenborst stellt nach wie vor eine ausgeglichene und spielstarke Elf und bat sich den zweiten Tavellenplatz erkämpft. Hansa wird in diesem Kampf versuchen, die augenblicklich schlechte Tavellenstellung zu verbessern, was auf Grund der in den letzten Spielen gezeigten Leistungen als durchaus möglich erscheint. Obwobl Lindenborst im ersten Trefsen klar mit 4:2 die Oberhand behielt, werden sie diesmal nicht so leichten Spiels davonkommen, denn Hausas Mannschaft hat gute Fortschritte gemacht. SB Schüren— VfL. Hörde Bei einem Vergleich der erzielten Ergebnisse in der neuen Spielserie ist festzustellen, daß der VfL. gegenüber dem Vorjahre in der Spielstärke stark nachgelassen hat. Gegen Viktoria Dortmund langte es in der ersten Serie zu einem 1:1 unentschieden, aber jetzt im Rückspiel war die 0:4=Niederlage recht deutlich. Schürens Mannschaft dagegen zeigte auch in den letzten Spielen eine stabile Form und wird versuchen, die 2:5=Niederlage aus dem Hinspiel wieder gut zu machen. Auf Grund des Platzvorteils, der gerade bei den Schürenern nicht zu unterschätzen ist, rechnen wir mit einem klaren Sieg des Platzvereins. Hörder Verein— Britannia Dortmund Der Start in die neue Spielzeit war für beide Mannschaften nicht sehr verheißungsvoll. Für Britannia sind die Aussichten sogar sehr hoffnungslos geworden, denn sie bilden den Schluß der Tabelle und das bisher erzielte Torergebnis von 8:29 läßt auf keine annehmbare Form schließen. Trotz einiger au ter Leistungen einzelner Spieler läßt die geschlossene Mannschaftsleistung noch sehr zu wünschen übrig. Die Hörder müssen nun ebenfalls mit Erfolgen auswarten, um nicht auch in Abstiegsgefahr zu kommen. Obschon der Kampf der ersten Serie auf dem Britannenplatz mit einem 1:1 unentschieden endete, sollten die Hörder diesmal auf eigenem Platz zu einem klaren Siege kommen. Gruppe B Sportfreunde Eichlinghofen—. Germania Westersilde Zu einem interessanden Kräftevergleich kommt es in Eichlingbosen, wo die Sportfreunde dem Tavellenführer Germania Westerfilde gegenübersteben. Die beiden ersten diesjährigen Spiele haben die Eichlinabosener schwer zurückgeworsen, so daß kaum noch Aussichten besteht, in den Kampf um die Spitze einzugreifen. Westerfilde dagegen hat sich in letzter Zeit gur berausgemacht, und dürfte bei anbaltend guter Form auch weiterbin tonangebend in der Gruppe sein. In Eichlingbofen selbst wird es aber zu einem erbitterten Kampf kommen, denn auf eigenem Gelände sind die Sportfreunde besonders spielstark. Viktoria Somborn— Viktoria Derne Nach der letzten Niederlage in Lanstrop werden die Perner alles daransetzen, den Verlust wieder aufzubolen, denn noch ist die Tabellenstellung äußerst günstig. Somvorns Mannschaft erwies sich in den letzten Spielen als sehr unbeständig und wird mit weit besseren Leistungen aufwarten müssen, um einen ebenbürtigen Geaner gegen den Tabellenzweiten abzugeben. Die Derner werden diesmal in stärkster Aufstellung zur Stelle sein und wenn die Mannschaft nur einigermaßen auf dem Posten ist, sollte ihr der Sieg nicht zu nehmen sein. BV. 11 Castrop— Germania Hombruch Die Hombrucher, welche die Hoffnung auf die Tadellenspitze noch nicht aufgegeben haben, steben am Sonntag in Castrop vor einer schweren Aufgabe. Castrops Elf zeigte sich im letzten Punktekampf gegen Lünen=Süd in ausgezeichneter Verfassung und siegte mit 6:2. An demselben Tage zeigte sich auch Hombruch in großer Form und schlug Somvorn mit 4:0. Im Verlauf der ersten Spielserie erwies sich Germania Hombruch als die zuverlässigere Mannschaft, der wir sogar in Castrov eine Wiederbolung des 2:1=Sieges aus dem ersten Trefsen zutrauen. VfL. Habinghorst— Teutoma Lanstrop Mit dem 1:0=Sieg über Viktoria Derne haben die Lanstroper wieder neuen Mut geschöpft und es sollte nicht wundern, wenn sie es doch noch fertig brächten, vom Tabellenende fort zukommen und sich den Klassenverbleib zu sichern Schon in der ersten Begegnung mußte Habingborst die Ueberlegenheit Lanstrops anerkennen und wurde mit 2:0 abgefertigt. Die Lanstroper erscheinen uns zur Zeit in der Gesamtheit ausgeglichener und kampfkräftiger. Habinahorsts Mannschaft mag technisch einige Vorteile haben. aber der große Eifer Lanstrops wird für das Endergebnis entscheidend sein. VfB. Lünen=Süd— SuS. Derne Die in den letzten Spielen entstandenen Ergebnisse kassen eine gute Formverbesserung der Derner erkennen, wogegen der Platzverein bisher noch sehr enttäuschte und inzwischen auf den zweitletzten Tabellenplatz zurückgefallen ist. Dernes Mannschaft ist in allen Reihen ausgezeichnet besetzt und konnte schon in der ersten Begegnung die Ueberlegenbeit mit einem 4:1= Sieg jum Ausdruck bringen. Da von einer Formverbesserung der Lünener bisher noch nichts zu merken war. geben die Derner auch am Sonntag als Favoriten in den Kampf und sollten trotz des Platzvorteils der Lünener klar gewinnen. Gruppe B Sportfreunde Schwerin— VfL. Ver. Stahlwerke Nachdem die Sportfreunde am letzten Meisterschaftssonntag gegen Alemannia Raurel einen weiteren Punkteverlust erlitten. sind die Hoffnungen auf den Aufstieg recht minimal geworden. Die Werksmannschaft ist nach wie vor in glänzender Form und wird sich auch am Sonntag die Punkte nicht entgeben lassen. Westfalla Huckarde— Arminius Marten Der Tabellenzwette, Westfalia Huckarde, dat in diesem Kampf einen ernstdaften Gegner. Die Martener haben sich in letzter Zeit gut berausgemacht und sind inzwischen auf den dritten Tabellenplatz vorgerückt. Westfalta wird versuchen die Punkteverluste der letzten Spiele wieder gur zu machen. Auf Grund des Platzvorteils erwarten wir sie als sichere Sieger. Blau Weiß Castrop=Nord— SV. 09 Dorstfeld Im Kampf der ersten Serie erwies sich Dorstfeld als die spielstärkere Els, denn sie schlug die Blau=Weißen mit 3:0. Inzwischen haben sich die Castroper gut verbessert und werden diesmal bestimmt einen ebenbürtigen Gegner abgeben. Erst der Spielverlauf wird zeigen, wer augenblicklich über das bessere Können verfügt, BfR. Kirchlinde—. TV. Barop Nachdem die Baroper auch in der neuen Spielzett von ihren Gegnern boch geschlagen wurden, sind die Aussichten auf den Klassenverbleib vollständig geschwunden. Obwohl Kirchlinde im ersten Treffen schwer zu kämpfen batte, um einen knappen 2:1=Sieg herauszubolen, erwarten wir sie am Sonntag als sichere Sieger. III. Kreisklasse: In der Gruppe A hat Rot=Weiß Dortmund den Tabellenführer Fortuna Dorstfeld zum Gegner und sollte an einer Niederlage nicht vorbeikommen. Ebenso dürfte der Postsportverein nicht stark genug sein, sich gegen den Tabellenzweiten Borussia Höchsten mit Erfolg zu behaupten. Der Dritte in der Rangliste, Eintracht Dortmund ist Sonntag spielfret. Die an vierter Stelle rangierende Germania Kirchhörde hat in der Dortmunder Turngemeinde einen Gegner, der in Kirchbörde ebenfalls wenig Aussichten bat. Der Fünfte in der Tabelle, SV. Rüdinghausen muß nach Menglinghausen und sollte wie im ersten Treffen abermals siegreich bleiben. Ebenbürtige Gegner steben sich im Kampf SuS. Neuasseln gegen Sportfreunde Lücklemberg gegenüber. In der Gruppe B hat sich eine grundlegende Aenderung ergeben. Germania Brechten wurde wegen mehrmaligen Nichtantretens aus den Punktekämpfen genommen, so daß alle ausgetragenen Kämpfe ungültig sind und ebenso dürfen sämtliche Spiele von Urania Lütgendortmund nicht in der Tabelle gewertet werden, da Urania erst im kommenden Spieljahr wieder an den Punktekämpfen teilnimmt und zwar in der zweiten Kreisklasse. Tabellenführer ist immer noch Viktoria Lünen. Der Gegner am Sonntag, Germania Lünen, wird ihn vor eine schwere Aufgabe stellen. Westfalia Eving als Tabellenzweiter hat Sportgem. Hoesch zum Partner und müßte sicher gewinnen. Der Tabellendritte SC. Rahm ist spielfrei. An vierter Stelle rangiert nun Edelstablwerke Dortmund. Gegen den Bezwinger des Vorjahres, Schwarz=Weiß Dortmund sollte es diesmal aber zum Siege langen. Minister Stein folgt als Fünfter in der Rangliste und sollte in der Lage sein, am Sonntag gegen die Reichsbahner die Tabellenstellung zu verbessern. Um den DFB.=Vereinspokal Von den am vergangenen Sonntag in der zweiten Vorrunde um den DFB=Vereinspokal ausgefallenen Spielen wird am Sonntag der Kampf Westfalla Somvorn gegen VfL. Lütgendortmund nachgevolt. SV. Wambel, Phönir Lindenborst und VfL. Vereinigte Stablwerke verzichteten auf die wettere Teilnahme, so daß PfR. Sölde, Hörder Verein und BfR. Kirchlinde kampflos in die dritte Vorrunde kommen. Germania Kirchbörde war am vergangenen Sonntag gesperrt, wodurch Tus. Reichsbahn ebenfalls in die dritte Vorrunde steigt. Boren Der Hörder Stiftshof wird am kommenden Samstag der Treffpunkt aller Borfreunde sein. Borfreunde 29 gegen Borsport Körne 31 ist die Parole. Im Rahmen des Geschebens leuchten die Namen Heuser, Klaffschiufki, Hohl, Heß. Höcker und diesmal sollte auch der s. Zt. verletzte Bohne mit von der Partie sein, alle Borfreunde 29, besonders hervor, während bei dem Gegner die Gebrüder Disselbolz, Gertischka, Ibel und Javorski als die Könner von Format anzusprechen sind. Die Paarungen sind folgendermaßen vorgeseben: Arnold (Ho) gegen Bank(Kö): Heuser(Hö) gegen Braun(Kö): Borchers(Hö) gegen Gertischka(Kö); Klaffschinskt(Hö) gegen Tenn(Kö): Travinski(Hö) gegen Bick(Kö): Hohl(Hö) gegen Disselbolz I(Kö): Braß(Hö) gegen Disselbolz II(Kö): Heß(Hö) gegen Luft(Kö): Höcker (Hö) gegen Ibel(Kö); Bohne(Hö) gegen Javorski (Kö). Der Reinertrag ist zugunsten des Winterhilfswerks und daher der Veranstaltung ein voller Erfolg zu wünschen. Reichsluftschutzbund Kamen.(Die Frau im Luftschutzdienst.) Der Sonderlehrgang für die bereits gemeldeten Mitglieder der NS=Frauenschaft beginnt am Montag, 27. Januar, 20 Uhr, in der Diesterwegschule. Gelder veruntreut Eine Verhandlung des Hagener Schöffengerichts Schwerte. Unter der Anklage, 1061 Mark einkassierte Gelder der RSG„Kraft durch Freude“ veruntreut zu haben, hatte sich der in Schwerte beschäftigte 28 Jahre alte Wilhelm A. am Mittwoch vor dem Hagener Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte hat vereinnahmte Gelder nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht. Er war geständig, so daß die Verhandlung schnell erledigt war. Da A. seine Kasse nicht ordnungsmäßig verwaltete, nahm das Gericht nur Veruntreuung an. Straferschwerend fiel ins Gewicht, daß der Angeklagte ein ausreichendes Einkommen hatte und daß es sich um Gelder von Arbeitskameraden handelte. Die in Dortmund wohnende Mutter des Angeklagten hat den Fehlbetrag gedeckt, so daß der NSG„Kraft durch Freude" kein direkter Schaden entstanden ist. Das Urteil lautete auf sieben Monate Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe. Massen.(Die Massener Sportver einigung 1911) hielt im Vereinslokal ihre Jahreshauptversammlung ab. Der Jahresbericht zeigte eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung innerhalb des Vereinslebens. Nach Verlesung des Kassenberichts wurde dem Gesamtvorstand Entlastung erteilt. Lünen.(Straßensperrung.) Die Viktoriastraße(Verbandsstraße OW l) von der Dortmunder bis zur Kaiserstraße ist ab 23. Januar wegen Straßenbauarbeiten für den gesamten Durchgangsverkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Dortmunder=, Bäcker=, Langestraße. Kds-Sport für Freitag, 24. Januar Allgemeine Körperschule. 20—22 Uhr: Turnhalle Prinzenstraße. Fröhliche Gymnastik und Spiele. 20—22 Uhr: Aloysiusschule, Paulinenstraße; 20—22 Uhr: Wirtschaft Lahr, D.=Husen. Gymnastik. 19—21.30 Uhr: Gymnastikschule, Hohestraße 32; 21.30—22 Uhr: Gymnastikschule, Hohestraße 32; 19.30—21.30 Uhr: Marie=Reinders=Mittelschule, Landgrafenstraße. Kinderturnen. 16—17 Uhr: Gymnastikschule, Hohestraße 32; 17—19 Uhr: Aloysiusschule, Paulinenstraße: 16—17.30 Uhr: Wirtschaft Lahr, D.= Husen; 17—19 Uhr: Turnhalle, Prinzenstraße. Volkstanz. 20.30—22.30 Uhr: Restaurant Quadbeck, Betenstraße; 20—22 Uhr: Turnhalle Wischlingerweg, D.=Marten. Schigymnastik. 20—22 Uhr: Schillerlyzeum, Hoher Wall. Schwimmen. 19.15—20.30 Uhr: Südbad, Göringstraße(Männer und Frauen); 20—21.15 Uhr: Südbad, Göringstraße(Männer und Frauen); 20.45—22 Uhr: Südbad, Göringstraße(Männer und Frauen). Reiten. 19.30—20.15 Uhr: Tattersall, Leibnizstraße: 20.15—21 Uhr: Tattersall, Leibnizstr.; 21—21.45 Uhr: Tattersall, Leibnizstraße. Rollschuh. 20—22 Uhr: Germaniasaal, I. Kampstraße 73. Schach. 20—22 Uhr: Hotel Nord, Königshof 55(Nordausgang Hauptbahnhof). Schikurse in Oberbayern Im Februar finden zwei Schikurse in Oberbayern statt und zwar einer zu 14 Tagen und einer zu acht Tagen. Nähere Unterlagen sind kostenlos von allen Dienststellen der NSG„Kraft durch Freude" erhältlich. Schwimmen für das Reichssportabzeichen Jeden letzten Freitag im Monat Abnahme des Schwimmens für das Reichssportabzeichen und zwar abends um 21.30 Uhr im Südbad, Göringstr. Neuer Reitkursus Heute abend um 20 Uhr beginnt im Tattersall, Leibnizstraße 11 ein neuer Reitkursus für Anfänger. Anmeldungen beim Sportamt„Kraft durch Freude", Dortmund, Hansastraße 14, III., Telefon 39588. Berühmte Westfalen im Bild Anregende Ausstellung des Ruhrtalmuseums Schwerte. Im großen Sitzungssaal des neuen Rathauses fand in Gegenwart des Adjutanten des Landeshauptmanns, Parteigenosse Zepter, und einer Anzahl Heimatfreunde die Eröffnung einer vom Ruhrtalmuseum Schwerte veranstalteten Schau von Bildnissen berühmter Männer und Frauen aus Westfalen statt. Museumsleiter Spiegel, der sich um das Zustandekommen der Schau sehr verdient gemacht hat, wies bei der Eröffnung darauf hin, daß das Ruhrtalmuseum durch seinen Namen und seine bisherige Arbeit bewiesen habe, daß es sich bei seinen Bestrebungen nicht von Lokalpatriotismus leiten lasse, das beweise auch diese Ausstellung. Die Ausstellung selbst ist in mehrere Abteilungen gegliedert und umfaßt insgesamt 70 Bilder. In der Abteilung I sieht man führende Staatsmänner, u. a. Freiherrn von und zum Stein und Freiherr Vincke. Unter den Forschern ist der Entdecker des Morphiums, Sertürner, zu erwähnen. Aufmerksamkeit erregen in der Abteilung Dichter die Abbildungen Annette von Droste=Hülshoffs, Ferdinand Freiligraths, des Dichters des„Oberhof", Karl Lebrecht Immermann, des Deutschlandliedes, Hoffmann von Fallersleben und des Verfassers von„Dreizehnlinden", Friedrich Wilhelm Weber. Hier sieht man auch ein wertvolles Besitzstück des Ruhrtalmuseums, die Urschrift des„Westfalenliedes“ von Emil Rittershaus. Unter den Theologen fällt Johannes Göddäus, der Sohn eines Bürgermeisters von Schwerte, der selbst Ehrenbürgermeister von Schwerte war, auf. Dr. phil. Dr. ing. h. c. Theodor Fleitmann, der Begründer der Schwerter Nickelwerke und Friedrich Harkort, der Förderer des Eisenbahnwesens in Westfalen, sind von den Industriellen besonders nennen. Das interessanteste Stück für die Schwerter Bevölkerung ist ohne Zweifel das von Museumsleiter Spiegel unter besonderen Schwierigkeiten beschaffte Bild des Schwerter Hofrates Bäehrens, Pfarrer und Dr. med., von dem wohl jeder Schwerter schon hörte und von dem viele Anekdoten umgehen, dessen Bild aber noch niemand von der jetzigen Schwerter Generation gesehen hat. Weiter ist noch zu nennen der Schattenriß der zum Freundeskreise Goethes gehörenden Amalie Fürstin von Gallitzin und des Baumeisters August des Starken und Erbauers des Dresdener Zwingers Matthäus Daniel Pöppelmann. Die Schau gibt den Schulen der näheren Umgebung die beste Gelegenheit, die Großen Westfalens kennenzulernen. Die Ausstellung „Berühmte Westfalen— Berühmte Schwerter“ ist im großen Saal des neuen Rathauses täglich von 10—13 Uhr und von 15—18 Uhr zu sehen. Familienchronik und Jubiläen Goldene Hochzeit Ebepaar Wilhelm Wulf, Dortmund=Aplerbeck, Marsbruchstraße 42. Silberne Hochzeit Ebeleute Anton Suggefleisch, Lünen, Weißenburgerstraße 15. Hohes Alter 85 Jahre: Witwe Luise Müller geb. Neuhaus, Unna, Hellwegstraße 31. 77 Jahre: Invalide Christian Biel, Unna, Schäserstraße 7. 76 Jahre: Witwe Luise Höppner geb. Hellmig, Unna, Nikolaistraße 4, und Invalide Wilh. Schulte, Unna, Güldener Trog 3. 73 Jahre: Rentner August Lange, Garenfeld Nr. 24. Allen auch unseren herzlichsten Glückwunsch! Füßball in und um Schwerte II. Kreisklasse Gruppe A SC. 19 Lünen— SV. Wambel Während die Lünener zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf die Tabellenspitze zählen, ist Wambel in der ersten Spielserie in der Tabelle erbeblich zurückgefallen. Die beiden ersten Spiele im neuen Jahre lassen jedoch erkennen, daß Wambels Mannschaft inzwischen gute Fortschritte gemacht hat. Ob die Elf stark genug ist in Lünen selbst einen Steg herauszuholen, muß noch bezweifelt werden. SV. Husen— Westfalla Wickede In den letzten Kämpfen bat sich erwiesen, daß Westfalia augenblicklich in einer Formkrise steckt. Der Platzverein hat noch schwer zu kämpfen, um sich den Klassenverbleib zu sichern. Die Wickeder stellen allerdings die bessere Mannschaftseinheit und es sollte ausreichen, auch in Husen einen knappen Sieg zu landen. Alemannia Scharnhorst— Spielverein Herta Auch in den dritten Kampf der neuen Spielferie geht Alemannia mit wenig Erfolgsaussichten, denn von einer Formverbesserung gegenüber dem Vorjahre ist bis setzt noch wenig festzustellen. Der Spielverein Herta dagegen zählt zu den Spitzenmannschaften und sollte auch im Rückkampf Sieger bleiben, Preußen Horstmar— SC. Aplerbeck Der Sieg des Platzvereins über den SC. 19 Lünen stellt den Preußen das beste Zeugnis aus. In augenblicklicher Verfassung werden sie im Kampf um die Tabellenspitze ein ernstes Wort mitreden. Avlerbeck 1. Kreisklasse VfL. Wesselbach— VfL. Schwerte Zum weiteren Meisterschaftsspiel der zweiten Spielserie müssen die Schwerter Blauweißen nach Hobenlimburg um gegen den PfL. Wesselbach das fällige Meisterschaftsspiel zur Durchführung zu bringen. Wenn man die augenblickliche Spielstärke der Schwerter berücksichtigt, müßte es für letztere zum Siege langen. Hohenlimburg 10— Borussia Dröschede Hier steben sich in Hohenlimburg zwei ziemlich ebenbürtige Gegner gegenüber. Daß auch die Dröscheder Mannschaft erns zu nehmen ist, das dürfte der am vergangenen Sonntag über den Tabellenzweiten errungene 4:2=Sieg zur Genüge bewiesen haben. Auch gegen Hobenlimburg 10 haben die Gäste noch nichts verloren, eher noch muß man an eine Punkteteilung glauben. Westig 08— Iserlohn 11 Die beiden Nachbarvereine werden sich in Westig einen harten Kampf liefern. Beide Vereine verfügen über gutes Spielermatertal und werden zu diesem äußerst wichtigen Treffen nur das stärkste Aufgebot entsenden. Zwar haben die Westiger den Vorteil des eigenen Platzes für sich, aber auch dieses bat bier wenig zu sagen. Die Siegesaussichten sind auf jeder Seite dieselben. Iserlohn 05— Spielverein Fröndenberg Zwei alte Sportvioniere des Iserlohner Kreises messen hier im Punktekampf ihre Kräfte. Im Augenblick dürften die Fröndenberger ihrem Gegenüber an Spielstärke etwas voraushaben. Vor allen Dingen verfügen die Gäste über einen schußfreudigen Sturm, welches den Iserlohnern leicht zum Verhängnis werden kann. Man rechnet allgemein mit einem knappen Siege der Fröndenberger. Menden 10— Letmathe 98 Der Spitzenführer Letmathe steht in Menden vor einer nicht leicht zu lösenden Aufgabe. Für Letmathe hängt von diesem Spiel sehr viel ab, heißt es doch, durch einen Sieg den Punktevorsprung vor Schwerte 06 weiterhin zu halten. an. Sogar auf eigenem Gelände ließ man die Punkte im Stich. Auch gegen Menden erwartet man einen Spielausfall. Letmathe 30— V/B. Westhofen Der VfB. Westhofen ist ein aussichtsreicher Anwärter für den Meistertitel. Auch dieses Spiel gegen Letmathe 30 wird man ernst nehmen, denn die Gäste sind sich ihrer Aufgabe voll und ganz bewußt. Der Platzverein wird kaum an einer Niederlage vorbeikommen. Sportverein Geisecke— Reichsbahn Schwerte Die Geisecker sind auf eigenem Gelände kein zu unterschätzender Gegner. Erwähnenswert ist der Rieseneiser, welchen die Mannschaft besitzt. Wie wird man in diesem Spiel gegen die spielstarken Reichsbahner aus Schwerte abschneiden? Jedenfalls wird der Platzverein versuchen, den Gästen zumindest einen ebenbürtigen Kampf zu liefern. Freitag, den 24. Januar Kreis Dortmund NSDAP, Ortsgruppe Gartenstadt. 20.30 Uhr: Versammlung der Politischen Leiter im Witte kindshof NSDAP Ortsgruppe Aplerbeck und Schüren. 20 Uhr: Antreten sämtlicher Politischen Leiter im Parteilokal Meering zum Bereitschaftsdienst. NSDAP Ortsgruppe Huckarde. 20 Uhr: Oeffent liche Kundgebung im Lokal Hackeloer. Es spricht die Gaurednerin Parteigenossin Hedwig Leipert, Bochum, über das Thema: Die Stellung und Auf gabe der Frau im nationalsozialistischen Staat Für die Parteigenossen ist diese Kundgebung Pflichtversammlung. Es wird ein Unkostenbeitrag von 10 Pf. erhoben. NSDAP, Ortsgruppe Wickede-Asseln. 20 Uhr: Mitgliederversammlung der Zellen Husen-Kurl für den Block Husen I im Lokal Lahr, Husen. DAF-Ortsgruppe Ost. 18 Uhr: Betriebsversammlung der Straßenbahner im Betriebsbahnhof Derne. K BG„Handwerk“. 18 Uhr: Versammlung sämtlicher Elektriker der Betriebsgemeinschaft Handwerk im Reinoldus, Dortmund, Reinoldistraße. Frauenschaft Huckarde. 20 Uhr: Pflichtversammlung im Lokal Hackeloer. Es spricht die Gau rednerin Parteigenossin Leipert. Frauenschaft Rahm. 20 Uhr: Pflichtversamm lung im Lokal Hackeloer. Es spricht die Gaurednerin Parteigenossin Leipert. NSDAP Ortsgruppe Eving. 19.30 Uhr: Im Lokal Brandhoff. Evinger Straße 278, Ausbildung und Schulung sämtlicher Politischen Leiter. Frauenschaft Kreis Dortmund. 16 Uhr: Zusammenkunft aller Kassenverwalterinnen im Stadttheater-Restaurant. Kreis Unna NSDAP Bergkamen. 20 Uhr: Besprechung sämtlicher Amts- und Zellenleiter sowie der Führer der Gliederungen im Lokale Kraft. NSDAP Fröndenberg. 20 Uhr: Schulung der Zelle Palz im Lokale Leifert. NSDAP Unna. 20 Uhr: Versammlung der Zelle Beckmann im Lokale Döring, Kaiserstraße. NSDAP Langschede. 20 Uhr: Versammlung der Zelle Strickherdicke im Lokale Jung. NSDAP Holzwickede. Die gestern an dieser Stelle angekündigte Ortsgruppen-Pflichtversammlung findet nicht statt. NSDAP Heeren-Werwe. 20 Uhr: Ortsgruppenversammlung im Lokale Goerdt. Kreis Castrop-Rauxel DAF Kreiswaltung. 20 Uhr: Sitzung der Vertrauensmänner, Zellenobmänner und Führer der Betriebe des Bergbaues im Kasino in Rauxel. Redner: Parteigenosse Bonner. DAF Frauenamt. 19 Uhr: Sprechstunde der OG. Nord bei Sellenscheidt in Habinghorst. Kreis Lünen Frauenschaft Lünen-Süd. 20 Uhr: Pflichtabend im Paul-Gerhardt-Haus. Sonnabend, den 25. Januar Kreis Dortmund DAF-Ortsa unpe West. 17 Uhr sammlung des Kohlen- und institutes, Aachener Straße 22. DAF-Ortsgruxpe West. 7.30 Uhr: Betriebsver sammlung des S.ar- und Bauvereins im Restaurant Finger, Heinsichstraße. . B e t r i e b s v e r Eisen-ForschungsKreis Unna NSDAP Norddinker. 20 Uhr: Schulungsabend im Parteilokale. NSDAP Oberaden. 10.30 Uhr: Dienst für Politische Leiter im Lokale Vieler. NSDAP Hemmerde. 20 Uhr: Schulungsabend der Politischen Leiter, Walter und Warte im Lokale Wilke.— 21 Uhr: Besprechung der Politischen Leiter daselbst. DAF Langschede. 20 Uhr: Versammlung in Billmerich im Lokale Hemke. NSDAP Frömern. 20 Uhr: Pflichtversammlung im Lokale Kötter. Erscheinen aller Parteigenossen und Angehörigen der Gliederungen ist Pflicht. NSUAP Unna. 20 Uhr: Versammlung der Zelle Lünern im Lokale Kettler. „Kraft durch Freude“, Bergkamen. 20 Uhr: Veranstaltung mit dem Gaukabarett„Der wachsame Hahn“ im Lokale Haumann NSDAP Massen. 20 Uhr: Sprechabend der Politischen Leiter im Lokale Middendorf. DAF Massen. 20 Uhr: Kameradschaftsabend im Lokale Fischer, Massener Heide. (Schluß des redaktionellen Teils) CEEEEESELCLEUTE Se Ee ICRNERER SSSESE III LLEINARENETI-HTPR- LeE Lafé Grafenhof Heute Freitag: Karnevalistischer Abend unter Leitung des bekannten Kölner Humoristen WILLVSTUGG Witz u. Humor am laufenden Band! LEIEEEDD GEEEE S SEEEEEEE SH Ein Wildererfilm aus den Masuren: Der große sensationelle abenteuerliche Ula-ZirkusTonfilm: und Die Tragödie eines jungen Offiziers mit: Theodor Loos, Reva Holsey. Adele Sandrock, Marlanne Hoppe In dem großen Lachschlager: Alles hört auf mein Kommando mit: Marika Rökk, Fritz Kampers, H. A. Schlettow, Lotte Lorring. Perner: Willy Schur, Alexander Golling in: Shirley Temple Int Shirleys großes Spiel Ein Kind, das die Hersen im Sturm erobert. HEEEEE HI Theodor Loos, Reva Holsey, Rotraut Richter ine Die Tragödie eines jungen Ofliziers, der seiner WildererLeidenschaft zum Opfer fällt. Frohsinn, Lachen, Freude über: Daru: BlutsbrüderI Pat und Patachon mit: Altlla Hörbiger, Willy Eichberger, Brigitte Horney. Eine Liebessymphonie aus den bosnischen Bergen. Kulturfilm. Wochenschau. Wanderung durch Thüringen. Wochenschau. Westsälische Landeszeitung- Rote Erde WessalenV Kheilans Jolge 23 e 24. Januar 1936 K Kube spricht nicht Die Dortmunder Groß-Kundgebung verschoben Dortmund. Wegen Erkrankung des Gauleiters und Oberpräsidenten Kube wird die für heute, Freitag, abend anberaumte Groß-Kundgebung des Amtes für Beamte im Fredenbaum auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Der neue Zeitpunkt wird an dieser Stelle rechtzeitig bekanntgegeben werden. Tagung der Wettkampfleiter Die Vorbereitungen für den RBWR abgeschlossen Der Reichsberufswettkampf 1936, der größte Leistungswettstreit der deutschen Jugend überhaupt, tritt nach dreimonatiger Vorbereitung in das entscheidende Stadium der Durchführung. Aus diesem Grunde findet im Gau Westfalen=Süd der Deutschen Arbeitsfront am kommenden Sonntag, dem 26. Januar, eine großzügige Schulungstagung von 1100 Wettkampfleitern und Wettkampfleiterinnen des Gaues statt. Ihr Ziel ist es, einmal eine einheitliche Ausrichtung aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu erhalten und dementsprechend eine einheitliche Bewertung aller Arbeiten zu erreichen. Darüber hinaus gilt es aber, in gemeinsamer Zusammenarbeit und persönlicher Fühlungnahme zu erkennen und zu meistern. Auf der kurzen Eröffnungskundgebung sprechen zunächst der Gauwalter der DAF und Leiter der Arbeitskammer WestfalenLippe, Parteigenosse Ernst Stein. und der Gebietsführer der H3, Parteigenosse G. A. Langanke. Auf der anschließenden Tagung werden sodann der Gaujugendwalter der DAF, Parteigenosse Karl Treeck, und die Gaujugendreferentin der DAF, Junggenossin Martha Schulze mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die letzten Richtlinien und Anregungen geben, um den Reichsberufswettkampf 1936 im Gau Westfalen=Süd zu einem vollen Erfolge zu gestalten. „Westfälische Kunst“ Kaplan Böckelmann als Unruhestifter Fünfter Verhandlungstag im Soester Prozeß Die Aussage des Ortsgruppenleiters Die Dortmunder Sonderschau bis Dienstag geöffnet Dortmund. Es wird darauf hingewiesen, daß die Ausstellung„Sonderschau West fälische Kunst der Gegenwart“, die anläßlich der westfälischen Kulturtagung am Sonntag eröffnet wurde, noch bis zum 28. Januar im Kunst= und Gewerbemuseum, Dortmund, Ostwall 7, während der üblichen Besuchsstunden täglich von 10—1 Uhr und 35 Uhr, außerdem Samstag und Sonntag von 4—6 Uhr zu sehen ist. Ein Besuch der Ausstellung, die in der Presse bereits ihre Würdigung gefunden hat, ist zu empfehlen. Nordlandreise 1936 Baldige Anmeldung empfehlenswert Die Nordische Gesellschaft, die sich die Aufgabe stellt, die Beziehungen zu den nordischen Staaten zu festigen, veranstaltet gemeinsam mit der RS=Kulturgemeinde eine große Nordlandreise. Die Fahrt dauert vom 29. Juni bis 14. Juli und wird mit dem Motorschiff„Mil waukee“ der Hamburg=Amerika=Linie, dem größten und schönsten Motorschiff der deutschen Handelsflotte, durchgeführt. Die Landauslüge, Besichtigungen, die kulturellen und geellschaftlichen Veranstaltungen an Bord sowie der Kreis der Mitreisenden aus Deutschland und den nordischen Ländern werden Gewähr dafür geben, daß die Reise nicht nur, was selbstverständlich ist, für die Beteiligten eine Erholung darstellt, sondern ihnen auch den Eindruck nordischer Welt, nordischer Kultur und des nordischen Menschen gibt. Die Reise führt von Hamburg aus über die Färöer und Westmännerinseln nach Island und über die norwegischen Fjorde und Bergen zurück nach Hamburg. Die Preise bewegen sich von 240,— Mark bis 500,— Mark, sind also wesentlich niedriger als bei ähnlichen Reisen. Da infolgedessen ein sehr starker Andrang zu erwarten ist, empfiehlt sich baldige Anmeldung. Werbematerial und Prospekte können beim westfälischen Kontor der Nordischen Gesellschaft, Bochum, Wilhelmstraße 15/17, angefordert werden. Ebenso sind Anmeldungen an diese Stelle zu richten. Arnsberg. Die Große Strafkammer des Landgerichts Arnsberg trat am Donnerstag um 9.30 Uhr nach mehrtägiger Unterbrechung wieder in die Verhandlung gegen die sieben Angeklagten aus Soest ein, die sich vor der Strafkammer wegen Landfriedensbruchs verantworten müssen. Für diesen Verhandlungstag war sowohl von der Verteidigung als auch von der Staatsanwaltschaft eine ganze Anzahl weiterer Zeugen geladen worden. Polizeimeister Stracke, der als erster Zeuge vernommen wurde, sagte aus, daß er von Polizeibeamten geweckt worden sei, die ihn darauf aufmerksam gemacht hätten, daß vor dem Hause des Kaplans Böckelmann sich eine große Menschenansammlung bilde. Bald darauf erschien Ortsgruppenleiter Ernst und fragte die Beamten, ob sie nichts dagegen unternehmen wollten. Weiterhin hat der Ortsgruppenleiter dazu aufgefordert, den Kaplan zu seinem eigenen Schutz in Haft zu nehmen. Dieser Beamte hat im Auftrage des Polizeiinspektors den Schlosser geholt, der die Hintertür der Kaplanei geöffnet hat, um eine Durchsuchung des Hauses zu ermöglichen. Steinwürfe hat er weder gesehen noch gehört. Der Zeuge Polizeiinspektor Bennewitz erhielt gegen 22 Uhr die Nachricht, daß sich vor der Kaplanei ein Auflauf bilde. Er ging zur Wache und nahm einige Beamte, den Ortsgruppenleiter und den Beigeordneten der Stadt Soest mit zu dem Hause des Kaplans. Der Inspektor hat dann einen Stein gegen das Haus fallen hören und seinen Beamten den Auftrag gegeben, die Menge zurückzudrängen. Ortsgruppenleiter Ernst gab bei seiner Vernehmung eine eingehende Schilderung von den Vorkommnissen in der Nacht zum 16. August. In der Parteiversammlung am gleichen Abend habe er von der Tat des Peiers(Aufbrechen des„Stürmer"=Kastens) Mitteilung gemacht und auch die Vermutung ausgesprochen, daß Kaplan Böckelmann der Anstifter zu dieser Tat gewesen sei. Weiterhin habe er seine Parteigenonsen über die wahre Person des Kaplans aufgeklärt, weil der Kaplan sich in gehässiger Form über die SA und die SS geäußert habe, worüber in der Versammlung starke Erregung geherrscht habe, die besonders noch durch das Vorkommnis am Nachmittag verstärkt worden sei. Aus der Versammlung seien allerlei Zwischenrufe gefallen, die für den Kaplan nicht gerade schmeichelhaft gewesen seien. Er selbst habe einen Ausspruch von „Ständchenbringen“ in seiner Ansprache an die Parteigenossen nicht getan. Nach der Besprechung der Amtswalter habe er die Nachricht von der Zusammenrottung erhalten und sich sofort zur Polizei begeben. Dann habe er auf der Treppe der Kaplanei gestanden und die Menge aufgefordert, nach Hause zu gehen, da alles weitere veranlaßt werden würde. Auch habe er die Menge zurückzudrängen versucht. Weiterhin habe er mit einem SA=Führer darüber gesprochen, daß die SA avsperren sollte. Zu der Propstei sei er nur gegangen, um festzustellen, ob Böckelmann dort sei, da die Menge seine Festnahme verlangte. Nach der Durchsuchung des Hauses habe er nochmals aufgefordert, nach Hause zu gehen, da Böckelmann anscheinend entflohen sei. Der Ortsgruppenleiter betonte zum Schluß ganz energisch, daß der weltanschauliche Kampf der NSDAP keineswegs mit solchen Vorkommnissen etwas zu tun habe. In einem Schriftsatz des Polizeiinspektors war die Rede davon gewesen, daß der Angeklagte Biesterfeld die Sprechchöre dirigiert habe. Diese Anschuldigung wurde in der gestrigen Verhandlung von dem Polizeibeamten, der damals die Angabe gemacht hat, nicht mehr aufrechterhalten. Eine ganze Anzahl weiterer Zeugen sagten dann noch aus, daß nach dem Kommen der Polizei höchstens noch ein Steinwurf gefallen sei. Die Zeugenaussagen stimmten weiterhin darin überein, daß keiner von denen, die an der Versammlung teilgenommen haben, einen Ausspruch des Ortsgruppenleiters vom„Liedchensingen“ gehört hat. Besonders der Zeuge Bierbrauer, der in nächster Nähe des Ortsgruppenleiters gesessen hat, machte in dieser Hinsicht ganz bestimmte Aussagen. Ob die Zeugen in der fraglichen Nacht einen von den Angeklagten gesehen haben, darüber konnten sie in der Hauptverhandlung keine Aussagen mehr machen. Ihre Beobachtungen beschränkten sich lediglich im allgemeinen auf das Verhalten der Menge und auf die Vorkommnisse, die hinlänglich bekannt sind. Nach einer kurzen Beratung ließ die Große Strafkammer die Zeugen Bennewitz, Ernst, Stracke und Pätzold auf ihre Aussagen vereidigen. Auf die Vereidigung einer Reihe weiterer Zeugen wurde verzichtet, da sie in dem Verdacht der Mittäterschaft stehen. Weiterhin blieben mehrere Zeugen unvereidigt, da dahingehende Anträge von keiner Seite gestellt worden waren. Die Hauptverhandlung wurde dann in den Mittagsstunden unterbrochen. Sie soll am heu tigen Freitag um 9.30 Uhr im Stadtverord netensitzungssaal in Soest fortgesetzt werden. Das Gericht wird eine Besichtigung der Oertlichkeit vornehmen und an Ort und Stelle noch weitere Zeugen ver nehmen, die am heutigen Tage noch geladen werden. Mehrere bereits vernommene Zeu gen sollen in Soest vor der Kaplanei ihre Aussagen augenscheinlich machen. Diese Orts besichtigung ist eine dringende Notwendig keit, da bei den reichlich verwickelten und widersprechenden Zeugenaussagen eine genaue Kenntnis der Oertlichkeit unbedingt erforder lich ist. In den Abendstunden sollen dann noch in Soest die Plädoyers gehalten werden. Den Sonnabendvormittag wird die Große Strafkammer wahrscheinlich zur Urteilsberatung benutzen, so daß die Urteilsverkündung wahrscheinlich in den Nachmittagsstunden des Sonnabends erfolgen wird. K. W, Arbeitsplätze— so oder so? Sonderaktion für die Gerbereien] Auch hier zieht„Schönheit der Arbeit“ ein Der Waschraum einer Gerberei, wie er nicht sein darf(links) und wie er sein soll(rechts) In diesem Monat führt das Amt„Schönheit der Arbeit“ der NS=Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ gemeinsam mit der RBG„Leder“ eine neue Sonderaktion durch, die sich diesmal mit den Gerbereien befaßt und auch den Gau Westfalen=Süd erfaßt. Eine ganze Betriebsart wird schlagartig untersucht, um die Voraussetzungen für eine vorbildliche Herrichtung der Arbeitsstätten klarzustellen. In Deutschland gibt es etwa 1200 Gerbereien, in denen nahe 45000 Arbeitskameraden beschäftigt sind. Das Amt„Schönheit der Arbeit“ hat sich für seine nächste Aktion gerade die Gerbereien ausgesucht, weil die Arbeitsverhältnisse hier besonders oft Anlaß zu Beanstandungen geben. Es sei zugegeben, daß die Eigenheiten dieser Betriebsart eine Verwirklichung der Forderung nach „Schönheit der Arbeit“ verhältnismäßig schwierig machen— gerade deshalb jedoch muß diese Aufgabe besonders dringend und mit verdoppelter Energie aufgegriffen werden. Die Arbeit in den Gerbereien ist schmutzig. Um so vorbildlicher mussen die Waschräume und die Brauseanlagen sein, damit sich die Arbeitskameraden von dem Schmutz säubern können. Das gleiche gilt für die Umkleideräume und besonders für die Umkleideschränke, die geräumig und zweckmäßig eingerichtet sein müssen. Es ist selbstverständlich, daß nicht alle Gerbereibetriebe von heute auf morgen vorbildlich eingerichtet werden können. Es muß jedoch erwartet werden, daß in allen Betrieben die Forderungen aufgegriffen werden und dafür Sorge getragen wird, die Arbeitsverhältnisse so gut wie möglich zu gestalten, um sie dann allmählich immer weiter zu verbessern uno zu vervollkommnen. Die deutschen Gerbereien müssen vom Ruf der Unsauberkeit und der Verwahrlosung befreit werden, den sie heute noch genießen. Auch in ihnen muß die „Schönheit der Arbeit" verwirklicht werden, die die Voraussetzung einer wirklichen Betriebsgemeinschaft ist. Haltlose Vorwürfe Wegen Beleidigung und übler Nachrede verurteilt Bielefeld. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verhandelte fast drei Wochen gegen sechs Angeklagte aus Bielefeld, denen üble Nachrede, Verleumdung und Vergehen gegen das Heimtückegesetz vom 20. 12. 1934 zur Last gelegt wurden. Es handelt sich um von den Angeklagten geschriebene Briefe an Reichsminister Dr. Goebbels, an den Stellvertreter des Führers Rudolf Heß und an andere Parteidienststellen, in denen führende Männer der Partei in Bielefeld in gehässigster Weise verdachtiat wurden. Nachdem eine parteiamtliche Untersuchung die völlige Haltlosigkeit der Vorwürfe ergeben hatte, stellten die Beleidigten Strafantrag. In dem Prozeß waren die Gauinspekteure Stadtrat Heidemann und Landrat Homann, Oberbürgermeister und Kreisleiter Budde und NSV=Kreisamtsleiter Holtmann als Nebenkläger zugelassen. Die lange Dauer des Prozesses liegt darin begründet, daß das Gericht Wert darauf legte, die zur Verhandlung stehenden Vorgänge restlos zu klären und den Angeklagten bis zur Grenze des Möglichen Gelegenheit zu geben, für ihre Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Das Urteil wurde Donnerstag abend verkündet und lautete wegen Beleidigung in Tateinheit mit übler Nachrede gegen Ferdinand Hermann auf 6 Monate Gefängnis, gegen Eduard Meier auf 4 Monate Gefängnis und gegen Friedrich Hoppensack auf 2 Monate Gefängnis. Drei Angeklagte wurden aus§ 193 St. G. B. freigesprochen. In der ausfuhrlichen Urteilsbegründung wies der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Bäumer nach, daß die Vorwürfe gegen die Nebenkläger restlos in ein Nichts zusammengesunken sind. Auch in den Fällen, in denen Freispruch erfolgte, wurde nicht das Geringste festgestellt, was die Nebenkläger irgendwie belasten könnte. Die Freisprüche erfolgten lediglich aus rechtlichen Gründen. Ebenso konnte aus rechtlichen Gründen, wie der Vorsitzende unter Anziehung der jüngsten Reichsgerichtsentscheidung mitteilte, das Heimtückegesetz hier nicht in Anwendung kommen. Zum Strafmaß führte die Urteilsbegründung u. a. aus, daß den Angeklagten Hermann, der als Haupttäter anzusehen sei, eine empfindliche Strafe treffen mußte. Seine Hetzereien haben eine Atmosphäre geschaffen, die die Aufbauarbeit der Bewegung in Bielefeld empfindlich gestört habe. Die bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten wurde mildernd berücksichtigt. Nähmaschinen verschoben Werkdiebstähle bei den Dürkopp-Werken Bielefeld. Wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Hehlerei bzw. Anstiftung zu diesen Verbrechen hatten sich vor dem Schöffengericht Bielefeld drei Angeklagte aus Herford und Bielefeld zu verantworten. Zwei von den Leuten waren bei den Dürkopp=Werken beschäftigt, einer unterhält eine Reparaturwerkstatt. Ein vierter Mann, der Werkmeister bei Dürkopp war und in dieser Sache als Haupttäter anzusehen war, ist inzwischen verstorben. Die Angeklagten hatten im Sommer vorigen Jahres Werkdiebstähle großen Stils begangen. Neben Einzelteilen verschoben sie fünf komplette Spezial=Nähmaschinen für Schneidereien usw., die einen Gesamtwert von etwa 3000.— RM. darstellen. Das Diebesgut wurde nach Barmen, Löhne, Brackwede und in Bielefeld verkauft. Die Diebstähle wurden so bewerkstelligt, daß einer der Angeklagten, der als Packer beschäftigt war, die Maschinen, die aus Lieferungen zurückkamen, aus dem Werk schaffte und die Rücklieferungsscheine fälschte. Diese Rücklieferungsscheine wurden vom Gericht allerdings nicht als Urkunden im Sinne des Gesetzes angesehen, so daß eine Bestrafung wegen Urkundenfälschung entfiel. Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls bzw. Hehlerei erhielten der Angeklagte Heinrich N. neun Monate, Wilhelm B. acht Monate und Julius R. drei Monate Gefängnis. Das Gericht betonte, daß es sich bei den Taten um einen groben Vertrauensbruch gehandelt habe. Alle Angeklagten waren unbescholten und hatten gute Zukunftsaussichten, die sie sich nun selbst zerschlagen haben. „ELIE-VEL 811 Westfälische Landeszeitung Rote Erde Wirtschaftliche Nachrichten Folge 23 24. Januar 1936 Einfluß der Preise auf die Lebenshaltung Die Gründe der Preissteigerung im Großhandel A einer eingehenden Darlegung des Stadstischen Reichsamtes über Preise und Lebenshaltungskosten geht hervor, daß sich die Großhandelspreise im letzten Jahr nicht nur in Deutschland, sondern auch in den wichtigsten übrigen Lündern leicht erhöht haben. Hierin kommt einmal die Steigerung der Weltmarktpreise für Rohstoffe und Lebensmittel zum Ausdruck. Daneben wird die Preisentwicklung jedes einzelnen Landes durch Gründe beeinflußt, die in dem besonderen Wirtschaftsablauf des Landes liegen. In Deutschand waren es der verstärkte Uebergang zum Verbrauch heimischer Erzeugnisse und die infolge des verstärkten Arbeitseinsatzes gestiegene Nachfrage, durch die ein weiterer leichter Druck der Preise nach oben ausgelöst wurde. Gleichzeitig wurden zur Sicherung des Erfolges der Arbeitsschlacht und zur Verhinderung unberechtigter Konjunkturgewinne die Preise scharf überwacht. Trots der auf einzelnen Gebieten nicht unbeträchtlichen Preiserhöhungen ist der gesamte Preisstand von Ende 1934 bis Ende 1935 nur wenig gestiegen. Die Aufwärtsbewegung der Preise hat sich im Jahre 1935 gegenüber den beiden Vorjahren sogar verlangsamt. Die stärksten Preiserhöhungen waren für Vieh und Fleisch zu verzeichnen: sie waren hauptsächlich die Folge der Verminderung der Viehbestände nach dem geringen Ausfall der Futtermittelernte des Jahres 1934. Daneben hatten auch die Preise für Textilwaren bis Mitte 1935 angezogen Inzwischen sind die Preise der Textilwaren vereinzelt bereits wieder zurückgegangen. Besonders eingehend befaßt sich die Untersuchung mit dem Einfluß der Preiserhöhungen auf die Lebenshaltungskosten. Während die Steigerung der Rohstoffpreise— außer Bekleidung— dem Verbraucher kaum zum Bewußtsein gekommen ist, hat sich im letzten Jahre die Steigerung der Obstund Gemüsepreise infolge des schlechten Ernteausfalls vorülbergehend unangenehm bemerkbar gemacht. Ebenso ist die Erhöhung der Fleischpreise drückend empfunden worden. Man muß aber hierbei berüeksichtigen, daß Vieh und Fleisch bisher in Deutschland so billig waren, daß die Erzeugung bei längerem Anhalten der niedrigen Preise gefährdet war. Die Preise für Schlachtvich haben erst jetzt wieder den Stand der Jahre 1910 bis 1914 erreicht, während die Preise der meisten übrigen im Inland erzeugten Waren über dem Vorkriegsstand liegen. Bei der Beurteilung der für einzelne Waren eingetretenen Preiserhöhungen wird von den Verbrauchern häufig übersehen, daß die Mehrzahl der wichtigen Lebensbedürfnisse im Preise unverändert geblieben sind. Dies gilt u. a. für Brot. Mühlenerzeugnisse. Teigwaren, Zucker, Milch. Bier. Wohnungsmiete, Gas. Strom. Kohle, Schuhe, Einrichtungsgegenstände, Fahrgeld und die meisten Kulturbedürfnisse. Kartoffeln. Erbsen und Grieß sind sogar billiger als vor einem Jahr. E. B. Die Rohstahlgewinnung des Deutschen Reiches Im Dezember 1935 und in den Jahren 1935 und 1934 Berlin, 23. Jan. Die Wirtschaftsgruppe Eisen schaffende Industrie veröffentlicht in der Zeitschrift„Stahl und Eisen“ das Ergebnis ihrer Erhebungen über die Rohstahlgewinnung im Deutschen Reich im Dezember 1935 sowie für die Jahre 1935 und 1934. Die Rohstahlgewinnung betrug im Dezember 1935(24 Arbeitstage) 1 441 632 To. gegen 1 483 533 To. im Vormonat(25 Arbeitstage).— Arbeitstäglich wurden im Dezember 1935 durchschnittlich 60 068 To. hergestellt gegen 59 341 To. im November 1935. Im Jahre 1935(304 Arbeitstage) wurden— ab März einschließllich Saarland— insgesamt 16 095 653 To., ohne Saarland wurden insgesamt 14 292 655 To. Rohstahl hergeger bei gleicher Zahl der Arbeitstage. Einschließlich Saarland ab März betrug die durchschnittliche arbeitstägliche Gewinnung im Jahre 1935 52 946 To.; ohne Saarland belief sich die durchschnittliche arbeitslägliche Gewinnung im Jahre 1935 auf 47 015 To. gegen 39 099 To. im Vorjahre, d. h. 20% mehr. Neue unverzinsliche Reichsschatzanweisungen Berlin, 23. Jan. Die durch die Flüssigkelt des Geldmarktes bedingte starke Nachfrage nach erstklassigen mittelfristigen Anlagen führte zum Ausverkauf der bisher zur Verfügung gestellten unverzinslichen Reichsschatzanweisungen per 15. November 1937. Intolgedessen wurde die Begebung einer neuen Serie per 15. Dezember 1937 zu einem unveränderten Diskontsatz von 3¾% erforderlich. Die anglo-kontinentalen Eisenverhandlungen Die ursprünglich für den 23. Januar In London vorgeschenen Verhandlungen zwischen der Internationalen Rohstahl-Exportgemeinschaft und der englischen Eisenindustrie, In denen die noch offenen Fragen der kontinentalen Eiseneinfuhr nach England und der Beteiligung der Engländer am Export erörtert werden sollten, sind verschoben worden. Ein Termin für neue Besprechungen wurde noch nicht anberaumt. R.& G. Schmöle Metallwerke AG., Menden(Kr. Iserlohn) Die GV. genehmigte einstimmig und ohne Aussprache den Abschluß 1934/35 und beschloll, wieder 6% Dividende auf 3.0 Mill. RM AK. zu verteilen. Die Siegerländer Rohelsenerzeugung Im Jahre 1935 Siegen, 23. Jan. Die Roheisenerzeugung des Siegerlandes hat auch im Dezember 1935 eine weitere Zunahme erfahren; sie betrug 35 165 To. gegen 34 577 To. im Novemebr. Für das ganze Jahr 1935 beziffert sich die Siegerländer Rohessenerzeugung auf 361 851 To., übertrifft also die Produktion des Jahres 1934 von 314 311 To. um rund 15%. Da ein Siegerländer Unternehmen sein bisher stilliegendes Hochofenwerk wieder instandsetzt, wird in abschbarer Zeit mit einer weiteren Steigerung der Roheisenerzeugung gerechnet. Im Siegerland und Sauerland befinden sich zur Zeit neun Hochofenwerke mit 13 Hochöfen. Güterwagengestellung bei der Deutschen Reichsbahn Berlin, 23. Jan. In der Woche vom 5. bis 11. Ianuar 1936 sind an 5,9 Arbeitstagen bei der Deutschen Reichsbahn 688 473 Güterwagen gestellt worden gegen 561 411 in der Vorwoche an 5 Arbeitstagen und 643 634 in der entsprechenden Vorjahreswoche an 6 Arbeitstagen. Die durchschnittliche arbeitstägliche Wagenstellung betrug 116 690 bzw. 112 282 bzw. 107 272. Nicht rechtzeitig wurden 19(24) Güterwagen gestellt. Schlegel-Scharpenseel-Brauerei AG., Bochum Die Gesellschaft erzielte 1934/35 einen Rohertrag von 5.77(5.35), ferner aus Zinsen 0,06(0,02) und ao. Erträge von 0,04(0.09) Mill. RM. während Beteiligungserträge(i. V. 0.04 Mill. RM) nicht mehr in Erscheinung treten. Demgegenüber beanspruchten die Personalaufwendungen unv. 1.21. Steuern 2.06(1.84) und sonstige Aufwendungen 1,48 (1.32) Mill. RM. Nach etwas ermälligten Abschreibungen auf Anlagen von 0.51(0.56) und anderen Abschreibungen von 0.28(0.26) Mill. RM verbleibt einschl. 44 093(13 228) RM Vortrag ein etwas höherer Reingewinn von 357 421 (305 155) RM, woraus, wie bereits gemeldet, wieder 6 Protent Dividende auf die Stammaktien verteilt, wieder 6 Prozent Gewinnanteile auf die 5000 RM Vorzugsaktien ausgeschüttet und wieder 10000 RM für Wohlfahrtszwecke verwendet werden sollen. Zum Vortrag verbleiben 53 131 (44 093) RM.— Nach dem Bericht hielt die Absatzsteigerung im verflossenen Geschäftsjahr weiter an und lag über dem Reichsdurchschnitt von rund 7 Prozent. Die gesamte Belegschaft konnte z. T. voll beschäftigt werden. In den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres war die Absatzentwicklung zufriedenstellend. so daß die Verwaltung hofft, im laufenden Jahre wenigstens den Absatz des verflossenen Jahres zu erreichen. GV 5. Februar. AUS DER SCHIFFAHRT Abbau der Ausnahmetarife ist nötig Jahreshaupfversammlung der Duisburg-Ruhrorter Schifferbörse Dulsburg, 23. Januar.(Rig. Bericht.) Gestern nachmittag fand in Duisburg-Ruhrort die traditionelle Jahreshaupt versammlung der einzigen Binnenschiffahrtsbörse Deutschlands statt, in der neben der Berichterstattung über das abgelaufene Geschäftsjahr u. a. die Neuberufung des Börsenvorstandes durch den Vorsitzenden der Schifferbörse. Dr. h. c. Welker, der ja auch Präsident der Reichsverkehrsgruppe Binnenschiffahrt ist, erfolgte. Die gut besuchte Börsenversammlung zeigte, daß in den Mitgliederkreisen, die sich aus Verladern. Reedereien, Speditionsunternehmen, Maklern und Einzelschilfern zusammensetzen, an der Entwicklung des Börseniebens starker Anteil genommen wird. Die Entwicklung der Rheinschiffahrt im verflossenen Jahre, die im Jahresbericht geschildert wurde, ist genügend bekannt, so daß hierauf an dieser Stelle nicht besonders eingegangen zu werden braucht. Wesentlich war in den Ausführungen des Geschäftsführers, daß in 1935 ein verstärkter Kohlenabruf etwa im Mai einsetzte und der Rheinschiffahrt einigen Rückhalt gab. Sodann wurden die auch für die Rheinschiffahrt so wichtigen Kanalbauten und Pläne gestreift. Die Tätigkeit der Börse als Schiedsgericht war auch in 1935 sehr rege, wie auch laufend Schiffahrtsgutachten zu erstatten waren. Hinsichtlich der allsemeinen Lage der westdeutschen Schiffahrt wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Spannungen, die sich in der Schiffahrt zwischen den einzelnen Gruppen zeigen, bald überwunden sein würden. Bezüglich der Maklerfrage wurde ausgeführt, daß auch diese wieder stärker in das Geschäft eingereiht werden müßten. Auch die Frage der Spediteure innerhalb der Rheinschiffahrt bedarf noch einer Klärung. worauf in der Versammlung besonders hingewiesen wurde, zumal im abgelaufenen Jahre die freie Schiffahrtsspedition nur 10—20 v. H. ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt war, dagegen die konzerngebundenen Speditionen sehrt gut. Sodann warnte der Vorsitzende des Börsenvorslandes Dr. h. c. Welker vor einer allzu großen Ausdehnung des Ausnahmetarifwesens, das bei genauer Rechnung die Interessenten selbst schädigl. Der Gewinn durch die Ausnahmetarife wird unter Berücksichtigung der fünfprozentigen Tariferhöhung wieder aufgehoben. Die fünfprozentige Frachterhöhung ist letzten Endes eine Folge der übermäßig aufgeblähten Ausnahmetarifpolitik der Reichsbahn. Maßgebende Stellen der Reichsbahn haben sich endgültig von der Ausnahmetarifpolitik abgewandt. Nach Meinung des Redners wäre es richtig, die Ausnahmetarife langsam abzubauen und dem Normallarif anzugleichen. Es würde auch somit der Rheinschiffahrt geholfen.— Anschließend sprach Rheinstrombaudirektor Langen über die Tätigkeit der Rheinstrombauverwaltung auf dem Gebiete der Flußkorrektionen, des Hochwasserschutzes usw. U. a. hat sich die Sohle des Rheines z. B. bei DuisburgRuhrort und in der Mainzer Gegend im Laufe der Jahrzehnte um 1 m gesenkt. schRotterdamer Frachtenmarkt Oberrhein. Der Wasserstand war Mittwoch fallend. Die Nachfrage nach Leerraum blieb bei etwas ge ringerem Angebot von leeren Schiffen mäßlig. Einerseils verfügten die Kontrakt-Reedereien nach wie vor über nennenswerten Eigenraum, während andererseits infolge des Sturmes die Seedampfer aufgehalten wurden. Der Lotsendienst mußte verschiedentlich ab Hloek van Holland nach Rotterdam und nach anderen Häfen des Nieuwen Waterweg eingestellt werden. Bei ruhiger Stimmung und eiwas freundlicherer Tendenz kam bis Börsenschluß eine einheitliche Nolierung nicht zustande. Niederrhein. Der Wassersland war fallend. Die Nachfrage nach Leerraum war bei genügendem Angebot von Schiffen in allen durchschnittlich benötigten Größen mäßig. Auch bei dem Niederrheingeschäft wirkte sich die infolge Sturms verzögerte Zufuhr ungünstig aus, wenn auch nicht in dem Ausmaße wie beim Oberrhein. Die Erzzufuhr war gering; u. a. hatten die I. G. Farbenindustrief Wega eine Ladung Schwefelkies aus Huelva zu löschen, des weiteren Otten en Zoon Lehnkering eine Ladung mit Erz aus La Coruna. Die Stimmung war unverändert. Für Erz nach den Ruhrhäfen wurde 15, 20 Cts. pro Tonne bei 4 bzw. 8 Löschtagen bezahlt, mit 5 Cts. pro Tonne Zuschlag nach dem Rhein-Herne-Kanal. Vollständig einheitlich war die Notierung indessen nicht. Die Getreidezufuhr, u. a. von deutschem Getreide, war verhältnismäßlig gut. r S c h l e p p t a r i f w u r d e b e i g u t e m G e s c h ä f t m i t 35 Cts. für beladene Kähne notiert: alle Boote konnten auch Mittwoch wieder prompt und komplett besetzt abgefertigt werden. J. G. K Main-Rheingau-Frachtenmarkt Das hohe Wasser mit den üblichen Folgen hält bei der trüben und regnerischen Witterung an. Die Verladetätigkeit ist zwar durch Hochwasser nicht mehr behindert, bleibt aber nach wie vor außlerordentlich ruhig. Die Verschiffungen von Baustoffen sind der Jahreszeit entsprechend sehr ruhig. Auch die Ankünfte in Brennstoffen von der Ruhr und aus dem Kölner Bezirk haben etwas abgenommen In der Talfahrt sind von den Verfrachtern so gut wie gar keine Befrachtungsaufträge an den freien Markt gekommen. Die bekannten Großtransporte werden gegenwärtig mit Eigenraum der Reedereien abgefahren. Die Wartezeiten für die Leerschiffe sind wieder recht lang Nur in Ausnahmefällen kann ein Schiff nach Leersein prompt mit einer Rückladung versehen werden. Schiffsraum steht am Oberrhein ausreichend zur Verfügung. Die Nachfrage bleibt aber fortgesetzt gering. In den Frachten ist eine rückläufige Bewegung eingetreten. Solange die hohen Wasserstände anhalten, sind die Aussichten auf eine Besserung der Frachtenlage wenig erfreulich. Der Schleppmarkt war stabil. Die Beschäftigung der Berghoole war eine bessere, hervorgerufen durch die slärkere Beanspruchung infolge der hohen Wasserstände. In der Talfahrt dagegen bestand meist ein Ueberangebot an Schleppkraft. Tal- und Bergschlepplöhne sind unverändert. Behinderte Schiffahrt bei Wesel Wesel, 23. Januar.(Eig. Bericht.) Bekanntlich ist durch den gesunkenen Hanielskahn„Aschaffenburg“ das Fahrwasser sehr beengt, so daß kein reibungsloser Berg- und Talverkehr möglich ist. Hatte man zunächst vorgesehen, zur Erleichterung der Schiffahrt im Talverkehr eine Schlepphootshilfe zu stellen, so hat sich gezeigt, daß die Reedereien zur schnelleren Abwicklung des Verkehrs es allgemein vorziehen, die Talschleppzüge bereits ab RheinRuhr-Häfen mit nur einer Länge fahren zu lassen. Für die Bergfahrt wird das Wasserbauamt den liskalischen Dampfer„Lippe“ notfalls zur Verfügung stellen, um schwachen Booten das schnellere Durchfahren der Weseler Brücke zu ermöglichen. Erklärlicherweise entslehen infolge der engen Durchfahrt an der Weseler Brücke nicht vermeidbare Aufenthalte, die zu Verzögerungen von Schiffen geführt haben, die eilige Ladungen an Bord hatten oder in Ladung gelegt werden sollen. Besonders unangenehm macht sich dies im Rhein-Seeverkehr bemerkbar.— Es sind alle Vorkehrungen getroffen, sofort bei zulässigem Wasserstand mit den Hebearbeiten zu beginnen.-k. Berufung von Professor Dr. Most Prof Dr. Most, der erste Syndikus der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel, ist vom Präsidenten der Internationalen Handelskammer der Vorsitz des ständigen Binnenschiffahrtsausschusses der Internationalen Handelskammer übertragen worden. h Berliner Wertpapiermärkte (Eigener Bericht) Berlin, 23. Jan. Die Donnerslagbörse wickelte sich in verhältnismäßlig bearenstem Hahmen ab, wobei die Tendenz an den Aktienmärkten bereits zu Anfang der Börse einheitlich schwächer war. Dies war auf Glatistellungen des berufsmäßligen Börsenhandels zurückzuführen. für die wiederum die Aussichten für einen Dividendenausfall der Fr. Krupp AG. maßgebend waren. Die Kundschaft der Banken hielt dagegen an dem in der vergangenen Woche erworbenen Besitz fest. Von der schwachen Veranlagung wurden in stärkerem Malle alle Montanaktien betroften. Auch Kaliaktien, u. a. Kali Aschersleben und Westeregeln litten unter starken Rückgängen. Dagegen konnten sich zunächst Elektrizitätspapiere halten und zum Teil, wie z. B. Siemens, erheblich bessern. Auch Bemberg stellten sich zu Beginn um ½ v. H. höher. Aber auch diese Aktien wurden im weiteren Verlauf in die schwache Haltung der übrigen Märkte einbezogen. Die weiteren Notierungen im fortlaufenden Verkehr bewegten sich einschließlich der Schlullfestsetzungen auf absteigender Linie. wobei Montanaktien die Spize in den Tagesverlusten hielten. Der Markt der festverzinslichen Wertpapiere war im Gegensatz zur Entwicklung der Aktien nicht nur gehalten, sondern in bezug auf Reichsanleihen eher belestigt. So bewertete man die 1930er Reichsanleihe(Young) um% und die Anlelhe von 1931 um ½ höher. Reichspostschätze mit Fälligkeit 1939 erreichten wieder die Parigrenze. Länderanleihen blieben ohne wesentliche Veränderungen. Von Provinzen stellten sich 1928er Pommern und 1926er Brandenburger um 1 bzw. 1½ v. H. höher. Stadtanleihen, ebenso wie Anleihen des Gemeindeumschuldungsverbandes bewegten sich auf der Grundlage des Vortages. Etwas nachgebend gingen Schuldbuchforderungen und Wiederaufbauzuschläge aus dem Markt. In Kommunalen Schuldverschreibungen überwog das Angebot. Industrielle Schuldverschreibungen bröckelten leicht ab. mit Ausnahme von 5prozentigen Ver. Stahl. Am Geldmarkt nahm die Beanspruchung für kurzfristige Anlagen an Umfang weiter zu, so daß in Ergänzung der ausverkauften Serie der Reichsschalzanweisungen per 15. 11. 1937 eine neue Serie unverzinslicher Reichsschatzanweisungen mit 3¼ und Fälligkeit am 15. 12. 1937 ausgegeben wurde. Tagesgeld für erste Adressen stellte sich in der Spanne auf 2¼ bis 3 v. H. und darunter. D—3 Man nannte: Deutsche Anl. Ausl.-Sch. einschl. ½ Abl.Schuld 109½; Aku 53%: AEG 35%; I. P. Bemberg 90¼; Julius Berger 118½/; Berl. Maschinen 113¼; Braunkohlen u. Briketts 201; Buderus 95¼; Charl. Wasser 110: Compania Ilispano 179; Conti Gummi 163%; Daimler Benz 96½; Dessauer Gas 120; Disch. Erdöl 108; Elektr. Licht u. Kraft 129 ¾; Engelhardt-Brauerei 82; I. G. Farben 150½; Feldmühle 117; Gesfürel 127; Th. Goldschmidt 109¼; Harpener Bergbau 108½; Hoesch-Köln-Neuessen 86 1/; Klöcknerwerke 82⅝; Kokswerke Chemie 117; Laurahütte 20½; Mannesmann 81; Mansfeld 125½: Msachinenbau 77¾; Orenkoppel 77½: Rheinstahl 109: RWE 126¼; Rütgerswerke 117¼; Salzdetfurth 187½; Schubert u. Salzer 134; Schuckert u. Co. 126¼; Schultheiß-Patzenhofer 97¼; Siemens u. Halske 170: Ver Stahlwerke 77; Zellstoff Waldhof 117; Reichsbank 184½: AG für Verkehrswesen 101½; Hapag 15½; Nordd. Lloyd 16⅛: Otavi Minen 17¼. Tägl. Geld 2¼—3; Privat-Diskont 3; Reichsbank-Diskont 4; Lombard-Diskont 5: Steuerdurchschnitt 108,4; dito 1934 109⅝; Gruppe II 1931 103¼: dito 1935 107¾; dito 1936 110⅞; dito 1937 110½; dito 1938 109.6: Dt. Anl. Ausl. 109½; 5½proz. Int.„Young“ 103⅛; 6proz. Pr. Staatsanl. 1928 107; 6proz. Pr. Landrente 1+2 97.4; Westf. Prov. Ausl. 109¼; 6proz. Aachener RM 29 90¼; 6proz. Düsseld. RM 26 93½: 6proz. Oldenb. Stl. Krd. 25 97¼; dito 27 Ser. 2 97¼; dito 1+3 97¼; 4½proz. dito 90¼; 6proz. dito Kom. 1 95; 6proz. Pr. Ld.-Pfdbr. R 4 97; dito 13+15 97; dito 17+18 97; dito 19 97: dito R 10 97; dito R 21 97; dito R 22 97½; dito Kom R 16 94¾; dito Kom. R 20 94“; dito Kom. R 6 94¾: 6proz Landsch. Ctr. G. 94; 6proz. Westf. Ld. Dollar 2 94; dito Feingold 25 94; dito Feincold 26 93¾: dito Feingold 27 RI 93¼; dito Gold 1+2 91¾; 6proz. Westf. Hausgrund RI 95½: 6proz. Westf. Ldsch. Gold 96; 4proz. Dtsch. Ztr. Bod. Gold Em 4 88; 6proz. Pr. Ztr. Bod. 24 95¼; dito 28 95¼; dito 26/27 95¼; 5½proz. dito 26 Liquid. 101¼; 6proz. dito Kom. 26/28 93⅜; 5½proz. Pr. Ctr. Bod. Liquid. 101¼; Sproz. dito Anteile 10.3: 6proz. Rh.-Westf. Bod. 4, 6. 12 96: dito 16, 1+2 Erw. 96; dito 7. 9. 17 96; dito Kom. 29 S 94: 6proz. Roggenrenten 1—3 95¼. Kohlen-, Koks- und Preßkohlengewinnung Im Ruhrbezirk Aus der folgenden Uebersicht sind die vorläufigen Ergebnisse über Gewinnung und Beslände der Ruhrkohlenzechen an Kohle. Koks und Briketts sowie Arbeitsschichten je Kopf der Arbeiterbelegschaft in der Woche vom 12. 1. bis 18. 1. 1936 und in der Vorwoche ersichtlich. Neben der Gesamtgewinnung sind in Klammern auch die auf einen Arbeitstag entfallenden Mengen angegeben, wobei zu beachten ist, dall in Kokereien auch Sonntags gearbeitet wird In der Woche vom 5. 1. bis 11. 1. 1936, 5.70 Arbeits5.63 Arbeitsschichtes“ je Kopf der Belegschaft, 2 100 157 (368 449) To. Förderung, 473 380(67 626) To. Kokserzeugung 7 130(13002) To. Preßkohlenhersteilung. ##n der Woche vom 12. 1. bis 18. 1. 1936. 6 Arbeitstage, sschichten“ je Kopf der Belegschaft. 2 179 003 (363, 167),To. Förderung. 476 727(68 104) To. Kokserzeugung, 73 851(12 309) To. Prefikohlenherstellung. Bestände der Zechen? Stichtag(Wochenende) am 11. 1. 1936. 1 888 000 To. Kohle, 3 108 000 To. Koks, 7000 To. Preßkohle, 6 094 000 To. insgesamt“ ## tich 2s.(ochen.„je) am 18. 1. 1936, 1 849 000 To. Kohle, 3 080 000 To. Koks, 6000 To. Preßkohle, 6017 000 To. insgesamt“. Der sich gegenüber den Arbeitstagen ergebende Unterschied entspricht den im Durchschnitt des Bezirks auf einen Arbeiter entfallenden Feierschichten wegen Absatzmangels. 2 d. s. n e b e n d e n a u f H a l d e( a u c h Z e c h e n h ä f e n l i e g e n den Mengen noch die In Türmen oder auf dem Löschplatz bzw. die bereits in Eisenbahnwagen oder Kähnen befindlichen, aber noch nicht versandten Brennstoffe. s und Briketts auf Kohle umgerechnet; außerdem r.m„(46000 To. Brennstoffe des Ruhrbezirks, die sich in Syndikatslägern befinden, hinzuzurechnen. Dulsburg-Ruhrorter Schifferbörse Dulsburg-Ruhrort, 23. Jan. In der Befrachtungslage an der Ruhrorter Börse hat sich für die Bergfahrt nicht viel geändert. Es wurde in dieser Richtung vereinzelt ab Kanal gechartert. Nach Rotterdam war heute mittelmäßige Annahme mit Kanalvorlage und unveränderten Frachten Bergfrachten ab Rhein- und Ruhrhäfen fallen aus, ab Rhein-Herne-Kanal nach Mainz-Gustarsburg 1.30, nach Mainplätzen bei Frankfurt 1.45, nach Hanau 1.50, nach Aschaffenburg 1.55, nach Mannheim 1.30, nach Karlsruhe 1.50, nach Lauterburg 1.55 und nach Straßburg 1.80 RM bei ganzer Lade- und Löschzeit. Talfrachten ab Rhein-Zechen-Häfen nach Rotterdam 0.95 RM. ab Rhein- und Ruhrhäfen nach Rotterdam 1.—, nach Antwerpen-Gent 1.30, nach Brüssel 1,50 und nach Lüttich -.10, ab Rhein-Herne-Kanal nach Rotterdam 1.20, nach Antwerpen-Gent 1.50, nach Brüssel 1,70 und nach Lüttich 2.30 RM einschließlich Schleppen. Schlepplöhne nach St. Goar nicht notiert, nach Mainzan####urs 0.70 bis 0.80 und nach Mannheim 0.80 bis Temperatur +2 +2 +2 —1 +3 +3 +2 +1 +-3 +3 +2 +2 +2 (Unterwasser) Weserwasserstände Bremen, 23. Jan. Hann.-Minden: 2.54+14; Hameln: 2.68 +17; Karlshafen: 3.30+21; Minden: 3.02—17. Oderwasserstände Stettin, 23. Jan. Normalwasserstand 0.63, Pegelbaum brücke 0.47. Elbewasserstände Hamburg, 23. Jan. Dresden+1,76; Wittenberg+2,98; Magdeburg+1,90; Tangermünde+2,97. 30—49 Pld. 35: 50—79 Pfd. 46, mehr 43, besch. 40. 30—49 Pfd. 45; 50—79 Pfd. 43. Zentral-Häuteauktion In Essen Essen. 23. Januar. Zu der am 23. Januar 1936 in Essen stattgefundenen Zentral-Häuteauktion wurden angeboten: 29 071 Kalbfelle, 404 leichte Häute, 1863 Schaffelle, 381 Rollhäute und 27172 Großlvichhäute.— Sämtliche Häute und Felle wurden zu den neu festgesetzten Höchstpreisen den Interessenten zugeteilt. Preise: Kalbfelle: mit Kopf bis 9 Pfd. 39—41, besch. 36—38, bis 15 Pfd. 39—41, besch. 36—38; bis 20 Pld. 37, besch. 34; ungeboren 31; Schuß 32.— Ohne Kopf: bis 9 Pid. 49—52, besch. 46—48; bis 15 Pfd. 49—62, besch. 46—48; bis 20 Pfd. 45½-48½, besch. 42½—44½ Fresserielle: mit Kopf bis 18 Pfd. 20, besch 27½.— Ohne Kopf: 32½, besch. 30. Schaffelle: Vollwollige 39—41%, Halbwollig 40 bis 41¼, Kurzwollig 35½. Blöllen 20%, Lammfelle 35, Schußl-Wolle und Halbwolle 23. Rolhäute: 200—219 cm 7,95 RM: 220 cm u. m. 10.60 RM; Schuß 7 RM. Großviehhäute Klasse 1 mit Kopf: Kuhhäute: 30—49 Pfd. 38½, besch. 35½; 50—79 Pfd. 40—41½, besch. 37—38½; 80 Pfd. und mehr 42, besch. 39. Ochsenhäute: besch. 43: 80 Pfd. und Rinderhäute: besch. 40. Bullenhäute: 30—49 Pld. 35; 50—79 Pfd. 34½, besch. 31½; 80 Pfd. und mehr 33½, besch. 31; Schuflhäute 30 Pfd. und mehr 30½.— Ohne Konf: Kuhhäute: 30 bis 49 Pfd. 42, besch. 39; 50—79 Pfd. 44—45½, besch. 40½ bis 42: 80 Pfd. und mehr 46, besch. 42½. Ochsenhäute: 30—49 Pfd. 38; 50—79 Pfd. 50, besch. 46½; 80 Pfd. und mehr 47, besch. 43½. Rinderhäute: 30—49 Pfd. 49, besch. 45½; 50—79 Pld. 47. Bullenhäute: 30—49 Pfd. 38; 50—79 Pfd. 37½; besch. 34½; 80 Pfd. und mehr 36½, besch. 33½. Großvichhäufe Klasse II mit Kopf: Kuhhäute: 30—19 Pfd. 26½-28½, besch. 24½—26 ½; 50—79 Pfd. 35½—37, besch. 32½—34½; 80 Pfd. und mehr 31½—32½, besch. 28 ½—30½. Ochsenhäute: 30—49 Pfd. 28½—30, besch. 26 1/—28; 50—79 Pfd. 35½—37, besch. 32½—X34½; 80 Pfd. und mehr 36, besch. 33½. Rinderh äute: 30—49 Pfd. 33—35, besch. 31—32½; 50—79 Pld. 32½—34, besch. 29½—31½. Bullenhäute: 30—49 Pfd. 25½-27, besch. 22½—25; 50—79 Pfd. 26½-28, besch. 24½—26; 80 Pfd. und mehr 25, besch. 23; Schußlhäute 30—49 Pfd. 21; 50—79 Pfd. 23. Großviehhäute Klasse II ohne Kopf: Kuhhäute: 3— Pfd. 30—31½, besch. 27½—29; 50—79 Pfd. 34—35½, besch. 31½—33. Ochsenhäute: 30—49 Pfd. 31½—33½, besch. 29—31; 50—79 Pfd. 39½—41, besch. 36½—38; 80 Pfd. und mehr 40, besch. 37. Rinderhäute: 30—49 Pfd. 37½—39, besch. 34½ bis 36: 50—79 Pfd. 36½—38, besch. 33½—35. Bullenhäute: 30—49 Pfd. 28½—30, besch. 26½ bis 28: 50—79 Pfd. 29½—31, besch. 27½—29; 80 Pfd. und mehr 28, besch. 26; Schußhäute 30—49 Pfd. 23½; 50—79 Pfd. 25 ½/. Warenmärkte Hamburger Warenmarkt Hamburg, 23. Jan. Reis: Aus Burma werden weitere Preissteigerungen gemeldet, die mit den geringen Ankünften aus dem Innern zusammenhängen. Auch Siam und Saigon etwas fester. Am hiesigen Platze hielt das lebhafte Abzugsgeschäft nach dem Inlande an. Preise unverändert. Baumwolle: Ruhig. Superfine 4,40, Fine Oomra 5.60 Pence per lbs. Kaffee: Die Offerten der brasilianischen Ablader blieben unverändert. Auch in den Angeboten von Zentralamerika ist keine Aenderung eingetreten. Am Lokomarkt entwickelte sich auf letzter Preisbasis gutes Abzugsgeschäft nach dem Inlande. Die Kaffeezufuhren nach Hamburg sind weiter recht umfangreich. In der Zeit vom 1. bis einschließllich 22. Januar betrugen die Kalfeeankünfte in Hamburg insgesamt 211 278 Sack. Die Verzollungen von Kaffee in Deutschland werden für den Monat Dezember 1935 mit 127 914 Dz.— 213 190 Sack angegeben gegen 128 991 Dz.= 214 985 Sack im November 1935 und gegen 139917 Dz.= 233 195 Sack im Dezember 1934. Im Jahre 1935 stelllen sich die Verzollungen auf 1 475 866 Dz.= 2 459 777 Sack gegen 1 507 251 Dz.— 2 512 085 Sack im Jahre 1934. Preise unverändert. Schmalz: Stetig. Amerik. Steamlard 28½ Dollar, Purelard 29—29¼ Dollar per 100 kg. Dänisches Schmalz: Blasen, Blöcke, Tierces 162 Kronen nom, Fettwaren: unverändert. Hülsenfrüchte: Lokomarkt ruhig bei unveränderten Preisen. Auch im Abladungsgeschäft blieb es still. Von Chile lagen keinerlei Angebote vor. Preise unverändert. Rauhfutter: Stetig bei unveränderten Preisen. Zucker: Der Effektivmarkt war durch stetige Haltung gekennzeichnet. Die Umsätze gingen über das gewohnte Ausmaß nicht hinaus, Preise unverändert. Terminmarkt ruhig, abwartend. Magdeburger Zucker-Notierungen Magdeburg. 23. Jan. Gemahl. Mehlis Jan. 31,52½ 31.62½: Rohzucker— Melasse Febr. 3.06. Tendenz: ruhig — Notierungen in RM für 50 kg Weillzucker(einschl. RM 0.50 für Sack und RM 10.50 Verbrauchssteuer) brutto für netto ab Fabrik-Verladestelle Magdeburg und Umgebung. bei Mengen von mindestens 200 Zentnern. Rheinisch-Westfälische Börse zu Düsseldort Düsseldorf, 23. Jan. Bei geringem Geschäft eröffnete die Börse überwiegend schwächer. Glattstellungen der Kulisse, die auf Gerüchte über einen dividendenlosen Abschluß bei Krupp zurückzuführen sind, führten zu weiteren Kursabbröckelungen. Der Kassamarkt war ebenfalls überwiegend leichter. Im weiteren Verlauf blieb das Geschäft still. Gegen Schluß konnten sich einige Werte leicht erholen, im übrigen waren die Kurse nur knapp gehalten. Festverzinsliche Werte: Duisburg 1926 Duisburg 1925 Essen 1926, Ag. 19 Oberhausen 1927 Rheinprov. Ldsbk. G. Pfdbr. 3 dto. Kom. A. 4 Dt. Kom. Sammelabl. Anl. R. 2 dto. ohne Auslosung Rh. Westf. Bod. Cr. G. Hyp. R. 1 dto. R. 11 dto. Kom. 1926 R. 4-6 Westd. Bod. Cr. G. 24-26 dto. Kom. Em 4. 8. Dt. Schiffskr. G. Pfdbr. R. 6 Aktien: Bösperde Walz Bonner Bergw. u. Hüttenverein Braunkohle Zurunft Dahlbusch dto. Vorz. Dorstener Eiseng. Gerresheim Glas Hallesche Salz Köln Gummiläden Königsbrauerei Duisbu-g Rheinische Energie Schlegel Scharpens. Ver. Rumpuswerke Waggon Verdingen Dortmunder Aktienbrauerei Dortmunder Ritterbrauerei Dortmunder Unionbrauerel Telegraphische Auszahlung am 23. Januar 1936 Magdeburger Zuckertern.in Votterungen Magdeburg, 23. Jan.(Erste Ziller Brief, zweite Geld.) Jan.-Febr. 4.05, 3.90: März 4.10, 3.95; April-Mai 4,10, 4.00: Aug. 4.35, 4.30. Tendenz: ruhig.— Notierungen in RM für 50 ka Weilzucker netto, einschl. Sack, frei Seeschiffseite Hamburg. Getreidemärkte Großmarkt für Getreide- und Futtermittel e. V. Dortmund, 23. Januar 1936 (Braeugerpreise für die Pestpreisgebiete der Provins Westfalen) Weizen, 76-77 kg: W XVIII 208.—; dto. W XVI 206.— dto. W XIII 203.—; dto. W XII 202.—; dto. W IX 199 RM. Roggen, 71-73 kg: R XVIII 173.—; dto. R XVI 171.— dio. R XV 169.—; dio. R XIII 167.—; dto. R XI 165.— RM. Hafer, 48-49 kg: H XIX 171.—; dto. H XVIII 170.—; dio. I XVI 168.—; dto. H XV 167.—; dto. H XIV 166.—; die. H XIII 164.— RM. Futtergerste, 61-62 kg: G XIV 180.—: dio. G XIII 178.—: dto. G XII 177.—; dto. G XI 175.—: dio. G X 174.— RM. Handelspreise Frachtlage Dortmund. Weizen mit Kontingentsmarken Mühlenfestpreis 212.— RM: Rogsen mit Kontingentsmarken Mühlenfestpreis 175.— RM; westfälischer Futterhafer nicht angeboten; westfälische Futtergerste nicht angeboten. Mehl (Grundpreise für Weizen- und Roggenmehl, Weizen- und Roggenkleie. Die Zuschläge bzw. Handelsspannen errechnen sich nach den gesetzlichen Bestimmungen.) Weizenmehl, Type 790: W XVIII 28.15; dto. W XVI 28.15; dto. W XIII 27,65; dto. W XII 27,65; dto. W IX 27,65 RM. Roggenmehl. Type 997, 1. 11. 1935 bis 15. S 1936: R XVIII 23.15; dio. R XVI 23.—; dto. R XV 22.95; dto. R XIII 22.75; dto. R XI 22.55 RM. Weizenkleie, bis 15. 8. 1936: W XVIII 12.05; dto. W XVI 11.95; dto. W XIII 11.75; dto. W XII 11.70; dto. W IX 11.55 RM. Roggenkleie, bis 15. 7. 1936: R XVIII 10.80; dto. R XVI 10.70; dto. R XV 10.55; dto. R XIII 10,45; dto. R XI 10.30 RM. Hamburger Cif-Notierungen für Getreide, Kleie und Saaten Hamburg, 23. Jan. Weizen: Manitoba I hard Febr. 5.90; Manitoba 1 Febr. 5.75: Rosafé 79 kg Jan.-Febr. 5.65; Barusse 80 kg Jan.-Febr. 5.55. Cerste: Plata 64-65 kg Jan.-Febr. 3.15; 67-68 kg Jan.-Febr. 3.25. Roggen: Le Plata 72-73 kg Jan. 3.25. Mais: La Plala schw. 2.67½—2.72½; Jan. 2.67½; Febr. 2.70: März 2.72½; neue Ernte April-Mai 2.80. Hafer: Plata Unclipped 46-47 kg Jan. 3.60; Plata clipped 51-52 kg Jan.-Febr. 3.75. Weizenkleie: Pollards schw. 87/6; Jan. 87/6; Bran schw. 77/6; Jan. 77/6, Leinsaal: La Plata 96% Jan. 34 0„7.8%; Rixinussagt Dez. 13/10/0; Bombay Leinsaat 1008 Dez. 18/10/0; Rapssaat Toria Dez. 13/00. Viehmärkte Frankfurter Viehmarkt Frankfurt, 23. Jan. Auftrieb: 19 Stück Großlvich: 80 Kalber: 108 Schafe; 497 Schweine. Bezahlt wurden für 50 kg Lebendgewicht in RM: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 57—68; mittlere Mast- und Saugkälber 46—56; geringe Saugkälber 36—45; geringe Kälber 24—32.— Schafe: Weidemasthammel 50—51; mittlere Mastlämmer und Allere Masthammel 48—19; geringere Lämmer und Ilammel 45—47. — Schweine: Felte Speckschweine über 300 Pfd. Lebendgewicht 57; vollfleischige Schweine über 300 Pfd. Lebendgewicht 57; vollfleischige Schweine von ca. 240—300 Pid. Lebendgewicht 55; vollfleischige Schweine von ca. 200 240 Pfd. Lebendgewicht 53; vollfleischige Schweine von ca. 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 51; fette Specksauen und andere Sauen 57.— Marktverlauf: Kälber ruhig, ausverkauft; Schafe rege. geräumt; Schweine zugeteilt; Rinder ruhig. Berliner Getreidenroßmarkt (Eigener Bericht) Berlin, 23. Jan. Die Marktlage war auch heute wieder ruhig. In Weizen stellte die Landwirtschaft nur wenig Material zum Verkauf, der Großlhandel war Abseber. Weizen wurde vor allem von den Berliner Großmühlen in guten Qualitäten gesucht. Rogsen war auch weilerhin in der Provinz leichter als am Berliner Platz abzusetzen. Mehl hatte laufendes Bedarfsgeschäft. Futterhafer gelangte nicht zum Angebot, während Futtergerste leicht nach den Mästergehieten abgesetzt werden konnte. Industrie- und Braugersten lagen sehr ruhig. Falls Käufer Im Markt waren, wollten sie die geforderten Preise nicht bewilligen. Futtermittel lagen etwas stetiger. Kartoffelflocken waren leicht abzusetzen. Kleien, die nicht zum Angebot gelangten waren dringend begehrt. Getrocknete Biertreber und Malzkeime wurden verschiedentlich zu unveränderten Preisen aufgenommen. 5 23. 1. 22. 1 Weizen frei Berlin Roggen frei Berlin Braugerste gute frei Berlin Wintergerste. zweizeilig frei Berlin Wintergerste, vierzeilig frei Berlin lafer ab Station Weizenmehl PreisgebietV Roggenmehl PreisgebietV Weizenkleie Roggenkleie Viktoriaerbsen Kleine Speiseerbsen Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken, deutsche Lupinen, blaue Lupinen, gelbe Seradella, neue Leinkuchen Basis 87% Erdnufik. Bas. 50% ab Hbg Erdnußlkuchenmehl deutsche Mahlung Trockenschnitzel Sojabohnenschrot 46% ab Hamburg Sojabohnenschrot 46% ab Stettin Kartoffelflocken, waggonfrei Stolp Kartoffelflocken, Parität Berlin Berliner Metallmarkt (Eigener Bericht) Berlin, 23. Jan. Am Berliner Metallmarkt werden für den morgigen Freitag neue Kurspreisfestsetzungen erwarlet. Unverändert notierte Elektrolyikupfer, während Feinsilber eine Erhöhung des Preises um 0.25 RM erfuhr. Neue Notiz: 37.25—40,25 RM.— Am Terminmarkt war die Lage ais still zu bezeichnen.— Am Internationalen Metallmarkt war der Kurseinbruch am Londoner Zinnmarkt das Hauptereignis des heutigen Tages. Dabei hat sich nun auch der Kassakurs der 200-Pfund-Grenze genähert. DreiMonats-Zinn zeigte mehr Widerstand. Nach dem gestrigen nursse,„on war Kupfer gut behauplet Zink notierte — Del-Notiz Elektrolvtkupfer(wireb.) prompt cif Hamburg. Bremen oder Rotterdam Berliner Metalle Orig. Iütten-Aluminium 98—99 0 in Blöcken, Walz- od. Drahtbarr Orig. Hütten-Aluminium In Walz- od. Drahtbarren Reinnickel 98—99% Antimon Regulus Silber in Barren ca. 900 f. kg.. Gold Freiverkehr per 10 g Platin Freiverkehr 1 g Preise für 100 kg Vorige Hentige 49¾ 144 146 209 37¼—40¼ 49¾ 144 148 269 37—40 Amtl. Preisfestsetzung für Kupfer, Blei und Zink (Reichsmark per 100 kg) Januar Februar März April Mai Juni„ A Freitag, den 24. Januar Westsälische Landeszeitung Rote Erde Weltparade unter der olympischen Flagge Soldaten im weissen Olympia Neue Weltspiele im Schilauf Die Jugend der Welt in Garmisch-Partenkirchen Wir wollen nun unseren Streifzug durch die aufmarschierten Fronten der Olympischen Winterspiele beenden. Wir müssen es tun, die Zeit drängt, in den nächsten Tagen beginnen die letzten Vorbereitungen in Garmisch=Partenkirchen; es wird Zeit, daß wir uns nun an Ort und Stelle begeben. Wir sprachen von dem großen Tanzfest auf dem blinkenden Eise, von der wilden Jagd um das Zehntel der Sekunde, von der Vorherrschaft Kanadas im Eishockey, von den deutschen Aussichten im Bobfahren und schließlich ließen wir an unseren Augen die blaue Legion der Schiläufer vorüberziehen, jene Elitetruppe einer ganzen Welt. Wir teilten die Schiwettbewerbe der Olympischen Winterspiele in zwei Gruppen, heute wenden wir uns nun dem Staffellauf, der Kombination Abfahrt und Slalom und dem Militärpatrouillenlauf zu. Dann hat sich der Ring unserer Betrachtungen geschlossen. Ohne viel Zahlenballast, ohne die erdrückende Wust der Namen. Wir haben absichtlich nur die große Linie gestreift, es soll uns niemand den Vorwurf der Ungenauigkeit machen. Wir wollten in großen Zügen vermitteln, nun weiß der Leser, um was es geht. Wir kennen das Programm und die Hauptdarsteller. Der Olympische Film kann beginnen. Die Domäne der Alpinen? Sportverbände werden mitunter von konservativen Herren geleitet; internationale Sportverbände meine ich. Der Internationale Schi=Verband bildet eine Ausnahme. Er gab dem Drängen der alpinen Jugend nach, der Slalomlauf wurde offiziell anerkannt und in das olympische Programm aufgenommen. Im vorigen Jahre fanden die FIS=Rennen, die nach den Olympischen Winterspielen wichtigsten und bedeutendsten internationalen Schiwettkämpfe, in Mürren in der Schweiz statt. FIS=Rennen sind inoffizielle Weltmeisterschaften. Das Ergebnis der Kombination im Abfahrts= und Slalomlauf ergab eine große Ueberraschung: auch die Skandinavier, die lange Zeit nicht für den alpinen Schilauf zu haben waren, zeigten dabei Vorzügliches. Dritter wurde Birger Rund. Von da an sprach man nicht mehr von einer Domäne der Alpinen. Wie steht es nun in Garmisch=Partenkirchen? Wir haben hervorragende Aussichten; bei den Frauen und bei den Männern. Aber die Norweger rücken mit einem verdächtig starken Aufgebot an: die Birger und Sigmund Rund, Meister auch auf diesem Gebiet, Sverre Kolterud, Sverre Urdahl=Larssen, Christiansen und Per Fossum. Unsere stolzen Hoffnungen ruhen auf den Brüdern Pfnür, Rudolf Cranz, ein Bruder von Christl Cranz, Dr. Vetter, Wörndle, Kempfer, Xaver Kraisy und Gustav Lantschner. Aber gerade hier muß man auf die anderen Nationen achten. Auf, Italien, Oesterreich, auch auf die Schweiz und auf Frankreich! Nun, wir werden es erleben. Christl und Signore Paula Unsere tapferen Abfahrtsläuferinnen sind bekannt. Die Namen der Christl Cranz, Käte Grasegger, Lisa Resch, Hadi Pfeifer, Rosl Ackermann und Ruth Gründler haben Weltruf. Sie sind Sonderklasse, alle miteinander und auch prachtvolle Schimädels. Aber auch sie müssen um ihren Sieg bangen. Ohne Sorgen keine Freude, das ist eine Olympische Parole. Wir bangen mit ihnen, denn die Italienerinnen, mit Signora Paula Wiesinger, die Königin der Marmolota, an der Spitze, die Schweizerinnen mit Anni Ruegg und die Oesterreicherinnen sind erstes Kaliber. Die Meldeergebnisse sind bei den Frauen und Männern großartig. Imponierend, sie bestätigen, welche Notwendigkeit die Aufnahme dieser vor allem auch für die Zuschauer unerhört fesselnden Konkurrenzen entsprangen. Bei den Männern starten etwa 80 Teilnehmer aus 22 Nationen. Bei den Frauen sind es ebensoviel aus 16 Nationen. Sogar Spanien und Holland sind dabei. Die Holländerin Baronin Schimmelpennink hat sogar gute Platzaussichten. Das wird eine wilde und verwegene Jagd, die steilen Hänge hinab und durch die abgesteckten Tore. Meister Räther aus Erfurt hat die Strecken abgesteckt. Er trägt sie noch als ein sorgsam gehütetes Geheimnis in seiner Brust, aber soviel steht fest, daß die Abfahrtsstrecke am Kreuzeck beginnt und am Kreuzjoch endet. Und daß der Slalom am Gudiberg oder am Hausberg stattfindet. Ja, da wollen wir alle zusammen fest den Daumen drücken, damit Christl gewinnt und Frau Pfnür. Das würde dann ein Mordsgaudi geben. Und zwei goldene Medaillen! Einbruch in die Nordfront Ein Titanenkampf wird der 4X10=Kilo= meter=Staffellauf. Sechzehn Nationen haben gemeldet: Oesterreich, Bulgarien, Kanada, die Tschechoslowakei, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Jugoslawien, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweden, Türkei und Amerika. Bleibt auch hier der Norden unter sich? Offenbar, da sind beispielsweise die Norweger mit Brodahl, Hofbakken, Iversen, Hagen und mit Arne Rudstadstuen in der Reserve. Nicht zu schlagen, scheint es. Eine Bombenmannchaft. Eine Mannschaft der Weltkanonen. Oder die Finnen mit Nurmela, Jalkanen, Lähde und Karpinnen. Und die Schweden, die sich etwas geschworen haben für die Staffel. Mit Englund, wenn sie ihn nicht für die 50 Kilometer aufsparen, mit Matsbo, Häggblad und Lars Back. Das gibt einen mörderischen Kampf. Aber da steht noch Deutschland mit Zeller, Bogner, Motz und Däuber bereit und, ja nicht zu vergessen, die Italiener mit Demetz, Nasi, Kasebacher und Gerardi. Das sind die fünf Nationen, die wohl das Ende unter sich ausmachen. Und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, daß Deutschland, das sich 1935 in Mürren bei den FIS=Rennen schon so großartig schlug und hinter den Skandinaviern einen ehrenvollen vierten Platz belegte, hier in die nordische Front einbricht. Was ein Bombenerfolg wäre. Das ist es: man kann die kommenden Tage beleuchten, wie man will. Am Ende kommt man auf die Frage des Anfangs zu sprechen. Behaupten sich die Skandinavier, die Norweger, die Schweden und die Finnen? Und wenn ja, wie weit haben die Schweden und Finnen den Abstand zu Norwegen überbrückt? Oder sind sie gar von anderen Nationen übersprungen worden? Was können die„kommenden“ Nationen? Deutschland, Italien, Japan? Und die Bollwerke des Festlandes: Schweiz und Oesterreich? Die ganzen Olympischen Winterspiele sind ein Rätselbuch. Je Gewehr fünf Schuß Bliebe uns noch der Militärpatrouillenlauf. Das reizvollste Schauspiel der Winterspiele. Er führt über 25 Kilometer, jede Nation kann eine Mannschaft, bestehend aus einem Offizier, einem Unteroffizier uno zwei Mann, melden. In der zweiten Laufhälfte wird eine Scharfschießübung geschossen: drei Luftballone in etwa 150 Meter Entfernung mit beliebigem Der olumpia-Zi In dem gemeinsamen Aufruf des Reichsministers des Innern, Dr. Frick, des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, und des Reichssportführers wird das Jahr 1936 als das Jahr der olympischen Schulung bezeichnet. Der beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gebildete Propagandaausschuß für die Olympischen Spiele 1936 und der Reichssportführer haben gemeinschaftlich die Aufgabe übernommen, den olympischen Gedanken im deutschen Volke zum Gemeingut zu machen. Die olympische Idee erstrebt den Menschentyp, der in harmonischer Ausbildung seiner körperlichen und geistigen Anlagen und Kräfte die höchste Veredelung seiner Rasse darstellt. Es gehört zu den nationalsozialistischen Grundsätzen, daß der neue deutsche Mensch die Schulung des Leibes, der Seele und des Geistes in gleicher Weise betreibt. In diesem Sinne wird der olympische Gedanke zu einer nationalsozialistischen Kulturforderung, die das ganze deutsche Volk angeht und jedem Volksgenossen die Verpflichtung zur Mitarbeit auferlegt. Jeder Volksgenosse soll sich ein Bild darüber machen, welche Bedeutung die Olympischen Spiele 1936 in sportlicher, aber auch in politischer und volkswirtschaftlicher Beziehung für das gesamte deutsche Volk haben. In geschlossenem Einsatz stellen sich alle Gliederungen des deutschen Volkes in den Dienst dieser Aufgabe. In diesem Sinne begrüßen und empfangen wir den Olympia=Zug auf seiner 10000 Kilometer Anschlag und je Gewehr fünf Schuß. Dabei muß die Patrouille zum Schießen geschlossen eintreffen und der Führer der Patrouille darf nicht mitschießen. Feine Sache, aber verflixt schwer. Jeder Teilnehmer darf nämlich nur einen Ballon beschießen. Militärisch ausgedrückt heißt das: die Schützen schießen einer nach dem anderen, vom rechten Flügel beginnend. Daß heißt Nummer 1 schießt den ersten Ballon ab oder fünf Schuß fehl. Dann schießt Nummer 2 den zweiten Ballon ab oder fünf Schuß fehl. Dann schießt Nummer 3 den dritten Ballon oder fünf Schuß fehl. Für jeden nicht abgeschossenen Ballon wird eine Strafzeit von drei Minuten dazugerechnet. Feine Sache, aber verflixt schwer. Ein herrliches Schauspiel für alle. Zehn Nationen nehmen daran teil: Oesterreich, die Tschechoslowakei, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, die Schweiz, Schweden und Ungarn. Im Jahre 1932 fiel der Wettbewerb wegen mangelnder Meldungen aus. 1928 siegte in St. Moritz Norwegen vor Finnland und der Schweiz, Deutschland wurde Fünfter. Unsere Aussichten sind wesentlich besser geworden. Führer der deutschen Patrouille ist Leutnant Leupold, Herbert Leupold aus Breslau, der deutsche Meister im 50=Kilometer= Langlauf, der Löwe aus Schlesien, der jetzt bei den Kemptner Jägern dient. Am 6. Februar beginnen die Olympischen Winterspiele. Die Tage bis zu diesem Tag werden im Fluge vergehen. Für die Aktiven, die fieberhaft rüsten und für die Berichterstatter aus allen Teilen der Welt, aus 28 Nationen. Hans Saalbach. Westdeutsche Schimeisterschaft verlegt Da die Schneeverhältnisse in Winterberg am Donnerstagvormittag immer noch nicht die Gewähr für eine einwandfreie Durchführung der Westdeutschen Schimeisterschaft gaben, wird wohl mit der Verlegung der Kämpfe zu rechnen sein. Am Freitag kann jedenfalls noch nicht begonnen werden. Ob einige Konkurrenzen Samstag und Sonntag oder auch nur am Sonntag zum Austrag kommen können, wird von der weiteren Entwicklung der Witterungsund Schneeverhältnisse abhängen. Die Sportleitung hat es sich zunächst noch vorbehalten, die endgültige Entscheidung Freitagvormittag zu treffen, da die unsichere Wetterlage leider eine so kurzfristige Entschließung notwendig macht. Unsere Voraussagen Heute in Rizza 1. R.: Kousor— Tatiana 2. R.: Marie Bell— San Juan 8. R. Marigny— Maubourguet 4. R.: Ad Alta— Cog Palois 5. R.: Escalais— Katherine of Aragon. in Westtalen Werbefahrt durch Deutschland in Westfalen. Er führt eine mit allen technischen Mitteln der Neuzeit ausgestattete Wanderschau mit, die in der Geschichte der modernen Olympischen Spiele nicht ihresgleichen hat. Diese Olympia=Ausstellung, vom PropagandaAusschuß für die Olympischen Spiele geschaffen und im Frühjahr 1935 erstmalig in Berlin gezeigt, wird bis zum August 1936 in einer Reihe der größten deutschen Städte den Besuchern ein umfassendes Bild von den Olympischen Spielen in Altertum und Gegenwart geben. Ungezählten Tausenden wird erst durch den Besuch der Ausstellung der tiefere Sinn der kommenden Weltspiele erschlossen. Der Olympia=Zug wird vom 23. bis 24. Januar in Bielefeld, vom 31. Januar bis 1. Februar in Münster, vom 6. bis 7. Februar in Hamm und vom 10. bis 13. Februar in Dortmund stationiert. Wenn sich die Ausstellung eines bisher kaum zu bewältigenden Besuches erfreute, hoffen und erwarten wir, daß sie auch in Westfalen die Aufmerksamkeit und den Zuspruch findet, der ihr gebührt. Landesstellenleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Popaganda Westfalen=Süd: gez. Brust. Landesstellenleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Popaganda Westfalen=Nord: gez. Schmidt. Der Beauftragte des Reichssportführers * f ü r d e n G a u I X W e s t f a l e n= L i p p e: gez. Schäfer. Westfalens Boxer für das Winterhilfswerk Große Kämpfe heute in Recklinghausen zu erwarten Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg beglückwünscht deutsche Militärpatrouillen-Läufer zu ihren großen Leistungen Aufnahme: Schirner Ueberall regen sich im Winterhalbjahr fleißige Hände im Kampf für Volksgenossen in Not. Auch der Sport fehlt nicht. Alle Fachämter im Reichsbund für Leibesübungen stellen sich in den Dienst der guten Idee. Im Lager der Amateurboxer richtet nun der Gau Westfalen am heutigen Freitag im Saalbau in Recklinghausen eine besonders zugkräftige Veranstaltung aus, deren Reinertrag dem WHW zugeführt werden wird. Hier kommen die starken Bezirke Münster und Industrie mit vielen tüchtigen Leuten zusammen und es ist jetzt schon sicher, daß der Kampfabend in jeder Hinsicht ein voller Erfolg werden wird. Für den Kampf wurden nun folgende endgültige Paarungen vom Fliegen= bis zum Schwergewicht angesetzt: Münster Industrie Strangfeld=Herten gegen Manzyk=Bochum Kaiser=Gladbeck gegen Schmitz=Barop Burger=Münster gegen Piotrowski=Linden Nöcker=Recklinghausen gegen Jakubowski=Bochum Andreiczak=Recklingh. gegen Pries=Wanne=Eickel Radomsti=Schalke gegen Stratmann=Sodingen Gloddeck=Buer gegen Richter=Herne Schnarre=Recklinghaus. gegen Babski=Castrop=Rauxel Solche Kämpfe sprechen für sich selbst. Sie können in der Qualität nicht mehr überboten werden. Beide Staffeln sind äußerst stark und es wird für jede von ihnen schwer halten, in der Gesamtwertung zu siegen. Besonders viel verspricht der Kampf des Schalker Weltergewichtlers Radomski gegen den starken Stratmann=Sodingen im Mittelgewicht. Aber auch die übrigen Kämpfe werden sehr wertvoll sein. Kilian=Vopel Sieger in Milwaukee Die beiden Dortmunder Sechstagefahrer KilianVopel gewannen abermals ein Sechstagerennen, und zwar diesmal das von Milwaukee. Sie legten insgesamt 4046,635 Kilometer zurück und erreichten eine Punktzahl von 4430 vor Walthour=Croßley mit 4025 Punkten und Peden=Audy mit 2870 Punkten. Nach der Nach!„Die Stunde“ Der große Renntag der Westfalenhalle am 2. Februar Die radsportliche Saison der Dortmunder Westfalenhalle nähert sich einem neuen Höhepunkt: Am 2. Februar wird hier ein großer Renntag mit Amateuren und Berufsfahrern abgewickelt. Das Rennen „Die Stunde“ bringt vier der besten europäischen Steher an den Start. Diese„Stunde“ hinter Motoren weicht ab von der Gepflogenheit, die Steherrennen in mehrere Läufe zu teilen. Dadurch erhält die Prüfung natürlich eine ungleich stärkere Geschlossenheit und stellt die Fahrer vor ganz andere und wesentlich schwerere Aufgaben als es sonst üblich ist. Um das kämpferische Moment des Rennens noch mehr in den Vordergrund zu rücken, wird die Startfolge, wie schon beim letzten Dauerrennen in der Westfalenhalle, durch ein Zeitfahren ermittelt, so daß die Zufälligkeiten der Auslosung von vornherein ausgeschaltet sind. Das Programm sieht weiter einen Kampf der beiden besten deutschen Amateure gegen die beiden besten französischen Amateurfahrer vor. Dieser deutsch=französische Länderkampf erfährt noch eine sehr wesentliche Bereicherung durch ein Mannschafts=Omnium, in dem zwei deutsche Fahrer gegen zwei französische Vertreter an den Start gehen. Gerade diese Vielseitigkeitsprüfung wird mehr als andere Rennen geeignet sein, Aufschluß über das gegenseitige Kräfteverhältnis zu geben. Brüsseler Sechstagerennen unverändert In der dritten Nacht gab es im Stande des Brüsseler Sechstagerennens kaum Veränderungen, obwohl die Fahrer vor zahlreichen Zuschauern immer wieder neue Jagden anzettelten. Nach 65 Stunden, in denen 1310,300 Kilometer gefabren wurden, ergab sich folgender Stand: 1. BuysseBilliet 116 P., 2. Charlier=Denccf 99 P., 3. Schön=Aerts 55 P., 4. Piet van Kempen=Broccardo 36 P., 5. Depauw=van Nevelc 34 P.: eine Runde zurück: 6. van Vlockvoven=van Buggenhout 43 P.: drei Runden zurück: 7. Loncke=Martin 78 P. Die übrigen Mannschaften lagen fünf und mehr Runden zurück. Deutsche Hallen=Tennismeisterschaften Nachdem sich nun in allen Konkurrenzen die Spreu vom Weizen gesondert hat, wird der Betrieb in der Bremer Tennishalle etwas ruhiger. Frau Schneider=Peitz verzichtete im Frauen Einzel auf ihr Spiel gegen Fräulein Roberg, die somit unter die„letzten Acht“ kam. Im Männer=Einzel erreichte als einziger Deutscher nur Henner Henkel die Vorschlußrunde, Dessart und Menzel dagegen wurden geschlagen. Die„letzten Vier", im Männereinzel lauten von oben nach unten: Henkel, Ellmer, Pallada und Jamain. Auch bei den Frauen sind die„letzten Vier" bereits in Frau Sperling, Frl. Adamson, Frl. Horn und Frl. Jedrzejowska ermittelt. Männer=Einzel: Henkel—. Gentien 6:4. 6:1, Ellmer — Dr. Dessart 5:7, 6:3. 7:5, Pallada— Szigeti 6:2, 6:2, Jamain—. Menzel 6:2, 6:3. Frauen Einzel: Frl. Adamson— Frl. Roberg 6:4, 6:8. 6:3, Frl. Horn— Frl. Iribarne 6:3, 8:10, 6:3. Männerdoppel: Henkel=Gocpfert— Tlociynski=Gleerup 6:3, 6:3, Malfroy=Stedman— Gerstel=Beutner 6:1. 6:3. Frauendoppel: Frau Schomburgk=Zebden— Frau Gleerup=Willemös 7:5, 2:6, 7:5, Frl. Roberg=Frl. Thomasson— Frau Schomburgk=Zehden 7:5, 6:1, Frau Schneider=Peitz Jedrzcsowska— Bornemann=Hohaux 6:2, 6.2. Gem. Doppel: Frl. Iribarne(Gentien— Frau IsageRöls Pallada 6:2 6:2. Frau Schneider=Peitz Kukuljewie — Frl. Heidenreich Jensen 6:3, 4:6. 6:3, Frl. Huchting Malfroy— Frl. Thomasson Stigbammer 6:3, 4:6. 6:3. Frl. Buß Goepfert— Frau Schomburgk Plougman 6:3. 6:4, Frl. Horn Menzel— Frl. BornemannRado 6:2, 6:0. Ein Ereignis— Ein Erlebnis LILIAN HARVEV WILLY FRITSCHOWILLY BIRGEL In dem dramatischen Uta-Groß-Film Fabrikneue MarkenNähmaschinen RM. 98.- versenkb. schöne Ausstattung Am Körnerplatz. Ecke 1. Kampstr. Versand n. all. Orten Täglich ab 11 Uhr geöffnet! Hans Albers Annabella Attila Hörbiger Der unerhört packende spitzentilm. Ferner: Werner Fink Tonl Tetzlaft Jupp Hussels In: Das Geschenk Das humorvolle UFA-Lustspiel Der Kulturtilm: Leben unter dem Eis. Robert Nonnenbruch Dortmund, WIbsiräße 34 I. 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Kattee-, Kakao-, Mals- und Mate-Plentagen Be. arbeitung mit modernsten Maschinen Die„Grüne Hölle von Brasilien“ Holztrensport vom Urwald zum Haten IIefe des Urwalde: Der 1-Cuazzu, der breiteste Wasserfall der Erde Argentinien, Buenes Aires, die HauptstaIm sonnigen Weinbaugeblet v. Mendore Die Argentinische Schweiz, mit der kisenbahn 3000 m hoch In die Gletscherweit 6000 m hohe Berge] Alpenleben In den Tälern Feuerlands Eis- und Schneeregion. Gellegos, Günther, Plüschows letzter Standplatz EIn FIIm von Frank Wysbar Ein Film, welcher im Rahmen deutschen Filmschaffens neue Wege zeigt Liebe ist stärker als der Tod heißt es zu Beginn des Spiels und bewahrheltet sich beim Ausklang dieses eigenartigen Geschehens. Wunderbare Gestalten beieben dieses Werk. Die Handlung, hineingestellt in die Schönheit der Lüneburger Helde, läßt Sie mitsinnen und mitträumen über ein Spiel, das weit und fern über dem Alltag liegt. Frank WysDal der Meisterregisseur Sybille Schmitz Peter Voss die Hauptdarsteller, sind heute In jeder Vorstellung persönlich anwesend Im Belprogramm: Bavaria-Tonwoche Skifilmen Das tausendjährige Hildeshelm Wo. 3.30 5.40 8.00 Uhr. So. ab 2 Uhr Freitag sämtliche Ehren- und Freikarten ungültig STNDIKAFFILA Das zwerchtellerschüttemde GroßLustsplel nach dem erfolgreichsten Bühnenstück des Jahres von Maximilian Böttcher DIE D A R S TELLE R: Henny Porten Rotraut Richtere Eise Eister Gaston Briese- Gerh. Bienert- Reinh. Bernt- Berthold Ebbecke u. v. m. Der Film des endlosen Lachens! Worrings Zuschneide=Schule Ostenhellweg 16, Dtm. Fernr. 31769 Zuschneidekurse für Schneiderinnen und Wäschezuschneiderinnen. Näh= und Zuschneidekurse für den Hausbedarf. Neue Kurse beginnen am 1. und 15. Februar.— Man verlange Lehrplan.— Schüler= fahrkarten. Sche ung! ACHTUNGI Rotraut Richter die überwältigende Darstellerin der„Edeltraut Panse“ heute Und morgen persönlich anwesend! 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Juni 1935 Gegenstände in unseren Wagen verloren oder zurückgelassen zu haben, werden aufgefordert, dieselben bis zum 7. März 1936 in unserem Fundbstro, Märkischestraße 6, abzuholen, ferner die bis zum 31. 12. 1934 für Fahrgeld hinterlegten Pfänder. Gegenstände, welche nach dieser Zeit nicht abgeholt sind, werden versteigert. Dortmunder Straßenbahnen G. m. b. H. Selleierstunde Das ewige Antlitz Es tut mir gut, vor dem Widerschein dieser kommenden Ferne zu sitzen, vor dem Kaminfeuer eines nächtlichen Hauses, vor einem Wald, den der Herbst entkleidet, vor einem Meer, in das die Sonne sinkt. Aber es ist ein schwacher Abglanz des ewigen Antlitzes, und vor dem Tod zu stehen, ist als ob die Hand dieser Ferne sich leise über die gebrochene Brücke hebe, um unsere Hand zu fassen, hinüber über den großen Kreis, daß die Qual der Rundung erlösche und die Mühe des Ringens zerfalle, damit man das Ewige erkenne„von Angesicht zu Angesicht". Ja, es ist notwendig, daß du Kerzen entzündest über einer toten Stirn. Alles Licht ist unheilig, außer ihrem leise suchenden Glanz, weil nur in ihrem Licht sich Tod und Leben sichtbar binden, das Erhaltende, das aus der Verzehrung steigt, das Gereinigte, das über dem Verweslichen schwebt. Und entzünde sie zu beiden Seiten, daß nicht Schatten sich über das Makellose stürzen, daß nicht die Zweiheit teile, was in der Einheit ist. Und dann sitze vor dem ewigen Antlitz, von der Dämmerung des Abends bis an die Dämmerung des Morgens.. Schweigen erfüllt das Haus. Es ist nicht das Schweigen der Nacht, des Schlafes, der Sonnenferne. Alle diese Schweigen sind da, wie sie allnächtlich da sind, aber über ihnen, sie durchdringend, abweisend, auslöschend, ist das große Schweigen, das von Erzählung von Ernst Wiechert diesem Antlitz ausstrahlt auf alle toten Dinge des Raumes, ein beherrschendes, unantastbares, unerbittliches Schweigen. Du hast dasselbe Antlitz in der Ruhe gesehen, in der Versunkenheit abgewandter Gedanken, im Frieden, im Schlafe. Du hast geglaubt, sein Schweigen zu kennen. Und nun weißt du, daß dieses Schweigen der Ruhe oder des Schlafes erfüllt war von einem lodernden Leben, wenn du es mit diesem Schweigen vergleichst. Es ist das ewige Schweigen. Es ist herausgehoben aus dem Raum und der Zeit, aus der Vergänglichkeit aller Tage und Nächte, der Freude und des Schmerzes. Die Wände des Raumes stehen um dich, regungslos wie sonst. Die Uhr geht leise, unaufhaltsam durch die Zeit, wie sonst. Aber du fühlst, daß sie nur für dich da sind, in einer Art von Barmherzigkeit, Grenzen gleichsam, damit dein auseinanderfallendes Leben sich nicht verstreue und verspüle in das Grenzenlose. Aber sie sind nicht für das ewige Antlitz da. Dieses Antlitz ist jenseits der Wände und des Uhrenschlages. Es ruht in dem Zufälligen und Armseligen deines Raumes und deiner Zeit mit einer Art von gütigem, nachsichtigem Gewähren, wie die Leiche eines Königs, die man vom Schlachtfeld trug, in den Mauern einer armen Dorfkirche ruht, während das königliche Angesicht schon der Ewigkeit gehört, den Völkern, der Geschichte, Gott. Als ich ein Kind war, stard mein Großvater. Meine Mutter weinte, und ich fühlte, daß Schweres geschehen war. Aber ich wußte nichts vom Tode. Ich hatte den Tod des Tieres gesehen und grübelnd davorgestanden, aber er war mir nichts mehr als ein Aufhören von Bewegung, Freiheit, Tätigsein, ein abgerissener Faden, Zerschlagensein, Zusammenbruch. Ich bewegte heimlich die toten Glieder, und es schien mir schrecklich, daß sie mir gehorchten, daß kein Widerstand war, keine Abwehr, kein Eigentum gleichsam, daß herrenlos geworden war, was ich in Herrlichkeit fliegen, stürzen, leben gesehen hatte. Aber ich wußte nichts vom Tode. Wir fuhren zur Beerdigung, im Wagen, durch Wälder, in denen die Vögel sangen. Aber dann führte man mich vor die Leiche und befahl mir, zu beten. Und dann sah ich den Tod. Ich sah seine Blässe der Stirn, die ich nie zuvor gesehen hatte, ich fühlte die Kälte, das Schweigen, das Fernsein, zu dem die Brücke gebrochen war. Ich fühlte die Spaltung der Welt, die ungespalten gewesen war, die Erschütterung des Unerschütterten, den Einsturz eines Hauses, um dessen vertraute, warme Dinge ein eisiger Luftstrom aus einer schrecklichen Fremde lautlos brach. Ich erkannte den Tod, und in seinem Antlitz erkannte ich zum erstenmal das Leben. Ich stand auf einer Waage, und meine Schale stürzte tief ins Bodenlose, während die Schale des Todes schwindelnd in die Sterne stieg. Aus der Einheit stürzte ich in die Erkenntnis der Zweiheit, in die Erkenntnis der Welt, der Vergänglichkeit, der Ewigkeit. Ich wurde ohnmächtig bei dieser Beerdigung, zum zweiten Male in meinem Leben. Ich hatte Gott gesehen. In dem ersten ewigen Antlitz, das sich mir ohne Abwehr bot, hatte ich Gott gesehen und aufgehört, ein Kind zu sein. Es ist nun alles des Einmaligen entkleidet, der Tod, die Liebe, die Verzweiflung, die Ekstafe. Ich habe meine Kleider abgelegt und wieder angezogen, meine Tränen geweint und getrocknet, meine Feuer gelöscht und wieder entzündet. Ich bin gleich allen anderen ein Haus, durch das die Gäste gehen, und ihr Lachen wie ihr Leid ist an meinen Wänden geblieben als ein Nachhall nach dem Schlagen einer Uhr. Ich habe mich gesträubt und gebäumt wie alle, und wie alle bin ich unter das Gesetz getreten, um in des Gesetzes Kreisen zu vollenden. Ich weiß, daß die Ferne kommt, in die wir unaufhörlich stürzen, die Ferne eines Kreises, den wir als Kinder begannen, mit blinden Augen, schuldlos, sündenlos, und an dessen Ausgangspunkt wir vollenden werden, mit dem ewigen Antlitz, in dem die unbestechliche Ernte ruht. M „Weil ich ausgetreten Ein besonders eindrucksvolles Bild von Josefa Berens-Totenohl. Vor einem Portralt Richard Euringers Aufnahme: Schmieding Das Dolkslied Don Wilhelm Schäfer Unter der Linde war Tanz, und die fahrenden Schüler krähten ihr schnödes Latein: aber der mit der Fiedel wußte den Burschen und Mädchen andere Lieder zu singen. Die Jungfrau Maria kam nicht darin vor, auch nicht die zierlichen Seufzer der Minne: ein Spaßvogel sang in gewürzten Reimen, wie er die Mädchen am Rhein, in Sachsen, in Schwaben und Bayern zur Liebe geneigt fand. □ erzbrüder, Bimpen 6) Von HEINZ STESUWEII Verlegt bei Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. Horst zählte sein Silbergeld, überlegte eine Weile, zeigte mir noch einmal das Sofa, auf dem ich schlafen sollte, und zog mich dann hinaus, in den Flur, zur Treppe, auf die Straße, flötend und sicheren Schrittes.— Die Dunkelheit dämmerte, zwischen den schiefen Fachwerkgiebeln Seidelburgs brütete noch die Glut des Tages; irgendwo hämmerte einer auf der Drahtkommode, Studenten triumphierten dazu: Burschen heraus! Ich wollte einige Worte sprechen, aus Dank, aus Freude, aus schwelgender Verwirrung, denn die Tugend des Glaubens feierte ein bescheidenes Volksfest in meiner Seele,— als sich etwas ereignete, was mich wieder zweiseln ließ, ob ich nun ein Glückspilz sei oder ein Pechvogel: Ich wurde rechter Hand angerempelt, so hart, als habe mir ein Geschoß achtbaren Kalibers den Oberarm zerschlagen! Ich verbiß den Schmerz und vergaß, ohne auch nur den Kopf zu wenden, oaß solches Rempeln die böswillige Aufdringlichkeit eines Mitmenschen sein konnte. Indessen: Es roch nach Krach! Die Stimme, die mir ins Ohr dröhnte, blies alle Zweifel in den Wind:„Paß op, Dreckhammel—!“ Bevor ich fassen konnte, was sich begab, denn ich sah nur eine dicke Faust und zwei brünstige Augen, krallte Horst Tiburtius seine Finger um die Gurgel des unfreundlichen Mannes, ihn zu würgen, zu schütteln, so daß ich helfen mußte, das unwürdige Handgemenge zwischen einem Studenten und einem offenbar angesäuselten Bürger zu schlichten.— Immer noch hielt sich Tiburtius den zappelnden Grobian vom Leibe:„Gerempelt wird nicht, alter Freund—!“ Da entlarvte ich das Gesicht des Gewürgten! Mit diesem Entlarvten begriff ich— nicht ohne Frösteln— den tiefern Sinn des Scharmützels: Dieser Mann hieß Jonny Scheidwein, Gewerkschaftsgötze von Beruf, Spitzbart, abstehende Ohren, brutales Gefräß! Einer, dem alles gleichgültig und nichts heilig war, sobald er sein Strebertum in Gefahr wußte. Leute, er kannte mich! Ich war kein Fremdling für seine brodelnde Scharfrichterseele! Oh,— ein Hetzprophet zünftigster Dressur, keineswegs ein besäuselter Bürger, nein, aufgeregte Gewerkschaftstenöre sahen nur so aus.— „Sieh da, Jonny Scheidwein aus Bonn! Sicher hast Du meinen groben Brief bekommen—?“ Tiburtius ließ locker, sein Opfer dampfte wie ein Kriegsschiff: „Wir sprechen uns noch, Hannes! Im Düstern! Du Verräter!"— Damit rückte sich Jonny den zerknüllten Kragen ins Lot, auch den Schlips und den verbeulten Hut,— ich aber trat zwischen ihn und den Studiker: „Scheidwein, hast Du mich gesucht—?“ „Jawohl!" Ge„ bin aus Eurer werkschaft?“ „Ehrabschneider!“ „Was ist bei Dir noch abzuschneiden—?“ Das war alles, was ich noch sagte. Wohl zweihundert Menschen hatten sich gesammelt, das martialische Schauspiel zu bewundern; ein Parlament von Frauen und Knaben, denen es bitter war, daß nicht eine Nase bluten wollte. Es lag nicht in meiner Absicht, diese Enttäuschung zu beheben. Kinder bohrten sich— nicht ohne Erfolg— im Rüssel, ein Polizist zückte das Notizbuch,— diese Geste wirkte schärfer als ein Säbel: Wir nebelten uns ein, Horst Tiburtius und ich, und auch der gerammte Gewerkschaftler tauchte unter, doch wußte ich, daß von diesem Augenblick an der Geist siedender Rachelust mich verfolgen würde, so hartnäckig, bis ich auf dem Scheiterhaufen stand. Wie hatte ich diesen Teufel gekränkt mit meinem berlichingenden Brief! Wie eilig war er nach Seidelburg geschnaubt, meine arme Seele zu retten, oder, falls ich auf sein Himmel reich verzichten sollte, den Abtrünnling Johannes Leinen als Ehrabschneider und öffentlichen Sünder vor der Zunft aller Bauhandwerker zu ächten. Ja, ich war eine weite Dienstreise schon wert, ich, der ich Grütze hatte, ein Mundwerk und einen senkrechten Rücken! — Er? Wehe, wer seinen Vornamen anders schrieb und sprach als: Jonny! Nur so wollte er heißen. Jonny! So nannten sich alle Saxophonbläser, Negerboxer und Cocktailmischer!— In der Kneipe„Zum Verkeo“, eine mächtige Glastraube und ein schmiedeeiserner Saufzwerg zierten das Schild, fand ich mich mit Horst am Tisch. Wir tranken Bier, jeder ein kleines Helles. Dazu gab es Kümmelstangen und Kartoffelsalat,— unser heutiges Brot gib uns täglich! Herzbruder Studio teilte gut, den Senf erbten wir kostenlos, also löffelte ich ins Faß, als schabte die Kelle im Mörtel. Der Magen hielt Hochzeit, der Schlund zischte, die Kaldaunen machten glorreiche Musik. als wollten sie fragen: Johannes, wo hast du eingebrochen—? „Hier esse ich immer“. sagte Horst Tiburtius, und seine Backen kauten mir entgegen, Das Lied war frech, und die Worte mußten den Tönen mitlaufen, aber die Täglichkeit lockte darin, und alle sangen den Reim, so sprang die Fiedel ins Blut. Der Spielmann wußte noch andere Reime: von einem Geizhals, der sich mit Geld ein leckeres Weibchen einfangen wollte, von einem Knaben, den seine Buhlin betrog, von einer Spröden, die nie ihr Vergißmeinnicht fand. Aber die kannten sie schon unter der Linde, Burschen und Mädchen sangen die Reime, wenn sie am Abend in Reihen verschränkt die Straßen des Dorfes abgingen; denn die Lieder der Fahrenden waren Feldblumen, die überall hingestreut überall Wurzeln schlugen. Feldblumen und Blumen aus Urväterherkunft in Gärten gepflegt; denn immer noch blühte die Zeit, die vor dieser war, und die Seele des Volkes war heimlich getreu ihr Gärtner. Dietrich und Hildebrand ritten die klirrenden Fahrten, und Siegfried sank in sein Blut, Schwanhild die schöne und Randwer der feine büßten die Liebe, Brunhild und Kriemhild kühlten die Rache. Die fahrenden Spielleute kannten die alten Sagen und wußten die neuen, sie hielten die Reime und Töne lebendig, sie flochten die Rosen des Tages ein in den Kranz, der im Herzen des Volkes immergrün war. So wurde aus alten und neuen Gesängen das Volkslied, von Burschen und Mädchen gesungen, wenn sie am Abend in Reihen verschränkt die Straßen des Dorfes abgingen. Was der Seele des Volkes Gutes und Böses geschah, was in den Brunnen des Mitleids hinein fiel und was auf den rosigen Wolken der Mitfreude schwamm, hoben die zärtlichen Hände des Liedes ins ewige Dasein. mmmmmmm Mein Berg Don Josefa Behrens=Cotenohl Als hätte Donars Hammer deine Stirn geformt, so ragst du in der Nacht, dein Auge trunken von Licht, das dir die Sonne noch im Niedergang aus glüh'ndem Becher bot. So schaust du Tag um Tag und Nacht um Nacht auf mich, dein Auge ein Bulkan an Trotz, an Kraft! Der Fluß, der deinen Fuß umeilt, stockt einen Herzschlag und verweilt, dann braust er fort zu Fernen. Mich aber trägst du Jahr um Jahr, und will mein Herz verzagen, dann öffnest du dein Auge weit und überströmst mit Herrlichkeit mein Leben. Du reißt mir auf des Himmels Tor, ich wachse in dein Licht empor, empor bis zu den Sternen. prall wie Fußbälle. Mochte es im Gesetzbuch wohlerzogener Bürgerlichkeit verpönt sein, mit angefülltem Mund zu sprechen: Der Studio sprang über die Schranken jeglicher Zimperlichkeit und bedrängte mich mit hastigen Fragen Was ich mit dem Kerl da draußen hätte? Ob es mir schmecke? Ob ich wüßte, was ein Physikum wäre? Wie lange ich Frontmuskote gewesen sei? Ob meine Eltern noch lebten?— Ja, dieser Verkeo wäre kein Lokal, kein Restaurant, sondern eine anständige Kneipe. Meine Antworten mußte ich brüllen, es war viel Tumult, viel Geklirr und Gequalme im Raum, wir saßen dicht vor dem Schanktisch, wo man zapfte, schrie und klapperte. So ein Küchenchef braucht nie zu hungern, dachte ich. So einer Büfettmamsell geht's niemals dreckig, meinte meine schlemmende Seele.— Aber weiter: An den Wänden hingen studentische Wappen, auf den verrauchten Tapeten prangten Säbel, Rapiere, Stürmer, Mützen. Und Bilder großer Männer, die in Seidelburg einmal studiert hatten. Ich blickte mich um, ich horchte ins wimmelnde Gewühl der Tische: Ein Ameisenhaufen war nicht ruhiger, ein Trommelfeue: nur wenig lauter. Studenten und Bürger, Handwerker und Gelehrte. Dazwischen Zigarren, schäumende Krüge, dampfendes Cisbein und wunderbar tropfender Rinderbraten. Sesam, öffne dich! Hitze fieberte mir im Kopf. Nicht vom Schmaus und nicht vom Trank, nicht vom Lärm und nicht vom beizenden Gewölk: Jorinde stand in der Tür, blaß und mit zuckenden Blicken! Das Mädchen spähte über die Tische, suchend, verwirrt. Ich rief so laut, als wär's noch Vormittag im Wasser der Almar zwischen Bergen und Wäldern:„Jorinde!"— Schon stand sie am Tisch, und der verzweifelte Mund stammelte: „Flieht, macht Euch aus dem Staub, schnell, ehe es zu spät ist!“— Mir fiel die Gabel ins Porzellan. Horst schlug auf den Tisch:„Ich wußte es doch—!“ „Was denn, Horst Tiburtius—?“ Der Student konnte nicht antworten. Jorinde, gelb vor Angst, zerrte mich vom Stuhl, rief den Kellner, wollte flink unser Futter bezahlen,— aber Tiburtius preßte ihr die Hand auf den wimmernden Mund:„Ruhe. Nicht den Kopf verlieren!"— Und ich? Johannes Leinen? Ach, der blutjunge Studiker hatte schärfere Witterung!— Wie ich mich schämte, ein zeitfremder Eigenbrötler geworden zu sein: In den Gassen von Seidelburg rumorten Alarm und Schießerei! Die Arbeiter vom Neubau der Universität waren aufgewiegelt worden! Nicht sie schienen des Teufels, wohl aber der Gauner, der da kommandierte: Herr Jonny Scheidwein aus Bonn! Löffelohren, Spitzbart, brutales Gefräß.. Jorinde weinte mich an:„Sie suchen Euch, Johannes Leinen, ich hab's gehört! Von Karlsheim kommt Polizei! Zwei Wagenkommandos! Flink, fort—!“ Damit trat die Polizei in den Raum. Drei baumlange Beamte, Schuppenkette unterm Kinn, einer blutete an den Händen. Ein Trillerpfiff, dann war es stumm im Perkeo, als wäre das Licht ausgegangen im Theater: „Keiner verläßt das Lokal. Die Zugänge sind besetzt. Wo ist der Arbeitslose Johannes Leinen—?“ „Hier!“ Niemals, und ich war vier Jahre Soldat gewesen, niemals hatte ich das Wort so laut, so toll gerufen. Noch einmal drum, und diesmal wie die Kugel aus der Flinte: „Hier!“ Da stand ich. Wie auf dem Sandhaufen. Links wartete Horst. Er zog etwas Hartes aus der Tasche. Seine Narben glühten. Rechts zitterte Jorinde, sie hatte ein Buch unterm Arm: „Wie überwinden wir den Pessimismus—“ Mein Wort: Es duftete nach Erdbeben und schlagenden Wettern! Die zweite donnernde Frage an mich: ben Sie staatsfeindliche Aeußerungen getan—?“ „Nein!“ (Fortsetzung folgt.) ZK 5) ORIGINALROMAN VON HERMANN LIENHART Urheberschutz der Stuttgarter Romanzentrale C. Ackermann, Stuttgart „Sehen Sie, das habe ich nur wissen wollen.“ Er blickte Minco an, dessen Gesicht sich langsam aufhellte.„Wo kamen Sie denn her, als Sie Kippewasser in der Nacht ermordeten?“ „Von drüben“, sagte Minco. „Das lügen Sie.“ Minco lächelte etwas spöttisch, schwieg aber im übrigen. „Lassen wir den Mann abführen, Herr Präsident. Er wird in drei Tagen mehr sagen.“ Auf einen Wink Petrovitchs wurde Minco Ilja Petrovitch nahm die Enden seines Schnurrbartes zwischen die Lippen.„Warum wurde Natasche Petrowna wahnsinnig?“ „Diese Frage könnte am besten Herr Adatzki beantworten.“ „Adatzki! Immer Adatzki! Zum Teufel, sprechen Sie sich doch einmal aus, Wassiljew! „Ich suche einen Mann, der gestern nachmittag im Auto die Bergstraße hinaufgefahren ist und erst spät wieder zurückkehrte. Es ist mir in der kurzen Zeit noch nicht möglich gewesen, das festzustellen. Adatzki war es nicht. Er ging zu Fuß. Ich traf ihn am Ausgang der Stadt.“ „Lassen Sie mir um Himmels woillen Adatzki aus dem Spiel! Der Mann mag seine Mucken haben. Wenn ich sein Geld hätte, wäre es mir auch wohler, wenn ein Kerl wie dieser Kippewasser nicht mehr lebte. Ich gebe das offen zu. Er tat sogar ein gutes Werk damit, daß er Minco zu dem Mord quasi anstiftete. Nehmen wir einmal an, er hat das in direkter Form getan. Welches Gericht in ganz Bessarabien würde ihn dafür bestrafen? Er bekäme von jedem anständigen Bürger eine Belobigung. Also— Schluß mit Adatzki!“ Ilja Petrovitch machte eine energische Bewegung. „Schluß—— sage ich!—— ich will nichts mehr hören!“ Wassiljew verbeugte sich.„Ich bin gespannt, wer der Nächste ist." „Der Nächste? Mann—.— reden Sie nicht immer in Rätseln!" „Zwei von der Bande wurden ermordet, eine wurde wahnsinnig, einer ist verhaftet. Ich frage mich da wohl mit Recht: Wer ist der Nächste?“ Der Polizeipräsident brummte etwas vor ich hin.„Natascha—— war—— ein Mitglied—— der—— Bande?“ „Leider muß ich Ihnen das bestätigen, Herr Präsident. Ich habe gestern noch nach Bukarest telegraphiert und fand heute dieses Telegramm als Antwort vor. Lesen Sie selbst.“ Er reichte Petrovitch das Formular. Dieser las:„Natascha Petrowna aus Bu arest, vorbestraft wegen Straßenbettelns und ——!“ Petrovitch starrte auf das Papier.„— — fristete zuletzt als Streichholzverkäuferin ihr Dasein, bis sie mit einem reichen Herrn davon ging.“ Er ließ das Blatt sinken.„Ich will nichts mehr wissen, Wassiljew—— heute nicht mehr!“ „Dieser reiche Herr war Nuchen Adatzki“, fuhr der Inspektor unbarmherzig fort. „Hören Sie auf!—— ich—— werde meinen Abschied einreichen!“ Gregor Wassiljew verließ fast auf den Zehenspitzen das Büro seines Chefs. Er konnte Petrovitch sonst gut leiden, nur fand er, daß er in mancher Hinsicht ein Schwächling war Als er sich eben der Villa Adatzki näherte lief ihm Doktor Sczepansky fast in den Weg Er hatte es sehr eilig, in die Villa zu gelangen „Zu wem wollen Sie denn so schnell, Herr Doktor, daß Sie mich fast umrennen?" rief ihm Wassiljew nach. „Herr Adatzki ist schwer erkrankt, meine Zeit ist kostbar!“ Damit war Doktor Sczepansky schon in der Villa verschwunden und raste die Treppe hinauf. Gregor Wassiljew, stellte eine tiefsinnige Betrachtung an über die„Kostbarkeit“ der Zeit des Doktors. Natürlich, wenn ein Mann wie Adatzki erkrankt war——! Welcher Arzt würde bei einem solchen Patienten nicht rennen als gälte es das eigene Leben?!„Merkwürdig“ murmelte er vor sich hin,„gestern sah er noch gar nicht krank aus, und auf einmal—— hm!“ Ein Auto fuhr vor. Hidale Rodoi entstieg demselben und sprang ebenfalls in hastigen Sätzen nach oben. Wassiljew blieb stehen und versenkte sich in eine eingehende Untersuchung des Wagens. Die Räder waren sehr schmutzig, das Verdeck war direkt mit Kot besudelt. Der Inspektor nickte vor sich hin, sein Geicht drückte tiefe Befriedigung aus. Langsam chlenderte er weiter. Als er nach einer Stunde Doktor Sczepansky anläutete, wurde ihm der Bescheid, der Herr Doktor sei immer noch bei Herrn Adatzki. Aber nach einer weiteren Stunde traf er den Arzt doch selbst in seiner Wohnung an. „Ja— böse Sache das mit Herrn Adatzki, hat sich zuviel zugemutet, der gute Mann— — sehr bedenklicher Zustand.“ „Herr Adatzki liegt also im Bett?“ „Allemal liegt er im Bett. Und er wird die nächsten Tage auch nicht aufstehen können.“ „Schade—— ich hätte ihn gern über Verchiedenes gefragt.“ „Unmöglich—— ganz unmöglich, Herr Inspektor! Der Patient bedarf dringender 6 11 □ Wassiljew blieb stehen und versenkte sich in eine eingehende Untersuchung des Wagens. Die Räder waren sehr schmutzig. Ruhe und Schonung. Ich trage die Verantwortung für sein Leben.“ „Ja— es ist sehr kostbar, Herr Doktor.“ Doktor Sczepansky überhörte geflissentlich die Ironie, die aus den Worten des Kriminalbeamten klang.„Allgemeiner Nervenzusammenbruch. Ich habe dringenden Befehl gegeben, niemand zu ihm zu lassen.“ Wassiljew blickte den Arzt lange an.„Ich weiß, Herr Doktor. Wenn das Gericht allerdings eine Vernehmung verlangen würde, müßte der Gerichtsarzt den Zustand des Patienten jedenfalls feststellen. Herr Adatzki ist Keine Muskel in dem Gesicht des Arztes zuckte, aber er wurde um einen Schein bleicher. „Ich würde es sehr bedauern, wenn das Gericht meiner Diagnose keinen Glauben schenken wollte. Her Inspektor.“ „Das liegt leider nicht in meiner Hand. Darüber hat der Herr Untersuchungsrichter zu entscheiden. Ich werde natürlich nicht verfehlen, den bedenklichen Zustand des Kranken gebührend hervorzuheben.“ „Ja, tun Sie das, Herr Wassiljew“, sagte Doktor Sczepansky mit einer sichtlichen Erleichterung.„Ein Mann vom Range Adatzkis ist ein wichtiges Glied der menschlichen Gesellschaft, so daß die Erhaltung seines Lebens sozusagen ein soziale Notwendigkeit ist. Ich möchte fast noch weiter gehen und sagen: Was wäre Bessarabien ohne die Millionen dieses Mannes? Er gibt nicht nur der ganzen Stadt, sondern auch dem ganzen Lande einen finanziellen Rückhalt, den es so sehr notwendig hat.“ „Er zahlt auch fürstliche Honorare für ärzt= liche Bemühungen", fiel Wassiljew trocken ein. „Sie dürfen mich nicht falsch verstehen, Herr Inspektor. Die Höhe des Honorars darf für einen Arzt niemals ausschlaggebend sein, wenn es sich darum handelt, ein Menschenleben zu retten—— indessen——“ „—— indessen wird es als eine angenehme Beigabe empfunden“, fuhr Wassiljew beharr lich und trocken fort. „Je nun, Herr Inspektor— die Höhe des Honorars richtet sich selbstverständlich nach der ökonomischen Stellung, welche der Patient einnimmt.“ „Eben, das habe ich nur wissen wollen. Ich danke Ihnen, Herr Doktor!“ Gregor Wassiljew begab sich zu Professor Strawinsky.„Ich möchte Natascha Petrowna sprechen.“ Der Professor machte ein bedenkliches Ge sicht.„Tut mir sehr leid, Herr Wassiljew. Ich muß Ihnen die betrübliche Nachricht machen, daß Fräulein Natascha unheilbar krank ist— — ja—— wir mußten sie sogar in eine Gum mizelle stecken, den sie leidet an Tobsuchtsan fällen.“ „Ich kann sie also nicht sprechen, Herr Professor?“ „Es tut mir außerordentlich leid, Herr In spektor. Die Kranke befindet sich, wie ich Ihnen bereits sagte, in einer Gummizelle— und — ich kann Sie unmöglich zu ihr führen.“ „Wer kommt eigentlich für die Kosten auf Herr Professor?“ „Herr Nuchen Adatzki. „Ich danke Ihnen, ich bin im Bilde. Ver gessen Sie ja nicht, einen anständigen Preis für diese sachgemäße Behandlung zu verlan gen. Wiedersehen, Herr Professor.“ Draußen vor der Promenade, die sich vor dem Sanatorium hinzog, sank Wassiljew au eine Bank.„Ein unmöglicher Fall“, murmelte er,„ich werde mir die Zähne daran ausbeißen.“ Und mit langsamen Schritten, wie ein gechlagener Mann, ging er nach seinem Büro urück.—— 16. Kapitel Pünktlich um drei Uhr schellte Hidale Rodol an der Villa Sawatschenko. Er war sehr feierlich, war im Cut und Zylinder und hielt ein ostbares Bukett in der Hand. „Sie werden erwartet", sagte Stumpsky und grinste. Dann begleitete er den Gast in den Salon. Tatjana stand dort an einem Flügel geehnt in einem entzückenden Kleid, das ihre ebenmäßigen Formen wundervoll hervorhob. Sie war allein. Hidale Rodoi war einen Augenblick etwas eigenartig berührt, dann kam er mit einer Verbeugung näher.„Gestatten, gnädiges Fräulein, diese Blumen——?“ Sie nahm den Strauß und legte ihn auf den Flügel.„Nehmen Sie Platz, Herr Rodoi. Vater hat mich auf Ihr Kommen vorbereitet. Er bittet um Entschuldigung—— eine dringende geschäftliche Besprechung——“ Rodoi verbeugte sich wieder. Vor ihren ruhigen, ein wenig kühlen Augen kam er sich etwas inbehaglich vor. Er hatte das Gefühl, als mache sie sich im geheimen über ihn lustig. „Wenn Sie also, mein gnädiges Fräulein", tammelte er fast verwirrt,„bereits über den Grund meines Kommens unterrichtet sind, so darf ich mir wohl eine weitschweifende Einleitung schenken.“ Tatjana sah ihn sehr nachdenklich an.„Es wundert mich nur, Herr Rodoi, daß es Ihnen Ihre Zeit gestattet, zu dieser Stunde hier zu erscheinen, nachdem doch Herr Adatzki so schwer erkrankte." „Ah— Sie wissen bereits? Nun— für so schlimm erachte ich diese Krankheit nicht. Das hätte mich auch nicht abhalten können, einen mir so liebenswerten Besuch länger aufzuschieben.“ „Bitte— keine faden Schmeicheleien, Herr Rodoi. Sie wünschen meine Hand? Ich bin gewillt, sie Ihnen unter gewissen Umständen für das Leben zu reichen.“ „Ah!“ er wollte sich über ihre Hand beugen, um sie zu küssen, aber sie entzog ihm diese geschickt.„Sie machen mich mit dieser Zusage sehr glücklich, Fräulein Tatjana. Die gewissen Umstände, die Sie zu erwähnen belieben... darf ich erfahren, was Sie darunter verstehen?“ Ihre Augen ruhten forschend auf seinem Gesicht.„Sie haben einen sehr hübschen Wagen, Herr Rodoi, aber— wenn ich einmal Ihre Braut bin, muß Ihr Chauffeur darauf achten, ihn immer sauber abzuwaschen. Er sah heute morgen, als Sie bei Ihrem Chef vorfuhren, sehr schmutzig aus. Das— das könnte ich nicht ertragen.“ (Fortsetzung folgt.) lversenkte sich in eine eingehende Untersuchung wichtiger Zeuge in einer Mordsache.“ Feine Bank,„Ein unmögliche. Hau, mem„ iii Norgolt's Gatt. Frau!“ dankte er.„Lanal hundertmal lieber heraußen bleiben als in die Der letzte Gang Eine Erzählung aus dem bayrischen Wald von Johannes Tinke „Heute tritt nun unser Postbote seinen letzten Gang an, Alte!“ sagte der Bürgerseiner Frau, die eben aus dem meister zuen. o. Würzgarten, wo sie Blumenpflänzchen eingesetzt hatte, ins Haus kam.„Wir wollen ihm auch die letzte Ehre erweisen!“ „Mein lieber Herrgott!“ rief die Bürgermeisterin bestürzt,„der Postbote ist gestorben? Ja, gibt's denn das auch?“ Sie wollte eben anfangen, die unmündigen Kinder des Briefträgers zu bedauern, die armen Waisen, und den unverständigen Tod anzuklagen, der neunzigjährige Weiblein verschonte und nun diesen kerngesunden Mann in den besten Jahren mitnahm, da hörte sie ihren Mann so heftig lachen, daß er kaum mehr Atem bekam. Sie klopfte ihm besorgt auf den Rücken und wußte gai nicht, was sie denken sollte. „Was Du Dir nicht alles einbildest, Alte! Wie soll denn unser Hofer=Ludwig gestorben sein? Er hat uns doch noch gestern die Post gebracht! Nein, der lebt noch und ist frisch und gesund. Ach, Du meinst wegen dem letzten Gang? Was die Leute so nennen, ist ja gar kein Gang. Wenn einer erst einmal tot ist, kann er nimmer gehen, da müssen sie ihn tragen. Aber der Postbote tut heute wirklich seinen letzten Gang, bei uns, auf seinen eigenen zwei Füßen, weil er morgen in die Stadt ver setzt wird.“ „Ja, wenn das so ist, Vater“, seufzte die Frau erleichtert auf,„da müssen wir ihm freilich eine Ehre antun!“ Und sie holte, nachdem sie sich die Hände gewaschen hatte, eine Flasche Johannisbeer most aus dem Keller, nahm ein paar Wein stutzen aus dem Schrank und legte eine Wurst und ein Stück Geräuchertes auf den Holzteller neben den Brotlaib. Der Bürgermeister stellte noch die Kiste mit den Feiertagszigarren dazu, und nun konnte der Briefträger kommen. Aber er kam noch lange nicht. Die Uhr schlug neun: das war die Zeit, zu der er sonst bei jedem Wetter erschien, aber es verging noch eine Stunde und eine halbe, bis er mit seinen schweren Stiefeln durch den Hausgang schritt, kurz an die Tür pochte und in die Stube trat. Er war heute schwerer bepackt als sonst um die Weihnachtszeit, aber was er den Leuten zutrug, war der geringste Teil seiner Last. vielmehr hatten sie ihm bei seinem Abschiedsgange mit allerlei Gaben beladen, denn alle mochten ihn gern, der im Schneegestöber und im Gewittersturm, bei Glatteis und unter sengender Sonne mit immer gleicher Freund lichkeit seine Briefe ausgetragen hatte, ob es nun eine Freudenbotschaft war oder eine Trauernachricht oder eine gleichgültige Post, und für den Empfänger stets ein gutes Wort gehabt hatte. „Ja, freilich Bürgermeister“, sagte er nach dem Hitlergruße,„heute, wo ich das letztemal austrage, komme ich zum ersten Male unpünktlich. Aber was meinst Du denn: die Leute wollen mich ja derschier gar nicht fortlassen.“ Er packte die Zeitung aus und die Zuchriften des Bezirksamtes und eine Ansichtsarte der jüngsten Tochter, die im Allgäu verheiratet war. „Nun setz Dich nur erst einmal nieder, Herr Postdirektor“, meinte die Hausfrau reundlich,„daß Du uns die Ruhe nicht forttragst. So oft bist da eingegangen, und jetzt willst gar nimmer wiederkommen. Ich kann's noch gar nicht glauben!“ „Ich auch nicht, Scherbäuerin!“ nickte der Briefträger, stellte die Pakete ab und setzte ich auf den Schemel, während der Bürgermeister den rötlichen, selbstgekelterten Wein in die Gläser goß. Die Hausfrau schnitt ein paar Scheiben vom Brot und schob den Teller mit Fleisch und Wurst vor den Postboten. „Da iß und trink!“ ermunterte sie ihn, „und bleib gesund!“ „Vergelt's Gott. Frau!“ dankte er.„Lang kann ich mich nicht halten, sonst komm ich heut überhaupt nimmer heim. Ich hab noch einen weiten Marsch, drei Dörfer, und die Einöden miteinander, und ein jeder möchte mich heute abbehüten, und morgen geht's in die Stadt.“ Der Bürgermeister erhob sein Glas. „Zum Wohl, Ludwig! Und laß Dir's drin in der Stadt gut gehen!“ Sie stießen miteinander an, und der Briefträger mußte, wohl oder übel, ein paar Bissen essen, obwohl er schon in fünf, sechs Häusern zum Frühstück genötigt worden war. „Nun kriegst Du es ja besser!“ sagte die Frau.„Jetzt brauchst Du nimmer in der Eiskälte und in der Gluthitze über Land laufen, auf den dreckigen Wegen.“ Der Bürgermeister nickte. „Ja, das ist wahr, was die Marie sagt. So ein Landpostbote hat ein hartes Leben gehabt, und ich hätte nicht mit Dir tauschen mögen. Einmal ist alles zugeweht, daß Du bis über die Knie im Schnee waten mußt, dann ist wieder alles aufgeweicht, und der Kot liegt faustdick, daß Du schier drin versinkst, und dann regnet es wieder, daß Du keinen trockenen Faden am Leib hast. Das hört ja nun auf. Von morgen ab kommt das Auto und bringt die Post.“ „Ja, ja“, seufzte der Postbote,„das hat schon alles seine Richtigkeit. Manchmal ist's nicht leicht gewesen, wenn's ein rechtes Sauwetter hergemacht hat, aber wenn ich sagen soll, wie's ist: ich möcht Enbekannte Schönheit Gestfalens Auch ein solches Gefolgschaftsheim, das von der Kall-Chemle In Meggen erbaut wurde, gehört In seiner schlichten und praktischen Bauart zur unbekannten Schönheit Westfalens. Darüber hinaus wird dieser Bau von einem sozialen Moment getragen, das In diesem Zusammenhang die Aufnahme von Relchert, Meggen, besonders wertvoll erscheinen läßt hundertmal lieber heraußen bleiben als in die Stadt.“ Die Bürgermeisterin lachte. „Du bist doch nicht gescheit, Ludwig! In der Stadt gehst Du Deine Straße ab, wirst nicht dreckig und brauchst nicht zu frieren.“ Der Briefträger kaute seinen Bissen herunter und machte ein bekümmertes Gesicht. „Stimmt alles haargenau, Bäuerin! Aber in der Stadt drin bin ich ein Beamter und weiter nichts, und die Leut' gehen mich nichts an. Aber hier kenn ich einen jeden Menschen, und in einem jeden Haus weiß ich Bescheid, und überall gehöre ich mit zur Familie.“ „Du hast recht, Ludwig!", nickte der Bürgermeister.„Allerhand Not hast Du den Leuten ins Haus gebracht, und allerhand Gutes auch. Weißt noch, Anno vierzehn, wie Du uns die Feldpostkarte an unsern Franz zurückgebracht hast, und ist draufgestanden: Empfänger gefallen? Mein Lieber, das war ein harter Schlag!“ Er stöhnte leise und strich sich die Furchen aus der Stirn. „Ich weiß noch gut, Bürgermeister!“, murmelte der Briefträger.„Und ich hab meinem Herrgott gedankt, daß ich am andern Tag hab einrücken müssen. Lieber wär ich selber gefallen, als daß ich noch in mehr Häuser eine solche Botschaft hätte tragen mögen.“ Die beiden alten Leute dachten kummervoll an die schwere Stunde zurück, in der sie erfuhren, daß sie ihren ältesten Sohn verloren hatten. „Ja, ja“, nickte der Postbote ein wenig vergnüglicher,„ich hab' allerhand miterlebt und weiß, wo die Leut' der Schuh drückt. Wenn ich nicht den Mobilmachungsbefehl ausgetragen hätte, Ihr hättet gar nicht weis gekriegt, daß es ein Krieg gibt, und wär ich nicht damals vor zwei Jahren nach dem Dienst noch eigens heraufgelaufen, Ihr wüßtet heut' noch nicht, daß der Hitler drangekommen ist.“ „Ja freilich“, lichte der Bürgermeister und schenkte frisch ein,„ohne Dich säßen wir hier hinter dem Mondschein und wären dumm geblieben wie ein neugeborenes Kalb.“ Die Bäuerin drohte dem Briefträger schmunzelnd mit dem Finger.„Allerhand hast Du angestiftet, Du großer Lump! Unserm Heinerl hast Du die Briefe von der Fanni verstohlen zugetragen, daß wir nichts gemerkt haben, denn, wenn, wir sie gesehen hätten, hernach wären sie im Ofen eingeschürt worden, und er hätte die Fanni sein Lebtag nicht ge heiratet!“ „Aber es ist ein rechtes Glück, daß er sie geheiratet hat!“ warf der Alte ein.„Eine Bessere hätte er doch nicht finden können.“ „Und wißt Ihr noch, wie ich Euch Euren ersten Enkelbuben vermeldet hab’, vor zwölf Jahren etwa, wie das Hochwasser war? Euer Georg hatte eine Depesche geschickt, und mitten in der Nacht hab ich herausgemußt, und ich bin für den kleinen Burschen getauft worden und wär beinah ertrunken auch noch!“ „Du hast Dir ja bei uns ein trockenes Gewand angelegt“, lachte die Bürgermeisterin, „und hast Dir dafür die Gurgel naß gemacht!“ Zeichnung: Sprick Ein Gedenken an Albert Lortzing, dem volkstümlichsten der deutschen Opernkomponisten, der trotz einer Kette von Enttäuschungen, die ihm Leben und Kunst brachten, nie den Glauben an die verjüngende Wirkung des deutschen Humors, an die gesunde Kraft echter Musik verlor. Lortzing starb am 21. Januar 1851, also vor 85 Jahren, in Leipzig in bitterster Not Silbenrätsel Aus den Silben: bruck cob di dis dort eee. gra gri in in inns ja kret le lend li mund ne no phie rek sen son stanz ste tor ve sind 12 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Sinnspruch ergeben. st= ein Buchstabe. Bedeutung der Wörter: 1. Erfinder, 2. Hauptstadt Tirols, 3. Italienische Dichterin, 4. Dänischer Dichter, 5. Ort im Harz, 6. Stadt in Westfalen, 7. Zögling, 8. Schulleiter, 9. Zuständige Amtsstelle, 10. Kurzschrift, 11. Hoherpriester, 12. Nicht verschwiegen. (Lösung in der morgigen Folge) * Auflösung aus der gestrigen Folge Kreuzworträtsel Waagerecht: 1 Wut, 3 lch, 5 Orkan, 8 Ems, 10 Arndt, 12 Aktie, 14 Gau, 15 Nab, 17 Saale, 19 Reich, 21 Atte, 23 Ohren, 24 Tod, 25 Tag. Senkrecht: 1 Wie, 2 Toska, 3 Inn. 4 Hut, 6 Kai, 7 Arena, 9 Magie, 11 Debet, 13 Tusch, 16 Alant, 18 Ahr, 19 Rat, 20 Jod, 22 Erg. A K Dertmund, den 24. Januar 1936 7 Nr.# BEILAGE ZUR WESTFMLISCHEN LANDESZEITUNGDROTE ERDEG Schii-Wochenend in Meinerznagener Verglaud. Kreuz und quer durchs Ebbegebirge 7 Lohnende Abfahrten ¾, Stille Schneisen Wir Schlläufer aus dem industriereichen Westen schätzen das Meinerzhagener Schigelände seit langen Jahren. Es liegt sozusagen vor den Toren. Das ist wesentlich kürzer und billiger als zum Hochsauerland, und obendrein können sich Meinerzhagen und Valbert sehr gut neben Plätzen des Hochsauerlandes sehen lassen. In manchen Schiläuferkreisen spukt allzu oft der Gedanke von der ominösen„600-Meter-Grenze“. Damit müssen wir uns an dieser Stelle doch einmal befassen. Man sagt, die Schneeverhältnisse im Sauerland werden erst oberhalb dieser Grenze „stabil“. Ganz abgesehen davon, daß das hinter Meinerzhagen sich auffürmende Ebbegebirge bis 660 Meter hoch ist, hat das Gelände um Meinerzhagen auch unterhalb der 600-Meter-Grenze meist ausgezeichnete Schneeverhältnisse. Ja, es mag wie ein Treppenwitz der sauerländischen Sportgeschichte klingen, daß z. B. am 19. Januar 1936 die Volmeberge mehr Schnee hatten als z. B. Winterberg. Sogar am Deerth bei Hagen(375 Meter) war der weiße Segen stärker gefallen als am Asten, zu dem die Schiläufer gefahren waren, um die Staffeln einzutrainieren. Wir befassen uns mit diesen eigentümlichen Launen der Frau Holle heute deshalb, um zu verhüten, daß die Auffassung, man könne nur über 600 Meter im Sauerlande Schi laufen, sich weiter verbreitet. Das würde einen Nachteil für Meinerzhagen mit sich bringen und ein völlig unberechtigtes Vorurteil schaffen. Wir fahren mit dem Sportsonderzuge oder dem Auto das liebliche Volmetal aufwärts und sind von Hagen in einer Stunde am Fuße des Ebbe. Unterkunft für das Wochenend ist bald beschafft. Gastlich werden wir allenthalben aufgenommen. Immer haben wir uns im Kreise der Meinerzhagener Volksgenossen und Sportleute sehr wohl gefühlt. Das Gelände rund um Meinerzhagen bietet für den Anfänger wie den Fortgeschrittenen alle Möglichkeiten der Betätigung. Sanfte und steile Hänge laden zu Abfahrten ein. Sie sind so zahlreich, daß man sich sogar auf seinem„eigenen“ Hang austoben kann, wenn man die gebügelten Hänge nicht schätzt. Für Springer gibt es ausgezeichnete Schanzen, nicht nur in Meinerzhagen, auch an der Nordhelle(Reblin), in Valbert usw. Ein wahres Schi-Eldorade aber findet der Schiwanderer vor. Wer das Ebbegebiet noch nicht kennt, folge uns einmal auf solch einer Wanderung auf den langen Brettern. Unser Benzinesel brachte uns flott zu dem vorgesehenen Treffpunkt mehrerer Schikameraden: zum Drögenpütt. Die Siedlung liegt etwa 530 Meter hoch an der bekannten Fahrstraße zur Versesperre. Hier konnte der Motor verschnaufen — er hatte es verdient!— die Schier kamen zu Ehren. Der Schnee war in dieser Höhenlage sehr brauchbar, obschon durch den pfeifenden, strammen Ostwind etwas verblasen. Sonnenüberflutet lag das herrliche sauerländische und bergische Land dal Türme von den Kuppen der höchsten Erhebungen grüßten in die Eine schneidige Schußfahrt im Gegenlicht Aufnahme: Heta Der Präsident des Landesverkehrsverbandes Adolf Mever und Verbandsdirektor Major a. D. Aichholz waren die Versammlungsleiter und Gastgeber. Nach der Eröffnungsfeier trat der Verkehrsverband zu der eigentlichen Arbeitstagung in der Detailistenkammer an, die sich über die Dauer von zwei Tagen erstreckte. Der erste Arbeitstag brachte interessante Aufklärungen über die geleistete Arbeit des vergangenen Jahres, das sich erfolgreich den Aufbaujahren 1933/34 angeschlossen und die anfänglichen Erfolge dieser Jahre vertiefen und befestigen konnte. Im allgemeinen konnte über die Entwicklung des Fremdenverkehrs und der Uebernachtungen eine Steigerung festgestellt werden, die sich— in örtlich verschieden gelagerter Höhe — zwischen 9 und 28 Prozent bewegte. Dr. Ronnefeld. Direktor des Reichsfreindenverkehrsverbandes Berlin— zweifellos ein Praktiker im Fache, gab Anregungen und Ausführungen, die ebenso interessant wie auch trefsend waren. Ein Film zeigte die Schönheiten und Charakteristiken der Nordmark und beschloß den ersten Tag der Tagung. Herbert Schwabe. Vorbildlicher Sprung eines 14jährigen Jungen von der Meinerzhagener Schanze Unter dieser Parole sprach in der Hansestadt Hamburg auf der Tagung des Landes-VerkehrsVerbandes Nordmark Staatsminister Hermann Esser und führte in seiner Rede aus:„Der Fremdenverkehr stellt in erster Linie eine politische und ideelle Angelegenheit dar, und in zweiter Linie erst eine rein wirtschaftliche. Die politische Aufgabe ist in seinen Grenzen kaum abzuschen. Innerpolitisch dient er der innigeren Verschmelzung der verschiedenen Stämme des deutschen Volkes, bringt dieses Volk seinem Vaterlande in größerem Sinne näher und lehrt es dieses Land kennen und lieben. Außenpolitisch hilft es uns, die Isolierung, der wir latsächlich ausgesetzt waren, zu beseitigen und die übrige Welt für unser Volk und unsern Staat zu interessieren. Letzten Endes dient der Fremdenverkehr der Pfflege der friedfertigen Beziehungen der Völker untereinander überhaupt. Staatsminister Esser kündigte noch ein Gesetz an das den Reichsfremdenverkehrsverband zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhebt, und somit endlich eine Lücke schließt, die bisher alle Aufgaben, die den Verkehrsämtern gestellt waren, fast unüberwindlich erscheinen ließen. triebe des Alltags im Tale für einundeinenhalben Tag entronnen ist. Die Schier ziehen ihre Spur in jungfräulichem Schnee. Nur hie und da sicht man Reh- und Hasenspuren, die sich in den Wacholderbüschen allmählich verlieren. Sonst ist alles stille, unberührte Landschaft. Dort, wo der Wald gerodet ist, bieten sich herrliche Teilausblicke in die Bergwelt, die jetzt im Glanz der allmählich untergehenden Sonne rosarot aufglüht. Selten eindrucksvoll ist dieses Farbenspiel, jede Minute wechselt es, in Milliarden kleiner Schnee- und Rauhreifkristalle bricht sich das fahler und fahler werdende Sonnenlicht. 25 Jahre Schi-Club Meinerzhagen Ein Zeitabschnitt von 25 Jahren ist an sich kein großer, gewinnt aber an Bedeutung, wenn wir ihn mit der modernen Sportart des Schilaufens in Verbindung bringen. Daß werden die alten Sportpioniere von Meinerzhagen, die vor einem Vierteljahrhundert sich zusammenschlossen, um den herrlichen Schneesport zu fördern, auch sagen. Der Erfolg hat ihnen in dieser Beziehung Recht gegeben. Aus Anlaß dieses 25jährigen Bestehens hat der Meinerzhagener Schi-Club ein festliches Sportprogramm zusammengestellt, daß nicht nur den rein Aktiven, sondern auch den Volksgenossen viel Unterhaltsames bieten wird, die in der winterlichen Pracht der sauerländischen Berge Erholung suchen. Deütsehlaug. das Laud des Friedens Hermann Esser auf der Tagung des LandesVerkehrs-Verbandes Nordmark weiße Zauberwelt, die In einer Klarheit vor uns lag, wohin wir auch blickten, die selten ist. Ehe wir auf unseren langen Brettern lostigern, genießen wir das Landschaftsbild in vollen Zügen. Da grüßt die Homert, ihr gegenüber die Nordhelle, die höchste Erhebung des Ebbe mit dem Robert-Kolb-Turm. Der Mann, dem zu Ehren dieser Turm errichtet wurde, wird allen Westdeutschen wegen seiner großen Verdienste um die Erschließung des schönen Sauerlandes stets unvergessen bleiben. Das SGV.-Wegenetz, das Robert Kolb aus Hagen geschaffen, ist auch für den Schiwanderer ausgezeichnet. Daneben gibt es weitere Schiwege des Schiklub Sauerland. Auf der anderen Seite schweift der Blick über die Berge am linken Volmeufer, man sieht den Wienhagen, Kierspe, Halver mit der Karlshöhe, man sieht die Berge um Gummersbach, ja die Kirchtürme von Remscheid sind erkennbar. Ein weites, weißes Panorama tut sich auf. Der Weg auf Schiern führt zum Nocken, dem bekannten Schigelände im Meinerzhagener Bergland. Auf den Hängen üben Anfänger und Fortgeschrittene, der Schnee ist gut und gestattet flotte Fahrt. Eine stille Schneise des Ebbekamms nimmt uns dann auf. Hier packt uns der scharfe Wind nicht mehr. Eine wohlluende Ruhe umgibt den geplagten Großstädter, der dem nervösen GeSeid willkommen zum Wintersport in Meinerzhagen u. Valbert Vedder Amtsbürgermeister Zacharlac Bürgermeister Sönnecken Bürgermeister Hotel Westfälischer Hof Inh. Otto Neuhaus. Tel. 434 verspricht allen Wintersportlern treundliche Aufnahme und bletet neuzeitlich eingerichtete Zimmer m. fI. Wasser, Zentralh., Garagen. ff. Speisen u. Getränke Sämtliche Sport-Kleidung kaufen Sie preiswert bei F. W. Lienenkämper Wwe. Hotel zur Schanze Wilh. 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Die einen nehmen das Gesetz auf sich, wenn die anderen ermatten oder versagen, und verdanken es doch diesen, die es ihnen zeigten und vorlebten. So erhält dieses Gesetz, wie wir hoffen, von Geschlecht zu Geschlecht unser deutsches Volk. Beumelburg aber, der als Siebzehnjähriger schon vor Verdun lag, hat das Soldatentum seitdem nicht wieder ausgezogen. Er ist auch als Dichter Soldat geblieben, bis auf diesen Tag, hart in den Forderungen, schlicht in der Haltung mit dem Wissen um die Gefahren, die dem deutschen Volk auf seinem Posten geistig und politisch drohen. Ein Volk, in dem auch die Dichter Wachtposten sind, in dem die Dichter Soldaten bleiben, auch wenn sie das Kleid nicht meyr tragen, braucht um seine Zukunft nicht zu bangen. Denn es genugt, das haben wir gerade im großen Krieg bitter erfahren müssen, nicht, daß das Volk wehrhaft ist, es muß auch der Geist, dessen wichtigste Hüter die Dichter sind, wehrhaft sein. Wilhelm Westecker. „Traumulus“ in Berlin Uraufführung des neuen Jannings-Films Am Donnerstag wurde im Ufa=Palast am Zoo der mit Spannung erwartete neue Janningsfilm uraufgeführt. Das Drehbuch bewegt sich frei nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Arno Holz und Oskar Jerschke, und es versucht die atmosphärischen Spannungen des Kleinstaat=Milieus und der Gesellschaftsmoral der Vorkriegszeit kritisch zu begründen. Carl Fröhlich hat dieses Leben bis an die Grenzen seiner ganzen inneren Morschheit angestrahlt und in filmisch fascinierender Regiearbeit aufgelockert— so entstanden Bilder von satirischer Schlagkraft und flutende Szenen jugendlichen Ueberdrangs. Sehr spät wird erst die Haupt gestalt in die Handlung geführt, aber sie wuchs mit Emil Jannings gleich wesenhaft in den Raum hinein, um ihn nicht mehr freizugeben. Sein„Traumulus“, sein ehrlich wollender Idealist, der an seiner Blindheit gegenüber der Umwelt zerbricht, war ein Gemälde der unerschöpflichen Gesichter, die von allen Schattierungen menschlicher Affekte beseelt waren. Eine Tragikomödie von unerhörten Ausmaßen der persönlichen Darstellung, von der überhaupt die meisten Werte des Filmes bestimmt wurden, ein wenig überstürzt, undyngamisch zum Ausklang schreitend der Schluß, obwohl hier die erzieherische Quintessenz in der bitteren aber zugleich befreienden Selbsterkenntnis gezogen war. Sehr feine Leistungen: Hilde Weißner als„großzügige“ junge Frau und Hilde von Stolz als kokette Schauspielerin. Wundervolle Stammtischtypen: Herbert Hübner als Landrat, Ernst Waldon als Assessor und Walter Steinbeck als Major. Kleinstüber. Ein neues Gesicht: Hannes Stele zer als Kurt von Zedlitz. Im übrigen gab# durchgespielte Kleinarbeit bei Harald Paulsen, mins Brausewetter. Ernst Legal und Hildegard Barko.— Dr. Friedrich Mittelmeerreisen der Deutschen Afrika-Linien Zehn von den diesjährigen Mittelmeerfahrten der Deutschen Afrika-Linien gehen von Hamburz nach Genua, neun werden in umgekehrter Richtung ausgeführt. Da es regelmäßig verkehrende Liniendampfer sind, die die Linien für ihre Mittelmeerpassagiere zur Verfügung stellen, kann die Reise zu jeder Jahreszeit angetreten werden. Die erste Abfahrt erfolgt am 21. Februar, die letzte am 4. Dezember 1936. In sämtlichen Anlaufhäfen werden den Reisenden sorgfältig ausgearbeitete Ausflüge ermöglicht. Von Antwerpen geht es nach Brüssel, Gent und Brügge oder nach den flandrischen Schlachtfeldern, von Rotterdam aus zum Haas und nach Scheveningen oder nach Amsterdam von Southampton nach dem reizvollen New Forest. Dann folgt eine dreitägige Seefahrt durch den Atlantischen Ozean. In Lissabon ist ein Ausflug nach den Königsschlössern und an die portuglesische Riviera, in Cadis eine Fahrt nach Sevilla und in Ceuta ein Abstecher nach der alten Maurenstadt Tetuan vorbereitet. Von Malaga, das abwechselnd mit Cadiz angelaufen wird, wird Granada erreicht und von Palma de Mallorca führt eine Autofahrt zu den schönsten Orten der Insel. Die Dampfer, die von Genua abfahren, berühren außerdem noch Marseille, wo Gelegenheit zu einer Tour nach Arles und Avignon gegeben ist. Fahrpreisermäßigungen zur Winter-Olympiade Für die Zuschauer der Olympischen Spiele werden bei Einzelfahrten von allen Bahnhöfen der Deutschen Reichsbahn nach Garmisch-Partenkirchen. Berlin oder Kiel Sonntagsrückfahrkarten mit 33½ Prozent Fahrpreisermäßigung ausgegeben. Sie gelten nach GarmischPartenkirchen vom 1. Februar. 0 Uhr, bis 18. Februar, nach Berlin und Kiel vom 30. Juli, 0 Uhr. bis 18. August. Zur Rückfahrt, die jeweils am letzten Geltungstage um 24 Uhr beendet sein muß. gelten die Karten nur, wenn sie beim Besuch einer Olympia-Veranstaltung abgestempelt wurden. Meuaunselle Vollestastnacht Eine Reihe merkwürdiger Volksbräuche in Baden Zwischen Neujahr und Aschermittwoch entstehen allenthalben im Badnerland eine Reihe merkwürdiger Volksbräuche neu, die mit ebenso eigenartigen Trachten und Kostümen verbunden sind und in ihrer Gesamtheit die Feier der badischen Fastnacht darstellen. Die Larven und Gewänder sind an den einzelnen Orten recht verschieden, die Bräuche dagegen weniger. Bei diesen handelt es sich zumeist um Umzüge, um das Verlesen einer Narrenchronik und um harmlose Neckereien der Zuschauer durch verlarrte Fastnachtsgestalten. Für die Kinder ist der Hauptfeiertag der sogenannte„Schmutzige Donnerstag“ (20. Februar), der Donnerstag vor dem Fastnachtssonntag. Er hat seinen Namen von den schmalzgebackenen Fastnachtsküchlein oder Krapfen, die an diesem Tag überall in den badischen Fastnachtsorten in großen Mengen gebacken und verzehrt werden. An den eigentlichen Fastnachtstagen, Fastnachtsonntag,-montag und dienstag, werden in den typischen Fastnachtsorten Umzüge durch die Straßen und närrische Sitzungen In festlich geschmückten Sälen abgehalten. Je nach den einzelnen Orten sind die Gestalten der badischen Fastnacht in ihrem Aeußeren recht verschieden: In Villingen trägt der „Narro“, eine geschnitzte Holzlarve,„Scheme“ genannt, weiße, mit Tierfiguren buntbemalte Anzüge(das Narrohäs), über der Brust an vier Riemen 50—60 Pfund schwere Schellen. Andere Gestalten der Villinger Fastnacht sind der Butzesel, der Wuescht und die Stachis, die das„Strählen“.(Sündenverlesen) fleißig üben. In Hüfingen, Donaueschingen und Bräunlingen treten Hansel auf, in Bräunlingen dazu der Narrobock. In Elzach zeigt sich der „Schuddig“, eine rote zottige Teufelsgestalt mit geschnitzter Teufelsmaske, der mit Saublasen den Boden schlägt und mit langen hölzernen Scheren die Zuschauer neckt. Er ist begleitet von den „Taganrufern“, die in buntbesetzten weißen Hemden, hoher Magiermütze und Halblarve auftreten. In Breisach findet der Historische Gauklertag an Fastnacht statt, der als Huldigung der Gaukler, Keßler, Trommler und Trumpeter an Rudolf von Habsburg entstanden und nach dem Kriege wieder durch die Historische Narrenzunft aufgenommen wurde. Am Bodensee toben in Ueberlingen die Karbatschenkneller, die Ueberlinger Hansele mit langem Rüssel und buntem Zottelwams, die ebenso wie die Pfullendorfer Karbatschenkneller mit ihrer gellochtenen Peitsche kunstvoll knallen. In Stockach herrscht das „Grobgünstige Narrengericht“, das von Erzherzog Albrecht dem Weisen im Jahre 1351 eingesetzt und privilegiert sein soll. In Konstanz ziehen an den Fastnachtsabenden die Hemdglonker und in Waldshut die Geltentrommler und Narros zu lustiger Marschmusik durch die Stadt. Und wenn dann die Tage der Fastnacht vorbei sind, so wird noch an einzelnen Orten am Aschermittwoch die Fastnacht in effigie feierlich verbrannt und der Geldbeutel gewaschen. Reichsautobahn-Omnibusse billiger Wahlweise Benutzung von Bahn oder Autobus ohne Zuschlag Die Fahrpreise für die auf den Reichsautobahn-Strecken von Frankfurt a. M. nach Darmstadt, Heidelberg und Mannheim sowie zwischen Mannheim und Heidelberg verkehrenden Reichsbahn-Autobusse sind jetzt herabgesetzt worden. Reisende mit Reichsbahn-Fahrausweisen können auf diesen Strecken künftig die Eisenbahn oder die Reichsbahnautobusse wahlweise benutzen. Lediglich zu den Fahrkarten 3. Klasse Personenzug ist ein besonderer Zuschlag zu zahlen. Die Fahrausweise für 3. Klasse Schnellund Eilzüge sowie für 1. und 2. Klasse Schnell-, Eil- und Personenzug gelten ohne Zuschlag auch für die Autobusse. Reisende mit Urlaubskarten 3. Klasse und Ausländer-Fahrscheinheften 3. Klasse Die Wolfacher Narrenzunit Aufnahme: Geschwindner zahlen jedoch einen Zuschlag, während die entsprechenden Fahrausweise 1. und 2. Klasse ebenfalls zuschlagsfrei bleiben. Mittenwald führt sein Geigenbauer-Festspiel „Das Sternenlied“, das zur 250-Jahr-Feier des Mittenwalder Geigenbaues im vergangenen Sommer geschaffen wurde, auch im Winter auf. Es wird bis zum 3. März allwöchentlich einmal gespielt werden. Aufnahme: Günter Der rote Fuchs der Triberger Masken SAN-IERRELLE •KEIRIHAAAHHLKA-L WHD CI Kuunst. unnd. Soldaton-- Michttee Werner Beumelburg Wir setzen heute unsere Aufsatzreihe„Soldaten werden Dichter“ mit dem zweiten Aufsatz über Werner Beumelburg fort, der zu den elementarsten Erscheinungen der heutschen Kriegsdichtung gehört. Bei keinem unserer Dichter außer bei Ernst Jünger ist wohl das Frontsoldatentum und das Erlebnis des Krieges so sehr Ausgangspunkt des ganzen dichterischen Schaffens geworden wie bei Werner Beumelbura. Er ist wie Jünger der Typus des soldatischen Dichters, wie ihn in dieser harten Form erst der Weltkrieg hervorgebracht bat. Hier in wirklich und Schritt für Schritt ein Soldat durch das Erlebnis des Krieges zum Dichter geworden. Beumelburg begann mit Darstellungen zweier großer Schlachten: Douaumont und Flandern. Er beschrieb diese beiden Schlachten im Auftrag des Reichsarchivs. Es entstanden aber keine nüchternen, kriegswissenschaftlichen Abhandlungen. Es entstand etwas Neues. Es entstand eine dichterische Schlachtenbeschreibung, die alle Tatsachen und alle Zusammenhänge brachte, aber darüber hinaus die Truppe als handelnde, als lebendige Person empfand. „Flandern“ ist das reifere Werk.„Douaumont“ ist noch stark mit einer gewissen dramatischen Lyrik durchsetzt, die Stimmungen ausmalt, die nicht unmittelbar in die Kämpfe selbst eingeschlossen sind.„Flandern“ ist viel einheitlicher. Dort tritt das Lyrische stärker zurück und die Stimmung und das Erlebnis der Truppe sind hier auch nicht mehr in besonderen Zwischenabschnitten geschildert, sondern sie sind mit den Kampfschilderungen zu einem unteilbaren Ganzen verschmolzen. Das Douaumont=Buch handelt nicht von der Erstürmung allein, es beginnt mit den Maikämpfen und schließt mit der Preisgabe und ist schon darum auch kriegsgeschichtlich nicht so geschlossen wie das Flandern=Buch, das in zwei gleiche Abschnitte zerfällt. Der eine schildert die Kämpfe im OktoberNovember 1914, der andere die Flandernschlacht von August bis November 1917. Dies ist nun wirklich eine vorbildliche Darstellung einer Schlacht. Es ist ein Epos, in dem die Korps, die Divisionen. die Regimenter, die Bataillone, die Kompagnien und Stoßtrupps die Helden sind. Wie in dem Douaumont=Buch werden auch hier die einzelnen Trupventeile im Kampf geschildert. Aber man liest auch diese Abschnitte nicht wie eine sachliche, kriegsgeschichtliche Beschreibung, sondern wie ein Heldenlied. Beumelburg hat die Truppeneinheiten stets wie handelnde Personen empfunden und dabei trotzdem die Taten einzelner Führer namentlich herausgehoben. Sosehr das Douaumont=Buch schon kapitelweise in Bann schlägt, von dem Flandern=Buch kommt man überhaupt nicht wieder los. Es ist auch sprachlich noch geschlossener und eindringlicher als das Douaumont=Buch. Werner Beumelburgs Kriegsbücher gehören zu den stärksten Kriegsbüchern, die wir in Deutschland haben. Sie stellen vor allem einen ganz eigenen Typ dar. Sie verbinden mit der Darstellung des Kampfverlaufs die Darstellung des Erlebnisses der Truppe. Sie bekommen dadurch den Charakter eines Epos und bewahren sich doch die Unmittelbarkeit der Eindrücke. Am bedeutendsten ist zweifellos„Sperrfeuer um Deutschland". Es entstand als lebendige, volkhafte Darstellung des Krieges, wie wir sie heute brauchen, schon vor sieben Jahren. Es gibt keine andere Darstellung des Krieges, die diese von Beumelburg an Unmittelbarkeit, an Uebersichtlichkeit, an lebendigem Gefühl für das Schicksalhafte, an Sinn für das Erlebnis der Truppe an Darstellungskraft übertrifft. Man ist immer wieder sofort gepackt, wenn man das Buch an irgendeiner Stelle aufschlägt. Beumelburgs Liebe gilt dem deutschen Soldaten, der auf allen Kriegsschauplätzen, von der Nordsee bis nach Palästina, nicht nur die Hauptlast zu tragen hatte, sondern auch von Sieg zu Sieg schritt. Vier Jahre lang. Die schönsten Kapitel in Beumelburgs Buch gelten diesem Soldaten. Er übertraf an kämpferischer Elastizität und Offensivkraft alle anderen Soldaten des Weltkrieges. Beumelburg hat vor allem die Wandlungen, denen der deutsche Soldat im Verlaufe des Krieges unterworfen war, außerordentlich fein herausgeholt. Er hält zwischen den Ereignissen, die übrigens mit dramatischer Kraft knapp und klar entwickelt werden, so daß es einem oft den Atem nimmt, immer mal ein, um einen Ueberblick über die Gesamtlage zu geben— er versteht die gleichzeitigen Schläge des Schicksals meisterhaft zu kombinieren—, um vor allem aber auch wieder einmal festzustellen, wie es denn nun um den schon langsam sagenhaft werdenden und immer wieder Unerhörtes leistenden deutschen Soldaten steht. Er beschönigt nichts. Er weiß, wie das Grauen in ihm immer gefährlicher umging, je mehr die Material= schlacht die Menschen zerrieb. Ein Zähnezusammenbeißen wurde der Krieg immer mehr für den deutschen Soldaten. So stand er noch beim Waffenstillstand. Aber nicht nur diese in die Erlebnissphäre des einzelnen greifende Darstellung des deutschen Soldaten, sondern auch die Schilderung der großen Operationen, bei denen sich das Schicksal des ganzen Volkes entscheiden sollte, ist erschütternd. Beumelburg schreibt so unmittelbar und impulsiv, daß nicht nur die Atmosphäre der Schlachten in ihrer ganzen Breite und Tiefe vom Generalstab bis zur vordersten Linie, sondern sogar die Atmosphäre des Schicksals entsteht. Dann kommt der Zusammenbruch. Beumelvura erzahlt, wie bei der Heimkehr ein Regimentskommandeur den Helm abnimmt, als das Regiment zum letztenmal an ihm vorbeimarschiert. Als sein letzter Musketier vorüber ist, bricht er zusammen. Auch die Toten kehren mit heim; jeder „spürt einen zur Rechten und einen zur Linken und einen vor sich und einen hinter sich—— bleib du im ewigen Leben, mein guter Kamerad—— mein — guter— Kamerad———“. Die„Gruppe Bosemüller“ ist ganz anders als diese drei Bücher. Schon der Titel zeigt * Zeichnung: Sprick Werner Beumelburg das an. Es ist das Heldenlied der Kameradschaft. Wohl in keinem anderen Kriegsbuch ist die Kameradschaft so innig und stark besungen worden wie in der„Gruppe Bosemüller". Es ist ein romanhaftes Kriegsbuch. Das gibt ihm eine Sonderstellung innerhalb der Benmelburgschen Kriegsbücher, die aber alle ohne Ausnahme zu den wichtigsten und härtesten und daher heroischsten Kriegsbüchern gehören, und die ohne Zweifel von der deutschen Jugend und vom deutschen Volk immer wieder gelesen werden, wenn es sich den Krieg und die Taten der deutschen Soldaten vergegenwärtigen will. Beumelburgs Bücher entstanden aus dem Willen. die seelische Knochenerweichung, die zur Revolte von 1918 führte, zu überwinden, dem pazifistischen einen heroischen Geist entgegenzusetzen. Von allen deutschen Dichtern gebührt Beumelburg mit das Hauptverdienst, daß das Bild des Krieges und der Taten des deutschen Heeres auch in den Jahren der Zersetzung rein erhalten worden ist. Er hat unermüdlich von diesen Taten berichtet. Er hat immer wieder das wahre Bild des deutschen Frontsoldaten gezeichnet. Bei Remarque war die Gruppe eine Freß= und Saufgemeinschaft. Bei Beumelburg ist sie eine opferbereite Kameradschaft. Hier läßt der eine den andern für sich in Urlaub gehen, wenn der zu Hause gebraucht wird. Hier will man auch in der Gefahr nicht voneinander lassen. Diese Kameradschaft lebt außer in dem Buch von Zöberlein in keinem Kriegsbuch so rein und schlicht wie in Beumelburgs„Gruppe Bosemüller". Aus dieser soldatischen Haltung heraus, die eben dadurch in die politische Erneuerung wies, hat Benmelburg auch die anderen schriftstellerischen Aufgaben angefaßt, die ihm sein Leben stellte, die geschichtlichen, die er zum Teil als Darstellung einer Epoche ähnlich dem Band„Sperrfeuer um Deutschland", zum Teil in Roman= oder Novellenform löste. Seine letzte Arbeit heißt einfach„Preußische Novelle". Schon der Titel verrät die soldatische Haltung. Aber neben dem Krieg hat Beumelburg vor allem die durch den Krieg ausgelöste Nachkriegssituation darzustellen versucht. Auch hier steht ein darstellendes Werk neben einem erzählenden.„Deutschland in Ketten“ heißt das eine und„Das eherne Gesetz“, das andere.„Das eherne Gesetz“ handelt von den Ueberlebenden der„Gruppe Bosemüller". Keiner von ihnen hat die, die gefallen sind, vergessen. Sie sind immer noch wie eine Verpflichtung unter ihnen. Aber das Gesetz, das ist ihnen doch verlorengegangen. Nur einer stellt sich unter seinen heiligen Zwang. „Wir sind nicht so geblieben, wie der Krieg uns gemacht hat. Wir haben ihn nicht verstanden, wir sind auseinandergelaufen, als sei er nur eine vorübergehende Unterbrechung unseres Daseins gewesen. Wir haben ihn ad acta gelegt, und dafür werden wir irgent wie noch büßen müssen.“ Hier spürt einer, daß die Verpflichtung des Krieges nicht nur Kameradschaft heißen kann, sondern daß sie „eine stete Erneuerung, ein stetes Bereitsein, ein fortwährendes Beugen inter das eherne Gesetz, das uns die Toten auferlegt haben, sein muß. Denn „wir sind entkommen, um uns dem gleichen Schicksal aufzubewahren, das jene bereits erfüllt haben". „Wir, mein Lieber“, sagte ein ehemaliger Hauptmann einmal,„sind, so scheint es mir, vom Schicksal immer wieder als Einsaat ausersehen für die anderen, die nach uns kommen... Wir, die Opferer, haben kein Recht, die Erfüllung zu fordern. Wir spielen überhaupt gar keine Rolle, denn wir sind niemals Ziel, sondern immer nur Mittel. Das Ziel liegt vielleicht im Unerreichbaren. Aber darf uns das abhalten, daran zu glauben?“ Dieses Buch ringt wie noch keins der Heimkehrerbücher um den Geist der heimgebrachten Verpflichtung. Hier werden nicht Stimmungen aneinandergereiht, hier wird auch nicht ein Mosaik von Einzelschicksalen gegeben, sondern hier wird das Gesetz gesucht, das die beispielhafte Tat oder das beispielhafte Opfer bewirkt.„Was ist das Opfer, das der Zufall fordert, gegen das Opfer, das ich von mir selbst fordere.“ Hier stößt Beumelburg in eine Haltung vor, die es im Kriege hundertfach gab, die auch im Ringen um das neue Teutschland überall wieder da war, die nicht verlorengehen darf, wenn Deutschland leben soll. Was Auch im Vinter wicdh der REISEFUHRER regelmäßig erschelnen. 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Es ist ein erlösender Gedanke, daß die neugeschaffenen Gesetze zur Regelung der Erbgesundheitsfrage derartige Verbrechen von triebhaften Unholden unmöglich machen. Der Prozeß Seefeld ist geradezu ein Schulbeispiel für die Notwendigkeit dieser Gesetze. Im Zusammenhang mit den Sittlichkeitsverbrechen Seefelds kam die Sprache auch auf die Zeit der letzten Morde bei Schwerin, wo Seefeld im Schweriner Vorort Görries bei guten Bekannten im Februar und März 1935 sein Standquartier hatte, das er zwischendurch für drei Wanderungen von je acht Tagen Dauer verließ. An den Mordtagen dieser war Seefeld nicht in Görries. Während seines Aufenthaltes in Görries erzählte Seefeld der Familie, bei der er wohnte, sehr merkwürdige Schauermärchen, worunter sich offensichtlich Seefelds geheimste Gedanken verbargen. An seinem Geburtstag, den Seefeld damals in Görries feierte, schenkte er seinem Gastfreund eine Tabakpfeife in Totenkopfform als Erinnerungsstück an„diesen letzten Geburtstag seines Lebens“, wie Seefeld damals betonte. Weiter erzählte Seefeld in Görries, wie er jetzt selber zugibt, eine Schauergeschichte, die besonders in ihrem Schlußsatz wie eine Zukunftsahnung oder wie ein verschleiertes Mordgeständnis klinat. Der Angeklagte sagt jetzt, diese Geschichte habe er nur weitererzählt, und nennt schließtlich auch mit sehr undeutlicher Aussprache den Namen und den Wohnort einer Frau, von der er diese höchst eigentümliche Schauergeschichte zuerst gehört haben will. Nachdem unter weiterem Ausschluß der Oeffentlichkeit die Vernehmung des Angeklagten zu seinen Sittlichkeitsverbrechen und zu seinen Erzählungen von tödlichen Giften abgeschlossen war, wurde das Schwurgericht bis Freitag 9 Uhr vertagt. Ein furchtbares Verbrechen Vier Personen mit Rattengift vergiftet? Mainz, 23. Januar. Wie der Pressedienst des Landgerichts Mainz mitteilt, wurde in den Leichen des im Juli 1930 verstorbenen Gastwirts Erich Vogler und des im Mai 1932 verstorbenen Friseurs Ludwig Seitz aus Mainz=Kostheim TalliumGift, das im Rattengift enthalten ist, festgestellt. Weiter waren der Stiefsohn der Frau und der Installateur Keum, beide aus MainzKostheim, ebenfalls an Tallium=Vergiftung lebensgefährlich erkrankt. Sie hatten furchtbare Gliederschmerzen und Haarausfall und waren fast völlig erblindet. Diese Krankheitserscheinungen sind nach dem Gutachten des Sachverständigen typische Folgen der Tallium=Vergiftung. Als der Tat dringend verdächtig befindet sich die Ehefrau Frieda Vogler aus Mainz=Kostheim in Untersuchungshaft. Sie hat in den Jahren 1929/34 öfter eine Frau Margarethe Rocker, eine Kartenlegerin, besucht, die dringend verdächtig ist, bei der Angelegenheit ihre Hände im Spiel gehabt zu haben. C G Unser Hans-Werner hat ein kräftlges Brüderchen bekommen. Dr. Artur Steding und Frau Liesel geb. Ufer Bochum(Gabelsbergerstr. 52), den 23. Januar 1936 z. Z. Pelvattteuenklinik, Arndtstr. 16, Abtig. Dr. Sayer Nachruf Am 21. Januar verschied im 77. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Frau Laura Hackemann geb. Schwaben. Im Namen der Hinterbliebenen: Heinrich Hackemann Rektor 1. R. Bochum, den 24. Januar 1936. Königsallee 24. Die Einäscherung hat gemäß dem Wunsche der Verstorbenen in aller Stille stattgefunden. Nachruf Am 22. Januar 1936 verschied nach kurzer, schwerer Krankheit der Chemotechniker unserer Abteilung Laboratorium Herr Heinrich Muss Wir verlieren in dem Verstorbenen einen Außerst zuverlässigen, fleißigen und pflichttreuen Beamten, der es verstanden hat, sich während seiner 41jährigen Dienstzeit die volle Achtung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten und Mitarbeiter zu erwerben. Ein ehrendes Andenken werden wir ihm dauernd bewahren. Führer und Gefolgschaft der Dortmund-Hörder-Hüttenverein Aktiengesellschaft Werk Dortmund. Nachruf! Plötzlich und unerwartet starb an den Folgen einer Operation unser Aufsichtsratsmitglied der Ortsbauernführer Dortmund-Barop. Er war uns seit Gründung unserer Genossenschaft ein treuer Mitarbeiter, und wir werden sein Andenken immer in Ehren halten. Landw. Molkerei-Genossenschaft u. G. m. b. R. Dortmund-Körde Der Vorstand: gez. Nathe. Der Aufsichtsrat: gez. Maas. Nach langem Siechtum infolge des großen Krieges hat der Herr unsern lieben Kameraden Martin Schröder im Alter von 63 Jahren von seinem Leiden erlöst und in die Ewigkeit abberufen. Elf Jahre lang war er in unserem Hause uns allen ein lieber Freund und treuer Kamerad geworden, den wir ungern scheiden sehen. Kriegerinvalldenheim Volmarstein Die Beerdigung findet am Sonntag. dem 26. Januar 1936. nachmittags 3 Uhr vom Kriegerinvalidenheim aus statt. Danksagung. Für die wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Bruders, für die trostreichen Worte des Herrn Pastor Braun, der treuen Kameradschaft der Formationen der NSDAP, sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. Geschwister Hohagen. Altenvoerde, Januar 1936. Nach kurzem, mit groher Geduld ertragenem Leiden entschlief sanft am 22. Januar 1936 nachts 1¾ Uhr mein lieber, unvergeßlicher Mann, Bruder und Schwager Reichsbahninspektor Wilhelm Holtmann im Alter von 57 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Emma Holtmann. Dortmund(Poststraße 31), Leipzig, Düsseldorf, den 24. Januar 1936. Die Beerdigung findet statt am Montag. 27. Januar 1936, vormittags 11 Uhr von der Kapelle des Südwestfriedhofes aus. Trauerfeier H Stunde vorher. Heute abend 23.30 Uhr entschlief sanft nach kurzer, schwerer Krankheit in Bünde unsere liebe, gute, stets treusorgende Mutter. Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Witwe Heinrich Schaper Luise geb. Wissel im 76. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Dortmund(Reichswehrstr. 14), Wanne-Eickel, Gütersloh, Bünde, Köln, den 22. Januar 1936. Die Trauerfeier mit anschließender Beerdigung findet nach erfolgter Ueberführung am Sonnabend, dem 25. Januar 1936, 11 Uhr in der Haupttrauerhalle des Hauptfriedhofes statt. Allen denen, die keine Nachricht erhielten, diene diese als solche. Beileidsbesuche dankend verbeten. Am Dienstagabend, dem 21. Januar 1936, starb nach kurzer Krankheit im Alter von 44 Jahren der Ortsbeuernführer der Ortsbauernschaft Dortmund-Großbarop Bauer Wilhelm Ostermann Ein echt westfälisches Bauernherz hat zu früh aufgehört zu schlagen. Uns allen war er ein Vorbild der Tugend und Pflichterfüllung. Er war einer unserer Besten. Kreisbauernschaft Dortmund Petersmann. Kreisbauernführer. Nachruf! Am 22. Januar 1936 verschied unerwartet unser Gefolgschaftsmitglied und Arbeitskamerad Herr Gustav Kix Nahezu 22 Jahre— seit Bestehen unserer Gesellschaft— diente der Verstorbene in gewissenhafter Pflichterfüllung und als guter Arbeitskamerad unserem Werk. Wir verlieren in ihm einen treuen, zuverlässigen Mitarbeiter, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Führer und Gefolgschaft der Dortmunder Mühlenwerke Aktiengesellschaft Am 22. Januar 1936 verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Mitarbeiter, der Zeitungsbote Heinrich Heidemann Wir betrauern in dem Heimgegangenen einen aufrichtigen deutschen Mann, der seine Pflicht stets treu erfüllte. Annen, den 22. Januar 1936. Führer und Gefolgschaft der Westfälischen Landeszeitung Rote Erde Hauptagentur W. Wulff, Annen. Unser junges Gefolgschaftsmitglied Herr Franz Mar wurde uns durch den Tod nach schwerer Krankheit genommen. Während seiner kurzen Tätigkeit bei uns tat er stets mit Eifer seine Pflicht. Wir bedauern seinen allzufrühen Heimgang und werden sein Andenken in Ehren halten. Dortmund, den 23. Januar 1936. Kairo Kattee-Import und Rösterei Wenn Liebe könnte Wunder tun Und Tränen dich erwecken. So würde dich gewiß nicht schon, Die kühle Erde decken. Am 22. Januar, 17.30 Uhr starb nach kurzem, schwerem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater. Schwiegervater, Bruder, Schwager, Onkel und Vetter Reichsbahnsekretär Richard Brenneke im Alter von 59 Jahren. In tiefem Schmerz im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Witwe Laura Brenneke geb. Seepe nebst Kindern Dortmund, den 22. Januar 1936. Die Beerdigung findet statt Montag, den 27. Januar. vormittags 11 Uhr in Berghofen. Omnibus ab 10 Uhr Dortmund. Tannenbergstraße 2. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen unseren lieben Sohn, Bruder. Schwager und Onkel I. Nachruf Am 22. d. M. verstarb unser Gefolg. schaftsmitglied Gustav Wilhelm im Alter von 28 Jahren. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen bewährten und allseitig geschätzten Arbeitskameraden, dem wir stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. Führer und Gefolgschaft der Klöckner-Werke A.-G., Abteilung Hasper Eisen- u. Stahlwerk. Nachruf! Am Dienstagmorgen verschied nach einem kurzen Krankenlager unser lieber Kamerad, der Sturmmann Gustav Wilhelm Sein Pflichtbewußtsein gegenüber seinem Führer und seine treue Kameradschaft zu uns sichern ihm übers Grab hinaus ein stetes Gedenken und Kommandierung zur Standarte Horst Nessels. Führer der Standarte 132 m. d. F. b. Theis. Standartenführer Führer des Sturmbanns I1/132 m. d. F. b. Escher. Obersturmbannführer Führer des Sturmes 5/132 m. d. F. b. Höfinghof, Sturmführer. nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 29 Jahren und 24 Tagen zu sich in sein Reich zu nehmen. Die trauernden Hinterbiiebenen. Witten-Stockum, den 22. Januar 1936. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmitlag um 4½ Uhr vom Trauerhause Stokkumerstraße 213 aus statt. Am 22. Januar 1936 verschied plötzlich und unerwartet der SA-Rottenführer Wir verlieren in ihm einen Kameraden, der stets seine Pflicht tat gegenüber Führer und Volk. Ein ehrendes Andenken werden wir ihm steis bewahren. Der Führer der Standarte 99 „Ruhr“ m. d. F. b. Büscher, Standarlenführer. Der Führer des Sturmbanns III 99 Möbl. Zimmer von Herrn im westl. Stadtteil Dortm, gesucht. Off. unt. F. Z. 9248 a. d. WoZ. Dortmund.( Suche Nähe Borsiaplatz 2 kl. od. 1 großes möbliert. Zimmer m Kochgelggenb. P. Pilst. Dim., Wambelerstr. 65. HLE Fachebepaar sucht gutgebende Wirtschaft Kasseewirtschaft oder Ausflugs= lokal auch ländl. 1. pacht. od. kauf. Ang. u. B. 3034 a. WLZ., Hagen. Obst= und Gemüse=Geschäft m. Zräum. Wohnung, weg. Erbschaft sofort zu verkauf. Erforderlich 650 Mark. Off. u. 853 a. d. Ortsvertr. Porsch Gelsenkirchen, am Heinrichsplatz.( Kapitalkr. Konditormeister sucht gutgebende Kondit. u. Café z. pacht. o. hierf. geeign, Lokal in aut. Lage. Ang. u. B. 3034 a d. WL3., Hagen. 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